scieee Science in your language
[en] (orig)
Wachstum von nicht- und semipolaren
InAlGaN-Heterostrukturen f¨ur hocheffizi-
ente Lichtemitter
vorgelegt von
Dipl. Phys. Tim Wernicke
K¨
othen
Von der Fakult¨
at II - Mathematik und Naturwissenschaften
der Technischen Universit¨
at Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
Dr. rer. nat.
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr. M. Lehmann
Berichter/Gutachter: Prof. Dr. M. Kneissl
Berichter/Gutachter: PD Dr. habil. M. Weyers
Tag der Wissenschaftlichen Aussprache: 15.07.2010
Berlin 2010
D 83
Inhaltsverzeichnis
1 Eigenschaften von nicht- und semipolaren GaN Schichten 1
1.1 Unterschiede der Symmetrie zwischen polaren, semipolaren und nicht-
polarenSchichten.............................. 3
1.2 DefekteinGaN ............................... 6
1.2.1 Versetzungen ............................ 7
1.2.2 Stapelfehler............................. 7
2 Experimentelle Methoden 9
2.1 Wachstumsmethoden............................ 9
2.2 Verwendete Methoden zur Analyse der GaN Schichten . . . . . . . . . 9
3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten 15
3.1 (11¯
20)a-plane GaN auf (10¯
12)r-plane Saphir . . . . . . . . . . . . . . 16
3.2 Semipolares (11¯
22)GaN auf m-plane Al2O3............... 23
3.3 m-plane GaN auf (100)γ-LiAlO2..................... 25
3.4 Vergleich mit (0001)c-planeGaN..................... 31
3.5 Defektstruktur nichtpolarer GaN Schichten . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.6 Bewertung f¨
ur die Herstellung von Baulementen . . . . . . . . . . . . 36
4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion 37
4.1 Einfluss der Streifenorientierung auf den Habitus und die Defektver-
teilung.................................... 40
4.2 Untersuchung der ELOG-Strukturen mit [1¯
100]orientierten Streifen . . 49
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
4.4 Hypothesen zur Entstehung von Basalfl¨
achenstapelfehlern . . . . . . . 63
4.5 Zusammenfassung ELOG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN
Substraten 67
5.1 Bauelementstrukturen auf nicht- und semipolaren GaN-Substraten . . 67
5.2 Substratcharakterisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
5.3 GaN-Pufferschichten auf m-plane, (11¯
22),(10¯
11)und (10¯
12)GaN
Substraten.................................. 70
5.4 InGaN Quantent¨
opfe............................ 76
5.4.1 Emissionswellenl¨
ange und Indiumeinbau . . . . . . . . . . . . 77
5.4.2 Ortsaufgel¨
oste Lumineszenz von semi- und nichtpolaren Quan-
tent¨
opfen .............................. 83
5.5 AlGaN Mantelschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
5.6 ErsteLaserstrukturen............................ 91
5.6.1 Optisch gepumpte Laserstrukturen . . . . . . . . . . . . . . . . 92
5.6.2 Elektrisch gepumpte Dioden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
5.7 Zusammenfassung Homoepitaxie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
6 Zusammenfassung und Ausblick 101
Literaturverzeichnis 111
II
Kapitel 1
Eigenschaften von nicht- und semipolaren GaN
Schichten
Bei vielen Halbleitern sind die Kristalleigenschaften anisotrop und die Oberfl¨
achen
und somit das Wachstum stark von der Kristallorientierung abh¨
angen. So kann zum
Beispiel eine bessere Anpassung der thermischen Ausdehnungskoeffizienten durch
die Wahl der Kristallorientierung erreicht werden. Beim GaN dominiert die Verwen-
dung der (0001)c-Ebene f¨
ur die Herstellung von Bauelementen (LEDs, Laserdioden,
Feldeffekttransistoren). Dies hat vor allem historische Gr¨
unde, da f¨
ur c-plane GaN zu-
erst qualitativ hochwertige Pufferschichten sowie die p-Dotierung entwickelt wurden
[1, 2, 3, 4]. F¨
ur die Entwicklung von GaN-Schichten auf anderen Kristallorientierung-
en gab es lange keinen Grund. Erst als erkannt wurde, dass Polarisationsfelder im
GaN einen entscheidenden Einfluss auf die Rekombinationsprozesse in optoelektro-
nischen Bauelementen haben, wurden Wege gesucht um diese zu reduzieren. Beim
Wachstum von GaN auf verschiedenen Kristallorientierungen stand anfangs vor al-
lem die Reduktion der Polarisationsfelder im Vordergrund [5]. Dies f¨
uhrte auch zur
Bezeichnung der nichtpolaren (keine Polarisationsfelder in Wachstumsrichtung) und
semipolaren (im Vergleich zu c-plane reduzierte Polarisationsfelder) Oberfl¨
achen. Im
Verlauf der Forschungsarbeiten sind auch andere Eigenschaften zu Tage getreten, die
die Verwendung der nicht- und semipolaren Nitride f¨
ur Bauelemente interessant ma-
chen. Da es neben der c-Ebene viele Orientierungen gibt, ist die entscheidende Frage:
Welche Orientierung ist am besten f¨
ur eine Anwendung in LEDs bzw. Laserstrukturen
geeignet. Neben den theoretisch vorhersagbaren Eigenschaften, z.B. der Polarisation,
spielen dabei auch praktische ¨
Uberlegungen eine Rolle, z.B. ob es Substrate f¨
ur diese
Orientierung gibt und wie groß das Wachstumsfenster f¨
ur bestimmte Schichten, z.B.
Quantent¨
opfe oder die Dotierung, ist.
Problematisch bei der Entwicklung von glatten GaN-Schichten nicht- und semipola-
rer Orientierung sind die Substrate. Der ¨
uberwiegende Teil der GaN-basierten Bau-
elemente, blaue LEDs, wird heteroepitaktisch auf einem Fremdsubstrat, auf c-plane
Saphir gewachsen. Um heteroepitaktisch glatte Schichten mit abweichender Kristal-
lorientierung zu erreichen, muss erst das richtige Substrat gefunden werden. Diese
Substrate und das Wachstum auf diesen kann sich stark von c-plane GaN auf c-plane
Saphir unterscheiden. In der vorliegenden Arbeit werden diese Probleme in Kap. 3
behandelt. Bei den klassischen III/V-Halbleitern ist das Wachstum auf homoepitak-
tischen Substraten ¨
ublich, da diese aus der Schmelze gezogen werden k¨
onnen. Die
2 1 Eigenschaften von nicht- und semipolaren GaN Schichten
Abbildung 1.1: Lage der
in der Arbeit untersuchten
Kristallebenen in der Ein-
heitszelle. Der Winkel θgibt
den Winkel zur c-Fl¨
ache an.
Wahl der Orientierung erfolgt dabei ¨
uber die Orientierung des Keims oder durch das
Schneiden des Volumenkristalls in der geeigneten Orientierung. Die Z¨
uchtung von
ausreichend großen GaN-Kristallen aus der Schmelze ist wegen des zu hohen Stick-
stoffpartialdrucks von 45 kbar bei der Schmelztemperatur 2500C nicht m¨
oglich [6].
Jedoch gelang es in den vergangenen Jahren mit HVPE (Hydridgasphasenepitaxie)
in c-Richtung gewachsene Volumenkristalle mit einer Dicke von 5–10 mm herzustel-
len [7, 8]. Aus diesen kann man Substrate beliebiger Orientierung schneiden. Das
Wachstum auf solchen Substraten wird in Kapitel 5 behandelt.
Homoepitaktische Substrate haben zwar eine geringe Defektdichte, aber sind wegen
der maximalen Dicke der c-plane HVPE-Kristalle maximal 10 mm breit. Heteroepi-
taktische Substrate f¨
uhren zu GaN Templates1mit 2-Durchmesser aber hoher De-
fektdichte. Wie man heteroepitaktische Templates mit 2-Durchmesser und mit ver-
ringerter Defektdichte erh¨
alt, beschreibt das Kapitel 4.
Das Ziel aller Materialforschung ist Herstellung von Bauelementen mit neuen oder
verbesserten Eigenschaften. Die Forschung an den nicht- und semipolaren Nitriden
steht noch am Anfang, so dass ersteinmal Strukturen und Prozesse soweit optimiert
werden m¨
ussen, um einen Vergleich mit den auf c-plane nach langer Optimierung
erreichten Eigenschaften zuzulassen. Dabei ist auch ein zentraler Punkt die Unter-
schiede zwischen Baulementen auf c-plane und anderen Orientierungen zu erfor-
schen. Die Evaluation der verschiedenen Templates ergab, dass die GaN-Substrate
die geringste Defektdichte bei guter Schichthomogenit¨
at bieten. Deswegen wurden
auf diesen Substraten Bauelementstrukturen entwickelt, wie es in Kap. 5.1 beschrie-
ben wird.
1Template bezeichnet ein Substrat mit einer GaN-Schicht, jedoch ohne aktive Schichten.
1.1 Unterschiede der Symmetrie zwischen polaren, semipolaren und nichtpolaren Schichten 3
Abbildung 1.2: Die theoretisch
berechnete Feldst¨
arke durch pie-
zoelektrische Grenzfl¨
achenla-
dungen in InGaN/GaN Quan-
tent¨
opfen h¨
angt vom In-Gehalt,
dem Winkel zur c-Ebene θund
den verwendeten piezoelektri-
schen Konstanten ab (Bernardini
et al. [9], Takeuchi et al. [10],
Ambacher et al. [11]). Grafik von
Feneberg et al. [12]
1.1 Unterschiede der Symmetrie zwischen polaren, semipolaren und
nichtpolaren Schichten
Die Lage der Ebene in der Einheitszelle ist f¨
ur ihre Eigenschaften wesentlich. Eine
Skizze der Wachstumsebenen, die in der Arbeit vorkommen, ist in Abb. 1.1 zu sehen.
F¨
ur die St¨
arke der Polarisationsfelder (siehe unten) ist der Winkel der Ebene zur c-
Fl¨
ache entscheidend. Neben der polaren c-Ebene sind die nichtpolare m- und a-Ebene
zu sehen, die beide in einem Winkel von 90° zur c-Ebene liegen. Sie sind gegeneinan-
der um 30° gekippt und haben verschiedene Atomanordnungen an der Oberfl¨
ache.
Wird die (10¯
10)m-Ebene in c-Richtung gekippt, erh¨
alt man die semipolaren (10¯
11)
und (10¯
12)Ebenen mit einem Winkel von 58° bzw. 43° (diese geh¨
oren zur [1¯
210]-
Zone). Wird die (11¯
20)a-Ebene in c-Richtung gekippt, erh¨
alt man die (11¯
22)Ebene
bei einem Winkel von 62° (diese geh¨
ort zur [1¯
100]-Zone). Obwohl die (10¯
11)und
die (11¯
22)mit 58° und 62° fast den gleichen Winkel zur c-Ebene haben, geh¨
oren sie
zu unterschiedlichen Zonen und unterscheiden z.B. in der Oberfl¨
achenmorphologie
(Kap. 5.3) sowie dem In-Einbau (Kap. 5.4).
Polarisationsfelder In III-N-Heterostrukturen gibt es ein spontanes und piezo-
elektrisches Feld entlang der c-Achse (andere Richtungen kommen aus Symmetrie-
gr¨
unden nicht in Frage) [13]. Im Vergleich zum GaAs-Materialsystem, wo es wegen
der kubischen Kristallstruktur keine spontane Polarisation und piezoelektrische Pola-
risation nur entlang [111]gibt, sind die piezoelektrischen Konstanten von (Al,Ga,In)N
um eine Gr¨
oßenordnung gr¨
oßer [14]. Durch einen Sprung der Polarisation an He-
terostrukturgrenzfl¨
achen entstehen Grenzfl¨
achenladungen, die ein elektrisches Feld
erzeugen. Die Feldst¨
arke betr¨
agt in c-plane In0.1Ga0.9N Quantent¨
opfen mit GaN-
Barrieren 1.9 MV/cm [12]. Bei semipolarem GaN verringert sich die Feldkompo-
nente senkrecht zur Oberfl¨
ache durch den Winkel zwischen der Oberfl¨
ache und
der c-Ebene und es entsteht eine In-plane-Feldkomponente, die in Richtung der c-
Achsenprojektion (c’-Richtung) zeigt [9, 10, 11, 12]. F¨
ur eine bestimmte semipolare
Orientierung k¨
onnen die Felder in Wachstumsrichtung verschwinden (siehe Kurven
von Takeuchi et al. und Ambacher et al. in Abb. 1.2). Ob und bei welchem Winkel θ
dieser Nulldurchgang auftritt h¨
angt von den Parametern f¨
ur die Berechnung ab. Bei
4 1 Eigenschaften von nicht- und semipolaren GaN Schichten
Abbildung 1.3:
Vergleich des Band-
profils eines 5 nm
GaN/AlGaN Quanten-
topfs a) mit (c-plane)
und b) ohne (m-plane)
piezoelektrische Fel-
der. Die Elektron- und
Lochwellenfunktionen
der Grundzust¨
ande sind
eingezeichnet. Grafik
von Waltereit et al. [5]
g¨
angigen Parameters¨
atzen liegt der Winkel f¨
ur dne Nulldurchgang zwischen 45° und
60°. Feneberg et al. [12] favorisieren den Parametersatz von Bernardini et al. [9],
da dieser am besten zu ihren experimentellen Ergebnissen passt. Nichtpolare Nitride
haben kein Feld in Wachstumsrichtung, da die c-Achse in der Ebene liegt.
Elektrische Felder ¨
uber Quantent¨
opfen bewirken eine Separation von Elektron- und
Lochwellenfunktion sowie eine Rotverschiebung [15] (siehe Abb. 1.3). Dieser Effekt
wird auch Quantum Confined Stark Effect (QCSE) genannt. Die hohen Feldst¨
arken in
c-plane Quantent¨
opfen von einigen MV/cm f¨
uhren zu einer Rotverschiebung in der
Gr¨
oßenordnung von hundert Millielektronenvolt [16] und einer Verl¨
angerung der
der strahlenden Rekombinationslebensdauer auf einige Nanosekunden [17]. Diese
Effekte nehmen mit dem Indiumgehalt und der Quantentopfbreite zu. Steigender
Indiumgehalt f¨
uhrt zu einer Vergr¨
oßerung der Gitterfehlanpassung, und damit der
piezoelektrischen Polarisation, die wiederum zu einer Vergr¨
oßerung der Feldst¨
arke
f¨
uhrt. Eine große Quantentopfbreite f¨
uhrt bei gleicher Feldst¨
arke wegen der Band-
verbiegung zu einer st¨
arkeren Rotverschiebung [17] und wegen der gr¨
oßeren Se-
paration der Elektron-Lochwellenfunktion zu einer l¨
angeren Rekombinationslebens-
dauer [17]. Bei hohen Ladungstr¨
agerdichten kommt es zur Abschirmung der Felder
[18]. F¨
ur nichtpolare Quantent¨
opfe wurde die Feldfreiheit nachgewiesen. Es wurde
eine sehr kurze strahlende Rekombinationslebensdauer beobachtet [19]. Eine Se-
rie von a-plane GaN/AlGaN-Quantent¨
opfen mit unterschiedlicher Dicke zeigt eine
Rotverschiebung, die allein durch die Quantisierung erkl¨
art werden kann und es
gibt keine Anzeichen von elektrischen Polarisationsfeldern [20]. Die Feldst¨
arke in
semipolaren Quantent¨
opfen wurde von Feneberg et al. gemessen und ist kleiner
als 400 kV/cm. Diese schw¨
acheren Felder werden schon bei niedrigeren Ladungs-
tr¨
agerdichten abgeschirmt als die Felder der c-plane Quantent¨
opfen. Daher zeigen
LEDs auf semipolaren Orientierungen eine verringerte Blauverschiebung mit stei-
gender Stromdichte als c-plane LEDs [21].
F¨
ur optoelektronische Bauelemente wirken sich die verringerten Polarisationsfelder
in nicht- und semipolaren Heterostrukturen positiv aus. Der Vorteil von verringer-
ten Feldern f¨
ur LEDs auf nicht- und semipolaren Orientierungen besteht in einer
k¨
urzeren strahlenden Rekombinationslebensdauer, was bei gleicher nichtstrahlender
Lebensdauer eine Steigerung der Effizienz zur Folge h¨
atte. Außerdem ist die La-
dungstr¨
agerdichte im Vergleich zu einer c-plane LED bei gleicher Stromdichte niedri-
ger, da die Rekombination schneller abl¨
auft. Da die Effizienz mit steigender Ladungs-
1.1 Unterschiede der Symmetrie zwischen polaren, semipolaren und nichtpolaren Schichten 5
dichte abnimmt (in der Literatur als Droop bekannt [22, 23]), w¨
urden nichtpolare
LEDs eine h¨
ohere Effizienz haben als vergleichbare c-plane LEDs. In Laserstrukturen
ist der Effekt der schw¨
acheren Felder nicht so dominierend, da die Felder selbst in
c-plane GaN bei hohen Ladungstr¨
agerdichten zum großen Teil abgeschirmt werden,
wie an der großen Blauverschiebung zwischen Niederanregungs-PL und Laserspek-
trum zu erkennen ist [24]. Insbesondere f¨
ur langwellige Emitter ist es wichtiger, ob
das Material auf den nicht- und semipolaren Orientierungen mit einer besseren kris-
tallinen Qualit¨
at gewachsen werden kann. Durch die schw¨
acheren Felder auf nicht-
und semipolarem GaN ist es m¨
oglich dickere Quantent¨
opfe, sowohl f¨
ur LEDs als auch
f¨
ur Laserstrukturen, zu wachsen. Auf c-plane GaN werden relativ d¨
unne Quantenfil-
me eingesetzt (3.5 nm bei 405 nm Emissionswellenl¨
ange, noch geringere Dicke f¨
ur
langwelligere Emitter), um die strahlende Lebensdauer in LEDs ausreichend kurz
zu halten und die Peakverbreiterung durch Quantentopffluktuationen (Indiumgehalt
und/oder Topfbreite) in Laserstrukturen zu verringern. In LEDs haben dicke Quan-
tent¨
opfe den Vorteil, dass die Ladungstr¨
agerdichte und damit der Effizienzverlust
bei hohen Ladungstr¨
agerdichten verringert werden. Das ist zwar auch mit mehreren
Quantent¨
opfen (MQWs) m¨
oglich. Bei MQWs ist es aber problematisch die L¨
ocher
gleichm¨
aßig ¨
uber alle Quantent¨
opfe zu verteilen, was bei einem dicken einzelnen
Quantentopf kein Problem ist [25]. In Laserstrukturen erh¨
ohen dicke Quantent¨
opfe
den ¨
Uberlapp der optischen Mode mit den Quantent¨
opfen und tragen durch ihren ho-
hen Brechungsindex zur F¨
uhrung der optischen Mode bei. Farrell et al. haben gezeigt,
dass Laseremission ohne Wellenleiter und mit einer GaN-Mantelschicht m¨
oglich ist
[26]. Dicke Quantent¨
opfe lassen sich nicht problemlos in langwelligen Emittern an-
wenden, da die kritische Schichtdicke f¨
ur bei dem notwendigen Indiumgehalt f¨
ur
gr¨
une Emission sehr klein ist und die Indiumfluktuationen mit steigender Quanten-
topfdicke zunehmen.
Anisotropie Die c-Achse ist die Achse h¨
ochster Symmetrie in der Wurtzit-Kristallstruktur.
Die c-plane Oberfl¨
ache ist durch die 3-z¨
ahlige Rotationssymmetrie isotrop. Da die
Kristallstruktur kein Inversionszentrum hat, folgt, dass alle semi- und nichtpolaren
Oberfl¨
achen eine 1-z¨
ahlige Symmetrie mit einer rechteckigen Einheitszelle haben. Al-
le Eigenschaften, d.h. thermische Ausdehnung, Brechungsindex, Elastizit¨
at etc. sind
nun anisotrop, d.h. von der Richtung auf der Oberfl¨
ache abh¨
angig. An semipolaren
LEDs wurde polarisierte Emission beobachtet [27]. Wegen der Symmetrie der ver-
schiedenen Lochwellenfunktionen im GaN (A- B- und C-Valenzband), erzeugen diese
bei Rekombination polarisiertes Licht. L¨
ocher der A- und B-Valenzb¨
ander erzeugen
bei Rekombination senkrecht zur c-Achse polarisiertes Licht. Das C-Valenzband f¨
uhrt
zu parallel zu c polarisiertem Licht [28, 29]. Da das C-Valenzband von A- und B-
B¨
andern durch das Kristallfeld separiert ist, ist es weniger besetzt. Bei Emission in
a-Richtung dominiert deswegen die Polarisation senkrecht zu c. Bei der Emission
aus InGaN Quantent¨
opfen gibt es zus¨
atzlich eine anisotrope Verspannung. Dies f¨
uhrt
zu einer Aufspaltung der A- und B-Loch-B¨
ander, so dass der Polarisationsgrad im
Vergleich zu unverspanntem GaN gr¨
oßer ist [30]. F¨
ur LEDs mit polarisierter Emissi-
on erscheint eine Verwendung bei der Hintergrundbeleuchtung in LCD-Bildschirmen
vielversprechend. Allerdings w¨
urde die Aufrauung der Oberfl¨
ache, die notwendig ist
6 1 Eigenschaften von nicht- und semipolaren GaN Schichten
um eine gute Extraktionseffizienz zu erreichen, die Polarisation stark st¨
oren.
Bei Laserstrukturen beeinflusst die Anisotropie der Emission den Gain in Abh¨
angig-
keit von der Resonatororientierung auf der Oberfl¨
ache. Hinzu kommt die Anisotropie
des Brechungsindexes. GaN ist doppelbrechend mit einem h¨
oheren Brechungsindex
f¨
ur Licht, dass parallel zu c polarisiert ist. Das f¨
uhrt zu einem h¨
oheren Gain in Resona-
toren, die parallel zu c-Richtung oder ihrer Projektion auf die Wachstumsoberfl¨
ache
ausgerichtet sind [31, 32]. Im Rahmen dieser Arbeit konnte dieser Zusammenhang
experimentell best¨
atigt werden (siehe Kap. 5.6.1). Die Berechnung von strukturell
identischen nichtpolaren und polaren Strukturen zeigt, dass der maximale Gain ent-
lang der c’ Richtung im Vergleich zum Gain in c-plane Resonatoren gr¨
oßer ist, der
minimalen Gain senkrecht zu c aber kleiner.
Welche Orientierung ist optimal? Die von der c-Ebene abweichenden Orientie-
rungen bieten die Chance, blau und gr¨
un emittierende optoelektronische Bauele-
mente zu verbessern. Ein Hauptgrund sind die reduzierten Polarisationsfelder in
Wachstumsrichtung. Diese bieten die Chance eine h¨
ohere Effizienz in LEDs durch
eine k¨
urzere Rekombinationslebensdauer und dickere Quantent¨
opfe zu erreichen.
Insbesondere f¨
ur die Herstellung von dimmbaren weißen LEDs ist es wichtig, dass
die Verschiebung der Emissionswellenl¨
ange weniger stark vom Pumpstrom abh¨
angt,
als bei c-plane LEDs. F¨
ur Laserstrukturen liegen die Vorteile nicht so offensichtlich
auf der Hand. Allein der Gain ist theoretisch h¨
oher als in c-plane Strukturen. Dies
k¨
onnte aber durch eine l¨
angere strahlende Rekombinationslebensdauer in c-plane
Strukturen, deren Felder nicht vollst¨
andig abgeschirmt sind, ausgeglichen werden.
Die optimale Orientierung aus theoretischer Sicht ist eine, bei der die Polarisati-
onsfelder m¨
oglichst klein sind. Die Schicht sollte also nichtpolar sein. Da schwache
Polarisationsfelder bei den Injektionsstr¨
omen von LEDs und Lasern abgeschirmt wer-
den, sind aber alle semipolaren Orientierungen mit einem Winkel θvon mehr als 40°
akzeptabel.
Diese theoretische Betrachtung ber¨
ucksichtigt nicht die praktischen Probleme beim
Wachstum von nicht- und semipolarem GaN. Diese sollen in dieser Arbeit f¨
ur ge-
eignete Substratorientierungen beleuchtet und vergleichen werden. Die Problematik
eines passenden Heterosubstrats ist Gegenstand von Kap. 3, w¨
ahrend das Wachstum
von Bauelementstrukturen in Kap. 5 f¨
ur unterschiedliche Orientierungen verglichen
wird.
1.2 Defekte in GaN
Aus der Literatur sind eine Reihe von Defekten bekannt, die in GaN-Schichten vor-
kommen. Der folgende Abschnitt gibt eine kurzen ¨
Uberblick ¨
uber die Eigenschaften
der ausgedehnten Defekte. Die ausgedehnten Defekte lassen sich mit Transmissi-
onselektronenmikroskopie (TEM) direkt abbilden (Kap. 2.2). Methoden, die auch
sensitiv auf die Defektstruktur sind R¨
ontgenbeugung (XRD, Kap. 2.2), Kathodolu-
mineszenz (CL, Kap. 2.2), selektives ¨
Atzen ([33]) und Rasterkraftmikroskopie bzw.
Rastertunnelmikroskopie (STM [34]).
1.2 Defekte in GaN 7
Abbildung 1.4:
Schematische Darstel-
lung der Typen von
basalen Stapelfehlern
[39]. In a) ist das un-
gest¨
orte Material zu
sehen. b) Zeigt den I1
Stapelfehler mit einer
kubischen ABC-Lage. c)
Zeigt den I2Stapelfeh-
ler mit zwei kubischen
Atomlagen und d) den
I3Stapelfehler mit 3
kubischen Lagen.
1.2.1 Versetzungen
Versetzungen sind Liniendefekte. Sie werden durch die Versetzungslinie und den
Burgersvektor charakterisiert [35]. Je nachdem ob der Burgersvektor parallel oder
senkrecht zur Versetzungslinie liegt, wird die Versetzung als Schrauben- oder Stu-
fenversetzung bezeichnet. Problematisch in GaN sind vor allem durchstoßende Ver-
setzungen, die die Schicht in Wachstumsrichtung von unten nach oben durchziehen.
Dabei sind in c-plane GaN die Burgersvektoren c, a und c+a beobachtet worden
(siehe Tabelle 1.1). Versetzungen k¨
onnen nicht im Festk¨
orper enden [35], sondern
m¨
ussen zur Oberfl¨
ache laufen oder Ringe bzw. Halbringe bilden. Man spricht auch
von Annihilation, wenn zwei Versetzungen mit entgegengesetztem Burgersvektor in
Wachstumsrichtung zusammenlaufen und einen Versetzungsring bilden und so die
Dichte von Versetzungen reduziert wird. Dar¨
uber hinaus gibt es noch Partialver-
setzungen, bei denen der Burgersvektor kein ganzer Gittervektor ist, sondern der
Bruchteil eines Gittervektors. Partialversetzungen kommen nur als Begrenzung von
planaren Defekten vor (siehe unten).
Versetzungen wirken als nichtstrahlende Rekombinationszentren und st¨
oren die Lu-
mineszenz im GaN und in InGaN Quantenfilmen [36, 37]. Außerdem f¨
uhren sie zu
einer Verbreiterung der R¨
ontgenbeugungsrockingkurven [38]. Insbesondere bei ho-
hen optischen Leistungen in Laserdioden sind Versetzungen eine wichtige Ursache
f¨
ur die Degradation der Bauelemente.
1.2.2 Stapelfehler
Stapelfehler sind planare Defekte, bei denen in einer Ebene die Periodizit¨
at der Kris-
tallstruktur gest¨
ort ist. Stapelfehler kann man zum einen durch den Verschiebungs-
vektor charakterisieren. Das ist der Vektor, um den das Material an beiden Seiten
des Defekts verschoben ist. Außerdem wird der Defekt durch die Ebenen, auf de-
nen er vorkommt, charakterisiert. In GaN sind die Stapelfehler der Basalebene am
h¨
aufigsten. Von ihnen gibt es theoretisch vier verschiedene Typen: I1, I2, I3und ex-
trinsische Stapelfehler, die sich alle durch einen anderen Verschiebungsvektor aus-
8 1 Eigenschaften von nicht- und semipolaren GaN Schichten
Versetzung (V.) bStapelfehler R
Frank-Shokley-Partialv. 1
6<20¯
23 >I1, Abb. 1.4b 1
6<20¯
23 >
Shokley-Partialv. 1
3<1¯
100 >I2, Abb. 1.4c 1
3<1¯
100 >
I3, Abb. 1.4d
Frank-Partialv. 1
2<0001 >E1
2<0001 >
stair rod 1
6<10¯
10 >Prismatischer SF 1
2<10¯
11 >
zwischen PSF/BSF oder 1
6<3¯
2¯
10 >auf {11¯
20}-Ebenen
zwischen zwei BSF
ganze V. a 1
3<11¯
20 >
ganze V. a+c 1
3<11¯
23 >
ganze V. c <0001 >
Tabelle 1.1: ¨
Ubersicht ¨
uber Stapelfehler- und Versetzungstypen und deren Burgersvektor b
bzw. Verschiebungsvektor Rin GaN [40].
zeichnen (siehe Tabelle 1.1). Dort wo ein Stapelfehler endet, d.h. gest¨
ortes Material
in ungest¨
ortes Material ¨
ubergeht, muss sich eine Versetzung mit einem Burgersvektor
befinden, der dem Verschiebungsvektor des Stapelfehlers entspricht. Da die Verschie-
bungsvektoren von I1und I2keine ganzen Gittervektoren sind, sind diese Versetzun-
gen Partialversetzungen. Die planaren Defekte werden weiterhin durch ihre lokale
atomare Anordnung gekennzeichnet. So stellen die Basalfl¨
achenstapelfehler alle ei-
ne St¨
orung der hexagonalen ABABAB... Stapelung (Abb. 1.4a) durch das Einf¨
ugen
von kubisch koordinierten ABC-Ebenenfolgen dar (Abb. 1.4b-d). Der I1-Stapelfehler
hat eine kubisch koordinierte Ebene (Abb. b), der I2-Stapelfehler zwei (Abb. c), und
der I3-Stapelfehler drei kubisch koordinierte Ebenen (Abb. d). Experimentell wurden
bisher nur I1und I2Stapelfehler gefunden [40] wobei die I1-Stapelfehler wesentlich
h¨
aufiger sind. Dies h¨
angt mit der niedrigeren Bildungsenergie der I1-Stapelfehler
zusammen. Neben diesen Stapelfehlern gibt es auch prismatische Stapelfehler, die
auf den a- oder m-Fl¨
achen vorkommen. Auch Stapelfehler auf semipolaren Ebenen
wurden beobachtet. Der ¨
Ubergang von einem basalen in einen prismatischen Sta-
pelfehler ist m¨
oglich und f¨
uhrt zur Bildung einer stair rod an der Grenze beider
Defekte.
Da Stapelfehler aus kubisch koordinierten Atomlagen bestehen, haben sie eine klei-
nere Bandl¨
uckenenergie als die hexagonale Matrix. In der Literatur wird ein Typ II
Hetero¨
ubergang angenommen [41]. Da kubisches GaN außerdem keine spontante
Polarisation hat, liegt ein starkes Polarisationsfeld ¨
uber dieser quantentopfartigen
Struktur [41, 42]. Dies f¨
uhrt dazu, dass Elektronen im Stapelfehler und L¨
ocher an
der sticksoffpolaren Seite des Stapelfehlers gebunden werden k¨
onnen. Bei der Re-
kombination an einem I1Stapelfehler entsteht Licht mit einer Energie von 3.42 eV,
wie auch experimentell best¨
atigt wurde [43]. Die Lumineszenz der anderen Stapel-
fehlertypen sind nicht so gut theoretisch beschrieben und wegen ihrer geringeren
Bildungswahrscheinlichkeit nicht so intensiv untersucht worden.
Kapitel 2
Experimentelle Methoden
2.1 Wachstumsmethoden
¨
Ubliche Wachstumsmethoden zur Herstellung von GaN-Schichten sind metallorgani-
sche Gasphasenepitaxie (MOVPE), Hydrid-Gasphasenepitaxie (HVPE) und Moleku-
larstrahlepitaxie (MBE). Alle Proben in dieser Arbeit wurden mit MOVPE hergestellt.
Die Prozesse, die beim Kristallwachstum mit MOVPE ablaufen sind in [44] beschrie-
ben. Die Ausgangsstoffe (Precursorgase) sind Hydridverbindungen f¨
ur die Gruppe V
und metallorganische Verbindungen f¨
ur die Gruppe III-Atome. Sie werden mit einem
Tr¨
agergas (H2oder N2) in die Reaktorkammer geleitet, wo sie sich an der geheizten
Substratoberfl¨
ache zersetzen (Pyrolyse).
Auf der Kristalloberfl¨
ache k¨
onnen die Adatome (die durch Pyrolyse entstandenen
Kristallbestandteile) diffundieren und in den Kristall eingebaut werden oder desor-
bieren. Je nachdem wie stark die Bindung der Adatome zur Oberfl¨
ache ist, k¨
onnen
die Prozesse schnell oder langsam ablaufen. Eine h¨
ohere Temperatur verst¨
arkt die
Diffusion und die Desorption, aber verringert die Wahrscheinlichkeit, dass ein Atom
eingebaut wird. Auch die anderen Wachstumsparameter (Druck, Gesamtfluss, Ange-
bot an Precursoren und deren Verh¨
altnis) beeinflussen das Wachstum.
F¨
ur das Wachstum wurde eine AIX2600HT und eine AIX200/4 HT MOVPE-Anlage
verwendet. Die AIX2600 ist ein Multiwaferreaktor der das gleichzeitige ¨
Uberwachsen
von 11x2 Wafern erlaubt, w¨
ahrend die AIX200 ein Einzelwaferwaferreaktor ist.
Um das Wachstum zu ¨
uberwachen, wurde ein kombinierter In-situ-Pyrometer, -Re-
flektometer und -Kr¨
ummungssensor (EpicurveTT) verwendet (siehe S. 10).
Die GaN-Substrate (vgl. Kap. 5) sind deutlich kleiner als ein 2-Wafer. Deswegen wur-
den aus einem GaN-Template auf Saphir mit einem Laserscriber Masken geschnitten,
mit denen der Rest des Substrathalters abgedeckt wurde. Wegen der geringen Gr¨
oße
der Substrate war es nicht m¨
oglich Reflektivit¨
ats- oder Kr¨
ummungskurven f¨
ur die
Homoepitaxie auf GaN aufzuzeichnen.
2.2 Verwendete Methoden zur Analyse der GaN Schichten
Ob die mit MOVPE gewachsenen Schichten sich f¨
ur die Herstellung von Bauele-
menten eignen, muss durch geeignete Methoden bestimmt werden. Dazu wurden
10 2 Experimentelle Methoden
die Schichten mit Lichtmikroskopie, R¨
ontgenbeugung (XRD), Rasterelektronenmi-
kroskopie (REM), Kathodolumineszenz (CL), Transmissionselektronenmikroskopie,
Rasterkraftmikroskopie (AFM), Scanning Weißlichtinterferometrie (SWLI), Mikro-
Raman-Spektroskopie, Sekund¨
arionenspektroskopie (SIMS) und Hallmessungen in
der van der Pauw Geometrie untersucht. F¨
ur einige dieser Methoden gibt es, auch
im Bezug auf nichtpolare Nitride, beachtenswerte Besonderheiten, die im Folgenden
aufgef¨
uhrt werden.
In-situ-Messungen W¨
ahrend des Wachstums wird der Wafer mit verschiedenen
In-situ-Sensoren ¨
uberwacht, einem Pyrometer, einem Reflektometer und einem Kr¨
um-
mungssensor (Interpretation zusammen mit F. Brunner, V. Hoffmann und A. Knauer).
Das Pyrometer misst die Emission bei 950 nm und berechnet daraus die Tempe-
ratur des Wafertellers (das transparente Substrat emittiert nicht bei 950 nm). Die
Emissivit¨
at wird dabei nicht als bekannt vorausgesetzt, sondern durch Messung der
Reflektivit¨
at bei 950 nm bestimmt. Diese Methode gleicht sehr gut die Fabry-Perot-
Oszillationen aus, die beim Wachstum auf Fremdsubstraten in der Reflektivit¨
at und
im Pyrometersignal zu sehen sind. Allerdings m¨
ussen f¨
ur eine korrekte Bestimmung
der Temperatur die Wafer glatt sein, da Streulicht die Emissivit¨
atsmessung verf¨
alscht.
Mit der Reflektivit¨
at bei 950 nm kann beim heteroepitaktischen Wachstum durch
Fabry-Perot-Oszillationen sehr gut die Wachstumsrate hinreichend dicker Schichten
gefittet werden. Zus¨
atzlich zur Reflektivit¨
at bei 950 nm wird außerdem die Reflek-
tivit¨
at bei 405 nm gemessen. Das Signal kann auch zum Wachstumsratenfit, vor al-
lem von d¨
unneren Schichten verwendet werden. Da bei Wachstumstemperatur das
Licht bei 405 nm in GaN absorbiert wird, gibt es keine Fabry-Perot-Oszillationen
bei dickeren GaN Schichten und das Signal ist sehr oberfl¨
achensensitiv. Aufrau-
ung ist deutlicher sichtbar als im Signal der 950 nm Reflektivit¨
at und selbst sehr
d¨
unne Schichten, z.B. InGaN-Quantent¨
opfe, sind im Reflektivit¨
atssignal zu erken-
nen. Der Kr¨
ummungssensor bildet den Verspannungszustand des Schichtsystems ab.
Nach der Stoney-Gleichung [45] kr¨
ummt sich ein Schichtpaket wenn die Schich-
ten verspannt sind. Verspannungen k¨
onnen durch das pseudomorphe Aufwachsen
einer Schicht mit anderer Gitterkonstante, durch einen Temperaturgradienten zwi-
schen Vorder- und R¨
uckseite oder bei einer Temperatur¨
anderung auftreten, wenn
die Schichten unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben [46, 47]. Wenn die
obere Schicht im Stapel tensil gegen¨
uber dem Substrat verspannt ist, kr¨
ummt sich
der Wafer konkav (positiver Kr¨
ummungswert), wenn sie kompressiv verspannt ist,
ist die Kr¨
ummung konvex (negativer Kr¨
ummungswert). Der Kr¨
ummungswert ist der
reziproke Kr¨
ummungsradius (Radius einer Kugeloberfl¨
ache die mit dem Wafer iden-
tisch ist) und wird ¨
ublicherweise in km1angegeben. Beim Wachstum von pseu-
domorphen Schichten kann man anhand des Anstiegs des Kr¨
ummungssignals die
Gitterfehlanpassung bestimmen. Eine ¨
Anderung des Anstiegs, ist ein Zeichen f¨
ur Re-
laxation einer verspannten Schicht.
Die In-situ-Messungen sind ein wichtiges Werkzeug um das Wachstum zu untersu-
chen und zu optimieren.
2.2 Verwendete Methoden zur Analyse der GaN Schichten 11
R¨
ontgenbeugung Mit Hilfe der hochaufl¨
osenden R¨
ontgenbeugung (HRXRD) an
Kristallen kann aus der Verbreiterung der Reflexe auf die Kristallqualit¨
at einzelner
Schichten geschlossen werden [38]. Die Verkippung und Verdrehung von Kristall-
dom¨
anen (Mosaizit¨
at) vergr¨
oßert die Halbwertsbreite von symmetrischen und asym-
metrischen Reflexen. Aus der Messung der Halbwertsbreiten kann man f¨
ur c-plane
GaN die Versetzungsdichte bestimmen [38]. Wegen der Anisotropie in nicht- und
semipolaren Oberfl¨
achen, kann die Mosaizit¨
at anisotrop sein. Außerdem wird die
Halbwertsbreite bestimmter Reflexe durch die Anwesenheit von Stapelfehlern ver-
gr¨
oßert [48, 40].
Symmetrische Reflexe erf¨
ullen die Braggbedingung unabh¨
angig von der Waferrota-
tion. Daher kann man mit diesen Reflexen die Anisotropie der Mosaizit¨
at messen, in
dem man die Einfallsrichtung entlang verschiedener Kristallrichtungen w¨
ahlt.
Bei der Beugung an Heterostrukturen gibt es mehrere Beugungspeaks, aus denen
durch Vergleich mit einer Simulation auf die Zusammensetzung und die Dicke der
verschiedenen Schichten geschlossen werden kann [49]. Diese Methode kann f¨
ur
nicht- und semipolare Heterostrukturen nicht ohne weiteres angewendet werden.
Die Simulationsprogramme zum Fitten der R¨
ontgenbeugungskurven rechnen mit ei-
ner biaxialen Verspannung. Die Anisotropie der Gitterfehlanpassung und der elasti-
schen Konstanten f¨
uhrt zu einer Reduktion der Symmetrie [50], so dass unter die-
sen Umst¨
anden wesentlich mehr Reflexe zur Strukturbestimmung vermessen werden
m¨
ussen und die Fitprogramme nicht mehr genutzt werden k¨
onnen [51].
Die Proben wurden mit einem Philips MRD bzw. einem Philips X’Pert gemessen. F¨
ur
die Messung der Rockingkurven wurde am Detektor ein Schlitz mit einem ¨
Offnungswinkel
von 1verwendet.
Photolumineszenz, Mikrophotolumineszenz und Hochanregungsphotolumines-
zenz Bei der Photolumineszenz (PL) werden durch Laserstrahlung Elektron-Loch-
Paare erzeugt. Das Licht, dass bei der strahlenden Rekombination dieser Elektron-
Loch-Paare entsteht, wird durch ein Spektrometer und eine CCD-Kamera detektiert.
Aus der spektralen Position der Emission, kann man R¨
uckschl¨
usse auf den Rekombi-
nationsvorgang und damit auf die Materialeigenschaften ziehen.
An diesem einfachen Aufbau kann man viele Modifikationen und Erweiterungen
vornehmen, um mehr ¨
uber den Rekombinationsprozess zu erfahren. F¨
ur die Mes-
sungen wurden verschiedene Aufbauten verwendet. F¨
ur Temperatur- und leistungs-
abh¨
angige Messungen wurden He-Cd-Laser bzw. eine InGaN-Laserdiode mit einer
Linse auf einen ca. 100 µm großen Spot fokussiert. Bei einer maximalen Leistung
von 7 mW (100Wcm2) wurden 1017 cm3Ladungstr¨
ager erzeugt. F¨
ur Hochanre-
gungsmessungen wurde ein gepulster frequenzvervierfachter Nd:Yag-Laser (4.65eV,
266 nm) verwendet. Bei einer Fokussierung auf 10x1000 µm2wurden Leistungsdich-
ten zwischen 10 3000 kWcm2erreicht. Die Detektion erfolgte ¨
uber die Kante. Bei
Mikro-PL-Messungen (durchgef¨
uhrt von L. Schade, H.-J. M¨
ostel und U. Schwarz)
wurde ein Ar+-Ionen-Laser bei 3.27 eV (378 nm) mit einem Mikroskopobjektiv auf
0.4 µm fokussiert (Anregungsleistung 100 kWcm2) [52]. Die Lumineszenz wurde
auch durch das Mikroskopobjektiv gesammelt und mit einem Spektrometer detek-
tiert.
12 2 Experimentelle Methoden
Einen großen Einfluss auf die Lumineszenz hat die Anregungswellenl¨
ange, weil sie
bestimmt wo die Strahlung absorbiert wird. Bei Templates erfolgte die Anregung
oberhalb der GaN-Bandkante mit einem He-Cd-Laser bei 3.81 eV (325 nm). Bei Pro-
ben mit InGaN-Quantenfilmen kann man auch unterhalb der GaN-Bandkante mit
einer InGaN-Laserdiode bzw. einem Ar+-Ionen-Laser bei 3.27 eV (378 nm) anregen,
so dass Elektron-Loch-Paare nur in den Quantent¨
opfen angeregt werden (resonan-
te Anregung). Die resonante Anregung erlaubt eine einfachere Interpretation der
Ergebnisse. Bei der nichtresonanten Anregung diffundieren die Ladungstr¨
ager aus
dem Anregungsvolumen in die Quantent¨
opfe. Insbesondere bei temperatur- und leis-
tungsabh¨
angigen Messungen, kann die Intensit¨
at durch die Ladungstr¨
agerdiffusion
beeinflusst werden, was bei resonanter Anregung vermieden wird.
Temperaturabh¨
angige Messungen (durchgef¨
uhrt von C. Netzel und H. Lawrenz) er-
lauben eine Aussage ¨
uber die interne Quanteneffizienz [18]. Die interne Quanteneffi-
zienz beschreibt das Verh¨
altnis von strahlender und nichtstrahlender Rekombination.
Bei 10 K sind die thermisch aktivierten nichtstrahlenden Rekombinationskan¨
ale nicht
aktiv, so dass vor allem strahlende Rekombination auftritt. Bei steigender Temperatur
werden nichtstrahlende Rekombinationskan¨
ale aktiv und die Lumineszenzintensit¨
at
sinkt. Aus dem Verh¨
altnis von Raumtemperatur- und Tieftemperaturintensit¨
at kann
man dann die Quanteneffizienz berechnen.
Bei Hochanregungsphotolumineszenz (durchgef¨
uhrt von J. Rass) mit streifenf¨
ormiger
Anregung kann optisch gepumptes Lasing erreicht werden. Wenn auf der Probe kein
Resonator definiert ist, l¨
asst sich der Gain (die Verst¨
arkung) und verst¨
arkte spontane
Emission messen. Daf¨
ur wird eine Probe mit Quantenfilmen und einem Wellenlei-
ter ben¨
otigt. Durch den Wellenleiter wird das Licht parallel zur Probenoberfl¨
ache
geleitet und kann ¨
uber die Kante detektiert werden. Durch die Hochanregung wird
eine Besetzungsinversion in den Quantent¨
opfen erreicht. Dadurch ist die stimulierte
Emission st¨
arker als die Absorption und es kommt zur Verst¨
arkung. Wenn auf der
Probe ein Resonator definiert ist, z.B. durch Spalten der Probe, tritt Lasing auf, wenn
der Gewinn im Wellenleiter gr¨
oßer ist als die Absorptions-, Wellenleiter- und Spie-
gelverluste.
Mikrophotolumineszenz erlaubt die Abbildung von Fluktuationen der Emissionsener-
gie auf Submikrometerskala [52]. Im Gegensatz zur Kathodolumineszenz (CL) sind
bei der Mikrophotolumineszenz die Anregungs- und Detektionsvolumina identisch.
Daher hat die Ladungstr¨
agerdiffusion keinen großen Einfluss auf die Aufl¨
osung. Der
minimale Durchmesser von 400 nm auf den der Anregungslaser fokussiert werden
kann, ist aber mit der Aufl¨
osung der CL vergleichbar.
Kathodolumineszenz Bei der Kathodolumineszenz wird die Lumineszenz die in
einem Rasterelektronenmikroskop entsteht detektiert, so dass man ein ortsaufgel¨
ostes
Bild der Lumineszenz erh¨
alt (¨
uber alle Wellenl¨
angen integriert, panchromatische CL)
[53]. Mit Hilfe eines Spektrometers ist es m¨
oglich Spektren (in einem Punkt, bzw.
Bildausschnitt) und spektral gefilterte Bilder bei einer bestimmten Emissionsenergie
aufzunehmen (Mono-CL, durchgef¨
uhrt von U. Zeimer). Um die Intensit¨
at f¨
ur eine
solche Abbildung zu erh¨
ohen, wurde ein elliptischer Spiegel verwendet. Die Probe
ist dabei in einem Brennpunkt des Spiegels und der Schlitz den Monochromators im
2.2 Verwendete Methoden zur Analyse der GaN Schichten 13
anderen, so dass Licht aus dem halben Raumwinkel detektiert wird. Außerdem kom-
men in dieser Arbeit CL-Mappings vor (durchgef¨
uhrt von B. Bastek). Daf¨
ur wurde
mit einem speziellen Detektor an jedem Bildpunkt ein vollst¨
andiges Spektrum auf-
genommen [53]. Dies erm¨
oglicht es im Nachhinein beliebige monochromatische Ab-
bildungen und Spektren zu erstellen. Außerdem ist es m¨
oglich leichte Verschiebun-
gen der Peakenergie abzubilden, die bei der Mono-CL nur als Intensit¨
atsfluktuation
erscheinen w¨
urden. ¨
Ublicherweise werden die Mono-CL-Aufnahmen und panchro-
matischen Aufnahmen bei 77 K und CL-Mappings bei 4 K durchgef¨
uhrt, da dann die
Emissionslinien weniger verbreitert sind und die Intensit¨
at h¨
oher ist. Problematisch
ist bei diesen Temperaturen die Aufladung der Probe, da es nur sehr wenige freie
Ladungstr¨
ager gibt. Wenn sich die Probe aufl¨
adt, kann es zu einer Verzerrung des
Bildes kommen.
Die Aufl¨
osung ist zum einen durch die Gr¨
oße des Anregungsvolumens und durch die
Diffusionsl¨
ange der Ladungstr¨
ager gegeben. Das Anregungsvolumen wird durch die
Beschleunigungsspannung der Elektronen bestimmt und kann zwischen 200 nm bei
5 kV und 2 µm bei 30 kV variiert werden [54]. Die Diffusionsl¨
ange ist eine Materi-
aleigenschaft und wird durch die Rekombinationslebensdauer und der Diffusivit¨
at
der Exitonen bestimmt. Eine hohe Defektdichte (sowohl Punkt- als auch ausgedehn-
te Defekte) f¨
uhrt zu einer verk¨
urzten Lebensdauer und behindert die Diffusion. Wie
die CL-Bilder in Kap. 4 zeigen, wird typischerweise eine Aufl¨
osung von 200 nm
erreicht
Transmissionselektronenmikroskopie Bei der Transmissionselektronenmikros-
kopie wird die Probe mit hochenergetischen Elektronen (200 kV Beschleunigungs-
spannung) durchstrahlt (durchgef¨
uhrt von A. Mogilatenko, P. Veit, Z. Wu). Dabei
k¨
onnen verschiedene Kontrastmechanismen zur Abbildung verwendet werden. Ne-
ben der Abbildung kann man außerdem Beugungsaufnahmen erstellen, um die Pro-
benorientierung im Mikroskop und die Anregungsbedingungen zu ¨
uberpr¨
ufen. In
dieser Arbeit sind die Hochaufl¨
osungsabbildung und die Beugungskontrastabbildung
verwendet worden. Bei der Beugungskontrastabbildung wird ausgenutzt, dass nicht
alle Pobenorte die gleichen Netzebenenabst¨
ande haben. An Versetzungen sind die
Netzebenen verzerrt. Wenn in der Beugungsbildebene eine Blende auf einen Reflex
gesetzt wird und nur mit diesem Reflex eine Abbildung erfolgt, erscheinen Berei-
che hell, in denen die Beugungsbedingungen f¨
ur diesen Reflex erf¨
ullt sind. In der
N¨
ahe einer Versetzung ist das Gitter verzerrt und die Beugungsbedingung werden
nicht erf¨
ullt, so dass diese dunkel erscheinen. Da der Burgersvektor einer Versetzung
die Richtung der Gitterverzerrung bestimmt, sind Versetzungen in der Beugungs-
kontrastabbildung nur sichtbar wenn Burgersvektor bund Vektor des zur Abbildung
verwendeten Reflexes gnicht senkrecht zueinander sind (b·g6=0).
Auch planare Defekte sind in der Beugungskontrastabbildung sichtbar. Sie sind nicht
sichtbar, wenn das Skalarprodukt aus Verschiebungsvektor und Beugungsvektor ein
ganzzahliges Vielfaches ist (R·g=n). I1und I2Stapelfehler sind also beide mit
einem Beugungsvektor vom g=1¯
100 sichtbar, bei der Abbildung mit g=0002 aber
unsichtbar. Werden planare Defekte nicht Edge on (d.h. senkrecht zur Defektebene)
abgebildet, sieht man Kontrastoszillationen im Bereich des Defekts.
14 2 Experimentelle Methoden
Bei der Hochaufl¨
osungsabbildung wird mit m¨
oglichst vielen Reflexen abgebildet. Die
Probe muss dabei m¨
oglichst genau entlang einer niedrig indizierten Richtung orien-
tiert sein, damit ¨
ubereinander liegende Atome (in Atoms¨
aulen angeordnet) scharf
abgebildet werden k¨
onnen. Bei dieser Abbildungsart entsteht der Kontrast durch die
Interferenz der unterschiedlichen Reflexe. Dabei h¨
angt es von den Abbildungsbedin-
gungen ab, ob Atoms¨
aulen als dunkle oder helle Punkte erscheinen.
Scanning Weißlichtinterferometer Das Scanning Weißlichtinterferometer misst
die Oberfl¨
achenmorphologie ber¨
uhrungslos [55, 56, 57]. Dazu wird die Probe durch
ein Interferometerobjektiv mit weißem Licht beleuchtet und abgebildet [57]. Ein
Strahlteiler im Objektiv erzeugt einen Referenzstrahl, der dann mit dem reflektier-
ten Licht der Probe ¨
uberlagert wird. Durch Verwendung von Weißlicht ist die Ko-
h¨
arenzl¨
ange sehr kurz und damit auch der Bereich, in dem Interferenz auftritt. Ist
die Probe in der N¨
ahe der Fokush¨
ohe, gibt es Interferenz. Durch Variation der Fo-
kusposition mit einem Piezo-Scanner wird f¨
ur jeden Bildpunkt eine Intensit¨
atskurve
in Abh¨
angigkeit von der z-Position aufgezeichnet. Aus den Interferenzstreifen in der
N¨
ahe des Fokus kann nun die z-Position des Bildpunktes berechnet werden [56]. Die
laterale Aufl¨
osung des Scanning Weißlichtinterferometers entspricht einem Lichtmi-
kroskop und liegt bei dem verwendetem 50x-Objektiv bei 400 nm. Die z-Aufl¨
osung
liegt bei <1 nm [56]. Das abgebildete Areal kann durch das Zusammensetzen meh-
rerer Aufnahmen vergr¨
oßert werden, so dass Aufnahmen der gesamten Waferober-
fl¨
ache m¨
oglich sind und so auch deren Verkr¨
ummung bestimmt werden kann.
Mikro-Raman-Spektroskopie Bei der Ramanspektroskopie wird Anregungslicht
durch die Erzeugung oder Vernichtung von Phononen gestreut (durchgef¨
uhrt von T.
Brumme und G. Irmer). Dabei ¨
andert sich die Photonenenergie leicht. Diese ¨
Anderung
entspricht der Energie der erzeugten oder vernichteten Phononen. Das Phononen-
spektrum ist charakteristisch f¨
ur bestimmte Kristalle (Zusammensetzung und Struk-
tur). Auch die Kristallorientierung ist entscheidend, da durch Auswahlregeln eini-
ge Phononenbanden verboten sein k¨
onnen [58]. Die Phononenenergie reagiert sehr
stark auf Verspannung, so dass man durch die Verschiebung der Phononenbanden
die Verspannung im Kristall bestimmen kann. Dazu muss man die Lage der Pho-
nonenbanden im unverspannten Kristall kennen [59] und das Deformationspotenti-
al [60]. Analog zur Mikro-PL wurde bei der Mikro-Raman-Spektroskopie die Probe
durch ein Mikroskopobjektiv angeregt (0.5 µm Spotdurchmesser) und die Strahlung
detektiert. F¨
ur die Aufnahme von Ramanspektren wurde ein Horiba Yobin Labram
800 verwendet. F¨
ur die Anregung wurde ein frequenzverdoppelter Nd:Yag Laser bei
532 nm verwendet. Zur exakten Eichung der Wellenzahl wurde ein Si-Einkristall und
die Linie eine Hg-Lampe verwendet. Die absolute Genauigkeit der Wellenzahl des
gestreuten Lichts betr¨
agt somit 0.5 cm1und die Genauigkeit bei der Bestimmung
von Peak-zu-Peak-Abst¨
anden betr¨
agt 0.3 cm1.
Kapitel 3
Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren
GaN-Schichten
In dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung von nicht- und semipolaren GaN-Puf-
ferschichten auf verschiedenen Fremdsubstraten. Dabei soll eingesch¨
atzt werden, ob
sich diese Schichten als Pufferschicht von Bauelementen eignen. F¨
ur die Eignung als
Template f¨
ur Baulemente sind die Morphologie und die Kristallqualit¨
at entscheidend.
Auch die Orientierung der Schicht ist ein entscheidender Parameter. An geeigneten
Templates k¨
onnten die Teilschichten von Baulementen optimiert und unterschiedli-
che Orientierungen miteinander verglichen werden.
Abbildung 3.1: ¨
Ubersicht ¨
uber den Zusammenhang zwischen Substratmalerial und -
orientierung und der Orientierung der abgeschiedenen GaN-Schicht. Die blau hinterlegten
K¨
asten sind in dieser Arbeit untersuchte Substrate.
F¨
ur die heteroepitaktische Abscheidung von GaN gibt es eine Vielzahl von Substraten
und Substratorientierungen, die zu verschiedenen Orientierungen der GaN-Schicht
16 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
f¨
uhren (siehe Abb. 3.1). Im Rahmen dieser Arbeit wurden f¨
ur r-plane Saphir, m-plane
Saphir und (100)γ-LiAlO2Wachstumsprozesse entwickelt und die Schichten mit c-
plane GaN auf c-plane Saphir verglichen. Ein Grund f¨
ur die Auswahl der Substrate
ist deren Verf¨
ugbarkeit. a-plane oder m-plane SiC und Spinell sind nur in kleinen
Substratgr¨
oßen verf¨
ugbar. Zum anderen decken die verwendeten Substrate relativ
viele der heteroepitaktisch m¨
oglichen Orientierungen ab.
3.1 (11¯
20)a-plane GaN auf (10¯
12)r-plane Saphir
Die ersten Experimente wurden auf r-plane Saphir durchgef¨
uhrt. Aus der Literatur
war bekannt, dass man a-plane Wachstum analog zu c-plane GaN auf c-plane Saphir,
mit einem Mehrschrittwachstum bestehend aus Nukleation, Rekristallisierung und
Hochtemperaturpufferschicht erreichen kann [61]. Ausgehend vom c-plane Wachs-
tumsprozess wurden also Wachstumsparameter f¨
ur glatte Schichten gesucht. a-plane
GaN ist attraktiv f¨
ur die Reduktion der Polarisationsfelder, da die a-Ebene senkrecht
zur c-Ebene liegt und daher keine Polarisationsfelder in Wachstumrichtung auftre-
ten. Außerdem sind die Substrate leicht verf¨
ugbar und die Epitaxiebeziehung ist, im
Gegensatz zum Wachstum auf m-plane Saphir, eindeutig. Die Epitaxiebeziehung ist
dabei folgende [62]:
(10¯
12)Saphirk(11¯
20)GaN
[10¯
1¯
1]Saphirk[0001]GaN
[1¯
210]Saphirk[1¯
100]GaN
Diese Relation ist schon sehr lange bekannt, da neben c-plane auch r-plane Saphir ein
g¨
unstiges und leicht verf¨
ugbares Substrat ist. Die Entwicklung von Bauelementen auf
diesem Substrat war aber wegen der schlechten Morphologie im Vergleich zu c-plane
unattraktiv [63]. Erst die Suche nach einem Substrat f¨
ur nichtpolares GaN f¨
uhrte zur
Entwicklung glatter a-plane GaN-Schichten [61].
Planares Wachstum F¨
ur das Wachstum von a-plane GaN wurde der Nukleations-
prozess von c-plane GaN angepasst. Wichtigster Parameter f¨
ur das Wachstum ei-
ner glatten a-plane GaN Schicht ist der Druck. Wie aus der Transiente der In-situ-
Reflektionsmessung in Abb. 3.2a zu erkennen ist, sinkt die Reflektivit¨
at bei 400 mbar
schnell ab, das heißt die Schicht wird rau, wie auch die lichtmikroskopische Aufnah-
me in Abb. 3.2b zeigt. Bei c-plane GaN sinkt die Amplitude zu Anfang auch, da sich
auf der Nukleationsschicht dreidimensionale Inseln bilden. Diese koaleszieren aber
zu einer glatten c-plane Oberfl¨
ache, wie an den Oszillationen mit großer Amplitude
zu erkennen ist. Im Vergleich dazu lassen sich bei 100 mbar sehr gut Wachstums-
oszillationen f¨
ur a-plane GaN beobachten (Abb. 3.2c). Der Vergleich der lichtmi-
kroskopischen Aufnahmen zeigt, dass sich bei 400 mbar L¨
ocher ausbilden, die sich
w¨
arend des Wachstums der Pufferschicht nicht schließen (Abb. 3.2b & d). Wie auch
die ELOG-Versuche in Kap. 4 zeigen, l¨
asst sich schlussfolgern, dass die a-Ebene im
Vergleich zu den hier aufgetretenen semipolaren und m-Facetten eine h¨
ohere Wachs-
tumsrate besitzt, so dass Morphologiest¨
orungen nicht ausgeglichen sondern verst¨
arkt
3.1 (11¯
20)a-plane GaN auf (10¯
12)r-plane Saphir 17
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
1100.0
1200.0
1300.0
0 2000 4000 6000 8000
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
Temperatur (°C)
Reflektivität R
Zeit (s)
a−plane true temperature
a−plane R950 nm
c−plane true temperature
c−plane R950 nm
Heizen
Desorption
Nukleation
Buffer
(a) 400 mbar
(b)
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
1100.0
1200.0
0 2000 4000 6000 0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
Temperatur (°C)
Reflektivität R
Zeit (s)
true temperature
R405 nm
R950 nm
(c) 100 mbar
(d)
Abbildung 3.2: a) & c) In-situ-Transienten der Temperatur und Reflektivit¨
at vom Wachstum
einer a-plane GaN-Schicht auf r-plane Saphir bei einem Reaktordruck von a) 400 mbar und
c) 100 mbar. b) & d) Lichtmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
achen der Wafer aus a) und c).
werden. Bei der Absenkung des Drucks verringert sich der Wachstumsratenuntschied
der konkurrierenden Facetten, so dass planares Wachstum m¨
oglich ist.
Die Reflektionskurve eines Versuchs zur Verbesserung der Kristallqualit¨
at in Abb. 3.3
zeigt, dass selbst bei niedrigem Druck die a-Ebene etwas schneller w¨
achst als die kon-
kurrierenden Facetten: Analog zum Wachstumsprozess auf c-plane GaN wurde bei
diesem Versuch nach der Nukleation eine raue Schicht gewachsen, die anschließend
durch laterales Wachstum geschlossen werden sollte. Eine solche Prozessf¨
uhrung
f¨
uhrt auf c-plane GaN zu einer Verringerung der Versetzungsdichte [64, 65]: Verset-
zungen knicken beim dreidimensionalen Wachstum ab (vergl. Kap. 4.1) und k¨
onnen
so leichter annihilieren (vergl. 1.2.1). Außerdem entstehen dadurch gr¨
oßere In-
seln, die insgesamt weniger Kleinwinkelkorngrenzen und damit weniger durchsto-
18 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
1100.0
1200.0
0 2000 4000 6000 8000 10000
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
Temperatur (°C)
Reflektivität R
Zeit (s)
true temperature
R405 nm
R950 nm
(a)
(b)
Abbildung 3.3: a) In-situ-Transienten der Temperatur und Reflektivit¨
at vom Wachs-
tum einer a-plane GaN-Schicht auf r-plane Saphir mit einer Zweischrittpufferschicht
(400 mbar/100 mbar). b) Lichtmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
ache des Wafers aus a).
ßende Versetzungen erzeugen. Um große Inseln zu erzeugen wurde das Puffer-
schichtwachstum bei 400 mbar begonnen und anschließend der Druck auf 100 mbar
in 7 min abgesenkt. Das schnelle Absinken der Reflektivit¨
at zu Beginn des Wachs-
tums bei 400 mbar zeigt, dass in diesem Versuch die Schicht wie geplant schnell
aufraut. Im zweiten Schritt bei 100 mbar, wo zuvor glattes Wachstum m¨
oglich war,
wird die Schicht aber nicht glatt sondern erreicht eine maximale Reflektivit¨
at von
7% und zeigt wieder große L¨
ocher (siehe Abb. 3.3b). Auch in der Literatur finden
sich ¨
ahnliche Ergebnisse, die vor allem f¨
ur niedrigen Druck, hohe Temperaturen und
niedriges V/III-Verh¨
altnis eine geschlossene Oberfl¨
ache beschreiben [66].
Wachstumsbedingungen Das Rezept zum Wachstum von a-plane GaN Templa-
tes1¨
ahnelt dem typischen Rezept f¨
ur c-plane GaN. Nach einer Desorptionsphase
(50 mbar, 1200C), die der Reinigung des Substrats dient, wird auf Nukleationstem-
peratur abgek¨
uhlt und der Druck auf 200 mbar erh¨
oht. Bei den meisten Versuchen
wurde eine Nukleationstemperatur von 660Cverwendet. Eine Variation der Nuklea-
tionstemperatur zwischen 540Cund 670Chatte keinen Einfluss auf Morphologie,
Rissbildung und Kristallqualit¨
at. Nach der Nukleation wurde auf Wachstumstempera-
tur geheizt. In dieser Heizphase kommt es zu einer Rekristallisation der Nukleations-
schicht, so dass die Dauer m¨
oglicherweise einen Einfluss auf die Schichtqualit¨
at hat.
Die Wachstumstemperatur wurde zwischen 1200Cund 1270Cund der Druck zwi-
schen 50 und 400 mbar variiert. Typischerweise wurden die Pufferschichten 40 min
lang mit einer Rate von 2.6 µm/h bis zu einer Dicke von 1.8 µm gewachsen.
1Template bezeichnet ein Heterosubstrat mit einer GaN-Schicht, jedoch ohne aktive Schichten
3.1 (11¯
20)a-plane GaN auf (10¯
12)r-plane Saphir 19
Abbildung 3.4: SWLI-Aufnahmen von a-plane GaN Schichten auf a) on axis und b) 0.25
nach [0001]pr¨
azisionsverkipptem r-plane Saphirsubstrat.
101
102
103
104
−4000 −2000 0 2000 4000
Intensität (bel. Einheiten)
ω (")
|| m
|| c
Abbildung 3.5:
R¨
ontgenbeugungrockingkurven
eines a-plane Templates mit der
Beugungsebene parallel zur m-
bzw. c-Richtung der Probe.
Morphologie Eine genauere Analyse der Oberfl¨
ache zeigt eine lokale Rauigkeit
von 4.0 nm (10x10 µm2AFM). Auf gr¨
oßeren L¨
angenskalen findet man Wellen ent-
lang der m-Richtung und H¨
ugel, die entlang der c-Richtung ausgerichtet sind (vergl.
Abb. 3.4a). Die meisten H¨
ugel haben ein zur Oberfl¨
ache um 0.25verkipptes Pla-
tau. Die Verwendung eines um 0.25in c-Richtung verkippten Substrats sollte eine
Reduktion dieser H¨
ugel bewirken. Die Oberfl¨
ache eines solchen Templates ist in Abb.
3.4b zu sehen. Die H¨
ugelbildung ist deutlich unterdr¨
uckt aber im Gegenzug entste-
hen Risse, die alle parallel zur c-Richtung ausgerichtet sind. Die Rissdichte steigt
von 10 cm1f¨
ur unverkippte Substrate auf 100 cm1auf verkippten Substraten. Die
parallele Ausrichtung spricht f¨
ur eine anisotrope Verspannung (vergl. Kap. 3.1). Mit
einer Variation von Druck und Wachstumstemperatur konnte die Rissdichte zwar
verringert werden, gleichzeitig traten aber L¨
ocher auf.
Kristallqualit¨
at Die Kristallqualit¨
at ist eine Umschreibung f¨
ur die Dichte von De-
fekten, die die optischen und elektronischen Eigenschaften sowie die Morpholo-
gie beeinflussen (Vergl. Kap. 1.2). Oft wird die Halbwertsbreite der Rockingkur-
ve (RC-FWHM) als ein Maß f¨
ur die Kristallqualit¨
at benutzt (vergl. 2.2). Die RC-
FWHM des symmetrischen 11¯
20 Reflexes von a-plane GaN Templates ist anisotrop.
20 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
Abbildung 3.6: Tieftemperatur-
PL-Spektrum (10 K) einer a-
plane GaN Schicht auf r-plane
Saphir. Aufgenommen von
C. Netzel und H. Lawrenz.
101
102
103
104
105
3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5
Intensität (bel. Einheiten)
E (eV)
BSF
NBE
PSF
DAP
Abb. 3.5 zeigt, dass die Halbwertsbreite bei Einstrahlung entlang der c-Richtung
mit 2160 00 deutlich gr¨
oßer ist, als bei Einstrahlung entlang der m-Richtung (senk-
recht zur c-Richtung) mit 900 00. Die Vergr¨
oßerung der Halbwertsbreite wird durch
verschiedene Effekte verursacht [40]: F¨
ur eine anisotrope Verbreiterung der Peaks
kommen anisotroper Tilt (Mosaizit¨
at) und eine Verringerung der Koh¨
arenzl¨
ange
durch Dom¨
anenbildung in Frage. Bei der Gr¨
oße der Dom¨
anen und deren Verkip-
pung spielt die Nukleation und die Koaleszenz zu Beginn des Hochtemperaturwachs-
tums eine entscheidende Rolle. Wie zuvor beschrieben, planarisieren die a-plane
Schichten sofort bei Beginn des Hochtemperaturwachstums. Es bilden sich also keine
gr¨
oßeren Dom¨
anen mit geringer Mosaizit¨
at wie bei c-plane GaN. Durch die Anisotro-
pie der Wachstumsraten in m- und c-Richtung entstehen Inseln mit unterschiedlichen
Ausdehnungen, die zur anisotropen Rockingkurvenverbreiterung f¨
uhren (vgl. [67]).
Die gemessenen Halbwertsbreiten stimmen mit den Werten von Craven et al. [61]
¨
uberein. TEM-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Versetzungsdichte in diesen
Schichten 10x1010 cm2und die Stapelfehlerdichte 5x105cm1betr¨
agt (in Kap. 4
ausf¨
uhrlicher beschrieben).
Lumineszenzeigenschaften Bestimmte Defekte sind strahlende Rekombinations-
zentren und daher in PL-Spektren sichtbar. Das Auftreten bestimmert Defektbanden
zeigt eine hohe Dichte von Punktdefekten an [68]. Auch BSF k¨
onnen mit Hilfe der
PL identifiziert werden, da sie eine intensive Lumineszenz bei 3.42 eV (bei 10 K)
zeigen [42, 43, 69, 41]. In Verbindung mit der Lumineszenz bei 3.42 eV treten wei-
tere Peaks bei 3.33, 3.29, 3.22 und 3.12 eV auf. Dieses Lumineszenzbanden sind
auch in den Spektren der a-plane Templates in Abb. 3.6 zu sehen. Die Korrelation
mit Defekten wurde in der Literatur diskutiert, aber nicht abschließend gekl¨
art. Po-
tentielle Kandidaten f¨
ur diese Linien sind Donator-Akzeptor-Paar-¨
Uberg¨
ange (DAP)
[69], prismatische Stapelfehler (PSF) [43], Partialversetzungen (PD) [43] oder I2
Basalfl¨
achenstapelfehler [70]. Das Auftreten von weiteren Lumineszenzbanden un-
terhalb von 3.3 eV im Abstand von 90 meV spricht f¨
ur einen Donator-Akzeptor-
Paar¨
ubergang. Die Peaks k¨
onnten durch Phononenreplika erzeugt worden sein, die
entstehen, wenn bei der strahlenden Rekombination ein oder mehrere optische Pho-
3.1 (11¯
20)a-plane GaN auf (10¯
12)r-plane Saphir 21
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
1100.0
1200.0
0 2000 4000 6000 8000
−100
−50
0
50
100
150
200
250
Temperatur (°C)
Krümmungsradius (km−1)
Zeit (s)
a−plane true temperature
a−plane Krümmung
c−plane true temperature
c−plane Krümmung
Abbildung 3.7: Transienten der
In-situ-Kr¨
ummungsmessung des
Wachtums von c-plane und a-
plane Templates (Reflektivit¨
at
siehe Abb. 3.2).
Abbildung 3.8: Plan-view-REM-Aufnahme
von einem Riss an der Oberfl¨
ache eines a-
plane Templates. Der Riss wird ges¨
aumt von
zwei Factten, die deutlich glatter sind als die
a-plane Oberfl¨
ache.
nonen mit der Energie von 92 meV erzeugt werden [71]. Der DAP-¨
Ubergang hat ei-
ne hohe Wahrscheinlichkeit der Phononenwechselwirkung und ist daher eine wahr-
scheinliche Erkl¨
arung f¨
ur die Lumineszenz um 3.3 eV. Das Auftreten einer DAP-
Bande deutet auf eine relative hohe Konzentration von Punktdefekten oder eine
elektrische Aktivit¨
at von Versetzungen hin. Weitere Untersuchungen zu den Lumi-
neszenzeigenschaften von a-plane Proben sind im Kap. 4 zu finden.
Verspannung Beim Wachstum von GaN treten sowohl beim Wachstum als auch
beim Abk¨
uhlen des Templates Spannungen auf. W¨
ahrend des Wachstums kann mit
einem In-situ-Kr¨
ummungssensor (vgl. 2.1) die Kr¨
ummung gemessen werden, die
einen R¨
uckschluss auf den Verspannungszustand erlaubt [46, 47]. In Abb. 3.7 sind
die Kr¨
ummung eines c-plane und a-plane Templates zu sehen. Beim Hochheizen
¨
andert sich die Kr¨
ummung der unbewachsenen Substrate wegen des Temperatur-
unterschieds zwischen der geheizten Unterseite und der vom Gas gek¨
uhlten Ober-
seite. W¨
ahrend des Wachstums der Pufferschicht verkr¨
ummt sich die a-plane Schicht
mit zunehmender Schichtdicke konkav mit einem Anstieg von 3.75 km1min1. Ur-
sache ist eine tensile Verzerrung der Schicht, weil die Gitterfehlanpassung zum Sub-
strat nicht vollst¨
andig durch die Nukleationsschicht abgebaut wurde. Der Vergleich
mit einem c-plane Template zeigt, dass die Kr¨
ummung auf a-plane wesentlich st¨
arker
ist als auf c-plane, wo kein Anstieg der Kr¨
ummung mit der Wachstumszeit zu be-
22 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
obachten ist. Nach ca. 5500 s bei einer Kr¨
ummung von 150 km1erh¨
oht sich die
Schwankung des Signals und verringert sich der Anstieg. Dies deutet auf einen Ab-
bau der Verspannungsenergie durch Rissbildung hin. Ein weiterer Hinweis auf eine
Entstehung der Risse w¨
arend des Wachstums sind ausgebildete m-Facetten an den
R¨
andern der Risse wie Abb. 3.8 zeigt. Diese Facetten bilden sich w¨
arend des Wachs-
tums aus, da die m-Facette langsamer als die a-Facette w¨
achst (vgl. Kap. 4).
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
1100.0
1200.0
0 2000 4000 6000 8000 10000−0.1
−0.05
0
0.05
0.1
0.15
0.2
0.25
Temperatur (°C)
Krümmungsradius (m−1), Reflektivität
Zeit (s)
true temperature
R950 nm
Krümmung
Desorption
LT−GaN
HT−GaN
LT−AlN
HT−GaN
(a)
(b)
Abbildung 3.9: a) In-situ-Transienten der Temperatur und Reflektivit¨
at vom Wachstum einer
a-plane GaN-Schicht auf r-plane Saphir mit AlN-Zwischenschicht. Dabei bezeichnet LT-GaN
die Nukleationsschicht, HT-GaN die Pufferschicht und LT-AlN die Zwischenschicht. b) Licht-
mikroskopaufnahmen der Oberfl¨
ache des Wafers aus a).
Von c-plane GaN auf Si ist bekannt, dass Tieftemperatur-AlN-Zwischenschichten ten-
sile Verspannungen verringern k¨
onnen [72, 73]. Die In-situ-Kr¨
ummungsmessung ei-
nes a-plane Templates mit AlN-Zwischenschicht ist in Abb. 3.9a zu sehen. Die ma-
ximale Kr¨
ummung bleibt mit 80 km1deutlich unter dem Wert der Templates ohne
Zwischenschicht von 150 km1. Die Pufferschicht, die auf dem LT-AlN gewachsen
wird, ist nicht mehr tensil, sondern kompressiv verspannt. Die Kr¨
ummung nimmt
um 2.1 km1min1ab. Allerdings ist nach dem Wachstum der Zwischenschicht die
Amplitude der 950 nm Reflektivit¨
at deutlich niedriger als zuvor, was f¨
ur eine gr¨
oßere
Oberfl¨
achenrauigkeit spricht. Wie die Lichtmikroskopbilder nach dem Wachstum zei-
gen, gibt es keine Risse in der Schicht, aber es sind wieder die abgeflachten H¨
ugel
vorhanden (Abb. 3.9b).
Ebenfalls hat der Abk¨
uhlvorgang (sinkende Temperatur am Ende des Versuchs in
Abb. 3.7) Einfluss auf den Verspannungszustand der Schichten: Durch die unter-
schiedlichen thermischen Ausdehnungskoeffizienten von GaN und Saphir verringert
sich die Kr¨
ummung des Wafers. Da die Differenz der thermischen Ausdehnungsko-
effizienten in den In-plane-Richtungen (c-Richtung und m-Richtung) unterschied-
lich ist, kommt es zu einer anisotropen Verkr¨
ummung, wie die SWLI-Aufnahme ei-
nes ganzen Wafers in Abb. 3.10 zeigt: Der Wafer ist sattelf¨
ormig verkr¨
ummt mit
einer konvexen Kr¨
ummung von 170 km1in [0001]-Richtung und einer konkaven
3.2 Semipolares (11¯
22)GaN auf m-plane Al2O323
Abbildung 3.10: SWLI-Abbildung ei-
nes 2 a-plane Templates nach dem
Wachstum.
20 30 40 50 60 70 80
GaN 2112
Al
2
O
3
3030
(1013) GaN
Intensity (arb. units)
2
(2112) GaN
GaN 1013
Abbildung 3.11: Symmetrischer
ω/2θXRD scan um den
30¯
30Saphir Reflex f¨
ur eine (10¯
1¯
3)
und eine (2¯
1¯
12)orientierte GaN-
Schicht auf m-plane Saphir. Siehe
auch [75].
Kr¨
ummung von 50 km1in [1¯
100]-Richtung.
3.2 Semipolares (11¯
22)GaN auf m-plane Al2O3
m-plane Saphir erlaubt das Anwachsen von semipolar orientierten GaN Schichten,
insbesondere (11¯
22)und (10¯
13)(siehe Abb. 3.11 [74]). Die Epitaxiebeziehung f¨
ur
(11¯
22)entspricht der Relation f¨
ur a-plane GaN (vgl. Kap. 3.1):
(10¯
10)Saphirk(11¯
2¯
2)GaN
[0001]Saphirk[¯
1¯
123]GaN
[1¯
210]Saphirk[¯
1100]GaN
(10¯
12)Saphirk(2¯
1¯
10)GaN
Beim Wachstum von (10¯
13)orientiertem GaN gilt folgende Epitaxiebeziehung:
(10¯
10)Saphirk(10¯
1¯
3)GaN
[1¯
210]Saphirk[¯
3032]GaN
[0001]Saphirk[¯
12¯
10]GaN
24 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
Die Polarit¨
at wurde im Rahmen dieser Arbeit nicht bestimmt. Eine zuverl¨
assige Me-
thode ist die konvergente Elektronenbeugung, mit der in der Literatur die (11¯
22)
Schichten als galliumpolar [74, 76] und die (10¯
1¯
3)Schichten als stickstoffpolar iden-
tifiziert. F¨
ur die vorliegenden Untersuchungen wird dieselbe Polarit¨
at angenommen.
Da es zwei in der Literatur berichtete Orientierungen auf m-plane Saphir gibt, besteht
die Gefahr, dass die gewachsenen Schichten nicht phasenrein sind, d.h. Schichten
mit unterschiedlich orientierten Kristalliten entstehen. Die meisten Versuche erga-
ben eine vollst¨
andig (11¯
22)orientierte Schicht mit einem kleinen Anteil (10¯
1¯
3)was
mit ω/2θ-Scans gemessen wurde. Es wurde kein Parametersatz gefunden, mit dem
(10¯
1¯
3)orientierte Schichten reproduzierbar gewachsen werden konnten.
Die Oberfl¨
ache der (11¯
22)Schichten ist spiegelnd. Die R¨
ontgenanalyse best¨
atigt die
Epitaxiebeziehung. Bei einigen Wafern ist jedoch auch ein azimuthal um 180ge-
drehtes Aufwachsen zu finden. Eine genauere Analyse ergab, dass zwischen
(10¯
10)Saphir und (11¯
22)GaN eine Verkippung von 0.6in Richtung [0001]GaN existiert.
Von Baker et al. und Venn´
egu`
es et al. wurden ¨
ahnliche Werte gemessen [74, 76].
(a) SWLI (b) AFM
Abbildung 3.12: Abbildung der Oberfl¨
ache eines (11¯
22)GaN Templates mit a) SWLI und b)
AFM. Siehe auch [75].
Morphologie Die Oberfl¨
ache zeigt im Gegensatz zu a-plane GaN keine Wellen und
H¨
ugel auf großen L¨
angenskalen (siehe Abb. 3.12). Mit dem AFM kann man jedoch
pfeilf¨
ormige Strukturen aufl¨
osen (siehe Abb. 3.12). Sie sind in [¯
1¯
123]GaN Richtung
ausgerichtet, haben eine Stufenh¨
ohe von 25 nm bei einer Periodizit¨
at von 400 nm in
[10¯
10]GaN. Die RMS-Rauigkeit (10 ×10 µm2AFM) ist daher mit 15 nm im Vergleich
zu a-plane und c-plane GaN relativ groß.
Die Strukturen sind relativ zur mittleren Oberfl¨
ache um 0.40.9 verkippt. Es
liegt die Vermutung nahe, dass die Oberfl¨
achenstruktur durch die Verkippung von
(10¯
10)Saphir und (2¯
1¯
12)GaN um 0.6entsteht.
Kristallqualit¨
at Wie auch bei a-plane GaN ist die Rockingkurvenhalbwertsbreite
des symmetrischen Reflexes von der Einstrahlrichtung abh¨
angig (vgl. Kap. 3.1). Die
3.3 m-plane GaN auf (100)γ-LiAlO225
2.9 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6
(2112) GaN
(2110) a-plane GaN
intensity (arb. units)
E (eV)
NBE
BSF
PSF
DAP
Abbildung 3.13: PL-Spektrum
(10 K) von (11¯
22)and (11¯
20)
GaN auf Saphir. Die identifizier-
ten Peaks sind im Text beschrie-
ben. Messung von C. Netzel und
H. Lawrenz, siehe [75]
Halbwertsbreite ist auch hier bei Einstrahlung entlang [0¯
110]mit 670 00 minimal und
bei Einstrahlung entlang [¯
1¯
123]mit 1590 00 maximal.
Lumineszenzeigenschaften Das Lumineszenzspektrum ¨
ahnelt dem Spektrum von
a-plane GaN auf r-plane Saphir sehr. Auch hier dominiert der BSF-Peak, w¨
arend
die bandkantennahe Lumineszenz stark unterdr¨
uckt ist. Neben diesen beiden sind
noch Peaks bei 3.37 eV, 3.31 ±0.01 eV und mit geringer werdender Energie immer
schw¨
acher werdende Peaks bei 3.23 ±0.03 eV, 3.12 ±0.02 eV und 3.02 ±0.02 eV
zu sehen. Diese Peaks werden in der Literatur prismatischen Stapelfehlern (PSF)
und Donator-Akzeptor-Paar-¨
Uberg¨
angen zugeschrieben [43, 69]. Letztere haben ei-
ne starke Phononenwechselwirkung und erzeugen die Phononenreplika im Abstand
von 90 meV bei 3.23 eV, 3.12 eV und 3.02 eV (vgl. Kapitel 3.1).
3.3 m-plane GaN auf (100)γ-LiAlO2
Die Epitaxiebeziehung f¨
ur m-plane GaN auf (100)γ-LiAlO2[77]:
(100)LiAlO2k(10¯
10)GaN
[001]LiAlO2k[¯
12¯
10]GaN
[010]LiAlO2k[0001]GaN
Die Gitterfehlanpassung betr¨
agt 0.3% entlang [0001]GaN und 1.7% entlang [¯
12¯
10]GaN
[77]. Solch eine geringe Gitterfehlanpassung erm¨
oglicht ein Wachstum ohne die auf
Saphir ¨
ubliche Niedertemperaturnukleationsschicht (siehe unten). Im Gegensatz zu
Saphir hat LiAlO2einige Eigenschaften, die f¨
ur das Wachstum von Bauelementen
problematisch sind.
Die Oberfl¨
ache ist wasserempfindlich. Bei Kontakt mit Wasser wird die Ober-
fl¨
ache angegriffen und es kommt zu einer deutlichen Erh¨
ohung der Ober-
fl¨
achenrauigkeit [78].
26 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
Abbildung 3.14: In-situ-
Reflektivit¨
atsmessung bei
405 nm und 950 nm eines 2-
Schritt-Wachstumsprozesses
von m-plane GaN auf LiAlO2-
Substrat. Parallel dazu ist
die Emissivit¨
atskorrigierte
pyrometrische Messung
der Oberfl¨
achentemperatur
des Substrathalters (true
temperature) abgebildet.
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
0 1000 2000 3000 4000 5000 0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
Temperatur (°C)
Reflektivität R
Zeit (s)
true temperature
R405 nm
R950 nm
Wasserstoff hat eine ¨
ahnliche degradierende Wirkung auf die Oberfl¨
ache [78,
79].
LiAlO2zersetzt sich ab einer Temperatur von 900C[80, 78].
Die thermischen Ausdehnungskoeffizienten von m-plane GaN sind wesentlich
kleiner als die von (100)LiAlO2(∆α =2.7 ×106K1parallel [0001]GaN und
∆α =10.6 ×106K1parallel [1¯
210]GaN [81, 82]). F¨
ur c-plane Saphir und
c-plane GaN sind die Werte ¨
ahnlicher (∆α =3.0 ×106K1[83, 82]. Dies
f¨
uhrt beim Abk¨
uhlen zu erheblichen Spannungen zwische LiAlO2-Substrat und
der GaN-Schicht.
LiAlO2wird nach dem Czochralskiverfahren aus der Schmelze gezogen. Um ei-
ne optimale Kristallqualit¨
at zu erreichen, muss der Kristall mit vergleichsweise
hoher Geschwindigkeit aus der Schmelze gezogen werden, was jedoch zu in-
trinsischen Spannungen f¨
uhrt. Zusammen mit den Spannungen, die in einem
Kaltwandreaktor durch die unterschiedliche Vorder- und R¨
uckseitentemperatur
des Wafers entstehen, kann es schon beim Heizen im Reaktor zum Wafer-
bruch kommen. Vor dem Wachstum hat der Wafer schon eine sehr starke Ver-
kr¨
ummung um 130 km1in [010]-Richtung und ist in [001]Richtung mit 2 km1
praktisch unverkr¨
ummt (siehe Seite 29).
Wachstumsprozess Um diesen Problemen gerecht zu werden, wurde ein Zwei-
schrittwachstumsprozess entwickelt. Aus der Literatur ist bekannt, dass vor dem
Wachstumsstart eine Nitridierug der Oberfl¨
ache bei Wachstumstemperatur zu ei-
ner Verbesserung der Kristallqualit¨
at und der Phasenreinheit der Schichten f¨
uhrt
[84]. Nach dem Hochheizen des Substrats unter N2(um Oberfl¨
achendegradation
zu vermeiden) wurde das Substrat mit Ammoniak nitridiert. Im Signal des In-situ-
Kr¨
ummungsmessers l¨
aßt sich w¨
ahrend der Nitridierung eine ¨
Anderung feststellen
(Abb. 3.15). Die Kr¨
ummungs¨
anderung des Wafers ist vermutlich auf eine Reakti-
on der Oberfl¨
ache mit dem Ammoniak bzw. den Stickstoff Ad-Atomen, die bei der
Zersetzung des Ammoniaks entstehen, zur¨
uck zu f¨
uhren. Die entstehende Schicht
3.3 m-plane GaN auf (100)γ-LiAlO227
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
500 1000 1500 2000 2500
−50.00
0.00
50.00
100.00
150.00
Temperatur (°C)
Krümmung (km−1)
Zeit (s)
Nitridierung N2 Buffer
true temperature
curvature value
Abbildung 3.15: In-situ-
Kr¨
ummungsmessung eines 2-
Schritt-Wachstumsprozesses
von m-plane GaN auf LiAlO2mit
6 min Nitridierung. Parallel dazu
ist die Substrathaltertemperatur
(true temperature) abgebildet.
hat eine andere Gitterkonstante als LiAlO2wobei ein Teil der Verspannung ¨
uber
Kr¨
ummung abgebaut wird. Nach ca. 6 min bleibt die Kr¨
ummung konstant, was
vermutlich bedeutet, dass die Reaktion mit der Oberfl¨
ache abgeschlossen ist. Beim
Wachstum von GaN auf 4 min lang nitridierten Substraten ist die XRD-RC-Halbwerts-
breite 75% der Halbwertsbreite von 2 min lang nitridierten Substraten und bei 6 min
Nitridierung sogar nur noch halb so groß.
Nach der Nitridierung wird, weiterhin mit N2als Tr¨
agergas, das TEGa-Ventil ge¨
offnet
und das Wachstum begonnen. An den Fabry-Perot-Oszillationen der Reflektivit¨
at
bei 950 nm und 405 nm in Abb. 3.14 kann man erkennen, dass die Schicht sofort
planar w¨
achst und nicht aufraut wie beim Anwachsen von c-plane GaN auf einer
GaN Nukleationsschicht. In der Literatur f¨
uhrten Nukleationsschichten zu keiner Ver-
besserung der Oberfl¨
ache oder der Kristallqualit¨
at [78, 84, 79]. Ein Variation der
Nitridierungs- und Wachstumstemperatur zeigt, dass Temperaturen ¨
uber 900C zu
gr¨
oßeren Halbwertsbreiten f¨
uhren. Wie schon bei a-plane und (11¯
22)GaN auf Sa-
phirsubstraten, sind auch bei m-plane GaN auf LiAlO2die Rockingkurvenhalbwerts-
breiten anisotrop. Die gr¨
oßere Halbwertbreite ist im allgemeinen in [1¯
210]GaN zu
finden.
Morphologie Die Morphologie der Schichten wurde mit Hilfe von Weißlichtinter-
ferometrie und AFM untersucht. Abb. 3.16 zeigt die Oberfl¨
ache einer 440 nm dicken
Schicht. Die Streifen ohne kristallographische Ausrichtung im SWLI-Bild stammen
von Poliersch¨
aden im Substrat, die beim ¨
Uberwachsen mit GaN sichtbar werden.
Insgesamt ist die Schicht mit einem RMS-Wert von 3.1 nm bei dieser Vergr¨
oßerung
sehr glatt. Die h¨
ohere Ortsaufl¨
osung des AFMs (Abb. 3.16, RMS 4.3 nm) zeigt zwei
Gruppen von Pits: Gr¨
oßere Pits mit einer geringeren Dichte und einer Tiefe von ca.
35 40 nm und kleinere Pits mit einer h¨
oheren Dichte und einer Tiefe von 12 nm.
Eine m¨
ogliche Erkl¨
arung ist, dass sich die Oberfl¨
ache nach dem Anwachsen der
Schicht noch nicht vollst¨
andig geschlossen hat. Dagegen spricht, dass in der In-situ-
Reflexionsmessung die Schicht makroskopisch glatt erscheint. Andererseits ist davon
aus zu gehen, dass das Anwachsen der Schicht mit Nukleationsinseln beginnt. Wenn
diese Inseln eine flache m-Facette an der Oberfl¨
ache haben, w¨
urde die Reflektivit¨
at
28 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
nicht wie bei c-plane, wo die Inseln schr¨
age (10¯
11)Facetten haben, beeintr¨
achtigt
werden. Eine geringe Adatom Beweglichkeit, z.B. durch Stickstoff als Tr¨
agergas und
relativ niedrige Temperaturen, w¨
urde das laterale Wachstum und damit die Koales-
zenz verz¨
ogern, so dass noch bei einer Dicke von 440 nm die Schicht nicht vollst¨
andig
geschlossen ist. M¨
oglich w¨
are auch eine verringerte Wachtumsrate an Defekten (ana-
log zu V-Pits in c-plane GaN). Die verschiedenen Pit-Gr¨
oßen k¨
onnten dabei ihre Ur-
sache in unterschiedlichen Versetzungstypen haben. Diese w¨
urden mit steigender
Schichtdicke gr¨
oßer werden. Da die Pits aber bei gr¨
oßeren Schichtdicken (siehe fol-
gender Abstatz) nicht mehr zu sehen sind, ist wohl eher die verz¨
ogerte Koaleszenz
Ursache der Pits. Um die Koaleszenz zu beschleunigen, w¨
aren Wachstumsbedingun-
gen w¨
unschenswert, die eine g¨
oßere Adatombeweglichkeit erm¨
oglichen, d.h. mit
Wasserstoff als Tr¨
agergas und bei h¨
oheren Temperaturen, was aber im Kontrast zu
der begrenzten Stabilit¨
at der LiAlO2-Substrate steht.
Abbildung 3.16: a) SWLI und b) AFM Abbildung (10 ×10 µm) der Oberfl¨
achenstruktur
einer 440 nm dicken m-plane GaN Schicht auf LiAlO2. F¨
ur die SWLI-Abbildung wurde die
Kr¨
ummung des Wafers subtrahiert.
3-Schritt-Wachstumsprozess Die Limitierung der Wachstumsparameter auf
900C und Stickstoff als Tr¨
agergas ist nicht optimal. Ein Wachstum bei h¨
oherer
Temperatur und mit Wasserstoff als Tr¨
agergas k¨
onnte zu einer besseren Kristall-
qualit¨
at und Morphologie f¨
uhren. Um die Substratoberfl¨
ache nicht zu sch¨
adigen,
wird das Zweischrittwachstum beibehalten und ein Hochtemperaturschritt mit H2
als Tr¨
agergas hinzugef¨
ugt. Nach einer 150 nm dicken Schicht unter N2-Atmosp¨
are
wurden noch 950 nm unter H2bei erh¨
ohter Temperatur abgeschieden. Gegen Ende
des Wachstums fiel die Reflektivit¨
at bei 405 nm. Dieser Abfall zeigt eine Aufrauung
der Oberfl¨
ache an, da bei einer rauhen Schicht das Licht gestreut und nicht zur¨
uck
zum Messkopf reflektiert wird.
Morphologie des 3-Schritt-Wachstumsprozesses Die Morphologie der dicke-
ren Schichten unterscheidet sich maßgeblich von den d¨
unneren mit 2-Schritt-Prozess
gewachsenen Schichten. Wie die AFM-Abb. 3.17b zeigt, ist die Schicht mit einem
RMS-Wert von 12 nm vergleichsweise rau. Die hervorstehenden Strukturen sind H¨
ugel
(Abb. 3.17a), die sich bevorzugt an Polierriefen bilden. Bei h¨
oherer Temperatur ha-
3.3 m-plane GaN auf (100)γ-LiAlO229
Abbildung 3.17: a) Lichmitkoskop- und b)AFM Abbildung (10 ×10 µm) der Ober-
fl¨
achestruktur einer 1100 nm dicken m-plane GaN Schicht auf LiAlO2(3-Schritt-Wachstum).
ben die H¨
ugel eine pyramidale Form, in vielen F¨
allen sind sie aber abgerundet. Die
H¨
ugel sind langgezogen mit einer gr¨
oßeren Ausdehnung in [1¯
210]Richtung. Hier ist
eine Analogie zu m-plane GaN Schichten auf m-plane Substrat zu sehen (vgl. 5.3).
Die H¨
ugel haben Seitenwinkel von 1in [0001]und 0.2in [1¯
210]und eine Dich-
te von 1 ×105cm2. Das bevorzugte Auftreten der H¨
ugel an Polierriefen legt einen
Zusammenhang mit Defekten nahe. Das AFM-Bild in Abb. 3.17 zeigt Streifen paral-
lel der [0001]Richtung. Sie haben eine Stufenh¨
ohe von 2 6 nm und einer Dichte
von 2×104cm1(mittlerer Abstand von 500 nm). Die Stufen scheinen zuf¨
allig nach
oben oder unten zu gehen, so dass es sich nicht um Step-bunching handeln kann, bei
dem alle Stufen die selbe Richtung h¨
atten. Das AFM-Bild zeigt den Beginn bzw. das
Verschwinden weniger Stufen, woraus man schließen kann, dass die Stufen deut-
lich l¨
anger als 10 µm sind. Die RMS-Rauigkeit von 12 nm (10 ×10 µm2AFM) wird
nicht durch die Stufen sondern von den Undulationen (den H¨
ugeln, die bei niedrige-
ren Vergr¨
oßerungen zu erkennen sind) in [0001]-Richtung dominiert. Solche Streifen
sind einzigartig und weder f¨
ur das Wachstum auf SiC oder auf Saphir bekannt.
Anisotrope Verkr ¨ummung der Substrate Wie zuvor angesprochen, sind das Sub-
strat und die Schicht anisotrop verkr¨
ummt. In Fig. 3.18 ist die Kr¨
ummung des Wa-
fers w¨
ahrend des Wachstums dargestellt. F¨
ur die Messung der minimalen und ma-
ximalen Kr¨
ummung des Wafers wurde die Mittelung ¨
uber mehrere Messpunkte aus-
geschaltet, so dass immer zuf¨
allig ein Wert zwischen der minimalen und maxima-
le Kr¨
ummung gemessen wurde. Aus der Einh¨
ullenden der Transiente konnte dann
die minimale und maximale Kr¨
ummung und so auch deren Anisotropie extrahiert
werden. Diese Methode erm¨
oglicht nicht die Messung des Winkels, bei dem die
Kr¨
ummung extremal wird. Da sich die thermische Ausdehnungskoeffizienten und
Elastizit¨
atskonstanten am st¨
arksten in den niedrig indizierten Richtungen unterschei-
den, ist die maximale und minimale Kr¨
ummung immer bei diesen zu finden, wie mit
Ex-situ-Methoden (SWLI und Alpha-Step) gemessen wurde.
Vor dem Wachstum ist der Wafer bereits anisotrop verkr¨
ummt. Die maximale Kr¨
um-
30 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
Abbildung 3.18: In-
situ-Kr¨
ummungs-
messung der maxi-
malen und minima-
len Kr¨
ummung eines
2”LiAlO2Substrats auf
dem eine 1 µm dicke
m-plane GaN-Schicht
mit einem 2-Schritt-
Wachstumsprozess ge-
wachsen wurde. Par-
allel dazu ist die true
temperature abgebildet.
400.0
500.0
600.0
700.0
800.0
900.0
1000.0
2000 4000 6000 8000 10000
−100.00
−50.00
0.00
50.00
100.00
150.00
200.00
Temperatur (°C)
Krümmung (km−1)
Zeit (s)
true temperature
min. Krümmung
max. Krümmung
durschn. Krümmung
mung liegt in [010]LiAlO2Richtung, w¨
ahrend die minimale Kr¨
ummung in der senk-
recht dazu liegenden [001]LiAlO2Richtung befindet. Es ist in Abb. 3.18 zu sehen, dass
die mittlere Kr¨
ummung mit steigender Temperatur zunimmt, w¨
ahrend die Aniso-
tropie abnimmt. In Folge der Nitridierung kommt es erst zu einer Verringerung der
Kr¨
ummung, die beim Heizen auf Wachstumstemperatur wieder ansteigt. An diesem
Punkt ist die Anisotropie am kleinsten. In den ersten 500 s des Wachstums, also bis
zu einer Dicke von 60 nm, bleibt die mittlere Kr¨
ummung konstant.In den folgen-
den 2200 s gibt es dagegen eine starke Kr¨
ummungs¨
anderung. Sowohl minimale als
auch maximale konkave Kr¨
ummung verringern sich. Das heißt, dass die GaN-Schicht
kompressiv verspannt ist. Ab einer Dicke von 330 nm (2700 s nach Beginn des Wachs-
tums) bleibt die Kr¨
ummung ungef¨
ahr konstant. Gleichzeitig nehmen die Schwankun-
gen des minimalen und maximalen Kr¨
ummungswertes zu. Ein ungef¨
ahr konstantes
Kr¨
ummungssignal bedeutet, dass die Schicht unverspannt w¨
achst. W¨
are sie n¨
amlich
verspannt, w¨
urde die Erh¨
ohung der Schichtdicke zu einer Kr¨
ummungs¨
anderung f¨
uh-
ren. Da die Schicht zuvor verspannt gewachsen ist, muss die Schicht durch Genera-
tion von Defekten relaxiert sein.
Zur beobachteten Relaxation passt eine stark ansteigende Rockingkurvenhalbwerts-
breite zwischen 150 und 440 nm Schichtdicke (Abb. 3.19). Die anisotrope Verbreite-
rung bei Einstrahlung parallel [1¯
210]spricht f¨
ur eine Vergr¨
oßerung der Mosaizit¨
at,
d.h. des Tilts, in dieser Richtung. Außerdem sind ab ca. 440 nm, dann deutlicher bei
1000 nm Dicke die Oberfl¨
achenstufen zu beobachten (vgl. Abb. 3.17). Ein Aufrauen
der Schicht beim Wachstum von kompressiv verspannten Schichten ist insbesondere
f¨
ur InGaN auf GaN bekannt [85]. Die Erh¨
ohung der Rauigkeit wird wahrscheinlich
durch die starke kompressive Verspannung und durch die neu generierten Defek-
te ausgel¨
ost. Gegen Ende des Wachstums gibt es starke Schwankungen im Signal
der maximalen Kr¨
ummung, w¨
arend die minimale Kr¨
ummung konstant bleibt. Es ist
m¨
oglich, dass die Schicht in dieser Richtung erneut verspannt w¨
achst und anschlie-
ßend wieder relaxiert. Nach dem Wachstum k¨
uhlt der Reaktor ab, wodurch sich
der Temperaturunterschied zwischen Vorder- und R¨
uckseite verringert. Die Verrin-
3.4 Vergleich mit (0001)c-plane GaN 31
100 1000
100
1000
|| [0001]
|| [1210]
Halbwertsbreite (")
Schichtdicke (nm)
Abbildung 3.19:
Halbwertsbreiten der Rocking-
kurven des symmetrischen Re-
flexes mit azimuthalen Winkeln
von 0 und 90f¨
ur verschiedene
Schichtdicken. Siehe [39].
gerung der termisch induzierten Spannung w¨
urde den Wafer in den urspr¨
unglichen
Zustand zur¨
uckkehren lassen, aber die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten
von LiAlO2und GaN verst¨
arken die konvexe Kr¨
ummung. Nach dem Wachstum haben
sich die Richtungen der maximalen und minimalen Anisotropie nicht ge¨
andert. Ma-
ximale Kr¨
ummung ist in [010]LiAlO2bzw. [0001]GaN zu finden, w¨
arend die minimale
Kr¨
ummung in [001]LiAlO2bzw. [¯
12¯
10]GaN liegt.
3.4 Vergleich mit (0001)c-plane GaN
Nach dem alle nicht- und semipolaren Templates beschrieben wurden, muss man
deren Eigenschaften mit einer Referenz vergleichen, um ihre Qualit¨
at einsch¨
atzen
zu k¨
onnen. Dazu bieten sich c-plane GaN Templates an. Der Wachstumsprozess von
c-plane GaN auf c-plane Saphir ist gut verstanden und liefert GaN-Schichten, die
zur Herstellung von Bauelementen tauglich sind. Auf c-plane Templates des FBH
wurden HEMTs und elektrisch gepumpte Laserdioden realisiert. Die typische Ober-
fl¨
achenrauigkeit der Schichten betr¨
agt 0.5 nm (5x5µm AFM) bzw. 50 nm (100 ×
100 µm SWLI). Die Halbwertsbreite der 0002 und 30¯
32 Rockingkurven (RC-FWHM)
sind 270” und 370”. Die Dichte der durchstoßenden Versetzungen wurde mit De-
fekt¨
atzen und Berechnung aus der XRD-FWHM auf ca. 2 ×109cm2abgesch¨
atzt
[38].
Morphologie Der Vergleich der Morphologie von c-plane und den nicht- und se-
mipolaren Templates zeigt, dass die Rauigkeit bei einem 100 ×140 µm2-SWLI-Scan
durchaus vergleichbar ist, aber insbesondere bei 10 ×10 µm2die c-plane-Schichten
deutlich glatter sind als alle nicht- und semipolaren Schichten.
Kristallqualit¨
at c-plane GaN Schichten auf c-plane Saphir haben mit 270” eine ver-
gleichweise kleine Rockingkurvenhalbwertsbreite des symmetrischen Reflexes. Le-
diglich bei 150 nm d¨
unnen m-plane GaN-Schichten auf LiAlO2wurden auch Rocking-
kurvenhalbwertsbreiten von 200” gemessen. a-plane, (11¯
22)und dickere m-plane
32 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
GaN-Schichten zeigen deutlich gr¨
oßere Halbwertsbreiten (je nach Eintrahlrichtung
bis zu 2000”, 1500” bzw. 2000”). Außerdem ist die Halbwertsbreite der c-plane GaN
Templates isotrop wie auch die der d¨
unnen m-plane GaN-Schichten auf LiAlO2. Die
anderen Proben zeigen eine durch Mosaizit¨
at verursachte Anisotropie.
Verspannung und Kr¨ummung c-plane Templates sind wie a-plane und (11¯
22)
Templates bei Wachstumstemperatur tensil verspannt. Die Kr¨
ummung ist bei Wachs-
tumstemperatur bei einer Schichtdicke von 1.8 µm mit 50 km1deutlich kleiner als
bei a-plane Temlates und vergleichbar mit der Kr¨
ummung von (11¯
22)-Templates auf
m-plane Saphir. Die st¨
arkere Kr¨
ummung von a-plane und m-plane GaN macht die-
se Templates weniger attraktiv f¨
ur Baulemente. Eine zu große Kr¨
ummung macht die
Prozessierung von Baulementen unm¨
oglich. Die tensile Verspannung von a-plane-
Schichten senkt außerdem die kritische Schichtdicke f¨
ur AlGaN-Cladding-Schichten
(vgl. Kap. 5.1). Die starke kompressive Verspannung der m-plane Schichten kann
zum Bruch der Substrate f¨
uhren und erschwert es, Strukturen reproduzierbar zu
wachsen.
Die deutlich gr¨
oßeren Rockingkurvenhalbwertsbreite deuten auf eine h¨
ohere De-
fektdichte der nicht- und semipolaren Schichten hin. Auch große Oberfl¨
achenrauigkeit
wird vermutlich durch die ausgedehnten Defekte und Verspannung zum Fremdsub-
strat erzeugt, da sp¨
atere ELOG-Untersuchungen (S. 51) und das Wachstum auf GaN-
Bulk Substraten (Kap. 5.3) zeigen, dass defektarme Schichten mikroskopisch glatt
sind. Eine Untersuchung der Defektstruktur mit TEM k¨
onnte kl¨
aren, inwieweit sich
die Defektstruktur der nicht- und semipolaren Templates sich von c-plane unteschei-
det.
3.5 Defektstruktur nichtpolarer GaN Schichten
Bei der Defektstruktur in den nicht- und semipolaren Templates gibt es einige Ge-
meinsamkeiten mit c-plane GaN. So gibt es in allen Schichten durchstoßende Verset-
zungen. Im Gegensatz zu c-plane findet man aber in allen nicht- und semipolaren
Schichten Basalfl¨
achenstapelfehler. Im Folgenden werden TEM-Untersuchungen an
m-plane GaN auf LiAlO2und a-plane GaN auf Saphir vorgestellt.
Defekte in m-plane GaN auf LiAlO2Eine m-plane GaN Schicht auf LiAlO2wur-
de im mit TEM untersucht. Abb. 3.20 zeigt die drei ausgedehnten Defekttypen, die
in m-plane GaN auf LiAlO2zu finden sind: Versetzungen, basale Stapelfehler und
planare Defekte auf verschiedenen Kristallebenen. Die Defekte lassen sich durch die
unterschiedlichen Reflexe, bei denen sie bei der Abbildung sichtbar sind, identifizie-
ren. Die durchstoßenden Versetzungen sind vor allem in der Abbildung mit einem
Beugungsvektor von g=11¯
20 zu sehen und haben eine Dichte von 3 ×109cm2.
Auch bei einem Beugungsvektor von g=10¯
10 sind Versetzungen als schwarze
Punkte und an ihrem Verspannungfeld zu erkennen. Deutlich st¨
arker treten aber Ba-
salfl¨
achenstapelfehler hervor. Sie kommen auch in anderen nicht- und semipolaren
GaN-Schichten vor (z.B. a-plane GaN S. 3.5). Stapelfehler sind im Beugungskontrast
3.5 Defektstruktur nichtpolarer GaN Schichten 33
Abbildung 3.20: Plan-view TEM Hellfeldabbildungen im Zweistrahlfall nahe der 10¯
10-
Zonenachse einer m-plane GaN-Schicht auf LiAlO2(3-Schritt-Prozess). Aufnahmen mit a)
Beugungsvektor g=0002 zeigen vor planare Defekte, b) Beugungsvektor g=11¯
20 zeigen
durchstoßende Versetzungen (Grenzen und Stapelfehler) und c) Beugungsvektor g=10¯
10
zeigen vor allem Basalfl¨
achenstapelfehler (BSF) vom Typ I1. Aufgenommen von A. Mogila-
tenko.) Siehe [39].
sichtbar, wenn das Skalarprodukt von Beugungsvektor gund Verschiebungsvektor R
(vgl. Kap. 1.2.2) nicht ganzzahlig ist. Die hier beobachteten Stapelfehler sind rela-
tiv kurz (500nm) und haben verglichen mit a-plane GaN (S. 3.5 und [61]) und
(11¯
22)GaN [76] auf Saphir eine sehr niedrige Dichte von 3 ×104cm1.
Abbildung 3.21: Querschnitts TEM Hochaufl¨
osungsabbildung eines Basal-
fl¨
achenstapelfehlers entlang der 11¯
20-Zonenachse in m-plane GaN auf LiAlO2. Aufge-
nommen von A. Mogilatenko. Siehe [39].
Die HRTEM-Abbildung (Abb. 3.21) zeigt einen I1Stapelfehler. Die eine kubisch ko-
ordinierte ABC-Atomlage des I1-Stapelfehlers ist im vergr¨
oßerten Bildausschnitt zu
sehen. Es wurden in den m-plane orientierten Schichten ausschließlich Stapelfehler
vom Typ I1gefunden. Es ist aber auch m¨
oglich, dass andere Stapelfehlertypen eine
sehr geringe Dichte haben und deswegen nicht beobachtet wurden. Das ist konsis-
tent mit den Ergebnissen von GaN-Schichten auf r-plane Saphir [40]. Die meisten
Stapelfehler werden von Partialversetzungen begrenzt (weiße Pfeile in Abb. 3.20c).
In wenigen F¨
allen werden zwei basale Stapelfehler durch einen prismatischen Sta-
pelfehler verbunden (schwarzer Pfeil links oben in Abb. 3.20c). Die Dichte der Par-
tialversetzungen bei einer durchschnittlichen Stapelfehlerl¨
ange von 500 nm betr¨
agt
34 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
Abbildung 3.22:
Querschnitts TEM Hoch-
aufl¨
osungsabbildung ei-
nes planaren Defekts und
eines Stapelfehlers in m-
plane GaN auf LiAlO2.
Aufgenommen von A.
Mogilatenko. Siehe [39].
1.2×109cm2. Dies ist ungef¨
ahr die H¨
alfte aller Versetzungen in der Schicht. Im Ge-
gensatz zu semipolarem GaN auf Saphir [76] sind die Partialverstzungen nicht domi-
nierend, sondern es gibt auch eine relativ große Anzahl von ganzen Versetzungen.
Der dritte Defekttyp in m-plane GaN auf LiAlO2ist in Abb. 3.20a zu sehen: Es han-
delt sich um Defekte, die vor allem bei einer Abbildung mit dem 0002 Reflex sichtbar
sind und eine Dichte von 2 ×104cm1. Diese Defekte sind wie die Stapelfehler ein
planarer (zweidimensionaler) Defekt, zu erkennen an den Dickenoszillationen, die
bei planaren Defekten auftreten, wenn sie nicht Edge on abgebildet werden. Da
dieser Defekt nur bei der Abbildung mit dem 0002 Reflex zu sehen ist, muss der
Verschiebungsvektor in [0001]Richtung liegen wie auch mit HRTEM gezeigt wurde.
Im Gegensatz zu den Basalfl¨
achenstapelfehlern kommen diese Defekte nicht auf der
Basalebene aber auf verschiedenen anderen Ebenen vor. In der Plan-view-Abbildung
bilden sie geschlossene Ringe (mit einer komplizierten Form) ohne sich zu verzwei-
gen oder in Partialversetzungen zu terminieren. Die Entstehung dieser Defektstruk-
tur kann man erkl¨
aren, wenn es zwei um 1/2[0001]verschobene Nukleationspl¨
atze
gibt (vgl. [5]): Bei der Nukleation w¨
urden zuf¨
allig Inseln auf Platz I oder II entstehen.
Sie k¨
onnen defektfrei koaleszieren, wenn sie auf ¨
aquivalenten Pl¨
atzen entstehen. Im
Falle von verschobenen Nukleationspl¨
atzen wird ein planarer Defekt mit einem Ver-
schiebungsvektor von 1/2[0001]gebildet.
Die hochaufl¨
osende Abbildung 3.22 zeigt einen planaren Defekt und einen Stapel-
fehler im Querschnitt. Das Besondere an der Abbildung ist, dass Stapelfehler und
planarer Defekt sich nicht kreuzen, sondern der Stapelfehler an dem Defekt beginnt.
Es k¨
onnte also sein, dass Stapelfehler an den planaren Defekten erzeugt werden.
Bisher ist dieser Meachnismus zur Generation von Stapelfehlern unbekannt. Ein De-
fekttyp, der die Generation weiterer Defekte erm¨
oglicht oder erleichtert ist nicht
w¨
unschenswert f¨
ur das Wachstum von Baulementen. Das macht, neben der starken
Erh¨
ohung der Mosaizit¨
at durch Relaxation oberhalb 300 nm und dem erh¨
ohten Sau-
erstoffeinbau durch Zersetzung des Substrats, LiAlO2 als Substrat unattraktiv.
3.5 Defektstruktur nichtpolarer GaN Schichten 35
Abbildung 3.23: Beugungskontrast Plan-view-TEM-Abbildung einer a-plane GaN-Schicht
auf r-plane Saphir mit den Beugungsvektoren a) g=1¯
100 (Stapelfehler), b) g=0002
(Partialversetzungen), c) g=¯
2110 (Schraubenversetzungen). Im Inset von Abb. a) ist ei-
ne HRTEM-Abbildung, die einen I1-Stapelfehler zeigt, der in einer Partialversetzung endet.
Aufgenommen von Z. Wu. Siehe [86].
Defekte in a-plane GaN Von 30 µm dickem a-plane GaN auf r-plane Saphir wur-
den Plan-view-TEM-Aufnahmen unter verschiedenen Beugungsbedingungen ange-
fertigt (Abb. 3.23). Mit dem 1¯
100 Reflex sind die Stapelfehler sichtbar. Die Stapel-
fehlerdichte liegt zwischen 4×105cm1und 1×106cm1. Die Hochaufl¨
osungs-TEM-
Aufnahme im Inset zeigt einen I1Stapelfehler und wie er in einer Frank-Shockley-
Partialversetzung terminiert.
In Abb. b) mit g=0002 sind Partialversetzungen mit einer Dichte von 8 ×109cm2
zu sehen. Zusammen mit einer Stapelfehlerdichte von 4 ×105106cm1ist die
mittlere L¨
ange der Stapelfehler 0.75 2.5 µm.
In Abb. 3.23c kann man die Schraubenversetzungsdichte bestimmen zu 8×109cm2.
Die Gesamtversetzungsdichte (Schrauben und Partialversetzungen) im Seed ist da-
mit 1.6 ×1010 cm2und damit in der selben Gr¨
oßenordnung wie in der Literatur
[61]. Auch die Dichte der Stapelfehler ist identisch mit den Werten der Literatur.
Trotz einer Schichtdicke der untersuchten Probe von 30 µm haben Versetzungen sich
nicht ausgel¨
oscht und Stapelfehler sind nicht herauswachsen. Daraus folgt, dass f¨
ur
das heteroepitaktische Wachstum defektreduzierende Maßnahmen notwendig sind,
da die Defektdichte nicht ohne weiteres ¨
uber die Schichtdicke (wie bei c-plane GaN)
reduziert werden kann.
Zusammenfassung zur Defektstruktur in nichtpolaren Schichten Die TEM-
Untersuchungen haben gezeigt, dass die Defektdichte in heteroepitaktischen Schich-
ten sehr hoch ist.In nichtpolaren GaN-Schichten gibt es Basalfl¨
achenstapelfehler,
36 3 Heteroepitaktische Abscheidung von nichtpolaren GaN-Schichten
die c-plane GaN Templates nicht vorkommen. Sie haben eine sehr hohe Dichte von
3×104cm1 in m-plane GaN auf LiAlO2und 106cm1in a-plane GaN auf Sa-
phir. Die Dichte der durchstoßenden Versetzungen ist insbesondere f¨
ur a-plane GaN
auf Saphir mit 1.6 ×1010 cm2wesentlich h¨
oher als auf c-plane GaN. In m-plane
GaN gibt es zus¨
atzlich noch planare Defekte mit einer Dichte von 2 ×104cm1. Die
geringere Defektdichte auf m-plane GaN im Vergleich zu a-plane GaN erm¨
oglicht
wahrscheinlich die geringe Oberfl¨
achenrauigkeit und Rockingkurvenhalbwertsbrei-
ten bei d¨
unnen Schichtdicken (300 nm). F¨
ur dickere Schichten steigen Rauigkeit
und Rockingkurvenhalbwertsbreite wegen der Relaxation stark an.
3.6 Bewertung f¨ur die Herstellung von Baulementen
Es ist m¨
oglich heteroeptiaktisch nicht- und semipolare Templates herzustellen. Das
Hauptproblem beim Wachstum auf r-plane und m-plane Saphir sowie (100)LiAlO2
ist die hohe Defektdichten und die daraus resultierende Morphologie, die Rauig-
keitswerte deutlich ¨
uber dem Niveau von c-plane GaN zur Folge haben. Trotz dieser
hohen Defektdichten ist es m¨
oglich auf solchen Oberfl¨
achen LEDs herzustellen [87].
Diese haben dann aber wegen der schlechten Materialqualit¨
at sehr geringe Effizien-
zen. Um bessere LEDs und vielleicht sogar Laser herstellen zu k¨
onnen, m¨
ussen also
die Defektdichten reduziert werden. F¨
ur c-plane GaN gibt es dazu vor allem drei
Wege, die man f¨
ur die nichtpolaren Schichten versuchen k¨
onnte:
Das Wachstum von dickeren Schichten. F¨
ur c-plane GaN nimmt die Defekt-
dichte mit wachsender Schichticke ab, da Versetzungen mit entgegengesetzem
Burgersvektor anihilieren k¨
onnen. In nicht- und semipolaren Proben gibt es
aber nicht nur ganze Versetzungen sondern Stapelfehler, Partialversetzungen
und in m-plane GaN auf LiAlO2Dom¨
anengrenzen. Die Dichte dieser Defek-
te nimmt nicht oder nur wesentlich langsamer mit der Schichtdicke ab, wie
man an 300 µm dicken mit HVPE gewachsenem nichtpolaren GaN sehen kann
[88, 89].
Durch laterales ¨
Uberwachsen lassen sich die Defektdichten deutlich reduzieren.
Dieser Ansatz wird im folgenden Kapitel verfolgt (siehe Kap. 4).
Auf homoepitaktischen GaN Substraten k¨
onnen defektarme GaN-Schichten ge-
wachsen werden, wie in Kap. 5 dargestellt wird.
Kapitel 4
Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur
Defektreduktion
Wie in Kap. 3 beschrieben wurde, muss f¨
ur die Herstellung von effizienten LED- und
Laserstrukturen die Defektdichte der Templates reduziert werden. Die Versetzungs-
dichte m¨
usste wenigstens um eine Gr¨
oßenordnung auf 109cm2abgesenkt werden,
wenn man eine Diffusionsl¨
ange von 100 nm in a-plane InGaN annimmt [90]. Laser-
strukturen wurden auf c-plane Templates mit einer solchen Defektdichte hergestellt.
F¨
ur die maximale Dichte der Basalfl¨
achenstapelfehler gibt es keine Vergleichswerte.
Hier m¨
usste der Einfluss auf die Leistung in LED- und Laserstrukturen erst untersucht
werden.
Die Defektdichte l¨
asst sich durch laterales ¨
Uberwachsen verringern. Auf die GaN
Oberfl¨
ache wird hierzu eine Maske aufgebracht, durch deren ¨
Offnungen das GaN
nur auf einem Teil der Oberfl¨
ache weiterwachsen kann (vgl. Abb. 4.1d). Wichtig ist,
dass das Maskenmaterial bei Wachstumstemperatur stabil ist und es auf der Maske
Abbildung 4.1: Schema des ELOG-Prozesses.
38 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
nicht zur Keimbildung kommt. Nachdem das GaN durch die ¨
Offnungen (Window)
gewachsen ist, w¨
achst es nicht nur in der urspr¨
unglichen Wachstumsrichtung son-
dern auch seitlich ¨
uber die maskierte Fl¨
ache. Das lateral gewachsene Material (Wing)
ist meist versetzungs¨
armer und weniger verspannt als das koh¨
arent ¨
uber der Mas-
ken¨
offnung gewachsene Material (Windowregion), da es keinen direkten Kontakt
zum Substrat hat (Abb. 4.1e). Bei hinreichend langem Wachstum wird die gesam-
te Maskenfl¨
ache von GaN bedeckt (Koaleszenz) und kann bei geeigneten Wachs-
tumsparametern auch wieder planarisiert werden (volle Koaleszenz, Abb. 4.1f). Die
dann entstandene Schicht mit lokal oder insgesamt verringerter Defektdichte kann
zur Herstellung von Bauelementen verwendet werden.
Es gibt verschiedene M¨
oglichkeiten eine Maske herzustellen. Man unterscheidet zwi-
schen In-situ- und Ex-situ-Techniken, sowie zwischen lithografischen und por¨
osen
Masken. Bei den Ex-situ Techniken wird das Maskenmaterial außerhalb des Reaktors
auf ein Template aufgebracht (analog Abb. 4.1b), w¨
ahrend bei der In-situ-Technik ei-
ne por¨
ose Maske im Reaktor w¨
ahrend des Wachstums abgeschieden wird. Bei der li-
thografischen Strukturierung wird eine Maske (SiO2, SiN, WSiN) aufgebracht (Sput-
tern, plasmaverst¨
arkte Gasphasenabscheidung (PECVD)), und anschließend ge¨
atzt
(siehe Abb. 4.1c). Dabei sch¨
utzt ein lithografisch strukturierter Lack die Bereiche,
in denen die Maske stehen bleiben soll. Die ¨
Atzung kann nass- oder trockenche-
misch erfolgen. Durch die lithografische Strukturierung kann die Maskengeometrie,
die Orientierung der ¨
Offnungen, das Verh¨
altnis von ¨
Offnung zu Maske und die Pe-
riodizit¨
at der Maske frei gew¨
ahlt werden. Der Nachteil ist zum einen der gr¨
oßere
Aufwand als bei por¨
osen Masken und zum anderen die minimale Strukturgr¨
oße (bei
optischer Lithografie >0.5 µm). Wenn auch das Template oder das Substrat struktu-
riert werden sollen, folgt auf die ¨
Offnung der Maske ein weiterer ¨
Atzschritt, bei dem
das Template bzw. das Substrat ge¨
atzt werden. Ein solcher Schritt wird f¨
ur maskenlo-
ses ELOG (PENDEO) bzw. Seitenwand-ELOG (SLEO) ben¨
otigt. Je nach Bedarf wird
anschließend die Maske entfernt.
Um por¨
ose Masken herzustellen, wird ex-situ Cr, Ti oder Sc auf der Oberfl¨
ache abge-
schieden und diese Metallschicht in der Epitaxieanalge durch Reaktion mit NH3zu
Metallnitriden umgewandelt [91, 88, 92]. Am effektivsten scheint ScN Versetzungen
zu reduzieren, da es sehr kleine Masken¨
offnungen mit geringer Dichte produziert
[91].
In-situ kann eine por¨
ose Zwischenschicht aus SiN mit NH3und z.B. Silan gewachsen
werden [93]. Die Position, Gr¨
oße und das Maske-zu-¨
Offnungs-Verh¨
altnis l¨
asst sich,
wie bei allen por¨
osen Masken, bei diesem Prozess nur schwer kontrollieren. Die Pro-
zessf¨
uhrung ist aber deutlich einfacher als bei lithographischen Masken und und es
lassen sich mehrere SiN-Zwischenschichten in einem Template einf¨
ugen.
F¨
ur das laterale ¨
Uberwachsen wurden die a-plane GaN Templates verwendet, wie sie
in Kap. 3.1 beschrieben wurden. Die Templates weisen eine hohe Defektdichte von
1010 cm2durchstoßenden Versetzungen und 105cm1BSF auf. Es wurden gesput-
terte SiO2Masken (Dicke 100 nm) verwendet, die mit Kontaktlithographie struktu-
riert und mit ICP-¨
Atzung (inductively coupled plasma, aktives Gas SF6) ge¨
offnet
wurden. Eine Strukturierung von Substrat oder Template fand nicht statt. Die Mas-
kengeometrie bestand aus Streifen mit einer ¨
Offnung von 5 µm und einer Periodizit¨
at
von 15 µm (siehe Skizze in Abb. 4.2). Dabei ist eine Orientierung entlang verschie-
39
Abbildung 4.2: Skizze der Masken, die auf a-plane GaN Templates strukturiert wurden: Par-
allel [0001],[1¯
101]und [1¯
100]. Der angegebene Winkel ist der Winkel zur c-Richtung.
dener niedrig indizierter Richtungen m¨
oglich, was großen Einfluss auf die Verteilung
der Defekte in den ELOG-Streifen hat. F¨
ur die Untersuchungen wurden Streifenmas-
ken in [0001],[0¯
111]und [0¯
110](parallel, 45°, bzw. senkrecht zu [0001]) Richtung
hergestellt.
Das Ziel der ELOG-Versuche sind Templates mit reduzierter Defektdichte. Um Bauele-
mente darauf her zu stellen, m¨
ussen diese Templates glatt und frei von L¨
ochern sein
und m¨
oglichst große homogene Bereiche haben. Eine kleine Maskenperiode f¨
uhrt
zu einer schnellen Koaleszenz, sodass, im Vergleich zu einer gr¨
oßeren Maskenperi-
ode, mehr Zeit zur Verf¨
ugung steht, um die Schicht zu planarisieren und L¨
ocher zu
schließen. Eine kleine Maskenperiode f¨
uhrt aber auch zu kleinen homogenen Berei-
chen. Große homogene Bereiche erh¨
alt man durch große Maskenperioden, so dass
die Bauelemente auf den defekt¨
armeren Gebieten hergestellt werden k¨
onnen. Diese
ben¨
otigen aber eine l¨
angere Zeit f¨
ur die Koaleszenz. F¨
ur die folgenden Experimente
wurde mit 15 µm eine Periodizit¨
at gew¨
ahlt, mit der sich die Schichten sehr gut un-
tersuchen lassen. Bei kleineren Perioden, z.B. 2 µm, kann man die Schichten wegen
der Aufl¨
osung von 200 nm nicht so gut mit CL untersuchen. Bei gr¨
oßeren Perioden
ben¨
otigen die Schichten zu lange bis zur Koaleszenz. F¨
ur die Herstellung von Bauele-
menten m¨
ussten dann kleinere oder gr¨
oßere Maskenstrukturen verwendet werden.
Um das Verh¨
altnis von lateraler zu vertikaler Wachstumsrate und damit die Koales-
zenzgeschwindigkeit zu bestimmen, wurden zuerst unkoaleszierte ELOG-Strukturen
mit unterschiedlicher Orientierung der Streifenmaske gewachsen. Zur Aufkl¨
arung
der Defektverteilung wurde KL eingesetzt. F¨
ur [1¯
100]orientierte Streifen wurden au-
ßerdem die ausgedehnten Defekte mit TEM und die Spannungsverteilung mit Mikro-
Raman-Streuung eingehender untersucht. Anschließend wurden ganz bzw. teilweise
koaleszierte Schichten unterschiedlicher Streifenorientierung gewachsen. Bei diesen
wurde auch die Defektverteilung und die Oberfl¨
achenmorphologie untersucht, um
ihre Tauglichkeit f¨
ur die Bauelementherstellung zu beurteilen. Mit Hilfe der Erkennt-
nisse der unkoaleszierten Schichten konnte auf den Koaleszenzprozess geschlossen
werden.
Um die optimale Streifenorientierung beim ELOG-Prozess zu bestimmen, spielt ne-
ben der Defektverteilung und der Wachstumszeit bis zur Koaleszenz auch die An-
ordnung von Bauelementen, insbes. Laserresonatoren, eine Rolle. Die Experimente
in Kap. 5.6.1 zeigen, dass die Schwelle f¨
ur 405 nm Laserresonatoren parallel zur
40 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.3: REM-Querschnittsaufnahme von ¨
uberwachsenen a-plane GaN Streifen ori-
entiert entlang der a) [0001]b) [1¯
101]c) [1¯
100]Richtung. Siehe auch [94, 95].
[0001]-Richtung am niedrigsten ist. Daher m¨
ussen die Templates, um f¨
ur Laserstruk-
turen geeignet zu sein, vor allem in dieser Richtung eine geringe Welligkeit und eine
hohe Homogenit¨
at (Defektdichte, Verspannung) haben.
4.1 Einfluss der Streifenorientierung auf den Habitus und die
Defektverteilung
Wie in Abb. 4.3 zu sehen, bilden sich je nach Streifenorientierung unterschiedliche
Profile der ¨
uberwachsenen Schicht aus. F¨
ur diesen Wachstumsversuch wurden die
Wafer bei 1250C, 50 mbar und einem V/III von 900 f¨
ur 2 h sowie einer nominellen
Wachstumsrate von 2.4 µm/h ¨
uberwachsen. Aus der Streifenrichtung und den Win-
keln der Facetten zur a-Ebene lassen sich die Indizes der Facetten bestimmen und
aus dem Abstand der Facette zum Window kann man die mittlere Wachstumsrate
ermitteln. Bei der [0001]Streifenorientierung (Abb. 4.3a) findet man oben, parallel
zur Substratoberfl¨
ache, die (11¯
20)a-Facette und an den Seiten verschiedene {10¯
10}
m-Facetten. Die a-Facette ist schmaler als die Masken¨
offnung. Ihre mittlere Wachs-
tumsrate (3.8 µm/h) ist gr¨
oßer als die der schr¨
agen m-Facetten (2.7 µm/h) und sie
w¨
urde im Laufe des weiteren Wachstums verschwinden. Die lateralen Wachstums-
raten der senkrechten m-Facetten sind mit 1.5 µm/h auf beiden Seiten des Strei-
fens identisch, was auf die ¨
aquivalenten Wachstumsfl¨
achen zur¨
uck zu f¨
uhren ist. Das
Verh¨
altnis der lateralen zur vertikalen Wachstumsrate ist also 0.79. Die Wachstums-
raten der Facetten werden durch zwei Faktoren bestimmt: Zum einen die Versorgung
mit Precursormolek¨
ulen aus der Gasphase und zum anderen die Einbaugeschwin-
digkeit auf der Facette bzw. die Diffusion von Adatomen zu anderen Facetten. Die
Versorgung mit Precursoren ist bei einer dreidimensionalen Struktur in den Gr¨
aben
eingeschr¨
ankt.Dieser Effekt ist an der unterschiedlichen Wachstumsrate der schr¨
agen
und senkrechten m-Facetten zu erkennen. Die senkrechten Facetten in den Gr¨
aben
werden schlechter mit TMGa und Nh3versorgt und haben deswegen eine geringere
Wachstumsrate. Die Einbaugeschwindigkeit h¨
angt von Oberfl¨
ache einer Facette ab
und ist f¨
ur hochindizierte Fl¨
achen im allgemeinen besonders hoch [96]. Ein schnel-
ler Einbau bedeutet eine geringere Konzentration von freien Ad-Atomen, was bei
4.1 Einfluss der Streifenorientierung auf den Habitus und die Defektverteilung 41
ELOG-Strukturen zu einer Diffusion von Ad-Atomen ¨
uber die Kante einer Facette mit
h¨
oherer Wachstumsrate und einer geringeren Desorption von Ad-Atomen f¨
uhrt. Das
bedeutet aber auch, dass sich die Wachstumsraten der Facetten bei ELOG-Strukturen
gegenseitig beeinflussen, wie man an den [1¯
101]Streifen sieht. Das Profil der [1¯
101]
Streifen ist sehr asymmetrisch. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es in diesem Fall
stickstoff- und galliumpolare Oberfl¨
achen gibt, die sich chemisch sehr unterschied-
lich verhalten [96]. Es ist wie bei den [0001]Streifen eine a-plane Facette erkennbar,
die geringf¨
ugig gr¨
oßer als die Masken¨
offnung ist. Allerdings f¨
allt auf, dass sie sich
nicht direkt ¨
uber der Masken¨
offnung befindet, sondern seitlich verschoben ist. Di-
rekt ¨
uber der Masken¨
offnung befindet sich die stickstoffpolare (10¯
1¯
1)Ebene mit
einer mittleren Wachstumsrate von 0.86 µm/h. Die Wachstumsrate der a-Facette ist
mit 3.1 µm/h deutlich gr¨
oßer, aber die Wachstumsraten der galliumpolaren (01¯
11)
und (¯
1102)Facetten ist mit 4.2 und 4.4 µm/h wiederum gr¨
oßer. Dadurch verkleinert
sich zwar die a-Facette an der stickstoffpolaren Seite st¨
andig, vergr¨
oßert sich aber
an der galliumpolaren Seite, so dass sich die Facette relativ zur Masken¨
offnung ver-
schiebt. Dadurch entsteht eine a-Facette, die vollst¨
andig aus lateral ¨
uberwachsenem
Material besteht. Die geringere Wachstumsrate der a-Facette bei [1¯
101]Streifen im
Vergleich zu den [0001]Streifen ist mit einer Galliumumverteilung von der a- auf die
galliumpolaren (01¯
11)und (¯
1102)Facetten zu erkl¨
aren, w¨
ahrend es bei den [0001]
Streifen wohl eher zu einer Umverteilung von der m- auf die a-Facetten kommt. Das
Verh¨
altnis von lateraler zu vertikaler Wachstumsrate der [1¯
101]-Streifen ist mit 1.4
fast doppelt so groß wie bei den [0001]-Streifen. Das f¨
uhrt bei der [1¯
101]Streifenori-
entierung zu einer sehr schnellen Koaleszenz, so dass die Maske nach 2 h Wachstum
schon vollst¨
andig mit GaN bedeckt ist, auch wenn die Schicht noch nicht planarisiert
ist.
Auch das Profil der [1¯
100]Streifen ist sehr asymmetrisch. Die vertikalen Seitenfa-
cetten sind die beiden polaren (0001)und (000¯
1)Basalfl¨
achen, f¨
ur die die gr¨
oßte
Wachstumsratenanisotropie zu erwarten ist. Die waagerechte obere Facette ist die
a-Facette. Die laterale Wachstumsrate in +c-Richtung ist mit 2.2 µm/h mehr als 20
mal so groß wie die in -c-Richtung (0.1 µm/h). Die a-Facette w¨
achst, wie bei den
[0001]Streifen mit einer Rate von 3.8 µm/h. Das Verh¨
altnis von lateraler zu vertika-
ler Wachstumsrate ist mit 0.6 bei dieser Streifenorientierung am kleinsten. Da aber
keine schr¨
agen Facetten auftreten, vergr¨
oßert sich die a-Facette kontinuierlich und
eine Koaleszenz sollte zu planaren Schichten f¨
uhren. Im Gegensatz dazu m¨
ussen bei
den anderen Orientierungen erst die Gr¨
aben, die bei der Koaleszenz der schr¨
agen
Seitenfacetten entstehen, aufgef¨
ullt werden. Bei der Koaleszenz ist die starke Wachs-
tumsratenanisotropie auch f¨
orderlich, da dadurch die Koaleszenzfront am Rand des
Windows ist. Bei c-plane GaN ist die Koaleszenzfront, an der auch Versetzungen ent-
stehen, wegen der Isotropie der Wachstumsraten in der Mitte des Wings, so dass sich
die maximale nutzbare Fl¨
ache verringert.
Optische Charakterisierung mit Kathodolumineszenz Mit Hilfe von ortsauf-
gel¨
osten Messungen der Kathodolumineszenz (KL) lassen sich die verschiedenen
Wachstumsregionen in den ELOG-Strukturen abbilden und daraus R¨
uckschl¨
usse ¨
uber
die Defektverteilung ziehen. Wie bereits in Kap. 3.1 dargestellt, sind die Basalfl¨
achen-
42 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.4: Integrale
(57x47µm2) Plan-view-
Kathodolumineszenzspektren
von unkoaleszierten a-plane GaN
ELOG Strukturen mit Streifen-
masken parallel [0001],[1¯
101]
und [1¯
100]. Aufgenommen von
U. Zeimer. Siehe auch [94, 95].
stapelfehler optisch aktiv mit einem Lumineszenzband bei 3.42 eV (bei tiefen Tem-
peraturen). Viele Versetzungen sind nichtstrahlende Rekombinationszentren (siehe
Kap. 1.2.1), so dass Lumineszenzintensit¨
at und Versetzungsdichte im Allgemeinen
miteinander antikorreliert sind.
Integrale Kathodolumineszenzspektren In den integralen KL-Spektren der ver-
schiedenen Streifenorientierungen (Abb. 4.4) kann man alle Emissionen beobachten,
die auch im Template (Abb. 3.6 auf S. 20) zu finden sind: Bandkantennahe Lumines-
zenz bei 3.48 eV, BSF bei 3.41 3.43 eV, ein nicht n¨
aher identifiziertes Band bei
3.33 eV und DAP mit Phononenreplika (3.03.29 eV). Allerdings unterscheiden sich
die relativen Intensit¨
aten der einzelnen Banden in den verschiedenen Proben deut-
lich. Bei den [0001]Streifen kann in der KL keine bandkantennahe Lumineszenz
detektiert werden, daf¨
ur ein intensiver BSF-Peak. Dominiert wird das Spektrum je-
doch vom DAP-Peak. Das Spektrum der Probe mit [1¯
101]orientierten Streifen wird
dagegen von der Stapelfehlerlumineszenz dominiert. Im Gegensatz zu allen ande-
ren Proben gibt es bei der [1¯
100]Streifenorientierung eine deutliche bandkanten-
nahe Lumineszenz bei 3.48 eV, deren Intensit¨
at mit der Stapelfehlerlumineszenz ver-
gleichbar ist. Trotzdem wird auch dieses Spektrum von dem DAP-Band dominiert. Im
Vergleich der Proben zeichnet sich die [1¯
101]Probe durch besonders niedrige DAP-
Lumineszenz aus, w¨
ahrend die [1¯
100]Probe bandkantennahe Lumineszenz zeigt. Da
die Lumineszenz lateral inhomogen verteilt sein kann, wurden bei den einzelnen
Peaks monochromatische KL-Abbildungen angefertigt. Im Folgenden werden die ein-
zelnen Proben in Querschnitt und Draufsicht (Plan-view) nacheinander vorgestellt.
Monochromatische Kathodolumineszenz an [0001]-Streifen In Abb. 4.5 sind
die Ergebnisseder monochromatischen Kathodolumineszenz (Mono-KL) in Plan-view-
und Querschnittsaufnamen zusammengestellt. Wie im vorherigen Abschnitt behan-
delt, finden sich im Spektrum der BSF-Peak und die DAP-Bande bei 3.29 eV mit 2
Phononenreplika. Im Plan-view-Bild sieht man, dass die Stapelfehlerlumineszenz
(Abb. 4.5b) ¨
uber die gesamte Streifenbreite zu finden ist. Daraus kann man schluss-
folgern, dass die Ausbreitung der Stapelfehler in das lateral ¨
uberwachsene Gebiet
nicht verhindert wird. Da die Stapelfehler senkrecht zur Maskenstreifenrichtung lie-
4.1 Einfluss der Streifenorientierung auf den Habitus und die Defektverteilung 43
Abbildung 4.5: REM- und KL-Aufnahmen einer a-plane GaN ELOG Probe mit [0001]orien-
tierten Streifen. Mono-KL-Bilder in Plan-view und im Querschnitt. a)und b) 3.42 eV, c) und
d) bei 3.29 eV, e) und f) SE-Bilder sowie g) dem Spektrum aus der Plan-view-Aufnahme.
Aufgenommen von U. Zeimer. Siehe auch [94, 95].
gen, m¨
ussen sich sogar die Stapelfehler am Rand der Masken¨
offnung in den late-
ral ¨
uberwachsenen Bereich ausbreiten. Die Intensit¨
at der BSF-Lumineszenz ist sehr
punktuell verteilt. Dabei sind auf der a-Facette nur selten helle Punkte zu sehen,
w¨
ahrend in der m-Facette direkt neben der a-Facette die Intensit¨
at h¨
oher ist. Quer-
schnitts Mono-KL-Aufnahmen (Abb. 4.5a und c) zeigen eine niedrige Intensit¨
at im
Template und direkt ¨
uber der Masken¨
offnung. In gr¨
oßerem Abstand von der Grenz-
fl¨
ache steigt die Lumineszenzintensit¨
at. Der helle Bereich ist aber durchzogen von
dunklen Linien. Da die dunklen Linien in Abb. a) und c) dunkel erscheinen, sind es
nichtstrahlende Rekombinationszentren, d.h. Versetzungen. Die Versetzungen kni-
cken also an der m-Facette in den lateral ¨
uberwachsenen Bereich ab, so dass sie
ungef¨
ahr senkrecht zur Facette verlaufen. Versetzungen breiten sich im gesamten
lateral und koh¨
arent gewachsenen Bereich aus. Auf der a-Facette ist ihre Dichte be-
44 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.6: REM- und KL-Aufnahmen bei 77 Keiner a-plane GaN ELOG-Probe mit [1¯
101]
orientierten Streifen. d) Querschnitts REM-Aufnahme mit a) dem entsprechenden Mono-KL-
Bildern bei 3.42 eV (dem h¨
ochsten Peak im Spektrum e)). b) Plan-view-REM-Aufnahme der
Streifen mit entsprechenden Mono-KL-Bildern bei c) 3.42 eV und f) 3.29 eV. Aufgenommen
von U. Zeimer. Siehe auch [94, 95].
sonders hoch, so dass nur wenige helle Punkte im Plan-view zu finden sind. In der
benachbarten m-Facette ist die Versetzungsdichte etwas niedriger, so dass mehr helle
Punkte zu sehen sind.
Monochromatische Kathodolumineszenz an [1¯
101]-Streifen Die Asymmetrie
des Wachstums der ELOG-Streifen mit [1¯
101]-Orientierung spiegelt sich in den op-
tischen Eigenschaften wieder. Wie die Querschnittsabbildung zeigt, ist die Intensit¨
at
im gesamten Fensterbereich am niedrigsten und steigt im lateral ¨
uberwachsenen
Bereich deutlich an (Abb. 4.6a). Der starke Kontrast zwischen Wing und Window
(Plan-view, Abb. 4.6c, f) spricht dabei f¨
ur eine deutlich verringerte Versetzungsdich-
te im Wingbereich. Bei den [0001]Streifen haben die schr¨
agen m-Facetten das Ab-
knicken der Versetzungen in den Wingbereich beg¨
unstigt. Auch bei den [1¯
101]gibt
es schr¨
age Facetten: Die stickstoffpolare (10¯
1¯
1)Ebene und die galliumpolare (01¯
11)
Ebene. Die (10¯
1¯
1)Ebene w¨
achst aber so langsam, dass kein nennenswertes laterales
Wachstum zu sehen ist. Die galliumpolare (01¯
11)Ebene w¨
achst dagegen schnel-
ler als die a-Facette. Deswegen befindet sich die a-Facette ausschließlich im lateral
¨
uberwachsenen Bereich. Dadurch gab es w¨
ahrend des Wachstums auf dieser Facette
nur wenige Versetzungen, die in den Wing abknicken konnten.
Wie bei den [0001]Streifen zeigt die Plan-view-Aufnahme im lateral ¨
uberwachsenem
Bereich Stapelfehlerlumineszenz bei 3.42 eV, d.h., dass sich die Stapelfehler ¨
uberall
in der Schicht ausbreiten k¨
onnen. Im Vergleich zu den [0001]Streifen bewirken
[1¯
101]Streifen eine Verringerung der Versetzungen im Wing, aber auch keine Ver-
ringerung der Stapelfehler in den Wings.
4.1 Einfluss der Streifenorientierung auf den Habitus und die Defektverteilung 45
Abbildung 4.7: Kombinierte
Mono-KL-Aufnahmen von [1¯
101]
Streifen bei rot=3.41 eV, gr¨
un=
3.35 eV und blau=3.29 eV. Auf-
genommen von U. Zeimer. Siehe
auch [94, 95].
Die Lumineszenz im Querschnitt und im Plan-view zeigt dunkle bzw. helle Streifen,
die im Querschnitt parallel [11¯
20]und im Plan-view parallel [1¯
100]verlaufen. Sie
liegen also auf der (0001)Ebene. Man kann Versetzungen als Ursache ausschließen,
da Versetzungen Liniendefekte und keine planaren Defekte sind. Wahrscheinlich gibt
es einen Zusammenhang der Streifen mit Basalfl¨
achenstapelfehlern.
Die Streifen der Emissionen bei 3.41 eV (BSF) und 3.35 eV sind in ann¨
ahernd glei-
cher Dichte von 2 ×104cm1vertreten, w¨
ahrend die 3.29 eV Emission vor allem
in der a-Facette nahe dem Window und in sehr wenigen Streifen (2 ×103cm1)
zu finden ist. Im Vergleich zur BSF-Dichte in heteroepitaktischem a-plane GaN von
105106cm1sind die Streifendichten in der Lumineszenz deutlich niedriger. Al-
lerdings ist es wegen der Ladungstr¨
agerdiffusion (200 nm) mit Hilfe von KL nicht
m¨
oglich einzelne BSFs (Abstand 10 100 nm bei 105106cm1) aufzul¨
osen. Man
bildet daher vermutlich B¨
undel von Stapelfehlern ab. Die ¨
Uberlagerung der einzel-
nen monochromatischen Aufnahmen (Abb. 4.7) erlaubt eine Aussage ¨
uber die Korre-
lation der Defektlumineszenz. Es kommen haupts¨
achlich die Prim¨
arfarben rot, gr¨
un
und blau vor, die Mischfarben (gelb, t¨
urkis, violett und weiß) sind nur an wenigen
Stellen zu finden. Die Peaks bei 3.41 und 3.35 eV sind also antikorreliert w¨
ahrend die
3.29 eV-Lumineszenz eher zuf¨
allig verteilt zu sein scheint. Daraus kann man schluss-
folgern, dass die 3.35 eV-Lumineszenz von einem anderen planaren Defekt erzeugt
wird, der auch auf der Basalebene liegt. In der Literatur ist auch eine ¨
ahnliche ener-
getische Lage f¨
ur prismatische Stapelfehler (PSF) [43] diskutiert worden. Tischer et
al. haben eine eindeutige Korrelation von I2-Stapelfehler und 3.33 eV Lumineszenz
gefunden [70], was sehr gut zu den vorliegenden Ergebnissen passt. Das diffuse
Auftreten der 3.29 eV-Lumineszenz spricht eher f¨
ur einen Punktdefekt wie bei den
[0001]-Streifen und den koaleszierten [1¯
101]-Streifen (siehe Kap. 4.3).
Zusammenfassend kann man f¨
ur die [1¯
101]-Streifenorientierung sagen, dass sich Sta-
pelfehler wegen der Lage schr¨
ag zu den Streifen in den Wing ausbreiten k¨
onnen,
aber Versetzungen im lateral ¨
uberwachsenen Bereich stark reduziert sind. Das stark
anisotrope und sehr schnelle laterale Wachstum f¨
uhrt zu einer schnellen Koaleszenz.
46 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.8: REM- und KL-Aufnahmen bei 77 Keiner a-plane GaN ELOG Probe mit [1¯
100]
orientierten Streifen. d) Querschnitts REM-Aufnahme mit dem a) entsprechenden panchro-
matischem KL-Bild. b) Plan-view-REM-Aufnahme der Streifen mit entsprechenden Mono-
KL-Bildern bei den h¨
ochsten Peaks des Spektrums (Abb. 4.9): c) 3.42 eV, e) 3.47 eV und f)
3.27 eV. Aufgenommen von U. Zeimer. Siehe auch [94, 95].
Monochromatische Kathodolumineszenz an [1¯
100]-Streifen Bei den [1¯
100]Strei-
fen sind die Stapelfehler parallel zur Streifenrichtung und senkrecht zur lateralen
Wachstumsrichtung ausgerichtet. Wie man bei den anderen Streifenorientierungen
gesehen hat, ist eine Reduktion der Stapelfehlerdichte nicht m¨
oglich, solange Stapel-
fehler wegen ihrer Orientierung relativ zur Masken¨
offnung in das lateral ¨
uberwachsene
Material propagieren. Außerdem hat die REM-Untersuchung gezeigt, dass bei dieser
Streifenorientierung nur Facetten senkrecht zur Oberfl¨
ache auftreten. Es gibt keine
schr¨
agen Facetten, die das Abknicken von Versetzungen in den lateral gewachsenen
Bereich beg¨
unstigen. Diese Streifen haben also die idealen Voraussetzungen, um so-
wohl Stapelfehler als auch Versetzungen im Wing zu reduzieren.
Abb. 4.8 zeigt die Plan-view- und Querschnittsaufnahmen der Streifen mit [1¯
100]-
Orientierung. Im Querschnitt (Abb. 4.8a) ist die h¨
ohere Lumineszenzintensit¨
at im
Wing im Vergleich zum Window zu sehen. Allerdings war es wegen zu geringer In-
tensit¨
at nicht m¨
oglich, monochromatische Abbildungen zu machen. Im Plan-view
war das jedoch m¨
oglich, wie die Abb. 4.8c, e und f zeigen, die bei den energetischen
Positionen von BSF, NBE und DAP aufgenommen wurden, wie sie im Spektrum in
Abb. 4.9 bezeichnet sind. In allen Aufnahmen ist der Windowbereich deutlich dunk-
ler als der Wing. Daraus kann man eine deutlich niedrigere Versetzungsdichte im
Wing schlussfolgern. Neben dem Window findet man sowohl in gallium- als auch
stickstoffpolarer c-Richtung BSF-Lumineszenz. Erst nach 12µm findet man im gal-
liumpolaren Wing bandkantennahe (NBE) Lumineszenz (der stickstoffpolare Wing
ist zu schmal um eine eventuelle Stapelfehlerreduktion feststellen zu k¨
onnen). Die
Verteilung der BSF- und NBE-Lumineszenz im Wing ist antikorreliert. Dies kann man
folgendermaßen erkl¨
aren: Stapelfehler wirken wie ein Quantentopf aus kubischem
4.1 Einfluss der Streifenorientierung auf den Habitus und die Defektverteilung 47
350 360 370 380 390 400 410
3.5 3.4 3.3 3.2 3.1 3
BSF
DAP
NBE
Intensität (bel. Einh.)
(nm)
Energie (eV)
3.18 eV
3.09 eV
3.27 eV
3.46 eV
3.33 eV
3.42 eV
Abbildung 4.9: Spektrum ¨
uber
47x57µm aus dem Bildausschnitt
der SE-Aufnahme aus Abb. 4.8b.
Aufgenommen von U. Zeimer.
Siehe auch [94, 95].
Material (Typ II Heterostruktur) und binden Exzitonen, die dann unter Emission
von 3.42 eV-Photonen rekombinieren [41, 42]. Da innerhalb der Diffusionsl¨
ange der
Großteil der Exzitonen am BSF rekombiniert, wird die bandkantennahe Lumineszenz
entsprechend reduziert. Umgekehrt ist in den Bereichen hoher NBE-Lumineszenz
keine BSF-Lumineszenz zu finden. Im Wing ist die BSF-Lumineszenz nicht auf den Be-
reich nahe an der Masken¨
offnung beschr¨
ankt. Auch mitten im lateral ¨
uberwachsenen
Gebiet gibt es BSF-Lumineszenz, die keine direkte Verbindung zum Windowbereich
hat. Das heißt, dass sich Stapelfehler auf der Facette spontan gebildet haben. Im
Rahmen der Arbeit konnte jedoch nicht gekl¨
art werden, ob die Bildung von Sta-
pelfehlern durch die Wachstumsbedingungen beg¨
unstigt werden oder diese von der
Grenzfl¨
ache zur SiO2-Maske ausgehen. Weiter f¨
allt auf, dass die hellen Streifen der
BSF-Lumineszenz nicht parallel zur [1¯
100]Richtung verlaufen, sondern meist leicht
schr¨
ag zu dieser. Vermutlich gehen hier basale Stapelfehler in Stapelfehler auf an-
deren Ebenen ¨
uber, um dann nach einer kurzen L¨
ange wieder zu einem basalen
Stapelfehlern zu werden.
Bei 3.27 eV (DAP) findet man keine Lumineszenz im Window, daf¨
ur aber eine ge-
ringe Lumineszenz aus dem Wing, die aber von der Lumineszenz aus dem Template
fast ¨
uberstrahlt wird. Man kann also vermuten, dass das Licht, das zum DAP-Peak
beitr¨
agt, nicht nur aus dem ¨
uberwachsenen Material, sondern vor allem aus dem
Template kommt. Vergleicht man die Positionen der BSF- und DAP-Lumineszenz im
Wing sieht man eine deutliche Korrelation. Da diese Lumineszenzbande fast im-
mer zusammen mit Stapelfehlern auftritt und, wie hier zu sehen, deutlich korre-
liert ist, ist ein Zusammenhang mit Partialversetzungen m¨
oglich [43]. Dabei ist es
m¨
oglich, diese Lumineszenzbande sowohl mit DAP als auch mit den Partialversetzun-
gen in Zusammenhang zu bringen, wenn man annimmt, dass die Partialversetzungen
als Akzeptoren wirken. In der Literatur gibt es Berichte ¨
uber die elektrische Akti-
vit¨
at von Versetzungen [97, 98]. Eine Wirkung der Partialversetzungen als Akzeptor
w¨
urde nicht nur erkl¨
aren, warum die Anwesenheit von Stapelfehlern mit der DAP-
Lumineszenz verbunden ist, sondern auch, warum sich dieses Band in temperatur-
und leistungsabh¨
angigen Messungen eher wie ein Punktdefekt verh¨
alt (z.B. Phono-
48 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.10: Plan-view-Aufnahme eines a-plane GaN ELOG-Streifens als SE-Bild (oben)
und im Peakwellenl¨
angenmapping (unten) mit den Spektren an den Punkten (1)-(4). Auf-
genommen von B. Bastek. Siehe auch [100].
nenreplika). Dies passt auch zu der Tatsache, dass a-plane und (11¯
22)-GaN-Templates
einen sehr hohen Schichtwiderstand haben, weil die n-Hintergrunddotierung von
1016 1017 cm3, die typischerweise in GaN zu finden ist, durch die Versetzungen
kompensiert werden w¨
urde, analog zu c-plane GaN [99].
Um zu ¨
uberpr¨
ufen, ob im Wing neben der dominanten NBE-Lumineszenz noch De-
fektbanden vorhanden sind, wurden KL-Maps aufgenommen. Dabei wird an jedem
Bildpunkt ein komplettes Spektrum aufgenommen und bei der Auswertung der Da-
ten, lassen sich Spektren von beliebigen Gebieten darstellen. Abb. 4.10 zeigt die
[1¯
100]-Streifen im Plan-view. Die Wachstumsregionen lassen sich durch die Wel-
lenl¨
ange des dominierenden Peaks im Spektrum Abbilden (Abb. 4.10b). Die Spek-
tren der Regionen Window (1), ¨
Ubergangsbereich zwischen Wing und Window (2),
Wing (3) und galliumpolare Facette des Wings (4) zeigen jeweils einen Peak bei ei-
ner anderen Wellenl¨
ange. Im Window gibt es eine durch Versetzungen verbreiterte
BSF-Lumineszenz bei 3.407 eV. Im ¨
Ubergangsbreich ist der BSF-Peak um 7 meV blau
4.2 Untersuchung der ELOG-Strukturen mit [1¯
100]orientierten Streifen 49
Abbildung 4.11: a) TEM Querschnittsabbildung eines [1¯
100]orientierten ELOG-Streifens
auf einem a-plane GaN Template. Zeigt koh¨
arent (Window) und lateral (Wing) gewachsenen
Bereich mit dem Beugungsvektor g= [0002](Versetzungen sind sichtbar). b) Detailaus-
schnitt aus dem Wing aufgenommen mit dem Beugungsvektor g= [1¯
100](Stapelfehler
sichtbar). Aufgenommen von Z. Wu. Siehe auch [86].
verschoben. Dies Verschiebung wird vermutlich von der unterschiedlichen Verspan-
nung in Wing und Window verursacht (siehe S. 52). Im Window (3) gibt es nur
die bandkantennahe Lumineszenz des donatorgebundenen Exzitons (D0,X). Ande-
re Lumineszenzbanden von Stapelfehlern oder DAP gibt es nicht. Die Lumineszenz
im galliumpolaren Wing (4) ist im Vergleich zu oberen Facette rot verschoben. Es
handelt sich um die Emission von akzeptorgebundenen Exzitonen. Mit Querschnitts-
abbildungen wurde gezeigt, dass diese Lumineszenz mit Oberfl¨
achenzust¨
anden zu-
sammenh¨
angt, die wahrscheinlich beim Abk¨
uhlen bei ungen¨
ugender Stabilisierung
entstehen.
Zusammenfassend zeigt die KL-Untersuchung der [1¯
100]Streifen, dass die optische
Qualit¨
at im lateral ¨
uberwachsenen Material von allen Orientierungen am besten ist,
weil sowohl Versetzungen als auch Stapelfehler reduziert werden. Die Versetzungs-
reduktion setzt gleich an der Kante des Windowbereichs ein. Eine Verringerung der
Stapelfehlerdichte, so dass bandkantennahe Lumineszenz dominiert, ben¨
otigt einige
Mikrometer lateralen Wachstums.
4.2 Untersuchung der ELOG-Strukturen mit [1¯
100]orientierten
Streifen
Da die Streifen in [1¯
100]Richtung als einzige bandkantennahe Lumineszenz zeigen,
sind diese Streifen f¨
ur weitere Untersuchungen interessant. Dabei steht nicht nur
im Vordergrund, die Qualit¨
at dieser Schichten f¨
ur die Herstellung von Bauelemen-
ten einzusch¨
atzen, sondern auch die Entstehung von Basalfl¨
achenstapelfehlern zu
untersuchen und Strategien zu deren Vermeidung zu entwickeln.
Untersuchung der Mikrostruktur mit Beugungskontrast-TEM Abb. 4.11a zeigt
den Querschnitt eines ELOG-Streifens. Auf der linken Seite ist der koh¨
arent gewach-
50 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.12: TEM Querschnittsabbildung des koh¨
arent gewachsenen Bereichs mit a)
g= [0002], so dass Versetzungen sichtbar sind, und b) g= [1¯
100], so dass Stapelfehler
sichtbar sind. Aufgenommen von Z. Wu. Siehe auch [86].
sene Windowbereich abgebildet. Rechts ist der Wing, zu erkennen an der Maske
am rechten unteren Rand. Das Bild wurde mit dem Beugungsvektor g= [0002]
aufgenommen. Unter diesen Beugungsbedingungen sind gemischte und Stufenver-
setzungen mit einem Burgersvektor, der nicht in der c-Ebene liegt, zu sehen. Basal-
fl¨
achenstapelfehler sind unsichtbar. Im Window gibt es sehr viele senkrecht verlau-
fende durchstoßende Versetzungen, w¨
ahrend im Wing keine solchen Versetzungen
zu finden sind. Die Kontraste im Wing sind auf eine Variation der Dicke und auf
eine Verbiegung der Probe zur¨
uck zu f¨
uhren und werden nicht von ausgedehnten
Defekten verursacht.
Eine Detailansicht des Windowbereichs mit verschiedenen Beugungsbedingungen
(Abb. 4.12) zeigt mit g= [0002]wie im vorherigen Bild die Versetzungen und mit
g= [1¯
100]die Stapelfehler. Aus der Liniendichte der Versetzungen in Abbildung
4.12a kann man unter Annahme einer durchstrahlten Dicke von 100 nm die Ver-
setzungsdichte im Window auf 1.3×1010 cm2absch¨
atzen, was mit den publizierten
Versetzungsdichten anderer Autoren ¨
ubereinstimmt [61, 40]. Auch die koaleszierten
ELOG-Strukturen mit derselben Streifenorientierung zeigen die gleiche Versetzungs-
dichte in Plan-view-Aufnahmen (vgl. S. 35). Die Liniendichte der Stapelfehler in Ab-
bildung 4.12b ist deutlich h¨
oher als die der Versetzungen (105cm1), so dass sich
der Kontrast der Defekte ¨
uberlagert und die Dichte wohl im Bereich von 106cm1
liegt. Auch dieser Wert stimmt mit den Werten anderer Gruppen ¨
uberein [61, 40].
Man kann also davon ausgehen, dass die Defektdichte im Window in der selben
Gr¨
oßenordnung liegt, wie die Defektdichte im Template.
Wie Abb. 4.11 zu sehen, nimmt die Dichte der durchstoßenden Versetzungen vom
Window zum Wing innerhalb von <100 nm stark ab. Das Verhalten der Stapelfehler
ist in Abb. 4.13 zu sehen: Die Stapelfehlerdichte nimmt im Detailausschnitt b) von
links nach rechts von 106um eine Gr¨
oßenordnung auf 7×104cm1ab. Mit der Ent-
fernung vom Window sinkt die Stapelfehlerdichte sogar noch weiter auf 4×103cm1
(sieh Abb. 4.11b). Der ¨
Ubergangsbereich von hoher zu niedriger Stapelfehlerdichte
ist deutlich breiter als der Bereich, in dem die Versetzungsdichte abnimmt. Es ist also
4.2 Untersuchung der ELOG-Strukturen mit [1¯
100]orientierten Streifen 51
Abbildung 4.13: TEM Querschnittsabbildung des ¨
Ubergangs vom koh¨
arent zu lateral ge-
wachsenem Bereich eines ELOG-Streifens mit [1¯
100]Orientierung. Aufgenommen von Z.
Wu. Siehe auch [86].
Abbildung 4.14: REM-
Aufnahme eines ELOG
Streifens mit [1¯
100]Ori-
entierung unter einen
Winkel von 45.
f¨
ur die Stapelfehler m¨
oglich in den Wing einzudringen, wenn auch mit wesentlich
geringerer Dicht als bei den anderen Streifenorientierungen.
Morphologie von unkoaleszierten [1¯
100]Streifen Wie die KL-Aufnahmen ge-
zeigt haben, gibt es beim lateralen Wachstum mit [1¯
100]Streifen drei Bereiche: Im
Window sind Versetzungs- und Stapelfehlerdichte hoch. Im angrenzenden Bereich ist
die Versetzungsdichte niedrig aber die Stapelfehlerdichte hoch und noch weiter vom
Wing entfernt sind Versetzungs- und Stapelfehlerdichte niedrig. Mittels REM wurde
aus schr¨
agem Betrachtungswinkel ein ELOG-Streifen aufgenommen (Abb. 4.14). Die
drei Bereiche (Window, Wing und ¨
Ubergangsbereich) zeigen eine unterschiedliche
Morphologie. Der Windowbereich ¨
uber der Masken¨
offnung hat viele Pits, w¨
ahrend
in dem Bereich daneben Streifen mit einzelnen Pits dominieren. Im lateral gewach-
senen Bereich, m¨
oglichst weit vom Window entfernt, gibt es keine morphologischen
Auff¨
alligkeiten. Der Vergleich mit den aus KL und TEM ermittelten Defekttypen in
den verschiedenen Bereich legt nahe, dass die Pits im Window von Versetzungen er-
52 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.15: Mikro-Raman-
Map von der Peakposition der
EH
2Mode ¨
uber dem Querschnitt
eines a-plane ELOG-Streifens
in [1¯
100]Richtung. Aufge-
nommen von T. Brumme und
G.Irmer. Siehe auch [94, 58].
zeugt werden, w¨
ahrend die Streifen Stapelfehlern zuzuordnen sind. Genau wie im
KL-Bild verlaufen die Stapelfehler nicht parallel zu den Streifen und dort wo die
Streifen abknicken oder in einem schr¨
ageren Winkel verlaufen, sind mehr Pits zu
sehen (siehe Pfeil in Abb. 4.14). Diese Pits h¨
angen also mit Partialversetzungen oder
prismatischen Stapelfehlern zusammen. Eine hohe Versetzungsdichte ist also kata-
strophal f¨
ur die Oberfl¨
ache und kann dadurch leichter zu facettiertem Wachstum
umschlagen. Obwohl Stapelfehler allein die Morphologie nicht so stark st¨
oren wie
die Versetzungen, ist eine defektfreie Oberfl¨
ache wesentlich glatter.
Abbildung der Verspannung bei Streifen parallel [1¯
100]mit Mikro-Raman-Spektroskopie
Die Verspannung eines GaN-Kristalls beeinflusst die Phononenfrequenzen, so dass
man Verspannungen mit Hilfe von Mikro-Raman-Streuung ortsaufgel¨
ost abbilden
kann. Die Verspannung eines Templates ist interessant, weil diese die kritische Schicht-
dicke von AlGaN-Schichten, den In-Einbau in Quantenfilme und die Emissionsener-
gie von Quantent¨
opfen beeinflusst.
Beim Mikro-Raman-Mapping (Abb. 4.15) ist die Frequenz der EH
2Mode zu sehen.
Die EH
2Mode wurde hier ausgew¨
ahlt, da sie am intensivsten ist, die E1- und A1-Mode
zeigen einen ¨
ahnlichen Verlauf.
Bei der Ramanstreuung reagiert die Frequenz der EH
2Mode am st¨
arksten auf Verspan-
nung senkrecht [0001]mit einem Deformationspotential von (−3.4 ±0.3)cm1/GPa
[59], wobei kompressive Verspannung die Frequenz erh¨
oht (siehe Kap. 2.2). Nimmt
man die Lage von unverspanntem GaN bei 567.6 cm1[60] an, sieht man, dass der
Großteil des Wings praktisch unverspannt (567.4 cm1) ist (Abb. 4.15a). Zur Ober-
fl¨
ache hin gibt es eine Entspannung um 0.02 GPa ((0.1 ±0.15)cm1). Nur an der
Grenze zur Maske ist eine Verschiebung des Peaks um (0.3±0.15)cm1zu beobach-
ten, was einer kompressiven Verspannung von 0.09 GPa entspricht.
Im Vergleich zum lateral ¨
uberwachsenen Bereich ist der koh¨
arent gewachsene Be-
reich deutlich st¨
arker tensil verspannt. Am gr¨
oßten ist die Verspannung in der N¨
ahe
der Oberfl¨
ache mit einer Frequenz der EH
2Mode von 567.1 cm1, was einer tensi-
len Verspannung von 0.15 GPa entspricht. Im Template bewirkt die Strukturierung
und das selektive ¨
Uberwachsen eine Modulation der Verspannung. Unter der Mas-
ken¨
offnung ist die Schicht tensil verspannt w¨
ahrend das Material unter der Maske
kompressiv verspannt ist.
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten 53
Durch die unterschiedlichen Wachstumsdom¨
anen gibt es eine Variation der Verspan-
nung. Diese inhomogene Verspannungsverteilung ist dadurch zu erkl¨
aren, dass der
Windowbereich fest mit dem Template verbunden ist, aber der Wingbereich sich frei
ausdehnen kann. F¨
ur Quantent¨
opfe auf einem solchen Template w¨
urde das wahr-
scheinlich zu einer Variation der Emissionsenergie f¨
uhren, die die Halbwertsbreite
der Emission vergr¨
oßern w¨
urde.
Die Verschiebung der BSF-Lumineszenz in Wing und Window (siehe Abb. 4.10 auf
Seite 48) ist vermutlich verspannungsinduziert. Da mit Mikro-Raman-Mapping an-
hand der Frequenz der E2
H-Mode die Verspannung vermessen wurde, kann man diese
Daten mit der BSF-Emissionswellel¨
ange korrelieren. Es zeigt sich, dass die Rotver-
schiebung im Window mit einer tensilen Verspannung korreliert. Die Peakpositionen
unterscheiden sich um (7±2)meV in der KL (vgl. 4.10) und um 0.7 cm1bei der
Mikro-Raman-Streuung (vgl. Abb. 4.15). Nimmt man wieder ein Deformationspoten-
tial f¨
ur den Ramanshift von (−3.4 ±0.3)cm1/GPa an, erh¨
alt man einen Verspan-
nungsunterschied zwischen Wing und Window von (0.2 ±0.03)GPa und damit ein
Deformationspotential von (35 ±11)meV/GPa f¨
ur die BSF-Emissionsenergie. Ein
Wert von (35 ±11)meV/GPa (gr¨
oßer als der Wert f¨
ur Bulk-GaN mit 27 meV/GPa
[101]) erscheint realistisch, da eine Verspannung zus¨
atzlich zu der ¨
Anderung der
GaN-Bandkante, eine Ver¨
anderung der Polarisationsladungen hervorrufen m¨
usste.
Eine Vergr¨
oßerung der Bindungsl¨
ange (tensile Verspannung) m¨
usste zu einer gr¨
oßeren
Polarisation und daher zu einer st¨
arkeren Rotverschiebung des kubischen Quanten-
topfs f¨
uhren. Da der Wing in an der Grenze zum Window um 0.0 0.6 GPa kom-
pressiv verspannt ist, ist die Emissionsenergie eines unverspannten Basalfl¨
achensta-
pelfehlers bei (3.412 ±0.002)eV.
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten
F¨
ur die Prozessierung von Bauelementen ist eine geschlossene glatte Oberfl¨
ache
w¨
unschenswert. Daher ist es notwendig, das Wachstum ¨
uber die Anfangsphase hin-
aus fortzusetzen und die Schichtdicke soweit zu vergr¨
oßern, dass die Wachstums-
flanken zusammenstoßen und eine geschlossene Oberfl¨
ache bilden. Gerade das Zu-
sammenwachsen der Flanken ist ein sehr interessanter Prozess, der nat¨
urlich auch
von der Orientierung der ELOG-Streifen abh¨
angt.
Morphologie in Abh¨
angikeit der Streifenorientierung Es wurden ELOG-Struk-
turen mit der selben Geometrie wie in Kap. 4.1 verwendet (Streifen parallel [0001],
[1¯
101]und [1¯
100], 5 µm¨
Offnung, 15 µm Periodizit¨
at). In zwei Versuchsl¨
aufen wurde
zuerst 3 h dann 6 h lang GaN abgeschieden. Die Oberfl¨
achen der Schichten mit den
verschiedenen Streifenorientierungen sind in Abb. 4.16 zu sehen. Alle Schichten sind
koalesziert (die Maske ist vollst¨
andig bedeckt), aber nur bei den [1¯
101]Streifen ist
die Koaleszenz vollst¨
andig, d.h. die Oberfl¨
ache ist geschlossen und glatt (eine n¨
ahere
Analyse des Koaleszenzvorgangs und der resultierenden Schichten folgt ab Seite 59).
Aber auch bei den anderen Oberfl¨
achen sind deutliche Anzeichen f¨
ur eine zuk¨
unftige
vollst¨
andige Koaleszenz zu finden. Bei den [0001]Streifen ist eine Bildung von pla-
naren a-Facetten zu beobachten. In der oberen linken Ecke des Bildes ist ein Streifen
54 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.16: REM Aufnahmen von der Oberfl¨
ache (Plan-view) und im Querschnitt von a-
plane GaN ELOG-Schichten mit 30 µm Schichtdicke f¨
ur die Streifenorientierungen parallel
[0001],[0¯
111]und [1¯
100].
mit verschwindend kleiner a-Facette zu sehen, so wie vor der Koaleszenz (vgl. Abb.
4.5 auf Seite 43). In der rechten unteren H¨
alfte sind dagegen Streifen mit einer brei-
ten a-Facette sichtbar. Hier sieht man die Ausbildung von semipolaren Facetten auf
den schr¨
agen m-plane Seitenfacetten. Sie haben eine deutlich h¨
ohere Wachstumsra-
te als die a-Facette, wie an den gezackten Kanten von a- und semipolaren Facetten
zu erkennen ist. Die Ausbildung dieser schnell wachsenden semipolaren Facetten ist
an allen Stegen zu beobachten. W¨
ahrend der Koaleszenz bestimmen also nicht die
langsam wachsenden Facetten die Wachstumsfront, sondern die schnell wachsenden
Facetten (siehe auch [102]). Daher ist es m¨
oglich, Schichten trotz einer langsam
wachsenden schr¨
agen Facette zu koaleszieren, wie es auch beim ELOG von c-plane
GaN mit Punktmasken oder Streifen parallel [11¯
20]der Fall ist [103].
Im Fall von senkrechten Flanken sollte eine Koaleszenz eigentlich unproblematisch
sein. Das Bild der [1¯
100]Streifen zeigt aber, dass es einige schmale Spalte gibt, an de-
nen die Schicht nicht koalesziert ist. Mit Scanning-Weißlicht-Interferometeraufnahmen
zeigt sich, dass die Streifen dort nicht koaleszieren, wo der H¨
ohenunterschied der
Wachstumsfronten gr¨
oßer als 400 nm ist. Eine vollst¨
andige Koaleszenz w¨
are also nur
zu erreichen, wenn man die Wachstumsratenhomogenit¨
at entlang der Streifen und
von Streifen zu Streifen verbessern k¨
onnte oder die Periodizit¨
at der Maske verklei-
nert. Allerdings lassen sich auch bei dieser Probe viele Bereiche finden, wo mehrere
Streifen vollst¨
andig koalesziert sind und eine Fl¨
ache von mehr als 50x50µm2bilden,
so dass an ihnen die Eigenschaften der koaleszierten Schichten untersucht werden
k¨
onnen. Im Folgenden sollen nun die optischen Eigenschaften und die Defektvertei-
lung der beiden besseren Streifenorientierungen [1¯
100]und [1¯
101]untersucht wer-
den.
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten 55
Abbildung 4.17: Aufnahmen von koaleszierten a-plane GaN ELOG Streifen in [1¯
100]Rich-
tung. a) und c): Plan-view-Aufnahmen in KL (panchromatisch) und SE Modus. b) Plan-view-
Lichtmikroskopbild der Schicht aus a) nach dem ersten Wachstumsschritt (nach 3h Wachs-
tum). d) REM Querschnittsabbildung der Schicht aus a). Aufgenommen von U. Zeimer.
Untersuchung der optischen Eigenschaften von koaleszierten [1¯
100]Streifen
mit KL-Mapping Analog zu den unkoaleszierten ELOG-Streifen wurden auch die
koaleszierten Streifen mit KL und KL-Mapping untersucht. Im panchromatischen
Plan-view-KL-Bild (Intensit¨
at integriert ¨
uber alle Wellenl¨
angenbereiche, Abb. 4.17a)
kann man sehr gut die Wingregionen an der hohen und die Windowregionen an der
niedrigen Intensit¨
at erkennen. Auch hier sieht man wieder, dass an vielen Stellen die
Wings spurlos koaleszieren und eine geschlossene Fl¨
ache bilden. An der Position der
Spalte und im Querschnitts-SE-Bild kann man erkennen, dass die Koaleszenzgren-
zen in der Mitte der Wings sitzen (Abb. 4.17c und d). Wenn die Koaleszenzgrenze
in der Mitte zu finden ist, folgt daraus, dass in diesem Versuch die stickstoffpolaren
Facetten eine ¨
ahnliche Wachstumsrate wie die galliumpolaren Facetten hatten.
Fraglich ist, in welchem Stadium ein deutlich st¨
arkeres Wachstum der stickstoffpo-
laren c-Facette auftrat. In der lichtmikroskopischen Abb. 4.17b der ELOG-Streifen
nach dem ersten Wachstumsschritt sieht man, dass die laterale Wachstumsrate der
galliumpolaren Facette entlang des Streifens schwankt. Sie ist mit 0.3 1.3 µm/h im
Vergleich zu den zuvor beobachteten Raten deutlich niedriger. Daf¨
ur ist ein Wachs-
tum der stickstoffpolaren Facette mit bis zu 0.3 µm/h zu sehen. Kuokstis et al. und
Sun et al. haben auch eine identische Wachstumsrate der beiden Wings und eine
Reduktion der lateralen Wachstumsrate beobachtet [104, 105]. Das wird durch die
Ergebnisse von Iida et al. erkl¨
art, die festgestellt haben, dass das Verh¨
altnis der late-
ralen Wachstumsraten des stickstoff- und galliumpolaren Wings vom V/III-Verh¨
altnis
abh¨
angt [106]. Das hier verwendete Verh¨
altnis von 900 l¨
age demnach in einem Be-
56 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
reich, in dem beide c-Facetten eine ¨
ahnliche Wachstumsrate haben. Dieser Versuch
ist also trotz identischer Versuchsbedingungen nicht identisch mit den koaleszierten
Streifen aus Kap. 4.1.
Abbildung 4.18: Cl-Mapping Aufnahmen von koaleszierten ELOG-Streifen in [1¯
100]Rich-
tung. a) SE-Bild, b) Peakwellenl¨
angenmapping, c) Spektren an den in a) und b) gekennzeich-
neten Bereichen (Window mit BSFlow-Dominanz, rot; Wing-Bereich mit (D0,X)-Dominanz,
violett; Wingbereich mit BSFhigh-Dominanz, gr¨
un). Aufgenommen von B. Bastek. Siehe auch
[100].
Obwohl ein Wachstumsregime mit der Koaleszenzgrenze in der Mitte der Maske aus
technologischer Sicht nicht optimal ist, kann man dadurch die optischen Eigenschaf-
ten des galliumpolaren und des stickstoffpolaren Wings gleichzeitig untersuchen und
damit entscheiden, ob eher galliumpolares oder stickstoffpolares Wachstum erstre-
benswert ist. In der Literatur gibt es sowohl Meinungen, die galliumpolares Wachs-
tum favorisieren [107], da stickstoffpolare Wings eine sehr hohe Stapelfehlerdichte
haben, als auch Meinungen, die stickstoffpolares Wachstum favorisieren [106], da
dieses eine h¨
ohere Wachstumsratenselektivit¨
at erm¨
oglicht.
Ein KL-Mapping der koaleszierten ELOG-Schicht mit [1¯
100]orientierten Streifen ist
in Abb. 4.18 zu sehen. Wie bei den unkoaleszierten Strukturen dominiert im Win-
dow die rot verschobene BSF-Lumineszenz (rotes Spektrum). Im Wing gibt es Be-
reiche mit dominierender bandkantennaher Lumineszenz (violett) und Bereiche mit
dominierender Stapelfehlerlumineszenz (gr¨
un). Die Stapelfehlerlumineszenz ist vor
allem in der Mitte der Maske, d.h. in der Umgebung der Koaleszenzgrenze zu fin-
den. Zwischen Window und Koaleszenzgrenze dominiert in weiten Teilen die band-
kantennahe Lumineszenz des donatorgebundenen Exzitons (D0,X) (3.485 eV), die
gegen¨
uber dem unverspannten (D0,X) (3.472 eV) um 13 meV blau verschoben, was
einer kompressiven Verspannung von (0.48±0.07)GPa entspricht [108, 101]. Da die
unkoaleszierten Wings unverspannt sind (siehe S. 4.2), ist davon auszugehen, dass
die koaleszierte Schicht beim Abk¨
uhlen wegen der unterschiedlichen thermischen
Ausdehnungskoeffizienten von GaN und Saphir kompressiv verspannt wurde. Die
Stapelfehlerlumineszenz im Wing der koaleszierten Schicht (3.428 eV) ist gegen¨
uber
der Stapelfehlerlumineszenz im Wing der unkoaleszierten Schicht (3.413 eV) um
15 meV blau verschoben ist, ¨
ahnlich wie (D0,X). Das entspricht mit dem in Kap. 4.2
bestimmten Deformationspotential von (35 ±11)meV/GPa einer Verspannung von
0.46 GPa. Die BSF-Peakposition im Window ist dagegen identisch f¨
ur koalesziertes
und unkoalesziertes GaN (3.407 eV). Daraus folgt, dass die Verspannung im Win-
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten 57
dow in beiden F¨
allen wegen des Kontakts zum Template identisch ist. Wie bei den
unkoaleszierten Schichten ist hier eine Verspannungsmodulation entlang [0001]zu
beobachten, die f¨
ur ein Bauelement nicht w¨
unschenswert sind.
Der Bereich mit dominierender BFS-Lumineszenz an der Koaleszenzgrenze ist mit
34µm sehr breit. Die Stapelfehlerdichte steigt also schon einige Mikrometer vor der
Koaleszenz an. Das ist unerwartet, da die unkoaleszierten Schichten eine kontinuier-
lichen Abnahme der Stapelfehlerdichte zeigten. Da die Stapelfehlerdichte kurz vor
der Koaleszenz pl¨
otzlich ansteigt, muss sich etwas am Wachstumsmodus ge¨
andert
haben. Bei der Ann¨
aherung der Wachstumsfronten haben sich schneller wachsende
Facetten herausgebildet. Wenn diese eine erh¨
ohte Wahrscheinlichkeit zur Bildung
von Stapelfehlern h¨
atten, w¨
urde dies den breiten Koaleszenzbereich erkl¨
aren.
Die Untersuchungen mit KL und KL-Mapping haben gezeigt, dass die Erwartungen,
die durch die unkoaleszierten Schichten geweckt wurden (starke Wachstumsraten
Anisotropie, abnehmende Stapelfehlerdichte, Verspannungsfreiheit) sich nach der
Koaleszenz nur zum Teil erf¨
ullt haben. Die Koaleszenzfront war wider Erwarten in
der Mitte der Maske und die Stapelfehlerlumineszenz trat in einem breiten Bereich
um die Koaleszenzfront auf. Außerdem deuten die KL-Untersuchen auf eine starke
Inhomogenit¨
at der Defektdichte und der Verspannung hin, was die Prozessierung
von Bauelementen st¨
oren w¨
urde. M¨
ochte man Laserstrukturen mit [1¯
100]Resona-
tororientierung auf einem solchen Template im defektreduzierten Bereich herstellen
ergibt sich eine Maskenbreite von 22 µm: 15 µm defektfreies Gebiet werden f¨
ur
einen RW-Laserresonator ben¨
otigt. Hinzu kommen jeweils 3 µm am Window und
an der Koaleszenzfront, wo die Stapelfehlerdichte erh¨
oht ist. Bei optimalen Bedin-
gungen, wie in Kap. 4.1 beschrieben, w¨
urden ca. 17 h Wachstum bis zur Koales-
zenz ben¨
otigt werden. Dar¨
uber hinaus muss man mit Problemen beim Ausrichten
der Lithografiemasken an den Streifenstrukturen rechnen, insbesondere bei so stark
verkr¨
ummten Schichten. Trotz der sehr guten Materialqualit¨
at in den Wings, sind
ELOG-Templates mit [1¯
100]Streifenorientierung nicht wirklich gut f¨
ur die Herstel-
lung von Bauelementen geeignet. Wie hoch Stapelfehler- und Versetzungsdichte in
den verschiedenen Wachstumsbereichen wirklich sind und wie diese Unterschiede
zustande kommen wird im folgenden Kapitel behandelt.
TEM-Untersuchung der strukturelle Eigenschaften von koaleszierten [1¯
100]
Streifen Eine ¨
Ubersicht ¨
uber die Verteilung von Versetzungen und Stapelfehlern
bietet die Abb. 4.19. Hier ist die selbe Region unter drei verschiedenen Beugungs-
bedingungen zu sehen, so dass Stapelfehler, Partialversetzungen und vollst¨
andige
Versetzungen (g=1¯
100, g=0002 bzw. g=¯
2110) zu sehen sind. Auf der linken
Seite der Bilder ist das Window zu sehen, das in allen drei Bildern viele Kontras-
te zeigt. D.h. Stapelfehler-, Partialverstzungs- und Schraubenversetzungsdichte sind
sehr hoch (vgl. Kap. 3.5) und die Stapelfehler sind kurz (da es viele Partialversetzun-
gen gibt). Der Rand des Windows wird durch die linken Pfeile angezeigt. Die Probe
ist so orientiert, dass rechts vom Window der stickstoffpolare Wing ist - bis zum
rechten Pfeil, der Koaleszenzgrenze. Rechts von der Koaleszenzgrenze folgt dann der
galliumpolare Wing.
Im Wing sieht man die deutliche Stapelfehlerreduktion (g=1¯
100). Außerdem ver-
58 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.19: TEM Plan-view-
Aufnahmen einer koaleszierten
ELOG-Schicht a) g=1¯
100, b)
g=0002, c) g=¯
2110. Aufge-
nommen von Z. Wu. Siehe auch [86].
laufen viele Stapelfehler durch das ganze Bild, d.h. sie haben eine große Ausdehnung
(>10 µm) entlang der [¯
1100]-Richtung. Dies entspricht nicht den Ergebnissen der
Literatur [107], die im stickstoffpolaren Wing die selbe Stapelfehlerdichte wie im
Window fanden, aber daf¨
ur eine wesentlich schnellere Abnahme der Stapelfehler-
dichte im galliumpolaren Wing. Es ist m¨
oglich, dass die Wachstumsparameter einen
entscheidenden Einfluss auf die Bildung von Stapelfehlern auf den verschiedenen
c-Facetten haben. In der selben Aufnahme sieht man auch durchstoßenden Verset-
zungen im stickstoffpolaren Wing (hier 7 ×108cm2), die im galliumpolaren Wing
nicht auftreten. Mit g=0002 (Partialversetzungen) sieht man praktisch keinen Kon-
trast im gesamten Window. Die Partialversetzungsdichte ist also sehr niedrig (Dichte
<2×106cm2), was mit den langen Stapelfehlern und der Bildung von prismati-
schen Stapelfehlern im Wing ¨
ubereinstimmt.
Bei der Abbildung mit g=¯
2110 sind Versetzungen zu sehen, diesmal in beiden
Wings. Die Dichte ist mit 6 ×108cm2sehr hoch f¨
ur eine lateral ¨
uberwachsene
Schicht.
Direkt an der Koaleszenzgrenze findet man mit g=0002 (Partialversetzungen) und
g=¯
2110 (ganze Schraubenversetzungen) Kontraste, die f¨
ur eine erh¨
ohte Defekt-
dichte sprechen.
Der Vergleich der Defektstruktur in Wing und Window zeigt einen fundamentalen
Unterschied. Im Window ist die Versetzungsdichte hoch und die Stapelfehler sind
kurz (0.75 2.5 µm, siehe Kap. 3.5). Im Wing dagegen ist die Dichte der Versetzun-
gen, insbesondere der Partialversetzungen niedrig und die Stapelfehler sind sehr lang
(>10 µm). Der Unterschied liegt in der Entstehung der Stapelfehler. Im koh¨
arent ge-
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten 59
wachsenen Bereich sind sie bei der Nukleation entstanden und haben daher ungef¨
ahr
die Ausdehnung der Nukleationsinseln [67]. Die Stapelfehler entstehen in den indi-
viduell wachsenden Inseln. Damit ist eine Bildung von l¨
angeren Stapelfehlern nicht
m¨
oglich. Bei der Nukleation ist die Wahrscheinlichkeit f¨
ur die Bildung von BSF durch
die Wechselwirkung mit dem Substrat und die niedrige Temperatur sehr hoch. Bei
der Koaleszenz der Schicht entstehen an den Grenzen der Inseln Partialversetzungen.
Beim lateralen Wachstum auf den ausgebildeten c-Facetten dominiert der Stufenfluss
oder das Layer-by-Layer-Wachstum im Gegensatz zum Inselwachstum bei der Nu-
kleation. Dadurch kann sich ein einmal auf der Facette gebildeter Stapelfehler ¨
uber
einen langen Bereich ausbreiten, bevor er auf fehlerfrei gewachsenes Material trifft.
Unter diesen Bedingungen scheint dann h¨
aufig die Bildung eines prismatischen Sta-
pelfehlers wahrscheinlicher (vgl. S. 49), wodurch die Partialversetzungsdichte nicht
beeinflusst wird. Die Wahrscheinlichkeit f¨
ur die Bildung von Stapelfehlern ist niedrig,
da sich nur wenige ¨
uberkritische Keime bilden (deutlich h¨
ohere Wachstumstempera-
tur). Außerdem gibt es keine Interaktion mit einem Substrat und das Wachstum ist
spannungsfrei.
Strukturelle und optische Eigenschaften von vollst¨
andig koaleszierten [1¯
101]-
Streifen Wie auf Seite 53 gezeigt, war die Schicht mit [1¯
101]orientierten Streifen
als einzige vollst¨
andig koalesziert. Im Folgenden sollen nun die optischen Eigenschaf-
ten mit CL gekl¨
art werden. Davon ausgehend wird auf die Verteilung von Defekten
und dar¨
uber hinaus auf den Koaleszenzprozess geschlossen.
Das Spektrum in Abb. 4.20 zeigt die bekannten Peaks bei 3.46, 3.43 und 3.33 eV. Die
BSF-Lumineszenz bei 3.43 eV dominiert das Spektrum und ist wie bei den [1¯
100]-
Streifen leicht blau verschoben. Die bandkantennahe Lumineszenz ist nur als Schul-
ter des Stapelfehlerpeaks zu erkennen. Dies ist zwar ein gr¨
oßerer Anteil an bandkan-
tennaher Lumineszenz als bei der unkoaleszierten Probe, aber deutlich weniger als
bei den Proben mit [1¯
100]-orientierten Streifen. Gr¨
oßere stapelfehlerfreie Bereiche
sind nicht vorhanden. In den spektral aufgel¨
osten Plan-view-Abbildungen 4.21 kann
man in der Helligkeitsverteilung der Stapelfehlerlumineszenz bei 3.43 eV den hellen
Wing und dunklen Windowbereich als waagerecht verlaufende Streifen erkennen.
Die von links oben nach rechts unten verlaufenden Streifen werden durch die Mor-
phologie verursacht; sie sind auch im SE-Bild zu sehen. Die von rechts oben nach
links unten verlaufenden Streifen wurde auch schon bei den unkoaleszierten Struk-
turen beobachtet (siehe Abb. 4.6, S. 44) und werden vermutlich von einer lokalen
Variation der Stapelfehlerdichte verursacht.
Die Plan-view-Abbildung bei 3.43 eV zeigt, dass die Stapelfehlerlumineszenz, analog
zu den unkoaleszierten Strukturen, in der gesamten Schicht zu finden ist. Im Ge-
gensatz zu diesen ist aber der Kontrast zwischen Wing und Window viel kleiner. Das
bedeutet, dass die Versetzungsdichte in Wing und Window ¨
ahnlich ist. Fraglich ist,
ob die Versetzungsdichte im Wing gestiegen oder im Window gesunken ist. Da das
Auftreten der Streifen parallel [1¯
100]nur bei niedriger Versetzungsdichte beobachtet
wurde (vgl. Kap. 4.1), muss die Versetzungsdichte im Window gesunken sein.
Die Querschnittsabbildung Abb. 4.22 unterst¨
utzt diese Theorie. Der Querschnitt zeigt,
dass ein dreieckiger Bereich direkt ¨
uber der Masken¨
offnung keine Lumineszenz zeigt.
60 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.20: Lokale CL-
Spektren von Wing und Window
einer koaleszierten a-plane GaN
ELOG Probe (siehe Abb. 4.21)
und zum Vergleich einer unko-
aleszierten Probe wie in Abb.
4.6. (77 K) Aufgenommen von
U. Zeimer. Siehe auch [109].
350 355 360 365 370 375 380
0
1x10
5
2x10
5
3x10
5
4x10
5
3.5 3.45 3.4 3.35 3.3
3.33 eV
W ing
W ind ow (x10)
unkoaleszierte Probe
Intensität (counts)
W ellen länge (nm)
(D
0
,X) BSF
DAP
10x
Energie (eV)
Abbildung 4.21: (Plan-
view a) SE- und b)+c) CL-
Abbildung einer koaleszier-
ten a-plane GaN ELOG Probe
mit [0¯
111]orientierten Strei-
fen. (77 K) Aufgenommen von
U. Zeimer. Siehe auch [109].
4.3 Koaleszierte a-plane ELOG Schichten 61
Abbildung 4.22: a) Querschnitts-SE- und b)+c) mono-CL-Abbildung einer koaleszierten a-
plane GaN ELOG Probe mit [1¯
101]orientierten Streifen. (77 K) Aufgenommen von U. Zeimer.
Siehe auch [109].
Abbildung 4.23: REM-Aufnahme
der untersten 10 µm der ko-
aleszierten a-plane GaN ELOG
Schicht mit [1¯
101]. Mit weißen
Strichen ist die rekonstruierte
Wachstumsfront nach verschie-
denen Wachstumszeiten ein-
gezeichnet, wobei die unterste
Linie (110 min) der beobachte-
ten Silhouette aus Abb. 4.6 ent-
spricht. Die anderen Silhouette
wurden unter Annahme konstan-
ter Wachstumsraten extrapoliert.
Siehe auch [109].
Hier ist die Versetzungsdichte am h¨
ochsten. Oberhalb dieses dunklen Dreiecks ist
die Lumineszenz in Wing und Window vergleichbar. Die Versetzungsdichte muss
hier deutlich reduziert sein. In der Stapelfehlerlumineszenz ist lediglich entlang der
Verl¨
angerung der schr¨
agen Kante des Dreiecks die Intensit¨
at etwas niedriger. Daf¨
ur
ist in diesem Bereich die 3.34 eV Lumineszenz, die vermutlich vom I2Stapelfehler
verursacht wird (siehe Kap. 4.1), am intensivsten. Das zeigt auch die Plan-view-
Aufnahme bei 3.34 eV: Am galliumpolaren Rand der Masken¨
offnung ist die Inten-
sit¨
at am h¨
ochsten, gefolgt vom Windowbereich. Im Wing ist diese Lumineszenz am
schw¨
achsten. Da die st¨
arkste 3.34 eV Lumineszenz aus dem Bereich der Koaleszenz-
grenze kommt, folgt, dass dieser Defekt bei der Koaleszenz verst¨
arkt gebildet wird.
Um die Reduktion von Versetzungen zu verstehen, muss man den Koaleszenzprozess
studieren. In Abb. 4.23 sind, ausgehend von der unkoaleszierten Schicht, f¨
ur ver-
schiedene Wachstumszeiten extrapolierte Wachstumsfronten mit einer Querschnitts
REM-Aufnahme der koaleszierten Schicht ¨
uberlagert. Man kann hier sehen, dass der
galliumpolare Wing ¨
uber die stickstoffpolare Facette w¨
achst. An der Koaleszenzgren-
ze von gallium- und stickstoffpolarer Facette entstehen kleine L¨
ocher (Voids, weiße
Pfeile in Abb. 4.23). Die Versetzungen annihilieren also in der Koaleszenzebene oder
terminieren in den Voids. Da es trotzdem koh¨
arente Bereiche gibt, k¨
onnen Versetzun-
gen dort in den galliumpolaren Wing eindringen. Die unterschiedlichen Defektdich-
62 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.24: AFM-Aufnahme der
koaleszierten a-plane GaN ELOG Pro-
be mit [1¯
101]orientierten Streifen an
der Grenze zwischen Wing und Window.
Abbildung 4.25: SWLI-
Aufnahme der Oberfl¨
ache einer
koaleszieren a-plane GaN ELOG
Schicht mit [1¯
101]orientier-
ten Streifen. Siehe auch [109].
ten in Wing und Window werden auch in der Oberfl¨
achenmorphologie reproduziert.
Eine AFM-Aufnahme an der Grenze von Wing und Window (Abb. 4.24) zeigt, das die
Windowseite 4.5×108cm2Pits an der Oberfl¨
ache hat, w¨
ahrend es auf der Wingseite
mit <4×107cm2deutlich weniger Pits gibt. Wie auch bei den [1¯
100]-Streifen, wer-
den die Pits von Versetzungen verursacht. ¨
Uberlagert wird die Morphologie in Wing
und Window von Streifen, die durch die Stapelfehler verursacht werden und die
Welligkeit parallel [0001]erh¨
ohen. Die RMS-Rauigkeit von 3.4 nm wird aber durch
Wellen senkrecht zu [0001]mit einer Periode von 10 µm bestimmt, wie auch in
der SWLI-Abbildung zu sehen (Abb. 4.25).
Betrachtet man die Eignung dieses ELOG-Templates f¨
ur die Herstellung von Bau-
elementen, so ist positiv anzumerken, dass die Versetzungsdichte in der ganzen
Schicht relativ niedrig ist. Das spiegelt sich in schmalen Rockingkurvenhalbwerts-
breiten von 45000 und 28000 bei Einstrahlung parallel und senkrecht zu c-Richtung
wider. Dies ist eine große Verbesserung im Vergleich zum Template mit 210000 und
105000. Allerdings gibt es keine Reduktion der Stapelfehler, die vor allem die Ober-
fl¨
achenmorphologie beeintr¨
achtigen. Auf mikroskopischer Skala betr¨
agt die Rauig-
keit 3.4 nm (AFM, 10x10 µm2), also deutlich mehr als bei c-plane mit 0.5 nm. Auf
gr¨
oßeren L¨
angenskalen gibt es langgestreckte H¨
ugel mit H¨
ohenunterschieden von
1µm auf einer Entfernung von 100 µm (Abb. 4.25). Wegen der schnellen Koales-
zenz, der geschlossenen Oberfl¨
ache und der Versetzungsreduktion ist diese Streifen-
4.4 Hypothesen zur Entstehung von Basalfl¨
achenstapelfehlern 63
Abbildung 4.26: Skizze zur Ge-
neration von Stapelfehlern an
einer Substratstufe [89].
orientierung trotzdem interessant.
4.4 Hypothesen zur Entstehung von Basalfl¨
achenstapelfehlern
In den vorangegangenen Kapiteln wurden wurden Stapelfehler in unterschiedlichen
Wachstumsdom¨
anen beobachtet. Nun sollen die Ergebnisse konzentriert zusammen
gefasst werden um auf den Bildungsprozess der Stapelfehler zu schließen und Stra-
tegien zu ihrer Vermeidung zu finden. Die meisten Stapelfehler in heteroepitakti-
schen Schichten entstehen bei der Nukleation. Dieses Ph¨
anomen wurde unabh¨
angig
vom Substrat auf Saphir, SiC, Spinell und LiAlO2beobachtet. Wu et al. [107] gehen
davon aus, dass sich bei der Nukleation stickstoffpolare Facetten bilden. Sie vermu-
ten, dass analog zur Stapelfehlerbildung beim lateralen ¨
Uberwachsen, die Stapelfeh-
ler auf diesen Facetten eingebaut werden. Die Fehlerbildung ist bei den niedrigen
Wachstumstemperaturen der Nukleation noch wahrscheinlicher als bei den hohen
Wachstumstemperaturen wegen der niedrigeren Adatombeweglichkeit. Vanfleet et
al. [89] nehmen an, dass sich an monoatomaren Stufen Basalfl¨
achenstapelfehler bil-
den k¨
onnen (Abb. 4.26).
Zus¨
atzlich zu diesen Prozessen ist es auch m¨
oglich, dass die Stapelfolge im epitak-
tisch aufgewachsenen Material nicht durch das Substrat vorgegeben ist (vgl. Abb.
4.27). Wenn eine Insel mit ABAB Stapelung mit einer benachbarten Insel mit ACA-
CAC Stapelung koalesziert, muss ein Stapelfehler an der Koaleszenzgrenze entste-
hen. Dass das Substrat die Stapelung nicht vorgibt, kann man sich veranschaulichen,
wenn man das Wachstum von m-plane GaN auf 4H-SiC betrachtet. Sowohl Substrat
als auch Schicht sind hexagonal, aber das GaN w¨
achst mit dem Polytyp 2H auf dem
Substrat mit Polytyp 4H. Daraus folgt, dass mindestens alle vier Basalebenen im GaN
und im SiC unterschiedliche Ebenen in der Stapelung entlang der c-Richtung aufein-
ander aufwachsen, also z.B. eine GaN A-Ebene auf eine SiC C-Ebene.
Ein weiterer Prozess zur Stapelfehlergeneration wurde in Kap. 3.3 vorgestellt: Die
Generation an den planaren Defekten in (100)γ-LiAlO2. Wie dort anhand von TEM-
Aufnahmen gezeigt wurde, k¨
onnen Basalfl¨
achenstapelfehler an den auftretenden
planaren Defekten generiert werden. Dar¨
uber hinaus k¨
onnen Stapelfehler auch beim
64 4 Laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) zur Defektreduktion
Abbildung 4.27: Skizze zur
Generation von Stapelfehlern
durch Koaleszenz von unter-
schiedlich gestapelten Inseln.
lateralen ¨
Uberwachsen entstehen, wie im Rahmen dieser Arbeit gezeigt wurde und
auch in der Literatur zu finden ist [107, 110]. Interessant ist hier, dass die Stapel-
fehlergeneration nicht mit der Stapelfehlerdichte im Window zusammen h¨
angt, wie
Sawaki et. al mit dem Wachstum auf strukturiertem Si zeigen konnte [110]. Aller-
dings wurde im Rahmen dieser Arbeit gezeigt, dass die Generation von Stapelfehlern
nicht auf die stickstoffpolare Facette beschr¨
ankt ist. Fraglich bleibt, ob die Generati-
on dieser Fehler zuf¨
allig ist, oder durch Verspannung oder durch Interaktion mit der
Maske erzeugt werden.
Stapelfehler bleiben ein schwerwiegendes Problem beim heteroepitaktischen Wachs-
tum und ihre Entstehung kann bei der Nukleation von semi- oder nichtpolarem Ma-
terial wohl kaum verhindert werden kann. Ein erfolgreiche Ansatz die Stapelfehler-
dichte zu senken ist das Wachstum auf strukturiertem Saphir oder Si [110, 111].
Leider werden beim lateralem Wachstum Stapelfehler eingebaut. Da die Stapelfehl-
ergeneration beim lateralen Wachstum von den Wachstumsbedingungen abh¨
angt,
k¨
onnten stapelfehlerfreie Schichten m¨
oglich sein. So sind blaue LEDs auf solchen
Templates mit einer Leistung von 3 mW bei einem Strom von 20 mA [111] ein viel-
versprechendes Resultat.
4.5 Zusammenfassung ELOG
Wie das vorangegangene Kapitel zeigt, bewirkt ELOG eine enorme Verbesserung der
strukturellen und optischen Eigenschaften. So ist es m¨
oglich, 2 Templates mit re-
duzierter Defektdichte herzustellen, die sogar defektfreie Gebiete von mehreren Mi-
krometern Ausdehnung haben. Die Dichte und Verteilung der Defekte h¨
angt maß-
geblich von der Orientierung der Streifen ab. Eine Reduktion der Stapelfehlerdichte
ist nur f¨
ur Streifen parallel zu diesen, d.h. parallel der [1¯
100]Richtung, zu beob-
achten. Bei anderen Streifenorientierungen kommt es zur Ausbreitung der Defekte
in die Wings. Eine Reduktion der Vesetzungsdichte findet im Verh¨
altnis Maske zu
¨
Offnung statt. Die Verteilung der Versetzungen wird durch die Wachstumsfacetten
bestimmt, wobei Versetzungen ann¨
ahernd senkrecht zur Oberfl¨
ache verlaufen. Wenn
die Seitenfacetten senkrecht sind oder eine h¨
ohere Wachstumsrate als die parallel zu
Waferoberfl¨
ache liegende Facette haben, wird ein Abknicken verhindert. Die beste
Materialqualit¨
at findet man in den Wings von [1¯
100]-Streifen wo die Ausbreitung
der Stapelfehler und der Versetzungen in den Wing verhindert wird. Da die Defekt-
dichte im koh¨
arent gewachsenem Bereich jedoch genauso hoch wie im Template ist,
ergeben sich sehr inhomogene Oberfl¨
achen. Diese haben ein deutliches Profil in Ver-
spannung, Morphologie und Defektdichte. Eventuelle Bauelemente m¨
ussten diesen
4.5 Zusammenfassung ELOG 65
Gegebenheiten folgen, d.h. man m¨
usste die aktiven Regionen auf den defektarmen
Bereichen positionieren. Insbesondere bei der Herstellung von kantenemittierenden
Laserstrukturen w¨
are man darauf angewiesen die Laserstreifen parallel zur Rich-
tung mit niedrigerem Gain, also entlang der [0001]-Richtung zu orientieren (siehe
Kap. 5.6.1). Deutlich homogenere Templates erh¨
alt man mit [1¯
101]-Streifen, die au-
ßerdem am schnellsten koaleszieren. Allerdings ist die Stapelfehlerdichte f¨
ur diese
Streifenorientierung genauso hoch wie im Template, wodurch die Oberfl¨
ache gest¨
ort
wird. Deswegen wurden f¨
ur die Herstellung von Bauelementstrukturen im folgen-
den Kapitel ganzfl¨
achig defektarme, wenn auch kleine, GaN Substrate (siehe Kap. 5)
verwendet.
Kapitel 5
Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf
homoepitaktischen GaN Substraten
Um das Problem der ausgedehnten Defekte bei der Heteroepitaxie zu umgehen, bie-
tet sich die Verwendung von GaN-Substraten an. Dazu ben¨
otigt man ein GaN Sub-
strat in der gew¨
unschten Orientierung, das bei der Abscheidung einer Schicht die
Orientierung vorgibt.
GaN-Substrate beliebiger Orientierung erh¨
alt man durch das S¨
agen eines GaN-Kristalls
in der gew¨
unschten Ebene. Das Problem bei einem solchen Herstellungsverfahren
ist, dass die Gr¨
oße verf¨
ugbarer GaN Kristalle sehr begrenzt ist. Erst w¨
ahrend der
Arbeiten an den ELOG-Schichten wurde die Kristallgr¨
oße soweit gesteigert, dass die
Herstellung von nicht- und semipolaren Substraten m¨
oglich wurde. Die gr¨
oßten Kris-
talle wurden bisher mit HVPE auf c-plane Saphir in c-Richtung gewachsen und ha-
ben einen Durchmesser von 50 m (senkrecht zu [0001]) und eine Dicke von 10 mm
(entlang [0001]) [8]. Nichtpolare Substrate, die aus solchen Boules ges¨
agt wurden,
haben eine maximale Breite von 10 mm (typisch sind 5 mm) und ca. 20 mm L¨
ange
[7]. Das heißt, solange die Boules in ihrer Dicke weiterhin beschr¨
ankt bleiben, ist die-
se Methode nicht industrietauglich, da die Substrate f¨
ur einen industriellen Prozess
zu klein sind.
Freistehende nichtpolare GaN-Wafer mit 2 Durchmesser k¨
onnen durch HVPE-Wachstum
auf Fremdsubstraten hergestellt werden [112, 113]. Allerdings haben die ¨
uberwachs-
enen Schichten dieselben Probleme wie die mit MOVPE gewachsenen d¨
unnen Schich-
ten: Stapelfehler- und Partialversetzungsdichten sind mit Templates vergleichbar [89,
88] und f¨
uhren zu einer, im Vergleich zu c-plane GaN, schlechten Kristall- und Ober-
fl¨
achenqualit¨
at. Nur aus c-plane Boules geschnittene Substrate k¨
onnen wegen ihrer
geringen Defektdichte verwendet werden, um das defektarme Wachstum auf nicht-
und semipolaren Oberfl¨
achen zu untersuchen.
5.1 Bauelementstrukturen auf nicht- und semipolaren GaN-Substraten
Die Zielstruktur f¨
ur eine Laserdiode ist in Abb. 5.1c dargestellt. Die Entwicklung die-
ser Struktur l¨
asst sich in die Entwicklung der einzelnen Teilschichten zerlegen, der
Pufferschicht (Kap. 5.3), der Mantelschicht, d.h. des AlGaN/GaN ¨
Ubergitters (Su-
perlattice, Kap. 5.5), der Quantent¨
opfe (Quantumwells, Kap. 5.4) sowie der n- und
p-Dotierung von GaN und AlGaN mit Si bzw. Mg (Kap. 5.6.2).
68 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.1: Verwendete Epitaxiestrukturen. a) PL-Teststruktur zur Optimierung von 3x
InGaN Multiquantent¨
opfen (MQW) mit InGaN Barrieren. b) Optisch gepumpte Laserstruk-
tur, mit 3xMQW, einem GaN Wellenleiter (WG), und einem AlGaN/GaN ¨
Ubergitter (SL).
c) Elektrisch gepumpte hetero confinement Laserstruktur mit n-dotierter unteren Mantel-
schicht und Wellenleiter, einer aktiven Zone mit 3xMQW sowie einem p-dotierten AlGaN
electron blocking layer (EBL) im Mg dotieren p-Wellenleiter. Das p-dotierte GaN:Mg Cap auf
der p-Mantelschicht dient als Kontaktschicht f¨
ur einen geringeren Kontaktwiderstand.
5.2 Substratcharakterisierung
Da die Substrate erst w¨
ahrend der Arbeiten an den heteroepitaktischen Schichten
von verschiedenen Herstellern entwickelt wurden, ist es wichtig die Qualit¨
at der
Substrate zu charakterisieren und miteinander sowie mit den heteroepitaktischen
Schichten zu vergleichen. Wie bei den heteroepitaktischen Schichten sind Kristall-
qualit¨
at, gekennzeichnet durch die Rockingkurvenhalbwertsbreite, und Morphologie
die entscheidenden Gr¨
oßen. Die Substrate von Hersteller A haben eine sehr gute
Rockingkurvenhalbwertsbreite von 50 30000 (je nach Orientierung und Einfalls-
richtung des R¨
ontgenstrahls) und eine sehr glatte Politur mit einer RMS-Rauigkeit
von 0.5 1.6 nm (10x10 mum2AFM). Ihre Gr¨
oße liegt zwischen 4x20 mm2und
6x25 mm2(Abb. 5.2). Die Rockingkurven (Abb. 5.3) weisen je nach Position meh-
rere sehr schmale Peaks auf. Daraus l¨
asst sich schließen, dass sich innerhalb der
Fl¨
ache, die vom R¨
ontgenstrahl beleuchtet wird1, mehrere gegeneinander um eini-
ge Winkelsekunden verkippte Kristalldom¨
anen befinden. Eine Untersuchung mit CL
(70 K) zeigt an allen Stellen eines m-plane Substrats bandkantennahe Lumineszenz
bei 3.46 eV (356 nm). Defektb¨
ander von BSF (Basalfl¨
achenstapelfehler) oder DAP
1Diese Fl¨
ache h¨
angt vom Einfallswinkel und der Gr¨
oße des Kollimatorschlitzes ab. F¨
ur eine Schlitz-
gr¨
oße von 0.5x5 mm2und den symmetrischen 10¯
10 Reflex von GaN (16) hat die beleuchtete Fl¨
ache
eine Breite von5.5 mm2.
5.2 Substratcharakterisierung 69
Abbildung 5.2: Fotografie von bulk GaN Sub-
straten unterschiedlicher Orientierung. Die
erste Charge (10¯
10)m-plane hatte noch die
unbeschnittene +c-Wachstumsoberfl¨
ache
mit V-Pits an der Oberkante. Sp¨
atere Char-
gen hatten, wie das (10¯
11)und das (11¯
22)
Substrat, ¨
uberall gerade Kanten und eine
abgeschnittene Ecke zu Markierung der stick-
stoffpolaren Seite.
100
101
102
103
104
105
15.7 15.8 15.9 16 16.1 16.2 16.3 16.4 16.5
Intensität (bel. Einheiten)
ω (°)
Position 1
Position 2
Abbildung 5.3: Rockingkurve
des symmetrischen 10¯
10 Reflexes
eines m-plane GaN-Substrates an
zwei verschiedenen Positionen.
(Donator-Akzeptor-Paar¨
ubergang) wie in heteroepitaktischem nicht- und semipola-
rem GaN in Kap. 3.1 gibt es nicht. Bilder mit h¨
oherer Aufl¨
osung zeigen dunkle Punkte
mit einer Dichte von 2 ×106cm2, die von durchstoßenden Versetzungen verur-
sacht werden. Das korelliert mit der sehr schmalen Rockingkurvenhalbwertsbreite
der Schichten.
Da alle semipolaren Substrate verschiedener Orientierung auch vom Hersteller A
stammen, also aus vergleichbaren c-plane Boules geschnitten wurden, ist die Qua-
lit¨
at der nicht- und semipolaren Substrate vergleichbar. Der Vergleich mit m-plane
Substraten eines zweiten Herstellers ergab, dass dessen Substrate zum Teil breiter
sind, aber in c-Richtung die zuletzt gewachsenen 3 mm nicht glatt polierbar und
teilweise intransparent sind. Wie bei den Substraten des Herstellers A, sind an der
ehemaligen c-plane Wachstumsoberfl¨
ache V-Pitstrukturen zu sehen. Allerdings bre-
70 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
chen die Substrate des Herstellers B sehr leicht parallel und senkrecht zur c-Ebene.
Die Substrate des Herstellers A bieten dagegen ein stabiles Substrat mit dem das
Wachstum von GaN reproduzierbar untersucht werden kann.
5.3 GaN-Pufferschichten auf m-plane, (11¯
22),(10¯
11)und (10¯
12)GaN
Substraten
GaN Schichten wurden mit den Wachstumsparametern gewachsen, die auch f¨
ur Puf-
ferschichten von c-plane Laserstrukturen auf GaN Substraten in dieser Anlage ver-
wendet wurden (Temperatur 1017°C, Druck 50 mbar, V/III 900 und TMGa Partial-
druck 1.2 Pa). Dadurch bilden sich je nach Orientierung verschiedene Oberfl¨
achen-
strukturen aus, wie in Abb. 5.4 zu sehen ist. Insbesondere (10¯
10),(10¯
11)zeigen
große H¨
ohenunterschiede (0.9 bzw. 2.1 µm). Bei m-plane handelt es sich um viere-
ckige Pyramiden mit einer H¨
ohe von 1µm und einer Basisbreite von 200400 µm.
Die rechteckige Form der Pyramiden spiegelt die Symmetrie der Oberfl¨
ache wieder.
Die Seitenfl¨
achen haben einen Winkel von 0.20.5, wobei die in c-Richtung ge-
kippten Facetten einen gr¨
oßeren Winkel zur mittleren Oberfl¨
ache haben.
Abbildung 5.4: SWLI Aufnahmen der Oberfl¨
achen von GaN Schichten auf a) (10¯
10), b)
(10¯
11), c) (10¯
12)und d) (11¯
22)GaN Substraten gewachsen bei 50 mbar und 1017°C.
Die (10¯
11)Oberfl¨
ache hat einen gr¨
oßeren H¨
ohenunterschied, ist aber mit kleineren
dreieckigen Pyramiden mit einer Kantenl¨
ange von 100 µm¨
ubers¨
at. Auch diese
Pyramiden zeigen die Anisotropie der Oberfl¨
ache, wobei die Spitze in die gallium-
polare Richtung zeigt. Eine vergr¨
oßerte Aufnahme einer solche Pyramide (Abb. 5.5)
zeigt eine sehr gerade, um 0.75gekippte obere Fl¨
ache und um 1 2gekippte
5.3 GaN-Pufferschichten auf m-plane, (11¯
22),(10¯
11)und (10¯
12)GaN Substraten 71
Abbildung 5.5: SWLI Aufnahme
einer dreieckigen Pyramide auf
(10¯
11)GaN aus Abb. 5.4b.
Seitenfl¨
achen. In [10¯
1¯
2]-Richtung f¨
allt die Pyramide mit mehreren Stufen steil ab.
Auf (10¯
12)sind die H¨
ohenunterschiede mit 140 nm deutlich kleiner (Abb. 5.4c).
Im Bild gibt es zwei Bereiche unterschiedlicher Morphologie. Auf der rechten Seite
gibt es große H¨
ugel (300 µm Durchmesser, 70 nm H¨
ohe) gepaart mit Streifen mit
510 µm Abstand und 2 nm H¨
ohenunterschied. Auf der linken Seite dominieren
kleinere H¨
ugel (40 µm Durchmesser) gepaart mit gr¨
oßeren H¨
ugeln (100 200 µm
Durchmesser, 140 nm H¨
ohe). Aus dem kontinuierlichen ¨
Ubergang von der einen zur
anderen Morphologie kann man schlussfolgern, dass vor allem der Fehlschnitt der
Oberfl¨
ache die Morphologien bestimmt (siehe unten).
Die Oberfl¨
ache der (11¯
22)Schicht ist dagegen sehr glatt, wie schon am H¨
ohenunter-
schied von 15 nm deutlich wird (Abb. 5.4d). Der H¨
ohenunterschied, der durch die
Kr¨
ummung des Substrats verursacht wird, ist deutlich gr¨
oßer und wurde deswegen
abgezogen. Die Wellen sind ein Artefakt der Messung und treten nur wegen der
glatten Oberfl¨
ache auf.
Diese Versuche zeigen, dass die Wachstumsbedingungen f¨
ur c-plane GaN nur be-
dingt f¨
ur nicht- und semipolares GaN verwendet werden k¨
onnen. Insbesondere f¨
ur
m-plane und (10¯
11)m¨
ussen Wachstumsbedingungen f¨
ur eine glattere Morphologie
gefunden werden m¨
ussen.
Oftmals ist an der Spitze der Pyramide ein dunkler Punkt (siehe Abb. 5.6), d.h. eine
Vertiefung zu erkennen. Das l¨
asst einen Zusammenhang mit Versetzungen vermuten.
Einen weiteren Hinweis ergibt sich aus dem Vergleich mit m-plane Schichten auf
LiAlO2. Die Pyramidendichte auf LiAlO2ist zwei Gr¨
oßenordnungen gr¨
oßer als auf
GaN-Substrat, genauso wie die Versetzungsdichte. Insbesondere gibt es auf LiAlO2
eine H¨
aufung von Pyramiden in der N¨
ahe von Polierriefen, wo sich Versetzungen
besonders leicht bilden k¨
onnen. Auch f¨
ur die Pyramiden auf (10¯
11)gibt es Indizi-
en, dass sie von Versetzungen verursacht werden. Bei Lumineszenzmessungen von
MQWs auf diesen Strukturen findet man mit Mikro-PL (Messung L. Schade) in der
Mitte der Pyramide einen dunklen Punkt. Schraubenversetzungen als Ursache f¨
ur
die Pyramiden w¨
urde deren Wachstumsmechanismus erkl¨
aren: An einer Schrauben-
versetzung terminiert eine Oberfl¨
achenstufe [35]. Diese Stufe kann daher nicht wie
beim Stufenflusswachstum immer in eine Richtung wachsen, sondern w¨
achst spi-
ralf¨
ormig um den Versetzungskern. Die Wachstumsrate ist direkt an der Versetzung
am h¨
ochsten, weil hier der Umlauf um den Versetzungskern am k¨
urzesten ist.
72 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.6: Lichmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
achen von m-plane GaN Schichten bei
verschiedenen Wachstumsbedingungen und f¨
ur verschiedene Substratchargen.
Auch wenn Schraubenversetzungen das Pyramidenwachstum ausl¨
osen, k¨
onnen sie
sich nur bilden, wenn die Diffusionsl¨
ange der Adatome groß genug ist um eine sol-
che Materialumverteilung zu gew¨
ahrleisten. Um die Diffusionsl¨
ange zu verk¨
urzen,
kann man die Temperatur absenken oder den Druck erh¨
ohen. Außerdem gibt es Be-
rechnungen f¨
ur c-plane GaN, dass ein gr¨
oßeres NH3Angebot die Galliumdiffusion
behindert [114].
Die Oberfl¨
achen, die sich bei verschiedenen Wachstumsparametern ergeben, sind
in Abb. 5.6 dargestellt. Es ist zu sehen, dass weder eine niedrige Temperatur, noch
erh¨
ohter Druck oder ein gr¨
oßeres Ammoniakangebot zu glatten Oberfl¨
achen f¨
uhrt.
Trotzdem gibt es Unterschiede in der Oberfl¨
achenmorphologie, die nicht nur von den
Wachstumsbedingungen, sondern auch vom Fehlschnitt und von der Oberfl¨
achenpr¨
a-
paration abh¨
angen. Wegen des Umfangs der Experimente wurden zwei Substratchar-
gen von Hersteller A und eine Charge von Hersteller B getestet. Der Vergleich dieser
Substrate bei 1017°C und 50 mbar zeigt, dass auf allen Substraten der drei Chargen
Pyramiden zu finden sind. Auf Charge 1 von Hersteller A sind die Pyramiden groß,
5.3 GaN-Pufferschichten auf m-plane, (11¯
22),(10¯
11)und (10¯
12)GaN Substraten 73
Abbildung 5.7: Lichtmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
achen einer m-plane GaN Schicht im
Zentrum und am Rand eines Wafers.
auf Charge 2 von Hersteller A gibt es große und kleine Pyramiden und auf dem
Substrat von Hersteller B gibt es vor allem kleine Pyramiden. Die Oberfl¨
achen- und
Substratqualit¨
at haben also einen Einfluss auf die Pyramidenbildung.
Der Einfluss des Fehlschnitts zeigt sich in Abb. 5.7. Dort ist eine GaN-Schicht auf
m-plane Substrat im Zentrum und am Rand zu sehen. Wie durch SWLI-Messungen
best¨
atigt wurde, sind die Substrate am Rand abgerundet, d.h. der Fehlschnitt ist an-
ders als im Zentrum. Der Fehlschnitt bewirkt, dass die Form der Pyramiden asymme-
trisch ist und die Pyramidenfl¨
ache, in deren Richtung die Substratoberfl¨
ache gekippt
ist, gr¨
oßer wird. Die unterschiedliche Gr¨
oße der einzelnen Pyramidenseitenfl¨
achen
ist bei vielen Schichten zu beobachten.
Eine durch die Wahl der Wachstumsparameter bedingte Reduktion der Pyramiden
l¨
asst sich h¨
ochstens bei 400 mbar und 1017°C bzw. 980°C (je nach Hersteller) fest-
stellen. Die Oberfl¨
achenstrukturen haben bei diesen Bedingungen weniger stark aus-
gepr¨
agte oder keine Facetten. Dominiert wird die Rauigkeit von großen Stufen, die
parallel zur [1¯
210]Richtung laufen. Durch diese w¨
urden Laserresonatoren, vor al-
lem parallel [0001], mehr gest¨
ort als durch Pyramiden. Da sich aber kein eindeu-
tiger Trend dieser Morphologie zu niedrigeren Wachstumstemperaturen hin zeigt,
k¨
onnten auch Unterschiede zwischen den Substraten die Ursache f¨
ur die beobachte-
ten Unterschiede sein. Da sich bei fast allen Wachstumsparametern Pyramiden aus-
bilden, ist die Diffusionsl¨
ange auf der m-plane Oberfl¨
ache, unabh¨
angig von den hier
betrachteten Wachstumsparametern, groß genug, um H¨
ugel zu bilden. Eine Rekon-
struktion der m-plane Oberfl¨
ache, bei der die dangling Bonds der Ga-Atome leer
und die der N-Atome vollst¨
andig gef¨
ullt w¨
aren, w¨
urde eine schwache Bindung der
Adatome und eine niedrige Diffusionsbarriere zur Folge haben, womit die Pyrami-
denbildung selbst bei niedriger Adatomdiffusion erkl¨
art werden k¨
onnte.
In der Literatur wurde gezeigt, dass mit Fehlschnitt die Ausbildung von Pyramiden
verhindert werden kann [115]. Um glatte Oberfl¨
achen auf m-plane zu erreichen,
sind fehlgeschnittene Substrate der beste Weg.
(10¯
11)orientierte Schichten reagieren deutlich st¨
arker auf eine ¨
Anderung der Wachs-
tumsparameter als die m-plane Schichten (Abb. 5.8). Ausgehend von 1017°C und
50 mbar bewirkt eine Absenkung der Temperatur eine Verkleinerung der dreieckigen
74 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.8: Lichtmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
achen von (10¯
11)GaN Schichten bei
verschiedenen Wachstumsbedingungen.
Pyramiden und eine Reduktion ihrer Dichte. Bei 980°C gibt es einige gr¨
oßere Py-
ramiden, bei 950°C bilden sich keine Pyramiden aus, sondern nur Kegel. Trotzdem
ist bei dem niedrigen Wachstumsdruck die Oberfl¨
ache zwischen den gr¨
oßeren Pyra-
miden nicht glatt sondern voll kleinerer Strukturen. Das ¨
andert sich bei Erh¨
ohung
des Drucks. Bei 200 und 400mbar verringert sich die Dichte der großen Strukturen
weiter und die Oberfl¨
ache in den ungest¨
orten Bereichen wird glatter.
Wie schon anhand der SWLI-Bilder in Abb. 5.4 zu erkennen war, sind die Probleme
auf (10¯
12)nicht so gravierend wie auf m-plane und (10¯
11). Trotzdem w¨
are es gut,
die Rauigkeit unabh¨
angig von der Fehlorientierung weiter zu verringern. Die Licht-
mikroskopbilder in Abb. 5.9 zeigen, dass bei 50 mbar die Variation der Temperatur
keinen Einfluss hat. Die Ausrichtung der H¨
ugel ¨
andert sich, aber das d¨
urfte wohl
auf den Fehlschnitt zur¨
uck zu f¨
uhren sein. Bei der Erh¨
ohung des Drucks werden
bei 200 mbar die H¨
ugel nicht kleiner aber flacher. Bei 400 mbar sind sie verschwun-
den. Daf¨
ur sind kleine L¨
ocher mit geringer Dichte auf der Oberfl¨
ache zu beobachten.
Trotzdem erm¨
oglicht es dieser Parametersatz sehr glatte Schichten herzustellen, de-
ren Rauigkeit mit c-plane und (11¯
22)GaN vergleichbar ist.
Die Schichten auf (11¯
22)GaN sind die einzigen, die bei einer Absenkung der Tem-
peratur oder Erh¨
ohung des Drucks rauer werden (siehe Abb. 5.10). Bei 1017°C und
50 mbar sind die Schichten sehr glatt. Wenn die Temperatur niedriger ist, bilden sich
5.3 GaN-Pufferschichten auf m-plane, (11¯
22),(10¯
11)und (10¯
12)GaN Substraten 75
Abbildung 5.9: Lichtmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
achen von (10¯
12)GaN Schichten bei
verschiedenen Wachstumsbedingungen.
erst sehr kleine (980°C), dann gr¨
oßere und vor allem viel h¨
ohere H¨
ugel (950°C). Die
Bereiche zwischen den H¨
ugeln sind weiterhin sehr glatt. Eine Druckerh¨
ohung f¨
uhrt
dagegen zu einer Vergr¨
oßerung der H¨
ugeldichte aber nicht zu einer Vergr¨
oßerung
der H¨
ugel selbst. Bei 980°C und 400 mbar bildet sich eine Struktur, die der (11¯
22)
Oberfl¨
ache auf m-plane Saphir sehr ¨
ahnlich ist (vgl. Kap. 3.2). Eine Verringerung
der Diffusion reduziert bei dieser Oberfl¨
achenorientierung nicht die H¨
ugelbildung,
sondern f¨
ordert sie. Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass die (11¯
22)Oberfl¨
ache
analog zur a-plane Oberfl¨
ache nur bei ausreichend großer Diffusionsl¨
ange stabil ist
und ansonsten aufzurauen droht.
Zusammenfassung Die Variation der Wachstumsparameter hat gezeigt, dass die
z.T. raue Oberfl¨
achenmorphologie, die bei der Verwendung von c-plane Standard-
parametern auf den nicht- und semipolaren GaN Substraten entsteht, durch ein Ab-
senken der Temperatur und eine Erh¨
ohung des Drucks verbessert werden kann. Es
hat sich herausgestellt, dass 980°C und 400 mbar f¨
ur alle Orientierungen akzeptable
Oberfl¨
achenmorphologien hervorbringt. Die m-plane Oberfl¨
ache ist weitestgehend
unempfindlich gegen¨
uber einer ¨
Anderung der Wachstumsbedingungen. (10¯
11)und
(10¯
12)lassen sich durch das Absenken der Temperatur und die Erh¨
ohung des Drucks
gl¨
atten, w¨
ahrend (11¯
22)bei den selben Parametern leicht aufraut.
76 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.10: Lichtmikroskopaufnahmen der Oberfl¨
achen von (11¯
22)GaN Schichten bei
verschiedenen Wachstumsbedingungen. Bei 980°C und 400 mbar bildet sich eine feine Struk-
tur, die im Inset des entsprechenden Bildes gezeigt ist.
5.4 InGaN Quantent¨
opfe
Die Quantent¨
opfe sind in einer Laser- oder LED-Struktur der Ort der Lichtentste-
hung. Daher h¨
angt die Leistung des Bauelements sehr stark von der Qualit¨
at der
Quantent¨
opfe ab. F¨
ur LEDs ist dabei die interne Quanteneffizienz der entscheidende
Parameter. Bei Laserstrukturen sind auch die Grenzfl¨
achenrauigkeit und die Halb-
wertsbreite der Emission von entscheidender Bedeutung. Eine zu hohe Grenzfl¨
a-
chenrauigkeit erh¨
oht die Streuverluste. Fluktuationen der Emissionsenergie f¨
uhren
zu einer gr¨
oßeren Halbwertsbreite, verringern die Zustandsdichte und damit den
maximalen Gain in der Laserstruktur.
Die Halbwertsbreite und die Fluktuationen der Wellenl¨
ange werden maßgeblich von
der Lokalisation bestimmt. Die Lokalisation von Ladungstr¨
agern wird durch eine
laterale Variation der ¨
Ubergangsenergie der Quantent¨
opfe in der Quantenfilmebe-
ne verursacht. Die Variation der ¨
Ubergangsenergie kann duch eine Variation der
Quantentopfdicke oder des lokalen Indiumgehalts ausgel¨
ost werden. Die Lokalisa-
tion der freien Ladungstr¨
agern in Potentialmulden reduziert ihre Beweglichkeit, da
die Ladungstr¨
ager eine Potentialbarriere ¨
uberwenden m¨
ussen, um sich aus einem Po-
tentialminimum zu bewegen. Eine Steigerung der Quanteneffizienz im Vergleich zu
5.4 InGaN Quantent¨
opfe 77
Quantent¨
opfen ohne Lokalisation wird durch die geringere Diffusionsl¨
ange der La-
dungstr¨
ager und, je nach Wachstumsprozess, eine Potentialbarriere um durchstoßen-
de Versetzungen herum verursacht [18]. Gleichzeitig steigt die Halbwertsbreite, da
alle lokalen minima (Lokalisationsstellen) eine unterschiedliche ¨
Ubergangsenergie
haben.
F¨
ur Laser muss also ein Ausgleich zwischen m¨
oglichst hoher Quantenausbeute und
m¨
oglichst geringer Lokalisation gefunden werden.
F¨
ur c-plane Quantent¨
opfe wird bei niederenergetischer (langwelliger) Emission die
Lokalisation st¨
arker und die Quanteneffizienz niedriger. Dies liegt vor allem am
h¨
oheren Indiumgehalt, der f¨
ur niedrige Emissionsenergien erforderlich ist. Ein ho-
her Indiumgehalt f¨
uhrt zu einer gr¨
oßeren Gitterfehlanpassung, erfordert niedrigere
Wachstumstemperaturen und bewirkt eine st¨
arkere Indiumsegregation, was zu ei-
ner st¨
arkeren Lokalisation und einer niedrigeren Quanteneffizienz durch den Einbau
von Punktdefekten f¨
uhrt. Da das Wachstum von InGaN desorptionslimitiert ist, ist
die Oberfl¨
achenstruktur (die st¨
arke der Indiumbindung), die von der Kristallorien-
tierung abh¨
angt, entscheidend f¨
ur das InGaN-Wachstum.
5.4.1 Emissionswellenl¨
ange und Indiumeinbau
Den In-Einbau in InGaN-Quantent¨
opfe kann man bei den typischen Wachstumstem-
peraturen zum einen ¨
uber das Precursorangebot (Verh¨
altnis von TMIn zu TMGa) als
auch ¨
uber die Temperatur beeinflussen. Dies h¨
angt vor allem mit einer vergleichswei-
se schwachen Bindung der In-Adatome an die Oberfl¨
ache und dem großen Atomradi-
us des In zusammen, die einen Einbau in einen InGaN-Mischkristall erschweren. Das
f¨
uhrt dazu, dass InN eine Zersetzungstemperatur von 630°C hat, w¨
ahrend die Zer-
setzungstemperatur von GaN mit 860°C deutlich h¨
oher ist [116]. Da bei niedrigeren
Temperaturen die Beweglichkeit der Ga-Atome sehr niedrig ist und mehr Verunrei-
nigungen (Kohlenstoff und Wasserstoff) eingebaut werden [116], muss hochwerti-
ges InGaN bei h¨
oheren Temperaturen gewachsen werden. Bei diesen bestimmt die
Desorption des In den Indiumgehalt. Ein zu hohes In-Angebot verringert die Mate-
rialqualit¨
at. Daher ist ¨
ublicherweise die Temperatur der entscheidende Regelparame-
ter zum Einstellen des Indiumgehalts.
In den folgenden Experimenten wurde die Wachstumstemperatur variiert und die
Emissionsenergie mit Photolumineszenz gemessen. Die Probenstrukturen waren PL-
Testproben und optisch gepumpte Strukturen, die den Strukturen b)-d) aus Abb.
5.1 entsprechen. Als Substrate wurden m-plane, (10¯
11),(11¯
22),(10¯
12)und, zum
Vergleich, c-plane GaN-Substrate verwendet. Es wurden immer 3.5 nm Dreifach-
Quantent¨
opfe verwendet, die in 8 nm dicke InGaN Barrieren eingebettet wurden.
Dabei gab es keinen systematischen Unterschied der Emissionswellenl¨
ange zwischen
PL-Teststruktur und optisch gepumpter Laserstruktur. Die Dicke des GaN-Caps ¨
uber
den Quantent¨
opfen betrug immer mehr als 40 nm um Oberfl¨
achenfelder, die die
Emissionsenergie der Quantent¨
opfe verschieben k¨
onnten, abzuschirmen. Die Bar-
rieren und Quantent¨
opfe wurden jeweils bei identischer Temperatur (wurde variiert
zwischen 670°C und 790°C), mit Stickstoff als Tr¨
agergas, einem Druck von 400 mbar
und konstanten Partialdr¨
ucken von TEGa (0.88 Pa) und NH3(130 mbar) gewach-
sen. Der TMIn Partialdruck betrug 0.11 Pa in der Barriere und 0.68 Pa beim Quan-
78 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.11:
Raumtemperatur-PL-Spektren
von InGaN Quantent¨
opfen auf
nicht und semipolaren Ober-
fl¨
achen, die bei 750gewach-
sen wurden. Aufgenommen
von C. Netzel und H. Lawrenz.
Abbildung 5.12:
Emissionsenergie von
Quantent¨
opfe auf ver-
schiedenen Oberfl¨
achen
in Abh¨
angigkeit der
Wachstumstempera-
tur. Die gestrichelten
Linien dienen der An-
schaulichkeit. Aufge-
nommen von C. Net-
zel und H. Lawrenz.
660 680 700 720 740 760 780 800
2.2
2.4
2.6
2.8
3.0
3.2
3.4
W e llen l änge (n m )
Em is s io n s e n e rg ie (e V )
QW Wachstumstemperatur (°C)
c-plane
1011
1122
1012
m-plane
550
500
450
400
375
tentopfwachstum. Die Analyse der Proben erfolgte mit Raumtemperaturphotolumi-
neszenz mit einer InGaN Laserdiode bei 3.27 eV (resonante Anregung nur in die
Quantent¨
opfe) mit einer Anregungsdichte von 100 W/cm2(entspricht einer freien
Ladungstr¨
agerdichte von 1017cm3).
Bei 750°C gewachsene Quantent¨
opfe haben je nach Orientierung sehr unterschied-
liche Emissionsenergien. Wie Abb. 5.11 zeigt, ist die Emissionsenergie f¨
ur (10¯
11)
Quantent¨
opfe am niedrigsten, gefolgt von (11¯
22)und c-plane, beide bei der selben
Energie. (10¯
12)und m-plane Quantent¨
opfe emittieren deutlich h¨
oherenergetisch.
F¨
ur andere Wachstumstemperaturen gelten die selben Relationen, wie Abb. 5.12
zeigt. Die Emissionsenergie von Quantent¨
opfen auf m-plane und (10¯
12)sind beide
wesentlich h¨
oherenergetischer als die Emissionsenergie der Quantent¨
opfe auf den
anderen Orientierungen. (11¯
22)und c-plane haben praktisch identische Emissions-
energien und (10¯
11)hat f¨
ur alle getesteten Wachstumstemperaturen die niedrigste
Energie. In der Grafik gibt es zum Teil eine große Streuung der Emissionsenergien.
Die Abweichung betr¨
agt in einzelnen F¨
allen bei identischer Wachstumstemperatur
5.4 InGaN Quantent¨
opfe 79
bis zu 150 meV. Diese Variation k¨
onnte durch eine lokale Verschiebung der Wel-
lenl¨
ange, z.B. an H¨
ugelstrukturen, verursacht werden. PL-Maps auf 2x2.5 µm2an
einer m-plane Struktur zeigen ein Variation der Emissionsenergie von 35 meV. Ver-
mutlich ist die Ursache, dass die Oberfl¨
achentemperatur der kleinen St¨
uckchen nicht
vollkommen reproduzierbar eingestellt werden kann. Die Temperatur wird durch
viele schwer zu kontrollierende Faktoren beeinflusst, wie z.B. ob ein Partikel unter
dem Substrat liegt und den thermischen Kontakt zum Substrathalter verschlechtert.
Da die Unterschiede zwischen verschiedenen Orientierungen deutlich gr¨
oßer sind als
diese statistischen Schwankungen, sollten sie sich nicht auf die folgenden Betrach-
tungen auswirken.
Abbildung 5.13: Schema, wie die Emissionsenergie von verschiedenen Faktoren beeinflusst
werden. Gibt es mehrere Faktoren, die unterschiedlich stark eine Gr¨
oße beeinflussen, ist der
st¨
arkere Effekt mit einem dickeren Pfeil dargestellt.
Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die die Emissionsenergie der Quantent¨
opfe
beeinflussen (siehe Abb. 5.13). Der Indiumgehalt ist die gr¨
oßte Einflussgr¨
oße, die
auch andere Faktoren bedingt. Unabh¨
angig vom Indiumgehalt f¨
uhrt die Quantisie-
rung wegen der endlichen Quantentopfbreite zu einer Blauverschiebung gegen¨
uber
der Bandkantenemission des InGaN. Dar¨
uber liegt, bedingt durch die pseudomorphe
Verspannung, ein piezoelektrisches Feld, das eine Rotverschiebung bewirkt (siehe
Kap. 1.1). Dieses Feld ist f¨
ur alle Orientierungen unterschiedlich (Siehe Kap. 1.1).
Die kompressive Verspannung der Quantent¨
opfe selbst f¨
uhrt, wie die Temperatur, zu
einer Verschiebung der Bandkante. Freie Ladungstr¨
ager beeinflussen die Emissions-
energie durch Abschirmung der piezoelektrischen Felder und Bandkantenrenorma-
lisierung. Eine entscheidende Gr¨
oße ist auch die Lokalisierung. Fluktuationen der
Quantentopfdicke und des Indiumgehalts erzeugen Bereiche niedrigerer Bandl¨
ucke
im Quantenfilm, zu der die freien Ladungstr¨
ager diffundieren. Dies f¨
uhrt zu einer
Rotverschiebung der Emission im Vergleich zu einem homogenem Quantentopf mit
gleicher mittlerer Dicke und In-Gehalt. Nun ist es fraglich, welche Gr¨
oße bei dieser
Probenserie f¨
ur die Unterschiede der Emissionsenergie zwischen den Orientierungen
bestimmend ist. Ladungstr¨
agerdichte und Messtemperatur wurden durch die Mess-
bedingungen kontrolliert und sind f¨
ur alle Messpunkte identisch. Die Quantentopf-
dicke k¨
onnte von der Wachstumstemperatur und der Orientierung abh¨
angen. Bei
c-plane GaN wird die Quantentopfdicke ¨
ublicherweise mit HRXRD bestimmt. Aus
dem Fit der ω/2θ-Scans der symmetrischen 0002 und 0006 Reflexe kann man die
80 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.14: TEM Hell-
feldabbildung nahe der [0001]-
Zone einer Laserstruktur auf m-
plane GaN Substrat mit MQWs,
die bei 770°C gewachsen wur-
den. Aufgenommen von P. Veit.
Dicke recht genau bestimmen. Diese Methode ist f¨
ur m-plane und semipolare Quan-
tent¨
opfe nicht anwendbar, da diese wegen der reduzierten Oberfl¨
achensymmetrie
anisotrop verspannt sind und in semipolaren Quantent¨
opfen sogar Scherspannun-
gen auftreten (vgl. [50, 51]). Daher ist die Auswertung der R¨
ontgenbeugungskurven
im Rahmen dieser Arbeit zu aufwendig.
TEM-Aufnahmen einer m-plane Struktur mit MQWs, die bei 770gewachsen wur-
de, zeigen die aktive Zone (Abb. 5.14). Die Dicken der einzelnen Schichten sind
(4±1)nm je Quantentopf, (7±1)nm f¨
ur die Barriere und (26±1)nm vom untersten
zum obersten Quantentopf. F¨
ur eine c-plane Struktur, die auch bei 770°C gewachsen
wurde, wurden die Dicken mit HRXRD bestimmt. Die Quantent¨
opfe waren 3.5 nm
dick, die Barrieren 7.5 nm und die Dicke vom untersten zum obersten Quantentopf
betr¨
agt demnach 25.5 nm. Die Werte stimmen recht gut ¨
uberein, der Unterschied der
Wachstumsrate zwischen c- und m-plane betr¨
agt weniger als 10%. Auf c-plane ist die
Wachstumsrate in diesem Temperaturbereich nicht kinetisch limitiert [44], sondern
transport limitiert [117]. Da die Wachstumsrate bei gleichen Wachstumsparametern
auf m-plane mit der von c-plane GaN identisch ist, kann man ein transportlimitier-
tes Wachstum schlussfolgern. Dabei h¨
angt die Wachstumsrate vor allem vom TEGa
Partialdruck ab. Daher kann man davon ausgehen, dass die Wachstumsrate der GaN-
Matrix nicht von der Oberfl¨
achenorientierung abh¨
angt. Die tats¨
achliche Wachstums-
rate der InGaN Quantenfilme d¨
urfte sich aus der Wachstumsrate der Matrix erh¨
oht
um den Indiumgehalt ergeben.
Nachdem Ladungstr¨
agerdichte, Messtemperatur und Quantentopfdicke als Ursache
ausgeschlossen wurden, k¨
onnten die Unterschiede der Emissionsenergie noch durch
einen unterschiedlich starken QCSE wegen der unterschiedlichen Orientierung und
einen unterschiedlichen Indiumeinbau der verschiedenen Orientierungen ausgel¨
ost
werden (vgl. Abb. 5.13). Der QCSE f¨
uhrt zu einer starken Rotverschiebung, insbe-
sondere beim Vergleich von polarem und nichtpolarem GaN (siehe Kap. 1.1). Wenn
die Polarisationsfelder der dominierende Faktor f¨
ur die Wellenl¨
angenverschiebung
w¨
aren, w¨
urden die c-plane Quantent¨
opfe die kleinste Emissionsenergie haben und
die anderen Strukturen bei h¨
oherer Energie emittieren. Diese Peaks m¨
ussten dann
relativ nah bei einander liegen. Dies ist nicht der Fall. (11¯
22)und (10¯
11)haben die
gleiche oder niedrigere Emissionsenergien wie die c-plane Strukturen.
5.4 InGaN Quantent¨
opfe 81
5 10 15 20 25 30 35 40
0
1
2
3
4
GaN
Cap
GaN
Buffer
InGaN-
Barriere
QW
E (e V )
z (nm)
E
V
E
C
InGaN-
Barriere
Abbildung 5.15: Beispielhaftes
Banddiagramm zur Berechnung
des Zusammenhangs von Emissi-
onsergie und In-Gehalt. Hier: c-
plane 3.7 nm In0.15Ga0.85N Quan-
tent¨
opfe, 7.5 nm In0.02Ga0.98N
Barrieren.
Auch wenn die Polarisationsfelder nicht der entscheidende Faktor sind, w¨
are es not-
wendig, die Verschiebung durch die Polarisationsfelder abzusch¨
atzen. Dazu wird mit
einem einfachen Quantentopfmodell aus der Emissionsenergie der Indiumgehalt be-
rechnet. F¨
ur das Modell wird ein Quantentopf mit rechteckigem Indiumprofil und f¨
ur
die Materialparameter werden die Werte aus [13] verwendet. Gem¨
[12] betr¨
agt
das Polarisationsfeld f¨
ur (10¯
12)42% und f¨
ur (10¯
11)und (10¯
12)14% des c-plane
Wertes. Das resultierende Bandprofil ist beispielhaft f¨
ur einen c-plane MQW in Abb.
5.15 dargestellt. Die Grundzust¨
ande der Quantent¨
opfe, d.h. die ¨
Ubergangsenergien,
werden durch L¨
osen der Schr¨
odingergleichung f¨
ur das betrachtete Bandprofil gewon-
nen. Dieses Modell ist zwar sehr einfach, aber wird dem Ziel gerecht, den Einfluss der
Polarisationsfelder abzusch¨
atzen. Einige Effekte sind jetzt nat¨
urlich unber¨
ucksichtigt
geblieben. Die meisten Effekte, wie Verspannung, Feldabschirmung und Lokalisie-
rung, werden mit steigendem Indiumgehalt gr¨
oßer. Der Fehler ist also f¨
ur niedrige
In-Gehalte kleiner. Der kleinste Beitrag ist die Verkleinerung der Bandl¨
ucke durch die
kompressive Verspannung der pseudomorphen Quantentr¨
oge um 2 meV. Die Exi-
tonenbindung f¨
uhrt zu einer Rotverschiebung um ca. 40 meV, die f¨
ur dicke c-plane
MQWs schw¨
acher ist. Das Abschirmen piezoelektrischer Felder durch die von der PL
angeregten Ladungstr¨
ager, vor allem auf c-plane, bewirkt eine Blauverschiebung um
maximal 150 meV. Der gr¨
oßte Fehler bei der Berechnung ist die Lokalisierung, die ei-
ne Rotverschiebung um bis zu 150 meV bewirken kann (in dicken c-plane Wells mit
hohem In-Gehalt). Das Auff¨
ullen der Lokalisationsstellen bewirkt wieder eine Blau-
verschiebung, setzt aber erst bei h¨
oheren Anregungsdichten ein [118]. Die Lokalisie-
rung ist f¨
ur nicht- und semipolare Quantumwells noch nicht untersucht und auch f¨
ur
c-plane stark von den Wachstumsbedingungen abh¨
angig. Dieser Parameter ist also
sehr schwer abzusch¨
atzen. Da die Effekte sowohl Rot- als auch Blauverschiebungen
ausl¨
osen, w¨
are der maximale Fehler wohl f¨
ur die bei 2.4 eV emittierenden semipo-
laren Quantentr¨
oge mit ±150 meV am gr¨
oßten (wegen der geringen Felder ist die
Blauverschiebung durch Feldabschirmung sehr klein). F¨
ur gr¨
oßere Emissionsenergie
(kleineren Indiumgehalt) nimmt der Fehler stark ab. Falls diese Quantent¨
opfe eine
so starke Lokalisierung zeigen, wird durch das Modell der In-Gehalts um etwa 4%
82 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.16: Berechneter
In-Gehalt aus der Emissionsener-
gie (Abb. 5.12) mit Hilfe eines
einfachen Quantentopfmodells.
660 680 700 720 740 760 780 800
0.01
0.1
0.3
0.5
c-plane
1012
1122
1011
m-plane
x
solid
MQW grow th temperature (°C)
Abbildung 5.17: Berechnete re-
lative Verspannungsenergie einer
InGaN Schicht auf GaN Substrat
in Abh¨
angigkeit des Winkels der
Wachstumsebene zur c-Ebene θ
nach den Gleichungen aus [119].
Berechnet von V. Hoffmann.
¨
ubersch¨
atzt.
Das Ergebnis der Berechnung ist in Abb. 5.16 zu sehen. Es gibt es eine eindeuti-
ge Abh¨
angigkeit der In-Konzentration von der Orientierung. Dabei wird deutlich,
dass der Effekt der Polarisationsfelder auf c-plane GaN nicht so groß ist, wie die
Unterschiede, die durch den In-Einbau hervorgerufen werden. Die schon zuvor bei
der Emissionsenergie beobachtete Reihenfolge bleibt bestehen. (10¯
11)zeigt den
h¨
ochsten In-Einbau. (11¯
22)und c-plane sind sich sehr ¨
ahnlich und brauchen eine
ca. 20°C niedrigere Wachstumstemperatur um den gleichen In-Gehalt wie (10¯
11)
zu erreichen. Den geringsten In-Einbau haben die (10¯
12)und m-plane Schichten,
die eine ca. 70°C niedrigere Wachstumstemperatur als (10¯
11)Quantentr¨
oge f¨
ur den
selben In-Gehalt ben¨
otigen.
Eine m¨
ogliche Erkl¨
arung f¨
ur den besseren Indiumeinbau w¨
are die niedrigere elas-
tische Verspannungenergie von InGaN Schichten auf (10¯
11)Substrat. In Abb. 5.17
ist die relative Verspannungsenergie, die nach den Formeln in [119] berechnet wur-
de. Die Verspannungsenergie ist n¨
otig um eine InGaN-Schicht pseudomorph zu ver-
5.4 InGaN Quantent¨
opfe 83
Abbildung 5.18: Skizze der Atoman-
ordnung an der m-plane Oberfl¨
ache.
Ansicht im Querschnitt entlang der
a-Richtung.
spannen. Sie h¨
angt von den (anisotropen) elastischen Konstanten und der Schicht-
dicke ab. Den Einfluss der Verspannungenergie auf den In-Einbau k¨
onnte man sich
so vorstellen, dass ein In-Atom in Halbkristalllage schw¨
acher gebunden ist, wenn die
Verspannungsenergie, d.h. die Energie, die zur Verformung der Ga-Bindungen auf-
gewendet werden muss, gr¨
oßer ist. Die Kurve hat ein Minimum bei 60. Betrachtet
man c-plane im Vergleich zu (10¯
11), ist diese Annahme in der Tat erf¨
ullt. Allerdings
hat (11¯
22)GaN dieselbe elastische Verspannungsenergie wie (10¯
11)aber den selben
In-Einbau wie c-plane GaN. Ganz aus dem Rahmen fallen m-plane und (10¯
12), die
zwar nicht im Minimum der relativen elastischen Verspannungenergie liegen, aber
im Vergleich zu c-plane trotz der niedrigeren relativen elastischen Verspannungs-
energie einen viel niedrigeren In-Einbau zeigen. Die elastische Verspannungenergie
ist also nicht der maßgebliche Faktor f¨
ur den unterschiedlichen Indiumeinbau.
Wahrscheinlicher ist, dass die Oberfl¨
ache die entscheidende Rolle spielt. Betrachtet
man zum Beispiel die m-plane Oberfl¨
ache, so befinden sich dort Dimere aus Gallium
und Stickstoff (siehe Abb. 5.18). Vermutlich wird die Oberfl¨
ache so rekonstruieren,
dass Elektronen vom Gallium zum Stickstoff ¨
ubertragen werden, so dass die dang-
ling Bonds des Galliums leer und die des Stickstoffs gef¨
ullt sind. Die Dimere k¨
onnten
auch eine Doppelbindung bilden. In beiden F¨
allen w¨
urde die Bindung von Adato-
men schw¨
acher, da keine halb gef¨
ullten dangling Bonds an der Oberfl¨
ache zu finden
sind. Eine schw¨
achere Bindung an die Oberfl¨
ache w¨
urde die Desorption erh¨
ohen
und damit dein Indiumeinbau verringern. Um die Ursache des unterschiedlichen In-
Einbaus und den Einfluss der Wachstumsparameter auf die Materialqualit¨
at auf den
verschiedenen Orientierungen vollst¨
andig aufzukl¨
aren, m¨
ussen den hier vorgestell-
ten Ergebnissen weitere Experimente und Simulationen folgen.
5.4.2 Ortsaufgel ¨
oste Lumineszenz von semi- und nichtpolaren
Quantent¨
opfen
Bei der Mikro-PL wird der Laserstrahl f¨
ur die Anregung der Probe durch ein Mi-
kroskopobjektiv fokussiert und die Lumineszenz durch dasselbe Objektiv gesammelt
und detektiert (vgl. Kap. 2.2). Dadurch ist eine Aufnahme von Spektren mit einer
Ortsaufl¨
osung von 400 nm m¨
oglich. Aus diesen Spektren lassen sich Mappings der
Peakposition, Intensit¨
at und Halbwertsbreite erstellen, die im folgenden f¨
ur die ver-
schiedenen Orientierungen diskutiert werden sollen.
Die Mikro-PL-Maps der Quantent¨
opfe mit einer Emissionsenergie um 3 eV sind in
Abb. 5.19 dargestellt. Neben der Lumineszenzverteilung sind auch die Schwankung
84 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.19: 5x5µm Mikro-PL-Maps von Proben mit MQWs auf c-plane, (10¯
12),(11¯
22),
(10¯
11)und m-plane GaN Substrat mit einer Emissionenergie um 3 eV. Zus¨
atzlich sind
Schwankung der Emissionsenergie, Median der mikroskopischen Halbwertsbreite und die
minimale normierte Intensit¨
at im Bild angegeben. Aufgenommen von L. Schade bei 300 K.
des Emissionsmaximums, die Halbwertsbreite und die minimale normierte Inten-
sit¨
at abgebildet. Vergleicht man die Emissionsenergie- und Intensit¨
atsschwankung
im Bildausschnitt, dann sind die nicht- und semipolaren Proben deutlich homogener
als die c-plane Probe. Nur die (10¯
11)zeigt eine starke Schwankung der Emissions-
energie. Die Emissionsenergieschwankung ist f¨
ur m-plane und (10¯
12)mit 7 meV im
Vergleich mit c-plane (27 meV) schon deutlich reduziert und f¨
ur (11¯
22)mit 2 meV
5.4 InGaN Quantent¨
opfe 85
noch einmal niedriger. ¨
Ahnlich verh¨
alt sich die Homogenit¨
at der Lumineszenzinten-
sit¨
at. Die dunkelsten Stellen der c-plane Probe haben 38% der Maximalintensit¨
at im
Bildausschnitt, w¨
arend es auf m-plane 62% und auf den semipolaren Proben >75%
sind. Das Wachstum der nicht- und semipolaren Quantent¨
opfe ist also homogener.
Die mikroskopischen Halbwertsbreiten der c-plane und (11¯
22)ist mit 95 und 93 meV
deutlich niedriger als auf den anderen Orientierungen mit 130 200meV. Diese je-
weils lokalen Halbwertsbreiten werden nicht durch die makroskopischen Fluktuatio-
nen der Peakenergie beeinflusst. Sie werden bestimmt durch die Fluktuationen auf
kleineren L¨
angenskalen. Eine gr¨
oßere Diffusionsl¨
ange, wie sie wegen der l¨
angeren
Lebensdauer f¨
ur c-plane erwartet werden kann, f¨
uhrt dazu, dass sich Ladungstr¨
ager
in den Minima eines gr¨
oßeren Bereichs sammeln, als bei den nicht- und semipola-
ren Quantent¨
opfen mit sehr kurzen Rekombinationslebensdauern. Dies k¨
onnte die
schmaleren Halbwertsbreiten von c-plane Quantent¨
opfen erkl¨
aren. Dar¨
uber hinaus
gibt einen Zusammenhang zur Morphologie (vgl. Kap. 5.3). Die (11¯
22)war am glat-
testen. Daher scheint es m¨
oglich, die Halbwertsbreite durch die Optimierung der
Wachstumsparameter von Quantentopf und Pufferschicht f¨
ur alle Orientierungen zu
reduzieren.
Wegen der vergleichbaren Messbedingungen kann man auch die absolute Intensit¨
at
der Proben vergleichen und daraus schlussfolgern, welche Probe die h¨
ochste Quan-
teneffizienz hat. Die Proben auf m-plane und (11¯
22)waren am intensivsten und
¨
ubertrafen die Intensit¨
at der besten c-plane Probe um den Faktor 2. Die Intensit¨
at
der (10¯
11)und (10¯
12)Quantent¨
opfe war dagegen mehr als eine Gr¨
oßenordnung
schw¨
acher. Dieses Ergebnis stimmt mit den Halbwertsbreitenmessungen ¨
uberein, die
f¨
ur m-plane, c-plane und (11¯
22)die kleinsten Halbwertsbreiten ergaben.
Abbildung 5.20: Photolumineszenzmapping des Emissionsmaximums und der Intensit¨
at von
c-plane, (11¯
22)und m-plane MQW-Proben die um 2.7 eV emittieren. (300 K). Aufgenommen
von L. Schade und H.-J. M¨
ostel.
86 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.21:
Abh¨
angigkeit der lo-
kalen Halbwertsbreite
von der lokalen Emissi-
onsenergie. Extrahier-
te Parameter aus den
mikro-PL-Messungen
an MQWs auf polaren,
nichtpolaren und semi-
polaren GaN Substraten.
Messung von L. Schade.
80
100
120
140
160
180
200
220
2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 3 3.1 3.2
FWHM (meV)
E (eV)
(0001)
(101
0)
(101
1)
(101
2)
(112
2)
Bei niederenergetischen (langwelligeren) Quantent¨
opfen (Abb. 5.20) auf c-plane
sind die lateralen Fluktuationen der Peakenergie mit 80 meV deutlich st¨
arker als bei
den hochenergetischen Quantent¨
opfen. Es gibt viele rotverschobene Flecken (Dichte
ca. 2 ×108cm2). Diese korrelieren mit dunklen Flecken im Intensit¨
atsbild mit ei-
nem Minimum von 8% der Maximalintensit¨
at. Das Ph¨
anomen ist bekannt und wird
durch Schraubenversetzungen verursacht [120]. An der Schraubenversetzung sind
die Wachstumsrate und der Indiumeinbau erh¨
oht, so dass dort der Quantentopf ein
Energieminimum hat und durch die Versetzung die nichtstrahlende Rekombination
sehr stark ist. Da das Substrat mit einer Versetzungsdichte von 107cm2spezifi-
ziert ist (wurde mit CL-Messungen ¨
uberpr¨
uft), m¨
ussen sehr viele Versetzungen beim
Wachstum der Pufferschicht oder der MQWs dieser Probe entstanden sein. Betrachtet
man die MQWs auf m-plane und (11¯
22), so gibt es hier nicht so eine starke Fluktua-
tion der Wellenl¨
ange und der Intensit¨
at. Im Bildausschnitt variiert die m-plane Probe
nur um 33 meV und die (11¯
22)Probe nur um 12 meV. Die Intensit¨
at sinkt auf 64%
bzw. 78% in den m-plane bzw. (11¯
22)ab. Da in keiner der Aufnahmen dunkle Punk-
te, wie auf der c-plane Probe, zu sehen sind, muss die Dichte der optisch aktiven
Versetzungen 106cm2sein. Auf nicht- und semipolaren Oberfl¨
achen k¨
onnen sich
bei einem hohen Indiumgehalt Versetzungen anscheinend nicht so leicht bilden wie
auf c-plane. Eine m¨
ogliche Ursache ist die niedrigere elastische Verspannungsener-
gie (siehe oben). Aber auch, wenn sich keine Versetzungen im Bildfeld der mikro-PL
befinden, kann auf c-plane die Intensit¨
at auf 18% absinken [121]. Das heißt, dass
man mit nichtpolaren Nitriden auch dann eine homogenere Emission erreichen kann,
wenn man die durchstoßenden Versetzungen in c-plane eliminiert.
Trotz der sehr guten Homogenit¨
at zeigen fast alle Quantent¨
opfe eine vergr¨
oßerte
Halbwertsbreite im Vergleich zu c-plane Proben. Abb. 5.21 zeigt die Halbwertsbreite
in Abh¨
angigkeit von der Emissionswellenl¨
ange. Es ist eine Steigerung der Halbwerts-
breite mit sinkender Emissionsenergie zu beobachten. Keine der Proben liegt in die-
sem Diagramm unterhalb der Linie, die durch die c-plane Proben definiert wird. Der
Großteil der nicht- und semipolaren Proben liegt im Diagramm oberhalb dieser Li-
5.5 AlGaN Mantelschichten 87
nie. Wie zuvor ausgef¨
uhrt, kann man eine h¨
ohere Halbwertsbreite mit einer k¨
urzeren
Rekombinationslebensdauer der nicht- und semipolaren Quantent¨
opfe erkl¨
aren. Es
gibt aber f¨
ur alle Orientierungen außer (10¯
12)Beispiele, die auf dieser Linie liegen.
Daher ist zu vermuten, dass die Ann¨
aherung an diese Linie durch eine Optimierung
des Epitaxieprozesses m¨
oglich ist. Die Literatur zeigt auch, dass die Halbwertsbrei-
te mit dem In-Gehalt ansteigt, aber insbesondere bei niedrigen Emissionsenergien
(l¨
angerer Wellenl¨
ange) noch starke Verbesserungen m¨
oglich sind. Bei einer Emissi-
onsenergie von 3.05 eV ist die Probe mit der kleinsten Halbwertsbreite von 95 meV
auf (11¯
22)recht dicht an c-plane Proben aus der Literatur mit Halbwertsbreiten von
83 meV [122]. Bei niedrigeren Emissionsenergien wurden auf c-plane GaN bei 2.5 eV
deutlich niedrigere Werte von 116 meV [122] erreicht als auf (10¯
11)mit 165 meV bei
2.5 eV oder (11¯
22)und m-plane mit 160 meV bei 2.7 eV Emissionsenergie.
Die Quantent¨
opfe auf nicht- und semipolaren GaN-Substraten zeigen schon in die-
sem fr¨
uhen Stadium der Experimente interessante Eigenschaften. Bei den mikro-PL-
Messungen kombinieren sie sehr gute Homogenit¨
at der Intensit¨
at und der Emissi-
onswellenl¨
ange mit einer hohen absoluten Intensit¨
at. Die untersuchen Proben ha-
ben aber eine gr¨
oßere Halbwertsbreite als c-plane Vergleichsproben. Am vielverspre-
chensten war in den hier durchgef¨
uhrten Experimenten die (11¯
22)Orientierung. Im
Vergleich zu c-plane zeichnete sie sich durch bessere Homogenit¨
at und h¨
ohere Quan-
teneffizienz bei vergleichbarem Indiumeinbau und Halbwertsbreite aus. Die Proben
auf (10¯
11)hatten zwar einen h¨
oheren In-Einbau aber auch gr¨
oßere Halbwertsbreiten
schlechtere Homogenit¨
at und interne Quanteneffizienz. m-plane und (10¯
12)hatten
einen deutlich niedrigeren In-Einbau und waren bei fast allen anderen Parametern
unterlegen. Diese Unterschiede der Quantentopfqualit¨
at finden sich auch bei der Be-
stimmung der Schwellen f¨
ur verst¨
arkte spontane Emission (ASE) wieder (siehe Kap.
5.6.1). Trotz der herausragenden Ergebnisse f¨
ur (11¯
22)ist es verfr¨
uht diese Orien-
tierung zu favorisieren, da es m¨
oglich ist, dass die Probleme der anderen Orientie-
rungen schneller gel¨
ost werden, als auf (11¯
22).
5.5 AlGaN Mantelschichten
Die c-plane Laserdioden des FBH haben ein Al0.12Ga0.88N/GaN short period super
lattice mit einer Periodizit¨
at von 5 nm und einem mittleren Aluminiumgehalt von 6%
als Mantelschicht. Im Vergleich zu einer gleich dicken Al0.06Ga0.94N-Schicht, haben
die ¨
Ubergitter eine h¨
ohere kritische Schichtdicke bis zur Bildung von Rissen und eine
gr¨
oßere Leitf¨
ahigkeit gezeigt. Daher wurde diese Struktur und die Rezepte f¨
ur die
nicht- und semipolaren Orientierungen ¨
ubernommen. n-seitige ¨
Ubergitter wurden
bei 1017°C, 50 mbar und und einem V/III von 1400 gewachsen. p-dotierte ¨
Ubergitter
wurden wegen des besseren Mg-Einbaus bei 950°C, 250 mbar und und einem V/III
von 1500 gewachsen.
Die R¨
ontgenbeugung eines n-¨
Ubergitters auf m-plane GaN (Abb. 5.22) zeigt Sa-
telliten, die eindeutig von einer ¨
Uberstruktur stammen. Allerdings sind diese sehr
breit und es sind nur Satelliten bis zur 1. Ordnung zu sehen. Das bedeutet, dass
die Beugung gest¨
ort ist. M¨
oglich ist, dass die Pyramiden auf der Oberfl¨
ache die
R¨
ontgenmessung beeinflussen. Es kann aber auch sein, dass die Grenzfl¨
achenrauigkeit
88 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.22: ω/2θ-Scan
des symmetrischen 30¯
30
Reflexes eines AlGaN/GaN
¨
Ubergitters auf m-plane GaN.
100
101
102
103
104
105
106
−8000 −6000 −4000 −2000 0 2000 4000 6000 8000
Intensität (bel. Einheiten)
ω (")
−1.
GaN Buffer
0.
+1.
Abbildung 5.23: Querschnitts-
TEM Hellfeldbeugungskon-
trastaufnahmen eines m-plane
AlGaN/GaN ¨
Ubergitters. Der
Kontrast ist von der Streuam-
plitude er Atome abh¨
angig,
d.h. helle Schichten sind Al-
GaN und dunkle Schichten sind
GaN. Aufgenommen von P. Veit.
zu groß oder das ¨
Ubergitter lateral oder vertikal inhomogen ist und deswegen nicht
mehr ¨
Ubergitterreflexe zu beobachten sind. Eine Bestimmung des Aluminiumge-
halts und der Periodizit¨
at der ¨
Ubergitter mit HRXRD ist wie f¨
ur die InGaN MQW-
Strukturen nicht m¨
oglich (siehe S. 80). Um einen besseren Einblick in die Struktur
zu erhalten, wurden Querschnittsabbildungen mit TEM angefertigt (Abb. 5.23).
Die Hellfeldabbildung in Abb. 5.23 zeigt, dass sich die Periodizit¨
at des ¨
Ubergitters
¨
andert. Bei den blauen Pfeilen ist der Effekt besonders deutlich, da sich dort die Pe-
riode sprunghaft ¨
andert bzw. die Schichten lateral sehr inhomogen sind. Gleichzeitig
mit der Vergr¨
oßerung der Periode ist eine Verringerung des Kontrastes zu sehen. Das
spricht f¨
ur eine Reduktion des Aluminiumgehalts. Mit Hilfe der TEM-Ergebnisse ist
eine Interpretation des ω/2θ-Scans m¨
oglich. Die Verbreiterung des Peaks 0. Ordnung
wird von einer Variation des Aluminiumgehalts verursacht. Die wesentlich st¨
arkere
Verbreiterung der Satelliten wird von der Schwankung des Aluminiumgehalts und
vor allem von der Schwankung der Periodizit¨
at verursacht. Eine tiefenaufgel¨
oste
Messung des Aluminiumgehalts w¨
are sinnvoll, da die vertikale Verteilung des Alu-
miniumgehalts sehr wichtig f¨
ur die F¨
uhrung der optischen Mode ist.
Um tiefenaufgel¨
ost den Aluminiumgehalt zu bestimmen, kann SIMS verwendet wer-
den. Da f¨
ur Atomkonzentrationen im Prozentbereich die Z¨
ahlrate f¨
ur Al-Atome zu
5.5 AlGaN Mantelschichten 89
Abbildung 5.24: SIMS-Profile des Aluminiumgehalts von AlGaN/GaN ¨
Ubergittern auf den
verschiedenen Substraten gem¨
der Wachstumsbedingungen in der Strukturskizze rechts.
hoch ist, ist es besser Al-Cs-Cluster zu messen. Diese haben wegen der geringen
Bildungswahrscheinlichkeit eine deutlich niedrigere Z¨
ahlrate und ihr Signal ist pro-
portional zum Aluminiumgehalt. Als Eichprobe wurde hier eine dicke Al0.08Ga0.92N-
Schicht auf c-plane GaN verwendet, deren Aluminiumgehalt mit XRD zuvor bestimmt
worden war. Mit dieser Methode kann vergleichsweise einfach der Aluminiumgehalt
tiefenaufgel¨
ost unabh¨
angig von der Orientierung und Verspannung bestimmt wer-
den. Nat¨
urlich reicht die Tiefenaufl¨
osung nicht aus, um die einzelnen GaN und Al-
GaN Schichten des ¨
Ubergitters aufzul¨
osen. Die Methode ist trotztdem geeignet, da
f¨
ur das optische Confinement nur der mittlere Aluminiumgehalt relevant ist. Abb.
5.24 zeigt die SIMS-Profile von Proben unterschiedlicher Orientierung, die alle im
selben Versuch ¨
uberwachsen wurden. Die Probenstruktur ist auf der rechten Seite
der Abbildung zu sehen. Auf der GaN Pufferschicht wurde zuerst ein ¨
Ubergitter bei
1017°C und 50 mbar mit einem Al-Anteil in der Gasphase xv2von 10% gewachsen
um den Al-Einbau f¨
ur die n-Seite einer Laserstruktur zu testen. Anschließend wurde
ein ¨
Ubergitter bei 990°C und 250 mbar mit einem xvvon 34% gewachsen um den
Al-Einbau f¨
ur die p-Seite zu testen. Abgeschlossen wurde die Struktur mit einer 400
nm dicken GaN-Schicht und einem AlGaN-Cap. Die Profile des mittleren Aluminium-
gehalts f¨
ur die beiden m-plane Proben sind nicht gerade sondern schwanken stark,
w¨
ahrend die Profile der semipolaren Schichten gerade sind (hier beispielhaft (11¯
22)
gezeigt). Dieses Verhalten wurde bei allen SIMS-Messungen auf m-plane GaN beob-
achtet. Die Kurve des Hersteller A ist hier ein Extrembeispiel, bei dem der Messwert
zwischen 12 und 25% springt. Typisch ist eine Variation des Messwertes des Alumi-
niumgehalts xsvon ∆x =0.03 0.05. Neben der naheliegenden Interpretation, dass
der Aluminiumgehalt entsprechend stark schwankt, kann es auch ein Artefakt der
SIMS-Messung sein.
Geht man davon aus, dass die H¨
ugel die Variation von Aluminiumgehalt und Peri-
2xvberechnet sich aus den Molfl¨
ussen Q von TMGa und TMAl durch xv=QTMAL
QTMGa+QTMAL
90 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.25: SIMS-Profile
des Aluminiumgehalts von Al-
GaN/GaN ¨
Ubergittern auf glat-
ten und rauen (10¯
11)Templa-
tes bei 1017°C und 50 mbar.
0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8 0.9 1.0 1.1 1.2
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
raue Probe, Punkt 1
raue Probe, Punkt 2
glatte Probe A
glatte Probe B
x
Al, s o lid
Sputtertiefe (µm)
(1011)
Abbildung 5.26:
Aluminiumgehalte aus SIMS-
Messungen von glatten Al-
GaN/GaN ¨
Ubergittern, die
sich bei verschiedenen Wachs-
tumsparametern ergeben.
0 2 4 6 8 10 20 25 30 35
0
2
4
6
8
10
12
990°C
250 mbar
(1011)
(1012)
(1122)
x
Al, s o lid
x
Al, vapour
1017°C
50 mbar
odizit¨
at sowie die SIMS-Messung negativ beeinflussen, so folgt im Umkehrschluss,
dass eine glatte Probe ein glattes SIMS-Profil zeigen sollte. F¨
ur (10¯
11)ist dieser
Vergleich m¨
oglich (vgl. Kap. 5.3), wie Abb. 5.25 zeigt. Die Profile von zwei Mess-
punkten der rauen Probe haben einen verschieden mittleren Aluminiumgehalt und
verschiedene Schichtdicken, ¨
ahnlich wie bei den rauen m-plane Proben. Die Profile
unterscheiden sich auch in der Form grundlegend. Glatte Proben im Vergleich zeigen
in den Profilen ein eindeutiges Plateau und der mittlere Aluminiumgehalt variiert
systematisch mit den Wachstumsparametern (siehe unten). Das zeigt, dass bei glat-
ten Oberfl¨
achen homogene Schichten erreicht werden k¨
onnen. Daraus folgt, dass
die H¨
ugel f¨
ur die Fluktuationen der Wachstumsrate verantwortlich sind. Vermutlich
k¨
onnten diese Probleme auch auf m-plane gel¨
ost werden, wenn zum Wachstum fehl-
orientierte Substrate verwendet werden (vgl. Kap. 5.3).
Da sich weder Dicke noch Aluminiumgehalt der AlGaN-Schicht auf m-plane Sub-
straten reproduzierbar einstellen und messen lassen, beschr¨
ankt sich der folgende
Absatz zum Al-Einbau auf die semipolaren Strukturen.
Aus SIMS-Profilen wie in Abb. 5.24 von Proben mit unterschiedlichem TMAl-Angebot
w¨
ahrend des ¨
Ubergitterwachstums wurden der mittlere Aluminiumgehalt bei den
5.6 Erste Laserstrukturen 91
Wachstumsbedingungen der n- und p-Seite bestimmt. Der Al-Einbau in Abh¨
angigkeit
der Orientierung und des TMAl-Angebots ist in Abb. 5.26 dargestellt. Allerdings muss
man bei der kleinen Anzahl der Proben vorsichtig mit Schlussfolgerungen sein. Der
Vergleich mit dem wesentlich gr¨
oßeren Probensatzes f¨
ur die Bestimmung des In-
Einbaus (Kap. 5.4.1) zeigt, dass die Schwankungen in Versuchen mit identischen
Wachstumsparametern bei den kleinen Substraten recht groß sein k¨
onnen.
F¨
ur die n-Bedingungen (1017°C, 50 mbar, linke Seite in der Grafik 5.26) haben
sowohl die Orientierung als auch das TMAl-Angebot starke Auswirkung auf den
Al-Einbau. Der Aluminiumgehalt ist f¨
ur alle Proben mit (10¯
11)Orientierung deut-
lich h¨
oher als bei (11¯
22)und (10¯
12), die einen ¨
ahnlichen Aluminiumgehalt haben.
Gleichzeitig ist die Wachstumsrate auf (10¯
11)30 50% kleiner. Außerdem liegt
der Aluminiumgehalt im Festk¨
orper xsh¨
oher als in der angebotenen Gasphase xv
(Oberhalb der gestrichelten Linie mit xv=xs). Daraus kann man schließen, dass
Gallium f¨
ur das Wachstum verloren geht - entweder durch Vorreaktion oder durch
Desorption. Da die Vorreaktionen f¨
ur TMAl wesentlich st¨
arker sind als die von TMGa,
und der Galliumverlust nur f¨
ur (10¯
11)beobachtet wurde, muss es sich um einen
Oberfl¨
achenprozess, also Desorption, handeln. Die st¨
arkere Desorption f¨
ur (10¯
11)
deutet auf eine schw¨
achere Bindung der Ga-Adatome hin. Bei der Abh¨
angigkeit des
Al-Einbaus vom TMAl Gasphasenanteil ist f¨
ur alle Orientierungen ein tendenziell
sublinearer Verlauf zu erkennen. Da der Effekt bei allen Substraten gleichermaßen
Auftritt, handelt es sich vermutlich um eine Steigerung der Vorreaktionen durch das
gesteigerte TMAl-Angebot, ein beim AlGaN-Wachstum bekanntes Ph¨
anomen.
Auch f¨
ur die Bedingungen der p-Seite (990°C, 250 mbar) wurde der Aluminiumge-
halt in Abh¨
angigkeit von den Wachstumsparametern untersucht (rechte Seite in der
Grafik 5.26). Der mittlere Aluminiumgehalt ist bei allen Proben 6% und h¨
angt nicht
von der Oberfl¨
achenorientierung und vom TMAl-Angebot ab. In diesem Regime gibt
es wegen des h¨
oheren Drucks sehr starke Vorreaktionen, so dass eine Verdopplung
von xvnicht zu einer Erh¨
ohung von xsf¨
uhrte.
Es wurden AlGaN-¨
Ubergitter auf nicht- und semipolarem GaN gewachsen. Wenn die
Schichten rau sind, ergeben sich Inhomogenit¨
aten des Aluminiumgehalts und der
Periodizit¨
at. Auf glatten semipolaren Schichten wurde der Einbau von Al in AlGaN
¨
Ubergitter untersucht mit den Ergebnis, dass die Desorption von Gallium auf (10¯
11)
am st¨
arksten ist.
5.6 Erste Laserstrukturen
Wie die Abbildung der verwendeten Strukturen zeigt (Abb. 5.1 auf S. 68), lassen
sich AlGaN-Schichten und Quantent¨
opfe zu einer optisch gepumpten Laserstruktur
verbinden. Durch Anregung der Quantent¨
opfe mit einem streifenf¨
ormig fokussierten
Laserstrahl, kann verst¨
arkte spontane Emission beobachtet werden. Das Licht wird
im Wellenleiter gef¨
uhrt und kann dann ¨
uber die Kante detektiert werden. Dies wird
im ersten Unterkapitel 5.6.1 behandelt.
Elektrisch pumpbare Dioden erh¨
alt man durch n-Dotierung der unteren Mantel-
schicht und Aufwachsen einer p-dotierten oberen Mantelschicht. Bei der Herstellung
solcher Dioden ist aber nicht nur der Wachstumsprozess schwierig, sondern auch
92 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
die Prozessierung dieser kleinen Proben. Die Erkenntnisse der ersten Prozessl¨
aufe
werden in Kap. 5.6.2 dargestellt.
5.6.1 Optisch gepumpte Laserstrukturen
Um verst¨
arkte spontane Emission (ASE) zu beobachten, ist eine Modenf¨
uhrung in
einer vertikalen Struktur notwendig (Indexguiding), was bei diesen Proben durch
eine separate confinement Heterostrukur realisiert wurde. Die ¨
uber die Kante detek-
tierte Leistung zeigt unter dieser Voraussetzung ein Schwellenverhalten. Oberhalb
der Schwelle ist der Gewinn im Wellenleiter gr¨
oßer als die Verluste. Spontan emit-
tiertes Licht wird dann entlang des Streifens, auf den der Anregungslaser fokussiert
ist, verst¨
arkt. Die Schwelle h¨
angt nicht nur von den Eigenschaften der Quantent¨
opfe,
sondern auch von der Wellenleiterstruktur ab. Gewinn und Verluste sind die bestim-
menden Gr¨
oßen. M¨
ogliche Verlustmechanismen sind Streuverluste an Unebenhei-
ten der Grenzfl¨
achen und Absorptionsverluste. F¨
ur den Gewinn sind der ¨
Uberlapp
der transversaloptischen Mode mit den Quantent¨
opfen (Γ-Faktor) und die Lebens-
dauer der Elektron-Lochpaare, sowohl die strahlende als auch die nichtstrahlende,
entscheidend.
Proben, an denen ASE beobachtet werden kann, sollten auch Laseremission zeigen
k¨
onnen. Dazu ist ein Resonator mit Spiegeln erforderlich. Allerdings ist die Her-
stellung von Spiegeln f¨
ur semipolare Proben sehr schwierig, da es keine geeigneten
niedrig indizierten Spalt- oder Bruchebenen wie bei c-plane GaN gibt. Die Prozes-
sentwicklung zur Spiegelherstellung ist noch nicht abgeschlossen und wird in Kap.
5.6.2 behandelt. Bei den folgenden Experimenten an optischen gepumpten Struktu-
ren wurde nur die ASE gemessen und deren Schwelle und Polarisation bestimmt.
Abbildung 5.27: Bestimmung der Schwellen f¨
ur ASE an optisch gepumpten Laserstrukturen
auf m-plane, (10¯
12)und (11¯
22). Aufgenommen von J. Rass. Siehe [123].
Der Probensatz bestand aus m-plane, (11¯
22)und (10¯
12)optisch gepumpten Laser-
strukturen deren Niederanregungs-PL Emissionsenergie zwischen 3.0 und 3.1 eV lie-
gen. In Abb. 5.27 ist die ¨
uber die Kante gemessene Hochanregungs-PL-Lumineszenz-
Intensit¨
at ¨
uber die Anregungsleistungsdichte aufgetragen. Alle Kurven zeigen eine
¨
Anderung des Anstiegs. Gem¨
der Symmetrie der Oberfl¨
ache kann man den Anre-
gungslaserstreifen parallel zur c-Achsenprojektion (c’-Richtung) und senkrecht dazu
5.6 Erste Laserstrukturen 93
ausrichten. Allen Proben ist gemein, dass die Schwelle f¨
ur die Streifenorientierung
entlang c bzw. c’ niedriger ist, als senkrecht dazu. Gleichzeitig ist auch die gemessene
PL-Intensit¨
at entlang c bzw. c’ h¨
oher (in den Grafiken nicht zu sehen, da diese nor-
miert wurden). Auch theoretische Berechnungen ergeben eine niedrigere Schwelle
entlang c bzw. c’ [31]. Daraus folgt, dass f¨
ur elektrisch gepumpte Strukturen die
Resonatoren entlang c’ ausgerichtet sein sollten, was die Entwicklung von Facetten-
herstellungsprozessen f¨
ur semipolare Laser notwendig macht. Berichten von Ueda
et al. zufolge h¨
angt die Gainanisotropie von der Emissionsenergie ab und dreht sich
f¨
ur gr¨
une Emitter um [32]. Die optimale Ausrichtung von Laserstrukturen in einem
neuen Wellenl¨
angenbereich muss daher durch Hochanregungs-PL vor der Prozessie-
rung gepr¨
uft werden. Vergleicht man die Schwellen zwischen den Proben, so sind sie
auf (11¯
22)nur halb so groß wie auf m-plane, wo sie am h¨
ochsten sind. Dies ist kon-
form mit den bisherigen Messungen, bei denen (11¯
22)Proben die glattesten Ober-
fl¨
achen, die geringste Halbwertsbreite und die beste Effizienz (d.h. h¨
ochste Inten-
sit¨
at) hatten. Im Vergleich zu (11¯
22)hatten die (10¯
12)bei der Niederanregungs-PL
eine niedrigere Effizienz und eine gr¨
oßere Halbwertsbreite. Die niedrigere Effizienz
bedeutet eine schnelle nichtstrahlende Rekombination, so dass die Transparenzla-
dungstr¨
agerdichte nicht so schnell erreicht werden kann. Die gr¨
oßere Verbreiterung
des Emissionsspektrums f¨
uhrt zu einer Verbreiterung des Gainspektrums und einem
kleinerem Gainhub, wodurch die Schwelle auch erh¨
oht wird. Die m-plane Proben
zeigten eine sehr intensive mikro-PL allerdings mit relativ großer Halbwertsbreite.
Außerdem erh¨
ohen die Pyramiden die Streuverluste, so dass auch hier die Schwelle
gr¨
oßer ist als bei den (11¯
22)-Strukturen.
Abbildung 5.28: Spektren der optisch gepumpten Strukturen, aufgenommen bei der Schwel-
lenbestimmung in Abb. 5.27 auf a) m-plane, b) (10¯
12)und c) (11¯
22). Aufgenommen von J.
Rass.
Die Spektren, die bei der Bestimmung der ASE-Schwellen f¨
ur die c bzw. c’-Resonatoren
aufgenommen wurden, sind in Abb. 5.28 dargestellt. Die Form der Spektren ist nicht
mehr, wie bei der PL, nur von den Quantentopfeigenschaften, d.h. der Verteilung der
Lokalisierungsstellen, sondern auch von deren Besetzung und den Wellenleitereigen-
schaften abh¨
angig. So ist f¨
ur alle Spektren eine Reduktion der Halbwertsbreite und
eine Peakverschiebung bei Hochanregung festzustellen. Bei m-plane und (11¯
22)tritt
ein zweiter Emissionspeak mit steigender Anregungsleistung in Erscheinung. Das
94 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
f¨
uhrt bei m-plane zu einer Rotverschiebung um 26 meV und bei (11¯
22)um 4 meV.
Auch bei der (10¯
12)Ebene gibt es eine Rotverschiebung um 10 meV, obwohl hier
nicht eindeutig ein zweiter Peak zu erkennen ist. Bei diesen rotverschobenen Emis-
sionen ist der Gain gr¨
oßer als beim Emissionsmaximum unterhalb der ASE-Schwelle,
so dass bei sehr großen Anregungsleistungen der rotverschobene Peak schneller als
das Emissionsmaximum der spontanen Emission w¨
achst. Auch die Halbwertsbreite
wird durch den zweiten Peak vergr¨
oßert. So hat die (11¯
22)Probe knapp ¨
uber der
Schwelle eine Halbwertsbreite von 24 meV die sich bei 1 MWcm2auf 27 meV ver-
gr¨
oßert. Auf (10¯
10)w¨
achst die Halbwertsbreite von 40 auf 57 meV und auf 10¯
12
von 44 auf 52 meV. Durch die Verst¨
arkung im Wellenleiter sind diese Halbwertsbrei-
ten im Vergleich zu den mikro-PL-Halbwertsbreiten von 93 meV auf (11¯
22), 158 meV
auf (10¯
12)und 130 meV auf (10¯
10)um den Faktor 3 geringer.
Die Spektren und die leistungsabh¨
angigen Messungen zeigen eindeutig verst¨
arkte
spontane Emission. Neben den Auswirkungen auf Lichtintensit¨
at und Spektren sollte
die Verst¨
arkung im Wellenleiter auch die Polarisation des Lichts beeinflussen, was im
folgenden Abschnitt behandelt wird.
Abbildung 5.29: Messung der Polarisation des E-Feldes f¨
ur optisch gepumpten Laserstruk-
turen auf a) m-plane, b) (11¯
22)und c) (10¯
12). Ein Polarisatorwinkel von 0bedeutet, dass
das E-Feld senkrecht zur Wachstumsebene, d.h. TM-Polarisiert ist. TE-Polarisation liegt bei
einem Winkel von 90vor. Aufgenommen von J. Rass. Siehe [123].
Die theoretischen Berechnungen von Scheibenzuber et al. ergeben nicht nur eine
h¨
ohere Schwelle f¨
ur eine Anregunslaserstreifenorientierung senkrecht zu c’ sondern
sagen auch voraus, dass f¨
ur semipolare Orientierungen mit Resonatoren senkrecht zu
c’ die Moden nicht mehr TE und TM polarisiert sind. Wegen der Doppelbrechung im
GaN ist der Brechungsindex f¨
ur Licht, das parallel zur optischen Achse, der c-Achse,
polarisiert ist, um 2.7% gr¨
oßer als senkrecht dazu [124]. Wie Abb. 5.29 zeigt, ist f¨
ur
die c’ Streifenorientierung das Licht immer TE-polarisiert; die Maxima sind immer
bei 90und 180. F¨
ur [1¯
210]Streifen auf m-plane GaN ist das Licht auch TE polari-
siert und ist damit parallel zur c-Achse. F¨
ur den [1¯
100]-Resonator auf (11¯
22)und die
[1¯
210]-Resonatoren auf (10¯
11)und (10¯
12)liegt der Polarisationswinkel zwischen 0
und 90jeweils fast parallel zur c-Achse, wie in Tab. 5.1 zusammengefasst. Wegen
des Einflusses der Wellenleiterstruktur ist die Polarisation f¨
ur einen semipolaren Re-
sonatoren senkrecht zu [0001]aber nicht exakt parallel zur c-Achse, sondern weicht
um einige Grad von dieser ab. Der Winkel der c-Achse zu Oberfl¨
achennormale, die
5.6 Erste Laserstrukturen 95
Orientierung Winkel c-Achse gemessener Winkel berechneter Winkel
(10¯
10)9090 ±290
(11¯
22)5861 ±260
(10¯
12)4345 ±345
Tabelle 5.1: Winkel der c-Achse zur Oberfl¨
achennormale, gemessener Winkel und berech-
neter Winkel der Polarisation von Scheibenzuber et al. f¨
ur Anregung senkrecht zu c’ und die
verschiedenen Oberfl¨
achenorientierungen. Winkel gemessen von J. Rass, berechnet von W.
Scheibenzuber und J. Kupec. Siehe [123].
gemessenen Winkel und die berechneten Winkel von Scheibenzuber et al. sind in
Tabelle 5.1 zusammengefasst. Im Rahmen der Messgenauigkeit, wurden die Vorher-
sagen erf¨
ullt.
Die optisch gepumpten Messungen zeigen verst¨
arkte spontane Emission unter Hoch-
anregung. Die Schwellen korrelieren gut mit den zuvor gemessenen Merkmalen der
Oberfl¨
achenrauigkeit, Halbwertsbreite und Intensit¨
at der Lumineszenz. Die niedrigs-
te Schwelle wurde auf (11¯
22)gemessen. An diesen Strukturen konnten die Berech-
nungen ¨
uber den Einfluss der Doppelbrechung auf die Polarisation in semipolaren
Wellenleitern von Scheibenzuber et al. best¨
atigt werden.
5.6.2 Elektrisch gepumpte Dioden
Ausgehend von den optisch gepumpten Strukturen m¨
ussen f¨
ur eine elektrisch ge-
pumpte Laserstruktur die untere Mantelschicht n-dotiert werden und eine obere
p-dotierte Mantelschicht hinzugef¨
ugt werden. Der Al-Einbau bei unterschiedlichen
Wachstumsbedingungen f¨
ur n- und p-Seite wurde bereits in Kap. 5.5 beschrieben. Die
Ergebnisse der Dotierungsexperimente sind im folgenden Absatz dargestellt. Nach
dem Wachstum folgt bei der Herstellung eines elektrisch gepumpten Bauelements
die Prozessierung. Diese wird in [125] ausf¨
uhrlich beschrieben. Eine kurze Beschrei-
bung des Prozesses und der Ergebnisse erfolgt hier.
Dotierung F¨
ur m-plane GaN-Schichten wurde die f¨
ur c-plane etablierte Si- und
Mg-Dotierung getestet. Die Konzentration der Dotieratome und der freien Ladungs-
tr¨
ager wurde mit SIMS und ECV bestimmt. Im Fall von Mg, das ein tiefer Akzeptor
ist und durch Wasserstoff und Mg-Cluster kompensiert wird, ergeben die Messme-
thoden SIMS und ECV unterschiedliche Werte. Mit SIMS wird die Konzentration der
Dotieratome im Festk¨
orper gemessen. Mit ECV wird die Dichte der ionisierbaren Do-
tieratome bestimmt. Diese Dichte ist die Differenz aus Dotieratomen und der Kom-
pensation, d.h. der nicht ionisierbaren Dotieratome. Die frei Ladungstr¨
agerdichte ist
wegen des großen Abstands des Mg Niveaus von 160 meV von der Valenzbandkante
bei Raumtemperatur nur ca. 1% der ionisierbaren Akzeptoren. Halleffektmessungen
waren an diesen Proben wegen der leitf¨
ahigen m-plane GaN Substrate nicht m¨
oglich.
Wie SIMS und ECV-Messungen zeigen, ist die Si-Dotierung auf m-plane unproblema-
tisch und der Einbau ist identisch zu c-plane GaN. Dies wird f¨
ur Si, das bei Wachs-
tumstemperatur einen geringen Dampfdruck aufweist und kaum desorbiert auch so
96 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.30: ECV-Messung
an den m-plane GaN:Mg Proben.
Messung durch V. Hoffmann.
0.0 0.2 0.4 0.6 0.8 1.0
10
17
10
18
10
19
II/III = 0.012
II/III = 0.019
|N
A
-N
D
| ( c m
-3
)
Ätztiefe (µm)
pn
erwartet.
Der Mg-Einbau und die Kompensation sind dagegen problematischer. Bedingt durch
die geringe Verf¨
ugbarkeit der Substrate, gab es nur zwei Versuche, bei denen einzel-
ne GaN:Mg-Schichten (950°C, 250 mbar, 16 slm Totalfluss) abgeschieden wurden.
Die Proben wurden mit einem im Vergleich zu c-plane erh¨
ohten II/III-Verh¨
altnis
0.012 und 0.019 gewachsen (0.007 auf c-plane). Die Mg-Konzentration war mit
3×1019cm3vergleichbar mit dem Wert der c-plane Probe von 2 ×1019cm3. Das
deutet auf einen deutlich niedrigeren Mg-Einbau auf m-plane als auf c-plane.
Das Ergebnis der ECV-Messung ist in Abb. 5.30 zu sehen. Beide Kurven haben ein
Maximum von 1 ×1019 cm3an der Oberfl¨
ache, obwohl der Cp2Mg-Fluss bei Pro-
be I deutlich h¨
oher war. Dieser Wert betr¨
agt 1/3 der mit SIMS gemessenen Mg-
Konzentration von vergleichbaren Proben, was f¨
ur eine starke Kompensation spricht.
Das Profil der Probe mit einem II/III von 0.012 f¨
allt exponentiell bis zu einem Wert
von 3 ×1017 cm3ab und wechselt bei einer Tiefe von 0.65 µm zu n-dotiertem
Material. Die Probe mit einem II/III von 0.019 zeigt einen verz¨
ogerten Abfall auf
4×1018 cm3bei 0.45 µm und dann einen starken Abfall bis die Probe bei 0.65 µm
mehr Donatoren als Akzeptoren enth¨
alt. Beide Proben zeigen im Vergleich zu c-plane
GaN einen deutlich niedrigeren und verz¨
ogerten Mg-Einbau. Mit einem II/III von
0.019 das Profil g¨
unstiger als bei einem II/III von 0.012. Die p-Dotierung ist m¨
oglich,
auch wenn im Vergleich zu c-plane ein deutlich h¨
oherer Cp2Mg-Fluss ben¨
otigt wird,
um ¨
ahnliche Dotierprofile einzustellen.
Beschreibung des Prozesses zu Herstellung von TLM- LED- und Laserstruk-
turen Durch laterale Strukturierung der Epitaxiestruktur mit Photolithographie,
¨
Atzprozessen und Metallisierungen, werden Bauelementstrukturen definiert. Im Lay-
out gibt es sowohl TLM (Transmission Line Model) und LED-Strukturen, als auch
Breitstreifenlaser parallel und senkrecht zu c-Achse [125]. Es wurden nur m-plane
Strukturen prozessiert, da der Prozess zur Facettenherstellung f¨
ur die semipolaren
Proben erst noch entwickelt werden muss. Der Prozess besteht aus vier Ebenen: Der
p-Metallisierung, der Verst¨
arkungsmetallisierung des p-Kontaktes, dem Tief¨
atzen zur
n-Seite und der n-Metallisierung. Um die kleinen Proben besser bei der Lithogra-
phie und der Metallisierung handhaben zu k¨
onnen, werden sie mit BCB auf einen 2
5.6 Erste Laserstrukturen 97
Si-Tr¨
ager aufgeklebt. F¨
ur die Hochtemperaturschritte in der RTA werden sie wieder
abgel¨
ost.
Zu Beginn des Prozesses wird die p-Dotierung aktiviert (RTA, 10 min, 850°C) und
anschließend eine nasschemische Oxid¨
atzung durchgef¨
uhrt. Danach wir die d¨
unne
p-Kontaktmetallisierung (20 40 nm) aufgedampft und in der RTA formiert. Als
Kontaktmetall wurde Ni/Au verwendet. TLM-Messungen und EL-Messungen zeig-
ten, dass diese Kontakte sehr inhomogen sind und in Zukunft besser Pd/Au Kontakte
verwendet werden sollten. Bei der Verst¨
arkungsmetallisierung wird galvanisch eine
dicke Goldschicht aufgebracht, da die d¨
unne p-Metallisierungschicht nur eine ge-
ringe laterale Leitf¨
ahigkeit hat und leicht durch die Messspitzen besch¨
adigt werden
kann. Das ¨
Atzen zur n-Schicht erfolgt mit einem Cl-basiertem ICP-¨
Atzprozess (induc-
tively coupled plasma) unter Verwendung einer SiN Hartmaske. F¨
ur den n-Kontakt
wird Ti/Al/Mo/Au verwendet. Auf die Formierung des n-Kontaktes wurde verzich-
tet um eine Degradation des p-Kontaktes zu vermeiden. Auf c-plane GaN zeigten
unformierte n-Kontakte wesentlich kleinere Kontaktwiderst¨
ande als die formierten
p-Kontakte.
Facettenherstellung Die Facetten f¨
ur c-plane Laserdioden werden im FBH durch
Laserritzen von der R¨
uckseite hergestellt [126]. Dieser Prozess wurde auch auf m-
plane und semipolares GaN angewendet [127]. Beim Spalten entlang niedrig indi-
zierter Ebenen, d.h. der c- a- oder m-Ebene, entstehen glatte Facetten. Damit lassen
sich Laserresonatoren auf m-plane parallel zu c- und zur a-Richtung herstellen. Auf
semipolaren Proben kann man damit Resonatoren senkrecht zu c-Richtung herstel-
len, d.h. k[1¯
100]auf (11¯
22),k[1¯
210]auf (10¯
11)und (10¯
12). F¨
ur die semipolaren
Resonatoren entlang der Projektion der c-Achse auf die Oberfl¨
ache (c’-Richtung),
m¨
ussen h¨
oher indizierte Fl¨
achen gespalten werden. Die Fl¨
achen senkrecht zur c’-
Richtung auf semipolarem GaN, d.h. [11¯
2¯
3]auf (11¯
22),[¯
1012]auf (10¯
11)
und [¯
1011]auf (10¯
11), ergeben keine glatten Facetten. Sie brechen entweder
schief oder abwechselnd auf unterschiedlichen niedrig indizierten Facetten, vermut-
lich der m- und c-Facette, die auch zum Resonator geneigt sind. Auf diese Weise
l¨
asst sich kein Resonator entlang der c’-Richtung herstellen. Daher wurde ein Plas-
ma¨
atzprozess entwickelt [127]. Auf c-plane GaN wurden durch geeignete Parameter
senkrechte Facetten erzeugt. Mit optischen Messungen an c-plane Proben (J. Rass)
wurde gezeigt, dass die Resonatoren mit ge¨
atzten Facetten die selbe Laserschwelle
haben wie die mit gespaltenen Facetten. Auch f¨
ur das semipolare GaN wurde mit
(11¯
22)Templates auf m-plane Saphir ein Plasma¨
atzprozess entwickelt. Im Vergleich
zum c-plane GaN m¨
ussen aber grundverschiedene Parameter verwendet werden, um
steile Facetten zu erhalten. Bei c-plane ¨
Atzbedingungen ist die c’-Facette der (11¯
22)
Proben gekr¨
ummt. Das spricht f¨
ur einen ¨
Atzprozess mit großen isotropen Anteilen.
Daher wurde der Druck verringert und die RF-Leistung erh¨
oht, um den physikali-
schen Anteil des ¨
Atzprozesses zu verst¨
arken. Das Resultat waren gerade Facetten
f¨
ur beide Resonatororientierungen mit einem Winkel von 83. Dieser Facettenwin-
kel k¨
onnte ausreichen um einen Laserresonator herzustellen aber liegt nicht bei den
idealen 90. Daher wird die Prozessentwicklung zur Herstellung von semipolaren
Facetten fortgesetzt.
98 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
Abbildung 5.31: a) LI- und UI-Kennlinie einer m-plane LED im Vergleich mit einer c-plane
LED on Wafer, cw, bei Raumtemperatur ohne W¨
armesenke. Die Epitaxiestruktur ist bei bei-
den Proben eine Laserstruktur. b) Spektren der m-plane LED aus a). Inset: Foto einer LED
w¨
ahrend der Messung. Aufgenommen von L. Redaelli [125]
Elektrolumineszenzmessungen an m-plane LEDs Die LED-Strukturen wurden
on Wafer auf einem Saphirtr¨
ager gemessen (siehe Foto im Inset von Abb. 5.31b). Die
Kennlinien in Abb. 5.31a zeigen f¨
ur eine LED normale Kennlinien. Die UI-Kennlinie
hat eine Flussspannung von 4.5 V. Die LI-Kennlinie ist im unteren Bereich linear und
zeigt bei 400 mA thermisches ¨
Uberrollen. Der Vergleich der Kennlinien mit LEDs auf
einer c-plane Laserstruktur zeigt eine erh¨
ohte Flussspannung der m-plane LED und
einen h¨
oheren Serienwiderstand von 4.3 statt 2.8 . Die LI-Kennlinie der m-plane-
LED ist deutlich flacher. Die externe Quanteneffizienz ist um den Faktor 7 niedri-
ger. Vergleicht man die LEDs auf m- und c-plane bei 30 mA, so werden auf c-plane
1.9 mW bei 3.9 Verreicht, w¨
ahrend bei der besten m-plane LED 0.27 mW bei 4.9 V
gemessen werden. Die m-plane LED leidet unter zwei Problemen: Dem Widerstand
und der niedrigen Effizienz. Der Widerstand setzt sich aus Kontakt und Schichtwi-
derstand zusammen, wobei f¨
ur GaN Bauelemente die Widerst¨
ande auf der p-Seite
das gr¨
oßere Problem darstellen. Wie TLM-Messungen gezeigt haben ist der Kontakt-
widerstand zu hoch und inhomogen ¨
uber die Probe verteilt. Aber auch eine hohe Do-
tierung im Volumenmaterial zu erreichen ist problematisch, wie die CV-Messungen
an m-plane GaN auf S. 95 zeigen. Ein stark verz¨
ogerter Mg-Einbau, wie er mit CV
gemessen wurde bewirkt außerdem eine ungen¨
ugende Dotierung des EBL, so dass
dieser auch die L¨
ocher blockiert und den Widerstand erh¨
oht. Die niedrige externe
Quanteneffizienz k¨
onnte durch eine niedrige Injektions- und interne Quanteneffizi-
enz verursacht werden. Da die c- und m-plane LEDs on Wafer gemessen wurden,
sollte die Extraktionseffizienz ¨
ahnlich sein. Eine niedrige Injektionseffizenz k¨
onnte
vorliegen, wenn der EBL nicht wirkt, weil er nicht richtig dotiert ist, oder wenn die
p-Seite so niedrig dotiert ist, dass die n-Hintergrunddotierung bereits zu einer nicht-
strahlenden Rekombination im p-Gebiet f¨
uhrt. Hier w¨
urde eine Optimierung des EBL
bzw. der p-Seite das Problem l¨
osen. Die interne Quanteneffizienz h¨
angt vor allem von
5.7 Zusammenfassung Homoepitaxie 99
der nichtstrahlenden Rekombination in den Quantent¨
opfen ab. F¨
ur c-plane Quan-
tent¨
opfe wurde mit Tieftemperatur-PL-Messungen eine IQE von 10% gemessen. Bei
m-plane Quantent¨
opfen wurden vergleichbare oder h¨
ohere Werte gemessen. Um die
interne Quanteneffizienz zu verbessern, m¨
ussen die Wachstumsparameter der Quan-
tent¨
opfe optimiert werden. Da die Dichte der durchstoßenden Versetzungen auf den
GaN-Substraten sehr niedrig ist, m¨
ussen vor allem Punktdefekte reduziert werden.
Bei der Prozessierung ist vor allem die geringe Substratgr¨
oße problematisch. Das
Aufkleben und Abl¨
osen der Proben, um den Prozess mit der hier verwendeten Pro-
zesslinie kompatibel zu machen, k¨
onnten die Kontaktwiderst¨
ande verschlechtern.
Aber auch das Handling und die Randeffekte beim Prozessieren verursachen im Ver-
gleich zu den f¨
ur c-plane verwendeten 2 Vierteln gr¨
oßere Probleme.
In den bisherigen Prozessen wurde zwar noch kein Lasing erreicht, aber funktionie-
rende LEDs mit Leistungen von mehr als einem Milliwatt hergestellt und viel Erfah-
rung bei der Prozessierung gesammelt. In den folgenden Prozessen muss durch die
Prozessierung von c-plane Vergleichsst¨
ucke herausgefunden werden, inwieweit die
¨
Anderungen des Prozesses f¨
ur kleinen St¨
ucke im Vergleich zum c-plane Prozess die
Kontakte beeintr¨
achtigen. Außerdem muss die Kontakthomogenit¨
at durch die Ver-
wendung von Pd/Au-Kontakte anstelle von Ni/Au Kontakten verbessert werden. Eine
Optimierung der Kontaktwiderst¨
ande muss dann in sp¨
ateren Prozessen erfolgen.
5.7 Zusammenfassung Homoepitaxie
Wie das vorliegende Kapitel gezeigt hat, ist die Defektdichte auf homoepitaktischen
GaN-Substraten so niedrig, dass sie sich f¨
ur die Herstellung von Bauelementen eig-
nen. Da sie aus c-plane Boules mit einer Dicke 10 mm geschnitten werden, sind
sie in jeder beliebigen Orientierung verf¨
ugbar, aber sind auch sehr beschr¨
ankt in
der Gr¨
oße. GaN Schichten auf Substraten verschiedener Orientierung k¨
onnen H¨
ugel
bilden. Diese H¨
ugel werden durch Spiralwachstum um Schraubenversetzungen aus-
gel¨
ost. Wenn man die Diffusionsl¨
ange reduziert, in dem man die Temperatur absenkt
und den Druck erh¨
oht, kann man die Gr¨
oße und Dichte der H¨
ugel auf semipolarem
GaN stark verringern. Auf m-plane reagiert die Oberfl¨
achenstruktur nicht auf eine
¨
Anderung der Wachstumsparameter. Dort sind Qualit¨
at des Substrats, der Politur
und der Fehlschnitt entscheidend. Die (11¯
22)Oberfl¨
ache verh¨
alt sich dabei entge-
gengesetzt zu den Ebenen aus der [1¯
210]-Zone ((10¯
10),(10¯
11)und (10¯
12)). Sie
ist bei großer Diffusionsl¨
ange glatt und raut mit sinkender Temperatur und steigen-
dem Druck auf. Quantent¨
opfe auf den GaN Substraten haben je nach Orientierung
unterschiedliche Emissionsenergie. Das kann nur durch einen unterschiedlichen In-
diumeinbau erkl¨
art werden. Die (10¯
11)hat den h¨
ochsten Indiumeinbau gefolgt von
(11¯
22)und c-plane. m-plane und (10¯
12)bauen deutlich weniger Indium ein. Orts-
aufgel¨
oste Messungen der Lumineszenz haben eine wesentlich homogenere Vertei-
lung des Emissionsmaximums und der Intensit¨
at f¨
ur nicht- und semipolare Quanten-
filme gezeigt. Die Inhomogenit¨
at der Emission nimmt mit steigendem Indiumgehalt
zu, aber ist f¨
ur die nicht- und semipolaren Quantenfilme nicht so stark wie f¨
ur c-
plane. Nur die Halbwertsbreite der nicht- und semipolaren Quantenfilme ist gr¨
oßer
als die der c-plane Proben. Das kann man zum Teil durch eine k¨
urzere Ladungs-
100 5 Wachstum von LED- und Laserstrukturen auf homoepitaktischen GaN Substraten
tr¨
agerdiffusionsl¨
ange zum anderen durch gr¨
oßere Fluktuationen auf L¨
angenskalen
400 nm erkl¨
aren. Das Wachstum von AlGaN Mantelschichten ist m¨
oglich. Dabei
zeigen Proben mit H¨
ugeln starke Fluktuationen der Periodizit¨
at und des Aluminu-
meinbaus, was bei glatten Proben nicht zu beobachten ist. An optisch gepumpten
Strukturen wurde verst¨
arkte spontane Emission (ASE) beobachtet. Die Schwelle f¨
ur
die ASE h¨
angt von der Orientierung ab und ist f¨
ur (11¯
22)am niedrigsten. Dies ist
plausibel, da diese Orientierung die geringste Oberfl¨
achenrauigkeit, die beste Homo-
genit¨
at und die h¨
ochste Intensit¨
at bei den Mikro-PL-Messungen hatte. Die Schwelle
ist dabei nicht nur von der Kristallorientierung sondern auch von der Orientierung
des Anregungslasers in der Ebene abh¨
angig. Bei Anregung senkrecht zur c-Achse ist
die Schwelle immer gr¨
oßer als parallel zur c-Achse, bzw. deren Projektion auf die
Oberfl¨
ache. F¨
ur Anregung senkrecht zur c-Achse konnte außerdem experimentell
nachgewiesen werden, dass das Licht wegen der Doppelbrechung in GaN parallel
zur c-Achse polarisiert ist und es keine TE- und TM-Moden in solchen Strukturen
gibt. Experimente zur p-Dotierung zeigten einen niedrigeren Mg-Einbau in m-plane
GaN als in c-plane GaN. Außerdem war das Mg-Profil stark verz¨
ogert. Dies erkl¨
art
den relativ hohen Serienwiderstand von LED-Strukturen, die auf m-plane prozessiert
wurden. In den ersten Prozessl¨
aufen mit m-plane LEDs wurde bereits eine Ausgangs-
leistung von 1 mW bei 100 mA erreicht. Mit PL wurde die interne Quanteneffizienz
gemessen und ergab vergleichbare Werte f¨
ur c-plane und m-plane, so dass f¨
ur elektri-
sche gepumpte Bauelemente vor allem die Ladungstr¨
agerinjektion verbessert werden
muss.
Kapitel 6
Zusammenfassung und Ausblick
Zusammenfassung In dieser Arbeit wurde das Wachstum von nichtpolaren und
semipolaren III-Nitriden auf verschiedenen Substraten verglichen. Dabei wurden zwei
unterschiedliche Ans¨
atze verfolgt: Das heteroepitaktische Wachstum auf Fremdsub-
straten und das homoepitaktische Wachstum auf GaN Volumenkristallen. Das Wachs-
tum auf Fremdsubstraten hat den Vorteil, dass das Substratmaterial gr¨
oßer und kos-
teng¨
unstiger zur Verf¨
ugung steht als die GaN Substrate. Die GaN Substrate haben
dagegen den Vorteil, dass die Probleme des heteroepitaktischen Wachstums, d.h. De-
fektbildung und Verspannung wegen Fehlanpassung der Gitterkonstanten und der
thermischen Ausdehnungskoeffizienten, nicht auftreten. Außerdem kann man die
Substrate in jeder Orientierung aus den GaN Kristall schneiden und so die Orien-
tierung frei w¨
ahlen. Wegen der geringeren Defektdichte wurden die GaN-Substrate
verwendet um Laserstrukturen zu entwickeln.
Beim Wachstum auf Fremdsubstraten ist die Orientierung nicht frei w¨
ahlbar. Die
Schichtorientierung wird durch das Substratmaterial, seine Orientierung und den
Wachstumsprozess vorgegeben. In dieser Arbeit wurde nichtpolares (11¯
20)a-plane
GaN auf (10¯
12)r-plane Saphir, nichtpolares (10¯
10)m-plane GaN auf (001)γ-LiAlO2
und semipolares (11¯
22)GaN auf (10¯
10)m-plane Saphir gewachsen. F¨
ur jede Orien-
tierung wurden die Wachstumsprozesse optimiert um glatte und m¨
oglichst defektar-
me Schichten zu erhalten. Keine der Schichten konnte mit den selben Bedingungen
wie c-plane Schichten gewachsen werden. Auch die optimalen Wachstumsparameter
auf verschiedenen Fremdsubstraten unterschieden sich.
F¨
ur a-plane GaN ist das Hauptproblem die Bildung von L¨
ochern an der Oberfl¨
ache.
Diese L¨
ocher werden von m-, {10¯
11}und (000¯
1)Facetten begrenzt. Diese Facetten
wachsen langsamer als die a-Facetten, weswegen sich einmal entstandene L¨
ocher
nur schwer schließen lassen. Durch Absenken des Reaktordrucks und des V/III-
Verh¨
altnisses k¨
onnen die Wachstumsraten der a- und m-Facetten angeglichen wer-
den, so dass die Bildung von L¨
ochern unterdr¨
uckt wird.
Auch semipolare (11¯
22)-Schichten neigen zum Aufrauen. Die Oberfl¨
achenrauigkeit
dieser Schichten wird stark durch den Wachstumsdruck beeinflusst und ein Minimum
befindet sich bei 150 mbar zwischen den Werten von c-plane und a-plane. Die Struk-
turen sind zwar kristallografisch parallel c’ ausgerichtet, zeigen aber keine Facetten,
wie die L¨
ocher in a-plane Oberfl¨
achen.
102 6 Zusammenfassung und Ausblick
Bei den nichtpolaren m-plane Schichten auf LiAlO2kann der c-plane Wachs-
tumsprozess nicht angewendet werden, da das Substrat sehr empfindlich gegen¨
uber
Temperaturen ¨
uber 900Cund Wasserstoff ist. Wegen der geringen Gitterfehlanpas-
sung ist keine Nukleationsschicht erforderlich, da die f¨
ur die Rekristallisation erfor-
derlichen Temperaturen das Substrat besch¨
adigen w¨
urden. Der Wachstumsprozess
bestand daher aus einer Nitridierung bei 800C und dem Wachstum einer Puffer-
schicht mit Stickstoff als Tr¨
agergas bei 900C. Die resultierenden Schichten sind
sehr glatt aber rauen ab einer Dicke von 450 nm durch die Bildung von H¨
ugeln
und Stufen parallel zur c-Richtung auf. Die H¨
ugelbildung steht wahrscheinlich im
Zusammenhang mit Schraubenversetzungen w¨
ahrend die Stufenbildung wohl durch
die Relaxation von Verspannungen verursacht wird.
Trotz der angepassten Wachstumsprozesse liegt die Rauigkeit der nicht- und semi-
polaren Templates noch eine Gr¨
oßenordnung ¨
uber der von c-plane Templates auf
c-plane Saphir. Ursache sind vermutlich die ausgedehnten Defekte. Mit Kathodo-
lumineszenz und TEM wurden verschiedene Defekttypen identifiziert. Die auch in
c-plane GaN vorkommenden durchstoßenden Versetzungen, die haben auf Saphir
eine Dichte von 1 ×1010 cm2und auf LiAlO21×109cm2. Dar¨
uber hinaus gab
es in allen nicht- und semipolaren Schichten Basalfl¨
achestapelfehler mit einer Dichte
von 5×1051×106cm1auf Saphir und 3 ×104cm1auf LiAlO2. In m-plane GaN
auf LiAlO2wurden außerdem noch planare Defekte mit einem Verschiebungsvektor
R=1/2[0001]mit einer Dichte von 2 ×104cm1gefunden. Die Bildung von Basal-
fl¨
achenstapelfehlern wurde in der Literatur auf das Wachstum der stickstoffpolaren
-c-Facette zur¨
uckgef¨
uhrt. In dieser Arbeit wurde auch der Einbau beim Wachstum der
galliumpolaren c-Facette und an den planaren Defekten in m-plane GaN auf LiAlO2
beobachtet. F¨
ur die Bildung von Stapelfehlern bei der Nukleation gibt es verschie-
dene Modelle, die alle zur Stapelfehlerbildung beitragen k¨
onnten. Die Bildung an
stickstoffpolaren c-Facetten w¨
ahrend der Nukleation, die Bildung an monoatomaren
Stufen im Substrat und die Nukleation von unterschiedlich gestapelten Inseln sind
die m¨
oglichen Mechanismen.
Die ausgedehnten Defekte verschlechtern auf verschiedene Weise die Effizienz von
Bauelementen. Versetzungen wirken als nichtstrahlende Rekombinationszentren, k¨
on-
nen einen parallelen Strompfad erzeugen, verringern die Lebensdauer von Bauele-
menten und st¨
oren die Morphologie. Daher ist eine Defektreduktion notwendig. Das
Wachstum dicker Schichten f¨
uhrt, im Gegensatz zu c-plane, nicht zur Defektredukti-
on. Daher wurde laterales epitaktisches ¨
Uberwachsen (ELOG) angewendet. Defekt-
freie Bereiche, die durch ELOG erzeugt wurden, zeigen eine stark verbesserte Ober-
fl¨
achenmorphologie und sehr gute optische Eigenschaften.
Beim ELOG-Prozess wurde auf a-plane GaN Templates eine Siliziumoxidmaske struk-
turiert, die ein selektives Wachstum in den Masken¨
offnungen erm¨
oglicht. Die Orien-
tierung der Streifenmaske bestimmt die Facetten beim ¨
Uberwachsen und die De-
fektverteilung. Wenn die Streifen parallel zur [0001]-Richtung, also senkrecht zu
den Stapelfehlern, ausgerichtet werden, breiten sich Stapelfehler in den lateral ¨
u-
berwachsenen Bereich aus. Beim ¨
Uberwachsen bilden sich schr¨
age m-Facetten aus,
w¨
ahrend die a-Facette langsam verschwindet. Dadurch knicken durchstoßende Ver-
setzungen in den lateral ¨
uberwachsenen Bereich ab. Wenn man die Streifen parallel
zur [1¯
101]-Richtung, also im Winkel von 45zu den Stapelfehlern, ausrichtet, deh-
103
nen sich die Stapelfehler weiterhin in das lateral gewachsene Material aus. Allerdings
wachsen die schr¨
agen und senkrechten galliumpolaren Facetten schneller als die a-
Facette, so dass sich so nur sehr wenige Versetzungen in den lateral ¨
uberwachsenen
Bereich ausbreiten k¨
onnen. Wegen der großen Wachstumsratenanisotropie w¨
achst
die stickstoffpolare Facette sehr langsam. Bei der Koaleszenz wachsen die gallium-
polaren Facetten dann ¨
uber die schr¨
age stickstoffpolare Facette, so dass auch im
koh¨
arent gewachsenen Bereich die Versetzungsdichte reduziert wird. F¨
ur eine Aus-
richtung der Streifen parallel zu den Stapelfehlern, also parallel der [1¯
100]-Richtung,
ist es m¨
oglich die Stapelfehler und die Versetzungen im lateral gewachsenen Bereich
zu reduzieren. Allerdings erfolgt die Reduktion der Stapelfehler im Gegensatz zu den
Versetzungen nicht abrupt, sondern sinkt in einem 1µm breiten Bereich um drei
Gr¨
oßenordnungen. Die Reduktion der Stapelfehler wurde nicht nur in galliumpola-
rer sondern auch in stickstoffpolarer c-Richtung beobachtet. Bei der Koaleszenz kam
es wieder zu einer Erh¨
ohung der Stapelfehlerdichte. Der Anstieg h¨
angt wahrschein-
lich mit der Ausbildung von schnell wachsenden semipolaren Facetten zusammen,
die sich w¨
ahrend der Koaleszenzphase ausbilden. ELOG bewirkt eine lokale Verbes-
serung der Kristallqualit¨
at. Im koh¨
arent gewachsenen Bereich die Stapelfehler- und
Versetzungsdichte aber so hoch wie im Template. Da die defektarmen Bereiche zu
klein f¨
ur die Herstellung von LED- und Laserstrukturen sind, stellen die homoepitak-
tischen GaN Substrate die bessere Alternative dar.
GaN Substrate sind zwar klein und kaum verf¨
ugbar, aber neben der geringen De-
fektdichte, haben sie den Vorteil, dass ihre Orientierung durch den Winkel in dem
sie geschnitten werden, frei gew¨
ahlt werden kann. F¨
ur die Experimente wurden Ori-
entierungen mit unterschiedlichen Winkeln zu c-Achse gew¨
ahlt: (10¯
10)m-plane mit
einem Winkel von 90,(10¯
11)mit 62,(10¯
12)mit 43und die (11¯
22)mit 58.
Die Substrate sind stapelfehlerfrei und haben eine niedrige Versetzungsdichte von
107cm2. Trotzdem h¨
angt die Morphologie sehr stark von den Wachstumsbedin-
gungen ab. W¨
ahrend die Schichten auf (10¯
12)und (11¯
22)relativ glatt sind, bilden
sich auf m-plane und (10¯
11)große Pyramiden mit einem H¨
ohenunterschied von
1µm. Diese Pyramiden werden von Schraubenversetzungen verursacht, die durch
Spiralwachstum die Wachstumsrate lokal erh¨
ohen. Trotz der Pyramidenbildung sind
die Schichten auf mikroskopischer Skala sehr glatt. Allerdings st¨
oren die Pyramiden
die Prozessierung und die Modenf¨
uhrung in Laserstrukturen. Um die Materialum-
verteilung zu behindern und so die Pyramidenbildung zu unterdr¨
ucken, wurde die
Adatomdiffusionsl¨
ange durch niedrigere Wachstumstemperatur und h¨
oheren Druck
reduziert. Das f¨
uhrt auf (10¯
11)und auf (10¯
12)zu einer glatteren Oberfl¨
ache. Die
m-plane Oberfl¨
ache wird dadurch nicht glatter. St¨
arker wirken sich der Fehlschnitt
und die Qualit¨
at der m-plane Substrate bzw. deren Politur aus. Auf (11¯
22)f¨
uhren
Temperaturabsenkung und Druckerh¨
ohung zu einer Oberfl¨
achenstruktur ¨
ahnlich der
auf heteroepitaktischen (11¯
22)Templates.
Mit den ge¨
anderten Wachstumsbedingungen war es m¨
oglich Bauelementstrukturen
herzustellen. Ausgehend von den Wachstumsparametern f¨
ur c-plane Laserstruktu-
ren, wurden die Wachstumsprozesse f¨
ur die nicht- und semipolaren Orientierungen
angepasst.
104 6 Zusammenfassung und Ausblick
Der gr¨
oßte Unterschied wurde beim Wachstum der Quantent¨
opfe festgestellt. Bei
gleichen Wachstumsbedingungen ergeben sich vollkommen unterschiedliche Emissi-
onsenergien. Die schw¨
acheren Polarisationsfelder ¨
uber den nicht- und semipolaren
Quantent¨
opfen k¨
onnen die Unterschiede nicht erkl¨
aren. Die Ursache ist, dass der In-
diumeinbau von der Orientierung abh¨
angt. So ist er im Vergleich zu c-plane f¨
ur die
(10¯
11)erh¨
oht, f¨
ur die (11¯
22)¨
ahnlich und auf (10¯
12)und m-plane deutlich gerin-
ger. Dabei h¨
angt der Einbau nicht vom Winkel zu c-Achse ab, sonder individuell von
der Oberfl¨
achenstruktur. Nicht nur der Indiumeinbau sondern auch die lokale Lumi-
neszenzverteilung h¨
angt von der Orientierung ab. So wurde im Vergleich zu c-plane
f¨
ur alle nicht und semipolaren Orientierungen eine wesentlich homogenere Emission
beobachtet. Sowohl die Schwankung der Peakenergie als auch die der Intensit¨
at f¨
allt
sowohl f¨
ur violette (3 eV) als auch blaue (2.7 eV) Quantent¨
opfe deutlich geringer aus.
Herausragend ist dabei die (11¯
22)auf der die Schwankungen am geringsten und die
Intensit¨
at am h¨
ochsten ist. Einzig die Halbwertsbreite ist f¨
ur viele Quantent¨
opfe im
Vergleich zu c-plane erh¨
oht, was mit einer k¨
urzeren Exitonendiffusionsl¨
ange zum
Teil erkl¨
art werden kann.
Optisch gepumpte Laserstrukturen wurden mit AlGaN/GaN Mantelschichten und
aktiver Zone aus InGaN MQWs gewachsen. An diesen wurde verst¨
arkte sponta-
ne Emission (ASE) beobachtet. Den Ergebnissen der Mikro-PL folgend, hatten die
(11¯
22)-Proben die niedrigste ASE-Schwelle. Diese Schwelle ist dabei f¨
ur alle Kris-
tallrichtungen von der Orientierung des Anregungslaserstreifens auf der Oberfl¨
ache
abh¨
angig. F¨
ur eine Orientierung parallel zur c-Achse oder ihrer Projektion auf die
Oberfl¨
ache wurden niedrigere Schwellen beobachtet. Senkrecht zur c-Achse waren
die Schwellen h¨
oher. F¨
ur diese Resonatororientierung wird die Wellenleitung durch
die Doppelbrechung des Materials bestimmt, so dass sich die Polarisation an der c-
Achse ausrichtet. Eine TE-Mode, wie in c-plane und m-plane Strukturen gibt es bei
dieser Resonatororientierung nicht.
Auch elektrisch gepumpte Laserstrukturen wurden gewachsen und erste Erfah-
rungen bei der Prozessierung von kleinen GaN-St¨
ucken gesammelt. Die Prozessie-
rung von Laserdiodenstrukturen wurde durch die Entwicklung von Facettenherstel-
lungsprozessen und die Prozessierung von LED-Strukturen vorbereitet. Elektrolumi-
neszenzmessungen an LEDs zeigen, dass die Prozessierung im Prinzip m¨
oglich ist.
Um eine vergleichbare Leistung zu erreichen muss vor allem noch das Wachstum
und die Prozessierung der p-Seite verbessert werden.
In der Einleitung wurde die Frage gestellt, welche Orientierung sich am besten
f¨
ur Laserstrukturen eignet. Bei den hier vorgestellten Experimenten schneidet die
(11¯
22)-Ebene am besten ab. Sie hatte die niedrigste Rauigkeit, beste Homogenit¨
at,
kleinste Halbwertsbreite und niedrigste ASE-Schwelle. Die Experimente haben je-
doch gezeigt, dass (11¯
22)GaN-Schichten bei h¨
oherem Drucken und niedrigeren
Temperaturen aufrauen. Damit wird das Wachstumsfenster, insbesondere f¨
ur Mg-
dotiertes GaN, eingeschr¨
ankt. Hier k¨
onnte z.B. die (10¯
11)Orientierung ein gr¨
oßeres
Wachstumsfenster bieten. Beim Indiumeinbau bietet die (11¯
22)auch keinen Vorteil
gegen¨
uber c-plane und liegt hinter der (10¯
11). Die (11¯
22)ist am vielversprechens-
ten. F¨
ur ein endg¨
ultiges Resultat m¨
ussen aber weitere Optimierungen f¨
ur verschie-
105
dene Wachstumsebenen durchgef¨
uhrt werden.
Ausblick Solange noch keine großfl¨
achigen g¨
unstigen GaN Substrate verf¨
ugbar
sind, bleibt die Heteroepitaxie attraktiv. Es ist jedoch essenziell die Defektdichte zu
reduzieren. Dazu bietet sich das Wachstum auf strukturierten Substraten an. Da-
bei werden Gr¨
aben in die Substrate ge¨
atzt, so dass die Nukleation auf einer ge-
kippten c-Facette erfolgt und bei der Koaleszenz eine planare semipolare Oberfl¨
ache
entsteht. Diese Technik erm¨
oglicht auch eine freie Wahl der Orientierung und die
Stapelfehlerentstehung w¨
ahrend der Nukleation ist unterbunden. Durch das latera-
le ¨
Uberwachsen kommt es außerdem zu einer Defektreduktion. Mit dieser Technik
wurden bereits LEDs mit mehr als 1 mW Ausgangsleistung realisiert [111].
F¨
ur das homoepitaktische Wachstum auf GaN-Substraten gibt es verschiedene of-
fene Fragestellungen. Zum einen steht die Realisierung von optisch und elektrisch
gepumpten Laserdioden aus. Gleichzeitig ist aber auch die Ausdehnung der Emissi-
onsenergie in den gr¨
unen und gelben Spektralbereich interessant. Eine große Rolle
spielen dabei vor allem die Fragen der Lokalisierung und der Einfluss von Defekten
auf die Lumineszenz, sowie die Relaxation, die bei so hohen In-Gehalten einsetzen
kann. In diesem Zusammenhang ist auch weiter Orientierungen, wie z.B. (20¯
21)mit
einem Winkel von 75° zur c-Ebene, interessant.
Ver¨
offentlichungen
Artikel in Referierten Zeitschriften
Einige Ergebnisse dieser Arbeit wurden bereits in folgenden Artikeln ver¨
offentlicht:
[39] W. Neumann, A. Mogilatenko, T. Wernicke, E. Richter, M. Weyers, M. Kneissl,
Structure investigations of nonpolar GaN layers, J. Microsc. 237, 308 (2009)
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[123] J. Rass, T. Wernicke, W.G. Scheibenzuber, U.T. Schwarz, J. Kupec, B. Witzig-
mann, P. Vogt, S. Einfeldt, M. Weyers, M. Kneissl, Polarization of eigenmodes
in laser diode waveguides on semipolar and nonpolar GaN, Phys. Status Solidi
(RRL) 4, 1 (2010)
[109] T. Wernicke, U. Zeimer, C. Netzel, F. Brunner, A. Knauer, M. Weyers, M. Kneissl,
Epitaxial lateral overgrowth on (2¯
1¯
10)a-plane GaN with [01¯
11]-oriented stri-
pes, J. Crys. Growth 311, 2895 (2009)
[86] Z. Wu, A. M. Fischer, F. A. Ponce, B. Bastek, J. Christen, T. Wernicke, M. Weyers,
M. Kneissl, Structural and optical properties of nonpolar GaN thin films, Appl.
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GaN epitaxial lateral overgrowth structures: Growth domains, morphological
defects and impurity incorporation directly imaged by cathodoluminescence mi-
croscopy, Appl. Phys. Lett. 92, 212111 (2008)
[58] G. Irmer, T. Brumme, M. Herms, T. Wernicke, M. Kneissl, M. Weyers, Aniso-
tropic strain on phonons in a-plane GaN layers studied by Raman scattering, J.
Mat. Sci - Mater. Electron. 19, 51 (2008)
108 6 Zusammenfassung und Ausblick
[95] C. Netzel, T. Wernicke, U. Zeimer, F. Brunner, M. Weyers, M. Kneissl, Near
band edge and defect emissions from epitaxial lateral overgrown a-plane GaN
with different stripe orientations, J. Crys. Growth 310, 8 (2008)
[75] T. Wernicke, C. Netzel, M. Weyers, M. Kneissl, Semipolar GaN grown on m-
plane sapphire using MOVPE, Phys. Status Solidi (c) 5, 1815 (2008)
[94] T. Wernicke, U. Zeimer, M. Herms, M. Weyers, M. Kneissl, G. Irmer, Microstruc-
ture of a-plane (11¯
20)GaN ELOG stripe patterns with different in-plane orien-
tation, J. Mater. Sci. - Mater. Electron. 19, 46 (2008)
Vortr¨
age und Poster
Teile der Arbeit wurden auch als Vortr¨
age oder Poster pr¨
asentiert:
Growth of nonpolar nitrides: the substrate dilemma, Seminar talk, 24.07.2009,
University of Cambridge, eingeladener Vortrag
Growth of nonpolar nitrides: the substrate dilemma, DPG Fr¨
uhjahrstagung, 23.-
27.3.2009, Dresden, eingeladener Vortrag
Substrate morphology of non- and semipolar GaN grown on bulk substrates,
DPG Fr¨
uhjahrstagung, 22.-26.03.2010, Regensburg, Vortrag
In-situ curvature measurements of m-plane GaN on LiAlO2, 24. DGKK Work-
shop Epitaxie von III/V Halbleitern , 09.-10.12.2009, Berlin, Vortrag
Indium incorporation in InGaN quantum wells on nonpolar (10¯
10), semipo-
lar (101¯
1),(10¯
12),(11¯
22)and polar (0001)GaN substrates, ICNS-8, 18.-
23.10.2009, Jeju, Korea, Vortrag
Indium incorporation in InGaN quantum wells on nonpolar (10¯
10), semipolar
(101¯
1),(10¯
12),(11¯
22)and polar (0001)GaN substrates, iNow, 03.-14.08.2009,
Berlin & Stockholm, Poster
Comparison of surface morphology of m-plane GaN on m-plane GaN Bulk sub-
strates and (100)LiAlO2, 24. DGKK Workshop Epitaxie von III/V Halbleitern,
04.-05.12.2008, Braunschweig, Vortrag
Epitaxial Lateral Overgrowth on (11¯
20)a-Plane GaN with [1¯
101]Oriented Stri-
pes, ISGN-2, 06.-09.07.2008, Izu, Japan, Vortrag
Defect structure in m-plane GaN grown on LiAlO2using metalorganic and hydri-
de vapour phase epitaxy, DPG Fr¨
uhjahrstagung, 25.-29.02.2008, Berlin, Vor-
trag
Semipolar GaN grown on m-plane sapphire using MOVPE, ICNS-7, 16.09.–
21.09.2007, Las Vegas, Poster
Micro structure of a-plane (2¯
1¯
10)GaN ELOG stripe patterns with different in
plane orientation, DRIP XII, 10.-13.09.2007, Berlin, Vortrag
109
Wachstum von (2¯
1¯
10)a-plane GaN auf r-plane Al2O3mit Metallorganischer
Gasphasenepitaxie, 21. DGKK Workshop Epitaxie von III/V Halbleitern, 7.-
8.12.2006, Ulm, Vortrag
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wave function overlap in GaInN quantum wells on the temperature and excita-
tion power dependent photoluminescence intensity, Phys. Status Solidi (c) (in
press).
Dank
Mein Dank gilt allen, die mit mich unterst¨
utzt, mit mir zusammen gearbeitet und An-
regungen gegeben haben. Namentlich m¨
ochte ich besonders G. Tr¨
ankle, M. Weyers
und M. Kneissl, die mir das Thema gegeben und f¨
ur die finanzielle, materielle und
wissenschaftliche Unterst¨
utzung gesorgt haben. F¨
ur die Hilfe bei und Diskussionen
¨
uber Epitaxieprobleme m¨
ochte ich V. Hoffmann, A. Knauer, F. Brunner und E. Rich-
ter danken. In dem Zusammenhang gilt mein Dank auch T. Tessaro, T. Petzke und
C. Neumann f¨
ur die vielen eingelegten Wafer und Stunden vor den Anlagen. Dass
meine Proben zum leuchten gebracht wurden verdanke ich C. Netzel, H. Lawrenz,
L. Schade, H.-J. M¨
ostel, U. Schwarz und J. Rass, die sie mit Photonen beschossen, U.
Zeimer, B. Bastek, F. Bertram, J. Christen, die die Proben mit Elektronen beschossen
und T. Kolbe, L. Redaelli und wieder J. Rass, die es mit Stromst¨
oßen probiert haben.
Um die Proben zum Leuchten vorzubereiten, waren viele Arbeitsschritte notwendig,
f¨
ur die ich L. Redaelli, S. Einfeldt, O. Kr¨
uger, D. Rentner, W. John, J. P¨
ohls, S. Breuer
und den anderen Kollegen aus der Abteilung PT danken m¨
ochte. F¨
ur die Einblicke in
die Mikrostruktur, Oberfl¨
achenstruktur und Verspannung m¨
ochte ich P. Veit, Z. Wu,
A. Mogilatenko, S. Oelschlegel, W. Neumann, M. Herms, G. Irmer, T. Brumme, M.
Moram, R. Oliver, C. Humphreys und S. Ploch danken. Bei Konferenzen ergaben sich
h¨
aufig interessante Diskussionen, bei denen ich viel lernen konnte. Daf¨
ur m¨
ochte B.
Bastek, L. Schade, C. Cobet, M. Wienecke, S. Schwaiger, C. Mauder, R. Banal, T. Ya-
maguchi, M. Albrecht, S. Keller, N. Sawaki und M. Kappers danken. Wichtig f¨
ur die
wissenschaftliche Arbeit war auch ein angenehmes B¨
uro- und Mittagessenklima, f¨
ur
das vor allem V. K¨
uller, O. Reentil¨
a, S. Hagedorn, M. Wagner, C. Hennig, J. Pohl, C.
Netzel und V. Hoffmann sorgten. F¨
ur Unterst¨
utzung von zu Hause m¨
ochte ich meiner
Frau Julia und Tochter Emma danken, sowie meinen Eltern und Schwiegereltern, die
mit ihrer Unterst¨
utzung mein Studium und damit auch diese Arbeit erst erm¨
oglicht
haben.