scieee Science in your language
[en] (orig)
Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit
Eisen und Vanadium, VIII
Gitterkonstanten, Mößbauer-Spektren und elektronische Eigenschaften
der Mischkristallreihe FeV20 4Fe30 4
Distribution and Valence of the Cations in Spinel Systems with
Iron and Vanadium, VIII
Lattice Constants, Mössbauer Spectra and Electronic Properties
of the Solid Solution FeV20 4Fe30 4
Erwin Riedel*, Jörg Kahler und Norbert Pfeil
Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Technischen Universität Berlin,
Straße des 17. Juni 135, D-1000 Berlin 12
Z. Naturforsch. 44b, 14271437 (1989); eingegangen am 20. Juni 1989
Iron-Vanadium Spineis, Mössbauer Spectra, Valence Distribution, Charge Hopping,
Seebeck Effect
From lattice constants and M össbauer data the valence distribution and an energy-level diagram
of the spinel system Fe(FevV2_t) 0 4 have been derived. In the range 0.3 < x ^ 1.5 the transition
from normal to inverse spinels takes place. The Mößbauer spectra with 1.0 < jc ^ 2.0 consist of
two sets of sextets corresponding to tetrahedral and octahedral sites. Typical values of isomer shift
and internal magnetic field strength due to the different environments of the iron ion result from
the superimposed sextets of the octahedral site pattern. Neighbouring V ions enhance the conduc
tion electron density and diminish the strength of the magnetic interaction. Mößbauer data,
Seebeck coefficients and activation energies lead to a model of both tetrahedral and octahedral
conduction based on charge hopping. For Fe1.gV 1.|0 4 there exists only one iron species.
1. Einleitung
Die Mischkristalle aus dem normalen Spinell
Fe2+(V23+) 0 4 und dem inversen Spinell
Fe3+(Fe2+Fe3+) 0 4 wurden bereits mehrfach unter
sucht [1 10], Die Valenzverteilung in der Mischkri
stallreihe Fe(FexV2_*)04 ist durch die Lage der bei
den elektronischen Gleichgewichte
Fe o' + V30+ ^ Fe20+ + V40+
Fe^+ + Fe30+ ^ Fe^+ + Fe2Q+
bestimmt. Während über Fe30 4 in der Literatur ein
heitliche Auffassungen bestehen, wurden für die
Mischkristalle unterschiedliche Valenzverteilungen
diskutiert.
In früheren Untersuchungen [11, 12] konnte durch
Messung der Seebeck-Koeffizienten am Spinell
ZnFeV 04, in den Fe2+-Ionen bzw. V4+-Ionen einge
baut wurden, die Valenzverteilung Zn(Fe3+V3+)0 4
ermittelt werden. Für die Energie des Elektronen-
* Sonderdruckanforderungen an Prof. Dr. E. Riedel.
Verlag der Zeitschrift r Naturforschung. D-7400 Tübingen
0932-0776/89/1100-1427/$ 01.00/0
Übergangs Fe3+ + V3+ * Fe2+ + V4+ wurde 0,35 eV
bestimmt. Im Festkörper ist anders als in Lösun
gen die Ionenkombination Fe3+ + V3+ stabil.
Ziel dieser Arbeit ist die Ermittlung der Lage des
Gleichgewichts Fex+ + Feo+ ^ Fej+ + Feo+ und der
Energie des Elektronenübergangs in der Mischkri
stallreihe Fe2^F e3+(Fe2+Fe3^V 2^ ) 0 4 mit der Möß-
bauer-Spektroskopie. Mit den relativen Energie
niveaus, den gemessenen Seebeck-Koeffizienten und
Aktivierungsenergien wird der Leitungsmechanis
mus diskutiert.
2. Präparation und Untersuchungsmethoden
Die Mischkristalle Fe1+rV2_*04 wurden durch
Festkörperreaktion aus den Endgliedern FeV20 4
und Fe30 4 hergestellt; die Herstellung der Endglie
der erfolgte aus Fe, Fe20 3 und V20 3. Der Oxida
tionsgrad von V20 3 wurde durch chemische Analyse
kontrolliert [13]. Die Reaktionen wurden unter Öl-
pumpenvakuum in Platinschiffchen bei 1000 °C
durchgeführt. Für FeV20 4 und Fe30 4 betrug die Re
aktionszeit viermal 24 n, für die Miscnkrisiaiie drei
mal 24 h. Zwischen den Sinterungen wurden die zu
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
1428 E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium
Tabletten gepreßten Reaktionsmischungen pulveri
siert und erneut gepreßt.
Die verwendeten Untersuchungsmethoden wur
den bereits beschrieben [14]. Ergänzend sei erwähnt,
daß die Mößbauer-Spektren nicht mehr in 500 son
dern in 1000 Kanälen gespeichert wurden und bei
den fits für jedes Sextett ein Intensitätsverhältnis
3:2:1:1:2:3 angenommen wurde.
3. Röntgenographische Untersuchung
Die Spinelle der Mischkristallreihe waren nur im
Bereich x > 0,2 phasenrein. Bei kleineren x-Werten
wurden V20 3-Reflexe gefunden, deren Intensitäten
mit steigendem x schwächer wurden. Die Unter
suchungen zur Nichtstöchiometrie des Spinells
FeV20 4 sind bereits in einer früheren Mitteilung [15]
veröffentlicht. FeV20 4 wurde bei Sauerstoffdrücken
von IO-16,4 bis IO-9,9 bar dargestellt. Der entstandene
Spinell enthält immer Fe3+-Ionen auf den Oktaeder
plätzen, daneben tritt eine Fremdphase mit Korund
struktur auf. Der Fremdphasenanteil und die Kon
zentration der Fe3+-Ionen nehmen mit zunehmen
dem Sauerstoffdruck zu. Bei pQ, = 10-16'2 bar hat die
Fe3+-Konzentration ein Minimum, der Spinell hat
die Zusammensetzung Fe2+(Feo o3V397)0 4, die
Fremdphase konnte als V20 3 identifiziert werden.
Bei kleineren 0 2-Drücken werden die Eisenionen zu
metallischem Eisen reduziert. Auch von anderen
Autoren [s. 16] wurden bei der Darstellung von
FeV20 4 im Ölpumpenvakuum V20 3-Fremdreflexe
beobachtet. Die Mößbauer-Untersuchungen zeigen,
daß bei 1000 °C ein Spinell der ungefähren Zusam
mensetzung Fe2+(FeojV3^ )0 4 entsteht [16]. Die
nichtphasenreinen Spinelle sind also Glieder der
Mischkristallreihe Fe1+^V2_v0 4 zwischen x = 0,1 und
x = 0,2.
Die Gitterkonstanten der Mischkristallreihe
Fe 1+XV2_^04 (Abb. 1) liegen bis x = 0,86 oberhalb,
im Bereich x > 0,86 unterhalb der Vegard-Geraden.
Sie sind im Anfangsbereich der Mischkristallreihe
nahezu konstant. Diese Ergebnisse stimmen gut mit
denen anderer Autoren überein [2, 7], Zum Ver
gleich ist der berechnete Verlauf der Gitterkonstan
ten für die hypothetische Spinellreihe mit Normal
verteilung angegeben. Dazu wurden die folgenden
Ionenabstände verwendet: (Fe2+ 0 ) T = 200,0 pm,
(Fe3+ 0 ) 0 = 203,5 pm, (V3+- 0 ) 0 = 202,4 pm [17].
Der Verlauf der Gitterkonstanten zeigt, daß mit zu
nehmendem x ein Übergang von der überwiegend
848
Fe2+(Fe32 +)Oit
846-
844-
842-
a[pm)
840-
838 -
Fe2+ (V23 +)04Fe3+(Fe2+Fe3+)04
0 0.4 0 . 8 1 .2 1.6 2 . 0
X
Abb. 1. Gitterkonstanten in der Spinellmischkristallreihe
Fe(Fe.rV 2- J 0 4.
normalen zur inversen Kationenverteilung erfolgt.
Aus den Gitterkonstanten können die folgenden
Kationenverteilungen abgeschätzt werden:
X = 0,3 Fe2+9Feö3.t(Fe02{F e^ V 3+7)O 4
x = 0,86 Fe&7Fe&3(Fe&3Fefc3V ft4)04
x = 1,0 Fe(2+4Fe03+6(Fe02+6Fe03+4V3+)O 4
x - 1,7 Fe02;Feo3+9(Feo2+9Feo3+8V 3j ) 0 4
Bei x = 0,86 ist auf den Oktaederplätzen die Kon
zentration der Fe2+-Ionen gleich der der Fe3+-Ionen.
Die Kationenverteilung von Fe2V 0 4 wurde bereits
aus den Gitterkonstanten in der Mischkristallreihe
ZnFeV 04Fe2V 0 4 ermittelt [17].
4. Mößbauer-Spektren
Bei Raumtemperatur sind die Mischkristalle
Fe1+^V2_^04 im Bereich x < 0,67 paramagnetisch,
bei x > 0,67 ferrimagnetisch. Gut fitbare Spektren
wurden von ferrimagnetischen Spinellen nur für x >
1,2 erhalten.
4.1 Raumtemperaturspektren des paramagnetischen
Bereichs
Die Spektren des Bereichs x ^ 0,6 sind in der
Abb. 2 dargestellt, ihre Parameter in der Tab. I an
gegeben. Bei x = 0,04 und x = 0,12 stammt die
Hauptabsorption mit ö = 0,92 mm/s von Fe2+-Ionen
des Tetraederplatzes, die Absorption mit <3 =
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium 1429
100.0:
------
98.0
96.0*
94.0-
92.0* x =0.12
Geschwindigkeit [mm/s]
Abb. 2. Raumtemperatur-Mößbauer-Spektren der Misch
kristalle Fe(FevV2_ ,)0 4 für x < 0,6.
Tab. I. Raumtemperatur-Mößbauer-Parameter der Spi
nelle Fei+xV 2_r0 4 für x 5? 0,6.
Xd [mm/s] ö [mm/s] zlE [mm/s] FA [%]
0,04 0,921 0,853 0,12 83
0,458 0,14 12
0,669 1,50 5
0,12 0,919 0,835 0,12 77
0,455 0,14 15
0,739 1,46 8
0,35 0,905 0,780 0,16 69
0,502 0,09 31
0,5 0,809 0,737 0,41 61
0,640 0,27 39
0,6 0,791 0,722 0,45 53
0,645 0,22 47
ö = Isomerieverschiebung (relativ zu Eisen), zIE = Qua
drupolaufspaltung, FA = Flächenanteil.
0,46 mm/s von Fe3+-Ionen des Oktaederplatzes. Spi
nelle des Bereichs x < 0,2 sind nicht phasenrein, und
(vgl. Abschn. 2) übereinstimmend mit den Röntgen
ergebnissen ist der Mößbauer-spektroskopisch ge
fundene Fe(III)-Anteil am Gesamteisen großer ais
dem *-Wert entspricht.
Bei x = 0,35 betragen die Isomerieverschiebungen
0,90 und 0,50 mm/s, die Mößbauer-Spektren lassen
ebenso wie die Gitterkonstanten den beginnenden
Übergang zur inversen Verteilung erkennen.
Bei x = 0,5 und x = 0,6 wurden die Spektren
durch zwei Dubletts angepaßt. Die Fits ergeben aber
unsichere Werte (vgl. Abschn. 3.4), wie besonders
die Flächenanteile zeigen. Aus den Werten der Iso
merieverschiebungen folgt aber, daß auf beiden Git
terplätzen Fe(II) und Fe(III) nicht unterscheidbar
sind und ein schneller Elektronenaustausch (hop
ping) zwischen Fe2+- und Fe3+-Ionen stattfindet. Die
für tetraedrisch koordinierte Eisenionen relativ gro
ßen Quadrupolaufspaltungen von 0,41 und 0,45 mm/s
können durch die inhomogene Besetzung der be
nachbarten Oktaederplätze mit Ionen unterschiedli
cher Ladung erklärt werden.
4.2 Spektren im Bereich 1,2 %x <:2,0
Die Spektren wurden zwischen 77 K und Raum
temperatur gemessen. Die Raumtemperaturspek
tren sind in Abb. 3 dargestellt, die Parameter in der
Tab. II angegeben. Bei großen .x-Werten zeigen die
Spektren zwei gut aufgelöste Sextetts. Das magne
tisch stärker aufgespaltene Sextett stammt von tetra
edrisch koordinierten Fe3+-Ionen, das andere von
oktaedrisch koordinierten Eisenionen mit gemisch
ter Ladung. Wie bei Fe30 4 erfolgt auf den Oktaeder
plätzen ein schneller Ladungsaustausch zwischen
Fe2+- und Fe3+-Ionen. Mit abnehmendem x verbrei
tert sich die Absorption des Sextetts der oktaedrisch
koordinierten Eisenionen. Die Verbreiterung kann
durch eine Überlagerung einer mit abnehmendem x
steigenden Anzahl einzelner Sextetts erklärt werden.
Als Ursache wird die unterschiedliche Besetzung der
sechs nächsten Oktaederplätze mit Eisen- und Vana
diumionen angenommen, so daß verschiedene Poly
edertypen (6Fe/0 V, 5Fe/1 V, 4Fe/2 V ...) auftreten,
die unterschiedliche Hyperfeinfelder verursachen.
Bei Annahme statistischer Verteilung der Fe- und V-
Ionen können die Häufigkeiten der Polyeder in Ab
hängigkeit von x berechnet werden (Abb. 4). Bei
den Fits wurden die Halbwertsbreiten mit dem Fak
tor 1 und die Intensitäten entsprechend den Häufig
keiten der Polyeder korreliert. Polyeder mit einer
relativen Häufigkeit kleiner als 0,1 konnten nicht er
faßt werden. Die Isomerieverschiebung und die ma
gnetische Aufspaltung wurden frei variiert. Die An
passung einer Quadrupoiaufspakung ist iiichi ge
lungen.
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
Tab. II. Mößbauer-Parameter der Spinelle Fel+,V 2_t0 4 r 1,2 ^ x g 1.9 (Werte zwischen 295 und 77 K, siehe [16]).
XT [K] ö [mm/s] ÖA/ÖB [mm/s] ö [mm/s] B [T] B,ntA/BintB [T] FA [%]
1,9 295 0,285 0,285 0,532 48,8 48,8 36
0.663 0,670 45,6 45,2 49
0,695 44,1 15
77 0,387 0,387 0,636 50,5 50,5 47
0,805 0.853 49,3 48,5 40
1,005 45,8 13
1,8 295 0,293 0,293 0,538 48,5 48,5 37
0,664 0,683 45,4 44,4 34
0,703 43,8 23
0,715 41,7 6
77 0,400 0,400 0,645 50,4 50,4 49
0,817 0,883 49,4 47,7 28
0,945 46,4 18
1,013 43,1 5
1,7 295 0,297 0,297 0,539 48,1 48.1 38
0,647 0,689 45,3 43,7 23
0,699 43,7 25
0,729 41,5 11
0,796 38,9 3
1,6 295 0,301 0,301 0,538 47,7 47,7 39
0,623 0,690 45,1 42,9 16
0,694 43,5 25
0,725 41,3 15
0,778 38,0 5
77 0,398 0,398 0,650 50,2 50,2 49
0,782 0,887 49,7 46,8 15
0,874 46,9 22
1,019 43,6 14
1,5 295 0,285 0,294 0,549 47,8 47,1 17
0,302 46,5 18
0,601 0,686 45,2 42,2 12
0,671 43,2 24
0,720 41,0 20
0,764 37,7 9
1,4 295 0,298 0,311 0,560 47,6 46,4 9
0,311 46,7 13
0,324 45,2 13
0,651 0,699 43,5 41,0 24
0,709 40,9 26
0,759 37,2 15
77 0,420 0,411 0,668 50,4 49,8 24
0,402 49,2 23
0,787 0,900 48,7 45,9 20
0,932 45,6 21
1,030 41,7 12
1,3 295 0,295 0,329 0,556 46,9 45,4 12
0,314 45,7 15
0,378 43,8 13
0,686 0,705 42,6 39,5 18
0,700 39,9 24
0,733 35,6 18
1,2 295 0,310 0,414 0,584 45,7 43,8 17
0,385 43,9 18
0,576 41,3 14
0,665 0,749 39,4 34,6 10
0,709 37,8 18
0,773 33,0 15
0,905 24,2 8
T = Temperatur, d = Isomerieverschiebung, B = interne Magnetisierung, FA = Flächenanteil.
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium 1431
Geschwindigkeit [mm/s]
Abb. 3. Raumtemperatur-Mößbauer-Spektren der Misch
kristalle Fe(FerV2-*)04 im Bereich 1,2 ^ x ^ 2,0.
Unterhalb x = 1,5 zeigt auch die Absorption der
tetraedrisch koordinierten Eisenionen eine Verbrei
terung durch Überlagerung mehrerer Sextetts. Die
Isomerieverschiebungen der Sextetts sind nahezu
gleich. Die Zunahme der Isomerieverschiebung mit
abnehmendem x zeigt eine zunehmende Besetzung
der Tetraederplätze mit Fe2+-Ionen. Aus der Abwe
senheit eines Fe(II)-Sextetts folgt, daß auch auf dem
Tetraederplatz hopping stattfindet. Mit abnehmen
dem x überlagern sich Sextettkomponenten des Te
traeder- und des Oktaederplatzes, so daß die erhalte-
Abb. 4. Relative Häufigkeiten der Polyedertypen im Spi-
nellsystemFe(FerV2_x)O 4.6:6F e/0V ,5:5F e/l V, 4:4 Fe/2 V,
3: 3 Fe/3V, 2: 2Fe/4V, 1: lFe/5V , 0: 0Fe/6V .
nen Parameter unsicherer werden; z.B. nimmt der
Flächenanteil der Tetraederplatzsextetts mit abneh
mender Temperatur zu.
Im Bereich 1,2 < x ^ 2,0 erhält man für jeden
Polyedertyp charakteristische Isomerieverschiebun
gen. Für Raumtemperatur sind sie in der Abb. 5 dar
gestellt. Die Mittelwerte betragen 0,64 für den Po
lyedertyp 6Fe/0V, 0,68 für 5Fe/l V, 0,71 für 4Fe/2 V,
0,77 für 3Fe/3 V und etwa 0,9 mm/s für 2Fe/4 V. Je
mehr Vanadiumionen ein Polyeder enthält, um so
Abb. 5. Isomerieverschiebungen der verschiedenen Poly
edertypen im System Fe(FetV2_^)04.
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
1432 E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium
größer ist die Elektronendichte der Leitungselektro
nen an dem von ihnen umgebenen Eisenion. Die
hopping-Elektronen sind also nicht statistisch über
die Eisenionen des Oktaederplatzes verteilt. Die Iso
merieverschiebungen der Polyeder 6Fe/0V, 5Fe/l V
und 4 Fe/2 V werden mit abnehmendem x kleiner.
Für den Typ 6Fe/0V beträgt die Abnahme zwischen
x = 2 und x = 1,5 0,06 mm/s. Dies ist durch den
Einfluß benachbarter vanadiumreicher Polyeder der
zweiten Koordinationssphäre zu erklären. Je höher
ihr Anteil ist, um so mehr Leitungselektronen wer
den aus den vanadiumarmen Polyedern abgezogen.
Mit abnehmender Temperatur erhöht sich die
Wahrscheinlichkeit, Leitungselektronen an Energie-
minima anzutreffen; daher ist für die verschiedenen
Polyedertypen eine unterschiedliche Temperaturab
hängigkeit der Elektronendichte zu erwarten. Dies
wird durch die unterschiedliche Temperaturabhän
gigkeit der Isomerieverschiebungen der Polyeder
typen bestätigt (Abb. 6). Je größer die Anzahl der
V-Ionen eines Polyedertyps ist, um so stärker wächst
die Isomerieverschiebung mit abnehmender Tempe
ratur und zwar stärker als durch die Hochtempera-
turnäherung des Dopplershifts zweiter Ordnung
d<3/dT = 0,74-10-3 mms-1K~ gegeben ist. Über
einstimmung damit ist z.B. für die Polyeder 6Fe/0V
bei x = 1,8 und 5Fe/1 V bei x = 1,4 vorhanden. Die
größeren dc3/dT-Werte können als Anwachsen der
Elektronendichte mit abnehmender Temperatur in
terpretiert werden.
Auch die internen Magnetisierungen zeigen für je
den Polyedertyp charakteristische Werte. Die Mit
telwerte betragen bei Raumtemperatur 45,4 T für
in
's
E
£
IO
1.00
0.90
0.80
0.70
0.60
Abb. 6. Temperaturabhängigkeit der Isomerieverschie
bungen der Polyedertypen von Fe28V0 20 4 und Fe2 4Vn 60 4.
Fe/V Fe/V
4/2 K 3/3 *
+ \
5/1 \ \ 4/2
6/0 < \ \ \ K
5/1 '
| X = 1.8
I...............................................
x =1.4
0 100 200 300 0 100 200 300
T [K l T [K l
Abb. 7. Interne Magnetisierungen der verschiedenen Poly
edertypen im System Fe(Fe*V2_r) 0 4.
den Polyedertyp 6Fe/0V, 43,0 T für 5 Fe/1 V, 40,6 T
für 4 Fe/2 V, 36,7 T für 3 Fe/3 V und 24,2 T für 2 Fe/4 V
(Abb. 7). Die zunehmende Anzahl benachbarter
Vanadiumionen bewirkt eine zunehmende Schwä
chung der magnetischen Induktion.
Fe30 4 wurde wie von Häggström [18] angegeben
mit 3 Sextetts gefittet. Für das Flächenverhältnis der
beiden Sextetts des Oktaederplatzes wurde aber
nicht wie theoretisch gefordert 1:3 sondern 1:2 ge
funden (Tab. III). Unterhalb 119 K, der Verwey-
Temperatur, erfolgt eine spontane Ordnung der
Elektronen auf dem Oktaederplatz, so daß Mößbauer-
spektroskopisch neben dem Sextett der Fe3+-Ionen
des Tetraederplatzes zwei Sextetts mit gleichem Flä
chenanteil von oktaedrisch koordinierten Fe2+- und
Fe3+-Ionen zu erwarten sind. Gefunden wurde aber
eine weitere Linie, deren mittlere Isomerieverschie
bung zeigt, daß die Ordnung unvollständig ist und
immer noch ein Teil der Eisenionen auf den Okta
ederplätzen an einem schnellen Elektronenaustausch
beteiligt sind. Mit abnehmender Temperatur nimmt
der Flächenanteil der hopping-Linie ab, der Ord
nungsgrad erhöht sich (Tab. III). Bei den Mischkri
stallen wurde keine Verwey-Ordnung festgestellt.
Lediglich beim Mischkristall mit x = 1,9 wurde eine
schwache Fe2+-Linie beobachtet (Tab. III).
4.3 Spektren im Bereich 0,8 < x < 1,2
Die Raumtemperaturspektren der Mischkristalle
mit x = 0,8 und x 1,0 sind in der Abb. 8 darge
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium 1433
Tab. III. Mößbauer-Parameter für Fe30 4 und Fe(Fe, 9V0,i)0 4 (Werte zwischen 297 und 122 K siehe [16]).
XT [K] d [mm/s] dA/öB [mm/s] ö [mm/s] y4E [mm/s] BinI [T] Bin,A/BintB [T] FA [%]
2,0 295 0,288 0,288 0,528 -0 ,00 2 49,2 49,2 36
0,664 0,664 0,023 46,1 45,8 43
0,664K 0,070K 45,2 21
122 0,379 0,379 0,611 0,005 50,5 50,5 41
0,771 0,771 0,003 48,7 48,1 26
0,771K 0,008k47,6 33
117 0,386 0,386 0,638 0,010 50,9 50,9 37
0,506 0,790 0,027 52,5 48,5 12
0,827 0,215 49,3 44
1,046 -1,8 2 3 36,3 7
100 0,389 0,389 0,640 0,008 50,5 50,5 39
0,519 0,801 0,023 52,3 48,5 21
0,921 0,486 49,6 31
1,044 -1 ,76 2 36,2 5
77 0,390 0,390 0,647 0,011 50,6 50,6 38
0,534 0,807 0,029 52,5 48,5 24
0,949 0,538 49,8 28
1,049 -1 ,77 8 36,2 10
1,9 77 0,396 0,396 0,662 0,016 50,6 50,6 44
0,830 0,873 0,229 49,7 47,7 33
0,869 -0 ,05 7 46,0 19
1,275 -1 ,928 38,1 4
T = Temperatur, d = Isomerieverschiebung, zdE = Quadrupolaufspaltung, B = interne Magnetisierung, FA Flä
chenanteil, K = korreliert.
stellt, in der Tab. IV die Parameter für x = 1,0 und
x = 1,1 angegeben.
Im Bereich 0,8 < x i? 1,2 wurden Spektren auch
oberhalb der Neel-Temperatur bis 700 K aufgenom
men. Einige Spektren sind in der Abb. 9 dargestellt,
-6.0 -2.0 2.0 6.0 10.0
Geschwindigkeit [mm/s]
Abb. 8. Raumtemperatur-Mößbauer-SpektrenvonFe2V 0 4
und Fe(Fe0.8V,.2)O 4.
die Parameter enthält die Tab. V. Die meisten Spek
tren wurden mit zwei Dubletts gefittet. Die einzel
nen Linien können nicht bestimmten Plätzen oder
Eisenspezies zugeordnet werden. Bei* = 0,9 besteht
das Spektrum zwischen 400 und 600 K nur aus einer
einzigen Linie, deren Halbwertsbreite mit steigender
Temperatur abnimmt. Es gibt also nur eine einzige
Eisenspezies, das sechste d-Elektron ist statistisch
auf beide Plätze des Spinellgitters verteilt und voll
ständig delokalisiert. Dies entspricht der Zusammen
setzung Feo,53Feo47(Feo47Feo,43VKt)04- Auch aus den
Gitterkonstanten erhält man eine statistische Vertei
lung der Fe2+-Ionen für x = 0,9.
Auch bei x = 0,8 besteht das Spektrum bei 500
und 600 K aus einer einzigen Linie, die Halbwerts
breite ist aber größer als bei x = 0,9.
4.4 Die Kationenverteilung
In der Mischkristallreihe Fe(FerV2_*)04 ändert
sich die durchschnittliche Oxidationszahl der Eisen
ionen von +2 bei FeV20 4 über +2,5 bei Fe2V 0 4 auf
+2,67 bei Fe30 4. Dementsprechend erniedrigt sich
die mittlere Isomerieverschiebung von 0,93 über 0,62
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
1434 E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium
Xd [mm/s] dA/dB [mm/s] ö [mm/s] Bim [T] BintA/BintB[T] FA [%]
1,0 0.340 0,486 0,621 42,8 39.7 18
0.507 39.8 21
0.608 36.4 18
0.713 0,804 32,9 27.5 13
0,807 28,4 17
0,890 21,1 13
1,1 0,314 0.441 0,596 44,7 42,2 15
0,396 42,8 19
0,589 39,6 18
0,704 0,769 36,5 31,5 17
0.767 31,9 19
0,869 23,7 12
Tab. IV. Raumtemperatur-Mößbauer-Para-
meter der Spinelle Fe1+vV2_r0 4 für x = 1,0
und x - 1,1.
<5 = Isomerieverschiebung, B = interne
Magnetisierung, FA = Flächenanteil.
Geschwindigkeit [mm/s]
Tab. V. Hochtemperatur-Mößbauer-Parameter der Spi
nelle Fe1+A.V2_^04 r x = 0,8, x = 0,9 und x 1,0.
x T [K] ö [mm/s] ö [mm/s] AE [mm/s] FA [%]
400 0,724 0,587 0,29 25
0,541 0,23 75
500 0,526 0,526 0,21 100
600 0,463 0,463 0,25 100
420 0,560 0,560 0,22 100
500 0,509 0,509 0,19 100
600 0,442 0,442 0,16 100
460 0,544 0,521 0,14 94
0,196 -6
500 0,524 0,489 0,17 89
0,192 -11
550 0,499 0,460 0,15 84
0,216 0,16 16
600 0,467 0,414 0,14 75
0,257 0,19 25
T = Temperatur, c3 = Isomerieverschiebung, AE Qua
drupolaufspaltung, FA = Flächenanteil.
auf 0,53 mm/s (Abb. 10). Bei x = 0,8 und x = 0,9
konnten aus Raumtemperaturspektren keine Isome
rieverschiebungen ermittelt werden. Die an diesen
Stellen sowie die bei x = 1,0 und x = 1,2 zusätzlich
eingetragenen Werte wurden aus den mittleren Iso
merieverschiebungen der zwischen 400 und 700 K
aufgenommenen Spektren durch Extrapolation auf
Raumtemperatur ermittelt. Der Dopplershift zwei
ter Ordnung beträgt 0,62-10-3 (x = 0,8),
0,66 10~3 (x = 0,9) und 0,76 10-3 mm/s (x = 1,0
und x = 1,2). Die mittleren Isomerieverschiebungen
Abb. 9. Hochtemperatur-Mößbauer-Spektren der Misch
kristalle Fe(FerV2_ J 0 4 im Bereich 0,8 < x ^ 1,2.
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium 1435
1.00
0.90
0.80
^ 0.70
| 0.60
» 0.50
0.40
0.30
0.20 Tetraederplatz
Oktaederplatz
Abb. 10. Isomerieverschiebungen im Spinellsystem
Fe(FexV2_x)0 4.
der Eisenionen der beiden kristallographischen Plät
ze ergeben für den Bereich x g 0,4 annähernd Nor
malverteilung, für x ^ 1,5 inverse Verteilung. Im
Übergangsbereich sind die Fits mit Unsicherheiten
behaftet. Bei x = 0,5 und x = 0,6 zeigen sowohl
Flächenanteil (vgl. Tab. I) als auch Isomeriever
schiebungen Abweichungen. Im Bereich 1 < x < 1,2
sind die Isomerieverschiebungen für den Oktaeder
platz zu groß. Die Ursache ist die schon erwähnte
Überlagerung von Tetraeder- und Oktaedersextetts.
Die Hochtemperaturspektren beix = 0,9 zeigen, daß
nur eine Eisenspezies vorhanden ist und daß beide
Gitterplätze bezüglich der Isomerieverschiebung
nicht unterscheidbar sind. Daher müssen sich die
Kurven der Isomerieverschiebungen bei x = 0,9
schneiden. Die Überprüfung des Kurvenverlaufs er
gibt bei x 1 für die Oxidationszahl des Tetraeder
platzes +2,62, dies stimmt mit der Oxidationszahl
+2,6 der aus Gitterkonstanten ermittelten Kationen
verteilung Feo,4Feo,ö(Feo ^Feo 4V3+)04 gut überein.
Die in der Abb. 11 dargestellte schematische Kat
ionenverteilung folgt übereinstimmend aus Möß-
bauer-Spektren und Gitterkonstanten.
5. Elektronische Eigenschaften
Der Verlauf der Thermokraft der Mischkristall
reihe Fe(FexV2_x) 0 4 bei Raumtemperatur ist in der
Abb. 12 dargestellt. Die Spinelle mit x < 0,6 sind
p-Halbleiter, mit x > 0,6 n-Halbleiter. Die Thermo-
kraftwerte für den nichtphasenreinen Bereich* < 0,2
bleiben unberücksichtigt; dafür werden von verschie
denen Autoren unterschiedliche Werte angegeben.
Die Thermokraft kann mit dem Modell lokalisierter
0 0.4 0.8 1.2 1.6 2.0
x
FeV204 Fe2V04 Fe30i(
Abb. 11. Schematische Kationenverteilung im Spinell
system Fe(FexV2_x) 0 4.
Ladungsträger interpretiert werden [19, 20]. Die
Mößbauer-Spektren zeigen, daß hopping auf beiden
Gitterplätzen zu berücksichtigen ist. Für die Ther
mokraft gilt dann die Beziehung [20]
g eT _ -n TiqT(ET - EF + a) + no^o(EF + ß)
+ noMo
Es bedeuten: ExEF Abstand Fermi-Niveau
Tetraederniveau; EF Abstand Fermi-Niveau Okta
ederniveau; a, ß Transportkonstanten; nT, nQ La
dungsträgerkonzentrationen, jUj, ju0 Beweglichkeiten
auf dem Tetraeder- bzw. Oktaederniveau.
-100 -
0 0.4 0.8 1.2 1.6 2.0
X
Abb. 12. Raumtemperatur-Thermokraft im Spinellsystem
Fe(Fe,V 2_ ,)0 4.
+ 200 -
-100 -
eiM-V/K]
0-1
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
1436 E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium
Die Verteilung der Fe:+-Ionen auf die beiden Git
terplätze bedeutet Verteilung des sechsten d-Elek-
trons der Fe-Ionen auf die energetisch unterschiedli
chen Oktaeder- und Tetraederplätze. Diese Vertei
lung kann mit der Fermi-Statistik beschrieben wer
den. Relativ zum Energieniveau der Oktaederplätze
erhält man für das Energieniveau der Tetraederplät
ze, also für die Energie des Elektronenübergangs
Fej+ + Fe-o Fe^+ + Fe20+
Et = kT ln (1A) (x-A)
und für das Fermi-Niveau
Ef = kT ln xÄ
Die in der Abb. 13 dargestellte relative Lage der
Energieniveaus ist mit A-Werten (vgl. Abschn. 1) be
rechnet worden, die Mößbauer-spektroskopisch aus
den Isomerieverschiebungen des Tetraederplatzes
ermittelt wurden (Abb. 10). Es werden folgende
A-Werte benutzt:
x 0,3 0,6 0,86 0,9 1,0 1,2 1,3
l 0,05 0,16 0,43 0,47 0,60 0,88 0,94
Bei x = 0,9 sind Oktaeder- und Tetraederniveau
energiegleich, die Eisenionen sind nicht unterscheid
bar. Dies stimmt mit den Mößbauer-Spektren über
ein. Nur bei x = 0,9 zeigen die Spektren im para
magnetischen Bereich eine einzige Linie (Abb. 9).
Es gibt nur eine Eisenspezies, das sechste d-Elektron
ist statistisch verteilt und vollständig delokalisiert.
Abb. 13. Relative Lage der Energieniveaus im Spinell
system Fe(FerV2_i)0 4.
Bei x = 0,86 und * = 2,0 sind Oktaeder- und Fermi-
Niveau energiegleich, die Konzentrationen der F e c
und Fe3+-Ionen auf dem Oktaederplatz sind gleich.
Die p-leitenden Mischkristalle sind Eigenhalblei
ter mit Elektronenleitung auf dem Oktaederplatz
und Defektelektronenleitung auf dem Tetraeder
platz. Bei kleinen x-Werten ist wegen der geringen
Konzentration der Eisenionen auf dem Oktaeder
platz die Beweglichkeit der Defektelektronen grö
ßer (vgl. Abb. 4) und es resultiert p-Leitung. Aus
den Thermokraftwerten läßt sich bei Vernachlässi
gung der Transportkonstanten ableiten, daß das
Beweglichkeitsverhältnis /ujlfio von 2 bei x = 0,3
auf 1 bei x = 0,45 abnimmt. Bereits bei x = 0,6 ist
die Beweglichkeit der Elektronen auf dem Okta
ederplatz größer: /uT/juö = 0,6. Aus der Tempera
turabhängigkeit des spezifischen Widerstands zwi
schen 20° und 500 °C wurde bei x = 0,9 eine Akti
vierungsenergie von q = 0,14 eV gefunden, sie
kann als Aktivierungsenergie der Beweglichkeit der
Ladungsträger interpretiert werden. Mit abneh
mendem x nimmt auf Grund der Aktivierung von
Ladungsträgern die Aktivierungsenergie zu. Die
Berechnung nach q = 0,14 eV + (E0 ET) eV [20]
ergibt 0,17 eV bei x = 0,6, 0,19 eV bei x = 0,45 und
0,20 eV bei x = 0,3. Die gemessenen Werte sind
0,16 eV, 0,18 eV und 0,24 eV.
Im Bereich 1,0 < x < 2,0 ändern sich die Seebeck-
Koeffizienten nur wenig, sie liegen zwischen etwa
60 und 80 //V/K. Bei bevorzugter Oktaederlei
tung wären auf Grund der Ionenverteilungen kleine
positive Seebeck-Koeffizienten zu erwarten. Für das
in der Abb. 13 abgeleitete Energieniveauschema
wird bei jedem x eine einheitliche Energie der Eisen
ionen auf Oktaederplätzen vorausgesetzt. Die Möß
bauer-Spektren zeigen jedoch (Abb. 5), daß es ver
schiedene Polyedertypen gibt, deren Besetzung mit
Elektronen unterschiedlich ist und deren Energieab
stand vom Tetraederplatz also unterschiedlich sein
müssen. Bei Eisenionen in Polyedern mit zunehmen
der Zahl der umgebenden V-Ionen wächst die Beset
zungswahrscheinlichkeit mit Elektronen, der Ab
stand vom Tetraederniveau und vom Fermi-Niveau
nimmt zu. Auch die Beweglichkeit der Ladungsträ
ger kann unterschiedlich sein. Der Leitungsmecha
nismus ist also sehr kompliziert und die Seebeck-
Koeffizienten können nicht mit der Beziehung
d e T = E f -I- ß berechnet werden.
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17
E. Riedel et al. Verteilung und Valenz der Kationen in Spinellsystemen mit Eisen und Vanadium 1437
[1] M. Lensen, Ann. Chimie 4, 891 (1959).
[2] D. B. Rogers, R. J. Arnott, A. Wold und J. B. Good-
enough, J. Phys. Chem. Solids 24, 347 (1963).
[3] M. J. Rossiter, J. Phys. Chem. Solids 26, 775 (1965).
[4] B. N. Varskoi, A. N. Ilina und N. V. Gogareva, Russ.
J. Phys. Chem. 40, 447 (1966).
[5] J. C. Bernier und P. Poix, Ann. Chimie 2, 81 (1967).
[6] S. K. Banerjee, W. O. Reilly, T. C. Gibb und N. N.
Greenwood, J. Phys. Chem. Solids 28, 1323 (1967).
[7] M. Wakihara, Y. Shimizu und T. Katsura, J. Solid
State Chem. 3, 478 (1971).
[8] M. Abe, M. Kawachi und S. Nomura, J. Solid State
Chem. 10, 351 (1974).
[9] M. P. Gupta und H. B. Mathur, J. Phys. C 8, 370
(1975).
[10] J. D. Lee und D. Schroeer, J. Phys. Chem. Solids 37,
739 (1976).
[11] E. Riedel, G. Colsmann und B. Reuter, Ber. Bunsen-
ges. Phys. Chem. 72, 880 (1968).
[12] G. Colsmann, B. Reuter und E. Riedel, Z. Anorg.
Allg. Chem. 401, 41 (1973).
[13] B. Reuter, J. Jaskowsky und W. Laqua, Z. Anal.
Chem. 214, 185 (1965).
[14] E. Riedel, T. Dützmann und N. Pfeil, Z. Naturforsch.
35 b, 1257 (1980).
[15] VII. Mitt.: E. Riedel und J. Kähler, Z. Naturforsch.
44b, 875 (1989).
[16] J. Kähler, Dissertation, TU Berlin (1984).
[17] VI. Mitt.: E. Riedel, A. Ostermann und J. Kähler, Z.
Naturforsch. 44b, 869 (1989).
[18] L. Häggström, H. Annersten, T. Ericsson, R. Wäpp-
ling, W. Karner und S. Bjarman, Hyperfine Inter
actions 5, 201 (1978).
[19] G. H. Jonker und S. van Houten, Halbleiterprobleme,
S. 118, Band VI, Vieweg und Sohn, Braunschweig
(1961).
[20] G. H. Jonker, J. Phys. Chem. Solids 9, 165 (1959).
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 02.01.19 11:17