scieee Science in your language
[en] (orig)
Phasenverhalten reiner Stoffe in
mesopor¨
osen Silika-Materialien
vorgelegt von
Diplom-Chemiker
Andreas Schreiber
aus Hagen/Westf.
von der Fakult¨
at II- Mathematik und Naturwissenschaften
der Technischen Universit¨
at Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat. -
genehmigte Dissertation
Berichter: Prof. Dr. G.H. Findenegg
Berichter: Prof. Dr. R. Schom¨
acker
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 19. April 2002
Berlin 2002
D 83
Zusammenfassung
Schreiber, Andreas:
Phasenverhalten reiner Stoffe in mesopor¨
osen Silika-Materialien
Zum Studium des Phasenverhaltens von reinen Stoffen in Poren wurden in dieser Arbeit
geordnete mesopor¨
ose Materialien (MCM-41 und SBA-15, Porenweiten 2 -10 nm)mit
nativen und modifizierten Oberfl¨
achen hergestellt. Die erhaltenen Materialien wurden
mittels N2-Adsorption, XRD, NMR, REM und TEM charakterisiert.
Der fest/fl¨
ussig Phasen¨
ubergang von Wasser, Benzol und halogenierten Benzolen
in den Porenr¨
aumen von MCM-41 und SBA-15 wurde mittels DSC untersucht. F¨
ur
die Verschiebung der Schmelztemperatur, T=TmTmP , in vollst¨
andig gef¨
ullten
Poren wurde eine Abh¨
angigkeit vom Porenradius Rgem¨
einer modifizierten Gibbs-
Thomson-Gleichung T=K/(Rt) gefunden, wobei der Wert von Kmit dem
aus thermodynamischen Daten ermittelten Gibbs-Thomson-Koeffizienten gut ¨
uberein-
stimmt und die Korrekturgr¨
oße teiner Schichtdicke von nicht gefrierendem Wasser
von 1-2 Molek¨
ullagen entspricht. In nicht vollst¨
andig gef¨
ullten Poren wurden neben
dem Gefrier¨
ubergang der vollst¨
andig gef¨
ullten Poren zwei weitere Phasen¨
uberg¨
ange
gefunden, von welchen einer dem Frieren des an der Porenwand adsorbierten Films
zugeordnet wird. F¨
ur Hexachlorbenzol wurde ein Einfluß der Porenwand auf die Lage
des fest/fl¨
ussig Phasen¨
ubergangs gefunden.
Die Adsorption und Porenkondensation von Gasen in den mesopor¨
osen Materia-
lien wurde in einem Temperaturbereich von unterhalb des Tripelpunktes bis zur kri-
tischen Temperatur Tcmittels einer gravimetrischen Analysemethode untersucht. Es
wurde eine charakteristische Temperaturabh¨
angigkeit des relativen Porenkondensati-
onsdrucks gefunden, die sowohl von der Porenweite als auch von der chemischen Natur
der Porenoberfl¨
ache beeinflußt wird. Ferner konnte gezeigt werden, daß die Hysterese
der Porenkondensation bei einem von der reduzierten Temperatur abh¨
angenden be-
stimmten relativen Druck (p/p0)Hverschwindet. Er ist unabh¨
angig vom verwendeten
Meßgas und der Porenoberfl¨
ache. F¨
ur die Sorptionsisothermen von Gasen in Materia-
lien, die einen pore blocking Effekt zeigen, wurde gefunden, daß der relative Druck der
Porenentleerung (Poren-Verdampfung) eine nahezu universelle Funktion der reduzier-
ten Temperatur T/Tcist und innerhalb der experimentellen Genauigkeit die gleiche
Abh¨
angigkeit wie das Auftreten von Sorptionshysterese in Materialien mit offenen Zy-
linderporen zeigt.
Mit R¨
ontgen- und Neutronen-Kleinwinkelstreuung (SAXS und SANS) wurde
der Mechanismus der Adsorption von Gasen in den geordneten mesopor¨
osen Silika-
Materialien untersucht. Die SANS-Kurven f¨
ur Stickstoff (77 K) zeigen mit zunehmen-
der Dicke des adsorbierten Films eine charakteristische Entwicklung der Intensit¨
aten
einzelner Bragg-Peaks des 2D-hexagonalen Gitters, die mit einem kristallographischen
Modell simuliert werden kann. Das benutzte Modell erlaubt erstmals eine direkte Er-
mittlung der Dicke des an den Porenw¨
anden adsorbierten Filmes. Die Ergebnisse deuten
darauf hin, daß sich die tats¨
achliche Porenweite von mesopor¨
osen Materialien nicht aus
der einfachen Kombination von Mehrschicht-Adsorption und Kelvin-Gleichung erhalten
l¨
aßt.
ii
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Zielsetzung .............................. 4
2. Materialien 7
2.1. Herstellung von MCM-41 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.1.1. Eigene Synthesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.2. Herstellung von SBA-15 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.2.1. Eigene Synthesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.3. Oberfl¨
achenmodifikationen der Materialien . . . . . . . . . . . . . 19
2.3.1. Eigene Synthesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.4. Charakterisierung der Materialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.4.1. Stickstoff-Adsorption . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.4.2. Ger¨
ustdichte-Bestimmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
2.4.3. Elektronenmikroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.4.4. R¨
ontgendiffraktometrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
2.4.5. Kernspinresonanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
2.4.6. Thermogravimetrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
2.5. Zusammenfassung........................... 43
3. DSC 45
3.1. Einleitung............................... 45
3.2. Grundlagen .............................. 48
3.2.1. Thermodynamischer Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
iii
3.2.2. Simulationen ......................... 50
3.2.3. Wasser ............................ 52
3.3. Experimentelles............................ 53
3.3.1. Probenvorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.3.2. DSC-Messungen........................ 54
3.4. Ergebnisse............................... 55
3.4.1. Schmelzen-Gefrieren in gef¨
ullten Poren . . . . . . . . . . . 55
3.4.2. Gefrieren von Wasser in teilweise gef¨
ullten Poren . . . . . 60
3.4.3. Weitere Porenfluide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
3.5. Diskussion............................... 78
3.5.1. Gefrieren von Wasser in teilweise gef¨
ullten Poren . . . . . 78
3.5.2. Die Gibbs-Thomson Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . 85
3.5.3. Thermoporometrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
3.6. Zusammenfassung........................... 91
4. Gasadsorption 93
4.1. Sorptionsmessungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
4.2. Theorie ................................ 96
4.2.1. Kelvin-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
4.2.2. Porenkritischer Punkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
4.2.3. Sorptionshysterese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
4.2.4. Modell-Rechnungen zur Porenauff¨
ullung . . . . . . . . . . 101
4.3. Experimentelles............................ 102
4.3.1. Meßgase............................ 104
4.3.2. Mikrowaagen-Meßapparaturen . . . . . . . . . . . . . . . . 105
4.3.3. Durchf¨
uhrung der Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . 108
4.3.4. Fehlerbetrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
4.4. Ergebnisse............................... 111
4.4.1. Adsorptionsisothermen in geordneten Materialien . . . . . 111
4.4.2. Adsorptionsisothermen mit pore-blocking Effekt . . . . . . 124
4.5. Diskussion............................... 127
iv
4.5.1. Gas-Fl¨
ussig Phasen¨
uberg¨
ange in Zylinderporen . . . . . . 127
4.5.2. Sorptionshysterese in geordneten Materialien . . . . . . . . 138
4.5.3. Sorptionshysterese in Materialien mit pore-blocking Effekt
- Homogene Nukleation der Gasphase? . . . . . . . . . . . 144
4.5.4. Porenkondensationshysterese mit und ohne pore-blocking . 149
4.5.5. Der porenkritische Punkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151
4.6. Zusammenfassung........................... 153
5. In-situ Kleinwinkelstreuung 155
5.1. Theoretische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
5.1.1. Kristallographischer Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
5.1.2. Nahordnungsansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
5.2. Experimentelles............................ 163
5.2.1. Neutronen-Kleinwinkelstreuung . . . . . . . . . . . . . . . 163
5.2.2. R¨
ontgen-Kleinwinkelstreuung . . . . . . . . . . . . . . . . 166
5.3. Ergebnisse............................... 167
5.3.1. Porenweiten aus SAXS-Streukurven . . . . . . . . . . . . . 167
5.3.2. Filmdicken aus SANS-Streukurven . . . . . . . . . . . . . 171
5.3.3. Entwicklung von SAXS-Streukurven bei der Adsorption . . 193
5.4. Diskussion............................... 197
5.4.1. Anwendbarkeit der verwendeten Auswertemodelle . . . . . 197
5.4.2. Bestimmung der t-Schichtdicken . . . . . . . . . . . . . . . 199
5.4.3. Die G¨
ultigkeit der Kelvin-Gleichung . . . . . . . . . . . . . 205
5.4.4. Korrigierte Porenweiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
5.4.5. Streukurven der evakuierten Proben und die Wandstruktur
derProben .......................... 209
5.5. Zusammenfassung........................... 211
6. Ausblick 213
7. Literatur 217
v
A. Abk¨
urzungen 229
B. Reaktionsbedingungen weiterer Synthesen 231
B.1.MCM-41 ............................... 231
B.2.SBA-15 ................................ 234
C. Charakterisierung der Materialien 237
C.1.MCM-41................................ 238
C.2.SBA-15 ................................ 239
C.3. Beschichtete Proben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
C.4. Gemini Meßprotokoll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242
D. Meßdaten 249
D.1.Gasadsorption............................. 249
D.1.1. Bestimmung der Temperatur ¨
uber den Dampfdruck . . . . 249
D.1.2. Bestimmung der Gasdichte von CHF3............ 251
D.1.3. Auswertung von Adsorptionsisothermen unter Einbezie-
hung der Gasdichte f¨
ur CHF3................ 251
D.1.4. Adsorptionsisothermen der Gase . . . . . . . . . . . . . . . 256
D.2. SANS................................. 272
D.2.1. Berechnete Peak-Intensit¨
aten nach dem kristallographi-
schenModell ......................... 272
vi
1. Einleitung
Por¨
ose Materialien spielen in Natur und Technik eine große Rolle. So ist die Po-
rosit¨
at von B¨
oden maßgebend f¨
ur ihre Wasserdurchl¨
assigkeit und die F¨
ahigkeit,
Wasser oder Erd¨
ol zu speichern, die Porosit¨
at von Baustoffen hat einen maßgeben-
den Einfluß auf die W¨
armed¨
ammug und den Feuchtigkeitsaustausch, ¨
Ahnliches
gilt f¨
ur die Porosit¨
at von Textilgeweben. In der Technik spielen por¨
ose Materia-
lien unter anderem in der Stofftrennung und in der heterogenen Katalyse eine
wichtige Rolle. Die Leistungsf¨
ahigkeit von Filtern h¨
angt einerseits von ihrer Po-
rosit¨
at, andererseits der Einheitlichkeit der Porenweite ab. In vielen technischen
Anwendungen sind por¨
ose Materialien mit internen Porennetzwerken erw¨
unscht,
die aus relativ weiten Zuleitungsporen und engen Poren bestehen, in welchen die
Komponenten eines Stoffgemisches durch Adsorption oder andere Effekte zur¨
uck-
gehalten werden. Solche bimodalen Porensystem sind z.B. f¨
ur Katalysator-Tr¨
ager
erw¨
unscht.
Die bewußte Ausnutzung por¨
oser Materialien und das Verst¨
andnis des Ver-
haltens dieser Stoffe begann allerdings erst im 19. Jahrhundert. Neben den vielen
nat¨
urlich vorkommenden por¨
osen Stoffen ist por¨
oser Kohlenstoff (Aktivkohle) ei-
nes der ersten k¨
unstlich hergestellten Materialien, so daß viele der ersten Unter-
suchungen zur Eigenschaft por¨
oser Materialien an verbrannten Kokosnußschalen
und ¨
Ahnlichem durchgef¨
uhrt wurden. Aktivkohle ist auch heute noch ein wichti-
ges Adsorptionsmittel und kommt bei vielen Filtersystemen zum Einsatz.
Der Begriff Phasenverhalten bezieht sich prim¨
ar auf die Verschiebung von
Phasen¨
uberg¨
angen, haupts¨
achlich das Schmelzen bzw. Erstarren und die Konden-
sation bzw. das Verdampfen von reinen Stoffen in Poren. Diese Phasen¨
uberg¨
ange
k¨
onnen in engen Poren gegen¨
uber dem bulk-Fluid verschoben sein. Auf der Basis
der klassischen Thermodynamik h¨
angt das Ausmaß der Verschiebung von der
Weite der Poren ab, in denen sich die Substanz befindet; mit abnehmender Po-
1
1. Einleitung
renweite nimmt nach diesen Gesetzen die Verschiebung der Phasen¨
uberg¨
ange zu.
Die Hauptursache der Ver¨
anderung des Verhaltens von Stoffen in engen Poren
liegt darin, daß das Stoffverhalten nicht nur durch die Wechselwirkung zwischen
den Molek¨
ulen, sondern in zunehmendem Maße auch durch die Wechselwirkung
der Molek¨
ule mit der Porenwand bestimmt wird. Hinzu kommt stets eine Ver-
breiterung des Phasen¨
ubergangsbereiches aufgrund des Umstandes, daß die be-
trachteten Stoffmengen in den Poren in ihrer Gr¨
oße beschr¨
ankt sind. Dieses, auch
unter dem englischen Begriff finite size effect bekannte Verhalten, ist in Makro-
poren (Definition siehe Tabelle 1.1), in denen sich in einer Pore immerhin noch
einige zehntausend Molek¨
ule befinden, nur schwach ausgepr¨
agt. Die Substanz in
den Poren wird sich im wesentlichen wie die bulk-Substanz verhalten und da das
Volumen im Verh¨
altnis zur Porenoberfl¨
ache sehr klein ist, wird auch die Beschaf-
fenheit der Porenw¨
ande keinen großen Einfluß auf das Verhalten der Substanz
haben. In mikropor¨
osen Materialien wie z.B. Zeolithen liegen dagegen Cluster
von nur noch einigen Molek¨
ulen vor. Hier k¨
onnen teilweise sogar die Eigenschaf-
ten von einzelnen Molek¨
ulen untersucht werden und auch die Porenwand hat
einen großen Einfluß auf die Molek¨
ule. Aus den Eigenschaften der sich in einem
Zeolith-K¨
afig befindlichen Molek¨
ule kann auf deren genauen Ort bzw. die chemi-
sche Umgebung zur¨
uckgeschlossen werden.
Die Porenweite von Mesoporen liegt, wie schon die griechische Vorsilbe me-
so sagt, zwischen der von Mikro- und Makroporen. Dieser Porenweitenbereich
ist deshalb interessant, weil nur eine ¨
uberschaubare Anzahl von Molek¨
ulen in
einer Pore vorliegen, die in Materialien mit enger Porenweitenverteilung genau
definiert ist. Man kann somit den ¨
Ubergang des Verhaltens einiger Molek¨
ule zu
dem der bulk-Substanz beobachten und bei dem Verhalten starke Abweichungen
vom normalen Verhalten erwarten. Auch der Einfluß der Porenw¨
ande auf die sich
in dem por¨
osen Material befindlichen Substanz ist bei Mesoporen im Vergleich
Tabelle 1.1.: Einteilung von Poren nach deren Weiten [Greg67].
Porenweite Beispiel
Mikroporen d2nm Zeolithe, Carbon nanotubes
Mesoporen 2nm < d 50nm MCM-41
Makroporen d > 50nm Por¨
ose Gl¨
aser
2
zu Mikro- und Makroporen von besonderer Bedeutung, da hier eine eventuelle
Schichtbildung an der Wand ein ausgewogenes Verh¨
altnis zwischen Wandschicht
und der Phase im Poreninneren ergibt. In Mikroporen tritt eine Schichtbildung
nicht auf, da die Poren zu eng sind und bei Makroporen ist das Mengenverh¨
altnis
von der Wandschicht zur Phase im Poreninneren dagegen sehr klein.
F¨
ur das Studium des Verhaltens von Fluiden in Poren ist die Qualit¨
at des
por¨
osen Materials von entscheidender Bedeutung. So ist eine enge Porenweiten-
verteilung Voraussetzung f¨
ur die Zuordnung von Effekten, die von der Porenweite
abh¨
angen. Ebenso wichtig wie die Porenweite ist auch die Form der Poren f¨
ur
einen Vergleich mit theoretische Vorhersagen zu Modell-Poren (Porennetzwerk,
Zylinderporen, ink-bottle-Effekt). In Abbildung 1.1 sind exemplarisch die Poren-
weitenverteilungen und Gr¨
oßenordnung einiger por¨
oser Materialien verglichen.
Im Mikroporenbereich sind schon seit l¨
angerer Zeit Materialien mit idealen Po-
rensystemen (Zeolithe) verf¨
ugbar. Die auch in der freien Natur vorkommenden
Zeolithe sind kristalline Materialien, bei denen das Porensystem zur Kristallstruk-
tur geh¨
ort und somit eindeutig definiert ist. Neben den Zeolithen gibt es auch
Tonminerale (Schichtsilikate), die nach entsprechender Behandlung (pillard clays)
Abbildung 1.1.: L¨
angenskala und Porenweitenbereiche einiger por¨
oser Silikat-
Materialien. Das jeweilige Rechteck gibt den Porenweitenbereich an, die Kurve sym-
bolisiert die Porenweitenverteilung [Behr93].
3
1. Einleitung
eine relativ enge Porenweitenverteilung im Mikroporenbereich und eine weitere
im Mesoporenbereich zeigen. Neben diesen nat¨
urlich vorkommenden Materialien
gibt es auch por¨
ose Gl¨
aser, die aus einem bikontinuierlichem Porensystem beste-
hen und eine symmetrische, meist etwas weitere Porenweitenverteilung im großen
Mesoporen bis Makroporenbereich besitzen.
Neben diesen klassischen por¨
osen Materialien wurden erstmals 1992 von
einer Forschungsgruppe der Mobil Oil Corporation (Beck et al.) die Synthese
von geordneten mesopor¨
osen Materialien ver¨
offentlicht. Diese boten zum ersten
mal die M¨
oglichkeit, das Verhalten von Stoffen in definierten Porensystemen im
kleineren Mesoporenbereich zu studieren.
1.1. Zielsetzung
In dieser Arbeit soll das Phasenverhalten reiner Stoffe in mesopor¨
osen Materia-
lien untersucht werden. Da die Grundlage dieser Untersuchung die Materialien
selbst sind, wird zuerst in Kapitel 2 die Synthese geordneter mesopor¨
oser Ma-
terialien behandelt. Ziel ist hier zum einen, Materialien mit unterschiedlichen
Porenweiten und engen Porenweitenverteilungen herzustellen und zum anderen,
die Porenw¨
ande zu modifizieren, um den Einfluß der Porenwand auf das Phasen-
Abbildung 1.2.: Verschiebung des Phasendiagramms eines reinen Fluides in begrenzter
Geometrie, die Doppelpfeile markieren den Weg bei einer DSC Messung (horizontal)
und der Messung einer Isothermen (vertikal).
4
1.1. Zielsetzung
verhalten der Stoffe in den Poren zu studieren. Neben der eigentlichen Synthese
ist dabei auch die nachfolgende Charakterisierung von besonderer Bedeutung, da
nur bei gut charakterisierten Proben die Ergebnisse der nachfolgenden Untersu-
chungen richtig interpretiert werden k¨
onnen.
In den folgenden Kapiteln wird die Verschiebung des Phasendiagramms von
reinen Stoffen in Mesoporen (siehe Abb. 1.2) mittels verschiedener Methoden
untersucht. In der Abbildung ist die Verschiebung des Phasendiagramms sche-
matisch dargestellt, wobei die Art der Verschiebung aber von der Porenweite, der
Art der Pore, der Porenwand und dem Stoff in der Pore selbst abh¨
angt.
Im Kapitel 3 wird die Verschiebung des Schmelzpunktes und Gefrierpunk-
tes von Stoffen in den Poren mittels DSC beschrieben. Kapitel 4 behandelt die
Adsorption von Gasen in mesopor¨
osen Materialien. Hier wird mit verschiedenen
Meßgasen der Einfluß der Porenweite und der Gas-Wand-Wechselwirkung auf die
Adsorption untersucht. In Kapitel 5 schließlich wird der Verlauf der Gasadsorp-
tion mit Neutronen- und R¨
ontgenkleinwinkelstreuung verfolgt.
5
2. Geordnete mesopor¨
ose
Materialien
Das Studium der Porosit¨
at von anorganischen Materialien war bis zum Beginn
des letzten Jahrhunderts haupts¨
achlich auf nat¨
urlich vorkommende Mineralien
und Holzkohle beschr¨
ankt. Die Synthese por¨
oser Materialien auf Silikat-Basis
mit einer mehr oder weniger einheitlichen Porenstruktur kann durch zwei unter-
schiedliche Synthesekonzepte realisiert werden. Zum einen kann man ¨
uber einen
Sol-Gel-Prozeß Xerogele und Aerogele erhalten [Burg99](Review). Ausgehend von
der Polykondensation von Wasserglas, kann das erhaltene Gel normal getrocknet
werden. Bei der Trocknung wird die Silikat-Matrix des Gels durch die auftre-
tenden Kapillarkr¨
afte zusammengezogen und man erh¨
alt ein Xerogel (Porosit¨
at
ca. 50%). Durch ¨
uberkritische Trocknung wird das Auftreten von Kapillarkr¨
aften
und der Kollaps des Gels vermieden und man erh¨
alt ein Aerogel (Porosit¨
aten bis
zu 99,8%). Beide lassen sich durch die zur¨
uckbleibende Silikat-Matrix beschrei-
ben. Die Struktur dieser Materialien entspricht eher einem Kn¨
aul von verzweigten
Silikatstr¨
angen als der klassischen Vorstellung von Poren. Der Prozess der ¨
uber-
kritischen Trocknung kann auch bei Polymergelen angewendet werden, wodurch
man zu Kohlenstoff-Aerogelen gelangt [Hanz96].
Der zweite Weg f¨
uhrt ¨
uber die spinodale Entmischung eines Natrium-Bor-
Silikatglases [Schna91]. Die fl¨
ussige Mischung von Natrium-Silikat und -Borat
entmischt sich unterhalb einer bestimmten Temperatur. Durch rasches Abk¨
uhlen
(Quenchen) eines definiert entmischten Systems erh¨
alt man ein zweiphasiges Glas
mit zwei sich durchdringenden, kontinuierlichen Phasen und einer sehr einheitli-
chen L¨
angenordnung. Da sich die Boratphase in starken Laugen l¨
ost, gelangt man
auf diesem Weg zu einem dreidimensionalen Porennetzwerk mit einer relativ ein-
heitlichen Porenweite. Das f¨
ur wissenschaftliche Untersuchungen am h¨
aufigsten
7
2. Materialien
verwendete por¨
ose Glas ist Vycor (Corning 7930). Es ist als monolithisches Mate-
rial (Zylinder mit einigen mm Durchmesser und mehreren mm L¨
ange) mit Poren-
weiten zwischen 3 und 10 nm erh¨
altlich. Ein großes Problem bei einem Vergleich
verschiedener Studien an diesem Material ist die von der Produktions-Charge
abh¨
angige Porenweite, die im allgemeinen zwischen 3,5 und 8 nm liegt, so daß
ohne eine vorliegende Charakterisierung die Porenweite nicht genau bekannt ist.
F¨
ur technische Anwendungen wie z.B. der F¨
ullung von HPLC-S¨
aulen sind con-
trolled pore glasses (CPG’s) weit verbreitet. Diese sind im Gegensatz zum Vycor
feink¨
ornig und in einem Porenweitenbereich zwischen 7,5 und 1000 nm erh¨
altlich.
Die beiden beschriebenen Ans¨
atze zur Synthese ungeordneter Systeme f¨
uhren
zu mesopor¨
osen Materialien mit einer amorphen Wandstruktur und einem drei-
dimensionalen Porennetzwerk, in dem alle Poren miteinander verbunden sind.
Eine große technische und wirtschaftliche Bedeutung hat die Synthese von
mikropor¨
osen Zeolithen erlangt. Zeolithe sind auch in der Natur vorkommende
kristalline Alumo-Silikate mit Porenweiten im ˚
Angstrøm-Bereich. Bei der Syn-
these ordnen sich die Alumo-Silikate und Alumo-Phosphate in Anwesenheit von
organischen Templat-Molek¨
ulen (Alkylamine) unter hydrothermalen Bedingun-
gen zu den kristallinen Materialien mit hochgeordneten Porenstrukturen mit Po-
renweiten bis zu 13 ˚
A bei z.B. VPI-5 [Davi88]. Die Poren in diesen Systemen
haben h¨
aufig den Charakter von K¨
afigen und Verbindungsr¨
ohren in der kristalli-
nen Matrix mit genau definierten Abmessungen. Aufgrund der Porenweiten, die
im Bereich von Molek¨
uldurchmessern liegen, werden Zeolithe auch als Moleku-
larsiebe bezeichnet.
Die seit 1992 bekannte Synthese von geordneten mesopor¨
osen Silika-Ma-
terialien mittels eines Templatmechanismus (M41S) [Beck92,Kres92], die unten
genauer beschrieben wird, kann formal als Zwischenform zwischen der Zeolith-
Synthese und der Synthese von Aerogelen gesehen werden. Die erhaltenen Mate-
rialien verf¨
ugen ¨
uber Porensysteme wie z.B. hexagonal geordnete Zylinderporen,
deren Porenweite eine Gr¨
oßenordnung ¨
uber der der Zeolithe liegt und die - anders
als die Zeolithe - einen amorphen Wandaufbau besitzen.
Ann¨
ahernd zylinderf¨
ormige Poren, wie bei der templatgesteuerten Synthese,
lassen sich auch ¨
uber die anodische Oxidation von Aluminium erhalten [Horn97].
Bei der Abscheidung von Aluminiumoxid auf einer hochreinen Aluminiumober-
fl¨
ache bilden sich in dem Aluminiumoxid durch den dynamischen Prozeß der
8
2.1. Herstellung von MCM-41
Abscheidung zylinderf¨
ormige Poren aus, die grob hexagonal geordnet sind. Die
Porenweite l¨
aßt sich ¨
uber die angelegte Spannung in einem Bereich von ca. 5 nm
bis 100 nm steuern. Die so entstehenden Membranen sind zwar auf nanoskopi-
scher Ebene nicht so gut geordnet wie die durch den Templatmechanismus herge-
stellten Materialien, haben aber den Vorteil, daß alle Poren senkrecht zur Ebene
der Aluminium-Elektrode wachsen und damit makroskopisch geordnet sind. Sie
besitzen Porosit¨
aten von 20 bis 30%.
Einzelne Hohlzylinder aus Graphit, Carbon Nanotubes oder buckytubes,
k¨
onnen durch Abscheiden von Graphit aus einer Lichtbogenlampe oder bei der
Zersetzung kohlenstoffhaltiger Gase unter definierten Bedingungen erhalten wer-
den [Subr98]. Das so erhaltene Material besteht teilweise aus R¨
ohren mit W¨
anden
aus ein- oder mehrlagigen Graphitschichten. Ein Problem beim Einsatz dieser Ma-
terialien bildet die uneinheitliche Struktur der Nanotubes, d.h. es lassen sich nicht
nur bestimmte Nanotubes herstellen, sondern man erh¨
alt ein Gemisch der ver-
schiedenen Formen. Die Porenweite dieser Materialien ist auf den mikropor¨
osen
Bereich beschr¨
ankt.
2.1. Herstellung von MCM-41
Wie schon erw¨
ahnt, wurde 1992 von Beck et al. [Beck92] eine Synthese f¨
ur
neuartige geordnete mesopor¨
ose Oxid-Materialien auf der Basis des Templat-
Mechanismus beschrieben. Unter dem Oberbegriff M41S sind mehrere unter-
schiedlich strukturierte mesopor¨
ose Molekularsiebe zusammengefaßt, von denen
MCM-48 mit einer dreidimensionalen kubischen Gyroid-Struktur, MCM-50 mit
einer lamellaren Struktur und vor allem MCM-41, welches ¨
uber hexagonal ange-
ordnete Zylinderporen verf¨
ugt, die bekanntesten Vertreter sind. Die drei Buch-
staben MCM stehen dabei f¨
ur Mobil Composition of Matter [Cies99] oder Meso-
porous Crystalline Material, wie im Patent (US Pat. No. 5,057,296) beschrieben.
Die Synthese des MCM-41 geht von einem Alkyltrimethylammoniumbromid
aus, bei dem die Alkylkette eine L¨
ange von 8 bis 20 Kohlenstoffatomen haben
kann. Sie hat wahrscheinlich ihren Ursprung in dem Versuch die klassische Zeo-
lithsynthese, in der Triethylamin als Templat eingesetzt wird, zu variieren um
großporige Zeolithe zu erhalten. Im Fall des MCM-41 ordnen sich die Templat-
molek¨
ule in dem Reaktionsgemisch zu hexagonal angeordneten Zylindern, die je-
9
2. Materialien
weils von ortho-Kiesels¨
aure umgeben sind und man erh¨
alt nicht eine auf atomarer
Ebene kristalline Struktur, wie bei den Zeolithen. Durch Trocknung und Kalzi-
nierung wird der ortho-Kiesels¨
aure das Wasser entzogen und die Tensidmolek¨
ule
werden aus dem Komposit-Material entfernt. Man erh¨
alt ein por¨
oses Material,
in dem die Poren die Ordnung der entfernten Tensidmizellen haben (Abbildung
2.1).
Nach der ersten Synthese erschienen in den folgenden Jahren zahlreiche
Ver¨
offentlichungen, welche sich haupts¨
achlich mit der Optimierung der Struk-
tur des hexagonal geordneten MCM-41 besch¨
aftigten, wobei zum einen die Re-
gelm¨
aßigkeit der Struktur [Edle97,Cai99], zum anderen die Variabilit¨
at der Poren-
weite [Saya98,99] im Vordergrund standen. Dies wurde u.a. durch eine Kontrolle
des pH-Wertes w¨
ahrend der Synthese (pH-adjustment) durch Hinzuf¨
ugen organi-
scher S¨
auren, oder durch spezielle hydrothermale Nachbehandlung versucht. Mit
der post-synthetischen Behandlung erreichte man eine Expansion der Porenwei-
ten auf ¨
uber 6 nm.
Mit den zur Verf¨
ugung stehenden Alkyltrimethylammoniumbromiden
C8TAB bis C20TAB (die Zahl gibt die L¨
ange der Kohlenstoffkette an) lassen
sich Porenweiten von 2 nm bis 4 nm einstellen. Um zu gr¨
oßeren Porenweiten
zu gelangen, kann man ¨
Ole wie z.B. Trimethylbenzol (TMB) zum Reaktionsge-
misch hinzugeben [Beck92], das hydrophobe ¨
Ol wird in den Kern der Mizellen
eingelagert und vergr¨
oßert den Durchmesser der Templat-Mizelle. Die beschriebe-
ne Vergr¨
oßerung der Porenweite wurde allerdings nur durch TEM-Bilder belegt
und weder durch R¨
ontgendiffraktogramme noch durch Adsorptionsisothermen
best¨
atigt, so daß es keine Best¨
atigung dar¨
uber gibt, daß ¨
uber diesen Weg geord-
netes mesopor¨
oses Material herzustellen ist.
Abbildung 2.1.: Reaktionsschema der MCM-41 Synthese: aus der mizellaren L¨
osung
von Tensiden bilden sich durch die Zugabe von dem Silika-Precursor Zylindermizellen
in dem Reaktionsgemisch, die sich zu hexagonalen Arrays anordnen.
10
2.1. Herstellung von MCM-41
Einfluß der Tensid-Konzentration auf die Struktur des Materials
Der urspr¨
ungliche Gedanke der MCM-Synthese war die Ausnutzung der lyotro-
pen Phasen des Tensids, so daß im Endeffekt ein Abdruck der jeweiligen lyotropen
Phase erhalten wird. Daher wurden die ersten MCM-Synthesen mit relativ ho-
hen (16%-igen) Tensidgehalten in Autoklaven durchgef¨
uhrt. Das Vermischen des
Reaktionsgemisches gibt einen z¨
ahfl¨
ussigen Brei, der in den Autoklaven gef¨
ullt
wird und aus dem das Produkt nach mehrt¨
agiger hydrothermaler Behandlung
entnommen wird.
Die Synthese von Gr¨
un [Gr¨
un97] zeigt aber, daß sich ein hochgeordnetes
Produkt schon bei Raumtemperatur und geringen Tensid-Konzentrationen (ca. 2
Gew.-%) bildet, weit unterhalb des Bereiches der hexagonalen fl¨
ussigkristallinen
Phase (siehe Abbildung 2.2). Neuere Untersuchungen [Cai99] zeigen sogar, daß
schon bei Tensid-Konzentrationen von 0,1 bis 0,5 Gew.% hochgeordnetes MCM-
41 entsteht. Dieses l¨
aßt nach Cai et al. darauf schließen, daß die Bildung von
MCM-41 in diesem Konzentrationsbereich durch kinetische Prozesse bestimmt
wird.
Abbildung 2.2.: Phasendiagramm des Systems C16TAB und Wasser(aus [Rama96]).
Die beiden Linien mit der Beschriftung CMC geben die kritischen Mizellbildungs-
Konzentrationen an. Die hexagonale Phase erh¨
alt man bei Konzentrationen zwischen
ca. 35 und 65 Gew.-% Tensid-Konzentration.
11
2. Materialien
2.1.1. Eigene Synthesen
F¨
ur die Synthese der in den nachfolgenden Untersuchungen benutzten MCM-41
Materialien wurde der Ansatz von Gr¨
un et al. [Gr¨
un97] als Grundlage genom-
men. Diese Synthese geht im Gegensatz zu den meisten anderen in der Literatur
beschriebenen MCM-41 Synthesen von einer verd¨
unnten (5,5 mmol/l) Alkyltri-
methylammoniumbromid L¨
osung aus und es wird Ammoniak als Katalysator
und zur Hydrolyse des Tetraethylorthosilikates (TEOS, ABCR) verwendet. Ent-
sprechend dem Ansatz von Gr¨
un et al. wurde von folgender Zusammensetzung
ausgegangen:
xg C1018TAB + 10,44 ml 25% NH3aq. + 10,7 ml TEOS + 120 ml H2O
6,6 mmol C1018TAB + 0,14 mol NH3+ 0,05 mol TEOS + 6,66 mol H2O
wobei xdie Masse von 6,6 mmol des verwendeten Tensids ist. Alle Synthesen
wurden in einem thermostatisierbaren Glasreaktor (V = 560 ml) oder in einer
Glasflasche mit GL-Schraubverschluß (V = 500 oder 1000 ml) durchgef¨
uhrt, wel-
che in einem Wasserbad thermostatisiert wurde. Zur Herstellung der w¨
assrigen
Tensidl¨
osungen wurden die Tenside in Reinstwasser (Milli-Qultrapure water sy-
stems) gel¨
ost und die ammoniakalische L¨
osung hinzugef¨
ugt. Danach wurde die
gesamte Menge TEOS unter starkem R¨
uhren (Magnetr¨
uhrer) auf einmal hinzu-
gegeben. Durch das R¨
uhren wird die an der Oberfl¨
ache der w¨
assrigen L¨
osung
schwimmende TEOS-Phase dispergiert und die klare L¨
osung tr¨
ubt sich ein. Nach
wenigen Minuten f¨
allt dann das Produkt als weißer Niederschlag aus und setzt
Tabelle 2.1.: Charakterisierung verschiedener MCM-41 Materialien (die Zahlen in
den Namen geben die C-Kettenl¨
ange des Tensids an): w: Porenweite nach Dollimo-
re & Heal; p/p0: rel. Druck der Porenkondensationsstufe; d(100): Netzebenenabstand;
vP:Porenvolumen; as: spezifische Oberfl¨
ache (BET) .
w(p/p0)Ads. d(100) vPas
/nm /nm cm3/g m2/g
BG10A 2,2 0,15 3,01 0,408
BG12A 2,4 0,19 3,28 0,605 (980)
BG14A 2,9 0,285 3,50 0,791 (1221)
BG16C 3,3 0,357 4,00 0,886 1006
BG16D 3,3 0,354 3,92 0,902 1008
BG18C 3,7 0,42 4,26 0,974 746
12
2.1. Herstellung von MCM-41
sich nach Abschalten des R¨
uhrers am Boden ab. Bei der nachfolgenden hydro-
thermalen Behandlung wurde die L¨
osung nicht mehr ger¨
uhrt.
In Tabelle 2.1 sind wichtige Kenngr¨
oßen der auf diesem Weg gewonnenen
MCM-41 Materialien zusammengefaßt. Die in der Tabelle aufgef¨
uhrten Materia-
lien wurden alle bei einer Reaktionstemperatur von 35C synthetisiert. Die Reak-
tionsl¨
osung wurde bei diese Temperatur bei langsamen R¨
uhren 2 Stunden gehal-
ten. Anschließend wurden die L¨
osungen bei einer Temperatur von ca. 80C ohne
R¨
uhren weitere drei Tage thermostatisiert. Es zeigte sich, daß bei der F¨
allung
aus einer verd¨
unnten L¨
osung die Materialeigenschaften im Gegensatz zu Synthe-
sen im Autoklaven sehr gut reproduzierbar sind. Als Beispiel sind in Tabelle 2.1
zwei mit C16TAB templatierte Proben charakterisiert, Porenweite und Netzebe-
nenabstand unterscheiden sich nur minimal. Das spezifische Porenvolumen und
die spezifische Oberfl¨
ache der Materialien variieren in einem bestimmten Rah-
men und lassen sich nicht genau kontrollieren, sie k¨
onnen erst nach der Synthese
bestimmt werden. Des weiteren ist die Bestimmung der Oberfl¨
ache mit Hilfe der
BET-Methode unterhalb einer Porenweite von 3 nm nur eingeschr¨
ankt m¨
oglich
(Werte in Klammern). Hierauf wird in Abschnitt 2.4 eingegangen.
Rasterelektronenmikroskopischen Aufnahmen zeigten, daß Ans¨
atze mit noch
st¨
arker verd¨
unnter Tensidl¨
osung eine nochmals einheitlichere Morphologie des
ausgefallenen Produktes ergaben (siehe Abb. 2.11). Bei weiteren Synthesen wur-
den daher die Konzentration der Tensidl¨
osungen des Gr¨
unschen Ansatzes hal-
biert, d.h. es wurden die doppelten Mengen Wasser und Ammoniakl¨
osung ver-
wendet. Die hydrothermale Behandlung wurde bei diesen Synthesen in den Glas-
flaschen mit GL Schraubverschluß in einem Trockenschrank bei Temperaturen
bis zu 105C vorgenommen.
Bei den hier beschriebenen Synthesen hatte eine Variation der Synthesetem-
peratur zwischen 20C und 30C nur einen geringen Einfluß auf die Ordnung des
erhaltenen Produktes. Bei einer Synthesetemperatur von 25C zeigt das erhal-
tene R¨
ontgendiffraktogramm (siehe Abbildung 2.3) die am besten ausgepr¨
agten
Bragg-Reflexe. Das Hinzuf¨
ugen von etwas as synthesized Material zum Ansatz als
Kristallisationskeim f¨
uhrte zu keiner Verbesserung des R¨
ontgendiffraktogramms.
Nach der hydrothermalen Behandlung wurde der Niederschlag ¨
uber einer
großen Glasfritte (500 ml) abfiltriert. Die Kalzinierung des as synthesized Materi-
als wurde in einem programmierbaren Muffelofen Labotherm L3/S (Nabertherm,
13
2. Materialien
Lilienthal) durchgef¨
uhrt. In einem Laborabzug wurde ein geringer Luftstrom ¨
uber
die Proben geleitet. Das Material wurde zuerst 5 Stunden bei 105C getrocknet
und danach 5 Stunden bei 550C kalziniert. Dann wurde die Probe auf 60C ab-
gek¨
uhlt und bis zum Abf¨
ullen in Probengl¨
aschen bei dieser Temperatur gehalten.
Die Heizrate zum Erreichen der jeweiligen Temperaturen betrug immer 1K/min.
Abbildung 2.3.: Abh¨
angigkeit der Produktqualit¨
at (Intensit¨
at der Bragg-Peaks) von der
Reaktionstemperatur bei MCM-41 mit C16TAB als Templat.
2.2. Herstellung von SBA-15
Eine M¨
oglichkeit, geordnete mesopor¨
ose Silika-Materialien mit gr¨
oßeren Poren-
weiten als bei MCM-41 zu erzielen, ist die Verwendung gr¨
oßerer Templatmo-
lek¨
ule. Mit Hilfe von amphiphilen Blockcopolymeren anstelle der Tenside lassen
sich Materialien mit Porenweiten bis zu einigen 10 nm herstellen. Hierbei k¨
onnen
grunds¨
atzlich wieder verschiedene Wege beschritten werden: Entweder eine direk-
te Templatierung ¨
uber die lyotropen Phasen des Blockcopolymers zu monolithi-
schen Proben, oder ¨
uber eine F¨
allungsreaktion aus einer verd¨
unnten Blockcopo-
lymer L¨
osung zu pulverf¨
ormigen Produkten. Der erste Weg l¨
aßt sich durch zwei
14
2.2. Herstellung von SBA-15
verschiedene Ans¨
atze realisieren: einem direkten Einbau des Silikat-precursors in
das Blockcopolymer [Temp97], oder aber durch Hinzuf¨
ugen von Alkoxy-Silanen zu
einer Blockcopolymerl¨
osung [Atta95,G¨
olt97,Firo97,Melo99]. Bei beiden Ans¨
atzen
bleibt aber das Problem, daß das as synthesized Material bei der Kalzinierung
durch thermische Spannungen und das Verbrennen des organischen Templates
seine monolithische Struktur verliert. Dieses kann am einfachsten bei d¨
unnen
mesopor¨
osen Filmen verhindert werden, so daß man quasi-2D-Monolithe erh¨
alt
[Zhao98c].
F¨
ur den zweiten Weg wurde 1998 von Zhao et al. [Zhao98a,b] eine Synthese
mit Blockcopolymeren als Templatmolek¨
ul ver¨
offentlicht, wobei das hexagonal
strukturierte SBA-15 in den folgenden Jahren auf großes wissenschaftliches In-
teresse stieß. Es hat in vieler Hinsicht die gleichen Eigenschaften wie MCM-41
und l¨
aßt sich mit Porenweiten bis zu 10 nm synthetisieren. Infolge seiner dicke-
ren Porenw¨
ande weist es gegen Wasser eine h¨
ohere Stabilit¨
at als das MCM-41
auf. F¨
ur die Synthese werden technische Polyethylen-Polypropylen-Polyethylen
(PEO-PPO-PEO) Triblockcopolymere (Pluronics, BASF) verwendet. Bei dieser
Synthese wird eine stark saure (pH < 2) Blockcopolymer L¨
osung mit TEOS
versetzt. Das Produkt f¨
allt, abh¨
angig u.a. von der verwendeten S¨
aure, nach ei-
niger Zeit aus. Durch eine nachtr¨
agliche hydrothermale Behandlung der Reakti-
onsl¨
osung l¨
aßt sich zum einen der Ordnungsgrad des Materials verbessern und
zum anderen die Porenweite in einem gewissen Rahmen variieren.
Obwohl der mesoskopische Aufbau von SBA-15 bekannt ist, ist der mi-
kroskopische Aufbau noch nicht vollst¨
andig gekl¨
art. So ist unklar, ob die Po-
renw¨
ande von Mikroporen durchzogen sind [Kruk00,Miya00,Shin01,Ravik01],
oder ob es eine mikropor¨
ose Corona, d.h. eine Schicht geringerer Dichte, die zwi-
schen der leeren Pore und der Dichte des Wandmaterials außerhalb der Corona
(ρ2,2g/cm3)liegt, um die Mesopore herum gibt [Imp´e00]. Dieser mikrosko-
pische Aufbau kann einen wesentlichen Einfluß auf die Werte des spezifischen
Porenvolumens und der spezifischen Oberfl¨
ache haben.
In der ersten Ver¨
offentlichung zur Synthese von SBA-15 [Zhao98a,b] wurde
auch eine Vergr¨
oßerung der Porenweite durch Hinzuf¨
ugen eines ¨
Ols (TMB) be-
schrieben, wobei nach Angabe der Autoren abh¨
angig vom ¨
Olgehalt des Ansatzes
eine Porenweite bis 30 nm erreicht wird. In sp¨
ateren Ver¨
offentlichungen der Ar-
beitsgruppe von Stucky et al.[SchW99a,b,SchW00,Lett00] wurde allerdings mit
der gleichen Versuchsvorschrift durch den Zusatz von TMB ein ¨
Ubergang von der
15
2. Materialien
hexagoanalen Struktur zu einem mesozellularen Schaum beschrieben, der nach
dieser Untersuchung bei einem Massenverh¨
altnis ¨
Ol/Polymer von 0,2 bis 0,3 auf-
tritt. Die Synthese dieses Meso Cellular Foams ergibt ein hochpor¨
oses Material
mit verbundenen kugelf¨
ormigen Poren und einer Porenweite von bis zu 30 nm.
2.2.1. Eigene Synthesen
F¨
ur die Synthese der SBA-15 Materialien wurden zwei Pluronics Materialien,
P123 (EO20PO70EO20) und P103 (EO17PO54EO17)(BASF, Mt. Olive, NJ), be-
nutzt. In der nachfolgenden Tabelle 2.2 sind die Synthesebedingungen einer Pro-
benreihe zusammengefaßt. Entsprechende Angaben ¨
uber weitere durchgef¨
uhrte
Synthesen befinden sich im Anhang B.2. In der Bezeichnung des Ansatzes steht
der erste Buchstabe f¨
ur das verwendete Pluronic (P P123 und T P103)
und der zweite f¨
ur die verwendete S¨
aure (L: H2SO4, S: HCl, und P: H3PO4).
Die Wahl der S¨
aure hat dabei einen Einfluß auf die Reaktionsgeschwindigkeit
[Zhao98b]. Bei der Verwendung von HCl f¨
allt das Produkt am schnellsten aus,
bei H3PO4am langsamsten. Die Erfahrungen dieser Arbeit haben gezeigt, daß
mit H2SO4die bez¨
uglich des Ordnungsgrades besten Produkte (REM) erhalten
werden.
Die Durchf¨
uhrung der Reaktionen erfolgte wie bei den MCM-41 Synthesen in
thermostatisierbaren Glasreaktoren, bei denen das Reaktionsgemisch mit einem
Magnetr¨
uhrer ger¨
uhrt werden konnte. Dabei stehen T1/t1f¨
ur die Reaktionstem-
Tabelle 2.2.: Zusammenstellung der Synthesebedingungen f¨
ur die einzelnen Proben;
T1/t1: Reaktionstemperatur und Zeit; T2/t2: Temperatur und Zeit der hydrothermalen
Nachbehandlung.
PS-Ansatz: 4 g P123 + 19,6 ml 36%HCl + 105,3 ml H2O+ 9,2 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PS-A 35C 24h
PS-B 35C 20h + 3,5 ml TMB
PS-C 35C 24h 85C 24h
PS-D 35C 24h 82C 48h
PS-E 35C 12h 95C 12h
PS-F 40C 12h 95C 12h + 1 ml TMB
PS-G 50C 3h 95C 12h 6,4 mlH2SO4und 9,15 ml TEOS
PS-Z 37C 24h 55C 24h nicht ger¨
uhrt
16
2.2. Herstellung von SBA-15
Tabelle 2.3.: Charakterisierung verschiedener SBA-15 Materialien: w: Porenweite nach
Dollimore & Heal; p/p0: rel. Druck der Porenkondensationsstufe; d(100): Netzebenen-
abstand; vP: Porenvolumen; as: spezifische Oberfl¨
ache (BET)
w(p/p0)Ads. d(100) vPas
/nm /nm /cm3/g /m2/g
TS-D 4,4 0,502 7,21 0,596 762
TS-A 5,4 0,586 7,68 0,70 766
PS-Z 5,8 0,614 8,19 0,703 768
TS-B 6,7 0,664 8,05 0,869 761
PL-C 7,7 0,71 8,88 1,031 941
PLX-A 8,6 0,742 9,68 0,992 841
XL-C 8,9 0,75 9,59 1,06 750
PLU-E 9,4 0,764 9,83 0,947 786
SO-B 11,0 0,80 10,52 1,35 875
PS-G 11,7 0,812 10,62 1,52 909
peratur und die entsprechende Reaktionszeit, bei der die F¨
allungsreaktion im
ger¨
uhrten Gef¨
durchgef¨
uhrt wurden, T2/t2sind die entsprechenden Angaben,
bei der die L¨
osung mit dem gef¨
allten Produkt nach der Reaktion gehalten wur-
den. Durch die unterschiedlichen Synthesebedingungen, speziell die Synthesetem-
peratur und die hydrothermale Nachbehandlung, konnten hexagonal geordnete
Materialien mit mittleren Porenweiten von 4 nm bis 10 nm erhalten werden.
Die Aufarbeitung des as synthesized Materials verl¨
auft wie bei der MCM-
41 Synthese, mit der Ausnahme, daß bei der Kalzinierung nach dem Trocknen
bei 105C die Temperatur des Muffelofens f¨
ur 4 Stunden bei 180C gehalten
wurde, um das Blockcopolymer schonend, d. h. ohne daß es verbrennt, aus den
Poren zu entfernen. Dabei konnte auch keine Schw¨
arzung des Materials durch
die Verbrennungsprodukte des Tensides, wie bei der direkten Kalzinierung bei
550C, beobachtet werden.
In Tabelle 2.3 sind wichtige Charakteristika einer Reihe der im Rahmen die-
ser Arbeit synthetisierten Materialien, die bei den nachfolgenden Untersuchungen
benutzt wurden, zusammengefaßt. Eine ausf¨
uhrlichere Zusammenstellung aller
Meßdaten findet sich in den Tabellen C.1 bis C.4 im Anhang. Die Werte in Ta-
belle 2.3 sind Ergebnisse aus Stickstoff-Adsorption und R¨
ontgen-Streuung. Aus
den Adsorptionsdaten sieht man, daß das spezifische Porenvolumen der Materia-
lien mit steigender Porenweite zunimmt; die BET-Oberfl¨
ache liegt im Allgemei-
17
2. Materialien
nen zwischen 750 und 950 m2/g. Die gem¨
der R¨
ontgendiffraktion am besten
geordneten Materialien haben eine Porenweite zwischen 7,5 und 9,5 nm. Ver-
mutlich beruht dies auf der strukturverbessernden Wirkung der hydrothermalen
Nachbehandlung (siehe auch MCM-41). Die kleinerporigen SBA-15 Materialien
entstehen, wenn die Syntheseans¨
atze nicht hydrothermal nachbehandelt werden.
Sie haben einen etwas geringeren Ordnungsgrad. Bei SBA-15 Materialien mit Po-
renweiten ¨
uber 8,5 nm mußte die Synthesetemperatur erh¨
oht werden, was sich
offenbar ung¨
unstig auf die Struktur auswirkt.
Neben den normalen Ans¨
atzen wurden auch einige Synthesen mit ei-
nem Zusatz von Trimethylbenzol durchgef¨
uhrt. Bei einem Ansatz (PLX-D)
konnte dabei auch ein mesozellularer Schaum erhalten werden. Die Stickstoff-
Adsorptionsisotherme (Abb. 2.4 a)) weist auf eine hohe Porosit¨
at dieser Probe
hin; es ergibt sich ein spezifisches Porenvolumen vPvon 2,34 cm3/g und eine
relativ einheitliche Porenweite von ca. 30 nm, die sich aus dem steilen Anstieg
des Adsorptionsastes bei p/p00,95 ergibt. Die R¨
ontgen-Kleinwinkelstreukurve
dieses Materials (Abb. 2.4 b)) weist vier Maxima auf. Streukurven dieser Art sind
charakteristisch f¨
ur Systeme, die keine Fernordnung aufweisen, aber aus Elemen-
a) b)
Abbildung 2.4.: a) Stickstoff-Isotherme und b) R¨
ontgendiffraktogramm eines mesozellu-
laren Schaumes (MCF, PLX-D) (zu den Charakterisierungsmethoden siehe Abschnitt
2.4).
18
2.3. Oberfl¨
achenmodifikationen der Materialien
ten einheitlicher Gr¨
oße aufgebaut sind, wie z.B. Kugelmizellen in L¨
osung. In der
Streukurve spiegelt sich dann Formfaktor und Strukturfaktor dieser Elemente
wieder (siehe Kapitel 5). Im Hinblick auf die vier Maxima der Streukurve in Ab-
bildung 2.4 b) kann man von einem Material mit sehr einheitlichen Kugelporen
ausgehen. Die Struktur des Materials ist auch in den TEM-Aufnahmen (Abb. 2.5
a) und b)) gut zu erkennen. Die kugelf¨
ormigen Poren sind zwar nicht geordnet,
zeigen aber eine relativ einheitliche Porenweite von ca. 30 nm.
a) b)
Abbildung 2.5.: TEM Aufnahmen von Ultramikrotomschnitten einer MCF-Probe (PLX-
D) (zur Elektronenmikroskopie siehe Abschnitt 2.4.3).
2.3. Oberfl¨
achenmodifikationen der Materialien
F¨
ur Untersuchungen des Phasenverhaltens von Fluiden in Poren ist einerseits eine
enge Porenweitenverteilung, andererseits aber auch die Oberfl¨
achenbeschaffenheit
der Porenw¨
ande von besonderer Bedeutung. Die durch den Templatmechanismus
synthetisierten geordneten por¨
osen Materialien besitzen nach der Kalzinierung im
allgemeinen eine komplett mit Hydroxyl-Gruppen besetzte Oberfl¨
ache [Land97].
F¨
ur den Austausch der Hydroxyl-Protonen gegen Alkylsilane sind seit vielen
Jahren Austauschreaktionen bekannt, die bei der Beschichtungen von Siliziumwa-
fern zum Einsatz kommen (OTS-Methode)[Sagi80,Gun84,Maoz84], oder auch bei
der Beschichtung von S¨
aulenmaterial f¨
ur die HPLC benutzt werden [Hua92]. Als
19
2. Materialien
Reaktanden eignen sich vor allem Chlorsilane und Silazane, wobei Silazane un-
ter deutlich milderen Bedingungen reagieren [Anwa00]. Es wurde eine Bedeckung
der Oberfl¨
ache mit bis zu 1,9 Silylgruppen pro nm2gefunden [Zha98,Anwa00].
Br¨
uckenbildungen der Trimethylsilylgruppen mit benachbarten Hydroxylgruppen
der Oberfl¨
ache treten bei dem Ausheizen der Materialien erst bei Temperaturen
¨
uber 300C auf [Slav00].
Die meisten beschriebenen Reaktionen f¨
ur die hier verwendeten Substanzen
werden in organischen L¨
osungsmitteln durchgef¨
uhrt. Da die Materialien sehr fein-
pulvrig sind, ergibt sich hier das Problem, daß die Materialien nach der Reaktion
und dem Waschen des Produktes mehrfach abzentrifugiert werden m¨
ussen, und
damit zum einen der Aufwand und zum anderen der Verlust an Material relativ
hoch sind. Eine weitaus einfachere Methode ist das Einkondensieren des jewei-
ligen Reaktanden aus der Gasphase in die Poren und nachheriges Ausheizen im
Vakuum.
2.3.1. Eigene Synthesen
Um den Einfluß der Porenwand auf die Adsorption zu untersuchen, wurden die
Porenw¨
ande von Proben unterschiedlicher Porenweite mit verschiedenen Reagen-
zien chemisch modifiziert. Die dazu benutzte Beschichtungsapparatur ist in Ab-
bildung 2.6 skizziert. Das por¨
ose Material (ca. 1 g) wurde in ein Probengl¨
aschen
Abbildung 2.6.: Aufbau der Beschichtungsapparatur: 1. Probenglas; 2. R¨
ohrenofen; 3.
K¨
uhlfalle; 4. Glashahn; 5. Dosierventil; 6. Absperrventil; 7. ¨
Olpumpe; 8. Manometer.
20
2.3. Oberfl¨
achenmodifikationen der Materialien
abgef¨
ullt. Dieses wurde offen in den Glaskolben der Apparatur gestellt und bei
ca. 120C f¨
ur einige Stunden auf einen Druck von 103Torr evakuiert, um ad-
sorbiertes Wasser aus den Poren zu entfernen. Danach wurde der entsprechende
Reaktand in den Reaktionsraum getropft und von dort kondensierte er in den Me-
soporen des zu beschichtenden Materials. Bei Alkylchlorsilanen wurde der Kolben
f¨
ur ca. einen Tag bei 100C, bei Silazanen dagegen bei Raumtemperatur gehalten.
Danach wurde die nicht reagierte Fl¨
ussigkeit bei 120C und 103Torr ¨
uber eine
K¨
uhlfalle abgesaugt.
NMR-Untersuchungen ergaben, daß speziell die Reaktion mit Hexamethyldi-
silazan (HMDS, HN(Si(CH3)3)2) zu einem vollst¨
andigen Austausch der Protonen
gegen Trimethylsilylgruppen f¨
uhrte (siehe Abschnitt 2.4.5).
Einen weiteren Hinweis f¨
ur das Maß der Umsetzung der Hydroxylprotonen
mit dem entsprechenden Reagenz k¨
onnen die Stickstoff-Adsorptionsisothermen
liefern (Abb. 2.7). Bei der Auftragung der Isothermen sind die adsorbierten Men-
gen auf die Probenmasse bezogen, so daß bei einer zus¨
atzlichen Schicht an der
Wand das Verh¨
altnis von Porenvolumen zu Wandmaterial durch das zus¨
atzli-
che Wandmaterial und das verringerte Porenvolumen kleiner wird. Das spezi-
fische Porenvolumen der Proben erh¨
alt man aus dem Plateauwert der Isother-
Abbildung 2.7.: Vergleich der Stickstoff-Isotherme einer unbeschichteten SBA-15
Probe() mit den Isothermen der selben Proben, die mit verschiedenen Reagenzien um-
gesetzt wurden ( : nBu-SiCl3;: nBu-Si(CH3)2Cl; M: HMDS).
21
2. Materialien
men. Der Grad der Beschichtung kann somit an der Verringerung der adsor-
bierten Mengen der jeweiligen Proben abgelesen werden. Abbildung 2.7 zeigt
den Vergleich der Stickstoff-Isothermen einer unbeschichteten Probe mit drei un-
terschiedlich beschichteten Proben. Dabei ist zu erkennen, daß das Porenvolu-
men bei der mit n-Butyltrichlorsilan behandelten Probe nur wenig, bei der mit
n-Butyldimethylchlorsilan behandelten schon deutlicher und bei der mit Hexa-
methyldisilazan behandelten Probe am meisten abnimmt, obwohl man bei einer
vergleichbaren Umsetzungsrate wegen des l¨
angeren organischen Restes der Chlor-
silane dort die st¨
arkste Abnahme des Porenvolumens erwartet h¨
atte.
Auch die Verschiebung des relativen Druckes der Porenkondensationsstufe,
deren Lage ein Maß f¨
ur die Porenweite ist, deutet darauf hin, daß die Umsetzung
mit HMDS am gr¨
oßten ist, da hier die Stufe am st¨
arksten zu einem geringeren
Druck und damit zu einer kleineren mittleren Porenweite verschoben ist.
2.4. Charakterisierung der Materialien
Die synthetisierten und oberfl¨
achenmodifizierten Materialien wurden mit unter-
schiedlichen Methoden charakterisiert. In den Tabellen 2.1 und 2.3 wurden bereits
die wichtigsten Eigenschaften einiger Materialien zusammengefaßt. Im folgenden
werden die einzelnen Charakterisierungsmethoden mit einigen exemplarischen Er-
gebnissen ausf¨
uhrlicher vorgestellt.
2.4.1. Stickstoff-Adsorption
Die wichtigste Methode zur Charakterisierung mesopor¨
oser Substanzen ist die
Stickstoffadsorption bei 77 K. Die Aufnahme der Adsoptionsisothermen erfolgt
bei kommerziellen Ger¨
aten nach der gasvolumetrischen Methode. Dabei befin-
det sich die Probe in einem kleinen Kolben, der mit fl¨
ussigem Stickstoff gek¨
uhlt
wird. Die adsorbierte Menge Stickstoff wird ¨
uber die Abnahme des Druckes nach
dem Zudosieren von gasf¨
ormigem Stickstoff berechnet, oder alternativ aus dem
Volumen, das n¨
otig ist um auf einen eingestellten Druck zu gelangen, bestimmt.
Die Mengenangabe des adsorbierten Stickstoffs erfolgt bei dieser Methode meist
als Gasvolumen bei Standardbedingungen [cm3/g STP], d.h. Volumen des ad-
sorbierten Stickstoffs bei 293 K und 1 bar (STP Standard Temperature and
22
2.4. Charakterisierung der Materialien
Pressure).
Die Messung der meisten Isothermen (Abb. 2.8) wurde mit einem leicht
ver¨
anderten Ger¨
at Gemini 2375 (Micromeritics) durchgef¨
uhrt. Da das originale
Ger¨
at haupts¨
achlich zur Bestimmung der spezifischen Oberfl¨
ache vorgesehen ist,
ist es f¨
ur eine Meßdauer von nur wenigen Stunden ausgelegt. Deshalb ist auf die
Isolation des Dewar-Gef¨
aßes, in das die Meßr¨
ohrchen eintauchen, kein besonderer
Wert gelegt worden. Durch eine bessere Isolation des Deckels des Dewar-Gef¨
aßes
und 2 cm l¨
angere Probenr¨
ohrchen konnte die maximale Meßzeit des Ger¨
ates von
8 Stunden auf ca. 16 Stunden verl¨
angert werden, was f¨
ur die Aufnahme einer
vollst¨
andigen Isotherme im Mesoporenbereich im allgemeinen ausreichend ist.
Eine weitere Verl¨
angerung der Meßzeit w¨
are durch die Verwendung eines tiefe-
ren Dewars und noch l¨
angerer Probenr¨
ohrchen m¨
oglich. Der Ger¨
ateparameter
f¨
ur die Einstellung des Gleichgewichtes wurde bei den Messungen auf 5 Sekun-
den eingestellt, was sich als ausreichend erwies, da die Meßpunkte bei schritt-
weise zunehmendem und abnehmendem Druck außerhalb des Hysteresebereiches
zusammenfielen. Das Totvolumen der Apparatur wurde vor jeder Messung neu
a) b)
Abbildung 2.8.: Stickstoff-Isothermen einiger Proben von a) MCM-41 und b) SBA-
15. In den Abbildungen sind die einzelnen Isothermen um 150 bzw. 300 cm3/g STP
gegeneinander versetzt aufgetragen.
23
2. Materialien
bestimmt.
Ein Nachteil dieses Ger¨
ates ist, daß der Luftdruck, von dem die Siedetem-
peratur des Stickstoffs in dem Dewargef¨
abh¨
angt, nur zu Beginn der Messung
ermittelt wird, nicht aber bei jedem einzelnen Meßpunkt. Damit werden ¨
Ande-
rungen des ¨
außeren Luftdrucks, und damit des tats¨
achlichen S¨
attigungsdruckes
p0nicht ber¨
ucksichtigt. Da diese Schwankungen des Luftdruckes im Laufe einer
Messung (normalerweise ca. 12h) allerdings selten mehr als 3-4 mbar betragen,
liegt der Fehler des relativen Druckes meist unter 0,5 %.
Der gr¨
oßte Fehler, der sich auf die Meßergebnisse direkt auswirkt, ist der
Fehler der Einwaage der Silika-Probe. Da aufgrund des von diesem Meßger¨
at
bestimmbaren Maximalvolumens die Einwaage bei den verwendeten Substanzen
auf ca. 30 mg beschr¨
ankt ist und ein W¨
agefehler von ca. 0,3 mg anzunehmen ist,
liegt der Einwaagefehler im Prozentbereich. Des weiteren m durch Materialin-
homogenit¨
aten (z.B. nichtpor¨
ose Silika-K¨
orner) auch mit einem geringen Fehler
gerechnet werden, so daß alle auf die Masse des Adsorptionsmittels bezogenen
Gr¨
oßen einen relativen Fehler von bis zu 5 % aufweisen.
F¨
ur einige Substanzen konnten die mit dem Gemini-Meßger¨
at erhaltenen
Adsorptionsisothermen mit Messungen an anderen Ger¨
aten, ASAP 2010 (Mi-
cromeritics) und Sorptomatic 1900 (Carlos Erba), die an der Bundesanstalt f¨
ur
Materialpr¨
ufung (Berlin, Adlershof) vorgenommen wurden, verglichen werden.
Dabei zeigten sich Abweichungen bei den adsorbierten Volumina um einige Pro-
zent. Diese Abweichungen liegen innerhalb der Fehlergrenzen dieser Messungen.
spezifische Oberfl¨
ache as
Eine wichtige Kenngr¨
oße, die aus Stickstoffisothermen gewonnen wird, ist die
spezifische Oberfl¨
ache gem¨
der Isothermengleichung nach Brunauer, Emmett
und Teller [Bruna38,DIN66131], welche in folgender Form geschrieben werden
kann:
p/p0
n(1 p/p0)=1
nmC+C1
nmC(p/p0) (2.1)
Dabei bedeutet ndie adsorbierte Menge beim relativen Druck (p/p0), nmist
die Monoschicht-Kapazit¨
at und C eine Konstante. Bei einer Auftragung von
(p/p0)/(n(1 p/p0)) gegen (p/p0) k¨
onnen durch lineare Regression aus der Stei-
gung und dem Achsenabschnitt die Parameter nmund C bestimmt werden. Mit
24
2.4. Charakterisierung der Materialien
Hilfe der Querschnittsfl¨
ache σdes adsorbierten Gasmolek¨
uls kann aus der adsor-
bierten Menge auf die spezifische Fl¨
ache des Adsorbens zur¨
uckgeschlossen werden.
Der C-Wert gibt Auskunft ¨
uber die St¨
arke der Wechselwirkung zwischen
Gasmolek¨
ul und Porenwand: je gr¨
oßer C ist, desto h¨
oher ist die Adsorptionsener-
gie in der ersten adsorbierten Schicht in Bezug auf die Kondensationsenergie des
Adsorptivs. Dieses zeigt sich auch deutlich bei einem Vergleich der C-Werte aus
Isothermen von unbehandelten Silika-Materialien mit einer hydroxylierten Ober-
fl¨
ache mit Isothermen von Materialien mit HMDS beschichteter Oberfl¨
ache. Wie
in Tabelle 2.4 zu sehen ist, sind die C-Werte der beschichteten Proben um einen
Faktor 5 bis 10 kleiner als die der unbeschichteten Probe, was auf die schw¨
achere
Wechselwirkung der Stickstoffmolek¨
ule mit den Trimethylsilyl-Gruppen zur¨
uck-
zuf¨
uhren ist. Da die BET-Methode nur im Fall von hohen C-Werten verl¨
aßliche
Werte der spezifischen Oberfl¨
ache liefert, sind die as-Werte der beschichteten
Materialien mit einem großen systematischen Fehler behaftet.
Ein Problem bei der Bestimmung der tats¨
achlichen Oberfl¨
ache von Mate-
rialien mit der BET-Methode bildet der Einfluß von Mikroporen und der Ober-
fl¨
achenrauigkeit auf den Wert f¨
ur die Oberfl¨
ache. Beide Faktoren erh¨
ohen den
Wert f¨
ur die Oberfl¨
ache, was bei Berechnungen bez¨
uglich der Oberfl¨
ache von
Mesoporen beachtet werden muß. Es kann zwar mit Hilfe der t-plot Methode
(siehe z.B. [Roqu99] S.176ff) der Betrag der Mikroporen herausgerechnet wer-
den, der Betrag der BET Oberfl¨
ache bleibt aber eher eine Vergleichsgr¨
oße als
eine tas¨
achliche Gr¨
oßenangabe.
In dieser Arbeit wird bei der BET-Methode der Platzbedarf eines adsorbier-
ten Stickstoff-Molek¨
uls mit σ(N2) = 0,162 nm2angenommen. Der tats¨
achliche
Platzbedarf von Gasmolek¨
ulen auf Oberfl¨
achen h¨
angt allerdings vom Adsorbens
Tabelle 2.4.: Vergleich der C-Werte aus Stickstoff-Isothermen von nicht beschichteten
und beschichteten Materialien, w(D&H): Porenweite der nicht beschichteten Materia-
lien (siehe auch Tabelle C.4).
w(D&H) / nm C-Wert -OH C-Wert -HMDS
BG16D 3,3 119 9
TS-B 6,7 196 35
PS-E 7,5 405 40
PS-C 7,7 295 32
SO-B 11,0 170 27
25
2. Materialien
selbst ab, so daß ein Absolutwert nicht gegeben werden kann [McCl67]. So wurde
f¨
ur den Platzbedarf eines Stickstoffmolek¨
uls abweichend vom Standardwert auch-
der Wert σ(N2) = 0,135 nm2f¨
ur die hier verwendeten Materialien vorgeschlagen
[Luke99].
Porenweite w
Eine weitere wichtige Kenngr¨
oße por¨
oser Festk¨
orper ist die Porenweitenverteilung
des Materials. Es gibt mehrere Ans¨
atze zur Ermittlung der Porenweitenverteilung
aus den gemessenen Gasadsorptions-Isothermen. Neben der klassischen Metho-
de auf Basis der Kelvin-Gleichung sind dies vor allem die Potenzialtheorie von
Horvath und Kawazoe und die Dichte-Funktional Theorie.
Die Dichte-Funktional Theorie [Evan86b,Ravi01] basiert auf einer moleku-
laren Theorie der statistischen Thermodynamik. Dabei wird das Teilchenzahl-
Dichteprofil ρ(r) des adsorbierten Gases im Gleichgewicht gefunden, indem das
Minimum des Funktionals des großkanonischen Potenzials in Abh¨
angigkeit von
dem Dichteprofil ermittelt wird. Aus den erhaltenen Dichteprofilen des Gases f¨
ur
gegebene idealisierte Porengeometrien k¨
onnen Isothermen berechnet werden; man
erh¨
alt so f¨
ur jede Porenweite eine Modellisotherme. Experimentelle Isothermen
k¨
onnen nun durch Superposition von Modellisothermen simuliert werden, so daß
die Verteilungsfunktion der Porenweiten erhalten wird.
Die Horvath-Kawazoe Methode [Horv64] stellt die Wechselwirkung zwischen
Gas und Festk¨
orper in den Vordergrund. Durch Annahme eines 4-10 Potentials
zwischen Gas und Festk¨
orper erh¨
alt man f¨
ur verschiedene Porenweiten unter-
schiedliche rel. Dr¨
ucke der Kondensation. Obwohl urspr¨
unglich f¨
ur Kohlenstoff
Schlitzporen entwickelt, gibt es von Saito-Fowley auch eine Erweiterung f¨
ur die
Berechnung von Oxidischen Zylinderporen (Zeolithe) [Sait91]. Diese Methoden
sind prim¨
ar auf die Charakterisierung von Mikroporen beschr¨
ankt, werden aber
teilweise auch f¨
ur die Ermittlung der Porenweitenverteilung mesopor¨
oser Mate-
rialien herangezogen.
Die Kelvin-Gleichung bildet die Grunglage des am h¨
aufigsten gebrauchten
Formalismus zur Bestimmung der Porenweitenverteilung mesopor¨
oser Materiali-
en. Nach der Kelvin-Gleichung h¨
angt der Quotient von Porenkondensations- und
26
2.4. Charakterisierung der Materialien
S¨
attigungsdruck vom mittleren Kr¨
ummungsradius des Fl¨
ussigkeitsmeniskus in
der Pore ab. Neben der Porenweite und Porengeometrie h¨
angt der relative Poren-
kondensationsdruck (p/p0)pc auch von der Temperatur und der Oberfl¨
achenspan-
nung σ, dem Molvolumen des fl¨
ussigen Adsorptivs vmund dem Kontaktwinkel ϑ
des Porenfluids an der Porenwand ab. F¨
ur zylinderf¨
ormige Poren mit Porenradius
rKgilt:
RT ln p
p0pc
=2γ vmcos ϑ
rK
(2.2)
F¨
ur Stickstoff bei 77 K ergibt sich mit γ= 8,85 mN/m,Vm= 34,71 cm3/mol
[Roqu99] unter der Voraussetzung der vollst¨
andigen Benetzung (cos ϑ= 1) der
sogenannte Kelvin-Radius:
rK/nm =0,415
log(p/p0)pc
(2.3)
Zu dem Kelvin-Radius rKm noch die Schichtdicke tades an den Porenw¨
anden
adsorbierten Gases hinzugerechnet werden, um zur tats¨
achlichen Porenweite zu
gelangen. Bez¨
uglich der Ermittlung dieser Schichtdicke unterscheiden sich nun
die verschiedenen Ans¨
atze zur Bestimmung der Porenweite. Je nachdem, ob ta
nach der Frenkel-Halsey-Hill Gleichung [Doll64] oder der Harkins-Jura Gleichung
[Hark43,44] ermittelt wird, kann sich die ermittelte Porenweite um einige Zehntel
Nanometer ver¨
andern (siehe Abbildung 2.9).
F¨
ur Poren ¨
uber 4 nm Weite, bei welchen man das Auftreten der Sorptionshys-
terese findet, ist es entscheidend, ob der Adsorptionsast oder der Desorptionsast
zur Bestimmung der Porenweite herangezogen wird. Allgemein ¨
ublich zur Be-
stimmung der Porenweite (und auch in einer DIN Norm [DIN 66134] festgelegt)
ist die Methode von Barret, Joyner und Halender (BJH Modell [Barr51]). Ob-
wohl sie einen zu geringen Wert f¨
ur die Porenweite angibt, hat sich ihr Gebrauch
als Industrienorm und Vergleichswert f¨
ur technische Produkte bew¨
ahrt. Realisti-
schere Modelle stammen von Dollimore & Heal [Doll64] und Broekhoff & de Boer
[Brok65], wobei Letzteres auch die Abh¨
angigkeit der Kr¨
ummng der Porenw¨
ande
bei der adsorbierten Schicht mit ber¨
ucksichtigt. Kruk et al. [Kruk97] unternah-
men den Versuch, die Kelvin-Gleichung mittels der Adsorptionsdaten verschie-
dener MCM-41 Materialien an aus der R¨
ontgenstruktur berechnete Porenweiten
anzupassen. Mit Hilfe des Netzebenenabstandes d100, dem Mesoporenvolumen vp
und der Dichte des Wandmaterials ρwerh¨
alt man aus einer rein geometrischen
27
2. Materialien
Betrachtung f¨
ur die Porenweite:
wd=s8
3πd100 rρwvp
1 + ρwvp
(2.4)
Ein Vergleich der so erhaltenen Porenweiten mit den relativen Dr¨
ucken der Stick-
stoffadsorption f¨
uhrte zu einem zus¨
atzlichen Korrekturterm von 0,3 nm. Damit
erh¨
alt man die Porenweite rPaus der Beziehung rP=rK+ta+ 0,3nm. Dieser
Formalismus f¨
uhrt in der vorliegenden Arbeit bei sehr weitporigen SBA-15 Ma-
terialien (PS-G) allerdings zu Werten f¨
ur die Porenweite, die im Widerspruch zu
den vorhandenen R¨
ontgendaten stehen, so daß diese Gleichung nur in dem sehr
begrenzten Bereich, in dem sie an gemessenen Isothermen angepaßt wurde (w=
3 bis 6 nm), sinnvolle Ergebnisse liefert.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß es gerade im Hinblick auf die neuen
geordneten mesopor¨
osen Materialien keine einheitliche Methode zur Ermittlung
einer korrekten Porenweite gibt. Entscheidend f¨
ur die Angabe der Porenweite ist
auf jeden Fall das zur Bestimmung zugrunde liegende Modell. Ohne Angabe des
benutzten Modells ist eine Angabe der Porenweite wenig aussagekr¨
aftig. Alle in
dieser Arbeit verwendeten Porenweiten sind nach dem Modell von Dollimore &
Abbildung 2.9.: Vergleich der unterschiedlichen t-Schichtmodelle: Schichtdicken in
Abh¨
angigkeit vom relativen Druck. Es zeigt sich ein Unterschied von ca. 0,2 nm ¨
uber
den gesamten Druckbereich zwischen maximaler und minimaler Schichtdicke.
28
2.4. Charakterisierung der Materialien
Heal aus dem Adsorptionsast der N2-Isothermen bestimmt. F¨
ur die verwendeten
Materialien liefert dieses Modell die realistischsten Werte der Porenweite im Ver-
gleich zu den geometrischen Parametern, wie sie aus der R¨
ontgenbeugung und
Elektronenmikroskopie erhalten werden. Der Desorptionsast der Isothermen ist
nicht geeignet zur Bestimmung von Porenweiten, da er f¨
ur Porenweiten von 4 -
5 nm eine Unstetigkeit aufweist, d.h. f¨
ur unterschiedliche Adsorptions¨
aste ist der
Desorptionsast der Isothermen absolut identisch. Unterhalb einer Porenweite von
ca. 3 nm geben alle Modelle zu weite Porenweitenverteilungen, da Stickstoff bei
77 K in solch engen Poren ¨
uberkritisch ist, d.h. auch einheitliche Poren w¨
urden
keine steile Isotherme geben (siehe Kapitel 3).
spezifisches Porenvolumen vp
Bei Sorptionsisothermen, die oberhalb der Porenkondensationsstufe eine konstan-
te Beladung zeigen, kann das spezifische Porenvolumen direkt aus der Stickstoff-
Isotherme bei einem relativen Druck nahe 1 bestimmt werden. ¨
Uber einen soge-
nannten conversion factor (mit ρ(liq.N2) = 808,6kg/m3ist dieser 1,5468×103)
kann die adsorbierte Gasmenge in ein Fl¨
ussigkeitsvolumen umgerechnet werden.
vp/cm3/g =vp(STP)×1,5468 ×103(2.5)
In der Regel erh¨
alt man damit f¨
ur verschiedene Fluide ein gut ¨
ubereinstimmen-
des Porenvolumen. Bei dem Auftreten von Mikroporen k¨
onnen allerdings erheb-
liche Differenzen in Abh¨
angigkeit von der Molek¨
ulgr¨
oße des Fluides auftreten
([Rouq99] S.197). Eine dem spezifischen Porenvolumen vp¨
aquivalente Angabe ist
die Porosit¨
at ε. Sie ist definiert als:
ε=vp
vp+vs(2.6)
mit dem spezifischen Volumen des Festk¨
orpers vs. Mit einer mittleren Dichte von
2,2 g/cm3f¨
ur das Silikat-Ger¨
ust der synthetisierten Materialien (s.u.) ergeben
sich damit Porosit¨
aten von ε= 0,52 f¨
ur ein Porenvolumen von Vp= 0,5 cm3/g,
ε= 0,69 f¨
ur vp= 1 cm3/g und ε= 0,76 f¨
ur vp= 1,5 cm3/g.
2.4.2. Ger¨
ustdichte-Bestimmung
F¨
ur die gravimetrische Messung von Adsorptionsisothermen bei erh¨
ohten Gas-
dichten ist die Ger¨
ustdichte der verwendeten mesopor¨
osen Materialien von erheb-
29
2. Materialien
licher Bedeutung zur Ermittlung des Auftriebes der Probe im Meßgas. Messungen
der Ger¨
ustdichte der hier hergestellten Materialien wurden von M. Thommes (Fa.
Quantachrome/Odelshausen) und von D. Engke, Universit¨
at Halle (Ultrapykno-
meter, Micromeritics) an normalen und modifizierten Materialien durchgef¨
uhrt.
In beiden F¨
allen wurde die Ger¨
ustdichte durch die Verdr¨
angung von Helium durch
das Ger¨
ustmaterial bestimmt.
Die mit dieser Methode erhaltenen Ger¨
ustdichten sind in Tabelle 2.5 zusam-
mengefaßt. Generell wurden f¨
ur die MCM-41 Materialien (ρw=2,30 ±0,05 g/cm3)
etwas h¨
ohere Dichten gefunden als f¨
ur die SBA-15 Materialien (ρw=2,16 ±0,03
g/cm3). Dieser Unterschied kann vielleicht damit zusammenh¨
angen, daß SBA-15
Materialien im Vergleich zu den MCM-41 Materialien dickere Porenw¨
ande be-
sitzen, da durch die d¨
unnen W¨
ande des MCM-41 keine nicht dichte Struktur
gebildet werden kann.
F¨
ur je eine mit HMDS beschichtete Probe von MCM-41 und SBA-15 wur-
de eine Dichte von ca. 1,86 g/cm3gefunden (PLU-B/HMDS: 1,8615 g/cm3und
C14A/HMDS: 1,8620 g/cm3). Die Dichte der beschichteten Materialien h¨
angt
direkt von der Gr¨
oße und chemischen Natur der Oberfl¨
ache der unbehandelten
Materialien ab. Da die Oberfl¨
ache von unbehandelten Silika-Materialien einheit-
lich mit Hydroxyl-Gruppen besetzt ist, die alle frei zug¨
anglich sind [Land97], wird
das Ger¨
ustmaterial mit einer definierten Schicht geringerer Dichte (Trimethylsi-
lyl) versehen. Bei gleich großer Oberfl¨
ache, wie im Fall von PLU-B (840 m2/g und
C14A (856 m2/g), sollte sich unabh¨
angig von der Porenweite auch eine gleiche
Dichte bei den beschichteten Materialien ergeben. Da alle synthetisierten Mate-
Tabelle 2.5.: Ger¨
ustdichten nicht beschichteter und beschichteter Proben, w(D&H): Po-
renweite; ρw: Ger¨
ustdichte; δρw: Standardabweichung.
w(D&H) ρwδρw
nm g/cm3g/cm3
C14A 2,9 2,3408 0,0031
BG16C 3,3 2,2486 0,0037
PLU-B 8,6 2,1542 0,0072
PLU-E (1. Messung) 9,4 2,1941 0,0022
PLU-E (2. Messung) 9,4 2,1544 0,0042
SO-B 11,0 2,1523 0,0144
C14A-HMDS 2,4 1,8620 0,0030
PLU-B-HMDS 1,8615 0,0029
30
2.4. Charakterisierung der Materialien
rialien erstaunlicherweise eine recht ¨
ahnliche spezifische Oberfl¨
ache von ca. 850
m2/g mit Abweichungen von nur ±20% haben, k¨
onnen also diese beiden Werte
als mittlere Dichte der mit HMDS beschichteten Proben angenommen werden.
2.4.3. Elektronenmikroskopie
Eine wichtige Charakterisierungsmethode, gerade im Bezug auf die geordneten
mesopor¨
osen Materialien, ist die Elektronenmikroskopie. Dabei liefert die Trans-
missionselektronenmikroskopie direkte Abbildungen der Poren und deren Anord-
nung zueinander (z.B. [Zhou98]) und die Rasterelektronenmikroskopie direkte
Abbildungen der Partikeloberfl¨
achen (z.B. [Sch¨
u98]), so daß Korn- und Dom¨
anen-
gr¨
oßen und Porenl¨
ange abgesch¨
atzt werden k¨
onnen.
Die in dieser Arbeit gezeigten rasterelektronenmikroskopischen Aufnahmen
(REM) wurden mit einem hochaufl¨
osenden Feldemissionsmikroskop (S4000, Hi-
tachi) an der TU Berlin (U. Gernert/Zelmi) gemacht. Die feinpulvrigen Proben
wurden direkt auf eine selbstklebende Kohlenstofffolie gestreut und ohne weitere
Vorbehandlung (sputtern) in den Probenraum des Mikroskops gebracht. Bei ei-
ner Beschleunigungsspannung von 10 kV und 20 kV konnten so Bilder mit bis zu
300.000-facher Vergr¨
oßerung erhalten werden.
Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahmen (TEM) von drei Proben
(BG16C, PLX-A und PLX-D) und die daf¨
ur notwendige Probenvorbereitung wur-
den von M. Dreja (Henkel KGAA, D¨
usseldorf) zur Verf¨
ugung gestellt. Die pul-
verf¨
ormigen Proben wurden in einem Kunstharz (Agar 100-Kit, Plano) eingebet-
tet, mit einem Ultramikrotom zu d¨
unnen Scheibchen (einige 10 nm) geschnitten
und auf Kupfer-Grids abgelegt. Die Aufnahmen wurden mit einem CM 12 Ger¨
at
(Philips) mit einer Beschleunigungsspannung von 120 kV aufgenommen.
In Abbildung 2.10 sind TEM-Aufnahmen je einer MCM-41 und einer SBA-15
Probe zusammengefaßt. Die Bilder zeigen jeweils Schnitte senkrecht zur Poren-
achse, so daß die wabenartigen Muster der hexagonal angeordneten Poren zu
erkennen sind. Die aus der Aufnahme abgesch¨
atzte Porenweite von 3 nm stimmt
mit der aus der Gasadsorption erhaltenen von 3,3 nm gut ¨
uberein. Die beiden un-
teren Bilder der Abb.: 2.10 zeigen die Porenstruktur der SBA-15 Probe. Deutlich
erkennbar sind die sehr viel dickeren Porenw¨
ande im Vergleich zu der MCM-41
Probe. Genaue Bestimmungen der Porenwanddicke und der Porenweite sind mit
dieser Methode aber nicht m¨
oglich, da die Dicke der durchstrahlten Probe sehr
31
2. Materialien
viel gr¨
oßer als die Porenweite ist. Bei einer leichten Kippung der Porenachse gegen
den Elektronenstrahl erscheint eine zu dicke Porenwand.
In Abbildung 2.11 sind REM-Aufnahmen zweier MCM-41 Proben zusam-
mengefaßt. Die hochaufgel¨
osten Bilder a) und b) zeigen die Morphologie des
Materials. Es lassen sich teilweise hexagonale Querschnitte erkennen, die auf die
regelm¨
aßige Anordnung der Poren in dieser Ebene zur¨
uckzuf¨
uhren sind. In die-
sem Fall entspricht die Dom¨
anengr¨
oße der geordneten Bereiche somit dem Quer-
schnitt der Teilchen (bis zu 1 µm), was bedeutet, daß ca. 50.000 Poren parallel
a) b)
c) d)
Abbildung 2.10.: TEM Abbildungen einer MCM-41 Probe (BG16C) (Abb. a) und b))
und einer SBA-15 Probe (PLX-A) (Abb. c) und d)).
32
2.4. Charakterisierung der Materialien
geb¨
undelt verlaufen. Aus den unteren beiden Abbildungen l¨
aßt sich die L¨
ange
der Poren absch¨
atzen, man kann mehrere µm lange 2D-Kristallite erkennen, die
nur schwach gekr¨
ummt an der Kohlenstofffolie haften.
In Abbildung 2.12 sind vier REM-Aufnahmen einer SBA-15 Probe gezeigt,
die fortlaufend von a) nach d) einen Zoom zeigen, wobei jeweils ein vergr¨
oßerter
Ausschnitt der vorherigen Abbildung dargestellt ist. Bild a) zeigt eine ¨
Ubersicht,
man kann auch hier l¨
angliche nadelartige Gebilde mit mehreren µm L¨
ange erken-
nen. Bild b) zeigt einige solcher Kristallite etwas gr¨
oßer, es l¨
aßt sich wiederum
a) b)
c) d)
Abbildung 2.11.: REM Abbildungen zweier MCM-41 Proben (BG16C a) und b),
BGX16A c) und d)).
33
2. Materialien
ein hexagonaler Querschnitte der Partikel erkennen und glatte Fl¨
achen an der
Außenwand, die in Bild c) einen streifenartigen Verlauf senkrecht zur hexago-
nalen Querschnitsfl¨
ache zeigen. In Bild d) sind schließlich in der oberen Ecke
einige Poren¨
offnungen mit hexagonaler Anordnung zu sehen. Die Dom¨
anengr¨
oße
der geordneten Bereiche entspricht auch hier der gesamten Querschnittsfl¨
ache der
Teilchen und betr¨
agt in diesem Fall ca. 0,5 µm, so daß ca. 2000 Poren parallel
geb¨
undelt verlaufen. Infolge der gr¨
oßeren Porenweite im Vergleich zum MCM-41
sind hier also bei gleicher Korngr¨
oße deutlich weniger Poren parallel angeordnet.
Neben der Dom¨
anengr¨
oße l¨
aßt sich auch hier die Porenl¨
ange absch¨
atzen. Es
a) b)
c) d)
Abbildung 2.12.: REM Abbildungen einer SBA-15 Probe (PLX-A).
34
2.4. Charakterisierung der Materialien
Abbildung 2.13.: REM-Aufnahme einer gesputterten SBA-15 Probe, man kann die auf
der Oberfl¨
ache abgeschiedenen Metallpartikel erkennen, die durch ihre streifenf¨
ormige
Anordnung auf eine Strukturierung der Oberfl¨
ache schließen lassen.
ist anzunehmen, daß die Poren in den Bereichen der Kristallite ohne Knick oder
starker Kr¨
ummung durchgehend verlaufen, und somit die Porenl¨
ange im µm-
Bereich liegt. Einen eindeutigen Nachweis der Struktur der ¨
außeren Oberfl¨
ache
der Partikel kann die REM nicht erbringen, da die bildgebenden Sekund¨
arelek-
tronen auch aus tieferliegenden Materialschichten stammen k¨
onnen und somit
die in Bild 2.12 c) und d) erkennbaren Streifen nicht eindeutig gedeutet werden
k¨
onnen. Die in Abbildung 2.13 dargestellte Aufnahme zeigt eine gesputterte Pro-
be (auf der Oberfl¨
ache abgeschiedener Metalldampf). Hier kann die Anordnung
des abgeschiedenen Metalls, das ein gleiches Streifenmuster wie Bild 2.12 c) zeigt,
ein Hinweis darauf sein, daß auch die ¨
außere Oberfl¨
ache der Kristallite durch die
Anlagerung von Mizellen, die nicht vollst¨
andig von ortho-Silikat umgeben sind,
w¨
ahrend der Synthese strukturiert wird.
35
2. Materialien
2.4.4. R¨
ontgendiffraktometrie
Eine Besonderheit der geordneten mesopor¨
osen Substanzen gegen¨
uber ungeord-
neten Materialien ist die M¨
oglichkeit der Charakterisierung durch R¨
ontgendif-
fraktometrie. Dabei ist hervorzuheben, daß die Materialien auf atomarer Ebene
amorph sind und die beobachtbaren Bragg-Reflexe von der vorhandenen ¨
Uber-
struktur erzeugt werden.
Die R¨
ontgendiffraktogramme wurden mit einer Kratky-Kamera aufgenom-
men, die f¨
ur Streuuntersuchung im Kleinwinkelbereich konstruiert ist. Dies ist
speziell bei den weitporigen SBA-15 Materialien von Vorteil, da dort wegen der
großen Netzebenenabst¨
ande der erste Bragg-Reflex bei Winkeln von <1auf-
tritt. F¨
ur die Untersuchung wurden die feinpulvrigen Materialien leicht gem¨
orsert
und in Mark-R¨
ohrchen mit 1 mm Innendurchmesser eingef¨
ullt. Die verwendete
CuKα-Strahlung wurde durch eine Nickel-Folie monochromatisiert und vor den
a) b)
Abbildung 2.14.: R¨
ontgendiffraktogramme einiger a) MCM-41 (a BGX18A, b
BGX16C(25), c BG14A) und b) SBA-15 Proben (d PS-G, e PLU-E, f TS-C, g TS-B).
In den einzelnen Abbildungen sind die Diffraktogramme gegeneinander verschoben.
36
2.4. Charakterisierung der Materialien
Probenhalter wurde eine Bleiblende geschoben, so daß nur ca. 2 mm des R¨
ohr-
chens im Strahl lagen. Die Blende bewirkt eine gewisse Entschmierung der Streu-
kurve, so daß die auftretenden Bragg-Reflexe deutlicher zu beobachten sind.
In Abbildung 2.14 sind R¨
ontgendiffraktogramme einiger ausgew¨
ahlter Pro-
ben gezeigt. In Bild (a) sind Diffraktogramme von drei MCM-41 Proben dar-
gestellt, die mit C14TAB, C16TAB bzw. C18TAB als Templatmolek¨
ul hergestellt
wurden (siehe Tab. 2.1). Man kann deutlich je f¨
unf Bragg-Reflexe erkennen, die
einem hexagonalen 2-dimensionalen Gitter zugeordnet werden k¨
onnen. Mit zu-
nehmender L¨
ange der Alkylketten wird auch der Netzebenenabstand gr¨
oßer. Mit
C16TAB templatierte Proben zeigen dabei die am deutlichsten ausgepr¨
agten Dif-
fraktogramme. Bei der Verwendung von C12TAB als Templat kann man im Dif-
fraktogramm nur noch drei Reflexe beobachten, bei C10TAB zeigt sich nur noch
ein breiter Korrelationspeak, aus dem somit nicht mehr auf eine hexagonale Ord-
nung geschlossen werden kann. In Bild 2.14 (b) sind die Diffraktogramme einiger
SBA-15 Proben dargestellt. Bei einigen gut geordneten Proben lassen sich auch
hier f¨
unf Bragg-Reflexe erkennen, die hexagonal zugeordnet werden k¨
onnen. Die
etwas schw¨
acheren Intensit¨
aten der Peaks lassen sich zum einen mit der gerin-
geren Dom¨
anengr¨
oße begr¨
unden (siehe Abschnitt 2.4.3), da diese bei gleicher
Kristallitgr¨
oße nur ca. ein Viertel der Poren enthalten. Zum anderen ist die ge-
ringere Intensit¨
at mit der etwas rauheren Oberfl¨
ache bei den SBA-15 Materialien
zu begr¨
unden (Abschnitt 2.4.5, Abb. 2.17 und Abb. 2.18). Des weiteren hat auch
noch die Verteilung der Materie in der Elementarzelle einen Einfluß auf die In-
tensit¨
aten der einzelnen Bragg-Reflexe (siehe Kapitel 5).
2.4.5. Kernspinresonanz
Eine wichtige Charakterisierungsmethode bez¨
uglich der Modifizierung der Poren-
oberfl¨
achen mit organischen Reagenzien und der Struktur der Porenw¨
ande ist die
Festk¨
orper-NMR-Spektroskopie. Mit Hilfe der 29Si-NMR l¨
aßt sich die Koordina-
tion der Si-Atome in den Porenw¨
anden bestimmen. Durch 1H-NMR lassen sich
die Hydroxyl-Gruppen und die organischen Reste, die durch Austausch der Ober-
fl¨
achen Hydroxyl-Gruppen an die Porenw¨
ande gebunden wurden, nachweisen und
der Grad der Umsetzung der Hydroxyl-Gruppen mit siliziumorganischen Verbin-
dungen absch¨
atzen. Bei Untersuchungen zur Dynamik von Pyridin-Molek¨
ulen in
den Porensystemen l¨
aßt sich eine Aussage ¨
uber die Oberfl¨
achenbeschaffenheit
37
2. Materialien
der Porenw¨
ande machen. Alle NMR-Untersuchungen wurden in Zusammenar-
beit mit dem Arbeitskreis Limbach/Buntkowsky (FU Berlin) mit einem MSL300
Festk¨
orper-NMR (Bruker) durchgef¨
uhrt [Geda01].
1H-NMR
In Abbildung 2.15 sind die 1H-NMR-Spektren einer mit unterschiedlichen Rea-
genzien behandelten SBA-15 Probe zu sehen. Die einzelnen Spektren zeigen bei
einer MAS-Frequenz von 11 kHz eine recht gute Aufl¨
osung der unterschiedlichen
Protonen. Das obere Spektrum in Abb. 2.15 a) zeigt das unbehandelte Aus-
gangsmaterial, die chemische Verschiebung der Hydroxyl-Protonen betr¨
agt ca.
1,8 ppm. Das obere Spektrum in Abbildung 2.15 b) zeigt die mit HMDS be-
handelte Probe. Hier ist kein Peak bei 1,8 ppm vorhanden, daf¨
ur aber ein großes
Signal bei -0,2 ppm, welches den Protonen der Trimethylsilyl-Gruppe zuzuordnen
ist. Es hat somit eine praktisch vollst¨
andige Umsetzung der Hydroxyl-Gruppen
stattgefunden. Bei allen anderen Spektren sind neben den Protonen der Alkyl-
Gruppen auch noch Hydroxyl-Protonen zu erkennen, wobei man feststellen kann,
daß Monochlorsilane eine bessere Umsetzung ergeben als Dichlorsilane, und diese
wiederum besser als Trichlorsilane reagieren.
a) b)
Abbildung 2.15.: 1H-MAS-Spektren unterschiedlich modifizierter SBA-15 Probe, es sind
deutlich die unterschiedlichen chemischen Verschiebungen der jeweiligen Protonen zu
erkennen. Die senkrechten gestrichelten Linien markieren die Position der Silanollinie.
38
2.4. Charakterisierung der Materialien
29Si-NMR
In Abbildung 2.16 sind 29Si-NMR Spektren des Silikat-Ger¨
ustes von MCM-41
und SBA-15 gezeigt. Die Bezeichnungen Q2, Q3und Q4[Melo99] zeigen da-
bei die Koordinierung der Silizium-Atome an. Q4steht f¨
ur Silizium-Atome, die
¨
uber Sauerstoff-Atome mit vier weiteren Silizium-Atomen verbunden sind, d.h.
diese Atome befinden sich mitten in der Silikat-Wand. Q3-Atome besitzen eine
Hydroxyl-Gruppe und liegen damit an der Porenwand. Q2-Atome besitzen zwei
Hydroxyl-Gruppen und k¨
onnen somit nicht in einer ebenen Porenwand liegen,
sonder m¨
ussen am Rand von Stufen innerhalb der Porenwand liegen (siehe auch
Abb.2.18 b)). F¨
ur ein Silika-Material mit einer vollst¨
andig mit Hydroxyl-Gruppen
bedeckten Oberfl¨
ache und ebenen Porenw¨
anden w¨
urde man nur Q3und Q4Ato-
me erwarten.
Abbildung 2.16 zeigt, daß bei den beiden MCM-41 Proben nur sehr wenige
Q2-Atome vorhanden sind, und somit die Porenoberfl¨
ache der Proben vergleichs-
weise glatt sein muß. Bei der SBA-15 Probe hingegen sieht man einen deutlich
h¨
oheren Anteil an Q2-Atomen und kann damit auch auf eine unebene Porenober-
Abbildung 2.16.: Festk¨
orper {1H}-29Si CP/MAS Spektren zweier (MCM-41)Proben und
einer (SBA-15) Probe bei Raumtemperatur.
39
2. Materialien
fl¨
ache schließen. Die Intensit¨
aten der einzelnen Peaks sind allerdings nicht direkt
proportional zur Zahl der vorhandenen Atome, so daß sich keine direkte Aussage
zu den prozentualen Verteilung der Silizium-Atome machen l¨
aßt.
15N-NMR (Dynamik von Pyridin)
Auch aus 15N-NMR-Messungen zur Dynamik von an der Porenoberfl¨
ache adsor-
bierten Pyridinmolek¨
ulen kann auf die Beschaffenheit der Porenoberfl¨
ache ge-
schlossen werden [Shen01].
Pyridin-Molek¨
ule werden an die Oberfl¨
ache ¨
uber Wasserstoffbr¨
ucken (Si-O-
H···N(Py)) gebunden. Die Orientierung wird durch die N-H-Wasserstoffbr¨
ucke
bestimmt, die sich zwischen den Hydroxylgruppen der Oberfl¨
achen und dem Ring-
stickstoff des Pyridins ausbilden. Wie in Abbildung 2.17 (a) dargestellt, k¨
onnen
die Pyridin-OH-Wasserstoffbr¨
ucken auf einer glatten Oberfl¨
ache nur einen einge-
schr¨
ankten Winkelbereich zur Oberfl¨
achennormalen einnehmen. Wenn die Ober-
fl¨
ache rauh ist und Siliziumoxid-Inseln oder Stufen auftreten (siehe Abb. 2.18
(b)), k¨
onnen die an eine der beiden Hydroxylgruppen der Q2-Silizumatome ge-
bundenen Pyridinmolek¨
ule praktisch parallel zur Oberfl¨
ache liegen und damit
Abbildung 2.17.: 15N-NMR von Pyridin in Mesoporen: Isotrope chemische Verschiebung
in SBA-15 Materialien, anisotrope chemische Verschiebung in MCM-41 Materialien
40
2.4. Charakterisierung der Materialien
alle Raumwinkel einnehmen.
Wenn das Pyridinmolek¨
ul auf der Oberfl¨
ache s¨
amtliche Orientierungen an-
nehmen kann, ist die chemische Verschiebung des 15N-Kerns im Mittel isotrop,
so daß das statische NMR-Spektrum einen symmetrischen Peak zeigt. Im Gegen-
satz dazu ist die chemische Verschiebung von adsorbierten Molek¨
ulen anisotrop,
wenn diese nicht jede Richtung einnehmen k¨
onnen. Im statischen Spektrum ist
in diesem Fall ein unsymmetrischer Peak zu sehen.
Die Spektren einiger SBA-15 und MCM-41 Proben sind in Abbildung 2.17
gezeigt. Die isotrope Verteilung der beiden oberen Spektren geh¨
oren zu SBA-
15 Proben, hier liegt dementsprechend eine rauhe Porenoberfl¨
ache vor. Die drei
unteren Spektren von MCM-41 zeigen eine deutliche Anisotropie und besitzen
damit auch eine relativ ebene Porenoberfl¨
ache, die allerdings bei der mittleren
Probe (mit C18TAB templatiert) nicht mehr ideal ist, da neben dem anisotropen
auch ein isotroper Anteil in dem auftretenden Peak beobachtet werden kann.
Diese Beschreibung der Oberfl¨
ache wird auch durch die 29Si-NMR Messun-
gen des vorangegangenen Absatzes best¨
atigt, die nur bei den SBA-15 Proben
Abbildung 2.18.: Orientierung der Pyridinmolek¨
ule an einer ebenen Porenwand a)
(MCM-41) und an einer rauhen Porenwand b) (SBA-15).
41
2. Materialien
einen deutlichen Q2-Silizium Peak zeigten. Dies best¨
atigt, daß die 15N-NMR ei-
ne gute Meßmethode zur Bestimmung der Oberfl¨
achenrauhigkeit in mesopor¨
osen
Silikaten ist.
2.4.6. Thermogravimetrie
Eine f¨
ur die Handhabung von beschichteten Materialien (z. B. Ausheizen) wichti-
ge Eigenschaft ist die thermische Stabilit¨
at der Beschichtung. Mit einer in der Ar-
beitsgruppe Sch¨
ollhorn (TU Berlin) verf¨
ugbaren Simultanen Thermoanalysenap-
paratur STA 409 (Netzsch) wurde der Gewichtsverlust einer mit HMDS beschich-
tete SBA-15 Probe in normaler Luft und unter Schutzgas in Abh¨
angigkeit von
der Temperatur untersucht. Die TG-Messungen (Abb. 2.19) zeigen eine erstaun-
liche Temperaturstabilit¨
at der mit HMDS beschichteten Probe. Unter normaler
Atmosph¨
are (Luft) beginnt eine Zersetzung erst ¨
uber 300 C und die Oxidation
der organischen Gruppen findet bei ¨
uber 400 C statt. Unter Argon-Atmosph¨
are
verl¨
auft die Meßkurve bis 300 C fast identisch mit der Luft-Messung. Dar¨
uber
erfolgt bis ca. 500 C eine deutlich schw¨
achere Gewichtsabnahme als in Luft,
und erst bei einer Temperatur von 650 C zeigt ein Knick in der Meßkurve die
vollst¨
andige Zersetzung der Trimethylsilyl-Schicht an.
Abbildung 2.19.: Thermogravimetrische Meßkurven einer mit HMDS beschichteten
SBA-15 Probe in Luft und in einer Argon-Atmosph¨
are.
42
2.5. Zusammenfassung
2.5. Zusammenfassung
In diesem Kapitel wurde die Synthese geordneter mesopor¨
oser Silika-Materialien
mit hexagonal geordneten Zylinderporen und Porenweiten von 2 nm bis 10 nm
(MCM-41 und SBA-15) vorgestellt. Die MCM-41 Materialien wurden nach einer
Synthese von Gr¨
un et al. [Gr¨
un97] mit kationischen Tensiden hergestellt, die SBA-
15 Materialien nach einer Synthese von Zhao et al. [Zhao98] unter Verwendung
von PEO-PPO-PEO-Triblock-Copolymeren (Pluronics). Die Porenoberfl¨
ache die-
ser Materialien wurde mit Silazanen und Chlorsilanen chemisch modifiziert. Dabei
wurden Materialien erhalten, die statt der vollst¨
andig hydroxylierten Porenober-
fl¨
ache in den nativen Materialien, eine vollst¨
andig methylierte Oberfl¨
ache (nach
der Behandlung mit HMDS) aufwiesen. Neben den Materialien mit methylierter
Oberfl¨
ache wurde auch ein Material mit einer ann¨
ahernd perfluorierten Alkano-
berfl¨
ache hergestellt (siehe Abb. 2.15 b)).
Die Materialien wurden mit unterschiedlichen Methoden charakteri-
siert. Durch Stickstoffadsorption konnte die Porenweitenverteilung und BET-
Oberfl¨
ache der synthetisierten Materialien ermittelt werden. Mit Hilfe der R¨
ont-
genkleinwinkelstreuung konnte die hexagonale Anordnung der Zylinderporen
in den MCM-41 und SBA-15 Proben nachgewiesen werden und die Elektro-
nenmikroskopie (REM und TEM) erm¨
oglichte Aussagen ¨
uber Porenl¨
ange und
Dom¨
anengr¨
oße der hexagonal geordneten Bereiche zu machen. Bei den beschich-
teten Proben konnte mit der Festk¨
orper-NMR der Grad der Beschichtung ab-
gesch¨
atzt werden.
43
3. Schmelz- und Gefrierverhalten
reiner Stoffe in Poren
3.1. Einleitung
Wie schon in Kapitel 1 beschrieben wird, ist das Phasenverhalten von Stoffen,
die sich in einer begrenzenden Geometrie befinden, gegen¨
uber der bulk-Substanz
verschoben, wobei die Verschiebung des Phasendiagramms in mesopor¨
osen Ma-
terialien besonders deutlich ist. Die ersten systematischen Untersuchungen zur
Schmelzpunktverschiebung von reinen Stoffen in por¨
osen Materialien wurden An-
fang des letzten Jahrhunderts (z.B. [Patr38]) durchgef¨
uhrt. Dabei wurden anfangs
vor allem das Schmelz- und Gefrierverhalten von Wasser untersucht, da dieser
Phasen¨
ubergang, zumindest im Winter in unseren Breitengeraden, f¨
ur jeden all-
gegenw¨
artig ist und auch wirtschaftliche Auswirkungen durch z.B. an Mauerwer-
ken auftretende Frostsch¨
aden hat.
In den darauf folgenden Jahrzehnten gab es weitere kalorimetrische Untersu-
chungen [Hodg60,Anto64,Litv66,Renn76], bei denen die Abh¨
angigkeit verschie-
dener physikalischer Eigenschaften des Wassers von der Porenweite (wie z.B
Schmelzw¨
arme und Oberfl¨
achenspannung) berechnet wurden. Diese Berechnun-
gen wurden unter der Annahme der bekannten Porenweite der untersuchten Sub-
stanzen durchgef¨
uhrt. Schließlich erkannten Brun et al.[Brun77] die M¨
oglichkeit,
mit Hilfe der Schmelz- und Gefrierpunktverschiebung von Substanzen in por¨
osen
Materialien die Porenweitenverteilung dieser Materialien zu bestimmen. Dieses
Verfahren wird als Thermoporometrie bezeichnet und als Substanzen werden Was-
ser und Benzol verwendet.
Speziell das Schmelz-/Gefrierverhalten von Wasser wurde mit den unter-
45
3. DSC
schiedlichsten Methoden, wie Kalorimetrie [Milt93,Taka97,Hans97], NMR Spek-
troskopie [Over93] und Neutronen-Kleinwinkelstreuung [Taka97,Bell93,Bake97]
untersucht. Die anf¨
anglichen Untersuchungen wurden an Silikagelen und por¨
osen
Aluminaten durchgef¨
uhrt, w¨
ahrend bei den sp¨
atere Untersuchungen schon das
bekannte Vycor-Glas (Corning 7930) zur Verf¨
ugung stand. Bei diesen Unter-
suchungen wurden neben Wasser und Benzol speziell in Vycor auch das Ge-
frieren von Wasserstoff und Sauerstoff [Soko92,Awsc87,Schin96,Tell83], Edelga-
sen [Molz93,Dash82,Bitt94] und auch Metallen [Unru93,Char98,Bori97] analy-
siert. Neben Vycor-Glas, welches nur in einem begrenzten Porenweitenbereich zur
Verf¨
ugung steht, wurden aber auch systematische Untersuchungen zur Schmelz-
punktverschiebung von organischen Fluiden in CPG’s (Controlled Pore Glass)
[Jack90,91,96,Mu91] durchgef¨
uhrt, die mit Porenweiten von einigen nm bis zu
1000 nm komerziell erh¨
altlich sind.
Alle diese experimentellen Untersuchungen von Fluiden in mesopor¨
osen Ma-
terialien zeigen eine Verschiebung der Schmelztemperatur zu tieferen Tempera-
turen. Eine Untersuchung weist aber auch auf die Erh¨
ohung des Schmelzpunk-
tes hin. Kaneko et al. [Kane99] fanden, daß der Schmelz- und Gefrierpunkt von
Tetrachlormethan in mikropor¨
osen Aktivkohlen (aktivierten Kohlenstofffasern)
zu h¨
oheren Temperaturen verschoben ist. Bei dieser DSC-Untersuchung zeigten
sich keine Abh¨
angigkeit der Verschiebung von der Porenweite und es wurden nur
¨
außerst geringe Peak-Intensit¨
aten beobachtet. Da es sich bei den Poren in diesen
Materialien um Mikroporen handelt, in denen nur wenige Molek¨
ule nebeneinan-
der Platz haben, kann diese Effekte aber auch als Oberfl¨
acheneffekt diskutiert
werden, der nicht direkt mit der Verschiebung des Schmelzpunktes in Mesoporen
vergleichbar ist.
Ein großes Problem bei der Interpretation der meisten Untersuchungen ist
allerdings die uneinheitliche Porenform und breite Porenweitenverteilungen der
untersuchten mesopor¨
osen Materialien. Bei Untersuchungen an ungeordneten Sy-
stemen k¨
onnen die auftretenden Effekte nicht eindeutig interpretiert werden, da
nicht zwischen Effekten in einzelnen Poren und Netzwerkeffekten unterschieden
werden kann, und auch der Einfluß enger Poren¨
offnungen auf das Verhalten der
Stoffe in den Poren nicht genau beurteilt werden kann.
Erst mit der Synthese von MCM-41 standen Materialien mit einheitlicher Ge-
stalt und bekannter Porenweite zur Verf¨
ugung, in denen die beobachtete Effekte
auch zugeordnet werden konnten. Die ersten Versuche zum Schmelz-/ Gefrierver-
46
3.1. Einleitung
halten von Wasser in geordneten Porensystemen wurden mit NMR Spektrosko-
pie [Schmi95,Hans96,97] und R¨
ontgendiffraktometrie [Mori97,99] gemacht. Bei
den Arbeiten von Schmidt et al. [Schmi95] wurde die Verschiebung des Schmelz-
punktes von Eis in verschiedenen MCM-41 Proben mit Porenweiten von 2 bis 4
nm mit Hilfe der NMR Spektroskopie untersucht. Dazu wurde bei mit Wasser
ges¨
attigten Proben die Intensit¨
at des Protonensignals in Abh¨
angigkeit von der
Temperatur bestimmt. Aus der Ableitung des Intensit¨
atsverlaufs mit der Tem-
peratur konnte somit auch eine Porenweitenverteilung ermittelt werden. F¨
ur die
Verschiebung des Schmelzpunktes wurde eine modifizierte Gibbs-Thomson Be-
ziehung Tm=K/(Rt) gefunden, bei der eine Schicht von nicht gefrorenem
Wasser der Dicke tan den Porenw¨
anden vom tats¨
achlichen Porenradius Rabge-
zogen wird, um die Gleichung an die experimentellen Daten anzupassen.
Die gleiche Beziehung wurde auch von Morishige und Kawano [Mori99] bei
der Untersuchung des Schmelz-/Gefrierverhaltens von Wasser in MCM-41 Pro-
ben mit Porenweiten von 2,8 bis 5,8 nm mittels R¨
ontgendiffraktometrie gefunden.
Dabei wurde das Auftreten, die Halbwertsbreite und die Verschiebung der Bragg-
Peaks von kubischem Eis beobachtet. Die Schicht nicht gefrorenen Wassers ist al-
len Untersuchungen gemein, ob geordnete oder ungeordnete Materialien. Sie wird
im allgemeinen mit einer Schichtdicke von zwei bis drei Lagen Wasser [Over93]
Abbildung 3.1.: Verlauf der DSC-Messungen: in gef¨
ullten Poren mit ¨
ubersch¨
ussigem
bulk Fluid folgt der Meßverlauf dem Bulk-Phasendiagramm, in teilweise gef¨
ullten Poren
dem Phasendiagramm des Porenfluids.
47
3. DSC
angenommen und sie zeigt keinen direkten Phasen¨
ubergang im NMR Experiment
sondern eine abnehmende Magnetisierung bis hinunter zu 120 K.
In der vorliegenden Arbeit wurden Untersuchungen zum Schmelz- und Ge-
frierverhalten von einfachen Fluiden in MCM-41 und SBA-15 Materialien mit Po-
renweiten von 3 bis 10 nm mit Hilfe der Differential Scanning Calorimetry (DSC)
durchgef¨
uhrt. Es wurde die Abh¨
angigkeit des Schmelz-/Gefrierpunktes von der
Porenweite in vollst¨
andig gef¨
ullten Poren und der Einfluß des F¨
ullungsgrades der
Poren auf das Gefrierverhalten von Fluiden untersucht. Neben normalem Wasser
wurde schweres Wasser speziell zur Untersuchung des Isotopeneffektes und Benzol
verwendet. Um den Einfluß der Wechselwirkung zwischen Porenwand und Poren-
fluid zu untersuchen, wurden außerdem Messungen mit Benzolderivaten (Fluor-
und Chlorbenzole) durchgef¨
uhrt.
Bei den Untersuchungen h¨
angt der Verlauf der Messung von dem Vorhan-
densein von bulk-Substanz ab. Bei dessen Fehlen folgt die Messung nicht der
Dampfdruckkurve der bulk-Substanz sondern der des Porenfluids, die gegen¨
uber
dem bulk verschoben ist. Der Verlauf ist noch einmal in Abbildung 3.1 darge-
stellt. Die Messungen folgen den jeweiligen Koexistenzlinien und verlaufen genau
genommen nicht isobar, da sich sowohl Partialdruck der Substanz als auch der
Gesamtdruck in dem Meßbeh¨
alter mit der Temperatur ¨
andert.
3.2. Grundlagen
3.2.1. Thermodynamischer Ansatz
Eine einfache thermodynamische Betrachtung f¨
ur die Schmelzpunktverschiebung
in Poren erh¨
alt man aus der Anwendung der Gibbs-Thomson Gleichung [Gelb00].
Wenn das gefrorene Porenfluid im Kern der Pore mit einer fl¨
ussigen Schicht an
den Porenw¨
anden umgeben ist, und das chemische Potential der fl¨
ussigen und
der festen Phase am Schmelzpunkt gleich ist, ergibt sich f¨
ur den Betrag der vom
Porenradius abh¨
angenden Temperaturverschiebung:
4Tm=Tmb Tm=2Tmb(γws γwl)vl
Rslh=KGT
R(3.1)
wobei Tmb und Tmdie Schmelzpunkte des Fluids im bulk bzw. in der Pore, γws und
γwl die Oberfl¨
achenspannungen Wand-fest und Wand-fl¨
ussig, vldas Molvolumen
48
3.2. Grundlagen
der Fl¨
ussigkeit, Rder Porenradius und slhdie molare Schmelzw¨
arme sind.
Nach Gleichung 3.1 ist der Schmelzpunkt in den Poren erniedrigt (∆Tm>0),
wenn γws γwl >0 ist, d.h. wenn die Wand die fl¨
ussige Phase bevorzugt. Im Fall
der vollst¨
andigen Benetzung durch die fl¨
ussige Phase bei fest/fl¨
ussig Koexistenz,
wenn γws γwl =γsl ist, reduziert sich Gleichung 3.1 zu:
KGT =2Tmbγslvl
slh(3.2)
Gleichung 3.1 sagt einen linearen Zusammenhang zwischen Tmund dem Kehr-
wert des Porenradius 1/R voraus. Hierbei sind allerdings mehrere Vereinfa-
chungen gemacht worden: so werden generell die Temperaturabh¨
angigkeiten der
Gr¨
oßen γsl und slhvernachl¨
assigt so daß Gleichung 3.2 eigentlich nur f¨
ur kleine
Temperaturverschiebungen gilt [Faiv99].
Eine weitere M¨
oglichkeit der Beschreibung der Schmelzpunktverschiebung in
Poren ist die Betrachtung der freien Energie von kleinen Fl¨
ussigkeitstropfen Fl
und Eiskristallen Fs, die am Schmelzpunkt dieser Kristalle gleich sein sollte. F¨
ur
einen sph¨
arischen Kristall erh¨
alt man f¨
ur die freie Energie:
FKugel =4
3πr3Fs+ 4πr2γsv 4
3πr3Fl+ 4πr2γlv(3.3)
mit dem Radius rdes Partikels und den beiden Grenzfl¨
achenspannungen γlv und
γsv. Im thermodynamischen Gleichgewicht (∆F= 0) erh¨
alt man mit
FsFl=Hsl
vs
(TeT0)
T0
(3.4)
die Verschiebung des Gefrierpunktes
T
T=TeT0
T0
=3(γsv γlv)vs
rHsl
=3γsl
r
vs
Hsl
(3.5)
F¨
ur einen Zylinder mit Radius rund L¨
ange Lergibt sich folgender Ansatz:
FZylinder =πr2LFs+ 2πrsv πr2LFl+ 2πrsv(3.6)
Damit erh¨
alt man eine ¨
ahnliche Gleichung wie die Gibbs-Thomson Gleichung nur
mit anderen Koeffizienten. F¨
ur sph¨
arische Poren erh¨
alt man hier 3 statt 2 und
f¨
ur Zylinderporen 2 statt 1 [Faiv99].
Brun et al. [Brun77] beschreiben die Gefrierpunktverschiebung mit Hilfe der
Gefrierentropie:
4SfdT+vldγsl
dAsl
dVl= 0 (3.7)
49
3. DSC
F¨
ur eine sp¨
arische Grenzfl¨
ache erh¨
alt man:
mit dAsl
dVl
=2
Rn
(3.8)
1
Rn
=1
2γsl ZT
T0
4Sf
vl
dT(3.9)
mit der vorherigen Bestimmung von Sferhielten Brun et al. nun durch Inte-
gration von Gleichung 3.9 mit γsl,Rnund T= (T0T) als Unbekannten:
1,81 ×104γsl
Rn2
+ 1569 γsl
Rn
+4T= 0 (3.10)
Da diese Gleichung noch die nicht genau bekannte fest-fl¨
ussig Grenzfl¨
achenspan-
nung γsl enth¨
alt, mußte mit Hilfe der Gefrierpunktverschiebung von Wasser in
Materialien bekannter Porenweite die Temperaturabh¨
angigkeit von γsl ermittelt
werden. Damit erhielten sie eine Gleichung, die die Temperaturverschiebung in
Abh¨
angigkeit vom Porenradius ausdr¨
uckt. Im Prinzip ist dies also nur ein Fit
von experimentell ermittelten Werten der Temperaturverschiebung des Gefrier-
punktes an Porenweiten, die mit anderen Methoden bestimmt wurden. Diese
zur damaligen Zeit aktuellen Methoden zur Bestimmmung der Porenweite (z.B.
BJH-Methode, Verwendung von Adsorptions- oder Desorptionsast der Adsorp-
tionsisotherme, Kapitel 2.4.1) sind heute ¨
uberholt und liefern bekannter Weise
falsche Porenweiten [Ravi01].
3.2.2. Simulationen
Neben der thermodynamischen Betrachtung wurden auch Monte Carlo Simulatio-
nen zum Verhalten des fest-fl¨
ussig Phasen¨
ubergangs von Lennard-Jones-Fluiden
in Poren durchgef¨
uhrt [Kand00,Rhad00]. Dort wurde gefunden, daß die Gefrier-
punktverschiebung von der St¨
arke der Wechselwirkung des Porenfluids mit der
Porenwand und dem Vorhandensein einer Kontaktschicht des Fluids an der Po-
renwand abh¨
angt. Maßgebend f¨
ur das Verhalten ist der Parameter α, der das
Verh¨
altnis der Pore-Wand Wechselwirkungen zu den Fluid-Fluid Wechselwirkun-
gen beinhaltet:
α=ρwfwσ2
fw
ff
(3.11)
50
3.2. Grundlagen
Hier bedeuten σund Gr¨
oßen- und Energieparameter des Lennard-Jones-
Potenzials f¨
ur Fluid fund Wand wund dem Abstand aufeinander folgender
Wandebenen ∆.
Die Verschiebung des Gefrierpunktes in Schlitzporen ist von dem Betrag von
αabh¨
angig. Im Fall von α > 1,15 erwartet man eine Gefrierpunkterh¨
ohung,
f¨
ur α < 0,85 dagegen eine Gefrierpunkterniedrigung. Bei 0,85 < α < 1,15
erwartet man keine große Abh¨
angigkeit des Phasen¨
ubergangs von der Porenweite
und bei α < 0,5 liegen zwei Phasen des Porenfluids vor und man erwartet eine
Gefrierpunkterniedrigung.
In Abbildung 3.2 ist der Parameter αf¨
ur einige Fluidmolek¨
ule bez¨
uglich Sili-
ka und Graphit dargestellt. Bei der Untersuchung von Zylinderporen anstelle der
in den Simulationen verwendeten Schlitzporen m mit einer Verringerung der α-
Werte wegen der zus¨
atzlichen sterischen Beeinflussung des Porenfluids gerechnet
werden. Eine tats¨
achliche Erh¨
ohung des Schmelzpunktes in Poren wurde bisher
allerdings nur f¨
ur Tetrachlormethan (CCl4) in activated carbon fibers gefunden
Abbildung 3.2.: Relative St¨
arke der Anziehung der Porenw¨
ande im Vergleich zu den
Fluid-Fluid Wechselwirkungen α: im Fall von α > 1,15 erwartet man eine Gefrier-
punkterh¨
ohung, f¨
ur α < 0,85 eine Gefrierpunkterniedrigung (aus [Radh00]).
51
3. DSC
[Kane99]. Dort wird bei drei untersuchten Materialien (Porenweite 0,75 bis 1,13
nm) eine Gefrierpunkterh¨
oung um ca. 58 K, die unabh¨
angig von der Porenweite
ist, gefunden.
3.2.3. Wasser
Da in dieser Arbeit die meisten Untersuchungen an Wasser durchgef¨
uhrt wurden,
werden an dieser Stelle kurz einige bulk Eigenschaften von Wasser zusammenge-
faßt. Eine wichtige Eigenschaft im Hinblick auf die durchgef¨
uhrten Experimente
ist die Abh¨
angigkeit der Dichte von der Temperatur (siehe Abb. 3.3 a)). Wie
allgemein bekannt, hat Wasser seine Gr¨
oßte Dichte bei 4C. Zu h¨
oheren Tempe-
raturen hin nimmt die Dichte langsam ab, im Bereich des unterk¨
uhlten Wassers
bei T <0C wird dagegen eine starke Dichteabnahme beobachtet, die bei einer
Temperatur unter -30C¨
uber zwei Prozent betr¨
agt. Wasser l¨
aßt sich zwar bis
ca. -38C unterk¨
uhlen, Dichtemessungen sind aber wegen der kurzen Lebenszeit
des unterk¨
uhlten Wassers nur bis -30C m¨
oglich. Extrapoliert man die Meßdaten
der Dichte zu tieferen Temperaturen hin, schneiden sich die beiden Kurven f¨
ur
Wasser und Eis. Der Grund, warum die Dichte von Wasser nicht bei tieferen Tem-
peraturen gemessen werden kann, ist das Gefrieren durch heterogene Nukleation
durch Verunreinigung oder an der Gef¨
aßwand. Eine untere Grenze f¨
ur Messun-
gen an fl¨
ussigem Wasser ist die homogene Nukleationstemperatur bei ca. -41C
a) b)
Abbildung 3.3.: Eigenschaften des Wassers: a) Abh¨
angigkeit der Dichte von der Tem-
peratur, b) Abh¨
angigkeit der homogenen Nukleationstemperatur von dem Druck (aus
[Ange83]).
52
3.3. Experimentelles
(Abb. 3.3 b)), bei welcher sich im Wasser selbst Kristallisationskeime bilden, d.h.
tiefere Temperaturen k¨
onnen beim Abk¨
uhlen von Wasser nicht erreicht werden.
Unterhalb der homogenen Nukleationstemperatur befindet sich ein Bereich im
Phasendiagramm des Wassers, der experimentell nicht zug¨
anglich ist. Erst unter-
halb von ca. -120C kann man glasartige Wasserkonformationen erhalten, wobei
zwischen einem Zustand hoher und einem geringer Dichte unterschieden wird.
3.3. Experimentelles
3.3.1. Probenvorbereitung
Die MCM-41 und SBA-15 Materialien wurden nach der Synthese und dem Kalzi-
nieren bei 60C im Ofen gehalten um eine ¨
uberm¨
aßige Adsorption von Wasser zu
vermeiden. Danach wurden die Proben in kleinen luftdicht verschlossenen Pro-
bengl¨
aser aufbewahrt. F¨
ur die DSC-Messungen wurden jeweils ca. 3 mg Substanz
in Aluminiumpf¨
annchen eingewogen. Im Fall von Fl¨
ussigkeiten wurde mit einer
Mikroliterspritze die gew¨
unschte Menge der Fl¨
ussigkeit hinzugegeben und die
Masse der Fl¨
ussigkeit durch eine weitere W¨
agung ermittelt, bei Feststoffen wur-
de die entsprechende Menge eingewogen. Danach wurde ein Aluminiumdeckel auf
das Pf¨
annchen mit der Substanz gepreßt und damit abgedichtet. Die Dichtung
durch das kalt verschweißte Aluminium war allerdings in den meisten F¨
allen
(durch Substanz in der Dichtfl¨
ache?) nicht vollst¨
andig, so daß in den meisten
F¨
allen eine leichte Verdampfung der Fl¨
ussigkeit aus dem Pf¨
annchen eintrat. Der
Zustand konnte allerdings gut durch das Nachwiegen der Proben kontrolliert wer-
den.
Der F¨
ullungsgrad der Proben mit Fl¨
ussigkeit wird als Volumenbruch darge-
stellt: Φ = VW/vP, wobei vPdas aus der Stickstoffadsorption bei 77 K ermit-
telte Porenvolumen der Proben und VWdas Volumen der zugegebenen Fl¨
ussig-
keit bei 293 K darstellt. Aus den eingewogenen Massen der Fl¨
ussigkeit (mW)
und Substanz (mS) kann nun (mit ρW= 1g/cm3f¨
ur Wasser) der F¨
ullungsgrad
Φ = mW/(mSρWVP) bestimmt werden. Ein Problem der genauen Bestimmung
des F¨
ullungsgrades ist, daß eine gewisse Menge Wasser, die von der Luftfeuch-
tigkeit abh¨
angt, an der Probenoberfl¨
ache adsorbiert ist und somit zus¨
atzlich
zur eingewogenen Fl¨
ussigkeit Wasser vorhanden ist. Es hat sich aber bei der
Durchf¨
uhrung der Gasadsorptionsexperimente und bei der Vorbereitung der Pro-
53
3. DSC
ben zur Charakterisierung durch die Stickstoffadsorption gezeigt, daß ein kon-
stanter Anteil von 4 ±1 Gewichtsprozent der Probe Wasser sind. Dieses Wasser
wurde bei der Berechnung des F¨
ullungsgrades ber¨
ucksichtigt.
3.3.2. DSC-Messungen
Alle Messungen zum Schmelzen und Gefrieren in Poren wurden mit einem Dif-
ferential Scanning Calorimeter (DSC 7, Perkin-Elmer) durchgef¨
uhrt. Das Kalo-
rimeter ist mit einer Fl¨
ussig-Stickstoff K¨
uhlung f¨
ur den Meßkopf ausger¨
ustet, so
daß Messungen hinunter bis ca. 120 K durchf¨
uhrbar sind. Ein wichtiger Para-
meter bei der Durchf¨
uhrung von Tieftemperaturmessungen mit der DSC ist die
Blocktemperatur des Meßkopfes, die bei allen Messungen auf 180 K eingestellt
wurde, so daß immer ein Unterschied von mindestens 20 K zwischen der Block-
temperatur und dem Meßbereich gew¨
ahrleistet war.
F¨
ur die Untersuchung vollst¨
andig gef¨
ullter Porensysteme, Φ >1, bei denen
der Einfluß der Porenweite auf den Gleichgewichtsphasen¨
ubergang studiert wur-
de, wurden die Meßkurven mit einer Scan-Geschwindigkeit von 0,5 K/min durch-
gef¨
uhrt. In Abbildung 3.4 ist der Einfluß der Scan-Geschwindigkeit auf Peak-
Abbildung 3.4.: Abh¨
angigkeit der Kurvenform und Lage der Schmelz- und Gefrierpeaks
von Wasser in einer SBA-15 Probe bei unterschiedlichen Scan-Geschwindigkeiten.
54
3.4. Ergebnisse
Form und -Lage gezeigt. Eine Verringerung der Geschwindigkeit von 3 K/min
auf 1 K/min bewirkt eine deutliche Verschiebung der Lage des Peaks und eine
Verringerung der Halbwertsbreite. Bei einer weiteren Reduzierung auf 0,5 K/min
ist die Auswirkung schon geringer. Noch geringere Scan-Geschwindigkeiten be-
wirken keine weitere Verschiebung und haben keinen signifikanten Einfluß auf die
Meßkurven.
Messungen, bei denen der Einfluß des F¨
ullungsgrades auf das Gefrierverhal-
ten in Poren untersucht wurde, wurden mit einer Scan-Geschwindigkeit von 3
K/min durchgef¨
uhrt, da in diesem Fall die Empfindlichkeit der Messungen deut-
lich besser war als bei geringerer Scan-Geschwindigkeit. Sehr kleine Umwand-
lungspeaks konnten auf diese Weise noch nachgewiesen werden.
Bei der Auswertung der DSC-Scans wurde der Untergrund durch einen li-
nearen Fit abgezogen, der m¨
oglichst weit von den auftretenden Peaks entfernt an
die Scan Kurve angepaßt wurde. Die Temperaturskala der DSC Apparatur wurde
im Tieftemperaturbereich mit den Schmelzpunkten von Wasser und Quecksilber
kalibriert (Tm(H2O)=273,2 K, Tm(Hg)=235 K). F¨
ur den Hochtemperaturbereich
wurde die Standardkalibrierung mit Indium (Tm(In)=445 K) vorgenommen.
3.4. Ergebnisse
3.4.1. Verschiebung des Schmelz- und Gefrierpunktes von
Wasser in vollst¨
andig gef¨
ullten Poren
F¨
ur die Ermittlung des Schmelz-/Gefrierpunktes von Wasser in vollst¨
andig gef¨
ull-
ten Poren, wurden die Proben mit einem 50- bis 100-%igen ¨
Ubersch an Wasser
versetzt, um eine vollst¨
andige F¨
ullung zu gew¨
ahrleisten. Damit kann angenom-
men werden, daß die ¨
ubersch¨
ussige Fl¨
ussigkeit die por¨
osen Partikel benetzt und
einen Fl¨
ussigkeitsfilm um die Partikel herum bildet. Dieser Film h¨
atte f¨
ur zylindri-
sche Partikel mit einem Durchmesser von 500 nm (siehe Elektronenmikroskopie,
Abschnitt 2.4.3) und einer Porosit¨
at von 50 % eine Dicke gr¨
oßer 50 nm und w¨
are
damit eine Gr¨
oßenordnung gr¨
oßer als die Porenweite.
Bei vollst¨
andig gef¨
ullten Poren wurde keine Abh¨
angigkeit der Schmelz- und
Gefrierpeaks von der Menge des ¨
Uberschusses festgestellt. Eine mehrfache Wie-
derholung des Schmelz- und Gefrierzyklus an einer einzelnen Probe zeigte keine
55
3. DSC
nennenswerten ¨
Anderungen der Peakposition und der Form der Peaks. Es konn-
ten auch keine Alterung bei pr¨
aparierten Proben beobachtet werden. Proben mit
noch ausreichender Fl¨
ussigkeitsmenge zeigten keine wesentlichen ¨
Anderungen ge-
gen¨
uber frisch pr¨
aparierten Proben. Daraus kann geschlossen werden, daß die
Proben gegen¨
uber Wasser stabil sind und daß auch das Gefrieren von Wasser
in den Poren diese trotz der teilweise sehr d¨
unnen Porenw¨
ande nicht zerst¨
ort.
Dies ist auf den ersten Blick ¨
uberraschend, da Wasser und Eis bei 273 K einen
großen Dichteunterschied (1,00 g/cm3und 0,917 g/cm3) aufweisen. Wie aber in
Abschnitt 3.2.3 erkl¨
art wurde, nimmt die Dichte von unterk¨
uhltem Wasser mit
abnehmender Temperatur immer st¨
arker ab, w¨
ahrend die Dichte von Eis nahezu
konstant bleibt. Eine Extrapolation der experimentellen Daten ergibt, daß die
unterk¨
uhlte Fl¨
ussigkeit in der N¨
ahe von 225 K die gleiche Dichte wie Eis er-
reichen sollte. Da der Schmelzpunkt von Wasser in den verwendeten MCM-41
Materialien teilweise sogar bei Temperaturen unterhalb 225 K lag, erwartet man
beim Gefrieren auch keine Volumenzunahme mehr und es sollte somit auch keine
Zerst¨
orung der Porenw¨
ande erfolgen.
a) b)
Abbildung 3.5.: DSC-Scans von Wasser in verschiedenen mesopor¨
osen Materialien, a)
MCM-41 und b) SBA-15.
56
3.4. Ergebnisse
In Abbildung 3.5 sind die DSC-Scans einiger mit Wasser gef¨
ullter Proben ge-
zeigt. In den beiden Teilen der Abbildung sind unterschiedliche Temperaturberei-
che abgebildet. Im Teil a) sind die Schmelz-/Gefrierkurven f¨
ur drei MCM-41 Ma-
terialien zu sehen, im Teil b) vier Kurven f¨
ur unterschiedliche SBA-15 Materialien.
In der gesamten Arbeit sind alle Schmelzkurven, d.h. endotherme ¨
Uberg¨
ange so
abgebildet, daß die Peaks nach oben zeigen, und alle exotherme ¨
Uberg¨
ange nach
unten zeigen. Wie zu sehen ist, lag in allen F¨
allen die Gefriertemperatur (Tf) un-
terhalb der Schmelztemperatur (Tm). Der Betrag der Schmelz-/Gefrierhysterese
des Porenfluids h¨
angt allerdings in charakteristischer Weise von der Porenwei-
te ab. F¨
ur die weiterporigen SBA-15 Materialien war der Betrag der Hysterese
Th=TmTfnahezu unabh¨
angig von der Porenweite, bei den kleinerporigen
SBA-15 Materialien nahm die Hysterese zu. Bei den MCM-41 Materialien nahm
die Hysterese mit abnehmender Porenweite dagegen ab, so daß bei dem MCM-41
mit einer nominellen Porenweite von 2,9 nm praktisch keine Hysterese mehr zu
beobachten war.
Die Schmelz- und Gefriertemperaturen von Wasser in einigen Proben
sind in Tabelle 3.1 zusammengefaßt. In Abbildung 3.6 sind die Schmelz- und
Gefrierpunkterniedrigungen (∆Tmund Tf) gegen den Porenradius aufgetragen.
Die experimentellen Werte der Schmelzpunkterniedrigung k¨
onnen im gesamten
Tabelle 3.1.: Schmelz- und Gefriertemperaturen von Wasser in por¨
osen Materialien mit
unterschiedlichen Porenweiten 2R.
Probe 2R/nm Tm/ K Tf/ K
MCM-41 1 (C14TAB) 2,9 223,6 222,6
2 (C16TAB) 3,3 232,7 228,4
3 (C18TAB) 3,7 239,0 236,4
SBA-15 TS-D (P103) 4,4 246,6 231,6
PS-Z (P123) 5,8 252,8 243,1
TS-B (P103) 6,7 256,0 249,9
PL-C (P123) 7,7 257,5 248,8
PLX-A (P123) 8,6 259,0 253,4
TS-C (P103) 9,0 259,2 254,3
PLU-B (P123) 9,4 259,9 254,7
PS-G (P123) 11,7 262,4 258,0
57
3. DSC
untersuchten Porenweitenbereich mit der folgenden Gleichung angepaßt werden:
Tm=K
Rt(3.12)
mit K= (52 ±2) K nm, t= (0,38 ±0,06) nm.
Der Verlauf der Fit-Kurve nach Gleichung 3.12 ist in Abbildung 3.6 als durchge-
zogene Linie dargestellt. Eine Anpassung der Meßdaten ohne Ber¨
ucksichtigung
der Korrekturgr¨
oße tliefert f¨
ur große Porenweiten eine gute Anpassung (Abb.
3.6, gestrichelte Linie), bei Porenweiten unterhalb von 4 nm ergibt sich aber eine
Abweichung zu den experimentellen Daten. Die Gr¨
oße tim Nenner von Gleichung
3.12 l¨
aßt sich als Schichtdicke einer an der Porenwand existierenden Schicht von
nicht frierendem Wasser vorstellen, so daß der effektive Radius des in den Poren
vorliegenden Wasserzylinders von Rauf Rtreduziert ist.
Um eine Einsch¨
atzung ¨
uber die Sinnhaftigkeit des ermittelten Wertes von K
zu erlangen, kann dieser Wert mit einem aus den Konstanten f¨
ur Wasser berechne-
ten Wert der Gibbs-Thomson Konstante verglichen werden. Die Gibbs-Thomson
Abbildung 3.6.: Abh¨
angigkeit des Schmelz- und des Gefrierpunktes von der Po-
renweite; die durchgezogene Linie ist ein Fit der Schmelzpunkte mit der modifizierten
Gibbs-Thomson Gleichung, die gestrichelte Linie ein Fit mit einfacher 1/R Abh¨
angig-
keit.
58
3.4. Ergebnisse
Konstante berechnet sich unter der Annahme der vollst¨
andigen Benetzung der
Porenwand durch das Fluid zu:
KGT =2Tmbγslvl
slh= 52,4Knm (3.13)
Dabei wurden f¨
ur Wasser folgende Werte verwendet: Schmelztemperatur Tmb
= 273 K, Oberfl¨
achenspannung γsl = 32 mJm2[Hill98], Molvolumen vl=
18 cm3mol1und molare Schmelzw¨
arme slh= 6,0kJmol1. Die angegebenen
Werte beziehen sich auf die Temperatur von 273 K, die Temperaturabh¨
angigkei-
ten von γsl ,vlund slhwird dabei somit vernachl¨
assigt.
Neben der Analyse der Schmelzpunktverschiebung ¨
uber den gesamten Meso-
porenbereich ist auch eine getrennte Betrachtung der MCM-41 und der SBA-15
a)
b)
Abbildung 3.7.: Getrennte Auftragung der Schmelz- und Gefrierpunkte von a)
MCM-41 und b)SBA-15 .
59
3. DSC
Materialien m¨
oglich. Diese Vorgehensweise ist im Hinblick auf die unterschied-
lich ausgepr¨
agte Hysterese in den beiden Materialien, aber auch die Tatsache,
daß Wasser im bulk-Zustand eigentlich nur bis zur homogenen Nukleationstem-
peratur von ca. 235 K vorliegt und bei tieferen Temperaturen das sogenannte no
man’s land liegt [Stan00], sinnvoll. Abbildung 3.7 zeigt getrennte Anpassungen
von Gleichung 3.12 an die beiden Datens¨
atze. Es ergeben sich folgende Werte:
MCM-41: K= 44,5nmK;t= 0,55 nm
SBA-15: K= 58 nmK;t= 0,05 nm
Man sieht, daß bei einem Fit der MCM-41 Proben allein der effektive Porenra-
dius um einen Wert von ca. 0,5 nm zu korrigieren ist, w¨
ahrend bei den SBA-15
Proben auch mit der einfachen Gibbs-Thomson Gleichung (t= 0) eine sehr gute
Anpassung m¨
oglich ist. Allerdings ist festzustellen, daß die Ergebnisse an den
SBA-15 Materialien weniger empfindlich bez¨
uglich der Gr¨
oße tsind als jene der
MCM-41 Materialien.
3.4.2. Gefrieren von Wasser in teilweise gef¨
ullten Poren
Im vorangegangenen Abschnitt wurde auf das Schmelz- und Gefrierverhalten von
Wasser in vollst¨
andig gef¨
ullten Poren eingegangen. In diesem Fall wurde stets nur
ein Schmelz- und ein Gefrierpeak gefunden. Im Fall von nicht vollst¨
andig gef¨
ull-
ten Poren wird der Schmelzvorgang kaum beeinflußt w¨
ahrend dem gegen¨
uber
f¨
ur das Gefrieren ein komplexeres Verhalten beobachtet wurde. In Abbildung 3.8
ist das beobachtete Verhalten f¨
ur ein SBA-15 Material mit einer Porenweite von
7,7 nm exemplarisch dargestellt. Wie in Abbildung 3.8 a) zu sehen ist, nimmt
die Peakintensit¨
at des Schmelzpeaks mit abnehmendem F¨
ullungsgrad Φ ab. Die
Peak-Position und Peak-Form ver¨
andern sich nur geringf¨
ugig mit dem F¨
ullungs-
grad (bis Φ = 0,6 wird der Peak nur kleiner, und ab einem F¨
ullungsgrad Φ 0,4
verlagert sich das Peak-Maximum zu einer etwas h¨
oheren Temperatur). Aus der
Abnahme der Peakfl¨
ache mit Φ kann man absch¨
atzen, daß f¨
ur Φ <0,15 kein
Peak mehr zu erwarten ist.
In Abbildung 3.8 b) sind die Gefrierkurven bei den entsprechenden F¨
ullungs-
graden dargestellt. Diese Peaks k¨
onnen mit vier verschiedenen Prozessen korre-
liert werden. In der Scan-Kurve der Probe mit einem F¨
ullungsgrad gr¨
oßer eins
sind zwei Peaks mit Maxima bei 258 K und 248 K zu sehen. Der Peak bei
60
3.4. Ergebnisse
258 K wird im folgenden mit Ibezeichnet, und wird auf das Gefrieren von
¨
ubersch¨
ussigem bulk-Wasser zur¨
uckgef¨
uhrt. Das pl¨
otzliche Ausfrieren der un-
terk¨
uhlten Fl¨
ussigkeit spiegelt sich charakteristisch in einem fast stufenf¨
ormigen
Einsetzen des Frierens und dem sehr schmalen Peak wieder. Der zweite Peak
dieses Scans (Peak II) wird dem Gefrieren des Porenwassers zugeschrieben. Er
kann in Poren, die nicht durch Verengungen nach außen blockiert sind (siehe
pore-blocking bei der Gasadsorption) mit der Porenweitenverteilung korreliert
werden.
Auch f¨
ur Proben mit nicht vollst¨
andig gef¨
ullten Poren (dann mit II* bezeich-
net) mit einer F¨
ullung oberhalb eines charakteristischen Wertes Φmin (in Abb. 3.8
a) bei der Probe mit Φ = 0,6) wird dieser dem Porenwasser zugeschriebene Peak
gefunden, allerdings ist er in den meisten F¨
allen zu einer etwas tieferen Tempera-
tur (hier 245 K) verschoben und seine Form entspricht nicht mehr dem Verlauf,
wie er in Proben mit vollst¨
andig gef¨
ullten Poren beobachtet wird. Der Onset des
Peaks ist hier ¨
ahnlich steil wie der eines unterk¨
uhlten Peaks Iund die Lage des
Peaks II ist (im Gegensatz zu II*) im allgemeinen nicht genau reproduzierbar.
a) b)
Abbildung 3.8.: DSC scans von Wasser in einem por¨
osen Material bei verschiedenen
F¨
ullungsgraden Φ, bei Φ<1treten in den Gefrierkurven neue Phasen¨
uberg¨
ange auf,
w¨
ahrenddessen kein Einfluß auf den Schmelzvorgang zu erkennen ist.
61
3. DSC
In der Probe mit dem F¨
ullungsgrad Φ = 0,6 treten nun noch zwei wei-
tere Peaks bei 236 K und 233 K auf, die nachfolgend als Peak III und Peak
IV bezeichnet werden. Peak III kann bei allen F¨
ullungsgraden Φ <1 gefunden
werden und ist damit charakteristisch f¨
ur teilgef¨
ullte Porensysteme. Im Bereich
1>Φ>Φmin koexistiert dieser Peak III mit dem Peak II* des unterk¨
uhlten
Porenfluids. Unterhalb von Φmin werden nur noch die beiden Peaks III und IV
gefunden, wobei mit abnehmendem F¨
ullungsgrad Peak III im Verh¨
altnis zu Peak
IV st¨
arker abnimmt. Peak IV ist bis zu sehr geringen F¨
ullungsgraden zu beob-
achten. Speziell bei Proben mit relativ engen Poren ist dieser Peak aber auch bei
vollst¨
andig gef¨
ullten Poren vorhanden (siehe Abb. 3.9 ).
In Abbildung 3.9 ist der Einfluß der Porenweite von SBA-15 Materialien
auf das Gefrierverhalten von Wasser dargestellt. F¨
ur drei Materialien mit Poren-
Abbildung 3.9.: Einfluß der Porenweite auf das Auftreten der verschiedenen Peaks bei
unterschiedlichem F¨
ullungsgrad f¨
ur drei Materialien mit Porenweiten von 5,8 nm, 7,7
nm und 8,9 nm.
62
3.4. Ergebnisse
weiten von 5,8 nm, 7,7 nm und 8,9 nm sind jeweils drei Gefrierkurven gezeigt.
Bei den Scan-Kurven der vollst¨
andig gef¨
ullten Poren sind jeweils der Peak f¨
ur das
unterk¨
uhlte bulk-Wasser (Peak I) und der nicht-unterk¨
uhlte Gefrier-Peak des Po-
renfluids (Peak II), der mit der Porenweitenverteilung des Materials korreliert,
zu sehen. Auch der Peak IV tritt in den Scan-Kurven der vollst¨
andig gef¨
ullten
Proben auf. Er ist aber bei der Probe mit den gr¨
oßten Poren schon fast nicht
mehr zu erkennen und nur bei der Probe mit einer Porenweite von 5,8 nm aus-
gepr¨
agt. Die nicht mehr vollst¨
andig gef¨
ullten Proben (1 >Φ>Φmin) sind zum
einen an dem Fehlen des bulk-Peaks Iund zum anderen an der Verschiebung
des Peaks II* gegen¨
uber dem urspr¨
unglichen Peak II zu tieferen Temperaturen
hin zu erkennen. An der Peakform des Peaks II*, dem scharfen Onset (abruptes
Ansteigen der Peakintensit¨
at) und der nicht mehr genau reproduzierbaren Lage,
l¨
aßt sich erkennen, daß es sich um das Ausfrieren eines unterk¨
uhlten Fluids und
nicht um das Gefrieren eines sich im thermodynamischen Gleichgewicht befind-
lichen Fluids handelt. Neben dem verschobenen Peak II* tritt bei allen Proben,
die nicht vollst¨
andig gef¨
ullte Poren aufweisen, Peak III auf. Peak IV ist im Ver-
gleich zu den vollst¨
andig gef¨
ullten Proben speziell bei den gr¨
oßeren Porenweiten
jetzt sehr viel deutlicher zu erkennen.
Bei einem Vergleich der drei Proben zeigt sich, daß die Position von Peak II
bzw. Peak II* stark von der Porenweite abh¨
angt. Die Position von Peak III und
Peak IV ist nur gering von der Porenweite abh¨
angig. Aber es kann eine geringe
systematische Abh¨
angigkeit der Peaklage von Peak III und Peak IV von dem
F¨
ullungsgrad der Proben beobachtet werden. Mit abnehmendem F¨
ullungsgrad
verschieben sich beide Peaks zu h¨
oheren Temperaturen. Die unterschiedlichen
Abh¨
angigkeiten der Peaks bedeutet f¨
ur Proben, bei denen Peak II unterhalb von
ca. 235 K liegt, was f¨
ur die MCM-41 Materialien der Fall ist, daß das Auftreten
der Peaks III und VI nicht mehr erwartet werden kann.
Die Position von Peak III und VI ist relativ konstant, aber die relative In-
tensit¨
at der beiden Peaks h¨
angt von der Porenweite ab. Bei kleineren Porenweiten
sind sie deutlich ausgepr¨
agter als bei großen Porenweiten. Da die Abbildungen
immer auf das Porenvolumen der Proben bezogen sind, k¨
onnte die h¨
ohere Inten-
sit¨
at bei kleineren Porenweiten auf einen Bezug der beiden Peaks zur Oberfl¨
ache
der Poren hin deuten, da das Verh¨
altnis von Oberfl¨
ache zu Volumen mit kleiner
werdender Porenweite zunimmt.
Um auszuschließen, daß die beobachtete Aufspaltung des Gefrier-Peaks in
63
3. DSC
mehrere getrennte Peaks bei unvollst¨
andig gef¨
ullten Poren auf einem rein kine-
tischen Effekt beruht, wurden Messungen durchgef¨
uhrt, bei denen der Scan an
unterschiedlichen Punkten der Abk¨
uhlkurve f¨
ur eine Stunde unterbrochen wur-
de. In Abbildung 3.10 ist zu sehen, daß eine Unterbrechung der Messung zwi-
schen Peak II* und Peak III (Scan a)) des Scans keinen Einfluß auf die beiden
nachfolgenden Peaks hat. Auch bei einer Unterbrechung des Scans am Ende von
Peak III (Scan b)) tritt der nachfolgende Peak IV noch vollst¨
andig auf. Erst
eine Unterbrechung des Scans nach dem Onset von Peak IV(Scan c)) bewirkt
ein Verschwinden dieses Peaks. Nach dieser Beobachtung kann ausgeschlossen
werden, daß das Auftreten dieser Peaks durch rein dynamische Effekte bei den
Scans hervorgerufen wird. Vielmehr zeigt sich, daß diese Peaks den ¨
Uberg¨
angen
zwischen stabilen und metastabilen Zust¨
anden zugeordnet werden m¨
ussen.
Eine quantitative Auswertung der Peakfl¨
achen war bei diesen Untersuchun-
Abbildung 3.10.: Thermodynamische Stabilit¨
at der den auftretenden Peaks zugrunde
liegenden Zust¨
ande. Der DSC-Gefrierscan wurde bei verschiedenen Temperaturen f¨
ur
eine Stunde angehalten.
64
3.4. Ergebnisse
gen im allgemeinen nicht m¨
oglich, da Peak III und Peak IV immer ¨
uberlap-
pen und auch Peak III und Peak II* nicht exakt voneinander getrennt werden
k¨
onnen. Des weiteren ist eine Bestimmung der Anteile des Porenfluids, die den
einzelnen Peaks zugeordnet werden nicht genau m¨
oglich, da die Schmelzw¨
arme
von bulk-Eis temperaturabh¨
angig ist [Ange83] und bei den hier vorliegenden Tem-
peraturen nur noch ein Bruchteil von dem Wert bei 273 K betr¨
agt. Zus¨
atzlich
kann die r¨
aumliche Begrenzung in den Poren den Betrag der Schmelzw¨
arme be-
einflussen, so daß Berechnungen aus den Peakfl¨
achen keinen physikalischen Sinn
ergeben.
3.4.3. Weitere Porenfluide
In diesem Abschnitt sind Untersuchungen zum Porenschmelzen und -gefrieren
von schwerem Wasser (D2O), von Benzol und einigen Benzolderivaten zusam-
mengefaßt.
Schweres Wasser
D2O hat eine um ca. 4 K h¨
ohere Schmelztemperatur im Vergleich zu H2O
[CRC85]. Es war von Interesse zu untersuchen, wie sich dieser Isotopeneffekt auf
das Schmelz-/Gefrierverhalten in Poren auswirkt. In Tabelle 3.2 sind die Verschie-
bungen des Schmelz-/Gefrierpunktes von D2O in zylinderf¨
ormigen Poren f¨
ur meh-
rere MCM-41 und SBA-15 Materialien angegeben. Bei den vollst¨
andig gef¨
ullten
Tabelle 3.2.: Schmelz- und Gefriertemperaturen von D2O in por¨
osen Materialien mit
hexagonal geordneten Zylinderporen unterschiedlicher Porenweite 2R.
Probe R 2R TmTf
/ nm / nm / K / K
BG14A 1,45 2,9 50,5 51,4
BG18C 1,85 3,7 32,1 39,6
TS-D 2,20 4,4 27,3 45,6
TS-B 3,35 6,7 17,6 22,6
PL-C 3,85 7,7 16,1 23,1
PLX-A 4,30 8,6 14,2 19,9
TS-C 4,50 9,0 14,6 18,6
PS-G 5,85 11,7 12,1 15,1
65
3. DSC
Proben kann wieder eine Abh¨
angigkeit der Gleichgewichts¨
uberg¨
ange Schmelzpeak
und Peak II der Gefrierkurve beobachtet werden. In Abbildung 3.11 ist die Ver-
schiebung des Schmelz-/Gefrierpunktes gegen den Porenradius aufgetragen. Die
eingezeichnete Kurve entspricht einem Fit der experimentellen Schmelzpunktver-
schiebung mit der modifizierten Gibbs-Thomson Gleichung Tm=K/(Rt)
(Gl. 3.12). Sie liefert hier K= (53 ±5) Knm und t= (0,35 ±0,12) nm.
Die Berechnung der Gibbs-Thomson Konstanten ergibt:
KGT = 2Tmbγslvl/slh= 51,5Knm (3.14)
Hier wurden f¨
ur D2O die folgenden Werte verwendet: Schmelztemperatur Tmb =
277 K, Grenzfl¨
achenspannung γsl = 32 mJm2(der selbe Wert wie bei H2O, da
keine Angaben f¨
ur D2O gefunden wurden), Molvolumen vl= 18,2cm3mol1und
molare Schmelzw¨
arme slh= 6.27 kJmol1wobei die Temperaturabh¨
angigkei-
ten von γsl ,vlund slhauch hier vernachl¨
assigt wurden. Wie im Fall von H2O
ergibt sich auch f¨
ur D2O eine gute ¨
Ubereinstimmung des experimentellen Wertes
mit der aus den thermodynamischen Daten ermittelten Konstante KGT .
Neben Untersuchungen an vollst¨
andig gef¨
ullten Proben wurden auch Mes-
sungen an nicht vollst¨
andig mit D2O gef¨
ullten Proben durchgef¨
uhrt. In Abbil-
dung 3.12 ist ein Vergleich der Verschiebung der unterschiedlichen Gefrierpeaks
Abbildung 3.11.: Abh¨
angigkeit des Schmelz- und des Gefrierpunktes von D2O von
der Porenweite; die durchgezogene Linie zeigt einen Fit der Schmelzpunkte mit der
modifizierten Gibbs-Thomson Gleichung.
66
3.4. Ergebnisse
von H2O und D2O in einer SBA-15 Probe gezeigt. Man sieht, daß alle drei dem
Porenfluid zugeh¨
origen Peaks (Peak II,III und VI) in der mit D2O gef¨
ullten
Probe um ca. 4 K zu h¨
oheren Temperaturen verschoben sind. Um diese Verschie-
bung besser erkennen zu k¨
onnen, ist in der Abbildung eine vertikale Linie durch
den Peak IV der D2O-Scans gelegt. Da die verwendete Probe eine relativ kleine
Porenweite besitzt, f¨
allt hier der Peak II* bei den Scans der nicht vollst¨
andig
gef¨
ullten Proben (jeweils der mittlere Scan) mit dem Peak III zusammen, so daß
deren Intensit¨
aten nicht voneinander getrennt werden k¨
onnen.
Abbildung 3.12.: Vergleich der DSC-Scans von Wasser und schwerem Wasser in einer
Probe mit 5,7 nm Porenweite.
Benzol
Auch die Untersuchungen mit Benzol zeigen eine Verschiebung des Gefrier-
/Schmelz¨
ubergangs in mesopor¨
osen Materialien, allerdings ist hier die Verschie-
bung im Vergleich zu Wasser deutlich gr¨
oßer. In den Proben der MCM-41 Mate-
rialien (Porenweite kleiner 4,5 nm) konnte kein Gefrieren des Porenfluids detek-
tiert werden. Die zu erwartende Verschiebung des Gefrier¨
ubergang ist allerdings
67
3. DSC
auch so groß, daß dieser außerhalb des experimentell erreichbaren Bereichs liegt.
In Tabelle 3.3 sind die Schmelz- und Gefrierpunktverschiebungen f¨
ur Benzol in
einigen SBA-15 Materialien zusammengefaßt. Bei einer Porenweite von 6 nm ist
der Gefrierpunkt des Porenfluids um fast 70 K verschoben.
In Abbildung 3.13 sind die Temperaturverschiebungen des Schmelz-/Gefrier-
punktes gegen die Porenweite aufgetragen. Die eingezeichneten Kurven entspre-
chen wieder einem Fit der modifizierten GT-Gleichung und man erh¨
alt f¨
ur die
Tabelle 3.3.: Schmelz- und Gefriertemperaturen von Benzol in SBA-15 Materialien mit
unterschiedlichen Porenweiten 2R.
Probe 2R TmTf
/nm /C /C
PS-Z (P123) 5,8 -37,8 -67,1
TS-B (P103) 6,7 -31,3 -45,0
PS-E (P123) 7,5 -22,9 -41,7
TLX-1 (P103) 8,0 -24,3 -39,4
XL-C (P123) 8,9 -22,4 -34,8
PLU-E (P123) 9,4 -21,4 -32,9
PS-G (P123) 11,7 -17,5 -25,3
Abbildung 3.13.: Abh¨
angigkeit des Schmelz- und des Gefrierpunktes von Benzol
von der Porenweite; die durchgezogene Linie ist ein Fit der Schmelzpunkte und die
gestrichelte ein Fit der Gefrierpunkte mit der modifizierten Gibbs-Thomson Gleichung.
68
3.4. Ergebnisse
Schmelzpunkte: K= (126 ±13) Knm und t= (0,10 ±0,40) nm und f¨
ur
die Gefrierpunkte: K= (142 ±17) Knm und t= (0,84 ±0,31) nm. Das be-
deutet, daß f¨
ur die Anpassung der Schmelzpunkte eine einfache Gibbs-Thomson
Gleichung ausreichend ist.
Bei dieser Auftragung ist, im Gegensatz zu Wasser, keine Ver¨
anderung der
Breite der Hysterese bei den kleinen Porenweiten zu erkennen, es gibt also auch
keine Unstetigkeit in der Gefrierkurve wie bei Wasser. Wenn man einen Vergleich
zu den Wasser-Messungen zieht, sollte das Zusammenfallen von Schmelz- und
Gefrierpunkt in den Poren aber auch erst unterhalb der entsprechenden Peaks
III und IV der teilweise gef¨
ullten Poren auftreten (Abb. 3.14). Diese zus¨
atzliche
Peaks treten hier bei sehr tiefen Temperaturen (200 K) auf, so daß das zusam-
menfallen von Schmelzen und Gefrieren bei den untersuchten SBA-15 Materialien
mit Porenweiten ¨
uber 5 nm nicht zu erwarten ist.
Eine Absch¨
atzung der theoretischen Gibbs-Thomson Konstante f¨
ur Benzol
ergibt mit folgenden Werten f¨
ur Schmelztemperatur Tmb = 278,5 K, Molvolu-
Abbildung 3.14.: Abh¨
angigkeit der DSC-Scans (Abk¨
uhl - und Heizkurven) von Benzol
in einer SBA-15 Probe mit einer Porenweite von ca. 8 nm vom F¨
ullungsgrad.
69
3. DSC
men vl= 88,9cm3mol1, Grenzfl¨
achenspannung γsl 20 mJm2und molare
Schmelzw¨
arme slh= 9,96 kJmol1:
KGT =2Tmbγslvl
slh100 Knm (3.15)
Die fest-fl¨
ussig Grenzfl¨
achenspannung γsl wurde von Jackson et al. [Jack90] ¨
uber-
nommen. Sie kann unter anderem aus dem molaren Verh¨
altnis von γsl/slh=
0,33 pro Einheitsfl¨
ache, welches f¨
ur viele organische Materialien gilt, abgesch¨
atzt
werden und wurde durch verschiedene Meßmethoden best¨
atigt (siehe [Jack90]).
Auch bei Benzol stimmen also die Werte des experimentell bestimmten und
der des berechneten Gibbs-Thomson Koeffizienten gut ¨
uberein, wenn man die
Temperaturabh¨
angigkeit der thermodynamischen Gr¨
oßen vernachl¨
assigt und die
groben Absch¨
atzungen in Betracht zieht, die hierbei gemacht wurden.
Wie oben schon erw¨
ahnt, tritt auch bei Benzol eine Abh¨
angigkeit des Gefrier-
verhaltens von der Porenf¨
ullung auf. In Abbildung 3.14 sind DSC-Scans (Abk¨
uhl-
und Heizkurven) von Benzol in einem SBA-15 Material mit einer Porenweite von
8,0 nm gezeigt, bei denen der F¨
ullungsgrad wieder in einem weiten Bereich variiert
wurde. Generell findet man f¨
ur Benzol ein analoges Verhalten zu den Ergebnissen
mit Wasser. Bei ¨
uberf¨
ullten Poren >1) ist neben dem Gleichgewichts-Peak
der Porenfl¨
ussigkeit auch der Peak f¨
ur die bulk-Fl¨
ussigkeit zu erkennen. Sind die
Poren nicht mehr vollst¨
andig gef¨
ullt <1), so tritt wieder ein differenziertes
Gefrierverhalten auf, w¨
ahrend sich die Lage des Schmelzpeaks nur unwesentlich
¨
andert. Die in den beiden oberen Scan-Kurven von Abbildung 3.14 auftreten-
den zus¨
atzlichen Peaks lassen sich aber nicht mehr ganz eindeutig in das Sche-
ma der Wasser-Peaks einordnen, wahrscheinlich handelt es sich um die zu den
Wasser-Messungen analogen Peaks II* und III. Der Peak IV entsprechende Pha-
sen¨
ubergang kann nicht mehr beobachtet werden. Auch die Intensit¨
at des Peaks
III im Vergleich zu dem Peak II der gef¨
ullten Poren ist gering im Vergleich zu
den DSC-Scans mit Wasser, aber auch hier tritt nur eine geringf¨
ugige ¨
Anderung
der Schmelztemperatur auf.
Einfluß der Porenoberfl¨
ache auf den Schmelz-/Gefrier¨
ubergang von
Benzol und seinen Chlor- und Fluor-Derivaten
Neben den nativen MCM-41 und SBA-15 Materialien standen f¨
ur die Untersu-
chung des Schmelz- und Gefrierverhaltens reiner Stoffe in den Poren auch Mate-
70
3.4. Ergebnisse
rialien mit modifizierter Porenoberfl¨
ache zur Verf¨
ugung. Mit Hilfe dieser Materia-
lien kann nicht nur die Abh¨
angigkeit des Phasen¨
ubergangs von der Porenweite,
sondern auch der Einfluß der Wechselwirkung des Porenfluids mit der Poren-
wand untersucht werden. Als Porenfluid boten sich f¨
ur diese Untersuchung neben
Benzol die verschiedenen Fluor- und Chlor-Derivate des Benzols an. Durch die
unterschiedlichen Substituenten am Benzolring kann der Werte des Parameters α
(Gleichung 3.11), der das Verh¨
altnis der Fluid-Wand Wechselwirkungen zu den
Fluid-Fluid Wechselwirkungen angibt, sehr fein variiert werden.
F¨
ur die Untersuchungen wurden neben Benzol haupts¨
achlich Hexafluorben-
zol und Hexachlorbenzol verwendet, da bei diesen Substanzen mit den extremsten
Auswirkungen gerechnet werden kann. Durch die Verwendung von z.B. 1,3,5-
Trichlorbenzol kann der ¨
Ubergang zwischen den beiden Extremen beobachtet
werden. Die bulk-Schmelzpunkte der Benzolderivate liegt zwischen 273 K f¨
ur
a) b)
Abbildung 3.15.: Einfluß der Porenoberfl¨
ache auf die Verschiebung des Schmelzpunktes
von a) Hexachlorbenzol und b) Hexafluorbenzol in einer SBA-15 Probe (XL-C, 9 nm);
obere Kurven: Material ohne Beschichtung; mittlere Kurven: Material mit fluorierter
Porenoberfl¨
ache (CF3(CF2)7(CH2)2Si(CH3)2); untere Kurven: Material mit methylier-
ter Oberfl¨
ache (HMDS).
71
3. DSC
1,3,5-Trifluorbenzol und 503 K f¨
ur Hexachlorbenzol. Die Gefrierpunktverschie-
bung von Benzol betr¨
agt in Mesoporen mit einer Weite von ca. 6 nm schon 70 K,
f¨
ur Benzolderivate in den untersuchten Materialien ist sie teilweise noch gr¨
oßer.
Daher konnten bei den Substanzen mit Schmelzpunkt unterhalb oder nahe der
Raumtemperatur nur die Phasen¨
uberg¨
ange in Materialien mit Porenweiten ¨
uber
ca. 7 nm experimentell beobachtet werden.
Abbildung 3.15 a) und b) zeigt den Einfluß der Porenwand auf das Schmelz-
und Gefrierverhalten von Hexachlorbenzol und Hexafluorbenzol in einem SBA-15
Material mit der urspr¨
unglichen hydroxylierten Oberfl¨
ache, mit einer ann¨
ahernd
perfluorierten Oberfl¨
ache (Behandlung mit CF3(CF2)7(CH2)2Si(CH3)2-Cl, siehe
Abschnitt 2.3) und mit einer vollst¨
andig methylierten Oberfl¨
ache (Behandlung
mit HMDS) verwendet wurde. F¨
ur Hexachlorbenzol kann man bei den beiden
beschichteten Materialien deutlich die Verschiebung des Phasen¨
ubergangs zu
h¨
oheren Temperaturen erkennen, obwohl der Porenradius durch die Modifizie-
a) b)
Abbildung 3.16.: Einfluß der Porenoberfl¨
ache auf die Verschiebung des Schmelzpunktes
von Hexachlorbenzol in zwei SBA-15 Materialien. a)TS-B (Porenweite 6,7 nm) und b)
TS-A (Porenweite 5,4 nm) jeweils bei den oberen Kurven das urspr¨
ungliche Material
und bei den unteren mit methylierter Oberfl¨
ache.
72
3.4. Ergebnisse
rung geringer geworden ist. Dabei ist der Unterschied zwischen hydroxylierter
und methylierter Oberfl¨
ache besonders groß. Im Fall von Hexafluorbenzol ist der
Einfluß der Beschichtung auf den Phasen¨
ubergang in den Poren deutlich gerin-
ger als bei Hexachlorbenzol aber im Hinblick auf die reduzierte Porenweite der
modifizierten Materialien doch vorhanden. Die Schmelztemperatur in den Poren
ist bei allen Oberfl¨
achen fast gleich, bei der perfluorierten Oberfl¨
ache ist allerdings
eine weitere Hysterese als bei den beiden anderen Materialien zu sehen.
In den Abbildungen 3.16 und 3.18 a) sind DSC-Scans von Hexachlorbenzol
in zwei weiteren SBA-15 Materialien mit 6,7 nm bzw. 5,4 nm Porenweite und in
einem MCM-41 Material mit 4,2 nm Porenweite gezeigt. Die geringe Porenweite
der MCM-41 Probe f¨
uhrt in den nativen Proben mit hydroxylierten Porenw¨
anden
zu einer Verringerung der Gefriertemperatur Tfvon Hexachlorbenzol um ca. 160
K, w¨
ahrend der Gefrierpunkt in der Probe mit den methylierten Porenw¨
anden
nur ca. 60 K verschoben ist. In Proben mit noch kleinerer Porenweite ist der
Phasen¨
ubergang von Hexachlorbenzol bei einer hydroxylierten Oberfl¨
ache nicht
Tabelle 3.4.: Schmelz- und Gefriertemperaturen von Hexachlorbenzol in por¨
osen Ma-
terialien mit unterschiedlichen Porenweiten 2Rund unterschiedlichen Porenw¨
anden.
Bei den beschichteten Proben wurde eine um 0,5 nm verringerte Porenweite zu den
unbeschichteten Proben angenommen. Tbulk ist der onset des Peaks der bulk-Fl¨
ussigkeit
des jeweiligen DSC-Scans.
Probe 2R Tbulk TmTf
/ nm / C / C / C
C14A HMDS 2,5 228 167 144 & 158
BGX18A 3,7 232 148 73
BGX18A HMDS 3,2 224 193 173
TS-A 5,4 230 160 108
TS-A HMDS 4,9 226 208 170
TS-B 6,7 228 181,5 136 & 149
TS-B HMDS 6,2 232 208 185 & 192
XL-C 8,9 230 191 154 & 164
XL-C -CF38,4 199 170
XL-C HMDS 8,4 230 217 199
PS-G 11 229 199,5 175,5
PS-G HMDS 9 229 222,5 202
73
3. DSC
mehr zu beobachten, w¨
ahrend im Falle der methylierten Oberfl¨
ache noch bei
einer Porenweite von ca. 2,5 nm ein deutliches Signal f¨
ur die Phasen¨
uberg¨
ange
zu erkennen ist. Dies ist noch bemerkenswerter, wenn man die Gr¨
oßenrelation
des Hexachlorbenzol-Molek¨
uls zur Porenweite ber¨
ucksichtigt. Es ist zu vermuten,
daß hier keine nicht-gefrierende Oberfl¨
achenschicht, wie sie bei Wasser in den
hydroxylierten Materialien angenommen wird, vorliegen. Zusammenfassend kann
man somit eine starke Abh¨
angigkeit der Phasen¨
ubergangstemperatur von der
Porenweite bei dem System Hexachlorbenzol/hydroxilierte Oberfl¨
ache, und eine
sehr viel schw¨
achere Abh¨
angigkeit bei dem System Hexachlorbenzol/methylierte
Oberfl¨
ache feststellen.
In Tabelle 3.4 sind die Schmelz- und Gefrierpunkte von Hexachlorbenzol in
den untersuchten SBA-15 und MCM-41 Materialien mit modifizierter und nicht
modifizierter Porenoberfl¨
ache zusammengefaßt. Die Auftragung der Schmelz-
/Gefrierpunktverschiebung Tin Abh¨
angigkeit von der Porenweite 2R(Abbil-
Abbildung 3.17.: Abh¨
angigkeit der Schmelz-/Gefrierpunkte (offene/gef¨
ullte Symbole)
von Hexachlorbenzol in Materialien mit hydroxylierter und mit methylierter Ober-
fl¨
ache von der Porenweite.
74
3.4. Ergebnisse
dung 3.17) zeigt die unterschiedlichen Abh¨
angigkeiten des Phasen¨
ubergangs von
der Porenoberfl¨
ache. Die eingezeichneten Kurven sind hier nur ein guide to the
eyes und bei der Porenweite m ber¨
ucksichtigt werden, daß die Werte f¨
ur die
modifizierten Materialien nur Absch¨
atzungen sind. Aus dem beobachteten Ver-
halten kann geschlossen werden, daß durch die Beschichtung der Porenoberfl¨
ache
der Parameter α(siehe Gl. 3.11 und Abb. 3.2), der eine große Rolle bei dem Aus-
maß und der Richtung der Verschiebung des Phasen¨
ubergangs spielt, ge¨
andert
wurde. Auf Grund der Rechnungen von Rhadakrishnan et al. ist f¨
ur das System
Hexachlorbenzol/Hydroxyloberfl¨
ache ein Wert f¨
ur αkleiner 0,85 anzunehmen,
da hier eine deutliche Gefrierpunkterniedrigung vorliegt, w¨
ahrend f¨
ur das System
Hexachlorbenzol/Methyloberfl¨
ache ein α-Wert in der N¨
ahe von 0,85 zu vermute-
nist, da hier die Verschiebung des Phasen¨
ubergangs deutlich schw¨
acher ist. Aus
der Auftragung in Abbildung 3.17 kann aber nicht abgesch¨
atzt werden, ob es
bei den betrachteten Systemen bei sehr großen Poren auch zu einer tats¨
achlichen
a) b)
Abbildung 3.18.: Einfluß der Porenoberfl¨
ache auf die Verschiebung des Schmelz-
/Gefrierpunktes: a) Hexachlorbenzol in MCM-41 (BGX18A, Porenweite 4,2 nm); b)
Trichlorbenzol in SBA-15 (XL-C, Porenweite 9 nm) mit nativer Oberfl¨
ache und mit
methylierter Oberfl¨
ache.
75
3. DSC
Erh¨
ohung der Schmelztemperatur im Bezug zur bulk-Substanz kommen kann.
Auch der Grad der Chlorierung des Benzolrings hat einen Einfluß auf das
Ausmaß der Verschiebung des Phasen¨
ubergangs. Dies ist in Abbildung 3.18 b)
gezeigt. Hier sind die DSC-Scans von Trichlorbenzol in dem gleichen Material
wie in Abbildung 3.15 f¨
ur eine hydroxilierte und eine methylierte Oberfl¨
ache
verglichen. Der relativ schmale Schmelz-Peak des Trichlorbenzols in dem Material
mit methylierter Oberfl¨
ache liegt nur geringf¨
ugig ¨
uber den beiden Schmelz-Peaks
in dem urspr¨
unglichen Material.
Ein bei einigen Proben zu beobachtender Effekt ist das Auftreten von meh-
reren (meist zwei) Peaks beim Schmelzen oder Gefrieren des Porenfluids. Bei den
hier untersuchten Proben kann keine direkte Regelm¨
aßigkeit dieses Effektes z.B.
im Bezug auf die Porenweite gefunden werden. Untersucht man vergleichbare Ma-
terialien, so ist der Effekt aber sehr gut reproduzierbar. In Abbildung 3.19 sind
a) b)
Abbildung 3.19.: Einfluß der Porenoberfl¨
ache auf die Verschiebung des Schmelzpunktes
von Benzol in SBA-15. Bei den beiden fast identischen Materialien zeigt sich im unbe-
handelten Material f¨
ur Benzol sowohl in der Schmelz- als auch in der Gefrierkurve nur
ein Peak. Bei den beiden Proben mit methylierter Oberfl¨
ache findet man zwei deutliche
Peaks bei den Schmelzkurven.
76
3.4. Ergebnisse
die DSC-Scans von Benzol in zwei SBA-15 Materialien mit ann¨
ahernd gleicher
Porenweite gezeigt. Die beiden oberen Schmelz-/Gefrierkurven von Benzol in den
urspr¨
unglichen Materialien zeigen jeweils nur einen Peak in der Schmelz- und
Gefrierkurve. In den beiden unteren Schmelzkurven von Benzol in mit HMDS
behandeltem SBA-15 kann man zwei bzw. sogar drei Peaks erkennen, w¨
ahrend in
den Gefrierkurven weiterhin nur ein Peak zu sehen ist (Teil a) der Abbildung sind
zwei unabh¨
angig gewonnene Scans der Probe gezeigt). Damit ist es sehr wahr-
scheinlich, daß das Auftreten mehrerer Peaks reproduzierbar von der Porenweite,
der Porenoberfl¨
ache und dem Porenfluid abh¨
angen. Dieses ungew¨
ohnliche Verhal-
ten des Phasen¨
ubergangs wurde auch schon von Jackson et al. [Jack90] bei dem
Studium des Schmelzverhaltens einigen n-Alkanen in por¨
osem Glas gefunden,
wobei eine Verunreinigung der bulk-Fl¨
ussigkeit ausgeschlossen wurde. Die Natur
dieser Peaks ist allerdings noch ungekl¨
art. Es k¨
onnte sich um das Auftreten von
Oberfl¨
achen- und core-Phasen handeln, die entweder nur unter bestimmten Vor-
aussetzungen auftreten oder die immer vorliegen, deren ¨
Ubergangstemperaturen
aber nur manchmal weit genug auseinander liegen. Gegen diese Erkl¨
arung spricht
allerdings, daß zwei Peaks auch bei dem System Hexachlorbenzol/methylierte
Oberfl¨
ache in Poren mit sehr geringer Weite (2,5 nm) auftreten, wo praktisch nur
eine Oberfl¨
achenphase vorliegt. Daher k¨
onnte der Ursprung mehrerer Peaks auch
in einer Umstrukturierung des Porenfeststoffes selbst liegen.
Abbildung 3.20.: Verschiebung des Schmelz-/Gefrierpunktes in einem MCM-41 Mate-
rial mit methylierter Oberfl¨
ache und einer Porenweite von ca. 2,5 nm.
77
3. DSC
3.5. Diskussion
Die erhaltenen Ergebnisse zeigen ein einfaches Schmelzverhalten und ein komple-
xeres Gefrierverhalten von Fluiden in geordneten mesopor¨
osen Materialien. In der
Diskussion wird auf das vielf¨
altige Gefrierverhalten in teilweise gef¨
ullten Poren
und auf die Schmelz-/Gefrierpunktverschiebung in gef¨
ullten Poren eingegangen.
Danach wird die Temperaturverschiebung in Bezug auf die Gasadsorption disku-
tiert und es werden die daraus resultierenden Konsequenzen f¨
ur die Thermoporo-
metrie (Bestimmung der Porenweitenverteilung mittels DSC) zusammengefaßt.
3.5.1. Gefrieren von Wasser in teilweise gef¨
ullten Poren
Das Auftreten mehrerer Peaks in den Gefrierkurven von nicht vollst¨
andig gef¨
ull-
ten Poren deutet auf verschiedene Zust¨
ande des Porenfluids bei den entsprechen-
den F¨
ullungsgraden hin. Diese Zust¨
ande werden bei der Beschreibung der Gasad-
sorption in mesopor¨
osen Materialien auch als gasartiger Zustand und Fl¨
ussig-
keitszustand bezeichnet. Im gasartigen Zustand existiert ein an der Porenwand
adsorbierter Fl¨
ussigkeitsfilm und im Poreninnern liegt eine Gasphase vor. Im
Fl¨
ussigkeitszustand ist die Pore vollst¨
andig gef¨
ullt.
In Abbildung 3.21(a) ist eine schematische Adsorptionsisotherme mit einer
a) b)
Abbildung 3.21.: a) Schematische Darstellung der Porenf¨
ullung an Hand einer Isother-
men und b) die dazugeh¨
origen Zust¨
ande des Porenfluids.
78
3.5. Diskussion
idealisierten Kondensationsstufe des Porenfluids bei dem Druck ppgezeigt. Diese
Isotherme l¨
aßt sich in drei F¨
ullungsbereiche unterteilen. Unterhalb des Druckes
ppund der F¨
ullung φmin liegt der Bereich des gasartigen Zustandes mit einem
an der Porenwand adsorbierten Film der Schichtdicke Fvor. Der entsprechende
Punkt c ist in Abbildung 3.21(a) dargestellt. Der zweite Bereich (Punkt b in Abb.
3.21(a)) entspricht der Koexistenz von gasartigem Zustand und Porenfl¨
ussigkeit
beim Druck pp. Dort koexistieren bei idealen Zylinderporen gef¨
ullte Bereiche der
Pore (L0) mit einer definierten Fluiddichte und nicht gef¨
ullte Bereiche mit einer
definierten Schichtdicke F0, wobei mit zunehmender F¨
ullung nur das Verh¨
altnis
dieser beiden Phasen, nicht aber deren Zust¨
ande, sich ¨
andern. Der F¨
ullungsgrad φ
liegt zwischen einem minimalen F¨
ullungsgrad φmin und einer vollst¨
andig gef¨
ullten
Pore (φ= 1). Der letzte Bereich (Punkt a in Abb. 3.21(a)) bei φ > 1 entspricht
vollst¨
andig gef¨
ullten Poren und dem Vorhandensein von Exzeß-Wasser, welches
auf den Außenseiten des por¨
osen Materials eine Fl¨
ussigkeitsschicht bildet. Einige
der Ergebnisse f¨
ur das Gefrieren in nur teilweise gef¨
ullten Poren k¨
onnen mit Hilfe
der Adsorptionsisotherme aus Abbildung 3.21(a) erkl¨
art werden, wenn man Peak
II dem Gefrieren des Porenfluids L0zuordnet und Peak III dem Gefrieren der
Abbildung 3.22.: Zuordnung zu den DSC-Peaks zu der schematische Darstellung aus
Abbildung 3.21. Die Peaks k¨
onnen den von dem F¨
ullungsgrad abh¨
angigen unterschied-
lichen Bereichen des Fluids zugeordnet werden.
79
3. DSC
adsorbierten Schicht F0. F¨
ur einen besseren Vergleich sind in Abbildung 3.22
einige Scans noch einmal eingef¨
arbt dargestellt.
Die unterste Scankurve in Abbildung 3.22 (φ= 1,3) entspricht Punkt a
in der Isotherme. Der spitze Peak Ibei 257 K ist auf das Ausfrieren von un-
terk¨
uhltem Wasser zur¨
uckzuf¨
uhren, worauf auch die Form des Peaks mit dem
scharfen Onset hindeutet. Bei tieferen Temperaturen steht die Porenfl¨
ussigkeit
Lin Kontakt mit dem gefrorenen Exzeß-Wasser, so daß dieses nun als Keim f¨
ur
das Ausfrieren der Porenfl¨
ussigkeit dienen kann (Peak II). Darauf deutet auch
die Form des Peaks hin, welche in diesem Fall eine symmetrische Form wie der
Schmelzpeak aufweist. Daher kann hier auch die Form des Peaks der Porenweiten-
verteilung des Materials zugeordnet werden und der Phasen¨
ubergang entspricht
einem Gleichgewichts¨
ubergang. Daß die Nukleation durch das bulk-Eis f¨
ur das
Gefrieren der Porenfl¨
ussigkeit von Bedeutung ist, zeigen auch Messungen an Ma-
terialien mit Porenweiten, die so groß sind, daß Peak II oberhalb des Peaks I
f¨
ur das unterk¨
uhlte Wasser liegt. In diesem Fall zeigt sich beim Abk¨
uhlen von
Raumtemperatur, daß die Porenfl¨
ussigkeit erst gemeinsam mit dem unterk¨
uhlten
Exzeß-Wasser ausfriert. Wenn man die Probe dagegen erst auf 230 K abk¨
uhlt,
sie dann wieder auf 272 K erw¨
armt und nun den Scan durchf¨
uhrt, so daß das
Exzeß-Wasser schon als Eis vorliegt, kann man den Peak f¨
ur das Gefrieren des
Porenwassers bei der entsprechenden h¨
oheren Temperatur beobachten.
Bei der Nukleation des Porenwassers durch bulk-Eis m allerdings ber¨
uck-
sichtigt werden, daß das Poreneis, vor allem in den engporigen MCM-41 Mate-
rialien, in der kubischen Form kristallisiert [Bell93, Taka97, Mori97], w¨
ahrend
bulk-Eis in der hexagonalen Form kristallisiert. M¨
oglicherweise ist dies eine Ur-
sache f¨
ur die auftretende Hysterese zwischen Schmelzen und Gefrieren des Po-
renwassers. Bellissent-Funel et al. [Bell93] fanden, daß sich das kubische Poreneis
in Vycor-Glas mit 5 nm Porenweite kurz vor dem Schmelzen in die hexagona-
le Form umwandelt. Wenn das Gefrieren der hexagonalen Form gehindert w¨
are,
w¨
urde sich der entsprechende Gefrierpeak zu tieferen Temperaturen verschieben
und damit die Hysterese erkl¨
aren. Da bei den engporigen MCM-41 Materialien
die Temperaturverschiebung des Schmelz-/Gefrier¨
ubergangs und außerdem der
Einfluß der begrenzenden Porenwand auf das Poreneis sehr groß sind, kann es
m¨
oglich sein, daß die Umwandlung zur hexagonalen Form hier nicht mehr statt-
findet. Wenn diese Umwandlung ein Grund f¨
ur die Hysterese zwischen Schmelzen
und Gefrieren des Porenwassers ist, sollte also bei kleiner Porenweite die Hystere-
80
3.5. Diskussion
se verschwinden und dies wird auch bei DSC-Messungen von Wasser in MCM-41
Materialien beobachtet. Messungen zur Struktur von Eis in den Poren von SBA-
15 Materialien k¨
onnten Aufschluß ¨
uber die Abh¨
angigkeit des ¨
Ubergangs von der
kubischen zur hexagonalen Modifikation des Porenwassers von der Porenweite
liefern.
Ein direkter Vergleich der Arbeiten von Bellissent-Funel et al. und der dort
gezeigten DSC-Scans mit den hier durchgef¨
uhrten Messungen wird erschwert
durch die vergleichsweise große Probenmenge an Vycor (es handelte sich um ein
Zylinder mit 7,2 mm Durchmesser und 76 mm L¨
ange, welches auf ein Gewicht
von einigen Gramm schließen l¨
aßt) und der hohen Scan-Geschwindigkeit von 2
K/min, so daß es zweifelhaft ist, daß diese Messungen unter Gleichgewichtsbe-
dingungen stattfanden.
Die mittlere Scan-Kurve in Abbildung 3.22 l¨
aßt sich dem Punkt b aus der
Isothermen von Abbildung 3.21(a) zuordnen. Bei einem F¨
ullungsgrad im Bereich
φmin < φ < 1 liegen innerhalb des por¨
osen Materials Fl¨
ussigkeitsdom¨
anen L0und
Dom¨
anen mit einem adsorbierten Film F0nebeneinander vor. Da hier nun kein
bulk-Eis mehr vorhanden ist, kann eine Unterk¨
uhlung der Porenfl¨
ussigkeit auf-
treten, was sich in diesem Scan zum einen durch die Verschiebung des Peak II*
zu tieferen Temperaturen und zum anderen durch seine Form mit dem spon-
tanen Anstieg zeigt. W¨
ahrend alle anderen Peaks bei wiederholten Messungen
ihre Lage nicht ver¨
andern, zeigt der Peak II* auch teilweise eine Ver¨
anderung
in Lage und Gestalt. Man erh¨
alt teilweise bei Gefrierscans im Bereich zwischen
Peak II* und Peak III sehr viele kleine scharfe Peaks. Dies ist besonders auff¨
allig
bei frisch bereiteten Proben (bis zu einigen Stunden zwischen Pr¨
aparation und
Messung). M¨
oglicherweise liegen in frisch bereiteten Proben viele unabh¨
angige
Fl¨
ussigkeitsdom¨
anen vor und die kleinen Peaks lassen auf das Gefrieren der ein-
zelnen Dom¨
anen schließen.
Peak III wird mit dem Gefrieren des an der Porenwand adsorbierten Fil-
mes gedeutet. Im Bereich der koexistierenden Dom¨
anen, φmin <φ<1, sollten
die Peakfl¨
ache der Peaks II* und III im Verh¨
altnis zu den Stoffmengenantei-
len der beiden Dom¨
anen stehen. Diese Erwartung trifft aber nur eingeschr¨
ankt
zu. Zwar ist ein genereller Trend des Abnehmens von Peak II* mit abnehmen-
dem F¨
ullungsgrad zu beobachten, aber da die beiden Peaks abh¨
angig von der
Porenweite mehr oder weniger stark ¨
uberlappen, m man davon ausgehen, daß
auch Teile von Peak II* erst mit Peak III ausfrieren. Unterhalb einer minimalen
81
3. DSC
F¨
ullung φ<φmin tritt kein Peak II* mehr auf, was auf die Abwesenheit von
Fl¨
ussigkeitsdom¨
anen schließen l¨
aßt. Dieser Zustand entspricht dem Punkt c der
Isotherme, wo nur noch ein adsorbierter Film Fvorliegt. Die Temperatur des
Maximums von Peak III h¨
angt, wie in Abbildung 3.9 b) zu sehen ist, geringf¨
ugig
vom F¨
ullungsgrad und von der Porenweite ab. Das Maximum verschiebt sich
mit abnehmendem Porenradius zu geringeren Temperaturen und mit sinkender
Schichtdicke Fzu h¨
oheren Temperaturen. Dasselbe Verhalten kann man auch f¨
ur
Peak IV beobachten.
Das Auftreten mehrerer Peaks in den Gefrierkurven von Wasser in Abh¨
angig-
keit vom F¨
ullungsgrad der Poren wurde bereits von Takamuku et al. [Taka97]
beschrieben, aber dort nicht den Zust¨
anden des Porenfluids zugeordnet. In dieser
Arbeit wurden die Struktur, die thermischen Eigenschaften und die Dynamik von
Wasser in zwei por¨
osen Gl¨
asern (Develosil 30 und 100) mit nominellen Porenwei-
ten von 3 nm und 10 nm untersucht. In dem engporigen Material wurden bei
F¨
ullungsgraden von 1,0 und 0,86 zwei Gefrierpeaks bei 233 K und 237 K bzw.
238 K beobachtet. In dem weitporigen Material wurden bei einem F¨
ullungsgrad
von 0,91 ein scharfer Peak bei 252 K und bei einem F¨
ullungsgrad von 0,21 zwei
Peaks bei 231 K und 236 K beobachtet. Der Vergleich dieser Ergebnisse mit den
Abbildung 3.23.: DSC scans von Wasser in den por¨
osen Gl¨
asern Develosil 30 und De-
velosil 100 (aus [Taka97]).
82
3.5. Diskussion
Messungen an den geordneten Materialien l¨
aßt vermuten, daß die angegebenen
F¨
ullungsgrade in Develosil 30 zu hoch sind, da z.B. f¨
ur Develosil 30 in der oberen
Kurve von Abb. 3.23 a) kein Peak II* zu beobachten ist, und der F¨
ullungsgrad
der oberen Kurve von Develosil 100 in Abb. 3.23 b) h¨
oher ist als angegeben, da
bei dem angegebenen F¨
ullungsgrad von 0,91 der scharfe Onset von unterk¨
uhltem
bulk und das Fehlen von Peak III auf einen F¨
ullungsgrad ¨
uber 1 hindeuten. Au-
ßerdem ist zu vermuten, daß die Porenweiten von Develosil 30 und 100 gr¨
oßer
als angegeben sind. Ein Vergleich der Schmelzpeaks aus Abbildung 3.23 mit der
Auftragung der Schmelzpunktverschiebung in Zylinderporen in Abbildung 3.6 er-
gibt Porenweiten von 6,5 nm und >13 nm f¨
ur die beiden Proben. Des weiteren
sind durch die verwendeten großen Substanzmengen (bei K¨
ugelchen mit 3 mm
Durchmesser ergeben sich mit V= 4/3πr3und einer gesamt Dichte von 1 g/cm3
ca. 15 mg pro Probe) und der angegebenen Scangeschwindigkeiten die Peaks
wahrscheinlich erheblich aus den Gleichgewichtspositionen verschoben.
Neben Messungen an teilweise gef¨
ullten mesopor¨
osen Materialien lassen sich
auch Untersuchungen an fumed-Silica (nicht por¨
oses SiO2mit sehr großer Ober-
fl¨
ache und kleiner Korngr¨
oße) durchf¨
uhren (siehe Abb. 3.24). Die Gefrierscans
Abbildung 3.24.: DSC-Scans von Wasser auf fumed-Silica mit Teilchengr¨
oße (mesh
size)von ca. 6 nm, die Zahlen geben das Massenverh¨
altnis von Wasser zu Silika an.
83
3. DSC
zeigen neben vielen scharfen Peaks auch einen kleinen breiten Peak bei ca. 230
K und einen spitzeren Peak bei 234 K. Das Auftreten eines Phasen¨
ubergangs
beim Gefrieren eines Wasserfilms auf nichtpor¨
osen Oberfl¨
achen wurde von Bog-
dan et al. beschrieben [Bogd98]. Diese Autoren untersuchten die Enthalpie- und
Temperatur¨
anderung des Phasen¨
ubergangs des an Silika-Oberfl¨
achen adsorbier-
ten Wasserfilms in Abh¨
angigkeit von der Schichtdicke und fanden, daß die Ge-
friertemperatur mit abnehmender Schichtdicke sinkt (von 252 K (4 Monolagen)
zu 230 K (1 Monolage)) und in der gleichen Richtung auch der Wert der mo-
laren Schmelzenthalpie abnimmt. Die Autoren vermuten, daß das Wasser nicht
als Schicht, sondern in Form kleiner Mikrotr¨
opfchen an der Oberfl¨
ache vorliegt
und ausfriert. Im Vergleich zu den Messungen an den geordneten Materialien
kann der von Bogdan beobachtete Peak bei 233 K dem Peak IV in den teilgef¨
ull-
ten Proben zugeordnet werden. Der in der Arbeit von Bogdan bei der h¨
ochsten
Wasserbeladung beobachtete ¨
Ubergang bei ca. 252 K ist dabei aber vermutlich
auf das Ausfrieren von Zwischenkorn-Wasser zur¨
uckzuf¨
uhren. In den hier durch-
gef¨
uhrten Untersuchungen an den geordneten Materialien wurde auch eine leichte
Verschiebung der Peakposition von Peak IV mit abnehmender F¨
ullung beobach-
tet welche durch die abnehmende Schichtdicke der adsorbierten Schicht an den
Porenw¨
anden verursacht werden k¨
onnte.
Bei der Diskussion um den Ursprung des Peak IV ist hervorzuheben, daß das
Schmelzverhalten von Wasser in den Poren im Gegensatz zum Gefrierverhalten,
das abh¨
angig vom F¨
ullungsgrad mehrere Peaks zeigen kann, stets nur einen ¨
Uber-
gang zeigt (siehe Abb. 3.8 b)). Dieses deutet darauf hin, daß beim Schmelzen des
Porenfluids nur noch eine homogene Phase vorliegt. Des weiteren wird das che-
mische Potential einer festen Schicht Eis an der Porenwand mit zumindest einer
Lage fl¨
ussigen Wassers gr¨
oßer sein, als bei einer Konfiguration mit nur einem ge-
frorenen Porenkern ohne fester Schicht. Damit kann die Ursache f¨
ur Peak IV ein
Phasen¨
ubergang sein, bei dem durch Umlagerung ¨
uber die Gasphase der schon
gefrorenen Multilayerschicht an den Porenw¨
anden zu dem gefrorenen restlichen
Porenfluid Energie abgegeben wird. Ein Schema f¨
ur das Auftreten der Peaks ist
in Abbildung 3.25 gegeben.
In Arbeiten von Kruk et al. [Kruk00] und Ravikovitsch et al. [Ravi01] wer-
den bei der Porenstruktur von SBA-15 Materialien auch Mikroporen beschrieben.
Das Auftreten des Peak IV l¨
aßt sich jedoch nicht durch das Frieren von Wasser
in Mikroporen in den W¨
anden der SBA-15 Materialien erkl¨
aren. Mikroporen mit
84
3.5. Diskussion
Porenweiten bis 2 nm w¨
urden gem¨
der Abh¨
angigkeit der Porenkondensation
von der Porenweite zuerst mit Fl¨
ussigkeit gef¨
ullt, doch w¨
are f¨
ur Wasser in diesen
Poren eine Gefrierpunktverschiebung von weit mehr als 40 K zu erwarten, da sich
schon bei einer Porenweite von 2,9 nm eine Verschiebung von 50 K ergibt (siehe
Abb. 3.6). Da der Phasen¨
ubergang bei ca. 233 K bei unterschiedlichen Systemen
(Zylinderporen, regelm¨
aßig geformte Poren bzw. nicht por¨
oses Substrat) und ge-
ringen Wassergehalten auftritt, liegt es nahe, ihn eher auf einen Oberfl¨
acheneffekt
zur¨
uckf¨
uhren.
Abbildung 3.25.: M¨
ogliche Zuordnung der Peaks bei nicht vollst¨
andig gef¨
ullten Poren.
Peak II Ausfrieren der Porenfl¨
ussigkeit, Peak III Ausfrieren der Multilayerschicht und
Peak IV Umlagerung der gefrorenen Multilayerschicht.
3.5.2. Die Gibbs-Thomson Gleichung
Die Abbildungen 3.6 und 3.11 zeigen, daß sich die Gleichgewichts-Schmelz-
temperaturen von Wasser und schwerem Wasser mit einer modifizierten Gibbs-
Thomson Gleichung beschreiben lassen, wenn der tats¨
achliche Porenradius um
ca. 0,4 nm verringert wird. Dieses entspricht einer Schicht von ein bis zwei Mo-
nolagen von Wasser, die nicht gefrieren und so den effektiven Radius verringern.
Ein Vergleich des aus einer Anpassung von Gl. 3.12 an s¨
amtliche Meßdaten
ermittelten Parameters K= (52 ±2) Knm mit dem aus thermodynamischen
Daten ermittelten Gibbs-Thomson Koeffizienten KGT = 52,4Knm zeigt eine
¨
uberraschend gute ¨
Ubereinstimmung. Bei der Absch¨
atzung von KGT wurden die
Werte der fest/fl¨
ussig-Grenzfl¨
achenspannung γsl, der Schmelzw¨
arme slhund des
Volumens bei 273 K benutzt und die Temperaturabh¨
angigkeit s¨
amtlicher Gr¨
oßen
vernachl¨
assigt. Die gute ¨
Ubereinstimmung der Werte kann darauf hindeuten, daß
sich die jeweiligen Temperaturabh¨
angigkeiten gegenseitig aufheben.
Die f¨
ur den Gibbs-Thomson Koeffizienten Kund die Dicke der Wasserschicht
ermittelten Werte stimmen gut mit Ergebnissen einer Arbeit von Schmidt et al.
[Schmi95] ¨
uberein (K= (49,5±2,0) Knm;t= (0,349±0,36) nm). Hier wurden
85
3. DSC
die Schmelzpunkte von Wasser in MCM-41 Materialien mit Porenweiten zwischen
2 und 4 nm mittels NMR-Spektroskopie ermittelt, indem die Signalintensit¨
at
des geschmolzenen Wassers in Abh¨
angigkeit von der Temperatur aufgezeichnet
wurde.
Die Annahme einer nicht gefrierenden Wasserschicht an den Porenw¨
anden
von Silika wird auch durch NMR-Messungen gest¨
utzt [Over93, Schmi95], bei de-
nen eine Abnahme der Signalintensit¨
at bis hinunter zu 120 K gefunden wurde.
Das bedeutet, daß das Wasser an den Porenw¨
anden bis zu dieser Temperatur
noch teilweise fluiden Charakter haben muß.
Die Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich somit in befriedigender Weise mit-
tels der klassischen Gibbs-Thomson Gleichung mit einer temperaturunabh¨
angi-
gen Konstante KGT erkl¨
aren, wenn man den Porenradius Rdurch einen effektiven
Radius Reff =Rtersetzt. Ein alternativer Erkl¨
arungsversuch f¨
ur die nicht di-
rekte Proportionalit¨
at zwischen Tmund 1/R w¨
are die Annahme einer Tempera-
turabh¨
angigkeit der Gr¨
oßen slh,γsl und vl. Hansen et al. [Hans97] untersuchten
die Schmelzpunktverschiebung von Wasser in verschiedenen Zementen und analy-
sierten die Ergebnisse mit der unkorrigierten GT-Gleichung, unter der Annahme
einer Temperaturabh¨
angigkeit der thermodynamischen Gr¨
oßen. Sie kommen zu
dem Schluß, daß in dem Temperaturbereich von 273 K bis 250 K slhum ca. 25%
und γsl um 7% abnimmt. Die bekannte Abh¨
angigkeit der Dichte ρ(T) von Wasser,
die in dem betrachteten Temperaturbereich auch einige Prozent betr¨
agt, wurde
dabei aber vernachl¨
assigt. Des weiteren ist bei diesen Messungen die Zusammen-
setzung der Zemente aus sehr vielen Komponenten zu ber¨
ucksichtigen, welcher
einen erheblichen Einfluß auf die Messungen haben kann. So k¨
onnen minerali-
sche Bestandteile der Zemente sich in Wasser l¨
osen oder Wasser unterschiedlich
stark adsorbieren. Die eindeutige Interpretation der Daten ist daher nicht mehr
m¨
oglich.
3.5.3. Thermoporometrie
Thermoporometrie ist die Charakterisierung eines por¨
osen Materials mit Hilfe der
DSC, und wurde von Brun et al. [Brun77] erstmals als Methode eingef¨
uhrt. Da f¨
ur
DSC-Messungen nur geringe Substanzmengen erforderlich sind und sich die Mes-
sungen in wenigen Stunden durchf¨
uhren lassen, stellt diese Methode eine Alter-
native zur Charakterisierung por¨
oser Materialien durch N2-Sorptionsisothermen
86
3.5. Diskussion
dar.
Mittels DSC-Messungen l¨
aßt sich in vielen F¨
allen eine deutlich bessere
Aufl¨
osung der Weitenverteilung erreichen als bei der Stickstoffadsorption, da die
Anzahl der Meßpunkte nur von der Ger¨
ateeinstellung abh¨
angt und keinen Einfluß
auf die Meßzeit hat. Bei der Gasadsorption w¨
are die Aufnahme von beispielsweise
1000 Meßpunkten pro Isotherme sehr zeitaufwendig.
Da zur Einf¨
uhrung der Thermoporometrie als Methode aber nur ungeordnete
mesopor¨
ose Materialien bei Vergleichsmessungen zur Verf¨
ugung standen, waren
die Messungen oft schlecht zu deuten und es wurden verschiedene Effekte falsch
zugeordnet. So wurde f¨
ur die Bestimmung der Porenweitenverteilung in der Re-
gel die Gefrierkurve der Materialien herangezogen und aus dem Vergleich zur
Schmelzkurve ein shape-factor ermittelt. Brun et al. nahmen an, daß das Schmel-
zen von der mittleren Kr¨
ummung Csl der Kristallite abh¨
angt (siehe Gleichungen
3.8 und 3.9).:
Csl =dAsl
dVl
(3.16)
Die mittlere Kr¨
ummung der Kristallite h¨
angt von der Porengeometrie ab. F¨
ur
sph¨
arische Poren gilt:
Cls =1
Rn
+1
Rn
=2
Rn
(3.17)
Abbildung 3.26.: Vergleich der Bestimmung einer Porenweitenverteilung aus einer
DSC-Messung (Schmelzkurve, W¨
armefluß w) und dem Adsorptionsast der Stickstoff-
Isothermen dV/dR(siehe Abb. 3.29).
87
3. DSC
f¨
ur zylindrische Poren gilt:
Cls =1
Rn
+1
=1
Rn
(3.18)
Da die mittlere Kr¨
ummmung f¨
ur sph¨
arische Poren somit doppelt so groß wie
f¨
ur Zylinderporen ist, erwartet man f¨
ur Zylinderporen eine maximale und f¨
ur
kugelf¨
ormige Poren eine minimale Schmelz-Gefrier-Hysterese.
Wie die Ergebnisse von Abschnitt 3.4.2 gezeigt haben, h¨
angt das Gefrieren
von Wasser in den Poren jedoch von der Nukleation durch Exzeß-Eis ab. Dement-
sprechend geben die Gefrierkurven eine Gr¨
oßenverteilung der Poren¨
offnungen wie-
der; die Schmelzkurven repr¨
asentieren dagegen die Porenweitenverteilung, da das
Schmelzen nur durch die Kristallitgr¨
oße des Poreneises beinflußt wird. Des weite-
ren l¨
aßt sich die Existenz eines shape-factor’s nicht im Sinne von Brun best¨
atigen,
da gerade die geordneten Materialien ¨
uber Zylinderporen verf¨
ugen, aber eine sehr
geringe Hysterese zeigen, w¨
ahrend sph¨
arische Poren a priori ¨
uber kleinere ¨
Off-
nungen als der maximalen Porenweite verf¨
ugen und somit durch die gehemmte
Nukleation eine gr¨
oßere Hysterese zeigen.
Ein Problem der Thermoporometrie ist die Zuordnung der Signalintensit¨
aten
bzw. der Peakfl¨
achen zu den entsprechenden Porenvolumina, da die Schmelzent-
halpie von der Temperatur [Hans97] und der Porenweite [Brun77] abh¨
angt. Da
außerdem noch eine Schicht nicht gefrierenden Wassers an den Porenw¨
anden vor-
Abbildung 3.27.: Vergleich der Bestimmung einer Porenweitenverteilung aus einer
DSC-Messung (Schmelzkurve, W¨
armefluß w) und dem Adsorptionsast der Stickstoff-
Isothermen dV/dR(siehe Abb. 3.28).
88
3.5. Diskussion
liegt ist eine genaue Analyse des Porenvolumens nicht m¨
oglich. Ein Vergleich
von Messungen an verschiedenen geordneten por¨
osen Materialien birgt zus¨
atzlich
das Problem, daß vorhandene Mikroporen die Bestimmung der Volumina beein-
flussen. Trotz der genannten Unsicherheiten ist eine Absch¨
atzung des gesamten
Porenvolumens ¨
uber die Einwaage und der vorhandenen Menge an Exzeß-Wasser
sehr einfach.
Wie in den Abbildungen 3.26 und 3.27 zu sehen ist, ist die Analyse der Poren-
weitenverteilung mittels DSC eine hervorragende Alternative zur Gasadsorption.
Details der Weitenverteilung (Abb. 3.26) sind in der DSC deutlicher zu erkennen,
als in der entsprechenden Weitenverteilung aus der Gasadsorption. F¨
ur die Halb-
wertsbreiten der Weitenverteilungen ergeben sich aus den beiden Meßmethoden
(Abb. 3.27) ¨
ahnliche Ergebnisse.
Das Schmelz- und Gefrierverhalten von Fl¨
ussigkeiten in por¨
osen Materialien
weist in einigen Punkten eine interessante Analogie zur Porenkondensation von
Gasen in den Poren auf. Generell entsprechen sich dabei Adsorptionsast und
Schmelzkurve bzw. Desorptionsast und Gefrierkurve der beiden Meßmethoden.
In den Abbildungen 3.28 und 3.29 sind Stickstoff-Adsorptionsisothermen und
a) b)
Abbildung 3.28.: Vergleich der a) N2-Sorptionsisothermen bei 77 K und b) einer DSC-
Messung mit Wasser als Porenfluid f¨
ur das Material PS-B.
89
3. DSC
DSC-Scans von Wasser in zwei Silika-Materialien mit einer ungeordneten Struk-
tur bzw. mit einer heterogenen Porenstruktur dargestellt. Anhand der beiden
Meßkurven werden die entsprechenden Analogien erl¨
autert. DSC-Kurven stellen
in erster N¨
aherung die Temperarurableitung des in einem differenziellen Tempera-
turinkrements geschmolzenen Stoffmengenanteils des Porenfluids dar und haben
insofern eine Analogie zur Druckableitung von Sorptionsisothermen im Bereich
der Porenkondensation.
In Abbildung 3.28 ist die N2-Adsorptionsisotherme und der DSC-Scan von
Wasser einer Probe mit einer gr¨
oßeren Hysterese gezeigt. Die Desorption bzw.
das Gefrieren sind durch die im Vergleich zu der Porenweite geringeren Poren¨
off-
nungen behindert. Die Hysterese charakterisiert die Zug¨
anglichkeit der Poren, sie
ist bei beiden Meßmethoden gr¨
oßer als die jeweils minimal auftretende Hysterese.
Aus dem Adsorptionsast der Isotherme und der Schmelzkurve des Porenwassers
kann man die Porenweitenverteilung der Probe ermitteln.
Aus den Ergebnisse aus Abbildung 3.29 kann auf ein Material mit einem An-
teil eines offenen Porensystems mit einer engen Porenweitenverteilung um ca. 10
nm und einer breiten Verteilung von gr¨
oßeren Poren, die zum großen Teil nur ¨
uber
a) b)
Abbildung 3.29.: Vergleich der a) N2-Sorptionsisothermen bei 77 K und b) einer DSC
Messung mit Wasser als Porenfluid (f¨
ur das Material PL-D.
90
3.6. Zusammenfassung
Mikroporen zug¨
anglich sind und zum Teil auch ¨
uber die 10 nm Poren ge¨
offnet
sind, geschlossen werden. Die Anteile des ge¨
offneten Porensystems erh¨
alt man aus
den beiden Anstiegen des Adsorptionsastes bei p/p00,71 und des Desorptions-
astes bei p/p00,64, die die minimale Hysterese ge¨
offneter Porensysteme mit
einer Porenweite ¨
uber 6 nm repr¨
asentieren. Der Anteil des geschlossenen Porensy-
stems l¨
aßt sich auf den abrupten Abfall des Desorptionsastes und das Zusammen-
fallen der Sorptions¨
aste bei geschlossenen Poren (lower closure point [Burg74])
zwischen einem relativen Druck p/p0von 0,4 und 0,5 zur¨
uckf¨
uhren. Die Entspre-
chung f¨
ur die geschlossenen Poren ist bei den DSC-Scans ein relativ scharfer Peak
bei ca. 233 K. Dieser Peak in der Gefrierkurve ist auf die homogene Nukleati-
onstemperatur von Wasser zur¨
uckzuf¨
uhren (siehe Abb. 3.3 b)). Das Gefrieren
von Wasser h¨
angt, wie in Abschnitt 3.2.3 beschrieben, von dem Vorhandensein
von Kristallisationskeimen ab. Wenn große Poren nur ¨
uber Mikroporen zug¨
ang-
lich sind, k¨
onnen keine Kristallisationskeime vom bulk-Eis in das por¨
ose Material
eindringen und das Porenwasser wird bis zur homogenen Nukleationstemperatur
unterk¨
uhlt. Aber auch die homogenen Nukleationstemperatur h¨
angt wie in Abb.
3.3 b) gezeigt, vom Druck ab, so daß sich dieser Peak in einer Hochdruck-DSC
zu tieferen Temperaturen verschieben m¨
ußte.
3.6. Zusammenfassung
In diesem Kapitel wurde der fest/fl¨
ussig Phasen¨
ubergang von Wasser, sowie von
Benzol und halogenierten Benzolen in den Porenr¨
aumen von MCM-41 und SBA-
15 mit Hilfe der DSC untersucht. Ein Hauptaugenmerk bei den Untersuchun-
gen galt dabei dem Verhalten von Wasser in den Poren. Zum einen wurde die
Schmelz-/Gefrierpunktverschiebung in vollst¨
andig gef¨
ullten Poren ¨
uber einen Po-
renweitenbereich von 3 bis 10 nm untersucht. Es wurde eine Abh¨
angigkeit des
Schmelzpunktes vom Porenradius Rgefunden, der sich mit einer modifizierten
Gibbs-Thomson-Gleichung T=K/(Rt) beschreiben l¨
aßt. Der experimentel-
le Wert f¨
ur Kstimmt mit dem Wert des Gibbs-Thomson-Koeffizienten f¨
ur Wasser
¨
uberein, wenn man in die Formel die Werte der thermodynamischen Gr¨
oßen f¨
ur
die normale Schmelztemperatur (273 K) einsetzt. F¨
ur die Korrekturgr¨
oße tergibt
sich ein Wert entsprechend 1-2 Molek¨
uldurchmessern von Wasser. Diese Ergeb-
nisse lassen sich durch die Existenz einer Randschicht von nichtfrierendem Wasser
91
3. DSC
der Dicke tdeuten.
Es wurde auch das Schmelz- und Gefrierverhalten von Wasser in nicht
vollst¨
andig gef¨
ullten Poren untersucht. Hierbei wurden neben dem Gefrier¨
uber-
gang der vollst¨
andig gef¨
ullten Poren zwei weitere Phasen¨
uberg¨
ange gefunden,
von denen bisher nur einer [Bogd98] einer Oberfl¨
achenphase des Wassers auf
Silika-Material zugeordnet war und der zweite bisher in der Literatur noch nicht
diskutiert wurde. Aus den Untersuchungen an den geordneten Silika-Materialien
konnten außerdem wichtige Schlußfolgerungen in Bezug auf die Thermoporome-
trie, wie z.B. die Wichtigkeit des Vorhandenseins eines Kristallisationskeimes f¨
ur
das Gefrieren des Porenfluids, gezogen werden.
Neben der Abh¨
angigkeit des fest/fl¨
ussig Phasen¨
ubergangs von der Porenwei-
te wurde auch der Einfluß der Porenwand auf diesen Phasen¨
ubergang untersucht.
Hier wurde ein experimenteller Nachweis dieses Einflusses f¨
ur Substanzen in meso-
por¨
osen Materialien gefunden. Hexachlorbenzol zeigt eine ausgepr¨
agte Abh¨
angig-
keit dieses Phasen¨
ubergangs von der Porenoberfl¨
ache. Dabei ist die Verschiebung
in Poren mit hydroxylierter Oberfl¨
ache deutlich gr¨
oßer als in Poren mit einer
methylierten Oberfl¨
ache.
92
4. Gravimetrische Untersuchung
der Gasadsorption
Neben der Verschiebung des Schmelzpunktes fester Stoffe ist die Verschiebung der
Dampfdruckkurve von Fl¨
ussigkeiten in por¨
osen Materialien ein Effekt der begren-
zenden Geometrie. Dabei bezeichnet man den Druck, bei dem infolge der Poren-
kondensation eine Stufe in der Adsorptionsisotherme des Gases in dem por¨
osen
Material auftritt, als Dampfdruck der Porenfl¨
ussigkeit.
Das Auftreten von Porenkondensation und die Verschiebung des Porenkon-
densationsdrucks gegen¨
uber dem S¨
attigungsdruck des Bulk-Fluids h¨
angen von
der Temperatur ab. Wie im Falle des Porenschmelzens/-gefrierens zeigt sich bei
genauerer Betrachtung auch hier ein komplexeres Verhalten, als es in der Ein-
leitung skizziert wurde (Abb. 1.2), da der Phasen¨
ubergang des Porenfluids von
Hystereseeffekten begleitet sein kann. Die konkreten Ursachen der Sorptionshy-
sterese und das Vorhandensein eines unteren Grenzwertes der Hysterese bez¨
uglich
des Druckes p/p0(lower closure point) sind aber abh¨
angig von der Natur des Po-
rensystems und werden in der Literatur bis heute kontrovers diskutiert. Auch
die Existenz bzw. Definition des porenkritischen Punktes ist noch unklar. Gerade
im Hinblick auf diese offenen Fragen sind systematische Untersuchungen zur Po-
renkondensation in geordneten mesopor¨
osen Materialien mit Poren einheitlicher
Gr¨
oße in einem gr¨
oßeren Bereich von Porenweiten von besonderem Interesse, da
hier ein Vergleich der experimentellen Ergebnisse mit theoretischen Vorhersagen
sinnvoll und m¨
oglich ist.
Nachdem in der Literatur schon einige Untersuchungen zur Kondensation
von Gasen in MCM-41 Materialien beschrieben sind [Mori97a,98,Sonw98], steht
in dieser Arbeit ein Vergleich des Verhaltens von Gasen bei der Adsorption und
Porenkondensation in MCM-41 und in den weiterporigen SBA-15 Materialien,
93
4. Gasadsorption
sowie der Einfluß der Porenoberfl¨
ache auf das Kondensationsverhalten im Vor-
dergrund der Untersuchungen.
Zus¨
atzlich zu den schon in vorangegangenen Untersuchungen [Schr98] ver-
wendeten Gasen Schwefelhexafluorid (SF6) und Kohlendioxid (CO2), die wegen
ihrer einfachen Molek¨
ulgeometrie als Modellfluide gesehen werden k¨
onnen, wur-
den in dieser Arbeit auch Hexafluorethan (C2F6) und Trifluormethan (CHF3)
als Adsorptive eingesetzt. Da die Tripelpunkte dieser beiden Gase bei tieferen
reduzierten Temperaturen liegen, kann der Verlauf des relativen Kondensations-
drucks hier ¨
uber einen gr¨
oßeren Bereich gemessen werden und damit auch besser
mit theoretischen Vorhersagen zum Kondensationsverhalten von Gasen in be-
grenzender Geometrie [Bock01] verglichen werden. W¨
ahrend Hexafluorethan wie
SF6und CO2unpolar ist, steht mit Trifluormethan ein sehr polares Gas (Dipol-
moment 1,65 µ) zur Verf¨
ugung. Damit ist es m¨
oglich, den Einfluß der Polarit¨
at
von Molek¨
ulen an den hydrophilen und hydrophobisierten Silika-Materialien zu
studieren.
4.1. Sorptionsmessungen
Adsorptionsisothermen einfacher Gase (N2, Ar) bilden die wichtigste Grundlage
zur Charakterisierung der Porensysteme von mikro- und mesopor¨
osen Materia-
lien. Aus ihrer Form lassen sich R¨
uckschl¨
usse auf die Porenform, die Porenwei-
te und die Wechselwirkung des adsorbierten Gases mit der Porenwand ziehen.
Man kann dabei sechs Haupttypen von Isothermen unterscheiden (siehe Abbil-
dung 4.1), die sich in mehrere Kategorien einteilen lassen: Isothermen mit starker
Wechselwirkung des Gases zum Substrat (Typ I, II, IV und VI) bzw. schwacher
Wechselwirkung zum Substrat (Typ III und V); Isothermen f¨
ur mikropor¨
ose (Typ
I), mesopor¨
ose (Typ IV und V) oder nicht-por¨
ose Materialien (Typ II, III und
VI). Im Hinblick auf neue Adsorbentien, und damit differenzierterem Adsorpti-
onsverhalten, sind die Typen I, II und IV noch weiter unterteilt (siehe Abbildung
4.2).
Als Standardadsorbentien sind bis 1992 in der Literatur im Mikro-
porenbereich Holzkohlen [Bail71], Silikagele [Mach89,90] und Zeolithe
[Rath96,Kenn91] und im Mesoporenbereich Silikagele [Mach92], controlled-
pore-glasses [Thom94,95] und Vycor (Corning7930) [Burg89,90] verwendet
94
4.1. Sorptionsmessungen
worden. Graphitierte Ruße (z.B. Vulcan 3G) stellen wichtige unpor¨
ose Adsor-
bentien dar [Lewa90,Mach89].
Als Standard Gase f¨
ur die Charakterisierung von Adsorbentien wurden neben
Stickstoff die Edelgase Helium, Argon, Xenon, Krypton aber auch Alkane, Benzol,
CO2, SF6und Wasser eingesetzt. Dabei wurden nur selten Messungen der Adsorp-
tion ¨
uber einen weiten Temperaturbereich durchgef¨
uhrt [Burg89,90,Thom94,95].
Die meisten Untersuchungen waren wegen der Anwendung volumetrischer Me-
thoden zur Messung der Adsorption auf den Bereich des Dampfdrucks unterhalb
des normalen Luftdrucks beschr¨
ankt.
Nach der Beschreibung der Synthese von geordneten mesopor¨
osen Materia-
lien sind zahllose Ver¨
offentlichungen zur Stickstoffadsorption erschienen (u.A.
Kruk et al. [Kruk97a,b,c,99a,b,00a,b]), in denen der Einfluß der Porenweite
auf den Verlauf der Adsorptionsisothermen untersucht wurde. Aber auch das
Adsorptionsverhalten unterschiedlicher Gase wie z.B. Ar, O2, N2, H2, CO2,
C2H4, CCl4, SO2und H2O wurde von einigen Arbeitsgruppen untersucht [Mo-
ri97a,98,Bran93,94,95,97,Sonw98,00]. Fast alle diese Untersuchungen wurden mit
Abbildung 4.1.: Allgemeine Einteilung der Adsorptionsisothermen in verschiedene Ka-
tegorien (IUPAC 1983) [Sing83,Rouq99].
95
4. Gasadsorption
kommerziellen Meßapparaturen durchgef¨
uhrt, bei welchen der Meßbereich auf
Dr¨
ucke unterhalb von einem bar beschr¨
ankt war.
In der vorliegenden Arbeit wurden Untersuchungen zur Adsorption von Ga-
sen mit zwei Mikrowaagen-Meßanordnungen durchgef¨
uhrt, wobei die eine f¨
ur
Messungen im Tieftemperatur/Niederdruckbereich (bis 1 bar) und die andere
f¨
ur Messungen im Hochdruckbereich (bis 75 bar) ausgelegt ist.
Abbildung 4.2.: Differenziertes Isothermenschema: Typ I a,b: Mikroporen mit starker
und schwacher Wechselwirkung zwischen Gas und Substrat; Typ II a,b: nicht por¨
os, mit
großer Oberfl¨
ache ohne und mit Zwischenkornvolumen; Typ IV a,b,c: mesopor¨
os mit
offenem Porensystem, enger Weitenverteilung und Hysterese, mit weiter Weitenvertei-
lung und ink bottle Effekt und mit enger Weitenverteilung ohne Hysterese [Rouq99].
4.2. Theorie
4.2.1. Kelvin-Gleichung
Die Kelvin-Gleichung geht von der Abh¨
angigkeit des Dampfdrucks einer Fl¨
ussig-
keit von der Kr¨
ummung der Oberfl¨
ache aus und liefert so eine klassische Beschrei-
bung der Porenkondensation. Im Fall der vollst¨
andigen Benetzung der Porenwand
96
4.2. Theorie
erh¨
alt man:
RT ln p
p0pc
=σ
ρr (4.1)
Dabei bezeichnet rden Porenradius und damit auch den Kr¨
ummungsradius der
Fl¨
ussigkeit, σdie Oberfl¨
achenspannung der bulk-Fl¨
ussigkeit und ρdie Dichte-
differenz von Fl¨
ussigkeit und Gas.
Da Porenkondensation meist erst eintritt, wenn schon eine bestimmte Menge
des Gases an den Porenw¨
anden adsorbiert ist, m vom eigentlichen Porenradius
noch die Schichtdicke Ldes adsorbierten Films bei Einsetzen der Porenkondensa-
tion abgezogen werden [Coha44]. Im Fall der Porenkondensation in Zylinderporen
ergibt sich f¨
ur den Fall der vollst¨
andigen Benetzung
RT ln ppc
p0=x σ
ρ(rL)(4.2)
dabei ist x= 1 f¨
ur die Adsorption, und x= 2 f¨
ur die Desorption und der Annahme
einer konkaven Oberfl¨
ache bez¨
uglich des Porenfluids.
4.2.2. Porenkritischer Punkt
Nach der Kelvin-Gleichung ist zu erwarten, daß sich die Dampfdruckkurve des
Porenfluids mit steigender Temperatur der Dampfdruckkurve des bulk-Fluids im-
mer weiter ann¨
ahert und schließlich am kritischen Punkt mit dieser gemeinsam
endet. Dies ergibt sich aus dem Umstand, daß der in Gl. 4.1 und 4.2 auftau-
chende Quotient σ/ρmit Ann¨
aherung an den kritischen Punkt (TTc) nach
einem Potenzgesetz gegen Null geht, σ/ρ(TcT)0,9, so daß am kritischen
Punkt ln(p/p0)pc = 0 bzw. ppc(Tc) = p0(Tc) = pcwird. Dementsprechend ist nach
der Kelvin-Gleichung der porenkritische Punkt gleich dem kritischen Punkt des
bulk-Fluids. Experimentell wurde jedoch beobachtet [Thom94,95], daß bereits
bei Temperaturen unterhalb von Tcdie Porenauff¨
ullung nicht mehr sprunghaft
bei einem Druck ppc(T), sondern graduell erfolgen kann. Dies bedeutet, daß die
porenkritische Temperatur TP ore
cniedriger ist, als die kritische Temperatur des
bulk-Fluids. Operationell entspricht der porenkritische Punkt den Bedingungen
Γ
p pc
= 0 ; 2Γ
p2pc
= 0 (4.3)
Nach der Theorie der kritischen Ph¨
anomene ist ein echter porenkritischer Punkt
nur in Schlitzporen zu erwarten. Evans et al. erhielten aus theoretischen ¨
Uber-
97
4. Gasadsorption
legungen auf der Basis der Dichtefunktional-Theorie [Evan86a,b] eine Beziehung
f¨
ur die Abh¨
angigkeit eines kritischen Wandabstandes Hcin Schlitzporen von der
reduzierten Temperatur T/Tc:
T
Tc
= 1 1exp(λHc)
λHc
(4.4)
wobei λ1die Abklingl¨
ange des verwendeten Teilchen-Wand-Potenzials ist. Im
Grenzfall f¨
ur λHc1 erh¨
alt man damit einen Ausdruck f¨
ur die Verschiebung
des kritischen Punktes des Fluids in der Pore in Abh¨
angigkeit von der Porenweite
Hgem¨
TcTP ore
c
Tc
=Tc
Tc1
λH (4.5)
Abbildung 4.3 zeigt den Verlauf des porenkritischen Druckes als Funktion der
Breite der Pore bei verschiedenen Temperaturen T/Tc(nach [Evan86b]). Bei einer
reduzierten Temperatur von 0,65 durchl¨
auft der kritische Druck ppc/p00,66
ein Minimum bei einem Wandabstand von ca. drei Molek¨
ullagen.
Ein anderer Ansatz zur Vorhersage des kritischen Punktes in Schlitzporen
beruht auf der Theorie von Fischer und Nakanishi [Naka83]. Danach erwartet
Abbildung 4.3.: Kritischer Wandabstand in Abh¨
angigkeit vom relativen Druck f¨
ur ver-
schiedene reduzierte Temperaturen [Evan86b].
98
4.2. Theorie
man eine exponentielle Abh¨
angigkeit des kritischen Punktes von der Porenweite
d, f¨
ur Schlitzporen gilt:
Tc/Tc1
Hνmit ν = 1,6 (4.6)
Entscheidend f¨
ur den Vergleich von Theorie und Experiment ist allerdings die
Definition des kritischen Punktes im Experiment. So wird in der Literatur h¨
aufig
die von Evans entwickelte Gleichung 4.5 herangezogen und der kritische Punkt
in den Poren mit dem Verschwinden der Sorptionshysterese in Verbindung ge-
bracht [Mach94,Murd94,Mori97,98,Bran97,Sonw98]. Thommes et al. [Thom94]
hingegen nahmen das Verschwinden einer Stufe in den Adsorptionsisothermen
(bzw. Isochoren) als Kriterium f¨
ur den kritischen Punkt. Ravikovitch et al. [Ra-
vi95] fanden bei theoretischen Untersuchungen mit DFT keinen Zusammenhang
zwischen kritischem Punkt und Auftreten von Hysterese. Problematisch ist auf
jeden Fall der Vergleich von porenkritischen Punkten in einem Diagramm, bei de-
nen unterschiedliche Kriterien f¨
ur den kritischen Punkt (Stufe in der Isotherme
oder das Auftreten von Sorptionshysterese) verwendet werden, wie es Morishige
et al. [Mori97] gezeigt haben.
4.2.3. Sorptionshysterese
Neben der Verschiebung des kritischen Punktes von Fluiden in Poren ist auch
das Auftreten von Sorptionshysterese, deren Abh¨
angigkeit von der Porengeo-
metrie und die Weite der Hystereseschleife ein noch nicht vollst¨
andig gekl¨
artes
Ph¨
anomen. Der Ursprung der Sorptionshysterese wird auf verschiedene Ursachen
zur¨
uckgef¨
uhrt:
auf den ink bottle-Effekt, der bewirkt, daß bei der Porenf¨
ullung die Konden-
sation von der tats¨
achlichen Porenweite abh¨
angt, w¨
ahrend die Verdampfung
des Porenfluids von der Weite des Zugangs zur Pore abh¨
angt.
auf Perkolationseffekte in real vorhandenen Porennetzwerken [Maso82,88].
auf die unterschiedlichen Menisken des Porenfluids in einer Zylinderpore,
bei Ad- bzw. Desorption tritt der Faktor x= 1 oder 2 in der Kelvin-
Gleichung 4.2 auf.
99
4. Gasadsorption
durch das Durchlaufen von metastabilen Zust¨
anden w¨
ahrend der Ad- und
Desorption.
Wie der Porenkondensationsdruck ppc verschiebt sich auch der obere und untere
Schließungspunkt der Hystereseschleife f¨
ur ein gegebenes System mit sinkender
Temperatur zu geringeren relativen Dr¨
ucken. Allerdings ist schon seit langem
bekannt, daß der untere Schließungspunkt der Hystereseschleife von Stickstoff-
Isothermen bei 77 K praktisch niemals bei relativen Dr¨
ucken p/p0.0,4 liegt,
unabh¨
angig von der Beschaffenheit des mesopor¨
osen Materials. Diese Beobach-
tung eines unteren Grenzwertes des unteren Schließungspunkts (in der Literatur
oft einfach als lower closure point of hysteresis loops bezeichnet) ist insofern ¨
uber-
raschend, weil dieser Punkt scheinbar nur vom Meßgas und der Temperatur, nicht
aber von der Porenweite und -geometrie abh¨
angt.
Ein Erkl¨
arungsversuch f¨
ur dieses Ph¨
anomen ist das Auftreten einer negativen
Zugspannung (tensile strength τ0) in der Porenfl¨
ussigkeit [Burg70]. Ausgehend
von der Young-Laplace-Gleichung ist die Druckdifferenz einer Gasblase in einer
Fl¨
ussigkeit:
pgpl= 2σ/rm(4.7)
Wenn der Radius rmklein und der Gasdruck pgnicht groß ist, ist die Fl¨
ussigkeit
einem negativen Druck (τ=pl= 2σ/rm) ausgesetzt. Dieses in die Kelvin-
Gleichung eingesetzt ergibt f¨
ur eine maximale Spannung:
ln(p/p0)h=vl
RT τ0(4.8)
Daraus wurde der Schluß gezogen, daß alle Poren kleiner
rm,h =2γ vl
RT ln(p/p0)h(4.9)
unterhalb des Druckes (p/p0)hgeleert werden [Greg82,Burg70]. Diese Annahme
widerspricht aber der Beobachtung, daß der lower closure point nicht vom Mate-
rial abh¨
angt.
100
4.2. Theorie
4.2.4. Modell-Rechnungen zur Porenauff¨
ullung
Neben der klassischen Beschreibung der Porenkondensation lassen sich die experi-
mentellen Beobachtungen auch durch Computersimulationen (Monte Carlo oder
Molekular-Dynamik Simulationen) und theoretische Modelle z.B. auf Basis der
Dichtefunktional-Theorie (DFT) beschreiben. Bei der DFT wird das Funktional
der großkanonischen Gesamtheit in Abh¨
angigkeit von der Dichte aufgeschrieben
Ω[ρ(r)] = F[ρ(r)] + Xρ(r)[Φ(r)µ] (4.10)
Durch Minimierung dieses Funktionals Ω[ρ(r)]
Ω[ρ(r)]
ρ(r)= 0 (4.11)
erh¨
alt man stabile und metastabile Konfigurationen des Porenfluids.
Wie Kierlik et al. [Kier01], die mit der DFT die Adsorption von Gasen in
ungeordneten Porennetzwerken untersuchten, gezeigt haben, lassen sich mit der
DFT auf der Basis eines einfachen Gittergasmodells, die wesentlichen Beobach-
tungen von experimentellen Adsorptionsisothermen darstellen. Wegen des Auftre-
tens vieler metastabiler Zust¨
ande bei ihren Berechnungen kommen diese Autoren
zu dem Schluß, daß das einfache van der Waals Bild der Metastabilit¨
at bei por¨
osen
Materialien nicht zutrifft. Des weiteren fanden sie auch, daß das Auftreten von
Sorptionshysterese nicht mit dem porenkritischen Punkt zusammenh¨
angt, son-
dern daß sich dieser Punkt unter Umst¨
anden sogar unterhalb des Auftretens von
Sorptionshysterese befinden kann (Tcc < Th).
Monte Carlo Simulationen von Vishnaykov et al. [Vish01], hingegen zei-
gen, daß Phasendiagramme vom van der Waals-Typ konstruiert werden k¨
onnen,
mit denen in guter ¨
Ubereinstimmung auch experimentelle Argon-Isothermen in
MCM-41 Materialien beschrieben werden k¨
onnen.
Die in dieser Arbeit erhaltenen experimentellen Daten wurden im Rahmen
einer Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis von Prof. M. Schoen mit den Er-
gebnissen aus Rechnungen zu einem einfachen Gittergas, wie in Abbildung 4.4
skizziert, verglichen. Damit l¨
aßt sich Gleichung 4.10 exakt schreiben als:
Ω(~ρ) =: β1
N
X
i=1
[ρiln ρi+ (1 ρi) ln(1 ρi)] (4.12)
ff
2
N
X
i=1
νi
X
j
ρiρj
N
X
i=1
(µΦi)ρi
101
4. Gasadsorption
mit dem Wechselwirkungsparameter ff der Gasmolek¨
ule untereinander und Φi=
fs f¨
ur die Wechselwirkung der Wand mit den Molek¨
ulen der ersten Schicht.
Diese Theorie [Bock01] liefert mit einer Variation des Verh¨
altnisses α=fs/ff
Phasen¨
uberg¨
ange innerhalb des Porenfluids.
Abbildung 4.4.: Darstellung des Modells f¨
ur die Rechnungen zu einem Gittergas in einer
Schlitzpore. Alle Gitterpunkte haben nur eine Wechselwirkung mit den n¨
achsten Nach-
barn (der mittlere Kreis mit den sechs benachbarten Pl¨
atzen, vier in der Ebene, einer
vor und einer hinter der Papierebene) und an den Gitterpl¨
atzen der Schlitzporenwand
(Quadrate) eine Wechselwirkung mit der Porenwand.
4.3. Experimentelles
Die Adsorptionsmessungen wurden mittels zweier Mikrowaagen-Meßanlagen
durchgef¨
uhrt, deren Aufbau in fr¨
uheren Arbeiten genau beschrieben wurde
[Schr98, Groß97]. Ein grunds¨
atzliches Problem bei solchen Messungen, speziell
bei Messungen in der N¨
ahe des bulk-kritischen Punktes der Gase, bildet bei gra-
vimetrischen Messungen die Ber¨
ucksichtigung des Auftriebs der Pore. Bei Quarz-
federwaagen oder unsymmetrischen Balkenwaagen kann der Auftrieb der Probe
im Meßgas bei großen Gasdichten zu einer starken Beeintr¨
achtigung der Meßwer-
te f¨
uhren. Bei symmetrischen Balkenwaagen, wie sie in dieser Arbeit verwendet
wurden, kann dieser Auftrieb durch entsprechende Tarier- und Ausgleichsgewich-
te minimiert werden, so daß er keinen großen Einfluß auf den Meßwert der Masse
des adsorbierten Gases hat.
Neben dem Auftrieb kann grunds¨
atzlich auch die Adsorption an den Tarier-
102
4.3. Experimentelles
gewichten und W¨
agesch¨
alchen eine Rolle spielen. Da im vorliegenden Fall die
Probe bei typischen Einwaagen von 50 mg eine innere Oberfl¨
ache von ca. 50 m2
hat, sind die genannten anderen Oberfl¨
achen in dem System mit typischerweise
einigen cm2Oberfl¨
ache dagegen vernachl¨
assigbar.
Gravimetrische und volumetrische Adsorptionsmessungen liefern stets den
Grenzfl¨
achen¨
ubersch des adsorbierten Gases. Im Fall der Adsorption an ¨
auße-
ren Oberfl¨
achen ist dies die einzige operationell klar definierte Meßgr¨
oße. Im
Fall der Adsorption in Poren ist bei bekanntem Porenvolumen aber auch die
Gesamtmenge des Gases im Porenraum klar definiert. Der durch den Auftrieb
hervorgerufene Unterschied zwischen ¨
Uberschuß- und Gesamtmasse des Gases
im Porenraum kann bei Temperaturen in der N¨
ahe des kritischen Punktes der
Gase erheblich sein, da hier die Messungen bis zu hohen Gasdichten (bis ma-
ximal zur kritischen Dichte) gef¨
uhrt werden. Bei Temperaturen weit unterhalb
des kritischen Punktes ist dieser Unterschied dagegen vernachl¨
assigbar (z.B. hat
Stickstoff-Gas bei 77 K (T/Tc= 0,61) nur ca. 1/1000 der Dichte der Fl¨
ussigkeit).
Da bei den hier durchgef¨
uhrten Messungen das Phasendiagramm des Po-
renfluids und damit die Gesamtmenge des in den Poren vorhandenen Gases im
Vordergrund stand, wurden alle Proben so tariert, daß der Gesamtauftrieb der
beiden Waagenseiten f¨
ur die Messung der Gesamtmasse des adsorbierten Gases
minimal war. Die tats¨
achlich angezeigte Masse m0ergibt sich dann zu:
m0= (mσ
SaS)(mσ
TaT) + aAsy. (4.13)
mit den adsorbierten Massen mσund den Auftrieben a auf der SSubstrat und
der TTara Seite. Die Masse des Gases in den Poren ist also bei Vernachl¨
assigung
der Adsorption am Tariergewicht (mσ
T= 0) gegeben durch
mσ
S=m0+aSaTaAsy. (4.14)
Die Auftriebe ergeben sich jeweils aus den entsprechenden Volumina multipliziert
mit der Dichte des Gases. Dabei m¨
ussen die Volumina der verwendeten Tarierge-
wichte, eines Quarzringes VQuarz und des Goldes VGold, das Porenvolumen VP ore
und das Volumen des Ger¨
ustes VGer¨ust der verwendeten mesopor¨
osen Substanz
und das Asymmetrievolumen VAsy. der Waage ber¨
ucksichtigt werden:
aS=ρGas(VP ore +VGer¨ust +VGold) (4.15)
aT=ρGasVQuarz
aAsy. =ρGasVAsy.
103
4. Gasadsorption
Damit l¨
aßt sich Gleichung 4.14 zusammenfassen zu:
mσ
S=m0+ρGas (VP ore +VGer¨ust +VGold VQuarz VAsy.) (4.16)
Im Experiment werden die Volumina auf der rechten Seite von Gl. 4.16 so
gew¨
ahlt, daß der Wert der Klammer gleich Null wird (Prinzip der Volumen-
Kompensation). In diesem Fall ist die gewogene Masse gleich der Gesamtmasse
des Gases im Porenraum.
4.3.1. Meßgase
Die vier Gase Schwefelhexafluorid SF6, Kohlendioxid CO2, Hexafluorethan C2F6
und Trifluormethan CHF3wurden in Stahldruckflaschen bezogen und ohne weite-
re Reinigung eingesetzt. Einige wichtige Eigenschaften sind in Tabelle 4.1 zusam-
mengefaßt.
Um eine Absch¨
atzung des Einflusses der Gasdichte auf die Messungen ma-
chen zu k¨
onnen, wurde f¨
ur ein Gas (Trifluormethan) einige Auswertungen unter
Ber¨
ucksichtigung der Gasdichte vorgenommen und im Anhang tabelliert (D.1.2).
Da sich gezeigt hat, daß andere Einfl¨
usse, wie z.B. das tats¨
achliche Mesopo-
renvolumen und die Einwaage sehr viel gr¨
oßere Auswirkungen auf die Auswertung
der Meßergebnisse haben, wurde bei den meisten Auswertungen die Gasdichte
nicht ber¨
ucksichtigt.
Trifluormethan CHF3
Linde, Reinheit: 99,95%, O2+N2400 vpm,H2O5vpm,CnHmXo100 vpm,
S¨aure 1ppm
Tabelle 4.1.: Bulk-Eigenschaften der verwendeten Meßgase; σ: cross-sectional area (aus
[McCl67]); δ: mittlerer Molek¨
uldurchmesser; Tc: kritische Temperatur, TT r: Tripelpunkt
Temperatur; pc: kritischer Druck, ρc: kritische Dichte.(*Sonw98)
σ δ µ TcTT r pcpT r ρc
/˚
A2/˚
A /D /K /K /bar /bar /gcm3
SF633 5,4 0 318,7 222,4 37,79 0,729
CO221,8 3,941* 0 304,2 216,6 73,8 5,134 0,468
C2F631 0 292,9 173,1 30,29
CHF320?? 4,2 1,646 299,1 118,0 48,35 0,525
104
4.3. Experimentelles
Die Bestimmung der Gasdichte erfolgte ¨
uber eine extended Benedict-Webb-
Rubin Gleichung [Mors70]. Damit l¨
aßt sich der reduzierte Druck Prin Abh¨
angig-
keit von der reduzierten Temperatur Trund der reduzierten Dichte Drdarstellen:
Pr=Trdr
Zc
+A1+A2Tr+A3
T2
r
+A4
T4
rd2
r(4.17)
+A5+A6Tr+A7
T2
rd3
r
+A8+A9
T2
rexp(βd2
r)
T2
r
(1 + βd2
r)d3
r+A10d6
r
Bei einer Temperatur erh¨
alt man Wertepaare f¨
ur Druck und Dichte, wobei sich
die Dichte in Abh¨
angigkeit vom Druck ¨
uber ein Polynom anpassen l¨
aßt. Dieses
Polynom kann nun in einer Tabellenkalkulation eingesetzt werden (siehe Anhang
D.1).
Schwefelhexafluorid SF6
Linde, Reinheit: 99,995%, O2+N210 vpm,H2O5vpm,CF440 vpm,
S¨aure 0,5ppm; Soltronic, Reinheit: 99,998 %
Kohlendioxid CO2
Linde, Reinheit: 99,9993%, O2+N25vpm,H2O1vpm,CO 0,5vpm,
CnHm1vpm
Hexafluorethan C2F6
Linde, Reinheit: 99,95 %, O2+N2300 vpm,H2O5vpm,CnHmXo
200 vpm,S¨aure 1ppm
4.3.2. Mikrowaagen-Meßapparaturen
Hochdruck-Apparatur
Das Gasdosiersystem der Hochdruck-Apparatur besteht aus einem 1/4 Zoll Stahl-
kapillarsystem mit Hochdruckventilen (NOVA). Die Waage ist eine Ultramikro-
waage Typ S3D-P (Sartorius, G¨
ottingen). Die Druckmessung erfolgt mit einem
Schwingquarz-Druckaufnehmer, Modell 2900-AT (Paro-Scientific), welcher mit
dem dazugeh¨
origen Druckcomputer Typ 702 der gleichen Firma ausgelesen wer-
den konnte. Der absolute Fehler dieses Druckmeßger¨
ates betr¨
agt 0,02% vom Ma-
ximalwert (60 bar), also 12 mbar.
105
4. Gasadsorption
Zur Evakuierung des Meßsystems wurde ein Turbo-Pumpenstand (Pfeif-
fer/Balzer) verwendet, mit der ein minimaler Druck von 102Torr am Probenort
erreicht wurde. Der schematische Aufbau der Meßanlage ist in Abbildung 4.5
dargestellt. Das Asymmetrievolumen VAsy. = 0,004 cm3der Apparatur wurde
von einer fr¨
uheren Arbeit [Schr98] ¨
ubernommen.
F¨
ur Messungen unterhalb -40C sind die originalen Geh¨
angestutzen (Abb.
4.6a)) der Waage nicht mehr verwendbar, da sich der Dichtring des Probenrau-
mes innerhalb des K¨
uhlbades befindet. Normale Neopren-Dichtringe werden bei
Temperaturen unterhalb -30C zu unflexibel und k¨
onnen das System nicht mehr
abdichten und auch spezielle Silikon-Dichtringe k¨
onnen nur noch bei geringen
Druckdifferenzen bis zu Temperaturen von - 50C verwendet werden. Um das
Meßsystem bei tiefen Temperaturen und Dr¨
ucken von einigen bar abzudichten
wurden Geh¨
angestutzen mit außerhalb der K¨
uhlfl¨
ussigkeit liegenden Dichtungen
konstruiert (Abb. 4.6b)), damit konnten Messungen bis -70C durchgef¨
uhrt wer-
den. Ein grunds¨
atzliches Problem der Hochdruck-Apparatur besteht allerdings
darin, daß durch die engen Hochdruckleitungen das erreichbare Endvakuum in-
nerhalb des Waagenraumes relativ schlecht ist (ca. 5 ×102Torr), was speziell
f¨
ur Messungen bei relativ niedrigen Gasdr¨
ucken zu systematischen Fehlern f¨
uhrt.
Abbildung 4.5.: Aufbau der Hochdruck-Waage: 1: Absperrventil; 2: Manometer; 3:
Schwingquarz-Druckaufnehmer; 4: Dosierventil; 5: Turbopumpstand; 6: Druckgasfla-
sche; 7: Waage.
106
4.3. Experimentelles
Niederdruck-Apparatur
Das Gasdosiersystem der Niederdruck-Apparatur ist aus einem Kleinflansch (KF-
Flansche) System mit Bauelementen aus Edelstahl und Aluminium und Neo-
prendichtringen aufgebaut. Der Gasein- und Gasauslaß erfolgt ¨
uber absperrba-
re Dosierventile (Pfeiffer/Balzer). Die Bauelemente sind mit Heizschn¨
uren um-
wickelt, um die Apparatur ausheizen zu k¨
onnen. Die Evakuierung der Apparatur
erfolgt mit einem Turbopumpenstand Typ TSU 171 (Pfeiffer/Balzer), der f¨
ur
die Evakuierung ¨
uber ein Eckventil (KF40) direkt mit der Waage verbunden ist.
Die W¨
agungen wurden mit einer Ultramikrowaage S3D-V (Sartorius, G¨
ottingen)
durchgef¨
uhrt.
Die Druckmessungen erfolgen mit drei Baraton-Druckmeßdosen (MKS In-
struments) Typ 220B (Meßbereich 10 und 1000 Torr) und Typ 122A (Meß-
bereich 100 mbar). Der absolute Fehler der Druckmessung ist mit 0,02% vom
Maximaldruck angegeben. F¨
ur die bei den meisten Messungen verwendete 1000
Torr Meßdose ergibt dieses einen Fehler von 0,2 Torr. Das Endvakuum wird mit
einer Kalt-Kathoden-R¨
ohre Typ IKR 020 und Anzeigeneinheit PKG 20 (Pfeif-
Abbildung 4.6.: Geh¨
angestutzen der Hochdruck-Waage: a) original Stutzen mit Dicht-
ring im Thermostatisierungsmedium, b) Stutzen f¨
ur Temperaturen unterhalb -30C, der
Dichtring befindet sich außerhalb des K¨
uhlbades.
107
4. Gasadsorption
fer/Balzer) kontrolliert und betrug in der Regel 5 ×106Torr. Die Leckrate der
Apparatur ist kleiner 0,2 Torr/Tag bei einer Druckdifferenz von 760 Torr. Es
wurde keine meßbare Asymmetrie der Waage festgestellt.
F¨
ur automatisierte Messungen ist vor die Dosierventile des Gas-ein/auslasses
jeweils ein elektromagnetisches Ventil (Tylan) geschaltet, welches ¨
uber die AD-
Karte eines PC’s angesteuert werden kann. Der Gasdruck kann auch ¨
uber die AD-
Karte und die Masse ¨
uber die serielle Schnittstelle des PC’s ausgelesen werden,
so daß sich mit Hilfe eines Programms vollst¨
andige Isothermen aufnehmen lassen.
Thermostatisierung
Die Waagenk¨
opfe der beiden Apparaturen werden jeweils mit einem Thermo-
staten RM 6 (Lauda) auf 30C temperiert. Die Geh¨
angestutzen der Waagen
k¨
onnen im Temperaturbereich von -30C bis +20C mit einem Thermostaten RM
20 (Lauda) temperiert werden. Die Temperaturkonstanz dieses Ger¨
ates betr¨
agt
±0,02 K und der Absolutwert der Temperaturanzeige wurde mit einem geeichten
Pt-25 der PTB, welches an eine F16 Meßbr¨
ucke (Automatic Systems Laboratories
Limited, GB) angeschlossen war, ¨
uberpr¨
uft. Die ¨
Uberpr¨
ufung ergab eine ¨
uber den
gesamten Meßbereich konstant um 0,1C zu hohe Anzeige des Thermostaten, die
bei den Messungen ber¨
ucksichtigt wurde. F¨
ur Messungen von -20 C bis -105 C
wurden zwei K¨
uhlb¨
ader mit Ethanol als K¨
uhlfl¨
ussigkeit verwendet. Durch eine
Kupferspirale, die in das K¨
uhlbecken eintaucht, wird mit einer Membranpumpe
ME4 (Vakuubrand, Wertheim) fl¨
ussiger Stickstoff (77 K) gesaugt. Der Stickstoff-
fluß wird mit einem PID-Regler (Greisinger) geregelt, der mit einem Pt-100 am
unteren Ende der K¨
uhlschlange verbunden ist und der ein elektromagnetisches
Ventil in einem Bypasssystem steuert. Mit einem zweiten Pt-100, das an einem
Geh¨
angestutzen in das K¨
uhlbecken taucht, konnten Temperaturschwankungen
von maximal ±0,025 C beobachtet werden.
4.3.3. Durchf¨
uhrung der Messungen
Zuerst wird die Anzeige der Waage mit leeren W¨
agesch¨
alchen auf Null gestellt.
Anschließend werden das Tariergewicht (Quarzringe), Gold und das Adsorbens
mit einer Laborwaage (Sartorius MC 1 RC 210 D) in die W¨
agesch¨
alchen einge-
wogen. Nach dem Verschließen der Geh¨
angestutzen wird die gesamte Apparatur
108
4.3. Experimentelles
evakuiert und die Probe ausgeheizt. Im allgemeinen war nach wenigen Stunden
Gewichtskonstanz erreicht. ¨
Uber das angezeigte Gesamtgewicht kann nun die
Masse des Adsorbens berechnet werden. Danach wurden die gew¨
unschten Gas-
dr¨
ucke eingestellt und die Gleichgewichtseinstellung abgewartet. Bei der automa-
tisierten Messung wurde als Kriterium f¨
ur die Einstellung eines neuen Druckes
eine maximale ¨
Anderung der Gewichtsanzeige pro Zeit von 2µg/20svorgegeben.
4.3.4. Fehlerbetrachtung
W¨
agefehler
Bei der Einwaage von Tariermaterialien tritt ein absoluter Fehler von ±0,05 mg
auf (Sartorius MC 1 RC 210 D). Durch Addition der Fehler bei der Einwaage
der Tariergewichte (Quarz und Gold) ergibt sich somit ein absoluter Fehler von
bis zu 0,1 mg. Durch Chemisorption (Gasverunreinigung, wie z.B. Wasser in der
Meßapparatur oder dem Eintritt von K¨
uhlfl¨
ussigkeit bei der Hochdruckwaage) bei
mehreren hintereinander folgenden Messungen ergibt sich ein absoluter Fehler
von bis zu 1 mg (Hochdruckwaage) bei der Massenbestimmung. Bei typischen
Einwaagen von 50 mg entspricht dies einem relativen Fehler von bis zu 2%.
Temperatur
Der Fehler der Temperaturbestimmung bei der Verwendung der Lauda Ther-
mostate ist sehr gering (<0,1 K). Er wirkt sich haupts¨
achlich bei Tieftem-
peraturmesssungen aus, da f¨
ur die Regelung des K¨
uhlbeckens PT-100 Meßwi-
derst¨
ande der Klasse B verwendet wurden. Hier sind bei einer Meßtemperatur
von 173 K Abweichungen von bis zu 0,8 K vom angezeigten Wert m¨
oglich (DIN
EN60751). Des weiteren k¨
onnen auch Temperaturunterschiede zwischen der Po-
sition des Meßf¨
uhlers und dem Probenort im K¨
uhlbecken vorhanden sein. Die
tats¨
achliche Temperatur l¨
aßt sich allerdings auch durch den Dampfdruck der ver-
wendeten Gase bei den jeweiligen Temperaturen bestimmen. Ein Vergleich von
Literaturwerten f¨
ur den Dampfdruck der Gase [CRC96] mit der gefundenen Tem-
peraturabh¨
angigkeit ergab eine Abweichung zwischen der aus dem Dampfdruck
ermittelten Temperatur und der vom Meßf¨
uhler angezeigten Temperatur von ca.
1 K in dem Temperaturbereich von 170 K bis 210 K (siehe Anhang D.1.1).
109
4. Gasadsorption
Druckmessungen
Die Genauigkeit der jeweiligen Drucksensoren ist bei der Beschreibung der Ap-
paraturen angegeben. Die Bestimmung des Absolutdrucks pist dabei so genau,
daß sich die Fehler bei den Ergebnissen nicht auswirken. F¨
ur die weitere Interpre-
tation der Meßdaten werden diese allerdings als relative Dr¨
ucke p/p0(T) bei der
jeweiligen Meßtemperatur Tben¨
otigt. Da die Meßtemperatur durch den ¨
außeren
Thermostaten eingestellt wird, kann somit durch Temperaturschwankungen auch
ein Fehler bei der Bestimmung des relativen Drucks auftreten. Aus diesem Grund
wurde f¨
ur jede Meßtemperatur auch der Dampfdruck bestimmt.
Alterung und Eigenschaften der Adsorbentien
Die Alterung der Silika-Materialien spielt speziell im Hinblick auf die Ermittlung
der Dichte des Porenfluids eine Rolle. Die Messungen von Stickstoff-Isothermen
frisch synthetisierter Proben und einige Jahre alter Proben haben gezeigt, daß
durch die Reaktion des Silika-Ger¨
ustes der Materialien mit Wasserdampf und
damit der Zerst¨
orung einzelner Poren sich das Porenvolumen der Materialien
¨
andern kann, die Porenweite dagegen bleibt gleich. Auch die Messung mehrerer
Isothermen nacheinander an einer Waage kann durch die Adsorption von Verun-
reinigungen einen Einfluß auf das tats¨
achliche Porenvolumen haben. Neben den
Alterungserscheinungen ist die Definition des Porenvolumens selbst ein Problem.
Zum einen kann das Mikroporenvolumen nicht genau ber¨
ucksichtigt werden und
zum anderen darf nicht das Makroporenvolumen, welches bei der Berechnung
des Porenvolumen bei der Gurvitsch-Methode mit einfließen kann, mitgerechnet
werden.
Gesamtbetrachtung
Zusammenfassend kann man feststellen, daß der Meßfehler bei der Bestimmung
der Isothermen Γ = f(p/p0) durch zwei Unsicherheiten dominiert wird: zum einen
ist es das Adsorbens selbst, das wegen der Unsicherheit bez¨
uglich der Gr¨
oße des
wahren Porenvolumens einen Fehler bei der Auftriebskorrektur bewirkt (siehe
Abschnitt 4.3.1), zum anderen ist es die Bestimmung des wahren Relativdrucks,
da der S¨
attigungsdruck p0des Gases sehr stark von der Temperatur abh¨
angt
und geringe Temperaturschwankungen bei der Thermostatisierung schon große
Auswirkungen auf den Dampfdruck und damit auch den relativen Druck haben.
110
4.4. Ergebnisse
4.4. Ergebnisse
4.4.1. Adsorptionsisothermen in geordneten Materialien
In diesem Abschnitt wird das Adsorptionsverhalten von unterschiedlichen Gasen
in Materialien mit hexagonal angeordneten Zylinderporen (MCM-41 und SBA-
15) gezeigt. Neben den Isothermen in den urspr¨
unglichen Materialien mit ei-
ner vollst¨
andig hydroxylierten Oberfl¨
ache sind auch Isothermen in Materialien
mit einer modifizierten Oberfl¨
ache (vollst¨
andig methyliert) aufgenommen wor-
den. Durch die Oberfl¨
achenmodifizierung wird einerseits die Natur der Teilchen-
Wand-Wechselwirkung ge¨
andert, gleichzeitig aber auch der effektive Porendurch-
messer ver¨
andert, der in den hydrophobisierten Materialien durch die aufgebrach-
te Schicht geringer ist als in den unbehandelten Proben. Allgemein lassen sich
die Adsorptionsisothermen in den unbehandelten Materialien in Abh¨
angigkeit
von Temperatur und Porenweite als Typ IVa und IVb einordnen. Die Isothermen
von hydrophobisierten Proben entsprechen dem Typ V. Hierbei kann die gleiche
Unterteilung wie bei den Typ IV Isothermen vorgenommen werden.
Bei allen im Folgenden dargestellten Isothermen ist die mittlere Dichte des
Porenfluids gegen den relativen Druck aufgetragen. Als Porenvolumen wurde
das aus den Stickstoff-Isothermen ermittelte Volumen des Plateaus der Isother-
men genommen. Diese Auftragung bietet gegen¨
uber massenbezogenen Auftra-
gungen (z.B. mmol(Gas)/g(Substanz)) den Vorteil, daß die Isothermen f¨
ur die
unterschiedlichen Materialien direkt vergleichbar sind und man aus ihnen das
Temperatur-Dichte Phasendiagramm des Porenfluids ablesen kann.
Trifluormethan
Exemplarisch f¨
ur alle Gase wird hier auf die Isothermen von Trifluormethan in den
unterschiedlichen Materialien genauer eingegangen. Trifluormethan ist ein stark
polares Gas, daher sind die Einfl¨
usse der Porenoberfl¨
ache auf die Isothermen
teilweise etwas deutlicher als bei den anderen Gasen (C2F6, CO2und SF6). Der
Einfluß der Teilchen-Wand-Wechselwirkung im Zusammenhang mit dem Einfluß
der begrenzenden Geometrie ist am auff¨
alligsten bei Proben mit einer relativ klei-
nen Porenweite zu beobachten. In Abbildung 4.7 sind die Isothermen von CHF3
in dem modifizierten Material mit der kleinsten Porenweite (BG12A HMDS, 1,9
nm) dargestellt. Sie zeigen einen fast linearen Verlauf bis zu einem relativen
111
4. Gasadsorption
Druck um p/p0= 0,3 und bei tiefen Temperaturen anschließend einen sehr stei-
len Anstieg in Folge der Porenkondensation. Betrachtet man die adsorbierten
Gasmengen bei der tiefsten Temperatur (169 K), so betr¨
agt die mittlere Dichte
des Porenfluids am F des Anstieges (der Porenkondensation) 0,3 g/cm3und im
Plateaubereich 1,2 g/cm3. Bei einer Porenweite von 1,9 nm und einem gesch¨
atz-
ten Molek¨
uldurchmesser von 0,42 nm (s. Tabelle 4.1) k¨
onnten sich maximal drei
Lagen von adsorbierten Molek¨
ulen ausbilden.
Abbildung 4.8 zeigt noch einmal ausf¨
uhrlicher das unterschiedliche Adsorp-
tionsverhalten von CHF3in einem MCM-41 Material mit nativer und mit methy-
lierter Oberfl¨
ache f¨
ur zwei Temperaturen. Die unteren beiden Isothermen sind bei
einer Temperatur von 253 K (T/Tc= 0,85) und die oberen beiden, die um 0,8 Ein-
heiten versetzt aufgetragen sind, bei einer Temperatur von 189 K (T/Tc= 0,63)
aufgenommen. Die wesentlichen Aussagen, die aufgrund dieser Abbildung ge-
macht werden k¨
onnen, werden hier noch einmal ausf¨
uhrlich zusammengefaßt:
Abbildung 4.7.: Isothermen von CHF3in BG12A-HMDS (Porenweite ca. 1,9 nm), die
Isothermen sind jeweils um 0,1 Einheiten versetzt aufgetragen.
112
4.4. Ergebnisse
1. Die Dichte des CHF3in den Poren liegt bei beiden Materialien mit me-
thylierter Oberfl¨
ache immer unterhalb der Dichte in den Materialien mit
nativer Oberfl¨
ache.
2. Bei einer reduzierten Temperatur von T/Tc= 0,63 (189 K) zeigt sich in
beiden Materialien eine ausgepr¨
agte Kondensationsstufe ohne Sorptionshy-
sterese. Diese Stufe ist bei dem Material mit der methylierten Oberfl¨
ache
st¨
arker ausgepr¨
agt und trotz kleinerer Porenweite zu einem h¨
oheren Druck
verschoben.
Abbildung 4.8.: Vergleich von CHF3Isothermen in beschichtetem () und unbeschich-
tetem () MCM-41 (BGX14A/ C14A HMDS) bei 189 K (T/Tc= 0,63)(um 0,8 Ein-
heiten versetzt) und 253 K (T/Tc= 0,85). Die jeweils unteren Isothermen geh¨
oren zu
dem beschichteten Material.
113
4. Gasadsorption
3. Bei einer reduzierten Temperatur von T/Tc= 0,85 (253 K) zeigt sich in
den Isothermen f¨
ur beide Oberfl¨
achen keine ausgepr¨
agte Porenkondensati-
onsstufe, aber doch ein st¨
arkerer Anstieg der Dichte des Porenfluids in dem
Druckbereich, in dem man die Stufe erwarten w¨
urde.
In Abbildung 4.9 sind die Isothermen von CHF3in einem SBA-15 Material
mit nativer und methylierter Oberfl¨
ache verglichen. Hier sind zus¨
atzlich zu den
beiden Temperaturen der vorherigen Abbildung auch die Isothermen bei 293 K
(T/Tc= 0,98) gezeigt, da durch die gr¨
oßere Porenweite in dem Material die
Abbildung 4.9.: Vergleich von CHF3Isothermen in beschichtetem und unbeschichtetem
SBA-15 (PS-G/ PS-G HMDS) bei 189 K (T/Tc= 0,63) (um 0,8 Einheiten versetzt),
253 K (T/Tc= 0,85) (um 0,4 Einheiten versetzt) und 293 K (T/Tc= 0,98).
114
4.4. Ergebnisse
Kondensationsstufen auch noch bei h¨
oheren Temperaturen als bei den MCM-41
Proben zu sehen sind. Zus¨
atzlich zu den Beobachtungen zur vorherigen Abbil-
dung, treten hier noch folgende Effekte auf:
1. Bei den Isothermen bei einer reduzierten Temperatur von T/Tc= 0,85
(253 K) tritt Sorptionshysterese mit einer geringen Weite auf, die bei
T/Tc= 0,63 (189 K) deutlich ausgepr¨
agt ist.
2. Die Isothermen von CHF3in dem Material mit methylierter Oberfl¨
ache
zeigen bei h¨
oheren reduzierten Temperaturen (T/Tc= 0,98 und 0,85) im
Anfangsbereich p/p0<0,3 keine positive Kr¨
ummung (Knie).
Abbildung 4.10.: Entwicklung der CHF3Isothermen in einer nativen SBA-15 Probe
(XL-C) mit abnehmender Temperatur.
115
4. Gasadsorption
Neben dem Vergleich des Adsorptionsverhaltens in Materialien mit unterschiedli-
cher Porenoberfl¨
ache ist auch die Entwicklung der Isothermen mit abnehmender
Temperatur charakteristisch. Dieses ist in den beiden Abbildungen 4.10 und 4.11
f¨
ur ein SBA-15 Material mit nativer Oberfl¨
ache (XL-C) und mit methylierter
Oberfl¨
ache (XL-C HMDS) gezeigt. In dem nativen Material (Abb. 4.10) sieht
man bei der Isotherme bei 293 K eine fast gleichm¨
aßig Zunahme der Dichte des
Porenfluids mit zunehmendem Druck und bei p/p00,9 die Andeutung einer
Stufe. Diese ist bei der Isotherme bei 273 K deutlich ausgepr¨
agt und bei der Iso-
therme bei 253 K erkennt man schon eine schmale Sorptionshysterese, die mit
abnehmender Temperatur deutlich breiter wird. Die Positionen der Stufen in den
Abbildung 4.11.: Vergleich von CHF3Isothermen in SBA-15 mit methylierter Ober-
fl¨
ache.
116
4.4. Ergebnisse
Adsorptions- und Desorptions¨
asten wandern dabei zu immer geringeren relativen
Dr¨
ucken. In Abbildung 4.11 ist die Entwicklung der Isothermen mit der Tem-
peratur in dem beschichteten Material zu sehen. Ein grundlegender Vergleich
von Isothermen in nativen und beschichteten Materialien wurde schon in den
Abbildungen 4.8 und 4.9 gegeben. Auch der Verlauf der Position der Stufen in
den Adsorptions- und Desorptions¨
asten zeigt hier ein etwas anderes Verhalten.
So scheint bei einer Temperatur von 189 K ein Minimum im relativen Druck
erreicht zu sein. Die Temperaturabh¨
angigkeit ist auf jeden Fall geringer als bei
dem Material mit nativer Oberfl¨
ache.
Abbildung 4.12 zeigt einen Vergleich von CHF3Isothermen in mehreren Ma-
terialien bei einer Temperatur von 189 K. Die Isothermen von einem nativen
Material und dem dazugeh¨
origen Material mit methylierter Porenoberfl¨
ache sind
jeweils um den gleichen Betrag gegen den Nullpunkt versetzt und die Isother-
men sind nach der Porenweite sortiert aufgetragen. Die untersten beiden Kurven
geh¨
oren zu den Materialien mit der gr¨
oßten Porenweite.
Im Anhang sind in den Abbildungen D.7 bis D.11 alle Adsorptionsisothermen
von CHF3bei den verschiedenen Temperaturen jeweils in dem nativen Material
mit einer vollst¨
andig hydroxylierten Oberfl¨
ache (Abb. a)) jenen in demselben Ma-
terial mit einer vollst¨
andig methylierten Oberfl¨
ache (Abb. b)) gegen¨
ubergestellt.
Im Anfangsbereich zeigen die Isothermen in den Materialien mit hydroxylierter
Oberfl¨
ache stets ein deutlich ausgepr¨
agtes Knie und mit zunehmender Porenwei-
te eine Kondensationsstufe bei steigenden relativen Dr¨
ucken. Auch das Auftreten
von Sorptionshysterese h¨
angt von der Porenweite ab. In MCM-41 mit einer Po-
renweite von 2,9 nm ist bis herunter zu einer Temperatur von 174 K keine Sorpti-
onshysterese zu beobachtet. Bei dem Material mit der n¨
achst gr¨
oßeren Porenweite
(3,7 nm) tritt Sorptionshysterese bei ca. 184 K und einem relativen Druck von
0,45 auf. Die Temperatur des Auftretens der Hysterese THkann aus den hier
durchgef¨
uhrten Untersuchungen nur grob bestimmt werden, da die Isothermen in
einem Abstand von 10 bis 20 K gemessen wurden. Eine Absch¨
atzung der Wer-
te von THist in Tabelle 4.2 mit den zugeh¨
origen Werten des relativen Drucks
(p/p0)Hzusammengefaßt. Die Unsicherheit der Temperaturwerte THbetr¨
agt ca.
±5 K.
Bei diesen Werten m ber¨
ucksichtigt werden, daß der Punkt des Auftretens
von Hysterese speziell bei tiefen Temperaturen nicht genau ermittelt werden kann,
da infolge der meist sehr langen Zeiten bis zur Einstellung des Gleichgewichtes
117
4. Gasadsorption
rein meßtechnisch bedingt die Meßpunkte aus Adsorptions- und Desorptionsast
niemals exakt zusammenfallen.
Betrachtet man die Isothermen in den Materialien mit den beschichteten
Oberfl¨
achen, so ist das Auftreten eines Knies im Anfangsbereich weniger deut-
lich und bei den beschichteten SBA-15 Materialien fast gar nicht mehr erkennbar.
Das Knie bei den Isothermen der beschichteten MCM-41 Materialien kann damit
zusammenh¨
angen, daß die Beschichtung hier weniger dicht als in den SBA-15 Ma-
terialien ist und Gasmolek¨
ule in diese lose Schicht eingebaut/adsorbiert werden
k¨
onnen. Bei allen Isothermen in den beschichteten Materialien ist eine Verschie-
Abbildung 4.12.: CHF3Isothermen bei 189 K in unterschiedlichen Materialien. Die
Isothermen des nativen und des dazu geh¨
origen modifizierten Materials sind jeweils
um den gleichen Betrag (1,2 Einheiten) gegen das n¨
achste Materialien-Paar versetzt
aufgetragen.
118
4.4. Ergebnisse
bung der Kondensationsstufe zu h¨
oheren relativen Dr¨
ucken im Vergleich zu den
unbeschichteten Materialien zu erkennen, obwohl der Porendurchmesser durch
die Beschichtung kleiner geworden ist.
Tabelle 4.2.: Abgesch¨
atzte rel. Dr¨
ucke (p/p0)Hund Temperaturen THdes Auftretens
von Hysterese in geordneten mesopor¨
osen Materialien f¨
ur die beiden Gase CHF3und
C2F6.
T/Tc(p/p0)HTH/ K d/ nm Probe
CHF30,65 0,5 194 BGX18A-HMDS
0,61 0,45 184 4,2 BGX18A
0,81 0,76 243 TS-B-HMDS
0,8 0,74 238 7,3 TS-B
0,81 0,81 243 XL-C-HMDS
0,85 0,82 253 8,5 XL-C
0,86 0,87 258 PS-G-HMDS
0,88 0,88 263 9,5 PS-G
C2F60,76 0,65 223 TS-B-HMDS
0,76 0,68 223 7,3 TS-B
0,81 0,77 238 XL-C-HMDS
0,83 0,77 243 8,5 XL-C
Vergleich von CHF3mit C2F6, CO2und SF6
Die folgenden Abbildungen zeigen einen Vergleich des Adsorptionsverhaltens der
vier verwendeten Meßgase in ausgew¨
ahlten Materialien. Dabei wurde versucht,
soweit m¨
oglich Isothermen bei ungef¨
ahr gleichen Werten der reduzierten Tempe-
ratur (T/Tc) zu vergleichen.
Abbildung 4.13 zeigt die Isothermen der vier Gase in einem modifizierten
MCM-41 Material (C14A-HMDS). Im oberen Teil der Abbildung sind die Isother-
men bei 293 K aufgetragen, entsprechend einer reduzierten Temperatur von 0,92
f¨
ur SF6bis 1,00 f¨
ur C2F6(Zusammenstellung aller Temperaturen siehe Tabelle
4.3). Die 293 K Isotherme f¨
ur C2F6entspricht der kritischen Temperatur dieses
Fluids. Dementsprechend ist hier nicht einmal eine angedeutete Stufe wie bei
den anderen Isothermen zu erkennen. Bei allen Isothermen des unteren Teils der
Abbildung, die bei einer reduzierten Temperatur um 0,65 aufgenommen wurden,
ist die Kondensationsstufe deutlich zu erkennen. Dabei ist zu ber¨
ucksichtigen,
119
4. Gasadsorption
daß die Isothermen von SF6und CO2unterhalb des bulk-Tripelpunkts gemessen
wurden. Der relative Druck p/p0wurde in allen F¨
allen aus dem Verh¨
altnis des
Drucks zum Dampfdruck p0der jeweils thermodynamisch stabilen kondensierten
Phase gebildet, im Fall von SF6und CO2also zum Sublimationsdampfdruck. Das
kondensierte Gas in den Poren ist aber noch fl¨
ussig. Dementsprechend w¨
are es
f¨
ur den Vergleich mit anderen Gasen eigentlich angebracht, den relativen Druck
bez¨
uglich des Dampfdrucks der unterk¨
uhlten Fl¨
ussigkeiten zu betrachten.
Abbildung 4.13.: Isothermen aller vier Gase(4CHF3,C2F6,OSF6,CO2) in einem
modifizierten MCM-41 Material (C14A-HMDS) bei 293 K und um 190 K (T/Tc
0,65)(Offene Symbole Adsorption, gef¨
ullte Desorption).
120
4.4. Ergebnisse
In den Abbildungen 4.14 und 4.15 sind die Isothermen aller Gase in einem
unbehandelten SBA-15 Material (TS-B) (Abb. 4.14) und einem Material mit
methylierter Oberfl¨
ache (TS-B HMDS)(Abb. 4.15) miteinander verglichen. Die
Isothermen in den oberen Teilen der Abbildungen wurden bei 253 K aufgenom-
men, entsprechend einer reduzierten Temperatur von 0,79 f¨
ur SF6bis 0,86 f¨
ur
C2F6. Hier zeigen sich bei allen Gasen schon ausgepr¨
agte Kondensationsstufen
und bei den Isothermen von CO2kann man im oberen Teil der Kondensations-
stufe eine enge Hysterese erkennen. In den unteren Teilen der Abbildungen kann
Abbildung 4.14.: Isothermen aller vier Gase (4CHF3,C2F6,OSF6,CO2) in TS-B
bei einer reduzierten Temperatur T/Tcvon ca. 0,9 (obere Abbildung) und 0,63 (untere
Abbildung), siehe auch Tabelle 4.3 (Offene Symbole Adsorption, gef¨
ullte Desorption).
121
4. Gasadsorption
man bei den Gasen SF6, C2F6und CHF3eine ausgepr¨
agte Sorptionshysterese
beobachten, bei CO2tritt dagegen keine Porenkondensation mehr auf. Es ist zu
vermuten, daß die Porenkondensation hier erst oberhalb des Sublimationsdampf-
druckes des bulk-Fluids auftritt und damit mit der gravimetrischen Meßmethode
nicht mehr zug¨
anglich ist.
Bei einem Vergleich der Adsorptionsisothermen f¨
allt wegen der experimen-
tellen Ungenauigkeit und den nur sehr kleinen Unterschieden bei den Isother-
Abbildung 4.15.: Isothermen aller vier Gase (4CHF3,C2F6,OSF6,CO2) in
TS-B HMDS, auch hier bei vergleichbaren reduzierten Temperaturen von 0,9 und 0,63
(Offene Symbole Adsorption, gef¨
ullte Desorption).
122
4.4. Ergebnisse
men der verschiedenen Gase kaum ein Einfluß bei der Verwendung von polaren
(CHF3) und unpolaren Gasen (SF6und C2F6) auf. Am deutlichsten treten die
Unterschiede des Adsorptionsverhaltens hervor, wenn man die adsorbierten Gas-
mengen w¨
ahrend der Porenkondensation (∆Γpc = Γmax Γm) ins Verh¨
altnis zur
adsorbierte Gasmenge beim Einsetzen der Porenkondensation m) setzt. Dies ist
in Tabelle 4.4 gezeigt. Dieses Verh¨
altnis ist in dem unbehandelten Material f¨
ur
CHF3kleiner als f¨
ur SF6und C2F6, in dem Material mit methylierter Oberfl¨
ache
dagegen deutlich gr¨
oßer als bei den anderen beiden Gasen.
Tabelle 4.3.: Temperaturen und reduzierte Temperaturen der Isothermen in den Abbil-
dungen 4.13 bis 4.15 f¨
ur die Gase.
TS-B / TS-B HMDS
T / K T/TcT / K T/Tc
CHF34253 0,79 189 0,632
C2F6253 0,83 184 0,628
SF6O253 0,85 199 0,624
CO2253 0,86 194 0,638
C14A HMDS
T / K T/TcT / K T/Tc
CHF34293 0,92 189 0,632
C2F6293 0,96 184 0,628
SF6O293 0,98 189 0,593
CO2293 1,0 194 0,638
Tabelle 4.4.: Verh¨
altnis der adsorbierten Gasmengen w¨
ahrend der Porenkondensation
Γpc = Γmax Γmund in der Multilayer-Schicht Γm.
CHF3SF6C2F6
TS-B Γm0,76 0,93 0,83
Γmax 1,36 1,78 1,52
∆Γpc/Γm0,79 0,91 0,83
TS-B HMDS Γm0,47 0,64 0,6
Γmax 1,31 1,69 1,45
∆Γpc/Γm1,79 1,64 1,42
123
4. Gasadsorption
4.4.2. Adsorptionsisothermen mit pore-blocking Effekt
Neben der systematischen Untersuchung der Porenkondensation in Materialien
mit geordneten Zylinderporen einheitlicher Porenweite wurden auch Untersu-
chungen zur Adsorption von Gasen in einem Material durchgef¨
uhrt, das den so-
genannten pore-blocking Effekt zeigt. Dieses Material (PL-E) wurde durch Zusatz
von Trimethylbenzol zum ¨
ublichen SBA-15 Ansatz gewonnen. In diesem Mate-
rial liegen vermutlich kugelf¨
ormige Poren vor, die ¨
uber Mikroporen miteinander
verbunden sind. Das Material hat eine breite Porenweitenverteilung mit einem
mittleren Porendurchmesser um 20 nm (aus dem Adsorptionsast der Stickstoff-
Isothermen bestimmt).
Bei den Adsorptionsuntersuchungen an diesem Material stand das Studi-
Abbildung 4.16.: Adsorptionsisothermen von CHF3in PL-E bei unterschiedlichen Tem-
peraturen. Die Isothermen sind mit abnehmender Temperatur jeweils um 0,2 gcm3
versetzt zur vorhergehenden Isotherme aufgetragen.
124
4.4. Ergebnisse
um der Temperaturabh¨
angigkeit des unteren Schließungspunktes der Hysterese-
schleife im Mittelpunkt des Interesses. In den Abbildungen 4.16 und 4.17 sind
die Adsorptionsisothermen der beiden Gase CHF3und C2F6in diesem Material
dargestellt. Die Isothermen sind gegeneinander in Richtung der Ordinate versetzt
aufgetragen. In dieser Darstellung ist die Verschiebung des Desorptionsastes mit
der Temperatur deutlich zu erkennen. Der Adsorptionsast steigt relativ konti-
nuierlich an und geht erst bei relativen Dr¨
ucken p/p0>0,95 in ein schwaches
Plateau ¨
uber. Der Porenentleerungsdruck im Desorptionsast verschiebt sich mit
fallender Temperatur deutlich zu geringeren relativen Dr¨
ucken. Bei einer redu-
zierten Temperatur T/Tc= 0,59 findet die Porenentleerung erst bei relativen
Dr¨
ucken p/p0<0,5 statt.
Bei dem hier untersuchten Material fallen die Desorptionskurven im Bereich
Abbildung 4.17.: Adsorptionsisothermen von C2F6in PL-E bei unterschiedlichen Tem-
peraturen. Die Isothermen sind mit abnehmender Temperatur jeweils um 0,2 gcm3
zur vorhergehenden Isotherme aufgetragen.
125
4. Gasadsorption
der Porenentleerung fast stufenf¨
ormig ab, so daß der Wendepunkt des Desorp-
tionsastes experimentell sehr gut festgelegt ist. Werte dieses Wendepunktes sind
in Tabelle 4.5 zusammengefaßt. Die in der Literatur h¨
aufig angegebenen unteren
Schließungspunkte der Hystereseschleife lassen sich nicht so gut festlegen, da die
Desorptionskurven im Bereich des Schließungspunktes abgerundet sind.
Tabelle 4.5.: Relative Dr¨
ucke der aus den beiden Abbildungen 4.16 und 4.17 ermittelten
Wendepunkte der Desorptions¨
aste von CHF3und C2F6in dem Material PL-E.
CHF3
T / K p/p0Tred.
168,15 0,422 0,56237
178,15 0,472 0,59582
188,15 0,555 0,62926
213,15 0,662 0,71288
233,15 0,745 0,77977
253,15 0,852 0,84666
273,15 0,934 0,91355
283,15 0,955 0,94699
C2F6
T / K p/p0Tred.
173,15 0,457 0,59096
183,15 0,48 0,62509
194,15 0,535 0,66263
213,15 0,65 0,72747
233,15 0,74 0,79573
253,15 0,85 0,86399
273,15 0,95 0,93225
278,15 0,97 0,94932
126
4.5. Diskussion
4.5. Diskussion
4.5.1. Gas-Fl¨
ussig Phasen¨
uberg¨
ange in Zylinderporen
Wie schon erw¨
ahnt, bildet das Studium der Temperaturabh¨
angigkeit der Po-
renkondensation einen der Schwerpunkte der hier vorgestellten Untersuchungen.
Wegen der engen Porenweitenverteilung der hier eingesetzten mesopor¨
osen Silika-
Materialien weisen die Adsorptionsisothermen bei Temperaturen, die hinreichend
weit vom kritischen Punkt des bulk-Fluids entfernt sind, eine steile Porenkon-
densationsstufe auf. Da die Materialien ¨
uber offene, voneinander unabh¨
angige
Zylinderporen verf¨
ugen, m das Auftreten der Sorptionshysterese dem intrin-
sischen Verhalten eines begrenzten Fluids zugeschrieben werden und kann nicht
auf Netzwerkeffekte und pore-blocking Effekte zur¨
uckgef¨
uhrt werden.
Neben den Effekten der begrenzenden Geometrie ist aber auch die St¨
arke der
Wechselwirkung der sich in den Poren befindlichen Gasmolek¨
ule mit der Poren-
wand (fs) im Verh¨
altnis zu der Wechselwirkung von Fluidmolek¨
ulen untereinan-
der (ff ) von entscheidender Bedeutung f¨
ur den Verlauf der Adsorptionsisother-
me. Die experimentelle Realisierung der unterschiedlichen Wand-Fluid-Wechsel-
wirkung erfolgte in dieser Arbeit durch eine Hydrophobisierung der zun¨
achst
hydrophilen Porenwand, was durch die Umsetzung der Materialien mit HMDS
Tabelle 4.6.: Eigenschaften der in diesem Teil der Diskussion betrachteten Materiali-
en. Es wurde jeweils das native Material und das entsprechende mit HMDS umgesetzte
Material verwendet. Neben den relativen Dr¨
ucken der Kondensationsstufen sind die Po-
renweiten nach Dollimore und Heal und die C-Werte der BET-Oberfl¨
achenbestimmung
angegeben.
Probe p/p0w(D&H) C asvpd(100)
(ads.) nm m2/g cm3/g nm
MCM-41 A (BGX14A) 0.285 2.9 93 480 0.74 3.50
AH 0.194 2.4 32 240 0.37
B (BGX18A) 0.418 3.7 139 870 0.84 4.26
BH 0.347 3.3 27 500 0.45
SBA-15 C (TS-B) 0.664 6.7 196 760 0.87 8.05
CH 0.633 6.1 35 490 0.60
D (XL-C) 0.750 8.9 342 750 1.06 9.59
DH 0.712 7.7 30 520 0.79
127
4. Gasadsorption
erfolgte (siehe Abschnitt 2.3). Zur ¨
Ubersicht sind in Tabelle 4.6 die Eigenschaf-
ten der Materialien, deren Isothermen hier diskutiert werden, zusammengefaßt.
Es handelt sich um zwei MCM-41 und zwei SBA-15 Materialien mit unterschied-
lichen Porenweiten, die jeweils im nativen Zustand (hydrophile Oberfl¨
ache) und
im oberfl¨
achenmodifizierten Zustand eingesetzt wurden. Die nativen Materialien
sind in Tabelle 4.6 mit A, B, C und D bezeichnet, die entsprechenden hydro-
phobisierten Materialien mit AH, BH, CH und DH. Im Fall der beiden MCM-41
Materialien wurden f¨
ur die Untersuchungen an den nativen Proben und den mit
HMDS behandelten Proben unterschiedliche Ausgangsmaterialien verwendet, so
daß hier die spezifischen Oberfl¨
ache asund das spezifische Porenvolumen vpnicht
direkt korreliert sind. Allerdings war die Porenweite der Ursprungsmaterialien f¨
ur
A und AH bzw. B und BH jeweils gleich.
Der Einfluß der Beschichtung auf die Adsorptionsisothermen des Stickstoffs
Abbildung 4.18.: Stickstoff-Adsorptionsisothermen (77 K) in zwei Materialien mit
Hydroxyl-Oberfl¨
ache und mit HMDS modifizierter Oberfl¨
ache. Es sind jeweils die
Stickstoff-Isothermen bei 77 K (T/Tc= 0,61) f¨
ur die unbeschichteten (gef¨
ullte Symbole)
und die beschichteten (offene Symbole) Materialien mit der kleinsten und der gr¨
oßten
Porenweite zusammengestellt.
128
4.5. Diskussion
bei 77 K ist in Abbildung 4.18 dargestellt. In allen F¨
allen liegt die Isothermen
des beschichteten Materials unterhalb der Isotherme des unbeschichteten Mate-
rials. Dies ist zu erwarten, da einerseits der Porenraum durch die aufgebrachte
Trimethylsilyl-Schicht kleiner geworden ist, andererseits infolge der Beschichtung
die Masse des Wandmaterials durch diese Schicht gr¨
oßer geworden ist und damit
auf die Masse bezogene Gr¨
oßen abnehmen. In Abbildung 4.18 ist weiterhin zu
sehen, daß die Porenkondensationsstufe der Isothermen in den modifizierten Ma-
terialien jeweils zu geringeren relativen Dr¨
ucken p/p0verschoben ist, wie man es
als Folge der Reduktion der Porenweite durch die Beschichtung erwartet. Außer-
dem ist zu erkennen, daß die Anfangssteigung der Isothermen f¨
ur die beschich-
teten Materialien deutlich geringer ist und die Kr¨
ummung und das Knie in den
Isothermen der beschichteten Materialien weniger ausgepr¨
agt sind, als bei den
Isothermen der unbeschichteten Materialien. Die Unterschiede bez¨
uglich des An-
fangsbereiches der Isothermen p/p0<0,1 zeigen sich deutlich in den unterschied-
lichen C-Werten der Mehrpunkt-BET Auswertung (Tabelle 4.6). Die Gr¨
oße des
Parameters Cist ein qualitatives Maß f¨
ur die Adsorptionsenergie der Molek¨
ule in
der ersten adsorbierten Schicht bezogen auf die Kondensationsenergie des Fluids.
Nach Tabelle 4.6 sind die C-Werte f¨
ur die nativen Materialien mit hydroxylierter
Oberfl¨
ache um bis zu 10 mal gr¨
oßer als jene f¨
ur die Materialien mit der me-
thylierten Oberfl¨
ache. Da die BET-Methode nur f¨
ur Isothermen mit C-Werten
zwischen 50 und 200 aussagekr¨
aftige Werte der spezifischen Oberfl¨
ache liefert,
sind die in der Tabelle f¨
ur die modifizierten Materialien angegebenen Werte nur
eine Absch¨
atzung und auch der angegebene Wert der Porenweite kann durch die
unterschiedliche Adsorptionsenergie beeinflußt sein. So kann speziell bei engeren
Poren die Berechnung der Porenweite zu große Werte ergeben, da die t-Schicht
in den beschichteten Poren aus den oben genannten Gr¨
unden kleiner als in den
Poren mit Hydroxyl-Oberfl¨
ache sein wird und sich damit auf die Bestimmung der
Porenweite aus Kelvin-Gleichung und t-Schicht auswirkt.
Da das Stickstoffmolek¨
ul aber unpolar und ann¨
ahernd kugelf¨
ormig ist, kann
man erwarten, daß der Einfluß der Polarit¨
at der Porenoberfl¨
ache auf die Adsorp-
tionsisotherme von Stickstoff relativ gering ist. Aus diesem Grund wird Stickstoff
auch als bevorzugtes Meßgas bei der Charakterisierung von por¨
osen Materialien
eingesetzt. Anders verh¨
alt es sich bei Gasen mit einem polaren Molek¨
ulaufbau,
wie CHF3. In Abbildung 4.19 sind die Adsorptionsisothermen von CHF3in na-
tiven und chemisch modifizierten Materialien A und D f¨
ur die Temperatur von
129
4. Gasadsorption
189 K (T/Tc= 0,63) dargestellt. Bei diesen Graphen ist die Dichte des Poren-
fluids ρ=m/vPgegen den relativen Druck aufgetragen, wobei das Porenvolu-
men aus der Stickstoffisotherme bestimmt wurde. Ein Vergleich der Isothermen
an den beschichteten und unbeschichteten Materialien, sowie der Vergleich des
Verhaltens von CHF3(Abb. 4.19) mit Stickstoff (Abb. 4.18) l¨
aßt folgende Ver-
haltensweise erkennen:
Dichte des Porenfluids im Plateau der Isothermen:
Die Dichte von CHF3im porenkondensierten Zustand ist im unbeschichteten
und beschichteten Material nicht gleich groß. Bei gleicher relativer Dichte wie f¨
ur
Stickstoff m¨
ußten die Plateauwerte der Isothermen im unbeschichteten und im
beschichteten Material auf gleicher H¨
ohe liegen. Tats¨
achlich liegen die Dichten
des Porenfluids in den beschichtete Proben aber tiefer als in den unbeschichteten
Proben. Die in den unbeschichteten Proben gefundenen Dichten (jeweils extrapo-
liert auf den S¨
attigungsdruck p0) betragen ρl= 1,40 g/cm3(A) bzw. 1,48 g/cm3
(D) und sind in guter ¨
Ubereinstimmung mit der Dichte des fl¨
ussigen CHF3bei
191 K (1,46 g/cm3), wie sie aus dem von Valentine et al. [Vale66] angegebenen
Abbildung 4.19.: CHF3Adsorptionsisothermen bei 189 K (T/Tc= 0,63) an den Mate-
rialien A, AH und D, DH deren Stickstoff-Isothermen in Abbildung 4.18 gezeigt sind.
130
4.5. Diskussion
Molvolumen von vl= 48 cm3bestimmt wird.
Der geringere Wert f¨
ur die Dichte des porenkondensierten CHF3in den be-
schichteten Proben (1,30 g/cm3) kann eine Folge der schw¨
acheren Wechselwir-
kung der CHF3-Molek¨
ule mit der Porenwand sein (bezogen auf Stickstoff), und
so bei vollst¨
andig gef¨
ullten Poren zu einer Schicht geringerer Dichte an den Po-
renw¨
anden f¨
uhren, wodurch die mittlere Dichte des Porenfluids gegen¨
uber dem
Wert f¨
ur Stickstoff verringert wird.
Lage der Porenkondensationsstufe:
Ein auff¨
alliger Unterschied im Vergleich der Isothermen von CHF3mit jenen
von Stickstoff ist, daß die Kondensationsstufe bei den beschichteten Materialien
hier zu h¨
oheren relativen Dr¨
ucken p/p0verschoben ist, obwohl die Porenweite
durch die Beschichtung kleiner geworden ist. Diese Beobachtung ist ein eindeu-
tiger Hinweis darauf, daß die Porenoberfl¨
ache einen entscheidenden Einfluß auf
die Adsorption hat.
H¨
ohe der Kondensationsstufe:
Einen deutlicheren Ausdruck f¨
ur die unterschiedlichen Adsorptionseigenschaften
der einzelnen Systeme bekommt man, wenn man das Verh¨
altnis der adsorbier-
ten Mengen in dem adsorbierten Film (nlayer) und im Poreninneren (ncore =
nplateau nlayer) am Porenkondensationsdruck beobachtet. Aus den Isothermen
lassen sich diese beiden Werte bei dem Anfang der Kondensationsstufe (nlayer)
und bei dem Beginn des Plateaubereiches (nplateau) ablesen. Dabei m ber¨
uck-
sichtigt werden, daß ein ungewisser Teil des so ermittelten adsorbierten Films
nlayer Mikroporen und Oberfl¨
achenrauigkeit zuzurechnen ist, so daß das Verh¨
alt-
nis:
Xexp =nlayer/ncore (4.18)
bei Ber¨
ucksichtigung dieser Tatsache eine obere Grenze f¨
ur das Vorhandensein
einer vollst¨
andigen adsorbierten Schicht Gasmolek¨
ule an den Porenw¨
anden dar-
stellt.
Der aus den Sorptionsisothermen ermittelte Wert Xexp kann mit jenem ver-
glichen werden, der sich aus einem einfachen geometrischen Modell ergibt, wenn
man annimmt, daß die Dichte des Fluids im adsorbierten Film gleich der Dichte
des bulk-Fluids ist und die Pore im Inneren leer ist. F¨
ur eine zylindrische Pore
mit Radius raund einer adsorbierten Schicht der Dicke t=rarierh¨
alt man
Xgeo = (r2
ar2
i)/r2
i.(4.19)
131
4. Gasadsorption
F¨
ur CHF3in beiden MCM-41 Proben aus Abbildung 4.19 findet man nun
die experimentellen Verh¨
altnisse Xexp(A)=1,36 f¨
ur die unbeschichtete und
Xexp(AH) = 0,48 f¨
ur die beschichtete Probe. Das geometrische Modell ergibt
f¨
ur eine Monoschicht von CHF3mit einem angenommenen Molek¨
uldurchmesser
von 4,3 ˚
A (abgesch¨
atzt aus dem Molvolumen von vl= 48 cm3[Vale62]) die
Werte Xgeo(A) = 1,02 f¨
ur die unbeschichtete und Xgeo(AH) = 1,43 f¨
ur die be-
schichtete Probe. Da das experimentelle Verh¨
altnis bei der unbeschichteten Probe
gr¨
oßer als der Wert von Xgeo ist, kann man hier von einer vollst¨
andig ausgebil-
deten adsorbierten Monoschicht bei einsetzen der Porenkondensation ausgehen.
Bei der beschichteten Probe ist Xexp hingegen signifikant kleiner als Xgeo, so
daß hier beim Einsetzen der Porenkondensation keine vollst¨
andige adsorbierte
Monoschicht vorliegt. Diese Schlußfolgerung ist allerdings nicht v¨
ollig konsistent
mit der relativ hohen Anfangssteigung und Kr¨
ummung der Sorptionsisothermen
von CHF3im Material AH (siehe Abb. 4.19). Dieses trotzdem auftretende Knie
im Anfangsbereich der Isotherme k¨
onnte eine Folge der nicht wirklich idealen
Trimethylsilyl-Schicht sein, in der Gasmolek¨
ule gespeichert werden k¨
onnten.
F¨
ur das SBA-15 Material in Abbildung 4.19 ergeben sich die experimentel-
len Werte Xexp(D)=1,15 und Xexp(DH)=0,47 w¨
ahrend das geometrische
Modell Xgeo(D) = 0,23 und Xgeo(DH) = 0,27 f¨
ur die unbeschichtete und die be-
schichtete Probe liefert. Damit scheint hier bei beiden Proben beim Einsetzen der
Porenkondensation bereits eine vollst¨
andig ausgepr¨
agte Monoschicht vorzuliegen.
Dabei ist allerdings zu ber¨
ucksichtigen, daß bei diesem Material die Kondensa-
tionsstufe erst bei hohen relativen Dr¨
ucken liegt. Bei der beschichteten Probe
zeigt die Isotherme unterhalb der Porenkondensation bereits eine starke positive
Kr¨
ummung und erst bei einem relativen Druck ¨
uber p/p0= 0,6 kann man von
einer vollst¨
andig ausgebildeten Monoschicht ausgehen.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß bei den beiden beschichteten Ma-
terialien bei Einsetzen der Porenkondensation entweder noch keine vollst¨
andig
ausgebildete Monoschicht existiert (Probe AH) oder diese erst knapp vor der
Porenkondensation erreicht wird (Probe DH). Dies deutet darauf hin, daß f¨
ur
CHF3die Benetzungstemperatur auf der beschichteten Silika-Oberfl¨
ache in der
N¨
ahe der experimentellen Temperatur (189 K) liegt, so daß die experimentellen
Isothermen weder f¨
ur den Fall der vollst¨
andigen Benetzung noch jenen der un-
vollst¨
andigen Benetzung charakteristisch sind.
132
4.5. Diskussion
Temperaturabh¨
angigkeit der Kondensationsstufe:
Neben den Unterschieden infolge der unterschiedlichen Porenoberfl¨
achen zeigen
die in dieser Arbeit erhaltenen Isothermen in geordneten mesopor¨
osen Materia-
lien auch eine ausgepr¨
agte Abh¨
angigkeit von der Temperatur. Diese ist in den
Isothermen des CHF3in den Abbildungen D.7 bis D.11 f¨
ur Porenweiten von ca.
2 nm bis 10 nm und einem Temperaturbereich von 169 K bis 293 K zu sehen.
Das Auftreten der Kondensationsstufe bzw. deren Lage h¨
angt sowohl von der
Porenweite als auch der Temperatur ab. Bei kleinen Porenweiten wird die Poren-
kondensation erst bei tiefer reduzierter Temperatur richtig ausgepr¨
agt und der
Wendepunkt der Stufe verschiebt sich mit der Temperatur. Der Plateauwert der
Isotherme und damit die Dichte der Porenfl¨
ussigkeit nimmt mit zunehmender
Temperatur ab, sie liegt aber in allen F¨
allen, auch bei den beschichteten Proben,
bei dem Erreichen des S¨
attigungsdrucks p0¨
uber der kritischen Dichte des bulk-
Fluids (ρc= 0,525cm3/g f¨
ur CHF3).
Die Temperaturabh¨
angigkeit des Porenkondensationsdrucks f¨
ur CHF3in ei-
nigen Materialien ist in den Abbildungen 4.20 und 4.21 dargestellt. Aufgetra-
gen sind die Wendepunkte der Adsorptions¨
aste der Kondensationsstufen gegen
Abbildung 4.20.: Auftragung des Porenkondensationsrucks (p/p0)pc von CHF3gegen
die Temperatur in zwei beschichteten und unbeschichteten MCM-41 Materialien (siehe
Text).
133
4. Gasadsorption
die Temperatur. Zur Verdeutlichung des Verhaltens ist in dieser Abbildung bei
jenen Temperaturen, wo Sorptionshysterese auftritt, nur der p/p0-Wert der Ad-
sorptions¨
aste gezeigt, die Desorptions¨
aste zeigen qualitativ den gleichen Verlauf
wie die Adsorptions¨
aste. Bei den engporigen MCM-41 Materialien ist außerdem
das Auftreten von Sorptionshysterese ohnehin zu sehr niedrigen Temperaturen
verschoben, so daß das Auftragen der Desorptionspunkte nur bei den tiefsten
Temperaturen eine Rolle spielt.
Wie in Abbildungen 4.20 zu sehen ist, f¨
uhrt die Beschichtung der MCM-
41 Materialien im gesamten untersuchten Temperaturbereich zu einer Verschie-
bung des Kondensationsdrucks p/p0von CHF3zu h¨
oheren Werten, d.h. die re-
lativen Dr¨
ucke der Kondensationsstufen liegen f¨
ur die beschichteten Materialien
jeweils ¨
uber denen in den unbeschichteten Materialien, obwohl die Porenweiten
durch die Beschichtung reduziert wurde. Die Kondensationslinien weisen eine un-
terschiedliche Steigung auf, wobei sich in den unbeschichteten Materialien eine
st¨
arkere Abh¨
angigkeit des Kondensationsdrucks von der Temperatur zeigt als in
den beschichteten Materialien. Diese st¨
arkere Temperaturabh¨
angigkeit kann dazu
f¨
uhren, daß sich die Kondensationslinien f¨
ur die unbeschichteten und beschichte-
Abbildung 4.21.: Auftragung des relativen Druckes des Wendepunktes der Kondensati-
onsstufe gegen die reduzierte Temperatur in den beiden beschichteten (offene Symbole)
und unbeschichteten (geschlossene Symbole) SBA-15 Materialien.
134
4.5. Diskussion
ten Porenoberfl¨
achen schneiden, wie es f¨
ur die untersuchten SBA-15 Materialien
in Abbildungen 4.21 gezeigt ist. Dort f¨
uhrt die Verringerung der Porenweite durch
die Trimethylsilyl-Schicht dazu, daß die Kondensationslinie so weit zu geringeren
Dr¨
ucken verschoben wird, daß sie die Kondensationslinie des unbeschichteten Ma-
terials bei ca. 260 K schneidet. Um einen besseren Vergleich dieser experimentel-
len Ergebnisse mit den nachfolgend dargestellten Rechnungen zu erhalten, kann
man die Porenweiten auch in Vielfachen des Molek¨
uldurchmessers ausdr¨
ucken.
Bei einem Molek¨
uldurchmesser von 4,3 ˚
A f¨
ur CHF3entspricht die Porenweite
der unbeschichteten SBA-15 Probe (D) ca. 21 Molek¨
ullagen, jene der beschich-
teten Probe (DH) ca. 18 Molek¨
ullagen. F¨
ur die MCM-41 Probe (A) (2,9 nm
Porenweite) entspricht dies ca. 7 bzw. 6 Molek¨
ullagen f¨
ur die unbeschichtete und
die beschichtete Probe.
Vergleich mit DFT-Rechnungen:
Um den beobachteten Verlauf der Porenkondensation in den unbeschichteten und
beschichteten Materialien besser zu verstehen, wurden im Arbeitskreis von Prof.
Schoen (siehe auch [Bock01]) Modellrechnungen auf der Basis der Dichtefunktio-
naltheorie (DFT) durchgef¨
uhrt (siehe Abschnitt 4.2.4).
Analytische L¨
osungen der drei Koexistenzkurven sind in Abbildung 4.22
f¨
ur die Temperatur T= 0 gezeigt. Dort sind die chemischen Potenziale
der gasf¨
ormig-fl¨
ussig µgl, gasf¨
ormig-monolayer µgm und fl¨
ussig-monolayer µlm
Koexistenzkurven eines Gittergases in Abh¨
angigkeit von dem Wand-Fluid-
Wechselwirkungsparameter α=fs/ff aufgetragen, der durch den Fluid-Fluid-
Wechselwirkungsparameter ff normiert ist. Die Koexistenzkurven gelten f¨
ur
einen Wandabstand von H= 14 und f¨
ur einen Wechselwirkungsparameter
α1,15 ist der Pfad einer experimentellen Isotherme als punktierter Pfeil ein-
gezeichnet. Hierbei entspricht das chemische Potenzial µdem relativen Druck
in der Isotherme. Die Isotherme w¨
urde also eine Stufe beim Schnittpunkt der
punktierten Linie mit der gasf¨
ormig-monolayer µgm und eine Stufe beim Schnitt-
punkt mit der fl¨
ussig-monolayer µlm Koexistenzkurve zeigen. Unterhalb eines be-
stimmten Wand-Fluid-Wechselwirkungsparameters αtritt keine Schichtadsorpti-
on mehr auf und bei sehr großen Werten von αerfolgt die Schichtadsoption bei
sehr kleinem chemischen Potenzial oder sehr geringem relativen Druck.
Wenn man dieses einfache Modell direkt auf die Adsorption von CHF3in
den beschichteten und unbeschichteten Materialien ¨
ubertragen w¨
urde, w¨
urde man
135
4. Gasadsorption
bei dem System aus beschichteten Proben und CHF3von einem Wert f¨
ur α
1,05 ausgehen, da in der MCM-41 Probe (AH) keine adsorbierte Schicht bei
Kondensation vorlag und bei der SBA-15 Probe (DH) die Schicht erst bei einem
relativ hohen Druck gebildet wurde.
Einen interessanten Spezialfall erh¨
alt man, wenn die Porenweite der beschich-
teten Probe so weit reduziert wird, daß die Koexistenzlinie der beschichteten die
der unbeschichteten Probe schneidet, was f¨
ur die beiden Proben D und DH in
Abbildung 4.21 zu sehen ist. Die Resultate der Dichtefunktional-Rechnung f¨
ur
dieses Verhalten ist in Abbildung 4.23 f¨
ur die beiden Wechselwirkungsparameter
α= 0,85 und 1,1 mit dem Schichtabstand H= 14 bzw. H= 17 gezeigt. Die
gestrichelte Kurve im unteren Teil der Abbildung zeigt den gasf¨
ormig-monolayer
¨
Ubergang, der nur f¨
ur den Fluid-Wand-Wechselwirkungsparameter fs = 1,1 und
nicht f¨
ur fs = 0,85 auftritt. Im oberen Teil der Abbildung kann man erkennen,
daß sich die monolayer-fl¨
ussig Koexistenzlinie f¨
ur fs = 1,1 und H= 17 und die
Abbildung 4.22.: Abh¨
angigkeit des gasf¨
ormig-fl¨
ussig Phasen¨
ubergangs (µxµ0von der
relativen St¨
arke der Fluid-Wand-Wechselwirkung fs in einer Schlitzporengeometrie;
Ergebnisse einer einfachen Gittergasrechnung [Schr02]. Es sind die Phasen¨
uberg¨
ange
f¨
ur drei unterschiedliche Wandabst¨
ande nzund das Auftreten der Schichtadsorption
(gestrichelte Linie) f¨
ur T= 0 gezeigt.
136
4.5. Diskussion
gasf¨
ormig-fl¨
ussig Koexistenzlinie f¨
ur fs = 0,85 und H= 14 bei einer reduzierten
Temperatur von T/Tc0,7 schneiden.
Ein Vergleich von Theorie und Experiment gibt eine sehr gute qualitati-
ve ¨
Ubereinstimmung zu dem Verhalten der Phasen¨
uberg¨
ange in Poren. Eine
Absch¨
atzung der absoluten Werte f¨
ur die Porenweite ergibt f¨
ur die beiden Proben
D und DH Werte f¨
ur Hexp = 2r von ca. 20 bzw. 18. Bei diesem quantitativen
Vergleich m dabei ber¨
ucksichtigt werden, daß im Experiment Zylinderporen
vorlagen, w¨
ahrend bei der theoretischen Betrachtung von Schlitzporen ausgegan-
gen wurde. Durch die zus¨
atzliche Begrenzung in Zylindern (quasi 1D-Fluid) im
Vergleich zu parallelen Platten (2D-Fluid) m man bei dem Experiment von
einer gr¨
oßeren als der simulierten Porenweite ausgehen und damit zeigen die
Ergebnisse aus dem einfachen Gittergas-Modell sogar quantitativ eine ¨
Uberein-
stimmung.
Eine bei experimentellen Arbeiten ¨
ublichere Darstellung des Pha-
sendiagramms wird durch die T/TcρAuftragung in Abbildung 4.24
gegeben. Hier sind die beiden Phasendiagramme f¨
ur die Wand-Fluid-
Abbildung 4.23.: Phasendiagramm eines Gittergases in der µTDarstellung. Es sind
die Phasen¨
uberg¨
ange f¨
ur zwei unterschiedliche Fluid-Wand-Wechselwirkungsparameter
fs = 1,1,H= 17 und fs = 0,85 mit H=17 und 14 dargestellt.
137
4. Gasadsorption
Wechselwirkungsparameter α= 1,1 und 0,85 und einem Wandabstand von
H= 17 gezeigt. Die gestrichelte Kurve f¨
ur α= 1,1 zeigt zwei kritische Punkte,
einen f¨
ur die Schichtadsorption und einen f¨
ur die Porenkondensation, bei einem
Wechselwirkungsparameter α= 0,85 tritt nur der kritische Punkt der Konden-
sation auf.
Abbildung 4.24.: Phasendiagramm des Gittergases aus Abbildung 4.23 in der Tρ
Darstellung. Die punktierte Kurve entspricht dem Fall der nicht benetzten Wand und
die gestrichelte und die durchgezogene Kurve dem Fall einer Schichtadsorption mit
anschließender Kondensation.
4.5.2. Sorptionshysterese in geordneten Materialien
Das Auftreten von Sorptionshysterese bei mesopor¨
osen Adsorbentien wurde in der
Literatur lange Zeit durch Perkolation (pore blocking Effekte in Porennetzwerken)
oder durch spezielle Eigenschaften wie verengte Porenausg¨
ange (ink bottle effect)
gedeutet [Maso88,Liu93]. Erst die Untersuchungen an MCM-41 Materialien ha-
ben eindeutig gezeigt, daß auch bei der Porenauff¨
ullung von Einzelporen einheit-
licher Weite Sorptionshysterese m¨
oglich ist, daß das Auftreten der Hysterese aber
von der Temperatur (bzw. der Porenweite) abh¨
angt [Fran93]. In den vergangenen
10 Jahren wurden systematische Untersuchungen zum Auftreten von Sorptions-
hysterese in MCM-41 Materialien mit verschiedenen Gasen durchgef¨
uhrt [Mo-
138
4.5. Diskussion
ri97,Sonw98]. Die im Rahmen dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Untersuchungen zum
Auftreten von Sorptionshysterese in MCM-41 und SBA-15 erstrecken sich ¨
uber
einen weiteren Temperaturbereich und einen weiteren Bereich von Porenweiten,
als die bisher in der Literatur beschriebenen Untersuchungen.
Die Temperaturabh¨
angigkeit des Porenkondensationsdrucks, der hier opera-
tionell als Wendepunkt des Adsorptions- bzw. Desorptionsastes der Adsorptions-
isothermen definiert ist, ist exemplarisch f¨
ur CHF3in einem SBA-15 Material in
Abbildung 4.25 gezeigt. Unterhalb einer bestimmten Temperatur TH(Hysterese
Temperatur) fallen die Wendepunkte von Adsorptions- und Desorptionsast der
Isotherme nicht mehr zusammen. Die Hysterese Temperatur THnimmt mit ab-
nehmender Porenweite ab: so liegt THf¨
ur dieses SBA-15 Material mit 9,5 nm
Porenweite bei etwa 265 K, f¨
ur das MCM-41 Material mit 4,2 nm Porenweite
dagegen bei etwa 185 K. Vergleicht man das Auftreten von Sorptionshysterese
in Materialien mit unmodifizierten bzw. modifizierten Porenw¨
anden, zeigen sich
keine ausgepr¨
agten Unterschiede bei der Temperaturabh¨
angigkeit vom Auftreten
der Hysterese. In Abbildung 4.26 sind die Wendepunkte der Kondensationsstu-
fen von C2F6in je zwei Materialien mit nativer (hydroxylierter) und mit HMDS
modifizierter Oberfl¨
ache aufgetragen. Obwohl die Porenweite um den doppelten
Abbildung 4.25.: Verlauf von Adsorption und Desorption von CHF3in SBA-15; offene
Symbole: Wendepunkt des Adsorptionsastes; geschlossene Symbole: Wendepunkt des
Desorptionsastes.
139
4. Gasadsorption
Molek¨
uldurchmesser der gebundenen Trimethylsilylschicht reduziert wurde, sind
die Kurven f¨
ur das urspr¨
ungliche und das modifizierte Material fast identisch,
d.h. die Hysterese Temperatur THist praktisch unabh¨
angig von der chemischen
Natur der Porenwand. Eine spekulative Erkl¨
arung dieses zun¨
achst ¨
uberraschen-
den Ergebnisses w¨
are, daß die Hysterese Temperatur THnicht mit der (Gesamt-)
Porenweite r, sondern dem freien Porenradius (d.h. dem Porenradius rreduziert
um die Dicke der chemisch gebundenen Schicht ζund dem physisorbierten Film
der Dicke t) korreliert ist. Da die Dicke des physisorbierten Films im Falle der
chemisch modifizierten Oberfl¨
ache geringer ist als auf der nativen Oberfl¨
ache,
sind die freien Porenweiten beim Auftreten der Porenkondensation in den beiden
Materialien ann¨
ahernd gleich groß.
Bei der Porenkondensation in Materialien mit isolierten Poren einheitlicher
Gr¨
oße, wie im Fall der vorliegenden MCM-41 und SBA-15 Materialien, liegt es
nahe, das Auftreten bzw. Verschwinden der Hysterese bei einer bestimmten Tem-
peratur THmit der porenkritischen Temperatur Tcp in Verbindung zu bringen.
Sofern man die Porenkondensation als einen Phasen¨
ubergang erster Ordnung des
Porenfluids auffassen kann, stellt die porenkritische Temperatur eine obere Gren-
ze f¨
ur das Auftreten von Sorptionshysterese dar (Tcp TH). Der Theorie von
Abbildung 4.26.: Verlauf von Adsorption und Desorption von C2F6in SBA-15; offene
Symbole: Wendepunkt des Adsorptionsastes, geschlossene Symbole: Wendepunkt des
Desorptionsastes.
140
4.5. Diskussion
Evans et al. [Evan86a] folgend, die eine Beziehung f¨
ur die Abh¨
angigkeit von Tcp
vom Porenradius rund dem Molek¨
uldurchmesser σliefert (Gl. 4.5),
TcTcp
Tc
=Tc
Tc1
λH
wurde von Morishige et al. [Mori97] eine entsprechende Korrelation f¨
ur die
Hysterese-Temperatur f¨
ur verschiedene Gase in MCM-41 Materialien mit Po-
renweiten (2r) von 2,4 bis 4,2 nm hergestellt.
Abbildung 4.27 zeigt eine entsprechende Analyse der Ergebnisse f¨
ur CHF3
und C2F6in verschiedenen MCM-41 und SBA-15 Materialien. Aufgetragen ist
der relative Abstand der Hysterese-Temperatur THvon der kritischen Tempera-
tur Tc, (TcTH)/Tc, als Funktion der Gr¨
oße σ/r (Daten aus Tabelle 4.2). Es l¨
aßt
sich ein linearer Zusammenhang zwischen Tc/Tcund dem inversen Porenradi-
us erkennen, der aber nicht die G¨
ultigkeit von Gleichung 4.5 best¨
atigt. F¨
ur die
von Evans vorhergesagte Ungleichung erwartet man f¨
ur den Koeffizienten aeinen
Abbildung 4.27.: Relative Verschiebung der Hysterese-Temperatur TH/Tcin
Abh¨
angigkeit von der relativen Porenweite σ/R f¨
ur CHF3(4,N) und C2F6(O,H),
offene Symbole native, gef¨
ullte chemisch modifizierte Porenwand. Ergebnisse f¨
ur ver-
schiedene Gase in MCM-41 aus Morishige et al. [Mori97] (s. Tab. 4.7).
141
4. Gasadsorption
Wert kleiner oder gleich 1 (der Fall a= 1 ist in der Abbildung als gestrichelte Li-
nie dargestellt). Die Ergebnisse dieser Arbeit liefern in dem untersuchten Bereich
eine ann¨
ahernd lineare Abh¨
angigkeit mit der Steigung a= 1,6±0,2. F¨
ur die Er-
gebnisse von Morishige ergibt sich eine noch gr¨
oßere Steigung (a > 2). Wenn man
aber ber¨
ucksichtigt, daß die Berechnungen von Evans von Schlitzporen ausgehen,
bei den hier untersuchten Materialien aber Zylinderporen vorliegen, so erscheint
eine st¨
arkere Verschiebung der Hysterese-Temperatur mit dem Porenradius, d.h.
ein Wert a > 1 nicht unplausibel. Somit stehen die Ergebnisse dieser Arbeit nicht
im Widerspruch zur Theorie von Evans et al.. Allerdings wird bei dieser Art
der Darstellung die Beschaffenheit der Porenoberfl¨
ache nicht ber¨
ucksichtigt, sie
geht in die Gleichung von Evans nicht ein. Bei den Ergebnissen dieser Arbeit hat
sich gezeigt, daß gerade bei engeren Poren (siehe auch Pfeile in der Abbildung)
ein deutlicher Unterschied bei der Lage der Punkte f¨
ur unbeschichtete und be-
schichtete Materialien zu erkennen ist. Der genaue Einfluß der Porenoberfl¨
ache
auf das Auftreten von Sorptionshysterese kann aber nur durch eine systematische
Untersuchung mit dichter aufeinander folgenden Isothermen gekl¨
art werden.
Simulationen und theoretische Behandlungen der Adsorption von Gasen in
Poren zeigen, daß die Hysterese Temperatur THund die porenkritische Tempera-
tur Tcp nicht zusammen h¨
angen m¨
ussen. Kierlik et al. [Kier01] konnten zeigen, daß
bei der Porenkondensation in ungeordneten Materialien Sorptionshysterese kein
Anzeichen f¨
ur das Vorhandensein eines Phasen¨
ubergangs ist und DFT Rechnun-
gen zu Zylinderporen [Ravi01a] geben keinen Anhaltspunkt zum Auftreten der
Hysterese, da dort auch Hystereseschleifen gefunden werden, wo experimentelle
Tabelle 4.7.: Aus den Abbildungen der beiden Ver¨
offentlichungen von Morishige et al.
ermittelten rel. Dr¨
ucke bei dem Auftreten von Hysterese (TH).
Gas Tred. (p/p0)HTHTcReferenz
/K /K
Stickstoff 0,539 0,3 68 126,2 [Mori97a]
Ethen 0,521 0,24 147 282,4 [Mori97a]
Sauerstoff 0,582 0,4 90 154,6 [Mori97a]
Argon 0,623 0,46 93,9 150,7 [Mori98]
Argon 0,564 0,39 85 150,7 [Mori97a]
Argon 0,517 0,31 77,9 150,7 [Mori98]
Argon 0,385 0,12 58 150,7 [Mori98]
142
4.5. Diskussion
Sorptionsisothermen keine Hysterese zeigen.
Das Verschwinden von Sorptionshysterese in Poren eines bestimmten Radius
wird durch die Hysterese-Temperatur THund den zugeh¨
origen Porenkondensati-
onsdruck (p/p0)Hvollst¨
andig charakterisiert (siehe Abbildung 4.27). Abbildung
4.28 zeigt die Abh¨
angigkeit dieses Drucks (p/p0)Hf¨
ur die untersuchten MCM-41
und SBA-15 Materialien von der reduzierten Temperatur T/Tcdes Fluids. Die
Abbildung 4.27 und 4.28 sind nicht v¨
ollig unabh¨
angig von einander, da (p/p0)H
z.B. ¨
uber die Kelvin-Gleichung mit dem Porenradius verkn¨
upft ist.
In Abbildung 4.28 sind wieder die Ergebnisse dieser Arbeit mit denen von
Morishige verglichen. Die Werte aus der Literatur, die in Tabelle 4.7 zusammen-
gestellt sind, wurden nur aus den tats¨
achlich abgebildeten Isothermen ermittelt,
da in den Tabellen der Arbeiten die relativen Dr¨
ucke der Kondensationsstufe bei
Abbildung 4.28.: Hysterese in geordneten mesopor¨
osen Materialien: Relativer Poren-
kondensationsdruck bei der Hysterese-Temperatur des Gases. Auftreten der Hysterese
in geordneten Materialien in Abh¨
angigkeit von der reduzierten Temperatur f¨
ur CHF3
und C2F6(Tabelle 4.2), und ein Vergleich mit Literaturdaten (Tabelle 4.7).
143
4. Gasadsorption
dem Auftreten von Hysterese nicht angegeben waren. Im Gegensatz zu Abbil-
dung 4.27 ergibt diese Art der Auftragung ein einheitliches Bild der Ergebnisse
der beiden verschiedenen Arbeiten. Alle Meßpunkte lassen sich durch eine univer-
selle Kurve beschreiben, die im Bereich der reduzierten Temperatur von 0,5 bis
0,9 fast linear verl¨
auft. Das bedeutet, daß das Verh¨
altnis von relativem Druck zu
reduzierter Temperatur beim Auftreten von Sorptionshysterese in Zylinderporen
ann¨
ahernd unabh¨
angig von Gas, Art der Porenwand und Porenweite ist.
4.5.3. Sorptionshysterese in Materialien mit pore-blocking
Effekt - Homogene Nukleation der Gasphase?
Wie oben gezeigt wurde, weisen die Sorptionsisothermen in Materialien mit of-
fenen Zylinderporen einheitlicher Gr¨
oße scharfe Stufen infolge der Porenkonden-
sation auf. Die in Abschnitt 4.4.2 dargestellten Adsorptionsisothermen in einem
Materialien mit pore blocking Effekt zeigen dagegen einen kontinuierlichen Anstieg
der adsorbierten Menge bis nahe zum S¨
attigungsdruck. Die zugeh¨
origen Desorp-
tions¨
aste zeigen ein ausgepr¨
agtes Plateau, gefolgt von einem scharfen Abfall bei
einem stark temperaturabh¨
angigen Wert des relativen Drucks. In der Literatur
wird der Punkt, an welchem der steil abfallende Desorptionsast auf den Adsorp-
tionsast der Isothermen trifft, lower closure point bezeichnet. Von zahlreichen
Autoren (siehe Burgess et al. [Burg70]) wurde gefunden, daß dieser Punkt f¨
ur
Stickstoff bei 77 K bei ca. p/p0= 0,42 liegt, und zwar weitgehend unabh¨
angig
von der Natur des mesopor¨
osen Materials. Die in der Literatur angegebenen Wer-
te f¨
ur diesen Punkt variieren teilweise bei verschiedenen Untersuchungen. Die-
ses kann zum Teil durch die Definition des Punktes verursacht werden, da sich
bei realen Adsorptionsmessungen die jeweiligen ¨
Aste der Isotherme asymptotisch
dem Gleichgewichtszustand n¨
ahern. Das Zusammentreffen von Adsorptionsast
und Desorptionsast h¨
angt also auch vom Ermessen des Experimentators ab. Ein
besser definierter Punkt ist der Wendepunkt in der Desorptionsstufe, da er bei
Adsorptionsisothermen sehr viel genauer festgestellt werden kann.
In Abbildung 4.29 sind die Werte des Desorptionsdruckes p/p0(definiert als
Wendepunkte des Desorptionsastes der Isothermen (p/p0)W(T)) von CHF3und
C2F6in dem Material PL-E (Abb. 4.16 und 4.17) gegen die reduzierte Temperatur
T/Tcaufgetragen. Diese Auftragung ergibt f¨
ur beide Gase einen fast ¨
ubereinstim-
menden Verlauf, der in dem gemessenen Bereich 0,55 T/Tc0,95 ann¨
ahernd
144
4.5. Diskussion
linear ist.
Abbildung 4.29.: Wendepunkte des Desorptionsastes bei der Verdampfung des Poren-
fluids gegen die reduzierte Temperatur
Tabelle 4.8.: Einige aus der Literatur ermittelte Werte f¨
ur den lower closure point f¨
ur
Xenon (Tc= 289,75 K) und Schwefelhexafluorid (Tc= 318 K).
Tred. p/p0T /K Referenz
Xenon
0,725 0,7 210 [Mach94]
0,759 0,78 220 [Mach94]
0,794 0,81 230 [Mach94]
0,828 0,85 240 [Mach94]
0,863 0,9 250 [Mach94]
0,430 0,21 124,7 [Burg70]
0,454 0,3 131,5 [Burg70]
0,480 0,27 139,2 [Burg70]
0,505 0,32 146,3 [Burg70]
0,549 0,32 159,1 [Burg70]
0,564 0,36 163,3 [Burg70]
0,581 0,38 168,3 [Burg70]
Tred. p/p0T /K Referenz
Xenon
0,490 0,25 142 [Mach92]
0,518 0,3 150 [Mach92]
0,545 0,34 158 [Mach92]
0,573 0,39 166 [Mach92]
Schwefelhexafluorid
0,985 0,99 - [Mich91]
0,952 0,96 - [Mich91]
0,919 0,94 - [Mich91]
0,873 0,9 - [Mich91]
0,857 0,89 - [Mich91]
145
4. Gasadsorption
Ein Vergleich der hier gefundenen Ergebnisse (Werte aus Tabelle 4.5) mit
Werten des lower closure point aus der Literatur (Tabelle 4.8) zeigt eine sehr gu-
te ¨
Ubereinstimmung bei der Temperaturabh¨
angigkeit dieses Punktes. Wie oben
schon erw¨
ahnt, liegen der Wendepunkt des Desorptionsastes und der entsprechen-
de lower closure point dicht beieinander, wobei bei der gemeinsamen Auftragung
von Literaturwerten und den Ergebnissen dieser Arbeit (Abbildung 4.30) die
Werte der Wendepunkte geringf¨
ugig zu geringeren relativen Dr¨
ucken verschoben
werden m¨
ußten. Die gemeinsame Auftragung der eigenen Daten und der Lite-
raturwerte in Abbildung 4.30 zeigt, daß dieser Punkt f¨
ur unterschiedliche Gase
und unterschiedliche Substanzen durch eine universelle Abh¨
angigkeit beschrie-
ben werden kann. Die Kurve der Punkte verl¨
auft zwischen 0,5T/Tc0,9 fast
linear und kr¨
ummt sich bei h¨
oheren reduzierten Temperaturen zum kritischen
Punkt des bulk-Fluids.
Es ist bemerkenswert, daß der Porenentleerungsdruck (bzw. lower closure
point) f¨
ur ein gegebenes Gas alleine von der Temperatur abh¨
angt und praktisch
unabh¨
angig von der Natur des por¨
osen Materials ist. Diese Beobachtung f¨
uhrt zu
dem zun¨
achst paradoxen Schluß, daß es sich hier um eine bulk-Eigenschaft des
Fluids handelt.
Abbildung 4.30.: Auftragung des lower closure point f¨
ur Xenon und SF6in Silicagelen
und Kohlenstoff (Werte aus Tabelle 4.8 und der Wendepunkt des Desorptionsastes
(p/p0)W(T)) von CHF3und C2F6in PL-E.
146
4.5. Diskussion
Ein Versuch, das Verschwinden der Sorptionshysterese an diesem definierten
Punkte zu erkl¨
aren, geht auf Schofield [Scho48] zur¨
uck. Er ging davon aus, daß die
Porenfl¨
ussigkeit in den ink bottle Poren nur bis zu einer bestimmten Zugspannung
(tensile strength) stabil ist, und daß bei einer weiteren Absenkung des Drucks
spontane Verdampfung der Porenfl¨
ussigkeit eintritt. Der kritische Wert der Zug-
spannung wurde von anderen Autoren (z.B. [Burg70]) definiert als der Betrag
des negativen Druckes am Minimum eines van der Waals Gases (siehe Abbildung
4.31 a)). Mit Hilfe der van der Waals Gleichung und anderer Zustandsgleichun-
gen, die von Burgess et al. betrachtet wurden, l¨
aßt sich das Auftreten des lower
closure point f¨
ur viele Meßdaten gut beschreiben. In Abbildung 4.31 b) kann
man sehen, daß die berechneten Werte der reduzierten Zugspannung zwischen
der Vorhersage mittels der Berthelot- und der van der Waals-Gleichung liegen.
Diese Art der Auftragung beschreibt das Verhalten f¨
ur reduzierte Temperaturen
Tred <0,84 gut, erkl¨
art aber nicht das Auftreten von Sorptionshysterese oberhalb
einer reduzierten Temperatur von 0,84 (bzw. 0,92, je nach benutzter Gleichung).
Ein weiterer Punkt, der in einigen Arbeiten zu diesem Modell [Kadl69] dis-
kutiert wurde, ist die Definition einer limiting pore size r0= 0,97 ×d0, mit d0
als Abstand zweier benachbarter Molek¨
ule. Nach dieser Betrachtung sind alle
Mesoporen nur durch Mikroporen zug¨
anglich. Da aber die meisten untersuch-
ten Adsorbentien eine nicht vergleichbare Struktur besitzen, ist die Annahme
eines universellen Radius fragw¨
urdig. Eine weitere Unstimmigkeit bei dieser Be-
trachtung ergibt sich beim Vergleich unterschiedlicher Gase. Por¨
ose Materialien,
in welchen die Stickstoff-Isothermen pore-blocking zeigen, d¨
urften f¨
ur Benzolmo-
lek¨
ule nicht mehr zug¨
anglich sein.
Eine naheliegende Modifizierung des Ansatzes von Burgess et al. besteht
darin, die kritische Zugspannung als Differenz zwischen dem Gleichgewichts¨
uber-
gang und dem lokalen Minimum der van der Waals Kurve zu definieren. Mit
dieser Definition ließe sich das Auftreten von Hysterese bis hin zum kritischen
Punkt erkl¨
aren. Damit hat der Mechanismus der Porenverdampfung von Fluiden
¨
Ahnlichkeit mit dem Gefrieren von Fluiden in ink-bottle Poren. Beim Gefrieren
von Wasser l¨
aßt sich das Porenwasser in dieser Art von Poren bis zur homogenen
Nukleationstemperatur von bulk-Wasser unterk¨
uhlen. In Analogie hierzu k¨
onnte
es im Fall der Porenverdampfung einer Fl¨
ussigkeit aus diesen Poren einen spe-
zifischen Druck geben, bei dem sich in den nur durch Mikroporen zug¨
anglichen
Meso- und Makroporen kleine Gasblasen durch homogene Nukleation bilden.
147
4. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung 4.31.: a) Isothermen eines van der Waals Gases in der reduzierten Dar-
stellung. Eine negative Zugspannung tritt bei van der Waals Kurven unterhalb einer
reduzierten Temperatur von ca. 0,84 auf, wenn das lokale Minimum der Kurve die
Achse des Molvolumens bei pred = 0 schneidet. b) Reduzierte Zugspannung (τ0/pc)
verschiedener Fl¨
ussigkeiten (aus [Burg70]).
148
4.5. Diskussion
4.5.4. Porenkondensationshysterese mit und ohne
pore-blocking
Ein interessanter Zusammenhang ergibt sich, wenn man den relativen
Porenkondensationsdruck (p/p0)Hbei der Hysterese-Temperatur THin geord-
neten zylinderf¨
ormigen Poren (Abbildung 4.28) und den lower closure point ge-
meinsam gegen die Temperatur auftr¨
agt. Eine solche Darstellung zeigt Abbildung
4.32. Wie man erkennt, fallen die Meßdaten f¨
ur diese beiden Ph¨
anomene in der
gew¨
ahlten Darstellung nahezu auf eine gemeinsame Kurve. Allerdings liegen die
Meßpunkte f¨
ur die offenen Zylinderporen vor allem bei hohen reduzierten Tem-
peraturen (im Bereich 0,6< T/Tc<0,9) etwas tiefer als die Daten f¨
ur Mate-
rialien mit pore-blocking. Dennoch l¨
aßt sich feststellen, daß f¨
ur beide Typen von
Materialien Sorptionshysterese f¨
ur gegebene Temperaturen nur oberhalb eines
bestimmten relativen Drucks auftritt. Bei Materialien mit pore-blocking wird der
relative Druck (p/p0) nach der Theorie von Burgess et al. durch die Instabilit¨
at
der Fl¨
ussigkeit in den eingeschlossenen Poren bestimmt und in Materialien mit
offenen Zylinderporen ist auch damit zu rechnen, daß unterhalb dieses relativen
Abbildung 4.32.: Auftragung des Druckes, bei dem der Adsorptions- und Desorptions-
ast der Isothermen zusammenfallen, gegen die reduzierte Temperatur. Offene Symbole:
Materialien mit offenen Zylinderporen; volle Symbole: Materialien mit verengten Po-
renzug¨
angen.
149
4. Gasadsorption
Drucks die Porenfl¨
ussigkeit instabil wird.
Abbildung 4.33 zeigt ein schematisches Zustandsdiagramm, welches die
experimentellen Beobachtungen zum Hystereseverhalten qualitativ erkl¨
aren kann.
Die gestrichelte Kurve markiert die Grenze der Stabilit¨
at der Porenfl¨
ussigkeit
aufgrund des tensile strength Effekts. Oberhalb der gepunkteten Linie tritt ge-
nerell in por¨
osen Materialien Sorptionshysterese auf, unterhalb der punktierten
Linie tritt keine Hysterese auf. Die durchgezogenen Linien entsprechen den in
den Abschnitten 4.5.1 und 4.5.2 diskutierten Phasen¨
uberg¨
angen von Fluiden in
offenen Zylinderporen. Rechts von der punktierten Kurve tritt bei diesen Ma-
terialien Sorptionshysterese mit einer nur schwach temperaturabh¨
angigen Weite
des Hysterese-Loops auf. Im Fall von Stickstoff betr¨
agt der Unterschied zwischen
den Wendepunkten von Adsorptions- und Desorptionsast f¨
ur diese Materialien
zum Beispiel ca. 0,07 p/p0. Bei h¨
oheren Temperaturen laufen der Adsorptions-
und Desorptionsast aufeinander zu und fallen bei der Temperatur THzusammen.
M¨
oglicherweise wird dieser Hysterese Punkt jedoch von der Stabilit¨
atskurve ver-
deckt, wie dies in Abb. 4.33 angedeutet ist.
Materialien mit Poren, welche nur ¨
uber Mikroporen zug¨
anglich sind, wer-
Abbildung 4.33.: Schematischer Verlauf der Adsorption und Desorption von Gasen in
mesopor¨
osen Materialien mit offenen Porensystemen. Die punktierte Linie gibt den
Verlauf der homogenen Nukleation in Materialien mit verengten Porenzug¨
angen wie-
der. An dem Punkt, an dem die Adsorptionslinie die Kurve der homogenen Nukleation
schneidet, beginnt die Hysterese. Fraglich ist die Lage des porenkritischen Punkts.
150
4.5. Diskussion
den im Adsorptionsast der Isotherme entsprechend ihrer Porenweite bei einem
bestimmten relativen Druck eine Stufe zeigen; im Desorptionsast wird die Stufe
bei dem durch die punktierten Linie gegebenen Druck auftreten. Der genaue Ver-
lauf der Adsorptions- und der Desorptionslinie bei den offenen Porensystemen im
Bereich des Zusammentreffens der beiden Linien kann durch die experimentel-
len Daten nicht gegeben werden, da die Temperaturen der einzelnen gemessenen
Isothermen zu weit auseinanderliegen. Das typische Aussehen von Isothermen
in diesem Bereich (siehe z.B. Isotherme 1 in Abbildung 2.8 b)), der einer Po-
renweitenverteilung entsprechende Adsorptionsast der Isotherme und der relativ
steile Abfall des Desorptionsastes deuten zwar darauf hin, daß die Desorption
durch den lower closure point (lower limit of hysteresis) dominiert wird. Aber es
kann nicht ausgeschlossen werden, daß sich Adsorptions- und Desorptionskurve
in diesem Bereich von selbst ann¨
ahern. Allerdings w¨
are es ein sehr großer Zufall,
wenn das Zusammenlaufen der beiden Kurven in dem gesamten hier untersuchten
Porenweitenbereich mit dem lower limit of hysteresis zusammenfallen w¨
urde.
4.5.5. Der porenkritische Punkt
Viel diskutierte Fragen bez¨
uglich der Temperaturabh¨
angigkeit von Adsorptions-
isothermen beziehen sich auf die Existenz eines porenkritischen Punktes und der
M¨
oglichkeit, daß die porenkritische Temperatur Tcp identisch mit der Hysterese-
Temperatur THist (siehe Abschnitt 4.5.2). Die meisten experimentellen Arbeiten
zu diesem Thema st¨
utzen sich auf Arbeiten von Evans, Marconi und Tarazona
[Evan86a], die eine Verschiebung des kritischen Punktes in Abh¨
angigkeit von der
reduzierten Porenweite in Schlitzporen vorhersagen (Gleichung 4.5). Dabei wurde
von den meisten Autoren (z.B. [Mori97]) aber nur die Temperaturabh¨
angigkeit
der Hysterese-Temperatur THvon der Porenweite untersucht und die Lage des
relativen Druckes des kritischen Punktes vernachl¨
assigt.
In Tabelle 4.9 sind die aus Abbildung 4.3 ermittelten Daten der relativen
Dr¨
ucke bei entsprechender Temperatur und Porenweite angegeben. Ein Vergleich
mit experimentellen Werten f¨
ur z.B. CHF3(Molek¨
uldurchmesser δ0,4 nm)
ergibt, daß die so berechneten kritischen Punkte bei Porenweiten von ca. 2,5 bis
5,0 nm theoretisch bei relativen Dr¨
ucken gr¨
oßer 0,8 und reduzierten Temperatu-
ren gr¨
oßer 0,9 liegen. Diese Werte sind deutlich h¨
oher, wie die Werte von (p/p0)H
bzw. THbeim Auftreten von Sorptionshysterese (Abbildung 4.25) in Poren der
151
4. Gasadsorption
Porenweite 4 nm, f¨
ur die man p/p00,45 und TH/Tc0,63 findet. Die von
Evans et al. berechneten Punkte liegen eher in dem Temperaturbereich, bei dem
in den Isothermen die Entwicklung einer Kondensationsstufe beginnt. Ber¨
ucksich-
tigt werden m aber immer, daß s¨
amtliche Berechnungen f¨
ur zweidimensionale
Schlitzporen gelten und sich die Werte f¨
ur Zylinderporen durch den st¨
arkeren
Einfluß der Porenwand verschieben.
Abbildung 4.34 zeigt schematisch den vermuteten Zusammenhang von poren-
kritischem und Hysterese-Punkt in einem Temperatur-Dichte-Diagramm. Gezeigt
sind die Koexistenzkurven Fl¨
ussigkeit-Dampf f¨
ur das bulk Fluid und die dagegen
verschobene Koexistenzkurve des Porenfluids. Ebenfalls eingezeichnet sind die je-
weiligen Spinodalen, welche die Grenze des metastabilen Bereichs zum instabilen
Bereich angeben. In einem solchen Diagramm ist die Lage des porenkritischen
Punktes klar definiert als Maximum der Koexistenzkurve, an welchem die Spi-
nodale des Porenfluids mit der Porenexistenzkurve zusammenf¨
allt. Die Lage der
Hysteresen Temperatur ist dagegen unklar.
Einen m¨
oglichen Einfluß bei dem Auftreten und der Weite von Sorptionshy-
sterese k¨
onnten dabei die Spinodalen von bulk Fluid und Porenfluid haben, die
punktiert eingezeichnet sind. Hier ist besonders der Bereich, in dem die Spinodale
des bulk Fluids das Phasendiagramm des Porenfluids schneidet von Bedeutung
(Abbildung 4.34), in diesen Bereich k¨
onnte auch das Verschwinden der Sorptions-
Tabelle 4.9.: Daten des porenkritischen Punktes aus Abbildung 4.3; λH: Porenweite in
Molek¨
uldurchmessern, d: Porenweite f¨
ur ein Gas mit Molek¨
uldurchmesser δ= 4 bzw.
3˚
A, p/p0relativer Druck beim kritischen Punkt, Tred. reduzierte Temperatur.
λH d4˚
A/ nm d3˚
A/ nm p/p0Tred.
20 5,0 6,7 0,885 0,95
10 2,5 3,3 0,82 0,9
7 1,75 2,3 0,77 0,85
5 1,25 1,7 0,725 0,8
4 1,00 1,3 0,69 0,75
3,2 0,80 1,07 0,67 0,7
2,7 0,68 0,90 0,60 0,65
2,2 0,55 0,73 0,67 0,6
1,9 0,48 0,63 0,70 0,55
1,6 0,40 0,53 0,765 0,5
1,4 0,35 0,47 0,90 0,45
152
4.6. Zusammenfassung
hysterese fallen. Bei dieser Betrachtung w¨
urde damit der porenkritische Punkt et-
was ¨
uber dem Hysterese-Punkt liegen. Eine Kl¨
arung dieser Frage war im Rahmen
dieser Arbeit aber nicht m¨
oglich. Hierzu m¨
ußten exakte Messungen zur Dichte
des Porenfluids und auch zur genauen Lage der bulk Spinodalen durchgef¨
uhrt
werden.
4.6. Zusammenfassung
In diesem Kapitel wurde die Adsorption von vier unterschiedlichen Gasen (SF6,
CO2,C2F6und CHF3) in mesopor¨
osen Materialien mit einer nativen (hydroxy-
lierten) Porenoberfl¨
ache und in Materialien mit einer modifizierten (methylier-
ten) Oberfl¨
ache mittels einer gravimetrischen Analysemethode untersucht. Die
Messungen erstreckten sich dabei ¨
uber einen Temperaturbereich von teilweise
unterhalb des Tripelpunktes bis zum kritischen Punkt der Gase.
Bei den Sorptionsisothermen der Gase in den geordneten mesopor¨
osen Mate-
rialien wurde eine charakteristische Abh¨
angigkeit der Lage des relativen Druckes
der Kondensationsstufe in den Isothermen von der Temperatur gefunden, die
Abbildung 4.34.: Dichte-Phasendiagramm eines Gases mit eingezeichneter Binodalen
und Spinodalen und die Verschiebung in Poren.
153
4. Gasadsorption
sowohl von der Porenweite als auch von der Porenoberfl¨
ache abh¨
angt. Das gefun-
dene Verhalten l¨
aßt sich sehr gut durch Rechnungen zur Dichtefunktional-Theorie
an Hand eines einfachen Modells einer Schlitzpore beschreiben, die im Arbeits-
kreis von Prof. M. Schoen durchgef¨
uhrt wurden.
Neben der eigentlichen Kondensationsstufe zeigt auch das Auftreten von
Sorptionshysterese in geordneten mesopor¨
osen Materialien ein charakteristisches
Verhalten in Abh¨
angigkeit von Porenweite und Porenoberfl¨
ache. Dabei wurde im
Hinblick auf die Porenoberfl¨
ache gefunden, daß sich die Temperaturabh¨
angigkeit
nicht befriedigend in Abh¨
angigkeit von der reduzierten Porenweite 2r, wie sie
nach theoretischen ¨
Uberlegungen von Evans et al. erwartet wird, darstellen l¨
aßt.
Eine Darstellung des relativen Druckes bei Auftreten von Sorptionshysterese in
Abh¨
angigkeit von der reduzierten Temperatur des Meßgases hingegen deutet auf
eine universelle Abh¨
angigkeit hin, die anscheinend unabh¨
angig vom verwendeten
Meßgas und der Porenoberfl¨
ache ist.
Auch das spezifische Verhalten von Sorptionsisothermen in Materialien, die
einen pore blocking Effekt zeigen, wurde untersucht. Dabei wurde gefunden, daß
hier bei der Porenentleerung (Verdampfung), die bei dieser Art von Materialien
stufenf¨
ormig erfolgt, der relative Druck bei der Stufe charakteristisch von der
reduzierten Temperatur der untersuchten Gase abh¨
angt und auch mit Literatur-
werten diverser Gase und Materialien zum lower closure point gut ¨
ubereinstimmt.
Interessanterweise haben diese Kurve und die Kurve zur Abh¨
angigkeit des rela-
tiven Druckes bei Auftreten von Sorptionshysterese in geordneten mesopor¨
osen
Materialien mit offenen Zylinderporen den gleichen Verlauf.
154
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Neutronen- und R¨
ontgenkleinwinkelstreuung sind wichtige Methoden zur Unter-
suchung des Aufbaus von Materialien im Bereich von einigen ˚
Angstrøm bis zu
hundert Nanometern. Beide Methoden erg¨
anzen sich bez¨
uglich der untersuchba-
ren Materialien, da die Elemente des Periodensystems in unterschiedlicher Wei-
se zur Streuung von R¨
ontgen- und Neutronenstrahlung beitragen. Die Streuung
von R¨
ontgenstrahlung erfolgt an der Elektronenh¨
ulle der Atome, so daß leichte
Atome (speziell Wasserstoff) nur geringe R¨
ontgenstreuquerschnitte haben. Die
Streuung der Neutronen erfolgt an den Atomkernen, wobei verschiedene Isotope
stark unterschiedliche Streul¨
angen zeigen. Im Fall von festen oder fl¨
ussigen Mate-
rialien wird die Streuung durch Unterschiede der Elektronendichte ρel (R¨
ontgen-
streuung) bzw. der Streul¨
angendichte ρn(Neutronenstreuung) der verschiedenen
Strukturelemente hervorgerufen. Die Streuintensit¨
at ist proportional zum Qua-
drat der Streul¨
angendifferenz der Strukturelemente. Besitzen zwei Strukturele-
mente die gleiche Streul¨
angendichte, so verschwindet der Streukontrast zwischen
ihnen. Da bei der Neutronenstreuung verschiedene Isotope eines Elementes unter-
schiedliche Streul¨
angendichten haben, l¨
aßt sich hier der Fall des contrast matching
durch geschickte Wahl des Isotopenverh¨
altnisses einstellen.
Wichtige Anwendungsgebiete der Kleinwinkelstreuung sind z.B. die Un-
tersuchung der Struktur von mizellaren L¨
osungen, Polymeren [Siem82]
oder biologischen Systemen, der Eigenschaften von metallischen Werkstof-
fen (zerst¨
orungsfrei) oder por¨
osen Materialien bez¨
uglich ihrer Oberfl¨
ache
(fraktale Dimension der Oberfl¨
ache) [Sonw99] und der Porosit¨
at (Seg-
mentl¨
angenverteilung) [Gill00,Smar01]. Es liegen auch Untersuchungen zur Ad-
sorption von Gasen in por¨
osen Materialien mittels Neutronenstreuung vor
[Mitr95,Hoin96,Rams96,00,Smar01]. Wichtig ist in diesen F¨
allen, daß das System
bestehend aus Pore, adsorbierter Schicht und Wandmaterial, nicht zu komplex
155
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
wird und die Struktur einen spezifischen Kontrast bez¨
uglich der verwendeten
Strahlung aufweist.
Bei den hier durchgef¨
uhrten Untersuchungen zur Stickstoffadsorption in me-
sopor¨
osen Materialien sind die Neutronen-Streul¨
angendichten der Silika-Matrix
(ρn(SiO2) = 3,43×1010 cm2) und des fl¨
ussigen Stickstoffs bei 77 K (ρn(liq.N2) =
3,22 ×1010 cm2) [Smar01] ann¨
ahernd gleich. Die Ausbildung eines an den Po-
renw¨
anden adsorbierten Films entspricht somit bei der Neutronenstreuung einer
Abnahme der Porenweite in einer homogenen Silikamatrix unter Beibehaltung
der Porengeometrie.
Dies ist von besonderer Bedeutung, da die N2-Adsorption die wichtigste Un-
tersuchungsmethode zur Charakterisierung mesopor¨
oser Materialien ist. Bei allen
auf der Kelvin-Gleichung beruhenden Auswertemodellen wird die Existenz eines
an der Porenwand adsorbierten Stickstofffilms angenommen. Bisher war es aber
nicht m¨
oglich, die Dicke dieser Schicht direkt zu messen. Die Neutronenstreuung
bietet die M¨
oglichkeit, die tats¨
achliche Schichtdicke dieses adsorbierten Films in
den Poren zu ermitteln.
Neben der Neutronenstreuung kann auch die R¨
ontgenkleinwinkelstreuung In-
formationen ¨
uber den Adsorptionsprozess liefern. Die hier maßgebende Elektro-
nendichte (ρel) h¨
angt direkt von der Massen-Dichte der verwendeten Materialien
bzw. der relevanten Strukturelemente ab. Da die Silika-Materialien eine Wand-
Dichte ρ(SiO2) von ca. 2,2g/cm3haben, l¨
aßt sich ein contrast matching der
Silika-Matrix mit dem adsorbierten, fl¨
ussigkeit¨
ahnlichen Film nicht durch Fluide
wie Wasser und Benzol erreichen, sondern es m¨
ussen Fluide mit hohen Dichten
wie z.B. bromierte und iodierte Alkane verwendet werden. Ein Nachteil dieser
Fl¨
ussigkeiten liegt in ihren geringen Dampfdr¨
ucken. F¨
ur die hier durchgef¨
uhrten
Untersuchungen wurde Dibrommethan (ρ(CH2Br2)=2,4g/cm3) verwendet
[Mitr95], da es unter den in Frage kommenden Fl¨
ussigkeiten bei Raumtempera-
tur den h¨
ochsten Dampfdruck besitzt.
5.1. Theoretische Grundlagen
Die in der vorliegenden Arbeit verwendeten mesopor¨
osen Silika-Materialien wei-
sen eine regelm¨
aßige 2D-hexagonale Anordnung von ann¨
ahernd zylindrischen Po-
ren auf (siehe Kapitel 2). W¨
ahrend die Porenw¨
ande auf atomarer Ebene amorph
156
5.1. Theoretische Grundlagen
sind, besitzen die Materialien mit der Fernordnung der zylindrischen Poren auf
einem 2D-hexagonalen Gitter einen kristallinen Charakter auf einer mesoskopi-
schen L¨
angenskala, wobei die kristallinen Dom¨
anen im Fall von SBA-15 einige
hundert und im Fall von MCM-41 einige tausend Poren umfassen. Dementspre-
chend l¨
aßt sich die R¨
ontgen- und die Neutronenkleinwinkelstreuung (SAXS und
SANS) an diesen Materialien mit einem kristallographischen Ansatz behandeln.
Monolithische mesopor¨
ose Silika-Materialien, wie sie z.B. nach dem
Nanocasting-Verfahren mit Block-Copolymer-Templaten gewonnen werden
(G¨
oltner et al. [G¨
olt99]), weisen h¨
aufig eine ¨
ahnliche Porengestalt und Nahord-
nung der Poren auf wie SBA-15, zeigen jedoch meist keine echte Fernordnung.
Zur Analyse der SAXS- und SANS-Kurven an solchen Materialien eignet sich ein
Formalismus, der nicht von einer 2D-hexagonalen Packung sondern dem Struktur-
faktor einer dichten Packung von Kugeln oder Scheiben ausgeht (Nahordnungsan-
satz) [Smar01]. Im folgenden werden die Grundlagen dieser beiden Ans¨
atze kurz
zusammengefaßt. Zur Vereinfachung wird dabei zun¨
achst vorausgesetzt, daß der
adsorbierte Film die gleiche Streul¨
angendichte wie die Silika-Matrix besitzt, so
daß das Streuverhalten durch ein Zweiphasen-Modell (Poren in einer Matrix mit
adsorbiertem Film) beschrieben wird. In diesem Fall ergibt sich f¨
ur die integrale
Streuintensit¨
at eines Streuvolumens V(z.B. [Frat99])
ZIs(q)q2dq = 2π2V v1v2(ρ1ρ2)2(5.1)
wobei Is(q) die r¨
aumlich gemittelte Streuintensit¨
at f¨
ur einen gegebenen Wert
des Streuvektors q= (4π)sinΘ darstellt ist hier der halbe Streuwinkel
und entspricht dem Glanzwinkel in der R¨
ontgenbeugung). In Gl. 5.1 sind v1und
v2= 1 v1die Volumenanteile (Volumenbr¨
uche) der beiden Phasen mit den
Streul¨
angendichten ρ1und ρ2. F¨
ur große q-Werte wird das Streuverhalten durch
das Porod-Gesetz
Is(q)2πV (ρ1ρ2)2As/q4(5.2)
beschrieben, wobei Asdie gesamte Grenzfl¨
ache zwischen den beiden Phasen pro
Volumeneinheit der Probe darstellt.
Besteht das System aus Teilchen einheitlicher Gr¨
oße und Gestalt (Phase 1),
die in ein kontinuierliches Medium (Phase 2) eingebettet sind, so ergibt sich f¨
ur
die Streuintensit¨
at
Is(q)N(ρ1ρ2)2W2P(q)×S(q) (5.3)
157
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
wobei Ndie Teilchenzahl pro Volumen, Wdas Teilchenvolumen, P(q) der Form-
faktor der Teilchen und S(q) der Strukturfaktor sind. Der Formfaktor ist durch
die Gestalt der Teilchen bestimmt und der Strukturfaktor durch die Anordnung
der Teilchen im Medium.
In dem hier vorliegenden Fall ist der Formfaktor der streuenden Teilchen
eindeutig durch die Zylinderporen der Materialien vorgegeben. Der Formfaktor
f¨
ur Zylinder mit dem Querschnittsradius rcist gegeben durch (z.B. [Glat73])
ΦR(q) = 2π rc
J1(q rc)
q(5.4)
Er wird dominiert durch J1, die Besselfunktion erster Art der Ordnung 1, die
vom Radius der Zylinder rcund dem Streuvektor qabh¨
angt.
5.1.1. Kristallographischer Ansatz
Da die mesopor¨
osen Silika-Materialien zwar auf atomarer Ebene amorph sind, auf
einer gr¨
oßeren L¨
angenskala aber kristalline Eigenschaften (z.B. Bragg-Peaks und
eine hexagonale Form der Partikel (REM)) zeigen, lassen sie sich auch ¨
uber eine
zweidimensionale hexagonale Elementarzelle beschreiben. Die Lage der Bragg-
Peaks in den Streukurven ist dabei durch die Basisl¨
ange a0der Elementarzelle
und das vorliegende Kristallsystem genau festgelegt. F¨
ur ein zweidimensional-
hexagonales Gitter ergeben sich die Netzebenenabst¨
ande der (hk)-Scharen aus
der Formel
dhk =a03
2h2+hk +k2(5.5)
F¨
ur R¨
ontgen- bzw. Neutronenstrahlung einer Wellenl¨
ange λergeben sich den
Netzebenen entsprechende Glanzwinkel θhk aus der Bragg-Beziehung
sin θhk =λ/2dhk (5.6)
Die entsprechenden Werte des Streuvektors betragen
q=4π
λsin θhk =2π
dhk
(5.7)
Die Intensit¨
aten der Peaks h¨
angen von der Streul¨
angendichteverteilung innerhalb
der Elementarzelle ab. F¨
ur eine Anordnung von diskreten, gleichartigen Streu-
teilchen ergibt sich die Intensit¨
at der den Netzebenen hk entsprechenden Peaks
Ihk |a|2N S(hk) (5.8)
158
5.1. Theoretische Grundlagen
mit
S(hk) = 1
N N
X
j=1
exp(ikrj)!2
(5.9)
wobei sich die Summe ¨
uber alle NStreuteilchen der Elementarzelle erstreckt und
adie Wechselwirkung der Strahlung mit einem Teilchen charakterisiert. Sind die
betrachteten Teilchen wiederum aus Streuern zusammengesetzt, so tritt in Gl.
5.8 ein zus¨
atzlicher Faktor |F(q)|2auf, der die r¨
aumliche Verteilung der Streuer
innerhalb des Teilchens ber¨
ucksichtigt (Teilchen-Formfaktor).
Dieser kristallographische Ansatz wurde k¨
urzlich von Imp´eror-Clerc et al.
[Imp´e00] f¨
ur die Untersuchung des Wandaufbaus von SBA-15 angewandt, welches
nach verschiedenen Synthesebedingungen gewonnen wurde. Die Streuintensit¨
at
erhalten sie aus der Beziehung
I(¯q) = KM(hk)|A(¯q)|2
¯q2(5.10)
mit ¯q=qa0=4π
3h2+k2+hk
und mit dem Formfaktor A(¯q), der Multiplizit¨
at M(hk) der Peaks und der Ele-
mentarzellenl¨
ange a0.Kist ein multiplikativer Faktor um die Intensit¨
at auf den
Abbildung 5.1.: Darstellung der Dichteverteilung in den geordneten Materialien mit
adsorbiertem Stickstofffilm. Die hexagonale Elementarzelle mit der Kantenl¨
ange a0ist
eingezeichnet (mit den Dichten ρ1f¨
ur Vakuum oder Gasphase, ρ2f¨
ur den adsorbierten
Film und ρ3f¨
ur das Wandmaterial).
159
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
(10) Peak zu normieren. Die Multiplizit¨
at der Reflexe in einem 2D-hexagonalen
System ist f¨
ur die (hk)-Reflexe 12 und f¨
ur die (hh)- und (h0)-Reflexe 6 (S.164
[Klug74]).
Eines der von Imp´eror-Clerc et al. untersuchten Modelle, das f¨
ur die Analyse
der Adsorptionsdaten von Bedeutung ist, ist in Abbildung 5.1 dargestellt. Es ist
die Aufsicht auf die Elementarzelle und das dazugeh¨
orige Dichteprofil gezeigt.
F¨
ur das einfachste Modell, gleichf¨
ormige Zylinder in einer einheitlichen Matrix,
gilt
A(¯q) = (ρ2ρ1) 2π a2
0¯r2J1(¯q¯r)
¯q¯r(5.11)
F¨
ur ein Modell, bei dem ein stufenf¨
ormiges Dichteprofil vom Zentrum der Pore
aus angenommen wird, wie es auch bei der Adsorption von Gas mit ungleicher
Dichte zur Wand vorliegt, erh¨
alt man
A(¯q) = (ρ3ρ1) 2π a2
0α¯r12J1(¯q¯r1)
¯q¯r1
+ (1 α) ¯r22J1(¯q¯r2)
¯q¯r2(5.12)
mit der Besselfunktion J1, den Dichten ρund dem Verh¨
altnis der Dichten
α= (ρ2ρ1)/(ρ3ρ1). Gleichung 5.12 ist direkt ¨
ubertragbar auf die Situation von
adsorbierten Filmen an der Porenwand, wobei ρ3der Dichte des Wandmaterials
und ρ2der Dichte des adsorbierten Films entspricht. Mit ρ1= 0 (Poreninnen-
raum) ergibt sich dann α=ρ23.
5.1.2. Nahordnungsansatz
Wie oben erw¨
ahnt, werden die f¨
ur die vorliegende Untersuchung verwendeten me-
sopor¨
osen Materialien ¨
uber einen Templatmechanismus aus mizellaren L¨
osungen
(in diesem Fall Zylinder-Mizellen) hergestellt (Kapitel 2), d.h. man kann die Ma-
terialien als eine erstarrte mizellare L¨
osung ansehen. Daher kann auch aus der
Sicht eines nahgeordneten Systems einen Zugang zur Erkl¨
arung des Streuverhal-
tens gefunden werden.
Ein wichtiger Term f¨
ur die Streuintensit¨
at ist der Formfaktor der streuenden
Objekte (siehe Gl. 5.3). Aus den elektronenmikroskopischen Aufnahmen und den
R¨
ontgendaten der untersuchten Proben weiß man, daß es sich um B¨
undel langer
Zylinderporen mit ann¨
ahernd kreisf¨
ormigem Querschnitt handelt, also um ein
quasi-zweidimensionales System mit sehr großer Ausdehnung in z-Richtung. Die
160
5.1. Theoretische Grundlagen
Streuintensit¨
at der Probe l¨
aßt sich in diesem Fall in der Form
I(q) = L
2qIz(q) (5.13)
schreiben mit der L¨
ange Lder Zylinder und der Intensit¨
at Iz(q) der orientierten
Zylinder. F¨
ur den Fall von Zylindern einheitlicher L¨
ange und Porenweite ergibt
sich mit dem Formfaktor f¨
ur Zylinder ΦR(Gl. 5.4) und dem Strukturfaktor Sdie
Beziehung
Iz(q) = hΦ2
Ri×S(5.14)
In realen Systemen liegen allerdings keine genau definierten Systeme mit v¨
ollig
einheitlichen Strukturen vor, sondern es gibt eine gewisse L¨
angenverschmierung
und Porenweitenverteilung. Damit erh¨
alt man f¨
ur die Streuintensit¨
at [Smar01b]
Iz(q) = hΦ2
Ri+hΦRi2×(S1) (5.15)
mit den folgenden Definitionen und der Varianz σder Porenweite
hΦR(q)i=R2
R2×exp(σ2q2
2R(q) (5.16)
hΦ2
R(q)i=4πR
q3×"exp(2σ2q2)"q3R4
4πR5×Φ2
R1#+ 1#
R2=R2+σ2
R4=R4+ 6R2σ2+ 3σ4
Neben dem Formfaktor ist der Strukturfaktor Sentscheidend f¨
ur den Ver-
lauf der Streukurven. Wie in den Gleichungen 5.14 bzw. 5.15 zu sehen ist, geht
dieser multiplikativ in die Streuintensit¨
at ein. Es gibt verschiedene Ans¨
atze zur
Beschreibung des Strukturfaktors. Einerseits kann man S(q) aus der Lage der
Bragg-Peaks, wie sie aus den R¨
ontgendiffraktogrammen ermittelt wurden, ent-
wickeln.
Eine alternative, weitaus einfachere Methode besteht darin, sich die
geb¨
undelten Poren als eine Anordnung sehr dicht gepackter St¨
abe mit einer un-
endlich langen z-Achse vorzustellen. Wie von Smarsly et al. [Smars01] vorge-
schlagen kann der Strukturfaktor in diesem Fall aus dem Percus-Yevick-Ansatz
f¨
ur harte Kugeln [Perc58] f¨
ur ein System von harten Scheiben erhalten werden,
161
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
die sich aus der Behandlung von Y. Rosenfeld [Rose87,90] ergeben. F¨
ur ein 2-
dimensionales System von dicht gepackten Scheiben erh¨
alt man den Strukturfak-
tor S(q, R, η) f¨
ur ein ungeordnetes System von Scheiben in einer Ebene (Beispiel
Abbildung 5.2).
1
S(q, R, η)1 = 4η(AJ1(qR)
qR 2
+BJ0(qR)J1(qR)
qR +GJ1(2qR)
qR )(5.17)
mit den Besselfunktionen J0und J1und den folgenden Definitionen:
A=1 + (2η1)χ+ 2ηG
η
B=(1 η)χ13ηG
η(5.18)
G=1
1η
χ=1 + η
(1 η)3
ηist hierbei der Packungsparameter und gibt in dem 2-dimensionalen System
den Anteil der Scheiben an der Gesamtfl¨
ache an. F¨
ur hinreichend dicht gepack-
te Systeme (η > 0,5) ergibt sich ein Strukturfaktor mit starken Oszillationen
Abbildung 5.2.: Strukturfaktor aus dem Rosenfeld-Ansatz mit η= 0,71 und R= 4,9,
man erh¨
alt einen Strukturfaktor mit stark ausgepr¨
agtem 1. Peak und deutlichem 2. und
3. Peak
162
5.2. Experimentelles
bei kleinen q-Werten. Bei η= 0,7 kann man von einem eingefrorenen System
ausgehen.
Bei der in dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Untersuchung zur Adsorption von
Stickstoff kann man nun davon ausgehen, daß der Strukturfaktor mit zuneh-
mender Beladung der Poren in etwa konstant bleibt, da sich die Struktur des
Wandmaterials w¨
ahrend der Adsorption nicht ¨
andert. Unter der Voraussetzung,
daß der adsorbierte Film die gleiche Streul¨
angendichte wie die Silika-Matrix hat,
entspricht eine Zunahme der Filmdicke (d.h. eine Abnahme des Durchmessers
des freien Poreninnenraums) einer Abnahme des Zylinderradiuses R. Das bedeu-
tet, daß die Schichtdicke des adsorbierten Stickstofffilms durch einen Parameter,
den kleiner werdenden Radius des inneren, nur mit Gas gef¨
ullten Porenbereiches,
angepaßt werden kann.
5.2. Experimentelles
5.2.1. Neutronen-Kleinwinkelstreuung
Die Untersuchungen der in-situ Stickstoffadsorption durch die Neutronen-
kleinwinkelstreuung wurden am Instrument V 4 (Abbildung 5.3) des Hahn-
Meitner-Instituts in Berlin durchgef¨
uhrt. F¨
ur Messungen zur Gasadsorption steht
Abbildung 5.3.: Aufbau des V4 Experimentes am Hahn Meitner Institut
(http://www.hmi.de/bensc/instrumentation/instrumente/v4/v4-pic.html).
163
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
dort ein spezieller Meßeinsatz (SANSADSO, Abbildung 5.4) zur Verf¨
ugung,
bei dem der Probenraum mit fl¨
ussigem Stickstoff auf 77 K gek¨
uhlt oder mit
einem Thermostaten auf andere Temperaturen thermostatisiert werden kann
[Hoin96]. ¨
Uber ein Begasungssystem, das aus Bauelementen und Ventilen mit
CF-Flanschen aufgebaut ist, l¨
aßt sich das System evakuieren und mit Meßgas
bef¨
ullen.
Die thermischen Neutronen f¨
ur dieses Experiment werden aus einer kalten
Quelle (Wasserstoff) erhalten und die Wellenl¨
ange λnder Neutronen kann ¨
uber
die Rotationsgeschwindigkeit einer schnell drehenden Turbine (bis 21.000 min1)
eingestellt werden. Bei der ersten Meßzeit (Probe PS-D) wurde eine Wellenl¨
ange
von λn= 0,605 nm gew¨
ahlt und bei der zweiten Meßzeit (alle anderen Proben)
wurde λn= 0,455 nm gew¨
ahlt um bei gr¨
oßeren Streuvektoren messen zu k¨
onnen.
Die Halbwertsbreite (FWHM) der verwendeten Strahlung lag in beiden F¨
allen
bei ca. λ/λ = 12%.
Der 2D-Detektor des Systems besteht aus 64 ×64 Elementen. Bei den Mes-
sungen kann zur Wahl eines geeigneten q-Bereiches die Entfernung des Detektors
Abbildung 5.4.: Aufbau des SANSADSO Einsatzes f¨
ur in-situ Adsorptionsmessungen
(aus [Hoin96]).
164
5.2. Experimentelles
zur Probe zwischen 1 und 16 m und die dazu entsprechende Kollimation variiert
werden. Durch die Kombination von Messungen bei unterschiedlichen Detektor-
Probe Abst¨
anden (1,4 m, 4 m, 12 bzw. 16 m) k¨
onnen damit Streukurven ¨
uber
einen Bereich von 0,03 nm1q8,5nm1aufgenommen werden. Durch den
begrenzten ¨
Offnungswinkel des SANSADSO Einsatzes sind bei diesem Experi-
ment aber nur Messungen bis zu einem minimalen Abstand von 1,4 m und damit
bis zu einem maximalen q-Wert von 3,5nm1sinnvoll.
Probenvorbereitung
F¨
ur die Adsorptionsmessungen wurden die Proben verschiedener Porenweite
(BGX18A, TS-B, PS-D, PS-G) in Quarzk¨
uvetten mit einer Schichtdicke von
1 mm gef¨
ullt. Um eine dichte Packung zu erhalten, wurde jeweils etwas Mate-
rial eingef¨
ullt und danach mit einem Spatel gestopft. Die rechteckigen K¨
uvetten
mit einer Breite von 20 mm wurden ca. 20 mm hoch gef¨
ullt und mit einer Metall-
Gaze verschlossen, um ein Herausspringen des Pulvers beim Entgasen der Probe
zu verhindern. Die so bef¨
ullten K¨
uvetten enthielten ungef¨
ahr 100 mg Substanz.
Eine grobe Absch¨
atzung der Raumausf¨
ullung liefert bei einem Porenvolumen
von 0,8 cm3/g eine Sch¨
utt-Dichte des por¨
osen Materials von:
V(gesamt) = ρ(SiO2)1+VP ore = 1,254 cm3/g (5.19)
ρ(Gesamt) = 0,8g/cm3.
Die gewogenen 100 mg Substanz f¨
ullen 400 mm3aus, welches eine Raumdichte
von 0,25 g/cm3ergibt. Damit erh¨
alt man eine Raumausf¨
ullung des por¨
osen Ma-
terials von ca. 30 %, was bei der Partikelform recht dicht gepackt ist, da eine
dichte Kugelpackung 67 % Raumausf¨
ullung erreicht. Die vorbereiteten K¨
uvet-
ten wurden zwei mal mit D2Ogewaschen und danach wieder evakuiert, um die
Oberfl¨
achenprotonen gegen Deuterium auszutauschen und so einen geringeren
Kontrast der Oberfl¨
ache zu erhalten. Nach dem zweiten Waschen wurden sie bis
zu den Messungen unter Stickstoffatmosph¨
are aufbewahrt, um die Kondensation
von Luftfeuchtigkeit und damit den Austausch mit Protonen zu verhindern.
Durchf¨
uhrung
F¨
ur die Durchf¨
uhrung der Adsorptionsuntersuchungen wurde die Quarz-K¨
uvette
in den SANSADSO Einsatz (Abbildung 5.4) eingef¨
uhrt. Das Gaseinlaß-System
165
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
wurde verschlossen und die Apparatur wurde mit einem Helium-Lecksucher auf
eventuelle Undichtigkeiten untersucht. Danach wurde die Probe bei ca. 120 C
und einem Enddruck <106Torr mehrere Stunden ausgeheizt. In diesem Zu-
stand wurden f¨
ur die entsprechenden Detektor-Proben Abst¨
ande mit den jeweili-
gen Kollimationen die Streukurven aufgenommen. Danach wurde die Apparatur
mit fl¨
ussigem Stickstoff abgek¨
uhlt, und nachdem Temperatursensoren (Pt100)
bei der Probe und im Kryostaten Temperaturkonstanz anzeigten, wurden die
Streukurven bei den gew¨
unschten Gasdr¨
ucken aufgenommen.
5.2.2. R¨
ontgen-Kleinwinkelstreuung
In-situ SAXS-Untersuchungen zur Adsorption von Gasen in mesopor¨
osen Mate-
rialien wurden mit einer Kratky-Kamera (Abb. 5.5 a)) durchgef¨
uhrt. Wie oben
schon erw¨
ahnt, wurden die Messungen mit CH2Br2als Meßfluid durchgef¨
uhrt.
Diese Messungen wurden im Wesentlichen als Unterst¨
utzung zur Interpretation
der SANS-Messungen mit Stickstoff durchgef¨
uhrt und haben nur einen orientie-
renden Charakter, da keine Adsorptionsisothermen mit dem verwendeten Meß-
fluid vorliegen, die mit den Streukurven korreliert werden k¨
onnen. Es wurde ein
m¨
oglichst einfacher Meßaufbau gew¨
ahlt (Abb. 5.5 b)), der es erlaubt die Entwick-
lung der Streukurven mit zunehmender Adsorption qualitativ zu verfolgen.
F¨
ur die Messungen wurde das por¨
ose Material in Markr¨
ohrchen gef¨
ullt. Um
a) b)
Abbildung 5.5.: a) Kratky-Kamera und b) Gaseinlaßsystem: 1: Markr¨
ohrchen; 2:
Fl¨
ussigkeitsbeh¨
alter; 3: Vakuumpumpe; 4: Ventile; 5: Klebung von Markr¨
ohrchen und
Metall mit Plastikschlauch und Epoxidharz
166
5.3. Ergebnisse
eine m¨
oglichst hohe Streuintensit¨
at zu erlangen, wurden die Markr¨
ohrchen mit ei-
nem d¨
unnen Metallstab gestopft. Die so bef¨
ullten Markr¨
ohrchen wurden mit Hilfe
eines Plastikschlauches mit Epoxidharz an das aus einem 1/4-z¨
olligem Swagelok
Rohrsystem bestehende Gassystem geklebt. Das ganze System wurde f¨
ur ca. 30
Minuten bei Raumtemperatur evakuiert. Danach wurde das Ventil zur Vakuum-
pumpe geschlossen und das Ventil zum Vorratsbeh¨
alter mit CH2Br2ge¨
offnet, so
daß die Beladung der Probe mit dem Meßfluid kontinuierlich erfolgte. Mit Be-
ginn des Evakuierens wurde eine Serienmessung gestartet, bei der nach jeweils 30
Minuten eine neue Meßkurven I(q) aufgenommen wurde. Nach typischerweise 10
bis 20 Stunden war die Porenkondensation abgeschlossen. Die so erhaltenen Meß-
kurven I(q) lassen sich zwar nicht einem jeweils konstanten Gasdruck zuordnen,
aber die Entwicklung der Bragg-Peaks mit steigender Beladung ist bei diesem
quasi-kontinuierlichen Meßverfahren sehr gut zu erkennen.
5.3. Ergebnisse
5.3.1. Porenweiten aus SAXS-Streukurven
In diesem Abschnitt wird die Porenweite der verwendeten Materialien nach der
Methode von Imp´eror-Clerc et al. [Imp´e00] bestimmt. Die Ermittlung der Poren-
weiten aus den Adsorptionsisothermen h¨
angt stark vom verwendeten Auswerte-
modell ab (Kapitel 2.4.1) und die Ergebnisse unterscheiden sich teilweise deutlich
je nach verwendetem Modell. Die hier verwendete Methode erm¨
oglicht dagegen
eine Auswertung der Streukurven ohne die Zuhilfenahme ungenauer Modelle und
die Ergebnisse zeigen eine Alternative zu anderen Methoden der Porenweitenbe-
stimmung auf.
Imp´ereor-Clerc et al. haben verschiedene Strukturmodelle des Aufbaus 2D-
hexagonal geordneter mesopor¨
oser Materialien (SBA-15) entworfen und auf
Synchroton-Diffraktogramme zweier SBA-15 Proben vor und nach der Kalzinie-
rung angewendet. Sie schlagen f¨
ur die Struktur von SBA-15 ein Corona-Modell
vor, bei dem der Porenraum von einem durch die Synthese bedingten mikro-
por¨
osen Mantel umgeben ist. Dieses Strukturmodell gab die beste ¨
Ubereinstim-
mung mit den gemessenen Peak-Intensit¨
aten. Die bessere ¨
Ubereinstimmung der
Corona-Modelle im Vergleich zu einfachen Modellen ist aber auch eine Folge der
gr¨
oßeren Zahl von Fit-Parametern. Des weiteren ist festzustellen, daß sich in
167
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
der Analyse von Imp´eror-Clerc et al. die aus den verschiedenen Strukturmodel-
len bestimmten Intensit¨
aten der Peaks h¨
oherer Ordnung zwar in Bezug auf den
ersten Peak deutlich unterscheiden, daß aber das Verh¨
altnis der Peaks h¨
oherer
Ordnung zueinander sich nicht stark ver¨
andert, so daß bei der Ber¨
ucksichtigung
der experimentellen Genauigkeit kein Modell bevorzugt werden kann. Da ihre
Schlußfolgerungen im Bezug auf Porenweite und Mikroporenvolumen im Wider-
spruch zu Adsorptionsmessungen an SBA-15 Materialien stehen, wurde f¨
ur die
Bestimmung der Porenweite hier das einfachste Modell, n¨
amlich eine einheitliche
Wanddichte angenommen. Die Streul¨
angendichte des freien Porenraumes wurde
auf Null gesetzt (Gleichung 5.11).
In Tabelle 5.1 sind f¨
ur die Probe PS-G die aus der SAXS-Streukurve be-
stimmten Intensit¨
aten der Bragg-Reflexe mit den aus dem einfachen Struktur-
modell (Gleichung 5.11) berechneten Werten f¨
ur die Peak-Intensit¨
aten verglichen.
Alle Intensit¨
atsangaben sind hierbei auf die Intensit¨
at des (10) Peaks bezogen,
dessen Wert auf 10.000 gesetzt wurde. F¨
ur den Vergleich von Rechnung und
Experiment sind die berechneten Peak-Intensit¨
aten f¨
ur verschiedene Werte der
Porenweite angegeben. Man sieht, daß die Absolutwerte der berechneten Inten-
sit¨
aten f¨
ur keine der aufgef¨
uhrten Porenweiten rmit den gemessenen Intensit¨
aten
¨
ubereinstimmen. Da es aber eine Reihe von weiteren Faktoren gibt, welche die
Tabelle 5.1.: Bestimmung der Porenweite aus den SAXS Daten der Probe PS-G
(a0= 12,34 nm): Vergleich der gemessenen und berechneten relativen Intensit¨
aten der
einzelnen Bragg-Peaks bezogen auf die Intensit¨
at des (10) Peaks. Abh¨
angigkeit der mit
den Gleichungen 5.10 und 5.11 berechneten Intensit¨
aten vom Porenradius und Einfluß
einer m¨
oglichen Unordnung auf die Intensit¨
atsverteilung (Gl. 5.20).
relative Intensit¨
aten der Peaks
R / nm (10) (11) (20) (21) (30)
PS-G gemessen 10000 656 225 14 8
4,5 362 364 0 32
4,9 852 429 87 64
5,0 1010 425 137 65
5,1 1185 412 197 64
5,5 2113 252 526 23
Debye-Waller Faktor
4,9 h¯u2i= 0,0072 583 253 28 14
168
5.3. Ergebnisse
Peak-Intensit¨
aten beeinflussen (siehe z.B. H.P. Klug, S. 135 [Klug74]), die bei der
vorliegenden Berechnung aber nicht ber¨
ucksichtigt wurden, kann das verwendete
Modell keine genaue Berechnung der Peak-Intensit¨
at, sondern nur eine Ermitt-
lung der Relativ-Intensit¨
aten leisten. Dementsprechend wurde das Verh¨
altnis der
Peaks untereinander (und nicht nur zum 10-Peak) als Indikator zur Bestimmung
der Porenweite herangezogen.
Vergleicht man die relative Intensit¨
at der aufeinander folgenden Peaks, so
ergibt sich qualitativ eine sehr gute ¨
Ubereinstimmung der gemessenen und be-
rechneten Intensit¨
aten bei einem Porenradius von ca. 4,9 nm, wenn man die ge-
messene Peak-Intensit¨
at mit einem Faktor von ca. 2 multipliziert. Eine ¨
Anderung
im Porenradius um ±0,2 nm ergibt dagegen berechnete Peak-Intensit¨
aten, de-
ren Verh¨
altnis untereinander sehr deutlich von dem der gemessenen Intensit¨
aten
abweicht.
Um die Auswirkungen der die Intensit¨
aten beeinflussender Faktoren besser
einsch¨
atzen zu k¨
onnen, sind in Tabelle 5.1 auch Ergebnisse f¨
ur ein alternatives
Modell wiedergegeben, bei dem eine gewisse Unordnung in der Position der Poren
ber¨
ucksichtigt wird (sogenanntes Debye-Waller Modell). Der Faktor wird durch
einen zus¨
atzlichen Exponentialterm im Formfaktor des Zwei-Dichte-Modelles (Gl.
5.11) beschrieben und bewirkt eine Reduzierung der Intensit¨
aten bei Peaks h¨
oher-
er Ordnung
A(¯q) = (ρ2ρ1)2πa2¯r2J1(¯q¯r)
¯q¯rexp h¯u2i¯q2
4(5.20)
Wie aus der Tabelle zu sehen ist, lassen sich die Peak-Intensit¨
aten der (11) und
(20) Peaks durch den zus¨
atzlichen Fitparameter dieses Formfaktors besser be-
schreiben als mit der einfachen Formel (Gl. 5.11), aber auch hier entsprechen
die relativen Intensit¨
aten der Peaks h¨
oherer Ordnung nicht exakt den berechne-
ten. Die qualitative Entwicklung des Intensit¨
atsverh¨
altnisses der einzelnen Bragg-
Peaks kann sehr gut mit dem einfacheren Modell nachvollzogen werden und die
Ver¨
anderung der Porenweite unter Einbeziehung des Debye-Waller Faktors im
Vergleich zum einfachen Modell ist gering.
In Tabelle 5.2 sind die berechneten und die gemessenen Intensit¨
aten der
Bragg-Peaks aller f¨
ur die Neutronen-Kleinwinkelstreuung verwendeter Materiali-
en zusammengefaßt. Es sind f¨
ur jedes Material die Bragg-Intensit¨
aten f¨
ur meh-
rere Porenweiten berechnet, um zu zeigen, daß schon geringe Abweichungen vom
bestimmten Radius erhebliche Ver¨
anderungen in den Intensit¨
atsverh¨
altnissen be-
169
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
wirken. Die qualitativ am besten passende Porenweite ist bei jedem Material
gekennzeichnet.
Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen, daß das hier vorgestellte Verfahren
eine sehr sensitive Methode zur Bestimmung der Porenweite in geordneten me-
sopor¨
osen Materialien darstellt. Allerdings m ber¨
ucksichtigt werden, daß die
Bestimmung der gemessenen Intensit¨
aten mit einigen Unsicherheiten verbunden
ist. Die Lage der Basislinie m abgesch¨
atzt werden, die Peaks ¨
uberschneiden
sich teilweise ((11) und (20)) und die Intensit¨
at der Peaks h¨
oherer Ordnung ist
teilweise so schwach, daß sie unter dem Rauschen nicht mehr korrekt bestimmt
Tabelle 5.2.: Bestimmung der Porenweite aus den SAXS Daten: Berechnete und gemes-
sene Intensit¨
aten der Bragg-Peaks aller f¨
ur die Neutronen-Kleinwinkelstreuung verwen-
deter Materialien.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm (10) (11) (20) (21) (30) (22) (31)
PS-G gemessen 10.000 656 225 14 8
4,9 10.000 852 429 87 64
PLU-D gemessen 10.000 444 233 11 15
4,0 10.000 488 395 9 44
4,1 10.000 626 416 31 54
4,2 10.000 782 428 68 62
4,3 10.000 958 427 120 65
PS-D gemessen 10.000 249 271 6 15
3,7 10.000 148 271 24 9
3,8 10.000 226 313 8 18
3,9 10.000 320 351 0 28
4,0 10.000 432 383 3 39
4,1 10.000 560 408 19 50
TS-B gemessen 10.000 206 146
3,5 10.000 467 391 6 42
3,6 10.000 622 416 30 54
3,7 10.000 802 428 73 62
X18A gemessen 10.000 852 257 179 14 8 7
1,9 10.000 628 417 31 54 6 0
2,0 10.000 990 426 130 65 0 11
2,1 10.000 1456 376 296 55 12 52
170
5.3. Ergebnisse
werden k¨
onnen (siehe auch Abbildung 5.6). Die Unsicherheit bei der Bestimmung
der Porenweite mit dieser Methode kann aber wegen der starken Abh¨
angigkeit
der Peaks von der Porenweite auf wenige zehntel Nanometer begrenzt werden.
Abbildung 5.6.: Festlegung der Basislinie durch eine Gerade f¨
ur jeden Peak bzw. jedes
Peak-Paar f¨
ur die Probe PLU-D. Bei dem (22) und dem (40) Peak kann noch Intensit¨
at
vermutet werden, die Streukurve wird aber vom Rauschen dominiert.
5.3.2. Filmdicken aus SANS-Streukurven
In diesem Abschnitt sind die Ergebnisse der SANS Untersuchungen zur Adsorp-
tion von Stickstoff zusammengefaßt. Da die Streukurven in Abh¨
angigkeit vom
relativen Druck des Meßgases aufgenommen wurden, sind jeweils die Adsorp-
tionsisothermen und eine ¨
Ubersicht der gemessenen Streukurven zusammen ab-
gebildet. Danach wird die Analyse der Streukurven mit Hilfe des kristallographi-
schen Ansatzes gezeigt und mit der Auswertung nach dem Nahordnungs-Modell
verglichen.
Bei einem Vergleich von berechneten und gemessenen Intensit¨
aten im Rah-
men des kristallographischen Ansatzes muß ber¨
ucksichtigt werden, daß es sich bei
den untersuchten Systemen nicht um ideale Kristalle handelt (siehe Abschnitt
5.3.1). Dies ist auch bei der Berechnung der Peak-Intensit¨
aten mit der Annahme
einer adsorbierten Schicht Stickstoff zu ber¨
ucksichtigen. Daher kann man auch
hier nicht davon ausgehen, daß die berechneten und gemessenen relativen Inten-
171
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
sit¨
aten exakt ¨
ubereinstimmen.
Bei der Verwendung des Nahordnungs-Ansatzes m ber¨
ucksichtigt wer-
den, daß dieser zur Beschreibung der Streuung an ungeordneten Systemen dient,
w¨
ahrend es sich im vorliegenden Fall um ein kristallines System handelt. Bei den
simulierten Kurven zu diesem Modell handelt es sich nicht um einen Fit des
theoretischen Modells an die experimentellen Daten. Die gezeigten Kurven sollen
vielmehr qualitativ die erzielbare Beschreibung der Meßdaten mit einem solchen
Modell illustrieren.
Da sehr viele die Streukurven beeinflussenden Faktoren, wie z.B. die
große Wellenl¨
angenverschmierung der verwendeten Neutronenstrahlung (∆λ/λ =
12%), die inkoh¨
arente Streuung des adsorbierten Stickstofffilmes, der sich mit
zunehmender Adsorption ¨
andert, oder die genaue Oberfl¨
achenbeschaffenheit der
Probe, die speziell die Streukurven der evakuierten Proben beeinflußt, nicht genau
bekannt sind, ist es nicht m¨
oglich, die gemessenen Streukurven exakt auszuwer-
ten. Daher wurde mit beiden Methoden versucht, den wesentlichen Trend der
Entwicklung der Streukurven mit zunehmender F¨
ullung mit physikalisch sinnvol-
len Werten nachzuvollziehen.
PS-G
Das weitestporige eingesetzte SBA-15 Material hat eine nominelle Porenweite
von 11,7 nm (ermittelt aus dem Adsorptionsast der Stickstoffisothermen unter
Benutzung des Dollimore-Heal Formalismus), bzw. 9,8 nm (aus der Analyse der
XRD-Streukurven, siehe Abschnitt 5.3.1). Die N2-Isotherme (Abb. 5.7 a)) f¨
ur die-
se Probe zeigt am F der Kondensationstufe keinen scharfen Anstieg, sondern
einen kontinuierlichen ¨
Ubergang von der Mehrschichtadsorption zur Kondensa-
tion und nach der Kondensationstufe keinen richtigen Plateaubereich, sondern
einen relativ starken Anstieg bis zum S¨
attigungsdruck. Der Wendepunkt des Ad-
sorptionsastes der Porenkondensationsstufe liegt bei einem relativen Druck von
0,81 (630 Torr) und der Wendepunkt des Desorptionsastes liegt bei einem relati-
ven Druck von 0,73 (570 Torr).
Die SANS-Streukurven der Probe mit steigenden N2-Dr¨
ucken und F¨
ullungs-
grad sind in Abbildung 5.7 b) gezeigt. S¨
amtliche Kurven der nicht vollst¨
andig mit
fl¨
ussigem Stickstoff gef¨
ullten Probe zeigen bei q= 0,6nm1den deutlich aus-
gepr¨
agten (10)-Peak und bei h¨
oheren q-Werten (q= 1,2nm1,q= 1,6nm1,
172
5.3. Ergebnisse
q= 2,1nm1) schw¨
achere Peaks mit wechselnden Intensit¨
atsverh¨
altnissen, deren
Position der Lage h¨
oher indizierter Peaks entspricht.
Ein im Vergleich zu allen anderen Streukurven abweichendes Verhalten zeigt
jene der evakuierten Probe: Die Intensit¨
at im q-Bereich <0,6nm1ist geringer
als bei den Streukurven mit Stickstoffbeladung. Im Bereich gr¨
oßerer q-Werte
verl¨
auft sie relativ zu den anderen Kurven flacher. Die Streukurve der vollst¨
andig
mit fl¨
ussigem Stickstoff gef¨
ullten Probe zeigt im Bereich q > 0,6nm1eine sehr
geringe Intensit¨
at. Hier ist nur noch der erste Peak bei q= 0,6nm1schwach
zu erkennen, alle anderen Peaks haben eine zu geringe Intensit¨
at und k¨
onnen
nicht mehr beobachtet werden. Dies ist auf das Erreichen des contrast matching
zur¨
uckzuf¨
uhren.
Ein ¨
uberraschender Befund ist, daß die Streukurven der Adsorption und
Desorption bei 570 Torr (der Punkt, an dem der Desorptionsast wieder mit der
Adsorptionskurve zusammenf¨
allt) nicht v¨
ollig gleich sind. Wie in Abbildung 5.8
zu sehen ist, fallen die beiden Streukurven im Rahmen der Meßgenauigkeit zwar
weitgehend zusammen, aber bei der Desorption ist der Peak bei q= 1,6nm1
a) b)
Abbildung 5.7.: a) Stickstoff-Isotherme und b) SANS-Streukurven bei verschiedenen
Stickstoffdr¨
ucken von PS-G.
173
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
(siehe Pfeil) nicht vorhanden. Da bei der Untersuchung dieser Probe technische
Probleme an der Meßapparatur auftraten (Stabilit¨
at des Detektors), kann an
dieser Stelle ein Artefakt allerdings nicht vollst¨
andig ausgeschlossen werden. Bei
diesen Streukurven sind auch die Lagen der Bragg-Reflexe ¨
uber den Streukurven
markiert. Hier sieht man speziell im Bereich des (21)-Peaks und der (22)- und
(31)-Peaks bei den beiden Streukurven bei 377 Torr und 570 Torr erh¨
ohte Inten-
sit¨
at. Infolge der Wellenl¨
angenverschmierung lassen sich eng benachbarte Peaks
zwar nicht mehr voneinander trennen, die Intensit¨
aten k¨
onnen aber zumindest
Peak-Paaren zugeordnet werden und aus der Peak-Form kann auch auf den Anteil
der einzelnen Peaks zur Gesamtintensit¨
at geschlossen werden.
In Abbildung 5.9 sind alle Meßkurven f¨
ur PS-G mit Stickstoff-Beladung ver-
setzt aufgetragen, wobei die oberste Streukurve der evakuierten Probe und die
unterste Streukurve der bei einsetzender Porenkondensation entspricht. Man kann
die systematische Ver¨
anderung der Intensit¨
aten der einzelnen Peaks bis in den
Bereich großer q-Werte (q3nm1) beobachten.
Auswertung nach dem kristallographischen Modell
Abbildung 5.8.: Vergleich der SANS-Streukurven der Adsorption und der Desorption
bei 570 Torr (p/p0=0,73) f¨
ur PS-G. Bei der Adsorption ist an der markierten Stelle
ein Peak zu beobachten, bei der Desorption nicht.
174
5.3. Ergebnisse
Die aus den Streukurven erhaltenen Intensit¨
aten der einzelnen Peaks bzw. Peak-
Paare lassen sich mit den aus dem kristallographischen Ansatz gewonnen Inten-
sit¨
aten vergleichen. Da der adsorbierte Stickstofffilm und das Silika-Ger¨
ust des
mesopor¨
osen Materials nicht v¨
ollig gleiche Streul¨
angendichten haben, muß bei
der Berechnung der Peak-Intensit¨
aten f¨
ur den Formfaktor der Elementarzelle das
Stufenmodell aus Gleichung 5.12 dem einfacheren Modell kleiner werdender Po-
ren aus Gleichung 5.11 vorgezogen werden. Die Vorhersagen der beiden Modelle
sind aber bei den relativ gleichen Streul¨
angendichten von fl¨
ussigem Stickstoff
und dem Silika-Ger¨
ust nicht sehr groß (∆ρ < 10%). Weiterhin ist der Wert f¨
ur
die Streul¨
angendichte f¨
ur SiO2etwas unsicher [Smar01,Hoin01]. Hier wurde ein
mittlerer Wert des relativen Streul¨
angendichteunterschiedes α= 0,95 f¨
ur die
Berechnungen gew¨
ahlt. Da der Wandaufbau der verwendeten SBA-15 Materia-
lien nicht vollst¨
andig gekl¨
art ist und wahrscheinlich nicht die gleiche Dichte wie
Abbildung 5.9.: Entwicklung der Streukurven mit zunehmender Adsorption im Bereich
hoher q-Werte f¨
ur PS-G.
175
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
normales SiO2besitzt (siehe Ger¨
ustdichtebestimmung), l¨
aßt sich ohnehin kein
exakter Wert f¨
ur die Streul¨
angendichte angeben. Daß kein vollst¨
andiges contrast
matching vorliegt, d.h. die Streul¨
angendichten von liq. N2und SiO2nicht v¨
ollig
gleich sind, erkennt man z.B. an dem schwachen (10)-Peak der vollst¨
andig mit
fl¨
ussigem Stickstoff gef¨
ullten Poren der Probe bei p/p0= 1.
Setzt man die aus der Analyse der R¨
ontgendiffraktogramme gewonnene Po-
renweite in Gleichung 5.12 ein, so erh¨
alt man durch die sukzessive Erh¨
ohung der
Schichtdicke des adsorbierten Stickstofffilms eine charakteristische Entwicklung
der Peak-Intensit¨
aten. F¨
ur eine Ausgangsporenweite von 9,8 nm sind die erhalte-
nen Werte f¨
ur die Intensit¨
aten der Bragg-Peaks in Tabelle 5.3 zusammengefaßt.
Die Intensit¨
aten der einzelnen Peaks durchlaufen mit abnehmendem Innenradius
unabh¨
angig voneinander Maxima und Minima.
Tabelle 5.3.: Berechnung der relativen Intensit¨
aten der einzelnen Bragg-Peaks im Ver-
gleich zum (10) Peak von PS-G in Abh¨
angigkeit vom inneren Porenradius (Gasphase)
mit dem Formfaktor aus Gleichung 5.12. Der Porenradius des Wandmaterials wird mit
4,9 nm angenommen und das Dichteverh¨
altnis betr¨
agt α= 0,95.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm (11) (20) (21) (30) (22) (31) (40) (32) (41)
4,9 834 429 82 63 1 3 15 9 0
4,8 699 423 47 58 3 0 12 12 2
4,7 577 410 22 51 7 1 8 15 4
4,6 467 390 6 42 11 5 5 15 7
4,5 369 364 0 32 15 11 2 14 9
4,4 282 334 2 23 18 17 1 11 10
4,3 207 300 11 15 19 22 0 8 9
4,2 144 263 24 8 19 27 0 5 8
4,1 92 226 41 3 18 29 2 2 6
4,0 52 188 60 1 15 28 3 0 3
3,9 23 151 78 0 12 25 5 0 1
3,8 6 116 95 2 8 21 6 1 0
3,7 0 84 109 5 5 15 7 4 0
3,6 5 56 119 10 2 9 7 6 2
3,5 20 33 124 16 0 4 7 8 4
3,4 46 15 124 22 0 1 5 10 6
3,3 82 4 118 27 1 0 3 10 8
176
5.3. Ergebnisse
Anschaulich ist diese Entwicklung der Peaks h¨
oherer Ordnung im Verh¨
altnis
zum (10)-Peak in Abbildung 5.10 gezeigt. In dieser Auftragung ist das Muster
der Peak-Entwicklung in den Streukurven vergleichbar mit einem Fingerabdruck.
Der Verlauf der Entwicklung weist f¨
ur eine feste Elementarzellenl¨
ange a0und
ein festes Streul¨
angendichteverh¨
altnis αeindeutig auf die Dicke der adsorbierten
Schicht in der Elementarzelle hin. Vergleicht man die beiden Abbildungen 5.9
und 5.10 miteinander, kann man jeder gemessenen Streukurve innerhalb gewisser
Fehlergrenzen eine bestimmte Dicke des adsorbierten Stickstofffilms zuordnen.
Bei den beiden Meßkurven bei 46 und 148 Torr sind die (11)/(20) und
(21)/(30) Peak-Paare relativ intensiv, das (22)/(31) Peak-Paar dagegen sehr
schwach. Bei der Meßkurve bei 377 Torr hat die Intensit¨
at des (11)/(20) Peak-
Paares deutlich abgenommen, das (21)/(30) Peak-Paar ist st¨
arker geworden und
man erkennt die Bildung einer Schulter bei der Position des (30) Peaks; auch
das (22)/(31) Peak-Paar hat hier eine h¨
ohere Intensit¨
at als bei geringerer Bela-
dung. Bei der Meßkurve bei 616 Torr kann man die Asymmetrie des (11)/(20)
Peaks und des (21)/(30) Peaks erkennen, die deutlich zeigt, daß diese Peak-Paare
aus zwei einzelnen Peaks zusammengesetzt sind. Bei dieser Meßkurve hat auch
die Intensit¨
at des (22)/(31) Peak-Paares wieder abgenommen. Bei den berech-
neten Intensit¨
aten l¨
aßt sich dieser Verlauf der relativen Peak-Intensit¨
aten ein-
deutig auf den Bereich eines inneren Radius von 4,1 nm bis 3,3 nm, oder einer
t-Schichtdicke von 0,8 bis 1,3 nm zuordnen, wo man genau dieselbe Entwicklung
der Peak-Intensit¨
aten beobachten kann.
Die Unsicherheit dieser Analyse liegt zum einen in dem nicht exakt bekann-
ten Wert der Porenweite des nicht beladenen Materials. Die Unsicherheit dieses
Wertes betr¨
agt mindestens 0,2 nm. Des Weiteren ist es nicht m¨
oglich, die ge-
messenen Intensit¨
aten bei einem definierten Druck den berechneten Intensit¨
aten
bei einer bestimmten inneren Porenweite exakt zuzuordnen. Auch dieser Fehler
m mindestens mit 0,1 nm angenommen werden, da die gemessenen SANS-
Streukurven u.a. wegen der großen Wellenl¨
angenverschmierung die Peaks teilwei-
se nur ¨
uberlappend zeigen.
Prinzipiell kann nicht nur die qualitative Entwicklung der Peaks nachvoll-
zogen werden, sondern die Intensit¨
aten der Peak-Paare k¨
onnen auch direkt aus
den Streukurven bestimmt werden. Dies ist in Tabelle 5.4 f¨
ur die Meßkurven aus
Abbildung 5.9 versucht worden. Auch bei dieser Analyse findet man eine Ab-
nahme des inneren Radius von ca. 4,3 auf 3,3 nm im Druckbereich von 46 Torr
177
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Abbildung 5.10.: Visualisierung der Bragg-Peak-Intensit¨
aten in Abh¨
angigkeit von der
Schichtdicke t=rP ore rides adsorbierten Stickstofffilms. Die H¨
ohe der Peaks ent-
spricht den Werten aus der Tabelle 5.3.
178
5.3. Ergebnisse
Abbildung 5.11.: Basislinie bei der Neutronenstreuung.
bis 616 Torr. Hier deutet sich der Trend allerdings nur sehr grob an, da durch
die Mittelung der Werte die Ausschl¨
age in den Intensit¨
aten ged¨
ampft sind. Ein
weiteres Problem bei dieser Art der Auswertung ergibt sich durch die Definition
der Basislinie. Einen zufriedenstellenden Verlauf der Basislinie (Abbildung 5.11)
erh¨
alt man nur bei der Verwendung mehrerer Fit-Parameter (hier 3 Parameter)
f¨
ur die Basislinie, die bei jeder Meßkurve unterschiedlich sind. Bei dieser Art der
Basislinie gibt es eine sehr weite ¨
Uberlagerung der Peaks und eine Trennung der
einzelnen Peak-Gruppen ist nicht m¨
oglich. Auch dieser Umstand kann einen Ein-
Tabelle 5.4.: Analyse der relativen Peak-Intensit¨
aten der (11)/(20), (21)/(30) und
(22)/(31) Peak-Paare im Verh¨
altnis zum (10) Peak der Meßkurven aus Abbildung 5.9
(linker Teil) im Vergleich zu den berechneten Werten (siehe auch Tabelle 5.3)(rechter
Teil).
prel. Int. der Peak-Paare
/Torr (11)/(20) (21)/(30) (22)/(31)
evac 344 122 33
46 276 80 9
148 222 64 7
250 190 38 6
377 144 90 13
499 126 43 8
570 70 56 9
616 25 69 4
rrel. Int. der Peak-Paare
/nm (11)/(20) (21)/(30) (22)/(31)
4,9 1263 145 4
4,7 987 72 8
4,5 733 33 25
4,3 507 25 41
4,1 318 44 46
3,9 174 79 37
3,7 84 115 20
3,5 53 140 5
3,3 86 145 1
179
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
fluß auf die ermittelten Peak-Intensit¨
aten haben (siehe z.B. Werte f¨
ur 377 Torr
in Tabelle 5.4).
Auswertung nach dem Nahordnungs-Modell
Qualitativ kann die Entwicklung der Streukurven mit zunehmendem F¨
ullungs-
grad auch durch das Nahordnungs-Modell nachvollzogen werden. Nach Gleichung
5.3 erh¨
alt man die Intensit¨
at der Streukurven aus der Multiplikation des Formfak-
tors f¨
ur Zylinder (Gl. 5.4) mit dem 2-dimensionalen Strukturfaktor f¨
ur Scheiben
(Gl. 5.17). Die Entwicklung der simulierten Streukurven mit abnehmendem inne-
ren Radius der Zylinder ist in Abbildung 5.12 f¨
ur eine Reihe von inneren Radien
dargestellt. Die Zahlen neben den Kurven geben den jeweiligen Radius f¨
ur den
Formfaktor der Zylinder bezogen auf die leere Probe an. Dies entspricht physika-
lisch dem durch den adsorbierten Stickstofffilm reduzierten Radius der streuenden
Zylinder.
F¨
ur den Verlauf der berechneten Kurven spielen die Packungsdichte der
Zylinder ηund die Varianz des Zylinderradius σeine entscheidende Rolle. Bei
steigender Packungsdichte wird die Struktur der Peaks immer ausgepr¨
agter, bei
steigender Varianz des Zylinderradius dagegen wird die Kurve ged¨
ampft. Die La-
ge des ersten Peaks wird maßgeblich durch den Durchmesser der Scheiben im
Strukturfaktor beeinflußt.
Bei der Simulation mit diesem Modell wird folgendermaßen vorgegangen:
(a) Bestimmung des Scheibendurchmessers Rim Formfaktor aus der Lage des
ersten Peaks; (b) Anpassen des Peakverlaufs durch die Packungsdichte η; (c)
Wahl des Porendurchmessers rund dessen Abnahme mit der Ber¨
ucksichtigung
einer Weitenverteilung σ. Bei den so simulierten Kurven lassen sich in der Regel
nur die ersten drei Peaks (hier unterhalb q2nm1) erkennen und auch eine
Strukturierung der Peaks, wie sie bei den Streukurven im Experiment teilweise
gefunden wird, kann mit dieser Methode nicht nachvollzogen werden.
In Abbildung 5.13 sind die experimentellen Streukurven f¨
ur drei verschiede-
nen Dr¨
ucke mit den entsprechenden simulierten Kurven verglichen. Die beiden
zusammengeh¨
origen Kurven sind jeweils versetzt zu den anderen aufgetragen.
Als erste Meßkurve ist hier nicht die der evakuierten Probe aufgef¨
uhrt, da die-
se, wie oben schon erw¨
ahnt, einen von allen anderen Meßkurven im Bereich der
Mehrschichtadsorption abweichenden Verlauf zeigt. Einen besseren Vergleich der
180
5.3. Ergebnisse
Meßkurven bei unterschiedlichem F¨
ullungsgrad liefert die Kurve, die bei einem
geringen Gasdruck aufgenommen wurde. Damit wird erreicht, daß man bei allen
drei Kurven von dem gleichen Grundzustand (einer durch die Adsorption von
Stickstoff gegl¨
atteten Porenwand) ausgehen kann.
Auch hier kann man den Verlauf der experimentellen Streukurven qualita-
tiv durch die simulierten Kurven beschreiben. Die zunehmende Schichtdicke wird
durch den kleiner werdenden Radius der Zylinder rwiedergegeben und die In-
tensit¨
atsverh¨
altnisse der einzelnen Peaks ver¨
andern sich. W¨
ahrend der erste Peak
(bei q= 0,6nm1) in seiner Intensit¨
at mehr oder weniger konstant bleibt, nimmt
der zweite Peak (bei q1,1nm1) mit steigendem Druck ab. Bei der Meßkurve
Abbildung 5.12.: Mit dem Rosenfeld-Ansatz berechnete Streukurven von PS-G.
181
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
bei p/p0= 0,82 ist dieser Peak nicht mehr zu erkennen. Die dazugeh¨
orige simu-
lierte Kurve zeigt an dieser Position ein Minimum und einen Peak, wenn man
aber eine Verschmierung der Peaks bei der Messung annimmt, kann man hier bei
den gemessenen Streukurven auch einen monotonen Abfall erwarten. Der dritte
Peak (bei q1,6nm1) ist bei der oberen Kurve schwach zu erkennen, bei einem
Druck von p/p0= 0,73 ist er stark ausgepr¨
agt, bei p/p0= 0,82 ist er dagegen
wieder sehr schwach, w¨
ahrend er in der Simulation immer deutlicher hervortritt.
Abbildung 5.13.: In-situ Streukurve f¨
ur PS-G mit 3 verschiedenen Beladungen mit Stick-
stoff: Vergleich der gemessenen Streukurven mit Modellkurven nach dem Nahordnungs-
Ansatz.
PS-D
Bei dem SBA-15 Material mit einer nominellen Porenweite von 7,8 nm (N2-
Adsorption) und 7,6 nm (XRD) liegt der Wendepunkt des Adsorptionsastes
der Porenkondensationsstufe (Abb. 5.14 a)) bei einem relativen Druck von
182
5.3. Ergebnisse
p/p0= 0,71 (550 Torr), der Wendepunkt des Desorptionsastes bei einem re-
lativen Druck von p/p0= 0,64 (500 Torr). Es wurden Streukurven ¨
uber einen
q-Bereich von 0,03 nm1bis 2,8nm1aufgenommen (Abb. 5.14 b)). Diese Kur-
ven zeigen im Bereich kleiner Streuvektoren eine q4-Abh¨
angigkeit. Im Bereich
gr¨
oßerer q-Werte sind ein deutlicher Peak bei q= 0,66 nm1und zwei weitere
bei h¨
oheren q-Werten (q= 1,3nm1und q= 1,8nm1) zu erkennen, deren
Intensit¨
at sich mit der Beladung ¨
andert. Bei Dr¨
ucken ¨
uber dem Porenkondensa-
tionsdruck ist nur noch der erste Peak mit einer um den Faktor 10 reduzierten
Intensit¨
at zu erkennen. Im Vergleich zu dem vorher beschriebenen Material ist
dieser Peak im gesamten Druckbereich st¨
arker ausgepr¨
agt.
In Abbildung 5.15 ist der Ausschnitt der Streukurven, in dem die Bragg-
Peaks der Probe liegen, vergr¨
oßert dargestellt. Man kann eine ¨
ahnliche Entwick-
lung der Peaks wie bei der vorhergehenden Probe sehen. Bei sehr geringem Druck
bzw. geringer Schichtdicke tdes adsorbierten Stickstofffilms ist neben dem (10)
Peak nur das (11)/(20) Peak-Paar zu sehen. Mit steigendem Druck und zuneh-
mender Adsorption zeigen auch die (21)/(30) und (22)/(31) Peak-Paare steigende
Intensit¨
at. Bei der Streukurve bei p/p0= 0,66 ist das (21)/(30) Peak-Paar sehr
a) b)
Abbildung 5.14.: a) Stickstoff-Isotherme und b) Streukurven mit ansteigender Stickstoff
Beladung der Probe PS-D.
183
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
a)
b)
Abbildung 5.15.: Vergleich der a) gemessenen und b) simulierten Streukurven f¨
ur PS-D.
184
5.3. Ergebnisse
stark ausgepr¨
agt, w¨
ahrend die Intensit¨
at des (22)/(31) Peak-Paares wieder abge-
nommen hat. Die Intensit¨
at des (11)/(20) Peak-Paares nimmt mit zunehmender
Adsorption stetig ab.
Dieses Verhalten der Meßkurven kann durch die simulierten Kurven des kri-
stallographischen Modells wiedergegeben werden. Die in Abbildung 5.15 b) ge-
zeigten Kurven weisen bei einer Schichtdicke des adsorbierten Stickstofffilms von
t= 0 sehr hohe Intensit¨
aten des (11)/(20) Peak-Paares auf, die bei t= 0,8nm
fast vollst¨
andig verschwunden sind. Der (21) Peak erreicht dort seine Maximal-
intensit¨
at und das (22)/(31) Peak-Paar hat sein Maximum durchschritten und
nimmt auch wieder ab.
Die f¨
ur dieses Material (PS-D) berechneten Werte der einzelnen Peak-
Intensit¨
aten sind im Anhang in den Tabellen D.6 und D.7 zusammengestellt.
Um einen ¨
Uberblick ¨
uber die Auswirkungen des Streul¨
angendichteunterschiedes
ρzwischen dem Wandmaterial und der adsorbierten Schicht zu zeigen, sind
in den Tabellen die Peakintensit¨
aten f¨
ur zwei verschiedene Werte von αaufgeli-
stet. Der Unterschied in den Intensit¨
aten ist sehr gering und hat experimentell
gesehen praktisch keine Bedeutung. Je gr¨
oßer ρwird, desto mehr werden die
Intensit¨
aten der berechneten Peaks ged¨
ampft. Die Lage der Maxima bei der In-
tensit¨
atsentwicklung der einzelnen Peaks bleibt aber fast gleich.
Auch bei dieser Probe kann das Streuverhalten durch das Rosenfeld-Modell
nur grob beschrieben werden. In Abbildung 5.16 sind wieder drei exemplarische
Meßkurven bei unterschiedlichen Dr¨
ucken mit simulierten Kurven verglichen. we-
gen der Wellenl¨
angenverschmierung ist wiederum nicht zu erwarten, daß man bei
einem Vergleich von simulierten und gemessenen Kurven das in den simulierten
Kurven auftretende Minimum bei q= 1,25 nm1in den gemessenen Streukurven
beobachten kann. Der dritte Peak ist in der simulierten Kurve f¨
ur p/p0= 0,38
an der gleichen Position wie in der Meßkurve (q= 1,75 nm1), aber in der si-
mulierten Kurve f¨
ur p/p0= 0,67 zu einem h¨
oheren q-Wert (q= 1,85 nm1)
verschoben. Dies bedeutet, daß die Entwicklung der Peak-Intensit¨
aten qualitativ
richtig beschrieben wird, die Lage der Peaks bei den h¨
oheren q-Werten jedoch
nicht.
185
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Abbildung 5.16.: Vergleich experimenteller und mit dem Rosenfeld Ansatz berechneter
Streukurven f¨
ur PS-D.
TS-B
Dies ist das SBA-15 Material mit der kleinsten Porenweite und der kleinsten
Gitterkonstante (a0= 9,33 nm) in dieser Versuchsreihe. Damit sind alle auf-
tretenden Bragg-Peaks im Vergleich zu den beiden anderen Proben zu h¨
oheren
q-Werten verschoben und die Peaks h¨
oherer Ordnung ((22) Peak und h¨
oher), die
bei den ersten beiden Probe in den Streukurven schwach zu sehen waren, sind ex-
perimentell nicht mehr zug¨
anglich. Der Wert f¨
ur die Porenweite dieses Materials
betr¨
agt 6,8 nm (N2-Adsorption) und 7,2 nm (XRD).
Die Wendepunkte des Adsorptions- bzw Desorptionsastes der Stickstoffiso-
thermen bei einem relativen Druck von 0,66 (517 Torr) und 0,59 (463 Torr)(Abb.
5.17 a)). Die Peaks in den Streukurven (Abb. 5.17 b)) sind hier weniger ausge-
pr¨
agt, als in den Streukurven der beiden vorangegangenen Materialien. Dies und
der leichte Anstieg in der Isothermen vor der Kondensationsstufe (weitere Po-
renweitenverteilung) deuten auf eine etwas geringere Ordnung der Porenstruktur
der Probe hin.
186
5.3. Ergebnisse
In Abbildung 5.18 a) sind einige Streukurven nach steigendem Stickstoffdruck
geordnet aufgetragen. Sie zeigen wieder die ¨
Anderung der Intensit¨
atsverh¨
altnisse
der einzelnen Peaks zueinander mit dem Wachsen des adsorbierten Stickstoff-
films. Die Streukurve der evakuierten Probe bzw. der Probe bei dem geringsten
eingestellten Druck zeigt nur im Bereich der (11) und (20) Peaks Intensit¨
at, mit
steigendem Druck sinkt die Intensit¨
at dieser Peaks und die Intensit¨
at im Bereich
des (21)/(30) Peak-Paares w¨
achst an.
Die Entwicklung der gemessenen Streukurven kann mit der Berechnung von
Intensit¨
aten mit einer zunehmenden adsorbierten Schicht in ¨
Ubereinstimmung
gebracht werden. Abbildung 5.18 b) zeigt die Intensit¨
atsverteilungen bei einer
angenommenen Porenweite von 7,2 nm und einer wachsenden t-Schicht von 0 bis
1,1 nm.
Bei der Simulation der Streukurven mit Hilfe des Nahordnungsmodells kann
man das Wandern eines Minimums in dem Bereich des zweiten Peaks beobach-
ten, und der dritte Peak wird mit steigender simulierter Schichtdicke (d.h. kleiner
werdendem effektivem Porenradius) zu gr¨
oßeren q-Werten verschoben. Die Ver-
schiebung bewirkt auch, daß die Positionen des simulierten Peaks und des Peaks
a) b)
Abbildung 5.17.: a) Stickstoff-Isotherme und b) Streukurven der Probe TS-B.
187
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
a)
b)
Abbildung 5.18.: a) Experimentelle und b) simulierte Streukurven (Werte von TS-B aus
Tabelle D.8).
188
5.3. Ergebnisse
in der Streukurve in den beiden unteren Kurven der Abbildung 5.19 nicht genau
aufeinander fallen. Das deutet auch bei diesem Material darauf hin, daß die ge-
messenen Streukurven nicht exakt durch das Nahordnungsmodell wiedergegeben
werden.
Abbildung 5.19.: Gemessene und mit dem Rosenfeld Ansatz berechnete Streukurven f¨
ur
TS-B.
189
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
MCM-41
Neben den drei SBA-15 Materialien sind auch in-situ Untersuchungen zur
Stickstoff-Adsorption an zwei MCM-41 Material durchgef¨
uhrt worden. Schon die
in den Streukurven der weiterporigen Probe (BGX18A) auftretenden Peaks (Abb.
5.20 b)) sind wegen der kleineren Porenweite und des geringeren Netzebenenab-
standes dieses Materials an die obere Grenze des Meßbereichs verschoben, so daß
man nur noch die ersten beiden Peaks, d.h. die ersten drei Bragg-Reflexe ((10),
(11) und (20)) beobachten kann. Durch die hohe Ordnung der MCM-41 Materia-
lien und der Verschiebung der Peaks zu h¨
oheren q-Werten ist hier aber trotz der
Wellenl¨
angenverschmierung der Neutronen von λ/λ = 12% eine Strukturierung
des zweiten Peaks, unter dem die (11) und (20) Reflexe des hexagonalen Gitters
liegen, zu erkennen.
In Abbildung 5.21 a) ist der f¨
ur die Auswertung relevante Teil der Streu-
kurven noch einmal deutlicher dargestellt. Im Verlauf der Adsorption nimmt der
erste Teil des zweiten Peaks ((11) Reflex) im Verh¨
altnis zum zweiten Teil ((20)
Reflex) st¨
arker ab. Ab einem Druck von 220 Torr ist dieser Peak, bestehend aus
a) b)
Abbildung 5.20.: a) Stickstoff-Isotherme und b) Streukurven der MCM-41 Probe
(BGX18A).
190
5.3. Ergebnisse
a)
b)
Abbildung 5.21.: a) Experimentelle und b) simulierte Streukurven von BGX18A (Werte
aus Tabelle D.9).
191
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
(11) und (20) Reflex im Gegensatz zum ersten Peak nur noch sehr schwach zu
erkennen und kurz vor Einsetzen der Porenkondensation ist die Intensit¨
at gleich
Null. Bei einem Vergleich mit den berechneten Intensit¨
aten (Abbildung 5.21 b))
l¨
aßt sich aus der Peakform die Dicke tder adsorbierten Stickstoff-Schicht relativ
gut absch¨
atzen. Bei dem vollst¨
andigen Verschwinden der zweiten Peaks in der
gemessenen Streukurve bei 326 Torr erh¨
alt man aus der Simulation eine Dicke
der t-Schicht von ca. 0,6 nm.
Abbildung 5.22 zeigt die Adsorptionsisotherme und die Streukurven des zwei-
ten MCM-41 Materials (BG16C). Wegen der kleineren Porenweite, des geringeren
Netzebenenabstandes und des bei diesem Versuch etwas geringeren Meßbereichs
(bis q= 2,8nm1) ist nur noch der erste Peak vollst¨
andig zu erkennen. Die
Ver¨
anderung des zweiten Peaks ist andeutungsweise am Ende der Streukurven
zu sehen. Hier kann allerdings nur noch eine Aussage ¨
uber den Anteil des (11)
Peaks gemacht werden und damit ist eine genaue Analyse nicht mehr m¨
oglich.
Auch bei dieser Probe deutet die Entwicklung der Streukurven im Bereich der
hohen q-Werte auf das gleiche Verhalten wie bei den anderen Proben hin.
a) b)
Abbildung 5.22.: a) Stickstoff-Isotherme und b) Streukurven der zweiten MCM-41 Probe
(BG16C).
192
5.3. Ergebnisse
5.3.3. Entwicklung von SAXS-Streukurven bei der
Adsorption
Wie am Anfang des Kapitels beschrieben, l¨
aßt sich die Methode des contrast mat-
ching nicht nur bei der Neutronenstreuung, sondern auch bei der R¨
ontgenstreu-
ung anwenden. Die beiden hier gezeigten in situ Messungen der Adsorption von
Dibrommethan stellen aber nur ein qualitatives Ergebnis dar, da keine Aussagen
¨
uber den relativen Druck bei den einzelnen Meßkurven gemacht werden k¨
onnen.
Des weiteren ist auch davon auszugehen, daß kein Gleichgewichtszustand bei den
Messungen herrschte und daß man nicht ausschließen kann, daß der im Strahl
liegende Teil des Markr¨
ohrchens nicht homogen mit Meßgas bef¨
ullt wird.
Trotz dieser enormen Einschr¨
ankungen bei den hier gezeigten Messungen,
bietet die R¨
ontgenstreuung den großen Vorteil der guten Monochromatisierung
der verwendeten Strahlung (∆λ/λ = 4%) und des ¨
außerst einfachen Meßauf-
baus gegen¨
uber der Neutronenstreuung. Durch die bessere Aufl¨
osung k¨
onnen die
gewonnenen Meßkurven zum besseren Verst¨
andnis der SANS-Streukurven bei-
tragen.
Abbildung 5.23 zeigt die Adsorption von Dibrommethan in einem mesozellu-
Abbildung 5.23.: Streukurven f¨
ur eine graduell zunehmende Beladung von einem meso-
por¨
osen Material mit kugelf¨
ormigen Poren (Porenweite ca. 30 nm) mit CH2Br2. Die
oberste Kurve entspricht der evakuierten Probe,die untere der v¨
ollig mit CH2Br2gef¨
ull-
ten Probe. Die beiden gestrichelten Geraden stellen die Grenzf¨
alle einer q4Abh¨
angig-
keit dar.
193
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
laren Schaum. Es sind die Streukurven f¨
ur eine graduell steigende Beladung, aus-
gehend von der vollst¨
andig evakuierten Probe bis hin zu den vollst¨
andig gef¨
ullten
Poren, gezeigt. Das auftretende Muster in den Streukurven ist auf den Struk-
turfaktor der Kugelporen zur¨
uckzuf¨
uhren. Dieser zeigt, ¨
ahnlich wie der Struk-
turfaktor f¨
ur Scheiben in einer Ebene (Abb. 5.2), mehrere Maxima und Minima,
m aber hier mit dem dreidimensionalen Percus-Yevick-Ansatz eines Modelles
harter Kugeln beschrieben werden.
Die ersten Streukurven nach der beginnenden Adsorption zeigen einen An-
stieg der Intensit¨
at bei kleinen q-Werten, was darauf zur¨
uckzuf¨
uhren ist, daß die
Porosit¨
at des Materials bei weit ¨
uber 50% liegt, und gem¨
Gleichung 5.1 ei-
ne maximale Intensit¨
at bei 50% zu erwarten ist. Mit zunehmender Adsorption
des Dibrommethans sinkt die Intensit¨
at der Streukurven bis zur vollst¨
andigen
F¨
ullung der Poren um den Faktor 100. Die beiden Geraden in Abbildung 5.23 re-
Abbildung 5.24.: Gemessene Entwicklung der Streukurven durch die Adsorption von
CH2Br2in PLU-D.
194
5.3. Ergebnisse
pr¨
asentieren eine q4Abh¨
angigkeit, die nach Porod [Poro51] auf die Streuung an
Oberfl¨
achen in der entsprechenden Gr¨
oßenordnung zur¨
uckzuf¨
uhren ist. Bei leeren
Poren ist die Streuung an den inneren Oberfl¨
achen der Poren dominant. Daraus
folgt, daß die q4Abh¨
angigkeit bei großen qauftritt, bei vollen Poren erfolgt
die Streuung an der Oberfl¨
ache der K¨
orner und damit die q4Abh¨
angigkeit bei
kleinen q.
Neben dem mesozellularen Schaum wurde auch die Adsorption von Dibrom-
methan in SBA-15 untersucht. Auch hier k¨
onnen die einzelnen Streukurven we-
gen des einfachen Versuchsaufbaus nicht einem bestimmten Gasdruck zugeordnet
werden, aber der Verlauf der Streukurven mit zunehmender Adsorption kann sehr
gut beobachtet werden. In Abbildung 5.24 sind einige Streukurven beginnnend
mit der evakuierten Probe bis hin zu der vollst¨
andig mit Fluid gef¨
ullten Probe
gezeigt. Man kann im Vergleich zu den SANS Messungen die einzelnen Bragg-
Abbildung 5.25.: Simulierte Entwicklung der Streukurven durch die Annahme eines
kleiner werdenden inneren Radius.
195
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Reflexe deutlich getrennt voneinander beobachten und auch das contrast matching
gelingt bei diesem System deutlich besser. Die Intensit¨
at des ersten Bragg-Peaks
nimmt bei gef¨
ullten Poren um den Faktor 1000 ab. ¨
Ahnlich wie bei den SANS-
Messungen zeigt die Streukurve der evakuierten Probe einen anderen Verlauf als
alle anderen teilweise gef¨
ullten Streukurven, im Bereich gr¨
oßerer Streuwinkel ist
die Intensit¨
at der evakuierten Probe vergleichsweise hoch.
F¨
ur die Berechnung der Peakintensit¨
aten kann wegen des guten contrast mat-
ching (die adsorbierte Schicht und das Wandmaterial haben die gleiche Dichte)
das einfache 2 Dichte-Modell nach Gleichung 5.11 verwendet werden. Der Verlauf
der Intensit¨
aten aus Tabelle D.10 ist in Abbildung 5.25 dargestellt. Im Vergleich
zum Experiment zeigen auch hier die Peaks h¨
oherer Ordnung eine um einen
Exponentialfaktor reduzierte Intensit¨
at und k¨
onnen somit nicht genau mit den
gemessenen Intensit¨
aten verglichen werden. Die Intensit¨
aten f¨
ur drei Meßkurven
(Abb. 5.26) sind in einer Tabelle zusammengefaßt. Ein Vergleich mit den berech-
neten Intensit¨
aten aus Tabelle D.10 ergibt f¨
ur die erste Meßkurve der evakuierten
Probe eine Porenweite von ca. 8,4 nm, bei der zweiten Streukurve liegt nach die-
ser Auswertung eine adsorbierte Schicht von ca. 0,4 nm vor und bei der letzten
(11) (20) (21) (30) (22)/(31)
a 356 177 0 0 0
b 319 183 7 12,5 4,5
c 72 124 16 0 18
Abbildung 5.26.: Auswahl von drei Meßkurven aus Abbildung 5.24. Gemessene Inten-
sit¨
aten der einzelnen Bragg-Peaks der evakuierten Probe a, und zweier Proben mit
steigender F¨
ullung b und c.
196
5.4. Diskussion
Kurve eine adsorbierte Schicht von ca. 0,7 nm. Die so ermittelten Schichtdicken
f¨
ur adsorbierte Filme liegen in dem Bereich, in dem man sie nach den t-Schicht
Modellen erwarten w¨
urde.
5.4. Diskussion
5.4.1. Anwendbarkeit der verwendeten Auswertemodelle
In Abschnitt 5.3.2 sind zwei Modelle zur Analyse der Kleinwinkelstreudaten auf-
gezeigt worden. Da die hier betrachteten geordneten mesopor¨
osen Materialien auf
der einen Seite kristalline Eigenschaften zeigen, sie aber urspr¨
unglich aus einer
mizellaren L¨
osung hervorgegangen sind, ist es angebracht, beide Modelle f¨
ur die
Auswertung in Betracht zu ziehen.
Die in den Streukurven auftretenden Peaks liegen genau bei den Positio-
nen, die man f¨
ur die Bragg-Reflexe eines hexagonalen Kristalls erwartet und man
kann bei den gemessenen Streukurven zur Gasadsorption in den SBA-15 Mate-
rialien bei steigender Beladung eine Variation der Peak-Intensit¨
aten, aber keine
Verschiebung der Peak-Positionen beobachten.
Bei den mit dem Rosenfeld-Modell simulierten Kurven tritt durch die ¨
Ande-
rung des Formfaktors, die sich aus der Verringerung des Zylinderradius ergibt,
eine Verschiebung der Peak-Position h¨
oherer Ordnung auf. Der dritte Peak ((21)
und (30) Peak-Paar) liegt bei den Simulationen f¨
ur alle Proben bei etwas zu ge-
ringen q-Werten und zeigt somit eine systematische Abweichung. Der vierte Peak
in den Streukurven ((22) und (31) Peak-Paar) l¨
aßt sich nicht durch dieses Mo-
dell simulieren. Des weiteren m ber¨
ucksichtigt werden, daß der Strukturfaktor
(Abbildung 5.2) bei dieser Art der Simulation konstant gehalten wurde. Genau
genommen ist diese Annahme aber nicht zul¨
assig, da mit fortlaufender Adsorp-
tion der den Strukturfaktor bestimmende Scheibendurchmesser Rabnimmt und
damit der Packungsparameter ηkleiner wird. Eine korrekte Ber¨
ucksichtigung die-
ser ¨
Anderung von ηhat eine D¨
ampfung des Strukturfaktors zur Folge und w¨
urde
die Peaks h¨
oherer Ordnung noch st¨
arker schw¨
achen. Dies zeigt, daß dieses Modell
die erhaltenen Ergebnisse grunds¨
atzlich nicht exakt wiedergeben kann.
Mit Hilfe des kristallographischen Modells l¨
aßt sich die Entwicklung der
Streukurven bei steigender Adsorption qualitativ sehr gut beschreiben. Sowohl die
197
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Lage der Peaks in den Streukurven als auch das Verh¨
altnis der Peak-Intensit¨
aten
untereinander stimmen gut mit den simulierten Werten ¨
uberein, einzig die ab-
soluten Intensit¨
aten der Peaks lassen sich durch das einfache Modell einer ho-
mogenen adsorbierten Schicht nicht genau wiedergeben. Eine quantitative ¨
Uber-
einstimmung der berechneten Peak-Intensit¨
aten mit den experimentellen Werten
ist aber auch nicht zu erwarten, da die Nichtidealit¨
at des Kristall-Pulvers nicht
ber¨
ucksichtigt wurde. Weiterhin wurde nicht ber¨
ucksichtigt, daß sich mit steigen-
der Beladung der Probe mit Stickstoff auch der Anteil an inkoh¨
arenter Streuung
¨
andert. Außerdem entspricht das radiale Dichteprofil des adsorbierten Stickstoff-
films nicht der im Modell angenommenen Stufenfunktion. Eine weitere St¨
orung
geht von der Porenoberfl¨
ache aus, die auf atomarer Ebene nicht glatt ist und deren
Hydroxyl-Gruppen (teilweise H gegen D getauscht) das Streul¨
angendichteprofil
beeinflussen.
Im Hinblick auf die erw¨
ahnten Vereinfachungen im gew¨
ahlten Modell l¨
aßt
sich feststellen, daß der kristallographische Ansatz die in dieser Arbeit durch-
gef¨
uhrten Streuexperimente gut beschreibt. Der Nahordnungs-Ansatz kann das
beobachtete Verhalten der Streukurven grob wiedergeben, zeigt aber bei der
genauen Betrachtung erhebliche Schw¨
achen. Insbesondere ist festzustellen, daß
die Peak-Positionen, die von dem Strukturfaktor bestimmt werden, nicht ge-
nau denen der Streukurven entsprechen. Die Schw¨
achen dieser Beschreibung
w¨
urden noch deutlicher werden, wenn die Wellenl¨
angen-Verschmierung der expe-
rimentellen Streukurven herausgerechnet w¨
urde. Andererseits kann dieses Modell
grunds¨
atzlich auch zur Beschreibung der Gasadsorption in ungeordneten meso-
por¨
osen Materialien herangezogen werden [Smar01], wo der kristallographische
Ansatz prinzipiell versagt. Vor allem aus diesem Grund wurde die Leistungsf¨
ahig-
keit dieses Ansatzes hier in die Betrachtung einbezogen.
198
5.4. Diskussion
5.4.2. Bestimmung der t-Schichtdicken
Kristallographischer Ansatz
Durch einen Vergleich der gemessenen Streukurven mit den simulierten Inten-
sit¨
atsverteilungen der Peaks kann die Dicke der adsorbierten Schicht (t-Schicht)
als Funktion des Gasdrucks ermittelt werden. Die so erhaltenen Werte der t-
Schichtdicken der untersuchten Proben sind in Tabelle 5.5 zusammengefaßt. Ein
Vergleich mit den in der Literatur verwendeten Modellen zur Beschreibung der
t-Schicht ist in Abbildung 5.27 f¨
ur eine Probe (PS-G) dargestellt. Die beiden
eingezeichneten Kurven entsprechen der Gleichung von Halsey- [Doll64] bzw. der
Harkins-Jura-Gleichung [Hark43a,b], die eine obere und untere Grenze der ¨
ubli-
chen Modelle darstellen. Der Verlauf der t-Schichtdicke mit steigendem Druck
entspricht genau dem theoretisch vorhergesagten Verhalten. Die aus der Simu-
lation der Streukurven ermittelte t-Schichtdicke liegt durchweg um weniger als
0,2 nm ¨
uber den durch die Halsey-Gleichung gegebenen Werten. Die in dieser
Abbildung eingezeichneten Fehlerbalken ber¨
ucksichtigen die Unsicherheit der f¨
ur
die Simulation verwendeten Porenweite des Materials und die Unsicherheit bei
der genauen Zuordnung der Streukurve zu einer Schichtdicke. W¨
urde man die bei
Tabelle 5.5.: Werte f¨
ur Porenweite und t-Schichten aus Streuexperimenten: w(XRD):
Porenweite aus der Intensit¨
atsverteilung der R¨
ontgen-Peaks; t-Schichtdicke: adsorbier-
ter Fl¨
ussigkeitsfilm aus dem Vergleich mit den simulierten Kurven; a0: Abstand der
Porenmittelpunkte (Elementarzellenl¨
ange).
Probe p p/p0t
/ Torr / nm
BGX18A 326 0,41 0,6
a0= 4,92 nm 280 0,35 0,5
w= 4,0nm 220 0,28 0,4
109 0,14 0,15
43 0,05 0,1
TS-B 540 0,68 1,0
a0= 9,33 nm 500 0,63 0,9
w= 7,2nm 417 0,53 0,7
228 0,29 0,5
130 0,16 0,4
48 0,06 0,3
Probe p p/p0t
/ Torr / nm
PS-D 524 0,66 0,7
a0= 10,74 nm 392 0,50 0,5
w= 7,6nm 295 0,37 0,4
199 0,25 0,3
37 0,05 0,1
PS-G 616 0,77 1,3
a0= 12,27 nm 570 0,71 1,1
w= 9,8nm 377 0,47 0,9
250 0,31 0,75
148 0,19 0,7
46 0,06 0,65
199
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
der Simulation verwendete Porenweite um 0,1 bis 0,2 nm verringern, so w¨
urden
die ermittelten t-Schichtdicken genau zwischen den beiden theoretischen Kurven
liegen.
In Abbildung 5.28 sind die ermittelten Werte der t-Schichtdicke f¨
ur s¨
amtli-
che Proben aufgetragen. Bei allen Proben zeigt sich eine ¨
ahnliche Abh¨
angigkeit
der Filmdicke vom Gasdruck, allerdings sind die Absolutwerte gegeneinander ver-
setzt. Da zu erwarten ist, daß die Abh¨
angigkeit der t-Schichtdicke bei den nur
hinsichtlich der Porenweite unterschiedlichen Materialien gleich sein sollten, liegt
es nahe, die unterschiedlichen Absolutwerte in Abbildung 5.28 auf eine falsche
Wahl der Porenweite der Materialien zur¨
uckzuf¨
uhren. Tats¨
achlich lassen sich die
Kurven f¨
ur die drei SBA-15 Materialien praktisch zur Deckung bringen, wenn
man f¨
ur die Porenweite einen leicht korrigierten Wert einsetzt. Diese korrigier-
ten Porenweiten ergeben sich aus dem Muster aller Streukurven innerhalb des
Bereiches der Schicht-Adsorption mit dem Muster der simulierten Streukurven
und sind nicht nur aus der Analyse einer einzigen Streukurve bestimmt, wie es
in Abschnitt 5.3.1 gezeigt wurde.
Neben den ¨
ublichen t-Schichtmodellen, die f¨
ur die Beschreibung der Ad-
sorption in mesopor¨
osen Materialien nichtpor¨
ose Referenzmaterialien verwenden
Abbildung 5.27.: Werte der ermittelten t-Schichtdicke f¨
ur PS-G im Vergleich zu theo-
retischen Kurven von Halsey bzw. Harkins-Jura.
200
5.4. Diskussion
[Kruk97], gibt es auch eine Beschreibung von Broekhoff und de Boer [Broe67],
welche die Kr¨
ummung der Porenoberfl¨
ache bei der Schichtadsorption mit ber¨
uck-
sichtigt. Mit diesem Modell erh¨
alt man eine theoretische Schichtdicke, die spezi-
ell im Druckbereich vor der Porenkondensation stark anw¨
achst. Die Entwicklung
der Gleichgewichts-Schichtdicke nach diesem Modell ist in Abbildung 5.29 f¨
ur un-
terschiedliche Porenradien dargestellt. Die hierzu ben¨
otigten Daten wurden aus
[Broe67] genommen. In der Arbeit von Broekhoff et al. ist auch eine formale
Schichtdicke angegeben, die bis kurz vor der Porenkondensation weitgehend wie
die Harkins-Jura Gleichung verl¨
auft (untere gestrichelte Kurve).
Die in dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Messungen an den SBA-15 Materialien
best¨
atigen das Modell von Broekhoff und de Boer nicht. Die Kurven aller drei
Materialien verlaufen im Rahmen der Meßgenauigkeit parallel und zeigen somit
keinen Einfluß der Porenweite auf die t-Schichtdicke. Die Kurve f¨
ur das enger-
porige MCM-41 Material zeigt allerdings einen deutlich steileren Anstieg der
t-Schicht im Vergleich zu den weiterporigen Proben. Wenn der hier gefundene
steilere Anstieg auf den Einfluß der Porenweite zur¨
uckzuf¨
uhren ist, spielt der von
Broekhoff und de Boer vermutete Kr¨
ummungseffekt der Porenwand aber nur f¨
ur
kleine Porenweiten eine merkbare Rolle.
Abbildung 5.28.: t-Schichtdicken aus den Vergleichen von Streukurven und Simulatio-
nen f¨
ur alle Proben.
201
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Ein anderer Effekt, der auf den Einfluß der t-Schicht zur¨
uckgef¨
uhrt werden
k¨
onnte, ist das Verhalten der Streukurven kurz vor der Kondensationsstufe. Die
entsprechenden Streukurven zeigen im Bereich hoher q-Werte meist nicht mehr
deutlich ausgepr¨
agte Peaks, wie man sie nach der Simulation erwarten w¨
urde.
Schon der erste Peak hat eine etwas geringere Intensit¨
at, jedoch ist die Streuin-
tensit¨
at im Bereich vor dem ersten Peak deutlich erh¨
oht. Besonders stark aus-
gepr¨
agt ist dieser Effekt bei den beiden Proben TS-B und BG16C. Dies k¨
onnte
auf eine Ver¨
anderung des Dichteprofils des adsorbierten Filmes vor der Poren-
kondensation hindeuten. In diesem Falle w¨
are das hier zugrunde gelegte einfache
Kastenprofil zur Beschreibung nicht mehr ausreichend. Eine andere m¨
ogliche Er-
kl¨
arung f¨
ur das beobachtete Verhalten w¨
are die Auff¨
ullung von einigen engeren
Poren vor dem Einsetzen der Porenkondensation in allen anderen Poren. Hier-
durch w¨
urde die Fernordnung in dem Material gest¨
ort, was zu einer Verbreiterung
und Abschw¨
achung der Bragg-Peaks f¨
uhren sollte.
Abbildung 5.29.: Gleichgewichts-t-Schicht nach der Beschreibung von Broekhoff und
de Boer [Broe67]. Als gestrichelte Linie sind zum Vergleich wieder der Verlauf der
t-Schicht nach der Halsey- und der Harkins-Jura-Gleichung eingezeichnet.
202
5.4. Diskussion
Nahordnungs-Ansatz
Alle Parameter f¨
ur die Simulation der SANS-Streukurven mit dem Nahordnungs-
Ansatzes sind in Tabelle 5.6 zusammengefaßt. Die nach der Probenbezeichnung
folgende Spalte gibt den Abstand der Porenmittelpunkte a0aus der R¨
ontgendif-
fraktion und die Parameter f¨
ur den Strukturfaktor nach Rosenfeld (R,ηund σ),
die bei der Simulation der Schichtdicke nicht mehr ver¨
andert werden, an. In den
n¨
achsten drei Spalten sind Werte f¨
ur die Porenweite des Materials angegeben,
wobei die Porenweite aus den simulierten Kurven mit der Porenweite aus den
Modellen von Dollimore & Heal [Doll73] und Broekhoff de Boer [Broe67] ver-
glichen wird. Dabei entspricht die simulierte Porenweite dem Querschnittsradius
r, der in den Formfaktor der Zylinder eingeht (siehe Gl. 5.4). In der folgenden
Spalte der Tabelle ist der relative Druck angegeben, f¨
ur den die Schichtdicke des
adsorbierten Stickstoffs nach Dollimore & Heal (D&H) bzw. Barret, Joyna und
Halenda (BJH) [Barr51] berechnet wurden. Diese Werte k¨
onnen mit den aus der
Simulation der Streukurven erhaltenen Schichtdicken verglichen werden. Die bei-
den Modelle zur Bestimmung der Porenweite aus der Stickstoff-Isotherme wurden
Tabelle 5.6.: Zusammenstellung der Ergebnisse des Nahordnungs-Ansatzes: d: Poren-
weite; t-Schicht: adsorbierter Fl¨
ussigkeitsfilm; σ: Unsch¨
arfe der Zylinderdurchmesser
(Porenweitenverteilung); η: Packungsdichte der Scheiben; RRo: Radius der Scheiben
aus dem Rosenfeldansatz; a0: Abstand der Porenmittelpunkte. Einzelheiten siehe Text.
Probe d / nm p/p0t-Schicht / nm
D&H BdB Sim D&H BJH Sim
TS-B a0= 9,3nm 6,7 5,9 6,8
RRo = 4,2nm 0,06 0,52 0,34 0,34
η= 0,70 0,29 0,69 0,50 0,51
σ=0,6 0,69 1,03 0,85 0,85
PS-D a0= 10,7nm 7,8 6,8 7,8
RRo = 4,9nm 0,00 0,00 0,00 0,00
η= 0,71 0,38 0,74 0,55 0,59
σ= 0,6 0,67 1,00 0,82 0,86
PS-G a0= 12,3nm 11,7 10 10,2
RRo = 5,4nm 0,00 0,00 0,00 0,00
η= 0,72 0,06 0,52 0,33 0,51
σ=0,9 0,73 1,08 0,91 1,43
0,83 1,28 1,09 1,68
203
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
als Vergleich mit in die Tabelle aufgenommen, da das Modell von Dollimore &
Heal eine maximale und das Modell von Barret, Joyna und Halenda eine minima-
le t-Schicht aller Modelle liefert (siehe Abb. 2.4.1). Die simulierten Schichtdicken
der letzten Spalte ergeben sich aus einer Verringerung des Radius im Formfaktor
der Zylinder (Gl. 5.4) um die entsprechende Schicht.
Die nach Dollimore & Heal und der Annahme eines sph¨
arischen Meniskus des
Porenfluides aus dem Adsorptionsast der Stickstoff-Isothermen bestimmten Po-
renweiten stimmen f¨
ur die Materialien TS-B und PS-D mit denen der Simulation
¨
uberein. F¨
ur das Material PS-G liefert die Simulation dagegen einen um ca. 1,5
nm kleineren Wert. Vergleicht man außerdem die aus der Simulation ermittelten
Schichtdicken mit den theoretischen Schichtdicken aus den Adsorptionsmodellen
(Abb. 5.30), erh¨
alt man f¨
ur die ersten beiden Materialien (TS-B und PS-D) eine
sehr gute ¨
Ubereinstimmung mit der Harkins-Jura Gleichung (BJH-Modell), bei
der letzteren Substanz (PS-G) dagegen etwas zu große Schichtdicken. Dies kann
auch im Rahmen des Nahordnungs-Modells durch die Vorgabe eines zu großen
Wertes der Porenweite verursacht sein. W¨
urde man z.B. statt der verwendeten
10,2 nm eine Porenweite von 9,8 nm annehmen, so w¨
urde sich die t-Schichtdicke
um 0,2 nm verringern und im Bereich der von den Modellen vorhergesagten Dicke
liegen.
Abbildung 5.30.: t-Schicht aus der Rosenfeld-Simulation im Vergleich mit der t-Schicht
aus zwei Adsorptionsmodellen.
204
5.4. Diskussion
5.4.3. Die G¨
ultigkeit der Kelvin-Gleichung
Die Kelvin-Gleichung, welche die Ver¨
anderung des Dampfdrucks eines Fl¨
ussigkeit-
stropfens bei gekr¨
ummter Oberfl¨
ache beschreibt, wurde 1870 von W.T. Thomson
(dem sp¨
ateren Lord Kelvin) ver¨
offentlicht. Die Gleichung beschreibt sowohl die
Erh¨
ohung des Dampfdrucks kleiner Tr¨
opfchen, wie auch die Erniedrigung des
Dampfdrucks von Fl¨
ussigkeiten in engen Kapillaren im Fall der Benetzung der
Porenwand durch die Fl¨
ussigkeit. Die Gleichung beruht auf einer rein thermody-
namischen Betrachtung und ist daher streng genommen nur auf Tr¨
opfchen bzw.
Kapillaren makroskopischer Gr¨
oße anwendbar. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts
wurde diese Gleichung dann auch f¨
ur die Charakterisierung von mesopor¨
osen
Materialien verwendet (z.B. [Fost32,Coha44]). Dabei wurden die Poren als ideale
Zylinder angenommen, an deren Wand ein Fl¨
ussigkeitsfilm adsorbiert ist, und in
denen der Meniskus zwischen fl¨
ussiger Phase und Gasphase in den Poren durch
den Kelvin-Radius rKgegeben ist. Im Lauf der Zeit, angefangen bei Barret, Joy-
na und Hallender [Barr51], ¨
uber Dollimore und Heal [Doll64], Broekhoff und de
Boer [Broe67] und in den neuesten Arbeiten zu diesem Thema durch Kruk und
Abbildung 5.31.: Die bei den SANS-Messungen gefundenen korrigierten Werte des
Kelvin-Radius in Abh¨
angigkeit vom relativen Druck (siehe auch Tabelle 5.7) im Ver-
gleich zu den theoretischen Werten aus der Kelvin-Gleichung f¨
ur einen zylindrischen
und einen sph¨
arischen Radius.
205
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Jaroniec [Kruk97a], wurde versucht, diese Gleichung an die jeweils besten ex-
perimentellen Daten anzupassen, die meist durch neue Materialien zug¨
anglich
wurden.
Der in diesem Kapitel beschriebene Weg zur Ermittlung der Porenweite folgt
nicht dieser Theorie und basiert auf der Analyse von Streukurven. In Abbildung
5.31 sind die erhaltenen inneren Porenradien, d.h. die Differenz von dem Poren-
radius und der bei dem entsprechenden Druck gefundenen t-Schicht gegen den
relativen Druck p/p0aufgetragen und mit den Werten des Kelvin-Radius, wie
er sich aus der Kelvin-Gleichung (Gl. 2.2) ergibt, verglichen. Die punktierte Li-
nie entspricht dabei der Kelvin Gleichung f¨
ur einen sph¨
arischen Radius, wie er
in der klassischen Vorstellung bei der Desorption vorliegt; die gestrichelte Linie
entspricht der Annahme eines zylindrischen Radius, der dem Zustand bei der
Adsorption zugeschrieben wird.
Wie man in der Abbildung sehen kann, entsprechen die nach dem neuen
Verfahren erhaltenen Verl¨
aufe des Adsorptions- und Desorptionsastes nicht der
Kelvin-Gleichung f¨
ur einen sp¨
arischen oder zylindrischen Radius. Bei niedrigen
relativen Dr¨
ucken sind die gefundenen Werte des inneren Radius gr¨
oßer als sie
von der Kelvin-Gleichung vorhergesagt werden. Es f¨
allt auf, daß im zug¨
angli-
chen Porenweitenbereich ein nahezu linearer Zusammenhang zwischen relativem
Druck der Porenkondensation und der Porenweite besteht. Es ist aber zu erwar-
ten, daß bei h¨
oheren relativen Dr¨
ucken auch bei der in dieser Arbeit gefundenen
Abh¨
angigkeit eine Kr¨
ummung der Kurve, ¨
ahnlich wie bei der Kelvin-Gleichung
auftritt, und in die Kelvin-Gleichung ¨
ubergeht, da diese f¨
ur makroskopische Sy-
steme g¨
ultig ist.
Damit stellt sich die Frage, bis zu welcher minimalen Porenweite die Kelvin-
Gleichung g¨
ultig ist. In der Literatur wurden f¨
ur diese untere Grenze Werte zwi-
schen 4 nm [Take97] und 8 nm [Fish81,Mors89] angegeben. Wenn man das im
vorangegangenen Abschnitt diskutierte Verhalten der Streukurven direkt vor der
Porenkondensation in Betracht zieht, kann man nicht ausschließen, daß durch ei-
ne Ver¨
anderung im Dichteprofil der adsorbierten Schicht (wie in Abbildung 5.32
angedeutet) an dem Punkt der Porenkondensation, der innere Radius so weit
verkleinert wird, daß dieser doch der Kelvin-Gleichung entspricht.
206
5.4. Diskussion
Abbildung 5.32.: M¨
ogliche Dichteprofile des Stickstoffs in einer Pore kurz vor der Po-
renkondensation. a) Stufenprofil mit klar definiertem Kelvin-Radius; b) durch z.B. Mo-
dulation des adsorbierten Filmes auftretendes kontinuierliches Profil.
5.4.4. Korrigierte Porenweiten
Im vorangegangenen Abschnitt wurde gezeigt, daß sich die Porenweite mit Hilfe
der Kelvin-Gleichung nicht ohne zus¨
atzliche Annahmen bestimmen l¨
aßt. Um eine
¨
Ubereinstimmung zwischen Theorie und Experiment zu erlangen, wurde vielfach
versucht, das einfache Modell durch spezielle Ans¨
atze der t-Schichtdicke [Broe67]
oder durch Addition eines Korrekturterms zur t-Schicht [Kruk97] zu verbessern.
In Tabelle 5.7 sind die Werte f¨
ur die Porenweiten der Materialien, die mit ver-
schiedenen Modellen aus der Literatur bestimmt wurden, mit den Porenweiten
aus der hier entwickelten Methode zusammengefaßt. Man sieht, daß f¨
ur die bei-
den Proben BGX18A und TS-B die Werte der Porenweite wie sie in dieser Arbeit
gefunden wurden, exakt mit den Werten ¨
ubereinstimmen, die nach dem Modell
von Kruk et al. ermittelt wurden. F¨
ur die Proben PS-D und PS-G gibt es da-
gegen Abweichungen zwischen beiden Verfahren, die mit steigender Porenweite
gr¨
oßer werden. Hier m man allerdings in Betracht ziehen, daß Kruk et al. die
Abh¨
angigkeit des relativen Druckes der Porenkondensation mit einem geome-
Tabelle 5.7.: Korrigierte Porenweiten und Vergleich mit aktuellen Modellen zur Be-
stimmung der Porenweite: wcorr: Porenweite aus der Intensit¨
atsverteilung der R¨
ont-
genpeaks; t-Schicht: adsorbierter Fl¨
ussigkeitsfilm; a0: Abstand der Porenmittelpunkte.
Probe a0wkorr wD&HwBdB wKruk p/p0(Ads)p/p0(Des)
/nm /nm /nm /nm /nm
BGX18A 4,92 4,2 3,7 3,5 4,2 0,415 0,415
TS-B 9,33 7,2 6,7 5,9 7,2 0,66 0,59
PS-D 10,74 8,0 7,8 6,8 8,3 0,71 0,64
PS-G 12,27 9,5 11,7 10,0 12,1 0,81 0,74
207
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
trischen Ansatz (siehe auch Kapitel 2.4.1) kalibriert haben, der auf einem Satz
von MCM-41 Materialien mit einer Porenweite bis maximal 6,5 nm beruhte. Das
heißt, daß ihr Modell zur Bestimmung der Porenweite genau genommen nur bis
6,5 nm g¨
ultig ist. Innerhalb dieses Bereiches stimmen die hier gewonnenen Er-
gebnisse mit denen von Kruk et al. ¨
uberein. Festzuhalten ist bei der Methode von
Kruk et al., daß dies ein rein empirischer Versuch ist, die Porenweite eines Ma-
terials aus dem Adsorptionsast der Isothermen zu bestimmen, der zwar von der
Kelvin-Gleichung und einer adsorbierten Schicht ausgeht, aber eine physikalisch
nicht erkl¨
arbare Korrektur der Filmdicke von 0,3 nm enth¨
alt.
In Abbildung 5.33 sind die korrigierten Porenweiten der vier Materialien in
Abh¨
angigkeit von den relativen Dr¨
ucken der Stufen im Adsorptions- und Desorp-
tionsast der Stickstoffisothermen aufgetragen und mit drei gebr¨
auchlichen Model-
len zur Bestimmung der Porenweite verglichen. Die gepunktete Kurve entspricht
der Bestimmung der Porenweite aus dem Desorptionsast der Isothermen nach
dem BJH-Modell, welches noch immer der aktuellen DIN Norm zugrunde liegt.
Dieses Modell untersch¨
atzt die in dieser Arbeit gefundene Porenweite teilwei-
se um mehrere Nanometer, bei gr¨
oßeren Porenweiten n¨
ahern sie sich aber an.
Abbildung 5.33.: Abh¨
angigkeit der Porenweite vom Druck der Kondensations- bzw. Ver-
dampfungssstufe aus dieser Arbeit im Vergleich mit Modellen zur Bestimmung der Po-
renweite.
208
5.4. Diskussion
Es kann durchaus m¨
oglich sein, daß mit Hilfe dieses Modells die Porenweiten
¨
uber 20 nm richtig beschrieben wird, da auch andere Meßmethoden wie z.B. die
Quecksilberintrusion Porenweiten in ¨
Ubereinstimmung mit diesem Modell zeigen
[Wall81].
Die Bestimmung der Porenweite aus dem Adsorptionsast nach der Methode
von Broekhoff und de Boer ist durch die gestrichelte Kurve repr¨
asentiert. Hier
werden die Porenweiten f¨
ur Materialien bis ca. 9 nm Porenweite untersch¨
atzt, bei
9 nm schneidet sich die Kurve dieses Modells mit der in dieser Arbeit gefundenen
Kurve.
Die durchgezogene Linie entspricht dem von Kruk et al. vorgeschlagenen
Modell. Hier findet man bis zu einem relativen Druck der Kondensationsstu-
fe (Adsorptionsast) von ca. 0,7 eine sehr gute ¨
Ubereinstimmung mit den hier
gefundenen Werten. Bei h¨
oheren Dr¨
ucken bzw. gr¨
oßeren Porenweiten wird die
Porenweite allerdings stark ¨
ubersch¨
atzt.
Die Abh¨
angigkeit von Porenweite und relativem Druck zeigen bei den un-
tersuchten Materialien einen fast linearen und keinen exponentiellen Verlauf, wie
bei den auf der Kelvin-Gleichung basierenden Modellen. Das abweichende Verhal-
ten kann seinen Ursprung in der Abh¨
angigkeit der in der Kelvin-Gleichung ver-
wendeten Stoffparameter wie der Oberfl¨
achenspannung γoder auch des Dichte-
unterschiedes von fl¨
ussiger und Gasphase haben, die im atomaren Maßstab, der
bei den kleinen Mesoporen vorliegt, ihre Definitionsgrundlage verlieren.
5.4.5. Streukurven der evakuierten Proben und die
Wandstruktur der Proben
Ein noch nicht gekl¨
arter Aspekt der Struktur der hexagonal geordneten meso-
por¨
osen Materialien ist der genaue Aufbau der Porenw¨
ande. Bei den MCM-41
Materialien wird u.a. vermutet, daß die Porenw¨
ande aus tetraedrischen und ok-
taedrischen SiO2-Einheiten aufgebaut sind [Fu95]. Diese Vermutung ist aber nicht
durch r¨
ontgenographische Untersuchungen ¨
uber die Ordnung der Atome in dem
Wandmaterial abgesichert. Ein weiterer Punkt ist die Frage nach dem Vorhanden-
sein von Mikroporen in den W¨
anden der Mesoporen. W¨
ahrend bei den MCM-41
Materialien von einem geringen Mikroporenanteil ausgegangen wird, wird bei
den SBA-15 Materialien vermutet, daß die Polyethylenoxid-Ketten der Triblock-
209
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
Copolymere w¨
ahrend der Synthese in die ortho-Silikatphase hineinragen und bei
der Kalzinierung (dem Verbrennen des Copolymers) Mikroporen hinterlassen.
Diese Mikroporen k¨
onnten entweder gleichm¨
aßig ¨
uber das gesamte Wandmateri-
al verteilt sein (Ravikovitch et al. [Ravi01]) oder eine Art Corona um die Poren
bilden, in der die Dichte des Wandmaterials geringer als im Zentrum der Poren-
wand ist (Imp´eror-Clerc et al. [Imp´e00]).
Das Modell von gleichm¨
aßig verteilten Mikroporen in Folge der in die
Wand ragenden Polyethylenoxid-Ketten ist aus Sicht der Synthese nicht plau-
sibel. Wenn sehr viele Ketten gleichm¨
aßig bis zur Mitte in die Wand hinein-
ragen, w¨
urde bei der Kalzinierung kein mechanisch stabiles Produkt entstehen.
F¨
ur eine solche Struktur m¨
ußte man davon ausgehen, daß nur die hydrophoben
Anteile des Copolymers die hexagonalen Poren wiedergeben, die sich in einer
Polyethylenoxid/ortho-Silikat-Matrix bef¨
anden. Von einigen Autoren wird sogar
die Meinung vertreten, daß die parallel angeordneten Mesoporen miteinander
¨
uber engere Mesoporen verbunden sind (Kruk et al. [Kruk00a]). Als Beweis f¨
ur
die Existenz solcher Verbindungsporen werden Platin- [Ryoo00] und Kohlenstoff-
Replikate [Jun00] herangezogen, die wie das Ursprungsmaterial Bragg-Reflexe
zeigen. Direkt gezeigt werden die Verbindungsporen mit dieser Methode nicht.
Wenn diese Verbindungsporen zwischen den großen Mesoporen den Abdruck
stabilisieren sollen, m es sehr viele davon geben. Dies w¨
urde ein sehr großes
Mikroporenvolumen bedeuten und der Ursprung dieser Verbindungen m¨
ußten
mehrere parallele Polyethylenoxid-Ketten sein. Damit w¨
are aber eine regelm¨
aßig
Struktur der Materialien, wie sie in einigen rasterelektronenmikroskopischen Auf-
nahmen (Abschnitt 2.4.3) zu erkennen ist, wahrscheinlich nicht zu erreichen. Ur-
sache der Stabilit¨
at von Replikaten kann auch das Vorhandensein von Rissen in
den Kristalliten sein, die die Replikazylinder zusammenhalten.
Das Corona-Modell ist aus Sicht der Synthese plausibler als das Mo-
dell der gleichm¨
aßig verteilten Poren. Dabei stellt sich allerdings die Fra-
ge, wie dick diese die Poren umgebende Corona ist. Die in der Arbeit von
Imp´eror-Clerc et al. [Imp´e00] aus den Fit-Prozeduren erhaltenen Porenwei-
ten und Corona-Schichtdicken sind nicht v¨
ollig konsistent mit den Stickstoff-
Adsorptionsisothermen in diesen Materialien (siehe auch [Ravi01]). Im Prinzip
kann diese Corona auch als eine erh¨
ohte Oberfl¨
achenrauhigkeit der SBA-15 Ma-
terialien angesehen werden, wie sie - im Gegensatz zu den MCM-41 Materialien
- aus NMR-Untersuchungen erhalten wird (Kapitel 2.4.5).
210
5.5. Zusammenfassung
Letztendlich bleibt die Frage, welchen Einfluß die genaue Wandstruktur auf
die Streukurven hat. Im Bezug auf die Stickstoffadsorption und die Streukurven
bei unterschiedlichen Dr¨
ucken kann man davon ausgehen, daß schon bei geringen
Dr¨
ucken (p/p0<0,1) alle Mikroporen mit Stickstoff gef¨
ullt werden. F¨
ur die
Messungen bei h¨
oheren Gasdr¨
ucken ist es damit praktisch nicht relevant, welche
Struktur die Wand aufweist, da bez¨
uglich der Streul¨
angendichte bei gef¨
ullten
Mikroporen eine homogene Wand vorliegt.
Betrachtet man nun die Streukurven der evakuierten Proben, so weisen sie ein
von allen anderen Streukurven leicht differenziertes Verhalten auf. Die Intensit¨
at
der Streukurven evakuierter Proben ist bei kleinen q-Werten etwas geringer, die
Intensit¨
at des ersten Peaks ist etwas geringer und bei h¨
oheren q-Werten liegt die
Intensit¨
at ¨
uber der der Proben mit einem adsorbierten Stickstofffilm.
Das Verh¨
altnis der einzelnen Peaks zueinander ist allerdings bei den Streu-
kurven der evakuierten Probe und der Probe bei geringen Gasdr¨
ucken (ca. 50
Torr) nahezu identisch. W¨
urde bei den Materialien tats¨
achlich eine ausgepr¨
agte
mikropor¨
ose Corona vorliegen, w¨
urde man bei einem Vergleich dieser beiden
Streukurven nach Gleichung 5.12 eine deutliche Variation der Peakintensit¨
aten
erwarten, da sich auf einen Schlag die Dichte der Corona durch die Kondensation
des Stickstoffs in den Mikroporen ver¨
andern w¨
urde.
Daraus folgt, daß der Wandaufbau der SBA-15 Materialien wahrscheinlich
homogen ist und ¨
uber einen Mikroporenanteil verf¨
ugt der sich aus der Ober-
fl¨
achenrauhigkeit und Mikroporen in den W¨
anden zusammensetzt. Die Mikro-
poren in den W¨
anden sind aber wahrscheinlich nicht Folge der in die Wand ra-
genden Polyethylenoxid-Ketten, sondern eher eine Folge der Polykondensation
der ortho-Kiesels¨
aure, bei der Wasser freigesetzt wird, oder anderer Ordnungs-
vorg¨
ange w¨
ahrend der Synthese oder Kalzinierung.
5.5. Zusammenfassung
Mit Hilfe der R¨
ontgen- und Neutronen- Kleinwinkelstreuung wurde die Adsorp-
tion von Gasen in por¨
osen Silika-Materialien studiert. Die Streukurven dieser
Materialien zeigen eine charakteristische Entwicklung in Abh¨
angigkeit von der
adsorbierten Menge an Gas, die vom Gasdruck am Probenort abh¨
angt. Die Ad-
sorption von Stickstoff bei 77 K wurde mit der Neutronen-Kleinwinkelstreuung
211
5. In-situ Kleinwinkelstreuung
untersucht, da sich hier durch die ¨
ahnlichen Streul¨
angendichten von Stickstoff und
dem SiO2-Wandmaterial der 2D-hexagonal geordneten por¨
osen Silika-Materialien
die Entwicklung der Streukurven durch ein einfaches kristallographisches Mo-
dell beschreiben l¨
aßt. Hier kann der durch die Adsorption eines Stickstoff-Films
kleiner werdende Radius der Zylinderporen in diesen Materialien durch den kri-
stallographischen Ansatz simuliert werden. Bei dieser Simulation kann man die
Ver¨
anderung der Intensit¨
aten einzelner Bragg-Peaks des 2D-hexagonalen Gitters
beobachten, die auch in den Streukurven gefunden wird.
Weiterhin wurde auch gezeigt, daß sich die selbe Entwicklung der Streukur-
ven mit zunehmender Adsorption eines Gases auch bei der Verwendung von Di-
brommethan als Gas und der Untersuchung mittels R¨
ontgen-Kleinwinkelstreuung
ergibt.
Der kristallographische Ansatz erlaubt eine genaue Absch¨
atzung der Poren-
weite dieser Materialien, die nicht von Adsorptionsmodellen abh¨
angt und man
erh¨
alt aus ihm die Dicke des an den Porenw¨
anden adsorbierten Filmes. Die in
dieser Arbeit erhaltenen Filmdicken des adsorbierten Stickstoffs stimmen mit den
Schichtdicken aus den Adsorptionsmodellen von z.B. Harkins-Jura oder Halsey im
Rahmen der Genauigkeit, mit der sie bestimmt werden k¨
onnen ¨
uberein. Die hier
erhaltene Abh¨
angigkeit der Porenweiten vom relativen Druck des Gases l¨
aßt sich
nicht aus der Kombination der Adsorptionsmodelle und der Kelvin-Gleichung
erhalten. Sie zeigt im Bereich von 4 nm bis 7 nm eine exakte ¨
Ubereinstimmung
mit der Porenweite bestimmt nach einem empirischen Modell von Jaroniec und
Kruk [Kruk97a], welches auf Materialien in diesem Porenweitenbereich basiert,
und zeigt Abweichungen bei Materialien mit gr¨
oßeren Porenweiten. Die erhal-
tenen Streukurven deuten nicht auf eine Strukturierung des Wandmaterials der
SBA-15 Materialien entsprechend eines Corona-Modelles, welches von Imp´eror-
Clerc et al. [Imp´e00] vorgeschlagen wird, hin.
212
6. Ausblick
Die vorliegende Arbeit beschreibt Untersuchungen zum Phasenverhalten von rei-
nen Stoffen in mesopor¨
osen Silika-Materialien, welche offene Zylinderporen ein-
heitlicher Porenweite besitzen. Solche Materialien mit einheitlicher Porengeome-
trie und Porenweite sind erforderlich f¨
ur eine zuverl¨
assige Kl¨
arung des Zusam-
menhangs von Phasen¨
ubergangstemperaturen oder -dr¨
ucken mit der Porenweite.
Allerdings sind solche wohldefinierten mesopor¨
osen Materialien erst mit dem tem-
platgesteuerten Sol-Gel-Verfahren zug¨
anglich geworden, wie sie in den vergange-
nen 10 Jahren ausgearbeitet wurden. Auf diesem Weg wurden hier MCM-41 und
SBA-15 Materialien im Porenweitenbereich 2 bis 10 nm hergestellt. Zum Studi-
um des Einflusses der Teilchen-Wand-Wechselwirkung auf das Phasenverhalten
wurden auch Materialien mit chemisch modifizierter Porenwand hergestellt.
Die im Rahmen dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Untersuchungen zur Poren-
kondensation von Gasen und zum Porengefrieren von Fl¨
ussigkeiten zeigen deut-
lich die Ver¨
anderung des Phasenverhaltens in diesen por¨
osen Materialien und
erm¨
oglichen eine verl¨
aßliche Pr¨
ufung von theoretischen Ans¨
atzen zur Beschrei-
bung des Phasenverhaltens in begrenzten Geometrien. Generell w¨
are eine Aus-
dehnung aller Messungen auf Materialien mit noch gr¨
oßerer Porenweite hilf-
reich f¨
ur das Verst¨
andnis des Phasenverhaltens, da der zur Verf¨
ugung stehen-
de Porenweitenbereich immer noch sehr begrenzt ist. Dies zeigt sich besonders
deutlich bei der Untersuchung der Stickstoffadsorption mittels der Neutronen-
Kleinwinkelstreuung (SANS). Gerade bei den weitporigen SBA-15 Materialien
weisen die SANS-Ergebnisse darauf hin, daß eine realistische Beschreibung der
Abh¨
angigkeit des relativen Porenkondensationsdrucks von dem Porenradius, wie
sie z.B. von Kruk et al. versucht wurde, noch nicht gefunden ist.
Neben der Bereitstellung von Materialien mit Porenweiten gr¨
oßer 10 nm
kann bei den SANS-Experimenten auch eine Weiterentwicklung des Meßaufbaus
213
6. Ausblick
zu der Untersuchung eines gr¨
oßeren Porenweitenbereichs beitragen. Der Meßbe-
reichs bei dem SANSADSO-Meßaufbau ist durch die Konstruktion des Ther-
mostatisiergef¨
aßes eingeschr¨
ankt. Daher k¨
onnen nur Streukurven bis zu einem
maximalen Streuvektor q= 3,5nm1aufgenommen werden, obwohl das V4
Instrument am HMI grunds¨
atzlich Messungen bis q= 8,5nm1erm¨
oglicht.
Mit einem entsprechenden Umbau der SANSADSO-Anlage w¨
urden sich auch
bei den engerporigen MCM-41 Materialien Bragg-Peaks h¨
oherer Ordnung be-
obachten lassen und somit auch die Analyse bez¨
uglich der Porenweite und der
Dicke des adsorbierten Stickstofffilms erm¨
oglichen. Prinzipiell w¨
aren Messungen
zur Stickstoffadsorption in den geordneten mesopor¨
osen Materialien auch an ei-
nem Neutronen-Diffraktometer sinnvoll, da dort die Wellenl¨
angenverschmierung
der Neutronen deutlich geringer ist und damit eine quantitative Auswertung der
Streukurven besser m¨
oglich sein sollte.
Die Adsorption und Porenkondensation von CHF3, C2F6, CO2und SF6in
den MCM-41 und SBA-15 Materialien wurde mit einer gravimetrischen Meß-
methode untersucht. Hier zeigte sich der Porenweitenbereich der zur Verf¨
ugung
stehenden Materialien als ausreichend, da die Porenkondensationsstufe der Ga-
se in den unterschiedlichen Materialien in einem Druckbereich von p/p00,2
bis 0,9, und damit den gesamten hier interessierenden Bereich, auftrat. Hier sind
aber weitere systematische Isothermen-Messungen im Bereich der Sorptionshy-
sterese in engen Temperaturabst¨
anden, sowie auch Scanning-Kurven im Bereich
des Hysterese-Loops, interessant, die zur Kl¨
arung der Frage nach dem Ursprung
der Sorptionshysterese beitragen k¨
onnen. Auch der Einfluß der Porenoberfl¨
ache
auf das Phasenverhalten ist bisher erst ansatzweise untersucht. Die Messungen
an Materialien mit unterschiedlichen Porenoberfl¨
achen k¨
onnen auf dem Gebiet
der Gastrennung interessante Anwendungen liefern.
Adsorptionsmessungen mit den verwendeten Gasen bei tiefen Temperatu-
ren an besonders engporigen MCM-41 Materialien haben gezeigt, daß diese sich
zur Charakterisierung von mikropor¨
osen Materialien besser eignen als die klas-
sische Stickstoffadsorption, da durch die unterschiedliche Affinit¨
at des Meßgases
zur Porenwand bei den untersuchten Systemen Kondensationsstufen auftraten,
die mit Stickstoff nicht beobachtet werden konnten. Außerdem bietet die hier
eingesetzte gravimetrische Meßmethode die M¨
oglichkeit einer einfachen Untersu-
chung der Adsorptionskinetik, die in unterschiedlichen Porensystemen (Netzwer-
ken, blockierten Poren und Zylinderporen) unterschiedlich sein kann. Sie k¨
onnte
214
damit zu einer besseren Unterscheidung der verschiedenen Typen von Adsorben-
tien f¨
uhren.
Der fest/fl¨
ussig Phasen¨
ubergang einfacher molekularer Stoffe wurde im Rah-
men dieser Arbeit mittels der DSC untersucht. Mit dieser Methode kann die Tem-
peratur von Phasen¨
uberg¨
angen sehr genau bestimmt werden. ¨
Uber die Struktur
des in den Porenr¨
aumen gebildeten Festk¨
orpers kann diese Methode naturgem¨
aber keinen Aufschluß geben. Durch Diffraktionsmessungen k¨
onnen Informatio-
nen zur Anordnung von Molek¨
ulen erhalten werden, die in der Literatur bisher
nur f¨
ur relativ kleine Molek¨
ule (Wasser, Argon) in MCM-41 und in ungeord-
neten Materialien gezeigt wurde. Aufschl¨
usse zum komplexen Gefrierverhalten
von Wasser in nicht vollst¨
andig gef¨
ullten Poren k¨
onnten mit dieser Meßmetho-
de gewonnen werden, und auch die Ursache f¨
ur das Auftreten mehrerer Peaks
beim Schmelzen und Gefrieren der Benzolderivate in nativen und modifizierten
Materialien k¨
onnte gekl¨
art werden. Hierzu ist es erforderlich, eindeutig zwischen
dem Vorhandensein von Wand- und core-Phase oder dem Gefrieren des gesamten
Porenfluids mit nachfolgender Umlagerung zu unterschieden. Neben der Struk-
tur des Porenfestk¨
orpers ist auch der Einfluß der Porenwand auf den fest/fl¨
ussig
Phasen¨
ubergang noch weitgehend unerforscht.
Die Messungen der Benzolderivate in den modifizierten Materialien haben
gezeigt, daß die Porenwand einen erheblichen Einfluß auf die Temperatur des
Phasen¨
ubergangs haben kann. Von theoretischen Modellen wird f¨
ur große effekti-
ve Wechselwirkungsprameter zwischen Porenwand und -fluid sogar eine Gefrier-
punkterh¨
ohung vorhergesagt. Diese ist allerdings bis jetzt nur f¨
ur Substanzen in
Mikroporen (Tetrachlormethan in ACF) beobachtet worden. Es bleibt abzuwar-
ten, ob eine Gefrierpunkterh¨
ohung auch f¨
ur mesopor¨
ose Systeme gefunden werden
kann.
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227
A. Abk¨
urzungen
˚
A˚
Angstrøm
a0L¨
ange der Elementarzelle; entspricht dem Abstand
der Porenmittelpunkte bei den hexagonal geordneten Materialien
as(BET) spezifische Oberfl¨
ache nach Brunauer, Emmet und Teller
BdB Brokhoff & de Boer
BJH Barret, Joyner und Halender
CPG Controlled Pore Glas
CxTAB Alkyl-Trimethylammoniumbromid; x: Anzahl der Kohlenstoffatome
in der Alkylkette
d100 Netzebenenabstand aus XRD-Messungen
D & H Dollimore & Heal
DSC Differential Scanning Calorimetrie
Porosit¨
at
ηPackungsdichte
Φ F¨
ullungsgrad
hmolare Schmelzenthalpie
γOberfl¨
achenspannug
H2OWasser
HMDS Hexamethyldisilazan, HN(Si(CH3)3)2
HPLC High Pressure (Performance) Liquid Chromatography
MAS Magic Angle Spinning
MCF Meso-Cellular-Foam
NMR Nuclear Magnetic Resonance
pDruck
p0Dampfdruck
229
A. Abk¨
urzungen
p/p0relativer Druck
qStreuvektor
r(K), R (Kelvin)-Radius
ρDichte
REM Raster Electron Microscopy
σVarianz
SEntropie
SANS Small Angle Neutron Scattering
SAXS Small Angle X-ray Scattering
Sfb Sonderforschungsbereich
STP Standard Temperature and Pressure
tZeit
TTemperatur
Tckritische Temperatur
Tch Hysterese-kritische Temperatur
Tcp porenkritische Temperatur
ϑKontaktwinkel
θStreuwinkel
τ0Zugspannung
TG Thermogravimetrie
TEM Transmission Electron Microscopy
TEOS Tetraethylorthosilikat
TMB Trimethylbenzol
TU Technische Universit¨
at (Berlin)
vl,g Molvolumen einer Fl¨
ussigkeitl, eines Gasesg
vpspezifisches Porenvolumen
wPorenweite
XRD X-Ray Diffraction
230
B. Reaktionsbedingungen
weiterer Synthesen
In diesem Abschnitt sind die Synthesebedingungen der meisten im Rahmen dieser
Arbeit durchgef¨
uhrten Synthesen von mesopor¨
osen Materialien aufgef¨
uhrt. Da die
Synthesen im wesentlichen dazu dienten, einen Satz von unterschiedlichen Mate-
rialien f¨
ur das Studium des Phasenverhaltens von Stoffen in Nanoporen bereit-
zustellen, sind die Versuchsbedingungen teilweise nicht konsequent systematisch
ge¨
andert worden. Um einen ¨
Uberblick ¨
uber den Einfluß der Versuchsbedingun-
gen zu bekommen sind auch Materialien, die nicht bei den Untersuchungen zum
Phasenverhalten verwendet wurden, mit aufgef¨
uhrt.
B.1. MCM-41
Alle aufgef¨
uhrten MCM-41 Synthesen wurde nach der Methode von Gr¨
un et al.
[Gr¨
un97] durchgef¨
uhrt. Am Anfang der Tabelle B.1 ist die Volumen-, Gewichts-
und Mol-Zusammensetzung des urspr¨
unglichen Reaktionsgemischs angegeben. In
Tabelle B.3 sind Synthesen aufgef¨
uhrt, bei denen die Tensidkonzentration und
die eingesetzte Menge an TEOS halbiert wurden. Die Porenweiten der erhaltenen
Materialien ¨
anderten sich durch diese Abwandlung der Synthese nicht, aber die
erhaltenen Produkte zeigten im allgemeinen sowohl optisch, als auch unter dem
Elektronenmikroskop eine bessere Materialhomogenit¨
at.
Bei den Synthesen wurde eine w¨
assrige L¨
osung der Alkyltrimethylammonium-
bromide hergestellt und mit Ammoniak versetzt. Diese L¨
osung wurde auf die
Temperatur T1thermostatisiert und anschließend Tetraethylorthosilikat (TEOS,
ABCR) unter starkem R¨
uhren hinzugef¨
ugt. Nach wenigen Minuten beginnt ein
231
B. Reaktionsbedingungen weiterer Synthesen
Tabelle B.1.: MCM-41 Synthesen: Zusammenstellung der Synthesebedingungen f¨
ur die
einzelnen Proben; T1/t1: Reaktionstemperatur und Zeit; T2/t2: Temperatur und Zeit
der hydrothermalen Nachbehandlung.
BG-Ansatz:
xgC1018TAB + 10,44 ml 25% NH3aq. + 10,7 ml TEOS + 120 g H2O
xgC1018TAB + 9,5g 25% NH3aq. + 10 g TEOS + 120 g H2O
xgC1018TAB + 0,14 mol NH3+ 0,05 mol TEOS + 6,66 mol H2O
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
C10TAB, 280,3 gmol1eingesetzte Menge: 1,85 g
BG10A 35C 2h 80C 3d TEOS mit Schlauchpumpe kontinu-
ierlich zugef¨
uhrt
C12TAB, 308,35 gmol1eingesetzte Menge: 2,04 g
BG12A 35C 2h 80C 3d
C14TAB, 336,4 gmol1eingesetzte Menge: 2,22 g
BG14A 35C 2h 80C 3d
C16TAB, 364,5 gmol1eingesetzte Menge: 2,41 g
BG16A 35C 2h ger¨
uhrt
BG16B 35C 2h ger¨
uhrt
BG16C 35C 2h 80C 3d ger¨
uhrt
BG16D 35C 2h 80C 3d ger¨
uhrt
BG16E 35C 2h 82C 3d ger¨
uhrt
C18TAB, 392,5 gmol1eingesetzte Menge: 2,59 g
BG18A 35C 2h ger¨
uhrt
BG18B 35C 2h ger¨
uhrt
BG18C 35C 2h 80C 3d ger¨
uhrt
Tabelle B.2.: MCM-41 Synthesen (gr¨
oßere Ans¨
atze).
C-Ansatz:
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
C14A 30C 2h 105C 48h 10 g C14TAB + 1000 ml H2O + 50 ml TEOS
+ 94 ml NH3
C16A 30C 4h 105C 48h 10 g C16TAB + 1000 ml H2O + 50 ml TEOS
+ 94 ml NH3
C16B 30C 4h 105C 48h 4,8 g C16TAB + 240 ml H2O + 480 ml TEOS
+ 42 ml NH3+2 ml Oktan
232
B.1. MCM-41
weißer Niederschlag auszufallen, der dann entsprechend weiterbehandelt werden
kann. In den Tabellen gibt T1/t1die Reaktionstemperatur und die entsprechende
Reaktionszeit an, bei der die F¨
allungsreaktion im ger¨
uhrten Gef¨
durchgef¨
uhrt
wurde. Die Werte T2/t2beziehen sich auf die hydrothermale Nachbehandlung der
L¨
osung mit dem gef¨
allten Produkt nach der Reaktion.
Tabelle B.3.: MCM-41 Synthesen mit geringerer Tensidkonzentration.
BGX-Ansatz:
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
BGX14A 35C 2h 100C 5h 5g C14TAB + 540 ml H2O + 25ml
TEOS + 47 ml NH3
BGX14B 35C 30 min. 85C 48h 5g C14TAB + 540 ml H2O + 25ml
TEOS +47 ml NH3
BGX16A 35C 4h 95C 4d 2,4g C16TAB + 240 ml H2O + 10,7
ml TEOS +21 ml NH3
BGX16B 35C 4h 95C 4d 2,4g C16TAB + 240 ml H2O + 10,7
ml TEOS +21 ml NH3
BGX16C Einfluß der Reaktionstemperatur
L¨
osung A: 10g C16TAB + 1000 ml H2O + 90 ml NH3C16
je 200 ml L¨
osung A + 8,2 ml TEOS bei 20, 25, 30 und 35C und einmal 35C
mit as synthesized Material versetzt, danach 48h im Trockenschrank
BGX18A 35C 2h 95C 3d ger¨
uhrt, 2,6 g C16TAB-15ml NH3-
10,7 ml TEOS + 180 ml H2O
BGX18B 40C 1h 95C 4d ger¨
uhrt, 2,6 g C16TAB-21ml NH3-
10,7 ml TEOS + 240 ml H2O
BGX18C 30C 1h 105C 3d im Trockenschrank, 2,6 g C16TAB +
21ml NH3+ 10,7 ml TEOS + 240
ml H2O
233
B. Reaktionsbedingungen weiterer Synthesen
B.2. SBA-15
F¨
ur die Synthese der SBA-15 Materialien wurden zwei Ethylenoxid(EO)- Propy-
lenoxid(PO) Triblock-Copolymere eingesetzt, und zwar P123 (EO20PO70EO20)
und P103 (EO17PO54EO17)(Pluronics, BASF, Mt. Olive, NJ). In den Tabellen
B.4 bis B.6 sind die Synthesebedingungen der im Text der Arbeit nicht auf-
gef¨
uhrten Probenreihen zusammengefaßt. In der Bezeichnung des Ansatzes steht
der erste Buchstabe f¨
ur das verwendete Pluronics (P P123 und T P103), der
zweite Buchstabe f¨
ur die verwendete S¨
aure (L: H2SO4, S: HCl, und P: H3PO4).
Tabelle B.4.: Weitere Versuchsreihen; Zusammenstellung der Synthesebedingungen f¨
ur
die einzelnen Proben; T1/t1: Reaktionstemperatur und Zeit; T2/t2: Temperatur und Zeit
der hydrothermalen Nachbehandlung.
PL-Ansatz: 4 g P123 + 6,5 ml 97%H2SO4+ 120 ml H2O+ 10 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PL-A 40C 24h
PL-B 35C 20h 6,4 mlH2SO49,15 ml TEOS
PL-C 35C 24h 78C 24h
PL-D 35C 24h 79C 24h +2g TMB
PL-E 35C 24h 80C 24h +3g TMB
PLX-Ansatz: 4 g P123 + 13 ml 97%H2SO4+ 240 ml H2O+ 9,2 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PLX-A 35C-40C 20h 90C 24h Reaktionstemperatur zeitweise auf
40C gestiegen
PLX-B 35C 20h 55C 24h + 1 ml TMB
PLX-C 35C 48h 90C 24h + 30 mg NH4F
PLX-D 35C 24h 95C 24h + 46 mg NH4F, + 4g TMB
PLX-E 35C 24h 80C 24h 11,85 ml TnPOS statt TEOS
PLX-F 45C 5h 108C 24h doppelter Ansatz
TS-Ansatz: 4 g P103 + 23,35 g 36%HCl + 105,3 ml H2O + 9,2 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
TS-A 40C 24h
TS-B 35C 24h 85C 48h
TS-C 35C 12h 95C 12h
TS-D 35C 24h
234
B.2. SBA-15
Tabelle B.5.: Weitere Versuchsreihen, Beschreibung s.o..
XL-Ansatz (skalierte PS-Serie)
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
XL-A 35C 3h 90C 24h 2-facher Ansatz
XL-B 35C 20h 85C 72h 2-facher Ansatz
XL-C 35C-47C 12h 95C 20h 2-facher Ansatz
XL-D 40C 24h 85C 24h 4-facher Ansatz
SO-Ansatz: PS-Serie erh¨
ohte Synthesetemperatur
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
SO-A 60C 12h 95C 20h
SO-B 50C 12h 95C 20h
TLX-Ansatz: 8g P103 +26 ml 97%H2SO4+ 480 ml H2O+ 18,4 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
TLX-1 40C 5h 108C 24h im Trockenschrank, 2-facher Ansatz
TLX-2 45C 5h 108C 24h + 1 ml TMB
PLX-Ansatz: 4 g P123 + 13 ml 97%H2SO4+ 240 ml H2O + 9,2 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PLX-A 35C-40C 20h 90C 24h Reaktionstemperatur zeitweise auf
40C gestiegen
PLX-B 35C 20h 55C 24h + 1 ml TMB
PLX-C 35C 48h 90C 24h + 30 mg NH4F
PLX-D 35C 24h 95C 24h + 46 mg NH4F, + 4g TMB
PLX-E 35C 24h 80C 24h 11,85 ml TnPOS statt TEOS
PLX-F 45C 5h 108C 24h doppelter Ansatz
235
B. Reaktionsbedingungen weiterer Synthesen
Tabelle B.6.: Weitere Versuchsreihen, Ans¨
atze mit geringeren Block-Copolymer-
Konzentrationen. Beschreibung s.o..
PSX-Ansatz: 4 g P123 + 47 g 36%HCl + 105,3 ml H2O + 9,2 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PSX-A 35C 24h 95C 24h
PSX-B 55C 63h 105C 24h im Trockenschrank
PPX-Ansatz: 4 g P123 + 7,84 g H3PO4+ 120 ml H2O + 9,14 ml TEOS
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PPX-A 35C 24h 90C 24h
Tabelle B.7.: Weitere Versuchsreihen.
PLU-Ansatz (skalierte PS-Serie und unterschiedliche Synthesebedingungen)
Ansatz T1/t1T2/t2Bemerkungen
PLU-A 25C 20h 95C 24 h 8g P123 + 480ml H2O
+ 26 ml H2SO4+ 18,4 ml TEOS
PLU-B 25C 20h 95C 72 h 8g P123 + 480ml H2O
+ 26 ml H2SO4+ 18,4 ml TEOS
L¨
osung 1: 16 g P123 + 960 ml H2O + 52 ml H2SO4
PLU-C 35C 24h 105C 24h 250 ml Lsg. 1 + 9,2 ml TEOS
PLU-D 30C 24h 105C 24h 250 ml Lsg. 1 + 9,2 ml TEOS
PLU-E 40C 24h 105C 24h 250 ml Lsg. 1 + 9,2 ml TEOS
PLU-F 30C 24h 90C 24h 250 ml Lsg. 1 + 9,2 ml TEOS
L¨
osung 2: 8 g P123 + 960 ml H2O + 52 ml H2SO4
PLU-G 35C 24h 95C 24h 550 ml Lsg. 2 + 9,2 ml TEOS
PLU-H 35C 24h 60C 24h 550 ml Lsg. 2 + 9,2 ml TEOS
L¨
osung 3: 4 g P123 + 960 ml H2O + 52 ml H2SO4
PLU-I 35C 24h 95C 24h 250 ml Lsg. 3 + 2,3 ml TEOS
PLU-J 35C 24h 60C 24h 250 ml Lsg. 3 + 2,3 ml TEOS
236
C. Charakterisierung der
Materialien
In diesem Abschnitt sind die Daten der MCM-41 und SBA-15 Materialien zu-
sammengestellt, die aus der Charakterisierung mit der N2-Adsorption und der
R¨
ontgen-Diffraktion erhalten wurden. F¨
ur die vorliegenden geordneten Materia-
lien liefert die R¨
ontgenbeugung des 2D hexagonalen Gitters die Elementarzel-
lenl¨
ange a0. Fast alle N2-Adsorptionsmessungen wurden mit einem Gemini 2375
Ger¨
at (Micromeritics) durchgef¨
uhrt. In Abschnitt C.4 ist exemplarisch ein Meß-
protokoll einer solchen Messung aufgef¨
uhrt.
In den beiden Spalten der Tabellen nach dem Probennamen sind die relativen
Dr¨
ucke p/p0der Stufen der Adsorption und der Desorption, soweit bei den Iso-
thermen zu beobachten, aufgef¨
uhrt, da dies die prim¨
aren Meßgr¨
oßen bez¨
uglich
der Porenweite der Materialien sind. Danach sind die Porenweiten wder Mate-
rialien nach drei verschiedenen Modellen bestimmt. Das gesamte Porenvolumen
vgesamt
Pder Materialien wird von der Software des Meßger¨
ates bei dem maxi-
mal eingestellten Druck ermittelt. Das Mesoporenvolumen vmeso
Pwurde hier nur
grob aus der adsorbierten Stickstoffmenge direkt nach der Kondensationsstufe
bestimmt. Es wurde somit nur das Porenvolumen gr¨
oßerer Poren abgezogen und
der Einfluß von Mikroporen nicht ber¨
ucksichtigt. Neben dem Porenvolumen ist
auch die spezifische Oberfl¨
ache asder Materialien nach dem BET-Formalismus
aufgef¨
uhrt.
237
C. Charakterisierung der Materialien
C.1. MCM-41
Tabelle C.1.: Charakterisierung der MCM-41 Materialien mit N2-Adsorption und XRD:
p/p0: rel. Druck der Porenkondensationsstufe; w: Porenweite nach Kruk, Dollimore &
Heal, und nach Broekhoff de Boer; vmeso
P: Porenvolumen, bestimmt aus der adsorbierten
Menge nach der Porenkondensationsstufe; vgesamt
P: gesamtes Porenvolumen, bestimmt
aus der adsorbierten Menge bei maximalem relativen Druck; as: spezifische Oberfl¨
ache
nach Brunauer, Emmett und Teller;a0: Elementarzellenl¨
ange.
p/p0p/p0wKruk wD&HwBdB vmeso
Pvgesamt
Pasa0
Ads. Des. nm nm nm cm3g1cm3g1m2g1nm
BG10A 0,15 0,15 2,7 2,2 2,4 0,36 0,4078 768 3,48
BG12A 0,19 0,19 2,9 2,4 2,4 0,56 0,605 980
BG14A 0,285 0,285 3,4 2,9 2,7 0,65 0,764* 1177 4,04
BGX14A 0,28 0,28 3,4 2,9 2,7 0,74 0,791 1062
BGX14B 0,279 0,279 3,4 2,9 2,7 0,75 0,787 1048
C14A 0,285 0,285 3,4 2,9 2,7 0,64 0,687 856
BG16C 0,357 0,357 3,8 3,3 3,0 0,88 0,886 1006 4,62
BG16D 0,354 0,354 3,8 3,3 3,0 0,84 0,902 1008 4,53
BG16E 0,357 0,357 3,8 3,3 3,0 0,65 0,843 785 4,53
BGX16A 0,354 0,354 3,8 3,3 3,0 0,89 0,9002 1039 4,63
C16B 0,362 0,362 3,9 3,3 3,1 0,69 0,772 790
BH16A 0,37 0,37 3,9 3,4 3,1 0,92 0,936 1024
BG18C 0,42 0,41 4,3 3,7 3,4 0,72 0,974 746 4,92
BGX18A 0,418 0,411 4,2 3,7 3,4 0,84 0,989 870 4,92
BGX18B 0,42 0,41 4,3 3,7 3,4 0,65 0,736 700 4,90
238
C.2. SBA-15
C.2. SBA-15
Tabelle C.2.: Charakterisierung der SBA-15 Materialien mit N2-Adsorption und XRD
(Beschreibung siehe Tabelle C.1).
p/p0p/p0wKruk wD&HwBdB vmeso.
Pvgesamt
Pasa0
Ads. Des. nm nm nm cm3/g cm3/g m2/g nm
PL-A 0,602 0,496 5,6 5,1 0,552 531 8,9
PL-B 0,61 0,496 5,7 5,2 0,616 648 9,2
PL-C 0,71 0,496 7,7 6,8 1,013 941 10,3
PL-D n.a. 0,813 767
PL-E 0,88 0,49 17,9 15,1 0,566 537
PS-A 0,63 0,51 6,0 5,4 0,814 0,816 914 9,1
PS-B 0,88 0,6 17,9 15,1 1,276 1,362 841 n.a.
PS-C 0,709 0,63 7,7 6,7 0,991 1,016 882 10,3
PS-D 0,714 0,64 7,8 6,8 1,188 1,192 993 10,7
PS-E 0,704 0,613 7,5 6,6 1,165 1,05 870 10,4
PS-F 0,87 0,61 16,6 14,0 1,089 1,116 841 n.a.
PS-G 0,812 0,739 11,7 10,0 1,423 1,518 909 12,3
PS-Z 0,614 0,505 5,8 5,2 0,681 0,703 768 9,5
p/p0p/p0wKruk wD&HwBdB vmeso.
Pvgesamt
Pasa0
Ads. Des. nm nm nm cm3/g cm3/g m2/g nm
TLX-1 0,721 0,645 8,5 8,0 7,1 0,96 0,963 716 10,02
TLX-2 0,755 0,671 9,6 9,1 8,0 1,02 1,02 728
XL-A 0,748 0,676 9,3 8,8 7,8 1,21 1,272 877 11,04
XL-B 0,733 0,648 8,8 8,3 7,4 1,16 1,168 928 10,79
XL-C 0,75 0,676 9,4 8,9 7,8 1,06 1,06 750 11,08
XL-D550 0,714 0,634 8,3 7,8 6,9 0,79 0,793 731 10,50
PLU-A n.a. 10,51
PLU-B 0,74 0,66 9,1 8,6 7,6 1,08 1,084 840 10,51
PLU-C 0,75 0,674 9,4 8,9 7,8 1,08 1,093 806 10,96
PLU-D 0,734 0,655 8,9 8,4 7,4 0,94 0,946 720 10,62
PLU-E 0,764 0,688 9,9 9,4 8,2 0,94 0,947 786 11,35
PLU-F 0,716 0,631 8,4 7,8 7,0 0,83 0,833 776
PLU-H 0,712 0,623 8,3 7,7 6,9 0,73 0,746 730
239
C. Charakterisierung der Materialien
Tabelle C.3.: Charakterisierung der SBA-15 Materialien mit N2-Adsorption und XRD
(Beschreibung siehe Tabelle C.1).
p/p0p/p0wKruk wD&HwBdB Vmeso.
PVgesamt
PABET a0
Ads. Des. nm nm nm cm3/g cm3/g m2/g nm
TS-A 0,586 0,472 5,9 5,4 4,9 0,72 0,7299 766 8,87
TS-B 0,664 0,589 7,2 6,7 6,0 0,87 0,869 761 9,30
TS-C 0,752 0,675 9,5 9,0 7,9 1,21 1,3007 880 10,24
TS-D 0,502 0,452 5,0 4,4 4,0 0,59 0,596 762 8,33
SO-A 0,754 0,674 9,5 9,0 7,9 1,11 1,13 861
SO-B 0,8 0,726 11,5 11,0 9,5 1,30 1,35 875 12,15
PLX-A 0,742 0,663 9,1 8,6 7,6 0,99 0,992 841 11,18
PLX-B 0,8 0,5 11,5 11,0 9,5 0,71 0,712 666 xxx
PLX-C 0,75 0,65 9,4 8,9 7,8 1,20 1,286 827 11,58
PLX-D 0,937 0,855 33,2 33,1 29,1 2,34 2,339 674 xxx
PLX-E 0,74 0,66 9,1 8,6 7,6 0,95 0,955 845
PLX-F 0,761 0,687 9,8 9,3 8,1 0,84 0,8581 615
PLX-G 0,739 0,653 9,0 8,5 7,5 0,97 0,974 743
PPX-A 0,755 0,68 9,6 9,1 8,0 1,16 1,101 961 11,04
PSX-A 0,747 0,674 9,3 8,8 7,7 1,10 1,17 917 11,00
PSX-B 1,25 1,256 798
240
C.3. Beschichtete Proben
C.3. Beschichtete Proben
Tabelle C.4.: Charakterisierung der mit HMDS modifizierten Proben mit N2-Adsorption
(Bedeutung der Symbole siehe Tabelle C.1)
p/p0p/p0wD&HwBdB vP lateau
Pvgesamt
Pas
Ads. Des. nm nm cm3/g cm3/g m2/g
PS-C 0,709 0,63 7,7 6,7 0,991 1,016 882
PS-C-HMDS 0,685 0,594 7,1 6,3 0,619
PS-E 0,704 0,613 7,5 6,6 1,165 1,05 870
PS-E-HMDS 0,68 0,58 7,0 6,2 1,052 0,6401 828
PS-G 0,812 0,739 11,7 10,0 1,423 1,518 909
PS-G-HMDS 0,79 0,717 10,5 9,1 0,812 0,8256 415
TS-B 0,664 0,589 6,7 5,9 0,871 0,869 761
TS-B-HMDS 0,633 0,556 6,1 5,5 0,596 0,5995 487
SO-B 0,8 0,726 11,0 9,5 1,299 1,35 875
SO-B-HMDS 0,771 0,703 9,7 8,4 0,843 0,8736 468
XL-C 0,75 0,676 8,9 7,7 1,063 1,06 750
XLC-HMDS 0,712 0,627 7,7 6,8 0,786 0,798 519
BG12A 0,19 0,19 2,4 2,5 0,56 0,605 980
BG12A-HMDS 0,1 0,1 1,9 2,1 0,26 0,2934
C14A 0,285 0,285 2,9 2,9 0,64 0,687 856
C14A-HMDS 0,194 0,194 2,4 2,5 0,37 0,467 602
BG16D 0,354 0,354 3,3 3,2 0,84 0,902 1008
BG16D-HMDS 0,264 0,264 2,8 2,8 0,48 0,5853 (962)
BGX18A 0,418 0,411 3,7 3,5 0,84 0,989 870
BGX18A–HMDS 0,347 0,347 3,3 3,2 0,45 0,5502 503
241
C. Charakterisierung der Materialien
C.4. Gemini Meßprotokoll
Nachfolgend ist exemplarisch das Meßprotokoll einer Adsorptionsmessung mit
dem Gemini-Ger¨
at aufgef¨
uhrt. Die Einwaage der mesopor¨
osen Materialien betrug
typischerweise 20 - 40 mg. Bei geringeren Einwaagen wird der Fehler bei der
Massenbestimmung (∆m=±0,1mg) zu groß. Gr¨
oßere Mengen k¨
onnen wegen
der bei diesem Ger¨
at vorhandenen Obergrenze der Gesamtmenge des adsorbierten
Stickstoffs nicht vermessen werden.
Die Probe wurde zuerst in den Analyser¨
ohrchen eingewogen, danach im Vakuum
ca. eine Stunde bei 150C ausgeheizt und dann zur endg¨
ultigen Bestimmung der
Einwaage noch einmal gewogen. Der Gewichtsverlust durch das Ausheizen im
Vakuum betrug ca. 4 -5 %. Der S¨
attigungsdruck des Stickstoffs wurde direkt vor
Beginn mehrerer Messungen bestimmt. Es zeigte sich, daß er immer um einen Be-
trag von 12,5 ±0,3 Torr ¨
uber dem aktuell von dem Ger¨
at angezeigten Luftdruck
lag. Da im allgemeinen w¨
ahrend einer Messung (bis zu 14 Stunden) Schwankun-
gen des Luftdrucks von einigen Torr auftraten, wurde der S¨
attigungsdruck bei
den anderen Messungen aus dem Luftdruck + 12,5 Torr berechnet.
Da die meisten Messungen mit nicht genormten Probenr¨
ohrchen durchgef¨
uhrt
wurden, die von einem Glasbl¨
aser der TU Berlin hergestellt wurden, wurde das
Totvolumen der Probe bei jeder Messung neu bestimmt.
242
C.4. Gemini Meßprotokoll
Page 1
Gemini 2375 V5.00
Instrument ID: 1325
Setup Group: 9 - mittel
Sample ID: TLX-2 Started: 22/08/00 10:57:25
Sample Weight: 0.0351 g Completed: 22/08/00 21:03:02
Evacuation Rate: 500.0 mmHg/min Evacuation Time: 3.0 min
Measured Free Space: 0.202 cc STP Saturation Pressure: 773.80 mmHg
Analysis Mode: Equilibration Equilibration Time: 5 sec
BET Multipoint Surface Area Report
Surface Area: 727.7338 sq. m/g
Slope: 0.005958
Y-Intercept: 0.000024
C: 252.510330
Vm: 167.172180
Correlation Coefficient: 9.9950e-001
BET Single Point Surface Area: 708.3354 sq. m/g
t-Method Micropore Report
Micropore Volume: 0.037897 cc/g
Micropore Area: 77.9042 sq. m/g
External Surface Area: 649.8296 sq. m/g
Slope: 42.011219
Y-Intercept: 24.500278
Correlation Coefficient: 9.9911e-001
Thickness Values Between: 3.500 and 5.000 A
Area Correction Factor: 1.000
t = [ 13.9900/( 0.0340 -log(P/Po))]0.5000
Adsorption Total Pore Volume at 0.9882 P/Po: 1.0219 cc/g
Analysis Log
Relative Pressure Vol. Adsorbed Elapsed Statistical Surface Area
Pressure (mmHg) (cc/g STP) Time,(h:m) Thickness,(A) Point
0.0049 3.78 101.886 0:27 2.442
0.0099 7.64 115.693 0:32 2.619
0.0298 23.09 140.944 0:37 2.995
0.0498 38.55 154.757 0:42 3.235 *
0.0698 54.01 164.950 0:46 3.428 *
0.0898 69.47 174.202 0:50 3.598 *
0.1097 84.90 181.762 0:54 3.752 *
0.1297 100.38 188.506 0:58 3.897 *
0.1497 115.81 194.687 1:01 4.036 *
0.1697 131.30 200.506 1:05 4.170 *
0.1896 146.74 206.012 1:09 4.302 *
0.2096 162.19 211.299 1:13 4.431 *
243
C. Charakterisierung der Materialien
Page 2
Gemini 2375 V5.00
Instrument ID: 1325
Setup Group: 9 - mittel
Sample ID: TLX-2 Started: 22/08/00
10:57:25 Sample Weight: 0.0351 g Completed: 22/08/00 21:03:02
Evacuation Rate: 500.0 mmHg/min Evacuation Time: 3.0 min
Measured Free Space: 0.202 cc STP Saturation Pressure: 773.80 mmHg
Analysis Mode: Equilibration Equilibration Time: 5 sec
Analysis Log
Relative Pressure Vol. Adsorbed Elapsed Statistical Surface Area
Pressure (mmHg) (cc/g STP) Time,(h:m) Thickness,(A) Point
0.2296 177.63 216.397 1:16 4.559 *
0.2496 193.11 221.370 1:20 4.687 *
0.2695 208.54 226.248 1:23 4.815 *
0.2895 224.01 231.063 1:27 4.944 *
0.3094 239.44 235.800 1:31 5.074 *
0.3294 254.92 240.490 1:34 5.206
0.3494 270.35 245.179 1:38 5.339
0.3694 285.82 249.900 1:42 5.476
0.3893 301.25 254.698 1:45 5.615
0.4093 316.72 259.528 1:49 5.758
0.4293 332.16 264.405 1:53 5.905
0.4492 347.61 269.453 1:56 6.055
0.4692 363.08 274.611 2:00 6.211
0.4892 378.51 279.879 2:04 6.372
0.5091 393.97 285.381 2:08 6.539
0.5291 409.43 291.008 2:12 6.713
0.5491 424.86 297.027 2:16 6.894
0.5691 440.35 303.375 2:20 7.083
0.5890 455.79 310.098 2:25 7.281
0.6090 471.24 317.213 2:29 7.490
0.6289 486.67 324.986 2:34 7.709
0.6489 502.14 333.981 2:40 7.942
0.6689 517.59 343.853 2:45 8.189
0.6889 533.04 354.540 2:51 8.451
0.7088 548.47 365.854 2:58
0.7288 563.93 380.818 3:06
0.7488 579.44 463.630 3:37
0.7687 594.81 593.044 4:15
0.7886 610.26 617.488 4:27
0.8086 625.68 625.886 4:31
0.8286 641.14 631.306 4:34
0.8486 656.63 634.657 4:37
0.8685 672.04 637.570 4:39
0.8885 687.50 640.482 4:41
0.9084 702.92 643.426 4:43
0.9283 718.35 646.416 4:46
0.9484 733.84 649.797 4:48
0.9683 749.25 653.853 4:51
0.9882 764.68 660.635 4:54
0.9790 757.55 659.017 5:00
0.9585 741.68 655.185 5:03
0.9385 726.23 652.603 5:05
0.9186 710.78 650.365 5:08
0.8986 695.35 648.283 5:10
0.8786 679.90 646.405 5:12
244
C.4. Gemini Meßprotokoll
Page 3
Gemini 2375 V5.00
Instrument ID: 1325
Setup Group: 9 - mittel
Sample ID: TLX-2 Started: 22/08/00
10:57:25 Sample Weight: 0.0351 g Completed: 22/08/00 21:03:02
Evacuation Rate: 500.0 mmHg/min Evacuation Time: 3.0 min
Measured Free Space: 0.202 cc STP Saturation Pressure: 773.80 mmHg
Analysis Mode: Equilibration Equilibration Time: 5 sec
Analysis Log
Relative Pressure Vol. Adsorbed Elapsed Statistical Surface Area
Pressure (mmHg) (cc/g STP) Time,(h:m) Thickness,(A) Point
0.8587 664.47 644.464 5:14
0.8387 649.01 642.429 5:16
0.8188 633.57 640.299 5:19
0.7988 618.13 637.841 5:21
0.7789 602.70 635.068 5:24
0.7589 587.26 631.637 5:27
0.7389 571.79 626.452 5:30
0.7190 556.34 617.270 5:36
0.6990 540.91 605.878 5:44
0.6791 525.47 548.637 6:26
0.6591 510.02 372.339 7:51
0.6391 494.55 340.389 8:05
0.6192 479.11 330.986 8:11
0.5992 463.67 322.163 8:17
0.5792 448.21 314.061 8:22
0.5592 432.74 306.256 8:27
0.5393 417.30 298.561 8:32
0.5193 401.85 291.570 8:37
0.4993 386.39 284.517 8:42
0.4794 370.95 278.058 8:46
0.4594 355.48 271.992 8:50
0.4394 340.03 266.661 8:54
0.4195 324.59 261.565 8:58
0.3995 309.11 256.642 9:01
0.3795 293.67 251.891 9:04
0.3596 278.22 247.186 9:07
0.3396 262.77 242.575 9:10
0.3196 247.32 237.917 9:14
0.2996 231.86 233.149 9:17
0.2797 216.41 228.380 9:20
0.2597 200.96 223.471 9:23
0.2397 185.51 218.624 9:26
0.2197 170.03 213.557 9:29
0.1998 154.60 208.365 9:32
0.1798 139.13 202.984 9:35
0.1599 123.70 197.337 9:38
0.1399 108.22 191.360 9:41
0.1199 92.79 184.976 9:44
0.0999 77.32 177.934 9:47
0.0800 61.89 170.045 9:51
0.0600 46.40 160.745 9:54
0.0400 30.97 148.938 10:00
0.0200 15.50 131.130 10:05
245
C. Charakterisierung der Materialien
Page 4
Gemini 2375 V5.00
Instrument ID: 1325
Setup Group: 9 - mittel
Sample ID: TLX-2 Started: 22/08/00
10:57:25 Sample Weight: 0.0351 g Completed: 22/08/00 21:03:02
Evacuation Rate: 500.0 mmHg/min Evacuation Time: 3.0 min
Measured Free Space: 0.202 cc STP Saturation Pressure: 773.80 mmHg
Analysis Mode: Equilibration Equilibration Time: 5 sec
BJH Adsorption Pore Distribution Report
t = 3.5400 [ -5.0000/ln(P/Po)]0.3330
Pore Diameter Average Incremental Cumulative Incremental Cumulative
Range Diameter Pore Volume Pore Volume Pore Area Pore Area
(A) (A) (cc/g) (cc/g) (sq. m/g) (sq. m/g)
1657.0- 625.6 749.1 0.011524 0.011524 0.615 0.615
625.6- 388.0 452.3 0.006953 0.018477 0.615 1.230
388.0- 281.5 317.5 0.005933 0.024410 0.747 1.978
281.5- 221.2 243.9 0.005362 0.029772 0.880 2.857
221.2- 182.2 197.8 0.005406 0.035178 1.093 3.951
182.2- 154.8 166.2 0.005463 0.040641 1.315 5.266
154.8- 134.6 143.2 0.005573 0.046215 1.557 6.823
134.6- 118.9 125.7 0.006588 0.052803 2.097 8.920
118.9- 106.4 111.9 0.011111 0.063913 3.972 12.892
106.4- 96.2 100.7 0.017735 0.081649 7.042 19.934
96.2- 87.7 91.6 0.053661 0.135310 23.445 43.379
87.7- 80.6 83.8 0.292766 0.428076 139.686 183.065
80.6- 74.4 77.2 0.185920 0.613996 96.295 279.360
74.4- 69.1 71.5 0.026642 0.640637 14.903 294.262
69.1- 64.4 66.5 0.018575 0.659213 11.169 305.431
64.4- 60.2 62.1 0.017654 0.676867 11.367 316.798
60.2- 56.5 58.2 0.016192 0.693059 11.126 327.924
56.5- 53.1 54.7 0.014466 0.707524 10.578 338.502
53.1- 50.1 51.5 0.011794 0.719318 9.154 347.656
50.1- 47.4 48.7 0.010471 0.729789 8.607 356.263
47.4- 44.9 46.0 0.009817 0.739607 8.528 364.791
44.9- 42.6 43.6 0.009120 0.748727 8.360 373.151
42.6- 40.4 41.4 0.008564 0.757290 8.269 381.420
40.4- 38.4 39.4 0.007729 0.765020 7.852 389.272
38.4- 36.6 37.5 0.007639 0.772659 8.155 397.427
36.6- 34.9 35.7 0.007213 0.779872 8.084 405.511
34.9- 33.3 34.0 0.007076 0.786947 8.318 413.829
33.3- 31.7 32.5 0.006951 0.793898 8.564 422.393
31.7- 30.3 31.0 0.006595 0.800494 8.513 430.906
30.3- 29.0 29.6 0.006575 0.807069 8.886 439.792
29.0- 27.7 28.3 0.006615 0.813684 9.358 449.150
27.7- 26.4 27.0 0.006436 0.820121 9.528 458.678
26.4- 25.3 25.8 0.006418 0.826539 9.943 468.621
25.3- 24.1 24.7 0.006419 0.832958 10.408 479.029
24.1- 23.1 23.6 0.006605 0.839563 11.211 490.240
23.1- 22.0 22.5 0.006808 0.846371 12.102 502.342
22.0- 21.0 21.5 0.006965 0.853335 12.974 515.316
21.0- 20.0 20.5 0.007111 0.860446 13.895 529.211
20.0- 19.0 19.5 0.007364 0.867811 15.110 544.321
19.0- 18.1 18.5 0.007739 0.875549 16.698 561.019
18.1- 17.2 17.6 0.008134 0.883683 18.491 579.510
246
C.4. Gemini Meßprotokoll
Page 5
Gemini 2375 V5.00
Instrument ID: 1325
Setup Group: 9 - mittel
Sample ID: TLX-2 Started: 22/08/00
10:57:25 Sample Weight: 0.0351 g Completed: 22/08/00 21:03:02
Evacuation Rate: 500.0 mmHg/min Evacuation Time: 3.0 min
Measured Free Space: 0.202 cc STP Saturation Pressure: 773.80 mmHg
Analysis Mode: Equilibration Equilibration Time: 5 sec
BJH Desorption Pore Distribution Report
t = 3.5400 [ -5.0000/ln(P/Po)]0.3330
Pore Diameter Average Incremental Cumulative Incremental Cumulative
Range Diameter Pore Volume Pore Volume Pore Area Pore Area
(A) (A) (cc/g) (cc/g) (sq. m/g) (sq. m/g)
1658.0- 939.1 1110.4 0.002697 0.002697 0.097 0.097
939.1- 481.6 573.7 0.006603 0.009300 0.460 0.558
481.6- 328.1 375.6 0.004521 0.013821 0.481 1.039
328.1- 249.3 277.6 0.004011 0.017831 0.578 1.617
249.3- 201.2 219.8 0.003819 0.021650 0.695 2.312
201.2- 168.6 181.8 0.003510 0.025161 0.772 3.084
168.6- 145.1 155.0 0.003722 0.028883 0.961 4.045
145.1- 127.3 135.0 0.003997 0.032879 1.184 5.229
127.3- 113.4 119.5 0.004275 0.037154 1.431 6.660
113.4- 102.1 107.1 0.005073 0.042227 1.894 8.554
102.1- 92.9 97.0 0.005855 0.048082 2.414 10.969
92.9- 85.1 88.6 0.007450 0.055532 3.364 14.333
85.1- 78.4 81.4 0.011666 0.067198 5.731 20.064
78.4- 72.7 75.3 0.021382 0.088580 11.361 31.425
72.7- 67.6 70.0 0.026968 0.115548 15.421 46.846
67.6- 63.2 65.3 0.142014 0.257562 87.035 133.881
63.2- 59.3 61.1 0.447030 0.704592 292.570 426.451
59.3- 55.8 57.4 0.072532 0.777124 50.536 476.987
55.8- 52.6 54.1 0.013401 0.790525 9.912 486.899
52.6- 49.7 51.1 0.012465 0.802990 9.764 496.663
49.7- 47.1 48.3 0.011026 0.814016 9.127 505.790
47.1- 44.7 45.8 0.010696 0.824712 9.340 515.130
44.7- 42.5 43.5 0.010876 0.835588 10.002 525.131
42.5- 40.4 41.4 0.009244 0.844832 8.938 534.070
40.4- 38.5 39.4 0.009826 0.854657 9.978 544.048
38.5- 36.7 37.5 0.008381 0.863039 8.928 552.976
36.7- 35.0 35.8 0.007481 0.870519 8.352 561.327
35.0- 33.5 34.2 0.005468 0.875987 6.392 567.720
33.5- 32.0 32.7 0.004980 0.880967 6.092 573.812
32.0- 30.6 31.3 0.004622 0.885589 5.913 579.725
30.6- 29.3 29.9 0.004268 0.889857 5.708 585.433
29.3- 28.0 28.6 0.004284 0.894141 5.987 591.420
28.0- 26.8 27.4 0.004085 0.898226 5.966 597.385
26.8- 25.7 26.2 0.004364 0.902589 6.658 604.043
25.7- 24.6 25.1 0.004812 0.907401 7.671 611.714
24.6- 23.5 24.0 0.004838 0.912239 8.061 619.775
23.5- 22.5 23.0 0.005321 0.917560 9.271 629.045
22.5- 21.5 21.9 0.004988 0.922548 9.092 638.138
21.5- 20.5 21.0 0.005638 0.928186 10.762 648.900
20.5- 19.5 20.0 0.005917 0.934103 11.840 660.740
19.5- 18.6 19.0 0.006254 0.940358 13.139 673.879
18.6- 17.7 18.1 0.006867 0.947225 15.175 689.054
17.7- 16.7 17.2 0.007426 0.954651 17.304 706.358
247
D. Meßdaten
D.1. Gasadsorption
D.1.1. Bestimmung der Temperatur ¨
uber den
Dampfdruck
Die Temperatur des K¨
uhlbades f¨
ur den Niederdruck-Meßplatz wurde mit einem
Pt-100 Widerstands-Thermometer ermittelt. Dieser Meßf¨
uhler erlaubt je nach
G¨
ute eine gewisse Abweichung der angezeigten Temperatur von der tats¨
achlichen
Temperatur (f¨
ur ein Klasse B Meßf¨
uhler 0,8 K bei einer Temperatur von 173 K,
DIN EN60751). Neben dieser Unsicherheit kann außerdem noch ein Temperatur-
unterschied zwischen Probenort und Position des Meßf¨
uhlers auftreten.
Abbildung D.1.: Vergleich der gemessenen Dampfdr¨
ucke (H) der beiden Gase C2F6und
CO2mit Literaturwerten ().
249
D. Meßdaten
Eine weitere M¨
oglichkeit die Temperatur zu ermitteln, ist die Zuhilfenahme des
Dampfdrucks von Gasen. Da der Dampfdruck stark von der Temperatur abh¨
angt
und sich der Dampfdruck sehr genau bestimmen l¨
aßt, ist dieses eine sehr gute
Methode zur Ermittlung der absoluten Temperatur. Die Dampfdr¨
ucke der Gase
am Niederdruck-Meßplatz wurden bestimmt, indem bei einer gegebenen Tempe-
ratur des K¨
uhlbades der Druck des Gases erh¨
oht wurde, bis eine Kondensation
des Gases in den Geh¨
angestutzen stattfand. Die Einstellung des Gleichgewichts
wurde abgewartet, danach wurde der Druck in der Apparatur um ca. 10 Torr
erniedrigt und nach dem Verdampfen eines Teils des Kondensierten Gases wie-
derum das Gleichgewicht abgewartet. Wenn sich beide Werte um weniger als 0,5
Torr unterschieden, wurde der Mittelwert als Dampfdruck genommen.
In der Abbildung D.1 a) und b) sind die gemessenen Dampfdr¨
ucke der vier Gase
C2F6, CO2, CHF3und SF6in Abh¨
angigkeit von der vom Pt-100 angezeigten
Temperatur mit Literaturwerten [Pace48,CRC96] der Dampfdr¨
ucke verglichen.
Alle gemessenen Dampfdruckkurven sind in dem Bereich von 170 K bis 195 K
um ca. 1 K zu geringeren Temperaturen verschoben. Im Bereich von 195 K bis
205 K ergibt sich f¨
ur SF6kein Unterschied mehr zwischen gemessenen Werten
und den Dampfdr¨
ucken aus der Literatur.
Abbildung D.2.: Vergleich der gemessenen Dampfdr¨
ucke (H) mit Literaturwerten ()
der beiden Gase CHF3und SF6.
250
D.1. Gasadsorption
D.1.2. Bestimmung der Gasdichte von CHF3
Bei der gravimetrischen Bestimmung von Adsorptionsisothermen kann die Dich-
te des Meßgases durch die Auftriebe von Probe, Tariergewichten und Pro-
bensch¨
alchen einen erheblichen Einfluß auf den vom Meßinstrument angezeigten
Wert des Gewichtes haben.
Die Gasdichte l¨
aßt sich zwar nicht direkt mit einer Zustandsgleichungen ermit-
teln, aber einige thermodynamische Gr¨
oßen, wie z.B. Gasdruck, Entropie und
Enthalpie lassen sich in Abh¨
angigkeit von der reduzierten Temperatur und der
reduzierten Dichte des Gases darstellen. Mit Hilfe einer extended Benedict Webb
Rubin Gleichung (Gl. 4.18) wurde f¨
ur CHF3f¨
ur verschiedene Temperaturen der
Druck aus vorgegebenen Dichte berechnet. Die so ermittelten Druck-Dichte Wer-
tepaare k¨
onnen ¨
uber ein Polynom gefittet werden und damit die Dichte als Funk-
tion des Druckes dargestellt werden (Tabelle D.1). Die gr¨
oßten Abweichungen der
durch die Gleichung ermittelten Werte von experimentellen Werten treten in der
N¨
ahe des kritischen Punktes auf, und liegen f¨
ur CHF3bei 0,21%.
D.1.3. Auswertung von Adsorptionsisothermen unter
Einbeziehung der Gasdichte f¨
ur CHF3
In den drei Tabellen D.3 bis D.5 soll der Einfluß der Gasdichte des Meßgases CHF3
auf die Meßergebnisse der Adsorption verdeutlicht werden. Neben den bei einer
Messung konstanten Werten im Tabellenkopf ist in den Spalten der Tabelle der
Druck pund der relative Druck p/p0, die Dichte des Gases in Abh¨
angigkeit vom
Druck ρGas(p), die vom Meßinstrument angezeigte Masse m0
Abgel., die adsorbierte
Masse ohne Ber¨
ucksichtigung des Auftriebs m00 und mit Ber¨
ucksichtigung des
Auftriebs mσ
S, die Dichte des Porenfluids ρP ore und die spezifische adsorbierte
Tabelle D.1.: Dichte von CHF3in Abh¨
angigkeit vom Druck bei verschiedenen Tempe-
raturen
T / Cp0ρGas(p)
20 41,78 = 0,78777 + 1,66893p+ 0,22627p20,01014p3+ 1,73015 ×104p4
0 25,07 = 0,04278 + 2,96786p+ 0,06809p20,00287p3+ 1,17421 ×104p4
-20 14,14 = 0,00497 + 3,305p+ 0,05729p28,00622 ×104p3+ 1,45926 ×104p4
-40 6,78 = 4,06516 ×104+ 3,60926p+ 0,07214p2+ 0,00123p3+ 2,41042 ×104p4
-60 3,084 = 3,52864 ×105+ 3,95057p+ 0,10927p2+ 0,00448p3+ 5,61026 ×104p4
251
D. Meßdaten
Menge Γ angegeben.
Da in dieser Arbeit die Dichte des Porenfluids als Ergebnis gew¨
unscht war, m
versucht werden, das Asymmetrievolumen des gesamten Systems VAsy(gesamt) =
(VP ore +VGer¨ust +VGold VQuarz VAsy. (siehe auch Gl. 4.16) zu minimieren. Das
gesamte Asymmetrievolumen betrug in den meisten f¨
allen um 10 mm3, durch die
Tatsache, daß die genaue Masse des Adsorbens erst nach dem Ausheizen in der
Meßapparatur bestimmt wurde, konnte es nie auf Null gebracht werden.
In Tabelle D.2 sind die adsorbierten Massen ohne m00 und mit mσ
SBer¨
ucksichti-
gung des Auftriebs durch das Meßgas f¨
ur eine Probe bei den drei Temperaturen
20C (kritische Temperatur Tc= 19,9C), 0C und -20C bei dem jeweiligen
Dampfdruck von CHF3zusammengestellt. Hier betrug das gesamte Asymmetrie-
volumen VAsy(gesamt) = 0,0079 cm3. Bei der kritischen Temperatur hat der
Auftrieb mit m= 3,1% noch einen merklichen Einfluß auf die angezeigte Mas-
se, bei -20C betrug die Differenz nur noch m= 0,6%.
Tabelle D.2.: Adsorbierte Masse ohne m00und mit mσ
SBer¨
ucksichtigung des Auftriebs
f¨
ur 20C (Tc), 0C und -20C.
Tm00mσ
Sm
Cmg mg %
20 61,870 63,862 3,1
0 72,690 73,622 1,3
-20 79,391 79,877 0,6
252
D.1. Gasadsorption
Tabelle D.3.:
Adsorption-Desorption CHF3 - XL-C 20C
Temperatur : 20 CvP: 1,0647 cm3g1
m(Adsorbens): 60,322 mg ρAdsorbens: 2,215 g cm3Dampfdruck: 41,78 bar
m(Quarz): 191,02 mg ρQuarz: 2,212 g cm3VAsy(Waage): 0,004 cm3
m(Gold): 130,61 mg ρGold: 19,3 g cm3
Temperatur : 293,15 K M(Gas): 70,01 g mol1VAsy(gesamt): 0,0079 cm3
p p/p0ρGas m0
Abgel. m00mσ
SρP ore Γ
bar mg cm3mg mg mg g cm3mmol g1
0,00 0,0000 0,8 0,130 0,000 0,006 0,0001 0,00
0,45 0,0108 1,6 2,634 2,504 2,516 0,0392 0,60
1,06 0,0254 2,8 4,762 4,632 4,654 0,0725 1,10
2,52 0,0603 6,3 8,320 8,190 8,239 0,1283 1,95
4,88 0,1168 13,2 12,360 12,230 12,334 0,1920 2,92
9,51 0,2276 29,8 18,071 17,941 18,176 0,2830 4,30
15,13 0,3621 51,8 23,618 23,488 23,895 0,3721 5,66
19,27 0,4612 68,3 27,525 27,395 27,932 0,4349 6,61
25,10 0,6008 93,6 33,356 33,226 33,962 0,5288 8,04
27,75 0,6642 107,3 36,315 36,185 37,029 0,5766 8,77
29,95 0,7169 120,5 39,053 38,923 39,872 0,6208 9,44
32,79 0,7848 141,3 43,153 43,023 44,135 0,6872 10,45
34,80 0,8329 159,3 46,773 46,643 47,897 0,7458 11,34
36,83 0,8815 180,9 52,108 51,978 53,402 0,8315 12,65
37,40 0,8952 187,8 54,332 54,202 55,679 0,8669 13,18
37,83 0,9055 193,1 56,140 56,010 57,530 0,8958 13,62
38,47 0,9208 201,5 58,257 58,127 59,713 0,9297 14,14
39,54 0,9464 216,6 60,069 59,939 61,643 0,9598 14,60
40,22 0,9627 227,0 60,749 60,619 62,405 0,9717 14,78
40,80 0,9765 236,3 61,167 61,037 62,896 0,9793 14,89
41,78 1,0000 253,2 62,000 61,870 63,862 0,9944 15,12
41,12 0,9842 241,6 61,500 61,370 63,272 0,9852 14,98
40,74 0,9751 235,3 61,115 60,985 62,837 0,9784 14,88
39,84 0,9536 221,1 60,315 60,185 61,925 0,9642 14,66
39,26 0,9397 212,5 59,636 59,506 61,178 0,9526 14,49
38,44 0,9201 201,1 58,113 57,983 59,565 0,9275 14,10
37,32 0,8933 186,8 53,935 53,805 55,275 0,8606 13,09
36,21 0,8667 173,9 50,046 49,916 51,285 0,7985 12,14
35,22 0,8430 163,5 47,610 47,480 48,766 0,7593 11,55
33,63 0,8049 148,5 44,520 44,390 45,558 0,7094 10,79
30,13 0,7212 121,7 39,240 39,110 40,068 0,6239 9,49
25,99 0,6221 97,9 34,304 34,174 34,945 0,5441 8,27
20,05 0,4799 71,4 28,261 28,131 28,693 0,4468 6,79
15,10 0,3614 51,7 23,590 23,460 23,867 0,3716 5,65
13,42 0,3212 45,0 21,988 21,858 22,212 0,3459 5,26
9,53 0,2281 29,9 18,051 17,921 18,156 0,2827 4,30
5,37 0,1285 14,8 13,035 12,905 13,022 0,2028 3,08
3,28 0,0785 8,4 9,740 9,610 9,676 0,1507 2,29
1,90 0,0455 4,7 6,978 6,848 6,885 0,1072 1,63
253
D. Meßdaten
Tabelle D.4.:
Adsorption-Desorption CHF3 - XL-C 0C
Temperatur : 0 CvP: 1,0647 cm3g1
m(Adsorbens): 60,322 mg ρAdsorbens: 2,215 g cm3Dampfdruck: 25,07 bar
m(Quarz): 191,02 mg ρQuarz: 2,212 g cm3VAsy(Waage): 0,004 cm3
m(Gold): 130,61 mg ρGold: 19,3 g cm3
Temperatur : 273,15 K M(Gas): 70,01 g mol1VAsy(gesamt): 0,0079 cm3
p p/p0ρGas m0
Abgel. m00mσ
SρP ore Γ
bar mg cm3mg mg mg g cm3mmol g1
0,00 0,000 0,04 0,310 0,000 0,000 0,000 0,000
0,51 0,020 1,57 4,703 4,393 4,405 0,069 1,043
1,07 0,043 3,29 7,414 7,104 7,130 0,111 1,688
3,19 0,127 10,12 13,640 13,330 13,410 0,209 3,175
6,00 0,239 19,83 18,996 18,686 18,842 0,293 4,462
8,81 0,351 30,22 23,405 23,095 23,333 0,363 5,525
12,31 0,491 44,24 28,677 28,367 28,715 0,447 6,799
16,41 0,655 62,91 35,655 35,345 35,840 0,558 8,487
17,00 0,678 65,88 36,830 36,520 37,038 0,577 8,770
17,47 0,697 68,31 37,882 37,572 38,110 0,593 9,024
18,42 0,735 73,39 40,037 39,727 40,305 0,628 9,544
19,20 0,766 77,77 42,230 41,920 42,532 0,662 10,071
20,00 0,798 82,46 44,534 44,224 44,873 0,699 10,625
20,75 0,828 87,07 47,250 46,940 47,625 0,742 11,277
21,40 0,854 91,24 50,237 49,927 50,645 0,789 11,992
21,51 0,858 91,96 51,006 50,696 51,420 0,801 12,176
21,86 0,872 94,29 57,390 57,080 57,822 0,900 13,692
22,04 0,879 95,51 64,205 63,895 64,647 1,007 15,308
22,18 0,885 96,47 67,250 66,940 67,699 1,054 16,031
22,27 0,888 97,09 67,695 67,385 68,149 1,061 16,137
22,82 0,910 100,96 68,865 68,555 69,350 1,080 16,421
23,56 0,940 106,41 69,708 69,398 70,235 1,094 16,631
24,38 0,972 112,77 70,696 70,386 71,273 1,110 16,877
25,05 0,999 118,24 71,936 71,626 72,556 1,130 17,181
25,07 1,000 118,40 73,000 72,690 73,622 1,146 17,433
24,91 0,994 117,07 71,640 71,330 72,251 1,125 17,108
24,65 0,983 114,94 71,162 70,852 71,756 1,117 16,991
24,10 0,961 110,55 70,470 70,160 71,030 1,106 16,819
22,50 0,897 98,69 68,201 67,891 68,668 1,069 16,260
22,30 0,890 97,30 67,851 67,541 68,307 1,064 16,174
22,12 0,882 96,06 66,771 66,461 67,217 1,047 15,916
21,83 0,871 94,09 54,097 53,787 54,527 0,849 12,912
21,56 0,860 92,29 50,760 50,450 51,176 0,797 12,118
21,20 0,846 89,94 48,838 48,528 49,236 0,767 11,659
20,58 0,821 86,01 46,268 45,958 46,635 0,726 11,043
18,45 0,736 73,56 39,929 39,619 40,198 0,626 9,518
16,48 0,657 63,26 35,728 35,418 35,916 0,559 8,505
14,02 0,559 51,66 31,320 31,010 31,417 0,489 7,439
10,02 0,400 34,91 25,106 24,796 25,071 0,390 5,937
254
D.1. Gasadsorption
Tabelle D.5.:
Adsorption-Desorption CHF3 - XL-C -20C
Temperatur : -20CvP: 1,0647 cm3g1
m(Adsorbens): 60,322 mg ρAdsorbens: 2,215 g cm3Dampfdruck: 14,14 bar
m(Quarz): 191,02 mg ρQuarz: 2,212 g cm3VAsy(Waage): 0,004 cm3
m(Gold): 130,61 mg ρGold: 19,3 g cm3
Temperatur : 253,15 K M(Gas): 70,01 g mol1VAsy(gesamt): 0,0079 cm3
p p/p0ρGas m0
Abgel. m00mσ
SρP ore Γ
bar mg cm3mg mg mg g cm3mmol g1
0,01 0,0007 0,04 0,226 0,000 0,000 0,0000 0,00
0,69 0,0488 2,31 8,831 8,605 8,623 0,1343 2,04
1,22 0,0863 4,12 11,793 11,567 11,599 0,1806 2,75
1,95 0,1379 6,66 14,984 14,758 14,810 0,2306 3,51
3,10 0,2192 10,79 18,852 18,626 18,711 0,2913 4,43
4,40 0,3112 15,64 22,851 22,625 22,748 0,3542 5,39
6,01 0,4250 21,95 26,863 26,637 26,810 0,4174 6,35
7,60 0,5375 28,57 31,265 31,039 31,264 0,4868 7,40
9,90 0,7001 38,96 39,154 38,928 39,235 0,6109 9,29
10,23 0,7235 40,55 40,068 39,842 40,161 0,6253 9,51
10,40 0,7355 41,38 40,844 40,618 40,944 0,6375 9,70
10,76 0,7610 43,16 42,624 42,398 42,738 0,6654 10,12
11,15 0,7885 45,12 44,954 44,728 45,083 0,7020 10,68
11,51 0,8140 46,98 47,388 47,162 47,532 0,7401 11,26
11,86 0,8388 48,81 57,997 57,771 58,155 0,9055 13,77
11,92 0,8430 49,13 66,397 66,171 66,558 1,0363 15,76
12,12 0,8571 50,20 74,545 74,319 74,714 1,1633 17,69
12,30 0,8699 51,17 74,967 74,741 75,144 1,1700 17,79
12,72 0,8996 53,49 75,869 75,643 76,064 1,1843 18,01
13,29 0,9399 56,72 76,972 76,746 77,192 1,2019 18,28
13,87 0,9809 60,13 78,078 77,852 78,325 1,2195 18,55
14,02 0,9915 61,03 78,652 78,426 78,906 1,2286 18,68
14,14 1,0000 61,76 79,617 79,391 79,877 1,2437 18,91
13,93 0,9851 60,49 78,228 78,002 78,478 1,2219 18,58
13,57 0,9597 58,35 77,540 77,314 77,773 1,2110 18,42
12,43 0,8791 51,88 75,503 75,277 75,685 1,1784 17,92
12,07 0,8536 49,93 74,570 74,344 74,737 1,1637 17,70
11,92 0,8430 49,13 73,950 73,724 74,111 1,1539 17,55
11,86 0,8388 48,81 72,880 72,654 73,038 1,1372 17,29
11,66 0,8246 47,76 48,605 48,379 48,755 0,7591 11,54
11,35 0,8027 46,15 46,190 45,964 46,327 0,7213 10,97
10,73 0,7588 43,01 42,520 42,294 42,632 0,6638 10,09
9,44 0,6676 36,79 36,946 36,720 37,010 0,5762 8,76
7,53 0,5325 28,27 30,775 30,549 30,771 0,4791 7,29
5,35 0,3784 19,32 25,013 24,787 24,939 0,3883 5,91
3,84 0,2716 13,53 25,013 24,787 24,893 0,3876 5,89
2,26 0,1598 7,76 25,013 24,787 24,848 0,3869 5,88
255
D. Meßdaten
D.1.4. Adsorptionsisothermen der Gase
Nachfolgend sind die meisten der im Rahmen dieser Arbeit an den beiden gra-
vimetrischen Meßapparaturen aufgenommenen Isothermen abgebildet. In allen
Abbildungen sind die Isothermen nach steigender Temperatur geordnet, die ober-
ste Isotherme ist bei der tiefsten und die unterste bei der h¨
ochsten Temperatur
aufgenommen. Im Fall der drei Gase C2F6, CHF3und CO2sind die Isothermen
jeweils um 0,1 Einheit gegeneinander versetzt aufgetragen, im Fall von SF6sind
sie jeweils um 0,2 Einheiten gegeneinander versetzt.
Bei den Tieftemperaturmessungen von SF6und CO2m ber¨
ucksichtigt wer-
den, daß diese unterhalb des Tripelpunktes der Gase durchgef¨
uhrt wurden. Die
Isothermen sind jeweils gegen den Sublimationsdampfdruck der bulk Substanz
aufgetragen und somit sind die Kondensationsstufen bei diesen Temperaturen
im Vergleich zu den Isothermen bei h¨
oheren Temperaturen zu h¨
oheren relativen
Dr¨
ucken verschoben.
D.1.4.1. C2F6
Abbildung D.3.: C2F6Isothermen in BG12A HMDS .
256
D.1. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung D.4.: C2F6Isothermen in a) C14A HMDS und b) BGX18B.
257
D. Meßdaten
a)
b)
Abbildung D.5.: C2F6Isothermen in SBA-15 a) TS-B und b) TS-B-HMDS.
258
D.1. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung D.6.: C2F6Isothermen in SBA-15 a) XL-C und b) XL-C-HMDS.
259
D. Meßdaten
D.1.4.2. CHF3
a)
b)
Abbildung D.7.: CHF3Isothermen in a) BGX14A und b) C14A-HMDS.
260
D.1. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung D.8.: CHF3Isothermen in MCM-41 a) BGX18B und b) BGX18A-HMDS.
261
D. Meßdaten
a)
b)
Abbildung D.9.: CHF3Isothermen in SBA-15 a) TS-B und b) TS-B-HMDS.
262
D.1. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung D.10.: CHF3Isothermen in SBA-15 a) XL-C und b) XL-C-HMDS.
263
D. Meßdaten
a)
b)
Abbildung D.11.: CHF3Isothermen in SBA-15 a) PS-G und b) PS-G-HMDS.
264
D.1. Gasadsorption
D.1.4.3. CO2
a)
b)
Abbildung D.12.: CO2Isothermen in a) BG12A HMDS und b) C14A-HMDS.
265
D. Meßdaten
a)
b)
Abbildung D.13.: CO2Isothermen in SBA-15 a) TS-B und b) TS-B-HMDS.
266
D.1. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung D.14.: CO2Isothermen in SBA-15 a) XL-C und b) XL-C-HMDS.
267
D. Meßdaten
D.1.4.4. SF6
a)
b)
Abbildung D.15.: SF6Isothermen in a) BG12A und b) BG12A HMDS.
268
D.1. Gasadsorption
a)
b)
Abbildung D.16.: SF6Isothermen in a) C14A HMDS und b) BGX18B.
269
D. Meßdaten
a)
b)
Abbildung D.17.: SF6Isothermen in SBA-15 a) TS-B und b) TS-B-HMDS.
270
D.1. Gasadsorption
Abbildung D.18.: SF6Isothermen in SBA-15 XL-C.
271
D. Meßdaten
D.2. SANS
D.2.1. Berechnete Peak-Intensit¨
aten nach dem
kristallographischen Modell
In den Tabellen D.6 bis D.10 sind die Zahlenwerte der aus dem kristallographi-
schen Modell gewonnenen Peakintensit¨
aten angegeben. Die Parameter f¨
ur die
verwendeten Gleichungen sind jeweils im Tabellenkopf angegeben.
Tabelle D.6.: Relative Intensit¨
aten der Bragg-Peaks im Vergleich zum (10) Peak von
PS-D in Abh¨
angigkeit vom inneren Porenradius. r0= 3,9nm,a0= 10,74nm und
α= 0,90.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm (11) (20) (21) (30) (22) (31) (40)
3,9 335 356 0 30 17 13 2
3,8 247 322 5 20 19 20 0
3,7 172 284 18 12 20 26 0
3,6 110 244 35 5 19 29 1
3,5 63 202 55 1 17 30 3
3,4 28 161 75 0 13 27 4
3,3 8 122 94 1 9 22 6
3,2 0 86 108 5 5 16 7
3,1 5 55 117 9 2 9 6
3,0 23 31 119 15 0 4 5
2,9 51 13 115 20 0 1 4
2,8 91 2 105 24 2 0 2
272
D.2. SANS
Tabelle D.7.: Vergleich der Intensit¨
aten aus Tabelle D.6 mit dem Dichteverh¨
altnis α=
0,95.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm (11) (20) (21) (30) (22) (31) (40)
3,9 335 356 0 30 17 13 2
3,8 242 320 6 20 19 21 0
3,7 164 281 20 11 20 27 0
3,6 102 238 39 4 20 31 1
3,5 54 195 61 1 17 31 3
3,4 21 153 84 0 13 28 5
3,3 4 113 104 2 9 23 7
3,2 1 77 120 7 5 16 8
3,1 12 46 130 13 2 9 8
3,0 37 23 133 19 0 3 6
2,9 75 7 129 26 0 0 4
2,8 126 0 118 31 2 1 2
Tabelle D.8.: Berechnung der relative Intensit¨
aten der einzelnen Bragg-Peaks im Ver-
gleich zum (10) Peak von TS-B in Abh¨
angigkeit vom inneren Porenradius (Gasphase)
mit dem Formfaktor 5.12. Der Porenradius des Wandmaterials wurde mit 3,6 nm an-
genommen und das Dichteverh¨
altnis betrug α= 0,95.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm (11) (20) (21) (30) (22) (31) (40)
3,6 622 416 30 54 6 0 10
3,5 474 392 7 43 11 5 5
3,4 346 359 0 31 16 12 2
3,3 239 317 6 19 19 21 0
3,2 151 270 23 9 20 27 0
3,1 84 221 45 3 18 30 2
3,0 36 171 70 0 14 28 4
2,9 8 124 94 1 9 23 6
2,8 0 81 113 6 5 15 7
2,7 11 46 125 12 1 8 7
2,6 40 19 127 20 0 2 6
273
D. Meßdaten
Tabelle D.9.: Berechnung der relative Intensit¨
aten der einzelnen Bragg-Peaks im Ver-
gleich zum (10) Peak von BGX18A in Abh¨
angigkeit vom inneren Porenradius (Gas-
phase) mit dem Formfaktor 5.12. Der Porenradius des Wandmaterials wurde mit 2 nm
angenommen und das Dichteverh¨
altnis betrug α= 0,95.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm (11) (20) (21) (30) (22) (31) (40)
2,0 990 426 130 65 0 11 16
1,9 643 417 34 55 5 0 10
1,8 372 364 0 33 14 10 2
1,7 176 282 16 11 19 24 0
1,6 53 187 59 1 15 27 3
1,5 2 99 101 3 6 18 7
1,4 20 32 123 16 0 4 7
1,3 102 1 111 29 2 1 3
1,2 241 15 72 34 12 12 0
1,1 423 79 25 27 21 32 3
1,0 636 190 0 12 23 43 11
Tabelle D.10.: Berechnung der relative Intensit¨
aten der einzelnen Bragg-Peaks in
Abh¨
angigkeit vom Porenradius von PLU-D.
relative Intensit¨
aten der Peaks
r / nm ) (11) (20) (21) (30) (22) (31) (40)
4,2 782 428 68 62 2 1 10
4,1 626 416 31 54 6 0 14
4,0 488 395 9 44 11 4 16
3,9 367 366 0 33 15 11 15
3,8 264 330 4 22 19 19 12
3,7 178 289 17 12 21 26 7
3,6 109 245 37 5 20 31 3
3,5 57 200 61 1 18 32 1
3,4 22 155 86 0 14 30 0
3,3 3 114 109 2 10 25 1
3,2 1 76 129 7 5 18 4
3,1 16 44 142 15 2 10 8
274
Danksagung
An dieser Stelle m¨
ochte ich allen Danken, die zum gelingen dieser Arbeit
beigetragen haben.
Herrn Prof. Dr. G. H. Findenegg danke ich f¨
ur die umfangreichen
M¨
oglichkeiten bei der Untersuchung des sehr interessanten Themas und
f¨
ur die Diskussionen zu den Ergebnissen der durchgef¨
uhrten Untersu-
chungen.
Herrn Prof. Dr. R. Schom¨
acker danke ich f¨
ur die ¨
Ubernahme des Kore-
ferates und der M¨
oglichkeit in seinem Arbeitskreis die zahlreichen Mes-
sungen zur Stickstoffadsorption durchzuf¨
uhren.
Bei den Mitarbeitern des Stranski Laboratoriums danke ich besonders
Ingke Ketelsen, die mich bei den unz¨
ahligen Messungen zur Gasadsorp-
tion und an der DSC unterst¨
utzt hat und auch Herrn E. P. Resewitz
und Rolf Kunert die bei der Bew¨
altigung der meßtechnischen Probleme
immer sehr hilfsbereit waren.
Bedanken m¨
ochte ich mich auch bei allen, mit denen es eine sehr
fruchtbare Zusammenarbeiten im Rahmen dieser Arbeit gab. Beson-
derer Dank gilt hier Egbert Gedat in Zusammenhang mit den NMR-
Untersuchungen und Holger Egger mit den Untersuchungen zur R¨
ontgen-
Kleinwinkelstreuung, die auch beide mit dem gr¨
oßten Teil des Korrek-
turlesens bel¨
astigt wurden. Herrn E. Hoinkis danke ich f¨
ur die Zusam-
menarbeit bei den SANS-Messungen. Ulrich Gernert danke ich f¨
ur die
wundersch¨
onen REM-Aufnahmen, Dirk Engke f¨
ur die nicht einfachen
Dichtemessungen an den Materialien, Bernd Smarsly f¨
ur die ausdauern-
den Erkl¨
arungen zur Theorie der Kleinwinkelstreuung und Ilja Shende-
rovich f¨
ur weiter NMR-Untersuchungen.
Publikationen
Artikel
-Melting and freezing of water in ordered mesoporous materials
A. Schreiber, I. Ketelsen, G. H. Findenegg
Phys.Chem.Chem.Phys. 3, 1185-95 (2001)
-Stray Field Gradient NMR reveals effect of hydrogen bonding on diffusion
coefficients of pyridine in mesoporous silica
E. Gedat, A. Schreiber, G. H. Findenegg, I. Shenderovich, H.-H. Limbach,
G.Buntkowsky,
Magnetic Resonance in Chemistry 39, 149-57 (2001)
-Effect of surface modification on the pore condensation of fluids:
Experimental results and density functional theory
A. Schreiber, H. Bock, M. Schoen, G. H. Findenegg
angenommen bei Molecular Physics (2002)
-Effect of the surface on the melting/freezing transition in mesopores:
Experimental results and calculations
A. Schreiber, R. Rhadhakrishna, G. H. Findenegg
in Vorbereitung (2002)
-Nitrogen Adsorption in ordered mesoporous silca monitored by SANS
A. Schreiber, E. Hoinkis, G. H. Findenegg
in Vorbereitung (2002)
-2H Solid State NMR Study of Benzene-d6confined in mesoporous
Silica SBA-15
E. Gedat, A. Schreiber, J. Albrecht, I. Shenderovich, Th. Emmler, G. H.
Findenegg, H.-H. Limbach, G. Buntkowsky,
J. Phys. Chem. B 106 , 1977-85 (2002)
-Pyridine-15N - a mobile NMR sensor for Surface Acidity and Surface Defects
of Mesoporous Silica
I. Shenderovich, G. Buntkowsky, A. Schreiber, E. Gedat, N.S. Golubev, P.
Lorente, G.H. Findenegg, H.-H. Limbach,
in Vorbereitung
Reports/Abstracts
-SANS study of nitrogen adsorption and pore condensation in mesoporous
silica at 78 K
G.H. Findenegg, A. Schreiber, E. Hoinkis
BENSC Experimental reports 1999, HMI-B565 , 318 (2000)
-SANS study of nitrogen adsorption and pore condensation in ordered meso-
porous silica
G.H. Findenegg, A. Schreiber, B. Smarsly, E. Hoinkis
BENSC Experimental reports 2000, HMI- , (2001)
-A Variable Temperature-2H-NMR Study of Benzene-d6Confined in Mesopo-
rous Silica SBA-15
G. Buntkowsky, E. Gedat, J. Albrecht, I. Shenderovich, A. Schreiber, G. H.
Findenegg, H.-H. Limbach,
Magn. Reso. Imag. 19, 571 (2001)
-1H MAS and Stray field Gradient NMR on Guest Molecules and Surface
Coatings in Mesoporous Silica MCM-41 and SBA-15
E. Gedat, A. Schreiber, G. H. Findenegg, H.-H. Limbach, G. Buntkowsky,
Magn. Reso. Imag. 19, 575 (2001)
Lebenslauf
Name Schreiber, Andreas
Familienstand verheiratet, ein Kind
Geburtstag 17. September 1966
Geburtsort Hagen/ Westfalen
Wohnort Schloßstraße 47, 14059 Berlin
Schulausbildung:
1973-1977 Besuch der St. Michael Grundschule in
Schwitten, (Menden/Westf.)
1977-1986 Besuch des Walram Gymnasiums in
Menden/Westf.
Studium:
10/1986 - 03/1987 Studium der Chemie an der Ruhr Universit¨
at
Bochum
04/1987 - 01/1998 Studium der Chemie an der Technischen
Universit¨
at Berlin
04/1989 Vordiplom im Studiengang Chemie
01/1998 Abschluß des Studiums als Diplom-Chemiker
im Fachbereich Chemie der TU Berlin
Berufst¨
atigkeit:
05/1989 - 03/1993
11/1994 - 03/1995
Studentische Hilfskraft mit Lehraufgaben am
Optischen Institut der TU Berlin
05/1993 - 07/1994 Zivildienst am Universit¨
atsklinikum Rudolf
Virchow Berlin
seit 02/1998 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeits-
gruppe von Herrn Prof. G.H. Findenegg im
Rahmen des Sfb 448 Mesoskopisch strukturierte
Verbundsysteme