•om
GLÜCKSELIGE
EINHEITLICHKEIT
DES
WEffiES'
UND
·woMAN
IS
PERFECT'-
LOU
ANDREAS-SALOME
UND
H.D.
IN
DER
SCHULE
BEI
FREUD. *
Gisela
Ecker
Nachdem
von
seiten
der
Frauen
nun
schon
seit
gut
lS
Jahren
die
Diskussion
um
Freud
und
die
Psychoanalyse
lebhaft
und
kontrovers
geführt
worden
ist, erscheint es mir interessant, sich
der
frühen Rezeption
durch
die Zeitgenossinnen zuzuwenden.
Die
bürgerlichen
Frauenbe-
wegungen
nahmen
die
Psychoanalyse
kaum
oder
sehr
oberflächlich
zur
Kenntnis
und
flillten
im
Rahmen
ihrer
pragmatisch
orientierten Gleich-
heitsdebattevorwiegend
negative Urteile.
Demgegenüber
ist
zu
erwarten,
daß sich Vertreterinnen
der
Avantgardebewegungen, denen
ja
eine beson-
ders
enge
Verbindung
zwischen Lebenspraxis, Wissenschaft
und
Kunst
nachgesagt
wird,
intensiver
mit
dieser
neuen
Wissensmenge, die
so
viele
Aussagen
über
Weiblichkeit
enthält,
auseinandersetzen.
Zwei Schriftstellerinnen
aus
ganz verschiedenen Kulturkreisen
haben
ihre
Begegnung
met
Freud
und
der
Psychoanalyse
als
einschneidendes
Ereignis
in
ihrem
Leben
bezeichnet
und
dieses
auch
in
umfangreichen
Texten
beschrieben:
Lou
Andreas-Salome (1861-1937)
und
Hilda
Doo-
little
(H.D.
1886-1961).
Die
in
Rußland
aufgewachsene deutschstämmige
Lou
Saloml:,
deren
Schriften
auf
religionsphilosophischem, literarischem
und
literatur-kritischem
Gebiet
lagen,
war
begehrtes Mitglied von Bo-
heme-Zirkeln
in
Berlin,
München
und
Wien
um
die
Jahrhundertwende;
die
Amerikanerin
H.D.,
Verfasserio innovatorischer lyrischer
und
er-
zählender
Texte,
stand
am
Rande
verschiedener Avantgardebewegungen
in
den
europiischen
Metropolen,
vor
allem
London
und
Paris.
Über
das
turbulente
Leben
der
beiden
Frauen,
das
sie selbst als experimentierend
verstanden,
ist
mehr
geschrieben
worden
als
über
ihre Texte,
mit
einer
Mischung
von
Reiz
und
Horror
vor
unkonventioneller Weiblichkeit, ein
Ph!nomen,
das
sich im Zuge
einer
feministischen
Kulturkritik
unschwer
als
Fortschreibung
geschlechtsspezifLScller Muster erklären
läßt.
Ironi-
scherweise
verdanken
wir
die
sorgfältige Behandlung ihrer Schriften
gerade
der
Tatsache,
daß beide
als
Begleiterin
und
Geliebte bedeutender
Minner
galten. Nietzsches
und
Rilkes im einen
Fall,
Pounds,
Aldingtons,
Lawrence
im
anderen,
um
nur
die bedeutendsten
unter
ihnen zu nennen.
Dem
wachsenden Interesse
an
der
Uteratur
von
Frauen
und
der
feministi-
schen
Literaturkritik,
besonders
in
bezug
auf
H.D.,
ist
es
zu
verdanken,
•Diclem
Artikel liegt ein VonngZDgr'llllde. dcD ich 1987
auf
der
Tagung der MLA
io
San
FI'IIIICisc:o
gcbahen
habe.
12
daß
heute
ihr
umfangreiches
Werk
zur
Kenntnis
enom
.
~~~~:::a~e~~~~:h~
aus~chli~ßlich
_als
das
Ges~höpf~::n=d~
Geliebten Rillces u , . es
magum
gilt
und
daß
Salome
außer
der
anderes darstellt.
nd
Nietzsche's
wayward
disciple' (
cf.
Binion
1968)
noch
Weit
entfernt
von
ze"t ö · ,
Lebensläufe allerdings
s:Os;;~
ssd~c=
Normalbiographien',
boten
die
Heiratsanträge
an
Lou
vo
~
te
ebten
Legenden.
Abgeschmetterte
Ehe
mit
ihrem
Ma
d" n
N~etzsche
und
andere,
die
nicht
"vollzogene•
nn,
Je
von
ihr
abru
t b b
pikanten
Dr..;ecksbe · h P a
ge
rochenen
Aflaren
und
die
va
ne
ungen
dievi
1 R · L ·
phantasierte
Promiskuität
H D
n:e
en
eiSen
ous,
die
vollzogene
und
sehen Zusammenbeilehe
aifus
.s,
. Hom'?lle:xualität
und
ihre
psychi-
abenteuerlich
akrobatische
Ges~::'
~tefert
eme
~ongliermasse,
aus
der
meint,
aus
den
Legenden die
'w
!c
ten
produnert
werden.
Doch
wer
oft
postuliert
WI"rd
"rrt
"eh
ahre
Gestalt
herausschälen
zu
können
wie
• 1
SI
ebenfalls d 1 . '
der
autobiographischen
sollt
k . '
;.nn.
we
ehe
Quelle,
emschließlich
Bewußtsein
der
geschichte e d
ei?e
iktionen
enthalten?
Alleine
das
der
eigenen
und
der
sorgfiU~proUU2J.erenden
~ewegungen,
einschließlich
Für
keine
der
beiden
F
ge
mgang
da~It
kartn
weiterhelfen.
analyse
den
Übertn"tt zu
~uenScbedeutete
dte
Begegnung
mit
der
n...·cho-
emer
hule
'm"t
n·
•
~:~
fanderstinreiferemAlt
t L 1
legenden
Fahnen'
denn
sie
k
er
s
att(
ou
Andr
Sal , •
ennenlemte
und
H.D
47 J h
eas-
ome
war
50, als
sie
Freud
P~bliziert
hatten.
Salom~
sagt
:o
re
,:"~)
~d.
nac~dem
beide
bereits
viel
dtese Begegnung hin
be
n stc •
btshenges
Leben
habe
sieb
auf
Lektü
wegt,
und
auch
H D d . .
re bestens vorbereitet 1 G · ·
war
urch
tntenstVe
Freud-
li
h . . . m
egensatz
zu
d h
c
onentterten
ersten
weibr
b p
en
me
r
naturwissenschaft-
Mclanie Klein,
Karen
Horn~;
~~I
syc~oanal;ytikern
wie
Helene
Deutsch,
von
der
geisteswissenschaf••t· h
st~n
St~h
betde
Schriftstellerinnen
mehr
· h u c
en
ette
di
·
nc
tung
angezogen
auch
eser
Janusköpfigen
neuen
Denk-
. • wenn
Salome
di
·
emgelesen hatte, ein
eher
w· . e steh
autodidaktisch
intensiv
Freud
1911
während
eines
:::u:~hafthc~es
Interesse
bekundete.
Sie
lernte
1912
Zutritt
zum
Mittwoch~ben~alyttsc~en
Kongresses
kennen,
bekam
Jahren
entWickelte sich . F -Kolleg m
Freuds
Wohnung
Mit
den
~b
· eme
reundscbaft
· ·
u
~r
eme Reihe
von
Begego
.
mtt
Freud
und
seiner
Familie
~emeren
Texten abgesehen
ungend
un~
über
viele Briefe.
Von
ein
paar
Ltteraturp
odu
. •
wan
te
Steh Sal e · d
vor
di
r .
ktlon
ab
(fast
alle
der
nach
19;m
m
er
Folge
von
der
eser
Zeit
entstanden)
und
de
n.....
1
gedruckten
Texte
waren
unorthodoxe
Laienanat . • . r • o;,choanaJyse Zl1,
wurde
so
psycboanaJ)'ti8<:he
Sch~enn
mit
recht
erfolgreicher
Praxis
d
_.._:U
"E
te
. '"uLCn.
Insgesamt
bezi
un
v .........
te
(l~l)
a~~;ue
~choanalyse
und
ihren Be
e~n
sich
folgende
gedruc.lcte
ihr ' Bnefwechsel
mit
Freud
grtlnder: Mein
Dank
an
Freud
em
Lebelm'ih:lcblick (1951),
lJ
~on
!912-1936,
ZWei
Abschnitte
in
II
Sclru/e
bei
Fr~.
Tagebuch
eines
13
Jahres
1912/13
(1958)
und
sechs psychoanalytische Artikel.
Auf
Anregung
ihrer
Lebensgefährtin
Dryherund
des Analytikers Hanns
Sachs
hin
machte
H.D.
bei
Freud
eine
Analyse,
80Stunden
vom
1.
März
bis 15.
Juni
1933
und
von
Oktober
bis
Dezember
1934 25
Sttmden.
1944,
während
der
'Blitz'-
Angriffe
in
London,
schrieb
sie
ihre
Erinnerungen
an
diese
Analyse
unter
dem
Titel
'Writing
an
the
Wall'
aufund
ergänzte
diese
später
durch
'Advent',
ihre
Aufzeichnungen
während
dieser Analyse,
zusammen
Tribute to Freud (1974}.
Ihr
Gedicht
über
Freud,
'The
Master'
(1933),
wollte
sie
zu
Lebzeiten
auch
aufDruck
hin
nicht
veröffentlichen:
'I
will
not,
NOT,
NOT
bave
my
analysis
spoiled
again'
(1984: xxiv).
Anspielungen
auf
Freud
und
seine
Lehre
durchziehen
ihr
gesamtes
umfangreiches
Spätwerk.
Es gilt
als
gesichert,
daß
sie,
wenn
auch
nicht
psychisch
'geheilt',
in
der
Analyse ihr Selbstverständnis als
Dichterin
rurückgewinnen
konnte.
Nur
auf
den
ersten
Blick erscheinen die verschiedenen
Rollen
klar
getrennt:
hier
der
Analytiker,
dort
einmal
die
(gut)
zahlenden
Patientin,
und
zum
anderen
die
berühmte
Zeitgenossin, die bei
ihm
Psychoanalyse
studieren
will,
denn
auch
H.D.
sah
sich zeitweise als seine Schillerio
und
beschäftigte
sieb ausgiebig
mit
den
Schriften
der
Psychoanalyse,
und
Salomes
explizit
der
Wissenschaft dienendes
Verhältnis
zum
Meister
war
doch
geprägt
von
klassischen
Mustern
der
Übertragung.
Für
ihn
selbst
nahmen
beide
Frauen
eine Sonderstellung
ein,
'Frau
Lou'
als
Freundin
und
•versteherin
par
excellence•
(Freud
1966: 311),
die
nicht
unbedingt
nach
wissenschaftlichen Kriterien vorzugeben
brauchte;
H.D.
als
Dich-
tenn,
deren
Talent
es
zu
bewahren
und
zu
verstärken
galt
und
das
Vorrang
vor
psychischer
Gesundheit
hatte,
ein
besonders
typischer
Konflikt
aus
den
ft11ben
Jahren
der
Psychoanalyse.
Die
Texte,
die
ich
beniltzte,
um
herauszufinden,
wie sich diese beiden
Frauen
auf
die
Psychoanalyse einließen,
sind
vielschichtig
und
reich an
phatiscben
Elementen.
Es
ist
nicht
zu
übersehen,
daß es
sich
um
persönliche
Beziehungen
gehandelt
hat,
in
denen
vor
allem
von
weiblicher
Seite
vielintimes
eingebracht
wurde. Vieles
in
der
Forschung
zu beiden
Autorinnen
zeigt, wie verletztich
das
Material
ist,
mit
dem
ich
mich
hier
beschäftige.
So
kann
Zll1D
Beispiel
der
Autor
der
deutschsprachigen
Ausgaben
von
Tribute
kaum
seine
Lust
zur
Reduktion
des
Texts
auf
eine
psychoanalyt:ische Fallgeschichte ziigelD:
'Aber
es ist
beinahe
Zl1 ver-
lockend,
H.D.
hinterdie
Schliche
zu
kommen;
es fällt schwer,
statt
dessen
von
ihr
zu
lernen'
(Doolittle
i975:
22).
Gerade
das
aber
will
ich
hier
VCI$UChctt.
14
'Liebste
H.D.'
··· 'Meine liebe
Lou'
'L'
b
Pr
..
Dim . ···
Je
er
o.essor'·
die
phatiscbe
ens10n
'
'There
was
an
aron... t . li . .
13) be .
~~en
nnp
cttmourverybones'
schreibtH
D (1974·
• a r
s1e
unternunrot
dennoch
k · . ' · · ·
für
L A
dr
eme
argumentative
Abgrenzung
Auch
sie
F;:ud
n .
eas-8~ome.muß
d:ie
Beziehungsebene
'stimmen•.
D;rt,
wo
Meisterle~:erspncht,
m
A~~eln
und
Briefen,
vollbringt
sie
wahre
Eine ihr M
~e~
der
Harmomsterung
von
eigentlich
Unverträglichem.
des zu
er
e
~
en:
ohne
den
Anschein eines
Dissens
etwas
Abweichen-
marginal
.
sagAen,
tst
die
Umgewichtung
von
Freuds
Worten
indem
st'e
e
ussagend
M'
b •
Bestät' h .
es
eiSters
evorzugt
an
denjenigen
Stellen
zur
komm~gu:
ch:r:::t·
wo
sie
s_eine
zentralen
Thesen
angreift.
Freud
modalität
umschaltet
Ient~egen.
t?dem
er
auf
eine
andere
Rezeptions-
drängend
F
..
• n
emem
Bnef
von
1917
antwortet
er
auf
eine
ihrer
en
ragen.
Ich
werde
weder
• J ' h
'N
.
Fragezeichen austeilen
sondern
tu
~
no~
em'
sagen,
noch
immer
getan
habe·
sie ' .
n,
was tch
mtt
Ihren
Anmerkungen
318)
Salomes
Ab
..
hgerueßen
und
aufmich
wirken
lassen'
(Frcud
1966·
.
Weic
ungen
von
der
F
ds
h
Leb
. . .
Gewand
der
Zustimm
äuß
_
reu
. c
en
re,
dte
ste selbst
im
Kollege gewesen
den
si~::~
Aert,
hatten
ihr.
wäre
sie ein
männlicher
Freud
gerade
d;n
deutlic~n
~~~
beschert.
~aradoxerweise
wertet
Bindung um: .
en
t
Ihrer
Abwexchung
im
Sinn
einer
~
is~
ganz
unverkennbar,
wie Sie
mir
. . .
S1e
Sich
seherisch bemühe . B Jedesmal voraneilen
und
m1ch
ergänzen
wie
Eine!
•
n,
meme
rochstücke zum B '
•
ruck,
diese sei
so
in besonderem A . 8
1l:
ZU ergänzen.
leb
habe
den
Liba~
in
Gebrauch
gezogen
habe
o::~·
sende~
~
den
Begriff
der narzißt.
enteilt zu den Systembauern zu J · odce diesen. mcme ach, wären
auch
Sie
mir
H.
• ung r eher zu Adler
(Frcud
1966· 68)
mter
den
eingehaltenen
kulturs
"fi
. .
begegnung mit
ihren
kavali
bafpcZl
ISchen
Mustern
der
Geschlechter-
l~sung,
die Rivalisieren
aUS::~ließten
Geste,n
v~rbirgt
sich
eine
Verbarm-
Sie
die Spezifik
ihrer
Ausl
t.
Sal~me
Wirlet
selbst
dabei
mit,
wenn
begründet
sieht. So
schre~::~e:~b~lldernd
als
in
ihrer
Weiblichkeit
analyse;
r ihre Begegnung
mit
der
Psyche-
Wie
e:'
&CWCilen
wäre als bloß
aachli
h .
kann
ich
mir 6berhauPt
m'cht
c es Wissen
ohne
dies menschliche
ErlebDIS'
VOrstellen,
(Bi . uclt . '
Indem
sie
dariiberh'
IIJ&a
emeFrau.)(Frcud
1966:214).
Psyche
zu
ihrem
n.e:::a~:-:d~~eibli:he.
Sexualität
und
die
weibliche
Freudbcreitsalsrätselhaft
•
andmestchaufeinemTerritorium
das
und
ka
und
undurchdringl" · '
m ihm
auch
dadurch
nicht
zu
nah
ICh
1DS
Abseits
gestellt
hatte
Mehrfach
betont
Freud
· e.
seinen C!-'--- • wte
angenehm
ibm
•F
Lo
~uauUU'en
ist.
Als
sie einmal feblt
.__,
rau.
us'
Anwesenheit
in
'sc
...
e~bt
er
ihr
in
einem
Brief
vom
15
10.11.1912
von
seiner
'Unart,
den
Vortrag
immer
an
eine
bestimmte
Person
im
Hörerkreis
zu
richten
...
und
starrte
gestern
wie
gebannt
in
die
Sitzlücke,
die
man
für
SiegelaSBen
hat'
(Freud
1966: 12).
Als
er
sich
viele
Jahre
später
für
eine
Blumensendung
bei
H.D.
bedankt,
differenziert
er
zwischen
Lob
(das
er
nicht
akzeptieren
könnte
und
das
eher
männlich
konnotiert
ist)
und
Zuneigung:
•Wbat
you
gave
me,
was
not
praise,
was
affection
and
I
need
not
be
ashamed
of
my
satisfaction.'
Und
der
alte
Freud
endet
diesen
Brief
mit
einer
überraschenden
Wendung:
•Life
at
my
age
is
not
easy,
but
spring
is beautiful
and
so
is
Iove'
(H.D.
1974: 194).
'My
intuition
challenges
the
ProfeSBor,
though
not
in
words'
(1974: 99),
schreibt
H.D.,
und
'the
Professor
was
not
always
right.
That
is, yes,
hewas
always
right
in
bis
judgments,
but
my
form
of
rightness,
my
intuition,
sometimes
functioned
by
the
split-second ...
the
quicker'
(1974: 98). Diese
Intuition
gab
ihr
auch
das
Recht,
ihm ziemlich
untypische
Aussagen
zu
unterstellen:
lt
is difficult
to
imagine the Profcssorsaying
solcmnly:
'I
stumbled on a weil ofliving
water, the river of
life.
It
ran muddy or bright.
It
was blockcd
by
fallen
Iogs,
some
pctrified
-
and
an
accumulation
of
decaying
leaves
and
branches. I
saw
the course
of
thc
river
and
how
it
ran,
and
I,
pcrsonally,
dcared
away
a
bit
of
rubbish,
so
that at
least a small section
of
the
river should run clear (1974:
83).
So
poetisch
transformiert
ist
er
sonst
nicht
behandelt
worden,
und
auch die
mythologischen
Personae
Theseusoder
Asklepios, die
er
in
ihrer
Phantasie
verkörpert,
sind
in
ihrer
Dichtung
mehr
als
Figuren
der
Übertragung
im
analytischen
Prozeß.
Der
phatischen
Ebene
wird
in
Tribute viel
Aufmerk-
samkeit
geschenkt,
den
'Scbwatzstunden'.
dem
gemeinsamen Betrachten
von
Freuds
'goods/gods',
d.h.
seiner
kleinen
antiken
Statuen.
Die
Harmonisierung,
die
als
Produkt
historisch spcziiJScher weiblicher
So-
zialisation die
Schriften
beider
Frauen
prägt,
kann
trotzdem
über
die
eigenwilligen Wege,
die
beide
in
der
Bewertung
psychoanalytischer
Ansätze
geben,
nicht
hinwegtäuschen;
der
Widerstand
kommt
in gelalliger
Kleidung
einher.
'Die
glik:ksetige Einheittichkeit'
Der
Narzißmus
ist
das
zentrale
Thema
in
Lou
Andreas-Satomes
psychoanalytischen
Schriften
und
gleichzeitig
der
Angelpunkt
ihrer
Ab-
weichung
von
Freud.
Die
Diskussion
darilber
beginnt
bereits 1913 in
ihrem
Tagebuch.
ist
eines
der
wichtigsten
Themen
in
ihrem
Briefwechsel
mit
Freud
und
fmdet
schließlich
1921
mit Salom6s Anikel
'Narzißmus
als
Doppelrichtung•
in
der
Zeitschrift Imago
ihren
wichtigsten
Ausdruck.
Freud
hatte
in
seineo Vorlesungen
und
in
einem
Aufsatz
von
1914
vom
reifen
Individuum
die
Verlagerung
der
Libido
von
der
Selbstliebe
zur
16
Ob!e~liebe
verlangt
und
dieser
Objektbesetzung
nur
einen
eher
unver-
mexdltchen Rest
~on
ursprünglichem
Narzißmus
zugestanden.
Im
Gegen-
satz
dazu
setzt
s1ch
Lou
Andreas-Salome
in
immer
neuen
Ansätzen
und
mit
leide~chaf~icher
Emphase
für
die
positive
Bewertung
aller
Formen
von
Narzißmus
tm
erwachsenen
Ich
ein,
vor
allem
aber
fiir
die
narzißti-
sc~en.
Anteile
an
der
Objektliebe
und
die
narzißtische
Orientierung
des
Weiblichen Geschlechts.
.
Zwe~erlei
~t
ihr
an
dieser
narzißtischen
Libido
wichtig,
nämlich
daß
sie
~e
~uckbeZJehung
darstellt
und
daß
sie
eine
Form
von
Verschmelzung
ISt. D1e erste
Phase
der
Selbstliebe, des
primären
Narzißmus
ist diejenige
der
.ungespaltenen
Einheit
von
Ich
und
Welt
in
der
frühen
Mutter-Kind-
BeZiehung, einem symbiotischen
Verschmelzungszustand
mit
entspre-
~~en~~n
Allmachtge~hlen.
Das
Kind
'lebt
die
Mutter,
ehe
es die
Mutter
liebt
(19~7:
~55).
Dxeser
prä-ödipale
Idealzustand-
darüber
sind
sich
so
unterschtedliche
Theoretiker/innen
wie
Freud
Kristeva
Lacan
Winni-
cott
und
Kohut
einig-
wird
mit
dem
Eintritt
in
das
Symbolische'und
die
Sprache
unwiderru.f!icb.
aufgegeben.
Der
Unerf"lillbarkeit
des
entspre-
chenden
Begehrens
JSt
sxch
Salome
zwar
grunds-tzli
h b
wuß
d ·
räumt
ein
daß
di
·w·
a c e
t,
un
sie
. . • e Iederverschmelzung•, wie sie es
nennt,
durch
Sublim_ation
Kompromisse
eingeben
muß,
doch
stellt sie
ihrer
Meinung
nac~
eme
unersetzliche positive
Kraftquelle
zur
Verfügung
das
'Urer-
~~=
d~r ~teil~ftigkeit'
(1921: 374).
Die
sprachliche
F~ung
ihrer
'Urtr~
dxe
xm
schillernden
Gebrauch
von
Komposita-Kreationen
den
e .
um
al~esumf~senden,
allesuntergründenden
Seins'
(1921: 376)
;~::ren,
~ptegelt
d~eses
Begehren,
aber
auch
die
Verdrängung
von
dessen
PM
mattscher
Sexte.
Für
ihre
Zwecke
deutet
sie
auch
den
Narziß.
ythos
um:
Ein wenig
hat
es
der
Taufi I d .
G.....:
••
_
da
. .
PA_e
es
Termmus,
der
Spiegelheld
Narziß
auf
dem
-~
.......
n,
wenn bei
zu
e•nse•f
d"
· hbegl •
man bedenke daß d N
~
ae
ac
ü~kte
Erotik
allein herausblickt.
Aber
sondern
vor
d~m
der
Ne;tur~
U .
:er.
Sage
mc_ht
vor
künstlichen Spiegel
steht,
sich
ab
alles
noch",
und
vieUeic~t:
t
ntcht
nur
~•eh
im
Wasser
erblickend,
sondern
geflohen?
0921:
367).
tte
er
sonstnachtdavor
verweilt,
sondern
er
wäre
Bereits in ihren
Tagebuchn
.
über
die schöpferischen
As
ktOtizcn
von
~913
macht
sie
sich
Gedanken
pc
e des Narzißmus:
Mir
scheint wK:htig
da8
der
N .
LebensuDreife,~auch
. ar.zißmus ··· llicht
nur
eine
zu
überwindende
bloß
die
Grenze,
tibet" die
m::~e
l.ebensbegleitungillt, also
nicht
auch
die,
wo
das
Ineinander
YSierend
mcht
mehr
hinüberkommt
sondern
überpers&llic:h
UDd
.o-L-~
von_ Ich
und
Libido schö..,.erisch d h
'mso·
'"em
.
-o,
aus
diesem
. .
......
' • •
..
zeraliederbar
und logisierbU ist (1983:
lsrtil'cn
Grund
mcht
mehr
empirisch
17
Freud
sieht
hinter
solchen
eigentlich
ketzerischen
Ideen
nicht
ohne
implizite
Kritik
ihre
Kunst,
über
das
Gesagte
hinauszugehen, es
zu
vollenden
und
bis
zu
einem
fernen
Treffpunkt
konvergieren
zu
machen
...
Natürlich
gebe
ich
nicht
gleich
mit
...
Was
mich
interessiert,
ist
die Scheidung
und
Gliederung
dessen,
was
sonst
in
einem
Urbrei
zusammenfließen würde
(Freud
1966: 38).
Aufschlußreich
für
unseren
Zusammenhang
sind
die
Verbindungen
zwischen
Weiblichkeit
und
Narzißmus,
die
sie
zieht.
Die
Begründung
dafür
sucht
sie einerseits
im
Anatomischen,
denn
der
'beharrliche
Oberrest
der
Klitorissexualität'
verhindere
mit
der
resultierenden •infantile(n)
Erogenität
des
Gesamtleibes'
(1921: 370) die
auf
einen
Punkt
konzentrierte
männliche
Lust,
mit
der
Gebärlahigkcit
gewinne
sie
aber
auch
ein
'Stück
Aktivität'
und
habe
somit
Anteil
an
allem, sei
'darin
fast doppelgeschlecht-
lich
ergänzt
und
eben
drum
wieder ins
Umarzißtische
zurilckgerundet•
(1921: 370).'Vieles
ließe
sich.
in
andere
Worte
1lbersetzt,
in
den
heutigen
Diskurs
über
weibliche
Sexualität
einordnen.
Die
Vorstellung
vom
narzißtischen
Weiblichen
hatte
sie bereits
ohne
psychoanalytische Be-
gründung
und
ohne
sich
des Begriffs
noch
bedienen
zu
können
in
ihre_m
Artilcel
'Die
in
sich
ruhende
Frau'
aus
dem
Jahr
1899
vertreten.
Dort
1St
von
der
'glückseligen Einheitlichkeit' des Weibes die Rede; es zeichne
sich
durch
'intaktere
Harmonie',
durch
'weibliche Selbstherrlichkeit' aus, es sei
'der
genießendere
Mensch
•.
aber
auch
gleichze~tig
der
widersp~chsvoll~e
und
weniger weit entwickelte. 'Dies Ungerechtere.
am
WCJ~,
das,_
un
traditionellen
Sinn,
weit
Gewissenlosere,
macht
s1e
auch
vtel
wemger
kultivirbar
als
ihn'
(1921: 303).
In
seinem
Narzißmus-Aufsatz
gesteht
Freud
nur
dem
Mann
volle
Objektliebe
zu, die
Frau
dagegen
sei
aufgrund
der
'Steigerung
des
ursprünglichen
Narzißmus' in ihrer
'ordentlichen'~!)
O~jektlie~
eing~
schränkt
denn
sie liebe
nur
sich selbst.
Interessant
smd
dte Vergle1che,
die
er
zieht,
~
seinen Lesern
das
Phänomen
nahezubringen:
Solche
Frauen
üben
den
gr<lßten Reiz
auf
die
Mlnner
aus,
nicht
nur
aus
~th~
Gründen
... Es
erscheint
nämlich deutlich
erkennbar,
daß
des
Narzißmus
etner
Person eine
große
AnziehUDB
auf
diejenigen
anderen
entf~~·
welche
sich
des
v~
Ausmaßes
ihres eigenen
Narzißmus
begeben
haben
und
s1ch m
der
Werbung
um
dte
Objektliebe
befinden;
der
Reiz des Kindes
beruht
zu~
gu~n
Teil
auf
~
NarziBmus
sein«
Selbstgenügsamkeit
und
Unzuglnglichkelt, ebenso
der
RetZ
gewisser Tiere die sich um uns
nicht
zu
kflmmcm
scheinen,
wie die
Katzen
und
großen
Raubti~.ja
selbst
der
große
Verbrecher
und
der
Humorist
zwingen
in
der
poetischen
Darstellung
unser
Interesse
dun:h
die
narzißtischc Konsequenz, mit
wachersie
alles
ihr
Ich
Verkleinemde
von
ibm fernzuhalten
wissen
(1914: SS).
Der
leibhaftigen
Lou
wird
nachgesagt,
sie
habe
dieser
Freudschen
Beschreibung
Modell
gestanden
(cf.
Kofman;
Salber).
Dieser
wertet
im
18
seihen
Artikel
die vielzitierten
männlichen
'Klagen
über
die
Rätsel
im
We~en
desselben' (1914: 56)
als
Folge
dieser
•selbstgenügsamkeit
des
We~~··
_we~
die
Raubkatze
nun·selbst
zu
sprechen
amangt,
erscheint
es,
~
lDSJStiere
die
Frau
als
Subjekt
auf
denjenigen
Wunschphantasien,
die
ihr
so~st
als _O?jekt zugeschrieben
wurden.
Allerdings
tut
sie
dies
auf
eine
s7hr
etge?Willige Weise, in
immer
neuen
argumentativen
Ansätzen
und
emer
radtkal~n_ll~ehrung
der
Bewertung
ins
Positive.
Was
sie
anfangs
von
aller
We~blichkett
gesagt
hat,
grenzt
sie
in
den
späteren
Auseinander-
setzungen
stärker
auf
das
Mütterliche
ein:
'im
Mütterlieben
kreuzt
sich
nur
vollen~
das
E~g-a~t~rotische
mit
dem
Allesumfangen
den,
der
breiteste
UrnJa-:ts, den dte
Ltbtdo
beschreiben
kann
mit
seiner
Anschlußstelle
im
OrganJSmus• (1917: 182-3).
Iode~
das
~eib~cbe
bei
ihr
keinen
Mangel
kennt
(symbolisch
ausge-
d_rückt
tm
Pents-Netd),
entfernt
sieb
Lou
Andreas-Salomes
Idealbild
der
in
steh
ruhenden
ruuzißtische F h"
d . . . n .
rau
entsc
teden
vom
Freueischen
Konzept
.es
W
~tblichen,
aber
mdem
dte
Frau
nicht
aktiv
in
die
Kulturentritt
folgt
Sie
se~en
Vorste~un~en
~on
der
weiblichen
Unfähigkeit
zur
K;utur.
8
~::~
:estaltet
em
Bil~
et~enständiger
Weiblichkeit,
das
sich
nicht
am
ma
h
~c
en
Mod~ll
onenttert.
Die
Rückwendung
zum
Prä-Ödipalen
ersc
emt
erstaunlieb
aktuell
· · ·
a1
· h •
zum
emen
weillDl
Rahmenneuerer
psycho-
an
yttsc
er
The~ri~n
der
Narzißmus
aufgewertet
wird
(cf.
Kohut
Stein)
zum
anderen
Weil
SJCh
heute
viel n·
kuss"
' '
entwicklung
und
Gefrhlsök
~
lS
•
Ionen
über
weibliche
Sexual-
u
onomle
auf
diese
frühe
Ph
bezi h D
entscheidende
Unte
h
"d
. ase e
en.
er
F"kti h rsc
eJ
1St
allerdings,
daß
Lou
Andreas-Salome
den
1
onsc
arakter
dieses Begehr h
E"
.
matiscbe
Notw
di
. d
ens
nac
mhe1t
verkennt
und
die
trau-
en
gkett er
Abspaltun
· - .
einseben
will
0 J 1
. K . g
tn
Spateren
Lebensphasen
mcht
· azu u
1a
nsteva;
Weliveinacivili:zationwherethe
..
femiuinity
is absorbed
by
m th
~onsecrared(relig:aous
orsecular) represcntation of
motherbood
is
the ftlllta.ry
:I.at~
ood.
lf,
however,
one
Iooks
at
it
more
Iosely,
this
territory;
wbat
is
more
it
inv
"1
nu~
by
.the
adult,
man or woman,
of
a lost
idealization
of
prlm~~~y
~~
v(~
98
~
1
::}.
•dcalized
arcbaic mother than tbe
Unbewußt
muß
Salome
doch
d . .
muß
sie
doch
unermüdli
h
em
symboliSchen
Embruch
Tribut
zahlen,
das Gemeinte
suchen
un~
=
:m
rechten
sprachlichen
Ausdruck
für
begreiflicherweise nicht im Lexik es
dann
oft
nur
mit
Wörtern
tun,
die
on
stehen.
•A
WOIUD's laag)uer
Für
Lou
AnA---
.,._.
L
hluß
~~omc
galt
•das ansch .
SC • stelle
des
objektiv
Gülti
, Clncnd
Subjektivste
als
An-
Schreiben
nach
diesem Prin:zj
rßten_
(l~1:
38~);
H.D.
verfuhr
in
ihrem
p.
Die
lDe1Sten
ihrer
Texte
sind
deutlich
19
erkennbar
an
autobiographischem
Material
orientiert
(überdies
ermutigte
Freud
sie
dazu,
weitervon
diesem
auszugehen),
und
doch
geht
es
in
diesen
prozeßhaften
Texten,
die
durch
und
durch
konstruierte
Kunstprodukte
sind,
nicht
um
Repräsentation
von
•Leben
',das
Erzählen
oder
Aufarbeiten
bereits
vergangeocr
Ereignisse.
H.D.
holte
sich
bei
Freud
Bestätigung
für
ihre
Sicht
des
Subjekts
als
Schnittstelle des
Allgemeinen,
für
ihr
visionäres
Vorgeben
und
ihren
Weg
hin
zu
einer
esoterischen
Spiritualität.
Dies
konnte
nur
durch
eine
Umbewertung
seiner
Aussagen
geschehen,
denn
während
es
Freud
darauf
ankam,
Unbewußtes
bewußt
zu
machen,
zielte
H.D.
umgekehrt
darauf,
die
Zugehörigkeit
alles
dessen,
was
ans
Bewußt-
sein
getreten
war,
zu
einem
einzigen
kollektivenUnbewußten
aufscheinen
zu lassen,
das
eine
gewaltige
synthetische
Kraft
besaß
und
auf
keinerlei
Gesetze
der
Materie,
des
Raums
und
der
Zeit
Rücksicht
nimmt.
Für
sie
stellt
selbst
Freud
mit
seiner
analytischen
Vorgehensweise
nur
einen
kleinen
Teil
dieses
großen
Zusammenhangs
dar.
H.D.s
Freud
ist
einer,
dem
man
sonst
nicht
begegnet:
He
bad dared to say tbat
tbe
dream
came
from an unexplored deptb
in
man"s
consciousness and tbat this unexplorcd deptb ran
Iikc
a grcat strcam or ocean
Underground ...
He
bad dared to
say
that it
was
the
same ocean
of
universal
consciousness, and
even
iC
not stated in so
many
words,
he
had darcd to
imply
tbat
this consciousness proclaimed all
mcn
one;
all
nations
and
races
mct
in tbcuniversal
world oftbc clrcam
(H.D.
19S6: 71).
Eine
Sehnsucht
nach
ungeteilter
kosmischer
Ganzheit
durchzieht
bereits
diese
Eindrücke,
die
in
einer
utopischen
Vision
über
das Persönliche
hinausgehen:
der
Mensch
würde
in
diesem
umfassenden
Traum
•rorgo
barriers
of
time
and
space,
and
man,
undcrstanding
man,
would
save
mankind'
(1956: 71).
Auch
in
ihrer
Fiktion
ist sie
die
Dichterio
der
verwischten
Grenzen
zwischen
Figuren,
der
narzißtiscben
border/ine-
Fälle
(cf.
Ecker
1987),
und
auch
ihre
bereits
ausgebildete
literarische
Technik
kommt
den
auf
der
Couch
geltenden
Prinzipien
der
freien
Assoziation
und
der
Verbindung
von
oberflächlichen Dissoziierten weit entgegen.
Künstlertom
und
Weiblichkeit
waren
für
Lou
Andreas-Salome
unver-
träglich,
obwohl
sie zwischen
dem
männlichen
Künstler
und
der
Frau
schlechthin
eine
innere
Verwandtschaft
erkannte
denn
wie
der
Künstler
lebe
die
Frau
aus
der
Fülle.
Allein
der
Narzißmus
des
Künstlers
ermögliche
es
ihm,
'aus
tiefer
Identifikation
mit
allem
herauszuschaffen" (1921: 384),
und
trotz
aller
damit
verbundenen
Gefahren
sieht
sie
in
der
Kunst-
produktion
•ein Schweigen
aus
dem
Vollen,
worin
Rausch
und
f.rieden
sich
zur
gleichen
unerhörten
Erfahrung
einen• (1921: 386). Ahnlieh
narzißtisch
ausgerichtet,
aber
weniger
ausdifferenziert,
sei das Kilnstie-
rische
im
Weibliche
eher
rückbezfiglicb,
'es
ist
als
kreise
in
ihm
das
Leben
gleichsam
in
seiner
eigenen
Rundung'
(1899: 296).
Konsequenterweise
20
betra~htete
sie_
ihr
eigenes literarisches
Schaffen
eher
abwertend
als
private
~etättgung,
die
nur
aus
Gründen
des
Broterwerbs
zu
einer
Veröffent-
lichung
führte.
Für
H.D.
dagegen
war
weibliches
Künstlerturn
ein
zent:aJes.
Anliegen
und
Gegenstand
ihrer
Analyse
bei
Freud.
In
ihrem
Gedicht
The
Master',
das
erst
1981
veröffentlicht
wurde
(Friedman
=~sis
1981
und
H.D.
1984: 451-61 ),
erschafft
sie
eindrucksvolle
Bilde;
'And
it
was
he
himself,
he
who
set
me
free/to
prophesy
...
no,/he
was
ra~e~
casual,PWe
won't
argue
about
that'/
(he
said)/
•you
are
a
poet'.
W1r
durfen
alle~dings
nicht
vergessen,
daß
es
sich
bei
diesem
Text
um
Lyrik
handelt,
daß
diese
Worte
von
der
Persona
eines
Gedichts
stammen.
Als
Ref~renzbezug
für
den
'Master'
ist
zwar
Freud
identiftzierbar
jedoch
wäre
es rucht angemessen,
den
Text
nur
als
Besprechung
eines abg::Schlossenen
~e~chehens
zu
~enützen.
Vielmehr
wurde
die
Dichterio
dazu
angeregt,
ein
~ches
Szenano
zu erschaffen,
in
dem
die
Sprecherio
abwechselnd
dem
M~Ist~r
folgt
und
ihm
Widerstand
leistet
und
in
dem
sie
das
Bild
einer
~elbhchen_
ldeaJf!gur
als
Reaktion
auf
die
Freudsche
Weiblichkeit
hym-
niSch
ev~Zlert.
D1e
Persona
des
Gedichts
entwickelt
ein
breites
Spektrum
~on_Gefii~en,
von
Dankbarkeit
und
idealisierender
Verehrung
für
den,
er
Im Besitz
von
'measureless
Truth'
ist,
bis
zu Zorn
und
Auflehnung·
'I
was
anJ?'Y
at
the
old
man,/
I
wanted
an
answer
,/
a
neat
answer'
'I
~as
~~~
Wl~h
~e
old
man/
with
bis
talk
ofthe
man-strength'.
Das
spre'chende
c • as
10
~lner
Se~alitä~
gespalten
ist
('I
bad
two
loves
separate')
erhält
vom
väterheben
MeiSter
eme
Erklärung
für
di
S I .
einem
ersten
Bild
über
W 'bli .
ese.
pa
tung
und
kann
m
vereint:
Cl
chkeJt
sprechen,
d1e
Gegensätze
in
sich
forawoman
breathes
Iire
and
is
cold,
a
w~man
sheds snow from ankles
and
as
wann;
white hcat
mclts into snow-flake
and
violets
turn
into
pure
amcthysts
watcr-clcar. •
Woher
die
Botschaft
kommt
. .
annimmt,
bleibtambig
aber'P
die
~e
dann
e~pfingt
und
widerstrebend
accept
from
wisdom/
~hat
1
apa
Jst
daran
ntcht
unbeteiligt:
'I
could
not
dazu einen Verweis
in
Tribu ove
taught,J
woman is
perfect'.
Wir
Cmden
IIU
.t
Freud
.
te
•
und
zwar
eine
Sz
. d
CIDeseinerStatuen e· .
ene,m
erH.D.zusammen
favorite,
he
said
..•
'she
is
perf~~
A~bild
der Nik.e,
betrachtet:
•
'This
is
my
... only
she
has
lost
her
spear,.
(1974: 69).
21
In
Trihute
versteht
sie
Freuds
Ausspruch
'she
is
perfect'
als
Bemerkung
über
die
klassische
Perfektion
der
Abbildung,
aber
gleichzeitig
wird
unübersehbar
die
Auffassung
vom
weiblichen
Mangel
mit
angesprochen
('she
has
lost
her
spear').
Das
Weibliche
ist
doppelt
eingebunden,
in
die
perfekte
(männliche)
Repräsentation
und
Bilderproduktion
und
in
die
normative
Auffassung
vom
weiblichen
Geschlecht.
Dies
wird
ironisch
im
Subtext
aufgedeckt.
Wenn
nun
die
Autorio
in
'Tbc
Master'
postuliert,
'woman
is
perfect•
und
dies
auch
noch
im
Bild
der
ekstatischen
Tänzerin
ausführt,
so
erhält
dieses Bild
den
Charakter
eines teilweise
noch
vom
Master
autorisierten
Gegenentwurfs,
for sbe needs no man,
hcrsclf
is
that
dart
and
pulse
of
the male,
hands,
feet, thighs,
hersclf perfcct
der
die
Bedingungen
der
Folie,
von
der
er
sich
ablösen
will,
noch
in
sich
trägt.
In
narzißtischer
Selbstbezüglichkeil
und
nicht
ohne
Allmachts-
phantasien
{'she is a
woman,/
yet
beyond
wo
man,/
yet
in
woman')
vereint
die
imaginierte
weibliche
Figur
männliche
und
weibliche
Züge
in sich,
und
aus
der
Fülle
entsteht
•a
woman's
laughter•.
Claire
Bock
( 1983)
kritisiert
zu
Recht
die
Auffassung
von
Friedman
und
DuPlessis
und
mit
ihnen
diejenige vieler weiterer
Interpretinnen,
H.D.
habe
hier
eine
genuin
weibliche
Sprache
geschaffen
und
das
Gedicht
sei
Ausdruck
dafÜr,
daß
sie
durch
Freud
zu
einer
ganzheitlichen weiblichen
Identität
gefunden
habe.
Es
gibt
viele
Anhaltspunkte
im
Text,
die
nahelegen,
daß
die
Dichterio
die
Utopie
der
perfekten
Frau
nicht
ungebrochen
als Ziel
aufruft.
Die
als
Beweis
für
eine volle weibliche
Subjektivität
verstandenen
Passagen
des
Texts
sind
vom
sprechenden
Ich
distanziert,
durch
den
Ton
vom
übrigen
Sprechduktus
abgehoben,
und
auch
die
verwendeten
Bilder
('her
feet are
tbe
delicate pulse
of
the
narcissus
bud,/
poshing
from
earth/
...
reaching
out/
that
flrst
evening/
alone
in
a
forest')
kennzeichnen
das
Gesagte
als
Wunschphantasien,
nicht
als
erreichten
Zustand.
Das
im
Gedicht
geäußerte
weibliche
richtet
sich gegen
die
Spaltung
und
beschwört
eine
imaginäre
Einheit
herauf.
Entsprechende
Phantasien
sind
in
H.D.s
Werk
stark
ausgeprägt
und
bestimmen
auch
die
Suche
ihrer
weiblichen
mythologischen
Figuren.
Was
ich
dabei
besonders
wichtig
Cmde,
ist
der
Umstand,
daß
die
Autorio
nie
bei
diesen
Bildern
der
Verschmelzung
von
Ich
und
Welt
und
des
ganzheitlichen
weiblichen
Subjekts
stebenblCJbt,
sondern
sie
als
extreme
Wünsche,
als instabil,
als
Teil
eines
gespaltenen
Selbst
und
nicht
als
utopischen
Endzustand
gestaltet.
Die
Trennung
zwischen
dem
Imaginlren
und
dem
Symbolischen
ist
als
Bruch
in
viele
ihrer
Texte
eingeschrieben,
vor
allem
in
den
22
komplexen
Beziehungen zwisch
K-
Denn
die
dramatische
Verunsic~:
orper
_und
~pra~e,_die
sie
beschreibt.
Sprache
geschehen
muß
will
mit
rung,
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bC:un
Emtntt
des
Subjekts
in
problematisierten
Verschmelzun
berückstchtigt
werden,
läßt
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in
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Literaturkritik
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-Bilder
weiblichen Schreibens
wertet
_ et
un
Text
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Ausdruck
gelungenen
eigenen
Praxis
fortschreiben. •
wurde
den
Narzißmus
auf
der
Ebene
der
Die
Danißtische Vel'f'ilhrwlg
Obwohl
im
Zusammenban
. . .
Themen-
so
beispielsweise
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eine
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anderer
Lehre
diskutiert
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Umkreis
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die
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Frauen,
die diese
Lehre
auf
ihre
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auf,
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in
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~n~erwexse
üb~reinstimmend
den
Narziß-
in
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und
~aYJStishch-t~oreüschen
Schriften,
die
andere
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Der
Theorie
des
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und
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also nicht frei
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Sicht
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das Begehren ist,
das
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we
.
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Perspek-
Prüehe auftauchten.
ist
nicht
. m
erster
Linie
Fragen
und
erstaunlich. Sie
förderten
dabei
ein
23
weibliches narzißtisches
Streben
zutage,
das
uns
heute
noch
erhebliche
Probleme
bereitet.
'In
a
world
feit
to
be
especially alienating
for
women,
this
idea
of
psychic
oneness
or
primary
narcissism
has
its
own
peculiar
force',
schreibt
Jacqueline
Rose
in
einer
Analyse
der
gegenwärtigen feministischen
Positionen
(1986: 102).
In
der
Tat
sind
die feministischen
Utopien
eines
ungespaltenen
Selbst
und
der
Rückkehr
zur
Einheit
mit
einer
starken
Mutter
besonders
häufig,
kennzeichnen
den
feministischen mainstream
diesseits wie jenseits des
Atlantiks
(cf.
Gallop
1987).
Da
angesichts
der
gesellschaftlich
politischen
Realitäten
der
Eintritt
in
die symbolische
Ordnung
für
Frauen
so
viel weniger
anzubieten
hat
als
f"ür
das
männliche
Geschlecht,
Üegt
das
Begehren
nach
voller, ganzheitlicher
Subjektivität
nahe.
H.D.
wird im
Zuge
dieser
narzißtischen
Orientierung,
obwohl
sie
sich
für
eine
solche
Projektion
gar
nicht
eignet,
zu
einer
der
'key
ancestresses', wie
etwa
bei
Alicia
Ostriker,
die
die kollektiven
(in
einem
ungeteilten
'we'
formulierten)
Wünsche
anmeldet:
'Wc
want
strong
mothers',
...
the
promise
of
alternative vision:
acts
of
imagination
wheteby
we
migbt
conceive,
as
it
were, the vallcys being exaltcd, the
crookcd
madc
straight,
and
the
rough p1aces
plain
(1986: 479).
Die
Mutter
dieser idealisierten
Dyade
soll
den
W cg
ebnen,
alle Hindernisse
wegräumen
und
vor
allem
die
Töchter
beruhigen,
daß
der
Umweg
über
die
Trauer
der
Trennung
(und
der
unzureichenden
Angebote
für
die Leistung
der
weiblichen
Trennung
in
unseren -westlichen -Gesellschafts-
systemen)
nicht
nötig
sei.
Doch
es
gibt
kein Ausweichen
vor
der
unbequemen
Einsicht
in
die unvermeidlichen
Probleme
weiblicher
Sub-
jektivität.
Die
frühen
Auseinandersetzungen
von
schreibenden
Frauen
mit
der
Lehre
Freuds
führen
einige dieser
Probleme
im historischen Prozeß
vor.
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