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[en] (orig)
Untersuchungen zur Fluiddynamik und zum Stofftransport der
Filmströmung an senkrechten Drähten
vorgelegt von
Diplom-Ingenieur
Jochen Grünig
aus Berlin
Fakultät III-Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
-Dr.-Ing.-
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. G. Wozny
Berichter: Prof. Dr.-Ing. M. Kraume
Berichter: Prof. Dr.-Ing. A. Górak
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 28. Juni 2013
Berlin 2013
D 83
Vorwort
Diese Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Fachgebiet Verfahrenstechnik der Technischen Universität Berlin im Rahmen eines
Kooperationsprojekts mit der BASF AG und des DFG-Projekts KR 1639/13-1 und -2.
Zum Gelingen dieser Arbeit haben jedoch viele Menschen beigetragen, denen ich von
Herzen danken möchte.
Zunächst danke ich Herrn Prof. Kraume für das Vertrauen, das er mir entgegenge-
bracht hat. Er hat mir viele Freiheiten zur Umsetzung eigener Ideen gelassen und dem
Projekt dennoch durch das Definieren klarer Ziele eine konkrete Richtung gegeben.
Die vielen Diskussionen haben die Arbeit belebt und mich angespornt, noch tiefer in
die Materie einzutauchen. Ich danke auch meinen Projektpartnern Herrn Jödecke,
Herrn Shilkin und Herrn Schuch von der BASF AG. Sie haben das Forschungsvorhaben
ins Leben gerufen und wertvolle Vorschläge zum Anlagenkonzept beigesteuert.
Ein besonderer Dank gilt den festen Mitarbeiten am Fachgebiet, Andrea Hassel-
mann, Christine Kloth, Rainer Schwarz und Werner Ahlborn sowie den Auszubildenden
der Werkstatt. Sie haben sich um den Aufbau der Versuchsanlage verdient gemacht
und konnten mir bei allen Problemen weiterhelfen. Ulla Herrndorf hat dabei immer
für den reibungslosen Ablauf der Bestellvorgänge und der organisatorischen Belange
gesorgt, vielen Dank dafür. Allen meinen Kollegen danke ich sehr für das wohlwollen-
de Miteinander und die positive Grundstimmung am Fachgebiet ich erinnere mich
gerne an den Spaß, den wir zusammen hatten, insbesondere bei der Vorbereitung der
Doktorfeiern.
Die experimentellen Arbeiten wären nicht in diesem Umfang möglich gewesen ohne
die Hilfe zahlreicher Studenten, deren Studien- oder Diplomarbeiten zu betreuen
ich das Vergnügen hatte: Claire Jullien, Hisham Abualteen, Evgenij Lyagin, Stefan
Horn, Tina Skale, Florian Benedix, Jorge Fillela, So-Jin Kim und Marc Schröder. Neben
ihrer tatkräftigen Unterstützung bei den experimentellen Untersuchungen haben sie
auch durch das Einbringen ihrer Ideen ihre Handschrift in dieser Arbeit hinterlassen.
So und Jörn haben letztendlich die mühevolle Aufgabe übernommen, diese Arbeit
durchzusehen.
Ich danke besonders meiner Familie für ihre Unterstützung und meiner Frau Dina
für den Rückhalt und die Liebe, die mich beseelt und aufgerichtet hat.
i
Inhaltsverzeichnis
Vorwort i
Symbolverzeichnis vii
Abstract xv
Kurzfassung xvii
1 Einleitung 1
2 Grundlagen 3
2.1 Rieselfilme an ebenen Flächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.1.1 Fluiddynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.1.2 Stofftransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.2 Rieselfilme an gekrümmten Flächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.2.1 Fluiddynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.2.2 Rayleigh-Plateau-Instabilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.2.3 Stofftransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.3 Packungskolonnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.3.1 Eigenschaften der trockenen Packung . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.3.2 Eigenschaften der berieselten Packung . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.3.3 Stoffübergang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2.3.4 Trennleistung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
2.4 Drahtbündelpackung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3 Material und Methoden 37
3.1 Versuchsanlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.2 Untersuchte Drahtgeometrien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.3 Untersuchte Stoffsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
3.3.1 Wasser/Luft und wässrige PVP-Lösungen/Luft . . . . . . . . . . . . 43
3.3.2 CO2-Wasser/Luft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.4 Messgrößen und Versuchsparameter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.5 Messmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
3.5.1 Belastungsgrenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
iii
iv Inhaltsverzeichnis
3.5.2 Lokale Filmdicke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
3.5.3 Perlengeschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
3.5.4 Hold-up der Flüssigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.5.5 Druckverlust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.5.6 Gasseitiger Stofftransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.5.7 Flüssigkeitsseitiger Stofftransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3.6 Abschätzung der Filmoberfläche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
3.6.1 Zylindrischer Draht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
3.6.2 Ketten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
3.7 Vorausberechnung der Charakteristik einer Drahtbündelpackung . . . . 61
3.7.1 Druckverlust eines axial angeströmten Drahtbündels . . . . . . . 63
3.7.2 Abschätzung des Druckverlustes in der Drahtbündelpackung . . . 63
3.7.3 Abschätzung der Trennleistung einer Drahtbündelpackung . . . . 64
4 Ergebnisse 67
4.1 Belastungsgrenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
4.2 Lokale Filmdicke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
4.3 Perlengeschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
4.4 Hold-up der Flüssigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
4.5 Druckverlust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.6 Spezifische Filmoberfläche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
4.7 Gasseitiger Stofftransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
4.8 Flüssigkeitsseitiger Stofftransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4.9 Vorhersage der Charakteristik der Drahtbündelpackung . . . . . . . . . 105
4.10 Fehlerbetrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
5 Zusammenfassung und Ausblick 119
Literaturverzeichnis 123
Abbildungsverzeichnis 131
Tabellenverzeichnis 137
Anhang 137
A Filmvolumen an der Kugelkette 139
B Umrechnung der Absorptionseffizienz in die Höhe einer Übergangseinheit 141
C Studien- und Diplomarbeiten 143
Inhaltsverzeichnis v
D Veröffentlichungen und Vorträge 145
D.1 Veröffentlichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145
D.2 Vorträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
Symbolverzeichnis
Formelzeichen
αKontaktwinkel, rad
αN=δf/RDBezogene Nußeltsche Filmdicke,
βStoffübergangskoeffizient, m/s
δcKonzentrationsgrenzschichtdicke, µm
δfLokale Filmdicke, µm
εP=VP,gesVP
VP,ges Lückengrad der Packung,
ηDynamische Viskosität, mPa s
λStrippfaktor,
λWellenlänge, m
νKinematische Viskosität, m2/s
ΦKrümmungsfaktor,
ρDichte, kg/m3
σOberflächenspannung, N/m
τKontaktzeit, s
θVerschränkungswinkel der Packungslagen einer CSSP, rad
ϑTemperatur, C
ζWiderstandsbeiwert,
AFläche, m2
˜aD=AD/LDSpezifische Drahtoberfläche, m2/m
vii
viii Inhaltsverzeichnis
˜af,D=Af,D/LDSpezifische Filmoberfläche am Draht, m2/m
af,P=Af,P/VP,ges Spezifische Filmoberfläche in der Packung, m2/m3
aP=AP/VP,ges Spezifische Packungsoberfläche, m2/m3
bKInnenabmaß des Kanals, m
BfUmfangsbelastung, m3/(mh)
bfBerieselte Breite, m
Bf,D=˙
Vf,D/˜aDFlüssigkeitsumfangsbelastung des Drahts, m3/(mh)
cKonzentration, kmol/m3
DDiffusionskoeffizient, m2/s
dDurchmesser, m
E=ccein
ccein Absorptionseffizienz,
eFilmabmessung, m
F=vgρgGasbelastungsfaktor, Pa0,5
fPerl Perlenfrequenz, Hz
fges Korrekturfaktor für Flüssigkeitsfüllzahl,
fRAufnahmerate, Hz
fSE Faktor für Oberflächenvergrößerung,
gErdbeschleunigung, m/s2
geff Effektive Erdbeschleunigung, m/s2
HHenry-Koeffizient, bar
hHöhe, m
HETP Höhenäquivalent eines theoretischen Bodens, m
hf=Vf
VP,gesVPFlüssigkeitsfüllzahl,
HPHöhe der Packung, m
HTU Höhe einer Übergangseinheit, m
Inhaltsverzeichnis ix
HU f,D=Vf,D/LDSpezifischer Hold-up, m3/m
kStoffdurchgangskoeffizient, mol/(m2s)
k1Reaktionsgeschwindigkeitskonstante 1. Ordnung, 1/s
lAbmessung Kettenglied, m
lC=σ/(ρg)Kapillarlänge, m
LDLänge des Drahts, m
MMasse, kg
mGleichgewichtskoeffizient,
˙
MMassenstrom, kg/s
˜
MMolmasse, kg/kmol
NAnzahl,
NMolmenge, mol
˙
NMolenstrom, mol/s
˙nMolenstromdichte, mol/(m2s)
NTU Anzahl der Übergangseinheiten,
pDruck, Pa
RAllgemeine Gaskonstante, J/(molK)
RRadius, m
rRadiale Koordinate, m
R
f=Rf/RDDimensionsloser Filmradius,
r=r/RDDimensionsloser Radius,
SBreite der Sicke einer strukt. Packung, m
sPAbstand der Drähte (Achsen), m
sPerl Abstand der Perlen, m
TTemperatur, K
xInhaltsverzeichnis
tZeit, s
tRAufnahmedauer, s
v=˙
V /AqLeerrohrgeschwindigkeit, m/s
VVolumen, m3
vDiffusionsvolumen, m3/mol
Vf,DFlüssigkeitsvolumen am Draht, m3
vf,P=BfaPFlüssigkeitsflächenbelastung der Packung, m3/(m2h)
˙
VVolumenstrom, m3/s
˙
Vf,DFlüssigkeitsvolumenstrom am Draht, m3/s
˜
VMolvolumen, m3/mol
wGeschwindigkeit, m/s
x= 2πR/λ Bezogene Wellenzahl,
xAssoziationsparameter,
xMolenbruch (Flüssigkeit), mol/mol
xRingzonenparameter,
yMolenbruch (Gas), mol/mol
zVertikale Koordinate, m
zPPackungsdichte der Drähte, 1/m2
Indizes
0 Phasengrenze
Gleichgewicht
bezogener dimensionsloser Wert
A, B Komponenten A, B
aus Austritt
Inhaltsverzeichnis xi
BF Basisfilm
BM Inertgas
c Konzentration
D Draht
Diff Diffusion
eff Effektiv
ein Eintritt
ell Ellipsoid
eq Äquivalent
f Flüssigkeit
flut Flutgrenze
ges gesamt
g Gas
hex hexagonal
h hydraulisch
KG Kettenglied
K Kanal
kr kritisch
Kug Kugel
ln logarithmisch
M Mantel
N Nußelt
og Gesamtwiderstand, auf die Gasphase bezogen
P Packung
Perl Perlen
xii Inhaltsverzeichnis
Pl Platte
Pr Probe
q Querschnitt
quad quadratisch
R Rayleigh
r reduziert
seg Segment
sin Sinus
strip Strippgas
SW Schwellenwert
TP Taupunkt
tr trocken
Zyl Zylinder
Dimensionslose Kennzahlen
Fr =w2/(gL)Froudezahl
Ha = (k1D2)1/2Hattazahl
Kf=ρfσ3
f/(gη4
f)Flüssigkeitskennzahl
Oh = (ν2ρ/(σL))1/2Ohnesorgezahl
Ref=Bf,DfReynoldszahl der Flüssigkeit
Reg= ¯wgdhgReynoldszahl der Gasphase
Sc =ν/D Schmidtzahl
Sh =βL/D Sherwoodzahl
We =ρw2L/σ Weberzahl
Inhaltsverzeichnis xiii
Abkürzungen
CSSP
Corrugated sheet structured packing (Strukturierte Packung aus
verschränkten gewellten Blechlagen)
DBP Drahtbündelpackung
MEA Monoethanolamin
PGF Phasengrenzfläche
PVP3 3 Gew.-% wässrige Polyvinylpyrrolidonlösung
PVP6 6 Gew.-% wässrige Polyvinylpyrrolidonlösung
Stoffübergang
SI100 Silikonöl, η= 100 mPa s
Abstract
Packed columns are widely used for distillation and absorption processes in the
chemical industry. An innovative concept is the wetted wire column, it features a
vertical wire bundle that is attached to a liquid distributor which creates a falling
film on each wire. It shows promise to have several advantages compared to common
structured packings in terms of pressure drop, load limits and liquid distribution in the
packing. Since this concept has only been realised on laboratory scale, the feasibility
under industrial conditions still has to be proven.
To examine the fluid dynamics and mass transfer of the film flow on the wires
in a counter current gas flow in detail, experimental studies were performed with
single wires in a test channel of
20 mm ×20 mm ×1000 mm
. Tested wire geometries
were a cylindrical wire with a diameter of
1mm
, different chains and a bundle of
16
cylindrical wires. For different liquids, the load limits, local film thickness, liquid
bead velocity, liquid hold-up, pressure drop and the gas and liquid side mass transfer
coefficients were measured at different gas and liquid loads. The results of the single
wire experiments were used to predict the performance of a wire bundle packing.
The liquid film shows fast travelling liquid beads on a thin basis film layer. The
initial mechanism for bead formation is the Rayleigh-Plateau instability which occurs
at liquid films on strongly curved surfaces and reduces the film surface area. As the
gas load increases, the beads are getting bigger and are deformed to a compact shape,
but the bead frequency decreases. However, the liquid hold-up and the bead velocity
are not depending on gas load. Due to its curvature, the film surface area rises with
increasing liquid load as a result of higher film thickness. The gas and liquid side
mass transfer is enhanced by the bead movement and is up to two times higher than
for planar film flow. It revealed that chains can suppress bead movement resulting in
higher load limits but lower mass transfer coefficients.
With a wire spacing of
5mm
, a packing of cylindrical wires (
1mm
in diameter)
would have a dry packing surface of
125m2/m3
and at high liquid loads, the effective
interfacial area would rise up to
200m2/m3
. The predicted separation efficiency is
comparable to common structured packings, but the associated specific pressure drop
is one order of magnitude lower and the load limits are significantly higher. Suitable
applications for wetted wire columns could be absorption processes like flue gas
cleaning at which they could enhance the overall efficiency of the process.
xv
Kurzfassung
Packungskolonnen werden in vielen Destillations- und Absorptionsprozessen in der
chemischen Industrie eingesetzt. Ein innovatives Konzept ist die Drahtbündelpackung,
bei dieser ist ein vertikales Drahtbündel mit einem Flüssigkeitsverteiler verbunden
welcher einen Fallfilm auf den Drähten erzeugt. Im Vergleich zu herkömmlichen
strukturierten Packungen verspricht das Konzept Vorteile im Hinblick auf Druckverlust,
Belastungsgrenzen und Flüssigkeitsverteilung in der Packung. Bisher wurde die
Drahtbündelpackung lediglich im Labormaßstab verwirklicht, eine Eignung unter
industriellen Bedingungen muss noch nachgewiesen werden.
Um die Fluiddynamik und den Stofftransport der Filmströmung im Detail zu unter-
suchen, wurden experimentelle Untersuchungen mit Einzeldrähten in einem Testkanal
(Abmessungen:
20 mm ×20 mm ×1000mm
) durchgeführt. Die untersuchten Drahtgeo-
metrien waren ein zylindrischer Draht (Durchmesser:
1mm
) sowie unterschiedliche
Ketten und ein Bündel aus
16
Drähten. Für verschiedene Flüssigkeiten wurden die
Belastungsgrenzen, die lokale Filmdicke, die Perlengeschwindigkeit, der Hold-up
der Flüssigkeit, der Druckverlust sowie die gas- und flüssigkeitsseitigen Stofftrans-
portkoeffizienten bei verschiedenen Gas- und Flüssigkeitsbelastungen gemessen. Die
Ergebnisse der Einzeldrahtuntersuchungen wurden herangezogen, um das Verhalten
einer Drahtbündelpackung vorherzusagen.
Der Flüssigkeitsfilm zeigt sich schnell bewegende Flüssigkeitsperlen, welche über
einen dünnen Basisfilm laufen. Der auslösende Mechanismus der Perlenbildung ist die
Rayleigh-Plateau-Instabilität, welche u. a. bei stark gekrümmten Flüssigkeitsfilmen
auftritt und die Filmoberfläche verringert. Bei steigender Gasbelastung werden die
Perlen zunehmend größer und kompakter bei abnehmender Perlenfrequenz. Der
Hold-up der Flüssigkeit und die Perlengeschwindigkeit werden allerdings von der
Gasbelastung nicht beeinflusst. Aufgrund ihrer Krümmung wächst die Filmoberfläche
mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung als Resultat steigender Filmdicken. Der gas-
und flüssigkeitsseitige Stofftransport wird durch die Perlenbewegung verbessert und
ist annähernd doppelt so hoch wie bei der Filmströmung an ebenen Oberflächen.
Einige Ketten unterdrücken die Perlenbewegung, was zu höheren Belastungsgrenzen
und schlechteren Stoffübergangskoeffizienten führt.
Bei einem Drahtabstand von
5mm
würde eine Drahtbündelpackung aus zylindri-
schen Drähten (Durchmesser
1mm
) eine trockene Packungsoberfläche von
125m2/m3
aufweisen, wobei diese bei höherer Flüssigkeitsbelastung auf bis zu
200m2/m3
an-
xvii
xviii Kurzfassung
steigen würde. Die vorausgesagte Trennleistung ist vergleichbar zu herkömmlichen
strukturierten Packungen, wobei der spezifische Druckverlust um eine Größenordnung
geringer ist und die Belastungsgrenzen deutlich höher sind. Mögliche Anwendungen
für die Drahtbündelpackung könnten Absorptionsprozesse wie z. B. die Rauchgas-
reinigung sein, bei denen sie zu Steigerungen des Gesamtwirkungsgrads beitragen
könnte.
1 Einleitung
In der chemischen Industrie werden für viele Stofftrennaufgaben Trennkolonnen
eingesetzt. Gegenüber Bodenkolonnen, bei denen der Stoffaustausch auf vertikalen
Böden stattfindet, werden bei Packungskolonnen Füllkörper oder strukturierte Packun-
gen eingesetzt, um einen intensiven Stoffaustausch zu ermöglichen. Die Flüssigkeit
benetzt die Packungsoberfläche und läuft als Rieselfilm im Erdschwerefeld herab.
Dadurch steht für den Stoffübergang eine große Phasengrenzfläche zur Verfügung.
Packungen und Füllkörper werden hinsichtlich ihrer Trennleistung, der Belastungs-
grenzen und des spezifischen Druckverlustes optimiert, wobei eine Erhöhung der
Trennleistung z.B. durch die Vergrößerung der Packungsoberfläche erreicht werden
kann, was allerdings in der Regel einen höheren Druckverlust und niedrigere Belas-
tungsgrenzen nach sich zieht. Moderne Hochleistungsfüllkörper und strukturierte
Packungen werden aus Metallblechen, Kunststoff oder Keramik hergestellt. Diese
weisen gegenüber früheren Füllkörpern gleicher spezifischer Oberfläche einen we-
sentlich höheren Lückengrad sowie durchbrochene Oberflächen auf, wodurch die
Packung deutlich höher belastbar wird. Dadurch lässt sich bei gleicher Belastung die
Querschnittsfläche der Kolonne reduzieren.
Hohe Trennleistungen ermöglichen es, die geforderte Trennaufgabe mit geringeren
Kolonnenhöhen zu erreichen. Dies hat geringere Investitionskosten sowie Platzerspar-
nisse zur Folge. Ein geringer spezifischer Druckverlust ist u.a. bei der Destillation von
temperaturempfindlichen Stoffen entscheidend, weil sich durch größere Drücke im
Sumpf der Kolonne höhere Siedetemperaturen einstellen, welche zur Zersetzung der
Substanzen führen können. Bei der Absorption ist ein geringer auf die Höhe bezogener
spezifischer Druckverlust ebenfalls von hoher Bedeutung, weil die Antriebsleistung
der Arbeitsmaschine, welche das Gas durch die Kolonne fördert, mit dem zu überwin-
denden Gegendruck ansteigt. In diesem Fall lassen sich durch eine geeignete Packung
Betriebskosten einsparen. Bei bestehenden Boden- und Füllkörperkolonnen lassen
sich durch die Umrüstung auf moderne Hochleistungspackungen oftmals deutliche
Kapazitätssteigerungen erreichen.
Eine generelle Herausforderung bei Packungen und Füllkörpern ist jedoch die
gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit, da sie sich durch Randgängigkeit und Bach-
bildung mit zunehmender Lauflänge verschlechtert. Weil die Trennleistung durch die
Ungleichverteilung der Flüssigkeit (Maldistribution) sinkt, muss in gewissen Abstän-
den eine Neuverteilung der Flüssigkeit durch spezielle Einbauten erfolgen.
1
21 Einleitung
Ziel der Arbeit ist es, die Eigenschaften einer Packung für Trennkolonnen zu charak-
terisieren, die im Wesentlichen aus parallelen Drähten besteht, welche durch einen
speziellen Flüssigkeitsverteiler einzeln gespeist werden. Dieses Konzept verspricht
eine gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit über der gesamten Packungshöhe, da
kein Austausch von Flüssigkeit zwischen den Drähten stattfindet. Als weiterer we-
sentlicher Vorteil wird ein geringerer Druckverlust erwartet, da die Passagen für die
Gasströmung im Gegensatz zu herkömmlichen strukturierten Packungen geradlinig
sind und der zusätzliche Druckverlust durch die häufige Umlenkung der Gasströmung
entfällt. Außerdem ergibt sich eine engere Verweilzeitverteilung der Flüssigkeit in
der Packung, weil diese keine Toträume aufweist, in denen die Flüssigkeit verharren
kann. Ein statischer Anteil des Flüssigkeitsinhalts ist demnach nicht vorhanden und
der gesamte Flüssigkeitsinhalt ist vergleichsweise gering. Dies wirkt sich positiv auf
die Dynamik und die Regelbarkeit der Kolonne aus.
Das Konzept setzt allerdings einen speziellen Flüssigkeitsverteiler voraus, der
jedem Draht den gleichen Flüssigkeitsvolumenstrom zukommen lässt. Herkömmliche
Flüssigkeitsverteiler sind aufgrund ihrer geringen Tropfstellendichte nicht geeignet.
Des Weiteren ist noch unklar, auf welche Weise die parallelen Drähte in der Kolonne
fixiert werden sollen, weil das Einspannen einzelner Drähte im technischen Maßstab
einen unnötig großen Aufwand erfordern würde.
Diese Arbeit umfasst grundlegende Untersuchungen zur Fluiddynamik und zum
Stofftransport der Filmströmung an Einzeldrähten und Drahtbündeln. Einerseits soll
die Filmströmung an stark gekrümmten Oberflächen unter dem Einfluss eines Gasge-
genstroms im Detail untersucht werden. Andererseits soll bewertet werden, ob sich
die vorausberechneten Eigenschaften einer Drahtbündelpackung als vorteilhaft gegen-
über denen konventioneller Packungen erweisen. Für die Vorhersage des Verhaltens
eines Drahtbündels wird auf die Ergebnisse der Einzeldrahtmessungen zurückge-
griffen. Dabei werden bekannte Beziehungen zur Beschreibung von Packungen in
modifizierter Form angewendet.
2 Grundlagen
Rieselfilme finden eine breite Anwendung in verfahrenstechnischen Apparaten zum
Wärme- oder Stoffaustausch zwischen einer Flüssigphase und einer Gasphase. Dabei
wird die Flüssigkeit auf der Oberfläche von Einbauten (z.B. Rohrbündel, Füllkörper
etc.) innerhalb des Apparates verteilt, so dass diese aufgrund der Schwerkraft in Form
eines dünnen Films herunterrieselt. Das Gas wird im Gleichstrom oder Gegenstrom
durch den Apparat geleitet, so dass ein direkter Kontakt zwischen den Phasen erfolgt.
Eine nennenswerte Beeinflussung des Rieselfilms durch die Gasphase findet dabei
erst bei höheren Gasgeschwindigkeiten infolge der an der Phasengrenze auftretenden
Schubspannungen statt. Der vorrangige Zweck der Einbauten ist die Bereitstellung
einer großen Phasengrenzfläche, so dass ein intensiver Wärme- oder Stoffübergang
erreicht werden kann. Die Mehrzahl der bisherigen Forschungsarbeiten befasst sich
mit Rieselfilmen an ebenen Flächen, da in vielen Apparaten die Filmdicke klein
gegenüber den Krümmungsradien der benetzten Oberflächen ist und der Film daher
als eben betrachtet werden kann. Dennoch wurden die meisten experimentellen
Arbeiten an zylindrischen Rohren mit ausreichend großem Durchmesser durchgeführt,
weil diese Geometrie keinen Randeffekt aufweist, wie er bei berieselten ebenen Platten
zwangsläufig auftritt.
2.1 Rieselfilme an ebenen Flächen
2.1.1 Fluiddynamik
Eine Beschreibung des laminaren Rieselfilms
Laminarer
Rieselfilm
aufgrund theoretischer Betrachtungen
wurde erstmals von Nußelt (1916) angegeben. Im laminaren Strömungsregime findet
keine Vermischung quer zur Strömungsrichtung statt, daher lässt sich der Film ge-
danklich als Struktur paralleler Flüssigkeitsschichten betrachten, welche aneinander
gleiten können. Dabei wirken auf diese Schichten die Gewichtskraft, die Auftriebskraft
und Schubspannungen, die aufgrund der Reibung mit benachbarten Schichten entste-
hen. Abb. 2.1 zeigt ein Volumenelement im Rieselfilm und die einwirkenden Kräfte
bzw. Schubspannungen (aus formal mathematischen Gründen in entgegengesetzter
Richtung zur tatsächlichen Wirkrichtung eingezeichnet). Eine Kräftebilanz ergibt:
3
42 Grundlagen
ρfgdVτ
τ+dτ
0
y
z
dy
wf(y)
y=δF
Abb. 2.1:
Auf ein Volumenelement wirkende Kräfte in einem Rieselfilm bei laminarer
Strömung.
τdA=τ+dτ
dydydA+ϱfgdAdy. (2.1)
Setzt man für die Schubspannungen den Ansatz für Newtonsche Flüssigkeiten
τ=ηfdwf/dyein, lässt sich folgende Differentialgleichung aufstellen:
ηf
d2wf(y)
dy2+ρfg= 0.(2.2)
Folgende Randbedingungen werden zur Lösung der obigen DGL eingesetzt:
1. RB: y=δf:wf= 0 Haftbedingung an der Wand
2. RB: y=0: τ=ηfdwf(y)
dyy=0
= 0 kein Impulsaustausch an der PGF
Letztere Annahme ist zulässig für Gasgeschwindigkeiten unterhalb der Staugrenze.
Weil Gase im Allgemeinen eine um zwei Größenordnungen kleinere dynamische
Viskosität als Flüssigkeiten aufweisen, kann in diesem Bereich der Gasgeschwindigkeit
der Impulsaustausch zwischen den Phasen vernachlässigt werden. Somit ergibt sich
das Geschwindigkeitsprofil
Geschwindig-
keitsprofil
des laminaren Films durch die Integration von Gl.
(2.2)
unter Berücksichtigung der Randbedingungen zu
wf(y) = gδ2
f
2νf1y
δf2.(2.3)
2.1 Rieselfilme an ebenen Flächen 5
Die Umfangsbelastung
Bf
ergibt sich aus der Integration des Geschwindigkeitsprofils
über die Rieselfilmdicke:
Bf=˙
Vf
bf
=
δf
0
wf(y) dy=gδ2
f
2νfyδf
3y
δf3y=δf
y=0
=gδ3
f
3νf
.(2.4)
Aus Gl. (2.4) lässt sich die mittlere Strömungsgeschwindigkeit ermitteln:
¯wf=˙
Vf
bfδf
=gδ2
f
3νf
.(2.5)
Die Reynoldszahl der Filmströmung ist dann definiert als
Ref=¯wfδf
νf
=
˙
Vf
bfδfδf
νf
=Bf
νf
.(2.6)
Somit lässt sich die Filmdicke des laminaren Films beschreiben als
δf=3
3Bf
νf
g=3ν2
f
g1/3
Re1/3
f.(2.7)
Tatsächlich ist der Film nur für kleine Reynoldszahlen glatt,
Welliger
Rieselfilm
es zeigen sich bereits ab
einer Reynoldszahl von
3
bis
6
Wellen auf der Filmoberfläche. Kapitza (1948) führte
eine Stabilitätsanalyse unter Berücksichtigung der Oberflächenspannung durch und
konnte das Auftreten der Wellen theoretisch erklären. Die kritische Reynoldszahl für
die Wellenbildung gemäß der Theorie wurde angegeben als
Ref,kr = 2,43 (Kf)1/11 .(2.8)
Dabei ist
Kf
die Flüssigkeitskennzahl (oftmals auch als Kapitzazahl oder Filmzahl
bezeichnet). Sie berücksichtigt den Einfluss der Oberflächenspannung der Flüssigkeit
auf die Strömung:
Kf=ρfσ3
f
gη4
f
.(2.9)
Experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass die mittlere Filmdicke trotz Wel-
lenbildung bis zu einer Reynoldszahl von
400
der theoretischen laminaren Filmdicke
entspricht (Brauer,1956). Man spricht in dem Bereich
Ref<400
deshalb auch vom
pseudolaminaren Bereich. Ab
Ref= 400
beginnt der turbulente Bereich, in dem die
Quervermischung im Film sprunghaft zunimmt und die Filmdicke nicht mehr über
Gl. (2.7) berechnet werden kann.
62 Grundlagen
Gemäß Ishigai et al. (1972) lassen sich verschiedene Strömungsregime unterschei-
den, die anhand der Reynoldszahl eingegrenzt werden können.
1.Ref0,47K1/10
flaminar
2.0,47K1/10
fRef2,2K1/10
ferster Übergangsbereich
3.2,2K1/10
fRef75 stabile Wellen
4.75 Ref400 zweiter Übergangsbereich
5.Ref400 voll turbulent
Für den turbulenten Bereich
Ref>400
gibt Brauer (1956) folgende empirische
Korrelationen für die Filmdicke und die mittlere Geschwindigkeit an:
δf= 0,302 3ν2
f
g1/3
Re8/15
f,(2.10)
¯wf= 3,31 gνf
31/3Re7/15
f.(2.11)
Zur Bestimmung der Filmdicke wurden in der Vergangenheit verschiedenste Mess-
techniken
Messmethoden
Filmdicke
angewendet, die sich in intrusive und nicht-intrusive Methoden einteilen
lassen. Einen Überblick geben Lel et al. (2005). Bei den intrusiven Methoden wird eine
Sonde in den Film eingetaucht, was den Nachteil hat, dass damit möglicherweise die
Filmströmung beeinflusst wird. Man erhält allerdings Daten mit hoher örtlicher und
zeitlicher Auflösung. Zu den intrusiven Methoden zählen z. B. die Nadel-Kontaktmetho-
de (z.B. Brauer,1956;Ishigai et al.,1972) und die HF-Impedanz-Nadel-Methode (z.B.
Lozano-Aviles,2007). Zu den nicht-intrusiven Methoden zählen u.a. die kapazitive
Methode (z.B. Dukler und Bergelin,1952;Alimov et al.,1964), Methoden mit radio-
aktiven Markierungssubstanzen (z.B. Jackson,1955), die Schattenriss-Methode (z.B.
Kapitza,1948;Alekseenko et al.,1985) sowie die Fluoreszenz-Methode (z.B. Hiby,
1968;Adomeit und Renz,2000). Letztere Methode kann auch zur Bestimmung der
dreidimensionalen Topographie des Films genutzt werden. Beim parallelen Einsatz
von zwei örtlich versetzten Messstellen lässt sich aus den Daten der Filmdicke die
mittlere Wellengeschwindigkeit über die Laufzeitverschiebung der beiden Messsignale
mithilfe der Kreuzkorrelation ermitteln.
Eine statistische Auswertung des zeitlichen, lokalen Profils der Filmdicke wurde
von Telles und Dukler (1970); Chu und Dukler (1974) durchgeführt. Um die mittlere
Basisfilmdicke und die mittlere Wellenfilmdicke zu ermitteln, wurde eine Wahrschein-
lichkeitsverteilung der Filmdicke erstellt, die in einen Anteil für Basisfilm und Wellen
aufgeteilt wurde. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Basisfilmdicke wurde er-
2.1 Rieselfilme an ebenen Flächen 7
mittelt, indem angenommen wurde, dass die am häufigsten auftretende Filmdicke
dem Maximum der Wahrscheinlichkeitsdichte der Basisfilmdicke entspricht und diese
die Form einer Gaußschen Normalverteilung hat. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung
der Wellen ergibt sich dann durch die Subtraktion der Basisfilmverteilung von der
Gesamtverteilung. Da das Maximum der Wahrscheinlichkeitsverteilung der Wellen
jedoch nicht der häufigsten Filmdicke der Wellenspitzen entspricht, ist diese Größe
wenig aussagekräftig. Daher wurde zur Bestimmung der mittleren Wellenfilmdicke
von Lozano-Aviles (2007) ein Schwellenwert eingeführt, bei dessen Überschreiten
eine Wellenspitze zur Ermittlung des Mittelwerts erfasst wird.
Wird der Rieselfilm einer
Belastungs-
grenzen
Gasströmung im Gegenstrom ausgesetzt, wirken Schub-
spannungen an der Phasengrenze, die ab einer gewissen Gasgeschwindigkeit merkli-
che Auswirkungen auf die Strömung des Films haben (siehe z.B. Feind,1960). Ishii
und Grolmes (1975) identifizierten unterschiedliche Mechanismen, die zum Entrain-
ment (Mitreißen von Flüssigkeit) führen, darunter das Abscheren von Wellenkämmen
und das Unterschneiden von Wellen durch das Gas. Die Flutgrenzen bei Flüssigkeitsfil-
men in senkrechten Rohren lassen sich nach Wallis (1969) mit folgender empirischer
Gleichung beschreiben:
v1/2
g+mv1/2
f=C. (2.12)
Für turbulente Strömungen ist
m= 1
. Für Rohre mit gerundetem Einlauf nimmt
die Konstante
C
Werte von
0,88
bis
1,0
an, wobei der niedrigere Wert für die Rück-
kehr aus dem gefluteten Zustand in den Gegenstrom gilt. Ohne Einlaufstrecke ist
C= 0,725
. Die dimensionslosen Leerrohrgeschwindigkeiten sind eine Funktion des
Rohrdurchmessers dund definiert als:
v
g=vgρg
gd(ρfρg), v
f=vfρf
gd(ρfρg).(2.13)
Der Mechanismus für das Fluten in Rohren ist noch nicht vollständig verstanden.
Nach Zabaras und Dukler (1988) ist nicht das Zusammenwachsen von Flüssigkeits-
brücken, sondern eine partielle Umkehr der Strömungsrichtung der Flüssigkeit die
Ursache für das Fluten. Für kleine Rohrdurchmesser (
d= 6mm
bis
10mm
) wurde
von Mouza et al. (2002) festgestellt, dass die Flutgrenze bei einer Steigerung der
Flüssigkeitsbelastung zunächst sinkt, bei einer weiteren Erhöhung der Flüssigkeits-
belastung kommt es jedoch zu einem vorübergehenden Anstieg der Flutgrenze. Eine
mögliche Ursache hierfür ist die Stabilisierung des Flüssigkeitsfilms bei höheren
Flüssigkeitsbelastungen.
82 Grundlagen
2.1.2 Stofftransport
Da in vielen Apparaten zur Stofftrennung Rieselfilme eingesetzt werden, ist zur siche-
ren Auslegung dieser Apparate eine verlässliche Beschreibung des Stofftransports
notwendig. Daher wurden auf diesem Gebiet bereits umfangreiche Untersuchungen
durchgeführt. Die vorherrschende Theorie für den Stoffdurchgang zwischen zwei
fluiden Phasen ist die Zweifilmtheorie
Zweifilmtheorie
, die von Lewis und Whitman (1924) aufgestellt
wurde (s. z.B. Kraume (2004)). Dabei geht man von an der Phasengrenze angrenzen-
den Konzentrationsgrenzschichten mit der Dicke
δcf
und
δcg
aus, in denen sich die
Konzentrationsprofile aufgrund des Stoffübergangs ausprägen welche vereinfachend
als linear angenommen werden. In Analogie zum Wärmedurchgang lässt sich ein
Transportwiderstand in beiden Phasen feststellen. In Abb. 2.2 sind örtliche Konzentra-
tionsprofile an einem Rieselfilm bei Anwesenheit von Stoffübergangswiderständen in
beiden Phasen dargestellt.
Flüssigkeit Gas
xA0
x,y
Abstand PGF
yA0
yA
xA
A
δcg
δcf
Abb. 2.2:
Konzentrationsprofile beim Stoffübergang im Rieselfilm bei Anwesenheit von
Stoffübergangswiderständen in beiden Phasen (bei einer Lauflänge z > 0).
Im Fall des Gleichgewichts an der Phasengrenze eines Gas/Flüssig-Stoffsystems
sind die Molanteile yA0 und xA0 durch die Gleichgewichtsbeziehung verknüpft:
yA0 =f(xA0).(2.14)
Da die Phasengrenze als unendlich dünn angenommen wird, wird der aus der einen
Phase antransportierte Stoffstrom vollständig in die andere Phase überführt:
˙nA=βgcg(¯yAyA0) = βg(¯cA,gcA0,g),(2.15)
˙nA=βfcf(xA0 ¯xA) = βf(cA0,f¯cA,f).(2.16)
2.1 Rieselfilme an ebenen Flächen 9
Daraus folgt:
¯yAyA0 =˙nA
βgcg
(2.17)
und
xA0 ¯xA=˙nA
βfcf
.(2.18)
Da die Molanteile an der Phasengrenze oftmals nicht bestimmt werden können,
wird dem Molanteil in der Flüssigkeit
¯xA
mithilfe der Gleichgewichtsbeziehung ein
fiktiver Molanteil
yA,eq
in der Gasphase zugeordnet. Sofern die Gleichgewichtskurve
im betrachteten Bereich annähernd linear verläuft, kann bei der weiteren Berechnung
der Gleichgewichtskoeffizient
m
als Steigung der Gleichgewichtskurve verwendet
werden:
mdy
A
dxAyA0 yA,eq
xA0 ¯xA¯yAyA0
xA,eq xA0
.(2.19)
Aus Gl. (2.18) und Gl. (2.19) ergibt sich:
yA0 yA,eq =˙nAm
βfcf
.(2.20)
Die Addition von Gl. (2.17) und Gl. (2.20) ergibt:
¯yAyA,eq = ˙nA1
βgcg
+m
βfcf.(2.21)
Führt man den auf die Gasphase bezogenen Stoffdurchgangskoeffizienten
kg
ein, kann
man die obige Gleichung als
˙nA=kg(¯yAyA,eq)(2.22)
auffassen, so dass der Stoffdurchgangskoeffizient die Stoffübergangswiderstände in
beiden Phasen beschreibt als
1
kg
=1
βgcg
+m
βfcf
.(2.23)
Die einfachste Vorstellung
Filmtheorie
zu den Vorgängen beim Stofftransport ist die Filmtheorie
(Lewis und Whitman,1924), bei der angenommen wird, dass der Stofftransport nur
in einer dünnen Schicht der Dicke
δc
allein durch molekulare Diffusion stattfindet (s.
Abb. 2.2). Bei vorliegender Konvektion lässt sich diese Annahme auch treffen, wenn
10 2 Grundlagen
die Konzentrationsgrenzschicht deutlich kleiner als die Geschwindigkeitsgrenzschicht
ist. Es ergibt sich der theoretische Zusammenhang
β=D
δc
.(2.24)
Da die Dicke der Konzentrationsgrenzschicht
δc
meistens nicht bekannt ist, ist der
direkte praktische Nutzen begrenzt.
Die Penetrationstheorie (Higbie,1935)
Penetrations-
theorie
ist eine weitere bedeutsame Theorie für den
Stofftransport bei Flüssigkeitsfilmen. Es wird davon ausgegangen, dass Fluidelemente
für ein bestimmtes Zeitintervall
τ
an die Phasengrenze gelangen und dort in einem in-
stationären Vorgang mit der Übergangskomponente beladen werden. Danach werden
sie gegen weitere Fluidelemente ausgetauscht und zurück in den Flüssigkeitskern
transportiert. Je länger diese Fluidelemente an der Phasengrenze verweilen, desto
langsamer wird insgesamt der Stofftransport, weil die instationäre Beladung mit
zunehmender Dauer aufgrund abnehmender Konzentrationsdifferenzen langsamer
abläuft. Es ergibt sich folgende theoretische Beziehung:
β=2
πD
τ.(2.25)
Experimentelle Untersuchungen zum Stofftransport an Flüssigkeitsfilmen wurden in
den meisten Fällen an innen berieselten Rohren (Wetted wall column) durchgeführt.
Eine Übersicht über bisher durchgeführte Untersuchungen geben Spedding und Jones
(1988).
Gilliland und Sherwood (1934) untersuchten den gasseitigen Stoffübergang
Korrelationen
für gasseitigen
Stoffübergang
über
die Verdunstung von verschiedenen Flüssigkeiten in einen Luftstrom. Sie stellten
folgende Korrelation auf:
Shg= 0,023Re0,83
gSc0,44
g.(2.26)
Der Einfluss der Flüssigkeitsbelastung auf den gasseitigen Stofftransport durch die
Bildung von Wellen wurde von Kafesjian et al. (1961) untersucht, was zu folgender
Beziehung führte, die den Einfluss der Schmidtzahl allerdings unberücksichtigt lässt:
Shg= 0,0065Re0,83
gRe0,15
f.(2.27)
Braun und Hiby (1970) untersuchten den gasseitigen Stoffübergang über die Absorp-
tion von Ammoniak aus einem Luftstrom in verdünnte Schwefelsäure. Sie stellten
Korrelationen für den Gegenstrom und den Gleichstrom der Phasen auf, welche auch
2.1 Rieselfilme an ebenen Flächen 11
die Lauflänge berücksichtigen:
Shg= 0,015Re0,75
gRe0,16
fSc0,44
g1+5,2L
d0,75(Gegenstrom),(2.28)
Shg= 0,18Re0,4
gRe0,16
fSc0,44
g1+6,4L
d0,75(Gleichstrom).(2.29)
Die Kennzahlen sind definiert als
Shgβgd
Dg
,Reg4˙
Vg
νg
,Ref
˙
Vf
νf
,Scgνg
Dg
.(2.30)
Es zeigt sich, dass sich je nach Phasenführung aufgrund verschiedener relativer
Geschwindigkeiten der Phasen unterschiedliche Exponenten für
Reg
ergeben. Der von
Gilliland und Sherwood (1934) eingeführte Wert von
0,44
für den Exponenten von
Scg
ist nicht unumstritten. Dudukovi´
c et al. (1996) zeigte, dass sich die Ergebnisse von
Gilliland und Sherwood (1934) für eine Abhängigkeit von
Sc0,5
g
mit einer geringeren
Streuung durch eine Korrelation anpassen lassen:
Shg= 0,0318Re0,790
gSc0,5.(2.31)
Nielsen et al. (1998) untersuchten den Stoffübergang bei höheren Reynoldszahlen im
Gleichstrom und konnten folgende Korrelation angeben:
Shg= 0,000 31Re1,05
gRe0,207
fSc0,5
g.(2.32)
Zur Berechnung des flüssigkeitsseitigen Stofftransports
Korrelationen
für flüssigkeits-
seitigen
Stoffübergang
bei glatten Filmen lassen
sich theoretische Ansätze anwenden. Dabei lässt sich für kurze Lauflängen die Pe-
netrationstheorie anwenden, weil die Eindringtiefe der übergehenden Komponente
gegenüber der Filmdicke gering ist. Es ergibt sich
Shδ,f= 1,38RefSc δf
Lmit Shδ,fβfδf
Df
.(2.33)
Bei größeren Lauflängen macht sich die endliche Filmdicke bemerkbar und die Sher-
woodzahl
Shδ,f
läuft in einen konstanten Wert von
3,41
ein. In den meisten technischen
Anwendungen treten jedoch wellige Flüssigkeitsfilme auf, bei denen aufgrund der
inneren Quervermischung der Stoffübergang deutlich verbessert wird. Dabei lassen
sich im
Shδ,f
-
Ref
-Diagramm Bereiche unterschiedlicher Steigung erkennen, die sich
den Strömungsregimen nach Ishigai et al. (1972) (s. Abschnitt 2.1.1) zuordnen lassen.
12 2 Grundlagen
Dieses Verhalten lässt sich nach Brauer (1971) beschreiben durch die empirische
Korrelation
Shδ,f=βfδf
Df
=CRea
fSc0,5
f(2.34)
für die Bereiche
12 <Ref<70 : C= 0,0224 a= 0,8
70 <Ref<400 : C= 0,08 a= 0,5
Ref>400 : C= 8,9·104a= 1,25.
Weitere Korrelationen für den flüssigkeitsseitigen Stofftransport in Flüssigkeitsfilmen
liefern beispielsweise Henstock und Hanratty (1979) oder Yu et al. (2006).
2.2 Rieselfilme an gekrümmten Flächen
Die Krümmung der Oberfläche hat einen Einfluss auf die Fluiddynamik des Rieselfilms,
sobald sich der Krümmungsradius in der Größenordnung der Filmdicke bewegt. Viele
Untersuchungen auf diesem Gebiet wurden motiviert durch die technische Anwendung
der Beschichtung von Drähten durch das Herausziehen aus einem Flüssigkeitsbad
(z.B. beim Aufbringen von Isolierlack auf einen Spulendraht).
2.2.1 Fluiddynamik
Wird eine ebene Platte gleichmäßig berieselt, bleibt die Filmoberfläche unabhängig
von der Filmdicke konstant. Bei einem berieselten Zylinder hingegen wächst die
Oberfläche proportional mit dem Filmradius.
In der Arbeit von Grabbert und Wünsch (1973) wird die Auswirkung der Oberflä-
chenkrümmung auf die Fluiddynamik eines Flüssigkeitsfilms theoretisch betrachtet.
Analog zum ebenen Flüssigkeitsfilm (Nußelt,1916) wurde für den Film an einer zylin-
drisch gekrümmten Oberfläche eine Kräftebilanz in Zylinderkoordinaten durchgeführt
(s. auch Jackson (1955)). Abb. 2.3 zeigt eine Skizze der geometrischen Verhältnisse
bei der Filmströmung am zylindrischen Draht. Das radiale Geschwindigkeitsprofil für
den laminaren Film ist demnach
w(r) = ∆ρgR2
D
4ηf
(1 r2+ 2R
f2ln r)(2.35)
mit dem dimensionslosen Radius
r=r/RD
und dem dimensionslosen Filmradius
R
f=Rf/RD
. Somit ergibt sich der Flüssigkeitsvolumenstrom durch Integration des
2.2 Rieselfilme an gekrümmten Flächen 13
w(r)
RD
Rf
z
r
DrahtFilm
δf
Abb. 2.3:
Skizze der geometrischen Verhältnisse eines Flüssigkeitsfilms an einem berie-
selten zylindrischen Draht.
Geschwindigkeitsprofils zu
˙
Vf,D= 2π
Rf
RD
rw(r) dr= 2πR2
D
R
f
1
rw(r) dr
=π∆ρgR4
D
8ηf4R
f23R
f41+4R
f4ln R
fund
(2.36)
Bf,D=˙
Vf,D
2πRD
=∆ρgR3
D
16ηf4R
f23R
f41+4R
f4ln R
f.(2.37)
Wird die Umfangsbelastung mit der Filmdicke
δf
beschrieben, ergibt sich (Duprat
et al.,2009b)
Bf,D=gδ3
f
3νf
Φ(αN)(2.38)
mit einem Krümmungsfaktor
Φ
, der eine Funktion der bezogenen Nußeltschen Filmdi-
cke αN=δf/RDist:
Φ(αN) = 3(1 + αN)4(4 ln(1 + αN)3) + 4(1 + αN)21
16α3
N
.(2.39)
Für
αN0
geht
Φ1
und damit geht Gl.
(2.38)
in jene für ebene Filme über
(Gl. (2.4)).
14 2 Grundlagen
Es zeigt sich, dass sich bei gleicher Umfangsbelastung bei berieselten Zylindern
dünnere Filme und bei innen berieselten Rohren dickere Filme als bei der ebenen
Platte einstellen. Andererseits sind die Geschwindigkeiten an der Filmoberfläche
bei gleicher Filmdicke beim außen berieselten Zylinder größer bzw. beim innen
berieselten Rohr geringer als bei der ebenen Platte.
Der Fall eines glatten laminaren Films an einer gekrümmten Fläche tritt in der
Realität jedoch nicht auf, weil die Oberflächenspannung einer realen Flüssigkeit
zu einer Instabilität und zur Ausbildung von Flüssigkeitsperlen auch bei geringen
Filmdicken führt. Dieses Phänomen wird im nächsten Abschnitt eingehend betrachtet.
2.2.2 Rayleigh-Plateau-Instabilität
Das Bestreben von Flüssigkeiten, ihre Oberfläche zu verringern, führt dazu, dass
Rieselfilme mit gekrümmter Oberfläche grundsätzlich instabil sind. Geringfügige Un-
regelmäßigkeiten der Filmoberfläche werden verstärkt, sofern dies eine Verringerung
der Oberfläche bewirkt. Dieses Phänomen tritt auch beim Zerfall eines Flüssigkeits-
strahls in Einzeltropfen auf (Weber,1931). Betrachtet man die Unregelmäßigkeiten
der Oberfläche als Überlagerung von Wellen mit unterschiedlicher Wellenlänge, wer-
den aus geometrischen Überlegungen für einen zylindrischen Film mit dem initialen
Radius
Rf,0
alle Störungen mit einer Wellenlänge
λ > 2πRf,0
verstärkt. Hingegen wer-
den Störungen mit
λ < 2πRf,0
gedämpft, weil diese eine Vergrößerung der Oberfläche
hervorrufen. Ausgedrückt als bezogene Wellenzahl
x= 2πRf,0 (2.40)
bedeutet dies, dass Störungen für x < 1verstärkt und für x > 1gedämpft werden.
Betrachtet man einen endlich ausgedehnten Flüssigkeitszylinder,
Maximal
verstärkte
Wellenlänge
sollte dieser nach
obiger Betrachtung in einer einzigen Kugel zusammenfließen, weil diese die geringste
Oberfläche für das gegebene Flüssigkeitsvolumen aufweist. Dies würde bedeuten,
dass die längste vorherrschende Wellenlänge am meisten verstärkt wird und über
die anderen Wellenlängen dominiert. Aufgrund der Trägheit der Flüssigkeit, die in
Richtung des Zentrums der Perlen beschleunigt werden muss, und der Aufwachsge-
schwindigkeit der Instabilität wird jedoch eine kürzere Wellenlänge dominant. So
zerfällt der Zylinder in mehrere kleinere Volumina, die sich aus dieser bevorzugten
Wellenlänge ergeben. Dieses Phänomen wurde zuerst von Rayleigh (1878) mathe-
matisch beschrieben. Demnach ist die am meisten verstärkte Wellenlänge bei einem
Flüssigkeitszylinder mit dem initialen Radius Rf,0und verschwindender Viskosität:
λR9Rf,0, xR= 0,697.(2.41)
Bei diesem Prozess wirken den Oberflächenkräften die Trägheitskräfte
Einfluss der
Viskosität
und die Rei-
2.2 Rieselfilme an gekrümmten Flächen 15
bungskräfte entgegen. Ist die Viskosität der Flüssigkeit hoch, wird das Aufwachsen
der Störung verlangsamt, so dass der Einfluss der Trägheitskräfte gegenüber den
Reibungskräften geringer wird. In diesem Fall verschiebt sich die am meisten ver-
stärkte Störung zu größeren Wellenlängen. Die kritische bezogene Wellenzahl für
höherviskose Fluide ist gemäß Weber (1931) (s. auch Eggers (1997))
x2
R=1
2 + 18Ohf
mit Ohf=Wef
Ref
=ν2
fρf
σfRf,0
,(2.42)
welche mit zunehmender Viskosität kleiner wird. Tomotika (1935) untersuchte den
Fall eines viskosen Flüssigkeitszylinders in einer umgebenden viskosen Flüssigkeit
und konnte zeigen, dass die Wellenlänge der maximalen Instabilität vom Verhältnis
der Viskositäten abhängt.
Goren (1962) stellte ein theoretisches Modell
Film am zyl.
Draht
für einen Flüssigkeitsfilm an einem
zylindrischen Draht und in einem Rohr auf. Es wurde der Einfluss des Verhältnisses
von Drahtradius und Filmradius
RD/Rf
gezeigt und mit experimentellen Ergebnis-
sen von hochviskosen Flüssigkeitsfilmen (Honig) an einem Draht verglichen. Die
beobachteten maximal verstärkten Wellenlängen stimmten mit den theoretischen
Vorhersagen überein. Mit abnehmendem
RD/Rf
werden längere resultierende Wellen-
längen beobachtet. Der Einfluss des Drahts zeigt sich im Vergleich mit der Theorie
von Weber (1931) dadurch, dass für einen Flüssigkeitszylinder gleicher Viskosität
und gleichen Durchmessers ohne inneren Draht deutlich größere resultierende Wel-
lenlängen vorhergesagt werden. Quéré et al. (1990) untersuchten Flüssigkeitsfilme
an Drähten und zeigten, dass sehr dünne Filme durch Van-der-Waals-Kräfte oder
elektrostatische Kräfte stabilisiert werden können. Darüber hinaus kann das Wachs-
tum der Störungen durch die Strömung entlang des Drahts verhindert werden, was
durch das Geschwindigkeitsprofil im Film verursacht wird. Aufgrund der Haftbedin-
gung an der Drahtoberfläche werden die Wellenberge schneller transportiert als
die Wellentäler. Der dadurch entstehenden Deformation der Wellen (Perlen) stehen
die Oberflächenspannungskräfte entgegen, wodurch eine Stabilisierung des Films
eintreten kann.
Die komplexen Phänomene bei der Filmströmung
Filmströmung
an senkrechten
zyl. Drähten
von dünnen Filmen an senk-
rechten, zylindrischen Drähten wurden von einigen Autoren theoretisch behandelt
(Tallmadge,1969;Lin und Liu,1975;Trifonov,1992;Frenkel,1992;Kalliadasis und
Chang,1994;Chang und Demekhin,1999). Kliakhandler et al. (2001) konnten in Ex-
perimenten mit größeren Filmdicken (
Rf>2RD
) unterschiedliche Strömungsregime
feststellen. Bei hohen Flüssigkeitsbelastungen war eine unregelmäßige Abfolge von
Perlen unterschiedlicher Größe und Geschwindigkeit erkennbar, bei mittleren Flüssig-
keitsbelastungen hingegen entstanden Perlen gleicher Größe, die in engem Abstand
zueinander gleichmäßig herabliefen. Bei niedrigen Flüssigkeitsbelastungen war wie-
16 2 Grundlagen
derum eine unregelmäßige Abfolge von einigen sehr großen Perlen feststellbar, welche
mit hoher Geschwindigkeit über kleine langsame Perlen liefen. Numerische Simulatio-
nen mit einem eigenen Modell konnten die Strömungsregime teilweise nachbilden.
Craster und Matar (2006) führten numerische Simulationen mit einem modifizierten
Modell von Kliakhandler et al. (2001) sowie eigene Experimente durch und stell-
ten eine gute Übereinstimmung der Simulationen mit den eigenen experimentellen
Ergebnissen und denen von Kliakhandler et al. (2001) fest.
Duprat et al. (2007) zeichneten eine Zustandskarte (Abb. 2.4) der Filmströmung an
zylindrischen Oberflächen. Dabei wurde die auf den Drahtradius bezogene Nußelt-
sche Filmdicke
αN=δf/RD
nach Gl.
(2.38)
über dem Verhältnis von Drahtradius und
Kapillarlänge
RD/lC
aufgetragen. Durch die theoretische Betrachtung der Zeitska-
len des Aufwachsens und des Transports der Perlen konnten Bereiche identifiziert
werden, die durch stoffspezifische Grenzkurven von einander getrennt sind. Nach
dieser Betrachtung wachsen die Perlen im Bereich der absoluten Instabilität (AI) bei
niedrigen Flüssigkeitsbelastungen schneller auf als sie transportiert werden, dies
wird mit regelmäßiger Perlenfolge in Verbindung gebracht. Bei höheren Flüssigkeits-
belastungen werden die Perlen hingegen schneller transportiert als sie aufwachsen,
dieser Zustand wird als konvektive Instabilität (CI) bezeichnet. Für diesen Bereich
wird ein Strömungsregime mit unregelmäßiger Perlenfolge vorhergesagt, wobei das
Aufwachsen der Perlen von Störungen am Zufluss angeregt wird.
Die experimentellen Werte zeigen, dass bei einer Steigerung der Umfangsbelastung
ein Übergang von regelmäßiger zu unregelmäßiger Perlenfolge erfolgt. Dieser Über-
gang stimmt für verschiedene Drahtradien gut mit der berechneten Grenzkurve für
Silikonöl (Kurve 1) überein. Für Wasser ergibt sich aufgrund der unterschiedlichen
Stoffwerte eine andere Grenzkurve (Kurve 2).
In einer weiteren Veröffentlichung wurden die Auswirkungen verschiedener An-
regungsfrequenzen auf die Ausbildung der Perlenstruktur untersucht (Duprat et al.,
2009a). Wird der Film mit einer geringeren Frequenz angeregt als jene, die entspre-
chend der maximal verstärkten Wellenlänge auftritt, kommt es im örtlichen Verlauf
zu mehreren Koaleszenzvorgängen. Numerische Simulationen zeigten eine sehr gute
Übereinstimmung der örtlichen Filmprofile mit denen optischer Messungen und es
konnten Stromlinien im Film visualisiert werden. Für größere Perlen lassen sich Zirku-
lationszonen erkennen, was bedeutet, dass ein gewisses Flüssigkeitsvolumen mit der
Perle über den Basisfilm hinweg transportiert wird. In einem bestimmten Parameterbe-
reich lassen sich jedoch durchgehende Stromlinien ohne Zirkulationszonen erkennen.
Dies bedeutet, dass der Basisfilm vollständig von der Perle aufgenommen und wieder
abgegeben wird und somit kein Flüssigkeitsvolumen in der Perle eingeschlossen wird.
2.2 Rieselfilme an gekrümmten Flächen 17
Abb. 2.4:
Zustandskarte nach Duprat et al. (2007) mit Bereichen für absolute (AI)
und konvektive (CI) Instabilität der Filmströmung. Experimentelle Daten für Silikonöl:
(Kreuze): Regelmäßige Perlenfolge; (Punkte): Unregelmäßige Perlenfolge. Grenzkurven:
(1): Silikonöl; (2): Wasser; Durchgezogene Linien: Numerische Lösungen, Gestrichelte
Linie: Analytische Lösung.
2.2.3 Stofftransport
In der Arbeit von Grabbert (1974) wurde der flüssigkeitsseitige Stofftransport mit
dem Stoffsystem Wasser/
CO2
an Stäben unterschiedlichen Durchmessers (
dD= 1
;
2,5
und
5mm
) untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass sich der Stofftransport
mit abnehmendem Radius erhöht. Waren die Ergebnisse für den Stab mit
5mm
Durchmesser vergleichbar mit denen ebener Filme, ergab sich für den Stab mit
1mm
eine Erhöhung der Sherwood-Zahl in einem Bereich
Ref>140
gegenüber dem ebenen
Film um bis zu
100%
. Weitere Untersuchungen an Einzeldrähten wurden im Hinblick
auf eine Drahtbündelpackung vorgenommen und werden in Abschnitt 2.4 vorgestellt.
Bei den bisherigen Untersuchungen zur Filmströmung an senkrechten Drähten
wurde der Einfluss der Gasströmung auf die Fluiddynamik und den Stofftransport
bei höheren Gasbelastungen nicht betrachtet. Daher wird diesem Aspekt in der
vorliegenden Arbeit besondere Beachtung geschenkt.
18 2 Grundlagen
2.3 Packungskolonnen
Packungskolonnen werden neben Bodenkolonnen in der Verfahrenstechnik für den
Stoffübergang durch direkten Kontakt der Phasen bei der Rektifikation, der Absorpti-
on und Extraktion sowie zur Wärmeübertragung zwischen Flüssigkeiten und Gasen
eingesetzt. Die Flüssigkeit wird in der Kolonne auf eine Packung (z.B. eine regellose
Schüttung von Füllkörpern oder regelmäßige Packungen) verteilt und rieselt an deren
Oberfläche als Film herab. Die Gasphase oder eine zweite flüssige Phase geringerer
Dichte wird in den meisten Fällen im Gegenstrom geführt, weil dadurch mehrere
Trennstufen in der Kolonne realisiert werden können. Abb. 2.5a und b zeigen den
typischen Aufbau einer Packungskolonne mit Füllkörpern bzw. mit strukturierten
Packungselementen. Neben der Packung sind verschiedene nicht trennwirksame Ein-
bauten vorgesehen (s. Sattler (2001); Billet (1995)). Am Kopf der Kolonne ist meist ein
Tropfenabscheider vorgesehen, um feine von der Gasströmung mitgerissene Tröpf-
chen abzuscheiden. Die Flüssigkeit wird mit einem Flüssigkeitsverteiler oberhalb der
Packung verrieselt. Dieser hat die Aufgabe, die Flüssigkeit gleichmäßig zu verteilen
und dabei einen möglichst geringen Druckverlust für die Gasströmung zu verursachen.
Die Packung selbst wird von einem Niederhalterost und einem Tragrost in der Kolonne
fixiert. Ist eine Wiederverteilung der Flüssigkeit aufgrund ungleichmäßiger Verteilung
in der Packung erforderlich, wird diese mit einem Flüssigkeitssammler aufgefangen
und erneut verteilt. Ein weiterer Grund für die Wiederverteilung kann auch eine
seitliche Flüssigkeitszugabe bzw. das Sammeln der Flüssigkeit zum Abzweigen eines
Flüssigkeitsteilstromes sein.
Klassische Füllkörper sind z.B. Raschigringe oder Pallringe, die aus verschiedenen
Materialien hergestellt werden. Einen Überblick über verschiedene Füllkörperformen
gibt Ma´
ckowiak (2003). Die große Anzahl verschiedener Geometrien und Materialien
ergibt sich aus dem Streben nach einer hohen Trennleistung bei möglichst gerin-
gem Druckverlust und geringen Investitionskosten. Bei der Wahl des Materials sind
insbesondere die Stoffeigenschaften der Flüssigkeit von Bedeutung (Benetzbarkeit,
Korrosionsbeständigkeit).
Strukturierte Packungen
Strukturierte
Packungen
wurden in den
1960
er Jahren entwickelt, um viele Trenn-
stufen (>
400
) in einer Kolonne zu realisieren (Sperandio et al.,1965). Die erste
strukturierte Packung bestand aus gewellten Drahtgewebelagen, die verschränkt
angeordnet wurden. Durch diese Anordnung ergeben sich gewundene Strömungs-
kanäle ohne Totzonen für die Gasphase. Nach diesem Prinzip sind auch noch heute
die meisten strukturierten Packungen aufgebaut, wobei kostengünstigere Bleche mit
feinstrukturierter Oberfläche verwendet werden (Meier et al.,1979). Diese struk-
turierten Packungen zeichnen sich durch eine hohe Trennleistung bei moderatem
spezifischen Druckverlust aus. Durch Veränderungen der Profilgeometrie lassen sich
unterschiedlich große spezifische Packungsoberflächen erreichen. Mit zunehmendem
2.3 Packungskolonnen 19
Abb. 2.5:
Aufbau von Packungskolonnen. a) Füllkörperkolonne, b) Kolonne mit struktu-
rierten Packungen. VE Flüssigkeitsverteiler, NR Niederhalterost, FS Füllkörperschüt-
tung, AR Tragrost, WV Wiederverteiler mit Füllkörperrückhaltesperren, PA Packungs-
elemente, AT Auflageträger, FA Flüssigkeitssammler, RK Ringkanal, DE Dampfeintritts-
rohr, KS Kolonnensumpf, UV Umwälzleitung zum Verdampfer, SZ Standzarge, VA Veran-
kerung, ML Personenloch (aus Sattler (2001)).
20 2 Grundlagen
Verschränkungswinkel der Packungslagen gegenüber der Horizontalen lässt sich der
spezifische Druckverlust auf Kosten der Trennleistung verringern. Bei modernen
Hochleistungspackungen wird der Verschränkungswinkel im Bereich des Übergangs
zum nächsten Packungssegment auf
90°
erhöht, um einen abrupten Richtungswechsel
der Gasströmung zu vermeiden. Dadurch sinkt der spezifische Druckverlust und die
Belastungsgrenzen steigen. Zudem sind manche Packungsbleche perforiert, um die
beidseitige Benetzung der Bleche zu verbessern.
Parallel zur Entwicklung der strukturierten Packung wurden die Füllkörper weiter-
entwickelt (z.B. Mc-Pac (Ma´
ckowiak,2001), Raschig-Super-Ring, Ralu-Flow (Schultes,
1998)). Diese Hochleistungsfüllkörper haben stark durchbrochene Wandungen mit
gitterartiger Struktur und weisen deshalb einen deutlich geringeren spezifischen
Druckverlust als klassische Füllkörper auf. Obwohl strukturierte Packungen eine
immer weitere Verbreitung finden, können sich bei einer wirtschaftlichen Betrach-
tung Fälle ergeben, bei denen die Hochleistungsfüllkörper strukturierten Packungen
gleichwertig oder sogar überlegen sind (Schultes,1998).
2.3.1 Eigenschaften der trockenen Packung
Eine wichtige Kenngröße einer
Spez. Packungs-
oberfläche
Packung ist die spezifische Packungsoberfläche, welche
die Packungsoberfläche auf das gesamte Packungsvolumen bezieht:
aP=AP
VP,ges
.(2.43)
Eine weitere grundlegende Kenngröße ist der Lückengrad,
Lückengrad
welcher das freie Volumen
bezogen auf das gesamte Packungsvolumen darstellt:
εP=VP,ges VP
VP,ges
.(2.44)
Aus Gl. (2.43) und Gl. (2.44) ergibt sich
aP=AP
VP(1 εP).(2.45)
Der Ausdruck
AP/VP
kann als Grad der Ausnutzung des Packungsmaterials
Ausnutzung
Packungs-
material
zur Be-
reitstellung der Oberfläche betrachtet werden. Für eine strukturierte Packung, die
aus dünnen Blechen mit der Stärke
dPl
besteht, ergibt sich bei Vernachlässigung der
Randflächen:
AP
VPPl
= 2/dPl.(2.46)
2.3 Packungskolonnen 21
Für eine Packung aus zylindrischen Elementen mit dem Durchmesser
dZyl
(wie auch
für eine Drahtbündelpackung) ergibt sich ohne Stirnflächen:
AP
VPZyl
= 4/dZyl.(2.47)
Entsprechend gilt für kugelförmige Elemente
AP
VPKug
= 6/dKug.(2.48)
Dies bedeutet, dass bei einer geringeren Dicke bzw. kleinerem Durchmesser eine
bessere Ausnutzung des Materialvolumens erreicht wird. Für Füllkörper, die keine
Kugelgestalt haben, lässt sich mit Gl.
(2.48)
ein äquivalenter Partikeldurchmesser
berechnen.
Zur Beschreibung des Druckverlustes
Druckverlust
eignet sich das Modell der Kanalströmung,
welches allgemein bei Partikelschüttungen Anwendung findet. Dabei wird die Packung
als poröser Körper beschrieben, der von vielen vertikalen Kanälen durchzogen ist,
deren Durchmesser sich aus den Abmessungen der Füllkörper ergibt. Es wird dabei
vereinfachend von zylindrischen Kanälen gleichen Durchmessers
dh,P
ausgegangen,
welche geradlinig, parallel angeordnet sind und deren Länge der Höhe der Packung
entspricht:
dh,P= 4εP
aP
= 4 εP
1εPVP
AP.(2.49)
Dann lässt sich der Druckverlust der trockenen Packung mit der Beziehung für
durchströmte Rohre berechnen als:
∆p
HPP
=ζρg
2¯w2
g
1
dh,P
.(2.50)
Da die Kanäle in der Realität gewunden sind und daher längere Strömungswege als
der idealisierte Kanal aufweisen und sich zudem zahlreiche Querschnitts- und Rich-
tungsänderungen ergeben, ist der tatsächliche Druckverlust größer. Dieser Umstand
wird berücksichtigt, indem die Erhöhung rechnerisch dem Widerstandsbeiwert
ζ
zugerechnet wird. Der Widerstandsbeiwert hängt von der Reynoldszahl der Gasphase
ab und ist für zahlreiche Füllkörper und Packungen experimentell bestimmt worden
(Ma´
ckowiak,2003). Die charakteristische Reynoldszahl für Packungen ist allgemein
definiert als:
Reg=¯wgdh,P
νg
.(2.51)
22 2 Grundlagen
Die effektive Gasgeschwindigkeit in den Kanälen errechnet sich aus der Leerrohrge-
schwindigkeit des Gases und dem Lückengrad:
¯wg=vg
εP
.(2.52)
Eine gebräuchliche Definition der Reynoldszahl für Partikelschüttungen, welche die
Leerrohrgeschwindigkeit und den äquivalenten Partikeldurchmesser
dKug
beinhaltet,
ergibt sich aus der obigen Definition Gl.
(2.51)
(unter Vernachlässigung des konstanten
Faktors 3/4) mit den Gl. (2.49), Gl. (2.48) und Gl. (2.52) zu
Reg,dKug =vgdKug
νg
1
1εP
.(2.53)
2.3.2 Eigenschaften der berieselten Packung
Die Flüssigkeit strömt an der Oberfläche der Packungselemente als Film herab, wobei
bei modernen Gitterfüllkörpern ein beträchtlicher Anteil der Flüssigkeit aufgrund zahl-
reicher Abtropfkanten in Form von Tropfen vorliegen kann (Ma´
ckowiak,2008). Der
gesamte Flüssigkeitsinhalt
Flüssigkeits-
inhalt
während des stationären Betriebs hängt von der Flüssig-
keits- und Gasbelastung ab und lässt sich in einen dynamischen und statischen Anteil
aufteilen. Der statische Anteil ist jenes Flüssigkeitsvolumen, welches sich in Zwickeln
und Totzonen der Packung befindet und nur einen eingeschränkten Austausch mit
dem herabrieselnden dynamischen Anteil hat. Mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung
nimmt der statische Anteil ab, weil eine intensivere Durchmischung der Flüssigkeit
in der Packung erfolgt. Beim Abschalten der Flüssigkeitszufuhr verschwindet der
dynamische Anteil und der statische Anteil geht in den Haftinhalt über, welcher neben
den Stoffeigenschaften der Flüssigkeit auch von der Benetzbarkeit und der Geometrie
der Packung abhängt. Die Flüssigkeitsbelastung wird angegeben als Flüssigkeitsvolu-
menstrom bezogen auf die Querschnittsfläche der Packung:
vf,P=˙
Vf/Aq,P.(2.54)
Man kann die Flüssigkeitsbelastung der Packung aus der Umfangsbelastung mit der
spezifischen Packungsoberfläche berechnen:
vf,P=aPBf.(2.55)
Anstatt der Gasleerrohrgeschwindigkeit wird oft der F-Faktor für die Beschreibung
der Gasbelastung verwendet:
FP=vgρg.(2.56)
2.3 Packungskolonnen 23
Der Flüssigkeitsinhalt wird über die Flüssigkeitsfüllzahl angegeben, welche das Flüs-
sigkeitsvolumen auf das in der trockenen Packung vorhandene Porenvolumen bezieht:
hf=Vf
VP,ges VP
=Vf
εPVP,ges
.(2.57)
Abb. 2.6 zeigt den Verlauf der Flüssigkeitsfüllzahl einer Füllkörperschüttung in
Abhängigkeit von der Gasbelastung für unterschiedliche Flüssigkeitsbelastungen. Es
ist offensichtlich, dass der Flüssigkeitsinhalt mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung
ansteigt, was sich durch eine größere Filmdicke erklären lässt. Die Erhöhung der Gas-
belastung hat bei niedrigen Gasbelastungen keinen Einfluss auf den Flüssigkeitsinhalt.
In diesem Bereich lässt sich der Flüssigkeitsinhalt nach Billet und Schultes (1993a)
über die Flüssigkeitsfüllzahl
hf,P= (12 Fr f
Ref
)1/3af,P
aP2/3
(2.58)
mit der Froudezahl
Fr f=v2
faP/g
und
Ref=vf/(νfaP)
berechnen. Ab einer bestimm-
ten Gasbelastung ist jedoch eine Zunahme des Flüssigkeitsinhalts zu beobachten.
Diese Gasbelastung
Belastungs-
grenzen
kennzeichnet die Staugrenze, oberhalb derer ein Aufstauen der
Flüssigkeit aufgrund der von der Gasphase ausgeübten Schubspannungen an der
Flüssigkeitsoberfläche auftritt. Die Flutgrenze ist bei jener Gasbelastung erreicht,
bei der die Flüssigkeit nicht mehr abfließt und die Kolonne vollständig geflutet wird.
Sie ist durch einen sehr steilen Anstieg des Flüssigkeitsinhalts gekennzeichnet. In
0,3 0,6 0,8 1,0 1,5 2,00,4 3,0
8
6
10
15
20
30
40
Flüssigkeitsfüllzahl hf x 102
System: Luft/Wasser, 1 bar, 293 K
Glitsch-Ring Nr. 0,5 CMR 304
vf = 40 m3/(m2 h)
10
20
30
Leerrohrgeschwindigkeit vg in m/s
Abb. 2.6:
Flüssigkeitsfüllzahl einer Füllkörperschüttung in Abhängigkeit von der Gas-
belastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen (aus (Billet und Schultes,1993a)).
24 2 Grundlagen
diesem Zustand ist die Kolonne nicht mehr betreibbar. Um wieder einen stabilen Be-
triebspunkt zu erreichen, muss die Gas- und Flüssigkeitszufuhr zunächst abgeschaltet
werden, damit die Flüssigkeit in der Packung ablaufen kann. Ein Betrieb oberhalb
der Staugrenze ist jedoch zulässig und auch erwünscht, weil in diesem Bereich eine
intensive Interaktion von Gas- und Flüssigphase auftritt, was die Trennleistung der
Kolonne verbessert.
Eine weitere Belastungsgrenze ist die minimale Flüssigkeitsbelastung, bei der die
Packung nicht mehr vollständig benetzt wird bzw. der statische Flüssigkeitsanteil
zunimmt, so dass die effektive Filmoberfläche und damit die Trennleistung abnimmt.
Diese untere Belastungsgrenze hängt neben der Geometrie und dem Material der
Packung stark von dem eingesetzten Stoffsystem ab. Bei Flüssigkeiten mit höheren
Viskositäten und hohen Oberflächenspannungen sind größere Flüssigkeitsbelastungen
zur ausreichenden Benetzung der Packung notwendig.
Abb. 2.7
Druckverlust
zeigt den spezifischen Druckverlust einer Füllkörperschüttung in Abhängig-
keit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. Der spezifische
Druckverlust der berieselten Packung ist höher als im trockenen Zustand, weil sich
einerseits geringere freie Querschnitte für die Gasströmung ergeben, andererseits hat
dies auch zur Folge, dass sich bei gleicher Gasleerrohrgeschwindigkeit höhere effekti-
ve Gasgeschwindigkeiten in den Kanälen einstellen. Der hydraulische Durchmesser
der Kanäle in der berieselten Packung ist demzufolge
dh,P,f= 4εP(1 hf)
af,P
.(2.59)
Während die Kurven für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen unterhalb der Stau-
grenze die gleiche Steigung aufweisen wie die der trockenen Packung, zeigt der
Druckverlust oberhalb der Staugrenze eine zunehmende Steigung. Dies wird durch
die zusätzliche Verengung der freien Querschnitte für die Gasströmung durch das Auf-
stauen der Flüssigkeit sowie den zunehmenden Impulsaustausch zwischen den Phasen
verursacht. An der Flutgrenze steigt der Druckverlust aufgrund des vollständigen
Aufstauens der Flüssigkeit sehr stark an.
Zur Bestimmung des Druckverlusts der berieselten Packung wird nach Ma´
ckowiak
(2003) von der trockenen Packung ausgegangen und die Erhöhung des Druckverlusts
durch die Berieselung mit einem Quotienten ∆pf/∆p berücksichtigt:
∆p
HPP,f
=∆p
HPP
∆pf
∆p .(2.60)
Zur Berechnung des Quotienten
∆pf/∆p
muss neben der Veränderung des hydrauli-
schen Durchmessers auch die Erhöhung der effektiven Gasgeschwindigkeit berück-
2.3 Packungskolonnen 25
2000
1000
800
600
500
400
300
200
80
100
50
40
30
20
10
0,4 0,6 0,8 1 2 3 4 5
60
32 mm Envipac
Nr. 1 PP
Luft/Wasser
1 bar, 293 K
vf in m3/(m2 h)
0
10
20
30
40
Gasbelastung FP in Pa0,5
Spez. Druckverlust Δp/HP in Pa/m
Abb. 2.7:
Spezifischer Druckverlust einer Füllkörperschüttung in Abhängigkeit von
der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen (aus (Billet und Schultes,
1991)).
sichtigt werden. Nach Buchanan (1969) ergibt sich
¯wg,f= ¯wg
d2
h,P
(dh,P2δf)2.(2.61)
Dieser Ausdruck gilt nur für Kanäle mit geschlossenen Wandungen (s. Abschnitt 3.7.2).
Der Quotient ergibt sich mit Gl. (2.50) zu
∆pf
∆p =ζf
ζ
¯w2
g,f
¯w2
g
dh,P
dh,P2δf
.(2.62)
Dies führt mit Gl. (2.61) zu
∆pf
∆p =ζf
ζdh,P
dh,P2δf5
.(2.63)
26 2 Grundlagen
In dieser Arbeit wird für die Drahtbündelpackung jedoch ein Modell verwendet,
welches auch für offenwandige Kanäle geeignet ist und in Abschnitt 3.7.2 vorgestellt
wird.
Während für Füllkörperpackungen aufgrund der unregelmäßigen, komplexen Geo-
metrie meist empirische Korrelationen zur Beschreibung der Fluiddynamik verwendet
werden (z.B. Billet und Schultes (1993a)), ist es bei strukturierten Packungen möglich,
Modelle zur Beschreibung der Packungsgeometrie anzugeben. So wird von Bravo et al.
(1985) die effektive Gasgeschwindigkeit in den Kanälen mit dem Verschränkungs-
winkel der Packungslagen in Beziehung gebracht. Dieses Modell wurde von Rocha
et al. (1993) sowie Oluji´
c et al. (1999) weiter verbessert und ermöglicht die Vorhersa-
ge des Flüssigkeitsinhalts, des Druckverlusts und der Flutgrenzen in strukturierten
Packungen.
Im Folgenden wird das Modell von Rocha et al. (1993)
Modell von
Rocha et al.
(1993)
näher vorgestellt, weil es
vielfache Verwendung findet und daher in dieser Arbeit zum Vergleich mit den ge-
wonnenen Ergebnissen herangezogen wird. In der Modellvorstellung durchziehen
die Packung Kanäle, die aufgrund der Verschränkung der Packungslagen geneigt zur
Vertikalen verlaufen. Daher ergeben sich für die effektive Gas- und Flüssigkeitsge-
schwindigkeit:
¯wg,eff =vg
εP(1 hf) sin θ,¯wf,eff =vf
εPhfsin θ.(2.64)
Es wird hier eine effektive Erdbeschleunigung geff eingeführt, welche die scheinbare
Schwerkraft beschreibt, die durch in entgegengesetzter Richtung wirkende Kräfte
vermindert wird. Dazu zählen die Auftriebskraft sowie die durch die Schubspan-
nungen an der Filmoberfläche und den Druckunterschied über der Packungshöhe
hervorgerufenen Kräfte:
geff =gρfρg
ρf1∆p/HP
(∆p/HP)flut .(2.65)
Im Falle des Flutens ist
geff = 0
. Experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass
der spezifische Druckverlust an der Flutgrenze nur geringfügig abhängig von der Flüs-
sigkeitsbelastung und der Packungsgeometrie ist (Rocha et al.,1993). Vereinfachend
wird ein Wert von
∆p
HPflut
= 1025 Pa/m (2.66)
2.3 Packungskolonnen 27
angenommen. Der Flüssigkeitsinhalt wird beschrieben als:
hf=4fges
S2/33ηfvf
ρf(sin θ)εPgeff 1/3
.(2.67)
Dabei wird das Benetzungsverhalten mit einem Faktor berücksichtigt, der aus Bezie-
hungen von Shi und Mersmann (1985) hergeleitet wurde:
fges = 29,12(WeFr)0,15
f
S0,359
Re0,2
fε0,6
P(1 0,93 cos α)(sin θ)0,3.(2.68)
Dabei ist
cos α= 0,9für σf<0,055 N/m,(2.69)
bzw.
cos α= 5,211 ·1016,835σffür σf>0,055 N/m.(2.70)
Der Druckverlust der berieselten Packung wird in Anlehnung an Buchanan (1969)
berechnet als
∆p
HPP,f
=∆p
HPP1
1K2hf5
(2.71)
mit
K2= 0,614 + 71,35Smit Sin m.(2.72)
Der trockene Druckverlust wird mit einer Gleichung für die Strömung in Rohren
ermittelt:
∆p
HPP
=ζρg¯w2
g,eff
Smit ¯wg,eff =vg
εPsin θ.(2.73)
Der Widerstandsbeiwert wird berechnet über
ζ= 0,177 + 88,774/Reg.(2.74)
Somit ergibt sich aus Gl. (2.73) und Gl. (2.74):
∆p
HPP
=0,177ρg
Sε2
P(sin θ)2v2
g+88,774νgρg
S2εP(sin θ)vg.(2.75)
28 2 Grundlagen
2.3.3 Stoffübergang
Um eine geforderte Produktreinheit zu erhalten, muss eine bestimmte Anzahl an
Trennstufen realisiert werden. Je besser die Trennleistung einer Packung ist, desto
mehr Trennstufen werden bei einer bestimmten Packungshöhe erreicht. Die Effizienz
ergibt sich aus der effektiven Filmoberfläche in der Packung sowie aus den Stoffüber-
gangskoeffizienten in der Gas- und Flüssigphase. Zur Ermittlung dieser Größen können
im Prinzip die Modelle für Rieselfilme angewendet werden. Allerdings muss dabei die
effektive Geschwindigkeit der Phasen berücksichtigt werden. Aufgrund der komplexen
Geometrien der Packungen setzt eine Beschreibung der Stofftransportvorgänge die
Kenntnis der Strömungsvorgänge in der Packung voraus.
Um experimentelle Studien verschiedener Autoren vergleichbarer zu machen, wur-
den für die Destillation von Onken und Arlt (1990) und für die Absorption von Hoffmann
et al. (2007) Standardtestsysteme und -methoden vorgeschlagen. Wang et al. (2005)
geben einen umfassenden Überblick über Korrelationen verschiedener Autoren zum
Stofftransport in Packungen. Es wird dabei unterschieden zwischen Korrelationen für
regellose Füllkörperschüttungen und strukturierte Packungen. Dabei werden Bezie-
hungen für die gas- und flüssigkeitsseitigen Stoffübergangskoeffizienten sowie für die
effektive Filmoberfläche angegeben. Zur Berechnung der gasseitigen Stoffübergangs-
koeffizienten wurden von den meisten Autoren empirische Korrelationen der Form
Shg=CRem
gScn
g(2.76)
angegeben, wobei Korrelationen für berieselte Rohre verwendet wurden (s. Abschnitt
2.1.2). Die Korrelationen für den flüssigkeitsseitigen Stoffübergang basieren jedoch
bei den meisten Autoren auf der Penetrationstheorie, wobei die Kontaktzeit für den
instationären Stoffübergang aus der Flüssigkeitsgeschwindigkeit und einer charakte-
ristischen Länge der Packung bestimmt wird.
Die Voraussetzung zur Ermittlung der Stoffübergangskoeffizienten
Effektive
Filmoberfläche
ist die Kenntnis
der effektiven Filmoberfläche. Eine klassische Methode zu deren Bestimmung ist die
Absorption mit einer schnellen chemischen Reaktion, wie z.B. beim Stoffsystem
H2O
-
NaOH
/
CO2
-Luft. Durch die Überkonzentration von
NaOH
in der Flüssigkeit ergibt
sich eine Reaktion von pseudoerster Ordnung. Durch die schnelle Reaktion (
Ha >3
)
reagiert das
CO2
direkt an der Filmoberfläche, so dass kein Transportwiderstand in
der flüssigen Phase vorliegt und die effektive Oberfläche direkt berechnet werden
kann (s. Last und Stichlmair (2002); Hoffmann et al. (2007)). Über eine Beobachtung
der Berieselung von Füllkörpern von Shi und Mersmann (1985) wurde die Breite
eines Rinnsals in Abhängigkeit vom Kontaktwinkel
α
gemessen und daraus ein Zu-
sammenhang für die effektive Filmoberfläche aufgestellt (Mersmann und Deixler,
2.3 Packungskolonnen 29
1986). Aferka et al. (2011) untersuchten die effektive Filmoberfläche, indem sie eine
Packungskolonne mit Röntgenstrahlen durchleuchteten. Durch diese Methode ist es
möglich, die lokale Flüssigkeitsverteilung in der Packung sichtbar zu machen. Dabei
zeigte sich, dass der Flüssigkeitsinhalt und die Filmoberfläche nicht konstant über
der Höhe der Packung sind. An der Schnittstelle zwischen zwei Packungssegmenten
zeigen sich deutlich niedrigere Werte als in den übrigen Bereichen. Ein Vergleich
der Röntgentomographie-Methode mit der oben beschriebenen Absorptions-Methode
ergab eine gute Übereinstimmung der Werte für die effektive Filmoberfläche.
Eines
Stoffübergangs-
korrelationen
der ersten Modelle für Füllkörperpackungen, welches noch heute Verwendung
findet, wurde von Onda et al. (1968) aufgestellt. Es wurden neben eigenen Messungen
auch Daten der volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten
βg·af,P
und
βf·af,P
verschiedener Autoren einbezogen. Mithilfe einer Korrelation für das Verhältnis von
effektiver Filmoberfläche zur Packungsoberfläche
af,P
aP
= 1 exp 1,45 σkr
σf0,75
Re0,1
fFr 0,05
fWe0,2
f(2.77)
mit
Ref=vf/(aPνf)
,
Fr f=v2
faP/g
,
Wef=v2
fρffaP
in den Grenzen
0,04 <Ref<500
,
1,2·108<Wef<0,272
;
5·109<Fr f<1,8·102
,
0,3< σkrf<2
erhielten sie die
empirischen Korrelationen
βf=0,0051
(aPdeq)0,4(νfg)1/3vf
af,Pνf2/3
Sc0,5
f(2.78)
und
βg=cDg
aPd2
eq vg
aPνg0,7
Sc1/3
g.(2.79)
Billet und Schultes (1993b) geben für die gas- und flüssigkeitsseitigen Stoffüber-
gangskoeffizienten Beziehungen an, welche auf der Penetrationstheorie nach Higbie
(1935) beruhen. Die Korrelationen gelten für Füllkörperschüttungen sowie für struk-
turierte Packungen. Bravo et al. (1985) stellten Beziehungen für strukturierte Draht-
gewebepackungen auf, bei denen der gasseitige Stoffübergang mit einer Korrelation
für berieselte Rohre berechnet wurde:
Shg= 0,0338Re0,8
gSc0,333
g.(2.80)
Für den flüssigkeitsseitigen Stoffübergang wurde hingegen die Penetrationstheorie
30 2 Grundlagen
herangezogen:
βf= 2Df¯wf,eff
πS .(2.81)
Wegen der guten Benetzungseigenschaften des Drahtgewebes wurde angenommen,
dass die effektive Oberfläche der Packungsoberfläche entspricht. Als charakteristische
Länge wurde der hydraulische Durchmesser aus den geometrischen Abmessungen der
Packung bestimmt. Die effektiven Gasgeschwindigkeiten sind in diesem Modell vom
Verschränkungswinkel der Gewebelagen abhängig, da die von der Packung geformten
Kanäle schräg zur Senkrechten gestellt sind. Dieses Modell wurde von Rocha et al.
(1993,1996) für strukturierte Packungen aus Blechlagen weiterentwickelt, bei denen
bei niedrigeren Flüssigkeitsbelastungen keine vollständige Benetzung stattfindet. Es
wird daher eine Korrelation für die effektive Filmoberfläche nach Shi und Mersmann
(1985) verwendet. Die Beziehungen für das Modell von Rocha et al. (1996) lauten:
βg= 0,054Dg
S( ¯wg,eff + ¯wf,eff)S
νg0,8
Sc0,33
g,(2.82)
βf= 20,9Df¯wf,eff
πS ,(2.83)
af,P
aP
=fSE
29,12v0,4
fν0,2
fS0,159
(1 0,93 cos θ)(sin α)0,3ε0,6ρf
σfg0,15
.(2.84)
Dabei werden
¯wg,eff
und
¯wf,eff
nach Gl.
(2.64)
berechnet. Der Faktor
fSE
berücksichtigt
die Oberflächenbeschaffenheit der Packung.
Das Modell von Oluji´
c et al. (1999) greift das Modell von Rocha et al. (1996) auf.
Als charakteristische Länge wird die Breite einer Sicke durch den hydraulischen
Durchmesser ersetzt. Für den gasseitigen Stoffübergang wird eine Korrelation ver-
wendet, die über einen laminaren und einen turbulenten Anteil verfügt. Die effektive
Filmoberfläche wird mit einer empirischen Gleichung angegeben, welche auch die
Perforation der Blechlagen berücksichtigt.
2.3.4 Trennleistung
Das HTU-NTU Konzept wurde von Chilton und Colburn (1935) für Packungskolon-
nen eingeführt. Dabei wird zur Bestimmung der Höhe der Packung
HP
die Höhe
einer Übergangseinheit
HTU
ermittelt und mit der für die Trennaufgabe notwendi-
2.3 Packungskolonnen 31
gen Stufenanzahl
NTU
multipliziert. Eine Bilanz um ein differenzielles gasseitiges
Höhenelement in einer Kolonne ergibt:
˙
NgdyA=kg(yAy
A)·af,P

Af,P/VP
Aqdz. (2.85)
Durch Integration über die Kolonnenhöhe ergibt sich:
HP=
yA,aus
yA,ein
1
yAy
A
dyA

NTU g
·
˙
Ng
kgaf,PAq

HTU g
.(2.86)
Setzt man anstelle des Stoffdurchgangskoeffizienten
kg
gemäß der Zweifilmtheorie
mit Gl.
(2.23)
die einzelnen Stoffübergangskoeffizienten der Gas- und Flüssigphase
βg
und βfein, erhält man:
HP=NTU og ·HTU og =
yA,aus
yA,ein
1
yAy
A
dyA·vg
af,P1
βg
+mcg
βfcf.(2.87)
Hierin bedeutet der Index og (overall gas), dass die Transportwiderstände beider
Phasen berücksichtigt werden und die Werte auf die Gasphase bezogen sind. Durch
Einführung des Strippfaktors
λ=m
˙
Nf
˙
Ng
mit m=dy
dx(2.88)
als Verhältnis der Steigung von Gleichgewichtskurve und Arbeitsgerade lässt sich die
auf die Gasphase bezogene, die Widerstände beider Phasen berücksichtigende Höhe
einer Übergangseinheit schreiben als
HTU og =HTU g+λHTU f(2.89)
bzw.
HTU og =˙
Ng
βgcgaf,PAq
+m
˙
Nf
˙
Ng
˙
Nf
βfcfaf,PAq
(2.90)
32 2 Grundlagen
mit
HTU g=vg
βgaf,P
und HTU f=vf
βfaf,P
.(2.91)
Eine weitere Möglichkeit, die Trennleistung einer Packungskolonne darzustellen,
ist die Angabe der Höhe der Packung, bei der die Konzentrationsänderung jener eines
idealen Bodens in einer Bodenkolonne entspricht. Somit berechnet sich die Höhe der
Packung mit NGleichgewichtsstufen zu
HP=N·HETP.(2.92)
Wenn die Arbeitsgerade und Gleichgewichtskurve Geraden sind (idealisierter Fall),
lassen sich HETP und HTU og über den Stripfaktor ineinander überführen:
HETP =ln λ
λ1HTU og.(2.93)
In der Praxis tritt das Phänomen auf, dass sich die Trennleistung oberhalb der Stau-
grenze verbessert. Durch die von der Gasphase auf die Flüssigkeit aufgeprägten
Schubspannungen ergibt sich eine Intensivierung der Austauschvorgänge. Billet und
Schultes (1995) berücksichtigen dies in ihrem Modell durch eine Erhöhung der Stoff-
austauschfläche oberhalb der Staugrenze, was in visuellen Beobachtungen anschaulich
nachvollziehbar ist. Es entstehen z.B. Flüssigkeitslamellen, die vom Gas aufgebläht
und zerrissen werden.
Hohe Trennleistungen lassen sich durch Packungen
Druckverlust
per Übertra-
gungseinheit
mit großer spezifischer Oberflä-
che erzielen. Allerdings geht dies auf Kosten des Druckverlusts und der Belastungs-
grenzen, so dass es Grenzen für eine sinnvolle Vergrößerung der Packungsoberfläche
gibt. Ein Maß für die Güte einer Packung ist der Druckverlust, der an einer Übertra-
gungseinheit auftritt:
∆p
NTU =∆p
HP·HTU .(2.94)
Je geringer der aufzuwendende Druckverlust zur Erzeugung einer Übergangseinheit
ist, desto wirkungsvoller wird der unvermeidbare Reibungsverlust der Gasströmung
aufgrund der Interaktion mit der Filmströmung für den Stoffaustausch genutzt. Bei
der Konzeption einer Packung sind daher unnötige Umlenkungen der Gasströmung zu
vermeiden und es muss darauf geachtet werden, dass keine Totzonen und unbenetzte
Bereiche entstehen können. Diese Forderungen erfüllt die Drahtbündelpackung.
2.4 Drahtbündelpackung 33
2.4 Drahtbündelpackung
Das Konzept einer Drahtbündelpackung wurde von Hattori et al. (1994) vorgestellt.
Die Packung besteht aus senkrecht gespannten, parallelen Drähten, welche von einem
speziellen Flüssigkeitsverteiler einzeln berieselt werden. Dabei wurden erste grund-
legende Untersuchungen zur Filmströmung an Einzeldrähten durchgeführt, da die
technische Umsetzung noch nicht ausreichend geklärt war. Hierfür wurden Drähte
unterschiedlichen Durchmessers (
0,3mm
bis
1,6mm
) mit Flüssigkeiten (Silikonöle,
Glycerol) verschiedener Viskositäten (
0,98 mm2/s
bis
1000 mm2/s
) und Oberflächen-
spannungen (
21 mN/m
bis
72,7mN/m
) berieselt. Die Filmströmung wurde fotografiert
und die Bilder ausgewertet. Es zeigte sich, dass sich bei vollständiger Benetzung
des Drahts primäre Flüssigkeitsperlen ausbilden, die im Erdschwerefeld abwärts
laufen. Zwischen den Perlen blieb ein dünner Basisfilm bestehen, der von den Perlen
überlaufen wurde. Blieb der Basisfilm für einen gewissen Zeitraum ungestört, bildete
er aufgrund der Rayleigh-Plateau-Instabilität (s. Abschnitt 2.2.2) sekundäre Perlen
aus. Diese bewegten sich sehr viel langsamer als die primären Perlen, daher wurden
sie von einer folgenden primären Perle verschluckt, die ihrerseits einen neuen, glatten
Basisfilm hinterließ. Bei Flüssigkeiten höherer Viskosität bildete sich bei kleinen
Flüssigkeitsvolumenströmen eine gleichmäßige Abfolge von Perlen mit geringem
Abstand aus, so dass der Basisfilm keine sekundären Perlen ausbildete. Es wurde
angenommen, dass aufgrund der vom Draht übertragenen Scherkräfte eine innere
Torodialströmung der Perlen erzwungen wird, wie sie auch bei fluiden Einzelpartikeln
von der umgebenden Phase bei mobiler Phasengrenze hervorgerufen wird (allerdings
in entgegengesetzter Drehrichtung). Eine Modellrechnung ergab, dass die Filmströ-
mung am Draht gegenüber frei fallenden fluiden Partikeln deutlich bessere Wärme-
und Stoffübertragungseigenschaften aufweisen würde. Aus dieser Betrachtung wurde
geschlossen, dass eine Drahtbündelpackung gegenüber einer Sprühkolonne deutlich
bessere Wärme- und Stoffübertragungsleistungen bei vergleichbarem Strömungswi-
derstand haben sollte.
Chinju et al. (2000) untersuchten die Absorption von
CO2
aus einem Gasgemisch
mit Flüssigkeitsfilmen an vertikalen Drähten. Die Untersuchungen erfolgten mit Hin-
blick auf die Abtrennung von
CO2
aus dem Rauchgas von mit fossilen Brennstoffen
betriebenen Kraftwerken. Es wurde angenommen, dass die Drahtbündelpackung ein
besonderes Potential bei der Rauchgaswäsche hat, weil sie eine gute Trennleistung
bei sehr geringem spezifischen Druckverlust verspricht. Aufgrund der geringeren
erforderlichen Antriebsleistung des Rauchgasgebläses ließe sich der Gesamtwirkungs-
grad des Kraftwerks durch den Einsatz der Drahtbündelpackung deutlich steigern.
Es wurde die Fluiddynamik an Drähten mit Durchmessern von
0,65 mm
bis
1,07 mm
von Monoethanolamin (MEA)-Lösungen und Wasser untersucht. Außerdem wurden
Absorptionsversuche mit Wasser und einem
CO2
/
N2
-Gasgemisch durchgeführt. Mit zu-
34 2 Grundlagen
nehmendem Flüssigkeitsvolumenstrom konnte ein Übergang von einer regelmäßigen
Filmstruktur mit Perlen gleicher Größe und Geschwindigkeit zu einem unregelmäßi-
gen Fließbild festgestellt werden. Im Vergleich mit frei fallenden Tropfen ergab sich
für die Filmströmung am Draht eine deutlich höhere Absorptionseffizienz, wie sie
bereits von Hattori et al. (1994) vorhergesagt wurde.
Uchiyama et al. (2003) führten weiterführende experimentelle Untersuchungen
zur Chemisorption von
CO2
mittels MEA-Lösungen am Einzeldraht durch. Sie prä-
sentierten außerdem ein Modell, mit dem sich die experimentellen Ergebnisse gut
wiedergeben ließen.
Migita et al. (2005) testeten den Prototypen einer Drahtbündelpackung mit
109
parallelen Drähten in einer Kolonne mit einem Durchmesser von
70 mm
und einer
Länge von
300mm
bzw.
675mm
. Sie stellten fest, dass die Trennleistung vergleichbar
mit der einer Füllkörperpackung ist, während der gemessene spezifische Druckverlust
um eine Größenordnung geringer ist. Pakdehi und Taheri (2010) untersuchten eine
Drahtbündelkolonne mit einem Durchmesser von
90mm
zur Entfernung von Hydrazin
aus einem Luftstrom. Wie bei den Untersuchungen von Migita et al. (2005) konnte eine
gute Trennleistung bei äußerst geringem spezifischen Druckverlust erzielt werden.
Bei den oben genannten Prototypen
Flüssigkeitsver-
teiler
wurden zur Berieselung der Drähte Siebböden
mit Düsen bzw. Röhrchen verwendet, wobei das Gas seitlich in einer Erweiterung
der Kolonnensektion um den Siebboden herumgeführt wurde (s. Abb. 2.8). Um die
Flüssigkeit in konventionellen Kolonnen ohne Ausweitung der Kopfsektion verteilen zu
können, wurde von Vogelpohl (2006) vorgeschlagen, die Drähte am Kopf bündelweise
zusammenzufassen und in mehreren Berieselungsinseln münden zu lassen. Diese
haben die Form von Kästen ohne Boden, in denen die Drähte zwischen Blechlamellen
fixiert und auf diese Weise jeweils mit Flüssigkeit gespeist werden.
Ein ähnliches Konzept der Zusammenfassung
Super X-Pack
der Drähte am Kopf zur Berieselung
verfolgt die Drahtpackung Super X-Pack der Firma Nagaoka (Nagaoka und Manteu-
fel,2003) (s. Abb. 2.9). Allerdings sind die Drähte untereinander fortlaufend durch
Berührungspunkte verknüpft und haben die Form eines dreidimensionalen Gestricks.
Obwohl die Leistungsdaten der Super X-Pack Packung vielversprechend waren, wurde
die Packung nicht weiterentwickelt.
Das Konzept der Drahtbündelpackung wurde bereits zum Patent angemeldet (Jö-
decke et al.,2008). Der mögliche Einsatz der Packung liegt nach Aussage der Au-
toren hauptsächlich bei der thermischen Trennung von temperaturempfindlichen
Gemischen, der thermischen Aufbereitung von hochviskosen Flüssigkeiten sowie bei
Absorptions- und Desorptionsverfahren, bei denen ein geringer Druckverlust gefordert
wird.
2.4 Drahtbündelpackung 35
Abb. 2.8:
Versuchskolonne nach Migita et al. (2005). Rechts: Detail der Flüssigkeitsauf-
gabe.
36 2 Grundlagen
Abb. 2.9: Nagaoka Super X-Pack Packung (aus Nagaoka (2000)).
3 Material und Methoden
3.1 Versuchsanlage
Das Fließbild der Versuchsanlage ist in Abb. 3.1 abgebildet. In einem schlanken
Kanal mit quadratischem Innenquerschnitt (
20mm ×20 mm
) und einer Länge von
1m
werden Drähte bzw. Ketten mittig eingespannt. Aus einem Vorlagebehälter (
0,5L
Glasflasche) wird die Flüssigkeit mit einer Zahnradpumpe (BVP-Z 186, Ismatec GmbH,
DE) zum Kopf des Kanals gefördert. Die von der Pumpe erzeugten Pulsationen haben
eine Frequenz
>200 Hz
, so dass die entstehenden Wellenlängen an der Filmoberfläche
kleiner sind als die maximal verstärkte Wellenlänge und deshalb gedämpft werden
(s. Abschnitt 2.2.2). Um zu verhindern, dass die Flüssigkeit nach dem Abschalten
der Pumpe zurück in den Vorlagebehälter fließt, ist ein Rückschlagventil der Pumpe
nachgeschaltet. Die Flüssigkeit wird zur Temperierung durch eine Rohrschlange ge-
leitet, die in ein Thermostatbad eingetaucht ist. Sie wird dem Draht zugeführt und
benetzt diesen vollständig. Unter dem Einfluss der Schwerkraft rieselt die Flüssigkeit
den Draht herab und tritt mit der Gasphase in Kontakt. In der Bodensektion wird
die Flüssigkeit in einem Sammelröhrchen aufgefangen und in den Vorlagebehälter
zurückgeführt (Abb. 3.1a). Zur Bestimmung des flüssigkeitsseitigen Stofftransports (s.
Abschnitt 3.5.7) wurde die Flüssigkeit hingegen nicht im Kreislauf geführt (Abb. 3.1b).
Flüssigkeit, die an die Kanalwand geworfen wird, fließt am Sammelröhrchen vorbei
und verlässt die Apparatur in einen geschlossenen Abfallbehälter. Bei Kreislauffüh-
rung steht der Vorlagebehälter auf einer elektronischen Waage (BL 1500 S, Sartorius
AG, DE) und ist mit flexiblen Schläuchen verbunden, so dass der zeitliche Verlauf der
zirkulierenden Flüssigkeitsmasse bestimmt werden kann. Über eine Druckausgleichs-
leitung (nicht eingezeichnet) wird sichergestellt, dass im Vorlagebehälter und in der
Bodensektion des Kanals der gleiche Druck herrscht. Daher stellt sich im Sammel-
röhrchen und im Vorlagebehälter nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren
der gleiche Flüssigkeitsstand ein.
Im Gegenstrom zur Flüssigkeit wird Luft durch den Kanal geleitet. Die Luft wird
dem Hausdruckluftnetz entnommen, gefiltert, auf Systemdruck entspannt und mit
einem Gaserhitzer (LHS System 20 S, Fa. Leister, CH) temperiert. Die Luft wird in
die Bodensektion eingeleitet, strömt den Kanal aufwärts und verlässt den Kanal am
Kopf in die Umgebung. Der Systemdruck ergibt sich daher aus dem Umgebungsdruck
zuzüglich des Druckverlustes über der Kanallänge (
<5mbar
). Der Druckverlust wird
37
38 3 Material und Methoden
Luft
z
r
PDIR
TIR
QIR
PIFI
TIR
TIR
WIR
TIC
El.
TIR Luftauslass
1 Glaskanal
2 Fssigkeitsfilm am Draht
3 Sammelröhrchen
4 Vorlagebelter
5 Zahnradpumpe
6 Thermostat
7 Hochgeschwindigkeitskamera
8 Lufterhitzer
9 Fssigkeitsprobe
1
2
3
4
5
6
7
8
9
ab
H2O
Abb. 3.1:
Fließbild der Versuchsanlage. Variante a: Geschlossener Flüssigkeitskreis-
lauf. Variante b: Offene Flüssigkeitsführung zur Untersuchung des flüssigkeitsseitigen
Stofftransports.
mit einem Betz-Manometer zwischen Bodensektion und Kanalkopf gemessen. Für die
Flüssig- und Gasphase befinden sich jeweils Temperaturmessstellen (Thermoelemente
Typ K) am Ein- und Ausgang des Kanals.
Zur Bestimmung der lokalen Filmdicke
Optische
Messtechnik
wurde eine digitale Hochgeschwindigkeits-
kamera (MV-D752-160, Photonfocus AG, CH) mit einer gepulsten, synchronisierten
Lichtquelle (LED Element:
300mm ×18 mm
, LND-330A-DF, CCS Inc.; LED-Treiber:
PP602, Gardasoft Vision Ltd., GB) verwendet. Die Kamera hat bei einer Auflösung
von
752 ×582
Bildpunkten und
8
bit eine maximale Aufnahmerate von
340 Hz
. Durch
eine Reduktion der Aufnahmefläche können jedoch höhere Bildaufnahmegeschwin-
digkeiten erreicht werden. Für die Messung der Filmdicke wurde ein telezentrisches
Objektiv (S5LPJ0420, Sill Optics GmbH, DE) verwendet, welches stark vergrößerte
und unverzerrte Bilder liefert. Die Erfassung der Perlengeschwindigkeit erfolgte mit
einem Weitwinkelobjektiv (Pentax
12 mm
, JP). Die Kamera ist auf einem Linearschlitten
montiert, mit dem der Abstand zur Bildebene eingestellt werden kann. Des Weiteren
lassen sich Kamera und Beleuchtung in vertikaler Richtung verschieben. Die Bilddaten
werden über eine Framegrabber-Steckkarte und Aufnahmesoftware (microEnable III,
microDisplay3, Silicon Software GmbH, DE) erfasst und im Messrechner gespeichert.
Am Ausgang des Kanals ist ein Taupunkthygrometer
Taupunkthygro-
meter
(DPS1, EdgeTech, US) in-
stalliert, um die Luftfeuchtigkeit der austretenden Luft zu messen. Dabei wird die
Luft über einen beheizbaren Schlauch in das Messgerät gepumpt und dort einem
Taupunktsensor zugeführt. Das Gerät kann Taupunkttemperaturen von
35C
bis
3.1 Versuchsanlage 39
70 C
mit einer Genauigkeit von
±0,25 C
messen. Der zeitliche Verlauf der Ein- und
Austrittstemperaturen, der Daten des Hygrometers (Taupunkttemperatur, Druck im
Taupunktsensor) und des Gewichts des Vorlagebehälters werden von einem Messrech-
ner aufgezeichnet.
Abb. 3.2 zeigt Details der Kopf- und Bodensektion
Einzeldrahtkon-
figuration
für die Untersuchung von Ein-
zeldrähten. Der Grundkörper des Kanalkopfs (Abb. 3.2a) besteht aus Acrylglas und
ist auf den Glaskanal aufgesetzt. Er wird aufgrund der Drahtspannung auf den Kanal
gepresst. Auf dem Einsatz für die Flüssigkeitszufuhr aus Messing ist eine Draht-
spannvorrichtung montiert. Die Flüssigkeit wird über ein konzentrisch angeordnetes
Röhrchen aus rostfreiem Stahl (Innendurchmesser:
2mm, Länge:45 mm
) auf den Draht
verteilt. Zur Erzielung der Konzentrizität von Draht und Flüssigkeitsverteilerröhrchen
kann der Kopf über vier Schrauben justiert werden.
Spannvorrichtung
Flüssigkeitseinlass
Luftaustritt
Glaskanal
Draht
Flüssigkeitsverteilerröhrchen
(a)
Glaskanal
Lufteinlass
Flüssigkeit zum
Vorlagebelter
Belterdrainage
Einlaufstutzen
Draht
Sammelröhrchen
(b)
Abb. 3.2:
Detailzeichnung der (a) Kopf- und (b) Bodensektion des Kanals zur Untersu-
chung einzelner Drähte.
Die Bodensektion (Abb. 3.2b) besteht aus der Grundplatte, auf welcher der Kanal
aufgesetzt ist, und einem Bodengefäß aus Glas, das von unten an der Grundplatte
befestigt ist. Die Luft wird über vier Stutzen in der Grundplatte von oben eingeleitet.
Durch einen Einlaufstutzen wird ein kontinuierlicher Übergang für die Gasströmung in
40 3 Material und Methoden
den Kanal geschaffen. Von unten ragt das Sammelröhrchen (Glas, Innendurchmesser:
12
und
8mm
) in das Bodengefäß. Die Länge des Flüssigkeitsfilms am Draht beträgt in
dieser Anordnung 1036 mm.
Abb. 3.3 zeigt Details der Kopf- und Bodensektion
Drahtbündel-
konfiguration
des Kanals zur Untersuchung
eines Drahtbündels mit
16
Drähten (
dD= 1 mm
) in quadratischer Anordnung. Die Kopf-
sektion (Abb. 3.3a) ist aus Acrylglas gefertigt und besteht aus einer oberen Kammer für
die Flüssigkeit und einer unteren Kammer zur Luftführung. Die Drähte werden durch
beide Kammern hindurchgeführt und sind gegenüber der Umgebung abgedichtet. Im
Boden der Flüssigkeitskammer sind Flüssigkeitsverteilerröhrchen eingelassen, durch
welche die Drähte hindurchgeführt werden. Diese haben die gleichen Abmessungen
wie bei der Kopfsektion zur Einzeldrahtuntersuchung und ragen in den Kanal hinein.
Die aufwärts strömende Luft wird an den Röhrchen vorbeigeführt, radial abgelenkt
und durch vier Austrittsöffnungen in die Umgebung entlassen.
Bei der Bodensektion (Abb. 3.3b) wurde dem Bodengefäß anstelle eines Sammel-
röhrchens eine Flüssigkeitskammer angesetzt, welche die Drähte positioniert und
gegenüber der Umgebung abdichtet. Die Drähte werden mit einzelnen Schrauben-
federn gespannt (nicht eingezeichnet). Ein separater Ausgang für an den Wänden
herunterlaufende Flüssigkeit ist nicht vorgesehen. In dieser Anordnung ergibt sich
eine Lauflänge des Films von 1090 mm.
(a)
Flüssigkeitsaustritt
Drahtbündel
(b)
Abb. 3.3:
Detailzeichnung der (a) Kopf- und (b) Bodensektion des Kanals zur Untersu-
chung eines Drahtbündels.
3.2 Untersuchte Drahtgeometrien 41
3.2 Untersuchte Drahtgeometrien
In Abb. 3.4 sind die untersuchten Drahtgeometrien abgebildet, Tab. 3.1 gibt deren
Abmessungen und Kenngrößen an. Die grundlegenden Untersuchungen wurden mit
einem zylindrischen Draht mit einem Durchmesser von
1mm
durchgeführt. Aufgrund
der Beobachtung der Ausbildung von Flüssigkeitsperlen stellte sich die Frage, ob
sich die Perlenbildung durch geeignete Drahtgeometrien unterdrücken lässt und ob
dies eventuell Auswirkungen auf den Stofftransport hat. Daher wurden übliche Draht-
geometrien in Vorversuchen bezüglich der Fließeigenschaften untersucht. Es stellte
sich heraus, dass einige Drahtgeometrien ungeeignet waren. Beim Plombendraht,
bei dem ein dünner Draht um einen dicken zentralen Draht gewickelt ist, wurde den
entstandenen Perlen durch die schraubenförmige Struktur ein Drehimpuls aufgeprägt.
Dies führte dazu, dass die Perlen nach einer gewissen Lauflänge abgeschleudert
wurden. Diese Eigenschaft ist unerwünscht und daher wurde der Plombendraht für
weitere Untersuchungen nicht berücksichtigt.
(a) (b) (c) (d) (e) (f)
Abb. 3.4:
Untersuchte Drahtgeometrien. (a): Zylindrischer Draht; (b): Plombendraht;
(c): Drahtgestrick; (d): Gourmettekette; (e): Kugelkette; (f): Uhrkette. Abmessungen s.
Tab. 3.1.
Beim untersuchten Drahtgestrick zeigte sich, dass sich die Flüssigkeit hauptsächlich
im Inneren der Struktur als eine sich unregelmäßig windende Strähne fortbewegt.
Es ist daher zu erwarten, dass die für den Stofftransport zur Verfügung stehende
Filmoberfläche deutlich kleiner ist als die Mantelfläche des Drahtgestricks. Diese
Überlegung führte dazu, das Drahtgestrick ebenfalls als ungeeignet für den Einsatz in
einer Drahtbündelpackung zu betrachten. Die untersuchten Ketten hingegen zeigten
den erwünschten Effekt der Stabilisierung des Films in dem Sinne, dass die Per-
lenbewegung stark reduziert bzw. die Ausbildung von Perlen teilweise vollständig
42 3 Material und Methoden
Tab. 3.1: Eigenschaften der untersuchten Drahtgeometrien.
Material dDl1l2d1˜aD/103Aq,DBemerk.
in mm in mm in mm2/m in mm2
Zyl. Draht Rostfr.
Stahl
1,0 3,14 0,79 geeignet
Abb. 3.4a
Plomben-
draht
Messing 0,5/0,3 1,7 3,30 0,33 ungeeignet
Abb. 3.4b
Draht-
gestrick
Rostfr.
Stahl
0,12 4,0 30,5 0,91 ungeeignet
Abb. 3.4c
Gourmette-
kette
Messing 1,0 3,1 3,8 12,8 3,19 geeignet
Abb. 3.4d
Kugelkette Stahl ver-
nickelt
0,6 3,6 2,4 5,55 2,13 geeignet
Abb. 3.4e
Uhrkette Messing 0,8 5,6 3,5 7,10 1,42 geeignet
Abb. 3.4f
Draht-
bündel
Rostfr.
Stahl
16 ×1,0 50,24a12,64ageeignet
aGesamt
unterdrückt wurde.
Um einen Einblick in die Interaktion von Flüssigkeitsfilmen an benachbarten Dräh-
ten zu erhalten, wurde ein Bündel aus
16
zylindrischen Drähten untersucht. Die Drähte
haben den gleichen Durchmesser wie der zylindrische Draht in der Einzeldrahtkonfigu-
ration, so dass ein direkter Vergleich der Ergebnisse beider Konfigurationen möglich
ist. Da sich zeigte, dass bei einer Berieselung aller Drähte ein großer Teil der Flüssig-
keit an den Kanalwänden herunterläuft, wurden in den Experimenten nur die inneren
vier Drähte berieselt. Dies wurde erreicht, indem die äußeren Flüssigkeitsverteiler-
röhrchen mit Stopfen verschlossen wurden. Abb. 3.5 zeigt die Anordnung der Drähte
im Kanal und die Berieselung mit Flüssigkeit (grau angedeutet).
3.3 Untersuchte Stoffsysteme 43
(a) (b)
Abb. 3.5:
Anordnung der Drähte im Kanal bei Untersuchungen am Einzeldraht (a) und
am Drahtbündel (b).
3.3 Untersuchte Stoffsysteme
Die relevanten physikalischen Eigenschaften der untersuchten Flüssigkeiten sind in
Tab. 3.2 aufgelistet. Für die Untersuchung des Stofftransports sind darüber hinaus
noch Gleichgewichtsbeziehungen und Diffusionskoeffizienten der Stoffsysteme erfor-
derlich (s. Abschnitt 3.3.1 und 3.3.2). In eigenen Untersuchungen wurde die Viskosität
mit einem Rotationsviskosimeter (VT 550, Haake GmbH, DE) und die Oberflächen-
spannung mit einem Tensiometer (Pendant-drop-Messmethode) bestimmt.
Bei den Messungen des gasseitigen Stoffübergangs wurden entionisiertes Wasser
sowie wässrige Polyvinylpyrrolidon (PVP)-Lösungen als Flüssigphase eingesetzt. Die
wässrigen PVP-Lösungen, hergestellt aus entionisiertem Wasser und PVP K90 (reinst)
in Pulverform (AppliChem GmbH, DE), wurden zur Untersuchung des Einflusses einer
höheren Viskosität verwendet. Die Untersuchung der Viskosität der PVP-Lösungen bei
unterschiedlichen Scherraten ergab, dass sich diese im untersuchten Konzentrations-
bereich als Newtonsche Fluide betrachten lassen. Weil der Verdunstungsmassenstrom
gegenüber dem herabrieselnden Flüssigkeitsmassenstrom relativ gering ist (
<1%
)
und durch die auftretenden Perlen eine intensive Durchmischung erfolgt, sind au-
ßerdem keine signifikanten Veränderungen der Viskosität in radialer Richtung zu
erwarten.
Für weitere Untersuchungen zur Fluiddynamik wurden Ethanol 99,5% in der Rein-
heit „zur Synthese“ (Merck KGaA, DE), Paraffinöl (Fauth & CO. KG, DE) und Silikonöl
(Wacker Chemie AG, DE) verwendet. Zur Untersuchung des flüssigkeitsseitigen Stoff-
transports wurde entionisiertes Wasser mit
CO2
gesättigt und auf die gewünschte
Vorlagenkonzentration verdünnt.
3.3.1 Wasser/Luft und wässrige PVP-Lösungen/Luft
Die Diffusionskoeffizienten der Gasphase für das Stoffsystem Wasser/Luft
Diffusionskoef-
fizient der
Gasphase
bzw. wässri-
ge PVP-Lösung/Luft (PVP geht nicht in die Luft über) wurden nach Fuller et al. (1966)
44 3 Material und Methoden
Tab. 3.2:
Physikalische Eigenschaften der untersuchten Flüssigkeiten bei
20 C
(sofern
Temperatur nicht explizit angegeben).
Dichte Dyn. Viskosität Oberflächenspannung
ρin kg/m3ηin mPa s σin mN/m
Wasser (20 C) 998a1,0a72,7b
Wasser (40 C) 992a0,65a69,6b
Wasser (60 C) 983a0,47a66,2b
PVP-Lsg. 3Gew.−% (PVP3) 1012c12c68c
PVP-Lsg. 6Gew.−% (PVP6) 1020c50c68c
Ethanol 790a1,2a22,3c
Silikonöl (SI100) 970c100c23,0c
Paraffinöl 830c16,0c28,3c
a
VDI-Wärmeatlas (1994)
b
Wohlfarth und Wohlfarth (1997)
cEigene Messungen
berechnet:
Dg=1,0·103T1,75(1
˜
MA+1
˜
MB)1/2
p(A˜
Vi,Diff)1/3+ (B˜
Vi,Diff)1/32.(3.1)
Hierin sind die molaren Diffusionsvolumina der Komponenten Wasser (A) und Luft (B)
˜
Vi,Diff = 12,7cm3/mol bzw. ˜
Vi,Diff = 20,1cm3/mol.
Der Dampfdruck
Dampfdruck
von Wasser wird mit der Magnus-Gleichung nach VDI 3514 berech-
net. Es wird zwischen dem Aggregatzustand des Wassers unterschieden:
ln p
A= ln 6,112 + 17,62 ϑ
243,12 + ϑ(Wasser),(3.2)
ln p
A= ln 6,112 + 22,46 ϑ
272,62 + ϑ(Eis) (3.3)
mit
ϑ
in
C
und
p
in
hPa
. Die Erhöhung des Dampfdrucks der PVP-Lösungen gegenüber
Wasser kann in dem betrachteten Konzentrationsbereich bis
10%
Gewichtsanteil PVP
vernachlässigt werden (Striolo und Prausnitz,2000;Kany et al.,2003), was auch
durch eigene Dampfdruckmessungen bestätigt wurde. Daher sollte eine sich aufgrund
der Verdunstung des Wassers einstellende höhere Konzentration an der Oberfläche
des Films den Dampfdruck ebenfalls nicht beeinflussen.
3.4 Messgrößen und Versuchsparameter 45
3.3.2 CO2-Wasser/Luft
Der Diffusionskoeffizient
Diffusionskoef-
fizient der
Flüssigphase
für gelöstes
CO2
(A) in Wasser (B) wurde mit dem Ansatz
von Wilke und Chang (1955) berechnet:
Df
m2/s = 7,4·1012 (x˜
MB
g/mol)0,5T
K
(ηf
mPas)( ˜
VA
cm3/mol)0,6.(3.4)
Dabei ist der Assoziationsparameter für Wasser x= 2,6.
Das Löslichkeitsgleichgewicht
Henry-
Koeffizient
von
CO2
(A) in Wasser (B) wird über den Henry-
Koeffizienten ausgedrückt. Dieser wird nach Harvey (1996) über eine empirische
Korrelation berechnet:
ln H= ln p
B+A/Tr+B(1 Tr)0,355/Tr+Cexp(1 Tr)T0,41
r.(3.5)
Dabei ist
Tr=T/TB,kr
die reduzierte Temperatur. Für das Stoffsystem
CO2
-Wasser
wurden die Parameter mit der kritischen Temperatur
TB,kr = 647,14 K
als
A=9,4234
B= 4,0087 C= 10,3199 bestimmt.
3.4 Messgrößen und Versuchsparameter
Eine Übersicht über die durchgeführten Untersuchungen ist in Tab. 3.3 aufgezeigt.
Die Messung des Druckverlustes im Kanal gibt Aufschluss über den zu erwartenden
Druckverlust in einer Drahtbündelpackung (s. Abschnitt 3.7.2). Durch die Messung der
Belastungsgrenzen im Kanal wird auf die Belastungsgrenzen der Drahtbündelpackung
geschlossen (s. Gl.
(3.51)
). Die Messung der lokalen Filmdicke und der Perlengeschwin-
digkeit ermöglicht eine Charakterisierung der Filmströmung sowie eine Berechnung
der Filmoberfläche. Mit der Bestimmung des gas- und flüssigkeitsseitigen Stoffüber-
gangs und der Kenntnis der Filmoberfläche ist es möglich, die Trennleistung der
Drahtbündelpackung vorauszusagen.
Die Versuchsparameter sind die Gasbelastung, die Flüssigkeitsbelastung und die
Eintrittstemperaturen der Phasen. Zudem wurden die optischen Messungen bei drei
verschiedenen Lauflängen des Flüssigkeitsfilms durchgeführt. Die Messbereiche sind
in Tab. 3.4 angegeben.
Die Gasbelastung im Kanal
Gasbelastung
wurde über den eintretenden Luftvolumenstrom vorge-
geben, der über ein kalibriertes Schwebekörperdurchflussmessgerät gemessen und
mit einem Ventil eingestellt wurde. Die aufgrund einer nachfolgenden Erwärmung der
Luft durch den Gaserhitzer auftretende Erhöhung des Gasvolumenstroms wurde mit
der idealen Gasgleichung berücksichtigt. Zur Darstellung der Gasbelastung wurde
46 3 Material und Methoden
Tab. 3.3: Versuchsübersicht.
Geometrie Flüssige Phase
Druckverlust
Belastungsgrenzen
Hold-up
Gasseitiger
Flüssigkeitsseitiger
Lokale Filmdicke
Perlengeschw.
Zyl. Draht
Wasser
PVP3
PVP6
Ethanol
SI100
Paraffinöl
Strukturierte Drähte
Wasser
PVP3
PVP6
Drahtbündel
Wasser
PVP3
PVP6
der Gasbelastungsfaktor verwendet:
FK=vg,Kρg.(2.56)
Abweichend zu Tab. 3.4 wurden in einzelnen Messreihen zur Bestimmung der Belas-
tungsgrenzen auch höhere Gasbelastungen bis zu 12 Pa0,5erreicht.
Zur Einstellung der Flüssigkeitsbelastung
Flüssigkeits-
belastung
wurde die Zahnradpumpe kalibriert, so
dass ein Zusammenhang zwischen Pumpendrehfrequenz und gefördertem Flüssigkeits-
volumenstrom hergestellt wurde. Die Darstellung der Flüssigkeitsbelastung erfolgt
über die Umfangsbelastung:
Bf,D=˙
Vf,D/˜aD.(3.6)
Bei den Messungen der Belastungsgrenzen wurden auch einzelne Messreihen bei
höheren Flüssigkeitsvolumenströmen bis 400 mL/min durchgeführt.
Die Eintrittstemperaturen
Eintritts-
temperaturen
von Flüssigkeit und Gas wurden ausschließlich beim
Stoffsystem Wasser/Luft mit dem Ziel variiert, einerseits die Stoffeigenschaften der
3.5 Messmethoden 47
Tab. 3.4: Versuchsparameter.
Größe Messbereich
Gasbelastung ˙
Vg0;3;4;5;6;7und 8m3/h
FK0Pa0,5bis 6,4Pa0,5
Flüssigkeitsbelastung ˙
Vf,D10;20;30;40;50 und 90mL/min
Bf,D0,19 m3/(mh) bis 1,72 m3/(m h)a
Eintrittstemperaturen ϑg,ein, ϑf,ein 20;30;40;50;60 und 70 C
Lauflänge z130;330 und 730 mm
aZylindrischer Draht, dD= 1 mm
Flüssigkeit zu verändern, andererseits die Dampfdrücke an der Phasengrenze bei den
gasseitigen Stoffübergangsmessungen zu variieren.
Die optischen Messungen zur Filmströmung
Lauflänge
wurden bei verschiedenen Lauflängen
des Films vorgenommen, indem die Kamera und die Beleuchtung an unterschiedlichen
vertikalen Positionen am Kanal arretiert wurden.
3.5 Messmethoden
3.5.1 Belastungsgrenzen
Die Belastungsgrenzen wurden über visuelle Beobachtung der Strömung im Kanal
ermittelt. Dabei wurde die Gasbelastung bei konstanter Flüssigkeitsbelastung kontinu-
ierlich gesteigert, bis ein Zerreißen der Perlen und das Fluten des Kanals beobachtet
wurden (s. Abb. 3.6). Bei einigen Flüssigkeiten (Ethanol, Paraffinöl) führte das Zer-
reißen der Perlen nicht zwangsläufig zum Fluten des Kanals, daher wurde dies als
zusätzliche Grenze unterhalb der Flutgrenze erfasst. Zur Mittelwertbildung wurden
jeweils drei Messungen durchgeführt.
3.5.2 Lokale Filmdicke
Aufgrund des rechteckigen Querschnitts des Glaskanals ist eine gute optische Zugäng-
lichkeit ohne Bildverzerrung gegeben, so dass keine nachträglichen Korrekturen zur
Entzerrung notwendig sind. Der Film ist auf den Aufnahmen nur anhand des Rands zu
erkennen, der aufgrund der Lichtbrechung dunkel erscheint (s. Abb. 3.7, der Draht
erscheint in der Mitte als schwarzer Balken). Es wurden Bildsequenzen mit
10 000
oder
5000
Bildern mit einer Bildfläche von
752 ×20
Bildpunkten bei einer Aufnahmerate von
1000 Hz
aufgenommen. Dabei wurde der Durchmesser des Drahts als Maßstab heran-
gezogen, es wurden
98Bildpunkte/mm
bestimmt. Die Bildsequenzen wurden mit einer
48 3 Material und Methoden
t = 0 ms 25 ms 32 ms 38 ms
Abb. 3.6: Bildsequenz des Zerfalls einer Flüssigkeitsperle (Ethanol).
2 δf + dD
1000 μm
Abb. 3.7:
Aufnahme des Flüssigkeitsfilms am zylindrischen Draht zur Bestimmung der
Filmdicke.
Bilderkennungssoftware ausgewertet (ImagePro Plus 5.1, Media Cybernetics Inc., US).
Dabei wurde ein Schwellenwert der Bildhelligkeit festgelegt, so dass dunkle Objekte
erkannt und ihre Positionen im Bild ermittelt werden konnten. In Abb. 3.7 werden der
linke und rechte Rand des Films sowie der Draht in der Mitte erkannt. Die Filmdicke
δf
wird bestimmt, indem der Abstand der äußeren Ränder ermittelt wird und dieser,
abzüglich des Drahtdurchmessers, halbiert wird. Diese Daten wurden danach mit
einem Tabellenkalkulationsprogramm automatisiert ausgewertet. Da sich die Perlen
im zeitlichen Profil der Filmdicke deutlich erkennen lassen, wurde ein Schwellenwert
δSW
f
eingeführt, bei dessen Überschreiten eine Perle automatisch detektiert wurde (s.
Abb. 3.8). Für Wasser und Ethanol wurde dieser Wert auf
δSW
f= 500 µm
gesetzt und
bei Flüssigkeiten höherer Viskosität auf
δSW
f= 700 µm
erhöht, da sich bei letzteren
eine höhere Basisfilmdicke ergibt. Das direkt nach dem Überschreiten des Schwel-
3.5 Messmethoden 49
1200
1000
800
600
400
200
0
0 0,2 0,4 0,6 0,8 1
Zeit t in s
Lokale Filmdicke δf in μm
δfSW
δf,BF
δf,Perl
Abb. 3.8:
Zeitliches Profil der Filmdicke mit dem Schwellenwert zur Detektion der
Perlen und der mittleren Basis- und Perlenfilmdicke.
lenwerts auftretende Maximum des Profils der Filmdicke wurde als Perlenfilmdicke
δf,Perl
gewertet. Auf diese Weise wurden eine über das Aufnahmeintervall gemittelte
Perlenfilmdicke und Perlenfrequenz
fPerl
gebildet. Eine mittlere Basisfilmdicke
δf,BF
wurde ermittelt, indem Bereiche im Profil der Filmdicke erfasst wurden, bei denen die
Abweichung vom Mittelwert über einen Zeitraum von 0,02 s kleiner als 5% ist.
3.5.3 Perlengeschwindigkeit
Zur Bestimmung der Perlengeschwindigkeit wurden Bildsequenzen von
5000
Bildern,
welche mit dem Weitwinkelobjektiv mit einer Aufnahmerate von
1000 Hz
aufgenommen
wurden, mit der Bilderkennungssoftware ImagePro Plus ausgewertet. Es wurde ein
Bildausschnitt analysiert, der
12 cm
der Höhe des Kanals abbildet. Zur Ermittlung
des Abbildungsmaßstabs wurde ein Maßstab mit Millimeterskala am Kanal befes-
tigt. Um die Perlen als diskrete Objekte zu erkennen, war es erforderlich, seitlich
des Drahts Bereiche zur Erkennung (Area of Interest) einzurichten, in welche die
Perlen hineinragen (s. Abb. 3.9). Die als Objekte erkannten Perlen wurden von der
Bilderkennungssoftware in den Bildsequenzen auf ihren Pfaden verfolgt. Aus dem Ein-
und Austrittszeitpunkt in bzw. aus dem Bildausschnitt und der Pfadlänge wurde die
mittlere Geschwindigkeit
¯wPerl
berechnet. Es wurde eine Routine entwickelt, welche
die Auswertung der Bildsequenzen und die Übertragung der ermittelten Daten in
50 3 Material und Methoden
MS-Excel Tabellenblätter automatisiert. Bei unregelmäßiger Filmströmung hat der
Abstand der Bereiche der Objekterkennung zum Draht einen maßgeblichen Einfluss
auf die ermittelten mittleren Perlengeschwindigkeiten. Bei einem geringen Abstand
werden auch kleine Perlen mit geringer Geschwindigkeit erfasst, so dass sich in
der Auswertung eine insgesamt geringere mittlere Perlengeschwindigkeit ergibt. Es
wurde daher darauf geachtet, einen einheitlichen Abstand von
2
Bildpunkten zum
Basisfilm zu wählen, so dass auftretende Einschnürungen des Basisfilms, die sich sehr
langsam bewegen, nicht erfasst werden (s. Abb. 3.9, untere Bildhälfte), kleine Perlen
hingegen schon.
Abb. 3.9:
Bildbereiche zur Erkennung der Perlen als diskrete Objekte zur Bestimmung
ihrer Geschwindigkeit.
3.5.4 Hold-up der Flüssigkeit
Zur Bestimmung des Hold-up wurde die Ablaufmethode benutzt, bei welcher der Flüs-
sigkeitskreislauf unterbrochen wird und das Gewicht des Vorlagebehälters zeitlich
erfasst wird. Die Flüssigkeitsmasse, die sich während des Flüssigkeitsumlaufs am
Draht befindet, strömt nach dem Abschalten der Pumpe in den Vorlagebehälter. Um
einen möglichst vollständigen und raschen Ablauf zu ermöglichen, wurde die Gaszu-
fuhr ebenfalls zeitgleich abgestellt. Die Flüssigkeitsmasse am Draht lässt sich daher
über den Anstieg des Behältergewichts bestimmen. Für die Mittelwertbildung wurden
jeweils zehn Messungen vorgenommen. Weil Vorlagebehälter und Sammelröhrchen
über einen Schlauch nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren verbunden
sind, haben sie den gleichen Flüssigkeitsstand (s. Abb. 3.10). Zu diesem Zweck sind
Vorlagebehälter und der Bodenbehälter des Kanals mit einer Druckausgleichsleitung
verbunden (nicht eingezeichnet). Sobald die Füllhöhe im Vorlagebehälter nach dem
Abschalten des Flüssigkeitskreislaufs aufgrund des nachströmenden Flüssigkeitsvolu-
3.5 Messmethoden 51
mens vom Draht um die Höhe
h
zunimmt, steigt die Füllhöhe im Sammelröhrchen um
den gleichen Betrag. Da jedoch nur die Gewichtsdifferenz des Vorlagebehälters
∆M1
gemessen wird, muss die im Sammelröhrchen verbleibende Flüssigkeitsmasse
∆M2
zusätzlich berücksichtigt werden.
Vorlagebelter
Sammelröhrchen
ΔV2, ΔM2
h
ΔV1, ΔM1
Aq2, d2
Aq1, d1
Abb. 3.10:
Skizze zu den geometrischen Verhältnissen bei der Ermittlung des Hold-up
mit der Ablaufmethode.
Die gesamte Masse berechnet sich als
Mges = (∆V1+∆V2)ρf.(3.7)
Die Einzelvolumina berechnen sich aus der Höhe
h
und der Querschnittsfläche der
Gefäße Aq:
∆V1=Aq,1h, ∆V2=Aq,2h. (3.8)
Somit ist
∆V2=∆V1
Aq,2
Aq,1
.(3.9)
Die gesamte Masse lässt sich letztendlich mittels der Durchmesser
d
der Gefäße
berechnen:
Mges =ρf∆V11 + Aq,2
Aq,1=∆M11 + d2
2
d2
1.(3.10)
Damit ergibt sich der auf die benetzte Drahtlänge bezogene Hold-up zu
HU f,D=Mges
ρfLD
.(3.11)
52 3 Material und Methoden
Diese Methode setzt voraus, dass der Druckverlust durch die Strömung in der Ver-
bindungsleitung gering ist, so dass die Füllstände von Sammelröhrchen und Vorla-
gebehälter während des Flüssigkeitsumlaufs annähernd gleich sind. Es wurde daher
ein großer Innendurchmesser (
8mm
) und eine geringe Länge (ca.
600mm
) der Verbin-
dungsleitung gewählt. Dennoch ist die Methode aus dem oben genannten Grund auf
Flüssigkeiten mit geringer Viskosität beschränkt, so dass sie nur für Wasser und Etha-
nol verwendet wurde. Des Weiteren eignet sie sich nur für Drahtgeometrien, bei denen
kein Flüssigkeitsvolumen nach dem Abschalten der Pumpe in Zwickeln oder Hohlräu-
men haften bleibt. Ebenfalls muss gewährleistet sein, dass keine Flüssigkeit nach dem
Abschalten der Pumpe nachströmt. Bei der Drahtbündelkonfiguration lief jedoch die
obere Flüssigkeitskammer leer (s. Abb. 3.3a), weil durch einige Flüssigkeitsröhrchen
Luft nachströmen konnte.
Betrachtet man den zeitlichen Verlauf des Gewichts des Vorlagebehälters, lässt
sich in einem ersten Abschnitt ein steiler Anstieg erkennen, der abrupt in einen
zweiten Abschnitt mit flachem Verlauf übergeht, welcher nach einer gewissen Zeit
einen konstanten Wert annimmt (s. Abb. 3.11). Der erste Abschnitt wird von den
schnell abfließenden Perlen verursacht, während der zweite Abschnitt vom langsam
abfließenden Basisfilm hervorgerufen wird. Anhand dieser Analyse lässt sich neben
dem gesamten Hold-up auch der Anteil des Perlenvolumens am Hold-up bestimmen.
Da jedoch Basisfilm und Perlen zeitweise gemeinsam abfließen, ist diese Einteilung
in Perlen- und Basisfilmvolumen nicht direkt mit jener vergleichbar, die anhand der
optischen Messungen vorgenommen wurde.
514
515
516
517
518
0 50 100 150
Gewicht M in g
Zeit t in s
Pumpe an
Pumpe aus
ΔM1
ΔMP
Abb. 3.11:
Sprungantwort des Vorlagebehältergewichts bei An- und Abschalten des
Flüssigkeitskreislaufs.
3.5 Messmethoden 53
3.5.5 Druckverlust
Der Druckverlust über der Kanallänge wurde zwischen Kopf und Bodengefäß des
Kanals gemessen. Es wurden jeweils drei Messungen zur Mittelwertbildung vorge-
nommen. Der gemessene Druckverlust wird hauptsächlich durch die Kanalwände
sowie die Einzelwiderstände am Kopf und Boden des Kanals verursacht, während
der Draht selbst nur einen geringen Anteil hat. Dennoch lässt sich eine Erhöhung
des Druckverlusts bei Berieselung des Drahts gegenüber dem trockenen Zustand
feststellen. Dies wird teilweise durch den verringerten Strömungsquerschnitt und die
dadurch erhöhte effektive Gasgeschwindigkeit verursacht. Der verbleibende Anteil
muss daher einer Erhöhung des Widerstandsbeiwerts aufgrund des Einflusses der
Filmströmung zugeschrieben werden. Das Verhältnis der Widerstandsbeiwerte im
trockenen und berieselten Zustand kann über folgende Gleichung ausgedrückt werden
(s. Abschnitt 3.7.2):
ζK,f
ζK
=∆pK,f
∆pK
(1 hf,K)2dhK,f
dh,K
.(3.12)
3.5.6 Gasseitiger Stofftransport
Die ermittelten Stoffübergangskoeffizienten sind über die Kanalhöhe gemittelte Werte.
Da das Verhältnis der Höhe zur Breite des Kanals groß ist, wird davon ausgegangen,
dass die ermittelten Werte für große Lauflängen gültig sind. Es wurden die Mittelwerte
aus jeweils drei Messungen gebildet.
Der Molenstrom des verdunstenden Wassers (Index A) lässt sich über eine globale
Bilanz über den gesamten Kanal berechnen:
˙
NA=˙
Ng,ein
yA,aus yA,ein
1yA,aus
.(3.13)
Der eintretende Gesamtstoffstrom wird dabei über das ideale Gasgesetz berechnet:
˙
Ng,ein =˙
Vg,einpein
RTg,ein
.(3.14)
Die Molanteile
yA
von Wasser in der Luft am Ein- und Austritt des Kanals werden
mit dem Taupunkthygrometer bestimmt. Hierfür wird der Partialdruck
pA
auf den
vorherrschendem Druck im Messgerät pTP bezogen:
yA=pA
pTP
.(3.15)
Der Partialdruck
pA
wird als Dampfdruck
p
A
bei der Taupunkttemperatur
TTP
nach
54 3 Material und Methoden
den Gl. (3.2) und Gl. (3.3) berechnet.
Die Ermittlung des gasseitigen Stoffübergangskoeffizienten bei Verdunstung einer
Flüssigkeit unter Annahme einseitiger Diffusion nach Gilliland und Sherwood (1934)
ergibt:
βg=˙
NARTg
Af,D∆pA,ln
pBM
p.(3.16)
Dabei ist
pBM
der Partialdruck der inerten Komponente (Luft) und lässt sich nach
Gilliland und Sherwood (1934) wie folgt abschätzen:
pBM =ppA0,ein +pA0,aus +pA,ein +pA,aus
4.(3.17)
Die treibende Konzentrationsdifferenz für den Stofftransport lässt sich über die loga-
rithmische Partialdruckdifferenz angeben:
∆pA,ln =(pA0 pA)ein (pA0 pA)aus
ln (pA0pA)ein
(pA0pA)aus
.(3.18)
Die Partialdrücke
pA0
an der Phasengrenze entsprechen den Sättigungsdampfdrücken
p
Abei gegebener Temperatur und werden nach Gl. (3.2) berechnet.
3.5.7 Flüssigkeitsseitiger Stofftransport
Der flüssigkeitsseitige Stofftransport wurde über die Desorption von
CO2
aus Wasser
in Luft bestimmt. Es wurden die über die Lauflänge gemittelten Stoffübergangskoeffi-
zienten ermittelt. Zur Mittelwertbildung wurden jeweils drei Messungen durchgeführt.
Die Flüssigkeit wurde nicht in einem Kreislauf geführt, sondern aus einem Vorlagebe-
hälter gepumpt und in einen Auffangbehälter geleitet. Das Wasser wurde vor einem
Versuch mit
CO2
aus einer Gasflasche angereichert. Um eine vorzeitige Desorption
des gelösten
CO2
zu verhindern, wurde ein
5L
Kunststoffbeutel als Vorlagebehälter
verwendet, aus dem die Gasphase vollständig entfernt werden konnte. Zur Analyse der
CO2
-Konzentration in der Flüssigkeit wurden definierte Probenvolumina von
100mL
am Ein- und Austritt des Kanals mit einer Messpipette entnommen.
Die
CO2
-Konzentration in den Proben wurde bestimmt, indem das gelöste
CO2
in
einer Waschflasche mit Luft gestrippt wurde. Das Spülgas wurde einem Gasanalysator
(S710, Maihak GmbH, Deutschland) zugeführt. Dabei wurde der Gasmassenstrom
˙
Mg
mit einem Massendurchflussmessgerät gemessen (Red-y GSM, Vögtlin AG, CH)
und zusammen mit der
CO2
-Konzentration zeitlich aufgezeichnet. Der Verlauf der
CO2-Konzentration zeigt einen deutlichen Sprung (s. Abb. 3.12), wobei die Basislinie
der natürlichen Konzentration von
CO2
in der Umgebungsluft entspricht (
¯yCO2
). Die
3.5 Messmethoden 55
Fläche zwischen Kurve und Basislinie entspricht der Menge an ausgestripptem
CO2
:
NCO2,strip =(yCO2(t)¯yCO2)˙
Ngdtmit ˙
Ng=˙
Mg
˜
Mg
.(3.19)
Weil das Spülgas Luft einen Eingangsgehalt von
CO2
aufweist, kann das
CO2
in der
0 100 200 300 400
0
1000
2000
3000
4000
5000
Konzentration yCO2 in ppm
Zeit t in s
ȳCO2
Abb. 3.12:
Zeitlicher Verlauf der
CO2
-Konzentration im Spülgas bei der Bestimmung
des Gehalts von CO2in einer Flüssigkeitsprobe.
Probe nur bis zur Gleichgewichtskonzentration ausgestrippt werden, welche durch
das Henry’sche Gesetz beschrieben wird:
x
CO2= ¯yCO2
p
H.(3.20)
Weil
x
CO2
relativ klein ist, kann die in der Probe verbleibende Menge an
CO2
bestimmt
werden als
c
CO2x
CO2
ρf
˜
Mf
.(3.21)
Die mittlere Konzentration der Probe bestimmt sich zu
¯cCO2=NCO2,strip
Vf,Pr
+c
CO2.(3.22)
Der flüssigkeitsseitige Stoffübergangskoeffizient ergibt sich wie folgt:
βf=˙
Vf,D(¯cCO2,ein ¯cCO2,aus)
Af,D¯cCO2,ln
.(3.23)
56 3 Material und Methoden
Dabei wird die logarithmische Konzentrationsdifferenz mit
¯cCO2,ln =¯cCO2c
CO2ein ¯cCO2c
CO2aus
ln ¯cCO2c
CO2ein
¯cCO2c
CO2aus
.(3.24)
berechnet. Die Gleichgewichtskonzentrationen
c
CO2
in der Flüssigkeit an der Phasen-
grenze am Ein- und Ausgang des Kanals werden mit dem Henry’schen Gesetz aus
den korrespondierenden mittleren
CO2
-Konzentrationen in der Gasphase bestimmt
(Gl.
(3.5)
), welche in direkter Weise mit dem Gasanalysator gemessen werden können.
Es wird dabei davon ausgegangen, dass der Stofftransportwiderstand ausschließlich
in der Flüssigphase vorliegt (s. Abb. 3.13).
cCO2
r
flüssig gas
CO2
c*CO2,g
c
CO2,f
c*CO2,f
Abb. 3.13:
Schematische Darstellung des Konzentrationsprofils im Film bei der Desorp-
tion von CO2aus Wasser.
3.6 Abschätzung der Filmoberfläche
Die für den Stoffübergang wirksame Phasengrenzfläche ist die effektive Filmober-
fläche, die aus den Daten der lokalen Filmdicke
δf
und der Perlengeschwindigkeit
¯wPerl
abgeschätzt wird. Um die Veränderung des Filmprofils mit der Lauflänge zu
berücksichtigen, werden die Daten der Messungen bei verschiedenen Lauflängen
gemittelt.
3.6.1 Zylindrischer Draht
Die zeitlich aufgelösten Daten der Filmdicke werden über die Perlengeschwindigkeit in
einen örtlichen Verlauf der Filmdicke überführt. Unter der Annahme von Rotationssym-
metrie lassen sich damit Volumenkörper bilden, welche die Form von Kegelstümpfen
3.6 Abschätzung der Filmoberfläche 57
mit Durchgangsbohrung haben (s. Abb. 3.14).
h = w
Perl/fR
A
M
,
s
e
g
w
Perl
δf
Abb. 3.14:
Modellierung des Films am zylindrischen Draht mit rotationssymmetrischen
Volumensegmenten.
Das Volumen dieser Segmente berechnet sich zu:
Vseg =πh
3R2
1+R1R2+R2
2π
4d2
Dh. (3.25)
Die Mantelfläche der Segmente ist:
AM,seg =πm(R1+R2)mit m=h2+ (R2R1)2.(3.26)
Dabei berechnet sich die Höhe
h
des Segments aus der Geschwindigkeit der Perlen
¯wPerl und der Aufnahmefrequenz der Daten der Filmdicke fR:
h=¯wPerl
fR
.(3.27)
Der spezifische Hold-up berechnet sich aus dem Gesamtvolumen der Segmente,
welches auf jene Distanz bezogen wird, welche die Perlen während der Aufnahmedauer
tRzurücklegen:
HU f,D=
π·h
3N
i=1 R2
i+Ri·Ri+1 +R2
i+1 3
4d2
D
¯wPerl ·tR
.(3.28)
Analog dazu wird die spezifische Filmoberfläche über die Aufsummierung der Mantel-
58 3 Material und Methoden
flächen der Segmente berechnet:
˜af,D=N
i=1 π·m·(Ri+Ri+1)
¯wPerl ·tR
mit m=(RiRi+1)2+h2.(3.29)
Des Weiteren können mit diesem Modell die mittlere Filmdicke
¯
δf,D
und die mittlere
Filmgeschwindigkeit ¯wf,Dberechnet werden:
¯
δf,D=HU f,D
π+dD
22
dD
2,(3.30)
¯wf,D=˙
Vf,D
HU f,D
.(3.31)
3.6.2 Ketten
Aufgrund der komplexen Geometrie der Drahtketten lässt sich keine lokale Filmdicke
in solch eindeutiger Weise wie bei dem zylindrischen Draht angeben. Zur Abschätzung
der Filmoberfläche und des Hold-up wurde deshalb die Ausdehnung des Films an
ausgewählten Positionen der Kettenglieder gemessen (s. Abb. 3.15). Die Filmgeome-
trie wurde über geometrische Grundkörper individuell für die verschiedenen Ketten
angenähert. Eine mittlere Filmdicke lässt sich angeben als
¯
δf,D=HU f,D
˜aD
.(3.32)
Bei der Uhrkette
Uhrkette
wird die Filmgeometrie über Ellipsoide angenähert, die in den
einzelnen Kettengliedern positioniert sind. Dabei werden Höhe und Breite des Ellipso-
ids durch die Kettenabmessungen festgelegt, während die Dicke durch die Breite des
Flüssigkeitsfilms gegeben wird. Die Oberfläche eines Ellipsoids kann mit der Formel
von Thomsen (2004) angenähert werden, wobei a,b,c die Halbachsen bezeichnen:
Aell = 4π(ab)1,6(ac)1,6(bc)1,6
30,625
.(3.33)
Das Volumen ergibt sich aus
Vell =4
3πabc. (3.34)
Indem man die Oberflächen der Ellipsoide addiert und die gesamte Oberfläche auf die
3.6 Abschätzung der Filmoberfläche 59
e1
e2
(a) Kugelkette
e1
(b) Gourmettekette
e1
(c) Uhrkette
Abb. 3.15:
Festgelegte Abmessungen des Flüssigkeitsfilms an den verschiedenen
Drahtketten.
Länge der Kette bezieht, erhält man als spezifische Filmoberfläche:
˜af,D= 4π
l1
2
l2
21,6l1
2
e1
21,6l2
2
e1
21,6
3
0,625
NKG
LD
mit NKG =LD
l1
.(3.35)
Der spezifische Hold-up der Flüssigkeit wird als die Summe der Einzelvolumina der
Ellipsoide abzüglich des Kettenvolumens berechnet und auf die Kettenlänge bezogen.
HU f,D=4
3πl1
2
l2
2
e1
2
NKG
LDAq,D.(3.36)
Bei der Kugelkette
Kugelkette
überströmt der Film die Kugeln gleichmäßig. Es wird die An-
nahme getroffen, dass der Film als rotationssymmetrischer Körper mit sinusförmig
eingeschnürter Oberfläche betrachtet werden kann. Das Oberflächenprofil folgt also
der Sinusfunktion
f(x) = Asin(Cx) + D, (3.37)
wobei die Amplitude
A
und der Versatz
D
durch die Filmabmessungen gegeben sind
60 3 Material und Methoden
und die Periodenlänge Cder Länge eines Kettenglieds l1entspricht:
A=e1e2
4, D =e1+e2
4und C=2π
l1
.(3.38)
Die Mantelfläche eines Drehkörpers, dessen Profil durch eine Funktion gegeben
ist, kann gemäß Guldins Regel berechnet werden, indem man die Bogenlänge des
Profils mit der Bogenlänge des Wegs des Schwerpunktes dieser Linie multipliziert.
Die Bogenlänge der Sinusfunktion wird abgeschätzt, indem das arithmetische Mittel
der Länge zweier umschreibender Polygone herangezogen wird:
Lsin =1
2
4l1
82
+e1e2
42
+ 2l1
4+ 4l1
42
+e1e2
42
.(3.39)
Demnach wird die spezifische Filmoberfläche berechnet als
˜af,D= 2πDLsin
1
l1
,(3.40)
sowie der spezifische Hold-up als Gesamtvolumen abzüglich des Kettenvolumens
bezogen auf die Länge (Herleitung des Gesamtvolumens in Anhang A):
HU f,D=
πA2l1
2+D2l1

Gesamtvolumen
π
6d3
1+π
4d2
D(l1dD)

Kettenvolumen
1
l1
.(3.41)
Der Film, der sich bei der Gourmettekette
Gourmettekette
ausbildet, ist frei von Einschnürungen
oder bewegten Perlen. Deshalb wurde die Filmgeometrie als Zylinder mit elliptischer
Grundfläche angenähert. Eine Achse der Ellipse entspricht der gemessenen Filmdi-
mension
e1
, die zweite Achse ist durch die Breite der Kette
l2
gegeben. Die spezifische
Filmoberfläche ist demnach gegeben durch den Umfang der Ellipse:
˜af,D=π
2e1
22+l1
22.(3.42)
Der spezifische Hold-up berechnet sich wie bei den anderen Ketten als Gesamtvolumen
abzüglich des Kettenvolumens, bezogen auf die Drahtlänge:
HU f,D=πl1
2
e1
2Aq,D.(3.43)
3.7 Vorausberechnung der Charakteristik einer Drahtbündelpackung 61
3.7 Vorausberechnung der Charakteristik einer
Drahtbündelpackung
Für technische Anwendungen der Drahtbündelpackung sind wesentlich höhere spezifi-
sche Filmoberflächen notwendig, als sie in der Versuchsanlage mit den Einzeldrähten
vorliegen. Hierfür müssen die parallelen Drähte eine gewisse Packungsdichte auf-
weisen. Da vermieden werden sollte, dass sich benachbarte Filme berühren, scheint
ein Abstand der Drähte von
4mm
bis
5mm
angemessen zu sein. Tab. 3.5 zeigt die
Eigenschaften von Drahtbündelpackungen für verschiedene Drahtabstände und unter-
schiedliche Teilungen.
Bei einem Vergleich der getesteten Kanalgeometrie (K) und der Drahtbündelpa-
ckung (P) stellt man fest, dass sich aufgrund des unterschiedlichen Lückengrads
bei gleichem Gasbelastungsfaktor verschiedene effektive Gasgeschwindigkeiten
¯wg
ergeben. Aufgrund der höheren Packungsdichte der Drahtbündelpackung ruft die
gleiche Umfangsbelastung der Drähte einen höheren Flüssigkeitsinhalt bezogen auf
das Volumen der Packung hervor. Durch die geringere freie Querschnittsfläche für die
Gasströmung erhöht sich die effektive Gasgeschwindigkeit zusätzlich gegenüber dem
Kanal. Dies lässt sich folgendermaßen erfassen:
¯wg,K=vg
εK(1 hf,K),¯wg,P=vg
εP(1 hf,P).(3.44)
Dabei ist die jeweilige Flüssigkeitsfüllzahl
hf,K=HU f,D
εKAq,K
, hf,P=HU f,D
εP
zP(3.45)
und der Lückengrad
εK=Aq,KAq,D
Aq,K
, εP= 1 Aq,DzP.(3.46)
Die Packungsdichte der Drähte lässt sich mit dem Abstand der Drähte
sP
berechnen:
zP=1
s2
P,quad
quadratische Anordnung,(3.47)
zP=2
3
1
s2
P,hex
hexagonale Anordnung.(3.48)
Der hydraulische Durchmesser von Kanal und Packung im trockenen Zustand ist
62 3 Material und Methoden
jeweils:
dh,K= 4 b2
KεK
4bK+ ˜aD
und dh,P= 4 εP
˜aDzP
.(3.49)
Im benetzten Zustand berechnet sich der hydraulische Durchmesser für Kanal und
Packung als
dh,K,f= 4b2
KεK(1 hf,K)
4bK+ ˜af,D
und dh,P,f= 4εP(1 hf,P)
˜af,DzP
.(3.50)
Setzt man für Kanal und Packung gleiche mittlere effektive Gasgeschwindigkeiten
voraus, erhält man für die korrigierte Leerrohrgeschwindigkeit der Packung:
vg,P=vg,K
b2
K(s2
PAq,DHU f,D)
s2
P(b2
KAq,DHU f,D)bzw. vg,P=vg,K
εP(1 hf,P)
εK(1 hf,K).(3.51)
Mit der auf die Länge bezogenen Drahtoberfläche
˜aD
(entspricht dem Umfang beim
zylindrischen Draht) und der Packungsdichte
zP
lässt sich die spezifische trockene
Packungsoberfläche berechnen:
aP=AP
VP,ges
=AD·ND
LD·Aq
= ˜aD·zP.(3.52)
Entsprechend berechnet sich die spezifische Filmoberfläche in der Packung als
af,P= ˜af,D·zP.(3.53)
Die Flüssigkeitsbelastung der Packung berechnet sich aus den Einzelbelastungen der
Drähte:
vf,P=˙
Vf,D·zP.(3.54)
Tab. 3.5:
Eigenschaften von Drahtbündelpackungen mit zylindrischen Drähten unter-
schiedlicher Abstände und Teilungen (dD= 1 mm).
sP,quad sP,hex εPzPaP
in mm in mm in 1/m2in m2/m3
5,0 5,4 0,97 40 000 126
4,0 4,3 0,95 62 500 196
3,7 4,0 0,94 72 168 227
3.7 Vorausberechnung der Charakteristik einer Drahtbündelpackung 63
3.7.1 Druckverlust eines axial angeströmten Drahtbündels
Der trockene spezifische Druckverlust eines axial angeströmten Drahtbündels lässt
sich nach Rehme (1973) wie folgt berechnen:
∆p
∆z =ζρg
2¯w2
g
1
dh
.(3.55)
Der Widerstandsbeiwert berechnet sich dabei über
8
ζ=A2,5 ln Regζ
8+ 5,5G.(3.56)
A
and
G
sind geometrische Faktoren, die u.a. den Wandabstand berücksichtigen. Bei
unendlicher Ausdehnung werden sind diese:
A= 1, G=3,966 + 1,25x
1 + x+ 2,5 ln 2(1 + x).(3.57)
Der sogenannte Ringzonenparameter
x
hängt von der Packungsanordnung sowie dem
Drahtdurchmesser und -abstand ab.
x=sP
dD23
π(hex. Anordnung), x =sP
dD
2
π(quad. Anordnung).(3.58)
3.7.2 Abschätzung des Druckverlustes in der Drahtbündelpackung
Für die trockene bzw. berieselte Drahtbündelpackung kann der spezifische Druckver-
lust berechnet werden als
∆p
HPP
=ζP
ρg
2¯w2
g
1
dh,P
bzw. ∆p
HPP,f
=ζP,f
ρg
2¯w2
g,f
1
dh,P,f
.(3.59)
Dabei kann die effektive Gasgeschwindigkeit im berieselten Zustand berechnet wer-
den:
¯wg,f= ¯wg
1
1hf
.(3.60)
Dieser allgemeine Ausdruck unterscheidet sich von der Annahme von Buchanan
(1969)
¯wg,f= ¯wgd2
h/d2
h,f
, welche nur für geschlossenwandige Strömungskanäle gültig
ist. Indem man benetzten und trockenen spezifischen Druckverlust dividiert, erhält
64 3 Material und Methoden
man mit Gl. (3.60):
∆pf
∆p =ζP,f
ζP
1
(1 hf)2
dh,P
dh,P,f
.(3.61)
Die Flüssigkeitsfüllzahlen werden nach Gl.
(3.45)
, die hydraulischen Durchmesser
nach Gl.
(3.49)
und Gl.
(3.50)
eingesetzt. So lässt sich der spezifische Druckverlust
bei Berieselung darstellen als
∆p
HPP,f
=ζP,f
ζP
1
(1 hf,P)2
dh,P
dh,P,f∆p
HPP
,(3.62)
bzw.
∆p
HPP,f
=ζP,f
ζP
1
(1 hf,P)3
af,P
aP∆p
HPP
,(3.63)
was im Ergebnis mit dem Modell von Billet und Schultes (1991) übereinstimmt. Der
Quotient der Widerstandsbeiwerte
ζP,fP
wird hier ersetzt durch
ζK,fK
, welcher
nach Gl.
(3.12)
aus den Untersuchungen des Druckverlusts im Kanal erhalten wurde.
Der trockene spezifische Druckverlust der Packung
(∆p/HP)P
wird nach Abschnitt
3.7.1 bestimmt.
3.7.3 Abschätzung der Trennleistung einer Drahtbündelpackung
Bei der Abschätzung der Trennleistung einer Drahtbündelpackung wird analog zu Ab-
schnitt 2.3.4 vorgegangen. Bezieht man den gasseitigen Stoffübergangskoeffizienten
rechnerisch auf die trockene Drahtoberfläche, lässt sich Gl. (2.91) schreiben als
HTU g=vg
βg,traP
=vg
βg,tr˜aDzP
.(3.64)
Die Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit ist dabei abhängig von der gewählten
Packungsdichte zP.
Aus der Stoffbilanz an einem differenziellen Höhenelement des Films an einem
Draht ergibt sich für die Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit:
HTU f=˙
Nf,ges
βfcf˜af,DzP

af,P
Aq
=˙
Vf,DNDcf
βfcf˜af,DzPAq
=˙
Vf,D
βf˜af,D
.(3.65)
Der obige Ausdruck ist unabhängig von der Packungsdichte. Bezieht man den flüssig-
keitsseitigen Stoffübergangskoeffizienten auf die trockene Drahtoberfläche, ergibt
3.7 Vorausberechnung der Charakteristik einer Drahtbündelpackung 65
sich:
HTU f=˙
Vf,D
βf,tr˜aD
=Bf,D
βf,tr
.(3.66)
Bezogen auf die Flüssigkeitsbelastung der Packung erhält man:
HTU f=vf,P
βf,tr ˜aDzP

aP
mit vf,P=˙
Vf,D·zP.(3.67)
4 Ergebnisse
Die in den Diagrammen angegebenen Fehlerbalken entsprechen der Standardabwei-
chung der Messwerte um den Mittelwert, sofern es nicht anders angeben wird.
4.1 Belastungsgrenzen
In Abb. 4.1
Stoffeigen-
schaften
sind die Belastungsgrenzen des zylindrischen Drahts für verschiedene
Flüssigkeiten dargestellt. Es zeigt sich, dass die Flutgrenzen deutlich höher sind als
jene, die bei üblichen strukturierten Packungen gemessen werden (
F < 5Pa0,5
). Die
Gasbelastung am Flutpunkt nimmt mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung aufgrund
eines steigenden Flüssigkeitsinhalts erwartungsgemäß ab. Bei Ethanol und Paraffinöl
wird ein Zerreißen der Perlen beobachtet, welches nicht unmittelbar zum Fluten des
Kanals führt. Die entstehenden Tröpfchen werden entweder vom Luftstrom mitgeris-
sen oder an die Kanalwände geschleudert, an denen sie nach unten abfließen. Bei
0
2
4
6
8
10
0 0,5 1 1,5 2
Gasbelastung FK in Pa0,5
Flüssigkeitsbelastung Bf,D in m3/(m h)
Flutpunkt Perlen
zerreen
Wasser
Paraffinöl
Ethanol
PVP3
PVP6
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Abb. 4.1:
Belastungsgrenzen des zylindrischen Drahts für verschiedene Flüssigkeiten
(Fehlerbalken nicht dargestellt).
67
68 4 Ergebnisse
Wasser und den PVP-Lösungen wird dieses Phänomen nicht beobachtet, der Zerfall
von Perlen führt bei diesen Flüssigkeiten unmittelbar zum Fluten des Kanals.
Die Flutgrenzen von Wasser und den PVP-Lösungen liegen deutlich höher als jene
von Ethanol und Paraffinöl. Diese Beobachtungen lassen sich durch eine Stabilisierung
des Films aufgrund der jeweils höheren Oberflächenspannung erklären (s. Tab. 3.2).
Eine höhere Viskosität der Flüssigkeit bewirkt zudem eine Erhöhung des Flüssigkeits-
inhalts. Aufgrund des geringeren Strömungsquerschnitts für die Gasströmung wird
dadurch die Flutgrenze bereits bei niedrigeren Gasbelastungen erreicht.
In Abb. 4.2
Draht-
geometrien
sind die Belastungsgrenzen verschiedener Drahtgeometrien für das
Stoffsystem Wasser/Luft abgebildet. Im Vergleich zum zylindrischen Draht zeigt die
Gourmettekette deutlich höhere Gasbelastungen am Flutpunkt. Dies ist auf den glatten
Flüssigkeitsfilm ohne Perlenbildung zurückzuführen, der einen geringen Strömungswi-
derstand in der Gasströmung aufweist. Dadurch werden die zum Fluten erforderlichen
Scherkräfte an der Filmoberfläche erst bei höheren Gasbelastungen erreicht. Auffällig
ist der starke Anstieg der Flutgrenze bei geringen Flüssigkeitsbelastungen bis zu
einem Höchstwert bei
10 mL/min
. Unterhalb dieses Wertes erfolgt die Flüssigkeitsauf-
gabe tropfenförmig. Die Tropfen werden dabei direkt an der Aufgabestelle von der
Gasströmung mitgerissen und somit das Fluten des Kanals eingeleitet. Die Flutgren-
zen der Uhr- und Kugelkette sind hingegen vergleichbar mit jenen des zylindrischen
Drahts, weil sich wie bei diesem Perlen ausbilden.
0
2
4
6
8
10
12
14
0 50 100 150
Gasbelastung FK in Pa0,5
Flüssigkeitsvolumenstrom Vf,D in mL/min
Gourmettekette
Uhrkette
Kugelkette
Zyl. Draht
Wasser
ϑ = 20 °C
Abb. 4.2: Flutgrenzen der verschiedenen Drahtgeometrien.
Abb. 4.3
Drahtbündel
zeigt den Vergleich der Flutgrenze eines einzelnen zylindrischen Drahts
4.1 Belastungsgrenzen 69
und der des Drahtbündels. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die freie Quer-
schnittsfläche des Kanals für die Gasströmung beim Drahtbündel geringer ist. Dies
wird sowohl durch den geringeren Lückengrad als auch den höheren Flüssigkeitsinhalt
im Kanal verursacht. Nimmt man an, dass die Flutgrenze bei der gleichen effektiven
mittleren Gasgeschwindigkeit erreicht wird, muss die korrespondierende Gasleerrohr-
geschwindigkeit bzw. der Gasbelastungsfaktor
FK
beim Drahtbündel geringer sein.
Die Belastungsgrenzen des Drahtbündels lassen sich aus den Daten des Einzeldrahts
mit Gl.
(3.51)
vorhersagen und sind in Abb. 4.3 zusätzlich eingetragen. Man erkennt,
dass die gemessenen Belastungsgrenzen des Drahtbündels niedriger sind als vorher-
gesagt. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Strömungswege aufgrund der Nähe
der Perlen an benachbarten Drähten stärker gewunden sind und somit lokal höhere
Gasgeschwindigkeiten auftreten können. Dennoch sind die erreichten Flutgrenzen
deutlich höher als bei üblichen strukturierten Packungen.
0
2
4
6
8
10
0 0,5 1 1,5 2 2,5
Flüssigkeitsbelastung Bf,D in m3/(m h)
Gasbelastung FK in Pa0,5
Einzeldraht
Drahtbündel Messung
Drahtbündel Voraussage
Zyl. Draht
Wasser
ϑ = 20 °C
Bereich üblicher
strukturierter Packungen
Abb. 4.3: Vergleich der Flutgrenze des Drahtbündels mit der des Einzeldrahts.
Beim Drahtbündel zeigt sich auch der Einfluss der Flüssigkeitsaufgabe stärker als
beim Einzeldraht, weil die an den Flüssigkeitsröhrchen auftretenden Tropfen eine
deutliche Verringerung der freien Querschnittfläche hervorrufen und die Flutgren-
ze herabsetzen (s. Abb. 4.4). Der Flüssigkeitsverteiler einer Drahtbündelpackung
sollte daher möglichst so gestaltet werden, dass eine tropfenförmige Flüssigkeitsauf-
gabe vermieden wird, da es andernfalls zu einer drastischen Verschlechterung der
maximalen Gasbelastung bei geringen Flüssigkeitsbelastungen kommt.
Man kann aus den Ergebnissen erkennen, dass eine Drahtbündelpackung einen
deutlich größeren Belastungsbereich als konventionelle Packungen aufweist. Dies
70 4 Ergebnisse
(a) (b)
Abb. 4.4:
Flüssigkeitsaufgabe auf das Drahtbündel (Wasser). (a): Tropfenförmige Flüs-
sigkeitsaufgabe bei niedrigen Flüssigkeitsbelastungen; (b): Glatter Film bei höheren
Flüssigkeitsbelastungen.
wirkt sich einerseits positiv auf die Regelbarkeit der Kolonne aus, andererseits kann
die Kolonne unter Berücksichtigung der zu erfüllenden Trennaufgabe bei gleichem
Gasdurchsatz mit einem geringeren Durchmesser ausgelegt werden.
4.2 Lokale Filmdicke
Abb. 4.5 zeigt die Auswirkung der Gasströmung auf die Form der Flüssigkeitsperlen.
Ohne Gasgegenstrom hat die Perle die Form einer länglichen Strähne, die bei hoher
Gasbelastung eine kompakte Form annimmt. Die Ursache sind der erhöhte Staudruck
an der Stirnseite der Perle und der Unterdruck in Höhe des Äquators der Perle gemäß
der Druckverhältnisse an umströmten Körpern.
Den Verlauf
Lauflänge
der lokalen Basis- und Perlenfilmdicke sowie der Perlenfrequenz in
Abhängigkeit von der Gasbelastung bei verschiedenen Lauflängen für das Stoffsystem
Wasser/Luft zeigen die Abb. 4.6a–c. Die Basisfilmdicke zeigt keine Abhängigkeit von
der Gasbelastung und ist unabhängig von der Lauflänge. Im Gegensatz dazu steigt
die Perlenfilmdicke mit zunehmender Gasbelastung deutlich an (s. auch Abb. 4.5). Bei
einer Lauflänge von
130mm
sind die Perlenfilmdicken etwas größer als bei höheren
Lauflängen. Die Perlenfrequenz nimmt mit zunehmender Gasbelastung ab, zeigt bei
einer Lauflänge von
130mm
aber nur leicht niedrigere Werte als bei größeren Lauflän-
gen. Die Verläufe bei einer Lauflänge von
330mm
und
730 mm
sind jedoch weitgehend
übereinstimmend, so dass man daraus schließen kann, dass die Filmströmung bei der
gegebenen Flüssigkeitsbelastung bereits ab einer Lauflänge von
330mm
ausgebildet
ist. Letztendlich ist jedoch zur Beurteilung der Ausbildung der Strömung noch eine
Betrachtung der Perlengeschwindigkeit erforderlich (s. Abschnitt 4.3).
Abb. 4.7a–c
Flüssigkeitsbe-
lastung
zeigen Basis- und Perlenfilmdicke sowie die Perlenfrequenz bei Variation
der Flüssigkeitsbelastung für das Stoffsystem Wasser/Luft. Die Basisfilmdicke zeigt
nur eine geringfügige Zunahme mit steigender Flüssigkeitsbelastung, wohingegen
4.2 Lokale Filmdicke 71
(a) (b)
Abb. 4.5:
Form der Flüssigkeitsperlen am zylindrischen Draht bei unterschiedlicher
Gasbelastung (Ethanol, 20 C). (a):FK= 0 Pa0,5,(b):FK= 6,8Pa0,5.
die Perlenfilmdicke und die Perlenfrequenz deutlich ansteigen. Dies kann so interpre-
tiert werden, dass mit steigender Flüssigkeitsbelastung ein zunehmender Anteil des
Flüssigkeitsvolumens in den Perlen transportiert wird, wobei eine klare Trennung
des Volumens der Perlen vom Basisfilm nicht vorgenommen werden kann. In den
numerischen Simulationen von Duprat et al. (2009b) von regelmäßigen Perlen an
einem zylindrischen Draht sind Zirkulationszonen innerhalb der Perlen zu erkennen,
in denen ein Flüssigkeitsvolumen gewissermaßen eingeschlossen ist (s. Abb. 4.9). Die
parallelen Stromlinien des Basisfilms verlaufen unterhalb der Zirkulationszone, wo sie
aufgeweitet werden. Dies kann so interpretiert werden, dass die Perle nur die Zirkula-
tionszone umfasst und der Basisfilm durch die überlaufende Perle beschleunigt wird.
Betrachtet man eine Perle jedoch als Körper, der sich bis zum Draht erstreckt, und
nimmt die Position eines mitbewegten Beobachters ein, tritt der Basisfilm in die Perle
ein und verlässt diese nach einer gewissen Verweilzeit, wobei die Zirkulationszone wie
eine Totvolumen wirkt. Bei unregelmäßiger Perlenfolge liegen komplexere Strömungs-
verhältnisse innerhalb der Perlen vor, vermutlich wird dadurch eine Vermischung von
Basisfilm und Perlenvolumen gefördert.
In Abb. 4.8a–c
Stoffeigen-
schaften
sind die Basis- und Perlenfilmdicke sowie die Perlenfrequenz in
Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeiten dargestellt. Der
Basisfilm zeigt eine deutliche Abhängigkeit von den Flüssigkeitseigenschaften. Auf-
grund der höheren Viskosität hat Paraffinöl eine größere Basisfilmdicke als Ethanol
72 4 Ergebnisse
0
100
200
300
400
500
0 2 4 6 8
0
400
800
1200
1600
0 2 4 6 8
0
2
4
6
8
10
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Perlenfrequenz fPerl in Hz Perlenfilmdicke δf,Perl in µm Basisfilmdicke δf,BF in µm
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
Bf,D = 0,19 m3/(m h)
Wasser z in mm
130
330
730
(a)
(b)
(c)
Abb. 4.6:
Basisfilmdicke (a), Perlenfilmdicke (b) und Perlenfrequenz (c) am zylindri-
schen Draht in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Lauflängen.
4.2 Lokale Filmdicke 73
0
100
200
300
400
500
0 2 4 6 8
0
500
1000
1500
2000
0 2 4 6 8
0
5
10
15
20
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Perlenfrequenz fPerl in Hz Perlenfilmdicke δf,Perl in µm Basisfilmdicke δf,BF in µm
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
z = 730 mm
Wasser 0,19
0,57
0,95
Bf,D in m3/(m h)
1,72
(c)
(a)
(b)
Abb. 4.7:
Basisfilmdicke (a), Perlenfilmdicke (b) und Perlenfrequenz (c) am zylindri-
schen Draht in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelas-
tungen.
74 4 Ergebnisse
0
100
200
300
400
500
0 2 4 6 8
Gas load FC [Pa0.5]
0
400
800
1200
1600
0 2 4 6 8
Gas load FC [Pa0.5]
0
2
4
6
8
10
12
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Perlenfrequenz fPerl in Hz Perlenfilmdicke δf,Perl in µm Basisfilmdicke δf,BF in µm
Zyl. Draht
Bf,D = 0,19 m3/(m h)
z = 730 mm
Paraffinöl 20 °C
Ethanol 20 °C
Wasser 20 °C
Wasser 40 °C
Wasser 60 °C
(a)
(b)
(c)
Abb. 4.8:
Basisfilmdicke (a), Perlenfilmdicke (b) und Perlenfrequenz (c) am zylindri-
schen Draht in Abhängigkeit von der Gasbelastung für Paraffinöl, Ethanol und Wasser
bei verschiedenen Temperaturen.
4.2 Lokale Filmdicke 75
Zirkulationszone
Abb. 4.9:
Schematische Darstellung der Stromlinien in einer Perle mit Zirkulationszone
(nach Duprat et al. (2009b)).
und Wasser. Allerdings zeigt Wasser die höchsten Werte der Perlenfilmdicke, was
der hohen Oberflächenspannung zugeschrieben werden kann. Bei Paraffinöl und
Ethanol ist die Oberflächenspannung niedriger. Dies erklärt die geringere Differenz
von Basisfilmdicke und Perlenfilmdicke. Der Temperatureinfluss auf die Basis- und
Perlenfilmdicke, der nur für Wasser untersucht wurde, ist gering. Offenbar hat die
starke Abnahme der kinematischen Viskosität der Flüssigkeit mit der Temperatur
(s. Tab. 3.2) nur einen geringen Einfluss auf die Filmstruktur. Es scheint, dass die
Oberflächenspannung, die sich im betrachteten Temperaturbereich nur geringfügig
ändert, einen größeren Einfluss hat. Für Ethanol ist die Perlenfrequenz bei geringen
Gasbelastungen aufgrund einer tropfenden Flüssigkeitsaufgabe sehr niedrig, was auch
bei einer Lauflänge von
730mm
noch erkennbar ist. Mit zunehmender Gasbelastung
wird die Filmströmung durch die Gasströmung gestört und es ergeben sich höhere
Perlenfrequenzen.
Bei den Untersuchungen mit den PVP-Lösungen zeigte sich für PVP6 eine regelmä-
ßige Filmstruktur bei niedrigen Gas- und Flüssigkeitsbelastungen. Dabei laufen Perlen
gleicher Größe mit konstantem Abstand den Draht herab. Bei höheren Gasbelastungen
wird die Filmstruktur unregelmäßig (s. Abb. 4.10a und b). Offenbar sind dann die
Störungen durch die turbulente Gasströmung so stark, dass sie im Film nicht mehr
abgebaut werden.
Die PVP-Lösungen haben eine ähnliche Oberflächenspannung wie Wasser, unter-
scheiden sich aber deutlich in ihrer Viskosität. In Abb. 4.11 sind die Basis- und Perlen-
filmdicke sowie die Perlenfrequenz von Wasser und den untersuchten PVP-Lösungen
in Abhängigkeit von der Gasbelastung dargestellt. Erwartungsgemäß steigen sowohl
die Basisfilmdicke als auch die Perlenfilmdicke mit zunehmender Viskosität an. Die
deutliche Änderung der Basis- und Perlenfilmdicke von PVP6 sowie der Abfall der
Perlenfrequenz bei einer Gasbelastung von
FK= 5,6Pa0,5
sind auf den Umschlag von
regelmäßiger zu unregelmäßiger Perlenstruktur zurückzuführen (s. Abb. 4.10).
In Abb. 4.12
Wellenlänge
werden die gemessenen Abstände zwischen den Perlen mit den theo-
retischen Wellenlängen nach Weber (1931) (Gl.
(2.42)
) verglichen, die sich aus der
76 4 Ergebnisse
012
0
500
1000
1500
2000
0 1 2
Zeit t in sZeit t in s
Filmdicke δf in µm
Bf,D = 0,19 m3/(m2 h)
PVP6
z = 730 mm
ϑ = 20 °C
(a) (b)
Abb. 4.10:
Zeitliches Profil der Filmdicke mit (a) regelmäßiger Struktur (
FK= 0 Pa0,5
)
und (b) unregelmäßiger Struktur (FK= 6,4Pa0,5) bei höheren Gasbelastungen.
Instabilität des zylindrischen Films ergeben (s. Abschnitt 2.2.2). Es sind die Werte bei
unterschiedlichen Lauflängen und Flüssigkeitsbelastungen dargestellt. Theoretisch
sollten die Perlen zumindest bei ihrer Entstehung einen Abstand zueinander aufweisen,
welcher der Wellenlänge entspricht. Man erkennt jedoch, dass die meisten gemes-
senen Perlenabstände deutlich länger sind als die theoretischen Wellenlängen. Die
Ursache ist die Beschleunigung und Koaleszenz der Perlen. Außerdem erhöht nach Go-
ren (1962) die Anwesenheit eines Drahts im Flüssigkeitszylinder die Wellenlänge. Für
das Stoffsystem PVP6 liegen die gemessenen Perlenabstände jedoch sehr nahe an den
theoretischen Wellenlängen. Offenbar behalten die Perlen aufgrund der regelmäßigen
Filmstruktur den ursprünglichen Abstand während der gesamten Lauflänge bei. Bei
Wasser haben die Perlen bei einer Lauflänge von
z= 730 mm
einen so großen Abstand,
dass der Basisfilm sekundäre Perlen ausbildet, die eine sehr geringe Geschwindigkeit
aufweisen und deshalb von der folgenden Perle verschluckt werden (s. z. B. Abb. 3.9).
Der Abstand zwischen den sekundären Perlen ist in Abb. 4.12 gekennzeichnet und
stimmt gut mit den theoretischen Wellenlängen überein.
Die Mittelwerte
Mittlere
Filmdicke
der Filmdicke nach Gl.
(3.30)
in Abhängigkeit von der Flüssigkeits-
Reynoldszahl verschiedener Flüssigkeiten ohne Gasgegenstrom bei einer Lauflänge
von
z= 730 mm
sind in den Abb. 4.13a–f dargestellt. Neben den Messwerten sind
die laminare Filmdicke für ebene Filme nach Nußelt (Gl. (2.7)) sowie für gekrümmte
Filme nach Gl.
(2.36)
eingezeichnet. Die Messwerte wurden mit einer Ausgleichskurve
an die Nußeltsche Beziehung mit einer Konstanten cangepasst:
¯
δf,D=c3ν2
f
g1/3
Re1/3
f.(4.1)
4.2 Lokale Filmdicke 77
0
100
200
300
400
500
0 2 4 6 8
0
400
800
1200
1600
0 2 4 6 8
0
2
4
6
8
10
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Perlenfrequenz fPerl in Hz Perlenfilmdicke δf,Perl in µm Basisfilmdicke δf,BF in µm
(a)
(b)
(c)
Zyl. Draht
Bf,D = 0,19 m3/(m h)
z = 730 mm
ϑ = 20 °C
Wasser
PVP3
PVP6
Abb. 4.11:
Basisfilmdicke (a), Perlenfilmdicke (b) und Perlenfrequenz (c) am zylindri-
schen Draht in Abhängigkeit von der Gasbelastung für Wasser, PVP3 und PVP6.
78 4 Ergebnisse
0
30
60
90
0 30 60 90
PVP6
PVP3
SI100
Wasser
Sekundäre
Perlen
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Bf,D = 0,19; 0,38 m3/(m h)
z = 130; 330; 730 mm
Berechnete Wellennge λ in mm
Gemessener Perlenabstand s in mm
Abb. 4.12:
Gegenüberstellung von gemessenem Perlenabstand und berechneter Wel-
lenlänge (Gl. (2.42)) bei verschiedenen Flüssigkeiten.
Es ist zu erkennen, dass die theoretischen laminaren Filmdicken für die gekrümmte
Geometrie (Gl.
(2.36)
) deutlich unterhalb der Werte des ebenen Films (Nußelt) liegen,
was den starken Einfluss der Krümmung auf die Filmströmung verdeutlicht. Die
gemessenen mittleren Filmdicken liegen unterhalb der theoretischen Lösungen für
gekrümmte Filme. Dies lässt sich damit erklären, dass die Perlen Flüssigkeit mit
höherer Geschwindigkeit transportieren, wodurch die mittlere Filmgeschwindigkeit
gegenüber dem laminaren Fall steigt. Wenn man die Gleichung für ebene glatte
Filme an die Messwerte mit einem konstanten Faktor anpasst, zeigt sich, dass die
Abhängigkeit von der Film-Reynoldszahl
Ref
relativ gut übereinstimmt. Die Konstanten
c
nehmen jedoch für die verschiedenen Stoffsysteme leicht unterschiedliche Werte an.
Anders
Drahtgeome-
trie
als beim zylindrischen Draht hat die Gasbelastung bei den Ketten keinen Ein-
fluss auf die Filmabmessungen. Die Bewegung der Perlen wird durch die Struktur der
Ketten weitestgehend unterdrückt. So zeigt sich auch eine geringe zeitliche Änderung
der lokalen Filmabmessung. Die Filmabmessungen (s. Abb. 3.15) der untersuchten
Ketten sind in Abb. 4.14 in Abhängigkeit vom Flüssigkeitsvolumenstrom dargestellt.
Dabei werden Mittelwerte von Filmabmessungen bei verschiedenen Gasbelastungen
gezeigt. Die Filmabmessung
e1
der Uhrkette (Durchmesser der in den Kettengliedern
fixierten Perlen) steigt mit zunehmendem Flüssigkeitsvolumenstrom an. Bei der Gour-
mettekette steigt die Filmabmessung
e1
ebenfalls an, allerdings nimmt die Steigung
ab einem Flüssigkeitsvolumenstrom von
20 mL/min
deutlich ab. Vermutlich entstehen
Flüssigkeitssträhnen, welche die mittlere Filmgeschwindigkeit erhöhen. Als weitere
4.2 Lokale Filmdicke 79
0
100
200
300
400
500
0 100 200 300
0
400
800
1200
1600
0 2 4 6
0
200
400
600
800
0 200 400
0
250
500
750
1000
0 5 10 15 20
0
500
1000
1500
2000
0 1 2 3
0
300
600
900
1200
1500
0 20 40 60
Filmdicke δf,D in μm
Reynoldszahl RefReynoldszahl Ref
PVP6
Reynoldszahl RefReynoldszahl Ref
Reynoldszahl RefReynoldszahl Ref
Wasser
PVP3
Paraffinöl
SI100
(a) (b)
(c) (d)
(e) (f)
c = 0,68 c = 0,56
c = 0,79 c = 0,58
c = 0,50 c = 0,64
Ethanol
Filmdicke δf,D in μm
Filmdicke δf,D in μm
Filmdicke δf,D in μm
Filmdicke δf,D in μm
Filmdicke δf,D in μm
Abb. 4.13:
Mittlere Filmdicke nach Gl.
(3.30)
in Abhängigkeit von der Flüssigkeits-
Reynoldszahl für verschiedene Flüssigkeiten ohne Gasgegenstrom für den zylindrischen
Draht (
z= 730 mm
,
ϑ= 20 C
).
Messwerte, Punkt-Strich-Linie: Laminare Filmdicke
für ebene Filme nach Gl.
(2.7)
; Gestrichelte Linie: Laminare Filmdicke für gekrümmte
Filme nach Gl.
(2.36)
; Durchgezogene Linie: Ausgleichskurve der Messwerte nach
Gl. (4.1) mit der Anpassungskonstante c.
80 4 Ergebnisse
0
1000
2000
3000
4000
0 10 20 30 40 50
Mittlere Filmabmessung e in µm
Flüssigkeitsvolumenstrom Vf,D in mL/min
Gourmettekette
Uhrkette
Kugelkette e1
Kugelkette e2
Zyl. Draht, Basisfilm
z = 330 mm
ϑ = 20 °C
Wasser
Abb. 4.14:
Mittlere Filmabmessung für verschiedene Drahtgeometrien in Abhängigkeit
vom Flüssigkeitsvolumenstrom.
Ursache kommt in Betracht, dass sich der Film in der von der Kamera nicht erfassten
Tiefe ausbreitet. Bei der Kugelkette zeigt sich nur ein geringer Anstieg der Filmab-
messungen
e1
und
e2
mit zunehmendem Flüssigkeitsvolumenstrom, allerdings nimmt
die Fluktuation der Filmabmessung zu, was ein Zeichen für steigende Turbulenz im
Film ist.
Die Ergebnisse zeigen charakteristische Merkmale der Filmströmung an stark ge-
krümmten Oberflächen, zu denen die Ausbildung von Perlen gehört. Für die technische
Ausführung einer Drahtbündelpackung ist relevant, dass der Abstand der Drähte zu-
einander aufgrund der Abmessungen der Perlen nicht beliebig klein gewählt werden
kann. Ist der Abstand zu gering, kommt es zur Koaleszenz der Filme an benachbarten
Drähten. In diesem Fall verringert sich die effektive Stoffaustauschfläche und eine
Gleichverteilung der Flüssigkeit in der Packung ist nicht mehr gewährleistet, dadurch
sinkt die Trennleistung der Packung.
4.3 Perlengeschwindigkeit
Abb. 4.15 zeigt die Geschwindigkeit der Perlen für Wasser und Ethanol in Abhängigkeit
von der Gasbelastung. Man erkennt, dass die Gasbelastung keinen eindeutigen Einfluss
auf die Perlengeschwindigkeit hat. Die Perlen werden demnach nicht abgebremst, wie
man aus dem Absinken der Perlenfrequenz (s. Abschnitt 4.2) schlussfolgern könnte.
4.3 Perlengeschwindigkeit 81
Vielmehr ergibt sich daraus, dass sich der Abstand zwischen den Perlen vergrößert
und sich die Flüssigkeit in wenigen größeren Perlen am Draht konzentriert. Betrachtet
man eine Perle als einzelnes Objekt, welches über den Basisfilm gleitet, lassen sich
die angreifenden Kräfte bilanzieren. Diese sind im Wesentlichen die Gewichtskraft des
Perlenvolumens, die Widerstandskraft durch die Gasströmung sowie die Reibungskraft
aufgrund des Impulsaustauschs mit dem Basisfilm. Dass die bei höherer Gasbelastung
auftretenden größeren Perlen keine höhere Geschwindigkeit aufweisen, lässt sich
dadurch erklären, dass der erhöhten Gewichtskraft eine höhere Widerstandskraft
entgegenwirkt. Dies wird durch die höheren Gasgeschwindigkeiten und die größere
Stirnfläche bzw. die Form der Perlen hervorgerufen.
0
40
80
120
160
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Mittlere Perlengeschwindigkeit wPerl in cm/s
Bf,D in m3/(m h)
Wasser
Ethanol
0,19 0,95 1,72
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
z = 730 mm
Abb. 4.15:
Perlengeschwindigkeit am zylindrischen Draht in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen von Wasser und Ethanol.
Eine höhere Flüssigkeitsbelastung
Stoffeigen-
schaften
hat jedoch eine höhere mittlere Perlengeschwin-
digkeit zur Folge, weil bei gleicher Gasbelastung größere Perlen entstehen bzw. bei
unregelmäßiger Strömung ein größerer Anteil an großen, schnellen Perlen vorherrscht.
Die geringeren Geschwindigkeiten der Perlen von Ethanol gegenüber Wasser sind
auf die kleineren Perlendurchmesser, die geringere Dichte und höhere Viskosität der
Flüssigkeit zurückzuführen.
In Abb. 4.16 sind die Perlengeschwindigkeiten für Wasser und die PVP-Lösungen
dargestellt. Man erkennt, dass sich die Perlengeschwindigkeit mit zunehmender Vis-
kosität verringert und sich im Fall der regelmäßigen Perlenbewegung bei PVP6 sehr
niedrige Geschwindigkeiten ergeben. Anhand der eingezeichneten Standardabwei-
chung lässt sich erkennen, dass die Geschwindigkeiten der Perlen bei Wasser sehr
82 4 Ergebnisse
unterschiedlich sind, während die Perlen von PVP6 eine einheitliche Geschwindigkeit
aufweisen.
0
40
80
120
160
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Mittlere Perlengeschwindigkeit wPerl in cm/s
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
z = 730 mm
Bf,D in m3/(m h)
Wasser
PVP3
0,19
PVP6
0,76
Abb. 4.16:
Perlengeschwindigkeit am zylindrischen Draht in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen von Wasser und PVP-Lösungen.
In Abb. 4.17a ist die mittlere Perlengeschwindigkeit von Wasser,
Temperatur &
Lauflänge
gemittelt über die
Gasbelastungen im Bereich von
0Pa0,5
bis
6,4Pa0,5
, über der Flüssigkeitsbelastung
für verschiedene Eintrittstemperaturen der Phasen dargestellt. Wie bereits erläutert,
steigt die mittlere Perlengeschwindigkeit mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung
an. Mit steigender Temperatur erhöht sich die Perlengeschwindigkeit leicht. Diese
Beobachtung lässt sich mit der abnehmenden Viskosität bei zunehmender Temperatur
erklären, welche stärker abnimmt als die Dichte der Flüssigkeit.
Abb. 4.17b zeigt die mittlere Perlengeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Lauf-
länge bei unterschiedlichen Flüssigkeitsbelastungen. Während sich bei geringer Flüs-
sigkeitsbelastung kein deutlicher Anstieg der Perlengeschwindigkeit mit zunehmender
Lauflänge zeigt, ist mit Erhöhung der Flüssigkeitsbelastung ein Anstieg der Perlenge-
schwindigkeit bei größerer Lauflänge verbunden. Man kann daraus entnehmen, dass
die Endgeschwindigkeit der Perlen bei höheren Flüssigkeitsbelastungen erwartungs-
gemäß erst bei größeren Lauflängen erreicht wird.
Abb. 4.18 zeigt die Perlengeschwindigkeit beim Drahtbündel
Drahtbündel
in Abhängigkeit von
der Gasbelastung. In Abb. 4.18a sind die Perlengeschwindigkeiten für verschiedene
Flüssigkeitsbelastungen dargestellt. Wie bereits beim Einzeldraht beobachtet, steigt
die mittlere Perlengeschwindigkeit mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung, während
4.3 Perlengeschwindigkeit 83
0
30
60
90
120
0 0,25 0,5 0,75 1
0
30
60
90
120
0 250 500 750 1000
Mittlere Perlengeschwindigkeit
wPerl in cm/s
Flüssigkeitsbelastung Bf,D in m3/(m h) Lauflänge z in mm
Bf,D in m3/(m h)
0,19
0,38
0,57
0,76
ϑ = 20 °C
Wasser
Zyl. Draht
Wasser
Zyl. Draht
z = 730 mm
ϑf,ein, ϑg,ein
in °C
20
60
40
(b)(a)
Abb. 4.17:
Mittlere Perlengeschwindigkeit von Wasser am zylindrischen Draht in Ab-
hängigkeit von der (a) Flüssigkeitsbelastung für verschiedene Eintrittstemperaturen
und (b) von der Lauflänge für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. Gemittelte Werte
über den Bereich der Gasbelastung von 0Pa0,5bis 6,4Pa0,5.
ein Anstieg der Gasbelastung kaum einen Einfluss auf die Perlengeschwindigkeit hat.
Abb. 4.18b zeigt den Einfluss der Gaseintrittstemperatur auf die mittlere Perlen-
geschwindigkeit. Wird nur das Gas erhitzt, lässt sich keine Änderung der Perlenge-
schwindigkeit erkennen, weil sich die Temperatur der Flüssigkeit und damit ihre
Stoffeigenschaften nur unwesentlich verändern.
In Abb. 4.18c wird die Perlengeschwindigkeit nach der rechten und linken Seite
der vier berieselten Drähte im Bündel unterschieden (s. Abb. 3.5b, bzw. Abb. 4.4). Die
relativ gute Übereinstimmung der Perlengeschwindigkeit von rechter und linker Seite
des berieselten Drahtbündels ist ein Hinweis darauf, dass die Volumenströme an den
einzelnen Drähten ähnlich groß sind und eine gleichmäßige Flüssigkeitsverteilung auf
alle Drähte vorliegt. Dieser Aspekt ist relevant, weil eine gleichmäßige Berieselung
der Drähte aufgrund mangelnder Selbstverteilung der Flüssigkeit für eine hohe
Trennleistung der Drahtbündelpackung notwendig ist.
84 4 Ergebnisse
0
40
80
120
160
0
40
80
120
160
0
40
80
120
160
0 2 4 6
Gasbelastung FK in Pa0,5
Mittlere Perlengeschwindigkeit wPerl in cm/s
Wasser
Drahtbündel
z = 730 mm
(a)
(b)
(c)
Bf,D
in m3/(m h)
0,19
0,38
0,57
0,76
Linke Seite
Rechte Seite
ϑ = 20 °C
Bf,D = 0,57 m3/(m h)
Bf,D = 0,57 m3/(m h)
ϑ = 20 °C
50
40
30
ϑg,ein
20
in °C
ϑf,ein = 20 °C
Abb. 4.18:
Perlengeschwindigkeit am Drahtbündel in Abhängigkeit von der Gasbelas-
tung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen (a), verschiedene Gaseintrittstemperatu-
ren (b) sowie auf der linken und rechten Seite des Drahtbündels (c).
4.4 Hold-up der Flüssigkeit
Abb. 4.19a
Stoff-
eigenschaften
zeigt den Hold-up für Wasser und Ethanol in Abhängigkeit von der Gasbe-
lastung bei verschiedenen Flüssigkeitsbelastungen. Die Messungen wurden mit der
Ablaufmethode nach Abschnitt 3.5.4 durchgeführt. Ethanol zeigt einen größeren Hold-
up als Wasser, was angesichts insbesondere der geringeren Dichte und der höheren
Viskosität von Ethanol sowie der geringeren Perlengeschwindigkeiten verständlich ist.
4.4 Hold-up der Flüssigkeit 85
Mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung steigt der Hold-up erwartungsgemäß an. Man
erkennt jedoch, dass sich der Hold-up mit zunehmender Gasbelastung nicht verändert.
Diese Beobachtung erinnert an das Verhalten von Packungskolonnen unterhalb der
Staugrenze. Bei höheren Gasbelastungen kommt es zum spontanen Fluten des Kanals,
ohne dass zuvor ein Aufstauen der Flüssigkeit zu beobachten ist.
0
0,5
1
1,5
2
2,5
0 2 4 6 8 10
Gas load FW [Pa0.5]
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0 2 4 6 8 10
Flutgrenze
Gasbelastung FK in Pa0,5
Anteil Perlenvolumen HUf,Perl/HUf,D Hold-up HUf,D in mL/m
Bf,D in m3/(m h)
Wasser
Ethanol
0,19 0,95 1,72
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
Ablauf-
methode
(a)
(b)
Abb. 4.19:
(a): Hold-up von Wasser und Ethanol am zylindrischen Draht in Abhängig-
keit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen; (b): Anteil der
Perlen am gesamten Hold-up.
In Abb. 4.19b ist der entsprechende Anteil des Perlenvolumens über der Gasbe-
lastung aufgetragen, der sich aus der Auswertung der Gewichtssprünge ergibt. Die
Verläufe lassen sich so interpretieren, dass das Flüssigkeitsvolumen mit zunehmender
Gasbelastung in den Perlen transportiert wird. Allerdings muss beachtet werden,
dass hier auch das Ablaufverhalten eine Rolle spielt. Es ist denkbar, dass die kompak-
ten Perlen (hohe Gasbelastung) schneller ablaufen als die strähnenförmigen Perlen
(niedrige Gasbelastung) (s. Abb. 4.5), da während des Ablaufens der Gasgegenstrom
86 4 Ergebnisse
abgeschaltet ist.
Eine alternative Methode zur Bestimmung des Hold-up besteht in der Auswertung
der Daten der Filmdicke unter Verwendung des geometrischen Filmmodells nach
Abschnitt 3.6. Die in Abb. 4.20 gezeigten Ergebnisse für den Hold-up von Wasser
und den PVP-Lösungen für den zylindrischen Draht wurden mit Gl.
(3.28)
berechnet.
Wie bereits gezeigt, ist der Hold-up weitgehend unabhängig von der Gasbelastung
und steigt mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung. Lediglich bei PVP6 lässt sich ein
leichter Anstieg des Hold-up bei höheren Gasbelastungen feststellen, was als Beginn
des Aufstauens der Flüssigkeit interpretiert werden kann. Ein Anstieg der Viskosität
der Flüssigkeit führt zu deutlich größeren Werten des Hold-up.
0
2000
4000
6000
8000
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Hold-up HUf,D in mm3/m
Bf,D in m3/(m h)
Wasser
PVP3
PVP6
0,19 0,76
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Berechnet über
Filmdickendaten
Abb. 4.20:
Hold-up von Wasser und PVP-Lösungen am zylindrischen Draht in Abhängig-
keit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen.
In Abb. 4.21
Draht-
geometrien
wird am Beispiel der Uhrkette ein Vergleich von Ergebnissen der
Abschaltmethode und jenen, welche mit dem Modell nach Abschnitt 3.6.2 gewonnen
wurden, vorgenommen. Es ist zu erkennen, dass die Werte relativ gut übereinstimmen.
Bei den anderen Ketten sind die gemessenen Werte deutlich niedriger als die des
Modells. Dies ergibt sich aus dem statischen Flüssigkeitsvolumen in den Zwickeln der
Kettenglieder, welches auch nach längerer Zeit nicht abfließt.
Abb. 4.22a–c zeigen den Hold-up, die mittlere Filmdicke und die mittlere Filmge-
schwindigkeit in Abhängigkeit vom Flüssigkeitsvolumenstrom ohne Gasgegenstrom
für die verschiedenen Drahtgeometrien. Der Hold-up steigt erwartungsgemäß mit
zunehmendem Flüssigkeitsvolumenstrom, zeigt für die Ketten jedoch deutlich höhere
4.4 Hold-up der Flüssigkeit 87
0
2000
4000
6000
8000
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Hold-up HUf,D in mm3/m
10
20
30
Messung Modell
40
Vf,D in
mL/min
Uhrkette
ϑ = 20 °C
Wasser
Abb. 4.21:
Hold-up der Uhrkette in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschie-
dene Flüssigkeitsvolumenströme. Vergleich von gemessenen Werten mit Daten aus der
Modellberechnung nach Gl. (3.36).
Werte. Die mittlere Filmdicke (Abb. 4.22b) ist hier definiert als der Hold-up bezogen
auf die spezifische Drahtoberfläche (Gl.
(3.32)
) und somit auch ein Maß, wie effektiv
der Film von der gegebenen Oberfläche zurückgehalten wird. Daher ergibt sich die
gleiche Abhängigkeit vom Flüssigkeitsvolumenstrom wie beim Hold-up. Die Gourmet-
tekette hat ähnliche Filmdicken wie der zylindrische Draht, während die Kugelkette
deutlich größere mittlere Filmdicken aufweist. Die Uhrkette zeigt hingegen eine deut-
lich stärkere Abhängigkeit der mittleren Filmdicke vom Flüssigkeitsvolumenstrom.
Möglicherweise wird dieses Verhalten dadurch verursacht, dass die Perlen durch die
Kettenglieder fixiert sind und nicht abwärts laufen können, so dass sie mit zuneh-
mendem Flüssigkeitsvolumenstrom aufwachsen. Die mittlere Filmgeschwindigkeit
nach Gl.
(3.31)
in Abb. 4.22c ist beim zylindrischen Draht deutlich höher als bei den
Ketten. Interessanterweise ergibt sich bei der Uhrkette nur eine geringe Änderung
der mittleren Filmgeschwindigkeit.
Insgesamt lässt sich für den Hold-up ein ähnliches Verhalten wie bei üblichen
Packungskolonnen feststellen. Die Ergebnisse lassen allerdings keinen ausgeprägten
Staupunkt erkennen. Es bleibt zu untersuchen, ob es bei einer Drahtbündelpackung
bei einer Steigerung der Gasbelastung zu einem Fluten der Kolonne kommt, ohne
dass sich zuvor ein Aufstauen der Flüssigkeit beobachten lässt.
88 4 Ergebnisse
0
2000
4000
6000
0 10 20 30 40 50
V._f [mL/min]
0
200
400
600
800
0 10 20 30 40 50
0
20
40
60
0 10 20 30 40 50
Gourmettekette
Uhrkette
Kugelkette
Zyl. Draht
Flüssigkeitsvolumenstrom Vf,D in mL/min
Hold-up HUf,D in mm3/m
Mittlere Filmdicke δf,D in µmMittlere Filmgeschwindigkeit
wf,D in cm/s
(a)
(b)
(c)
FK = 0 Pa0,5
ϑ = 20 °C
Wasser
Abb. 4.22:
Berechneter Hold-up (nach Abschnitt 3.6), mittlere Filmdicke (Gl.
(3.32)
)
und Filmgeschwindigkeit (Gl.
(3.31)
) für verschiedene Drahtgeometrien in Abhängig-
keit vom Flüssigkeitsvolumenstrom (ohne Gasgegenstrom).
4.5 Druckverlust
In Abb. 4.23 ist der Druckverlust über den Kanal in Abhängigkeit von der Gasbe-
lastung für unterschiedliche Flüssigkeitsbelastungen dargestellt, die Fehlerbalken
repräsentieren die minimalen und maximalen Werte. Bei höheren Flüssigkeitsbelas-
tungen steigt der Druckverlust aufgrund des geringeren freien Querschnitts für die
4.5 Druckverlust 89
Gasströmung. Demzufolge ergeben sich größere Gasgeschwindigkeiten, wodurch sich
der Impulsaustausch zwischen den Phasen erhöht. Ein ähnliches Verhalten lässt sich
bei Packungskolonnen beobachten (s. Abb. 2.7).
0
25
50
75
100
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Druckdifferenz ΔpK in Pa
Bf,D
in m3/(m h)
0,76
0
1,72
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
Wasser
Abb. 4.23:
Druckdifferenz über den Kanal in Abhängigkeit von der Gasbelastung für
verschiedene Flüssigkeitsbelastungen.
Abb. 4.24 zeigt das Verhältnis von nassem und trockenem Widerstandsbeiwert für
den Kanal in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelas-
tungen von Wasser, welches nach Gl.
(3.61)
berechnet wurde. Man erkennt, dass der
Widerstandsbeiwert für den nassen Druckverlust bei größerer Flüssigkeitsbelastung
höher ist, was sich mit der höheren Relativgeschwindigkeit und dem geringeren Ab-
stand der Perlen zueinander erklären lässt. Der nasse Widerstandsbeiwert nimmt
jedoch auch mit höheren Gasbelastungen zu. Eine Erklärung für diese Beobachtung
ist die Verformung der Perlen, die zu einer größeren Stirnfläche der Perlen führt.
Dadurch wird ein höherer Strömungswiderstand hervorgerufen.
Da der größte Anteil des Druckverlusts von den Kanalwänden hervorgerufen wird,
lassen die Ergebnisse nicht unmittelbar die Vorhersage des Druckverlusts einer
Drahtbündelpackung zu. In Abschnitt 3.7.2 wird gezeigt, wie sich dieser aus den
obigen Ergebnissen abschätzen lässt. Die Ergebnisse dieser Abschätzung werden in
Abschnitt 4.9 vorgestellt.
90 4 Ergebnisse
1
1,02
1,04
1,06
1,08
1,1
1,12
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
ζf,K/ζK
ϑ = 20 °C
Zyl. Draht
Wasser
Bf,D in m3/(m h)
0,76
1,72
Abb. 4.24:
Verhältnis von nassem und trockenem Widerstandsbeiwert des Kanals mit
zylindrischem Draht in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssig-
keitsbelastungen (Gl. (3.61)).
4.6 Spezifische Filmoberfläche
Die längenspezifische
Zyl. Draht
Filmoberfläche für Wasser und die PVP-Lösungen in Abhängig-
keit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen am zylindrischen
Draht ist in Abb. 4.25 dargestellt. Es lässt sich feststellen, dass die Filmoberfläche mit
zunehmender Flüssigkeitsbelastung deutlich größer wird als die trockene Drahtober-
fläche. Hierin unterscheidet sich der Film am Draht von ebenen Filmen. Dies ergibt
sich hauptsächlich aus der von der Flüssigkeitsbelastung abhängigen Filmdicke und
der Geometrie des Films, wodurch bei höheren Filmdicken größere Krümmungsradien
der Filmoberfläche resultieren. Eine Sensitivitätsanalyse konnte zeigen, dass Abwei-
chungen der Perlengeschwindigkeit in dem betrachteten Geschwindigkeitsbereich
nur geringe Auswirkungen auf die Größe der Filmoberfläche haben. Aufgrund des
geringen Einflusses der Gasbelastung auf die Filmdicke zeigen sich auch bei der Film-
oberfläche nur geringe Veränderungen mit steigender Gasbelastung. Eine Erhöhung
der Viskosität der Flüssigkeit wirkt sich hingegen wegen steigender Filmdicken stark
auf die Filmoberfläche aus. Interessanterweise ist die wellige Filmoberfläche kleiner
als jene eines volumengleichen glatten Flüssigkeitszylinders. Dies ist plausibel, denn
andernfalls würde die Instabilität des Films nicht auftreten, welche die Ursache für
die Perlenbildung ist.
Abb. 4.26
Draht-
geometrien
stellt die längenspezifische Filmoberfläche für verschiedene Drahtgeome-
4.6 Spezifische Filmoberfläche 91
0
3000
6000
9000
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Spez. Filmoberfläche ãf,D in mm2/m
Bf,D in m3/(m h)
Wasser
PVP3
PVP6
0,19 0,76
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Trockener Draht
Abb. 4.25:
Längenspezifische Filmoberfläche am zylindrischen Draht in Abhängigkeit
von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen und Flüssigkeiten.
trien in Abhängigkeit von der Gasbelastung bei verschiedenen Flüssigkeitsbelastungen
dar. Gegenüber dem zylindrischen Draht ergeben sich bei den Ketten deutlich größere
Filmoberflächen. Vergleicht man die spezifischen Filmoberflächen mit den Werten der
trockenen Drahtgeometrien in Tab. 3.1, stellt man bei der Gourmettekette jedoch fest,
dass die trockene Oberfläche größer ist als die Filmoberfläche. In diesem Fall füllt
der Film die Lücken der Kettenglieder mit Flüssigkeit und bildet eine relativ glatte
Oberfläche (s. Abb. 3.15b).
Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die effektive Filmoberfläche einer
Drahtbündelpackung eine deutliche Abhängigkeit von der Flüssigkeitsbelastung auf-
weist, wobei diese im Betrieb deutlich größer ist als die Packungsoberfläche im
trockenen Zustand.
92 4 Ergebnisse
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Spez. Filmoberfläche ãf,D in mm2/m
Wasser
ϑ = 20 °C
Gourmettekette
Uhrkette
Kugelkette
10 40
Zyl. Draht
Vf,D in mL/min
Abb. 4.26:
Spezifische Filmoberfläche verschiedener Ketten in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsvolumenströme.
4.7 Gasseitiger Stofftransport
In Abb. 4.27
Zyl. Draht
ist der gasseitige Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeiten und Flüssigkeitsbelastungen für den
zylindrischen Draht dargestellt. Die Stoffübergangskoeffizienten steigen aufgrund des
zunehmenden Impulsaustauschs infolge der Turbulenz in der Gasphase mit zunehmen-
der Gasbelastung an. Mit zunehmender Viskosität der Flüssigkeit sinken jedoch die
Stoffübergangskoeffizienten. Vermutlich ist dies auch darauf zurückzuführen, dass bei
höherer Viskosität niedrigere Relativgeschwindigkeiten von Perlen und Gasströmung
vorherrschen. Allerdings lassen sich die Unterschiede der Stoffübergangskoeffizien-
ten nicht allein mit den verschiedenen Relativgeschwindigkeiten erklären, zumal der
Unterschied zwischen den Relativgeschwindigkeiten bei höheren Gasbelastungen
gering ist. Vermutlich ist hier auch die Welligkeit der Filmoberfläche entscheidend,
d. h. die Differenz von Perlen- und Basisfilmdicke, die bei Wasser am größten ist
und die Turbulenz in der Gasphase verstärkt. Bei der Betrachtung des Einflusses
der Flüssigkeitsbelastung zeigen sich bei den PVP-Lösungen bei niedrigen Gasbe-
lastungen geringe Unterschiede der Stoffübergangskoeffizienten. Mit zunehmender
Gasbelastung verbessert sich der Stofftransport bei größeren Flüssigkeitsbelastungen.
Bei Wasser ist dies über den gesamten Bereich der Gasbelastung zu beobachten. Die-
ser Einfluss kann mit der zunehmenden Welligkeit des Films und den zunehmenden
Perlengeschwindigkeiten bei höheren Flüssigkeitsbelastungen erklärt werden.
4.7 Gasseitiger Stofftransport 93
0
0,02
0,04
0,06
0,08
0,1
0 2 4 6 8
* Symbole dienen zur
Zuordnung der Kurven
Gasbelastung FK in Pa0,5
Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient βg in m/s
Bf,D in m3/(m h)
Wasser
PVP3
PVP6
0,19 0,76
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Experiment
Penetrationsth.
*
Abb. 4.27:
Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der Gasbelas-
tung für verschiedene Flüssigkeiten und Flüssigkeitsbelastungen. Vergleich experimen-
teller Daten mit theoretischen Werten nach der Penetrationstheorie.
Die experimentellen Daten wurden mit theoretischen Werten nach der Penetra-
tionstheorie (Gl.
(2.25)
) verglichen.
Penetrations-
theorie
Dabei wurde die Kontaktzeit festgelegt als die
Verweilzeit eines Volumenelements in der Gasphase an der Oberfläche des Films
zwischen zwei Perlen. Dabei wurde der Abstand zweier Perlen mit der Beziehung
sPerl = ¯wPerl/fPerl (4.2)
ermittelt, so dass die Kontaktzeit von der Relativgeschwindigkeit zwischen Gasströ-
mung und Perlen abhängt:
τ=sPerl/( ¯wg,K+ ¯wPerl).(4.3)
Obwohl die theoretischen Stoffübergangskoeffizienten höher sind als die experimen-
tellen Werte, wird die Abhängigkeit von der Gasbelastung gut wiedergegeben. Die
Steigerung der Flüssigkeitsbelastung führt bei den theoretischen Verläufen tenden-
ziell ebenfalls zu einer Erhöhung der Stoffübergangskoeffizienten, allerdings ist die
Abhängigkeit ausgeprägter als bei den experimentellen Ergebnissen. Die Ursache ist
eine deutliche Verringerung der Abstände der Perlen mit zunehmender Flüssigkeits-
belastung, was in geringeren Kontaktzeiten resultiert. Allerdings kann die Penetra-
tionstheorie mit dem verwendeten Ansatz für die Kontaktzeit die Abhängigkeit der
94 4 Ergebnisse
Stoffübergangskoeffizienten von der Viskosität nicht vorhersagen. Mit zunehmender
Viskosität verringert sich der Abstand der Perlen, was gemäß Gl.
(4.3)
zu kürzeren
Kontaktzeiten und damit höheren Stoffübergangskoeffizienten führt, während die ex-
perimentellen Ergebnisse eine Verringerung der Stoffübergangskoeffizienten zeigen.
Offensichtlich ist der verwendete Ansatz zu einfach, um die Effekte der komplexen
zweiphasigen Strömung genau zu beschreiben.
Abb. 4.28a und b zeigen die Sherwoodzahlen
Vergleich mit
Literaturdaten
des gasseitigen Stofftransports für
zwei unterschiedliche Flüssigkeitsbelastungen in Abhängigkeit von der Reynoldszahl
der Gasphase für verschiedene Flüssigkeiten. Die experimentellen Werte werden
mit Korrelationen für Filme in Rohren von Braun und Hiby (1970) (Gl.
(2.28)
) und
strukturierte Packungen von Bravo et al. (1985) (Gl. 2.80) verglichen. Die experimen-
tellen Daten liegen für alle Gas- und Flüssigkeitsbelastungen deutlich höher als die
Korrelation für Filme in Rohren. Hierfür sind wahrscheinlich die höhere Welligkeit
und die hohe Perlengeschwindigkeit der Filmströmung am Draht verantwortlich.
0
20
40
60
0
20
40
60
0 2000 4000 6000 8000
Sherwood-Zahl Shg
Sherwood-Zahl Shg
Wasser PVP3 PVP6
Exp.
Braun
Bravo
(a)
(b)
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Bf,D = 0,76 m3/(m h)
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
Bf,D = 0,19 m3/(m h)
Wasser
PVP3
PVP6
Wasser
PVP3
PVP6
Reynoldszahl Reg
Abb. 4.28:
Sherwoodzahl für gasseitigen Stofftransport des zylindrischen Drahts in
Abhängigkeit von der Reynoldszahl der Gasphase für verschiedene Flüssigkeiten und
Flüssigkeitsbelastungen (a), (b). Vergleich mit Korrelationen für Filme in Rohren (Braun
und Hiby,1970) und strukturierte Packungen (Bravo et al.,1985).
Zusätzlich führt die Krümmung des Films zu höheren Geschwindigkeitsgradien-
4.7 Gasseitiger Stofftransport 95
ten an der Filmoberfläche gegenüber dem ebenen Film, wodurch der Stoffübergang
gefördert wird. Der Stoffübergang ist jedoch für die PVP-Lösungen in guter Überein-
stimmung mit der Korrelation für strukturierte Packungen, wobei die Daten für Wasser
noch deutlich höher liegen. Bei niedriger Flüssigkeitsbelastung (Abb. 4.28b) gibt es
eine bessere Übereinstimmung zwischen den experimentellen Daten von Wasser und
der Korrelation für strukturierte Packungen. Die Daten für die PVP-Lösungen liegen
jedoch unter dieser, besonders bei höheren Gasbelastungen.
In Abb. 4.29
Temperaturein-
fluss
ist die Sherwoodzahl geteilt durch die Wurzel der Schmidtzahl in Ab-
hängigkeit von der Reynoldszahl für verschiedene Eintrittstemperaturen der Phasen
dargestellt. Diese Darstellung eliminiert die Schmidtzahl als temperaturabhängigen
Parameter und setzt voraus, dass die Sherwoodzahl für den gasseitigen Stoffübergang
proportional zu
Sc0,5
ist (Dudukovi´
c et al.,1996). Es zeigt sich, dass die Stoffübergangs-
koeffizienten bei höheren Eintrittstemperaturen beider Phasen deutlich niedriger sind,
wobei jedoch erwartet wurde, dass die Verläufe der verschiedenen Eintrittstemperatu-
ren aufgrund der gewählten Darstellung übereinstimmen. Da bei der Erhöhung der
Temperatur keine wesentlichen Veränderungen der Filmströmung auftreten, ist dies
als Ursache für die Verringerung des Stofftransports unwahrscheinlich. Werden hinge-
gen die Eintritttemperaturen von Flüssigkeit und Gas auf
20 C
bzw.
60 C
eingestellt,
ergibt sich ein ähnlicher Verlauf wie bei gleichen Eintrittstemperaturen von 20 C.
0
20
40
60
80
0 2000 4000 6000 8000
Bezogene Sherwoodzahl Shg/Scg0,5
Reynoldszahl Reg
Wasser
Zyl. Draht
Bf,D = 0,95 m3/(m h)
70
50
20
70
50
20
ϑg,ein
ϑf,ein
20 60
in °C
Abb. 4.29:
Bezogene Sherwoodzahl für gasseitigen Stofftransport beim zylindrischen
Draht in Abhängigkeit von der Reynoldszahl bei unterschiedlichen Eintrittstemperatu-
ren der Phasen.
Bei höheren Eintrittstemperaturen lässt sich eine deutliche Abkühlung von Gas und
96 4 Ergebnisse
Flüssigkeit am Austritt feststellen (s. Abb. 4.30). Der qualitative Temperaturverlauf
der Phasen im Kanal ist in Abb. 4.31a gezeigt. Bei zunehmender Gasbelastung sinkt
die Austrittstemperatur der Flüssigkeit, wohingegen die Austrittstemperatur der
Gasphase kontinuierlich steigt. Bei der Gasphase sind hauptsächlich Wärmeverluste
über die Kanalwand verantwortlich für den Abfall gegenüber der Eintrittstemperatur,
wobei bei steigender Gasbelastung die Abkühlung geringer ausfällt. Die Abnahme der
Flüssigkeitstemperatur mit steigender Gasbelastung ist auf die stärkere Abkühlung
durch den höheren Verdunstungsmassenstrom der Flüssigkeit zurückzuführen.
0
20
40
60
80
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Temperatur ϑ in °C
Wasser
Zyl. Draht
Bf,D = 0,38 m3/(m h)
Gas
Flüssigkeit
Ein Aus
Abb. 4.30:
Ein- und Austrittstemperaturen beim zylindrischen Draht bei gleichen Ein-
trittstemperaturen in Abhängigkeit von der Gasbelastung.
Es wird vermutet, dass die Verdunstung der Flüssigkeit eine Temperaturabsenkung
an der Oberfläche herbeiführt, so dass sich im Film ein radialer Temperaturgradient
einstellt, wie in Abb. 4.31b angedeutet. Dies ist besonders dann zu erwarten, wenn die
Eintrittstemperatur der Flüssigkeit stark von der Kühlgrenztemperatur abweicht, die
unter den gegebenen Bedingungen im Bereich von
20C
bis
25 C
liegt. Dies würde
bedeuten, dass der tatsächliche Dampfdruck an der Filmoberfläche niedriger ist als
jener, der aus den gemessenen mittleren Temperaturen am Ein- und Ausgang des
Kanals gebildet wird. In der Konsequenz würden die Stoffübergangskoeffizienten
aufgrund einer zu hoch angenommenen treibenden Konzentrationsdifferenz zu niedrig
berechnet werden (s. Gl.
(3.16)
). Dies ist eine mögliche Erklärung für die abfallenden
Stoffübergangskoeffizienten bei steigender Flüssigkeitseintrittstemperatur. Tritt die
Flüssigkeit hingegen mit einer Temperatur nahe der Kühlgrenztemperatur in den Kanal
ein, sollte die Oberflächentemperatur annähernd der mittleren Flüssigkeitstemperatur
4.7 Gasseitiger Stofftransport 97
ϑf,m
ϑg,m
ϑf,m
ϑg,m
ϑ*
ϑ*
r
r
ϑ
ϑ
ϑm
z
Flüssigkeit
Gas
(a) (b)
Abb. 4.31:
(a): Skizze des Profils der mittleren Temperaturen über der Kanalhöhe;
(b): Skizze der radialen Temperaturprofile im Film und in der Gasphase am Ein- und
Austritt des Kanals.
entsprechen. Dies würde erklären, warum die Ergebnisse der Messungen, bei denen
lediglich die Luft erhitzt wurde, vergleichbar sind mit jenen, die bei Raumtemperatur
durchgeführt wurden.
In Abb. 4.32
Draht-
geometrien
ist der gasseitige Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Drahtgeometrien und Flüssigkeitsbelastungen darge-
stellt. Beim zylindrischen Draht lassen sich deutlich höhere Stoffübergangskoeffizien-
ten feststellen als bei den Ketten. Diese Beobachtung lässt sich darauf zurückführen,
dass die Perlengeschwindigkeit bei den Ketten geringer, im Fall der Gourmette- und
der Uhrkette sogar gleich null ist. Es lassen sich jedoch bei den Ketten ebenfalls
größere Stoffübergangskoeffizienten bei höheren Flüssigkeitsbelastungen feststellen.
Die Kugelkette, bei der sich bewegte Flüssigkeitssträhnen ausmachen lassen, hat
etwas höhere Werte als die Gourmettekette und die Uhrkette.
Abb. 4.33a und b zeigen beispielhaft einen Vergleich der experimentellen Daten
mit Literaturdaten für die Uhrkette und die Kugelkette bei verschiedenen Flüssig-
keitsbelastungen, dargestellt als Sherwoodzahl über der Reynoldszahl. Als Referenz
sind Korrelationen von Braun und Hiby (1970) (Gl.
(2.28)
) für ebene Filme in Rohren
und von Bravo et al. (1985) (Gl.
(2.80)
) für strukturierte Packungen angegeben. Es
ist offensichtlich, dass die Uhrkette (Abb. 4.33a) eine gute Übereinstimmung mit der
Korrelation für ebene Filme in Rohren hat. Hingegen sind die Sherwoodzahlen der
Kugelkette (Abb. 4.33b) höher und zumindest bei einer hohen Flüssigkeitsbelastung
98 4 Ergebnisse
0
0,02
0,04
0,06
0,08
0 2 4 6 8
Gasbelastung FK in Pa0,5
Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient βg in m/s
Gourmettekette
Uhrkette
Kugelkette
10 40
Zyl. Draht
Vf,D in mL/min
Wasser
ϑ = 20 °C
Abb. 4.32:
Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der Gasbelas-
tung für unterschiedliche Drahtgeometrien und Flüssigkeitsvolumenströme.
im Bereich der Korrelation für strukturierte Packungen. Es zeigt sich also, dass bei
unterbundener Perlenbewegung, wie im Fall der Uhrkette, ähnliche Stoffübergangs-
koeffizienten wie bei ebenen Filmen auftreten.
Abb. 4.34 zeigt die
Drahtbündel
Sherwoodzahl beim Drahtbündel bei verschiedenen Gasein-
trittstemperaturen. Man erkennt eine sehr gute Übereinstimmung der Verläufe. Wie
bereits beim Einzeldraht besprochen, lässt sich dies dadurch erklären, dass sich
aufgrund der niedrigen Flüssigkeitseintrittstemperaturen keine wesentlichen radia-
len Temperaturgradienten im Film einstellen. Dies unterstützt die Vermutung, dass
radiale Temperaturgradienten die Ursache für unplausible Ergebnisse der gasseiti-
gen Stoffübergangsmessungen bei höheren Flüssigkeitseintrittstemperaturen waren.
Die verwendete Messmethode kann demnach nur angewendet werden, wenn die
Dampfdrücke an der Phasengrenze hinreichend genau bekannt sind.
In Abb. 4.35 wird ein Vergleich des gasseitigen Stoffübergangs zwischen dem Ein-
zeldraht und dem Drahtbündel vorgenommen. Dargestellt ist die Sherwoodzahl über
der Reynoldszahl für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. Beide Konfigurationen
wurden im gleichen Bereich der Gasbelastung untersucht. Der niedrigere Bereich der
Reynoldszahlen beim Drahtbündel ergibt sich aufgrund des geringeren hydraulischen
Durchmessers. Die Werte des Drahtbündels sind etwas höher als jene des Einzeldrahts.
Diese Beobachtung kann damit erklärt werden, dass die Gaspassagen beim Draht-
bündel gewundener sind und daher örtlich höhere effektive Gasgeschwindigkeiten
4.7 Gasseitiger Stofftransport 99
0
10
20
30
40
0 2000 4000 6000 8000
0
10
20
30
40
0 2000 4000 6000 8000
Sherwoodzahl Shg
Sherwoodzahl Shg
10 (23)
40 (94)
Vf,D in mL/min (Ref)
10 (30)
40 (120)
Vf,D in mL/min (Ref)
Uhrkette
Wasser
ϑ = 20 °C
Kugelkette
Wasser
ϑ = 20 °C
Reynoldszahl Reg
(a)
(b)
Braun & Hiby 1970
Bravo 1985
10
Vf,D in mL/min
40
10
40
Vf,D in mL/min
Abb. 4.33:
Sherwoodzahl der Gasphase in Abhängigkeit von der Reynoldszahl bei
unterschiedlichen Flüssigkeitsvolumenströmen für die Uhrkette (a) und die Kugelkette
(b). Vergleich mit Korrelationen von Braun und Hiby (1970) und Bravo et al. (1985)
(keine Abhängigkeit von der Flüssigkeitsbelastung).
auftreten. Beim Drahtbündel lässt sich auch eine Erhöhung der Sherwoodzahlen mit
steigender Flüssigkeitsbelastung bei hohen Gasbelastungen erkennen. Insgesamt
liegen die Werte des Drahtbündels deutlich oberhalb der Korrelation für strukturierte
Packungen nach Bravo et al. (1985).
In Abb. 4.36 ist die gasseitige Sherwoodzahl in Abhängigkeit von der Reynoldszahl
für verschiedene Flüssigkeiten beim Drahtbündel dargestellt. Wie bei den Messungen
am Einzeldraht zeigt sich mit zunehmender Viskosität der Flüssigkeit eine Abnahme
der Sherwoodzahlen. Beim Drahtbündel tritt diese Abhängigkeit noch deutlicher
hervor.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Perlenbewegung den Stoff-
übergang verbessert. Diese Verbesserung kann aber nicht allein auf die höhere Rela-
tivgeschwindigkeit der Perlen gegenüber der Gasphase im Vergleich zum glatten Film
zurückgeführt werden, weil die Perlengeschwindigkeit in dem betrachteten Parame-
terbereich deutlich niedriger als die mittlere Gasgeschwindigkeit ist. Daher ist die
100 4 Ergebnisse
0
10
20
30
40
0 1000 2000 3000 4000
Bezogene Sherwoodzahl Shg/Scg0,5
Reynoldszahl Reg
50
40
30
ϑg,ein
20
in °C
Wasser
Drahtbündel
Bf,D = 0,19 m3/(m h)
ϑf,ein = 20 °C
Abb. 4.34:
Bezogene Sherwoodzahl für gasseitigen Stofftransport beim Drahtbündel in
Abhängigkeit von der Reynoldszahl bei unterschiedlichen Gaseintrittstemperaturen.
Relativgeschwindigkeit gegenüber der Gasgeschwindigkeit bei hoher Gasbelastung
nicht um den gleichen Faktor größer wie bei niedrigen Gasbelastungen. Dennoch
ist eine deutliche Verbesserung des Stoffübergangs über den gesamten Bereich der
Gasbelastung zu beobachten. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Formänderung
der Perlen bei hohen Gasbelastungen die Turbulenz in der Gasphase fördert und
damit den gasseitigen Stoffübergang verbessert. Für die Steigerung der Stoffüber-
gangskoeffizienten mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung ist neben der höheren
Perlengeschwindigkeit auch die größere Anzahl an Perlen am Draht verantwortlich.
Gemäß der Penetrationstheorie ergeben sich dann kürzere Kontaktzeiten und somit
größere Stoffübergangskoeffizienten.
4.7 Gasseitiger Stofftransport 101
0
20
40
60
0 2000 4000 6000 8000
Bravo et al. (1985)
Bf,D in m3/(m h)
Einzeldraht
Drahtbündel
0,19 0,76
Sherwoodzahl Shg = βg dh/Dg
Reynoldszahl Reg = wg dh/νg
Wasser
ϑ = 20 °C
Abb. 4.35:
Sherwoodzahl der Gasphase in Abhängigkeit von der Reynoldszahl für un-
terschiedliche Flüssigkeitsbelastungen für den Einzeldraht und das Drahtbündel. Ver-
gleich mit einer Korrelation für strukturierte Packungen von Bravo et al. (1985).
0
10
20
30
0 1000 2000 3000 4000
Sherwoodzahl Shg = βg dh/Dg
Reynoldszahl Reg = wg dh/νg
ϑ = 20 °C
Bf,D = 0,19 m3/(m h)
Drahtbündel
Wasser
PVP3
PVP6
Abb. 4.36:
Sherwoodzahl der Gasphase in Abhängigkeit von der Reynoldszahl für un-
terschiedliche Flüssigkeiten beim Drahtbündel.
102 4 Ergebnisse
4.8 Flüssigkeitsseitiger Stofftransport
In Abb. 4.37
Zyl. Draht
ist der flüssigkeitsseitige Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit
von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen für den zylindri-
schen Draht dargestellt, die Fehlerbalken repräsentieren die minimalen und maxi-
malen Werte. Die experimentellen Daten werden mit einer Korrelation von Brauer
(1971) (Gl. 2.34) für ebene Rieselfilme und mit Daten einer strukturierten Packung
(
aP= 196 m2/m3
,
θ= 45°
) nach dem Modell von Rocha et al. (1996) verglichen. Die
Umfangsbelastung der Packung
Bf
lässt sich mit Gl.
(2.55)
in die auf die Querschnitts-
fläche bezogene Flüssigkeitsbelastung
vf,P
umrechnen, bei der gegebenen spezifischen
Oberfläche der Packung ergibt sich ein Wertebereich für
vf,P
von
37,5m3/(m2h)
bis
150m3/(m2h)
. Es ist zu erkennen, dass die Stoffübergangskoeffizienten für den Einzel-
draht größer sind als jene von ebenen Filmen. Außerdem ist die Abhängigkeit von der
Flüssigkeitsbelastung ausgeprägter. Dies lässt darauf schließen, dass die Filmstruktur
aus Perlen und Basisfilm die Durchmischung des Films intensiviert und dadurch den
Stofftransport verbessert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Stoffübergangskoeffi-
zienten mit zunehmender Gasbelastung leicht erhöhen, was auf eine Erhöhung des
Impulsaustauschs zwischen Film und Gasströmung hindeutet.
0
0,0001
0,0002
0,0003
0 2 4 6 8
Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient
βf in m/s
Gasbelastung FK in Pa0,5
Bf,D in m3/(m h)
0,19 0,57
0,38 0,76
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
CO2-Wasser/Luft
0,76 0,57
0,38
0,19
Bf in m3/(m h)
0,76
0,57
0,38
0,19
Brauer:
Bf in m 3/(m h)
Rocha (aP = 196 m2/m3):
Abb. 4.37:
Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient beim zylindrischen Draht
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. Ver-
gleich mit Korrelationen von (Brauer,1971) für ebene Rieselfilme (durchgezogene Lini-
en) und Modelldaten von (Rocha et al.,1996) für strukturierte Packungen (gestrichelte
Kurven).
Die flüssigkeitsseitigen Stoffübergangskoeffizienten der betrachteten strukturierten
4.8 Flüssigkeitsseitiger Stofftransport 103
Packung sind größer als die des Einzeldrahts, zeigen aber eine ähnliche Abhängigkeit
von der Flüssigkeitsbelastung. Im Gegensatz zum Einzeldraht nehmen die Stoff-
übergangskoeffizienten nach dem Modell von Rocha et al. (1996) mit zunehmender
Gasbelastung ab. Die Ursache liegt in der Definition der Kontaktzeit im auf der Pene-
trationstheorie basierenden Modell. Diese wird mit einer charakteristischen Länge der
Packung und der effektiven Flüssigkeitsgeschwindigkeit gebildet (s. Gl.
(2.83)
). Da
die Flüssigkeitsgeschwindigkeit mit zunehmender Gasbelastung aufgrund des Impul-
stransports über die Phasengrenze abnimmt (der Flüssigkeitsinhalt steigt), erhöht sich
die Kontaktzeit und die Stoffübergangskoeffizienten sinken. Es ist jedoch kritisch zu
hinterfragen, ob die vorhergesagten Verläufe realistisch sind, da eine Intensivierung
des Stoffübergangs durch den erhöhten Impulsaustausch mit der Gasströmung im
Modell nicht berücksichtigt wird.
In Abb. 4.38 ist die Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit in Abhängig-
keit vom Flüssigkeitsvolumenstrom bei verschiedenen Gasbelastungen dargestellt.
Zum Vergleich sind experimentelle Daten von Absorptionsversuchen an einem zy-
lindrischen Draht mit einem Durchmesser von
0,9mm
von Chinju et al. (2000) dem
Diagramm hinzugefügt, die entsprechend umgerechnet wurden (s. Anhang B). Die
Versuche von Chinju et al. (2000) wurden bei niedrigeren Flüssigkeitsvolumenströmen
durchgeführt, dennoch scheinen die Ergebnisse einem gemeinsamen Trend zu folgen.
Bei steigender Gasbelastung ergeben sich aufgrund zunehmender flüssigkeitsseitiger
Stoffübergangskoeffizienten (s. Abb. 4.37) niedrigere HTU f-Werte.
Einen Vergleich Drahtbündelder experimentellen Ergebnisse der flüssigkeitsseitigen Stoffüber-
gangskoeffizienten von zylindrischem Einzeldraht und Drahtbündel zeigt Abb. 4.39. Es
wird deutlich, dass sich die Ergebnisse beider Konfigurationen, anders als beim gassei-
tigen Stoffübergang (s. Abb. 4.35), kaum unterscheiden. Man kann daraus schließen,
dass sich die Filme an benachbarten Drähten gegenseitig nicht beeinflussen.
Generell kann festgestellt werden, dass flüssigkeitsseitiger wie auch gasseitiger
Stoffübergang bei der Filmströmung an Drähten gegenüber ebenen Filmen verbes-
sert sind. Hohe Stoffübergangskoeffizienten werden in technischen Anwendungen
allgemein angestrebt, weil dadurch die Abmessungen der Apparate verringert werden
können. Zur Berechnung der Trennleistung einer Drahtbündelpackung muss jedoch
neben den Stoffübergangskoeffizienten auch die Packungsgeometrie berücksichtigt
werden, dieser Aspekt wird im folgenden Kapitel behandelt.
104 4 Ergebnisse
0
0,4
0,8
1,2
0 250 500 750 1000
Flüssigkeitsvolumenstrom Vf,D in mL/min
2,4
4,0
6,4
Chinju (0,03)
FK in Pa0,5
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
CO2-Wasser/Luft
he einer Übergangseinheit HTUf in m
Abb. 4.38:
Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit in Abhängigkeit vom
Flüssigkeitsvolumenstrom für verschiedene Gasbelastungen. Vergleich mit Ergebnissen
von Chinju et al. (2000).
0
0,0001
0,0002
0,0003
0 2 4 6 8
Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient
βf in m/s
Gasbelastung FK in Pa0,5
Bf,D in m3/(m h) 0,19 0,570,38 0,76
ϑ = 20 °C
CO2-Wasser/Luft
Einzeldraht
Drahtbündel
Abb. 4.39:
Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen von zylindrischem Einzeldraht
und Drahtbündel.
4.9 Vorhersage der Charakteristik der Drahtbündelpackung 105
4.9 Vorhersage der Charakteristik der Drahtbündelpackung
Zur Erzielung einer für technische Anwendungen ausreichend hohen spezifischen
Packungsoberfläche muss eine bestimmte Packungsdichte der Drähte gewählt wer-
den. In Abb. 4.40
Filmoberfläche
sind sowohl die trockenen spezifischen Packungsoberflächen als
auch die vorhergesagten effektiven spezifischen Filmoberflächen in Abhängigkeit
von der Flüssigkeitsbelastung einer Packung aus zylindrischen Drähten mit einem
Durchmesser von
dD= 1 mm
für verschiedene Packungsdichten (siehe auch Tab. 3.5)
dargestellt. Die Daten wurden aus den Einzeldrahtmessungen bestimmt, die spezifi-
schen Oberflächen wurden nach Gl.
(3.52)
und Gl.
(3.53)
, die Flüssigkeitsbelastung
der Packung nach Gl.
(3.54)
berechnet. Da die spezifischen Filmoberflächen keine
Abhängigkeit von der Gasbelastung aufweisen, wurden die Mittelwerte im Bereich
FK= 0 Pa0,5
bis
6,4Pa0,5
gebildet. Man erkennt, dass die spezifischen Filmoberflächen
mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung ansteigen und deutlich größer sind als die
trockene Packungsoberfläche, was sich direkt aus den Ergebnissen der Einzeldraht-
messungen ergibt (Abb. 4.25). Bei strukturierten Packungen hingegen überschreitet
die effektive Filmoberfläche die trockene Packungsoberfläche nicht. Neuere Ergebnis-
se zeigen, dass die Abhängigkeit von der Flüssigkeitsbelastung bei herkömmlichen
strukturierten Packungen weitaus weniger ausgeprägt ist, als für die Drahtbündel-
packung prognostiziert wird (Aferka et al.,2011). Dieses unterschiedliche Verhalten
lässt sich mit den vorwiegend als eben zu betrachtenden Flächen einer strukturierten
Packung erklären, auf denen ein Film bei Erhöhung seiner Dicke aus geometrischer
Sicht keine Änderung der Oberfläche erfährt.
In Abb. 4.41 Gasseitige
Trennleistung
ist die Höhe der gasseitigen Übergangseinheiten in Abhängigkeit von
der Gasbelastung für Wasser und die PVP-Lösungen bei verschiedenen Flüssigkeitsbe-
lastungen für eine Packung aus zylindrischen Drähten mit einer Packungsdichte von
62 5001/m2
dargestellt. Mit zunehmender Gasbelastung erhöhen sich die
HTU g
-Werte.
Dies resultiert aus der Tatsache, dass die gasseitigen Stoffübergangskoeffizienten
von der Gasleerrohrgeschwindigkeit mit einem Exponenten
<1
abhängen (Exponent
nach Bravo et al. (1985):
0,8
;s.Gl.
(2.80)
), während die Gasleerrohrgeschwindigkeit
im Zähler der Definitionsgleichung von
HTU g
auftritt. Bei steigender Flüssigkeitsbe-
lastung verringern sich die
HTU g
-Werte aufgrund der zunehmenden Filmoberfläche
und steigender Stoffübergangskoeffizienten. Aus dem gleichen Grund sinken die
HTU g
-Werte mit zunehmender Viskosität der Flüssigkeit. Zwar verringern sich die
gasseitigen Stoffübergangskoeffizienten mit höherer Viskosität, allerdings wirkt sich
hier die Zunahme der Filmoberfläche stärker aus. Anders betrachtet bedeutet dies,
dass der volumetrische Stoffübergangskoeffizient
βg·af,P
mit zunehmender Viskosität
der Flüssigkeit steigt.
Abb. 4.42 zeigt die Höhe der gasseitigen Übergangseinheiten für Wasser im Ver-
gleich mit dem Modell von Rocha et al. (1996) für eine strukturierte Packung (
aP=
106 4 Ergebnisse
0
100
200
300
400
0 50 100 150 200
Flüssigkeitsflächenbelastung vf,P in m3/(m2 h)
Spezifische Filmoberfläche af,P in m2/m3
40 000
62 500
72 200
zP in 1/m2
zP = 72 200 1/m2
62 500
40 000
Wasser
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
FK = 0 bis 6,4 Pa0,5
Abb. 4.40:
Vorausberechnung der spezifischen Filmoberfläche einer Drahtbündelpa-
ckung aus zylindrischen Drähten mit unterschiedlicher Packungsdichte in Abhängigkeit
von der Flüssigkeitsbelastung (Gestrichelte Linien: Trockene spezifische Packungsober-
fläche).
196 m2/m3, θ = 45°
), sowie mit experimentellen Daten der
HTU og
-Werte einer struktu-
rierten Packung, Ralu Pack 250YC (
aP= 250 m2/m3, θ = 45°
) (aus Ma´
ckowiak (1999)).
Für die strukturierte Packung nach Rocha et al. (1996) wurde eine spezifische Pa-
ckungsoberfläche gewählt, die jener der Drahtbündelpackung bei der gegebenen
Packungsdichte entspricht. Der dargestellte Bereich der strukturierten Packungen
erstreckt sich bis zur Flutgrenze. Man erkennt, dass der vorhergesagte Bereich der
Gasbelastung der Drahtbündelpackung deutlich höher liegt als jener der strukturier-
ten Packungen. Die höheren
HTU g
-Werte der Drahtbündelpackung zeigen jedoch,
dass die Trennleistung schlechter ist als die der strukturierten Packung vergleichbarer
spezifischer Packungsoberfläche. Dies liegt nicht an den gasseitigen Stoffübergangsko-
effizienten, die, wie bereits vorgestellt, höher sind, sondern an der Strömungsführung
der Gaskanäle in der strukturierten Packung: Die verschränkten Blechlagen bilden sich
schräg kreuzende halboffene Kanäle, wodurch es durch den Verschränkungswinkel
zu höheren effektiven Gasgeschwindigkeiten gegenüber den geradlinigen vertikalen
Strömungskanälen der Drahtbündelpackung kommt. Daraus resultieren letztendlich
höhere Stoffaustauschraten und eine bessere Trennleistung. Dieser Effekt lässt sich
auch bei strukturierten Packungen mit unterschiedlichen Verschränkungswinkeln
beobachten. So sind viele Packungen alternativ zum üblichen Winkel von
45°
(Y-Form)
mit einem Verschränkungswinkel von
60°
(X-Form) gegenüber der Horizontalen er-
4.9 Vorhersage der Charakteristik der Drahtbündelpackung 107
0
0,2
0,4
0,6
0 2 4 6
Gasbelastung FP in Pa0,5
he einer Übergangseinheit HTUg in m
vf,P in m3/(m2 h)
Wasser
PVP3
PVP6
37,5 150
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
zP = 62500 1/m2
Abb. 4.41:
Vorausberechnung der Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit in Abhän-
gigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeiten und Flüssigkeitsbelastun-
gen bei gegebener Packungsdichte.
hältlich. Diese besitzen eine geringere Trennleistung bei gleichzeitig niedrigerem
Druckverlust (Oluji´
c et al.,1999,2007). Die experimentellen Werte der Trennleistung
für die Ralu Pack 250YC Packung zeigen ein Verhalten, welches mit dem Modell von
Rocha et al. (1996) nicht vorhergesagt werden kann. Oberhalb der Staugrenze ver-
bessert die intensive Interaktion der Phasen die Trennleistung, was sich in sinkenden
HTU g-Werten ausdrückt.
In Abb. 4.43
Flüssigkeits-
seitige
Trennleistung
ist die vorhergesagte Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangsein-
heit dargestellt. Zusätzlich sind Daten einer strukturierten Packung (
aP= 196m2/m3
,
θ= 45°
) nach dem Modell von Rocha et al. (1996) angegeben. Anders als bei den
gasseitigen
HTU g
-Werten stimmen die flüssigkeitsseitigen Trennleistungen in den
Wertebereichen überein, auch wenn bei der Drahtbündelpackung höhere Gasbelastun-
gen erreicht werden und die Abhängigkeit von der Gasbelastung entgegengesetzt ist.
Im Gegensatz zur Gasströmung folgt die Flüssigkeit bei einer strukturierten Packung
weniger stark der durch die schrägen Strömungskanäle vorgegebenen Richtung, so
dass die Abweichung der Fließrichtung von der Vertikalen weniger ausgeprägt ist
(Shetty und Cerro,1997). Die Trennleistung sinkt naturgemäß mit zunehmender
Flüssigkeitsbelastung, weil die Verweilzeit der Flüssigkeit in der Packung abnimmt.
Allerdings verringert sich die Trennleistung bei der Drahtbündelpackung nicht im
gleichen Maße wie bei der strukturierten Packung, weil bei dieser die Filmoberfläche
108 4 Ergebnisse
0
0,2
0,4
0,6
0 2 4 6
Rocha
Gasbelastung FP in Pa0,5
he einer Übergangseinheit HTUg in m
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
zP = 62500 1/m2
Wasser
Ralu Pack 250YC
HTUog
vf,P = 10 m3/(m2 h)
vf,P in m3/(m2 h)
37,5
75
150
37,5
75
150 m3/(m2 h)
vf,P
Abb. 4.42:
Vorausberechnung der Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit in Abhän-
gigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen bei gegebener
Packungsdichte. Vergleich mit Literaturdaten (Ma´
ckowiak,1999) und dem Modell von
Rocha et al. (1996).
mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung deutlich ansteigt, während sie sich bei jener
nur geringfügig ändert. Da die flüssigkeitsseitigen Stoffübergangskoeffizienten mit
zunehmender Gasbelastung ansteigen, sinken die
HTU f
-Werte. Die
HTU f
-Werte der
strukturierten Packung steigen jedoch mit zunehmender Gasbelastung, weil die vor-
ausberechneten flüssigkeitsseitigen Stoffübergangskoeffizienten sinken (s. Abb. 4.37).
In Tab. 4.1
Drahtgeome-
trie
sind die vorausberechneten Eigenschaften einer Drahtbündelpackung
aus den untersuchten Drahtgeometrien für eine Packungsdichte von
40 0001/m2
auf-
gelistet. Aufgrund der Abmessungen der Ketten können sie nicht so dicht gepackt
werden wie die zylindrischen Drähte. Zum Vergleich wurden Daten einer kommerziel-
len Packung (Montz B1-250) hinzugefügt. Man erkennt, dass die Ketten bei gleicher
Packungsdichte eine deutlich höhere trockene Packungsoberfläche
aP
aufweisen als
der zylindrische Draht, allerdings ist der Lückengrad der Packung bei den Ketten
kleiner. Mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung
vf,P
steigt die Filmoberfläche deutlich
an. Im Fall der Gourmettekette ist die effektive Filmoberfläche jedoch geringer als
die trockene Oberfläche. Dies ergibt sich direkt aus den Ergebnissen der Einzeldraht-
untersuchungen. Im Vergleich mit der strukturierten Packung zeigt sich, dass mit
den Drahtbündelpackungen der verschiedenen Geometrien ähnlich hohe spezifische
4.9 Vorhersage der Charakteristik der Drahtbündelpackung 109
0
0,4
0,8
1,2
0 2 4 6
Gasbelastung FP in Pa0,5
he einer Übergangseinheit HTUf in m
Zyl. Draht
ϑ = 20 °C
zP = 62500 1/m2
CO2-Wasser
vf,P in m3/(m2 h)
37,5
75
150
75
150
vf,P = 37,5 m3/(m2 h)
Rocha
Abb. 4.43:
Vorausberechnung der Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen bei
gegebener Packungsdichte. Vergleich mit dem Modell von Rocha et al. (1996).
Filmoberflächen erzielt werden können. Allerdings ist der Lückengrad geringer und
die Materialausnutzung, d. h. das Verhältnis von Packungsoberfläche zu Volumen des
Packungsmaterials
AP/VP
, deutlich schlechter als bei der strukturierten Packung. Das
liegt daran, dass die Bleche der strukturierten Packungen sehr dünn sind, was sich
positiv auf Materialausnutzung und den Lückengrad auswirkt. Um eine vergleichbare
Materialausnutzung zu erreichen, müsste nach Gl.
(2.46)
und Gl.
(2.47)
der Durch-
messer der Drähte der doppelten Blechdicke entsprechen. Da die Drähte dann sehr
dünn sein würden, müsste die Packungsdichte zur Erzielung einer ausreichend großen
spezifischen Packungsoberfläche weiter erhöht werden. Dies erscheint angesichts
der zunehmenden Komplexität nicht sinnvoll. Außerdem ist zu erwarten, dass es
zur Koaleszenz von Filmen an benachbarten Drähten kommt, wodurch die effektive
Filmoberfläche deutlich abnehmen würde. Vor diesem Hintergrund ist eine weitere
Optimierung der Drahtgeometrien erstrebenswert. Es ist zu untersuchen, ob mögli-
cherweise mit dünnen perforierten Blechstreifen ähnliche Fließeigenschaften wie bei
den Ketten erzielt werden können.
Abb. 4.44 zeigt die vorausberechneten gasseitigen
HTU g
-Werte von Packungen
verschiedener Drahtgeometrien bei einer Packungsdichte von
40 0001/m2
. Daher sind
die Trennleistungen für den zylindrischen Draht deutlich geringer als bei der in
Abb. 4.41 und Abb. 4.42 dargestellten höheren Packungsdichte. Da die Ketten eine
deutlich größere Oberfläche aufweisen, ist die Trennleistung bei diesen besser als
110 4 Ergebnisse
Tab. 4.1:
Eigenschaften von Drahtbündelpackungen mit unterschiedlichen Drahtgeo-
metrien bei einer Packungsdichte von 40 000 1/m2.
vf,Pin m3/(m2h)
24 96
aPεPAP/VPaf,Phf,Paf,Phf,P
m2/m3103m2/m3m2/m3 m2/m3
Zyl. Draht 126 0,97 4,0 160 0,022 195 0,048
Uhrkette 284 0,94 5,0 298 0,090 384 0,22
Gourmettekette 510 0,87 4,0 375 0,11 408 0,21
Kugelkette 222 0,91 2,6 316 0,13 338 0,17
Montz B1-250 244a0,98a12,2 244b0,04b244b0,08b
aWerte aus Oluji´
c et al. (1999)bBerechnet nach Rocha et al. (1996)
beim zylindrischen Draht. Allerdings ist die Gasleerrohrgeschwindigkeit bei gleicher
effektiver Gasgeschwindigkeit aufgrund des geringeren Lückengrads und des höheren
Flüssigkeitsinhalts bei den Ketten geringer. Die gasseitigen Trennleistungen erreichen
jedoch auch bei den Ketten nicht die der strukturierten Packung.
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0 2 4 6 8
24 vf,P in m3/(m2 h)
96
he einer Übergangseinheit HTUg in m
Gasbelastung FP in Pa0,5
Gourmettekette
Uhrkette
Kugelkette
24 96
Zyl. Draht
vf,P in m3/(m2 h)
CSSP Montz B1-250
zP = 40 000 1/m2
Abb. 4.44:
Vorausberechnung der Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit in Abhän-
gigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen und Drahtgeo-
metrien. Vergleich mit den Daten einer strukturierten Packung (s. Tab. 4.1, berechnet
nach dem Modell von Rocha et al. (1996)).
4.9 Vorhersage der Charakteristik der Drahtbündelpackung 111
Abb. 4.45a
Spez. Druck-
verlust
zeigt den vorausberechneten spezifischen Druckverlust (Gl.
(3.62)
) einer
Drahtbündelpackung aus zylindrischen Drähten in Abhängigkeit von der Gasbelastung
für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. Zum Vergleich sind die Druckverlustkurven
für eine strukturierte Packung nach Rocha et al. (1993) (
aP= 200m2/m3
,
θ= 45°
) ein-
gezeichnet. Man erkennt, dass der spezifische Druckverlust der Drahtbündelpackung
um mehr als eine Größenordnung niedriger ist als jener der strukturierten Packung.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen auch Migita et al. (2005) in ihrer Studie an einer
Drahtbündelpackung im Labormaßstab.
Abb. 4.45b
Druckverlust
per Übergangs-
einheit
zeigt den prognostizierten Druckverlust per gasseitiger Übergangsein-
heit (Gl.
(2.94)
) für die Drahtbündelpackung und die strukturierte Packung. Obwohl
1
10
100
1000
1
10
100
1000
1 10
Spezifischer Druckverlust Δp/HP
in Pa/m
Druckverlust per Übergangseinheit
Δp/NTUg in Pa
Gasbelastung FP in Pa0,5
vf,P in m3/(m2 h)
vf,P in m3/(m2 h) 24 0
48
96
24
48
96
vf,P in m3/(m2 h)
48
96
24
0
DBP
DBP
CSSP
CSSP
DBP: Zyl. Drähte
zP = 40 000 1/m2
aP = 125 m2/m3
CSSP: aP = 200 m2/m3
(a)
(b)
Abb. 4.45:
Vorhersage des spezifischen Druckverlusts (a) und des Druckverlusts per
gasseitiger Übergangseinheit (b) in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiede-
ne Flüssigkeitsbelastungen für die Drahtbündelpackung (DBP) und eine strukturierte
Packung (CSSP) (nach Rocha et al. (1993)).
die gasseitigen
HTU g
-Werte der Drahtbündelpackung, wie bereits gezeigt wurde,
höher sind als bei der strukturierten Packung, ist der Druckverlust, der über der
112 4 Ergebnisse
Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit abfällt, um eine Größenordnung niedriger.
Dies zeigt die Eignung der Drahtbündelpackungen für Anwendungen, bei denen ein
geringer Druckverlust von vorrangiger Bedeutung ist, so z.B. die Rauchgaswäsche
(geringere erforderliche Gebläseleistung) oder die Vakuumrektifikation (geringere
Sumpftemperaturen).
4.10 Fehlerbetrachtung
Um die Messunsicherheit
Fehlerfort-
pflanzung
einer indirekt bestimmten Größe abschätzen zu können,
müssen die Unsicherheiten der Einflussgrößen bekannt sein. Bei einer Größe
¯
A=f(¯x,¯y,¯z, . . .),(4.4)
die eine Funktion verschiedener, mit zufälligen und systematischen Messunsicher-
heiten behafteten Eingangsgrößen
x,y,z, . . .
ist, berechnet sich die wahrscheinlichste
Messunsicherheit der Ausgangsgröße (Gauß’sches Fehlerfortpflanzungsgesetz) als
∆A =A
x ∆x2
+A
y ∆y2
+A
z ∆z2
+. . ., (4.5)
wobei
∆x
,
∆y
und
∆z
die Messunsicherheiten der Eingangsgrößen sind. Dabei wird
vorausgesetzt, dass die Eingangsgrößen vollständig voneinander unabhängig sind
und deren Fehler sich mit einer Gauß’schen Normalverteilung beschreiben lassen
(s. Gränicher (1996); Lozano-Aviles (2007)). Im Folgenden werden vereinfachende
Rechenregeln vorgestellt.
Bei Summen und Differenzen
Summen,
Differenzen
ist die absolute Messunsicherheit der Ausgangsgröße
gleich der Wurzel aus der Summe der Quadrate der absoluten Messunsicherheiten
der Eingangsgrößen. Für
A=f(x,y) = x+ybzw. A=f(u,v) = uvergibt sich (4.6)
∆A =(∆x)2+ (∆y)2bzw. ∆A =(∆u)2+ (∆v)2.(4.7)
Bei Produkten oder Quotienten
Produkte,
Quotienten
ist die relative Messunsicherheit der Ausgangsgröße
gleich der Wurzel der Summe der Quadrate der relativen Messunsicherheiten der
Eingangsgrößen. Für
A=f(x,y,z) = x·y/z ergibt sich (4.8)
4.10 Fehlerbetrachtung 113
∆A
¯
A=∆x
¯x2
+∆y
¯y2
+∆z
¯z2
.(4.9)
Bei Produkten mit potenzierten Eingangsgrößen
Produkte mit
Potenzen
ist die relative Messunsicherheit
der Ausgangsgröße gleich der Wurzel der Summe der quadrierten Produkte der
relativen Messunsicherheiten der Eingangsgrößen mit ihren Potenzen. Für
A=f(x,y,z) = xa·yb/zcergibt sich (4.10)
∆A
¯
A=a·∆x
¯x2
+b·∆y
¯y2
+c·∆z
¯z2
.(4.11)
Bei den Druckverlustmessungen
Druckverlust
lässt sich der Differenzdruck am Betz-Manometer
mit einer Genauigkeit von
±0,1mm
ablesen. Dies ergibt eine relative Messunsicherheit
von
(∆pK)
∆pK
=±10 %(±1,5%)bei ˙
Vg= 3 m3/h (8 m3/h).
Die Messunsicherheit bei der Bestimmung der Filmdicke
Filmdicke
ergibt sich aus den Abmessun-
gen eines Pixels in den Bildaufnahmen. Es ergibt sich eine absolute Messunsicherheit
von
∆δf=±10,3µm
. Daraus ergibt sich für einen Bereich der Filmdicke von
100µm
bis 1800 µm eine relative Messunsicherheit von
∆δf
¯
δf
=±0,6% bis ±10 %.
Für die Perlengeschwindigkeit
Perlen-
geschwindig-
keit
ergibt sich bei einer Wegstrecke von
s= 120 mm
und
einer absoluten Messunsicherheit von
∆s = 6 mm
(Unsicherheit bei der Positionser-
fassung der Objekte) eine relative Messunsicherheit der Wegstrecke von
5,0%
. Die
absolute Messunsicherheit des Zeitintervalls der Messung bei einer Aufnahmerate von
fR= 1000 Hz
ist
∆τ = 0,001 s
. Bei einer Perlengeschwindigkeit von
wPerl = 1000 mm/s
ergibt sich das Zeitintervall für die Erfassung einer Perle zu
0,12 s
. Somit ist die
relative Messungenauigkeit der Perlengeschwindigkeit
∆wPerl
¯wPerl
=∆s
¯s2
+∆τ
¯τ2
=±5%.
114 4 Ergebnisse
Die Messunsicherheit der Filmoberfläche
Filmoberfläche
ergibt sich hauptsächlich aus der Messun-
sicherheit der Filmdicke und der Drahtlänge. Untersuchungen haben gezeigt, dass der
Einfluss der Messunsicherheiten der Perlengeschwindigkeit vernachlässigt werden
kann. So wird die absolute Messunsicherheit der spezifischen Filmoberfläche beim
zylindrischen Draht als
˜af,D= 2π∆δf(4.12)
berechnet. Bei einer spezifischen Filmoberfläche von
4000 mm2/m
ergibt sich für den
zylindrischen Draht eine relative Messunsicherheit von
˜af,D
¯
˜af,D
=±1,6%.
Da bei den Ketten die Filmoberfläche mit geometrischen Körpern angenähert wurde,
ist mit einer höheren systematischen Messunsicherheit zu rechnen als beim zylindri-
schen Draht. Die relative Messunsicherheit der spezifischen Filmoberfläche bei den
Ketten wird daher mit ±5% angenommen.
Für die Messunsicherheit der Filmlänge von
1036 mm
bzw.
1090mm
(Drahtbündel)
wird mit
±10 mm
angenommen (Schwankung des Flüssigkeitsfüllstands). Damit ergibt
sich die relative Unsicherheit der Filmlänge zu
±1%
. Somit erhält man eine relative
Messunsicherheit der absoluten Filmoberfläche von
∆Af,D
¯
Af,D
=˜af,D
¯
˜af,D2
+∆LD
¯
LD2
=±2% (Zyl. Draht),±5% (Ketten).
Die Messunsicherheit für den aus der Filmdicke ermittelten Hold-up
Hold-up
für den zylin-
drischen Draht wird über die Änderung der Filmquerschnittsfläche bei Variation der
Filmdicke abgeschätzt:
HU f,D= 2π(RD+¯
δf,D)∆δf.(4.13)
Für den Hold-up ergibt sich dann eine relative Messunsicherheit von
HU f,D
HU f,D
=±8% für HU f,D= 500 mm3/m,¯
δf,D= 140 µm,
bzw.
HU f,D
HU f,D
=±5% für HU f,D= 1000 mm3/m,¯
δf,D= 250 µm.
Die Messunsicherheit des Hold-up nach der Ablaufmethode wird maßgeblich durch den
4.10 Fehlerbetrachtung 115
sich tatsächlich einstellenden Unterschied der Flüssigkeitsstände im Sammelröhrchen
und Vorlagebehälter im laufenden Betrieb vorgegeben (s. Abb. 3.10). Gegenüber
diesem Einfluss sind andere Messunsicherheiten vernachlässigbar. Beobachtungen
haben gezeigt, dass sich für niedrigviskose Flüssigkeiten wie Wasser und Ethanol
Differenzen der Flüssigkeitsstände von maximal
∆h =±1mm
nach dem Abschalten
ergeben. Mit dem Innendurchmesser des Sammelröhrchens von
d2= 8 mm
ergibt sich
somit die absolute Messunsicherheit des Hold-up:
HU f,D=∆Vf
LD
, ∆Vf=π
4d2
2∆h. (4.14)
Die relative Messunsicherheit bei der Abschaltmethode ist dann
HU f,D
HU f,D
=±10 %(±5%)für HU f,D= 500 mm3/m (1000 mm3/m).
Für das Taupunktmessgerät
Partialdruck
Wasser
wird eine Messgenauigkeit von
∆ϑTP =±0,25 C
ange-
geben. Die daraus resultierende Ungenauigkeit des Dampfdrucks erhält man über die
Ableitung der Dampfdruckgleichungen (3.2) und (3.3):
∆p
A=26 182,4 exp ( 17,62ϑ
243,12+ϑ)
(ϑ+ 243,12)2∆ϑTP (Wasser) und (4.15)
∆p
A=37 424,1 exp ( 22,46ϑ
272,62+ϑ)
(ϑ+ 272,62)2∆ϑTP (Eis).(4.16)
Es ergibt sich für einen Temperaturbereich von
20 C
bis
20C
eine relative Messun-
sicherheit von
∆p
A/¯p
A=±2,4%
bis
±1,8%
. Bei Annahme einer Messunsicherheit des
absoluten Drucks im Taupunktmessgerät von
1%
ergibt sich eine relative Messunsi-
cherheit des Molanteils ∆yA/¯yA=±2,6% bis ±1,8%.
Der Gasvolumenstrom
Gasvolumen-
strom
lässt sich am Schwebekörperdurchflussmesser mit einer
Genauigkeit von
˙
Vg= 0,2m3/h
ablesen, daraus ergibt sich für einen Bereich von
3m3/h
bis
8m3/h
eine relative Messunsicherheit von
˙
Vg/¯
˙
Vg=±6,7%
bis
±2,5%
.
Unter der Annahme einer relativen Messunsicherheit der Gastemperatur von
±0,2%
und des Drucks von
±2%
ergibt sich eine relative Messunsicherheit des in den Kanal
eintretenden Gasmolenstroms von ˙
Ng,ein/¯
˙
Ng,ein =±7% bis ±3,2% (s. Gl. (3.14)).
Die relative Messunsicherheit des übergehenden Molenstroms
Übergehender
Stoffstrom
Wasser
lässt sich somit
gemäß Gl.
(3.13)
aus der Messunsicherheit des eintretenden Gasmolenstroms und der
116 4 Ergebnisse
Molanteile am Ein- und Austritt abschätzen:
˙
NA
¯
˙
NA
= 7,9%(4,8%)bei ˙
Vg= 3 m3/h (8 m3/h).
Die Temperaturen von Flüssigkeit
Logarithmische
Partialdruck-
differenz
und Gas am Ein- und Ausgang des Kanals
werden mit einer Messunsicherheit von
±0,5C
gemessen. Daraus ergibt sich ei-
ne Messunsicherheit der Dampfdrücke an der Filmoberfläche gemäß Gl.
(4.15)
von
±3,6%
. Die Messunsicherheiten der Differenz von Dampfdruck an der Filmoberfläche
und dem mittleren Partialdruck in der Gasphase am Ein- und Ausgang des Kanals
∆pein = (pA0 pA)ein
und
∆paus = (pA0 pA)aus
lassen sich nach Gl.
(4.7)
wie folgt
bestimmen:
(∆pein) = (∆pA0,ein)2+ (∆pA,ein)2, (∆paus) = (∆pA0,aus)2+ (∆pA,aus)2.(4.17)
Für die Messunsicherheit der logarithmischen Partialdruckdifferenz ergibt sich nach
Gl. (4.5)
(∆pA,ln) = ∆pA,ln
∆pein 2
((∆pein))2+∆pA,ln
∆paus 2
((∆paus))2(4.18)
mit
∆pA,ln
∆pein
=
∆pein ln ∆pein
∆paus ∆pein +∆paus
∆pein ln ∆pein
∆paus 2(4.19)
und
∆pA,ln
∆paus
=
∆paus ln ∆pein
∆paus ∆pein +∆paus
∆paus ln ∆pein
∆paus 2.(4.20)
Somit ergibt sich eine relative Messunsicherheit der logarithmischen Partialdruckdif-
ferenz von
(∆pA,ln)
∆pA,ln
=±2%.
Die Messunsicherheit des gasseitigen Stoffübergangskoeffizienten
Gasseitiger
Stoffübergangs-
koeffizient
ergibt sich dem-
4.10 Fehlerbetrachtung 117
nach zu
∆βg
¯
βg
=
˙
NA
¯
˙
NA2
+∆R
¯
R2
+∆Tg
¯
Tg2
+∆Af,D
¯
Af,D2
+(∆pA,ln)
∆pA,ln 2
,(4.21)
∆βg
¯
βg
=±8,5%(±5,7%)bei ˙
Vg= 3 m3/h (8 m3/h).
Bei einer Unsicherheit des Diffusionskoeffizienten
Gasseitige
Sherwoodzahl
von
∆DAB,g/¯
DAB,g=±1%
(Fuller
et al.,1966) und einer angenommenen relativen Messunsicherheit der Kanalbreite
von ∆bK/¯
bK=±2,5% ergibt sich für die gasseitige Sherwoodzahl:
Shg
¯
Shg
=±8,9%(±6,3%)bei ˙
Vg= 3 m3/h (8 m3/h).
Die Messunsicherheit der
HTU g
-Werte
Höhe einer
gasseitigen
Übergangs-
einheit
hängt nicht direkt von der Messunsicherheit
des Gasvolumenstroms ab, es ergibt sich
HTU g
HTU g
=±4,5%.
Die Messunsicherheit der Gasbelastung Gasbelastungergibt sich zu
∆F
¯
F=
˙
Vg
˙
Vg2
+2∆bK
bK2
+1
2
∆ρg
ρg2
,(4.22)
∆F
¯
F=±8,3%(±5,6%)bei ˙
Vg= 3 m3/h (8 m3/h).
Für die Reynoldszahl der Gasphase
Gas-Reynolds-
zahl
ergibt sich unter Annahme der relativen Mes-
sunsicherheit der kinematischen Gasviskosität von ∆νg/¯νg=±0,5%:
Reg
¯
Reg
=±7,1%(±3,6%)bei ˙
Vg= 3 m3/h (8 m3/h).
Die Messunsicherheit der Flüssigkeitsbelastung
Flüssigkeits-
belastung
ergibt sich aus der Messunsicherheit
des Flüssigkeitsvolumenstroms von
±2%
und der Toleranz des Drahtdurchmessers
von ±1%:
∆Bf,D
¯
Bf,D
=±2,2%.
118 4 Ergebnisse
Bei einer Annahme der Unsicherheit
Flüssigkeits-
Reynoldszahl
der kinematischen Viskosität der Flüssigkeit von
±0,5% ist die relative Messunsicherheit der Flüssigkeits-Reynoldszahl
Ref
¯
Ref
=±2,3%.
Die Messung der
CO2
-Konzentration
Flüssigkeits-
seitiger
Stoffübergangs-
koeffizient
erfolgt mit einer Genauigkeit von
±2%
(
CO2
-
Konzentration des Prüfgases zur Kalibrierung des Messgerätes:
(4000 ±80) ppm
). Die
Messunsicherheit des flüssigkeitsseitigen Stoffübergangskoeffizienten ergibt sich
unter der Annahme einer Messunsicherheit des Probenvolumens von
±0,2%
, des
Flüssigkeitsvolumenstroms am Draht von
±2%
, der Differenz der Ein- und Ausgangs-
konzentration von
±2,5%
, der Filmoberfläche von
±1,6%
und der logarithmischen
Konzentrationsdifferenz von ±2,0% zu
∆βf
¯
βf
=±4,1%.
Die relative Messunsicherheit der Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit
Höhe einer flüs-
sigkeitsseitigen
Übergangsein-
heit
ist:
HTU f
HTU f
=±4,6%.
Die Fehleranalyse zeigt, dass die Messunsicherheiten klein genug sind, um die Er-
gebnisse verlässlich interpretieren zu können. Da die größten Messunsicherheiten bei
der Messung des Gasvolumenstroms auftreten, wäre es zur Erhöhung der allgemeinen
Messgenauigkeit sinnvoll, eine genauere Messmethode zu finden (z.B. durch den
Einsatz eines elektronischen Massendurchflussmessgerätes), zumal diese Größe auch
in die Berechnung weiterer Größen eingeht.
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zur Untersuchung des Konzeptes einer Drahtbündelpackung für Trennkolonnen wur-
den grundlegende experimentelle Untersuchungen zur Fluiddynamik und zum Stoff-
transport der Filmströmung an senkrechten Drähten bei Gasgegenstrom durchgeführt.
Hierfür wurden in einem Versuchskanal Drähte verschiedener Geometrien und ein
Drahtbündel aus
16
Drähten mit unterschiedlichen Flüssigkeiten berieselt. Der Flüssig-
keitsfilm wurde mit einer Hochgeschwindigkeitskamera bei verschiedenen Lauflängen
aufgenommen. Aus den Bildsequenzen wurden mithilfe automatisierter Bildauswer-
tungsroutinen die lokale Filmdicke und die mittlere Perlengeschwindigkeit ermittelt.
Zur Untersuchung des gasseitigen Stofftransports wurden Wasser und Polyvinylpyr-
rolidon-Lösungen als Flüssigkeiten verwendet. Dabei wurde die Verdunstungsrate
der Flüssigkeiten mittels eines Taupunkthygrometers gemessen. Der flüssigkeits-
seitige Stofftransport wurde über Desorptionsversuche mit dem Stoffsystem
CO2
-
Wasser/Luft bestimmt. Aus bestehenden Korrelationen für strukturierte Packungen
wurden Modellgleichungen abgeleitet, die eine Vorhersage der Charakteristik einer
Drahtbündelpackung aus den experimentellen Ergebnissen der Einzeldrahtuntersu-
chungen ermöglichen.
Es zeigte sich, dass sich hohe Gasbelastungen erreichen lassen, welche deutlich
oberhalb der Belastungsgrenzen üblicher strukturierter Packungen liegen. Bei einem
zylindrischen Draht bilden sich aufgrund der Rayleigh-Instabilität Flüssigkeitsperlen
aus, die über einen dünnen Basisfilm laufen. Dabei sind, abhängig vom Stoffsystem und
der Flüssigkeitsbelastung, sowohl regelmäßige als auch unregelmäßige Perlenstruktu-
ren zu beobachten. Die Dicke des Basisfilms wird hauptsächlich von der Viskosität
der Flüssigkeit bestimmt, während die Perlendicke mit zunehmender Flüssigkeits-
und Gasbelastung ansteigt. Zusätzlich ist bei einem Anstieg der Gasbelastung eine
Abnahme der Perlenfrequenz zu beobachten. Aus diesen Beobachtungen lässt sich
schließen, dass mit zunehmender Gas- und Flüssigkeitsbelastung ein größerer Anteil
des Flüssigkeitsvolumens in den Perlen transportiert wird. Bei einem Anstieg der
Gasbelastung werden die Perlen verformt und der Abstand zwischen ihnen vergrößert
sich. Der Hold-up erhöht sich mit zunehmender Viskosität der Flüssigkeit und der
Flüssigkeitsbelastung aufgrund steigender mittlerer Filmdicken. Ein Aufstauen der
Flüssigkeit bei zunehmender Gasbelastung konnte nicht beobachtet werden, dies ent-
spricht dem Verhalten von Packungskolonnen unterhalb der Staugrenze. Die mittlere
Perlengeschwindigkeit steigt mit zunehmender Flüssigkeitsbelastung und abnehmen-
119
120 5 Zusammenfassung und Ausblick
der Viskosität der Flüssigkeit, sie wird aber ebenfalls nicht von der Gasbelastung
beeinflusst.
Der gasseitige Stoffübergang wird gegenüber Filmen an ebenen Oberflächen durch
die Perlenbewegung verbessert, einerseits durch die höhere Relativgeschwindigkeit
von Perlen und Gasströmung, andererseits durch die von der starken Welligkeit des
Films geförderte Turbulenz in der Gasphase. Der flüssigkeitsseitige Stoffübergang ist
gegenüber Filmen an ebenen Oberflächen ebenfalls leicht erhöht.
Durch geeignete Drahtgeometrien lässt sich die Bewegung der Perlen unterbinden.
Dies hat einerseits höhere Belastungsgrenzen, andererseits geringere Stoffübergangs-
koeffizienten zur Folge. Die Untersuchungen eines Drahtbündels aus zylindrischen
Drähten ergaben, dass die Belastungsgrenzen gegenüber den Einzeldrahtmessungen
reduziert sind, während der gasseitige Stoffübergang erhöht ist, der flüssigkeitsseitige
Stoffübergang bleibt hingegen unverändert. Diese Beobachtungen lassen sich mit
den gewundenen Gaspassagen zwischen den Flüssigkeitsfilmen erklären, in denen
die effektive Gasgeschwindigkeit erhöht ist, wobei sich die Filme gegenseitig nicht
beeinflussen.
Die Vorhersage der Charakteristik von Drahtbündelpackungen auf der Basis der
experimentellen Untersuchungen an Einzeldrähten und einem Drahtbündel zeigt,
dass bei einer ausreichend hohen Packungsdichte eine ähnlich hohe spezifische Stoff-
austauschfläche erreicht wird wie bei üblichen strukturierten Packungen. Es wird
vorausgesagt, dass die Drahtbündelpackung dabei höhere Belastungsgrenzen aufweist,
jedoch eine schlechtere gasseitige Trennleistung erbringt. Die Ursache ist hauptsäch-
lich die Strömungsführung der Gasphase: Während in der Drahtbündelpackung relativ
geradlinige vertikale Strömungskanäle vorliegen, sind diese in einer strukturierten Pa-
ckung aufgrund der Verschränkung der Packungslagen geneigt zur Vertikalen, so dass
sich höhere effektive Gasgeschwindigkeiten und längere Strömungswege ergeben,
wodurch die Trennleistung steigt. Bei dem flüssigkeitsseitigen Stofftransport ist die
Trennleistung der Drahtbündelpackung jedoch vergleichbar zu einer strukturierten
Packung. Die herausragenden Merkmale der Drahtbündelpackung sind jedoch der grö-
ßere Betriebsbereich und der deutlich geringere spezifische Druckverlust. Es wurde
berechnet, dass der Druckverlust, der an einer gasseitigen Übergangseinheit auf-
tritt, um eine Größenordnung geringer ist als bei einer vergleichbaren strukturierten
Packung.
Die prognostizierten Merkmale geben Hinweise auf mögliche Anwendungsgebiete
der Drahtbündelpackung. Der geringe Druckverlust per Übergangseinheit ist bei-
spielsweise vorteilhaft bei der Rektifikation von temperaturempfindlichen Stoffen,
weil dadurch eine niedrige Sumpftemperatur eingestellt werden kann. Des Weiteren
ergeben sich Möglichkeiten der Energieeinsparung bei Absorptionsprozessen, weil
durch den niedrigen Druckverlust Gebläseleistung eingespart werden kann. Bei einer
Trennaufgabe, die nur wenige Übergangseinheiten erfordert, lässt sich der Kolon-
121
nendurchmesser durch den Einsatz einer Drahtbündelpackung aufgrund ihrer hohen
Belastbarkeit reduzieren, wodurch Investitionskosten eingespart werden. Eine weitere
mögliche Anwendung ist die Aufbereitung von hochviskosen Flüssigkeiten, weil es auf-
grund der offenwandigen Gaskanäle zu keiner Verblockung kommen kann. Es ist auch
denkbar, die Drahtbündelpackung bei Flüssigkeiten einzusetzen, die zum Schäumen
neigen, weil sich keine Flüssigkeitslamellen zwischen den Drähten aufspannen können
und damit eine Schaumbildung verhindert wird. Letztendlich ließen sich anstelle der
Drähte auch dünne Röhrchen einsetzen, die von einem Wärmeträgerfluid durchflossen
werden. Es ließe sich damit ein Fallfilmverdampfer hoher spezifischer Oberfläche
realisieren. Des Weiteren ließe sich eine Packung herstellen, in die Wärme ein- oder
ausgekoppelt werden kann. In Verbindung mit einer Katalysatorbeschichtung der
Oberfläche der Röhrchen wäre dies interessant für die Reaktivdestillation.
Es wäre sinnvoll, die Filmströmung an senkrechten Drähten mit der Particle Image
Velocimetry zu untersuchen. Dadurch ließen sich Einblicke in die Strömung innerhalb
des Films gewinnen und klären, wie Basisfilm und Perlen interagieren. Bei strukturier-
ten Drähten ließen sich zudem Totzonen lokalisieren, in denen Flüssigkeitsvolumen
zeitweise gespeichert wird. Zusätzlich sollten Untersuchungen zur Verweilzeitvertei-
lung mit Markierungssubstanzen vorgenommen werden, so dass man einen weiteren
Einblick in die innere Durchmischung des Films bekommt. Im Hinblick auf die Ausnut-
zung des Packungsmaterials erscheint es sinnvoll, weitere Geometrien zu untersuchen,
z.B. ist ein Einsatz von dünnen Blechstreifen denkbar. Des Weiteren sollte eine Seg-
mentierung der Drahtbündelpackung angestrebt werden, so dass die Montage in der
Kolonne vereinfacht wird und ein Verspannen der Drähte nicht notwendig ist.
Über den Erfolg der Drahtbündelpackung entscheidet aber letztendlich die Fra-
ge, ob es gelingt, einen brauchbaren Flüssigkeitsverteiler in technischem Maßstab
herzustellen, der eine gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit auf den Drähten ge-
währleistet. Weiterhin ist zu klären, wie die Packung hergestellt und in der Kolonne
montiert wird. Sollte es gelingen, brauchbare Lösungen für die genannten technischen
Probleme zu finden, könnte die Drahtbündelpackung angesichts ihrer vorausgesagten
Leistungsfähigkeit eine ernstzunehmende Alternative zu strukturierten Packungen
darstellen.
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Abbildungsverzeichnis
2.1
Auf ein Volumenelement wirkende Kräfte in einem Rieselfilm bei laminarer
Strömung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Konzentrationsprofile beim Stoffübergang im Rieselfilm. . . . . . . . . . . . 8
2.3
Skizze der geometrischen Verhältnisse eines Flüssigkeitsfilms an einem
berieselten zylindrischen Draht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.4 Zustandskarte nach Duprat et al. (2007). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.5 Aufbau von Packungskolonnen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.6 Flüssigkeitsfüllzahl einer Füllkörperschüttung. . . . . . . . . . . . . . . . . 23
2.7 Spezifischer Druckverlust einer Füllkörperschüttung. . . . . . . . . . . . . 25
2.8 Versuchskolonne nach Migita et al. (2005). . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
2.9 Nagaoka Super X-Pack Packung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.1 Fließbild der Versuchsanlage. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.2
Detailzeichnung der Kopf- und Bodensektion des Kanals für Einzeldrahtun-
tersuchungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.3
Detailzeichnung der Kopf- und Bodensektion des Kanals zur Untersuchung
eines Drahtbündels. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
3.4 Untersuchte Drahtgeometrien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.5 Anordnung der Drähte im Kanal bei Untersuchungen am Einzeldraht und
am Drahtbündel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
3.6 Bildsequenz des Zerfalls einer Flüssigkeitsperle. . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.7
Aufnahme des Flüssigkeitsfilms am zylindrischen Draht zur Bestimmung
der Filmdicke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.8
Zeitliches Profil der Filmdicke mit dem Schwellenwert zur Detektion der
Perlen und der mittleren Basis- und Perlenfilmdicke. . . . . . . . . . . . . . 49
3.9
Bildbereiche zur Erkennung der Perlen als diskrete Objekte zur Bestim-
mung ihrer Geschwindigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.10
Skizze zu den geometrischen Verhältnissen bei der Ermittlung des Hold-up
mit der Ablaufmethode. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.11
Sprungantwort des Vorlagebehältergewichts bei An- und Abschalten des
Flüssigkeitskreislaufs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
131
132 Abbildungsverzeichnis
3.12
Zeitlicher Verlauf der
CO2
-Konzentration im Spülgas bei der Bestimmung
des Gehalts von CO2in einer Flüssigkeitsprobe. . . . . . . . . . . . . . . . 55
3.13
Schematische Darstellung des Konzentrationsprofils im Film bei der Desorp-
tion von CO2aus Wasser. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
3.14
Modellierung des Films am zylindrischen Draht mit rotationssymmetri-
schen Volumensegmenten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.15
Festgelegte Abmessungen des Flüssigkeitsfilms an den verschiedenen
Drahtketten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
4.1
Belastungsgrenzen des zylindrischen Drahts für verschiedene Flüssigkeiten.
67
4.2 Flutgrenzen der verschiedenen Drahtgeometrien. . . . . . . . . . . . . . . 68
4.3 Vergleich der Flutgrenze des Drahtbündels mit der des Einzeldrahts. . . . 69
4.4 Flüssigkeitsaufgabe auf das Drahtbündel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
4.5
Form der Flüssigkeitsperlen am zylindrischen Draht bei unterschiedlicher
Gasbelastung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
4.6
Basisfilmdicke, Perlenfilmdicke und Perlenfrequenz am zylindrischen Draht
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Lauflängen. . . . . 72
4.7
Basisfilmdicke, Perlenfilmdicke und Perlenfrequenz am zylindrischen Draht
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelas-
tungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
4.8
Basisfilmdicke, Perlenfilmdicke und Perlenfrequenz am zylindrischen Draht
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für Paraffinöl, Ethanol und Wasser
bei verschiedenen Temperaturen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
4.9
Schematische Darstellung der Stromlinien in einer Perle mit Zirkulations-
zone. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
4.10
Zeitliches Profil der Filmdicke mit regelmäßiger und unregelmäßiger
Struktur (PVP6). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
4.11
Basisfilmdicke, Perlenfilmdicke und Perlenfrequenz am zylindrischen Draht
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für Wasser, PVP3 und PVP6. . . . . 77
4.12
Gegenüberstellung von gemessenem Perlenabstand und berechneter Wel-
lenlänge bei verschiedenen Flüssigkeiten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
4.13
Mittlere Filmdicke in Abhängigkeit von der Flüssigkeits-Reynoldszahl für
verschiedene Flüssigkeiten ohne Gasgegenstrom für den zylindrischen
Draht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
4.14
Mittlere Filmabmessung für verschiedene Drahtgeometrien in Abhängig-
keit vom Flüssigkeitsvolumenstrom. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
4.15
Perlengeschwindigkeit am zylindrischen Draht in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen von Wasser und
Ethanol. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
Abbildungsverzeichnis 133
4.16
Perlengeschwindigkeit am zylindrischen Draht in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen von Wasser und
PVP-Lösungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
4.17
Mittlere Perlengeschwindigkeit von Wasser am zylindrischen Draht in
Abhängigkeit von der Flüssigkeitsbelastung für verschiedene Eintrittstem-
peraturen und von der Lauflänge für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen.
83
4.18
Perlengeschwindigkeit am Drahtbündel in Abhängigkeit von der Gasbelas-
tung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen, verschiedene Gaseintritt-
stemperaturen sowie auf der linken und rechten Seite des Drahtbündels. . 84
4.19
Hold-up (Ablaufmethode) von Wasser und Ethanol beim zylindrischen Draht
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelas-
tungen; Anteil der Perlen am gesamten Hold-up. . . . . . . . . . . . . . . . 85
4.20
Hold-up von Wasser und PVP-Lösungen am zylindrischen Draht in Abhän-
gigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. . 86
4.21
Hold-up der Uhrkette in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschie-
dene Flüssigkeitsvolumenströme. Vergleich von gemessenen Werten mit
Daten aus der Modellberechnung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
4.22
Berechneter Hold-up, mittlere Filmdicke und Filmgeschwindigkeit für
verschiedene Drahtgeometrien in Abhängigkeit vom Flüssigkeitsvolumen-
strom (ohne Gasgegenstrom). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.23
Druckdifferenz über den Kanal in Abhängigkeit von der Gasbelastung für
verschiedene Flüssigkeitsbelastungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
4.24
Verhältnis von nassem und trockenem Widerstandsbeiwert des Kanals mit
zylindrischem Draht in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiede-
ne Flüssigkeitsbelastungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
4.25
Längenspezifische Filmoberfläche am zylindrischen Draht in Abhängig-
keit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen und
Flüssigkeiten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
4.26
Spezifische Filmoberfläche verschiedener Ketten in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsvolumenströme. . . . . . . . . . 92
4.27
Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der Gasbelas-
tung für verschiedene Flüssigkeiten und Flüssigkeitsbelastungen. Ver-
gleich experimenteller Daten mit theoretischen Werten nach der Penetra-
tionstheorie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
4.28
Sherwoodzahl für gasseitigen Stofftransport des zylindrischen Drahts in
Abhängigkeit von der Reynoldszahl der Gasphase für verschiedene Flüssig-
keiten und Flüssigkeitsbelastungen. Vergleich mit Korrelationen für Filme
in Rohren und strukturierte Packungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
134 Abbildungsverzeichnis
4.29
Bezogene Sherwoodzahl für gasseitigen Stofftransport beim zylindrischen
Draht in Abhängigkeit von der Reynoldszahl bei unterschiedlichen Eintritt-
stemperaturen der Phasen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
4.30
Ein- und Austrittstemperaturen beim zylindrischen Draht bei gleichen
Eintrittstemperaturen in Abhängigkeit von der Gasbelastung. . . . . . . . . 96
4.31
Skizze des Profils der mittleren Temperaturen über der Kanalhöhe; Skizze
der radialen Temperaturprofile im Film und in der Gasphase am Ein- und
Austritt des Kanals. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
4.32
Gasseitiger Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der Gasbelas-
tung für unterschiedliche Drahtgeometrien und Flüssigkeitsvolumenströme.
98
4.33
Sherwoodzahl der Gasphase in Abhängigkeit von der Reynoldszahl bei
unterschiedlichen Flüssigkeitsvolumenströmen für die Uhrkette und die
Kugelkette. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
4.34
Bezogene Sherwoodzahl für gasseitigen Stofftransport beim Drahtbündel
in Abhängigkeit von der Reynoldszahl bei unterschiedlichen Gaseintritt-
stemperaturen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
4.35
Sherwoodzahl der Gasphase in Abhängigkeit von der Reynoldszahl für
unterschiedliche Flüssigkeitsbelastungen für den Einzeldraht und das
Drahtbündel. Vergleich mit einer Korrelation für strukturierte Packungen. 101
4.36
Sherwoodzahl der Gasphase in Abhängigkeit von der Reynoldszahl für
unterschiedliche Flüssigkeiten beim Drahtbündel. . . . . . . . . . . . . . . 101
4.37
Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient beim zylindrischen Draht in
Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastun-
gen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4.38
Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit in Abhängigkeit vom
Flüssigkeitsvolumenstrom für verschiedene Gasbelastungen. . . . . . . . . 104
4.39
Flüssigkeitsseitiger Stoffübergangskoeffizient in Abhängigkeit von der
Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen von zylindrischem
Einzeldraht und Drahtbündel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
4.40
Vorausberechnung der spezifischen Filmoberfläche einer Drahtbündel-
packung aus zylindrischen Drähten (
dD= 1 mm
) mit unterschiedlicher
Packungsdichte in Abhängigkeit von der Flüssigkeitsbelastung. . . . . . . 106
4.41
Vorausberechnung der Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit in Ab-
hängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeiten und Flüs-
sigkeitsbelastungen bei gegebener Packungsdichte. . . . . . . . . . . . . . 107
4.42
Vorausberechnung der Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit in Abhän-
gigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen
bei gegebener Packungsdichte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
Abbildungsverzeichnis 135
4.43
Vorausberechnung der Höhe einer flüssigkeitsseitigen Übergangseinheit
in Abhängigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelas-
tungen bei gegebener Packungsdichte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
4.44
Vorausberechnung der Höhe einer gasseitigen Übergangseinheit in Abhän-
gigkeit von der Gasbelastung für verschiedene Flüssigkeitsbelastungen
und Drahtgeometrien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
4.45
Vorhersage des spezifischen Druckverlusts und des Druckverlusts per
gasseitiger Übergangseinheit in Abhängigkeit von der Gasbelastung für
verschiedene Flüssigkeitsbelastungen für die Drahtbündelpackung und
eine strukturierte Packung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
Tabellenverzeichnis
3.1 Eigenschaften der untersuchten Drahtgeometrien. . . . . . . . . . . . . . . . 42
3.2 Physikalische Eigenschaften der untersuchten Flüssigkeiten. . . . . . . . . . 44
3.3 Versuchsübersicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
3.4 Versuchsparameter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
3.5
Eigenschaften von Drahtbündelpackungen mit zylindrischen Drähten unter-
schiedlicher Abstände und Teilungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
4.1
Eigenschaften von Drahtbündelpackungen mit unterschiedlichen Drahtgeo-
metrien bei einer Packungsdichte von 40 000 1/m2. . . . . . . . . . . . . . . . 110
137
A Filmvolumen an der Kugelkette
Das Volumen eines Rotationskörpers, dessen Profil durch eine Funktion
f(x)
gegeben
ist, lässt sich berechnen mit:
V=π
b
a
(f(x))2dx. (A.1)
Mit der Sinus-Funktion in den Grenzen einer Periode ergibt sich:
V=π
l1
0
(Asin(Cx) + D)2dx. (A.2)
Durch Ausmultiplizieren ergeben sich Terme, die einzeln integriert werden:
V=π
l1
0
(A2sin2(Cx)

I
+ 2AD sin(Cx)

II
+D2

III
)dx. (A.3)
Mit
III: D2dx=D2x+ const.(A.4)
II: 2AD sin(Cx)dx=2AD
Ccos(Cx) + const.(A.5)
139
140 A Filmvolumen an der Kugelkette
I: A2sin2(Cx)dx=A2sin(Cx)

u
·sin(Cx)

v
dx
=A2(cos(Cx)
C)

u
sin(Cx)

vA2(cos(Cx)
C)

u
Ccos(Cx)

v
dx
=A2
Ccos(Cx) sin(Cx) + A2cos2(Cx)dx. (A.6)
Mit cos2+ sin2= 1 ergibt sich für Gl. (A.6)
A2sin2(Cx)dx=A2
Ccos(Cx) sin(Cx) + A2dxA2sin2(Cx)dx. (A.7)
Das Addieren beider Seiten der Gleichung mit A2sin2(Cx)dxergibt
2A2sin2(Cx)dx=A2
Ccos(Cx) sin(Cx) + A2x. (A.8)
Mit dem Additionstheorem 2 cos(x) sin(x) = sin(2x)ergibt sich:
A2sin2(Cx)dx=A2
4Csin(2Cx) + A2x
2.(A.9)
Somit erhält man insgesamt für Gl. (A.2)
V=πA2
4Csin(2Cx) + A2x
22AD
Ccos(Cx) + D2xl1
0
,(A.10)
V=πA2l1
2+D2l1A2
4Csin(2Cl1)2AD
Ccos(Cl1) + 2AD
C.(A.11)
Mit C= 2π/l1erhält man
V=πA2l1
2+D2l1A2
4Csin(4π)

=0
2AD
Ccos(2π)

=1
+2AD
C.(A.12)
Man erhält letztendlich:
V=πA2l1
2+D2l1.(A.13)
B Umrechnung der Absorptionseffizienz in
die Höhe einer Übergangseinheit
Die Absorptionseffizienz nach Chinju et al. (2000) ist definiert als:
E=ccein
ccein
,(B.1)
1E=cc
ccein
.(B.2)
Aus einer Bilanz (stationär) um den Flüssigkeitsfilm am Draht ergibt sich:
0 = ˙
Vf,Ddc+βf·˜af,D(cc)dxmit dAf,D= ˜af,Ddx, (B.3)
˙
Vf,D
βf·˜af,D

HTU f
caus
cein
1
ccdc

NTU f
=
xaus
xein
dx=HP.(B.4)
Mit der Annahme, dass
c
konstant über der Höhe ist (Vernachlässigung der Abreiche-
rung der Gasphase), ergibt sich aus dem Integral:
caus
cein
1
ccdc= ln caus c
cein c

(1E)
,(B.5)
NTU f= ln(1 E),(B.6)
HTU f=HP
NTU f
=HP
ln(1 E).(B.7)
141
C Studien- und Diplomarbeiten
Auflistung der im Zusammenhang mit dieser Forschungsarbeit am Fachgebiet Verfah-
renstechnik der Technischen Universität Berlin betreuten Studien- und Diplomarbei-
ten.
Claire Jullien:
Experimentelle Untersuchungen zur Fluiddynamik eines Flüssigkeits-
films an einem senkrechten Draht. Diplomarbeit, Berlin, Februar 2008.
Hisham Abualteen:
Fluiddynamik und Stofftransport von Flüssigkeitsfilmen an einem
senkrechten Draht in einer Gasströmung. Studienarbeit, Berlin, Oktober 2008.
Evgenij Lyagin:
Untersuchungen zum flüssigkeitsseitigen Stofftransport eines Flüs-
sigkeitsfilms an einem senkrechten Draht. Diplomarbeit, Berlin, April 2009.
Stefan Horn:
Messung des gasseitigen Stofftransportkoeffizienten an einem flüssig-
keitsüberströmten senkrechten Draht bei Gasgegenstrom. Studienarbeit, Berlin,
September 2009.
Florian Benedix:
Experimentelle Untersuchungen zum gasseitigen Stofftransport und
zur Fluiddynamik von Flüssigkeitsfilmen an einem senkrechten Draht. Studien-
arbeit, Berlin, Oktober 2010.
Tina Skale:
Experimentelle Untersuchungen des Temperatureinflusses auf den Stoff-
übergang und die Fluiddynamik eines Flüssigkeitsfilms an einem senkrechten
Draht. Diplomarbeit, Berlin, Januar 2011.
So-Jin Kim:
Untersuchung der Fluiddynamik und des Stofftransports bei der Filmströ-
mung an strukturierten Drähten. Diplomarbeit, Berlin, Februar 2011.
Marc Schröder:
Experimentelle Untersuchungen zur Fluiddynamik und zum Stoff-
transport der Filmströmung an einem senkrechten Drahtbündel. Diplomarbeit,
Berlin, September 2011.
143
D Veröffentlichungen und Vorträge
D.1 Veröffentlichungen
Grünig, J.; Kim, S.-J.; Kraume, M. (2012): Liquid film flow on structured wires: Fluid
dynamics and gas-side mass transfer. AIChE J. (akzeptiert 12. März 2012).
Grünig, J.; Lyagin, E.; Horn, S.; Skale, T.; Kraume, M. (2012): Mass transfer characte-
ristics of liquid films flowing down a vertical wire in a counter current gas flow. Chem.
Eng. Sci. 69 329–339.
Grünig, J.; Kim, S.-J.; Schröder, M.; Kraume, M.: Wire Bundles as Packing Elements
in Separation Columns. In: 6th International Berlin Workshop (IBW6) on Transport
Phenomena with Moving Boundaries, 24. 25. November 2011, Berlin.
Grünig, J.; Skale, T.; Kraume, M. (2010): Liquid flow on a vertical wire in a countercur-
rent gas flow. Chem. Eng. J. 164 121–131.
Maaß, S.; Grünig, J.; Kraume, M.: Measuring of particle size distributions in stirred
tanks. In: 7th International Conference on Multiphase Flows ICMF-2010, 30. Mai
4. Juni 2010, Tampa, FL/USA.
Grünig, J.; Horn, S.; Skale, T.; Kraume, M.: Experiments on Fluid Dynamics and Mass
Transfer of Annular Film Flow on a Vertical Wire. In: 7th International Conference on
Multiphase Flows ICMF-2010, 30. Mai 4. Juni 2010, Tampa, FL/USA.
Grünig, J.; Kraume, M. (2009): Annular Liquid Films on a Vertical Wire with Counter
Current Gas Flow - Experimental Investigations. Chem. Eng. Trans. 17 621–626.
Grünig, J.; Kraume, M.: Film Flow on a Vertical Wire - Experimental Investigation of
Fluid Dynamics and Mass Transfer. In: Czasopismo Techniczne Mechanika z. 5-M/2008,
7. 9. Oktober 2008, Krakau/Polen.
Maaß, S.; Grünig, J.; Horn, S.; Kraume, M.: Measurement techniques for drop size
distributions in stirred and fast coalescing liquid/liquid systems. In: Czasopismo Tech-
niczne Mechanika z. 5-M/2008, 7. 9. Oktober 2008, Krakau/Polen.
Grünig, J.; Kraume, M.; Shilkin, A.: Fluid Dynamics of a Liquid Film on a Vertical
Wire with Counter Current Gas Flow. In: 4th International Berlin Workshop (IBW4) on
145
146 D Veröffentlichungen und Vorträge
Transport Phenomena with Moving Boundaries, 27. 28. September 2007, Berlin.
Grünig, J.; Kraume, M.; Shilkin, A. (2007): Fluiddynamik eines Flüssigkeitsfilms an
einem vertikalen Draht. Chem. Ing. Tech. 79 (7) 1045–1051.
Wegener, M.; Grünig, J.; Stüber, J.; Paschedag, A. R.; Kraume, M. (2007): Transient rise
velocity and mass transfer of a single drop with interfacial instabilities - experimental
investigations. Chem. Eng. Sci. 62 (11) 2967–2978.
D.2 Vorträge
(Der Vortragende ist unterstrichen)
Grünig, J.
; Kim, S.-J.; Schröder, M.; Kraume, M.: Wire Bundles as Packing Elements in
Separation Columns. 6th International Berlin Workshop (IBW6) on Transport Pheno-
mena with Moving Boundaries, 24. 25. November 2011, Berlin.
Grünig, J.
; Kim, S.-J.; Kraume, M.: Liquid films on single wires and wire bundles. 8th
European Congress of Chemical Engineering, 25. 29. September 2011, Berlin.
Grünig, J.
; Kim, S.-J.; Kraume, M.: Fluiddynamik und Stofftransport von Flüssigkeitsfil-
men an strukturierten Drähten. Jahrestreffen der ProcessNet-Fachausschüsse Extrak-
tion, Fluidverfahrenstechnik, Mehrphasenströmungen und Phytoextrakte - Produkte
und Prozesse, 3. 4. März 2011, Fulda.
Maaß, S.;
Grünig, J.
; Kraume, M.: Measuring of particle size distributions in stirred
tanks. 7th International Conference on Multiphase Flows ICMF-2010, 30. Mai 4. Juni
2010, Tampa, FL/USA.
Grünig, J.
; Horn, S.; Skale, T.; Kraume, M.: Experiments on Fluid Dynamics and Mass
Transfer of Annular Film Flow on a Vertical Wire. 7th International Conference on
Multiphase Flows ICMF-2010, 30. Mai 4. Juni 2010, Tampa, FL/USA.
Grünig, J.
; Skale, T.; Horn, S.; Kraume, M.: Gasseitiger Stofftransport von Flüssigkeits-
filmen an einem senkrechten Draht. Jahrestreffen der ProcessNet-Fachausschüsse
Computational Fluid Dynamics und Wärme- und Stoffübertragung, 8. 10. März 2010,
Hamburg.
Grünig, J.
; Skale, T.; Horn, S.; Kraume, M.: Untersuchungen zur Fluiddynamik und
zum Stofftransport einer Drahtbündelpackung (Poster). Jahrestreffen der Process-
Net-Fachausschüsse Fluidverfahrenstechnik und Hochdruckverfahrenstechnik, 4.
5. März 2010, Fulda.
Grünig, J.
; Lyagin, E.; Kraume, M.: Filmströmung am senkrechten Draht - Experimen-
D.2 Vorträge 147
telle Untersuchungen zum gas- und flüssigkeitsseitigen Stofftransport. ProcessNet-
Jahrestagung 2009, 8. 10. September 2009, Mannheim.
Grünig, J.;
Kraume, M.
: Annular Liquid Films on a Vertical Wire with Counter Current
Gas Flow - Experimental Investigations (Poster). 9th International Conference on
Chemical and Process Engineering, 10. 13. Mai 2009, Rom/Italien.
Grünig, J.
; Kraume, M.: Stoffübergang bei der Filmströmung an einem senkrechten
Draht (Poster). ProcessNet-Fachausschuss Kristallisation und Fluidverfahrenstechnik,
12. 13. März 2009, Dortmund.
Grünig, J.
; Kraume, M.: Film Flow on a Vertical Wire - Experimental Investigation of
Fluid Dynamics and Mass Transfer. 17th International Conference Process Enginee-
ring and Chemical Plant Design, 7. 9. Oktober 2008, Krakau/Polen.
Maaß, S.;
Grünig, J.
; Horn, S.; Kraume, M.: Measurement techniques for drop size
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