Optimierung von Bewegungsbahnen in der
Kegelstrahl-Tomografie
vorgelegt von
Dipl.-Ing. Felix Fehlhaber
Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor∗in der Ingenieurwissenschaften
– Dr.-Ing. –
genehmigte Dissertation
Ptomotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Andreas Bardenhagen
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Marc Kraft
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Jan Stallkamp
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 19. Juni 2024
Berlin 2024
Danksagung
Die vorliegende Arbeit in Verion 12 (5b00b72) vom 08.07.2024 über die Optimierung
von Bewegungsbahnen in der Kegelstrahl-Computertomografie mit dem Ziel die effektive
Dosis für Patient
∗
innen zu reduzieren entstand zwischen 2016 und 2020 während meiner
Tätigkeit am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik
(IPK), Berlin, basierend auf Ergebnissen aus Eigenforschungsprojekten. Für die Freigabe
der Ergebnisse zur Publikation bin ich dem FraunhoferIPK zu großem Dank verpflichtet.
Herrn Prof. Dr.
-
Ing. Dr. h. c. Eckart Uhlmann, Institutsleiter des Fraunhofer IPK, danke
ich für die Bereitstellung und Nutzungserlaubnis der Infrastruktur, ohne die die in dieser
Arbeit entwickelte Simulation nicht hätte durchgeführt werden können. Gleichzeitig bin
ich sehr dankbar, dass die Fraunhofer Gesellschaft e. V. die Nutzung von Arbeitsmitteln
für die private Promotion gestattet und unterstützt. Prof. Dr.
-
Ing. Marc Kraft danke ich
aufrichtig für sein großartiges Engagement und die Übernahme der Begutachtung dieser
Arbeit. Ebenso danke ich Prof. Dr.
-
Ing. Jan Stallkamp für seine Bereitschaft diese Arbeit
zu begutachten.
Herzlich danke ich meinen Kolleg
∗
innen Dr.
-
Ing. Steffen Melnik, Gregor Dürre, M. Sc. und
Veronika Szwedowski, M. Sc., die mir stets mit Rat und Tat zur Seite standen und auch
längere fachliche Diskussionen erduldeten. Für die Zusammenarbeit und Unterstützung
zur Durchführung dieser Arbeit gilt mein Dank ferner meinen ehemaligen Kolleg∗innen
Dr.
-
Ing. Manuel Katanacho, Dr.
-
Ing. Sebastian Engel, Florian Roubal, M.Sc. und Igor
Lunev, M.Sc.
Besonders herzlich möchte ich mich bei meiner Familie bedanken. Ihre Unterstützung, ihr
immerwährender Zuspruch und das stetige Rücken stärken haben mir manche Anstrengung
erspart und erheblich zur Fertigstellung dieser Abschlussarbeit beigetragen.
III
Zusammenfassung
3D-Röntgenbildgebung hat sich zur Beantwortung komplexer klinischer Fragestellungen
als ein unverzichtbares Hilfsmittel etabliert. Aufgrund herrschender technischer und
wirtschaftlicher Limitationen in der Führung von Röntgenquelle und -detektor, wird bei
einer Durchleuchtung die komplette Körperregion gleichmäßig mit Strahlung exponiert.
Gleichwohl reagieren unterschiedliche Gewebearten im Körper auf Röntgenstrahlung
unterschiedlich empfindlich. Radiolog
∗
innen versuchen deshalb grundsätzlich, bestimmte
anatomische Strukturen nicht oder nur wenig zu exponieren. Dazu zählen u.a. Augenlin-
sen, Drüsengewebe wie Brust- und Schilddrüsen, Fruchtbarkeitsorgane und der Darm.
Entsprechend wird eine gewichtete Gleichverteilung der Dosis in den Geweben ange-
strebt. Diese medizinische Anforderung wird bei der Umsetzung am Markt verfügbarer
3D-Röntgenbildgebungssysteme bisher unzureichend berücksichtigt.
Bildgebungskomponenten eines 3D-Röntgensystems – Röntgenquelle und Röntgendetektor
– werden sehr häufig auf kreisförmigen Bewegungsbahnen geführt. In der vorliegenden
Arbeit wird die Fragestellung untersucht, inwieweit spezialisierte Bewegungsbahnen in
der Kegelstrahl-Computertomografie die Strahlenbelastung empfindlicher anatomischer
Strukturen reduzieren und dabei die Bildqualität weitestgehend erhalten können.
Zur Beantwortung der Fragestellung werden Röntgenvorgänge entlang beliebiger Bewe-
gungsbahnen vollständig virtuell abgebildet und physikalisch realitätsgetreu simuliert.
Hierfür wurde eine bestehende, am Fraunhofer IPK, Berlin entwickelte Simulationssoft-
ware für 3D-Röntgenbildgebung erheblich erweitert. Zunächst wurden im Rahmen dieser
Arbeit die softwaretechnischen Voraussetzungen geschaffen, um medizinische Objekte
und deren strahlenempfindliche und klinisch interessanten Regionen überhaupt zu erfas-
sen und realistisch abzubilden. Für solche Simulationsobjekte – sog. Phantome – sind
komplett neue Strukturen und Architekturen eingeführt worden. Darüber hinaus wurde
die Messung der verabreichten Strahlendosis während der Simulation implementiert und
gleichzeitig die Simulationszeit mehr als halbiert. Es wurden Metriken implementiert und
untersucht, die die Bildqualität der rekonstruierten Volumenbilddaten objektiv erfassen
und somit vergleichbar machen.
Aufbauend auf den nun verfügbaren Leistungsmerkmalen wie Dosismessung, Abbildung
anatomischer Strukturen mit medizinischen Daten, Erfassen der interessanten oder
kritischen Region sowie einer Qualitätsbewertung der Bilddaten, wurde im Rahmen
dieser Arbeit ein Optimierungsalgorithmus umgesetzt. Dieser ermittelt optimale Bewe-
gungsbahnen von Röntgenquelle und -detektor bezogen auf eine vorgegebene, klinische
V
Fragestellung. Die resultierenden Bewegungsbahnen finden für die untersuchten anatomi-
schen Strukturen eine optimale Balance zwischen geringstmöglicher Strahlenbelastung der
empfindlichen Gewebe und maximal möglicher Bildqualität in den relevanten Regionen.
Zur Verifikation des erarbeiteten Algorithmus sind in der vorliegenden Arbeit zunächst
die entstandenen Methoden untersucht worden. Bei der Dosismessung zeigten sich die
erwarteten Abhängigkeiten zur Photonenzahl und -energie. Die zwei eingeführten und un-
tersuchten Qualitätsbewertungsverfahren (strukturell und gradientenbasiert) entsprachen
für sich genommen den Erwartungen. Allerdings wurde die erwartete Korrelation zwischen
diesen beiden Bewertungsverfahren nicht nachgewiesen, sodass im Algorithmus beide
Qualitätsbewertungen angewendet werden müssen. Ferner wurde nachgewiesen, dass der
Optimierungsalgorithmus immer in endlicher Zeit zu Lösungen findet und zielstrebig die
Optimierungskriterien erreicht. Anschließend wurde in Experimenten die Simulation und
Optimierung an zwei Phantomen mit unterschiedlichen Parametern durchgeführt – einem
technischen Multi-Zylinder-Phantom und einem medizinischen Phantom des Beckens
mit Keimdrüsen. Mit dem Multi-Zylinder-Phantom wurde die Funktionsfähigkeit des
gesamten Algorithmus bestätigt. Bei der Bewegungsbahnoptimierung am Beckenphantom
wurde eine Bewegungsbahn ermittelt, die die effektive Dosis um 99 % reduziert und dabei
die Bildqualität um ca. 20 % verschlechtert.
Gleichwohl die bei den Versuchen verwendeten Phantome nicht vollständig modelliert wa-
ren, wird die Dosisreduktion als nachgewiesen betrachtet. Abschließend wurde aufgezeigt,
dass die implementierten Leistungsmerkmale in zukünftigen Arbeiten weiterentwickelt
werden müssen, damit sie in der Praxis sinnvoll Anwendung finden können. Insbesondere
die Modellierung der Phantome sollte detaillierter erfolgen und die Simulation weiter
beschleunigt werden. Gleichzeitig ist diese Arbeit ein weiterer Schritt dahin, Röntgen-
bildgebung an den Bedarfen der Ärzt
∗
innen und Patient
∗
innen auszurichten und das
untersuchte Gewebe tatsächlich nur so stark zu belasten, wie es unbedingt nötig ist.
VI
Inhaltsverzeichnis
Danksagung III
Zusammenfassung V
Formelzeichen IX
Glossar XIII
1 Einführung 1
1.1 Medizinische Motivation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 TechnischeMotivation............................. 2
1.3 Wirtschaftliche Motivation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2 Stand der Technik 5
2.1 Grundlagen zur Strahlenexposition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.2 Systeme zur Kegelstrahl-Computertomografie . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.3 Verfahren zur Reduktion der Strahlenbelastung . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.5 Qualitätsbewertung von Volumenbilddaten . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3 Optimierung von CBCT-Bewegungsbahnen 37
3.1 Beurteilung des Stands der Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.2 Ziel........................................ 38
3.3 EigenerAnsatz ................................. 38
3.4 Abgrenzung................................... 39
4 Entwurf 41
4.1 Grobes Konzept des Algorithmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.2 Modellieren virtueller Phantome . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4.3 Generieren der Bewegungsbahnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
4.4 Simulation und Dosisberechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.5 Rekonstruktion und Qualitätsbewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.6 Optimierungsstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
5 Umsetzung 51
5.1 Softwarebasis Flux ............................... 51
5.2 VirtuellePhantome............................... 57
VII
Inhaltsverzeichnis
5.3 Erweiterung der Monte-Carlo-Simulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
5.4 Qualitätsbewertung............................... 69
5.5 Algorithmus................................... 71
6 Evaluierung 79
6.1 Parameter.................................... 79
6.2 Phantome.................................... 81
6.3 Dosismessung.................................. 83
6.4 Erweiterung der Gradientenbewertung auf Volumina . . . . . . . . . . . . 86
6.5 Korrelation von SSIM und Gradientenbewertung . . . . . . . . . . . . . . 89
6.6 Deterministisches Verhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
6.7 Dosisreduktion unter Erhalt der Bildqualität . . . . . . . . . . . . . . . . 94
6.8 Bedarfsgerechte Bewegungsbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
7 Fazit und Ausblick 101
Literatur 104
Anhang 111
VIII
Formelzeichen
Zeichen Einheit Bezeichnung
ABpx
Bildauflösung, Anzahl an Bildelementen entlang jeder Dimension
AVvx Volumenauflösung, Anzahl an Voxel vin jeder Dimension
amm allg. Länge, Abstand, Dicke
agrid,v mm Abmessungen eines Volumenelements veines Gitters
aimg mm Abstand des Detektorzentrums zum Isozentrum
alin mm
lineare Auslenkung des Detektors innerhalb eines Bildgebungs-
systems
alin,max mm
Maximal mögliche, lineare Auslenkung des Detektors innerhalb
eines Bildgebungssystems
asrc mm Abstand der Röntgenquelle zum Isozentrum
α◦trigonometrische Laufvariable
αK◦
Korrekturwinkel, um Bewegungsbahnen entlang ihrer Normalen
auszurichten
αmax ◦Obere Intervallgrenze der trigonometrischen Laufvariablen α
αmin ◦Untere Intervallgrenze der trigonometrischen Laufvariablen α
b
Teilband nach der Dekomposition eines Bildes
B
bei der Anwen-
dung menschliches visuelles System (HVS)-basierter Metriken
Bdigitales, diskretisiertes und folglich pixelbasiertes Bild
QBQualität eines Bildes
BrReferenzbild, meist in bestmöglicher Qualität
BtTestbild
β◦
Neigungswinkel der Röntgenquelle innerhalb eines Bildgebungs-
systems
βmax ◦
Maximal möglicher Neigungswinkel einer Röntgenquelle inner-
halb eines Bildgebungssystems
Ckonstanter Faktor
Cbeliebige mathematische Kurve
cm/sLichtgeschwindigkeit
DEGy Energiedosis bezogen auf ICRU-Weichteilgewebe
DE,sens Gy Energiedosis in sensiblen anatomischen Strukturen
Deff Sv effektive Dosis
DHSv Äquivalentdosis
DT ,R Sv Organdosis
δ
Dichtegradient
IX
Formelzeichen
Zeichen Einheit Bezeichnung
δ
1.↓Dichtegradient mit dem niedrigsten Betrag
δ
2.↓Dichtegradient mit dem zweitniedrigsten Betrag
EeV allg. Energie
EγeV Ursprungsenergie eines Photons
E′
γeV Restenergie eines Photons nach einer Wechselwirkung
EEnergiespektrum
Fallg. Fehler
FMenge mehrerer Fehler F
η◦allg. Winkel
g(Br, Bt)Konstrastfunktion
γPhoton, insbesondere Röntgenphoton
HEntropie als Maß der Informationsdichte
IW/m2Intensität von Strahlung
iIndex über eine Sequenz, Iteration
JGelenk innerhalb einer kinematischen Kette
jIndex über eine (meist zu ieingeschränkte) Sequenz
KKorrekturfaktor
Lbit
Dynamikumfang; Wertebereich eines Bildkanals, z. B. 0
bis
255
für einen 8-Bit-Kanal
l(Br, Bt)Helligkeitsfunktion
λnm Wellenlänge
mkg Masse
Nallg. Anzahl
Nδ
Anzahl an Dichtegradienten δ
NγAnzahl der Photonen γ, die eine Röntgenröhre verlassen
Ni,max Maximalanzahl an Iterationen im Optimierungsalgorithmus
Npx Anzahl der Pixel eines Bildes
NRAnzahl an Regionen R
NτAnzahl an unterschiedlichen Posen τeiner Bewegungsbahn
NvAnzahl an Voxel v
Ωbeliebiges Polynom
ω◦Orbitale Auslenkung eines bildgebenden Systems
ωmax ◦Maximal mögliche Orbitalauslenkung bildgebender Systeme
PMaß der stochastischen Wahrscheinlichkeit
Pbeliebige mathematische Ebene
p allg. Punkt im Raum
pimg
Mittelpunkt der bildregistrierenden Fläche eines Röntgendetek-
tors
piso Isozentrum
pS2Punkt p auf der Oberfläche S2einer Kugel
psrc punktförmig modellierte Röntgenquelle
φ◦Azimuthwinkel, Teil der Kugelkoordinaten
X
Formelzeichen
Zeichen Einheit Bezeichnung
ϕ◦Winkel innerhalb des Kegelstrahls einer Röntgenröhre
ϕmax ◦
Maximal möglicher Öffnungswinkel des Kegelstrahls einer Rönt-
genröhre
Ψfocus
Abdeckung der sensiblen Regionen
Rsens
durch Röntgenstrah-
len s in einem Projektionsbild B
ψGlättungsfunktion
Qpauschaler Qualitätsfaktor
Qδ
gradientenbasierte Qualiätsbewertung eines Volumens V
Qδ
,focus
gradientenbasierte Qualitätsbewertung in interessanten Regio-
nen Rfocus
Qsstrukturelle Qualitätsbewertung eines Volumens V
Qs,focus
strukturelle Qualitätsbewertung in interessanten Regio-
nen Rfocus
qGütefunktion zur Ermittlung der Qualität eines Volumens V
RStrahlungsqualität (Strahlungsart und -energie)
RRegion eines Bildes oder Volumens
Rfocus Region Rmit besonderem Fokus bei der Bildgebung
Rsens
Region
R
, die besonders strahlenempfindliche Gewebe
T
enthal-
ten
rmm Radius
rgrid mm Radius einer Kugel, die ein Gitternetz beinhaltet
ρg/cm3Dichte
ϱ◦Auslenkung der Propellerachse eines bildgebenden Systems
S2mm2Oberfläche einer Kugel
s(Br, Bt)Strukturvergleichsfunktion
s Röntgenstrahl
σStandardabweichung
σ2stochastische Varianz
TGewebe, Organ oder Körperteil
Tallg. mathematische Transformation
Tallg. Bewegungsbahn, Menge verschiedener Posen τ
T196◦
kreisförmige Bewegungsbahn
T
über einen Winkelbereich
α
von
0◦bis 196◦
Timg
Bewegungsbahn des Röntgendetektors
pimg
um ein zu untersu-
chendes Objekt
TΩpolynombasierte Bewegungsbahn T, beschrieben ab Seite 23
Topt
bezüglich bedarfsgerechter Bildgebung optimierte Bewegungs-
bahn
Topt,i
während einer Optimierungsiteration
i
erstellte, meist temporäre
Bewegungsbahn T
Tsphere kugelförmige Bewegungsbahn T, beschrieben ab Seite 20
XI
Formelzeichen
Zeichen Einheit Bezeichnung
Tsrc
Bewegungsbahn der Röntgenquelle
psrc
um ein zu untersuchendes
Objekt
Twobble Wobble-Bewegungsbahn, beschrieben ab Seite 21
tbestimmender Parameter innerhalb einer Parametrisierung
τ
Pose von Bildgebungskomponenten innerhalb einer Bewegungs-
bahn
θ◦Polarwinkel oder Poldistanzwinkel, Teil der Kugelkoordinaten
ϑ◦Winkel zwischen zwei beliebigen Strahlen
UakV
Röhrenspannung, elektrische Spannung zwischen Kathode und
Anode einer Röntgenröhre
Vvoxelbasiertes, diskretisiertes Volumen
Vrvoxelbasiertes Referenzvolumen
Vallg. mathematisches Volumen
vVoxel, Element eines diskretisierten Volumens V
Wallg. Wichtungsfaktor
WRStrahlungs-Wichtungsfaktor
WTGewebe-Wichtungsfaktor
w(ϑ, ϕ)Gewichtungsfunktion
xStelle einer allg. Funktion, z.B. eines Polynoms Ω
ZKernladungszahl, auch Ordnungszahl eines Atoms
zOrdnung einer Sinusoid-Bahn
XII
Glossar
AABB (engl. axis aligned bounding box) ist ein Quader, der komplexe geometrische
Objekte möglichst eng umschließt und an den karthesischen Koordinatenachsen
ausgerichtet ist. Er dient als erste Annäherung an die Ausmaße einer geometri-
schen Figur. 58, 59, 60, 61, 62
ART (algebraische Rekonstruktionstechnik, engl. Algebraic Reconstruction Technique)
ist ein iteratives Rekonstruktionsverfahren, welches Projektionsbilder zu einem
Volumen rekonstruiert. 18, 37, 46, 47, 51, 54, 89
axial (auch: transversal) beschreibt in der Medizin eine Körperebene die den stehenden
Menschen in oben und unten teilt. Ihre Achse entspricht der Längsachse des
stehenden Menschen. 10, 11, 12, 18, 83, 84
CBCT (Kegelstrahl-Computertomografie, engl. Cone-Beam Computed Tomography)
bezeichnet eine besondere Form der Computertomografie. In der CBCT sendet
die Röntgenröhre anstatt eines fächerförmigen Strahlenbündels ein kegelförmiges
Strahlenbündel aus. Dieses wird von einem Flächendetektor registriert. 2, 3, 6,
10, 11, 12, 13, 14, 16, 17, 22, 101
CCD (ladungsgekoppeltes Bauteil, engl. charge-coupled device) bezeichnet lichtempfind-
liche elektronische Bauteile, die mithilfe des inneren Photoeffekts Photonen in
meßbare Ladungen überführen. 15
CMOS (engl. Complementary Metal-Oxide-Semiconductor) beschreibt eine Fertigungs-
technik von Halbleiterbauelementen. Entsprechend gefertigte Sensoren verfügen
über eine Verstärkereinheit für jedes Pixel, sodass sie sehr empfindliche Lichtver-
hältnisse registrieren können. 15
coronar (auch: frontal oder coronal) beschreibt in der Medizin eine Körperebene die
den stehenden Menschen in vorne und hinten teilt. Ihre Achse entspricht der
Sichtachse des stehenden Menschen. 2, 84
CPU (engl. Central Processing Unit) ist die gebräuchliche Abkürzung für die techni-
schen Prozessoren in einem Rechensystem. Diese kapseln heutzutage mehrere
Rechenkerne. Siehe auch: GPU, 66, 69, 70, 74
CSF (Kontrast-Sensibilitäts-Funktion, engl. Contrast Sensitivity Function) modelliert
die menschliche Wahrnehmung von Kontrastwerten, die bei niedrigen Frequenzen
höher liegt, als bei hohen Frequenzen. 32
CSV (Kommaseparierte Werte, engl. Comma-Separated Values) bezeichnet ein Dateifor-
mat, in welchem Daten – zumeist Tabellen – textuell abgelegt werden. Pro Zeile
werden die Werte jeder Spalte durch Kommata getrennt. 78
CT (Computertomograf) ist ein System, welches Computertomografie umsetzt. Siehe
auch: CT, 2, 6, 10
XIII
Glossar
CT (Computertomografie) ist eine invasive Bildgebungstechnik in der Medizin basierend
auf Röntgendurchleuchtungen. Diese werden rotatorisch und zeilenweise um die
Patient
∗
in aufgenommen und Schicht für Schicht rekonstruiert. Das Ergebnis
dieses Verfahrens – ein Röntgenvolumen – wird ebenfalls als Computertomogra-
fie (CT) bezeichnet. 2, 6, 8, 10, 22
DCT (Diskrete Kosinustransformation, engl. Discrete Cosine Transform) ist eine Fre-
quenztransformation, die eine endliche Eingangssignalfolge als Summe von ge-
wichteten Kosinusfunktionen ausdrückt. 32
DH-Parameter (Denavit-Hartenberg-Formalismus) beschreiben die kinematische Kette
eines Roboters mit nur vier Parametern pro Gelenk. Ferner wird angenommen,
dass jedes beliebige Gelenk als Kombination von Translations- und Rotationsge-
lenken beschrieben werden kann. 22
DSP (Digitaler Signalprozessor, engl. Digital Signal Processor) ist ein auf die kontinuier-
liche Verarbeitung digitaler Signale spezialisierter Prozessor. Er wird u. a. bei
Spracherkennung, Frequenzfiltern oder zur digitalen Bildverarbeitung eingesetzt.
69
DVT (Digitaler Volumentomograf) ist ein überwiegend in der Zahnmedizin eingesetztes
Röntgengerät, welches mittels CBCT Durchleuchtungen der Kopfregion erstellt.
Siehe auch: CBCT, 2, 3, 11
ED (Entropie-Differenz) beschreibt die Differenz der Entropien zweier zu vergleichender
Bilder und kann als Qualitätsmaß benutzt werden. 33
EoP (engl. Entropy of Primitive) ist ein Konzept zur Qualitätsbewertung von Bil-
dern, welches sich an der visuellen Wahrnehmung des Menschen von Strukturen
orientiert. 33
FBP (gefilterte Rückprojektion, engl. Filtered Backprojection) ist ein Rekonstruktions-
verfahren, das aus Projektionsbildern ein Volumen rekonstruiert. Vorraussetzung
ist es die Projektionsbilder entlang einer das Volumen umschließenden Kreisbahn
in einem Winkelbereich von mind. 180
◦
plus Öffnungswinkel des Strahlenkegels
aufzunehmen. 18, 25, 37, 51, 54
FPGA (engl. Field Programmable Gate Array) ist ein integrierter Schaltkreis, dessen
logische Verschaltung im Betrieb verändert werden kann. So können FPGAs
Spezialaufgaben oft wesentlich schneller ausführen, als generische Mikrocontroller,
sind im Anwendungsspektrum jedoch limitiert. 69
FR (engl. Full-Reference) beschreibt Qualitätsberwertungsverfahren, bei denen das
Vergleichsobjekt (Referenzbild) vollständig bekannt ist. 28
GPU (engl. Graphics Processing Unit) ist die gebräuchliche Abkürzung für die techni-
schen Prozessoren in Grafikkarten eines Rechensystems. Diese Prozessoren sind
stark darauf ausgerichtet, möglichst viele Aufgaben parallel zu lösen und deshalb
hervorragend zur performanten Ausführung datenparalleler Aufgaben geeignet.
Siehe auch: CPU, 68, 69, 102
XIV
Glossar
GUI (grafische Benutzeroberfläche, engl. Graphical User Interface) ist die Kurzform
für die grafische Schnittstelle eines Computerprogramms zur Benutzer
∗
in. In
gängigen Betriebssystemen ist sie in Fenstern organisiert und umfasst viele
Bedienelemente wie Textfelder, Schaltflächen und Auswahlfelder. 67, 71, 72
HVS (menschliches visuelles System, engl. Human Visual System) stellt ein Modell
von komplexen biologischen und psychologischen Vorgängen des Menschen zur
Wahrnehmung von visuellen Informationen (Bilder, Videos) dar. IX, 32
ICRU (Internationale Kommission für Strahlungseinheiten und Messung, engl. Inter-
national Commission on Radiation Units and Measurements) ist eine Stan-
dardisierungsgruppe für Maßeinheiten von Strahlung und Radioaktivität sowie
zugehörigen Messverfahren. IX, 5, 68
JND (differenzielle Wahrnehmbarkeitsschwelle, engl. Just Noticeable Distortion) ist eine
Metrik, um die Bildqualität basierend auf dem kleinsten noch wahrnehmbaren
Unterschied zwischen zwei Reizen zu ermitteln. Siehe auch: HVS, 32
MKG (Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie) bezeichnet ein chirurgisches Spezialgebiet.
MKG-Chirurg
∗
innen haben sowohl eine humanmedizinische als auch zahnärztli-
che Ausbildung. 3, 11
MPI (Magnetpartikelbildgebung, engl.: Magnetic Particle Imaging) bezeichnet ein auf
der Einbringung und Detektion magnetischer Partikel basierendes, invasives,
medizinisches Bildgebungsverfahren, welches überwiegend in der Flussanalyse
eingesetzt wird. 4
MRT (Magnetresonanztomografie) ist eine nicht-invasive Art der Bildgebung in der
Medizin. Sie basiert auf spezifischem Verhalten von Wassermolekülen in bewegten
Magnetfeldern. Mit der Abkürzung MRT wird auch das bildgebende System
Magnetresonanztomograf beschrieben. 1, 4
MSE (Mittlerer Quadratischer Fehler, engl. Mean Square Error) beschreibt den Durch-
schnitt der quadrierten Wertunterschiede und ist ein universelles Fehlermaß.
29
MSSIM (Mittlerer Struktur-Ähnlichkeits-Index, engl. Mean Structural Similarity Mea-
sure) mittelt den SSIM über kleinere lokale Bereiche eines Bildes. Siehe auch:
SSIM, 31
NR (engl. No Reference) beschreibt Qualitätsbewertungsverfahren, bei denen das Ver-
gleichsobjekt (Referenzbild) unbekannt ist. 28, 33
OCT (Optische Kohärenztomografie, engl.: Optical Coherence Tomography) bezeichnet
ein auf Laser basierendes, nicht-invasives, medizinisches Bildgebungsverfahren,
welches überwiegend in der Gewebeanalyse eingesetzt wird. 4
OP (Operation oder Operationssaal) beschreibt sowohl einen chirurgischen Eingriff
als auch einen speziellen Raum, in dem diese Eingriffe durchgeführt werden.
Operationssäle unterliegen strengen hygienischen Vorschriften, die sich auf alle
Personen und Geräte übertragen. 12, 13, 14, 16, 72, 73
XV
Glossar
ORBIT (Offener Röntgenscanner für die Bildgeführte Interventionelle Therapie) ist ein
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Funktionsmuster,
welches in Zusammenarbeit mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin,
und Ziehm Imaging GmbH, Nürnberg, zwischen 2011 und 2014 am Fraunhofer IPK,
Berlin, entwickelt wurde. 12, 13
PSNR (Spitzen-Signal-Rausch-Verhältnis, engl. Peak Signal to Noise Ratio) ist ein
Fehlermaß von Rauschleistung zu mittlerer Signalleistung. 29
RAW (Rohdaten-Format) ist ein Dateiformat, in welchem beliebige Daten ohne beschrei-
bende Elemente oder Metainformationen gespeichert werden. In dieser Arbeit
betrifft das vor allem Bild- und Volumenbilddaten. 61, 78
RegEx (regulärer Ausdruck, engl. Regular Expression) ist eine Zeichenkette, die mithilfe
eines umfassenden Regelwerks andere Zeichenketten beschreibt. Sie dienen dazu,
in meist großen Textmengen bestimmte Wortgruppen zu finden. 58
RoI (engl. Region of Interest) beschreibt innerhalb eines Raumes eine besonders inter-
essante Region. 19, 26, 27, 38, 39, 41, 42, 44, 45, 47, 48, 49, 57, 59, 61, 62, 66,
69, 70, 72, 74, 75, 77, 81, 82, 91, 94, 97, 98, 102
RR (engl. Reduced-Reference) beschreibt Qualitätsbewertungsverfahren, bei denen das
Vergleichsobjekt (Referenzbild) nur teilweise bekannt ist. 28
sagittal beschreibt in der Medizin eine Körperebene die den stehenden Menschen in
links und rechts teilt. Ihre Achse verläuft von links nach rechts. 83
SSEQ (engl. Spatial-Spectral Entropy-based Quality) ist ein entropiebasiertes No-Refe-
rence-Qualitätsbewertungsverfahren. 33
SSIM (Struktur-Ähnlichkeits-Messung, engl. Structural Similarity Measure) ist eine
Methode zur objektiven Schätzung der wahrgenommenen Qualität von Bildern.
30, 31, 47, 70, 101, 102
TCP (Endeffektor, engl. Tool Center Point) ist das Ende der kinematischen Kette
eines Roboterarms. Der Endeffektor ist zumeist der Schwerpunkt der durch die
Roboterkinematik geführten Werkzeuge wie Greifer oder Punktschweißer. 12
UIQI (Universeller Bildqualitätsindex, engl. Universal Image Quality Index) beschreibt
ein Maß für die Bildqualität basierend auf der Messung von Helligkeit, Kontrast
und Struktur. 30, 31
US (Ultraschall) ist eine nicht-invasive, medizinische Bildgebungstechnik basierend auf
der gewebeabhängigen Reflexion von Schall. 1, 4
Voxel bezeichnet ein einzelnes Volumenelement in einem diskretisierten Voxelvolumen
V
.
Es ist die dreidimensionale Entsprechung eines Pixels in einem Bild
B
. IX, X,
33, 43, 46, 61, 62, 63, 66, 68, 70, 75
VRML (engl. Virtual Reality Modelling Language) ist eine verbreitete Beschreibungsspra-
che für 3D-Szenen in der Computergrafik. Sie beschreibt neben der geometrischen
Struktur aller enthaltenen Objekte auch deren Materialien, die Beleuchtung der
Szene und interaktive Elemente. 61, 102
XVI
Glossar
VSNR (sichtbare Signal-Rausch-Abstand, engl. Visual Signal to Noise Ratio) ist eine Me-
trik, die die visuelle Genauigkeit natürlicher Bilder basierend auf schwellennaher
und überschwelliger Eigenschaften des menschlichen Sehens abbildet. 32
XML (engl. Extensible Markup Language) ist eine verbreitete Beschreibungssprache für
hierarchisch strukturierte Daten, zumeist in entsprechenden Dateien. 58, 78
XVII
1 Einführung
1.1 Medizinische Motivation
Zur Beantwortung komplexer klinischer Fragestellungen – insbesondere in der Diagnostik
– ist 3D-Röntgenbildgebung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Es ist das am häufigsten
eingesetzte Bildgebungsverfahren in Krankenhäusern, noch vor Magnetresonanztomogra-
fie (MRT) und Ultraschall (US). Allein 2020 wurden in Deutschland 6
,
47
Mio.
Prozeduren
mittels 3D-Röntgenbildgebung durchgeführt. Zusätzliche 1
,
99
Mio.
Prozeduren verwerte-
ten die aufgenommenen Daten, um deren Ergebnisse weiter zu verbessern (Statistisches
Bundesamt 2021).
Röntgenbildgebung im Allgemeinen und 3D-Röntgenbildgebung im Speziellen zeichnet
sich durch hohen Kontrast, die Abbildung eines umfangreichen Gewebespektrums und
dessen hohe Auflösung aus. In skelettalen und onkologischen Fragestellungen stellt
Röntgenbildgebung den Goldstandard zur Diagnose dar. Zudem sind Röntgengeräte leise
und liefern schnell adäquate Ergebnisse. Die einfache Anwendungsmöglichkeit während
operativer Eingriffe macht diese Bildgebung darüber hinaus auch für Chirurg
∗
innen
interessant und bildet eine wesentliche Grundlage für minimal-invasive Eingriffe.
Beispielhaft für die Vorteile der 3D-Röntgenbildgebung ist die Beurteilung knöcherner
Strukturen, sobald es erforderlich ist, Teile eines Gelenks durch Implantate zu ersetzen.
Dies geschah 2020 in Deutschland an Hüfte und Knie ca. 401 000 Mal (Statistisches
Bundesamt 2021). Anhand einer präoperativen 3D-Röntgenaufnahme können Implantate
spezifiziert, individualisiert sowie deren Einbringung virtuell geplant werden. Beispiele
solcher Aufnahmen sind in Abbildung 1.1 dargestellt. Während der Operation dient 3D-
Röntgenbildgebung als Mittel zur Kontrolle der korrekten Implantatlage, wobei hohes
Potenzial besteht, Folgeoperationen (ca. 14 %) zu vermeiden (Statistisches Bundesamt
2021).
Jedoch bedeutet jede Röntgenaufnahme auch eine Belastung mit Strahlung für Patient
∗
in-
nen. Diese Belastung ist während der Anwendung von 3D-Röntgenbildgebung ungleich
höher und umso kritischer bei Kindern. Mediziner
∗
innen wägen deshalb vor jeder Auf-
nahme das Risiko gegenüber dem erwarteten Nutzen ab: Es ist ureigenes medizinisches
Interesse und alltägliche Herausforderung, die Strahlenexposition für Patient
∗
innen so ge-
ring wie möglich zu halten und gleichzeitig eine ausreichend hohe Bildqualität zu erzielen.
Dieser Tatsache wird auch regulatorisch durch das Medizinproduktegesetz Nachdruck
verliehen (Bundesministerium für Gesundheit 2002).
1
1 Einführung
Abbildung 1.1:
CT-Scan von Hüftgelenken in coronarer Darstellung vor (links) und nach
(rechts) der Implantateinbringung. Quelle: Charité – Universitätsmedizin
Berlin, Berlin, 2018
1.2 Technische Motivation
Röntgenbildgebung hat in der Medizin eine lange Tradition. Bereits 1896 – ein Jahr
nach der Entdeckung der Röntgenstrahlung – war Diagnostik mittels Röntgenstrahlung
medizinisch etabliert und erfährt seither eine stetige Entwicklung. Die zu untersuchende
Körperregion wird aus einer Richtung mit Röntgenstrahlung durchleuchtet und diese auf
der gegenüberliegenden Seite mit Detektoren registriert. Da verschiedene Gewebearten die
Strahlung unterschiedlich stark absorbieren, entsteht ein Abbild der inneren Strukturen.
1969 gelang Hounsfield (1973) durch Nutzung eines Computers und aufbauend auf den
Erkenntnissen von Radon (1917) und Cormack (1963) die Entwicklung eines Proto-
typen zur 3D-Röntgenbildgebung – des ersten Computertomografen (CT). Er nutzte
viele Röntgenbilder aus unterschiedlichen Richtungen, um das durchleuchtete Volumen
schichtweise zu rekonstruieren. Während Geräte der ersten beiden Generationen ihre
Bildgebungskomponenten translatorisch bewegten, führten CTs der dritten Generation
diese bereits rotatorisch um Patient∗innen herum.
1996 führten Giordano Ronca und Daniele Godi, Ingenieure der Firma NewTom, Verona,
Italien, den ersten Scan mittels Kegelstrahl-Tomografie (CBCT) durch. Vor allem in
der Zahnmedizin revolutionierte die neue Technologie die Bildgebung. Entgegen der
in der Computertomografie (CT) üblichen schichtweisen Abbildung generieren Kegel-
strahl-Tomografie (CBCT)-Systeme das durchleuchtete Volumen am Stück. Dadurch
verursachen sie eine wesentlich geringere Strahlenexposition an Patient
∗
innen und liefern
eine geringere Bildqualität – wenngleich diese für viele medizinische Fragestellungen
ausreichend ist.
Aktuell gängige Systeme zur 3D-Röntgenbildgebung mittels CBCT – wie etwa 3D-C-Bögen
und Digitale Volumentomografen (DVT) in Abbildung 1.2 – führen ihre Bildgebungs-
komponenten auf einer Kreis- oder kreisähnlichen Bahn. Dies liegt v. a. daran, dass
2
1.3 Wirtschaftliche Motivation
Abbildung 1.2:
CBCT-Systeme im klinischen Einsatz: 3D-C-Bogen während einer Ope-
ration (links) und DVT in der Mund-, Kiefer-, Gesichtchirurgie (MKG)
(rechts). Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, 2014 und
2018
für diese Bewegungsbahnen spezielle, hocheffiziente Rekonstruktionsverfahren eingesetzt
werden können. Darüber hinaus ist die technische Umsetzung einfacher als für freie
Bewegungsbahnen. Die starre Anordnung erlaubt eine feine Kalibrierung der Bildge-
bungskomponenten, sodass bessere Einzelbilder und folglich bessere Rekonstruktionen
entstehen.
Die technischen Anforderungen an 3D-Röntgensysteme sind sehr hoch und steigen, sobald
das System intraoperativ zur Anwendung kommt. Solch ein System sollte kompakt sein,
da die Größe von Operationssälen und der Platz am Operationstisch durch viele weitere
Geräte begrenzt ist. Ärzt
ast
innen sollen in der Lage sein das System ohne aufwendige
Einweisungen zu bedienen. Weiterhin darf es den Arbeitsablauf von Operationen nur
minimal unterbrechen und soll bei geringer Strahlenbelastung zeitnah optimale Bilddaten
liefern.
1.3 Wirtschaftliche Motivation
Der Großteil aktueller 3D-Röntgenbildgebungssysteme wird in westlichen Industrielän-
dern, vor allem in den USA und Westeuropa, vertrieben. Dieser Markt ist aufgrund
der hohen Gerätepreise gesättigt – es werden nur neue Geräte beschafft, um alte zu
ersetzen. Daraus erwachsen spezielle wirtschaftliche Anforderungen an solche Geräte.
Ihre Anschaffungs-, Betriebs- und Wartungskosten sollten sich gegenüber ihren Vor-
gängern deutlich verringern. Haben Mediziner
∗
innen in der Vergangenheit eine erhöhte
Strahlenexposition für wesentlich bessere Bildqualität als nutzbringend gebilligt, wird
nun zunehmend erwartet, Patient
∗
innen bei gleichbleibend hoher Bildqualität deutlich
geringerer Strahlung auszusetzen. Auch durch die voranschreitende Sensibilisierung der
3
1 Einführung
Bevölkerung auf Strahlenexposition – z. B. über Kampagnen bezüglich Mammografie –
entwickelt sich geringe Strahlenbelastung zu einem der Hauptargumente beim Erwerb
von Röntgensystemen für medizinische Einrichtungen (Frost & Sullivan 2018, Frost &
Sullivan 2022).
Darüber hinaus steigt der Konkurrenzdruck für Röntgenbildgebung als Modalität: Wäh-
rend nicht-invasive Verfahren wie MRT und US immer mehr röntgendominierte Anwen-
dungen erschließen, erreichen auch völlig neue Modalitäten den Markt. Die Optische
Kohärenztomografie (OCT) nutzt Laserlicht zur Bildgebung und bedient bereits Anwen-
dungen in der Krebsdiagnostik, insbesondere der Mammografie (Frost & Sullivan 2017).
Vielversprechende Forschungsergebnisse liefert die Magnetpartikelbildgebung (MPI) bei
der Detektion von Tumoren. Die Motivation solche Verfahren zu entwickeln liegt oft
darin, Strahlenbelastung für Patient∗innen zu reduzieren.
4
2 Stand der Technik
2.1 Grundlagen zur Strahlenexposition
2.1.1 Messgrößen
Der Erfassung von Strahlenexposition liegt die in Gray (
Gy
) gemessene Energiedosis
DE
zugrunde. Sie beschreibt – vereinfacht – das Verhältnis aus jedweder abgegebener Ener-
gie
E
auf ein beliebiges Volumenelement
v
zu dessen Masse
m
. Ein Gray entspricht dabei
der Energieabgabe von 1 J auf 1
kg
. Die abgegebene Energie
E
bezieht sich immer auf
die Materialzusammensetzung des Volumenelements
v
. In der Medizin hat sich der Bezug
zu ICRU-Weichteilgewebe manifestiert.
Die Wirkung gleicher Energiedosen
DE
im Körpergewebe
T
kann unterschiedlich stark
sein und hängt maßgeblich vom linearen Energieübertragungsvermögen des Photons
γ
ab. Um solche Wirkungen vergleichbar zu machen, ist die Größe der Äquivalentdosis
DH
eingeführt:
DH=Q·DE(2.1)
Während
DE
die Energiedosis beschreibt, stellt
Q
einen pauschalen Qualitätsfaktor für
einen Punkt
p
im Strahlungsfeld dar. Dieser Qualitätsfaktor
Q
differiert für verschiedene
Strahlungsarten und -energien (
R
). Bewertete Dosen, wie die Äquivalentdosis
DH
, werden
anstatt in Gray in Sievert (Sv) angegeben, wobei 1 Sv ebenfalls 1 J/kg entspricht.
Um die biologische Wirkung einer Energiedosis
DE
zu berücksichtigen, wird der Quali-
tätsfaktor
Q
durch einen Strahlungs-Wichtungsfaktor
WR
ersetzt. Dieser verändert die
Punktgröße Äquivalentdosis DHzur Mittelwertgröße Organdosis DT,R.
DT,R =∑︂
R
WR·DE(T, R)(2.2)
R
beschreibt die Strahlungsqualität (Strahlungsart und -energie),
T
unterscheidet das
betroffene Gewebe, Organ oder Körperteil.
5
2 Stand der Technik
Gleiche Organdosen
DT,R
rufen stochastische Wirkungen in unterschiedlichen Geweben
T
mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten
P
hervor. Dafür wird der Gewebe-Wichtungs-
faktor
WT
eingeführt, welcher den relativen Anteil des Gewebes
T
am Gesamtrisiko bei
gleichförmiger Ganzkörperexposition angibt. Als effektive Dosis
Deff
bezeichnet man die
Summe der gewichteten Organdosen DT,R über alle risikorelevanten Gewebe T:
Deff =∑︂
T
WT·DT,R =∑︂
T
WT·∑︂
R
WR·DE(T, R)(2.3)
Die Einheit der effektiven Dosis
Deff
ist Sievert. Die in Tabelle 2.1 beschriebenen
Gewebe-Wichtungsfaktoren
WT
beruhen auf Untersuchungen erheblich exponierter Men-
schen (Hiroshima, Nagasaki, Tschernobyl), wobei überwiegend nicht-tödliche Ausgänge
berücksichtigt sind.
Tabelle 2.1:
Wichtung
WT
für bestimmte Gewebe
T
nach Strahlenschutzkommission
(2017). Je höher der
WT
, desto empfindlicher das Gewebe
T
. Quelle: (Strah-
lenschutzkommission 2017)
Gewebe TGewebe-Wichtungsfaktor WT
Knochenmark (rot), Dickdarm, Lunge,
Magen, Brust 0,12
Keimdrüsen 0,08
Leber, Speiseröhre, Schilddrüse, Blase 0,04
Haut, Knochenoberfläche, Gehirn,
Speicheldrüsen 0,01
Andere Gewebe 0,12
Menschen sind im Schnitt pro Jahr mit 2
,
1
mSv
auf natürliche Weise durch kosmische
Strahlung sowie in Boden und Luft enthaltenem Radon belastet. Die zivilisatorische
Belastung durch medizinische Bildgebung und Kernkraft liegt durchschnittlich bei 1
,
8
mSv
pro Jahr. Die Exposition eines Menschen bei einer Ganzkörper-CT beträgt bis zu 35
mSv
und stellt das Maximum in der bildgebenden Diagnostik dar. CBCT-Systeme werden
– wie CTs auch – üblicherweise nur für Scans kleiner Körperbereiche eingesetzt und
verabreichen eine geringere effektive Dosis
Deff
als CTs. Beispielsweise belastet ein
CT-Scan der Nasennebenhöhlen Patient
∗
innen mit 0
,
67
mSv
, während ein CBCT-System
0,2mSv verabreicht (Strahlenschutzkommission 2015, Vogt und Schultz 2007).
2.1.2 Physikalische Effekte
Röntgenbildgebung basiert darauf, die Energieabgabe von Röntgenphotonen
γ
in Materie
zu detektieren und anschließend auf die Zusammensetzung der Materie zu schließen.
6
2.1 Grundlagen zur Strahlenexposition
Röntgenphotonen γwechselwirken in verschiedenen, voneinander unabhängigen Prozes-
sen mit Materie: Photoeffekt, Comptoneffekt, Paarbildungseffekt und Kernphotoeffekt.
Aufgrund der Photonenenergie
Eγ
medizinischer Röntgensysteme von maximal 150
keV
spielen nur die zwei erstgenannten Effekte eine Rolle (Vogt und Schultz 2007). Hinzu
kommt die Rayleighstreuung als physikalischer Effekt, welcher nur indirekt Einfluss auf
die Wechselwirkung nimmt. Alle für diese Arbeit relevanten Effekte sind in Abbildung 2.1
dargestellt.
Abbildung 2.1:
Schematische Darstellung der Interaktionen von Photonen mit Atomen:
Photoeffekt (links), Comptoneffekt (mitte) und Rayleighstreuung (rechts).
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2019
Der für die Röntgenbildgebung wesentliche Effekt ist der Photoeffekt. Das Photon
γ
trifft
auf ein Elektron des Atoms, wobei die gesamte Photonenenergie
Eγ
an das Elektron in
Form von kinetischer Energie abgegeben und dieses aus seiner Schale gelöst wird. Im
Ergebnis wird das Photon γvollständig absorbiert – seine Restenergie E′
γist Null.
E′
γ= 0 (2.4)
Der Effekt tritt am wahrscheinlichsten in den kleinsten Elektronenschalen
K
und
L
sowie
bei Energien
Eγ
bis 500
keV
, seltener bis 2
MeV
, auf (Lindner 2014). Ebenfalls steigt die
Effektwahrscheinlichkeit
P
mit der Kernladungszahl
Z
des betroffenen Atoms um den
Faktor Z4,2(Schlegel, Karger und Jäkel 2018).
Beim Comptoneffekt trifft das Photon
γ
ebenfalls auf ein Elektron, gibt jedoch nur
einen Teil seiner Energie
Eγ
ab. Gleichung (2.5) zeigt die genaue Beziehung zwischen der
Anfangsenergie Eγund der Restenergie E′
γ.
E′
γ=Eγ
1 + Eγ
mec2(1 −cosγ)(2.5)
Das Elektron wird aus seiner Schale gelöst, das Photon
γ
gestreut – es bewegt sich mit
geringerer Energie
E′
γ
und geänderter Richtung weiter. Der Effekt betrifft vor allem
7
2 Stand der Technik
Elektronen der äußeren Schalen und freie Elektronen, weshalb deren Bindungsenergi-
en praktisch keinen Einfluss nehmen. Er tritt am wahrscheinlichsten bei Energien
Eγ
zwischen 0
,
2
MeV bis
10
MeV
, seltener bis 15
MeV
, auf (Lindner 2014). Seine Auftritts-
wahrscheinlichkeit
P
erhöht sich linear mit der Kernladungszahl
Z
(Schlegel, Karger und
Jäkel 2018).
Die Rayleighstreuung – auch klassische Streuung genannt – bewirkt im Ergebnis eine
Richtungsänderung des Photons
γ
ohne Energieabgabe. Das Photon
γ
trifft auf ein
Elektron und versetzt es unter vollständigem Energieverlust auf die nächst höhere Schale.
Das Elektron kehrt sofort in seine ursprüngliche Schale zurück, wobei ein Photon
γ
gleicher
Energie
Eγ
emittiert wird. Die Auftrittswahrscheinlichkeit
P
von Rayleighstreuung ist
bei Energien
Eγ
bis 100
keV
hoch und steigt linear mit der Kernladungszahl
Z
(Schlegel,
Karger und Jäkel 2018). Rayleighstreuung ist wesentlich für die bei Röntgenbildgebung
auftretende Streustrahlung verantwortlich.
Eine einfachere Darstellung der Energieabgabe durch Photonen
γ
an Absorbanden im
Allgemeinen ist durch das Lambert-Beer-Gesetz in Gleichung (2.6) beschrieben (Beer
1852):
Eλ=log10 (︃I0
I1)︃=ϵλ·c·a(2.6)
I1=I0·exp(−∫︁µ(a)da)(2.7)
Gleichung (2.7) zeigt die Umstellung von Gleichung (2.6) auf die Parameter der Rönt-
gendurchleuchtung. Hierbei beschreibt
I0
die Ausgangsintensität der Photonen
γ
,
I1
die
verbleibende Strahlungsintensität nach der Durchleuchtung und
µ
den materialspezifi-
schen Schwächungskoeffizienten in Abhängigkeit von der Materialdicke
a
. Obgleich das
Lambert-Beer-Gesetz die Grundlage der Rekonstruktion in der CT darstellt, bildet es die
Energieabgabe durch Photonen γnicht physikalisch exakt ab.
2.1.3 Biologische Wirkung
Sowohl beim Photo- als auch beim Comptoneffekt wird im Ergebnis das Molekül, mit dem
die Wechselwirkung stattfindet, ionisiert oder angeregt. Moleküldefekte können sowohl
direkt durch Photonen
γ
, als auch indirekt durch chemisch aktive Radikale hervorgerufen
werden. Schaden entsteht im Körper dadurch, dass Moleküldefekte das Verhalten von
Zellen beeinflussen. Zelltod, Zellrestitution oder Zelldefekte sind mögliche Folgen. Je
höher die Zellteilungsrate eines Gewebes
T
ist, desto empfindlicher ist es für mögliche
Schäden.
Deterministische Schäden hängen direkt von der erfahrenen Organdosis
DT,R
ab und
äußern sich nach einer individuellen Latenzzeit zwischen Tagen und Monaten direkt
somatisch. Eine bekannte deterministische Auswirkung ist die Strahlenkrankheit, die nach
8
2.2 Systeme zur Kegelstrahl-Computertomografie
kurzzeitiger Ganzkörperexposition von 1
Sv bis
2
Sv
auftritt. Andere deterministische
Schäden sind in Tabelle 2.2 aufgelistet.
Tabelle 2.2:
Deterministische Strahlenschäden nach kurzzeitiger Teilkörperexposition mit
Röntgen- oder Gammastrahlung. Quelle: (Vogt und Schultz 2007)
Organdosis DT,R Körperbereich (Hauptsymptom)
0,06Sv bis 0,1 Sv Embryo/Fetus (Teratogene Schäden)
1Sv bis 10 Sv Auge (Linsentrübung)
2Sv Knochenmark (Schwund)
3Sv bis 5 Sv Hautrötung nach ca. 3 Wochen
>3Sv Haarausfall (vorübergehend)
3,5Sv bis 6 Sv Hoden (Dauersterilisation)
2,5Sv bis 6 Sv Ovarien (Dauersterilisation)
10Sv Haarausfall (bleibend)
20Sv Hautentzündung mit Blasenbildung
35Sv Leber (Versagen, Wassersucht); Lymphknoten (Schwund)
40Sv Herz (Entzündung); Lunge (Entzündung)
45Sv Magen-Darmtrakt (Geschwür); Schilddrüse (Unterfunktion)
>50Sv Hautentzündung mit Gewebszerfall
Bei stochastisch somatischen Schäden wird mit steigender Organdosis
DT,R
allein die
Auftrittswahrscheinlichkeit
P
der Schädigung erhöht, nicht aber ihr Schweregrad. Die
Auslösung in Körperzellen passiert zufällig und beeinträchtigt die Zellteilung. So entstehen
solide Tumore und Leukämie. Der Verlauf und die Latenzzeit hängen nur noch von den
körpereigenen Abwehrkräften und dem betroffenen Organ
T
ab, nicht jedoch von der
auslösenden Strahlendosis
DT,R
. Dies ist bei der Definition der Gewebe-Wichtungsfak-
toren WT(vgl. Tabelle 2.1) berücksichtigt.
Sobald Keimdrüsen oder Keimzellen bestrahlt werden, kann das Erbgut durch Mutation
beschädigt werden. Solche genetischen Schäden treten nicht bei der bestrahlten Person
selbst auf, sondern führen zu Erkrankungen der Nachkommenschaft oder verhindern deren
Lebensfähigkeit schon frühzeitig. Heutzutage wird mit Defekten bei 1
,
65 % aller Lebend-
geburten gerechnet, die auf dominante Mutationen zurückzuführen sind (z. B. Schielen,
Kurzfingrigkeit). Bei 70 % aller Lebendgeburten werden Defekte vermutet, die sich erst
in höherem Alter manifestieren (z.B. angeborene Herzfehler, Epilepsie, Asthma) (Vogt
und Schultz 2007).
2.2 Systeme zur Kegelstrahl-Computertomografie
Systeme, deren Aufgabe darin besteht, mit Hilfe von Röntgenstrahlung Gegenstände
zu durchleuchten und abzubilden, werden allgemein als Röntgensysteme bezeichnet. Sie
bestehen aus einer Röntgenröhre, in der Röntgenstrahlung
γ
erzeugt und ausgesendet wird
9
2 Stand der Technik
sowie einem Röntgendetektor, welcher Röntgenstrahlung
γ
registriert und abbildet. Bei
heute gängigen, digitalen Detektoren erfolgt die Registrierung der Röntgenstrahlen
s
nicht
mehr chemisch auf einer Fotoplatte, sondern elektronisch auf einem Festkörperdetektor
(vgl. Abschnitt 2.3.2).
Viele Röntgenröhren verfügen über einen Kollimator, welcher die Form des Röntgenstrah-
lenbündels beeinflusst. In der CT sind fächerförmige Strahlenbündel gängig, wohingegen
kegel- oder pyramidenförmige Strahlenbündel namensgebend für die in dieser Arbeit
betrachteten CBCT sind.
3D-Röntgensysteme bilden Objekte als Volumen
V
und nicht nur als Bild
B
ab. Im We-
sentlichen gibt es innerhalb der dreidimensionalen Röntgenbildgebung zwei Systemarten,
die weit verbreitet sind: CTs und 3D-C-Bögen. Beide stehen stellvertretend für die Art
der Bildgebung: CT und CBCT. Im Folgenden wird der Fokus auf CBCT-Systeme gelegt.
2.2.1 3D-C-Bögen
Das gängigste System zur 3D-Röntgenbildgebung mittels CBCT ist ein 3D-C-Bogen.
Abbildung 2.2 zeigt einen schematischen Aufbau.
1
2
3
4
5
J1
J2J3
J4
J5psrc
pimg
piso
Sensorfläche
Zentralstrahl
Abbildung 2.2:
Schematischer Aufbau eines C-Bogens. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2018
Bei diesem System sind Röntgenröhre (3) sowie Röntgendetektor (4) fest über eine
C-Brücke (2) miteinander verbunden. Diese Brücke wird entlang ihres Außenrandes
verschoben, wodurch Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
im Abstand
a
zueinander
rotieren. Die Reichweite dieser Rotation bezeichnet man als maximale Orbitalauslen-
kung
ωmax
. Der Haltearm der C-Brücke kann horizontal (
J1
) und vertikal (
J3
) verschoben
und über die Schwenkachse (
J2
) zum Fahrwerk verdreht werden. An der Propellerach-
se (
J4
) wird die C-Brücke gekippt, während die Rotation axial um die Patient
∗
in auf
der Orbitalachse (
J5
) erfolgt. Der Haltearm (5) der Brücke ist auf einem Fahrwerk (1)
montiert, sodass der gesamte C-Bogen mobil ist.
10
2.2 Systeme zur Kegelstrahl-Computertomografie
Mit einem 3D-C-Bogen werden ca. 100
bis
120 Röntgendurchleuchtungen
B
aus be-
liebigen Winkeln
α
entlang der gesamten maximale Orbitalauslenkung
ωmax
aufge-
nommen. Diese Projektionsbilder
B
haben typischerweise eine Bildauflösung
AB
von
(1024
×
1024)
px
und einen Dynamikumfang
L
von 16
bit
. Der Aufnahmevorgang mit
üblicherweise 120
Projektionen
geschieht automatisiert, da heutzutage alle Gelenke
J
mit
Motoren ausgestattet sind, und dauert ca. 1
Minute
. Aus den Projektionsbildern
B
wird
das Volumen
V
rekonstruiert, wobei sich die Zentralstrahlen aller Projektionsbilder
B
im
Isozentrum
piso
schneiden. Das rekonstruierte Volumen
V
ist isometrisch und umfasst
zumeist einen Kubus mit 15
cm bis
18
cm
Kantenlänge. Abbildung 2.3 zeigt exemplarisch
zwei moderne 3D-C-Bögen.
Abbildung 2.3:
3D-C-Bögen Cios Flow von Siemens Healthineers GmbH, Erlan-
gen, (links) und Vision RFD 3D von Ziehm Imaging GmbH, Nürn-
berg, (rechts). Quelle links: Siemens Healthineers GmbH, Erlangen,
abgerufen am 10.11.2022 von
https://marketing.webassets.
siemens-healthineers.com/c66457c44ac98664/9a8831d9a27e/
v/13005233725a/Mobile-C-arm-machine_Cios-Flow.png
. Quelle
rechts: Ziehm Imaging GmbH, Nürnberg, abgerufen am 10.11.2022 von
https://www.ziehm.com/fileadmin/_processed_/e/5/csm_product-
image-ziehm-vision-rfd-3d-3131-cmos_ec02318ae9.jpg
2.2.2 Digitale Volumentomografen
Das erste inverkehrgebrachte CBCT-System war ein Digitaler Volumentomograf (DVT)
zur Aufnahme anatomischer Strukturen für die MKG. Ähnlich eines 3D-C-Bogens sind die
Bildgebungskomponenten auf einer festen, C-förmigen Struktur angeordnet und werden
axial um den Kopf der sitzenden Patient
∗
in geführt. Die Funktionsweise ist zu einem
C-Bogen identisch, jedoch unterscheiden sich die Parameter der Röntgenbildgebung.
Vor allem ist die Ausgangsspannung
Ua
der Röntgenröhre geringer (ca. 90
kV
), weshalb
DVT-Systeme auch von medizinischem Personal ohne radiologische Ausbildung bedient
werden dürfen. Dieser Umstand macht DVT in zahnmedizinischen Fachkliniken sehr
beliebt. Abbildung 1.2 auf Seite 3 zeigt ein DVT in der Anwendung.
11
2 Stand der Technik
2.2.3 Medtronic O-Arm
Ein spezielles System für die intraoperative 3D-Röntgenbildgebung ist der O-Arm der
Firma Medtronic plc, Dublin, Irland, (vgl. Abbildung 2.4). Der O-Arm vereint die beiden
Konzepte C-Bogen und Computertomograph in einem System. Grundsätzlich funktioniert
er nach dem CBCT-Prinzip eines C-Bogens. Allerdings lässt sich das System seitlich
schließen, sodass die Bildgebungskomponenten mehrfach über 360
◦
axial rotieren. Die
Aufnahmedauer für ein vollständiges, nicht-isometrisches Voxelvolumen
V
à(512
×
512
×
192)vx beträgt weniger als 25s (Medtronic Navigation 2007).
Abbildung 2.4:
Intraoperativ einsetzbares CBCT-System O-Arm der Firma Medtro-
nic plc, Dublin, Irland, im geöffneten, halbgeschlossenen und geschlosse-
nen Zustand. Quelle: (Medtronic Navigation 2007)
2.2.4 Robotergeführte CBCT-Systeme
Eine weitere Kategorie bilden robotergeführte CBCT-Systeme. Die Befestigung der C-
Brücke an einem Endeffektor (TCP) eines Roboterarms ermöglicht wesentlich mehr
Bewegungsfreiheit der bildgebenden Komponenten. Dadurch kann die Bildgebungsquali-
tät
Q
insbesondere für Spezialanwendungen weiter gesteigert werden. Darüber hinaus
sind solche Systeme in OP-Sälen integriert, wodurch sie ohne Verzögerung zur Verfügung
stehen.
Robotergeführte CBCT-Systeme gibt es sowohl boden-, als auch deckenmontiert. Die
Systeme Artis Zeego der Firma Siemens Healthineers GmbH, Erlangen, und Allura Xper
FD20 von Philips Healthcare GmbH, Hamburg, werden beispielhaft in Abbildung 2.5
gezeigt.
2.2.5 Offene CBCT-Systeme
Die bisher vorgestellten CBCT-Systeme führen Röntgenröhre und -detektor starr befestigt
an der C-Brücke. Hierdurch wird der Zugang von Chirurg
∗
innen zu Patient
∗
innen sowie
die Bewegungsfreiheit des CBCT-Systems während des 3D-Scans eingeschränkt.
Dies aufgreifend wurde am Fraunhofer IPK, Berlin, ein Funktionsmuster eines offe-
nen Röntgenscanners entwickelt: ORBIT – Offener Röntgenscanner für die Bildgeführte
12
2.2 Systeme zur Kegelstrahl-Computertomografie
Abbildung 2.5:
Robotergeführte CBCT-Systeme Artis Zeego (links) und Allura
Xper FD20 (rechts). Quelle links: Siemens Healthineers GmbH, Er-
langen, abgerufen am 10.11.2022 von
https://nocamels.com/wp-
content/uploads/2017/04/Siemens-Artis-Zeego-robotic-
surgery-courtesy-of-Siemens.jpg
. Quelle rechts: Philips Heal-
thcare GmbH, Hamburg, abgerufen am 10.11.2022 von
https://images.
philips.com/is/image/PhilipsConsumer/HC722012CA-UPL-global-
001?wid=4000&hei=4000&fit=constrain&fmt=jpeg&qlt=100,1
Interventionelle Therapie – bewegt die Bildgebungskomponenten auf zwei Kinematiken un-
abhängig voneinander. Während ein Industrieroboterarm die Röntgenröhre führt, bewegt
eine eigenentwickelte 5-Achs-Kinematik den Flachbilddetektor unterhalb des OP-Tisches.
Die dadurch generierten Schrägaufnahmen sind komplizierter für eine Rekonstruktion
verwertbar und ermöglichen gleichzeitig mehr Gestaltungsfreiheit beim Systemdesign und
dessen Integration in den OP. Abbildung 2.6 (links) zeigt das Funktionsmuster ORBIT.
Abbildung 2.6:
Offenes CBCT-Konzept ORBIT (links) und System Multitom
Rax (rechts). Quelle links: Fraunhofer IPK, Berlin, 2014. Quel-
le rechts: Siemens Healthineers GmbH, Erlangen, abgerufen am
10.11.2022 von
https://my.ifdesign.de/upload/entry_ex_media/
award_309/177093_11682_large_entry_medium.jpg
Ein ähnliches Konzept wurde von der Firma Siemens Healthineers GmbH, Erlangen, verfolgt
und im Produkt Multitom Rax umgesetzt. Dieses System bewegt die Bildgebungskompo-
nenten unabhängig voneinander auf Kinematiken, die neben rotatorischen Achsen
J
auch
translatorische Achsen
J
beinhalten. Zudem sind die Kinematiken über ein deckenmon-
13
2 Stand der Technik
tiertes Schienensystem verbunden, sodass sie nahezu beliebig im Operationssaal (OP)
positioniert werden können. Multitom Rax ist in Abbildung 2.6 (rechts) gezeigt. Das
System ist technisch in der Lage, beliebige Bewegungsbahnen Tzu fahren.
2.3 Verfahren zur Reduktion der Strahlenbelastung
Medizinische Röntgenbildgebung belastet jeden Organismus in Abhängigkeit bestimmter
Parameter mehr oder weniger stark. In diesem Abschnitt werden technische Verfahren
vorgestellt, mit denen Systemhersteller über die selbstverständlichen Verhaltensregeln –
wie das Tragen von Schutzkleidung – hinaus versuchen, die verabreichte Dosis
DH
an
Patient∗innen zu reduzieren.
2.3.1 Gepulste Bildgebung
Um mittels CBCT Volumina
V
abzubilden werden viele Durchleuchtungen
B
generiert
und rekonstruiert (vgl. Abschnitt 2.2.1). Anstatt Patient∗innen während der Bewegung
der Bildgebungskomponenten kontinuierlich zu durchleuchten, werden kurze Röntgen-
pulse ausgesandt und detektiert. Aufgrund der kürzeren Durchleuchtungszeit und in
Abhängigkeit der klinischen Aufgabenstellung können 70%
bis
90% der Äquivalentdo-
sis
DH
eingespart werden (Bauer etal. 2000). Die erreichbare Bildqualität
QB
einer
gepulsten Durchleuchtung hängt maßgeblich von der Qualität
Q
des Pulses selbst ab.
Technisch wird gefordert, einen möglichst exakten Rechteckimpuls des Röntgengenerators
zu erreichen. Heutzutage schaffen dies nur Generatoren in Split-Bauweise, nicht jedoch
Monoblock-Generatoren. Abbildung 2.7 verdeutlicht den Sachverhalt.
Abbildung 2.7:
Darstellung realistischer Pulse im Vergleich zur kontinuierlichen und ideal
gepulsten Durchleuchtung. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Übliche Pulsdauern liegen zwischen 20
ms bis
300
ms
. Röntgenpulse erzeugen prinzipiell
rauschanfälligere Bilder
B
und sind unempfindlicher gegenüber Bewegung (Schlegel, Kar-
ger und Jäkel 2018). Mit modernen Bildverarbeitungstechniken können Bildinformationen
unterschiedlicher Pulse zur Qualitätssteigerung aufsummiert werden.
14
2.3 Verfahren zur Reduktion der Strahlenbelastung
2.3.2 Festkörperdetektoren
Wieviel Energie
Eγ
für die Durchleuchtung von Objekten benötigt wird, hängt einerseits
von der Materialbeschaffenheit des Objekts ab. Andererseits ist die Empfindlichkeit
des Röntgendetektors entscheidend. Je empfindlicher und schneller ein Detektor auf
Röntgenphotonen
γ
reagiert, desto weniger Strahlung muss aufgewendet werden, um
Objekte zu durchleuchten und desto weniger Dosis DHwird verabreicht.
Kurz nach der Jahrtausendwende wurde begonnen die üblichen Röntgenfilme durch digital
auslesbare Festkörperdetektoren zu ersetzen. Diese bieten neben einer verzerrungsfreien
Abbildung den Vorteil einer sehr hohen Sensitivität. Röntgenphotonen
γ
treffen – nachdem
sie das Objekt durchdrungen haben – auf eine Szintillator-Schicht. Diese interagiert mit
Photonen über den Comptoneffekt: Pro Röntgenphoton
γ
werden mehrere Photonen
sichtbaren Lichts erzeugt, welche durch Fotodioden detektiert, in entsprechende Ladungen
übertragen und zu einem digitalen Bild
B
zusammengeführt werden. Einen schematischen
Aufbau zeigt Abbildung 2.8.
1
2
3
4
Abbildung 2.8:
Schematische Darstellung eines Festkörperdetektors bestehend aus Streu-
strahlenraster (1), Szintillator (2), Fotodioden (3) mit Dünnfilmtransis-
toren (TFT) sowie einem Gehäuse (4). Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2019
In den ersten Generationen wurden CCD-Sensoren zur Registrierung des sichtbaren Lichts
verwendet. Gegenwärtig werden wesentlich dynamischere und noch empfindlichere CMOS-
Sensoren verwendet. Aktuelle Detektoren weisen auch einen höheren Dynamikumfang
L
auf – sie detektieren Röntgenbilder
B
mit wesentlich mehr Graustufen. Üblich sind
12
bit
(4096 Graustufen), möglich sind bereits 16
bit
(65 536
Graustufen
). Nach heutigem
Stand der Technik gilt: Je höher der Dynamikumfang
L
und je empfindlicher Detektoren
sind, desto schneller wird ausreichend Strahlung zur Verwertung registriert. Auf diese
Weise werden die Pulsdauern der Röntgenpulse weiter verkürzt. Aus physikalischer
Sicht sind jedoch Grenzen gesetzt. Zur Verwertung eines Röntgenpulses bedarf es einer
Mindestmenge von 108Photonen.
15
2 Stand der Technik
2.3.3 Kollimatoren und Blenden
In medizintechnischen Röntgenröhren wird prinzipiell diffuse Strahlung erzeugt. Damit
diese zielgerichtet nur Patient
∗
innen trifft, passiert die Strahlung einen in der Röntgen-
röhre verbauten Kollimator. Dieser besteht aus stark absorbierendem Material mit vielen,
in Strahlrichtung verlaufenden Bohrungen. Ca. 1 % der erzeugten Strahlung verlässt den
Kollimator als nahezu paralleles Strahlenbündel, der Rest wird vorher absorbiert.
Damit tatsächlich nur jene Gewebe
T
bestrahlt werden, welche von medizinischem Inter-
esse sind, begrenzen Blenden das Strahlenbündel bereits in der Röntgenröhre. In allen
bisher vorgestellten Röntgensystemen verfügt das Blendensystem über mehrere, teils
überlappend angeordnete Lamellen aus stark absorbierendem Material. Diese können
softwareseitig so positioniert werden, dass nur ein rechteckiger Ausschnitt des Detek-
tors bestrahlt wird. Komplexere Blendensysteme ermöglichen auch kreisförmige oder
achteckige Bildausschnitte.
2.3.4 Anpassung der Dosis
Viele CBCT-Systeme verfügen über eine Dosisanpassung und variieren Röntgenparameter
vor jedem Scan. Um qualitativ hochwertige Durchleuchtungen zu erhalten, werden im
Normalfall drei bis fünf gepulste Durchleuchtungen zu einem Bild
B
kombiniert. Da
die Bildqualität
QB
maßgeblich von den der Röntgenröhre zugeführten Strom- und
Spannungswerten und den daraus resultierenden Energiespektren
E
abhängt, werden
diese in einer Initialphase pro Puls variiert. Aus den ersten Bildern
B
wird das opti-
male Kontrastverhältnis – und damit die Dosis
DH
– durch Bildanalyse des gesamten
Röntgenbildes Bbestimmt und für den Rest des Scans festgelegt.
Die Firma Ziehm Imaging GmbH, Nürnberg, nutzt in ihren C-Bögen Object Detected Dose
Control (ODDC) zur Dosisreduktion. Anstatt das gesamte Bild
B
zu analysieren, wird
bei ODDC über das Bild
B
des Flachdetektors ein virtuelles, grobmaschiges Netz gelegt.
In diesem Netz wird das zu scannende Objekt durch Bildverarbeitung erkannt und jene
Netzpunkte identifiziert, die das Objekt abbilden. Ausschließlich für diese Netzpunkte
wird die Dosis optimiert. Der Vorteil besteht darin, dass das Kontrastverhältnis für das
interessante Gewebe
T
optimiert wird und Systeme nicht mehr exakt ausgerichtet sein
müssen.
2.3.5 Anordnung der Bildgebungskomponenten
Beim Durchdringen von Materie übertragen Röntgenphotonen
γ
einen Teil oder ihre
gesamte Energie
Eγ
an diese Materie. In medizinischen Röntgenräumen oder im Ope-
rationssaal liegt die organische Struktur
T
häufig auf einem Tisch, dessen Material
nahezu röntgendurchlässig ist. Eine weitere Maßnahme zur Reduktion der verabreich-
ten Energiedosis
DE
besteht darin, die Röntgenröhre grundsätzlich unterhalb und den
16
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
Röntgendetektor oberhalb des Tisches anzuordnen. Abbildung 2.9 veranschaulicht den
Sachverhalt.
psrc
psrc
Abbildung 2.9:
Schematische Darstellung der Dosisabgabe bei unterschiedlicher Rönt-
genquellenanordnung: Patient
∗
in erfährt hohe Energiedosis
DE
(links),
Patient
∗
in erfährt niedrigere Energiedosis
DE
(rechts). Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2018
Die Anordnung der Röntgenröhre unterhalb des Tisches bewirkt, dass Röntgenphotonen
γ
mit einer geringeren Photonenenergie
Eγ
auf organisches Material
T
treffen. Die für die
Durchdringung des Tisches zusätzliche Energie Eγ, ist dann bereits abgegeben.
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
2.4.1 Einfluss der Aufnahmebahn auf die Rekonstruktion
Prinzipiell muss für eine exakte und vollständige Rekonstruktion die Menge der Projekti-
onsbilder
B
über einen Winkelbereich
α
von mindestens 180
◦
aufgenommen werden. Bei
Röntgenröhren mit kegelförmigem Strahlengang erweitert sich dieser um deren Öffnungs-
winkel
ϕmax
– typischerweise 16
◦
. Nur wenige der in Abschnitt 2.2 vorgestellten Systeme
verfügen über die resultierende maximale Orbitalauslenkung
ωmax
von 196
◦
, da dies mit
erhöhten Konstruktionsanforderungen einhergeht.
Tuy (1983) beschreibt eine Formel für die Rekonstruktion von Aufnahmeserien entlang
beliebiger Bewegungsbahnen
T
für die CBCT. Die drei Voraussetzungen an die Bewe-
gungsbahn
Tsrc
des Kegelstrahlursprungs
psrc
werden umso besser erfüllt, je größer die
konvexe Hülle von
Tsrc
ist. Erstens soll die Bewegungsbahn
Tsrc
immer außerhalb des
Volumens
V
verlaufen. Zweitens soll sie eine geschlossene, stetige und überall differen-
zierbare Kurve
C
beschreiben. Drittens soll eine senkrecht zur Kegelrichtung stehende
und das Volumen
V
schneidende Ebene
P
auch die Bewegungsbahn
Tsrc
in mindestens
17
2 Stand der Technik
zwei Punkten
p
schneiden. Im Allgemeinen erfüllen alle geschlossenen, kreisförmigen Bah-
nen
T
diese Bedingungen. Nur dann kann die durch den Zentralstrahl des Röntgenkegels
aufgespannte Schicht exakt rekonstruiert werden.
Ist die Orbitalauslenkung
ωmax
des bildgebenden Systems geringer als die üblichen
196
◦
, spricht man von winkelbeschränkten Aufnahmebahnen
T
. Das Problem wurde
bereits 1983 von Hayner (1983) als Missing Cone Problem benannt. Rekonstruktionen
winkelbeschränkter Aufnahmeserien sind nie exakt – es bilden sich Artefakte. Trotz allem
können artefaktbehaftete Volumina Vdurchaus zur Diagnose genutzt werden.
Grundlage für die Modellierung der Röntgenstrahlenschwächung durch inhomogene
Materialien ist die in Gleichung (2.8) gezeigte Integraltransformation:
Rf(a, η) = ∫︂∞
−∞
f(acosη+tsin η, a sin η−tcos η) dt(2.8)
Die Radontransformation bildet das Integral einer Dichtefunktion
f
über alle Geraden der
Ebene
P
, wobei Geraden durch einen Winkel
η
und eine Länge
a
über den bestimmenden
Parameter
t
parametrisiert sind. Die für die Rekonstruktion erforderliche Rücktransfor-
mation stellt aus mathematischer Sicht ein schlecht gestelltes Problem dar: Weder ist
die Existenz einer Lösung gewiss, noch ist sie eindeutig oder von den Eingangsdaten
stetig abhängig. Die inverse Radontransformation erfüllt die letzte Eigenschaft nie. Win-
kelbeschränkte Projektionsbildserien erfüllen auch die zweite Eigenschaft nicht und es
existieren mehrere Rekonstruktionslösungen.
Vollständige Projektionsdaten ermöglichen eine Rekonstruktion über die gefilterte Rück-
projektion (FBP) oder Fourier-Transformationen. Für abseits einer 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
generierte Aufnahmeserien ist die FBP nicht mehr anwendbar und es muss auf die rechen-
intensive algebraische Rekonstruktionstechnik (ART) zurückgegriffen werden. Andere
Ansätze basieren darauf, fehlende Projektionsbilder
B
mittels Extrapolation möglichst
genau zu schätzen. Die von Sezan und Stark (1982) vorgeschlagenen Ansätze versuchen,
unter Einbeziehung von Randbedingungen wie Amplitudengrenzen oder räumlichen
Beschränkungen, die Qualität Qder Rekonstruktion zu erhöhen.
2.4.2 Kreisbahn
Die in Abschnitt 2.2 vorgestellten Konzepte und Systeme fahren überwiegend Kreis-
bahnen axial um Patient
∗
innen herum. Die Gleichungen (2.9) und (2.10) beschreiben
Kreisbahnen für Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
und bilden die Basis für alle
18
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
folgenden Betrachtungen:
Tsrc(α) = piso +asrc ·(cos(α+αK),sin(α+αK),0)T(2.9)
Timg(α) = piso +aimg ·(cos(α+αK+π),sin(α+αK+π),0)T(2.10)
wobei αK=−αmax +π
2und α∈[αmin, αmax]
Generell werden Bewegungsbahnen in dieser Arbeit mit
T
bezeichnet, wobei
α
eine
Laufvariable im Intervall [
αmin, αmax
]darstellt. Für 196
◦
-Kreisbahnen
T196◦
gilt
α∈
[0 . . . 196]
.
piso
bezeichnet das Isozentrum, zumeist mittig in der untersuchten Region of
Interest (RoI)
Rfocus
positioniert. Der Abstand der jeweiligen Bildgebungskomponente
zum Isozentrum
piso
wird mit
a
beschrieben und ist bei einer 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
konstant.
Abbildung 2.10:
Axiale Kreisbahn von Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
aus der
Vogelperspektive (links), von oben (rechts oben), vorn (rechts mitte)
und rechts (rechts unten). Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Abbildung 2.10 verdeutlicht die Darstellung, die in dieser Arbeit für Bewegungsbahnen
T
gewählt wird. Die Bewegung der Röntgenquelle
psrc
wird rot, die des Sensorzentrums
pimg
blau dargestellt. Die Abbildung ist viergeteilt: Links wird die Bewegungsbahn aus der
Vogelperspektive dargestellt, rechts in den orthografischen Standardansichten oben,vorn
und rechts.
Kreisbahnen werden wegen der einfachen konstruktiven Umsetzung und der etablierten
Verfahren zur Rekonstruktion häufig gewählt. Gleichwohl gibt es viele Ansätze, sich von
kreisförmigen Bewegungsbahnen
T
zu lösen, um z. B. die Rekonstruktionsqualität
Q
bei
winkelbeschränkten Aufnahmen weiter zu erhöhen.
19
2 Stand der Technik
2.4.3 Kugelbahn
Eine nur für theoretische Betrachtungen eingesetzte Bewegungsbahn ist die Kugel-
bahn
Tsphere
. Bei dieser sind alle Posen
τ
gleichmäßig auf einer Kugeloberfläche S
2
verteilt und damit die Informationsgenerierung für die Rekonstruktion maximiert. Im
Vergleich zu anderen Bewegungsbahnen
T
, liefert eine Kugelbahn
Tsphere
die beste Re-
konstruktionsqualität
Qs
für das gesamte Voxelvolumen
V
. Abbildung 2.11 zeigt eine
theoretische Umsetzung, die in der Praxis keine Anwendung findet, weil die Bildgebungs-
komponenten zwangsläufig mit dem OP-Tisch kollidieren.
Abbildung 2.11:
Posen
τ
einer Kugelbahn
Tsphere
in einem theoretischen Einsatz am
OP-Tisch. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Saff und Kuijlaars (1997) stellen einen Algorithmus vor, der eine beliebige Menge an
Punkten
pS2
auf einer Kugeloberfläche S
2
gleichmäßig verteilt. Dazu werden alle Punk-
te
pS2
in Kugelkoordinaten abgebildet. Während der Radius
r
der Kugel konstant bleibt,
variieren ausschließlich Polarwinkel
θ
und Azimuthwinkel
φ
gemäß den Gleichungen (2.11)
und (2.12):
hi=−1 + 2i−1
Nτ−1,1≤i≤Nτ
θi= arccos(hi)(2.11)
φi=⎛
⎝φi−1+3,6
√Nτ
1
√︂1−h2
i⎞
⎠(mod2π),(2.12)
wobei 2≤i≤Nτund φ0=φNτ= 0◦
Hierin bezeichnet
Nτ
die Anzahl unterschiedlicher Posen
τ
in der Kugelbahn
Tsphere
. Die
entstehende Punktemenge stellt eine verallgemeinerte Spiralmenge dar. Ausgehend von
20
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
den Polen wird die Kugel in
Nτ
parallele Ebene
P
geschnitten – es entstehen
Nτ
Kreise
unterschiedlicher Radien
r
. Auf jedem Kreis befindet sich genau ein Kugeloberflächen-
punkt
pS2
, wobei der Azimuthwinkel
φ
zwischen Punkten zweier benachbarter Kreise
nach Gleichung (2.12) berechnet wird.
2.4.4 Sinusoid- und Wobblebahn
Ein Ansatz, die in Abbildung 2.10 gezeigte kreisförmige Bewegungsbahn
T
zu variieren,
besteht darin, sie schwingen zu lassen. Ist die Schwingung sinusförmig, entsteht eine
Sinusoid-Bahn, deren Ordnung
z
von der Periodenzahl der Sinusschwingung abhängt
(Abbildung 2.12).
−101−101
−1
0
1
xy
z
−101−101
−1
0
1
xy
z
Abbildung 2.12:
Sinusoidkurve 2. Ordnung
z
(links) und 3. Ordnung
z
(rechts). Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2011
Ausgehend von einer allgemeinen, parametrisierten Bewegungsbahn
T
in Gleichung (2.13)
mit minimaler Periode 2
π
, muss diese Gleichung drei Bedingungen erfüllen, damit eine
beliebige Kurve
C
, die durch diese Gleichung beschrieben wird, einen abgeschlossenen,
einfach-verbundenen und beschränkten Sinusoid der Ordnung z≥2bildet.
Tsrc(α)=(Tsrc,x(α),Tsrc,y(α),Tsrc,z(α)) (2.13)
Erstens müssen für jede Ebene
P
in Z-Richtung
P
(
z
)
, z ∈
[
zmin, zmax
]genau 2
z
Schnitt-
punkte
Tsrc
(
αi
(
z
)) mit der Kurve
C
existieren, wobei in den folgenden Betrachtungen
i∈
[1
,
2
z
]gilt. Zweitens bilden
αi
(
z
)kontinuierliche Funktionen und alle
Tsrc
(
αi
(
z
)) ein
konvexes Polynom Ωin Abhängigkeit von
z
. Drittens bilden alle Polynome Ω(
z
)
, z ∈
[zmin, zmax]eine parallele Gruppe (Yang etal. 2006).
Die Orientierung der Ebene
P
, in der sich die C-Brücke eines C-Bogens bewegt, wird
über die Propellerachse
J4
und deren Auslenkung
ϱ
kontrolliert. Wird die Z-Achse als
21
2 Stand der Technik
Drehachse für die Orbitalauslenkung
ω
definiert, ergibt sich die Positionsbestimmung des
Röntgenfokuspunktes psrc nach Gleichung (2.14).
T(ω, ϱ)=(asrc cos ωcosϱ, asrc cos ωsin ϱ, asrc sin ω)(2.14)
Stellt man die Orbitalauslenkung
ω
=
ω
(
ϱ
)als Funktion von
ϱ
dar, wird aus Glei-
chung (2.14) eine durch
ϱ
parametrisierte Sinusoidkurve. Beispiele für solche Funktionen
sind:
ω(ϱ) = arctan (︃kcos(zϱ)
√1−k2)︃k∈ {0,1}(2.15)
ω(ϱ) = kcos(zϱ)k∈{︃0,π
2}︃. (2.16)
Pack, Noo und Kudo (2004) betrachten eine Sattelkurve als Bewegungsbahn
T
für die
CT und CBCT. Diese Sinusoidkurve 2. Ordnung soll die kreisförmige Rotation der
Röntgenröhre ersetzen. Die Vorteile einer solchen Bewegungsbahn
T
liegen in der höheren
Rekonstruktionsqualität
Q
, da sich die Orientierung der Durchleuchtung
B
in sechs statt
der üblichen fünf Freiheitsgrade bewegt.
Eine Verallgemeinerung des Ansatzes auf abgeschlossene Sinusoidkurven höherer Ord-
nung
z
wird von Yang etal. (2006) vorgestellt. Vorteile ergeben sich aus der größeren
konvexen Hülle, in der die Bedingungn von Tuy (1983) erfüllt sind. Sinusoidbahnen
gerader Ordnung zkönnen prinzipiell von jedem 3D-C-Bogen ausgeführt werden.
Tita und Lüth (2007) stellen eine Bewegungsbahn
Twobble
für 3D-C-Bögen vor, die
den Sinusoid-Ansatz aufgreift. Grundlage der Untersuchungen ist die Beschreibung
kinematischer Ketten mit Hilfe des Denavit-Hartenberg-Formalismus (DH-Parameter)
(Hartenberg und Denavit 1964).
baseTimg(ω) = ⎡
⎢
⎢
⎢
⎣
0 1 0 0
cos(ω) 0 sin(ω)η6cos(ω)−η5sin(ω) + a3
sin(ω) 0 −cos(ω)η6sin(ω)−η5cos(ω) + a1
0 0 0 1
⎤
⎥
⎥
⎥
⎦
(2.17)
In Gleichung (2.17) ist die Vorwärtskinematik vom Basiskoordinatensystem
base
T
img
zum Röntgendetektor
pimg
beschrieben.
ω
bezeichnet den Rotationswinkel der C-Brücke
entlang ihrer Orbitalachse
J5
.
η5
,
η6
,
a1
und
a3
sind DH-Parameter der Gelenke
J1
bis J5.
Um eine Sinusoid-ähnliche Bewegungsbahn
T
mit einem 3D-C-Bogen umzusetzen, variie-
ren die Autoren die Sinusamplitude. Während der Orbitalbewegung wird nun auch eine
22
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
Abbildung 2.13:
Wobblebahn
Twobble
– eine um laterale Schwingungen erweiterte 180
◦
-
Kreisbahn eines 3D-C-Bogens. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020,
adaptiert aus (Tita und Lüth 2007)
Schwingung entlang der Propellerachse
J4
ausgeführt (Abbildung 2.13). Tita und Lüth
(2007) geben keine Rekonstruktionsergebnisse an, weil zum Zeitpunkt der Publikation
am benutzten 3D-C-Bogen die Propellerachse J4nicht motorisiert war.
2.4.5 Polynomielle Bewegungsbahn
Eine Bewegungsbahn
TΩ
auf polynomieller Basis wird von Stopp, Käseberg etal. (Stopp,
Käseberg et al. 2012, Stopp 2014) in mehreren Beiträgen vorgestellt. Motiviert wird der
Ansatz durch eine höhere, maximal erreichbare Bildqualität
QB
, eine bessere Ausnutzung
verfügbarer Systemfreiheitsgrade und eine Vergrößerung des bestrahlten Volumenbe-
reichs
V
. Im ersten Schritt wird die 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
derart abgeändert, dass der
Röntgendetektor pimg möglichst patient∗innennah geführt wird.
Tsrc(α) = piso +asrc(α)·(cos(α+αK),sin(α+αK),0)T(2.18)
Timg(α) = (xα,Ω(xα),0)T(2.19)
wobei asrc(α) = a−||piso −Timg(α)|| (2.20)
mit α∈[αmin, αmax]und αmin = 0◦
Die Bewegungsbahn des Röntgendetektors
Timg
wird durch ein Polynom 6. Grades Ω(
xα
)
mit ausschließlich geraden Koeffizienten beschrieben und durch ein Optimierungsver-
fahren gefunden. Die Bewegungsbahn der Röntgenquelle
Tsrc
wird orthogonal und mit
konstantem Abstand azum Detektor pimg geführt.
23
2 Stand der Technik
Abbildung 2.14:
Polynomielle Bewegungsbahn von Röntgenquelle und -detektor mit
Neigung der Röntgenquelle und linearer Bewegung des Detektors. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Im zweiten Schritt wird mit dem Ziel der Artefaktreduktion – insbesondere metallischer
Gegenstände wie Implantate – die Bahngestaltung um einen Neigungswinkel
β
der
Röntgenquelle psrc ergänzt. Folgende Gleichung beschreibt deren Bahn Tsrc:
Tsrc(α, β) = piso +asrc(α)·⎛
⎜
⎝
cos(Kα +αK)cos(β)
sin(Kα +αK) cos(β)
sin(β)⎞
⎟
⎠(2.21)
mit K={︄−1α < 0
1α≥0,α∈[−αmax, αmax], β ∈[−βmax, βmax]
Bei der Gestaltung der Bewegungsbahn
Timg
des Detektors nutzen die Autoren die
Möglichkeit, den Detektor
pimg
unterhalb und entlang des Tisches auch linear zu verfahren.
Die maximale lineare Detektorauslenkung ist mit
alin,max
beschrieben. Durch die lineare
Auslenkung
alin
ist die Bewegung unabhängig von der Neigung
β
der Röntgenröhre,
sodass es zu Schrägaufnahmen kommt. Basierend auf der polynomiellen Bewegung aus
Gleichung (2.19) ergibt sich:
Timg(α) = ⎧
⎪
⎪
⎪
⎪
⎨
⎪
⎪
⎪
⎪
⎩
(︂xα,Ω(xα),−1
2alin,max)︂Tα∈[︂−αmax,−1
2αmax]︂
(︂xα,Ω(xα),sin (︂πα
αmax )︂·1
2alin,max)︂Tα∈[︂−1
2αmax,1
2αmax]︂
(︂xα,Ω(xα),1
2alin,max)︂Tα∈[︂1
2αmax, αmax]︂(2.22)
24
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
Diese Bewegungsbahn ist in Abbildung 2.14 verdeutlicht.
2.4.6 Rotation und Translation
Die Autoren Ritschl et al. (2016) und Kuntz et al. (2016) beschreiben einen Ansatz,
bei dem eine kreisförmige 165
◦-
Bewegungsbahn an einem C-Bogen um translatorische
Komponenten ergänzt wird. Ausgehend von der Annahme, eine exakte Rekonstruktion
bedinge mindestens eine 180
◦
-Kreisbahn, zeigen die Autoren, dass die fehlende Orbital-
auslenkung
ωmax
durch entsprechende Verschiebung der C-Brücke komplett kompensiert
werden kann. Dies gilt allerdings nur, solange der fehlende Winkel kleiner als der Öff-
nungswinkel
ϕmax
des Kegelstrahls ist. Die Verschiebung wird allein über die Höhen-
und Längsachse des C-Bogens (
J1
und
J3
in Abbildung 2.2 auf Seite 10) erreicht. Die
Bewegungsbahnen Tbeider Komponenten sind in Abbildung 2.15 gezeigt.
Abbildung 2.15:
Um eine Translation an beiden Enden erweiterte 165
◦
-Kreisbahn eines C-
Bogens. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020, in Anlehnung an (Kuntz
etal. 2016)
Um eine möglichst genaue Rekonstruktion zu erreichen, ergänzen die Autoren die Ge-
wichtungsfunktion
w
(
ϑ, ϕ
), mit der die aufgenommenen Projektionsbilder
B
für die
Rekonstruktion vorbereitet werden. Auf diese Weise können die während der Translation
aufgenommenen Projektionsbilder
B
verwertet werden ohne den Rekonstruktionsalgo-
rithmus anzupassen. Die Rekonstruktion erfolgt dann mit der üblichen FBP. Ausgehend
25
2 Stand der Technik
von der Parker-Gewichtung in Gleichung (2.23) (Parker 1982)
w(ϑ, ϕ) =
⎧
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎨
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎪
⎩
0ϑ<αK+h(ϕ)−g(ϕ)
1 + ψ(︂ϑ−αK−h(ϕ)
g(−ϕ))︂ϑ<αK+h(ϕ) + g(ϕ)
2ϑ < (αK+π) + h(−ϕ)−g(−ϕ)
1−ψ(︂ϑ−(αK+π)−h(−ϕ)
g(−ϕ))︂ϑ < (αK+π) + h(−ϕ) + g(−ϕ)
0
(2.23)
mit g(ϕ)=∆α−ϕ(2.24)
h(ϕ)=0 (2.25)
ergänzen die Autoren die Funktionen g(ϕ)und h(ϕ)wie folgt:
g(ϕ) = 1
2(ϑ2(−ϕ)−ϑ1(ϕ)−αK−π+αK)(2.26)
h(ϕ) = 1
2(ϑ2(−ϕ) + ϑ1(ϕ)−αK−π−αK)(2.27)
α
bezeichnet den Rotationswinkel als Laufvariable zwischen
αmin
und
αmax
,
ϕ
den Winkel
innerhalb des Kegelstrahls, wobei
ϕ∈
[
−ϕmax
2,ϕmax
2
]gilt.
ϕmax
gibt den Kegelstrahl-
Öffnungswinkel an und
αK
einen frei wählbaren Korrekturwinkel. Der Winkel eines
beliebigen Strahls
s
wird mit
ϑ∈
[
αmin −ϕmax
2, αmax
+
ϕmax
2
]notiert. In Gleichung (2.23)
ist ψ(x)∈[−1,1] eine Glättungsfunktion, bspw. ψ(x) = sin(1
2πx).
Während der Translation werden Informationen außerhalb des rekonstruierbaren Volu-
mens
V
in die Projektionsbilder
B
eingebracht, wodurch die Rekonstruktionsqualität
Q
beeinträchtigt wird. Deshalb nehmen die Autoren die Blende des C-Bogens in die Be-
wegungssteuerung auf, sodass der entsprechende Teil des Projektionsbildes
B
maskiert
wird.
2.4.7 Weitere Ansätze
Penßel, Kalender und Kachelrieß (2006) gehen auf die Optimierung von Bewegungs-
bahnen
T
bezüglich einer vorher definierten RoI
Rfocus
ein. Mit Hilfe des Ansatzes
einer nicht-isozentrischen Bewegungsbahn
T
wird die in Abbildung 2.16 dargestellte
Eigenschaft für die Planung der Bewegungsbahn
T
genutzt: Je näher sich das Objekt am
Röntgendetektor
pimg
befindet, desto weniger Strahlen
s
erfassen es. Die Auflösung
AB
,
mit der das Objekt abgebildet wird, ist dann niedrig. Umgekehrt ist die Ortsauflösung
der Projektion sehr hoch, sobald sich das Objekt nah an der Röntgenquelle
psrc
befindet.
Jedoch kann der Detektor das Objekt eventuell nicht komplett abbilden.
26
2.4 Bekannte Bewegungsbahnen
I I
12345
Abbildung 2.16:
Beziehung zwischen Abstand, Objektgröße und Abbildungsauflösung
in einer Durchleuchtungsanordnung. 1 Röntgenquelle
psrc
, 2 Objekt,
3 Röntgendetektor
pimg
, 4 gemessene Strahlungsintensität
I
, 5 Kegel-
strahl. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Die resultierende Bewegungsbahn
T
wird als konvexe Hülle von vier vorher ermittelten
Bewegungsbahnen
T
angenommen. Diese sind Bahnen, die im Hinblick auf bestimmte
Eigenschaften, wie Kollisionsfreiheit oder maximale Ortsauflösung
AV
, konstruiert werden.
Der Vorteil besteht darin, die Region of Interest (RoI) maximalauflösend rekonstruieren
zu können, während die Rekonstruktion des restlichen Teils nur minderqualitativ ist.
Ebenso wird dadurch besseres Strahlendosismanagement betrieben, da uninteressante
Regionen
R
weniger belastet werden. Die vorgeschlagene Bewegungsbahn
T
beschränkt
sich auf eine Kreisebene.
In der Sicherheitstechnik, in Material- und Qualitätsprüfungen und in medizinischen
Anwendungen werden Röntgendurchleuchtungsgeräte eingesetzt, in denen sich Röntgen-
röhre und -detektor bezüglich des zu untersuchenden Objektes linear bewegen (Gao
etal. 2006). Vorteilhaft ist hierbei die Einfachheit der linearen Bewegung. Sie ist in
Abbildung 2.17 dargestellt. Die Rekonstruktionsqualität
Q
hängt jedoch maßgeblich von
der gefahrenen Strecke ab, denn für endliche Wegstrecken handelt es sich ebenfalls um
ein Rekonstruktionsproblem für winkelbeschränkte Aufnahmeserien.
Ein weiteres Verfahren ist die digitale rotatorische Laminographie, welche in der Materi-
alprüfung vorwiegend flacher Objekte eingesetzt wird. Dabei bewegen sich Röntgenröhre
und -detektor phasenverschoben auf zwei parallelen Kreisbahnen. Die so aufgenommenen
schrägen Projektionsbilder werden mithilfe der Tomosynthese zu einem Voxelvolumen
V
rekonstruiert. Dieses weist in vertikaler Richtung zwangsläufig sehr starke Artefakte auf,
wodurch Details der untersuchten Probe über- bzw. ausgeblendet werden. In flachen
Objekten sind die Auswirkungen jedoch gering.
Es gibt viele Ansätze die Tomosynthese auch für medizinische Zwecke zu nutzen. Baker
etal. (2007) beschreiben die Anwendung der Tomosynthese in der Mammographie. Hier
wird die Brust komprimiert, analog zur Laminographie durchleuchtet und Schichtbilder
B
erzeugt. So können auch Läsionen erkannt werden, die in einfachen Durchleuchtungen
B
durch überlappende Gewebestrukturen Tnicht erkennbar sind.
27
2 Stand der Technik
Abbildung 2.17:
Schema der linearen Bewegung eines Objektes durch eine feste Anord-
nung von Röntgenquelle und -detektor. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2020, basierend auf (Gao et al. 2006)
2.5 Qualitätsbewertung von Volumenbilddaten
Aktuelle Bildverarbeitung beschäftigt sich fast ausschließlich mit digitalen Bildern
B
,
bestehend aus
Npx
Pixeln (
px
). Die vom Sensor registrierten Photonen
γ
werden in
ein digitales Signal umgewandelt, von einer Software aufbereitet und üblicherweise
komprimiert. Das gespeicherte Bild
B
wurde also bereits vielfach verfälscht. Trotz aller
Verfälschungen ist diejenige Qualität
Q
von entscheidender Bedeutung, die das Bild
B
für den Betrachter hat. Verfahren zur Beurteilung der Bildqualität
QB
werden in zwei
Hauptkategorien eingeteilt: Während subjektive Methoden die Qualität
Q
direkt von
menschlichen Betrachtern bewerten lassen, versuchen objektive Methoden die Qualität
Q
algorithmisch zu erfassen (J. Liu et al. 2012, Thung und Raveendran 2009).
Die Qualität
Q
von Bildern
B
zu bewerten ist eng damit verbunden, Unterschiede
zwischen einem unveränderten Referenzbild
Br
und einem Testbild
Bt
zu analysieren
(Kumar und Rattan 2012). Die Vorteile objektiver Bewertungsmethoden liegen in der
einfachen Handhabung und schnellen Verfügbarkeit der Ergebnisse. Dahingegen ist ihre
Aussagekraft schwankend: Während hochspezialisierte Verfahren für sehr spezifische
Bilder
B
exakte Aussagen treffen, lässt bei allgemeineren Verfahren und angewandt auf
eine diffusere Bilddatenmenge die Präzision deutlich nach (Hua, L. Liu und Zhao 2015,
J. Liu etal. 2012, Thung und Raveendran 2009, Wang 2011).
Basierend auf der Verfügbarkeit eines unverfälschten Referenzbildes
Br
werden objektive
Bewertungsverfahren in Full-Reference (FR), Reduced-Reference (RR) und No-Refe-
rence (NR) Methoden eingeteilt. Im Bereich statischer Graustufenbilder wie Röntgenbilder
es sind, bilden FR-Methoden den Großteil der angewandten Methoden (Bilcu und
28
2.5 Qualitätsbewertung von Volumenbilddaten
Vehvilainen 2007, Thung und Raveendran 2009, Wang 2011). Diese Methoden lassen
sich in Abhängigkeit der verwendeten Metrik weiter unterteilen: Rein mathematische
Metriken, Metriken der strukturellen Ähnlichkeit und Metriken, die auf dem menschlichen
visuellen System beruhen.
2.5.1 Mathematische Metriken
Verfahren basierend auf rein mathematischen Metriken verarbeiten Bilder
B
als zweidi-
mensionale Signale. Sie bewerten Unterschiede zwischen dem bekannten Referenzbild
Br
und dem Testbild
Bt
als Qualitätsminderung (Thung und Raveendran 2009, J. Liu
etal. 2012). Hierbei wird das Testbildsignal
Bt
als Summe aus unbeeinträchtigtem Re-
ferenzsignal
Br
und Fehlersignal
BF
betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass der
Verlust an wahrgenommener Qualität
Q
direkt mit der Sichtbarkeit des Fehlersignals
BF
zusammenhängt (Wang, Bovik et al. 2004).
Mittlerer Quadratischer Fehler (MSE) ist der Durchschnitt der quadrierten Pi-
xelwertunterschiede zwischen Referenzbild
Br
=
{Br,i|i
= 1
,
2
, . . . , Npx}
und Testbild
Bt
=
{Bt,i|i
= 1
,
2
, . . . , Npx}
. Je kleiner der MSE, desto kleiner das Fehlersignal
BF
,
desto höher die Qualität Qdes Bildes B(Wang und Bovik 2009). MSE ist definiert als
MSE(Br, Bt) = 1
Npx
Npx
∑︂
i=1
(Br,i −Bt,i)2.(2.28)
Spitzen-Signal-Rausch-Verhältnis (PSNR) ist ein Kriterium zur Messung des
Rauschniveaus im Verhältnis zur mittleren Signalleistung und ist in Dezibel (
dB
) definiert
als
PSNR(Br, Bt) = 10log10
L2
MSE(Br, Bt).(2.29)
Dabei ist MSE gemäß Gleichung (2.28) definiert. Der Dynamikumfang
L
beziffert den
maximal möglichen Pixelwert eines Bildkanals – für ein 16-
bit
-Graustufenbild gilt
L
=
65535 (J. Liu etal. 2012, Thung und Raveendran 2009). Ein hoher Wert für PSNR
bedeutet einen großen Signal-Rausch-Abstand, der wiederum für eine hohe Qualität
Q
des Testbildes Btsteht.
2.5.2 Metriken der strukturellen Ähnlichkeit
Metriken der strukturellen Ähnlichkeit liegt die Annahme zugrunde, dass Strukturin-
formationen von Bildern
B
durch Betrachter
∗
innen besonders deutlich wahrgenommen
29
2 Stand der Technik
werden. Die Änderung der strukturellen Information zwischen Referenzbild
Br
und Test-
bild
Bt
ist demnach ein guter Indikator für die wahrgenommene Beeinträchtigung. Die
im Folgenden vorgestellten Verfahren basieren auf dieser Herangehensweise (Thung und
Raveendran 2009, Wang und Bovik 2002).
Universeller Bildqualitätsindex (UIQI) modelliert jede Bildbeeinträchtigung als
Kombination aus drei Faktoren: Verlust der Korrelation, Helligkeitsveränderung und
Kontrastveränderung (Wang und Bovik 2002). Sofern die Signale des Referenzbildes
Br
und des Testbildes
Bt
wie in Gleichung (2.28) beschrieben werden, ist der UIQI definiert
als
UIQI(Br, Bt) = σrt
σrσt·2BrBt
Br
2+Bt
2·2σrσt
σ2r+σ2t
(2.30)
mit
Br=1
Npx
Npx
∑︂
i=1
Br,i , Bt=1
Npx
Npx
∑︂
i=1
Bt,i , σ2r=1
Npx −1
Npx
∑︂
i=1
(Br,i −Br)2,
σ2t=1
Npx −1
Npx
∑︂
i=1
(Bt,i −Bt)2, σrt =1
Npx −1
Npx
∑︂
i=1
(Br,i −Br)(Bt,i −Bt).
Der Wertebereich des UIQI liegt zwischen -1 und 1. Der beste Wert 1 wird ausschließlich
dann erreicht, wenn beide Bilder in allen Pixelwerten übereinstimmen. Der schlech-
teste Wert -1 tritt auf, wenn
Bt,i
= 2
Br−Br,i
für alle
i
= 1
,
2
, . . . , Npx
gilt.
Br
und
Bt
sind die jeweiligen Mittelwerte der Bilder,
σ2r
und
σ2t
die Varianzen und
σrt
die
Standardabweichung zwischen beiden Bildern B(Wang und Bovik 2002).
Gleichung (2.30) spiegelt die modellierten Faktoren in drei Termen wider: Der erste Term
ist der Korrelationskoeffizient zwischen Referenzbild
Br
und Testbild
Bt
, welcher den
linearen Zusammenhang zwischen den beiden Signalen misst. Der zweite Term gibt an,
wie nah die mittleren Helligkeiten beider Bilder beieinander liegen.
σr
und
σt
werden
als Schätzung des Kontrastes betrachtet, dessen Ähnlichkeit durch den dritten Term
abgebildet wird. Die Zusammenfassung der drei Terme ergibt gemäß Wang und Bovik
(2002)
UIQI(Br, Bt) = 4σrtBrBt
(σ2r+σ2t)(Br
2+Bt
2).(2.31)
Struktur-Ähnlichkeits-Messung (SSIM) ist eine Verallgemeinerung des UIQI und
analog in drei Komponenten zerlegbar: Helligkeitsfunktion
l
(
Br, Bt
), Kontrastfunkti-
on
g
(
Br, Bt
)und Strukturvergleichsfunktion
s
(
Br, Bt
). SSIM fügt diesen Komponenten
30
2.5 Qualitätsbewertung von Volumenbilddaten
Wichtungsfaktoren Whinzu und ist definiert als
SSIM(Br, Bt)=[l(Br, Bt)]W1·[g(Br, Bt)]W2·[s(Br, Bt)]W3,(2.32)
mit W1>0, W2>0und W3>0
wobei
l(Br, Bt) = 2BrBt+C1
Br
2+Bt
2+C1
, g(Br, Bt) = 2σrσt+C2
σ2r+σ2t+C2
, s(Br, Bt) = σrt +C3
σrσt+C3
gilt. Für die hinzugefügten Stabilitätskonstanten Cgilt:
C1= (k1L)2, C2= (k2L)2, C3=C2
2, k1≪1, k2≪1.
Konkret werden für die Konstanten
C
die folgenden Werte vorgeschlagen:
C1
= 0
,
01
und
C2
= 0
,
03. Das Ergebnis des Verfahrens ist robust gegenüber Veränderungen der
Konstanten. Für den Fall, dass alle drei Komponenten die gleiche relative Wichtung
erhalten (W1=W2=W3= 1), ergibt sich
SSIM(Br, Bt) = (2BrBt+C1)(2σrt +C2)
(Br
2+Bt
2+C1)(σ2r+σ2t+C2).(2.33)
Sofern
C1
=
C2
= 0 gesetzt wird, entspricht dies dem UIQI gemäß Wang, Bovik et al.
(2004).
Mittlerer Struktur-Ähnlichkeits-Index (MSSIM) unterteilt ein Bild
B
in verschie-
dene lokale Bereiche und berechnet für jeden Bereich den SSIM. Für eine Aussage über
die Qualität
Q
des gesamten Bildes
B
wird der Mittelwert der lokalen Indizes wie folgt
berechnet
MSSIM(Br, Bt) = 1
NR
NR
∑︂
j=1
SSIM(Br,j, Bt,j),(2.34)
wobei
Br,j
und
Bt,j
die Pixelwerte in der Region
R
sind.
NR
ist die Anzahl der lokalen
Regionen
R
. Mit einem gewichteten Mittelwert ist es möglich, verschiedene Abschnitte
des Bildes
B
unterschiedlich stark in das Ergebnis einfließen zu lassen (Wang, Bovik et al.
2004).
31
2 Stand der Technik
2.5.3 Metriken basierend auf dem menschlichen visuellen System
Metriken dieser Kategorie wenden Kenntnisse über das menschliche visuelle System
(HVS) und der Psychophysik an, um die wahrgenommene Qualität
Q
von Bildern
B
vorherzusagen. Das Fehlersignal – die Differenz zwischen Referenzbild
Br
und Testbild
Bt
– wird auf die Sichtbarkeit normiert.
Die menschliche, visuelle Wahrnehmung ist in vielen Aspekten speziell und wird daher
mit eigenen Funktionen abgebildet: Die Kontrast-Sensibilitäts-Funktion (CSF) beschreibt,
dass Menschen sensibler auf niedrige räumliche Frequenzen reagieren als auf hohe. Darüber
hinaus nehmen menschliche Augen Helligkeitsunterschiede stärker wahr als den absoluten
Helligkeitswert selbst. Auch werden einige Bildkomponenten nicht wahrgenommen sobald
andere Komponenten davon ablenken (Thung und Raveendran 2009, Lahouhou, Viennet
und Beghdadi 2009, Wang, Bovik et al. 2004).
HVS-basierte Metriken wenden folgende Verfahrensschritte an: In der Vorverarbeitung
werden die zu untersuchenden Bilder
Bt
an das visuelle System und die Betrachtungs-
umstände angepasst. Referenzbild
Br
und Testbild
Bt
werden skaliert und ausgerichtet,
Pixelwerte in Helligkeitswerte des Monitors umgerechnet und ein Tiefpassfilter ange-
wendet, der die Punktantwort des Auges simuliert. Die CSF wird angewandt, wodurch
die Bildsignale gewichtet werden. Im nächsten Schritt – der Dekomposition – werden
die Bildpixel in verfahrensspezielle, unabhängige Teilbänder
b
transformiert. Solche
Transformationen können eine Diskrete Kosinustransformation (DCT) oder Wavelet-
Transformation sein. Während der Fehlernormalisierung wird der Fehler zwischen dem
zerlegten Referenzbild
Br
und dem Testbild
Bt
in jedem Teilband
b
berechnet und gemäß
eines bestimmten Maskierungsmodells normalisiert. Im letzten Schritt – der Fehlerbün-
delung – werden die normalisierten Fehlersignale
F
der einzelnen Teilbänder
b
mittels
Minkowskimetrik auf ein Qualitätsmaß
Q
zusammengeführt. Die Menge der Fehler
F
ist
definiert als
F=(︄∑︂
b∑︂
i|Fb,i|C)︄1
C
,(2.35)
wobei
Fb,i
der normalisierte Fehler des Koeffizienten an der Stelle
i
im Teilband
b
ist.
Die Konstante
C
liegt typischerweise zwischen 1und 4(Thung und Raveendran 2009,
Wang, Bovik et al. 2004). Beispiele für HVS-basierte Metriken sind der sichtbare Signal-
Rausch-Abstand (VSNR) basierend auf Wavelets und die gerade noch wahrnehmbare
Beeinträchtigung (JND) (Chandler und Hemami 2007, Lubin 1995).
32
2.5 Qualitätsbewertung von Volumenbilddaten
2.5.4 Entropie eines Bildes
Die Entropie
H
ist eine Kenngröße eines Bildes
B
und wird mit der Wahrscheinlichkeits-
verteilung Pder Grauwerte definiert als
H=−
L
∑︂
i=0
Pilog2(Pi),(2.36)
wobei
Pi
die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten des Pixelwerts
i
im Bild
B
und
L
den Dynamikumfang im Bild
B
beschreibt, also den Wertebereich, den Pixel im Bild
annehmen können (Deserno et al. 1997, Venkatesan und Parthiban 2012).
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung
P
der Pixelwerte wird mit deren relativer Häufigkeit
im Bild
B
gleichgesetzt (Deserno etal. 1997, Jähne 1989). Mithilfe des Histogramms
eines Bildes
B
wird für jeden Pixelwert abgebildet, wie häufig dieser im Bild
B
auftritt.
Werden die absoluten Häufigkeiten mit der Gesamtzahl aller Pixel ins Verhältnis gesetzt,
ergeben sich die relativen Häufigkeiten.
Besitzen alle Pixel im Bild
B
den gleichen Wert, so ist die Entropie
H
des Bildes
B
null. In
diesem Fall ist der Informationsgehalt für eine Pixelwertangabe minimal. Die Entropie
H
ist maximal, wenn die Wahrscheinlichkeit
P
für das Auftreten eines Pixelwertes für alle
Pixelwerte gleich groß ist, das heißt es gilt
Pi
=
const
, für alle
i∈ {
1
,
2
, . . . , L}
(Deserno
etal. 1997).
Die Entropie
H
wird in verschiedenen NR-Bildqualitätsbewertungsverfahren eingesetzt,
bspw. Spatial-Spectral Entropy-based Quality (SSEQ) und Entropy of Primitive (EoP)
(Ali und Deriche 2015, Zhang etal. 2012). Die Entropiedifferenz (ED) dient auch als
Qualitätsmaß Qzwischen zwei Bildern.
2.5.5 Bewertung der Gradienten
Ein spezielles Verfahren zur Qualitätsbewertung beschreiben (Stopp, Winne, Jank et al.
2009, Stopp, Winne, Käseberg et al. 2010). Als Kriterium dient die maximal erreichbare
Rekonstruktionsqualität
Q
für ein untersuchtes Voxel
v
. Die Autoren orientieren sich dabei
an den durch die Bewegungsbahn der Röntgenquelle
Tsrc
definierten Projektionsstrahlen
s
,
die durch das jeweilige Voxel
v
verlaufen. Somit ist das Verfahren unabhängig von
Rekonstruktionsalgorithmen.
Grundlage des Verfahrens ist die Beobachtung, dass die Abbildung von Dichteänderungen
am Punkt
p
eines Objekts vom Winkel
ϑ
zwischen Röntgenstrahl
s
und Dichtegradienten
δ
33
2 Stand der Technik
abhängt. Die Autoren definieren eine Gütefunktion qwie folgt:
q(p, s, δ
) = sin(ϑ) = sin (︃
arccos(︃δ
·p −s
∥p −s∥)︃)︃(2.37)
q:R3×R3×S2→[0,1] wobei S2={x ∈R3:∥x∥= 1}
Um Projektionen aus unterschiedlichen Richtungen zu verwerten, wird der Gütewert
q
(
p, δ
)als Maximalwert für jeden Dichtegradienten
δ
über alle
Nτ
Positionen der Rönt-
genquelle psrc gebildet.
q(p, δ
) = max (︂q(p, si, δ
))︂|i∈ {1,2, . . . , Nτ}(2.38)
Um nun die erreichbare Rekonstruktionsqualität
Q
und damit die Bestimmbarkeit al-
ler Dichtegradienten
δ
für eine spezifische Bewegungsbahn der Röntgenquelle
Tsrc
zu
ermitteln, wird der mittlere Gütewert q(p)an einem Punkt p wie folgt berechnet:
q(p) = 1
π∫︂π
0
1
2π∫︂2π
0
q(p, δ
(ϑ, η))dϑdη (2.39)
mit δ
(ϑ, η) = (sin(η) cos(ϑ),sin(η) sin ϑ),cos(η))T
Gleichzeitig schlagen die Autoren eine Visualisierung der erreichbaren Rekonstruktionsqua-
lität
Q
auf einer Kugeloberfläche S
2
vor. Deren Mittelpunkt entspricht dem betrachteten
Punkt
p
. Für einen beliebigen Punkt
pS2
auf der Kugeloberfläche S
2
wird der Wert der
Gütefunktion q(p, δ
)für den Dichtegradienten δ
=pS2−p visualisiert.
Abbildung 2.18 zeigt ein Beispiel dieser Visualisierung für das Isozentrum
piso
einer
Viertel-Kreisbahn. Jeder Farbwert spiegelt die Rekonstruktionsqualität
Q
am Punkt
p
aus Sicht des Gradienten
δ
wider. Grün zeigt hohe Qualität nahe Eins an, dunkelrot
schlechte Qualität nahe Null. Schwarz bedeutet die niedrigste Bewertung Null.
34
3 Optimierung von
CBCT-Bewegungsbahnen
3.1 Beurteilung des Stands der Technik
Alle in Kapitel 2 beschriebenen Systeme des Stands der Technik führen ihre Röntgenbild-
gebungskomponenten entlang einer Kreis- oder zumindest kreisähnlichen Bahn. Diese
Bewegungsbahn
T196◦
hat sich über Jahrzehnte etabliert und dominiert den heutigen
Markt sehr deutlich. Sie ist universell einsetzbar und in der Lage, an jeder Körperregi-
on
R
eine genaue Bildgebung durchzuführen. Zur Rekonstruktion der aufgenommenen
Projektionsbilder
B
wird die ausgereifte, etablierte und mittlerweile echtzeitfähige FBP
angewendet. Mit dieser wird das durchstrahlte Voxelvolumen
V
vor allem im Isozen-
trum
piso
hochqualitativ rekonstruiert. Die symmetrische 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
befähigt
Hersteller von 3D-Röntgensystemen, ihre Produkte wirtschaftlich umzusetzen und modu-
lar zu gestalten.
Es existieren viele Überlegungen, die Bewegungsbahn
T
der Bildgebungskomponenten zu
verändern – sowohl von Röntgenröhre oder -detektor separat, als auch beider Kompo-
nenten. Das Ziel aller vorgestellten Verfahren ist es, die Rekonstruktionsgenauigkeit und
-qualität
Q
zu erhöhen. Zur Rekonstruktion wird überwiegend auf algebraische Verfahren
(ART) zurückgegriffen, da die FBP nicht mehr anwendbar ist. Mit der Flexibilität einer
Bewegungsbahn
T
steigen auch die Anforderungen an die Auslegung und Konstruktion
entsprechender Systeme. Dies spiegelt sich darin wider, dass die meisten vorgestellten
Verfahren simuliert, und nicht praktisch umgesetzt wurden. Viele Ansätze zur Bewegungs-
bahngestaltung orientieren sich an bereits existierenden Systemen und sind dadurch von
vornherein eingeschränkt. Beispielsweise wird von orthogonalen Projektionsgeometrien
und festem Abstand
a
zwischen Röntgenröhre und
-
detektor ausgegangen. Das System
Multitom Rax (Seite 13) ist das einzige kommerzielle System, welches nahezu beliebige
Bewegungsbahnen Tumsetzen kann.
Die im Stand der Technik übliche Kreisbewegung der Bildgebungskomponenten bewirkt
eine Gleichverteilung der Äquivalentdosis
DH
im Körper. Im Entwurf der vorgestellten,
alternativen Bewegungsbahnen
T
spielen Dosisbetrachtungen – wenn überhaupt – nur
eine untergeordnete Rolle. Obwohl Systeme wie Artis Zeego und Multitom Rax der Firma
Siemens Healthineers GmbH, Erlangen, technisch in der Lage sind, Bildgebungskompo-
nenten auf nahezu beliebigen Bewegungsbahnen
T
zu führen, wird ihre Bewegung nicht
auf die Patient
∗
in oder die klinische Fragestellung angepasst. Es sind keine Verfahren an
37
3 Optimierung von CBCT-Bewegungsbahnen
Bildgebungssystemen bekannt, die gezielt die effektive Dosis
Deff
der durchstrahlten
Gewebe Treduzieren.
Die beleuchteten objektiven Verfahren zur Qualitätsbewertung von Volumenbilddaten
V
sind im Bereich der visuellen Bildverarbeitung etabliert. Ihre Aussagekraft für medizinische
Volumenbilddaten
V
wird nur dann Bestand haben, solange die geforderten Referenzda-
ten
Vr
ausreichend genau sind. Das vorgestellte Gradientenbewertungsverfahren bildet die
Rekonstruierbarkeit eines Volumenelements
v
anhand der Bildaufnahmebahn
T
in einem
Wert ab. Dabei fließt weder die räumliche Verteilung schlecht bewerteter Dichtegradien-
ten
δ
als Kriterium in dieses Verfahren ein, noch wird das berechnete Qualitätskriterium
zu tatsächlichen Rekonstruktionsergebnissen in Bezug gesetzt. Ferner wird das Verfahren
auf einzelne Volumenelemente vangewandt, jedoch nicht auf ganze Voxelvolumina V.
Zusammenfassend wird festgehalten: Obgleich die Strahlenschutzkommission (2017) Gewe-
be
T
nach Schweregrad der Schädigung für eine bestimme Dosis
DH
gewichtet (vgl. Seite
6), findet eine für klinische Fragestellungen bedarfsgerechte Bildgebung nur grobgranular
statt und berücksichtigt nicht die Strahlungsempfindlichkeit unterschiedlicher anatomi-
scher Strukturen. Darüber hinaus bieten die vorgestellten Systeme Mediziner
∗
innen mehr
Röntgeninformationen, als für die Beantwortung der klinischen Fragestellung benötigt
werden.
3.2 Ziel
Das dieser Abhandlung zugrundeliegende Ziel besteht darin, den Gewebe-Wichtungsfak-
tor
WT
(vgl. Abschnitt 2.1.1 auf Seite 5) bei der Durchführung von 3D-Röntgenbildgebung
zu berücksichtigen und in der Konsequenz die effektive Dosis
Deff
für Patient
∗
innen zu
reduzieren. Dies soll unter minimaler Beeinträchtigung der Bildqualität
QB
an den für
die klinische Fragestellung interessanten Stellen Rfocus geschehen.
3.3 Eigener Ansatz
In dieser Arbeit wird der Ansatz verfolgt, mittels bedarfsgerechter Bewegungsbahnen
Topt
der Bildgebungskomponenten das Ziel der reduzierten effektiven Dosis
Deff
zu erreichen.
Unter bedarfsgerecht wird verstanden, 3D-Röntgenbildgebung für – durch eine klinische
Fragestellung – spezifizierte RoI
Rfocus
optimal und unter Berücksichtigung unnötig
durchleuchteter, kritischer anatomischer Strukturen Tdurchzuführen.
Diese bedarfsgerechten Bewegungsbahnen
Topt
sollen über einen Optimierungsalgorithmus
ermittelt werden. Die Optimierungskriterien für den angestrebten Algorithmus sind eine
hohe Rekonstruktionsqualität
Qs,focus
innerhalb der RoI
Rfocus
und eine niedrige effektive
Dosis
Deff
an allen kritischen Gewebestrukturen
T
. Sowohl RoIs
Rfocus
, als auch kritische
Strukturen Rsens werden im Vorfeld definiert.
38
3.4 Abgrenzung
Es wird eine rein simulative Lösung angestrebt, um von möglichen Systemeinschränkungen
unabhängig zu sein und das breitest mögliche Lösungsspektrum berücksichtigen zu können.
Beispielsweise sind Schrägprojektionen und ein variabler Abstand
a
von Röntgenquelle
psrc
zu -detektor pimg prinzipiell möglich.
3.4 Abgrenzung
Die Konzipierung, Umsetzung und Evaluierung eines Optimierungsalgorithmus involviert
zahlreiche Aspekte, von denen in dieser Arbeit die folgenden nicht betrachtet und
umgesetzt werden können.
Für jede mögliche Bewegungsbahn
T
wird der gesamte Röntgenbildgebungsvorgang
möglichst realitätsnah nachempfunden und die entstandenen Bilddaten
V
bezüglich der
Optimierungskriterien bewertet. Idealerweise steht die optimale Bewegungsbahn
Topt
innerhalb von Minuten zur Verfügung. In dieser Arbeit liegt der Fokus auf der Funk-
tionsweise des Algorithmus, nicht auf seiner Geschwindigkeit. Eine grafikkartenfähige
Implementierung des Optimierungsalgorithmus ist nicht geplant. Es ist bereits abschätz-
bar, dass Simulation, Rekonstruktion und Qualitätsbewertung in Summe eine ausreichend
schnelle Ausführung des Algorithmus mit heutiger, erschwinglicher Hardware nicht zu-
lassen. Gleichwohl kann er als Werkzeug zur Abschätzung neuartiger Bewegungsbahnen
genutzt werden und seine Ergebnisse Einzug in moderne Röntgensysteme halten.
Darüber hinaus wird der Fokus dieser Arbeit auf die Optimierung selbst gelegt. Technisch
wird die Frage beantwortet, wie aus den Optimierungskriterien Qualität der RoI
Qs,focus
und Dosis der kritischen Strukturen
Deff
eine verbesserte Bewegungsbahn
Topt
abgeleitet
wird. Die Bestandteile Simulation und Rekonstruktion werden als bereits entwickelte
Softwaremodule genutzt und gegebenenfalls angepasst. Beispielsweise wird der Simulation
eine Dosisnachverfolgung hinzugefügt, wohingegen die implementierten Photoneneffekte –
die den Kern der Simulation darstellen – unberührt bleiben.
Obgleich der Ansatz eines Optimierungsalgorithmus es prinzipiell zulässt, ist nicht be-
absichtigt auch die applizierte Äquivalentdosis
DH
zu reduzieren. Da die verabreichte
Dosis
DH
selbst gemeinhin als Kriterium für die erreichbare Bildqualität
QB
gilt, wür-
den die Anforderungen an den Optimierungsalgorithmus weitaus komplexer und seine
Ausführungszeit signifikant verlängert.
39
4 Entwurf
In diesem Kapitel wird aus den Erkenntnissen des Stands der Technik, den identifizierten
Kritikpunkten und dem daraus abgeleiteten, eigenen Ansatz der geplante Optimierungs-
algorithmus entworfen. Im vorgestellten Konzept wird zuerst der Algorithmus allgemein
spezifiziert und anschließend näher auf einzelne Module des Algorithmus eingegangen.
Abschließend werden mögliche Optimierungsstrategien gegenübergestellt.
4.1 Grobes Konzept des Algorithmus
Die im Abschnitt 2.2 beschriebene und heutzutage gängige Bildgebung funktioniert
weitestgehend unabhängig von der klinischen Fragestellung gleich: Die Patient
∗
in wird
grob positioniert, sodass das Bildgebungssystem die Region of Interest (RoI)
Rfocus
erfasst
und im rekonstruierten Volumen
V
abbildet. Um das in dieser Arbeit verfolgte Ziel zu
erreichen, die effektive Dosis
Deff
zu reduzieren, ist es notwendig, die Kenngrößen
Rfocus
und
Rsens
zu erfassen und in die Bewegungsbahngestaltung der Bildgebung einfließen zu
lassen. Basierend auf diesen Kenngrößen ist der Algorithmus wie in Abbildung 4.1 grob
konzipiert.
Die Umsetzung des Algorithmus wird basierend auf einer physikalisch realitätsgetreu-
en Röntgensimulation geplant. Anstatt ein reales Objekt physisch zu durchleuchten,
wird der Röntgenvorgang mit virtuellen Komponenten simuliert. Das zu durchleuchtende
Objekt wird virtuell als ein sogenanntes Phantom abgebildet und im ersten Vorbereitungs-
schritt dem Algorithmus zur Verfügung gestellt. Phantome enthalten meist vereinfachte
Informationen über die geometrische Struktur des realen Objekts und dessen Materialei-
genschaften.
Um während der Optimierung die Bildqualität
QB
des Rekonstruktionsvolumens
V
in der
RoI zu bewerten, ist ein Volumen
Vr
mit möglichst idealer Bildqualität als Referenz nötig
(vgl. Abschnitt 2.5). Deshalb wird im zweiten Vorbereitungsschritt das Phantom in ein
diskretes Voxelvolumen
V
umgewandelt, wobei die Materialeigenschaften der einzelnen
Strukturen in ideale Intensitätswerte Irüberführt werden.
In Abbildung 4.1 ist die wiederholt durchgeführte Abfolge von Schritten zur Optimierung
zusammengefasst und die notwendigen Aktionen benannt, jedoch nicht verknüpft. Die
Verknüpfungsmöglichkeiten werden als Optimierungsstrategien in Abschnitt 4.6 beleuchtet.
In den folgenden Abschnitten werden die notwendigen Aktionen detailliert konzipiert
und abgegrenzt.
41
4 Entwurf
Modell für anatomische Struktur inkl.
sensibler Regionen und RoI laden
Neue Bewegungsbahn
ermitteln
Simulation der
Projektionsbilder
3D-Rekonstruktion Dosisverteilung berechnen
Rekonstruktionsqualität in
RoI ermitteln
Referenzvolumen
generieren
Ja Nein
Kriterien für Dosisverteilung
und Qualität erfüllt?
Abbildung 4.1:
Allgemeiner schematischer Ablaufplan des geplanten Optimierungsalgo-
rithmus. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2018
Unabhängig von der zu wählenden Optimierungsstrategie besteht der finale Schritt einer
Optimierungsiteration
i
darin, basierend auf den beiden Bewertungskriterien Rekon-
struktionsqualität in der RoI
Qs,focus
und Dosisverteilung in sensiblen Regionen
DE,sens
eine neue Bewegungsbahn
Topt
zu ermitteln, bzw. die bestehende Bewegungsbahn
Topt
anzupassen. Diese Optimierungsabfolge wird solange wiederholt, bis eine optimale Lö-
sung gefunden ist. Dies ist der Fall, sobald beide Bewertungskriterien einen Schwellwert
überschreiten. Alternativ kann die Suche nach der Überschreitung einer Wiederholungs-
begrenzung
Ni,max
abgebrochen und die bis dahin beste – wenn auch nicht optimale –
Lösung angeboten werden.
4.2 Modellieren virtueller Phantome
Innerhalb des Simulationsvorgangs und während der Optimierung repräsentieren vir-
tuelle Phantome reale Objekte. In dieser Arbeit werden Phantome genutzt, um zwei
Anwendungsfälle abzudecken: Technische Phantome modellieren künstliche Objekte, mit
denen die Funktionsweise und Validität des implementierten Algorithmus und seiner
Module untersucht wird. Mit klinischen Phantomen werden anschließend in Medizin-
systemen verwendbare Ergebnisse des Algorithmus – in diesem Fall bedarfsgerechte
Bewegungsbahnen Topt – geschaffen.
Die entscheidenden Eigenschaften von Phantomen sind zum einen die Genauigkeit und
Detailtreue der modellierten Strukturen und zum anderen die Authentizität der materiel-
len Eigenschaften. Je präziser diese Eigenschaften modelliert sind, desto realitätsnäher ist
42
4.2 Modellieren virtueller Phantome
die durchgeführte Simulation und umso aussagekräftiger die final erhaltene Bewegungs-
bahn Topt.
Objektstrukturen – auch: Geometrieinformationen – werden in der Computergrafik auf
unterschiedliche Weise repräsentiert. Eine Methode Geometrieinformationen abzubilden
besteht darin, sie als logische Verknüpfung von geometrischen Primitiven zu modellieren.
Solche dreidimensionalen Primitive wie Quader, Kegel oder Ellipsoide lassen sich sehr
leicht parametrisieren und dadurch arithmetische Operationen beschleunigen. Diese
Methode eignet sich hervorragend zur Modellierung technischer Phantome, da diese
häufig einer Anordnung geometrischer Primitive entsprechen. Abbildung 4.2 zeigt links
ein Beispiel zur Modellierung mit Primitiven.
Die gängigste Methode ist jedoch die Modellierung als Mesh. Ein Mesh repräsentiert ein
Objekt, indem dessen Oberfläche durch ein Dreiecksnetz angenähert wird. Mit steigender
Zahl an Dreiecken steigt die mögliche Präzision der Geometrieinformationen. Für Objekte,
welche aus unterschiedlichen Materialien bestehen, wird mindestens für jedes Material
ein Mesh verwendet. Meshes können Objekte beliebiger Form repräsentieren und werden
in dieser Arbeit zur Modellierung der Geometrieinformationen klinischer Phantome
verwendet. Ein Beispiel ist in Abbildung 4.2 mitte gezeigt.
Abbildung 4.2:
Modellierung einer vereinfachten Hantel durch verknüpfte Primitive
(links), ein Mesh (mitte) und als Voxelvolumen
V
(rechts). Quelle: Fraun-
hofer IPK, Berlin, 2018
Während die Modellierung von Geometrieinformationen bei Primitiven und Meshes auf
kontinuierliche Weise gegeben ist, können diese auch diskretisiert in Volumenbilddaten
V
modelliert werden. Volumenbilddaten
V
bilden das Objekt innerhalb eines Rasters ent-
sprechend ihrer Auflösung
AV
ab. Ein Volumenelement – Voxel
v
genannt – repräsentiert
dabei das dominante Material. Jedem Voxel
v
wird eine durch das Raster vorgegebene,
unveränderliche Position im Raum zugewiesen. Aufgrund ihrer räumlichen Ausdehnung
bilden Voxel
v
einen Durchschnittswert ab. Abbildung 4.2 zeigt rechts ein Beispiel. Volu-
menbilddaten
V
finden häufig Anwendung in Bereichen, in denen die erfassten Objekte
selbst oder ihre genaue räumliche Ausprägung unbekannt sind – zum Beispiel in der
Medizintechnik.
Materialinformationen, die für die anzuwendende Simulation des Röntgenvorgangs es-
senziell sind, werden unabhängig von der Modellierung der Geometrieinformationen mit
43
4 Entwurf
diesen verknüpft. Für die Simulation sind dabei Informationen über die Materialdichte
ρ
,
die chemische Zusammensetzung und über Wahrscheinlichkeiten
P
der Effektausprägung
aller involvierten chemischen Elemente während der Interaktion mit Röntgenphotonen
γ
grundlegend. Da Bindungsenergien bei medizinischem Röntgen eine vernachlässigbare
Rolle spielen, ist die Darstellung der chemischen Zusammensetzung als Summenformel
ausreichend (Schlegel, Karger und Jäkel 2018).
Darüber hinaus sollen Phantome auch Informationen über strahlenempfindliche Struk-
turen zur Verfügung stellen, die bei der in dieser Arbeit angestrebten Optimierung
Berücksichtigung finden. Zur Modellierung dieser Strukturen ist es sinnvoll, auf die zur
Modellierung der Geometrieinformationen angewandten Methoden zurückzugreifen.
Anhand der im Phantom hinterlegten Geometrie- und Materialinformationen ist es
möglich, ein Voxelvolumen
V
abzuleiten, welches für alle Volumenelemente
v
probate
Grauwerte abbildet. Das sind Werte zwischen 0 und Dynamikumfang
L
. Diese Grauwerte
ermitteln sich aus der Materialdichte
ρ
und dem angewandten Röntgenspektrum
E
. Dieses
Volumen Vrkann als Referenz im entworfenen Algorithmus dienen.
4.3 Generieren der Bewegungsbahnen
Die entscheidende Aufgabe des konzipierten Algorithmus ist es, neue Bewegungsbah-
nen
Topt,i
für den Röntgenbildgebungsvorgang zu generieren. In dieser Arbeit werden
Bewegungsbahnen
T
im Allgemeinen als Menge an Posenpaaren von Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
verstanden. Diese beziehen sich auf das Basiskoordinatensystem und
werden jeweils als Transformationen
base
T
src
und
base
T
img
beschrieben. Sie sind essenzi-
ell, um das Scanvolumen
V
zu rekonstruieren und die Dosisverteilung zu ermitteln. Die
eigentliche Bewegungsbahn – das Bildgebungssystem-abhängige Sortieren und Verbinden
der einzelnen Posenpaare miteinander – ist zur Erreichung der Ziele dieser Arbeit nicht
relevant und wird nicht betrachtet.
In den Vorbereitungsschritten des Algorithmus werden das zu untersuchende Phantom
virtuell platziert, die kritischen Strukturen
Rsens
sowie die RoIs
Rfocus
definiert und
das Referenzvolumen
Vr
erstellt. Der erste Schritt innerhalb der nun eröffneten Optimie-
rungsiteration
i
besteht darin, eine initiale Bewegungsbahn
Topt,1
zu generieren. Diese
und alle folgenden Generierungen unterliegen folgenden Randbedingungen, die auf den
in Abschnitt 2.3 vorgestellten Verfahren zur Belastungsreduktion basieren:
■
Positionen
psrc
für die Röntgenquelle werden ausschließlich unterhalb oder seitlich des
Operationstisches berechnet und so ausgerichtet, dass – falls der OP-Tisch ebenfalls
durchleuchtet wird – dieser immer vor der Patient
∗
in durchleuchtet wird. Analog
befinden sich Detektorpositionen pimg immer oberhalb oder seitlich des OP-Tisches.
■
Um die Patient
∗
in herum wird eine Schutzzone definiert. Sie verhindert, dass Rönt-
genquellenpositionen
psrc
oder Detektorpositionen
pimg
zu dicht an der Patient
∗
in
liegen und sie bei der Ansteuerung der Positionen gefährden.
44
4.4 Simulation und Dosisberechnung
■
Die Anzahl an Bewegungsbahnposen
Nτ
wird auf 120 beschränkt, um die Energie-
dosis
DE
des gesamten Röntgenscans – verglichen zu einem Standard-3D-C-Bogen –
nicht zu erhöhen und zu diesem vergleichbar zu halten.
■
Die Posen von Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
liegen so zueinander, dass
beide Z-Achsen parallel liegen und zueinander zeigen. Die Detektorfläche liegt folglich
immer orthogonal zum Zentralstrahl der Röntgenquelle, wodurch Schrägprojektionen
in diesem Konzept vorerst ausgeschlossen werden.
■
Der Abstand
a
zwischen Röntgenquelle
psrc
und Röntgendetektor
pimg
beträgt zwi-
schen 600 mm bis 2000 mm.
■
Strahlen
s
der Röntgenquelle
psrc
verlaufen durch mindestens eine RoI
Rfocus
und
vermeiden den Kontakt zu kritischen Regionen Rsens.
■
Es werden ausschließlich Röntgenstrahlen
s
in Richtung der Detektorbildfläche ausge-
sandt.
4.4 Simulation und Dosisberechnung
Bei einem realen Röntgenvorgang werden Photonen
γ
von einer Röntgenröhre in Rich-
tung eines Objekts ausgesandt. Diese interagieren mit den Molekülen des Objekts (vgl.
Abschnitt 2.1.2), wobei sie Energie
E
abgeben. Schließlich treffen die Photonen
γ
mit
geringerer Energie
E′
γ
auf einen Detektor, der die jeweiligen Photonenrestenergien
E′
γ
aufsummiert und pixelweise in digital verwertbare Intensitätswerte Iumwandelt.
Bei der Virtualisierung des Röntgenvorgangs ist die präzise Photonennachverfolgung und
-
interaktion mit dem Phantom für realistische Projektionsbilddaten
B
und insbesondere
zur Bezifferung der am Objekt verabreichten Energiedosis
DE
unerlässlich. Das angestreb-
te Simulationsverfahren vereint die Intensitätsberechnung am Detektor und ordnet den
Energieverlust der Photonen
γ
örtlich am Phantom zu. Da am Fraunhofer IPK, Berlin,
bereits eine auf der Monte-Carlo-Methode basierende Röntgensimulation für einfache,
technische Phantome umgesetzt ist (Uhlmann, Polte und Melnik 2018), erscheint es
sinnvoll diese um die Anforderungen des Optimierungsalgorithmus zu erweitern.
Unabhängig von der gewählten Optimierungsstrategie (vgl. Abschnitte 4.1 und 4.6) ist
die Simulation der Projektionsbilder wesentlicher Bestandteil des Algorithmus und wird
sehr oft durchgeführt werden. Daher ist ihre schnelle Ausführung erstrebenswert.
4.5 Rekonstruktion und Qualitätsbewertung
Basierend auf den simulierten Projektionsbildern
B
und den zu jedem Projektionsbild
B
definierten Posen
τ
von Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
, wird das durchleuchtete
Phantom rekonstruiert. Je nach Bewegungsbahn
T
prägen sich unterschiedliche Störanteile
45
4 Entwurf
aus, z.B. Metall
-
, Strahlaufhärtungs- oder Kegelstrahlartefakte. Sie beeinflussen die
Bildqualität
QB
negativ. Da prinzipiell beliebige Projektionsgeometrien generiert werden,
wird als Rekonstruktionsverfahren ein iteratives Verfahren gewählt. Für den geplanten
Optimierungsalgorithmus wird die ART als Rekonstruktionsalgorithmus genutzt und
damit das gesamte Volumen Vrekonstruiert.
In jeder Optimierungsiteration
i
werden Bewegungsbahnposen
τ
aufgrund ihres Bei-
trags zur bestmöglichen Rekonstruktionsqualität
Qs
basierend auf einem erweiterten
Gradientenbewertungsverfahren für eine neue Bewegungsbahn
Topt,i
ausgewählt. Das in
2.5.5 vorgestellte Verfahren der Gradientenbewertung wird dahingehend erweitert, dass
eine Aussage zur bestmöglichen Rekonstruktionsqualität für mehrere Voxel
v
getroffen
werden kann. Dazu wird das Verfahren von Stopp, Winne, Jank et al. (2009) auf alle
Nv
zu bewertenden Voxel
v
angewandt und der Punkt
p
im Zentrum eines jeden Voxels
v
verortet. Die untersuchten Dichtegradienten
δ
sind bei allen Voxel
v
identisch, damit eine
Vergleichbarkeit sichergestellt ist. Für jeden Gradienten
δ
entsteht so eine Menge an Qua-
litäten über alle Voxel
v
. Aus der ursprünglichen Gleichung (2.39) wird Gleichung (4.1)
mit p als Zentrum des Voxels v.
q(p) = 1
π∫︂π
0
1
2π∫︂2π
0
q(p, δ
(ϑ, η))dϑdη (2.39)
q(v) = 1
π∫︂π
0
1
2π∫︂2π
0
q(v, δ
(ϑ, η))dϑdη (4.1)
mit δ
(ϑ, η) = (sin(η) cos(ϑ),sin(η)sin(ϑ),cos(η))T
Zusammengeführt werden die untersuchten Gradientenqualitäten pro Voxel
q
(
v
), indem
für alle Voxel
v
des Volumens
V
die jeweils maximale Qualität pro Dichtegradient
δ
ermittelt wird.
q(V , δ
) = max(q(v, δ
)) ∀v∈V(4.2)
Den Sachverhalt veranschaulicht Abbildung 4.3 an einem zweidimensionalen Beispiel, in
welchem nacheinander drei Punkte p gradientenbasiert bewertet werden.
Das Ergebnis aus Gleichung (4.2) ist die maximal mögliche Rekonstruktionsqualität
pro untersuchtem Gradienten
δ
. Um ebendiese Gradientenqualitäten zu einem Maß
zusammenzuführen, wird deren Varianz
σ2
mit ihrem Mittelwert
q
gemäß Gleichung (4.3)
46
4.5 Rekonstruktion und Qualitätsbewertung
δ
1
δ
2
δ
3
δ
4
δ
5
p1
δ
1
δ
2
δ
3
δ
4
δ
5
p2
δ
1
δ
2
δ
3
δ
4
δ
5
p3
Abbildung 4.3:
Aggregation der gradientenabhängigen Gütewerte
q
mehrerer Punkte
p
in einem Voxelvolumen V. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2019
ins Verhältnis gesetzt.
Qδ
(V) = (︂1−σ2(q(V , δ
)))︂·q(V , δ
)(4.3)
σ2(q(V , δ
)) = 1
Nδ
Nδ
∑︂
i=1 (︂q(v, δ
i)−q(V))︂2
q(V) = 1
Nδ
Nδ
∑︂
i=1
q(v, δ
i)mit i∈[︂0. . . Nδ
]︂
Auf diese Weise werden Mengen von Dichtegradienten
δ
mit niedriger Varianz
σ2
und ho-
hem Mittelwert
q
besser bewertet. Demgegenüber werden Mengen von Dichtegradienten
δ
mit höherem Mittelwert qund ebenfalls hoher Varianz σ2schlechter bewertet.
Der Gütewert
q
(
p, δ
)ist bereits in Gleichung (2.38) definiert und wird unverändert
übernommen. Die ursprünglich definierte Gütefunktion
q
(
p, s, δ
)wird hingegen verändert,
um niedrige Rekonstruktionsqualitäten wesentlich schwächer zu gewichten und dadurch
leichter hohe Qualitäten zu identifizieren.
q(p, s, δ
) = tan (︃sin(ϑ)·π
4)︃2
(4.4)
Neben der maximal möglichen Rekonstruktionsqualität
Qδ
, soll in jeder Optimierungs-
iteration
i
auch die tatsächliche Rekonstruktionsqualität
Qs,focus
in der RoI
Rfocus
ermittelt und der Optimierungsschritt verifiziert werden. Als Verfahren wird SSIM für
Volumenbilddaten
V
implementiert. Da die Bewertung jedes mathematischen Verfahrens
sowohl von der Qualität des Referenzbildes
Br
– in diesem Fall eines Referenzvolumens
Vr
– als auch vom angewandten Rekonstruktionsverfahren abhängt, wird der Maximalwert
der Bewertung auf die maximal erreichbare Rekonstruktionsqualität mit der gewählten
ART normiert.
47
4 Entwurf
4.6 Optimierungsstrategien
In dieser Arbeit wird der Ansatz verfolgt, die Aufnahmebahn
T
des röntgenbildgebenden
Systems derart anzupassen, dass die beiden Kriterien Bildqualität in der RoI
Qs,focus
und effektive Dosis
Deff
im Zusammenspiel optimal erfüllt sind. Die neuartigen Bewe-
gungsbahnen
T
sollen über eine entsprechende numerische Optimierung gefunden werden.
Hierfür werden zunächst zwei mögliche Strategien in Betracht gezogen.
4.6.1 Strategie: Minimieren
Ausgehend von einer initialen Bewegungsbahn
Topt,1
– gemäß Abschnitt 4.3 einer Menge
von 120
Posen τ
– wird jede einzelne Pose
τ
basierend auf der Analyse der beiden
Optimierungskriterien variiert und die Bewegungsbahn
Topt,i
zusammenhängend optimiert.
Neue Posen
τ
können dabei – unter Berücksichtigung der genannten Randbedingungen
in Abschnitt 4.3 – beliebig im Raum verteilt werden. Abbildung 4.4 zeigt den Ablauf
schematisch.
Modell für anatomische Struktur inkl.
sensibler Regionen und RoI laden
Neue Bewegungsbahn
ermitteln
Simulation der
Projektionsbilder
3D-Rekonstruktion
Dosisverteilung berechnen
Rekonstruktionsqualität in
RoI ermitteln
Referenzvolumen
generieren
Ja
Nein
Kriterien für Dosisverteilung
und Qualität erfüllt?
Abbildung 4.4:
Schematischer Ablaufplan des konzipierten Optimierungsalgorithmus un-
ter Einbeziehung einer Minimierungsstrategie. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2019
Die in Abschnitt 2.5 entworfene Methode zur Bewertung der Qualität
Qδ
,focus
in der
RoI
Rfocus
unterstützt das gezielte Ausrichten der jeweiligen Posen
τ
, um die Bildquali-
tät Qs,focus zu optimieren.
Die Herausforderung liegt bei dieser Strategie in der sinnvollen Variation der Posen
τ
,
um die Optimierung der effektiven Dosis
Deff
möglichst schnell zu einem adäquaten
Ergebnis zu führen. Aufgrund der Unabhängigkeit der beiden Optimierungskriterien wird
48
4.6 Optimierungsstrategien
angenommen, dass verhältnismäßig viele Iterationen
i
der Optimierung nötig sind, um
ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten. Gleichzeitig hängt der Optimierungsverlauf
entscheidend von der initial gewählten Bewegungsbahn
Topt,1
ab. Darüber hinaus ist
in dieser Strategie nicht sichergestellt, dass ein globales Optimum gefunden wird – der
Algorithmus kann in einem lokalen Minimum „gefangen“ bleiben.
4.6.2 Strategie: Kombinatorik
Neben der Minimierungsstrategie ist auch eine kombinatorische Strategie denkbar. Bei
dieser werden zunächst alle validen Posen
τ
im Sinne der Randbedingungen aus Ab-
schnitt 4.3 diskret im Raum abgebildet, deren Röntgenprojektionen simuliert und nach
ihrem Dosisbeitrag in den sensiblen Regionen bewertet. Anschließend wird die Bewe-
gungsbahn
Topt,i
solange gezielt aus möglichst vielen Posen
τ
mit geringem Dosisbeitrag
kombiniert, bis die Qualitätsbewertung
Qs
akzeptabel ist. Der schematische Ablauf ist in
Abbildung 4.5 gezeigt.
Modell für anatomische Struktur inkl.
sensibler Regionen und RoI laden
Neue Bewegungsbahn
ermitteln
Simulation aller validen
Projektionsbilder
3D-Rekonstruktion
Dosisverteilung berechnen
Rekonstruktionsqualität in
RoI ermitteln
Referenzvolumen
generieren
Ja Nein
Kriterien für Dosisverteilung
und Qualität erfüllt?
Abbildung 4.5:
Schematischer Ablaufplan des geplanten Optimierungsalgorithmus unter
Einbeziehung einer kombinatorischen Strategie. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2019
Auch bei dieser Strategie können mithilfe der in Abschnitt 2.5 entworfenen Methode
zielgerichtet Posen
τ
ausgewählt werden, die die Bildqualität in der RoI
Qδ
,focus
verbessern.
Es wird davon ausgegangen, dass sich dadurch analog die objektive Qualität
Qs,focus
verbessert. Ein weiterer Vorteil liegt in der Skalierbarkeit der Optimierung: Je feiner der
Raum abgetastet wird in dem die validen Posen
τ
bestimmt werden, desto genauer liegt
das gefundene Optimum am tatsächlich möglichen. Zudem garantiert diese Strategie, das
globale Optimum zu finden.
49
4 Entwurf
Nachteilig wirkt sich die verhältnismäßig lange Vorbereitungszeit bis zur tatsächlichen
Optimierung aus, gleichwohl diese ebenfalls skaliert. Für jede Pose
τ
– auch wenn sie
bei der späteren Optimierung keine direkte Rolle spielt – wird das Projektionsbild
B
simuliert und der Dosisbeitrag berechnet.
Aufgrund der Skalierbarkeit und garantierten optimalen Lösung wird in dieser Arbeit die
kombinatorische Strategie verfolgt.
50
5 Umsetzung
5.1 Softwarebasis Flux
Mit dem Ziel, 3D-Röntgenbildgebungssysteme zu konzipieren und belastbar zu unter-
suchen, ist am Fraunhofer IPK, Berlin, die Software Flux entwickelt worden, welche
Verfahren zur Röntgenbildgebung und Röntgenbildverarbeitung virtuell abbildet. Mit der
Software können Bildgebungskomponenten spezifiziert, ausgerichtet und ihre Führung für
die Bildgebung entlang beliebiger Bewegungsbahnen
T
definiert werden. Der Röntgenvor-
gang selbst wird entweder über die simple Lambert-Beer-Beziehung oder physikalisch
realitätsgetreuer mittels Monte-Carlo-Verfahren simuliert. Die bei der Simulation gene-
rierten Projektionsbilder
B
können mit den beiden Rekonstruktionsverfahren FBP und
ART zu einem Voxelvolumen
V
rekonstruiert werden. Darüber hinaus stehen diverse
Werkzeuge der Bildverarbeitung für Projektionsbilder
B
und Volumina
V
zur Verfügung,
wie zum Beispiel Verfahren zur Qualitätsbewertung der Rekonstruktionsvolumina.
5.1.1 Workflow zur Generierung von Bewegungsbahnen
Um einen 3D-Röntgenvorgang in der Software Flux virtuell durchzuführen, besteht der
erste Schritt darin, das zu durchleuchtende Phantom zu spezifizieren. Anschließend werden
die Parameter zur Generierung der Bewegungsbahn
T
definiert und Eigenschaften für die
Simulation festgelegt. Nun werden die Projektionsbilder
B
simuliert und abschließend mit
Phantom
auswählen
Bewegungsbahn
auswählen
Parameter für
Bewegungsbahn anpassen
Parameter für Projektions-
geometrie anpassen
Parameter der Simulation
anpassen
Generierung & Simulation
starten
Bewegungsbahn
generieren
Parameter für
Rekonstruktion anpassen
Rekonstruktion
starten
Abbildung 5.1:
Schematischer Ablauf, um eine Bewegungsbahn zu generieren und entlang
dieser Projektionsbilder zu simulieren. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2019
51
5 Umsetzung
einem spezifizierten Rekonstruktionsverfahren die Volumenbilddaten
V
erstellt. Dieser
Ablauf ist in Abbildung 5.1 veranschaulicht.
Die Benutzeroberfläche der Software Flux ist vertikal zweigeteilt: Der linke Teil visualisiert
die komplette virtuelle Simulationsumgebung. Er stellt die Bildgebungskomponenten, ihre
Bewegungsbahn
T
und das zu untersuchende Phantom mitsamt seiner Rekonstruktion
V
räumlich dar. Der rechte Teil bietet eine Vielzahl an verschiedenen, in Reitern gruppierte
Benutzerelemente an, um diverse Parameter einzustellen und Teilaufgaben der Simulation
auszuführen.
Abbildung 5.2:
Screenshot der Software Flux, die auf der linken Seite die simulierten
Projektionsbilder
B
entlang der geplanten Bewegungsbahn
T
darstellt.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Der Reiter Sim beherbergt alle relevanten Parameter, um Bewegungsbahnen
T
und die
Röntgensimulation zu spezifizieren. Abbildung 5.2 zeigt ein Bildschirmfoto der Software
Flux mit ausgewähltem Sim-Reiter und einem Simulationsergebnis. Abbildung 5.3 zeigt
nur den ausgewählten Sim-Reiter mit den für die Simulation relevanten Parametern. Die
in dieser Arbeit entscheidenden Parameter werden im Abschnitt 6.1 erklärt.
Zunächst wird in der Gruppe General Settings die Bewegungsbahn
T
spezifiziert. Es kann
zwischen verschiedenen Bahnfamilien vorausgewählt werden: Kreis, Kugeloberfläche, Git-
ter und Orbit. Neben den familienspezifischen Parametern – wie bspw. Auslenkung
ωmax
,
Schwingungen oder Verschiebungen bei Kreisbahnen – sind auch gemeinsame Parameter
einstellbar, z. B. Bildauflösung
AB
, Anzahl der Posen
Nτ
, Abstand
a
zwischen Röntgen-
quelle
psrc
und Röntgendetektor
pimg
, etc. Die Schaltfläche generate trajectory generiert
die spezifizierte Bewegungsbahn Tohne die Posen τzu simulieren.
Zusätzlich ist ebenfalls in der Gruppe General Settings die Auswahl eines Phantoms
notwendig. Zwar werden die meisten Bewegungsbahnen
T
unabhängig vom ausgewählten
Phantom generiert, für die in dieser Arbeit umgesetzte Optimierung ist das Phantom
jedoch zwingend erforderlich. Alle im entsprechenden Stammverzeichnis gefundenen
52
5.1 Softwarebasis Flux
Abbildung 5.3:
Screenshot der Software Flux zur Veranschaulichung der einstellbaren
Parameter zur Spezifikation der Bewegungsbahn
T
und Simulation. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Phantome werden in einem Kombinationsfeld gelistet und können direkt ausgewählt
werden. Sie werden erst anschließend vollständig geladen. Alternativ kann über einen
separaten Dialog eine beliebige Datei ausgewählt und als Phantom geladen werden.
Nachdem die Bewegungsbahn
T
generiert ist, wird in der Gruppe Physical Simulation
die Simulation selbst spezifiziert. Es können u. a. Werte für das Energiespektrum
E
der Röntgenröhre, die Anzahl an Photonen
Nγ
, die berücksichtigten Photoneneffekte
und die logarithmische Normierung angegeben werden. Der Klick auf die Schaltfläche
project images löst die Simulation aus. Vorher wird – falls noch nicht geschehen – die
Bewegungsbahn Tgeneriert.
Alle benannten Prozesse implementieren die Schnittstelle
Progressable
und sind in
einem modalen Dialog visualisiert, solange sie andauern. Der Fortschritt wird über einen
Fortschrittsbalken mit aussagekräftigen Teilschritten dargestellt sowie um die erwartete
Prozessdauer ergänzt. Über den modalen Dialog können alle Prozesse auch abgebrochen
werden.
53
5 Umsetzung
Nachdem die Simulation beendet ist, wird die Bewegungsbahn
T
mit ihren Projektionsbil-
dern
B
im linken Teil der Software visualisiert. Die 360
mm
-Ansicht ermöglicht eine genaue
Begutachtung sowohl der Bewegungsbahn
T
, als auch der simulierten Projektionsbilder
B
.
Abbildung 5.4 veranschaulicht die Darstellung.
Abbildung 5.4:
Screenshot der Software Flux mit rekonstruiertem Volumen
V
aus einer
196◦-Kreisbahn T196◦. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Anschließend kann auf Basis der generierten Projektionsbilder
B
im Reiter SART die
Rekonstruktion der Volumenbilddaten
V
spezifiziert und angestoßen werden. Als Verfah-
ren stehen dabei grundsätzlich die FBP und ART zur Verfügung. Abbildung 5.5 zeigt die
Einstellmöglichkeiten.
In dieser Arbeit wurde erheblicher Implementierungsaufwand betrieben, um den Ar-
beitsablauf so umzusetzen, wie er beschrieben ist. Dazu wurden Benutzerlemente in
den genannten Reitern von Grund auf neu organisiert, übersichtlicher gestaltet, mit
zusätzlicher Funktionalität versehen, Fehlermeldungen und -beschreibungen hinzugefügt,
die generalistische Fortschrittsanzeige umgesetzt und auf alle Prozesse angewendet sowie
wichtige Bedienelemente mit zusätzlichen Beschreibungen versehen.
5.1.2 Struktur und relevante Pakete
Softwaretechnisch sind an der Generierung von Bewegungsbahnen
T
, der Simulation von
Projektionsbildern
B
, der Rekonstruktion und Qualitätsbewertung
Q
unterschiedliche
Komponenten beteiligt, die in separate Pakete unterteilt sind. In diesem Abschnitt wird
ausschließlich auf die Generierung von Bewegungsbahnen
T
eingegangen. Die Erweiterun-
gen an den anderen Paketen werden in den Abschnitten 5.3, 5.4 und 5.5 beschrieben.
Abbildung 5.6 zeigt die an der Generierung von Bewegungsbahnen
T
beteiligten Klassen.
Über das
PhantomGeneratorWidget
wird die Generierung einer Bewegungsbahn
T
durch
54
5.1 Softwarebasis Flux
Abbildung 5.5:
Screenshot der Software Flux mit selektiertem Reco-Reiter, der die Pa-
rameter zur Spezifikation der Rekonstruktion abbildet. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2022
den Benutzer – optional mit anschließender Simulation – ausgelöst (vgl. Abbildung 5.2).
Die aktuelle Konfiguration der ausgewählten Bewegungsbahn
T
im
TrajectoriesWidget
und die Simulationsparameter werden abgefragt und an die jeweiligen Funktionen im
PhantomGeneratorWrapper
weitergereicht. Dieser Wrapper kapselt viele vor- und nach-
bereitende Funktionen des
PhantomGenerator
und stellt dessen korrekte Nutzung sicher.
Schließlich wird im
PhantomGenerator
die Methode
projectCorrImages()
aufgerufen.
Diese stellt neben den Simulationsparametern auch die Instanz des ausgewählten Bewe-
gungsbahngenerators über dessen Schnittstelle
TrajectoryGenerator
und der jeweiligen
Konfiguration zur Verfügung. Zunächst wird eine Simulation mit den gegebenen Parame-
tern an einem leeren Phantom durchgeführt, um die maximale Intensität
Imax
für die
logarithmische Normierung zu ermitteln (vgl. Abschnitt 5.3.3) – falls diese Option gewählt
55
5 Umsetzung
PhantomGenerator
+ PhantomGenerator()
+ PhantomGenerator()
+ start()
+ setTrajectory()
+ setParameters()
+ setSamplingRate()
+ setFocalSpotSampler()
+ getProjectionImageList()
+ imagingAxis()
+ setImagingAxis()
+ setTask()
+ task()
+ setVolume()
+ getShortDescription()
+ isCancelable()
+ cancel()
+ progress()
+ runTrajectoryGenerator()
+ analysisResults()
+ densityMappedVolume()
+ sphericalReconstrucedVolume()
+ reset()
+ phantomsInPath()
+ loadPhantomFromFile()
+ lastPhantomLoaded()
+ phantomName()
- projectCorrImages()
- runPhySimProjection()
- analyze()
- setValidXRayPhantomPtr()
- isSimulationSufficient()
- init()
PhantomGeneratorWrapper
+ PhantomGeneratorWrapper()
+ ~PhantomGeneratorWrapper()
+ triggerPhysicalSimulation()
+ generateTrajectory()
+ updateImageList()
+ updateImageList()
+ generatePhantomVolume()
+ generatePhantomVolume()
+ analyze()
+ analysisResults()
+ getPhantomGeneratorThread()
+ setSampleRate()
+ setFocalSpotSampler()
+ progress()
+ cancel()
PhantomGeneratorWidget
+ PhantomGeneratorWidget()
+ ~PhantomGeneratorWidget()
+ buildPhantomGeneratorView()
+ updateVolumeSizeMultiplier()
+ generatePhantomVolume()
Simulation::PhantomController
+ PhantomController()
+ ~PhantomController()
+ create()
+ init()
+ computeProjections()
+ computeVolume()
+ addImage()
+ setVolume()
+ clearVolume()
+ progress()
+ cancel()
+ clearImages()
+ fromFile()
+ setPhantom()
+ phantom()
+ phantomsInPath()
+ startStatisticsTracking()
+ stopStatisticsTracking()
TrajectoryGenerator
+ ~TrajectoryGenerator()
+ generate()
+ setConfiguration()
+ setConfiguration()
+ configuration()
+ isSufficient()
+ prepare()
+ progress()
+ cancel()
TrajectoriesWidget
+ TrajectoriesWidget()
+ ~ TrajectoriesWidget()
+ configuration()
+ sampleRate()
TrajectoryWidget
+ TrajectoryWidget()
+ setTrajectoryBaseInfo()
+ configuration()
+ defaults()
+ load()
+ save()
Abbildung 5.6:
Klassendiagramm der an der Auslösung zur Generierung & Simulation
beteiligten Klassen. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
wurde. Nach dem einmaligen Aufruf der
prepare()
-Methode des
TrajectoryGenerators
,
in der alle vorbereitenden Schritte durchgeführt werden, wird die Bewegungsbahn über
generate()
generiert. Anschließend werden alle Posen
τ
der Bewegungsbahn
T
simu-
liert und danach mittels
isSufficient()
darauf geprüft, ob die Generierung wiederholt
werden soll.
loop
: PhantomController : PhantomGenerator
1: computeProjections() : bool
2.1: prepare() : bool
2.2: generate() : GenerationResult
2.3: computeProjections() : bool
2.4: isSufficient() : bool
: TrajectoryGenerator
Abbildung 5.7:
Schritte zur Generierung & Simulation der Posen
τ
einer Bewegungs-
bahn
T
in der Methode
projectCorrImages()
. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2020
Der Vorgang der Generierung & Simulation wird solange wiederholt, bis die generierte
Bewegungsbahn
T
vom Generator als ausreichend gut betrachtet wird. Abbildung 5.7
zeigt das Aktivitätsdiagramm zu diesem Vorgang. Bei allen bisherigen Bewegungsbahn-
generatoren reicht eine einmalige Generierung aus. Für einen Optimierungsvorgang ist
eine mehrfache Generierung absehbar. Soll die Bewegungsbahn
T
ohne anschließende
Simulation generiert werden, wird nur die Methode generate() aufgerufen.
56
5.2 Virtuelle Phantome
5.2 Virtuelle Phantome
In Abschnitt 4.2 ist beschrieben, dass virtuelle Phantome die für die Simulation nöti-
gen Eigenschaften reeller Objekte wie geometrische Struktur, Materialbeschaffenheit,
RoIs
Rfocus
und sensible Regionen
Rsens
abbilden. Phantome und ihre Eigenschaften sind
innerhalb des Softwareframeworks Flux als Teil der Bibliothek Simulation implementiert
und im Folgenden detailliert beschrieben.
5.2.1 Materialien von Phantomen
Die Materialeigenschaften, mit denen Phantome verknüpft sind, werden durch die abstrak-
te Klasse
Material
zusammengefasst. Neben rudimentären Eigenschaften wie Dichte
ρ
,
Masse
m
, Name und chemischer Formel, sind insbesondere Interaktionseigenschaften
mit Photonen
γ
hinterlegt. Trifft ein Photon
γ
auf das Material, wird in der Methode
interact()
berechnet, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit
P
welcher physikalische
Effekt auftritt (vgl. Abschnitt 2.1.2) und dieser im Photon
γ
hinterlegt. Die Berechnung
ist ein zufallsbasierter Prozess, für den entsprechende Methoden implementiert sind.
Abbildung 5.8 zeigt das Klassendiagramm von Material.
Simulation::FormulaParser
+ parse()
Simulation::Material
+ Material()
+ ~Material()
+ absorptionCoefficient()
+ setAbsorptionCoefficient()
+ absorptionCoefficient()
+ stepLength()
+ interact()
+ coherentScatter()
+ coherentScatterAngle()
+ incoherentScatter()
+ incoherentScatterAngle()
+ composition()
+ number()
+ name()
+ density()
+ formula()
+ mass()
+ intensity()
Simulation::MaterialDatabase
+ ~MaterialDatabase()
+ instance()
+ isKnown()
+ isKnown()
+ material()
+ material()
+ materials()
+ materials()
+ materialGroups()
+ materialGroup()
+ recognizedMaterials()
+ clearRecognizedMaterials()
+ recognizedElements()
+ absorptionCoefficients()
+ absorptionCoefficients()
Simulation::Element
+ Element()
+ create()
+ absorptionCoefficient()
+ massAbsorptionCoefficient()
+ stepLength()
+ interact()
+ coherentScatter()
+ coherentScatterAngle()
+ incoherentScatter()
+ incoherentScatterAngle()
+ setInteractions()
+ interactions()
+ composition()
Simulation::Compound
+ Compound()
+ stepLength()
+ interact()
+ absorptionCoefficient()
+ coherentScatterAngle()
+ incoherentScatterAngle()
+ coherentScatter()
+ incoherentScatter()
+ elements()
+ composition()
Abbildung 5.8:
Klassendiagramm der abstrakten Klasse
Material
und ihrer Spezialisie-
rungen Element und Compound. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Analog zur Realität wird die abstrakte Klasse
Material
von zwei Materialarten spe-
zialisiert: Chemisch reine Elemente werden durch die Klasse
Element
dargestellt, alle
zusammengesetzten Materialien durch die Klasse
Compound
. Beide implementieren die
Methoden der abstrakten Material-Klasse unterschiedlich.
Jede Interaktion von Photonen
γ
mit einem beliebigen Material findet letztendlich mit
einem Atom eines Elements dieses Materials statt. Die Hauptaufgabe der Klasse
Compound
ist es zu entscheiden, welches Element dies bei zusammengesetzten Materialien ist. Ihre
Methode
interact()
findet – basierend auf der Masseverteilung der Elemente in der
Zusammensetzung und einer Zufallskomponente – das Element zur Interaktion. Alle
im Material vorhandenen Elemente sind in
Compound
als
Element
-Instanzen hinterlegt.
Nachdem das Element für die Interaktion bestimmt ist, wird dessen
interact()
-Methode
ausgeführt.
57
5 Umsetzung
Die Klasse
Element
bildet die Basis für die Interaktion zwischen Photonen
γ
und Ele-
menten. In ihrer interact()-Methode ist die Berechnung implementiert, die bestimmt,
ob und mit welchem physikalischen Effekt ein Photon
γ
mit dem Atom interagiert.
Die Wahrscheinlichkeit
P
einer Interaktion hängt für jeden Effekt von der Energie des
Photons
Eγ
ab. Diese Informationen – Auftrittswahrscheinlichkeit
P
der Effekte für ein
weites Energiespektrum
E
zum Element – werden während der Initialisierung aus entspre-
chend sortierten Dateien gelesen und stehen der
interact()
-Methode zur Verfügung. Je
nachdem welcher physikalische Effekt auf das Photon
γ
wirkt, wird dessen Energie
Eγ
reduziert und seine Richtung geändert.
Die Zusammensetzung eines Materials wird über seine chemische Formel definiert. Die
Klasse
FormulaParser
analysiert eine als Zeichenkette übergebene Formel und erstellt
daraus eine Liste von Elementen mit der Anzahl ihres Vorkommens. Die dafür benutzten
regulären Ausdrücke (RegEx) extrahieren die einzelnen Elemente anhand ihrer Formel-
zeichen und lösen Klammern mit Faktoren beliebig oft auf. Chemische Strukturformeln
wie
CH3
(
CH2
)
8CH3
werden genauso aufgelöst wie die entsprechende chemische Sum-
menformel C10H22.
Alle der Software bekannten Materialien werden über eine XML-basierte Tabelle zur
Verfügung gestellt, die beliebig erweitert werden kann. Sie umfasst per se alle bekannten
Elemente bis zur Kernladungszahl
Z
100 und die bisher in Phantomen verwendeten Ma-
terialien. Zu jedem Element und Material ist eine eindeutige Materialnummer hinterlegt.
Diese Nummer entspricht bei Elementen deren Kernladungszahl Zund wird für andere
Materialien frei definiert. Die Klasse
MaterialDatabase
kapselt die Materialhandha-
bung: Sie lädt zum Start der Software alle bekannten Materialen aus der XML-Datei
und erstellt während des Ladevorgangs von Phantomen dessen benötigte
Element
- und
Compound-Instanzen.
5.2.2 Schnittstelle und Aufbau
In der Software Flux werden Phantome und ihre Eigenschaften durch die abstrakte Klasse
Phantom
repräsentiert.
Phantom
implementiert die
Progressable
-Schnittstelle, sodass
der Lesevorgang aus Dateien und die daran gekoppelte Initialisierung nachverfolgt werden
können.
Die wichtigste Methode der abstrakten Klasse
Phantom
zur Simulation ist
material()
,
die zu einer übergebenen Raumkoordinate
p
das dort befindliche Material des Phantoms
ermittelt. Die Implementierung der Methode hängt von der Art und Weise ab, wie geo-
metrische Informationen im Phantom gehandhabt werden. Die von
Phantom
abgeleiteten
Klassen
Solids
,
Mesh
und
MaterialVolume
implementieren die Methode
material()
völlig unterschiedlich. In den folgenden Abschnitten wird darauf näher eingegangen.
Für jedes Phantom ist eine Axis Aligned Bounding Box (AABB) definiert, die das Phantom
eng umschließt. Sie ermöglicht eine sehr schnelle Prüfung, ob sich Raumkoordinaten
p
innerhalb des Phantoms befinden, da alle außerhalb der AABB gelegenen Koordinaten
58
5.2 Virtuelle Phantome
Phantom
+ material()
+ materials()
+ materials()
+ isInside()
+ roi()
+ name()
+ components()
+ changeComponent()
+ fromFile()
+ render()
+ progress()
+ cancel()
+ setRegion()
+ region()
+ regions()
+ shifts()
MaterialVolume
+ MaterialVolume()
+ ~MaterialVolume()
+ fromFile()
+ render()
+ progress()
+ cancel()
+ roi()
+ roi()
+ name()
+ materials()
+ materials()
+ materials()
+ material()
+ isInside()
+ components()
+ changeComponent()
+ volume()
+ indexed_volume()
+ mask()
Mesh
+ Mesh()
+ ~Mesh()
+ fromFile()
+ render()
+ progress()
+ cancel()
+ roi()
+ name()
+ materials()
+ materials()
+ material()
+ isInside()
+ components()
+ changeComponent()
Solids
+ Solids()
+ ~Solids()
+ material()
+ materials()
+ materials()
+ isInside()
+ roi()
+ name()
+ fromFile()
+ render()
+ progress()
+ cancel()
+ components()
+ changeComponent()
Solid
+ Solid()
+ setMaterial()
+ material()
+ material()
+ isInside()
+ isInside()
+ setCenter()
+ center()
+ setSize()
+ size()
+ setRotation()
+ setRotation()
+ rotation()
+ setName()
+ name()
+ setLink()
+ link()
+ addLinkedSolid()
+ roi()
+ roi()
+ intersections()
+ intersections()
Shape
+ Shape()
+ ~Shape()
+ setMaterial()
+ material()
+ material()
+ isInside()
+ setName()
+ name()
+ roi()
+ intersections()
+ region()
+ fromText()
+ progress()
+ cancel()
+ render()
Cone
+ Cone()
+ ~Cone()
+ isInside()
+ roi()
+ intersections()
+ setSize()
Cuboid
+ Cuboid()
+ ~Cuboid()
+ isInside()
+ roi()
+ intersections()
+ setSize()
Ellipsoid
+ Ellipsoid()
+ ~Ellipsoid()
+ isInside()
+ roi()
+ intersections()
+ setSize()
Abbildung 5.9:
Klassendiagramm der abstrakten Klasse
Phantom
und ihrer Spezialisierun-
gen
Solids
,
Mesh
und
MaterialVolume
. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2020
schnell erkannt und nicht der komplexen Geometrieprüfung für das Phantom unterzogen
werden brauchen.
Die Klasse
Phantom
verknüpft primär Geometrie- mit Materialinformationen. Darüber
hinaus werden Metastrukturen wie RoIs
Rfocus
oder strahlenempfindliche Regionen
Rsens
über die Methode
setRegion()
definiert. Ihr wird als Argument ein weiteres Phantom
übergeben, wobei ausschließlich dessen Geometrieinformationen verwertet werden.
Die oft umfangreichen Phantomeigenschaften sind in Dateien gespeichert und werden
in Vorbereitung einer Simulation durch den Benutzer explizit geladen. Die Methode
fromFile()
übernimmt diese Aufgabe. Auch sie ist in den abgeleiteten Klassen unter-
schiedlich implementiert, da die Informationen in unterschiedlichen Formaten gespeichert
sind. In jeder Implementierung werden die Rohdaten aus der Datei gelesen und deren
Plausibilität geprüft. Geometrie-, Material- und Metainformationen werden separiert und
die AABB des Phantoms bestimmt.
5.2.3 Spezialisierung als Solids
In Abschnitt 4.2 wurde ausgeführt, dass sich geometrische Informationen als mengen-
logische Verkettung von geometrischen Primitiven – sogenannten Solids – darstellen
lassen. Die Klasse
Solids
implementiert diese verkettete Darstellung einzelner Solids und
59
5 Umsetzung
spezialisiert dahingehend die abstrakte Klasse
Phantom
. Intern hält sie einen Container
von Primitiven. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, alle Eigenschaften dieser Primitive aus
einer Datei einzulesen und die gemeinsame AABB zu berechnen.
Die Methode
material()
ermittelt für jedes Primitiv, ob und welches Material sich
an der übergebenen Raumkoordinate befindet, in dem die
material()
-Methode des
jeweiligen Solids aufgerufen wird. Sie gibt das dichteste Material zurück.
Die geometrischen Primitive selbst werden durch die abstrakte Klasse
Solid
abgebildet
und diese wiederum von konkreten Ausprägungen geometrischer Primitive – wie Ellipsoide,
Kuboide oder Kegel – implementiert (vgl. Abbildung 5.9).
Solid
hält die allgemeinen
Eigenschaften geometrischer Primitive wie die Pose ihres Schwerpunkts, ihre Ausdehnung
und ihr Material.
Darüber hinaus implementiert
Solid
die mengenlogische Verknüpfung von geometrischen
Primitiven desselben Materials. Jeder Instanz eines
Solid
s ist ihr logischer Operator
zugeordnet, der während des Einlesens aus einer Datei in
Solids::fromFile()
über
die Methode
setLink()
gesetzt wird. Ist dieser Operator
NONE
, agiert die Klasse als
Elternelement. Jeder andere Wert reiht die Instanz in die logische Verkettung ein. Jedem
mengenlogischen Operator ist ein entsprechender Boolescher Operator zugeordnet. Imple-
mentiert sind die Operatoren Vereinigung (OR), Schnittmenge (AND), Differenz (AND
NOT) und symmetrische Differenz (XOR). Abbildung 5.10 demonstriert Ergebnisse aller
implementierten mengenlogischen Operatoren.
Abbildung 5.10:
Implementierte mengenlogische Operatoren Vereinigung, Schnittmenge,
Differenz, symmetrische Differenz (v.l. n. r. ) bei der Verknüpfung von
Primitiven. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Um in der Methode
material()
zu ermitteln, ob eine Raumkoordinate
p
innerhalb eines
Solid
s liegt, wird diese Prüfung für das Elternelement selbst, als auch für alle dem
Elternelement zugeordneten, logisch verketteten
Solid
s durchgeführt. Für die ermittelten
Ergebnisse werden dann die zu den mengenlogischen Operatoren zugehörigen Booleschen
Operatoren ausgeführt. Die mathematische Berechnung, ob eine Raumkoordinate
p
innerhalb eines Primitivs liegt, ist in den von Solid abgeleiteten Klassen Cuboid,Cone
und
Ellipsoid
spezifisch implementiert. Auch in diesen Klassen wird für jede Instanz
eine AABB berechnet, um die material()-Methode zu beschleunigen.
Neben einer Materialkomponente in einem technischen Phantom können
Solid
s auch
Metastrukturen modellieren. Solche
Solid
s werden während des Einlesens erkannt und
60
5.2 Virtuelle Phantome
im Phantom über die Methode
setRegion()
zugeordnet. Auf diese Weise lassen sich
ebenso komplexe, logisch verkette RoIs Rfocus oder sensible Bereiche Rsens abbilden.
5.2.4 Spezialisierung als Meshes
Eine weitere Variante geometrische Informationen eines Phantoms abzubilden, besteht
darin, sie als Kombination diverser Dreiecksnetze – als sogenanntes Mesh – zu modellieren.
Die von
Phantom
abgeleitete Klasse
Mesh
implementiert diese Darstellungsform. Die
Kombination von Dreiecksnetzen ist notwendig, da Materialien nur gesamten Netzen, nicht
jedoch einzelnen Dreiecken zugeordnet werden.
Mesh
kombiniert einzelne Dreiecksnetze
unterschiedlicher Materialien – sogenannte Shapes – zu einem Gesamtnetz. Ihre Methode
fromFile()
liest alle nötigen Daten aus Dateien im VRML-Format ein. Da Materialien
in VRML nur über ihre für die Computergrafik relevanten Eigenschaften definiert werden,
ist der Standard dahingehend erweitert, Materialien auch über ihren Namen oder ihre
eindeutige Materialnummer zu identifizieren. Darüber hinaus kombiniert die Klasse
Mesh
die AABB aller einzelnen Dreiecksnetze zu einer gemeinsamen AABB.
Jedes Shape wird durch eine Instanz der Klasse
Shape
repräsentiert und hat genau ein
zugeordnetes Material.
Mesh
hält intern einen Container aller
Shape
-Instanzen des Phan-
toms. Um in
Mesh::material()
zu prüfen, ob eine Raumkoordinate
p
sich innerhalb des
Meshs befindet – und damit ein Photon
γ
mit dem entsprechenden Phantommaterial
interagiert – wird die
material()
-Methode aller Shapes aufgerufen und das dichteste
Material zurückgegeben. In
Shape::material()
wird ausgehend von der Raumkoordi-
nate
p
ein beliebiger Strahl
s
definiert und für alle Dreiecke des Dreiecksnetzes nach
einem Schnittpunkt gesucht. Das Material des Shapes wird nur dann zurückgegeben,
wenn sich eine ungerade Anzahl
N
an Schnittpunkten ergibt. Andernfalls – auch bei
Tangentialpunkten – wird die Raumkoordinate p als außerhalb des Shapes betrachtet.
Natürlich lassen sich Shapes auch dazu nutzen, die räumliche Verteilung von Metastruk-
turen abzubilden. Sie verfügen dann über kein zugewiesenes Material und werden in der
Mesh-Instanz separat abgelegt.
5.2.5 Spezialisierung als Materialvolumen
Die für die Verarbeitung während der Simulation auf der Grafikkarte optimale Darstel-
lungsform von Phantomen sind diskretisierte Volumina
V
, in denen jedes Volumenele-
ment
v
genau ein Material repräsentiert. In Abhängigkeit der Auflösung des Volumens
AV
und seiner räumlichen Ausdehnung erhält jedes Voxel
v
ebenfalls eine räumliche Ausdeh-
nung und abstrahiert die dort vorhandene feine geometrische Struktur zu einem meist
isometrischen Quader des dominanten Materials. Die Klasse
MaterialVolume
spezialisiert
die abstrakte Klasse Phantom und implementiert diese Darstellungsform.
Materialvolumina implementieren die Methode
fromFile()
derart, dass generische RAW-
Dateien mit mindestens 16
bit
eingelesen werden. Im ersten Teil der Datei – dem Header –
61
5 Umsetzung
werden die Rohdaten des Volumens
V
beschrieben, wie bspw. Ausmaß, Auflösung
AV
, Pose
und Informationstiefe
L
. Darauffolgend wird der zweite Teil – die Daten – eingelesen und
den einzelnen Voxel
v
zugeordnet. Üblicherweise werden die Daten direkt als Grauwert des
Voxels
v
interpretiert. Bei Materialvolumina hingegen sind mehrere Informationen kodiert:
Die ersten 14
bit
eines Voxels
v
definieren die eindeutige Materialnummer des Voxels
v
.
Die Bits 15 und 16 definieren die Metainformationen des Voxels
v
– die Zuordnung zu
sensiblen Strukturen
Rsens
oder zur RoI
Rfocus
. Anschließend werden die nicht-leeren
Voxel vdes Volumens Vanalysiert und die AABB berechnet.
Die Methode
material()
berechnet für eine übergebene Raumkoordinate
p
die entspre-
chende Voxel-Koordinate und gibt die hinterlegte Materialnummer zurück. Da diese
Implementierung – verglichen mit denen aller anderen Phantom-Spezialisierungen – die
mit Abstand schnellste ist und somit die schnellste Simulation ermöglicht, werden Mate-
rialvolumina bevorzugt.
5.2.6 Erstellen von Phantomen
Weil technische und medizinische Phantome häufig nicht als Materialvolumen vorliegen,
müssen sie für eine performante Simulation aus anderen Darstellungsformen umgewandelt
werden. Eine performante Simulation ist für den umgesetzten Optimierungsalgorithmus
unbedingte Voraussetzung. Dazu ist in der Software Flux ein Volumenfilter umgesetzt
und mit einem Assistenzdialog verknüpft. Dieser Filter wird im Reiter Vol.Proc. als
MeshToMaterial gelistet.
Im ersten Schritt wird das umzuwandelnde Phantom aus einer Datei in einem spe-
ziellen Modus geladen, der auch unvollständige Phantominformationen zulässt. An-
schließend werden die Materialeigenschaften des Phantoms analysiert. Insbesondere bei
Meshes sind die Materialeigenschaften oft unvollständig, weil die durch externe 3D-
Bearbeitungsprogramme erstellten VRML-Dateien die benötigten Materialinformationen
zu den einzelnen Shapes nicht enthalten.
Darauffolgend wird ein Dialog angezeigt, der alle Phantomkomponenten – Primitive bei
Solids, Shapes bei Meshes und Materialregionen bei Materialvolumen – auflistet. Jeder
Komponente kann nun entweder ein Material oder eine Metastruktur zugewiesen werden.
Auf diese Weise können auch bei Materialvolumen die Materialien geändert werden.
Abbildung 5.11 zeigt den Dialog.
Im letzten Schritt wird aus dem nun manipulierten Phantom ein Materialvolumen erstellt,
indem für jedes Voxel
v
die Raumkoordinate
p
und das Material sowie die Teilhabe an
einer Metastruktur an ebendieser bestimmt und hinterlegt wird. Diese rechenintensive
Aufgabe wird auf die in der Software hinterlegte Anzahl an parallelen Prozessen ausgeführt
und dadurch beschleunigt. Die Volumeneigenschaften des Materialvolumens orientieren
sich an den zu diesem Zeitpunkt in der Software definierten Eigenschaften für das
Rekonstruktionsvolumen.
62
5.2 Virtuelle Phantome
Abbildung 5.11:
Screenshot des Assistenzdialogs zur Zuordnung von Materialien und Me-
tastrukturen zu Phantomkomponenten. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2019
5.2.7 Ableiten von Referenzvolumina
Die Beschreibung der physikalisch relevanten Eigenschaften eines beliebigen Objekts durch
Phantome eröffnet auch die Möglichkeit, eine nahezu ideale Abbildung des Phantoms
unter Röntgenstrahlung zu bestimmen. Sie dient dann insbesondere bei Qualitätsuntersu-
chungen als Referenzvolumen
Vr
. Es existieren unterschiedliche Ansätze zur Ableitung
von Idealvolumina, die sich im Ergebnis und deshalb in der Anwendbarkeit deutlich
unterscheiden.
Zum einen ist in der Software Flux bereits umgesetzt, die Grauwerte des Idealvolumens
von der Dichte
ρ
der Materialien abzuleiten. Dazu wird für jedes Voxel
v
aus der Dichte
ρ
des dort befindlichen Materials ein Grauwert abgeleitet, vgl. Abbildung 5.12 (links).
Dieses Vorgehen erzeugt eine präzise Abbildung der volumetrischen Struktur, was für
ein Idealvolumen unbedingte Voraussetzung ist. Die in den Grauwerten abgebildete
Strahlungsintensität
I
ist jedoch nicht ideal. Sie wird neben der Dichte
ρ
auch von
anderen Größen beeinflusst. Vor allem die Strahlungsenergie der Röntgenphotonen
Eγ
,
aber auch Temperatur beeinflussen die letztliche Strahlungsintensität I.
Mit dem gleichen Ansatz wird den Metastrukturen in einem Phantom ein definierter Grau-
wert zugewiesen. Jeder Metastruktur ist ein Bit zugeordnet, welches gesetzt wird, falls sich
das betrachtete Voxel
v
innerhalb der Metastruktur befindet. Durch diese Modellierung
können auch Schnittmengen der Metastrukturen abgebildet werden. Abbildung 5.12 zeigt
ein derart erstelltes Volumen Vin der Mitte.
Ein anderer in dieser Arbeit verfolgter Ansatz besteht darin, ein ausreichend genaues
Referenzvolumen
Vr
durch Rekonstruktion zu erstellen. Ein Beispiel ist in Abbildung 5.12
63
5 Umsetzung
rechts dargestellt. Die Rekonstruktion erfolgt mit einer doppelt so hohen Zahl
Nτ
physi-
kalisch realitätsgetreu simulierter Projektionsbilder
B
, die entlang einer kugelförmigen
Bewegungsbahn
Tsphere
entstanden sind. Bei diesem Ansatz werden sowohl die Mate-
rialeigenschaften des Phantoms durch die physikalisch exakte Simulation, als auch die
volumetrischen Informationen erhalten – wenn auch nicht exakt. Da eine Rekonstruktion
immer fehlerbehaftet ist, entspricht das erhaltene Volumen
V
nicht einem Idealvolu-
men. Durch die kugelförmige Bewegungsbahn
Tsphere
, die hohe Posenanzahl
Nτ
und
die Verwendung einer ausreichend hohen Photonenanzahl
Nγ
werden einige Artefakte
zumindest reduziert. Als Referenzvolumen
Vr
taugt das Ergebnis solange, wie beim
Qualitätsvergleich Volumenauflösung
AV
und Rekonstruktionsalgorithmus unverändert
bleiben. Zudem sollte die bei der Rekonstruktion des Referenzvolumens
Vr
verwendete
Posenanzahl Nτstets höher sein, als bei der Rekonstruktion des Vergleichsvolumens V.
Abbildung 5.12:
Aus Mulit-Material-Phantom abgeleitetes Idealvolumen (links) mit sei-
nen Metastrukturen (mitte) und generiertes Referenzvolumen
Vr
durch
Rekonstruktion (rechts). Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Beide Ansätze sind in unterschiedlichen Klassen implementiert. Die Erstellung eines
Idealvolumens erfolgt in der Klasse
Controller_basic
. Hier werden auch Metastrukturen
auf das Voxelvolumen
V
übertragen. Die beschriebene Erstellung des Referenzvolumens
Vr
ist in der Methode
sphericalReconstrucedVolume()
der Klasse
PhantomGenerator
umgesetzt.
5.3 Erweiterung der Monte-Carlo-Simulation
Monte-Carlo-Verfahren im Allgemeinen sind Verfahren, bei denen eine Lösung für ein
Problem mithilfe der Wahrscheinlichkeitstheorie numerisch gefunden wird. Häufig löst
man damit Fragen zur Verteilung oder bildet komplexe Prozesse nach, in dem ein
zufallsbasiertes Experiment sehr oft wiederholt wird. Ebenso greift man auf Monte-Carlo-
Verfahren zurück, wenn eine analytische Lösung nicht mehr möglich ist.
64
5.3 Erweiterung der Monte-Carlo-Simulation
5.3.1 Generieren von Photonen
Die Simulation des Röntgenprozesses ist mit dem Monte-Carlo-Verfahren umgesetzt.
Das zufallsbasierte Experiment ist die Nachverfolgung eines Röntgenphotons
γ
aus einer
Röntgenquelle
psrc
in Richtung eines Phantoms bis es mit einem Material des Phantoms
interagiert. Dieses Experiment wird für ein einzelnes Photon
γ
solange wiederholt, bis es
entweder keine Photonenenergie
Eγ
mehr besitzt oder das Phantom mit Restenergie
E′
γ
verlässt. Dabei kann es den Detektor treffen, muss es aber nicht. Zusätzlich wird dieses
zufallsbasierte Experiment für eine hohe Zahl von bis zu 5
·
10
12 Photonen γ
wiederholt.
Aufbauend auf dem bisherigen Stand der Software wurden sowohl Photonen
γ
, als auch
die Röntgenröhre in einer eigenen Klasse modelliert und die bisher verteilte Funktionalität
dorthin verlagert und gekapselt. Abbildung 5.13 zeigt die beiden Klassen.
Simulation::XRayTube
+ XRayTube()
+ emit()
+ loadSpectrum()
+ getSpectrum()
+ getSpectrumSum()
+ startEnergy()
+ getPolychromaticStartEnergyInMeV()
+ getMonochromaticStartEnergyInMeV()
Simulation::Photon
+ Photon()
+ ~Photon()
+ energy()
+ setEnergy()
+ direction()
+ setDirection()
+ position()
+ setPosition()
+ interaction()
+ element()
+ setInteraction()
+ statistics()
+ clearStatistics()
Abbildung 5.13:
Klassendiagramm der Modellierungen für Photonen (
Photon
) und Rönt-
genröhren (XRayTube). Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Die Klasse
Photon
stellt sowohl Funktionalität bereit, um die Energie
Eγ
, Bewegungs-
richtung und Position
p
eines Photons
γ
während der Simulation zu beeinflussen, als
auch die aufgetretenen Effekte statistisch zu erfassen. Die geführte Statistik – die für alle
Photonen γgilt – ist zur Evaluation der Simulation hilfreich.
Die Funktionalität einer Röntgenröhre wird in der Klasse
XRayTube
modelliert. Für die
Simulation entscheidend ist die Methode
emit()
, die zufallsbasiert die Richtung eines
Photons
γ
bestimmt. Als Zufallsgenerator wird – wie in den restlichen Implementierungen
ebenfalls – der Mersenne-Twister-Algorithmus MT19937 eingesetzt, der extrem gleichver-
teilte Pseudozufallszahlen generiert (Makoto Matsumoto und Takuji Nishimura 1998).
Der Röntgenröhre kann dabei eine Kreis- oder Rechteckblende zugeordnet werden, sodass
Photonen
γ
die Röhre gerichtet verlassen. Analog gibt die Methode
startEnergy()
eine zufällige, zum Spektrum
E
der Röntgenröhre passende, Energie des Photons
Eγ
zurück. Ist dieses Spektrum
E
auf eine Energie
E
beschränkt, entsteht monochromatische
Strahlung.
5.3.2 Vorwärtsprojektion von Metastrukturen
In der vorhandenen Software Flux ist die Vorwärtsprojektion der ein-elementigen, geome-
trischen Strukturinformationen auf Projektionsbilder
B
bereits umgesetzt. Die Erweite-
rung der Vorwärtsprojektion um zusammengesetzte Materialen wurde in Abschnitt 5.2.1
65
5 Umsetzung
bereits beschrieben. Die Einführung von Metastrukturen
R
in Phantome, wie RoIs
Rfocus
und sensible Bereiche
Rsens
, macht auch die Umsetzung einer Vorwärtsprojektion die-
ser Metastrukturen notwendig. Der konzipierte Optimierungsalgorithmus benötigt zu
jeder betrachteten Bewegungsbahnpose
τ
die Information, ob Projektionsstrahlen
s
die
Metastrukturen Rdes Phantoms schneiden.
Die Vorwärtsprojektion von Metastrukturen übernimmt die Klasse
MaskProjection
, die
ebenso wie die bereits vorhandenen Klassen
LambertBeerProjection
und
MonteCarlo-
Simulation
die Schnittstelle
IWorker
erbt. Folglich kann sie als Teilaufgabe delegiert
werden (vgl. Abschnitt 5.3.6). Abbildung 5.14 zeigt die Klassenstruktur.
MC_GPU_Worker
+ MC_GPU_Worker()
+ create()
+ ~MC_GPU_Worker()
+ run()
+ StartThread()
+ cancel()
-m_controller
0..1
Controller_CPU
+ Controller_CPU()
+ ~Controller_CPU()
+ computeVolume()
+ computeProjections()
+ parameters()
+ cancel()
+ progress()
+ procedures()
+ setProcedures()
IWorker
+ progress()
+ startThread()
+ run()
+ cancel()
LambertBeerProjection
+ create()
+ ~LambertBeerProjection()
+ setPhantom()
+ startThread()
+ run()
+ cancel()
+ progress()
+ lambertProjection()
MaskProjection
+ create()
+ ~MaskProjection()
+ startThread()
+ run()
+ cancel()
+ progress()
+ prepare()
MonteCarloSimulation
+ create()
+ ~MonteCarloSimulation()
+ setPhantom()
+ startThread()
+ run()
+ cancel()
+ progress()
«interface»
IHardwareImplementation
+ ~ IHardwareImplementation() «destructor»
+ computeProjections()
+ computeVolume()
+ parameters()
+ init()
+ deInit()
+ progress()
+ cancel()
+ procedures()
+ setProcedures()
Controller_GPU
+ Controller_GPU()
+ ~Controller_GPU()
+ WorkerDestroyed()
+ ThreadFinished()
+ init()
+ deInit()
+ computeVolume()
+ computeProjections()
+ parameters()
+ progress()
+ cancel()
+ procedures()
+ setProcedures()
+ startStatisticsTracking()
+ stopStatisticsTracking()
Abbildung 5.14:
Klassendiagramm der in die Simulation involvierten Controller. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Zu jeder Einzelpose
τ
der definierten Bewegungsbahn
T
wird ausgehend von der Röntgen-
quelle
psrc
ein Strahl
s
zu jedem räumlichen Bildpunktzentrum
p
modelliert. Zunächst
wird geprüft, ob
s
das zu durchleuchtende Volumen
V
überhaupt schneidet: Aus dem
Volumen
V
wird ein
Cuboid
mit identischer Pose dupliziert und die Schnittpunkte mittels
intersections()
ermittelt. Existieren keine Schnittpunkte, wird mit der nächsten Ein-
zelpose
τ
fortgefahren. Andernfalls werden mit dem Algorithmus von Bresenham (1965)
diejenigen Voxel
v
ermittelt, die den Strahl
s
zwischen den Schnittpunkten im Volumen
V
abbilden. Sobald eines dieser Voxel
v
die Metastruktur schneidet, wird ein entsprechender
Maskenwert im Bildpixelzentrum hinterlegt und die Prüfung für s beendet.
Die Lösung dieser Teilaufgabe wird auf die freigegebene Anzahl von parallel ausführbaren
Prozessor (CPU)-Prozessen verteilt und dadurch beschleunigt. Eine Implementierung für
Grafikkarten ist nicht erfolgt.
66
5.3 Erweiterung der Monte-Carlo-Simulation
5.3.3 Logarithmische Normierung der Projektionsbilder
In der Medizin ist es üblich, die Projektionsbilder
B
einer Röntgendurchleuchtung
nicht original, sondern logarithmisch normiert und dadurch invertiert, darzustellen. Auf
diese Weise wird stark absorbierendes Material nahezu weiß und durchlässiges Material
schwarz dargestellt. Für alle Pixel einer simulierten Durchleuchtung wird Gleichung (5.1)
angewandt:
I=log2((I+ 1) ·C)·Imax
log2(C)(5.1)
wobei C=1
Imax + 1
Hierbei sind
I
die Strahlungsintensität und
Imax
die über alle Projektionsbilder
B
maxi-
mal auftretende Strahlungsintensität
I
an einem einzelnen Detektorelement. Da in der
vorliegenden Implementierung die logarithmische Normierung von Projektionsbildern
B
zu
einem Zeitpunkt vorgenommen wird, an dem noch nicht alle Projektionsbilder
B
simuliert
wurden, wird
Imax
bereits vor der ersten Simulation ermittelt. Hierzu wird ein Projek-
tionsbild
B
mit leerem Phantom und identischen Parametern wie Photonenanzahl
Nγ
,
Energiespektrum
E
und Bildauflösung
AB
simuliert. Auf diesem Projektionsbild
B
sam-
meln sich nun die Photonen
γ
mit ihrer maximal möglichen Energie
E′
γ
. Über dieses
Projektionsbild
B
wird die höchste gemessene Intensität als
Imax
gespeichert und ange-
nommen, dass in einer direkt folgenden Simulation kein Photon
γ
eine höhere Energie
E′
γ
an einem Detektorelement abgeben wird.
5.3.4 Berechnung der Dosisverteilung
In den Abschnitten 4.1 und 4.6 ist motiviert, eine Berechnung der Dosisverteilung während
des Simulationsvorgangs durchzuführen. Die vorhandene Implementierung der Monte-
Carlo-Simulation in der Klasse
MonteCarloSimulation
ist in dieser Arbeit dahingehend
angepasst.
Sobald in der grafischen Benutzeroberfläche (GUI) die Dosisnachverfolgung (engl. dose
tracking, vgl. Abbildung 5.2) aktiviert ist und die Simulation startet, wird im
Model
ein
leeres Volumen
V
mit identischen Eigenschaften des Referenzvolumens
Vr
angelegt und
als Parameter zur Simulation an MonteCarloSimulation übergeben.
Während der Simulation wird jedes generierte Photon
γ
im Phantom solange nachverfolgt,
bis es entweder das Phantom mit Restenergie
E′
γ
verlässt oder alle Photonenenergie
Eγ
abgegeben wurde. Nur Photo- und Comptoneffekt gehen mit einer Reduktion der Pho-
tonenenergie
Eγ
einher. Die verbleibende Restenergie
E′
γ
ist in den Gleichungen (2.4)
und (2.5) beschrieben. Sobald einer dieser Effekte an einem Photon
γ
auftritt, wird die
67
5 Umsetzung
abgegebene Energie
E
in dasjenige Voxel
v
des Dosisvolumens aufaddiert, welches die
Interaktionsposition umschließt.
Über alle simulierten Photonen
γ
und deren langer Historie an physikalischen Effekten
während der Simulation entlang einer Bewegungsbahn
T
entsteht im Dosisvolumen ein
dreidimensionales Abbild der Energieabgabe im Phantom. Um für den umzusetzenden
Optimierungsalgorithmus die tatsächlich abgegebene Energiedosis
DE
bereitzustellen,
wird für jedes Volumenelement
v
die dort abgegebene Photonenenergie
Eγ
ins Verhältnis
zur dortigen Masse
m
gesetzt. Auf die Masse
m
im Volumenelement
v
kann über die
Dichte
ρ
des dortigen Materials geschlossen werden. Bei medizinischen Volumenbild-
daten
V
kann anstatt der voxelgenauen Materialverteilung auf eine durchschnittliche
Materialverteilung nach ICRU zurückgegriffen werden. Die Energiedosis
DE
wird für das
gesamte Phantom und alle Metastrukturen Rermittelt.
Eine Berechnung der effektiven Dosis
Deff
ist nicht umgesetzt. Die dafür gemäß Glei-
chung (2.3) benötigten Informationen über die Organe
T
werden in den Phantomen nicht
hinterlegt, obgleich die umgesetzte Struktur von Phantomen dies grundsätzlich zuließe. Es
müsste eine Gruppierung von einzelnen Gewebestrukturen zu Organen
T
implementiert
und daraus ein Volumen
V
abgeleitet werden, welches den Gewebe-Wichtungsfaktor
WT
für jedes Voxel
v
enthält. Zusammen mit der gemessenen Energiedosis
DE
in jedem Voxel
v
ließe sich die effektive Dosis
Deff
ermitteln. In dieser Arbeit ist auf die Implementierung
der effektiven Dosis
Deff
verzichtet. Unter der Voraussetzung, dass in einer optimierten
Bewegungsbahn
T
insgesamt höchstens die gleiche Energiedosis
DE
verabreicht wird und
in sensible Regionen
Rsens
deutlich weniger Energiedosis
DE
verabreicht wird, ist die
Reduktion der effektiven Dosis Deff nachgewiesen.
5.3.5 Erweiterung der GPU-Implementierung
Mit der Einführung von Materialvolumen als Darstellungsform von Phantomen wurde
auch die Anpassung der Implementierung für Grafikprozessoren (GPUs) notwendig. Die
in Flux bereits umgesetzte Implementierung von Lunev (2018) setzt die physikalisch
realitätsgetreue Interaktion eines einzelnen Photons
γ
mit dem Phantom und dessen
Nachverfolgung in einem Kernel um, welcher für jedes Photon
γ
auf GPUs ausgeführt
wird. Dieser Kernel konnte bis dato mit Phantomen umgehen, die in jedem Voxel
v
nicht
ein Material, sondern ein Element beschrieben.
Zunächst ist dem Kernel eine weitere Struktur hinzugefügt, die die Zusammensetzung und
Gewichtung der Elemente des Materials abbildet. Weiter ist eine Methode implementiert,
die für die Interaktion des Photons
γ
zufallsbasiert aus dem Material ein Element zur
Interaktion auswählt. Stärker gewichtete Elemente werden dabei häufiger ausgewählt als
gering gewichtete. Im Rahmen der Kernel-Überarbeitung wurde dieser auch um mehr als
200% beschleunigt.
68
5.4 Qualitätsbewertung
Damit der Kernel die entsprechenden Informationen erhält, werden sie in der
materials()
-
Methode der Klasse
MaterialVolume
aus der Materialdatenbank extrahiert und aufberei-
tet. Dieser Vorgang wird in Vorbereitung der Simulation von der Klasse
Controller_GPU
angestoßen und in den GPU-spezifischen Instanzen der Klasse
MC_GPU_Worker
auf den
Grafikspeicher geladen.
5.3.6 Aufgabenverteilung für CPU und GPU
Die Varianten der Röntgensimulation sind in der Software Flux unterschiedlich imple-
mentiert. Unterschieden werden hier die Vorwärtsprojektion nach Lambert-Beer sowie
die physikalisch realitätsgetreue Simulation nach dem Monte-Carlo-Prinzip. In diese
Kategorisierung reihen sich auch das Erstellen eines Referenzvolumens
Vr
(vgl. Abschnitt
5.2.7) und die Vorwärtsprojektion von Metastrukturen (vgl. Abschnitt 5.3.2) ein.
Darüber hinaus werden diese Implementierungen dahingehend unterschieden, auf welcher
Hardware sie ausgeführt werden. Bisher gibt es Hardware-Implementierungen für CPUs
und GPUs. Prinzipiell sind auch Implementierungen für Field Programmable Gate
Arrays (FPGAs) oder Digitale Signalprozessoren (DSPs) denkbar – insbesondere falls die
Simulation in Medizinprodukte integriert wird.
Da nicht alle Teilaufgaben der Simulation für jede Hardware implementiert sind, ist in
dieser Arbeit eine dynamische Aufgabenverteilung umgesetzt. Sie versucht die perfor-
manteste Implementierung einer Teilaufgabe auszuführen. Es wird zunächst nach GPUs
gesucht und die Teilaufgabe dort ausgeführt – sofern sie entsprechend implementiert
ist. Alternativ wird auf die CPU-Implementierung zurückgegriffen und diese ausgeführt.
Dazu ist die Schnittstelle
IHardwareImplementation
um die Methode
procedures()
erweitert, die von allen Simulations-Controllern implementiert wird (vgl. Abbildung 5.14).
Sie gibt eine Liste von Teilaufgaben zurück, die vom Controller ausgeführt werden können.
Der Controller selbst ist für eine bestimmte Hardware spezialisiert. Auf diese Weise
kann bspw. die Monte-Carlo-Simulation auf GPUs gestartet werden, während parallel
auf CPUs das Idealvolumen und die Vorwärtsprojektion der Metastrukturen berechnet
werden.
5.4 Qualitätsbewertung
Die Qualitätsbewertung
Q
einer Rekonstruktion innerhalb einer RoI
Rfocus
für eine
bestimmte Aufnahmebahn
T
ist für den Optimierungsalgorithmus von entscheidender
Bedeutung. In Anlehnung an die in Abschnitt 2.5.5 vorgestellte, gradientenbasierte
Bewertung
q
(
p
)der Rekonstruktionsgenauigkeit in einem Punkt
p
wurde die Qualitätsbe-
wertung Qδ
einer Bewegungsbahn Tauf ganze Volumina Verweitert.
69
5 Umsetzung
Das in Abschnitt 4.5 vorgestellte Verfahren der gradientenbasierten Qualitätsbewer-
tung
Qδ
, beziffert die maximal mögliche Rekonstruktionsqualität für ein ganzes Volu-
men
V
entlang aller betrachteten Dichtegradienten
δ
i, i
=
{
0
. . . Nδ
}
im Intervall [0
,
1]
für eine gegebene Bewegungsbahn
T
aus
Nτ
Bildgebungsposen. Diese Berechnung ist in
der Klasse GradientAssessor umgesetzt. Abbildung 5.15 zeigt das Klassendiagramm.
quality::GradientAssessor
+ GradientAssessor()
+ quality()
+ quality()
+ quality()
+ totalQuality()
+ mean()
+ variance()
+ minGradient()
+ maxGradient()
+ setMask()
+ setVolume()
+ progress()
+ cancel()
+ merge()
+ merge()
+ mesh()
+ gradientsChanged()
+ gradients()
+ qualities()
quality::StructuralAssessor
+ StructuralAssessor()
+ mean()
+ deviation()
+ variance()
+ mse()
+ psnr()
+ uiqi()
+ ssim()
+ ssim()
+ contrast()
+ entropy()
+ mos()
+ difference()
+ setVolume()
+ progress()
+ cancel()
Abbildung 5.15:
Klassendiagramm der Klassen zur struktur- und gradientenbasierten
Qualitätsbewertung
Qs
und
Qδ
von Bewegungsbahnen
T
. Quelle: Fraun-
hofer IPK, Berlin, 2020
Zunächst werden in der Methode
createGradients()
die
Nδ
verschiedenen Dichtegradi-
enten
δ
als Vektoren ausgehend vom Ursprung hin zur Oberfläche S
2
einer Einheitskugel
erstellt. Ihre Orientierung wird anhand des durch Saff und Kuijlaars (1997) beschriebenen
Verfahrens bestimmt, indem sie gleichmäßig entlang einer spiralähnlichen Bahn auf der
Kugeloberfläche S
2
geführt werden. Die verschiedenen Methoden
quality()
bestimmen
die bestmögliche Rekonstruktionsqualität entsprechend den Gleichungen (2.38), (2.39)
und (4.4). In der Methode
totalQuality()
ist die Zusammenführung der Qualitäten
aller Nδ
Gradienten für ein Volumen Vgemäß Gleichung (4.3) implementiert.
Die Bestimmung der Gradientenqualitäten für einzelne Voxel
v
ist nebenläufig pro-
grammiert, sodass die Berechnung auf mehreren CPU-Rechnenkernen parallel erfolgen
kann. Darüber hinaus werden bei entsprechenden Parametern Voxel
v
gefiltert, sodass
bspw. nur Voxel
v
innerhalb der RoI betrachtet werden. Die Kombination verschiedener
Gradientenmengen (vgl. Abbildung 4.3) übernimmt die Methode
merge()
. Je nach über-
gebenem Parameter ermittelt sie eine Menge mit den jeweils höchsten oder niedrigsten
Gradientenqualitäten q(V , δ
).
Alle in den Abschnitten 2.5.1 und 2.5.2 vorgestellten Verfahren zur mathematischen und
strukturellen Qualitätsbewertung
Qs
sind in der Klasse
StructuralAssesssor
umgesetzt
(vgl. Abbildung 5.15). Vor allem der SSIM wird im umgesetzten Optimierungsalgorithmus
verwendet. Die Implementierungen sind aus der Arbeit von Roubal (2017) entnommen
und in dieser Klasse neu arrangiert.
70
5.5 Algorithmus
5.5 Algorithmus
Der in dieser Arbeit umgesetzte Optimierungsalgorithmus ist in der Klasse
OptimizerTra-
jectory
implementiert. Ebenso wie alle anderen Generatoren von Bewegungsbahnen
T
implementiert sie die Schnittstelle
TrajectoryGenerator
. Die Klasse
OptimizerTra-
jectory
nutzt weitere Klasseninstanzen, um die geforderte Funktionalität zu erreichen.
Abbildung 5.16 zeigt die beteiligten Klassen, deren Wirken und Implementierung in den
nächsten Abschnitten detailliert beschrieben ist.
PoseAnalyzer
+ PoseAnalyzer()
+ dose()
+ analyze()
+ prepare()
+ progress()
+ cancel()
TrajectoryGenerator
+ ~TrajectoryGenerator()
+ generate()
+ setConfiguration()
+ setConfiguration()
+ configuration()
+ isSufficient()
+ prepare()
+ progress()
+ cancel()
Pose
+ Pose()
+ resetId()
PoseFilter
+ PoseFilter()
+ ~PoseFilter()
+ clear()
+ loadProtectionZone()
+ findRoiPoints()
+ findValidPoses()
+ setConfiguration()
+ setExportManager()
+ setGenerator()
+ progress()
+ cancel()
ExportManager
+ ExportManager()
+ ~ExportManager()
+ setupSession()
+ exportCandidates()
+ exportHistory()
+ exportPoseAnalysis()
+ exportProjection()
+ exportReconstruction()
+ exportScreenshot()
+ exportTrajectory()
+ exportTrajectoryGradients()
+ exportTrajectoryGradients()
+ importCandidates()
+ setConfiguration()
+ setGenerator()
+ setGradientAssessor()
+ setIteration()
+ intermediateSsim()
+ intermediateDose()
OptimizerTrajectory
+ OptimizerTrajectory()
+ ~OptimizerTrajectory()
+ setConfiguration()
+ isSufficient()
+ progress()
+ cancel()
+ generate()
+ prepare()
DoseOptimizerGenerator
+ candidates()
+ trajectory()
+ generate()
+ prepare()
StructuralAssessor
+ StructuralAssessor()
+ mean()
+ deviation()
+ variance()
+ mse()
+ psnr()
+ uiqi()
+ ssim()
+ ssim()
+ contrast()
+ entropy()
+ mos()
+ difference()
+ setVolume()
+ progress()
+ cancel()
GradientAssessor
+ GradientAssessor()
+ quality()
+ quality()
+ quality()
+ totalQuality()
+ mean()
+ variance()
+ minGradient()
+ maxGradient()
+ setMask()
+ setVolume()
+ progress()
+ cancel()
+ merge()
+ merge()
+ mesh()
+ gradientsChanged()
+ gradients()
+ qualities()
GeneratorByGradientQuality
+ GeneratorByGradientQuality()
+ ~GeneratorByGradientQuality()
+ generate()
+ prepare()
Abbildung 5.16:
Klassendiagramm der am Optimierungsalgorithmus beteiligten Klassen.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
5.5.1 Parameter des Algorithmus
Bevor auf die konkrete Implementierung des Algorithmus selbst eingegangen wird, sollen
die den Algorithmus beeinflussenden Parameter vorgestellt werden. Die Einstellung aller
Parameter erfolgt über die GUI der Software Flux, indem als Bewegungsbahn Optimizer
ausgewählt wird. Abbildung 5.17 zeigt die entsprechende GUI.
Folgende Parameter und Parametergruppen beeinflussen das Verhalten ausschließlich des
Optimierungsalgorithmus:
71
5 Umsetzung
Abbildung 5.17:
Über die GUI einstellbare Parameter des Optimierungsalgorithmus in
der Software Flux. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
■
Die Genauigkeit des aufgespannten Gitternetzes hat erheblichen Einfluss darauf, wie-
viele Röntgenquellenpositionen
psrc
und Detektorpositionen
pimg
betrachtet werden
und wie günstig diese im virtuellen OP verteilt sind. Die Parameter grid interval
agrid,v
geben die Abstände
a
zwischen zwei benachbarten Gitternetzpunkten in X-, Y- und
Z-Richtung in
mm
an. Dabei wird das Raster immer ausgehend vom Volumenmittel-
punkt aufgespannt. Der Parameter max. distance gibt dabei den maximalen Radius
r
vom Volumenmittelpunkt zum Rasterpunkt an und begrenzt die Ausdehnung des
Rasternetzes rgrid.
■
Der Grad der Abdeckung Ψ
focus
projizierter RoIs
Rfocus
im Detektorbild einer Pose
τ
wird durch roi coverage bestimmt. Die Angabe erfolgt in %und erlaubt somit auch
die Berücksichtigung von Posen τ, die die RoI unvollständig abbilden.
■
Mit welcher Implementierung die Optimierung durchgeführt wird, benennt der Para-
meter generator. Details dazu sind im Abschnitt 5.5.3 beschrieben.
■
Die Parameter max. iterations,ssim threshold und gradient threshold benennen die
Ausstiegskriterien des Algorithmus: Die maximale Anzahl an Iterationen
Ni,max
, nach
denen die Optimierung abgebrochen wird sowie die Schwellwerte für die strukturelle
und gradientenbasierte Qualitätsbewertung
Qs
und
Qδ
, die in der Optimierung erreicht
werden sollen.
■
Die Parameter in der Gruppe Documentation Settings bezeichnen die Bestandteile der
Dokumentation, die während und nach der Optimierung ausgegeben werden. Details
finden sich in Abschnitt 5.5.5.
Die Parameter der Optimierung werden vor allem in der Evaluierung, wie in Tabelle 5.1
zusammengefasst, dargestellt.
72
5.5 Algorithmus
Tabelle 5.1:
Parametersatz zur Spezifikation einer beispielhaften Optimierung. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
agrid,v rgrid Ψfocus Ni,max Qs,focus Qδ
,focus
(100
×
100
×
100)
mm 800 mm 75% 1000 0,9 1,0
5.5.2 Vorbereitung
Die umgesetzte Optimierung fordert die Generierung aller für die spätere Bewegungs-
bahn
Topt
infrage kommenden Posen
τ
, deren Simulation und Analyse bezüglich ihres
Beitrags zur effektiven Dosis
Deff
und gradientenbasierten Qualität
Qδ
. Erst sobald diese
Informationen verfügbar sind, kann die eigentlich Optimierung beginnen. Alle diese Vor-
bereitungsschritte werden in der Methode
prepare()
der Klasse
OptimizerTrajectory
veranlasst.
Filtern interessanter Posen
Basierend auf den übermittelten Parametern Abmessungen eines Gitterelements
agrid,v
und Radius des Gitternetzes
rgrid
wird ein vollständiges Grid aller möglichen diskreten
Positionen
p
ausgehend vom Zentrum des Materialvolumens
V
aufgebaut. Jede dieser
Positionen
p
wird zunächst als mögliche Röntgenquelle
psrc
und Röntgendetektor
pimg
be-
trachtet, ohne diese in Beziehung zu setzen oder auszurichten. Die einzelnen Filterschritte
sorgen nun nach und nach für die Erfüllung aller unter 4.3 genannten Anforderungen
und sind in Abbildung 5.18 dargestellt.
Abbildung 5.18:
Schritte zur Aussonderung irrelevanter Posen in der Optimierungsvor-
bereitung: 1. Zuordnung zu Positionen der Röntgenquelle
psrc
und des
-detektors
pimg
, 2. Beschränkung auf definierten Radius
rgrid
, 3. Aus-
schluss aus der Schutzzone. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Im ersten Schritt werden nur diejenigen Positionen
p
für die Röntgenquelle
psrc
zugelassen,
die unterhalb jener Ebene
P
liegen, die die Volumen-Deckfläche beinhaltet, und oberhalb
des OP-Bodens liegen. Gleichzeitig werden nur solche Positionen
p
für den Röntgende-
tektor
pimg
zugelassen, die oberhalb jener Ebene
P
liegen, die die Volumen-Bodenfläche
73
5 Umsetzung
beinhaltet. Folglich werden Positionen
p
zwischen Volumen-Deck- und Bodenfläche bei-
den Bildgebungskomponenten zugeordnet. Darauffolgend werden diejenigen Positionen
p
ausgeschlossen, die sich außerhalb des definierten Radius des Gitternetzes
rgrid
befinden.
Um Kollisionen zu vermeiden, ist um den OP-Tisch und der daraufliegenden Patient
∗
in
herum eine Schutzzone modelliert. Diese ist als Mesh-basiertes Phantom umgesetzt, um
auf alle geometrieprüfenden Funktionen Zugriff zu erhalten. Im nächsten Filterschritt
werden diejenigen Positionen
p
ausgeschlossen, die sich innerhalb der Schutzzone befinden.
Abbildung 5.19:
Weitere Schritte zur Aussonderung irrelevanter Posen: 4. Ausschluss
von Detektorbildflächen, die die Schutzzone verletzen, 5. Ausschluss von
Posen
τ
, die die RoI nicht ausreichend durchleuchten. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
Aus den nun verbleibenden einzelnen Positionen
p
von Röntgenquellen
psrc
und Detek-
toren
pimg
werden Posen
τ
kombiniert, die mögliche Bewegungsbahnposen
τ
darstellen.
Dazu wird eine Detektorbildfläche am Mittelpunkt des Detektors
pimg
positioniert und
zur Röntgenquelle
psrc
derart ausgerichtet, dass der Zentralstrahl der Röntgenquelle
psrc
orthogonal auf den Röntgendetektor
pimg
trifft. Für jede dieser Posen
τ
wird geprüft, ob
die Detektorbildfläche die Schutzzone verletzt und in diesem Fall verworfen. Zuletzt wer-
den nur diejenigen Posen
τ
behalten, deren Röntgenstrahlen
s
die RoIs
Rfocus
mindestens
mit der vorgegebenen Abdeckung Ψ
focus
durchleuchten. Abbildung 5.19 veranschaulicht
die beschriebenen Filterschritte.
Umgesetzt sind diese Schritte in der Helferklasse
PoseFilter
, die innerhalb von
Opti-
mizerTrajectory
instanziiert wird. Insbesondere das Validieren von möglichen Kombina-
tionen aus Röntgenquelle
psrc
und -detektor
pimg
ist rechenintensiv und bei ausreichender
Dichte des Gitternetzes auch zeitintensiv.
Obwohl die Prüfung so implementiert ist, dass eine nebenläufige Ausführung auf meh-
reren CPU-Kernen möglich ist, nimmt das Filtern invalider Posen
τ
ab einem Git-
terabstand
agrid,v
von (100
×
100
×
100)
mm
merklich Zeit in Anspruch. Um bei der
Durchführung von Optimierungen Zeit einzusparen – insbesondere während der Evalu-
ierung – werden infrage kommende Posen
τ
zu einem Parametersatz der Optimierung
74
5.5 Algorithmus
in Dateien ausgelagert. Sobald eine Optimierung mit dem gleichen Parametersatz gest-
artet wird, werden die Posen
τ
aus der entsprechenden Datei geladen. Der betrachtete
Parametersatz umfasst nur relevante Parameter für diesen Prozessschritt, nicht alle
Parameter der Optimierung. Diese sind Bildabmessungen, Volumenabmessungen und
-auflösung
AV
, ausgewähltes Phantom, Gitterintervall
agrid,v
und -radius
rgrid
sowie die
geforderte Abdeckung der RoI Ψfocus.
Simulation und Analyse der einzelnen Posen
Nachdem alle Posen
τ
ermittelt sind, die den in Abschnitt 4.3 formulierten Anforderungen
genügen, werden diese simuliert und bewertet. Die Methode
generate()
der Klasse
OptimizerTrajectory
gibt dabei bei jedem Aufruf so lange die nächste Pose
τ
zurück,
bis alle Posenkandidaten simuliert wurden. Während der Simulation wird für jede Pose
τ
auch der räumlich verteilte Beitrag zur Energiedosis
DE
ermittelt. Nach der Simulation
einer jeden Pose
τ
und dem folgenden Aufruf von
isSufficient()
der Klasse
Optimizer-
Trajectory wird diese Pose τanalysiert.
Dazu ist in der Klasse
OptimizerTrajectory
die Hilfsklasse
PoseAnalyzer
instanziiert.
Zunächst wird in deren Methode
analyse()
die Projektionsgeometrie näher untersucht
und ermittelt, wieviele Voxel
v
der sensiblen Regionen
Rsens
und der RoIs
Rfocus
von
Röntgenstrahlen
s
erfasst werden. Abschließend wird das gradientenbasierte Bewertungs-
verfahren
Qδ
für das Teilvolumen der RoI angewandt und die Qualität
q
(
V , δ
)entlang
der Nδ
einzelnen Dichtegradienten δ
hinterlegt.
5.5.3 Optimierung der Bewegungsbahnen
Nach dem Abschluss der Vorbereitung verfügt der Optimierungsalgorithmus über eine
Menge von Bewegungsbahnposen
τ
und detaillierten Informationen zu jeder Pose
τ
.
Die Aufgabe besteht nun darin, aus der Menge dieser Posen
τ
diejenige Untermenge
zu finden, die die bedarfsgerechte Bewegungsbahn
Topt
optimal abbildet. Und folglich
eine geringe Energiedosis
DE
in den sensiblen Strukturen
Rsens
und eine ausreichende
Bildqualität QBin den RoIs Rfocus bewirkt.
Um perspektivisch verschiedene Optimierungsverfahren umsetzen zu können, ist in die-
ser Arbeit die Generierung neuer Bewegungsbahnen
Topt,i
als Zwischenergebnisse über
eine Schnittstelle ausgelagert. Von dieser Schnittstelle
DoseOptimizerGenerator
erben
Klassen, die unterschiedliche Optimierungsansätze implementieren. Die in dieser Arbeit
umgesetzte Optimierung ist in der Klasse
GeneratorByGradientQuality
implemen-
tiert. Alternative Klassen
GeneratorByGradientQualityReduction
oder
GeneratorBy-
WeightedSsim sind vorbereitet, jedoch nicht vollständig entwickelt.
75
5 Umsetzung
Erstellen der initialen Bewegungsbahn
Der Start der Optimierung besteht darin, alle vorhandenen möglichen Posen
τ
nach
ihrem Beitrag zur Energiedosis
DE,sens
in sensiblen Strukturen aufsteigend zu sortieren.
Anschließend wird die Ausgangspose
τ1
– gleichzeitig diejenige mit dem geringsten
Beitrag zur Energiedosis
DE,sens
– als erste Pose
τ1
der initialen Bewegungsbahn
Topt,1
festgelegt. Ihre Qualitätsbeiträge
q
(
V , δ
)der betrachteten Dichtegradienten
δ
werden für
die Bewegungsbahn Topt,1hinterlegt.
Nun werden schrittweise alle folgenden Posen
τj
in der sortierten Liste durchgegangen
und diejenigen Posen
τ
der Bewegungsbahn
Topt,1
hinzugefügt, die einen wesentlichen
Beitrag zur gradientenbasierten Bewertung
Qδ
leisten. Genauer, wird vor der Betrachtung
der folgenden Pose
τj
ermittelt, entlang welcher zwei Dichtegradienten
δ
1.↓
und
δ
2.↓
der
geringste Qualitätsbeitrag
q
(
V , δ
)geschieht. Es wird nun entlang der sortierten Liste
diejenige Pose
τ
gesucht, deren Qualitätsbeitrag
q
(
V , δ
1.↓
)entlang des schwächsten Gra-
dienten
δ
1.↓
höher ist, als der Qualitätsbeitrag
q
(
V , δ
2.↓
)entlang des zweitschwächsten
Gradienten
δ
2.↓
. Somit wird erreicht, dass der schwächste Gradient
δ
1.↓
in jeder Itera-
tion
i
wechselt. Die gefundene Pose
τ
wird als nächste Pose der Bewegungsbahn
Topt,1
hinzugefügt und ihre Gradientenqualitäten
q
(
V , δ
)mit den Gradientenqualitäten der
Bewegungsbahn Topt,1zusammengeführt (vgl. Abschnitt 5.4).
Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die geforderte Anzahl an Posen
Nτ
für die
Bewegungsbahn
Topt,1
erreicht ist. Er ist die erste Iteration
i
im Optimierungsalgorithmus.
Verbessern der Bewegungsbahn
In jeder weiteren Optimierungsiteration
i
wird versucht, die bestehende Bewegungs-
bahn
Topt,i
zu verbessern, indem ihre gradientenbasierte Qualitätsbewertung
Qδ
erhöht
wird. Dabei liegt folgende Herausforderung zugrunde: Jede Pose
τ
besitzt für alle
Nδ
betrachteten Dichtegradienten
δ
eine Bewertung – sowohl gute als auch schlechte. Er-
setzt man eine Pose
τ
, die eine höhere Bewertung für einen beliebigen Gradienten
δ
aufweist, besteht die Möglichkeit, dass durch die ersetzte Pose
τ
hohe Beiträge zur Gra-
dientenqualität
q
(
V , δ
)an anderen Dichtegradienten
δ
verschlechtert werden. Es gilt also
Posen
τ
zu substituieren, deren Qualitätsgewinn an bestimmten Dichtegradienten
δ
größer
ist, als ein eventueller Qualitätsverlust an anderen Dichtegradienten
δ
. Abbildung 5.20
veranschaulicht den Sachverhalt.
Zunächst werden alle Posen
τj
der momentanen Bewegungsbahn
Topt,i
dahingehend
analysiert, entlang wie vieler Dichtegradienten
δ
sie die beste Qualität
q
(
V , δ
)beitragen.
Es werden sowohl die Anzahl der Gradienten
Nδ
als auch der Qualitätsvorsprung für
jeden Dichtegradienten
δ
erfasst. Es ist durchaus möglich, dass mehrere Posen
τj
zum
76
5.5 Algorithmus
δ
1
δ
2
δ
3
δ
4
δ
5
δ
1
δ
2
δ
3
δ
4
δ
5
δ
1
δ
2
δ
3
δ
4
δ
5
Abbildung 5.20:
Einfluss einzelner Posen
τ
auf die Gesamtqualität: Überlagerte Gra-
dientenqualitäten
Qδ
von drei Posen (links), durch Pose #4 ersetzte
Pose #2 führt zur Verschlechterung der Gesamtqualität (mitte), durch
Pose #5 ersetzte Pose #2 führt zur Qualitätssteigerung (rechts). Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
gleichen Gradienten
δ
die beste Qualität
q
(
V , δ
)beitragen. Dann wird der Qualitäts-
vorsprung all dieser Dichtegradienten
δ
auf die gleiche Weise zusammengefasst, wie die
Dichtegradienten δ
selbst – gemäß Gleichung (4.3).
Anschließend werden die Posen
τj
der momentanen Bewegungsbahn
Topt,i
nach ebendie-
sem Qualitätsvorsprung sortiert. Gleichen sich zwei Posen
τ
bezüglich ihres Qualitätsvor-
sprungs, entscheidet die Anzahl
N
an Gradienten, zu denen sie den besten Qualitätswert
liefern. In der nun umarrangierten Bewegungsbahn
Topt,i
wird die erste Pose
τ1
entfernt.
Sie ist diejenige mit dem schwächsten Qualitätsbeitrag.
Im nächsten Schritt wird innerhalb der Menge aller noch nicht betrachteten, möglichen
Posen τfür eine Bewegungsbahn Topt, die nächstbeste Pose τjgesucht. Die nächstbeste
Pose zeichnet sich dadurch aus, dass sie den zuvor ermittelten schwächsten Gradienten
δ
Nδ
soweit stärkt, dass er nicht mehr der schwächste Gradient ist. Dieser Vorgang ist analog
zur Addition einer Pose
τ
für die initiale Bewegungsbahn
Topt,1
implementiert. Da die
Menge aller infrage kommenden Posen
τ
nach dem Beitrag zur Energiedosis
DE,sens
in
den sensiblen Strukturen
Rsens
einer jeden Pose
τj
sortiert ist, fügt die nächstbeste Pose
die kleinstmögliche Energiedosis DE,sens hinzu.
5.5.4 Finalisierung
Die beschriebenen Schritte zur Verbesserung der Bewegungsbahn
Topt
werden so lange
wiederholt, bis eines der folgenden Austrittskriterien erfüllt ist:
■
Die Rekonstruktion der momentanen Bewegungsbahn
Topt,i
und anschließende Prüfung
der strukturellen Bewertung
Qs,focus
in der RoI
Rfocus
überschreitet den geforder-
ten Schwellwert – die gefundene Bewegungsbahn
Topt,i
genügt den Ansprüchen an
Bildqualität QBin der RoI Rfocus.
77
5 Umsetzung
■
Es konnte keine Pose
τj
ermittelt werden, die jenen Gradienten
δ
1.↓
mit dem geringsten
Qualitätsbeitrag so stark verbessert, dass dessen Qualitätsbeitrag nicht mehr der
geringste ist. Unter den gegebenen Ausgangsparametern ist das die optimale Lösung.
Gleichzeitig kann man diese weiter verfeinern und die Anzahl
Nτ
an infrage kommenden
Posen τerhöhen, um den Ansprüchen an die Bildqualität Qsbesser zu genügen.
■
Die maximale Anzahl an Iterationen
Ni,max
ist überschritten. Die Optimierung ist
abgebrochen und die bisherigen Ergebnisse werden ausgegeben. Unter den gegebenen
Ausgangsparametern existiert womöglich eine bessere Lösung.
Im Anschluss wird die Dokumentation der Optimierung abgeschlossen und die nun finale
Bewegungsbahn Topt ausgegeben.
5.5.5 Dokumentation der Optimierung
Mit dem Start einer Optimierung wird in der Phase der Vorbereitung eine neue Dokumen-
tation angelegt und im Programmverzeichnis gespeichert. In Abhängigkeit der gewählten
Dokumentationsparameter, werden die jeweiligen Dateien in Ordnern gruppiert. Folgende
Zwischenergebnisse werden zu jeder Optimierungsiteration idokumentiert:
■
Die momentane Bewegungsbahn
Topt,i
wird standardisiert im XML-Format exportiert,
sodass sie nachträglich in die Software Flux geladen und betrachtet werden kann.
■
Es wird eine Tabelle im CSV-Format erstellt, die für alle Posen
τ
der momentanen
Bewegungsbahn
Topt,i
die Gradientenqualitäten
q
(
V , δ
)abbildet. So kann der Schritt
zur Verbesserung der Bewegungsbahn Topt,i nachvollzogen werden.
■
Die Rekonstruktion aus den Posen
τi
der momentanen Bewegungsbahn
Topt,i
wird
standardisiert im RAW-Format exportiert, sodass die Volumina
V
später in der
Software Flux geladen und betrachtet werden können.
Während und nach der Optimierung sind folgende Eigenschaften für den gesamten Verlauf
der Optimierung dokumentiert:
■
Ein detailliertes Logbuch informiert über die wichtigsten Prozessschritte während der
Vorbereitung und Optimierung und weist dabei auch parallele Prozessschritte aus.
■
Die während der Vorbereitung simulierten Posen
τj
und deren ermittelte Dosis- und
Qualitätsbeiträge DE,sens,Qδ
,focus und Qs,focus werden gespeichert.
■
Es wird eine Tabelle im CSV-Format erstellt, die die Optimierungskriterien Do-
sis
DE,sens
, gradientenbasierte Qualität
Qδ
,focus
und strukturelle Qualität
Qs,focus
für
jede Optimierungsiteration
i
abbildet. So wird der Optimierungsverlauf nachvollzogen.
■
Es wird eine Tabelle im CSV-Format erstellt, die die Veränderung aller Dichtegradien-
ten δ
während der Optimierungsiterationen iaufzeigt.
Diese Dokumentationen dienen maßgeblich als Basis für die nun folgende Evaluierung
bestimmter Eigenschaften des Algorithmus.
78
6 Evaluierung
6.1 Parameter
Die Ergebnisse des Optimierungsalgorithmus und in diesem Kapitel zu evaluierender
Eigenschaften hängen nicht nur von den Optimierungsparametern selbst (vgl. Abschnitt
5.5.1), sondern auch von einigen anderen Parametern ab. Tabelle 6.1 stellt die relevanten
Simulationsparameter dar und wird nachfolgend für konkrete Ausprägungen von Para-
metern analog zu Tabelle 5.1 verwendet. Diese und die Optimierungsparameter werden
während der Evaluierung mehrfach variiert und im Folgenden ihre Wechselwirkungen
detaillierter beschrieben.
Tabelle 6.1:
Parametersatz zur Spezifikation einer beispielhaften Simulation. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
5·106Eind 120 (64 ×64 ×64)vx 240 T196◦
Der Parameter Photonenanzahl
Nγ
resultiert üblicherweise aus einer Modellierung der
Röntgenröhre, insbesondere der Strahlungsdauer. Er beschreibt die absolute Anzahl
an Photonen
Nγ
, die die Röntgenröhre in Richtung Voxelvolumen
V
verlassen. Die
Photonenanzahl
Nγ
pro Fläche wirkt sich in der Simulation direkt auf die Bildqualität
QB
des Projektionsbildes
B
aus. Je weniger Photonen
γ
simuliert werden, desto stärker prägt
sich Rauschen im Bild
B
aus und verzerrt die Bildinformationen. Dies hat folglich einen
negativen Einfluss auf das Rekonstruktionsergebnis des durchstrahlten Volumens
V
.
Gleichzeitig ist eine Simulation schneller, je weniger Photonen
γ
simuliert werden. Die
Photonenanzahl Nγreicht von 106Photonen bis 1012 Photonen.
Die Photonenenergie
Eγ
resultiert aus einer komplexen Modellierung der Röntgenröhre, in
die ihre physikalischen Eigenschaften wie Röhrenspannung
Ua
und -stromstärke, Anoden-
material sowie Material und Dicke
a
benutzter Vorfilter einfließen. Bei monochromatischen
Röntgenröhren korrelliert die Photonenenergie
Eγ
direkt mit der Röhrenspannung
Ua
.
Bei polychromatischen Röntgenröhren, wie sie in der Medizintechnik üblich sind, verteilt
sich die Photonenenergie
Eγ
über ein Spektrum
E
. Polychromatische Spektren
E
werden
in dieser Arbeit mit der von Poludniowski et al. (2009) entwickelten Software SpekCalc
generiert und genutzt. Tabelle 6.2 stellt die verwendeten Modellierungsparameter der
79
6 Evaluierung
beiden verwendeten Röntgenröhren gegenüber, Abbildung 6.1 zeigt die dazugehörigen
Energiespektren E.
Tabelle 6.2:
Benutzte Parameter zur Generierung von Röntgenspektren
E
in dieser Arbeit.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
EUaϕmax afilter,Be afilter,Cu
Eind 90kV 30◦0,2mm 0mm
Emed 115kV 16◦0mm 0,2mm
Abbildung 6.1:
Energiespektren
E
der verwendeten Röntgenröhren. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2022
Die Posenanzahl
Nτ
bezeichnet die Anzahl an unterschiedlichen Posen
τ
aus denen eine
Bewegungsbahn
T
zusammengesetzt ist. Sie beeinflusst sowohl die strukturelle, als auch
gradientenbasierte Rekonstruktionsqualität
Qs
und
Qδ
. Je mehr unterschiedliche Posen
τ
eine Bewegungsbahn
T
beinhaltet und je gleichmäßiger diese um das zu untersuchende
Objekt verteilt sind, desto besser wird das Rekonstruktionsergebnis. Darüber hinaus
hat die Posenanzahl
Nτ
direkten Einfluss auf die verabreichte Energiedosis
DE
: Je
mehr Posen
τ
bei gleichen Aufnahmeparametern angefertigt werden, desto höher ist die
verabreichte Energiedosis DE.
Eine weitere Eigenschaft ist die Volumenauflösung
AV
in der das durchstrahlte Volumen
V
abgebildet ist. An ihr orientiert sich auch die Auflösung
AB
des Projektionsbildes
B
, da
bei den in der Medizintechnik üblichen Projektionsgeometrien kein Informationsgewinn
durch höhere Bildauflösungen
AB
erzielt wird. Je höher die Volumenauflösung
AV
ist,
desto präziser werden Strukturen und Eigenschaften im Voxelvolumen
V
abgebildet und
auf das Projektionsbild
B
übertragen. Gleichzeitig steigt der Bearbeitungsaufwand voxel-
basierter Operationen – wie der gradientenbasierten Qualitätsbewertung
Qδ
– kubisch.
Volumenauflösungen
AV
in der Medizintechnik erstrecken sich von (128
×
128
×
128)
vx
bis
(512
×
512
×
512)
vx
. In dieser Arbeit werden Auflösungen
AV
zwischen (64
×
64
×
64)
vx
80
6.2 Phantome
und (256
×
256
×
256)
vx
benutzt. Entsprechend wird die Bildauflösung
AB
zwischen
(64 ×64)px und (256 ×256) px gewählt.
Die Anzahl von Gradienten
Nδ
bezeichnet die Anzahl an betrachteten Dichtegradien-
ten
δ
für die gradientenbasierte Qualitätsbewertung
Qδ
nach Gleichung (4.1). Je mehr
gleichmäßig verteilte Dichtegradienten
δ
betrachtet werden, desto präziser ist die Aussage
über die maximal mögliche Rekonstruierbarkeit. Gleichzeitig steigt mit der Anzahl von
Gradienten
Nδ
der Berechnungsaufwand von Gleichung (4.2). Eine probate, empirische
Orientierung bei der Wahl der Anzahl von Gradienten
Nδ
bietet die Posenanzahl
Nτ
. In
dieser Arbeit wird als Standard meist die doppelte Posenanzahl Nτgenutzt.
6.2 Phantome
Zur Evaluation diverser Eigenschaften des umgesetzten Algorithmus ist in dieser Arbeit ein
technisches Phantom benutzt. Dieses Phantom verteilt neun flache Zylinder gleichmäßig
auf der zentralen YZ-Ebene des am OP-Tisch positionierten voxelbasierten Volumens
V
.
Alle Zylinder sind auf einem 3
×
3Gitter angeordnet und geometrisch identisch: (40
×
40
×
10)
mm
(
Breite ×Höhe ×Tiefe
) und entlang der Z-Achse des Volumens
V
ausgerichtet.
Sie unterscheiden sich lediglich durch die modellierten Materialien, welche in Tabelle 6.3
mit physikalischen Eigenschaften aufgelistet sind. Die Materialien umfassen sowohl
einfache chemische Elemente, als auch komplexe Zusammensetzungen und bilden eine
hohe Bandbreite an Dichten
ρ
ab. Aufgrund dieser Vielfalt ist das Phantom Multi-
Material-Phantom benannt.
Tabelle 6.3:
Materialien der neun Zylinder im Multi-Material-Phantom. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
Zylinder Material chem. Summenformel Dichte ρ
1 Helium He 0,00018
2 Lithium Li 0,53
3 Polyethylen (Kunststoff) C2H40,92
4 Natriumsulfid Na2S1,58
5 Beryllium Be 1,85
6 Flaschenglas O1759Si740Na260Ca105Al26K6Mg22,34
7 Scandium Sc 2,99
8 Bariumchlorid BaCl23,86
9 Chrom Cr 7,14
Zusätzlich ist dem Multi-Material-Phantom eine RoI
Rfocus
und eine sensible Struk-
tur
Rsens
zugeordnet. Die RoI
Rfocus
umschließt Zylinder 8 kugelförmig. Die sensible
Struktur
Rsens
ist als Quader über alle Zylinder der zweiten Zeile gelegt. Abbildung 6.2
zeigt sowohl die geometrische Anordnung der Zylinder, als auch deren Metastrukturen.
81
6 Evaluierung
12
3
4
5
6
7
8
9
Abbildung 6.2:
Modellierung des Multi-Material-Phantoms bestehend aus neun Zylindern
mit unterschiedlichen Materialien (links), als
MaterialVolume
(mitte)
und mit dargestellter grüner RoI und roter sensibler Region (rechts).
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Das gesamte Multi-Material-Phantom ist mit
Solids
(vgl. Abschnitt 5.2.3) modelliert
und daraus – wie in Abschnitt 5.2.6 beschrieben – in voxelbasierte
MaterialVolume
s
unterschiedlicher Volumenauflösungen AVüberführt.
Um die Optimierung an einem medizintechnischen Beispiel zu zeigen, wird ein Phantom
genutzt, welches das Szenario aus Abschnitt 1.1 rudimentär abbildet. Dazu sind die knö-
chernen Strukturen der Beckenregion mit einem linksseitig eingebrachten Hüftimplantat
sowie der Uterus modelliert. Abbildung 6.3 zeigt links die modellierten anatomischen
Strukturen, die alle als Dreiecksnetze modelliert sind.
Abbildung 6.3:
Modellierung des Beckenphantoms mit Komponenten unterschiedlicher
Materialien (links), als
MaterialVolume
(mitte) und zusätzlich dargestell-
ter grüner RoI und roter sensibler Region (rechts). Quelle: FraunhoferIPK,
Berlin, 2020
Aus der Modellierung ist das
MaterialVolume
wie in Abschnitt 5.2.3 beschrieben abgelei-
tet und in Abbildung 6.3 mittig dargestellt. Die dafür verwendeten Materialzuordnungen
sind in der Material-Datenbank hinterlegt und in Tabelle 6.4 gelistet. Im Beckenphantom
ist die RoI
Rfocus
am nicht-operierten Hüftgelenk positioniert, während der gesamte
Uterus als kritische Struktur Rsens angesehen wird.
82
6.3 Dosismessung
Tabelle 6.4:
Materialien der Gewebe
T
und Strukturen im Beckenphantom. Quelle: Fraun-
hofer IPK, Berlin, 2020
Struktur Material chem. Summenformel Dichte ρ
Knochen Knochen1H3963O1600C1445Ca229P141N120Mg5S41,85
Uterus Weichteile1H2108O1000C194N39 1,00
Eierstöcke Keimzellen1H2066909C153640N28472O967391Na1966-
Mg91P807S911Cl1376K1064Ca50Fe7Zn6
1,04
Blutbahnen Blut1H2021271C166545N42323O949303Na1609-
Mg33Si21P226S1154Cl1568K834Ca30F e165Zn3
1,06
Muskel-
gewebe
Muskeln1H129798C11671N2569O61328Na42-
Mg10P76S98Cl29K100Ca1Fe1Zn1
1,04
Implantat Titan-6Al-4V Ti8954C7Fe24N2O12Al600V400H14,443
6.3 Dosismessung
In der ersten in dieser Arbeit durchgeführten Evaluierung wird die in Abschnitt 5.3.4
beschriebene Erweiterung der Simulation um eine Dosisnachverfolgung untersucht. Diesem
Versuch liegt die Fragestellung über die Plausibilität der implementierten Dosisverteilung
zugrunde, deren Korrektheit gleichwohl vermutet wird. Für den Versuch wird die Software
Flux mit separat gespeichertem Multi-Material-Phantom verwendet.
In der Software Flux wird die Durchstrahlung des Multi-Material-Phantoms mit un-
terschiedlicher Photonenanzahl
Nγ
von 10
6bis
10
8
und unter verschiedenen Energie-
spektren
E
simuliert. Es werden vier Energiespektren
E
untersucht: Monochromatisch
von 60
keV
,80
keV und
100
keV
und polychromatisch anhand des Spektrums
Eind
einer
Röntgenröhre aus der industriellen Messtechnik. Als Bewegungsbahn
T
wird eine einzelne
laterale Pose
τ
verwendet, deren Zentralstrahl deckungsgleich mit der X-Achse verläuft.
Alle Parameter werden in Tabelle 6.5 dargestellt und der Versuchsaufbau in Abbildung 6.4
visualisiert.
Tabelle 6.5:
Benutzte Parameter zur Messung der Energiedosis
DE
in der Software Flux.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
106bis
108
Eind,
60 bis
100keV
1 (64 ×64 ×64)vx 240 laterale Pose
Nach der Simulation der einzelnen Projektionsbilder
B
unter den jeweiligen Parametern
werden die entstandenen Volumina
V
und Schichtansichten in Dateien gespeichert. Die
Schichtansichten sind so gewählt, dass sagittal alle neun Zylinder, axial die rechte Spalte
1gemäß ICRU, https://physics.nist.gov/cgi-bin/Star/compos.pl?matno=262
83
6 Evaluierung
axial
sagittal
coronal
Abbildung 6.4:
Screenshot der Versuchsanordnung zur Dosismessung in der Software Flux
(links) und dargestellten orthogonalen Schichtansichten (rechts). Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
und coronar die mittlere Zeile fokussiert werden. Um auf den Bildern überhaupt etwas
zu erkennen, wurden die Grauwerte der jeweiligen Volumina
V
so skaliert, dass sie den
Dynamikumfang Lvon 8 bit voll ausnutzen.
Alle aufgenommenen Messwerte sind in Tabelle 6.6 aufbereitet. Um den Platz besser
auszunutzen, wurden die axialen und coronaren Schichtansichten zugeschnitten. Zudem
ist zu jeder Messung die verwendete Skalierung des Grauwertbereichs und die ermittelte
Energiedosis DEangegeben.
Es zeigt sich das erwartete Bild bei der Variation der Photonenanzahl
Nγ
und Aus-
gangsenergie
Eγ
der Photonen
γ
. Je höher die Photonenanzahl
Nγ
, desto gleichmäßiger
findet die Energieabgabe auf der der Röntgenquelle
psrc
zugewandten Zylinderebene
statt. Bei zu wenigen Photonen γentsteht deshalb starkes Rauschen. Je höher die Röh-
renspannung
Ua
und proportional die Photonenenergie
Eγ
, desto leichter durchdringen
Photonen
γ
insbesondere Materialien mit höherer Dichte
ρ
. Sehr deutlich wird auch,
dass die Energieabgabe der Photonen
γ
abnimmt, je tiefer sie sich im Material befinden,
da sie dort über eine geringere Restenergie
E′
γ
verfügen. Darüber hinaus zeigt sich,
dass die Energieabgabe auch direktional mit der Röntgenquelle
psrc
übereinstimmt: Da
Photonen
γ
leicht schräg auf Zylinder 9 treffen, bildet sich in der axialen Schichtansicht
auch am oberen Teil der Mantelfläche eine dunkle Linie – besonders deutlich bei 60
kV
und 108Photonen zu erkennen.
Auch die Ergebnisse der Dosisberechnungen entsprechen den Erwartungen. Mit steigender
Photonenanzahl
Nγ
steigt die Energiedosis
DE
nahezu um den gleichen Faktor. Leichte
Schwankungen sind der stochastischen Natur des Interaktionsprozesses geschuldet. Die
nur leicht steigende Energiedosis
DE
bei vergleichsweise hoher Steigerung der Röhren-
spannung
Ua
erscheint plausibel: Photonen
γ
interagieren mit Atomen ausschließlich auf
84
6.3 Dosismessung
Tabelle 6.6:
Schichtansichten der Dosisverteilung im Multi-Material-Phantom bei variier-
ten Simulationsparametern. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
106Photonen 107Photonen 108Photonen
Ua= 60kV
sagittal axial
coronal
sagittal axial
coronal
sagittal axial
coronal
Skalierung ≈29475,3≈4183,6≈496,7
DE≈6,0µGy ≈60,2µGy ≈603,01µGy
Ua= 80kV
Skalierung ≈40791,1≈5373,3≈727,1
DE≈6,45µGy ≈64,4µGy ≈642,7µGy
Ua= 100kV
Skalierung ≈54168,3≈9445,0≈1257,6
DE≈6,14µGy ≈61,6µGy ≈617,4µGy
polychroma-
tisch
Skalierung ≈48672,6≈7432,6≈862,5
DE≈4,1µGy ≈40,9µGy ≈409,4µGy
85
6 Evaluierung
diskreten Energieniveaus, die materialabhängig sind. Aufgrund der höheren Ausgangs-
energie
Eγ
bleibt Photonen
γ
mehr Restenergie
E′
γ
, um wenige weitere Interaktionen
durchzuführen.
Zwei Ausschläge fallen allerdings auf: Die Dosis
DE
bei einer Röhrenspannung
Ua
von
80
kV
ist höher, als bei einer gleichmäßigen Steigerung erwartet wird. Dieses Phänomen
kann nicht genau erklärt werden. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Photonen
γ
bei
dieser Photonenenergie
Eγ
mit einigen Materialien des Phantoms überdurchschnittlich
interaktionsfreudig sind, bspw. weil sich Elektronen leichter aus der Hülle lösen las-
sen. Die zweite Auffälligkeit besteht darin, dass die Dosis
DE
beim polychromatischen
Energiespektrum
Eind
wesentlich geringer ist. Dies wird dem breiten Wertebereich der
Photonenenergie
Eγ
zugeschrieben, der eine durchschnittliche Photonenenergie
Eγ
von
31,1keV aufweist (vgl. Abbildung 6.1).
6.4 Erweiterung der Gradientenbewertung auf Volumina
Eine wesentliche Komponente des Optimierungsalgorithmus ist die gradientenbasierte
Bewertung
Qδ
der maximal möglichen Rekonstruktionsqualität für Voxelvolumen
V
oder
Volumenbereiche
R
. In diesem Versuch wird untersucht, ob das umgesetzte Verfahren
nach Gleichung (4.2) ein sinnvolles Qualitätsmaß liefert und wie sich die Wahl der Güte-
funktion
q
gemäß Gleichung (4.4) auswirkt. Es wird erwartet, dass die berechnete Qualität
von der Wahl der Bewegungsbahn
T
selbst, der Anzahl unterschiedlicher Posen
Nτ
, der
Anzahl der betrachteten Gradienten
Nδ
und der Volumenauflösung
AV
abhängt. Für den
Versuch wird die Software Flux ohne Phantome verwendet.
Zunächst werden mit der Software Flux unterschiedliche Gütefunktionen
q
geprüft. Dazu
wird die Qualität
Qδ
für die Kugel-Bewegungsbahn
Tsphere
bei einer Volumenauflösung
AV
von (64
×
64
×
64)
vx
und 240 betrachteten Dichtegradienten
δ
ermittelt und für drei
Gütefunktionen qin Abbildung 6.5 und Abbildung 6.6 visualisiert.
¡
¢
¡
¢
Abbildung 6.5:
Funktionsverlauf der drei untersuchten Gütefunktionen
q
. Quelle: Fraun-
hofer IPK, Berlin, 2022
86
6.4 Erweiterung der Gradientenbewertung auf Volumina
Abbildung 6.6:
Visualisierung der drei untersuchten Gütefunktionen
q
an der Kugel-
bahn
Tsphere
mit
sin (x)
(links),
tan2(︁x
2)︁
(mitte) und
tan4(︁x
2)︁
(rechts)
auf Gradienteneinheitskugeln analog zu Abbildung 2.18. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
Zur Untersuchung der Abhängigkeit zwischen Anzahl von Gradienten
Nδ
und Volumen-
auflösung
AV
sowie Posenanzahl
Nτ
und Bewegungsbahn
T
wird in der Software Flux die
gradientenbasierte Bewertung
Qδ
unter Variation der entsprechenden Parameter gemäß
Tabelle 6.7 und Tabelle 6.8 durchgeführt. Dazu wird die Bewegungsbahn
T
mit
Nτ
Posen
generiert, ohne die Posen
τ
zu simulieren. Anschließend wird die gradientenbasierte Bewer-
tung
Qδ
über das gesamte Voxelvolumen
V
in der entsprechenden Volumenauflösung
AV
durchgeführt. Dabei ist sowohl die Gradienteneinheitskugel als Bild
B
exportiert, als
auch die berechnete Gesamtqualität Qδ
gespeichert.
Tabelle 6.7:
Verwendete Simulationsparameter für die Untersuchung der gradientenba-
sierten Bewertung
Qδ
bei Variation der Anzahl von Gradienten
Nδ
und
Volumenauflösung AV. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
– – 120 (64 ×64 ×64)vx bis
(256 ×256 ×256)vx
30 bis
480
T196◦
Tabelle 6.8:
Verwendete Simulationsparameter für die Untersuchung der gradientenbasier-
ten Bewertung
Qδ
bei Variation der Posenanzahl
Nτ
und Bewegungsbahn
T
.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
– – 30 bis 120 (64 ×64 ×64)vx 240 T196◦,TΩ,
Twobble,Tsphere
Die beobachteten Messwerte sind in Abbildung 6.7 zusammengefasst. Deutlich wird,
dass mit steigender Anzahl von Gradienten
Nδ
die Messwerte nahezu konstant bleiben,
allenfalls mit einer sehr leicht steigenden Tendenz. Je höher die Anzahl von Gradien-
ten
Nδ
, desto detaillierter und aussagekräftiger ist die ermittelte Gesamtqualität
Qδ
.
Durch die bewusst empfindlich gewählte Gütefunktion
q
wirken sich kleine Änderungen
der Gradientenorientierung verhältnismäßig stark auf den Gütewert
q
aus. Ebenfalls wird
87
6 Evaluierung
Abbildung 6.7:
Diagramm der Messwerte zur Untersuchung von Volumenauflösung
AV
und Anzahl von Gradienten
Nδ
sowie Posenanzahl
Nτ
und Bewegungs-
bahn T. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
beobachtet, dass mit steigender Volumenauflösung
AV
die ermittelte Gesamtqualität
Qδ
steigt. Es wirkt der gleiche Effekt: Je feinaufgelöster das betrachtete Voxelvolumen
V
ist, desto detaillierter und aussagekräftiger ist die ermittelte Gesamtqualität
Qδ
. Fest-
gehalten wird auch, dass bei vergleichsweise niedriger Anzahl von Gradienten
Nδ
und
Volumenauflösung
AV
eine verhältnismäßig hohe Gradientenqualität
Qδ
ermittelt wird.
Für folgende Untersuchungen erscheint eine Festlegung der Anzahl von Gradienten
Nδ
auf 240 und der Volumenauflösung AVauf (64 ×64 ×64)vx adäquat.
Im rechten Teil von Abbildung 6.7 wird sehr deutlich, dass die Posenanzahl
Nτ
einer
Bewegungsbahn
T
geringe Auswirkungen auf die ermittelte Gesamtqualität
Qδ
hat. Na-
türlich ist diese von der konkreten Ausprägung der Bewegungsbahn
T
abhängig. Zum
Beispiel sind die relativen Qualitätsunterschiede bei der 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
wesentlich
geringer, als bei der Kugelbahn
Tsphere
. Die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen
Bewegungsbahnen
T
erklären sich aus der Diversität ihrer Posen
τ
: Während bei der
196
◦
-Kreisbahn
T196◦
alle Posen
τ
nur eine Linie auf der Einheitskugeloberfläche S
2
fokus-
sieren, verteilen sich die Posen
τ
der Kugelbahn
Tsphere
um die komplette Oberfläche S
2
.
Diese Eigenschaft zu bewerten, war der Grundgedanke von Stopp, Winne, Jank et al.
(2009) bei der Einführung des gradientenbasierten Bewertungsverfahrens. Für folgende
Untersuchungen erscheint die Beibehaltung der Posenanzahl Nτvon 120 adäquat.
Insgesamt konnten die vermuteten Auswirkungen von Volumenauflösung
AV
, Anzahl von
Gradienten
Nδ
und Posenanzahl
Nτ
auf die gradientenbasierte Qualitätsbewertung
Qδ
gezeigt und günstige Parameter für die folgenden Untersuchungen festgelegt werden. Die
Erweiterung der ursprünglichen gradientenbasierten Bewertung der maximal möglichen
Rekonstruktionsqualität auf komplette Voxelvolumina Vwird als valide betrachtet.
88
6.5 Korrelation von SSIM und Gradientenbewertung
6.5 Korrelation von SSIM und Gradientenbewertung
Dem umgesetzten Optimierungsalgorithmus liegt die Annahme zugrunde, dass die gra-
dientenbasierte Qualitätsbewertung
Qδ
mit der strukturellen Qualitätsbewertung
Qs
korreliert. Obgleich die gradientenbasierte Bewertung
Qδ
ein Ausdruck der maximal
möglichen Rekonstruktionsqualität darstellt, wird davon ausgegangen, dass sie auch als
Tendenz für eine strukturelle Qualitätsbewertung
Qs
dient: Je höher die gradientenba-
sierte Qualität
Qδ
, desto höher sei die strukturelle Qualität
Qs
. Die Messungen werden
in der Software Flux und mit dem Multi-Material-Phantom durchgeführt.
Aus den Erkenntnissen des Versuchs zur Dosisberechnung wird für die folgenden Versuche
eine Zuordnung von Photonenanzahl
Nγ
zur Volumenauflösung
AV
für jedes Phantom
festgelegt. Diese ist in Tabelle 6.9 aufgelistet.
Tabelle 6.9:
Zuordnung der Photonenanzahlen
Nγ
zu definierten Volumenauflösungen
AV
der verwendeten Phantome. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Phantom Volumenauflösung AVPhotonenanzahl Nγ
Multi-Material-Phantom (64 ×64 ×64) vx 5 ·106
(256 ×256 ×256)vx 8 ·107
Beckenphantom (64 ×64 ×64) vx 5 ·107
(256 ×256 ×256)vx 8 ·108
Zu beiden Phantomen sind Referenzvolumina
Vr
derart rekonstruiert, wie es in Abschnitt
5.2.7 beschrieben ist. Dafür sind für beide Phantome Kugelbahnen
Tsphere
mit 480
Posen τ
und der zugeordneten Photonenanzahl
Nγ
simuliert und anschließend mittels ART
in 5 Iterationen rekonstruiert. Die Projektionsbildauflösung
AB
entsprach dabei per
Dimension der Volumenauflösung AVdes Referenzvolumens Vr.
Nachdem das Multi-Material-Phantom selbst, sowie das entsprechende, bereits rekon-
struierte Referenzvolumen
Vr
mit einer Volumenauflösung
AV
von (256
×
256
×
256)
vx
geladen sind, werden sowohl 196
◦
-Kreisbahnen
T196◦
, als auch Kugelbahnen
Tsphere
mit
variabler Posenanzahl
Nτ
generiert und alle Posen
τ
simuliert. Anschließend werden
diese Posen
τ
zu einem Voxelvolumen
V
mittels ART in 5 Iterationen rekonstruiert.
Das Rekonstruktionsvolumen
V
wird sowohl strukturell, als auch gradientenbasiert mit
variabler Anzahl von Gradienten
Nδ
bewertet. Tabelle 6.10 zeigt die Parameterübersicht.
Tabelle 6.10:
Benutzte Simulationsparameter für die Untersuchung der Korrelation zwi-
schen struktureller Qualität
Qs
und gradientenbasierter Qualität
Qδ
. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
8·107Eind 6bis 120 (256 ×256 ×256)vx 60 bis
240
T196◦,Tsphere
89
6 Evaluierung
Die Reduktion der Rekonstruktionsqualität
Qδ
und
Qs
wird durch die schrittweise
Reduktion der Posenanzahl
Nτ
erreicht. Je weniger Posen
τ
für eine Rekonstruktion
genutzt werden können, desto geringer ist die Rekonstruktionsqualität, wenn weniger
Dichtegradienten
δ
durch die Posen
τ
vollumfänglich abgebildet werden. Die strukturelle
Qualität Qswird immer bezüglich des Referenzvolumens Vrermittelt.
Die Messwerte werden in Abbildung 6.8 für die 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
und in Abbil-
dung 6.9 für die Kugelbahn
Tsphere
dargestellt. Sie zeigen deutlich, dass strukturelle
Bewertung
Qs
und gradientenbasierte Bewertung
Qδ
nur auf den ersten Blick miteinan-
der korrelieren. Obgleich ihre Tendenz stets übereinstimmt, wird offensichtlich, dass die
beiden Eigenschaften sich unterschiedlich entwickeln.
Abbildung 6.8:
Diagramm der Messwerte zur Untersuchung struktureller Bewertung
Qs
und gradientenbasierter Bewertung
Qδ
für die 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Abbildung 6.9:
Diagramm der Messwerte zur Untersuchung struktureller Bewertung
Qs
und gradientenbasierter Bewertung
Qδ
für die Kugelbahn
Tsphere
. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
90
6.6 Deterministisches Verhalten
Bei der durchgeführten Untersuchung liegen die ermittelten Werte für die strukturelle
Bewertung
Qs
im Intervall
[0,002 . . . 0,770]
. Die ermittelten Werte für
Qδ
erstrecken
sich bei denselben Parametern im Intervall
[0,855 . . . 0,998]
. Es wird deutlich, wie un-
terschiedlich empfindlich beide Bewertungsverfahren sind: Während sich die Steigerung
der
Qs
-Werte im Verhältnis zur Steigerung der Posenanzahl
Nτ
eher gleichmäßig verhält
und gering nachlässt, steigt die gradientenbasierte Bewertung
Qδ
zu Beginn steil, um
bereits nach 18 Posen auf hohem Niveau abzuflachen. Beobachten lässt sich ebenfalls,
dass die Qualitätsunterschiede
Qδ
bei der Variation der Anzahl von Gradienten
Nδ
vernachlässigbar gering sind und bei beiden untersuchten Bewegungsbahnen
T
ähnlich
verlaufen.
Obgleich in diesem Versuch die Hypothese der Korrelation zwischen gradientenbasierter
Bewertung
Qδ
und struktureller Bewertung
Qs
für zwei Bewegungsbahnen
T
bestätigt ist,
wird festgestellt, dass diese Korrelation nicht den Erwartungen entspricht. Tiefergehende
Untersuchungen sind notwendig, um das Verhältnis zwischen beiden Qualitätsmaßen zu
bestimmen.
6.6 Deterministisches Verhalten
Damit eine Optimierung erfolgreich anhand der in Abschnitt 4.6.2 beschriebenen kombi-
natorischen Strategie durchgeführt werden kann, wird erwartet, dass sich in jeder Opti-
mierungsiteration
i
dem Optimierungskriterium angenähert wird. Für den umgesetzten
Algorithmus bedeutet dies, dass mit jeder Iteration
i
die gradientenbasierte Qualitätsbe-
wertung
Qδ
,focus
in der RoI
Rfocus
und analog die strukturelle Qualität
Qs,focus
ebendort
steigt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wird in diesem Versuch untersucht. Die Messungen
werden in der Software Flux am Multi-Material-Phantom durchgeführt.
Nachdem das Multi-Material-Phantom selbst sowie ein bereits rekonstruiertes Referenz-
volumen
Vr
mit identischer Volumenauflösung
AV
geladen sind, wird eine Generierung
der Bewegungsbahn
Topt
mit dem Optimierungsverfahren ausgelöst. Dabei werden die
Simulationsparameter gemäß Tabelle 6.11 und die Optimierungsparameter gemäß Ta-
belle 6.12 variiert. Während des Versuchs sind alle Dokumentationsoptionen aktiviert,
sodass Zwischenergebnisse auf dem Dateisystem abgelegt werden.
Tabelle 6.11:
Variierte Simulationsparameter zur Prüfung der stetigen Annäherung an das
Optimierungskriterium
Qs,focus
in jeder Iteration
i
. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
5
·
10
6
und
8·107
Eind 30,60,90
und 120
(64
×
64
×
64)
vx
und
(256 ×256 ×256)vx
240 –
91
6 Evaluierung
Tabelle 6.12:
Variierte Optimierungsparameter zur Prüfung der stetigen Annäherung an
das Optimierungskriterium
Qs,focus
in jeder Iteration
i
. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
agrid,v rgrid Ψfocus Ni,max Qs,focus Qδ
,focus
(100
×
100
×
100)
mm
&(80
×
80
×
80)
mm
800mm &
1000mm
75% bis
100%
1000 0,9 1,0
Für die erste Teiluntersuchung sind von den variablen Parametern aus Tabelle 6.11
und Tabelle 6.12 folgende festgelegt:
Nγ
= 5
·
10
6
,
Nτ
= 120,
AV
= (64
×
64
×
64)
vx
,
agrid,v
= 100
mm
und
rgrid
= 800
mm
. Beide Messungen unterscheidet der Optimierungs-
parameter Ψ
focus
mit 100 % und 75 %. Die Messwerte für die Eigenschaften strukturelle
Bewertung
Qs,focus
und gradientenbasierte Bewertung
Qδ
,focus
werden in Abbildung 6.10
und Abbildung 6.11 dargestellt. Beide dargestellten Eigenschaften unterliegen einem eige-
nen Wertebereich, der der optimalen Darstellung der Messwerte angepasst ist. Natürlich
variiert in allen Bildern die Anzahl
Ni,max
der durchlaufenen Optimierungsiterationen,
da sich diese für jeden Parametersatz individuell ausprägen.
Abbildung 6.10:
Diagramme der Verläufe von struktureller Bewertung
Qs,focus
und gra-
dientenbasierter Bewertung
Qδ
,focus
während der Optimierung. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
92
6.6 Deterministisches Verhalten
In beiden Diagrammen wird deutlich, dass die gradientenbasierte Bewertung
Qδ
,focus
streng monoton wächst. Gleichzeitig wächst die strukturelle Bewertung
Qs,focus
jedoch
nicht streng mit, obgleich sie insgesamt über alle Iterationen
i
steigt. Dies verdeut-
licht, dass strukturelle Bewertung
Qs
und gradientenbasierte Bewertung
Qδ
nicht, wie
in Abschnitt 6.5 angenommen, korrelieren. Erklärt werden kann dies damit, dass die
Rekonstruktionsqualität
Qs
maßgeblich vom Bildinhalt der Projektionsbilder
B
abhängt.
Insbesondere bei Bewegungsbahnen
T
, die eine sehr diffuse Projektionsbildverteilung
aufzeigen, werden mehr Dichtegradienten δ
höherqualitativ abgebildet.
Abbildung 6.11:
Optimierungsverlauf des Algorithmus für die Eigenschaften gradienten-
basierte Bewertung
Qδ
,focus
und strukturelle Bewertung
Qs,focus
bei
unterschiedlichen Optimierungsparametern. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2022
93
6 Evaluierung
Eine Aussage über den tatsächlichen Bildinhalt eines Projektionsbildes
B
trifft dies
jedoch nicht. Sobald Posen
τ
das durchleuchtete Voxelvolumen
V
nur teilweise erfassen,
entstehen in der Rekonstruktion Artefakte, die sich negativ auf die Qualität
Qs
auch in
den RoIs Rfocus auswirken können.
Im ersten Teilversuch ist die RoI-Abdeckung Ψ
focus
variiert. Im darauffolgenden Ver-
such werden die Eigenschaften Abmessungen eines Gitterelements
agrid,v
und Radius
des Gitternetzes
rgrid
gemäß Tabelle 6.12 variiert. Die RoI-Abdeckung Ψ
focus
wird bei
100% belassen. In diesem Teilversuch wird überprüft, inwiefern sich die Gestaltung
des Gitternetzes auf den Optimierungsverlauf auswirkt. Mit kleineren Abmessungen
eines Gitterelements
agrid,v
und größeren Radien der Gitternetze
rgrid
erhöht sich die
Anzahl
Nτ
der untersuchten Posen
τ
exponentiell. Es wird erwartet, dass sich deshalb
leichter passende Kandidaten für die nächste Iteration
i
finden lassen und sich monoton
wachsendes Verhalten stärker ausprägt. Ebenso wird erwartet, dass insgesamt mehr
Iterationen
Ni,max
durchlaufen werden. Darüber hinaus wird angenommen, dass mit
schmaleren Abmessungen eines Gitterelements
agrid,v
oder steigendem Radius des Git-
ternetzes
rgrid
die gradientenbasierte Bewertung
Qδ
zunimmt. Abbildung 6.11 zeigt den
Optimierungsverlauf für die restlichen Kombinationen der Gittereigenschaften.
Die Diagramme in Abbildung 6.11 bestätigen die Annahme, dass bei entsprechender
Variation der Gittereigenschaften die gradientenbasierte Bewertung
Qδ
,focus
steigt. Gleich-
wohl wird nochmals deutlich, dass gradientenbasierte Bewertung
Qδ
und strukturelle
Bewertung
Qs
nicht miteinander korrelieren: In allen Diagrammen von Abbildung 6.11,
besonders oben und unten, fällt die Kurve für
Qs,focus
nach einem Maximum, bzw. pegelt
sich auf einem Niveau ein. Auffällig ist außerdem, dass entgegen der Erwartung die
absoluten Werte für Qs,focus bei dichterem und größerem Gitternetz sinken.
Insgesamt wird festgehalten, dass durchaus eine Optimierung der gradientenbasierten
Bewertung
Qδ
,focus
stattfindet, auch wenn sie nicht in jeder Iteration
i
gesteigert wird.
Gleichzeitig wird festgestellt, dass die eigentlich beabsichtigte Optimierung der struktu-
rellen Bewertung Qs,focus nicht stattfindet.
6.7 Dosisreduktion unter Erhalt der Bildqualität
Im vorangegangenen Abschnitt wurde untersucht, wie sich die Bildqualität der Rekonstruk-
tion einer optimierten Bewegungsbahn
Topt
in Form von gradientenbasierter Bewertung
Qδ
und struktureller Bewertung
Qs
während der Optimierung entwickelt. Gleichzeitig fehlt
bisher eine Aussage darüber, wie sich diese Bildqualität
QB
gegenüber anderen Bewe-
gungsbahnen
T
einordnet. Dies betrifft ebenso die applizierte Energiedosis
DE,sens
an
kritischen Strukturen
Rsens
. In diesem Versuch wird der Frage nachgegangen, inwiefern
der umgesetzte Optimierungsalgorithmus die beabsichtigten Ziele erreicht und die effekti-
ve Dosis
Deff
reduziert, während die strukturelle Bewertung
Qs,focus
in der sensiblen
Region
Rsens
mindestens erhalten bleibt. Die Messungen werden in der Software Flux
am Multi-Material-Phantom durchgeführt.
94
6.7 Dosisreduktion unter Erhalt der Bildqualität
Konkret wird zunächst das Multi-Material-Phantom und das Referenzvolumen
Vr
in
identischer Volumenauflösung
AV
geladen. Anschließend wird die Bewegungsbahn
Topt
generiert und deren Projektionsbilder
B
simuliert. Danach werden diese Projektionsbil-
der
B
zu einem Voxelvolumen
V
rekonstruiert und dieses der Qualitätsbewertung
Qs,focus
unterzogen. Für jede Bewegungsbahn
T
werden die Parameter nach den Tabellen 6.11
und 6.12 analog zum vorangegangenen Versuch variiert. Abbildung 6.12 stellt die struk-
turelle Bewertung
Qs,focus
, Abbildung 6.13 die Energiedosis
DE,sens
für ausgewählte
Parameterkombinationen gegenüber. Alle aufgenommenen Messwerte finden sich im
Anhang ab Seite 112.
Abbildung 6.12:
Messwerte der strukturellen Bewertung
Qs
für unterschiedliche Bewe-
gungsbahnen T. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Analog zu den Erkenntnissen aus Abschnitt 6.6 zeigen die Diagramme in Abbildung 6.12,
dass die Anforderungen der Optimierung an die strukturelle Bewertung
Qs,focus
nicht
robust erfüllt werden: Nicht in allen Optimierungen ist die strukturelle Bewertung
Qs,focus
mindestens genauso hoch, wie die der 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
, welche als geringstqualitative
Referenz dient. Gleichwohl zeigen sich in einigen Parameterkombinationen Verbesserungen,
z.B. bei einer Posenanzahl
Nτ
von 120 und einer Volumenauflösung
AV
von (64
×
64
×
64)
vx
. Im Mittel verschlechtert sich die strukturelle Qualität
Qs,focus
um 13
,
6% und
bedeutet merkliche Einbußen bei der subjektiven Qualitätswahrnehmung.
Die beobachteten Verbesserungen resultieren grundsätzlich aus einer günstigen Kombinati-
on aus Bewegungsbahnposen
τ
. Jedoch sei angemerkt, dass der Optimierungsalgorithmus
aufgrund der fehlenden Korrelation von gradientenbasierter Bewertung
Qδ
und struk-
tureller Bewertung
Qs
diese günstigen Kombinationen nicht gezielt findet. Gleichzeitig
hängt die Beurteilung der Qualitätsverbesserung auch von der Bewegungsbahn
T
ab,
die man als Vergleich heranzieht. Basierend auf den getätigten Messungen, lässt sich
nur schwer eine Qualitätsrangfolge unter den untersuchten Bewegungsbahnen
T
aus-
machen. Als Nebenerkenntnis sei festgehalten, dass die am Fraunhofer IPK, Berlin,
patentierte ORBIT-Polynombahn
TΩ
gegenüber der 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
immer eine
Qualitätssteigerung zeigt.
95
6 Evaluierung
Abbildung 6.13:
Messwerte der Energiedosis
DE,sens
für unterschiedliche Bewegungsbah-
nen T. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Neben der Erhaltung der Bildqualität
Qs,focus
in interessanten Regionen
Rfocus
ist es
das Optimierungsziel des Algorithmus, die effektive Dosis
Deff
zu reduzieren. Diese wird
indirekt über die Reduktion der Energiedosis
DE,sens
in allen sensiblen Strukturen
Rsens
angenommen. Während der Simulation aller Projektionsbilder
B
der final optimierten
Bewegungsbahn
Topt
wird die Energiedosis
DE
innerhalb des Volumens
V
erfasst. Im
Abbildung 6.13 ist deutlich zu erkennen, dass die Energiedosis
DE,sens
in sensiblen
Regionen
Rsens
erheblich reduziert ist und das Optimierungsziel als erreicht betrachtet
wird. Im Mittel wird die Energiedosis
DE,sens
in sensiblen Regionen um 98
,
7 % reduziert.
Deutlich ist in den Diagrammen von Abbildung 6.13 zu erkennen, dass die Verteilung
der Energiedosen
DE,sens
über die Bewegungsbahnen
T
unabhängig von der variierten
Posenanzahl
Nτ
und Volumenauflösung
AV
bleibt. Ebenso wird beobachtet, dass die
Energiedosis
DE,sens
direkt von der Posenanzahl
Nτ
abhängt und proportional mit
ihr steigt. Darüber hinaus zeigt sich, dass mit dichterem und größerem Gitternetz der
absolute Wert der Energiedosis
DE,sens
steigt. Dies resultiert daraus, dass die für die
final optimierte Bewegungsbahn
Topt
ausgewählten Posen
τ
mit hoher gradientenbasierter
Bewertung Qδ
auch sensible Regionen Rsens stärker abbilden.
Insgesamt wird festgehalten, dass die am Multi-Material-Phantom ermittelten, verbesser-
ten Bewegungsbahnen
Topt
zwar die Energiedosis
DE,sens
in sensiblen Regionen
Rsens
erheblich senken. Jedoch leidet darunter die strukturelle Bewertung
Qs
des Rekonstruk-
tiosvolumens
V
. Markante Abhängigkeiten von den variierten Parametern wurden nicht
festgestellt.
96
6.8 Bedarfsgerechte Bewegungsbahn
6.8 Bedarfsgerechte Bewegungsbahn
Im finalen Versuch dieser Arbeit wird der Optimierungsalgorithmus auf ein wesentlich
komplexeres, medizinisches Phantom angewandt – das in Abschnitt 6.1 beschriebene
Beckenphantom. Ziel ist es, eine verbesserte Bewegungsbahn
Topt
für einen konkreten,
medizinischen Anwendungsfall zu generieren und so den Nutzen der bedarfsgerechten
Röntgenbildgebung an einem Beispiel aufzuzeigen. Es sei wiederholt, dass nicht die Bewe-
gungsbahn
Topt
an sich, sondern die Menge der Posen
τ
ausschlaggebend ist. Diese Menge
an Posen
τ
so zu ordnen, dass eine glatte Bewegungsbahn
Topt
entsteht, ist systemabhän-
gig und nicht umgesetzt. Das ist über das Sortieren nach geringsten Achsbewegungen
jedoch möglich, sobald die kinematische Kette eines Systems bekannt ist. Im Versuch
wird die Software Flux und das Beckenphantom verwendet. Aus den vorangegangenen
Versuchen wird deutlich, dass die Wirkung des Optimierungsalgorithmus anhand der in
den Tabellen 6.13 und 6.14 dargestellten Parameter ausreichend ist.
Tabelle 6.13:
Parameter, mit denen die Posen
τ
einer für die bedarfsgerechte Bildgebung
verbesserten Bewegungsbahn
Topt
simuliert sind. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2020
NγENτAVNδ
T
5·107Emed 120 (64 ×64 ×64)vx 240 T196◦,Twobble,
Tsphere,TΩ,Topt
Tabelle 6.14:
Optimierungsparameter, um eine verbesserte Bewegungsbahn
Topt
zur Be-
urteilung des Hüftgelenks zu finden. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
agrid,v rgrid Ψfocus Ni,max Qs,focus Qδ
,focus
(100
×
100
×
100)
mm 800mm 100 % 1000 0,9 1,0
Wie auch im vorangegangenen Versuch wird zunächst das Beckenphantom selbst, als
auch dessen Referenzvolumen
Vr
in der entsprechenden Volumenauflösung
AV
geladen.
Anschließend werden mit den gesetzten Simulationsparametern die vier verschiedenen
Standard-Bewegungsbahnen
T
simuliert, die Energiedosis
DE,sens
in den sensiblen Regio-
nen erfasst und die simulierten Projektionsbilder
B
rekonstruiert. Anschließend wird die
strukturelle Bewertung
Qs,focus
zum Referenzvolumen
Vr
in der RoI
Rfocus
durchgeführt.
Final wird derselbe Teilversuch wiederholt, wobei der Optimierungsalgorithmus mit den
gesetzten Optimierungsparametern eine Bewegungsbahn Topt generiert.
Es wird erwartet, dass sich die starke Reduktion der Energiedosis
DE,sens
in sensiblen
Regionen
Rsens
ebenso ausprägt, wie die leichte Reduktion der strukturellen Bewer-
tung
Qs,focus
in der RoI bei den vorangegangenen Versuchen mit dem Multi-Material-
Phantom. Die Messwerte werden in Abbildung 6.14 dargestellt.
97
6 Evaluierung
Abbildung 6.14:
Messwerte für die strukturelle Bewertung
Qs,focus
und Energiedo-
sis
DE,sens
an unterschiedlichen Bewegungsbahnen
T
am Beckenphantom.
Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2022
Im Gegensatz zu den Versuchsreihen mit dem Multi-Material-Phantom, prägen sich die
Optimierungskriterien des Algorithmus stärker aus. Die strukturelle Bewertung
Qs,focus
in der RoI wird um 22 % gesteigert und die Energiedosis
DE,sens
um 94
,
4 % reduziert. Es
wird festgestellt, dass die strukturelle Bewertung
Qs,focus
über alle Bewegungsbahnen
T
,
verglichen mit dem Multi-Material-Phantom, insgesamt höher ausfällt. Zumindest für
den medizinischen Anwendungsfall der Substanzprüfung des Femur in Vorbereitung einer
Hüftimplantatsetzung erreicht die Optimierung die ursprünglich gesetzten Ziele.
Abbildung 6.15 zeigt die Posen
τ
der verbesserten Bewegungsbahn
T
. Das Verbinden
der Posen
τ
zur gezeigten verbesserten Bewegungsbahn
T
geschah ohne Berücksichtung
einschränkender Parameter eines Bildgebungssystems, welches die Bewegungsbahn
T
ausführen soll. Sie sieht deshalb ziemlich chaotisch aus. Gleichwohl wurde beachtet, dass
Bewegungen zwischen zwei Posen τohne Verletzung der Schutzzone passieren.
Das Ergebnis dieser Simulation zeigt: Würde in Zukunft eine Patient
∗
in zur Vorbereitung
einer Hüftimplantatsetzung mit der verbesserten Bewegungsbahn
T
anstatt mit der
üblichen 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
geröntgt werden, würden ihre sensiblen anatomischen
Strukturen mit 94
,
4% weniger effektiver Dosis
Deff
belastet werden. Darüber hinaus
würde die RoI dieser Untersuchung – der Oberschenkelknochen und das Hüftgelenk –
noch deutlicher abgebildet werden.
98
6.8 Bedarfsgerechte Bewegungsbahn
Abbildung 6.15:
Verbesserte Bewegungsbahn zur Beurteilung der Knochenbeschaffenheit
am rechten Femur unter Schonung der Keimzellen. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
99
7 Fazit und Ausblick
Im Rahmen dieser Arbeit ist ein Algorithmus umgesetzt, der die effektive Dosis von
3D-CBCT-Scans reduziert. Das Ziel besteht in der Umsetzung einer bedarfsgerechten
Röntgenbildgebung, die diejenigen für die Ärzt
∗
in interessanten anatomischen Regionen
mit hoher Qualität abbildet und dabei versucht, Regionen mit strahlungsempfindlichem
Gewebe zu meiden. Der verfolgte Ansatz versucht, dieses Ziel durch bedarfsgerechte
Bewegungsbahnen der beiden Bildgebungskomponenten Röntgenquelle und -detektor zu
erreichen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der Vorbereitung und Umsetzung eines
Optimierungsverfahrens, welches solche Bewegungsbahnen mittels Simulation findet.
Basierend auf einer bestehenden Software wurden weitere Funktionalitäten implemen-
tiert, um eine Simulation für die bedarfsgerechte Bildgebung umsetzen zu können. Die
bestehende Modellierung von Phantomen wurde überarbeitet und um die strukturelle
Modellierung mittels Dreiecksnetzen ergänzt, sodass nun beliebige Strukturen modelliert
werden können. Ebenso wurde die Modellierung um die Kennzeichnung von interessanten
und kritischen Regionen erweitert. Entsprechend wurde die Implementierung ergänzt,
Phantom-Modellierungen in diskrete Voxelvolumina zu überführen. Alle für die Simu-
lation notwendigen Materialinformationen werden in einer Datenbank gesammelt, die
ebenfalls um einige zusammengesetzte Materialien wie unterschiedliche Gewebe und
Implantatlegierungen ergänzt wurde.
Die Erweiterung der bestehenden Simulation im Umgang mit beliebigen zusammenge-
setzten Materialien war eine weitere Herausforderung in dieser Arbeit. Die bestehende
Implementierung zur Ausführung der Simulation auf Grafikkarten wurde erweitert und
beschleunigt. Die für eine Rekontruktion erforderliche logarithmische Normierung der
Projektionsbilder wurde ebenso umgesetzt, wie die Nachverfolgung der Energieabgabe
aller simulierten Photonen. Aus dieser ergibt sich die Verteilung der Energiedosis für das
durchstrahlte Phantom.
Ebenfalls als Vorbereitung zur Umsetzung des Optimierungsverfahrens wurden unter-
schiedliche Qualitätsbewertungsverfahren für Voxelvolumina umgesetzt. Die strukturelle
Bewertung mittels SSIM wurde angepasst und beschleunigt. Eine gradientenbasierte
Bewertung wurde konzeptuell auf Volumenbilddaten erweitert und mit einer angepassten
Gütefunktion umgesetzt.
Schließlich wurde das Optimierungsverfahren als Algorithmus umgesetzt, wobei die Op-
timierung selbst softwaretechnisch gekapselt ist und somit leicht ausgetauscht werden
kann. In einem virtuellen OP-Setup werden alle für eine Bewegungsbahn infrage kom-
menden Bildgebungsposen analysiert und gefiltert. Für alle relevanten Posen wird die
101
7 Fazit und Ausblick
Röntgendurchstrahlung physikalisch realitätsgetreu simuliert. Der Algorithmus testet
iterativ verschiedene Kombinationen von Posen als Bewegungsbahn und bestimmt die
beiden Optimierungskriterien hohe Bildqualität in der RoI und geringe Energiedosis in
kritischen Geweben, um diese bestmöglich zu erfüllen. Die Optimierung wird detailliert
dokumentiert.
In experimentellen Untersuchungen wurden die Korrelation zwischen beiden Qualitätsbe-
wertungsverfahren, das deterministische Optimierungsverhalten des Algorithmus, sowie
die Zielerreichung der Optimierung evaluiert. Die Grundannahme im Optimierungskon-
zept, dass strukturelle und gradientenbasierte Qualitätsbewertung miteinander korrelieren,
wurde widerlegt. Als Folge werden die Optimierungskriterien nicht in jeder Iteration wäh-
rend der Optimierung verbessert. Während sich dies bei den Untersuchungen mit einem
technischen Phantom negativ auswirkte, lieferte der Algorithmus für ein vereinfachtes
medizinisches Phantom signifikant verbesserte Ergebnisse.
In zukünftigen Weiterentwicklungen oder alternativen Optimierungskonzepten sollten
folgende Erweiterungen Berücksichtigung finden:
Phantome: Das gewählte VRML-Dateiformat für Mesh-basierte Phantome, welches sich
vor allem für die Modellierung medizinischer Phantome eignet, bildet Materialien nicht
variabel genug ab. Die in dieser Arbeit implementierte Form verletzt den VRML-Standard
und wird von 3D-Bearbeitungsprogrammen nicht unterstützt. Eine Alternative bietet das
x3d-Dateiformat. Darüber hinaus ist die manuelle Modellierung realistischer medizinischer
Bilddaten sehr komplex und aufwändig. Oberflächenmodelle solcher Bilddaten können
alternativ aus segmentierten Röntgenbilddaten gewonnen werden. Zuletzt ist die umge-
setzte Modellierung der interessanten Regionen direkt im Phantom nur zur Evaluierung
sinnvoll. In medizinischen Anwendungfällen würden Ärzt
∗
innen patientenindividuell die
interessanten Regionen bestimmen und in einer Anwendersoftware ergänzen. Ebenso
sollten neben den im Phantom standardmäßig hinterlegten kritischen Strukturen weitere
Regionen durch Ärzt∗innen ergänzt werden können.
Qualitätsbewertung: In der Arbeit wurde der SSIM direkt ohne eine medizinische
Gewichtung der einzelnen Bewertungsfunktionen angewandt. Bisher sind keine Arbeiten
bekannt, in denen die Gewichtungsfaktoren
W1
bis
W3
(vgl. Abschnitt 2.5.2 auf Seite 30)
für medizinische Volumenbilddaten optimiert werden. Dies könnte in folgenden Untersu-
chungen geschehen, um die objektive Qualitätsbeurteilung medizinischer Bilddaten weiter
zu verbessern. Darüber hinaus sollte die Qualität der Referenzvolumina verbessert werden,
indem beide vorgestellten Verfahren kombiniert werden: Ein adäquater Grauwert wird
durch Simulation und Rekonstruktion für jedes Material im Phantom separat ermittelt
und als Idealintensität im Materialvolumen hinterlegt.
Simulation: Die umgesetzte und in dieser Arbeit erweiterte physikalische Simulation
des Röntgenvorgangs ist, trotz Beschleunigung für GPUs, der Flaschenhals der Optimie-
rungsgeschwindigkeit. Darüber hinaus ist es denkbar, die Simulation an eine High-Perfor-
mance-Computing-Plattform anzubinden, auf der wesentlich mehr GPUs zur Verfügung
stehen. Um die Qualität der Optimierung weiter zu erhöhen, sollten zukünftig bei der
102
Simulation von medizinischen Phantomen auch Luft und OP-Ausrüstung – insbesondere
der OP-Tisch – berücksichtigt werden.
Optimierung: Die in dieser Arbeit umgesetzte Optimierungsstrategie ist letztendlich eine
kombinatorische Problemstellung: Welche Teilmenge an Posen aus einer gegebenen Menge
bildet die optimale Bewegungsbahn? Es erscheint angebracht, diese Problemstellung aus
mathematischer Perspektive zu durchdringen und eventuell einen geeigneten Algorithmus
abzuleiten, der die gesuchte Teilmenge direkt berechnet. Sicher eignen sich evolutionäre
Algorithmen, weil der Suchraum sehr groß ist. Gleichzeitig besteht eine wesentliche
Erkenntnis dieser Arbeit darin, die strukturelle Qualität direkt zu optimieren und die
gradientenbasierte Bewertung als Indikator für die Diversität der Bewegungsbahnposen
zu betrachten. Um die Ausgangsmenge an möglichen Bewegungsbahnposen gezielt mit
relevanten Posen anzureichern, können zukünftig zusätzlich einschränkende Parameter des
Bildgebungssystems betrachtet werden, welches die verbesserte Bewegungsbahn umsetzen
soll. Dies könnte auch die Berücksichtigung von Schrägprojektionen zulassen. Gleichzeitig
sollte bei allen Posen die Bildgröße derart variieren, dass nicht-interessante Bereiche
durch absorbierende Blenden maskiert werden. Abschließend sollte eine Überprüfung
der in dieser Arbeit simulativ umgesetzten Ergebnisse an einem ausreichend flexiblen
Röntgensystem umgesetzt werden.
103
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109
Anhang
Notation
Da sich die Notation für mathematische Konstrukte in der referenzierten Literatur
unterscheidet, wird an dieser Stelle die verwendete Notation in Tabelle A-1 dargelegt.
Tabelle A-1: In dieser Arbeit verwendete Notation.
Notation Bedeutung
Kund sKonstanten, Faktoren und Skalare sind normal gesetzt
v Vektoren sind mit einem Pfeil überschrieben
vsystem Bezugssysteme (hier: system) sind tief- und nachgestellt gesetzt
MMatrizen sind fett gesetzt
basisTziel Ausgangsbezugsysteme (hier: basis) sind hoch- und vorangestellt gesetzt
MMengen sind als Doppelstrichmajuskel gesetzt
Mmathematische Konstrukte sind kaligrafisch gesetzt
ωWinkel sind als griechische Minuskel gesetzt
Quellcode von Software wird grundsätzlich in einer Monospace-Schriftart dargestellt.
Funktionen, die im Text oder Klassendiagrammen aufgeführt werden, sind der besse-
ren Lesbarkeit wegen ohne Argumente, Parameter und Rückgabewert benannt, bspw.
methode().
Einheiten
Folgende Tabelle fasst alle Einheiten zusammen, die in dieser Arbeit verwendet werden:
Tabelle A-2:
Einheiten und ihre Bedeutung in dieser Arbeit. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2020
Einheit Bedeutung
bit
Bit, Maßeinheit für eine digitale Daten-
menge
dB Dezibel, Einheit für Pegel und Dämpfung
111
Tabelle A-2: Einheiten und ihre Bedeutung in dieser Arbeit
Einheit Bedeutung
◦
Grad, Einheit zur Winkelangabe und Ro-
tationsfortschritt
eV Elektronenvolt, Maß für Teilchenenergie
Gy Gray, Einheit der Energiedosis DE
mMeter, SI-Basiseinheit der Länge a
px
Pixel, Gitterelement eines zweidimensiona-
len Gitters (Bild)
sSekunde, SI-Basiseinheit der Zeit
Sv
Sievert, Einheit gewichteter Strahlendosen
VVolt, Einheit der elektrischen Spannung
vx
Voxel, Gitterelement eines dreidimensiona-
len Gitters (Volumen)
Messwerte zu Abschnitt 6.4
Tabelle A-3:
Unterschiedliche gradientenbasierte Qualitäten bei Variation von Anzahl
von Gradienten
Nδ
und Volumenauflösung
AV
. Quelle: Fraunhofer IPK,
Berlin, 2020
AV30 60 120 240 480
(64 ×64 ×64)vx 0,931 870 0,927 993 0,934351 0,936 685 0,936 881
(128 ×128 ×128)vx 0,951 227 0,949 963 0,953649 0,955 185 0,955 526
(256 ×256 ×256)vx 0,976 499 0,978 416 0,979559 0,980 118 0,980 143
Messwerte zu Abschnitt 6.5
Messwerte der Diagramme aus Abbildung 6.8 und Abbildung 6.9 folgen.
Messwerte zu Abschnitt 6.7
Im Folgenden sind die Messwerte zur Überprüfung der Dosisreduktion und Qualitätser-
haltung des im Abschnitt 6.7 beschriebenen Versuchs dargestellt. Jede Tabelle bildet die
Messwerte einer Bewegungsbahn
T
ab, wobei jede Bewegungsbahn
Topt
mit unterschied-
lichem Parametersatz als eine Bewegungsbahn betrachtet wird.
112
Tabelle A-4:
Unterschiedliche gradientenbasierte Qualitäten bei Variation von Bewegungs-
bahn Tund Posenanzahl Nτ. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
NτT196◦Wobblebahn ORBIT-Bahn Kugelbahn
30
60
90
120
Tabelle A-5:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für 196
◦
-Kreisbahn
T196◦
unter ver-
schiedenen Posenanzahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle: Fraun-
hofer IPK, Berlin, 2020
T196◦
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30
DE2,86 ·10−85,92 ·10−91,19 ·10−84,61 ·10−79,78 ·10−81,89 ·10−7
Qs0,200408 0,130 094 0,287 702 0,255893 0,116 921 0,247 612
Qδ
0,934640 0,993 776 0,975 873 0,976495 0,997 134 0,992 760
topt 00:00:20,786 00:02:47,366
60
DE5,70 ·10−81,18 ·10−82,37 ·10−89,19 ·10−71,95 ·10−73,77 ·10−7
Qs0,346794 0,272 067 0,483 120 0,439090 0,275 923 0,437 352
Qδ
0,936297 0,995 477 0,977 428 0,979423 0,999 238 0,994 708
topt 00:00:32,899 00:05:32,115
90
DE8,56 ·10−81,78 ·10−83,55 ·10−81,38 ·10−62,93 ·10−75,65 ·10−7
Qs0,415673 0,377 020 0,572 519 0,532139 0,396 591 0,544 941
Qδ
0,936588 0,995 814 0,977 706 0,979939 0,999 638 0,995 068
topt 00:00:55,799 00:08:18,827
120
DE1,14 ·10−72,37 ·10−84,74 ·10−81,84 ·10−63,91 ·10−77,53 ·10−7
113
Tabelle A-5:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Kreis- und Wobblebahn unter
verschiedenen Posenanzahlen Nτund Volumenauflösungen AV
T196◦
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
Qs0,457184 0,418 441 0,625 508 0,577538 0,474 593 0,591 945
Qδ
0,936685 0,995 935 0,977 798 0,980118 0,999 781 0,995 193
topt 00:01:10,479 00:11:05,774
Tabelle A-6:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Wobblebahn
Twobble
unter verschie-
denen Posenanzahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
Twobble
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30
DE2,53 ·10−85,99 ·10−91,24 ·10−83,96 ·10−79,68 ·10−81,95 ·10−7
Qs0,245657 0,189 852 0,394 325 0,268886 0,124 424 0,289 093
Qδ
0,949613 0,994 403 0,985 914 0,972366 0,994 129 0,991 444
topt 00:00:19,777 00:02:47,366
60
DE5,01 ·10−81,20 ·10−82,48 ·10−87,83 ·10−71,94 ·10−73,88 ·10−7
Qs0,464759 0,395 532 0,639 145 0,513313 0,282 312 0,546 885
Qδ
0,955478 0,997 768 0,989 571 0,981940 0,997 739 0,996 485
topt 00:00:35,604 00:05:21,525
90
DE7,50 ·10−81,80 ·10−83,72 ·10−81,17 ·10−62,90 ·10−75,81 ·10−7
Qs0,575491 0,527 502 0,789 624 0,627427 0,390 336 0,704 098
Qδ
0,957207 0,998 491 0,990 556 0,984582 0,998 758 0,997 860
topt 00:00:52,459 00:08:01,706
120
DE9,98 ·10−82,39 ·10−84,96 ·10−81,56 ·10−63,87 ·10−77,75 ·10−7
Qs0,631753 0,588 631 0,837 914 0,681937 0,445 409 0,768 724
Qδ
0,957820 0,998 888 0,990 978 0,985633 0,999 247 0,998 479
topt 00:01:10,391 00:10:38,145
114
Tabelle A-7:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Kugelbahn
Tsphere
unter verschie-
denen Posenanzahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle: Fraunho-
fer IPK, Berlin, 2020
Tsphere
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30 DE2,58 ·10−84,67 ·10−91,17 ·10−84,00 ·10−77,32 ·10−81,80 ·10−7
Qs0,341322 0,221 952 0,405 160 0,299488 0,135 522 0,234 265
Qδ
0,982738 0,994 147 0,989 922 0,981841 0,993 324 0,988 846
topt 00:00:21,805 00:02:59,292
60 DE5,12 ·10−89,37 ·10−92,32 ·10−87,95 ·10−71,47 ·10−73,58 ·10−7
Qs0,591456 0,478 866 0,625 746 0,570181 0,344 413 0,462 404
Qδ
0,994041 0,997 997 0,996 349 0,981940 0,997 739 0,996 485
topt 00:00:40,186 00:05:56,557
90 DE7,73 ·10−81,40 ·10−83,50 ·10−81,20 ·10−62,21 ·10−75,39 ·10−7
Qs0,730321 0,650 319 0,793 397 0,702844 0,491 832 0,618 805
Qδ
0,996787 0,998 816 0,997 997 0,996739 0,998 792 0,997 918
topt 00:00:57,119 00:08:54,60
120 DE1,03 ·10−71,87 ·10−84,65 ·10−81,59 ·10−62,94 ·10−77,17 ·10−7
Qs0,784241 0,780 443 0,878 001 0,749290 0,597 647 0,705 321
Qδ
0,997789 0,999 190 0,998 637 0,997795 0,999 188 0,998 552
topt 00:01:14,546 00:11:50,790
Tabelle A-8:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für ORBIT-Polynombahn
TΩ
un-
ter verschiedenen Posenanzahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle:
Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
TΩ
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30 DE2,45 ·10−84,50 ·10−91,21 ·10−83,76 ·10−76,97 ·10−81,86 ·10−7
Qs0,307927 0,184 505 0,328 991 0,314812 0,111 302 0,231 731
Qδ
0,982320 0,995 363 0,992 537 0,973737 0,995 162 0,992 943
topt 00:00:20,942 00:02:58,729
60 DE4,90 ·10−88,94 ·10−92,42 ·10−87,55 ·10−71,39 ·10−73,71 ·10−7
Qs0,518591 0,356 122 0,560 094 0,564635 0,278 967 0,444 499
Qδ
0,992503 0,998 470 0,997 658 0,983170 0,997 870 0,997 864
topt 00:00:36,252 00:05:55,795
90 DE7,34 ·10−81,34 ·10−83,63 ·10−81,13 ·10−62,07 ·10−75,56 ·10−7
Qs0,615187 0,486 418 0,666 769 0,679235 0,408 023 0,599 675
Qδ
0,994809 0,999 286 0,998 912 0,985260 0,998 522 0,998 956
115
Tabelle A-8:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für ORBIT-Polynombahn
TΩ
unter
verschiedenen Posenanzahlen Nτund Volumenauflösungen AV
TΩ
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
topt 00:00:53,818 00:08:52,752
120 DE9,85 ·10−81,78 ·10−84,83 ·10−81,51 ·10−62,76 ·10−77,41 ·10−7
Qs0,675637 0,569 026 0,732 688 0,746623 0,502 717 0,692 316
Qδ
0,995670 0,999 591 0,999 368 0,986073 0,998 776 0,999 347
topt 00:01:11,817 00:11:50,955
Tabelle A-9:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Bewegungsbahn
Topt
mit
agrid,v
=
100
mm
,
rgrid
= 800
mm
und
Ψfocus
= 75% unter verschiedenen Posenan-
zahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2020
Topt:agrid,v = 100 mm,rgrid = 800 mm,Ψfocus = 75 %
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30 DE1,66 ·10−89,69 ·10−91,39 ·10−10 2,57 ·10−71,68 ·10−79,48 ·10−11
Qs0,113840 0,158 033 0,000 362 0,136 832 0,092 169 0,013 212
Qδ
0,970846 0,996 431 0,991 101 0,969 913 0,995 669 0,991 380
topt 04:22:09,203 29:27:33,324
60 DE2,70 ·10−81,59 ·10−85,34 ·10−10 4,68 ·10−72,68 ·10−71,33 ·10−8
Qs0,253361 0,371 985 0,030 325 0,372 013 0,265 163 0,060 345
Qδ
0,988974 0,998 555 0,996 487 0,989 152 0,998 691 0,996 697
topt 04:18:39,777 38:17:22,672
90 DE4,64 ·10−82,59 ·10−83,28 ·10−10 6,65 ·10−73,95 ·10−74,99 ·10−9
Qs0,326340 0,445 864 0,012 987 0,442 631 0,365 975 0,008 529
Qδ
0,989283 0,999 117 0,997 514 0,994 043 0,999 203 0,998 155
topt 04:38:43,449 35:04:27,547
120 DE5,89 ·10−83,51 ·10−87,51 ·10−10 8,67 ·10−75,28 ·10−71,12 ·10−8
Qs0,362388 0,564 425 0,014 314 0,487 177 0,407 831 0,014 941
Qδ
0,992562 0,999 390 0,998 311 0,996 065 0,999 457 0,998 785
topt 04:13:21,272 29:08:12,408
116
Tabelle A-10:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Bewegungsbahn
Topt
mit
agrid,v
=
100
mm
,
rgrid
= 800
mm
und
Ψfocus
= 100 % unter verschiedenen Posenan-
zahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2020
Topt:agrid,v = 100 mm,rgrid = 800 mm,Ψfocus = 100 %
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30 DE6,04 ·10−83,61 ·10−86,42 ·10−10 2,47 ·10−71,39 ·10−74,93 ·10−9
Qs0,372972 0,562 270 0,000 256 0,209909 0,128 718 0,013 148
Qδ
0,990597 0,999 310 0,998 002 0,972974 0,995 862 0,990 950
topt 02:42:44,96 18:57:33,675
60 DE2,97 ·10−81,80 ·10−87,39 ·10−10 5,13 ·10−72,93 ·10−71,03 ·10−8
Qs0,247450 0,359 463 0,007 007 0,347160 0,219 245 0,016 744
Qδ
0,988105 0,998 765 0,996 595 0,989657 0,998 662 0,996 847
topt 02:45:48,325 20:09:48,417
90 DE4,39 ·10−82,60 ·10−84,13 ·10−10 7,06 ·10−74,07 ·10−72,61 ·10−8
Qs0,320767 0,532 777 0,000 124 0,486788 0,385 239 0,052 314
Qδ
0,989809 0,999 176 0,997 681 0,995173 0,999 201 0,998 313
topt 02:55:58,463 18:38:21,231
120 DE6,10 ·10−83,63 ·10−86,33 ·10−10 9,27 ·10−75,39 ·10−72,04 ·10−8
Qs0,370444 0,570 417 0,000 258 0,532764 0,439 975 0,023 672
Qδ
0,990487 0,999 379 0,998 027 0,996516 0,999 446 0,998 925
topt 02:59:29,393 18:36:39,505
Tabelle A-11:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Bewegungsbahn
Topt
mit
agrid,v
=
100
mm
,
rgrid
= 1000
mm
und
Ψfocus
= 100% unter verschiedenen Posen-
anzahlen
Nτ
und Volumenauflösungen
AV
. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin,
2020
Topt:agrid,v = 100 mm,rgrid = 1000 mm,Ψfocus = 100 %
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
30 DE1,57 ·10−89,45 ·10−91,11 ·10−10 2,20 ·10−71,30 ·10−72,71 ·10−10
Qs0,157879 0,248 363 0,000 287 0,200557 0,114 036 0,000 694
Qδ
0,979290 0,996 763 0,992 256 0,983744 0,996 643 0,992 907
topt 09:56:25,325 65:24:01,421
60 DE2,76 ·10−81,70 ·10−86,85 ·10−10 4,89 ·10−72,90 ·10−71,23 ·10−9
Qs0,264957 0,402 240 0,017 472 0,370058 0,248 209 0,002 325
Qδ
0,989183 0,999 061 0,996 865 0,975985 0,998 905 0,997 311
topt 10:00:54,651 68:17:55,903
90 DE4,27 ·10−82,47 ·10−81,07 ·10−96,79 ·10−73,81 ·10−71,92 ·10−8
117
Tabelle A-11:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Bewegungsbahn
Topt
mit
agrid,v
=
100
mm
,
rgrid
= 1000
mm
und
Ψfocus
= 100% unter verschiedenen Posen-
anzahlen Nτund Volumenauflösungen AV
Topt:agrid,v = 100 mm,rgrid = 1000 mm,Ψfocus = 100 %
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
Qs0,344818 0,452 916 0,010 705 0,505 778 0,357 185 0,029 578
Qδ
0,995917 0,999 409 0,998 482 0,996 383 0,999 368 0,998 644
topt 09:28:47,259 67:56:00,796
120 DE5,76 ·10−83,24 ·10−81,14 ·10−98,05 ·10−74,66 ·10−75,76 ·10−9
Qs0,391879 0,563 595 0,008 116 0,515 523 0,428 418 0,009 161
Qδ
0,995560 0,999 597 0,998 801 0,996 217 0,999 508 0,998 860
topt 09:37:53,929 66:57:59,813
Tabelle A-12:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Bewegungsbahn
Topt
mit
agrid,v
=
80
mm
,
rgrid
= 800
mm
und
Ψfocus
= 100% bei variierter Volumenauflö-
sung AV. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Topt:agrid,v = 80 mm,rgrid = 800 mm,Ψfocus = 100 %
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
120 DE6,56 ·10−83,60 ·10−81,60 ·10−98,81 ·10−75,18 ·10−74,93 ·10−9
Qs0,391691 0,530 100 0,027 347 0,517003 0,461 247 0,005 436
Qδ
0,994161 0,999 455 0,998 726 0,990937 0,999 418 0,998 153
topt 11:27:10,210 83:51:05,775
Tabelle A-13:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte für Bewegungsbahn
Topt
mit
agrid,v
=
80
mm
,
rgrid
= 1000
mm
und
Ψfocus
= 100% bei variierter Volumenauflö-
sung AV. Quelle: Fraunhofer IPK, Berlin, 2020
Topt:agrid,v = 80 mm,rgrid = 1000 mm,Ψfocus = 100 %
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
120 DE5,86 ·10−83,21 ·10−81,65 ·10−98,10 ·10−74,71 ·10−75,81 ·10−9
Qs0,368920 0,426 087 0,006 414 0,482673 0,361 174 0,006 680
Qδ
0,996308 0,999 584 0,998 888 0,994516 0,999 572 0,998 758
topt 38:58:18,520 329:32:59,386
118
Messwerte zu Abschnit 6.8
Für die Darstellung der Messwerte aus dem in Abschnitt 6.8 beschriebenen Versuch der
Bewegungsbahnoptimierung am Beckenphantom, wird eine leicht abgewandelte Form
gewählt. Da die Parameter nicht mehr so stark variieren, werden die untersuchten
Bewegungsbahnen vertikal angeordnet.
Tabelle A-14:
Ermittelte Dosis- und Qualitätswerte am Beckenphantom für verschiedene
Bewegungsbahnen
T
bei variierter Volumenauflösung
AV
. Quelle: Fraun-
hofer IPK, Berlin, 2020
AV= (64 ×64 ×64) vx AV= (256 ×256 ×256) vx
NτVRfocus Rsens VRfocus Rsens
T196◦
DE5,68 ·10−65,48 ·10−72,48 ·10−81,23 ·10−41,23 ·10−41,23 ·10−4
Qs0,252483 0,411 717 0,454 346 0 0 0
Qδ
0,936685 0,990 062 0,994 107 0 0 0
topt 01:22:02 -
Twobble
DE5,55 ·10−65,00 ·10−71,62 ·10−8000
Qs0,319306 0,435 698 0,404 724 0 0 0
Qδ
0,957820 0,993 510 0,993 780 0 0 0
topt 01:21:58 -
Tsphere
DE5,17 ·10−64,94 ·10−73,86 ·10−8000
Qs0,537039 0,662 597 0,539 396 0 0 0
Qδ
0,997789 0,998 948 0,999 198 0 0 0
topt 01:20:57 -
TΩ
DE5,75 ·10−66,59 ·10−75,10 ·10−8000
Qs0,256327 0,461 277 0,447 886 0 0 0
Qδ
0,995670 0,999 441 0,999 508 0 0 0
topt 01:26:26 -
Topt
agrid,v =100 mm
rgrid =800 mm
DE3,04 ·10−65,08 ·10−71,83 ·10−9000
Qs0,118887 0,601 180 0,002 342 0 0 0
Qδ
0,997429 0,999 163 0,999 327 0 0 0
topt 84:28:05 -
Topt
agrid,v =100 mm
rgrid =1000 mm
DE000000
Qs000000
Qδ
000000
topt - -
119