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[de] (orig)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik
der Bildung tertiärer kaolinitischer
Tonlagerstätten in Sachsen und Sachsen-
Anhalt und deren Auswirkungen auf die
anwendungstechnischen Eigenschaften der
Rohstoffe
vorgelegt von
Diplom-Geologe
Martin Schmitz
von der Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt –
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat.–
genehmigte Dissertation
Berlin 2008
D 83
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Univ.-Prof. Dr. W. Dominik
Berichter: Univ.-Prof. Dr. G. Franz
Univ.-Prof. Dr. K. Germann, Univ.-Prof. i.R.
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 23.04.2008
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
II
Danksagung
In erster Linie möchte ich mich herzlich bei Herrn Univ.-Prof. Dr. K. Germann für die gute
Betreuung, die Förderung, die fruchtbaren Diskussionen und die Denkanstöße im Zuge der
Anfertigung der Dissertationsschrift bedanken. Herrn Univ.-Prof. Dr. G. Franz danke ich e-
benfalls für die gute Betreuung der Arbeit und die wertvolle Unterstützung der Promotion.
Die Arbeit wäre ohne die gute Zusammenarbeit mit den tonrohstoffproduzierenden Betrieben
nicht möglich gewesen. Hier gilt mein Dank insbesondere Herrn Schlegel von der Caminauer
Kaolinwerk GmbH, Herrn Dr. Fiebiger und Herrn Dr. Plüschke von der Stephan-Schmidt
Gruppe, Herrn Rohrmoser von der Kaolin- und Tonwerke Salzmünde GmbH sowie Herrn
Opitz und Herrn Strehle von der PD Glas- und Feuerfestwerke Wetro GmbH.
Den Herren PD Dr. Mattheis und Dr. Bussert möchte ich für die gute Beratung und die Dis-
kussionen bezüglich der mineralogischen und chemischen Analytik danken.
Für die Anfertigung zahlreicher Zeichnungen gilt mein besonderer Dank Frau R. Geffe.
Die Aufbereitung, die Probenpräparation und die Messung der Tonproben erforderte Sorgfalt
und einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand. Für die tatkräftige Unterstützung möchte ich
mich herzlich bei Frau I. Pieper und Frau C. Lange bedanken.
Zudem gilt mein Dank meinen ehemaligen Kollegen am Fachgebiet Lagerstättenforschung
und Angewandte Geochemie, Frau Dr. M. Frei, Herrn Dr. M. Koch-Moeck und Herrn Dr. T.
Cramer für die aktive und gute Zusammenarbeit.
Frau Dr. A. Berthold, Herr Dr. M. Müller und Herr H. Sap haben es mir ermöglicht, am Fach-
gebiet für keramische Werkstoffe der TU Berlin dilatometrische Messungen und Messungen
der Viskosität durchzuführen. Für die Kooperation, das fachübergreifende Arbeiten und die
Unterstützung bei der Auswertung möchte ich mich recht herzlich bei ihnen bedanken.
Zum Abschluss gilt mein Dank Frau I. Hampel sowie Familie Theismann für die letzte
Durchsicht des Manuskripts.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
III
Hinweis
In der vorliegenden Arbeit wurden ausschließlich kaolinitische Rohstoffe untersucht, keine
gemischten oder aufbereiteten Produkte. Da auch Rohstoffe mit in die Untersuchung einbezo-
gen wurden, die von den Betreibern der Lagerstätten nicht in der Produktion, bzw. als
Zuschlagstoffe verwendet werden, können die Eigenschaften der hier analysierten Kaoline
und Tone erheblich von denen der standardisierten Produkte abweichen.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
IV
Zusammenfassung
„Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonla-
gerstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt und deren Auswirkungen auf die
anwendungstechnischen Eigenschaften der Rohstoffe“
In der Lausitz in Sachsen und im Geiseltal bei Halle in Sachsen-Anhalt befinden sich zahlreiche Vorkommen
kaolinitischer Tone. Sie sind das feinkörnige terrestrische Umlagerungsprodukt einer mächtigen oberkretazisch-
tertiären kaolinitischen Verwitterungskruste, die sich über den Basementgesteinen der Region entwickelte. Im
Hangenden der in-situ-Kaoline entstanden Bodenhorizonte, die ähnlich wie rezente Acrisole und Alisole ausge-
bildet waren. Subrosion bzw. epirogenetische Bewegungen führten zu einer weitgehenden Erosion der
kaolinitischen Verwitterungskruste vom Eozän bis zum Miozän und zur Sedimentation der kaolinitischen Tone
in tertiären Becken. Die Tone gelangten in Bereichen geringer Strömungsenergie in Flüssen und Seen zur Abla-
gerung. Ziel der Untersuchung war es, die Bedingungen, die Prozesse und die stoffliche Dynamik der
Tonlagerstättenbildung zu ermitteln und deren Auswirkungen auf die anwendungstechnischen Eigenschaften der
Rohstoffe abzuschätzen.
In der Oberlausitz wurden die Granodiorit-Kaoline der Lagerstätten Caminau und Wiesa sowie die Tone der
Lagerstätten Wiesa, Wetro und Guttau systematisch beprobt. In der Region Merseburg-Weißenfels erfolgte die
Probenahme in der Buntsandstein-Kaolinlagerstätte Spergau und der Tonlagerstätte Roßbach. Insgesamt wurden
43 Kaolin- und 122 Tonproben entnommen. Die Proben wurden chemisch und mineralogisch analysiert und die
Kristallinität und die Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Fraktion <2 µm bestimmt.
Die Kaoline und Tone bestehen überwiegend aus Kaolinit und Quarz sowie unterschiedlichen Anteilen an Il-
lit/Muskovit, Smektit und Mixed-Layer-Mineralen. Akzessorisch treten Zirkon, Anatas, Pyrit, Fe-Oxide und
SEE-Phosphate auf. Auf Grundlage älterer Untersuchungen konnten durch den Vergleich der mineralogischen
und chemischen Zusammensetzung die Tone Kaolinen spezifischer Ausgangsgesteine zugeordnet werden. Durch
die Kenntnis des Ursprungs des klastischen Materials der Tone konnte die qualitative und quantitative An- und
Abreicherung der Komponenten untersucht und unterschiedliche Prozesse der Tonlagerstättenbildung voneinan-
der abgegrenzt werden.
Die qualitative Zusammensetzung der Tone beruht auf Prozessen der Verwitterung und der Bodenbildung. Sie
regulierten die Art, die Menge und die Ausbildung der umgelagerten anorganischen und organischen Kompo-
nenten. Die Erosion, der Transport und die Sedimentation bewirkten eine Differenzierung der Komponenten der
kaolinitischen Verwitterungskruste nach Kornform und -größe, Agglomerationsverhalten und Dichte im sedi-
mentären Umfeld und bestimmten die quantitative Zusammensetzung der Tone. Durch die Klassierung von
Quarz, Zirkon und eines Teils der Schwerminerale erfolgte die Anreicherung der durch Kaolinit dominierten
Tonminerale der Kaoline und von Pflanzenresten der Bodenhorizonte in den korrelaten Sedimenten. Eine quali-
tative Änderung der Zusammensetzung kann nur durch Mischung mit Material einer weiteren Quelle erfolgen.
Mit zunehmender sedimentärer Überdeckung durch Torfmoore wurden die Tone im Zuge der frühen Diagenese
kompaktiert und die organische Substanz zu Weichbraunkohle umgewandelt. An Oxide gebundene Metalle
wurden unter reduzierenden diagenetischen Bedingungen freigesetzt und sulfidisch im Tonsediment wieder
fixiert. Die Kristallinität der Kaolinite der Fraktion <2 µm der Kaoline und Tone ist nahezu identisch, die Einla-
gerungsfehlordnung ist hingegen sehr unterschiedlich. Es ist zu vermuten, dass sich in den Tonen Anteile sehr
feinkörniger einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite der Bodenhorizonte befinden. Die Bezeichnung von kaoliniti-
schen Tonen als „umgelagerte oder sekundäre Kaoline“ im Sinne eines kurzstreckigen Massentransports ist
aufgrund ihrer Genese nicht zutreffend.
Die anwendungstechnischen Eigenschaften (Formgebungs-, Trocknungs- und Brenneigenschaften) der Tone
können nicht auf das Ausgangsgestein der Kaolinisierung zurückgeführt werden, sondern sie sind im Wesentli-
chen von der Intensität der Verwitterung des Ausgangsgesteins und der Effektivität des hydraulischen
Klassierungsprozesses abhängig. Aus Kaolinen unterschiedlicher Ausgangsgesteine können gleichartig minera-
logisch zusammengesetzte kaolinitische Tone entstehen. Die Ergebnisse zeigen, dass die feuerfesten Tone
beispielsweise zahlreiche feinkörnige einlagerungsfehlgeordnete Kaolinite der Bodenhorizonte enthalten. Quali-
tativ und quantitativ wirkende Bildungsprozesse sind für diese Tone von etwa gleichrangiger Bedeutung. Die
Zusammensetzung keramischer Tone ist überwiegend auf qualitativ wirkende Bildungsprozesse zurückzuführen.
Zu beachten sind sekundäre Prozesse in Bezug auf die Zu- und Abfuhr beispielsweise färbender Komponenten.
Kaolinitische Tone sind das Produkt einer komplexen Prozesskette. Die Kenntnis der an der Tongenese beteilig-
ten Prozesse kann zu einer optimierten Prospektion und Exploration, einem verbesserten Qualitätsmanagement
und einer gezielteren Verwendung der Tone beitragen.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
V
Abstract
„Conditions, processes and substance dynamics of the formation of Tertiary kaolinitic clay de-
posits in the German federal states of Saxony and Saxony-Anhalt and their effects on the
application-technological properties of the raw materials
In Lusatia in Saxony and in the Geiseltal close to Halle in Saxony-Anhalt there are numerous deposits of kao-
linitic clays. They are the fine-grained terrestrial relocated product of a very thick kaolinitic weathering crust
which developed above the basement rocks of the region from the Lower-Cretaceous up to the Tertiary. In the
hanging wall of the in-situ kaolin soils developed, which were composed similar to recent acrisoles and alisoles.
Subrosion or epirogenetic movements led to a widespread erosion of the kaolinitic weathering crust from Eocene
to Miocene and to the sedimentation of kaolins in Tertiary basins. The deposition of the components of the kao-
lins took place in zones of low kinetic energy in lakes and rivers. It was the aim of the research to analyse the
conditions, the processes and the substance dynamics of the formation of clay deposits and to evaluate their
effects on the application-technological properties of the raw materials.
In the region of the Oberlausitz the granodiorite-kaolins of the deposits of Caminau and Wiesa were systemati-
cally sampled as well as the clays of the deposits of Wiesa, Wetro and Guttau. In the region Merseburg-
Weißenfels sampling was carried out in the Bunter-Sandstone-kaolin deposit Spergau and the clay deposit
Roßbach. Altogether, there were taken 43 samples of kaolins and 122 samples of clay. The samples were ana-
lysed chemically and mineralogically and the crystallinity and the intercalation-disorder of the kaolinites of the
fraction <2 µm were determined.
The kaolins and clays are mineralogically mainly composed of kaolinite and quartz as well as different concen-
trations of illite/muskovite, smectite and mixed-layer-minerals. The samples contain small amounts of zircon,
anatase, pyrite, Fe-oxides and REE-phosphates. On the basis of former analyses it was possible by means of a
comparison of the mineralogical and chemical composition to assign the kaolinitic clays to kaolins of specific
parent rocks. It is due to the knowledge of the origin of the clastic clay material that it was possible to analyse
the qualitative and quantitative enrichment and depletion of components, and different processes of the forma-
tion of clay deposits could be differentiated.
The qualitative composition of the clays is based on processes of weathering and soil formation. These processes
regulated type, quantity and composition of the relocated anorganic and organic components. The erosion, the
transport and the sedimentation resulted in a differentiation of the components of the kaolinitic weathering crust
according to the form and the size of the grains, the agglomeration behaviour and density in the sedimentary
environment and they determined the quantitative composition of the clays. Because of the grading of quartz,
zircon and some of the heavy minerals the kaolinite dominated clay minerals and relicts of plants of the soils
were enriched in the sediment. A qualitative change of the composition of the clays could only result from a
supply of components of another origin. The clays were covered by swamps and increasingly compacted. During
early diagenesis the organic substance of the clays was transformed into lignite. Metals bound to oxides were
released under reduced diagenetic conditions and they were fixed in the form of sulfides in the clay sediment.
The crystallinity of the kaolinites of the fraction <2 µm of the kaolins and clays is almost identical, in contrast
with this, the values of the intercalation-disorder are differing very much. It can be assumed that the clays con-
tain different proportions of fine-grained intercalation-disordered kaolinites of the palaeosols. The denomination
of kaolinitic clays as „secondary kaolins“ in the sense of a short-distance mass transport is not appropiate due to
their genesis.
The application-technological properties of the clays are not attributable to the original parent rocks, but they are
mainly dependent on the intensity of the alteration of the parent rocks and on the effectiveness of the hydraulic
grading process. On the basis of kaolins of different parent rocks there may generate mineralogically identical
kaolinitic clays. The results show that refractory clays contain numerous fine-grained intercalation-disordered
kaolinites of the palaeosols. Formation processes having qualitative and quantitative effects are of equivalent
importance for these clays. The composition of ceramic clays is preponderantly attributable to the formation
processes having qualitative effects. Secondary processes related to the enrichment or depletion of chemical
components, for example of dyeing components, has to be taken into account.
Kaolinitic clays are a product of a complex process chain. The knowledge of the processes being a part of the
clay genesis can contribute to an optimised prospection and exploration, an improved quality management and a
targeted application of the clays.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
VI
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung......................................................................................................................................... 1
1.1 Grundzüge der Entstehung von kaolinitischen Tonen - Geowissenschaftliche
Grundlagen ...........................................................................................................................3
1.2 Die Verwendungsmöglichkeiten kaolinitischer Tone.......................................... 11
1.3 Die Bildung kaolinitischer Tone in Sachsen und Sachsen-Anhalt – Stand der
Kenntnis ..........................................................................................................................13
1.3.1 Die jungmesozoisch-tertiäre kaolinitische Verwitterungskruste...................... 13
1.3.2 Die kaolinitischen Tone ................................................................................... 17
1.4 Offene Fragen.........................................................................................................20
2 Untersuchungsobjekte und -methoden..................................................................................... 21
2.1 Kaolinton-Lagerstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt – Geologischer
Rahmen ..........................................................................................................................21
2.1.1 Geologische Entwicklung der Lausitz.............................................................. 23
2.1.1.1 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Wetro.................................................. 29
2.1.1.2 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Guttau ................................................ 32
2.1.1.3 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Wiesa.................................................. 35
2.1.2 Geologische Entwicklung der Region Halle-Weißenfels-Gera .......................39
2.1.2.1 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Roßbach............................................. 41
2.2 Probenahme und Probenaufbereitung.................................................................45
2.3 Granulometrische Analyse .................................................................................... 46
2.4 Mineralogische Analyse mit Röntgendiffraktometrie (XRD)............................ 47
2.4.1 Qualitative Analytik.........................................................................................47
2.4.2 Quantitative Analytik....................................................................................... 48
2.4.3 Bestimmung der Kristallinität des Kaolinits....................................................49
2.4.4 Bestimmung der Einlagerungsfehlordnung von Kaoliniten mit DMSO..........50
2.5 Chemische Analyse................................................................................................. 52
2.5.1 Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF) .................................................................. 52
2.5.1.1 Bemerkungen zur Probenbearbeitung.......................................................... 53
2.5.1.2 Glühverlustbestimmung................................................................................ 53
2.5.1.3 Quantitative Analyse .................................................................................... 53
2.5.2 Analyse des Gesamtkohlenstoffgehalts............................................................ 54
2.6 Durchlicht-, auflicht- und rasterelektronenmikroskopische (REM)
Untersuchungen..................................................................................................................55
2.7 Multivariate Statistik.............................................................................................55
2.7.1 Korrelationsanalyse.......................................................................................... 55
2.7.2 Regressionsanalyse........................................................................................... 56
2.7.3 Faktorenanalyse................................................................................................ 56
2.7.4 Clusteranalyse .................................................................................................. 58
2.8 Die geochemische und mineralogische Bilanzierung des Umlagerungsprozesses
..........................................................................................................................58
2.9 Fertigungstechnische Parameter ..........................................................................59
2.9.1 Formgebungsverhalten.....................................................................................59
2.9.1.1 Plastizität...................................................................................................... 59
2.9.1.2 Viskosität...................................................................................................... 60
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
VII
2.9.2 Trocknungseigenschaften................................................................................. 62
2.9.3 Brenneigenschaften.......................................................................................... 63
3 Chemische und mineralogische Zusammensetzung der Ausgangsgesteine und der
kaolinitischen Verwitterungskruste im Untersuchungsgebiet ...................................................... 65
3.1 Lausitzer Grauwacken und Grauwacken-Kaoline ............................................. 65
3.1.1 Lausitzer Grauwacken...................................................................................... 65
3.1.2 Lausitzer Grauwacken-Kaolin.......................................................................... 66
3.2 Lausitzer Granodiorit und Granodiorit-Kaoline................................................68
3.2.1 Lausitzer Granodiorit ....................................................................................... 68
3.2.2 Caminauer Granodiorit-Kaolin ........................................................................ 69
3.2.3 Wiesaer Granodiorit-Kaolin............................................................................. 73
3.3 Basalte und Basaltzersatz......................................................................................77
3.4 Thüringer Buntsandstein und Buntsandstein-Kaolin......................................... 77
3.4.1 Thüringer Buntsandstein .................................................................................. 77
3.4.2 Spergauer Buntsandstein-Kaolin...................................................................... 79
3.5 Meißener Massiv und Rhyolith/Dacit-Kaolin...................................................... 83
3.5.1 Das Meißener Massiv.......................................................................................83
3.5.2 Seilitzer Rhyodacit/Dacit-Kaolin..................................................................... 83
3.6 Der Stoffbestand der tertiären Verwitterungskruste .........................................83
3.6.1 Mineralogische Zusammensetzung.................................................................. 83
3.6.1.1 Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite.......................... 87
3.6.2 Geochemie........................................................................................................ 90
3.6.2.1 Silizium......................................................................................................... 90
3.6.2.2 Aluminium und Gallium ............................................................................... 90
3.6.2.3 Alkalien und Erdalkalien.............................................................................. 91
3.6.2.4 Titan und Niob.............................................................................................. 91
3.6.2.5 Eisen............................................................................................................. 92
3.6.2.6 Phosphor, Seltene-Erden-Elemente und Yttrium .........................................93
3.6.2.7 Zirkonium und Hafnium ............................................................................... 93
3.6.2.8 Chrom und Vanadium .................................................................................. 94
3.6.2.9 Bunt- und Übergangsmetalle .......................................................................94
3.6.2.10 Kohlenstoff ................................................................................................... 95
4 Der Stoffbestand der Kaolintone............................................................................................... 96
4.1 Wetroer Kaolinton ................................................................................................. 96
4.1.1 Granulometrische Zusammensetzung .............................................................. 96
4.1.2 Mineralogische Zusammensetzung.................................................................. 96
4.1.3 Chemische Zusammensetzung......................................................................... 97
4.1.4 Multivariate statistische Analyse ...................................................................100
4.2 Guttauer Kaolinton..............................................................................................102
4.2.1 Granulometrische Zusammensetzung ............................................................ 102
4.2.2 Mineralogische Zusammensetzung................................................................ 102
4.2.3 Chemische Zusammensetzung....................................................................... 103
4.2.4 Multivariate statistische Analyse ...................................................................106
4.3 Vergleich der Wetroer und Guttauer Tone mit dem Granodiorit-Kaolin von
Caminau ........................................................................................................................109
4.3.1 Granulometrie und Mineralogie..................................................................... 109
4.3.2 Morphologie, Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite...... 110
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
VIII
4.3.3 Chemie ........................................................................................................... 113
4.3.4 Zusammenfassung.......................................................................................... 119
4.4 Wiesaer Kaolinton................................................................................................ 121
4.4.1 Granulometrische Zusammensetzung ............................................................ 121
4.4.2 Mineralogische Zusammensetzung................................................................ 121
4.4.3 Chemische Zusammensetzung....................................................................... 122
4.4.4 Multivariate statistische Analyse ...................................................................123
4.5 Vergleich des Wiesaer Tons mit den Kaolinen von Cunnersdorf und Wiesa. 126
4.5.1 Granulometrie und Mineralogie..................................................................... 126
4.5.2 Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite............................. 128
4.5.3 Chemie ........................................................................................................... 128
4.5.4 Zusammenfassung.......................................................................................... 133
4.6 Roßbacher Kaolinton........................................................................................... 135
4.6.1 Granulometrische Zusammensetzung ............................................................ 135
4.6.2 Mineralogische Zusammensetzung................................................................ 135
4.6.3 Chemische Zusammensetzung....................................................................... 137
4.6.4 Multivariate statistische Analyse ...................................................................140
4.7 Vergleich der Roßbacher Tone mit dem Buntsandstein-Kaolin von Spergau142
4.7.1 Granulometrie und Mineralogie..................................................................... 142
4.7.2 Morphologie, Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite...... 143
4.7.3 Chemie ........................................................................................................... 144
4.7.4 Zusammenfassung.......................................................................................... 148
5 Bilanzierung der granulometrischen, mineralogischen und chemischen Veränderungen
bei der Umlagerung kaolinitischer Verwitterungsprodukte........................................................151
5.1 Vergleich der granulometrischen Zusammensetzung ......................................151
5.2 Vergleich der mineralogischen Zusammensetzung........................................... 152
5.2.1 Mineralphasen................................................................................................ 152
5.2.2 Vergleich der Kristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite 154
5.2.3 Abschätzung der umgelagerten Kaolinmengen.............................................. 158
5.3 Geochemische Dynamik während des Umlagerungsprozesses der
Verwitterungskruste ........................................................................................................159
5.3.1 Silizium .......................................................................................................... 159
5.3.2 Aluminium und Gallium ................................................................................ 160
5.3.3 Alkalien und Erdalkalien................................................................................ 161
5.3.4 Titan und Niob ............................................................................................... 162
5.3.5 Eisen............................................................................................................... 163
5.3.6 Phosphor, Seltene-Erden-Elemente und Yttrium...........................................164
5.3.7 Zirkonium und Hafnium................................................................................. 165
5.3.8 Chrom und Vanadium.................................................................................... 166
5.3.9 Bunt- und Übergangsmetalle.......................................................................... 166
5.3.10 Kohlenstoff.....................................................................................................168
6 Genetisches Modell der Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten in Sachsen und Sachsen-
Anhalt ......................................................................................................................................169
6.1 Faktoren der Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten ...................................... 169
6.1.1 Klima und Vegetation im Tertiär ................................................................... 169
6.1.1.1 Das Klima zu Zeiten der Entstehung der Roßbacher Tone........................ 170
6.1.1.2 Das Klima zu Zeiten der Entstehung der Oberlausitzer Tone ................... 171
6.1.1.3 Bodenbildung in Abhängigkeit von den klimatischen Bedingungen.......... 172
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
IX
6.1.2 Die paläogeographische und -tektonische Entwicklung im Tertiär ............... 174
6.1.3 Einfluss der Ausgangsgesteine auf die Kaolinisierung und die Bildung der
kaolinitischen Tone ........................................................................................ 179
6.1.4 Bildungszeitraum ...........................................................................................181
6.2 Prozesse der Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten ....................................... 182
6.2.1 Verwitterung und Bodenbildung.................................................................... 182
6.2.2 Erosion ...........................................................................................................186
6.2.3 Transport und Sedimentation ......................................................................... 189
6.2.4 Entstehung und Zusammensetzung der tertiären Torfmoore und ihr Einfluss
auf Sekundärprozesse in den Tonen...............................................................191
6.2.4.1 Das Verhalten abiogener Elemente in den Lausitzer Braunkohlen........... 192
6.2.4.2 Der Einfluss der Torfmoore auf Sekundärprozesse in den Tonen .............193
6.2.5 Frühe Diageneseprozesse............................................................................... 194
6.2.6 Entwicklung der Eh/pH-Bedingungen bei der Genese kaolinitischer Tone .. 197
6.3 Modell der Entstehung der kaolinitischen Tone in Sachsen und Sachsen-
Anhalt ........................................................................................................................199
7 Anwendungstechnische Bedeutung der Bildungsprozesse kaolinitischer Tone..............203
7.1 Rohstoffwirtschaftliche Situation ....................................................................... 203
7.2 Fertigungstechnische Eigenschaften kaolinitischer Tone.................................205
7.2.1 Formgebungsverhalten...................................................................................205
7.2.2 Trocknungseigenschaften............................................................................... 208
7.2.3 Brenneigenschaften........................................................................................ 208
7.2.4 Zusammenfassung.......................................................................................... 211
7.3 Die Auswirkung der Bildungsprozesse auf die fertigungstechnischen
Parameter und die Verwendungsmöglichkeiten kaolinitischer Tone ......................... 212
7.3.1 Auswirkung der lagerstättenbildenden Prozesse auf die
anwendungstechnischen Parameter der Tone ................................................213
7.3.2 Der Einfluss lagerstättenbildender Prozesse auf die
Verwendungsmöglichkeiten kaolinitischer Tone........................................... 215
8 Fazit und Ausblick ..................................................................................................................... 217
9 Literaturverzeichnis................................................................................................................... 220
10 Anhang ......................................................................................................................................237
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
1
1 Einleitung
Die Untersuchung von kaolinitischen Tonen in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist der zweite
Teil eines Projekts am Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Berlin, das sich
mit den Bedingungen, den Prozessen und der Stoffdynamik der Bildung von kaolinitischen
Tonrohstoffen in Ostdeutschland befasst. Der erste Teil wurde von Herrn Dr. J. Krumb 1998
zur Dissertation vorgelegt. In seiner Arbeit analysierte er die Kaolinisierung intermediärer bis
saurer Ausgangsgesteine in Sachsen. Aufbauend auf seinen Ergebnissen wird in dieser Arbeit
das umgelagerte Produkt der in-situ-Kaoline, der kaolinitische Ton, anhand ausgewählter La-
gerstätten untersucht und damit die Stoffbilanzierung bis in das umgelagerte Produkt hinein
vervollständigt.
Kaolinitische Tone sind in Mitteleuropa weit verbreitet. In Deutschland liegen zahlreiche
Vorkommen im Bereich des Westerwaldes und in der Region nördlich und am Nordrand des
sächsisch-böhmischen Grundgebirges in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Tone
sind Umlagerungsprodukte mächtiger kaolinitischer Verwitterungskrusten (Lasch 1973, Störr
1983, Velde 1995a, Lorenz & Gwosdz 1997). Den Tonen ist gemeinsam, dass ihre Mineralo-
gie durch das Tonmineral Kaolinit weitgehend dominiert wird, allerdings bestehen erhebliche
Unterschiede zwischen der granulometrischen, mineralogischen und chemischen Zusammen-
setzung der einzelnen Tonvorkommen. Dementsprechend können kaolinitische Tone in
zahlreichen Anwendungsgebieten eingesetzt werden. Der überwiegende Anteil der kaoliniti-
schen Tone wird als Teil des Grundversatzes zur Produktion von Feinkeramik und zur
Herstellung von Schamottesteinen verwendet. Einige Tone werden auch als Zuschlagtone für
Ziegeltonmassen in der Ziegelindustrie genutzt, zudem ist die Verwendung kaolinitischer To-
ne als Deponieton und als Füllstoff in der chemischen und pharmazeutischen Industrie weit
verbreitet (Lorenz & Gwosdz 1997). Für jede dieser Anwendungen muss der kaolinitische
Tonrohstoff spezifische technische Anforderungen erfüllen. Die Prozesse, die für die Unter-
schiede in der Zusammensetzung und damit für die unterschiedlichen
Verwertungsmöglichkeiten der Tone verantwortlich sind, wurden bisher nicht im Detail er-
kundet.
Krumb (1998) versuchte auf Grundlage seiner Kenntnisse der Kaolinisierung in Sachsen erste
Aussagen bezüglich der Genese kaolinitischer sedimentärer Rohstoffe zu treffen. Demnach ist
die Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten das Ergebnis einer komplexen Prozesskette, die
weit über den bisherigen Erklärungsansatz der einfachen Umlagerung von in-situ-Kaolinen
hinausreicht. Krumb (1998, S.15) fasst den Kenntnisstand folgendermaßen zusammen: „Un-
tersuchungen, die über eine geochemisch-mineralogische Charakterisierung gewinnbarer
sedimentärer Tonrohstoffe hinausgehen und den gesamten genetischen Prozess berücksichti-
gen, sind bisher nicht bekannt“.
Nach Lasch & Thiergärtner (1981) und Brandl (1991) ist zu vermuten, dass es möglich ist,
über den Vergleich der kaolinitischen Tone mit ihrem Ausgangsmaterial, den in-situ-
Kaolinen, weitere Kenntnisse über die an der Tonlagerstättenbildung beteiligten Prozesse zu
gewinnen. Auf Grundlage der Kenntnisse über die Entwicklung des in-situ-Kaolins kann das
Modell der Genese der kaolinitischen Tone daher präzisiert werden.
Die in dieser Arbeit analysierten Kaoline und kaolinitischen Tone aus Sachsen und Sachsen-
Anhalt wurden bereits im vorigen Jahrhundert mineralogisch und chemisch untersucht (u.a.
Urban 1951, 1953, Buchwald 1967, 1971, Adam 1968, 1969, Lasch 1969, 1970, 1973, Lasch
& Thiergärtner 1981, Störr 1975, 1983, Valtin & Ullrich 1991, Krumb 1998, Stedingk et al.
2005). Die Untersuchungen enthalten meist nur Teilinformationen bezüglich des Gesamtpro-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
2
zesses der Tonlagerstättenbildung. Erste vergleichende Analysen des Stoffbestandes der Kao-
line und kaolinitischen Tone wurden von Adam (1968), Lasch (1969, 1973) und Buchwald
(1971) durchgeführt. Durch die im Laufe der Zeit verbesserte mineralogische und chemische
Analysetechnik und die Möglichkeit der Unterscheidung von Kaoliniten durch ihre unter-
schiedliche Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung (u.a. Hinckley 1963, Amigo et al.
1987, Felix-Henningsen 1990, 1995, 2000, Gonzales et al. 1997, Aparicio & Galan 1999), ist
in den letzten Jahrzehnten die Möglichkeit geschaffen worden, die Genese kaolinitischer
Tonvorkommen weiter zu entschlüsseln. Da die Wirkung einzelner Minerale und der kaolini-
tischen Tone des Grundversatzes auf die Eigenschaften tonkeramischer Massen in den letzten
Jahren verstärkt untersucht wurde (Schmidt-Reinholz & Schmidt 1995, Sadunas et al. 1997,
Hatzl & Gehlken 2001, Vogt & Vogt 2003, 2004), ist es möglich, die Zusammensetzung und
die fertigungstechnischen Parameter der Tone auf spezifische Bildungsprozesse zurückzufüh-
ren. Damit ist die Kenntnis der Bildungsprozesse kaolinitischer Tone von praktischem
Nutzen.
Die Untersuchung erfolgt vor dem Hintergrund, dass die tonverarbeitende feinkeramische
Industrie, der Hauptabnehmer kaolinitischer Tone, zunehmend aus den angestammten Pro-
duktionsstätten in West- und Südeuropa in neue und billigere Produktionsländer in Osteuropa
und Asien abwandert. Kurz- bis mittelfristig werden die alten Tonrohstoffproduzenten nach
Stentiford (2003) davon profitieren. Langfristig werden die Keramikproduzenten jedoch ver-
stärkt an ihren neuen Standorten nach adäquaten Rohstoffen suchen. Daher wird es für die
Produzenten von Tonrohstoffen ökonomisch immer bedeutender werden, spezifische Tonmi-
schungen zu produzieren, um eine verstärkte Kundenbindung aufzubauen. Zur Einhaltung
einer gleichbleibenden Tonqualität setzt dies bei den Abbaubetrieben eine weitgehende
Kenntnis der Entstehung und der Verteilung der Tonqualitäten in ihren Lagerstätten voraus,
um selektiv unterschiedliche Qualitäten gewinnen zu können. Die Kenntnis der an der Tonla-
gerstättenbildung beteiligten Prozesse ist daher ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der
Verteilung der Qualitäten innerhalb einer Lagerstätte und damit zum Qualitätsmanagement.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
3
1.1 Grundzüge der Entstehung von kaolinitischen Tonen - Geowissen-
schaftliche Grundlagen
Der Begriff „Ton“ wird unterschiedlich definiert. Es gibt Definitionen, die sich auf die Korn-
größe, die Eigenschaften, die geologische Entstehung oder den industriellen
Verwendungszweck des Materials beziehen (Lorenz & Gwosdz 1997).
Die geologische Definition beruht auf der Korngröße. Demnach sind Tone Sedimente, die
überwiegend aus Komponenten der Korngröße <2 µm bestehen. Diese Definition von Tonen
basiert auf der Korngrößenskala nach Wentworth (1922). Da in der Tonfraktion <2 µm Ton-
minerale in besonderem Maße angereichert sind, besitzen Tone spezifische physikalische
Eigenschaften. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lockergesteinen reagieren sie plastisch.
Millot (1970) definiert Tone nach ihrer Genese als feinkörnige, von Flüssen mit der Strömung
transportierte, detritische aufgearbeitete Überreste eines Ausgangsgesteins, des Verwitte-
rungsbereichs und des Bodens. Heim (1990) bezeichnet Tone als das Endprodukt der
Sedimententwicklung unter oberflächennahen Bedingungen.
In dieser Arbeit wird als “Ton“ ein feinkörniges sedimentäres Lockergestein definiert, das an
Tonmineralen deutlich angereichert ist, weitgehend plastisch reagiert und dessen Korngrö-
ßenverteilung in der Fraktion <2 µm ein Maximum besitzt.
Kaolinite sind das Haupttonmineral terrestrischer Tone (Meunier 2005). Nach Störr (1993)
und Lorenz & Gwosdz (1997) können feinstkörnige, kaolinitreiche Erosionsprodukte kaolini-
tischer Verwitterungskrusten und Bodenhorizonte, die nach Erosion und Transport im
terrestrischen Bereich (limnisch, fluviatil, brackisch) zur Sedimentation gelangen, als kaolini-
tische Tone oder Kaolintone bezeichnet werden.
Häufig werden die Begriffe kaolinitischer Ton, sekundärer Kaolin, sedimentärer Kaolin und
umgelagerter Kaolin synonym verwendet (Lorenz & Gwosdz 1997), da einige Autoren kaoli-
nitische Tone als das Produkt einer lokalen Umlagerung autochthoner Kaoline im Sinne eines
Massentransports ansehen. Auf die Bezeichnungen sekundärer Kaolin oder umgelagerter
Kaolin wird im Zuge dieser Arbeit verzichtet. Kaolinitische Tone, die eine spezifische Zu-
sammensetzung und die Eigenschaften eines Kaolins besitzen, werden als sedimentäre
Kaoline bezeichnet.
Die Prozesse der Verwitterung, der Pedogenese, der Erosion, des Transports und der Sedi-
mentation führen zu einer Anreicherung der durch Kaolinit dominierten stabilen Tonminerale
im sedimentären Ablagerungsraum (Abb. 1). Der Einfluss diagenetischer Prozesse auf die
Zusammensetzung der Silikate wenig verfestigter Tone ist nach Velde (1995b) als gering ein-
zustufen.
Abb. 1: Schematische Skizze der Genese kaolinitischer Tone
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
4
Die Bildungsprozesse können nach Heim (1990) vier Bereichen zugeordnet werden, die für
die Entstehung von Tonablagerungen elementar sind:
Prozesse der Zerkleinerung primärer Gesteine und Minerale
Erosions- , Transport- und Sedimentationsprozesse
Selektions- und Differenzierungsprozesse
Neo- und Transformationsprozesse imssrigen Verwitterungs- und Sedimentati-
onsmilieu
Krumb (1998) konkretisiert die Punkte von Heim (1990) indem er, ausgehend von den lager-
stättenbildenden Prozessen, die möglichen Einflussgrößen auf die Bildung sedimentärer
tonkeramischer Rohstoffe in einer Abbildung schematisch zusammenfasst (Abb. 2).
Abb. 2: Mögliche Einflussgrößen bei der Bildung sedimentärer tonkeramischer Rohstoffe (Krumb 1998 / Abb. 98)
Kaolinitische Tone sind nach Krumb (1998) die Stillwasserfazies sehr komplexer terrestri-
scher, fluviatiler und limnischer Sedimentationsräume, die deutliche fazielle Gliederungen
aufweisen können. Die von ihm untersuchte kaolinitische Verwitterung ist damit der Beginn
einer komplexen Prozesskette, als deren Endprodukt kaolinitische Tone entstehen können.
Die in Abbildung 2 genannten Prozesse und Einflussgrößen sind von äußeren Faktoren ab-
hängig. Sie steuern die Prozesse, indem sie die physikalischen und chemischen Bedingungen
der Bildung der Kaoline und Tone festlegen (vgl. Krumb 1998).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
5
Die bedeutendsten Faktoren sind:
Klima
Vegetation
Drainage (Geomorphologie und Relief)
Ausgangsgestein
Gesteins- und Bodengefüge
Tektonische Position
Zeit (Bildungszeitraum)
Bisher sind keine Untersuchungen über Tonlagerstätten veröffentlicht, die alle Faktoren und
Prozesse berücksichtigen und in ihrer Gesamtheit betrachten.
Es ist unzweifelhaft, dass durch Umlagerung primärer Kaoline kaolinitische Tonlagerstätten
entstehen. Zahlreiche Autoren (u.a. Lasch 1970, 1973, Buchwald 1971, Störr 1975, Keller
1977, Pruett & Murray 1993, Devaraju, Khoshroo & Ugarkar 1994, Hurst & Pickering Jr.
1997) bestätigen in ihren Untersuchungen die Herkunft kaolinitischer Tone und sedimentärer
Kaoline aus den kaolinitischen Verwitterungskrusten angrenzender Gesteinskomplexe durch
Vergleich der chemischen und mineralogischen Zusammensetzung der Gesteine. Die zahlrei-
chen und sehr unterschiedlichen Prozesse der Tonbildung führen jedoch dazu, dass
kaolinitische Tone meist variabler zusammengesetzt sind als die Kaoline, aus denen sie ent-
stehen (Lasch & Thiergärtner 1981). Die Mineralogie der Tone ist meist auf die
Zusammensetzung der Feinstfraktion einer oder bei Mischung auch mehrerer Quellen zurück-
zuführen (Hillier 1995). Kaolinitische Tone können auch dann entstehen, wenn eine
Mischung des kaolinitischen Verwitterungsschutts mit Detritus stattfindet, der nicht aus Kao-
linen stammt. Daher ist die einseitige Interpretation kaolinitischer Tone als kaolinderivate
Fazies nicht angebracht.
Die mineralogische Zusammensetzung kaolinitischer Tone wird durch Kaolinit, manchmal
auch durch Kaolinit und Quarz dominiert. Als Nebengemengteile enthalten die Tone Glim-
merminerale wie Illit und Muskovit, Tonminerale wie Smektite und Chlorite sowie Quarz und
Feldspatreste. Organische Substanz in Form von Torf und Braunkohle ist ein weiterer häufi-
ger Bestandteil der Tone. Sie kann bis zu mehreren Prozent angereichert sein. Die Farbe der
Tone ist deshalb häufig braun bis schwarz. Fe kann je nach Redoxverhältnissen als Oxid oder
in Form von Pyrit und Siderit auftreten. Dementsprechend können die Tone auch grünlich
oder rötlich gefärbt sein (u.a. Buchwald 1971, Lorenz & Gwosdz 1997). Im englischsprachi-
gen Raum werden Fe- und Ti-arme und sehr plastische kaolinitische Tone als „ball clays“
bezeichnet (Störr 1993). Plastische, sehr kaolinitreiche und illit-arme Varietäten werden auch
„Fire Clays“ genannt, da sie wegen des hohen Al2O3-Gehalts im Feuerfestbereich zur Anwen-
dung gelangen (Lorenz & Gwosdz 1997).
Grundlegende Voraussetzung der Genese kaolinitischer Tone ist die Verwitterung feldspatrei-
cher, saurer bis intermediärer Ausgangsgesteine. Unter humiden gemäßigten bis tropischen
Klimaten verwittern solche Gesteine zu Kaolin, und es entstehen kaolinitische Verwitterungs-
krusten (Störr 1983). Eine Unterteilung zwischen Bodenhorizont und Verwitterungszone der
Verwitterungskruste ist nach Righi und Meunier (1995) bei der Analyse der Verwitterungs-
krusten aus praktischen Gesichtspunkten vorzunehmen (Abb. 3). Innerhalb eines Profils ist
eine klare Abgrenzung zwischen Kaolin und Bodenhorizont häufig jedoch nicht möglich. Der
Boden sollte jedoch als eigenständiger Horizont behandelt werden, da er oberflächennah von
Organismen besiedelt ist, nach deren Absterben in tieferen Bodenbereichen eine Durchmi-
schung von organischer und anorganischer Bodensubstanz stattfindet.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
6
Unter dem Kaolin folgt eine Verwitterungszone, die noch das Gefüge des Ausgangsgesteins
aufweist. Dieser Bereich wird als „Saprolith“ bezeichnet. Darunter befindet sich das unverwit-
terte Ausgangsgestein (Abb. 3).
Abb. 3: Idealisiertes Profil einer kaolinitischen Verwitterungskruste über einem sauren Ausgangsgestein (verän-
dert nach Righi & Meunier 1995)
Die Ausbildung mächtiger Verwitterungskrusten ist nach Petrov (1967), Cechomsky (1968),
Störr (1976, 1983) und Murray & Keller (1993) von folgenden wesentlichen Voraussetzungen
abhängig:
Einer Periode langanhaltender tektonischer Ruhe, um eine ungestörte, intensive che-
mische Verwitterung zu gewährleisten.
Einem tropischen bis gemäßigten feuchtwarmen Klima für eine intensive chemische
Verwitterung, sowie einer ausreichenden Wasserbewegung zum Transport gelöster Io-
nen.
Von den Primärgesteinen, die instabile Mineralphasen enthalten und eine ausreichende
Drainage des Systems gewährleisten müssen.
Im Zuge der kaolinitischen Verwitterung, der Kaolinisierung, werden aus den primären Mine-
ralen des Ausgangsgesteins unter sauren bis neutralen pH-Bedingungen bevorzugt die
Alkalien und Erdalkalien herausgelöst und mit der Porenlösung abgeführt, wodurch sich we-
niger mobile Elemente wie Si, Fe, Al und Ti relativ anreichern. Hierdurch werden sekundäre
Mineralphasen, meist Tonminerale, Fe- und Ti-Oxide sowie –Hydroxide gebildet (vgl. Millot
1970, Störr 1983, Nahon 1991, Righi & Meunier 1995, Meunier 2005).
Nahon (1991) beschreibt den Prozess der Lösung einer primären Silikatphase im Zuge der
Verwitterung in folgender vereinfachter Form:
primäre Silikatphase + H2O + CO2 gelöste Ionen (Na+, K+, Ca2+, Mg2+, H4SiO4) +
residuale Mineralphase
Kaolinit wird überwiegend durch Neubildung (Neoformation) aus Kalifeldspat unter Abfuhr
von SiO2 und K gebildet,
2KAlSi3O8 + 3H2O Al2Si2O5(OH)4 + 4SiO2 + 2K(OH)
Kalifeldspat Kaolinit
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
7
jedoch auch durch Umbildungsprozesse (Transformation) von Glimmern und Plagioklasen
(Nahon 1991, Krumb 1998, Meunier 2005).
Im Anfangsstadium der Kaolinisierung entstehen kationenreiche Tonminerale wie Smektite,
Vermikulite und Mixed-Layer-Minerale neben Illit und Kaolinit (Abb. 4). Mit zunehmender
Drainage und Abfuhr von Kationen werden die quellfähigen Dreischichtsilikate instabil und
es entstehen vermehrt Kaolinite und Illite (Heim 1990, Righi & Meunier 1995). Die durch
Kaolinit dominierten Tonmineralphasen bilden zusammen mit Ti- und Fe-Oxiden sowie –
Hydroxiden, Residualphasen wie Quarz, Zirkon und Relikten des Ausgangsgesteins die typi-
sche Mineralassoziation eines Kaolins (Heim 1990).
Je nach Art der Drainage und den chemischen Bedingungen kann die Abfuhr von Alkalien
und Erdalkalien verstärkt oder vermindert sein, weshalb Kaoline auch erhöhte Anteile von
Dreischichttonmineralen (Smektite, Illit/Muskovit, Vermikulit, Mixed-Layer-Minerale) ent-
halten können (Abb. 4).
Bei sehr hohem Fluidfluß entsteht unter humiden tropischen Klimaten über der Kaolinzone
meist eine mächtige Fe- und Al-reiche Lateritdecke (u.a. Harrassowitz 1926, Neumann 1954,
Valeton 1983, Heim 1990), aufgrund der verstärkten Abfuhr des SiO2.
Abb. 4: Vereinfachtes Schema der Verwitterung eines sauren Ausgangsgesteins
In den Hangendbereichen der kaolinitischen Verwitterungskruste führen bodenbildende Pro-
zesse zu einer Durchmischung der Komponenten der Verwitterungszone mit der organischen
Bodensubstanz. Somit sind Böden als eine komplexe Mischung aus Mineralen, organischer
Substanz und Wasser zu bezeichnen (Dixon 1998).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
8
Die Zufuhr der organischen Substanz erfolgt über die Vegetation und Bodenorganismen. Da-
her ist im Boden, im Gegensatz zu den tieferen Profilbereichen, eine wesentliche biologisch-
chemische Verwitterung, hervorgerufen durch mikrobielle Aktivität zu verzeichnen. Die che-
mische Verwitterung ist zumeist intensiviert, da das System offen ist und H und O sowie
organische und anorganische Säuren in großen Mengen zur Verfügung stehen. Es werden je
nach den physikalisch-chemischen Bedingungen Prozesse der Verwitterung, der Humifizie-
rung, der Gefügebildung und der Stoffumlagerung wirksam, die in die Tiefe voranschreiten
und zur Ausbildung unterschiedlicher Bodenhorizonte führen (Mai 1995, Righi & Meunier
1995, Scheffer & Schachtschabel 1998, Meunier 2005).
Aus der Untersuchung rezenter Böden und Paläoböden geht hervor, dass in den Bodenhori-
zonten infolge einer zunehmenden Transformation von Dreischichtsilikaten und durch Lösung
und Neubildung von Kaoliniten die Mineralzusammensetzung der Kaoline noch einmal um-
fassend verändert werden kann (u.a. Jasmund et al. 1976, Felix-Henningsen 1990, 1995, 2000,
Righi & Meunier 1995).
Da die tertiären Paläoböden der Kaolinprofile zumeist erodiert und damit der Untersuchung
nicht mehr zugänglich sind, ist über deren Entwicklung nur wenig bekannt. Die meisten Auto-
ren (Harrassowitz 1926, Neumann 1954, Buchwald 1971, Valeton 1983) sehen in den
tertiären in-situ-Kaolinen Mitteleuropas die tieferen Bereiche lateritischer Profile (Latosole).
Dementsprechend deuten sie die kaolinitischen Tone als lateritderivate Fazies. Valeton (1983)
bezeichnet sie eindeutiger als eine spezielle Fazies der „red beds“ mit einer hohen chemi-
schen, jedoch nur geringen texturellen Reife. In den letzten Jahren wird für die tertiären
mitteleuropäischen Paläoböden über kaolinitreichen Verwitterungszonen auch die Bildung
von Graulehmen, Fahlerden und Grauplastosolen diskutiert (Felix-Henningsen 1990, 1995,
Mai 1995, Krumb 1998).
Die Umlagerung von in-situ-Kaolinen beginnt mit der Erosion des kaolinitischen Detritus
durch Wasser und Wind. Zunächst sind die oberen Zonen und damit die Bodenhorizonte der
kaolinitischen Verwitterungskruste betroffen. Nach dem Transport gelangen die Komponen-
ten dann in einem sedimentären Umfeld zur Ablagerung (Velde 1992, 1995a). Nach Velde
(1992) ist die Tonmineralzusammensetzung von Böden bei bisherigen Untersuchungen von
Erosionsprozessen nahezu ignoriert worden, weshalb zukünftig eingehende Studien notwen-
dig sind. Untersuchungen über das Erosions- und Transportverhalten von in-situ-Kaolinen
oder kaolinitischen Verwitterungskrusten existieren daher bislang nicht.
Im Zuge des Transports erfolgt die hydraulische Klassierung des Kaolins. Die Dichte und die
Korngröße der Komponenten sind hierfür die ausschlaggebenden Kenngrößen (Füchtbauer
1988a). Kaolinitische Tone sind typische Repräsentanten einer kontinentalen Stillwasserfazies
(Velde 1995a). Nach Jasmund et al. (1976) besitzen Zwei- und Dreischichtsilikate ein unter-
schiedliches Flockungs- und Sedimentationsverhalten, weshalb Kaolinite meist kurzstreckig,
Dreischichtsilikate hingegen über weite Strecken transportiert werden. Die kaolinitischen To-
ne befinden sich nach ihrer Umlagerung diskordant eingeschaltet in Sedimentationsbecken
innerhalb des Verbeitungsgebiets der kaolinitischen Verwitterungskruste oder in einem an-
grenzenden Sedimentationsraum (Störr 1976).
Nach Hermanns (1992) ist in den tertiären Sedimenten der südlichen Niederrheinischen Bucht
die umgekehrte Abfolge der Saprolithzone des Rheinischen Schiefergebirges zu erkennen.
Die Zusammensetzung der Sedimente ist demnach direkt auf die Umlagerung der meso-
zoisch-tertiären Verwitterungskruste zurückzuführen. Köster (1969) vermutet nach Analyse
der Spurenelemente von in-situ-Kaolinen, dass es möglich ist, durch den Vergleich der Spu-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
9
renelemente der Kaoline und der umgelagerten Tone die Herkunft toniger Sedimente zu
bestimmen, wenn diese keiner weiteren diagenetischen Veränderung unterlagen. Lasch &
Thiergärtner (1981) konnten jedoch nach der statistischen Auswertung chemischer Analysen
kaolinitische Tone keinem spezifischen in-situ-Kaolin zuordnen.
In den letzen Jahrzehnten untersuchten zahlreiche Autoren die chemische Zusammensetzung
und die morphologische Ausbildung der Kaolinite der in-situ-Kaoline und der umgelagerten
kaolinitischen Tone bzw. sedimentären Kaoline. Muller & Calas (1993) und Muller et al.
(1995) konnten zeigen, dass Bodenkaolinite im Gegensatz zu Kaoliniten im sedimentären
Umfeld einen erhöhten Fe-Gehalt aufweisen, jedoch V-arm sind. Drummond et al. (2001)
vergleichen die Kaolinite von in-situ-Kaolinen mit denen eines nur kurzstreckig umgelagerten
Bodenkaolins und gelangen zu dem Ergebnis, dass der Kaolinit des Bodenkaolins feinkörni-
ger, schlechter kristallisiert und ungleichförmiger ausgebildet ist. Ähnliche Ergebnisse sind
den Arbeiten von Galan et al. (1980) sowie Devaraju et al. (1994) zu entnehmen, die Kaolini-
te von in-situ-Kaolinen mit denen umgelagerter kaolinitischer Tone verglichen. Unterschiede
in der Kristallinität des Kaolinits beruhen höchstwahrscheinlich auf der unterschiedlichen
Korngröße der Kaolinite der Kaoline und der Tone (vgl. Lasch 1969, Brandl 1991). Worauf
Unterschiede in der Kristallinität von Kaoliniten gleicher Korngröße in Kaolinen und kaolini-
tischen Tonen zurückzuführen sind, konnte bisher von niemandem abschließend geklärt
werden. Vermutet werden die Neubildung von feinkörnigen, schlecht kristallisierten, bzw.
chemisch gegenüber dem Saprolith veränderten Kaoliniten in Bodenhorizonten (Felix-
Henningsen 1990, 1995, Melo et al. 2001), die mechanische Aufarbeitung des Kaolinits im
Zuge des Transports (Galan et al. 1980, Brandl 1991) sowie der Einfluss organischer Lösun-
gen (Brandl 1991).
Die zunehmende Auflast überlagernder Sedimente führt nach der Sedimentation zu einer
Kompaktion kaolinitischer Tone. Hierdurch wird das Kartenhausgefüge der Tonminerale des
Sediments in ein orientiertes Gefüge überführt. Die Tonminerale werden eingeregelt und
Porenwasser entweicht (Abb. 5). Die Porosität der Tone verringert sich damit auf 10-20 %,
weshalb kaolinitische Tone grundwasserstauende Horizonte bilden (vgl. Meade 1966, Berner
1980, Füchtbauer 1988b, Velde 1995b, Meunier 2005).
Da kaolinitische Tone als Lockergesteine keiner umfangreichen Versenkung in die Tiefe
unterlagen, sind sie im Regelfall durch eine schwache Kompaktion eingeregelt, aber nur in
geringem Maße verfestigt. Daher sind ausschließlich diagenetische Prozesse für die Genese
kaolinitischer Tone von Bedeutung, die in einer frühen Phase erfolgen. Unter dem Begriff
„Frühe Diagenese“ sind nach Berner (1980) Prozesse zusammenzufassen, die bei der
Versenkung von Lockersedimenten bis in wenige hundert Meter Tiefe unter Wassersättigung
der Poren eines Sediments auftreten. Sie stellen den Beginn der Verfestigung eines Sediments
dar. Die physikalischen, biologischen und chemischen Prozesse der frühen Diagenese beruhen
auf der Erhöhung des Drucks infolge der Ablagerung von Sedimenten über den Tonen,
Temperaturerhöhung innerhalb des Sediments spielt nur eine untergeordnete Rolle (Berner
1980).
Abb. 5: Kompaktion eines Tonsediments (nach Velde 1995b)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
10
Die Wassersättigung des Tonsediments verhindert den Zutritt von Sauerstoff aus der Luft.
Nur die ersten Zentimeter eines Sediments sind durch Sauerstoff belüftet. Darunter ist das
Milieu anoxisch (Berner 1980). Anaerobe Mikroorganismen zersetzen daher das organische
Material der Tone. Unter diesen Bedingungen wird es zunächst biochemisch zu Torf, bei Zu-
nahme des Inkohlungsgrades zu Braunkohle degradiert.
Nach Velde (1995b) findet bei Versenkung eines Sediments bis ca. 1 km Tiefe nahezu keine
Silikattransformation statt, da der thermische Gradient mit 25 bis 40°C/km zu gering ist. Um-
und Neubildungen von Silikaten innerhalb wenig verfestigter Tone sind im Stadium der frü-
hen Diagenese daher auch selten beschrieben worden (Meunier 2005). Der Einfluss
diagenetischer Prozesse auf kaolinitische Tone und sedimentäre Kaoline ist seit einigen Jah-
ren jedoch umstritten (Dombrowski 1993).
Die Genese des bisher überwiegend als sedimentärer Kaolin bezeichneten amerikanischen
Georgia Kaolins ist nach Hurst & Pickering Jr. (1997) auf postsedimentäre frühdiagenetische
Prozesse zurückzuführen und nicht auf die Umlagerung eines sehr reinen in-situ-Kaolins.
White et al. (1993) gelangen bei ihrer Untersuchung grauer Kaoline aus Georgia zu einem
ähnlichen Ergebnis. Sie beobachten die frühdiagenetische Bildung hochkristallinen vermifor-
men authigenen Kaolinits im Sediment. Hurst & Pickering Jr. (1997) bezweifeln, dass eine
sedimentäre Bildung wirtschaftlicher Kaoline durch die Umlagerung eines primären Kaolins
überhaupt möglich ist. Zudem weisen sie darauf hin, dass rezent weltweit keine Bildung se-
dimentärer Kaoline stattfindet. Sie vermuten, dass sich in Georgia kaolinit- und
dreischichtsilikatreiche Tonsedimente durch mikrobielle Reaktionen unter Abbau organischer
Substanz in einem dysoxischen Milieu in sehr reine und weiße Kaoline umgewandelt haben.
Die Bildung sedimentärer Kaoline ist demnach auf Diageneseprozesse zurückzuführen.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
11
1.2 Die Verwendungsmöglichkeiten kaolinitischer Tone
Die Anwendungsgebiete kaolinitischer Tone sind sehr zahlreich. So werden sie u.a. als
Grundversatz in der feinkeramischen Industrie und in der Feuerfestindustrie sowie als Zusatz-
tone in der Ziegelindustrie verwendet. Darüber hinaus ist die Anwendung als Füllstoff in der
chemischen, kosmetischen und pharmazeutischen Industrie sowie die Verwendung als Depo-
nieton weit verbreitet. Jede Anwendung stellt unterschiedliche Anforderungen an den
Rohstoff.
Kaolinitische Tone in der feinkeramischen Industrie müssen eine sehr spezifische mineralo-
gische und chemische Zusammensetzung aufweisen. Die in der Feinkeramik eingesetzten
kaolinitischen Tone bestehen meist aus Kaolinit, Illit und Quarz (vgl. Krause et al. 1971,
1981). Sie sollten zudem erhöhte Anteile an Feinsand aufweisen und einen geringen Anteil an
quellfähigen Dreischichtsilikaten, da hohe Brenntemperaturen von >1000°C zur Herstellung
der feinkeramischen Produkte benötigt werden. Die Tone sollten in der Regel zudem weiß bis
hellbrennend sein, weshalb ein geringer Fe-Gehalt aufgrund der färbenden Eigenschaften die-
ses Elements erwünscht ist. Die kaolinitischen Tone des Grundversatzes werden zur
Produktion feinkeramischer Massen mit unterschiedlichen Anteilen Quarz, Feldspat, Kaolin
oder Pegmatitsand versetzt (Krause et al. 1971, 1981). Sind die eingesetzten Tone sehr kaoli-
nitreich, so ist in Bezug auf die Plastizität und die Formgebungs- und
Trocknungseigenschaften die Kristallinität des Kaolinits zu beachten (vgl. Vogt & Vogt
2004). Eine Übersicht über die wichtigsten fertigungstechnischen Parameter für die kerami-
sche Anwendung kaolinitischer Tone erfolgt in Kapitel 2.9.
Nach Schüller (1993) zeigen Ziegeltone und -lehme eine breite Vielfalt in ihrer mineralo-
gisch-chemischen Zusammensetzung. Sie enthalten neben Kaolinit meist erhöhte Anteile
nicht-kaolinitischer Schichtsilikate, häufig glimmerartige Tonminerale und wechselnde Antei-
le Chlorit und Montmorillonit. Zudem können sie geringe Mengen Feldspat, Quarz,
Hornblenden, Karbonate und Sulfate sowie Oxide oder Sulfide enthalten. Neben der Korn-
größenfraktion <2 µm sollten Ziegeltone auch größere Mengen Feinsand enthalten, um
optimale Trocknungseigenschaften zu gewährleisten. Winkler (1954) hat die optimale Korn-
größenverteilung für verschiedene Ziegelprodukte ermittelt. Diese Eigenschaft der
Ziegelmasse bestimmt das Trocknungsverhalten maßgeblich (Schüller 1993). Durch den er-
höhten Flussmittelanteil (z.B. Feldspat) schmelzen Ziegeltone bei Temperaturen von 950 bis
1200°C (Lorenz & Gwosdz 1997). Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung ist ihre
Farbe nach dem Brennen sehr variabel. Kaolinitische Tone werden in der Ziegelindustrie als
Zusatztone eingesetzt, um spezifische Produkteigenschaften der Ziegeltonmasse, wie Plastizi-
tät und Korngrößenverteilung, zu verbessern (Schmidt-Reinholz & Schmidt 1995). Es werden
in der Praxis ca. 20-25 Masse-% des Tons der Ziegelmasse zugesetzt. Die Wirkung kaoliniti-
scher Tone auf Ziegeltonmassen kann in Abhängigkeit von der mineralogisch-chemischen
und granulometrischen Zusammensetzung sehr unterschiedlich sein. Daher müssen kaoliniti-
sche Tone vor ihrem Einsatz als Zusatztone eingehend auf ihre Eignung hin überprüft werden
(Schmidt-Reinholz & Schmidt 1995).
Kaolinitische Tone, die zur Herstellung von Schamottesteinen und Schamotte in der Feuer-
festindustrie eingesetzt werden, sollten in einem Temperaturbereich ab 1500°C sintern,
weshalb sie nur geringe Flussmittelgehalte besitzen dürfen (Schüller 1993, Lorenz & Gwosdz
1997). Sie enthalten überwiegend feinstkörnigen fehlgeordneten Kaolinit mit geringen Antei-
len Quarz und Illit. Akzessorisch können sie Chlorit, Smektit, Siderit, teilweise auch Pyrit
enthalten. Hochfeuerfeste Tone (>1800°C) sollten zudem nur wenig organische Substanz
aufweisen, um die Brennschwindung nicht zu fördern (Lorenz & Gwosdz 1997).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
12
Kaolinitische Tone werden zudem in der chemischen, der kosmetischen und der pharmazeuti-
schen Industrie als Füllstoffe und Bindetone industriell eingesetzt. Nach Lorenz & Gwosdz
(1997) sollten die Tone recht feinkörnig sein und einen hohen Kaolinitanteil besitzen. Der
Anteil toxischer Substanzen, so z.B. von Schwermetallen, Chloriden und Arsen, sollte für die
Anwendung als Füllstoff in der pharmazeutischen Industrie oder als Bindeton für Futtermittel
sehr gering sein. Der Rohstoff muss für diese Anwendungen die rechtlichen Anforderungen
des jeweiligen Landes erfüllen. Richtwerte bezüglich der Zusammensetzung kaolinitischer
Tone für unterschiedliche Einsatzgebiete in der chemischen, der kosmetischen und der phar-
mazeutischen Industrie können Lorenz & Gwosdz (1997) entnommen werden.
Kaolinitische Tone werden nach Müller-Vonmoos & Köhler (1993) auch als Teil multimine-
ralischer Deponieabdichtungen verwendet. Es handelt sich um die mehrlagige Abdichtung
von Deponien, in denen quellfähige und nicht quellfähige Tonabdichtungen kombiniert wer-
den. Illit- und kaolinitreiche Tone sind oftmals sehr feinkörnig und besitzen ein geringes
Schadstoffrückhaltevermögen. Aus diesem Grunde werden sie über einer bentonitischen Ton-
schicht eingebracht, um diese vor eindringendem Sickerwasser zu schützen. Die bentonitische
Schicht besitzt ein hohes Schadstoffrückhaltevermögen. Für den Fall, dass über die obere kao-
linitische Tonschicht Schadstoffe eindringen, werden diese in der unteren Tonschicht
gebunden und zurückgehalten. In der Deponietechnik eingesetzte kaolinitische Tone müssen
daher sehr feinkörnig, quarzarm und wasserundurchlässig sein (Müller-Vonmoos & Kohler
1993). Das Scher- und Quellverhalten der Tone ist jedoch zu berücksichtigen, da die mecha-
nische Stabilität der eingebauten Schicht gewährleistet sein muss. Smektitreiche Tone weisen
eine geringe Scherfestigkeit auf und sind quellfähig. Daher sollte der Smektit-Gehalt von kao-
linitischen Tonen, die in der Deponietechnik eingesetzt werden, nicht sehr hoch sein.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
13
1.3 Die Bildung kaolinitischer Tone in Sachsen und Sachsen-Anhalt –
Stand der Kenntnis
Eine umfassende Darstellung der Rahmenbedingungen der Tonlagerstättenbildung in Sachsen
und Sachsen-Anhalt erfolgt in Kapitel 6.1.
1.3.1 Die jungmesozoisch-tertiäre kaolinitische Verwitterungskruste
Nach Petrov (1967 und 1968) sind weltweit verschiedene Epochen der Entstehung mächtiger
Verwitterungskrusten zu unterscheiden. Die jüngsten Bildungen in Europa sind tertiären Al-
ters. Kaoline einer jungmesozoisch-tertiären Verwitterungszone sind in Europa von SW-
England über die Bretagne, das Rheinische Schiefergebirge, über Ostdeutschland und Polen
bis in den Ural nachweisbar (Felix Henningsen 1990).
Kaolinitische Tone eozänen bis miozänen Alters sind in Sachsen-Anhalt, Thüringen und
Sachsen, im Bereich des Geiseltals bei Halle, in der Leipziger Tieflandsbucht und in der Lau-
sitz weit verbreitet. Damit ist diese Region eines der bedeutendsten Tonbergbaureviere
Europas. Hier wurden in den letzten Jahrhunderten dutzende Kaolin- und Tonlagerstätten ab-
gebaut, von denen heute jedoch nur noch wenige in Betrieb sind. Über dem prätertiären
Grundgebirge der Region bildete sich von der Oberkreide bis in das Miozän hinein eine
mächtige kaolinitische Verwitterungskruste (Abb. 6), die bereits während des Tertiärs weitge-
hend abgetragen wurde (Störr 1975, Störr 1983). Sie blieb nur dort vor Erosion geschützt, wo
sie durch Bedeckung konserviert wurde, weshalb sie rezent noch reliktisch erhalten ist (Abb. 6).
Abb. 6: Rezente Verbreitung der oberkretazisch-tertiären Verwitterungskruste in Sachsen-Anhalt, Thüringen und
Sachsen (Grunge 1999 nach Störr 1983)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
14
Das heutige Verbreitungsgebiet der kaolinitischen Verwitterungskruste reicht über den Nord-
rand und die nördlichen Grundgebirgseinheiten der Böhmischen Masse bis nach Polen hinein,
im Westen endet es in einem Bereich westlich von Halle (Abb. 6). Die nördliche Begrenzung
ist nicht eindeutig zu ermitteln, da die Kruste von mächtigen tertiären und quartären Gesteins-
serien überlagert wird. In den südlichen Bereichen befinden sich einige isolierte kaolinitische
Verwitterungsrelikte inmitten frischer Basementgesteine (Störr 1976).
Mitteleuropa war im Alttertiär Teil eines Rumpfinselarchipels, das im Süden durch die Tethys
und im Westen und Nordwesten durch den Atlantik und die tertiäre Nordsee begrenzt wurde
(Abb. 7). Nach Skandinavien im Nordosten bestand periodisch eine Landverbindung, die je-
doch durch Zufuhr von Warmwasserströmungen aus dem Osten entlang der Dänisch-
Polnisch-Ukrainischen Meeresstraße temporär unterbrochen wurde (Krutzsch et al. 1992).
Nördlich der Böhmischen Masse prägten Ästuare mit weit ausgedehnten Küstentiefländern
die tertiäre Landschaft zwischen Helmstedt, dem Weißelster-Becken und der Niederlausitz
(Abb. 7). Dazwischen und südlich davon befanden sich Bereiche, die von der Oberkreide bis
in das Miozän hinein durchgehend kontinentalen Bedingungen unterlagen (Lotsch et al.
1969). Die Böhmische Masse war damit seit der Oberkreide weitgehend kontinental geprägt.
Lediglich zwei marine Transgressionen sind nachgewiesen, eine im mittleren Eozän und eine
im mittleren Oligozän (Krutzsch et al. 1992). Die langanhaltende tektonische Stabilität der
Region führte in der Oberkreide und im Alttertiär zu einer intensiven chemischen Verwitte-
rung und damit zur Ausbildung der mächtigen kaolinitischen Verwitterungskruste.
Abb. 7: Paläogeographie Mitteleuropas im Alttertiär (Krumb 1998 nach Krutzsch et al. 1992 / S.144)
Harrassowitz (1926) und nachfolgende Autoren (Neumann 1954, Buchwald 1971, Adam
1974, Valeton 1983) sehen in der kaolinitischen Verwitterungskruste Mitteleuropas Reste
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
15
einer ehemals flächendeckend verbreiteten Lateritdecke (Abb. 8), weshalb sie eine Genese
unter wechselfeuchten tropischen Klimaten voraussetzten.
Abb. 8: Modell der Kaolinbildung durch Lateritisierung (Krumb 1998 nach Neumann 1954)
Nach Neumann (1954) führte ein wechselfeuchtes tropisches Klima an der Wende Krei-
de/Tertiär zu einer verbreiteten Lateritisierung der Ausgangsgesteine (Abb. 8). Im Liegenden
der Lateritdecke entstand der Kaolin. Die Überdeckung bildete eine Fe-Kruste (Abb. 8, 2).
Durch die tertiäre, prä-eozäne Erosion der Lateritdecke und von Teilen des Kaolins entstand
eine Rumpffläche, die im Miozän durch tertiäre Sedimente und Braunkohlenmoore überdeckt
wurde (Abb. 8, 3 und 4). Durch die überlagernden Moore gelangten an organischen Säuren
reiche deszendente Wässer in die oberen Partien der Relikte der Verwitterungskruste und re-
duzierten u.a. das Fe. Das freigesetzte Fe wurde abgeführt, was zu einer Bleichung des
Kaolins führte. Ein Teil des Fe wurde als Pyrit, Markasit bzw. Siderit in der Verwitterungs-
kruste fixiert (Abb. 8, 4).
Schwarzbach (1966) und Störr et al. (1978) befürworten im Gegensatz zu Neumann (1954)
ein tertiäres feuchtes mesothermes Klima für die Bildung der Kaoline. Unter solchen klimati-
schen Bedingungen ist eine umfassende Lateritbildung nicht möglich. Mai (1981, 1995)
bestätigt diese klimatischen Angaben durch paläobotanische Analysen. Ein gemäßigtes im-
merfeuchtes Klima führte auch nach Böttger (1992) zur Kaolinisierung der Primärgesteine im
Süden Ostdeutschlands. Eine nachfolgende Bleichung der Kaoline durch überlagernde Torf-
moore bezweifeln die Autoren jedoch nicht. Die Analysen von Störr & Schwerdtner (1979)
belegen jedoch, dass die Bildung der Kaoline und der Moore auch zeitgleich erfolgte, daher
ist eine Überlagerung durch Kohlenmoore keine Voraussetzung der Kaolinisierung.
Krumb (1998) diskutiert die mögliche Entstehung der Kaoline aus Lateriten in ausführlicher
Weise. Er kommt zu dem Schluß, dass sich weder die klimatischen Bedingungen, die mächti-
gen Braunkohleserien im Hangenden vieler Kaoline, noch die Ausbildung der
Verwitterungskruste mit der Bildung mächtiger tertiärer Lateritdecken vereinbaren lassen.
Zudem weist er darauf hin, dass aus Deutschland keine Lateritrelikte, mit Ausnahme des Vo-
gelsbergs bekannt sind, was die Frage aufwirft, wo sich das Fe der tertiären Lateritdecke
rezent befindet.
Krumb (1998) gelangt bei seiner Analyse der Kaolinisierung in Sachsen zu dem Ergebnis,
dass sie als einphasiger Prozess anzusehen ist und nicht in mehreren Phasen erfolgte. Er be-
schreibt eine Kaolinisierung unter weitgehend gemäßigt humiden klimatischen Bedingungen.
Nur in kurzen Perioden wurden subtropische Bedingungen erreicht, die eine Ferralitisierung
zuließen. Er vermutet die Ausbildung lessive-artiger Bodenhorizonte über tiefgründig verwit-
terten Bereichen der Verwitterungskruste, die von subtropischen Lorbeerwäldern,
warmgemäßigten immergrünen Laubwäldern sowie sommergrünen Regenwäldern je nach
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
16
klimatischen Bedingungen bewachsen waren. In Vermoorungsbereichen herrschten Taxoi-
deen-Bruchwälder vor. Der hohe Humusgehalt des Bodens bewirkte die Bildung von
organischen Säuren, die den pH-Wert der Sickerwässer in den sauren Bereich verlagerten. Die
bevorzugt entlang von Störungen in die Tiefe eindringenden Sickerwässer leiteten die Mine-
raldegradation des Primärgesteins ein. Mit der Zeit wurden immer tiefere Bereiche des
Ausgangsgesteins in die Verwitterungszone mit einbezogen. Freigesetzte chemische Elemente
aus der Mineraldegradation wurden in gelöster Form oder an organo-metallische-Komplexe
gebunden mit dem Grundwasserabstrom abgeführt (Abb. 9).
Im Gegensatz zur Laterittheorie ist das Modell der Kaolinisierung nach Krumb (1998) deut-
lich abhängiger von Faktoren, die je nach Standort unterschiedlich ausgebildet sein können
(Abb. 9). Demnach beeinflussen das Klima, die Vegetation, das Ausgangsgestein, die Boden-
bildung, die tektonische Position und die Drainage des Gesteins entscheidend den Verlauf der
Kaolinisierung. Sie regulieren die chemischen Bildungsbedingungen und den Stofffluss in-
nerhalb der Verwitterungskruste (Abb. 9).
Abb. 9: Vereinfachtes zusammenfassendes Modell der Kaolinentstehung in Sachsen (Krumb 1998, S.187)
Zahlreiche Autoren (Lasch 1970, Buchwald 1971, Störr 1975, 1983) beobachteten in den ost-
deutschen Kaolinprofilen eine vertikale Zonierung. Im Liegenden des Profils, am Kontakt
zum unverwitterten Festgestein, befinden sich demnach dreischichtsilikatreiche, smektit- und
illitreiche grünliche kaolinitische Tone. Darüber befinden sich nach Buchwald (1971) häufig
rotgefärbte, unregelmäßig begrenzte Kaoline, die ähnlich zusammengesetzt sind wie der grü-
ne Kaolin. Im Hangenden treten vermehrt helle bis weiße Kaoline auf. Sie sind
dreischichtsilikatarm, da die Dreischichtsilikate bei zunehmender Verwitterungsintensität in
Kaolinit umgewandelt werden. Die helle Farbe des Kaolins ist nach Buchwald (1971) auf eine
sekundäre Bleichung durch saure Lösungen aus den überlagernden Torfmooren zurückzufüh-
ren. Krumb (1998) weist nach, dass nicht notwendigerweise eine Bleichung der Kaoline
erfolgte, sondern ein einphasiger Prozess der Kaolinisierung ausreichend ist, helle Kaoline zu
generieren.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
17
1.3.2 Die kaolinitischen Tone
In enger räumlicher Nachbarschaft zu den in-situ-Kaolinlagerstätten befinden sich in Sachsen
und Sachsen-Anhalt kaolinitische Tonlagerstätten (Abb. 10). Am Nordrand des prätertiären
verwitterten Grundgebirges liegen sie innerhalb isolierter und wannenartiger eozäner, bzw.
miozäner tertiärer Becken (Störr 1983). Weiter nördlich sind sie Teil der flächenhaft verbrei-
teten tertiären Abfolgen des angrenzenden norddeutschen Senkungsfelds (Abb. 10).
Abb. 10: Tertiärverbreitung in Nordsachsen – Quartär abgedeckt (nach der Geologischen Übersichtskarte des
Freistaates Sachsen 1:400000 des sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie 1994)
Chemische und mineralogische Analysen (Adam 1969; Buchwald 1967, 1971; Lasch 1970,
Lasch 1973) sowie die Rekonstruktion der tertiären Paläoflusssysteme (Buchwald 1971,
Eissmann 1975) führten zu der Erkenntnis, dass die ostdeutschen kaolinitischen Tone Deriva-
te der oberkretazisch-tertiären kaolinitischen Verwitterungskruste sind. Durch zahlreiche
Untersuchungen ist nicht nur die Genese und die Zusammensetzung der kaolinitischen Ver-
witterungskruste in Sachsen und Sachsen-Anhalt gut untersucht (u.a. Harrassowitz 1926,
Neumann 1954, Buchwald 1967, 1971, Störr 1967, 1975, 1976, 1983, Adam 1969, Lasch
1970, Störr & Schwerdtner 1979 und Krumb 1998), sondern auch die räumliche Beziehung
und die Zusammensetzung des umgelagerten Materials in den Tonlagerstätten ist sehr gut
belegt (Adam 1969, Lasch 1969, 1970; 1973, Buchwald 1971, Störr 1975, Lasch & Thier-
gärtner 1981, Valtin & Ullrich 1991; Plüschke & Valtin 1992, Stedingk et al. 2005).
Buchwald (1971) untersuchte die Entstehung der miozänen kaolinitischen Tonlagerstätten der
Oberlausitz. Demnach wurde die Erosion intensiv kaolinisierter Bereiche des sächsisch-
böhmischen Grundgebirges (Abb. 11 A und B) durch oligozäne/miozäne epirogene Bewe-
gungen im Bereich der Lausitz hervorgerufen (vgl Adam 1969, Lasch 1969, 1973). Zuvor
erfolgte bereits im Eozän die Subrosion von Salzen des Oberen Buntsandsteins und des Zech-
steins im Liegenden der tertiären Becken in der Region von Halle (Thomae & Schroeter
1996) sowie im Weißelster-Becken und im Leipziger Tiefland (Walter 1992). Die erhöhte
Reliefenergie führte zur Umlagerung des Kaolins.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
18
Die Komponenten der kaolinitischen Verwitterungskruste wurden erodiert und durch Flüsse
aus dem südlichen Bergland nach Norden in Richtung des norddeutschen Tieflands transpor-
tiert. Dort wurden sie hydraulisch klassiert und in Seen, bzw. in einer fluviatilen
Stillwasserfazies sedimentiert (Abb. 11 A-C). Eine zyklische Gliederung der tertiären Abfol-
gen durch eine oder mehrere „fining-upward-Sequenzen“ ist häufig zu beobachten (Adam
1968, Lasch 1969). Maßgebend für die Klassierung ist die Strömungsgeschwindigkeit des
Wassers. Zu Beginn einer Sedimentationsabfolge ist die Senkungstendenz des Beckens und
damit die Strömungsgeschwindigkeit im Allgemeinen hoch und es gelangen Sande und Kiese
zur Ablagerung. Mit abnehmender Absenkung sinkt die Strömungsgeschwindigkeit und
Schluffe und Tone werden sedimentiert. Bei weiterer Abnahme der Absenkung und damit der
Strömungsgeschwindigkeit erfolgt in nahezu stagnierenden Gewässern die Bildung ausge-
dehnter Moorgebiete, die eine Verlandung anzeigen und den Zyklus abschließen (Abb.11 D).
Die Überlagerung durch Braunkohlenmoore führte zu einer Bleichung der tertiären Sediment-
abfolgen und der Kaoline durch deszendente saure Lösungen (Abb. 11 D). Wird der
verlandete Bereich wieder geflutet, bzw. nimmt die Strömungsenergie wieder zu, so erfolgt
erneut die Sedimentation klastischer Sedimente über den Mooren und ein nachfolgenden Zyk-
lus beginnt (Abb.11 C, D). Die Zyklen sind häufig nicht vollständig ausgebildet und werden
durch regressive Phasen unterbrochen. In den Lagerstätten Sachsens sind meist mehrere Ab-
lagerungszyklen zu beobachten (Lasch 1969). Die kaolinitischen Tone befinden sich meist im
Liegenden mächtiger Braunkohleabfolgen oder sie bilden Zwischenmittel.
D)
C)
B)
A)
Kaolin
Kohlemoore
Tone
Sande
Nach Buchwald (1971)
Legende
Ausgangsgestein
Abb. 11: Entstehung der kaolinitischen Tone in Sachsen (verändert nach Buchwald 1971)
Die Moore und die organischen Komponenten der Tone liegen rezent als Braunkohle vor. Die
Überlagerung durch jüngere Sedimente initiierte einen Inkohlungsprozess, durch den aus den
Mooren im Laufe der Zeit Torf und später Braunkohlen entstanden. In den großen Braunkoh-
lelagerstätten des nördlichen Tieflands, beispielsweise der Niederlausitz und des
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
19
mitteldeutschen Braunkohlegebiets, werden Tone meist als Nebenprodukte der Braunkohle-
gewinnung abgebaut.
Die Herkunft des Verwitterungsmaterials der Tonlagerstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt
sowie die Zuordnung der Tone zu einer spezifischen Quelle (einem spezifischen Kaolin) wur-
de von mehreren Autoren auf einer genetisch-stofflichen (Lasch 1973, Lasch & Thiergärtner
1981, Valtin & Ullrich 1991) und auf geotektonischer Grundlage abgeleitet (Plüschke & Val-
tin 1992).
Lasch (1973) unterscheidet die Tonlagerstätten Sachsens nach ihrem Mineralbestand unter
regionalen geologischen und genetisch-stofflichen Aspekten. Er unterscheidet nach dem Aus-
gangsgestein zwischen:
1) Granodiorit-Kaolinton,
2) Granodiorit-Kaolinton mit Grauwacken-Kaolin-Beeinflussung,
3) Grauwacken-Kaolintonen und
4) Tonen, mit Anteilen umgelagerter Schieferzersätze.
Lasch & Thiergärtner (1981) überprüften die statistische Relevanz der Zuordnung von Lasch
(1969, 1973). Demnach sind die sächsischen Kaoline sehr homogen zusammengesetzt und
können stofflich gut von den Tonen abgegrenzt werden. Die Tone sind sich jedoch unterein-
ander so ähnlich, dass bei Unkenntnis der geotektonisch-paläogeographischen Position eines
Tons keine eindeutige Zuordnung zu einem Ausgangsgestein erfolgen kann.
Valtin & Ullrich (1991) schlagen am Beispiel der Kaoline und Tone auf dem Territorium der
ehemaligen DDR eine allgemeine Klassifizierung von Tonen aufgrund stofflich-genetischer
Kriterien vor. Sie unterscheiden drei Hauptgruppen nach ihren Gehalten an Kaolinit und Drei-
schichtsilikaten. Die Hauptgruppen können in verschiedene Untergruppen unterteilt werden.
In der ersten Gruppe werden dreischichtsilikatarme Kaolinittone, wie Granodiorit-Kaolintone
und Porphyr-Kaolintone zusammengefasst. Die zweite Gruppe enthält Kaolintone die drei-
schichtsilikatreich sind, wie z.B. Grauwacken-Kaolintone und Buntsandstein-Kaolintone. Die
dritte Gruppe umfasst Dreischichtsilikattone und diagenetisch bis niedrigmetamorph beein-
flusste Tonsteine und Tonschiefer. Die dreigeteilte übergeordnete Gruppierung ist gut
nachzuvollziehen und mineralogisch einfach zu überprüfen.
Plüschke & Valtin (1992) unterscheiden in Sachsen drei Tongruppen nach ihrer geologisch-
strukturellen Position. Die erste Gruppe umfaßt prätertiäre, nicht-metamorphe Lagerstätten
des südlichen Hebungsgebietes des sächsisch-böhmischen Grundgebirges. In einer zweiten
Gruppe fassen sie Tertiärtone zusammen, die sich im Norden des Grundgebirges innerhalb
kleiner kontinentaler Becken an der Grenze zwischen Hebungs- und Senkungsgebiet befin-
den, so z.B. Granodiorit-Kaolintone, Grauwacken-Kaolintone und Kaolintone des Meißener
und des nordwestsächsischen Vulkanitkomplexes. Die dritte Gruppe umfasst die tertiären To-
ne des nördlichen Senkungsraums, so z.B. die Tone des Lausitzer und mitteldeutschen
Braunkohlegebiets. Diese Klassifikation unterscheidet die Tone nicht genetisch-stofflich von-
einander. Daher ist sie für angewandte Fragestellungen nicht verwendbar.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
20
1.4 Offene Fragen
Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen in Hinblick auf die Entstehung kaolinitischer
Tone noch viele Fragen offen. Nach Lasch & Thiergärtner (1981) und Brandl (1991) ist zu
schließen, dass die Kenntnis der Abstammung eines kaolinitischen Tons zwingend erforder-
lich ist, um Untersuchungen über Prozesse durchführen zu können, die auf die Tonminerale
während der Umlagerung einwirkten. Ist der Zusammenhang zwischen dem umgelagerten
Ton und der primären kaolinitischen Verwitterungsbildung weitgehend gesichert, so kann der
Versuch unternommen werden, unterschiedliche Prozesse der Entstehung kaolinitischer Tone
voneinander abzugrenzen. Diese Voraussetzungen sind für die Tone in Sachsen und Sachsen-
Anhalt weitgehend erfüllt.
Folgende Fragen sind Ausgangspunkte für die vorliegende Arbeit:
Wie bildeten sich die kaolinitischen Tone in Sachsen und Sachsen-Anhalt; muss das
bisherige Genesemodell überarbeitet werden?
Welche Prozesse sind für die Bildung kaolinitischer Tone von entscheidender Bedeu-
tung, und wie haben sie die chemisch-mineralogische Zusammensetzung beeinflusst?
Sind Provenienzanalysen, beruhend auf einer chemisch-stofflichen Charakterisierung
der Tone und der Kaoline statistisch signifikant?
Gibt es weitere Hinweise auf die Herkunft der Tone?
Welche Mengen an Kaolin wurden umgelagert?
Ist es möglich, mit Hilfe der Kenntnis der Herkunft und der Zusammensetzung der
Tone auf die Genese der Kaoline zu schließen? Ist das Modell der Kaolinlagerstätten-
bildung zu modifizieren?
Besitzen die Kaolinite der Kaoline und Tone eine unterschiedliche Kristallinität, bzw.
sind sie in unterschiedlichem Maße einlagerungsfehlgeordnet ?
Welche fertigungstechnischen Eigenschaften besitzen kaolinitische Tone und wie
beeinflust der Kaolinit die anwendungstechnischen Parameter?
Welche für die Anwendungstechnik wichtigen Parameter der Tone sind vom Aus-
gangsgestein „ererbt“ und welche durch nachfolgende Prozesse beeinflusst? Existieren
solche vom Ausgangsgestein „ererbten“ technischen Parameter?
Sind allgemeine Aussagen über die Anwendbarkeit von Tonen auf Grundlage der
Kenntnis ihrer Herkunft seriös?
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
21
2 Untersuchungsobjekte und -methoden
2.1 Kaolinton-Lagerstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt – Geologischer
Rahmen
Zwei Arbeitsgebiete wurden ausgewählt in denen drei Kaolin- und vier Tonlagerstätten be-
probt wurden (Abb. 12).
Abb. 12: Vereinfachte geologische Karte Nordsachsen – Quartär abgedeckt (Sächsisches Landesamt für Umwelt
und Geologie 1994 / nach der geologischen Übersichtskarte des Freistaats Sachsen 1:400000 vereinfacht)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
22
Ein Arbeitsgebiet befindet sich im Osten Sachsens, am Nordrand des Sächsisch-Böhmischen
Grundgebirges. Hier lagern in Caminau und Wiesa in-situ-Kaoline über proterozoischen Gra-
nodioriten (Abb. 12). Nicht weit davon entfernt liegen in Wetro und Guttau kaolinitische
Tonvorkommen im Bereich kleiner, weitgehend isolierter tertiärer Becken, am Übergang der
Grundgebirgseinheiten der Oberlausitz zu den flächenhaft verbreiteten tertiären Sedimenten
der Niederlausitz. Die tertiären Sedimente überdecken hier Teile der kaolinitischen Verwitte-
rungskruste, so beispielsweise in der Kaolin- und Tonlagerstätte Wiesa. Hier sind
kaolinitische Tone und in-situ-Kaoline gemeinsam aufgeschlossen. Nach den Untersuchungen
von Adam (1969) und Lasch (1969, 1973) sind die Tone von Wetro und Guttau Derivate des
kaolinisierten Lausitzer Granodiorits und können daher nach Lasch (1973) als Granodiorti-
Kaolintone bezeichnet werden. In Guttau wird zudem die Zufuhr von Komponenten eines
Basaltzersatzes vermutet, die Tone von Wiesa enthalten demnach auch Anteile eines Grauwa-
cken-Kaolins. Der Verlauf der tertiären Paläoströmungen der Region untermauert diese
Zuordnung (Abb. 12).
Da der Kaolin des Lausitzer Grauwackengebiets nicht eingehend beprobt werden konnte, er-
folgt eine Charakterisierung anhand des Kaolins der Lagerstätte Cunnersdorf nach Krumb
(1998).
Das andere Arbeitsgebiet befindet sich weiter im Westen, in Sachsen-Anhalt, zwischen Wei-
ßenfels und Halle a.d. Saale (Abb. 12). Hier lagern bei Spergau primäre Kaoline über
triassischen Arkosesandsteinen (Störr 1983, Stedingk et al. 2005). Südwestlich von Spergau
sind in der Tonlagerstätte Roßbach kaolinitische Tone aufgeschlossen. Die Tone sind Teil der
Sedimentabfolgen des Roßbacher Hauptbeckens, einem Teilbecken des eozänen Geiseltalbe-
ckens. Der Ton der Lagerstätte entstammt nach Valtin & Ulrich (1991) sowie Stedingk et al.
(2005) dem verwitterten Buntsandstein der Umgebung und kann daher als Buntsandstein-
Kaolinton bezeichnet werden.
Neben den bisher genannten Lagerstätten wurde auch der Seilitzer Kaolin beprobt. Hier lagert
im Bereich des Meißener Massivs ein in-situ-Kaolin über oberkarbonischen Rhyolithen und
Daciten (Abb. 12). Da der in-situ-Kaolin der Lagerstätte keine Beziehung zu den hier analy-
sierten Tonen aufweist, wurden die Ergebnisse nur in einem Falle berücksichtigt. Die Daten
der Kristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der Seilitzer Kaolinite eignen sich in her-
vorragender Weise zur Veranschaulichung der Variabilität dieser Parameter im Profil eines
in-situ-Kaolins. Eine kurze Charakterisierung des Kaolins erfolgt in dieser Arbeit nach Störr
(1983) und Krumb (1998).
Eine erste Einordnung der hier untersuchten tertiären Oberlausitzer Tone von Wetro, Guttau
und Wiesa in die Stratigraphie der Lausitz unternahm Adam (1969). Eine Neueinstufung wur-
de durch Standtke & Strauss (1991) vorgenommen. Der Roßbacher Ton bildete sich in einem
Teilbecken des Geiseltals bei Halle. Mit Hilfe der Erkenntnisse von Thomae & Schroeter
(1996) kann er sicher in die Stratigraphie des Geiseltals eingebunden werden (vgl. Kap. 2.1).
Die in den ostdeutschen Braunkohlegebieten befindlichen Tone, so z.B. der Lausitzer Fla-
schenton des 1. Lausitzer Flözhorizonts, wurden im Zuge der Arbeit nicht analysiert. Durch
den weiten Transport der Komponenten der Tone von den südlichen verwitterten Basement-
gesteinen in die nördlich angrenzenden Ablagerungsräume hinein ist die Zufuhr von Material
aus zahlreichen unterschiedlichen Quellen zu vermuten. Eine eindeutige Zuordnung der Her-
kunft der Komponenten dieser Tone ist damit nicht gewährleistet.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
23
2.1.1 Geologische Entwicklung der Lausitz
Die Lausitz liegt im Süden Brandenburgs und im Osten Sachsens. Sie umfasst im Süden das
Lausitzer Gebirge und reicht im Norden bis zum Spreewald in der Region Cottbus. Im Osten
wird der deutsche Teil der Lausitz von der Neiße begrenzt, im Westen markiert der Verlauf
der Schwarzen Elster die Grenze. Geologisch ist die Lausitz aus zwei Großeinheiten aufge-
baut. Die Grenze befindet sich etwa entlang der Linie Hoyerswerda-Weißwasser (Abb. 13).
Der südliche Teil, die Oberlausitz, gehört zum Nordrand des Böhmischen Massivs. Dort la-
gert präkambrisches und paläozoisches Grundgebirge unter einer geringmächtigen meso- und
känozoischen Bedeckung. Diese Bedeckung ist durch Erosion nicht vollständig erhalten
geblieben, daher tritt in der südlichen Lausitz vielerorts das Grundgebirge zu Tage. Die nörd-
lichen Bereiche der Lausitz gehören zum südlichen Randbereich des tertiären Norddeutsch-
Polnischen-Beckens des Nordsee-Beckens. Hier ist das Grundgebirge durch mächtige käno-
zoische Sedimentabfolgen überdeckt. Dieser Teil der Lausitz wird als Niederlausitz
bezeichnet (Abb. 13).
Den prätertiären Kern der Lausitz bildet der Lausitzer Block mit seinen präkambrischen
Grauwackenserien und den Gesteinen des Lausitzer Granodioritmassivs. Im Norden und
Nordosten werden die Gesteine durch jüngere paläozoische Serien, u.a. des Doberluger und
des Görlitzer Synklinoriums (Schiefergebirge) eingefasst (Abb. 13). Der Lausitzer Block und
die Schiefergebirge werden im NE durch die Innerlausitzer Störung voneinander getrennt.
Weiter nordöstlich sind die Grundgebirgseinheiten entlang des Lausitzer Hauptabbruchs weit
in die Tiefe abgesenkt und von mächtigen mesozoischen Schichten der Lausitzer Triasplatte
und der Nordsudetischen Kreidemulde bedeckt.
Im Westen trennt die NW-SE-gerichtete Westlausitzer Störung die Gesteine des Lausitzer
Blocks von denen des Erzgebirges. Es handelt sich um eine Blattverschiebung, die gegen En-
de des Paläozoikums aktiviert wurde. Jüngere Gesteinsabfolgen, wie z.B. die Sandsteine der
Elbtals, sind hiervon nicht betroffen (Möbus 1956). Die südliche Begrenzung des Lausitzer
Massivs bildet die Lausitzer Überschiebung. Zu Beginn des Tertiärs wurde das Lausitzer
Grundgebirge teilweise über die kretazischen Gesteine des sich südlich anschließenden Elb-
sandsteingebirges aufgeschoben (Möbus 1956).
Die Lausitzer Grauwacken sind die ältesten Gesteine der Region. Sie umgeben im Norden
und Nordosten die Gesteine des Lausitzer Granodioritkomplexes (Abb. 13). Nach Burmann
(1972) besitzen sie ein oberproterozoisches Alter. Die Lausitzer Grauwacken wurden nach
ihrer Sedimentation gegen Ende des Präkambriums cadomisch gefaltet und stabilisiert (Lasch
1969). Die Lausitzer Granodiorite sind jüngeren Alters. Berg (1943), Ebert (1943) und
Pietzsch (1962) unterscheiden zwischen einem älteren cadomischen Ost- und einem kaledoni-
schen Westlausitzer Grandiorit, u.a. aufgrund der Ausbildung des Kalifeldspats als Mikroklin
im westlichen Teil des Massivs. Diese Unterscheidung und die unterschiedliche zeitliche Ein-
ordnung der Granodiorite bezweifelt bereits Möbus (1956) auf der Grundlage mineralogischer
Analysen. Neuere geochronologische Untersuchungen von Eidam et al. (1991) und Kröner et
al. (1994) belegen, dass nur die Stockgranite und einige wenige amphibolführende Granitoide
und Monzogranite des Granodioritmassivs variszischen Alters sind. Die Hauptmasse der Ge-
steine des Lausitzer Granodioritmassivs sind S-Type-Granite, die durch Anatexis der
oberproterozoischen Grauwacken-Pelit-Folgen (Lausitzer Grauwacken) in einem hohen Krus-
tenniveau entstanden sind. Sie besitzen ein Alter zwischen 542±9 und 587±17 Ma. (Kröner et
al. 1994). Durch die Intrusion dieser Granite und Granodiorite wurde der Komplex bereits an
der Wende Proterozoikum/Kambrium konsolidiert, wodurch eine Verlagerung der magmati-
schen Aktivität an den Rand des Massivs erfolgte (Eidam et al. 1991).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
24
Abb. 13: Das Prätertiär der Lausitz (Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie 1994 / vereinfacht nach
der geologischen Übersichtskarte des Freistaats Sachsen 1:400000)
Jüngere variszische I-Type-Granite, hervorgegangen aus der Anatexis von Orthogesteinsmate-
rial wie beispielsweise die Stockgranite, finden sich aus diesem Grunde bevorzugt in den
Randbereichen des Massivs (Eidam et al. 1991). Einige der variszischen Granitoide intrudier-
ten auch in Gesteine des konsolidierten Massivs und veränderten sie lokal kontaktmetamorph,
was nach Eidam et al. (1991) zur früheren Unterscheidung des Granodiorits in einen West-
und einen Ostlausitzer Granodiorit führte (Abb. 13). Das Granodioritmassiv ist durchzogen
von jüngeren, dunklen Lamprophyrgängen sowie hellen Ganggesteinen (Pietzsch 1962).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
25
Im Mesozoikum war die Oberlausitz weitgehend kontinental geprägt. Die Verwitterung der
prätertiären Gesteine der Lausitz begann bereits in der Trias, unter ariden bis semiariden
Bedingungen. Eine tiefreichende chemische Verwitterung der Gesteine erfolgte unter den
humiden gemäßigten bis subtropischen klimatischen Bedingungen der Oberkreide und im
Tertiär (Störr 1983).
Die ersten, weit verbreiteten tertiären sedimentären Abfolgen der Lausitz sind eozänen bzw.
oligozänen Alters (Abb. 14). Diese Schichten kennzeichnen marine Transgressionen, die von
Norden bis in das Gebiet nördlich Hoyerswerda und Senftenberg vordrangen, die weiter süd-
lich gelegenen Regionen der Oberlausitz jedoch nicht betrafen (Lotsch et al. 1969, Alexowsky
& Suhr 1991)
Die rezente Verteilung der nur in wenigen Relikten erhaltenen kaolinitischen Verwitterungs-
kruste und der kaolinitischen Tone der Oberlausitz (Abb. 15) geht auf oligozäne bis miozäne
epirogene Bewegungen zurück, die zu einer Hebung des südlichen Teils der Böhmischen
Masse führten. Die Erhöhung der Reliefenergie bewirkte die Erosion der von der Oberkreide
bis zu diesem Zeitpunkt tektonisch stabilen und tiefgründig kaolinisierten Gesteinsformatio-
nen (Störr 1975).
Die oberkretazisch-tertiäre Verwitterungskruste wurde durch diese Vorgänge im Süden des
Massivs weitgehend erodiert und durch Flüsse nach Norden, in das angrenzende Senkungsge-
biet der Niederlausitz transportiert. Die Strömungsrichtung und der Verlauf der tertiären
Flussläufe wurde bereits von Buchwald (1971) beschrieben (Abb. 15). Die Flüsse schnitten
sich in die in den nördlichen Gebieten teilweise erhalten gebliebene Verwitterungskruste ein
und es erfolgte die Ablagerung klastischer Sedimente in tektonisch angelegten kontinentalen
Kleinbecken im Bereich der Oberlausitz und flächenhaft im Senkungsgebiet der Niederlau-
sitz. Die Sedimentabfolgen überlagerten die Reste der kaolinitischen Verwitterungskruste und
schützten sie vor weiterer Erosion.
Die Sedimentation der kaolinitischen Tone der Sedimentabfolgen erfolgte unter sehr ruhigen
Sedimentationsbedingungen. Die Tone repräsentieren die Stillwasserfazies in Uferbereichen
von Flüssen, Buchten in Binnenseen und ästuarinen Mündungsbereichen von Flüssen in ei-
nem küstennahen Tiefland (Lasch 1973, Störr 1975). Sind die Tone schlecht klassiert, erfolgte
nur eine kurzstreckige Umlagerung der Komponenten. Eine gute Klassierung weist hingegen
auf Fernschüttungen hin (Störr 1983). Bei zunehmender Verlandung wirkten die Tone als
Grundwasserstauer, daher wurden sie in der Lausitz von Mooren überdeckt, die rezent als
Braunkohlen vorliegen. Die Tone der Lausitz befinden sich aus diesem Grunde meist im Lie-
genden mächtiger Braunkohlenflöze oder sie bilden deren Zwischenmittel (Abb. 14, 16). Sie
sind damit Teil der miozänen Lausitzer Flözhorizonte und in der Regel mit Braunkohlen ver-
gesellschaftet (Lasch 1969). Die Zusammensetzung und Verbreitung der Niederlausitzer
Flözhorizonte wurde bereits von Mai (1964, 1967) und Adam (1969) mit der Stratigraphie der
miozänen Kleinbecken der Oberlausitz korreliert. Wurden in diesen Schriften die miozänen
Tone der Oberlausitz noch dem 3. Lausitzer Flözhorizont zugeordnet, erfolgte Ende der acht-
ziger und Anfang der neunziger Jahre eine Neubewertung der stratigraphischen Einordnung.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
26
Abb. 14: Geologische Gliederung der Niederlausitz (aus Nowel et al. 1994 nach Lotsch 1981 / Tonlagerstätten
ergänzt)
Abb. 15: Oberflächennah verbreitete Gesteinsserien der Oberlausitz - Quartär abgedeckt (nach Buchwald 1971
und Lasch 1973)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
27
Auf Grundlage der regionalen Verbreitung der Lausitzer Flözhorizonte und aufgrund von kar-
pologischen Befunden konnten die Flözhorizonte der in dieser Arbeit analysierten
Tonlagerstätten Wiesa und Wetro nach Standtke & Strauss (1991) gesichert dem 2. Lausitzer
Flözhorizont zugeordnet werden. Dieser Flözhorizont entstand nach Strauss (1991) im unteren
Mittelmiozän (Abb. 14, 16, 17). In der Lagerstätte Guttau befindet sich der Ton hingegen im
Liegenden des 4. Lausitzer Flözhorizonts, der ein untermiozänes Alter aufweist (Standtke &
Strauss 1991). Ein geringmächtiges Oberflöz ist nicht abschließend einzuordnen (Abb. 14, 16,
17). Es wird vermutet, dass es dem 2. Lausitzer Flözhorizont zuzuordnen ist. Nach Standtke
& Strauss (1991) sind die kleinen isolierten miozänen Becken der Oberlausitz somit die südli-
chen Ausläufer einer ehemals geschlossenen Tertiärverbreitung (Standtke & Strauss 1991).
Abb. 16: Verbreitung der Lausitzer Flözhorizonte am Südrand der Lausitz – BMf 2,3,4 = Lausitzer Flözhorizon-
te 2., 3., 4. (nach Standtke & Strauss 1991)
In der Nähe der Lagerstätte Guttau befinden sich tertiäre Basaltvorkommen. Es handelt sich
um die nördlichsten Ausläufer des tertiären Vulkanismus der Lausitz (Abb. 14, 15, 19). Die
basaltischen Vulkanite sind an tiefreichende Störungszonen gebunden. Ihre Entstehung ist auf
oligozäne bis miozäne Hebungen zurückzuführen. Die Basalte sind tiefgründig verwittert
(Lasch 1969).
Eine pliozäne bis quartäre, präglaziale Überdeckung der tertiären Lausitzer Sedimente hat in
allen hier untersuchten Tonlagerstätten stattgefunden. Grobklastische Sedimente des Bautze-
ner Elbelaufs sind in den Lagerstätten Wiesa und Wetro nachgewiesen, in Guttau sind Relikte
des Bautzener Elbelaufs in der Nähe verbreitet (Abb. 18). Diese Sedimente überdecken lokal
die tertiären Beckensedimente und trugen zu ihrem Erhalt bei. Rezent findet man sie als Re-
likte in Bereichen durch jüngere Erosion verschonter tertiärer Hochflächen (Nowel et al.
1994).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
28
Abb. 17: Korrelationsschema der Lausitzer Flözhorizonte in der Oberlausitz – BMf 2,4 = Lausitzer Flözhorizon-
te 2 bzw. 4 (Adam 1969 verändert durch Standtke & Strauss 1991)
Aus der Analyse der quartären Sedimente der Lausitz sind sechs Inlandeisvorstöße abzuleiten
(Nowel et al. 1994). Hiervon erreichten mutmaßlich nur die Stadien Saale I und Elster II die
Region südlich Hoyerswerda (vgl. Kupetz et al. 1989).
Abb. 18: Verlauf der präglazialen Bautzener und Senftenberger Elbeläufe (nach K. Geniesser 1955 und Nowel et
al. 1994)
Die quartäre Abfolge von Glazialen und Interglazialen führte in der Lausitz zur Ausbildung
von Verebnungsflächen und Ausräumungen mit meist mächtiger quartärer Bedeckung nörd-
lich einer Linie von Kamenz und Guttau (Abb. 19). Die weiter südlich gelegenen Gebiete
waren Teil einer Hochfläche, die nur in geringem Maße von Quartär überdeckt wurde.
Die Flüsse der Hochfläche entwässerten wie bereits im Tertiär nach Norden und schufen
pleistozäne Rinnen innerhalb der Verebnungsflächen (Kupetz et al. 1989). Die tertiäre kaoli-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
29
nitische Verwitterungskruste blieb daher auf der Hochfläche teilweise erhalten. Die Lagerstät-
te Caminau liegt auf einer inselartigen Hochfläche, die sich inmitten der pleistozänen Rinnen
und der Verebnungsflächen befindet (Abb. 19).
Wolf und Hirschmann (1964) beobachteten eine posttertiäre elstereiszeitliche bis holsteinin-
terglaziale Schollenkippung in der östlichen Oberlausitz. Buchwald (1971) vermutet, dass
durch eine solche Bruchschollenkippung die tertiären Sedimente erhalten blieben, da sie in ein
tieferes Niveau abgesenkt wurden und daher vor pleistozäner Erosion weitgehend geschützt
waren.
Abb. 19: Tertiärverbreitung und pleistozänes Rinnensystem der Oberlausitz (nach Kupetz et al. 1989 - Abb. 3)
2.1.1.1 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Wetro
Die Lagerstätte Wetro liegt in der Oberlausitz, ca. 12 km nordwestlich von Bautzen und ca. 3
km südöstlich des Ortes Neschwitz. Hier wurde zu Zeiten der DDR von der VEB Feuerfest-
werke Wetro im Tagebauverfahren hochwertige Tone für die Feuerfestindustrie abgebaut.
Nach der Wende wurde der Betrieb von der Preiss-Daimler Industries GmbH übernommen.
Die Tone werden zur Herstellung von Rohschamotte verwendet.
Die Lagerstätte ist Teil eines isolierten tertiären Teilbeckens innerhalb des Lausitzer Granodi-
orits am Nordrand des Sächsisch–Böhmischen Grundgebirges. Sie besitzt eine Ausdehnung
von ca. 3,5 x 1,5-2,5 km und liegt südlich der Innerlausitzer Hauptverwerfung ca. 1 km süd-
östlich der Puschwitzer Verwerfung (Abb. 15).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
30
Lasch (1969) beschreibt eingehend die geologischen Verhältnisse der Lagerstätte, basierend
auf der Arbeit von Adam (1968). Die tertiären klastischen Sedimentfolgen der Lagerstätte
Wetro sind an einen SW-NE-streichenden flachen Höhenrücken gebunden, der nach allen
Seiten hin erodiert wurde. Die Tone repräsentieren die Randfazies eines tertiären Flussbetts
(Lasch 1975). Sie sind im westlichen Bereich der Abfolge, im Liegenden mächtiger Braun-
kohlelagen aufgeschlossen (Abb. 20).
Abb. 20: Profil durch das Tertiär-Becken der Lagerstätte Wetro (nach Buchwald 1971). Die Probenahme erfolgte
im westlichen Bereich der Lagerstätte
Das Basement bildet der Lausitzer Granodiorit, der von einer bis 40 m mächtigen, oberkreta-
zisch-jungtertiären kaolinitischen Verwitterungskruste überdeckt ist. Die Hangendgrenze des
Granodiorit-Kaolins ist unregelmäßig ausgebildet und fällt durchschnittlich mit 5-8° nach
Norden ein. Die Sedimente lagern nahezu horizontal (Lasch 1969).
Tab. 1: Profil des Wetroer Tertiärs (nach Lasch 1973)
Geologisches Alter Lithologie Mächtigkeit Bemerkung
Quartär (Pleistozän)
Präglazial
Lehme
Schotter und Sande
des Bautzener Elbelaufs
max. 4 m
max. 8 m
Abraum
Abraum
Miozän
Feinsand
Braunkohle (2. Lausitzer Flöz)
Oberton (fett, Corg-reich)
tonige Braunkohle
Hauptton (fett)
feinsandiger Magerton
Mischsand
max. 4 m
ca. 5-6 m
max. 1,2 m
max. 1,2 m
max. 3,0 m
max. 1-3 m
variabel
Abraum
Abraum
Probenahme
Probenahme
Probenahme
Basiston
in Kaolinsenken
Oberkreide bis Tertiär
(Miozän)
Granodiorit-Kaolin max. 40 m
Prätertiär Lausitzer Granodiorit
An der Basis des Tertiärs befinden sich oligozäne bis miozäne schlecht klassierte Mischsande,
die das unregelmäßige Relief der Kaolinoberfläche ausgleichen (Lasch 1969). Über den
Mischsanden folgen geringmächtige feinsandige Magertone. Hierüber liegt eine Wechsellage-
rung von plastischen kaolinitreichen Tonen und Braunkohle (Tab. 1). Der Untere Ton wird als
Hauptton bezeichnet und befindet sich im Liegenden einer tonigen Braunkohle. Ein braun-
kohlereicher Oberton trennt als Zwischenmittel die Braunkohleflöze. Die Tone werden von
einer mächtigen Braunkohlenfolge bedeckt, die eine zunehmende Verlandung des tertiären
Beckens in einer tektonisch ruhigen Phase anzeigt (Lasch 1969).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
31
Nach Standtke & Strauss (1991), welche die Braunkohlen dem 2. Lausitzer Flözhorizont zu-
rechnen, besitzen sie ein mittelmiozänes Alter. Die tertiäre Abfolge endet mit hellen
Feinsanden, die Adam (1968) als marine Bildungen ansieht.
Über den tertiären Sedimenten folgen präglaziale pleistozäne klastische Sedimente des ehe-
maligen Bautzener Elbelaufs. Eine glazigene Überprägung der Hangendsedimente wurde
bislang nicht beobachtet (Störr 1975). Den Abschluss des Profils bilden pleistozäne Lehme
unterschiedlicher Prägung.
Das Tertiär von Wetro repräsentiert einen vollständig erhaltenen miozänen Sedimentations-
zyklus mit der typischen Kornverfeinerung von Sand zu Ton zum Hangenden der Abfolge
(Lasch 1969). Der Oberton ist das Produkt einer regressiven Phase, da er die zunehmende
Verlandung, die durch Ablagerung der tonigen Braunkohle angezeigt wird, unterbricht. Die
progressive Fortsetzung der Bildung mächtiger Torfmoore setzte nach dieser Phase erneut ein.
Abb. 21: In der Lagerstätte Wetro beprobtes Profil
In der Lagerstätte aufgeschlossen und somit der Beprobung zugänglich ist nur der westliche
Teil mit einer max. 5 m mächtigen Abfolge vom Haupt- bis zum Oberton (Abb. 21 und 22).
Die Tone sind feinstkornreich und enthalten geringe Anteile Schluff und Sand. Pflanzliche
Reste befinden sich in Form faseriger, bis zu mehrere Zentimeter großer xylitischer Relikte in
den Tonen. Sie sind unregelmäßig verteilt. Die Tone sind durch organischen Kohlenstoff
bräunlich gefärbt. Der Obere Ton ist etwas dunkler gefärbt als der Hauptton.
Dem Oberton wurden 4 Proben, dem Kohleflöz 2 Proben und dem Hauptton 18 Proben ent-
nommen. 5 isovolumetrische Proben dienten zur Bestimmung der Trockenrohdichte der Tone
(Abb. 21). Die Daten können Anhang 3 entnommen werden. An der Grenze der Braunkohle
zum Oberen Ton tritt an manchen Stellen Wasser aus, das eine rotbraune Färbung der Sedi-
mente bewirkt. Dies deutet auf die Migration saurer Fe-reicher Lösungen innerhalb der
Braunkohlen hin. Bei Kontakt mit Luftsauerstoff wird das Fe oxidiert und als Goethit ausge-
fällt (Abb. 23).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
32
Abb. 22: Haupt- und Oberton sowie tonige Braunkohle als Zwischenmittel in der Lagerstätte Wetro
Abb. 23: Oxidation von Fe bei Kontakt mit Luftsauerstoff an der Grenze der Braunkohle zum darunter liegenden
Oberen Ton der Lagerstätte Wetro (Lange Bildkante 0,3m)
2.1.1.2 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Guttau
Die Tonlagerstätte Guttau liegt in der Oberlausitz, ca. 12 km nordöstlich der Stadt Bautzen,
nahe des Ortes Guttau in Sachsen. Die Lagerstätte wird von der Preiss-Daimler Industries
GmbH betrieben. Sie fördert Tone zur Abdichtung von Deponien und zur Produktion von
Schamottesteinen.
Die kaolinitischen Tone sind Teil einer ca. 80 m mächtigen tertiären Sedimentabfolge. Große
Mächtigkeitsunterschiede von bis zu 200 m bestehen zwischen dem Beckenrand und dem
Beckeninneren (Adam 1968). Die Sedimente überdecken einen ca. 50 m mächtigen Granodio-
rit-Kaolin, der in der Lagerstätte jedoch nicht aufgeschlossen ist (Tab. 2). Die Sedimentation
der tertiären Sedimente erfolgte in einem tektonisch angelegten Becken nahe der Innerlausit-
zer Hauptverwerfung. In der Nähe der Lagerstätte befindet sich zudem ein miozänes
Basaltvorkommen, das vermutlich an eine tiefreichende aktive Störungszone gebunden ist
(Lasch 1969).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
33
Lasch (1969) beschreibt nach Adam (1968) sieben mehr oder weniger vollständig ausgebilde-
te Sedimentationszyklen, die in Guttau infolge der tektonischen Absenkungstendenz
aufeinander folgten. Die progressiven Phasen der Zyklen sind somit mehrfach von regressiven
Phasen unterbrochen worden.
Adam (1968) gliederte die Zyklen nach Befunden im Westfeld der Lagerstätte (Tab. 2). Die
oberen Zyklen 4-7 sind nur in Teilen des Beckens, bevorzugt im Beckenzentrum entwickelt,
was auf eine zunehmende Verkleinerung des Beckens hinweist (Lasch 1969). Die Zyklen 1-3
sind hingegen überall verbreitet. Fetttonhorizonte bilden den Abschluss eines jeden Zyklus.
Die Bildung von Torfmooren im Hangenden der Tone erfolgte nicht während der ersten drei
Zyklen. Im Gegensatz zu den Tonhorizonten sind die grobklastischen und kohligen Teilglie-
der der Zyklen nur geringmächtig entwickelt (Lasch 1969). Die unregelmäßig ausgebildeten
und bis 5 m mächtigen Braunkohlenflöze des Guttauer Tertiärs sind nach Standtke & Strauss
(1991) mit einer hohen Wahrscheinlichkeit dem 4. Lausitzer Flözhorizont der Niederlausitz
zuzuordnen. Problematisch für die Einordnung erweist sich eine südlich des Ortes Kleinsau-
bernitz verlaufende Störung, durch die sich der 4. Lausitzer Flözhorizont der Tongrube
westlich der Störung in einem ähnlichen Höhen-Niveau befindet, wie der 2. Lausitzer Flözho-
rizont östlich der Störung. Das Haupttonlager ist jedoch relativ gesichert dem unteren Miozän
zuzuordnen. Die geringmächtigen Kohleflöze im Hangenden sind aus regionalgeologischen
Gesichtspunkten mit dem 2. Lausitzer Flözhorizont zu parallelisieren (Standtke & Strauss
1991).
Tab. 2: Profil des Guttauer Tertiärs (nach Adam 1968 und Lasch 1969)
Geologisches Alter Lithologie Mächtigkeit Bemerkung
Quartär (Pleistozän) Sand, Kies, Geschiebemergel 3-8 m Abraum
Kohleflöze (2. Lausitzer Flöz), Koh-
letone, Fetttone, Magertone und
Sand-Schluff-Serien
bis ca. 30 m (nur Westfeld)
Fettton
Unterflöz (4. Lausitzer Flöz)
Magerton-Schluff-Sand-Serie
mehrere m
Oberes Haupttonlager (Fettton)
Sand-Serie
5-15 m
3-8 m
Probenahme
Mittlerer Fettton
Magerton-Schluff-Sand-Serie
4-8 m
2-8 m
Tertiär
(Miozän)
5-7. Zyklus
4. Zyklus
3. Zyklus
2. Zyklus
1. Zyklus
(Oligozän?)
Unterer Fettton
Liegend Sand-Serie
Kaolinton
4-6 m
0-10 m
?
Oberkreide bis Tertiär Granodiorit-Kaolin max. 50 m
Prätertiär Granodiorit
Das Quartär im Hangenden der tertiären Sedimente ist geringmächtig ausgebildet. Nahe der
Guttauer Lagerstätte befinden sich Relikte des präglazialen Bautzener Elbelaufs. Die erste
Eisrandlage des Saaleglazials wird südlich Guttau vermutet (vgl. Abb. 19). Lasch (1973) be-
schreibt pleistozänen Geschiebemergel aus dem Hangenden der Lagerstätte. Eine glazigene
Beanspruchung der Sedimente ist anhand der Lagerungsverhältnisse der Braunkohleflöze
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
34
nachzuvollziehen. Sie weisen eine unregelmäßige Verteilung und keine Schichtung auf
(Standtke & Strauss 1991).
In der Lagerstätte aufgeschlossen sind ca. 14 m des Oberen Haupttonlagers. Dieses kann in
zwei ca. 7 m mächtige Tonhorizonte unterteilt werden, die auch getrennt voneinander abge-
baut werden. Entlang zweier Profile wurden dem Oberen Ton 29 Proben und dem Unteren
Ton 12 Proben entnommen (Abb. 24). Der vollständige Datensatz befindet sich in Anhang 4.
Abb. 24: In der Lagerstätte Guttau beprobtes Profil
Der Obere Ton ist meist grünlich-bräunlich gefärbt, sehr feinkörnig und enthält faserige, mm-
bis dm-große Braunkohlereste (Abb. 25). Die helleren Partien sind grobklastischer und damit
reicher an Schluff und Sand.
Der Untere Ton ist etwas feinkörniger als der Obere Ton. Er enthält eine Vielzahl unregelmä-
ßig verteilter pyritisierter Xylite. Diese sind meist umgeben von grünlichen Tonen. Neben den
verkiesten Xyliten befinden sich auch nicht-pyritisierte, faserige Braunkohlereste innerhalb
des Tons. Die Pyritisierung erfasste demnach nicht alle Xylite. Auffallend ist der stete Wech-
sel der Färbung des Tons (Abb. 25, 26). Ein Wechsel von grünen, braunen und roten
Horizonten ist zu beobachten. Die Färbung weist auf die unterschiedlichen Oxidationsstufen
des Fe in den Tonen hin.
Die organische Substanz der Tone ist aufgrund ihrer unregelmäßigen Verteilung allochthonen
Ursprungs. Innerhalb der Tone können jedoch auch wenige Zentimeter mächtige tonige
Braunkohlelagen auftreten. Es ist nicht abschließend geklärt, inwiefern diese Kohletonlagen
autochthone Reste einer beginnenden Vermoorung darstellen oder als gemeinsam mit den
Tonen sedimentiertes und angereichertes allochthones organische Material anzusehen sind.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
35
Abb. 25 und 26: Guttau, Oberes Haupttonlager (linke Abbildung: Oberer Ton Guttau, rechte Abbildung: Unterer
Ton Guttau)
Im Hangenden des Oberen Tons befindet sich Braunkohle, die innerhalb der Lagerstätte un-
terschiedliche Mächtigkeiten aufweist und bis auf wenige Reste bereits als Abraum entfernt
wurde.
2.1.1.3 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Wiesa
Die Kaolin- und Tonlagerstätte Wiesa liegt ca. 2,5 km südöstlich des Ortes Kamenz in Sach-
sen. Hier lagert Kaolin über Lausitzer Granodiorit, nur wenige hundert Meter entfernt von der
Grenze zu den Lausitzer Grauwacken (vgl. Abb. 15). Der Kaolin ist von mächtigen tertiären
und quartären Sedimenten überdeckt, in denen sich kaolinitische Tonhorizonte befinden.
Durch die känozoische Bedeckung wurden die Kaoline vor tiefgreifender Erosion geschützt.
Innerhalb der Wiesaer Kaoline treten des Weiteren geringmächtige Lamprophyr- und Quarz-
gänge auf, die bis an die Tertiärgrenze reichen. Folglich sind sie prätertiären Alters (Störr
1983).
Abb. 27: Schematisches Profil durch die Lagerstätte Wiesa (nach Buchwald 1971)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
36
Die Lagerstätte wird seit 1991 von der Stephan Schmidt Wiesa GmbH betrieben. Die dort
gewonnenen Kaoline und Tone werden zur Produktion keramischer Massen für die Klinker-,
Sanitär- und Fliesenindustrie eingesetzt.
Morphologisch ist die Lagerstätte an einen in NW-SE-Richtung streichenden Höhenrücken
gebunden. Der in Wiesa gewonnene Ton gehört zu einer bis ca. 30 m mächtigen tertiären Se-
dimentabfolge, die den in-situ-Kaolin der Lagerstätte überdeckt (Abb. 27). Die fluviatile
Sedimentation erfolgte in einer 400 bis 500 m breiten, NNW-SSE-streichende Rinne im zent-
ralen Teil der heutigen Lagerstätte (Lasch 1973). Im Südwesten wird die Lagerstätte durch
unalterierte Granodiorite begrenzt, die unter einer geringen pleistozänen Bedeckung nahe der
Oberfläche anstehen. Im NE grenzt der Kaolin an die Sedimente einer pleistozänen Erosions-
rinne (Abb. 27).
Nach Buchwald (1971) liegt die Lagerstätte Wiesa auf einer posttertiär verkippten Bruch-
scholle, die auf eine „Durchpausung“ variszischer Störungen zurückzuführen ist. Dieses
tektonische Ereignis ist demnach durch die Verschiebung und die Absenkung präglazialer
Schotter des Bautzener Elbelaufs im Hangenden der tertiären Abfolgen zu belegen und damit
quartären Alters.
Tab. 3: Profil des Wiesaer Tertiärs (nach Grunge 1999)
Geologisches Alter Lithologie Mächtigkeit Bemerkung
Quartär
(Pleistozän)
Präglazial
Sand, Kies, Geschiebemergel der
Elstereiszeit
Schotter und Sande des
Bautzener Elbelaufs
0,5-2,5 m Abraum
Kohleflöz
(2. Lausitzer Flözhorizont)
0,5-5,5 m (nur im Süden,
reliktisch)
Ton; teilw. stark kohlig 0,0-1,5 m Probenahme
Sandige Folge 0,0-0,8 m
Schluffschicht 0,5-2,0 m
Feinsand 0,0-0,7 m teilw. quarzitisch
Ton-Schluff-Sand-
Wechsellagerung
10-17 m Probenahme im
unteren Bereich
unregelmäßige Abfolge;
schluffig-sandige-Schichten
0,5-3,0 m
Tertiär (Miozän)
Tertiärbasis; Fein- bis Mittelkies ca. 0,5 m
Oberkreide bis Tertiär Granodiorit-Kaolin max. 40 m
Prätertiär Granodiorit
An der Basis der tertiären Abfolge befinden sich Kiese, hierüber folgen zahlreiche Sand-
Schluff-Ton-Wechsellagerungen (Tab. 3). Über den Kiesen lagern in unregelmäßiger Abfolge
schluffig-sandige fluviatile Sedimente. Hierauf ist ein Wechsel von fluviatiler zu limnischer
Sedimentation zu beobachten, da die Korngrößen feiner werden und sich die Farbe von dun-
kel- zu hellgrau ändert. Es erfolgte der Absatz von Sand-Schluff-Ton-Wechselfolgen, die eine
Kornverfeinerung zum Hangenden aufweisen (Grunge 1999). Die limnischen Abfolgen sind
häufig durch fluviatile Rinnenstrukturen unterbrochen, die mit Sand und Schluff verfüllt sind.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
37
Ihre Sinusform erinnert Grunge (1999) an mäandrierende Flussläufe. Nach Lasch (1973) ist
im Wiesaer Tertiär nur ein Sedimentationszyklus aufgeschlossen. Die Untersuchungen von
Grunge (1999) belegen, dass innerhalb der tertiären Sedimentabfolgen eine Vielzahl von
Kleinzyklen vorliegen.
Während die Tone im unteren Bereich der Wechselfolge nur eine geringe Konzentration an
Xyliten aufweisen, ist deren Anteil in den oberen Partien der Abfolge weit höher. Am Über-
gang zu dem durch pleistozäne Erosion nur reliktisch erhaltenen 2. Lausitzer Flözhorizont
(Standtke & Strauss 1991) treten unregelmäßig begrenzte Tonsedimente auf, die zahlreiche
und gut erhaltene Xylite von Taxodioxylon sequoianum Gothan enthalten (Abb. 28). Zudem
sind wenige Zentimeter mächtige Lagen eines Kohletons aufgeschlossen. Aufgrund der Größe
und des guten Erhaltungszustands der Xylite ist darauf zu schließen, dass es sich um parau-
tochthones, wenig aufgearbeitetes organisches Material handelt, das nur kurzstreckig
umgelagert wurde. Eine Vermischung mit allochthonem organischem Material ist sehr wahr-
scheinlich.
Abb. 28: Graugrüner Ton mit Xyliten von Taxodioxylon sequoianum Gothan in der Lagerstätte Wiesa im Lie-
genden des Braunkohlehorizonts
Urban (1951) beobachtete in den Braunkohlen und den oberen Tonhorizonten der Lagerstätte
eine starke Stauchfaltung, hervorgerufen durch den Eisdruck während des Elsterglazials. Die
Eisrandlage befand sich in der Region von Kamenz (vgl. Abb. 19). Aus diesem Grunde sind
die präglazialen Schotter des Bautzener Elbelaufs mit aufgearbeiteten nordischen Geschieben
vermischt (Geniesser 1955). Den Abschluss des Profils bilden elstereiszeitliche Schotter und
Geschiebemergel (Grunge l999).
Die Beprobung erfolgte am Südrand der Lagerstätte. Am Übergang der Tone zur überlagern-
den Braunkohle wurden 5 Proben entnommen, in den Liegendtonen der Ton-Sand-Schluff-
Wechsellagerung 3 Proben (Abb. 29). Dazwischen befinden sich schluff- und sandreiche Par-
tien mit eingeschalteten Tonhorizonten, die nicht beprobt werden konnten. Aus diesem
Grunde wurde auf die Daten von Grunge (1999) zurückgegriffen, dem es möglich war, die
Wiesaer Sedimente anhand zahlreicher Bohrungen zu analysieren. Die als Tonsedimente klas-
sifizierten Proben wurden zur Ergänzung des eigenen Datensatzes herangezogen, wodurch ein
hinreichend vollständiger Datensatz für die Tonsedimente des Wiesaer Tertiärs erstellt wer-
den konnte. Er kann Anhang 5 entnommen werden.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
38
Abb. 29: In der Lagerstätte Wiesa beprobtes Profil
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
39
2.1.2 Geologische Entwicklung der Region Halle-Weißenfels-Gera
Gesteine des Unteren und Mittleren Buntsandsteins sind in Gebieten der tertiären Landober-
flächen im Norden und Osten des Thüringer Beckens intensiv kaolinisiert (Störr 1983). In
Sachsen-Anhalt befinden sich Relikte dieser mächtigen Verwitterungskruste u.a. in der Regi-
on zwischen Halle und Weißenfels, östlich der Querfurter Mulde, im Bereich der Merseburger
Buntsandsteinplatte (Abb. 30). Geologisch betrachtet gehören die Buntsandsteine der Region
zu den nordöstlichen und östlichen Randbereichen des Thüringer Beckens. Das Thüringer
Becken bildet eine Einsenkung des Deckgebirges des nördlichen Saxothuringikums. Das Be-
cken wird durch vorwiegend herzynisch (NW-SE) streichende Störungszonen in schmale,
rund 30 km breite gefaltete Leistenschollen zerlegt (Walter 1992).
Abb. 30: Geologie der Region Halle-Merseburg-Weißenfels - Tertiär und Quartär abgedeckt (nach Krumbiegel
et al. 1983, Thomae & Schroeter 1996 / Eozäner Flusslauf nach Eissmann 1975)
In der Trias unterlag das Germanische Buntsandsteinbecken nach Stedingk et al. (2005) einer
schwach ausgeprägten und weiträumigen Faziesdifferenzierung. Drei Fazieszonen können
unterschieden werden, eine Randzone mit überwiegend psammitischer Sedimentation, eine
Übergangszone mit überwiegend pelitischer Sedimentation und eine beckeninnere Zone mit
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
40
pelitischer Sedimentation unter zusätzlicher Ablagerung von Karbonaten und Sulfaten. Zum
Beckenrand hin finden sich daher vermehrt Geröll-Lagen (Langbein 1970).
Die Horizonte der Großeinheiten sind über weite Strecken sehr beständig (Stedingk et al.
2005), weshalb eine überregionale Gliederung der Buntsandstein-Folgen in Deutschland mög-
lich ist (Tab. 4) und der Buntsandstein des Thüringer Beckens in die aus
Nordwestdeutschland bekannten Großzyklen untergliedert werden kann (Boigk 1956). Die
Zyklen sind allerdings nur selten vollständig ausgebildet (Hoppe & Seidel 1974). In Tabelle 4
sind die psammitischen und pelitischen Schichten des Thüringer Buntsandsteins aufgeführt. In
der Region Halle-Weißenfels-Gera erreichen sie Mächtigkeiten von 400-600 m.
Tab. 4: Gliederung des Thüringer Buntsandsteins (nach Langbein 1970 und Hoppe & Seidel 1974)
Gliederung Bezeichnung der Schichten: Lithologie:
Oberer Buntsandstein:
Röt-Folge ungegliedert Salinare und klastische Abfolgen
Solling-Folge Thüringer Chirotheriensandsteine Sandsteine mit Zwischenmittel aus
Sandstein-Tonstein Wechsellagerung
Mittlerer Buntsandstein:
Hardegsen-Folge Thüringer Bausandstein Sandstein
Wechselfolge und Sandstein Sandstein mit Ton- und Schluffstein
Detfurth-Folge Wechselfolge Sandstein, z.T. lavendelfarben, mit
Ton- und Schluffsteineinschaltungen
Grobsandstein Sandstein, lagenweise Quarzgerölle
Volpriehausen-Folge Avicula- (Gervillen-) Schichten Sandstein mit Tonsteinlagen
Wechselfolge Sandstein, z.T. Tonsteinlagen
Basissandstein Sandstein, lagenweise Quarzgerölle
Unterer Buntsandstein:
Bernburg-Folge Obere Sandstein-Tonstein-Folge Sandstein mit Tonstein (z.T. Ooide)
Obere Sandsteinfolge Sandstein
(randlich z.T. geröllführend)
Calvörde-Folge Sandige Tonsteinfolge Sandstein und Tonstein
(vereinzelt Ooide)
Tonige Sandsteinfolge oder
Untere Sandsteinfolge
Sandstein und Tonstein
(randlich geröllführend)
In der Region Halle-Merseburg-Weißenfels befindet sich östlich und nordöstlich der Mu-
schelkalkschichten der Querfurter Mulde die Merseburger Buntsandsteinplatte (Abb. 30). Die
Buntsandsteine fallen hier flach nach W hin ein und überlagern Gesteine des Zechsteins. Nach
Westen wird die Abfolge daher jünger. Der Mittlere Buntsandstein wird bis 200 m mächtig
und besteht aus Sand-Ton-Wechselfolgen. Hier befindet sich über Arkosesandsteinen die Ka-
olinlagerstätte Spergau (Abb. 30). Die Merseburger Buntsandsteinscholle grenzt im
Nordosten an den Teutschenthaler Sattel. Der Kern des Sattels besteht aus Schichten des Un-
teren Buntsandsteins, nach außen folgen die klastischen Wechselfolgen des Mittleren
Buntsandsteins, die an der SW-Flanke teilweise intensiv kaolinisiert sind. In diesem Bereich
liegt die Lagerstätte Röblingen, die im Zuge der Arbeit jedoch nicht beprobt werden konnte.
Von der Trias bis zur Oberkreide war die Merseburger Buntsandsteinplatte Teil des Festlands.
Der Buntsandstein wurde intensiv verwittert, erodiert und abgetragen, besonders der Merse-
burger Sattel unterlag nach Thomae & Schroeter (1996) einer intensiven Erosion, da er einen
morphologisch erhöhten Bereich darstellte.
Die Bildung der eozänen Buntsandstein-Kaolintone der Region Halle-Merseburg-Weißenfels
wurde exemplarisch anhand der mitteleozänen Tone der Lagerstätte Roßbach untersucht
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
41
(Abb. 30). Die Entstehung der Tone ist eng mit der geologischen Entwicklung des Geiseltal-
beckens bei Merseburg verknüpft, das im Wesentlichen verwitterungsderivates Material aus
den umgebenden Buntsandsteinen aufnahm (Eissmann 1975, Thomae & Schroeter 1996).
Eine umfassende geologische Gesamtdarstellung der Genese des Geiseltalbeckens findet sich
in Thomae & Schroeter (1996). Demnach begann im unteren Eozän infolge der jungalpidi-
schen Gebirgsbildung die halokinetische Bewegung der Zechsteinsalze der Region. Durch
Einengung wurden die Querfurter Mulde, der Hallesche Vulkanitkomplex sowie der Merse-
burger Sattel herausgehoben und nach NE verkippt. Hierdurch erfolgte die Bewegung der
Zechsteinsalze in Schwächezonen hinein. So entstanden Salzstrukturen im Bereich des Teut-
schenthaler Sattels, bei Bad Lauchstädt und wahrscheinlich auch im südlichen Merseburger
Sattel (Thomae & Schroeter 1996).
Infolge der Verkippung der Querfurter Mulde wurde im mittleren Eozän das Grundwasser
nach NE abgeführt. Hierdurch erfolgte die Subrosion der dortigen Zechsteinsalze, wodurch
das Geiseltalbecken und sein südlicher Ausläufer, das Roßbacher Hauptbecken entstanden. In
Zeiten starker Subrosion vertiefte sich das Becken und die Sedimentation grobklastischer
Komponenten setze ein. Nahm die Geschwindigkeit der Eintiefung ab, so wurde die Sedimen-
tation feinklastischer, kam sie annähernd zur Ruhe oder zum Stillstand, so bildeten sich
Torfmoore (Thomae & Schroeter 1996). Nach Eissmann (1975) ist zu folgern, dass die Schüt-
tungen der eozänen klastischen Sedimente des Geiseltalbeckens überwiegend aus östlicher,
bzw. südöstlicher Richtung, aus dem Gebiet der intensiv verwitterten Buntsandsteine der
Merseburger Buntsandsteinplatte stammen.
Auf Zeiten starker Subrosion folgte eine Verminderung der Laugung, teilweise bis zum voll-
ständigen Stillstand der Absenkung. Im Geiseltal sind sechs solcher Sedimentationszyklen zu
unterscheiden, vier sind durch Subrosion initiiert, der fünfte und der sechste zeigen einen
weitgehend epirogenen Charakter, da das Geiseltalbecken zu dieser Zeit in die regionale Ab-
senkung einbezogen wurde (Thomae & Schroeter 1996). Diese beiden Zyklen sind späten
mitteleozänen Alters (Abb: 31). Der sechste Zyklus ist nur unvollständig ausgebildet. Er en-
dete vor der Kohlebildung, da sich die Absenkung der Scholle nach Osten verlagerte. Die
Großzyklen können weiter in mehrere Kleinzyklen unterteilt werden, bei denen zwischen
Braunkohleablagerungen und der Sedimentation von Zwischenmitteln unterschieden werden
kann (Thomae & Schroeter 1996).
2.1.2.1 Geologie der Kaolinton-Lagerstätte Roßbach
Die Tonlagerstätte Roßbach befindet sich ca. 4 km nordwestlich der Stadt Weißenfels. Bis
1976 wurden hier Braunkohlen im Hangenden des Tons gewonnen. Seit 1979 wird der Lie-
gendton als hochwertiger weißbrennender Keramikrohstoff verwendet. Heute gehört die
Lagerstätte der Kaolin- und Tonwerke Salzmünde GmbH.
Geologisch befindet sich die Lagerstätte im östlichen Roßbacher Hauptbecken, einem südli-
chen Ausläufers des Geiseltalbeckens (Abb. 30). Im Liegenden lagern Gesteine des
Muschelkalks und des Buntsandsteins, die hier in N-S-Richtung streichen (Stedingk et al.
2005). Das Tertiär wird bis zu 75 m mächtig, hierüber folgen mehrere Meter mächtige quartä-
re Lößablagerungen und Geschiebemergel. Der Roßbacher Ton bildet die Basis der
Braunkohlen des Roßbacher Beckens (Stedingk et al. 2005). Die Schüttungen erfolgten aus
Ost und Südost. Am Ende des ersten Zyklus ist im Bereich des Roßbacher Hauptbeckens ent-
weder das zugängliche Salz bereits abgelaugt oder die Tiefenwässer änderten ihre Wege, da
die Zyklen 2-4, die im Geiseltalbecken weiträumig vertreten sind, im Roßbacher Hauptbecken
fehlen. Erst mit Beginn des fünften Zyklus und der regionalen Absenkung der gesamten
Scholle setzt im Zuge der epirogenetischen Entwicklung die Sedimentation im Bereich Roß-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
42
bach wieder ein (Thomae & Schroeter 1996). Der fünfte Zyklus erstreckt sich daher weiträu-
mig über das gesamte Geiseltalbecken hinweg (Abb. 31).
Abb. 31: Säulenprofil des Roßbacher Hauptbeckens, SP-Zonen = Sporomorphenzonen nach Lotsch et al. 1969
(nach Thomae & Schroeter 1996)
Im Hangenden der tertiären Geiseltalsedimente befindet sich geringmächtiger quartärer Löß
sowie Geschiebemergel und Bändertone des Elster- und Saaleglazials, deren Inlandeisglet-
scher somit bis in den Merseburger Raum vorgedrungen sind (Abb. 32). Flußschotter sowie
Löß und Fließerden der Weichselkaltzeit sind ebenfalls nachgewiesen (Krumbiegel & Schwab
1974).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
43
Abb. 32: N-S-Profil durch den westlichen Teil des Roßbacher Hauptbeckens (nach Thomae & Schroeter 1996)
Die Tonabfolge ist bis 20 m mächtig. Ihre Mächtigkeit nimmt zu den Beckenrändern hin et-
was ab und wird dort von Schluff-, Feinsand- und Braunkohlelagen unterbrochen (Stedingk et
al. 2005). Die Schichtung weicht unregelmäßig von der Horizontalen ab, was an den Kohle-
tonhorizonten gut nachzuvollziehen ist.
Das in der Lagerstätte beprobte Profil besitzt in seinen oberen Abfolgen, unmittelbar im Lie-
genden der bereits abgebauten Braunkohle, eine braune und graue Farbe (Ton 1). Dieser Ton
ist leicht schluffig bzw. schwach sandig ausgebildet und enthält wenig kohlige Substanzen.
Darunter folgt ein schwach schluffiger brauner bis dunkelgrauer Ton, der vermehrt Xylite
enthält (Ton 2). Hierunter befindet sich ein geringmächtiger dunkler bis schwarzer, schwach
schluffiger Kohleton. Im Liegenden wird der Kohleton durch einen ebenfalls geringmächtigen
sandigen Schluff deutlich begrenzt. Darunter folgt ein hell gefärbter, hellgrauer, manchmal
auch leicht grünlicher Ton, der dem oberen Ton gleicht (Ton 1). Er ist schwach schluffig,
manchmal auch sandig und enthält wenige Xylite.
An einigen Stellen sind sekundäre rotbraune Verfärbungen durch Fe-Oxide zu erkennen,
graue Färbungen überwiegen jedoch. Der Ton des zweiten Profils im zentralen Bereich der
Lagerstätte (Ton 3) unterscheidet sich von den beiden anderen. Er ist leicht bräunlich, enthält
jedoch auch sehr helle bis grünlichgraue Partien, teilweise ist er auch schluffig (Abb. 33).
Abb. 33: Helle Tone im Zentrum der Lagerstätte Roßbach
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
44
Abb. 34: Schema des beprobten Profils der Lagerstätte Roßbach
Beprobt wurde ein ca. 8 m mächtiges Profils (Profil 1) im Liegenden der Braunkohle. 23
Schlitzproben wurden entnommen (Abb.34). Das zweite Profil enstammt einem zentraleren
Bereich der Lagerstätte. Hier wurden 6 Proben entnommen. Insgesamt wurden drei unter-
schiedliche Tonvarietäten ausgehalten. Die Daten können Anhang 8 entnommen werden.
Klebsande, wie sie Stedingk et al. (2005) beschreiben, wurden nicht beprobt.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
45
2.2 Probenahme und Probenaufbereitung
Die Probenahme erfolgte im Sommer der Jahre 2002 und 2003. In den Lagerstätten wurden,
sofern möglich, vollständige Profile beprobt, um unterschiedliche Qualitäten eines Rohstoffs
zu erhalten. Es wurden auch solche Bereiche in die Beprobung und in die Analyse mit einbe-
zogen, die von den Betreibern nicht für die Produktion eingesetzt werden. Die Beprobung
wurde in der Regel vom Hangenden zum Liegenden durchgeführt, Tiefenangaben können
dem Anhang entnommen werden. Durch die Beprobung verschiedener Sohlen der Lagerstät-
ten konnte ein horizontaler Versatz der Profile nicht vermieden werden. Falls dies notwendig
war, wurden den Lagerstätten auch Einzelproben entnommen. Die in den Lagerstätten anste-
henden Schluffe, Sande und Kiese sowie die Braunkohlen wurden in der Regel nicht beprobt,
um zu vermeiden, dass bei der späteren statistischen Analyse der Proben Korngrößenunter-
schiede überproportional abgebildet werden.
Die Probenanzahl schwankt zwischen 10 und 50 Einzelproben je Lagerstätte. Sie variiert mit
der Profilmächtigkeit. Wenn ein Profil einen häufigen Wechsel der Lithologie aufwies, wurde
die Probenanzahl entsprechend angepasst. Neben den Tonen wurden die Kaoline von Wiesa,
Caminau und Spergau beprobt. Diese Beprobung diente überwiegend der Vervollständigung
des vorliegenden Datensatzes von Krumb (1998) und insbesondere der Analyse der Kaoli-
nitkristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite. Die den Tonlagerstätten
entnommene Probenzahl ist daher meist größer als die Anzahl der aus den Kaolinlagerstätten
gezogenen. Die Ergebnisse der chemischen und mineralogischen Analyse einzelner Proben
sind im Anhang aufgelistet.
Die Probenahme erfolgte an frischem Material. Um dies zu gewährleisten, wurde der Stoß an
den Entnahmestellen abgetragen und Schürfe angelegt. Die Proben wurden anschließend mit
einem Hammer und einem Schlagspachtel aus dem Stoß präpariert. Neben dem herkömmli-
chen Verfahren zur Probenahme wurden in allen Lagerstätten isovolumetrische Proben mit
einem definiertem Probenvolumen von 100 cm³ entnommen. Sie dienten der Bestimmung der
Trockenrohdichte der Rohstoffe. Zur Probenahme wurde ein Präzisionsstahlrohr aus Vollalu-
minium nach DIN 18125 (1986) eingesetzt. Dieser sogenannte Stechzylinder wurde am Stoß
mittels eines Gummihammers in das bergfeuchte Probenmaterial getrieben und mit einer klei-
nen Hacke, einem Spachtel und einem Messer wieder herauspräpariert. Weitere Details dieser
Art der Probenahme können der Arbeit von Krumb (1998) entnommen werden. Überstände
am Rande des Stechzylinders wurden mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Im Falle der
Kaoline war dies schwierig durchzuführen, da sie häufig grobe Quarze enthalten, die teilweise
über die Kante des Zylinders hinausreichen. Somit muss der Probenehmer entscheiden, ob
diese Quarze aus der Probe entfernt werden müssen oder nicht. Schmidt (2002) untersuchte
den Fehler der isovolumetrischen Probenahme in Kaolinen. Er kommt zu dem Schluss, dass
der Überstand oder der Verlust von 0,5 mm Probe einem Probenahmefehler von 1,3 bis 1,6 %
und der von 1 mm einem Fehler von 2,3 bis 2,9 % der Rohdichte entspricht. Bei geübter und
vorsichtiger Probenahme liegt der Probenahmefehler damit maximal bei 3 %. Unterschiedli-
che Trockenrohdichtewerte sind damit signifikant und nicht auf Probenahmefehler
zurückzuführen.
Zur chemisch-mineralogischen Analyse wurde neben den Gesamtproben die
Korngrößenfraktion <2 µm sowie von ausgewählten Proben die Fraktionen <63 µm und >63
µm benötigt. Zunächst wurden die Proben getrocknet, die isovolumetrischen Proben hiernach
gewogen und die Rohdichte bestimmt. Ein Aliquot der Gesamtproben wurde mit einer
Achatscheibenschwingmühle gemahlen, um das Probenpulver zur Analyse der chemischen
und der mineralogischen Zusammensetzung einsetzen zu können.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
46
An einem weiteren Aliquot der Gesamtproben wurde die Korngrößenfraktionierung
durchgeführt. Hierzu wurden 10-20 g einer Probe mit destilliertem Wasser in eine Literflasche
gegeben und zur Dispergierung der Tonminerale zusätzlich 5 ml Natriumpyrophosphat pro
Liter destilliertes Wasser hinzugegeben. Hiernach wurden die Proben 24 h lang in einem
Überkopfschüttler dispergiert. Einen Überblick über die weitere Aufbereitung und die
eingesetzten Analysemethoden zur Untersuchung der Kaolin- und Tonproben ist dem
Flussdiagramm in Abbildung 35 zu entnehmen.
Abb. 35: Flussdiagramm der Arbeitsschritte der Probenaufbereitung und der eingesetzten analytischen Methoden
2.3 Granulometrische Analyse
Die geschüttelten und dispergierten Proben wurden zunächst durch ein Sieb der Maschenwei-
te 63 µm gegeben. Die Wasser-Feststoff-Suspension der Fraktion <63 µm besaß nach dem
Siebvorgang ein Volumen von ca. 2 Litern. Ein Aliquot wurde für die weiteren Trennungs-
vorgänge verwendet und von ausgewählten Proben der Kaoline ein weiteres nach Trocknung
zur Analyse fertigungstechnischer Parameter eingesetzt.
Die Abtrennung der Korngrößenfraktion <2 µm aus der Suspension <63 µm erfolgte mittels
Sedimentation in einem Atterbergzylinder nach DIN 66111 (1986). Die abgetrennte Suspen-
sion mit der Fraktion <2 µm wurde hiernach in einem Trockenofen bei 40°C mehrere Tage
eingedampft. Die Temperatur wurde gering gewählt, um eine strukturelle Veränderung quell-
fähiger Tonminerale zu vermeiden. Nach dem gleichen Verfahren wurden im Anschluß die
Fraktionen 2-6,3 µm, 6,3-20 µm und 20-63 µm abgetrennt, getrocknet und gewogen, um die
quantitative granulometrische Analyse der Proben zu vervollständigen. Ein Aliquot der Frak-
tion <2 µm wurde nachfolgend chemisch und mineralogisch analysiert.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
47
2.4 Mineralogische Analyse mit Röntgendiffraktometrie (XRD)
Die Röntgendiffraktometrie wurde zur Identifizierung des qualitativen und quantitativen Mi-
neralbestandes der gemahlenen Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm verwendet.
Die Messungen erfolgten am Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Berlin an
einem Röntgendiffraktometer der Firma Philips (PW 1710) mit Cu-Kα-Strahlung (50 kV, 30
mA) und Monochromator bei einer Goniometerschrittweite [°2Theta] von 0,02° und einer
Messzeit von 2 Sekunden pro Schritt.
2.4.1 Qualitative Analytik
Zur Bestimmung der Zusammensetzung der Gesamtproben wurden Streupräparate der gemah-
lenen Aliquote der Proben verwendet und im Bereich von 3-80°2Theta gemessen. Die
Auswertung erfolgte mittels der Programme Philips X’Pert Organiser und Philips X’Pert
HighScore. Zur Bestimmung des Tonmineralbestandes einer Probe ist die Verwendung von
Streupräparaten der Gesamtprobe nur bedingt verwendbar. Die Reflexe der Tonminerale über-
lagern sich, daher ist es häufig schwer zu entscheiden welches Mineral vorliegt. Durch die
starken Reflexe des Quarzes sind die Reflexe der Tonminerale zudem recht schwach ausge-
bildet, so dass selbst größere Mengen an Tonmineralen nicht analysiert werden können. Somit
wurde zur detaillierten Analyse der Tonmineralzusammensetzung einer Probe die Fraktion <2
µm verwendet.
Tab. 5: Basisabstände [nm] von Tonmineralen nach unterschiedlicher Vorbehandlung (nach Laves & Jähn 1972)
Tonmineral Luftgetrocknet (AD) Glykolisiert 300°C 550°C
Smektit 1,4 1,7 1,0 1,0
Illit 1,0 1,0 1,0 1,0
Kaolinit 0,7 0,7 0,7 -
Abb. 36: Identifizierung der Tonminerale in texturierten Präparaten der Korngrößenfraktion <2 µm (Beispiel:
Probe Guttau 18)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
48
Die Analyse der Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm erfolgte an texturierten
Präparaten im Messbereich von 3-30°2Theta. Im Zuge der Probenvorbereitung wurde ein Teil
der getrockneten Probe unter Zugabe von destilliertem Wasser und Magnesiumchlorid zur
Aggregierung der Tonmineralpartikel zu einer Paste vermengt. Diese wurde mittels eines
China-Spachtels auf einen Objektträger gestrichen und bei 40°C im Ofen getrocknet.
Die semiquantitative Auswertung der Röntgendiffraktogramme der Texturpräparate erfolgte
nach dem Verfahren von Laves & Jähn (1972). Um den Tonmineralbestand einer Probe ein-
deutig identifizieren zu können ist es notwendig, die Proben nach einer ersten Messung der
Probe in luftgetrocknetem Zustand 24 h in einem Exsikkator mit Glykol zu bedampfen, auf
300°C bzw. auf 550°C zu tempern und danach jeweils erneut zu messen. Die einzelnen Ton-
minerale reagieren unterschiedlich auf die Glykolisierung und die Temperung (Tab. 5), was
sich in der Verschiebung des Hauptreflexes im Röntgendiffraktogramm niederschlägt (Abb.
36).
2.4.2 Quantitative Analytik
Die halbquantitative prozentuale Zusammensetzung der Gesamtproben wurde aus den Peak-
Höhen der Hauptreflexe der einzelnen Minerale mittels des Programms Philips X’Pert
Organiser nach dem Verfahren von Cook et al. (1975) ermittelt. Der Wert der Peak-Höhe
wurde mit einem geräteabhängigen Mineralfaktor multipliziert (Tab. 6). Die Faktoren für die
jeweiligen Minerale wurden durch Mischung unterschiedlicher Mengen reiner
Mineralstandards ermittelt. Die Peak-Höhe des Hauptreflexes von Quarz wird als Faktor 1,0
gesetzt und die Menge der anderen Minerale in Relation zu diesem berechnet.
Tab. 6: Mineralfaktoren zur quantitativen Analyse von Pulverpräparaten der Gesamtproben
Bereich [°2θ] Mineral Faktor
25,3 – 25,5 Anatas 1,3 – 3,2
33,0 – 33,4 Hämatit 4,3
56,2 – 56,45 Pyrit/Siderit 5,1
12,2 – 12,6 Kaolinit 2 – 15
4,7 – 5,2 Smektit 8 - 14
8,7 – 9,1 Illit 2,6 - 26
26,45 – 26,95 Quarz 1
Neben präparatorischen Effekten (vgl. Moore & Reynolds 1989) ist die Peak-Höhe der
Hauptreflexe abhängig vom Gehalt an Quarz in der Probe und von der Kristallinität, bzw. der
Zusammensetzung der Tonminerale. Sind die Tonminerale gröber, gut kristallisiert und wenig
alteriert, ist der Faktor niedrig. Bei zunehmender Alteration mit einer geringer werdenden
Korngröße sind höhere Faktoren zu verwenden. Darauf beruht die große Schwankungsbreite
der Faktoren für die Tonminerale in Tabelle 6. Die Faktoren sind innerhalb einer Lagerstätte
gleich. Aufgrund der hohen Abweichung der Faktoren für unterschiedliche Lagerstätten
wurde das Verfahren nur zur Überprüfung der weit besseren Ergebnisse der Kalkulation der
mineralogischen Zusammensetzung der Proben aus der chemischen Analytik verwendet. Die
Kombination der beiden Methoden führte zu einer relativ guten Übereinstimmung der Werte.
Die semiquantitative prozentuale Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm wurde
an texturierten glykolisierten Präparaten ermittelt. Nach dem Verfahren von Laves und Jähn
(1972) wurden die Peak-Flächen der (001)-Reflexe der Tonminerale mittels des Programms
Philips X’Pert Organiser vermessen und mit Mineralfaktoren multipliziert. Die Faktoren der
einzelnen Minerale wurden durch Messung gemischter Tonmineralstandards am Institut für
Angewandte Geowissenschaften der TU Berlin ermittelt (Tab. 7). Die Messung von Peak-
Flächen ist weit weniger fehlerbehaftet als die Ermittlung der Zusammensetzung über die
Peak-Höhen. Als Bezugspunkt wird die Peakfläche des Illits verwendet. Diesem wird ein
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
49
Wert von 1,0 zugeordnet. Die Peakflächen weiterer Tonminerale werden nun in Bezug zu der
des Illits gesetzt und entsprechende Faktoren ermittelt. Die Fehlerquelle dieses Verfahrens
liegt in der von Hand durchzuführenden und damit nicht normierbaren Präparation der
Proben. Ausbildung und Größe der einzelnen Minerale einer Probe beeinflussen zusätzlich die
Peakfläche.
Tab. 7: Mineralfaktoren zur quantitativen Analyse texturierter glykolisierter Präparate der Korngrößenfraktion
<2 µm
Fläche Mineral Faktor
(001) Illit 1
(001) Smektit / Illit/Smektit-Mixed-Layer 0,22 / 0,4
(001) Kaolinit 0,25
Die quantitative Mineralanalytik der Proben anhand texturierter Präparate der Fraktion <2 µm
ergab sehr zufriedenstellende Werte. Die geräteabhängigen Faktoren konnten auf die Proben
aller Lagerstätten gleichermaßen angewendet werden. Zur Überprüfung der Ergebnisse wurde
die mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm aus den Ergebnissen
der chemischen Analytik berechnet.
2.4.3 Bestimmung der Kristallinität des Kaolinits
Die Struktur des Kaolinits ist sehr komplex, weshalb sie häufig fehlgeordnete Bereiche auf-
weist. Mit Hilfe der Röntgendiffraktometrie ist es möglich, den strukturellen
Fehlordnungsgrad bzw. den Grad der Kristallinität der Kaolinite einer Probe zu bestimmen.
Zwischen stark fehlgeordneten und wenig fehlgeordneten Kaoliniten existieren dabei alle Ü-
bergänge.
Die am weitesten verbreitete Methode zur Bestimmung der Kristallinität der Kaolinite einer
Probe ist die nach Hinckley (1963). Der Hinckley-Index wird über die Peak-Höhen spezifi-
scher Kaolinitreflexe aus den Röntgendiffraktogrammen nicht texturierter Präparate ermittelt.
Stark fehlgeordnete Kaolinite besitzen demnach einen Hinckley-Index <0,5, gut geordnete
Kaolinite hingegen Werte >1,5 (Abb. 37). Ist der Ordnungsgrad der Kaolinite gering, so ist im
Röntgendiffraktogramm jedoch nur eine verschwimmende Bande von Reflexen zu erkennen.
Daher ist es nahezu unmöglich, schlecht kristallisierte Kaolinite, wie sie beispielsweise häufig
in kaolinitischen Tonen vorliegen, mit dieser Methode zu analysieren. Bei hohen Muskovit-
oder Quarzgehalten überlagern Reflexe zudem die lokalen Minima zwischen den Reflexen
des Kaolinits (vgl. Aparicio & Galan 1999).
Am besten geeignet für die Kristallinitätsmessung an Kaoliniten der in dieser Arbeit unter-
suchten Proben erwies sich der Index von Amigo et al. (1987). Der Index wird an
Texturpräparaten gemessen, indem die Halbwertsbreite (FWHM) des (001)- und des (002)-
Reflexes des Kaolinits in °2Theta bestimmt wird (Abb. 37). Nach Aparicio & Galan (1999) ist
dieser Index nicht sensitiv gegen Quarz, Feldspat, Illit, Smektit und amorphe Substanzen.
Wenig fehlgeordnete Kaolinite besitzen Halbwertsbreiten <0,3 °2Theta, sind sie stark fehlge-
ordnet, so besitzen sie Werte >0,4 (Abb. 37). Schmitz & Germann (2001) analysierten die
Halbwertsbreite der Kaolinite eines Porphyr-Kaolins und verglichen sie mit den Werten des
Hinckley-Index. Beide Verfahren führten zu einem ähnlichen Ergebnis (Abb. 38).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
50
A
At
020 110111
20 22
25 12 25
B
002
002
001
021
HI= At
A+B
<0,5 [FK] - > 1,5 [GK]
GK = geordneter Kaolinit
FK = fehlgeordneter Kaolinit
<0,3 [GK] - > 0,4[FK]
Hinckley - Index [HI] Indizes von Amigo et al.
[FWHM 001 und FWHM 002]
Abb. 37: Messung der Kaolinitkristallinität nach Hinckley (1963) und Amigo et al. (1987) / Zeichnung nach
Aparicio & Galan (1999)
Die Ergebnisse der Arbeiten von Brandl (1991), Gonzales et al. (1997), Aparicio & Galan
(1999) und Schmitz & Germann (2001) weisen darauf hin, dass eine Messung des strukturel-
len Fehlordnungsgrads der Kaolinite sowohl an nicht texturierten (z.B. Hinckley-Index) als
auch an texturierten Proben (z.B. Amigo et al. 1987) erfolgen kann.
Abb. 38: Kristallinitätsgrad des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm eines Porphyr-Kaolins in Abhängigkeit
von der Teufe / Vergleich der Verfahren Hinckley-Index und Halbwertsbreite °2Theta
Nach Lasch (1969) verringert sich die Halbwertsbreite der Kaolinite mit zunehmender Korn-
größe. Da die Kaolinite der Kaoline meist grobkörniger ausgebildet sind als die der Tone, ist
zu vermuten, dass die Kaolinite der Gesamtproben der Kaoline grundsätzlich eine deutlich
geringere Fehlordnung aufweisen. Um die Ergebnisse der Kaoline und Tone miteinander ver-
gleichen zu können, wurde die Kristallinität der Kaolinite daher ausschließlich an texturierten
Präparaten der Korngrößenfraktion <2 µm untersucht.
2.4.4 Bestimmung der Einlagerungsfehlordnung von Kaoliniten mit DMSO
Nach Range et al. (1969) ist es möglich, den Schichtzwischenraum von Kaoliniten durch die
Einlagerung von polaren organischen Verbindungen, beispielsweise mit DMSO (Dimethylsul-
foxid - C2H6OS) aufzuweiten, was mittels Röntgendiffraktometrie nachgewiesen werden
kann. Die Geschwindigkeit der Reaktion des Kaolinits mit den organischen Molekülen ist
abhängig vom Teilchendurchmesser des Kristalls, der Art der Moleküle, deren Konzentration
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
51
in der Lösung und der Reaktionstemperatur. Kaolinite reagieren mit neutralen organischen
Molekülen quantitativ oder überhaupt nicht, d.h. nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, unter
der Voraussetzung, dass die Zeit für die Reaktion ausreichend ist (Lagaly 1993). Als Ursache
wird eine Einlagerungsfehlordnung nicht reaktiver Kaolinite angenommen (Range et al.
1969), die durch den Einbau von Kationen oder Neutralmolekülen zwischen den Kaolinit-
schichten hervorgerufen wird (Abb. 39a).
Abb. 39: Aufweitungsmechanismus grober und feinkörniger Kaolinite (nach Lagaly 1993)
Nach Weiss et al. (1970) reagieren feinstkörnige Kaolinite sehr viel langsamer mit Gastver-
bindungen als gröbere (Abb. 39b). Bei kleinen Korngrößen verläuft die Einlagerung nach
einem Keilmechanismus (Abb. 39b), bei dem die organische Verbindung von einer Seite zwi-
schen die Kaolinitschichten dringt und dabei die übrigen Randbereiche sperrt, da ein
bestimmter Grad der Verformung des Kristalls nicht überschritten werden kann (vgl. Lagaly
1993). Die Reaktion gröberer Kaolinite verläuft schneller (Abb. 39b), da bei ihnen die Gast-
moleküle entlang mehrerer Reaktionsfronten in den Kristall eindringen können. Der Übergang
vom Keilmechanismus des Feintonbereichs zum Ringmechanismus der gröberen Partikel liegt
bei einer Korngröße von ca. 0,2–0,8 µm (Lagaly 1993).
Abb. 40: Verschiebung des (001)-Reflexes der Kaolinite durch Aufweitung mit DMSO
Die Versuche wurden folgendermaßen durchgeführt (Mitteilung Prof. Dr. F. Henningsen):
Texturierte Präparate der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline und der Tone wurden in
einem geschlossenem Exsikkator bei einer Temperatur von 60°C mit einer polaren organi-
schen Verbindung (DMSO) bedampft und die reaktiven Kaolinite aufgeweitet. Nach
langwierigen Voruntersuchungen erwies sich ein Zeitraum von 15 Tagen als ausreichend, um
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
52
die reaktiven Kaolinite der Proben aufzuweiten. Der (001)-Reflex des aufgeweiteten Kaolinits
verschiebt sich durch diese Behandlung von 12,4 auf 7,9°2Theta (Abb. 40).
Nach 15 Tagen wurden die Intensitäten der Reflexe der aufgeweiteten und der nicht aufgewei-
teten Kaolinite prozentual erfasst. Kaolinite, die nicht mit DMSO aufweiten sind
einlagerungsfehlgeordnet. Da ausschließlich Präparate der Korngrößenfraktion <2 µm unter-
sucht wurden ist es möglich, die Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Kaoline und der
Tone miteinander zu vergleichen.
Nach Range et al. (1969) und Lagaly (1981) können einlagerungsfehlgeordnete Kaolinite als
”Fireclay-Minerale“ bezeichnet werden. Andere Autoren (z.B. Arens 1963, Schmidt &
Schmidt-Reinholz 1995, Lorenz & Gwosdz 1997) verwenden diesen Begriff jedoch für Kao-
linite, die eine hohe strukturelle Fehlordnung aufweisen. Daher wurde in dieser Arbeit auf die
Bezeichnung “Fireclay-Mineral“ verzichtet, um Missverständnisse zu vermeiden.
Angaben, die sich auf die Halbwertsbreite nach Amigo et al. (1987), also auf die strukturelle
Fehlordnung beziehen, werden als Fehlordnung oder Kristallinität bezeichnet, Angaben, die
auf einer Aufweitung von Kaolinit mit DMSO beruhen, werden hingegen als Einlagerungs-
fehlordnung gekennzeichnet.
2.5 Chemische Analyse
2.5.1 Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF)
Die Proben der Korngrößenfraktion <2 µm und die Gesamtproben wurden mittels
wellenlängendispersiver Röntgenfluoreszenzanalyse am Institut für Angewandte
Geowissenschaften der TU Berlin chemisch analysiert. Die Analyse erfolgte an
Schmelztabletten, die mit einem Röntgenfluoreszenzgerät der Firma Philips (PW1404/10)
gemessen wurden. Das Gerät wurde anhand von ca. 100 Referenzstandards kalibriert. Mittels
des Messprogramms ’Oxiquant’ wurden 36 Haupt-, Neben- und Spurenelemente quantitativ
bestimmt. Die Gesamtmenge des Fe wird bei diesem Programm als Fe2O3 ausgewiesen.
Zudem können keine Schweren Seltenen-Erden-Elemente analysiert werden, sondern
ausschließlich die Gehalte der Leichten Seltenen-Erden-Elemente Ce, La, Nd, Pr und Sm. Die
Kalibrationsbereiche und die Standardabweichungen für die einzelnen chemischen Elemente
sind in Anhang 1 aufgeführt.
Zur Probenvorbereitung wurden 0,6 g des gemahlenen Probenmaterials der Gesamtproben
bzw. 0,6 g unbehandeltes Probenpulver der Fraktion <2 µm mit 3,6 g des Flussmittels
Spectromelt A 12 der Firma Merck (Darmstadt) gemischt und homogenisiert. Bei 1200°C
wurde das Gemisch etwa sechs Minuten lang in einem Platintiegel aufgeschmolzen, wobei ein
Vibrator hinzugeschaltet wurde, um die Homogenisierung der Schmelze zu gewährleisten.
Die Schmelze wurde nach dieser Zeit in eine Platinkokille gegeben, worin die Schmelze
erkaltete und eine Tablettenform von 3 cm Durchmesser annahm.
Die Darstellung der Ergebnisse der Röntgenfluoreszenzanalyse erfolgt in tabellarischer Form
für die Kaoline. Die Zusammensetzung der Tone wird in Form von Boxplots dargestellt. Sie
wurden mit Hilfe des Programms SPSS 12.0 erstellt (Abb. 41). Die mineralogische
Zusammensetzung sowohl der Kaoline als auch der Tone ist Tabellen zu entnehmen. In allen
Tabellen wird die Standardabweichung der Werte in einer Klammer rechts neben dem
Mittelwert angegeben.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
53
Abb. 41: Boxplot
2.5.1.1 Bemerkungen zur Probenbearbeitung
Sulfidschwefel und Phosphate greifen den Platintiegel während des Schmelzvorgangs an. Aus
diesem Grunde mussten einige Proben der Tonlagerstätte Guttau vor dem Schmelzen bei
1000°C im Ofen geglüht werden. Dieses Vorgehen führte zu leicht erhöhten Masseverlusten,
weshalb die Gesamtsummen der Proben von Guttau teilweise unterhalb 97 % liegen.
In den Kaolinproben der Lagerstätte Caminau schützte der sehr hitzebeständige Kaolinit den
Quarz vor einem vollständigen Aufschmelzen. Dies führte dazu, dass auch mehrfaches Auf-
schmelzen der Proben keine Werte >97 % der Gesamtsumme ergaben. Nach Vergleich mit
älteren Werten aus der Literatur (u.a. Krumb 1998), konnte für die Kaoline der Lagerstätte
Caminau ermittelt werden, dass die Differenz fehlendem SiO2 zuzuordnen ist. Die Daten
wurden entsprechend korrigiert.
Die Werte für Na und Phosphat der Korngrößenfraktion <2 µm sind leicht erhöht, da den Pro-
ben im Zuge der Aufbereitung zur Dispergierung geringe Mengen Natriumpyrophosphat
zugeführt wurden. Sie sind für die Interpretation der Ergebnisse jedoch nicht relevant.
2.5.1.2 Glühverlustbestimmung
Da beim Schmelzen der Proben leichtflüchtige Bestandteile wie Kristallwasser und CO2
entweichen, werden diese bei der Röntgenfluoreszenzanalyse nicht mitbestimmt. Daher ist es
notwendig, den Glühverlust der Proben getrennt zu analysieren. Hierzu wurde ein Aliquot
jeder Probe eine Stunde bei 1000°C in einem Ofen geglüht. Die Proben wurden vor und nach
dem Glühen gewogen. Die Massendifferenz wird als Glühverlust (Loss of Ignition/ L.O.I.)
bezeichnet und muß den Analysewerten der Röntgenfluoreszenzanalyse hinzugerechnet
werden. Idealerweise ergibt die Summe aller analysierten Elemente zusammen mit dem Wert
des Glühverlustes einer Probe 100 %. Messergebnisse 97 % werden als ein akzeptables
Ergebnis betrachtet.
2.5.1.3 Quantitative Analyse
Die mineralogische Zusammensetzung der Proben wurde auf Grundlage der chemischen
Analyse rechnerisch ermittelt (Abb. 42). Es wurden, mit Ausnahme freier Fe-Phasen, nur
solche Mineralphasen berechnet, die auch in der Probe tatsächlich röntgendiffraktometrisch,
mikroskopisch oder makroskopisch nachzuweisen sind. Der Berechnung liegen keine
idealisierten Standardzusammensetzungen der Minerale zugrunde. Die Zusammensetzung der
Tonminerale orientiert sich an der chemischen Zusammensetzung der Proben. Sie variieren
innerhalb der Grenzen, die den Daten von Heim (1990), Jasmund & Lagaly (1993) und
Lorenz & Gwosdz (1997) zu entnehmen sind.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
54
Abb. 42: Algorithmus der quantitativen Mineralanalyse berechnet aus massebezogenen Daten der chemischen
Analyse (überarbeitet nach Krumb 1998)
Zu Beginn der Berechnung wird aus dem K-Gehalt der Proben der Illitanteil berechnet, da
nennenswerte Anteile Feldspat in keiner Probe nachgewiesen werden konnten. Aus den Über-
resten von Mg und Ca wird im Anschluss daran ein Smektit (Montmorillonit) berechnet,
wenn dieser in der Probe nachgewiesen werden konnte. Überschüssiges Fe wurde anschlie-
ßend zur Berechnung von Fe-Oxiden (Goethit, Hämatit), bzw. zur Berechnung von Siderit
oder Pyrit verwendet. Aus den restlichen Al-Anteilen kann nun der Kaolinit und hiernach aus
überschüssigem SiO2 der Quarzgehalt berechnet werden. TiO2 geht als Anatas in die Berech-
nung ein. Die Bindung des Ti und des Fe an Tonminerale wurde vernachlässigt. Für die
Berechnung wurden nur die Hauptelemente der chemischen Analyse verwendet. Daher bleibt
ein „Rest“ übrig, dessen Anteil in der Probe den realen Gehalt an organischen Kohlenstoff
übersteigt. Wurden in der Korngrößenfraktion <2 µm Mixed-Layer-Minerale nachgewiesen,
so wurde die Zusammensetzung der Proben ausschließlich über die röntgendiffraktometrische
Analyse graphisch ermittelt.
Das angewendete Berechnungsverfahren führt dazu, dass keine einheitlichen Nachweisgren-
zen für einzelne Minerale existieren. Sie sind abhängig von der Zusammensetzung der Proben
einer Lagerstätte.
2.5.2 Analyse des Gesamtkohlenstoffgehalts
Die Analyse des Gesamtkohlenstoffgehalts (TC / Total Carbon) wurde an ausgewählten Ge-
samtproben und Proben der Korngrößenfraktion <2 µm durchgeführt. Die Messungen
erfolgten an dem Gerät ’Liqui TOC’ der Firma “Elementar“ am Institut für Angewandte
Geowissenschaften der TU Berlin. Die Gesamtproben wurden vor der Messung analysefein
gemahlen. Die Korngrößenfraktion <2 µm konnte ohne weitere Vorbehandlung zur Analyse
eingesetzt werden. Zur Messung werden nur wenige Gramm einer Probe benötigt. Die Analy-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
55
se beruht auf einem Aufschluss der Probe mit 0,8 %iger HCl mit nachgeschalteter Messung
des Kohlenstoffgehalts. Der Messbereich des Analysegeräts liegt zwischen 0,2 und 10000
mg/l Kohlenstoff.
2.6 Durchlicht-, auflicht- und rasterelektronenmikroskopische (REM) Un-
tersuchungen
Mikroskopische Untersuchungen an einem Polarisationsmikroskop erfolgten an der Korngrö-
ßenfraktion >63 µm ausgewählter Proben. Sie geben Aufschluss über die qualitative
mineralogische Zusammensetzung und die Ausbildung der Grobfraktion der Rohstoffe.
Auflichtmikroskopie wurde an Anschliffen pyritisierter Xylite der Lagerstätte Guttau durch-
geführt, um deren Zusammensetzung und die Eh/pH-Bedingungen ihrer Bildung abschätzen
zu können.
Kohlepetrographische Analysen an Braunkohleresten der Grobfraktion der Tonproben dienten
zur Bestimmung des Inkohlungsgrads des organischen Materials der Tone.
Konventionelle Rasterelektronenmikroskopie an ausgewählten Gesamtproben und Proben der
Korngrößenfraktion <2 µm wurde an einem Hitachi S-2700 Rasterelektronenmikroskop der
Zentraleinrichtung für Elektronenmikroskopie (ZELMI) der TU-Berlin durchgeführt. Das
Gerät ist mit einem energiedispersiven Analysesystem (EDS / IDFix) der Firma SamX sowie
einem Rückstreuelektronen-Detektor (Halbleiter-Ringdetektor) ausgestattet. Die Digitale
Bildaufzeichnung erfolgte mittels des System DIPS der Firma Point Electronic.
Zur Präparation wurden die Proben auf knopfgroße Probenteller aufgeklebt und mit Gold be-
dampft, um eine Verbesserung der Leitfähigkeit und damit der Bildqualität zu erreichen.
2.7 Multivariate Statistik
Neben den grundlegenden univariaten statistischen Verfahren zur Bestimmung von Mittelwert
und Standardabweichung kamen im Zuge der Auswertung der Ergebnisse bivariate und mul-
tivariate statistische Methoden zum Einsatz. Sie dienten dazu, das Verhalten der chemischen
Elemente im Zuge des Umlagerungsprozesses von den in-situ-Kaolinen in die kaolinitischen
Tone hinein zu verdeutlichen und Elementgruppen gleichen Verhaltens zu unterscheiden.
Diese Vorgehensweise ermöglicht es, durch sachlogische Überprüfung der Analysenergebnis-
se den unterschiedlichen Einfluss der an der Tonlagerstättenbildung beteiligten Prozesse auf
spezifische Elementgruppen abzuschätzen.
Für jede Lagerstätte wurden die Daten aus der chemischen Analyse zunächst auf Probenaus-
reißer hin analysiert, um Proben entdecken zu können, die in der weiteren statistischen
Betrachtung nicht berücksichtigt werden sollten. Die anschließende statistische Analyse wur-
de mit Hilfe des Programms SPSS 12.0 durchgeführt.
2.7.1 Korrelationsanalyse
Die Korrelationsanalyse dient der Analytik der Abhängigkeit zweier Variablen einer Proben-
population (Backhaus et al. 1994). Durch Korrelationsanalysen wurde der Zusammenhang
zwischen verschiedenen chemischen Elementen einer Probenpopulation ermittelt. Sie erlaubte
es, einen ersten Eindruck darüber zu gewinnen, ob ein Zusammenhang zwischen spezifischen
Elementpaaren in den Proben besteht. Da die Probenmenge in einigen Lagerstätten gering ist,
wurde eine signifikante Korrelation zwischen zwei Variablen bei einem Korrelationskoeffi-
zienten von 0,80 angenommen. Mittels der Regressionsanalyse konnte der Zusammenhang
zwischen korrelierenden Variablen konkretisiert werden.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
56
2.7.2 Regressionsanalyse
Im Allgemeinen dient die Regressionsanalyse dazu, den Zusammenhang zwischen einer ab-
hängigen Variablen (Regressand) und einer, bzw. mehrerer unabhängiger Variablen
(Regressoren) zu erklären. Nach Backhaus et al. (1994) dient die Regressionsanalyse damit
der Überprüfung der Zusammenhänge zwischen den Variablen und kann auch dazu verwendet
werden, Werte der abhängigen Variablen abzuschätzen. Sie untersucht demnach nicht um-
kehrbare “Je-Desto-Beziehung“.
Aufgrund der Korrelation zweier chemischer Elemente wurde eine Arbeitshypothese aufge-
stellt, auf deren Grundlage die eine Variable als „abhängig“ von der unabhängigen Variable
definiert wurde. Diese „Abhängigkeit“ konnte nachfolgend mittels der Regressionsanalyse
überprüft werden. Zunächst wurden lineare Beziehungen zwischen ausgewählten chemischen
Elementen überprüft. Bei Verdacht einer nicht-linearen Beziehung wurden des Weiteren ex-
ponentielle oder logarithmische Beziehungen untersucht. Die Vorgehensweise wird in
Backhaus et al. (1994) erläutert. Mittels der Reaktionsfunktion erfolgt die mathematische Be-
schreibung des Zusammenhangs zwischen abhängiger und unabhängiger Variable. Das
Gütemaß der Regressionsanalyse ist das Bestimmtheitsmaß R². Es beschreibt die Güte der
Reaktionsfunktion. Eine Reaktionsfunktion, die ein R²=1 aufweist, erklärt die gesamte Streu-
ung der abhängigen Variable, tendiert der Wert hingegen in Richtung R²=0, so ist der Anteil
der durch die Funktion erklärten Streuung der Variable weit geringer (vgl. Backhaus et al.
1994).
Eine Regressionsanalyse mit Werten von R²>0,75 wurde in dieser Arbeit als statistisch signi-
fikant angesehen. Chemische Elemente, die solch ein Gütemaß aufweisen, wurden hiernach
eingehend sachlogisch überprüft. Zu klären ist in jedem Einzelfall, ob die Arbeitshypothese
plausibel ist.
2.7.3 Faktorenanalyse
In der Faktorenanalyse erfolgt die Gruppierung einer Vielzahl von Variablen in wenige
Faktoren. Diese Vorgehensweise dient der Datenreduktion. Sie ermöglicht es, einzelne
„Einflußfaktoren“ zu ermitteln. Sie dient somit der Entdeckung von untereinander
unabhängigen Einflussgrößen (Backhaus et al. 1994).
Die Varianz der Proben eines Datensatzes wird in der Faktorenanalyse zerlegt und einzelnen
Faktoren zugeordnet. Die Variablen des ersten Faktors sind verantwortlich für die
Hauptvarianz, die weiteren Faktoren besitzen bezogen auf die Gesamtvarianz einen
geringeren Einfluss. Innerhalb eines Faktors sind Variablen gruppiert, die ein ähnliches
Verhalten aufweisen. Diese Gemeinsamkeit der Variablen ist für jeden Faktor zu
interpretieren.
Zu Beginn der Faktorenanalyse ist eine eingehende Überprüfung der Variablenauswahl
notwendig. Als Prüfgröße dafür welche Variablen, bzw. im vorliegenden Fall welche
chemischen Elemente in die Faktorenanalyse einbezogen werden sollten, wurde das Kaiser-
Meyer-Olkin-Kriterium (MSA=measure of sampling adequacy) herangezogen. Das Kriterium
zeigt an, in welchem Maße die Ausgangsvariablen zusammengehören und ob die
Faktorenanalyse sinnvoll ist. Mit diesem Kriterium können nicht nur die Korrelationsmatrizen
sondern auch einzelne Variablen beurteilt werden. Backhaus et al. (1994) definieren nach
Kaiser & Rice (1974) MSA-Werte zwischen <0,5 (unacceptable/untragbar) und >0,9
(marvelous/erstaunlich). Die Überprüfung des Kaiser-Meyer-Olkin-Kriteriums für einzelne
Variablen führte im Zuge der Analyse zum Ausschluss solcher Variablen, die MSA-Werte
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
57
<0,5 aufweisen. Es wurden nur solche Faktorenanalysen ausgewertet, deren MSA einen Wert
>0,6 besitzt.
Nach der Auswahl der Variablen erfolgt durch die Aufstellung der standardisierten
Korrelationsmatrix die Definition der Faktoren (Backhaus et al. 1994). Da in natürlichen
Systemen davon auszugehen ist, dass nicht die gesamte Varianz der Proben durch die
wenigen extrahierten Faktoren beschrieben werden kann, muss abgeschätzt werden, welcher
Teil der Varianz durch die Faktoren erklärt wird. Nach Backhaus et al. (1994) bezeichnet man
den Teil der Gesamtvarianz als Kommunalität, der durch die gemeinsamen Faktoren erklärt
wird. Dieser wurde in der vorliegenden Arbeit durch einen iterativen Prozess abgeschätzt.
Die Zahl der Faktoren wurde mittels des Kaiser-Kriteriums ermittelt. Demnach ist die Anzahl
der Faktoren gleich den Faktoren mit Eigenwerten >1 (Backhaus et al. 1994 nach Kaiser
1970). Die Berechnung der Eigenwerte basiert auf der Summe der quadrierten
Faktorladungen eines Faktors über alle Variablen. Durch Rotation kann das Faktorenmuster
besser aufgelöst werden, was eine verbesserte Interpretation ermöglicht (Backhaus et al.
1994). In dieser Arbeit wurden alle Faktorenladungen varimax-rotiert.
Tab. 8: Beispiel einer Faktorenanalyse für die chemische Zusammensetzung von 27 Proben (Beispiel: Tonpro-
ben der Lagerstätte Wiesa)
Komponenten / n=27 / MSA=0,672
Variablen Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3 Faktor 4
Al2O3 0,912
Ga 0,870
TiO2 0,686
Nb 0,733
K2O 0,911
Ba 0,926
Rb 0,817
Sr 0,669
Cr 0,895
Ni 0,690
V 0,849
SiO2 -0,893
Hf -0,804
Zr -0,752
MgO 0,765
CaO 0,553
Mo 0,892
Ce 0,913
Nd 0,922
Fe2O3 0,941
Eigenwerte 9,900 2,905 2,311 1,634
Varianz (%) 49,502 14,524 11,554 8,170
Kum. Varianz (%) 49,502 64,025 75,579 83,750
Die Darstellung der Faktorenanalysen erfolgt in tabellarischer Form (Tab. 8). Lädt eine
Variable hoch positiv in einen Faktor, so ist sie durch diesen Faktor beeinflusst. Die
Faktorladung ist ein Hinweis auf die Bedeutung des Faktors für die Variable. Ist eine Variable
in mehreren Faktoren gleichzeitig vertreten und keine Dominanz eines Faktors zu erkennen,
so ist davon auszugehen, dass mehrere Faktoren das statistische Verhalten der Variable
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
58
beeinflussen. Laden Variablen hoch negativ in einen Faktor, bei gleichzeitig Existenz von
hoch positiv ladenden Variablen, ist zu vermuten, dass der Faktor gegensätzlich auf die
Variablen einwirkt.
Für die Faktorenanalyse wurden die Ergebnisse der chemischen Analyse der Tone eingesetzt
(Tab. 8). Die Faktorenanalyse ermöglicht es, die chemischen Elemente der Proben einer
Lagerstätte in unterschiedliche Gruppen zu ordnen. Diesen Gruppen ist ein Faktor zugeordnet.
Die Interpretation des Faktors, also des Zusammenhangs zwischen den chemischen
Elementen, muss sehr sorgfältig erfolgen. So weisen Faktoren, in denen weitgehend immobile
chemische Elemente hoch positiv laden auf stabile Mineralphasen hin. Die positive Ladung
weitgehend mobiler Elemente in gemeinsamen Faktoren beruht hingegen auf dem gleichen
chemischen Verhalten in Raum und Zeit.
2.7.4 Clusteranalyse
Die Clusteranalyse ist ein Verfahren zur Gruppenbildung. Sie fasst unterschiedliche Einzelfäl-
le zu einer Gruppe von Fällen (einem Cluster) zusammen, die sich voneinander unterscheiden.
Die Ähnlichkeit der Fälle bildet somit das Maß für die Einordnung in ein bestimmtes Cluster.
Die Clusteranalyse untersucht die Ausprägung der Merkmale zwischen verschiedenen Objek-
ten und die Ähnlichkeit sowie die Distanz zwischen den Objekten. Aufgrund der
Ähnlichkeitswerte werden Objekte mit weitgehend übereinstimmenden Eigenschaften in einer
Gruppe zusammengefasst. Die Datenausgabe erfolgt in Form eines hierarchischen
Dendrogramms, in dem die am weitesten von einander entfernt liegenden Gruppen die ge-
ringste Ähnlichkeit miteinander aufweisen (Backhaus et al. 1994). Als Distanzmaß wurde in
allen Clusteranalysen die quadrierte euklidische Distanz verwendet.
Clusteranalysen wurden in der vorliegenden Arbeit dazu verwendet, die Ähnlichkeit von Pro-
ben innerhalb einer Lagerstätte oder von Proben unterschiedlicher Lagerstätten auf Grundlage
der chemischen Zusammensetzung zu bestimmen. Die Vorgehensweise im Zuge der Cluste-
ranalyse kann Backhaus et al. (1994) entnommen werden.
2.8 Die geochemische und mineralogische Bilanzierung des Umlagerungs-
prozesses
Die chemische Bilanzierung der Tonlagerstättenbildung erfolgte auf der Basis der massebe-
zogenen Elementgehalte der chemischen Analyse. Die An- und Abreicherung der einzelnen
Elemente wurde durch Normierung der Datensätze der Tone auf die Datensätze der zugehöri-
gen Ausgangskaoline ermittelt. Das Ergebnis sind An- und Abreicherungskoeffizienten die
Werte >0 für jedes Element aufweisen. Elemente, die Werte <1 besitzen, wurden in Bezug
zum Ausgangskaolin abgereichert, Elemente mit Werten >1 wurden angereichert. Je geringer
oder höher der Wert ist, desto deutlicher wurde das spezifische Element angereichert, bzw.
abgeführt. Die Darstellung der Koeffizienten erfolgt in tabellarischer Form. Zur Analyse der
An- und Abreicherungstendenzen der chemischen Elemente wurden nach eingehender vorhe-
riger Prüfung auch diejenigen Elemente berücksichtigt, bei denen viele Werte der
Gesamtpopulation unterhalb der Nachweisgrenze liegen. Hierin befinden sich Informationen,
die Aufschluß über das Verhalten und die Bindung spezifischer Elemente geben können.
Werden solche Daten ignoriert, so gehen u.U. wichtige Informationen verloren. So beispiels-
weise in den Fällen, wo die Werte eines Elements in den Kaolinen unterhalb der
Nachweisgrenze liegen, die Werte in den Tonen jedoch erhöht sind. Schliesst man dieses E-
lement aus der Bilanzierung aus, weil für den Kaolin keine exakten Werte vorliegen, so
entsteht ein unvollständiger Eindruck der Tonmineralgenese, da faktisch eine deutliche Anrei-
cherung in den Tonen erfolgt ist, die nur nicht genau bestimmt werden kann. In einem solchen
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
59
Falle wurde für das Element in den Kaolinen ein Schätzwert eingefügt, um den Datensatz zu
vervollständigen.
Eine rechnerische Bilanzierung des in den Tonen umgesetzten Gesamtvolumens erfolgte auf
der Grundlage der Kaolinitgehalte der Proben. Über die Trockenrohdichte und den massebe-
zogenen Kaolinitgehalt der Rohstoffe ist es möglich, das Volumen an Kaolin zu berechnen,
das benötigt wird um 1 m³ kaolinitischen Ton zu bilden.
2.9 Fertigungstechnische Parameter
Die wichtigsten Industriezweige in denen kaolinitische Tone verwendet werden sind die ke-
ramische Industrie (Fein- und Grobkeramik) und die Feuerfestindustrie. Daher wurden
ausschließlich Kenngrößen untersucht, die für diese Einsatzgebiete von Bedeutung sind.
Vogt & Vogt (2003, 2004) haben die fertigungstechnischen Eigenschaften einzelner Minerale
und tonkeramischer Massen analysiert und tabellarisch zusammengefasst. Sie unterscheiden
zwischen primären und sekundären Eigenschaften der Tonrohstoffe. Zu den Primäreigen-
schaften keramischer Massen gehören die mineralogische und chemische Zusammensetzung,
die Korngrößenverteilung und die Kolloidaleigenschaften, beruhend auf Art und Menge der
Tonminerale. Sekundäreigenschaften sind fertigungstechnische Eigenschaften, die von den
Primäreigenschaften abhängig sind. Hierzu zählen das Formgebungsverhalten der Tone sowie
ihr Trocknungs-, Brenn- und Scherbenverhalten (Tab. 9).
Tab. 9: Wichtige Sekundäreigenschaften und fertigungstechnische Parameter tonkeramischer Rohstoffe
Sekundäreigenschaften tonkeramischer Massen Parameter
Formgebungsverhalten Plastizität
Viskosität
Trocknungseigenschaften Trockenbiegefestigkeit
Trockenschwindung
Brenneigenschaften Ausdehnung und Schwindung
Sintertemperatur (Feuerfestigkeit)
Brennfarbe
Eigenschaften des gebrannten Scherbens Wasseraufnahmekapazität
Scherbenfestigkeit
Das Formgebungsverhalten wurde anhand der Messung der Plastizität und der Viskosität er-
mittelt. Versuche zum Trocknungsverhalten der Proben wurden nicht durchgeführt, da im
Rahmen der Möglichkeiten kein standardisiertes Verfahren zur Verfügung stand. Die Brenn-
eigenschaften wurden über dilatometrische Messungen analysiert. Da das Scherbenverhalten
auch maßgeblich von technischen Parametern, wie beispielsweise der Brennführung und der
Brenntemperatur abhängig ist, wurde das Scherbenverhalten nicht eingehender betrachtet.
Untersuchungen der anwendungstechnischen Parameter wurden an einzelnen repräsentativen
Proben der Tone durchgeführt. Die Ergebnisse ermöglichen es, die Eigenschaften der Tone zu
vergleichen und einen Bezug zu den Entstehungsprozessen herzustellen.
2.9.1 Formgebungsverhalten
2.9.1.1 Plastizität
Bei der Herstellung von keramischen Massen ist die Plastizität, die Bildsamkeit eines Tons,
von großer Bedeutung. Tone die sich plastisch verhalten, können ohne großen Kraftaufwand
verformt werden und behalten nach der Verformung ihre Gestalt bei. Die Plastizität ist
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
60
abhängig vom Wassergehalt der Proben. Trockene Tone sind nicht plastisch verformbar.
Steigt der Wassergehalt, so nimmt die Plastizität zu, bis ein Optimum erreicht wird. Bei
weiterer Zugabe von Wasser wird die Masse immer flüssiger, und eine nicht-plastische
Suspension entsteht (Hofmann 1970a).
Eine einfache Methode zur Bestimmung der Plastizität eines Sediments oder Bodens ist die
nach Atterberg (1910). Atterberg unterscheidet die unterschiedliche Konsistenz bindiger Bö-
den nach ihrem Wassergehalt in flüssig, plastisch, fest und hart. Durch einfache Testmethoden
wird die Verformung des Bodens oder Sediments gemessen und darüber der Bereich ermittelt,
in dem sich der Rohstoff plastisch verhält. Die Analytik kann der DIN 18122 (1997) entnom-
men werden. Die Grenze von flüssig zu plastisch wird als Fließgrenze definiert. Neben der
Fließgrenze wird der Wassergehalt beim Übergang von der plastischen zur festen Konsistenz
bestimmt. Er wird als Ausrollgrenze bezeichnet. Die Differenz zwischen dem Wassergehalt
der Fließgrenze und dem Wassergehalt der Ausrollgrenze ergibt die Plastizitätszahl. Sie gibt
das Intervall der Wassergehalte an, in dem sich eine Probe plastisch verhält. Um die Plastizi-
tät der Rohstoffe zu ermitteln, wurden die Atterberg-Grenzen an Proben bestimmt, die eine
für die Lagerstätte repräsentative mineralogische und chemische Zusammensetzung besitzen.
Nach Bain (1971) geben die Atterberg-Grenzen gute Hinweise auf die Formgebungs-, die
Trocknungs- und die Festigkeitseigenschaften von keramischen Tonen und Ziegeltonen. Bain
& Stacey (1972) empfehlen daher die Anwendung der Atterberg-Grenzen Geologen zur ersten
überschlägigen Bewertung der fertigungstechnischen Eigenschaften eines Ton- oder Kaolin-
vorkommens.
Tab. 10: Atterberg-Grenzen ausgewählter Tonminerale (nach Vogt & Vogt 2004)
Tonmineral Ausrollgrenze Fließgrenze Plastizitätszahl
Masse % Masse % Masse %
Kaolinit (geordnet) 30 45 15
Kaolinit (fehlgeordnet) 20 75 55
Illit 52 111
59
Ca-Montmorillonit 50 190
142
Na-Montmorillonit 48 431
381
Das plastische Verhalten der Tonrohstoffe ist nach Vogt & Vogt (2004) maßgeblich abhängig
von der mineralogischen Zusammensetzung. Die Plastizität spezifischer Minerale in kerami-
schen Massen ist in Tabelle 10 zusammengefasst. Während Tonminerale in unterschiedlichem
Maße die Plastizität erhöhen, wirken Feldspatreste, Quarz und Glimmer in tonkeramischen
Massen plastizitätsmindernd (Vogt & Vogt 2004).
2.9.1.2 Viskosität
Die Viskosität beschreibt das Verformungsverhalten von Flüssigkeiten unter Scherbeanspru-
chung. Sie ist ein Maß für die Resistenz von Flüssigkeiten gegen Verformung, die auch als
Zähigkeit bezeichnet werden kann. In der industriellen Anwendung wird aus hochwertigen
keramischen Tonen durch Zusatz eines Verflüssigers eine dünnflüssige Suspension bei mini-
malem Wassergehalt hergestellt (Schlicker). Um dies zu gewährleisten, muss das
Viskositätsverhalten der keramischen Masse bekannt sein (Schüller 1993). Der Einsatz eines
spezifischen Verflüssigers und die Menge des Verflüssigers wird bis heute für jede kerami-
sche Masse empirisch ermittelt.
Die dynamische Viskosität einer Wasser-Feststoff-Suspension ist abhängig von den Bin-
dungskräften zwischen den Molekülen des Fluids und den Eigenschaften der Feststoffpartikel
in der Suspension sowie deren Interaktion mit dem Fluid. Die Viskosität beruht daher auf der
Art des Fluids und des Feststoffs sowie auf der Menge des im Fluid gelösten Feststoffs (Laga-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
61
ly 1988). Nach Störr (1983) werden Kaolin-Wasser-Gemische durch folgende substantiellen
Faktoren beeinflusst:
Mineralbestand und Ausbildung der Minerale (Schutzkolloide / organ. Substanzen)
Wassergehalt der Suspension
Elektolytanteil
Die dynamische Viskosität (η) wird mit Rotationsviskosimetern bestimmt. Das Messprinzip
eines Rotationsviskosimeters beruht auf dem Geschwindigkeitsgefälle eines Fluids zwischen
einer stationären und einer beweglichen Platte. Die Verschiebung erfolgt durch Einwirken
einer Kraft K (Abb. 43).
Abb. 43: Schema zur Definition der dynamischen Viskosität (η) (nach Lagaly 1988)
Aufgrund unterschiedlich starker Kohäsionskräfte bewegen sich die Fluidschichten mit zu-
nehmendem Abstand von der bewegten Platte langsamer und es entsteht ein
Geschwindigkeitsgefälle innerhalb der Flüssigkeit. Der Quotient aus dem Geschwindigkeits-
gefälle und dem Abstand von der Basisfläche wird als Schergeschwindigkeit (γ) bezeichnet.
Viskositätsmessungen werden bei laminarem Fließen der Flüssigkeit durchgeführt. In diesem
Falle ist die Schubspannung τ (Kraft K pro Fläche A) proportional zur Schergeschwindigkeit
(Lagaly 1988). Die dynamische Viskosität (η) ergibt sich dann aus dem Quotienten aus
Schubspannung und Schergeschwindigkeit:
Die Proportionalitätskonstante η (die Viskosität) wird in Pa s angegeben. Je zäher das Fluid,
desto höher sind die Scherkräfte, die benötigt werden, um die obere Fläche zu bewegen. Das
unterschiedliche Viskositätsverhalten von Wasser-Feststoff-Gemischen kann anhand von
Fließkurven beschrieben werden. Hierzu wird die Schergeschwindigkeit (γ) einer Suspension
gegen die Schubspannung (τ) aufgetragen.
Befindet sich nur wenig gelöster Feststoff in einem Wasser-Feststoff-Gemisch, so verhält sich
das Gemisch wie eine Newtonsche Flüssigkeit (Abb. 44). Die Viskosität bleibt bei unter-
schiedlichen Schergeschwindigkeiten konstant. Die Schubspannung nimmt vom Nullpunkt
ausgehend linear zu. Die Steigung der Kurve ist abhängig vom Grad der Viskosität. Gemische
mit einem erhöhten Feststoffanteil verhalten sich dagegen häufig plastisch. Sie bilden Gerüst-
strukturen aus, die erst ab einer bestimmten Schubspannung (τ0) überwunden werden.
Hiernach setzt Fließen ein. Der Punkt (τ0) wird als Fließgrenze bezeichnet (Lagaly 1988). Der
Verlauf typischer Fließkurven (Abb. 44) wurde von verschiedenen Autoren modellhaft durch
Regressionsrechnungen beschrieben. Sie sind nach den Autoren benannt (vgl. Lagaly 1988,
Meunier 2005).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
62
Abb. 44: Newtonsches und plastisches Fließen sowie modellhafte Fließkurven unterschiedlicher Bearbeiter
(nach Lagaly 1988 und Meunier 2005)
Die Bestimmung der Viskosität wurde an repräsentativen Caminauer Kaolinproben und reprä-
sentativen Proben der Tone durchgeführt. Die grobkörnigen Komponenten >63 µm wurden
aus dem Kaolin entfernt, um ihn mit dem Wetroer Ton aufgrund der identischen mineralogi-
schen Zusammensetzung direkt vergleichen zu können.
Mehrere Aliquote der Proben wurden mit unterschiedlichen prozentualen Anteilen Wasser
gemischt und einen Tag lang gerührt, um eine optimale Benetzung des Feststoffs und eine
gute Durchmischung zu gewährleisten. Verflüssiger wurde nicht zugesetzt. Um eine Verduns-
tung des Wassers zu vermeiden, wurden die Proben zusätzlich mit einer PVC-Folie luftdicht
verschlossen. Am darauffolgenden Tag wurden sie vor der Messung erneut gewogen, um ei-
nen möglichen Wasserverlust erkennen und quantifizieren zu können. Die Wasser-Ton-, bzw.
Wasser-Kaolin-Gemische wurden nachfolgend in ein Rotationsviskosimeter der Firma Haake
(RV 20 Rotovisco mit RC 20 Rheocontroller) gegeben und die Viskosität bei unterschiedli-
chen Schergeschwindigkeiten gemessen. Zur Auswertung wurde das Programm „Haake ROT
3.0“ verwendet.
2.9.2 Trocknungseigenschaften
Zu den Trocknungseigenschaften tonkeramischer Massen gehören die Trockenbiegefestigkeit
und die Trockenschwindung. Eigene Untersuchungen konnten nicht durchgeführt werden, da
kein standardisiertes Verfahren zur Verfügung stand.
Die Trockenbiegefestigkeit ist die Festigkeit eines Scherbens nach Trocknung bei Raum-
temperatur, bzw. bei einer Temperatur von 110°C. Sie steigt mit zunehmender Oberfläche
und zunehmender Kationenaustauschkapazität der keramischen Masse an. Beim Trocknen
entweicht das Wasser und die Masse schwindet, entstehende Poren werden mit Luft gefüllt. Je
mehr Feststoffvolumen im trockenen Zustand am Aufbau des Scherbens beteiligt ist, desto
mehr feste Partikel berühren sich (Hofmann 1970b). Vogt & Vogt (2004) fassen die Trocken-
biegefestigkeit einzelner Tonminerale tabellarisch zusammen (Tab. 11). Es wird deutlich, dass
strukturell gut geordneter Kaolinit die geringste Festigkeit aufweist. Eine deutlich höhere Fes-
tigkeit bewirken fehlgeordnete Kaolinite und Illite, die höchste Festigkeit erreichen
Montmorillonite (Vogt & Vogt 2004). Schüller (1980) weist darauf hin, dass die Trockenbie-
gefestigkeit auch mit dem Mineralgehalt an Mixed-Layer-Mineralen deutlich zunimmt.
Andere Silikate wie Quarz, Glimmer und Feldspat verringern die Trockenbiegefestigkeit einer
keramischen Masse, wenn sie in größeren Mengen enthalten sind (Vogt & Vogt 2004).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
63
Tab. 11: Trockenbiegefestigkeit ausgewählter Tonminerale (nach Vogt & Vogt 2004)
Tonmineral Trockenbiegefestigkeit bei Raumlagerung Trockenbiegefestigkeit bei 110°C
MPa MPa
Kaolinit (geordnet) 1,4 0,7
Kaolinit (fehlgeordnet) 2,9 6,6
Illit 6,9 14,9
Ca-Montmorillonit 16,4 31,9
Na-Montmorillonit 18,7 31,8
Die lineare Trockenschwindung einer keramischen Masse wird auf das Volumen der unge-
trockneten Masse bezogen und ist ein Maß für den Volumenverlust während des Trocknens.
Im Zuge der Trocknung wird der Masse das Anmachwasser entzogen, weshalb sich ihre Mas-
se und ihr Volumen verringert (Schmidt 1979). Die Trockenschwindung ist maßgeblich vom
Wassergehalt der keramischen Masse und damit von der Korngröße, bzw. der spezifischen
Oberfläche der Minerale und der mineralogischen Zusammensetzung abhängig (Fischer
1991). Nach Vogt & Vogt (2004) vermindern Quarz, Feldspat und Glimmer die Trocken-
schwindung, Tonminerale erhöhen sie hingegen durch ihr plastisches Verhalten (Tab. 12).
Kromer & Schüller (1973) sowie Störr & Schwerdtner (1979) gelangen zu ähnlichen Ergeb-
nissen.
Tab. 12: Lineare Trockenschwindung ausgewählter Tonminerale (nach Vogt & Vogt 2004)
Tonmineral Lineare Trockenschwindung
%
Kaolinit (geordnet) 2,6
Kaolinit (fehlgeordnet) 3,4
Illit 10,2
Ca-Montmorillonit 13,4
Na-Montmorillonit 10,4
Die Trockenschwindung und die Trockenbiegefestigkeit der kaolinitischen Tone werden qua-
litativ aus den Daten von Vogt & Vogt (2004) abgeleitet. Zusätzlich kann die
Trockenschwindung aus dem Diagramm nach Bain (1971) auf Grundlage der Atterberg-
Grenzen abgeschätzt werden.
2.9.3 Brenneigenschaften
Im Zuge des Brennvorgangs beginnen die in der keramischen Masse enthaltenen Minerale zu
sintern. Es erfolgt die Um- und Neubildung von Mineralen in Abhängigkeit von der Brenn-
führung, der Brenntemperatur, der Brennatmosphäre sowie der granulometrischen und
mineralogischen Zusammensetzung der keramischen Masse (Schmidt 1981b). Einige der auf-
tretenden Umwandlungen und Neubildungen sind Folgende (Schmidt 1981a, b):
Freisetzung des physikalisch gebundenen Wassers (Vogt & Vogt 2004)
Oxidation brennbarer organischer Bestandteile
Abspaltung chemisch gebundenen Wassers
Quarzausdehnung und Quarzsprung im Zuge der Aufheizung
Pyritzersetzung und Sulfatbildung
Sinterung
Mineralneubildung
Bildung der Glasphase
Farbbildung
Entstehung ausblühfähiger Bestandteile
Eine weit verbreitete Methode, das Verhalten einer tonkeramischen Masse während des
Brennvorgangs zu analysieren, ist die Dilatometrie. Mit Hilfe der Dilatometrie wird das Aus-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
64
dehnungs- und Schwindungsverhalten einer Probe bei zunehmender Temperatur unter-
sucht. Es ist abhängig von Entwässerungsreaktionen, Phasenübergängen,
Zersetzungsreaktionen und Sinterprozessen. Die Brennschwindung spezifischer Tonminerale
tonkeramischer Massen wurde von Hatzl & Gehlken (2001) zusammengefasst (Tab. 13). Im
Falle keramischer Massen gibt die Dilatometrie Aufschluß über wichtige Brenneigenschaften,
wie beispielsweise die Schwindung des Materials und die optimalen Brenntemperaturen. In
der industriellen Anwendung können durch dieses Verfahren schon geringe mineralogische
Abweichungen von Standardmischungen erkannt werden (Blumm 2000).
Tab. 13: Lineare Brennschwindung ausgewählter Tonminerale (nach Hatzl & Gehlken 2001)
Tonmineral Lineare Brennschwindung
%
Kaolinit 2-17
Kaolinit (fehlgeordnet) 2-17
Illit 9-15
Glimmer erhöht (>20)
Montmorillonit 20
Zur Überprüfung des Brennverhaltens von kaolinitischen Tonen mit einer unterschiedlichen
Korngrößenverteilung und mineralogischen Zusammensetzung, wurden repräsentative Proben
aus den Lagerstätten Guttau, Wetro und Roßbach analysiert. Die Auswertung der Analysen
erfolgt in Form von Diagrammen, in denen die Temperatur gegen die relative Längenände-
rung aufgetragen ist. Zusätzlich wurde das Dehnungs-Schwindungsverhalten der
Korngrößenfraktion <2 µm einer Probe des Unteren Wetroer Tons untersucht, um den Korn-
größeneffekt auf die Analysemethode abschätzen zu können.
Zur Vorbereitung der Proben für die dilatometrische Analyse wurde 0,8 g getrocknetes Pro-
benpulver in einer hydraulischen Presse mit einer Kraft von 20 KN eine Minute lang belastet.
Das hierbei entstehende 2-3 cm lange Stäbchen wurde nachfolgend in die Probenhalterung
des Rohrofens eines Netsch-Dilatometers (420 E) eingespannt. Es ist über einen Fühlstempel
mit einem induktiven Wegaufnehmersystem verbunden, das die Ausdehnungsänderungen
registriert, in ein elektrisches Signal umwandelt und an einen Computer weiterleitet. Die Län-
genänderung der Proben wurde in einem Temperaturbereich zwischen der Raumtemperatur
(20°C) und 1250°C mit einer Heizrate von 10 K/min gemessen.
Die Brennfarbe eines Tons wird durch die Glasphase, kristalline Phasen oder durch das Ein-
wirken beider Phasen erzeugt (Maggetti & Radczewski 1975). Sie ist nicht nur von der
mineralogischen Zusammensetzung, sondern auch von der Brennführung und der Brennatmo-
sphäre abhängig. Im Allgemeinen führen erhöhte Fe-Gehalte in Tonen zu einer roten Färbung.
Sie wird durch Oxidation des Fe während des Glühens hervorgerufen, wodurch das Mineral
Hämatit entsteht (Maggetti & Radczewski 1975, Schmidt 1981b). Zudem ist zu beachten, dass
Illite, Mixed-Layer-Minerale und Smektite Fe bereits bei Temperaturen >800°C freisetzen,
wodurch Hämatit entstehen kann (Lorenz & Gwosdz 1997). Eine rote Brennfarbe können
daher auch Tone aufweisen, die keine freien Fe-Phasen enthalten (Schmidt 1981b). Ist die
Konzentration an Ti in der keramischen Masse um einiges höher als die des Fe, so führt dies
zu einer eher gelblichen Färbung. Helle, weiße und creme-farbene Brennfarben entstehen,
wenn die keramische Masse sehr geringe Fe- und Ti-Gehalte aufweist. Da kein standardisier-
tes Verfahren zum Brennen der Tone zur Verfügung stand, wurde die Brennfarbe der Tone
anhand bei 1000°C gebrannter Proben bestimmt.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
65
3 Chemische und mineralogische Zusammensetzung der Ausgangsgestei-
ne und der kaolinitischen Verwitterungskruste im Untersuchungsgebiet
Ausgangsgesteine der Kaolinisierung in Sachsen und Sachsen–Anhalt sind überwiegend Gra-
nodiorite, Grauwacken, Buntsandsteine und Arkosen sowie saure bis intermediäre Vulkanite
und Schiefer. Auf eine Darstellung der Zusammensetzung der Verwitterungskruste der Vul-
kanite und Schiefer wird im Folgenden weitgehend verzichtet, da die Rekonstruktion der
tertiären Paläoflusssysteme (Buchwald 1971, Eissmann 1975) darauf hinweist, dass Verwitte-
rungsdetritus dieser Gesteine nicht an der Genese der in dieser Arbeit analysierten
kaolinitischen Tone beteiligt ist.
Die Untersuchung der kaolinitischen Verwitterungskruste über Lausitzer Granodioriten er-
folgte in den Lagerstätten Caminau und Wiesa. Lausitzer Grauwacken-Kaoline konnten nicht
beprobt werden, weshalb es notwendig war, für die Darstellung des Grauwacken-Kaolins auf
die Analysen von Krumb (1998) aus der Kaolinlagerstätte Cunnersdorf zurückzugreifen. Im
südlichen Sachsen-Anhalt ist der Thüringer Buntsandstein das wichtigste Ausgangsgestein der
Kaolinisierung. Eine Beprobung der kaolinitischen Verwitterungskruste über Thüringer Bunt-
sandstein erfolgte in der Kaolinlagerstätte Spergau. Ausgangsgesteine wurden nicht beprobt,
weshalb zur Charakterisierung der Gesteine auf Literaturdaten zurückgegriffen wird.
3.1 Lausitzer Grauwacken und Grauwacken-Kaoline
3.1.1 Lausitzer Grauwacken
Die Lausitzer Grauwackenserie entstammt Liefergebieten, die durch granitische, kontaktme-
tamorphe und regionalmetamorphe Gesteine geprägt waren. (Brause 1991). Die Grauwacken
sind monoton zusammengesetzt und sehr feinkörnig. In weiten Bereichen sind sie exakter als
Grauwackenschiefer zu bezeichnen. Ihr Lithoklasteninhalt ist variabel, er kann aber nicht zu
einer weiteren Unterteilung herangezogen werden (Kemnitz & Budzinski 1991).
Die Grauwacken sind in der Regel kontaktmetamorph überprägt und dies nicht nur am Kon-
takt zu den Granodioriten. Krumb (1998) untersuchte solche kontaktmetamorph überprägten
Grauwacken aus dem Steinbruch Butterberg nahe Cunnersdorf bei Kamenz. Er rechnet die
dortigen Grauwacken nach Kemnitz und Budzinski (1991) zu den fein- bis grobschluffigen
Lithotypen.
Tab. 14: Mineralogischer Modalbestand der Hauptlithotypen der Lausitzer Grauwackenserie im Aufschluss
Butterberg (Krumb 1998)
Schluffstein
(tonig)
Tonstein
(schluffig)
Glimmer (Matrix) % 40 60
Quarz % 40 25
Plagioklas % 10 -
Kalifeldspat % 2 -
Biotit & Chlorit % 5 10
Opake Minerale % 2 4
Akzessorien % 1 1
Die Grauwacken bestehen nach Krumb (1998) mineralogisch aus Muskovit, Quarz, Feldspat
und kontaktmetamorph neugebildeten Biotiten. Sie enthalten jedoch keine Gesteinsbruchstü-
cke. Als Akzessorien treten Turmalin, Zirkon, Apatit und Rutil auf. Der Biotit ist teilweise
chloritisiert. Krumb (1998) unterscheidet zwei Lithotypen nach ihrer faziellen Ausbildung
und mineralogisch-chemischen Zusammensetzung (Tab. 15). Die tonigen Sequenzen weisen
erhöhte Gehalte an Phyllosilikaten auf. Sie sind aus diesem Grunde reicher an den Elementen
TiO2, Al2O3, MgO und K2O. Die schluffigen Lithotypen enthalten hingegen mehr Quarz und
Plagioklas und somit mehr SiO2 und Na2O (Tab. 15).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
66
Tab. 15: Chemische Zusammensetzung der Cunnersdorfer Grauwacken (Daten nach Krumb 1998).
Proben Cu 4 -15 Cu 4-8 Cu 4-6 Mittelwert (Std. Abw.)
(tonig) (schluffig) (schluffig)
SiO2 % 58,5 66,8 69,0 64,7 (5,6)
Al2O3 % 19,3 15,0 13,7 16,0 (2,9)
TiO2 % 0,8 0,6 0,6 0,7 (0,2)
Fe2O3 % 7,5 4,9 5,4 6,0 (1,4)
MgO % 3,1 1,8 1,8 2,2 (0,8)
Na2O % 1,7 3,3 2,4 2,5 (0,8)
CaO % 1,0 1,5 0,6 1,0 (0,4)
K2O % 5,0 3,0 2,8 3,6 (1,2)
P2O5 % 0,2 0,2 0,2 0,2 (0,0)
As ppm 23 16 16 18 (4)
Ba ppm 744 610 485 613 (130)
Ce ppm 99 74 8 60 (47)
Co ppm 26 33 28 29 (4)
Cr ppm 88 59 60 69 (17)
Cu ppm 36 22 32 30 (7)
Ga ppm 31 18 22 24 (7)
Hf ppm 5 4 5 5 (1)
La ppm 57 26 21 35 (20)
Nb ppm 15 13 12 13 (2)
Nd ppm 41 20 16 26 (13)
Ni ppm 49 32 29 37 (11)
Pb ppm 31 21 17 23 (7)
Rb ppm 182 119 122 141 (36)
Sc ppm 16 3 4 8 (7)
Sm ppm 7 5 4 5 (2)
Sr ppm 134 235 99 156 (71)
Th ppm 13 9 11 11 (2)
U ppm 8 6 1 5 (4)
V ppm 134 73 61 89 (39)
Y ppm 30 25 18 24 (6)
Zn ppm 133 72 86 97 (32)
Zr ppm 164 154 157 158 (5)
L.O.I. % 2,6 1,1 2,7 2,1 (0,9)
Tabelle 15 verdeutlicht, dass die Spurenelemente mit Ausnahme von Sr und Zr deutlich im
tonigen Lithotyp angereichert sind.
3.1.2 Lausitzer Grauwacken-Kaolin
Kaolinisierte Lausitzer Grauwacken treten sowohl im Bereich Radeberg-Kamenz, als auch
weiter östlich im Bereich Weissenberg auf (vgl. Abb. 13). Da keine frischen Kaoline beprobt
wurden erfolgt die Charakterisierung der Lausitzer Grauwacken-Kaoline anhand der Arbeiten
von Lasch (1969, 1970), Schellenberg & Kleeberg (1997) und Krumb (1998).
Grauwacken-Kaoline befinden sich u.a. in der Kaolinlagerstätte Cunnersdorf (Abb. 12). Sie
liegt ca. 4 km nordwestlich der Stadt Kamenz. Hier lagert ein ca. 40 m mächtiger in-situ-
Kaolin über einer schwach metamorph überprägten Lausitzer Grauwacke. Er wird von einer
geringmächtigen pleistozänen Deckschicht überdeckt (Schellenberg & Kleeberg 1997). Die
Lagerstätte wird von der Stephan Schmidt Wiesa GmbH betrieben.
Der Grauwacken-Kaolin dieser Lagerstätte wurde von Krumb (1998) beprobt. Demnach be-
sitzt der Kaolin eine sehr variable Korngrößenzusammensetzung, die auf die unterschiedliche
Lithofazies der Lausitzer Grauwacken zurückzuführen ist. Krumb (1998) unterscheidet in den
Kaolinen tonige und schluffige Partien. Schellenberg & Kleeberg (1997) beschreiben den
Kaolin von Cunnersdorf als tonigen Schluff mit stark wechselnden Sandanteilen (Tab. 16).
Tab. 16: Korngrößenzusammensetzung der Cunnersdorfer Grauwacken-Kaoline (Schellenberg & Kleeberg 1997)
Fraktion Grauwacken-Kaolin
>63 µm %27
2-63 µm %53
<2 µm %20
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
67
Der Grauwacken-Kaolin besteht aus den Mineralen Quarz, Kaolinit, Illit/Muskovit sowie
Goethit. Quarz dominiert die mineralogische Zusammensetzung mit Gehalten von bis zu 50
%. Je nach Lithologie des Ausgangsgesteins kann die Zusammensetzung aber deutlich variie-
ren (Tab. 17). Die tonige Fazies enthält nach Krumb (1998) erhöhte Gehalte an Illit, hingegen
ist die schluffige Fazies an Quarz und Kaolinit angereichert. Der teilweise sehr hohe Illit-
Gehalt erklärt die ungewöhnlich hohen K2O- und MgO-Konzentrationen des Kaolins. Die
feineren Korngrößen enthalten deutlich mehr Tonminerale, jedoch ist der Quarzanteil in der
Schlufffraktion immer noch recht hoch (Lasch 1969), weshalb die Grauwacken-Kaoline oft-
mals unwirtschaftlich sind, da eine effektive Trennung von Quarz und Tonmineralen nahezu
unmöglich ist. Anatas ist zu ca. 1 % in den Kaolinen enthalten (Störr 1983).
Tab. 17: Mineralogische Zusammensetzung des Grauwacken-Kaolins nach Krumb (1998)
Probe -- tonige Fazies schluffige Fazies Mittelwert
Kaolinit % 24 30
27
Illit/Muskovit % 40,5 19 30
Quarz % 34,9 48,4 41
Goethit % 0,6 2,6 2
Die Analyse der chemischen Elemente ergibt nach Krumb (1998) aufgrund der unterschiedli-
chen Lithofazies des Ausgangsgesteins eine hohe Streubreite der Werte. Zur Ermittlung der
chemischen Durchschnittsgehalte wurden in dieser Arbeit nur die Werte solcher Proben nach
Krumb (1998) verwendet, die eine Trockenrohdichte <1,6 g/cm³ aufweisen (Tab. 18). Damit
ist gesichert, dass es sich um intensiv kaolinisierte Proben handelt.
Tab. 18: Chemische Zusammensetzung (XRF) der Gesamtproben des Cunnersdorfer Kaolins (Daten nach
Krumb 1998/ Proben der Rohdichte <1,6 / n=25)
Mittelwert (Std. Abw.)
SiO2 % 65,6 (5,4)
Al2O3% 17,0 (3,9)
TiO2 % 0,7 (0,1)
Fe2O3% 5,9 (1,2)
MgO % 0,6 (0,3)
Na2O% 0,1 (0,1)
CaO % 0,1 (0,1)
K2O % 2,3 (1,2)
P2O5 % 0,2 (0,1)
Ba ppm 574 (221)
Ce ppm 122 (39)
Co ppm 29 (17)
Cr ppm 80 (41)
Ga ppm 22 (6)
Hf ppm 6 (1)
La ppm 149 (66)
Nb ppm 13 (2)
Nd ppm 82 (41)
Ni ppm 37 (16)
Pb ppm 26 (18)
Pr ppm 26 (11)
Rb ppm 124 (83)
Sc ppm 17 (5)
Sr ppm 46 (19)
Th ppm 16 (3)
U ppm 8 (3)
V ppm 97 (32)
Y ppm 46 (38)
Zn ppm 84 (47)
Zr ppm 230 (55)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
68
Nach Krumb (1998) führte der Verwitterungsprozess zu einer relativen Anreicherung der Sel-
tenen-Erden-Elemente (Tab. 18). Das gleiche Verhalten weisen die Buntmetalle Pb und Zn
auf. Der Kaolinisierungsprozess führte zudem zu einer Abfuhr der Alkalien und Erdalkalien
aufgrund der Verwitterung der Feldspäte. Eine etwas geringere Abfuhr ermittelte Krumb
(1998) für solche Elemente, die verstärkt an Glimmer und Kaolinit gebunden sind, so z.B. Al,
Ti, Ga und Nb.
Die heutige Ausbildung des Cunnersdorfer Grauwacken-Kaolins ist auf zwei genetische Pro-
zesse zurückzuführen. In einem ersten Schritt fand die Kaolinisierung und die Bildung der
Tonminerale bei Wassersättigung unter reduzierenden Bedingungen statt. Eine nachfolgende
Oxidation durch Zutritt von Luftsauerstoff führte zur Fixierung der Restgehalte Fe und Mn im
Kaolin (Krumb 1998). Der vollständige Datensatz kann Anhang 6 entnommen werden.
3.2 Lausitzer Granodiorit und Granodiorit-Kaoline
3.2.1 Lausitzer Granodiorit
Mit einem Flächenanteil von ca. 60 % ist der Lausitzer Granodiorit das am weitesten verbrei-
tete Gestein des Lausitzer Granodioritmassivs. Es ist das wichtigste Ausgangsgestein der
Kaolinisierung in der Lausitz, weil es weit weniger verwitterungsbeständig als der Lausitzer
Zweiglimmergranit ist (Möbus 1956). Daher besitzt der Granodiorit als Quelle des Verwitte-
rungsdetritus der Lausitzer Tone eine herausragende Bedeutung.
Der Lausitzer Granodiorit ist nach Möbus (1956) und Krumb (1998) mittelkörnig ausgebildet.
Er besteht aus Plagioklas, Kalifeldspat, Biotit und Quarz. Akzessorisch treten Apatit, Zirkon,
Illit/Muskovit, Titanit, Rutil, Anatas sowie Magnetkies und Pyrit auf (Tab. 19).
Die Ausscheidungsreihenfolge der Minerale endete nicht mit Quarz sondern mit Kalifeldspat,
weshalb dieser unregelmäßig begrenzt ist und die Zwickel füllt. Im Übergangsbereich zum
Zweiglimmergranit besitzt der Lausitzer Granodiorit meist erhöhte Gehalte an Muskovit
(Möbus 1956). Hauptgemengteil des Gesteins ist ein Oligoklas-Andesin, der zahlreiche
Verzwillingungen und einen guten Zonarbau aufweist. Der Gehalt an Kalifeldspat (hier
Mikroklin) variiert deutlich (Störr 1983), wobei im Allgemeinen Biotit, Quarz und Kalifeld-
spat in etwa gleicher Häufigkeit auftreten (Pietzsch 1962). Die Schwankungen in der
Zusammensetzung sind Tabelle 19 zu entnehmen.
Tab. 19: Modalbestand des Lausitzer Granodiorits im Westen der Lausitz nach unterschiedlichen Autoren.
Art des Granodiorits Quarz Kalifeldspat Plagioklas Biotit Akzessorien
% % % % %
Westlausitz
(Tischendorf et al. 1987)
27-31 11-20 35-44 8-17 Apatit,Zirkon,
Muskovit, Titanit
Westlausitz (Caminau)
(Buchwald 1967)
21 15 40 24 nicht bestimmt
Westlausitz
(Pietzsch 1962)
17,5-23 11,5-16,5 38-41 25-30 nicht bestimmt
Lausitz
(Möbus 1956)
31 16 36 17 Apatit, Zirkon,
Magnetkies, Pyrit
Westlausitz
(Störr 1983)
25-35 5-25 35-50 10-20 Illit, Glimmer
Lausitz
Schellenberg & Kleeberg (1997)
20-25 15-25 ca. 40 5-20 Rutil, Anatas,
Zirkon
Im Bereich um Kamenz befindet sich ein mehrere km breiter Streifen, der sich nach Osten hin
fortsetzt, in dem der Granodiorit grobkörnig ausgebildet ist (Möbus 1956). Krumb (1998)
beschreibt die Ausbildung des Granodiorits in diesem Bereich nach Pietzsch (1962) als einen
bunten Wechsel der Struktur. Besonders häufig sind demnach große Kalifeldspäte, die sich zu
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
69
größeren xenomorphen Ansammlungen zusammenschließen. Des Weiteren ist der Anteil an
Quarz und Kalifeldspat auf Kosten des Anteils an Plagioklas erhöht.
In Tabelle 20 ist die durchschnittliche chemische Zusammensetzung des Lausitzer Granodio-
rits nach Daten von Krumb (1998) zusammengefasst. Es wurden drei Proben des
Ausgangsgesteins der Lagerstätte Caminau ausgewählt, die nur eine sehr geringe Verwitte-
rungsintensität besitzen und daher eine Trockenrohdichte >2,3 g/cm³ aufweisen. Die SiO2-
und K2O-Gehalte der Lausitzer Granodiorite nach Krumb (1998) sind gegenüber älteren Da-
ten von Möbus (1956) und Pietzsch (1962) leicht erhöht, die von TiO2, Fe2O3, MgO und CaO
sind hingegen geringer. Innerhalb des Granodiorits liegen nach Pietzsch (1962) zudem Berei-
che vor, in denen Hornfelse zu finden sind. Sie werden von ihm als Reste Lausitzer
Grauwacken gedeutet.
Tab. 20: Chemische Zusammensetzung (XRF) des Lausitzer Granodiorits in der Lagerstätte Caminau (nach
Krumb 1998)
Proben Ca 2-5 Ca 2-7 Ca 2-2 Mittelwert (Std. Abw.)
SiO2 % 71,4 71,5 74,2 72,4 (1,6)
Al2O3 % 14,8 14,8 14,5 14,7 (0,2)
TiO2 % 0,4 0,4 0,4 0,4 (0,0)
Fe2O3 % 2,4 2,6 1,7 2,2 (0,5)
MgO % 0,6 0,6 0,5 0,6 (0,1)
Na2O % 3,4 3,4 3,6 3,5 (0,1)
CaO % 0,7 0,7 0,3 0,5 (0,3)
K2O % 6,2 4,1 2,8 4,3 (1,7)
P2O5 % 0,1 0,1 0,0 0,1 (0,1)
Ba ppm 945 592 248 595 (349)
Ce ppm 40 33 33 35 (4)
Co ppm 60 86 73 73 (13)
Cr ppm 16 16 11 14 (3)
Ga ppm 21 22 21 21 (1)
Hf ppm 5 5 5 5
La ppm 35 27 44 35 (9)
Nb ppm 8 9 10 9 (1)
Nd ppm 25 26 39 30 (8)
Ni ppm 8 6 11 8 (3)
Rb ppm 180 178 121 160 (34)
Sc ppm 15 15 12 14 (2)
Sr ppm 101 93 73 89 (14)
Th ppm 19 20 19 19 (1)
U ppm 14 10 10 11 (2)
V ppm 28 29 26 28 (2)
Y ppm 30 33 53 39 (13)
Zn ppm 34 32 16 27 (10)
Zr ppm 151 162 150 154 (7)
L.O.I. % 1,4 1,4 2,2 1,7 (0,5)
Lausitzer Granodiorit-Kaoline wurden im Zuge der Arbeit in den Lagerstätten Caminau und
Wiesa beprobt.
3.2.2 Caminauer Granodiorit-Kaolin
Die Lagerstätte Caminau war die größte und bedeutendste Kaolinlagerstätte der DDR. Sie
liegt am Nordrand des Lausitzer Granodioritmassivs, ca. 1,5 km nördlich von Königswartha,
in der Nähe der Innerlausitzer Hauptverwerfung (vgl. Abb. 15). Sie befindet sich in einer tek-
tonischen Hochlage des Lausitzer Granodiorits und ist von Erosionsrinnen umgeben, die mit
tertiären und pleistozänen klastischen Sedimenten gefüllt sind (vgl. Abb. 19). Der Kaolin wird
von pleistozänen Deckschichten überdeckt, die ihn vor Erosion schützten (Störr 1983).
Die Lagerstätte wird zurzeit von der Caminauer Kaolinwerke GmbH betrieben. Der Kaolin
wird vorwiegend als Füllstoff in der Papierindustrie sowie als Streichkaolin zur Beschichtung
von hochwertigem Papier eingesetzt.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
70
Die Caminauer Kaoline weisen nach Störr (1975 und 1983) eine deutliche vertikale Zonie-
rung auf. Eine grünliche, dreischichtsilikatreiche, bis 20 m mächtige Zone markiert den
Übergang vom Ausgangsgestein zum Kaolin. Darüber folgt eine 15 bis 35 m mächtige Zone
hellen Kaolins, die dreischichtsilikatärmer ist und überwiegend aus Kaolinit besteht. Die ma-
ximale Mächtigkeit des Kaolins beträgt nach Lasch (1969) 45 m. Neben Kaolin enthält die
Lagerstätte Gangscharen von verwitterten Lamprophyren und einen bis 30 m mächtigen N-S
streichenden Quarzgang (Störr 1983).
Innerhalb der Lagerstätte wurden einem ca. 15 m mächtigen Kaolinprofil in frisch aufge-
schlossenen Bereichen 26 Kaolinproben entnommen. Ein horizontaler Versatz innerhalb des
Profils konnte nicht vermieden werden, da die Probenahme an fünf Stößen stattfand. Im Han-
genden sind lokal oberflächennahe Oxidationserscheinungen aufgrund der leichten
Rotfärbung des Kaolins zu erkennen. Für den unteren Bereich des Profils ist eine geringe
grünliche Verfärbung charakteristisch. Die Probenahme erfolgte, sofern möglich, in einem
vertikalen Abstand von jeweils 0,5 m.
Makroskopisch besteht der Kaolin von Caminau aus einer plastischen, tonigen weißen
Grundmasse mit einem hohen Anteil grobkörniger Quarze und braunen Sideritkonkretionen.
Das Ergebnis der granulometrischen Analyse der Kaoline ist in Tabelle 21 dargestellt. Die
prozentuale Standardabweichung der einzelnen Korngrößenfraktionen ist mit 11-24 % recht
hoch.
Tab. 21: Korngrößenverteilung der Kaolinproben von Caminau (n=26)
Fraktion Mittelwert (Std. Abw.)
>63 µm %46,5 (5,2)
20-63 µm %6,7 (1,6)
6,3-20 µm %10,9 (1,8)
2-6,3 µm %18,9 (2,5)
<2 µm %17,0 (4)
Das Korngrößenmaximum liegt in der Fraktion >63 µm, die einen Anteil von ca. 50 % an der
Gesamtzusammensetzung der Proben besitzt, die übrigen Korngrößenfraktionen besitzen le-
diglich einen Anteil von 5 bis 20 %. Vergleicht man die vorliegenden Analysen mit denen
von Störr (1975), so sind die Gehalte der Fraktionen <6,3 µm leicht erhöht, diejenigen der
Fraktionen zwischen 6,3 µm und 63 µm hingegen etwas geringer.
In Tabelle 22 ist die chemische Zusammensetzung der Caminauer Kaoline zusammengefasst.
Sie zeigt, dass bis auf SiO2, Fe2O3, TiO2, Nb, Y und Zr alle analysierten chemischen Kompo-
nenten in der Korngrößenfraktion <2 µm angereichert sind. Eine bevorzugte Bindung der
Spurenelemente an Tonminerale ist daraus abzuleiten. Eine Ausnahme bilden Nb und Zr, die
leicht erhöhte Werte in der Gesamtprobe aufweisen.
Die Hauptelemente weisen eine hohe Streubreite auf. Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit
auf Inhomogenitäten in der mineralogischen Zusammensetzung des Ausgangsgesteins zu-
rückzuführen, im Wesentlichen auf die unterschiedlichen Gehalte an Feldspat. Dies gilt
gleichermaßen für einen Großteil der Spurenelemente.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
71
Tab. 22: Chemische Zusammensetzung (XRF) der Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm von Cami-
nau (n=26 / b.d.l. = unterhalb der Nachweisgrenze)
Kaolin Caminau
Gesamtprobe Fraktion <2µm
Mittelwert (Std. Abw.) Mittelwert (Std. Abw.)
SiO2 % 65,9 (4,4) 43,6 (0,9)
Al2O3 % 21,1 (2,2) 34,1 (0,9)
Fe2O3 % 2,7 (2,6) 2,6 (1,1)
MgO % 0,2 (0,1) 0,5 (0,1)
CaO % <0,1 0,2 (0,0)
Na2O % <0,2 0,7 (0,3)
K2O % 0,9 (0,3) 2,0 (0,6)
TiO2 % 0,4 (0,2) 0,1 (0,1)
P2O5 % <0,05 0,7 (0,3)
As ppm b.d.l. b.d.l.
Ba ppm 75 140 (53)
Bi ppm b.d.l. b.d.l.
Ce ppm <40 <40
Co ppm b.d.l. <20
Cr ppm <20 40 (9)
Ga ppm 25 (4) 45 (4)
Hf ppm <6 <6
La ppm b.d.l. b.d.l.
Nb ppm 10 (3) <6
Nd ppm <15 <15
Ni ppm <20 <20
Pb ppm <20 <20
Rb ppm 61 (17) 118 (34)
Sc ppm <15 <15
Sm ppm <6 <6
Sr ppm b.d.l. <10
Th ppm <20 41 (17)
V ppm 34 (12) 56 (20)
Y ppm 38 (9) 20 (8)
Zn ppm <20 <20
Zr ppm 169 (61) <50
L.O.I. % 8,8 (1,2) 13,4 (0,7)
Die mineralogische Zusammensetzung der Kaoline von Caminau wurde aus Röntgendiffrak-
togrammen ermittelt und aus der chemischen Analyse berechnet. Die beiden angewendeten
Verfahren führen zu ähnliche Ergebnisse (Tab. 23). Die Kaoline bestehen aus Kaolinit, Il-
lit/Muskovit und Quarz mit stark wechselnden Gehalten an Siderit (<1-19,5 %). In einigen
Proben konnten stark zersetzte Feldspatreste nachgewiesen werden. Als Akzessorien treten
Anatas und weitere Schwerminerale wie Zirkon und SEE-Phosphate auf. Die prozentuale Zu-
sammensetzung der Kaoline entspricht weitgehend der Analyse von Krumb (1998).
Tab. 23: Mineralogische Zusammensetzung des Caminauer Kaolins (n=26 / Siderit n=24)
Kaolin Caminau
Gesamtprobe Fraktion <2 µm
berechnet (XRF) gemessen (XRD) berechnet (XRF) gemessen (XRD)
Kaolinit % 47,1 (5,5) 46,2 (9) 75,5 (7,4) 71,4 (7,8)
Illit/Muskovit % 9,4 (2,7) 10,3 (3,8) 24,5 (7,4) 28,6 (7,8)
Quarz % 39,5 (6,2) 40,7 (9,7) <2 -
Siderit % ca. 2,0 ca. 2,0 <2 -
Anatas % <1 - <1 -
Feldspat % <2 - - -
Ein verringerter Fe- und damit Sideritgehalt ist in den oberen Bereichen des Profils, vergli-
chen mit den tieferen Zonen, festzustellen. Dies könnte auf eine zunehmende Oxidation
oberflächennaher Bereiche hinweisen. Eine leichte Braunfärbung als Hinweis auf eine Fe-
Oxidation bestärkt diese Vermutung. Auch Störr (1983) berichtet von bräunlich-gelben Ver-
färbungen innerhalb der oberen Partien des Caminauer Profils. Krumb (1998) beschreibt, dass
Siderit in intensiv kaolinisierten Proben der Trockenrohdichte <1,5 g/cm³ nicht mehr nach-
weisbar ist. Mit abnehmender Korngröße nimmt der Gehalt an Tonmineralen zu. Kaolinit
dominiert die Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm mit einem Anteil von ca. 75
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
72
% (Tab. 23). Der Gehalt an Illit nimmt zu, die Gehalte der Minerale Quarz und Siderit hinge-
gen verringern sich und liegen nahe der Nachweisgrenze, weshalb die Berechnung dieser
Minerale aus der chemischen Analyse nur eine unpräzise Näherung darstellt (Tab. 23). Buch-
wald (1967) berichtet über geringe Mengen eines Smektits in den Proben von Caminau,
Krumb (1998) beschreibt Smektite als eine erste Zwischenstufe der Verwitterung von Plagi-
oklas zu Kaolinit. Es ist davon auszugehen, dass der Kaolin in den tieferen Partien
möglicherweise geringe Smektitgehalte aufweist.
Nach Störr (1975) enthalten die Kaoline von Caminau einen Anteil von ca. 0,1 % Kohlen-
stoff. Der Kohlenstoffgehalt der in dieser Arbeit untersuchten beiden Caminauer Proben weist
mit 0,07 und 0,08 % ähnliche Werte auf. In der Fraktion <2 µm nimmt der Gehalt auf ca. 0,2
% zu. Die analysierten Proben enthalten Siderit in einer Größenordnung <2 %. Der Kohlen-
stoffgehalt ist damit auf den Siderit und in der Fraktion <2 µm möglicherweise auch auf
feinverteilte organische Substanzen zurückzuführen.
Die Korngrößenfraktion >63 µm des Kaolins besteht überwiegend aus Quarz und Siderit, in
der Schlufffraktion sind diese Minerale fast nicht mehr vorhanden (vgl. Störr 1975 und 1983).
Der Siderit bildet bis zu mehrere Millimeter große rundliche, teilweise radialstrahlige Konkre-
tionen (Abb. 45). Er ist partiell zu Goethit oxidiert, weshalb er eine bräunliche Farbe besitzt.
Eine Paragenese des Siderits mit Pyrit, wie in Kaolinen des Halleschen Porphyrs zu beobach-
ten (Schmitz & Germann 2001), liegt in der Lagerstätte Caminau nicht vor.
Die Abbildungen 46 und 47 zeigen das Innere zweier Sideritkonkretionen aus dem Kaolin von
Caminau. Sie enthalten neben Siderit Bruchstücke von Quarz und Kaolinit. In Abbildung 46
ist zu erkennen, dass Siderit einen fächerförmigen oder vermiformen (booklet-type) Kaolinit
entlang der Zwischenräume einzelner Blättchen verkittet. Siderit dringt zudem in kleine Spal-
ten und Risse der Quarze ein und verkittet die Bruchstücke ebenfalls miteinander (Abb. 47).
Störr (1983) beschreibt die Bildung eines pseudomorphen grobkörnigen Kaolinits aus Biotit.
Möglicherweise wird das freigesetzte Fe des Biotits bei diesem Vorgang nicht vollständig
abgeführt, sondern es verbleibt in der Porenlösung und bildet bei entsprechenden Eh/pH-
Bedingungen unter Zufuhr von CO2 Siderit, der in die Zwischenräume vermiformer Kaolinite
eindringen kann. Die Befunde weisen darauf hin, dass das Sideritwachstum im Anschluss an
die Kaolinisierung erfolgte, da Siderit sowohl Quarz als auch Kaolinit verkittet.
Abb. 45: Teilweise oxidierte Sideritkonkretion mit Quarzbruchstücken aus dem Kaolin von Caminau (Lange
Bildkante 3 mm/ gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
73
Abb. 46: Siderit (teilweise oxidiert) verkittet vermiformen Kaolinit im Kaolin von Caminau (Lange Bildkante
0,7 mm/ gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
Abb. 47: Siderit (teilweise oxidiert) zerkleinert und verkittet Quarzkörner entlang kleiner Risse und Spalten im
Kaolin von Caminau (Lange Bildkante 0,7 mm/ gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
3.2.3 Wiesaer Granodiorit-Kaolin
Eine eingehende Beschreibung der Geologie der Kaolin- und Tonlagerstätte Wiesa befindet
sich in Kapitel 2.1.1.3. Der vollständige Datensatz kann Anhang 5 entnommen werden.
Abb. 48: Roter Kaolin am Rande der Lagerstätte Wiesa
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
74
Aufgrund der geringen Beckengröße von 600-800 m in N-S-Richtung und 400 m in E-W-
Richtung, schwankt die Mächtigkeit des Kaolins der Lagerstätte Wiesa infolge der Beckenge-
ometrie zwischen 40 m im Osten und 15 m im Westen, wo nur wenige Meter außerhalb des
Tagebaus bereits Festgestein ansteht (Grunge 1999). Der Kaolin weist nach Buchwald (1971)
eine deutliche vertikale Zonierung auf. In Analogie zur Lagerstätte Caminau lagern über dem
unalterierten Ausgangsgestein dreischichtsilikatreiche grüne Kaoline, über denen sich weiße
oder rote Kaoline befinden. Im Zuge der Probenahme konnten am Westrand der Lagerstätte
rotgefärbte Kaoline beprobt werden, die oberhalb einer grüngefärbten Zone auftreten (Abb.
48). Helle Kaoline bilden das Liegende der Abfolge. Die Beprobung des Kaolins der Lager-
stätte erfolgte punktuell an sechs ausgewählten Standorten innerhalb der Lagerstätte. Vier
Proben wurden dem weißen Kaolin im zentralen Bereich der Lagerstätte entnommen, jeweils
eine rot- und eine grüngefärbte Probe dem Randbereich.
Tab. 24: Korngrößenverteilung in den Kaolinen der Lagerstätte Wiesa
Roter Kaolin Grüner Kaolin Heller Kaolin (n=4)
>63 µm % 9,0 38,3 59,0 (3,4)
20-63 µm % 13,5 8,2 9,7 (2,3)
6,3-20 µm % 19,4 14,0 13,8 (0,8)
2-6,3 µm % 25,2 18,7 8,2 (1,2)
<2 µm % 33,0 20,8 9,4 (2,3)
Der rote Kaolin ist sehr feinkörnig, der grüne Kaolin etwas grobkörniger und der helle Kaolin
am grobkörnigsten ausgebildet (Tab. 24).
Tab. 25: Chemische Zusammensetzung (XRF) der Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm des Wie-
saer Kaolins (b.d.l.= Werte unterhalb der Nachweisgrenze)
Kaoline Wiesa
Gesamtproben Fraktion <2 µm
Roter Kaolin Grüner Kaolin Heller Kaolin (n=4) Roter Kaolin Grüner Kaolin Heller Kaolin (n=4)
SiO2 % 41,3 63,9 64,5 (2,7) 35,4 47,4 44,2 (0,2)
Al2O3 % 29,6 32,3 23,8 (2,1) 27,9 34,8 36,6 (0,1)
Fe2O3 % 14,1 2,0 0,7 (0,2) 20,0 2,1 1,1 (0,3)
MgO % <0,1 0,3 <0,1 <0,1 0,7 <0,1
CaO % <0,1 0,1 <0,1 <0,1 0,2 0,3 (0,2)
Na2O % <0,2 <0,2 <0,2 0,2 0,2 0,5 (0,2)
K2O % 0,5 1,4 0,2 0,4 3,4 0,3 (0,1)
TiO2 % 1,7 0,7 0,8 (0,1) 1,2 1,0 2,21 (0,4)
P2O5 % <0,05 <0,05 <0,05 0,4 0,3 0,7 (0,2)
As ppm b.d.l. b.d.l. b.d.l. <5 b.d.l. <5
Ba ppm 110 174 76 (20) 133 312 167 (68)
Bi ppm 13 14 13 (2) 15 16 18 (2)
Ce ppm <40 <40 <40 66 196 134 (76)
Co ppm 20 <20 <20 21 11 <20
Cr ppm 135 42 22 (3) 217 <20 b.d.l.
Cu ppm <20 b.d.l. b.d.l. 33 <20 <20
Ga ppm 28 21 26 (3) 27 46 43 (5)
Hf ppm <6 8 8 (1) <6 <6 <6
La ppm <40 <40 <40 b.d.l. 108 97 (61)
Nb ppm 9 8 10 (2) <10 11 37 (6)
Nd ppm 18 <15 <15 26 81 50 (16)
Ni ppm 26 <20 <20 31 11 <20
Pb ppm b.d.l. <20 <20 <20 12 98 (118)
Rb ppm <30 99 <30 15 206 34 (9)
Sc ppm <15 <15 <15 10 23 <15
Sm ppm <6 <6 <6 <6 14 8 (1)
Sr ppm 17 20 21 (5) 19 42 49 (15)
Th ppm <20 <20 <20 21 69 49 (21)
V ppm 109 62 34 (5) 132 136 88 (18)
Y ppm <10 10 19 (5) <10 30 <10
Zn ppm <20 <20 <20 16 19 43 (29)
Zr ppm 114 228 255 (53) 90 62 <50
L.O.I. % 12,7 8,6 9,0 (0,9) 12,7 11,1 15 (1)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
75
Der rote und der grüne Kaolin enthalten Anteile von ca. 20–30 % der Korngrößenfraktion <2
µm. Der helle Kaolin besteht zu mehr als 50 % aus der Korngrößenfraktion >63 µm. Damit ist
der Wiesaer Kaolin grobkörniger als der Granodiorit-Kaolin von Caminau. Der Feinstkornan-
teil nimmt damit zum Liegenden, zum hellen Kaolin hin ab und der grobkörnige Anteil zu
(Tab. 24).
In Tabelle 25 ist die chemische Zusammensetzung der Kaoline aufgelistet. Der helle Kaolin
von Wiesa ist Al-reicher als der Kaolin von Caminau. SiO2 und die Elemente Zr, Cr und Y
sind in den gröberen Korngrößenfraktionen angereichert. Alle anderen chemischen Kompo-
nenten sind bevorzugt an die Feinfraktion gebunden. Obwohl nur vier helle Kaoline beprobt
wurden, weisen die Werte der chemischen Analyse eine hohe Standardabweichung auf. Sie
basiert auf der Inhomogenität des Ausgangsgesteins.
Der rote Kaolin weist gegenüber dem hellen Kaolin wesentlich erhöhte Fe2O3-, TiO2- sowie
Cr und V-Gehalte auf, die entsprechenden Elementkonzentrationen innerhalb des grünen Kao-
lins sind hingegen nur leicht erhöht (Tab. 25).
Der helle Wiesaer Kaolin ist kaolinitreicher als der Caminauer Kaolin. Er besteht aus Kaolinit
und Quarz, mit geringen Anteilen Illit/Muskovit (Tab. 26). Ein Grund für den geringen Il-
lit/Muskovit-Gehalt des Kaolins liegt in der von Pietzsch (1962) beschriebenen veränderten
Zusammensetzung des Lausitzer Granodiorits am Kontakt zu den Grauwacken in der Region
von Kamenz. Der erhöhte Kalifeldspatanteil des Ausgangsgesteins führte zur bevorzugten
Bildung von Kaolinit auf Kosten des Illit/Muskovit-Anteils im Kaolin. Smektite wurden nicht
nachgewiesen. Durch mikroskopische Untersuchungen wurden die Akzessorien Zirkon, Ana-
tas, Siderit sowie ein stark verwitterter Muskovit sicher identifiziert. Der grüne Kaolin besitzt,
wie von Buchwald (1971) beschrieben, einen erhöhten Anteil an Dreischichtsilikaten (Il-
lit/Muskovit). Dies korrespondiert mit den erhöhten K2O-, MgO-, Ba- und Rb-Gehalten dieser
Zone (vgl. Tab. 25).
Bemerkenswert ist der hohe Hämatitanteil des roten Kaolins sowohl in der Gesamtprobe als
auch in der Korngrößenfraktion <2 µm (Tab. 27). Im grünen und weißen Kaolin ist das Fe
überwiegend an Siderit gebunden. Nach Buchwald (1971) befinden sich rote Kaoline aus-
nahmslos im Hangenden grüngefärbter Kaoline, nach Störr (1983) können sich rotgefärbte
Kaoline jedoch auch inmitten weißer Kaoline befinden.
Tab. 26: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben der Kaoline von Wiesa (gemessene Werte ohne
Quantifizierung der Ti- und Fe-Phasen)
Kaolin Wiesa
Roter Kaolin Grüner Kaolin Heller Kaolin (n=4)
berechnet (XRF) gemessen (XRD) berechnet (XRF) gemessen (XRD) berechnet (XRF) gemessen (XRD)
Kaolinit % 71 73 47,5 43 59 (5,5) 81 (2,8)
Illit/Muskovit % 6 12,5 15,5 6 1,5 (0,4) 1,3 (0,6)
Quarz % 5,5 14,5 34 50 36,3 (5,1) 17,7 (2,4)
Fe-Phasen % 14 (Hämatit) - 2,5 (Siderit?) - 0,9 (Siderit) -
Anatas % 1,5 - 0,5 - 0,8 (0,3) -
Rest (u.a. Corg) % 2 - - - 1,6 (0,3) -
Die Frage nach der Entstehung der roten Kaoline Wiesas beschäftigte bereits eine Vielzahl
von Wissenschaftlern. Urban (1953) deutet die roten Kaoline als Relikte eines Laterithori-
zonts. Sie wurden demnach nicht von einer Bleichung betroffen, die bereits vor der Bildung
der Braunkohlemoore abgeschlossen war. Buchwald (1971) führt die helle, weiße Farbe der
Hauptmenge der Kaoline hingegen auf eine Bleichung durch Huminsäuren zurück, die mit
sauren Lösungen aus überlagernden Braunkohlemooren in die Tiefe migrierten. Die roten
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
76
Kaoline repräsentieren demnach oxidierte, wenig gebleichte Reste des primären Kaolins, die
überwiegend dort auftreten, wo keine tertiäre Überdeckung erfolgte.
Tab. 27: Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline von Wiesa (gemessene
Werte ohne Berücksichtigung der Ti- und Fe-Phasen).
Kaolin Wiesa
Roter Kaolin Grüner Kaolin Heller Kaolin (n=4)
berechnet (XRF) gemessen (XRD) berechnet (XRF) gemessen (XRD) berechnet (XRF) gemessen (XRD)
Kaolinit % 66 90 61 45 90,3 (1,3) 93,9 (1,2)
Illit/Muskovit % 5 10 38 55 3,4 (1,4) 6,1 (1,2)
Quarz % 1,5 - - - 0,8 (0,3) -
Fe-Phasen % 20 (Hämatit) - 0,5 (Siderit?) - 1 (Siderit) -
Anatas % 1 - 0,5 - 1,9 (0,5) -
Rest (Corg) % 6,5 - - - 2,8 (0,5) -
Während Buchwald (1971) und Störr (1983) keine erhöhten Fe2O3-Gehalte in den roten Par-
tien analysierten, weisen die eigenen Untersuchungen darauf hin, dass das Fe im roten Kaolin
deutlich angereichert wurde, da die Fe-Gehalte höher sind, als die von Störr (1983) ermittelten
maximalen Fe2O3-Gehalte des Ausgangsgesteins (Lausitzer Granodiorit) von 7 %. Daher ist
zu vermuten, dass das Fe durch migrierende Lösungen von außen zugeführt wurde und eine
sekundäre oxidative Anreicherung des Fe in den roten Kaolinen erfolgte. Möglicherweise sind
die Ränder der Kaolinlagerstätte hierfür morphologisch geeignete Zonen. Zur Tiefe hin nahm
der Sauerstoffgehalt innerhalb des Kaolins ab, weshalb als freie Fe-Phase in den grünen Kao-
linen unter zunehmend reduzierenden Bedingungen möglicherweise bereits Siderit vorliegt
(Tab. 26).
Der Hämatitanteil in der Korngrößenfraktion <2 µm des roten Kaolins ist höher als in der
Gesamtprobe (Tab. 27). Daher ist anzunehmen, dass die Fe-Oxide eine überwiegend sehr fei-
ne Korngröße besitzen. Im grünen Kaolin ist der Fe-Gehalt in dieser Korngrößenfraktion
hingegen geringer als in der Gesamtprobe.
Der Kaolinitgehalt des hellen Kaolins ist in der Korngrößenfraktion <2 µm gegenüber der
Gesamtprobe wesentlich erhöht. Quarz tritt stark zurück und der Illitgehalt nimmt in geringem
Maße zu (Tab. 27). Zudem ist eine Erhöhung des Anatasgehalts in der Korngrößenfraktion <2
µm zu verzeichnen, was darauf hinweist, dass der Anatas eine sehr geringe Korngröße besitzt.
Aus dem Vergleich des Kaolinitgehalts des hellen Kaolins mit der Korngrößenverteilung wird
deutlich, dass ein wesentlicher Teil des Kaolinits eine mittlere Korngröße aufweisen muss,
bzw. in einer agglomerierten Form vorliegt. Der Quarz ist nicht nur grobkörnig ausgebildet,
sondern teilweise auch in der Schlufffraktion angereichert. Er dominiert gemeinsam mit Side-
rit die Korngrößenfraktion >20 µm.
Abb. 49: Quarz im Wiesaer Kaolin (Lange Bildkante 0,7 mm/ gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
77
Die Größe der Quarzkörner erreicht maximal 0,8 mm. Der Quarz ist eckig bis kantengerundet.
Einige Quarzkörner weisen Rissbildungen und möglicherweise auch Lösungserscheinungen
auf (Abb. 49). Somit ist von einer gewissen Mobilität des SiO2 im Zuge des Verwitterungs-
prozesses auszugehen. Authigener Quarz ist nicht nachweisbar (vgl. Blankenburg & Rösler
1978).
An einer Probe des hellen Kaolins wurde der Gesamtkohlenstoffgehalt untersucht. Der Wert
ist gering und liegt bei 0,06 % für die Gesamtprobe. In der Korngrößenfraktion <2 µm ist der
Kohlenstoffgehalt mit 0,6 % hingegen deutlich erhöht. Während ein Teil des Kohlenstoffs
dem Siderit zuzuordnen ist, könnte der erhöhte Wert in der Feinfraktion auf die Migration
deszendenter, an feinsten organischen Komponenten reichen Lösungen hinweisen, die zu ei-
ner Anreicherung des Kohlenstoffs in dieser Fraktion führten.
Der helle Wiesaer Kaolin ist chemisch-mineralogisch ähnlich wie der Caminauer Kaolin zu-
sammengesetzt. Er weist bezüglich der Granulometrie und der sehr variablen Fe- und
Illit/Muskovit-Gehalte jedoch Besonderheiten auf. Es kann als gesichert angenommen wer-
den, dass ein mehrphasiger Bildungsprozess zur heutigen Zusammensetzung des Wiesaer
Kaolins führte. In welchem Maße Fe zu- oder abgeführt wurde, ist nicht abschließend zu klä-
ren.
3.3 Basalte und Basaltzersatz
Im Oligozän und Miozän entwickelte sich innerhalb des Lausitzer Granodiorit-Massivs ein
basaltischer Vulkanismus, dessen nördliche Ausläufer sich im Bereich Guttau befinden (vgl.
Abb. 15). Da keine frischen Profile eines verwitterten Basalts beprobt werden konnten, ist es
notwendig, zu ihrer Charakterisierung auf die Ergebnisse von Lasch (1970) zurückzugreifen.
Die Basalte verwittern zu sehr feinkörnigen smektitreichen Tonen. Smektite (Montmorillonit)
dominieren die Zusammensetzung, in gröberen Fraktionen treten zudem Kaolinit, Glimmer
(Illit) sowie Siderit auf. Lasch (1970) konnte in keiner Probe Quarz identifizieren. In den han-
genden Bereichen ist eine Zunahme des Kaolinitanteils auf Kosten des Smektits zu erkennen.
Steigt die Verwitterungsrate, so dominiert in wenigen Fällen der Kaolinit die mineralogische
Zusammensetzung (Lasch 1970).
Tab. 28: Spurenelementgehalte basaltischer Verwitterungsprodukte der Lausitz (nach Lasch 1970)
Basaltzersatz TiO2 Ba V Cu Ni Cr
ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Mittelwert 17500 330 230 40 110 300
Gemäß der Zusammensetzung des basischen Ausgangsgesteins enthalten die Verwitterungs-
produkte des Basalts nach Lasch (1970) erhöhte Anteile der Elemente Cr, V, Cu, Ni, Ti und
Fe (Tab. 28). Der Gehalt des Fe wurde nicht quantifiziert.
3.4 Thüringer Buntsandstein und Buntsandstein-Kaolin
3.4.1 Thüringer Buntsandstein
Der Thüringer Buntsandstein besteht überwiegend aus psammitischen und pelitischen Sedi-
mentabfolgen. Langbein (1970) klassifizierte die klastischen psammitischen Gesteine des
Unteren und Mittleren Buntsandsteins im Quarz-Feldspat-Gesteinsbruchstück-
Dreistoffdiagramm als tonarme Feldspatgrauwacken. Diese bestehen zu 50–70 % aus Quarz,
zu 20-40 % aus Feldspat (Ortho- und Plagioklas) und zu 10-30 % aus Gesteinsbruchstücken.
Der Gesteinsbruchstückanteil ist in den gröberen Korngrößen angereichert, die Gehalte an
Feldspat und Quarz nehmen dagegen ab. Bei einer Korngröße von 0,04 mm erreicht der Feld-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
78
spatgehalt ein Maximum mit einem Anteil von 40-50 % an der Gesamtmasse. Die geringe
chemische Verwitterung und der Transport der Feldspäte weist auf aride klimatische Bedin-
gungen zu Zeiten der Entstehung in der Trias hin (Langbein 1970).
Von den Feldspatgrauwacken unterscheidet Langbein (1970) Gesteine, die einen erhöhten
Grobkornanteil aufweisen und solche, die zahlreiche feinere Komponenten wie z.B. Feldspat
enthalten. Er bezeichnet sie als Grauwacken, bzw. als Arkosen. Hervorzuheben ist, dass die
Zusammensetzung der Gesteine im Unteren und Mittleren Buntsandstein gleichermaßen
korngrößenabhängig ist und sie sich nicht wesentlich voneinander unterscheiden (Langbein
1970).
Als Nebengemengteile enthalten die Psammite Muskovit/Illit, Biotit sowie in einigen Fällen
auch Chlorit. Apatit, Zirkon, Anatas, Rutil, Magnetit und Ilmenit sind weitverbreitete
Schwerminerale, wobei der Anatas in einigen Proben als Neubildung, hervorgegangen aus
dem Ti des Biotits aufgefasst wird. Hämatit ist ein weiteres weit verbreitetes Mineral der
Psammite (Langbein 1970). Es bewirkt die Rotfärbung der Gesteine. Die Kornbindung der
von Langbein (1970) untersuchten Gesteine ist zumeist unmittelbar. In Fällen einer mittelba-
ren Kornbindung verkittet ein primäres toniges Bindemittel die Komponenten.
Im Zuge der Diagenese erfolgte die teilweise Neubildung von Quarz und Feldspat. Des Wei-
teren ist die Karbonatisierung und Serizitisierung des Feldspats zu beobachten (Langbein
1970). Karbonatische, bzw. dolomitische Bindemittel verkitten daher postsedimentär die
Komponenten von Teilbereichen der Gesteinsabfolgen. In größerer Tiefe sind sulfatische
Bindemittel bekannt (Langbein 1970). Eine zunehmende Illitisierung des Muskovits ist im
Zuge der Diagenese zu vermuten.
Langbein (1970) beschreibt weiterhin den häufig zu beobachtenden Zersatz von Biotit. Das Fe
des Minerals wird im Gestein je nach Milieu als Pyrit oder Goethit fixiert. Überlagerten im
Tertiär Braunkohlemoore den Buntsandstein, so konnten die an organischen Säuren reichen
Wässer zu einer Bleichung und Abfuhr des Fe führen.
Der Feldspat der Psammite ist selten kaolinisiert. Die Kaolinisierung geht häufig mit einer
Karbonatisierung einher. Da sich Kaolinit auch innerhalb der Feldspäte bildete, ist er auch in
den gröberen Korngrößen zu finden. Eine intensive chemische Verwitterung und die Kaolini-
sierung oberflächennaher Bereiche der Abfolgen des Unteren und Mittleren Buntsandsteins
erfolgte weiträumig erst in der Oberkreide und im Tertiär (Störr 1983).
Im Zuge der Untersuchung von Ziegeltonrohstoffe in Sachsen-Anhalt wurden vom dortigen
Landesamt für Geologie und Bergwesen auch pelitische Gesteine des Unteren und Mittleren
Buntsandsteins analysiert (Stedingk et al. 2005). Bedeutende, mehrere 10er Meter mächtige
Ton- und Schluffsteinfolgen mit Einschaltungen von Sandsteinen treten u.a. in der Bernburg-
Folge des Unteren Buntsandsteins auf (Tab. 29). Die Gesteine sind quarz- und dreischichtsili-
katreich und enthalten zudem Kaolinit, Feldspat, Calcit/Dolomit und Fe-Oxide (Stedingk et
al. 2005).
Tab. 29: Zusammensetzung ausgewählter Ton- und Schluffsteine des Unteren Buntsandsteins in Sachsen-Anhalt
(nach Stedingk et al. 2005)
Quarz
Feldspat
Dreischicht-
Tonminerale (viel Smektit)
Calcit/Dolomit
Fe-Oxid
Kaolinit
% % % % % %
Ton- und Schluffstein 25-40 ca. 10 meist 30-40 meist >10 ca. 5 0-11
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
79
Die pelitische Fazies des Mittleren Buntsandsteins ähnelt der des Unteren Buntsandsteins. Die
Ton- und Schluffsteine der Volpriehausen-Wechselfolge (Tab. 30) sind qualitativ daher ähn-
lich wie diese zusammengesetzt.
Tab. 30: Zusammensetzung ausgewählter Ton- und Schluffsteine der Volpriehausen Wechselfolge des Mittleren
Buntsandsteins in Sachsen-Anhalt (nach Stedingk et al. 2005)
Quarz
Feldspat
Illit Chlorit Illit/Smektit-Mixed-Layer
Calcit/Dolomit Kaolinit
% % % % % % %
Ton- und Schluffstein bis 28 13-15 22-27 13 7-11 bis 5 ca.6
Organischer Kohlenstoff ist in allen Tonsteinen in geringen Mengen enthalten. Die minerali-
schen Hauptkomponenten Quarz, Feldspat, Glimmer und die Tonminerale mit Ausnahme des
Kaolinits können im Wesentlichen als Abtragungsmaterial des verwitterten variszischen
Grundgebirges angesehen werden (Störr 1983). Die Anwesenheit von Kaolinit, wie die von
Fe-Oxiden und –Sulfiden, deutet auf Verwitterungsprozesse unter humiden Bedingungen hin.
Die Karbonate sind auf der Grundlage der Ausführungen von Langbein (1970) als postsedi-
mentäre Bildungen zu deuten, die im Zuge der Diagenese der Pelite entstanden sind.
Die Zusammensetzung der Sedimentgesteine im Unteren und Mittleren Buntsandstein ist da-
mit im Wesentlichen abhängig von der Korngrößenverteilung. Je grobkörniger sie sind, desto
mehr Quarz und Gesteinsbruchstücke enthalten sie. In den feineren Korngrößen nimmt der
Feldspatanteil und der Anteil der Dreischichtsilikate zu.
3.4.2 Spergauer Buntsandstein-Kaolin
Die Kaolinlagerstätte Spergau liegt ca. 5 km südöstlich der Stadt Merseburg (vgl. Abb. 30),
im Bereich der Merseburger Buntsandsteinplatte. Sie befindet sich in einer Hochlage, die
wahrscheinlich tektonisch angelegt wurde. Westlich und nördlich lagern die Buntsandstein-
schichten in 80 bis 90 m Tiefe. Die Gesteine des Mittleren Buntsandsteins unterlagen einer
intensiven mesozischen und tertiären Kaolinisierung. Im Hangenden des Kaolins befinden
sich pleistozäne Geschiebemergel, Sand und Kies sowie lokal auch braunkohleführende,
wahrscheinlich eozäne Sande (Störr 1983).
Die Lagerstätte gehört der Kaolin- und Tonwerke Salzmünde GmbH. Weite Bereiche des Ta-
gebaus waren bereits zu Zeiten der DDR abgebaut. Die Wasserhaltung erwies sich als sehr
kompliziert, was dazu führte, dass von den ca. 20 m mächtigen Kaolinen nur 10-15 m abge-
baut werden konnten (Störr 1983). Wegen der Qualität des Rohstoffs baut die Kaolin- und
Tonwerke Salzmünde GmbH die heute zugänglichen Bereiche des Verwitterungsprofils ab.
Anhand von Korngrößen- und Farbunterschieden ist die ehemalige Schichtung des Buntsand-
steins gut nachvollziehbar. Es handelt sich um die hellen Überreste eines schluffig-tonigen
Sandsteins in Wechsellagerung mit geringmächtigen bräunlichen sandigen Schluff- und Ton-
steinen. Der Quarz ist mittel- bis grobkörnig ausgebildet, einzelne Quarzkörner sind
makroskopisch gut zu erkennen. Das Ausgangsgestein war ein Arkosesandstein, bzw. eine
Feldspatgrauwacke im Sinne von Langbein (Langbein 1970 und Störr 1983). Eine Zonierung
des Kaolins wurde von Störr (1983) nicht beobachtet.
Einem frischen Stoß von 2,5 bis 3 m Mächtigkeit wurden in zwei Profilen 11 Proben ent-
nommen. Die Clusteranalyse der Proben führte später zu der Erkenntnis, dass zwei
Kaolintypen, die sich hinsichtlich ihrer Korngrößenverteilung und chemischen Zusammenset-
zung unterscheiden, getrennt auszuwerten sind. Dem ersten Typus sind 9 der Proben
zuzuordnen, dem zweiten Typus 2 Proben. Unterschiede zwischen den beprobten Profilen
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
80
existieren nicht. Bereits Störr (1983) unterscheidet in Spergau zwei unterschiedliche Kaolin-
typen, einen tonlagenarmen und einen tonlagereichen Typus (Tab. 31 und 32).
Die granulometrische Analyse des ersten Typus (Kaolin 1) ergibt zwei Korngrößenmaxima,
eines im Bereich <2 µm (bis max. 38 %) und eines in der Fraktion >63 µm (ca. 50->90 %).
Der Anteil der Korngrößenfraktionen zwischen 2 und 63 µm ist dagegen weit geringer (Tab.
31). Diese Verteilung entspricht etwa dem Kaolin vom Typ tonlagenarmer Feinsandstein nach
Störr (1983).
Tab. 31: Korngrößenverteilung der Spergauer Kaoline
Fraktion Kaolin 1 (n=9) Kaolin 2 (n=2)
>63 µm %67,1 (15,9) 24,4 (20,4)
20-63 µm %4,0 (2,8) 9,0 (0,5)
6,3-20 µm %1,5 (1,4) 15,0 (4,9)
2-6,3 µm %2,9 (2,4) 13,8 (6)
<2 µm %24,3 (11,4) 37,8 (9,9)
Der zweite Typus (Kaolin 2) weist ebenfalls zwei Korngrößenmaxima auf. Der Anteil der
Korngrößenfraktion >63 µm ist im Kaolin 2 im Gegensatz zu der des Kaolin 1 jedoch redu-
ziert, der der Korngrößenfraktion <2 µm hingegen deutlich erhöht (Tab. 31). Das Minimum
im Korngrößenbereich 2-63 µm ist nicht so deutlich ausgeprägt wie in den Proben des Kaolin 1.
Tab. 32: Chemische Analyse (XRF) der Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm des Kaolins von
Spergau (b.d.l.= Wert unterhalb der Nachweisgrenze)
Kaolin Spergau
Gesamtproben Fraktion <2 µm
Kaolin 1 (n=9) Kaolin 2 (n=2) Kaolin 1 (n=9) Kaolin 2 (n=2)
SiO2 % 80,7 (4,6) 66,5 (8) 44,3 (0,7) 43,8 (1,2)
Al2O3 % 9,7 (4,6) 21,1 (6,2) 36,5 (0,8) 35,1 (0,7)
Fe2O3% 0,2 (0,1) 0,5 (0,03) 0,6 (0,2) 0,8 (0,2)
MgO % 0,2 (0,04) 0,3 (0,03) 0,4 (0,1) 0,5 (0,01)
CaO % <0,1 <0,1 0,2 (0,1) 0,2 (0,1)
Na2O % <0,2 <0,2 0,6 (0,5) 0,4 (0,04)
K2O % <0,05 0,9 (0,001) 0,2 (0,1) 1,3 (0,1)
TiO2 % 0,1 (0,1) 0,6 (0,1) 0,2 (0,1) 0,9 (0,1)
P2O5 % <0,05 0,1 (0,02) 0,7 (0,6) 0,5
As ppm b.d.l. <10 13 (8) 29 (10)
Ba ppm <50 192 (18) 70 (30) 288 (29)
Bi ppm b.d.l. b.d.l. b.d.l. b.d.l.
Ce ppm <40 162 (6) 134 (79) 361 (122)
Co ppm b.d.l. <20 <20 <20
Cr ppm <20 45 (1) 29 (5) 57 (4)
Cu ppm b.d.l. <20 b.d.l. <20
Ga ppm <8 22 (1) 32 (4) 40 (6)
Hf ppm <6 <6 <6 <6
La ppm <40 78 (14) <40 190 (42)
Nb ppm <6 9 <6 11 (5)
Nd ppm 18 (8) 61 (1) 50 (17) 119 (33)
Ni ppm <20 <20 <20 <20
Pb ppm <20 65 (36) 88 (29) 165 (96)
Rb ppm <30 42 (2) <30 62 (5)
Sc ppm <15 <15 <15 <15
Sm ppm <6 10 8 (3) 18 (4)
Sr ppm 26 (15) 195 (19) 89 (47) 383 (14)
Th ppm <20 <20 <20 <20
V ppm 16 (3) 48 (5) 33 (3) 68 (3)
Y ppm <10 21 (6) <10 25
Zn ppm <20 <20 <20 <20
Zr ppm 236 (130) 311 (120) 58 (13) 143 (18)
L.O.I. % 4,1 (2,0) 8,3 (1,9) 15,5 (0,2) 15,3 (1,5)
Die durchschnittliche chemische Zusammensetzung der Spergauer Proben kann der Tabelle
32 entnommen werden. Die Kaoline bestehen überwiegend aus SiO2 und Al2O3, wobei der
Gehalt an Al2O3 in der Korngrößenfraktion <2 µm stark erhöht, der des SiO2 hingegen gerin-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
81
ger ist. Der Kaolin 2 ist SiO2-ärmer und Al2O3-reicher als der Kaolin 1. Zudem besitzt er er-
höhte K2O-Gehalte und eine wesentlich höhere Konzentration an Spurenelementen. Die SiO2-
und Al2O3-Gehalte der beiden Kaoline sind in der Korngrößenfraktion <2 µm nahezu iden-
tisch, der K2O-Gehalt des Kaolin 2 ist jedoch auch hier erhöht.
Die Spurenelemente der Kaoline weisen in der Regel in der Korngrößenfraktion <2 µm deut-
lich höhere Konzentrationen auf als in der Gesamtprobe. Dies gilt für SE-Elemente, für Ba,
Rb und Sr sowie für die Metalle Ga, Cr, V und Pb. Die Elemente Fe und Ti sind in der Fein-
fraktion, das Zr hingegen ist in den gröberen Fraktionen der Kaoline angereichert (Tab. 32).
Die Haupt- und Nebenelementgehalte des Kaolin 1 sind vergleichbar mit denen des Kaolins
vom Typ des tonlagenarmen Feinsandsteins nach Störr (1983). Eine bedeutende Abweichung
besteht in der Konzentration des K2O, die nach den Angaben von Störr (1983) doppelt bis
dreifach so hoch ist.
Im Zuge der röntgendiffraktometrischen Analyse konnten die Minerale Quarz, Kaolinit, Il-
lit/Muskovit sowie Anatas in den Proben der Lagerstätte Spergau sicher nachgewiesen
werden. Dies gilt für beide Kaolintypen gleichermaßen. Die Konzentration an SE-Elementen
und Zr lässt darauf schließen, dass als Akzessorien des Weiteren Phosphate wie Apatit, Mo-
nazit und Xenotim sowie Zirkon in den Proben enthalten sind. Die Verteilung dieser Elemente
in den unterschiedlichen Korngrößenfraktionen (Tab. 32) ist ein Hinweis darauf, dass Zirkone
in den gröberen Fraktionen, die SEE-Phosphate hingegen in den feineren Fraktionen angerei-
chert sind.
Die Gehalte der Minerale Illit/Muskovit und Anatas liegen im Kaolin 1 meist nahe der Nach-
weisgrenze. Sie sind daher nur näherungsweise zu quantifizieren (Tab. 33). Feldspat wurde in
keiner der Proben nachgewiesen. Störr (1983) beschreibt wenige leistenförmige Mixed-Layer-
Minerale in den Spergauer Kaolinproben. In den vorliegenden Proben wurden weder Smektit-
noch Mixed-Layer-Minerale beobachtet.
Tab. 33: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Spergauer Kaoline
(gemessene Werte ohne Quantifizierung der Ti- und Fe-Phasen)
Kaolin Spergau
Kaolin 1 (n=9) Kaolin 2 (n=2)
Gesamtproben Fraktion <2 µm Gesamtproben Fraktion <2 µm
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
Kaolinit % 22,4 (12,7) 15,9 (11,9) 92,6 (2,6) 97,8 (2) 46 (14,9) 37,8 (11,7) 78,8 (1,1) 78,4 (3,8)
Illit/Muskovit % <3 <3 2 (1,2) ca. 2 10,8 (0,4) 13,8 (4,6) 14,5 (0.7) 21,6 (3,8)
Quarz % 75,4 (13,9) 84,1 (11,9) 1,0 (0,4) - 42,8 (14,5) 48,5 (16,3) 0,8 (0,4) -
Goethit % <1 - ca. 1,0 - <1 - ca. 0,5 -
Anatas % ca. 0,5 - ca. 0,5 - ca. 0,5 - ca. 1 -
Rest (Corg) % - - 3,0 (1,8) - - - 4,5 (2,1) -
Aus Tabelle 33 geht hervor, dass der Kaolin 1 überwiegend aus Quarz und Kaolinit mit gerin-
gen Illit/Muskovit-Anteilen zusammengesetzt ist. Der Quarz kann bis über 90 % angereichert
sein. Der Kaolin 2 enthält hingegen weit weniger Quarz, dafür mehr Kaolinit und zusätzlich
ca. 10 % Illit/Muskovit. Vergleicht man die beiden Verfahren zur Quantifizierung der minera-
logischen Zusammensetzung der Gesamtproben, so liegen die Abweichungen innerhalb einer
akzeptablen Toleranz. Die Berechnung der Zusammensetzung aus der röntgendiffraktometri-
schen Analyse (XRD) neigt dazu, erhöhte Quarzgehalte zu ergeben, die Berechnung aus der
chemischen Analyse (XRF) führt zu höheren Kaolinitgehalten (Tab. 33).
Die mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline wird durch
Kaolinit dominiert (Tab. 33). Im Falle des Kaolin 1 sind weitere Minerale wie Illit/Muskovit,
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
82
Quarz und Anatas akzessorisch vorhanden. Der Kaolin 2 besitzt neben Kaolinit auch erhöhte
Anteile Illit/Muskovit.
Aufgrund der bräunlichen Farbe einiger Teilbereiche der Kaoline, kann auf geringe Goethi-
tanteile innerhalb der Proben geschlossen werden. Nach Störr (1983) ist das Fe der
Lagerstätte Spergau an Glimmer, Goethit, Hämatit und an organische Substanzen (Fe-
Humate) gebunden. Die Fe2O3-Gehalte der Fraktion <2 µm sind im Gegensatz zu denen der
Gesamtproben erhöht. Da Hinweise auf oxidisch gebundenes Fe existieren, wurde es bei der
Berechnung als Goethit ausgewiesen, eine Zunahme aufgrund der Bindung an Tonminerale
kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden (Tab. 33). Die sehr geringen Fe-Konzentrationen
der Proben könnten ein Beleg für die Bleichung des Kaolins sein.
Die Korngrößenfraktion >20 µm besteht nahezu ausschließlich aus Quarz. Die Quarzkörner
sind ca. 20 µm bis 0,8 mm groß und kantengerundet, einige sind auch rund (Abb. 50). Ein
Teil der Quarzminerale ist in der Schlufffraktion angereichert. Muskovit und Zirkon sind in
der Grobfraktion selten zu beobachten, Feldspat wurde in keiner der untersuchten Proben i-
dentifiziert.
Abb. 50: Quarz der Korngrößenfraktion >63 µm der Kaoline der Lagerstätte Spergau (Lange Bildkante 1,8 mm/
gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
Bezieht man den Gehalt des Illit/Muskovit der Fraktion <2 µm auf die Konzentration in der
Gesamtprobe, so wird deutlich, dass etwa die Hälfte bis ein Drittel des Illit/Muskovits eine
Größe von mehr als 2 µm besitzt. Somit liegen Agglomerate vor oder es wurde nur ein Teil
des primären Muskovits zu feinkörnigem Illit degradiert. Die zweite Erklärung entspricht den
Ausführungen von Störr (1983), der ein Korngrößenmaximum des Illit/Muskovits bei 2-20
µm identifizierte. Der Kaolinit ist hingegen sehr feinkörnig und dementsprechend in der Fein-
fraktion <2 µm angereichert. Vergleicht man die Daten der Korngrößenzusammensetzung der
verschiedenen Korngrößenfraktionen des Kaolin 1 mit denen des Kaolins vom Typ tonlagen-
armer Feinsandstein nach Störr (1983), so stimmen die Werte weitgehend überein, jedoch
sind die vorliegenden Proben quarzreicher. Somit ist zu schließen, dass die unterschiedliche
chemische und mineralogische Zusammensetzung der Spergauer Kaoline, wie von Störr
(1983) beschrieben, auf die unterschiedliche Korngrößenzusammensetzung ihrer Ausgangs-
gesteine, der Arkosesandsteine, zurückzuführen ist.
Der Gesamtkohlenstoffgehalt der Spergauer Kaoline wurde exemplarisch anhand zweier Pro-
ben des Kaolin 1 ermittelt. Es zeigt sich, dass die Fraktion <2 µm mit 0,47 bis 0,58 % höhere
Kohlenstoffgehalte aufweisen als die Gesamtproben (0,13 bzw. 0,21 %). Möglicherweise ist
diese Tatsache auf die Zufuhr sehr feiner organischer Substanzen zurückzuführen. Nach Störr
(1983) befinden sich in den Spergauer Kaolinen beispielsweise Fe-Humate.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
83
3.5 Meißener Massiv und Rhyolith/Dacit-Kaolin
3.5.1 Das Meißener Massiv
Das Meißener Massiv ist Teil des Elbtal-Lineaments und liegt nahe der Stadt Meißen. Es be-
steht aus oberkarbonischen Intrusivgesteinen von dioritischer bis granodioritischer
Zusammensetzung. Im Zentrum des Massivs sind jüngere oberkarbonische intermediäre bis
saure Vulkanite aufgeschlossen (Henningsen & Katzung 1992). Petrographisch können die
Vulkanite als Andesite bzw. Rhyolithe und Dacite bezeichnet werden. Sie bilden die Aus-
gangsgesteine der kaolinitischen Verwitterungskruste im Bereich Seilitz. Nach Krumb (1998)
bestehen die Seilitzer Rhyodacite und Dacite zur Hälfte aus einer mikrofelsitischen Matrix
(50 %), die eine hohe Anzahl Biotit- und Hornblende-Einsprenglinge enthält (jeweils 5-10
%). Neben 10-20 % Quarz befinden sich des Weiteren ca. 15 % Kalifeldspat und 5 % Plagi-
oklas in den Vulkaniten. Akzessorisch treten Apatit und Zirkon auf.
3.5.2 Seilitzer Rhyodacit/Dacit-Kaolin
Die Kaolinlagerstätte Seilitz liegt ca. 5 km nordöstlich der Stadt Meißen (vgl. Abb. 12). Hier
werden seit dem 18 Jahrhundert Kaoline für die Produktion von Porzellan abgebaut. Die La-
gerstätte gehört heute der Kaolin- und Tonwerke Seilitz-Löthain GmbH.
In dieser Arbeit wurden ausschliesslich die Daten der Kristallinität und der Einlagerungsfehl-
ordnung der Seilitzer Kaolinite zur Darstellung der Fehlordnung von Kaoliniten innerhalb
eines Verwitterungsprofils verwendet, daher kann an dieser Stelle auf eine chemische Charak-
terisierung der Seilitzer Kaoline verzichtet werden.
Der bis 20 m mächtige Kaolin von Seilitz befindet sich über Rhyodaciten und Daciten. Er
enthält nach Krumb (1998) neben Quarz (35,6–48,9 %) und Kaolinit (20–40,3 %) auch zahl-
reiche Mixed-Layer-Minerale (21,2 – 25,4 %) sowie Kalifeldspatreste (2,3-5,7 %).
3.6 Der Stoffbestand der tertiären Verwitterungskruste
3.6.1 Mineralogische Zusammensetzung
Die oberkretazisch-tertiäre Kaolinisierung erfolgte nach Mai (1995) unter humiden gemäßig-
ten bis subtropischen Klimaten. Krumb (1998) leitete für die Genese der sächsischen Kaoline
reduzierende, schwach saure Verwitterungsbedingungen ab, hervorgerufen durch eine hohe
CO2-Produktion und die Bildung von Humin- und Fulvosäuren im Boden. Die sauren Sicker-
wässer drangen in die Tiefe vor und führten dort unter den bis zum Miozän herrschenden
stabilen tektonischen Bedingungen zu einer immer tiefer reichenden Verwitterung der Aus-
gangsgesteine.
Die mineralogische Zusammensetzung der Kaoline in Sachsen ist nach Krumb (1998) abhän-
gig von der Verwitterungsintensität. Er wies nach, dass sich mit fortschreitender Intensität die
Trockenrohdichte (ρ in t/m³) der Kaoline aufgrund von Lösungsprozessen durch die Abfuhr
chemischer Komponenten vermindert (Abb. 51). Die Trockenrohdichte kann nach Krumb
(1998) als Maß der Verwitterungsintensität angesehen werden, die eine wesentliche Refe-
renzgröße zur Bestimmung der chemischen und mineralogischen Zusammensetzung der in-
situ-Kaoline darstellt. Er schlägt vor, die Trockenrohdichte als Qualitätsparameter für die Zu-
sammensetzung der Kaoline bei der Exploration und für den Abbau der Rohstoffe zu
verwenden.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
84
Abb. 51: Degradationsabfolge gesteinsbildender Minerale saurer und intermediärer Gesteine bei der kaoliniti-
schen Verwitterung unter reduzierenden Bedingungen (Krumb 1998)
Mit Einsetzen der Verwitterung wurden die Plagioklase, Muskovite, Biotite, Amphibole und
Pyroxene der Ausgangsgesteine, unter Beibehaltung reliktischer Strukturen des Ausgangsmi-
nerals, in Dreischichtsilikate transformiert. Das bedeutendste Dreischichtsilikat der hier
untersuchten Kaoline ist der Illit. Nach Lorenz & Gwosdz (1997) entstehen Illite im Zuge der
Verwitterung von Glimmern durch K-Entzug sowie als Produkt bei der Verwitterung primärer
Minerale wie Feldspat, Pyroxen oder Amphibol. Zudem bildet sich Illit vermutlich als Zwi-
schenstadium während der Umwandlung von Feldspat in strukturell fehlgeordneten Kaolinit
(Lorenz & Gwosdz 1997). Im Gegensatz zum Plagioklas wurde der Kalifeldspat gelöst, die
Alkalien und Erdalkalien weitgehend abgeführt und aus dem entstehenden Verwitterungs-
plasma bildete sich Kaolinit durch Neoformation (Neubildung).
In den tieferen Bereichen der Verwitterungskruste, an der Grenze zum unverwitterten Aus-
gangsgestein, dominieren zunächst Dreischichtsilikate die Zusammensetzung (Abb. 51). Nach
Krumb (1998) besitzt der Kaolin hier eine Trockenrohdichte von 2,2 bis 2,6 t/m³. Mit zuneh-
mender Verwitterungsintensität verarmte die Verwitterungslösung an Kationen. Die
Untersättigung führte zu einer Destabilisierung der Dreischichtsilikate und es bildete sich
durch Transformation vermehrt Kaolinit. Innerhalb eines Verwitterungsprofils steigt aus die-
sem Grunde der Kaolinitgehalt und der Gehalt residualer Komponenten in Relation zum
Gesamtvolumen zum Hangenden hin an. Der Kaolin besteht in den oberen Zonen daher aus
einem Gemisch von Kaolinit, Illit und Quarz. Dies entspricht der Zusammensetzung der höhe-
ren Zonen der Verwitterungskruste nach Buchwald (1971) und Störr (1983). Weitgehend
resistent im Zuge der Verwitterung verhielten sich Quarz und Zirkon. In Kaolinen der höchs-
ten Verwitterungsintensität (ρ <1,4 t/m³) wurde in den oberen Zonen des Verwitterungsprofils
auch der Illit in Kaolinit transformiert (Abb. 51).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
85
Der Anatas der Kaoline ist eine Neubildung, die auf einer Fixierung von Ti beruht, das über-
wiegend durch die Verwitterung mafischer Minerale freigesetzt wurde (vgl. Krumb 1998).
Nach Krumb (1998) wurde bereits während der Kaolinisierung das Fe des Protoliths unter
reduzierenden und sauren Eh/pH-Bedingungen weitgehend abgeführt, weshalb die Kaoline
überwiegend helle Farben aufweisen und Siderit als Fe-Phase dominiert. Aus der Untersu-
chung der Sideritkonkretionen der Lagerstätte Caminau geht hervor, dass die Neubildung des
Siderits erst nach der Bildung des Kaolinits erfolgte. In den Siderit-Pyrit-Konkretionen der
Kaoline des Halleschen Porphyrs sind hingegen keine Verdrängungserscheinungen zu beo-
bachten (Schmitz & Germann 2001).
Walter (1991) führt die Entstehung der nordwestsächsischen Kaoline auf einen zweiphasigen
Kaolinisierungsprozess zurück. Er beschreibt, dass der Kaolinisierungsprozess durch eine
Sedimentationsphase unterbrochen und nach einer bruchtektonischen Gliederung der Region
mit anschließender Erosion weiter Teile der sedimentären Bedeckung fortgesetzt wurde. Nach
Walter (1991) ist die Verwitterung damit ein dynamischer Prozess, der immer dann unterbro-
chen wird, wenn jüngere Sedimente die Basementgesteine überdecken. Erfolgt die Entfernung
dieser sedimentären Bedeckung durch Erosion, wird der Verwitterungsprozess fortgesetzt.
Daher ist es wahrscheinlich, dass im Zuge der tertiären Verwitterung wiederholt regionale
Veränderungen in den Redoxbedingungen auftraten, die zu einer mehrfachen Lösung und
Fixierung beispielsweise des Fe führten. Somit ist ein mehrphasiger dynamischer Prozess der
Kaolinisierung zu vermuten, der im Laufe der Zeit eine zunehmende Bleichung der Kaoline
im Sinne von Krumb (1998) bewirkte (vgl. Kap. 3.5.2.5). Möglicherweise wurde das gelöste
und abgeführte Fe in oxidischen Zonen der Kaoline in Form von Hämatit und Goethit auch
angereichert, weshalb beispielsweise in Wiesa unterschiedlich gefärbte Kaolinzonen auftre-
ten.
Da in Mitteleuropa wahrscheinlich keine flächenhafte Lateritisierung erfolgt ist, wurde im
Tertiär vermutlich weit weniger Fe umgelagert als bisher angenommen. Nach dem Modell
von Krumb (1998) ist die Bildung von Torfmooren im Hangenden der Verwitterungskruste
und die sekundäre Bleichung der Kaoline nicht mehr zwingend notwendig, um die geringen
Fe-Gehalte und den hohen Weißgrad einiger ostdeutscher Kaoline zu erklären. Das helle Kao-
line weit verbreitet sind, belegen die zahlreichen Kaolinlagerstätten heller Kaoline und
Bohrungen aus der Region Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Die Verwitterung des Mittleren Buntsandsteins in Sachsen-Anhalt weist gegenüber den säch-
sischen Ausgangsgesteinen einige Besonderheiten auf (Abb. 52). Während der Trias wurden
unter ariden bis semiariden Bedingungen die quarz- und feldspatreichen Sedimente des Mitt-
leren Buntsandsteins abgelagert.
In den grobkörnigen Sandsteinen der Abfolge reicherten sich Quarz und Feldspat an, in den
feinkörnigeren Schluff- und Tonsteinen neben Feldspat auch Dreischichtsilikate. Im Zuge der
Verwitterung während der Oberkreide und im Tertiär wurde der Feldspat nahezu vollständig
kaolinisiert und der Muskovit teilweise illitisiert (Störr 1983).
Die detritischen Mixed-Layer-Minerale der pelitischen Gesteine des Thüringer Buntsand-
steins blieben während dieser Zeit teilweise erhalten. Eine Kaolinisierung des Illits und der
Mixed-Layer-Minerale der Buntsandsteine im Zuge der oberkretazisch-tertiären Verwitterung
ist nach Störr (1983) jedoch zu vermuten, da die Schichten mit einer geringen durchschnittli-
chen Korngröße in Spergau an Kaolinit angereichert sind (Abb. 52). Die tertiäre
Kaolinisierung bildet somit den Abschluß einer Degradationsfolge, die bereits in vortriassi-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
86
scher bzw. in triassischer Zeit mit der Verwitterung der Protolithe des Thüringer Buntsand-
steins begonnen hatte (Störr 1983). Eine sekundäre Bleichung des Spergauer Kaolins ist zu
vermuten, da die Buntsandsteine häufig durch Hämatit rot gefärbt sind, der Kaolin jedoch nur
sehr geringe Gehalte an Fe und Ti (<1 %) aufweist. Beweise liegen allerdings nicht vor.
Abb. 52: Schematische Degradationsabfolge gesteinsbildender Minerale des Thüringer Buntsandsteins
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nach Störr (1983) in den Kaolinlagerstätten über Mitt-
lerem Buntsandstein in Röblingen und Etzdorf an der SW-Seite des Teutschenthaler Sattels
(vgl. Abb. 30) in den feinkörnigeren Lithologien neben Illit/Muskovit vermehrt Dreischichtsi-
likate wie Smektite und Illit/Smektit-Mixed-Layer-Mineral auftreten..
Über die Verwitterungsprozesse innerhalb der Bodenhorizonte der kaolinitischen Verwitte-
rungskruste können zunächst nur Vermutungen angestellt werden, da infolge der Erosion
keine tertiären Böden beprobt werden konnten. Nach Felix-Henningsen (1990, 1995, 2000)
und Melo et al. (2001) ist zu schließen, dass in kaolinitreichen Bodenhorizonten eine relative
Anreicherung von neugebildeten feinkörnigen Kaoliniten erfolgt, da die Verwitterung der
Dreischichtsilikate intensiviert ist. Meunier (2005) beobachtete in sauren organikreichen Bö-
den gemäßigter humider Klimate eine Fragmentierung von residualen Glimmern,
Vermikuliten und Chloriten unter Bildung von Mixed-Layer-Mineralen und Smektiten.
Jasmund et al. (1976) beschreibt einen ähnlichen Vorgang in Lößböden. Hierdurch wird deut-
lich, dass die Verwitterung in den Bodenhorizonten eine wesentliche Veränderung der
Tonmineralzusammensetzung bewirken kann.
In den Bodenhorizonten der Verwitterungskruste erfolgte des Weiteren die Zufuhr von orga-
nischen Komponenten über die den Boden bedeckende Vegetation. Die Zusammensetzung
und die Menge des organischen Materials sind abhängig von äußeren Faktoren wie beispiels-
weise den klimatischen Bedingungen und der Topographie.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
87
Abb. 53: Prozesse und Produkte der Umwandlung organischer Bodensubstanzen (verändert nach Righi & Meu-
nier 1995)
Die Unterteilung der organischen Bodensubstanz erfolgt nach dem Grad ihrer Umwandlung
(Abb. 53). Die Gruppe der Huminstoffe entsteht durch mikrobiellen Abbau der Streustoffe im
Zuge der Humifizierung. Huminstoffe sind schwer abbaubare, dunkel gefärbte amorphe C-
substituierte Aromate und langkettige Aliphate, die Spaltstücke von Lipiden und Proteinen
sowie pflanzliche Nährelemente wie N, S und P enthalten (Scheffer & Schachtschabel 1998).
Sie besitzen eine Korngröße <2 µm (Schroeder 1972). Aufgrund ihrer hohen Stabilität ver-
weilen sie im Boden recht lange. Durch ihre unterschiedliche Löslichkeit in Säuren und
Laugen können die Huminstoffe in drei Fraktionen unterteilt werden (Abb. 53). Der laugelös-
liche Anteil der Huminstoffe besteht aus nicht säurelöslichen Fulvosäuren und säurelöslichen
Huminsäuren. Die laugeunlöslichen Anteile der Huminstoffe sind die Humine (Schwertmann
& Niederbudde 1993). Neben der Humifizierung existiert ein weiterer Prozess der Degradati-
on organischer Bodensubstanz, der als Mineralisierung bezeichnet wird (Abb. 53). Die
Mineralisierung ist ein mikrobieller Abbauprozess, bei dem anorganische Moleküle wie CO2,
NH4, NO3 und H2O entstehen und Nährstoffe wie N, S, Mg und Fe freigesetzt werden (Righi
& Meunier 1995).
Die Abbauprozesse der organischen Bodensubstanz besitzen einen wesentlichen Einfluss auf
die Eh/pH-Bedingungen der Bodenlösungen. Das über den Boden in die Tiefe vordringende
Sickerwasser kann nach Krumb (1998) die Kaolinisierung der Ausgangsgesteine daher maß-
geblich beeinflussen.
3.6.1.1 Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite
Die Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline sind strukturell deutlich fehlgeord-
net (0,41 bis 0,52 °2Theta), die Einlagerungsfehlordnung ist hingegen sehr gering.
Tab. 34: Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaolinla-
gerstätten Caminau, Wiesa und Spergau
Kaolin Caminau Kaolin Wiesa Kaolin Spergau
(n=25)
Heller Kaolin
(n=4)
Kaolin 1
(n=7)
Kaolin 2
(n=2)
Kristallinität
(Halbwertsbreite)
°2Theta 0,52 (0,04) 0,41 (0,02) 0,45 (0,05) 0,43
Einlagerungsfehlordnung
(Aufweitung mit DMSO)
% (n=24)
96,1 (2,6)
(n=3)
87,8 (0,5)
93,5 (5,8)
97,4
Lediglich 3 bis 12 % der Kaolinite der Fraktion <2 µm weiten mit DMSO nicht auf (Tab. 34).
Sie sind somit hoch reaktiv und enthalten nur wenige Kationen oder Moleküle, die den Einbau
des DMSO behindern.
Bemerkenswert ist in allen Lagerstätten die im Vergleich zur Einlagerungsfehlordnung hohe
prozentuale Standardabweichung der strukturellen Fehlordnung. Sie beruht auf der ver-
gleichsweise hohen Variabilität der Kristallinität des feinkörnigen Kaolinits mit der Teufe des
Verwitterungsprofils. Die Kaolinite sind in manchen Zonen des Profils besser geordnet als in
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
88
anderen. Es ist zu beobachten, dass innerhalb der Profile ein allmählicher Übergang zwischen
besser und schlechter strukturell fehlgeordneten Kaoliniten vorliegt. In der Kaolinlagerstätte
Seilitz in Sachsen ist der Kaolinit der Korngrößenfraktion <2 µm in der Tiefe und in Oberflä-
chennähe beispielsweise stärker strukturell fehlgeordnet, als im mittleren Profilbereich. (Abb.
54a). Schmitz & Germann (2001) ermittelten ein ähnliches Verhalten innerhalb des Profils
eines Porphyr-Kaolins (vgl. Abb. 38).
Abb. 54a (links): Kristallinität des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm der Lagerstätte Seilitz (Meißener
Massiv/Sachsen) und Abb. 54b (rechts): Kaolinitkristallinität der Korngrößenfraktion <2 µm in der Lagerstätte
Caminau (Lausitzer Granodioritmassiv/Sachsen)
Eine Verringerung der Fehlordnung der Kaolinite in den oberen Zonen der Verwitterungs-
kruste ist in der Lagerstätte Caminau zu beobachten (Abb. 54b). Möglicherweise wurde der
obere Teil des Verwitterungsprofils durch Erosion vollständig entfernt. In den Kaolinlager-
stätten Wiesa und Spergau ist die Probenanzahl zu gering, um eine ähnliche Variation der
strukturellen Fehlordnung mit der Teufe nachvollziehen zu können.
Der Grad der strukturellen Fehlordnung eines Kaolinits beruht nach Brandl (1991) auf der
Anzahl und der Art der Baufehler im Kaolinitkristallgitter. Die Bedeutung einzelner Baufeh-
ler im Kristallgitter der Kaolinite wird bis heute diskutiert:
Die am häufigsten beschriebene Fehlordnung des Kaolinits ist ein Stapelfehler aufein-
anderfolgender Oktaederschichten parallel der b-Achse (Brindley & Robinson 1947).
Bei geordneten Kaoliniten sind die Oktaederschichten um b/3 verschoben. Ist die Ver-
schiebung unregelmäßig (n·b/3), so liegt ein Stapelfehler infolge der Translation des
Gitters vor. Solche Kaolinite werden häufig als „Fireclay-Minerale“ bezeichnet.
Nach Murray (1954) besteht eine weitere Fehlordnung der Kaolinite in der Rotation
aufeinanderfolgender Schichten um 2п/3.
Fiedler & Steinicke (1967) beschreiben b-Achsen-fehlgeordnete Kaolinite nach Brind-
ley & Robinson (1946), die eine weitere Gitteraufweitung in c-Richtung aufweisen.
Sie gelangen zu dem Ergebnis, dass die meisten oder möglicherweise alle b-Achsen-
fehlgeordneten Kaolinite ebenfalls in Richtung der c-Achse aufgeweitet sind.
Zvyagin (1967) führt die Störung des Kristallgitters der Kaolinite auf eine Rotation
um 2п/3 bei gleichzeitiger senkrechter Translation der Schichtstapel zurück.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
89
Nach Plancon & Tchoubar (1977a, b) sowie Tchoubar et al. (1982) sind Translationen
und Rotationen nur in untergeordnetem Maße für die Fehlordnung der Kaolinite ver-
antwortlich. Sie gelangen anhand mathematischer Modelle zu dem Ergebnis, dass in
den Oktaederschichten des Kaolinits der unregelmäßige Wechsel der Aluminium-
Leerstellen einen Schichtenversatz hervorruft.
Mestdagh et al. (1980) untersuchten den Fe-Gehalt von Kaoliniten mittels Paramagne-
tischer Elektronen Resonanz Spektren (EPR). Sie unterscheiden Fe, das an der
Kristalloberfläche gebunden ist (E Iron), von intern gebundenem Fe (I Iron). Das in-
tern gebundene Fe substituiert wahrscheinlich das Al in den Oktaederschichten (vgl.
Brindley et al. 1986). Kaolinite, die eine geringe strukturelle Fehlordnung aufweisen,
besitzen einen geringen Fe-Gehalt. Das Fe ist hierbei an der Kristalloberfläche gebun-
den (E Iron). Schlecht kristallisierte Kaolinite besitzen hingegen einen höheren Fe-
Gehalt. Das Fe wird zu gleichen Teilen (50:50) an der Oberfläche gebunden (E iron)
und intern in die Kristallstruktur eingebaut (I Iron). Zusätzlich definieren Mestdagh et
al (1980) eine dritte Gruppe Kaolinite, die eine Zwischenstellung in Hinblick auf den
Gehalt und die Bindung des Fe einnimmt. Nach Vogt & Vogt (2004) enthalten fehlge-
ordnete Kaolinite bis 2 % Fe2O3.
Es ist zu vermuten, dass mehrere Gitterdefekte den strukturellen Fehlordnungsgrad des Kaoli-
nits beeinflussen. Nach Gonzales et al. (1997) sind die Gitterdefekte der Kaolinite auf die
physikalisch-chemischen Bedingungen und das geologische Umfeld zu Zeiten des Wachstums
zurückzuführen. Kurkovskij (1978) vermutet hingegen, dass die Struktur des Ausgangsmine-
rals für die Baufehler verantwortlich ist, auf dessen Oberfläche die Bildung des Kaolinits
stattfindet.
Die gleitende Veränderung des strukturellen Fehlordnungsgrads der Kaolinite der Korngrö-
ßenfraktion <2 µm mit der Teufe (vgl. Abb. 38, 54a, b) weist darauf hin, dass sich die
Zusammensetzung der Verwitterungslösungen mit der Tiefe änderte, wodurch Kaolinite mit
unterschiedlichen oder unterschiedlich ausgeprägten Defekten entstanden. Die Struktur des
Ausgangsminerals ist wahrscheinlich nur einer der Faktoren, welcher die Anzahl und die Art
der Gitterdefekte beeinflusste.
In den unteren Profilbereichen der kaolinitischen Verwitterungskruste unterlagen mafische
Minerale und in zunehmenden Maße Feldspäte der Verwitterung. Zum Hangenden wurden
auch verwitterungsresistentere Minerale sowie Dreischichttonminerale degradiert und in Kao-
linit umgesetzt. Lasch (1969) vermutet, dass die tertiäre Verwitterung dioktaedrischer
Glimmer in der Lausitz grundsätzlich zur Bildung deutlich aufgeweiteter, gering kristalliner
Kaolinite führte. Die strukturelle Fehlordnung des Kaolinits ist somit ein Abbild der sich än-
dernden Verwitterungsbedingungen innerhalb eines Profils.
Die Paläoböden der tertiären kaolinitischen Verwitterungskruste sind rezent weitgehend ero-
diert. Daher ist über die Entwicklung der Kristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der
Kaolinite in diesen Böden nur wenig bekannt. Melo et al. (2001) analysierten die strukturelle
Fehlordnung von Kaoliniten in brasilianischen Böden. Sie entdeckten, dass sich die Kristalli-
nität in der Korngrößenfraktion <2 µm deutlich verringert und der K- und Mg-Gehalt
wesentlich erhöht. Sie vermuten den reliktischen Erhalt von Schichten verwitternder Glimmer
in den neugebildeten Kaoliniten der Feinfraktion.
Felix-Henningsen (1990, 1995) untersuchte kaolinitreiche tertiäre Acrisole im Rheinischen
Schiefergebirge über einem kaolinitischem Saprolith. Demzufolge steigt der Anteil sehr fein-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
90
körniger einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite im Bodenhorizont des Verwitterungsprofils an.
Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte Felix-Henningsen (2000) bei der Untersuchung eines
rezenten Ferralsols in Swaziland. Er schliesst aus den Untersuchungen, dass es möglich sein
sollte, über die Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite in korrelaten Sedimenten deren Her-
kunft abzuleiten. Eine umfassende Diskussion erfolgt in Kapitel 5.2.2.
3.6.2 Geochemie
Die Kenntnis des Mobilitätsverhaltens und der Bindung der chemischen Elemente innerhalb
der kaolinitischen Verwitterungskruste und der Bodenhorizonte ist eine fundamentale Basis
für die spätere Interpretation der chemischen Zusammensetzung der kaolinitischen Tone.
3.6.2.1 Silizium
Die Silikate der Ausgangsgesteine der kaolinitischen Verwitterungskruste wurden im Zuge
der Verwitterung in Tonminerale umgebildet. In den sächsischen Kaolinlagerstätten wurde
das freigesetzte SiO2 im Zuge der Verwitterung teilweise abgeführt, da die Tonminerale im
Allgemeinen silikatärmer als die primären Minerale sind (Krumb 1998).
Blankenburg & Rösler (1978) beobachteten ebenfalls eine Abfuhr des gelösten SiO2 in den
sächsischen Granodiorit-Kaolinen bei pH-Werten >7. Das SiO2 in den Porphyr-Kaolinen der
Region wurde hingegen bei pH-Werten um 7 teilweise in Mixed-Layer-Mineralen fixiert.
Zudem ist eine authigene Neubildung von Quarz in diesen Kaolinen zu vermuten. Nach Blan-
kenburg & Rösler (1978) ist das SiO2, das an Quarz gebunden ist, im Gegensatz zu dem der
anderen Silikatminerale weitgehend verwitterungsresistent. In Caminau befand sich jedoch in
den hangenden Bereichen des Kaolins eine Linse eines harten, teilweise silifizierten Kaolins.
Quarzlösung und die regionale Bildung von authigenem Quarz ist demnach für den Caminau-
er Granodiorit-Kaolin gut zu belegen.
In den Bodenhorizonten bildet gelöster organischer Kohlenstoff mit organischen Resten orga-
nische Säuren, die den pH-Wert einer Verwitterungslösung bis auf einen Wert von 4 bis 5
absenken können (O’Neill 1998). Dieser gelöste organische Kohlenstoff ist nach Huang &
Keller (1970) für die Silikatlösung ausschlaggebend. Nach Bennett (1988) bildet SiO2 unter
reduzierenden Bedingungen, bei neutralen pH-Werten in einem Elektrolyt, bei Anwesenheit
hoher Konzentrationen an gelöstem organischem Kohlenstoff, mobile Huminsäure-SiO2-
Komplexe. Es ist zu vermuten, dass in den Bodenhorizonten der Verwitterungsprofile die
Mobilisierung des SiO2 in verstärktem Maße erfolgte und diese Zonen teilweise an SiO2 un-
tersättigt waren.
3.6.2.2 Aluminium und Gallium
Das Al ist bevorzugt an Feldspat und Muskovit der Ausgangsgesteine gebunden. Das silika-
tisch fixierte Al ist bei neutralen Eh-Bedingungen und einem pH-Wert von ca. 5 nur sehr
schwer löslich (Garrels & Christ 1965). Ist der pH-Wert deutlich geringer, so geht es als Al3+
in Lösung, bei stark basischen pH-Werten in Form des Aluminats (AlO2). Das Al wurde
durch die Verwitterung der Feldspäte und Glimmer der Ausgangsgesteine der Kaoline unter
reduzierenden Bedingungen in Form von Al3+-Ionen freigesetzt und umgehend in Tonmine-
ralstrukturen wieder gebunden. Der Kaolinit wird bei niedrigen pH-Werten (pH ca. 5) immer
dann gebildet, wenn nach der Lösung der Silikate eine deutliche Si-Abfuhr erfolgt. Das gerin-
ge Si/Al-Verhältnis und die Anwesenheit nur weniger konkurrierender Zwischenschicht-
Kationen, wie K+, Mg+ und Ca+ in der Verwitterungslösung, führen damit zur bevorzugten
Bildung von Kaolinit (Heim 1990). Ein relativ verwitterungsbeständiger Al-Träger der Aus-
gangsgesteine ist der Muskovit. Degradation während der Verwitterung bewirkt die
Transformation von Muskovit in Illit. Das Si/Al-Verhältnis ist in den Illiten gegenüber dem
Muskovit deutlich erhöht (Matthes 1993). Durch die Tonmineralgenese wurde das während
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
91
der Verwitterung freigesetzte Al weitgehend in der Verwitterungskruste fixiert. Nach Krumb
(1998) wurde in einigen Verwitterungsprofilen sächsischer Kaolinlagerstätten nicht das ge-
samte Al wieder in den Tonmineralen gebunden, sondern ein Teil auch abgeführt.
Das Ga kann bis zu ca. 10 % des Al in Kaoliniten substituieren, die Substitution in Drei-
schichtsilikaten ist weit größer. Unter Laborbedingungen kann Ga das Al in Smektiten
vollständig substituieren (Martin et al. 1998). In den hier untersuchten Kaolinen ist das Ga
daher überwiegend an die Tonminerale gebunden.
3.6.2.3 Alkalien und Erdalkalien
Bedeutendste Träger von Alkalien und Erdalkalien in den Ausgangsgesteinen der Kaoline
sind Feldspäte und Glimmer. Im Zuge der Silikatverwitterung werden die Alkalien und Erdal-
kalien teilweise abgeführt, bzw. in den Dreischichtsilikaten wieder gebunden. Die hier
analysierten Kaoline sind das Resultat einer Verwitterung mit einer hohen Intensität, daher
enthalten sie nur geringe Mengen an Dreischichtsilikaten. Na, Ca und Mg wurden weitgehend
entfernt, das K der Glimmer wurde innerhalb des Illits fixiert und somit in den Kaolinen zu-
mindest teilweise gebunden. Heim (1990) beschreibt die Illitisierung von Glimmern unter
Abgabe von K-, Fe- und Mg-Ionen als einen typischen chemischen Degradationsprozess.
Ca2+, H3O+ und Na+ können das K+ des Illit/Muskovits in geringem Maße substituieren. Nach
Lorenz & Gwosdz (1997) enthalten Illite zudem bis 4,3 % MgO, das in der Oktederposition
des Illits fixiert ist und bis 0,7 % CaO. Nach Gill (1993) substituiert das Rb aufgrund des gro-
ßen Ionenradius K+-Ionen in Silikaten. In den Kaolinen ist somit eine Fixierung des Rb im
bedeutendsten K-Mineral, dem Illit zu vermuten. Glimmer enthalten als Spurenelemente häu-
fig Ba und Plagioklase Sr (Rösler 1991). Die Verwitterungsprodukte des Plagioklas und der
Glimmer sind Smektite und Illite. Daher sind die Elemente Ba und Sr bevorzugt an diese
Tonminerale gebunden. Eine eindeutige mineralogische Zuordnung der Ba- und Sr-Gehalte in
den sächsischen Kaolinen ist nach Krumb (1998) jedoch nicht möglich.
Die Degradation der Glimmer verstärkt sich in den Bodenhorizonten. Felix-Henningsen
(1990, 1995) vermutet eine intensivierte Verwitterung von Glimmern bzw. Illit unter Freiset-
zung von K+-und Mg+-Ionen unter Neubildung von Kaolinit in tertiären Paläoböden des
Rheinischen Schiefergebirges. Des Weiteren können Pflanzen das nicht austauschbare K+ aus
dem Schichtzwischenraum von Glimmern und Illiten mobilisieren, indem sie einen Konzent-
rationsgradienten aufbauen, durch den der K-Fluß ansteigt. Hierdurch entstehen
beispielsweise Vermikulite (Scheffer & Schachtschabel 1998).
3.6.2.4 Titan und Niob
In den Ausgangsgesteinen der sächsischen Kaoline sind Ti und Nb nach Krumb (1998) an die
Silikate Pyroxen, Amphibol und an Glimmer gebunden. Zudem können beide Elemente in
silikatischer Bindung in Titanit (CaTi[O/SiO4]) und in oxidischer Bindung in Rutil (TiO2),
Anatas (TiO2) oder Ilmenit (FeTiO3) vorliegen. Nb ist aufgrund der ähnlichen Ionenradien in
der Lage, das Ti in diesen Mineralen zu substituieren (Fleischer et al. 1952).
Nach Gardner (1980) und Krumb (1998) ist unter reduzierenden Bedingungen nicht von einer
Immobilität des Ti auszugehen. Krumb (1998) ermittelte für die Lausitzer Kaolinlagerstätten
eine geringe bis mittlere Abfuhr des Ti. Aufgrund zu geringer Sauerstofffugazitäten erfolgte
demnach im Grauwacken-Kaolin von Cunnersdorf keine authigene TiO2-Bildung. Dem wi-
derspricht Störr (1983), der ca. 1 % authigenen Anatas in den Cunnersdorfer Kaolinen
analysierte. In den Caminauer und Wiesaer Kaolinen wurde im Zuge der Verwitterung das Ti
aus mafischen Mineralen freigesetzt und als Anatas wieder gebunden. Buchwald (1967) ana-
lysierte geringe Anteile eines Titanits im Ausgangsgestein des Caminauer Kaolins. Krumb
(1998) führt die geringe Abfuhr des Ti im Zuge des Verwitterungsprozesses auf die Auflö-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
92
sung dieses Minerals zurück. Die Spergauer Kaoline enthalten ebenfalls geringe Mengen ei-
nes authigenen Anatas. Somit ist Anatas sowohl in den Lausitzer Kaolinen als auch im
Spergauer Kaolin das bedeutendste Ti-Mineral.
Unter den zunehmend oxidischen Verwitterungsbedingungen der Bodenhorizonte blieben die
Ti-Oxide bis auf den Ilmenit als stabile oxidische Phasen weitgehend erhalten. Möglicherwei-
se erfolgte eine weitere Anreicherung des Ti durch den zunehmenden Glimmerabbau in den
Bodenhorizonten.
3.6.2.5 Eisen
Das Fe ist in den sauren bis intermediären Ausgangsgesteinen des Untersuchungsgebiets an
Amphibole, Pyroxene und Glimmer gebunden, in denen es in zweiwertiger und dreiwertiger
Form vorliegt.
Krumb (1998) führt die teilweise sehr deutliche Abreicherung des Fe im Zuge des kaoliniti-
schen Verwitterungsprozesses auf wassergesättigte, reduzierende Bedingungen zurück, unter
denen nur in den Saprolithzonen, zu Beginn der Verwitterung, eine temporäre authigene Fe-
Oxidbildung im Umfeld der Degradation von Biotit auftreten konnte. Mit zunehmender Ver-
witterungsintensität erfolgte demnach die Lösung der authigenen Fe-Oxide unter
reduzierenden Bedingungen, und das zweiwertige Fe wurde in Lösung abgeführt.
FeOOH + e- + 3H+ Fe2+ + 2H2O
Nach diesem Modell sind geringe Goethit- und Hämatitgehalte der Spergauer und Cunners-
dorfer Kaoline als authigene Relikte der Verwitterung zu betrachten. In den Kaolinen von
Caminau und den hellen Kaolinen von Wiesa ist die Hauptmenge des Fe nicht in oxidischer
Form, sondern in karbonatischer Form an Siderit gebunden. Krumb (1998) vermutet, dass das
für die Sideritbildung benötigte CO2 dem mikrobiellen Stoffabbau organischer Komponenten
in den Bodenhorizonten des Verwitterungsprofils entstammt. Im Zuge der „aeroben Wurzel-
atmung“ wird demnach Glukose zu CO2, Wasser und Energie umgewandelt:
C6H12O6 + 6O2 6H2O + 6CO2 + Energie
Die Energie wird in Form von Wärme freigesetzt, die für weitere metabolische Vorgänge ge-
nutzt werden kann. Das CO2 bildet unter Reaktion mit Wasser Hydrogenkarbonat, das eine
verstärkte Hydroniumionen-Aktivität in den Sickerwässern und eine Verringerung des pH-
Werts bewirkt.
CO2 + H2O HCO3- + H+
HCO3- CO3- + H+
Zudem können komplexe organische Säuren während des Abbaus organischer Pflanzenrück-
stände entstehen, die eine Absenkung des pH-Werts auf 4 bis 5 bewirken können (O’Neill
1998). Das Hydrogenkarbonat des Sickerwassers reagiert mit zweiwertigem Fe, das durch die
Lösung der Silikate freigesetzt wird, zu Siderit (FeCO3).
Fe2+ + HCO3- FeCO3 + H+
Die Ausführungen nach Krumb (1998) belegen, dass die Kaolinisierung zu einer deutlichen
Verringerung der Fe-Konzentration durch Abfuhr des silikatisch gebundenen Fe und zur Bil-
dung von Siderit führen konnte. Krumb (1998) widerspricht damit der Theorie einer
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
93
flächenhaften Bleichung der sächsischen Kaoline unter sauren reduzierenden Bedingungen
durch Huminsäuren aus den hangenden Torfmooren im Anschluss an die Kaolinisierung.
Nach dem älteren Modell wäre die Sideritbildung das Produkt eines Bleichungsprozesses, der
zeitlich nach der Kaolinisierung erfolgte (vgl. Neumann 1954, Buchwald 1971).
Der Caminauer Kaolin weist in den oberen Bereichen des Verwitterungsprofils ein wenig
geringere Fe-Konzentrationen auf als in den tieferen Profilbereichen. Krumb (1998) vermutet
in den Caminauer Kaolinen und in Kaolinen über Rhyolithen, dass dort durch eine geringere
Fe2+-Konzentration in der Verwitterungslösung die Stabilität des Siderits nicht mehr gewähr-
leistet war. Der Siderit wurde demnach gelöst und das zweiwertige Fe abgeführt. Die in
einigen Partien auftretende rötlich-bräunliche Färbung der höchsten Profilbereiche des Cami-
nauer Kaolins weist auf die Oxidation des Siderits hin.
Neben der Fixierung in freien Fe-Phasen ist zwei- und dreiwertiges Fe innerhalb der kaoliniti-
schen Verwitterungskruste an Kaolinit, Illit/Muskovit, Smektit und an die Mixed-Layer-
Minerale gebunden. Die Dreischichtsilikate enthalten Fe in Anteilen von ca. 0,5 bis 2,5 %
(vgl. Jasmund & Lagaly 1993), strukturell deutlich fehlgeordnete Kaolinite besitzen ca. 2 %
Fe2O3 und wenig fehlgeordnete Kaolinite ca. 0,1 bis 0,2 % Fe (Vogt & Vogt 2004). Ob es
überhaupt möglich ist Fe in die Kaolinitstruktur einzubauen und in welcher Form das Fe fi-
xiert ist, ist bis heute jedoch sehr umstritten.
3.6.2.6 Phosphor, Seltene-Erden-Elemente und Yttrium
In den Ausgangsgesteinen und den Kaolinen sind die SE-Elemente, das Y und das Phosphat
gemeinsam an Minerale wie Apatit Ca5(F,Cl,OH)[PO4]3), Monazit (Ce,La,Y,Th)PO4 sowie
Xenotim (YPO4) gebunden (vgl. Kemnitz et al. 1990, Krumb 1998). Untergeordnet können
auch Glimmer und Zirkone SE-Elemente enthalten (Möller 1989, Rösler 1991).
Nach Krumb (1998) erfolgte in den Grauwacken- und Granodiorit-Kaolinen Sachsens die
Lösung von Apatit, bei gleichzeitiger Stabilität der Leichten SEE-Minerale, wie Monazit
[(Ce, La, Y, Th) PO4] und Xenotim (Y PO4). Er diskutiert zudem die Möglichkeit einer unter-
geordneten Neubildung von Aluminiumphosphaten. Die Stoffmengenberechnungen von
Krumb (1998) weisen darauf hin, dass weitere SEE-Phosphat-Phasen in den sächsischen Kao-
linen vorliegen. Die Spergauer Kaoline dürften eine ähnliche SEE- und Y-Bindung aufweisen.
Nach Scheffer & Schachtschabel (1998) ist in hochentwickelten Böden ein Verlust von P
durch die Verwitterung des Apatits zu verzeichnen. Nach Overstreet (1967) verhalten sich
Monazit und Xenotim im Zuge der Verwitterung weit stabiler als beispielsweise Apatit. Die
Apatit-Lösung bei gleichzeitiger Stabilität der SEE-Phosphate könnte in den Bodenhorizonten
zu einer relativen Anreicherung und zu einer Dominanz spezifischer SEE-Phosphat-Minerale
führen. Die Untersuchungen von van der Weijden & van der Weijden (1995) weisen in diese
Richtung. In humusreichen Böden wird das P auch durch die Fixierung in Huminstoffen ange-
reichert.
3.6.2.7 Zirkonium und Hafnium
Zr und Hf sind in den Ausgangsgesteinen der Kaolinisierung an das Mineral Zirkon gebun-
den, wobei das Hf das Zr in geringem Maße substituiert (Rösler 1991). Krumb (1998)
analysierte eine Zunahme der Zr-Mobilität innerhalb der sächsischen Kaoline unter reduzie-
renden Bedingungen mit steigendem Gehalt an Zr-führenden Mineralen in den
Ausgangsgesteinen wie beispielsweise Glimmer, Amphibol und Pyroxen. Unter oberflächen-
nahen oxidierenden Bedingungen ist der Zirkon der Kaoline hingegen weitgehend
verwitterungsresistent.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
94
3.6.2.8 Chrom und Vanadium
Dreiwertiges Cr besitzt einen ähnlichen Ionenradius wie Al3+, Fe3+ und Ti4+. Es substituiert
diese chemischen Elemente in Mineralen wie Pyroxen, Amphibol, Chlorit, Glimmer, Rutil,
Magnetit und Ilmenit (Shiraki 1978). Im Zuge der Verwitterung wurde Cr in den Kaolinen
Sachsens überwiegend in den Tonmineralen fixiert (Krumb 1998), es kann jedoch auch an
andere Fe-Phasen gebunden sein. In Böden können bei Anwesenheit von organischer Sub-
stanz Cr(VI)-Verbindungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in Cr(III)-Verbindungen
umgewandelt werden. Enthält der Boden genügend Sauerstoff und nur wenige organische
Komponenten, so ist auch die umgekehrte Reaktion möglich. Im sauren pH-Bereich wird
CrO42- in hohem Maße adsorbiert und im Austausch gegen OH--Ionen an Fe-Oxide gebunden
(Grove & Ellis 1980).
Das V kann Fe3+ und Ti4+ in Magnetit, Ilmenit, Rutil sowie den Silikaten Pyroxen, Amphibol
und Biotit substituieren. Die Kaolinisierung dieser Minerale setzte das V frei. Durch die deut-
liche Fe-Affinität des V wurde es mit hoher Wahrscheinlichkeit in Fe-führenden Phasen der
Kaoline teilweise wieder gebunden (vgl. Landergren 1974). Untergeordnet sind sowohl Cr als
auch V mit hoher Wahrscheinlichkeit zusätzlich in Ti-führenden Mineralen der Kaoline fi-
xiert.
3.6.2.9 Bunt- und Übergangsmetalle
Cu und Zn sind in magmatischen Ausgangsgesteinen an Sulfide gebunden, können jedoch
auch Fe und Mg in Silikaten und Oxiden substituieren (Wedepohl 1972, 1974a). Im Zuge der
kaolinitischen Verwitterung der Silikate wurden sie freigesetzt. Nach Wedepohl (1972) weist
Zn eine Affinität zu Kaolinit auf. Er diskutiert die sorptive Bindung des Zn an Kaolinito-
berflächen.
Unter den reduzierenden Bedingungen der Kaolinisierung in Sachsen und Sachsen-Anhalt
blieben akzessorische Sulfide der Ausgangsgesteine weitgehend stabil. Erst in einem oxidi-
schen, oberflächennahen Milieu erfolgte die Oxidation der Sulfide und Cu und Zn wurden
mobilisiert. In den Bodenhorizonten sind Cu und Zn meist an die organische Substanz oder
die Mn- und Fe-Oxide des Bodens gebunden. Eine silikatische Bindung ist selten (Sims 1986,
Zeien & Brümmer 1991). Bei geringen pH-Werten <5 nimmt der an organische Substanzen
und Mn- und Fe-Oxide gebundene Anteil des Zn deutlich ab, ist gegenüber dem in Silikaten
gebundenen Anteil jedoch weiterhin deutlich dominant (Brümmer et al. 1986, Brümmer et al.
1988).
Pb kann in zweiwertiger Form K+, Sr2+ und Ba2+ in Silikaten substituieren (Wedepohl 1974b).
Demnach führen die Minerale Kalifeldspat, Biotit, Amphibol und Magnetit erhöhte Pb-
Gehalte. Auch SEE-Phosphate, wie beispielsweise Monazit und Xenotim, können geringe Pb-
Konzentrationen aufweisen (Wedepohl 1974b). Infolge der Substitution der Elemente K+, Sr2+
und Ba2+ und der geringen Löslichkeit des Pb bei pH-Werten >5 ist zu vermuten, dass zumin-
dest ein Teil des Pb in Tonmineralen, möglicherweise in Illit/Muskovit fixiert ist. Durch
Adsorptionsprozesse kann das Pb in Bodenhorizonten auch an Fe-, Al- und Mn-Oxide gebun-
den sein, wobei die Bindungskapazität mit dem pH-Wert ansteigt (Hildebrand & Blum 1975).
Co und Ni substituieren in basischen Mineralen wie Amphibol, Biotit und Chlorit Mg und Fe
(Turekian 1978). Während das Co unter neutralen pH-Bedingungen sehr mobil ist, verhält
sich Ni weit weniger mobil. Co weist in den sächsischen Kaolinen daher eine deutliche Abrei-
cherung im Zuge des Verwitterungsprozesses auf, das Ni blieb hingegen weitgehend in den
Kaolinen fixiert (Krumb 1998). Die Bindung des Ni konnte Krumb (1998) jedoch nicht ein-
deutig klären. In Bodenhorizonten ist es bevorzugt an Mn-, Fe- und Al-Oxide sowie an
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
95
Tonminerale gebunden (Tiller et al. 1984a, b). Die Fixierung des Co in Bodenhorizonten er-
folgt überwiegend in Oxiden, untergeordnet befindet sich Co jedoch auch in den verwitterten
Relikten Fe- und Mn-reicher Silikate (McLaren et al. 1986).
3.6.2.10 Kohlenstoff
Der Kohlenstoffgehalt der Kaoline ist im Allgemeinen sehr gering (meist <0,1 %), nur die
Spergauer Kaoline weisen höhere Werte (>0,1 %) auf. In den sedimentären Ausgangsgestei-
nen des Spergauer Kaolins könnte demzufolge bereits organisches Material umgelagert
worden sein. In den Kaolinen der Verwitterungskruste ist der Kohlenstoff vermutlich in Side-
rit fixiert und überwiegend anorganisch gebunden.
In den Bodenhorizonten der Verwitterungskruste erfolgt eine Anreicherung organischen Koh-
lenstoffs durch die Vermischung der abgestorbenen Organismen mit der anorganischen
Substanz der Kaoline. Die organischen Bestandteile des Bodens können in Wechselwirkung
mit Tonmineralen und Oxiden organo-mineralische-Komplexe bilden. Nach Schwertmann &
Niederbudde (1993) komplexieren Huminstoffe über ihre funktionelle Gruppen Fe– und Al-
Oxide und bilden Chelatkomplexe. Huminstoffe können sich zudem über austauschbare Kati-
onen an Tonminerale anlagern. An dreiwertige Kationen gesättigte Tonminerale adsorbieren
dabei mehr Huminstoffe als an zwei- und einwertige Kationen gesättigte. Wasserstoff und
Wasserstoffbrücken, die an einer Silikatoberflächen adsorbiert sind, können ebenfalls Hu-
minstoffe binden (vgl. Schwertmann & Niederbudde 1993). Neben der Adsorbtion an
Mineraloberflächen ist eine Bindung von organischen Molekülen in Schichtzwischenräumen
aufweitbarer Tonminerale sehr wahrscheinlich (Schnitzer & Kodama 1967).
Die organo-mineralischen-Komplexe besitzen nach Righi & Meunier (1995) bevorzugt eine
Größe von <0,2 µm. Sie bilden nach Turchenek & Oades (1979) jedoch gröbere, stabile Ag-
gregate, die in der Schlufffraktion angereichert sind. Welche Art Huminstoffe und welche
organo-mineralischen, bzw. organo-metallischen Verbindungen entstehen, ist abhängig von
den Bedingungen der Bodenbildung.
Die Zufuhr von kolloiden organischen Komponenten aus den Bodenhorizonten durch deszen-
dente Lösungen könnte dazu geführt haben, dass die Feinfraktion der Kaoline in der Regel an
Kohlenstoff angereichert ist.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
96
4 Der Stoffbestand der Kaolintone
Die vollständigen Analysedaten der Proben können dem Anhang entnommen werden.
4.1 Wetroer Kaolinton
Die Ergebnisse der Analysen des Oberen und des Unteren Wetroer Tons wurden getrennt
voneinander ausgewertet.
4.1.1 Granulometrische Zusammensetzung
Die granulometrische Zusammensetzung der Wetroer Tone ist sehr einheitlich. Sie sind fein-
körnig und besitzen ein Korngrößenmaximum im Bereich der Korngrößenfraktion <2 µm
(Abb. 55). Mehr als 95 % der Wetroer Tone bestehen aus dieser Korngröße.
Abb. 55: Korngrößenzusammensetzung des Oberen Wetroer Tons (n=4) und des Wetroer Haupttons (Unterer
Ton / n= 18)
Der Untere Wetroer Ton ist durchschnittlich ein wenig feinkörniger als der Obere Wetroer
Ton ausgebildet. Die in den Tonen enthaltenen faserigen Braunkohlereste (Xylite) sind weni-
ge Millimeter bis einige Zentimeter groß und unregelmäßig in den Tonen verteilt.
4.1.2 Mineralogische Zusammensetzung
Die beiden Wetroer Tone sind qualitativ identisch zusammengesetzt. Sie bestehen zu mehr als
90 % aus Kaolinit und Illit/Muskovit. Eine Unterscheidung zwischen Illit und Muskovit war
nicht möglich. Aufgrund der geringen Korngröße und des zu vermutenden hohen Degradati-
onsgrads des Illit/Muskovits ist es wahrscheinlich, dass ausschließlich Illit in den Proben
vorliegt. Als Akzessorien enthalten die Wetroer Tone Quarz und Anatas. Beide Minerale
konnten röntgendiffraktometrisch qualitativ nachgewiesen werden, jedoch keine freien Fe-
Phasen. Die Braunkohleführung und der gute Erhaltungszustand der Xylite der Tone weist auf
reduzierende Bedingungen nach der Ablagerung hin, somit ist anzunehmen, dass Pyrit oder
Markasit akzessorisch als Fe-Phasen in den Proben enthalten sind. Die Konzentrationen sind
nach der Berechnung des Pyrit-Gehalts aus der Röntgenfluoreszenzanalyse sehr gering (Tab.
36). Es ist zu beachten, dass Dreischichtsilikate und fehlgeordnete Kaolinite nach Vogt &
Vogt (2004) bis 2 % Fe2O3 enthalten können. Aus diesem Grunde könnte ein noch geringerer
Anteil des Fe an Pyrit/Markasit gebunden sein, als hier berechnet. Die Konzentration dieser
Phasen in den Proben ist damit weit geringer als 1 %. Der Quarzgehalt liegt im Bereich der
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
97
Nachweisgrenze. Eine quantitative röntgendiffraktometrische Auswertung der Gesamtproben
konnte daher nicht vorgenommen werden (Tab. 36).
Der Obere Ton ist kaolinitreicher und illit/muskovitärmer als der Untere Ton, außerdem führt
er deutlich mehr Braunkohlereste. Daher ist der Gehalt an organischem Kohlenstoff höher als
im Unteren Ton (Tab. 36).
Tab. 36: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Wetroer Tone (ge-
messene Werte ohne Quantifizierung der Ti- und Fe-Phasen)
Ton Wetro
Oberer Ton (n=4) Unterer Ton (n=18)
Gesamtproben Fraktion <2 µm Gesamtproben Fraktion <2 µm
berechnet
(XRF)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
Kaolinit % 83 (1,6) 79,2 (2,9) 96,5 (2,3) 73,5 (3,3) 70,5 (2,3) 83,3 (3,9)
Illit/Muskovit % 9 (0,9) 8,4 (0,8) 3,5 (2,3) 20,2 (2,5) 19 (1,4) 16,7 (3,9)
Smektite % <<2 <5 <5 <<2 <5 <5
Quarz % <2 <2 - <2 <2 -
Pyrit/Markasit % <<1 <1-2,4 (0,3) - <<1 <1-2 -
Anatas % <2 <2 - <2 1,5 (0,2) -
Rest (u.a. Corg) % 5,9 5,8 (1,2) - 3,7 4 (0,5) -
Die Korngrößenfraktion <2 µm gleicht mineralogisch den Gesamtproben. Die zuvor genann-
ten Unterschiede zwischen dem Oberen und dem Unteren Wetroer Ton sind auch hier zu
beobachten. Röntgendiffraktometrische Analysen (XRD) glykolisierter Texturpräparate bele-
gen, dass die Proben geringe Anteile eines quellfähigen Tonminerals enthalten. Dessen Anteil
liegt nahe oder unterhalb der Nachweisgrenze. Es wurde als „Smektit-Gruppen-Mineral“ be-
zeichnet und mit einem durchschnittlichen Anteil <5 % an den Proben bewertet (Tab. 36).
Dies stimmt mit Beobachtungen von Lasch (1973) überein, der von Montmorillonit- und Mi-
xed-Layer-Mineralen in den Wetroer Tonen berichtet, die demnach einen Anteil von ca. 10 %
an der Gesamtprobe besitzen.
Aufgrund der geringen durchschnittlichen Korngröße ist die Feinfraktion der Wetroer Tone
nahezu identisch wie die Gesamtprobe zusammengesetzt. Es ist wiederum zu vermuten, dass
nur wenig Fe in freien Fe-Phasen gebunden ist. Die aus den Ti-Werten berechneten
Anatasgehalte gleichen denen der Gesamtproben. Vergleicht man die berechneten Werte aus
der Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF) mit den gemessenen Werten der
röntgendiffraktometrischen Analyse (XRD), so weisen die gemessenen Werte erhöhte
Kaolinit- und geringere Illit/Muskovit-Gehalte auf. Zu beachten ist, dass die gemessenen
Werte nur die Minerale Kaolinit und Illit/Muskovit berücksichtigen. Für die vergleichende
mineralogische Analyse (Kap. 5.2) wurde daher für alle Lagerstätten die berechnete
Gesamtzusammensetzung der Tone aus den Ergebnissen der Röntgenfluoreszenzanalyse
(XRF) verwendet.
4.1.3 Chemische Zusammensetzung
Die chemische Zusammensetzung der Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm der
Tone kann den Abbildungen 56 und 57 entnommen werden. Das Elementspektrum ist in
massebezogenen Daten wiedergegeben. Die Tone sind SiO2- und Al2O3-reich, die
Nebenelemente besitzen Gehalte <2 %. Nur wenige Spurenelemente weisen Konzentrationen
auf, die oberhalb der Nachweisgrenze liegen. Spurenelemente deren Gehalte sich
überwiegend unterhalb der Nachweisgrenze befinden, wurden in den Abbildungen nicht
berücksichtigt, die Daten können Anhang 3 entnommen werden. Durch die besondere
Feinkörnigkeit der Tone sind die Anteile der chemischen Komponenten in der Gesamtprobe
nahezu identisch mit denen der Korngrößenfraktion <2 µm. Bemerkenswert ist eine geringe
Zunahme des Cr-Gehalts sowie des Glühverlustes (L.O.I.) in der Feinfraktion. Die Elemente
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
98
Mg, Ti, Ba, Ga, La, Nb und Sr weisen in dieser Fraktion hingegen etwas geringere Anteile auf
als in den Gesamtproben. Organischer Kohlenstoff ist aufgrund des erhöhten Anteils an
faserigen Braunkohleresten im Oberen Ton deutlich angereichert und aus diesem Grunde in
Abbildung 56 gemeinsam mit den anorganischen Komponenten abgebildet.
Abb. 56: Chemische Zusammensetzung des Oberen Wetroer Tons (Ges=Gesamtproben, <2=Korngrößenfraktion
<2 µm, n=4)
Die Ausreißer und Extremwerte (Kreise und Sterne in Abb. 57) der Analysewerte des Unteren
Wetroer Tons sind auf Proben im oberen Bereich des Profils zurückzuführen, die sich am
Übergang zum Braunkohlezwischenmittel befinden. Diese Proben sind gegenüber den
tieferen Partien um ca. 4 bis 5 % an Illit/Muskovit angereichert, was sich darin äußert, dass sie
einen erhöhten Neben- und Spurenelementgehalt aufweisen. Dieser Bereich ist ungefähr 50
cm mächtig, unterscheidet sich makroskopisch jedoch nicht von den anderen Proben des
Unteren Wetroer Tons. Um die durchschnittliche Zusammensetzung des Unteren Tons
objektiv bewerten zu können, wurden diese Proben zur Berechnung der Mittelwerte und zur
statistischen Auswertung mit herangezogen. Bemerkenswert sind die hohen Streubreiten von
K2O, Rb, Ti sowie La und V (Abb. 57).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
99
Abb. 57: Chemische Zusammensetzung des Unteren Wetroer Tons (Ges=Gesamtproben, <2=Korngrößenfraktion
<2 µm, n=18)
Korrelationsanalysen belegen die Zusammengehörigkeit von K2O, Ba und Rb, Ti und Nb
sowie untergeordnet Cr und V. Die Berechnung der linearen Regression bestätigt dies (Tab.
37).
Tab. 37: Lineare Regressionsanalyse für spezifische Elementpaare (n=22)
Al/Ga Zr/Ti K2O/Rb TiO2/Nb Cr/V
Wetro Ton Gesamt 0,333 0,658 0,987 0,927
0,605
Wetro Ton <2 µm 0,083 0,488 0,969 0,894 0,710
Illit/Muskovit ist der Hauptträger des K2O in den Wetroer Tonen. Die Korrelation von Ba und
Rb mit K2O weist darauf hin, dass beide Elemente an Illit/Muskovit gebunden sind. Das Nb
substituiert Ti in Anatas. Cr und V wurden wahrscheinlich gemeinsam über Tonminerale und
Oxide in die Tone umgelagert. Die von Grunge (1999) für die Tone von Wiesa beschriebene
Korrelation von Al2O3 und Ga sowie Zr und TiO2 ist in den Wetroer Tonen nicht zu
beobachten (Tab. 37).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
100
Der Gesamtkohlenstoffgehalt (TC) der Proben kann der Tabelle 38 entnommen werden. Die
Konzentration an Kohlenstoff ist in den Gesamtproben ein wenig höher als in der
Korngrößenfraktion <2 µm. Zudem ist der Tabelle zu entnehmen, dass der Obere Ton
kohlenstoffreicher ist als der Untere Ton. Die Korngrößenfraktion >63 µm ist durch grobe
Xylite wesentlich an Kohlenstoff angereichert und kann Konzentrationen >30 % aufweisen.
Tab. 38: Gesamtkohlenstoffgehalt ausgewählter Proben der Wetroer Tone
Wetro TC Gesamtprobe TC Fraktion <2 µm TC Fraktion > 63 µm
Oberer Ton % % %
We 6 4,04 2,95
We 19 3,02 - 32,6
Unterer Ton
We 3 1,18 1,18
We 22 2,16 1,65
We 24 1,03 1,02
Die kohlepetrographische auflichtmikroskopische Analyse der Braunkohlerelikte der Tone
ergab, dass sie fast ausschließlich aus dem Maceral Huminit bestehen. Gemeinsam mit den
makroskopischen Befunden ist davon auszugehen, dass im Zuge der Inkohlung maximal das
Weichbraunkohlestadium erreicht wurde.
4.1.4 Multivariate statistische Analyse
Wegen der geringen Probenanzahl und aufgrund der großen Ähnlichkeit der Tonproben wur-
den Faktorenanalysen für alle Wetroer Tone gemeinsam durchgeführt. Nicht alle chemischen
Komponenten der Analyse konnten berücksichtigt werden, da ein Teil der Werte unterhalb
der Nachweisgrenze liegt, bzw. einige Elemente einem Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium (MSA)
von >0,5 nicht entsprachen.
Die Faktorenanalysen der Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm ergaben ähnli-
che Ergebnisse. Im Folgenden wird daher einzig die Analyse der Korngrößenfraktion <2 µm
diskutiert. Drei Faktoren können unterschieden werden (Tab. 39). In Faktor 1 laden solche
chemischen Komponenten hoch positiv, die vorwiegend an den Illit gebunden sind, u.a. auch
das Fe. Dies gilt möglicherweise in der Feinfraktion auch für Ti und Nb. Eine Anreicherung
von Anatas gemeinsam mit Illit ist jedoch nicht auszuschließen. Eine negative Ladung weist
Al, das Hauptelement des Kaolinits auf. In diesem Sinne beschreibt Faktor 1, dass die Haupt-
varianz der Proben in ihrem unterschiedlichen Illit- (Anatas-) und Kaolinitgehalt besteht. Die
Varianz zwischen den Proben wird durch eine unterschiedliche Korngrößenverteilung, bzw.
durch ein unterschiedliches Sedimentations- oder Flockungsverhalten der Tonminerale her-
vorgerufen. Somit beruht Faktor 1 auf der hydraulischen Klassierung der Komponenten im
Zuge der Umlagerung, bzw auf einer selektiven Sedimentation der Tonminerale. Fast 45 %
der Varianz der Proben wird durch Faktor 1 erklärt.
Der zweite Faktor ist nicht eindeutig einem spezifischen Prozess zuzuordnen. Möglicherweise
beruht er ebenfalls auf Korngrößenunterschieden. SiO2 und Fe sowie Ni gelangten über Quarz
bzw. Fe-Oxide in unterschiedlichem Maße in die Tone. Negative Werte besitzt das Ca. Es ist
wahrscheinlich dort angereichert, wo verstärkt Smektite sedimentiert wurden. Die umgelager-
ten Mengen der Minerale sind sehr gering, weshalb sich bereits kleine Änderungen in der
Zusammensetzung deutlich auswirken können. Faktor 2 könnte somit auf der unterschiedli-
chen Korngröße der Quarzminerale und Fe-Oxide sowie des Smektits beruhen und auf den
hydraulischen Klassierungsprozess zurückzuführen sein. Eine weitere Interpretationsmöglich-
keit besteht darin, dass Faktor 2 die Zufuhr von Komponenten aus unterschiedlichen Quellen,
bzw. von unterschiedlichen Zonen des gleichen Kaolins verdeutlicht.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
101
Die Metalle Zn, Ga, Cr und V bilden den dritten Faktor. Nach Darbinjan (1989) reichern sich
Cr und V durch Reduktion in den liegenden Bereichen der Braunkohlen der Lausitzer
Flözhorizonte an. Dies legt nahe, dass dieser Prozess ebenfalls zu einer Bindung der Elemente
in den Tonen führen könnte. Zn kann zudem durch mikrobielle Sulfatreduktion als Sulfid in
Sedimenten angereichert werden (Darbinjan 1989). Aus Faktor 3 ist zu schließen, dass die
Metalle nicht nur in und an Tonminerale gebunden sind, sondern auch über andere Quellen in
die Tone gelangten. Die Zufuhr der Metalle erfolgte wahrscheinlich auch über Oxide, die
unter den reduzierenden Bedingungen der frühen Diagenese gelöst wurden und die Metalle
freisetzten. Aus diesem Grunde sind die Metalle rezent an die Tonminerale gebunden, liegen
jedoch auch in reduzierter Form, möglicherweise an Sulfide gebunden, fein verteilt im
Sediment vor. Faktor 3 weist somit auf frühdiagenetische Prozesse innerhalb der Tone hin.
Tab. 39: Faktorenanalyse der chemischen Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone der La-
gerstätte Wetro
Komponenten / MSA = 0,726 / n=22
Variable Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3
K2O 0,798
Ba 0,855
Rb 0,800
Sr 0,958
TiO2 0,917
Nb 0,529
Fe2O3 0,649
MgO 0,615
Cr 0,586
V 0,754
Al2O3 -0,758
SiO2 0,833
Fe2O3 0,618
Ni 0,806
Ca -0,832
Zn 0,786
Ga 0,851
Cr 0,666
V 0,564
Eigenwerte 7,194 4,049 2,846
Varianz (%) 44,965 25,304 17,786
Kum. Varianz (%) 44,965 70,269 88,055
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
102
4.2 Guttauer Kaolinton
Die Proben des Oberen und des Unteren Guttauer Tons wurden getrennt voneinander analy-
siert.
4.2.1 Granulometrische Zusammensetzung
Die Guttauer Tone sind sehr feinkörnig. In den Unteren Guttauer Tonen ist die Korngrößen-
fraktion <2 µm mit Ausnahme zweier Proben zu >90 % angereichert. Der Obere Guttauer Ton
ist etwas grobkörniger als der Untere Ton ausgebildet (Abb. 58). Der Anteil der Korngrößen-
fraktionen >2 µm ist im Unteren Ton mit Gehalten <10 % sehr gering.
Abb. 58: Korngrößenzusammensetzung der Guttauer Tone (Oberer Ton n=29 / Unterer Ton n=12)
4.2.2 Mineralogische Zusammensetzung
Die Guttauer Tone bestehen mineralogisch aus Kaolinit, Illit/Muskovit, Smektit sowie Quarz,
Anatas und Pyrit/Markasit. Die Minerale konnten entweder makroskopisch, mikroskopisch
oder durch röntgendiffraktometrische Analysen eindeutig identifiziert werden (Tab. 40).
Anhand der Standardabweichung ist zu erkennen, dass die Gehalte an Kaolinit und
Illit/Muskovit relativ konstant sind, die der anderen Minerale hingegen recht deutlich
variieren. Im Vergleich zu den Wetroer Tonen enthält der Guttauer Ton erhöhte Smektit-
Gehalte. Der Quarzgehalt ist sehr gering.
Pyrit/Markasit ist in pyritisierten Xyliten angereichert, die mehrere Zentimeter groß sind und
sich unregelmäßig verteilt im Unteren Ton befinden. Diese pyritisierten Pflanzenreste
mussten aufgrund ihrer Größe von mehreren Zentimetern getrennt von den Tonproben
analysiert werden. Röntgendiffraktometrische Untersuchungen ergaben, dass sie
ausschließlich aus Pyrit und Markasit bestehen. An der Oberfläche sind zudem
Oxidationserscheinungen in Form von Fe-Sulfaten zu erkennen. Der Gehalt an Pyrit/Markasit
ist im Unteren Ton daher weit höher, als in Tabelle 40 ausgewiesen, er kann jedoch nicht
genau quantifiziert werden. Die Zellstrukturen des pflanzlichen Materials sind durch die
Pyritisierung konserviert worden und im Anschliff zu erkennen. Es ist wiederum zu
bedenken, dass ein Teil des Fe, möglicherweise bis 2 %, in den Tonmineralen gebunden ist.
Somit enthält der Obere Guttauer Ton mindestens 2,5 % Pyrit/Markasit (Tab. 40). Im Unteren
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
103
Guttauer Ton befindet sich das Fe demnach überwiegend in Form von Pyrit/Markasit in den
grobkörnigen verkiesten Xyliten oder ist an die Tonminerale gebunden (Tab. 40).
Tab. 40: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Guttauer Tone (ge-
messene Werte ohne Quantifizierung der Ti- und Fe-Phasen)
Ton Guttau
Oberer Ton Unterer Ton
Gesamtproben
(n=26)
Fraktion <2 µm
(n=29)
Gesamtproben
(n=10)
Fraktion <2 µm
(n=10)
berechnet
(XRF)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
Kaolinit % 68,6 (2,8) 69,1 (3,3) 81,2 (4,6) 66,7 (1,7) 64,1 (2,1) 76,9 (4,5)
Illit/Muskovit % 10,2 (1,4) 12,4 (2,6) 10,1 (3,5) 15,6 (1) 18,4 (1,5) 17,2 (2,5)
Smektite % 7 (1,7) 7,4 (4,7) 8,6 (4,8) 2,7 (1,5) 6,6 (2,3) 5,9 (2,7)
Quarz % <3 3,2 (1,3) - 3,7 (1,2) 4,2 (1,3) -
Pyrit/Markasit % 2,5-4,6 (1,5) 1,5-2,9 (1,2) - <1,8 (ohne Xylite) <1 (ohne Xylite) -
Anatas % 1,7 (0,4) 1,7 (0,3) - 2 (1,2) 1,9 (0,3) -
Rest (u.a. Corg) % 4,9 3,2 (1,4) - 7,5 3,9 (1,2) -
Die Korngrößenfraktion <2 µm ist ähnlich zusammengesetzt wie die Gesamtproben (Tab. 40).
Dies ist auf die Feinkörnigkeit der Tone zurückzuführen. Eine geringe Anreicherung der
Tonminerale ist erkennbar. Aus der Berechnung der mineralogischen Zusammensetzung geht
hervor, dass sowohl Quarz als auch der Pyrit/Markasit und der Anatas teilweise recht feinkör-
nig ausgebildet sind. Subtrahiert man den vermutlichen Fe-Gehalt von 1-2 % der in den
Tonmineralen gebunden ist, so befindet sich im Unteren Guttauer Ton in der Feinfraktion
kaum Pyrit/Markasit, im Oberen Guttauer Ton hingegen ca. 1,5 % (Tab. 40).
4.2.3 Chemische Zusammensetzung
Die chemische Zusammensetzung der Guttauer Tone weist eine hohe Streuung auf. Im Ge-
gensatz zu den Wetroer Tonen sind zahlreiche Spurenelemente in erhöhten Anteilen
enthalten.
Die Ausreißer und Extremwerte (Kreise und Sterne in Abb. 59 und 60) der statistischen Ana-
lyse sind bei nahezu jedem chemischen Element auf die gleichen Proben zurückzuführen.
Daher wurden zwei Proben des Unteren Tons bei der Berechnung der mittleren mineralogi-
schen und chemischen Zusammensetzung nicht berücksichtigt sowie drei Gesamtproben des
Oberen Tons.
Chemisch dominieren SiO2 und Al2O3 die Zusammensetzung der Tone. Der Gehalt des Fe
liegt in den Oberen Tonen bei 2,5 bis 4,5 %, im Unteren Ton sind die Gehalte mit ca. 2,5 %
etwas geringer. Es ist zu beachten, dass ein großer Teil des Fe in den Unteren Tonen an die
pyritisierten Xylite gebunden ist. Das in den Xyliten gebundene Fe ist in Abbildung 60 nicht
berücksichtigt.
Ti ist in den Guttauer Tonen mit Werten >1,5 % deutlich angereichert, K2O liegt in Konzent-
rationen zwischen 1 und 2 % vor. Die Spurenelemente Ba, Rb, Sr, V und Zr weisen eine hohe
Streubreite und verglichen mit den Wetroer Tonen teilweise deutlich erhöhte Konzentrationen
auf.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
104
Abb. 59: Chemische Zusammensetzung des Oberen Guttauer Tons (Ges=Gesamtproben, <2=Korngrößenfraktion
<2 µm, n=29)
Die Unterschiede zwischen den Elementgehalten der Gesamtproben und der Korngrößenfrak-
tion <2 µm sind für die meisten chemischen Komponenten nicht sehr ausgeprägt. Eine
geringe Anreicherung von Al2O3, CaO, Ba, Sr, V und Zn ist in der Korngrößenfraktion <2 µm
zu beobachten, die Konzentrationen der anderen Elemente, vor allem von Cr, Nb, Y und Zr,
sind in dieser Fraktion hingegen geringer als in der Gesamtprobe. Ähnlich wie die Wetroer
Tone enthalten die Guttauer Tone erhöhte Konzentrationen Ni, Pb und Zn.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
105
Abb. 60: Chemische Zusammensetzung des Unteren Guttauer Tons (Ges=Gesamtproben, <2=Korngrößenfraktion
<2 µm, n=12)
Korrelationsanalysen und lineare Regressionsrechnungen ergaben keine eindeutigen Abhän-
gigkeiten der Elemente. Elementpaare, die in Tonen ansonsten häufig miteinander verknüpft
sind, weisen in den Guttauer Tonen keine Korrelation auf (Tab. 41). Ein hohes Bestimmt-
heitsmaß von R²>0,75 besitzt nur das Elementpaar K2O/Rb. Dies deutet darauf hin, dass das
Rb bevorzugt in der Korngrößenfraktion <2 µm an die Hauptkaliumkomponente des Tons,
den Illit/Muskovit gebunden ist.
Tab. 41: Lineare Regressionsrechnung für spezifische Elementpaare (n=39)
Al/Ga Zr/Ti K2O/Rb TiO2/Nb Cr/V
Guttau Ton Gesamt 0,404 0,593 0,561 0,443 0,664
Guttau Ton <2 µm 0,151 0,419 0,865 0,421 0,658
Der Gesamtkohlenstoffgehalt der Guttauer Proben liegt bei ca. 0,1 bis 1 %. Wesentliche Un-
terschiede zwischen den Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm existieren nicht
(Tab. 42). Es ist somit anzunehmen, dass der Kohlenstoff sowohl an grobkörnige Xylite ge-
bunden ist, als auch fein verteilt in der Korngrößenfraktion <2 µm vorliegt.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
106
Tab. 42: Gesamtkohlenstoffgehalt (Total Carbon) ausgewählter Tonproben der Lagerstätte Guttau
Guttau TC Gesamtprobe TC Fraktion <2 µm
Oberer Ton % %
Gu 11 0,36 0,33
Gu 29 0,13 0,22
Unterer Ton
Gu 21 0,96 0,73
4.2.4 Multivariate statistische Analyse
Fünf Proben konnten aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung für die Faktorenanalyse
nicht verwendet werden. Zudem wurden nicht alle analysierten Elemente in der Faktorenana-
lyse berücksichtigt, da sich einige Werte unterhalb der Nachweisgrenze befinden. Andere
Elemente entsprachen nicht dem intern gesetzten Standard eines Kaiser-Meyer-Olkin-
Kriteriums (MSA) >0,5.
Die Faktorenanalyse der chemischen Zusammensetzung der Guttauer Gesamtproben charak-
terisiert die mineralogische Zusammengehörigkeit und die Korngrößenabhängigkeit der
chemischen Elemente (Tab. 43).
Tab. 43: Faktorenanalyse der chemischen Zusammensetzung der Gesamtproben der Lagerstätte Guttau (Oberer
Ton n=26 / Unterer Ton n= 10)
MSA=0,653 / n=36
Variable Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3 Faktor 4
TiO2 0,914
Nb 0,833
Ce 0,896
Nd 0,900
Y 0,808
Sr 0,762
Zr 0,823
SiO2 0,616
Fe2O3 0,826
Ni 0,637
Cr 0,815
V 0,697
CaO 0,740
K2O -0,880
Rb -0,853
Ga -0,581
Ba 0,857
Al2O3 -0,700
SiO2 -0,566
Pb 0,760
Zn 0,712
Ni 0,586
Eigenwerte 6,697 5,685 1,751 1,741
Varianz 33,486 28,423 8,753 8,703
Kum. Varianz (%) 33,486 61,909 70,662 79,365
Faktor 1 erklärt 33,5 % der Varianz der Proben. In diesem Faktor sind solche Elemente zu-
sammengefasst, die in Mineralen der gröberen Korngrößen gebunden sind. Sie sind
Bestandteile der Minerale Quarz und Anatas, der SEE-Phosphate und Zirkon. Faktor 1 kann
daher als Schwermineral- oder Korngrößenfaktor bezeichnet werden. Er weist auf den bedeu-
tenden Einfluss des hydraulischen Klassierungsprozesses in Hinblick auf die
Zusammensetzung des Guttauer Tons hin.
In Faktor 2 laden CaO, Fe und die siderophilen Spurenelemente Cr, Ni und V hoch positiv.
Den Komponenten ist gemeinsam, dass sie in Festgesteinen bevorzugt an basische Minerale,
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
107
so z.B. Biotit, Amphibol und Pyroxen gebunden sind. In der Verwitterungskruste können die
Elemente Ca, Ni, Cr und V dann beispielsweise sorptiv an Goethit gebunden sein. Vermutlich
ist das Ca auch verstärkt in Smektiten fixiert. Negativ laden in diesen Faktor die Elemente K
und Rb sowie Ga, deren Herkunft aus intermediären bis sauren Mineralen abgeleitet werden
kann. Faktor 2 ist somit auf das unterschiedliche petrologische Edukt der chemischen Elemen-
te zurückzuführen. Er weist darauf hin, dass in Guttau nicht nur Detritus des Lausitzer
Granodiorits, sondern auch ein Fe-, Ni, Cr-, V- und Ca-reicher Verwitterungsdetritus basi-
scher Gesteine zur Ablagerung gelangte. Diese Annahme äußerte bereits Lasch, der 1969 die
Umlagerung basaltischer Verwitterungsrelikte in die Guttauer Tone vermutete.
Faktor 3 verdeutlicht den Gegensatz zwischen den Gehalten an Dreischichtsilikaten und Kao-
linit in den Guttauer Proben. Die Dreischichtsilikate enthalten bevorzugt Ba. Das Ba ist
wahrscheinlich nicht nur an Illit/Muskovit gebunden, sondern an verschiedene Dreischichtsi-
likate unterschiedlicher Herkunft, weshalb es sich nicht wie das K verhält. Al2O3 und SiO2
laden negativ in diesen Faktor, da sie die Hauptbestandteile des Kaolinits sind. Da die Kaoli-
nite in den Guttauer Tonen vermutlich im Durchschnitt grobkörniger ausgebildet sind als die
Dreischichtsilikate, ist Faktor 3 mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den hydraulischen Klassie-
rungsprozess im Zuge der Umlagerung zurückzuführen. Würde Faktor 3 einen selektiven
Sedimentationsprozess beschreiben, so müssten neben Ba auch K und Rb hoch positiv in die-
sen Faktor laden.
Die Elemente Pb, Zn und Ni laden hoch positiv in Faktor 4. Diese Elemente sind keinem der
Hauptminerale zuzuordnen, weil die Metalle vermutlich gleichermaßen über Tonminerale und
Oxide in die Tone gelangten. Sie liegen rezent in den Tonen sowohl gebunden an Tonminera-
le und vermutlich auch in sulfidischer Bindung vor. Neben den verkiesten Xyliten weist
Faktor 4 somit darauf hin, dass eine Reihe von Metallen über Oxide in den Guttauer Ton um-
gelagert wurde. Aufgrund der Zersetzung der Oxide unter reduzierenden Bedingungen der
frühen Diagenese erfolgte anschließend eine sulfidische Fixierung der Metalle im Sediment.
Faktor 4 ist somit auf die Zufuhr von Fe-Oxiden nicht granodioritischen Ursprungs und auf
früdiagenetische Reduktionsprozesse zurückzuführen. Insgesamt erklären die Faktoren 2 bis 4
zwischen 28,4 und 8,7 % der Varianz der Proben.
Die Faktorenanalyse für die Korngrößenfraktion <2 µm ergänzt die bisherigen Aussagen
(Tab. 44). Der erste Faktor kann wiederum als Klassierungsfaktor bezeichnet werden. Der
Klassierungsprozess führte zu einer unterschiedlichen Verteilung der Schwerminerale Anatas,
SEE-Phosphate und Zirkon sowie der Fe-Phasen in der Fraktion <2 µm der Guttauer Tonpro-
ben. Da auch Cr und V in diesen Faktor positiv laden, ist zu vermuten, dass sie überwiegend
an die Ti- und Fe-Phasen der Tone gebunden sind. Der Unterschied in der Korngrößenvertei-
lung erklärt ca. 41 % der Varianz der Proben.
Faktor 2 ist wiederum Ausdruck des Gegensatzes zwischen Elementen, die bevorzugt an basi-
sche Gesteine und solchen, die an intermediäre bis saure Gesteine gebunden sind. Zu den an
basische Gesteine gebundenen Elementen gehören Fe, Ni und das Ca. Sie gelangten über Fe-
Oxide und Smektite in die Feinfraktion der Guttauer Tone. Negativ in Faktor 2 laden die E-
lemente K, Ba und Rb. Sie sind vermutlich überwiegend an den Illit/Muskovit gebunden.
Während der Illit/Muskovit dem verwitterten Lausitzer Granodiorit zuzuordnen ist, stammen
die Fe-Oxide und die Smektite vermutlich aus den verwitterten tertiären Basalten, die sich nur
wenige Kilometer entfernt von der Lagerstätte befinden. Damit beruht Faktor 2 auf der unter-
schiedlichen Herkunft des Verwitterungsdetritus.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
108
In Faktor 3 laden Pb und Zn hoch positiv, Al2O3, SiO2 und Ga weisen hingegen negative Wer-
te auf. Sie sind an den Kaolinit der Tone gebunden. Wie bereits bei der Analyse der
Gesamtproben dargelegt, sind die Buntmetalle keinem Tonmineral zuzuordnen. Eine eindeu-
tige sorptive Bindung, bzw. eine Substitution von Elementen in spezifischen Tonmineralen ist
damit nicht nachvollziehbar. Möglicherweise drückt dieser Faktor aus, dass metallische Kom-
ponenten nicht über Kaolinit in die Tone gelangten. Wurden die Elemente bevorzugt über
Smektite und möglicherweise Fe-Oxide des Basaltzersatzes eingetragen, ist zu vermuten, dass
Proben, die erhöhte Gehalte dieser Elemente aufweisen, geringere Anteile an Kaolinit enthal-
ten. Faktor 3 beruht somit wahrscheinlich auf der Herkunft des Materials.
Tab. 44: Faktorenanalyse der chemischen Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone der La-
gerstätte Guttau (Oberer Ton n=26 / Untere Ton n=10)
MSA=0,799 / n=36
Variable Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3
TiO2 0,747
Nb 0,848
Fe2O3 0,628
Cr 0,739
V 0,901
Ce 0,947
Nd 0,923
Y 0,789
Sr 0,875
Zr 0,893
Fe2O3 0,586
Ni 0,620
CaO 0,620
K2O -0,819
Ba -0,824
Rb -0,827
Pb 0,888
Zn 0,884
SiO2 -0,645
Al2O3 -0,791
Ga -0,554
Eigenwerte 8,157 4,339 3,863
Varianz 40,785 21,694 19,317
Kum. Varianz (%) 427857 62,479 81,797
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
109
4.3 Vergleich der Wetroer und Guttauer Tone mit dem Granodiorit-
Kaolin von Caminau
Nach Lasch (1969, 1970) ist der Wetroer Ton das Umlagerungsprodukt des Lausitzer Grano-
diorit-Kaolins. Der Guttauer Ton enthält zudem geringe Anteile des Detritus eines
nahegelegenen verwitterten Basalts. Durch den Vergleich der Tone mit dem Granodiorit-
Kaolin von Caminau soll im Folgenden geklärt werden, welche Übereinstimmungen und wel-
che Unterschiede zwischen der potentiellen Quelle und den umgelagerten Produkten bestehen.
Dieses Vorgehen sollte es ermöglichen, den Einfluß unterschiedlicher Prozesse auf die Tonla-
gerstättenbildung zu bewerten.
4.3.1 Granulometrie und Mineralogie
Die Tone von Wetro und Guttau sind gleichermaßen feinkörnig und enthalten nur wenige
Prozentanteile der Korngrößenfraktion >63 µm. Im Gegensatz dazu ist der Kaolin von Cami-
nau als Verwitterungsprodukt weit grobkörniger ausgebildet, da er grobkörnigen Quarz und
Sideritkonkretionen enthält (Tab. 45).
Tab. 45: Vergleich der Korngrößenverteilung des Caminauer Kaolins und der Tone von Wetro und Guttau
Kaolin Caminau Ton Wetro Ton Guttau
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton
>63 µm % 46,5 1,4 0,3 2,6 0,8
20–63 µm % 6,7 0,6 0,1
6,3–20 µm % 11
1,2 0,4
1,6 0,6
2-6,3 µm % 18,9 2,1 0,9 2,7 1,7
<2 µm % 17 95,3 98,4 92,6 96,8
Die Kaoline und Tone sind mineralogisch qualitativ ähnlich zusammengesetzt. Neben dem
dominierenden Kaolinit enthalten sie Illit/Muskovit, Quarz und akzessorische Minerale wie
Anatas. Das Fe, das im Granodiorit-Kaolin als Siderit gebunden ist, liegt in den Tonlagerstät-
ten in sulfidischer Bindung vor (Tab. 46). In Guttau ist zudem Smektit enthalten. Da Smektit
in den Kaolinen des Lausitzer Granodiorits nur in den tieferen Verwitterungszonen auftritt, ist
die Zufuhr eines smektitreichen Basaltzersatzes, auch aufgrund der erhöhten Pyrit/Markasit-
Gehalte, in den Guttauer Tonen sehr wahrscheinlich (Tab. 46). Die SEE-Gehalte weisen auf
geringe Anteile an SEE-Phosphaten sowohl im Kaolin als auch in den Tonen hin. Aus Tabelle
46 geht hervor, dass die Tonminerale im Zuge der Umlagerung effektiv von Quarz und Siderit
getrennt wurden, weshalb der Quarz eine geringe Konzentration <4 % in den Tonen aufweist.
Tab. 46: Vergleich der mineralogischen Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Kao-
line der Lagerstätte Caminau und der Tone der Lagerstätten Wetro und Guttau (Berechnet aus Werten der XRF-
Analyse)
Kaolin Caminau Ton Wetro Ton Guttau
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton
Gesamt-
probe
Fraktion
<2 µm
Gesamt-
probe
Fraktion
<2 µm
Gesamt-
probe
Fraktion
<2 µm
Gesamt-
probe
Fraktion
<2 µm
Gesamt-
probe
Fraktion
<2 µm
Kaolinit % 47,1 75,5 83 79,2 73,5 70,5 68,6 69,1 66,7 64,1
Illit/Muskovit % 9,4 24,5 9 8,4 20,2 19 10,2 12,4 15,6 18,4
Smektite - - <2 <5 <2 <5 7 7,4 2,7 6,6
Quarz % 39,5 <2 <2 <2 <2 <2 <3 3,2 3,7 4,2
Fe-Minerale
% Siderit
<1-19,5
Siderit
<2
Pyrit
<<1
Pyrit
<1-2,4
Pyrit
<<1
Pyrit
<1-2
Pyrit
2,5-4,6
Pyrit
1,5-2,9
Pyrit
<1,8
Pyrit
<1
Anatas % <1 <1 <2 <1 <2 1,5 1,7 1,7 2 1,9
Rest
(u.a.Corg)
% -
-
5,9
5,8
3,7
4
4,9
3,3 9,7 3,9
Vergleicht man die mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm der
Tone und des Caminauer Kaolins miteinander, so bestehen nur geringe Unterschiede (Tab.
46). Der Caminauer Kaolin ist ein wenig illitreicher als die Tone. In Guttau ist zudem Smektit
in der Korngrößenfraktion <2 µm deutlich angereichert. In den Tonen der Lagerstätte Wetro
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
110
ist Smektit enthalten, jedoch liegt der Gehalt im Bereich der Nachweisgrenze und kann nicht
eindeutig quantifiziert werden. Die Tone besitzen im Gegensatz zum Kaolin erhöhte Anteile
an organischem Kohlenstoff, häufig in Form grobkörniger Xylite. Die unregelmäßige Vertei-
lung der organischen Komponenten in den Tonen lässt darauf schließen, dass sie allochthonen
Ursprungs sind und gemeinsam mit den anorganischen Komponenten umgelagert wurden.
Der Inkohlungsgrad des organischen Materials entspricht dem Weichbraunkohlestadium.
Der Ton enthält keinen Siderit und weist weit geringere Gehalte an Quarz auf als der Kaolin.
Gegenüber diesem ist er an Tonmineralen und organischen Substanzen angereichert und das
Fe liegt in sulfidischer Bindung vor.
4.3.2 Morphologie, Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite
Um die Ausbildungsform des Kaolinits in den Kaolinen und den Tonen miteinander verglei-
chen zu können, wurden rasterelektronmikroskopische Untersuchungen (REM) an fünf
Proben des Caminauer Kaolins sowie an jeweils drei Proben der Tonlagerstätten durchge-
führt.
Der Kaolinit der Lagerstätte Caminau besitzt eine Größe, die von <2 µm bis ca. 200 µm
reicht. Der größte Teil der Kaolinite ist mit einer Größe von <5 µm sehr feinkörnig und zu-
dem plättchenförmig ausgebildet. Die Plättchen sind meist unregelmäßig begrenzt und häufig
parallel zur Basis miteinander verwachsen (Bildtafel 1, Bild 1). Die Verwitterung von Kali-
feldspat führte nach Störr (1983) zur Entstehung dieses Kaolinit-Typs.
Einige der Kaolinite sind jedoch weit grobkörniger ausgebildet als die zuvor beschriebenen.
Sie sind wie die Blätter eines Buches übereinander gestapelt. Diese Ausbildungsform wird im
angelsächsischen Raum als “vermiform“ oder “booklet-type-kaolinite“ bezeichnet (Bildtafel
1, Bilder 2, 3). Diese Kaolinite besitzen meist noch eine angedeutete pseudohexagonale Form
und sind damit regelmäßiger begrenzt als die plättchenförmigen Kaolinite. Nach Störr (1983)
bilden grobkörnige Kaolinite >20 µm Pseudomorphosen nach Biotit, aus dem sie entstanden
sind. Zusätzlich unterscheidet Störr (1983) einen weiteren, mittelkörnigen Kaolinit der Korn-
größe 2 bis 20 µm. Seine Entstehung ist auf die Degradation der Smektite zurückzuführen.
Die Kaolinite der Wetroer und Guttauer Tone sind sich sehr ähnlich. Sie sind im Mittel deut-
lich feinkristalliner als die des Caminauer Kaolins (Bildtafel 1, Bilder 4, 5, 6). Die
plättchenförmigen Kaolinite sind unregelmäßig begrenzt und besitzen meist eine Korngröße
<2 µm. Zwischen den Kaoliniten befinden sich gröbere, wenige µm große Quarzkörner (Bild-
tafel 1, Bilder 4, 5).
Die Ausbildungsform der Kaolinite des Kaolins und der Tone stimmt weitgehend überein.
Insgesamt sind die Kaolinitpartikel der Tone jedoch feinkörniger und unregelmäßiger
begrenzt als die des Kaolins. Vermiforme Kaolinite treten nach eigenen Untersuchungen in
den Tonen nicht auf. Lasch (1973) beobachtete bei der mikroskopischen Untersuchung der
Lausitzer Tone sehr selten auftretende, buchförmig gestapelte Kaolinite, die er als
“Wurmkaolinite“ bezeichnet. Nach Vikulova (1964) ist die Bildung solcher Kaolinite im
Sediment ein Hinweis auf diagenetische Prozesse.
Neben der Morphologie wurden die strukturelle Fehlordnung und die Einlagerungsfehlord-
nung des Kaolinits der Kaoline und Tone miteinander verglichen (Tab. 47). Da ausschließlich
Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm analysiert wurden, konnte der Einfluss des Korngrö-
ßeneffekts auf die Untersuchungen deutlich minimiert werden. Der Kristallinitätsgrad des
Kaolinits der Fraktion <2 µm von Caminau ist mit einer durchschnittlichen Halbwertsbreite
von 0,52 °2Theta für einen in-situ-Kaolin sehr gering. Die Kaolinite der Tone weisen einen
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
111
etwas geringeren bis nahezu identischen strukturellen Fehlordnungsgrad auf. Bemerkenswert
ist die geringe prozentuale Standardabweichung der Halbwertsbreite der Kaolinite der Tone
(2,53 bis 4,14 %). Sie ist im in-situ-Kaolin etwas höher (7,8 %). Möglicherweise beruht der
geringe Unterschied der Halbwertsbreite auf einer Umlagerung spezifischer Zonen des Kao-
lins, deren Kaolinite eine etwas geringere Kristallinität aufwiesen, als die Kaolinite des hier
untersuchten Caminauer Kaolins (vgl. Kap. 3.5.1.1).
Tab. 47: Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm der Kaoline der Lagerstät-
te Caminau und der Tone der Lagerstätten Wetro und Guttau
Kaolin Caminau Ton Wetro Ton Guttau
(n=25)
Oberer Ton
(n=4)
Unterer Ton
(n=18)
Oberer Ton
(n=29)
Unterer Ton
(n=12)
Kristallinität
(Halbwertsbreite)
°2Theta 0,52 (0,04) 0,43 (0,01) 0,43 (0,01) 0,52 (0,02) 0,48 (0,01)
Einlagerungsfehlordnung
(Aufweitung mit DMSO)
% (n=24)
96,1 (2,6)
10,78 (10,4)
(n=16)
47,2 (17,3)
33 (18,6)
48,7 (17,6)
Im Gegensatz zur Halbwertsbreite der Kaolinite unterscheidet sich die
Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite sehr deutlich voneinander. Der Anteil
einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite des in-situ-Kaolins liegt bei einem Wert von <5 % (Tab.
47). Der Kaolinit der Korngröße <2 µm des Kaolins ist demnach hoch reaktiv und geht mit
polaren organischen Verbindungen zu >95 % eine Verbindung ein. Im Gegensatz dazu weiten
lediglich 10 bis 50 % der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone mit DMSO auf.
Sie sind damit weit weniger reaktiv als die des Kaolinits. Zwischen 50 und 90 % der Kaolinite
der Tone weisen folglich eine Einlagerungsfehlordnung auf. Vor allem die Kaolinite des
Oberen Wetroer Tons sind deutlich einlagerungsfehlgeordnet. Der Wert für die mittlere
Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Unteren Tone der Lagerstätten Wetro und Guttau
sind nahzu identisch und weit geringer. Es ist bemerkenswert, dass die prozentuale
Standardabweichung der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite des Caminauer Kaolins mit
2,76 % sehr gering ist, die der Tone mit Werten zwischen 96,02 % (Oberer Wetroer Ton) und
36,26 % (Unterer Guttauer Ton) hingegen sehr hoch.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
112
Bildtafel 1 (REM-Aufnahmen / Lagerstätten Caminau, Wetro und Guttau)
Bild 1: Plättchenförmiger Kaolinit der Lagerstätte
Caminau
Bild 2: Vermiformer Kaolinit umgeben von kleineren,
plättchenförmigen Kaoliniten aus der Lagerstätte
Caminau
Bild 3: Detailaufnahme eines vermiformen Kaolinits
aus der Lagerstätte Caminau
Bild 4: Kaolinit in den Tonen der Lagerstätte Wetro
(Rechts oben ist ein Quarzkorn erkennbar)
Bild 5: Kaolinit in den Tonen der Lagerstätte Wetro
(Im Zentrum ist Quarz erkennbar)
Bild 6: Kaolinit im Unteren Ton der Lagerstätte Gut-
tau
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
113
Die Ergebnisse aus der Analyse der Kristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der
Kaolinite weisen darauf hin, dass beide Größen voneinander unabhängig sind. Der
unterschiedliche Grad der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite des in-situ-Kaolins und der
Tone verdeutlicht, dass im Anschluss an die Genese des Kaolinits der Verwitterungskruste,
vor, während oder nach der Umlagerung des kaolinitischen Detritus Prozesse wirksam waren,
die zu einer Erhöhung der Anzahl einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite der Fraktion <2 µm
im Tonsediment führten. Die Beobachtung der zunehmenden Bildung von feinkörnigen
einlagerungsfehlgeordneten Kaoliniten in tertiären Bodenhorizonten durch Felix-Henningsen
(1990, 1995, 2000) könnte darauf hinweisen, dass die Kaolinite der Guttauer und Wetroer
Tone verstärkt Bodenhorizonten entstammen. Eine umfassende Diskussion der Ergebnisse
erfolgt in Kapitel 5.2.2.
4.3.3 Chemie
Elementpaare, die in Tonsedimenten häufig korreliert sind, wurden anhand von Streudia-
grammen graphisch analysiert. Sie geben Aufschluss über gleich- und verschiedenartige
Elementbeziehungen in den Kaolinen und Tonen.
Abb. 61a (links) und b (rechts): Streudiagramm Al2O3/Ga für die Proben der Lagerstätten Caminau und Wetro
sowie Caminau und Guttau (Ges=Gesamtprobe)
In Tonen sind Al2O3 und Ga häufig positiv korreliert, da das Ga das Al in Kaolinit, jedoch vor
allem in Smektit substituieren kann (Martin et al. 1998).
Der Ga-Gehalt der Tone ist etwas höher als die Konzentration in den Kaolinen. Dies gilt auch
für die Korngrößenfraktion <2 µm (Abb. 61a und b). In den Tonmineralen substituiert das Ga
das Al, möglicherweise ist es in der Gesamtprobe zusätzlich an weitere akzessorische
Minerale, möglicherweise an Sulfide gebunden. In der Fraktion <2 µm dominiert jedoch die
Bindung des Ga an Tonminerale, weshalb der Gehalt in dieser Fraktion in den Tonen ein
wenig abnimmt. Die Umlagerung von Zonen der Verwitterungskruste des Lausitzer
Granodiorit-Kaolins, die ein anderes Al2O3/Ga-Verhältnis aufweisen als der zum Vergleich
verwendete Caminauer Kaolin, kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Das K2O ist in den Kaolinen und Tonen im Wesentlichen an das Mineral Illit/Muskovit ge-
bunden, untergeordnet ist es auch in den anderen Tonmineralen zu vermuten. Die
weitgehende Übereinstimmung des Element-Verhältnisses von K2O und Rb sowohl in den
Kaolin- als auch in den Tonproben weist darauf hin, dass neben K auch das Rb an Il-
lit/Muskovit gebunden ist. Somit ist zu vermuten, dass der Illit/Muskovit der Wetroer und
Guttauer Tone dem Lausitzer Granodiorit-Kaolin entstammt (Abb. 62a, b).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
114
Abb. 62a (links) und b (rechts): Streudiagramm K2O/Rb für die Proben der Lagerstätten Caminau und Wetro
sowie Caminau und Guttau (Ges=Gesamtproben)
Die Rb-Gehalte der Fraktion <2 µm des Caminauer Kaolins sind etwas geringer als die der
Gesamtproben (Abb. 62a, b). Möglicherweise besitzt der Illit dieser Korngröße aufgrund des
Degradationsprozesses ein etwas anderes K2O/Rb-Verhältnis, als die gröberen Korngrößen.
Da die Elemente Ti und Nb im Kaolin überwiegend an den Anatas gebunden sind, ist es
möglich, die Herkunft des Anatas der Tone über einen Vergleich des Ti/Nb-Verhältnisses des
Kaolins abzuschätzen. Das Ti/Nb-Verhältnis der Wetroer Tone entspricht dem der Caminauer
Kaoline. Die Umlagerung von Anatas der kaolinitischen Verwitterungskruste des Lausitzer
Granodiorit-Massivs in die Wetroer Tone ist damit sehr wahrscheinlich (Abb. 63a).
Abb. 63a (links) und b (rechts): Streudiagramm TiO2/Nb für die Proben der Lagerstätten Caminau und Wetro
sowie Caminau und Guttau (Ges=Gesamtproben)
Das Ti/Nb-Verhältnis der Guttauer Tone ist weit variabler als das der Caminauer Kaoline
(Abb. 63b). Der Obere und der Untere Ton von Guttau weisen ein unterschiedliches Element-
Verhältnis auf. Der Nb-Gehalt ist im Oberen Guttauer Ton deutlich höher als in den Unteren
Guttauer Tonen. Während die Korngrößenfraktion <2 µm und die Gesamtproben des Oberen
Guttauer Tons ein nahezu identisches Element-Verhältnis besitzen, unterscheidet sich die
Korngrößenfraktion <2 µm des Unteren Guttauer Tons deutlich von der Zusammensetzung
der Gesamtproben (Abb. 63b). Insgesamt ist das Element-Verhältnis im Unteren Ton dem
Caminauer Granodiorit-Kaolin ähnlicher als das des Oberen Tons.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
115
Während das Ti/Nb-Verhältnis der Korngrößenfraktion <2 µm aus dem Lausitzer
Granodiorit-Kaolin abgeleitet werden kann, ist eine veränderte Zufuhr in den Gesamtproben
des Unteren Guttauer Tons und vor allem im Oberen Guttauer Ton zu beobachten.
Möglicherweise beruht diese Veränderung auf einer zunehmenden Schüttung von Ti-
führenden Mineralen aus dem nahen Basaltzersatz. Auf eine solche Zufuhr weisen die
erhöhten Smektit-Gehalte des Oberen Guttauer Tons hin.
Die Elemente Cr und V sind siderophil und können an Fe-Minerale, jedoch auch an die
Tonminerale der in-situ-Kaoline gebunden sein. Nach Krumb (1998) ist das V in den
Kaolinen der Lagerstätte Caminau überwiegend in Illit fixiert. Vergleicht man das Cr/V-
Verhältnis des Wetroer Tons mit dem des Caminauer Kaolins, so sind sie sich ähnlich (Abb.
64a). Dies ist ein Hinweis darauf, dass beide Elemente dem Lausitzer Granodiorit-Kaolin
entstammen und überwiegend mit den Tonmineralen in die Tone gelangten.
Abb. 64a (links) und b (rechts): Streudiagramm Cr/V für die Proben der Lagerstätten Caminau und Wetro sowie
Caminau und Guttau (Ges=Gesamtproben)
In den Gesamtproben der Lagerstätte Guttau stimmt das Cr/V-Verhältnis ebenfalls gut mit
dem des Lausitzer Granodiorit-Kaolins überein, in der Feinfraktion ist die V-Konzentration
jedoch deutlich erhöht (Abb. 64b). Vergleicht man dieses Ergebnis mit den Faktorenanalysen
(Tab. 43, 44) so wird deutlich, dass Cr und V in Guttau sowohl über Tonminerale, als auch
über Fe-Phasen des Basaltzersatzes in die Tone gelangten. Der veränderte V-Gehalt in der
Feinfraktion könnte somit darauf hinweisen, dass feinkörniges Fe- bzw. V-reiches basisches
Material im Sediment fixiert wurde.
Die chemische Zusammensetzung untermauert die Herkunft der Wetroer Tone aus Lausitzer
Granodiorit-Kaolin. Eine Zufuhr von Material aus einer anderen Quelle ist nicht erfolgt. Die
Elementgehalte der Guttauer Tone variieren teilweise recht deutlich. Somit verdichten sich
die Hinweise darauf, dass der Guttauer Ton neben Material des Lausitzer Granodiorit-Kaolins
zusätzlich Komponenten eines verwitterten basischen Gesteins enthält.
Das An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente der Tone von Wetro und
Guttau im Zuge der Umlagerung wurde durch Kalibrierung auf die Elementgehalte des in-
situ-Granodiorit-Kaolins von Caminau überprüft (Tab. 48). Werte <1 bedeuten eine Abreiche-
rung, Werte >1 eine Anreicherung der chemischen Komponenten.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
116
Tab. 48: An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente in den Tonlagerstätten Wetro und Guttau,
normiert auf Caminauer Kaolin
Caminau Gesamtprobe Caminau Korngrößenfraktion <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Guttau Guttau Wetro Wetro
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton
SiO2 0,7 0,7 0,7 0,7 1,04 1,07 0,97 1,02
Al2O3 1,5 1,5 1,6 1,6 0,95 0,95 0,99 0,98
Fe2O3 1,2 0,9 0,6 0,7 1,27 0,94 0,58 0,71
MgO 1,9 1,9 1,3 1,8 0,78 0,71 0,56 0,76
CaO 1,9 1,6 3,8 3,0 1,31 1,13 2,23 1,83
K2O 1,4 1,9 0,8 1,8 0,55 0,80 0,36 0,78
TiO2 4,4 4,9 2,2 3,9 13,41 15,65 7,08 12,24
P2O5 4,5 3,1 1,0 1,0 0,45 0,29 0,18 0,17
As 3,6 1,0 1,0 1,0 0,40 0,40 1,00 1,00
Ba 6,3 6,2 3,7 7,5 2,80 3,23 1,59 3,40
Bi 1,7 1,7 1,7 1,7 6,10 6,00 1,00 1,00
Ce 3,5 2,5 1,4 1,4 2,17 1,63 0,45 0,45
Co 1,0 1,0 1,0 1,0 2,44 1,22 1,00 1,00
Cr 5,0 3,2 2,7 3,9 1,14 0,39 1,73 2,30
Cu 10,3 2,0 4,0 2,0 7,24 1,00 4,50 2,00
Ga 2,1 2,3 2,4 2,6 1,04 1,14 1,21 1,34
La 21,4 18,6 6,8 10,1 3,32 3,16 6,15 6,26
Mo 2,0 2,0 2,0 2,0 2,28 2,36 1,00 1,00
Nb 5,0 4,1 2,1 3,0 11,20 9,37 6,42 8,50
Nd 3,0 2,4 1,0 1,2 2,19 1,74 0,42 0,95
Ni 5,2 3,3 3,9 4,5 5,49 3,23 3,58 3,92
Pb 2,8 2,7 2,0 2,9 2,94 2,57 1,00 2,22
Pr 3,9 3,8 1,0 1,8 0,63 0,63 1,00 1,00
Rb 1,6 2,2 0,8 1,8 0,76 1,06 0,40 0,89
Sc 2,5 1,9 1,0 1,7 1,75 1,40 1,00 1,00
Sm 2,7 2,3 1,0 1,0 2,60 2,19 1,00 1,00
Sr 34,7 18,8 14,1 19,2 15,93 10,27 4,90 6,88
V 4,4 3,5 2,7 3,8 2,90 2,44 1,69 2,12
Y 0,8 0,8 0,1 0,1 1,41 1,13 0,25 0,25
Zn 7,2 4,7 3,0 3,8 5,29 1,35 1,15 1,54
Zr 0,8 0,4 0,1 0,1 2,7 1,6 0,6 0,6
Einige Trends sind zu erkennen. SiO2, Y und Zr weisen in den Gesamtproben der Tone, bis
auf die Korngrößenfraktion <2 µm der Tone von Guttau, eine deutliche Abnahme der Kon-
zentration auf. Möglicherweise ist die Zunahme in der Feinfraktion der Guttauer Tone ein
Hinweis darauf, dass sie feinschluffige Komponenten enthalten. Das Verhalten von SiO2, Y
und Zr ist im Allgemeinen mit der Klassierung der groben Komponenten Quarz und Zirkon
sowie spezifischer Phosphate wie Xenotim im Zuge des Umlagerungsprozesses zu erklären.
Da Quarz in der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone kaum mehr auftritt, ist dort das SiO2 an
die feinkörnigen Tonminerale gebunden. Daher weisen die Tone in dieser Fraktion SiO2-
Konzentrationen auf, die ähnlich denen des Kaolins sind.
Die SE-Elemente der Kaoline sind im Regelfall an SEE-Phosphate gebunden (Krumb 1998).
Die Elemente Ce, La, Nd, Pr und Sm sind in den Guttauer Tonen gegenüber den Kaolinen aus
Caminau deutlich angereichert. Es ist zu vermuten, dass Inhomogenitäten innerhalb des Aus-
gangsgesteins, eine unterschiedliche Korngröße der SEE-Minerale sowie die Zufuhr von SE-
Elementen aus einer weiteren Quelle Ursache dieser Anreicherung sind. Die Gesamtproben
der Wetroer Tone weisen SEE-Gehalte auf, die ähnlich sind wie die des Kaolins. In der Korn-
größenfraktion <2 µm ist hingegen eine deutliche Abreicherung der Elemente Ce und Nd zu
verzeichnen. Möglicherweise sind beide bevorzugt an Zirkon gebunden, weshalb die Abnah-
me der Konzentration in der Feinfraktion auf den Klassierungsprozess zurückzuführen ist. La,
Pr und Sm weisen hingegen ähnliche Werte auf wie in den Gesamtproben. Das An- und Ab-
reicherungsverhalten der SE-Elemente ist damit sehr variabel und nicht eindeutig einem
spezifischen Prozess zuzuordnen.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
117
Das TiO2 ist in den Tonen sowohl in den Gesamtproben als auch in der Korngrößenfraktion
<2 µm deutlich angereichert. Ein ähnlicher Trend ist für das Nb zu verfolgen, das bereits in
den Kaolinen eine hohe Affinität zu Ti aufweist (Lasch 1970, 1973, Kumb 1998, Grunge
1999). Als Ti-Phase wurde Anatas in den Proben sicher nachgewiesen. Nach Lasch (1969,
1970) und Störr (1983) besitzt der Anatas des Lausitzer Granodiorit-Kaolins eine Korngröße,
die deutlich geringer ist als 2 µm. Daher wird er gemeinsam mit den Tonmineralen
umgelagert, was zu einer Anreicherung des TiO2 in den Tonen und dort in der
Korngrößenfraktion <2 µm führt (Abb. 65). Zudem können Illite bis 1,4 % Ti enthalten (vgl.
Daten in Lorenz & Gwosdz 1997).
Abb. 65: Anatas in der Korngrößenfraktion <2 µm des Wetroer Tons
Die Gesamtproben und die Korngrößenfraktion <2 µm der Wetroer Tone enthalten geringere
Fe-Konzentrationen als die Kaoline. Hierfür gibt es zwei Erklärungen. In den Kaolinen liegt
das Fe meist in karbonatischer Bindung als Siderit vor. Der Siderit der Kaoline ist recht
grobkörnig, weshalb er mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zuge der Umlagerung durch
Klassierung aussortiert wurde. Aus diesem Grunde weisen die Wetroer Tone geringere Fe-
Gehalte auf, als der Caminauer Kaolin. Zudem ist die Oxidation des Siderits während des
Transportvorgangs zu vermuten. Wurde der Siderit jedoch in den oberflächennahen Zonen der
kaolinitischen Verwitterungskruste bereits weitgehend oxidiert (Störr 1983, Krumb 1998), so
erfolgte die Umlagerung des Fe in Form von Fe-Oxiden.
In Guttau wurde vermutlich deutlich mehr Fe-Oxid umgelagert als in der Lagerstätte Wetro.
In den Unteren Tonen ist der Pyrit/Markasit überwiegend an pyritisierte Xylite gebunden, in
den Oberen Tonen liegt der Pyrit/Markasit hingegen verstärkt fein verteilt im Sediment vor.
Hierfür sind die zersetzten Platintiegel im Zuge der Probenpräparation der Guttauer Tone für
die Röntgenfluoreszenzanalyse ein Beleg. Die Fe-Oxide der Guttauer Tone entstammen
vermutlich dem nahegelegenen Basaltvorkommen. Nach der Umlagerung in die Tone erfolgte
die Reduktion der Fe-Oxide und die Bildung von Fe-Sulfiden innerhalb des Tonsediments. Da
die verkiesten Xylite des Guttauer Tons zu groß sind, um sie gemeinsam mit den Tonen zu
beproben, entsteht durch die Mittelwertbildung der Eindruck, die Unteren Guttauer Tone
seien Fe-ärmer als der Kaolin (Tab. 48).
Die chemischen Komponenten Al2O3, MgO, CaO und K2O sind an die Tonminerale Kaoli-
nit, Illit/Muskovit und Smektit gebunden. Ihre Anreicherung in den Gesamtproben ist auf die
hydraulische Klassierung im Zuge der Umlagerung zurückzuführen (Tab. 48). Grobkörnige
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
118
Komponenten wurden entfernt und die Tonminerale angereichert. In der Korngrößenfraktion
<2 µm ist eine solche Anreicherung mit Ausnahme des CaO nicht zu beobachten. Der Gehalt
an Al2O3 entspricht dem der Kaoline. K2O und MgO weisen eine deutliche Abnahme der
Konzentrationen in der Feinfraktion auf. Hauptträger dieser chemischen Komponenten ist der
Illit/Muskovit. Die Caminauer Kaoline enthalten mehr Illit/Muskovit als die Tone. Dies ist auf
die inhomogene Verteilung, bzw. auf die unterschiedliche Korngrößenverteilung der Minerale
innerhalb der kaolinitischen Vewitterungskruste zurückzuführen. Daher ist beim Vergleich
der Granodiorit-Kaoline mit den Guttauer und Wetroer Tonen eine Abreicherung der beiden
Komponenten in der Korngrößenfraktion <2 µm zu beobachten. Das überwiegend an die
feinstkörnigen Smektite gebundene CaO wird durch Umlagerung und Klassierung in der
Korngrößenfraktion <2 µm der Tone deutlich angereichert. Möglicherweise wurde es zusätz-
lich sorptiv gebunden an Fe-Oxide in die Tone umgelagert In der Lagerstätte Guttau ist davon
auszugehen, dass die Smektite und Fe-Oxide aus dem nahegelegenen Basaltzersatz zugeführt
wurden.
Na2O ist bereits in den intensiv verwitterten Caminauer Kaolinproben nicht mehr nachzuwei-
sen. Es wurde in der kaolinitischen Verwitterungskruste bereits weitgehend gelöst und
abgeführt (Krumb 1998). Daher erfolgte keine Umlagerung in die Tone, weshalb die Na2O-
Gehalte der Tonproben unterhalb der Nachweisgrenze liegen.
Die Konzentration der Spurenelemente ist bis auf wenige Ausnahmen in den Tonen sowohl in
den Gesamtproben als auch in der Korngrößenfraktion <2 µm deutlich erhöht. Tonminerale
sind in der Lage, Spurenelemente sorptiv zu binden, zudem können die Spurenelemente
Hauptelemente im Kristallgitter der Tonminerale substituieren. In den Tonen ist eine Anrei-
cherung der Spurenelemente Ba, Rb, Sr und Ga sowie der Metalle Cr, V, Ni, Pb, Cu und Zn
zu verzeichnen.
In den Tonen der Lagerstätten Wetro und Guttau substituiert das Ga das Al in den Tonmine-
ralen und ist vermutlich auch an Sulfide gebunden. Rb, Ba und Sr substituieren in den
Dreischichtsilikaten im Wesentlichen das K. Cr und V zeigen in den Faktorenanalysen eine
Affinität zu Fe. Eine Bindung an die Tonminerale und Fe-Phasen der Kaoline und Tone ist
wahrscheinlich. In Wetro ist eine weitere Bindung der beiden Elemente an den Illit der Tone
zu vermuten. Die Metalle Pb, Zn und Ni können sorptiv an Tonminerale und Fe-Phasen der
Tone gebunden sein und wurden gemeinsam mit diesen umgelagert. Die Faktorenanalysen
weisen darauf hin, dass sie eigene, wahrscheinlich sulfidische Mineralphasen in den Tonse-
dimenten bilden. Das Cu ist in Guttau deutlich angereichert, da es vermutlich mit den Fe-
Oxiden des Basaltzersatzes umgelagert wurde, jedoch nicht an Tonminerale gebunden ist.
Hf, Th, As, Bi, Mo und Co liegen in den Kaolinen und Tonen meist in Konzentrationen vor,
die in der Nähe der Nachweisgrenze bzw. darunter liegen, weshalb eine Aussage zum Verhal-
ten dieser Elemente nicht erfolgen kann.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
119
4.3.4 Zusammenfassung
Die Schlussfolgerungen zur Genese der Wetroer und Guttauer Tone sind in Abbildung 66
schematisch zusammengefasst.
Die chemische und mineralogische Zusammensetzung des Wetroer Tons ist aus der
kaolinitischen Verwitterungskruste des Lausitzer Granodiorits gut herzuleiten. In Gut-
tau ist vermutlich ein in der Nähe befindlicher Basaltzersatz, der dem Ton
überwiegend smektitische Komponenten und Fe-Oxide zuführte, am Aufbau der Tone
beteiligt. Unterschiede zwischen dem Oberen und dem Unteren Guttauer Ton beruhen
wahrscheinlich auf der unterschiedlichen Mischung der Komponenten beider Quellen.
Die gute Sortierung der Tone könnte auf Fernschüttungen hinweisen. Die Beteiligung
des nahen Basaltzersatzes am Aufbau der Guttauer Tone widerspricht jedoch dieser
These. Die feinkörnigen Tonminerale und der grobkörnige Quarz wurden während der
kurzstreckigen Umlagerung des Lausitzer Granodiorit-Kaolins effektiv voneinander
getrennt.
Die Faktorenanalysen belegen, dass die Zusammensetzung der Tone überwiegend auf
einem hydraulischen Klassierungsprozess beruht, im Zuge dessen Schwerminerale und
grobkörnige Komponenten weitgehend aussortiert wurden. Feinkörnige Tonminerale
und der Anatas der Verwitterungskruste reicherten sich an. Über diese Minerale er-
folgte der Eintrag der Spurenelemente Ba, Rb, Sr, Ga, Nb, Cr, V, Pb, Zn und Ni in die
Tone. Die Spurenelemente substituieren die Hauptelemente des Kristallgitters oder
sind sorptiv an die Minerale gebunden.
Die Kristallinität und die Morphologie der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm
der Tone ist ähnlich wie die des Lausitzer Granodiorit-Kaolins. Eine Umlagerung der
Kaolinite der Verwitterungskruste in die Tone ist hieraus abzuleiten. Die Einlage-
rungsfehlordnung der Kaolinite der Tone ist hingegen wesentlich höher. Dies könnte
darauf hinweisen, dass ein Teil der Kaolinite aus den Bodenhorizonten der Verwitte-
rungskruste stammt, dies insbesondere in den Oberen Tonen der Lagerstätten Wetro
und Guttau.
Organisches Material der Bodenhorizonte und des Ablagerungsraums wurde im Zuge
der Umlagerung den anorganischen Komponenten beigefügt und gemeinsam mit die-
sen sedimentiert.
Eine diagenetische Überprägung der Tone ist nachweisbar. Die organischen Kompo-
nenten besitzen einen Inkohlungsgrad, der dem des Weichbraunkohlestadiums
entspricht.
Neben der Kompaktion der Tone sind mehrere Zentimeter große pyritisierte Braun-
kohlenhölzer in den Guttauer Tonen ein weiteres Indiz für diagenetische Prozesse.
Neben Fe sind die Metalle Pb, Zn, Ni und untergeordnet auch Cu, Cr und V in den
Guttauer Tonen deutlich angereichert. Da die Guttauer Tone auch erhöhte Pyritanteile
aufweisen, ist die Umlagerung großer Mengen Fe-Oxide zu vermuten, die dem basi-
schen Basaltzersatz entstammen. Sorptiv an die Oxide gebundene Metalle wurden
durch deren Lösung unter reduzierenden Bedingungen während der Diagenese freige-
setzt und möglicherweise wie das Fe in sulfidischer Form im Sediment fixiert. In den
Wetroer Tonen wurden weit weniger Fe-Oxide umgelagert, weshalb der Pyritgehalt
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
120
und die Metallanreicherung in den Wetroer Tonen geringer sind als in den Guttauer
Tonen.
Abb. 66: Genese der Wetroer und Guttauer Tone
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
121
4.4 Wiesaer Kaolinton
Die Zusammensetzung der Wiesaer Tone wurde anhand von 5 Einzelproben ermittelt. Für die
multivariate statistische Analyse wurden die mit dem gleichen Analysegerät an der TU Berlin
erhobenen chemischen Daten solcher Proben von Grunge (1999) herangezogen, die von die-
sem lithologisch als „Tone“ klassifiziert wurden. Eine Clusteranalyse der chemischen
Elementkonzentrationen der 5 Einzelproben mit den 22 Proben von Grunge (1999) ergab,
dass die Ähnlichkeit der Proben sehr hoch und eine gemeinsame Auswertung möglich ist.
4.4.1 Granulometrische Zusammensetzung
Die Tone der Lagerstätte Wiesa sind im Vergleich zu den Wetroer und Guttauer Tonen grob-
körniger ausgebildet und daher schluffreich. Der Anteil der Korngrößenfraktion <2 µm ist mit
ca. 37,5 % relativ gering (Abb. 67).
Abb. 67: Korngrößenzusammensetzung der Wiesaer Tone (n=5)
4.4.2 Mineralogische Zusammensetzung
Der Wiesaer Ton enthält ca. 45 bis 50 % Quarz. Der aus der röntgendiffraktometrischen Ana-
lyse (XRD) graphisch ermittelte Quarzgehalt ist deutlich höher (Tab. 49). Neben 30 bis 40 %
Kaolinit enthalten die Wiesaer Tone durchschnittlich ca. 20 % Illit/Muskovit. Anatas konnte
röntgendiffraktometrisch qualitativ sicher nachgewiesen werden. Eine sulfidische Bindung
des Fe in den braunkohlereichen Tonlagen ist zu vermuten. In einigen der grobkörnigen Par-
tien ist eine oxidische Bindung des Fe, beispielsweise als Goethit, nicht auszuschließen.
Tab. 49: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Tone der Lagerstätte
Wiesa (gemessene Werte ohne Quantifizierung der Ti- und Fe-Phasen)
Ton Wiesa (n=5)
Gesamtprobe Fraktion <2 µm
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
Kaolinit %32,9 (6,7) 16,4 (5,2) 72,6 (2,3) 66,3 (17,6)
Illit/Muskovit %19,5 (2,7) 9,9 (2,4) 21,3 (4,2) 33,7 (17,6)
Quarz %46,1 (9,1) 73,7 (6,4) 2 (1,4) -
Pyrit/Markasit %<1 - ca. 1 -
Anatas %ca. 1 - ca. 1 -
Rest (u.a.Corg) %ca. 0,1 - 2,1 (1,3) -
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
122
In der Korngrößenfraktion <2 µm ist der Quarzgehalt deutlich vermindert. Der Illit/Muskovit-
Gehalt der Korngrößenfraktion <2 µm entspricht dem der Gesamtproben. Damit ist ein be-
trächtlicher Teil des Illit/Muskovits an die gröberen Korngrößenfraktionen gebunden. Dies
lässt darauf schließen, dass nicht nur feinkörniger Illit, sondern auch relativ grobkörnige
Muskovitrelikte umgelagert wurden (Tab. 49). Die Pyrit/Markasit- und die Anatasgehalte sind
in der Feinfraktion gegenüber den Gesamtproben nicht wesentlich erhöht und im Allgemeinen
sehr gering.
4.4.3 Chemische Zusammensetzung
Die Tone bestehen überwiegend aus SiO2 und Al2O3. Nur ein kleiner Teil der Spurenelemente
ist in Konzentrationen enthalten, die oberhalb der Nachweisgrenze liegen (Abb. 68).
Abb. 68: Chemische Zusammensetzung der Wiesaer Tone (Ges=Gesamtproben, <2=Korngrößenfraktion <2 µm, n=5)
Eine Abnahme der Gehalte an SiO2 und Zr ist in der Korngrößenfraktion <2 µm zu verzeich-
nen. Die Konzentration von TiO2, Nb und Y bleibt weitgehend konstant. Die Gehalte der
anderen chemischen Komponenten nehmen in der Korngrößenfraktion <2 µm deutlich zu.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
123
Die Elementkonzentrationen weisen in den Wiesaer Tonen aufgrund der geringen Probenzahl
eine geringe Streubreite auf. Ausnahmen bilden hier der SiO2-Gehalt der Gesamtproben, die
Fe2O3- und Zn-Gehalte sowie die Konzentrationen des K2O und des Ba in der Korngrößen-
fraktion <2 µm. Sie sind auf variable Gehalte an Quarz und Zirkon in den Gesamtproben und
Illit/Muskovit in der Feinfraktion zurückzuführen. Die hohe Variabilität der Fe-Gehalte der
Wiesaer Tone beschreibt bereits Grunge (1999). Die Bindung des Fe ist nicht eindeutig zu
klären.
Korrelationsanalysen und die Berechnung der linearen Regression für spezifische Element-
paare sind nur für die Gesamtproben durch die Daten von Grunge (1999) statistisch gesichert.
In den Gesamtproben ist eine Bindung des Ga an Al und somit an den Kaolinit der Tone deut-
lich abzuleiten. Die gute lineare Regression für das Elementpaar K2O/Rb weist zudem darauf
hin, dass das Rb an den Illit/Muskovit der Tone gebunden ist (Tab. 50). Die Korrelation von
Cr und V ist darauf zurückzuführen, dass beide Elemente in gemeinsamen Mineralphasen
fixiert sind.
Tab. 50: Lineare Regressionsrechnung für spezifische Elementpaare (Geamtproben n=27 / Fraktion <2 µm n=5)
Al/Ga Zr/Ti K2O/Rb TiO2/Nb Cr/V
Wiesa Ton Gesamt 0,719 0,158 0,778 0,367 0,720
Wiesa Ton <2 µm - 0,633 0,843 0,359 0,016
Abgesehen von großen Stubben von Taxodioxyon sequoianum Gothan und faserigen Braun-
kohlenholzrelikten in den oberen Partien der Sedimentabfolge weist der Ton nur geringe
Mengen an organischen Komponenten auf. Unterschiede im Gesamtkohlenstoffgehalt der
Proben sind darauf zurückzuführen. Die Probe Wiesa 3 enthält beispielsweise faserige Braun-
kohlenholzrelikte, weshalb sie einen Kohlenstoffgehalt von 11,75 % besitzt (Tab. 51). Da
oberflächennahe Oxidationsprozesse in dieser Probe zu beobachten sind, wurde sie und zwei
weitere Proben nicht für die statistische Auswertung verwendet. Die Wiesaer Tone sind
durchschnittlich recht kohlenstoffarm. Sie enthalten ca. 0,2 bis 0,5 % Kohlenstoff.
Tab. 51: Gesamtkohlenstoffgehalt in ausgewählten Tonproben der Lagerstätte Wiesa
Wiesa TC Gesamtprobe TC Fraktion <2 µm
Oberer Ton % %
Wi 3 11,75 4,47
Wi 5 0,18 0,52
Das organische Material der Tone kann als Weichbraunkohle bezeichnet werden. Es besteht
überwiegend aus dem Maceral Huminit. Das organische Material der geringmächtigen Kohle-
flöze, bzw. die Kohletonlagen innerhalb der sedimentären Abfolgen und die in den oberen
Tonen befindlichen Stubben von Taxodioxyon sequoianum Gothan sind mit hoher Wahr-
scheinlichkeit autochthonen bis parautochthonen Ursprungs. In den tieferen Zonen ist
aufgrund der unregelmäßigen Verteilung der grobkörnigen organischen Substanzen zu vermu-
ten, dass diese allochthonen Ursprungs sind.
4.4.4 Multivariate statistische Analyse
Eine Faktorenanalyse konnte nur für die Gesamtproben durchgeführt werden, da die Anzahl
der Proben der Korngrößenfraktion <2 µm für eine solche Analyse zu gering ist. Neben den
fünf eigenen Tonproben wurden die Analysen der 22 Proben von Grunge (1999) mit in die
Berechnung einbezogen. Die Gesamtzahl der Proben liegt somit bei 27.
Faktor 1 der Faktorenanalyse erklärt 50 % der Varianz der Proben (Tab. 52). In diesen Faktor
laden solche Elemente hoch positiv, die an Tonminerale gebunden sind. Hierzu gehören ne-
ben Al2O3 und K2O auch Spurenelemente wie Ga, Ba, Rb, Cr, V und Ni. Da Ti und Nb positiv
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
124
in Faktor 1 laden, ist davon auszugehen, dass der Anatas des Tons eine sehr geringe Korngrö-
ße besitzt. Im Gegensatz dazu laden solche Elemente negativ in Faktor 1, die in der
Grobfraktion angereichert sind. Hierzu gehören SiO2, Hf und Zr. Diese Elemente sind an
Quarz und Zirkon gebunden.
Tab. 52: Faktorenanalyse der chemischen Zusammensetzung der Gesamtproben der Tone der Lagerstätte Wiesa
(Eigene Daten und Daten nach Grunge 1999).
Komponenten / MSA=0,672 / n=27
Variablen Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3 Faktor 4
Al2O3 0,912
Ga 0,870
TiO2 0,686
Nb 0,733
K2O 0,911
Ba 0,926
Rb 0,817
Sr 0,669
Cr 0,895
Ni 0,690
V 0,849
SiO2 -0,893
Hf -0,804
Zr -0,752
MgO 0,765
CaO 0,553
Mo 0,892
Ce 0,913
Nd 0,922
Fe2O3 0,941
Eigenwerte 9,900 2,905 2,311 1,634
Varianz (%) 49,502 14,524 11,554 8,170
Kum. Varianz (%) 49,502 64,025 75,579 83,750
Faktor 1 kann somit als Klassierungsfaktor betrachtet werden, der darauf zurückzuführen ist,
dass während der Umlagerung des Verwitterungsdetritus der kaolinitischen Verwitterungs-
kruste durch die Strömung gröbere, fluviatil abgelagerte Quarze und Zirkone von den
flachlimnisch sedimentierten Tonmineralen sowie Anatas getrennt wurden. Da Cr und V in
diesen ersten Faktor laden ist zu vermuten, dass sie sorptiv an die Tonminerale gebunden
sind.
In Faktor 2 laden MgO und CaO hoch positiv, die innerhalb der Tonproben an Dreischichtsi-
likate, in Wiesa an den Illit/Muskovit gebunden sind. Der Faktor könnte auf die Mischung
unterschiedlicher Quellen, möglicherweise der Lausitzer Grauwacken- und Granodiorit-
Kaoline hinweisen. Dies würde erklären, weshalb Mg und Ca nicht gemeinsam mit K2O einen
Faktor bilden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Faktor 2 geringe Mengen eines
Smektits repräsentiert, der röntgendiffraktometrisch in den Wiesaer Tonen nicht nachzuwei-
sen ist, da der Gehalt unterhalb der Nachweisgrenze liegt.
Faktor 3 kann als SE-Element-Faktor bezeichnet werden. Positiv laden hier die Elemente Ce
und Nd. Da sie keine negative Ladung in Faktor 1 aufweisen, ist die Varianz dieses Faktors
nicht eindeutig auf die hydraulische Klassierung von SEE-Phosphaten zurückzuführen. Mög-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
125
licherweise besitzen die SEE-Phophate eine variable Korngröße oder entstammen unter-
schiedlichen Quellen.
In Faktor 4 befindet sich als einzige Komponente das Fe2O3. Der Faktor deutet auf eine unter-
schiedliche Verteilung des Fe in den Tonproben hin. Neben der Bindung an Tonminerale
erscheint eine Fixierung des Fe an freie Fe-Phasen wahrscheinlich. Aufgrund der geringen
Konzentration des Fe in den Tonen konnte die Bindungsform jedoch nicht eindeutig geklärt
werden. Nach Grunge (1999) ist die Fe-Verteilung innerhalb der Lagerstätte Wiesa ebenfalls
nicht homogen, sondern sie nimmt nach NE hin zu. Die Migration saurer Lösungen aus über-
lagernden Torfmooren führte nach Buchwald (1971) zu einer Bleichung der Kaoline in der
Nähe der Tone. Die Fe-Verteilung wäre somit auf einen sekundären Prozess zurückzuführen,
der im NE der Lagerstätte zu einer Anreicherung des Fe führte. Grunge (1999) beobachtete
zusätzlich, dass in schluffig-sandigen Lithologien, an der Grenze zu weißem Kaolin, das Fe in
besonderem Maße angereichert ist.
Faktor 4 ist auf die hohe Mobilität des Fe in den Wiesaer Sedimenten zurückzuführen. Ver-
mutlich wurde das Fe lokal angereichert, in anderen Zonen jedoch auch abgeführt. Daher ist
es in den grobkörnigen Partien der sedimentären Abfolge vermutlich eher als Oxid, in den
feinkörnigen, organikreichen Sedimenten hingegen vermehrt als Sulfid gebunden. Die Ände-
rungen der Eh/pH-Bedingungen könnten auch zu einer selektiven Lösung von SEE-Phophaten
beigetragen haben (vgl. Krumb 1998). Möglicherweise beruht hierauf Faktor 3.
Die Faktoren 2-4 erklären jeweils zwischen 8 und 14,5 % der Gesamtvarianz der Proben. Die
Hauptvarianz beruht jedoch eindeutig auf einem hydraulischen Klassierungseffekt.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
126
4.5 Vergleich des Wiesaer Tons mit den Kaolinen von Cunnersdorf und
Wiesa
Nach Lasch (1969, 1973) gibt es zwei Quellen für die mineralischen Komponenten des Wie-
saer Tons, den Lausitzer Granodiorit-Kaolin und den Lausitzer Grauwacken-Kaolin.
4.5.1 Granulometrie und Mineralogie
Vergleicht man den Granodiorit-Kaolin von Wiesa mit den Grauwacken-Kaolinen von Cun-
nersdorf (Daten nach Krumb 1998), so sind Unterschiede in der Korngrößenverteilung, der
Chemie und der Mineralogie zu verzeichnen. Der Grauwacken-Kaolin ist feinkörniger als der
Granodiorit-Kaolin. Neben der Korngrößenfraktion <2 µm ist auch die Schlufffraktion deut-
lich angereichert (Tab. 53). Der Wiesaer Ton ist wesentlich feinkörniger als die Kaoline. Er
besitzt jedoch ebenfalls einen erhöhten Schluff- und Sandanteil (Tab. 53).
Tab. 53: Vergleich der Korngrößenverteilung des Wiesaer und des Cunnersdorfer Kaolins mit den Tonen von
Wiesa (Daten des Cunnersdorfer Kaolins nach Schellenberg & Kleeberg 1997)
Cunnersdorf Wiesa
Kaolin Kaolin Ton
>63 µm %27 59 8,6
20–63 µm %9,7 16,7
6,3–20 µm %13,8 22,4
2-6,3 µm %
53
8,2 14,7
<2 µm %20 9,4 37,6
Die Grauwacken-Kaoline sind illitreicher jedoch kaolinitärmer als der Granodiorit-Kaolin von
Wiesa. Die Quarzgehalte liegen zwischen 36 und 48 % (Tab. 54). Der hohe Quarzgehalt von
ca. 46 % der Wiesaer Tone beruht vermutlich auf der Umlagerung von Quarz der Schlufffrak-
tion der Kaoline. Der Wiesaer Ton ist daher ähnlich zusammengesetzt wie die schluffige
Fazies des Grauwacken-Kaolins (Tab. 54).
Tab. 54: Vergleich der mineralogischen Zusammensetzung der Gesamtproben der Wiesaer und Cunnersdorfer
Kaoline mit den Wiesaer Tonen (Berechnete Werte aus der XRF-Analyse / Daten des Anatas der Cunnersdorfer
Kaoline nach Störr 1983)
Kaolin Cunnersdorf Wiesa
tonige Fazies schluffige Fazies Kaolin Ton
Kaolinit % 24 30 59 32,9
Illit/Muskovit % 40,5 19 1,5 19,5
Quarz % 34,9 48,4 36,3 46,1
Fe-Minerale
% Goethit
0,6
Goethit
2,6
Siderit
ca. 1
Pyrit
<1
Anatas % <1 <1 <1 1
Rest (u.a.Corg) % - - 1,6 <1
Somit hat Lasch (1969, 1973) neben Granodiorit-Kaolin eine wesentliche Beimischung eines
Grauwacken-Kaolins in den Tonen der Lagerstätte Wiesa postuliert. Die Zufuhr quarzreichen
Materials des Lausitzer Grauwacken-Kaolins erscheint plausibel. Die paläogeographische
Lage der Lagerstätte unterstützt diese These, da sie sich an der Grenze des Lausitzer Granodi-
orits zum Verbreitungsgebiet der Lausitzer Grauwacke befindet. Beide Lausitzer Kaoline
enthalten jedoch Quarz der Schlufffraktion, somit ist nicht abschließend zu klären, woher der
Quarz des Tons im einzelnen stammt.
Illit/Muskovit ist im Wiesaer Granodiorit-Kaolin nach eigenen Analysen in Anteilen von ca. 2
% enthalten. Die Werte der Analysen von Störr (1983) und Grunge (1999) für den Wiesaer
Kaolin variieren hingegen zwischen 4 und 15 %. Dies weist darauf hin, dass der Granodiorit-
Kaolin von Wiesa sehr inhomogen zusammengesetzt ist. Aussagen über die Quelle des Wie-
saer Tons, die auf dem Illit/Muskovit-Gehalt der Proben basieren, sind demnach mit großer
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
127
Vorsicht zu treffen. Ein hoher Anteil sehr feinkörnigen Illit/Muskovits, wie ihn Lasch (1969)
analysierte, konnte in den vorliegenden Tonproben nicht identifiziert werden.
Die granulometrische Analyse und die mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben
der Wiesaer Tone weist darauf hin, dass die Umlagerung des Materials der kaolinitischen
Verwitterungskruste zu einer Anreicherung der feineren Korngrößenfraktionen in Wiesa führ-
te, jedoch keine umfassende Trennung von Tonmineralen und Quarz bewirkte.
Betrachtet man die Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm, so wird deutlich, dass
diese Fraktion des Wiesaer Tons eine mineralogische Zusammensetzung besitzt, die mit der
des Granodiorit-Kaolintons von Wetro und Guttau nahezu identisch ist (Tab. 55). Ein starker
Einfluss des Granodiorit-Kaolins auf diese Korngrößenfraktion ist daher zu vermuten.
Tab. 55: Vergleich der mineralogischen Zusammensetzung der Fraktion <2 µm des Wiesaer Tons mit dem Wie-
saer Kaolin und den Oberlausitzer Tonen (Berechnete Werte aus der XRF-Analyse)
Wiesa Wetro Guttau
Kaolin Ton Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton
Kaolinit % 90,5 72,6 79,2 70,5 69,1 64,1
Illit/Muskovit % 3,4 21,3 8,4 19 12,4 18,4
Smektite - - <5 <5 7,4 6,6
Quarz % <2 <2 <2 <2 3,2 4,2
Fe-Minerale
% Siderit
ca. 1
Pyrit
1
Pyrit
<1-2,4
Pyrit
<1-2
Pyrit
1,5-2,9
Pyrit
<1
Anatas % 2 ca. 1 <1 1,5 1,7 1,9
Rest (u.a.Corg) % 2,8 2,1 5,8 4 3,3 3,9
Innerhalb der Wiesaer Kaoline treten auch grobkörnige Quarze auf, die gelegentlich Lösungs-
erscheinungen aufweisen können. Ähnliche Erscheinungen findet man auch in einigen
Quarzen des Wiesaer Tons. Der Quarz ist in der Regel kantengerundet, teilweise auch eckig
(Abb. 69).
Abb. 69: Korngrößenfraktion >63 µm des Wiesaer Tons - Quarz und Zirkon erkennbar (Lange Bildkante 0,7mm/
gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
128
4.5.2 Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite
Neben dem Mineralbestand wurde der Fehlordnungsgrad der Kaolinite der Korngrößenfrakti-
on <2 µm der Wiesaer Kaoline und Tone ermittelt. In Tabelle 56 ist die Kristallinität und die
Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Wiesaer Kaoline und Tone zusammengefasst.
Die Kristallinität des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm des Wiesaer Tons ist nahezu
identisch mit der des Wiesaer Kaolins. Die Streuung der Werte ist in den Kaolinen nur wenig
gegenüber der des Tons erhöht. Die identische strukturelle Fehlordnung des Kaolinits der
Fraktion <2 µm der Kaoline und Tone könnte darauf hinweisen, dass die Kaolinite des Tons
dem Lausitzer Granodiorit-Kaolin entstammen.
Die Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite ist in den Tonen hingegen weit größer als in den
Kaolinen und die Streubreite ebenfalls deutlich erhöht. Sie ist nahezu identisch mit der der
Kaolinite der Tone von Wetro und Guttau. Es ist daher wiederum zu vermuten, dass die Kao-
linite teilweise aus Bodenhorizonten stammen (vgl. Felix-Henningsen 1990, 1995). Eine
umfassende Analyse erfolgt in Kapitel 5.2.2.
Tab. 56: Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm der Kaoline und Tone der
Lagerstätte Wiesa
Wiesa
Kaolin
(n=4)
Ton
(n=3)
Kristallinität
(Halbwertsbreite)
°2Theta 0,41 (0,02) 0,42 (0,01)
Einlagerungsfehlordnung
(Aufweitung mit DMSO)
% 87,8 (0,5) 37,27 (16)
4.5.3 Chemie
Zur spezifischen Bestimmung der Herkunft der Minerale des Wiesaer Tons wurde das Ver-
hältnis ausgewählter Elementpaare im Vergleich zu dem der potentiellen Quellen
(Grauwacken-Kaolin und Granodiorit-Kaolin) mittels Streudiagrammen untersucht. Hierzu
wurden die chemischen Analysen der Tonlagerstätte Wiesa, des Cunnersdorfer Grauwacken-
Kaolins und des Wiesaer Granodiorit-Kaolins verwendet. Von den Cunnersdorfer Kaolinen
existieren ausschließlich Daten für die Gesamtproben nach Krumb (1998).
Abb. 70: Streudiagramm Al2O3/Ga für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten
nach Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
129
Das Verhältnis von Al2O3 zu Ga in den Tonen und den Wiesaer und Cunnersdorfer Kaolinen
ist Abbildung 70 zu entnehmen. Sowohl die Kaoline als auch die Tone weisen ein ähnliches
Al2O3/Ga-Verhältnis auf. Das Ga ist somit überwiegend an den Kaolinit gebunden. Die Her-
kunft der Kaolinite der Wiesaer Tone ist aus dem Al2O3/Ga-Verhältnis nicht herzuleiten, es
erweist sich als unabhängig vom Ausgangsmaterial.
Die Kaoline aus Wiesa und Cunnersdorf sowie die Wiesaer Tone weisen ein ähnliches Ver-
hältnis von TiO2 zu Nb auf (Abb. 71). Eine Bindung des Nb an den Anatas der Proben ist
hieraus abzuleiten. Wiederum ist das Elementverhältnis nicht auf einen spezifischen Aus-
gangskaolin zurückzuführen.
Abb. 71: Streudiagramm TiO2/Nb für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten
nach Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Die Korrelation der Spurenelemente Ba und Rb mit dem K2O-Gehalt der Wiesaer Kaolin- und
Tonproben ist ein Hinweis auf die Bindung der Elemente an den Illit/Muskovit der Proben
(Abb. 72, 73).
Abb. 72: Streudiagramm K2O/Ba für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten
nach Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Das Verhältnis der Elemente K, Rb und Ba (Abb. 72-74) weist darauf hin, dass der Il-
lit/Muskovit der Tone dem Lausitzer Granodiorit-Kaolin entstammt. Das Element-Verhältnis
in den Cunnersdorfer Grauwacken-Kaolinproben weist eine weit höhere Streuung auf.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
130
Abb. 73: Streudiagramm K2O/Rb für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten
nach Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Abb. 74: Streudiagramm Ba/Rb für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten nach
Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Ein weiteres Indiz für die überwiegende Herkunft des detritischen Materials der Wiesaer Tone
aus Lausitzer Granodiorit-Kaolin ist das Cr/V-Verhältnis (Abb. 75). Während die Cunners-
dorfer Kaoline eine höhere Streubreite aufweisen, ist das Verhältnis der Elemente in den
Gesamtproben des Wiesaer Tons und des Wiesaer Kaolins nahezu identisch. Wie bereits in
den Tonen von Guttau zu beobachten, nimmt der V-Gehalt in der Korngrößenfraktion <2 µm
der Tone gegenüber der Gesamtprobe deutlich zu. Der Cr-Gehalt nimmt hingegen in gerin-
gem Maße ab. Möglicherweise verändert sich das Cr/V-Verhältnis der Tonminerale in der
Feinfraktion. Zudem ist zu vermuten, dass die Cr- und V-Gehalte der Proben auch von der
Konzentration akzessorischer Fe-Phasen abhängig sind. Da der Cr-Gehalt der Feinfraktion des
Wiesaer Kaolins unterhalb der Nachweisgrenze liegt, kann über das Cr/V-Verhältnis keine
Aussage getroffen werden.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
131
Abb. 75: Streudiagramm Cr/V für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten nach
Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Das Ce/Nd-Verhältnis deutet darauf hin, dass die Cunnersdorfer Kaoline durchschnittlich Nd-
reicher sind als die Wiesaer Kaoline und Tone. Somit ist davon auszugehen, dass andere SEE-
Minerale in den Cunnersdorfer Kaolinen vorliegen, als in den Kaolinen und Tonen von Wie-
sa. Da Ce und Nd in den Tonen meist an SEE-Phosphate gebunden sind, wurden sie
gemeinsam mit diesen umgelagert. Das ähnliche Ce/Nd-Verhältnis der Wiesaer Kaoline und
Tone (R²=0,837) weist deutlich auf eine Herkunft der Phosphate aus Lausitzer Granodiorit-
Kaolin hin (Abb. 76).
Abb. 76: Streudiagramm Ce/Nd für die Kaoline und Tone der Lagerstätten Wiesa (Eigene Daten und Daten nach
Grunge 1999) und Cunnersdorf (Daten nach Krumb 1998)
Die chemische Zusammensetzung der Wiesaer Tone ist eher mit der Herkunft der Minerale
aus Lausitzer Granodiorit-Kaolinen vereinbar. Eine Beimischung vor allem der Schlufffrakti-
on des Grauwacken-Kaolins ist jedoch wahrscheinlich.
Neben der Analyse ausgewählter Elementpaare wurde das An- und Abreicherungsverhalten
der chemischen Elemente der Wiesaer Tone im Zuge des Umlagerungsprozesses durch Nor-
mierung der Werte auf Wiesaer Granodiorit-, bzw. Cunnersdorfer Grauwacken-Kaolin
bestimmt (Tab. 57).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
132
Da die Wiesaer Tone schlecht sortiert und quarzreich sind, erfolgte in den Tonen keine we-
sentliche Verringerung der SiO2-Konzentration. Die Tonminerale wurden im Zuge des
Umlagerungsprozesses nur in geringem Maße angereichert. Fe wurde zum Teil sekundär in
den Tonen fixiert. Während ein großer Teil der chemischen Elemente in Bezug auf den Cun-
nersdorfer Kaolin eine Abnahme aufweisen, sind sie in Bezug auf den Wiesaer Kaolin
angereichert (Tab. 57). Aus der Analyse der Wetroer und Guttauer Tone geht hervor, dass im
Zuge der Umlagerung im Allgemeinen eine Anreicherung der meisten chemischen Kompo-
nenten in den Tonen erfolgt. Daher weist die Anreicherungstendenz der Elemente des Wiesaer
Tons im Vergleich mit dem Wiesaer Granodiorit-Kaolin darauf hin, dass der Ton verstärkt
dem Lausitzer Granodiorit-Kaolin entstammt und Material des Lausitzer Grauwacken-Kaolins
in weit geringerem Maße in die Tone gelangte (Tab. 57). Die variable Zusammensetzung der
Kaoline von Wiesa und Cunnersdorf macht es jedoch unmöglich, die Herkunft der meisten
Komponenten der Wiesaer Tone sicher einem der Ausgangskaoline zuzuordnen.
Tab. 57: An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente der Tonlagerstätte Wiesa normiert auf Cun-
nersdorfer Grauwacken-Kaolin, bzw. Wiesaer Granodiorit-Kaolin
Kaolin Cunnersdorf Gesamtproben
Kaolin Wiesa
Gesamtproben
Kaolin Wiesa
<2 µm
Wiesa
Ton
Wiesa Ton
(Grunge 1999)
Wiesa
Ton
Wiesa Ton
(Grunge 1999)
Wiesa
Ton
SiO2 1,10 1,11 1,12 1,13 1,06
Al2O3 1,09 1,00 0,78 0,71 0,94
Fe2O3 0,15 0,18 1,27 1,52 1,26
MgO 0,38 0,24 4,08 2,64 5,28
CaO 1,37 1,08 2,80 2,20 0,95
Na2O 2,73 0,13 20,33 1,00 0,52
K2O 0,75 0,71 11,76 11,10 6,16
TiO2 1,47 1,37 1,44 1,33 0,45
P2O5 0,05 0,05 0,50 0,50 0,46
As 1,00 1,92 1,00 1,92 1,00
Ba 1,08 1,02 8,19 7,73 4,27
Bi 5,80 0,27 1,39 0,07 1,03
Ce 0,46 0,69 2,79 4,23 0,72
Co 0,35 0,14 1,00 0,40 3,70
Cr 0,06 1,09 0,23 4,00 9,56
Cu 1,00 5,36 1,00 5,36 1,00
Ga 1,03 1,04 0,89 0,91 0,91
Hf 1,31 1,28 1,03 1,01 1,66
La 0,13 0,22 1,00 1,62 0,51
Mo 2,10 3,98 2,10 3,98 0,88
Nb 1,16 1,26 1,44 1,55 0,40
Nd 0,29 0,42 2,90 4,26 0,78
Ni 0,73 0,73 2,70 2,70 3,32
Pb 0,38 0,57 1,00 1,51 0,39
Pr 0,31 0,19 1,60 1,00 0,61
Rb 0,53 0,50 4,29 4,07 2,48
Sc 0,48 0,24 1,00 0,50 2,64
Sm 1,00 1,00 1,00 1,00 0,90
Sr 0,91 0,71 2,05 1,59 1,30
Th 0,63 0,63 1,00 1,00 0,37
V 0,88 0,95 2,51 2,68 1,53
Y 0,40 0,51 0,92 1,19 3,72
Zn 0,12 0,33 1,00 2,74 1,39
Zr 1,15 1,28 1,04 1,15 5,7
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
133
4.5.4 Zusammenfassung
Die Entstehung des Wiesaer Tons ist in Abbildung 77 schematisch zusammengefasst.
Die Zusammensetzung des Wiesaer Tons kann auf die hydraulische Klassierung des
Lausitzer Granodiorit-Kaolins und untergeordnet des Lausitzer Grauwacken-Kaolins
zurückgeführt werden. Grobkörnige Komponenten wurden klassiert und feinkörnige
Tonminerale der Tonfraktion sowie Quarz der Schlufffraktion angereichert. Die nahe-
zu identische Kristallinität des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm und das
gleichartige K2O/Ba/Rb-Verhältnis weist darauf hin, dass die Tonminerale überwie-
gend den Lausitzer Granodiorit-Kaolinen entstammen.
Eine Umlagerung von Anatas erfolgte in den Wiesaer Tonen ebenso wie in den
Wetroer und Guttauer Tonen. Fe-Oxide wurden vermutlich lokal und in geringen
Mengen zugeführt.
Die Umlagerung der Tone erfolgte kurzstreckig. Dies ist aus der im Gegensatz zu den
Tonen von Wetro und Guttau schlechteren Sortierung der Tone zu schließen. Mit der
Umlagerung der Tonminerale erfolgte der Eintrag von Spurenelementen, die entweder
Hauptelemente der Tonminerale substituieren oder sorptiv an die Tonmineraloberflä-
chen gebunden sind. Hierzu gehören die Spurenelemente Ga, Ba, Rb und Sr sowie die
Metalle Cr, V, Ni, Pb und Zn. Eine genauere Zuordnung ist aufgrund der unterschied-
lichen Quellen des Tons nicht möglich.
Die Zu- bzw. Abfuhr des Fe kann in Wiesa nicht abschließend geklärt werden. Das
mobile Verhalten des Fe in der Lagerstätte kann sowohl auf die lokale sekundäre Blei-
chung der Tone hinweisen, als auch die Zufuhr von Fe-reichen Lösungen aus den
hangenden Torfmooren bedeuten. Aufgrund der gut erhaltenen organischen Reste in
den Tonen ist von reduzierenden Bedingungen und neben der Bindung an Tonminera-
le von einer bevorzugten sulfidischen Fixierung des Fe auszugehen. Eine
untergeordnete lokale oxidische Bindung des Fe ist jedoch in den grobklastischen Ab-
folgen nicht auszuschließen.
Allochthones organisches Material der Bodenhorizonte der Verwitterungskruste wurde
gemeinsam mit den anorganischen Komponenten in den Tonen gebunden. Die Fixie-
rung kurzstreckig umgelagerter parautochthoner organischer Komponenten ist in den
oberen Partien der Lagerstätte wahrscheinlich.
Die Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Wie-
saer Tone ist gegenüber denen des Wiesaer Kaolins deutlich erhöht. Die Werte sind
ähnlich wie in den Wetroer und Guttauer Tonen. Dies könnte darauf hinweisen, dass
neben tieferen Zonen der Verwitterungskruste auch Bodenhorizonte umgelagert wur-
den.
Diagenetische Prozesse sind durch die Inkohlung der organischen Substanz der Wie-
saer Tone nachweisbar. Der Inkohlungsgrad entspricht dem Weichbraunkohlestadium.
Es gibt, bis auf eine geringe Kompaktion des Tonsediments, keine Hinweise auf dia-
genetische Prozesse, die anorganische Komponenten betroffen haben.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
134
Abb. 77: Genese des Wiesaer Tons
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
135
4.6 Roßbacher Kaolinton
Aus den Ergebnissen der Analytik geht hervor, dass die drei bei der Probenahme unterschie-
denen Roßbacher Tone und der Kohleton zwei Gruppen ähnlicher Zusammensetzung
zugeordnet werden können (vgl. Abb. 34). Die erste Gruppe bilden die Roßbacher Tone 1 und
3, die zweite der Kohleton gemeinsam mit dem Roßbacher Ton 2.
4.6.1 Granulometrische Zusammensetzung
Die Tone besitzen ein Maximum im Bereich der Korngrößenfraktion <2 µm (Abb. 78).
Abb. 78: Korngrößenverteilung der Roßbacher Tone (Ton 1 und 3 n=20 / Kohleton und Ton 2 n=4)
Der Ton 2 und der Kohleton sind deutlich feinkörniger als die Tone 1 und 3. Diese sind
schluffreich und enthalten ca. 50 % Komponenten, die eine Korngröße >2 µm besitzen.
Der zwischen Ton 1 und dem Kohleton befindliche Schluff besteht zu 82 % aus Korngrößen
zwischen 2 und 63 µm. Er enthält nur geringe Anteile der Korngrößenfraktion >63 µm (ca. 8
%) und der Fraktion <2 µm (ca. 10 %).
4.6.2 Mineralogische Zusammensetzung
Die Roßbacher Tone bestehen aus Quarz, den Tonmineralen Kaolinit, Illit/Muskovit und ei-
nem Illit-Smektit-Wechsellagerungsmineral, das zu 70 bis 80 % aus Illit und zu 20 bis 30 %
aus Smektit besteht (Tab. 58). Die Analyse der Zusammensetzung des Mixed-Layer-Minerals
wurde nach Moore & Reynolds (1989) durchgeführt. Im Roßbacher Kohleton konnten zudem
geringe Mengen eines Smektits nachgewiesen werden. In einer Schluffprobe befindet sich
neben Anatas auch Rutil. Pyrit tritt sehr selten auf. Eine geringe Anzahl rötlich-brauner Ver-
färbungen in den Tonen weisen auf die Oxidation des Pyrits hin. In einigen Tonen sind des
Weiteren bis mehrere Zentimeter große faserige Braunkohleholzrelikte unregelmäßig in den
Tonen verteilt. Stedingk et al. (2005) beschreiben eine Probe in den Roßbacher Tonen, in der
Feldspatreste in der Größenordnung von ca. 1 % analysiert wurden. In der vorliegenden Un-
tersuchung wurde in keiner der Proben Feldspat nachgewiesen.
Da die Roßbacher Proben Illit/Muskovit und Illit/Smektit-Mixed-Layer-Minerale enthalten,
ist nicht zu entscheiden, welcher Anteil des K dem jeweiligen Mineral zuzuordnen ist. Um die
Zusammensetzung trotzdem aus der chemischen Analyse berechnen zu können, wurde der
durchschnittliche Gehalt des aus der Röntgendiffraktometrie ermittelten Wertes des Mixed-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
136
Layer-Minerals als Basis genommen, auf dessen Grundlage die weiteren Minerale der Ge-
samtproben berechnet werden konnten. Für die Korngrößenfraktion <2 µm wurden die
Anteile der Tonminerale ausschließlich über die Röntgendiffraktometrie bestimmt. Die Be-
rechnung der Restgehalte an Quarz, Anatas und Fe-Minerale erfolgte anschließend aus den
chemischen Analysedaten der Röntgenfluoreszenzanalyse. Nach Auswertung und Abgleich
der Ergebnisse erscheint diese Vorgehensweise für die Berechnung der mineralogischen Zu-
sammensetzung der Roßbacher Proben als vertretbar und sinnvoll.
Tab. 58: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Tone von Roßbach
(gemessene Werte ohne Berücksichtigung der Ti- und Fe-Phasen).
Roßbach Tone 1 und 3 (n=22) Roßbach Kohleton und Ton 2 (n=4)
Gesamtproben Fraktion <2 µm Gesamtproben Fraktion <2 µm
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
gemessen
(XRD)
berechnet
(XRF)
gemessen
(XRD)
gemessen
(XRD)
Kaolinit % 29,8 (5,1) 29,4 (7,8) 68,1 (6,7) 46 (3,6) 51,4 (5,7) 67,9 (2,7)
Illit/Muskovit % 13,2 (2,7) 15,5 (3) 27,3 (6,6) 20,8 (4) 18,4 (2,5) 22,9 (4,1)
I/Sm-
Mixed-Layer
%
<5
3 (0,9)
4,6 (2,2) <5 6,4 (1,4) 6,4 (3,2)
Smektit % - - - - <5 4,3 (n=2)
Quarz
%
50,5 (7,4)
52,2 (8,2)
ca. 1
(berechnet) 21,3 (2,1) 23,9 (4,6)
<5
(berechnet)
Pyrit/Markasit
%
ca. 0,5
- max. 1
(berechnet) ca. 0,5 -
max. 1
(berechnet)
Anatas/Rutil
%
ca. 1
- max. 1
(berechnet) ca. 1 -
max. 1
(berechnet)
Rest (Corg) % <2 - - 7,5 (7,2) - -
Quarz dominiert mit einem Anteil von >50 % die Zusammensetzung der Tone 1 und 3. Der
Kaolinitgehalt liegt bei ca. 30 % und der Illit/Muskovit-Anteil bei ca. 15 %. Das Illit/Smektit-
Wechsellagerungsmineral ist mit weniger als 5 % in den Proben enthalten (Tab. 58).
Kaolinit ist das Hauptmineral des Ton 2 und des Kohletons. Diese Tone sind damit deutlich
kaolinitreicher und quarzärmer als die Tone 1 und 3 (Tab. 58). Neben Kaolinit enthalten sie
ca. 18 bis 20 % Illit/Muskovit und 5 bis 7,5 % Illit/Smektit-Mixed-Layer-Minerale. Der Koh-
leton enthält zusätzlich Anteile eines Smektits, dessen Gehalt in der Gesamtprobe analytisch
unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Der Ton 2 und die Kohletone weisen infolge der Kohle-
führung der Proben erhöhte Restgehalte auf (Tab. 58).
Abb. 79: Quarz der Korngrößenfraktion >63 µm des Ton 1 der Lagerstätte Roßbach (Lange Bildkante 1,8 mm/
gekreuzte Polarisatoren/ Dünnschliff)
Die Konzentrationen des Anatas und der Fe-Minerale (max. 1 %) sind in allen Roßbacher
Tonproben im Vergleich zu den Lausitzer Kaolintonen sehr gering (Tab. 58). Das Fe ist ü-
berwiegend an die Tonminerale gebunden. In den organikreichen Proben des Ton 2 und im
Kohleton dürfte das Fe zunehmend sulfidisch fixiert sein.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
137
In der Fraktion <2 µm dominieren die Tonminerale die Zusammensetzung (Tab. 58). Der
Quarzgehalt liegt im Bereich der Nachweisgrenze. Die Korngrößenfraktion <2 µm aller Roß-
bacher Tone weist eine nahezu identische Zusammensetzung auf. Eine gemeinsame Herkunft
des Detritus kann hieraus abgeleitet werden.
Die qualitative Zusammensetzung der Fraktion >63 µm wurde exemplarisch anhand von
Dünnschliffen dreier Proben der Tone 1 und 3 untersucht. Die Zusammensetzung der Proben
wird dominiert durch Quarz. Die Korngröße des Quarz reicht bis max. 0,5 mm, sie ist jedoch
sehr variabel. Die Quarze sind eckig bis rund, meist jedoch eckig bis kantengerundet (Abb.
79). Als akzessorische Minerale treten in der Grobfraktion Zirkon und Rutil auf. Organische
Komponenten sind nur selten vertreten.
4.6.3 Chemische Zusammensetzung
Die Hauptelemente der Tone 1 und 3 zeigen bis auf das SiO2 der Gesamtproben eine sehr
geringe Streuung (Abb. 80).
Abb. 80: Chemische Zusammensetzung der Roßbacher Tone 1 und 3 (Ges=Gesamtproben, <2=Korngrößenfraktion
<2 µm, n=22)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
138
K2O, Ba und Zr weisen die höchste Streuung auf. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Gehal-
te an Illit/Muskovit und Zirkon in den Proben deutlich variieren können. Die chemischen
Komponenten SiO2, TiO2, Nb, Y und Zr weisen in der Gesamtprobe höhere Gehalte auf, als in
der Korngrößenfraktion <2 µm (Abb. 80). Dies stimmt mit der mikroskopischen Beobachtung
überein, wonach Quarz, Zirkon und Rutil in der Korngrößenfraktion >63 µm angereichert
sind. Eine mitunter deutliche Anreicherung ist demgegenüber für die chemischen Komponen-
ten Al2O3, K2O, Fe2O3, MgO, Ba, Ce, Cr, Ga, Nd, Rb, Sr und V in der Korngrößenfraktion <2
µm zu verzeichnen.
Der Ton 2 und der Kohleton besitzen im Gegensatz zu den Tonen 1 und 3 geringere SiO2- und
Zr-Gehalte. Die Konzentrationen der anderen chemischen Komponenten sind hingegen er-
höht. Die Unterschiede zwischen den Gehalten der Gesamtprobe und der Korngrößenfraktion
<2 µm sind aufgrund der Feinkörnigkeit der Tone weit geringer als in den Tonen 1 und 3
(Abb. 81). Die Streubreite der Werte ist jedoch erhöht. Bemerkenswert ist, dass wiederum
K2O und die Elemente Ba, Rb sowie Sr eine hohe Streubreite aufweisen, ein Hinweis darauf,
dass auch in diesen Tonen Dreischichtsilikate sehr unregelmäßig verteilt sind.
Abb. 81: Chemische Zusammensetzung des Roßbacher Tons 2 und des Kohletons (Ges=Gesamtproben,
<2=Korngrößenfraktion <2 µm, n=4)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
139
Der Glühverlust (L.O.I.) ist in den Kohletonen und im Ton 2 deutlich erhöht (Abb. 81). Der
Kohleton besitzt einen Gesamtkohlenstoffgehalt von ca. 8 %. Die Konzentration ist im Ton 2
deutlich geringer. Dies ist auf die zahlreichen Braunkohlerelikte innerhalb des Kohletons zu-
rückzuführen. Der Kohlenstoffgehalt steigt in der Korngrößenfraktion <2 µm in geringem
Maße an (vgl. Tab. 60). Dies erklärt den erhöhten Glühverlust in der Feinfraktion und mögli-
cherweise auch die hohe Streubreite der organophilen Elemente Cr und V.
Bivariate statistische Analysen weisen auf eine ähnliche Bindung der Elemente hin, wie in
den Oberlausitzer Tonen. Lineare Regressionsrechnungen bestätigen die Bindung des Rb an
K2O und somit an den Illit/Muskovit, bzw. das Mixed-Layer-Mineral der Tone (Tab. 59).
Tab. 59: Lineare Regressionsrechnung für spezifische Elementpaare der Lagerstätte Roßbach (n=26)
Al/Ga Zr/Ti K2O/Rb TiO2/Nb Cr/V
Roßbach Ton Gesamt 0,830 0,029 0,932 0,591 0,445
Roßbach Ton <2 µm 0,079 0,462 0,882 0,575 0,808
Wie bereits in einigen Oberlausitzer Tonen zu beobachten, ist eine lineare Beziehung zwi-
schen Al2O3 und Ga für die Gesamtproben und zwischen Cr und V nachzuweisen.
Die Kohlenstoffgehalte der Roßbacher Tone unterscheiden sich sehr deutlich voneinander.
Die Tone 1 und 3 besitzen Gehalte bis max. 0,3 %. Eine geringe Zunahme ist in der
Feinstfraktion zu verzeichnen (Tab. 60). Die Werte des Gesamtkohlenstoffgehalts sind mit 0,1
bis 0,2 % jedoch sehr gering. Sie stimmen mit der Kohlenstoffkonzentration in den Roßbacher
Tonen nach Stedingk et al. (2005) überein. Der Ton 2 und der Kohleton sind aufgrund der
Kohleführung weit kohlenstoffreicher (Tab. 60).
Tab. 60: Gesamtkohlenstoffgehalt ausgewählter Proben der Roßbacher Tone
TC Gesamtprobe TC Probe <2 µm TC Probe >63 µm
Ton 1 + Ton 3 % % %
Ro 16 0,09 0,24 0,17
Ro 29 0,16 0,28
Kohleton + Ton 2
Ro 10 7,96 8,36
Unter dem Raster-Elektronen-Mikroskop (REM) sind in den Proben des Ton 2 und des Koh-
letons Pflanzenreste der Größe <6,3 µm zu beobachten (Abb. 82). Dies stimmt mit der
Beobachtung überein, dass der Kohlenstoffgehalt in den Feinfraktion ansteigt (Tab. 60).
Abb. 82: Pflanzenrest mit poröser Struktur (Bildmitte) sowie Kaolinit im Kohleton der Lagerstätte Roßbach
(REM-Aufnahme)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
140
Die Herkunft der organischen Komponenten ist nicht abschließend zu klären. Die relativ or-
ganik- und kohlearmen Tone 1 und 3 enthalten organisches Material, das mit hoher
Wahrscheinlichkeit allochthonen Ursprungs ist. Die organischen und anorganischen Kompo-
nenten wurden gemeinsam umgelagert. Eine weitere Zufuhr organischen Materials ist aus den
Randzonen der Flüsse und Seen zu erwarten, in denen die Tone zur Ablagerung gelangten.
Die Tone 2 und der Kohleton sind weit kohlereicher. Die Zufuhr von Material aufgearbeiteter
älterer organikreicher Sedimente der tertiären Sedimentabfolge ist zu vermuten, jedoch nicht
zu belegen. Das organische Material der Kohletone ist somit nicht nur allochthonen sondern
vermutlich auch parautochthonen Ursprungs. Hinweise auf autochthone organische Kompo-
nenten in den Tonen existieren nicht.
Neben den oben aufgeführten chemischen Komponenten weisen die Tone Roßbachs nach
Stedingk et al. (2005) auch erhöhte Gehalte an Sulfaten auf. Die Werte reichen von 600
mg/kg Trockensubstanz bis >700 mg/kg Trockensubstanz. In Klebsanden sind demnach bis
ca. 1200 mg Sulfate pro kg Trockensubstanz enthalten. Eigene Untersuchungen wurden nicht
durchgeführt.
4.6.4 Multivariate statistische Analyse
In Tabelle 61 ist das Ergebnis der Faktorenanalyse für 26 Gesamtproben der Tone der Lager-
stätte Roßbach dargestellt.
Tab. 61: Faktorenanalyse der chemischen Zusammensetzung der Gesamtproben der Lagerstätte Roßbach
Komponenten / MSA=0,721 / n=26
Variable Faktor 1 Faktor 2 Faktor 3 Faktor 4
Al2O3 0,884
Ga 0,786
K2O 0,782
MgO 0,894
Ba 0,875
Rb 0,922
Sr 0,625
Fe2O3 0,926
<2 µm 0,738
SiO2 -0,730
Zr -0,898
20-63 µm -0,845
>63 µm -0,739
CaO 0,913
Cr 0,834
V 0,867
L.O.I. 0,907
Ce 0,755
Nd 0,904
Sm 0,910
TiO2 0,939
Nb 0,921
6,3-20 µm 0,599
Eigenwerte 9,427 5,846 2,901 2,715
Varianz (%) 40,986 25,416 12,614 11,806
Kum.Varianz (%) 40,986 66,403 79,016 90,822
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
141
Der prozentuale Anteil der vier unterschiedlichen Korngrößenfraktionen der Tone wurde in
diesem Falle ebenfalls berücksichtigt. Die Faktorenanalyse belegt, dass die Hauptvarianz der
Roßbacher Tonproben (41 %) in ihrer unterschiedlichen Korngrößenzusammensetzung be-
steht (Faktor 1). Die Tone enthalten unterschiedliche Anteile an feinkörnigen Tonmineralen
und grobkörnigem Quarz und Zirkon. Die Einbeziehung der Korngrößenzusammensetzung
der Tone in die Faktorenanalyse verdeutlicht diesen Gegensatz. Alkalien und Erdalkalien so-
wie das Fe sind überwiegend an die Tonminerale gebunden. Das Ga zeigt eine hohe Affinität
zu Al, was auch durch die Regressionsanalyse belegt werden konnte. Die Elemente Si und Zr
dominieren den Korngrößenbereich >20 µm, da hier die Minerale Quarz und Zirkon deutlich
angereichert sind. Sie verhalten sich antagonistisch zur erstgenannten Gruppe, weshalb sie in
Faktor 1 negative Werte besitzen (Tab. 61). Faktor 1 kann somit gesichert als Korngrößen-
oder Klassierungsfaktor bezeichnet werden.
In Faktor 2 sind die chemischen Komponenten CaO, Cr und V zusammengefasst, die bevor-
zugt in den feineren Korngrößen auftreten und an smektitische Tonmineralkomponenten,
möglicherweise an organische Komponenten oder sorptiv an Fe-Oxide gebunden sind. Der
Glühverlust (L.O.I.) ist abhängig von der Konzentration an organischem Kohlenstoff und dem
Tonmineralanteil einer Probe. Daher lädt auch er in Faktor 2 positiv. Der zweite Faktor be-
legt, dass ein Teil der Varianz der Proben durch Unterschiede in den Anteilen an Mixed-
Layer-Mineralen, Smektit- und organischen Komponenten, möglicherweise auch Oxiden her-
vorgerufen wird. In Faktor 2 sind wahrscheinlich die Komponenten gruppiert, die über
pelitischen Detritus und organische Substanzen in den Tonen angereichert wurden. Die Vari-
anz der Proben beruht daher mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederum auf der
unterschiedlichen Korngrößenverteilung der Proben und untergeordnet auf der Herkunft des
Materials.
Die Faktoren 3 und 4 sind Schwermineralfaktoren. Sie verdeutlichen den Unterschied der
Proben in Bezug auf den Anteil SEE-Phosphate und Ti-Oxide. Rutil und untergeordnet Ana-
tas sind in der Fraktion 6,3-20 µm bevorzugt angereichert. Das Ti wird durch Nb teilweise
substituiert. Phosphat konnte nicht einzeln ausgewiesen werden, da die Werte in Roßbach
unterhalb der Nachweisgrenze liegen. Faktor 3 kann als SEE-Phosphat- und Faktor 4 als Ana-
tas- und Rutilfaktor bezeichnet werden. Beide Faktoren beruhen auf der Klassierung der
Schwerminerale und belegen die Anreicherung der Minerale in unterschiedlichen Korngrö-
ßenfraktionen. Die Faktoren 3 und 4 beruhen somit auf der hydraulischen Klassierung der
mineralischen Komponenten der Ausgangskaoline.
Aussagen über Buntmetalle sind nicht möglich, da deren Gehalte zu gering sind und sie daher
unterhalb der Nachweisgrenze liegen.
Die Varianz der Roßbacher Tone beruht eindeutig auf der hydraulischen Klassierung der mi-
neralischen Komponenten. Somit sind die Sedimentationsbedingungen maßgeblich
verantwortlich für die quantitative Zusammensetzung dieser Tone. Die Braunkohlerelikte und
die geringen Pyritanteile belegen jedoch die diagenetische Überprägung der Tone nach ihrer
Sedimentation. Eine Faktorenanalyse, beruhend auf der chemischen Analyse der Korngrößen-
fraktion <2 µm der Proben, war nicht möglich, da der Chemismus der Proben in dieser
Fraktion sehr einheitlich ist.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
142
4.7 Vergleich der Roßbacher Tone mit dem Buntsandstein-Kaolin von
Spergau
Nach Valtin & Ullrich (1991) sowie Stedingk et al. (2005) ist der mitteleozäne Ton der La-
gerstätte Roßbach aus dem Detritus eines Buntsandstein-Kaolins entstanden. Die
Paläoflusskarten nach Eissmann (1975) und die Angaben über die Schüttungsrichtung des
klastischen Materials des Geiseltalbeckens im Eozän nach Thomae & Schroeter (1996) wei-
sen darauf hin, dass der Verwitterungsschutt aus östlicher bis südöstlicher Richtung und damit
aus dem Bereich des Unteren bis Mittleren Buntsandstein Sachsen-Anhalts stammt. Somit ist
es naheliegend, den Roßbacher Ton mit den Buntsandstein-Kaolinen der Lagerstätte Spergau
zu vergleichen.
4.7.1 Granulometrie und Mineralogie
Die Kaoline sind weit grobkörniger als die Tone (Tab. 62), daher besitzen sie erhöhte Schluff-
und Sandanteile. Die Roßbacher Tone sind im Vergleich zu den Wetroer und Guttauer Tonen
jedoch sehr schluffreich.
Tab. 62: Vergleich der Korngrößenverteilung der Kaoline der Lagerstätte Spergau mit den Tonen der Lagerstätte
Roßbach
Kaolin Spergau Ton Roßbach
Kaolin 1 Kaolin 2 Ton 1 und 3 Kohleton und Ton 2
>63 µm % 67,3 24,4 5,3 1,1
20–63 µm % 4 9 16,5 1,7
6,3–20 µm % 1,5 15 19,2 3,8
2-6,3 µm % 2,9 13,8 13,8 12,9
<2 µm % 24,3 37,8 45,1 80,6
Die mineralogische Zusammensetzung der Kaoline und Tone ist sehr unterschiedlich (Tab.
63). Die Gesamtproben der Spergauer Kaoline enthalten mehr Quarz, der Kaolinitgehalt ist
jedoch ähnlich. Die Tone besitzen neben Kaolinit erhöhte Anteile Illit/Muskovit und geringe
Konzentrationen eines Illit/Smektit-Mixed-Layer-Minerals. In den Kohletonen ist auch Smek-
tit nachweisbar. Ein großer Teil der Quarzminerale liegt in den Tonen in der Schlufffraktion
vor.
Tab. 63: Vergleich der mineralogischen Zusammensetzung der Gesamtproben und der Fraktion <2 µm der Kao-
line der Lagerstätte Spergau und der Tone der Lagerstätte Roßbach
Kaolin Spergau Ton Roßbach
Kaolin 1 Kaolin 2 Ton 1 und 3 Kohleton und Ton 2
Gesamtprobe
Fraktion
<2 µm Gesamtprobe
Fraktion
<2 µm
Gesamtprobe Fraktion
<2 µm
Gesamtprobe Fraktion
<2 µm
Kaolinit % 22,4 92,6 46 78,8 29,8 68,1 46 67,9
Illit/Muskovit % <3 2 10,8 14,5 13,2 27,3 20,8 22,9
I/Sm-
Mixed-Layer
%
- - - -
<5
4,6
<5
6,4
Smektit % - - - - - - <5 4,3 (n=2)
Quarz % 75,4 ca. 1 42,8 ca. 1 50,5 <1 21,3 <5
Fe-Minerale
% Goethit
<1
Goethit
ca. 1
Goethit
<1
Goethit
ca. 0,5
Pyrit
0,5
Pyrit
ca. 1
Pyrit
0,5
Pyrit
ca. 1
Anatas % ca. 0,5 ca. 0,5 ca. 0,5 ca. 1 1 <1 1 <1
Rest (u.a.Corg) % <1 3 <1 4,5 <2 - 7,5 -
Die Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline ist kaolinitreicher als die der Tone. Die Tone sind
hingegen an Dreischichtsilikaten und der Ton 2 und der Kohleton auch an organischen Kom-
ponenten angereichert (Tab. 63). Die Quarz- und Anatas- bzw. Rutilgehalte sind in allen
Gesteinen gleichermaßen gering.
Anatas-Konzentrationen von max. 1 % in Buntsandstein-Kaolinen wurden bereits von Störr
(1983) beschrieben. Der Anatas ist dort in der Schluff- und Tonfraktion angereichert. Glei-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
143
ches gilt für die Fe-Minerale der Kaoline. Nach Störr (1983) ist das Fe in Spergau an die
Tonminerale gebunden, zudem treten in geringem Maße Hämatit und Goethit auf.
Die mineralogische Zusammensetzung der Tone und Kaoline weist darauf hin, dass die Um-
lagerung eines intensiv verwitterten Buntsandstein-Kaolins vom Spergauer Typus nur bedingt
mit der Zusammensetzung der Roßbacher Tone kompatibel ist. Ton- und Schluffsteine der
Thüringer Buntsandsteinfolgen weisen häufig erhöhte Gehalte an Dreischichtsilikaten auf
(vgl. Tab. 29, 39). Aufgrund der bereits bestehenden höheren Degradation der mineralischen
Komponenten dieser pelitischen Abfolgen, unterlagen diese Gesteine während der oberkreta-
zisch-tertiären Verwitterung nur noch einer geringen Degradation. Feldspat verwitterte zu
Kaolinit, die Dreischichtsilikate blieben hingegen weitgehend stabil (Störr 1983). Es ist somit
anzunehmen, dass sich neben Relikten der kaolinitischen Verwitterungskruste der Buntsand-
steine und Arkosesandsteine zusätzlich Verwitterungsdetritus der pelitischen Gesteine der
Thüringer Buntsandsteinfolgen in den Roßbacher Tonen befinden, weshalb sie z.T deutlich
erhöhte Konzentrationen an Smektiten und Illit/Smektit-Mixed-Layer-Mineralen aufweisen.
Die unregelmäßige Verteilung des organischen Materials der Tone weist darauf hin, dass es
überwiegend allochthonen Ursprungs ist. Es wurde gemeinsam mit den anorganischen Kom-
ponenten umgelagert. Die geringen Anteile an Fe-Oxiden wurden nach ihrer Sedimentation
im Zuge der frühen Diagenese unter reduzierenden Bedingungen gelöst und gemeinsam mit
dem Schwefel der Sulfatreduktion in Pyrit fixiert.
Die Herkunft des Sulfats der Tone ist nicht abschließend zu klären. Im Zuge der Pyritverwit-
terung entsteht beispielsweise Sulfat. Da Sulfat nach Stedingk et al. (2005) weit verbreitet ist
und die Tone nur wenig Pyrit enthalten, ist nicht auszuschliessen, dass zusätzlich eine Zufuhr
von Sulfaten aus den Salinaren des Oberen Buntsandsteins in die Roßbacher Tone, in einer
frühen diagenetischen Phase, erfolgt sein könnte.
4.7.2 Morphologie, Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite
Der Kaolinit von Spergau liegt meist blättchenförmig vor. Diese Ausbildungsform wird im
angloamerikanischen Raum als „flakes“ bezeichnet. Diese „flakes“ sind pseudohexagonal,
häufig jedoch auch unregelmäßig begrenzt. Die Korngröße der Kaolinite ist häufig geringer
als 2 µm (Abb. 83a).
Nach Henning (1975) liegt das Korngrößenmaximum des Kaolinits von Spergau im Bereich
<0,4 µm. In ungestörten Proben ummantelt der Kaolinit Quarz, bzw. füllt die Porenräume
zwischen den Quarzen aus (vgl. auch Störr 1983).
Abb. 83a (links) und b (rechts): REM-Aufnahme des Kaolinits der Kaolinlagerstätte Spergau (links) und des
Kaolinits des Tons von Roßbach (rechts)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
144
Die REM-Analyse des Kaolinits der Roßbacher Tone beweist, dass er ebenfalls blättchenför-
mig ausgebildet ist. Die Kristalle sind unregelmäßig begrenzt, in seltenen Fällen ist eine
regelmäßige Begrenzung und eine pseudohexagonale Form zu beobachten. Die Kaolinite sind
sehr feinkörnig, häufig kleiner als 1 µm und selten grobkörniger als 6,3 µm (Abb. 83b). Die
Kaolinite sind parallel zu ihrer Basis verwachsen und bilden gröbere Aggregate. Die REM-
Aufnahmen belegen, dass die Kaolinite des Buntsandstein-Kaolins und des Roßbacher Tons
ähnlich ausgebildet sind.
Neben der Morphologie wurde die Kristallinität des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm
der Kaoline und Tone untersucht. Die Kristallinität des Kaolinits der beiden Spergauer Kaoli-
ne weist keinen bedeutenden Unterschied auf (Tab. 64). Die durchschnittliche
Halbwertsbreite des Kaolinits des Kaoline liegt bei 0,45 bzw. 0,43°2Theta. Die Halbwerts-
breite des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone von Roßbach liegt recht
einheitlich bei Werten zwischen 0,47 und 0,5°2Theta (Tab. 64). Damit ist er nur wenig stärker
strukturell fehlgeordnet als der Kaolinit des Kaolins. Die prozentuale Standardabweichung der
Halbwertsbreite der Kaolinite des Kaolin 1 ist gegenüber den Tonen deutlich erhöht. Die Kao-
linite der Roßbacher Schluffprobe besitzen eine Halbwertsbreite, die mit denen der Kaolinite
der Tone nahezu identisch ist (Tab. 64). Daraus ist zu schließen, dass sie einer gemeinsamen
Quelle entstammen. Bei Behandlung der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm mit DMSO
weiten zwischen 77 und 100 % der Kaolinite der Kaoline und Tone auf. Die Kaolinite dieser
Korngrößenfraktion sind damit sowohl in den Kaolinen als auch in den Tonen sehr reaktiv
und weisen nur eine geringe Einlagerungsfehlordnung auf (Tab. 64). Die Einlagerungsfehl-
ordnung der Kaolinite der Tone ist jedoch etwas größer als die der Kaoline. Die
Standardabweichung ist mit 7 bis 8 % für Tone sehr gering.
Tab. 64: Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline
der Lagerstätte Spergau und der Tone der Lagerstätte Roßbach
Kaolin Spergau Ton Roßbach
Kaolin 1
(n=7)
Kaolin 2
(n=2)
Ton 1 und 3
(n=18)
Kohleton und Ton 2
(n=3)
Kristallinität
(Halbwertsbreite)
°2Theta 0,45 (0,05) 0,43(0,02) 0,48 (0,02) 0,47 (0,01)
Einlagerungsfehlordnung
(Aufweitung mit DMSO)
%
93,49 (5,8)
97,4 (0,5)
(n=16)
77,6 (5,8)
(n=2)
81,51 (1,8)
Sowohl die Morphologie als auch die Kristallinität des Kaolinits der Fraktion <2 µm der
Buntsandstein-Kaoline und der Roßbacher Tone ist nahezu identisch. Der im Vergleich zu
den Lausitzer Kaolintonen sehr geringe Grad der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der
Roßbacher Tone ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass vorwiegend tiefere Zonen
der kaolinitischen Verwitterungskruste umgelagert wurden (vgl. Kap. 5.2.2).
4.7.3 Chemie
Das Verhältnis von Al2O3 zu Ga ist in den Spergauer Proben gegenüber den Roßbacher Tonen
erhöht. Die Unterschiede beruhen auf der unterschiedlichen tonmineralogischen Zusammen-
setzung der Proben.
Während die Bindung des Ga an Al2O3 bzw. an den Kaolinit der Gesamtproben nachzuvoll-
ziehen ist, ist der Ga-Gehalt bei etwa konstanten Al-Gehalten in der Feinfraktion der Proben
erhöht (Abb. 84). Möglicherweise befinden sich akzessorische Minerale in der Feinfraktion,
die zu einer Anreicherung des Ga beitragen.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
145
Abb. 84: Streudiagramm Al2O3/Ga für die Tone der Lagerstätte Roßbach und die Kaoline der Lagerstätte Sper-
gau (Ges=Gesamtproben)
Der Rb-Gehalt des Spergauer Kaolin 2 und des Roßbacher Tons korreliert eindeutig mit dem
K2O-Gehalt der Proben und dies unabhängig von der Korngrößenfraktion. Dies weist wieder-
um auf die Bindung des Rb an Illit/Muskovit hin. Unterschiede zwischen Kaolinen und Tonen
bestehen nicht (Abb. 85). Wegen des geringen Rb-Gehalts des Spergauer Kaolin 1 ist dieser
im Diagramm nicht verzeichnet.
Abb. 85: Streudiagramm K2O/Rb für die Tone der Lagerstätte Roßbach und den Kaolin 2 der Lagerstätte Sper-
gau (Ges=Gesamtproben)
Das TiO2/Nb-Verhältnis der Roßbacher Tone ist aus dem Spergauer Kaolin 2 abzuleiten. Eine
bevorzugte Bindung des Nb an TiO2 ist sehr wahrscheinlich Die Nb-Konzentrationen der Ge-
samtproben des Spergauer Kaolin 1 sind so gering, dass nur die Werte des Kaolin 2 in die
Grafik eingefügt werden konnten. Die Kaoline weisen in der Fraktion <2 µm höhere TiO2 und
variablere Nb-Konzentrationen auf. Möglicherweise ist das Ti in Spergau nicht bevorzugt an
Anatas, sondern zu einem großen Teil an die Tonminerale gebunden, weshalb sich in der
Feinfraktion das Ti/Nb-Verhältnis ändert. In den Tonen überwiegt hingegen die Bindung bei-
der Elemente an Rutil und Anatas, wobei die Konzentration in den Gesamtproben höher ist als
in der Fraktion <2 µm (Abb. 86). Dies weist auf die bevorzugte Anreicherung der Ti-Oxide in
der Schlufffraktion der Roßbacher Tone hin.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
146
Abb. 86: Streudiagramm TiO2/Nb für die Tone der Lagerstätte Roßbach und den Kaolin 2 der Lagerstätte Sper-
gau (Ges=Gesamtproben)
Abb. 87: Streudiagramm Cr/V für die Tone der Lagerstätte Roßbach und die Kaoline der Lagerstätte Spergau
(Ges=Gesamtproben)
Das Cr/V-Verhältnis ist in den Kaolinen und Tonen relativ einheitlich. Während in den Kao-
linen eine Abnahme der Cr- und V-Gehalte in der Korngrößenfraktion <2 µm zu verzeichnen
ist, nimmt die Konzentration beider Elemente in den Tonen und speziell in der Korngrößen-
fraktion <2 µm zu. Ein bevorzugter Eintrag der Elemente über Tonminerale, möglicherweise
auch über organische Substanzen und Fe-Oxide, ist aufgrund der Faktorenanalyse zu vermu-
ten (Abb. 87).
Das An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente im Zuge der Umlagerung
wurde durch Normierung der Werte der Roßbacher Tone auf die der Spergauer Kaoline ana-
lysiert. Die Koeffizienten können der Tabelle 65 entnommen werden.
Illit/Smektit-Mixed-Layer-Minerale entstammen mit hoher Wahrscheinlichkeit den peliti-
schen Gesteinen des Thüringer Buntsandsteins. Somit ist anzunehmen, dass in Roßbach
Anteile sehr feiner pelitischer Abfolgen des Thüringer Buntsandsteins umgelagert wurden, die
im Spergauer Kaolin nicht oder nur in geringen Anteilen vorhanden sind. Aus diesem Grunde
ist eine bedeutende Zunahme derjenigen Elemente in den Tonen zu verzeichnen, die an Drei-
schichtsilikate gebunden sind, so z.B. Fe2O3, K2O, CaO, MgO, Ba, Rb und Sr.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
147
Eine Zunahme der Cr- und V-Konzentration sowie des Zn in der Korngrößenfraktion <2 µm
der Roßbacher Tone ist ebenfalls zu verzeichnen. Vermutlich gelangten diese Elemente sorp-
tiv an Tonminerale gebunden in die Tone. Eine wesentliche Anreicherung der metallischen
Komponenten Pb, Cu, Co und Ni erfolgte nicht.
Eine Abreicherung weist das SiO2 in den Gesamtproben auf. Dies ist auf den hydraulischen
Klassierungseffekt zurückzuführen. Ti, Zr, und SE-Elemente weisen je nach Ausgangskao-
lin und Korngröße sehr unterschiedliche An- und Abreicherungstendenzen auf, die auf
unterschiedliche Gehalte an Rutil, Anatas, Zirkon und SEE-Phosphate zurückzuführen sind.
Trotz der Unterschiede zwischen der Zusammensetzung der Spergauer Kaoline und der Roß-
bacher Tone stimmt die An- und Abreicherungstendenz der Elemente der Tone recht gut mit
den Ergebnissen aus der Faktorenanalyse überein. Der Klassierungsprozess eliminierte groben
Quarz und einen Teil der Schwerminerale. Die Tonminerale, Anatas sowie Rutil und Quarz
der Schlufffraktion reicherten sich an. Der geringere Grad der Sortierung der Tone 1 und 3 im
Vergleich mit dem Ton 2 und dem Kohleton führt durchschnittlich zu geringeren Koeffizien-
ten (Tab. 65).
Spurenelemente wie Ba, Rb, Sr, Ga, Cr und V sind an die Tonminerale gebunden und wurden
mit diesen umgelagert. Eine wesentliche Fixierung von Metallen (Co, Ni, Pb, Cu), beispiels-
weise durch Reduktionsprozesse, ist in den Tonen bis auf geringe Fe-Mengen nicht
festzustellen. Das Zn wurde mit den Tonmineralen in die Tone umgelagert.
Tab. 65: An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente der Tone von Roßbach, normiert auf Sper-
gauer Kaolin (Spergau 1: grober Kaolin/ Spergau 2: feiner Kaolin)
Kaolin Spergau 1 Gesamt Kaolin Spergau 2 Gesamt Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Roßbach
Ton 1+3
Roßbach
Ton 2
Roßbach
Ton 1+3
Roßbach Ton
2
Roßbach Ton
1+3
Roßbach
Ton 2
Roßbach Ton
1+3
Roßbach
Ton 2
SiO2 0,88 0,66 1,07 0,81 1,10 1,05 1,11 1,06
Al2O3 1,69 2,65 0,78 1,22 0,84 0,76 0,88 0,79
Fe2O3 4,52 6,20 1,43 1,96 2,27 1,84 1,57 1,27
MgO 2,29 3,81 1,31 2,18 2,35 2,35 1,74 1,74
CaO 3,93 9,85 1,64 4,10 2,00 2,91 1,90 2,77
Na2O 0,10 0,10 0,10 0,10 0,95 0,68 1,46 1,03
K2O 48,64 71,83 1,60 2,37 16,78 15,80 1,97 1,86
TiO2 8,95 8,86 1,82 1,80 5,00 5,63 0,97 1,09
P2O5 1,00 1,00 0,22 0,22 0,80 0,53 1,04 0,70
As 5,81 5,58 3,49 3,35 0,39 0,39 0,17 0,17
Ba 11,86 16,65 1,55 2,17 5,01 5,38 1,22 1,31
Bi 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00
Ce 4,55 5,58 0,56 0,69 1,04 1,39 0,38 0,51
Co 2,00 2,00 1,00 1,00 1,00 0,50 1,00 0,50
Cr 6,75 8,85 1,52 1,99 3,06 3,43 1,56 1,75
Cu 2,00 2,00 1,00 1,00 1,00 1,00 0,50 0,50
Ga 2,86 4,88 1,10 1,88 1,44 1,43 1,19 1,18
Hf 3,18 2,67 3,18 2,67 1,00 1,00 1,00 1,00
La 2,23 3,34 0,57 0,86 3,42 3,25 0,36 0,34
Mo 1,00 2,00 1,00 2,00 1,00 1,00 1,00 1,00
Nb 9,14 8,33 3,05 2,78 6,36 6,25 1,82 1,79
Nd 1,94 2,33 0,59 0,71 0,95 1,06 0,40 0,45
Ni 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00
Pb 1,00 2,85 0,16 0,44 0,32 0,34 0,17 0,18
Pr 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 0,26 0,26
Rb 5,73 8,15 2,07 2,95 10,22 8,93 2,49 2,18
Sc 2,00 2,00 1,00 1,00 1,00 1,88 1,00 1,88
Sm 2,42 2,67 0,73 0,80 0,99 0,93 0,44 0,41
Sr 3,33 5,12 0,44 0,68 1,19 1,23 0,28 0,29
Th 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00
V 4,57 7,99 1,53 2,67 3,43 3,84 1,66 1,86
Y 6,74 7,80 1,60 1,86 4,91 6,95 0,98 1,39
Zn 2,00 2,00 1,00 1,00 3,35 2,28 3,35 2,28
Zr 1,58 0,87 1,20 0,67 2,8 3,1 1,2 1,2
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
148
Das Fe ist überwiegend an die Tonminerale gebunden, Fe-Oxide wurden kaum umgelagert. Ti
und Nb sind an Rutil und untergeordnet an Anatas gebunden. Eine bedeutende Anreicherung
dieser Elemente, vor allem in der Schlufffraktion der Tone, ist zu beobachten. Auf diageneti-
sche Prozesse weisen die Braunkohlenholzrelikte der Tone hin. Der Inkohlungsgrad entspricht
dem Weichbraunkohlestadium.
Die mineralogische und chemische Zusammensetzung der Roßbacher Tone ist eindeutig
durch die Korngrößenverteilung bestimmt und beruht auf der hydraulischen Klassierung der
Komponenten. Somit könnte man versuchen, nach einer umfassenden Kalibrierung, die mine-
ralogisch-chemische Zusammensetzung der Tonproben über die Korngrößenverteilung zu
bestimmen. Möglicherweise sind hierdurch sogar die Gehalte akzessorischer Minerale in aus-
reichender Genauigkeit zu ermitteln.
4.7.4 Zusammenfassung
Die Schlussfolgerungen zur Genese der Roßbacher Tone sind in Abbildung 88 schematisch
zusammengefasst.
Die Roßbacher Tone sind aus klastischen Buntsandstein-Kaolinen hervorgegangen.
Neben Derivaten einer psammitischen Verwitterungskruste enthalten die Tone ver-
mutlich auch Verwitterungsreste pelitischer Gesteine.
Die variable Zusammensetzung der Roßbacher Tone ist auf eine hydraulische Klassie-
rung des Materials der Verwitterungskruste zurückzuführen, die in unterschiedlichem
Maße wirksam gewesen ist. Quarz und ein großer Teil der Schwerminerale wurde im
Ton 2 und im Kohleton effektiv von den feinkörnigen Tonmineralen getrennt und die
Tonminerale angereichert. Die Tone 1 und 3 sind schlechter klassiert und daher erheb-
lich schluffreicher, quarzreicher und tonärmer. Die Zufuhr eines Teils der
Dreischichtsilikate erfolgte wahrscheinlich durch Klassierung des Detritus der peliti-
schen Gesteine des Thüringer Buntsandsteins. Mit den Tonmineralen wurden die
Spurenelemente Ba, Rb, Sr, Cr, V, Ga und Zn in die Tone eingetragen. Eine Affinität
des Nb zu Ti ist zu beobachten.
Die Roßbacher Tone enthalten sehr geringe Mengen an Fe und Ti. Die geringen Fe-
und Ti-Gehalte der Spergauer Kaoline weisen darauf hin, dass nur wenige Fe- und Ti-
Oxide mit dem Buntsandstein-Kaolin in die Tone umgelagert wurden. Pyrite belegen
die untergeordnete Freisetzung des oxidisch gebundenen Fe nach der Sedimentation
unter reduzierenden Bedingungen. Es wurde anschliessend in Form von Pyrit im Se-
diment fixiert. Somit ist ebenfalls die mikrobielle Sulfatreduktion im Tonsediment zu
vermuten. Die Tone sind teilweise recht schluffreich, daher könnten Wegsamkeiten
für Fluide bestanden haben, die den Ton sekundär bleichten. Hinweise auf eine umfas-
sende Bleichung der Tone durch saure Lösungen aus den überlagernden Torfmooren
existieren jedoch nicht.
Die Korngrößenfraktion <2 µm aller Roßbacher Tone ist mineralogisch nahezu iden-
tisch zusammengesetzt. Die Tone entstammen somit den gleichen Quellen. Der
unterschiedliche Sortierungsgrad der Tone gibt daher keinen Aufschluss darüber, ob
der Verwitterungsdetritus kurzstreckig umgelagert wurde oder auf Fernschüttungen
zurückzuführen ist.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
149
Die Tone 1 und 3 sind relativ grobkörnig, quarzreich und arm an organischen Kompo-
nenten. Letztere sind vermutlich allochthonen Ursprungs und gelangten im Zuge der
Umlagerung gemeinsam mit den anorganischen Komponenten in die Tone. Die fein-
körnigen Tone weisen hingegen weit höhere Konzentrationen an organischem
Material auf. In den sehr feinen Kohletonlagen sind neben organischen Komponenten
allochthonen Ursprungs auch solche autochthonen bis parautochthonen Ursprungs zu
vermuten. Mit abnehmender Absenkungstendenz des Roßbacher Sedimentbeckens
nahm vermutlich die Konzentration an Pflanzenresten und der Tonmineralgehalt zu.
Die Kristallinität der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone ist nur wenig
geringer als die der Kaoline. Sie besitzen dafür eine etwas erhöhte Einlagerungsfehl-
ordnung. Diese ist jedoch weit geringer als die der Oberlausitzer Tone. Die
Morphologie der Kaolinite der Kaoline und Tone ist sehr ähnlich. Dies ist ein weiterer
Hinweis auf die Herkunft der Tone. Die geringe Einlagerungsfehlordnung deutet dar-
auf hin, dass die Roßbacher Tone vorwiegend detritisches Material der tieferen Zonen
der Verwitterungskruste des Thüringer Buntsandsteins enthalten.
Die Pflanzenreste der Tone wurden im Zuge der diagenetischen Überprägung zu
Weichbraunkohle umgewandelt.
Aus den Daten von Stedingk et al. (2005) ist zu schließen, dass Sulfate nicht nur durch
Pyritverwitterung entstanden sind, sondern auch die diagenetische Zufuhr von Sulfa-
ten aus Salinaren des Oberen-Buntsandsteins in die Hangenden Roßbacher Tone
erfolgt sein könnte. Eine Zunahme der Konzentration mit der Korngröße der Sedimen-
te ist zu vermuten.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
150
Abb. 88: Genese der Roßbacher Tone
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
151
5 Bilanzierung der granulometrischen, mineralogischen und chemischen
Veränderungen bei der Umlagerung kaolinitischer Verwitterungspro-
dukte
5.1 Vergleich der granulometrischen Zusammensetzung
In Tabelle 66 ist die mittlere Korngrößenverteilung der im Zuge dieser Arbeit untersuchten
Kaoline und Tone zusammengefasst.
Tab. 66: Korngrößenverteilung der Kaoline und Tone
<2 µm
%
2-6,3 µm
%
6,3-20 µm
%
20-63 µm
%
>63 µm
%
Kaolin:
Cunnersdorf
Schellenberg & Kleeberg
(1997)
Grauwacken-Kaolin 20 53 27
Wiesa
Heller Kaolin
Granodiorit-Kaolin 9,40 8,18 13,82 9,65 58,96
Caminau Granodiorit-Kaolin 17,01 18,86 10,95 6,7 46,48
Spergau Kaolin 1 Buntsandstein-Kaolin 24,27 2,87 1,52 4,03 67,32
Spergau Kaolin 2 Buntsandstein-Kaolin 37,78 13,77 15,02 9,02 24,42
Ton:
Wetro
Oberer Ton
Granodiorit-Kaolinton 95,33 2,09 1,19 1,4
Wetro
Unterer Ton
Granodiorit-Kaolinton 98,36 0,91 0,38 0,28
Guttau
Oberer Ton
Granodiorit-Kaolinton
mit Basaltzersatz
92,63 2,65 1,58 0,57 2,58
Guttau
Unterer Ton
Granodiorit-Kaolinton
mit Basaltzersatz
96,76 9,73 0,57 0,08 0,84
Wiesa
Ton
Granodiorit-Kaolinton
(+Grauwacken-Kaolinton)
37,62 14,68 22,4 16,73 8,56
Roßbach
Ton 1 u. 3
Buntsandstein-Kaolinton 45,09 13,83 19,24 16,51 5,33
Roßbach
Ton 2 u. Kohleton
Buntsandstein-Kaolinton 80,55 12,89 3,75 1,67 1,13
Die Kaoline sind generell grobkörniger als die Tone, die ein Korngrößenmaximum im Be-
reich der Fraktion <2 µm besitzen. Im Gegensatz dazu dominiert in den Kaolinen, mit
Ausnahme des feinstkornreichen Spergauer Kaolins (Spergau Kaolin 2) und des schluffrei-
chen Cunnersdorfer Kaolins, die Korngrößenfraktion >63 µm die Zusammensetzung. Dieser
Unterschied zwischen Kaolinen und Tonen ist auf die hydraulische Klassierung der Kaoline
im Zuge des Umlagerungsprozesses zurückzuführen. Während die Wetroer und Guttauer To-
ne sowie der Roßbacher Ton 2 und der Kohleton eine sehr gute Sortierung aufweisen, da die
Korngrößenfraktion <2 µm einen Anteil >80 % an der Gesamtzusammensetzung besitzt, sind
die Roßbacher Tone 1 und 3 und die Wiesaer Tone weit schlechter sortiert. Ihr Schluffanteil
ist wesentlich erhöht.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
152
5.2 Vergleich der mineralogischen Zusammensetzung
5.2.1 Mineralphasen
Die mineralogische Zusammensetzung der Kaoline und Tone kann den Tabellen 67 und 68
entnommen werden. Es wurden, bis auf die Daten für die Lagerstätte Roßbach, die berechnete
Mineralogie aus der Röntgenfluoreszenzanalyse verwendet.
Die Kaoline sind quarzreich, kaolinitreich und enthalten unterschiedliche Anteile an Il-
lit/Muskovit. Sich ändernde Eh/pH-Bedingungen innerhalb eines Kaolinprofils können dazu
führen, dass Fe sowohl oxidisch, karbonatisch als auch sulfidisch in einer Lagerstätte gebun-
den sein kann. Somit kann Fe als Goethit, Hämatit, Siderit oder Pyrit vorliegen. In der Tabelle
ist die bedeutendste freie Fe-Phase in der jeweiligen Lagerstätte angegeben. Der Anatas ist
eine authigene Bildung der Kaolinisierung.
Tab. 67: Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben der Kaoline und Tone (Daten für den Anatas der
Cunnersdorfer Kaoline nach Störr 1983)
Kaolinit
%
Illit/Muskovit
%
Smektit
%
I/Sm-Mixed-
Layer %
Quarz
%
Anatas
%
Fe-Minerale
%
Rest
%
Kaolin:
Goethit
Cunnersdorf
(Krumb 1998)
Grauwacken-Kaolin
tonige Fazies
24 40,5 - - 34,9 (1,0) 0,6
Cunnersdorf
(Krumb 1998)
Grauwacken-Kaolin
schluffige Fazies
30 19 - - 48,4 (1,0) 2,6
Siderit
Wiesa
Heller Kaolin
Granodiorit-Kaolin 59,0 1,5 - - 36,3 1,0 ca. 1,0 1,6
Caminau Granodiorit-Kaolin 47,1 9,3 - - 39,5 <1 <1 – 19,5
Goethit
Spergau
Kaolin 1
Buntsandstein-
Kaolin
22,4 <3 - - 75,4 0,5 <1
Spergau
Kaolin 2
Buntsandstein-
Kaolin
46,0 10,8 - - 42,8 0,5 <1
Ton: Pyrit/Markasit
Wetro
Oberer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
83,0 9,0 - - <2 <1 <<1 5,9
Wetro
Unterer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
73,5 20,2 - - <2 <2 <<1 3,7
Guttau
Oberer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
mit Basaltzersatz
68,6 10,2 7,0 - <3 1,7 4,6 (ca. 2,5) 4,9
Guttau
Unterer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
mit Basaltzersatz
66,7 15,6 2,7 - 3,7 2,0 1,8 (<1) 7,5
Wiesa
Ton
Granodiorit-
Kaolinton
mit Grauwacken-
Kaolinton
32,9 19,5 - - 46,1 1,0 <1 0,1
+ Rutil
Roßbach
Ton 1 u. 3
Buntsandstein-
Kaolinton
29,8 13,2 - <5 50,5 1,0 0,5 1,0
Roßbach
Ton 2 u.
Kohleton
Buntsandstein-
Kaolinton
46,0 20,8 <5 <5 21,3 1,0 0,5 7,5
Die Tone sind ähnlich zusammengesetzt wie die Kaoline. Das Auftreten von Smektit- bzw.
Smektit- und Illit-Smektit-Mixed-Layer-Mineralen deutet darauf hin, dass in den Lagerstätten
Guttau und Roßbach neben den untersuchten Kaolinen weitere Quellen die Zusammensetzung
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
153
bestimmen. Die weniger gut sortierten Roßbacher und Wiesaer Tone weisen erhöhte Quarz-
gehalte auf. Der Quarz ist in der Schlufffraktion angereichert.
Die Umlagerung der kaolinitischen Verwitterungskruste führte in den meisten Tonen zu einer
geringen Anreicherung von feinstkörnigem Anatas. Neubildung von Anatas im Ton als
Hauptprozess der Anatasbildung erscheint unwahrscheinlich. Die Träger des Ti der Protolithe,
die mafischen Minerale, wurden bereits in den Kaolinen weitgehend degradiert. Neben Anatas
wurde in der Lagerstätte Roßbach Rutil in der Schlufffraktion angereichert.
Als freie Fe-Phase befindet sich Pyrit/Markasit in den Tonen. Eine oxidische Bindung des Fe
ist in den grobkörnigen und organikarmen Partien der Tonlagerstätten jedoch ebenfalls nicht
auszuschließen.
Tab. 68: Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline und Tone (Quarz, Ana-
tas und Fe-Minerale der Lagerstätte Roßbach nach Daten der XRF-Analyse)
Kaolinit
%
Illit/Muskovit
%
Smektit
%
I/Sm-Mixed-
Layer %
Quarz
%
Anatas
%
Fe-Minerale
%
Rest
%
Kaolin:
Siderit
Wiesa
Heller Kaolin
Granodiorit-Kaolin 90,2 3,4 - - 0,7 1,9 1,0 2,7
Caminau Granodiorit-Kaolin 75,5 24,5 - - <2 <1 <2 -
Goethit
Spergau
Kaolin 1
Buntsandstein-Kaolin 92,6 2,0 - - 1,0 0,5 ca. 1,0 3,0
Spergau
Kaolin 2
Buntsandstein-Kaolin 78,8 14,5 - - 0,8 1,0 0,5 4,5
Ton: Pyrit/Markasit
Wetro
Oberer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
79,2 8,4 <5 - <2 <1 2,4 5,8
Wetro
Unterer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
70,5 19,0 <5 - <2 1,5 2,0 4,0
Guttau
Oberer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
mit Basaltzersatz
69,1 12,4 7,4 - 3,2 1,7 2,9 3,2
Guttau
Unterer Ton
Granodiorit-
Kaolinton
mit Basaltzersatz
64,1 18,4 6,6 - 4,2 1,9 ca. 1,0 3,9
Wiesa
Ton
Granodiorit-
Kaolinton
mit Grauwacken-
Kaolinton
72,6 21,3 - - 2,0 1,0 1,0 2,1
Roßbach
Ton 1 u. 3
Buntsandstein-
Kaolinton
68,1 27,3 - 4,6 1,0 1,0 1,0
Roßbach
Ton 2 u.
Kohleton
Buntsandstein-
Kaolinton
67,9 22,9 (4,3
n=2)
6,4 <5 1,0 1,0
Die Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline und Tone ist quarzarm und kaolinit- sowie il-
lit/muksowitreich (Tab. 68). In den Tonen von Guttau, Wetro und Roßbach sind zudem
erhöhte Konzentrationen an Smektiten sowie Illit/Smektit-Mixed-Layer-Mineralen zu beo-
bachten. Der Anatas-Gehalt ist in der Feinstkornfraktion oftmals leicht erhöht, was auf die
feinkörnige Ausbildung dieses Minerals hinweist. Die Gehalte an Fe-Mineralen sind ähnlich
hoch wie in den Gesamtproben. Eine Ausnahme bildet hier der Caminauer Kaolin. Er besitzt
aufgrund des grobkörnigen Siderits erhöhte Fe-Konzentrationen in der Grobfraktion. Daher ist
der Fe-Gehalt in der Korngrößenfraktion <2 µm weit geringer.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
154
Der Kohlenstoff-Gehalt der Kaoline ist sehr gering (<<0,5 %). Neben der Bindung an feinste
Partikel organischer Substanzen ist von einer Fixierung des Kohlenstoffs in Siderit auszuge-
hen. In den Tonen ist der Kohlenstoffgehalt hingegen organischen Ursprungs und abhängig
von der Sortierung des Sediments. Die gut sortierten Tone von Wetro und Guttau weisen hö-
here Gesamtkohlenstoffgehalte auf (0,1-4 %) als die schluffreicheren Roßbacher und Wiesaer
Tone (0,1-0,2 %). In den sehr feinkörnigen Tonen und den Kohletonlagen der Lagerstätten
erreicht der Kohlenstoffgehalt Werte zwischen 8 und 11,75 %. Meist ist eine geringe Zunah-
me des Kohlenstoffgehalts in der Korngrößenfraktion <2 µm zu beobachten. Da sich jedoch
häufig auch grobkörnige Xylite in den Tonen befinden, ist die Korngrößenfraktion >63 µm
der Tone ebenfalls an organischen Komponenten angereichert, beispielsweise in den Tonen
der Lagerstätten Wetro und Guttau.
5.2.2 Vergleich der Kristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite
Über den Vergleich der Kristallinität und der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der in-
situ-Kaoline und der umgelagerten kaolinitischen Tone ist es möglich, weitere Erkenntnisse
über die Umlagerungsprozesse der kaolinitischen Verwitterungskruste zu gewinnen.
Die strukturelle Fehlordnung der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone ist de-
nen der Kaoline sehr ähnlich (Abb. 89). Die Halbwertsbreite der Kaolinite liegt zwischen 0,4
und 0,6 °2Theta, somit sind sowohl die Kaolinite der Kaoline als auch die der Tone in hohem
Maße strukturell fehlgeordnet.
Die ähnliche Kristallinität der Kaolinite der Tone und der Kaoline von Wiesa könnte darauf
hinweisen, dass der Kaolinit des Tons dem nahegelegenen Lausitzer Granodiorit-Kaolin ent-
stammt. Abbildung 89 ist ebenfalls zu entnehmen, dass der strukturelle Fehlordnungsgrad der
Guttauer Tone nicht einheitlich ist. Der Untere Guttauer Ton weist eine geringere Fehlord-
nung auf als der Obere Ton, dessen Werte zudem eine größere Streubreite besitzen. Die
Kristallinität der Guttauer Tone insgesamt entspricht etwa der Streubreite der Caminauer Kao-
linite. Da die Kaolinite der Kaoline innerhalb eines Profils eine unterschiedliche Fehlordnung
aufweisen können (Kap. 3.6.1.1) ist zu vermuten, dass die Kaolinite der Guttauer Tone unter-
schiedlichen Zonen der Verwitterungskruste des Lausitzer Granodiorit-Kaolins entstammen.
Abb. 89: Einlagerungsfehlordnung und Kaolinitkristallinität in der Korngrößenfraktion <2 µm der in-situ-
Kaoline und der kaolinitischen Tone.
Die Wetroer Tone besitzen hingegen eine sehr einheitliche strukturelle Fehlordnung, die den
Kaoliniten des Wiesaer Granodiorit-Kaolins nahezu entspricht, jedoch nicht dem Caminauer
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
155
Kaolinit. Es ist daher die Umlagerung einer Zone des Lausitzer Granodiorit-Kaolins zu ver-
muten, die der des Wiesaer Kaolins ähnlich gewesen ist.
Die Fehlordnung der Kaolinite des Spergauer Kaolins ist sehr unterschiedlich und dies unab-
hängig von der Korngrößenverteilung. Während 7 Proben eine Halbwertsbreite von 0,4 bis
0,45 °2Theta aufweisen, besitzen zwei Proben des Spergauer Kaolin 1 eine Halbwertsbreite
von >0,5 °2Theta. Möglicherweise ist diese Verteilung der Fehlordnung auf die unterschiedli-
che Mischung von alten triassischen Kaoliniten des Buntsandsteins mit neugebildeten
oberkretazisch-tertiären Kaoliniten zurückzuführen. Der Roßbacher Ton besitzt aus diesem
Grunde möglicherweise eine Halbwertsbreite, die auf die Mischung unterschiedlicher Kaoli-
nite des Buntsandsteins zurückzuführen ist (Abb. 89).
Insgesamt weisen die Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline und der Tone kei-
ne deutlichen Unterschiede in ihrer strukturellen Fehlordnung auf. Es ist jedoch zu vermuten,
dass die Kaolinite der Gesamtproben der Kaoline aufgrund ihrer durchschnittlich deutlich
gröberen Ausbildung eine wesentlich geringere Fehlordnung aufweisen, als die Kaolinite der
Tone. In der Literatur wurde dieser Sachverhalt bereits häufig beschrieben (u.a. Galan et al.
1980, Devaraju et al. 1994). Nach Drummond et al. (2001) gilt dies auch für Kaolinite
kurzstreckig umgelagerter Kaoline, die er als „Bodenkaoline“ bezeichnete.
Brandl (1991) untersuchte die strukturelle Fehlordnung von Kaoliniten unterschiedlicher
Korngrößenfraktionen an ausgewählten in-situ-Kaolinen Bayerns. Er verglich sie mit den
Werten der gleichen Fraktionen der umgelagerten kaolinitischen Tone. Er entdeckte in einem
Falle eine Verringerung der Kristallinität im Sediment, in einem weiteren waren die Werte
unter Berücksichtigung des Klassierungseffekts sehr ähnlich. Brandl (1991) führte die Unter-
schiede auf die mechanische Beanspruchung des Kaolinits des Primärkaolins während des
Transports und damit auf den Umlagerungsprozess zurück. Des weiteren diskutierte er eine
Erhöhung des Fehlordnungsgrads der Kaolinite des Tons durch organische Lösungen.
Nach den vorliegenden Ergebnissen können Unterschiede in der strukturellen Fehlordnung
von Kaoliniten der in-situ-Kaoline und der Tone jedoch auch auf einen anderen Faktor zu-
rückgeführt werden. Da vermutlich nur Teilbereiche eines kaolinitischen Verwitterungsprofils
umgelagert werden, führt dies zu einer Anreicherung von Kaoliniten in korrelaten Sedimen-
ten, die nach der Vergleichmäßigung im Zuge der Umlagerung einen anderen strukturellen
Fehlordnungsgrad aufweisen, als die nicht erodierten Reste des primären Profils, das rezent
der Beprobung zugänglich ist. Die Ergebnisse von Brandl (1991) könnten in diesem Sinne
interpretiert werden. Die Kristallinität ist daher kein geeignetes Kriterium zur Bestimmung
der Herkunft von Kaoliniten in korrelaten Sedimenten.
Auf einen weiteren Aspekt der Untersuchung der Kristallinität von kaolinitischen Tonen sei
an dieser Stelle hingewiesen. Nach Hurst & Pickering Jr. (1997) sind die sedimentären ameri-
kanischen Georgia Kaoline durch diagenetische Prozesse entstanden. Die Neubildung
postsedimentär entstandener, strukturell wenig fehlgeordneter vermiformer Kaolinite ist dort
nachgewiesen (White et al. 1993). In den von White et al. (1993) untersuchten Profilen
schwanken die Hinckley-Indizes zwischen 0,4 und 1,2. Die Variabilität der Werte ist durch
die Mischung der authigenen gut geordneten und der umgelagerten fehlgeordneten Kaolinite
sehr hoch. Die im Gegensatz dazu recht einheitlichen Werte der strukturellen Fehlordnung der
hier untersuchten, nicht diagenetisch entstandenen Kaolinite der Tone weist darauf hin, dass
die diagenetische Überprägung von Kaoliniten in kaolinitischen Sedimenten durch die erhöhte
Variabilität der Fehlordnung des Kaolinits zu erkennen sein könnte.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
156
Die geringe Streuung der Halbwertsbreiten der Kaolinite der in dieser Arbeit analysierten
Tonproben wäre somit ein Beleg dafür, dass keine diagenetische Überprägung der Kaolinite
in den Tonsedimenten stattgefunden hat.
Die Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone ist
meist deutlich höher als die der Kaolinite der Kaoline (Abb. 89). Bemerkenswert ist zudem
die breite Streuung der Werte der Tone. Die Unterschiede in der strukturellen Fehlordnung
und der Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite der Tone und Kaoline weisen darauf hin, dass
die untersuchten Kristalldefekte auf unterschiedlichen Prinzipien beruhen. Folgende Ursachen
der Einlagerungsfehlordnung werden in der Literatur diskutiert:
Felix-Henningsen (1995) vermutet als eine der Ursachen die isomorphe Substitution
des Al3+ der Kaolinite durch Fe3+ nach Herbillon et al. (1976). Die Substitution könnte
aufgrund des größeren Ionenradius des Fe eine Verkürzung der Bindung und damit er-
höhte Bindungsenergien zwischen den Tetraeder- und Oktederschichten bewirken, die
einem Einbau von DMSO entgegewirken.
Lagaly (1993) vermutet, dass die organo-mineralische-Komplexierung oder die Fixie-
rung organischer Moleküle in den Kaolinitzwischenschichten eine der Ursachen der
Einlagerungsfehlordnung ist.
Nach Range et al. (1969) ist die Einlagerungsfehlordnung von Kaoliniten auf einen
tetraedrischen Ersatz von Si durch Al zurückzuführen. Daher besitzen diese Kaolinite
einen Überschuß an negativer Ladung. Sie wird durch die Einlagerung von K+- und
H+-Ionen in den Zwischenschichten ausgeglichen. Die Strukturänderungen blockieren
im Umfeld der Kationen die Einlagerung des DMSO.
Da in der vorliegenden Untersuchung keine signifikante Korrelation zwischen Fe-Gehalt und
Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite besteht, scheint die isomorphe Substitution von Al
durch Fe nicht maßgeblich die Einlagerungsfehlordnung zu dominieren. Es ist jedoch bemer-
kenswert, dass die Fe-reicheren Tone von Guttau und Wetro eine höhere
Einlagerungsfehlordnung aufweisen, als die Fe-ärmeren Wiesaer und Roßbacher Tone.
Die Aufnahme und der Einbau von organischen Molekülen in Kaoliniten kann in Proben, die
primär reich an organischen Substanzen sind, behindert sein. Somit ist es schwierig, Kaolinite
aus Tonen und Kaolinen vollständig aufzuweiten, die einen hohen Anteil an organischer Sub-
stanz besitzen. Möglicherweise ist also die organo-mineralische-Komplexierung oder die
Fixierung von organischen Molekülen in den Kaolinitzwischenschichten für die Blockierung
des Einbaus von DMSO verantwortlich (vgl. Lagaly 1993). Die Bildung einlagerungsfehlge-
ordneter Kaolinite würde mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Bodenhorizonten der
Verwitterungskruste erfolgen, da sich in diesen die anorganische mit der organischen Boden-
substanz vermischt. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass wenig
einlagerungsfehlgeordnete Kaolinite der Verwitterungskruste im Zuge der Umlagerung biolo-
gisch miteinander verkittet werden (vgl. Kap. 6.2.3), weshalb in korrelaten Sedimenten die
Einlagerungsfehlordnung deutlich erhöht sein könnte. Da die feinkörnigen und organikreichen
Roßbacher Tone 2 und der Kohleton jedoch gegenüber den organikärmeren Roßbacher Tonen
1 und 3 keine erhöhte Einlagerungsfehlordnung aufweisen, ist die Blockierung des DMSO
durch organische Komponenten unwahrscheinlich (Abb. 90).
Der Nachweis von einlagerungsfehlgeordneten feinkörnigen Kaoliniten in einem tertiären
Paläo-Acrisol, einem Boden der warmgemäßigt humiden Klimate und der immerfeuchten bis
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
157
wechselfeuchten Subtropen und Tropen, über einem kaolinitischen Saprolith des Rheinischen
Schiefergebirges durch Felix-Henningsen (1990, 1995), weist in eine andere Richtung. Wäh-
rend die Einlagerungsfehlordnung in den Kaoliniten des Saproliths ca. 10 % beträgt, nimmt
der Anteil feinkörniger und einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite innerhalb des Bodenhori-
zonts nach oben hin zu. Da der Anteil an Muskovit im Bodenhorizont hingegen abnimmt,
folgerte Felix-Henningsen (1990, 1995), dass der Kaolinit sich auf Kosten des Muskovits neu
gebildet hat. Er vermutet einen Bildungsprozess im Sinne von Range et al. (1969), bei dem
sich Kaolinite und vor allem Muskovite in einem Milieu zersetzten, das an Si untersättigt war.
Es bildeten sich neue feinkörnige Kaolinite, bei denen in der Tetraederschicht das Si durch Al
ersetzt und der negative Ladungsüberschuss durch K+- und H+-Ionen aus den gelösten
Muskoviten ausgeglichen wurde. Die Blockade der Zwischenschichten führte demnach zu
einer Zunahme der Einlagerungsfehlordnung in den feinkörnigen, sekundären neoformierten
Kaoliniten des Bodens. Eine vergleichbare Zunahme der Einlagerungsfehlordnung stellte Fe-
lix-Henningsen (2000) in einem rezenten tropischen Ferralsol fest. Die Hypothese von Melo
et al. (2001), wonach in rezenten brasilianischen Böden Relikte der verwitternden Glimmer in
neugebildeten feinkörnigen Kaoliniten fixiert sind, ist in diesem Zusammenhang sehr interes-
sant. Sie könnte ebenfalls den erhöhten K+-Gehalt und die erhöhte Einlagerungsfehlordnung
der Kaolinite des Bodens erklären.
Abb. 90: Entstehung und Herkunft der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline und der kaoliniti-
schen Tone im Untersuchungsgebiet
Alle Erklärungsansätze deuten darauf hin, dass einlagerungsfehlgeordnete Kaolinite den Bo-
denhorizonten der kaolinitischen Verwitterungskruste entstammen. In dieser Zone der
Verwitterungskruste erfolgt die Oxidation des Fe, eine Vermischung von anorganischer und
organischer Bodensubstanz und besteht die Möglichkeit der Neubildung von Al- und K-
reichen Kaoliniten in einem deutlich Si-untersättigten Milieu. Somit beruht die erhöhte Einla-
gerungsfehlordnung der Kaolinite der Tone mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf der
Umlagerung von feinkörnigem Detritus der Bodenhorizonte
In den Tonen befinden sich folglich sowohl Kaolinite der tieferen Zonen als auch der Boden-
horizonte. Je höher der Grad der Einlagerungsfehlordnung ist, desto mehr Kaolinite der
Bodenhorizonte wurden umgelagert. Alle Übergänge sind möglich. Sind die Tone reich an
feinstkörnigen Kaoliniten und in hohem Maße einlagerungsfehlgeordnet, so entstammen sie
teilweise den Bodenhorizonten (Abb. 90). Sind sie hingegen grobkörniger und weisen nur
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
158
eine geringe Einlagerungsfehlordnung auf, so ist es wahrscheinlich, dass sie den tieferen Be-
reichen des kaolinitischen Verwitterungsprofils entstammen.
In Abbildung 90 ist aus diesem Grund der Anteil der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaolin-
und Tonproben gegen den Anteil der nicht-einlagerungfehlgeordneten Kaolinite der Proben
aufgetragen. Die Kaolinite der Kaoline weisen demnach eine geringe Einlagerungsfehlord-
nung auf, da sie sich in den tieferen Zonen der Verwitterungskruste bildeten. Als in-situ-
Material unterlagen die Kaoline keiner Klassierung, weshalb ihr Sortierungsgrad sehr gering
ist. Der Abbildung ist des Weiteren zu entnehmen, dass die Kaolinite der Roßbacher Tone
überwiegend den tieferen Zonen der Verwitterungskruste entstammen, hingegen sind am
Aufbau der Oberlausitzer Tone deutlich mehr Kaolinite der Bodenzone beteiligt. Dies gilt in
besonderem Maße für den Oberen Wetroer und den Oberen Guttauer Ton sowie den Wiesaer
Ton. Dieser weist jedoch eine deutlich schlechtere Sortierung auf als die anderen Oberlausit-
zer Tone.
Als weitere Ursache der erhöhten Einlagerungsfehlordnung kann die mechanische Deformati-
on der Kaolinite während des Umlagerungsprozesses nicht vollständig ausgeschlossen
werden. Diese Deformation könnte möglicherweise den Einbau des DMSO behindern. Der
Nachweis einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite in Bodenhorizonten durch Felix-Henningsen
(1990, 1995, 2000) und die geringe Korngröße der Kaolinite der Tone spricht jedoch gegen
diese Theorie.
5.2.3 Abschätzung der umgelagerten Kaolinmengen
Über die Rohdichte der Proben und den Gehalt an Kaolinit ist es möglich, das Volumen der
Verwitterungskruste, bzw. des Kaolins abzuschätzen, das umgelagert werden musste, um 1m³
eines kaolinitischen Tons zu bilden. Je nach Kaolinitgehalt der Tone werden 0,7 bis 2,15 m³
in-situ-Kaolin pro m³ Ton benötigt. Die sehr differierenden Werte für die Roßbacher Tone
beruhen auf der variierenden Korngröße und dem unterschiedlichen Kaolinitgehalt der Pro-
ben, sowohl der Kaoline als auch der Tone. Hierdurch entstehen Extremwerte (Tab. 69).
Tab. 69: Abschätzung der für 1 m³ Ton benötigten Menge Kaolin (berechnet auf der Grundlage des Kaolinitge-
halts, normiert auf ausgewählte Kaoline / Rohdichte Caminauer und Cunnersdorfer Kaolin nach Krumb 1998)
Rohdichte Kaolinitgehalt
Spergau-
Kaolin 1
Spergau
Kaolin 2
Caminau
Kaolin
Wiesa
Kaolin
Cunnersdorf
Kaolin
g/cm³ %
m³ Kaolin/m³
Ton
m³ Kaolin/m³
Ton
m³ Kaolin/m³
Ton
m³ Kaolin/m³
Ton m³ Kaolin/m³ Ton
Roßbach
Ton 1+3 1,83 29,8 1,39 0,68
Roßbach Ton 2 +
Kohleton 1,83 46,0 2,15 1,05
Wetro
Oberer Ton 1,38 83,0 1,51
Wetro
Unterer Ton 1,42 73,5 1,37
Guttau
Oberer Ton 1,41 68,6 1,27
Guttau
Unterer Ton 1,41 66,7 1,24
Wiesa Ton 1,9 32,9 0,71 1,53
Durchschnittlich wurden ca.1,25 bis 1,5 m³ Kaolin für 1 m³ Ton umgelagert. Mittelt man die
Werte für den Wiesaer Ton aus den Daten für den Wiesaer und Cunnersdorfer Kaolin, so er-
hält man einen Wert von 1,12 m³. Da überwiegend der feinkörnige Anteil der Kaolinite der
Kaoline in die Tone umgelagert wurde, ist davon auszugehen, dass die hier berechneten Werte
das Minimum des umgelagerten Volumens darstellen.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
159
5.3 Geochemische Dynamik während des Umlagerungsprozesses der Ver-
witterungskruste
Die Umlagerung des Verwitterungsdetritus der kaolinitischen Verwitterungskruste führte zu
einer An- und Abreicherung spezifischer chemischer Elemente in den Tonen. Durch die Nor-
mierung der Elementgehalte der Tone auf die eines Ausgangskaolins, wird das dynamische
Verhalten einzelner Elemente deutlich.
Während in den Lagerstätten Guttau, Wiesa und Roßbach die Beimischung des Detritus einer
weiteren Quelle zu vermuten ist, sind die An- und Abreicherungskoeffizienten für die Lager-
stätte Wetro einzig auf die Umlagerung des Lausitzer Granodiorit-Kaolins zurückzuführen.
Die für Wetro ermittelten Koeffizienten sind damit am besten geeignet, das Verhalten der
Elemente im Zuge der Umlagerung zu beschreiben. Die Koeffizienten der Lagerstätte Wiesa
werden nur dann diskutiert, wenn das Verhalten der Elemente eindeutig zuzuordnen ist.
Die Analyse der Tone weist darauf hin, dass einige der Neben- und Spurenelemente gesichert
spezifischen Mineralen zugeordnet werden können. Ein großer Teil der Elemente ist jedoch in
mehreren Mineralphasen enthalten, bzw. sorptiv gebunden (Tab. 70).
Tab. 70: Neben- und Spurenelemente der in die kaolinitischen Tone umgelagerten Mineralphasen
Minerale Neben- und Spurenelemente
(rel. gesichert zuzuordnen)
Neben- und Spurenelemente
(vermutet)
Quarz - -
Anatas (Rutil) Nb Fe, Cr, V
Kaolinit Ga K, Fe, Ti, Ni, Zn, Pb,
Illit/Muskovit Ca, Rb, V, Cr Ba, Sr, V, Cr
Fe, Ca, Ti, Mg, SE-Elemente
Smektit
(Illit/Smektit-ML-Minerale)
Ca, Mg Fe, Ti, Ba, Rb, Sr, V, Cr
Fe-Oxide Cr, V, Cu, Co Ca, Zn, Ni, Pb, Ga
Zirkon Hf SE-Elemente
SEE-Phosphate SE-Elemente
Im Folgenden wird die geochemische Dynamik einzelner Elemente der kaolinitischen Tone
eingehend analysiert.
5.3.1 Silizium
Das Silizium ist in Form von SiO2 in den Silikaten gebunden. In den hier untersuchten inten-
siv verwitterten Kaolinen und in den Tonen gehören zu dieser Mineralgruppe alle
Tonminerale und der Quarz.
Tab. 71: An- und Abreicherungskoeffizienten der SiO2-Gehalte der Gesamtproben der Tone, normiert auf aus-
gewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
SiO2 0,7 0,7 0,7 0,7 1,1 1,1 1,1 1,1 0,9 0,7 1,1 0,8
Die SiO2-Konzentrationen der Gesamtproben der Tone Wetro, Guttau und Roßbach sind im
Vergleich zu denen der Kaoline geringer (Tab. 71). Die Tone der Lagerstätte Wiesa weisen
eine geringe Anreicherung auf, möglicherweise aufgrund der Zufuhr von Quarz der
Schlufffraktion der Lausitzer Granodiorit- und Grauwacken-Kaoline. Die SiO2–Konzentration
der Korngrößenfraktion <2 µm ist hingegen in allen Tonen ähnlich wie die der Kaoline (Tab.
72).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
160
Tab. 72: An- und Abreicherungskoeffizienten der SiO2-Gehalte der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone, nor-
miert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
SiO2 1,0 1,1 1,0 1,0 1,1 1,1 1,0 1,1 1,1
Unter oberflächennahen, oxidischen Bedingungen ist Quarz weitgehend verwitterungsresis-
tent. Daher erfolgt im Zuge der Umlagerung keine chemische Veränderung dieses Minerals.
Durch den Transport wird der Quarz mechanisch aufgearbeitet und zerkleinert. Hieraus resul-
tiert, dass ein Teil der Quarzminerale in der Schlufffraktion vorliegt.
Die Verringerung der SiO2-Konzentration in den Gesamtproben der Tone beruht auf dem
Klassierungsprozess im Zuge der Umlagerung der kaolinitischen Verwitterungskruste. Hier-
durch wurde der grobkörnige Quarz der Kaoline von den feinkörnigen Tonmineralen getrennt.
Aufgrund der guten Sortierung der Guttauer und Wetroer Tone wurde der Quarz dort effekti-
ver von den Tonmineralen getrennt, als in den schluffreichen Wiesaer und Roßbacher Tonen
(Tab. 71). Mit abnehmender Korngröße sinkt daher im Allgemeinen der Quarzgehalt eines
klastischen Sedimentgesteins (Heim 1990).
In der Korngrößenfraktion <2 µm sind die Tonminerale sowohl in den Kaolinen als auch in
den Tonen Hauptträger des SiO2. Daher entspricht die SiO2-Konzentration der Kaoline der
Konzentration in den Tonen und eine wesentliche An- bzw. Abreicherung des SiO2 in den
Tonen ist nicht erkennbar (Tab. 72). Daher ist von einer weitgehenden chemischen Stabilität
der Silikatphasen während des Transports auszugehen.
5.3.2 Aluminium und Gallium
Al und Ga sind in den Kaolinen und Tonen an die Tonminerale gebunden. Eine Anreicherung
beider Elemente im Zuge der Umlagerung ist zu beobachten (Tab. 73). Die Tone der Lager-
stätte Roßbach enthalten geringere Mengen Kaolinit und mehr Dreischichtsilikate als die
Spergauer Kaoline. Da die Kaolinite ca. 46 % Al enthalten, die Dreischichtsilikate hingegen
zwischen 17 und 28 % Al (vgl. Jasmund & Lagaly 1993), bewirkt die unterschiedliche tonmi-
neralogische Zusammensetzung der Kaoline und der Tone variablere An- und
Abreicherungskoeffizienten als in den Tonen der Lagerstätten Wetro und Guttau (Tab. 73). In
der Korngrößenfraktion <2 µm ist dieser Effekt nicht so deutlich ausgeprägt, da die Kaoline
in dieser Fraktion ebenso aus Tonmineralen bestehen wie die Tone (Tab. 74). Beide enthalten
etwa gleiche Anteile Al.
Tab. 73: An- und Abreicherungskoeffizienten der Al- und Ga-Gehalte der Gesamtproben der Tone, normiert auf
ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Al2O3 1,5 1,5 1,6 1,6 1,1 1,0 0,8 0,7 1,7 2,7 0,8 1,2
Ga 2,1 2,3 2,4 2,6 1,0 1,0 0,9 0,9 2,9 4,9 1,1 1,9
Tab. 74: An- und Abreicherungskoeffizienten der Al- und Ga-Gehalte der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone,
normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Al2O3 0,9 0,9 1,0 1,0 0,9 0,8 0,8 0,9 0,8
Ga 1,0 1,1 1,2 1,3 0,9 1,4 1,4 1,2 1,2
Aufgrund einer ähnlichen Elektronenkonfiguration und eines ähnlichen Ionenradius substitu-
iert Ga das Al in den Tonmineralen. Da die Substitution nach Martin et al. (1998) in
Smektiten gegenüber Kaoliniten deutlich erhöht ist, ist der Anreicherungsfaktor des Ga in den
Tonlagerstätten höher, die neben Kaolinit auch Smektit, bzw. Illit/Smektit-Mixed-Layer-
Minerale führen. Dies sind die Tone der Lagerstätten Wetro, Guttau und Roßbach. Neben der
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
161
Substitution des Al in Tonmineralen ist eine untergeordnete Bindung des Ga an Oxide bzw.
Schwerminerale zu vermuten. Al und Ga wurden über den hydraulischen Klassierungsprozess
in den Tonen angereichert und im Sediment fixiert (Tab. 74).
5.3.3 Alkalien und Erdalkalien
Die Träger von Alkalien und Erdalkalien in den Kaolinen und Tonen sind die Dreischichtsili-
kate. Feldspatreste oder Relikte mafischer Minerale wurden in keiner der Proben festgestellt.
Tab. 75: An- und Abreicherungskoeffizienten der Gehalte an Alkalien und Erdalkalien der Gesamtproben der
Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
MgO 1,9 1,9 1,3 1,8 0,4 0,2 4,1 2,6 2,3 3,8 1,3 2,2
CaO 1,9 1,6 3,8 3,0 1,4 1,1 2,8 2,2 3,9 9,9 1,6 4,1
K2O 1,4 1,9 0,8 1,8 0,8 0,7 11,8 11,1 48,6 71,8 1,6 2,4
Ba 6,3 6,2 3,7 7,5 1,1 1,0 8,2 7,7 11,9 16,7 1,6 2,2
Rb 1,6 2,2 0,8 1,8 0,5 0,5 4,3 4,1 5,7 8,2 2,1 3,0
Sr 34,7 18,8 14,1 19,2 0,9 0,7 2,1 1,6 3,3 5,1 0,4 0,7
Das Na wird bereits durch den Verwitterungsprozess in den Kaolinen nahezu vollständig ab-
geführt. Deshalb erfolgte keine Umlagerung des Na in die Tone. Die Na2O-Konzentrationen
liegen daher sowohl in den Kaolinen als auch in den Tonen unterhalb der Nachweisgrenze,
weshalb die Werte in Tabelle 75 auch nicht berücksichtigt wurden. In den Tonen ist im Zuge
der Umlagerung in der Regel eine Anreicherung von K und Rb sowie von Erdalkalien zu ver-
zeichnen. Die überwiegende Abreicherungstendenz der Elemente in den Wiesaer Tonen
bezogen auf Cunnersdorfer Kaolin spricht gegen eine Herkunft der Dreischichtsilikate des
Tons aus Lausitzer Grauwacken-Kaolin (Tab. 75).
Das K ist bevorzugt an Illit/Muskovit gebunden. Ca und Mg befinden sich sowohl in Il-
lit/Muskovit als auch in Smektiten sowie Mixed-Layer-Mineralen und wurden über diese
Tonminerale in den Tonen angereichert (Tab. 75 und 76). Ca gelangte wahrscheinlich auch
sorptiv an Fe-Oxide gebunden in die Tone (vgl. Rösler 1991).
Tab. 76: An- und Abreicherungskoeffizienten der Gehalte an Alkalien und Erdalkalien der Korngrößenfraktion
<2 µm der Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
MgO 0,8 0,7 0,6 0,8 5,3 2,3 2,4 1,7 1,7
CaO 1,3 1,1 2,2 1,8 0,9 2,0 2,9 1,9 2,8
K2O 0,5 0,8 0,4 0,8 6,2 16,8 15,8 2,0 1,9
Ba 2,8 3,2 1,6 3,4 4,3 5,0 5,4 1,2 1,3
Rb 0,8 1,1 0,4 0,9 2,5 10,2 8,9 2,5 2,2
Sr 15,9 10,3 4,9 6,9 1,3 1,2 1,2 0,3 0,3
Das häufigste Dreischichtsilikat der hier analysierten Kaoline und Tone ist der Illit/Muskovit.
Die Illitisierung der Glimmer geht mit einer Korngrößenverringerung einher (Lasch 1969,
1970, Heim 1990). Je nach Degradationsgrad sind die Illit/Muskovite daher grob- oder fein-
körniger ausgebildet. Eine Anreicherung dieser Minerale in unterschiedlichen
Korngrößenfraktionen der Kaoline und Tone ist daher sehr wahrscheinlich. Die Abreicherung
des K-Gehalts in der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone von Guttau und Wetro weist darauf
hin, dass ein Teil des Illit/Muskovits der Kaoline eine gröbere Korngröße besessen hat und
während der Umlagerung klassiert wurde (Tab. 76). Smektite und Mixed-Layer-Minerale sind
hingegen sowohl in den Kaolinen als auch in den Tonen an die Feinfraktion gebunden, wes-
halb die Abreicherung des MgO in dieser Fraktion in den Tonen von Guttau und Wetro nicht
ganz so deutlich ist wie für das K.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
162
Die Bindung der Spurenelemente Rb, Ba und Sr ist bis auf die des Rb nicht abschließend zu
klären. Eine überwiegende Anreicherung in den Tonen ist allen drei Spurenelementen ge-
meinsam (Tab. 75, 76). Aus der statistischen Analyse geht hervor, dass das Rb mit K2O
korreliert ist. Eine Bindung des Rb an Illit/Muskovit ist damit sehr wahrscheinlich. Ba und Sr
verhalten sich in Verwitterungsprozessen häufig inkompatibel (Krumb 1998). Eine bevorzug-
te Bindung der beiden Spurenelemente an Dreischichtsilikate ist über die Faktorenanalysen
festzustellen. Das Ba könnte den Tonen auch teilweise über Fe-Oxide zugeführt worden sein.
Eine eindeutige Zuordnung zu einem Hauptelement, bzw. einer Silikatphase ist jedoch nicht
möglich (vgl. auch Krumb 1998). Nach Lasch (1973) ist das Ba in Guttau möglicherweise
sorptiv an den Smektit gebunden. In Wiesa vermutet er hingegen den Einbau des Ba in die
Glimmerphasen. Diese Theorie wird durch die Korrelation von K2O und Ba in den Wiesaer
Tonen bestätigt.
Das Sr ist in den Tonen meist deutlich angereichert (Tab. 75, 76). Eine Bindung an Tonmine-
rale ist wahrscheinlich. In den Guttauer und den Wetroer Tonproben ist eine außerordentlich
hohe Sr-Konzentration zu verzeichnen. Möglicherweise beruhen die erhöhten Werte auf der
Umlagerung Sr-reicher Smektite (Montmorillonite).
5.3.4 Titan und Niob
In den Tonen und Kaolinen liegt Ti überwiegend in oxidischer Form als Anatas vor. In der
Schlufffraktion der Lagerstätte Roßbach konnte zusätzlich Rutil nachgewiesen werden. In den
hier untersuchten Lagerstätten ist die Ti-Affinität des Nb sehr deutlich ausgeprägt. Das An-
und Abreicherungsverhalten der beiden chemischen Komponenten ist in den Gesamtproben
nahezu identisch (Tab. 77). Dies weist darauf hin, dass Ti und Nb gemeinsam über die Mine-
rale Anatas und untergeordnet auch Rutil in den Tonen angereichert wurden. Die
Anreicherung ist auf den hydraulischen Klassierungsprozess im Zuge der Umlagerung zu-
rückzuführen.
Das Schwermineral Anatas konnte gemeinsam mit den Tonmineralen umgelagert werden, da
es in den Kaolinen sehr feinkörnig ausgebildet ist. Nach Störr (1983) ist der Anatas in Bunt-
sandstein-Kaolinen zu ca. 30 bis 65 % in der Korngrößenfraktion <2 µm gebunden. Eine
ähnliche Ausbildung von authigenem Anatas ist in den anderen kaolinitischen Verwitterungs-
profilen zu vermuten. In den Roßbacher und möglicherweise untergeordnet auch in den
Wiesaer Tonen wurde durch die schlechtere Sortierung Anatas, bzw. Rutil der Schlufffraktion
umgelagert. Aus diesem Grunde weist die Feinstfraktion dieser Tone eine geringere Ti- und
Nb-Anreicherung auf als die Gesamtprobe (Tab. 77, 78).
Tab. 77: An- und Abreicherungskoeffizienten der Ti- und Nb-Gehalte der Gesamtproben der Tone, normiert auf
ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
TiO2 4,4 4,9 2,2 3,9 1,5 1,4 1,4 1,3 9,0 8,9 1,8 1,8
Nb 5,0 4,1 2,1 3,0 1,2 1,3 1,4 1,6 9,1 8,3 3,1 2,8
Tab. 78: An- und Abreicherungskoeffizienten der Ti- und Nb-Gehalte der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone,
normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
TiO2 13,4 15,7 7,1 12,2 0,5 5,0 5,6 1,0 1,1
Nb 11,2 9,4 6,4 8,5 0,4 6,4 6,3 1,8 1,8
In der Korngrößenfraktion <2 µm der Lausitzer Granodiorit-Kaolintonen ist eine deutliche
Zunahme von Ti- und Nb zu verzeichnen (Tab. 78). Der gegenüber Nb erhöhte Anreiche-
rungskoeffizient des Ti geht vermutlich auf eine untergeordnete Fixierung in Tonmineralen
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
163
zurück. Aus den Analysedaten von Illiten und Smektiten (z.B. Jasmund & Lagaly 1993, Lo-
renz & Gwosdz 1997) geht hervor, dass sie bis ca. 1,4 % Ti enthalten können.
5.3.5 Eisen
Nach Lasch (1969, 1973) weist das Fe3+/Fe2+-Verhältnis von ca. 10/1 in den Tonen darauf
hin, dass sich die tertiären Tone der Lausitz in einem stark oxidierenden Milieu bildeten.
Demnach ist ein großer Teil des Fe der Tone primär an oxidische Fe-Minerale wie Goethit
und Hämatit gebunden. Die grobkörnigen Sideritrelikte der Kaoline treten nur in schlecht
klassierten Tonsedimenten auf.
Dies bedeutet, dass überwiegend Goethit- und Hämatitminerale der Verwitterungskruste und
der Bodenhorizonte als Fe-Phasen umgelagert wurden. Der in den tieferen Bereichen des
Verwitterungsprofils auftretende Siderit wurde hingegen in den Tonen nicht angereichert, da
primär oberflächennahe Bereiche erodiert wurden. Der Siderit ist in den Kaolinen außerdem
grobkörnig ausgebildet, weshalb er im Zuge der Klassierung weitgehend aussortiert wurde.
Vergleicht man die Fe-Gehalte der Kaoline mit denen der Tone, so ist in den Granodiorit-
Kaolinen eine Abreicherung des Fe mit Ausnahme des Oberen Tons von Guttau zu beobach-
ten. Die Roßbacher Tone weisen hingegen eine mitunter deutliche Anreicherung der Fe-
Konzentrationen auf (Tab. 79 und 80).
Tab. 79: An- und Abreicherungskoeffizienten des Fe der Gesamtproben der Tone, normiert auf ausgewählte
Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Fe2O3 1,2 0,9 0,6 0,7 0,2 0,2 1,3 1,5 4,5 6,2 1,4 2,0
Tab. 80: An- und Abreicherungskoeffizienten des Fe der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone, normiert auf
ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Fe2O3 1,3 0,9 0,6 0,7 1,3 2,3 1,8 1,6 1,3
Die Unterschiede der Koeffizienten sind verschiedenen Prozessen zuzuordnen, weshalb die
einzelnen Lagerstätten getrennt voneinander betrachtet werden müssen (Tab. 79, 80).
In den Roßbacher Tonen ist das Fe nahezu ausschließlich an die Tonminerale gebunden und
nur in sehr geringem Maße an Pyrit. Die berechnete Anreicherung beruht auf der Klassierung
und der Beimischung Fe-reicher quellfähiger Dreischichtsilikate aus pelitischen Gesteinen des
Buntsandsteins im Zuge der Umlagerung.
In den Tonen der Lagerstätte Wiesa sind nur wenige Fe-Minerale enthalten. Ihre Gehalte lie-
gen rechnerisch durchschnittlich bei weniger als 1 %. Die berechnete Anreicherung des Fe in
den Wiesaer Tonen (bezogen auf Wiesaer Kaolin) ist daher primär auf die Umlagerung von
Tonmineralen zurückzuführen. Sowohl die lokale sekundäre Zufuhr von Fe, wahrscheinlich
durch saure Lösungen aus den hangenden Torfmooren (vgl. Grunge 1999), als auch die se-
kundäre Bleichung der Tone und die lokale Abfuhr des Fe sind nicht auszuschließen.
Vermutlich ist das Fe rezent überwiegend an Tonminerale und lokal in oxidischer und sulfidi-
scher Form gebunden.
Auf die Klassierung des Siderits des Granodiorit-Kaolins ist die Abnahme der Fe-Gehalte in
den Tonen von Wetro zurückzuführen. Das Fe ist in den Wetroer Tonen überwiegend an die
Dreischichtsilikate und den Kaolinit gebunden. Fe-Oxide wurden nur in geringem Maße um-
gelagert. Aufgrund des recht hohen Anteils an organischer Substanz und dem geringen
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
164
Degradationsgrad der Braunkohlenholzrelikte in den Wetroer Tonen, ist eine Reduktion der
Fe-Oxide unter anaeroben Bedingungen im Zuge der Diagenese anzunehmen. Eine unterge-
ordnete sulfidische Bindung des Fe in den Tonen ist daher zu vermuten.
In den Guttauer Tonen ist das Fe sowohl an die Tonminerale als auch an die bis zu mehrere
cm großen pyritisierten Xylite gebunden. Der Pyrit konnte eindeutig identifiziert werden. Das
pyritisierte Holz ist jedoch nur in den Unteren Tonen von Guttau weit verbreitet, in den Obe-
ren Tonen ist es nicht vertreten. Die analysierte geringe Abnahme des Fe-Gehalts in den
Unteren Guttauer Tonen im Zuge der Umlagerung ist darauf zurückzuführen, dass das Fe in
den mehrere Zentimeter großen pyritisierten Xyliten fixiert ist, die nicht gemeinsam mit den
Tonen beprobt werden konnten. Die Pyritisierung ist ein Beleg dafür, dass große Mengen
feinstkörniger Fe-Oxide der Verwitterungskruste in die Guttauer Tone gelangten. Es ist zu
vermuten, dass die Fe-Oxide dem nahegelegenen Basaltzersatz entstammen. Rötlich gefärbte
Tonpartien innerhalb des Tons weisen zudem auf eine weiterhin bestehende untergeordnete
oxidische Bindung des Fe hin. Die Zunahme der Fe-Konzentration in den Oberen Guttauer
Tonen ist ebenfalls auf die Umlagerung von Fe-Oxiden zurückzuführen. Hier liegt der Pyrit
rezent fein verteilt im Sediment vor.
Ist die Theorie von Krumb (1998) richtig, wonach eine bedeutende Abfuhr des Fe während
der Kaolinbildung erfolgte, so wurden in der Regel nur wenige oxidische Fe-Phasen in den
oberen Horizonten der Verwitterungskruste gebildet und in die Tonlagerstätten umgelagert.
Somit sind nicht gezwungenermaßen umfassende Bleichungsprozesse notwendig, um die
niedrigen Fe-Konzentrationen der meisten hier untersuchten Tone zu erklären. Die Hypothese
einer umfassenden Abfuhr des Fe durch die Migration saurer Lösungen aus überlagernden
Torfmooren (vgl. Buchwald 1971) in einem zumindest teilweise kompaktierten, genug durch-
lässigen Tonsediment, erscheint für die Wetroer und Guttauer Tone sehr fragwürdig. In den
Lagerstätten Wiesa und Roßbach ist aufgrund des erhöhten Schluffgehalts denkbar, dass
Wegsamkeiten bestanden haben könnten, die eine sekundäre Bleichung ermöglichten.
5.3.6 Phosphor, Seltene-Erden-Elemente und Yttrium
P, SE-Elemente und Y sind in den Kaolinen und Tonen gemeinsam an Phosphate, die SE-
Elemente untergeordnet auch an Zirkone gebunden. Insgesamt ist das variable Verhalten der
SE-Elemente innerhalb der von Krumb (1998) untersuchten sächsischen Kaoline auf unter-
schiedliche Eh/pH-Bedingungen zurückzuführen.
Tab. 81: An- und Abreicherungskoeffizienten des P2O5, der SE-Elemente und Y der Gesamtproben der Tone,
normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
P2O5 4,5 3,1 1,0 1,0 0,1 0,1 0,5 0,5 1,0 1,0 0,2 0,2
Ce 3,5 2,5 1,4 1,4 0,5 0,7 2,8 4,2 4,6 5,6 0,6 0,7
La 21,4 18,6 6,8 10,1 0,1 0,2 1,0 1,6 2,2 3,3 0,6 0,9
Nd 3,0 2,4 1,0 1,2 0,3 0,4 2,9 4,3 1,9 2,3 0,6 0,7
Pr 3,9 3,8 1,0 1,8 0,3 0,2 1,6 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0
Sm 2,7 2,3 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 2,4 2,7 0,7 0,8
Y 0,8 0,8 0,1 0,1 0,4 0,5 0,9 1,2 6,7 7,8 1,6 1,9
Das An- und Abreicherungsverhalten der SE-Elemente im Zuge der Umlagerung ist ebenfalls
nicht eindeutig zu interpretieren (Tab. 81, 82). Je nach Ausgangskaolin dominieren scheinbar
unterschiedliche SEE-Phosphate in den Tonen, weshalb sie in unterschiedlichem Maße an-
und abgereichert wurden. Es scheint, dass die Inhomogenitäten der Kaoline sich in den vari-
ablen Koeffizienten der Tone wiederspiegeln.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
165
In den Guttauer und Wetroer Proben ist eine geringe bis deutliche Anreicherung der SE-
Elemente zu verfolgen, hingegen weisen die Wiesaer und Roßbacher Tone, abhängig vom
Kaolin auf den normiert wurde, eine An- oder Abreicherung dieser Elemente auf (Tab. 81).
SEE-Phophate gehören zu den Schwermineralen. Sie sind chemisch und mechanisch sehr
stabil und besitzen eine Dichte von 4,0 bis 5,5 g/cm³. Die Dichte ist demnach etwa doppelt so
hoch wie die Dichte der Silikate. Die geringeren Gehalte in der Korngrößenfraktion <2 µm
beruhen möglicherweise auf der Probenpräparation. Im Zuge der Sedimentation im Schwere-
feld mit einem Atterberg-Zylinder sinken Schwerminerale bei gleicher Korngröße schneller
zu Boden als die Silikate. Daher reichern sich auch feinkörnige Schwerminerale in den gröbe-
ren Korngrößenfraktionen an (Tab. 81, 82).
Tab. 82: An- und Abreicherungskoeffizienten des P2O5, der SE-Elemente und Y der Korngrößenfraktion <2 µm
der Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
P2O5 0,5 0,3 0,2 0,2 0,5 0,8 0,5 1,0 0,7
Ce 2,2 1,6 0,5 0,5 0,7 1,0 1,4 0,4 0,5
La 3,3 3,2 6,2 6,3 0,5 3,4 3,3 0,4 0,3
Nd 2,2 1,7 0,4 1,0 0,8 0,9 1,1 0,4 0,4
Pr 0,6 0,6 1,0 1,0 0,6 1,0 1,0 0,3 0,3
Sm 2,6 2,2 1,0 1,0 0,9 1,0 0,9 0,4 0,4
Y 1,4 1,1 0,2 0,2 3,7 4,9 7,0 1,0 1,4
Nach Krumb (1998) ist zu schließen, dass die Eh/pH-Bedingungen der Verwitterung darüber
entscheiden, welche Phosphate im Verlaufe des kaolinitischen Verwitterungsprozesses erhal-
ten bleiben. Der hydraulische Klassierungsprozess sorgt im Zuge der Umlagerung für eine
weitere Sortierung aufgrund der unterschiedlichen Korngröße der Phosphatminerale.
5.3.7 Zirkonium und Hafnium
Die chemischen Elemente Zr und Hf sind sowohl in den Kaolinen als auch in den Tonen an
das Mineral Zirkon gebunden.
Tab. 83: An- und Abreicherungskoeffizienten von Zr in den Gesamtproben der Tone, normiert auf ausgewählte
Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Zr 0,8 0,4 0,1 0,1 1,2 1,3 1,0 1,2 1,6 0,9 1,2 0,7
Zirkon wurde im Zuge der Umlagerung des Verwitterungsdetritus sehr effektiv aufgrund der
hydraulischen Klassierung von den Tonmineralen abgetrennt. In den Lagerstätten Wetro und
Guttau ist daher eine deutliche Abreicherung des Zr zu verzeichnen, in den schlechter sortier-
ten Tonen der Lagerstätten Roßbach und Wiesa war die Klassierung des Zirkon hingegen
weniger effektiv (Tab. 83).
Tab. 84: An- und Abreicherungskoeffizienten von Zr in der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone, normiert auf
ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Zr 2,7 1,6 0,6 0,6 5,7 2,8 3,1 1,2 1,2
In der Korngrößenfraktion <2 µm ist, mit Ausnahme des Wetroer Tons, eine Zunahme des Zr
in den Tonen zu verzeichnen. Diese Anreicherung in der Feinfraktion ist für ein an Schwer-
minerale gebundenes Element ungewöhnlich. In Guttau und Roßbach ist zu bedenken, dass
die Beimischung von Verwitterungsdetritus einer weiteren Quelle erfolgte, welche die Koeffi-
zienten beeinflusste (Tab. 84).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
166
Genaue Aussagen über das Verhalten von Hf im Zuge der Umlagerung sind nur schwer zu
treffen, da in den meisten Lagerstätten die Konzentration des Elements unterhalb der Nach-
weisgrenze liegt und die Werte der Kaoline und Tone damit weitgehend identisch sind. Da Hf
in der Lage ist Zr in Zirkonen zu substituieren, ist zu vermuten, dass das An- und Abreiche-
rungsverhalten des Hf ähnlich dem des Zr ist.
5.3.8 Chrom und Vanadium
Cr und V sind in den hier untersuchten Tonen mit hoher Wahrscheinlichkeit an die Tonmine-
rale, speziell an den Illit/Muskovit gebunden (vgl. Krumb 1998). Daher sind beide Elemente
deutlich in den Tonen angereichert (Tab. 85, 86). Der Eintrag von Cr und V über Ti- und Fe-
Oxide (Lasch 1973), Smektite und organische Substanzen ist ebenfalls nicht auszuschließen.
In Guttau könnte die deutliche Zunahme von Cr und V daher auf die Umlagerung der Fe-
Oxide und des Smektits der basaltischen Verwitterungskruste zurückzuführen sein. Die Fakto-
renanalyse weist in diese Richtung.
Tab. 85: An- und Abreicherungskoeffizienten von Cr und V der Gesamtproben der Tone, normiert auf ausge-
wählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Cr 5,0 3,2 2,7 3,9 0,1 1,1 0,2 4,0 6,8 8,9 1,5 2,0
V 4,4 3,5 2,7 3,8 0,9 1,0 2,5 2,7 4,6 8,0 1,5 2,7
In der Korngrößenfraktion <2 µm ist die Zunahme von Cr und V meist geringer als in den
Gesamtproben, da die Tonminerale dieser Fraktion auch in den Kaolinen verstärkt Spuren-
elemente binden (Tab. 86).
Tab. 86: An- und Abreicherungskoeffizienten von Cr und V der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone, normiert
auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Cr 1,1 0,4 1,7 2,3 9,6 3,1 3,4 1,6 1,7
V 2,9 2,4 1,7 2,1 1,5 3,4 3,8 1,7 1,9
Die V-Gehalte in der Korngrößenfraktion <2 µm der Tone von Wiesa und Guttau sind gegen-
über denen des Cr leicht erhöht. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass verstärkt V-reiches
feinkörniges Material einer weiteren Quelle in die Tone eingetragen wurde. Der Anteil Cr und
V der an Fe-Oxide gebunden war wurde während der Diagenese vermutlich freigesetzt und in
reduzierter Form im Tonsediment wieder fixiert.
5.3.9 Bunt- und Übergangsmetalle
Eine wesentliche Zunahme der Gehalte an Bunt- (Cu, Pb, Zn) und Übergangsmetallen (Co,
Ni) ist in den Guttauer und in geringerem Maße in den Wetroer Tonen zu beobachten (Tab.
87, 88). Die Zunahme beruht auf der Umlagerung von Fe-Oxiden und Tonmineralen, an die
sorptiv Bunt- und Übergangsmetalle fixiert waren. In den Proben der Lagerstätten Roßbach
und Spergau sind die Metallgehalte gleichermaßen gering. Sie liegen meist nahe oder unter-
halb der Nachweisgrenze (Tab. 87, 88).
Die deutliche Anreicherung des Cu in den Guttauer und untergeordnet in den Wetroer Tonen
(Tab. 87, 88) ist ein Indiz dafür, dass Fe-Oxide umgelagert wurden, da Cu in Verwitterungs-
horizonten und Böden meist in oxidischer Bindung vorliegt und nur selten silikatisch
gebunden ist (vgl. Sims 1986).
Die in allen Tonen nachvollziehbare Anreicherung des Zn, speziell in der Korngrößenfraktion
<2 µm, beruht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf der Bindung des Elements an Oxide,
jedoch auch an Tonminerale, beispielsweise den Kaolinit. Aus diesem Grunde weisen auch
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
167
die Tone von Roßbach und Wiesa, die sonst nur geringe Metallgehalte besitzen, eine deutliche
Zn-Anreicherung auf (Tab. 88).
Tab. 87: An- und Abreicherungskoeffizienten von Cu, Pb, Zn und Co, Ni in den Gesamtproben der Tone, nor-
miert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Cu 10,3 2,0 4,0 2,0 1,0 5,4 1,0 5,4 2,0 2,0 1,0 1,0
Pb 2,8 2,7 2,0 2,9 0,4 0,6 1,0 1,5 1,0 2,9 0,2 0,4
Zn 7,2 4,7 3,0 3,8 0,1 0,3 1,0 2,7 2,0 2,0 1,0 1,0
Co 1,0 1,0 1,0 1,0 0,4 0,1 1,0 0,4 2,0 2,0 1,0 1,0
Ni 5,2 3,3 3,9 4,5 0,7 0,7 2,7 2,7 1,0 1,0 1,0 1,0
Tab. 88: An- und Abreicherungskoeffizienten von Cu, Pb, Zn und Co, Ni in der Korngrößenfraktion <2 µm der
Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau <2 µm Kaolin Wiesa <2 µm Kaolin Spergau 1 <2 µm Kaolin Spergau 2 <2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
Cu 7,2 1,0 4,5 2,0 1,0 1,0 1,0 0,5 0,5
Pb 2,9 2,6 1,0 2,2 0,4 0,3 0,3 0,2 0,2
Zn 5,3 1,3 1,2 1,5 1,4 3,3 2,3 3,3 2,3
Co 2,4 1,2 1,0 1,0 3,7 1,0 0,5 1,0 0,5
Ni 5,5 3,2 3,6 3,9 3,3 1,0 1,0 1,0 1,0
Da Pb in zweiwertiger Form K, Sr und Ba in Silikaten substituiert, ist anzunehmen, dass es
über die Tonminerale und untergeordnet auch über Oxide in die Tone gelangte. In den Ober-
lausitzer Tonen ist daher eine Anreicherung des Pb zu verzeichnen (Tab. 87, 88).
Das Ni ist in den Lausitzer Tonen ebenfalls deutlich angereichert. Eine eindeutige Zuordnung
zu einer Mineralphase ist jedoch nicht möglich (Tab. 87, 88). Bereits Krumb (1998) konnte
das Ni in sächsischen Kaolinen keiner Mineralphase eindeutig zuordnen. Es ist zu vermuten,
dass es gleichermaßen sorptiv an Oxide und Tonminerale gebunden ist.
Co ist in der Feinfraktion der Guttauer Tone angereichert, da es gemeinsam mit Cu über Fe-
Oxide des Basaltzersatzes in die Guttauer Tone gelangte (Tab. 88). In Silikaten wird Co kaum
fixiert.
Während die an Tonminerale gebundenen Metalle weitgehend im Sediment fixiert wurden, ist
im Anschluss an die Sedimentation zu vermuten, dass sich in einer frühen diagenetischen
Phase rasch reduzierende Bedingungen innerhalb der Tone einstellten, wodurch die Oxide
während der frühen Diagenese instabil wurden. Durch die Zerstörung der Oxide erfolgte die
Freisetzung der an sie gebundenen Metalle. Im Zuge der mikrobiellen Sulfatreduktion ent-
stand H2S wodurch die Metalle in Form sulfidischer Phasen im Sediment fixiert werden
konnten. Die Genese der Metallsulfide ist folglich mit der Bildung des Pyrits vergleichbar,
bzw. geht mit der Pyritbildung einher (vgl. Darbinjan 1989). Nach Rösler (1991) können Pyri-
te geringe Gehalte an Co, Ni, As, Cu und Zn enthalten. Die Mengen dieser Metallsulfide sind
jedoch zu gering, um sie röntgendiffraktometrisch oder mikroskopisch in den Tonproben
nachweisen zu können. In den Guttauer Tonen wurde daher ein Teil der Metalle sulfidisch
gebunden. Inwiefern organische Komponenten oder organo-mineralische-Komplexe an der
Anreicherung der Metalle in den Tonen beteiligt sind, ist nicht zu klären.
Tone sind demnach eine geologische Falle für eine Vielzahl von Metallen. Der Eintrag erfolgt
über Tonminerale, Oxide und organische Substanzen. Eine diagenetische, postsedimentäre
Fixierung der Metalle im Sediment ist in der Lagerstätte Guttau erfolgt. In Wetro kann dieser
Prozess nur vermutet werden. In den Lagerstätten Roßbach und Wiesa wurden Metalle nahezu
ausschließlich über die Tonminerale eingetragen. Eine sulfidische Fixierung durch diageneti-
sche Prozesse ist dort nur untergeordnet zu beobachten.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
168
5.3.10 Kohlenstoff
Da keine Hinweise auf anorganischen Kohlenstoff in den Tonen existieren, ist davon auszu-
gehen, dass der Kohlenstoff organischen Ursprungs ist. Organisches Material ist mit 0,3 bis
10 % in den Tonen angereichert, meist werden Werte von 2 % jedoch nicht überschritten. In
der Korngrößenfraktion <2 µm ist eine geringe Zunahme der Gehalte zu verzeichnen. Die
Konzentration in den Kaolinen ist mit <0,1 % weit geringer als in den Tonen.
Das organische Material der Tone stammt aus Bodenhorizonten der Verwitterungskruste,
bzw. der an die Vorfluter angrenzenden Uferbereiche. Die Tone sind in der Regel organikrei-
cher, je feinkörniger sie sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei abnehmender Strömung
eine zunehmende Verlandung der Sedimentbecken erfolgte, wodurch das allochthone und
parautochthone organische Material gemeinsam mit den Tonen abgelagert wurde. Grobkörni-
ges organisches Material ist in den feinkörnigen Tonen weit verbreitet. Es wurde gemeinsam
mit den feinkörnigen Tonmineralen sedimentiert, da es eine geringere spezifische Dichte (<1
g/cm³) aufweist als die anorganischen Komponenten. Somit befinden sich in den Tonen häu-
fig Braunkohlenrelikte, deren Größe mehrere Zentimeter erreichen kann.
Es ist zu vermuten, dass ein Teil der organischen Substanz auch gebunden an Tonminerale
und Oxide in Form von organo-mineralischen- und organo-metallischen-Komplexen umgela-
gert worden ist.
Die pflanzlichen Komponenten der Tone unterlagen nach der Sedimentation der Inkohlung.
Der Inkohlungsgrad der organischen Substanz entspricht dem Weichbraunkohlestadium. Die-
se diagenetische Überprägung erfolgte in allen hier untersuchten Tonlagerstätten.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
169
6 Genetisches Modell der Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten in Sach-
sen und Sachsen-Anhalt
6.1 Faktoren der Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten
6.1.1 Klima und Vegetation im Tertiär
Das Klima regelt über Temperatur und Niederschlag und die dadurch bedingte Vegetation die
Intensität und die Reaktionsraten der an der Tonlagerstättenbildung beteiligten Prozesse. Fos-
sile Floren sind nach Mai (1995) die besten Indikatoren für die Rekonstruktion des tertiären
Klimas. Sie erlauben beispielsweise Aussagen über die Saisonalität der klimatischen Bedin-
gungen. Im Folgenden werden Klima und Vegetation während des tertiären
Bildungszeitraums der Tonlagerstätten vor dem Hintergrund des Stands der Forschung und
der eigenen Beobachtungen zusammenfassend dargestellt.
Abb. 91: Geschätzte Jahresmittel-Temperaturen und Niederschlagsraten im Tertiär Mitteleuropas (nach Mai
1995 ergänzt)
Das Paläozän ist klimatisch gesehen noch Teil der „mesozoischen Warmzeit“. Im Paläozän
und Eozän ist in Nordamerika nach Wolfe & Poore (1982) eine deutliche Klimafluktuation zu
verfolgen. Dies bestätigen Schwarzbach (1966) und Krutzsch et al. (1992) auch für die altter-
tiären Klimate Europas. Im ausgehenden Eozän verringerte sich dann die durchschnittliche
Temperatur (Abb. 91). Dieser Trend hielt im Oligozän weitgehend an. In den eozänen und
oligozänen Floren des Weißelsterbeckens befinden sich nach Krutzsch et al. (1992) Hinweise
auf zyklische klimatische Schwankungen. Sie beruhen demnach auf wechselnden ariden und
humiden klimatischen Bedingungen. Die Daten zahlreicher Autoren weisen darauf hin, dass
in Mitteleuropa während des unteren Miozäns die Temperaturen wieder zunahmen (Mai
1995). Ihr Maximum erreichten sie dann im mittleren Miozän. Diese „mittelmiozäne Erwär-
mung“ erfolgte vor 18-13 Mio.a (Mai 1995). Hiernach sanken die Temperaturen wieder
deutlich ab. Zagwijn & Hager (1987) ermittelten für das obere Miozän und das Pliozän der
Niederrheinischen Bucht zudem deutliche rhythmisch-zyklische Klimawechsel (Abb. 91).
Hierin deutet sich bereits der höher frequente rhythmische Wechsel von Glazialen und Inter-
glazialen im Quartär an (Mai 1995).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
170
Klimadaten von Schwarzbach (1966) und Zagwijn & Hager (1987) für das tertiäre Mitteleu-
ropa und von Burchardt (1978) für die tertiäre Nordsee sind in Abbildung 91
zusammengefasst. Ein grundlegender Trend einer zunehmenden Abkühlung im Tertiär ist
anhand der Daten unterschiedlicher Autoren zu erkennen (Mai 1995). Die deutlichen Klima-
oszillationen lassen es nach Mai (1995) jedoch nicht zu, eine gleichmäßige
Klimaverschlechterung im mitteleuropäischen Jungtertiär zu postulieren. Zudem belegen die
Klimadaten, dass im europäischen Tertiär zu keiner Zeit ein tropisches Klima bestanden hat
(Knobloch 1975). Nach Mai (1981) ist daher der weit verbreitete Gedanke eines definitiven
tropischen Klimas im europäischen Alttertiär aufzugeben.
Mai (1981, 1995) verwendete zur Rekonstruktion der tertiären Paläoklimate charakteristische
Makroflorengesellschaften, die er zu „zonalen Vegetationstypen“ zusammenfasste. Diese zo-
nalen Vegetationstypen nach Mai (1981) sind einer definierten Klimazone zuzuordnen. Sie
entwickelten sich über alten Böden, und ihre Zusammensetzung ist ausschließlich durch das
Klima bestimmt. In Tabelle 89 sind die wichtigsten tertiären zonalen Vegetationsformen mit
den zugehörigen Klimadaten zusammengefasst.
Tab. 89: Klimatische Grenzwerte für die tertiären zonalen Vegetationsgesellschaften Mitteleuropas (nach Mai
1976 und 1981)
Zeitraum Beispiel Zonaler
Vegetationstyp
Jahres-
mittel
Jahres-
schwankungen
Kältester
Monat
Absolutes
Minimum
Niederschlag Trocken-
zeiten
Bedingungen
T in°C T in°C T in°C T in°C mm/a Monate
Miozän-
Pliozän
Gesamteuropa Buchen-
Eichen-
Hainbuchen-
Mischwälder
10-6 15-30 +2,5- -10 -40 >500-2500 0 (bis3)
Oligozän-
Pliozän
O.-Pfalz,
Maintal
Eichen-
Kastanien-
Hainbuchen-
Mischwälder
13-10 17,5-34 +4 - -8 -30 >500-2500 0 (bis 3)
U.-
Oligozän-
O.-Miozän
N.-Böhmen,
Maar v. Rott
(Wiesa,
Wetro)
Warmgemäßigter
Regenwald
13-9 20-30 >-2 -25 1000-3000 0 (bis 3)
Wärmster
Monat
>15°C,
120-130 mm
Niederschlag
/
Wärmster
Monat
>20°C;
mit ausge-
prägter, nicht
sehr langer
kalter Jahres-
zeit
M.-
Oligozän-
O.-Miozän
Oberlausitz,
(Guttau)
Niederrhein
Warmgemäßigte
immergrüne
Laubwälder
16,5-13 <27 6-1 -15 1000-3000 0 (bis 4)
M.-Eozän
M.-Oligoz.
Geiseltal-
Mittelkohle
(Roßbach)
Subtropische
Regen- und
Lorbeerwälder
19-15 <24 15-3 -10 1000-1600 0 (bis 4)
M.Paläozän-
U.-M.-
Eozän
Belgien,
Messel
Paratropischer
Regenwald
25-20 <18 19-13 -1,8 >1000 0 (bis 4)
0°-Tages-
minimum,
sehr selten;
trockenster
Monat
>60 mm,
Frost unre-
gelmäßig und
sehr selten
6.1.1.1 Das Klima zu Zeiten der Entstehung der Roßbacher Tone
„Paratropische Regenwälder“ dominierten nach Mai (1995) die paläozäne Vegetation. Der
Begriff stammt von Wolfe (1972), der ihn für eine Vegetation verwendete, die mit dem tropi-
schen Regenwald verwandt ist und sich in Flachländern extratropisch oder in den mittleren
Lagen der tropischen Gebirge befindet (Tab. 89). Nach Mai (1995) gelangen zahlreiche Auto-
ren irrtümlich zu dem Schluss, dass im nachfolgenden Eozän eine Erwärmung stattfand und
tropische Klimate vorherrschten (Abb. 91). Er verdeutlicht jedoch, dass Monatsmitteltempera-
turen unter 16°C und hohe Jahresamplituden von 15-25°C (Cernjavska et al. 1988) gegen eine
solche Einstufung sprechen. Die Sommer waren im Eozän durch beträchtliche Wechsel der
Jahresmitteltemperaturen geprägt, die Winter blieben weitgehend mild. Im oberen Eozän
wurde das Klima zunehmend feuchter und subtropischer.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
171
Die mitteleozäne Mittelkohle des Geiseltals wurde von Mai (1976) eingehend untersucht. Es
ist davon auszugehen, dass die dort analysierten klimatischen Bedingungen durch die zeitliche
und räumliche Nähe zu den Roßbacher Tonen mit den klimatischen Bedingungen der Tonla-
gerstättenbildung weitgehend übereinstimmen. Die „schwarzen Kohlen“ des Geiseltals führen
Makrofloren, die in einem austrocknenden zerfallenden Moor entstanden. Diese sekundäre,
das Moor nach Austrocknung besiedelnde Vegetation ist nach Mai (1976) als lichter Kiefern-
Lorbeerwald zu bezeichnen (Tab. 89). Die Jahresmitteltemperaturen lagen bei ca. 15 bis
19°C. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gab es drei wintertrockene Monate und damit eine Phase
der Wachstumsstagnation der Vegetation (Tab. 89). Die Stagnationsphase des Pflanzenwachs-
tums ist nach Mai (1995) mit hoher Wahrscheinlichkeit auf monsunale Ereignisse
zurückzuführen. Frost trat unregelmäßig und sehr selten auf. Die weit ausgedehnte Vermoo-
rung des mitteldeutschen küstennahen Tieflands und die starke Verwitterung (Kaolinisierung)
der Landoberflächen in Mitteleuropa im Eozän sind Zeichen eines großen Niederschlagsreich-
tums und weisen auf semihumide bis humide Bedingungen hin. Es ist daher zu vermuten, dass
die Erosion im Eozän sehr tiefgreifend und in den Sommermonaten stärker gewesen ist als in
den wintertrockenen Monaten.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich die Roßbacher Tone in einem durch das
mitteldeutsche Ästuar geprägten küstennahen Tiefland bildeten (vgl. Kap. 6.1.2), wo unter
semihumiden bis humiden Bedingungen subtropische Regen- und Lorbeerwälder die Vegeta-
tion dominierten.
6.1.1.2 Das Klima zu Zeiten der Entstehung der Oberlausitzer Tone
An der Grenze Eozän/Oligozän erfolgte eine umfassende Meeresregression und eine groß-
räumige Abkühlung in Europa. Das Klima wurde kontinentaler. Im Oligozän sind daher
fallende Jahresmitteltemperaturen zu verzeichen (Abb. 91). Das untere und mittlere Miozän
Europas wurde hingegen durch ein warmgemäßigtes Regenklima geprägt. In einigen Regio-
nen wurden auch subtropische klimatische Bedingungen erreicht. Bereits im Eozän
verbreitete, wärmeliebende paratropische Mastixioideenfloren sind Anzeiger solcher subtropi-
schen Bedingungen (Mai 1995). Sie treten im Tertiär immer dann auf, wenn die klimatischen
Bedingungen für sie optimal sind. Das Klima des Miozäns ist im Allgemeinen jedoch als
weitgehend eintönig zu bezeichnen (Tab. 89). Die Temperaturen lagen im unteren und mittle-
ren Miozän im Jahresmittel bei ca. 10 bis 18°C. Nur äußerst selten wurden Werte unter dem
Gefrierpunkt erreicht. Unterschiede bestanden in den Tiefsttemperaturen sowie in den Jahres-
schwankungen der Temperatur und der Niederschläge (Mai 1995). Im oberen Miozän sanken
die Temperaturen ab und es dominierten zunehmend gemäßigte Klimatypen. Nach Menke
(1975) sind vereinzelt sogar winterkalte Klimate zu verzeichnen.
Die Vegetation Mitteleuropas im Oligozän und Miozän ist durch zwei Floren geprägt, die
einander abwechseln. Der Florenwechsel ist klimatisch bedingt, Standortunterschiede wirkten
sich nicht aus (Mai 1967). Es ist nach Mai (1964, 1967, 1995) ein deutlicher Wechsel zwi-
schen den aus dem Eozän stammenden paläotropischen Floren (u.a. Mastixioideen) und mehr
kontinental geprägten, in kühleren Klimaten beheimateten arkto-tertiären Floren zu verzeich-
nen. Die arkto-tertiäre Flora war eine laubwerfende, sommergrüne Vegetation, die die
subtropischen Waldgemeinschaften durchsetzte. Neben einem Wechsel vermischten sich die
Arten, wobei die Artenvielfalt und die Anzahl der paläotropische Florenelemente sich vom
Alt- zum Jungtertiär fortaufend verringerte (Mai 1964, 1967, 1995).
Die zonalen Vegetationsgesellschaften des Miozäns sind durch die Durchmischung der Floren
sehr zahlreich (Tab. 89). Die oligozänen subtropischen immergrünen Regen- und Lorbeer-
wälder wurden zunehmend durch warmgeßigte immergrüne Laubwälder, gemischte
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
172
mesophytische Wälder sowie verschiedene Mischwald-Typen abgelöst (Mai 1995). Dies kor-
respondiert mit der durchschnittlichen Zunahme arkto-tertiärer Floren im Zuge des Miozäns
(Mai 1967).
In einigen Florenkomplexen des mittleren Miozäns ist ein stark wechselndes Verhältnis von
paläotropischen und arkto-tertiären Floren zu verzeichnen, so beispielsweise in den oberoli-
gozänen bis miozänen Sedimenten der Lausitz (Mai 1967). Nach eingehender Auswertung der
Daten ermittelte Mai (1967) einen 13-fachen Wechsel der Florendominanz für diesen Zeit-
raum. Auf dieser Grundlage entwickelte er eine biostratigraphische Zonengliederung der
Lausitzer Sedimente, auf Grundlage paläobotanischer, karpologischer Befunde. Gemäß der
Anzahl der Florenwechsel wurden 13 Florenzonen (I-XIII) unterschieden (vgl. Abb. 14).
Das untere Flöz, bzw. der 4. Lausitzer Flözhorizont in der Lagerstätte Guttau entspricht nach
Standtke & Strauss (1991) den Florenzonen III A bis IV des unteren Miozäns nach Mai
(1964, 1967). Es dominieren dort arkto-tertiäre Floren, denen nur wenige paratropische Ele-
mente beigemischt sind (Mai 1964, 1967). In den jüngeren Abfolgen ist eine Zunahme dieser
Elemente zu beobachten. Ein humides, warmgemäßigtes Klima mit kurzen Episoden nahezu
subtropischer Klimate unter Bildung einer Laub- bis Mischwaldvegetation kann daraus abge-
leitet werden (Mai 1967).
Nach Mai (1995) zeichnet sich der Florenkomplex von Eichelskopf-Wiesa, der nach Standtke
& Strauss (1991) dem 2. Lausitzer Flözhorizont zuzuordnen ist, durch eine extreme paläotro-
pische Komponente aus. Arkto-tertiäre Floren treten demnach deutlich zurück und sind an
einigen Fundstellen nahezu völlig verschwunden. Die Vegetation ist als „Mixed Mesophytic
Forest“, somit als warmgemäßigter immergrüner Regenwald zu bezeichnen (Tab. 89). Mai
(1970) ermittelte einen fast isothermen Jahrestemperaturgang und hohe Niederschläge >1000
mm/a, die über das ganze Jahr gleich verteilt waren (Tab. 89). Ähnliche klimatische Bedin-
gungen sind für die ebenfalls im unteren Mittelmiozän entstandenen Tone der Lagerstätte
Wetro zu vermuten.
Nach Störr (1978) ist die Bildung kaolinitischer Verwitterungskrusten unter warm-humiden
Bedingungen bei einer mittleren Jahrestemperatur von 16-18°C und Niederschlagsraten von
>1000 mm besonders intensiv. Diese klimatischen Voraussetzungen sind in Mitteleuropa von
der Oberkreide bis in das mittlere Miozän hinein gegeben. Die mächtigen miozänen Sedimen-
te der Niederlausitz beweisen die Umlagerung des kaolinitischen Detritus. Die weit
verbreiteten Braunkohlenflöze der Niederlausitz belegen zudem die flächenhafte Vermoorung
der Region zu dieser Zeit. Die Moore weisen auf vollhumide Bedingungen hin.
Es ist zu folgern, dass die Oberlausitzer Tonlagerstätten sich in einem warmgemäßigten bis
subtropischen ganzjährig humiden Klima bildeten, weshalb Regenwälder, Laubwälder und
Mischwälder die Vegetation am Übergang des Berglandes der Böhmischen Masse zum nörd-
lich gelegenen küstennahen Tiefland der Niederlausitz dominierten.
6.1.1.3 Bodenbildung in Abhängigkeit von den klimatischen Bedingungen
Während zahlreiche ältere Autoren (u.a. Harrassowitz 1926, Neumann 1954, Buchwald 1971,
Valeton 1983) eine umfassende Lateritbildung (Ferralitisierung) in den Bodenhorizonten der
kaolinitischen Verwitterungskrusten Mitteleuropas vermuten, erfolgte nach Mai (1995) und
Krumb (1998) die Bildung der Kaoline Sachsens unter einem Lessive-artigen (Fahl- oder
Grauerde-artigen) Solum, unter einer dichten Laub- und Mischwaldvegetation mit einer hohen
Humusproduktion. Das Lessive-artige Solum sorgte demnach für reduzierende Verhältnisse
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
173
und schwach saure pH-Bedingungen im Sickerwasser, was eine in die Tiefe fortschreitende
Kaolinisierung sicherstellte.
Die warmgemäßigten bis subtropischen humiden Bedingungen und die mineralogisch-
chemische Zusammensetzung der Kaoline und Tone in Sachsen und Sachsen-Anhalt weist
allerdings darauf hin, dass die Bezeichung der Bodenhorizonte als Fahlerden (Podzoluvisol)
die tertiäre Bodenbildung nur unzureichend kennzeichnet. Fahlerden sind nach Scheffer &
Schachtschabel (1998) dreischichtsilikatreich, kaolinitarm und unter rezenten klimatischen
Bedingungen beispielsweise auch in Europa verbreitet. Aufgrund der klimatischen Bedingun-
gen ist die von vielen Autoren (Harrassowitz 1926, Neumann 1954, Buchwald 1971, Valeton
1983) postulierte flächenhafte Bildung von Ferralsolen (Lateriten) im Tertiär Mitteleuropas
ebenfalls nicht wahrscheinlich. Nach Krumb (1998) erfolgte die regionale Ausbildung lateriti-
scher Krusten über Kaolinen bestenfalls unter subtropischen klimatischen Bedingungen. Die
zur Bildung von mächtigen und weit ausgedehnten Lateritdecken notwendigen tropischen
klimatischen Bedingungen bestanden im Tertiär dagegen zu keinem Zeitpunkt (Mai 1995). Da
weder die Bildung von Fahlerden noch die Lateritisierung die Bodengenese über tertiären
kaolinitischen Verwitterungskrusten befriedigend erklärt, ist eine neue Interpretation der Bo-
dengenese notwendig.
Abb. 92: Merkmale illit- und kaolinitreicher Böden humider gemäßigter bis tropischer Klimate – Bezeichnungen
nach der Klassifikation der FAO (2006) / Abbildung nach Schroeder (1972) und Schwertmann & Niederbudde
(1993) ergänzt
Kaolinit- und illitreiche Böden der humiden gemäßigten Klimate und der immerfeuchten bis
wechselfeuchten Subtropen und Tropen sind in Abb. 92 nach der Nomenklatur der „world
reference base for soil resources“ der FAO (2006) zusammengefasst. In gemäßigten humiden
Klimaten dominieren über quarz- und silikatreichen tonarmen Gesteinen Cambisole, Luvisole
und Podzoluvisole (Braunerden, Parabraunerden und Fahlerden). Mit zunehmender Bodendif-
ferenzierung können sich aus diesen Böden Podzole entwickeln. Die Böden der gemäßigten
Klimate sind meist dreischichtsilikatreich. Bei einer stärkeren Bodenentwicklung können
auch Kaolinite auftreten (Scheffer & Schachtschabel 1998).
Unter wechselfeuchten bis immerfeuchten, subtropischen und tropischen klimatischen Bedin-
gungen entstehen bei gleichem Ausgangssubstrat kaolinitreiche Böden. Während Acrisole
und Alisole neben Kaolinit erhöhte Gehalte an Dreischichtsilikaten führen, ist die Bodenent-
wicklung in den Ferralsolen so weit vorangeschritten, dass im Zuge einer starken
Desilifizierung neben Kaolinit nur noch Fe-Oxide sowie Fe- und Al-Hydroxide und -
Oxihydroxide anzutreffen sind (Scheffer & Schachtschabel 1998).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
174
Auf Grundlage der tertiären klimatischen Bedingungen und der Zusammensetzung der Kaoli-
ne und Tone, ist über den Kaolinen im Süden Ostdeutschlands eine Bodenentwicklung zu
vermuten, die am ehesten mit denen rezenter Acrisole und Alisole zu vergleichen ist. Acrisole
und Alisole sind Böden feuchter Tropen und Subtropen, die auch in warmgemäßigten Klima-
ten verbreitet sind. Während sich Acrisole bevorzugt auf quarzreichem Ausgangssubstrat
befinden, ist das Ausgangssubstrat der Alisole variabler und häufig auch basisch (FAO 2006).
Beide Böden sind reich an Kaolinit, enthalten jedoch auch Anteile von Dreischichtsilikaten.
Sie besitzen eine geringe Basensättigung, weshalb Podsolierung (Fe-, Al- und Humusverlage-
rung vgl. Kap. 6.2.1) häufig auftritt. Tonverlagerung (Lessivierung; vgl. Kap. 6.2.1) ist weit
verbreitet und profilbildend. Unter einem humusreichen Oberboden (Ah) befindet sich daher
ein fahler, heller Eluvialhorizont (Al) und darunter ein meist braun gefärbter tonakkumulierter
(Bt) Anreicherungshorizont (Abb. 93). Typisch ist die Anreicherung von Fe-Oxiden und
Tonmineralen im untersten Bodenhorizont (Bu), weshalb diese Zone eine ockergelbe bis
braunrote Farbe besitzt (vgl. Scheffer & Schachtschabel 1998). Die Böden weisen damit so-
wohl Eigenschaften der Laterite (Ferralsole) als auch der Fahlerden (Podzoluvisole) auf. In
Lateriten ist eine bedeutendere Anreicherung von Fe und in Fahlerden eine stärkere Anreiche-
rung von Ton durch Tonmineralneubildungen (v in Alv und Bvt) zu verzeichnen (Abb. 93).
Abb. 93: Idealisierte schematische Bodenprofile humider gemäßigter und subtropisch bis tropischer Böden (nach
Scheffer & Schachtschabel 1998 und der FAO 2006 ergänzt)
Es ist daher zu vermuten, dass sich in Ostdeutschland in der Regel Acrisole und Alisole als
Bodenhorizonte über den in-situ-Kaolinen befanden. In Zeiten, in denen die klimatischen Be-
dingungen wesentlich gemäßigter waren, verzögerte sich die chemische Verwitterung und es
entwickelten sich regional dreischichtsilikatreiche Luvisole und Podzoluvisole anstelle der
Acrisole und Alisole. Bei zunehmend tropischen Bedingungen verstärkte sich die chemische
Verwitterung und es konnten vermutlich regional Ferralsole (Laterite) entstehen.
6.1.2 Die paläogeographische und -tektonische Entwicklung im Tertiär
Die paläogeographische und tektonische Situation beinflußt die Bildung und Erhaltung von
Verwitterungskrusten und der umgelagerten Tone in hohem Maße. Für ein besseres Verständ-
nis der Umlagerung des kaolinitischen Verwitterungsdetritus in Zeit und Raum ist es daher
notwendig, die paläogeographische und –tektonische Situation im Tertiär im Süden Ost-
deutschlands näher zu betrachten. Die folgenden Ausführungen basieren weitgehend auf der
Arbeit von Störr (1975).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
175
Demnach entwickelte sich bereits in der unteren Kreide eine erste, präcenomane kaolinitische
Verwitterungskruste über den präkretazischen Basementgesteinen in Sachsen-Anhalt, Thürin-
gen und Sachsen, die im Zuge einer Transgression im Cenoman und Turon durch Sedimente
überdeckt, bzw. nahezu vollständig erodiert wurde (Abb. 94).
Abb. 94: Schematische Profildarstellung der tektonischen und morphologischen Entwicklung des NW-
Böhmischen Massivs im Tertiär (nach Störr 1975 und Krumb 1998 ergänzt).
Mit Ende dieser ersten tektonischen Bewegungphase begann in der Oberkreide eine tekto-
nisch weitgehend stabile Phase, die abgesehen von einer Hebungsphase an der Grenze
Eozän/Oligozän, bis in das Miozän hinein reichte (Abb. 94). Das flachwellige Hügelland süd-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
176
lich einer Linie zwischen Helmstedt und Cottbus war in diesem Zeitraum weitgehend konti-
nental geprägt. Die tektonische Stabilität der Region führte unter den humiden gemäßigten bis
subtropischen klimatischen Bedingungen zu einer tiefgründigen Verwitterung und zur Kaoli-
nisierung der Basementgesteine (Störr 1975).
Seit dem unteren Eozän entwickelte sich in Mitteldeutschland inmitten des Hügellandes ein
langgestrecktes, nach Norden entwässerndes Ästuar in einem ausgedehnten Küstentiefland,
über welches die südlich, westlich und östlich gelegenen Festlandsbereiche entwässerten
(Abb. 95). Dieses Küstentiefland erstreckte sich vom Raum Helmstedt über die Leipziger
Tieflandsbucht bis in das Weißelster-Becken (Krutzsch et al. 1992). Im mittleren und oberen
Eozän wurde durch jungalpidische Bewegungen die Subrosion ausgelöst, die im Geiseltal, im
Roßbacher Hauptbecken, in einigen Bereichen der Leipziger Tieflandsbucht und im westli-
chen Weißelster-Becken dazu führte, dass Salze punktuell abgeführt wurden. Es bildeten sich
terrestrische Becken, in denen fluviatile und limnische Sedimente des angrenzenden kaolini-
sierten Festlands zur Ablagerung gelangten. In Zeiten geringer Subrosion, bzw. wenn diese
zum Stillstand kam, wurden in einer Stillwasserfazies limnische und fluviatile kaolinitische
Tone sedimentiert, so auch im Roßbacher Hauptbecken. Die stauenden Eigenschaften des
Tons führten bei zunehmender Verlandung zu einer regionalen Vermoorung (Thomae &
Schroeter 1996). Die Moorbildungen befinden sich rezent als Braunkohlen innerhalb der se-
dimentären Abfolgen des Geiseltals und des Roßbacher Hauptbeckens sowie des
mitteldeutschen Braunkohlegebiets.
Die eozänen Tone von Roßbach belegen, dass bereits zu dieser Zeit eine mächtige kaoliniti-
sche Verwitterungskruste existierte, durch deren Umlagerung kaolinitische Tone entstehen
konnten. Böttger (1992) beschreibt beispielsweise Bohrungen aus der Region Leipzig, bei
denen unter den eozänen und oligozänen Braunkohlen und klastischen Sedimentabfolgen eine
ältere kaolinitische Verwitterungskruste erbohrt wurde.
An der Wende Eozän/Oligozän erfolgte nach Störr (1975) die Hebung weiter Teile der südli-
chen Grundgebirge (Lausitz, Fichtelgebirge, Erzgebirge), was eine tektonische Gliederung der
präoligozänen Peneplain zur Folge hatte. Neben einer fortdauernden Kaolinisierung ist damit
eine zunehmende Erosion der Verwitterungskruste in den südlichen Regionen zu beobachten,
deren Produkte nach Norden geschüttet wurden.
Im unteren und mittleren Oligozän erfolgte eine weitreichende Meerestransgression. Teile des
mitteldeutschen Ästuars wurden überflutet und unterlagen damit einem deutlich marinen Ein-
fluss (Abb. 95). Die kaolinitische Verwitterungskruste wurde in diesen Regionen weitgehend
erodiert oder durch marine Sedimente überlagert (Abb. 94 / Störr 1975). Ein schmaler Streifen
des Küstentieflands entwickelte sich in dieser Zeit am Nordrand des Lausitzer Blocks
(Krutzsch et al. 1992). Die Lausitz war weiterhin überwiegend festländisch geprägt und die
Gesteine des Basements unterlagen einer intensiven kaolinitischen Verwitterung (Abb. 94 und
95).
Ende des mittleren und zu Beginn des oberen Oligozäns erfolgte die Regression des Meeres in
Mitteldeutschland aufgrund einer Hebung des Gesamtgebiets. An der Wende oberes Oligo-
zän/unteres Miozän verlagerte sich die Küstenlinie wieder weiter nach Süden, da
epirogenetische Bewegungen dafür sorgten, dass nach und nach nördliche und nordwestliche
Teile des Lausitzer Blocks entlang von Störungen einbrachen und in das nördliche Sedimenta-
tionsgebiet des norddeutsch-polnischen Beckens mit einbezogen wurden (Lotsch et al. 1969).
Die Hebungen führten zu einer deutlichen bruchtektonischen Gliederung des Böhmischen
Massivs (Störr 1975). Da die Hebungstendenz in den nördlich an den Graben angrenzenden
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
177
Arealen am stärksten ausgeprägt war und nach Nordwesten hin abnahm, setzte eine verstärkte
Erosion der südlichen Gebiete ein und der Detritus wurde nach Norden transportiert (Abb.
94). Aus diesem Grunde wurde die kaolinitische Verwitterungskruste des südlichen Base-
ments nahezu vollständig erodiert und der Detritus nach Norden, in den deltaisch-paralisch bis
kontinental geprägten Sedimentationsraum des weit ausgedehnten Küstentieflands umgelagert
(Abb. 94). Die tertiären Sedimente der Ober- und Niederlausitz sind Produkte dieser miozä-
nen Umlagerung.
Abb. 95: Paläogeographie im nördlichen Vorland der Böhmischen Masse im Eozän und Oligozän (Krumb 1998
nach Krutzsch et al. 1992)
In NW-Sachsen und in der Oberlausitz entstanden im unteren und mittleren Miozän am Über-
gang zum norddeutsch-polnischen Senkungsfeld eine Vielzahl kleiner kontinentaler Becken
(Abb. 94), so beispielsweise die Becken von Wiesa, Wetro und Guttau in der Lausitz. Wäh-
rend ältere Schriften (Adam 1969, Buchwald 1971) eine lokale Entwicklung der tertiären
Becken der Oberlausitz postulieren, weisen neuere Foschungsergebnisse darauf hin, dass die
Kleinbecken als Relikte eines zusammenhängenden limnisch-fluviatilen Sedimentationsraums
aufzufassen sind, deren Stratigraphie mit der Niederlausitz übereinstimmt (Standtke & Strauss
1991). Die tertiären Sedimente der kleinen Becken der Oberlausitz repräsentieren die südliche
Randfazies des Niederlausitzer Tertiärs (Abb. 94). In Zeiten geringer Absenkungstendenz
entwickelten sich weit ausgedehnte Torfmoore über den sedimentären Abfolgen der Region.
Gegen Ende des Oligozäns setzte ein basaltischer Vulkanismus in der Lausitz ein (Störr 1975,
Walter 1992). Die nördlichsten Ausläufer befinden sich bei Guttau (Lasch 1973). Erst im un-
teren Miozän kam der basaltische Vulkanismus in der Region zum Erliegen. Der Basalt
unterlag einer intensiven oberoligozänen und untermiozänen Verwitterung, da bereits Verwit-
terungsprodukte der Basalte in Form von Fe-Oxiden und Smektiten in die untermiozänen
Guttauer Tone umgelagert wurden.
Im Pliozän erfolgte eine weitere Hebung des Böhmischen Massivs (Störr 1975), weshalb die
weitere Verebnung der Oberlausitz zu vermuten ist (Abb. 94). Die nach Norden gerichtete
und seit dem Mesozoikum bestehende Entwässerungsstruktur führte im ausgehenden Pliozän
und im frühen Pleistozän, noch vor Beginn der Eiszeiten, zu einer Vielzahl von Flussläufen,
die das südliche Bergland in Richtung des nördlichen Tieflands entwässerten. In der Lausitz
entstanden der Senftenberger-, der Bautzener und der Berliner Elbelauf. Die meist grobklasti-
schen Sedimente dieser Flußläufe sind vor allem im Bereich tertiärer Hochflächen erhalten
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
178
geblieben. Sie schützten die tertiären Sedimente vor pleistozäner Erosion, so auch die Tone
der Oberlausitz.
Während aus dem Geiseltal sowohl elster-, saale- und in geringem Maße auch weichseleis-
zeitliche Sedimente bekannt sind, drang nur die erste elstereiszeitliche Vereisung in der
Lausitz bis in die Region Kamenz vor. Geschiebe dieser Eiszeit befinden sich bei Wiesa, aus
Wetro sind keine eiszeitlichen Sedimente bekannt (Störr 1983). In Guttau erfolgte die Ablage-
rung pleistozäner Geschiebemergel (Lasch 1969), die mit hoher Wahrscheinlichkeit dem
ersten Stadium der Saaleeiszeit zuzuordnen sind (vgl. Kupetz et al. 1989).
Im Laufe des Pleistozäns wurde die ostdeutsche Landschaft weitgehend umgestaltet. Es ent-
standen pleistozäne Rinnensysteme, die die südlich gelegenen Hochflächen nach Norden
entwässerten. In deren Zwischenraum entwickelten sich weit ausgedehnte Verebnungsflä-
chen. Dazwischen befanden sich Hochflächen, so beispielsweise in der Region Caminau. Der
größte Teil der Oberlausitz blieb im Pleistozän als Hochfläche erhalten, weshalb sie eine ge-
ringe quartäre Bedeckung aufweist (vgl. Kupetz et al. 1989).
Elstereiszeitliche bis holsteininterglaziale Tektonik führte in der Oberlausitz zu einer vertika-
len Verstellung und einer Kippung der Bruchschollen (Wolf & Hirschmann 1964). Die
tertiären Sedimente sind demnach möglicherweise nur dort erhalten geblieben, wo die Schol-
lenkippung zu einer tieferen Versenkung der tertiären Sedimente in ein ausreichend tiefes
Niveau führte (Buchwald 1971).
Aus der mesozoisch-tertiären paläogeographischen und tektonischen Entwicklung des Unter-
suchungsgebiets ist zu schließen, dass
die Kaolinisierung der Basementgesteine von der Oberkreide bis in das Oligozän und
teilweise bis in das Miozän hinein erfolgen konnte und die Gesteine des flachwelligen
Hügellandes des nördlichen Böhmischen Massivs und des Thüringer Beckens in tek-
tonisch weitgehend stabilen Phasen der Peneplainisierung unterlagen.
die intensive Erosion der kaolinitischen Verwitterungskruste im Eozän Mitteldeutsch-
lands durch Subrosionsvorgänge, später durch epirogenetische Bewegungen initiiert
wurde, im Bereich des nordwestsächsischen Vulkanitkomplexes und des Lausitzer
Blocks wurde sie hingegen durch epirogenetische Bewegungen an der Grenze Oligo-
zän/Miozän ausgelöst. Das Maximum der Erosion lag damit im Eozän bis Miozän. Die
kaolinitischen Tonlagerstätten im Untersuchungsgebiet sind aus diesem Grunde eozä-
nen bis miozänen Alters.
die Sedimentation der sehr reinen kaolinitischen Tone in der Nähe der südlich bzw.
südöstlich gelegenen Quellen erfolgte. Sie sind keine Fernschüttungen. Gegen Ende
des Miozäns waren vermutlich die kaolinitischen Verwitterungskrusten des südlichen
Berglandes bereits weitgehend erodiert und die nördlich gelegenen Regionen infolge
der Umlagerung mit Sedimenten bedeckt. Da die klimatischen Bedingungen eine wei-
tere Kaolinisierung nicht mehr ermöglichten, konnte postmiozän die Bildung sehr
reiner kaolinitischer Tone nicht mehr erfolgen.
die tertiären kaolinitischen Tone des Roßbacher Beckens und der Oberlausitz durch
die Bedeckung mit tertiären sowie quartären Sedimenten und möglicherweise durch
posttertiäre Tektonik vor Erosion geschützt wurden und daher erhalten geblieben sind.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
179
6.1.3 Einfluss der Ausgangsgesteine auf die Kaolinisierung und die Bildung der kaoli-
nitischen Tone
Der Einfluss der Ausgangsgesteine auf die Zusammensetzung von in-situ-Kaolinen ist sowohl
generell (Millot 1970, Meunier 2005), als auch im Falle der Kaoline Sachsens nachgewiesen
(Lasch 1970, Buchwald 1971, Krumb 1998). Wie Krumb (1998) zeigen konnte, ist die Zuord-
nung der in-situ-Kaoline zu einem spezifischen Ausgangsgestein aufgrund der Gehalte der
sich im Verwitterungsprozess weitgehend immobil verhaltenden chemischen Komponenten
wie z.B. Al2O3, TiO2, Zr und den SE-Elementen möglich. Nach Lasch (1969) sind die Unter-
schiede zwischen Grauwacken-, Granodiorit-, Granit- und Syenodiorit-Kaolinen in den von
ihm getesteten chemischen und mineralogischen Parametern (V, B, Mn, Ba, Ni, Cr sowie Ka-
olinit- und Glimmer-Gehalte) jedoch nicht signifikant, während sich Schiefer-, Basalt- und
Lamprophyrzersätze deutlich unterscheiden.
Lasch (1969) ging noch einen Schritt weiter und untersuchte an Kaolin- und Tonproben der
Lausitz, inwieweit die Varianz spezifischer Elemente zwischen Kaolinen und Tonen signifi-
kant ist. Das Ergebnis lautete, dass die untersuchten Elemente der einzelnen Lagerstätten
signifikante Unterschiede aufweisen. In einer späteren Arbeit konkretisierten Lasch & Thier-
gärtner (1981) die Ergebnisse von Lasch (1969, 1970). Demnach sind die Kaoline Sachsens
statistisch sehr gut von den Tonen abzugrenzen. Eine Zuordnung der Tone zu einem spezifi-
schen Ausgangsgestein, bzw. einem spezifischen Kaolin ist jedoch nicht möglich.
Anhand von 21 ausgewählten Variablen wurde die Ähnlichkeit der chemischen Zusammen-
setzung der Kaoline, der Tone und der Lausitzer Ausgangsgesteine im Zuge dieser Arbeit
überprüft (Abb. 96). Die Clusteranalyse bestätigt das Ergebnis von Lasch & Thiergärtner
(1981). Die Kaoline und Tone können statistisch weitgehend voneinander unterschieden wer-
den. Eine Ausnahme bilden die Gesamtprobe des Roßbacher Ton 1 und 3, der Obere Wetroer
Ton und der Cunnersdorfer Kaolin (Abb. 96). Die Tone sind sich in der Regel untereinander
ähnlicher als dem Kaolin, aus dem sie hervorgegangen sind. Gleichartige Tone können dem-
nach aus verschiedenen Ausgangsgesteinen hervorgehen. Die chemische und mineralogische
Zusammensetzung des Ausgangsgesteins der Kaoline ist für die Zusammensetzung der Tone
daher nur von geringer Bedeutung. Die Anwesenheit zahlreicher feinkörniger verwitterungs-
beständiger residualer Komponenten des Ausgangsgesteins in der Schlufffraktion der in-situ-
Kaoline vermindert jedoch bei einer kurzstreckigen Umlagerung der Verwitterungskruste die
Effektivität der Trennung der Tonminerale von den residualen Komponenten. Aus diesem
Grunde sind die Wiesaer und Roßbacher Tone relativ schluff- und quarzreich.
Aus Abbildung 96 geht hervor, dass der Obere Wetroer Ton eine große Ähnlichkeit mit der
Feinfraktion des Caminauer Granodiorit-Kaolins besitzt und die Roßbacher Tone 1 und 3 mit
dem Spergauer Kaolin 2. Die Ähnlichkeit der Proben mit ihrer „Quelle“ ist darauf zurückzu-
führen, dass das umgelagerte Material aus einem gleichartigen Kaolin entstanden ist, dessen
Verwitterungsgrad und dessen Korngrößenverteilung mit der des Tons weitgehend überein-
stimmt. Die kurzstreckige Umlagerung der Tone führte dazu, dass diese Voraussetzungen
bevorzugt jene in-situ-Kaoline erfüllen, aus denen sie abstammen.
Die Ausgangsgesteine besitzen im Allgemeinen eine größere Ähnlichkeit mit den Tonen als
mit den Kaolinen (Abb. 96), da die in-situ-Kaoline während der Verwitterung zunehmend an
chemischen Komponenten verarmen. Die Umlagerung von Bodenhorizonten gemeinsam mit
den tieferen Zonen der Verwitterungskruste sowie die diagenetische bzw. sekundäre Zufuhr
von externen Lösungen führen in der Regel wieder zu einer Zunahme der Variabilität der che-
mischen Zusammensetzung. Daher sind die Tone den Ausgangsgesteinen ähnlicher als die
intensiv verwitterten Kaoline.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
180
Abb. 96: Clusteranalyse der Gesamtproben und der Korngrößenfraktion <2 µm der Kaoline und Tone / Distanz-
maß: quadrierte euklidische Distanz (Ges.=Gesamt, We.=Wetro, Gu.=Guttau, Wi.=Wiesa, Ro.=Roßbach,
Cam.=Caminau, Sp.=Spergau, Cu.=Cunnersdorf, Laus.Grauw.=Lausitzer Grauwacke, Laus.Granod.=Lausitzer
Granodiorit, Kr. = Daten nach Krumb 1998, Gr. = Daten nach Grunge 1999) / Berechnet auf der Grundlage von
21 Variablen: SiO2, Al2O3, Fe2O3 ,TiO2, MgO, CaO, K2O, Ba, Ce, Cr, Ga, La, Nb, Nd, Pb, Rb, Sr,V, Y, Zn, Zr.
Die Zuordnung der Kaoline zu einem spezifischen Ausgangsgestein gelang Krumb (1998)
durch eine Multiple Diskriminanzanalyse beruhend auf 3 Funktionen. Für diese Funktionen
waren die Elementgehalte der während des Verwitterungsvorgangs weitgehend immobilen
Elemente von entscheidender Bedeutung. Diese Elemente sind Al2O3, TiO2, Zr, Ce, La, Nd,
Cu, Nb, Pb und Th, als weitgehend immobil aber statistisch insignifikant führt Krumb (1998)
die Elemente Sc, Y und Ga an.
Die Problematik der Zuordnung eines Tons zu einem spezifischen Ausgangskaolin beruhend
auf den Elementen von Krumb (1998) besteht darin, dass ein großer Teil der immobilen Ele-
mente des Kaolins an akzessorische Schwerminerale gebunden sind, die durch den
Umlagerungsvorgang in unterschiedlichem Maße klassiert werden. Quarz, Zirkon und Ton-
minerale werden durch Klassierung ab-, bzw. angereichert. Metalle können in
unterschiedlichem Maße zu- und abgeführt sowie durch sekundäre, bzw. diagenetische Pro-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
181
zesse im Sediment fixiert werden. Die Mischung unterschiedlicher Quellen sorgt des Weite-
ren dafür, dass das chemische Muster des Ausgangsgesteins, bzw. des Kaolins nicht erhalten
bleibt. Die in den Ausgangsgesteinen und den Kaolinen immobilen und für die Zuordnung
signifikanten chemischen Komponenten können somit im Zuge der Umlagerung einer wesent-
lichen Konzentrationsänderung unterliegen. Eine statistische Zuordnung eines Tons zu einem
Kaolin oder Ausgangsgestein ist damit im Regelfall nicht möglich.
Die einzige Möglichkeit, Belege für die Provenienz eines Tons zu sammeln, bietet der direkte
Vergleich der Elementzusammensetzung einzelner Kaoline und Tone, bzw. einzelner Mine-
ralphasen, wie dies exemplarisch in Kapitel 4 dargestellt wurde. Eine detaillierte Analyse der
geologisch-strukturellen Entwicklung der Tone ist damit für die Herkunftsbestimmung unum-
gänglich.
Die Ausgangsgesteine der Kaoline besitzen somit nur einen geringen Einfluss auf die Zu-
sammensetzung kaolinitischer Tone. Der Grad der Verwitterung des umgelagerten Kaolins
und die Sortierung des umgelagerten Materials sind von entscheidender Bedeutung.
6.1.4 Bildungszeitraum
Die vollständige Verwitterung eines Ausgangsgesteins benötigt bei gleichen Faktoren einen
längeren Zeitraum, als eine unvollständig verlaufende. Dies gilt gleichermaßen für die Voll-
ständigkeit der Ausbildung von Bodenhorizonten (Righi & Meunier 1995). Der Zeitraum für
eine tiefgründige kaolinitische Verwitterung kann anhand von Laborversuchen abgeschätzt
werden. Nahon (1991) vergleicht die Daten der Umwandlungsdauer von 1 mm eines sauren
Ausgangsgesteins zu kaolinitischem Saprolith nach unterschiedlichen Autoren. Die Angaben
variieren zwischen 4 und 50 mm in tausend Jahren, eine Abstufung nach Klimazonen geht
daraus nicht hervor.
Die kaolinitische Tonlagerstättenbildung setzte im Eozän ein, verstärkte sich im Miozän und
ist im Pliozän kaum mehr nachweisbar. Eine seriöse Schätzung der Länge des Zeitraums, in
welchem der Ton einer spezifischen Lagerstätte umgelagert wurde, ist nicht möglich.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
182
6.2 Prozesse der Bildung kaolinitischer Tonlagerstätten
6.2.1 Verwitterung und Bodenbildung
Die kaolinitische Verwitterung der Ausgangsgesteine wurde bereits in Kapitel 3 umfassend
dargestellt und diskutiert. Sie war nicht nur in den tieferen Zonen wirksam, sondern auch un-
ter veränderten Bedingungen in den Bodenhorizonten des Verwitterungsprofils.
In der Regel sind die oberen Horizonte der tertiären kaolinitischen Verwitterungskruste durch
Erosion und die Sedimentation jüngerer Sedimente gekappt. Der Übergang zwischen Kaolin
und Bodenhorizont ist rezent daher diskordant. Da die tertiären Böden der Untersuchung nicht
mehr zugänglich sind, kann nur indirekt auf die tertiäre Bodenentwicklung geschlossen wer-
den. Setzt man voraus, dass gerade die oberen Zonen der Verwitterungskruste erodiert
wurden, so ist zu folgern, dass ein großer Teil der in die Tone umgelagerten Partikel aus den
Bodenhorizonten der kaolinitischen Verwitterungskruste stammt. Somit sind neben den in
Kapitel 3 beschriebenen Verwitterungsprozessen bodenbildende Prozesse von besonderer
Bedeutung für die Zusammensetzung der Tone.
Die klimatischen Bedingungen und die mineralogisch-chemische Zusammensetzung der kao-
linitischen Verwitterungskruste weist auf Bodenhorizonte hin, die denen rezenter Acrisole
und Alisole entsprechen (vgl. Kap. 6.1.1.3). Aus der Literatur (u.a. Felix-Henningsen 1995,
Scheffer & Schachtschabel 1998, Jackson 1998, FAO 2006) geht hervor, dass am Aufbau der
Böden folgende Prozesse maßgeblich beteiligt sein können:
Zufuhr organischer Substanz über die Vegetation und Ausbildung eines humusreichen
Horizonts
Bildung von Humin- und Fulvosäuren
Die Verlagerung von Tonmineralen sowie Fe-, Al- und Si-Oxiden (Lessivierung)
Die Verlagerung von organischen Substanzen und Metallen (Podsolierung)
Bildung von organo-mineralischen-Komplexen und Chelatkomplexen
Kornverfeinerung durch zunehmende Degradation der Minerale (u.a. Illitisierung)
Neoformation von feinkörnigen einlagerungsfehlgeordneten Kaoliniten
Erhöhte Sorption von Spurenelementen durch Bindung an Oxide, organo-
mineralische-Komplexe, feinkörnige Tonminerale und die organische Bodensubstanz.
Im Folgenden sind einige der Prozesse näher erläutert.
Bodenhorizonte und kaolinitische Tone enthalten beide, im Gegensatz zu den tieferen Verwit-
terungszonen, eine erhöhte Konzentration organischer Substanzen. Die Zufuhr der
organischen Substanz erfolgt in den Böden über die Vegetation. Die hohe Aktivität biode-
gradierender Mikroorganismen führte zu einer raschen Durchmischung der organischen und
anorganischen Bodensubstanz und zur Bildung von Huminstoffen in den tertiären Acrisolen
und Alisolen. Teile der organischen Substanz des Bodens wurden umgelagert und gelangten
in die kaolinitischen Tone. Das organische Material der Tone ist daher überwiegend al-
lochthonen Ursprungs.
Da Prozesse der Lessivierung und der Podsolierung zu einer verstärkten Profildifferenzie-
rung rezenter Acrisole und Alisole beitragen (Scheffer & Schachtschabel 1998, FAO 2006),
ist zu vermuten, dass ähnliche Prozesse auch im Tertiär profilprägend waren. Die Umlagerung
von festen Substanzen der Korngröße <2 µm wird als Lessivierung (Tonverlagerung) be-
zeichnet (Blume 1964). Der Prozess beruht auf der zunehmenden Lösung von Alkalien,
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
183
Erdalkalien und Fe im humosen Oberboden durch meteorische Wässer in einem neutralen bis
schwach sauren Milieu (Retallack 1990). Die gelösten Substanzen werden in Richtung des
natürlichen Gefälles, bzw. mit dem Sickerwasserstrom abgeführt (Abb. 97). Im Oberboden
gelöstes Ca kann dabei in den unteren Bodenhorizonten je nach Eh/pH-Bedingungen als Cal-
ciumcarbonat wieder ausgefällt und angereichert werden. Die Abfuhr der Ionen hat eine
Untersättigung der Bodenlösung im Oberboden in Bezug auf die gelösten Ionen zur Folge,
weshalb Tonminerale beginnen zu dispergieren. Betroffen sind überwiegend Tonminerale der
Korngrößenfraktion <0,2 µm, wobei quellfähige Tonminerale rascher dispergieren als nicht
quellfähige. Sie bilden zusammen mit der Bodenlösung eine Suspension, die bei schnell be-
weglichem Sickerwasser im Boden migrationsfähig ist (Scheffer & Schachtschabel 1998). Die
Tonfraktion wird auf diese Weise in tiefere Bereiche des Profils verlagert, wo eine Anreiche-
rung erfolgt (Abb. 97). Zusammen mit den Tonmineralen können Fe-, Al- und Si-Oxide sowie
mit diesen verbundene Huminstoffe verlagert werden (vgl. Podsolierung). Die Verdichtung
des Unterbodens infolge der Tonverlagerung kann zu einem periodischen Wasserstau im O-
berboden führen (Scheffer & Schachtschabel 1998).
Die Lessivierung erhöht die Erosionsempfindlichkeit des Bodens, weshalb Acrisole und Ali-
sole zu den erosionsempfindlichen Böden gehören (Scheffer & Schachtschabel 1998, FAO
2006). Dies erklärt die massive Erosion dieser Böden im Tertiär. Im Unterboden erfolgte zu-
dem eine Voranreicherung der Tonfraktion.
Abb. 97: Prozesse der Umlagerung in Böden (nach Righi und Meunier 1995)
Bei zunehmender Versauerung kann eine Podsolierung (Humusanreicherung) einsetzen. Der
Prozess kann als Folge der Lessivierung auftreten oder als alleiniger Umlagerungsprozess
erfolgen. Unter Podsolierung wird ein abwärts gerichteter Prozess verstanden, durch den or-
ganische Substanzen gemeinsam mit Al und Fe in gelöster Form in tiefere Bereiche des
Bodenprofils umgelagert werden (Abb. 97). Er findet unter stark sauren (pH <5) und oxidie-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
184
renden Bedingungen, bei guter Drainage in humiden Klimazonen statt (Retallack 1990). Im
sauren pH-Bereich wird die organische Substanz gelöst, Alkalien und Erdalkalien abgeführt
und Al, Fe und Ti organisch komplexiert. Die Substanzen sind hierdurch migrationsfähig und
werden durch das Sickerwasser zur Tiefe hin verlagert. Eine Anreicherung erfolgt dann im
Unterboden durch Flockung oder durch den Zerfall der Chelatkomplexe (Scheffer & Schacht-
schabel 1998).
Die gelösten chemischen Komponenten und Chelatkomplexe werden jedoch nicht immer im
Unterboden wieder angereichert. Nach Aiken et al. (1985) sind Humin- und Fulvosäuren in
der Verwitterungszone für den überwiegenden Anteil des Metalltransports (Fe2+, Al3+, Ti4+)
verantwortlich. Krumb (1998) ermittelte eine intensive Abfuhr von Metallionen im Zuge des
kaolinitischen Verwitterungsprozesses in Sachsen. Er vermutet, dass Humin- und Fulvosäuren
einen wesentlichen Beitrag zur Stoffmobilisation im Zuge der Kaolinisierung leisten. Eine
dichte Vegetationsdecke ist demnach Voraussetzung für die Produktion adäquater Mengen
Huminsäure. Retallack (1990) und Mai (1995) betrachten die tertiären immergrünen bis
sommergrünen Laubwälder (Mixed-Mesophytic Forests) als eine wesentliche Vegetations-
form und Voraussetzung zur Ausbildung mächtiger Humusauflagen. Der Beitrag der
organischen Säuren zum Stofftransport und damit zur Bildung der tertiären kaolinitischen
Verwitterungsprofile kann demnach kaum überschätzt werden.
Neben Prozessen der Profildifferenzierung wurden in Acrisolen und Alisolen Mineralreaktio-
nen beobachtet, die auf eine zunehmende Neoformation von Kaolinit schließen lassen.
Felix-Henningsen (1990, 1995) beschreibt einen tertiären Acrisol über einem kaolinitreichem
Saprolith des Rheinischen Schiefergebirges, in welchem er die bereits in Kapitel 5.2.2 be-
schriebenen Vorgänge der Muskovitdegradation unter Neubildung von feinkörnigen
einlagerungsfehlgeordneten Kaoliniten beobachtete.
Es ist daher zu vermuten, dass die Umlagerung von Bodenhorizonten zu einer Anreicherung
feinkörniger einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite in den Tonen der Lagerstätten Wetro, Gut-
tau und Wiesa führte.
Die Bindung von Spurenelementen an Tonminerale, Oxide und organo-mineralische-
Komplexe ist abhängig von der Korngröße der Komponenten. Kolloide besitzen eine größere
Oberfläche, daher sind sie reaktionsfähiger als grobkörnige Partikel (Jackson 1998). Folglich
ist zu vermuten, dass aufgrund der Feinkörnigkeit der Bodenpartikel Spurenelemente verstärkt
in den Bodenhorizonten der Verwitterungskruste gebunden wurden.
Die Kationen der Verwitterungs- und Bodenlösungen treten in der Verwitterungskruste in
Wechselwirkung mit den Tonmineralen. Aufgrund der negativen Ladung der Tonminerale
substituieren Kationen Ladungsdefizite innerhalb der Mineralstruktur (z.B. in Smektiten) oder
an der Mineraloberfläche, dann bevorzugt an den Kanten der Minerale (z.B. Kaolinit). Der
Gehalt an austauschbaren Kationen eines Minerals wird als Kationen-Austausch-Kapazität
(KAK) bezeichnet (Grim 1968, Hillier 1995). Nach Grim (1968) weisen Smektite die höchste
KAK aller Tonminerale auf, Kaolinite besitzen hingegen nur ca. 10 % der KAK eines Smek-
tits. Neben Tonmineralen reagieren Oxide und Huminstoffe mit Kationen der wässrigen
Bodenlösungen. Die KAK von organischen Substanzen liegt dabei im Bereich der Smektite.
Heim (1990) beschreibt die zunehmende Bindungsfähigkeit der Kationen an Tonminerale mit
steigender Valenz und zunehmenden Ionenradien.
Daraus ergibt sich eine Abfolge, die als „Lysotrope-Reihe“ bezeichnet wird:
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
185
Li < Na < K < Rb < Mg < Ca < Sr < Ba < Al < V < Cr < Ni < Ga.
Die Fähigkeit von Oxiden, organischen Substanzen und Tonmineralen Spurenelemente sorp-
tiv zu binden, ist sehr unterschiedlich. Oxide und organische Komponenten besitzen eine weit
höhere Sorptionskapazität als die meisten Tonminerale (Jackson 1998). Fe- und Mn-Oxide
binden nach Jenne (1968) und Lee (1975) am effektivsten Schwermetalle in Böden und im
aquatischen Milieu. Nach O’Neill (1998) wirken Fe- und Mn-Oxide im Boden wie
„Schwämme“, die zahlreiche Metalle an ihrer Oberfläche fixieren können. Die Reaktionsfä-
higkeit der Kaolinite ist im Vergleich zu den anderen Tonmineralen, Oxiden, Huminstoffen
und organo-mineralischen-Komplexen sehr gering (Jackson 1998).
In der Kaolinzone des kaolinitischen Verwitterungsprofils entscheiden daher Art und Menge
der Tonminerale und Oxide über die Art und die Anzahl der gebundenen Spurenelemente.
Der sorptiv gebundene Spurenelementanteil ist umso höher, je mehr Smektit, bzw. Illit die
Verwitterungskruste enthält. In den Bodenhorizonten kann die Bildung oxidischer Metallver-
bindungen und organo-mineralischer-Komplexe eine zunehmende Retention der
Spurenelemente bewirken. Zudem sind die feinkörnigeren Tonminerale der Bodenhorizonte
durch ihre vergrößerte spezifische Oberfläche bevorzugt in der Lage Spurenelemente zu bin-
den. Bei gleichem Ausgangsgestein führte daher die Umlagerung von Zonen einer mittleren
Verwitterungsintensität zu einem geringeren Spurenelementgehalt in korrelaten Sedimenten,
als die Umlagerung von Tonmineralen und Oxiden der Bodenhorizonte.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass:
die Prozesse der kaolinitischen Verwitterung nicht nur in den tieferen Verwitterungs-
zonen, sondern auch in den Bodenhorizonten wirksam waren. Nach Krumb (1998) ist
zu schließen, dass es möglich ist, aufgrund der Zusammensetzung und der Trocken-
rohdichte eines in-situ-Kaolins die Verwitterungsintensität abzuschätzen. Da die
kaolinitischen Tone aus Kaolinit mit unterschiedlichen Anteilen Illit, Quarz sowie un-
tergeordnet Smektit und Mixed-Layer-Mineralen bestehen, ist unter Berücksichtigung
der nicht-kaolinitischen-Quellen zu folgern, dass in den Lagerstätten Wiesa, Wetro
und Guttau Kaoline einer mittleren bis hohen (ρ = 1,5 bis 2,0 t/m³) und in Roßbach ei-
ner etwas geringeren Verwitterungsintensität (ρ = 1,8 bis 2,4 t/m³) umgelagert worden
sind.
die Erkenntnisse bezüglich der Verwitterung und der kaolinitischen Tonlagerstätten-
bildung in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit Bodenhorizonten vom Typ der Acrisole
und Alisole kompatibel sind.
die Lessivierung innerhalb der Bodenhorizonte die Erosionsanfälligkeit erhöhte und
die Erosion der Böden im Tertiär verstärkte. Die Bildung von Huminstoffen bei der
Zersetzung der organischen Bodensubstanz und die Migration dieser Substanzen in die
tieferen Zonen des Verwitterungsprofils im Zuge der Podsolierung unterstützten und
verstärkten den kaolinitischen Verwitterungsprozess.
die Kaolinite der tertiären Acrisole und Alisole vermutlich feinkörniger und weit stär-
ker einlagerungsfehlgeordnet als die Kaolinite des Kaolins gewesen sind. Sowohl die
Bildung feinkörniger Tonminerale und Oxide als auch die Mischung der anorgani-
schen Komponenten mit organischer Bodensubstanz führte zu einer verstärkten
Retention der Spurenelemente in den Bodenhorizonten des Verwitterungsprofils.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
186
die hohe Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite, der erhöhte Spurenelementgehalt und
die Feinkörnigkeit der Wetroer und Guttauer Tone darauf hinweisen, dass die Kompo-
nenten teilweise Bodenhorizonten entstammen. Dies gilt zum Teil ebenso für den
Kaolinit des Wiesaer Tons. Der Roßbacher Ton ist grobkörniger, arm an Spurenele-
menten und seine Kaolinite sind nur wenig einlagerungsfehlgeordnet. Er entstammt
daher mit hoher Wahrscheinlichkeit einer tieferen Zone der Verwitterungskruste.
in die Guttauer Tone neben umgelagertem Granodiorit-Kaolin Fe-Oxide und Smektite
des nahen Basaltzersatzes gelangten, weshalb die Anreicherung von Metallen in eini-
gen Proben dieses Tons besonders deutlich ausgeprägt ist.
6.2.2 Erosion
Als Erosion wird die Ablösung von Boden- und Gesteinspartikeln durch die Medien Wasser,
Wind oder Eis bezeichnet. Der Transport und die Sedimentation der Partikel werden als ei-
genständige Prozesse aufgefasst und daher getrennt von der Erosion betrachtet (Kapitel 6.2.3).
Die mineralogische und chemische Zusammensetzung der kaolinitischen Tone des Untersu-
chungsgebiets ist nachweislich ein Produkt der kaolinitischen Verwitterungskruste. Die
tertiären klimatischen und paläogeographischen Bedingungen führten zu einer tiefgreifenden
Verwitterung und einer umfassenden Erosion der Verwitterungsrinde. Rezent sind nur noch
wenige Relikte der ehemals flächendeckend verbreiteten mehrere 10er bis 100 m mächtigen
Verwitterungskruste erhalten. Bis in das Miozän hinein gehörten große Teile der Region im
Norden und nördlich der Böhmischen Masse zu einem flachwelligen Hügelland, das einer
tiefgreifenden Verwitterung unterlag. Die Erhöhung der Reliefenergie durch die Subrosion
der Salze und durch epirogenetische Bewegungen in der Region des Geiseltals bei Halle im
mittleren Eozän sowie die epirogenen Bewegungen im unteren Miozän im sächsisch-
böhmischen Grundgebirge, initiierten eine verstärkte Erosion der Verwitterungskruste. Die
Sedimente des Geiseltals und die kontinentalen Spremberger Schichten mit den Flözhorizon-
ten der Niederlausitz sind das Resultat dieser Bewegungen.
Die Kaoline der tieferen Profilbereiche waren durch die tertiäre Verwitterung bereits aufgelo-
ckert. Die Bodenhorizonte der Kruste, Acrisole und Alisole, sind sehr erosionsempfindlich,
weshalb zu vermuten ist, dass sie bevorzugt erodiert worden sind (Scheffer & Schachtschabel
1998). Die humiden subtropischen und zunehmend gemäßigten klimatischen Bedingungen im
mitteleuropäischen Tertiär lassen darauf schließen, dass Wasser das bedeutendste Erosions-
medium gewesen ist.
In humiden Gebieten ist die Niederschlagsintensität die bedeutendste Größe der Erosion. Je
intensiver der Regen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Tropfen die Bodenoberfläche
erodieren und Oberflächenwasserabfluß erfolgen kann. Nach Meade & Parker (1985) bewir-
ken wenige Starkregenereignisse im Jahr den Hauptanteil des Materialtransports in die Flüsse.
So erfolgt in den meisten Flüssen der Eintrag von mehr als 50 % der Fracht eines Jahres an
nur 5 bis 10 Tagen im Jahr. Nach Roose (1996) gilt dies aber nahezu ausschließlich für tropi-
sche Bereiche. Unter gemäßigten Klimaten ist die Gesamtheit des jährlichen Niederschlags
bedeutender und nicht einzelne Starkregenereignisse, daher ist zu vermuten, dass unter den
meist warmgemäßigten Bedingungen des mitteleuropäischen Tertiärs die Erosion ganzjährig
wirksam gewesen ist. In den kurzen subtropischen Phasen hingegen wurde die kaolinitische
Verwitterungskruste verstärkt durch einzelne Starkregenereignisse umgelagert.
Das Niederschlagswasser gelangte über Regentropfen und über Blatt- und Stammabfluß der
Pflanzen auf den tertiären kaolinitreichen Boden. Zu Beginn eines Regenereignisses ist nach
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
187
Auerswald (1998) zu schließen, dass die oberen Bodenbereiche durchfeuchtet, die Bodenag-
gregate aufgeweicht und das Bodenwasser durch den Niederschlag in Bezug auf Elektrolyte
verdünnt wurde, weshalb die Tonmineralaggregate des Bodens dispergierten. Die Wasserauf-
nahmefähigkeit der kaolinitreichen tertiären Acrisole und Alisole war aufgrund des geringen
Anteils quellfähiger Tonminerale wahrscheinlich sehr gering.
Die aufgelockerten Bodenbereiche und Bodenaggregate wurden durch die auftreffenden Re-
gentropfen weiter gelockert und abgelöst. Dieser Vorgang wird als Spritzerosion bezeichnet
(Auerswald 1998). Nach Poesen (1992) können Teilchen zwischen 0,063 mm und 0,250 mm
am leichtesten aus dem Sedimentverband gelöst werden, da sie keine große Masse und nur
eine geringe Kohäsion aufweisen. Nach Auerswald (1998) und Morgan (1999) ist zu vermu-
ten, dass die zu Beginn eines Regenereignisses durch Spritzerosion separierten feinen
Bodenpartikel bei zunehmender Dicke der Wasserschicht durch Oberflächenwasserabfluss
flächenhaft abgelöst wurden und der Abfluss zunehmend in Rillen und Rinnen sowie größe-
ren Gräben kanalisiert wurde. Von dort gelangte der Abfluß in die Vorfluter und weiter in die
Flüsse. Seitenerosion durch Flüsse erodierte ebenfalls das ostdeutsche Hügelland.
Nach Hjulström (1935), Sundborg (1956) und Postma (1967) werden Partikel durch Oberflä-
chenwasserabfluss gelöst, wenn die Schergeschwindigkeit der Strömung stärker ist als die
Kräfte, die die Partikel im Bodenverband halten (Abb. 98).
Abb. 98: Erosion, Transport und Ablagerung von Sedimenten einheitlicher Korngröße (µm) in Abhängigkeit von
der mittleren Strömungsgeschwindigkeit (cm/s) des Wassers (verändert nach Hjulström 1935, Sundborg 1956,
Postma 1967 und Füchtbauer 1988a)
Die Erosion von Partikeln der Korngröße 100 µm benötigt demnach die geringste Energie.
Bei gleicher Dichte steigt mit zunehmender Korngröße die Masse der Partikel, weshalb eine
höhere Strömungenergie aufgewendet werden muss, um sie aus dem Boden zu lösen und zu
transportieren. Im Bereich <100 µm nimmt durch den steigenden Tonmineralanteil eines Se-
diments die Kohäsion zu, weshalb im Feinstkornbereich eine höhere
Strömungsgeschwindigkeit benötigt wird um Partikel zu erodieren, als im mittleren Korngrö-
ßenbereich (Abb. 98). Die Erosion von Partikeln geringer Korngröße ist jedoch wesentlich
vom Verfestigungsgrad des Sediments abhängig (Füchtbauer 1988a). Die Mechanismen zur
Ablösung organischen Materials sind mit denen der anorganischen Komponenten nahezu i-
dentisch (Morgan 1999).
Unter den humiden Bedingungen des Tertiärs ist anzunehmen, dass der Boden wassergesättigt
und die Kohäsion damit sehr gering gewesen ist. Nach dem Diagramm von Hjulström (1935),
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
188
Sundborg (1956) und Postma (1967) ist daher zu vermuten, dass geringe Strömungsge-
schwindigkeiten von 20 bis 30 cm/s ausreichten, die Acrisole und Alisole sowie Teile der
tieferen Zonen der kaolinitischen Verwitterungskruste zu erodieren. Die Ausbildung von Ton-
anreicherungshorizonten in den gemischtkörnigen Böden über den Kaolinen dürfte des
Weiteren zu einem verstärkten Oberflächenwasserabfluss und damit zu einer Erhöhung der
Strömungsenergie geführt haben.
Die Spritzerosion nahm vermutlich im Laufe des Tertiärs zu, da die klimatischen Bedingun-
gen dazu führten, dass der sehr dichte paratropische Regenwald des Pliozäns nach und nach
durch mesophytische Waldformen abgelöst wurde, die mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger
dicht gewesen sind. Zudem ist eine deutliche Zunahme der Niederschlagsmenge im Miozän
zu verzeichnen (Mai 1995). Dies führte zu einer Zunahme der Energie der auf den Boden auf-
treffenden Regentropfen, da diese nun in der Lage waren, aus größerer Höhe auf den Boden
aufzutreffen. Durch das verstärkte Relief der Region an der Wende Oligozän/Miozän ist eine
Zunahme der Intensität der Erosion zu vermuten. Mit Ausnahme der an die eozänen Becken
angrenzenden Regionen, ist von einer mittleren Erosionintensität für das Untersuchungsgebiet
bis in das Oligozän hinein auszugehen. Im Miozän nahm die Erosionsintensität dann deutlich
zu.
Klimatisch wurde im mittleren Eozän im Bereich des Roßbacher Beckens das frostlose sub-
tropische Regenklima des unteren Eozäns durch ein etwas kühleres, subtropisches
wintertrockenes Klima mit einer kurzen Dürrezeit abgelöst. Dies belegen die Floren der Mit-
telkohle des Geiseltals (Mai 1995). Die Saisonalität des Klimas legt nahe, dass die Erosion
starken jahreszeitlichen Schwankungen unterlag. Es ist von einer verstärkten Erosion in den
Sommermonaten auszugehen, da Temperatur und Niederschlag zu dieser Jahreszeit ihr Ma-
ximum aufwiesen (Mai 1995). Nach Morgan (1999) ist zu schließen, dass dies das
Pflanzenwachstum begünstigte, wodurch auch die Spritzerosion gefördert wurde. Im Winter
reduzierte sich die Erosion mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund der geringeren Nieder-
schlagsrate. Die Trockenheit des Winters verursachte eine Wachstumsstagnation der Pflanzen
(Mai 1995). Möglicherweise ist die unterschiedliche Korngrößenverteilung der Roßbacher
Tone auch auf die Saisonalität der Erosion zurückzuführen.
Mai (1970) ermittelte für die Mastixioideen-Fauna der mittelmiozänen Wiesaer Braunkohle
einen nahezu isothermen Temperaturgang bei gleichmäßiger Verteilung hoher Niederschläge
über das ganze Jahr. Die Umlagerung der Verwitterungskruste des Lausitzer Granodiorits
erfolgte im Miozän somit unter vollhumiden gemäßigten bis subtropischen klimatischen Be-
dingungen. Die über das Jahr gleichmäßig verteilten hohen Niederschläge erodierten die
Verwitterungsrinde ganzjährig.
Die paläogeographische Entwicklung, die klimatischen Bedingungen, die Vegetation und die
Ausbildung des Verwitterungsprofils förderten die Erosion der kaolinitischen Verwitterungs-
kruste in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie führten zu einer selektiven Lösung von Partikeln
aufgrund ihrer unterschiedlichen Korngröße und Dichte. Die hydraulische Klassierung der
Komponenten begann bereits mit der selektiven Ablösung der kaolinitischen Verwitterungs-
rinde.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
189
6.2.3 Transport und Sedimentation
Das erodierte Material der kaolinitischen Verwitterungskruste wurde über Flüsse in die eozä-
nen und miozänen Becken des Untersuchungsgebiets transportiert und dort sedimentiert. Der
Transport und die Sedimentation bewirkten die hydraulische Klassierung des Verwitterungs-
detritus. Der Transport der Partikel der kaolinitischen Verwitterungskruste in die Flüsse
erfolgte als Bodenfracht, Suspensionsfracht oder Lösungsfracht.
Tonminerale werden überwiegend als Suspensionsfracht in Flüssen transportiert, da sie durch
Turbulenzen im Strom meist in Schwebe gehalten werden (Füchtbauer 1988a). In den Sus-
pensionen liegen die Tonminerale isoliert oder in Form von Tonmineralaggregaten vor.
Während des Transports werden durch Schlagwirkung Partikel auch geschliffen und zerklei-
nert (Füchtbauer 1988a). Hiervon waren vermutlich in erster Linie die Minerale der gröberen
Kornfraktionen betroffen, die bevorzugt als Bodenfracht transportiert wurden. Ein solches
Mineral ist beispielsweise der Quarz. Die mechanische Zerkleinerung von Tonmineralen ist
aufgrund ihrer geringen Korngröße sehr unwahrscheinlich. Nach Brandl (1991) ist zu schlie-
ßen, dass möglicherweise grobkörnigere Kaolinite von einer mechanischen Beanspruchung
betroffen gewesen sein könnten.
Aus dem Diagramm nach Hjulström (1935), Sundborg (1956) und Postma (1967) geht hervor,
dass mit abnehmender Strömungsgeschwindigkeit des Wassers, aufgrund der abnehmenden
Strömungsenergie, Partikel mit einer immer geringeren Masse abgelagert werden. Bei glei-
cher Dichte werden daher immer feinkörnigere Partikel sedimentiert (Abb. 98). Durch die
hydraulische Klassierung wurden die Minerale der kaolinitischen Verwitterungskruste im
Sedimentationsraum nach ihrer Korngröße getrennt und es entstanden Sedimente unterschied-
licher Korngröße, die durch die Abnahme der Strömungsgeschwindigkeit eine
Kornverfeinerung zum Hangenden aufweisen („fining upward sequence“). Die feinstkörnigen
Tonminerale wurden in den Sedimentbecken aufgrund ihrer geringen Korngröße gemeinsam
mit grobkörnigen organischen Komponenten abgelagert, da diese eine weit geringere Dichte
aufweisen (<1 g/cm³).
Die Tone sind daher Sedimente, die in Bereichen geringer Strömungsenergie, bei nahezu
stagnierenden Bedingungen zur Ablagerung gelangten. Bestimmt man die mittleren Strö-
mungsgeschwindigkeiten für die Sedimentation der Tone mit dem Diagramm (Abb. 98) nach
Hjulström (1935), Sundborg (1956) und Postma (1967), so erhält man für die sehr feinen To-
ne von Guttau und Wetro Geschwindigkeiten, die im Bereich des Minimums von ca. 10 bis 15
cm/s liegen. Wechselnde Strömungsgeschwindigkeiten führten zu Zeiten der Sedimentation
der Wiesaer und Roßbacher Tone zu einer variableren Zusammensetzung der Sedimente, in
denen vermehrt Schluff zur Ablagerung gelangte. Die Strömungsgeschwindigkeiten lagen
vermutlich bei maximal 20-30 cm/s.
Die Sedimentation von Partikeln der Korngröße <1 µm unterliegt einer Besonderheit. Ohne
Agglomeration ist ein Absatz von Partikeln dieser Korngröße physikalisch nicht möglich, da
die Brownsche Molekularbewegung ein Absinken verhindert. Solche Partikel benötigen zu
ihrer Sedimentation in natürlichen Systemen eine Periode der vollständigen Stagnation des
Fluids von mehreren Stunden oder Tagen. Solche Perioden sind in natürlichen Systemen je-
doch sehr unwahrscheinlich (Hillier 1995). Die Sedimentation von Partikeln der Korngröße
<1 µm unter natürlichen Bedingungen ist durch die Aggregation der Partikel zu erklären (van
Olphen 1977). Hierdurch entstehen Tonmineralaggregate, die eine Korngröße besitzen, die
ein bis zwei Dimensionen über der eines Einzelpartikels liegen kann (McCave 1984). Die
Aggregation von Tonen wurde von van Olphen (1977) eingehend untersucht. Sie ist abhängig
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
190
von zwei Parametern. Durch die natürliche Wasserbewegung (laminares und turbulentes Flie-
ßen) oder über die Brownsche Molekularbewegung werden einzelne Tonminerale innerhalb
der Strömung nahe genug aneinander herangeführt, um zu aggregieren. Die „Verkittung“ er-
folgt über eine elektrochemische Flockung durch Salze oder durch biologische Prozesse
(Hillier 1995).
Nach Gibbs (1983) findet die Flockung durch Salze erst bei einer Salinität von 0,05 bis 0,1 %
des Fluids statt. Flusswasser besitzt eine geringe Salinität von <0,01 mol/kg, daher ist eine
Flockung von Tonmineralen durch Änderung der Salzkonzentration von Flüssen nicht zu er-
warten. Nach McCave (1984) und Eisma (1986) dominieren biologische Prozesse die
Flockung von Tonmineralen. Bakterien sind in der Lage Huminstoffe zu produzieren, die
Tonminerale miteinander verkitten können. Die Größe der Aggregate wird durch die Bin-
dungsstärke des organischen Polymers bestimmt. Durch biologische Flockung werden
gemeinsam mit den Tonmineralen gröbere Komponenten verkittet, was zu einer starken Ver-
größerung der Agglomerate führt. Die Art und die Ausbildung des Überzugs ist abhängig von
der Herkunft der Tonminerale (Hillier 1995). Die selektive Flockung von Tonmineralen be-
ruht nach Eisma (1986) daher auf der Herkunft der Tonmineralaggregate aus
unterschiedlichen Quellen. Gibbs (1977) gibt zu bedenken, dass die selektive Sedimentation
von Tonmineralen auch auf der unterschiedlichen Partikelgröße der Tonminerale beruhen
kann.
Aufgrund der geringen Korngröße der Tonminerale der Guttauer und Wetroer Tone ist eine
Aggregation der Tonmineralpartikel vor der Sedimentation zu vermuten. Da eine selektive
Flockung der Tonminerale durch eine Änderung des Salzgehalts von Flusswasser nach Gibbs
(1983) sehr unwahrscheinlich ist, müssen biologische Prozesse die Aggregation der Tonmine-
rale bewirkt haben. Die enge Verzahnung der Tone mit organikreichen Sedimenten und die
Anwesenheit von organischem Kohlenstoff in der Korngrößenfraktion <2 µm weisen auf eine
biologische Flockung der Tone hin. Die hohe Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der To-
ne von Guttau und Wetro ist möglicherweise auf solch eine Verkittung sehr feinkörniger
Tonminerale zurückzuführen. Leider war es nicht möglich zu untersuchen, ob eine solche
organische Verkittung stattgefunden hat und ob diese bereits in der Verwitterungskruste oder
während des Transports erfolgte. Folgt man den Überlegungen von Gibbs (1977, 1983), Mc
Cave (1984) und Eisma (1986), so könnte die biologische Verkittung anorganischer Kompo-
nenten primär für die Sedimentation und damit die Entstehung sehr feinkörniger terrestrischer
Sedimente verantwortlich sein. Eine selektive Flockung der Tonminerale wurde nicht festge-
stellt. Die Tone repräsentieren in der Regel die Zusammensetzung der Feinfraktion der
Verwitterungskruste.
Metalle und andere Spurenelemente der Verwitterungskruste werden als Lösungsfracht oder
als Suspensionsfracht, gekoppelt an organische Substanzen, Oxihydroxide oder Tonminerale
in Flüssen transportiert. Nach Bothner & Carpenter (1973) sowie Boyle (1979) werden Metal-
le infolge der Verdünnung im Flusswasser von den Mineraloberflächen zunehmend desorbiert
und als Lösungsfracht freigesetzt. Im Zuge des Transports ist daher eine Zunahme der Lö-
sungsfracht bei gleichzeitiger Verringerung des Metallgehalts flussabwärts zu beobachten
(Jackson 1998). Da die Metalle in den Tonen bezogen auf die in-situ-Kaoline mit Ausnahme
des Roßbacher Tons angereichert sind, ist nicht von einer wesentliche Desorption der Elemen-
te während des Umlagerungsprozesses auszugehen.
Die Prozesse des Transports und der Sedimentation führten somit zu einer Differenzierung
der Komponenten der kaolinitischen Verwitterungskruste nach Kornform, Korngröße, Ag-
glomerationsverhalten und Dichte im sedimentären Umfeld.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
191
6.2.4 Entstehung und Zusammensetzung der tertiären Torfmoore und ihr Einfluss auf
Sekundärprozesse in den Tonen
In den hier untersuchten tertiären Tonlagerstätten überdeckten Torfmoore einst flächende-
ckend die kaolinitischen Tone. Verlandende Seen und Flussauen in Regionen mit einem
geringem Relief waren besonders geeignete Orte der Moorbildung. Das ostdeutsche Küsten-
tiefland bot hierfür optimale Voraussetzungen. Die kaolinitischen Tone im Liegenden der
Moore fungierten als Grundwasserstauer und förderten die Vermoorung. Sie sind mit der Bil-
dung der Torfmoore daher eng verknüpft. Sie sind Repräsentanten tektonischer Phasen, in
denen klastisches allochthones Material bei gegenüber der Moorbildung erhöhter Senkungs-
tendenz des Beckens zur Ablagerung gelangte. Tone leiten daher die Moorbildung ein, bzw.
bilden tonige Zwischenmittel inmitten der Moorabfolgen. Übergänge sind in Form gering-
mächtiger Kohletone in allen hier untersuchten Tonlagerstätten verbreitet. Die gemeinsame
Bildung der Tone und der Moore macht es notwendig, zur Beurteilung des Einflusses der
Moorbildung auf die Genese der Tonlagerstätten, die Zusammensetzung der Torfmoore ein-
gehender zu betrachten.
Weit ausgedehnte Vermoorungen des Küstentieflands sind im Tertiär nördlich der Böhmi-
schen Masse weit verbreitet und mehrfach erfolgt, im Eozän in der Region des Geiseltals bei
Halle, in der Leipziger Tieflandsbucht und im Weißelster-Becken sowie im Miozän in der
Niederlausitz. Rezent liegen diese Moore als Weichbraunkohlen vor. Die Moore bildeten sich
dort, wo die reichliche Produktion von Pflanzen bei Wasserüberschuß unter Luftabschluss
konserviert werden konnte. Wichtige Voraussetzungen der Moorbildung sind nach Mai
(1995):
Beckenbildung durch Absenkung
Sedimentation organischen Materials im Gleichklang mit der Absenkung
Niederschlagsüberfluß
anaerobe Bedingungen im Substrat
Oligotrophie (Nährstoffarmut) im Drainage-Wasser
Die Torfmoore des Tertiärs sind das Ergebnis von Verlandungssukzessionen. Verschiedene
Pflanzengesellschaften lebten nebeneinander und wechselten sich ab. Eine Moorflora im ei-
gentlichen Sinne existierte nicht (Mai 1995). Durch die Analyse der ostdeutschen
Braunkohlen ist es gelungen, mehrere Entwicklungsstadien der tertiären Moore zu unterschei-
den (Abb. 99).
Brause et al. (1989) und Mai (1995) beschreiben die Bildung miozäner Moore im Detail nach
Schneider (1966). Ausgangspunkt der Vermoorung waren demnach eutrophe offene Gewässer
(Seen, Erosionsrinnen, Altwasser), die von nährstoffreichem Grundwasser gespeist wurden.
Das Liegende bildeten die tertiären Tone. In diesem Stadium begann die eutrophe Verlan-
dungssukzession der Gewässer. Auen und Bruchwälder (F-Fazies / Bönisch 1983) schoben
sich als eutrophe Flachmoorgesellschaft vor das Moor, bzw. existierten in lateraler Koexistenz
mit der immergrünen Moorvegetation. Sie verzahnten sich mit Koniferen-Bruchwäldern (K-
Fazies), die sich ganzjährig bis kurzzeitig unter dem Grundwasserspiegel befanden (Mai
1995). Die Koniferen-Bruchwälder ertranken bei Zunahme des Wasserstandes und Angi-
ospermen-Buschmoore (A-Fazies) und waldlose Riedmoore (G-Fazies) entwickelten sich. Bei
sinkendem Wasserstand nahm die Nährstoffarmut innerhalb des Moores zu. Es bildete sich
ein weitgehend oligotrophes Wald-Hochmoor, bestehend aus einem „Pinus-Myricia-
Mischwald“, der als Pinus-Moor (P-Fazies) bezeichnet werden kann. Bei zunehmender Tro-
ckenheit wurde das Moor oligotroph und eine ombrogene, hochmoorähnliche Fazies, die
Macoduria Fazies (M-Fazies), entstand (Brause et al. 1989). Die Macoduria-Kohle ist mit 10-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
192
40 % am Aufbau des 2. Lausitzer Flözhorizonts beteiligt. Sie bildet das Endstadium der
Moorbildung, bei der das Moor großflächig über die Umgebung hinauswuchs (Mai 1995).
Abb. 99: Postsedimentäre Abfolge eines Einzelzyklus der miozänen Kohlefazies (Im Liegenden der K-Fazies
befinden sich die kaolinitischen Tone/ Brause et al. 1989 nach Schneider 1966, 1978)
Nach Brause et al. (1989) ist die Verlandungssukzession für einen lokalen Bereich mit
Schwankungen des Grundwasserspiegels um 10 m zu erklären. In regionalem Maßstab sind
jedoch Landhebungen und -senkungen von weit größeren Dimensionen für die flächende-
ckende Verbreitung der Moore, beispielsweise in der Niederlausitz, verantwortlich.
6.2.4.1 Das Verhalten abiogener Elemente in den Lausitzer Braunkohlen
Darbinjan (1989) untersuchte die geochemische Zusammensetzung der Braunkohlen des Lau-
sitzer Kohlereviers. Sie gelangt zu dem Ergebnis, dass neben einem biogenen Elementanteil
ein wesentlicher Anteil abiogenen Ursprungs ist, der den Kohlen aus Oberflächen- und
Grundwasser in gelöster oder partikulärer Form zugeführt wurde. Für die Mobilisierung und
Fixierung der Elemente abiogenen Ursprungs unterscheidet sie verschiedene geochemische
Barrieren:
Die mechanische Barriere führte zu einer Anreicherung von detritischem Material
beim Auftreffen von Oberflächenwasser auf Torfmoore. Durch die verringerte Strö-
mungsgeschwindigkeit wurden klastogene Elemente (Si, Al, Ti, Ga, Sc und Cr)
abgefangen und in peripheren Bereichen der Moore abgelagert.
Die biochemische Barriere führte ebenfalls zu einer Anreicherung von abiogenen E-
lementen in Kohlen. Wie bereits dargestellt, sind Huminstoffe in der Lage, selektiv
Metallionen über reaktive Gruppen oder Chelatkomplexe zu binden. Darbinjan (1989)
konnte keine Beziehung zwischen der Elementverteilung in den Lausitzer Flözen und
der petrographischen Ausbildung der Kohlen entdecken. Nach empirischen Beobach-
tungen gelangte sie zu dem Schluss, dass insbesondere S durch diagenetische
mikrobielle Prozesse in den entstehenden Kohlen fixiert wurde. Die Gruppe der
Hydrolysate (Ti, Al, Sc) war in kohligen Nebengesteinen der Flöze in einem Maße an-
gereichert, dass eine organische Bindung zu vermuten war. Fe gelangte als Oxid in die
Torfmoore. Hier wurde es zu Fe2+ reduziert, organisch gebunden und beipielsweise in
Form von Fe-Sulfid fixiert. Einige der in Moore eingetragenen chemischen Elemente
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
193
(Na, P, K, Zn, Rb und Cu) bildeten mit Fulvo- und Huminsäuren leichtlösliche Ver-
bindungen, weshalb sie bei zunehmender Diagenese mit dem Wasser ausgetragen
werden konnten.
Die Reduktionsbarriere führte zu einer Fixierung von Mo, Cr, V und U in den Lausit-
zer Braunkohlen. Unter oxidierenden Bedingungen sind diese Elemente
migrationsfähig, unter den anaeroben Bedingungen der Torfmoore erfolgte jedoch die
Reduktion der Elemente, weshalb sie fixiert wurden und sich anreicherten. Mo-
Anreicherungen sind im 2. und 3. Lausitzer Flözhorizont daher wiederholt anzutreffen.
Die Schwefelwasserstoffbarriere fixierte bevorzugt Fe, Co, Ni, Cu, Pb und Zn als Sul-
fide in den Kohlen. Sie wurde bereits in Kapitel 5.3.9 bei der Diskussion der
Anreicherung von Metallen in Tonen eingehend dargestellt.
Vergleicht man das Konzept der geochemischen Barrieren nach Darbinjan (1989) mit der
chemischen Zusammensetzung der kaolinitischen Tone, so werden Gemeinsamkeiten deut-
lich. Die mikrobielle Produktion von Schwefelwasserstoff führte in den Tonen von Guttau zu
einer Fixierung der Metalle im Sediment. Inwiefern Reduktionsprozesse an der Fixierung von
Mo, Cr und V im Sediment beteiligt sind, ist nicht abschließend zu klären. Eine Anreicherung
dieser Elemente ist in den meisten Fällen zu beobachten.
6.2.4.2 Der Einfluss der Torfmoore auf Sekundärprozesse in den Tonen
In welchem Ausmaß saure Lösungen aus den Mooren in die Tiefe migrierten und dort die
Zusammensetzung der Tone sekundär veränderten, ist nicht vollständig aufzuklären. Dem
Barrierekonzept von Darbinjan (1989) ist zu entnehmen, dass der überwiegende Anteil der
chemischen Elemente in den Mooren fixiert werden konnte.
Die in den Torfmooren sich mobil verhaltenden chemischen Elemente Na, P, Zn und Cu sind
in den meisten Tonen nicht nachzuweisen, bzw. die Gehalte können durch die Umlagerung
von Bodenhorizonten hinreichend erklärt werden. Eine sekundäre Zufuhr dieser Elemente ist
daher unwahrscheinlich. Die in Torfmooren teilweise mobilen Elemente K und Rb sind in den
Tonen eindeutig infolge der Umlagerung von Dreischichtsilikaten und in den Tonmineralen
fixiert. Auch in diesem Falle ist eine sekundäre Zu- bzw. Abfuhr auszuschließen.
Die statistische Analyse weist darauf hin, dass die Varianz des Fe in den Proben der Lager-
stätte Wiesa auf einer unterschiedlichen Zu-, möglicherweise auch auf einer Abfuhr des Fe
beruht. Nach Buchwald (1971) und Grunge (1999) ist zu schließen, dass saure Lösungen aus
den hangenden Braunkohlemooren in die Tiefe migrierten und lokal den Sedimenten Fe zu-
führten. Eine regionale bzw. lokale sekundäre Bleichung eines Teils der Sedimente ist jedoch
aufgrund des hohen Schluffanteils und der geringen Fe-Gehalte der Tone nicht vollständig
auszuschließen. Dies gilt ebenso für die Roßbacher Tone. Eine abschließende Deutung ist
nicht möglich.
Eine umfassende Bleichung der kaolinitischen Tone durch absteigende saure Lösungen aus
den hangenden Torfmooren, wie von Buchwald (1971) beschrieben, wurde in den Tonen
nicht beobachtet. Die einheitliche Fe-Verteilung in den Tonen, mit Ausnahme der Wiesaer
Tone, weist darauf hin, dass ein solcher Prozess flächendeckend und tiefgreifend hätte wirken
müssen, um eine gleichmäßige Verteilung des Fe zu bewirken. Es darf bezweifelt werden,
dass eine umfassende Bleichung sehr feinkörniger Tone erfolgen konnte, die zudem einer
zunehmenden Kompaktion unterlagen, wie beispielsweise in den Lagerstätten Wetro und Gut-
tau.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
194
Der Einfluss der Torfmoore auf die Bildung der kaolinitischen Tone liegt folglich bevorzugt
darin, dass sie die Tone rasch überdeckten und dies zu reduzierenden und sauren Eh/pH-
Bedingungen innerhalb der Tone führte (vgl. Kap. 6.2.6). Die Tone fungierten mit Ausnahme
der Kohletone unmittelbar nach ihrer Sedimentation sicherlich nicht als geochemische Barrie-
re für Elemente. Die in feinkörnigen organikreichen Tonen sich im Zuge der frühen
Diagenese einstellenden chemischen Bedingungen dürften jedoch zu regional wirksamen Re-
duktions- und Schwefelwasserstoffbarrieren geführt haben, die den Austrag metallischer
Elemente aus den Tonen verhinderten.
6.2.5 Frühe Diageneseprozesse
In allen hier untersuchten Tonlagerstätten konnten frühe Diageneseprozesse eindeutig
identifiziert werden. Die postsedimentären Veränderungen der Tone beruhen dabei auf der
Anpassung des Sediments an die veränderten physikalischen und chemischen Bedingungen
infolge der Überlagerung durch Moore und mächtige klastische Sedimentabfolgen (vgl.
Füchtbauer 1988b). Die Tone wurden infolge des hohen Überlagerungsdruck kompaktiert und
verdichtet. Nach Berner (1980) ist die Kompaktion der bedeutendste physikalische Prozess
der frühen Diagenese. Die Porosität von Tonen ist vor der Kompaktion höher als die von Sand
(Abb. 100), nach der Kompaktion aber weit geringer. Das Kartenhausgefüge der Tone wird
zunehmend in ein orientiertes Gefüge überführt. Die Tone bilden daher im Gegensatz zu
Sanden eine Barriere für Fluide. Dies führt zu einem geschlossenen System, in dem die
Mineralogie des Tons bei fortdauernder Versenkung immer bedeutender wird (Velde 1995b).
Abb. 100: Kompaktion von Sanden und Tonen / Abnahme der Porosität mit der Tiefe (nach Velde 1995b)
Die Porosität von Tonen nimmt nicht gleichförmig mit dem Grad der Versenkung ab. Ist in
den ersten 100 Metern eine wesentliche Verringerung der Porosität zu verzeichnen, so nimmt
bei weiterer Versenkung die Kompressibilität ab, weshalb sich die Abnahme der Porosität zur
Tiefe hin verringert. (Berner 1980). Im Zuge der Kompaktion wird Porenwasser freigesetzt,
das bis in eine Tiefe von mehreren 100 Metern vertikal nach oben, in Richtung des geringsten
Drucks, aus dem Sediment entweicht und eine Veränderung der Zusammensetzung der
Porenlösungen überlagernder Sedimente bewirken kann (Burst 1976). Möglicherweise
erfolgte in Roßbach auf diese Weise die Zufuhr von sulfatreichen Wässern in die Tone im
Zuge der Kompaktion der Sedimentabfolgen. Ist die Versenkungstiefe höher, so entweicht das
Wasser infolge des zunehmenden Überlagerungsdrucks in lateraler Richtung (Berner 1980).
Die Kompaktion und die dichtere Lagerung erklären die im Vergleich zu den Kaolinen höhere
Trockenrohdichte der Tonsedimente.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
195
Aus der geologischen Entwicklung der tertiären Becken ist abzuleiten, dass die hier unter-
suchten Tone sich in geringer Tiefe von maximal wenigen 100 Metern befunden haben. In
diesem Bereich ist eine umfassende Silikattransformation nicht möglich (Velde 1995b). Um-
oder Neubildungen silikatischer Minerale durch diagenetische Prozesse wurden in den Tonla-
gerstätten daher nicht beobachtet.
Da Oxide bereits bei geringen Änderungen der Eh/pH-Bedingungen instabil werden, ist zu
vermuten, dass in der Lagerstätte Guttau und untergeordnet auch in den Lagerstätten Wetro
und Roßbach umgelagerte Fe-Oxide gelöst und in Pyriten wieder fixiert wurden. In Guttau
und Wiesa ist zu vermuten, dass gemeinsam mit Fe auch Ni, Co, Cu und Zn angereichert
wurden.
Nach Berner (1980) wird in den oberen, belüfteten Bereichen eines zunehmend kompaktierten
Sediments das organische Material (z.B. CH2O) durch Zutritt von Sauerstoff durch aerobe
Bakterien zersetzt. Verringert sich der Sauerstoffgehalt auf einen Wert um 5 %, so wird Nitrat
als Oxidationsmittel verwendet (Thimann 1963; Devol 1978). Ist der gesamte Sauerstoff in
den tieferen Bereichen des Sediments verbraucht, so erfolgt die anaerobe Dekomposition des
organischen Materials und Oxide werden instabil (Berner 1980). Die an die Oxide
gebundenen Metalle werden freigesetzt. Die Bildung von Metallsulfiden erfolgt dann, wenn
neben detritischen Oxiden und Hydroxiden sulfatreiche organische Substanzen vorliegen, die
heterogen im Sediment verteilt sind. Durch Bakterien wird das Sulfat der organischen
Komponenten und die Oxide und –Hydroxide unter anaeroben Bedingungen im Sediment
reduziert (Berner 1969). Es entstehen Metallsulfide und H2S.
Durch die Umlagerung von Fe-Oxiden bildeten sich in den hier untersuchten Guttauer und
Wetroer Tonen im Zuge der Diagenese Pyrite, die wahrscheinlich geringe Beimengungen von
Ni, Co, Pb, Zn und Cu enthalten (vgl. Rösler 1991).
Abb. 101: Bildung von Pyritkonkretionen durch Sulfatreduktion (nach Berner 1980)
Die Pyritisierung der organischen Komponenten ist vor allem in den Unteren Guttauer Tonen
weit verbreitet. Wie bereits erwähnt, befinden sich neben grau und braun gefärbten Tonen im
Unteren Guttauer Ton rötlich und grünlich gefärbte Tonpartien im Wechsel. Die Pyritisierung
liefert möglicherweise eine Erklärung für das Nebeneinander unterschiedlicher Fe-Phasen.
Nach Buchwald (1971) muss die rote Färbung der Guttauer Tone als originale Farbe des Se-
diments nach der Ablagerung angesehen werden. Die Umlagerung von Teilen einer Fe-
oxidreichen basaltischen Verwitterungskruste in die Guttauer Tone erklärt die rote Färbung
der Guttauer Tone im Gegensatz zu den Tonen der anderen Lagerstätten. Im Zuge der Diage-
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
196
nese wurde zunehmend Sauerstoff durch den Abbau der organischen Substanz verbraucht.
Nach Berner (1980) ist zu schließen, dass im Umfeld der Braunkohlenholzrelikte die Fe-
Oxide reduziert wurden und der anaerobe Abbau des organischen Materials unter Bildung von
Schwefelwasserstoff begann. Der Pyrit bildete sich als Produkt der Reaktion des mikrobiell
produzierten H2S mit dem reduzierten zweiwertigen Fe. Er verdrängte die organische Sub-
stanz nachweislich unter Beibehaltung des organischen Gefüges. Durch die Präzipitation des
Pyrits verarmte die Umgebung an SO42- und Fe2+. Dies führte zu einer Diffusion von SO42-
und Fe2+ in Richtung der organischen Substanzen (Abb. 101). Durch die Diffusion wurden
immer weitere Bereiche um die Xylite herum in die Pyritisierung mit einbezogen. Das Ne-
beneinander von pyritisierten und nicht pyritisierten Hölzern im Sediment weist darauf hin,
dass der Prozess endete, weil nicht mehr genügend Fe zur Bildung von Pyrit zur Verfügung
stand.
Pyritisierung erfolgte auch in den Oberen Guttauer Tonen, dort liegt der Pyrit jedoch fein ver-
teilt im Sediment vor. Dieser Ton ist organikreicher und wahrscheinlich Fe-ärmer als der
Untere Guttauer Ton. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass der Pyrit feinkörniger
ausgebildet ist. In den Wetroer und Roßbacher Tonen sowie in den organikreichen Partien der
Wiesaer Tone ist trotz ähnlicher Bedingungen wie in den Guttauer Tonen keine wesentliche
Pyritisierung des organischen Materials zu beobachten. Ursache hierfür könnte der geringere
Anteil an umgelagerten Fe-Oxiden in den Tonen sein.
Die diagenetische Bildung des Pyrits ist auf eine lokal wirkende Schwefelwasserstoffbarriere
(Darbinjan 1989) zurückzuführen und vergleichbar mit der Pyritbildung in den Kohlen. Die
Schwefelwasserstoffbarriere führte zu einer Retention der Metalle Ni, Co, Zn und Cu, mögli-
cherweise auch des Pb im Sediment. Eine deutliche Anreicherung dieser Metalle ist daher vor
allem in den Guttauer Tonen zu verzeichnen.
Alle hier untersuchten kaolinitischen Tone enthalten Pflanzenreste, die rezent als Braunkohle
(Weichbraunkohle) vorliegen. Das pflanzliche Material erfuhr durch die Inkohlung eine sehr
deutliche diagenetische Überprägung. Die pflanzlichen Bestandteile Zellulose, Lignin und
Proteine werden nach ihrer Sedimentation zunächst durch mikrobielle biochemische Prozesse
zu Humusstoffen unter Verlust von CO2 abgebaut. Durch die zunehmende sedimentäre
Auflast wird die organische Substanz kompaktiert, weshalb zunehmend Wasser abgegeben
wird. Durch die Abnahme der leichtflüchtigen Bestandteile reichert sich der organische
Kohlenstoff relativ an (Richter 1986). Aus den Pflanzenresten bildet sich so zunächst Torf.
Bei einem Wassergehalt von weniger als 75 % wird das Braunkohlestadium erreicht. Durch
Kompaktion und Teilentwässerung des Torfs entsteht Braunkohle infolge des zunehmenden
Überlagerungsdruck der Sedimente. Leichtflüchtige Bestandteile wie CH4 werden in
bedeutenden Mengen erst bei zunehmender Inkohlung freigesetzt. Dies führt insgesamt zu
einer weiteren Anreicherung von Kohlenstoff und zu einer Abnahme der Wassergehalts in
den Kohlen. Die Lausitzer Braunkohlen besitzen Wassergehalte von ca. 50-60 % und einen
Inkohlungsgrad, der dem Weichbraunkohlestadium entspricht. Daher sind in ihnen noch
zahlreiche Xylite und Stubben von Koniferen sowie gut erhaltene Pflanzenstrukturen von
Koniferen und Laubgewächsen zu erkennen (Nowel et al. 1994). Eigene kohlepetrographische
Analysen an Xyliten der Tonlagerstätten Wiesa, Wetro und Guttau ergaben, dass das Maceral
Huminit die Zusammensetzung der Kohlen bei weitem dominiert. Das Maceral ist Beleg für
die Herkunft des organischen Materials aus terrestrischen Landpflanzen. Eine marine
Beeinflussung ist nicht nachweisbar.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
197
6.2.6 Entwicklung der Eh/pH-Bedingungen bei der Genese kaolinitischer Tone
Die Minerale der Tone durchlaufen von der Kaolinisierung bis zu ihrer Ablagerung in den
tertiären sedimentären Becken zahlreiche natürliche Umweltkompartimente, die unterschied-
liche Eh/pH-Bedingungen aufweisen. In Abbildung 102 sind die Eh/pH-Bedingungen für
Regenwasser, Flusswasser und Torf- bzw. Moorwasser im Verlaufe der Entstehung der tertiä-
ren Tonlagerstätten in Anlehnung an Krumb (1998) und O’Neill (1998) dargestellt.
Über den in-situ-Kaolinen führte die Vegetationsdecke der tertiären Laubwälder zur Bildung
eines organikreichen Oberbodens, der huminstoffreich war. Huminsäurereiche Lösungen
migrierten in die Tiefe und kaolinisierten das Ausgangsgestein. Die Kaolinisierung erfolgte
daher bei leicht sauren bis neutralen pH-Werten unter reduzierenden Bedingungen (Abb. 102,
1; vgl. Krumb 1998). Durch die Erosion wurden im Zuge eines dynamischen Bodenbildungs-
prozesses immer neue Bereiche der Verwitterungskruste exhumiert. Die Zufuhr von
Regenwasser und der Zutritt von Luftsauerstoff in den oberen Bodenhorizont führten zu oxi-
dierenden Bedingungen. Die Bodenzonen unterlagen verstärkt der Erosion. Die gelösten
Komponenten der Verwitterungskruste wurden durch das Niederschlagswasser transportiert
und den Vorflutern zugeführt. Sie gelangten somit in einen Bereich, der stark oxidisch geprägt
war (Abb. 102, 2 und 3). Die nachfolgende Sedimentation der Tone erfolgte in Seen oder
Flussauen unter ähnlich oxidierenden Bedingungen bei neutralen pH-Werten (Abb. 102, 3).
Lasch (1973) beschreibt ebenfalls die Sedimentation der Tone unter oxidierenden Bedingun-
gen.
Abb. 102: Eh/pH-Bedingungen im Zuge der Entstehung der kaolinitischen Tone in Sachsen und Sachsen-Anhalt
(Bedingungen der Kaolinbildung nach Krumb 1998 / Bereiche des Regen- und des Flusswassers nach O’Neill
1998)
Die zunehmende Überdeckung und die Bildung von Torfmooren im Hangenden der Tone
führten zu einer Verschiebung der Eh/pH-Werte in den schwach sauren und reduzierenden
Bereich (Abb. 102, 4). Mai (1995) beschreibt die Lösung von Humus bei abnehmenden Mine-
ralsalzmengen in Mooren. Der gelöste Humus ist migrationsfähig und beeinflusst
Verwitterungsprozesse. Er bindet den Sauerstoff der in das Grundwasser gelangt und fixiert
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
198
ihn in Kohlensäure. Daher besteht ein Sauerstoffmangel in einem Bereich unterhalb des
Grundwasserspiegels von Torfmooren. Saure und reduzierende Bedingungen sind die Folge.
Der geringe Degradationsgrad der organischen Substanz der Tone weist darauf hin, dass sich
nach der Sedimentation in den Liegenden Tonen rasch reduzierende Bedingungen einstellten,
die den Abbau der organischen Substanz behinderten.
Aus den Analysen der Tonlagerstätten geht hervor, dass die Pyrit- und Markasitbildung in den
Tonen nur untergeordnet stattfand, weil nur wenige Fe-Oxide umgelagert wurden, weshalb
nur wenig Fe für die Pyritbildung zur Verfügung stand. Der geringe Grad der Permeabilität
und Porosität von Schluffen und Tonen mit Durchlässigkeitsbeiwerten von <10-6 m/s (Hölting
1989) führte dazu, dass freigesetztes Fe2+ nicht aus den Tonen heraus migrieren konnte, son-
dern fixiert blieb. Die Oxidation von zweiwertigem Fe führt beispielsweise zur Ausbildung
einer braunen Patina über den Wetroer Tonen bei längerer Exposition an der Luft (Abb. 103).
Abb. 103: Fe-Oxid-Überzug der Wetroer Tone nach Exposition an der Atmosphäre (kurze Bildkante ca. 0,5m)
Zudem ist in allen Tonen, jedoch besonders häufig im Unteren Guttauer Ton, die Anreiche-
rung oxidischer Fe-Phasen entlang feiner Risse innerhalb oberflächennaher Tonpartien
erkennbar. Die Färbung ist auf die Oxidation des Fe bei Zutritt von Luftsauerstoff zurückzu-
führen. Dieser sekundäre Prozess ist in den Tonlagerstätten weit verbreitet.
Über die spezifischen Hauptelementgehalte der Lausitzer Kohlen war es Darbinjan (1989)
möglich, auf die Paläoaziditätsverhältnisse in den einzelnen Lausitzer Flözhorizonten zu
schließen. Demnach erfolgte in das 4. miozäne Flöz ein erhöhter Eintrag von Ca, weshalb
neutrale bis basische pH-Bedingungen anzunehmen sind (Süss 1964). Die geringen Ca-
Gehalte der jüngeren miozänen Flözhorizonte weisen dagegen auf saure pH-Bedingungen hin.
Die vorangeschrittene Zersetzung der Kohlen des 4. Lausitzer Flözhorizonts ist demnach auf
die basischeren Bedingungen zurückzuführen. Neutrale bis basische pH-Werte verschieben
das Stabilitätsfeld der Fe-Oxide bis in den reduzierenden Bereich hinein. Möglicherweise ist
aus diesem Grunde in den Guttauer Tonen das umgelagerte Fe-Oxid erhalten geblieben, wes-
halb einige Partien der Tone bis heute eine leicht rötliche Färbung aufweisen.
Eine wesentliche Veränderung der Eh/pH-Bedingungen durch sekundäre Prozesse im Zuge
der Diagenese ist nicht auszuschließen. Quartäre tektonische Bewegungen, glazigene Stau-
chungen oder die partielle Erosion hangender Schichten könnten lokal dafür gesorgt haben,
dass sich durch Zutritt sauerstoffreicher Wässer oxidierende Bedingungen einstellten.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
199
6.3 Modell der Entstehung der kaolinitischen Tone in Sachsen und Sach-
sen-Anhalt
Das Modell der Entstehung der kaolinitischen Tone in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist in Ab-
bildung 104 schematisch zusammengefasst. Unter humiden gemäßigten bis subtropischen
klimatischen Bedingungen erfolgte ab der Oberkreide bis tief in das Oligozän und das Miozän
hinein eine intensive Verwitterung feldspatreicher intermediärer bis saurer magmatischer und
sedimentärer Gesteine unter Bildung von Kaolin. Die mineralogische Zusammensetzung der
Kaoline ist qualitativ recht einheitlich, kann quantitativ in Abhängigkeit von der Verwitte-
rungsintensität jedoch erheblich variieren. Im Zuge der Verwitterung wurden die primären
Minerale des Ausgangsgesteins durch Lösung und Neoformation, bzw. durch Transformation
in ein Gemisch aus residualem Quarz, Kaolinit und Dreischichtsilikaten überführt. Zahlreiche
Elemente, vor allem Alkalien und Erdalkalien, wurden mit dem Sickerwasser bzw. mit dem
Grundwasserstrom abgeführt.
In den Bodenhorizonten vermischten sich die anorganischen Komponenten der Verwitte-
rungskruste mit abgestorbenem organischen Material der Vegetation. Je nach den
herrschenden klimatischen und geomorphologischen Bedingungen unterschieden sich der
Bewuchs und die Ausbildung des Bodenprofils. In tropischen und subtropischen humiden
Klimaten war der Boden geringmächtiger entwickelt, in warmgemäßigten Klimaten hingegen
etwas mächtiger ausgebildet und deutlich differenzierter. Die mineralogische und chemische
Zusammensetzung der Kaoline und Tone und die tertiären klimatischen Bedingungen weisen
darauf hin, dass Acrisole und Alisole die dominierenden Bodentypen der kaolinitischen Ver-
witterungskruste gewesen sind. Unter klimatisch deutlich gemäßigteren Bedingungen ist ein
Übergang zu Luvisolen, bzw. Podzoluvisolen zu vermuten. Hinweise auf eine weit verbreitete
Ferralitisierung existieren weder in den in-situ-Kaolinen noch in den kaolinitischen Tonen.
Prozesse der Lessivierung und Podsolierung führten zu einer deutlichen Profildifferenzierung
der Acrisole und Alisole. Die regionale Anreicherung von Fe in einem Fe-
Anreicherungshorizont ist ebenfalls zu vermuten. Innerhalb der Bodenhorizonte nahm die
Einlagerungsfehlordnung der Kaolinite aufgrund der Neoformation feinkörniger Bodenkaoli-
nite deutlich zu. In den Böden entstanden infolge der organischen Komplexierung von
Metallen Chelatkomplexe und durch den Abbau der organischen Substanz Humin- und Fulvo-
säuren. Diese drangen mit dem Sickerwasser in tiefere Profilbereiche vor und steuerten
maßgeblich den Kaolinisierungsprozess.
Eine sorptive Bindung von Spurenelementen an Tonminerale ist bereits in den tieferen Zonen
der Verwitterungskruste zu vermuten. Eine zunehmende Fixierung der Spurenelemente durch
die Bildung von Oxiden und organo-mineralischen-Komplexen erfolgte dann in den Boden-
horizonten. Die feinkörnigen Tonminerale des Bodens trugen ebenfalls zu einer verstärkten
sorptiven Bindung der Spurenelement bei.
Nach einer langen tektonischen Ruhephase, in der sich die kaolinitische Verwitterungskruste
entwickeln konnte, führte die Erhöhung der Reliefenergie durch Subrosion und Epirogenese
im Eozän, bzw. durch Epirogenese im Miozän zu einer verstärkten Erosion der Kaoline.
Acrisole und Alisole weisen eine hohe, Luvisole und Podzoluvisole eine eher geringe bis
mittlere Erosionsanfälligkeit auf. Daher ist davon auszugehen, dass Acrisole und Alisole be-
vorzugt umgelagert wurden. Die durchgängig humiden klimatischen Bedingungen belegen,
dass das wichtigste Erosionsmedium Wasser gewesen ist. Durch Erosion wurden zunächst die
oberen und mittleren Profilbereiche der Verwitterungskruste umgelagert.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
200
Die hydraulische Klassierung der Komponenten begann bereits mit der Erosion. Durch das
Auftreffen elektrolytarmen Niederschlagswassers auf den Boden erfolgte die Dispergierung
und Zerkleinerung der Tonmineralaggregate des Bodens. Durch den nachfolgenden Oberflä-
chenwasserabfluss wurden die verkleinerten Tonmineralaggregate bei geringen
Strömungsgeschwindigkeiten abgeführt und in die Vorflut transportiert. Der Umlagerungs-
prozess kann aus einer mehrfachen Abfolge von Erosion, Transport und Sedimentation
bestanden haben, ehe die Komponenten der Bodenhorizonte und der kaolinitischen Verwitte-
rungskruste in diejenigen Becken gelangten, in denen sie abschließend sedimentiert wurden.
Die Nähe der in dieser Arbeit untersuchten Tonlagerstätten zu potentiellen Quellen, den Kao-
linen und die geringe Durchmischung der Komponenten mit Material anderer Quellen weist
auf einen kurzstreckigen Umlagerungsprozess hin. Neben der flächenhaften Erosion des Bo-
dens ist davon auszugehen, dass durch Seitenerosion von Flüssen zusätzlich Material tieferer
Verwitterungszonen erodiert und in den Sedimentbecken abgelagert wurde. Eine Unterschei-
dung der Herkunft des Materials ist anhand der Korngröße und der Einlagerungsfehlordnung
des Kaolinits möglich.
Durch den Transport und die Sedimentation wurde der Detritus der kaolinitischen Verwitte-
rungskruste hydraulisch klassiert. In Bereichen geringer Strömungsenergie, so z.B. in Seen
oder Flußauen, sedimentierten Komponenten geringer Korngröße und geringer Dichte. Die
Sedimentation von sehr feinkörnigen Tonmineralen erfolgte bevorzugt dann, wenn diese
durch Aggregation Agglomerate bildeten, die eine gravitative Sedimentation ermöglichten.
Da Süßwasser eine geringe Salinität besitzt, ist davon auszugehen, dass nicht die Veränderung
der Salinität des Wassers eine Flockung der Tonminerale bewirkte, sondern organische Kom-
ponenten die Tonminerale miteinander verkitteten. Ob diese Verkittung bereits in
Bodenhorizonten oder im Zuge der Sedimentation in einem nahezu stagnierenden Gewässer
erfolgte, konnte nicht abschließend geklärt werden.
Durch die Sedimentation wurden Tonminerale, Oxide und organische Komponenten gemein-
sam angereichert und grober Quarz abgetrennt. War der Klassierungsprozess nur wenig
effektiv, so gelangten auch zahlreiche Quarzminerale der Schlufffraktion in die Tone.
Schwerminerale wurden in der Regel abgetrennt. Eine Ausnahme bildet hier der Anatas, da er
häufig eine Korngröße <1 µm besitzt. Grobkörniges organisches Material wurde einge-
schwemmt und abgelagert, da die geringere Dichte der organischen Komponenten dazu
führte, dass sie gemeinsam mit den spezifisch dichteren, jedoch feinkörnigeren Tonmineralen
abgelagert wurden. Es ist davon auszugehen, dass das organische Material der Tone al-
lochthonen und in manchen Fällen auch parautochthonen Ursprungs ist.
Durch Verdünnung der Lösung könnten während des Transports des Verwitterungsdetritus
durch die Flüsse sorptiv gebundene Spurenelemente desorbiert worden sein. Es ist jedoch eine
Anreicherung der Spurenelemente in den Tonen im Vergleich zu den Kaolinen zu beobachten.
Ad- und absorptiv an Tonminerale gebundene Spurenelemente und Metalle wurden folglich
mit diesen in die Tonsedimente umgelagert, so dass eine erhöhte Spurenelement- bzw. eine
erhöhte Metallanreicherung in den sehr feinkörnigen Tonen zu verzeichnen ist. Einige Spu-
renelemente, beispielsweise Ba, Rb, Sr und Ga, werden in den Tonen angereichert, da sie K
und Al im Kristallgitter der Tonminerale substituieren können.
Stammt der Kaolinit des Tons teilweise aus Bodenhorizonten, so ist er deutlicher einlage-
rungsfehlgeordnet (Wetro, Guttau, Wiesa) als ein Ton, dessen Kaolinite überwiegend den
tieferen Profilbereichen der Verwitterungskruste entstammen (Roßbach).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
201
Die Sedimentation der Tone erfolgte in verlandenden terrestrischen, tektonisch angelegten
Becken, in tektonisch ruhigen Phasen. Die Tone wurden von Torfmooren überlagert, die re-
zent als Braunkohlen vorliegen. Durch die organikreiche Überdeckung entstanden
reduzierende Bedingungen innerhalb der Tone im Anschluss an die vorwiegend oxidativen
Bedingungen der Sedimentation. Die Kompaktion der Tone führte zu einem zunehmenden
Abschluss der Tonsedimente von den oberflächennahen chemischen Bedingungen.
Eine chemisch-strukturelle Veränderung der Silikate der Tone im Zuge der Diagenese wurde
nicht beobachtet. Die Oxide waren unter den zunehmend reduzierenden Bedingungen der
Diagenese jedoch nicht mehr stabil. Wurden größere Mengen an Oxiden mit den Tonminera-
len umgelagert, so ist eine deutliche Metallanreicherung in den Tonen zu verzeichnen, da
zahlreiche Metalle an die Oxide sorptiv gebunden waren (z.B. Co, Ni, Pb, Zn, Cu). Reduzie-
rende Bedingungen im Sediment nach der Ablagerung führten zur Reduktion der Metalloxide.
Bei gleichzeitiger Bildung von H2S durch die mikrobielle Sulfatreduktion des organischen
Materials wurden die Metalle in Form von Sulfiden im Tonsediment fixiert. Die Fixierung
von Cr und V in den Tonsedimenten durch Reduktionsprozesse ist ebenfalls zu vermuten. Da
Oxide und organo-mineralische-Komplexe jedoch in weit geringeren Mengen in die kaoliniti-
schen Tone umgelagert wurden als Tonminerale, ist von einer überwiegenden Bindung der
Spurenelemente (bzw. der Metalle) an die Tonminerale der Tone auszugehen. Im Zuge der
Diagenese wurden die sorptiv an Tonminerale gebundenen Elemente im Sediment fixiert.
Das organische Material der Tone wurde über die Zwischenstufe Torf unter Abgabe von Was-
ser und leichtflüchtigen Bestandteilen im Zuge der Diagenese in Weichbraunkohle
umgewandelt.
Die hier untersuchten Tone wurden durch Torfmoore überdeckt, weshalb eine sekundäre
Bleichung der Tone durch deszendente saure Lösungen lange vermutet wurde, da sie, mit
Ausnahme der Lagerstätte Guttau, nur geringe Mengen Fe aufweisen. Da unter den klimati-
schen Bedingungen im Tertiär im Untersuchungsgebiet keine flächenhafte Ferralitisierung
erfolgen konnte, sind die umgelagerten tertiären Fe-Mengen vermutlich weit geringer als bis-
her angenommen. Eine Entfernung der Fe-Oxide im Anschluss an die Ablagerung der
Tonsedimente ist daher nicht zwingend erforderlich, um die meist recht geringen Fe-Gehalte
der Tone zu erklären. Eine flächenhafte sekundäre Bleichung der Tone ist daher unwahr-
scheinlich, in schluffreichen Tonsedimenten jedoch nicht auszuschließen, da hier
Wegsamkeiten bestanden haben könnten, die eine sekundäre Bleichung ermöglichten. Die
Zufuhr externer Lösungen könnte die Zusammensetzung der Tone regional daher noch einmal
verändert haben.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die mineralogischen und chemischen Eigen-
schaften der hier untersuchten kaolinitischen Tone durch die Prozesse der Verwitterung und
Bodenbildung, der Erosion, des Transports, der Ablagerung und der Diagenese geprägt wor-
den sind. Kaolinitische Tone sind damit keine Produkte eines einfachen kurzstreckigen
Massentransports, weshalb die Bezeichnungen dieser Tone als „umgelagerte Kaoline“ oder
„sekundäre Kaoline“ nicht zutreffend sind.
Welchen Einfluss die genetischen Prozesse auf die anwendungstechnischen Eigenschaften der
Tone ausüben, wird in einem abschließenden Kapitel diskutiert.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
202
Abb. 104: Modell der Genese der tertiären kaolinitischen Tone im Untersuchungsgebiet (nach Krumb 1998 er-
gänzt)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
203
7 Anwendungstechnische Bedeutung der Bildungsprozesse kaolinitischer
Tone
7.1 Rohstoffwirtschaftliche Situation
Tonrohstoffproduzenten liefern Standardtone, die auf die Anforderungen der Abnehmer zuge-
schnitten sind und daher immer die gleiche Qualität aufweisen müssen. Die unterschiedliche
Zusammensetzung der Tone innerhalb einer Lagerstätte, ihre hohe vertikale sowie laterale
Varianz und der Wechsel der Tonfolgen mit grobkörnigen klastischen Sedimenten und
Braunkohlen erschweren es dem Tonrohstoffproduzenten jedoch, gleichbleibende und defi-
nierte Qualitäten anzubieten. Durch selektiven Abbau der Tone gewinnen die Produzenten
unterschiedliche Qualitäten innerhalb einer Lagerstätte. Um eine gleichbleibende Qualität des
Tons zu gewährleisten, erfolgt entweder eine homogenisierende Aufhaldung der Qualitäten,
bzw. eine getrennte Zwischenhaldung der ausgehaltenen Tonsorten mit einer nachgeschalte-
ten definierten Verschneidung und Homogenisierung der Qualitäten (Krumb 1998).
Kaolinitische Tone werden überwiegend in der keramischen Industrie eingesetzt. Nach Stenti-
ford (2003) ist der Markt für keramische Kaoline und Tone im Umbruch. Zurzeit stammen ca.
¾ aller weltweit in der Grob- und Feinkeramik, der Feuerfestindustrie und in der Zulieferin-
dustrie verwendeten Tone und Kaoline aus lokalen Vorkommen. Sie besitzen meist eine rote
bis rosa Brennfarbe und sind oftmals von minderer Qualität. Diese Tone werden häufig zur
Produktion von Ziegeln eingesetzt, wobei in den Industrieländern gefertigte, hochwertige
Ziegel von global agierenden Konzernen auch weltweit vermarktet werden. Der Bevölke-
rungsrückgang in den Industrieländern, gerade auch in Europa, wird ein stagnierendes
Bauvolumen zur Folge haben. Ziegelprodukte treten daher verstärkt in Konkurrenz zu den
Baumaterialen Beton, Stahl und Glas, die ein moderneres Image besitzen (Lingl 2002). Nach
Lingl (2002) muss die Ziegelindustrie daher Baumethoden entwickeln, die mit den moderne-
ren Baumaterialien konkurrieren können. Die Zukunft des Ziegels ist damit nicht vom
verfügbaren Rohstoff, sondern von der technischen Entwicklung und der Akzeptanz des Zie-
gels als Baustoff abhängig.
Nur ¼ der Ton- und Kaolinvorkommen weltweit sind plastische, hell- bis weißbrennende kao-
linitische Tone und Kaoline. Sie sind qualitativ hochwertig und können weltweit exportiert
werden (Stentiford 2003). Da die feinkeramische Industrie aus ihren angestammten Zentren in
Regionen geringerer Kosten abwandert, müssen Spezialtone in den neuen Zentren so lange
von den bisherigen Rohstoffproduzenten bezogen werden, wie im lokalen Umfeld keine Tone
mit den gewünschten spezifischen Eigenschaften aufgeschlossen werden, da die technischen
Anforderungen an den Tonrohstoff bestehen bleiben. Aus diesem Grunde sieht Stentiford
(2003) kurz- bis mittelfristig eine Wachstumsphase für Anbieter dieser qualitativ hochwerti-
gen Rohstoffe in den alten Rohstoffzentren. Die Tone müssen jedoch über größere
Entfernungen transportiert werden, so dass langfristig davon auszugehen ist, dass neue Roh-
stoffzentren in der Nähe der keramischen Produktionszentren entstehen werden. Fiebiger
(1987 S.383) verdeutlicht in einem Interview: „Grundsätzlich sind heute keramische Rohstof-
fe weltweit in vertretbaren Mengen, Qualitäten und Entfernungen verfügbar. Ich muss
eigentlich immer nur feststellen, was mit ihnen machbar ist. .... Allerdings muß ich diese ge-
nügend genau bewerten und gegebenenfalls über Aufbereitung und Versatz einsatzfähig
machen.“
Der Druck auf die Produzenten in den alten Zentren wird demnach steigen. Die Tonproduzen-
ten könnten allerdings in zweifacher Hinsicht von dieser Entwicklung profitieren. Durch
engere Zusammenarbeit mit dem Verbraucher können sie eine engere Bindung aufbauen und
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
204
sich Zukunftsmärkte für ihre „Premium-Produkte“ sichern (Stentiford 2003). Zudem bietet die
Globalisierung weltweit operierenden Tonrohstoffproduzenten die Chance, Lagerstätten in der
Nähe neuer Zentren zu prospektieren und zu erschließen.
In diesem Zusammenhang sind Aussagen von Krumb (1998) bemerkenswert. Er gibt zu be-
denken, dass das Qualitätssicherungssystem ISO 9000-9004 zwar ermöglicht,
Qualitätsschwankungen im Zuge der Produktion zu erkennen und vor der Auslieferung der
Produkte einzugreifen. Die mit den geringsten Kosten verbundene Qualitätssicherung beginne
jedoch bereits in der Prospektions- und Explorationsphase einer Ton- oder Kaolinlagerstätte,
mit der Informationsbeschaffung, der Analyse der mineralogisch-chemischen Zusammenset-
zung und der Kenntnis der Verteilung spezifischer Qualitätsmerkmale innerhalb einer
Lagerstätte. Stegmüller forderte bereits 1988 eine bessere Kenntnis der geologischen Verhält-
nisse als Voraussetzung für Qualität und Rentabilität von Ziegeleien. Er formuliert dies auf
Seite 426 folgendermaßen: „Wenn der Ziegler über ein bloßes, nur auf Zufall basierendes
Abtasten der ihm zur Verfügung stehenden Rohstoffquellen hinauskommen will, dann muß er
versuchen, sich einen Überblick über die geologische Vorgeschichte seines Betriebsstandortes
zu verschaffen.“ Diese Forderung gilt natürlich erst recht für die Produzenten qualitativ
hochwertiger kaolinitischer Tone. Fiebiger (1987) weist darauf hin, dass die Toleranzbreite in
der Tonproduktion immer geringer wird und Rohstoffe optimal eingestellt werden müssen. Da
ein Produkt nicht besser sein kann, als in der Qualität des Ausgangsstoffes vorgegeben, ist
eine verbesserte Kenntnis des Rohstoffs und der Qualitäten von entscheidender Bedeutung
auch in Hinblick auf die Investitionen und damit die wirtschaftliche Rentabilität eines Vor-
kommens. Um die Rentabilität eines Vorkommens zu gewährleisten, ist daher die Kenntnis
der Genese des Rohstoffs unverzichtbar. Sie entscheidet über die Art und die Qualität sowie
die Verteilung der Qualitäten innerhalb einer Lagerstätte.
Die fertigungstechnischen Eigenschaften kaolinitischer Tone sind im folgenden Kapitel dar-
gestellt.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
205
7.2 Fertigungstechnische Eigenschaften kaolinitischer Tone
Kaolinitische Tone können granulometrisch, chemisch und mineralogisch sehr unterschiedlich
zusammengesetzt sein. Um die Auswirkungen dieser Unterschiede auf die technischen Para-
meter abschätzen zu können, wurden für das Hauptanwendungsgebiet kaolinitischer Tone, die
keramische Industrie, einige der wichtigsten Parameter anhand repräsentativer Proben für jede
Lagerstätte überprüft. Die unterschiedliche Wirkungsweise einzelner Minerale in tonkerami-
schen Massen kann Kapitel 2.9 entnommen werden.
7.2.1 Formgebungsverhalten
Die Plastizität der Tone wurde durch Analyse der Atterberg-Grenzen untersucht. Ist der Wert
für die Plastizitätszahl hoch, so verhält sich der Rohstoff bei Zugabe von Wasser in einem
breiten Intervall plastisch (Tab. 90).
Die Guttauer Tone sind sehr feinkörnig und enthalten neben fehlgeordneten Kaoliniten auch
Illit. Aufgrund des erhöhten Smektit-Gehalts besitzen diese Tone die höchste Plastizitätszahl
aller hier untersuchten Proben (Tab. 90). Die Plastizitätszahl der Wetroer Tone ist etwas ge-
ringer, da sie kaum Smektite enthalten. Die Tone beider Lagerstätten besitzen nur geringe
Mengen Quarz, der in tonkeramischen Massen plastizitätsmindernd wirkt. Die Plastizität der
schluff- und quarzreichen Roßbacher und Wiesaer Tone ist aus diesem Grunde weit geringer
(Tab. 90). Im Allgemeinen ist die Bandbreite der Werte der Plastizitätszahl der hier unter-
suchten Tone ähnliche wie die von Bain (1971).
Tab. 90: Vergleich der Atterberg-Grenzen kaolinitischer Tone nach Bain (1971) mit den Werten für die Tone
von Wetro, Guttau, Roßbach und Wiesa
Tonmineral Ausrollgrenze Fließgrenze Plastizitätszahl
Bain (1971) Masse % Masse % Masse %
Ball Clay, Devon 32 76 44
Kaolinitic river clay,
British Honduras
38 79 41
Alluvial kaolin, Devon 41 64 23
China clay, Cornwall 37 52 15
Tone
Wetro Oberer Ton 37 66 29
Wetro Unterer Ton 32 60 28
Guttau Oberer Ton 32 79 47
Guttau Unterer Ton 37 69 32
Roßbach Ton 3 20 34 14
Roßbach Ton 1 23 34 11
Wiesa Unterer Ton 28 43 15
Wiesa Unterer Ton 21 30 9
Anhand der Atterberg-Grenzen lassen sich für Ziegel- und Töpfertone nach Bain (1971) Be-
reiche optimaler Plastizität sowie die Trockenschwindung abschätzen (Lorenz & Gwosdz
1997). Aus Abbildung 105 geht hervor, dass die Tone von Roßbach und Wiesa die besten
Plastizitätseigenschaften für den Einsatz in der keramischen Industrie besitzen. Durch Mi-
schung verschiedener Qualitäten können Produkte erzeugt werden, die optimal an die
Bedürfnisse des Verbrauchers angepasst sind. Die recht hohen Werte der Fließgrenze der To-
ne von Wetro und Guttau verdeutlicht, dass die alleinige Verwendung kaolinitischer Tone als
Ziegeltone oder als Töpfertone aus Gründen einer zu hohen Schwindung häufig nicht anzura-
ten ist (Abb. 105).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
206
Abb. 105: Bereich optimaler Plastizitäts-Eigenschaften für Ziegel- und Töpfertone, berechnet mittels der Atter-
berg-Grenzen (nach Bain 1971 und Lorenz & Gwosdz 1997)
Neben der Plastizität wurde die Viskosität repräsentativer Proben der Kaolinlagerstätte Ca-
minau und der Tonlagerstätten Wetro, Guttau, Roßbach und Wiesa analysiert. Von der
Caminauer Gesamtprobe wurde die Fraktion <63 µm abgetrennt. Diese Fraktion des Kaolins
besitzt eine nahezu identische Zusammensetzung wie die Gesamtprobe des Wetroer Tons.
Beide bestehen zu ca. 80 % aus Kaolinit und zu ca. 20 % aus Illit/Muskovit. Aus diesem
Grunde ist ein direkter Vergleich der Ergebnisse des in-situ-Kaolins mit der Gesamtprobe des
Tons möglich (Abb. 106).
Abb. 106: Viskosität des Caminauer Kaolins (Ca) der Fraktion <63 µm und des Unteren Wetroer Tons (We) bei
unterschiedlichen Wassergehalten (%-Angaben beziehen sich auf die Menge Wasser, die den Proben bezogen
auf ihr Trockengewicht zugeführt wurde)
Obwohl er eine fast identische mineralogische Zusammensetzung wie der Kaolin besitzt, ist
der Wetroer Ton bei gleichem Wassergehalt und gleichem Elektrolytanteil in der Suspension
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
207
weit viskoser als der Caminauer Kaolin (Abb. 106). Es muss bei gleicher Schergeschwindig-
keit eine weit höhere Schubspannung aufgewendet werden, um den Ton zum Fließen zu
bringen. Da die Kationenaustauschkapazität und die spezifische Oberfläche der Minerale ei-
ner keramischen Masse für die Viskosität von entscheidender Bedeutung sind (Störr 1983),
führt die Feinkörnigkeit und die damit verbundene größere spezifische Oberfläche der Ton-
minerale und möglicherweise die erhöhte strukturelle Fehlordnung der Kaolinite der Tone zu
einer deutlich erhöhten Viskosität des Tons.
Abb. 107: Viskosität des Guttauer Tons (Gu) bei unterschiedlichen Wassergehalten (%-Angaben beziehen sich
auf die Menge Wasser, die den Proben bezogen auf ihr Trockengewicht zugeführt wurde)
Da bereits geringe Mengen Smektit die Viskosität einer keramischen Masse deutlich herauf-
setzen, ist die Viskosität der Guttauer Tone weit höher als die der Wetroer Tone (Abb. 107).
Geringe Unterschiede in der mineralogischen Zusammensetzung können sich somit deutlich
auf die technischen Parameter keramischer Massen auswirken.
Abb. 108: Viskosität des Roßbacher (Ro) Ton 1 und des Wiesaer Tons (Wi) bei unterschiedlichen Wassergehal-
ten (%-Angaben beziehen sich auf die Menge Wasser, die den Proben bezogen auf ihr Trockengewicht zugeführt
wurde)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
208
Die Roßbacher und Wiesaer Tone besitzen aufgrund ihrer höheren Schluffanteile und der er-
höhten Quarzgehalte eine weit geringere Viskosität, als die Tone von Wetro und Guttau (Abb.
108).
Die Viskosität sowohl der Tone als auch der Kaoline wird nach Regressionsrechnungen am
besten durch die Modelle von Ostwald bzw. Hershel-Buckley beschrieben, einige Fließkurven
sind auch linear oder logarithmisch (vgl. Kap. 2.9.1.2). Moderne verflüssigte Schlicker ver-
halten sich meist nach dem Ostwald-Modell (Schüller 1993).
7.2.2 Trocknungseigenschaften
Die Trockenbiegefestigkeit und die Trockenschwindung der Tone konnten nicht anhand eines
standardisierten Verfahrens überprüft werden. Daher erfolgt eine Abschätzung der Trock-
nungseigenschaften auf Grundlage der Tabellen (Kap. 2.9.2) von Vogt & Vogt (2004) und
dem Diagramm nach Bain (1971).
Da Smektite die Trockenschwindung und die Trockenbiegefestigkeit im Vergleich zu den
anderen Tonmineralen deutlich erhöhen, weist der Obere Guttauer Ton die höchste Trocken-
schwindung aller hier untersuchten Tone auf (Abb. 105). Der Untere Guttauer Ton und die
Wetroer Tone besitzen daher eine etwas geringere Trockenschwindung und vermutlich auch
eine geringere Trockenbiegefestigkeit (Abb. 105). Quarz setzt die Schwindung und die Fes-
tigkeit eines Scherbens deutlich herab. Aus diesem Grunde ist die Trockenschwindung der
Tone der Lagerstätten Wiesa und Roßbach deutlich vermindert, weshalb beide Tone in der
feinkeramischen Industrie eingesetzt werden können (Abb. 105).
7.2.3 Brenneigenschaften
Das Brennverhalten der Tone wurde über das Verfahren der Dilatometrie an repräsentativen
Proben der Lagerstätten Wetro, Guttau und Roßbach analysiert. Da Schomburg & Störr
(1984) die Ausdehnung und Schwindung des Caminauer Kaolins eingehend untersucht haben,
ist zudem ein Vergleich des in-situ-Kaolins mit seinem umgelagerten Produkt, dem Wetroer
Ton möglich.
Abb. 109: Dilatometerkurven des Unteren und Oberen Wetroer Tons und des Unteren Guttauer Tons
Bei Aufheizung des Guttauer und Wetroer Tons wird zunächst das physikalisch gebundene
Wasser der Probe freigesetzt (Abb. 109). Daher ist eine Schwindung bis ca. 200°C zu ver-
zeichnen, der organikreiche Obere Wetroer Ton weist zudem im Temperaturbereich zwischen
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
209
250°C und 400°C eine geringe Ausdehnung auf, da die organische Substanz des Tons oxidiert
wird. Aus dem Kaolinit entsteht bei Temperaturen oberhalb 550°C Metakaolinit, weshalb bei
dieser Temperatur eine deutliche Schwindung zu verzeichnen ist. Bei einer Temperatur von
ca. 950°C ist der Kaolinit dann nicht mehr stabil. Er wird in die Bestandteile Kieselsäure und
Tonerde zerlegt. Durch die thermische Zersetzung des Kaolinits entsteht ein Al-Si-Spinell,
was durch eine deutliche Schwindung angezeigt wird (Abb. 109). Erreicht die Brenntempera-
tur einen Wert von über 1200°C, so bildet sich die stabile Hochtemperaturphase Mullit
(Al[AlSiO5]) neben Cristobalit (SiO2), der aus der überschüssigen Kieselsäure gebildet wird
(Schüller 1993).
Das Brennverhalten der sehr kaolinitreichen Tone von Wetro und Guttau ist durch das Deh-
nungs-Schwindungs-Verhalten des Kaolinits dominiert. Der Smektit des Guttauer Tons führt
zu einer etwas deutlicheren Schwindung und nach Hatzl & Gehlken (2001) auch zu einer frü-
heren Schmelzenbildung. Da Illit und Kaolinit eine sehr ähnliche Brennschwindung bewirken
(Hatzl & Gehlken 2001), ist der Unterschied zwischen den Wetroer Proben sehr gering (Abb.
109).
Die Korngrößenfraktion <2 µm des Unteren Wetroer Tons weist eine deutlichere Schwindung
und eine frühere Schmelzenbildung auf als die Gesamtprobe (Abb. 109). Nach Kiefer (1957)
verringern feinkörnige Schichtsilikate die Ausdehnung und verstärken die Kontraktion einer
Probe. Es ist daher zu vermuten, dass die früher einsetzende und verstärkte Schwindung in der
Korngrößenfraktion <2 µm auf den erhöhten Anteil feinstkörniger Kaolinite und Illite in der
Probe zurückzuführen ist. Diesen Zusammenhang untersuchten Schomburg & Störr (1984) für
unterschiedliche Korngrößenfraktionen der Kaoline aus Caminau. Während die Korngrößen-
fraktionen >2 µm eine ähnliche lineare Kontraktion aufweisen, erhöht sich diese in der
Korngrößenfraktion <2 µm deutlich (Abb. 110).
Möglicherweise ist die höhere Brennschwindung und die bei etwas niedrigeren Temperaturen
einsetzende Schmelzenbildung der Feinfraktion der Tone neben der geringen Korngröße auch
darauf zurückzuführen, dass die feinkörnigen fehlgeordneten Kaolinite dieser Fraktion mehr
flussmittelwirksame Ionen enthalten, als gröbere und gut geordnete Kaolinite. Nach Schüller
(1993) verstärken Fe-Oxide in keramischen Massen die Flussmittelwirkung von Alkalien in
einer reduzierenden Brennatmosphäre. Sadunas et al. (1997) gelangen zu dem Ergebnis, dass
in kaolinitischen, illitischen und montmorillonitischen Tonen zweiwertige Ionen gleicherma-
ßen sinterwirksam sind. Aus diesem Grunde bildet sich in kaolinitischen und
montmorillonitischen Tonen unter Zusatz von Fe2+-Ionen bereits bei niedrigeren Temperatu-
ren Mullit als in Fe2+-ärmeren Tonen. Sadunas et al. (1997) entwickelten eine Reihenfolge der
Wirksamkeit zweiwertiger Ionen auf die thermische Zersetzung von Tonmineralen. Demnach
nimmt die Wirksamkeit in der Reihenfolge Cu2+>Mn2+>Fe2+>Co2+>Ni2+>Cr2+ ab. In ähnlicher
Reihenfolge verringert sich die Intensität der Mullitbildung. Aufgrund der größeren spezifi-
schen Oberfläche der Tonminerale sind in feinkörnigen kaolinitischen Tonen in der Regel
mehr Spurenelemente gebunden, als in den grobkörnigeren Tonen. Zudem besitzen nach
Mestdagh et al. (1980) und Vogt & Vogt (2004) fehlgeordnete Kaolinite einen erhöhten Fe-
und Ti-Gehalt. Neben der Korngröße könnte somit die chemische Zusammensetzung des
Kaolinits das Brennverhalten kaolinitischer Tone beeinflussen.
Diese Erkenntnis könnte nach Sadunas et al. (1997) von praktischer ökonomischer Bedeutung
sein. Durch den Einsatz feinkörniger Kaolinite, bzw. durch Zusatz zweiwertiger Ionen, könn-
ten die Brenneigenschaften tonkeramischer Massen beeinflusst und die Energiekosten
während des Brennvorgangs möglicherweise reduziert werden.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
210
Abb. 110: Dilatometerkurven der Korngrößenfraktionen <63 µm des Caminauer Kaolins / lineare Kontraktion in
% angegeben (nach Schomburg & Störr 1984)
Vergleicht man die Dilatometerkurven des Lausitzer Granodiorit-Kaolins aus Caminau nach
Schomburg & Störr (1984) mit denen der Wetroer Tone, so wird deutlich, dass sie ein Verhal-
ten aufweisen, das dem der Korngrößenfraktion <2 µm des Kaolins sehr ähnlich ist. Dies ist
auf die Anreicherung der Feinfraktion des Granodiorit-Kaolins in den Wetroer Tonen zurück-
zuführen.
Die Dilatometerkurven der grobkörnigeren und quarzreicheren Roßbacher Tone weisen deut-
liche Unterschiede zu denen der Guttauer und Wetroer Tone auf (Abb. 111).
Abb. 111: Dilatometerkurven der Roßbacher Tone 1 und 3
Zu Beginn der Aufheizung führt der in den Tonen enthaltene Illit/Smektit-Mixed-Layer-
Anteil und die Abgabe des physikalisch gebundenen Wassers zu einer deutlichen Schwindung
der Proben im Temperaturbereich zwischen 100°C und 220°C. Montmorillonite geben bei ca.
140°C ihr adsorptiv gebundenes Wasser ab (Schmidt-Reinholz 1985/86). Dem wirkt mit zu-
nehmender Temperatur eine Ausdehnung des Illit/Muskovits entgegen (Abb. 111). Bei ca.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
211
550°C geht der Kaolinit in Metakaolinit über, weshalb eine deutliche Schwindung eintritt. Der
Roßbacher Ton ist quarzreich, weshalb er sich bei 573°C deutlich ausdehnt. Bei dieser Tem-
peratur geht der Tiefquarz in den Hochquarz über (Abb. 111). Die Ausdehnung der Proben
bei dieser Temperatur wird auch als „Quarzsprung“ bezeichnet. Der weitere Kurvenverlauf
entspricht dem Verhalten einer Mischung aus Quarz, Kaolinit und Illit und verläuft ähnlich
wie in den anderen Tonen. Der erhöhte Quarzanteil führt jedoch zu einer deutlich verringerten
Brennschwindung und einem etwas niedrigeren Schmelzpunkt (Abb. 111).
Die Brennfarbe der Tone weist ebenfalls deutliche Unterschiede auf. Die Guttauer und
Wetroer Tone besitzen nach dem Brennen eine gelbliche bis grünlich-gelbliche Färbung. Die-
se Färbung wird durch feinverteilte Ti- und Fe-Oxide hervorgerufen. Das bei 1000°C
gebrannte Probenmaterial der Tone von Roßbach weist hingegen eine graue bis weiße Farbe
auf. Die Wiesaer Tone sind hellbrennend gräulich, manchmal ein wenig rötlich und insgesamt
ein wenig creme-farbener als die hellen Roßbacher Tone. Die helle Brennfarbe der Roßbacher
und Wiesaer Tone ist auf den sehr geringen Fe- und Ti-Gehalt der Proben zurückzuführen.
Für helle- und weißbrennende Tone ist die Farbgebung das wichtigste Rohstoffmerkmal.
7.2.4 Zusammenfassung
Die große Bandbreite der chemischen, mineralogischen und granulometrischen Zusammen-
setzung kaolinitischer Tone führt zu deutlichen Unterschieden zwischen den
fertigungstechnischen Eigenschaften der Tonrohstoffe.
Die Wetroer und Guttauer Tone besitzen aufgrund ihrer Feinkörnigkeit und ihres ho-
hen Tonmineralgehalts eine höhere Plastizität und Viskosität, eine höhere
Trockenschwindung und Trockenbiegefestigkeit sowie eine höhere Brennschwindung
als die schluff- und quarzreicheren Roßbacher und Wiesaer Tone.
In den Tonen von Guttau führt der geringe Smektitgehalt von <10 % zu einer deutli-
chen Erhöhung der Plastizität, der Viskosität, der Trockenschwindung und vermutlich
auch der Trockenbiegefestigkeit. Da Smektite als Flussmittel wirken, erhöhen sie die
Brennschwindung und verringern die Sintertemperatur. In den quarz- und schluffrei-
cheren Tonen von Roßbach ist die Wirkung geringer Smektit und Mixed-Layer-
Mineral-Gehalte kaum bemerkbar.
Aufgrund des hohen Kaolinit- und Al2O3-Gehalts von > 30% werden die Wetroer und
untergeordnet auch die Guttauer Tone als “Feuerfeste Tone“ zur Herstellung von
Schamottesteinen verwendet. Folglich sintern sie in einem Temperaturbereich
>1500°C.
Aus dem Vergleich der Caminauer und Wetroer Proben ist zu schließen, dass feinkör-
nige Kaolinite die Viskosität erhöhen und damit stärker plastifizierend wirken als
grobkörnige Kaolinite. Zudem weisen die erhöhte Brennschwindung und die geringere
Temperatur der Schmelzenbildung in der Feinfraktion des Unteren Wetroer Tons dar-
auf hin, dass feinkörnige Tonminerale, möglicherweise durch den erhöhten
Spurenelementgehalt, solche Veränderungen der technischen Eigenschaften kerami-
scher Massen bewirken können.
Die Wetroer und Guttauer Tone besitzen eine gelbe und teilweise grünlich-gelbe
Brennfarbe. Diese Färbungen werden durch feinverteilte Ti- und Fe-Oxide hervorge-
rufen. Die Brennfarbe der Roßbacher und Wiesaer Tone ist grau, creme-farben, leicht
rötlich und weiß. Diese Tone enthalten nur wenige färbende Oxide.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
212
7.3 Die Auswirkung der Bildungsprozesse auf die fertigungstechnischen
Parameter und die Verwendungsmöglichkeiten kaolinitischer Tone
Abb. 112: Faktoren und Prozesse der Entstehung kaolinitischer Tonlagerstätten (nach Krumb 1998 ergänzt)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
213
Kaolinitische Tonlagerstätten sind, wie gezeigt werden konnte, das Produkt einer komplexen
Abfolge von unterschiedlichen Bildungsprozessen. In Abbildung 112 sind die Faktoren und
die Prozesse zusammengefasst. Aus der Untersuchung der Tone geht hervor, dass deren quali-
tative Zusammensetzung auf den Prozessen der Verwitterung und der Bodenbildung beruht.
Diese entscheiden über die Art, die Menge und die Ausbildung der für die Umlagerung zur
Verfügung stehenden anorganischen und organischen Komponenten. Die Prozesse der Erosi-
on, des Transports und der Sedimentation mischen und klassieren diese Komponenten im
Zuge der Umlagerung. Qualitative Veränderungen der Zusammensetzung können nur dann
erfolgen, wenn Material unterschiedlicher Quellen gemischt wird. In der Regel bleibt das Ma-
terial einer Quelle qualitativ weitgehend unverändert. Daher regulieren die Prozesse der
Erosion, des Transports und der Sedimentation die quantitative Zusammensetzung der Tone.
Nachfolgend können Prozesse der frühen Diagenese und weitere sekundäre Prozesse qualita-
tive und quantitative Veränderungen in der Tonzusammensetzung bewirken (Abb. 112).
7.3.1 Auswirkung der lagerstättenbildenden Prozesse auf die anwendungstechnischen
Parameter der Tone
Die Veränderung der fertigungstechnischen Parameter bei der Bildung kaolinitischer Tone
kann der Abbildung 113 entnommen werden. Zu Beginn der kaolinitischen Verwitterung
bildet sich aus einem sauren bis intermediären Protolith eine dreischichtsilikatreiche und kao-
linitarme Zone. Mit steigender Verwitterungsintensität nehmen die Plastizität, die
Trockenbiegefestigkeit, die Trockenschwindung und die Brennschwindung der Verwitte-
rungsprodukte durch den steigenden Tonmineralgehalt zu. Nimmt die Verwitterungsintensität
weiter zu und der Kationengehalt innerhalb der Verwitterungskruste ab, so werden bevorzugt
geordnete Kaolinite und Illite gebildet. Dies führt zu einer Verringerung der oben genannten
Eigenschaften in den höheren Bereichen des Verwitterungsprofils. Da eine zunehmende Bil-
dung feinkörniger fehlgeordneter Kaolinite und auch von Illiten in den Bodenhorizonten zu
vermuten ist und die Verwitterungsprodukte mit der organischen Bodensubstanz durchmischt
werden, ist eine Erhöhung der Plastizität und Viskosität bei gleichzeitiger Zunahme der Tro-
ckenbiegefestigkeit und untergeordnet auch der Trocken- und Brennschwindung
wahrscheinlich (Abb. 113).
Da die kaolinitische Verwitterung auf dem fortlaufenden Verlust von Alkalien und Erdalka-
lien beruht, nimmt der Flussmittelgehalt mit Zunahme der Verwitterungsintensität stetig ab.
Die bevorzugte Bildung von Kaolinit mit steigender Verwitterungsintensität führt in Kaolinen
zu einer Zunahme der Feuerfestigkeit. Fe und Mn sowie untergeordnet auch Ti werden im
Zuge der Kaolinisierung teilweise abgeführt. Daher verringert sich der Anteil färbender Kom-
ponenten mit zunehmender Verwitterungsintensität. Durch Oxidation oder
Umlagerungsprozesse innerhalb des Bodenprofils können färbende Komponenten jedoch
auch angereichert werden (Abb. 113).
Die Umlagerung der Verwitterungskruste führt zu einer deutlichen Veränderung der anwen-
dungstechnischen Parameter, weshalb sich die technischen Eigenschaften von in-situ-
Kaolinen und kaolinitischen Tonen sehr deutlich voneinander unterscheiden können (Abb.
113). Magernde und der Schwindung entgegenwirkende Minerale wie Quarz, Schwerminerale
und grobkörnige Glimmerreste werden durch die hydraulische Klassierung im Zuge der Um-
lagerung in der Regel aussortiert, Tonminerale und organische Substanzen hingegen
angereichert. Ist die Klassierung wenig effektiv, so kann jedoch auch Quarz in der
Schlufffraktion angereichert sein. Insgesamt nimmt der Gehalt an feinkörnigen und strukturell
fehlgeordneten Kaoliniten und anderer Tonminerale in den Tonen meist deutlich zu. Daher ist
das kaolinitische Umlagerungsprodukt plastischer, viskoser, besitzt eine höhere Trockenbie-
gefestigkeit und eine höhere Brennschwindung als das Ausgangsmaterial der
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
214
Verwitterungskruste. Der Flussmittelgehalt kann durch die Klassierung der Quarzminerale
erhöht sein. Werden jedoch größere Mengen Feldspat und Glimmer aussortiert, so ist nicht
eindeutig vorherzusagen ob der Flussmittelgehalt im tonigen Umlagerungsprodukt gegenüber
der Verwitterungskruste erhöht oder reduziert ist. Die färbenden Eigenschaften werden mit
hoher Wahrscheinlichkeit im Zuge der Umlagerung in der Regel beibehalten, da beispielswei-
se bereits geringe Gehalte eines feinkörnigen Hämatits ausreichen, um eine rote Brennfarbe in
Tonen herbeizuführen. Durch Anreicherung des Kaolinits in den Tonen kann das umgelagerte
Material eine gegenüber der Verwitterungskruste deutlich erhöhte Feuerfestigkeit aufweisen.
Der Einfluss der Diagenese und anderer sekundärer Prozesse auf die fertigungstechnischen
Parameter der kaolinitischen Tone ist sehr schwer abzuschätzen. Da eine Silikatmetamorpho-
se in frühen diagenetischen Phasen nicht erfolgt, bleiben die anwendungstechnischen
Eigenschaften nach der Umlagerung weitgehend bestehen (Abb. 113). Diese Deutung korres-
pondiert mit der Erkenntnis, dass diagenetische Prozesse überwiegend qualitativ an der
Tonlagerstättenbildung beteiligt sind. Die sekundäre Zufuhr, die Fixierung oder die Abfuhr
(Bleichung) beispielsweise färbender Komponenten kann für die Verwendung eines kaoliniti-
schen Tons jedoch von maßgeblicher Bedeutung sein.
Sollten die von Hurst & Pickering Jr. (1997) beschriebenen Diageneseprozesse (vgl. Kap. 1.1)
zur Bildung eines sedimentären Kaolins führen, so ist eine Entwicklung der Parameter ähnlich
wie in der Verwitterungskruste anzunehmen. In Abbildung 113 ist dieser Diageneseprozess
als „Möglicherweise Zunahme“ verzeichnet.
Abb. 113: Die Variation wichtiger anwendungstechnischer Parameter im Zuge der Bildung kaolinitischer Tone
Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung besteht in der Erkenntnis, dass kein anwendungs-
technischer Parameter kaolinitischer Tone direkt vom Ausgangsgestein „ererbt“ ist.
Bedeutend für die Zusammensetzung und damit für die anwendungstechnischen Parameter
kaolinitischer Tone ist jedoch die Intensität bzw. das Stadium der Verwitterung des Protoliths
vor seiner Umlagerung (Abb. 113).
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
215
7.3.2 Der Einfluss lagerstättenbildender Prozesse auf die Verwendungsmöglichkeiten
kaolinitischer Tone
Aus der Zusammensetzung der Verwitterungskruste und der Entwicklung der fertigungstech-
nischen Parameter kann nun versucht werden, die Entstehung kaolinitische Tone für
spezifische Anwendungen abzuleiten (Abb. 114). Dies ist jedoch nur möglich, unter der Vor-
aussetzung, dass eine einzige kaolinitische Quelle an der Zusammensetzung des Tons beteiligt
ist. Mischungen unterschiedlicher Quellen können nicht erfasst werden.
Abb. 114: Entstehung und Verwendung von Tonen spezifischer Zusammensetzung durch Umlagerung kaoliniti-
scher Verwitterungskrusten unterschiedlicher Verwitterungsintensität mit Beispielen der in dieser Arbeit
untersuchten kaolinitischen Tone
Kaolinitische Tone für die Feuerfestindustrie entstehen durch Umlagerung kaolinitischer
Verwitterungskrusten einer mittleren bis hohen Verwitterungsintensität. Die Zunahme des
Kaolinitgehalts innerhalb der Verwitterungskruste ist für die Bildung feuerfester kaoliniti-
scher Tone damit ebenso entscheidend wie der Klassierungseffekt, der eine weitere
Anreicherung der Kaolinite herbeiführt. Die Bedeutung qualitativer und quantitativer Bil-
dungsprozesse ist daher ähnlich hoch einzuschätzen. Der hohe strukturelle Fehlordnungsgrad,
die deutliche Einlagerungsfehlordnung und die Feinkörnigkeit der Kaolinite feuerfester kaoli-
nitischer Tone weist möglicherweise darauf hin, dass Bodenhorizonte an den
Umlagerungsprodukten maßgeblich beteiligt sind. Die Entstehung der feuerfesten Tone von
Wetro und Guttau ist somit auf die Umlagerung eines Kaolins zurückzuführen, der eine mitt-
lere bis hohe Verwitterungsintensität aufwies und während der Umlagerung sehr gut klassiert
wurde. Die geringe Korngröße und der hohe Anteil Kaolinit ermöglichen den Einsatz der To-
ne zur Produktion von Schamotte oder Schamottesteinen.
In der Feinkeramik sind kaolinitische Tone unterschiedlicher Zusammensetzung einsetzbar.
Steinguttone müssen neben Kaolinit einen hohen Illitanteil aufweisen, daher ist die Umlage-
rung eines Kaolins mittlerer Verwitterungsintensität am geeignetsten. Färbende Komponenten
sind teilweise von untergeordneter Bedeutung, weshalb diagenetische und andere sekundäre
Prozesse eine geringe Auswirkung besitzen.
Steinzeugtone, Sanitärkeramik und Tone für die Porzellanherstellung müssen kaolinit- und
illitreich sein sowie eine spezifische Menge Quarz enthalten. Die helle Brennfarbe der Tone
ist eine weitere Voraussetzung. Die Tone entstammen Verwitterungshorizonten oder Verwit-
terungskrusten einer geringen bis hohen Verwitterungsintensität. Der Gehalt an strukturell
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
216
geordneten und fehlgeordneten Kaoliniten ist bezüglich des Formgebungs-, Trocknungs- und
Brennverhaltens zu beachten. Die keramischen Tone von Roßbach und Wiesa sind grobkörni-
ger und mineralogisch weniger einheitlich zusammengesetzt als die feuerfesten Tone von
Wetro und Guttau. Der Verwitterungsdetritus der Wiesaer Tone entstammt den höheren Zo-
nen der kaolinitischen Verwitterungskruste, der Sortierungsgrad ist jedoch relativ gering. Die
mäßige Sortierung des Materials führte dazu, dass der Quarz teilweise nicht klassiert wurde
und der Ton somit gute Formgebungs-, Plastizitäts-, Trocknungs- und Brenneigenschaften für
den Einsatz in der feinkeramischen Industrie besitzt. Bei einer effektiveren Klassierung wäre
aus dem Wiesaer Ton ein feuerfester Ton hervorgegangen.
Die hell- bis weißbrennenden kaolinitischen Tone von Roßbach sind das Produkt der Umlage-
rung einer mittleren Zone der kaolinitischen Verwitterungskruste. Sie weisen nahezu keine
färbenden Komponenten auf und enthalten nur wenige quellfähige Dreischichtsilikate. Ebenso
wie der Wiesaer Ton besitzt der Roßbacher Ton hervorragende Eigenschaften für den Einsatz
in der feinkeramischen Industrie.
Die färbenden Komponenten der Wiesaer und Roßbacher Tone wurden vor der Umlagerung
im Zuge der Kaolinisierung oder nach der Umlagerung durch die sekundäre Bleichung der
Tone entfernt. Somit ist die Intensität der Verwitterung des Ausgangsgesteins und die sekun-
däre Zu- bzw. Abfuhr färbender Komponenten für die Bildung hell- bis weißbrennender
keramischer Tone von besonderer Bedeutung.
Als Zusatzton in der Ziegelindustrie sind sehr unterschiedlich zusammengesetzte kaoliniti-
sche Tone einsetzbar. Wichtig für die Anwendung von Ziegeltonen ist die
Korngrößenverteilung. Der Klassierungseffekt, bzw. der Grad der Sortierung der Tone ist
somit von besonderer Bedeutung. Als Zusatztone in der Ziegelindustrie könnten nach einge-
hender vorheriger Prüfung alle hier untersuchten Tone verwendet werden.
Mit zunehmender Verwitterungsintensität nimmt das Schadstoffrückhaltevermögen der Tone
innerhalb eines kaolinitischen Verwitterungsprofils ab, da sich der Anteil smektitischer Kom-
ponenten deutlich verringert. Als Deponietone eignen sich daher in besonderem Maße
kaolinitische Tone aus einer Zone höherer Verwitterungsintensität. Im Falle der Guttauer To-
ne führte die Zufuhr geringer Mengen quellfähiger Tonminerale zu einer Erhöhung der
Plastizitätseigenschaften und des Schadstoffrückhaltevermögens.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
217
8 Fazit und Ausblick
Es konnte gezeigt werden, dass kaolinitische Tonlagerstätten das komplexe Produkt zahlrei-
cher Bildungsprozesse sind. An der Genese der Tone sind Prozesse der Verwitterung, der
Bodenbildung, der Erosion, des Transports, der Sedimentation sowie diagenetische und ande-
re sekundäre Prozesse beteiligt. Die Bezeichnung von kaolinitischen Tonen als „umgelagerte
oder sekundäre Kaoline“ im Sinne eines kurzstreckigen Massentransports, ist folglich nicht
zutreffend.
Aufgrund älterer Untersuchungen und durch Kenntnis der chemischen und mineralogischen
Zusammensetzung der Ausgangsgesteine und der in-situ-Kaoline konnten die hier untersuch-
ten ostdeutschen Tone spezifischen Protolithen zugeordnet werden. Die Bildung der
kaolinitischen Tone der Oberlausitzer Lagerstätten Wetro, Guttau und Wiesa ist auf die Um-
lagerung der kaolinitischen Verwitterungskruste des Lausitzer Granodiorit-Kaolins
zurückzuführen. In Guttau ist zusätzlich die Zufuhr von Fe-Oxid und Smektit eines nahegele-
genen Basalts zu vermuten, in Wiesa ist die Beimengung von schluffreichem
Verwitterungsmaterial des Lausitzer Grauwackengebirges sehr wahrscheinlich. Die Zusam-
mensetzung des Wetroer Tons ist demgegenüber direkt aus der kaolinitischen
Verwitterungskruste des Lausitzer Granodiorits abzuleiten.
Der Roßbacher Ton bildete sich in einem Teilbecken des Geiseltabeckens bei Halle. Er ist der
Umlagerung der kaolinitischen Verwitterungskruste des Thüringer Buntsandsteins zuzuord-
nen. Neben verwitterten Sandsteinen wurde auch Detritus pelitischer Abfolgen umgelagert.
Die Entstehung der hier untersuchten Tone ist auf eine oberkretazisch-tertiäre Verwitterung
zurückzuführen, die unter humiden warmgemäßigten bis subtropischen klimatischen Bedin-
gungen intermediäre bis saure Basementgesteine in Sachsen und Sachsen-Anhalt
kaolinisierte. Mit zunehmender Verwitterungsintensität nahm der Gehalt an Kaolinit und Illit
auf Kosten quellfähiger Tonminerale innerhalb der Verwitterungskruste zu. Quarz blieb wäh-
rend des Verwitterungsprozesses weitgehend stabil. Über den Kaolinen entwickelten sich
Bodenhorizonte, deren Profile rezenten Acrisolen und Alisolen entsprechen. Über die Vegeta-
tion wurde dem Boden organische Substanz zugeführt. In den Bodenhorizonten bildeten sich
Fe-Oxide und infolge der intensivierten Verwitterung verstärkte sich die Degradation der
Dreischichtsilikate und möglicherweise auch des Kaolinits unter Bildung feinkörniger einla-
gerungsfehlgeordneter Kaolinite. Spurenelemente (Cu, Pb, Zn, Co, Ni, Cr, V) wurden im
Boden zunehmend sorptiv an die Oxide und die feinkörnigen Tonminerale gebunden.
Die Verwitterungskruste wurde durch Niederschlagswasser weitgehend erodiert und die
Komponenten nach Norden in die angrenzenden sedimentären Becken eines küstennahen
Tieflands transportiert. Die Tone wurden in Bereichen geringer Strömungsenergie, in Seen
und Altarmen von Flüssen sedimentiert. Sie sind somit Teil eines weit ausgedehnten fluviati-
len Ablagerungsraums. Die Umlagerung führte zu einer hydraulischen Klassierung des
kaolinitischen Detritus. In den Tonlagerstätten Wetro und Guttau wurden grobkörnige Quarz-
und Schwerminerale der Verwitterungskruste effektiv aussortiert und von den feinkörnigen
Tonmineralen, den Pflanzenresten und den Fe- und Ti-Oxiden getrennt. In Roßbach und Wie-
sa war die Klassierung weniger effektiv, weshalb verstärkt Quarz und untergeordnet Rutil der
Schlufffraktion im Tonsediment angereichert wurden. Inwiefern die biologische Flockung für
die Sedimentation sehr feinkörniger Tone von Bedeutung ist, konnte nicht abschliessend ge-
klärt werden.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
218
In der Regel ist die Konzentration an Spurenelementen in den Tonen gegenüber den in-situ-
Kaolinen deutlich erhöht. Der gute Erhaltungszustand des organischen Materials innerhalb der
Tone weist darauf hin, dass sich im Anschluss an die Sedimentation infolge der Überdeckung
durch Torfmoore ein anoxisches Milieu einstellte. Im Zuge der Diagenese wurden die Tone
kompaktiert. Die umgelagerten Fe-Oxide wurden in den Wetroer und Guttauer Tonen redu-
ziert und die gebundenen Metalle in sulfidischer Form innerhalb der Sedimente wieder fixiert.
Die organische Substanz der Tone unterlag der zunehmenden Inkohlung und wurde in
Weichbraunkohle umgewandelt. Möglicherweise wurden in Roßbach und Wiesa die Tone
infolge der sekundären Zufuhr sulfatischer bzw. Fe-reicher Lösungen lokal verändert.
In Sachsen und Sachsen-Anhalt erfolgte keine flächenhafte Lateritisierung im Zuge der tertiä-
ren Verwitterung, weshalb weit weniger Fe-Oxide in die Tone umgelagert wurden, als von
vielen Autoren bisher angenommen (vgl. Kap. 1.3.1). Eine sekundäre Bleichung durch saure
Lösungen aus den hangenden Braunkohlemooren ist zur Erklärung der geringen Fe-Gehalte,
beispielsweise der Tone von Roßbach und Wiesa, daher nicht notwendig. Eine sekundäre
Bleichung dieser schluffreicheren Tone ist jedoch nicht auszuschließen.
Aus der Trockenrohdichte und den Kaolinitgehalten der Kaoline und der Tone ist zu folgern,
dass in Ostdeutschland im Minimum 1,25 bis 1,5 m³ Kaolin für 1m³ Ton umgelagerten wor-
den sind.
In den Kaolinprofilen ist eine gleitende Veränderung der Kaolinitkristallinität mit der Tiefe zu
beobachten, die vermutlich auf sich ändernde Verwitterungsbedingungen innerhalb des Pro-
fils zurückzuführen ist. Aus diesem Grunde müssen Kaolinite umgelagerter kaolinitischer
Tone nicht die gleiche Kristallinität aufweisen, wie Kaolinite gleicher Korngröße der nicht
erodierten Reste des Kaolinprofils. Die Kristallinität ist daher kein geeignetes Kriterium zur
Bestimmung der Herkunft von Kaoliniten in korrelaten Sedimenten.
Während die Kristallinität der Kaolinite der Korngrößenfraktion <2 µm der hier untersuchten
Kaoline und Tone nahezu identisch ist, sind die Werte der Einlagerungsfehlordnung sehr un-
terschiedlich. Es ist zu vermuten, dass sich in den Tonen unterschiedliche Anteile
feinkörniger einlagerungsfehlgeordneter Kaolinite der Bodenhorizonte befinden. Die Wetroer,
Guttauer und Wiesaer Tone enthalten zahlreiche einlagerungsfehlgeordnete Kaolinite, daher
entstammen die Tonminerale teilweise den Bodenhorizonten der Verwitterungskruste. Die
Kaolinite der Roßbacher Tone sind weit weniger einlagerungsfehlgeordnet, weshalb die Ton-
minerale überwiegend den tieferen Zonen der Verwitterungskruste zuzuordnen sind.
Aufgrund der geringen Korngröße und des hohen Tonmineralgehalts besitzen die Wetroer und
Guttauer Tone eine höhere Plastizität und Viskosität, eine höhere Trockenschwindung und
Trockenbiegefestigkeit sowie eine höhere Brennschwindung als die quarz- und schluffreiche-
ren Roßbacher und Wiesaer Tone. Diese Parameter der Tone sind nicht vom Ausgangsgestein
„ererbt“, sondern vom Verwitterungsgrad des Ausgangsgesteins und der Effektivität des hyd-
raulischen Klassierungsprozesses abhängig. Das Ausgangsgestein der Kaolinisierung besitzt
nur einen unwesentlichen Einfluss auf die Zusammensetzung kaolinitischer Tone. In der Re-
gel können aus Kaolinen unterschiedlicher Ausgangsgesteine mineralogisch gleichartig
zusammengesetzte kaolinitische Tone entstehen
Über den Verwitterungsgrad des Ausgangsgesteins und auf Grundlage der Effektivität des
Klassierungsprozesses kann die Entstehung von kaolinitischen Tonen für spezifische Anwen-
dungen abgeleitet werden, wenn nur eine kaolinitische Quelle an der Zusammensetzung des
Tons beteiligt ist.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
219
Feuerfeste Tone entstehen, wenn sehr feinkörnige und kaolinitreiche Tone sedimentiert wer-
den. Die mineralogische Zusammensetzung der Wetroer und Guttauer Tone weist darauf hin,
dass feinkörnige einlagerungsfehlgeordnete Kaolinite der Bodenhorizonte maßgeblich am
Aufbau feuerfester Tone beteiligt sind. Somit sind qualitativ und quantitativ wirkende Bil-
dungsprozesse für feuerfeste Tone von etwa gleichrangiger Bedeutung.
Die Genese der Tone von Wiesa und Roßbach führt zu dem Schluss, dass vor allem qualitativ
wirkende Bildungsprozesse bedeutsam für die Entstehung keramischer Tone sind. Die Intensi-
tät der Verwitterung des Ausgangsgesteins sowie diagenetische und sekundäre Prozesse
regulieren die chemische und mineralogische Zusammensetzung der Tone. Der Klassie-
rungprozess ist weniger bedeutend, da die Toleranzbreite bezüglich der Korngrößenverteilung
bei geeigneter Mineralogie recht hoch ist. Zu beachten sind sekundäre Prozesse in Bezug auf
die Zu- und Abfuhr färbender Komponenten.
Zukünftig ist verstärkt zu klären, welche Bildungsprozesse an der Entstehung der tertiären
Paläoböden über Kaolinen beteiligt sind und in welchen Regionen rezent kaolinitische Tonla-
gerstätten entstehen. Dies ist notwenig, um die Entwicklung rezenter Verwitterungskrusten
und kaolinitischer Sedimente mit denen des Tertiärs vergleichen zu können. Folgende grund-
legende Fragen bezüglich der kaolinitischen Tonlagerstättenbildung sind in Zukunft zu
klären:
Ist es möglich, über die Bindungsart des Fe in Kaoliniten deren Herkunft zu bestim-
men?
Wie verhalten sich spezifische Tonminerale während Erosion, Transport und Sedi-
mentation in natürlichen terrestrischen Systemen ?
Wie verläuft die diagenetische Bildung von Kaolinit, sind Lösungs- und Neubildungs-
prozesse regional von Bedeutung ?
Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Fehlordnungsgrad bzw. der Einlagerungs-
fehlordnung von Kaoliniten und dem Gehalt an Fe oder organischer Substanz ?
Wie verändern sich die anwendungstechnischen Parameter von Kaolinit in Abhängig-
keit von der Korngröße, dem Anteil an zweiwertigen Ionen, dem strukturellen
Fehlordnungsgrad, der Einlagerungsfehlordnung und dem Gehalt an organischer Sub-
stanz?
Aus der vorliegenden Untersuchung ist zu folgern, dass ein vertieftes Wissen über die Entste-
hung von terrestrischen Tonlagerstätten sowie eine verbesserte Kenntnis der
anwendungstechnischen Parameter zu einer gezielteren Prospektion, Exploration, Qualitäts-
planung und Anwendung kaolinitischer Tone beiträgt.
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10 Anhang
1) Kalibrationsbereich und Standardabweichung des RFA-Meßprogramms
„Oxiquant“ für Schmelztabletten 239
2) Lagerstätte Caminau 240
A) Korngrößenverteilung 240
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben 241
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 242
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben 243
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 243
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm 244
3) Lagerstätte Wetro 245
A) Korngrößenverteilung 245
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben 245
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 248
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben 250
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 250
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm 251
G) Trockenrohdichte 251
4) Lagerstätte Guttau 252
A) Korngrößenverteilung 252
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben 253
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 255
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben 257
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 258
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm 259
G) Trockenrohdichte 259
5) Lagerstätte Wiesa 260
A) Korngrößenverteilung 260
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben 260
C) Chemische Zusammensetzung der Tone nach Grunge (1999) 261
D) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 262
E) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben 263
F) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 264
G) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm 264
H) Trockenrohdichte 265
6) Lagerstätte Cunnersdorf 266
A) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben (Krumb 1998) 266
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
238
7) Lagerstätte Spergau 267
A) Korngrößenverteilung 267
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben 267
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 268
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben 268
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 269
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm 269
G) Trockenrohdichte 269
8) Lagerstätte Roßbach 270
A) Korngrößenverteilung 270
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben 271
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 272
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben (XRF) 273
E) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben (XRD) 274
F) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm 275
G) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits der Fraktion <2 µm 276
H) Trockenrohdichte 276
9) An- und Abreicherungskoeffizienten der chemischen Elemente 277
A) An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente in den Gesamtproben der
Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline 277
B) An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente in der Korngrößenfrak-
tion <2 µm der Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline 277
In den Tabellen bedeutet b.d.l. = unterhalb der Nachweisgrenze
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
239
1) Kalibrationsbereich und Standardabweichung des RFA-Meßprogramms
„Oxiquant“ für Schmelztabletten
im geochemischen Zentrallabor der TU Berlin
Elemente Kalibrationsbereich Standardabweichung
SiO2 0,8 – 99,75 Gew.% ±0,50
Al2O3 0,1 – 60,00 Gew. % ±0,20
TiO2 0,02 – 4,2 Gew. % ±0,01
Fe2O3 0,06 – 85,00 Gew. % ±0,10
MgO 0,04 – 50,00 Gew. % ±0,10
CaO 0,04 – 75,00 Gew. % ±0,10
Na2O 0,04 – 12,00 Gew. % ±0,10
K2O 0,02 – 15,00 Gew. % ±0,10
P2O5 0,006 – 40,00 Gew. % ±0,05
Mn 0 – 25000 ppm ±85
As 5 – 4000 ppm ±3
Ba 8 – 5500 ppm ±17
Bi 5 – 1200 ppm ±3
Ce 16 – 2500 ppm ±10
Co 3 – 800 ppm ±4
Cr 8 – 30000 ppm ±20
Cu 4 – 7500 ppm ±18
Ga 8 – 450 ppm ±2
Hf 2 – 220 ppm ±1
La 14 – 1500 ppm ±8
Mo 2 – 800 ppm ±2
Nb 2 – 1000 ppm ±3
Nd 7 – 750 ppm ±5
Ni 2 – 3500 ppm ±12
Pb 4 – 6000 ppm ±9
Pr 11 – 250 ppm ±3
Rb 4 – 9500 ppm ±10
Sc 1 – 350 ppm ±4
Sm 6 – 120 ppm ±2
Sr 4 – 5200 ppm ±8
Th 4 – 1200 ppm ±6
U 6 – 750 ppm ±2
V 4 – 1100 ppm ±7
Y 2 – 800 ppm ±4
Zn 15 – 6000 ppm ±7
Zr 4 – 12000 ppm ±11
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
240
2) Lagerstätte Caminau
A) Korngrößenverteilung
Probe Tiefe <2 µm 2-6,3 µm 6,3-20 µm 20-63 µm >63 µm
m % % % % %
Ca 9 0,00 12,68 14,32 11,94 7,22 53,84
Ca 10 0,50 15,79 22,78 12,08 7,87 41,49
Ca 11 1,50 16,32 21,47 10,85 6,68 44,68
Ca 12 2,00 13,94 20,89 11,10 8,25 45,83
Ca 13 2,50 19,57 17,45 10,43 8,53 44,02
Ca 14 3,00 15,45 21,73 11,39 8,17 43,25
Ca 15 3,50 12,15 22,44 12,04 7,77 45,60
Ca 16 4,00 14,31 17,11 12,35 6,79 49,44
Ca 17 4,50 13,07 23,24 10,84 5,83 47,03
Ca 1 6,50 23,46 17,34 9,88 4,97 44,35
Ca 18 7,50 12,72 19,34 9,71 4,68 53,56
Ca 2 8,00 13,56 20,53 7,70 3,51 54,69
Ca 3 8,50 25,13 18,33 9,09 4,24 43,20
Ca 4 9,00 18,61 16,42 8,97 5,38 50,62
Ca 5 9,50 14,32 16,90 10,58 6,45 51,75
Ca 6 10,00 21,27 19,25 9,27 5,65 44,56
Ca 7 10,50 15,49 17,62 8,56 5,90 52,43
Ca 8 11,00 18,12 13,20 6,66 4,28 57,74
Ca 19 11,50 25,10 16,75 12,32 7,79 38,05
Ca 20 12,00 18,30 17,52 11,94 7,72 44,51
Ca 21 12,50 15,97 20,49 13,65 9,47 40,41
Ca 22 13,00 18,58 18,69 12,47 8,34 41,93
Ca 23 13,50 17,59 19,16 13,14 9,27 40,83
Ca 24 14,00 18,61 20,01 11,81 5,71 43,85
Ca 25 14,50 10,21 19,67 12,74 7,22 50,16
Ca 26 15,00 21,97 17,75 13,10 6,50 40,67
Mittelwert 17,0 18,9 10,0 6,7 46,5
St.Abw. 4,0 2,5 1,8 1,6 5,2
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
241
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben
Probe Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga
m % % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Ca 9 0,00 65,43 23,29 1,02 b.d.l. 0,24 <0.10 b.d.l. 1,03 0,52 <0.050 b.d.l. 57 b.d.l. 50 b.d.l. 28 b.d.l. 26
Ca 10 0,50 66,24 22,20 1,01 b.d.l. 0,21 <0.10 <0.20 0,84 0,52 <0.050 b.d.l. 68 b.d.l. 62 b.d.l. 28 b.d.l. 27
Ca 11 1,50 66,88 22,17 0,91 b.d.l. 0,28 <0.10 <0.20 1,14 0,54 <0.050 b.d.l. 87 b.d.l. <40 <20 <20 b.d.l. 27
Ca 12 2,00 66,27 21,81 1,56 b.d.l. 0,35 0,12 <0.20 1,43 0,53 <0.050 b.d.l. 91 b.d.l. <40 b.d.l. 29 b.d.l. 23
Ca 13 2,50 65,87 21,87 1,93 <0.020 0,25 <0.10 <0.20 0,96 0,56 <0.050 b.d.l. 82 b.d.l. 72 <20 29 b.d.l. 23
Ca 14 3,00 63,00 23,01 2,69 <0.020 0,20 0,11 <0.20 0,96 0,63 <0.050 b.d.l. 104 b.d.l. 53 <20 28 b.d.l. 30
Ca 15 3,50 67,48 19,67 2,99 <0.020 0,21 <0.10 <0.20 0,90 0,48 <0.050 b.d.l. 99 b.d.l. <40 <20 27 b.d.l. 23
Ca 16 4,00 66,51 20,72 2,61 <0.020 0,16 <0.10 <0.20 0,84 0,54 <0.050 b.d.l. 108 b.d.l. <40 <20 21 b.d.l. 24
Ca 17 4,50 67,51 20,43 2,16 b.d.l. 0,17 <0.10 <0.20 0,70 0,44 <0.050 b.d.l. 77 b.d.l. 82 b.d.l. <20 b.d.l. 24
Ca 1 6,50 67,54 19,48 2,98 <0.020 0,38 0,13 <0.20 1,43 0,51 <0.050 b.d.l. 60 b.d.l. b.d.l. <20 30 b.d.l. 31
Ca 18 7,50 72,53 17,27 2,20 b.d.l. 0,19 0,11 <0.20 0,48 0,06 <0.050 b.d.l. <50 b.d.l. <40 b.d.l. <20 b.d.l. 19
Ca 2 8,00 71,18 17,77 2,38 b.d.l. 0,28 0,11 b.d.l. 0,93 0,08 <0.050 b.d.l. 60 b.d.l. <40 <20 <20 b.d.l. 25
Ca 3 8,50 71,19 19,57 1,16 b.d.l. 0,10 0,12 b.d.l. 0,64 0,08 <0.050 b.d.l. 65 b.d.l. b.d.l. b.d.l. <20 b.d.l. 23
Ca 4 9,00 71,28 18,05 2,07 b.d.l. 0,20 0,13 <0.20 0,54 0,12 <0.050 b.d.l. <50 b.d.l. <40 b.d.l. <20 b.d.l. 17
Ca 5 9,50 67,82 20,51 1,78 b.d.l. 0,36 0,13 <0.20 1,11 0,35 <0.050 b.d.l. 57 b.d.l. 48 b.d.l. <20 b.d.l. 22
Ca 6 10,00 68,35 20,40 1,67 b.d.l. 0,24 0,13 <0.20 0,76 0,22 <0.050 b.d.l. <50 b.d.l. 55 <20 <20 b.d.l. 19
Ca 7 10,50 65,71 20,04 3,52 b.d.l. 0,38 0,16 <0.20 1,48 0,44 <0.050 b.d.l. 75 b.d.l. 51 <20 28 b.d.l. 28
Ca 8 11,00 70,85 18,98 1,27 b.d.l. 0,23 0,13 <0.20 0,67 0,30 <0.050 b.d.l. <50 b.d.l. <40 b.d.l. 27 b.d.l. 24
Ca 19 11,50 58,83 19,48 9,42 <0.020 0,32 0,16 <0.20 1,09 0,52 <0.050 b.d.l. 81 b.d.l. <40 <20 32 b.d.l. 29
Ca 20 12,00 64,02 23,54 1,69 b.d.l. 0,29 0,12 <0.20 0,67 0,43 <0.050 b.d.l. <50 b.d.l. <40 <20 30 b.d.l. 30
Ca 21 12,50 60,28 26,27 1,54 b.d.l. 0,24 0,11 <0.20 0,83 0,54 <0.050 b.d.l. 82 b.d.l. <40 <20 30 b.d.l. 30
Ca 22 13,00 63,49 24,07 1,40 b.d.l. 0,22 0,12 <0.20 1,13 0,50 <0.050 b.d.l. 111 b.d.l. <40 <20 30 b.d.l. 29
Ca 23 13,50 62,58 24,04 1,95 b.d.l. 0,19 0,12 <0.20 0,73 0,51 <0.050 b.d.l. 94 b.d.l. <40 b.d.l. 37 b.d.l. 29
Ca 24 14,00 63,61 22,00 3,41 b.d.l. 0,21 0,13 <0.20 0,89 0,43 <0.050 b.d.l. 98 b.d.l. <40 b.d.l. 30 b.d.l. 25
Ca 25 14,50 66,36 20,48 2,73 b.d.l. 0,19 0,11 <0.20 1,06 0,54 <0.050 b.d.l. 91 b.d.l. <40 <20 28 b.d.l. 30
Ca 26 15,00 52,31 20,48 12,91 0,06 0,19 0,20 <0.20 0,60 0,35 0,10 <10 66 b.d.l. <40 <20 25 b.d.l. 23
Mittelwert 65,9 21,1 2,7 0,24 0,9 0,4 25
Std.Abw. 4,4 2,2 2,6 0,1 0,3 0,2 4
Probe Tiefe Hf La Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I. SUM
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Ca 9 0,00 <6 b.d.l. 10 28 <20 <20 <15 77 17 <6 b.d.l. <20 39 37 <20 198 8,57 100
Ca 10 0,50 <6 <40 9 25 <20 <20 <15 63 <15 <6 b.d.l. <20 38 36 <20 176 8,98 100
Ca 11 1,50 <6 <40 11 18 <20 <20 <15 74 19 <6 b.d.l. <20 41 42 <20 219 8,13 100
Ca 12 2,00 <6 <40 13 <15 b.d.l. <20 <15 91 23 <6 b.d.l. <20 41 36 b.d.l. 205 7,95 100
Ca 13 2,50 <6 <40 9 27 <20 <20 <15 65 <15 <6 b.d.l. <20 41 32 23 226 8,62 100
Ca 14 3,00 <6 <40 12 <15 <20 <20 <15 73 <15 <6 b.d.l. <20 47 32 <20 262 9,55 100
Ca 15 3,50 <6 <40 11 <15 <20 <20 <15 65 <15 <6 b.d.l. <20 32 37 <20 203 8,32 100
Ca 16 4,00 <6 <40 11 22 <20 <20 <15 66 <15 <6 b.d.l. <20 43 28 <20 223 8,67 100
Ca 17 4,50 <6 b.d.l. 8 26 <20 <20 <15 57 <15 <6 b.d.l. <20 38 53 <20 164 8,64 100
Ca 1 6,50 <6 b.d.l. 11 <15 <20 <20 <15 84 19 <6 b.d.l. <20 43 46 <20 203 7,63 100
Ca 18 7,50 <6 <40 7 <15 <20 b.d.l. <15 35 <15 <6 b.d.l. <20 15 46 <20 58 7,31 100
Ca 2 8,00 <6 <40 8 b.d.l. <20 <20 <15 51 <15 <6 b.d.l. <20 <10 42 b.d.l. 65 7,47 100
Ca 3 8,50 <6 <40 9 <15 <20 <20 <15 42 <15 <6 b.d.l. <20 19 36 <20 66 7,39 100
Ca 4 9,00 <6 <40 <6 <15 <20 <20 <15 <30 <15 <6 b.d.l. <20 21 37 <20 <50 7,74 100
Ca 5 9,50 <6 <40 11 27 <20 b.d.l. <15 67 <15 <6 b.d.l. <20 31 48 <20 160 7,91 100
Ca 6 10,00 <6 b.d.l. <6 28 <20 b.d.l. <15 44 <15 <6 b.d.l. <20 25 49 <20 97 8,30 100
Ca 7 10,50 <6 <40 16 25 <20 <20 <15 83 20 <6 b.d.l. <20 37 56 <20 174 8,35 100
Ca 8 11,00 <6 b.d.l. 9 <15 <20 b.d.l. b.d.l. 45 <15 <6 b.d.l. <20 19 37 <20 125 7,64 100
Ca 19 11,50 <6 b.d.l. 11 <15 <20 <20 <15 68 <15 <6 b.d.l. <20 47 25 <20 219 10,55 100
Ca 20 12,00 <6 b.d.l. 10 <15 <20 <20 <15 50 <15 <6 <10 <20 29 40 <20 168 9,22 100
Ca 21 12,50 <6 <40 15 17 <20 <20 <15 69 17 <6 b.d.l. <20 25 41 <20 232 10,37 100
Ca 22 13,00 <6 <40 12 <15 <20 <20 <15 75 <15 <6 b.d.l. <20 30 36 <20 196 9,24 100
Ca 23 13,50 <6 b.d.l. 10 <15 <20 <20 <15 54 <15 <6 b.d.l. <20 39 45 <20 203 10,05 100
Ca 24 14,00 <6 b.d.l. 8 <15 <20 <20 <15 62 <15 <6 b.d.l. <20 38 25 <20 190 9,43 100
Ca 25 14,50 <6 <40 12 17 <20 <20 <15 69 <15 <6 b.d.l. <20 44 25 <20 191 8,81 100
Ca 26 15,00 <6 b.d.l. 10 16 <20 <20 b.d.l. 49 <15 <6 b.d.l. <20 59 26 <20 152 12,84 100
Mittelwert 10 61 34 38 169 8,8
Std.Abw. 23 17 12 9 61 1,2
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
242
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Probe Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
m % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Ca 9 0,00 43,18 33,92 1,58 0,48 0,2 1,65 2,39 0,09 1,773 <10 134 b.d.l. 156 <20 33 b.d.l. 47 <6
Ca 10 0,50 43,88 34,54 1,64 0,39 0,15 0,79 1,9 0,14 0,686 10 127 b.d.l. 123 b.d.l. 49 b.d.l. 50 <6
Ca 11 1,50 44,35 34,41 1,61 0,5 0,16 0,77 2,5 0,15 0,858 <10 148 b.d.l. <40 <20 36 b.d.l. 46 <6
Ca 12 2,00 44,28 34,66 1,72 0,43 0,15 0,83 2,2 0,13 0,779 14 124 b.d.l. <40 b.d.l. 37 b.d.l. 48 <6
Ca 13 2,50 44,22 34,07 1,94 0,49 0,15 0,42 2,28 0,17 0,441 b.d.l. 163 b.d.l. 90 <20 47 b.d.l. 46 <6
Ca 14 3,00 44,22 33,96 2,03 0,52 0,18 0,82 2,59 0,16 0,831 b.d.l. 150 b.d.l. 51 <20 49 b.d.l. 47 <6
Ca 15 3,50 44,15 34,81 2,51 0,37 0,17 0,66 2,07 0,1 0,702 b.d.l. 186 b.d.l. 79 <20 44 b.d.l. 51 <6
Ca 16 4,00 42,35 33,55 2,91 0,38 0,17 0,61 2,28 0,15 0,608 b.d.l. 229 b.d.l. 45 <20 44 b.d.l. 48 <6
Ca 17 4,50 43,12 34,74 2,24 0,26 0,16 0,83 1,49 0,13 0,859 b.d.l. 292 b.d.l. 134 <20 38 b.d.l. 43 <6
Ca 1 6,50 43,95 32,29 3,01 0,66 0,21 0,69 3,31 0,2 0,612 b.d.l. 171 b.d.l. <40 <20 46 b.d.l. 43 <6
Ca 18 7,50 44 34,77 2,97 0,25 0,22 0,6 0,92 0,05 0,62 b.d.l. 58 b.d.l. <40 <20 31 b.d.l. 41 <6
Ca 2 8,00 42,97 35,04 2,93 0,34 0,21 0,67 1,15 0,05 0,632 b.d.l. 64 b.d.l. 57 <20 29 b.d.l. 37 <6
Ca 3 8,50 43,14 34,19 2,83 0,42 0,26 1,04 1,54 0,06 0,888 <10 87 b.d.l. <40 <20 28 b.d.l. 39 <6
Ca 4 9,00 43,48 33,71 2,49 0,57 0,19 0,41 2,42 0,05 0,448 b.d.l. 87 b.d.l. <40 <20 25 b.d.l. 40 <6
Ca 5 9,50 41,62 32,06 5,28 0,61 0,32 0,8 2,23 0,11 0,53 21 113 b.d.l. <40 <20 40 b.d.l. 41 <6
Ca 6 10,00 42,91 33,83 3,54 0,42 0,18 0,24 1,76 0,06 0,373 <10 62 b.d.l. <40 <20 27 b.d.l. 36 <6
Ca 7 10,50 45,09 33,49 2,15 0,86 0,2 0,62 3,57 0,18 0,709 b.d.l. 109 b.d.l. <40 b.d.l. 37 b.d.l. 50 <6
Ca 8 11,00 43,56 34,07 2,75 0,32 0,2 0,61 1,57 0,09 0,531 b.d.l. 96 b.d.l. <40 <20 26 b.d.l. 44 <6
Ca 19 11,50 44,18 33,2 2,36 0,7 0,16 0,49 2,79 0,21 0,489 18 138 b.d.l. <40 <20 45 b.d.l. 50 <6
Ca 20 12,00 44,12 34,11 2,5 0,51 0,2 0,84 2,16 0,22 0,858 <10 151 b.d.l. <40 <20 48 b.d.l. 53 <6
Ca 21 12,50 42,94 34,26 1,8 0,36 0,16 0,81 1,87 0,18 0,811 <10 171 b.d.l. <40 <20 47 b.d.l. 48 <6
Ca 22 13,00 44,35 35,27 1,49 0,39 0,16 0,83 1,85 0,1 0,888 <10 210 b.d.l. 58 <20 49 b.d.l. 50 <6
Ca 23 13,50 44,84 36,12 1,48 0,33 0,14 0,47 1,55 0,09 0,481 <10 151 b.d.l. <40 b.d.l. 44 b.d.l. 46 <6
Ca 24 14,00 44,49 35,25 2,69 0,35 0,16 0,45 1,43 0,17 0,375 b.d.l. 125 b.d.l. <40 <20 53 b.d.l. 44 <6
Ca 25 14,50 42,43 33,56 3,46 0,44 0,2 1,19 1,93 0,18 1,248 <10 172 b.d.l. 40 <20 46 b.d.l. 47 <6
Ca 26 15,00 41,56 33,29 5,79 0,28 0,21 0,68 1,24 0,13 0,653 20 125 b.d.l. <40 <20 48 b.d.l. 46 <6
Mittelwert 43,6 34,1 2,6 0,5 0,2 0,7 2,0 0,1 0,7 140 40 45
Std.Abw. 0,9 0,9 1,1 0,1 0,04 0,3 0,6 0,1 0,3 53 9 4
Probe Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I SUM
m) ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Ca 9 0,00 69 <7 b.d.l. 63 <20 <20 <15 147 18 11 <10 93 66 36 47 <50 12,94 98,13
Ca 10 0,50 <40 <7 <6 40 <20 <20 <15 116 20 7 <10 57 83 36 27 <50 13,3 97,43
Ca 11 1,50 <40 b.d.l. <6 15 <20 <20 <15 150 19 <6 <10 55 81 25 32 <50 12,97 98,15
Ca 12 2,00 b.d.l. b.d.l. <6 20 <20 <20 <15 131 <15 <6 <10 66 65 34 <20 <50 13,45 98,95
Ca 13 2,50 b.d.l. b.d.l. <6 24 <20 22 b.d.l. 137 15 <6 b.d.l. 39 78 22 139 <50 12,74 96,81
Ca 14 3,00 <40 <7 <6 16 <20 <20 <15 151 18 <6 <10 36 80 21 26 53 12,71 98,03
Ca 15 3,50 b.d.l. <7 <6 21 35 <20 <15 123 22 <6 <10 30 68 19 43 <50 13,28 98,72
Ca 16 4,00 <40 <7 <6 17 <20 26 <15 143 <15 <6 10 40 72 24 32 <50 13,8 97,16
Ca 17 4,50 <40 <7 <6 42 <20 33 <15 97 <15 <6 20 31 68 35 <20 <50 14,1 97,85
Ca 1 6,50 b.d.l. b.d.l. <6 <15 <20 <20 <15 183 23 <6 <10 34 72 19 <20 54 12,57 97,36
Ca 18 7,50 <40 b.d.l. <6 22 <20 <20 <15 51 <15 <6 <10 41 18 17 <20 53 14,45 98,91
Ca 2 8,00 <40 b.d.l. <6 17 <20 <20 <15 64 <15 <6 <10 21 24 13 <20 75 14,49 99,5
Ca 3 8,50 <40 b.d.l. <6 20 <20 <20 <15 76 <15 <6 <10 <20 20 14 <20 81 13,68 98,06
Ca 4 9,00 b.d.l. <7 <6 <15 <20 <20 <15 113 <15 <6 b.d.l. <20 27 <10 <20 <50 13,53 97,29
Ca 5 9,50 <40 b.d.l. <6 21 <20 <20 <15 115 <15 <6 <10 31 41 15 25 78 13,7 97,69
Ca 6 10,00 b.d.l. b.d.l. <6 <15 <20 <20 <15 87 16 <6 <10 <20 32 16 <20 <50 13,71 97,07
Ca 7 10,50 <40 b.d.l. <6 21 <20 <20 <15 175 24 <6 <10 30 55 27 <20 77 11,73 98,58
Ca 8 11,00 b.d.l. b.d.l. <6 <15 <20 <20 <15 91 16 <6 <10 37 33 16 23 <50 14,34 98,2
Ca 19 11,50 b.d.l. b.d.l. <6 <15 <20 <20 <15 166 <15 <6 <10 33 60 13 <20 59 11,98 96,44
Ca 20 12,00 <40 <7 <6 17 <20 <20 <15 133 <15 <6 <10 26 53 22 31 67 13,02 98,53
Ca 21 12,50 <40 <7 <6 17 <20 <20 <15 132 <15 <6 <10 38 48 15 30 <50 13,34 96,41
Ca 22 13,00 <40 b.d.l. <6 22 <20 <20 <15 103 <15 <6 11 48 57 11 25 <50 13,45 98,65
Ca 23 13,50 b.d.l. <7 <6 <15 <20 <20 <15 94 <15 <6 <10 48 53 11 29 <50 14,04 99,4
Ca 24 14,00 b.d.l. b.d.l. <6 <15 <20 <20 <15 84 <15 <6 <10 53 57 21 26 <50 13,92 99,17
Ca 25 14,50 b.d.l. <7 <6 17 <20 30 b.d.l. 119 <15 <6 16 68 68 18 34 <50 13,37 98,07
Ca 26 15,00 b.d.l. <7 <6 <15 <20 <20 b.d.l. 89 <15 <6 <10 45 66 19 25 <50 14,35 98,26
Mittelwert
118 41 56 20 13,4
Std.Abw.
34 17 20 8 0,7
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
243
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Probe Tiefe Kaolinit Illit/Muskovit Quarz Siderit Anatas Kaolinit Illit/Muskovit Quarz Siderit
m % % % % % % % % %
Ca 9 0,00 52 10,5 36,5 <1 < 1 64,7 11,3 24,0 <1
Ca 10 0,50 50,5 8,5 38,5 <1 < 1 59,7 9,0 31,3 <1
Ca 11 1,50 48,5 11,5 39 <1 < 1 46,6 8,7 44,7 <1
Ca 12 2,00 45,5 14,5 38 <1 < 1 47,1 12,4 38,7 1,8
Ca 13 2,50 49 9,5 38,5 2 < 1 54,4 12,9 31,7 1,0
Ca 14 3,00 52 9,5 34 3 < 1 59,2 13,9 24,0 2,8
Ca 15 3,50 43,5 9 43 3,5 < 1 50,4 8,8 33,7 7,0
Ca 16 4,00 47 8,5 40,5 3 < 1 51,5 9,8 32,7 6,1
Ca 17 4,50 47 7 42 2,5 < 1 49,8 5,6 41,7 2,9
Ca 1 6,50 39,5 14,5 42,5 3 < 1 36,8 12,4 47,2 3,5
Ca 18 7,50 40,5 5 51 3 < 1 35,1 8,7 54,7 1,6
Ca 2 8,00 39 9,5 49 2,5 < 1 31,0 9,9 56,3 2,8
Ca 3 8,50 45 6,5 47 <1 < 1 45,3 18,2 36,5 <1
Ca 4 9,00 42 5,5 49 2,5 < 1 36,9 8,0 53,7 1,4
Ca 5 9,50 44,5 11,5 42 1,5 < 1 44,2 15,0 39,0 1,8
Ca 6 10,00 46,5 7,5 43 1,5 < 1 33,6 11,1 54,0 1,3
Ca 7 10,50 40,5 15 40 3,5 < 1 42,9 20,6 32,3 4,2
Ca 8 11,00 43,5 7 47,5 1 < 1 44,4 10,0 44,7 <1
Ca 19 11,50 42 11 34 [13] < 1 37,9 7,7 44,5 [9,8]
Ca 20 12,00 55,5 7 35 1,5 < 1 55,6 6,7 36,7 1,0
Ca 21 12,50 61 8,5 27,5 1 < 1 43,4 5,1 50,2 1,2
Ca 22 13,00 53,5 11,5 33 <1 < 1 57,1 10,6 31,4 <1
Ca 23 13,50 56 7,5 33 2 < 1 37,5 4,3 55,7 2,6
Ca 24 14,00 49,5 9,5 36 4 < 1 - - - -
Ca 25 14,50 44,5 11 40,5 3 < 1 49,9 8,2 39,7 2,3
Ca 26 15,00 47,5 6,5 27 [19,5] < 1 39,6 8,8 37,3 [14,2]
Mittelwert 47,1 9,4 39,5 2 < 1 46,2 10,3 40,7 ca. 20
St.Abw. 5,5 2,7 6,2 1,2 - 9,0 3,8 9,7 1,8
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Probe Kaolinit Illit Siderit Quarz Anatas Kaolinit Illit
% % % % % % %
Ca 9 70 30 < 2 < 2 < 1 65 35
Ca 10 77 23 < 2 < 2 < 1 54 46
Ca 11 70 30 < 2 < 2 < 1 84 16
Ca 12 72 28 < 2 < 2 < 1 85 15
Ca 13 74 26 < 2 < 2 < 1 69 31
Ca 14 69 31 < 2 < 2 < 1 68 32
Ca 15 74 26 < 2 < 2 < 1 77 23
Ca 16 70 30 < 2 < 2 < 1 62 38
Ca 17 80 20 < 2 < 2 < 1 81 19
Ca 1 59 41 < 2 < 2 < 1 66 34
Ca 18 89 11 < 2 < 2 < 1 73 27
Ca 2 86 14 < 2 < 2 < 1 66 34
Ca 3 87 13 < 2 < 2 < 1 68 32
Ca 4 73 27 < 2 < 2 < 1 71 29
Ca 5 72 28 < 3 < 2 < 1 65 35
Ca 6 80 20 < 2 < 2 < 1 70 30
Ca 7 66 34 < 2 < 2 < 1 66 34
Ca 8 83 17 < 2 < 2 < 1 77 23
Ca 19 65 35 < 2 < 2 < 1 88 12
Ca 20 72 28 < 2 < 2 < 1 61 39
Ca 21 77 23 < 2 < 2 < 1 68 32
Ca 22 77 23 < 2 < 2 < 1 74 26
Ca 23 79 21 < 2 < 2 < 1 74 26
Ca 24 82 18 < 2 < 2 < 1 75 25
Ca 25 76 24 < 2 < 2 < 1 79 21
Ca 26 85 15 5 < 2 < 1 72 28
Mittelwert 75,5 24,5 <2 <2 <1 71,4 28,6
St.Abw. 7,4 7,4 - - - 7,8 7,8
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
244
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits
der Fraktion <2 µm
Probe Tiefe Halbwertsbreite Aufweitung mit DMSO
m °2Theta %
Ca 9 0,00 0,47 [58,8]
Ca 10 0,50 0,49 94,5
Ca 11 1,50 0,49 88,7
Ca 12 2,00 0,47 94,4
Ca 13 2,50 0,51 96,4
Ca 14 3,00 0,51 94,2
Ca 15 3,50 0,48 94,2
Ca 16 4,00 0,48 94,1
Ca 17 4,50 0,47 93,2
Ca 1 6,50 0,49 94,6
Ca 18 7,50 0,53 97,3
Ca 2 8,00 0,52 93,1
Ca 3 8,50 0,52 98,4
Ca 4 9,00 0,57 97,6
Ca 5 9,50 0,57 99,4
Ca 6 10,00 - 99,4
Ca 7 10,50 0,57 97,9
Ca 8 11,00 0,57 99,1
Ca 19 11,50 0,55 97,1
Ca 20 12,00 0,55 [85,89]
Ca 21 12,50 0,51 97,7
Ca 22 13,00 0,61 97,1
Ca 23 13,50 0,53 98,7
Ca 24 14,00 0,54 98,8
Ca 25 14,50 0,48 93,5
Ca 26 15,00 0,60 96,7
Mittelwert 0,52 96,1
Standard.Abw. 0,04 2,6
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
245
3) Lagerstätte Wetro
A) Korngrößenverteilung
Probe Tiefe < 2 µm 2-6,3 µm 6,3-63 µm >63 µm
Oberer Ton m % % % %
We 1 92,58 3,77 1,84 1,81
We 6 95,85 1,84 1,34 0,97
We 19 97,11 1,23 0,76 0,90
We 21 95,78 1,50 0,81 1,91
Mittelwert 95,3 2,1 1,2 1,4
St.Abw. 1,9 1,2 0,5 0,5
Kohleflöz
We 20 25,79 18,68 10,13 45,40
We 18 18,55 12,54 12,97 55,93
Unterer Ton
We 15 0,25 98,37 1,01 0,31 0,30
We 10 0,3 98,31 1,03 0,31 0,35
We 13 0,4 98,15 1,27 0,36 0,22
We 3 0,7 98,47 0,91 0,36 0,25
We 16 0,7 98,29 0,89 0,66 0,17
We 4 1,1 99,10 0,62 0,17 0,11
We 23 1,15 97,71 1,13 0,62 0,54
We 9 1,2 98,30 1,16 0,37 0,18
We 12 1,3 98,72 0,71 0,33 0,24
We 24 1,3 98,27 1,04 0,56 0,13
We 7 1,45 97,49 0,74 0,30 [1,47]
We 2 1,6 98,48 0,88 0,41 0,23
We 5 1,7 99,27 0,41 0,10 0,22
We 11 1,8 98,65 0,78 0,38 0,19
We 8 1,9 98,45 1,06 0,34 0,15
We 14 1,95 97,75 1,11 0,33 0,81
We 25 2,0 98,06 0,85 0,52 0,57
We 22 2,3 98,63 0,78 0,41 0,18
Mittelwert 98,4 0,9 0,4 0,3
St.Abw. 0,5 0,2 0,1 0,2
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben
Oberer Ton SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5
% % % % % % % % % %
We 1 43,59 34,41 1,56 <0.020 0,33 0,4 b.d.l. 0,7 0,92 <0.050
We 6 42,81 34 1,41 <0.020 0,32 0,45 b.d.l. 0,67 0,89 <0.050
We 19 43,58 34,42 1,54 <0.020 0,31 0,4 b.d.l. 0,7 0,92 <0.050
We 21 42,76 33,56 1,62 <0.020 0,33 0,4 b.d.l. 0,81 0,96 <0.050
Mittelwerte 43,2 34,1 1,5 0,3 0,4 0,7 0,9
Std.Abw. 0,5 0,4 0,1 0,01 0,03 0,06 0,03
Kohleflöz
We 20 9,17 7,6 0,91 <0.020 0,2 1,65 b.d.l. 0,19 0,25 <0.050
We 18 8,3 6,88 1,6 <0.020 0,18 1,56 b.d.l. 0,18 0,23 <0.050
Unterer Ton Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5
m % % % % % % % % % %
We 15 0,25 46,07 32,92 1,93 <0.020 0,47 0,33 b.d.l. 2,06 2,16 0,064
We 10 0,3 45,98 33,16 1,96 <0.020 0,43 0,34 b.d.l. 1,9 2,00 0,055
We 13 0,4 46,36 32,76 1,93 <0.020 0,45 0,32 b.d.l. 2,06 2,27 0,058
We 3 0,7 46,18 33,5 1,96 <0.020 0,45 0,31 b.d.l. 1,87 1,97 <0.050
We 16 0,7 45,31 34,1 1,91 <0.020 0,41 0,34 b.d.l. 1,56 1,50 <0.050
We 4 1,1 45,57 34,39 1,89 <0.020 0,4 0,33 b.d.l. 1,62 1,53 <0.050
We 23 1,15 45,64 34,51 1,89 <0.020 0,43 0,32 b.d.l. 1,6 1,46 <0.050
We 9 1,2 45,91 34,3 1,88 <0.020 0,41 0,31 b.d.l. 1,68 1,66 <0.050
We 12 1,3 45,66 34,29 1,9 <0.020 0,41 0,31 <0.20 1,7 1,59 <0.050
We 24 1,3 45,18 34,5 1,85 <0.020 0,42 0,31 b.d.l. 1,54 1,40 <0.050
We 7 1,45 45,15 34,52 1,86 <0.020 0,4 0,34 b.d.l. 1,44 1,38 <0.050
We 2 1,6 45,03 34,67 1,79 <0.020 0,42 0,32 b.d.l. 1,4 1,38 <0.050
We 5 1,7 45,44 34,52 1,89 <0.020 0,42 0,31 b.d.l. 1,54 1,41 <0.050
We 11 1,8 45,03 33,93 1,82 <0.020 0,43 0,33 b.d.l. 1,62 1,53 0,051
We 8 1,9 44,68 33,93 1,78 <0.020 0,39 0,34 b.d.l. 1,51 1,45 <0.050
We 14 1,95 44,48 33,81 1,81 <0.020 0,44 0,33 b.d.l. 1,55 1,47 <0.050
We 25 2 44,28 33,49 1,77 <0.020 0,43 0,34 <0.20 1,57 1,47 <0.050
We 22 2,3 44,75 33,94 1,76 <0.020 0,4 0,34 b.d.l. 1,53 1,52 <0.050
Mittelwerte 45,4 34 1,9 0,4 0,3 1,7 1,6
Std.Abw. 0,6 0,6 0,1 0,02 0,01 0,2 0,3
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
246
Oberer Ton As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 1 14 258 <10 <40 <20 61 24 63 <6
We 6 <10 232 <10 49 <20 66 21 65 <6
We 19 <10 251 <10 <40 <20 56 <20 63 <6
We 21 <10 292 <10 49 <20 65 21 56 <6
Mittelwerte 258 62 20 62
Std.Abw. 25 5 4 4
Kohleflöz
We 20 29 86 <10 <40 <20 75 <20 12 <6
We 18 19 81 <40 <20 73 33 12 <6
Unterer Ton Tiefe As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 15 0,25 <10 699 <10 69 <20 87 <20 56 <6
We 10 0,3 <10 643 <10 64 <20 88 <20 58 <6
We 13 0,4 <10 688 <10 83 <20 79 <20 66 <6
We 3 0,7 12 612 <10 64 <20 94 39 66 <6
We 16 0,7 <10 474 <10 <40 <20 92 <20 64 <6
We 4 1,1 <10 541 <10 45 <20 90 25 68 <6
We 23 1,15 <10 509 <10 <40 <20 84 <20 71 <6
We 9 1,2 <10 547 10 51 <20 96 29 66 <6
We 12 1,3 <10 529 <10 53 <20 83 <20 69 <6
We 24 1,3 <10 460 <10 <40 <20 84 <20 68 <6
We 7 1,45 <10 471 <10 42 <20 89 45 66 <6
We 2 1,6 <10 450 <10 45 <20 79 <20 72 <6
We 5 1,7 <10 485 <10 <40 <20 95 33 68 <6
We 11 1,8 <10 550 <10 52 <20 93 <20 68 <6
We 8 1,9 <10 461 <10 45 <20 85 <20 68 <6
We 14 1,95 <10 482 <10 <40 <20 97 <20 70 <6
We 25 2 <10 498 <10 51 <20 93 <20 65 <6
We 22 2,3 <10 492 <10 <40 <20 89 <20 67 <6
Mittelwerte 533 89 66
Std.Abw. 78 5,6 4
Oberer Ton Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 1 79 <7 23 <15 36 31 <15 44 17
We 6 53 <7 18 16 34 <20 <15 46 <15
We 19 63 <7 21 <15 44 <20 <15 51 <15
We 21 75 <7 21 20 40 21 <15 56 <15
Mittelwerte 68 21 39 49
Std.Abw. 12 2 4 5
Kohleflöz
We 20 21 <7 5 <15 13 <20 <15 16 <15
We 18 23 <7 5 <15 21 <20 <15 16 <15
Unterer Ton
Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 15 0,25 112 <7 36 33 44 40 19 141 19
We 10 0,3 138 <7 36 30 44 40 22 132 18
We 13 0,4 151 <7 40 36 45 43 25 142 <15
We 3 0,7 117 <7 34 25 43 34 19 123 20
We 16 0,7 75 <7 27 <15 47 22 <15 106 <15
We 4 1,1 167 <7 31 17 44 27 27 116 <15
We 23 1,15 86 <7 28 <15 49 25 <15 105 18
We 9 1,2 81 <7 28 17 45 26 <15 114 <15
We 12 1,3 87 <7 29 20 45 25 <15 112 <15
We 24 1,3 76 <7 25 <15 45 23 <15 104 21
We 7 1,45 96 <7 25 <15 43 30 15 101 25
We 2 1,6 75 <7 25 <15 41 24 <15 103 <15
We 5 1,7 98 <7 27 <15 43 28 17 108 16
We 11 1,8 76 <7 29 <15 42 29 <15 110 16
We 8 1,9 73 <7 26 22 45 29 <15 103 <15
We 14 1,95 94 <7 26 17 44 27 16 104 18
We 25 2 123 <7 28 26 47 27 20 104 <15
We 22 2,3 95 <7 27 19 48 27 16 101 15
Mittelwerte 101 29 45 29 113
Std.Abw. 28 4 2 6 13
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
247
Oberer Ton Tiefe Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I SUM
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
We 1 <6 30 <20 103 <10 31 <50 18,25 100,02
We 6 <6 28 <20 102 <10 27 53 19,37 99,72
We 19 <6 27 <20 88 <10 33 <50 18,4 100,06
We 21 <6 28 <20 85 <10 30 <50 19,68 100,05
Mittelwerte 28 95 30 18,9
Std.Abw. 1 9 3 0,7
Kohleflöz
We 20 <6 26 <20 95 <10 13 <50 78,91 100
We 18 <6 26 <20 99 <10 54 <50 78,65 100
Unterer Ton
Tiefe Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I SUM
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
We 15 0,25 6 52 <20 141 16 38 74 14,22 100,09
We 10 0,3 6 45 <20 144 15 35 70 14,42 100,13
We 13 0,4 6 54 <20 150 17 37 82 13,48 99,56
We 3 0,7 <6 45 <20 144 14 55 68 13,93 100,06
We 16 0,7 <6 36 <20 130 10 35 <50 15,15 100,15
We 4 1,1 <6 35 <20 129 <10 37 <50 14,7 100,25
We 23 1,15 <6 33 <20 127 <10 40 <50 14,92 100,66
We 9 1,2 <6 39 <20 131 <10 37 52 14,34 100,36
We 12 1,3 <6 37 <20 130 11 37 51 14,44 100,26
We 24 1,3 <6 35 <20 119 <10 34 <50 14,74 99,8
We 7 1,45 <6 33 <20 129 <10 41 <50 15,55 100,47
We 2 1,6 <6 33 <20 123 <10 30 <50 15,29 100,12
We 5 1,7 <6 31 <20 126 <10 33 <50 14,97 100,36
We 11 1,8 <6 38 <20 128 10 40 <50 15,31 99,92
We 8 1,9 <6 36 <20 135 <10 37 <50 16,27 100,2
We 14 1,95 <6 35 <20 129 <10 36 <50 15,43 99,15
We 25 2 <6 36 <20 129 <10 36 <50 16,68 100,01
We 22 2,3 <6 37 <20 135 <10 50 <50 15,8 99,93
Mittelwerte 38 132 38 15,0
Std.Abw. 6 8 6 0,8
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
248
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Oberer Ton Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MgO CaO K2O TiO2 P2O5
m % % % % % % % %
We 1 39,63 31,8 1,38 0,23 0,5 0,71 0,89 0,207
We 6 42,84 34,68 1,44 0,24 0,4 0,67 0,88 0,124
We 19 43,13 34,47 1,55 0,25 0,39 0,71 0,91 0,101
We 21 43,25 34,36 1,64 0,28 0,38 0,81 0,97 0,099
Mittelwerte 42,2 33,8 1,5 0,3 0,4 0,7 0,9 0,1
Std.Abw. 1,7 1,4 0,1 0,02 0,06 0,06 0,04 0,1
Unterer Ton Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MgO CaO K2O TiO2 P2O5
m % % % % % % % %
We 15 0,25 45,16 32,74 1,93 0,38 0,35 1,88 2,02 0,126
We 10 0,3 42,93 31,3 1,91 0,33 0,34 1,76 2,09 0,153
We 13 0,4 45 33,21 1,89 0,34 0,35 1,75 1,74 0,122
We 3 0,7 44,94 33,31 1,92 0,36 0,34 1,72 1,69 0,14
We 16 0,7 44,29 33,46 1,86 0,34 0,38 1,44 1,53 0,126
We 4 1,1 44,98 34,2 1,9 0,34 0,33 1,62 1,52 0,137
We 23 1,15 44,45 33,9 1,87 0,31 0,33 1,56 1,52 0,114
We 9 1,2 43,68 33,12 1,83 0,32 0,31 1,68 1,58 0,11
We 12 1,3 44,78 33,9 1,86 0,34 0,33 1,67 1,55 0,104
We 24 1,3 44,57 33,89 1,88 0,37 0,34 1,51 1,51 0,128
We 7 1,45 44,13 34,31 1,84 0,34 0,34 1,47 1,34 0,111
We 2 1,6 44,47 33,87 1,8 0,35 0,34 1,51 1,49 0,109
We 5 1,7 42,93 32,95 1,79 0,35 0,31 1,56 1,37 0,115
We 11 1,8 44,01 34,04 1,85 0,32 0,36 1,48 1,36 0,148
We 8 1,9 44,06 33,86 1,79 0,32 0,36 1,45 1,4 0,14
We 14 1,95 44,05 33,02 1,75 0,35 0,34 1,64 1,62 0,096
We 25 2 43,66 33,77 1,76 0,33 0,37 1,44 1,37 0,099
We 22 2,3 44,74 33,46 1,77 0,34 0,35 1,64 1,68 0,11
Mittelwerte 44,3 33,5 1,8 0,3 0,3 1,6 1,6 0,1
Std.Abw. 0,7 0,7 0,1 0,02 0,02 0,1 0,2 0,02
Oberer Ton Tiefe As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 1 <10 225 b.d.l. 62 <20 73 30 53 <6.0
We 6 <10 200 b.d.l. <40 <20 68 24 56 <6.0
We 19 <10 218 b.d.l. <40 <20 74 <20 57 <6.0
We 21 <10 249 b.d.l. <40 <20 64 21 54 <6.0
Mittelwerte 223 70 55
Std.Abw. 20 5 2
Unterer Ton Tiefe As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
m ppm ppm b.d.l. ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 15 0,25 <10 596 b.d.l. 68 <20 93 <20 57 <6.0
We 10 0,3 <10 556 b.d.l. <40 <20 91 <20 52 <6.0
We 13 0,4 <10 537 b.d.l. 60 <20 94 <20 56 <6.0
We 3 0,7 <10 509 b.d.l. 47 <20 88 <20 59 <6.0
We 16 0,7 <10 418 b.d.l. 43 <20 101 <20 63 <6.0
We 4 1,1 <10 455 b.d.l. <40 <20 95 <20 65 <6.0
We 23 1,15 <10 436 b.d.l. <40 <20 87 <20 58 <6.0
We 9 1,2 <10 521 b.d.l. 43 <20 92 <20 59 <6.0
We 12 1,3 <10 507 b.d.l. 40 <20 94 <20 61 <6.0
We 24 1,3 <10 434 b.d.l. <40 <20 89 <20 63 <6.0
We 7 1,45 <10 427 b.d.l. 42 <20 95 <20 60 <6.0
We 2 1,6 <10 460 b.d.l. 54 <20 86 24 61 <6.0
We 5 1,7 <10 455 b.d.l. <40 <20 82 <20 63 <6.0
We 11 1,8 <10 429 b.d.l. <40 <20 96 <20 61 <6.0
We 8 1,9 <10 418 b.d.l. <40 <20 95 <20 66 <6.0
We 14 1,95 <10 505 b.d.l. 54 <20 97 24 60 <6.0
We 25 2 <10 407 b.d.l. <40 <20 92 <20 67 <6.0
We 22 2,3 <10 497 b.d.l. 57 <20 102 21 67 <6.0
Mittelwerte 476 93 61
Std.Abw. 54 5 4
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
249
Oberer Ton Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 1 67 <7 19 25 29 28 <15 40 <15
We 6 45 <7 19 <15 40 <20 <15 50 <15
We 19 63 b.d.l. 19 <15 38 <20 <15 44 <15
We 21 71 <7 20 <15 36 <20 <15 53 <15
Mittelwerte 62 19 36 47
Std.Abw. 11 0,5 5 6
Unterer Ton
Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
We 15 0,25 80 <7 33 28 40 34 <15 134 16
We 10 0,3 89 <7 34 26 39 31 <15 121 19
We 13 0,4 80 <7 30 27 38 28 <15 114 <15
We 3 0,7 62 <7 26 15 40 23 <15 107 16
We 16 0,7 47 <7 25 <15 42 24 <15 95 <15
We 4 1,1 61 b.d.l. 25 20 39 23 <15 105 <15
We 23 1,15 52 <7 25 22 41 23 <15 98 <15
We 9 1,2 51 <7 26 18 38 24 <15 107 <15
We 12 1,3 73 b.d.l. 24 16 38 21 <15 103 <15
We 24 1,3 45 <7 24 20 40 22 <15 105 <15
We 7 1,45 67 <7 22 22 38 <20 <15 91 <15
We 2 1,6 <40 <7 22 23 42 24 <15 107 17
We 5 1,7 60 <7 22 <15 40 <20 <15 103 16
We 11 1,8 55 b.d.l. 23 <15 38 <20 <15 100 16
We 8 1,9 58 <7 25 <15 37 25 <15 96 <15
We 14 1,95 59 <7 25 24 39 27 <15 100 19
We 25 2 51 <7 22 <15 40 <20 <15 91 21
We 22 2,3 75 <7 26 26 36 31 <15 104 17
Mittelwerte 60 24 38 99
Std.Abw. 8 2 2 5
Oberer Ton Tiefe Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I SUM
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
We 1 <6 27 <20 105 <10 31 <50 23,91 99,16
We 6 <6 24 <20 95 <10 30 <50 18,36 99,39
We 19 <6 23 <20 88 <10 34 <50 18,12 99,67
We 21 <6 24 <20 87 <10 28 <50 18,62 100,19
Mittelwerte 25 94 31 20
Std.Abw. 2 8 3 3
Unterer Ton
Tiefe Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I SUM
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
We 15 0,25 <6 45 <20 121 15 37 75 15,1 99,54
We 10 0,3 <6 43 <20 130 14 40 76 19,04 99,71
We 13 0,4 <6 38 <20 120 13 39 85 15,14 99,4
We 3 0,7 <6 37 <20 122 13 36 60 15,41 99,68
We 16 0,7 <6 33 <20 127 <10 45 52 16,02 99,31
We 4 1,1 <6 33 <20 111 10 39 53 15,3 100,16
We 23 1,15 <6 32 <20 123 <10 50 <50 15,42 99,28
We 9 1,2 <6 34 <20 117 11 33 54 17,36 99,8
We 12 1,3 <6 34 <20 110 <10 37 <50 15,22 99,54
We 24 1,3 <6 32 <20 122 <10 52 51 15,67 99,74
We 7 1,45 <6 30 <20 113 <10 36 <50 15,8 99,58
We 2 1,6 <6 32 <20 112 <10 45 52 15,68 99,45
We 5 1,7 <6 31 <20 108 <10 38 <50 19,02 100,2
We 11 1,8 <6 31 <20 115 <10 48 <50 16,09 99,51
We 8 1,9 <6 33 <20 116 <10 44 54 16,49 99,71
We 14 1,95 <6 34 <20 108 11 35 54 16,87 99,52
We 25 2 <6 31 <20 121 <10 41 <50 17,42 100,05
We 22 2,3 <6 36 <20 129 11 44 59 16,3 100,2
Mittelwerte 33 116 42 17
Std.Abw. 2 8 5 1,1
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
250
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben
Oberer Ton Tiefe Kaolinit Illit/Muskovit Quarz Pyrit / Markasit Anatas Rest (u.a. Corg)
m % % % % % %
We 1 85 8 <2 <2 <1 4,5
We 6 83 8 <2 <2 <1 7,0
We 19 83 9 <2 <2 <1 5,5
We 21 81 10 <2 <2 <1 6,5
Mittelwert 83 9 <2 <2 <1 5,9
St.Abw. 1,6 0,9 - - - -
Kohleflöz
We 20 18 2 <2 3 <1 -
We 18 19 3 <2 2 <1 -
Unterer Ton
We 15 0,25 67 25 <2 <2 <1 3,5
We 10 0,3 69 24 <2 <2 <1 3,5
We 13 0,4 66 25 2,5 <2 <1 2,5
We 3 0,7 71 22 <2 <2 <1 3,5
We 16 0,7 74 19 <2 <2 <2 4,0
We 4 1,1 75 19 <2 <2 <2 5,0
We 23 1,15 75 20 <2 <2 <2 3,0
We 9 1,2 74 21 <2 <2 <2 3,5
We 12 1,3 75 19 <2 <2 <2 3,0
We 24 1,3 74 21 <2 <2 <2 3,0
We 7 1,45 77 18 <2 <2 <2 4,0
We 2 1,6 79 16 <2 <2 <2 3,5
We 5 1,7 77 18 <2 <2 <2 3,5
We 11 1,8 73 20 <2 <2 <2 4,0
We 8 1,9 74 19 <2 <2 <2 4,0
We 14 1,95 74 19 <2 <2 <2 4,0
We 25 2 73 19 <2 <2 <2 3,5
We 22 2,3 75 19 <2 <2 <2 4,0
Mittelwert 73,5 20,2 <2 <2 <2 3,7
St.Abw. 3,3 2,5 - - - -
Keine quantitative Auswertung mittels XRD. Der Gehalt an Quarz und Illit/Muskovit liegt in
den Pulverpräparaten teilweise nahe der Nachweisgrenze.
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Oberer Ton Tiefe Illit/Muskovit Kaolinit Quarz Pyrit / Markasit Anatas Smektit Rest (u.a. Corg) Illit/Muskovit Kaolinit Smektit
m % % % % % % % % % %
We 1 8,0 75,0 <2 2,0 <1 <5 7,5 2 98 <5
We 6 7,5 81,5 <2 2,5 <1 <5 5,0 3 97 <5
We 19 9,0 80,0 <2 2,5 <1 <5 5,5 2 98 <5
We 21 9,0 80,0 <2 2,5 <1 <5 5,0 7 93 <5
Mittelwert 8,4 79,2 <2 2,4 <1 <5 5,8 3,5 96,5 <5
St.Abw. 0,8 2,9 - 0,3 - - 1,2 2,3 2,3 -
Unterer Ton
We 15 0,25 21,0 67,0 <2 2,0 2,0 <5 3,5 24 76 <5
We 10 0,3 21,0 65,0 <2 2,0 2,0 <5 4,0 22 78 <5
We 13 0,4 21,0 68,0 <2 2,0 1,5 <5 4,0 22 78 <5
We 3 0,7 21,0 69,0 <2 2,0 1,5 <5 3,5 21 79 <5
We 16 0,7 17,5 71,0 <2 2,0 1,5 <5 4,0 16 84 <5
We 4 1,1 19,5 71,5 <2 2,0 1,5 <5 3,5 17 83 <5
We 23 1,15 19,0 72,0 <2 2,0 1,5 <5 3,5 11 89 <5
We 9 1,2 19,5 69,5 <2 2,0 1,5 <5 4,5 19 81 <5
We 12 1,3 19,5 71,5 <2 2,0 1,5 <5 3,5 15 85 <5
We 24 1,3 18,0 72,0 <2 2,0 1,5 <5 4,0 18 82 <5
We 7 1,45 17,5 73,5 <2 2,0 1,5 <5 4,0 15 85 <5
We 2 1,6 18,0 72,0 <2 2,0 1,5 <5 3,5 15 85 <5
We 5 1,7 18,5 69,5 <2 2,0 1,5 <5 5,0 17 83 <5
We 11 1,8 18,0 73,0 <2 2,0 1,0 <5 4,0 16 84 <5
We 8 1,9 17,5 72,5 <2 2,0 1,5 <5 4,5 10 90 <5
We 14 1,95 19,5 69,0 <2 2,0 1,5 <5 4,5 12 88 <5
We 25 2 17,0 72,5 <2 2,0 1,5 <5 5,0 13 87 <5
We 22 2,3 19,0 70,0 <2 2,0 1,5 <5 4,0 17 83 <5
Mittelwert 19,0 70,5 <2 2,0 1,5 <5 4,0 16,7 83,3 <5
St.Abw. 1,4 2,3 - - 0,2 - 0,5 3,9 3,9 -
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
251
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits
der Fraktion <2 µm
Tiefe Halbwertsbreite Aufweitung mit DMSO
Oberer Ton m °2Theta %
We 1 0,42 23,5
We 6 0,43 14,4
We 19 0,44 0,0
We 21 0,42 5,2
Mittelwert 0,43 10,8
St.Abw. 0,01 10,4
Kohleflöz
We 20 0,42 0,0
We 18 0,42 0,0
Unterer Ton
We 15 0,25 0,42 33,5
We 10 0,3 0,43 72,3
We 13 0,4 0,44 32,2
We 3 0,7 0,42 63,2
We 16 0,7 0,42 -
We 4 1,1 0,43 53,8
We 23 1,15 0,44 -
We 9 1,2 0,41 66,5
We 12 1,3 0,42 30,0
We 24 1,3 0,41 51,7
We 7 1,45 0,44 52,6
We 2 1,6 0,45 55,4
We 5 1,7 0,42 61,3
We 11 1,8 0,44 52,8
We 8 1,9 0,42 48,9
We 14 1,95 0,40 19,4
We 25 2 0,44 10,8
We 22 2,3 0,43 52,3
Mittelwert 0,43 47,3
St.Abw. 0,01 17,3
G) Trockenrohdichte
Trockenrohdichte
Oberer Ton (g/cm³)
We 6 1,38
Unterer Ton
We 4 1,46
We 7 1,38
We2 1,45
We 5 1,38
Mittelwert 1,42
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
252
4) Lagerstätte Guttau
A) Korngrößenverteilung
Oberer Ton < 2 µm 2 - 6,3µm 6,3 - 20µm 20 - 63µm > 63 µm
% % % % %
Profil 1
Gu 1 98,40 0,62 0,84 0,02 0,12
Gu 2 97,75 0,90 0,45 0,01 0,89
Gu 2a 89,49 1,39 1,67 0,61 6,84
Gu 3 93,95 2,38 1,65 0,14 1,88
Gu 4 97,93 0,81 0,44 0,02 0,80
Gu 5 98,70 0,52 0,46 0,12 0,20
Gu 6 96,24 1,96 0,26 0,50 1,04
Gu 7 77,9 4,74 4,71 2,76 9,86
Gu 8 98,98 0,49 0,33 0,14 0,06
Gu 9 99,12 0,57 0,14 0,12 0,05
Gu 11 88,31 4,41 3,22 0,93 3,13
Gu 13 92,28 3,66 2,59 0,73 0,73
Gu 14 80,60 10,75 6,27 1,70 0,69
Gu 15 96,80 1,90 0,78 0,22 0,30
Profil 2
Gu 26 97,17 0,96 0,49 0,05 1,32
Gu 27 95,40 1,57 1,17 0,10 1,75
Gu 28 95,94 0,66 1,36 0,43 1,60
Gu 29 74,40 6,28 5,16 4,03 10,13
Gu 30 88,94 3,85 2,81 1,24 3,17
Gu 31 98,83 0,59 0,29 0,05 0,25
Gu 32 97,03 1,89 0,54 0,19 0,36
Gu 33 81,97 4,82 2,58 1,46 9,17
Gu 34 82,13 6,05 3,33 2,67 5,83
Gu 35 95,81 1,36 0,52 0,32 1,99
Gu 36 73,26 6,82 3,29 1,36 15,27
Gu 37 60,74 3,23 3,22 1,48 31,32
Gu 38 75,51 9,27 5,12 1,62 8,48
Gu 39 98,54 0,43 0,26 0,11 0,66
Gu 40 99,25 0,16 0,15 0,10 0,35
Mittelwert 92,6 2,7 1,6 0,6 2,6
St.Abw. 7,8 2,8 1,6 0,7 3,7
Unterer Ton
Profil 1
Gu 18 98,62 0,53 0,47 0,10 0,28
Gu 19 99,00 0,51 0,39 0,07 0,02
Gu 20 98,53 0,91 0,42 0,03 0,11
Gu 21 97,83 1,18 0,37 0,12 0,50
Gu 22 95,42 2,34 0,83 0,03 1,38
Gu 23 95,03 2,51 0,67 0,13 1,66
Gu 24 93,30 4,15 1,00 0,09 1,46
Gu 25 75,11 20,11 3,14 0,01 1,63
Profil 2
Gu 41 96,45 2,38 0,73 0,19 0,25
Gu 42 97,70 1,17 0,30 0,06 0,76
Gu 43 95,75 1,65 0,54 0,04 2,02
Gu 44 83,10 12,97 2,04 0,27 1,63
Mittelwert 96,8 1,7 0,6 0,1 0,8
St.Abw. 1,9 1,1 0,2 0,05 0,7
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
253
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben
Oberer Ton SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
% % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Gu 1 44,81 32,69 2,98 <0.020 0,46 0,19 b.d.l. 1,27 1,55 0,05 <10 407 b.d.l. <40 <20 125 <20 53 <6
Gu 2 45,0 32,57 2,65 <0.020 0,50 0,20 b.d.l. 1,37 1,59 0,06 <10 440 <10 <40 <20 109 57 57 <6
Gu 2a 46,83 30,69 3,46 <0.020 0,47 0,20 b.d.l. 1,39 1,90 0,09 11,2 536 <10 97 <20 133 31 48 <6
Gu 3 45,15 32,23 3,17 <0.020 0,48 0,19 b.d.l. 1,38 1,67 0,07 15,1 514 <10 66 21 121 28 54 <6
Gu 4 44,63 32,5 2,68 <0.020 0,50 0,20 b.d.l. 1,35 1,54 0,05 <10 428 b.d.l. <40 <20 109 28 56 <6
Gu 5 46,08 33,00 3,34 <0,020 0,47 0,18 b.d.l. 1,32 1,64 0,07 23,9 417 <10 86 45 109 117 53 <6
Gu 6 45,14 32,9 2,53 <0.020 0,50 0,21 b.d.l. 1,23 1,58 0,06 <10 431 b.d.l. 55 <20 116 28 57 <6
Gu 7 53,3 25,89 4,08 <0.020 0,4 0,18 b.d.l. 1,29 2,44 0,158 11 419 14 175 27 137 39 39 10
Gu 8 44,75 31,81 3,24 <0.020 0,42 0,16 b.d.l. 1,35 1,65 0,056 20 398 <10 54 28 69 72 61 <6
Gu 9 45,48 32,7 2,84 <0.020 0,44 0,16 b.d.l. 1,38 1,62 0,055 <10 358 11 50 <20 52 <20 64 <6
Gu 11 46,18 31,13 3,76 <0.020 0,4 0,19 b.d.l. 1,14 1,94 0,116 19 355 11 159 24 93 38 52 <6
Gu 13 45,32 31,1 3,94 <0.020 0,42 0,22 b.d.l. 1,0 1,9 0,115 15 311 11 130 29 89 97 55 <6
Gu 14 45,87 30,7 3,79 <0.020 0,46 0,19 b.d.l. 1,14 2,66 0,204 15 430 12 311 23 144 24 53 9
Gu 15 45,79 32,53 3,47 <0.020 0,43 0,18 b.d.l. 1,25 1,62 0,058 23 348 12 66 44 83 46 64 <6
Gu 26 41,6 29,67 2,44 <0.020 0,47 0,22 b.d.l. 1,57 1,68 0,06 12,7 983 b.d.l. 53 <20 81 43 63 <6
Gu 27 43,21 31,08 2,64 <0.020 0,45 0,20 b.d.l. 1,46 1,58 0,05 13,7 439 b.d.l. <40 <20 84 39 58 <6
Gu 28 42,71 29,96 4,54 <0,020 0,34 0,21 b,d,l, 1,11 1,55 0,08 19 405 <10 68 18 118 60 46 <6
Gu 29 53,77 24,54 3,61 <0.020 0,39 0,18 b.d.l. 1,54 2,68 0,14 38,1 3870 <10 128 28 166 52 30 10,3
Gu 30 47,0 30,58 3,53 <0.020 0,46 0,21 b.d.l. 1,29 1,76 0,08 10,6 498 b.d.l. 98 <20 133 41 48 <6
Gu 31 45,3 32,83 2,96 <0.020 0,53 0,26 b.d.l. 1,31 1,60 0,07 28,7 372 <10 47 34 106 57 54 <6
Gu 32 41,2 29,63 2,84 <0,020 0,40 0,19 b.d.l. 1,18 1,46 <0,050 <10 331 b.d.l. <40 <20 97 33 54 <6
Gu 33 46,8 30,41 4,17 <0.020 0,44 0,21 b.d.l. 1,05 2,16 0,13 30,3 399 <10 89 25 149 49 44 7,2
Gu 34 49,9 29,22 3,86 <0.020 0,48 0,20 b.d.l. 1,13 2,54 0,19 30,3 460 <10 262 <20 156 116 44 <6
Gu 35 45,01 31,50 4,09 <0,020 0,39 0,26 b,d,l, 1,13 1,66 0,09 17 395 <10 76 19 133 78 48 <6
Gu36 45,70 29,83 4,32 <0,020 0,47 0,29 b,d,l, 1,13 2,32 0,18 12 484 b,d,l, 160 19 169 47 43 8
Gu 37 57,59 23,35 2,56 <0.020 0,38 0,16 b.d.l. 1,31 1,77 0,12 <10 470 <10 144 <20 118 <20 37 6,9
Gu 38 45,34 30,02 4,03 <0.020 0,52 0,21 b.d.l. 1,15 2,43 0,17 18 500 <10 215 <20 182 30 41 7
Gu 39 45,45 32,12 3,34 <0.020 0,50 0,21 b.d.l. 1,31 1,89 0,08 13,1 481 <10 107 <20 134 48 44 <6
Gu 40 44,82 32,62 2,61 <0.020 0,49 0,20 b.d.l. 1,31 1,50 <0.050 10,3 421 <10 51 <20 106 34 62 <6
Mittelwert 45,2 31,4 3,4 0,5 0,2 1,3 1,8 18 444 110 115 52 53
St.Abw. 1,7 1,2 0,1 0,04 0,03 0,3 0,4 6 124 74 31 27 7
Unterer Ton
Gu 18 45,56 31,98 2,41 <0.020 0,4 0,16 b.d.l. 1,7 1,68 0,053 <10 368 <10 85 <20 57 b.d.l. 65 <6
Gu 19 45,64 32,18 2,58 <0.020 0,44 0,16 b.d.l. 1,65 1,72 <0.050 <10 361 <10 82 <20 49 <20 70 <6
Gu 20 46,36 31,45 2,48 <0.020 0,45 0,16 b.d.l. 1,77 2,31 0,07 11 438 11 106 <20 52 <20 64 <6
Gu 21 45,47 31,61 2,51 <0.020 0,49 0,17 b.d.l. 1,78 1,97 <0.050 <10 424 <10 68 <20 50 b.d.l. 73 <6
Gu 22 45,24 31,44 2,61 <0.020 0,42 0,19 b.d.l. 1,88 2,16 0,066 <10 326 <10 54 <20 66 <20 33 <6
Gu 23 46,71 30,86 2,56 <0.020 0,42 0,17 b.d.l. 1,77 2,29 0,06 <10 429 <10 92 <20 57 b.d.l. 56 <6
Gu 24 45,42 30,37 2,42 <0.020 0,46 0,18 <0.20 1,81 2,04 0,053 15 418 <10 101 22 58 <20 56 <6
Gu 25 54,15 23,77 2,13 0,022 0,37 0,14 b.d.l. 1,56 >3,8 0,076 11 406 <10 149 <20 62 b.d.l. 41 6
Gu 41 46,49 31,58 2,43 <0.020 0,47 0,17 b.d.l. 1,63 2,13 0,07 <10 531 b.d.l. 58 <20 112 <20 51 <6
Gu 42 44,8 31,43 2,47 <0.020 0,52 0,19 b.d.l. 1,71 1,93 <0.050 <10 518 <10 56 <20 112 <20 59 <6
Gu 43 45,6 31,37 2,52 <0.020 0,54 0,20 b.d.l. 1,87 2,08 <0.050 <10 583 <10 80 <20 110 <20 56 <6
Gu 44 51,58 24,02 2,08 <0.020 0,41 0,16 b.d.l. 1,55 3,54 0,07 <10 470 <10 128 <20 109 <20 34 6
Mittelwert 45,7 31,4 2,5 0,5 0,2 1,8 2 440 78 72 58
St.Abw. 0,6 0,5 0,1 0,1 0,01 0,1 0,2 82 19 27 11
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
254
Oberer Ton Hf La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I. SUM
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Gu 1 <6 339 <7 40 20 29 23 53 101 17 <6 32 <20 127 14 33 69 14,17 98,01
Gu 2 <6 300 <7 38 21 31 28 46 98 18 <6 29 <20 142 18 25 83 14,62 98,35
Gu 2a <6 351 <7 53 43 50 25 55 99 20 9 69 <20 172 31 54 156 13,70 98,60
Gu 3 <6 250 <7 36 25 63 23 39 102 16 <6 33 <20 154 17 39 86 14,34 98,49
Gu 4 <6 307 <7 35 23 26 <20 47 92 18 <6 27 <20 130 17 26 54 14,72 97,98
Gu 5 <6 57 <7 32 34 78 32 <15 110 17 6,1 43 <20 149 17 44 75 12,91 98,85
Gu 6 <6 465 <7 42 31 39 22 71 83 <15 7 26 <20 135 22 49 69 14,69 98,68
Gu 7 10 167 <7 81 81 60 31 28 99 30 16 125 <20 227 59 60 398 11,63 99,35
Gu 8 <6 110 <7 37 24 64 30 18 116 17 <6 37 <20 136 17 517 69 14,48 98,07
Gu 9 <6 81 <7 35 20 36 23 <15 115 20 <6 34 <20 108 19 33 61 14,56 99,08
Gu 11 <6 190 <7 59 65 53 35 31 99 25 12 95 <20 151 35 63 178 14,39 99,26
Gu 13 <6 147 <7 61 52 68 34 24 93 26 9 96 <20 141 30 51 181 14,63 98,64
Gu 14 9 266 <7 97 116 64 27 44 81 34 21 187 <20 249 73 73 355 13,79 98,81
Gu 15 <6 197 <7 42 29 74 33 32 111 24 <6 42 <20 145 16 59 79 14,54 99,89
Gu 26 <6 49 <7 30 23 30 26 <15 127 <15 <6 44 <20 127 13 51 59 20,09 97,61
Gu 27 <6 63 <7 31 23 43 25 <15 127 16 <6 37 <20 123 14 37 58 17,46 97,88
Gu 28 <6 58 <7 43 34 51 27 <15 104 <15 7 55 <20 155 29 42 117 14,95 95,69
Gu 29 10,3 121 <7 73 57 66 30 20 114 24 11 162 24,7 201 37 89 410 10,79 98,02
Gu 30 <6 290 <7 46 43 45 27 45 97 15 8 59 <20 155 25 60 131 13,82 98,92
Gu 31 <6 57 <7 33 21 73 33 <15 114 <15 <6 47 <20 127 17 264 80 13,83 98,56
Gu 32 <6 <40 <7 29 19 43 29 <15 104 15 <6 35 <20 124 13 36 64 16,36 93,01
Gu 33 7,2 99 <7 68 39 76 31 17 87 25 8 114 <20 187 35 84 266 13,07 98,30
Gu 34 <6 131 <7 85 126 70 32 24 76 21 28 145 <20 198 130 64 432 11,54 99,02
Gu 35 <6 51 <7 45 44 57 30 <15 107 15 11 60 19 185 75 39 122 14,94 98,80
Gu36 8 169 <7 84 58 65 25 27 81 25 10 184 22 250 38 60 326 14,70 99,16
Gu 37 6,9 385 <7 63 65 44 34 60 70 19 13 104 <20 146 53 32 261 10,09 97,30
Gu 38 7 385 <7 80 86 54 23 60 73 26 15 149 <20 220 42 49 273 13,56 97,59
Gu 39 <6 494 <7 54 43 44 38 75 104 17 8 61 <20 158 25 47 103 13,96 98,84
Gu 40 <6 285 <7 34 31 32 21 44 89 16 7 28 <20 140 18 21 53 14,59 98,02
Mittelwert 214 49 43 52 28 99 20 69 157 32 72 143 14
St.Abw. 137 19 28 16 5 15 5 49 37 26 99 106 1,8
Unterer Ton
Gu 18 <6 88 <7 32 36 36 32 15 129 17 7 37 <20 122 27 32 55 14,85 98,71
Gu 19 <6 88 <7 34 34 35 25 16 132 17 6 33 <20 114 24 35 55 14,86 99,13
Gu 20 <6 191 <7 49 37 34 35 31 153 19 6 46 <20 127 30 43 89 14,08 98,99
Gu 21 <6 147 <7 41 32 36 20 24 141 <15 7 37 <20 119 24 49 59 14,69 98,6
Gu 22 <6 87 <7 41 32 25 18 23 101 19 7 31 <20 92 30 32 65 14,08 99,19
Gu 23 <6 119 <7 44 35 34 33 20 160 17 7 45 <20 123 33 32 90 14,29 99,03
Gu 24 <6 109 <7 37 48 44 34 19 188 19 10 41 <20 120 43 149 81 16,47 99,19
Gu 25 6 138 <7 71 64 27 44 24 153 24 13 55 <20 129 65 41 249 13,3 99,45
Gu 41 <6 339 <7 44 28 22 28 52 114 17 6 37 <20 139 26 24 73 13,62 98,40
Gu 42 <6 349 <7 42 28 34 23 54 117 <15 6 33 <20 128 25 26 63 14,43 97,36
Gu 43 <6 344 <7 42 36 32 22 53 142 <15 8 35 <20 141 30 50 67 14,95 98,97
Gu 44 6 428 <7 68 53 25 35 66 137 15 11 42 <20 137 55 30 221 13,36 96,58
Mittelwert 186 41 35 33 27 31 138 7 38 123 29 47 70 14,6
St.Abw. 114 5 6 6 6 16 25 1 5 14 6 37 13 0,8
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
255
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Oberer Ton SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
% % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Gu1 44,81 32,73 2,99 <0.020 0,5 0,21 <0,20 1,19 1,55 0,142 <10 397 b.d.l. 28 <20 112 <20 55 <6
Gu2 45,61 33,32 2,61 <0,020 0,31 0,22 <0,20 1,29 1,49 0,124 b.d.l. 345 21 58 <20 <20 42 54 <6
Gu2a 45,7 32,9 2,84 <0,020 0,28 0,22 <0,20 1,31 1,54 0,181 <10 356 17 63 <20 <20 <20 46 <6
Gu3 45,74 32,71 3,05 <0,020 0,25 0,22 <0,20 1,3 1,63 0,11 <10 415 18 59 21 <20 <20 49 <6
Gu4 45,83 33,11 2,61 <0,020 0,28 0,23 <0,20 1,28 1,49 0,108 <10 369 15 <40 <20 20 34 54 <6
Gu5 46,08 33,23 3,04 <0,020 0,31 0,22 0,23 1,24 1,53 0,16 b,d,l, 393 19 82 22 28 60 47 <6
Gu6 46,16 33,42 2,39 <0,020 0,29 0,24 <0,20 1,19 1,53 0,098 b,d,l, 367 16 59 <20 <20 <20 58 <6
Gu7 46,06 31,1 4,55 <0.020 0,45 0,25 <0,20 1,15 2,11 0,193 b.d.l. 464 15 123 30 112 36 36 6
Gu8 44,67 31,91 3,14 <0,020 0,4 0,27 1,01 1,21 1,52 0,482 23 379 19 58 30 39 131 46 <6
Gu9 46,18 33,1 2,78 <0,020 0,3 0,22 0,21 1,33 1,54 0,137 <10 391 18 54 <20 <20 b,d,l, 53 <6
Gu11 45,73 32,21 3,61 <0,020 0,28 0,24 0,29 1,05 1,76 0,276 <10 445 19 108 23 47 22 44 6
Gu13 45,41 32,08 3,8 <0,020 0,39 0,32 0,32 0,88 1,82 0,293 6 348 24 137 22 59 80 41 6
Gu14 44,49 31,63 3,91 <0,020 0,35 0,27 0,25 0,65 2,32 0,348 <10 400 21 200 <20 130 <20 45 8
Gu15 44,91 31,73 3,41 <0,020 0,57 0,33 1,22 1,1 1,53 0,571 18 352 22 52 77 24 49 46 <6
Gu26 45,28 32,48 2,43 <0,020 0,32 0,26 <0,20 1,56 1,73 0,178 <10 491 19 <40 <20 <20 b,d,l, 60 <6
Gu27 45,08 32,25 2,63 <0,020 0,3 0,23 0,7 1,41 1,64 0,499 <10 434 17 <40 <20 <20 b,d,l, 53 <6
Gu28 45,76 32,29 4,08 <0.020 0,44 0,24 0,25 1,03 1,61 0,151 <10 473 16 50 27 35 50 44 <6
Gu30 45,69 32,95 3,19 <0,020 0,25 0,21 0,36 1,18 1,59 0,332 <10 458 15 73 25 25 <20 51 <6
Gu31 45,73 33,25 2,83 <0,020 0,31 0,28 0,43 1,15 1,47 0,286 7 335 19 49 53 24 <20 49 <6
Gu32 46,17 33,09 2,86 <0,020 0,31 0,26 0,26 1,21 1,57 0,162 <10 367 18 44 29 26 <20 50 <6
Gu33 42,51 30,23 3,89 <0,020 0,31 0,25 1,64 0,79 1,91 0,448 12 320 17 110 20 63 1680 36 <6
Gu34 45,3 32,19 4,07 <0,020 0,28 0,24 0,29 0,76 2,22 0,385 <10 387 20 324 21 93 72 44 7
Gu35 46,11 32,23 3,91 b.d.l. 0,43 0,26 0,42 1,04 1,61 0,343 <10 341 16 105 24 44 58 43 <6
Gu36 43,78 31,05 4,28 <0,020 0,49 0,24 0,81 0,82 2,13 0,998 10 396 22 178 29 74 45 42 7
Gu37 44,89 31,88 3,65 <0,020 0,36 0,24 0,63 0,92 1,97 0,659 8 366 23 205 58 69 72 43 6
Gu38 44,53 31,44 3,98 <0,020 0,31 0,28 0,76 0,81 2,36 0,893 12 430 20 267 23 106 61 40 8
Gu39 46,25 32,72 3,25 b.d.l. 0,37 0,22 0,4 1,23 1,8 0,366 6 370 11 95 24 32 64 45 <6
Gu40 46,15 33,79 2,52 <0,020 0,27 0,22 0,23 1,2 1,42 0,229 <10 378 17 25 <20 <20 <20 55 <6
Mittelwert 45,4 32,4 3,3 0,4 0,3 0,4 1,1 1,7 0,3 392 18 96 26 47 47
St.Abw. 0,9 0,9 0,6 0,1 0,03 0,4 0,2 0,3 0,2 45 3 76 15 35 6
Unterer Ton SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
% % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Gu18 46,63 32,91 2,42 <0,020 0,3 0,21 0,2 1,59 1,63 0,189 b,d,l, 434 18 56 <20 <20 b,d,l, 53 <6
Gu19 46,15 32,81 2,48 <0,020 0,32 0,21 0,3 1,42 1,61 0,311 <10 372 16 47 <20 <20 b,d,l, 56 <6
Gu20 47,23 31,76 2,43 <0,020 0,29 0,23 0,28 1,65 2,42 0,296 <10 490 19 90 <20 <20 b,d,l, 55 <6
Gu22 46,59 32,47 2,47 <0.020 0,45 0,2 <0,20 1,8 2,24 0,103 b.d.l. 526 12 64 <20 24 b.d.l. 46 <6
Gu23 46,89 31,86 2,47 <0,020 0,3 0,21 <0,20 1,73 2,29 0,182 <10 472 16 92 <20 <20 b,d,l, 47 <6
Gu24 45,29 31,36 2,39 <0,020 0,31 0,21 0,28 1,6 2,06 0,26 5 473 22 84 20 <20 <20 47 <6
Gu25 49,29 28,07 2,35 <0.020 0,35 0,19 0,27 1,61 >4.00 0,228 <10 473 15 146 <20 24 b.d.l. 35 <6
Gu41 46,63 32,27 2,38 <0,020 0,25 0,2 0,21 1,45 2,03 0,224 <10 399 20 68 <20 21 18 53 <6
Gu42 46,39 32,39 2,48 <0,020 0,32 0,21 <0,20 1,66 1,94 0,098 <10 437 20 75 <20 <20 <20 56 <6
Gu43 46,29 32,5 2,52 <0,020 0,31 0,22 0,24 1,7 1,93 0,2 <10 469 19 75 <20 <20 b,d,l, 54 <6
Gu44 47,22 28,56 2,31 0,26 0,21 0,24 1,73 3,63 0,284 521 19 151 41
Mittelwert 46,5 32,3 2,4 0,3 0,2 0,2 1,6 2 0,2 452 18 72 52
St.Abw. 0,5 0,5 0,1 0,1 0,01 0,1 0,1 0,3 0,1 47 3 15 4
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
256
Oberer Ton La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th V Y Zn Zr L,O,I SUM
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Gu1 <40 <7 29 22 38 23 <15 101 <30 <6 53 <20 115 12 32 66 14,54 98,64
Gu2 <40 12 19 27 29 21 <15 92 <30 <6 41 <20 127 14 23 48 14,29 99,46
Gu2a <40 11 20 31 44 25 <15 94 <30 6 52 <20 122 17 42 63 14,03 99,17
Gu3 <40 10 24 28 43 24 <15 102 <30 6 50 <20 147 17 52 62 14,08 99,22
Gu4 <40 8 21 13 32 21 <15 93 <30 <6 44 <20 127 15 28 47 14,58 99,64
Gu5 b,d,l, 8 15 40 44 20 <15 96 <30 8 50 <20 137 14 41 61 14,03 100,19
Gu6 <40 10 16 27 30 21 <15 82 <30 <6 45 <20 127 17 56 48 14,6 100,04
Gu7 68 9 59 46 59 30 <15 95 <30 9 124 <20 287 36 65 186 13,77 99,93
Gu8 <40 10 21 29 66 23 <15 92 <30 6 48 <20 143 16 52 58 14,47 99,44
Gu9 <40 10 21 27 35 <20 <15 97 <30 <6 46 <20 118 14 23 53 14,1 100,02
Gu11 49 11 38 42 52 31 <15 88 <30 7 86 <20 152 19 53 115 14,48 100,11
Gu13 64 10 45 53 56 29 <15 81 <30 9 109 <20 158 17 50 150 14,4 100,07
Gu14 98 10 72 72 62 25 18 58 <30 12 171 20 279 44 70 265 14,29 98,77
Gu15 <40 10 30 21 101 29 <15 95 <30 <6 69 <20 137 10 662 80 13,91 100,18
Gu26 <40 10 30 11 31 25 <15 121 <30 <6 50 <20 126 12 31 55 15,85 100,26
Gu27 <40 9 26 18 38 27 <15 114 <30 <6 49 <20 121 12 38 53 15,31 100,11
Gu28 <40 6 35 25 53 24 <15 90 <30 <6 64 <20 165 21 47 91 14,39 100,31
Gu30 <40 10 27 32 49 28 <15 93 <30 6 62 <20 146 20 63 79 14,45 100,28
Gu31 b,d,l, 11 19 24 76 27 <15 98 <30 <6 49 <20 133 12 159 58 14,47 100,26
Gu32 <40 8 23 20 57 31 <15 99 <30 <6 51 <20 136 12 50 62 14,49 100,42
Gu33 47 8 50 41 78 94 <15 73 <30 7 115 <20 182 28 1949 173 14,62 97,17
Gu34 82 8 49 153 67 32 17 64 <30 33 144 24 237 150 58 233 14,62 100,53
Gu35 <40 7 30 53 59 26 <15 88 <30 12 68 <20 183 66 39 94 14,29 100,75
Gu36 76 8 60 68 73 33 <15 70 <30 12 164 <20 207 45 68 211 15,53 100,84
Gu37 57 8 41 91 113 50 <15 85 <30 18 121 <20 195 74 71 165 14,5 100,02
Gu38 129 10 67 106 75 32 23 68 <30 19 185 24 236 48 65 254 14,09 99,68
Gu39 42 7 31 38 50 38 <15 102 <30 7 74 <20 152 20 42 91 13,8 100,43
Gu40 <40 7 23 13 28 20 <15 89 <30 <6 46 <20 114 13 27 53 14,61 100,64
Mittelwert 9 34 42 55 29 90 9 80 161 28 141 106 14
St.Abw. 1,5 16 32 22 14 14 7 44 48 29 373 69 0,5
Unterer Ton La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th V Y Zn Zr L,O,I SUM
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Gu18 <40 10 21 28 29 25 <15 115 13 6 45 <20 127 16 22 48 14,44 100,52
Gu19 <40 8 22 27 34 22 <15 108 <30 6 41 <20 123 20 40 47 14,51 100,15
Gu20 <40 10 35 38 32 28 <15 124 <30 7 60 <20 151 26 33 79 13,68 100,27
Gu22 <40 9 34 31 31 28 <15 134 <30 6 54 <20 134 25 25 68 14,31 100,79
Gu23 <40 9 31 40 32 27 <15 140 <30 8 56 <20 140 25 45 68 13,92 100,05
Gu24 <40 10 28 39 43 29 <15 148 <30 8 54 <20 133 29 53 64 15,39 99,19
Gu25 84 8 60 63 31 48 16 143 <30 12 71 <20 174 50 43 135 13,05 99,56
Gu41 <40 10 29 30 27 28 <15 109 <30 6 53 <20 140 20 32 65 14,12 99,78
Gu42 <40 11 28 33 34 27 <15 112 <30 6 50 <20 143 21 27 60 14,21 99,79
Gu43 <40 8 25 32 29 17 <15 136 <30 6 49 <20 131 23 47 56 14,6 100,52
Gu44 70 11 50 64 26 39 <15 153
<30 12 68 <20 157 46 48 125 14,26 98,73
Mittelwert 9 28 33 32 26 125 7 51 136 23 36 62 14,4
St.Abw. 1 5 5 5 4 15 1 6 9 4 11 10 0,5
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
257
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben
Berechnet (XRD)
Oberer Ton Kaolinit Illit/Muskovit Smektite Quarz Anatas Pyrit/Markasit Rest (u.a. Corg)
% % % % % % %
Gu 1 72 10 7 <3 1,5 3,5 4
Gu 2 70,5 11,5 7,5 <3 1,5 3 4
Gu2a 66 11,5 6,5 5 2 4,5 4,5
Gu 3 70 11,5 6,5 <3 1,5 4 4,5
Gu 4 70,5 11 8 <3 1,5 3 4
Gu 5 72 11 7 <3 1,5 4,5 2
Gu 6 72 10 9 <3 1,5 3 2,5
Gu 7 55 10,5 5 18 2,5 6 3
Gu 8 70 11 5 <3 1,5 4 6,5
Gu 9 71,5 11,5 5,5 <3 1,5 3,5 4,5
Gu 11 69 9 6,5 4 2 5,5 4
Gu 13 69,5 7,5 8 3 2 6,5 3,5
Gu 14 67 9 8,5 3,5 2,5 5,5 4
Gu 15 72 10 6,5 <3 1,5 5 3
Gu 26 63 13,5 4,5 <3 1,5 2 13,5
Gu 27 67 12,5 5 <3 1,5 2,5 9,5
Gu 28 67,5 8,5 4,5 3 1,5 7,5 7,5
Gu 29 51 13,5 2 20,5 2,5 4,5 6
Gu 30 66 10,5 7 5 1,5 5 5
Gu 31 71 11 9 <3 1,5 3,5 2
Gu 32 65 9,5 5,5 <3 1,5 3,5 13
Gu 33 67 8 9 5 2 6,5 2,5
Gu 34 63 9 9 9 2,5 6 1,5
Gu 35 70 9 6 <3 1,5 6,5 5
Gu36 67 9 3,5 6 2 7 5,5
Gu 37 49 11 4 25,5 1,5 3 6
Gu 38 64,5 9 10,5 3 2,5 6 4,5
Gu 39 69,5 11 8 <3 2 4,5 3
Gu 40 71 11 8 <3 1,5 3 3,5
Mittelwert 68,6 10,2 7,0 <3 1,7 4,6 4,9
St.Abw. 2,8 1,4 1,7 - 0,4 1,5 2,9
Unterer Ton
Gu 18 69 15 1 3,5 1,5 2 8
Gu 19 69,5 14,5 3 3 1,5 2 6,5
Gu 20 67 15,5 2 4,5 2,5 1,5 7
Gu 21 67 16 3 3 2 1,5 7,5
Gu 22 66 17 1 3 2 2 9
Gu 23 66 15,5 1 6 2 2 7,5
Gu 24 64 16 2 5 2 1,5 9,5
Gu 25 49,5 13,5 1 22 4,5 1,5 8
Gu 41 67,5 14 4 4 2 2 6,5
Gu 42 66 15 5 2 2 1,5 8,5
Gu 43 65 17 4,5 3 2 1,5 7
Gu 44 49,5 13,5 3 18,5 3,5 1,5 10,5
Mittelwert 66,7 15,6 2,7 3,7 2,0 1,8 7,5
St.Abw. 1,7 1,0 1,5 1,2 0,3 0,3 -
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Keine quantitative Auswertung der mineralogischen Zusammensetzung mittels der Ergebnisse aus der röntgen-
diffraktometrischen Anlaytik (XRD). Die Gehalte an Smektit liegen zu nahe an der Nachweisgrenze.
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
258
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Oberer Ton Kaolinit Illit Smektit Quarz Anatas Pyrit/Markasit Rest (u.a.Corg) Kaolinit Illit Smektit
% % % % % % % % % %
Gu 1 71 13,5 4,5 3 1,5 2,5 4 88 11 1
Gu 2 71 14,5 4,5 3 1,5 1,5 4 84 11 6
Gu 3 71 15 1,5 5 1,5 2,5 3,5 83 14 3
Gu 4 71 14,5 3 4 1,5 1,5 4,5 85 9 6
Gu 5 71 14 5 3,5 1,5 2,5 2,5 83 13 4
Gu 6 72 13,5 4,5 4 1,5 1,5 3 87 7 6
Gu 7 63 13 12,5 3,5 2 4,5 1,5 85 11 4
Gu 8 66 14 9,5 2 1,5 2,5 4,5 81 13 6
Gu 9 71 15 3,5 4,5 1,5 2 2,5 84 13 4
Gu 11 70 12 5 5 2 3,5 2,5 69 15 16
Gu 13 68 10 12 2 2 4 2 82 6 12
Gu 14 69 7,5 12 2 2,5 4,5 2,5 86 6 8
Gu 15 62 12,5 19 0 1,5 3 2 80 10 10
Gu 26 67,5 18 2,5 4,5 2 1 4,5 76 12 12
Gu 27 68 16 3 4,5 1,5 1,5 5,5 71 17 12
Gu 28 66,5 12 13 1,5 1,5 4 1,5 77 7 16
Gu 30 72 13,5 2,5 4,5 1,5 2,5 3,5 82 11 7
Gu 31 71,5 13 5,5 3 1,5 2 3,5 80 16 4
Gu 32 73 9 8,5 3 2 2,5 2 80 13 7
Gu 33 66 9 8 3 2 4 8 76 5 19
Gu 34 71 8,5 7,5 4 2 4,5 2,5 79 5 16
Gu 35 66,5 12 12,5 2,5 1,5 3,5 1,5 81 8 11
Gu36 63 9,5 17 0 2 4,5 4 78 7 15
Gu 37 68 10,5 10 2,5 2 3,5 3,5 80 7 13
Gu 38 68,5 9 8,5 3,5 2,5 4,5 3,5 89 6 6
Gu 39 74 13,5 3 4 1,5 1,5 2,5 84 12 4
Gu 40 74 13,5 3 4 1,5 1,5 2,5 85 9 6
Mittelwert 69,1 12,4 7,4 3,2 1,7 2,9 3,2 81,2 10,1 8,6
St.Abw. 3,3 2,6 4,7 1,3 0,3 1,2 1,4 4,6 3,5 4,8
Unterer Ton
Gu 18 65 18 6 4 1,5 1 4,5 78 18 4
Gu 19 67 16 8 3 1,5 1 3,5 80 16 4
Gu 20 63,5 19 5 6 2,5 1 3 70 21 9
Gu 22 60,5 20,5 12 2 2 0,5 2,5 71 20 8
Gu 23 63 19,5 5 5,5 2 0,5 4,5 82 16 2
Gu 24 62 18 6,5 4 2 1 6,5 81 15 4
Gu 25 53 18 8,5 11,5 4 0,5 4,5 65 28 7
Gu 41 67 16,5 4 5,5 2 1 4 81 13 6
Gu 42 64 19 6,5 4 2 1 3,5 74 16 9
Gu 43 64,5 19,5 6 4 2 1 3 74 19 7
Gu 44 56 19,5 3 10,5 3,5 0,5 7 73 24 2
Mittelwert 64,1 18,4 6,6 4,2 1,9 ca. 1,0 3,9 76,9 17,2 5,9
St.Abw. 2,1 1,5 2,3 1,3 0,3 1,2 4,5 2,5 2,7
Fettgedruckte Proben: Keine Berücksichtigung bei Ermittlung des Mittelwerts
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
259
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits
der Fraktion <2 µm
Oberer Ton Halbwertsbreite Aufweitung mit DMSO
°2Theta %
Gu 1 0,52 23,3
Gu 2 0,52 19,5
Gu 2A 0,50 19,6
Gu 3 0,52 6,1
Gu 4 0,52 26,9
Gu 5 0,51 10,3
Gu 6 0,52 29,1
Gu 7 0,52 24,4
Gu 8 0,50 17,8
Gu 9 0,50 5,6
Gu 11 0,53 31,3
Gu 12 0,51 64,8
Gu 13 0,56 41,7
Gu 14 0,55 76,4
Gu 15 0,53 29,9
Gu 26 0,52 44,4
Gu 27 0,51 34,9
Gu 28 0,53 11,6
Gu 29 0,53 38,3
Gu 31 0,50 24,1
Gu 32 0,50 12,0
Gu 33 0,55 51,9
Gu 34 0,57 62,0
Gu 35 0,51 27,4
Gu 36 0,54 56,1
Gu 37 0,55 46,0
Gu 38 0,57 57,8
Gu 39 0,50 43,6
Gu 40 0,52 20,8
Mittelwert 0,52 33
St.Abw. 0,02 18,6
Unterer Ton
Gu 18 0,50 58,5
Gu 19 0,47 43,3
Gu 20 0,45 60,3
Gu 21 0,49 41,9
Gu 22 0,48 61,5
Gu 23 0,48 51,7
Gu 24 0,48 69,8
Gu 25 0,47 66,6
Gu 41 0,48 34,1
Gu 42 0,48 55,1
Gu 43 0,49 7,6
Gu 44 0,47 33,5
Mittelwert 0,48 48,7
St.Abw. 0,01 17,6
G) Trockenrohdichte
Oberer Ton Trockenrohdichte
(g/cm³)
Gu 1 1,40
Gu 2 1,35
Gu 3 1,46
Gu 4 1,37
Gu 5 1,47
Gu 6 1,39
Mittelwert 1,41
St.Abw. 0,05
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
260
5) Lagerstätte Wiesa
A) Korngrößenverteilung
Wiesa Tiefe < 2 µm 2-6,3 µm 6,3-20 µm 20-63 µm > 63 µm
Ton m % % % % %
Oberer Ton
Wi 1 0,10 23,77 14,65 11,24 0,80 49,54
Wi 2 0,35 62,46 11,64 10,36 3,83 11,71
Wi 3 0,60 48,77 11,06 9,89 4,35 25,93
Wi 4 1,10 21,28 11,52 19,69 22,39 25,13
Wi 5 2,25 36,28 18,09 27,06 16,89 1,68
Unterer Ton
Wi 6 13,00 37,12 17,12 25,86 16,36 3,55
Wi 7 15,00 39,13 15,07 25,35 15,97 4,49
Wi 8 17,00 54,31 11,62 14,07 12,06 7,94
Mittelwert n=5 37,6 14,7 22,4 16,7 8,6
St.Abw. 11,7 3,1 5,5 3,7 9,5
Kaolin
Roter Kaolin
Wi 12 0,75 32,96 25,16 19,37 13,48 9,03
Grüner Kaolin
Wi 13 2,25 20,79 18,74 13,98 8,23 38,27
Heller Kaolin
Wi 14 5,00 8,71 7,24 13,48 11,74 58,82
Wi 15 7,00 12,70 9,62 13,62 7,08 56,98
Wi 16 3,00 8,63 8,62 14,96 11,49 56,30
Wi 17 6,00 7,57 7,24 13,20 8,27 63,73
Mittelwert n=4 9,4 8,2 13,8 9,7 59
St.Abw. 2,3 1,2 0,8 2,3 3,4
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtprobe
Ton Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
Oberer Ton m % % % % % % % % % %
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Wi 1 0,10 23,91 17,17 1,27 <0,020 0,21 1,17 <0,20 0,91 0,6 b.d.l. 73 329 b.d.l. - <20 83 <20 21 -
Wi 2 0,35 44,21 30,42 1,48 <0,020 0,24 0,42 <0,20 1,52 1,23 b.d.l. 16 452 b.d.l. - <20 96 <20 39 -
Wi 3 0,60 47,7 21,77 1,00 <0,020 0,23 0,32 <0,20 1,71 0,89 b.d.l. 26 536 b.d.l. - <20 104 <20 20 -
Wi 4 1,10 78,97 13,62 0,79 <0,020 0,19 0,11 0,2 1,33 0,9 b.d.l. <10 452 16 73 <20 b.d.l. <20 19 10
Wi 5 2,25 68,41 20,21 1,12 <0,020 0,22 0,13 <0,20 1,92 1,12 b.d.l. <10 668 17 57 <20 b.d.l. <20 24 7
Unterer Ton
Wi 6 13,00 73,32 18,12 0,81 <0,020 0,21 0,13 0,2 1,79 1,18 b.d.l. b.d.l. 665 18 47 <20 b.d.l. <20 23 8
Wi 7 15,00 73,01 17,87 0,8 <0,020 0,19 0,16 0,21 1,8 1,24 b.d.l. b.d.l. 651 20 59 <20 b.d.l. b.d.l. 22 8
Wi 8 17,00 66,44 22,32 1,03 <0,020 0,21 0,17 <0,20 1,83 1,02 b.d.l. b.d.l. 665 16 43 <20 b.d.l. b.d.l. 26 7
Mittelwert n=5 72 18,4 0,9 0,2 0,1 0,2 1,7 1,1 620 17 56 23 8
St.Abw. 4,9 3,2 0,2 0,01 0,02 0,01 0,2 0,1 94 2 12 3 1
Kaolin
Roter Kaolin
Wi 12 41,3 29,61 14,12 0,189 <0,10 <0,10 <0,20 0,52 1,73 0,097 b,d,l, 110 13 <40 20 135 <20 28 <6
Grüner Kaolin
Wi 13 63,88 23,33 2 0,041 0,3 0,12 <0,20 1,42 0,69 <0,050 b.d.l. 174 14 <40 <20 42 b.d.l. 21 8
Heller Kaolin
Wi 14 61,19 26,44 0,84 <0,020 <0,10 <0,10 <0,20 0,1 0,61 <0,050 b.d.l. 56 10 <40 <20 22 b.d.l. 22 7
Wi 15 67,54 21,54 0,38 <0,020 <0,10 <0,10 <0,20 0,19 0,91 <0,050 <10 100 12 102 <20 <20 b.d.l. 28 8
Wi 16 63,78 24,05 0,81 b,d,l, <0,10 <0,10 <0,20 0,15 0,82 <0,050 b.d.l. 83 15 <40 b,d,l, 22 b.d.l. 27 9
Wi 17 65,36 23 0,84 b,d,l, <0,10 <0,10 <0,20 0,15 0,7 <0,050 b.d.l. 64 13 <40 <20 25 b.d.l. 25 7
Mittelwert n=4 64,5 23,8 0,7 0,2 0,8 76 13 22 26 8
St.Abw. 2,7 2,1 0,2 0,04 0,1 20 2 3 3 1
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
261
Ton Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th U V Y Zn Zr L.O.I. SUM
Oberer Ton m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Wi 1 0,10 <40 <7 <6 - 50 <20 <15 39 <15 <6 38 <20 <9 90 - 91 80 52,19 100
Wi 2 0,35 <40 <7 <6 - 37 <20 <15 72 <15 <6 35 <20 <9 113 - 37 160 19,3 100
Wi 3 0,60 <40 <7 <6 - 24 <20 <15 55 <15 <6 28 <20 <9 116 - 24 214 25,06 100
Wi 4 1,10 <40 9 <6 33 23 <20 <15 53 <15 6 33 <20 b.d.l. 53 16 57 319 4,88 101
Wi 5 2,25 <40 10 12 24 39 23 <15 69 <15 <6 44 <20 <9 106 17 61 242 6,86 100,22
Unterer Ton
Wi 6 13,00 <40 8 13 20 22 <20 <15 63 <15 <6 40 <20 b.d.l. 82 18 <20 268 5,81 101,57
Wi 7 15,00 <40 7 18 24 22 22 <15 66 <15 <6 47 <20 b.d.l. 92 22 <20 267 5,81 101,07
Wi 8 17,00 <40 8 16 15 29 21 <15 71 <15 <6 46 <20 b.d.l. 96 16 <20 226 7,53 100,73
Mittelwert n=5 8 15 23 27 64 42 86 18 264 6,2
St.Abw. 1 3 7 7 7 6 20 2 35 1
Kaolin
Roter Kaolin
Wi 12 <40 8 9 18 26 b.d.l. <15 <30 15 <6 17 <20 b.d.l. 109 <10 <20 114 12,74 100,37
Grüner Kaolin
Wi 13 <40 8 8 <15 <20 <20 <15 99 <15 <6 20 22 b.d.l. 62 10 <20 228 8,57 100,38
Heller Kaolin
Wi 14 n=4 <40 <7 12 <15 <20 <20 <15 <30 <15 <6 21 22 <9 29 15 <20 204 10,08 99,39
Wi 15 52 7 11 39 20 116 <15 <30 <15 7 27 <20 <9 40 27 <20 304 8,03 98,63
Wi 16 <40 <7 11 <15 <20 <20 <15 <30 <15 <6 19 20 <9 35 18 <20 297 8,98 98,64
Wi 17 b.d.l. <7 7 <15 <20 <20 b.d.l. <30 <15 <6 15 <20 <9 33 17 <20 215 8,71 98,71
Mittelwert 10 21 34 19 255 9
St.Abw. 2 5 5 5 53 1
C) Chemische Zusammensetzung der Tone nach Grunge (1999)
Probe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5
% % % % % % % % % %
1315 72,68 17,25 0,81 0,012 0,14 0,11 0,00 1,70 1,08 0,029
1317 70,11 19,27 0,89 0,011 0,17 0,12 0,00 1,93 1,05 0,033
1345 76,55 14,81 0,70 0,011 0,11 0,10 0,00 1,51 1,04 0,031
1346 74,07 15,86 0,81 0,010 0,12 0,13 0,00 1,50 1,07 0,026
1347 67,05 20,77 1,00 0,011 0,19 0,13 0,00 2,13 1,08 0,033
1348 67,57 20,84 0,95 0,010 0,16 0,12 0,00 1,94 0,97 0,046
1350 82,28 10,55 0,58 0,014 0,08 0,08 0,00 1,14 0,90 0,020
1353 65,38 18,44 5,61 0,015 0,19 0,17 0,00 1,72 1,05 0,099
1378 67,57 21,76 0,99 0,028 0,13 0,14 0,00 2,14 1,13 0,042
1381 73,26 16,57 0,85 0,013 0,16 0,11 0,00 1,63 1,16 0,044
1386 68,39 20,21 1,14 0,012 0,15 0,10 0,00 2,04 1,13 0,028
1389 82,66 10,85 0,62 0,008 0,08 0,08 0,00 0,99 0,72 0,036
1390 77,04 14,68 0,88 0,013 0,10 0,08 0,00 1,32 1,00 0,027
1391 71,98 16,79 1,08 0,014 0,13 0,10 0,00 1,69 1,08 0,040
1394 74,77 15,50 1,47 0,011 0,11 0,09 0,00 1,50 0,92 0,031
1395 79,83 12,53 0,72 0,008 0,12 0,09 0,00 1,23 0,79 0,041
1404 66,63 21,46 0,90 0,008 0,12 0,12 0,00 1,64 0,98 0,036
1418 75,52 15,20 0,71 0,008 0,08 0,10 0,00 1,41 0,95 0,023
1419 74,81 15,70 0,74 0,007 0,15 0,10 0,00 1,70 1,06 0,036
1422 68,65 19,41 0,91 0,006 0,17 0,11 0,00 2,02 1,09 0,044
1423 71,58 17,08 0,81 0,007 0,13 0,11 0,00 1,74 1,01 0,031
1424 71,21 17,56 0,82 0,007 0,11 0,13 0,00 1,39 1,02 0,030
Mittelwert 72,7 17 1,1 0,01 0,1 0,1 1,6 1 0,04
St.Abw. 5 3,2 1 0,00 0,03 0,02 0,3 0,1 0,02
Probe As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
1315 8 580 0 70 5 86 8 24 8
1317 7 692 2 87 9 92 11 26 8
1345 7 544 - 83 - 77 114 20 9
1346 7 568 - 87 - 75 20 24 8
1347 5 759 1 79 4 102 20 28 7
1348 7 661 - 132 8 103 24 28 7
1350 3 419 - 70 1 63 29 13 9
1353 6 622 4 68 14 100 22 26 8
1378 7 769 3 104 4 120 9 32 7
1381 6 618 - 105 13 105 6 24 8
1386 6 712 - 71 3 100 2 26 7
1389 3 377 - 155 - 58 8 14 8
1390 5 484 - 56 4 67 6 21 9
1391 5 583 - 112 8 107 10 26 8
1394 3 547 3 37 - 79 - 16 8
1395 7 437 - 77 2 65 2 20 8
1404 4 589 - 82 2 95 8 25 7
1418 7 499 - 67 - 79 5 22 8
1419 4 585 2 56 3 71 7 18 8
1422 4 716 3 61 - 97 11 27 7
1423 3 601 - 108 - 87 20 21 8
1424 13 526 - 92 9 85 12 28 7
Mittelwert 6 586 85 87 17 23 8
St.Abw. 2 106 27 17 24 5 1
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
262
Probe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
1315 20 2 16 31 33 16 7 64 22
1317 25 6 17 41 35 14 9 79 18
1345 32 5 16 35 26 14 6 65 18
1346 40 3 17 39 21 12 7 65 19
1347 45 3 17 39 36 16 8 87 17
1348 50 4 15 43 37 16 12 78 16
1350 5 3 13 24 13 5 3 50 15
1353 28 4 19 30 38 14 5 64 18
1378 18 3 19 30 36 21 6 82 19
1381 43 - 16 44 28 15 9 64 6
1386 21 2 19 31 25 16 7 60 20
1389 64 - 11 58 16 14 12 35 16
1390 30 2 15 19 21 11 5 42 7
1391 38 1 18 38 28 16 8 59 22
1394 16 2 14 27 19 15 2 51 19
1395 47 3 11 36 20 13 9 43 15
1404 32 2 16 39 26 29 8 55 20
1418 21 4 15 19 17 17 4 48 10
1419 18 1 17 24 21 12 4 56 10
1422 37 3 17 24 28 19 7 79 20
1423 37 3 15 41 28 16 7 60 13
1424 47 4 17 37 41 11 8 58 15
Mittelwert 33 16 34 27 15 7 61 16
St.Abw. 14 2 9 8 4 3 14 5
Probe Sm Sr Th V Y Zn Zr L.O.I. Summe
ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
1315 4 31 17 106 22 31 296 5,16 99,05
1317 5 34 17 118 20 27 271 5,70 99,38
1345 6 30 16 75 23 40 334 4,41 99,36
1346 5 32 12 80 24 17 317 4,92 98,59
1347 6 38 16 111 23 23 245 6,28 98,77
1348 8 38 19 104 28 33 248 6,36 99,06
1350 5 22 17 77 19 15 354 3,19 98,89
1353 4 36 16 117 26 47 314 6,27 99,03
1378 6 41 14 115 25 34 260 6,60 100,64
1381 7 46 16 102 27 23 305 5,09 98,98
1386 5 36 16 121 23 24 269 5,92 99,28
1389 9 24 15 62 26 15 312 3,31 99,49
1390 4 26 11 65 23 27 336 4,41 99,68
1391 7 37 14 120 24 27 311 5,09 98,16
1394 4 29 14 66 20 21 296 4,70 99,23
1395 5 28 13 70 22 16 320 3,90 99,39
1404 5 31 13 93 20 19 246 7,00 99,04
1418 5 28 11 69 20 24 294 4,74 98,87
1419 4 29 11 85 22 24 297 4,74 99,18
1422 4 37 11 92 21 24 278 5,91 98,48
1423 6 31 11 85 23 24 285 5,38 98,03
1424 6 32 11 88 24 67 281 6,46 98,89
Mittelwert 5 33 14 92 23 27 294 5,3
St.Abw. 1 6 3 20 2 12 30 1,1
D) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Ton Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
Oberer Ton % % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Wi 1 0,10 43,59 25,6 1,39 b,d,l, 0,33 0,63 0,49 1,39 0,95 0,274 30 455 b,d,l, <20 83 24 33 6
Wi 2 0,35 60,71 31,02 1,52 b,d,l, 0,23 0,28 0,24 1,33 1,2 0,14 <10 383 <10 <20 81 <20 43 6
Wi 3 0,60 46,39 25,67 1,4 b,d,l, 0,25 0,27 0,25 1,43 0,94 0,149 <10 480 <10 <20 84 20 34 6
Wi 4 1,10 46,22 34,11 1,43 b,d,l, 0,25 0,25 0,35 1,42 0,97 0,433 11 555 18 164 21 49 39 40 6
Wi 5 2,25 46,75 34,13 1,55 b,d,l, 0,25 0,23 0,28 1,58 0,99 0,315 11 572 17 76 25 51 24 39 6
Unterer Ton
Wi 6 13,00 48,19 34,11 1,18 b,d,l, 0,23 0,24 0,26 2,04 1,07 0,324 <10 793 19 109 <20 37 <20 39 6
Wi 7 15,00 46,78 34,89 1,23 b,d,l, 0,29 0,31 0,24 2,28 1,08 0,281 <10 881 18 89 <20 43 <20 39 6
Wi 8 17,00 46,96 35,26 1,46 b,d,l, 0,3 0,27 0,18 2,08 0,9 0,222 b,d,l, 762 19 47 <20 59 b,d,l, 40 <6
Mittelwert n=5 47 34,5 1,4 0,3 0,3 0,26 1,9 1 0,3 713 18 97 48 39 6
St.Abw. 0,7 0,5 0,2 0,03 0,03 0,06 0,36 0,1 0,1 143 1 44 8 1 0,5
Kaolin
Roter Kaolin
Wi 12 35,4 27,85 20,02 0,193 <0,10 <0,10 0,17 0,44 1,22 0,413 <10 133 15 66 21 217 33 27 <6
Grüner Kaolin
Wi 13 47,39 34,79 2,08 0,116 0,66 0,16 0,15 3,36 1 0,307 b,d,l, 312 16 196 <20 <20 <20 46 <6
Heller Kaolin
Wi 14 44,39 36,64 1,23 <0,020 <0,10 0,14 0,72 0,17 1,73 0,875 <10 199 17 68 <20 b,d,l, <20 36 <6
Wi 15 44,07 36,63 0,68 <0,020 <0,10 0,62 0,44 0,23 2,09 0,667 21 109 20 223 b,d,l, b,d,l, <20 46 <6
Wi 16 44,05 36,42 1,12 b,d,l, <0,10 0,18 0,57 0,45 2,31 0,735 <10 247 16 171 <20 b,d,l, 20 46 <6
Wi 17 44,33 36,65 1,33 b,d,l, <0,10 0,16 0,27 0,37 2,73 0,444 <10 112 18 75 13 b,d,l, b,d,l, 45 <6
Mittelwert n=4 44,2 36,6 1,1 0,28 0,5 0,31 2,22 0,7 166 18 134 43
St.Abw. 0,2 0,1 0,3 0,2 0,2 0,1 0,4 0,2 68 2 76 5
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
263
Ton Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th U V Y Zn Zr L.O.I SUM
Oberer Ton m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Wi 1 0,10 <40 5,4 <6 <15 46 22 <15 68 <15 <6 48 <20 <9 96 <10 53 117
Wi 2 0,35 <40 <7,0 <6 <15 41 26 <15 72 <15 <6 35 <20 <9 96 <10 <20 114
Wi 3 0,60 <40 <7,0 <6 <15 36 24 <15 73 <15 <6 37 <20 <9 110 <10 <20 120
Wi 4 1,10 70 8 9 62 62 46 <15 71 15 11 60 25 <9 137 27 104 170 14,23 99,72
Wi 5 2,25 38 11 16 27 87 41 <15 76 <15 <6 60 22 b,d,l, 144 17 89 162 13,56 99,67
Unterer Ton
Wi 6 13,00 65 8 16 42 50 31 <15 80 <15 7 67 <20 b,d,l, 121 18 41 182 12,87 100,55
Wi 7 15,00 60 8 19 39 49 46 <15 98 15 7 73 <20 b,d,l, 145 18 36 165 12,36 99,81
Wi 8 17,00 <40 7 14 23 51 27 <15 90 18 <6 59 <20 b,d,l, 127 13 28 131 13,13 100,79
Mittelwert n=5 50 8 15 39 60 38 83 13 7 64 135 19 60 162 13,2
St.Abw. 23 2 4 15 16 9 11 4 2 6 11 5 34 19 0,7
Kaolin
Roter Kaolin
Wi 12 b,d,l, 10 <6 26 31 <20 <15 <30 <15 <6 19 21 b,d,l, 132 <10 <20 90 12,65 98,54
Grüner Kaolin
Wi 13 108 7 11 81 <20 <20 19 206 23 14 42 69 <9 136 30 <20 62 11,11 101,14
Heller Kaolin
Wi 14 n=4 117 11 43 40 <20 <20 20 <30 <15 8 53 24 <9 67 <10 <20 <50 15,13 101,03
Wi 15 161 8 32 66 26 273 27 <30 17 8 62 38 <9 85 <10 83 <50 15,35 100,86
Wi 16 95 9 33 60 <20 56 17 44 <15 9 54 62 <9 111 17 43 <50 14,17 99,98
Wi 17 <40 10 41 32 <20 51 <15 38 <15 6 28 70 <9 89 <10 31 <50 14,33 100,56
Mittelwert 97 10 37 50 98 18 34 8 49 49 88 43 14,8
St.Abw. 61 1 6 16 118 8 9 1 15 21 18 29 0,6
E) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben
Berechnet (XRF) Gemessen (XRF)
Wiesa Tiefe Kaolinit Illit/Muskovit Pyrit/Markasit Quarz Anatas
Rest
(u.a. Corg) Kaolinit Illit/Muskovit Quarz
Ton m % % % % % % % % %
Oberer Ton
Wi 1 0,10 36 10 1 2 0,5 46 77 9 14
Wi 2 0,35 65 17 1,5 5,5 1 10 68 10 22
Wi 3 0,60 41,5 19,5 0,5 18,5 1 19 24 13 63
Wi 4 1,10 24 15 - 60 1 0 13 9 78
Wi 5 2,25 36 22 - 40,5 1 0,5 18 14 68
Unterer Ton
Wi 6 13,00 31,5 20 - 47 1 0,0 13 9 77
Wi 7 15,00 31 20,5 - 47 1 0,0 13 7 80
Wi 8 17,00 42 20 0,5 36 1 0,0 25 10 66
Mittelwert n=5 32,9 19,5 <1 46,1 1,0 0,1 16,4 9,9 73,7
St.Abw. 6,7 2,7 - 9,1 - - 5,2 2,4 6,4
Kaolin
Roter Kaolin Hämatit
Wi 12 71 6 14 5,5 1,5 2 73 12,5 14,5
Grüner Kaolin Siderit
Wi 13 47,5 15,5 2,5 34 0,5 0 43 6 50
Heller
Kaolin
Wi 14 66 1 1 30 0,5 1,5 83 1 16
Wi 15 53 2 0,5 42 1 1,5 77 2 21
Wi 16 60 1,5 1 35 1 1,5 83 1 16
Wi 17 57 1,5 1 38 0,5 2 81 2 18
Mittelwert n=4 59,0 1,5 ca. 1,0 36,3 0,8 1,6 80,9 1,3 17,7
St.Abw. 5,5 0,4 5,1 0,3 0,3 2,8 0,6 2,4
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
264
F) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Wiesa Tiefe Kaolinit Illit Pyrit/Markasit Quarz Anatas Rest (u.a. Corg) Kaolinit Illit
Ton m % % % % % % % %
Oberer Ton
Wi 1 0,10 54 16 1 10 1 18 77 23
Wi 2 0,35 68,5 15 1 7 1 7,5 78 22
Wi 3 0,60 54 16 1 12,5 1 15,5 80 20
Wi 4 1,10 75,5 16 1 2,5 1 4 75 25
Wi 5 2,25 74 18 1 3 1 3 69 31
Unterer Ton
Wi 6 13,00 70 23 1 3,5 1 1,5 89 11
Wi 7 15,00 70,5 26 1 0,5 1 1 43 57
Wi 8 17,00 73 23,5 1 0,5 1 1 56 44
Mittelwert n=5 72,6 21,3 1 2 1 2,1 66,3 33,7
St.Abw. 2,3 4,2 - 1,4 - 1,3 17,6 17,6
Kaolin
Roter Kaolin Hämatit
Wi 12 0,75 66 5 20 1,5 1 6,5 90 10
Grüner Kaolin Siderit
Wi 13 2,25 61 38 0,5 0 0,5 0 45 55
Heller Kaolin
Wi 14 5,00 91,5 2 1 1 1,5 3 95 5
Wi 15 7,00 91 2,5 1 1 1,5 3 93 7
Wi 16 3,00 88,5 5 1 0,5 2 3 93 7
Wi 17 6,00 90 4 1 0,5 2,5 2 94 6
Mittelwert n=4 90,3 3,4 1 0,8 1,9 2,8 93,9 6,1
St.Abw. 1,3 1,4 0,3 0,5 0,5 1,2 1,2
G) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits
der Fraktion <2 µm
Ton Tiefe Halbwertsbreite Aufweitung mit DMSO
Oberer Ton m °2Theta %
Wi 1 0,10 0,39 63,7
Wi 2 0,35 0,45 26,7
Wi 3 0,60 0,44 45,6
Wi 4 1,10 0,41 25,0
Wi 5 2,25 0,43 56,8
Unterer Ton
Wi 6 13,0 0,43 31,1
Wi 7 15,0 0,41 51,8
Wi 8 17,0 0,44 21,8
Mittelwert n=5 0,42 37,3
St.Abw. 0,01 16
Kaolin
Roter Kaolin
Wi 12 0,75 0,62 97,8
Grüner Kaolin
Wi 13 2,25 0,52 97,7
Heller Kaolin
Wi 14 5,0 0,43 87,3
Wi 15 7,0 0,40 [37,3]
Wi 16 3,0 0,38 87,5
Wi 17 6,0 0,42 88,6
Mittelwert n=4 0,41 87,8
St.Abw. 0,02 0,5
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
265
H) Trockenrohdichte
Ton Trockenrohdichte
Oberer Ton g/cm³
Wi 5 1,84
Unterer Ton
Wi 7 1,97
Kaolin
Heller Kaolin
Wi 14 1,52
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
266
6) Lagerstätte Cunnersdorf
A) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben
(Proben der Rohdichte <1,6 g/cm³/Daten nach Krumb 1998)
Proben Rohdichte SiO2 Al2O3 TiO2 Fe2O3 MgO Na2O CaO K2O P2O5 Ba Ce Co Cr Ga Hf
Cu2-16 1,59 67,51 17,56 0,77 5,47 0,39 0,05 0,04 1,88 0,17 592 144 24 62 20 7
Cu2-6 1,58 67,19 17,62 0,72 5,35 0,41 0,05 0,01 1,94 0,16 520 145 18 64 24 7
Cu2-2 1,57 66,93 17,91 0,75 5,68 0,52 0,05 0,15 2,78 0,20 480 134 29 84 18 6
Cu2-8 1,57 69,20 15,95 0,70 5,59 0,35 0,05 0,08 1,74 0,18 629 8 24 7 19 6
Cu2-15 1,57 74,66 13,47 0,53 4,00 0,26 0,05 0,01 1,09 0,14 345 140 15 51 13 6
Cu2-25 1,57 64,65 18,81 0,78 5,85 0,46 0,05 0,02 2,57 0,18 794 164 21 64 23 7
Cu2-1 1,56 59,96 20,33 0,87 7,37 0,61 0,05 0,03 3,58 0,21 697 149 25 128 25 6
Cu2-3 1,56 57,31 2,26 0,98 7,02 0,78 0,04 0,07 4,65 0,23 885 133 21 195 31 5
Cu2-18 1,56 65,26 17,55 0,73 6,69 0,38 0,05 0,06 1,81 0,22 606 112 18 64 19 6
Cu2-7 1,55 72,33 14,64 0,62 5,26 0,18 0,05 0,02 0,69 0,16 216 82 28 50 19 6
Cu2-23 1,55 69,76 15,62 0,72 5,38 0,32 0,05 0,01 1,62 0,19 382 146 24 71 19 9
Cu2-24 1,55 71,87 14,48 0,81 5,54 0,25 0,05 0,00 0,94 0,18 296 133 19 51 19 8
Cu2-14 1,54 72,71 15,11 0,51 4,16 0,22 0,05 0,02 0,85 0,16 230 134 28 51 17 4
Cu2-9 1,52 66,58 17,54 0,65 5,61 0,33 0,05 0,08 1,35 0,18 491 119 24 50 21 6
Cu2-27 1,52 65,71 18,34 0,72 6,25 0,37 0,05 0,11 1,68 0,20 597 127 20 47 20 5
Cu2-26 1,5 68,74 16,78 0,79 5,30 0,28 0,05 0,00 1,11 0,20 514 131 24 75 26 6
Cu14-1 1,49 58,24 21,89 0,73 7,27 0,83 0,06 0,24 3,98 0,24 848 151 20 112 25 5
Cu14-2 1,49 64,76 17,94 0,69 6,03 0,67 0,07 0,11 3,09 0,21 626 129 32 80 18 5
Cu14-4 1,49 65,13 16,80 0,75 6,41 0,43 0,09 0,07 1,76 0,32 673 191 99 63 21 6
Cu3-2 1,48 57,74 19,56 0,78 9,38 0,72 0,05 0,09 3,91 0,30 697 54 47 180 32 6
Cu4-10 1,47 53,15 22,90 0,96 7,61 1,22 0,35 0,63 4,77 0,21 1180 72 20 122 39 6
Cu14-9 1,46 69,61 15,48 0,61 4,56 0,86 0,16 0,29 1,66 0,09 288 68 48 65 17 6
Cu14-12 1,39 66,77 16,54 0,77 5,31 0,95 0,13 0,18 2,48 0,13 589 105 45 93 18 8
Cu14-5 1,35 59,20 22,10 0,81 4,91 0,90 0,09 0,12 3,42 0,14 695 145 27 80 33 5
Cu14-6 1,3 63,78 18,11 0,78 5,82 1,07 0,10 0,18 2,81 0,20 480 126 28 84 19 5
Mittelwert 65,6 17 0,7 5,9 0,6 0,1 0,1 2,3 0,2 574 122 29 80 22 6
Std.Abw. 5,4 3,9 0,1 1,2 0,3 0,1 0,1 1,2 0,05 221 39 17 41 6 1
Proben Rohdichte La Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sr Th U V Y Zn Zr
Cu2-16 1,59 141 13 68 23 26 26 74 15 44 12 2 97 27 69 288
Cu2-6 1,58 138 14 72 33 16 23 85 17 33 17 8 82 28 54 298
Cu2-2 1,57 108 14 77 31 5 21 106 21 26 14 7 102 36 50 218
Cu2-8 1,57 126 13 48 30 25 23 70 18 58 13 6 85 22 48 212
Cu2-15 1,57 156 8 76 34 32 27 55 12 62 8 7 65 22 43 211
Cu2-25 1,57 135 14 71 20 25 23 91 19 44 15 9 103 31 70 251
Cu2-1 1,56 121 15 92 38 8 20 138 24 27 18 9 137 63 53 196
Cu2-3 1,56 293 12 74 33 12 42 171 28 34 19 10 153 46 60 190
Cu2-18 1,56 158 12 94 39 22 30 85 11 50 19 9 94 22 62 209
Cu2-7 1,55 136 10 50 34 37 22 39 13 44 12 4 59 21 53 228
Cu2-23 1,55 134 13 66 46 21 25 70 17 33 16 9 84 31 49 367
Cu2-24 1,55 156 14 63 35 37 26 58 7 56 15 6 72 22 58 373
Cu2-14 1,54 119 9 63 39 21 22 44 11 36 14 9 51 27 42 197
Cu2-9 1,52 199 9 119 38 17 36 65 21 54 14 8 74 26 56 210
Cu2-27 1,52 246 12 113 21 21 43 76 21 74 16 7 82 25 56 213
Cu2-26 1,5 294 11 98 44 50 46 62 15 112 15 8 62 25 47 249
Cu14-1 1,49 197 11 147 38 14 36 176 23 41 13 11 142 67 98 160
Cu14-2 1,49 141 12 95 28 26 26 146 12 48 18 10 115 77 92 162
Cu14-4 1,49 184 14 93 62 98 33 102 15 65 18 13 105 109 165 205
Cu3-2 1,48 5 18 21 1 37 5 156 19 26 22 7 148 4 91 197
Cu4-10 1,47 20 18 18 78 33 1 138 16 47 18 9 159 30 119 204
Cu14-9 1,46 104 11 35 51 25 11 409 11 28 17 7 55 42 168 197
Cu14-12 1,39 100 13 60 68 21 17 193 17 40 17 2 84 59 171 296
Cu14-5 1,35 164 13 132 28 14 28 224 22 41 18 10 129 117 182 190
Cu14-6 1,3 157 14 208 40 13 32 254 14 22 17 11 94 172 154 220
Mittelwert 149 13 82 37 26 26 124 17 46 16 8 97 46 84 230
Std.Abw. 66 2 41 16 18 11 83 5 19 3 3 32 38 47 55
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
267
7) Lagerstätte Spergau
A) Korngrößenverteilung
Kaolin 1
Probe < 2 µm 2-6,3 µm 6,3-20 µm 20-63 µm > 63 µm
% % % % %
Sp1 6,88 1,06 0,56 1,77 89,73
Sp3 33,65 6,44 2,57 7,98 49,36
Sp4 26,95 4,19 1,03 2,21 65,62
Sp11 30,34 3,52 4,50 9,18 52,45
Sp5 21,21 0,56 0,38 1,49 76,36
Sp6 5,08 0,16 0,68 3,14 90,94
Sp9 32,74 2,22 1,00 3,15 60,89
Sp12 25,25 1,15 0,50 2,78 70,32
Sp10 36,34 6,52 2,39 4,56 50,19
Mittelwert 24,3 2,9 1,5 4 67,3
St.Abw. 11,4 2,4 1,4 2,8 16
Kaolin 2
Probe < 2 µm 2-6,3 µm 6,3-20 µm 20-63 µm > 63 µm
% % % % %
Sp2 44,77 18,01 18,50 8,69 10,03
Sp7 30,78 9,53 11,53 9,36 38,81
Mittelwert 37,8 13,77 15,02 9,02 24,4
St.Abw. 9,9 6 4,9 0,5 20,4
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben
Kaolin 1 Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
m % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Sp1 0,15 88,9 3,26 <0.06 0,14 <0.10 <0,20 <0.05 0,05 <0,05 <10 <50 b.d.l. <40 b.d.l. <20 b.d.l. <8 <6
Sp3 0,9 75,96 14,45 0,22 0,23 0,14 <0,20 0,07 0,19 <0,05 b.d.l. <50 b.d.l. 61 b.d.l. 21 b.d.l. 15 9
Sp4 1,3 80,09 12,01 0,11 0,21 <0.10 <0,20 <0.05 0,16 <0,05 b.d.l. <50 <10 <40 b.d.l. <20 b.d.l. <8 10
Sp11 1,3 82,67 10,55 0,18 0,18 <0.10 <0,20 <0.05 0,1 <0,05 b.d.l. <50 b.d.l. <40 b.d.l. <20 b.d.l. 10 <6
Sp5 1,8 83,14 8,33 0,08 0,2 <0.10 <0,20 b.d.l. 0,07 <0,05 b.d.l. <50 b.d.l. 43 b.d.l. <20 b.d.l. <8 <6
Sp6 2,1 >90.00 1,82 0,08 0,13 <0.10 <0,20 <0.05 0,09 <0,05 b.d.l. <50 b.d.l. <40 b.d.l. <20 b.d.l. <8 <6
Sp9 2,4 77,87 13,19 0,24 0,23 <0.10 <0,20 0,09 0,16 <0,05 b.d.l. <50 b.d.l. 46 b.d.l. <20 b.d.l. 15 <6
Sp12 2,5 82,15 9,18 0,11 0,18 <0.10 <0,20 <0.05 0,09 <0,05 b.d.l. <50 b.d.l. <40 b.d.l. <20 b.d.l. 9 <6
Sp10 2,6 74,57 14,73 0,27 0,25 0,11 <0,20 0,11 0,19 <0,05 <10 <50 b.d.l. 55 b.d.l. <20 b.d.l. 11 7
Mittelwert 80,7 9,7 0,2 0,2 0,1
St.Abw. 4,6 4,6 0,1 0,04 0,1
Kaolin 2
Sp2 0,3 60,86 25,51 0,53 0,36 0,18 <0,20 0,91 0,55 0,105 12 204 b.d.l. 166 <20 45 <20 21 <6
Sp7 2,3 72,14 16,72 0,49 0,32 <0.10 <0,20 0,91 0,65 0,075 <10 179 b.d.l. 158 b.d.l. 44 b.d.l. 23 8
Mittelwert 66,5 21,1 0,5 0,3 0,9 0,6 0,1 192 162 45 22
St.Abw. 8 6,2 0,03 0,03 0,00 0,07 0,02 18 6 1 1
Kaolin 1 Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th U V Y Zn Zr L.O.I
m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm %
Sp1 0,15 <40 b.d.l. <6 <15 <20 <20 <15 <30 <15 <6 15 b.d.l. <9 10 <10 b.d.l. 54 1,33
Sp3 0,9 <40 b.d.l. <6 30 <20 30 <15 <30 b.d.l. <6 43 <20 <9 12 11 b.d.l. 398 6,16
Sp4 1,3 b.d.l. <7 <6 15 <20 <20 b.d.l. <30 b.d.l. <6 16 <20 <9 16 <10 <20 456 5
Sp11 1,3 <40 b.d.l. <6 19 b.d.l. <20 <15 <30 b.d.l. <6 24 <20 <9 19 <10 <20 158 4,35
Sp5 1,8 b.d.l. b.d.l. <6 23 <20 <20 <15 <30 b.d.l. <6 15 <20 <9 17 <10 b.d.l. 169 3,46
Sp6 2,1 <40 b.d.l. <6 <15 b.d.l. b.d.l. <15 <30 <15 <6 13 <20 <9 13 <10 b.d.l. 140 0,75
Sp9 2,4 <40 b.d.l. <6 24 b.d.l. <20 <15 <30 <15 <6 43 <20 <9 19 <10 b.d.l. 211 5,47
Sp12 2,5 b.d.l. b.d.l. <6 17 <20 <20 <15 <30 <15 <6 13 <20 <9 19 <10 b.d.l. 223 3,82
Sp10 2,6 <40 <7 <6 24 <20 39 <15 <30 b.d.l. <6 49 <20 b.d.l. 18 <10 <20 318 6,47
Mittelwert 18,44 25,67 15,89 236,33 4,09
St.Abw. 7,84 14,96 3,41 129,94 2,00
Kaolin 2
Sp2 0,3 88 b.d.l. 9 61 b.d.l. 90 <15 40 <15 10 208 <20 <9 51 17 <20 226 9,64
Sp7 2,3 68 <7 9 60 <20 39 <15 43 <15 10 181 <20 <9 44 25 b.d.l. 395 7,01
Mittelwert 78 9 61 65 42 10 195 48 21 311 8,3
St.Abw. 14 1 36 2 19 5 6 120 1,9
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
268
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf La
Kaolin 1 m % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Sp1 0,15 43,23 35,62 0,38 0,28 0,25 1,38 0,22 0,15 1,596 14 87 b.d.l. 317 <20 34 21 42 <6 78
Sp3 0,9 44,82 36,64 0,54 0,44 0,33 0,29 0,12 0,19 0,353 10 98 b.d.l. 166 <20 28 b.d.l. 31 <6 70
Sp4 1,3 44,94 37,18 0,31 0,36 0,23 0,33 0,07 0,13 0,346 <10 <50 b.d.l. 80 b.d.l. 24 b.d.l. 31 <6 <40
Sp11 1,3 44,46 36,45 0,77 0,35 0,21 0,24 0,37 0,37 0,497 13 107 b.d.l. 165 <20 35 b.d.l. 33 <6 60
Sp5 1,8 44,78 37,28 0,36 0,37 0,22 0,3 <0,05 0,07 0,363 <10 <50 b.d.l. 59 b.d.l. 23 b.d.l. 30 <6 <40
Sp6 2,1 43,03 34,95 1,03 0,37 0,12 1,52 0,26 0,27 1,684 15 99 b.d.l. 131 <20 33 <20 31 <6 57
Sp9 2,4 44,6 36,48 0,61 0,44 0,16 0,35 0,12 0,16 0,378 <10 <50 b.d.l. 80 <20 24 b.d.l. 37 <6 <40
Sp12 2,5 44,33 36,93 0,46 0,33 <0,1 0,4 0,07 0,11 0,395 10 <50 b.d.l. 75 b.d.l. 33 b.d.l. 29 <6 <40
Sp10 2,6 44,78 36,93 0,51 0,39 0,25 0,28 0,1 0,13 0,327 32 79 b.d.l. 131 <20 27 b.d.l. 28 <6 <40
Mittelwert 44,3 36,5 0,6 0,4 0,2 0,6 0,2 0,2 0,7 13 70 134 29 32
St.Abw. 0,7 0,8 0,2 0,1 0,1 0,5 0,1 0,1 0,6 8 30 79 5 4
Kaolin 2
Sp2 0,3 43,01 34,6 0,68 0,49 0,31 0,34 1,23 0,83 0,505 36 308 b.d.l. 447 <20 54 <20 35 <6 220
Sp7 2,3 44,66 35,53 0,92 0,51 0,12 0,4 1,32 0,98 0,508 22 267 b.d.l. 274 <20 60 b.d.l. 44 <6 160
Mittelwert 43,8 35,1 0,8 0,5 0,2 0,4 1,3 0,9 0,5 29 288 361 57 40 190
St.Abw. 1,2 0,7 0,2 0,01 0,1 0,04 0,1 0,1 0,00 10 29 122 4 6 42
Tiefe Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th U V Y Zn Zr L.O.I SUM
Kaolin 1 m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Sp1 0,15 b.d.l. b.d.l. 75 <20 135 <15 <30 <15 7 89 <20 <9 34 12 26 74 15,44 98,43
Sp3 0,9 b.d.l. b.d.l. 64 <20 106 <15 <30 <15 11 101 <20 <9 34 10 <20 58 15,73 99,3
Sp4 1,3 <7 <6 35 <20 55 <15 <30 <15 <6 41 <20 <9 31 <10 <20 51 15,39 99,12
Sp11 1,3 8 <6 67 <20 103 <15 <30 <15 11 190 <20 <9 32 <10 <20 68 15,39 98,97
Sp5 1,8 <7 <6 35 <20 72 <15 <30 <15 7 42 <20 <9 33 <10 <20 <50 15,5 99,11
Sp6 2,1 <7 <6 50 <20 77 <15 <30 <15 8 124 <20 <9 38 12 33 77 15,4 98,5
Sp9 2,4 <7 <6 26 <20 58 <15 <30 <15 <6 86 <20 <9 27 <10 <20 53 15,68 98,8
Sp12 2,5 <7 <6 41 <20 67 <15 <30 <15 8 53 <20 <9 34 <10 <20 60 15,22 98,17
Sp10 2,6 <7 b.d.l. 56 <20 120 <15 <30 b.d.l. 10 74 <20 <9 33 <10 <20 <50 15,62 99,17
Mittelwert 50 88 8 89 33 58 15,5
St.Abw. 17 29 3 47 3 13 0,2
Kaolin 2
Sp2 0,3 b.d.l. 7 142 <20 233 35 58 <15 20 393 23 <9 66 25 <20 130 16,36 98,3
Sp7 2,3 <7 14 95 <20 97 26 65 <15 15 373 <20 b.d.l. 70 25 <20 155 14,18 99,05
Mittelwert 11 119 165 31 62 18 383 68 25 143 15,3
St.Abw. 5 33 96 6 5 4 14 3 0,0 18 1,5
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Tiefe Kaolinit Illit/Muskovit Quarz Anatas Quarz Kaolinit Illit/Muskovit
Kaolin 1 m % % % % % % %
Sp1 0,15 8,0 <3 91,0 - 94,5 5,5 <3
Sp3 0,9 36,5 <3 58,5 0,5 71,5 28,5 <3
Sp4 1,3 30,5 <3 66,5 0,5 74,5 25,5 <3
Sp11 1,3 26,5 <3 70,5 0,5 83,5 16,5 <3
Sp5 1,8 21,0 <3 77,0 0,5 83,5 16,5 <3
Sp6 2,1 4,5 <3 95,0 0,5 97,0 3,0 <3
Sp9 2,4 33,0 <3 64,0 0,5 89,0 11,0 <3
Sp12 2,5 23 <3 75 0,5 86,0 14,0 <3
Sp10 2,6 36,5 <3 61,0 0,5 62,0 38,0 <3
Mittelwert 22,4 <3 75,4 0,5 84,1 15,9 <3
St.Abw. 12,7 - 13,9 - 11,9 11,9 -
Kaolin 2
Sp2 0,3 56,5 10,5 32,5 0,5 60,0 29,5 10,5
Sp7 2,3 35,5 11,0 53,0 0,5 37,0 46,0 17,0
Mittelwert 46,0 10,8 42,8 0,5 48,5 37,8 13,8
St.Abw. 14,9 0,4 14,5 16,3 11,7 4,6
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
269
E) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Berechnet (XRF) Gemessen (XRD)
Tiefe Kaolinit Illit Quarz Anatas Pyrit - Goethit Rest (u.a. Corg) Kaolinit Illit
Kaolin 1 m % % % % % % % %
Sp1 0,15 91,5 3,0 1,5 0,5 0,5 3,0 98 <3
Sp3 0,9 92,5 1,5 1,0 0,5 0,5 4,0 98 <3
Sp4 1,3 94,5 1,0 0,5 0,5 0,5 3,0 100 <3
Sp11 1,3 91,0 4,0 1,0 0,5 1,0 2,5 94 6
Sp5 1,8 95,0 0,5 0,5 0,5 0,5 3,0 100 <3
Sp6 2,1 87,0 3,0 1,5 0,5 1,5 6,5 96 4
Sp9 2,4 92,0 1,5 1,0 0,5 1,0 4,0 98 <3
Sp12 2,5 96,0 1,0 1,0 0,5 0,5 1,0 99 <3
Sp10 2,6 94,0 1,0 1,0 0,5 1,0 2,5 98 <3
Mittelwert 92,6 2,0 1,0 0,5 ca. 1,0 3,0 97,8 2,2
St.Abw. 2,6 1,2 0,37 1,8 2 -
Kaolin 2
Sp2 0,3 78,0 14,0 0,5 1,0 0,5 6,0 81 19
Sp7 2,3 79,5 15,0 1,0 1,0 0,5 3,0 76 24
Mittelwert 78,8 14,5 0,8 1,0 0,5 4,5 78,4 21,6
St.Abw. 1,1 0,7 0,4 - - 2,12 3,8 3,8
F) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits
der Fraktion <2 µm
Kaolin 1
Probe Halbwertsbreite Aufweitung mit DMSO
°2Theta %
Sp 3 0,51 81,1
Sp 4 0,43 94,8
Sp 11 0,42 95,1
Sp 5 0,40 94,3
Sp 9 0,54 94,5
Sp 12 0,43 94,6
Sp 10 0,43 100,0
Mittelwert 0,45 93,5
St.Abw. 0,05 5,8
Kaolin2
Probe
Sp 2 0,44 97,0
Sp 7 0,42 97,7
Mittelwert 0,43 97,4
St.Abw. 0,02 0,5
G) Trockenrohdichte
Tiefe Trockenrohdichte
Kaolin 1 m g/cm3
Sp 11 1,3 1,77
Sp12 2,5 1,74
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
270
8) Lagerstätte Roßbach
A) Korngrößenverteilung
Tiefe <2 µm 2-6,3 µm 6,3-20 µm 20-63 µm > 63 µm
Ton
(verwittert)
m % % % % %
Ro 1 0,15 60,67 22,86 13,94 2,20 0,34
Ro 2 0,65 58,19 22,99 15,38 3,01 0,42
Ton 1 + Ton 3
Ro 3 1,10 54,79 20,32 17,17 6,85 0,87
Ro 4 1,60 37,13 14,21 22,32 22,17 4,16
Ro 7 2,00 32,27 13,53 23,73 26,64 3,84
Ro 5 2,10 33,58 13,11 14,20 20,56 18,56
Ro 6 2,50 32,14 14,72 16,32 21,21 15,61
Ro 12 3,60 43,15 8,31 15,83 25,73 6,99
Ro 13 4,00 51,02 16,87 22,15 9,06 0,90
Ro 14 4,50 72,04 12,88 8,54 5,15 1,38
Ro 15 5,10 43,52 8,78 14,96 21,36 11,38
Ro 16 5,50 38,53 9,12 14,18 26,09 12,07
Ro 17 6,00 51,67 11,62 15,35 17,52 3,84
Ro 18 6,30 43,92 11,01 18,59 22,66 3,83
Ro 20 7,20 56,70 17,68 11,44 9,10 5,08
Ro 21 7,70 39,53 13,35 17,18 18,40 11,55
Ro 22 5,10 43,36 14,32 21,16 18,15 3,00
Ro 24 6,00 46,79 15,11 22,00 14,50 1,60
Ro 25 6,30 38,41 21,44 27,31 12,12 0,72
Ro 26 6,50 51,44 18,29 23,01 7,06 0,20
Ro 28 38,39 18,18 28,52 14,16 0,76
Ro 29 53,33 3,77 30,94 11,70 0,26
Mittelwert 45,1 13,8 19,2 16,5 5,3
Std.Abw. 9,9 4,4 5,8 6,9 5,5
Kohleton + Ton 2
Ro 8a 2,80 74,38 19,27 5,13 1,07 0,14
Ro 8b 2,90 82,81 12,84 3,09 0,94 0,32
Ro 9 3,05 84,76 10,09 2,74 1,85 0,56
Ro 10 3,20 80,26 9,36 4,02 2,84 3,52
Mittelwert 80,6 12,9 3,8 1,7 1,1
Std.Abw. 4,5 4,5 1,1 0,9 1,6
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
271
B) Chemische Zusammensetzung der Gesamtproben
Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf La
Tone (verw.) m % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Ro1 0,15 61,64 22,88 0,9 0,57 0,28 b.d.l. 1,83 1,09 <0,05 17 389 b.d.l. 79 b.d.l. 75 23 27 <6 50
Ro2 0,65 61,18 21,69 0,85 0,58 0,26 b.d.l. 2 1,1 <0,05 18 416 b.d.l. 96 <20 80 21 32 7 54
Ton 1 + Ton 3
Ro3 1,10 64,67 21,13 0,88 0,59 0,24 b.d.l. 2 1,07 <0,05 23 358 9 103 b.d.l. 69 <20 32 7 65
Ro4 1,60 72,61 15,78 0,74 0,43 0,19 b.d.l. 1,65 1,04 <0,05 16 298 b.d.l. 99 b.d.l. 65 <20 19 10 56
Ro7 2,00 74,55 14,52 0,66 0,54 0,18 <0.02 1,48 1,03 <0,05 <10 228 b.d.l. 92 b.d.l. 92 65 20 9 53
Ro5 2,10 75,56 13,45 0,61 0,36 0,17 b.d.l. 1,33 0,95 <0,05 16 282 b.d.l. 89 <20 61 <20 18 13 40
Ro6 2,50 74,29 14,57 0,68 0,46 0,18 b.d.l. 1,54 0,99 <0,05 13 277 11 82 <20 63 <20 18 12 <40
Ro12 3,60 73,84 14,43 0,68 0,21 0,19 0,22 1,02 1,24 <0,05 21 271 b.d.l. 72 <20 62 <20 27 11 53
Ro13 4,00 68,5 18,67 0,83 0,49 0,21 <0.02 1,73 1,21 <0,05 15 341 b.d.l. 76 b.d.l. 76 <20 27 8 51
Ro14 4,50 59,91 24,55 1 0,58 0,3 b.d.l. 1,98 1,03 <0,05 15 341 b.d.l. 93 <20 75 <20 34 7 55
Ro15 5,10 72,73 16,02 0,66 0,39 0,15 b.d.l. 1,24 1,11 <0,05 14 279 b.d.l. 64 b.d.l. 71 <20 20 12 <40
Ro16 5,50 74,51 14,07 0,63 0,38 0,18 b.d.l. 1,29 1,02 <0,05 13 272 b.d.l. 80 <20 61 <20 21 13 <40
Ro17 6,00 70,13 17,6 0,77 0,43 0,21 b.d.l. 1,55 1,11 <0,05 17 324 b.d.l. 93 b.d.l. 75 <20 29 10 <40
Ro18 6,30 73,23 15,17 0,72 0,39 0,19 <0.02 1,36 1,11 <0,05 13 291 b.d.l. 53 <20 72 <20 19 10 <40
Ro20 7,20 67,98 19,46 0,77 0,49 0,22 0,25 1,49 0,99 <0,05 19 325 b.d.l. 89 b.d.l. 61 <20 28 8 57
Ro21 7,70 74,13 14,98 0,62 0,42 0,18 b.d.l. 1,13 0,96 <0,05 20 250 b.d.l. 107 b.d.l. 54 <20 21 9 60
Ro22 5,10 72,37 15,57 0,65 0,39 0,17 b.d.l. 1,23 1,15 <0,05 23 300 b.d.l. 91 b.d.l. 53 <20 24 9 50
Ro23 5,50 74,78 12,32 0,57 0,38 0,16 b.d.l. 1,15 1,02 <0,05 14 262 b.d.l. 87 b.d.l. 56 <20 22 11 41
Ro24 6,00 69,59 16,79 0,75 0,46 0,21 b.d.l. 1,46 1,12 <0,05 19 309 b.d.l. 106 <20 63 <20 25 9 <40
Ro25 6,30 75,68 13,26 0,61 0,48 0,17 <0.02 1,25 1,08 <0,05 12 202 b.d.l. 98 b.d.l. 98 55 21 9 40
Ro26 6,50 68,76 18,43 0,95 0,51 0,22 b.d.l. 1,63 1,19 <0,05 21 336 b.d.l. 100 <20 62 <20 26 8 64
Ro27 7,00 68,44 17,61 0,79 0,48 0,21 b.d.l. 1,6 1,23 <0,05 23 349 b.d.l. 108 <20 58 <20 30 8 65
Ro28 15,49 0,69 0,46 0,18 b.d.l. 1,46 1,16 <0,05 19 315 b.d.l. 96 b.d.l. 67 <20 25 9 58
Ro29 17,84 0,76 0,47 0,21 b.d.l. 1,53 1,25 <0,05 20 311 b.d.l. 122 <20 72 <20 25 8 51
Mittelwert 71,3 16,4 0,7 0,5 0,2 1,5 1,1 17 296 91 68 24 10 54
Std.Abw. 3,9 2,8 0,1 0,1 0,03 0,3 0,3 4 40 27 21 5 2 8
Kohleton und Ton 2
Ro8a 2,80 55,57 26,26 1,17 0,78 0,3 b.d.l. 2,5 0,98 <0,05 19 412 b.d.l. 102 b.d.l. 70 <20 36 13 69
Ro8b 2,90 54,83 27,53 1,02 0,73 0,38 <0.02 2,24 1,1 <0,05 18 439 b.d.l. 118 <20 71 <20 44 6 66
Ro9 3,05 53,54 27,09 1,04 0,8 0,51 b.d.l. 2,33 1,01 <0,05 16 446 b.d.l. 99 <20 81 <20 50 6 63
Ro10 3,20 50,5 22,01 0,77 0,65 0,78 b.d.l. 1,55 1,24 <0,05 14 368 b.d.l. 127 <20 132 <20 35 7 69
Mittelwert 53,6 25,7 1 0,7 0,5 2,2 1,1 17 416 112 89 41 8 67
Std.Abw. 2,2 2,5 0,2 0,1 0,2 0,4 0,1 2 35 13 29 7 3 3
Tiefe Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th U V Y Zn Zr L.O.I. Sum
Tone (verwittert) m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Ro1 0,15 <7 26 35 <20 <20 <15 107 <15 7 101 <20 <9 83 27 <20 196 8,31 97,39
Ro2 0,65 b.d.l 24 37 <20 28 <15 114 <15 7 100 <20 <9 100 29 <20 199 7,9 95,55
Ton 1 + Ton 3
Ro3 1,10 b.d.l. 25 40 <20 <20 <15 119 <15 7 94 28 9 93 30 <20 231 7,47 97,97
Ro4 1,60 b.d.l 27 43 <20 <20 <15 94 <15 9 81 <20 <9 81 34 25 375 5,5 98,02
Ro7 2,00 b.d.l. 25 36 <20 <20 <15 86 <15 7 53 <20 <9 67 32 21 384 5,24 98,22
Ro5 2,10 b.d.l 23 38 <20 <20 <15 78 <15 8 75 <20 <9 63 36 32 524 4,8 97,22
Ro6 2,50 b.d.l. 25 40 <20 <20 <15 83 <15 8 77 <20 <9 64 35 <20 470 5,2 94,39
Ro12 3,60 b.d.l 30 30 <20 <20 <15 53 <15 <6 83 <20 <9 64 35 <20 474 5,47 97,22
Ro13 4,00 <7 29 30 <20 21 <15 94 <15 6 93 <20 <9 81 34 <20 298 6,57 98,5
Ro14 4,50 <7 25 42 <20 30 <15 118 <15 8 110 <20 <9 101 30 <20 234 8,94 98,51
Ro15 5,10 b.d.l 28 28 <20 <20 <15 70 <15 <6 80 <20 <9 70 32 <20 483 5,76 98,03
Ro16 5,50 b.d.l 24 36 <20 <20 <15 71 <15 7 73 <20 <9 73 35 <20 527 5,05 97,12
Ro17 6,00 b.d.l 27 33 <20 <20 <15 88 <15 <6 89 <20 <9 75 31 <20 382 6,25 98,06
Ro18 6,30 <7 28 25 <20 <20 <15 78 <15 <6 82 <20 <9 81 33 <20 415 5,49 97,76
Ro20 7,20 <7 26 27 <20 <20 <15 94 <15 <6 92 <20 <9 66 29 <20 297 6,3 97,99
Ro21 7,70 b.d.l 25 37 <20 <20 <15 72 <15 6 81 <20 <9 72 32 <20 393 5,38 97,7
Ro22 5,10 b.d.l 29 33 <20 <20 <15 73 <15 6 91 <20 <9 59 38 <20 361 5,71 97,3
Ro23 5,50 <7 30 32 <20 <20 <15 72 <15 <6 77 <20 <9 54 36 <20 444 4,52 94,77
Ro24 6,00 b.d.l 26 37 <20 <20 <15 90 <15 7 93 <20 <9 75 34 <20 320 6,38 96,75
Ro25 6,30 <7 29 42 <20 <20 <15 76 <15 8 61 <20 <9 49 35 <20 416 4,81 97,32
Ro26 6,50 b.d.l 32 44 <20 20 <15 103 <15 9 104 <20 <9 80 33 <20 280 6,08 97,95
Ro27 7,00 b.d.l 31 38 <20 <20 <15 100 <15 6 104 <20 10 78 35 <20 285 6,57 96,94
Ro28 <7 29 34 <20 <20 <15 89 <15 6 89 <20 <9 72 33 <20 330 5,59 97,31
Ro29 b.d.l 30 43 <20 25 <15 89 <15 8 100 <20 <9 79 39 <20 298 6,29 98,52
Mittelwert 27 36 86 7 86 73 34 374 5,9
Std.Abw. 2 6 16 1 14 12 3 89 1
Kohleton und Ton 2
Ro8a 2,80 <7 23 38 <20 23 <15 157 <15 7 113 <20 <9 99 29 <20 163 9,55 97,17
Ro8b 2,90 <7 26 45 <20 30 <15 124 <15 8 134 <20 <9 103 36 <20 192 10,51 98,36
Ro9 3,05 <7 24 43 <20 32 <15 135 <15 8 132 25 9 125 38 35 204 13,2 99,66
Ro10 3,20 b.d.l 27 46 <20 29 <15 73 <15 9 147 <20 <9 181 53 <20 268 20,48 98,14
Mittelwert 25 43 29 122 8 132 127 39 207 13
Std.Abw. 2 4 4 36 1 14 38 10 44 5
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
272
C) Chemische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Tiefe SiO2 Al2O3 Fe2O3 MnO MgO CaO Na2O K2O TiO2 P2O5 As Ba Bi Ce Co Cr Cu Ga Hf
Tone
(verw.)
m % % % % % % % % % % ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm
Ro1 0,15 47,94 30,1 1,17 b.d.l. 0,79 0,44 0,49 2,37 0,87 0,462 <10 335 b.d.l. 91 <20 82 b.d.l. 41 <6
Ro2 0,65 49,05 30,72 1,18 b.d.l. 0,84 0,41 0,39 2,61 0,84 0,323 <10 355 b.d.l. 80 <20 97 b.d.l. 41 <6
Ton 1 + Ton 3
Ro3 1,10 49,3 29,99 1,24 b.d.l. 0,91 0,44 0,52 2,74 0,89 0,475 18 351 b.d.l. 118 <20 92 b.d.l. 41 <6
Ro4 1,60 50,83 29,02 1,25 b.d.l. 0,92 0,39 0,58 2,79 0,79 0,577 <10 308 b.d.l. 134 b.d.l. 96 b.d.l. 45 <6
Ro7 2,00 48,84 30,8 1,29 b.d.l. 0,98 0,4 0,5 2,56 0,87 0,457 14 313 b.d.l. 152 <20 90 b.d.l. 51 <6
Ro5 2,10 48,24 29,87 1,24 b.d.l. 0,93 0,42 0,58 2,79 0,77 0,621 11 326 b.d.l. 144 <20 87 b.d.l. 43 <6
Ro6 2,50 49,94 28,32 1,28 b.d.l. 0,87 0,46 0,73 2,82 0,95 0,758 13 346 b.d.l. 158 <20 85 b.d.l. 45 <6
Ro12 3,60 45,85 31,19 1,18 b.d.l. 0,7 0,42 0,54 2,14 0,96 0,531 <10 312 b.d.l. 98 b.d.l. 96 b.d.l. 52 <6
Ro13 4,00 49,64 30,18 1,27 b.d.l. 0,84 0,39 0,45 2,54 0,89 0,42 <10 334 b.d.l. 113 <20 105 b.d.l. 42 <6
Ro14 4,50 48,64 31,11 1,2 b.d.l. 0,81 0,45 0,44 2,44 0,85 0,453 <10 329 b.d.l. 123 b.d.l. 89 b.d.l. 48 <6
Ro15 5,10 47,72 32,19 1,26 b.d.l. 0,77 0,31 0,6 2,13 0,81 0,645 <10 291 b.d.l. 93 <20 91 b.d.l. 45 <6
Ro16 5,50 46,57 31,25 1,34 b.d.l. 0,89 0,43 0,95 2,6 0,74 1,005 <10 297 b.d.l. 114 <20 97 b.d.l. 46 <6
Ro17 6,00 48,47 30,94 1,3 b.d.l. 0,76 0,4 0,52 2,4 0,92 0,525 10 349 b.d.l. 119 <20 96 b.d.l. 48 <6
Ro18 6,30 48,48 29,98 1,4 b.d.l. 0,81 0,4 0,59 2,52 0,84 0,495 10 378 b.d.l. 114 <20 84 b.d.l. 47 <6
Ro20 7,20 49,47 30,43 1,15 b.d.l. 0,86 0,38 0,67 2,25 0,89 0,471 16 317 b.d.l. 132 <20 82 b.d.l. 50 <6
Ro21 7,70 48,25 32,17 1,18 b.d.l. 0,85 0,41 0,5 2,25 0,79 0,515 <10 388 b.d.l. 161 90 41
Ro22 5,10 49,38 31,45 1,16 b.d.l. 0,78 0,38 0,48 2,26 0,93 0,483 <10 418 b.d.l. 139 <20 72 b.d.l. 50 <6
Ro23 5,50 50,23 30,56 1,24 b.d.l. 0,91 0,41 0,6 2,44 0,87 0,601 <10 361 b.d.l. 156 <20 84 b.d.l. 45 <6
Ro24 6,00 48,07 31,39 1,25 b.d.l. 0,89 0,42 0,5 2,51 0,84 0,514 <10 387 b.d.l. 163 <20 82 b.d.l. 47 <6
Ro25 6,30 46,87 31,17 1,28 b.d.l. 1,03 0,39 0,39 3 0,69 0,361 <10 323 b.d.l. 139 <20 96 b.d.l. 44 <6
Ro26 6,50 49,41 31,03 1,32 b.d.l. 0,91 0,43 0,43 2,66 0,93 0,413 12 414 b.d.l. 188 <20 87 b.d.l. 49 <6
Ro27 7,00 50,48 30,16 1,28 b.d.l. 0,93 0,42 0,55 2,54 1,09 0,544 13 398 b.d.l. 190 <20 82 b.d.l. 49 <6
Ro28 49,29 31,1 1,25 b.d.l. 0,9 0,41 0,33 2,57 0,9 0,309 11 386 b.d.l. 139 <20 87 b.d.l. 47 <6
Ro29 50,41 30,99 1,25 b.d.l. 0,87 0,43 0,42 2,43 1,1 0,391 14 393 b.d.l. 163 <20 84 b.d.l. 55 <6
Mittelwert 48,9 30,7 1,3 0,9 0,4 0,5 2,5 0,9 0,5 351 139 89 47
Std.Abw. 1,3 0,9 0,1 0,1 0,03 0,1 0,2 0,1 0,2 39 26 7 4
Kohleton und Ton 2
Ro8a 2,80 48,38 30,44 1,29 b.d.l. 0,97 0,42 0,39 2,89 0,82 0,339 <10 366 b.d.l. 124 b.d.l. 80 b.d.l. 47 <6
Ro8b 2,90 49,58 29,61 1,05 b.d.l. 0,8 0,41 0,37 2,43 1,09 0,338 15 406 b.d.l. 129 <20 83 b.d.l. 51 <6
Ro9 3,05 43,34 26,47 0,97 b.d.l. 0,86 0,63 0,29 2,32 0,91 0,271 <10 375 b.d.l. 208 b.d.l. 91 b.d.l. 53 <6
Ro10 3,20 44,07 24,89 0,76 b.d.l. 0,85 0,92 0,48 1,84 1,13 0,463 <10 358 b.d.l. 281 b.d.l. 144 b.d.l. 35 <6
Mittelwert 46,3 27,9 1 0,9 0,6 0,4 2,4 1 0,4 376 186 100 47
Std.Abw. 3,1 2,6 0,2 0,1 0,2 0,1 0,4 0,2 0,1 21 74 30 8
Tiefe La Mo Nb Nd Ni Pb Pr Rb Sc Sm Sr Th U V Y Zn Zr L.O.I SUM
Tone (verw.) m ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm ppm % %
Ro1 0,15 56 <7 20 33 <20 29 <15 136 19 <6 88 <20 <9 104 24 55 145 12,23 96,76
Ro2 0,65 47 <7 19 32 <20 30 <15 148 25 <6 83 <20 <9 116 22 28 141 11,75 97,98
Ton 1 + Ton 3
Ro3 1,10 58 <7 19 41 <20 30 <15 163 <15 7 90 <20 <9 121 26 73 164 11,41 97,85
Ro4 1,60 46 <7 17 49 <20 27 <15 169 17 8 77 <20 <9 126 24 61 169 11,6 98,64
Ro7 2,00 71 <7 19 51 <20 28 <15 173 <15 8 108 <20 <9 103 25 25 174 12 98,59
Ro5 2,10 77 <7 18 59 <20 30 <15 170 15 10 88 23 <9 113 30 61 174 11,54 96,93
Ro6 2,50 65 <7 19 62 <20 39 <15 173 22 11 96 <20 <9 104 31 51 211 11,29 97,33
Ro12 3,60 <40 b.d.l. 20 35 <20 20 <15 115 16 6 87 <20 <9 116 25 21 159 12,52 95,91
Ro13 4,00 59 b.d.l. 19 40 <20 21 <15 144 19 7 82 <20 <9 119 22 25 153 11,42 97,91
Ro14 4,50 56 b.d.l. 17 41 <20 25 <15 146 <15 6 92 <20 <9 106 23 21 144 11,87 98,14
Ro15 5,10 54 b.d.l. 17 41 <20 22 <15 117 <15 7 74 22 <9 129 19 28 152 12,3 98,59
Ro16 5,50 44 <7 15 44 <20 22 <15 156 20 8 82 <20 <9 134 20 28 146 11,9 97,58
Ro17 6,00 63 b.d.l. 19 35 <20 31 <15 142 <15 <6 95 <20 <9 129 25 28 162 11,94 98,09
Ro18 6,30 62 <7 19 38 53 21 <15 146 <15 <6 89 <20 <9 131 22 27 168 12,07 97,56
Ro20 7,20 71 <7 21 41 20 39 <15 137 <15 6 88 <20 <9 109 25 23 161 11,73 98,23
Ro21 7,70 89 b.d.l. 17 48 29 138 6 124 <9 97 24 23 149 12,49 99,3
Ro22 5,10 82 b.d.l. 22 42 <20 <20 <15 142 <15 6 133 <20 <9 89 26 34 164 12,32 99,51
Ro23 5,50 71 b.d.l. 19 58 <20 <20 <15 150 <15 10 124 <20 <9 102 25 22 171 11,92 99,67
Ro24 6,00 72 b.d.l. 18 53 <20 26 <15 160 <15 8 134 <20 <9 108 23 26 158 12,21 98,49
Ro25 6,30 81 <7 16 51 <20 40 <15 188 17 9 93 <20 <9 125 24 55 147 12,35 97,44
Ro26 6,50 72 <7 20 58 <20 28 <15 164 <15 8 137 <20 <9 107 25 22 161 11,93 99,36
Ro27 7,00 83 <7 23 61 <20 28 <15 160 <15 9 149 <20 <9 110 28 24 180 11,99 99,88
Ro28 60 <7 21 44 <20 28 <15 164 <15 7 131 <20 <9 99 21 26 163 12,19 99,13
Ro29 101 <7 25 50 <20 30 <15 155 <15 7 146 <20 <9 102 27 32 186 12,15 100,32
Mittelwert 68 19 47 28 153 8 105 113 25 33 164 12
Std.Abw. 14 2 8 6 18 2 24 13 3 16 15 0,5
Kohleton und Ton 2
Ro8a 2,80 48 b.d.l. 17 43 <20 29 <15 170 <15 7 87 <20 <9 92 25 37 135 11,87 97,71
Ro8b 2,90 81 b.d.l. 23 47 <20 30 <15 137 15 8 114 21 <9 94 33 <20 178 12,33 97,89
Ro9 3,05 61 <7 17 55 <20 34 <15 135 <15 7 105 <20 <9 116 34 34 169 15,24 91,18
Ro10 3,20 70 <7 18 66 <20 27 <15 94 29 7 133 <20 <9 203 47 <20 225 21,79 97,18
Mittelwert 65 19 53 30 134 7 110 126 35 177 15,3
Std.Abw. 14 3 10 3 31 1 19 52 9 37 4,6
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
273
D) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben (XRF)
Berechnet (XRF)
Kaolinit
Illit/Smektit-
Mixed-Layer Illit/Muskovit Quarz Anatas Fe-Minerale Rest (u.a. Corg)
Tone (verwittert) % % % % % % %
Ro1 42,0 <5 17,0 34,0 1 0,5 1,5
Ro2 39,0 <5 18,0 35,0 1 0,5 2,5
Ton 1 + Ton 3
Ro3 35,5 <5 18,0 38,5 1 0,5 2,5
Ro4 25,5 <5 15,0 53,0 1 0,5 1
Ro7 23,5 <5 13,0 56,0 1 0,5 2
Ro5 24,5 <5 12,0 58,0 1 0,5 0
Ro6 24,0 <5 14,0 55,5 1 0,5 1
Ro12 29,0 <5 8,5 56,5 1 0,5 0,5
Ro13 32,5 <5 16,0 44,5 1 0,5 1,5
Ro14 45,0 <5 19,0 29,0 1 0,5 1,5
Ro15 30,5 <5 11,0 52,5 1 0,5 0,5
Ro16 26,0 <5 11,0 56,5 1 0,5 1
Ro17 31,5 <5 14,0 48,0 1 0,5 1
Ro18 27,5 <5 12,0 54,0 1 0,5 1
Ro20 37,5 <5 13,0 43,0 1 0,5 1
Ro21 29,0 <5 10,0 55,5 1 0,5 0
Ro22 30,0 <5 10,0 53,5 1 0,5 1
Ro23 27,0 <5 10,0 58,0 1 0,5 0
Ro24 32,0 <5 13,0 48,5 1 0,5 1
Ro25 33,0 <5 15,0 45,5 1 0,5 1
Ro26 30,0 <5 17,0 46,0 1 0,5 1,5
Ro27 24,0 <5 11,0 59,0 1 0,5 0,5
Ro28 27,5 <5 13,0 53,0 1 0,5 1
Ro29 31,5 <5 14,0 48,0 1 0,5 1
Mittelwert 29,8 <5 13,2 50,5 1,0 0,5 <2
Std.Abw. 5,1 2,7 7,4
Kohleton und Ton 2
Ro8a 46,5 <5 24,0 21,5 1 0,5 2,5
Ro8b 49,5 <5 21,0 20,5 1 0,5 3,5
Ro9 47,0 <5 23,0 19,0 1 0,5 5,5
Ro10 41,0 <5 15,0 24,0 1 0,5 18,5
Mittelwert 46,0 <5 20,8 21,3 1,0 0,5 7,5
Std.Abw. 3,6 4,0 2,1 7,4
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
274
E) Mineralogische Zusammensetzung der Gesamtproben (XRD)
Gemessen (XRD)
Kaolinit Illit/Smektit-Mixed-Layer Illit Quarz
Tone (verwittert) % % % %
Ro1 44,6 4,0 15,2 36
Ro2 40,2 3,4 20,3 36
Ton 1 + Ton 3
Ro3 37,7 5,5 18,9 37,9
Ro4 24,4 3,6 21,4 50,6
Ro7 22,9 1,8 18,2 57,2
Ro5 22,5 4,0 18,3 55,3
Ro6 28,8 2,9 16,2 52,1
Ro12 26,2 2,2 10,5 61,1
Ro13 31,7 2,6 17,4 48,4
Ro14 55,1 1,9 13,7 29,3
Ro16 24,6 2,2 15,2 58,0
Ro17 34,6 3,3 13,1 49,0
Ro18 28,0 1,7 14,1 56,2
Ro20 38,5 2,6 15,8 43,2
Ro21 27,3 2,5 13,4 56,8
Ro22 28,2 2,0 9,7 60,1
Ro23 20,3 3,4 13,3 62,9
Ro24 28,5 3,4 18,9 49,3
Ro25 32,2 3,7 13,4 50,6
Ro26 31,7 3,1 14,7 50,5
Ro27 21,7 2,1 12,9 63,3
Ro28 22,8 3,6 19,3 54,4
Ro29 30,3 3,9 16,4 49,4
Mittelwert 29,4 3,0 15,5 52,2
Std.Abw. 7,8 0,9 3 8,2
Kohleton und Ton 2
Ro8a 50,6 4,4 21,5 23,4
Ro8b 56,0 6,3 15,5 22,2
Ro9 55,4 7,6 17,5 19,5
Ro10 43,6 7,1 18,9 30,3
Mittelwert 51,4 6,4 18,4 23,9
Std.Abw. 5,7 1,4 2,5 4,6
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
275
F) Mineralogische Zusammensetzung der Korngrößenfraktion <2 µm
Gemessen (XRD) Berechnet (XRF)
Kaolinit Illit/Smektit-Mixed-Layer Illit Smektit Quarz + Rest Anatas Fe-Minerale
Tone (verwittert) % % % % % % %
Ro1 69,0 5,8 25,2 - <5 1 1
Ro2 63,5 4,4 32,1 - <5 1 1
Ton 1 + Ton 3
Ro3 62,6 2,0 35,4 <5 1 1 -
Ro4 61,5 1,1 37,4 <5 1 1 -
Ro7 56,0 4,4 39,6 <5 1 1 -
Ro5 62,9 5,2 31,9 <5 1 1 -
Ro6 56,4 3,9 39,7 <5 1 1 -
Ro12 78,7 3,4 17,8 <5 1 1 -
Ro13 65,8 7,1 27,1 <5 1 1 -
Ro14 69,8 6,3 23,9 <5 1 1 -
Ro15 75,2 4,2 20,6 <5 1 1 -
Ro16 65,0 5,7 29,2 <5 1 1 -
Ro17 70,0 7,7 22,3 <5 1 1 -
Ro18 67,9 9,7 22,4 - <5 1 1
Ro20 75,7 0,7 23,6 - <5 1 1
Ro21 75,5 2,5 22,0 - <5 1 1
Ro22 82,2 2,7 15,1 <5 1 1 -
Ro23 66,8 5,5 27,7 <5 1 1 -
Ro24 65,0 6,0 29,0 <5 1 1 -
Ro25 65,5 6,0 28,5 <5 1 1 -
Ro26 72,0 2,1 25,9 <5 1 1 -
Ro27 70,9 4,8 24,3 <5 1 1 -
Ro28 64,3 4,3 31,4 <5 1 1 -
Ro29 67,8 6,5 25,8 <5 1 1 -
Mittelwert 68,1 4,6 27,3 <5 1,0 1,0 1,0
Std.Abw. 6,7 2,2 6,6 - - - -
Kohleton und Ton 2
Ro8b 68,8 9,9 21,3 - <5 1 1
Ro9 64,8 5,7 27,5 1,9 <5 1 1
Ro10 70,0 3,6 19,8 6,7 <5 1 1
Mittelwert 67,9 6,4 22,9 4,3 <5 1,0 1,0
Std.Abw. 2,7 3,2 4,1 3,4 - - -
Tonminerale sind auf 100% berechnet (Quarz und Oxide nach Berechnung aus der chemi-
schen Analyse abgeschätzt)
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
276
G) Kristallinität und Einlagerungsfehlordnung des Kaolinits
der Fraktion <2 µm
Tiefe Halbwertsbreite Aufweitung mit DMSO
Ton (verwittert) m °2Theta %
Ro 1 0,15 0,477 83,1
Ro 2 0,65 0,483 68,6
Ton 1 + Ton 3
Ro 3 1,10 0,479 75,1
Ro 7 2,00 0,501 87,5
Ro 5 2,10 0,484 75,8
Ro 6 2,50 0,470 73,1
Ro 13 4,00 0,488 81,1
Ro 14 4,50 0,490 76,6
Ro 15 5,10 0,501 80,1
Ro 16 5,50 0,463 73,7
Ro 17 6,00 0,460 73,6
Ro 18 6,30 0,508 84,5
Ro 20 7,20 0,465 82,3
Ro 21 7,70 0,484 65,0
Ro 22 5,10 0,500
Ro 24 6,00 0,491
Ro 25 6,30 0,459 85,5
Ro 26 6,50 0,464 77,8
Ro 28 0,483 78,1
Ro 29 0,469 72,0
Mittelwert 0,48 77,6
Std.Abw. 0,02 5,8
Kohleton + Ton 2
Ro 8a 2,80 0,489 82,8
Ro 9 3,05 0,462 80,3
Ro 10 3,20 0,470 -
Mittelwert 0,47 81,5
Std.Abw. 0,01 1,8
H) Trockenrohdichte
Ton 1 + Ton 3 Tiefe Trockenrohdichte
m g/c
Ro 7 2,0 1,83
Ro 27 7,0 1,82
Bedingungen, Prozesse und Stoffdynamik der Bildung tertiärer kaolinitischer Tonlagerstätten
277
9) An- und Abreicherungskoeffizienten der chemischen Elemente
A) An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente in den Gesamtproben der
Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau Kaolin Cunnersdorf Gesamt Kaolin Wiesa Gesamt Kaolin Spergau 1 Kaolin Spergau 2
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Wiesa Wiesa Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton (Grunge 1999) Ton Ton (Grunge 1999) Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
SiO2 0,7 0,7 0,7 0,7 1,1 1,1 1,1 1,1 0,9 0,7 1,1 0,8
Al2O3 1,5 1,5 1,6 1,6 1,1 1,0 0,8 0,7 1,7 2,7 0,8 1,2
Fe2O3 1,2 0,9 0,6 0,7 0,2 0,2 1,3 1,5 4,5 6,2 1,4 2,0
MgO 1,9 1,9 1,3 1,8 0,4 0,2 4,1 2,6 2,3 3,8 1,3 2,2
CaO 1,9 1,6 3,8 3,0 1,4 1,1 2,8 2,2 3,9 9,9 1,6 4,1
K2O 1,4 1,9 0,8 1,8 0,8 0,7 11,8 11,1 48,6 71,8 1,6 2,4
TiO2 4,4 4,9 2,2 3,9 1,5 1,4 1,4 1,3 9,0 8,9 1,8 1,8
P2O5 4,5 3,1 1,0 1,0 0,1 0,1 0,5 0,5 1,0 1,0 0,2 0,2
As 3,6 1,0 1,0 1,0 1,0 1,9 1,0 1,9 5,8 5,6 3,5 3,4
Ba 6,3 6,2 3,7 7,5 1,1 1,0 8,2 7,7 11,9 16,7 1,6 2,2
Bi 1,7 1,7 1,7 1,7 5,8 0,3 1,4 0,1 1,0 1,0 1,0 1,0
Ce 3,5 2,5 1,4 1,4 0,5 0,7 2,8 4,2 4,6 5,6 0,6 0,7
Co 1,0 1,0 1,0 1,0 0,4 0,1 1,0 0,4 2,0 2,0 1,0 1,0
Cr 5,0 3,2 2,7 3,9 0,1 1,1 0,2 4,0 6,8 8,9 1,5 2,0
Cu 10,3 2,0 4,0 2,0 1,0 5,4 1,0 5,4 2,0 2,0 1,0 1,0
Ga 2,1 2,3 2,4 2,6 1,0 1,0 0,9 0,9 2,9 4,9 1,1 1,9
Hf 1,0 1,0 1,0 1,0 1,3 1,3 1,0 1,0 3,2 2,7 3,2 2,7
La 21,4 18,6 6,8 10,1 0,1 0,2 1,0 1,6 2,2 3,3 0,6 0,9
Mo 2,0 2,0 2,0 2,0 2,1 4,0 2,1 4,0 1,0 2,0 1,0 2,0
Nb 5,0 4,1 2,1 3,0 1,2 1,3 1,4 1,6 9,1 8,3 3,1 2,8
Nd 3,0 2,4 1,0 1,2 0,3 0,4 2,9 4,3 1,9 2,3 0,6 0,7
Ni 5,2 3,3 3,9 4,5 0,7 0,7 2,7 2,7 1,0 1,0 1,0 1,0
Pb 2,8 2,7 2,0 2,9 0,4 0,6 1,0 1,5 1,0 2,9 0,2 0,4
Pr 3,9 3,8 1,0 1,8 0,3 0,2 1,6 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0
Rb 1,6 2,2 0,8 1,8 0,5 0,5 4,3 4,1 5,7 8,2 2,1 3,0
Sc 2,5 1,9 1,0 1,7 0,5 0,2 1,0 0,5 2,0 2,0 1,0 1,0
Sm 2,7 2,3 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 2,4 2,7 0,7 0,8
Sr 34,7 18,8 14,1 19,2 0,9 0,7 2,1 1,6 3,3 5,1 0,4 0,7
Th 1,0 1,0 1,0 1,0 0,6 0,6 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0
V 4,4 3,5 2,7 3,8 0,9 1,0 2,5 2,7 4,6 8,0 1,5 2,7
Y 0,8 0,8 0,1 0,1 0,4 0,5 0,9 1,2 6,7 7,8 1,6 1,9
Zn 7,2 4,7 3,0 3,8 0,1 0,3 1,0 2,7 2,0 2,0 1,0 1,0
Zr 0,8 0,4 0,1 0,1 1,2 1,3 1,0 1,2 1,6 0,9 1,2 0,7
B ) An- und Abreicherungsverhalten der chemischen Elemente in der Korngrößenfrak-
tion <2 µm der Tone, normiert auf ausgewählte Kaoline
Kaolin Caminau
<2 µm
Kaolin Wiesa
<2 µm
Kaolin Spergau 1
<2 µm
Kaolin Spergau 2
<2 µm
Guttau Guttau Wetro Wetro Wiesa Roßbach Roßbach Roßbach Roßbach
Oberer Ton Unterer Ton Oberer Ton Unterer Ton Ton Ton 1+3 Ton 2 Ton 1+3 Ton 2
SiO2 1,04 1,07 0,97 1,02 1,06 1,10 1,05 1,11 1,06
Al2O3 0,95 0,95 0,99 0,98 0,94 0,84 0,76 0,88 0,79
Fe2O3 1,27 0,94 0,58 0,71 1,26 2,27 1,84 1,57 1,27
MgO 0,78 0,71 0,56 0,76 5,28 2,35 2,35 1,74 1,74
CaO 1,31 1,13 2,23 1,83 0,95 2,00 2,91 1,90 2,77
K2O 0,55 0,80 0,36 0,78 6,16 16,78 15,80 1,97 1,86
TiO2 13,41 15,65 7,08 12,24 0,45 5,00 5,63 0,97 1,09
P2O5 0,45 0,29 0,18 0,17 0,46 0,80 0,53 1,04 0,70
As 0,40 0,40 1,00 1,00 1,00 0,39 0,39 0,17 0,17
Ba 2,80 3,23 1,59 3,40 4,27 5,01 5,38 1,22 1,31
Bi 6,10 6,00 1,00 1,00 1,03 1,00 1,00 1,00 1,00
Ce 2,17 1,63 0,45 0,45 0,72 1,04 1,39 0,38 0,51
Co 2,44 1,22 1,00 1,00 3,70 1,00 0,50 1,00 0,50
Cr 1,14 0,39 1,73 2,30 9,56 3,06 3,43 1,56 1,75
Cu 7,24 1,00 4,50 2,00 1,00 1,00 1,00 0,50 0,50
Ga 1,04 1,14 1,21 1,34 0,91 1,44 1,43 1,19 1,18
Hf 1,62 1,30 1,00 1,00 1,66 1,00 1,00 1,00 1,00
La 3,32 3,16 6,15 6,26 0,51 3,42 3,25 0,36 0,34
Mo 2,28 2,36 1,00 1,00 0,88 1,00 1,00 1,00 1,00
Nb 11,20 9,37 6,42 8,50 0,40 6,36 6,25 1,82 1,79
Nd 2,19 1,74 0,42 0,95 0,78 0,95 1,06 0,40 0,45
Ni 5,49 3,23 3,58 3,92 3,32 1,00 1,00 1,00 1,00
Pb 2,94 2,57 1,00 2,22 0,39 0,32 0,34 0,17 0,18
Pr 0,63 0,63 1,00 1,00 0,61 1,00 1,00 0,26 0,26
Rb 0,76 1,06 0,40 0,89 2,48 10,22 8,93 2,49 2,18
Sc 1,75 1,40 1,00 1,00 2,64 1,00 1,88 1,00 1,88
Sm 2,60 2,19 1,00 1,00 0,90 0,99 0,93 0,44 0,41
Sr 15,93 10,27 4,90 6,88 1,30 1,19 1,23 0,28 0,29
Th 0,38 0,30 0,25 0,25 0,37 1,00 1,00 1,00 1,00
V 2,90 2,44 1,69 2,12 1,53 3,43 3,84 1,66 1,86
Y 1,41 1,13 0,25 0,25 3,72 4,91 6,95 0,98 1,39
Zn 5,29 1,35 1,15 1,54 1,39 3,35 2,28 3,35 2,28
Zr 2,7 1,6 0,6 0,6 5,7 2,8 3,1 1,2 1,2