Dipl.-Ing. Steffen Strauß
Theoretische und experimentelle Un-
tersuchungen zum Einsatz gepulster
Halbleiterlichtquellen in der Kraftfahr-
zeugbeleuchtung
Heinz Nixdorf Institut, Universität Paderborn – Paderborn – 2007
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i
Theoretische und experimentelle Untersuchungen
zum Einsatz gepulster Halbleiterlichtquellen in der Kraftfahrzeugbeleuchtung
zur Erlangung des akademischen Grades eines
DOKTORS DER INGENIEURWISSENSCHAFTEN (Dr.-Ing.)
der Fakultät für Maschinenbau
der Universität Paderborn
genehmigte
DISSERTATION
von
Dipl.-Ing. Steffen Strauß
aus Ilmenau
Tag des Kolloquiums: 10.12.2007
Referent: Prof. Dr.-Ing. Jörg Wallaschek
Koreferent: Prof. Dr. rer. nat. Uli Lemmer
ii
Zusammenfassung
Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass sich das Einsatzgebiet von Licht emittierenden Dioden
(LED) stetig erweitert. Da sich diese neue Lichtquelle am Anfang ihrer Entwicklung befindet,
sind die zukünftigen Einsatzgebiete kaum absehbar. Diese Arbeit dient der Analyse des Ent-
wicklungspotenzials der weißen Hochleistungs-LEDs für die Kfz-Frontbeleuchtung.
Im ersten Teil der Arbeit findet eine ausführliche Analyse der lichttechnischen Parameter heu-
tiger Hochleistungs-LEDs statt. Des Weiteren werden, ausgehend von den Prinzipien der
Weißlichterzeugung mit Halbleiterdioden, die Entwicklungsmöglichkeiten der weißen LED
abgeschätzt und mit denen konventioneller Lichtquellen wie Glüh- und Gasentladungslampe
verglichen.
Im zweiten Teil wird besonderes Augenmerk auf die einzigartige schnelle Schaltzeit der LED
gelegt. Es wird eine Variante eines LED-Scheinwerfers beschrieben, mit der, durch die Kom-
bination einer gepulsten Lichtquelle mit einer dynamischen Optik, eine frei adressierbare
Lichtverteilung realisiert wird. Anhand eines Funktionsmusters wird dieses Prinzip umgesetzt
und die Machbarkeit eines solchen Scheinwerfers analysiert. Um den reibungslosen Einsatz
einer gepulsten LED-Lichtquelle im Kfz zu garantieren, war es notwendig sowohl technische
als auch physiologische Besonderheiten gepulster Leuchtdioden zu untersuchen.
Es wird gezeigt, dass die Blendung mit gepulsten Lichtquellen nicht zu einer erhöhten Beein-
trächtigung des Sehvermögens führt. Weiterhin wird das Phänomen des Perlschnureffektes
(bzw. flickering rearlamp oder Doppelbilderbildung) untersucht und es werden Konstrukti-
onsrichtlinien zur Vermeidung dieses Effektes gegeben.
Anhand der Analyse eines thermodynamischen Modells einer gepulsten LED, werden mögli-
che Vor- und Nachteile des Pulsens bezüglich der LED-Temperatur und –Lichtausbeute ana-
lysiert. Diese Analyse führt zu einer, durch die thermodynamischen Kapazitäten und Wider-
stände berechenbaren, Mindestfrequenz für Halbleiterdioden, unterhalb derer Dioden nur mit
geringerer Leistung betrieben werden dürfen.
Durch spektral- und zeitaufgelöste Messungen der optischen Sprungantwort werden die Ein-
flüsse der Fluorophorkonversion auf die Schaltzeiten weißer LEDs untersucht. Es zeigt sich
eine Verlängerung der Schaltzeit auf ca. eine Mikrosekunde.
iii
Abstract
The latest trends display a growing range of applications for LEDs. The development of this
light source is in its early stages and its domain in the future is hard to predict. This report will
analyse the potential for development of high performance LEDs used for automobile head
lights. The first chapter provides technical light parameters for today’s high performance
LEDs. Furthermore it looks at the development potentials of white LEDs, based on creation of
white light with semiconductor diodes and compares them with conventional light sources
such as incandescent and gas discharge lamps.
The second chapter focuses on fast circuit time as a unique feature of LEDs. It describes a
variant LED head light which enables free allocation of light beams by combining a pulsed
light source with a dynamic optic. In order to discuss future production this principal will be
analyzed and implemented on the basis of a functional model.
In order to guarantee sufficient use of pulsed LEDs for automobiles, it was necessary to ex-
amine technical and physical characteristics of LEDs. As a result it was found that the glare of
pulsed light sources doesn’t cause visual curtailing. In addition, the phenomenon of “flicker-
ing rearlamp” will be investigated to conclude guidelines for a construction that prevents that
disadvantage regarding LED temperature and light efficiency will be analyzed. By calculating
thermo dynamical capacities and resistance, the observation resulted in a minimum frequency
for semiconductor diodes. LEDs below that value should be operated only with lower power.
Trough spectral and transient measurements of the optical step response, the influence of
phosphor conversion on circuit times of white LEDs were analyzed. The result is a delay of
about one micro second.
iv
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung .....................................................................................................................ii
Abstract .....................................................................................................................................iii
Inhaltsverzeichnis......................................................................................................................iv
Abbildungen ..............................................................................................................................vi
Tabellen.....................................................................................................................................xi
Verzeichnis der verwendeten Formelzeichen und Abkürzungen.............................................xii
1 Einleitung ...........................................................................................................................1
2 Lichterzeugung mit LEDs ..................................................................................................3
2.1 Glühlampe ..................................................................................................................3
2.1.1 Lichterzeugung mit Temperaturstrahlern...............................................................3
2.1.2 Scheinwerfersysteme mit Halogenglühlampen ......................................................5
2.2 Gasentladungslampe...................................................................................................7
2.2.1 Lichterzeugung durch Gasentladung......................................................................7
2.2.2 Scheinwerfersysteme mit Gasentladungslampe .....................................................9
2.3 LED ..........................................................................................................................11
2.3.1 Grundlagen Licht emittierender Dioden...............................................................11
2.3.2 Lichtausbeute........................................................................................................16
2.3.3 Leuchtdichte .........................................................................................................26
2.3.4 Lichtstrom.............................................................................................................26
2.3.5 Klimamanagement................................................................................................35
2.4 Heutiger Entwicklungsstand der LED......................................................................39
2.5 Optische Schaltzeiten ...............................................................................................41
3 Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern ....................................47
3.1 Zukünftige Scheinwerfer..........................................................................................47
3.1.1 Konzepte mit Halogenglühlampen.......................................................................49
3.1.2 Konzepte mit Gasentladungslampen ....................................................................49
3.1.3 Visionen mit LED Technologie............................................................................51
3.2 Möglicher Einsatz gepulster LEDs in zukünftigen Scheinwerfern ..........................52
3.2.1 Grundprinzip.........................................................................................................52
3.2.2 Transformation Zeitliche in Örtliche....................................................................52
3.2.3 Offene Fragen.......................................................................................................55
v
4 Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs......................................................................57
4.1 Phasenverschiebung durch Fluoreszenz...................................................................57
4.1.1 Messprinzip ..........................................................................................................57
4.1.2 Ergebnisse und Schlussfolgerungen.....................................................................58
4.2 Thermodynamik gepulster LEDs..............................................................................60
4.2.1 Thermisches Ersatzschaltbild ...............................................................................60
4.2.2 Thermische Simulation.........................................................................................67
4.3 Physiologische Effekte und Risiken.........................................................................74
4.3.1 Physiologie des Dimmens über Pulsweitenmodulation .......................................74
4.3.2 Der Perlschnureffekt.............................................................................................76
4.3.3 Blendung durch gepulste Lichtquellen.................................................................95
5 Funktionsmuster ...............................................................................................................99
5.1 Optik.......................................................................................................................100
5.1.1 Dynamische Lichtstromverteilung .....................................................................100
5.1.2 Spiegelgeometrie................................................................................................103
5.1.3 Optisches System................................................................................................104
5.2 Mechatronik............................................................................................................106
5.2.1 Regelkreis...........................................................................................................106
5.2.2 LED-Zeile...........................................................................................................106
5.2.3 LED-Treiber .......................................................................................................109
5.2.4 Antrieb................................................................................................................109
5.2.5 Sensorik..............................................................................................................110
5.2.6 Mikrocontroller und Software ............................................................................110
5.3 Diskussion der Messergebnisse..............................................................................112
6 Zusammenfassung und Ausblick....................................................................................113
7 Literatur..........................................................................................................................116
vi
Abbildungen
Abbildung 1-1 Ansprechverhalten von LED und Glühlampe....................................................1
Abbildung 2-1 Schwingende Atome im Festkörper...................................................................4
Abbildung 2-2 Spektrale spezifische Aussstrahlung eines idealen schwarzen Körpers bei
verschiedenen Glühtemperaturen. Die V(λ)-Kurve kennzeichnet den sichtbaren
spektralen Anteil.................................................................................................................4
Abbildung 2-3 Lichtausbeute eines idealen schwarzen Strahlers bei verschiedenen
Temperaturen......................................................................................................................5
Abbildung 2-4 Strahlengang bei der Erzeugung verschieden großer Wendelbilder in
Paraboloidreflektoren mit Streuscheibe (links) und in Freiformreflektoren (rechts).........6
Abbildung 2-5 Plasma, bestehend aus Ionen und Elektronen in dem Brenner einer
Gasentladungslampe...........................................................................................................8
Abbildung 2-6 Prozentualer Anteil der jeweiligen Gase einer D2 bzw. D4 Lampe an der
Lichtstromerzeugung während des Einschaltvorganges (nach [OSRAM]) .......................8
Abbildung 2-7 Spektrum einer D2 und einer D4 Lampe [Man06] ............................................8
Abbildung 2-8 Aufnahme einer H7-Glühwendel und eines D2-Lichtbogens im gleichen
Maßstab. Hohe Leuchtdichten sind mit dunklen, niedrige mit hellen Graustufen
dargestellt. ..........................................................................................................................9
Abbildung 2-9 Darstellung der geometrischen Brennpunkte eines Drei-Ellipsoid-Reflektors
(links: horizontaler, rechts: vertikaler Schnitt)...................................................................9
Abbildung 2-10: Atommodell nach Bohr.................................................................................11
Abbildung 2-11: Emission (links) und Absorption (rechts) elektromagnetischer Strahlung...11
Abbildung 2-12: Valenzbindung vierwertiger Atome..............................................................12
Abbildung 2-13: Energiebänder im Kristall.............................................................................12
Abbildung 2-14: Leitungs- und Valenzband ............................................................................12
Abbildung 2-15: n-Dotierung mit Energiediagramm...............................................................13
Abbildung 2-16: p-Dotierung mit Energiediagramm...............................................................14
Abbildung 2-17: Ausgleichsvorgang (links) und pn-Übergang ohne äußere Spannung (rechts)
..........................................................................................................................................14
Abbildung 2-18: Energieverlauf im pn-Übergang ohne und mit Vorwärtsspannung [Schu06]
..........................................................................................................................................14
Abbildung 2-19: Diodenkennlinien verschiedener Diodentypen [Mer02]...............................15
Abbildung 2-20 zirkulares Bragggitter zur Steigerung der Auskoppeleffizienz [Su06]..........18
vii
Abbildung 2-21 Darstellungen der CIE-Farbtafel, die durchgezogene Mischgerade zeigt die
möglichen Kombination zweier Spektralfarben. Das gestrichelte Dreieck grenzt die
Kombinationsmöglichkeiten dreier Spektralfarben zur Herstellung einer Mischfarbe ein.
..........................................................................................................................................21
Abbildung 2-22 links: Kombinationsmöglichkeiten zur Erzeugung maximaler Lichtausbeuten
aus zwei Spektrallinien. rechts: Spektrum der Zweifarbenkombination mit maximaler
Lichtausbeute. Zur Veranschaulichung ist zudem die V(λ)-Kurve dargestellt................21
Abbildung 2-23 links: Kombinationsmöglichkeiten zur Erzeugung maximaler Lichtausbeuten
aus drei Spektrallinien. rechts: Spektrum der Dreifarbekombination mit maximaler
Lichtausbeute. Zur Veranschaulichung ist zudem die V(λ)-Kurve dargestellt................22
Abbildung 2-24 Prinzip der Weißlichterzeugung mit Lumineszenzstoffen. Rechts: Typisches
Spektrum weißer LED......................................................................................................23
Abbildung 2-25 Temperaturabhängiger Lichtstrom verschiedener Hochleistungs LEDs
[DB06] [K206] .................................................................................................................24
Abbildung 2-26 Einstufige Abbildung im paraxialen Gebiet...................................................27
Abbildung 2-27 Veranschaulichung der Konstanz der Leuchtdichte in abbildenden optischen
Systemen...........................................................................................................................30
Abbildung 2-28 Vereinfachte Darstellung des thermischen Pfades in einer LED...................31
Abbildung 2-29 Von In
0.16
Ga
0.84
AS/GaAs emittierte optische Intensität, deren aktive Zone
ein, vier, sechs oder acht Quantumwells enthält, sowie die theoretische Intensität eines
perfekt isotropischen Emitters [Schu06] ..........................................................................31
Abbildung 2-30 Roadmap der Leuchtdichteentwicklung weißer LEDs ..................................32
Abbildung 2-31 Erste Voll-LED Scheinwerfer von OSRAM, Hella, und Audi......................34
Abbildung 2-32 Roadmap des erwarteten Lichtstromes eines Diodenpackages von Philips.
Die Verfünffachung des Lichtstromes von 50lm auf 250lm bei einer Verdoppelung des
Stromes von 350mA auf 700mA ist nur durch eine Reihenschaltung von mehreren
Dioden möglich. ...............................................................................................................34
Abbildung 2-33 Aufbau einer Hochleistungs-LED bestehend aus LED-Chip mit als
Wärmesenke ausgelegter Anode und angebondeter Kathode ..........................................35
Abbildung 2-34 Wichtigste Entwärmungspfade in einer Anordnung OHX-6XX -
Schaltungsträger - Umgebung (nach [Mah06])................................................................36
Abbildung 2-35 Vereinfachtes thermisches Ersatzschaltbild einer Hochleistungs-LED.........36
Abbildung 2-36 OSRAM O-Star..............................................................................................37
viii
Abbildung 2-37 Thermisches Ersatzschaltbild eines LED-Arrays...........................................37
Abbildung 2-38 Prinzipieller Einschaltvorgang einer D2-Gasentladungslampe (gestrichelt)
und einer Glühlampe (gepunktet).....................................................................................41
Abbildung 2-39 Schaltzeiten einer RCLED bei T=300k; die Unterschiede zwischen τ
rise
und
τ
fall
basieren auf dem Ladungsträger sweep-out aus der aktiven Zone [Schu06].............42
Abbildung 2-40 Umwandlung im Fluorophor..........................................................................43
Abbildung 2-41 Darstellung der Phosphoreszenz und der Fluoreszenz im Bändermodell......43
Abbildung 2-42 Gepulste Scheinwerfer zur Car2Car Kommunikation (ISLE).......................44
Abbildung 2-43 Schlussleuchte eines BMW mit gedimmter Rücklichtfunktion (links) und voll
angesteuerter Bremslichtfunktion (rechts)........................................................................45
Abbildung 2-44 Ansteuerungssignal einer gedimmten Schlussleuchte ...................................46
Abbildung 3-1 Adressierbarer Scheinwerfer............................................................................48
Abbildung 3-2 Prinzipielle Funktionsweise eines scannenden Scheinwerfers ........................49
Abbildung 3-3 Scheinwerfer mit hoch dynamischer Blende....................................................50
Abbildung 3-4 Scheinwerfer auf DMD-Basis..........................................................................50
Abbildung 3-5 Frei adressierbare Lichtquelle (Mitte) Projektion einer Fernlichtfunktion
(links) Projektion einer Abblendlichtfunktion (rechts) ....................................................51
Abbildung 3-6 Impulse gleicher Energie..................................................................................52
Abbildung 3-7 Nach Goldstein [Gol02] hängt die Wahrnehmung der Scheinbewegung von
dem Zeitintervall ab..........................................................................................................52
Abbildung 3-8 Helligkeitseindruck zweier periodisch wechselnder Reize (Frequenz liegt über
der Flimmerverschmelzungsfrequenz) .............................................................................53
Abbildung 3-9 Perlschnureffekt bei gepulstem Rücklicht .......................................................56
Abbildung 4-1 Messprinzip zur Ermittlung der wellenlängenaufgelösten LED-Sprungantwort
..........................................................................................................................................57
Abbildung 4-2 Oszilloskopanzeigen der LED-Vermessung (oben: Auslese-Gate, unten: LED-
Ansteuerung) ....................................................................................................................58
Abbildung 4-3 Wellenlängenaufgelöste Sprungantwort einer weißen LED............................58
Abbildung 4-4 Simulierte Sprungantwort (5ns, 80ns, 2000ns) und aus der Faltung zu
erwartendes Messergebnis................................................................................................59
Abbildung 4-5 Statisches thermisches ESB .............................................................................60
Abbildung 4-6 Dynamisches thermisches ESB........................................................................60
Abbildung 4-7 Dynamisches thermisches ESB (anhand von Hydraulik) ................................61
ix
Abbildung 4-8 Oberseite des Chips mit Anschlusspunkt des Bonddrahtes (links) und im Profil
(rechts)..............................................................................................................................63
Abbildung 4-9 Maße des Chips in mm.....................................................................................63
Abbildung 4-10 Wärmesenke von oben (links) und im Profil (rechts)....................................63
Abbildung 4-11 Bemaßung der Wärmesenke in mm...............................................................64
Abbildung 4-12 Dynamisches thermisches ESB mit Parametern ............................................64
Abbildung 4-13 Thermisches ESB mit vereinfachter Bezeichnung.........................................65
Abbildung 4-14 Simulink-Modell des dynamischen thermischen ESB...................................65
Abbildung 4-15 Simulink-Modell mit Übertragungsfunktion .................................................66
Abbildung 4-16 Gemessenes und nach Datenblatt angegebenes temperaturabhängiges
Verhalten der LED-Strahlungsleistung ............................................................................67
Abbildung 4-17 Sprungantwort der Temperatur (links) und der relativen Strahlungsleistung
(rechts)..............................................................................................................................68
Abbildung 4-18 Temperaturantwort einer LED bei 50% Tastverhältnis. Einzelpuls (links)/
Rechteckfrequenzantwort (rechts)....................................................................................69
Abbildung 4-19 Mittlere Temperatur und relative Strahlungsleistung für verschiedene
Tastverhältnisse................................................................................................................70
Abbildung 4-20 Pulsantwort der Temperatur (links) und mittlere Arbeitstemperatur (rechts)
bei verschiedenen Tastverhältnissen gleicher Leistung....................................................70
Abbildung 4-21 Arbeitstemperatur und Strahlungsleistung für verschiedene Tastverhältnisse
und 166Hz bzw. 80Hz ......................................................................................................71
Abbildung 4-22 Frequenz- bzw. pulsdauerabhängige Maximaltemperatur.............................71
Abbildung 4-23 Temperaturkennlinien bei verschiedenen Frequenzen...................................72
Abbildung 4-24 Frequenz- bzw. Pulsdauerabhängigkeit der maximalen Temperatur für dc=10;
30; 50; 70%.......................................................................................................................73
Abbildung 4-25 Abhängigkeit der Flimmerverschmelzungsfrequenz von Umfeldleuchtdichte
und Grundwellenquotient [Hen02]...................................................................................75
Abbildung 4-26 Entstehung der Perlschnur auf der Netzhaut..................................................77
Abbildung 4-27 Einflussgrößen auf den Perlschnureffekt .......................................................79
Abbildung 4-28 Illustration der Faltung von Lichtquelle und Bewegung................................82
Abbildung 4-29 Veranschaulichung des Falls b > ω t
Id
...........................................................82
Abbildung 4-30 Entstehungsbedingung einer homogenen Linie.............................................82
Abbildung 4-31 Messaufbau und erzeugte Perlschnur.............................................................83
x
Abbildung 4-32 Abhängigkeit der kritischen Frequenz von der Winkelgeschwindigkeit der
Lichtquelle........................................................................................................................84
Abbildung 4-33 Erweiterter Messaufbau zur Untersuchung des Einflusses von
Umfeldleuchtdichte und Blickwinkel...............................................................................85
Abbildung 4-34 Abhängigkeit der kritischen Frequenz von Umfeldleuchtdichte und Farbe der
Lichtquelle (Die Linien indizieren die Standardabweichung durch die Probanden.).......85
Abbildung 4-35 Zeitverlauf der sakkadischen Supression [Thi04]..........................................89
Abbildung 4-36 Abhängigkeit der sakkadischen Supressionsschwelle von der
Umfeldleuchtdichte ..........................................................................................................89
Abbildung 4-37 Straßensituation mit zwei Fixationspunkten (Ortsschild und Baum) ............90
Abbildung 4-38 Netzhautbilder bei Blickbewegungen bei Tag...............................................91
Abbildung 4-39 Netzhautbilder bei der Blickbewegung bei Nacht .........................................91
Abbildung 4-40 Netzhautbild einer kontinuierlichen und einer diskontinuierlichen
Rückleuchte......................................................................................................................92
Abbildung 4-41 Zeitdiskreter Lichtstrom einer kontinuierlichen und einer diskontinuierlichen
Rückleuchte gleicher Helligkeit .......................................................................................92
Abbildung 4-42 Rückleuchten mit geringer horizontaler bzw. vertikaler Ausdehnung...........93
Abbildung 4-43 Rückleuchte mit visuell auflösbaren Einzellichtquellen................................94
Abbildung 4-44 Entstehungszentren für Streulicht im Auge bei Blendung [Lan04]...............95
Abbildung 4-45 Die Schwankungen innerhalb der ermittelten Schwellenkontraste sind
geringer als altersbedingte Schwankungen [Kli03]..........................................................98
Abbildung 5-1 Variablen eines abbildenden Systems im paraxialen Gebiet .........................100
Abbildung 5-2 Dynamik durch Variation der Relativlage von Optik zu Lichtquelle............101
Abbildung 5-3 Dynamik durch variables Abknicken der optischen Achse [Goe06].............102
Abbildung 5-4 Dynamik durch Erzeugung eines bewegten Zwischenbildes [Die04] ...........102
Abbildung 5-5 Kombination von dynamischer Optik und dynamischer Lichtquelle ............103
Abbildung 5-6 Polygonspiegel mit gleicher Spiegelgröße.....................................................103
Abbildung 5-7 Synthetisierte Abbildungsoptik......................................................................104
Abbildung 5-8 Anstieg des Lichtstromes und der Beleuchtungsstärke (~Abbildungsqualität)
mit zunehmendem Optikradius.......................................................................................104
Abbildung 5-9 Optisches System des Funktionsmusters .......................................................105
Abbildung 5-10 Mechatronische Komponenten & Energie- und Informationsfluss des
Funktionsmusters............................................................................................................106
Abbildung 5-11 Prototyp eines COB LED-Arrays ................................................................107
xi
Abbildung 5-12 Luxeon Flash mit Abmessungen [LF06] .....................................................107
Abbildung 5-13 Elektrische Parameter der Luxeon Flash [LF06].........................................107
Abbildung 5-14 Schaltplan der LED-Zeile ............................................................................108
Abbildung 5-15 Kontaktierung der einzelnen LEDs..............................................................108
Abbildung 5-16 Verwendete LED-Zeile................................................................................108
Abbildung 5-17 Spiegelantrieb mit Unterbrechungsring und Lichtschranke.........................110
Abbildung 5-18 GUI der Ansteuersaftware LED-Headlamp.................................................111
Abbildung 5-19 Mit dem Funktionsmuster projiziertes L-LAB-Logo...................................111
Abbildung 5-20 Erhöhung der Beleuchtungsstärke durch Überlagerung mehrerer LED-Arrays
........................................................................................................................................112
Tabellen
Tabelle 2-1 Eigenschaften verschiedener Halbleiterkombinationen........................................13
Tabelle 2-2 theoretische Effizienzen und Wirkungsgrade bei der Weißlichterzeugung mit
LEDs.................................................................................................................................25
Tabelle 2-3 Lichtausbeuten verschiedener Lichtquellen..........................................................25
Tabelle 2-4 Leuchtdichten der klassischen Kfz-Lichtquellen im Vergleich zu einer
Hochleistungs-LED (Angaben in Mcd/m²) ......................................................................26
Tabelle 2-5 Mindestdurchmesser der Austrittspupille eines Scheinwerfers zur Erzeugung der
für Fernlicht geforderten Beleuchtungsstärken ................................................................29
Tabelle 2-6 Möglichkeiten der LED-Cluster Bildung mit Vor- und Nachteilen......................33
Tabelle 4-1 relative Winkelgeschwindigkeiten beim Überholvorgang....................................87
Tabelle 4-2 Ermittelter Schwellenkontrast bei verschiedenen Pulsparametern .......................97
xii
Verzeichnis der verwendeten Formelzeichen und Abkürzungen
A Fläche [m²]
A Index = Akzeptor (p-dotiert)
AFS Adaptive Front Lighting System
a Gegenstandsweite [m]
a' Bildweite [m]
b Breite der Lichtquelle [°]
C Kapazität [F]
CCD Charche Coupled Device
CIE Commission Internationale de l'Éclairage
COB Chip on Board
C
th
Thermische Kapazität [J/K]
Cu Kupfer
c Lichtgeschwindigkeit [m/s]
c Spezifische Wärmekapazität [J/kg/K]
D Index = Donator (n-dotiert)
D
65
Normlichtart (Daylight =schwarzer Strahler bei 6500k)
DMD Digital Mirror Device
dc Tastverhältnis [%]
E Energie [Ws]
E Unbuntpunkt x=y=z=1/3
E Beleuchtungsstärke [lx]
ECE Economic Commission for Europe
EMV Elektromagnetische Verträglichkeit
ESB Ersatzschaltbild
EU Europäische Union
e Basis des natürlichen Logarithmus 2,71828183
e Index = physikalische Größe
F, F’ Objektseitiger bzw. bildseitiger Brennpunkt
FPS Frames Per Second
FVF Flimmerverschmelzungsfrequenz [Hz]
f Frequenz [Hz]
f, f’ Objektseitige bzw. bildseitige Brennweite [mm]
f
V
Flimmerverschmelzungsfrequenz [Hz]
Ga Gallium
GaAs Galliumarsenid
GaP Galliumphosphid
xiii
GUI Graphical User Interface
GW Grundwellenquotient [%]
H Belichtung [lx s]
HDG Hell-Dunkel-Grenze
HH Horizontale Linie
Hg Quecksilber
h Plancksches Strahlungsäquivalent 6,62607 10
-34
Js
I Strom [A]
I
D
Diodenstrom [A]
I
S
Sättigungsstrom [A]
IDE Integrated Drive Electronics
InGaN Indiumgalliumnitrid
InP Indiumphosphid
I
S
Sperrstrom [A]
K Alterfaktor
Kfz Kraftfahrzeug
K
O/U
Kontrast nach Weber [%]
k Stephan-Bolzman-Konstante 1,380650524 10
-23
J k
-1
k
m
Photometrisches Strahlungsäquivalent 683 lm/W
L Leuchtdichte [cd/m²]
LED Licht emittierende Diode
L
S,äqu
Äquivalente Schleierleuchtdichte [cd/m²]
M Spezifische Ausstrahlung [W/m²]
m Masse [kg]
Na Natrium
NaI Natriumjodid
n Brechungsindex
P, P’ Objekt-, Bildpunkt
PC Personal Computer
PDA Personal Digital Assistant
P
e
Elektrische Leistung [W]
P
S
Strahlungsleistung [W]
P
SR
Strahlende Rekombinationsleistung [W]
P
V
Verlustleistung [W]
PWM Pulsweitenmodulation
P
zu
Zugeführte Leistung [W]
Q Wärmearbeit [Ws]
QW Quantenwell
xiv
R Widerstand [Ω]
R² Bestimmtheitsmaß
R
a
Farbwidergabeindex
RPM Rounds Per Minut
R
th
Thermischer Widerstand [K/W]
r Radius [m]
r Abstand zwischen zwei Flächen [m]
S Sehschärfe
S0, S1, … Singulett-Zustände
SAE Society of Automotive Engineers
SCSI Small Computer System Interface
Sc Scandium
ScI Scandiumjodid
T Periodendauer [s]
T1, T2, … Triplett-Zustände
Temp Temperatur [°C]
T
H
Heatsinc- bzw. Kühlkörpertemperatur [K]
T
j
Sperrschichttemperatur [K]
T
u
; T
A
Umgebungstemperatur [K]
t Zeit [s]
t
H
Belichtungsdauer [s]
t
P
Pulsdauer [s]
U Spannung [V]
U
D
Diffusionsspannung [V]
U
T
Temperaturspannung [V]
UV Ultraviolett
V Volumen [m³]
V(λ) Hellempfindlichkeitsfunktion
VV Vertikale Linie
W
L
Energieniveau des Leitungsbandes [Ws]
W
V
Energieniveau des Valenzbandes [Ws]
∆W
g
Bandlücke [Ws]
X, Y, Z Normfarbwerte
x, y, z Normfarbwertanteile
Xe Xenon
x
D65
Normfarbwertanteil x von D
65
0,3138
y
D65
Normfarbwertanteil y von D
65
0,331
YAG:Ce
3+
Yttrium-Aluminium-Granat
xv
y Gegenstandsgröße [m]
y' Bildgröße [m]
Z
th
Transienter thermische Scheinwiderstand [K/W]
z Differenz aus Gegenstandsweite und objektseitiger Brennweite [m]
z' Differenz aus Bildweite und bildseitiger Brennweite [m]
β' Abbildungsmaßstab [%]
ε
1
Winkel des auftreffenden Lichtstrahles [°]
ε
2
Winkel des transmittierten Lichtstrahles [°]
ε
γ
Grenzwinkel der Totalreflexion [°]
Φ Lichtstrom [lm]
γ, φ Raukoordinaten [°]
η Wirkungsgrad [%]
η
extraktion
Extraktionskoeffizient [%]
η
int
Interne Quanteneffizienz [%]
η
konv.
Wirkungsgrad der Farbstoffkonvertierung [%]
η
V
Lichtausbeute [lm/W]
Λ Lichtstromverteilungsfunktion
λ Wellenlänge [m]
π Ludolphsche Zahl
Θ Blickwinkel [°]
ρ Reflektionsgrad [%]
ρ Spezifische Masse [kg/m³]
τ Transmissionsgrad [%]
τ Zeitkonstante [s]
Ω Raumwinkel [sr]
Ω
0
Einheitsraumwinkel = 1sr
ω Winkelgeschwindigkeit [°/s]
Einleitung
1
1 Einleitung
Leuchtdioden erobern ständig neue Anwendungsbereiche in der Kfz-Beleuchtung. Der
Einzug der Light Emitting Diodes (LEDs) in den Serienautomobilbau begann im Jahr
1980 mit der Modifizierung des VW Golf 1. Sechs Jahre später wurden sie in den ersten
hochgesetzten Bremsleuchten verbaut. In den folgenden Jahren etablierten sie sich zu-
nehmend auch in Innenraumbeleuchtung und Leseleuchten, sowie in Instrumenten und
Schaltern des Armaturenbretts. Nachdem die Gesetzgebung den Weg für die LEDs im
Außenbereich der Karosserie geebnet hatte, stellte VW im Jahre 2002 den VW Phaeton
mit Heckleuchten in LED-Technik vor. Dies läutete den Durchbruch der LED-
Technologie in Brems-, Blink- und Schlussleuchten auf breiter Front ein [May05]. Heute
ist jeder größere Automobilkonzern mit Modellen auf dem Markt vertreten, in denen
LEDs in diesen Leuchten verbaut sind.
Betrachtet man die Eigenschaften dieser Lichtquelle, liegt der Trend zu dieser Technolo-
gie im Kfz-Bau auf der Hand. Die kleinen Abmessungen eröffnen Designern völlig neue
Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem sorgt die sehr hohe Lebensdauer, nach Angaben
von Osram bis zu 100.000 Betriebstunden, dafür, dass theoretisch ein Autoleben lang kei-
ne Leuchte gewartet werden muss. Ebenfalls kennzeichnend für LEDs ist ihr geringer E-
nergieverbrauch. Der Stromverbrauch einer Bremsleuchte sank beispielsweise nach An-
gaben von Porsche von 21 Watt auf 5 Watt [May05]. Die im Kontext dieser Arbeit wich-
tigste und interessanteste Eigenschaft der LED ist das schnelle Ansprechverhalten. LEDs
benötigen für den Einschaltvorgang wenige Nanosekunden [Schu06], wohingegen Stan-
dardglühlampen für Bremsleuchten nach ca. 200 ms voll leuchten [Siv93]. Abbildung 1-1
verdeutlicht diesen Unterschied. Das schnelle Schaltverhalten der LED prädestiniert sie in
erster Linie für den Einsatz in Bremsleuchten, resultierend in kürzeren Reaktionszeiten
der Fahrer im nachfolgenden Verkehr auf einen Bremsvorgang. Wie eine Untersuchung
von Sivak et. al. zeigt, verkürzt sich die Reaktionszeit um durchschnittlich 166 ms, wenn
statt einer Standard-Glühlampe LED-Technik in einer Bremsleuchte verwendet wird
[Siv93].
Abbildung 1-1 Ansprechverhalten von LED und Glühlampe
Einleitung
2
Nachdem es 1994 Nakamura et al. gelang blaue Hochleistungs-LED auf der Basis von Indium
Gallium Nitrid (InGaN) zu entwickeln, entwickelte NICHIA 1997 weiße LEDs, die durch
Konversion der blauen Strahlung mit Zer dotiertem Yttrium-Aluminium-Granat-Pulver (Y-
AG:Ce
3+
) ihre Lichtfarbe erhalten. Damit fanden Signalfunktionen am Kfz ihren Zugang. Be-
reits 2003 wurde der Audi A8 W12 durch die Firma Hella Hueck & Co. KGaA mit einem
weißem LED-Tagfahrlicht ausgestattet. Seitdem entwickeln sich die lichttechnischen Eigen-
schaften der weißen LED rasant weiter, sodass aus den gleichen Gründen wie bei Rückleuch-
ten (schnelles Schalten, lange Lebensdauer, kleine Bauform, hohe Lichtausbeute) erstmalig
ein Einsatz der LED für Beleuchtungsfunktionen interessant wurde. Man erhofft sich auch bei
den Scheinwerferfunktionen eine Steigerung der Lichtquellenlebensdauer und eine günstigere
Energiebilanz als bei herkömmlichen Leuchtmitteln. So gelang es wiederum Hella 2005 den
ersten Voll-LED-Scheinwerfer mit Xenon-Performance im Abblendlicht vorzustellen.
Da heutige LEDs an den energieeffizienten Xenonsystemen gemessen werden, sind sie trotz
dieser rasanten Entwicklungen noch nicht auf dem Niveau konventioneller Lichtquellen. Da-
her muss zunächst geklärt werden, ob aus lichttechnischer Sicht ein Einsatz der LED im
Scheinwerfer überhaupt sinnvoll ist. Anhand einer kritischen Diskussion der heutigen LED-
Performance und der realistisch zu erwartenden Lichtleistungen erfolgt im ersten Teil dieser
Arbeit eine gegenwärtige und zukünftige Einordnung der LED zur Erzeugung der Standard-
scheinwerferfunktionen.
Die für die roten LEDs zutreffenden schnellen Schaltzeiten von wenigen Nanosekunden gel-
ten auch für blaue Hochleistungs-LEDs. Neben dem schnellen Anschalten des Scheinwerfers,
ergeben sich aus der Möglichkeit der Pulsmodulierbarkeit der LED eine Reihe weiterer Mög-
lichkeiten zukünftiger Scheinwerfer. Scheinwerferfunktionen, die erst in Zukunft Einzug in
das Kfz halten werden, werden daher im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit ausführlich
diskutiert.
Lichterzeugung mit LEDs
3
2 Lichterzeugung mit LEDs
Dieses Kapitel dient dazu, weiße Hochleistungs-LEDs mit den bestehenden Standartlichtquel-
len zu vergleichen. Ausgehend von den prinzipiellen Vorgängen der verschiedenen Lichter-
zeugungsmethoden werden die bestehenden und möglichen Lichtleistungen von Glühlampe,
Xenonbrenner und LED dargelegt und diskutiert
Eine Lichtquelle hat die Aufgabe eine Energieform in elektromagnetische Strahlung umzu-
wandeln. Es gibt prinzipiell zwei Wege, wonach dies geschehen kann. [Hen72]:
1. Durch positive oder negative Beschleunigung elektrisch geladener Teilchen.
2. Durch Anregung von Atomen oder Molekülen und anschließendem Rückkehr dieser
in ihren Ausgangszustand.
Die frei werdende kinetische oder Bindungsenergie
E
∆
∆∆
∆
wird darauf folgend in Form elekt-
romagnetischer Strahlung der Frequenz f freigesetzt.
f
h
E
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
∆
∆∆
∆
( 2-1 )
Bisher haben sich in der Kfz-Lichttechnik zwei Formen der Lichterzeugung herauskristalli-
siert: die Halogenglühlampe und die Metalldampflampe. Diese beiden Formen der Lichter-
zeugung sollen im Folgenden kurz erklärt werden.
2.1 Glühlampe
2.1.1 Lichterzeugung mit Temperaturstrahlern
Im Fall der Glühlampe wird einem elektrischen Leiter thermische Energie zugeführt, die
durch ohmsche Widerstände aus elektrischer Energie erzeugt wird. Diese Wärme versetzt die
Atome oder Moleküle des Leiters in Schwingung. Durch die resultierenden Kollisionen wird
den Atomen/Molekülen Energie zugeführt, die sie in einen angeregten Zustand versetzt. Da
dieser angeregte Zustand energetisch instabil ist, streben die angeregten Elemente das energe-
tisch günstigere Energieniveau an. Dieses wird ausschließlich durch die Abgabe von Energie
erreicht. Folglich emittieren diese Atome/Moleküle spontan die nun überschüssige Energie in
Form von elektromagnetischer Strahlung und können erneut angeregt werden.
Lichterzeugung mit LEDs
4
Abbildung 2-1 Schwingende Atome im Festkörper
In erster Annährung entspricht das entstehende Emissionsspektrum dem Absorptionsspektrum
eines idealen schwarzen Strahlers, der dadurch gekennzeichnet ist, dass er bei konstanter
Temperatur jegliche auftreffende Strahlungsleistung absorbiert.
Dieses Spektrum kann nach Planck über folgende Gleichung bestimmt werden:
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
π
ππ
π
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
ddA
e
ch
ddAM
Tk
ch
e
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
−
−−
−⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
1
2
5
( 2-2 )
Wobei h das Plancksche Strahlungsäquivalent mit sJh
⋅⋅=
−34
1062607,6 , c die Lichtge-
schwindigkeit und k die Stepahn-Bolzman-Konstante mit
123
10380650524,1
−−
⋅⋅=
KJk ist.
Abbildung 2-2 Spektrale spezifische Aussstrahlung eines idealen schwarzen Körpers bei verschiedenen
Glühtemperaturen. Die V(λ
λλ
λ)-Kurve kennzeichnet den sichtbaren spektralen Anteil.
Das Verhältnis aus
(
)
λ
V-bewerteter Strahlungsleistung und Gesamtstrahlungsleistung gibt
die Lichtausbeute dieser Strahlungsquelle an.
(
((
(
)
))
)
∫
∫∫
∫
∫
∫∫
∫
⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
λ
λλ
λ
λ
λλ
λλ
λλ
λ
η
ηη
η
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
dM
dVMk
e
em
v
( 2-3 )
Lichterzeugung mit LEDs
5
Mit Hilfe der Gleichungen ( 2-2 ) und ( 2-3 ) lassen sich für den schwarzen Strahler für ver-
schiedene Temperaturen die theoretischen maximalen Lichtausbeuten berechnen. In
Abbildung 2-4 wird deutlich, dass ein solcher idealer thermischer Strahler ein Maximum der
Lichtausbeute bei Temperaturen um 6500 K aufweist. Hier sind Lichtausbeuten von maximal
100 lm/W erreichbar. Folglich wird versucht, die Glühtemperatur thermischer Strahler auf
diese Idealtemperatur zu erhöhen.
Abbildung 2-3 Lichtausbeute eines idealen schwarzen Strahlers bei verschiedenen Temperaturen
Das Bestreben nach hohen Temperaturen zeigt sich auch in den Meilensteinen der Entwick-
lung der Glühlampe. Neben dem Einsatz von Wolfram als Glühfaden haben vor allem der
Zusatz von Füllgasen, zur Verhinderung des Abdampfens, und der Halogenkreisprozess eine
Temperaturerhöhung ermöglicht.
Nachdem erste Glühlampen lediglich Temperaturen von knapp 2000 K erreichten, wurden
durch die beschriebenen Errungenschaften Temperaturen von bis zu 3200 K möglich. Dies
bedeutet einen Anstieg der Lichtausbeute von 13 lm/W auf 35 lm/W. Dennoch wird die ange-
strebte Idealtemperatur von 6500 K noch weit unterschritten.
2.1.2 Scheinwerfersysteme mit Halogenglühlampen
Die nach [ECE20] oder [SAE] geforderten Lichtverteilungen für Scheinwerfer mit Halogen-
glühlampen werden traditionell über zwei Varianten erzeugt. Entweder mit einem Parabol-
reflektor und einer Streuscheibe oder mit einem Freiformreflektor. Durch beiden Varianten
wird eine Vielzahl von reellen Glühwendelbildern in den Verkehrsraum (auf eine imaginäre
Wand in 25 m) abgebildet. Mit Hilfe der ersten (historisch älteren) Variante wird zunächst ein
kollimiertes („paralleles“) Strahlenbündel mit einem Parabolreflektor erzeugt. Durch das an-
schließende selektive Umlenken dieses Strahlenbündels über eine strukturierte Abschluss-
scheibe lässt sich die Lichtverteilung aus Einzelwendelbildern zusammensetzen. Diese optik-
behaftete Abschlussscheibe wird auch Streu- oder Prismenscheibe genannt. Mit der Einfüh-
rung der computerbasierten Strahlenberechnung konnten die optischen Eigenschaften der
Streuscheibe auf den Reflektor selbst verlagert werden. Der Reflektor besteht aus einer Viel-
Lichterzeugung mit LEDs
6
zahl von einzelnen Reflektorscherben, die je nach Entfernung von der Lichtquelle große oder
kleine Wendelbilder erzeugen.
Abbildung 2-4 Strahlengang bei der Erzeugung verschieden großer Wendelbilder in Paraboloidreflektoren
mit Streuscheibe (links) und in Freiformreflektoren (rechts)
Nach dem Abbildungsgesetz ist der Abbildungsmaßstab, der das Größenverhältnis aus Bild-
größe (Wendelbild) und Objektgröße (Wendel) angibt, gleich dem Verhältnis aus Objektweite
a’ (Entfernung Reflektor-Wendelbild) und Gegenstandsweite a (Entfernung Wendel-
Reflektor).
Die so entstehenden kleinen Wendelbilder aus dem Reflektoraußenbereich werden zur Erzeu-
gung hoher Beleuchtungsstärken in der Straßenmitte genutzt. Die großen Wendelbilder aus
dem Reflektorinneren eignen sich gut um großflächige Bereiche, wie z.B. das Vorfeld, auszu-
leuchten. Um zwischen Abblend- und Fernlicht zu wechseln, wird entweder ein zusätzlicher
Fernlichtscheinwerfer zugeschaltet oder in der Lampe bzw. im Reflektor befindet sich eine
zweite Wendel. Letzteres entspricht dem Aufbau von H4-Lampen. Eine Wendel ist hierbei so
durch eine Reflektorwanne abgeschattet, dass ihr Lichtstrom nur den oberen Teil des Reflek-
tors erreicht. Dieser Lichtstromanteil erzeugt das Abblendlicht. Wird die zweite freie Wendel
eingeschaltet, gelangt ein Teil ihres Lichtstromes auf die untere Reflektorschale, die die Fern-
lichtverteilung erzeugt. Diese Form der Lichtquelle hat einen weiteren Vorteil. Mit der durch
die scharfe Kante der Reflektorwanne begrenzten Abblendlichtwendel lassen sich scharf ab-
gegrenzte Wendelbilder erzeugen. Somit kann eine exakte Grenze zwischen beleuchtetem
Bereich und ausgeblendetem Bereich (Hell-Dunkel-Grenze) erzeugt werden. Nach Kotowicz
[Kot05] beträgt der Leuchtenwirkungsgrad dieser Systeme, aufgrund der ungünstigen Aus-
nutzung des Lampenlichtstroms und der Notwendigkeit der Streu- bzw. Abschlussscheibe,
nur etwa 27 %.
aayy
'''
=
==
=
=
==
=
β
ββ
β
. ( 2-4 )
Lichterzeugung mit LEDs
7
2.2 Gasentladungslampe
2.2.1 Lichterzeugung durch Gasentladung
Bei der auch „Xenonlampe“ genannten Metalldampflampe handelt es sich um eine Hoch-
druckgasentladungslampe mit metallischen Zusätzen, die zur Erzeugung des gewünschten
Spektrums notwendig sind. Im Gegensatz zu Glühlampen wird in Gasentladungslampen ein
leuchtendes Plasma, ein Aggregatzustand in dem Atomrümpfe und Elektronen getrennt vor-
liegen, erzeugt. Diese geladenen Teilchen (Ionen und Elektronen) werden in einem elektri-
schen Feld beschleunigt, in dem sie analog zur thermischen Strahlung kollidieren und rekom-
binieren. Erzeugt wird dieses Plasma durch Stoßionisation. Zwischen einer Anode und einer
Kathode werden elektrisch geladene Teilchen wie z.B. Elektronen und Ionen beschleunigt.
Diese stoßen auf weitere Atome oder Ionen und lösen dort unter Abgabe ihrer kinetischen
Energie Elektronen heraus. So entstehen neue Ionen und Elektronen und werden ihrerseits
wieder beschleunigt. Durch diesen Lawineneffekt entstehen so viele Ladungsträger, dass der
Widerstand zwischen den Elektroden gegen Null strebt. Um diesen Lawineneffekt auszulö-
sen, wird im Fall der Kfz-Gasentladungslampe ein Hochspannungsimpuls (25 kV) auf die
Lampe gegeben, wodurch ein Zündfunken von einer Elektrode zur anderen springt und das
enthaltene Gas ionisiert. Dies löst die Erzeugung des Plasmas aus, Elektronen und Ionen re-
kombinieren und emittieren spontan Photonen: Die Lampe leuchtet.
Das Gas in einer D1 und D2 Xenonlampe im Hauptbetrieb bei 60 bar ist Quecksilberdampf.
Dieses Quecksilber liegt im abgekühlten Zustand fast ausschließlich in flüssiger Form im
Lampenbrenner vor, da der Dampfdruck von Quecksilber bei niedrigen Temperaturen zu ge-
ring ist. Erst durch das Aufheizen im Betriebszustand verdampft weiteres Quecksilber. Dieses
Aufheizen und Verdampfen hat zufolge, dass einige Sekunden vergehen, bis die Lampe ihre
volle Leistung erreicht.
Nach [ECE98] muss eine Kfz-Gasentladungslampe nach 1 s 25 % und nach 4 s 80 % des Ge-
samtlichtstromes erzeugen. Um dies zu erreichen, wird Xenon als Startgas mit einem Partial-
druck im Kaltzustand von 10 bar zugemischt. Der Zündfunken erzeugt zu Beginn vorrangig
ein Xenonplasma, das augenblicklich ca. 15 % des Gesamtlichtstromes liefert. Durch kontrol-
lierten Überlastbetrieb werden anschließend das Quecksilber und weitere Metallsalze (NaI,
ScI
3
) möglichst schnell verdampft. Die endgültigen Dampfdrücke stellen sich ein und die
Lampe erreicht ihre Betriebslichtfarbe und ihre Betriebslichtausbeute.
Lichterzeugung mit LEDs
8
Abbildung 2-5 Plasma, bestehend aus Ionen und Elektronen in dem Brenner einer Gasentladungslampe
Durch die hohe Anregungsenergie des Quecksilbers im Vergleich zu den anderen Leuchtzu-
satzmetallen liefert es nach dem Einbrennen keinen bedeutsamen Beitrag für den Lampen-
lichtstrom. Es ist jedoch ausschlaggebend für die Lampenbrennspannung und sorgt durch sei-
ne geringe Wärmeleitfähigkeit für eine thermische Abschirmung des Lichtbogens [Kot05]. In
Abbildung 2-6 (links) ist die prozentuale Beteiligung der Füllgase an der Lichtstromerzeu-
gung über die Einschaltdauer abgetragen [OSRAM].
Abbildung 2-6 Prozentualer Anteil der jeweiligen Gase einer D2 bzw. D4 Lampe an der
Lichtstromerzeugung während des Einschaltvorganges (nach [OSRAM])
Im Zuge des schadstofffreien Autos wird die Quecksilberdampflampe schrittweise durch
quecksilberfreie D3- bzw. D4-Lampen ersetzt. In diesen Lampen wird mit ähnlichen Ergeb-
nissen Zink anstatt Quecksilber verwendet. Aufgrund des geringen Strahlungsbeitrages unter-
scheiden sich die Spektren der beiden Lichtquellen nur geringfügig.
Abbildung 2-7 Spektrum einer D2 und einer D4 Lampe [Man06]
Lichterzeugung mit LEDs
9
Da das Spektrum nahezu ausschließlich durch die Anregungsenergien der Leuchtzusatzmetal-
le bestimmt wird, ist ein gezieltes spektrales Lampendesign möglich, so dass fast ausschließ-
lich sichtbare Strahlung emittiert wird. (Mit UV-Anteilen der Quecksilberstrahlung und Infra-
rotstrahlung durch erwärmte Lampenteile) Dadurch sind mit weißen Gasentladungslampen
typische Lichtausbeuten von 90 bis 100 lm/Watt erreichbar.
2.2.2 Scheinwerfersysteme mit Gasentladungslampe
Der Lichtbogen der Gasentladungslampen wurde speziell so entwickelt, dass er in seiner Ge-
ometrie der einer Halogenglühlampe ähnelt.
Abbildung 2-8 Aufnahme einer H7-Glühwendel und eines D2-Lichtbogens im gleichen Maßstab. Hohe
Leuchtdichten sind mit dunklen, niedrige mit hellen Graustufen dargestellt.
Somit ist es möglich Halogenlichtsysteme mit Gasentladungslampen zu betreiben. Da der
Lichtbogen keine scharfe Abgrenzung zwischen leuchtend und nicht leuchtend besitzt, lassen
sich nur unscharfe Lichtbogenbilder kombinieren. Dies führt in Reflektionssystemen zu einer
unscharfen Hell-Dunkel-Grenze, was zur Folge hat, dass nahe der HDG keine hohen Beleuch-
tungsstärken realisieret werden können. Als Abhilfe dient hierbei eine weitere Anpassung der
Lichtquelle an die Scheinwerfertechnologie. Um eine reflektortaugliche Lichtquelle zu erhal-
ten, ist bei DxS (x=1,2,3) Lampen auf dem äußeren Splitter- und UV-Schutzkolben eine
Blende aufgedruckt. Wie bei der H4-Lampe ist es nun möglich einen Reflektor zu entwerfen,
der die HDG aus Abbildungen dieser Reflektorkante zusammensetzt. Trotz dieser Anpassun-
gen haben sich Xenon-Reflektionssysteme auf dem europäischen Markt kaum durchsetzen
können. Hauptsächlich finden Xenon-Projektionssysteme Verwendung.
Abbildung 2-9 Darstellung der geometrischen Brennpunkte eines Drei-Ellipsoid-Reflektors (links: horizon-
taler, rechts: vertikaler Schnitt)
Projektionssysteme funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie Diaprojektoren. Sie
leuchten eine Zwischenbildebene aus und bilden diese über eine Projektionsoptik in den Ver-
kehrsraum ab. Die geforderte Beleuchtungsstärkeverteilung muss folglich schon in der Zwi-
Lichterzeugung mit LEDs
10
schenbildebene als Lichtstärkeverteilung vorliegen. Im Gegensatz zu Diaprojektoren ist keine
homogene Ausleuchtung des Dias gewünscht, sondern eine Hotspotverteilung. Somit sind im
Zentrum höhere Lichtstärken als am Rand des Zwischenbildes notwendig. Des Weiteren muss
das Zwischenbild ein Aspektverhältnis der Breite zur Höhe von 7:1 aufweisen, um eine breite
Fahrbahnausleuchtung zu erreichen. Das gewünschte Zwischenbild lässt sich erzeugen, indem
zwei unterschiedlich große Ellipsoiden zu einem Freiformreflektor kombiniert werden, wobei
der Reflektor im horizontalen Schnitt eine größere Exzentrizität als der vertikale Reflektor-
schnitt aufweist (siehe Abbildung 2-9). Hierbei liegt der Lichtbogen in den jeweils ersten ge-
ometrischen Brennpunkten der Ellipsen. Der zweite geometrische Brennpunkt der kleineren
Ellipse liegt direkt in der Zwischenbildebene und erzeugt einen Hotspot. Der zweite geometri-
sche Brennpunkt der größeren Ellipse liegt wesentlich weiter entfernt, wodurch die Zwi-
schenbildebene breiter ausgeleuchtet wird.
Wie bereits beschrieben, liegt die Anschaltzeit einer Xenon-Lampe trotz speziellen Anpas-
sungen bei einigen Sekunden. Somit ist die Erzeugung des Fernlichtes und speziell das Schal-
ten zwischen Fern- und Abblendlicht nicht durch eine zweite Gasentladungslampe möglich.
Aus diesem Grund werden häufig zusätzliche Halogenfernlichtscheinwerfer in einem Schein-
werfer verwendet, sodass die Gasentladungslampe nur den Abblendlichtanteil der Lichtvertei-
lung erzeugt. Um trotz der langen Schaltzeiten von Xenonlampen auf Glühlampen zu verzich-
ten, wurde von Börnchen et. al. [Bör02] ein mechanisch schaltendes Bi-Xenonsystem entwi-
ckelt. Hierbei wird mechanisch die Blende in der Zwischenbildebene variiert, so dass eine
geöffnete Blende eine Fernlichtverteilung frei gibt. Hierzu muss der Reflektor eine zusätzli-
che Lichtfunktion, die Fernlichtfunktion, auf den variablen Teil Blende abbilden, damit diese
beim Öffnen in den Verkehrsraum abgebildet werden kann. Ein Erweitern des Reflektors um
eine dritte Ellipse macht dies möglich. Der erste geometrische Brennpunkt dieser Ellipse fällt
wiederum mit dem Lichtbogen der Lampe zusammen. Der zweite geometrische Brennpunkt
liegt hier zwischen denen der anderen zwei Ellipsen, so dass dieser Strahlengang durch die
mechanische Blende geschaltet werden kann. Dieser dritte Ellipsenschnitt des Freiformreflek-
tors ist im unteren Teil der vertikalen Schnittansicht zu erkennen.
Lichterzeugung mit LEDs
11
2.3 LED
2.3.1 Grundlagen Licht emittierender Dioden
Als drittes Prinzip soll nun das der Lichterzeugung mit LED erklärt werden. Ausgehend vom
Bohrschen Atommodell wird der Kristallaufbau von Halbleitern sowie deren Dotierung er-
klärt. Zum Verständnis dienen hierbei die zugehörigen Energiediagramme.
2.3.1.1
Bohrsches Atommodell
Um den Vorgang der Lichterzeugung mit LED zu verstehen, ist das Bohrsche Atommodell
hilfreich. Nach Bohr bestehen Atome aus einem positiv geladenen Atomkern und Elektronen,
die sich auf festen Bahnen, auch Schalen genannt, um den Atomkern bewegen.
Abbildung 2-10: Atommodell nach Bohr
Nach dem ersten Bohrschen Postulat gibt es ausschließlich diskrete Zustände, die Schalen, die
für Elektronen erlaubt sind. Die Elektronen auf der äußersten noch besetzten Schale heißen
Valenzelektronen, da sie für die chemische Bindung (Valenz) zu den Nachbaratomen zustän-
dig sind.
Das zweite Postulat besagt, dass der Übergang eines Elektrons zwischen zwei Schalen unter
Emission, bzw. Absorption elektromagnetischer Strahlung erfolgt.
Abbildung 2-11: Emission (links) und Absorption (rechts) elektromagnetischer Strahlung
In Abbildung 2-11 ist jeweils rechts des Bohrschen Atommodells das Energiediagramm des
Atoms dargestellt. Das Energiediagramm stellt die unterschiedlichen Energieniveaus der ein-
zelnen Schalen dar. Je größer der Radius der Schale, d.h. je weiter das Elektron vom Kern
entfernt ist, desto größer ist seine potentielle Energie.
Fällt bei der Emission ein Elektron auf eine energetisch niedrigere Bahn, so bedeutet dies,
dass es Energie verliert. Diese Energie wird als Photon abgestrahlt. Genau umgekehrt verhält
es sich bei der Absorption. Trifft ein Photon auf ein Elektron, so absorbiert dies dessen Ener-
gie und wird auf eine höhere Bahn gehoben.
Lichterzeugung mit LEDs
12
2.3.1.2
Kristallaufbau
Kristalle sind Festkörper mit regelmäßiger Atomanordnung. Sie entstehen dadurch, dass die
Valenzelektronen aller Atome untereinander Bindungen eingehen. Ein äußerst stabiles Kris-
tallgitter wird mit vierwertigen Atomen, d.h. mit Atomen mit vier Valenzelektronen, erreicht.
Durch die Bindung der benachbarten Valenzelektronen besitzt jedes Atom im Prinzip acht
Valenzelektronen, was der Edelgaskonfiguration entspricht.
Abbildung 2-12: Valenzbindung vierwertiger Atome
Eine vergleichbar stabile Bindung ist ebenso mit 3- und 5-wertigen Atomen möglich, bei der
die 3-wertigen Atome drei Valenzelektronen abgeben und die 5-wertigen fünf. Zu den so ge-
nannten III/V Halbleitern zählen z.B. Gallium-Arsenid (GaAs) und Indium-Phosphid (InP).
Werden gleiche Atome aneinander gebunden, müssten die Elektronen auch das gleiche Ener-
gieniveau besitzen. Das Pauli-Prinzip besagt jedoch, dass zwei Elektronen nie den gleichen
Energiezustand haben dürfen. Dies hat zur Folge, dass sich das ursprünglich gleiche Niveau in
ein Band aufspreizt. Da im Prinzip unendlich viele Atome an der Kristallbildung beteiligt
sind, liegen in dem Energieband unendlich viele Niveaus extrem dicht beieinander
(Abbildung 2-13).
Abbildung 2-13: Energiebänder im Kristall
Um im Folgenden den Vorgang der Lichterzeugung mit Halbleitern zu verstehen, sind zwei
Bänder zu beachten. Das Valenzband ist, in Analogie zu den Valenzelektronen, das äußerste
noch von Elektronen besetzte Band. Das Leitungsband beschreibt das Energieniveau im Kris-
tall, in dem sich die frei beweglichen Elektronen befinden. Beide Bänder sind durch die Band-
lücke
VLg
WWW
−
−−
−
=
==
=
∆
∆∆
∆
getrennt.
Abbildung 2-14: Leitungs- und Valenzband
Lichterzeugung mit LEDs
13
2.3.1.3
Licht aus Halbleitern
Als Halbleiter werden Kristalle mit einer Bandlücke von
eVW
g
30
<
<<
<
∆
∆∆
∆
<
<<
<
bezeichnet.
Geht ein Elektron vom Leitungs- ins Valenzband über (Rekombination), so kann die frei wer-
dende Energie
g
W
∆
∆∆
∆
in Lichtenergie umgewandelt werden. Sie wird in Form eines Photons
emittiert. Je größer die Anzahl der freien Elektronen im Leitungsband, desto höher ist die Re-
kombinationswahrscheinlichkeit und dementsprechend die Anzahl der emittierten Photonen.
Die Emissionswellenlänge
λ
λλ
λ
lässt sich über
g
W
ch
∆
∆∆
∆
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
λ
λλ
λ
( 2-5 )
berechnen. Mit h, dem planckschen Wirkungsquantum und c, der Lichtgeschwindigkeit, wird
durch die Energie der Bandlücke die Emissionswellenlänge bestimmt. Um LEDs mit ver-
schiedenen Emissionswellenlängen herzustellen, verwendet man Mischkristalle.
Tabelle 2-1 Eigenschaften verschiedener Halbleiterkombinationen
Material
∆
∆∆
∆
W
g
[eV]
λ
λλ
λ
[nm]
GaAs
1,43
870 (Infrarot)
GaP
2,26
550 (
Grün)
InGaN
2,76
450 (Blau)
2.3.1.4
Dotierung
Wie schon beschrieben steigt die Wahrscheinlichkeit der Rekombination, je höher die Anzahl
der Elektronen im Leitungsband ist. Diese lässt sich durch Dotierung der Halbleiterkristalle
gezielt beeinflussen. Bei der n-Dotierung werden beispielsweise 4-wertige Atome im Kristall-
gitter durch 5-wertige ersetzt. Vier der Valenzelektronen gehen eine Bindung mit dem Nach-
baratom ein, das fünfte Elektron wird für die kovalente Bindung nicht benötigt und ist nicht
gebunden. Es ist somit eine geringere Energie notwendig, um dieses Elektron ins Leitungs-
band zu heben. Im Energiediagramm bedeutet dies, dass unter dem Energieniveau des Lei-
tungsbandes ein neues Energieniveau W
D
entsteht. „D“ steht hierbei für Donator, vom lateini-
schen donare: schenken, abgeben (eines Elektrons).
Abbildung 2-15: n-Dotierung mit Energiediagramm
Lichterzeugung mit LEDs
14
Eine zweite Möglichkeit die Rekombinationswahrscheinlichkeit zu steigern, ist den Elektro-
nen ein Überangebot an Rekombinationsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Dies wird
mit der p-Dotierung erreicht, bei der ein 4-wertiges durch ein 3-wertiges Atom ersetzt wird.
Im Kristallgitter fehlen Valenzelektronen, und es entstehen so genannte Löcher. Diese Löcher
können von Valenzelektronen des Nachbaratoms unter geringem Energieaufwand besetzt
werden. Es entsteht über dem Energieniveau des Valenzbandes ein neues Niveau W
A
. „A“
steht hierbei für Akzeptor, lat. akzeptare: aufnehmen (eines Elektrons).
Abbildung 2-16: p-Dotierung mit Energiediagramm
Zur Lichterzeugung mit einer LED dient ein pn-Übergang. Dieser entsteht durch das Zusam-
menfügen von p- und n-dotierten Halbleitern. Die freien Elektronen des n-Halbleiters rekom-
binieren mit den Löchern des p-Halbleiters. Es entsteht ein Bereich mit ortsfesten Ladungen.
Die Ladungen führen zu einem elektrischen Feld, das das weitere Eindringen von Ladungs-
trägern verhindert. Der pn-Übergang ist gesperrt, weshalb die Anordnung der ortsfesten La-
dungen auch als Sperrschicht oder Raumladungszone bezeichnet wird. Die entstandene Span-
nung wird als Diffusionsspannung U
D
bezeichnet.
Abbildung 2-17: Ausgleichsvorgang (links) und pn-Übergang ohne äußere Spannung (rechts)
Im Energiediagramm entsteht ein Energieverlauf nach Abbildung 2-18 (a). Die Diffusions-
spannung U
D
(im Bild V
D
) ist hier als Barriere dargestellt, die die freien Ladungsträger daran
hindert, die neutrale Zone des gegenüberliegenden Halbleiters zu erreichen.
Abbildung 2-18: Energieverlauf im pn-Übergang ohne und mit Vorwärtsspannung [Schu06]
Lichterzeugung mit LEDs
15
Wird an den pn-Übergang Spannung in Durchlassrichtung gelegt, wirkt diese der Diffusions-
spannung entgegen. Da auf Seite des n-Halbleiters Elektronen in die Sperrschicht gedrückt
werden, auf p-Seite entsprechend Löcher, wird die Sperrschichtbreite verringert. Im Energie-
diagramm wird dieser Effekt durch ein Absinken der Barriere dargestellt (Abbildung 2-18
(b)). Überschreitet die angelegte Spannung die Diffusionsspannung U
D
, ist die Sperrschicht
komplett abgebaut und die Rekombination der Ladungsträger ist möglich. Die LED leuchtet.
2.3.1.5
I-U-Kennlinie
Wird die Spannung über U
D
hinaus vergrößert, steigt der Strom durch die Diode exponentiell
über der Spannung an. Abbildung 2-19 zeigt die Strom-Spannungs-Kennlinien verschiedener
Diodentypen.
Abbildung 2-19: Diodenkennlinien verschiedener
Diodentypen [Mer02]
Durch die Shockley-Formel ist die Kennlinie einer idealen Diode beschrieben ( 2-6 )
Die Diodenkennlinie zeigt, dass der Betrieb mit konstantem Strom, dem Betrieb an konstanter
Spannung vorzuziehen ist, da minimale Abweichungen der Spannung eine große Abweichung
des Stromes zur Folge haben. Die LED könnte leicht zerstört werden. Gewöhnliche LEDs
werden mit ca. 20 mA betrieben, Hochleistungs-LEDs mit bis zu 500 mA. Im gepulsten Be-
trieb sind kurzzeitig bis zu 2 A zulässig [DB06].
mV
q
Tk
U
n
AI
eII
T
S
Un
U
SD
T
D
26
2...1
10...10
1
612
≈
≈≈
≈
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
≈
≈≈
≈
≈
≈≈
≈
−
−−
−⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
−
−−
−−
−−
−
⋅
⋅⋅
⋅
( 2-6 )
Lichterzeugung mit LEDs
16
2.3.2 Lichtausbeute
Es gibt zwei entscheidende Beweggründe eine neue Lichtquelle im Kfz einzusetzen. Erstens
die Möglichkeit mit weniger zugeführter Leistung die gleiche Lichtperformance zu liefern.
Zweitens die Option bei gleicher Leistung die Ausleuchtung der Straße wesentlich zu verbes-
sern. Der Einsatz von Gasentladungslampen brachte eine Verdopplung des zur Verfügung
stehenden Lichtstromes bei gleichzeitiger Halbierung der notwendigen elektrischen Leistung.
Einen ähnlichen Effekt erhofft man sich von dem Einsatz der LED. Bisher ist die Lichtaus-
beute einer LED vergleichbar mit Halogenglühlampen, doch die Roadmaps der Chiphersteller
lassen einen starken Anstieg vermuten. In diesem Kapitel soll ausgehend von physikalischen
und technischen Grenzen die mögliche Lichtausbeute für weiße Dioden kritisch erörtert wer-
den, um eine Abschätzung der zukünftigen Bedeutung der LED im Vergleich zu Glüh- und
Gasentladungslampe zu ermöglichen.
2.3.2.1 Wirkungsgrad
Unter dem Wirkungsgrad einer Lichtquelle versteht man das Verhältnis aus Strahlungsleis-
tung P
S
und der zugeführten Leistung P
zu
. Im Fall der LED wird elektrische Leistung P
e
zuge-
führt, die sich aus dem Produkt des fließenden Stromes I und der anliegenden Spannung U
berechnet.
IU
P
P
P
P
P
S
e
S
zu
S
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
==
==
==
==
=
η
ηη
η
( 2-7 )
Die zugeführte elektrische Leistung wird durch Rekombination der Elektron-Loch-Paare in
Strahlungsleistung umgewandelt. Ein Teil dieser Rekombination führt nicht zu Strahlungs-
emission, sondern versetzt die Kristallstruktur in Schwingungen und bewirkt somit eine Tem-
peraturerhöhung innerhalb der Rekombinationszone. Dieser Vorgang wird nichtstrahlende
Rekombination genannt. Ein weiterer Anteil der elektrischen Leistung geht durch ohmsche
Widerstände in Wärme über. Das Verhältnis aus innerhalb der Rekombinationszone erzeugter
strahlender Rekombinationsleistung P
SR
zur zugeführten elektrischen Leistung P
e
wird als
interne Quanteneffizienz bezeichnet.
e
SR
P
P
=
==
=
int
η
ηη
η
( 2-8 )
Diese interne Quanteneffizienz erreicht durch geeignete Maßnahmen, wie z.B. Quantenwell-
strukturen und extreme Reinheit der Halbleitermaterialien nahezu das Maximum von 100 %
für rote Dioden [(Al
x
Ga
1-x
)
0.5
In
0.5
P] und liegt für blaue Dioden [In
x
Ga
1-x
N] bei beachtlichen
50 % [Kra03] [Lac06].
Würden alle Photonen, die durch strahlende Rekombination erzeugt werden, die LED verlas-
sen, ergebe sich somit ein Wirkungsgrad von 50-100 %. Aufgrund der hohen Brechungsindi-
Lichterzeugung mit LEDs
17
zes der Halbleiter (n
H
= 2,5-3,5) werden Photonen an der Grenzfläche LED zur Luft bereits
bei sehr kleinen Winkeln durch Totalreflexion zurück in den Halbleiter reflektiert. Der
Grenzwinkel
g
ε
ε
=
1
, unter dem Strahlung gerade noch die Grenzfläche zwischen zwei Stof-
fen passiert, errechnet sich aus dem Brechungsgesetz mit der Annahme eines Austrittswinkels
2
ε
von 90°.
)sin()sin(
2211
ε
εε
εε
εε
ε
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=⋅
⋅⋅
⋅
nn
( 2-9 )
°
°°
°=
==
=
90
2
ε
εε
ε
( 2-10 )
=
==
==
==
=
1
2
1
arcsin n
n
g
ε
εε
εε
εε
ε
( 2-11 )
Für typische Halbleiterbrechzahlen ergeben sich Grenzwinkel von 16-24 °. Alle unter dem
Grenzwinkel auf die Grenzfläche treffenden Strahlen bilden einen Kegel, der als Escapecone
(Austrittskegel) bezeichnet wird.
Die in der Rekombinationszone erzeugte Strahlung wird auf dem Weg zur Grenzschicht be-
reits teilweise absorbiert. Aufgrund der kleinen Escapecones wird ein Großteil zurück in den
Halbleiter reflektiert und dort wiederum absorbiert. Das Verhältnis aus ausgekoppelter oder
extrahierter Strahlungsleistung P
S
zur (in der aktiven Zone) erzeugten Strahlungsleistung P
SR
wird Extraktionseffizienz bezeichnet.
SR
S
extraktion
P
P
=
==
=
η
ηη
η
( 2-12 )
Der Extraktionseffizienz wird hauptsächlich durch die an der Grenzfläche reflektierte Strah-
lung bestimmt und liegt ohne zusätzliche Maßnahmen bei lediglich 2%. Darum werden viele
bauliche Maßnahmen getroffen, um diese so gering wie möglich zu halten oder um diese auf
weiteren Wegen zu extrahieren. Beispielhaft sollen hier die Nutzung mehrer Escapecones
[Zuk04], die Mikrostrukturierung der Grenzflächen [Rei04], die Flipchip-Technologie, das
Stufen des Brechungsindexes durch Epoxid- oder Silikondome und das Aufbringen von beu-
genden Strukturen genannt werden. So ist es 2006 gelungen mit Hilfe eines zirkularen Bragg-
gitters die ansonsten innerhalb der LED reflektierte Strahlung so zu beugen, dass diese extra-
hiert werden kann [Su06].
Lichterzeugung mit LEDs
18
Abbildung 2-20 zirkulares Bragggitter zur Steigerung der Auskoppeleffizienz [Su06]
Eine Erhöhung der Extraktionseffizient über 50 % ist jedoch nach Schubert [Schu06] nicht
ohne die Anwendung anspruchsvoller und sehr kostenaufwendiger Prozesse möglich.
Der wirtschaftlich erreichbare Wirkungsgrad einer LED, zusammengesetzt aus interner Quan-
teneffizienz und Extraktionseffizienz und daher auch als externe Quanteneffizienz bezeichnet,
ist demnach realistisch bei ca. 50 % anzunehmen.
extractionext
η
ηη
ηη
ηη
ηη
ηη
ηη
ηη
η
⋅
⋅⋅
⋅=
==
==
==
=
int
( 2-13 )
Der japanische Chip Hersteller Nichia präsentierte 2006 einen LED Chip, der eine externe
Quanteneffizienz von 41,7 % erreicht [Nic06]. Dies zeigt anschaulich wie nah momentane
Entwicklungen dem angestrebtem Maximum sind.
2.3.2.2 Lichtausbeute
Soll die von der LED erzeugte Strahlungsleistung von Menschen wahrgenommen werden, so
reicht es nicht aus, lediglich den Wirkungsgrad bzw. die externe Quanteneffizienz der Licht-
quelle zu betrachten. Auch die Wirkung auf das menschliche, visuelle System muss mit be-
rücksichtigt werden. Der Mensch kann keine Strahlungsleistung im infraroten und im ultravi-
oletten Strahlungsbereich wahrnehmen. Somit besitzen Infrarot- oder UV-LEDs zwar einen
hohen Wirkungsgrad, ihr Beitrag zum Leuchten oder Beleuchten ist dennoch gleich null. Um
diesen Beitrag zu quantifizieren, wurde die Lichtausbeute eingeführt. Bei der Lichtausbeute
handelt es sich um eine relative Größe, dem Verhältnis von Lichtstrom
Φ
zur aufgewendeten
Leistung
zu
P[Gal04].
Φ
ΦΦ
Φ
=
==
=
Φ
ΦΦ
Φ
=
==
=
W
lm
PP
ezu
V
η
ηη
η
( 2-14 )
Lichterzeugung mit LEDs
19
Der Lichtstrom
Φ
ist eine lichttechnische Größe, also eine spektral bewertete Größe, die mit
der spektralen Hellempfindlichkeitskurve
(
)
λ
V für das Tagsehen (2° Gesichtsfeld) gewichtet
wird [Gal04]. Die allgemeingültige Formel zur Berechnung des Lichtstroms
Φ
lautet:
(
((
( )
))
)
[
[[
[ ]
]]
]
1
830
360
683
−
−−
−
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅=
==
=Φ
ΦΦ
Φ
∫
∫∫
∫
WlmklmdVPk
m
nm
nm
Sm
λ
λλ
λλ
λλ
λ
λ
λλ
λ
( 2-15 )
Die Konstante
m
k
stellt das photometrische Strahlungsäquivalent (Tagsehen) dar. Da die
Hellempfindlichkeitskurve
(
)
λ
V maximal einen Wert von eins annehmen kann, (bei einer
Wellenlänge von 555nm) ist die maximale Lichtausbeute einer Lichtquelle immer kleiner
gleich 683 lm/W.
Lichterzeugung mit LEDs
20
2.3.2.3 Lichtausbeute weißer LEDs
Da das emittierte Licht von Halbleiterdioden zunächst nahezu monochromatisch ist, kann mit
einer LED kein weißes Licht erzeugt werden. Um dennoch weißes Licht zu erhalten, gibt es
nach [Zuk04] [Schu06] mehrere verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können zwei oder
drei LEDs zu so genannten Di- oder Trichromaten zusammengefasst werden. Als Resultat
erhält man anschließend als Mischlicht Weiß. Zum anderen besteht die Möglichkeit, hoch-
energetische LED-Strahlung vollständig oder teilweiße in niederenergetischere Strahlung um-
zuwandeln, sodass in der Mischung aus LED-Strahlung und konvertierte Strahlung, bzw. nur
durch konvertierte Strahlung, Licht mit weißem Erscheinungsbild entsteht.
Weißes Licht lässt sich aus unendlich vielen verschiedenen spektralen Strahlungszusammen-
setzungen erzeugen. Diese Strahlung unterscheidet sich jedoch in ihren Farbwiedergabeeigen-
schaften, die mit dem Farbwiedergabeindex
a
R
beschrieben werden. Es können von Stoffen
nur Frequenzen reflektiert werden und somit zum Farbeindruck beitragen, wenn diese in dem
Spektrum vorhanden sind. Nach Zissis [Zis03] haben Lampen mit hoher Lichtausbeute im
allgemeinen geringe Farbwiedergabeindizes. Da in der Kfz-Beleuchtung das Wiedergeben
von Farben eine untergeordnete Rolle spielt, wird in den folgenden Überlegungen nach dem
Spektrum einer weißen Lichtquelle mit maximaler Lichtausbeute gesucht, ohne weiter auf die
Farbwiedergabeeigenschaften einzugehen.
Zur Auswahl der geeigneten Spektralkombinationen soll die Farbdarstellung in der CIE-
Normfarbtafel verwendet werden. Es handelt sich bei der CIE-Normfarbtafel um die relativen
Anteile x und y (Normfarbwertanteile) der Normfarbwerte X und Y. Der Normfarbwertanteil z
wird nicht explizit angegeben, da dieser mittels der Formel: x + y + z = 1, durch die Abhän-
gigkeit zu x und y berechnet werden kann. Die Größe x beschreibt dabei den relativen Rot-
Anteil, y den relativen Grün-Anteil. Durch die Abszisse (x) und die Ordinate (y) wird eine
Farbebene aufgespannt, die den einzelnen Farbarten Punkte der zweidimensionalen, ebenen
Farbtafel zuordnet. Alle Farben der gleichen Farbart (Farbton und Sättigung), aber verschie-
dener Helligkeit, sind dem gleichen Farbtafelpunkt zugeordnet. Die Helligkeit wird zusätzlich
durch den Normfarbwert Y angegeben [Ric80]. Die Orte aller Spektralfarben (spektral reine
Farben) liegen in der Normfarbtafel auf einem hufeisenförmig gekrümmten Spektralfarben-
zug, dessen Enden durch die Purpurgerade (Mischfarben aus Violett und Rot) eingefasst sind.
Alle Farben, die durch Mischung von mindestens zwei Komponenten herstellbar sind, liegen
auf einer Mischgeraden. Die Menge der Farbarten, die durch additive Mischung von drei Far-
ben herstellbar ist, wird determiniert durch den Farbraum dreier Farben. Die drei Ausgangs-
farben bilden Eckpunkte eines Dreiecks, das in der Ebene der CIE-Normfarbtafel aufgespannt
wird. Mittels dieser drei Farben sind dann alle Farben innerhalb des Dreiecks durch Mischung
herstellbar. Mit den additiven Grundfarben Rot, Grün, Blau lässt sich das größte innerhalb des
Spektralfarbenzugs liegende Dreieck bilden.
Lichterzeugung mit LEDs
21
Abbildung 2-21 Darstellungen der CIE-Farbtafel, die durchgezogene Mischgerade zeigt die möglichen
Kombination zweier Spektralfarben. Das gestrichelte Dreieck grenzt die Kombinationsmöglichkeiten drei-
er Spektralfarben zur Herstellung einer Mischfarbe ein.
Die Einheiten der CIE-Normfarbtafel sind so gewählt, dass der Weißpunkt bei x, y, z = 1/3
(Unbuntpunkt E) liegt. Für zwei Spektralfarben gibt also der gegenüberliegende Schnittpunkt
der Mischgerade, der durch den Punkt (x, y) einer vorgegebenen Farbe und dem Unbundpunkt
(x=1/3, y=1/3) aufgespannt wird, mit dem Normspektralzug die zweite Mischfarbe (x’, y’) an.
Diese Farbe wird auch Komplementärfarbe genannt. Das Leistungsverhältnis der zwei Ein-
zelwellenlängen ergibt sich aus der Vorgabe einer Zielmischfarbe, die dem Unbuntpunkt E
entspricht. Das so erhaltene Spektrum kann mit Hilfe der Gleichung ( 2-14 ) in eine maximale
Lichtausbeute umgerechnet werden. In Abbildung 2-22 sind die so erhaltenen Ergebnisse dar-
gestellt. Es zeigt sich ein deutliches Maximum der Lichtausbeute im Zweifarbenfall bei einer
Kombination der Wellenlängen 445 nm und 570,56 nm. Theoretisch ist demnach bei einem
LED-Wirkungsgrad von 100%, weißes Licht aus zwei Wellenlängen mit einer Lichtausbeute
von ca. 430 lm/W mischbar.
Abbildung 2-22 links: Kombinationsmöglichkeiten zur Erzeugung maximaler Lichtausbeuten aus zwei
Spektrallinien. rechts: Spektrum der Zweifarbenkombination mit maximaler Lichtausbeute. Zur Veran-
schaulichung ist zudem die V(λ
λλ
λ)-Kurve dargestellt.
Lichterzeugung mit LEDs
22
Analog dem Zweifarbenfall lässt sich die gleiche Betrachtung mit einer wesentlich höheren
Kombinationsmöglichkeit für drei Farben durchführen. In Abbildung 2-23 sind für eine vor-
gegebene Wellenlänge die jeweiligen Maxima der Lichtausbeute aus der Mischung mit zwei
weiteren Farben abgetragen. Das globale Maximum dieser Einzelmaxima ergibt keine neue
verbesserte Kombinationsmöglichkeit, sondern läuft auf die gleiche spektrale Zusammenset-
zung hinaus wie der Zweifarbenfall.
Abbildung 2-23 links: Kombinationsmöglichkeiten zur Erzeugung maximaler Lichtausbeuten aus drei
Spektrallinien. rechts: Spektrum der Dreifarbekombination mit maximaler Lichtausbeute. Zur Veranschau-
lichung ist zudem die V(λ
λλ
λ)-Kurve dargestellt.
Es zeigt sich, dass für eine Ziellichtfarbe mit den Normspektralwertanteilen x = y =1/3 eine
maximale Lichtausbeute von 430lm/W erreichbar ist. Für eine Ziellichtfarbe, die der Norm-
lichtart D
65
entspricht (x
D65
= 0,3138 und y
D65
= 0,3310), liegt nach Schubert [Schu06] mit
zwei Spektrallinien bei 445 nm und 563,5 nm die maximale Lichtausbeute bei ca. 440 lm/W.
Selbst bei einer externen Quanteneffizienz von 50 % ergibt sich eine beachtliche Lichtausbeu-
te von 215-220 lmW je nach gewünschter Lichtfarbe.
2.3.2.4 Fluoreszenzdiode
Wie bereits erwähnt, haben Lichtquellen mit schmalen Spektrallinien einen schlechten Farb-
wiedergabeindex, da von Körpern nur noch das Verhältnis von Blau zu Gelb verändert wer-
den kann und ihre wahrgenommene Farbe nur auf der beschrieben Mischgeraden zwischen
den zwei Spektralfarben in der CIE-Normfarbtafel liegen kann. Aus diesem Grund hat sich im
Bereich der Beleuchtung mit weißen LED-Lichtquellen ein Trend hin zu blauen LEDs in
Kombination mit Lumineszenzfarbstoffen abgezeichnet. Das kurzwellige und damit energie-
reichere blaue Licht regt den Farbstoff zum Leuchten an. Dabei wird langwelliges, energie-
armes gelbes Licht abgegeben. Da nicht das gesamte blaue Licht umgewandelt wird, ergibt
die resultierende additive Mischung der Spektralfarben einen weißen Farbton. Der Farbton
der Weißlichtdiode ist über Wahl und Dosierung des Farbstoffes einstellbar und bewegt sich
Lichterzeugung mit LEDs
23
in der CIE-Normfarbtafel auf der Mischgeraden zwischen den beiden Farben. Das so erhalte-
ne volle Spektrum zeichnet sich durch einen höheren Farbwiedergabeindex aus. Außerdem
wird die Lichtfarbe nur durch die Fluorophordicke und –konzentration bestimmt, und ist so-
mit nicht von externen Einflüssen wie Temperatur und Stromschwankungen abhängig. Im
Gegensatz zu Di- oder Trichromaten, die ohne eine aktive Farbregelung unter Temperatur-
und Stromschwankungen nicht ihren Farbort halten können.
Abbildung 2-24 Prinzip der Weißlichterzeugung mit Lumineszenzstoffen. Rechts: Typisches Spektrum
weißer LED
Das hier dargestellte Spektrum stammt von einer Luxeon V Portable DS40, einer weißen
Hochleistungs- LED der Firma Lumileds. Mit Hilfe des vermessenen Spektrums lässt sich die
theoretisch maximale Lichtausbeute einer konvertierten LED berechnen.
∫
∫
⋅
⋅⋅⋅
=
nm
nm
S
nm
nm
Sm
v
dP
dVPk
830
360
830
360
)(
λ
λλ
η
λ
λ
( 2-16 )
Die maximale Lichtausbeute eines solchen Spektrums beträgt:
Wlm
v
4,308
=
η
Diese 308,4 lm/W lassen sich jedoch nur dann erreichen, wenn eine externe Quanteneffizienz
von 100 % vorliegt. Wie beschrieben, ist es jedoch realistischer eine Effizienz von 50 % für
die Erzeugung der LED-Strahlung anzunehmen. Dies gilt wiederum nur für den blauen Anteil
der durch die LED direkt erzeugten, Strahlung. Der durch Konversion erzeugte gelbe Strah-
lungsanteil wird durch Reduzierung der Lichtquantenenergie E
λ
erzielt. Um für die Leistungs-
bilanz die tatsächlich aufzubringende Leistung zu erhalten, muss demnach die gelbe Leistung
auf eine Leistung der LED-Strahlung vor der Konvertierung umgerechnet werden.
21
21 ,
λ
λλ
λλ
λλ
λ
λ
λλ
λλ
λλ
λ
c
hE
c
hEfhE
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=⋅
⋅⋅
⋅=
==
=→
→→
→⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
( 2-17 )
1
2
2
1
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
λ
λλ
λ
=
==
=
E
E
( 2-18 )
c: Lichtgeschwindigkeit
h: Plancksches Wirkungsquantum 6,626 10
-34
Ws²
Lichterzeugung mit LEDs
24
Für die Luxeon V Portable DS40 liegt die zentrale Wellenlänge der blau emittierenden Diode
bei 444,16nm und kann als mittlere Ausgangswellenlänge E
λ1
angenommen werden. Unter
Berücksichtigung der Konvertierungsverluste ist nach Gleichung ( 2-18 ) eine um den Faktor
1,26 höhere Leistungsabgabe der blauen LED nötig (Wirkungsgrad der Konvertie-
rung:
%79
.
=
konv
η
). Somit ist maximal noch ein weißer Lichtstrom von 243,8 lm pro Watt
elektrischer Leistung erreichbar. Durch Absorptionsverluste innerhalb des Konversionsstoffes
ist mit weiteren Wirkungsgradeinbußen zu rechnen.
2.3.2.5 Temperatur
Als letzter Einfluss auf die Lichtausbeute soll der Einfluss der Temperatur diskutiert werden.
Nahezu jegliche der LED zugeführte Leistung, die nicht in Strahlung umgewandelt wird, fällt
in Form von Wärmeleistung innerhalb des Halbleiterchips an. Dies können je nach Quanten-
effizienz 50% bis 90% der zugeführten Leistung sein. Abhängig von dem thermischen Wider-
stand der LED zur Umgebung, der Temperatur der Umgebung und der zugeführten Leistung
führt dies zu einer mehr oder weniger starken Aufheizung der Rekombinationszone (siehe
Kapitel 4.2). Diese Aufheizung hat zur Folge, dass die Zahl der nicht-strahlenden Rekombina-
tionen zunimmt und somit die Quanteneffizienz sinkt. Hochleistungs-LEDs können auf diese
Weise Junctiontemperaturen von über 100°C aufweisen. In Abbildung 2-25 sind die Quanten-
effizienz-Temperatur-Kennlinien von zwei Hochleistungs-LEDs abgetragen. Es ist zu erken-
nen, dass bei typischen Betriebsbedingungen von 100°C Junctiontemperatur der Lichtstrom
und demnach die Quanteneffizienz auf 80 % des Ausgangslichtstromes (der Ausgangseffi-
zienz) bei 20°C sinkt.
Abbildung 2-25 Temperaturabhängiger Lichtstrom verschiedener Hochleistungs LEDs [DB06] [K206]
Lichterzeugung mit LEDs
25
In der folgenden Auflistung sind alle maximal zu erwartenden Effizienzen und Wirkungsgra-
de zusammengefasst:
Tabelle 2-2 theoretische Effizienzen und Wirkungsgrade bei der Weißlichterzeugung mit LEDs
Nach den vorangegangenen Überlegungen sind in Zukunft realistisch maximale Lichtausbeu-
ten bei weißen LEDs zwischen 100 und 140 lm/W zu erwarten. Damit wird die LED die
Lichtausbeute einer Leuchtstofflampe erreichen können (vgl. Tabelle 2-3). Für hochlumige
kompakte Pakete ist aufgrund der starken Temperaturabhängigkeit eine deutliche Steigerung
gegenüber konventionellen Lichtquellen allerdings kaum zu bewerkstelligen.
Tabelle 2-3 Lichtausbeuten verschiedener Lichtquellen
Lichtquelle lm/W
Kerze 0,1
Glühlampe 13-15
Halogenglühlampe 28
Leuchtstofflampe 80-110
Quecksilberdampflampe 80-100
Pkw-Gasentladungslampe („Xenon“) 90
Dichromatische LED 140 (praktisch)
Lumineszenzfarbstoff konvertierte LED 40 (2006)-100 (praktisch)
Interne Quanteneffizienz
Externe Quanteneffizienz
Maximale Lichtausbeute eines weißen Dichro-
maten und einer Lumineszenzfarbstoff konver-
tierten LED
Konvertierungswirkungsgrad
Thermische Quanteneffizienzverluste %80
%80
4,308.430
%50
%100
11
int
≈
≈
⋅⋅=
≤
≤=
−−
therm
konv
v
ext
Sr
e
WlmbzwWlm
P
P
η
η
η
η
η
Lichterzeugung mit LEDs
26
2.3.3 Leuchtdichte
Ein weiteres wichtiges Merkmal einer Lichtquelle ist die Leuchtdichte. Die Leuchtdichte ist
ein Maß dafür, wie viel Lichtstrom
Φ
eines Flächenelementes dA sich in einem Raumwinkel-
element d
Ω
befindet. Die Leuchtdichte wird demnach sowohl durch die Leistungsdichte einer
Fläche, als auch durch die Bündelung der Strahlung bestimmt. In Tabelle 2-4 sind einige typi-
sche Leuchtdichteverteilungen verschiedener Lichtquellen abgetragen.
Tabelle 2-4 Leuchtdichten der klassischen Kfz-Lichtquellen im Vergleich zu einer Hochleistungs-LED
(Angaben in Mcd/m²)
Gasentladungslampe D2
35 W
Halogenglühlampe H7
55 W
LED Golden Dragon
1 W
200 Mcd/m² 20 Mcd/m² 2 Mcd/m²
Aus der Tabelle 2-4 wird deutlich, dass die Leuchtdichte der Halogenglühlampe um den Fak-
tor 10 geringer ist als die der Gasentladungslampe, und dass die aufgeführte LED um weitere
90% dunkler ist. Welchen Einfluss haben hohe bzw. niedrige Leuchtdichten auf das Syntheti-
sieren von optischen Systemen? Die Aufgabe von Beleuchtungssystemen ist es, den Licht-
strom einer Lichtquelle auf eine zu beleuchtende Fläche zu projizieren. In der Regel wird die
Ziellichtfunktion als Beleuchtungsstärkefunktion auf einer zu beleuchtenden Fläche A vorge-
geben. Neben der Homogenität und Größe der Ausleuchtung sind meist Mindestbeleuch-
tungsstärken gewünscht oder gefordert. Maximale Beleuchtungsstärken lassen sich durch das
Abbilden der Lichtquelle auf die zu beleuchtende Fläche erzielen.
35
3
18
1,5
2,5
0,5
59
10
250
Lichterzeugung mit LEDs
27
H, H’
A
A’
r
A =A ’
Linse Linse
a a’L
A
E
A’
Abbildung 2-26 Einstufige Abbildung im paraxialen Gebiet
Nach dem photometrischen Grundgesetz [Gal04] ist der Lichtstrom, der von einer leuchten-
den Fläche A
1
auf eine Fläche A
2
trifft, definiert durch:
∫
∫∫
∫ ∫
∫∫
∫
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅Ω
ΩΩ
Ω=
==
=Φ
ΦΦ
Φ
→
→→
→
1 2
12
2
21021
1
coscos
A A
dAdA
r
L
ε
εε
εε
εε
ε
( 2-19 )
Dabei stellt L die Leuchtdichte der leuchtenden Fläche dar. Die Winkel
ε
1
bzw.
ε
2
sind die
Winkel zwischen den Flächennormalen der Flächenelemente dA
1
bzw. dA
2
und der optischen
Achse. Der Abstand der Flächenelement dA
1
, dA
2
wird mit r bezeichnet.
Für einen großen Abstand der Linse zur LED, im Vergleich zur Ausdehnung der LED
a>>d
LED
und unter der Annahme der Lambertschen Abstrahlungscharakteristik der LED, kön-
nen in dem konkreten Fall folgende Näherungen angenommen werden:
1coscos0
.
),(
.)(,
2121
21
1
=
==
==
==
=→
→→
→°
°°
°=
==
==
==
=
=
==
=≈
≈≈
≈
≠
≠≠
≠
=
==
=
>>
>>>>
>>
ε
εε
εε
εε
εε
εε
εε
εε
ε
ε
εε
ε
konstar
dAdAfL
konstLda
LED
Somit ist der Lichtstrom, der von der leuchtenden Fläche A
1
= A
LED
auf die Linsenfläche
A
2
= A
Linse
trifft, annähernd gleich:
0
2
Ω
ΩΩ
Ω⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
≈
≈≈
≈Φ
ΦΦ
Φ
−
−−
−
a
AAL
LinseLEDLED
LinseLED
( 2-20 )
Lichterzeugung mit LEDs
28
Je nach Transmissionsgrad
τ
Linse
der Linse wird ein Teil des Lichtstromes auf das bildseitig
entstehende Abbild des Chips gelenkt und bewirkt dort unter der Annahme einer idealen ab-
berationsfreien Abbildung, folgende Beleuchtungsstärke:
Linse
LED
LinseLED
A
E
τ
ττ
τ
⋅
⋅⋅
⋅
Φ
ΦΦ
Φ
=
==
=
→
→→
→
'
( 2-21 )
Aus der Definition des Abbildungsmaßstabes lässt sich das Bild der LED wie folgt substituie-
ren:
LEDLED
AA
a
a⋅
⋅⋅
⋅=
==
==
==
=
2
'',
'
'
β
ββ
ββ
ββ
β
( 2-22 )
Einsetzen von ( 2-20 ) und ( 2-22 ) in ( 2-21 ) ergibt:
0
22
2
'Ω
ΩΩ
Ω⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
Linse
LED
LinseLEDLED
aAa
aAAL
E
τ
ττ
τ
( 2-23 )
Somit besteht unter den angenommenen Randbedingungen und Näherungen folgender Zu-
sammenhang zwischen der Leuchtdichte einer LED und der maximal erzielbaren Beleuch-
tungsstärke im Abbild der Diode:
0
2
'Ω
ΩΩ
Ω⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
Linse
LinseLED
a
AL
E
τ
ττ
τ
( 2-24 )
Für Reflektorsysteme kann in Analogie zu Linsensystemen die gleiche Herleitung vollzogen
werden:
0Re
2
Re
'Ω
ΩΩ
Ω⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
flektor
flektorLED
a
AL
E
ρ
ρρ
ρ
( 2-25 )
Aus dieser Herleitung resultierend lässt sich sagen:
Für die maximal erzielbare Beleuchtungsstärke sind einzig die Leuchtdich-
te der Lichtquelle, der Abstand des Scheinwerfers zur Beleuchtungsebene
und die effektiv leuchtende Fläche des Scheinwerfers verantwortlich.
Lichterzeugung mit LEDs
29
Nach den Vorschriften für Fernlicht mit Gasentladungslampen muss die Beleuchtungsstärke
auf einem Messschirm in 25m Entfernung im Schnittpunkt der Linien HH und VV mindes-
tens 70lx betragen [ECE20]. Aus dieser Forderung lassen sich nach Gleichung ( 2-24 ) bzw. (
2-25 ) für die verschiedenen Leuchtdichten der Kfz-typischen Lichtquellen die erforderlichen
Mindestaustrittsflächen der Scheinwerfersysteme berechnen.
Tabelle 2-5 Mindestdurchmesser der Austrittspupille eines Scheinwerfers zur Erzeugung der für Fernlicht
geforderten Beleuchtungsstärken
Gasentladungslampe D2
35 W
Halogenglühlampe H7
55 W
LED Golden Dragon
1 W
200 Mcd/m² 20 Mcd/m² 2 Mcd/m²
2,2 cm² 22 cm² 220 cm²
Die um den Faktor 100 geringeren Leuchtdichten der LEDs gegenüber den Gasentladungs-
lampen führen zu Scheinwerferaustrittsflächen, die hundertmal größer sein müssen als die von
Systemen mit Gasentladungslichtquellen. Da der Bauraum und die Austrittsfläche eines
Scheinwerfers aufgrund der kompakten Bauweise von Kraftfahrzeugen sehr eng begrenzt ist,
könnte dieser wesentlich größere Platzbedarf ein empfindliches Problem für den Einsatz der
LEDs als Scheinwerferlichtquelle darstellen. Um die Größe dieses Problems abzuschätzen,
soll im Folgenden das Entwicklungspotenzial der Leuchtdichte von LEDs diskutiert werden.
Wie bereits beschrieben, wird nur ein Teil der zugeführten elektrischen Leistung in Strah-
lungsleistung umgewandelt. Die verbleibende Verlustleistung liegt aufgrund von Resorbti-
onsvorgängen und ohmschen Verlusten in Form von Wärmeleistung
.
Q
innerhalb der LED
vor.
.
QPP
Se
+
++
+=
==
=
( 2-26 )
Die Leuchtdichte einer LED kann mit:
2
2
)(
Ω
ΩΩ
Ω⋅
⋅⋅
⋅
Φ
ΦΦ
Φ
=
==
=
Ω
ΩΩ
Ω⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
∫
∫∫
∫
ddA
d
ddA
dVPk
L
pLEDLEDpLED
Sm
LED
λ
λλ
λλ
λλ
λ
λ
λλ
λ
( 2-27 )
berechnet werden. Demzufolge muss zum Steigern der Leuchtdichte entweder der Gesamt-
lichtstrom erhöht oder die projizierte Fläche bzw. der Raumwinkel der LED verkleinert wer-
den. Mit der Flächenverringerung nehmen proportional die Größe der Rekombinationszone
Lichterzeugung mit LEDs
30
und somit auch der abgegebene Lichtstrom ab. Dieser Eingriff führt also nicht zu einer
Leuchtdichteerhöhung. Aufgrund der ungerichteten Rekombination innerhalb der LED wird
auch der Lichtstrom gleichmäßig in den Halbraum vor der LED abgegeben. Eine bauliche
Verkleinerung des Abstrahlwinkels ohne eine Reduktion des Lichtstromes ist nicht möglich.
Durch das Gesetz der Konstanz der Leuchtdichte ist außerdem eine nachträgliche optische
Veränderung des Faktors A
LED
·Ω
LED
nicht möglich.
In einem optischen System gilt:
.''
konstAA
pp
=
==
=
Ω
ΩΩ
Ω
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
Ω
ΩΩ
Ω
⋅
⋅⋅
⋅
( 2-28 )
Dieser Ausdruck wird ferner geometrischer Fluss oder étendue (frz.: Ausdehnung) genannt
und stellt eine geometrische Konstante der Abbildung dar.
Abbildung 2-27 Veranschaulichung der Konstanz der Leuchtdichte in abbildenden optischen Systemen
Es bleiben demnach zur Steigerung der Leuchtdichte einer LED die Erhöhung der LED-
Lichtausbeute und die Steigerung der in einer LED umgesetzten Leistung. Zur Messung der in
Tabelle 2-4 gezeigten LED-Leuchtdichte kam eine LED mit einer Lichtausbeute von ca.
30 lm/W zum Einsatz. Wie in Kapitel 2.3.2 beschrieben, ist eine Steigerung der Lichtausbeute
auf 100 bis 140 lm/W für weiße LED ein ehrgeiziges, jedoch realistisches Ziel. Durch die
Steigerung der Lichtausbeute ist folglich ein Faktor 3 bis 5 erreichbar. Für die vermessene
Golden Dragon [DB06] heißt dies einen theoretischen Anstieg der Leuchtdichte auf 6 bis
12 Mcd/m². Zur Erinnerung sei hier erwähnt, dass eine D2 Gasentladungslampe 200 Mcd/m²
und eine H7-Glühlampe 20 Mcd/m² erreicht..
Es reicht also nicht aus, die Lichtausbeute zu erhöhen. Nur eine Steigerung der umgesetzten
Leistung kann eine Leuchtdichtesteigerung bewirken. Die maximal zuzuführende Leistung
reelle Abbi
l
dung
virtuelle Abbi
l
dung
p
A
1
1
Ω
ΩΩ
Ω
'
1p
A
'
1
Ω
ΩΩ
Ω
1
Ω
ΩΩ
Ω
'
1
Ω
1
Ω
'
1
Ω
ΩΩ
Ω
1
Ω
'
1
Ω
ΩΩ
Ω
p
A
1
'
1p
A
p
A1
'
1p
A
p
A1
'
1p
A
Lichterzeugung mit LEDs
31
einer LED ist durch die maximale erlaubte LED-Junction-Temperatur T
j
und die maximal
abführbare thermische Leistung
max
.
Q aus der LED begrenzt. Heutige LEDs erlauben Juncti-
ontemperaturen von bis zu 185 °C [Lux06] und besitzen thermische Widerstände R
th
von ca.
10 K/W. Für Umgebungstemperatur (20 °C) ergibt sich so eine maximal zulässige Verlust-
leistung von 16 Watt. Für eine externe Quanteneffizienz
η
ext
von 50 % sind demnach theore-
tisch 32 Watt pro LED denkbar. Bei einer Schwellspannung von ca. 3 V müssten Ströme von
nahezu 10 A durch den Halbleiter fließen.
Abbildung 2-28 Vereinfachte Darstellung des thermischen Pfades in einer LED
Nach Schubert [Schu06] kommt es bei hohen Strömen zu einem Ladungsträgerüberlauf in der
aktiven Region der LED, so dass ab einem bestimmten maximalen Strom eine Erhöhung des
Stromes zu keinen weiteren Rekombinationen führt und der Lichtstrom in Sättigung geht. Um
dieses Problem zu vermeiden, müssen Hochleistungs-LED mit dicken doppelheterostruktu-
rierten aktiven Zonen, vielen Quantenwells oder großen Strominjektionskontaktflächen ausge-
rüstet sein.
Abbildung 2-29 Von In
0.16
Ga
0.84
AS/GaAs emittierte optische Intensität, deren aktive Zone ein, vier, sechs
oder acht Quantumwells enthält, sowie die theoretische Intensität eines perfekt isotropischen Emitters
[Schu06]
(
((
(
)
))
)
th
uj
th
R
TT
R
T
Q
−
−−
−
=
==
=
∆
∆∆
∆
=
==
=
max
( 2-29 )
R
th
p
n
T
j
T
U
m
gebung
Q
Q
P
S
P
e
Lichterzeugung mit LEDs
32
Eine extreme Steigerung der Strahlungsleistung durch Steigerung der elektrischen Leistung pro LED ist
folglich nicht realistisch. Des Weiteren ist aus der Darstellung in Abbildung 2-25 ersichtlich, dass eine
Temperaturerhöhung auf 180 °C gleichzeitig einen Abfall der externen Quanteneffizienz auf 70 % der Effi-
zienz, die bei 20 °C erreicht wird, bewirkt.
Halogenglühlampe
Gasentladungslampe
0
20
40
60
80
100
3 Watt
2 Watt
1 Watt
1998 2000 2002 2004 2006 2008
Jahr
Leuchtdichte [Mcd/m²]
Abbildung 2-30 Roadmap der Leuchtdichteentwicklung weißer LEDs
All diese Faktoren zeigen, dass Entwicklungspotential für die Leuchtdichte der LEDs gegeben
ist, aber gleichzeitig auch, dass ihr physikalische Grenzen gesetzt sind. So ist es realistisch
anzunehmen, dass bald Leuchtdichten von Glühlampen erreicht werden. Die hohen Leucht-
dichten einer Gasentladungslampe sind aber für LEDs auch in Zukunft nicht erreichbar.
2.3.4 Lichtstrom
2.3.4.1 Einfluss des Lichtstromes auf das Leuchtendesign
Die Leuchtdichte einer LED ist maßgebend für die erreichbare Beleuchtungsstärke in einer
definierten Entfernung. Das Integral der geforderten Beleuchtungsstärken über die Szenerie
gibt die nötige Gesamtstrahlungsleistung
Φ
ges
des Scheinwerfersystems vor. Typische
Kfz-Scheinwerfer erreichen heutzutage im Fernlicht Lichtströme zwischen 1000 und 1700 lm
auf der Fahrbahn. Einzelne Hochleistungs-LEDs erzeugen einen Lichtstrom von ca. 40 lm. Im
Gegensatz zu den klassischen Lichtquellen der Kfz-Lichttechnik, die Lichtströme von
1000 lm (H7) bis 3400 lm (D2) erzeugen, reicht demnach der Lichtstrom einer LED nicht aus,
um eine komplette Scheinwerferlichtverteilung zu erzeugen.
Für LED-Scheinwerfer besteht somit die Notwendigkeit, mehrere LED-Lichtquellen zu einem
Gesamtsystem zu kombinieren. Für diese Kombination gibt es mehrere Möglichkeiten der
optischen Herangehensweise. Die gewünschte Lichtverteilung kann in einer ersten Kombina-
tionsmöglichkeit aus einer Vielzahl von LED-Optik-Kombinationen erzeugt werden. Dabei
erzeugt jedes dieser Einzelmodule eine einzelne Lichtverteilung. Die Summe dieser Lichtver-
teilungen macht die Gesamtlichtverteilung aus. Dies hat den Vorteil, dass verschiedene Licht-
verteilungen im Baukastenprinzip aus einem Katalog von einzelnen LED-Modulen kombi-
niert werden können. Die Justage- und Fertigungstoleranzen der Einzelmodule zueinander
Lichterzeugung mit LEDs
33
stellen allerdings eine große Herausforderung dar. Da erstens eine minimale Verschiebung der
LED innerhalb des optischen Systems aufgrund der großen Abbildungsmaßstäbe eine große
Verschiebung der LED-Abbildung bewirkt und zweitens, eine kleine Abweichung der LED-
Module untereinander die Abbildungen in großer Entfernung so stark verschiebt, dass Lücken
und Inhomogenitäten in der Lichtverteilung entstehen.
Die zweite Kombinationsmöglichkeit ist, ein LED-Feld mit einer gemeinsamen Optik in die
Szenerie zu projizieren. So können bei hinreichend genauer Fertigung der LED-Felder die
Toleranzen der Optik durch nachträgliches Ausrichten des gesamten Scheinwerfers ausgegli-
chen werden. Durch diese Feldanordnung wird jedem Raumabschnitt genau eine LED zuge-
ordnet, so dass sich durch einzelnes Ansteuern der LEDs bestimmte Zonen stärker oder
schwächer ausleuchten lassen und so eine hochdynamische Lichtverteilung realisierbar wird
[Goe05]. Durch die dichte Anordnung der LEDs auf einem gemeinsamen Träger befindet sich
die gesamte Verlustleistung des Scheinwerfers auf einem kleinen Feld und muss von dort
möglichst gut abgeführt werden. Diese Wärmeabfuhr ist die Hauptschwierigkeit der zweiten
Kombinationsmöglichkeit.
Als dritte Möglichkeit der LED-Optik-Kombination stellt eine Hybridlösung aus der ersten
und zweiten Anordnung einen guten Kompromiss dar. Diese dritte Variante besteht aus Mo-
dulen, zusammengesetzt aus einer thermodynamisch vertretbaren Kombination aus mehreren
LED-Chips auf einer gemeinsamen Platine und einer Optik. Aus diesen LED-Modulen wird
die gewünschte Lichtverteilung generiert.
Tabelle 2-6 Möglichkeiten der LED-Cluster Bildung mit Vor- und Nachteilen
1 + Modulbauweise
+ Design
- Toleranzen
- Fertigungsaufwand
2 + Toleranzen
+ Dynamik
+ Thermomanagement
+ Design
3 + Modulbauweise
+ Design
- Toleranzen
- Thermomanagement
Lichterzeugung mit LEDs
34
Mittlerweile gibt es von den verschiedenen Scheinwerferentwicklern verschiedene LED-
Scheinwerferprototypen. Ein von Hella KGaA vorgestellter VW-Golf Voll-LED Scheinwer-
ferprototyp besteht aus einer Kombination der Hybridmodule mit Einzellichtquellen-
Modulen. Die Firma OSRAM hat basierend auf dem Hybridprinzip ein eigenes Funktions-
muster vorgestellt. Audi strebt an, Ende 2007 der erste Anbieter von Voll-LED Serienschein-
werfern zu sein. Der im Audi R8 angebotene Scheinwerfer besteht, ähnlich dem Hella-
Produkt, aus einer Kombination von Hybridmodulen und Einzellichtquellen-Modulen.
Abbildung 2-31 Erste Voll-LED Scheinwerfer von OSRAM, Hella, und Audi
2.3.4.2 Roadmap des Lichtstromes
Die Entwicklung des Lichtstromes verhält sich analog zur Entwicklung der Leuchtdichte. Es
zeichnet sich ein Trend zu LED-Feldern ab, die anschließend als LED vermarktet werden.
Diese Namensgebung impliziert den Eindruck eines signifikanten Anstieges des LED-
Lichtstromes. Dieser resultiert jedoch de facto maßgeblich aus einem Zusammenschalten
mehrer Dioden. Aufgrund des Ladungsträgerüberlaufes in der aktiven Region der LED bei
hohen Strömen sind dem Lichtstrom pro Einzeldiode hier ebenfalls Grenzen gesetzt.
2002
2003
2004
2005
2006
2007
20
80
140
200
260
1W
350mA
1-2-3W
350-700-1000mA
5W
700mA
lm/LED
Abbildung 2-32 Roadmap des erwarteten Lichtstromes eines Diodenpackages von Philips. Die Verfünffa-
chung des Lichtstromes von 50lm auf 250lm bei einer Verdoppelung des Stromes von 350mA auf 700mA ist
nur durch eine Reihenschaltung von mehreren Dioden möglich.
Lichterzeugung mit LEDs
35
2.3.5 Klimamanagement
Wie bereits in Kapitel 2.3.2.5 beschrieben, hängt die interne Quanteneffizienz einer LED
stark von der Temperatur der Rekombinationszone ab. Die Lebensdauer einer Diode steht
ebenfalls im Zusammenhang mit ihren Betriebsbedingungen. So kommt es bei zu hohen
Temperaturen neben physikalischer Degradation des Halbleiters aufgrund verschiedener
thermischer Ausdehnungseigenschaften zu mechanischen Spannungen innerhalb des LED-
Aufbaus. Dies hat zur Folge, dass besonderer Wert auf das thermische Management von
Scheinwerfern mit LEDs gelegt wird.
Die verschiedenen Umgebungen, in denen ein Kfz-Scheinwerfer ausfallfrei arbeiten muss,
reichen von der tropischen Zone mit Temperaturen um die 45°C bis hin zu Polarregionen mit
Temperaturen um -40 °C. Zusätzlich kann es unter extremen Lastfällen und schlechter Küh-
lung des Kfz-Motors im Motorraum am Scheinwerfergehäuse zu Spitzentemperaturen von bis
zu 120 °C kommen.
Um die Beleuchtungseigenschaften eines Xenon-Systems zu erreichen, sind Lichtströme von
ca. 1600 lm auf der Straße notwendig. Bei einem Leuchtenwirkungsgrad von 50 % sind dem-
nach LEDs bzw. LED-Arrays mit 3200 lm pro Scheinwerfer notwendig. Die Lichtausbeuten
heutiger weißer LED liegen bei max. 40-50 lm/W und werden sich nach Kapitel 2.3.2.3 auf
maximal 100 lm/W steigern lassen. Somit ist zur Erzeugung der geforderten Lichtströme 80-
32 W elektrische Leistung nötig. Die Verlustleistung beträgt dabei 70 W (heute) bis minimal
25 W (zukünftig). Sie heizt die LEDs und den Scheinwerfer auf, was wiederum zu Degradati-
on und Lichtstromeinbußen führt.
Im Gegensatz zu anderen Lichtquellen muss die Verlustwärme bei LEDs komplett über Wär-
meleitung abgeführt werden, da die erzeugte Strahlung keine Wärmeanteile enthält. Dies hat
dazu geführt, dass bereits die Hochleistungsdiode an sich speziell an diese Wärmeabführauf-
gabe angepasst ist.
Abbildung 2-33 Aufbau einer Hochleistungs-LED bestehend aus LED-Chip mit als Wärmesenke
ausgelegter Anode und angebondeter Kathode
Typischerweise bestehen Hochleistungs-LEDs aus einem auf eine Wärmesenke geklebten
Chip. Diese Wärmesenke dient gleichzeitig als Anode. Die Kontaktierung der Kathode erfolgt
über eine durch Bonden angesetzte Zuführung. Das andere Ende der Wärmesenke ist großflä-
chig ausgeführt, um die Wärme bereits in der LED zu spreizen und um eine gute thermische
Kontaktierung zur Umgebung oder weiteren Kühlsystemen zu gewährleisten.
Lichterzeugung mit LEDs
36
Mahlkow [Mah06] hat die thermischen Pfade eines solchen Systems analysiert und hat fol-
gende Zusammenstellung dieser Pfade erstellt: (Abbildung 2-34)
Junction
Substrat
Leitkleber
Innenlage
Lötzinn
Lötpad
Dielektrikum
Metall
Verguß Bonddraht
Innenlage
Lötzinn
Lötpad
Dielektrikum
Metall
Luft
Umgebung
Wärmeleitung
Konvektionsleitung
Wärmestrahlung
Abbildung 2-34 Wichtigste Entwärmungspfade in einer Anordnung OHX-6XX - Schaltungsträger - Umge-
bung (nach [Mah06])
Daran anschliesend führt Mahlkow Berechnungen an, die für die Transportarten Strahlung
und Konvektion einen Anteil von <1 % an der Gesamtwärmeleitung ausmachen. Auf Grund
dieser Berechnungen vernachlässigt er diese Transportarten und beschränkt sich auf die Wär-
meleitung.
Es stehen noch die thermischen Pfade durch die Wärmesenke und den Bonddraht zur Verfü-
gung. Da nach Mahlkow der Bonddraht ebenfalls unter 1 % zur gesamten Wärmeleitung bei-
trägt, wird auch dieser vernachlässigt.
Mit Hilfe dieser Vereinfachungen bleibt schließlich nur noch ein thermischer Pfad übrig. Die
Wärme wird aus dem Chip über die Wärmesenke an die Umgebung abgegeben.
Das vereinfachte thermische Ersatzschaltbild sieht also wie folgt aus:
P
V
R
thJH
R
thHA
TA
TH
TJ
Abbildung 2-35 Vereinfachtes thermisches Ersatzschaltbild einer Hochleistungs-LED
P
V
ist die Verlustleistung der LED, d.h. die in der Sperrschicht erzeugte thermische Leistung.
Die Potenziale entsprechen den Temperaturen der Sperrschicht T
J
, der Wärmesenke T
H
und
der Umgebung T
A
. Die zwei thermischen Widerstände geben die Übergangswiderstände von
Lichterzeugung mit LEDs
37
der Sperrschicht zur Wärmesenke R
thJH
und von der Wärmesenke zur Umgebung R
thHA
an.
Der gesamte thermische Widerstand von der Sperrschicht zur Umgebung R
thJA
heutiger LEDs
liegt bei ca. 15 K/W. Somit liegt die Sperrschichttemperatur pro Watt Verlustleistung um 15
Kelvin höher als die Umgebungstemperatur. Die Überlegungen zur Leuchtdichte der Dioden
zeigen, dass hohe Leuchtdichten nur durch hohe Leistungen erreicht werden können. Daraus
folgt, dass die Umgebungstemperatur T
A
gering gehalten werden muss bzw., dass hohe zuläs-
sige Sperrschichttemperaturen erreicht werden müssen.
VthJAAJ
PRTT
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
−
−−
−
( 2-30 )
Maximal zulässige Sperrschichttemperaturen liegen bei kommerziellen LEDs heutzutage bei
etwa 120-150 °C. Sollte die LED also ihre Wärme direkt an den Motorraum mit Spitzentem-
peraturen von 120 °C abgeben, wäre kaum Temperaturgefälle vorhanden, um Verlustleistung
abzuführen. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit eines Kühlsystems, das eine Wärmebrücke
zur 45 °C warmen Umgebung ermöglicht. Hierbei reichen die Überlegungen von einfachen
großen Wärmespreizen und –senken, die mit der Fahrzeugumgebung verbunden sind, über
Ventilator-Kühlkörper-Kombinationen bis hin zu Systemen, die die Enthalpie der Phasen-
übergänge von Stoffen als Wärmepuffer und Kreislaufantrieb nutzen.
Bei neueren LEDs findet man des Öfteren thermische Widerstände mit Werten von 3-5K/W.
Bei diesen LEDs muss beachtet werden, dass es sich um LED-Arrays mit mehreren Halblei-
terchips auf einem gemeinsamen Grundkörper handelt.
Abbildung 2-36 OSRAM O-Star
Somit befinden sich n einzelne LED-Chips auf einer gemeinsamen Wärmesenke. Jede dieser
n LEDs produziert jeweils eine Verlustleistung P
v
. Diese Verlustleistung muss jeweils einem
thermischen Pfad folgen, der wiederum maßgeblich zwei Widerstände beinhaltet. Dies sind
zum einen der jeweilige Widerstand vom Chip zur Wärmesenke und zum anderen der ge-
meinsame Widerstand von der Wärmesenke zur Umgebung.
R
thJH 1
R
thJH 2
R
thJH n
R
thHA
T
A
P
v1
P
v2
P
vn
T
j1
T
j2
T
jn
T
H
PV Array
R
thJH Array
RthHA
TA
TH
TJ
Abbildung 2-37 Thermisches Ersatzschaltbild eines LED-Arrays
Lichterzeugung mit LEDs
38
Zur Vereinfachung des gesamten thermischen Ersatzschaltbildes lassen sich die einzelnen
Verlustleistungen unter der Annahme, dass diese für alle LED gleich groß ist, zu einer ge-
meinsamen Verlustleistung P
v Array
zusammenfassen. Der gesamte thermische Widerstand der
Einzelchips zur gemeinsamen Wärmesenke errechnet sich analog einer elektrischen Parallel-
schaltung durch die Summe der Einzelreziprokwerte.
∑
∑∑
∑
=
==
=
n
nvArrayV
PP
,
( 2-31 )
∑
∑∑
∑
=
==
=
nnthJHArraythJH
RR
,
11
( 2-32 )
Unter der Annahme, dass die Einzelwiderstände gleich groß sind, ergibt sich somit ein ther-
mischer Gesamtwiderstand des Arrays von:
thHA
thJH
Arrayth
R
n
R
R
+
++
+=
==
=
( 2-33 )
Durch diese Parallelschaltung kann demnach der thermische Gesamtwiderstand des LED-
Arrays reduziert werden. Dabei ist zu beachten, dass realistisch nur eine Aufspreizung der
Leistung auf n Chips realisiert wurde. Das heißt, es wird bei gleicher Gesamtleistung aus ei-
ner Multichip-LED leichter Wärme abgeführt, als aus einer Einzelchip-LED. Neben dem Auf-
spreizen des thermischen Pfades wird zudem der Lichtstrom auf mehrere LED-Chips und
somit auf eine größere Fläche verteilt. Dadurch ist die Leuchtdichte einer Multichip-LED um
das ca. 1/n-fache geringer als die Leuchtdichte einer Singlechip-LED gleicher Leistung. Die
Leuchtdichte, nach Kapitel 2.3.2.2 entscheidend für die Größe der Scheinwerferaustrittsflä-
che, kann folglich durch diese „Verringerung“ des thermischen Widerstandes nicht gesteigert
werden. Allerdings ist dadurch der Vorteil einer leichter justierbaren Multichiplampe mit hö-
herem Lichtstrom gegeben. (Kapitel 2.3.4.1 ).
Neben der Kühlung spielen bei der thermodynamischen Auslegung des Scheinwerfers die
Enttauung und die Enteisung der optisch wirksamen Flächen eine zentrale Rolle. Je nach
Wetterbedingung kommt es im und am Scheinwerfer durch Ablagerung von Flüssigkeit an
abkühlenden Scheinwerferteilen zu dünnen Wasserfilmen oder Eisschichten. Da Xenon- oder
Halogenscheinwerfer einen hohen Anteil an infraroter Strahlung besitzen, wird diese Schicht
in kurzer Zeit verdampft und führt nicht zu einer Beeinträchtigung des Strahlenganges. Ledig-
lich in Zonen mit wenig Strahlung kann diese Schicht länger sichtbar sein und damit aus De-
signgründen als störend empfunden werden. Einen Einfluss auf die Lichtverteilung hat dies
jedoch kaum [Nol05] [Mas07].
LEDs besitzen keine thermischen Strahlungsanteile. Somit kann auch keine Enttauung der
Scheinwerfer durch einfaches Einschalten erreicht werden. Aus diesem Grund gibt es zahlrei-
che Bestrebungen die Abwärme der LEDs auf die Abschlussscheibe des Scheinwerfers zu
lenken.
Lichterzeugung mit LEDs
39
2.4 Heutiger Entwicklungsstand der LED
Die LED als weiße Lichtquelle eines Kfz-Frontscheinwerfers hat zum Zeitpunkt dieser Arbeit
die Halogenglühlampe hinsichtlich der Lichtausbeute überholt. Es besteht durchaus die Mög-
lichkeit mit Hilfe der Diodentechnologie in Zukunft Lichtquellen zu konstruieren, die selbst
die bisher effizientesten Lichtquellen, die Gasentladungslampen, in ihrer Lichtausbeute über-
treffen. Es ist jedoch fraglich, ob dies ebenfalls im Hochleistungsbereich gelingen wird. Bei
hohen Leistungen und damit verbundenen hohen Verlustleistungen und Wärmeentwicklungen
sinken Lebensdauer und Wirkungsgrad der LEDs extrem ab, was ein aufwendiges und kosten-
intensives Klimamanagement für High Power LEDs unumgänglich macht. Aus diesem Grund
und aufgrund der Ladungsträgersättigung in der Rekombinationszone, können kaum Leucht-
dichten erreicht werden, die vergleichbar mit Gasentladungslampenleuchtdichten sind. Einen
klaren Vorteil bietet die lange Lebensdauer der Diode. Sollten 50.000 bis 100.000 Betriebs-
stunden erreicht werden, würde dies die Lebensdauer eines Kfz (3.000-5.000 h) weit über-
schreiten. Es ist allerdings zu beachten, dass diese Angaben bisher nur für Low Power LEDs
gelten. Aufgrund des großen thermischen Stresses, dem High Power LEDs ausgesetzt sind,
bleibt eine endgültige Validierung dieser Angaben abzuwarten. Für Scheinwerfer muss bei
der Betrachtung der Lebensdauer das komplette System betrachtet werden. Das bedeutet, dass
auch die Ansteuerelektronik, das Kühlsystem und die optischen Komponenten den Anforde-
rungen an einen ausfallfreien Scheinwerfer gerecht werden müssen. So ist das Glühlampen-
system aufgrund seiner einfachen Gestaltung und Ansteuerung sehr robust und ausfallarm.
Hier begrenzt die leicht und günstig wechselbare Lichtquelle den Lebenszyklus. In Systemen
mit Gasentladungslampen ist ebenfalls die Lichtquelle der Hauptausfallgrund. Diese ist je-
doch mit Lebensdauern von bis zu 3.000 Stunden vergleichbar mit der Kfz-Lebensdauer.
Aufgrund der hochgesteckten Ziele in der Vergangenheit werden Gasentladungslampen unter
extremen Stress betrieben. Damit ist realisierbar, dass zu Beginn sehr hohe Leuchtdichten und
Lichtströme erreicht werden. Nach ca. 1.000 Stunden Betriebsdauer sinken diese allerdings
auf Halogenglühlampenniveau ab. Seit kurzem wird daher an Longlife Gasentladungslampen
gearbeitet. Longlife Gasentladungslampen werden unter geringerem Stress betrieben und be-
sitzen so geringere Startlichtströme und Lichtausbeuten. Da diese Lampen weniger stark de-
gradieren, werden über längere Zeit konstante Lichtströme erzielt, was über die Zeit zu einer
höheren Lichtausbeute führt. Nach ersten Aussagen könnten somit Lampenlebensdauern von
bis zu 9.000 Stunden erreicht werden. Ein weiteres Kriterium einer Scheinwerferlichtquelle
sind die Kosten pro Lumen, die beim Lampenkauf aufgebracht werden müssen. Damit ist der
Preis der Lichtquelle bezogen auf die Lichtleistung gemeint. Heutige Hochleistungs-LEDs
kosten bei Lichtströmen von ca. 30 lm weniger als 3 Euro. Dies ergibt ca. 10 lm pro Euro,
also 100 €/klm. Dieser Preis ist noch weit entfernt von dem der Gasentladungslampe (ca.
Lichterzeugung mit LEDs
40
1,1 €/klm) oder der Glühlampe (0,5 €/klm). In dieser Rechnung sind jedoch nur die Anschaf-
fungspreise und nicht die Wartungskosten enthalten.
LED Halogen Xenon
Lichtausbeute + - ++
Leuchtdichte + ++ +++
Klimamanagement - ++ +
Lebensdauer ++(?) + ++(?)
Kosten - +++ +
Innovationspotential +++ - ++
An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass alle Betrachtungen für die Beleuch-
tung mit weißem Licht gemacht werden. Für Selbstleuchter und für farbige Beleuchtung ist
die LED aufgrund ihrer kleinen Bauform und nahezu monochromatischen Strahlung ideal
geeignet.
Eine zusammenfassende Bewertung der heutigen Situation gibt [Huh06]:
„Erste LED Scheinwerfer werden weit entfernt von all diesen Vorteilen sein. Sie werden viel
Masse haben, großes Bauvolumen und eine durchschnittliche Lichtleistung und überdies ex-
treme Kosten verursachen. Aber sie öffnen das Tor zu neuen Möglichkeiten, die in ihren
Auswirkungen noch nicht einmal abschätzbar sind.“
Lichterzeugung mit LEDs
41
2.5 Optische Schaltzeiten
Neben ihren bisher gezeigten Vor- und Nachteilen besitzt die Leuchtdiode ein weiteres we-
sentliches Alleinstellungsmerkmal unter den Lichtquellen - eine sehr gute Pulsmodulierbar-
keit. Da es sich bei der Diodenlichterzeugung um eine direkte „Abzweigung“ von Leistung
aus dem elektrischen Stromfluss handelt, leuchten LEDs sofort nach dem Anlegen einer ent-
sprechenden elektrischen Spannung auf, im Gegensatz zu Temperaturstrahlern, wie z.B.
Glühlampen, die erst ihre Betriebstemperatur erreichen müssen um maximal und effizient
Licht zu emittieren. Diese thermodynamischen Vorgänge benötigen bei Standard-Kfz-
Glühlampen Zeitspannen von ca. 200 ms. Somit lassen sich Glühlampen nur mit Pulsmodula-
tionsfrequenzen unterhalb 2,5 Hz ohne Informationsverlust modulieren.
Gasentladungslampen wiederum benötigen zum einen sehr hohe Zündspannung (25 kV), um
ein leuchtendes Plasma zu erzeugen, zum anderen ist für die effiziente Lichtausbeute ein tem-
peraturbedingter Dampfdruck nötig, der sich noch langsamer als die Glühwendeltemperatur
einer Halogenglühlampe aufbaut. Um ein erhitztes Plasma erneut zu zünden, sind aufgrund
des erhöhten Druckes höhere Spannungen nötig. Diese Hochspannungen machen ein gezieltes
Pulsen oder schnelles Schalten von Gasentladungslampen nahezu unmöglich. Dies ist der
Grund dafür, dass das Schalten zwischen mehreren Lichtverteilungen bei Xenon-Systemen
nicht zwischen Lichtquellen, sondern mechanisch zwischen verschieden Optik- bzw. Blen-
denzuständen erfolgt [Bör01].
Sind der Arbeitsdruck und der Lichtbogen aufgebaut, werden Kfz-Gasentladungslampen mit
einer Frequenz von ca. 400 Hz mit Wechselstrom betrieben. Dies verhindert durch ein perma-
nentes Wechseln der Richtung der Ionenbeschleunigung, dass entlang des Lichtbogens unter-
schiedliche Lichtfarben aufgrund eines Ionengradienten entstehen. Der Wechselstrom sollte
hierbei über eine Rechteckspannung angelegt sein, so dass während des Umpolens die Dauer
ohne anliegende Spannung gegen Null geht. Ansonsten würde sich das Plasma zu stark ab-
kühlen und entionisieren. Ein erneutes zünden der Lampe wäre in diesem Fall nur noch über
einen erneuten Hochspannungspuls möglich. Gasentladungslampen können und sollten mit
Wechselstrom betrieben werden, ein Pulsen der Lichtquelle ist allerdings nur bedingt mög-
lich.
Abbildung 2-38 Prinzipieller Einschaltvorgang einer D2-Gasentladungslampe (gestrichelt) und einer Glüh-
lampe (gepunktet)
50
25
75
%
250
500
750
ms
Lichterzeugung mit LEDs
42
Die Frequenz, bei der die Ausgangsleistung auf das
2
2
−
−−
−
fache sinkt, wird 3 dB Grenzfre-
quenz genannt. Eine Glühlampe erreicht diese Dämpfung bei einer angenommenen Schaltzeit
von
ms
250
=
τ
nach Gleichung ( 2-34 ) bei 1,1 Hz. Für Kfz-Gasentladungslampen mit gefor-
derten Schaltzeiten von
ms
800
=
τ
[ECE98] liegt die 3 dB Grenze bei ca. 1/3 Hz.
(
((
( )
))
)
πτ
πτπτ
πτ
2
3
3
=
==
=
dBf
( 2-34 )
Folglich kann eine Glühlampe nur einmal pro Sekunde ein- und angeschaltet werden. Eine
Gasentladungslampe sollte nur in einem Zyklus von 3 Sekunden gepulst werden.
Wie jedes Bauteil hat auch die LED eine endliche Zeitkonstante beim Ein- und Ausschalten
und somit Tiefpasscharakteristik. Hervorgerufen werden diese Verzögerungen hauptsächlich
durch die elektrische Kapazität C der LED und den Gesamtwiderstand des Stromkreises R. In
diesem Fall errechnet sich für das An- und Ausschalten die Zeitkonstante τ der LED aus dem
Produkt von C und R [Schu06].
50
25
1
2
3
75
%
4
5
6
1
2
3
ns
Abbildung 2-39 Schaltzeiten einer RCLED bei T=300k; die Unterschiede zwischen τ
ττ
τ
rise
und τ
ττ
τ
fall
basieren
auf dem Ladungsträger sweep-out aus der aktiven Zone [Schu06]
Messungen von Schubert et al. zeigen, dass LED-Zeitkonstanten in der Größenordung 5-10 ns
liegen. Dies ermöglicht 3 dB Grenzfrequenzen von 27-55 MHz.
Für weiße LEDs, die durch die Kombination blaue LED und gelber Konverter ihre Lichtfarbe
erzeugen, stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Konversion auf die Zeitkonstanten der
Lichtquelle hat. Für die Erzeugung des gelben Lichts wird der Effekt der Photolumineszenz
genutzt. Dieser Effekt besagt, dass optische Strahlung entsteht, wenn ein System, das durch
optische Strahlung angeregt wird, in seinen Grundzustand zurückkehrt. Zwischen Anregung
und Emissionen können hierbei Sekundenbruchteile bis Stunden vergehen. Dieses „Nachglü-
hen“ würde einen extremen Tiefpass darstellen und die Zeitkonstante der optischen Strahlung
einer LED um ein Vielfaches verlängern. Die Photolumineszenz wird in zwei Untereffekte
unterteilt, die Phosphoreszenz und die Fluoreszenz.
Lichterzeugung mit LEDs
43
Abbildung 2-40 Umwandlung im Fluorophor
Tatsächlich werden für weiße LEDs Fluorophore und keine Phosphore eingesetzt. Bei der
Fluoreszenz behalten die angeregten Elektronen der Moleküle ihre Spinquantenzahl (bzw.
ihren Spin) bei. Da bei dem Übergang dieses angeregten Elektrons aus diesem angeregten
Singulett-Zustand (S1, S2,…) in den energetisch günstigen Grundzustand die Spinquanten-
zahl (Symmetrie) wiederum erhalten bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit dieses Übergangspro-
zesses hoch. Somit fällt das Elektron bereits nach ca. 80 ns in den Grundzustand zurück. Mit
sehr geringer Wahrscheinlichkeit erreichen Elektronen bestimmter Molekühle unter Umkehr
ihres Spins einen so genannten Triplett-Zustand. Dieser Prozess wird auch Intersystemüber-
gang genannt. Da das Erreichen des Singulett-Grundzustandes ausschließlich durch erneute
Spinumkehr erreichbar ist, ist die Wahrscheinlichkeit dieses Überganges geringer. Je nach
Phosphor kann die Verweildauer eines Elektrons im angeregten Triplett-Zustand bis zu meh-
rere Jahre betragen.
Abbildung 2-41 Darstellung der Phosphoreszenz und der Fluoreszenz im Bändermodell
Wie bereits erwähnt wird für weiße Dioden der schnelle Singulett-Singulett Übergang (Fluo-
rophorkonversion) ausgenutzt. Dies bewirkt demnach maximal eine Phasenverschiebung des
gelben Signals um ca. 80 ns. Selbst mit einer verlängerten Schaltzeit auf 80 ns ließen sich
weiße Dioden nach Gleichung ( 2-34 ) noch mit einer Frequenz von 3 MHz betreiben. Der
Einfluss dieser Phasenverschiebung wird in Kapitel 4.1 näher betrachtet.
Lichterzeugung mit LEDs
44
Die extreme Schaltzeitverkürzung durch Leuchtdioden hat bereits zu einigen Neuerungen und
Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der automobilen Lichttechnik geführt.
So haben Locher et al. [Loc06] und Sivac et al. [Siv93] zeigen können, dass sich die Reakti-
onszeiten des nachfolgenden Verkehrs bei plötzlichen Bremsmanövern eines Vordermannes
um ca. 80 ms verkürzen, wenn das Fahrzeug anstatt mit Glühlampen- mit LED-Rücklicht
ausgerüstet ist. Dies entspricht bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h einem um 2 m ver-
kürzten Anhalteweg.
Abbildung 2-42 Gepulste Scheinwerfer zur Car2Car Kommunikation (ISLE)
In Verbindung mit einem Detektor besteht die Möglichkeit Informationen von einem Fahr-
zeug zum anderen zu übertragen. Hierzu wird die Information über Pulsweitenmodulation der
Rück- bzw. Bremslichtfunktion an den Detektor des folgenden Fahrzeuges übertragen. Mit
LED-Scheinwerfern ist eine Datenübertragung vom folgenden an das vorausfahrende Fahr-
zeug ebenfalls möglich. Die Arbeitsgruppe ITS (Intelligent Transport System) des 2003 ge-
gründeten japanischen Konsortiums VLCC (Visible Light Communications Consortium) und
das ISLE Konsortium (Integrated communicating Solid-state Light Engine) des 6. EU Rah-
menprogramms haben bereits die Möglichkeiten dieser Car to Car Kommunikationsart de-
monstriert. Die Daimler Chrysler Forschung konnte mit einem Demonstrator zeigen, dass sich
mit gepulsten Rückleuchten (Bremslichtern) Daten, wie z.B. Geschwindigkeit und Beschleu-
nigung, über eine Distanz von bis zu 50 m (100 m) an den Folgeverkehr übertragen lassen
[Moi05].
Durch die schnellen Schaltzeiten der Diode kann noch ein weiterer Effekt genutzt werden –
das Dimmen über Pulsweitenmodulation. Unter der Pulsmodulation im Allgemeinen versteht
man die Veränderung von Impulskenngrößen einer Impulsfolge. Pulsweitenmodulation wird
im speziellen die Modulation eines Rechtecksignals in seinem Tastverhältnis genannt, d.h. es
wird die prozentuale Dauer des Impulses zur gesamten Pulsdauer verändert. Die Periodendau-
er und die Amplitude des Signals bleiben hierbei konstant [Schi87]. Wenn über Pulsweiten-
modulation gedimmt wird, ist unter einer vollen Ansteuerung das Einstellen des Tastverhält-
nisses auf 100 % zu verstehen. Der gedimmte Zustand wird durch das Einstellen eines Tast-
verhältnisses kleiner 100 % erreicht. Pulsweitenmodulation ist ein oft angewandtes Prinzip,
nicht zuletzt beim Dimmen von Glühlampen. Ansteuerungen, die dieses Prinzip nutzen, wer-
den bei vielen Kfz-Modellen sowohl für LED-Heckleuchten, als auch für Leuchten mit Glüh-
lampen ausgelegt. Doch es existiert ein entscheidender Unterschied im Wirkprinzip der Puls-
Lichterzeugung mit LEDs
45
weitenmodulation bei LEDs und Glühlampen, der sich aus den verschiedenen Schaltzeiten
ergibt.
Aufgrund der langen Schaltzeit der Glühlampe kann diese dem Pulssignal nicht folgen. Es
stellt sich vielmehr eine, der mittleren Leistung des Signals entsprechende, konstante Tempe-
ratur des Glühfadens und somit ein entsprechender Lichtstrom bzw. eine entsprechende
Leuchtdichte ein. Die mittlere Leistung des Signals hängt vom zeitlichen Mittel des Pulses
über die Periodendauer ab. Dieses zeitliche Mittel wird durch das Tastverhältnis bestimmt. So
wird der Dimmeffekt erreicht, während die Glühlampe kontinuierlich leuchtet. Aufgrund der
Temperaturabhängigkeit des Wirkungsgrades und der Lichtfarbe einer Glühwendel ist dieses
leistungsabhängige Dimmverfahren nur bedingt anwendbar. Anders verhält es sich bei den
LEDs. Im Gegensatz zur Glühlampe folgen die LEDs aufgrund ihres Schaltverhaltens der
Rechteckimpulsfolge des Ansteuersignals in ihrem Lichtstrom und somit in ihrer Leuchtdich-
te ohne Verwaschung. Sie bilden dadurch eine diskontinuierliche Lichtquelle. Erst durch den
Betrieb mit einem Pulssignal oberhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz wird diese Licht-
quelle als kontinuierlich wahrgenommen. Dabei stellt sich ein Dimmeffekt ein, da das
menschliche Auge das zeitliche Mittel der Leuchtdichte nach dem Talbotschen Gesetz wahr-
nimmt. Nähere Ausführungen zu dem physiologischen Phänomen der Flimmerverschmelzung
finden sich in Abschnitt 4.3.1. Der Dimmeffekt stellt sich bei der Pulsweitenmodulation von
Glühlampen auf physikalischer, beim Dimmen der LEDs auf physiologischer Ebene ein. An-
hand des Beispiels für die Schlussleuchte eines Modells der Firma BMW soll das Wirkprinzip
der Pulsweitenmodulation von LED-Arrays im Folgenden noch einmal verdeutlicht werden.
Abbildung 2-43 Schlussleuchte eines BMW mit gedimmter Rücklichtfunktion (links) und voll angesteuer-
ter Bremslichtfunktion (rechts)
Die in Abbildung 2-43 gezeigte Schlussleuchte nutzt den oberen Teil des LED-Arrays für
Schluss- und Bremslichtfunktion gemeinsam. In der linken Abbildung ist sie im Schlusslicht-
betrieb, also gedimmten Zustand, zu sehen. In der rechten ist sie im Bremslichtbetrieb abge-
bildet, wobei alle LED voll angesteuert werden und durch Zuschaltung weiterer LED die Flä-
che vergrößert wird. Dem Zustand im Schlusslichtbetrieb liegt das in Abbildung 2-44 abge-
bildete Pulssignal zugrunde. Die Impulsfolgefrequenz beträgt etwa 80 Hz, bei einem Tastver-
hältnis von etwa 8 %. Die Stromamplitude liegt im Nennbereich der LED und sorgt für ein
homogenes Erscheinungsbild beim Dimmen. Da die LEDs diesem Signal in ihrem Ansprech-
verhalten ohne weiteres folgen können, entspricht das Verhältnis des zeitlichen Mittels des
Lichterzeugung mit LEDs
46
wahrgenommenen Leuchtdichtesignals zum Leuchtdichtepegel bei voller Ansteuerung dem
des zeitlichen Mittels des gepulsten Ansteuersignals zur Impulsamplitude. Dieses beträgt in
beiden Fällen 8%, wie die Leuchtdichtewerte 1.300 cd/m² für Schlusslicht und 16.000 cd/m²
für Bremslicht bestätigen.
Abbildung 2-44 Ansteuerungssignal einer gedimmten Schlussleuchte
Die Pulsfrequenz übernimmt hier die Funktion, ein Signal oberhalb der Flimmerverschmel-
zung zu erzeugen. Der Dimmeffekt stellt sich bei konstanter Stromamplitude im Nennwertbe-
reich einzig und allein durch Verringerung des Tastverhältnisses von 100 % auf einen gerin-
geren Wert ein. Bei einem gesetzlich vorgeschriebenen Verhältnis der Lichtstärken der
Brems- und Schlussleuchte von mindestens 5:1 [ECE7] kann das Tastverhältnis des Schluss-
leuchtensignals maximal 20 % betragen. Wie gezeigt, liegt das Tastverhältnis in der Umset-
zung jedoch unter diesem Wert.
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
47
3 Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwer-
fern
Bisher wird die Möglichkeit des Pulsens hauptsächlich für Rückleuchten verwendet. Es stellt
sich die Frage, ob dieses Pulsen für zukünftige Scheinwerfer neue Möglichkeiten bietet. Um
der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, werden im Folgenden aktuelle Ideen und For-
schungsarbeiten zu zukünftigen Scheinwerfersystemen vorgestellt.
3.1 Zukünftige Scheinwerfer
Betrachtet man die Entwicklung der Scheinwerfer, wird deutlich, dass sich die Ziele und da-
mit auch die Motivationen für neue technische Lösungen verändert haben. Die bis heute wich-
tigste Funktion eines Scheinwerfers ist, den Verkehrsraum für den Fahrer möglichst so auszu-
leuchten, dass dieser den Fahrweg und Hindernisse rechtzeitig erkennen kann. Somit war die
Aufgabe des Kfz-Lichttechnikers möglichst viel Lichtstrom auf die Straße zu projizieren. Aus
dieser Zielstellung ergab sich, dass in regelmäßigen Abständen Lichtquellen mit immer grö-
ßeren Lichtströmen und Leuchtdichten zum Einsatz kamen. Hatten erste Glühlampen, deren
Fadentemperatur bei höchstens 1.270 °C lag, nur Leuchtdichten von 2-3 Mcd/m² und Licht-
ströme von 200 lm (Edison-Glühlampe bei 80 W), so steigerten sich die Lichtquellen über
Halogenglühlampen (3.200 °C, 20 Mcd/m², 1.400 lm, H7 bei 75 W) bis hin zu heutigen Gas-
entladungslampen mit 3400 lm Lichtstrom und Leuchtdichten von ca. 100 Mcd/m² (D2 Lam-
pe bei 35 W).
Mit zunehmender Verkehrsdichte und heller werdenden Scheinwerfern gewann als zweite
Kfz-Scheinwerferfunktion das Ausblenden des Gegenverkehrs an Bedeutung. Da Ausblenden
und Ausleuchten einen klaren Zielkonflikt bilden, versucht man seitdem mit Hilfe der gege-
benen technischen Möglichkeiten Kompromisse zur Lösung dieses Problems zu finden. So
gab es bereits 1908 für einige Acetylenscheinwerfer eine Abblendvorrichtung, die es ermög-
lichte via Handhebel und Bowdenzug die Gasflamme aus dem Brennpunkt des Scheinwerfers
zu bewegen. Mit den zwei Funktionen Abblend- und Fernlicht war schnell das Maximum an
manuell kontrollierbaren Lichtverteilungen erreicht. Der Fahrer hat zu entscheiden, ob sich
innerhalb des ausgeleuchteten Verkehrsraums blendgefährdete Objekte (i. d. R. andere Ver-
kehrsteilnehmer) befinden und ist in diesem Fall verpflichtet, von Fern- auf Abblendlicht um-
zuschalten. Als Folge dessen werden nur noch Objekte unterhalb der so genannten Hell-
Dunkel-Grenze (HDG) des Scheinwerfers beleuchtet, die je nach Scheinwerfer in einer Ent-
fernung zwischen 60 m und 80 m liegt [Völ06]. Da in Gegenden mit Rechtsverkehr selten
Verkehrsteilnehmer rechts vor dem Fahrzeug blendgefährdet sind, wurde 1957 die asymmet-
rische HDG eingeführt. Diese hat eine angehobene Lichtverteilung auf der rechten Seite. (Für
Linksverkehr gilt das Gegenteil.) Mit den Aufgaben bei schlechten Sichtbedingungen manuell
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
48
Nebellicht (1930) zuzuschalten und die Scheinwerferneigung ladungsabhängig zu justieren
(manuelle Leuchtweitenregulierung 1939), war die Grenze des von Fahrern manuell Machba-
ren erreicht.
Einen weiteren Entwicklungsschub erfuhren Scheinwerfer Anfang der 90er Jahre. Dies lässt
sich auf den schnellen Fortschritt der Prozessortechnologien zurückführen. So ermöglichen
sie zum einen das gezielte Steuern oder Regeln komplexer mechatronischer Systeme, zum
anderen lassen sich Computer gestützte Simulationen, Modulationen und Optimierungen e-
lektronischer, mechanischer und optischer Komponenten immer schneller und präziser durch-
führen. Diese mechatronischen Scheinwerfer werden, gestützt durch Fahrzeugsensorik, auto-
matisch an die jeweilige Situation angepasst. Erste Anwendungen sind die dynamische und
automatische Leuchtweitenregelung, das Mitführen des Fernlichtanteils in Kurvenfahrten (dy-
namisches Kurvenlicht) oder das seitliche Ausleuchten bei Abbiegevorgängen (statisches
Kurvenlicht). Frühere Versuche hierzu mussten aufgrund fehlender Mess- und Regelungs-
technik 1918 von Cadillac und 1967 von Citroen eingestellt werden.
Zu diesen so genannten AFS-Funktionen (adaptive front lighting system) kamen im Jahr 2006
weitere automatisch zugeschaltete AFS-Scheinwerferlichtverteilungen hinzu. Diese sind ne-
ben den klassischen Abblend-, Fern- und Nebellichtfunktionen zusätzlich Autobahn-,
Schlechtwetter- und Stadtlicht. Um den prozentualen Anteil der Fahrten mit Fernlicht zu er-
höhen hat BMW 2005 den Fernlichtassistent mit kamerabasierter, automatischer Abblend-
funktion bei entgegenkommendem oder vorausfahrendem Verkehr als zusätzliche mechatro-
nische Lichtfunktion eingeführt. Kuhl et al. haben 2006 ein Scheinwerfersystem vorgestellt,
das nicht nur dynamisch horizontalen Kurven, sondern auch vertikalen Kuppen und Wannen
folgt [Kuh06]. Dieses Kuppen- und Wannenlicht wird in Zukunft das dynamische Scheinwer-
ferschwenksystem komplettieren.
Trotz all dieser neuen Lichtfunktionen wird, außer bei Fernlicht, ein großer Bereich der Sze-
nerie abgedunkelt, um eventuelle Blendungen zu vermeiden. Deshalb schlagen viele Autoren
[Kau06] [Ros05] [Wal98] [Wal05] [Wör07] eine direkt adressierbare Lichtverteilung vor.
Diese dynamische Lichtverteilung schaltet gezielt nur die auszublendenden Objekte dunkel
und hält die Fernlichtperformance für die restliche Szenerie aufrecht. Zusätzlich wird durch
Anleuchten oder Anblinken auf gefährliche Objekte im Fahrschlauch aufmerksam gemacht.
X
Y
Abbildung 3-1 Adressierbarer Scheinwerfer
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
49
Neben der Umfeldsensorik, um Gefahrenobjekte, Verkehrsteilnehmer und Straßenverläufe zu
identifizieren und zu klassifizieren [Ros05], ist für zukünftige Scheinwerfer demnach eine
hochdynamische und hoch auflösende Beleuchtungsoptik notwendig. In den Entwicklungsla-
boren wird daher an verschiedenen aktiven Scheinwerferkonzepten gearbeitet. Eine umfang-
reiche Analyse dieser Systeme findet sich in [Kau06].
Die in den folgenden Abschnitten (3.1.1-3.1.2) beschriebenen, mit konventionellen Leucht-
mitteln ausgestatteten Leuchtenkonzepte scheinen die zukunftsträchtigsten zu sein.
3.1.1 Konzepte mit Halogenglühlampen
Der scannende Scheinwerfer verwendet einen Raumwinkelanteil der Abstrahlung der Lampe,
um über einen Freiformreflektor die statische, also unveränderliche Grundlichtverteilung, zu
erzeugen. Ein zweiter Lichtstromanteil wird über ein scannendes, im Wesentlichen aus zwei
senkrecht zueinander stehenden oszillierenden Spiegeln bestehenden, System in den dynami-
schen Beleuchtungsraum projiziert. Durch schnelles Scannen mit dem Lichtspot kann so na-
hezu jede beliebige Lichtverteilung „geschrieben“ werden [Kau04] [Goe05].
Abbildung 3-2 Prinzipielle Funktionsweise eines scannenden Scheinwerfers
3.1.2 Konzepte mit Gasentladungslampen
3.1.2.1 Halogenmetalldampflampe
Auf dem Prinzip des Projektionmoduls [Bon21] aufbauend, wird die von einem Polyellipsoid
ausgeleuchtete Blendenebene variablere gestaltet. Hierbei reichen die Überlegungen von einer
Blendenwalze, dem so genannten VarioXenon-Modul [Eic98], bei dem unterschiedliche Man-
telflächen einer Walze die AFS-Lichtverteilungen wiedergeben, bis hin zu einzeln verstellba-
ren Blendensegmenten. Dadurch entstehen Einzelschatten, die in die Szenerie fahren und an-
dere Verkehrsteilnehmer ausblenden. Durch die Kombination dieses Systems mit einem Kur-
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
50
venlichtschwenkmodul kann mit einer minimalen Blendenzahl gearbeitet werden, da die
Schatten dem Objekt bei der Vorbeifahrt nachgeführt werden.
Abbildung 3-3 Scheinwerfer mit hoch dynamischer Blende
3.1.2.2 Kurzbogenlampe
Mit Gasentladungslampen lässt sich ein weiteres Prinzip realisieren, das noch effizienter mit
Kurzbogengasentladungslampen arbeitet. Hierbei wird der Lichtstrom der Lichtquelle auf
eine dynamisch variierbare Oberfläche projiziert. Diese Oberfläche besteht aus einer Vielzahl
(0.5-1Mio) von Mikrospiegeln. Diese werden einzeln digital zwischen zwei Endlagen ge-
schaltet. Das Digitalspiegelbauteil (Digital Mirror Device = DMD) wird anschließend über
eine Projektionsoptik in den Verkehrsraum abgebildet. Je nach Spiegelstellung wird der
Lichtstrom des Spiegels durch die Optik oder auf einen Absorber gelenkt. Die Abbildung ei-
nes Spiegels erscheint somit entweder hell oder dunkel [End99].
Abbildung 3-4 Scheinwerfer auf DMD-Basis
Betrachtet man die Entwicklung der Scheinwerfer, wird deutlich, dass eine neue Lichtquelle
als alleinige Innovation bisher nicht den Markt erobert hat. Die Lichtquelle selbst spielt für
neue Systeme zwar eine entscheidende Rolle, aber es sind diese Systeme und ihre neuen
Lichtfunktionen, die die tatsächliche Innovation bringen. Soll sich eine neue Lichtquelle wie
die LED durchsetzen, muss sie nicht nur eine alte Lichtquelle ablösen, sie muss zusätzlich
neue Möglichkeiten bieten, ohne alte Funktionalitäten zu vernachlässigen.
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
51
3.1.3 Visionen mit LED Technologie
Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten subtraktiven Systemen, bei denen durch bewegliche
Elemente Licht einer kontinuierlich leuchtenden Lichtquelle abgeblendet wird, bieten LEDs
oder LED-Arrays die Möglichkeit, Licht nur dort abzubilden, wo es beleuchtet und nicht
blendet. Im Rahmen des BMBF Projektes „NanoLux – mehr Licht mit weniger Energie“ wird
unter anderem von der Firma Hella KGaA Hueck & Co. und der Audi AG ein Scheinwerfer
aufgebaut, der als Lichtquelle ein von OSRAM GmbH entwickeltes LED-Array besitzt.
Durch die Projektion dieses Arrays in den Verkehrsraum kann jedem einzelnen LED-Chip ein
Raumwinkel zugeordnet und adressiert werden.
Abbildung 3-5 Frei adressierbare Lichtquelle (Mitte) Projektion einer Fernlichtfunktion (links) Projektion
einer Abblendlichtfunktion (rechts)
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
52
3.2 Möglicher Einsatz gepulster LEDs in zukünftigen Scheinwerfern
Im nachfolgenden Kapitel soll ausgehend von der Tatsache der schnellen Pulsmodulierbarkeit
von LEDs gezeigt werden, welche Möglichkeiten sich aus einer neuen adressierbaren Licht-
quelle ergeben.
3.2.1 Grundprinzip
Wie bereits erläutert, ist die maßgeblich leistungsbegrenzende Größe einer LED die mittlere
Verlustleistung, resultierend in einer Junctiontemperatur, die eine thermische Degradation des
Halbleiterchips verursacht. Im Umkehrschluss heißt dies, dass, vorausgesetzt die Verlustleis-
tung führt nicht zu einer Überhitzung der LED, die elektrische Leistung und somit die Strah-
lungsleistung beliebig innerhalb eines Pulses verteilt werden kann. Zudem darf der Impuls
nicht beliebig kurz und somit beliebig stark bei gleicher mittlerer Leistung sein, da dies an-
sonsten zu einer Zerstörung der LED durch zu hohe Stromdichten führen kann. In Abbildung
3-6 sind einige Impulse der gleichen Energie aufgezeigt.
Abbildung 3-6 Impulse gleicher Energie
Demnach ist es möglich, die Strahlungsenergie einer LED auf die Zeit zu verteilen. Wenn es
gelingt, die zeitlich aufgelöste Strahlungsleistung in eine örtlich aufgelöste zu transformieren,
lässt sich über das zeitliche Modulieren der Pulse die Lichtverteilung variieren.
3.2.2 Transformation Zeitliche in Örtliche
Abbildung 3-7 Nach Goldstein [Gol02] hängt die Wahrnehmung der Scheinbewegung von dem Zeitinter-
vall ab.
Reizzwischenintervall Resultat
<30ms Gleichzeitigkeit
(keine Bewegung)
30-60ms Teilbewegung
>60ms Scheinbewegung
(kontinuierlich)
>200-300ms Sukzessivstadium
(keine Bewegung)
a b
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
53
Um die zeitliche Auflösung der Lichtquelle in eine örtliche umzuwandeln, kann man sich das
menschliche Wahrnehmungssystem zu nutze machen, das aufgrund seiner endlichen Integra-
tionszeit über visuelle Reize, alle Reize innerhalb eines endlichen Zeitintervalls als gleichzei-
tig empfindet und die Information als eine mittlere über dieses Intervall aufnimmt. Genaueres
hierzu wird in dem Kapitel 4.3.1 beschrieben.
Wird also der Lichtstrom
Φ
ΦΦ
Φ
einer Lichtquelle durch ein variables optisches System abwech-
selnd in Richtung der Zustände a und b gelenkt (Abbildung 3-7), so werden diese Zustände ab
einem Reizzwischenintervall kleiner 30 ms als zeitgleich wahrgenommen [Gol02] [Roc98].
Die dabei empfundene Helligkeit ergibt sich nach dem Talbotschen Gesetz aus der über die
gesamte Periode gemittelten Leuchtdichte dieser Zustände. Bei einer ausreichend hohen Fre-
quenz bestimmt somit das Reizintervallverhältnis der Einzelreize die empfundene Helligkeit.
Abbildung 3-8 Helligkeitseindruck zweier periodisch wechselnder Reize (Frequenz liegt über der Flim-
merverschmelzungsfrequenz)
Erweitert man die Anzahl der Zustände von 2 (a und b) auf n Zustände, so werden auch diese
als zeitgleich wahrgenommen, sofern das Intervall zwischen Reiz 1 und Reiz n kleiner 30 ms
ist. Hier gibt das Verhältnis der Reizintervalle zur Gesamtperiode T
1-n
die einzelnen Hellig-
keitseindrücke wieder.
Die einzelnen Reize können als diskrete Pixel einer jeweiligen Koordinate γ,φ zugeordnet
sein. In diesem Fall bestimmt die jeweilige Reizperiode die empfundene Pixelhelligkeit. Bei
sich überlappenden Einzelreizen wird die Pixelhelligkeit aus der integrativen Helligkeit der
Einzelreize über der Koordinate γ,φvorgegeben.
Reizintervallverhältnis Resultat
a/b < 1 a dunkler b
a/b = 1 gleiches
Hellempfinden
a/b > 1 a heller b
a b
Einzelreize Empfundene Helligkeit
Pixelzuordnung von n Reizen
Überlappende Reize
γ
φ
γ
φ
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
54
Unter der Voraussetzung, dass jeder Zustand n insgesamt m verschiedene Reizintervalle un-
terschiedlicher Länge einnehmen kann, ergibt sich für die somit erreichbaren Gesamtreize
eine Kombinationsmöglichkeit der n Reize von m
n
.
Da die Einzelreize durch das periodische Projizieren des Lichtstroms einer Lichtquelle entste-
hen, können sie entweder durch verschiedene aufeinander folgende Einzellichtquellen oder
durch verschiedene periodische Projektionszustände des optischen Systems erzeugt werden.
Bei der Variante der unterschiedlichen Zustände wird der Lichtstrom einer Lichtquelle auf die
verschiedenen Reize über das Produkt aus Reizdauer und jeweiligen Lichtstromintensität ver-
teilt. Somit lässt sich der Gesamtlichtstrom auf die einzelnen Pixel γ,φ verteilen, indem die
Intensität einer Lichtquelle über Pulsmodulation der jeweiligen relativen dynamischen Licht-
stromverteilung zum Zeitpunk t zugeordnet wird. Es ist möglich, die integrale Gesamtlicht-
stromverteilung einzig durch das Ansteuern der Lichtquelle zu steuern, sofern diese synchron
zu den periodisch wiederkehrenden Lichtstromverteilungen geschaltet wird. Dadurch gelingt
es, die zeitliche Auflösung der Lichtquelle in eine örtliche Auflösung der Lichtverteilung um-
zuwandeln.
dynamischer
Lichtstrom
Φ
ΦΦ
Φ(t)
dynamisch
e
Lichtstromverteilung
Λ
ΛΛ
Λ(γ,φ,
γ,φ,γ,φ,
γ,φ,t)
relative
,
dynamische
Lichtstromverteilung
Λ
ΛΛ
Λ(γ,φ
γ,φγ,φ
γ,φ,t)
integrale
Lichtstromverteilung
Φ(γ,φ)
Φ(γ,φ) Φ(γ,φ)
Φ(γ,φ) = ∫ Λ
Λ Λ
Λ(γ,φ,
γ,φ,γ,φ,
γ,φ,t)*Φ
ΦΦ
Φ(t) dt
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
55
3.2.3 Offene Fragen
Nach den vorangegangenen Überlegungen scheint es möglich, den Lichtstrom einer gepulsten
LED durch die Synchronisation mit einer periodisch variablen Optik zu verteilen und damit
eine adressierbare Scheinwerferlichtverteilung zu erzeugen.
Aus dem erstmaligen Einsatz gepulster Scheinwerferlichtquellen ergeben sich mehrere Fra-
gen, die für den Einsatz im Straßenverkehr geklärt werden müssen. Diese Fragen werden in
den folgenden Abschnitten dieses Kapitels formuliert.
Es stellt sich die Frage, ob ein gepulster Scheinwerfer stärker blendet als ein ungepulster
Scheinwerfer mit gleichen mittleren lichttechnischen Eigenschaften. Das Talbotsche Gesetz
besagt, dass der Helligkeitseindruck einer gepulsten Lichtquelle dem zeitlichen Mittel der
Leuchtdichte entspricht. Demnach ist zu vermuten, dass auch die Blendwirkung dieser Licht-
quelle durch die mittlere Leuchtdichte beschrieben werden kann. In Kapitel 0 wird dieser Fra-
ge auf den Grund gegangen.
Innerhalb der letzten Jahre wurden verstärkt gepulste LEDs in Kfz-Rückleuchten eingesetzt.
Obwohl die Pulsfrequenz dieser oberhalb der Flimmerverschmelzung liegt, und somit im Nor-
malfall der Betrachtung einer solchen Lichtquelle eine kontinuierliche Leuchte wahrgenom-
men wird, tritt in bestimmten dynamischen Fällen ein physiologischer Effekt auf, der einen
frequenzabhängigen Charakter hat. Er wurde in nächtlichen Verkehrssituationen und in der
Dämmerung schon häufig bei Schulterblick und Blickbewegungen vorbei an Schlussleuchten,
und als Flimmern beim Blick auf Schlussleuchten während Rüttelbewegungen, hervorgerufen
durch unebenen Straßenbelag, beobachtet. Tagsüber ist er nur sehr selten zu beobachten. Ab-
gesehen davon, dass Schlussleuchten meist erst ab der Dämmerung eingeschaltet sind, gibt es
dafür noch andere Gründe. Es ist bemerkbar, dass die Designs, die schmale, linienförmige,
vertikale Anordnungen von LEDs benutzen, besonders auffällig sind. Beispiele hierfür sind
der Cadillac STS und SRX sowie der Peugeot 307cc. Der Effekt ist auch in Haushalten an
Geräten wie Elektroherden oder Waschmaschinen mit eingebauten LEDs zu beobachten. Die-
se LEDs werden mit der normalen 50 Hz Netzspannung betrieben, wobei nur eine Halbwelle
der Wechselspannung in Durchlassrichtung anliegt. Pulsweitenmodulation wird in der
Kfz-Technik auch beim Dimmen von Glühlampen genutzt, wenn Schluss- und Bremslicht-
funktion realisiert werden sollen. Hierbei tritt der Effekt allerdings nicht auf. Im Folgenden
soll der Effekt, mit Bezug auf sein Erscheinungsbild, als Perlschnureffekt bezeichnet werden.
Abbildung 3-9 zeigt, wie er beispielsweise in Verkehrssituationen mit gepulsten LED-
Schlussleuchten auftreten und beobachtet werden kann.
Einsatz der gepulsten Lichtquelle in zukünftigen Scheinwerfern
56
Abbildung 3-9 Perlschnureffekt bei gepulstem Rücklicht
Um diesen Effekt bei Scheinwerfern zu vermeiden sollen folgende Fragen in Kapitel 4.3.2
beantwortet werden:
- Warum kommt es bei gepulsten LED Rückleuchten zum Perlschnureffekt, obwohl die
Flimmerverschmelzungsfrequenz deutlich überschritten ist?
- Kann dieser Effekt auch bei gepulsten Scheinwerfern auftreten?
- Wenn ja, wie kann er verhindert werden?
Wie in Kapitel 2.3.2.3 beschrieben, wird bei weißen LEDs häufig die Strahlung einer blauen
LED durch gelbe Konversionsstoffe in weißes Licht umgewandelt. Da für die angestrebte
Anwendung hohe Pulsfrequenzen nötig sind, wird in Kapitel 4.1 untersucht:
- Welchen Einfluss hat die Leuchtstoffkonversion auf die Schaltzeiten der weißen Dio-
den?
Eine Annahme aus dem diskutierten Grundprinzip ist, dass im Pulsbetrieb die thermische
Verlustleistung und damit verbundene Temperaturen denen im Konstantstrombetrieb entspre-
chen. In Kapitel 4.2 werden daher durch analytische Betrachtungen und Simulationen folgen-
de Aspekte untersucht:
- Wie verhalten sich Junctiontemperatur und thermische Widerstände einer gepulsten
Halbleiterdiode?
- Lässt sich aus gepulsten LEDs bei gleicher umgesetzter elektrischer Leistung mehr
Licht generieren als aus ungepulsten?
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
57
4 Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
4.1 Phasenverschiebung durch Fluoreszenz
Wie in Kapitel 2.5 beschrieben entsteht durch den Einsatz von fluoreszierenden Stoffen zur
Erzeugung des Gelbanteils eine Phasenverschiebung der konvertierten Photonen. Da diese
Verschiebung einen entscheidenden Einfluss auf die maximale LED-Frequenz hat, soll mit
folgenden Untersuchungen ein mögliches Nachleuchten der LEDs analysiert werden.
4.1.1 Messprinzip
Um den Einfluss des Fluoreszenzfarbstoffs zu untersuchen, ist es zweckdienlich, die spektral
aufgelöste Sprungantwort der weißen LED auf einen Stromsprung zu vermessen. Hierzu wur-
de ein Messaufbau nach dem Schema der Abbildung 4-1 realisiert.
Über einen Impulsgenerator I werden synchron ein zweiter Impulsgenerator II, ein Pulser und
ein PC getriggert. Das Ausgangssignal des Impulsgenerators II schaltet die LED mit einer
Pulsweite von 50,5 µs und einer Frequenz von 19,8 kHz. Über eine Sammellinse gelangt das
gepulste Licht der LED in einen Monochromator, der das Licht in seine spektralen Bestand-
teile zerlegt. Nachdem dieses ein elektronisches Gate passiert hat, wird es mit einer CCD-
Zeile vermessen, wobei jedem Pixel des Detektors ein bestimmter Wellenlängenbereich zuge-
ordnet ist. Das Gate zwischen Monochromator und Detektor wird durch den Pulser während
der on-Flanke geöffnet und mit der off-Flanke geschlossen. Über ein zwischengeschaltetes
Oszilloskop werden die Signale des Impulsgenerators II und des Pulsers überwacht. Über die
Phasenverschiebung des Pulsers zum Impulsgenerator II kann nun ein Auslesefenster über die
Sprungantwort der Diode verschoben werden. Dabei gibt die Breite der Pulsdauer des Pulsers
die Integrationszeit einer Einzelmessung an. Durch längere Integrationszeiten des Detektors
lässt sich die Messempfindlichkeit der Apparatur erhöhen, da der Detektor in den Messpausen
durch das Gate dunkel geschaltet ist und somit nur mehrere Einzelmessungen zu einer Ge-
samtmessung aufintegriert werden.
Impulsgenerator I
Monochromator Detektor
Oszilloskop
Impulsgenerator II Pulser
Gate
LED
PC
Abbildung 4-1 Messprinzip zur Ermittlung der wellenlängenaufgelösten LED-Sprungantwort
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
58
Die Oszilloskopaufnahmen (Abbildung 4-2) zeigen in der unteren Bildhälfte den Impuls des
Generators II, also den Ansteuerstrom der LED. In der oberen Bildhälfte ist der Impuls darge-
stellt, der das Gate des Monochromators erreicht. Dieser stellt die Integrationszeit einer Ein-
zelaufnahme dar. Es wird deutlich, dass das Auslesefenster, das über den Impuls geschoben
wird, eine deutlich endliche Größe besitzt. Dies hat zur Folge, dass nicht die Sprungantwort
der LED vermessen wird, sondern die Faltung dieser mit dem Auslesefenster.
Abbildung 4-2 Oszilloskopanzeigen der LED-Vermessung (oben: Auslese-Gate, unten: LED-Ansteuerung)
4.1.2 Ergebnisse und Schlussfolgerungen
In Abbildung 4-3 sind die ermittelten Daten in einem dreidimensionalen Koordinatensystem
dargestellt. Die Fläche des Koordinatensystems wird durch die einzeln vermessenen Wellen-
längenbereiche und die Zeitachse aufgespannt. Auf der logarithmisch skalierten z-Achse ist
die jeweils ermittelte Intensität dargestellt. Es ist das typische Spektrum einer leuchtstoffkon-
vertierten weißen LED mit der blauen Diodenstrahlung und der gelben Fluororeszenzstrah-
lung zu erkennen. Weiterhin kann ein nahezu linearer Abfall der kurzwelligen (um 460nm)
und der mittelwelligen (um 550nm) Intensitäten innerhalb einer Mikrosekunde beobachtet
werden. (Abbildung 4-3 rechts) Die langwellige Strahlung (um 650nm) hat eine wesentlich
längere Abklingkurve. Diese erreicht erst nach ca. drei Mikrosekunden das Nullniveau.
Abbildung 4-3 Wellenlängenaufgelöste Sprungantwort einer weißen LED
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
59
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Ergebnissen um das Faltungsintegral aus Ausle-
sefenster und tatsächlichem zeitlichen Verhalten der optischen Strahlung.
Um zu analysieren, welche tatsächlichen Schaltzeiten auftreten, seien drei hypothetische line-
are Ausschaltvorgänge diskutiert. Aus Kapitel 2.5 sind eine kurze Schaltzeit von 5ns, die die
Schaltzeiten einer Diode simuliert, und eine Abklingkurve von 80ns, die der theoretischen
Aufenthaltszeit eines Elektrons auf einem angeregten Orbital entspricht, interessant. Eine Fal-
tung dieser zwei angenommen Abklingfunktionen mit einem 1
µ
s breiten Abtastfenster ent-
spricht etwa den gemessenen Ergebnissen von 450nm und 550nm. Um jedoch das Ergebnis
bei 650nm nachzubilden, muss eine wesentlich längere Abklingkurve von mindestens 2000ns
angenommen werden. (Abbildung 4-4)
Abbildung 4-4 Simulierte Sprungantwort (5ns, 80ns, 2000ns) und aus der Faltung zu erwartendes Messer-
gebnis
Die Ergebnisse der Messung bestätigen die von Schubert [Schu06] beschriebenen Zeitkon-
stanten der Dioden von wenigen Nanosekunden. Außerdem spiegeln sich die erwarteten kur-
zen Verweildauern des Singulett-Singulett Überganges für die Fluorophorkonversion in der
Sprungantwort der Wellenlängen zwischen 500 nm und 600 nm wider. Überraschend sind die
bis zu 2000 ns andauernden Sprungantworten der langwelligen Strahlung um 650 nm. Es ist
anzunehmen, dass hier Elektronen des Leuchtstoffes in Triplettzustände übergehen. Unter
Berücksichtigung dieser Erscheinung ergibt sich nach Gleichung ( 2-34 ) eine 3 dB Grenzfre-
quenz von 135 kHz. Zur Datenübertragung mit weißen LEDs sollten demnach diese 135 kHz
nicht überschritten werden.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
60
4.2 Thermodynamik gepulster LEDs
4.2.1 Thermisches Ersatzschaltbild
Um den Einfluss des Pulsbetriebes der LED auf die thermischen und lichttechnischen Vor-
gänge zu analysieren, wird im Folgenden, aufbauend auf dem thermischen Ersatzschaltbild
und den temperaturabhängigen Kennlinien der Diode, das Pulsverhalten analysiert.
Wie bereits in Kapitel 2.3.4.1 erörtert, wird nach Mahlkow [Mah06] die thermische Verlust-
leistung der LED im thermodynamischen Gleichgewicht über die Übergangswiderstände von
der Sperrschicht zur Wärmesenke (R
thJH
) und von der Wärmesenke zur Umgebung (R
thHA
) an
die Umgebung (T
A
) übertragen. Daraus ergibt sich folgendes thermisches Ersatzschaltbild
(ESB).
Abbildung 4-5 Statisches thermisches ESB
Zur Untersuchung des zeitlichen Verhaltens von Temperatur und Strahlungsleistung reicht
dieses statische ESB nicht aus. Hierfür ist das dynamische ESB notwendig.
Abbildung 4-6 Dynamisches thermisches ESB
Mit Einführung der thermischen Kapazitäten können die zeitlichen Vorgänge in der LED un-
tersucht werden. In diesem Fall sind die thermischen Kapazitäten des Chips (C
thChip
) und der
Wärmesenke (C
thH
) zu berücksichtigen. Die thermische Kapazität gibt an, wie viel Wärme der
jeweilige Abschnitt aufnehmen kann, bis das Material vollständig thermisch leitend ist. In der
LED bedeutet dies: Wird in der Sperrschicht die Verlustleistung P
V
erzeugt, wird zunächst der
Chip aufgeheizt. Ist dieser „thermisch gesättigt“, muss er den kompletten Wärmestrom über
seinen thermischen Widerstand in die Wärmesenke abführen. Sobald diese ebenfalls vollstän-
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
61
dig aufgeheizt ist, befindet sich die LED im thermischen Gleichgewicht und das ESB ent-
spricht Abbildung 4-5. Das ESB zur Untersuchung der LED ist somit vollständig.
Abbildung 4-7 Dynamisches thermisches ESB (anhand von Hydraulik)
Das gleiche Ersatzschaltbild lässt sich auch hydraulisch verdeutlichen (Abbildung 4-7). Die
Verlustleistung ist dann eine Flüssigkeit, die tropfenweise (gepulst) über ein Ventil in den
LED-Chip geleitet wird. Die Wärmekapazitäten des Chips und der Wärmesenke werden
durch Flüssigkeitsreservoirs und die Widerstände zwischen Chip und Wärmesenke, bzw.
Wärmesenke und Umfeld werden durch Rohrverbindungen repräsentiert. Beim sprunghaften
Einschalten des Ventils passiert folgendes: Ein Teil der Verlustleistung wird zunächst von der
LED „geschluckt“ und führt zum Auffüllen (Aufheizen) des ersten Reservoirs. Die restliche
Leistung entweicht durch den ersten Widerstand und füllte (heizt) die Wärmesenke. Von dort
„läuft“ die Verlustleistung über den zweiten Widerstand (Rohrverbindung) in die Umgebung
ab. Die Höhe der einzelnen Flüssigkeitspegel spiegelt die Temperaturen wieder.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
62
4.2.1.1 Bestimmung der Parameter
4.2.1.1.1 Thermische Widerstände
Alle weiteren Untersuchungen werden im Folgenden exemplarisch anhand des Beispieles der
Golden Dragon
®
von OSRAM Opto Semiconductors durchgeführt. Zur Bestimmung der ther-
mischen Widerstände sind die Datenblattangaben des Herstellers [DB06] für die folgenden
Untersuchungen ausreichend genau. Der angegebene Wert beträgt:
WKR
thJA
15
=
==
=
( 4-1 )
Da hier lediglich der Gesamtwiderstand von der Sperrschicht zur Umgebung angegeben ist,
muss dieser noch entsprechend dem ESB aus Abbildung 4-5 aufgeteilt werden. Untersuchun-
gen der Einzelwiderstände ergaben Werte von 2-3K/W [Mah06] für den thermischen Wider-
stand von der Sperrschicht zur Wärmesenke. Die Angaben sind ebenfalls ausreichend genau,
da das Verhalten maßgeblich durch den Widerstand Wärmesenke-Umgebung bestimmt wird.
Die Parameter der Widerstände lauten also:
WKR
thJH
3
=
==
=
( 4-2 )
WKR
thHA
12
=
==
=
( 4-3 )
4.2.1.1.2 Thermische Kapazitäten
Zur vollständigen Beschreibung des ESB fehlen nun noch die thermischen Kapazitäten des
Chips und der Wärmesenke. Deren Berechnung erfolgt über:
cmC
th
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
( 4-4 )
Hier steht c für die spezifische Wärmekapazität und m für die Masse. Da sich die Masse als
Multiplikation der spezifischen Masse
ρ
mit dem Volumen V berechnet, ergibt sich die ther-
mische Kapazität:
cVC
th
⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
ρ
ρρ
ρ
( 4-5 )
Die Größen
ρ
und c sind spezifische Stoffeigenschaften. Das Volumen des Chips folgt aus
dessen Geometrie. Abbildung 4-8 zeigt eine Mikroskopaufnahme des verwendeten LED-
Chips.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
63
Abbildung 4-8 Oberseite des Chips mit Anschlusspunkt des Bonddrahtes (links) und im Profil (rechts)
Die Abmessungen des Chips entsprechen Abbildung 4-9.
Abbildung 4-9 Maße des Chips in mm
Damit beträgt das Volumen:
39
1016447,0
m
V
Chip
−
−−
−
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
( 4-6 )
Aus der Annahme, dass der Chip großteils aus Gallium (Ga) besteht, resultieren die Stoffda-
ten
ρ
Ga
= 5,907 g/cm
3
und c
Ga
= 0,37 J/gK. Die thermische Kapazität des Chips ist somit:
K
J
cVC
GaChipGathChip
0003595,0=
==
=⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
ρ
ρρ
ρ
( 4-7 )
Ebenso lässt sich mit der Wärmesenke verfahren. Unter dem Mikroskop entstanden die Auf-
nahmen in Abbildung 4-10.
Abbildung 4-10 Wärmesenke von oben (links) und im Profil (rechts)
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
64
Im linken Bild ist die Reflektorwanne, in die der Chip eingeklebt ist, gut zu erkennen. Der
große Querschnitt am unteren Ende dient der besseren thermischen Kopplung an das umge-
bende Medium. Für die Wärmesenke ergeben sich folgende Abmessungen:
Abbildung 4-11 Bemaßung der Wärmesenke in mm
Das Volumen beträgt
39
104367,12
m
V
H
−
−−
−
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
.
Das hier angenommene Kupfer (Cu) besitzt die Stoffdaten
ρ
Cu
= 8,92 g/cm
3
und c
Cu
= 0,385
J/gK. Daraus resultiert die thermische Kapazität
K
J
cVC
CuHCuthH
04276,0=
==
=⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
ρ
ρρ
ρ
( 4-8 )
Somit sind alle Parameter bestimmt und das vollständige dynamische thermische ESB kann
wie folgt beschrieben werden:
Abbildung 4-12 Dynamisches thermisches ESB mit Parametern
Mit diesem Modell ist es möglich Simulationen des Temperaturverhaltens von LEDs durch-
zuführen.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
65
4.2.1.2 Modelle für MATLAB/Simulink
Das in Abschnitt 4.2.1.1 beschriebene Modell wird mit seiner mathematischen Systembe-
schreibung in MATLAB/Simulink implementiert. Zur Vereinfachung dient folgende Be-
zeichnung des thermischen ESB:
Abbildung 4-13 Thermisches ESB mit vereinfachter Bezeichnung
Mit der Wahl der Zustandsgrößen x
1
=
∆
T
C1
und x
2
=
∆
T
C2
ergibt sich die Zustandsgleichung:
V
C
C
C
C
P
C
T
T
RRCRC
RCRC
T
T
⋅
⋅⋅
⋅
+
++
+
∆
∆∆
∆
∆
∆∆
∆
⋅
⋅⋅
⋅
+
++
+−
−−
−
−
−−
−
=
==
=
∆
∆∆
∆
∆
∆∆
∆
0
1
1111
11
1
2
1
21212
1111
2
1
&
&
( 4-9 )
Da
∆
T
C1
zugleich die Temperaturdifferenz zwischen Sperrschicht und Umgebung darstellt, ist
durch Wahl der Ausgangsgröße y = x
1
das Temperaturverhalten der LED leicht einzusehen.
Mit dem Simulink-Modell aus Abbildung 4-14 ist es möglich, die Temperatur der LED bei
verschiedenen Ansteuerungen zu simulieren.
Abbildung 4-14 Simulink-Modell des dynamischen thermischen ESB
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
66
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Übertragungsfunktion der Systembeschreibung in
Simulink zu nutzen. Nach Berechnung über:
bscsG
T
)()( Φ
ΦΦ
Φ=
==
=
( 4-10 )
mit
1
)()(
−
−−
−
−
−−
−=
==
=Φ
ΦΦ
Φ
AIss
( 4-11 )
ergibt sich die Übertragungsfunktion
2121222111
2
21211
1111
1111
)(
CCRR
s
CRCRCR
s
RRCC
s
C
sG
+
++
+
+
++
++
++
++
++
+
+
++
++
++
+
=
==
=
.
( 4-12 )
In Simulink folgt daraus das Modell:
Abbildung 4-15 Simulink-Modell mit Übertragungsfunktion
Beide Modelle liefern äquivalente Ergebnisse.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
67
4.2.2 Thermische Simulation
Mit Hilfe des dynamischen thermischen Ersatzschaltbildes kann für beliebige Frequenzen und
Pulsmodulationen das Temperaturverhalten der LED analysiert werden. Besonderes Interesse
gilt hierbei der Sperrschicht der Diode, da die Temperatur der Rekombinationszone aus-
schlaggebend für die thermischen Quantenverluste ist. In Abbildung 4-16 ist das Verhalten
der LED-Strahlungsleistung bei unterschiedlichen Temperaturverläufen dargestellt. Der annä-
hernd lineare Zusammenhang des Datenblattes konnte mit eigenen Messungen bestätigt wer-
den. Hierzu wurden vier LEDs in einem Badkryostat bei verschiedenen Temperaturen in
thermodynamische Gleichgewichtszustände versetzt [Sof97]. Durch Anlegen eines geringen
LED-Betriebsstroms (1mA) konnte gewährleistet werden, dass die Selbstaufheizung der Dio-
de gering gehalten wurde. Anschließend wurde die Lichtleistung vermessen und in das Ver-
hältnis zur Leistung bei 25 °C gesetzt.
Abbildung 4-16 Gemessenes und nach Datenblatt angegebenes temperaturabhängiges Verhalten der LED-
Strahlungsleistung
4.2.2.1 Sprungantwort
Die Sprungantwort der Temperatur auf einen Anstieg der Verlustleistung zeigt Abbildung
4-17 (links). Auf der Ordinate ist der Betrag der thermischen Impedanz
th
Z (der transiente
Scheinwiderstand) zwischen Sperrschicht und Umgebung abgetragen. Die Abszisse ist die
logarithmische Zeitachse. Auf den Sprung der zugeführten Leistung folgt zunächst ein schnel-
ler Anstieg der Temperatur. In diesem Zeitbereich erfolgt die Temperaturausbreitung in den
Chip selbst und in seine Umgebung. Da der Chip über eine geringe Wärmekapazität verfügt,
ist der Vorgang schnell abgeschlossen. Auf dem ersten Plateau ist das erste RC-Glied geladen.
An dieser Stelle entspricht der transiente Widerstand annähernd dem Widerstand zwischen
Sperrschicht und Wärmesenke
JHth
R, da die thermische Kapazität
Chipth
C vollständig geladen
ist. Im weiteren zeitlichen Verlauf wird die Wärmesenke aufgeheizt bis auch die Kapazität
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
68
Hth
C geladen ist. Anschließend wird die Wärme über den Gesamtwiderstand
HAthJHth
RR
+
abgeführt [Sof95].
Aus der Definition der Zeitkonstante für RC-Glieder
τ
und aus der Tatsache, dass nach
τ
⋅
=
3
t
95% des Anstieges erreicht sind, ist es möglich, die beobachteten Plateaus mit fol-
gender Formel zu berechnen.
C
R
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
τ
ττ
τ
( 4-13 )
Für die hier verwendete LED ergeben sich folgende Zeitkonstanten:
ms
08,1
1
=
==
=
τ
ττ
τ
s
5,0
2
=
==
=
τ
ττ
τ
Durch den linearen Zusammenhang zwischen Temperatur und relativer Strahlungsleistung ist
eine umgekehrt proportionale Abnahme dieser zu beobachten. (Abbildung 4-17 rechts) Hier-
bei ist zu beachten, dass das Zwischenplateau aufgrund der linearen Zeitachse nicht zu erken-
nen ist.
Abbildung 4-17 Sprungantwort der Temperatur (links) und der relativen Strahlungsleistung (rechts)
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
69
4.2.2.2 Pulsbetrieb
Wird der Diode über periodisches Pulsen thermische Verlustleistung zugeführt, so wechseln
sich Sprungantwort und Abklingen permanent ab. Da die Sprungantwort und das Abklingen
annähernd als e-Funktionen betrachtet werden können, nähern sie sich asymptotisch im un-
endlichen ihrem Endzustand, wobei der Anstieg der Funktion kontinuierlich gegen Null
strebt. Somit steigt/fällt die Temperatur anfangs stärker. Befindet sich die Temperatur wäh-
rend der Pulspause nahe am angestrebten Endwert, so fällt diese nur langsam ab und startet
daher bei dem nächsten Puls von einem höheren Anfangsniveau (Abbildung 4-18 links). Da-
durch schaukelt sich die Temperatur der Diode so lange auf, bis die Temperaturdifferenz zwi-
schen Ausschaltzeitpunkt und angestrebtem Nullniveau gleich der Differenz zwischen An-
schaltzeitpunkt und angestrebtem Endniveau ist.
In Abbildung 4-18 (rechts) wird die modellierte Diode beispielhaft durch ein Rechtecksignal
mit einem Tastverhältnis
dc
von 50 % und einer Amplitude von 2 W betrieben. Die Sperr-
schicht würde bei 2 W Konstantleistung 30 K wärmer werden als die Umgebung. Bei 0 W
hätte die Sperrschicht die gleiche Temperatur wie das gesamte System. Demnach ist, bei einer
mittleren Leistung von einem Watt, das Endniveau 30 K und das Nullniveau 0 K über Umge-
bungstemperatur. Wie in der Simulation zu erkennen ist, schaukelt sich die Temperatur so
lange auf, bis sie zwischen den Werten 17,5 K und 12,5 K schwankt. Die Temperaturdifferenz
ist zu diesem Zeitpunkt +17,5 K bzw. -17,5 K. So können sich Ansteigen und Abfallen aus-
gleichen.
Abbildung 4-18 Temperaturantwort einer LED bei 50% Tastverhältnis. Einzelpuls (links)/ Rechteckfre-
quenzantwort (rechts)
Diese Betrachtungen haben ihre Gültigkeit auch für andere Frequenzen und Tastverhältnisse.
Sie zeigen außerdem, dass die sich einstellende mittlere Temperatur der Diode im Pulsbetrieb
gleich der Temperatur ist, die sich beim Anlegen der mittleren Leistung einstellen würde. In
Abbildung 4-19 (links) sind die gemittelten Temperaturen für verschiedene Tastverhältnisse
abgetragen. Diese gleiche mittlere Temperatur hat allerdings nicht zur Folge, dass der emit-
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
70
tierte Lichtstrom verschiedener Tastverhältnisse gleicher mittlerer Leistung gleich groß ist. In
Abbildung 4-19 (rechts) ist deutlich zu erkennen, dass mit abnehmendem Tastverhältnis und
zunehmender Amplitude der Wirkungsgrad der Diode sinkt. Da die Analysen bei einer theore-
tischen Umgebungstemperatur von 0 °C durchgeführt wurde, liegen die relativen Strahlungs-
leistungen bei Werten über 100 %.
Abbildung 4-19 Mittlere Temperatur und relative Strahlungsleistung für verschiedene Tastverhältnisse
Eine Analyse der Einzelpulse zeigt die Ursache für den Rückgang der Strahlungsleistung.
(Abbildung 4-20 links) Da die Diode nur während des Pulses leuchtet, ist nicht die mittlere
Temperatur des gesamten Zyklus von Bedeutung, sondern nur die mittlere Temperatur der
Diode während des Pulses (Abbildung 4-20 rechts). Bei großen Tastverhältnissen und kurzen
Pulspausen entspricht die Pulstemperatur etwa der mittleren Temperatur. Bei kleinen Tastver-
hältnissen ist die Temperatur während des Pulses weit über dem Mittelwert. In der Abbildung
4-20 (rechts) sind diese mittleren Pulstemperaturen über dem Tastverhältnis abgetragen. Hier
lässt sich erneut der indirekt proportionale Zusammenhang zwischen Temperatur (Abbildung
4-20 rechts) und Strahlungsleistung (Abbildung 4-19 rechts) erkennen.
Abbildung 4-20 Pulsantwort der Temperatur (links) und mittlere Arbeitstemperatur (rechts) bei verschie-
denen Tastverhältnissen gleicher Leistung
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
71
Da die Temperatur bei geringeren Frequenzen mit größeren Amplituden schwankt, ist die
Pulsweitenabhängigkeit der Strahlungsleistung umso größer, je kleiner die Frequenz ist.
(Abbildung 4-21)
Abbildung 4-21 Arbeitstemperatur und Strahlungsleistung für verschiedene Tastverhältnisse und 166Hz
bzw. 80Hz
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Pulsen von LEDs ist die maximale Sperrschichttempera-
tur. Sollte diese überschritten werden, wird die LED stark degradiert oder zerstört. Je länger
der Puls dauert, desto höher wird die Temperatur der LED steigen. Es stellt sich die Frage,
welche Pulsdauern welche Maximaltemperatur zufolge haben.
Zur Klärung dieser Frage wurden Simulationen mit Frequenzen von 0,1 Hz bis zu 900 Hz
durchgeführt. Das Tastverhältnis
dc
blieb konstant bei 50 %. Der jeweils maximale thermi-
sche Scheinwiderstand
maxth
Z
(maximale Temperaturdifferenz zwischen Sperrschicht und
Umwelt pro zugeführter Leistung) wurde ermittelt und in folgenden Kennlinien abgetragen:
Abbildung 4-22 Frequenz- bzw. pulsdauerabhängige Maximaltemperatur
Zum allgemeinen Verständnis der Kennlinie: Für
∞
→
f
nähert sich die maximale Tempera-
tur im Pulsbetrieb der Temperatur im Konstantbetrieb an, so dass die (im Pulsbetrieb größere)
Verlustleistung bei hohen Frequenzen nur noch sehr geringe Zeitdauern anliegt und die Tem-
peratur demnach nur geringfügig schwankt. Bei niedrigen Frequenzen liegt die (höhere) Ver-
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
72
lustleistung so lange an, dass die LED vollständig aufgeheizt wird. Für
0
→
f
wird die LED
also thermisch gesättigt und es liegt der Maximalwert des thermischen Scheinwiderstandes
vor. Mit kleiner werdenden Frequenzen steigt die Maximaltemperatur nicht kontinuierlich an,
sondern erreicht ein Plateau im Bereich zwischen 40 Hz und 90 Hz. Dies bedeutet, dass es
kaum Auswirkungen auf die maximale Sperrschichttemperatur hat, ob die LED mit 40 Hz
oder 90 Hz gepulst wird. Die Ursache zeigt sich in den unterschiedlichen Temperaturkennli-
nien bei verschiedenen Frequenzen.
Abbildung 4-23 Temperaturkennlinien bei verschiedenen Frequenzen
Bei Frequenzen zwischen 40 Hz und 90 Hz wird die LED grundsätzlich auf dem Plateau der
Sprungantwortkennlinie ausgeschaltet. Wird die LED also mit diesen Frequenzen angesteuert,
ändert sich die maximale Sperrschichttemperatur nur geringfügig. Bei höheren oder niedrige-
ren Frequenzen wird jeweils in einem steileren Teil der Sprungantwortkennlinie geschaltet
und die Temperatur reagiert dem entsprechend empfindlicher auf eine Frequenzvariation. Es
ist demnach zu empfehlen, gepulste LEDs mit Frequenzen zu betreiben, deren Periodendauern
oberhalb der durch den Chip gegebenen ersten Zeitkonstante liegen.
ChipthJHth
P
CR
dc
f
⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅⋅
⋅
≥
≥≥
≥
3
( 4-14 )
Für kleinere Tastverhältnisse
dc
verschiebt sich das Plateau des konstanten Scheinwiderstan-
des in Richtung kleinerer Frequenzen, da damit eine Verkürzung der Pulse verbunden ist.
(Abbildung 4-24 links) Trägt man die maximalen Temperaturen über der Pulsdauer ab, ist
erkennbar, dass sich für alle Tastverhältnisse
dc
ein Plateau zwischen 5 ms und 25 ms auf-
spannt. (Abbildung 4-24 rechts) Richtigerweise sollte daher eine maximale Pulsdauer anstatt
einer minimalen Pulsfrequenz eingehalten werden.
dc
CR
t
ChipthJHth
P
⋅
⋅⋅
⋅
⋅
⋅⋅
⋅
≤
≤≤
≤
3
( 4-15 )
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
73
Abbildung 4-24 Frequenz- bzw. Pulsdauerabhängigkeit der maximalen Temperatur für dc=10; 30; 50; 70%
Zusammenfassend lässt sich sagen:
- Die mittlere Temperatur einer gepulsten LED entspricht der Temperatur einer unge-
pulsten LED bei gleicher umgesetzter Leistung. Diese Temperatur stellt sich nach ei-
nem endlichen Einschwingvorgang des thermischen Systems ein.
- Während des Pulses ist die mittlere Temperatur abhängig vom angelegten Tastverhält-
nis. Mit kleiner werdenden Tastverhältnissen steigen während eines Pulses die mittle-
ren Temperaturen der LED. Die Lichtleistung nimmt ab. Dieser Effekt ist umso stär-
ker, je geringer die Pulsfrequenz ist.
- Die maximale Temperatur, die eine gepulste Diode erreicht, hängt von der Pulsdauer
ab. Die maximale Pulsdauer lässt sich aus den Materialparametern der Diode berech-
nen.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
74
4.3 Physiologische Effekte und Risiken
In den nachfolgenden Kapiteln wird, ausgehend von physiologischen Effekten beim Einsatz
von gepulsten Lichtquellen zum Be- oder Selbstleuchten, geklärt, ob sich daraus mögliche
Risiken beim Einsatz dieser gepulsten Lichtquellen als Rückleuchten oder Scheinwerfer erge-
ben. Da gepulste LEDs heutzutage hauptsächlich in gedimmten Rückleuchten eingesetzt wer-
den, wird zunächst der Effekt des Dimmens über Pulsweitenmodulation erklärt. Anschließend
folgt eine theoretische Erklärung des Perlschnureffektes, die anhand von experimentellen Un-
tersuchungen validiert wird. Ausgehend von den so erhaltenen Erkenntnissen, werden am
Ende dieses Abschnittes Konstruktionshinweise für Leuchten und Scheinwerfer mit gepulsten
Lichtquellen gegeben.
4.3.1 Physiologie des Dimmens über Pulsweitenmodulation
Das menschliche Auge nimmt periodische, rasch verlaufende Leuchtdichteschwankungen nur
unterhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz wahr. Oberhalb dieser Frequenz geht das Fla-
ckern in eine scheinbar konstante mittlere Leuchtdichte über. Aus der Fernsehtechnik sind
beispielsweise Frequenzen von 50 Hz bekannt. Hier werden 50 Halbbilder pro Sekunde im
Zeilensprungverfahren dargeboten, resultierend in 25 Bildern pro Sekunde bei einer Flimmer-
frequenz von 50 Hz. Kinofilme werden mit Bildraten von 24 Hz aufgenommen, allerdings
wird jedes Bild zwei oder drei mal mit Hilfe eines Shutters projiziert, woraus sich eine Bild-
wiederholfrequenz von 48 bzw. 72 Hz ergibt. Computerbildschirme werden heute mit Bild-
wiederholungsraten von 85 Hz und höher betrieben. Leuchtstofflampen mit konventionellen
Vorschaltgeräten flackern im 50 Hz Wechselstombetrieb mit, für den Menschen im Normal-
fall nicht wahrnehmbaren Lichtwechseln, von 100 Hz. Die Flimmerverschmelzungsfrequenz
f
V
, also die Frequenz, bei der das Flimmern zu einer zeitkonstanten Leuchtdichte verschmilzt,
ist in erster Linie von der mittleren Leuchtdichte L
m
abhängig. Diese stellt sich nach dem Tal-
botschen Gesetz als der arithmetische zeitliche Mittelwert der periodischen Leuchtdichte-
schwankungen oberhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz ein [Hen02]. Das Talbot’sche
Gesetz beschreibt die mittlere Leuchtdichte als das Integral des zeitlichen Leuchtdichtever-
laufs über die Zeit T der Periodendauer bezogen auf die Periodendauer.
(
((
( )
))
)
∫
∫∫
∫
=
==
=
T
m
dttL
T
L
1
( 4-16 )
Ein zweiter wesentlicher Parameter ist das Verhältnis der Amplitude, der nach Fourier aus
dem zeitlich periodischen Leuchtdichteverlauf bestimmten Grundwelle, zum arithmetischen
Mittelwert der Leuchtdichte. Der halbe Wert dieses Verhältnisses wird als Grundwellenquo-
tient GW bezeichnet. Dieser ist beispielsweise für eine Rechteckform der Lichtimpulse bei
gleichen Hell- und Dunkelzeiten 0,637, bei Sinusform 0,500 und für eine 40 W Leuchtstoff-
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
75
lampe etwa 0,15. Abbildung 4-25 gibt den Verlauf der Flimmerverschmelzungsfrequenz in
Abhängigkeit von der mittleren Leuchtdichte wieder. Der Parameter ist hierbei der Grundwel-
lenquotient. Aus der Abbildung geht hervor, dass beispielsweise für die Leuchtstofflampe f
V
kleiner als etwa 70 Hz bleibt, und somit bei 100 Hz Lichtwechsel kein Flimmern sichtbar ist.
Im Kinobetrieb mit Lichtwechseln von 48 Hz ist mit einem GW von 0,5 ab etwa 30 cd/m²
abwärts mit Flimmern zu rechnen, bei 72 Hz Lichtwechsel erst ab einigen hundert cd/m².
Verglichen zur 48 Hz Bildwiederholungsrate im Kino, tritt beim Fernsehen mit 50 Hz ein
Flimmern wegen des Nachleuchtens des Schirms bei kleinem Grundwellenanteil auch erst bei
höheren Leuchtdichten auf [Hen02]. Ein weiterer Parameter ist die Feldgröße der flimmern-
den Fläche. Große flimmernde Felder resultieren in einer höheren f
V
als kleine Felder. Zusätz-
lich ist auch der Ort des flimmernden Feldes bestimmend für die Flimmerverschmelzungsfre-
quenz. Sie ist im seitlichen Gesichtsfeld, der Peripherie, höher als im Fixationszentrum, der
Fovea [Schi01]. Es wird deutlich, dass die Flimmerverschmelzungsfrequenz je nach Bedin-
gung und Anwendungsgebiet variiert. Jedoch sind Frequenzen um 100 Hz für die meisten
Fälle als flimmerfrei zu betrachten.
Abbildung 4-25 Abhängigkeit der Flimmerverschmelzungsfrequenz von Umfeldleuchtdichte und Grund-
wellenquotient [Hen02]
Im Zusammenhang mit Lichtquellen, die in ihrer Helligkeit über die Zeit in periodischer Wei-
se fluktuieren, kommt die Frage des Einflusses auf Menschen auf, die sensibel auf Beleuch-
tungssituationen reagieren. Eine solche Gruppe bilden Menschen, die unter Fotoepilepsie lei-
den. Licht-Fluktuationen bei einer bestimmten Frequenz mit einem hohen Modulationsgrad
über eine große Fläche können bei diesen Personen Anfälle auslösen [Boy03]. Es sprechen
jedoch mehrere Faktoren dafür, dass pulsweitenmodulierte LED-Rückleuchten keine Gefahr
für diese Menschen darstellen. Der Modulationsgrad der Fluktuation beträgt zwar aufgrund
des schnellen Ansprechverhaltens der LED etwa 100 %. Die Fläche über die sich die Hellig-
keit ändert ist aber in Verkehrssituationen im Verhältnis zum Gesichtsfeld gering. Die Fre-
quenzen mit denen gepulst wird, liegen außerdem weit über den kritischen Frequenzen. Die
kritischen Frequenzen liegen nach Angaben des Epilepsiezentrums Bethel in Bielefeld zwi-
schen 10 und 20 Hz [Eb05], Boyce [Boy03] gibt sie mit 15 Hz an. Anfälle, die durch Fre-
quenzen über 40 Hz ausgelöst werden, sind eine absolute Rarität [Eb05]. Nach Meinung der
Fachärzte stellen pulsweitenmodulierte Rückleuchten keinerlei Gefahr für Menschen mit Fo-
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
76
tosensitivität dar. Viel mehr Gefahrenpotential bergen beispielsweise Fahrten durch Alleen
bei Sonnenschein, wenn Licht und Schatten im Gesichtsfeld sehr schnell wechseln.
4.3.2 Der Perlschnureffekt
Wie in 3.2.3 eingeführt, tritt bei der Betrachtung einer pulsweitenmodulierten LED-
Lichtquelle, trotz einer Pulsfrequenz oberhalb der Flimmerverschmelzung, in bestimmten
dynamischen Fällen ein physiologischer Effekt mit einem frequenzabhängigen Charakter auf.
Das Phänomen, sowie die Bedingungen und Ursachen für sein Auftreten bzw. Verschwinden,
sollen im Folgenden theoretisch betrachtet werden.
4.3.2.1 Das Phänomen des Perlschnureffekts
Der Perlschnureffekt kann theoretisch grundsätzlich dann auftreten, wenn sich eine zeitlich
periodisch diskontinuierliche Lichtquelle mit hohem Modulationsgrad der Leuchtdichte-
Fluktuation mit einer Winkelgeschwindigkeit
ω
ωω
ω
in relativer Bewegung zur optischen Achse
des Betrachters befindet. Diese relative Bewegung kann durch Augenbewegung, Bewegung
der Lichtquelle oder eine Überlagerung beider entstehen. Diese Theorie beruht auf den fol-
genden Betrachtungen: Nimmt man eine geradlinige Bewegung mit einer konstanten Winkel-
geschwindigkeit im Zeitintervall [t
0
, t
1
] an, so bewegt sich nach Formel ( 4-17 ) das Bild der
Lichtquelle auf der Retina des Betrachterauges in dieser Zeit von Position a
0
nach Position a
1
.
0
)(
atta
+
++
+
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
ω
ωω
ω
( 4-17 )
Wäre die Leuchtdichte der Lichtquelle während des Zeitintervalls konstant (Fall 1), beschrie-
be ihr Bild während der Bewegung auf der Retina des Betrachters eine Linie, da die Leucht-
dichte von Position a
0
bis Position a
1
konstant bliebe.
[
[[
[ ]
]]
] [
[[
[ ]
]]
]
..
01010
,0,
constLLconstLL
aaatt
=
==
=
=
==
=
→
→→
→
=
==
=
=
==
=
( 4-18 )
Ist die Leuchtdichte der Lichtquelle aber mit einem hohen Modulationsgrad zeitlich variabel
(Fall 2), so variiert bei der Bewegung die Leuchtdichte zusätzlich stark über dem Ort, also in
Abhängigkeit der Position. ( 4-19 ) So beschreibt die Lichtquelle während der Bewegung auf
der Retina eine unterbrochene Linie.
[
[[
[ ]
]]
] [
[[
[ ]
]]
]
)()(
1010
,,
aLLtLL
aatt
=
==
=
→
→→
→
=
==
=
( 4-19 )
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
77
Abbildung 4-26 illustriert die beiden beschriebenen Fälle.
Abbildung 4-26 Entstehung der Perlschnur auf der Netzhaut
Die Superposition der zeitlich periodischen Leuchtdichteänderung entsprechend dem Ansteu-
ersignal und der Bewegung mit der Winkelgeschwindigkeit
ω
resultiert in der wiederholten,
zeitlich und örtlich getrennten Abbildung der Lichtquelle auf der Retina. Das beobachtete
Erscheinungsbild des Perlschnureffekts deutet jedoch darauf hin, dass die Lichtquelle zwar
zeitlich getrennt abgebildet wird, mehrere dieser Abbilder aber zusammenhängend als eine
Art Leuchtspur wahrgenommen werden.
Es ist bekannt, dass die Bewegung einer Wunderkerze oder eines ähnlich hellen Objekts über
das Gesichtsfeld bei einem dunklen Umfeld sichtbare Leuchtspuren erzeugt. Der physiologi-
sche oder psychologische Mechanismus, der dieser Tatsache zu Grunde liegt, trägt mit großer
Wahrscheinlichkeit zum Erscheinungsbild des Perlschnureffekts bei. In der Psychologie wird
er als sensorisches Gedächtnis bezeichnet. Das sensorische Gedächtnis existiert nach einem
Modell von Atkinson und Shiffrin [Atk68] neben dem Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Es
speichert kurzfristig und unbewusst mit großer Kapazität sensorische Reize und gibt sie, in
Abhängigkeit der auf dem Reiz liegenden Aufmerksamkeit, gefiltert und selektiert an das
Kurzzeitgedächtnis mit einer geringeren Kapazität weiter. Für jeden Sinnesreiz, sei er taktiler,
akustischer, visueller oder anderer Art, gibt es im sensorischen Gedächtnis einen Speicher.
Der Speicher für visuelle Reize wird ikonisches Gedächtnis genannt. Die Dauer einer sensori-
schen Erinnerung wird für visuelle und akustische Informationen unter einer Sekunde ange-
geben, und wird als Persistenz bezeichnet [Win81] [And95] [Bad99]. In einem Experiment
ermittelte 1740 der Wissenschaftler Segner die Dauer der visuellen Persistenz. Er befestigte
ein glühendes Stück Kohle an einem rotierenden Rad. Wenn sich das Rad sehr schnell drehte,
konnte er einen vollen Kreis wahrnehmen, da die am Anfang der Drehung entstandene Spur
immer noch leuchtete, wenn das Kohlestück wieder am Startpunkt anlangte. Bei einer lang-
sameren Drehung war nur das Teilstück eines Kreises zu sehen, weil die Spur des ersten Ab-
schnitts verblasst war, bis die Kohle wieder den Ausgangspunkt erreicht hatte. Segner wählte
nun eine Geschwindigkeit, mit der gerade noch ein vollständiger Kreis zustande kam und maß
die Zeit für eine Umdrehung. Er schätzte sie auf ungefähr 100 ms [Bad99]. Diese Zeit ent-
spricht auch der Integrationszeit der bei Dunkelheit aktiven Stäbchen-Fotorezeptoren [Val05].
Diese könnte ebenfalls eine Erklärung für das Entstehen der Leuchtspur liefern. Wird eine
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
78
ausreichend helle Lichtquelle bei dunklem Umfeld über das Gesichtsfeld bewegt, dann integ-
rieren und somit mitteln die Stäbchen Hell- und Dunkelsignal der Lichtquelle und des Umfel-
des über die Zeit von 100 ms ab dem Zeitpunkt, an dem die Lichtquelle sie überstreift. So
entsteht eine „wandernde“ Leuchtspur mit einer konstanten Ausdehnung, die dem Weg ent-
spricht, über den sich die Lichtquelle in 100 ms bewegt hat, da jeder Punkt des Pfades der
Lichtquelle nur 100 ms ab dem Zeitpunkt, an dem die Lichtquelle ihn überstreift, zu „sehen“
ist. Würde man seine Aufmerksamkeit auf einen selbst gewählten Anfangspunkt der Leucht-
spur richten, wäre selbiger nach dieser Zeit verschwunden. Möglicherweise basieren die Er-
gebnisse des Experiments von Segner und das darüber beschriebene Phänomen der visuellen
Persistenz auf diesem Verhalten der Stäbchen, zumindest ist das Verhalten der Stäbchen ein
Faktor, der zu diesem Phänomen beiträgt. Warum derartige Leuchtspuren bei Tageslicht we-
sentlich schwieriger zu beobachten sind, könnte aus der Integrationszeit der bei diesen Licht-
verhältnissen aktiven Zapfen-Fotorezeptoren erklärt werden. Diese wird mit Zeiten von 10-
20 ms angegeben [Val05]. Bewegt sich dieselbe Lichtquelle, wie sie eben beschrieben wurde,
mit der gleichen Geschwindigkeit bei Tageslicht über das Gesichtsfeld, so verkürzt sich ihre
Leuchtspur aufgrund der Integrationszeit von nur etwa 20 ms um das Fünffache. Jeder Punkt
des Pfades der Lichtquelle ist ab dem Zeitpunkt, an dem die Lichtquelle ihn überstreift, nur
20 ms zu „sehen“. Würde man seine Aufmerksamkeit auf einen selbst gewählten Anfangs-
punkt der Leuchtspur richten, wäre dieser schon nach dieser Zeit verschwunden. Zudem ist
der Kontrast zwischen Lichtquelle und Umfeld geringer als bei nächtlichen Verhältnissen.
Bewegt sich zum Beispiel eine mit 100 Hz pulsweitenmodulierte LED-Lichtquelle bei dunk-
lem Umfeld relativ zur optischen Achse, werden die Bilder der Lichtquelle wie beschrieben
als Stimuli auf der Retina abgebildet. Das Phänomen der visuellen Persistenz bzw. das be-
schriebene Verhalten der Stäbchen ermöglicht es, eine Leuchtspur mit insgesamt etwa zehn
Elementen als eine Art Ortsfrequenz wahrzunehmen. Diese diskontinuierliche Linie stellt für
den Betrachter eine ungewohnte Situation dar, worauf er mit höherer Aufmerksamkeit rea-
giert. Der kritische Punkt, an dem dieser Effekt verschwindet, ist erreicht, wenn die Abstände
zwischen den Bildern der Lichtquelle auf der Retina so klein sind, dass sie nicht mehr aufge-
löst werden können. Die Bilder der Lichtquelle verschwimmen zu einer Linie. In diesem Fall
gleicht das Erscheinungsbild wieder dem einer kontinuierlichen Lichtquelle. Offensichtlich
handelt es sich bei diesem Effekt also um ein Problem des örtlichen Auflösungsvermögens.
Bevor im nächsten Abschnitt auf die kritischen Grundgrößen beim Auftreten des Perlschnur-
effekts eingegangen wird, soll kurz geklärt werden, warum pulsweitenmodulierte Glühlampen
den Perlschnureffekt nicht hervorrufen. Da hier das Wirkprinzip der Pulsweitenmodulation
zum Dimmen auf physikalischer Ebene, nicht auf physiologischer Ebene funktioniert, und die
Glühlampe in diesem Fall eine kontinuierliche Lichtquelle darstellt, kommt es nicht zur Su-
perposition einer zeitlich periodischen Leuchtdichteänderung und einer Bewegung. Somit tritt
keine wiederholte zeitlich und örtlich getrennte Abbildung der Lichtquelle auf der Retina ein.
Diese stellt die Vorraussetzung für das Eintreten des Perlschnureffekts dar.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
79
4.3.2.2Kritische Grundgrößen beim Auftreten des Perlschnureffekts
Ausgehend vom beschriebenen Entstehungsprozess des Effekts, nämlich der Überlagerung
einer zeitlich periodischen Leuchtdichteänderung entsprechend dem Ansteuersignal und einer
Bewegung der Lichtquelle, sollen nun Zusammenspiel, Verhältnis und Einfluss der beteiligten
Grundgrößen theoretisch betrachtet werden. Die entscheidenden Größen aus dem Ansteuer-
signal sind die Frequenz f
p
und das Tastverhältnis dc (duty cycle). Die Bewegung wird durch
die Winkelgeschwindigkeit
ω
gekennzeichnet. Das entscheidende Merkmal der Lichtquelle ist
die gesehene Ausdehnung b in Bewegungsrichtung. Eine theoretische Untersuchung ist hier
möglich, indem man den Einfluss der Veränderung einer dieser Größen betrachtet, wobei die
anderen Größen als konstant angenommen werden. Zu diesem Zweck zeigt Abbildung 4-27
als Ausgangsfall die qualitative Abbildung einer Ortsfrequenz auf der Retina, wie sie theore-
tisch entsteht, wenn für die vier Größen die folgenden Werte angenommen werden:
kleinsigbarvernachläsdc
b
s
Hzf
p
:
'50
160
100
=
==
=
°
°°
°=
==
=
=
==
=
ω
ωω
ω
Diese Ortsfrequenz entsteht, weil sich die ausgeschaltete Lichtquelle während der Impulspau-
se des Ansteuersignals so weit bewegt, dass die im kurzen Einschaltmoment entstehenden
Bilder der Lichtquelle in entsprechenden Abständen auf der Retina abgebildet werden. Die
Impulspause t
Ip
entspricht hier annähernd der Periodendauer T
P
. Die Ausdehnung der weißen
Balken stellt im Ausgangsfall nur das Abbild der Lichtquelle dar.
Abbildung 4-27 Einflussgrößen auf den Perlschnureffekt
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
80
Abbildung 4-27 zeigt im Weiteren, wie sich die Ortsfrequenz verändert, wenn die einzelnen
Größen variiert werden. Wird die Frequenz f
p
des Ansteuersignals bei Konstanthaltung der
anderen Werte erhöht, so verkürzt sich dessen Periodendauer und somit dessen Impulspause.
Die Lichtquelle bewegt sich weniger weit, bis sie wieder aufleuchtet. Die Abbilder der Licht-
quelle (weiße Balken) rücken näher zusammen. Im Falle der Erhöhung der Winkelgeschwin-
digkeit
ω
der Relativbewegung der Lichtquelle zur optischen Achse bewegt sich die Licht-
quelle während der Impulspause weiter als im Ausgangsfall. Die Abbilder der Lichtquelle
rücken auseinander. Wird die Breite b der Lichtquelle in Bewegungsrichtung erhöht, vergrö-
ßern sich entsprechend die Abbilder der Lichtquelle auf der Retina. Für das Tastverhältnis des
Ansteuersignals wird im Ausgangsfall ein vernachlässigbar kleiner Wert angenommen. Die
Lichtquelle wird nur für eine sehr kurze Zeit eingeschaltet, während der sie sich kaum be-
wegt. Somit repräsentiert die Breite der Abbildungen auf der Retina etwa die wahrgenomme-
ne Breite der Lichtquelle in Bewegungsrichtung. Wird das Tastverhältnis erhöht, so ändert
sich dies. Die Lichtquelle wird für eine längere Impulsdauer t
Id
eingeschaltet, während der sie
sich weiterbewegt und eine Leuchtspur auf der Retina hinterlässt. Die Impulspause ist bei
gleich bleibender Periodendauer entsprechend kürzer. Somit entsprechen die Abbildungen auf
der Retina in ihrer Breite nicht mehr allein der Breite der Lichtquelle in Bewegungsrichtung,
sondern der Summe aus dieser und dem Weg, den die Lichtquelle während der Impulsdauer
zurückgelegt hat. Auch diese Veränderung ist in Abbildung 4-27 illustriert. Wie schon festge-
stellt wurde, ist der kritische Punkt zum Verschwinden des Perlschnureffekts erreicht, wenn
der Abstand zwischen den Bildern der Lichtquelle auf der Retina so klein ist, dass er nicht
mehr aufgelöst werden kann. Bei einem normalsichtigen Menschen mit einer Sehschärfe von
eins tritt dies unter normalen Umständen spätestens dann ein, wenn der Sehwinkel, der die-
sem Abstand entspricht, höchstens eine Winkelminute beträgt. Die Sehschärfe S errechnet
sich als das Reziprok dieses kleinsten Winkels
α
in Winkelminuten, unter dem das Auge zwei
Sehobjekte gerade noch getrennt wahrnehmen kann. Dieser Winkel wird auch als Auflö-
sungsvermögen bezeichnet. Aus den obigen Betrachtungen lässt sich ableiten, dass sich der
kritische Punkt über das Zusammenspiel der Größen f
p
,
ω
,
b und dc unter folgenden Bedin-
gungen einstellt:
•
f
p
groß genug ist
•
ω
ωω
ω
klein genug ist
•
b groß genug ist
•
dc groß genug ist
Die ausgeschaltete Lichtquelle darf sich während der Impulspause t
Ip
höchstens um die Sum-
me (b + 1′) weiter bewegt haben, bevor sie wieder eingeschaltet wird. Der zurückgelegte Weg
ergibt sich aus dem Produkt der Impulspause und der Winkelgeschwindigkeit. Somit tritt der
Effekt nicht auf, wenn ( 4-20 ) erfüllt ist.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
81
(
((
(
)
))
)
'1
+
++
+
≤
≤≤
≤
⋅
⋅⋅
⋅
bt
IP
ω
ωω
ω
( 4-20 )
Mit
(
((
( )
))
)
(
((
(
)
))
)
p
PIp
f
dc
dcTt
−
−−
−
=
==
=−
−−
−⋅
⋅⋅
⋅=
==
=1
1
( 4-21 )
ergibt sich ( 4-20 ) zu
(
((
(
)
))
)
(
((
( )
))
)
'1
1+
++
+≤
≤≤
≤⋅
⋅⋅
⋅
−
−−
−
b
f
dc
p
ω
ωω
ω
. ( 4-22 )
Aus ( 4-22 ) lässt sich für eine Sehschärfe von eins der kritische Punkt für jede der beteiligten
Größen berechnen. Ein Wert von eins beschreibt allerdings eine gute Sehschärfe. Verschiede-
ne Parameter können eine Verschlechterung dieser bewirken, wie z.B. Adaptationszustand,
Alter und Sehfehler. So könnte es sein, dass ein Individuum in Abhängigkeit dieser Parameter
nur noch benachbarte Elemente mit einem Abstand von zwei oder drei Bogenminuten als ge-
trennt wahrnehmen kann. Somit ergäben sich für die kritischen Größen und ihr Zusammen-
wirken andere Werte für den Punkt, an dem der Effekt für dieses Individuum nicht mehr
sichtbar ist. ( 4-22 ) kann unter Berücksichtigung dieses Umstandes zu ( 4-24 ) verallgemei-
nert werden.
(
((
(
)
))
)
(
((
( )
))
)
(
((
(
)
))
)
+
++
+≤
≤≤
≤⋅
⋅⋅
⋅
−
−−
−
+
++
+≤
≤≤
≤⋅
⋅⋅
⋅
−
−−
−
S
b
f
dc
bzwab
f
dc
pp
'11
.
1
ω
ωω
ωω
ωω
ω
( 4-23 )
Die Abbildung 4-27 illustriert lediglich die Längen der belichteten Linien auf der Netzhaut
des Beobachters. Für den Fall des vernachlässigbaren Tastverhältnisses
(
)
0
→
dc
entspricht
die entstandene Linie in ihrer Intensitätsverteilung annähernd einer Rechteckfunktion. Mit
einem endlichen Tastverhältnis
(
)
0
>
dc
entspricht die Belichtung H der Belichtungsdauer t
B
.
∫
∫∫
∫
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
B
t
dtEH
( 4-24 )
Die Belichtungsdauer t
B
leitet sich wiederum aus der Faltung des durch das Einschalten auf-
gespannten Rechteckes mit der Breite
Id
t
⋅
ω
und der Lichtquellenbreite b ab. Zur Veranschau-
lichung ist in Abbildung 4-28 die ortsabhängige Belichtungszeit als Faltungsintegral der Ein-
zelfunktionen dargestellt.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
82
Abbildung 4-28 Illustration der Faltung von Lichtquelle und Bewegung
Die entstehende Flankenbreite ist für den gezeigten Fall
Id
tb
⋅
<
ω
gleich der Lichtquellenbrei-
te b. Bewegt sich die Lichtquelle während der Anschaltzeit um einen geringeren Winkelab-
schnitt als sie selbst breit ist, so entsteht eine Intensitätsflanke mit einer durch diesen Winkel-
abschnitt vorgegebenen Flankenbreite. Dieser Fall
Id
tb
⋅
>
ω
wird in Abbildung 4-29 veran-
schaulicht.
Abbildung 4-29 Veranschaulichung des Falls b > ω
ωω
ω t
Id
Der Punkt, an dem die Überlagerung der trapezförmigen Faltungsfiguren zu einem homoge-
nen Signal führt, ist, wie in Abbildung 4-30 illustriert, genau der, an dem sich die Figuren um
die Breite ihrer Flanken überlagern. Die gepunktete Linie deutet die aus der Überlagerung
resultierende Addition der Leuchtdichten zu einem homogenen Signal an.
Abbildung 4-30 Entstehungsbedingung einer homogenen Linie
Für Tastverhältnisse kleiner gleich 50% ist für den Fall, dass sich die Lichtquelle während der
Impulspause um höchstens ihre Breite b bewegt, die Bewegung während der Impulsdauer
immer kleiner oder gleich der Breite b. Die Flankenbreite der Faltungsfigur kann hier also
grundsätzlich mit dem Weg t
Id
ω
angegeben werden. Die Überlagerung der Figuren ergibt
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
83
sich aus der Differenz zwischen b und dem Weg, den die Lichtquelle während der Impulspau-
se zurückgelegt hat. Sollen sich die Faltungsfiguren genau um ihre Flankenbreite überlagern,
so gilt Gleichung ( 4-26 ).
(
((
(
)
))
)
IdIp
ttab
⋅
⋅⋅
⋅
=
==
=
⋅
⋅⋅
⋅
−
−−
−
+
++
+
ω
ωω
ω
ω
ωω
ω
( 4-25 )
(
((
( )
))
)
(
((
(
)
))
)
pp
f
dc
f
dc
ab
⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
−
−−
−
⋅
⋅⋅
⋅−
−−
−+
++
+
ω
ωω
ωω
ωω
ω
1
( 4-26 )
Löst man ( 4-26 ) nach f
p
auf, so erhält man
(
((
( )
))
)
ab
f
p
+
++
+
=
==
=
ω
ωω
ω
. ( 4-27 )
Die kritische Frequenz, an der für alle Tastverhältnisse der Perlschnureffekt gerade nicht mehr
auftritt, lässt sich somit unabhängig vom Tastverhältnis über die Breite b der Lichtquelle in
Bewegungsrichtung und die Winkelgeschwindigkeit
ω
der Relativbewegung berechnen.
4.3.2.3 Validierung des Perlschnureffektes
Um die bisher angestellten Überlegungen zu unterstützen, wird im Folgenden ein Probanden-
versuch dargestellt, der die sich herauskristallisierten Einflüsse auf den Perlschnureffekt ein-
zeln adressieren kann und somit eine Validierung der gefundenen theoretischen Zusammen-
hänge ermöglicht.
Da der Mensch nicht willkürlich verschieden schnelle Augenbewegungen vollziehen kann,
wird die notwendige Relativbewegung der Lichtquelle durch einen halbdurchlässigen Spiegel
realisiert, der in definierte Rotation versetzt werden kann. Die Positionierung der Lichtquelle,
des Spiegels und des Probanden sowie die resultierende Perlschnur sind in Abbildung 4-31
veranschaulicht. Mithilfe dieses Aufbaus lassen sich durch gezieltes Pulsmodulieren der
Lichtquelle und durch den Einsatz diverser Blenden die Einflussgrößen
ω
und b auf die
Grenzfrequenz des Perlschnureffektes untersuchen.
Abbildung 4-31 Messaufbau und erzeugte Perlschnur
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
84
4.3.2.3.1 Einfluss der Winkelgeschwindigkeit
Unter photopischen Bedingungen wurden drei Probanden rote Lichtquellen mit einer Breite
von 20,2 Bogenminuten dargeboten. Bei verschiedenen Winkelgeschwindigkeiten der virtuel-
len Lichtquelle waren die Probanden angehalten, die Frequenz der Lichtquelle so lange zu
variieren, bis eine kontinuierliche Linie zu erkennen war. Dieser Versuch wurde zweimal
durchgeführt. Einmal mit einer Rechteckpulsfolge mit 50 % Tastverhältnis und einmal mit
5 % Tastverhältnis. Dadurch konnte überprüft werden, ob sich die theoretische Annahme ei-
ner vom Tastverhältnis unabhängigen Grenzfrequenz bestätigt.
Es zeigte sich, dass alle Probanden sehr genau die vorherberechneten Frequenzen einstellten.
In dem Diagram der Abbildung 4-32 sind die Resultate dieser Untersuchung abgetragen. Es
ist deutlich der lineare Zusammenhang zwischen Winkelgeschwindigkeit
ω
und kritischer
Frequenz f
P
zu sehen. Ebenso deutlich wird, dass für beide Tastverhältnisse die gleichen kriti-
schen Frequenzen eingestellt werden. Die Überlegungen aus dem vorangegangenen Kapitel
haben sich also bestätigt und die Gleichung ( 4-27 ) kann zur Bestimmung der kritischen Fre-
quenz verwendet werden.
Abbildung 4-32 Abhängigkeit der kritischen Frequenz von der Winkelgeschwindigkeit der Lichtquelle
Durch das Erweitern des Versuchsaufbaus um eine hinter dem Drehspiegel aufgestellte Rück-
projektionswand, die mit dem Nachtsehen entsprechender skotopischer, dem Dämmerungsse-
hen entsprechender mesopischer und dem Tagsehen entsprechender photopischer Leuchtdich-
te ausgeleuchtet wird, kann des Weiteren der Einfluss des Adaptationsniveaus auf erkennba-
ren Pulsfrequenzen erörtert werden.
ω
in °/s 10
0
150 20
0
300
f
p
Proband 1 in Hz 32
5
481 62
5
914
f
p
Proband 2 in Hz 31
1
468 63
8
917
f
p
Proband 3 in Hz 22
2
409 58
0
903
5%
Mittelwert 28
6
453 61
4
911
f
p
Proband 1 in Hz 28
9
359 61
4
888
f
p
Proband 2 in Hz 29
9
447 59
6
872
f
p
Proband 3 in Hz 23
0
408 57
9
896
Tastverhältnis
50%
Mittelwert 27
3
438 59
6
885
f
p
theoretisch in Hz 29
7
445 59
4
891
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
85
Abbildung 4-33 Erweiterter Messaufbau zur Untersuchung des Einflusses von Umfeldleuchtdichte und
Blickwinkel
Um zusätzlich den Einfluss der Position der Lichtquelle im Blickfeld zu untersuchen, ist auf
der Projektionswand eine Markierung angebracht, die 21,3 Grad neben dem Spiegelmittel-
punkt liegt. Fixiert der Proband diese, wird die Perlschnur peripher auf dessen Netzhaut abge-
bildet und sollte aufgrund der geringeren peripheren Sehschärfe schlechter sichtbar sein. Mit
diesem erweiterten Aufbau konnte die kritische Frequenz zum einen in Abhängigkeit von der
Umfeldleuchtdichte und der Position der Lichtquelle, und zum anderen in Abhängigkeit vom
Spektrum und der Position der Lichtquelle mit 20 weiteren Probanden untersucht werden. Mit
steigender Adaptationsleuchtdichte steigt die menschliche Sehleistung an [Hen02]. Daraus
resultiert, dass, sowohl peripher als auch foveal ein Absinken der kritischen Frequenz mit
steigender Umfeldleuchtdichte zu erkennen ist (Abbildung 4-34 links). Es konnte kein Ein-
fluss des Spektrums der Lichtquelle auf die kritische Frequenz festgestellt werden (Abbildung
4-34 rechts).
Abbildung 4-34 Abhängigkeit der kritischen Frequenz von Umfeldleuchtdichte und Farbe der Lichtquelle
(Die Linien indizieren die Standardabweichung durch die Probanden.)
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
86
4.3.2.3.1.1 Winkelgeschwindigkeit der Relativbewegung
Nachdem gezeigt wurde, dass bei vorgegebener Ausdehnung der Lichtquelle in Blickbewe-
gungsrichtung die kritische Frequenz nur von der Geschwindigkeit der Relativbewegung der
Lichtquelle abhängt, ist nun zu klären, welche Geschwindigkeiten für den Beobachter im
Straßenverkehr auftreten.
Relevante Werte für die Winkelgeschwindigkeit
ω
ergeben sich aus den Geschwindigkeiten
von Blickbewegungen und schnellen Bewegungen der Lichtquelle selbst. In der Literatur fin-
den sich Angaben zu Geschwindigkeiten von Blickbewegungen:
Ludvigh und Miller berichten, dass nach Adler freiwillige Augenbewegungen Geschwindig-
keiten von bis zu 500-600 °/s erreichen können, und die Geschwindigkeit für normale Augen-
bewegungen zwischen 100 °/s und 200 °/s liegt [Lud58].
Die gleichen Werte für gewöhnliche Augenbewegungen geben Honegger und Schäfer an. Sie
beschreiben ein Experiment, dass ebenfalls Ludvigh und Miller durchführten. Das Auge wur-
de bei der Verfolgung eines 110 °/s schnellen Objekts mit einer Hochgeschwindigkeitskamera
gefilmt. Es konnte festgestellt werden, dass es sich dabei mit bis zu 260 °/s bewegte [Hon64].
Für Sakkaden, die schnellen, meist unwillkürlichen Bewegungen des Auges zwischen den
Fixationszeiten bzw. Fixationspunkten, werden maximale Geschwindigkeiten von 700 °/s bis
1000 °/s beschrieben [Boy03] [Ban04] [Pal99] [Die05]. Solche sakkadischen Bewegungen
können auch willkürlich ausgelöst werden. Es wird häufig zusätzlich erwähnt, dass das
menschliche Auge während der Sakkaden praktisch nichts wahrnimmt. Dieser Prozess wird
sakkadische Suppression genannt. Geht man von diesen Voraussetzungen aus, scheiden diese
Bewegungen als irrelevant aus. Nach [Thi04] handelt es sich bei der sakkadischen Suppressi-
on jedoch eher um eine Erhöhung der Sehschwelle. Lichtquellen, die oberhalb der Schwelle
liegen, könnten während Sakkaden möglicherweise trotz Suppression gesehen werden, und
somit den Perlschnureffekt bei sehr hohen Winkelgeschwindigkeiten hervorrufen. Diese offe-
ne Frage bleibt zu beantworten. Die Ergebnisse der genannten Studie sowie die Begriffe Sak-
kade und sakkadische Suppression werden im nachfolgenden Kapitel bei der Beschreibung
eines eigenen Versuchs zu diesem Thema noch einmal aufgegriffen.
Blickfolgebewegungen erreichen nach Boyce [Boy03] maximal 40 °/s; Palmer [Pal99] gibt
als obere Grenze für diese Augenbewegung 100 °/s an. Diem [Die05] hat in einer umfangrei-
chen Arbeit das Blickverhalten von Kraftfahrern im dynamischen Straßenverkehr untersucht.
Er macht folgende Angaben: Die in der Literatur angegebenen Extremwerte für die Ge-
schwindigkeiten der Augenbewegung von mehr als 200 °/s kommen relativ selten vor (4 %).
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
87
80 % der Augenbewegungen erfolgen mit einer Geschwindigkeit von unter 20 °/s für horizon-
tale und unter 10 °/s für vertikale Bewegungen. Die Augenbewegungsgeschwindigkeiten sind
bei Tag zu 60 % kleiner als 50 °/s, bei Nacht zu 90 % [Die05]. Diese Angaben geben einen
Überblick über die Häufigkeit von schnellen Augenbewegungen, schließen selbige jedoch
nicht aus.
Eine Relativbewegung nur durch die Bewegung der Lichtquelle wurde anhand des Beispiels
eines Überholvorgangs auf der Autobahn theoretisch untersucht. Angenommen wurde der
Extremfall mit Geschwindigkeiten von 80 km/h für das überholte, und 220 km/h für das über-
holende Fahrzeug. Im betrachteten Fall bewegt sich die Rückleuchte des überholenden Fahr-
zeugs in 2,5 m horizontaler Entfernung vom Fahrer des langsameren Fahrzeugs mit einer
Bahngeschwindigkeit von 140 km/h oder 38,9 m/s. In dem Moment, in dem sich die Licht-
quelle im 45 ° Winkel zum Betrachterauge befindet, hat sie so eine Relativgeschwindigkeit
von ca. 630 °/s. Hat sie sich um 47,5 m in Fahrtrichtung weiterbewegt, beträgt ihre relative
Winkelgeschwindigkeit nur noch ca. 45 °/s, da ihre Bahngeschwindigkeit konstant, aber der
Abstand zum Betrachter nun wesentlich größer ist. Die Fortbewegung der Lichtquelle um
50 m in Fahrtrichtung dauert ca. 1,3 s. Tabelle 4-1 gibt einen Überblick darüber, wie sich in
dieser Zeit die Winkelgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Entfernung und somit der
Position im Gesichtsfeld ändert.
Tabelle 4-1 relative Winkelgeschwindigkeiten beim Überholvorgang
Entfernung der Licht-
quelle vom Betrachter in
Fahrtrichtung
relative Winkelgeschwin-
digkeit
0 m 892 °/s
2,5 m 630 °/s
10 m 216 °/s
20 m 110 °/s
30 m 74 °/s
40 m 56 °/s
50 m 45 °/s
Zusammenfassend lässt sich aus den obigen Betrachtungen ableiten, dass für die Winkelge-
schwindigkeit der Relativbewegung
ω
Werte von 0 bis zu 1000 °/s relevant sein können. Das
Auftreten von solch hohen Winkelgeschwindigkeiten bei einer Eigenbewegung der Lichtquel-
le erfordert, wie gezeigt, extreme Voraussetzungen und ist im Vergleich zur Häufigkeit von
solch schnellen Augenbewegungen in den seltensten Fällen anzunehmen. Theoretisch könnten
sich noch wesentlich höhere Geschwindigkeiten durch die Kombination einer Blick- und Ob-
jektbewegung ergeben.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
88
4.3.2.3.2 Einfluss der sakkadischen Supression
Nachdem nachgewiesen wurde, dass der Perlschnureffekt über ein einfaches lineares Verhält-
nis (vgl. ( 4-27 )) der Größen fp, ω und b unter Berücksichtigung des Auflösungsvermögens α
erklärt werden kann, ist es von Interesse, welche maximalen Winkelgeschwindigkeiten für das
Phänomen Perlschnureffekt wirklich relevant sind. Somit könnte auf eine maximale Pulsfre-
quenz, über die der Effekt für eine Lichtquelle der Breite b sicher vermieden werden kann,
geschlossen werden. In 4.3.2.3.1.1 wurde der Bereich der potentiell relevanten Winkelge-
schwindigkeiten abgesteckt. Es blieben die Fragen offen, ob bei sakkadischen Blickbewegun-
gen helle Lichtquellen gesehen werden können, und ob somit der Perlschnureffekt bei sakka-
dischen Winkelgeschwindigkeiten auftritt. Sakkaden sind sehr schnelle, abrupte Augenbewe-
gungen. Sie finden bis zu fünfmal pro Sekunde statt. Sie sind Teil des Abtastvorgangs, über
den das Auge die Umgebung wahrnimmt. Da nur in der Fovea das scharfe und farbige Sehen
optimal ausgeprägt ist, reicht es nicht aus, einen Punkt eines Sehobjektes zu fixieren, um das
Objekt im Ganzen klar wahrzunehmen. Vielmehr werden viele Punkte des Sehobjektes
schnell nacheinander abgetastet, und die scharfen Einzelbilder im Gehirn zu einem Gesamt-
bild verrechnet. Dies geschieht durch das Wechselspiel von Sakkaden und Fixationsperioden.
Die Aufnahme von visuellen Informationen über die statische Umgebung geschieht während
der Fixation. Sakkaden sind ballistische Bewegungen. Haben sie einmal begonnen, ist ihr
Weg vorbestimmt. Die „Planung“ und Ausführung einer Sakkade benötigen zwischen 150
und 200 ms. Die ballistische Bewegung des Auges ist sehr schnell, benötigt typischer Weise
etwa 30 ms und erreicht, je nach Amplitude, Geschwindigkeiten bis zu 1000 °/s [Pal99].
Während Sakkaden findet die sakkadische Supression statt. Ihre Funktion besteht darin, dass
während der Augenbewegung keine bewusste Wahrnehmung eines verschmierten Bildes ge-
schieht. Die Abbildung der Umgebung bewegt sich schnell über die Retina, was unweigerlich
starke Bewegungsunschärfen hervorruft. Diese werden jedoch im Normalfall nicht wahrge-
nommen. In einem Experiment von Thilo et al. [Thi04] wurde die sakkadische Suppression
untersucht. Über transkranielle Magnetstimulation des Kortex bzw. elektrische Stimulation
der Retina wurden Phosphene, kleine illusionäre visuelle Wahrnehmungen, bei den Proban-
den erzeugt. Die Probanden wurden gebeten, freiwillige Sakkaden zwischen zwei Fixati-
onspunkten im Abstand von 24 ° durchzuführen, bzw. nach Fixation des einen Punktes auf
den später erscheinenden zweiten Punkt zu schauen. Für verschiedene Zeiten vor, während
und nach der Sakkade wurde der Schwellwert der Stimulation für Cortex und Retina gemes-
sen, bei dem das Phosphen gerade noch wahrnehmbar war. Es zeigte sich, dass die über den
Cortex erzeugten Phosphene auch während der Sakkaden ohne eine Änderung der Stimulati-
onsstärke wahrnehmbar waren. Für die retinale Stimulation wurde jedoch, wie in Abbildung
5-20 zu sehen, eine merkliche Erhöhung der Schwelle bereits 50ms vor Beginn der Sakkade
bis zu einigen 100 ms nach der Sakkade festgestellt [Thi04].
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
89
Abbildung 4-35 Zeitverlauf der sakkadischen Supression [Thi04]
Dies bedeutet, dass die sakkadische Supression an einer Stelle zwischen Retina und visuellem
Cortex stattfindet, und auf einer Schwellenerhöhung, jedoch keinem absoluten Unvermögen
der visuellen Wahrnehmung beruht.
In einem eigenen Experiment sollte evaluiert werden, ob eine Lichtquelle die Suppressions-
schwelle während einer Sakkade überschreiten kann, und wenn, ob diese Schwelle eine abso-
lute oder relative Größe ist. Hierzu wurden Probanden über einen stillstehenden halbdurchläs-
sigen Spiegel gepulste Lichtquellen dargeboten, die mit einer Frequenz knapp über der Flim-
merverschmelzungsfrequenz betrieben wurden. Dadurch wurde gewährleistet, dass bereits bei
kleinen Relativbewegungen der Perlschnureffekt sichtbar wird. Auf der Projektionswand wa-
ren zwei Markierungen, je eine rechts und links von der virtuellen Lichtquelle angebracht und
der Proband musste willkürliche Sakkaden zwischen diesen beiden Fixationspunkten durch-
führen. Durch eine regelbare Stromquelle wurde die Leuchtdichte der gepulsten Diodenlicht-
quelle so lange auf- bzw. abgedimmt bis der Proband den Perlschnureffekt gerade wahrneh-
men bzw. gerade nicht mehr wahrnehmen konnte. Da diese willkürlichen Blickbewegungen
nur von gut geschulten Probanden durchgeführt werden können und da es um eine prinzipielle
Klärung der Frage nach einer absoluten oder relativen Schwelle, und nicht um eine qualitative
Bestimmung dieser ging, wurde dieser Versuch nur mit zwei Probanden durchgeführt.
Abbildung 4-36 Abhängigkeit der sakkadischen Supressionsschwelle von der Umfeldleuchtdichte
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
90
Die Messergebnisse zeigen, dass beide Probanden ähnliche Schwellwerte für die gerade nicht
mehr wahrnehmbaren Leuchtdichten aufwiesen. Diese Schwellen-Leuchtdichte hängt von der
Adaptationsleuchtdichte, also der Umfeldleuchtdichte ab und liegt um ein Vielfaches über
dieser, besonders wenn berücksichtigt wird, dass die zeitdiskrete Leuchtdichte aufgrund des
Tastverhältnisses von 50 % dem doppelten der angegebenen Leuchtdichte entspricht. Die
sakkadische Supression macht es demnach unmöglich Objekte, die dunkler als eine von der
Umfeldleuchtdichte abhängigen Schwelle sind, während einer Sakkade zu sehen. Durch diese
Erkenntnis lassen sich einige Phänomene in Verbindung mit gepulsten Lichtquellen erklären.
4.3.2.4 Phänomene des Perlschnureffektes
Mit Hilfe der sakkadischen Supression lassen sich zwei Phänomene im Zusammenhang mit
dem Perlschnureffekt erklären. Zum einen zeigen Beobachtungen, dass der Effekt tagsüber
seltener auftritt als nachts, zum anderen scheinen die Leuchten der vorausfahrenden Fahrzeu-
ge kurzzeitig an Stellen zu erscheinen, an denen nie ein Fahrzeug gewesen ist. Daher werden
diese Erscheinungen auch Doppel- oder Geisterbilder genannt.
Zur Klärung dieser Phänomene soll folgendes Fallbeispiel dienen:
Ein Kfz-Fahrer folgt einem vorausfahrenden Fahrzeug auf einer Landstraße. Vor ihm bietet
sich die in Abbildung 4-37 dargestellte Szenerie.
Abbildung 4-37 Straßensituation mit zwei Fixationspunkten (Ortsschild und Baum)
Zum Zeitpunkt a fixiert der Fahrer das vor ihm auftauchende Ortsschild. Aus irgendeinem
Grund erregt der Baum auf der linken Seite sein Interesse, so dass er seinen Blick von dem
Schild abwendet und eine schnelle Blickbewegung (Sakkade) vollführt. Nachdem er diese
beendet hat, fixiert er nun zum Zeitpunkt b den Baum. Da dieser Vorgang bei Tag vonstatten
geht, herrschen typische Umfeldleuchtdichten von ca. 5000 cd/m² vor (bedeckter Himmel).
Die Leuchtdichte der Rückleuchte beträgt hierbei aber lediglich ca. 1300 cd/m² (Golf Plus).
Aus der vorangegangenen Untersuchung lässt sich schließen, dass die Schwelle der sakkadi-
schen Supression über der Umfeldleuchtdichte liegt, und die Person während der Blickbewe-
gung weder das Umfeld noch die dunklere Rückleuchte wahrnimmt. Damit erklärt sich, wa-
rum der Perlschnureffekt bei Tag nicht durch Blickbewegungen hervorgerufen werden kann.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
91
Bei Augenbewegung, unabhängigen Relativbewegungen, wie z.B. Vorbeifahrt oder Beobach-
tung durch einen bewegten Spiegel, kommt es nicht zur sakkadischen Supression und die
Perlschnüre werden sichtbar.
Abbildung 4-38 Netzhautbilder bei Blickbewegungen bei Tag
Nachts liegen die typischen Umfeldleuchtdichten auch mit Straßen- oder Scheinwerferbe-
leuchtung bei Größenordnungen von 10 cd/m² bis maximal 100 cd/m². Die Rückleuchte ist
hier also um das Zehn- bis Hundertfache heller als die Umgebung. Da es sich bei der Supres-
sionsschwelle um eine relative Schwelle handelt, ist diese unter diesen Umständen niedriger
als die Leuchtdichte der Rückleuchte. Dies bewirkt folgendes: Während der Sakkade nimmt
der Fahrer trotz Supression die Perlschnur wahr. Aufgrund des ikonischen Gedächtnisses mixt
er dieses Bild bei der Fixation des zweiten Objektes (Baum). Nach kurzer Zeit verschwindet
die Perlschnur und die gewohnte Szenerie ist zu erkennen. Dieser Vorgang ist in Abbildung
4-39 illustriert. Es ist deutlich zu sehen, dass links neben der Fahrbahn Lichtquellen erschei-
nen, obwohl das Fahrzeug selbst nie die Fahrbahn verlassen hat. Der gleiche Effekt tritt auf,
wenn der Fahrer seinen Blick vom Heck des Vorausfahrenden auf den Tacho lenkt. Hierbei
scheint kurz ein zweites Paar Rückleuchten über dem Fahrzeug zu schweben.
Abbildung 4-39 Netzhautbilder bei der Blickbewegung bei Nacht
Bisher konnte gezeigt werden, warum die Perlschnur entsteht, warum sie nachts häufiger vor-
kommt als am Tag, und warum es dadurch zu Geisterbilderscheinungen kommen kann. Es
stellt sich allerdings noch die Frage, warum bei kontinuierlichen Lichtquellen keine „Geister-
linien“ auftreten. Auch ungepulste Rückleuchten müssten nachts zwar keine Perlschnur, aber
eine Linie hinterlassen.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
92
Abbildung 4-40 Netzhautbild einer kontinuierlichen und einer diskontinuierlichen Rückleuchte
Tatsächlich lassen sich nachts solche Linien beobachten. Diese Linien sind jedoch bei einer
gleich hellen Rückleuchte wesentlich dunkler als die Perlen der Perlschnur. Wie in Kapitel 2.5
beschrieben, werden Rückleuchten, die über Pulsweitenmodulation gedimmt werden, mit vol-
ler Stromamplitude betrieben und nur das Tastverhältnis bestimmt aufgrund des Talbot’schen
Gesetztes den Helligkeitseindruck. Da normalerweise Helligkeitsunterschiede von eins zu
zehn zwischen Rück- und Bremslicht erreicht werden, werden gepulste Rückleuchten wäh-
rend der An-Phase mit einer bis zu 10fach größeren Intensität betrieben. Die Intensität wird
förmlich in den Perlen der Perlschnur zusammengezogen.
Abbildung 4-41 Zeitdiskreter Lichtstrom einer kontinuierlichen und einer diskontinuierlichen Rückleuchte
gleicher Helligkeit
Diese wesentlich helleren Lichtpunkte liegen demnach weiter über der Supressionsschwelle
und werden als deutlich heller empfunden. Eine weitere Erklärung, warum Lichtlinien weni-
ger zu Irritationen führen, könnte darin begründet sein, dass der Beobachter bei Blickbewe-
gungen und bei bewegten Objekten solche Linien erfahrungsgemäß erwartet. Erst eine unter-
brochene, quasi „blinkende“ Linie signalisiert eine diskontinuierliche Lichtquelle oder gar
mehrere Quellen, auf die der Beobachter mit gesteigerter Aufmerksamkeit reagiert.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
93
4.3.2.5 Konstruktionshinweise für gepulste Lichtquellen
Da besonders nachts auch während einer Sakkade gepulste Lichtquellen wahrgenommen wer-
den, sind für die Auslegung der Lichtquelle Blickgeschwindigkeiten von 700 °/s bis 1000 °/s
zu berücksichtigen. Nach der in Kapitel 4.3.2 hergeleiteten Gleichung zur Bestimmung der
kritischen Pulsfrequenz würde eine Lichtquelle mit einem Durchmesser von 20 cm in einem
Abstand von 50 m bei einer 1000 °/s schnellen Sakkade noch bei über 4000 Hz eine Perl-
schnur verursachen.
(
((
( )
))
)
ab
f
p
+
++
+
=
==
=
ω
ωω
ω
Untersuchungen von Diem [Die05] haben gezeigt, dass ca. 90 % aller Blickbewegungen eines
Fahrers innerhalb 50 °/s liegen, und dass etwa 98 % der Blickbewegungen bei einer Ge-
schwindigkeit unter 200 °/s liegen. Somit kann für die Beispiellichtquelle und einer Blickge-
schwindigkeit von 50 °/s schon bei 220Hz die Wahrscheinlichkeit des Erscheinens einer Perl-
schnur gering gehalten werden.
Bei der Konstruktion von gepulsten Lichtquellen ist neben der Pulsfrequenz auch die Breite b
der Lichtquelle in Blickrichtung so zu gestalten, dass der Perlschnureffekt unterdrückt wird.
In Abbildung 4-42 sind Rückleuchten dargestellt, die entweder in vertikaler oder in horizonta-
ler Richtung geringe Ausdehnung haben. Bei dieser erstmalig durch LEDs ermöglichten Bau-
form müssen besonders hohe Frequenzen für die Pulsweitenmodulation bei adaptiven Leuch-
tenfunktionen verwendet werden.
Abbildung 4-42 Rückleuchten mit geringer horizontaler bzw. vertikaler Ausdehnung
Für den Fall, dass der Beobachter nah an die Leuchte herankommt, kann er je nach Konstruk-
tion die einzelnen LEDs auflösen. Dadurch verringert sich die Breite der Lichtquelle. Da so-
mit auf einem Areal mehrere Perlschnüre auftreten können, bewirken Rüttelbewegungen
durch Fahrbahnunebenheiten eine Art „Flimmern“ der Rückleuchte.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
94
Abbildung 4-43 Rückleuchte mit visuell auflösbaren Einzellichtquellen
Zum Perlschnureffekt lässt sich zusammenfassend sagen, dass dieser nur durch eine Erhöhung
auf sehr hohe Frequenzen vermieden werden kann. Werden die Dioden zu größeren Arealen
zusammengefasst, können unter Einhaltung der Konstruktionsrichtlinien bereits Frequenzen
um 220Hz ausreichen, um den Perlschnureffekt unwahrscheinlich werden zu lassen.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
95
4.3.3 Blendung durch gepulste Lichtquellen
Anhand des Beispiels der pulsmodulierten Rückleuchte konnten die Risiken beim Betrachten
einer solchen leuchtenden Lichtquelle aufgezeigt werden. Um jedoch den in Kapitel 3.2.1
beschriebenen Ansatz zum dynamischen Beleuchten zu realisieren, müssen wesentlich hellere
gepulste Lichtquellen eingesetzt werden. Zwar ist das Ziel dieser aktiven Beleuchtung, jegli-
che blendgefährdeten Verkehrsteilnehmer zu detektieren und auszublenden, doch ist häufig
ein schwächeres Beleuchten von z.B. Fußgängern am Straßenrand zur Orientierung des Fahr-
zeugführers hilfreich. Werden Personen mit über Pulsweitenmodulation gedimmten Licht-
quellen beleuchtet, stellt sich die Frage, ob dies einen Einfluss auf die Blendung dieser Perso-
nen hat.
Eine weit verbreitete Theorie der Blendung ist die Theorie der Schleierleuchtdichte:
Befindet sich im Blickfeld des menschlichen Auges eine unabgeschirmte Lichtquelle, so wird
das Licht auf der Hornhaut (1), in der Linse (2) und im Glaskörper (3) gestreut und auf der
Netzhaut (4) reflektiert. Im Inneren des Auges entsteht so ein Streulicht, das sich wie ein
Schleier auf die Netzhaut legt. Diese virtuelle Helligkeit wird auch mit Hilfe einer äquivalen-
ten Raumhelligkeit durch die äquivalente Schleierleuchtdichte beschrieben (Abbildung 4-44)
[Lan04] [Bae90].
Abbildung 4-44 Entstehungszentren für Streulicht im Auge bei Blendung [Lan04]
Nach der Kontrastdefinition von Weber ist der wahrgenommene Kontrast K
O/U
, eines gegen-
über dem Umfeld helleren Objektes, gleich:
O
UO
UO
L
LL
K
−
−−
−
=
==
=
/
( 4-28 )
Aufgrund der, durch Streulicht entstehenden, Schleierleuchtdichte, werden sowohl das Objekt
als auch das Umfeld virtuell aufgehellt. Es wird somit die äquivalente Schleierleuchtdichte
L
S,äqu
aufaddiert. Nach ( 4-29 ) verringert sich dadurch der Kontrast des Objektes zum Um-
feld.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
96
(
((
(
)
))
)
(
((
(
)
))
)
(
((
( )
))
)
äquSO
UO
UO
äquSO
äquSUäquSO
UO
LL
LL
K
LL
LLLL
K
,
/
,
,,
/
+
++
+
−
−−
−
=
==
=→
→→
→
+
++
+
+
++
+
−
−−
−
+
++
+
=
==
=
( 4-29 )
Dieser Vorgang heißt physiologische Blendung. Die physiologische Blendung ist eine mess-
bare Beeinträchtigung der Sehfunktion. Unterhalb eines bestimmten Wertes ist keine messba-
re Beeinträchtigung der Sehfunktion feststellbar. Häufig werden allerdings auch dann noch
Blendlichtquellen als störend empfunden. Diese Erscheinung wird psychologische Blendung
oder Unbehaglichkeitsblendung genannt. Ihre Bewertung beruht auf den subjektiven Urteilen
einer größeren Anzahl von Beobachtern. Diese Blendung hat zwar keinen Einfluss auf die
Sehleistung, kann aber Auswirkungen auf Wohlbefinden, Arbeitsleistung und Konzentrations-
fähigkeit haben.
Da die entstehende Schleierleuchtdichte, durch die die Kontrastverflachung hervorgerufen
wird, im Fall der pulsmodulierten Lichtquelle im Maximum um den Faktor des reziproken
Tastverhältnisses höher ist, könnte man vermuten, dass eine größere Blendwirkung entsteht.
Nach dem Talbot’schen Gesetz sollte die Schleierleuchtdichte aus der mittleren Beleuch-
tungsstärke am Auge des Geblendeten errechenbar sein.
Nach Baehr [Bae90] kann die äquivalente Schleierleuchtdichte L
S,äqu
aus der Blendbeleuch-
tungsstärke am Auge E
Bl
, dem Winkel unter dem die Lichtquelle zur Blickrichtung erscheint
θ
θθ
θ
und der altersbedingten Glaskörper- und Linsentrübung (Alterfaktor K) errechnet werden.
2
,
Θ
ΘΘ
Θ
=
==
=
Bl
äquS
E
KL
∫
∫∫
∫⋅
⋅⋅
⋅=
==
=
T
Bl
dttE
T
E
)(
1
Es ist also zu erwarten, dass gepulste Lichtquellen, bei gleicher mittlerer Beleuchtungsstärke,
oberhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz die gleiche Kontrastverflachung bewirken wie
ungepulste Lichtquellen. Eine Apparatur, die die durch Blendung verursachte Kontrastverfla-
chung messbar macht, ist das Mesoptometer [Mes]. Dieses für die Messung der Nachtfahr-
tauglichkeit von Kfz-Fahrern entwickelte Messinstrument ermöglicht die Messung der von
Probanden unter mesopischen Bedingungen wahrnehmbaren Kontraste unter dem Einfluss
einer Blendlichtquelle. Der gerade noch wahrnehmbare Kontrast ist hierbei ein Maß für die
Blendung, da der Schwellenkontrast durch die äquivalente Schleierleuchtdichte der Blend-
lichtquelle steigt. Mit Hilfe eines modifizierten Mesoptometers, das zusätzlich das Variieren
der Pulsparameter der Blendlichtquelle ermöglicht, lassen sich die Einflüsse der Pulsfrequenz
Alter K
20 6,3
30 9,2
40 12,1
50 15
60 17,8
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
97
und der Pulsamplitude bzw. des Tastverhältnisses auf die physiologische Blendwirkung über-
prüfen.
Eine Untersuchung an 20 Probanden soll die Hypothese der frequenz- und amplitudenunab-
hängigen Blendung überprüfen. Die getesteten Personen waren acht Frauen und zwölf Män-
ner im Alter zwischen 23 bis 46 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 27,9 Jahren. In
Tabelle 4-2 sind die resultierenden Schwellen der gerade noch wahrnehmbaren Kontraste der
Personen unter den jeweiligen Blendsituationen von konstantem Licht bis hin zu mit nur
50Hz gepulstem Licht aufgeführt. Der Schwellenkontrast wird hier aus dem Verhältnis der
Leuchtdichte des gerade noch erkannten Objektes L
O,S
zu dem Umfeld mit mesopischer
Leuchtdichte L
M
(0,1cd/m²) bestimmt.
M
SO
S
L
L
K
,
=
==
=
( 4-30 )
Tabelle 4-2 Ermittelter Schwellenkontrast bei verschiedenen Pulsparametern
Frequenz [Hz] - 100 100 100 500 50
Pulsweite t
Id
[ms] - 8,62 1,88 1,05 0,38 3,75
dc [%] 100,00 86,20 18,80 10,50 18,90 18,75
E
mittel
[lx] 0,50 0,50 0,50 0,50 0,50 0,50
E
max
[lx] 0,50 0,58 2,66 4,76 2,65 2,67
Mittlerer Schwellenkon-
trast 0,44 0,42 0,42 0,43 0,43 0,41
Standardabweichung 0,14 0,17 0,19 0,16 0,15 0,17
Es zeigt sich, dass das Gesetz von Talbot auch auf die Blendung mit gepulsten Lichtquellen
anwendbar ist. Zur Veranschaulichung sind in dem Diagramm, das die Ergebnisse und die
Streubreite einer Standardabweichung enthält, zusätzlich die Lagen der Mittelwerte einer Un-
tersuchung von Kliebisch, Stahl und Völker [Kli03] aufgeführt, in deren Studie unter anderem
der Einfluss des Alters auf die Blendempfindlichkeit untersucht wurde.
Untersuchungen zu pulsmodulierten LEDs
98
Abbildung 4-45 Die Schwankungen innerhalb der ermittelten Schwellenkontraste sind geringer als alters-
bedingte Schwankungen [Kli03]
Fasst man die Ergebnisse zusammen, lässt sich schlussfolgern, dass die Frequenz als solche
keinen signifikanten Einfluss auf die objektive Blendung hat. Die zu beobachtenden kleinen
Schwankungen des mittleren Schwellenkontrastes bei verschiedenen Frequenzen sind wesent-
lich geringer als der Unterschied, der von Kliebisch et al. vermessenen Altersgruppen. Somit
kann angenommen werden, dass für den Blendeindruck gepulster Lichtquellen oberhalb der
Flimmerverschmelzungsfrequenz die nach Talbot berechnete mittlere Leuchtdichtdichte, bzw.
Beleuchtungsstärke am Auge und die Position der Lichtquelle zum Beobachter ausschlagge-
bend ist.
Funktionsmuster
99
5 Funktionsmuster
Aus den vorangegangenen Kapiteln lässt sich ableiten, dass ein Scheinwerfer auf der Basis
von gepulsten LEDs unter bestimmten Rahmenbedingungen kein physiologisches Risiko dar-
stellt. So ist die Blendwirkung oberhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz (FVF) gleich
der eines ungepulsten Scheinwerfers gleicher mittlerer lichttechnischer Werte. Um eine Irrita-
tion anderer Verkehrsteilnehmer durch den Perlschnureffekt zu vermeiden, muss die Frequenz
der Lichtquelle auf ein Vielfaches der FVF erhöht werden. (Kapitel 4.3.2.5)
Auch die thermodynamischen Eigenschaften von Dioden begrenzen die einsetzbaren Fre-
quenzen. Die unter Kapitel 4.2 untersuchten LEDs dürfen z.B. bei Frequenzen unter 40Hz
nicht mehr mit der maximalen Leistung betrieben werden.
Die Obergrenze der Frequenzen ist durch die LED selbst (~75-55MHz; Kapitel 4.2) und
durch die Fluorophorkonversion (~135kHz; Kapitel 4.1) festgelegt. Außerdem führt die Tat-
sache, dass die geplante Lichtquelle in einem Kfz betrieben werden soll zu besonderen An-
forderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). EMV wird definiert als die
Fähigkeit eines elektromagnetischen Systems, regelgerecht in seinem bestimmungsgemäßen
elektromagnetischen Umfeld zu funktionieren, ohne störend auf andere Systeme in diesem
Umfeld einzuwirken. Ziel ist es, das elektronische System gegen Emissionen anderer Systeme
abzuschirmen, Störeinflüsse auf die Operationen anderer Systeme zu vermeiden, und die Be-
einträchtigung der eigenen Funktion zu unterbinden [Ryb04]. Demnach muss das System ge-
gen einstrahlende elektromagnetische Strahlung geschützt werden und es muss erreicht wer-
den, dass die Frequenzen, entstehend durch das Pulsen der Lichtquelle, nicht das System als
solches oder dessen Umwelt stören.
Alle erworbenen Erkenntnisse werden in dem nachfolgenden Kapitel angewendet, um ein
Funktionsmuster zu entwerfen, das die Möglichkeiten einer gepulsten Lichtquelle zeigt. Nach
der Auswahl eines geeigneten dynamischen Optikprinzips werden dessen Komponenten theo-
retisch ausgelegt, um im Anschluss ein funktionsfähiges Muster zu fertigen.
Funktionsmuster
100
5.1 Optik
5.1.1 Dynamische Lichtstromverteilung
In diesem Abschnitt werden verschiedene optische Systeme vorgestellt, die eine dynamisch
periodische Lichtverteilung erzeugen.
Da sich maximale Beleuchtungsstärken und Kontraste lediglich durch das Abbilden der Licht-
quelle (LED) in die Bildebene erreichen lassen, beschränken sich die nachfolgenden Überle-
gungen einzig auf dynamische periodische Abbildungssysteme. Weiterhin werden ausschließ-
lich Systeme analysiert, die bild- und objektseitig das gleiche Medium umgibt. Die Brechzah-
len n und n’ sind somit gleich.
Abbildungssystem
F
F’
y
y’
z
z’
f
f’
P
P’
n
n’
Abbildung 5-1 Variablen eines abbildenden Systems im paraxialen Gebiet
Um aus gegebener Lage und Größe eines Gegenstandes auf dessen Bildlage und Bildgröße zu
schließen, können bei bekannten optischen Systemdaten die Abbildungsgleichungen herange-
zogen werden [Schr02].
Für
n
n
=
==
=
'
gilt:
z
z
a
a
y
y
''
'
'
−
−−
−=
==
==
==
==
==
=
β
ββ
β
( 5-1 )
Enthält die Optik spiegelnde Bestandteile, kann die optische Achse, die die Krümmungsmit-
telpunkte der Einzelflächen verbindet, einen Knick wie in Abbildung 5-1 erfahren. Um den
Lichtstrom einer Lichtquelle im Punkt P dynamisch in der Bildebene zu verteilen, muss auf
die Optik derart eingegriffen werden, dass periodisch das Bild der Lichtquelle im Punkt P’ die
Bildebene durchläuft. Lediglich den Abbildungsmaßstab zu variieren, ist hierbei wenig
zweckdienlich. Es sei denn, das Ziel sind geringere Auflösungen und Kontraste der dynami-
schen Optik in einigen Zonen der Beleuchtung. Auch ist in der Regel der Abstand a’ der Bild-
ebene zur Hauptebene vorgegeben und soll somit auch nicht variiert werden.
Funktionsmuster
101
Zweckmäßige Möglichkeiten für eine dynamisch scannende Optik ergeben sich durch das
Variieren der Relativlage des Punktes P(x,y) oder durch das Knicken der optischen Achse. Im
Folgenden werden verschiedene Varianten für das optische System vorgestellt, um im An-
schluss ein geeignetes System auszuwählen und zu entwerfen.
Variante 1:
Mit Hilfe eines abbildenden Systems wird die Lichtquelle auf die zu beleuchtende Szenerie
abgebildet. Mechanisch wird derart eingegriffen, dass sich die Relativlage der Lichtquelle zur
optischen Achse bewegt. Aufgrund des großen Abbildungsmaßstabs bewirken bereits kleine
Winkelbewegungen große Auslenkungen im Bildraum. Es genügen demnach bereits Oszilla-
tionen der Lichtquelle oder der Optik mit kleinen Amplituden, um einen scannenden Effekt
großer Abtastung zu erzeugen. Nachteilig an dieser Variante ist die mechanische Umsetzung
der Oszillation. Sowohl die Optik als auch die LED mit Wärmesenke wird in einem späteren
Aufbau eine nachteilig große Masse aufweisen, sodass große Lagerkräfte auftreten. In einer
Umgebung, wie der des Fahrzeuges, in der zudem externe Einflüsse von Stößen mit Be-
schleunigungen von bis zu 11g auftreten können, ist es zusätzlich zu gewährleisten, dass diese
die Oszillation nicht beeinflussen.
Abbildung 5-2 Dynamik durch Variation der Relativlage von Optik zu Lichtquelle
Variante 2:
Die Umlenkung der Abbildung wird durch ein variables Knicken der optischen Achse er-
reicht. Hierzu sitzt zwischen Optik und Szenerie ein Umlenkspiegel, der oszilliert oder rotiert.
Ein Kfz-Scheinwerfer nach diesem Prinzip wird in einer Offenlegungsschrift von Götz et al.
beschrieben [Goe06]. Der Wechsel zur Rotation ermöglicht eine robustere und unanfälligere
Bauweise der mechanischen Komponenten. Wie in Kapitel 2.3.3 erörtert, ist es durch die ge-
ringen Leuchtdichten der Dioden notwendig, Optiken mit großen Öffnungsblenden zu reali-
sieren. Dies führt zu großen Austrittspupillen, also zu Optiken mit großen Durchmessern. In
der Prinzipskizze wird deutlich, dass der Umlenkspiegel mindestens die Größe der Optik ha-
ben muss, um den gesamten Lichtstrom zu erfassen und um somit eine Vignettierung zu ver-
meiden. Damit ergibt sich eine große Spiegelfläche, die rotiert werden muss. Aufgrund des
Luftwiderstandes der Spiegelmasse und der bereits beschrieben Betriebsbedingungen, ist die-
se Lösung nur bedingt praktikabel.
Funktionsmuster
102
Abbildung 5-3 Dynamik durch variables Abknicken der optischen Achse [Goe06]
Variante 3:
Mit Hilfe einer ersten Abbildungsoptik wird ein Zwischenbild erzeugt. Eine zweite Projekti-
onsoptik bildet das Zwischenbild in der zu beleuchtenden Szenerie ab. Eine ähnliche Bauform
wird in einer Offenlegungsschrift von OSRAM Opto Semiconductors GmbH vorgeschlagen
[Die04], um einen LED-Projektor zu realisieren. Durch eine geknickte Bauform und einen
variablen Umlenkspiegel lässt sich die optische Achse der ersten Optik zu der der zweiten
Optik verdrehen. Dadurch wird erreicht, dass sich das Zwischenbild in Analogie zu Variante 1
bewegt. Mit diesem Aufbau wird die mechanische Komponente, sowohl in der Größe als auch
in der Masse der Baugruppe, auf ein Minimum reduziert.
Abbildung 5-4 Dynamik durch Erzeugung eines bewegten Zwischenbildes [Die04]
Trotz der zusätzlichen optischen Komponente führten die leichte Bauweise und der kontinu-
ierliche rotatorische Antrieb dazu, dass diese Variante für den Aufbau des Funktionsmusters
weiterverfolgt wird.
Funktionsmuster
103
5.1.2 Spiegelgeometrie
Da der Lichtstrom einer LED auch in Zukunft nicht ausreichen wird, um einen Voll-LED-
Scheinwerfer zu realisieren, soll für das Funktionsmuster ein LED-Array verwendet werden.
Mit einer zeilenförmigen Anordnung der Dioden können die Spiegelbewegungen und damit
die Rotationsachsen auf eine Achse reduziert werden. Durch die Spiegelbewegung wird die
Auflösung in einer Achse der Beleuchtung realisiert. Die notwendige senkrechte Auflösung
ermöglicht die adressierbare LED-Zeile. (Abbildung 5-5)
Abbildung 5-5 Kombination von dynamischer Optik und dynamischer Lichtquelle
Die Zahl der Spiegelflächen ist im Wesentlichen ein Kompromiss aus zwei Faktoren. Bei
konstanter Drehzahl vervielfacht sich die Bildwiederholrate der Projektion mit zunehmender
Spiegelanzahl. Damit sind eine längere Laufzeit und eine geringere Lagerbelastung des Spie-
gelantriebes möglich. Bei gleicher Spiegelflächengröße nimmt auch der Durchmesser des
Polygonspiegels mit der Spiegelanzahl zu. (Abbildung 5-6) Dies vergrößert wiederum das
Bauvolumen und die Masse des Spiegels.
Abbildung 5-6 Polygonspiegel mit gleicher Spiegelgröße
Für das Funktionsmuster kommt ein Spiegel mit vier Spiegelflächen zum Einsatz.
Funktionsmuster
104
5.1.3 Optisches System
Die benötigte Optik unterteilt sich in die Abbildungsoptik, die ein von dem Polygonspiegel
umgelenktes Zwischenbild erzeugt und in die Projektionsoptik, die das aufgespannte Zwi-
schenbild in die Szenerie abbildet.
5.1.3.1
Abbildungsoptik
Durch die Optimierung einer als Vorbildsystem dienender Kondensoroptik der Köhlerschen
Beleuchtung ist das in Abbildung 5-7 dargestellte zweilinsige System entstanden. Mit einer
dritten Linse, die nah an der Lichtquelle positioniert ist und damit quasi als Feldlinse dient,
kann der Öffnungswinkel zusätzlich erhöht werden. Somit wird mehr Lichtstrom eingefangen
und ein besserer Leuchtenwirkungsgrad erzielt.
Abbildung 5-7 Synthetisierte Abbildungsoptik
Die Analyse der Abbildungsoptik zeigt, dass mit zunehmendem Optikradius zwar der Licht-
strom ansteigt, die Beleuchtungsstärke hingegen in Sättigung geht. Die Ursache hierfür sind
die größer werdenden Abbildungsfehler für achsferne Strahlen. Diese Fehler könnten durch
asphärische Linsenflächen minimiert werden. Mit diesem Abbildungssystem ist demnach für
das Funktionsmuster ein Optikdurchmesser von 40mm ausreichend.
Abbildung 5-8 Anstieg des Lichtstromes und der Beleuchtungsstärke (~Abbildungsqualität) mit zuneh-
mendem Optikradius
Funktionsmuster
105
5.1.3.2
Projektionsoptik
Da der Polygonspiegel seine projizierte Fläche in Richtung Abbildungsoptik mit dem Dreh-
winkel verringert, bewirkt dieser bei großen Ablenkwinkeln eine Vignettierung des Zwi-
schenbildes. Demnach sollte der Scannbereich minimiert werden. Um dennoch eine breite
Ausleuchtung zu erreichen, muss das Zwischenbild optisch aufgeweitet werden. Dies wird
durch anamorphotische Optiken erreicht. Für das Funktionsmuster dient als Vorbildsystem
ein Anamorphot nach dem Prinzip Projektionsoptik + Zylinderlinse [Haf02]. Anschließend an
die Optimierung der Projektionsoptik und der Zylinderlinsenoptik ergibt sich das in
Abbildung 5-9 dargestellte System. Hier ist es ebenfalls dienlich eine Feldlinse einzufügen,
um die durch den Spiegel abgelenkten und unter steilen Winkel in die Optik fallenden Strah-
len einzufangen. Aufgrund der einachsigen Ablenkung genügt eine Zylinderfeldlinse.
Abbildung 5-9 Optisches System des Funktionsmusters
Durch den Spiegel, die Abbildungsoptik und die Projektionsoptik sind die optischen Flächen
des Funktionsmusters vollständig beschrieben. Der komplette optische Aufbau ist in
Abbildung 5-9 dargestellt.
Funktionsmuster
106
5.2 Mechatronik
5.2.1 Regelkreis
Die optischen Komponenten müssen in einen Regelkreis eingebunden werden. Dieser besteht
aus zwei Hauptkomponenten, die zur Wahrung der Funktionalität synchron betrieben werden.
Diese sind die pulsmodulierte LED-Zeile und der konstant drehende Polygonspiegel. Um die
jeweilige Spiegelstellung zu überprüfen und um die LED-Zeile dieser Stellung anzupassen,
soll eine Lichtschranke den Umlauf des Spiegels überwachen. In Abbildung 5-10 (links) sind
vereinfacht die für die Regelung wichtigen Komponenten dargestellt. Der Energie- und der
Informationsfluss sollen mit Abbildung 5-10 (rechts) verdeutlicht werden.
Abbildung 5-10 Mechatronische Komponenten & Energie- und Informationsfluss des Funktionsmusters
5.2.2 LED-Zeile
Als Lichtquelle für das Funktionsmuster dient eine adressierbare Zeile aus 16 einzelnen
Hochleistungs-LEDs. Die größte Einschränkung beim Aufbau der Zeile entsteht durch das
Gehäuse der LED. Das Gehäuse ist bei den meisten verfügbaren LEDs um ein Vielfaches
größer als der Chip selbst. Da nur der Chip die lichtemittierende Fläche darstellt, entstehen
große Lücken zwischen den einzelnen Leuchtflächen. Diese Lücken würden sich in der Pro-
jektion als sichtbare Abstände zwischen den Zeilen bemerkbar machen. Zusätzlich wird durch
große Gehäuse die LED-Zeile sehr lang. Folglich hat eine große LED-Zeile den Nachteil, dass
die Optik mit der die LED abgebildet wird, entsprechend groß sein muss. Sehr gute Eigen-
schaften sind hingegen bei einer LED-Zeile zu erwarten, bei der sich alle benötigten Chips im
gleichen Gehäuse befinden. Auf diese Weise können sehr viele Chips mit geringen Abständen
zueinander angeordnet werden. Solche LED-Zeilen befinden sich bereits im ausgereiften For-
Funktionsmuster
107
schungsstadium, standen allerdings für den Bau des Prototyps nicht zur Verfügung. Sie soll-
ten jedoch in späteren Aufbauten Anwendung finden.
Abbildung 5-11 Prototyp eines COB LED-Arrays
Die LED-Zeile für das Funktionsmuster ist aus diskreten LEDs aufgebaut. Dafür kommen
LEDs mit sehr kleiner Bauform zum Einsatz. Die kleinsten, zur Zeit des Aufbaus verfügbaren
Leistungs-LEDs waren die Luxeon Flash der Firma Lumileds [LF06]. Diese LEDs sind spe-
ziell für den Einsatz als Blitzlicht in Handheld Computern, wie zum Beispiel Mobiltelefone
und PDA mit integrierter Digitalkamera, entwickelt. Die folgende Abbildung zeigt eine Luxe-
on Flash LED mit ihren Abmessungen.
Abbildung 5-12 Luxeon Flash mit Abmessungen [LF06]
Die Luxeon Flash LEDs sind für die kurzzeitige Belastung mit hohen Strömen ausgelegt. Da-
bei wird ein hoher Lichtstrom freigesetzt. Laut Datenblatt darf eine Luxeon Flash kurzzeitig
mit 1000mA betrieben werden. Der erzeugte Lichtstrom beträgt über 50lm. In der folgenden
Tabelle sind die wichtigsten Werte aus dem Datenblatt zusammengefasst.
Abbildung 5-13 Elektrische Parameter der Luxeon Flash [LF06]
Funktionsmuster
108
Die LED-Zeile ist mit 16 einzeln schaltbaren Luxeon Flash LED aufgebaut. Jede LED hat
zwei Anschlüsse: eine Anode (Pluspol) und eine Kathode (Minuspol). Um nicht 32 Leitungen
herauszuführen, ist es zweckmäßig, einen der beiden Pole für alle LEDs zu verbinden, so dass
nur noch 17 Leitungen benötigt werden. Die LED-Zeile ist mit einer gemeinsamen Anode für
alle LEDs ausgestattet. Abbildung 5-14 zeigt die Verschaltung der LEDs.
Abbildung 5-14 Schaltplan der LED-Zeile
Die LEDs sind in einer Reihe zu einer Messingplatte ausgerichtet und jeweils mit ihrer Anode
an die Messingplatte gelötet. Auf diese Weise sind gleichzeitig die gemeinsame Kontaktie-
rung der Anode, die mechanische Stabilität und die thermische Kopplung der LEDs realisiert.
Aufgrund der guten Wärmeleitung durch die Messingplatte ist ein Anlöten der Kathoden der
LEDs nicht möglich. Daher wurde die Kontaktierung der Kathoden mit Hilfe von Drähten
über eine Klemmtechnik hergestellt. Die folgende Abbildung zeigt das Prinzip der Kontaktie-
rung.
Abbildung 5-15 Kontaktierung der einzelnen LEDs
Abbildung 5-16 zeigt die fertig aufgebaute LED-Zeile. Rechts der LEDs befindet sich die,
durch eine Aluminiumklemmvorrichtung fixierte, Messingplatte. Links der LEDs ist die Lei-
terplatte mit den Drähten für die Kontaktierung der Kathoden zu erkennen.
Abbildung 5-16 Verwendete LED-Zeile
Funktionsmuster
109
5.2.3 LED-Treiber
Für die Erzeugung der adressierbaren Lichtverteilung ist es notwendig, alle LEDs der Zeile
einzeln über die Software des Mikrocontrollers schalten zu können. Für das pulsartige Schal-
ten der hohen Ströme für die LEDs sind Leistungsstufen notwendig. Der LED-Treiber besteht
aus 16 Leistungsstufen, die mit dem Mikrocontroller angesteuert werden können. Die Schal-
tung der einzelnen Leistungsstufen wurde einfach gehalten, um den Gesamtaufwand mög-
lichst praktikabel zu gestalten. Daher wird lediglich ein Leistungstransistor pro Kanal ver-
wendet. Die Transistoren werden digital angesteuert und arbeiten somit als Schalter.
5.2.4 Antrieb
Für den Antrieb, der für die Rotationsbewegung des Spiegels benötigt wird, können unter-
schiedliche Typen von Motoren eingesetzt werden. Da hohe Winkelgeschwindigkeiten er-
reicht werden sollen, werden an den Antrieb für den Spiegel besondere Anforderungen ge-
stellt. Die Winkelgeschwindigkeit sollte darüber hinaus möglichst stabil bleiben. Besonders
an die mechanische Verarbeitung werden daher hohe Ansprüche gestellt. Für eine gute Lauf-
ruhe bei hoher Drehzahl muss die Achse hochwertig gelagert sein. Mit dem Versuchsaufbau
sollen aufgrund des Perlschnureffektes hohe Bildwiederholfrequenzen von ca. 400Hz erreicht
werden können. Die Drehzahl des Motors für eine Bildwiederholrate von 400Hz beträgt bei
einem vierseitigen Polygonspiegel 6000 Umdrehungen pro Minute. Die gestellten Anforde-
rungen werden z.B. von Motoren erfüllt, die ursprünglich für Festplatten konstruiert wurden.
Hohe Drehzahlen bei konstanter Geschwindigkeit und eine präzise mechanische Verarbeitung
für eine lange Lebensdauer sind wichtige Voraussetzungen von Festplattenmotoren. Gängige
IDE-Festplatten laufen mit Drehzahlen von 5400min
-1
bzw. 7200min
-1
. Moderne SCSI-
Festplatten weisen Drehzahlen bis zu 15000min
-1
auf. Für den Versuchsaufbau wurde ein Mo-
tor für IDE-Festplatten als Antrieb für den Polygonspiegel verwendet.
Funktionsmuster
110
5.2.5 Sensorik
Für die Synchronisation der LED-Ansteuerung auf die Rotationsbewegung des Polygonspie-
gels werden Informationen über die Position und Geschwindigkeit des Antriebs benötigt. Die-
se Information wird in Form eines Null-Grad-Durchgangssignals des Motors geliefert. Für
diese Aufgabe wird als optischer, berührungslos arbeitender Sensor eine Infrarotlichtschranke
verwendet. Am Motor ist ein Ring befestigt, der zwei Zähne als Unterbrecher besitzt. Pro Mo-
torumlauf wird die Lichtschranke zweimal unterbrochen. Abbildung 5-17 zeigt den Antrieb
zusammen mit der Lichtschranke und der Befestigungsvorrichtung für den Spiegel.
Abbildung 5-17 Spiegelantrieb mit Unterbrechungsring und Lichtschranke
5.2.6 Mikrocontroller und Software
Der mechatronische Regelkreis, bestehend aus dem Spiegelmotor, der Lichtschranke und der
LED-Zeile, wird wie in Abbildung 5-18 gezeigt durch einen Mikrocontroller geschlossen. Für
das Funktionsmuster kam ein 8-Bit Mikrocontroller PIC 18F458 der Firma Microchip auf-
grund seiner guten Verfügbarkeit zum Einsatz. Über einen weiteren Anschluss (RS232) ist der
Mikrokontroller mit einer eigens entwickelten PC-Software verbunden und somit ansteuerbar.
Durch eine grafische Benutzeroberfläche (graphical user interface, GUI) (Abbildung 5-18)
wird es dem Benutzer ermöglicht, einzelne Pixel innerhalb der Bildebene aus- bzw. einzu-
schalten. Des Weiteren besteht die Möglichkeit aus Demonstrationszwecken die Drehzahl des
Spiegelmotors (Motorspeed), und aus Justagegründen die Phasenverschiebung zwischen
LED-Ansteuerung und Spiegelnulldurchlauf, zu variieren. Diese Phasenverschiebung bewirkt
eine Rechts- bzw. Linksauslenkung des Zwischenbildes, somit lässt sich die optimale Position
des Zwischenbildes mit minimaler Vignettierung des Strahlenganges einstellen.
Funktionsmuster
111
Abbildung 5-18 GUI der Ansteuersaftware LED-Headlamp
Durch die Größe der Abbildung der LED und durch den objektseitigen horizontalen Bildwin-
kel der Projektionsoptik ist eine horizontale Auflösung von 64 Pixel pro Zeile mit diesem
Funktionsmuster möglich. Die vertikale Auflösung ist aufgrund der LED-Anzahl auf 16 Pixel
pro Spalte begrenzt. Über die Ansteuersoftware sind daher beliebige Bilder einer 64 x 16 Auf-
lösung möglich. In Abbildung 5-19 ist exemplarisch die Fotografie des projizierten L-LAB-
Logos abgebildet.
Abbildung 5-19 Mit dem Funktionsmuster projiziertes L-LAB-Logo
Funktionsmuster
112
5.3 Diskussion der Messergebnisse
Die simulierten Abbildungseigenschaften der synthetisierten Optiken geben sehr gut die reale
Messung am Funktionsmuster wieder. Es konnte gezeigt werden, dass einzig durch das puls-
modulierte Ansteuern der einzelnen LEDs beliebige Lichtverteilungen projiziert werden kön-
nen. Die erreichten Beleuchtungsstärken des Funktionsmusters entsprechen nicht denen eines
nach ECE oder SAE geforderten Scheinwerfers, da mit dem Funktionsmuster lediglich die
Funktion der modulierten Zeile gezeigt werden sollte und hypothetische zukünftige LEDs als
Berechnungsgrundlage galten. Um die notwendigen Beleuchtungsstärken zu erreichen, sind
mit diesem Aufbau LEDs mit wesentlich höheren Leuchtdichten nötig. Ob eine dramatische
Steigerung der Leuchtdichte der LED zu erwarten ist, sei an dieser Stelle noch einmal in Fra-
ge gestellt. Eine weitere Möglichkeit die Beleuchtungsstärke zu steigern, besteht darin, meh-
rere LED-Abbildungen verschiedener Arrays nacheinander auf die gleiche Stelle zu projizie-
ren. Es kann z.B. die verwendete LED-Zeile um eine weitere parallele Zeile erweitert werden,
so dass ein 2 x 16 Array entsteht. Wird diese zweite Zeile mit einer entsprechenden Phasen-
verschiebung angesteuert, liegen die Abbilder der beiden Zeilen übereinander und die Be-
leuchtungsstärke wird verdoppelt. (Abbildung 5-20, links) Des Weiteren kann über eine zwei-
te gespiegelte Abbildungsoptik eine zweite LED-Zeile auf die Zwischenbildebene abgebildet
werden. Dadurch verdoppeln sich die Leuchtdichten im Zwischenbild, wodurch eine Ver-
dopplung der Beleuchtungsstärken bewirkt wird. (Abbildung 5-20, rechts)
Abbildung 5-20 Erhöhung der Beleuchtungsstärke durch Überlagerung mehrerer LED-Arrays
Zusammenfassung und Ausblick
113
6 Zusammenfassung und Ausblick
Durch den Einsatz monochromatischer LEDs in Rückleuchten und andere Signalfunktionen
konnte gezeigt werden, dass durch diese Lichtquelle, bei gleichzeitiger Verlängerung der
Wartungsintervalle und einer Vielzahl neuer Designmöglichkeiten, sowohl Bauraum als auch
Energie eingespart werden kann. Seitdem es gelang weiße Hochleistungs-LEDs zu produzie-
ren, besteht seitens der Leuchtenindustrie der Wunsch, diese Vorteile auch für Beleuchtungs-
zwecke auszunutzen. Die Anforderungen für Beleuchtungslichtquellen (Scheinwerfer) unter-
scheiden sich jedoch wesentlich in einigen Punkten von selbst leuchtenden Systemen (Rück-
leuchten, Displays). Daher sind für Beleuchtungszwecke wesentlich höhere Leuchtdichten der
Lichtquelle nötig.
Durch die geringen Leuchtdichten heutiger LEDs ergeben sich größere optische Systeme.
Dies führt zu einer Bauraumvergrößerung und nicht zu einer Verkleinerung im Vergleich zu
Systemen mit herkömmlichen Lichtquellen wie Halogen- oder Xenonlampen. In dieser Arbeit
wurden analytisch alle physikalischen Möglichkeiten und Grenzen der Weißlichterzeugung
mittels LEDs verknüpft. Es zeigt sich, dass die Produktion von LEDs mit Leuchtdichten ähn-
lich der von Gasentladungslampen ein ehrgeiziges Ziel darstellt. Diese Hochleistungs-LEDs
werden auch zukünftig, aufgrund der nicht unerheblichen Verlustleistungen, bei hohen Junc-
tiontemperaturen betrieben werden. In Verbindung mit dem Effekt der thermischen Degrada-
tion von LEDs sind die gewünschten langen Lebensdauern für Kfz-Lichtquellen daher frag-
lich.
Der Aspekt der Energieeinsparung ist eng verbunden mit der Lichtausbeute der Lichtquelle.
Leuchten mit LEDs für z.B. Brems-, Rück- oder Blinklicht sind energieeffizienter als ver-
gleichbare konventionelle Leuchten, da im Gegensatz zu Glühlampen zur Erzeugung des far-
bigen Lichtes keine Filter verwendet werden. Für die Straßenbeleuchtung ist jedoch weißes,
ungefiltertes Licht notwendig. Die Lichtausbeute der weißen LED liegt nur knapp über der
Lichtausbeute der ungefilterten Glühlampe und noch weit unter der der Gasentladungslampe.
Es ist jedoch noch eine Steigerung der LED-Lichtausbeute im Laufe der nächsten Jahre zu
erwarten. Eine deutliche Steigerung gegenüber Gasentladungslampen ist aber unwahrschein-
lich.
Erste LED-Scheinwerfer benötigen daher mehr Bauraum, haben einen höheren Energieumsatz
und werden nur schwer gleiche Beleuchtungsstärken wie Xenonsysteme erreichen. Diese De-
fizite könnten in Zukunft gelöst werden. Es würde dadurch allerdings lediglich eine Licht-
quelle (Xenon) durch eine andere (LED) ersetzt. Aufgrund ihrer kleinen Bauweise bietet sich
die LED als Lichtquelle für selbst leuchtende Designelemente des Scheinwerfers an. Daher
werden in Zukunft zahlreiche LED-Tagfahrlichter zu beobachten sein. Dies führt zu der Über-
legung, dass ein Hybridsystem aus zwei Lichtquellentypen alle Vorteile verknüpft. Werden
Zusammenfassung und Ausblick
114
diese Lichtquellen an der für sie jeweils prädestinierten Stelle eingesetzt, minimieren sich
zudem die Nachteile. Ein Scheinwerfer, der zur Beleuchtung bei Nacht mit Xenonscheinwer-
fer arbeitet und am Tag bzw. bei Dämmerung auf LED umschaltet, sobald nur das Erkennen
des Fahrzeuges durch andere Verkehrsteilnehmer notwendig wird, vereint alle Vorteile. Die
Gasentladungslampe liefert hohe Leuchtdichten bei geringem Energieverbrauch und die Dio-
de ermöglicht fahrzeugspezifische Designs. Durch das automatische Schalten zwischen LED
und Xenon, würde die Xenonbrenndauer stark reduziert, wodurch die Lebensdauer der Xe-
nonlampe ein Autoleben überschreiten würde. Der Scheinwerfer wäre wartungsfrei.
Die LED besitzt ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal. Sie kann innerhalb kürzester
Zeit geschaltet werden. Diese kurzen Schaltzeiten haben zu der Frage geführt, ob dadurch
eine neue Scheinwerferfunktion, der aktive Scheinwerfer, realisiert werden kann. Mit Hilfe
einer adressierbaren Lichtverteilung soll es in Zukunft möglich werden, Hindernisse zu mar-
kieren oder blendgefährdete Verkehrsteilnehmer auszublenden. In dieser Arbeit wurde ein
System vorgestellt, das diese schnelle Lichtquelle synchron mit einer periodisch variablen
Optik kombiniert. Dadurch kann unter pulsmodulierter Ansteuerung der Lichtquelle die ge-
wünschte adressierbare Lichtverteilung realisiert werden. Um eine gepulste Lichtquelle in
einem Scheinwerfer zu verwenden, mussten zunächst einige wichtige physiologische Fragen
beantwortet werden.
Im Bezug auf die Blendung durch gepulste Scheinwerfer, lässt sich sagen, dass kein signifi-
kanter Unterschied des Schwellenkontrastes, also der objektiven Blendung, bei der Blendung
durch gepulste oder konstante Lichtquellen mit gleicher mittlerer Leuchtdichte festzustellen
ist. Somit können für gepulste Lichtquellen, die oberhalb der Flimmerverschmelzungsfre-
quenz betrieben werden, die gleichen lichttechnischen Grenzwerte, die bereits für ungepulste
Lichtquellen Anwendung finden, zur Blendungsreduzierung verwendet werden.
Trotz der Verwendung von Pulsfrequenzen oberhalb der Flimmerverschmelzungsfrequenz
sind bei schnellen Relativbewegungen der Lichtquelle zur Blickrichtung kurzeitig unterbro-
chene Leuchtspuren wahrnehmbar. Aufgrund seines Erscheinungsbildes wurde dieser Effekt
in dieser Arbeit Perlschnureffekt genannt. Es konnte gezeigt werden, dass diese Perlschnur,
bei einer Bewegung der Lichtquelle und starrem Auge, nur dann nicht sichtbar ist, wenn die
Pulsfrequenz mindestens dem Quotient aus Lichtquellenbreite und der Lichtquellenwinkelge-
schwindigkeit entspricht. Für das bewegte Auge ist die Perlschnur auch dann unsichtbar,
wenn die Leuchtdichte der Lichtquelle unterhalb der Schwelle der sakkadischen Supression
liegt. Aus diesem Grund zeigen Rückleuchten diesen Effekt lediglich nachts. Aufgrund der
hohen Blickgeschwindigkeiten während einer Sakkade ist der Perlschnureffekt nachts nur
durch eine extreme Frequenzerhöhung zu vermeiden. Um seine Auftrittswahrscheinlichkeit
dennoch weitestgehend zu reduzieren, wurden in dieser Arbeit Konstruktionsrichtlinien gege-
ben, die den Perlschnureffekt unterbinden.
Zusammenfassung und Ausblick
115
Neben den physiologischen Risiken waren auch einige technische Fragestellungen zu beant-
worten. Es zeigt sich, dass aufgrund der Fluorophorkonversion bei weißen LEDs, je nach
Wellenlänge, Schaltzeitverlängerungen von bis zu einer Mikrosekunde auftreten. Diese wei-
ßen LEDs sind daher nicht zur hochfrequenten Datenübertragung geeignet. Für die angestreb-
te Anwendung in einem Scheinwerfer spielt dieser Effekt allerdings keine Rolle.
Des Weiteren konnten anhand einer thermodynamischen Simulation keine Verbesserung der
thermischen Leitfähigkeit der LED im gepulsten Betrieb nachgewiesen werden. Es stellte sich
heraus, dass durch die thermische Kapazität des LED-Chips und durch den thermischen Wi-
derstand zwischen Chip und Heatsink eine Zeitkonstante gegeben ist, mit der die minimale
Pulsfrequenz einer LED bestimmt werden kann, bei der diese noch mit voller mittlerer Leis-
tung betrieben werden darf, ohne den p-n-Übergang zu überhitzen.
Mit Hilfe der gewonnen Erkenntnisse konnte ein Funktionsmuster gefertigt werden, das nach
dem Prinzip der Kombination einer gepulster LED-Zeile mit einer dynamisch periodisch
scannenden Projektionsoptik arbeitet. Für dieses Muster war es notwendig, die optischen,
mechanischen und elektronischen Komponenten auszulegen und zu einer Gesamtarchitektur
zusammenzufügen. Es konnte die Machbarkeit einer variablen Lichtverteilung durch alleini-
ges Ansteuern der Pulsparameter der Lichtquelle belegt werden.
Da sich das Muster aufgrund der aufwendigen Optik und Mechanik durch eine große Masse
auszeichnet und heutige LEDs nicht ausreichen um akzeptable Beleuchtungsstärken mit die-
sem Prinzip zu erzielen, sollte vorerst auf ein solches System als Hauptscheinwerfer verzich-
tet werden. Eine kleinere Variante ist als Nebenscheinwerfer für Markierungslichtfunktion
jedoch durchaus denkbar.
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Das Heinz Nixdorf Institut –
Interdisziplinäres Forschungszentrum
für Informatik und Technik
Das Heinz Nixdorf Institut ist ein Forschungszentrum der Universität
Paderborn. Es entstand 1987 aus der Initiative und mit Förderung von
Heinz Nixdorf. Damit wollte er Ingenieurwissenschaften und Informatik
zusammenzuführen, um wesentliche Impulse für neue Produkte und
Dienstleistungen zu erzeugen. Dies schließt auch die Wechselwirkungen
mit dem gesellschaftlichen Umfeld ein. Die Forschungsarbeit orientiert
sich an dem Programm „Dynamik, Mobilität, Vernetzung: Auf dem Weg
zu den technischen Systemen von morgen“. In der Lehre engagiert sich
das Heinz Nixdorf Institut in vielen Studiengängen der Universität. Hier
ist das übergeordnete Ziel, den Studierenden die Kompetenzen zu vermit-
teln, auf die es in der Wirtschaft morgen ankommt. Heute wirken am
Heinz Nixdorf Institut sieben Professoren mit insgesamt 200 Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern. Etwa ein Viertel der Forschungsprojekte der
Universität Paderborn entfallen auf das Heinz Nixdorf Institut und pro
Jahr promovieren hier etwa 30 Nachwuchswissenschaftlerinnen und
Nachwuchswissenschaftler.
Heinz Nixdorf Institute –
Interdisciplinary Research Centre
for Computer Science and Technology
The Heinz Nixdorf Institute is a research centre within the University of
Paderborn. It was founded in 1987 initiated and supported by Heinz
Nixdorf. By doing so he wanted to create a symbiosis of computer sci-
ence and engineering in order to provide critical impetus for new prod-
ucts and services. This includes interactions with the social environment.
Our research is aligned with the program “Dynamics, Mobility, Integra-
tion: En route to the technical systems of tomorrow.” In training and edu-
cation the Heinz Nixdorf Institute is involved in many programs of study
at the University of Paderborn. The superior goal in education and train-
ing is to communicate competencies that are critical in tomorrow’s econ-
omy. Today seven Professors and 200 researchers work at the Heinz
Nixdorf Institute. The Heinz Nixdorf Institute accounts for approximately
a quarter of the research projects of the University of Paderborn and per
year approximately 30 young researchers receive a doctorate.
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Universität Paderborn
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33102 Paderborn
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Bd. 45 wird noch vergeben!
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Band 56, 1999 – ISBN 3-931466-55-8
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