scieee Science in your language
[en] (orig)
Untersuchung der Dynamik fluider Partikel
auf Basis der Volume of Fluid Methode
Von der Fakultät für Naturwissenschaften
- Department Chemie -
der Universität Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat. -
genehmigte
Dissertation
von
Martin Schmidtke
aus Paderborn
Paderborn, Januar 2008
Die vorliegende Arbeit entstand am Institut für Technische Chemie und
Chemische Verfahrenstechnik des Departments Chemie der Universität
Paderborn im Zeitraum von Juni 2003 bis Dezember 2007.
Tag der mündlichen Prüfung: 25.1.2008.
Referent: Professor Dr.-Ing. H.-J.Warnecke
Universität Paderborn
Department Chemie
Institut für Technische Chemie und chemische Verfahrenstechnik
Korreferent: Professor Dr. rer. nat. D. Bothe
RWTH Aachen
Lehrstuhl für Mathematik
Center for Computational Engineering Science
Im Rahmen dieser Arbeit entstanden folgende Veröffentlichungen:
D. Bothe, M. Schmidtke, H.-J. Warnecke:
Direct Numerical Computation of the Lift Force acting on Single Bubbles.
6
th
International Conference on Multiphase Flow, ICMF2007, 9.-13. Juli
Leipzig, 2007.
D. Bothe, M. Schmidtke, H.-J. Warnecke:
VoF-simulation of the lift force for single bubbles in a simple shear flow.
Chem. Eng. Tech. 29(9), 1048-1053, 2006.
M. Schmidtke, D. Bothe, H.-J. Warnecke:
VoF-simulation of the rise behaviour of single air bubbles in linear shear flows.
in Proc. of 3
rd
Int. Berlin Workshop on "Transport Phenomena with moving
boundaries" (M. Kraume, Ed.), Berlin 2005.
Danksagung
Viele Menschen haben dazu beigetragen, daß diese Dissertation entstehen
konnte.
Mein besonderer Dank gilt
Professor Dr. Hans-Joachim Warnecke r die Möglichkeit der Mitarbeit in
seinem Arbeitskreis. Durch ihn erhielt ich viele interessante Einblicke in die
technische Chemie. Er hat diese Arbeit in vielfältiger Weise unterstützt, nicht
zuletzt auch in organisatorischer und menschlicher Hinsicht.
Professor Dr. Dieter Bothe, der diese Arbeit mit großem Engagement fachlich
betreut hat. Im interdisziplinären Gespräch mit ihm und Professor Dr. Hans-
Joachim Warnecke entwickelten sich immer wieder neue Blickweisen auf die
Problemstellungen, die zu weiteren Untersuchungen anspornten.
Professor Dr. Marsmann und Professor Dr. Huber r ihre Bereitschaft, als
Mitglieder der Prüfungskommission zu wirken.
Dr. Kerstin Wielage und Michael Kröger, die den Code FS3D gewartet und für
diese Arbeit erweitert haben, sowie Dr. Mario Koebe, der mich in die
Benutzung von FS3D eingewiesen hat.
Dem Paderborn Center for Parallel Computing (PC
2
) für die zur Verfügung
gestellte Rechenleistung und die gute Benutzerberatung seitens der
Systemadministratoren, insbesondere durch Axel Keller.
Meinen ehemaligen Kollegen Bhaskar Bandarapu und Houman Shirzadi im
„Multikulti-Büro“, sowie allen Mitarbeitern der technischen Chemie für die gute
und fruchtbare Arbeitsatmosphäre.
Meinen neuen Kollegen am Forschungszentrum Dresden-Rossendorf für ihre
technische und organisatorische Unterstützung beim Aufschreiben dieser
Dissertation.
Dr. Alexander Grahn für nützliche Hinweise im Umgang mit LATEX.
Schließlich möchte ich in besonderer Weise meinen Eltern danken, die mich
während dieser Arbeit nach Kräften unterstützt haben. Als fleißiger Lektor
‚promovierte’ mein Vater verdientermaßen zum „Doktor-Vater“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Hydrodynamik fester und fluider Partikel 5
2.1. Der Str¨
omungswiderstand fester Kugeln . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.2. Das Diagramm von Clift, Grace und Weber . . . . . . . . . . . . . . 6
3. Kontinuumsmechanische Modellierung 9
3.1. Bilanzierung von Zweiphasenstr¨
omungen . . . . . . . . . . . . . . . . 9
3.1.1. Integrale Bilanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
3.1.2. Differenzielle Bilanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.1.3. Sprungbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
3.1.4. Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
4. Numerische Verfahren 17
4.1. Die VoF-Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
4.2. Implementierung der Grenzfl¨
achenkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
5. Dimensionsanalyse der Navier-Stokes-Gleichungen 21
5.1. Die einphasigen Navier-Stokes-Gleichungen in dimensionsloser Form . 21
5.2. Die mehrphasigen Navier-Stokes-Gleichungen in dimensionsloser Form 24
6. Validierung des Codes FS3D 27
6.1. Die Hadamard-Rybczinski-L¨
osung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
6.2. Numerische L¨
osungen f¨
ur langsame, sph¨
arische fluide Partikel . . . . 29
I. Bewegung von ¨
Oltropfen in Wasser 37
I
Inhaltsverzeichnis
7. Simulation von Mais¨
oltropfen 41
7.1. Konfiguration des Rechengebietes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
7.2. Einfluß des Wandabstandes auf die Aufstiegsgeschwindigkeit . . . . . 41
7.3. Geschwindigkeiten innerhalb des Tropfens . . . . . . . . . . . . . . . 42
7.4. Trajektorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
7.5. Aufstiegsgeschwindigkeiten und Tropfenformen . . . . . . . . . . . . . 51
7.6. Einfluß der tr¨
agen Masse fluider Partikel auf das Aufstiegsverhalten . 52
8. Rizinus¨
ol 55
8.1. Aufstiegsgeschwindigkeiten und Tropfenformen . . . . . . . . . . . . . 55
9. Widerstandsbeiwerte f¨
ur ¨
Oltropfen 57
10.Zusammenfassung des ersten Teils 59
II. Blasenaufstieg in linearen Scherstr¨
omungen 61
11.Stand des Wissens 63
11.1. Blasen in vertikalen Rohren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
11.2. Theoretische Untersuchungen zu kugelf¨
ormigen Blasen in linearen Scher-
str¨
omungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
11.3. Das Experiment von Tomiyama . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
12.Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen 69
12.1. Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
12.2. Blasenformen und Aufstiegsgeschwindigkeiten . . . . . . . . . . . . . 70
12.3. Aufstiegsbahnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
12.4. Die Bestimmung des Liftkoeffzienten CLaus Blasentrajektorien . . . 76
12.5. Die Abh¨
angigkeit des Liftkoeffizienten von der Scherrate . . . . . . . 78
12.6. CLin Abh¨
angigkeit vom Blasendurchmesser . . . . . . . . . . . . . . 79
12.7. Abh¨
angigkeit der simulierten Liftkoeffizienten von der Aufl¨
osung . . . 80
12.8. Variation der Oberfl¨
achenspannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
12.9. Variation der Gravitation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
12.10. Luftblasen in Wasser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
II
13.Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasen-
grenze 93
13.1. Zweidimensionale Blasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
13.1.1. Zirkulation um zweidimensionale Blasen . . . . . . . . . . . . 94
13.1.2. Dynamischer Druck um zweidimensionale Blasen . . . . . . . 95
13.2. Dreidimensionale Blasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
13.2.1. Zirkulation um dreidimensionale Blasen . . . . . . . . . . . . . 98
13.2.2. Dynamischer Druck und Scherkraft an der Phasengrenze . . . 101
13.2.3. Validierung des Verfahrens zur Berechnung der Kr¨
afte an der
Phasengrenze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
14.Horizontalgeschwindigkeiten im Blasennachlauf 107
15.Zusammenfassung des zweiten Teils 113
A. Anhang 115
A.1. Symbolverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
A.2. Das Druckfeld in einem Hill’schen Wirbel . . . . . . . . . . . . . . . . 117
A.3. Konstruktion einer einh¨
ullenden Fl¨
ache parallel zur Phasengrenze . . 120
A.4. Geschwindigkeitsfeld um einen oszillierenden ¨
Oltropfen . . . . . . . . 122
Literaturverzeichnis 125
Inhaltsverzeichnis
IV
1. Einleitung
In vielen nat¨
urlichen oder verfahrenstechnischen Prozessen treten Str¨
omungen auf, in
denen zwei Fluide gemeinsam transportiert werden. Ist die gegenseitige L¨
oslichkeit
gering, so bildet sich zwischen den beiden Fluiden eine Grenzschicht, die sogenann-
te Phasengrenze. In diesem Falle spricht man von einer zweiphasigen Str¨
omung. Die
Fluide werden auch Phasen genannt. Zweiphasige Str¨
omungen mit einer beweglichen
Phasengrenze bestehen entweder aus zwei fl¨
ussigen Phasen (etwa Wasser und ¨
Ol)
oder einer fl¨
ussigen und einer gasf¨
ormigen Phase (z.B. Wasser und Luft). Zwei Gase
hingegen k¨
onnen sich auf molekularer Ebene vermischen. Hier tritt keine lokalisierba-
re Phasengrenze auf, weshalb sie einphasige Systeme bilden. Ein anderer Typus von
Zweiphasenstr¨
omungen ist der Transport fester Partikel in einem Fluid, beispielswei-
se von Sand in Wasser oder in Luft. Dabei wird die Gesamtheit der Partikel als eine
(feste) Phase bezeichnet. Die Oberfl¨
ache der einzelnen Partikel stellt in diesem Fall
eine starre Phasengrenze dar.
Wenn eine Phase auf getrennte Gebiete verteilt ist, die von der zweiten zusam-
menh¨
angenden Phase vollst¨
andig umschlossen sind, so wird die zusammenh¨
angende
Phase kontinuierliche Phase genannt. Die andere Phase wird als disperse Phase be-
zeichnet (siehe Abbildung 1.1 auf Seite 3). Die Gebiete mit disperser Phase bilden
feste oder fluide Partikel. Fluide Partikel sind je nach Aggregatzustand der dispersen
Phase entweder Tropfen oder Blasen. In der vorliegenden Arbeit wird das Bewe-
gungsverhalten einzelner fluider Partikel mittels numerischer Simulation untersucht.
In Teil 1 wird der Aufstieg von ¨
Oltropfen in Wasser behandelt. In Teil 2 geht es um
die Bewegung von Luftblasen in Wasser oder w¨
assrigen L¨
osungen. Die Motivation f¨
ur
diese Untersuchungen und die entsprechenden verfahrenstechnischen Anwendungen
sind zu Beginn der jeweiligen Teile skizziert.
Mittels der in dieser Arbeit verwendeten Volume-of-Fluid (VoF) Methode ist es
m¨
oglich, die Bewegung der Phasengrenze und damit die Form¨
anderungen eines flui-
den Partikels zu erfassen. Der numerische Aufwand ist recht hoch, weshalb bei der
1
1. Einleitung
heute zur Verf¨
ugung stehenden Rechnerleistung mit dieser Methode eine gemeinsame
Bewegung f¨
ur h¨
ochstens einige wenige Partikel simuliert werden kann. In technisch re-
levanten Prozessen hingegen bewegen sich tausende Tropfen oder Blasen gleichzeitig.
Will man derartige Prozesse unter Verwendung von Simulationen optimieren, werden
daher vereinfachende Modelle verwendet, welche die individuelle ver¨
anderliche Form
der einzelnen Partikel vernachl¨
assigen. So werden beispielsweise in der Euler-Lagrage-
Methode die Partikel als punktf¨
ormige Objekte betrachtet, an denen verschiedene
Kr¨
afte als sogenannte Punktkr¨
afte ansetzen. Die Bahn der einzelnen Partikel wird
berechnet, ebenso wie die Entwicklung der Str¨
omung der kontinuierlichen Phase. Ei-
ne weitere Vergr¨
oberung der Betrachtungsweise f¨
uhrt zur Euler-Euler-Methode. Hier
wird die Gesamtheit der festen oder fl¨
ussigen Partikel als Fluid betrachtet, welche
das Fluid der kontinuierlichen Phase vollst¨
andig durchdringt. Die Individualit¨
at der
Partikel wird dabei vern¨
achl¨
assigt. Die Verteilung der Partikel wird nur noch in Form
einer ¨
ortlichen Partikeldichte beschrieben, beispielsweise als Skalarfeld αp, welches
f¨
ur jeden Ort den Volumenanteil der dispersen Phase angibt. Zur Schließung abgelei-
teter Modelle ist die Beschreibung der Kr¨
afte auf disperse Partikel in Abh¨
angigkeit
von lokalen Str¨
omungseigenschaften sowie von Gr¨
oße und Form der Partikel zwingend
erforderlich.
Derartige Partikelkr¨
afte sind beispielsweise die Auftriebskraft und die Widerstands-
kraft, welche der Bewegung des Partikels durch die kontinuierliche Phase entgegen-
wirkt. Der Impulsaustausch zwischen kontinuierlicher und disperser Phase l¨
aßt durch
die Partikelkr¨
afte beschreiben. Wird beispielsweise einerseits die Bewegung der Par-
tikel durch die Widerstandskraft abgebremst, so wird andererseits (nach dem Prinzip
actio gleich reactio) gleichzeitig das die Partikel umgebende kontinuierliche Fluid
beschleunigt. Die Genauigkeit der f¨
ur die Auslegung technischer Apparaturen benutz-
ten Simulationsmethoden h¨
angt entscheidend davon ab, wie akkurat die verwendeten
Modelle f¨
ur die an den fluiden Partikeln wirksamen Kr¨
afte sind.
Die in dieser Arbeit vorgestellten Untersuchungen dienen einerseits dazu, mehr Ver-
st¨
andnis ¨
uber die Entstehung der an fluiden Partikeln wirkenden Kr¨
afte zu gewin-
nen; andererseits dazu, Modelle f¨
ur Punktkr¨
afte zu verbessern oder zu best¨
atigen. Im
Teil 1 geht es in erster Linie um die Widerstandskraft an in Wasser aufsteigenden
¨
Oltropfen und der sich daraus ergebenden Aufstiegsgeschwindigkeit. Teil 2 behan-
delt neben der Widerstandskraft an Blasen haupts¨
achlich die sogenannte Liftkraft,
2
die in Scherstr¨
omungen auftritt. Diesen beiden Hauptteilen sind einige einf¨
uhrende
Kapitel vorangestellt, in denen die relevanten theoretischen Grundlagen, numerischen
Methoden und empirischen Korrelationen beschrieben sind.
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Abbildung 1.1.: Verteilung von kontinuierlicher und disperser Phase in einem Gebiet.
Blau: Kontinuierliche Phase. Weiß (schraffiert): Disperse Phase.
3
1. Einleitung
4
2. Hydrodynamik fester und fluider Partikel
2.1. Der Str¨
omungswiderstand fester Kugeln
Weil die Kugel der einfachste geometrische K¨
orper ist, beziehen sich die meisten
Untersuchungen zu Partikelbewegungen in Fl¨
ussigkeiten auf Kugeln. Der Str¨
omungs-
widerstand eines K¨
orpers kann durch eine dimensionslose Kennzahl CDcharakteri-
siert werden. Diese Kennzahl CDist im Allgemeinen formspezifisch und wird Wider-
standsbeiwert (engl.: drag coefficient) genannt. Sie ist definiert als Quotient aus der
Widerstandskraft FWund der Kraft des dynamischen Druckes auf der angestr¨
omten
Querschnittsfl¨
ache Ades K¨
orpers:
CD=FW
1
2ρw2A.(2.1)
Hier ist ρdie Dichte des Fluids und wdie Str¨
omungsgeschwindigkeit. Die angestr¨
omte
Querschnittsfl¨
ache Aist die Fl¨
ache der Projektion des K¨
orpers in Str¨
omungsrichtung.
F¨
ur eine Kugel ist dies eine Kreisfl¨
ache. Weil Aim Nenner von (2.1) auftritt, ist der
Widerstandsbeiwert nicht von der Gr¨
oße eines K¨
orpers abh¨
angig, sondern ausschließ-
lich von der Form. Es besteht jedoch eine Abh¨
angigkeit des Widerstandsbeiwertes von
der Geschwindigkeit w, beziehungsweise von der zu wproportionalen Reynoldszahl.
Die Reynoldszahl ist eine dimensionslose Kennzahl, die das Verh¨
altnis von Tr¨
agheits-
kraft zu Z¨
ahigkeitskraft angibt,
Re = ρLw
µ.(2.2)
Hier ist µdie Viskosit¨
at des Fluids und Leine charakteristische L¨
ange des K¨
orpers.
Im Falle einer Kugel ist der Durchmesser die charakteristische L¨
ange. F¨
ur sehr klei-
ne Str¨
omungsgeschwindigkeiten (Re1) kann der Widerstandsbeiwert von Kugeln
analytisch hergeleitet werden (vgl. Abschnitt 6.1).
CD=24
Re f¨
ur Re 1.(2.3)
5
2. Hydrodynamik fester und fluider Partikel
F¨
ur gr¨
oßere Reynoldszahlen kann der Widerstandsbeiwert nur experimentell ermit-
telt werden. Eine besonders einfache Methode ist es, eine Kugel so lange im fluiden
Medium aufsteigen oder fallen zu lassen, bis sie eine konstante Endgeschwindigkeit
wTerreicht hat. Dann sind Auftriebskraft und Widerstandskraft im Gleichgewicht:
CD
1
2ρ wT2A=gρV . (2.4)
Hier ist ρdie Differenz zwischen Kugeldichte und der Dichte des fluiden Mediums.
Setzt man f¨
ur die Querschnittsfl¨
ache A=πd2/4 und f¨
ur das Volumen V=πd3/6 der
Kugel in (2.4) ein, so ergibt sich mit dals Kugeldurchmesser
CD=4
3
ρ
ρ
gd
w2
T
.(2.5)
Es gibt zahlreiche Korrelationen, die einen unterschiedlichen Geltungsbereich in Be-
zug auf die Reynoldszahlen haben. Einen sehr großen Geltungsbereich deckt die Kor-
relation von Turton und Levenspiel ab, die auf einer sehr breiten Datenbasis vieler
verschiedener Experimentatoren beruht (Turton und Levenspiel, 1986). Danach ist
CD=24
Re 1 + 0,173 Re0,675+0,413
1 + 16300Re1,09 f¨
ur Re <105.(2.6)
Im Intervall 103<Re <105ist der Widerstandsbeiwert nahezu konstant (CD0,47 ,
siehe Abbildung 7.2, S. 44). Dies wurde bereits von Newton beobachtet, weshalb man
hier auch von dem Newton’schen Bereich spricht. Newton hatte hierzu Fallexperi-
mente von der Kuppel der St.-Pauls-Kathedrale in London durchgef¨
uhrt.
Wenn feste Kugeln in Fl¨
ussigkeiten frei aufsteigen oder sinken, kann durch eine peri-
odische Wirbelabl¨
osung im Nachlauf eine zickzack-f¨
ormige Bewegung auftreten (Hal-
jasmaa, 2006). Mit dem Einsetzen einer derartigen seitlichen Oszillation ist eine deut-
liche Absenkung der Vertikalgeschwindigkeit verbunden. Demzufolge liegt der Wider-
standsbeiwert f¨
ur oszillierende Kugeln deutlich h¨
oher als nach (2.6). Eine seitliche
Oszillation der Kugel kann unterbunden werden, indem man sie in einem Str¨
omungs-
kanal fixiert. Gleichung (2.6) gilt f¨
ur fixierte Kugeln sowie f¨
ur geradlinig aufsteigende
oder sinkende Kugeln.
2.2. Das Diagramm von Clift, Grace und Weber
Im Gegensatz zu festen Kugeln besitzen fluide Partikel eine bewegliche Phasengren-
ze. Dadurch sind Formver¨
anderungen m¨
oglich. Die Partikelform kann grob durch das
6
2.2. Das Diagramm von Clift, Grace und Weber
Durchmesserverh¨
altnis dV/dHcharakterisiert werden, wobei dVder vertikale und dH
der horizontale Durchmesser sind. Die Partikelgr¨
oße wird entweder durch sein Volu-
men Vbeschrieben oder durch den ¨
Aquivalenzdurchmesser d, der den Durchmesser
einer Kugel gleichen Inhalts angibt:
d= (6V)1/3.(2.7)
Je nach Gr¨
oße und Aufstiegsgeschwindigkeit werden f¨
ur fluide Partikel vier verschiede-
ne Formklassen unterschieden: Kugelf¨
ormig (sehr klein oder sehr langsam), ellipsoid,
wobbelnd (d.h. amorph, formver¨
anderlich) und kappenf¨
ormig. Die Kappenform wird
nur bei sehr großen Blasen beobachtet. Die gr¨
oßten Tropfen sind wobbelnd. Tropfen
in der Gr¨
oße von Kappenblasen sind nicht stabil; sie zerfallen. F¨
ur kugelf¨
ormige flui-
de Partikel beobachtet man in Experimenten oft die gleiche Aufstiegsgeschwindigkeit
bzw. Widerstandsbeiwerte wie bei festen Kugeln. Offenbar findet eine Bewegung der
inneren Grenzschicht parallel zur Phasengrenze nicht statt. Diese Immobilisierung
der Phasengrenze kann durch Anlagerung von oberfl¨
achenaktiven Molek¨
ulen (soge-
nannten Surfactants) verursacht werden. Derartige Stoffe (wie z.B. Tenside) sind
in Fl¨
ussigkeiten stets enthalten, wenn sie nicht aufwendig gereinigt werden.
Die Formenvielfalt fluider Partikel macht es außerordentlich schwierig, universelle
Korrelationen f¨
ur ihr Aufstiegsverhalten zu finden. Daher sind Korrelationen f¨
ur die
Aufstiegsgeschwindigkeit oder die Partikelform im Allgemeinen auf einen engen Wer-
tebereich bez¨
uglich der Partikelgr¨
oße oder der Stoffeigenschaften beschr¨
ankt. Eine
Ausnahme bildet hier das Diagramm von Clift, Grace und Weber, welches f¨
ur einen
außerordentlich großen Wertebereich eine M¨
oglichkeit zur Absch¨
atzung der Formklas-
se und der Aufstiegsgeschwindigkeit fluider Partikel bietet. Die Aufstiegsgeschwindig-
keit wird in Form der Reynoldszahl Rec=ρcwTd/µcdes Partikels (bezogen auf das
umgebende kontinuierliche Fluid mit der Dichte ρcund der Viskosit¨
at µc) angege-
ben. Das Diagramm 2.1 gibt Recin Abh¨
angigkeit von zwei weiteren dimensionslosen
Kennzahlen an, die ihrerseits von der Partikelgr¨
oße und den Stoffeigenschaften der
Fluide abh¨
angen. Diese sind die E¨
otv¨
oszahl
E¨
o = gρ d2
σ,(2.8)
welche die Auftriebskraft zur Oberfl¨
achenspannung ins Verh¨
altnis setzt, und die
7
2. Hydrodynamik fester und fluider Partikel
Morton-Zahl
Mo = gρµ4
c
ρ2
cσ3,(2.9)
die die Stoffeigenschaften charakterisiert. Ausgenommen vom Geltungsbereich dieser
Korrelation von Clift et al. (1978) sind Tropfen in Gas (etwa Regentropfen) d.h. Situa-
tionen, in denen Dichte und Viskosit¨
at des Partikels um mehr als eine Gr¨
oßenordung
h¨
oher ist als die des kontinuierlichen Fluids.
Abbildung 2.1.: Diagramm zur Absch¨
atzung von Form und Geschwindigkeit fluider Par-
tikel von Clift et al. (1978).
8
3. Kontinuumsmechanische Modellierung
3.1. Bilanzierung von Zweiphasenstr¨
omungen
Die hier verwendete kontinuumsmechanische Modellierung setzt voraus, das die be-
trachteten Volumenelemente eine große Anzahl von Molek¨
ulen enthalten, damit in-
nerhalb jeder Phase die makroskopischen Gr¨
oßen (wie zum Beispiel die Dichte ρ)
als stetige Funktionen beschrieben werden k¨
onnen. Die Phasengrenze Γ zeichnet sich
dadurch aus, daß mindestens eine dieser Gr¨
oßen an Γ unstetig ist. Im Allgemeinen
unterscheiden sich zwei Fluide sowohl in der Dichte als auch in der Viskosit¨
at, so-
daß beide Gr¨
oßen an der Phasengrenze unstetig sind. Die Phasengrenze selbst wird
als masselose st¨
uckweise glatte Fl¨
ache angenommen. Im Folgenden werden zun¨
achst
die integralen und dann die differenziellen Bilanzen f¨
ur Zweiphasenstr¨
omungen auf-
gestellt.
3.1.1. Integrale Bilanzen
Aus der Bilanzierung der Gr¨
oßen Masse, Impuls und Energie ¨
uber ein Kontrollvolu-
men, welches die Phasengrenze schneidet, ergeben sich die integralen Bilanzgleichun-
gen f¨
ur zweiphasige Str¨
omungen.
Zwei auf molekularer Ebene nicht vermischbare (d.h. gegenseitig nicht l¨
osbare) Fluide
befinden sich jeweils in den Teilgebieten (t) und +(t) im Gebiet GR3. Die
Phasengrenze Γ(t) zwischen den Teilgebieten bewegt sich mit der Geschwindigkeit uΓ.
Die Fl¨
achennormale nΓzeigt in Richtung +(t). Das f¨
ur die Bilanzierung verwendete
Kontrollvolumen schneidet die Phasengrenze.
9
3. Kontinuumsmechanische Modellierung
Massenbilanz
Ein ortsfestes Volumen Venth¨
alt die Masse RVρdV . Wird ein Fl¨
achenelement dA
auf seinem Rand mit der Geschwindigkeit udurchstr¨
omt, so fließt durch dA pro
Zeiteinheit die Masse ρu·ndA. Aus der Massenerhaltung folgt: Die Massen¨
anderung
in Vist gleich der Masse, die ¨
uber den Rand V fließt. Also gilt
d
dt ZV
ρ dV =ZV
ρu·ndA , (3.1)
oder umgestellt
d
dt ZV
ρ dV +ZV
J·ndA = 0 mit J=ρu.(3.2)
Die vektorielle Gr¨
oße Jwird Massenstromdichte genannt. F¨
ur eine Fl¨
ache mit der
Normalen ngibt J·ndie Rate des Massenflusses pro Fl¨
acheneinheit an. Im Sonder-
fall, daß ρinnerhalb jeder Phase konstant ist, tritt eine Massen¨
anderung im Kon-
trollvolumen Vgenau dann ein, wenn sich die Phasengrenze durch Vbewegt. Die
Dichte ρan einem Punkt innerhalb von Vh¨
angt dann davon ab, auf welcher Seite
der Phasengrenze sich der Punkt befindet.
Impulsbilanz
Es wird hier ein Volumen V(t) betrachtet, welches mit der Str¨
omung mitbewegt wird.
Der Impuls dieses Volumens betr¨
agt
I(t) = ZV(t)
ρudV . (3.3)
Die Rate der Impuls¨
anderung eines K¨
orpers ist nach dem 2. Newton’schen Gesetz die
Summe aller angreifenden Kr¨
afte
d
dtI(t) = X
i
Fi.(3.4)
Es wird grunds¨
atzlich zwischen zwei verschiedenen Krafttypen unterschieden:
K¨
orperkr¨
afte wirken auf alle Teilchen eines Volumens durch ein Kraftfeld. Es kann
sich beispielsweise um ein elektrisches, magnetisches oder Gravitationsfeld handeln.
Die massenspezifische Kraftdichte ρfwirkt im gesamten Volumen. Daher werden sie
auch Volumenkr¨
afte genannt.
10
3.1. Bilanzierung von Zweiphasenstr¨
omungen
Kontaktkr¨
afte wirken an der Oberfl¨
ache eines Volumens, weshalb sie auch Ober-
fl¨
achenkr¨
afte genannt werden. Ihre fl¨
achenspezifische Dichte SV (t)hat die Einheit
Kraft pro Fl¨
ache. Beispiele sind Druckkraft und Schubspannungen.
F¨
ur die Impuls¨
anderung gilt demnach:
d
dt ZV(t)
ρudV =SV (t)+ZV(t)
ρfdV . (3.5)
In idealen (d.h. reibungsfreien) einphasigen Fluiden treten keine Schubspannungen
auf. Als Oberfl¨
achenkraft tritt dann nur der Druck pin Erscheinung. Auf ein Fl¨
achen-
element dA mit der Normalen nwirkt die Kraft pndA, d.h.
SV (t)=ZV (t)
pndA . (3.6)
In reibungsbehafteten Fluiden treten Spannungskr¨
afte auf. In zweiphasigen Systemen
kommen Grenzfl¨
achenkr¨
afte hinzu. Dadurch erweitert sich die Impulsbilanz zu
d
dt ZV(t)
ρudV =ZV(t)
ρfdV +ZV (t)
T·ndA +FA(t).(3.7)
Hierbei ist der Spannungstensor Teine 3 ×3-Matrix mit T=pI+S. Darin ist
Idie Einheitsmatrix und Sder viskose Spannungstensor, welcher die durch innere
Reibung verursachten Spannungskr¨
afte beschreibt. Schneidet das Kontrollvolumen
V(t) die Grenzfl¨
ache Γ(t), so liefert die Schnittfl¨
ache A= Γ(t)V(t) den Beitrag
FA(t)durch die Grenzfl¨
achenspannung. Um diesen Beitrag herzuleiten, betrachten wir
den Rand von A, welcher die geschlossene Kurve Cbildet (siehe Abbildung 3.1). Wenn
n
dF
sd
V(t)
(t)
ΓA
C
Abbildung 3.1.: Schnitt eines Kontrollvolumens V(t) mit Phasengrenze Γ(t).
11
3. Kontinuumsmechanische Modellierung
dsein Linienelement von Cund die ¨
außere Fl¨
achennormale an dieser Stelle nΓist, so
wirkt durch die Oberfl¨
achenspannung σauf dieses Element die Kraft dFA=σs×nΓ
tangential zu Γ. Durch eine Integration ¨
uber die Randkurve Cergibt sich als gesamte
Kraft FA(t), welche auf die Schnittfl¨
ache A(t) wirkt:
FA(t) = IC
σ(ds×nΓ) = IC
ds×σnΓ.(3.8)
Unter Verwendung des Stokes’schen Satzes kann das Linienintegral um den Fl¨
achen-
rand Cin ein Fl¨
achenintegral ¨
uber Aumgewandelt werden. Dies liefert
FA=ZA
(nΓ×)×σnΓdA . (3.9)
Der Integrand beschreibt die Fl¨
achendichte der Grenzfl¨
achenspannung fΓ. Sie l¨
aßt
sich umformen zu:
fΓ=σnΓ(nΓ·σ) + σnΓ·nΓσnΓ(·nΓ).(3.10)
Der zweite Term stellt den Normalanteil von σdar, so daß die beiden ersten Terme
zusammen den Tangentialanteil von σergeben. Dieser ist der Fl¨
achengradient Γσ.
Der dritte Term ist gleich Null, und so ergibt sich:
fΓ=ΓσσnΓ(·nΓ).(3.11)
Wenn die Oberfl¨
achenspannung σkonstant ist, entf¨
allt auch der Term Γσ. Im Allge-
meinen ist σtemperaturabh¨
angig und abh¨
angig von der Konzentration oberfl¨
achen-
aktiver Stoffe (Surfactants). Diese Stoffe senken zumeist die Oberfl¨
achenspannung.
Treten r¨
aumliche Gradienten in der Temperatur oder in der Konzentration der Sur-
factants auf, so ist Γσungleich Null. Die hierdurch bewirkten Ph¨
anomene werden als
Marangoni-Effekte bezeichnet. Der Term −∇·nΓist eine skalare Gr¨
oße und beschreibt
die Kr¨
ummung κΓder Fl¨
ache, die sich aus der Summe ihrer Hauptkr¨
ummungen ergibt
(vgl. Gleichung 3.23). Mit
κΓ=−∇·nΓ(3.12)
erh¨
alt man f¨
ur die Kraft der Oberfl¨
achenspannung auf die Fl¨
ache A:
FΓ=ZA
fΓdA mit fΓ=Γσ+σκΓnΓ.(3.13)
F¨
ur ein ortsfestes Volumenelement Vlautet somit die Impulsbilanz:
d
dt ZV
ρudV +ZV
J·ndA =ZV
ρfdV +ZVΓ(t)
fΓdA (3.14)
mit dem Fluß J=ρuuTund nΓaus (3.13).
12
3.1. Bilanzierung von Zweiphasenstr¨
omungen
3.1.2. Differenzielle Bilanzen
Die integralen Bilanzen beziehen sich auf ausgedehnte Volumenelemente. Durch den
Grenz¨
ubergang |V| 0 k¨
onnen sie in differentielle Bilanzen ¨
uberf¨
uhrt werden, die
punktweise gelten. Wird als Bilanzvolumen beispielsweise die Kugel V=Br(x0)
gew¨
ahlt, so geschieht der Grenz¨
ubergang |V| 0 durch Verkleinern des Kugelradius r
als Grenzwertbildung r0. Es ergibt sich ein Grenzwert f¨
ur den Quotienten aus dem
Integral der bilanzierten Gr¨
oße ¨
uber das Volumen Vund dem Volumeninhalt |V|.
Massenbilanz
Das Oberfl¨
achenintegral auf der rechten Seite der Gleichung (3.1) kann mittels des
Divergenztheorems in ein Volumenintegral umgewandelt werden. Es ergibt sich die
differentielle Form der Massenbilanz, die auch Kontinuit¨
atsgleichung genannt wird:
t ρ+ div (ρu) = 0 .(3.15)
Ist die Dichte ρkonstant, so vereinfacht sich die Kontinuit¨
atsgleichung zu
div u= 0 .(3.16)
Str¨
omungen, f¨
ur die dies gilt, nennt man inkompressibel. In diesem Fall ist (3.15)
¨
aquivalent zu
div u= 0 und
t ρ+u·ρ= 0 .(3.17)
Dies reduziert sich f¨
ur Fluide konstanter Dichte auf die Gleichung (3.16).
Impulsbilanz
Die differentielle Form der Impulsbilanz ergibt sich, wenn das Divergenztheorem auf
die Oberfl¨
achenintegrale in der integralen Impulsbilanz (3.14) angewandt wird. Wenn
die Gravitation (in Richtung der negativen z-Achse) die einzige Volumenkraft ist, so
gilt
t(ρu) + div (ρuuT) = ρgez,(3.18)
mit dem Spannungstensor T=pI+S. F¨
ur Newton’sche Fluide l¨
aßt sich der Z¨
ahig-
keitsspannungstensor Sdurch folgende konstituierende Gleichung ausdr¨
ucken:
S=η(div u)I+µ(u+ (u)T),(3.19)
13
3. Kontinuumsmechanische Modellierung
mit der Bulkviskosit¨
at ηund der dynamischen Viskosit¨
at µ. Im Falle eines dichte-
best¨
andigen Fluids vereinfacht sich die Impulsbilanz zu:
tu+·(uu) = 1
ρp+µ
ρu.(3.20)
Der Quotient µ/ρ =νwird als kinematische Viskosit¨
at bezeichnet. Die Gleichungen
(3.20) und (3.15) bilden zusammen Navier-Stokes-Gleichungen. F¨
ur ideale Fluide,
d.h. solche ohne innere Reibung und damit verbundener Energiedissipation, ergeben
sich aus den Navier-Stokes-Gleichungen die Euler-Gleichungen
tu+·(uu) = 1
ρpund
div u= 0 .
3.1.3. Sprungbedingungen
Bei Zweiphasenstr¨
omungen sind im Allgemeinen sowohl die Dichte als auch die Vis-
kosit¨
at an der Phasengrenze unstetig. Der Sprung einer Gr¨
oße Ψ an der Phasengrenze
Γ(t) wird als [Ψ] := Ψ+Ψbeschrieben, wobei Ψ+und Ψdie Grenzwerte beider-
seits der Phasengrenze bezeichnen. Wenn kein Phasen¨
ubergang (Verdampfung oder
Kondensation) stattfindet, sind die Normalkomponenten der Geschwindigkeiten an
der Grenzfl¨
ache identisch.
[un] = 0 auf Γ(t).
F¨
ur viskose Systeme wird Haftung an der Phasengrenze angenommen, d.h. die Tan-
gentialkomponente uτist an der Phasengrenze stetig:
[uτ] = 0 auf Γ(t).
Aus der Stetigkeit beider Geschwindigkeitskomponenten auf der Phasengrenze folgt
die Stetigkeit der gesamten Geschwindigkeit an der Phasengrenze. F¨
ur die Massenbi-
lanz lautet die Sprungbedingung demnach
[u] = 0 auf Γ(t).
F¨
ur den Impuls gilt an der Phasengrenze
[ρu(uuΓ)T]·nΓ=Γσ+σκΓnΓ.(3.21)
14
3.1. Bilanzierung von Zweiphasenstr¨
omungen
F¨
ur eine r¨
aumlich konstante Grenzfl¨
achenspannung σvereinfacht sich (3.21) zu:
(p+p)nΓ[S]·nΓ=σκΓnΓ.(3.22)
In ruhenden Fluiden ist u= 0 und somit auch S=0. Dann geht Gleichung (3.22) in
die Young-Laplace-Gleichung ¨
uber
(p+p) = σκΓ=σ1
r1
+1
r2,(3.23)
mit den Kr¨
ummungsradien r1und r2. Eine ausf¨
uhrliche Herleitung der Sprungbilan-
zen findet sich bei (Ishii, 1975; Slattery, 1999).
3.1.4. Randbedingungen
Um ein System von Differentialgleichungen eindeutig l¨
osen zu k¨
onnen, ist die Kenntnis
der Randbedingungen erforderlich. Wenn ein fester Wert f¨
ur eine Gr¨
oße auf dem Rand
vorgegeben wird, spricht man von einer Dirichlet-Bedingung. Ist die Ableitung am
Rand in normaler Richtung festgelegt, so liegt eine Neumann-Bedingung vor. In der
Str¨
omungssimulation m¨
ussen f¨
ur den Rand des Rechengebietes physikalisch m¨
oglichst
sinnvolle Randbedingungen f¨
ur die Geschwindigkeit eingesetzt werden. Im Folgenden
werden die h¨
aufigsten Randbedingungen aufgef¨
uhrt:
Haftbedingung: Das Str¨
omungsgebiet ist durch eine feste Wand begrenzt. Sie ist
f¨
ur Fluide undurchdringlich, d.h. die Str¨
omungsgeschwindigkeit hat an der Wand
keine normale (zur Wand senkrechte) Komponente un. Durch Reibung haftet eine
Grenzschicht an der Wand. Tangentiale (zur Wand parallele) Geschwindigkeiten uτ
treten demnach ebenfalls nicht auf:
un= 0 und uτ= 0 .
Schlupf-Randbedingung: Der Rand ist f¨
ur das Fluid undurchdringlich. An der Wand
gibt es keine Haftung und keine Scherspannungen. Dies bedeutet, daß die Ablei-
tung der tangentialen Geschwindigkeit uτsenkrecht zur Wand (d.h. in Richtung der
Fl¨
achennormalen n) verschwindet.
un= 0 und uτ
n = 0 .
15
3. Kontinuumsmechanische Modellierung
Die Schlupf-Randbedingung wird auch f¨
ur Symmetrieebenen angewendet. Im Falle ei-
ner Zweiphasenstr¨
omung kommt f¨
ur die Symmetrieebenen noch die Bedingung hinzu,
daß die Phasengrenze stets senkrecht auf eine Symmetrieebene auftrifft.
Einstr¨
ombedingung: Beide Geschwindigkeitskomponenten sind auf dem Rand fest
vorgegeben:
un=u0
nund uτ=u0
τ.
Ausstr¨
ombedingung: Beide Geschwindigkeitskomponenten ¨
andern sich nicht in der
Richtung senkrecht zum Rand:
un
n = 0 und uτ
n = 0 .
16
4. Numerische Verfahren
Will man bei der Simulation zweiphasiger Str¨
omungen den Einfluß der Oberfl¨
achen-
spannung ber¨
ucksichtigen, so m zu jedem Zeitpunkt die Form der Phasengrenze
bekannt sein, denn die Kr¨
ummung der Phasengrenze geht in die Impulsbilanz ein. Es
gibt verschiedene numerische Methoden, die Bewegung der Phasengrenze im Rechen-
gebiet zu beschreiben. Die Phasengrenze kann durch Punkte markiert werden, die
mit dem Geschwindigkeitsfeld transportiert werden. Ist die Phasengrenze dicht genug
mit Markierungspunkten belegt, so l¨
aßt sich aus der Position dieser Punkte stets die
Grenzfl¨
ache rekonstruieren. Eine andere Methode besteht darin, ein mitbewegtes Git-
ter zu verwenden, welches die Phasengrenze repr¨
asentiert. Im hier verwendeten Code
FS3D wird die Volume-of-Fluid (VoF) Methode verwendet.
4.1. Die VoF-Methode
Das VoF-Modell wurde von Hirt und Nichols (1981) vorgestellt. Seither wurde es
kontinuierlich verbessert (Rider und Kothe, 1998). Der VoF-Code FS3D wurde von
Rieber (2004) am ITLR Stuttgart entwickelt und verwendet die weiter unten beschrie-
bene PLIC-Methode zur Rekonstruktion der Phasengrenze.
Es wird von zwei inkompressiblen Fluiden ausgegangen, die sich auf molekularer Ebe-
ne nicht vermischen (l¨
osen). Dann ist der von beiden Fluiden eingenommene Gesamt-
raum die disjunkte Vereinigung der Phasengrenze Γ mit den beiden Teilr¨
aume +
und , wobei +den von der dispersen Phase und den von der kontunierlichen
Phase eingenommenen Teilraum bezeichnet. Auf dem Gesamtraum kann nun eine
sogenannte Phasenindikatorfunktion χdefiniert werden als
χ(x) =
1 f¨
ur x+
0 sonst .
(4.1)
Um das Str¨
omungsproblem numerisch l¨
osen zu k¨
onnen, m der Raum mittels ei-
nes Gitters diskretisiert werden. Dies geschieht auch im hier angewendeten Finite-
17
4. Numerische Verfahren
Volumen-Verfahren, in welchem die integralen Bilanzgleichungen f¨
ur die Volumina
der einzelen Gitterzellen numerisch gel¨
ost werden. Aus der Phasenindikatorfunktion
kann auf dem Gitter in nat¨
urlicher Weise die sogenannte Volume-of-Fluid Variable f
definiert werden, die f¨
ur jede Zelle einen diskreten Wert annimmt. Die Verteilung der
Phasen wird implizit durch die sogenannte Volume-of-Fluid Variable fbeschrieben.
Jeder Zelle wird ein Wert fzugeordnet, der als Phasenindikator fungiert:
f= 0 die Zelle enth¨
alt nur die kontinuierliche Phase .
f= 1 die Zelle enth¨
alt nur die disperse Phase.
0< f < 1 die Zelle enth¨
alt beide Phasen, mit dem Volumenanteil fan disperser
Phase.
Eine Zelle mit beiden Phasen (0 < f < 1) enth¨
alt demnach einen Teil der Phasen-
grenze. F¨
ur jeden Zeitschritt wird neben den Bilanzgleichungen f¨
ur Masse und Impuls
der Transport der Volumenanteilsfunktion fberechnet. Die Transportgleichung f¨
ur f
lautet:
f
t +·(fu) = 0 .(4.2)
Es gibt verschiedene M¨
oglichkeiten, aus einer gegebenen f-Verteilung die Phasen-
grenze zu rekonstruieren. Bei der Piecewise Linear Interface Construction (PLIC)
Methode nach Puckett und Saltzmann (1992) wird innerhalb einer jeden Zelle ein ebe-
nes Fl¨
achenst¨
uck als N¨
aherung f¨
ur die Phasengrenze bestimmt. Dieses Fl¨
achenst¨
uck
ist so orientiert, daß die Fl¨
achennormale in Richtung fzeigt. Zudem liegt das
Fl¨
achenst¨
uck so innerhalb der Zelle, daß sie die Zelle entsprechend dem f-Wert in
zwei Volumina f¨
ur die disperse und die kontinuierliche Phase teilt. Die Fl¨
achenst¨
ucke
benachbarter Zellen gehen nach dieser Vorgehensweise im Allgemeinen nicht stetig
ineinander ¨
uber. Die Kenntnis der Lage und Orientierung der Fl¨
achenst¨
ucke ist f¨
ur
die Berechnung des konvektiven Transports der beiden Phasen erforderlich. Dies soll
an der Zelle mit dem VoF-Wert f= 0,15 gezeigt werden. Wenn in einem Zeitschritt
der Stoff um eine halbe Zellbreite nach oben transportiert wird, so gelangt aus dieser
Zelle nur kontinuierliche Phase (weiß) in die obere Nachbarzelle. Findet der Stoff-
transport stattdessen um eine halbe Zellbreite nach unten statt, so werden aus der
Zelle mit f= 0,15 Anteile beider Phasen in die untere Nachbarzelle transportiert.
18
4.2. Implementierung der Grenzfl¨
achenkraft
0,6
1 0,6
0,751
0,15 0
0
0
Abbildung 4.1.: Verteilung der VoF-Variablen in einem Gitter und Rekonstruktion der
Phasengrenze nach dem PLIC-Verfahren
4.2. Implementierung der Grenzfl¨
achenkraft
In die Grenzfl¨
achenkraft fΓgeht die Kr¨
ummung κΓein. Im Falle konstanter Ober-
fl¨
achenspannung gilt
fΓ=σ κΓnΓmit κΓ=−∇Γ·nΓ.(4.3)
Die Normale der Phasengrenze kann aus der Verteilung der VoF-Variablen bestimmt
werden:
nΓ=1
|∇f|f . (4.4)
Die Grenzfl¨
achenkraft fΓin (4.3) ist nur auf Γ definiert. Im hier verwendeten Code
werden alle Bilanzgleichungen in integraler Form gel¨
ost, wobei die betrachteten Vo-
lumina V, jeweils die Volumina der Zellen sind. Es bietet sich daher an, auch die
Grenzfl¨
achenkraft fΓin eine Volumenkraft fΓ,V zu ¨
uberf¨
uhren, sodaß
ZVΓ(t)
fΓdA =ZV
fΓ,V dV (4.5)
gilt. Man kann zeigen, daß im Falle konstanter Oberfl¨
achenspannung
fΓ,V =σ κΓf(4.6)
die Bedingung (4.5) erf¨
ullt. Dies gilt, weil im Grenzfall unendlich kleiner Zellen
(V0) der Ausdruck |∇f|in eine Dirac’sche Delta-Funktion ¨
ubergeht, die nur
an der Phasengrenze von Null verschieden ist. Die Berechnung der Grenzfl¨
achenkraft
19
4. Numerische Verfahren
in dieser Form hat jedoch den Nachteil, daß sie nicht konservativ ist. Das heißt, daß
die Impulserhaltung im numerischen Verfahren nicht gew¨
ahrleistet ist.
F¨
ur die in dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Simulationen wurde die Grenzfl¨
achenkraft in
konservativer Form verwendet, d.h. sie ist als Divergenz eines Audrucks formuliert.
Im Falle konstanter Grenzfl¨
achenspannung gilt
Γ·(σIσnΓnΓ) = σ κΓnΓ.(4.7)
Durch die Verwendung der auf (4.7) basierenden konservativen Form wird gew¨
ahrlei-
stet, daß auch in der numerischen Umsetzung die Impulserhaltung gilt. Eine genauere
Beschreibung dieser Methode findet sich bei (Lafaurie et al., 1994).
20
5. Dimensionsanalyse der Navier-Stokes-Gleichungen
Um die charakteristischen dimensionslosen Kennzahlen f¨
ur ein str¨
omungsmechani-
sches Problem zu ermitteln, k¨
onnen zwei unterschiedliche Methoden gew¨
ahlt werden.
Entweder man wendet das Π-Theorem an oder man formt die beschreibenden Glei-
chungen (hier: die Navier-Stokes-Gleichungen) so um, daß sie nur noch dimensionslose
Variablen enthalten. Im Folgenden soll der zweite Weg beschritten werden. In einem
ersten Schritt soll dieses Verfahren an den einphasigen Navier-Stokes-Gleichungen
demonstriert werden, um es danach auf die zweiphasigen Navier-Stokes-Gleichungen
auszudehnen.
5.1. Die einphasigen Navier-Stokes-Gleichungen in
dimensionsloser Form
Zun¨
achst sollen also die Navier-Stokes-Gleichungen f¨
ur einphasige Str¨
omungen unter-
sucht werden. Diese lauten f¨
ur inkompressible Medien
tu+u·xu=1
ρxp+µ
ρxu+g,und (5.1)
x·u= 0 .(5.2)
Um besonders hervorzuheben, daß sich die r¨
aumlichen Ableitungen auf dimensions-
behaftete Ortskoordinaten beziehen, wird der Index ’x’ eingef¨
uhrt: Seien die Kom-
ponenten eines Ortsvektors x= (x1, x2, x3), so ist x:= (/∂x1, /∂x2, /∂x3).Alle
Gr¨
oßen in (5.1) und (5.2) sind dimensionsbehaftet. Um die dimensionsbehafteten
Navier-Stokes-Gleichungen in dimensionslose Form zu bringen, werden die dimensi-
onsbehafteten Gr¨
oßen durch Normierung mit charakteristischen Gr¨
oßen in dimensi-
onslose Form ¨
uberf¨
uhrt. Beispielsweise kann die Geschwindigkeit uunter Verwendung
einer charakteristischen Geschwindigkeit Uin eine dimensionslose Geschwindigkeit
umgewandelt werden: v:= u/U. Charakteristische Gr¨
oßen sind in der Praxis so zu
w¨
ahlen, daß ihre Gr¨
oßenordung typisch f¨
ur die betreffende Anordnung ist. In einem
21
5. Dimensionsanalyse der Navier-Stokes-Gleichungen
Rohr beispielsweise bietet es sich an, als charakteristische Geschwindigkeit die mitt-
lere Geschwindigkeit U=˙
V /A zu w¨
ahlen, wobei Ader Rohrquerschnitt ist. Ebenso
k¨
onnen durch Verwendung einer charakteristischen Zeit τund einer charakteristischen
L¨
ange Ljeweils eine dimensionslose Zeit- und eine dimensionslose Ortskoordinate ein-
gef¨
uhrt werden. Es ergeben sich folgende drei dimensionslose Gr¨
oßen:
Zeit s:= t/τ ,
Ortskoordinate y:= x/L ,
Geschwindigkeit v:= u/U . (5.3)
Demnach bezeichnen hier vund ynicht die zweite Komponente der dimensionsbe-
hafteten Geschwindigkeit oder Ortskoordinate. Nun sollen die Terme in den dimensi-
onsbehafteten Navier-Stokes-Gleichungen sukzessive durch solche ersetzt werden, in
denen nur die dimensionslosen Gr¨
oßen vorkommen. Betrachten wir die Zeitableitung
der Geschwindigkeit:
v(s, y) = 1
Uu(τs, Ly)v
s =τ
U
u
t u
t =U
τ
v
s .(5.4)
Analog hierzu kann man die anderen Ableitungen behandeln. Beispielsweise ergibt
sich f¨
ur die Ortsableitungen des Druckes
p
xi
=1
L
p
yi xp=1
Lyp . (5.5)
Insgesamt ergeben sich folgende Ersetzungen:
tu=U
τsv;xu=U
Lyv; (5.6)
xp=1
Lyp; xu=U
L2yv.(5.7)
Dabei gelte p(y) := p(x/L) . Die Gleichungen (5.6) und (5.7) werden nun in die
dimensionsbehafteten Navier-Stokes-Gleichungen (5.1) und (5.2) eingesetzt. Es folgt:
U
τsv+U2
Lv·yv=1
ρL yp+µ
ρ
U
L2yv+g; (5.8)
U
Ly·u= 0 .(5.9)
22
5.1. Die einphasigen Navier-Stokes-Gleichungen in dimensionsloser Form
Durch Multiplikation mit L/U kann Gl. (5.9) weiter vereinfacht werden zu y·u= 0.
Es liegt nahe, auch die Vorfaktoren auf der linken Seite von Gl. (5.8) auf ¨
ahnliche
Weise zu beseitigen. Dies wird m¨
oglich, wenn die charakteristische Zeit τals als Quo-
tient aus charakteristischer L¨
ange und Geschwindigkeit definiert wird: τ:= L/U.
Eine solche Festlegung ist durchaus sinnvoll: Wenn beispielsweise Ldie L¨
ange einer
durchstr¨
omten Apparatur ist, und Ueine mittlere Str¨
omungsgeschwindigkeit, so er-
gibt sich aus L/U eine mittlere Aufenthaltszeit f¨
ur fluide Elemente in der Apparatur.
Mit dieser Festlegung kann auch die dimensionslose Impulsgleichung (5.8) vereinfacht
werden. Somit erh¨
alt man f¨
ur die dimensionslose Impulsgleichung
sv+v·yv=1
ρ U2yp+µ
ρ L U yv+L
U2g.(5.10)
Bis auf den Druck psind alle Unbekannten in dieser Gleichung dimensionslos. Mit
der Einf¨
uhrung eines charakteristischen Druckes p0kann ein dimensionsloser Druck
˜p:= p/p0eingef¨
uhrt werden. Die Vorfaktoren der Terme auf der rechten Seite werden
zu dimensionslosen Gr¨
oßen zusammengefaßt, die jeweils als Quotient aus zwei Kr¨
aften
interpretiert werden k¨
onnen.
Eulerzahl: Eu = p0 U2Druck/Tr¨
agheit,
Reynoldszahl: Re = ρ U L/µ Tr¨
agheit/Viskosit¨
at,
Froudezahl: Fr = U2/gL Tr¨
agheit/Schwere.
Durch Einsetzen dieser Kennzahlen in die Impulsgleichung ergibt sich mit eg:= g/|g|
folgende Form f¨
ur die dimensionslose Navier-Stokes-Gleichungen:
sv+v·yv=Eu y˜p+1
Re yv+1
Fr eg,(5.11)
y·v= 0 .(5.12)
Bei gegebenen Anfangs- und Randbedingungen ist die L¨
osung der einphasigen Navier-
Stokes-Gleichungen durch die drei Kennzahlen Re, Eu und Fr festgelegt. Mit anderen
Worten: Sind zwei durchstr¨
omte Apparaturen geometrisch ¨
ahnlich (d.h. bis auf Maß-
stabsvergr¨
oßerung formgleich), und sind Re, Eu und Fr identisch, so entwickeln sich
in ihnen auch ¨
ahnliche Str¨
omungsfelder. Zwei Str¨
omungsfelder sind ¨
ahnlich, wenn
es lineare Transformationen nach Art der Gleichungen (5.3) gibt, mit denen das ei-
ne in das andere ¨
uberf¨
uhrt werden kann. Dieser Zusammenhang wird benutzt, um
Versuche an maßstabsgetreuen Modellen im Str¨
omungskanal auf die Wirklichkeit zu
¨
ubertragen.
23
5. Dimensionsanalyse der Navier-Stokes-Gleichungen
5.2. Die mehrphasigen Navier-Stokes-Gleichungen in
dimensionsloser Form
Analog zur Vorgehensweise im vorangegangenen Kapitel beginnen wir mit den di-
mensionsbehafteten Navier-Stokes-Gleichungen.
tu+u·xu=1
ρxp+µ
ρxu+g,(5.13)
x·u= 0 ,(5.14)
[u] = 0 ,(5.15)
[pIS]·n=σκ n.(5.16)
Gegen¨
uber den einphasigen Navier-Stokes-Gleichungen sind die Sprungbedingungen
(5.15) und (5.16) hinzugekommen. Durch (5.15) wird die Stetigkeit des Geschwindig-
keitsfeldes ¨
uber die Phasengrenze gefordert. Der Drucksprung an der Phasengrenze
durch die Oberfl¨
achenspannung wird durch (5.16) beschrieben. Die Gr¨
oßen Iund S
sind 3 ×3 Tensoren, wobei Ieine Einheitsmatrix ist. Sist der Spannungstensor:
S=µ(xu+xuT).(5.17)
Die Fl¨
achennormale der Phasengrenze nist eine Funktion des Ortes und der Zeit,
was durch die Schreibweise n(t, x) ausgedr¨
uckt werden soll. Wird zu dimensionslosen
Koordinaten s:= t/τ und y:= x/L ¨
ubergegangen, so ergibt sich eine neue Funktion
f¨
ur die Fl¨
achennormale:
˜
n(s, y) := n(τs, Ly).(5.18)
Analog zum Druck in Gleichung (5.7) ergibt sich f¨
ur die Kr¨
ummung:
κ=−∇x·n=1
Ly·˜
n.(5.19)
Die Normalenvektoren nund ˜
nsind per definitionem dimensionslos. Die Kr¨
ummung
κentsteht durch eine Ortsableitung von nund hat dadurch die Dimension [1/L¨
ange].
Eine dimensionslose Kr¨
ummung kann also durch Multiplikation mit der charakteri-
stischen L¨
ange gewonnen werden:
˜κ:= L κ =−∇y·˜
n.
24
5.2. Die mehrphasigen Navier-Stokes-Gleichungen in dimensionsloser Form
Die rechte Seite von Gleichung (5.16) kann also durch den Term σ˜κ˜
n/L ersetzt wer-
den, der von den dimensionslosen Koordinaten yund τabh¨
angt. Nun soll auch die
linke Seite als Funktion von dimensionslosen Koordinaten ausgedr¨
uckt werden. Unter
Verwendung von Gleichung (5.6) und p:= p(τs, Ly) erh¨
alt die Sprungbedingung
folgende Form:
pI2µU
L˜
D·˜
n=1
Lσ˜κ˜
nmit ˜
D=1
2(yv+yvT).
Dies ist eine Gleichung in dimensionslosen Variablen, jedoch sind die Terme beider-
seits des Gleichheitszeichens noch dimensionsbehaftet. Durch Einf¨
uhrung eines cha-
rakteristischen Druckes p0kann ein dimensionsloser Druck ˜p:= p/p0definiert werden.
Die Wahl eines beliebigen positiven ρ0und die Division der Sprungbedingung durch
ρ0U2ergibt eine dimensionslose Gleichung:
p0
ρ0U2˜pIµ
ρ0UL 2˜
D˜
n=ρ
ρ0
σ
ρ U2L˜κ˜
nmit ρ=|ρcρd|.
Wird ein positives µ0gew¨
ahlt, so definiert ˜µ=µ/µ0eine dimensionslose Viskosit¨
at
und ˜
S= ˜µ˜
Deinen dimensionslosen Spannungstensor. Hiermit l¨
aßt sich die dimensi-
onslose Sprungbedingung umschreiben zu
Eu0˜pI1
Re0
˜
S˜
n=ρ
ρ
1
E¨
o˜κ˜
n
mit
Eu0=p0
ρ0U2; Re0=ρ0UL
µ0
; E¨
o = ρU2L
σ.
Die dimensionslose Impulsgleichung (5.10) gilt auch im zweiphasigen Fall, jedoch sind
hier die Stoffeigenschaften ρund µdavon abh¨
angig, welche Phase am jeweiligen Ort
vorliegt. Durch Multiplikation von (5.10) mit ρ/ρ0ergibt sich:
ρ
ρ0
sv+ρ
ρ0
v·yv=1
ρ U2yp+µ
ρ0L U yv+ρ
ρ0
L
U2g.
Mit ˜ρ=ρ/ρ0, ˜p=p/p0und ˜µ=µ/µ0folgt:
˜ρ∂sv+ ˜ρv·yv=p0
ρ0U2y˜p+ ˜µµ0
ρ0L U yv+ ˜ρL
U2g;
˜ρ∂sv+ ˜ρv·yv=Eu0y˜p+ ˜µ1
Re0
yv+ ˜ρ1
Freg.
25
5. Dimensionsanalyse der Navier-Stokes-Gleichungen
Handelt es sich um eine Zweiphasenstr¨
omung mit einer kontinuierlichen und einer
dispersen Phase, so werden in der Regel die Stoffeigenschaften der kontinuierlichen
Phase ρcund µcals Bezugsgr¨
oßen verwendet: ρ0:= ρc;µ0:= µc. Im Folgenden werden
mit Eu und Re die auf die kontinuierliche Phase bezogenen Kennzahlen bezeichnet.
Damit ergeben sich die dimensionslosen zweiphasigen Navier-Stokes-Gleichungen:
˜ρ∂sv+ ˜ρv·yv=Eu y˜p+ ˜µ1
Re yv+ ˜ρ1
Fr eg; (5.20)
yv= 0 ; (5.21)
[v] = 0 ; (5.22)
Eu ˜pI1
Re ˜
S˜
n=ρ
ρ
1
E¨
o˜κ˜
n; (5.23)
mit
Eu = p0
ρcU2; Re = ρcUL
µ0
; E¨
o = ρU2L
σ; Fr = U2
g L .
Diese vier Konstanten sind dimensionslos. Die Sprungbedingung enth¨
alt zus¨
atzlich die
beiden dimensionslosen Gr¨
oßen ρ/ρcund das Viskosit¨
atenverh¨
altnis µdc, welches
als Faktor im Spannungstensor ˜
Senthalten ist. Durch die Wahl von p0:= ρcU2wird
Eu zu Eins. Durch die Wahl von U= (g L)1/2wird Fr zu Eins. F¨
ur E¨
o ergibt sich
damit:
E¨
o = gρ L2
σ.
In dieser Gestalt heißt E¨
o auch E¨
otv¨
os-Zahl und kann als Quotient von Auftriebs-
kraft und Oberfl¨
achenspannungskraft eines fluiden Partikels mit der charakteristi-
schen L¨
ange Linterpretiert werden. Es verbleiben vier dimensionslose Kennzahlen
zur Charakterisierung zweiphasiger Str¨
omungen:
ρ
ρc
;λ=µd
µc
; Re = ρcUL
µ0
; E¨
o = gρ L2
σ.(5.24)
Anstelle von ρ/ρcwird oftmals die Morton-Zahl verwendet, welche die Stoffeigen-
schaften der beiden Phasen charakterisiert:
Mo = gρ µ4
c
ρ2
cσ3.
Wegen
ρ
ρc2
=E¨
o3
Mo Re4
sind ρ/ρcund Mo im Kennzahlensatz (5.24) austauschbar.
26
6. Validierung des Codes FS3D
6.1. Die Hadamard-Rybczinski-L¨
osung
Eine analytische L¨
osung der Navier-Stokes-Gleichungen f¨
ur ein Zweiphasenproblem
ist im Allgemeinen nicht m¨
oglich. Im Grenzfall Re 0 (d.h. bei kleinen Geschwindig-
keiten u,Kriechstr¨
omung) kann der nichtlineare Term uuin der Impulsgleichung
(5.13) vernachl¨
assigt werden, weil hier uquadratisch auftritt. Es ergibt sich eine ver-
einfachte Impulsgleichung f¨
ur Kriechstr¨
omungen, die Stokes-Gleichung genannt wird:
tu=1
ρxp+µ
ρxu+g.(6.1)
Mit dieser Vereinfachung existiert eine analytische L¨
osung f¨
ur fluide Kugeln, die von
Hadamard und Rybzinski gefunden wurde. F¨
ur das Geschwindigkeitsfeld lautet die
L¨
osung in Kugelkoordinaten außerhalb der fluiden Kugel:
ur(r, θ) = wT"1R
r
3λ+ 2λ
2λ+ 2 +R
r2λ
2λ+ 2#cos θ; (6.2)
uθ(r, θ) = wT"1R
r
3λ+ 2λ
4λ+ 4 R
r3λ
λ+ 1#sin θ; (6.3)
und innerhalb der fluiden Kugel:
ur=wT
1
2λ+ 2 1r
R2cos θ; (6.4)
uθ=wT
1
2λ+ 2 12r
R2sin θ(6.5)
mit dem Kugelradius Rund dem Viskosit¨
atenverh¨
altnis λ. Dabei sind urund uθ
jeweils die radiale und die vertikale Relativgeschwindigkeit bezogen auf die Schwer-
punktbewegung, die mit der Geschwindigkeit wTin Richtung θ= 0 erfolgt. Die
L¨
osung ist axialsymmetrisch mit der Linie θ= 0 bzw. θ=πals Symmetrieachse. Die
Ebene θ=π/2 - im Folgenden ¨
Aquatorebene genannt - verl¨
auft durch den Mittel-
punkt und senkrecht zur Bewegungsrichtung des fluiden Partikels. Die ¨
Aquatorebene
27
6. Validierung des Codes FS3D
ist dadurch ausgezeichnet, daß auf ihr die radiale Geschwindigkeitskomponente ur
sowohl innerhalb als auch außerhalb der fluiden Kugel verschwindet. Das Geschwin-
digkeitsfeld innerhalb der fluiden Kugel ist ein torusf¨
ormiger Wirbelring, der auch
Hill’scher Wirbel genannt wird. Im Wirbelzentrum gilt ur=uθ= 0. Diese Bedin-
gung ist auf der ¨
Aquatorebene bei r=R/2 erf¨
ullt. Weitere ausgezeichnete Punkte
auf der ¨
Aquatorebene sind das Kugelzentrum (r= 0) und der ¨
Aquator (r=R). Im
Kugelzentrum ist die Geschwindigeit ucsenkrecht zur ¨
Aquatorebene:
uc=wT
2λ+ 2 .(6.6)
Auf dem ¨
Aquator ist die Geschwindigkeit senkrecht zur ¨
Aquatorebene uc. Insge-
samt ist das Geschwindigkeitsprofil innerhalb der fluiden Kugel auf der ¨
Aquatorebene
gem¨
(6.5) parabolisch. Ist das Geschwindigkeitsfeld bekannt, kann das Druckfeld
durch Einsetzen der Geschwindigkeit in die Navier-Stokes-Gleichungen ermittelt wer-
den. Im Anhang A.2 wird dies am Beispiel des Hill’schen Wirbels gezeigt. Insgesamt
ergibt sich f¨
ur die fluide Kugel folgendes Druckfeld:
p=p0ρcg r cos θ+wTµc
RR
r23λ+ 2
2λ+ 2 cos θf¨
ur r > R ; (6.7)
p=p0ρdg r cos θ5wTµc
R
r
R
λ
λ+ 1 cos θ+2σ
Rf¨
ur r < R . (6.8)
Durch Integration des durch (6.7) gegebenen Außendruckes entlang des Kugelrandes
(r=R) erh¨
alt man den Druckbeitrag zum Widerstandsbeiwert
CD=8
3 Re 2 + 3λ
1 + λ.(6.9)
Durch Integration von S·erentlang des Kugelrandes ergibt sich der Beitrag viskoser
Kr¨
afte zum Widerstandsbeiwert
CD,S =16
3 Re 2 + 3λ
1 + λ.(6.10)
Die Summe dieser Beitr¨
age ergibt den gesamten Widerstandsbeiwert auf eine fluide
Kugel zu
CD,p =8
Re 2 + 3λ
1 + λ.(6.11)
28
6.2. Numerische L¨
osungen f¨
ur langsame, sph¨
arische fluide Partikel
F¨
ur eine Gasblase gilt λ0 somit CD= 16/Re. Eine feste Kugel kann als eine fluide
Kugel mit unendlich hoher Viskosit¨
at angesehen werden. Durch den Grenz¨
ubergang
λ ergibt sich der Widerstandsbeiwert f¨
ur feste Kugeln als CD= 24/Re. Beide
Beziehungen gelten gem¨
Voraussetzung nur f¨
ur Re 1. Durch Gleichsetzen der
Widerstandskraft mit der Auftriebskraft kann aus (12.4) die Aufstiegsgeschwindigkeit
ermittelt werden. Diese lautet:
wT=2
3
gR2(ρcρd)
µc
1 + λ
2 + 3λ.(6.12)
6.2. Numerische L¨
osungen f¨
ur langsame, sph¨
arische fluide
Partikel
Die L¨
osung von Hadamard-Rybczinski f¨
ur langsam aufsteigende/sinkende fluide Par-
tikel (d.h. Re1) kann zum Vergleich mit numerischen L¨
osungen herangezogen wer-
den, um die Zuverl¨
assigkeit des verwendeten Codes zu ¨
uberpr¨
ufen. Man spricht in die-
sem Zusammenhang von der Validierung eines Codes. Um den Code FS3D zu vali-
dieren, wird zun¨
achst ein Modellsystem gew¨
ahlt, welches die Simulation eines langsam
aufsteigenden fluiden Partikels erm¨
oglicht. Durch eine hohe Viskosit¨
at µcder kontinu-
ierlichen Phase kann die Reynoldszahl klein gehalten werden. F¨
ur das Modellsystem
wurden folgende Stoffdaten gew¨
ahlt: µc=0,2 Pa s, ρc= 2000 kg/m3,ρd= 1000 kg/m3
und σ= 72 mN/m. Die Oberfl¨
achenspannung σist identisch mit der von Wasser an
Luft. F¨
ur die disperse Phase werden verschiedene Viskosit¨
aten µdverwendet so daß
das Viskosit¨
atenverh¨
altnis λ=µdcim Intervall 0,125 λ2 liegt. F¨
ur ver-
schiedene λwird die Endgeschwindigkeit eines Tropfens mit einem Durchmesser von
d=0,2 cm berechnet. Das Rechengebiet ist quaderf¨
ormig mit vertikalen W¨
anden im
Abstand von 8dbzw. 16d, d.h. es wird der Aufstieg eines Tropfens in einem Rohr mit
einem quadratischen Querschnitt simuliert. Die Kantenl¨
ange des Rohrquerschnitts
betr¨
agt entweder 8doder 16d. Die Aufstiegsgeschwindigkeit sinkt mit wachsendem λ,
d.h., mit der Erh¨
ohung von µc(siehe Abbildung 6.1). Grunds¨
atzlich sind die nu-
merisch ermittelten Aufstiegsgeschwindigkeiten kleiner als nach Gleichung (6.12).
Diese Abweichung wird mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Seitenw¨
ande ver-
ursacht, denn mit gr¨
oßerem Wandabstand dWsteigen die Endgeschwindigkeiten wT.
Im Grenzfall dW ist das kontinuierliche Fluid unendlich ausgedehnt, was Vor-
aussetzung f¨
ur die L¨
osung von Hadamard-Rybzinski ist. Aufstiegsgeschwindigkeiten
29
6. Validierung des Codes FS3D
von 1,0< wT<1,4 entsprechen 0,1<Re <0,14, womit die zweite Voraussetzung
Re 1 erf¨
ullt wird. Um das numerische Ergebnis f¨
ur das Geschwindigkeitsfeld im Fall
λ= 1 mit der analytischen L¨
osung zu vergleichen, wird die senkrechte Komponente
der Relativgeschwindigkeit wr=wwTauf einer horizontalen Linie in x-Richtung
durch den Blasenschwerpunkt untersucht. Diese Linie liegt auf der ¨
Aquatorebene,
wo horizontale Geschwindigkeitskomponenten Null sind. Zun¨
achst wird die analyti-
sche L¨
osung in kartesische Koordinaten umgewandelt: Sei der Blasenschwerpunkt bei
x=0, so gilt auf der ¨
Aquatorebene: wr(x) = uθ(r=x, θ =π/2). Hiermit k¨
onnen
die Werte f¨
ur wrleicht aus (6.5) und (6.3) hergeleitet werden. Wie aus Abbildung
6.2 hervorgeht, ist der Nulldurchgang wr= 0 f¨
ur die theoretische L¨
osung wie f¨
ur die
analytische L¨
osung an derselben Stelle. Hier liegt das Zentrum des Hill’schen Wirbels
(vgl. Seite 28). In der analytischen L¨
osung gilt wr(x ) = wT, denn in unendlich
großer Entfernung vom Tropfen ruht die kontinuierliche Phase (w= 0 wr=wT).
In den Simulationen hingegen ist das Rechengebiet durch vertikale W¨
ande begrenzt.
Die durch den aufsteigenden Tropfen verdr¨
angte kontinuierliche Phase muß zwischen
dem Tropfenrand und den W¨
anden abw¨
arts str¨
omen. Daher sind außerhalb des Trop-
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
w
T
[cm/ s]
d
w
=16d
d
w
=8d
Abbildung 6.1.: Endgeschwindigkeit simulierter Modelltropfen in Abh¨
angigkeit vom Vis-
kosit¨
atenverh¨
altnis λ. Kurve: wTnach der L¨
osung von Hadamard-Rybczinski, Gleichung
(6.12). Gestrichelte Linie: wTf¨
ur λ nach Gleichung (6.12). Symbole: Simulierte Auf-
stiegsgeschwindigkeiten wT; Kreise: Wandabstand dW= 8d. Dreiecke: dW= 16d.
30
6.2. Numerische L¨
osungen f¨
ur langsame, sph¨
arische fluide Partikel
0 1 2 3 4 5 6 7 8
-1,2
-1,0
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
d
W
=16d
d
W
= 8d
w
r
/ w
T
x / R
Abbildung 6.2.: Senkrechte Komponente der Relativgeschwindigkeit wr(normiert auf
die Aufstiegsgeschwindigkeit wT) in Abh¨
angigkeit vom horizontalen Abstand x zum Trop-
fenschwerpunkt (normiert auf den Tropfenradius d/2) f¨
ur λ= 1. Kurve: Analytische
L¨
osung nach Hadamard-Rybczinski. Kreise: Wandabstand dW= 8d. Dreiecke: Wandab-
stand dW= 16d. Gestrichelte vertikale Linie: Lage der Phasengrenze.
31
6. Validierung des Codes FS3D
fens die Betr¨
age von wrf¨
ur die numerischen L¨
osungen gr¨
oßer als in der analytischen
L¨
osung. Auch innerhalb des Tropfens sind die numerischen Betr¨
age von wrgr¨
oßer.
Exemplarisch f¨
ur die St¨
arke der inneren Zirkulation wird die Geschwindigkeit im
Tropfenzentrum n¨
aher untersucht. F¨
ur die vertikale Relativgeschwindigkeit im Trop-
fenzentrum wr,c =wr(x= 0) folgt aus (6.6)
wr,c
wT
=1
1 + λ.(6.13)
F¨
ur das eingangs beschriebene Modellsystem wird wr,c numerisch ermittelt und mit
(6.13) verglichen (Abbildung 6.3). Das numerische Resultat ist stets gr¨
oßer als der
analytische Wert, jedoch sinkt der Unterschied mit zunehmendem Wandabstand.
Nachdem f¨
ur die Geschwindigkeitsfelder eine befriedigende ¨
Ubereinstimmung zwi-
schen numerischen und analytischen L¨
osungen gefundenen wurde, sollen nun die
Druckfelder verglichen werden. Auf der ¨
Aquatorebene (θ= 0) ist der Druck gem¨
der Gleichungen (6.7) und (6.8) in beiden Fluiden konstant. Lediglich an der Phasen-
grenze tritt der durch die Oberfl¨
achenspannung verursachte Drucksprung 2σ/R auf.
In der numerischen L¨
osung ist der Drucksprung ¨
uber mehrere Zellen verschmiert, weil
die Oberfl¨
achenspannung als Volumenkraft modelliert ist, die auch in der Umgebung
Abbildung 6.3.: Senkrechte Komponente der Relativgeschwindigkeit im Tropfenschwer-
punkt in Abh¨
angigkeit vom Viskosit¨
atenverh¨
altnis λ. Kurve: Analytische L¨
osung nach
Hadamard-Rybczinski. Kreise: Wandabstand dW= 8d. Dreiecke: Wandabstand dW= 16d.
32
6.2. Numerische L¨
osungen f¨
ur langsame, sph¨
arische fluide Partikel
der Phasengrenze pr¨
asent ist (Abbildung 6.4). Als weitere Kontroll-Linie bietet sich
die Vertikale durch den Tropfenschwerpunkt an. Gem¨
(6.8) ¨
andert sich hier der
Innendruck des Tropfens linear mit der vertikalen Koordinate z=rcos θ:
p=p0ρdg z 5wTµc
R2
λ
λ+ 1 z+2σ
Rf¨
ur |z|< R . (6.14)
F¨
ur den Außendruck gilt auf der vertikalen Kontroll-Linie:
p=p0ρcg z +wTµcR
z|z|
3λ+ 2
2λ+ 2 f¨
ur |z|> R . (6.15)
In Abbildung 6.5 ist der Gesamtdruck f¨
ur einen Tropfen entlang der Vertikalen ab-
gebildet. Der hydrodynamische Druckanteil ist jeweils der Gesamtdruck abz¨
uglich
der konstanten Beitr¨
age und des hydrostatischen Druckes ρ g z. Der dynamische
Druckanteil pDaußerhalb des Tropfens entlang der Vertikalen ist in Abbildung 6.6
dargestellt. Der dynamische Druck pDinnerhalb des Tropfens hat die Steigung
z pD=5wTµc
R2
λ
λ+ 1 .(6.16)
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
0
20
40
60
80
100
120
140
160
p [Pa]
x / R
Abbildung 6.4.: Druck entlang einer horizontalen Linie durch den Tropfenschwerpunkt.
Die horizontale Verschiebung x ist durch den Tropfenradius R normiert (R=1 mm; λ= 1).
Punkte: Numerische L¨
osung. Linie: Analytische L¨
osung.
33
6. Validierung des Codes FS3D
-2 -1 0 1 2
-50
0
50
100
150
200
p [Pa]
z / R
Abbildung 6.5.: Druck in Abh¨
angigkeit von der H¨
ohe auf einer vertikalen Kontroll-Linie
durch den Tropfenmittelpunkt (d=2 mm, λ= 1).
-5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5
-3
-2
-1
0
1
2
3
p [Pa]
z / R
Abbildung 6.6.: Dynamischer Druck in Abh¨
angigkeit von der H¨
ohe auf einer vertikalen
Kontroll-Linie durch den Tropfenmittelpunkt (d=2 mm, λ= 1, Wandabstand dW= 8d).
34
6.2. Numerische L¨
osungen f¨
ur langsame, sph¨
arische fluide Partikel
Durch Einsetzen von (6.12) in (6.16) folgt:
z pD=10
3(ρcρd)λ
2 + 3λ.(6.17)
F¨
ur verschiedene Viskosit¨
atenverh¨
altnisse λwird die Steigung pD/∂z im Tropfenin-
neren aus numerischen L¨
osungen ermittelt und mit dem analytischen Wert nach (6.17)
verglichen (Abbildung 6.7). Insgesamt wird das Druckfeld innerhalb und außerhalb
des Tropfens in der numerischen L¨
osung befriedigend wiedergegeben. Lediglich direkt
an der Phasengrenze kommt es aufgrund der Modellierung der Oberfl¨
achenspannung
als Volumenkraft zu gr¨
oßeren Abweichungen von der analytischen L¨
osung.
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
- d/dz (p
d
) [Pa / mm]
Abbildung 6.7.: Steigung des dynamischen Druckes im Tropfen (d=2 mm) in Abh¨
angig-
keit vom Viskosit¨
atenverh¨
alntis λ. Kurve: Analytische L¨
osung (Gleichung 6.16). Symbole:
Numerische L¨
osung. Kreise: Wandabstand dW= 8d. Dreiecke: Wandabstand dW= 16d.
35
6. Validierung des Codes FS3D
36
Teil I.
Bewegung von ¨
Oltropfen in Wasser
37
Motivation
Die Bewegung von ¨
Oltropfen in Wasser ist ein Problem, welches bei der F¨
orderung,
der Verarbeitung und dem Transport von Roh¨
ol eine große Rolle spielt. Durch die Ver-
brennung fossiler Energietr¨
ager wird Kohlendioxyd erzeugt, welches zur Erw¨
armung
der Erdatmosph¨
are wesentlich beitr¨
agt. In den letzten Jahren werden vermehrt An-
strengungen unternommen, Kohlendioxyd aus Abgasen abzuscheiden, um eine Frei-
setzung in der Atmosp¨
are zu verhindern. Dabei entsteht das Problem der Endlagerung
des Gases, welches in hohen Konzentrationen t¨
odlich ist. Eine zeitlang wurde erwogen,
Kohlendioxyd in der Tiefsee endzulagern. Unter den dort vorherrschenden Dr¨
ucken
ist es fl¨
ussig und dichter als Wasser, so daß es ab einer bestimmten Tiefe von selbst
bis zum Meeresboden absinken w¨
urde. Inzwischen bevorzugt man jedoch die L¨
osung,
Kohlendioxyd in ausgebeutete ¨
Olfelder zu pumpen. Ein großer Teil der ¨
Olfelder liegt
unter dem Meeresgrund. Daher ist es auch f¨
ur die Planung solcher Projekte wichtig,
das Verhalten fl¨
ussigen Kohlendioxyds in der Tiefsee zu kennen. Vor diesem Hinter-
grund wurden von Haljasmaa (2006) Experimente zur Sink- beziehungsweise Auf-
stiegsgeschwindigkeit von Tropfen fl¨
ussigen Kohlendioxyds und anderer Fl¨
ussigkeiten
in Wasser unternommen. In Wasser eignet sich ¨
Ol als Modellsubstanz f¨
ur fl¨
ussiges
Kohlendioxyd, weil die Stoffeigenschaften (wie z.B. die Morton-Zahl) beider Systeme
¨
ahnlich sind. W¨
ahrend Kohlendioxyd nur unter hohem Druck fl¨
ussig bleibt, k¨
onnen
¨
Oltropfen unter Normalbedingungen untersucht werden und sind daher leichter hand-
habbar.
Haljasmaa hat in seinen Experimenten Mais¨
ol und Rizinus¨
ol verwendet. Die Stoff-
eigenschaften der ¨
Olsorten und von Wasser sind in Tabelle 6.1 aufgelistet. F¨
ur die
¨
Olsorten sind die Oberfl¨
achenspannungen σgegen¨
uber Wasser eingetragen. Zum Ver-
gleich: Die Oberfl¨
achenspannung f¨
ur Wasser gegen¨
uber Luft betr¨
agt 72 mN/m.
Fluid ρl[kg/m3]µl[mPa s] σ[mN/m] log10(Mo)
Mais¨
ol 917 45 20,1 9E-11
Rizinus¨
ol 957 900 16,8 7E-11
Wasser 998 1 - -
Tabelle 6.1.: Stoffdaten f¨
ur verschiedene Fluide aus Haljasmaa (2006)
39
40
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
7.1. Konfiguration des Rechengebietes
Ziel der Rechnungen ist es, die Bewegung in einem unendlich ausgedehnten Was-
servolumen zu simulieren. Andererseits kann nur ein begrenztes Gebiet numerisch re-
pr¨
asentiert werden. Der hier verwendete Code FS3D sieht ausschließlich quaderf¨
ormi-
ge Rechengebiete vor. Die Randbedingungen sind so zu w¨
ahlen, daß die r¨
aumliche Be-
grenzung m¨
oglichst geringen Einfluß auf die Tropfenbewegung hat. So wird an den Sei-
tenw¨
anden des Rechengebietes eine Schlupf-Randbedingung verwendet, um Reibung
an der Wand auszuschließen. Am oberen Rand wird eine konstante Geschwindigkeit
w0vorgegeben, um den Tropfen durch Gegenstrom m¨
oglichst lange im Rechengebiet
zu halten. Am unteren Rand wurde eine Ausstr¨
om-Randbedingung gew¨
ahlt, wodurch
die oben eingef¨
uhrte Fl¨
ussigkeit das Rechengebiet wieder verlassen kann. Wenn nur
zweidimensionale oder eindimensionale Trajektorien zugelassen werden, so kann das
Rechengebiet durch Verwendung einer oder zweier Symmetrieebenen verkleinert wer-
den. Dadurch verringert sich der Rechenaufwand erheblich. Die Symmetrieebenen
verlaufen durch den Blasenschwerpunkt. F¨
ur zweidimensionale Trajektorien wird die
x-z-Ebene als Symmetrieebene verwendet, f¨
ur eindimensionale Trajektorien zus¨
atz-
lich die y-z-Ebene. Das Gitter ist kartesisch mit kubischen Zellen. Als Wandabstand
dWwird der Abstand zweier gegen¨
uberliegender W¨
ande mit Schlupf-Randbedingung
bezeichnet.
7.2. Einfluß des Wandabstandes auf die Aufstiegsgeschwindigkeit
Ein Mais¨
oltropfen mit einem ¨
Aquivalenzdurchmesser von d=5,7 mm steigt im Ex-
periment geradlinig auf. Daher k¨
onnen in der Simulation dieses Vorgangs ohne Ein-
schr¨
ankung der Physikalit¨
at zwei Symmetrieebenen verwendet werden. In Abbildung
7.1 ist die Endgeschwindigkeit wTdes ¨
Oltropfens in Abh¨
angigkeit vom Wandabstand
DWdargestellt. F¨
ur den Wandeinfluß auf die Aufstiegsgeschwindigkeit von Blasen
41
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
und Tropfen im zylindrischen Rohr mit Durchmesser Dschlagen Clift et al. (1978)
folgende Korrelation vor:
wT
wT,
="1d
D2#3/2
.(7.1)
Hierbei ist wT,die Aufstiegsgeschwindigkeit ohne Wandeinfluß (D=). Es wird
E¨
o<40, Re >0 und d/D < 0,6 vorausgesetzt. Diese Bedingungen sind f¨
ur den
Mais¨
oltropfen mit d=5,7 mm erf¨
ullt. Setzt man D=DWein, so kann f¨
ur jeden Wand-
abstand aus dem jeweils berechneten wTein theoretischer Wert f¨
ur wT,ermittelt
werden. Dieser Wert stellt jedoch aus zwei Gr¨
unden lediglich eine obere Absch¨
atzung
dar: Erstens ist der Kanalquerschnitt in der Simulation quadratisch, und hat damit
eine gr¨
oßere Querschnittsfl¨
ache als ein Kreisrohr mit dem Durchmesser DW. Zwei-
tens wird durch die Schlupf-Randbedingung in der Simulation Reibung an der Wand
unterbunden. Wenn die Schlupfbedingung an den W¨
anden durch eine Haftbedingung
ersetzt wird, ¨
andert sich sich die Aufstiegsgeschwindigkeit der Tropfen in den Simu-
lationen allerdings nicht signifikant. Wegen des quadratischen Rohrquerschnitts wird
wT,durch Anwendung von (7.1) auf die simulierten Aufstiegsgeschwindigkeiten wT
systematisch ¨
ubersch¨
atzt. Der so ermittelte Wert kann jedoch als obere Schranke
interpretiert werden. In Abbildung 7.1 konvergieren wT,und wTschnell. Erh¨
oht
man den Wandabstand von 8dauf 16d, so ¨
andert sich die Aufstiegsgeschwindigkeit
kaum. Daher wird f¨
ur die folgenden Simulationen dW= 8dals Standardwandabstand
gew¨
ahlt.
7.3. Geschwindigkeiten innerhalb des Tropfens
Die Viskosit¨
at von ¨
Ol ist in der Regel um ein Vielfaches h¨
oher als die von Wasser. So
ist f¨
ur das hier untersuchte Mais¨
ol das Viskosit¨
atsverh¨
altnis λ= 45, f¨
ur das Castor¨
ol
betr¨
agt es sogar 900. Im Grenzfall λ kommen innere Geschwindigkeiten in einem
Tropfen zum Erliegen und er verh¨
alt sich wie ein festes Partikel. Bei großem, jedoch
endlichem λist zu erwarten, daß die Relativgeschwindigkeiten im fluiden Partikel
sehr klein sind. Dadurch herrscht an der Phasengrenze in tangentialer Richtung quasi
Haftbedingung. Jedoch ist eine langsame Deformation des Partikels durch geringe Ge-
schwindigkeiten der Phasengrenze in normaler Richtung auch bei großen λm¨
oglich.
42
7.3. Geschwindigkeiten innerhalb des Tropfens
7
8
9
10
11
12
13
16
84
2
w
T,inf
w
T
w
T
D
W
/ d
Abbildung 7.1.: Endgeschwindigkeit simulierter Mais¨
oltropfen (d=5,7 mm) in Abh¨
angig-
keit vom Wandabstand (Quadrate). Kreise: wT,nach (7.1)
Um eine Absch¨
atzung zu erhalten, ab welchem Viskosit¨
atenverh¨
altnis fluide Parti-
kel als fest im Sinne der tangentialen Geschwindigkeit an der Phasengrenze sind,
vergleicht Haljasmaa (2006) die Standardkurve f¨
ur den Widerstandsbeiwert fester
Kugeln mit einer Korrelation von Feng und Michaelides f¨
ur den Widerstandsbeiwert
sph¨
arischer fluider Partikel ohne Surfactants.
CD(Re, λ) =
2λ
2CD(Re,0) + 4λ
6 + λCD(Re,2) f¨
ur 0 λ2 ;
4
λ+ 2 CD(Re,2) + λ2
λ+ 2 CD(Re,) f¨
ur 2 λ ;
(7.2)
mit
CD(Re,0) = 48
Re 1 + 2,21
Re 2.14
Re ,
CD(Re,2) = 17,0 Re2/3,
CD(Re,) = 24
Re 1 + 1
6Re2/3.
Diese Korrelation f¨
ur den Bereich Re <1000 erhalten Feng und Michaelides mittels
einer numerischen Untersuchung, die eine Erweiterung der L¨
osung von Hadamard
und Rybczinski hin zu mittleren Reynoldszahlen darstellt, indem der Ansatz von
Levich (1962) auf λ > 0 verallgemeinert wird. In Abbildung 7.2 ist die Korrelation
43
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
(7.2) f¨
ur verschiedene Werte von λsowie die Standard-Drag-Kurve f¨
ur feste Kugeln
nach Gleichung (2.6) eingezeichnet. Ab λ20 stellt die Korrelation im Bereich
50 <Re <1000 eine gute Approximation der Standard-Drag-Kurve dar. Weil eine
weitere Erh¨
ohung des Viskosit¨
atenverh¨
altnisses ¨
uber 20 hinaus zu keiner Erh¨
ohung
des Widerstandsbeiwertes f¨
uhrt, geht Haljasmaa davon aus, daß ab λ= 20 die Pha-
sengrenze in tangentialer Richtung unbeweglich ist. F¨
ur λ= 0 hingegen ergibt sich
aus (7.2) der Drag f¨
ur kugelf¨
ormige Blasen in reinem Wasser. Ab Re = 500 steigt der
Drag f¨
ur die Blasen stark an, was auf die zunehmende Deformation der Blasen und
das Einsetzen horizontaler Oszillationen zur¨
uckzuf¨
uhren ist. Diese Ph¨
anomene sind
in der Korrelation nicht ber¨
ucksichtigt. Nach der Annahme von Haljasmaa m¨
ußten
bei in Wasser aufsteigenden Mais¨
oltropfen (λ= 45) die Geschwindigkeiten innerhalb
des Tropfens und damit auch die tangentiale Geschwindigkeitskomponente an der
Phasengrenze vernachl¨
assigbar klein sein.
Um diese Vermutung zu ¨
uberpr¨
ufen, wird f¨
ur eine Serie von Tropfen mit gleichem
Durchmesser (d=5,7 mm) und verschiedenen Viskosit¨
aten µdder freie Aufstieg in
Wasser simuliert. F¨
ur die Oberfl¨
achenspannung und Dichte werden die Stoffwerte
Abbildung 7.2.: Dragkoeffizient in Abh¨
angigkeit von der Reynoldszahl f¨
ur verschiedene
Partikel: Fette Kurve: Standard-Drag f¨
ur feste Kugeln. D¨
unne Linien: Korrelation (7.2) f¨
ur
verschiedene Viskosit¨
atenverh¨
altnisse λ. Offene Symbole: Experimentell bestimmter Drag
f¨
ur Luftblasen in reinem Wasser. A: Maxworthy et al. (1996) B: Haberman und Morton
(1953). Fette gestrichelte Linie: Schirmblasen, CD= 8/3.
44
7.3. Geschwindigkeiten innerhalb des Tropfens
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
Abbildung 7.3.: Geschwindigkeitsfeld eines Mais¨
oltropfens (λ= 45, d=5,7 mm) nach
Erreichen der Endgeschwindigkeit wT. (Bild um 90gedreht, Aufstiegsrichtung nach links.)
von Mais¨
ol ¨
ubernommen (σ= 20,1 mN/m, ρ= 917 kg/m3). Aus Abbildung 7.4
ist erkennbar, daß die Aufstiegsgeschwindigkeit auch ¨
uber λ= 20 mit steigendem λ
sinkt. F¨
ur Tropfen mit λ= 20 und λ= 45 wird das Geschwindigkeitsfeld im Tropfen-
inneren nach Erreichen der Endgeschwindigkeit wTn¨
aher untersucht. Betrachtet man
die vertikale Relativgeschwindigkeit wr=wwTauf einer horizontalen Linie durch
den Tropfenschwerpunkt, so ergibt sich ein parabolisches Geschwindigkeitsprofil mit
Scheitelpunkt als absolutem Maximum wcim Tropfenzentrum und dem Minimum wΓ
an der Phasengrenze. Wie bei der L¨
osung von Hadamard-Rybczinski gilt wΓ=wc.
Das Wirbelzentrum liegt jedoch oberhalb der ¨
Aquatorebene des Tropfens und nicht
innerhalb der ¨
Aquatorebene, wie es bei der L¨
osung von Hadamard-Rybczinski der
Fall ist (siehe Abbildung 7.3). F¨
ur die Tropfen mit λ= 20 und λ= 45 ergibt sich
wc= 0,24 wTund wc= 0,14 wT. Der Betrag der Phasengrenzengeschwindigkeit am
Tropfen¨
aquator ist damit etwa ein Viertel bzw. ein Siebentel der Aufstiegsgeschwin-
digkeit. Im Intervall 20 λ45 sinkt die Aufstiegsgeschwindigkeit wTum 0,3 cm/s.
Dies ist einerseits eine signifikante ¨
Anderung, andererseits entspricht dies nur einer
relativen Absenkung von wTum 0,3%. In einem doppelt logarithmischen Diagramm
f¨
ur CDin Abh¨
angigkeit von Re (wie Abbildung 7.2) ist eine solche ¨
Anderung prak-
tisch nicht sichtbar, sodaß Haljasmaas Absch¨
atzung in erster N¨
aherung zutreffend
ist. Aus Abbildung 7.4 ist ersichtlich, daß ab λ100 die Aufsiegsgeschwindig-
keit konstant bleibt. Unterhalb λ= 20 steigt die Geschwindigkeit der Tropfen mit
σ= 20.1 mN/m zun¨
achst stark an, was mit einer starken Abflachung des Tropfens ein-
hergeht (Abbildung 7.5). Um den Einfluß von λauf die Aufstiegsgeschwindigkeit wT
ohne Formver¨
anderung studieren zu k¨
onnen, wurde f¨
ur eine weitere Serie von Trop-
fen mit d=5,7 mm und σ= 75 mN/m der Aufstieg in Wasser berechnet. Durch die
45
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
¨
uberh¨
ohte Oberfl¨
achenspannung sind diese Tropfen nahezu kugelf¨
ormig und ¨
Ande-
rungen der Aufstiegsgeschwindigkeiten werden im Wesentlichen durch ¨
Anderungen
von λbestimmt.
0,01 0,1 1 10 100
8
9
10
11
12
13
14
= 75 mN/m
= 20,1 mN/m
w
T
[cm /s]
Abbildung 7.4.: Aufstiegsgeschwindigkeiten f¨
ur Tropfen in Abh¨
angigkeit vom Visko-
sit¨
atenverh¨
altnis λbei d=5,7 mm und ρd= 917 kg/m3. Quadrate: Oberfl¨
achenspannung
σ= 20,1 mN/m. Kreise: σ= 75 mN/m.
0,01 0,1 1 10 100
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
= 75 mN /m
= 20.1 m N/m
d
v
/ d
H
Abbildung 7.5.: Durchmesserverh¨
altnis f¨
ur Tropfen in Abh¨
angigkeit vom Viskosit¨
aten-
verh¨
altnis λbei d=5,7 mm und ρd= 917 kg/m3. Quadrate: Oberfl¨
achenspannung σ=
20,1 mN/m. Kreise: σ= 75 mN/m.
46
7.4. Trajektorien
7.4. Trajektorien
W¨
ahrend des freien Aufstiegs fluider Partikel k¨
onnen im Experiment periodische seit-
liche Oszillationen auftreten, so daß sich eine helikale (d.h. schraubenf¨
ormige) oder
zickzack-f¨
ormige Bewegungsbahn ausbildet. Um zu pr¨
ufen, welche Klassen von Bewe-
gungsbahnen in der Simulation auftreten, wird der Tropfenaufstieg zun¨
achst f¨
ur zwei
exemplarische Tropfengr¨
oßen ohne die Verwendung von Symmetrieebenen bei einem
Wandabstand dW=8dberechnet: Tropfen mit d=5,7 mm steigen im Experiment ge-
radlinig auf, w¨
ahrend Tropfen mit d=13,2 mm horizontal oszillieren. Durch periodi-
sche Randbedingungen an den Seitenw¨
anden wird in der Simulation eine ungehinderte
seitliche Bewegung zugelassen. Bei großen Tropfen stellen sich nach wenigen Sekun-
den freien Aufstiegs periodische seitliche Bewegungen ein, die eher zickzack-f¨
ormig
als helikal sind (siehe Abbildung 7.6). Bei den kleinen Tropfen sind in der Simula-
tion nicht-periodische seitliche Bewegungen festzustellen. Die Trajektorien verlaufen
innerhalb der Ebenen y=x oder y=-x. Weil diese Diagonalen im kubischen Gitter
ausgezeichnete Raumrichtungen darstellen, k¨
onnten numerische Effekte - sogenannte
parasit¨
are Str¨
omungen, vgl. Koebe (2004) - die Ursache f¨
ur die unregelm¨
aßige Ho-
rizontalbewegung sein. Um dieses Ph¨
anomen zu unterdr¨
ucken, werden kleine Tropfen
unter Verwendung zweier vertikaler Symmetrieebenen simuliert und so ein geradlini-
ger Aufstieg erzwungen.
Abbildung 7.7 zeigt die zeitliche Entwicklung der Aufstiegsgeschwindigkeit f¨
ur Trop-
fen aus Rechnungen mit zwei Symmetrieebenen. Der kleine Tropfen erreicht nach
einer Beschleunigungsphase eine konstante Endgeschwindigkeit wT. Es pr¨
agt sich ein
station¨
arer Nachlauf aus. Der große Tropfen hingegen wird nach Erreichen einer Ma-
ximalgeschwindigkeit wmax wieder abgebremst. Diese Abbremsung geht einher mit
dem Auftreten von Instabilit¨
aten im Nachlauf, die schließlich zu Wirbelabl¨
osungen
f¨
uhren.
Wird durch Verwendung von weniger als zwei Symmetrieebenen eine seitliche Bewe-
gung des Tropfenschwerpunkts zugelassen, so gehen die Wirbelabl¨
osungen mit einer
zickzack-f¨
ormigen Aufstiegsbewegung einher. Um die Rechenzeit gering zu halten,
wird in diesem Fall nur eine Symmetrieebene verwendet. Dadurch wird die Bewegung
des Tropfenschwerpunkts auf nur eine Ebene festgelegt. Dies schr¨
ankt die Physikalit¨
at
der Simulation nicht ein, da zickzack-f¨
ormige Trajektorien nur zweidimensional sind.
47
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
-3,5 -3,0 -2, 5 -2,0 -1,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
y [cm]
x [cm ]
t
Abbildung 7.6.: Trajektorie eines Mais¨
oltropfens (d=13,2 mm) in einer Simulation ohne
Symmetrieebenen (Draufsicht).
0 2 4 6 8 10
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
d = 13.2 mm
w [c m/s]
t [s ]
d = 5,7 mm
Abbildung 7.7.: Aufstiegsgeschwindigkeit in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur mit zwei Sym-
metrieebenen simulierte Mais¨
oltropfen (d=5,7 mm und d=13,2 mm).
48
7.4. Trajektorien
Insgesamt wird die Trajektorie eines Tropfens nach folgendem Verfahren eingestuft:
Bildet sich in einer Simulation mit zwei Symmetrieebenen ein stabiler Nachlauf, gilt
der Tropfen als geradlinig aufsteigend. Andernfalls wird die Rechnung mit nur einer
Symmetrieebene wiederholt. Die zeitliche Entwicklung des Geschwindigkeitsfeldes f¨
ur
einen Tropfen mit d=13,2 mm ist im Anhang A.4 dargestellt. Zun¨
achst beschleunigt
der Tropfen geradlinig. W¨
ahrend dieser Phase wird der Nachlauf des Tropfens im-
mer l¨
anger, bis er instabil wird. Schließlich l¨
osen sich Wirbel ab, wechselweise an der
linken und der rechten Tropfenseite. Dies geht einher mit der horizontalen Oszillati-
on. F¨
ur Luftblasen in Wasser wird dieser Vorgang ebenfalls in direkten numerischen
Simulationen beobachtet (Koebe, 2004). Ein detailliertes Modell zur Entstehung der
abwechselnden Wirbelabl¨
osung an den Blasenseiten beschreiben Fan und Tsuchiya
(1990).
In den Abbildungen 7.8 und 7.9 sind die Aufstiegsgeschwindigkeit und die horizon-
tale Position des Schwerpunkts f¨
ur zwei verschieden große Tropfen dargestellt. Beide
Tropfen erreichen bei t=4 sdie gleiche Maximalgeschwindigkeit wmax. Ab t=5 sbe-
ginnt eine periodische horizontale Oszillation. Die Aufstiegsgeschwindigkeit schwankt
dann um einen Mittelwert, der f¨
ur den gr¨
oßeren Tropfen deutlich niedriger ist als f¨
ur
den kleineren Tropfen. F¨
ur oszillierende Tropfen wird eine Endgeschwindigkeit wT
durch diesen Mittelwert definiert. Aus Abbildung 7.9 ist ersichtlich, daß der gr¨
oßere
Tropfen st¨
arker oszilliert. Im Intervall 9 s < t < 10 sverringert sich die seitliche Bewe-
gung des gr¨
oßeren Tropfens kurz. Gleichzeitig steigt die Vertikalgeschwindigkeit. Die
Aufstiegsgeschwindigkeit sinkt demnach mit steigender Amplitude der Oszillation.
49
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
0 2 4 6 8 10 12 14 16
5
6
7
8
9
10
11
12
d=13,2
w [c m/s]
t [s ]
d=11,3
Abbildung 7.8.: Aufstiegsgeschwindigkeit in Abh¨
angigkeit von der Zeit f¨
ur mit einer Sym-
metrieebene simulierte Mais¨
oltropfen (d=11,3 mm und d=13,2 mm).
0 2 4 6 8 10 12 14 16
-1,6
-1,4
-1,2
-1,0
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
d=11,3 mm
d=13,2 mm
y [c m]
t [s ]
Abbildung 7.9.: Seitliche Verschiebung des Tropfenschwerpunkts in Abh¨
angigkeit von der
Zeit f¨
ur mit einer Symmetrieebene simulierte Mais¨
oltropfen (d=11,3 mm und d=13,2 mm).
50
7.5. Aufstiegsgeschwindigkeiten und Tropfenformen
7.5. Aufstiegsgeschwindigkeiten und Tropfenformen
In Simulationen mit zwei Symmetrieebenen entwickelt sich f¨
ur Mais¨
oltropfen bis zu
einem Durchmesser von d=9 mm ein stabiler Nachlauf. Demnach werden sie als gerad-
linig aufsteigende Tropfen eingestuft. Bei gr¨
oßeren Tropfen wird der Nachlauf instabil.
Ihre Aufstiegsbewegung wird mit einer Symmetrieebene berechnet, wobei sich eine
zickzack-f¨
ormige Trajektorie einstellt. Die jeweiligen Aufstiegsgeschwindigkeiten wT,
wmax und wosz sind in Abbildung 7.10 wiedergegeben. Im Bereich 9 mm < d < 13 mm
nimmt die Amplitude der seitlichen Oszillation stark zu, was sinkende wosz zur Folge
hat. Ab d=13 mm ist wosz nahezu unabh¨
angig vom Tropfendurchmesser. F¨
ur gerad-
linig aufsteigende Tropfen ist wTin der Simulation etwas kleiner als im Experiment,
f¨
ur oszillierende Tropfen ist wosz ungef¨
ahr gleich groß. Oszillationen treten im Expe-
riment ab d=11mm auf. Die Durchmesserverh¨
altnisse der Tropfen sind in Abbildung
7.11 dargestellt. Je h¨
oher die Aufstiegsgeschwindigkeit ist, desto flacher werden die
Tropfen.
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
6
7
8
9
10
11
12
13
14
Exp.
Sim. lin.
Sim. max .
Sim. osz.
w
T
[cm/ s]
d [m m]
Abbildung 7.10.: Aufstiegsgeschwindigkeit f¨
ur Mais¨
oltropfen in Abh¨
angigkeit vom Trop-
fendurchmesser. Kreise: Experiment. Dreiecke: Simulation. Geschlossene Dreiecke: wTf¨
ur
geradlinigen Aufstieg. Offene Dreiecke: wosz. Halboffene Dreiecke: wmax.
51
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
Exp.
Simula tion:
lin.
max.
osz.
d
V
/ d
H
d [m m]
Abbildung 7.11.: Durchmesserverh¨
altnisse f¨
ur Mais¨
oltropfen in Abh¨
angigkeit vom Trop-
fendurchmesser. Kreise: Experiment. Dreiecke: Simulation. Geschlossene Dreiecke: Gerad-
liniger Aufstieg. Offene Dreiecke: Mittelwert w¨
ahrend seitlicher Oszillation. Halboffene
Dreiecke: Durchmesserverh¨
altnis zum Zeitpunkt des Auftretens der Maximalgeschwindig-
keit wmax .
7.6. Einfluß der tr¨
agen Masse fluider Partikel auf das
Aufstiegsverhalten
Oftmals werden aufsteigende oder sinkende fluide Partikel durch die dimensionslosen
Kennzahlen λ, Re, E¨
o und Mo gekennzeichnet. Die Dichtedifferenz ρist als Faktor
in E¨
o und Mo enthalten. Im Allgemeinen werden E¨
o und Mo auf der Basis von |ρ|
berechnet, so daß sich positive Kennzahlen ergeben. Haljasmaa weist darauf hin, daß
hierbei die Information verloren geht, ob es sich um ein aufsteigendes oder sinkendes
Partikel handelt. Bei gleichem |ρ|unterscheiden sich aufsteigendes und sinkendes
Partikel durch ihre tr¨
age Masse. Bei gleichf¨
ormiger Bewegung (wie dem geradlini-
gen Aufstieg oder Sinken mit konstanter Geschwindigkeit wT) tritt die tr¨
age Masse
nicht in Erscheinung. W¨
ahrend einer beschleunigten Bewegung jedoch wirkt die tr¨
age
Masse den beschleunigenden Kr¨
aften entgegen. Haljasmaa vergleicht zickzack-f¨
ormi-
ge fluide Partikel mit mechanischen harmonischen Oszillatoren. Sind diese reibung-
behaftet, so sinkt die Amplitude erzwungener Schwingungen mit wachsender tr¨
ager
52
7.6. Einfluß der tr¨
agen Masse fluider Partikel auf das Aufstiegsverhalten
Masse. Frei aufsteigende Tropfen sind keine harmonischen Oszillatoren, weil es keine
zu irgendeiner Auslenkung proportionale R¨
uckstellkraft gibt. Dennoch ist die An-
nahme plausibel, daß die Amplitude einer horizontalen Oszillation mit wachsender
tr¨
ager Masse des Partikels kleiner wird. Um diese Annahme zu ¨
uberpr¨
ufen, wird ein
Modellfluid untersucht, das bis auf die Dichte gleiche Stoffeigenschaften wie Mais¨
ol
hat. Als Dichte wird ρd= 1097 kg/m3gew¨
ahlt, sodaß die Dichtedifferenz des Modell-
fluids gegen¨
uber Wasser den gleichen Betrag hat wie bei Mais¨
ol (|ρ|= 81 kg/m3).
Ein Tropfen des Modellfluids hat wegen seiner gr¨
oßeren Dichte eine um 18% gr¨
oßere
tr¨
age Masse als ein gleich großer Mais¨
oltropfen. Die Auftriebskraft beider Tropfen hat
den gleichen Betrag, jedoch unterschiedliches Vorzeichen. Bei gleicher Gr¨
oße oszilliert
ein Tropfen des Modellfluids in der Simulation weniger stark als ein Mais¨
oltropfen
(Abbildung 7.12), einhergehend mit einer h¨
oheren Aufstiegsgeschwindigkeit der Mo-
delltropfen (Abbildung 7.13). W¨
ahrend eines geradlinigen Aufstiegs/Sinkens sind die
Betr¨
age der Geschwindigkeiten f¨
ur Partikel beider Fluide gleich.
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
model fluid
y [c m]
t [s]
corn oil
Abbildung 7.12.: Horizontale Verschiebung des Tropfenschwerpunkts in Abh¨
angigkeit von
der Zeit. Mais¨
ol und Modellfluid, d=13,2 mm.
53
7. Simulation von Mais¨
oltropfen
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
7
8
9
10
11
12
Mail
Modell
w
T
[cm/ s]
d [m m]
Abbildung 7.13.: Simulierte Aufstiegsgeschwindigkeiten f¨
ur Tropfen in Abh¨
angigkeit vom
Durchmesser. Dreiecke: Mais¨
ol. Sterne: Modellfluid. Geschlossene Symbole: Geradliniger
Aufstieg. Offene Symbole: Horizontale Oszillation. Halboffene Symbole: Maximalgeschwin-
digkeit vor Einsetzen der Oszillation.
54
8. Rizinus¨
ol
Die dynamische Viskosit¨
at von Rizinus¨
ol ist 900 mal h¨
oher als die von Wasser. Aus
Abbildung 8.1 ist ersichtlich, daß in einem Rizinustropfen die inneren Geschwindig-
keiten vernachl¨
assigbar klein sind.
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
Abbildung 8.1.: Geschwindigkeitsfeld eines Rizinus¨
oltropfens (d=4 mm) nach Erreichen
der Endgeschwindigkeit wT. (Bild um 90gedreht, Aufstiegsrichtung nach links.)
8.1. Aufstiegsgeschwindigkeiten und Tropfenformen
Im Experiment steigen Rizinustropfen langsamer auf als Mais¨
oltropfen, was im We-
sentlichen auf die h¨
ohere Dichte des Rizinus¨
ols zur¨
uckzuf¨
uhren ist. Dadurch ist die
Auftriebskraft eines Rizinustropfens nur halb so groß wie die eines Mais¨
oltropfens.
Die Aufstiegsgeschwindigkeit simulierter Mais¨
oltropfen liegt im Falle geradlinigen
Aufstiegs etwas unterhalb der von Haljasmaa (2006) gemessenen Aufstiegsgeschwin-
digkeiten. Im Falle oszillierender Trajektorien sind die Geschwindigkeiten f¨
ur Simu-
lation und Experiment ¨
ahnlich. In der Simulation tritt Wirbelabl¨
osung im Nachlauf
schon ab d=10 mm auf, im Experiment hingegen erst ab d=13,5 mm. Im Bereich
13 mm d13,5 mm werden im Experiment sowohl geradlinige als auch zickzack-
f¨
ormige Trajektorien beobachtet. Entsprechend gabelt sich der Graph wT(d) in diesem
Bereich in zwei ¨
Aste auf (englisch: Bifurcation). F¨
ur Tropfendurchmesser d > 13 mm
werden nur zickzack-f¨
ormige Trajektorien beobachtet. In der Simulation tritt das
Ph¨
anomen der Bifurcation nicht auf: F¨
ur eine bestimmte Tropfengr¨
oße ist der Nach-
lauf entweder (d < 10 mm) stabil oder instabil (d10 mm).
55
8. Rizinus¨
ol
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
4
5
6
7
8
9
10
Exp. lin.
Exp. osz.
Sim. lin.
Sim. osz.
w
T
[cm/s]
d [m m]
Abbildung 8.2.: Aufstiegsgeschwindigkeiten f¨
ur Rizinus¨
oltropfen in Abh¨
angigkeit vom
Durchmesser d. Schwarze Symbole: Geradliniger Aufstieg. Graue Symbole: Horizontale Os-
zillation. Kreise: Experiment. Quadrate: Simulation.
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
d
V
/ d
H
d [m m]
Abbildung 8.3.: Durchmesserverh¨
altnisse f¨
ur Rizinus¨
oltropfen in Abh¨
angigkeit vom
Durchmesser d. Schwarze Symbole: Geradliniger Aufstieg. Graue Symbole: Horizontale Os-
zillation. Kreise: Experiment. Quadrate: Simulation.
56
9. Widerstandsbeiwerte f¨
ur ¨
Oltropfen
Basierend auf dem ¨
Aquivalenzdurchmesser dkann jedem Tropfen eine Reynoldszahl
und ein Widerstandsbeiwert zugeordnet werden:
Re = ρdd wT
µd
; (9.1)
CD=4
3
ρ
ρc
g d
wT2.(9.2)
Dabei beruht es lediglich auf Konvention, in (9.1) den ¨
Aquivalenzdurchmesser dzu
benutzen. Es k¨
onnte beispielsweise auch eine Reynoldszahl basierend auf dem hori-
zontalen Tropfendurchmesser dHdefiniert werden. Ebenso wird ¨
uber (9.2) f¨
ur nicht-
sph¨
arische Partikel ein Widerstandsbeiwert definiert, weil diese Gleichung unter der
Voraussetzung einer Kugelform aus (2.1) hergeleitet wurde. Ber¨
ucksichtigt man, daß
f¨
ur nicht-sph¨
arische Partikel der Anstr¨
omquerschnitt durch den Horizontaldurchmes-
ser dHfestgelegt wird, so ergibt sich stattdessen
CD=4
3
ρ
ρc
g d
wT2
d2
d2
H
.(9.3)
Im allgemeinen sind fluide Partikel abgeflacht (d < dH), weswegen (9.3) kleinere Wi-
derstandsbeiwerte liefert als (9.2). Insbesondere f¨
ur zeitlich nicht formstabile fluide
Partikel ist es jedoch durchaus sinnvoll, als charakteristische L¨
ange den ¨
Aquivalenz-
durchmesser dzu verwenden. In diesem Falle wird durch (9.2) ein Widerstandsbei-
wert bestimmt, der nicht identisch mit dem durch (2.1) definierten Widerstandsbei-
wert ist. Unter Verwendung von (9.1) und (9.2) k¨
onnen Graphen f¨
ur die Aufstiegsge-
schwindigkeit von der dimensionsbehafteten Form wT(d) in die dimensionslose Form
CD(Re) ¨
uberf¨
uhrt werden. Diese Darstellungsform erlaubt auch den Vergleich mit
der Standard-Drag-Kurve (2.6) f¨
ur feste Kugeln. Aus Abbildung 9.1 ist ersichtlich,
daß kleinere ¨
Oltropfen im Experiment ¨
ahnliche Widerstandsbeiwerte aufweisen wie
feste Kugeln. Mit wachsendem Tropfendurchmesser w¨
achst jedoch der Abstand zur
Standard-Drag-Kurve, weil die Tropfen immer flacher werden und daher eine gr¨
oßere
57
9. Widerstandsbeiwerte f¨
ur ¨
Oltropfen
angestr¨
omte Querschnittsfl¨
ache aufweisen als Kugeln. Ab Re=1200 steigt der Wider-
standsbeiwert der ¨
Oltropfen im Experiment in Verbindung mit oszillierenden Trajek-
torien sprunghaft an. Im Experiment setzt die Oszillation bereits unter Re=1000 ein.
Die Standard-Drag-Kurve gilt nur f¨
ur fixierte angestr¨
omte Kugeln. An frei aufstei-
1000
1
2
3
300
Experi mentel l
Mail
Rizinus
Nume risch
Mail lin.
Mail osz.
Rizinus lin.
Rizinus osz.
C
D
Re
3000
0,5
Standard-Dra g
Schirmb lasen: C
D
= 8/3
Abbildung 9.1.: Widerstandsbeiwerte in Abh¨
angigkeit von der Reynoldszahl f¨
ur ¨
Oltrop-
fen. Gelbe Kreise: Mais¨
oltropfen im Experiment. Schwarze Kreise: Rizinus¨
oltropfen im Ex-
periment. Vielecke: Simulationen. Geschlossene Vielecke: Geradlinige Trajektorien. Offene
Vielecke: Oszillierende Trajektorien. Dreiecke: Mais¨
ol. Quadrate: Rizinus¨
ol.
genden Kugeln beobachtet Haljasmaa ebenfalls einen sprunghaften Anstieg f¨
ur CD,
weil auch sie ab einer bestimmten Gr¨
oße bzw. Reynoldszahl nicht geradlinig aufstei-
gen sondern oszillieren. Auch hier ist dies eine Folge periodischer Wirbelabl¨
osung.
Ausgehend von der Vorstellung, daß die tr¨
age Masse fluider Partikel einer Oszillation
entgegenwirkt, vermutete Haljasmaa zun¨
achst, daß f¨
ur fluide Partikel mit gr¨
oßerer
Dichte als Wasser die kritische Reynoldszahl ¨
uber 1200 liegt. In seinen Experimen-
ten hingegen beobachtete er f¨
ur sinkende fluide Partikel ein Einsetzen der Oszillation
ab Re=800. Dieses Ph¨
anomen f¨
uhrt Haljasmaa auf Formoszillationen (Oszillationen
des Durchmesserverh¨
altnisses) zur¨
uck, die besonders bei Tropfen mit hoher Dichte
auftreten. Formoszillationen l¨
osen m¨
oglicherweise seitliche Oszillationen aus.
58
10. Zusammenfassung des ersten Teils
Unter Verwendung des massiv parallelen VoF-Codes FS3D wird der Aufstieg von
Tropfen in fl¨
ussigen Medien untersucht. Der Code wird validiert, indem der langsame
Aufstieg von Tropfen in einer sehr viskosen Fl¨
ussigkeit berechnet wird. Die hierf¨
ur nu-
merisch ermittelten Druck- und Geschwindigkeitsfelder stimmen mit der analytischen
L¨
osung f¨
ur den Kriechfall gut ¨
uberein. Unterschiede lassen sich darauf zur¨
uckf¨
uhren,
daß die numerische Simulation auf ein begrenztes Volumen (einen Rechteckkanal)
beschr¨
ankt ist, wohingegen die analytische L¨
osung f¨
ur einen unendlich ausgedehnten
Raum gilt.
F¨
ur kleine, geradlinig aufsteigende Tropfen wird die Aufstiegsgeschwindigkeit in Ab-
h¨
angigkeit von der inneren Viskosit¨
at und der Oberfl¨
achenspannung numerisch un-
tersucht. Je h¨
oher die Viskosit¨
at des Tropfens ist, um so kleiner ist die Aufstiegsge-
schwindigkeit. Wenn die Tropfenviskosit¨
at etwa hundertmal h¨
oher ist als die Visko-
sit¨
at der umgebenden Fl¨
ussigkeit, erreicht die Aufstiegsgeschwindigkeit ihr Minimum.
Bei weiterer Erh¨
ohung der Tropfenviskosit¨
at ¨
andert sich die Aufstiegsgeschwindigkeit
nicht mehr signifikant. Die inneren Geschwindigkeiten im Tropfen werden sehr klein
im Vergleich zu den ¨
außeren Geschwindigkeiten. Die tangentiale Geschwindigkeit der
Phasengrenze wird vernachl¨
assigbar klein, sodaß das fluide Partikel ¨
ahnlich wie ein
festes Partikel gleicher Form umstr¨
omt wird. Tropfen mit hoher Oberfl¨
achenspannung
steigen im Allgemeinen schneller auf, weil sie durch hydrodynamische Effekte nicht
so stark abgeflacht werden und daher eine kleinere angestr¨
omte Querschnittsfl¨
ache
aufweisen.
F¨
ur schnell aufsteigende Tropfen existiert keine analytische L¨
osung. Dies gilt beispiels-
weise f¨
ur den Aufstieg von ¨
Oltropfen in Wasser. F¨
ur diesen Fall werden Experimente
zum Vergleich mit Simulationen herangezogen. Kleine ¨
Oltropfen steigen im Experi-
ment geradlinig auf, w¨
ahrend der Schwerpunkt großer Tropfen w¨
ahrend des Aufstiegs
horziontal oszilliert, woraus sich zickzack-f¨
ormige oder helikale Trajektorien ergeben.
In Simulationen konnte gezeigt werden, dass diese Oszillation durch eine periodische
59
10. Zusammenfassung des ersten Teils
Wirbelabl¨
osung hervorgerufen wird: Große Tropfen beschleunigen geradlinig bis der
Nachlauf instabil wird und die Wirbelabl¨
osung einsetzt. Diese f¨
uhrt zu einer sponta-
nen Verringerung der Aufstiegsgeschwindigkeit. Da eine periodische Wirbelabl¨
osung
auch hinter festen, in Str¨
omungskan¨
alen fixierten Kugeln beobachtet wird, setzt die
periodische Wirbelabl¨
osung ihrerseits offenbar keine Oszillation des umstr¨
omten Par-
tikels voraus. Wenn das Geschwindigkeitsfeld zum Startzeitpunkt durch Initialisation
mit Zufallswerten gest¨
ort ist, setzt die seitliche Oszillation deutlich fr¨
uher ein. In
der Simulation wird bereits bei kleineren Tropfendurchmessern als im Experiment
nicht-geradliniger Aufstieg beobachtet. Kleine, geradlinig aufsteigende ¨
Oltropfen sind
in der Simulation etwas langsamer als im Experiment. F¨
ur große, nicht geradlinig
aufsteigende ¨
Oltropfen ergibt sich eine befriedigende ¨
Ubereinstimmung f¨
ur die Auf-
stiegsgeschwindigkeit.
Die simulierten Tropfen sind deutlich flacher als im Experiment. Weil im Experiment
Leitungswasser benutzt wurde, k¨
onnten Verunreinigungen (Surfactants) hier eine
Rolle gespielt haben. Die Anlagerung von surfactants an eine freie Oberfl¨
ache kann
komplexe Oberfl¨
achenph¨
anomene - sogenannte Marangoni-Effekte - hervorrufen. Um
diese zu unterbinden, m¨
ussten die Experimente in hochreinem Wasser durchgef¨
uhrt
werden. Außerdem wurden nat¨
urliche ¨
Ole verwendet, die ihrerseits verschiedenste
Molek¨
ule enthalten. Um eine homogene, chemisch eindeutig definierte Grenzfl¨
ache zu
erhalten, sollten auch die Tropfen aus reinen Stoffen erzeugt werden.
60
Teil II.
Blasenaufstieg in linearen Scherstr¨
omungen
61
11. Stand des Wissens
11.1. Blasen in vertikalen Rohren
Steigen fluide Partikel in ruhenden Fl¨
ussigkeiten auf, so wirken auf sie im Wesent-
lichen Auftriebskraft und Widerstandskraft. Bewegt sich die umgebende Fl¨
ussigkeit
(d.h. die kontinuierliche Phase) in einem durch ¨
außere W¨
ande begrenzten Gebiet,
so treten im Allgemeinen Inhomogenit¨
aten in ihrem Geschwindigkeitsfeld auf. In ei-
ner Rohrleitung zum Beispiel ist die Fließgeschwindigkeit in der Rohrachse maxi-
mal, an den W¨
anden ist sie Null. Durchstr¨
omt eine Fl¨
ussigkeit ein vertikales Rohr in
Aufw¨
artsrichtung, so kann man an darin aufsteigenden Blasen eine seitliche Migra-
tion beobachten: Kleine Blasen wandern w¨
ahrend ihres Aufstiegs in Richtung Rohr-
wand, große Blasen zur Rohrmitte (Zun, 1980, 1988). Detaillierte Untersuchungen zur
Blasenmigration im vertikalen Rohr wurden von Prasser et al. (2005) mittels eines
Gittersensors durchgef¨
uhrt: Ein Gitter aus feinen Dr¨
ahten wird senkrecht zur Haupt-
str¨
omungsrichtung in den Rohrquerschnitt gespannt. An den Kreuzungspunkten der
Dr¨
ahte wird simultan die Leitf¨
ahigkeit in der Str¨
omung gemessen. Passiert eine Bla-
se einen Kreuzungspunkt, ist die Leitf¨
ahigkeit nahezu Null. Ist der Kreuzungspunkt
vollst¨
andig mit Wasser umgeben, so wird hohe Leitf¨
ahigkeit gemessen. So kann f¨
ur
jeden Zeitpunkt die Verteilung des Gasgehaltes ¨
uber den Rohrquerschnitt gemessen
werden. Gr¨
oßere Blasen legen gleichzeitig mehrere benachbarte Gitterknoten trocken
und k¨
onnen so individuell registriert und vermessen werden. Auf diese Weise ist es
m¨
oglich, die radiale Verteilung des Gasgehaltes in einem Rohr nach Gr¨
oßenklassen
aufzuschl¨
usseln. In Abbildung 11.1 sind solche Verteilungen f¨
ur einen Rohrradius von
97,5 mm dargestellt. F¨
ur das System Wasser/Luft unter Normalbedingungen erkennt
man eine deutlich erh¨
ohte Konzentration kleiner Blasen in der N¨
ahe der Rohrwand.
Beispielsweise haben Blasen mit einem Durchmesser von 0 3,5 mm in einer Entfer-
nung von 70 mm von der Rohrachse nur einen Volumenanteil von knapp 0,4%. Bei
95 mm ist ihr Volumenanteil doppelt so hoch. Im Gegensatz hierzu f¨
allt der Volumen-
63
11. Stand des Wissens
anteil der Blasen mit einem Durchmesser von 6,57 mm zum Rand hin stark ab.
Im System Wasser/Dampf bei 6,5 M Pa zeigt nur die Gr¨
oßenklasse bis 0 3,5 mm
einen deutliches Maximum an der Rohrwand.
Abbildung 11.1.: Radiale Verteilung des Gasgehaltes in einem Rohr mit einem Radius
von 97,5 mm, aufgeschl¨
usselt nach Blasengr¨
oßenklassen (¨
Aquivalenzdurchmesser in mm).
Links: Luftblasen in Wasser unter Normalbedingungen. Rechts: Dampfblasen in siedendem
Wasser bei 6,5 M Pa.
Ist die Fl¨
ussigkeitsstr¨
omung in einem vertikalen Rohr abw¨
arts gerichtet, so kehrt sich
der Effekt um: Die kleinen Blasen wandern zur Rohrmitte und die großen nach au-
ßen. Dieses Ph¨
anomen deutet darauf hin, daß auf Blasen in inhomogenen str¨
omenden
Fl¨
ussigkeiten zus¨
atzlich zu Auftriebs- und Widerstandskraft eine weitere Kraft wirkt,
die Liftkraft genannt wird. Eine genaue Kenntnis dieser Kraft ist erforderlich, wenn
die Blasenbewegung in chemischen Reaktoren korrekt simuliert werden soll - etwa
mit dem Euler-Euler oder dem Euler-Lagrange Verfahren. Hier wird ein Schließungs-
term ben¨
otigt, der die Liftkraft in Abh¨
angigkeit von den Eigenschaften der Blase
und den Geschwindigkeitsfeldern beider Phasen modelliert. So wurde beispielsweise
durch Lucas et al. (2005) gezeigt, daß die Liftkraft einen erheblichen Einfluß auf den
Betriebszustand von Blasens¨
aulen hat. Die Liftkraft kann dazu beitragen, daß der
Str¨
omungszustand in Blasens¨
aulen instation¨
ar wird.
64
11.1. Blasen in vertikalen Rohren
Vl
X
Abbildung 11.2.: Geschwindigkeitsfeld einer linearen Scherstr¨
omung.
Der einfachste Fall einer inhomogenen Str¨
omung ist die lineare Scherstr¨
omung, wie
sie in Abb. 11.2 dargestellt ist. Hier nimmt die vertikale Geschwindigkeitskomponente
proportional zur Verschiebung in einer horizontalen Richtung zu. Die Proportiona-
lit¨
atskonstante ωhat die Einheit [1/s] und wird Scherrate genannt.
vl=
0
0
ωx
rot vl=
0
ω
0
=: ω(11.1)
Die Rotation eines Geschwindigkeitsfeldes ist eine vektorielle Gr¨
oße, die angibt, mit
welcher Winkelgeschwindigkeit ein Lagrange’sches Partikel im Str¨
omungsfeld rotie-
ren w¨
urde. F¨
ur die in Abbildung 11.2 dargestellte Scherstr¨
omung ist anschaulich klar,
daß ein infinitesimal kleines, festes Partikel im Uhrzeigersinn rotieren w¨
urde, weil es
auf der rechten Seite st¨
arker angestr¨
omt wird. Also zeigt ωin die Bildebene hinein
(Rechte-Hand-Regel). In einer linearen Scherstr¨
omung ist die Rotation ωr¨
aumlich
und zeitlich konstant und soll Scherratenvektor genannt werden. Es gilt |ω|=ω.
Bewegt sich ein Partikel mit einer Relativgeschwindigkeit vrin dieser Scherstr¨
omung,
so erf¨
ahrt es eine Liftkraft senkrecht zu vrund zu ω. Nach umfassenden Experimenten
zur Blasenbewegung in einem aufw¨
arts durchstr¨
omten vertikalen Rohr mit quadrati-
schem Querschnitt schl¨
agt Zun (1980) folgenden Term f¨
ur die Liftkraft vor:
FL=CLVpρlvr×ω.(11.2)
Hier ist Vpdas Partikelvolumen, ρldie Dichte der Fl¨
ussigkeit und CLein dimensions-
loser Koeffizient. Die Relativgeschwindigkeit ist die Differenz der Partikelgeschwin-
digkeit vpund der Str¨
omungsgeschwindigkeit vl, wie sie im ungest¨
orten Fall am Ort
65
11. Stand des Wissens
des Partikelschwerpunkts vorl¨
age. Gleichung (11.2) kann als Schließungsterm f¨
ur die
Liftkraft verwendet werden, wenn der Wert von CLbekannt ist.
11.2. Theoretische Untersuchungen zu kugelf¨
ormigen Blasen in
linearen Scherstr¨
omungen
F¨
ur feste, kugelf¨
ormige Partikel in linearen Scherstr¨
omungen konnte Auton (1987)
auf analytischem Wege den Liftkoeffizienten bestimmen. Unter der Annahme eines
idealen Fluids und einer kleinen Scherrate konnte er zeigen, daß CL= 0,5 gilt.
Klein heißt hier, daß die ¨
Anderung von vLentlang des Partikeldurchmessers D
klein gegen¨
uber der Relativgeschwindigkeit ist:
ωD |vr|mit vr=vpvl,
oder anders formuliert
Sr 1 mit Sr = ωD
|vr|,
wobei Sr eine dimensionslose Scherrate ist. In Mehrphasenstr¨
omungen mit Scheranteil
tritt sie als f¨
unfte dimensionslose Kennzahl zu Re, Mo, Eo und dem Dichteverh¨
alt-
nis hinzu. Unter Verweis auf Autons Resultat f¨
ur feste Kugeln wird in der Litera-
tur CL= 0,5 oftmals auch f¨
ur kugelf¨
ormige Blasen angenommen (Legrende und
Magnaudet, 1998; Tomiyama, 2004). Feste Kugeln weisen an der Phasengrenze eine
Haftbedingung auf. Dies gilt auch f¨
ur Gasblasen, wenn die Oberfl¨
ache vollst¨
andig mit
Surfactants belegt ist. F¨
ur Gasblasen in vollkommen reinem Wasser gilt an der Ober-
fl¨
ache Schlupfbedingung, wenn die Viskosit¨
at des Gases vernachl¨
assigt wird. In der
Herleitung von Auton ist die Fl¨
ussigkeit ideal (µl= 0). In diesem Fall geht die Haft-
bedingung in eine Schlupfbedingung ¨
uber. Die Anwendung von Autons Resultat auf
Kugelblasen setzt voraus, daß die Viskosit¨
at der Fl¨
ussigkeit hinreichend klein ist,
um die Annahme einer idealen Fl¨
ussigkeit zu rechtfertigen. Ist die Blasenoberfl¨
ache
ungleichm¨
aßig stark mit Surfactants belegt, so variert die Oberfl¨
achenspannung und
es treten sogenannte Marangoni-Effekte auf (Alke, 2007). Derartige Effekte sind hier
nicht ber¨
ucksichtigt.
F¨
ur sph¨
arische Blasen in reibungsbehafteten linearen Scherstr¨
omungen haben Legren-
de und Magnaudet (1998) umfassende theoretische Untersuchungen durchgef¨
uhrt, die
66
11.3. Das Experiment von Tomiyama
von einer Kugel mit Schlupfbedingung als Modell f¨
ur eine kugelf¨
ormige Blase ausge-
hen. Als Resultat analytischer Ans¨
atze in Verbindung mit numerischen Rechnungen
erhalten sie eine Korrelation f¨
ur den Liftkoeffizienten in Abh¨
angigkeit von Reynolds-
zahl und Scherrate:
CL=s6
π2
2.255
(Re Sr)1/2(1 + 0.2 Re/Sr)3/22
+1
2
1 + 16/Re
1 + 29/Re2
.(11.3)
Im Falle Re Sr ist der Nenner des ersten Terms proportional zu Re2/Sr, im Falle
Re Sr ist er proportional zu (Re Sr)1/2. Im Grenzfall Re verschwindet bei
fester Scherrate der erste Term und es ergibt sich insgesamt CL= 1/2. Im Grenzfall
Re 0 wird CLunendlich groß. Die Abh¨
angigkeit des Liftkoeffizienten von der
Scherrate wird im Bereich Re >5 verschwindend gering.
11.3. Das Experiment von Tomiyama
Die prominentesten Experimente zu der Bewegung von Blasen in linearen Scher-
str¨
omungen wurden von Tomiyama und Mitarbeitern durchgef¨
uhrt (Tomiyama et
al., 1995, 2002; Tomiyama, 2004). Der Versuchsaufbau besteht aus einem hohen qua-
derf¨
ormigen Tank, der mit einer Wasser-Glycerin-L¨
osung gef¨
ullt ist. In dem Tank
verl¨
auft parallel zu einer Wand in senkrechter Richtung ein breites Gummiband, wel-
ches einem F¨
orderband ¨
ahnelt. In dem 30 mm breiten Spalt zwischen Wand und
Band entsteht eine lineare Scherstr¨
omung, sobald das Band in Bewegung gesetzt
wird. Die Geschwindigkeit des Bandes legt die Scherrate im Spalt fest. Durch eine
D¨
use werden Luftblasen in den Spalt injiziert, deren Form und Bewegung mit Hoch-
geschwindigkeitskameras aufgezeichnet wird. Der Tank wird mehrfach mit Wasser
und Glycerin bef¨
ullt, jeweils in unterschiedlichen Mischungsverh¨
altnissen. Daraus er-
geben sich unterschiedliche Viskosit¨
aten bei nur geringen ¨
Anderungen der Dichte und
der Oberfl¨
achenspannung (siehe Tabelle 12.1). Tomiyama et al. (2002) zeichneten die
Aufstiegsbahnen verschieden großer Blasen (d= 3...6 mm) in L¨
osungen mit Visko-
sit¨
aten von 18 bis 89 mPa s auf. Sie verwendeten destilliertes Wasser, um den Einfluß
von Verunreinigungen (surfactants) zu minimieren. Je nach Gr¨
oße migrierten die Bla-
sen w¨
ahrend ihres Aufstiegs im Spalt entweder zur Tankwand oder zum F¨
orderband.
Unter Verwendung der Bewegungsgleichung (12.6) f¨
ur Blasen wurden die jeweiligen
Liftkoeffizienten mittels eines nicht n¨
aher beschriebenen numerischen Verfahrens aus
67
11. Stand des Wissens
den Trajektorien ermittelt. F¨
ur kleine Blasen wurden positive Liftkoeffizienten er-
mittelt, deren Betr¨
age von der Reynoldszahl abh¨
angig sind. F¨
ur mittlere bis große
Blasen k¨
onnen Vorzeichen und Betrag als Funktion einer modifizierten E¨
otv¨
os-Zahl
E¨
oHbeschrieben werden, die sich auf den horizontalen Durchmesser dHder Blase
bezieht:
E¨
oH=gρ d2
H
σ.(11.4)
Insgesamt faßt Tomiyama die Ergebnisse des Experiments in folgender Korrelation
zusammen:
CL=(min[f1(Re), f2(E¨
oH)] f¨
ur E¨
oH<4
f2(E¨
oH) f¨
ur E¨
oH4,(11.5)
wobei
f1(Re) = 0,288 tanh(0,121 Re) (11.6)
und
f2(E¨
oH) = 0,00105 E¨
o3
H0,0159 E¨
o2
H0,00204 E¨
oH+ 0,474 .(11.7)
Diese Korrelation ist rein empirisch und wurde durch Interpolation der Datenpunk-
te f¨
ur Blasen im Bereich Re > 5 erhalten. Demnach wechselt CLbei E¨
oH6 das
Vorzeichen. F¨
ur gr¨
oßere Blasen ist CLnegativ, d.h. sie migrieren in entgegengesetzte
Richtung verglichen mit kleineren Blasen. Durch die theoretischen Resultate von Le-
grende und Magnaudet (1998) motiviert, wurde das Experiment f¨
ur kleine Blasen
(Re <5) wiederholt (Tomiyama, 2004). Abh¨
angig von der Viskosit¨
at der Fl¨
ussig-
keit waren die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Bei µl= 55 mPa s wurden hin zu
kleinen Reynoldszahlen sehr große positive Liftkoeffizienten (bis zu CL= 10) festge-
stellt, in ¨
Ubereinstimmung mit Gleichung (11.3). Bei kleineren Viskosit¨
aten konnten
jedoch auch negative Liftkoeffizienten (bis zu CL=2) beobachtet werden, was im
Widerspruch zu Gleichung (11.3) steht.
68
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
Mit dem Code FS3D ist es m¨
oglich, die Bewegung von Blasen in Scherstr¨
omungen
zu berechnen, wobei die Verformung der Phasengrenze Bestandteil der numerischen
L¨
osung ist. Umfassende Simulation mit FS3D zum Blasenaufstieg in ruhenden w¨
assri-
gen Systemen wurden durch Koebe (2004) durchgef¨
uhrt.
12.1. Randbedingungen
F¨
ur verschiedene Wasser-Glycerin L¨
osungen und Blasendurchmesser wird das Expe-
riment von Tomiyama nachgerechnet. Die Stoffwerte der Fluide sind Tabelle 12.1
zu entnehmen, die Blasendurchmesser gehen aus Abb. 12.2 hervor. Testrechnungen
ergeben, daß ein Wandabstand von vier Blasendurchessern in y-Richtung und von
acht Blasendurchmessern in x-Richtung (die Richtung der Migration) ausreicht, um
die Wandeinfl¨
usse auf die Blasenbewegung zu eliminieren. Weil die Randbedingungen
in y-Richtung vollkommen symmetrisch sind, ist eine Spiegelsymmetrie der L¨
osung
bez¨
uglich der x-y-Ebene zu erwarten. Daher kann das Rechengebiet durch Verwen-
dung einer Spiegelebene am Rand um die H¨
alfte verkleinert werden. Eine Spiegel-
symmetrie als Randbedingung bedeutet eine Schlupfbedingung f¨
ur das Geschwindig-
keitsfeld, und einen Kontaktwinkel von 90f¨
ur die Phasengrenze, d.h. die Phasen-
grenze m senkrecht auf die Spiegelebene auftreffen. Um eine lineare Scherstr¨
omung
in der Fl¨
ussigphase im Rechengebiet zu gew¨
ahrleisten, sind die beiden W¨
ande, die
sich in x-Richtung gegen¨
uberliegen, mit einer Haftbedingung ausgestattet. Die Wand
bei x= 0 ist fest, die Wand bei x= 8 dbewegt sich mit einer festen Geschwin-
digkeit U0=ω8d. Demnach sind an diesen W¨
anden die Geschwindigkeiten mit
v= (0,0,0) bzw. v= (0,0, U0) fest vorgegeben (Dirichlet’sche Randbedingung).
Als Standardaufl¨
osung werden 32 Zellen pro Blasendurchmesser gew¨
ahlt. Am oberen
Rand des Rechengebietes (bei z=0) wird v=ωx vorgegeben, d.h. Fl¨
ussigphase
wird von oben mit einer bereits voll ausgepr¨
agten Scherstr¨
omung eingeleitet. Die
69
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
gegeneinander bewegten W¨
ande erhalten dieses Geschwindigkeitsprofil im gesamten
Rechengebiet aufrecht.
= xω
l
v
bewegte
Wand
bewegte Wand
Seitansicht Draufsicht
Ausstroembedingung
Einstroemung
x
feste
Wand
y
z
x
feste Wand
8 d
8 d
Schlupfbedingung
Symmerie− −ebene
2 d
Abbildung 12.1.: Geometrie des Rechengebietes. Randbedingungen f¨
ur die Simulation
von Blasen mit FS3D
Tabelle 12.1.: Stoffdaten f¨
ur Wasser-Glycerin L¨
osungen aus (Tomiyama et al., 2002) (µl=
18...53 mPa s). Zum Vergleich sind auch die Stoffdaten von Wasser aufgef¨
uhrt (µl= 1 mPa s)
µl[mPa s] 1 18 19 53
ρl[kg/m3] 1000 1150 1154 1180
σ[mN/m] 72 63 61 63
log10(Mo) -10,6 -5,5 -5,3 -3,6
12.2. Blasenformen und Aufstiegsgeschwindigkeiten
Das experimentelle Ergebnis von Tomiyama et al. (2002) l¨
aßt vermuten, daß zwischen
Blasenform und Liftkraft eine Wechselbeziehung besteht, denn die E¨
otv¨
os-Zahl geht
maßgeblich in die empirische Korrelation ein. Die Blasenform wiederum ist eng mit
70
12.2. Blasenformen und Aufstiegsgeschwindigkeiten
der E¨
otv¨
os-Zahl verkn¨
upft: Blasen mit kleiner E¨
otv¨
os-Zahl sind eher kugelf¨
ormig, so-
chle mit großer E¨
otv¨
os-Zahl st¨
arker deformiert (abgeflacht). Dieser Zusammenhang
wird ersichtlich aus der Bedeutung der E¨
otv¨
os-Zahl als Quotient aus Auftriebskraft
durch die Kraft der Oberfl¨
achenspannung (vgl. Kap. 5.2). Dominiert die Oberfl¨
achen-
spannung, so ist die Blase eher kugelf¨
ormig. Dominiert die Auftriebskraft, so wird die
Blase st¨
arker durch hydrodynamische Effekte deformiert und insbesondere abgeflacht.
Darauf wird in Kapitel 13.2.2 noch n¨
aher eingegangen.
2 3 4 5 6
2
3
4
5
6
7
8
19 mPa s EXP
19 mPa s SIM
53 mPa s EXP
53 mPa s SIM
d
H
[mm]
d [m m ]
Abbildung 12.2.: Horizontaler Blasendurchmesser dHin Abh¨
angigkeit vom ¨
Aquivalenz-
durchmesser d. Schwarze Symbole: µl= 53 mPa s. Graue Symbole: µl= 19 mPa s. Offene
Symbole: Blasenformen im Experiment. Geschlossene Symbole: Simulierte Blasenformen.
Durchgezogene Linie: Kugelform (dH=d).
In Abbildung 12.2 werden die experimentell beobachteten mit den simulierten Bla-
senformen verglichen. Die ¨
Ubereinstimmung ist sehr gut: Die simulierten Horizon-
taldurchmesser weichen maximal um 2% von den beobachteten ab. Die durchgezo-
gene Linie repr¨
asentiert kugelf¨
ormige Blasen (dH=d). Je weiter Datenpunkte ¨
uber
dieser Linie liegen, desto st¨
arker sind die zugeh¨
origen Blasen abgeflacht. Blasen in
der weniger viskosen L¨
osung sind breiter (und flacher) als in der viskoseren L¨
osung.
Große Blasen sind flacher als kleine. Die simulierten Horizontaldurchmesser sind un-
71
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
abh¨
angig von der Scherrate; insbesonders sind die Horizontaldurchmesser in x- wie
in y-Richtung stets gleich, trotz Anisotropie des Geschwindigkeitsfeldes der Fl¨
ussig-
phase. Die Abflachung der Blasen h¨
angt eng mit ihrer Aufstiegsgeschwindigkeit zu-
sammen: Schnelle Blasen sind flacher als langsame. Daher liegt es nahe, auch die
simulierten Aufstiegsgeschwindigkeiten mit experimentellen Werten zu vergleichen.
Tomiyama et al. (2002) schlagen drei verschiedene semi-empirische Korrelationen f¨
ur
den Widerstandsbeiwert als Funktion der Reynoldszahl vor - je nach Verunreinigung
der Fl¨
ussigphase:
F¨
ur reine Systeme
CD= max min 16
Re(1 + 0.15Re0.687),48
Re,8
3
E¨
o
E¨
o + 4; (12.1)
f¨
ur leicht kontaminierte Systeme
CD= max min 24
Re(1 + 0.15Re0.687),72
Re,8
3
E¨
o
E¨
o + 4; (12.2)
f¨
ur vollst¨
andig kontaminierte Systeme
CD= max 24
Re(1 + 0.15Re0.687),8
3
E¨
o
E¨
o + 4.(12.3)
Im Grenzfall Re 0 geht die Korrelation f¨
ur reine Systeme in die Beziehung CD=
16/Re ¨
uber, die sich aus der L¨
osung von Hadamard (1911) und Rybczynski (1911)
f¨
ur Blasen ergibt. Die Korrelationen f¨
ur kontaminierte Systeme gehen in CD= 24/Re
¨
uber, was der Stoke’schen L¨
osung f¨
ur feste Kugeln entspricht. In der konkreten An-
wendung der Korrelation (12.1) auf die simulierten Blasen wird der Dragkoeffizient
entweder durch das erste Argument der Minimumsfunktion (f¨
ur kleine Blasen) oder
durch die E¨
otv¨
oszahl (f¨
ur große Blasen) festgelegt. Mittels eines iterativen Algorith-
mus k¨
onnen die Beziehungen von der Form CD(Re,E¨
o) in die Form wT(d)¨
uberf¨
uhrt
werden. In Abbildung 12.3 werden die simulierten Aufstiegsgeschwindigkeiten mit
den Resultaten der Korrelationen verglichen. F¨
ur µl= 53 mPa s sind auch die Auf-
stiegsgeschwindigkeiten in kontaminiertem Wasser eingezeichnet. Im entprechenden
Wertebereich vereinfachen sich die Korrelationen (12.2) und (12.3) zu
CD=24
Re (1 + 0,15Re0.687).(12.4)
72
12.3. Aufstiegsbahnen
Dies ist eine empirische Korrelation f¨
ur den Widerstandsbeiwert starrer Kugeln. Ins-
besonders f¨
ur kleine Blasen stimmen die simulierten Aufstiegsgeschwindigkeiten bes-
ser mit der Korrelation f¨
ur reines Wasser ¨
uberein. Dies ist zu erwarten, denn eine
Belegung der Phasengrenze mit Surfactants ist in der Simulation nicht modelliert.
12.3. Aufstiegsbahnen
Die Aufstiegsgeschwindigkeiten aus Abbildung 12.3 sind in ruhender Fl¨
ussigkeit be-
rechnet worden, d.h. bei ω= 0. Steigt eine Blase im Abstand x von der festen Wand im
Rechengebiet auf, so erf¨
ahrt sie eine Gegenstr¨
omung der Fl¨
ussigphase mit dem Betrag
ωx (siehe Abb. 11.2). Ihre absolute Aufstiegsgeschwindigkeit vpim ortsfesten Bezugs-
system h¨
angt also von x ab. Eine ortsunabh¨
angige Aufstiegsgeschwindigkeit kann in
Scherstr¨
omungen nur ¨
uber die Relativgeschwindigkeit definiert werden. Hierzu bildet
man die Differenz der absoluten Aufstiegsgeschwindigkeit vpund der Fl¨
ussigkeitsge-
schwindigkeit vl, wie sie im ungest¨
orten Fall (d.h. ohne Anwesenheit der Blase) am
Ort des Blasenschwerpunkts vorl¨
age. F¨
ur die lineare Scherstr¨
omung ergibt sich
vr=vpvl=vp(0,0,ωx).(12.5)
Im Folgenden sollen u,vund wjeweils die Komponenten der Relativgeschwindigkeit
vrbezeichnen. Wegen der Symmetrieebene bei den Randbedingungen (vgl. Abbildung
12.1) wird eine Blasenbewegung in y-Richtung in den Simulationen nicht zugelassen,
d.h. vist stets Null. Die Zeitabh¨
angigkeit von uund wist in den Abbildungen 12.4 und
12.5 f¨
ur zwei exemplarische Blasen dargestellt. Zum Zeitpunkt t= 0 starten jeweils
kugelf¨
ormige Blasen in einer linearen Scherstr¨
omung. Bereits ab etwa 0,2 s stellen
sich konstante Geschwindigkeiten in vertikaler Richtung ein (Abb. 12.4). Die relative
Endgeschwindigkeit win vertikaler Richtung ist jeweils identisch mit den absoluten
Endgeschwindigkeiten wTgleich großer Blasen in ruhender Fl¨
ussigkeit. Auch in hori-
zontaler Richtung stellt sich f¨
ur alle Blasen eine konstante Endgeschwindigkeit uein,
mit Ausnahme der großen Blase bei µl= 53 mPa s, bei der uged¨
ampft oszilliert (Abb.
12.5). In diesem Fall l¨
aßt sich durch Mittelung der Extrema ein konstanter Endwert
f¨
ur uextrapolieren. In ¨
Ubereinstimmung mit dem Experiment kommen Oszillatio-
nen der Horizontalgeschwindigkeit unur bei großen Blasen und geringen Viskosit¨
aten
µlvor. In den ersten hundertstel Sekunden ist umaximal (besonders deutlich bei
73
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
2 3 4 5 6
0
5
10
15
20
25
19 mPa s
53 mPa s
w
T
[cm/s]
d [mm]
c o n te r m i n a te d
cl ea n
cl ea n
Abbildung 12.3.: Aufstiegsgeschwindigkeiten wTin Abh¨
angigkeit vom ¨
Aquivalenzdurch-
messer d. Datenpunkte: Simulierte Werte. Durchgezogene Linien: Korrelation (12.1) aus-
gewertet f¨
ur µl= 19 mPa s (schwarz) und f¨
ur µl= 53 mPa s (grau). Gestrichelte Linie:
Korrelation (12.2) f¨
ur kontaminiertes Wasser, ausgewertet f¨
ur µl= 53 mPa s.
d=2,8 mm). Dies geht einher mit einer starken Abflachung der Blasen unmittelbar
nach dem Start als Kugelform. Wenn die Blasen ihre endg¨
ultige stabile Form er-
reicht haben, stimmen ihre Horizontaldurchmesser dHmit denen aus Abbildung 12.2
¨
uberein. Es wird also kein Einfluß der Scherrate auf dHbeobachtet. In allen untersuch-
ten F¨
allen ist die dimensionslose Scherrate Sr klein (Sr <0,26). Bei kleinen Blasen
stellt sich eine positive Horizontalgeschwindigkeit uein, d.h. sie migrieren in ein Ge-
biet mit st¨
arkerer Gegenstr¨
omung, wodurch ihre absolute Aufstiegsgeschwindigkeit
sinkt. Die großen Blasen migrieren seitlich in Richtung Gegenstr¨
omung (u < 0) mit
steigender absoluter Aufstiegsgeschwindigkeit. Eine Bewegung mit konstanten Re-
lativgeschwindigkeiten einer linearen Scherstr¨
omung bedeutet im ortsfesten Bezugs-
system eine gleichf¨
ormige Horizontalbewegung und eine gleichm¨
aßig beschleunigte
Vertikalbewegung. Daraus ergibt sich (wie beim schiefen Wurf) eine parabelf¨
ormige
Bewegungsbahn.
74
12.3. Aufstiegsbahnen
0,0 0,1 0, 2 0,3
0
5
10
15
20
d = 5,6 mm
d = 5,6 mm
d = 3,2 mm
d = 2,8 mm
w [c m/s]
t [s ]
Abbildung 12.4.: Vertikale Komponente der Relativgeschwindigkeit simulierter Blasen in
Abh¨
angigkeit von der Zeit. Graue Kurven: µl= 19 mPa s, ω= 8.3s1. Schwarze Kurven:
µl= 19 mPa s, ω= 6.2s1
0,0 0,1 0, 2 0,3 0,4 0,5
2
1
0
1
2
3
d = 2,8 mm
d = 3,2 mm
d = 5,6 mm
d = 5,6 mm
u [cm /s]
t [s ]
Abbildung 12.5.: Horitzontale Komponente der Geschwindigkeit simulierter Blasen.
75
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
12.4. Die Bestimmung des Liftkoeffzienten CLaus
Blasentrajektorien
Betrachtet man die Blase als Massepunkt, so lautet ihre Bewegungsgleichung
(ρg+ 0,5ρl)dvp
dt=3CDρl
4d|vr|vrCLρlvr×rotvl+ (ρgρl)g.(12.6)
Diese Gleichung ist eine Gleichung f¨
ur Kraftdichten. Wenn man sie mit dem Bla-
senvolumen VBmultipliziert, so erh¨
alt man die Gleichung f¨
ur Kr¨
afte. Die Terme von
links nach rechts sind: Tr¨
agheitskraft, Widerstandskraft, Liftkraft und Auftriebskraft.
F¨
ur die tr¨
age Masse der Blase wird VB(ρg+ 0,5ρl) angenommen. Es wird also da-
von ausgegangen, daß die Blase zus¨
atzlich zur Masse des Gases in ihrer unmittelba-
ren Umgebung (beispielsweise in der N¨
ahe der Phasengrenze oder im Nachlauf) eine
Wassermenge mitf¨
uhrt, die der H¨
alfte ihres Volumens entspricht. Die Masse 0,5VBρg
wird virtuelle Masse genannt. Gegen¨
uber der virtuellen Masse ist die Masse des Gases
vern¨
achl¨
assigbar klein. Der Faktor 0,5 ist lediglich ein Sch¨
atzwert. In der folgenden
Rechnung wird die virtuelle Masse eliminiert, weshalb das Problem ihrer Absch¨
atzung
hier ohne Bedeutung ist.
Dividiert man die Bewegungsgleichung auf beiden Seiten durch die Fl¨
ussigkeitsdichte
ρlund vernachl¨
assigt man die Gasdichte (ρgρl), so vereinfacht sie sich zu
0,5dvp
dt=D|vr|vrCLvr×ωgmit D=3CD
4d.(12.7)
Zun¨
achst soll die linke Seite berechnet werden. F¨
ur die Lagrange’sche Ableitung einer
skalaren Gr¨
oße Φ entlang einer Blasentrajektorie gilt:
d Φ
dt=tΦ + (vp· .
Anstelle von Φ wird vp=vl+vreingesetzt. Weil vlund vrnicht explizit von der
Zeit abh¨
angen und nur vlortsabh¨
angig ist, bleibt
dvp
dt= (vp·)vl.
Nach Einsetzen von vrund vlergibt sich
dvp
dt=
0
0
ωu
.(12.8)
76
12.4. Die Bestimmung des Liftkoeffzienten CLaus Blasentrajektorien
Dies bedeutet, daß die Blase sich in horizontaler Richtung mit gleichbleibender Ge-
schwindigkeit bewegt. In der vertikalen Richtung erf¨
ahrt sie jedoch eine gleichm¨
aßige
Beschleunigung ω u . Durch Einsetzen von Gleichung (12.8) und (11.1) in (12.7) ergibt
sich unter der Annahme einer konstanten Relativgeschwindigkeit vr= (u, 0, w)
0,5ω
0
0
u
=D|vr|
u
0
w
CLω
w
0
u
+
0
0
g
.(12.9)
Hier ist g=|g|positiv, weil die Auftriebskraft in Richtung +z wirkt. Gl. (12.9)
kann als Gleichungssystem mit einer Gleichung f¨
ur jede Raumrichtung interpretiert
werden. Die zweite Gleichung f¨
ur die y-Richtung ist trivial (0 = 0). F¨
ur die anderen
beiden Raumrichtungen ergeben sich die Gleichungen
0 = D|vr|u+CLωw f¨
ur die x-Richtung, (12.10)
und
0,5ω u =D|vr|wCLωu +gf¨
ur die z-Richtung . (12.11)
Dieses Gleichungssystem enth¨
alt die beiden Unbekannten CLund D, wobei letztere
den Dragkoeffizienten CDenth¨
alt. Durch Aufl¨
osen von (12.10) nach Dund Einsetzen
in (12.11) kann Deliminiert werden:
0,5ωu =CLωw2
uCLωu +g . (12.12)
Aufl¨
osen nach CLliefert:
CL=u
u2+w2g
ω+ 0,5u.(12.13)
F¨
ur die Simulationen gilt stets 0,5ug und u2w2. Somit kann man (12.13)
vereinfachen zu:
CL=g u
ω w2.(12.14)
77
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
12.5. Die Abh¨
angigkeit des Liftkoeffizienten von der Scherrate
F¨
ur Blasen mit den ¨
Aquivalenzdurchmessern d=3,56 mm und d=4,85 mm werden
die Aufstiegsbahnen in der L¨
osung mit µl= 18 mPa s (vgl. Tabelle 12.1) f¨
ur ver-
schiedene Scherraten simuliert und jeweils der Liftkoeffizient nach Gleichung (12.14)
ermittelt. Aus Abbildung 12.8 ist ersichtlich, daß der Liftkoeffizient von der Scherrate
unabh¨
angig ist. Dies steht nicht im Widerspruch zum Ergebnis von Magnaudet (vgl.
Gleichung 11.3), weil die hier untersuchten Blasen im Bereich mittlerer Reynolds-
zahlen liegen (Re >5). Die Vorzeichen der simulierten Liftkoeffizienten stimmen mit
den experimentellen Beobachtungen von Tomiyama et al. (2002) ¨
uberein. F¨
ur den
Blasendurchmesser d=4,85 mm f¨
allt jedoch auf, daß der Betrag des simulierten Lift-
koeffizienten etwas gr¨
oßer ist als im Experiment. Im Folgenden wird stets auf das
Experiment von Tomiyama et al. (2002) Bezug genommen. Wo nicht ausdr¨
ucklich
erw¨
ahnt, wird f¨
ur Simulationen die Standardaufl¨
osung von 32 Zellen pro ¨
Aquivalenz-
durchmesser dverwendet.
1 2 3 4 5 6 7 8 9
-0,3
-0,2
-0,1
0,0
0,1
0,2
0,3
d = 3,56 mm
d = 4,85 mm
C
L
[1/s]
Abbildung 12.6.: Liftkoeffizient f¨
ur Blasen (d=3,56 und d=4,85) in Abh¨
angigkeit von der
Scherrate (µl= 18 mPa s). Offene Symbole: Experiment. Geschlossene Symbole: Simulation.
F¨
ur ω= 8s1liegt kein experimenteller Wert vor.
78
12.6. CLin Abh¨
angigkeit vom Blasendurchmesser
12.6. CLin Abh¨
angigkeit vom Blasendurchmesser
F¨
ur Blasen verschiedener Gr¨
oßen (d=2,8-5,6 mm) wird die Bewegung in Glycerinl¨
osun-
gen bei jeweils konstant gehaltener Scherrate simuliert und die Liftkoeffizienten in
Abh¨
angigkeit von der modifizierten E¨
otv¨
os-Zahl E¨
oHdargestellt. Fast alle simulier-
ten Werte liegen unterhalb der Kurve, welche die experimentelle Korrelation (11.5)
repr¨
asentiert. Zudem zeigt sich in der Simulation - anders als im Experiment - eine
deutliche Abh¨
angigkeit der simulierten Werte von der Viskosit¨
at der Fl¨
ussigphase ab.
Es k¨
onnen verschiedene Ursachen f¨
ur die Unterschiede zwischen Simulation und Ex-
periment verantwortlich sein:
a) Die Aufl¨
osung des Gitters ist bei 32 Zellen/dm¨
oglicherweise noch nicht hoch ge-
nug, um alle relevanten Str¨
omungsph¨
anomene abzubilden.
b) Im L¨
oser treten numerische Fehler auf (beispielsweise in Form unphysikalischer
Geschwindigkeitsfelder, sogenannter parasit¨
arer Str¨
omungen).
c) Nicht alle im Experiment auftretenden Ph¨
anomene sind in dem mathematischen
Modell ber¨
ucksichtigt, das dem numerischen L¨
oser zugrunde liegt. Beispielsweise ist
der Einfluß von Surfactants nicht ber¨
ucksichtigt. Zwar wurde im Experiment destil-
liertes Wasser zur Herstellung der L¨
osungen verwendet, aber dennoch k¨
onnten geringe
Verunreinigungen eine Rolle spielen.
0 2 4 6 8 10
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Tom iyama
19 m Pa s
53 m Pa s
C
L
Eö
H
Abbildung 12.7.: Liftkoeffizient f¨
ur Blasen in Abh¨
angigkeit von E¨
oHbei einer Aufl¨
osung
von 32 Zellen/d. Dreiecke: µl= 19 mPa s, bei ω= 6,2s1. Kreise: µl= 53 mPa s, bei
ω= 8,3s1.
79
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
12.7. Abh¨
angigkeit der simulierten Liftkoeffizienten von der
Aufl¨
osung
Die Rechnungen aus dem vorangegangenen Abschnitt werden mit verschiedenen Auf-
l¨
osungen (16 bis 64 Zellen pro Blasendurchmesser) wiederholt. Wegen des hohen Re-
chenaufwandes konnte nur ein Fall mit der Aufl¨
osung 64 Zellen/dgerechnet werden.
Die Betr¨
age f¨
ur die Liftkoeffizienten werden f¨
ur große Blasen kleiner und kommen
somit den Werten der Korrelation von Tomiyama n¨
aher. Es ist jedoch nicht zu er-
warten, daß bei weiterer Erh¨
ohung der Aufl¨
osung noch signifikante ¨
Anderungen der
Resultate auftreten, denn bereits bei einer Aufl¨
osung von 32 Zellen/dist die Breite
der Zellen kleiner als die Kolmogorov-L¨
angenskala λK. Diese liefert eine Absch¨
atzung
f¨
ur die Gr¨
oße der kleinsten m¨
oglichen Wirbel in der Fl¨
ussigphase:
λK=νl3
ǫ
1
4
(12.15)
mit der kinematischen Viskosit¨
at νl=µllund der auf die Masse bezogenen Dissi-
pationsrate ǫ. F¨
ur aufsteigende Partikel kann diese abgesch¨
atzt werden als ǫ=g w.
2 4 6 8 10
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Tomi yama
19 mPa s
16 Zellen / d
32 Zellen / d
64 Zellen / d
53 mPa s
16 Zellen / d
32 Zellen / d
C
L
Eö
H
Abbildung 12.8.: Liftkoeffizient f¨
ur Blasen in Abh¨
angigkeit von E¨
oHbei verschiedenen
Aufl¨
osungen .
80
12.7. Abh¨
angigkeit der simulierten Liftkoeffizienten von der Aufl¨
osung
Aus den Geschwindigkeitsfeldern ist ersichtlich, daß sich bei µl= 53 mPa s im Nach-
lauf der Blasen keine Wirbel bilden (Abb. 12.9). F¨
ur µl= 19 mPa s sehen die Ge-
schwindigkeitsfelder qualitativ ¨
ahnlich aus. Die Blasen sind lediglich etwas flacher.
Wegen der einfachen Struktur dieser Geschwindigkeitsfelder kann davon ausgegangen
werden, daß alle relevanten str¨
omungsmechanischen Ph¨
anomene bei den verwendeten
Gitteraufl¨
osungen voll erfaßt sind. Es nicht zu erwarten, daß bei h¨
oheren Aufl¨
osun-
gen komplexere Strukturen in den Geschwindigkeitsfeldern - etwa kleine Wirbel -
erkennbar w¨
urden.
Abbildung 12.9.: Geschwindigkeitsfelder um Blasen bei µl= 53 mPa s und ω= 8,3s1.
Fette Pfeile: Bewegungsrichtung der Blase. Links: Kleine Blase; d=3,2 mm. Rechts: Große
Blase; d=5,6 mm. Die L¨
angeneinheit der Skalierung ist [cm]. Man beachte, daß der Maßstab
der beiden Abbildungen unterschiedlich ist. Die Geschwindigkeit der Gegenstr¨
omung steigt
von links nach rechts.
81
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
Parasti¨
are Str¨
omungen treten bei Zweiphasen-Simulationen an der Phasengrenze auf
(Koebe, 2004). Nach Augenschein sind die Geschwindigkeitsfelder in Abbildungen
12.9 und 12.10 auch an der Phasengrenze physikalisch plausibel. Erfahrungsgem¨
spielen parasit¨
are Str¨
omungen eine Rolle, wenn die gesamte kinetische Energie nahe
Null ist (Scardovelli und Zaleski, 1999). Dies trifft auf die betrachteten Situationen
nicht zu.
Auch in DNS-Simulationen mit anderen Codes sind die berechneten Liftkoeffizienten
systematisch kleiner als nach der Korrelation von Tomiyama (Sousa et al., 2006;
Rusche, 2002; Kuipers et al., 2006). Das spricht f¨
ur die Annahme, daß im Experiment
außer der reinen Zweiphasenstr¨
omung weitere Effekte - wie etwa Surfactants - eine
Rolle spielen.
1.00 1.10 1.20 1.30 1.40 1.50 1.60
1.00
1.10
1.20
1.30
1.40
vof−function
[−]
vmin = 0.551725
vmax = 23.3500
velocity
[cm/s]
t = 0.100001 s
c = 3081
2.0 2.5 3.0 3.5
1.6
1.8
2.0
2.2
2.4
2.6
2.8
Abbildung 12.10.: Geschwindigkeitsfelder um Blasen bei µl= 19 mPa s und ω= 6,2s1.
Links: Kleine Blase; d=2,8 mm. Rechts: Große Blase; d=5,6 mm. Die L¨
angeneinheit der
Skalierung ist [cm]. Man beachte, daß der Maßstab der beiden Abbildungen unterschiedlich
ist. Die Geschwindigkeit der Gegenstr¨
omung steigt von links nach rechts.
82
12.8. Variation der Oberfl¨
achenspannung
12.8. Variation der Oberfl¨
achenspannung
Gem¨
der Korrelation (11.5) ist der Liftkoeffizient eine Funktion der modifizierten
E¨
otv¨
os-Zahl E¨
oH, mit
E¨
oH=gρ dH2
σ.
Im Experiment ebenso wie in den vorangegangenen Abschnitten wurde E¨
oHdurch die
Variation des Blasendurchmessers ver¨
andert. Prinzipiell kann E¨
oHjedoch auch ¨
uber
die Auftriebskraft oder die Oberfl¨
achenspannung variiert werden. Steigt beispielswei-
se die Oberfl¨
achenspannung σ, so sinkt E¨
oHaus zwei Gr¨
unden: Erstens tritt σim
Nenner von E¨
oHauf, zweitens sinkt der horizontale Blasendurchmesser dH, weil die
Oberfl¨
achenspannung einer Abflachung der Blasen entgegenwirkt. Im Folgenden wer-
den Simulationsergebnisse f¨
ur Serien von Modellsystemen vorgestellt, in denen jeweils
nur die Oberfl¨
achenspannung unterschiedlich ist (Tabelle 12.2). Indem σvariiert wird,
ver¨
andert sich auch die Mortonzahl des Systems, weil im Nenner der Mortonzahl σ
in der dritten Potenz auftritt:
Mo = gρ µ4
l
ρ2
lσ3
Hebt man etwa in System A die Oberfl¨
achenspannung von 10 auf 75 mN/m, so
sinkt die Mortonzahl um knapp drei Gr¨
oßenordnungen. Derartige Serien von Stoff-
systemen lassen sich in der Natur nicht finden, denn im Allgemeinen unterscheiden
sich unterschiedliche Stoffsysteme meist in mehreren Parametern. Zudem sind die
Oberfl¨
achenspannungen im Modellsystem B unrealistisch hoch. In einer Simulation
hingegen k¨
onnen auch unrealistische Stoffsysteme untersucht werden. Hier wird bei-
spielsweise der Einfluß der Oberfl¨
achenspannung auf den Liftkoeffizienten untersucht.
Tabelle 12.2.: Serien von Modellsystemen zur Variation der Oberfl¨
achenspannung. Se-
rie A:σ= 10, 15, 20, 30, 40, 50, 60, 75 mN/m. Serie B: σ= 100, 200, 300, 400, 600,
800 mN/m.
Serie d [mm] µl[mPa s] ρl[kg/m3]σ[mN/m] log(Mo)
A 3,2 19 1,154 10...75 -2,9... -5,6
B10 100 1,000 100...800 -3,0... -5,7
83
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
In Abbildung 12.11 ist die Abh¨
angigkeit des Liftkoeffizienten von E¨
oHdargestellt,
wobei E¨
oHauf zweierlei Weise variiert wurde: Durch Simulation von Blasen mit
unterschiedlichem Durchmesser d(bei gleichbleibender Oberfl¨
achenspannung) oder
durch Simulation von Blasen mit verschiedenen Oberfl¨
achenspannungen (bei gleich-
bleibendem Blasendurchmesser). Alle Datenreihen k¨
onnen gut approximiert werden
durch die lineare Funktion
CL=0,1 E¨
oH+ 0,5.(12.16)
Die Steigung dieser Funktion ist ¨
ahnlich wie die Steigung der Tomiyama-Korrelation
im Bereich 4 <E¨
oH<7. Die lineare Approximation wechselt ihr Vorzeichen bei
E¨
oH= 5, die Korrelation jedoch erst bei ungef¨
ahr E¨
oH6. Im Grenzfall unendlich
großer Oberfl¨
achenspannung werden Blasen kugelf¨
ormig und E¨
oHgeht gegen Null.
F¨
ur E¨
oH= 0 liefert Gleichung (12.16) den Wert CL= 0,5 . Dies entspricht genau dem
Liftkoeffizienten, den Auton f¨
ur feste Kugel in linearen Scherstr¨
omungen berechnet
hat.
0 2 4 6 8 10 12 14 16
-1,0
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Variation of d
Tomiyama
19 mPas
Variation of
19 mPas
100 mPas
C
L
Eo
H
y=0,5-0,1x
Abbildung 12.11.: Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit von E¨
oH. Schwarze Kurve: Tomiyama-
Korrelation. Geschlossene Dreiecke: µl= 19 mPa s; σ= 61 mN/m; d=2,8...5,5 mm.
Offene Dreiecke: µl= 19 mPa s; σ= 10...75 mN/m; d=3,2 mm (Serie A).
Sterne: µl= 100 mPa s; σ= 100...800 mN/m; d=10 mm (Serie B).
84
12.8. Variation der Oberfl¨
achenspannung
In den Serien A und B werden jeweils fast drei Gr¨
oßenordnungen von Mo ¨
uberstrichen,
wohingegen bei der dritten Datenreihe in Abbildung 12.11 (Variation von dbei µl=
19 mPa s) Mo konstant ist (log Mo=-5,3). Dennoch lassen sich alle Datenreihen durch
eine Funktion von E¨
oHgut approximieren (Abb. 12.11). Offenbar hat die Mortonzahl
des Systems kaum einen Einfluß auf die Liftkraft.
In den Abbildungen 12.12 und 12.13 ist der Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit von der auf
den ¨
Aquivalenzdurchmesser bezogenen E¨
otv¨
oszahl E¨
o beziehungsweise in Abh¨
angig-
keit vom Durchmesserverh¨
altnis dV/dHabgetragen. In beiden Darstellungen haben
die Datenreihen f¨
ur unterschiedliche Systeme jeweils einen anderen Verlauf. Daraus ist
ersichtlich, daß sich CLnicht als Funktion von E¨
o oder dV/dHbeschreiben l¨
aßt. Damit
verbleibt allein E¨
oHals entscheidende Kennzahl, die den Betrag des Liftkoeffizienten
bestimmt. F¨
ur stark abgeflachte Blasen (kleines dV/dH) ist der Liftkoeffizient negativ,
f¨
ur ann¨
ahernd kugelf¨
ormige Blasen (dV/dH1) ist er positiv. Sowohl in der Simu-
lation (Abb. 12.13) als auch im Experiment (Abb. 12.14) k¨
onnen bei dV/dH0,6
sowohl positive als auch negative Liftkoeffizienten auftreten - je nach Stoffsystem.
0 2 4 6 8 10 12
-1,2
-1,0
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Various d
19 mPa s
Various
19 mPa s
100 mPa s
C
L
Eo
y = 0,5 - 0,125 x
Abbildung 12.12.: Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit von E¨
o (auf den ¨
Aquivalenzdurchmesser
dbezogene E¨
otv¨
oszahl). Stoffsysteme wie in Abb. 12.11 und Tabelle 12.2.
85
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
0,4 0,5 0,6 0,7 0,8
-1,2
-1,0
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Variation of d
19 mPa s
Variation of
19 mPa s
100 mPa s
C
L
d
V
/d
H
Abbildung 12.13.: Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit vom Durchmesserverh¨
altnis dV/dH.
Stoffsysteme wie in Abb. 12.11 und Tabelle 12.2.
0,4 0,6 0, 8 1,0
-0,3
-0,2
-0,1
0,0
0,1
0,2
0,3
53 mPa s
19 mPa s
C
L
d
V
/d
H
Abbildung 12.14.: Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit vom Durchmesserverh¨
altnis dV/dHf¨
ur
Blasen aus dem Experiment von Tomiyama et al. (2002).
86
12.9. Variation der Gravitation
12.9. Variation der Gravitation
Da die E¨
otv¨
oszahl das Verh¨
altnis von Auftriebskraft zur Oberfl¨
achenspannungskraft
angibt, kann E¨
oHauch ¨
uber die Gravitation variiert werden. F¨
ur einen Blase mit
fest vorgegebenem Durchmesser (d=5,5 mm) wird die Trajektorie f¨
ur den Aufstieg
bei unterschiedlicher Gravitation berechnet (g= 9,81; 8; 6; 4; 2 m2/s). Je geringer
die Gravitation, desto langsamer steigt die Blase auf, und die Deformation durch
hydrodynamische Effekte (Abflachung) nimmt ab. Als Fl¨
ussigphase wurde das System
µl= 19 mPa s aus Tabelle 12.1 gew¨
ahlt, mit der Scherrate ω= 6,2s1. Aus
Abbildung 12.15 ist ersichtlich, daß der Liftkoeffizient in ¨
ahnlicher Weise von E¨
oH
abh¨
angt, wie der Durchmesser der Blasen bei konstanter Gravitation (g= 9,81 m2/s)
variiert wird. In beiden F¨
allen lassen sich alle Werte mit der linaren Funktion (12.16)
approximieren.
0 2 4 6 8 10 12
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Tomi yama
d varied
g varied
y =0,5 -0,1x
C
L
Eö
H
Abbildung 12.15.: Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit von E¨
oH. Schwarze Dreiecke: Variation
des Blasendurchmessers (vgl. Abb. 12.7). Graue Kreise: Variation der Gravitation.
87
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
12.10. Luftblasen in Wasser
Von besonderem Interesse ist die Gr¨
oße der Liftkraft auf Blasen in Wasser. Hierf¨
ur
gibt es zwar eine Anzahl von Experimenten, die eine Absch¨
atzung des kritischen Bla-
sendurchmessers erm¨
oglichen, bei dem der Liftkoeffizient sein Vorzeichen wechselt
(beispielsweise Beobachtungen der Blasenverteilung in vertikalen Rohren, vgl. Ab-
schnitt 11.1). Es sind jedoch bisher noch nicht die Betr¨
age des Liftkoeffizienten f¨
ur
Blasen in Wasser experimentell ermittelt worden. Dies liegt unter anderem daran, daß
es wegen der geringen dynamischen Viskosit¨
at schwer ist, in Wasser eine stabile linea-
re Scherstr¨
omung zu erzeugen. Aufgrund der Kelvin-Helmholz-Instabilit¨
at kann bei
h¨
oheren Reynoldszahlen eine lineare Scherstr¨
omung zusammenbrechen und es k¨
onnen
Turbulenzen entstehen. In der Simulation mit FS3D bleibt die Scherstr¨
omung auch f¨
ur
Wasser stabil. Anders als im Experiment kann in der Simulation eine v¨
ollig ungest¨
orte
Scherstr¨
omung als Anfangsbedingung eingestellt werden. St¨
orungen wie thermische
Konvektion oder Ersch¨
utterungen k¨
onnen hier ausgeschlossen werden. Zur Stabilisie-
rung des simulierten Geschwindigkeitsprofils tr¨
agt die Einstr¨
om-Randbedingung mit
einer linearen Scherstr¨
omung am oberen Rand des Rechengebietes bei. Es werden
Trajektorien f¨
ur Blasen (d=1...6 mm) in Wasser berechnet. Die relative Aufstiegsge-
0,0 0,1 0, 2 0,3 0,4 0,5 0, 6 0,7 0,8
-1,0
-0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
x = -1,20 t - 0,07
x [cm]
t [s]
x = -1,14 t + 0,08
Abbildung 12.16.: Graue Kurve: Horizontale Koordinate des Schwerpunkts einer Blase
(d=6mm) in Wasser in Abh¨
angigkeit von der Zeit. ω= 10s1.
88
12.10. Luftblasen in Wasser
schwindigkeit dieser Blasen liegt zwischen 20 und 24 cm/s, und ist damit vergleichbar
mit experimentell beobachteten Aufstiegsgeschwindigkeiten von Blasen in ruhendem
Wasser (Simulationen von Blasen in ruhenden Fl¨
ussigkeiten und Vergleiche mit Expe-
rimenten hat Koebe (2004) detailliert durchgef¨
uhrt). Anders als in den viskosen Gly-
cerinl¨
osungen oszillieren gr¨
oßere Blasen in Wasser so stark, daß eine zickzack-f¨
ormige
Trajektorie mit periodischer Richtungsumkehr der Horizontalbewegung entsteht. In
diesem Fall stellt sich zwar keine konstante Horizontalgeschwindigkeit ein, jedoch
nach wenigen horizontalen Schwingungen ist die mittlere Horizontalgeschwindigkeit
(gemittelt ¨
uber jeweils eine Schwingungsperiode) konstant. Im Weg-Zeit-Diagramm
k¨
onnen die relativen Maxima oder Minima des Graphen x(t) durch Geraden verbun-
den werden. Die Steigung dieser Geraden ergibt jeweils einen Wert f¨
ur die mittlere Ho-
rizontalgeschwindigkeit. Der Mittelwert der beiden Geradensteigungen wird als Wert
f¨
ur die Horizontalgeschwindigkeit verwendet. Tomiyama wendet die aus dem Expe-
0 2 4 6 8 10
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
Tom iyama
53 m Pa s
19 m Pa s
1 m Pa s
C
L
Eö
H
Abbildung 12.17.: Liftkoeffizient von Blasen in Abh¨
angigkeit von der modifizierten
E¨
otv¨
os-Zahl E¨
oH. Schwarze Kurve: Korrelation von Tomiyama. Sterne: Simulierte Blasen in
Wasser (µl= 1 mPa s), bei einer Aufl¨
osung von 16 Zellen/d. Schwarze Dreiecke und graue
Kreise: Simulierte Blasen in Glycerinl¨
osungen µl= 53 bzw. 19 mPa s bei einer Aufl¨
osung
von 32 Zellen/d.
89
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
riment mit Glycerinl¨
osungen gewonnene Korrelation auch auf Luftblasen in Wasser
an. Um den Liftkoeffizienten f¨
ur eine bestimmte Blasengr¨
oße dzu ermitteln, ist die
Kenntnis des dazugeh¨
origen Horizontaldurchmessers dHerforderlich. Tomiyama ver-
wendet die Korrelation von Wellek et al. f¨
ur Blasen in vollst¨
andig kontaminiertem
Wasser, um den Horizontaldurchmesser der Blasen abzusch¨
atzen:
dV
dH
=1
1 + 0,163 Eo0,757 .(12.17)
Unter der zus¨
atzlichen Annahme elliptischer Blasenformen (d3=dVd2
H) kann mittels
der Wellek-Korrelation zu jedem ¨
Aquivalenzdurchmesser dder zugeh¨
orige Horizon-
taldurchmesser dHin kontaminiertem Wasser dHermittelt werden. Aus dHund den
Stoffdaten ergibt sich E¨
oH, und ¨
uber Tomiyamas Korrelation (11.5) wird schließlich
der zugeh¨
orige Liftkoeffizient ermittelt. So kann der Liftkoeffizient als Funktion vom
¨
Aquivalenzdurchmesser dargestellt werden werden. Diese Funktion ist in Abbildung
12.19 eingezeichnet. Ihr Nulldurchgang liegt bei d=5,8 mm und stimmt recht gut mit
dem kritischen Blasendurchmesser aus experimentellen Beobachtungen ¨
uberein. Nach
der gleichen Vorgehensweise hat Prasser et al. (2005) den kritischen Durchmesser f¨
ur
Dampfblasen in siedendem Wasser unter einem Druck von 6,5 MPa errechnet. Die
Siedetemperatur bei diesem Druck betr¨
agt 280 K. Wegen der geringen Oberfl¨
achen-
spannung (σ=) ergibt sich aus der Tomiyama-Korrelation ein kritischer Blasendurch-
messer von 3,5 mm, was mit dem Experiment ¨
ubereinstimmt (vgl. Abb. 11.1). Den-
noch ist die Verkn¨
upfung von Wellek-Korrelation (12.17) und Tomiyama-Korrelation
(11.5) nicht konsistent, denn Tomiyama verwendete in seinem Experiment destillier-
tes Wasser, um den Einfluß von Surfactants auszuschließen. Die Wellek-Korrelation
hingegen gilt nur f¨
ur vollst¨
andig kontaminiertes Wasser. Blasen in reinem Wasser
hingegen k¨
onnen deutlich flacher sein. So schlagen Fan und Tsuchiya (1990) f¨
ur Bla-
sen in reinen Systemen eine Korrelation vor, die auf der sogenannten Tadaki-Zahl
Ta = ReMo0,23 beruht:
dV
dH
={0,81 + 0,2 tanh[1,8(0,4log Ta)]}3f¨
ur 0,3Ta 20 .(12.18)
Diese Korrelation gilt f¨
ur ellipsoide Blasen. Unterhalb Ta = 0,3 gelte dV/dH= 1.0
(sph¨
arische Blasen), oberhalb Ta = 20 sei dV/dH= 0.24 (Kappenblasen). Aus Ab-
bildung 12.18 geht hervor, daß die Korrelation (12.18) die simulierten Blasenformen
90
12.10. Luftblasen in Wasser
weitaus besser trifft als diejenige von Wellek. In der Simulation oszilliert der Horizon-
taldurchmesser gr¨
oßerer Blasen in Verbindung mit einer zickzack-f¨
ormigen Aufstiegs-
bahn. In solchen F¨
allen werden Mittelwerte f¨
ur dVund dHverwendet.
01234567
0
2
4
6
8
10
Simula tion
Fan
W el lek
Kugel
d
H
[ m m ]
d [m m]
Abbildung 12.18.: Horizontaler Durchmesser dHals Funktion des ¨
Aquivalenzdurchmes-
sers d. Gestrichelte Gerade: Kugelform (dH=d). Schwarze Kurve: Korrellation (12.17) von
Wellek. Graue Kurve: Korrelation (Fan und Tsuchiya (1990)). Schwarze Quadrate: Simu-
lierte Blasen.
91
12. Simulation von Blasen in Glycerinl¨
osungen
0 2 4 6 8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
1 m Pa s
Tom iyama
C
L
d [mm]
Abbildung 12.19.: Liftkoeffizient von Blasen in Wasser in Abh¨
angigkeit vom ¨
Aquivalenz-
durchmesser d. Schwarze Kurve: Korrelation von Tomiyama. Sterne: Simulierte Blasen, bei
einer Aufl¨
osung von 16 Zellen/d.
92
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und
Druckfelder an der Phasengrenze
Alle Kr¨
afte, die zwischen Blase und Fl¨
ussigkeit wirken, werden ¨
uber die Phasengrenze
ausgetauscht. Um das Zustandekommen der Liftkraft (und insbesondere ihres Vor-
zeichenwechsels) zu verstehen, liegt es daher nahe, die Druck- und Geschwindigkeits-
felder an der Phasengrenze zu untersuchen. Es bietet sich an, mit dem zweidimen-
sionalen Fall zu beginnen, weil hier die Felder besonders einfach visualisiert werden
k¨
onnen. Allerdings gibt es zu zweidimensionalen Blasen kein ¨
Aquivalent in der Natur.
Eine kreisf¨
ormige 2D-Blase entspr¨
ache beispielsweise einem unendlich ausgedehntem
Zylinder.
13.1. Zweidimensionale Blasen
Erste numerische Simulationen zu Blasen in Scherstr¨
omungen wurden von Tomiyama
und Magnaudet durchgef¨
uhrt. Hierbei beschr¨
ankte man sich wegen der begrenzten
Rechenleistung auf die Untersuchung zweidimensionaler Blasen. Es konnte gezeigt
werden, daß bereits im zweidimensionalen Fall kleine Blasen in Richtung st¨
arkerer
Gegenstr¨
omung migrieren, wogegen große Blasen in die entgegengesetzte Richtung
wandern. Dieses Ph¨
anomen wird auch in Simulationen mit FS3D beobachtet. In Ab-
bildung 13.1 sind die Geschwindigkeitsfelder um 2D-Blasen in einer Glycerin-¨
ahn-
lichen Modellfl¨
ussigkeit mit ρl= 1,2kg/m3,µl= 100 mPa s und σ= 64 mN/m
dargestellt. Nur f¨
ur die große Blase (d=6 mm) stellt sich nach einer beschleunigten
Startphase eine konstante Relativgeschwindigkeit ein. Die horizontale Migrationsge-
schwindigkeit der kleinen Blase (d=3 mm) erreicht ihr Maximum nach der Startphase,
wenn die maximale Relativgeschwindigkeit in vertikaler Richtung erreicht ist. Danach
f¨
allt die Migrationsgeschwindigkeit jedoch monoton. Diese Abbremsung kann durch
Vergr¨
oßerung des horizontalen Wandabstandes dWverringert werden. Allerdings ist
auch f¨
ur dW= 16dzu keinem Zeitintervall die Horizontalgeschwindigkeit der kleinen
93
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
0.70
0.80
0.5
1.0
1.5
2.0
Abbildung 13.1.: Geschwindigkeitsfelder um 2D-Blasen bei ω= 10s1. Links: Kleine
Blase; d=3 mm. Rechts: Große Blase; d=6 mm. Man beachte, daß der Maßstab der beiden
Abbildungen unterschiedlich ist. Der Geschwindigkeit der Gegenstr¨
omung steigt von links
nach rechts.
Blase konstant, weshalb die Bestimmung des Liftkoeffizienten nach Gleichung (12.14)
in diesem Fall unm¨
oglich ist. Zum st¨
arkeren Wandeinfluß in 2D-Simulationen k¨
onnte
folgender Zusammenhang beitragen: Wenn sich eine zweidimensionale Blase in eine
Raumrichtung bewegt, so kann die verdr¨
angte Fl¨
ussigkeit nur in eine andere Rich-
tung ausweichen. Bei einer dreidimensonalen Blase kann verdr¨
angte Fl¨
ussigkeit stets
in zwei Raumrichtungen ausweichen.
13.1.1. Zirkulation um zweidimensionale Blasen
In der kleinen Blase aus Abbildung 13.1 (links) ist der rechte Wirbel ausgepr¨
agter, weil
er von der vorbeistreichenden Fl¨
ussigphase st¨
arker angetrieben wird. In der großen
Blase hingegen ist aufgrund der Deformation der linke Wirbel ausgepr¨
agter. Beide
Blasen migrieren in Richtung des st¨
arker ausgepr¨
agten Wirbels. Dieses Ph¨
anomen
beschreiben auch Ervin und Tryggvason (1997) und vermuten, daß die Richtung der
Migration durch die Zirkulation des Geschwindigkeitsfeldes um die Phasengrenze be-
stimmt wird. Die Zirkulation Zum die Blase ist das Linienintegral
Z=IΓ
vds(13.1)
94
13.1. Zweidimensionale Blasen
entlang der Phasengrenze Γ gegen den Uhrzeigersinn um die Blase. Dabei ist dsein
infinitesimales Linienelement der Phasengrenze. Anstatt des Skalarprodukts vdskann
auch auch das Kreuzprodukt v×nintegriert werden, mit nals ¨
außerer Normale der
Phasengrenze.
Z=eyIΓ
v×nds . (13.2)
Hierbei ist ds die L¨
ange eines infinitesimalen Linienelementes der Phasengrenze, und
eyein Einheitsvektor senkrecht zur Aufstiegsrichtung und senkrecht zur Richtung der
seitlichen Migration (also senkrecht auf der simulierten 2D-Ebene). Das Linienintegral
(13.2) kann unter Verwendung von n=−∇f/ |∇f|in ein Fl¨
achenintegral ¨
uber das
Rechengebiet G umgewandelt werden:
Z=ZG
ey[v×(−∇f)] dA . (13.3)
In dieser Form wird die Zirkulation um die in Abbildung 13.1 dargestellten Blasen
numerisch berechnet. Es ergibt sich f¨
ur die kleine Blase Z = -0.80 cm2/s und f¨
ur die
große Blase Z=2,37. Teilt man die Zirkulation um eine 2D-Blase durch ihre Fl¨
ache,
so ergibt sich ein Wert f¨
ur die durchschnittliche Rotation der Gasphase:
ωg=Z
A.(13.4)
Auf diese Weise erh¨
alt man f¨
ur die kleine Blase ωg= 8.4s1und f¨
ur die große Blase
ωg=11.5s1. Die Rotation der ungest¨
orten Scherstr¨
omung ist hier ω= 10s1. In
der großen Blase hat die durchschnittliche Rotation also ein anderes Vorzeichen als
in der Fl¨
ussigphase und in der kleinen Blase. Diese Fallbeispiele st¨
utzen demnach die
Hypothese von Magnaudet, wonach die Richtung der Blasenmigration vom Vorzeichen
der Gaszirkulation abh¨
angt.
13.1.2. Dynamischer Druck um zweidimensionale Blasen
Der Druck pin der Fl¨
ussigphase l¨
aßt sich zerlegen in einen hydrostatischen Druck
ps=p0ρlgz und einen hydrodynamischen Druckanteil pd:
pd:= pps=pp0+ρlgz .
95
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
Abbildung 13.2.: Kleine Blase, d=3 mm (vgl. Abb. 13.1) Links: Feld des dynamischen
Drucks in der Umgebung der Blase. Rechts: Dynamischer Druck nahe der Phasengrenze als
Funktion der H¨
ohe h¨
uber der Blasenbasis. Graue Quadrate: Dynamischer Druck auf die
linke Blasenseite. Graue Rauten: Dynamischer Druck auf die rechte Blasenseite. Schwarze
Kreise: Differenz der beiden Dr¨
ucke.
Abbildung 13.3.: Große Blase, d=6 mm (vgl. Abb. 13.1) Links: Feld des dynamischen
Drucks in der Umgebung der Blase. Rechts: Dynamischer Druck nahe der Phasengrenze als
Funktion der H¨
ohe h¨
uber der Blasenbasis. Graue Quadrate: Dynamischer Druck auf die
linke Blasenseite. Graue Rauten: Dynamischer Druck auf die rechte Blasenseite. Schwarze
Kreise: Differenz der beiden Dr¨
ucke.
96
13.1. Zweidimensionale Blasen
Der hydrostatische Druck verursacht die Auftriebskraft der Blase, die ausschließlich
in vertikaler Richtung wirkt. Der dynamische Druck hingegen kann auch horizontale
Kr¨
afte verursachen, wenn in dieser Richtung Asymmetrien auftreten. In den Abbil-
dungen 13.2 und 13.3 sind die Druckfelder von pdum die kleine und die große Blase
dargestellt. Wegen der Oberfl¨
achenspannung ist der Druck in der Blase hoch und
¨
ubersteigt die Grauskala. Daher sind die Blasen in diesen Abbildungen schwarz. Un-
terdruckgebiete hingegen zeichnen sich hell ab. Sie befinden sich an der Phasengrenze
und sind asymetrisch angeordnet. Bei der kleinen Blase tritt ein Unterdruckgebiet auf
der rechten Seite auf, wo sie von der Fl¨
ussigphase st¨
arker angestr¨
omt wird. Bei der
großen Blase treten beiderseits Unterdruckgebiete auf, wovon jedoch das linke st¨
arker
ausgepr¨
agt ist. Um die Kraft des dynamischen Druckes auf die Blase zu berechnen,
m der Beitrag jedes Fl¨
achenelementes bestimmt werden. F¨
ur ein Fl¨
achenelement
der L¨
ange sist dies F=pdsn. Die horizontale Komponente hiervon ist
Fy=pdsny=pdscos(α) = pdsh(13.5)
mit hals H¨
ohendifferenz der Endpunkte des Linienst¨
ucks s(vgl. Abbildung 13.4).
Die Horizontalkraft auf eine Blasenseite ist daher das Integral Rpd(h)dh ¨
uber die
gesamte Blasenh¨
ohe Hvon der Blasenbasis bis zu ihrem h¨
ochsten Punkt. Seien pd,L
und pd,R jeweils der Druck auf der linken und der rechten Blasenseite, so ist die
x
n
n
hs
αα
pd,L(h )
1
h1
pd,R(h )
1
h
Γ
Abbildung 13.4.: Links: Oberfl¨
achenelement an der Phasengrenze einer 2D-Blase
Rechts: Phasengrenze einer 2D-Blase und Kontrollinie (gestrichelt) außerhalb der Phasen-
grenze.
97
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
horizontale Komponente des dynamischen Druckes auf die gesamte Phasengrenze
Fy=ZH
0
[pd,L(h)pd,R(h)]dh . (13.6)
Weil die Oberfl¨
achenspannung in FS3D als Volumenkraft modelliert ist, sind die
Druckwerte in der Fl¨
ussigphase in der N¨
ahe der Phasengrenze stark erh¨
oht - auch in
Zellen, die keine Gasphase enthalten (f=0). Erst in einem Abstand von drei Zellbrei-
ten jenseits der Phasengrenze verschwindet der Einfluß der verschmierten Ober-
fl¨
achenspannungskraft. Daher werden die Druckwerte auf einer Kontrollinie im Ab-
stand von drei Zellen außerhalb der Phasengrenze untersucht. In Abbildung 13.2 und
13.3 sind jeweils rechts die so gewonnenen Werte f¨
ur pd,L und pd,L zusammen mit ihrer
Differenz gegen¨
uber der H¨
ohe habgetragen. In Abbildung 13.2 ist pd,L pd,R ¨
uberwie-
gend positiv, in Abbildung 13.3 ¨
uberwiegend negativ. Es ergibt sich nach Gleichung
(13.6) in beiden F¨
allen eine Kraft in Richtung der Blasenmigration. Dies legt die Ver-
mutung nahe, daß der dynamische Druck zur Liftkraft beitr¨
agt. Wegen des starken
Wandeinflusses in 2D-Simulationen wird eine genauere quantitative Untersuchung zu
den Kr¨
aften an der Phasengrenze nur f¨
ur 3D-Blasen durchgef¨
uhrt.
13.2. Dreidimensionale Blasen
13.2.1. Zirkulation um dreidimensionale Blasen
Analog zu Abschnitt 13.1.1 soll auch f¨
ur 3D-Blasen ¨
uberpr¨
uft werden, ob die Mi-
grationsrichtung und das Vorzeichen der Zirkulation um die Blase zusammenh¨
angen.
Dazu m die Definition der Zirkulation (13.1) von zwei auf drei Dimensionen er-
weitert werden. Nach dem Satz von Stokes l¨
aßt sich ein Linienintegral entlang der
geschlossenen Kurve Γ in ein Fl¨
achenintegral ¨
uber die von Γ umschlossene Fl¨
ache
umwandeln:
Z=IΓ
vds=ZA
(×v)da.(13.7)
Durch
Z=ZV
(×v)dv(13.8)
wird eine vektorielle Zirkulation um ein geschlossenes, endliches Volumen V(beispiels-
weise dem Blasenvolumen) definiert. Um die physikalische Bedeutung des Vektors Z
98
13.2. Dreidimensionale Blasen
zu verdeutlichen, soll nun eine Komponente gesondert betrachtet werden:
Zy=eyZ=ZV
(×v)eydv=Z ZAy
(×v)dady=Z IΓy
vdsdy . (13.9)
Hierbei bezeichnet Ayeine Querschnittsfl¨
ache des Volumens Vparallel zur x-z-Ebene
durch den Punkt (0,y,0). Der Rand von Ayist die geschlossenen Kurve Γy. Damit kann
Zyfolgendermaßen interpretiert werden: Sei Z(y) die Zirkulation um die Schnittfl¨
ache
Aymit dem Rand Γy, so gilt:
Zy=ZZ(y)dy . (13.10)
Die Integrationsgrenzen sind die minimale und die maximale y-Koordinate des Volu-
mens V. Wenn Vbeispielsweise eine ellipsoide Blase ist, so wird y¨
uber dem Intervall
[dH,+dH] integriert. Weil die x-z-Ebene in der Simulation eine Symmetrieebene ist,
kann nur die y-Komponente von Zvon Null verschieden sein. Denn Schnittfl¨
achen
durch das Blasenvolumen senkrecht zur x-z-Ebene k¨
onnen wegen der Spiegelsym-
metrie des Geschwindigkeitsfeldes keine von Null verschiedene Zirkulation an ihrem
Rand aufweisen. Analog zum 2D-Fall kann eine durchschnittliche Rotation in der
Gasphase definiert werden, wenn man die Zirkulation durch das Blasenvolumen VB
teilt.
ωg=Zy
VB
(13.11)
F¨
ur starre K¨
orper (z.B. Tragfl¨
achen), die von einem Fluid mit einer Geschwindig-
keit vrangestr¨
omt werden, ergibt sich nach dem Theorem von Kutta-Joukowski eine
Auftriebskraft FL, die proportional zur Zirkulation Zist:
FL=ρlvr×Z.(13.12)
Durch Gleichsetzen dieses Theorems mit Gleichung (11.2) ergibt sich:
CL=ωg
ωl
.(13.13)
Aus Abbildung 13.5 ist erkennbar, daß das Vorzeichen des Liftkoeffizienten nicht von
dem Vorzeichen von ωgabh¨
angt. Insbesondere ist Gleichung (13.13) nicht erf¨
ullt. Es
l¨
aßt sich auch kein stoffunabh¨
angiger funktionaler Zusammenhang zwischen CLund
ωgherstellen.
99
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
-1,4 - 1,2 -1,0 - 0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
C
L
g
/
l
19 mPa s 53 mPa s
y = x
Abbildung 13.5.: Liftkoeffizient in Abh¨
angigkeit von ωglf¨
ur Luftblasen in Glyce-
rinl¨
osungen (sie auch Tabelle 12.1, sowie Abbildung 12.7).
1.2 1.4 1.6 1.8
0.8
1.0
1.2
1.4
1.6
−10.0
−6.7
−3.3
0.0
3.3
6.7
10.0
13.3
16.7
20.0
dyn. pres.
[Pa]
t = 0.200000 s
cycle = 1
1.5 2.0 2.5
1.5
2.0
2.5
3.0
−21.7
−14.4
−7.2
0.0
7.2
14.4
21.7
28.9
36.1
dyn. pres.
[Pa]
t = 0.200000 s
cycle = 1
Abbildung 13.6.: Dynamischer Druck um 3D-Blasen, µl= 53 mPa s. Links: Kleine Blase,
d=3,2 mm. Rechts: Große Blase, d=5,6 mm. Scherrate ω= 8.3s1. Die Gegenstr¨
omung
nimmt jeweils nach rechts zu. Dazugeh¨
orige Geschwindigkeitsfelder: Siehe Abbildung 12.9.
100
13.2. Dreidimensionale Blasen
13.2.2. Dynamischer Druck und Scherkraft an der Phasengrenze
Dreidimensionale Blasen sind entlang ihres ¨
Aquators von einem ringf¨
ormigen Un-
terdruckgebiet umgeben, welches sie in horizontaler Richtung dehnt (Abbildung 13.6).
Das verdr¨
angte Wasser streicht an der Blase vorbei, wobei die Wassergeschwindigkeit
zunimmt. Gem¨
dem Bernoulli-Effekt sinkt der Wasserdruck mit dem Geschwindig-
keitsanstieg. Dies erkl¨
art auch, warum schnelle Blasen flacher sind, als langsame (vgl.
Abb. 12.2 und 12.3). F¨
ur alle 3D-Blasen bei µl53 mPa s liegt das absolute Mini-
mum des dynamischen Druckes auf der st¨
arker angestr¨
omten Seite, unabh¨
angig vom
Blasendurchmesser. Nur f¨
ur große Blasen bei h¨
oheren Viskosit¨
aten (z.B. d=10 mm
und µl= 100 mPa s) tritt das absolute Minimum auf der schw¨
acher angestr¨
omten
Seite auf. Um die gesamte Kraft Fpauszurechnen, die der dynamische Druck pdauf
die Blase aus¨
ubt, m pd¨
uber die Phasengrenze Γ integriert werden:
Fp=ZΓpdndA , (13.14)
mit der ¨
außeren Fl¨
achennormalen n. Wie bereits in Abschnitt 13.1.2 dargelegt, sind
die durch FS3D errechneten Druckwerte in der N¨
ahe der Phasengrenze durch die
Modellierung der Oberfl¨
achenspannung als Volumenkraft stark erh¨
oht. Erst in einem
Abstand von drei bis vier Zellbreiten von der Phasengrenze verschwindet der Einfluß
dieser Volumenkraft, und die errechneten Werte k¨
onnen als physikalische Druckwerte
in der Fl¨
ussigphase interpretiert werden. Daher kann Fpnicht direkt durch Integrati-
on ¨
uber die Phasengrenze berechnet werden, sondern wird durch eine Extrapolation
angen¨
ahert. Hierzu werden Fl¨
achen Aδermittelt, die in einem festen Abstand δpar-
allel zur Phasengrenze in der Fl¨
ussigphase verlaufen (vgl. Abbildung 13.7). Der Algo-
rithmus zur Ermittlung dieser Fl¨
achen ist im Anhang A.3 beschrieben. Im Grenzfall
δ
Γ
Aδ
Abbildung 13.7.: Fl¨
ache Aδim Abstand δzur Phasengrenze Γ.
101
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
δ0 geht Aδin die Phasengrenze Γ ¨
uber. Daher gilt
Fp= lim
δ0Fp,δ mit Fp,δ =ZAδpdndA . (13.15)
Analog zum Druck kann auch die Scherkraft FSan der Phasengrenze untersucht
werden:
FS=ZΓ
S n dAmit S=µ(v+vT).(13.16)
Anders als beim Druck weist das Geschwindigkeitsfeld keine Unstetigkeit an der Pha-
sengrenze auf. Allerdings ergibt sich durch den Sprung der Viskosit¨
at an der Phasen-
grenze eine Unstetigkeit f¨
ur v. Daher wird auch f¨
ur FSeine Extrapolation durch-
gef¨
uhrt:
FS= lim
δ0FS,δ mit FS,δ =ZAδ
S n dA . (13.17)
13.2.3. Validierung des Verfahrens zur Berechnung der Kr¨
afte an der
Phasengrenze
Um das numerische Verfahren zur Berechnung von Fpund FSzu validieren, werden
zun¨
achst Blasen in ruhenden Fl¨
ussigkeiten (d.h. bei ω= 0) untersucht, die nach einer
anf¨
anglichen Beschleunigungsphase mit konstanter Geschwindigkeit wTaufsteigen.
Nach Erreichen der Endgeschwindigkeit wTsind Widerstandskraft FDund Auftriebs-
kraft FAim Gleichgewicht:
FD=FA= ρVBg.
Die Widerstandskraft setzt sich aus den Beitr¨
agen des dynamischen Druckes und der
Scherkraft zusammen: FD=Fp+FS. Es m also f¨
ur jede Blase nach Erreichen der
Endgeschwindigkeit wTgelten:
Fp+FS=FA.(13.18)
Diese Gleichheit wird f¨
ur verschiedene Blasendurchmesser dbei µl= 19 mPa s
und µl= 53 mPa s ¨
uberpr¨
uft. In Abbildung 13.8 wird am Beispiel einer Blase mit
d=3,2 mm bei µl= 53 dargestellt, wie Fpund FSdurch Extrapolation gewonnen wer-
den. Als Abstand zur Phasengrenze werden jeweils Vielfache der Zellbreite cgew¨
ahlt:
102
13.2. Dreidimensionale Blasen
0 2 4 6 8 10
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
|F | / |F
A
|
F
p
c
F
S
Abbildung 13.8.: Druckkraft und Scherkraft auf Kontrollfl¨
achen Aδin Abh¨
angigkeit vom
Abstand δzur Phasengrenze. Die Kr¨
afte sind durch die Auftriebskraft normiert, der Ab-
stand ist durch die Kantenl¨
ange cder kubischen Zellen normiert.
δ= 9c, 8c, ..., 0. Die Werte von Fp,δ und FS,δ lassen sich f¨
ur δ > 3cjeweils sehr
gut durch ein quadratisches Polynom fitten. Extrapoliert man die Fits in Richtung
δ0 so ergibt sich in diesem Falle Fp=0,36 FAund FS=0,62 FAund damit
insgesamt FD=0,98 FA. F¨
ur alle simulierten Blasen ist Gleichung (13.18) (bis
auf relative Fehler von wenigen Prozent) erf¨
ullt, wenn beide Anteile des Drags durch
Extrapolation bestimmt werden. Berechnet man Fpoder FSoder beide Kr¨
afte statt-
dessen direkt an der Phasengrenze (δ= 0), so ist Gleichung (13.18) im Allgemeinen
nicht erf¨
ullt.
Aus Abbildung 13.9 ist ersichtlich, daß im Falle Re0 der Anteil von Fpan der ge-
samten Widerstandsraft FDein Drittel betr¨
agt. Dieser Wert ergibt sich auch aus der
analytischen L¨
osung von Hadamard (1911) und Rybczynski (1911) f¨
ur kugelf¨
ormige
Fluidpartikel im Grenzfall µg0. Je gr¨
oßer hingegen die Reynoldszahl wird, desto
gr¨
oßer ist der Anteil des dynamischen Druckes an der Widerstandskraft. Auch dies
entspricht der Theorie, denn im Grenzfall Re spielen Scherkr¨
afte keine Rolle.
Durch Bilanzierung der Kr¨
afte an frei aufsteigenden Blasen konnten die numerischen
103
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
Routinen zur Berechnung der Oberfl¨
achenintegrale validiert werden. Es wurde gezeigt,
daß die durch Extrapolation ermittelten Werte f¨
ur die Kr¨
afte an der Phasengrenze
plausibel sind.
0 10 20 30 40 50 60 70 80
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
53 mPa s
19 mPa s
|F
p
| / | F
D
|
Re
Abbildung 13.9.: Anteil des dynamischen Druckes an der Widerstandskraft in Abh¨
angig-
keit von der Reynoldszahl f¨
ur Blasen verschiedener Gr¨
oßen bei µl= 19 und 53 mPa s.
Berechnung der Horizontalkr¨
afte an Blasenoberfl¨
achen in Scherstr¨
omungen
Betrachtet man die Druckfelder in Abbildung 13.6, so liegt die Vermutung nahe, daß
sich im 3D-Fall aus dem dynamischen Druck allein nicht die unterschiedliche Migra-
tionsrichtung kleiner und großer Blasen in Scherstr¨
omungen erkl¨
aren l¨
aßt. Allerdings
kann man die horizontale Komponente der Druckkraft Fpschlecht per Augenschein
absch¨
atzen, weil die Seiten der großen Blase unterschiedlich gekr¨
ummt sind. Daher
werden die horizontalen Komponenten von Fpund FSmit dem oben beschriebenen
Verfahren berechnet. Hierf¨
ur werden die Geschwindigkeits- und Druckfelder ausge-
wertet, die sich jeweils nach dem Erreichen konstanter Blasen-Relativgeschwindigkeit
einstellen. Weil die horizontale Blasengeschwindigkeit dann konstant ist, m¨
ussen sich
104
13.2. Dreidimensionale Blasen
die Horizontalkr¨
afte an der Phasengrenze im Gleichgewicht befinden:
FS,x =Fp,x .(13.19)
In den Abbildungen 13.10 und 13.11 sind die Horizontalkr¨
afte in Abh¨
angigkeit vom
Blasendurchmesser aufgetragen. Bei µl=53 mPa s ist Gleichung (13.19) bis auf Feh-
ler von wenigen Prozent erf¨
ullt. Fp,x ist stets positiv, d.h. große Blasen migrieren
entgegengesetzt zu der von Fp,x vorgegebenen Richtung. Bei µl=19 mPa s stimmt
die Migrationsrichtung stets mit der Richtung von Fp,x ¨
uberein, jedoch ist Gleichung
(13.19) nicht erf¨
ullt. Zwar ist das Vorzeichen von FS,x stets dem von Fp,x entgegen-
gesetzt, jedoch ist der Betrag von FS,x nur etwa halb so groß wie der von Fp,x. Die
Blase m¨
ußte also in horizontaler Richtung beschleunigen, was aber nicht der Fall ist.
M¨
oglicherweise versagt die Extrapolation hier, weil die Blasen bei µl=19 mPa s sehr
flach sind, und die Integration um stark gekr¨
ummte Oberfl¨
achen aufgrund der be-
schr¨
ankten Gitteraufl¨
osung ungenau wird. Insgesamt ergibt sich aus den Werten f¨
ur
die Horizontalkr¨
afte an der Phasengrenze kein schl¨
ussiges Gesamtbild. Lediglich f¨
ur
Blasen mit positivem Liftkoeffizienten kann man feststellen, daß sie stets in die Rich-
tung migrieren, die aus dem dynamische Druck auf der Phasengrenze resultiert. Sie
migrieren zur st¨
arker angestr¨
omten Seite, wo wegen des Bernoulli-Effekts der Unter-
druck am st¨
arksten ist. Das Vorzeichen der Scherkraft FS,x ist f¨
ur alle Blasengr¨
oßen
dem der Druckkraft Fp,x entgegengesetzt.
105
13. Untersuchung der Geschwindigkeits- und Druckfelder an der Phasengrenze
-0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3
-0,03
-0,02
-0,01
0,00
0,01
0,02
0,03
F
S,x
F
p,x
F
x
/ |F
a
|
C
L
Abbildung 13.10.: Horizontale Komponenten der Druck- und Scherkraft auf Blasen bei
µl= 53 mPa s in Abh¨
angigkeit vom Liftkoeffizienten. Die Horizontalkr¨
afte sind durch die
jeweilige Auftriebskraft normiert.
-0,7 -0,6 -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4
-0,04
-0,03
-0,02
-0,01
0,00
0,01
0,02
0,03
0,04
0,05
F
p,x
F
S,x
F
x
/ |F
a
|
C
L
Abbildung 13.11.: Horizontale Komponenten der Druck- und Scherkraft auf Blasen bei
µl= 19 mPa s in Abh¨
angigkeit vom Liftkoeffizienten. Die Horizontalkr¨
afte sind durch die
jeweilige Auftriebskraft normiert.
106
14. Horizontalgeschwindigkeiten im Blasennachlauf
In Abbildung 12.10 und 13.1 ist zu erkennen, daß der Nachlauf großer Blasen leicht in
Richtung st¨
arkerer Gegenstr¨
omung abgeschr¨
agt ist. Tomiyama (1992) vermutet, daß
die Geometrie des Nachlaufes wesentlich zum Lift beitr¨
agt. In einem abgeschr¨
agten
Nachlauf findet ein horizontaler Fl¨
ussigkeitstransport statt. Eingehende numerische
Untersuchungen zur Struktur des Nachlaufes hinter Partikeln in linearen Scherstr¨
omun-
gen wurden von Richard et al. (2007) durchgef¨
uhrt. Als Modell f¨
ur Blasen wurden
formfeste, abgeflachte Ellipsoide mit einer Slip-Randbedingung verwendet. Die rotati-
onssymmetrischen Elipsoide wurden fest im Rechengebiet positioniert, und die Kr¨
afte
der umgebenden Scherstr¨
omung auf den K¨
orper in Abh¨
angigkeit von der Reynolds-
zahl, der Scherrate und des Durchmesserverh¨
altnisses berechnet. Aufgrund dieser Vor-
gehensweise sind die Resultate dieser Rechnungen nicht direkt mit experimentellen
Ergebnissen zu vergleichen, weil das Durchmesserverh¨
altnis und die Reynoldszahl im
Experiment nicht unabh¨
angig voneinander variiert werden k¨
onnen. Blasenform und
Geschwindigkeit sind im Experiment wie auch in Simulationen mit freier Phasengren-
ze untrennbar verkn¨
upft: Je nach Blasengr¨
oße und Scherrate stellt sich eine Form
und eine Aufstiegsgeschwindigkeit ein. Daher werden im Folgenden die Ergebnisse
von Richard et al. (2007) vorwiegend qualitativ mit den experimentellen Resultaten
von Tomiyama und der eigenen Rechnungen mit FS3D verglichen. Die Liftkraft ist
in den Rechnungen von Richard et al. (2007) abh¨
angig von der Scherrate. Negative
Liftkr¨
afte treten generell erst bei Durchmesserverh¨
altnissen von dV/dH<0.455 auf.
Je h¨
oher die Scherrate ist, desto kleiner ist das kritische Durchmesserverh¨
altnis, bei
dem die Liftkraft ihr Vorzeichen wechselt. Im Experiment von Tomiyama wie auch in
den FS3D-Simulationen liegt das kritische Durchmesserverh¨
altnis zwischen 0,55 und
0,65 - je nach Stoffsystem (vgl. Abbildung 11.5 und 12.13). Eine Abh¨
angigkeit der
Liftkraft von der Scherrate besteht hier nicht (vgl. Abschnitt 12.5). Das Vorzeichen
der Liftkraft bringen Richard et al. (2007) mit der Rotation in der Fl¨
ussigphase hinter
der Blase in Zusammenhang. F¨
ur ein Ellipsoid mit einem Durchmesserverh¨
altnis von
107
14. Horizontalgeschwindigkeiten im Blasennachlauf
1.00 1.10 1.20 1.30 1.40 1.50 1.60
1.00
1.10
1.20
1.30
1.40
vof−function
[−]
vmin = 0.551725
vmax = 23.3500
velocity
[cm/s]
t = 0.100001 s
c = 3081
2.0 2.5 3.0 3.5
1.6
1.8
2.0
2.2
2.4
2.6
2.8
Abbildung 14.1.: Geschwindigkeitsfelder auf der Symmetrieebene f¨
ur Blasen in einer Gly-
cerinl¨
osung (µl= 19 mPa s). Die Gegenstr¨
omung nimmt nach rechts zu. Links: Kleine Blase
(d=3,2 mm), Migration nach rechts. Rechts: Große Blase (d=5,6 mm), Migration nach links.
dV/dH= 0.444 beobachten sie eine von Null verschiedene Rotation ωz=ez·rotvlim
Nachlauf. Aus Symmetriegr¨
unden ist das Vorzeichen der Rotation im Halbraum y < 0
stets umgekehrt wie im Halbraum y > 0. Daraus ergibt sich ein Transport der Fl¨
ussig-
phase entlang der Symmetrieebene (hier die x-z-Ebene). Gleichzeitig ist eine Liftkraft
in entgegengesetzte Richtung zu beobachten. Abh¨
angig von der Reynoldszahl kehrt
sich das Vorzeichen der Rotation ωzum, und mit ihr zugleich auch das Vorzeichen des
Liftkoeffizienten. Diese Beobachtung l¨
aßt sich zu folgender anschaulichen Erkl¨
arung
zusammenfassen: Hinter der Blase entsteht ein Paar von entgengesetzt rotierenden
Wirbelwalzen, zwischen denen Fl¨
ussigkeit in Richtung ±extransportiert wird. Die
Blase migriert stets in entgegengesetzte Richtung, als sei sie von der transportier-
ten Fl¨
ussigkeit wie von einem Jet angetrieben. Auch in analytischen Rechnungen
zu sph¨
arischen Partikeln in Scherstr¨
omungen reibungsfreier Fluide ergibt sich eine
Rotation ωzim Nachlauf (Auton, 1984; Legrende und Magnaudet, 1998). Unter Ver-
wendung der Wirbeltransportgleichung bei Vernachl¨
assigung des Terms f¨
ur viskose
Diffusion leiten Richard et al. (2007) die Entstehung der Rotation im Nachlauf sph¨
ari-
scher Partikel her und motivieren, wie eine elliptische Deformation des Partikels zur
Umkehrung der Rotation f¨
uhren kann. Diese ¨
Uberlegungen sind wegen der Annahme
108
zy
xy
++
Draufsicht
Seitansicht
a) b)
Abbildung 14.2.: Rotation ωzim Nachlauf einer Blase. Gestrichelte Linie: Symmetrieebe-
ne (x-z Ebene). a) Vertikaler Schnitt durch den Blasenschwerpunkt (y-z Ebene).
b) Horizontaler Schnitt durch den Nachlauf. ¨
Außerer Kreis: Projektion des Blasenrandes auf
die horizontale Ebene. Innere Kreise: Gegensinnig rotierende Wirbelwalzen (schematisch).
der Reibungsfreiheit nur im Fall Re1 g¨
ultig. Auch die numerischen Untersuchungen
von Richard et al. (2007) konzentrieren sich ¨
uberwiegend auf den Bereich Re400.
F¨
ur die in der vorliegenden Arbeit untersuchten Blasen in Glycerinl¨
osungen sind die
Reynoldszahlen jedoch relativ klein (Re<100) und die Formen weichen teilweise
erkennbar von Ellipsoiden ab. Im Folgenden soll ¨
uberpr¨
uft werden, ob hier auch die
oben beschriebenen Wirbelwalzen im Nachlauf auftreten und ob ihr Drehsinn mit dem
Vorzeichen des Liftkoeffizienten in Verbindung steht. In Abbildung 14.3 sind f¨
ur eine
Blase mit CL<0 (d= 5,6 mm, µl= 19 mPa s) die Rotation ωzund die Horizontal-
geschwindigeit uauf der x-z-Ebene dargestellt. Man beachte, daß diese Schnittebene
senkrecht zur Symmetrieebene ist. Die Druck- und Geschwindigkeitsfelder wurden
in den vorangegangenen Kapiteln stets ausschließlich auf der Symmetrieebene (x-z-
Ebene) untersucht. Das Vorzeichen von ωzist im Nachlauf positiv, wodurch auch u
im Nachlauf positiv ist. Die Blase migriert in entgegengesetzte Richtung, in ¨
Uber-
einstimmung mit dem von Richard et al. (2007) beschriebenen Mechanismus. Anders
als in der schematischen Zeichnung 14.2b liegt das Zentrum der Wirbelwalze in x-
Richtung nicht mittig unter der Blase, sondern in Richtung st¨
arkerer Gegenstr¨
omung
verschoben.
109
14. Horizontalgeschwindigkeiten im Blasennachlauf
Aus Abbildung 14.5 ist ersichtlich, daß die Horizontalgeschwindigkeit uim Nachlauf
der großen Blase (d= 5,6 mm) fast ¨
uberall positiv ist - mit Ausnahme der unmit-
telbaren N¨
ahe der Phasengrenze. Damit wird im Nachlauf Fl¨
ussigkeit vorwiegend in
Richtung extransportiert. Die große Blase (d= 5,6 mm) migriert in entgegengesetzte
Richtung in ¨
Ubereinstimmung mit der Beobachtung von Richard et al. (2007). Anders
verh¨
alt es sich bei der kleinen Blase (d= 2,8 mm), die in der gleichen Fl¨
ussigkeit
(µl= 19 mPa s) einen positiven Liftkoeffizienten hat. In ihrem Nachlauf ist u¨
uberall
positiv (vgl. Abbildung 14.5). Demnach wird im Nachlauf Fl¨
ussigkeit in die gleiche
Richtung transportiert, in die auch die Blase migriert. Das Erkl¨
arungsmodell f¨
ur die
Vorzeichenumkehr der Liftkraft von Richard et al. (2007) trifft auf dieses Blasenpaar
also nicht zu.
1.5 2.0 2.5 3.0 3.5 4.0
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
−8.2
−5.5
−2.7
0.0
2.7
5.5
8.2
10.9
13.6
16.4
19.1
rz
[1/s]
t = 0.300000 s
cycle = 1
+20
+10
0
−10
1.5 2.0 2.5 3.0 3.5 4.0
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
−2.9
−2.5
−2.1
−1.7
−1.2
−0.8
−0.4
0.0
0.4
0.8
1.2
v
[cm/s]
t = 0.300000 s
−3
+1
0
−1
−2
Abbildung 14.3.: Vertikaler Schnitt durch den Schwerpunkt einer Blase (d=5,6 mm, µl=
19 mPa s). Elliptische Line: Blasenrand. Es ist nur die Halbebene y > 0 dargestellt. Links:
Rotation ωz(vgl. Abb. 14.2 a) Rechts: Horizontale Geschwindigkeiskomponente vx.
110
1.6 1.8 2.0 2.2 2.4 2.6 2.8 3.0
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
1.2
0.0
1.1
2.2
3.3
4.4
5.5
6.6
7.8
8.9
10.0
11.1
rz
[1/s]
t = 0.300000 s
cycle = 1
1.6 1.8 2.0 2.2 2.4 2.6 2.8 3.0
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
Abbildung 14.4.: Horizontaler Schnitt durch den Nachlauf einer Blase (d=5,6mm, µl=
19 mPa s). Die Schnittebene liegt 1,5dunterhalb des Blasenschwerpunkts. Es ist nur
die Halbebene y > 0 dargestellt. Kreisf¨
ormige Line: Projektion des Blasenrandes auf die
Schnittebene. Links: Rotation ωz(vgl. Abb. 14.2 b) Rechts: Horizontale Geschwindigkeiten.
-15 -10 -5 0 5 10 15
-2,5
-2,0
-1,5
-1,0
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
u
[cm/ s]
-2 z / d
V
d=2,8 mm
d=5,6mm
Nachlauf
Vorlauf
Abbildung 14.5.: Horizontalgeschwindigkeit uin Abh¨
angigkeit von der H¨
ohe zauf einer
vertikalen Linie durch den Blasenschwerpunkt. Die H¨
ohe wird unter Verwendung von dVso
normiert, daß die Phasengrenze f¨
ur beide Blasen (d=3,2 mm und d=5,6 mm) bei ±1 liegt.
111
14. Horizontalgeschwindigkeiten im Blasennachlauf
112
15. Zusammenfassung des zweiten Teils
Neben experimentellen Untersuchungen, werden h¨
aufig auch numerische Str¨
omungs-
simulationen eingesetzt, um das Verst¨
andnis von mehrphasigen Str¨
omungen in tech-
nischen Anlagen - wie beispielsweise in Blasens¨
aulen - zu verbessern. Eine akkura-
te Simulation der Blasenbewegung erfordert eine detaillierte Kenntnis der Wechsel-
wirkungskr¨
afte zwischen Gas- und Fl¨
ussigphase. Steigen Blasen in nicht homogenen
Str¨
omungen auf, so tritt eine Kraft senkrecht zu ihrer Relativgeschwindigkeit ge-
gen¨
uber der Fl¨
ussigphase auf. Diese Kraft wird Liftkraft genannt. Mit dem Zweipha-
sencode FS3D wird die Bewegung von Blasen in linearen Scherstr¨
omungen simuliert.
Aus der Analyse der Bewegungsbahnen wird die jeweils aufgetretene Liftkraft be-
stimmt, deren Vorzeichen und Betrag in Form eines dimensionslosen Liftkoeffizienten
beschrieben wird. Die Abh¨
angigkeit des Liftkoeffizienten von der Blasengr¨
oße und den
Stoffeigenschaften der Fl¨
ussigkeit wird numerisch untersucht und mit experimentellen
Resultaten verglichen (Tomiyama et al., 2002). Wie im Experiment h¨
angt auch in den
Simulationen der Liftkoeffizent im Wesentlichen von einer modifizierten E¨
otv¨
os-Zahl
ab, die auf dem horizontalen Durchmesser der Blase basiert. Die E¨
otv¨
os-Zahl ist eine
dimensionslose Kennzahl, die das Verh¨
altnis von Auftriebskraft zu Oberfl¨
achenspan-
nung beschreibt. Blasen mit einer kleinen E¨
otv¨
os-Zahl sind eher kugelf¨
ormig, wohinge-
gen Blasen mit einer großen E¨
otv¨
os-Zahl st¨
arker abgeflacht sind. In ¨
Ubereinstimmung
mit dem Experiment ist der Liftkoeffizient f¨
ur Blasen mit kleiner E¨
otv¨
os-Zahl positiv
und f¨
ur Blasen mit großer E¨
otv¨
os-Zahl negativ. Dies bedeutet eine Richtungsumkehr
der Liftkraft. In Experimenten mit Blasen in Glycerinl¨
osungen variierten Tomiyama
et al. (2002) die Blasengr¨
oßen. Diese Experimente wurden nachgerechnet. Zus¨
atzlich
wurde in den Simulationen Oberfl¨
achenspannung und Gravitation variiert. F¨
ur alle
F¨
alle konnte gezeigt werden, daß sich der Liftkoeffizient CLals eine Funktion der
modifizierten E¨
otv¨
oszahl E¨
oHbeschreiben l¨
aßt. Die ermittelten Funktionen CL(E¨
oH)
sind sich ¨
ahnlich, unabh¨
angig davon, auf welche Weise E¨
oHvariiert wurde. Die aus
den Simulationen ermittelten Liftkoeffizienten sind jedoch stets etwas kleiner als die
113
15. Zusammenfassung des zweiten Teils
experimentell bestimmten. Diese systematische Abweichung wurde auch in anderen
numerischen Rechnungen beobachtet (Rusche, 2002; Kuipers et al., 2006; Sousa et al.,
2006). M¨
oglichweise treten im Experiment Ph¨
anomene auf, die in den numerischen
Codes nicht modelliert sind. Beispielsweise spielen im Experiment Verunreinigungen
der Fl¨
ussigkeit eine Rolle, welche sich an der Blasenoberfl¨
ache anlagern und die Ober-
fl¨
acheneigenschaften ver¨
andern (vgl. Kapitel 10).
Die Simulationen liefern vollst¨
andige Geschwindigkeits- und Druckfelder. Durch Aus-
wertung dieser Felder kann gezeigt werden, daß die Liftkraft an dreidimensionalen
Blasen nicht als Funktion der Zirkulation des Geschwindigkeitsfeldes an der Phasen-
grenze beschrieben werden kann. Demnach kann die Liftkraft nicht auf den Magnus-
effekt zur¨
uckgef¨
uhrt werden, der an umstr¨
omten rotierenden Zylindern auftritt.
Es wurden Routinen zur Integration und Extrapolation der Druck- und Scherkr¨
afte
an der Phasengrenze entwickelt und f¨
ur frei aufsteigende Blasen validiert. F¨
ur eher
kugelf¨
ormige Blasen (E¨
oHklein) in linearen Scherstr¨
omungen kann auf diese Weise
gezeigt werden, daß der dynamische Druck um die Blasen in Richtung der Liftkraft
wirkt. Dies l¨
aßt sich durch den Bernoulli-Effekt erkl¨
aren. F¨
ur st¨
arker deformierte Bla-
sen (E¨
oHgroß) wird kein Zusammenhang zwischen der Richtung der Liftkraft und
dem dynamischen Druck in der Umgebung der Blase festgestellt. Insgesamt kann mit
den verwendeten Methoden nicht eindeutig gezeigt werden, daß die Liftkraft in allen
F¨
allen durch den dynamischen Druck um die Blase verursacht wird. Weil die Phasen-
grenze in der VoF-Methode nicht r¨
aumlich scharf lokalisiert ist, sondern ¨
uber einige
Zellbreiten verschmiert wird, sind exakte Werte f¨
ur Druck und Geschwindigkeit an
der Phasengrenze nicht eindeutig zu ermitteln. Daher bietet es sich an, f¨
ur Untersu-
chungen der Kr¨
afte an der Phasengrenze einen numerischen L¨
oser zu verwenden, in
dem die Phasengrenze scharf lokalisiert ist - beispielsweise durch ein bewegtes Gitter.
114
A. Anhang
A.1. Symbolverzeichnis
Tabelle A.1.: Lateinische Symbole
Symbol Einheit Bedeutung
CD[ - ] Widerstandsbeiwert (drag coefficient)
dm¨
Aquivalenzdurchmesser
dWm Wandabstand
f[-] Volumenanteilsfunktion (VoF-Variable)
gm/s2Erdbeschleunigung
gm/s2Erdbeschleunigung (vektoriell)
I[-] Einheitstensor
nn Fl¨
achennormale
pPa Druck
pdPa dynamischer Druck
S[-] Z¨
ahigkeitsspannungstensor
T[-] Spannungstensor
um/s horizontale Geschwindigkeit (x-Komponente)
um/s Geschwindigkeitsvektor
vm/s horizontale Geschwindigkeit (y-Komponente)
vm/s Geschwindigkeitsvektor
Vm3Volumen
VBm3Blasenvolumen
wm/s vertikale Geschwindigkeit (z-Komponente)
wTm/s vertikale Endgeschwindigkeit (terminal velocity)
Zm2/s Zirkulation
115
A. Anhang
Tabelle A.2.: Dimensionslose Kennzahlen
E¨
o E¨
otv¨
oszahl
Eu Eulerzahl
Fr Froudezahl
Mo Mortonzahl
Re Reynoldszahl
Sr dimensionslose Scherrate
λViskosit¨
atenverh¨
altnis
Tabelle A.3.: Griechische Symbole
Symbol Einheit Bedeutung
κ1/m2Kr¨
ummung
λKm Kolmogorov-L¨
ange
µPa s dynamische Viskosit¨
at
νm2/s kinematische Viskosit¨
at
ω1/s Scherrate
ρkg/m3Dichte
σN/m Grenzfl¨
achenspannung
Tabelle A.4.: Indices
Symbol Bedeutung
c kontinuierlich
d dispers
g gasf¨
ormig
l fl¨
ussig (liquid)
B Blase
P Partikel
H horizontal
V vertikal
r relativ
Γ Phasengrenze
116
A.2. Das Druckfeld in einem Hill’schen Wirbel
A.2. Das Druckfeld in einem Hill’schen Wirbel
Das Geschwindigkeitsfeld eines Hill’schen Wirbels lautet in Kugelkoordinaten:
ur= (a+br2) cos θ , (A.1)
uθ=(a+ 2br2) sin θ . (A.2)
Durch Vergleich mit (6.4) und (6.5) ergibt sich, daß das Geschwindigkeitsfeld der
Hadamard-Rybzinski-L¨
osung innerhalb des fluiden Partikels ein Hill’scher Wirbel mit
a=wT
2 + 2λund b=a
R2(A.3)
ist. Das dazugeh¨
orige Druckfeld ergibt sich, wenn man die Impulsgleichung nach p
aufl¨
ost.
p=ρ∂tuρu·u+µuρgez(A.4)
Da der Hill’sche Wirbel zeitunabh¨
angig ist, entf¨
allt der erste Term auf der rechten
Seite. Wird zus¨
atzlich eine schleichende Str¨
omung angenommen, so entf¨
allt auch der
n¨
achste Term, der den konvektiven Impulstransport beschreibt. Es verbleibt
p=µuρgez.(A.5)
Nun soll uberechnet werden. Dies bereitet in Kugelkoordinaten Schwierigkeiten,
weil dann der Ursprung ein ausgezeichneter Punkt ist: In Kugelkoordinaten ist ei-
ne negative radiale Koordinate rnicht zul¨
assig und somit liegt der Ursprung mit
r= 0 am Rand des Definitionsgebietes. Dieses Problem wird umgangen, indem das
Geschwindigkeitsfeld des Hill’schen Wirbels in kartesische Koordinaten umgewandelt
wird:
u=
bxz
byz
2bx2+ 2by2+bz2+a
.(A.6)
Die Anwendung des kartesischen Laplace-Operators := 2
x+2
y+2
zliefert
u=
0
0
10 b
.(A.7)
117
A. Anhang
Einsetzen dieses Ergebnisses in (A.5) liefert
xp= 0,(A.8)
yp= 0,(A.9)
zp= 10µb ρg . (A.10)
Dies bedeutet, daß der Druck im Hill’schen Wirbel in horizontaler Richtung konstant
ist. In vertikaler Richtung w¨
achst der Druck linear mit der H¨
ohe z. Integration nach
zliefert
p(z) = 10µb z ρg z +c=5µ wT
λ+ 1
z
R2ρgz +c . (A.11)
Wenn sich ein Hill’scher Wirbel in einem fluiden Partikel mit einer Oberfl¨
achen-
spannung σbefindet, und ein Außendruck p0auf der H¨
ohe z= 0 herrscht, so gilt
c=p0+ 2σ/R2. Durch Umwandlung in Kugelkoordinaten (z=rcos θ) geht Glei-
chung (A.11) schließlich in (6.8) ¨
uber.
Setzt man keine schleichende Str¨
omung voraus, so m der konvektive u·uTerm
ber¨
ucksichtigt werden. Es ist nun ein Druck pzu finden, der folgende Gleichung erf¨
ullt:
p=ρu·u+µuρgez.(A.12)
Diese Gleichung ist gel¨
ost, wenn man ˜pfindet mit
˜p=ρu·u.(A.13)
Dieser Druck ist dann zur bisherigen L¨
osung psnach Gleichung (A.11) zu addie-
ren. Die Summe p=ps+ ˜pist L¨
osung der Gleichung (A.12). Durch Einsetzen des
Geschwindigkeitsfeldes (A.6) in den konvektiven Term erh¨
alt man
u·u=
2b2x32b2xy2bxa
2b2y32b2x2ybya
2z3b2+ 2abz
.(A.14)
Durch Einsetzen dieses Ausdrucks in (A.13) und Integration ergibt sich
˜p=ρ
2b2(z4x4y4) + ρ
2ab(2z2x2y2)ρ b2x2y2.(A.15)
118
A.2. Das Druckfeld in einem Hill’schen Wirbel
Dieses Druckfeld wird nun auf der vertikalen Linie (0,0,z) untersucht. Mit b=a/R2
(vgl. (A.3)) ergibt sich
˜p(z) = ρa2
2R4z4ρa2
R2z2.(A.16)
Wenn der Hill’sche Wirbel sich in einem Tropfen mit dem Radius Rbefindet, so
erreicht der Betrag von ˜p(z) sein Maximum bei z=±R. An diesen Stellen gilt
˜p=ρ a2/2. Die Gr¨
oße dieses Beitrages des konvektiven Terms soll nun mit dem
hydrodynamischen Anteil pdaus (A.11) verglichen werden. Dieser hat an den Stellen
z=±Rden Betrag pd= 10µbR = 10µa/R. Nun wird ˜phierzu ins Verh¨
altnis gesetzt:
˜p
pd
=ρRa
20µ=ρRwT
µ
1
40(1 + λ).(A.17)
Interpretiert man ρRwT als Reynoldszahl des Hill’schen Wirbels, so gilt
Re 40 ˜ppd.(A.18)
Diese Bedingung ist f¨
ur alle zur Validierung des Codes simulierten Tropfen erf¨
ullt.
Deshalb tauchen im inneren Druckfeld praktisch keine Abweichungen von dem linea-
ren Druckverlauf gem¨
(A.11) auf.
119
A. Anhang
A.3. Konstruktion einer einh¨
ullenden Fl¨
ache parallel zur
Phasengrenze
Es liege eine Verteilung der dispersen Phase mit der Phasengrenze Γ vor. Gesucht ist
eine einh¨
ullende Fl¨
ache Γim Abstand δzu Γ. Zur Veranschaulichung wird der Al-
gorithmus zur L¨
osung dieses Problems an einem eindimensionalen Fallbeispiel vorge-
stellt: Die Verteilung der VoF Variable sei als eindimensionale Datenreihe figegeben,
wobei idie Zellnummer ist. In Abbildung A.1 ist ein Beispiel f¨
ur fidargestellt mit
fi>0 in den Intervallen 5 i10 und 20 i25, d.h. in diesen Intervallen ist di-
sperse Phase pr¨
asent. Die R¨
ander dieser Intervalle bilden die Phasengrenze Γ. Es soll
nun eine Reihe f
ikonstruiert werden, deren Phasengrenze Γdie urspr¨
ungliche Pha-
sengrenze in einem festen Abstand umschließt. Der gew¨
unschte Abstand betrage iδ
Zellbreiten. Zun¨
achst wird durch einmaliges r¨
aumliches Gl¨
atten von fidie Datenreihe
f1
ierzeugt.
f1
i= max[(fi1+fi+fi+1)/3, fi] (A.19)
0 5 10 15 20 25 30 35
-0,2
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
f
f
5
f '
' '
f
i
i
' '
Abbildung A.1.: Eindimensionale Verteilung der VoF-Variablen. Kreise: Urspr¨
ungliche
Verteilung fimit der Phasengrenze Γ. ’X’-Symbole: 5-fache Gl¨
attung f5
i. ’+’-Symbole:
Verteilung f
imit der Phasengrenze Γim Abstand von 3 Zellen zu Γ.
120
A.3. Konstruktion einer einh¨
ullenden Fl¨
ache parallel zur Phasengrenze
Durch n-fache Gl¨
attung entsteht
fn
i= max[(fn1
i1+fn1
i+fn1
i+1 )/3, fn1
i].(A.20)
Nach n-facher Gl¨
attung enthalten auch Zellen im Abstand nvon der urspr¨
unglichen
Phasengrenze positive Werte. Sei iδ= 3, so wird eine VoF-Verteilung f
igesucht, deren
Phasengrenzen gegen¨
uber fium jeweils drei Zellen nach außen verschoben sind. Im
Beispiel sei also f
i>0 in den Intervallen 2 i13 und 17 i28. Es soll f¨
ur
f
ialso eine Phasengrenze bei i= 2 liegen. Es m dann gelten f
1= 0, f
3= 1 und
0< f
2<1. Eine derartiges f
il¨
aßt sich aus f5
iin einfacher Weise konstruieren:
f
i=
1 f¨
urf5
ifo
0 f¨
urf5
ifu
f5
ifu
fofu
f¨
urfu< f5
i< fo,
(A.21)
mit fu:= (f5
1+f5
2)/2 und fo:= (f5
2+f5
3)/2.
Die so konstruierte Verteilung f
ierf¨
ullt die Anforderung, daß ihre Phasengrenze Γ
¨
uberall um drei Zellen gegen¨
uber Γ verschoben ist (vgl. Abbildung A.1). Der Algo-
rithmus soll noch einmal f¨
ur einen beliebigen Abstand iδformuliert werden. Sei iγdas
kleinste imit fi>0, so befindet sich eine Referenz-Phasengrenze an der Stelle iγ.
Sei der gesuchte Abstand der neuen Phasengrenze in Einheiten der Zellbreite iδ, so
soll die neue Phasengrenze an der Stelle iγiδliegen. Man w¨
ahle ein nmit n > iδund
erh¨
alt durch n-faches r¨
aumliches Gl¨
atten fn
i. Die gesuchte VoF-Verteilung f
iergibt
sich dann als
f
i=
1 f¨
urfn
ifo
0 f¨
urfn
ifu
fn
ifu
fofu
f¨
urfu< fn
i< fo,
(A.22)
mit fu:= (fn
iγiδ1+fn
iγiδ)/2 und fo:= (fn
iγiδ+fn
iγiδ+1)/2.
121
A. Anhang
A.4. Geschwindigkeitsfeld um einen oszillierenden ¨
Oltropfen
In den Abbildungen A.2 bis A.4 ist die zeitliche Entwicklung des Geschwindigkeits-
feldes f¨
ur einen aufsteigenden Mais¨
oltropfen (d=13,2 mm) dargestellt. Zun¨
achst be-
schleunigt der Tropfen geradlinig. W¨
ahrend dieser Phase wird der Nachlauf des Trop-
fens immer l¨
anger, bis er instabil wird. Schließlich l¨
osen sich Wirbel ab, wechselweise
an der linken und der rechten Tropfenseite. Dies geht einher mit der horizontalen
Oszillation. Siehe auch: Kapitel 7.4, Seite 49.
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.207273
vmax = 13.2349
velocity
[cm/s]
t = 1.50020 s
c = 7501
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.0684267
vmax = 13.2401
velocity
[cm/s]
t = 2.50020 s
c = 12501
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.170184
vmax = 13.3201
velocity
[cm/s]
t = 4.00020 s
c = 20001
Abbildung A.2.: Geschwindigkeitsfeld um einen Mais¨
oltropfen (d=13,2 mm) w¨
ahrend
der Beschleunigungsphase. Links: t= 1,5 s. Mitte: t= 2,5 s. Rechts: t= 4,0 s.
122
A.4. Geschwindigkeitsfeld um einen oszillierenden ¨
Oltropfen
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.0574004
vmax = 14.3006
velocity
[cm/s]
t = 6.25000 s
c = 31250
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.0224154
vmax = 14.3597
velocity
[cm/s]
t = 6.45000 s
c = 32250
Abbildung A.3.: Geschwindigkeitsfeld um einen Mais¨
oltropfen (d=13,2 mm) mit peri-
odischer Wirbelabl¨
osung. Links: t= 6,25 s. Rechts: t= 6,45 s.
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.0977254
vmax = 14.1617
velocity
[cm/s]
t = 6.75000 s
c = −31786
2 4 6 8 10
1
2
3
4
5
vof−function
[−]
vmin = 0.111000
vmax = 14.1959
velocity
[cm/s]
t = 6.85000 s
c = −31286
Abbildung A.4.: Geschwindigkeitsfeld um einen Mais¨
oltropfen (d=13,2 mm) mit peri-
odischer Wirbelabl¨
osung. Links: t= 6,75 s. Rechts: t= 6,85 s.
123
A. Anhang
124
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