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[en] (orig)
Kolloidale Nanokristalle
in epitaktischen
Halbleiterstrukturen
dem Department Physik
der Universit¨
at Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades eines
Doktors der Naturwissenschaften
vorgelegte
Dissertation
von
Christof Arens
Paderborn, Oktober 2007
Kurzfassung
In dieser Arbeit wurde zum ersten Mal eine neue Methode zur Herstellung von Halbleiter-
Quantenpunktstrukturen erfolgreich umgesetzt. Dabei sind kolloidale CdSe-Nanokristalle
(NK) mittels Molekularstrahlepitaxie (MBE) in eine epitaktische ZnSe-Kristallmatrix
eingebettet worden. Kolloidale Nanokristalle bieten im Gegensatz zu selbstorganisierten
Stranski-Krastanow (SK) Quantenpunkten entscheidende Vorteile. Da sie auf nassche-
mischem Weg erzeugt werden, besitzen sie frei w¨
ahlbare Parameter wie Gr¨
oße, Form, Ma-
terialzusammensetzung und Dichte. Das komplette sichtbare Spektrum, sowie weite Teile
des nicht sichtbaren Spektrums werden damit abgedeckt. Dies ist bei dem SK-Wachstum
nicht m¨
oglich, da die selbstorganisierte Formation auf einem thermodynamischen Pro-
zess basiert, welcher die strukturellen und optischen Eigenschaften der Quantenpunkte
festlegt.
Die Eigenschaften der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen werden in dieser
Arbeit herausgearbeitet und die Vorteile gegen¨
uber dem Stranski-Krastanow Verfah-
ren erl¨
autert. Obwohl die kolloidale Nanokristallsynthese und das im Ultrahochvakuum
stattfindende Kristallwachstum mittels MBE hinsichtlich der chemischen Reinheit zwei
grundverschiedene Methoden sind, lassen sich beide miteinander kombinieren. Die Ver-
teilung der Nanokristalle auf ZnSe-Oberfl¨
achen h¨
angt vom Verspannungszustand der
ZnSe-Schicht ab. Nanokristalle auf verspanntem ZnSe lagern sich in Agglomeraten auf
dessen Oberfl¨
ache an. Individuelle Nanokristalle lassen sich dagegen nur auf relaxiertem
ZnSe abscheiden. In diesem Fall ist es m¨
oglich, eine um zwei Gr¨
oßenordnungen geringere
Nanokristalldichte als im Vergleich zum SK-Wachstum zu erreichen.
Sowohl individuelle Nanokristalle auf relaxiertem, als auch NK-Agglomerate auf ver-
spanntem ZnSe lassen sich ¨
uberwachsen. Das Angebot von Zn und Se im st¨
ochiometri-
schem Verh¨
altnis ist dabei f¨
ur die strukturellen und optischen Eigenschaften der Proben
von entscheidender Bedeutung. In situ Untersuchungen mittels Reflexion hochenerge-
tisch gebeugter Elektronen zeigen in beiden F¨
allen, dass unter st¨
ochiometrischen Bedin-
gungen die ZnSe-Deckschicht zweidimensional w¨
achst. Sie ist epitaktisch, was mithilfe
hochaufl¨
osender R¨
ontgenbeugung und Transmissionselektronenmikroskopie nachgewie-
sen wird. Die Nanokristall-Agglomerate sind nach dem ¨
Uberwachsen mit ZnSe optisch
aktiv.
Mit der Zusammenf¨
uhrung der kolloidalen Synthese und der Molekularstrahlepitaxie
lassen sich auf neuartigem Weg null-dimensionale Quantenpunktstrukturen erzeugen,
welche in optoelektronischen Halbleiterbauelementen Anwendung finden k¨
onnen. Da ein
Teil der Strukturpr¨
aparation unter atmosph¨
arischen Bedingungen erfolgt, werden die
epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristalle nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft
die SK-Strukturen nicht ersetzen, aber erg¨
anzen k¨
onnen.
Abk¨
urzungen
AmAbsorption, gemessen
ADispersion Absorption der Nanokristall-Dispersion
c Konzentration von Nanokristallen in einer Dispersion
Cu-gr¨
un Defektlumineszenz
d ZnSe-Deckschichtdicke
D Nanokristall-Durchmesser
DAP Donator Akzeptor Paar
DD Dichte von Stufen- und Schraubenversetzungen
Extinktionskoeffizient
fGitterfehlpassung
fwhm Halbwertsbreite
HL Halbleiter
HRXRD Hochaufl¨
osende R¨
ontgenbeugung
HRTEM Hochaufl¨
osende Transmissionselektronenmikroskopie
hwhm Halbe Halbwertsbreite
L Nanorod-L¨
ange
LD Laserdiode
LED Leuchtdiode
MEE Abgewandelte Form der MBE
MBE Molekularstrahlepitaxie
ML Monolage
MOCVD Metallorganisch, chemische Dampfphasenepitaxie
NReinheitsgrad
NA Numerische Apertur
ND Nanodot
NK Nanokristall
NR Nanorod
PL Photolumineszenz
QD Quantenpunkt
QW Quantentrog
RHEED Reflexion hochenergetisch gebeugter Elektronen
SLumineszenz aus S-Zentren
SA Selbstaktivierte Zentren
SEM Rasterelektronenmikroskopie
SK Stranski-Krastanow
Ti:Sa Titan-Saphir
TOPO Trioctylphosphinoxid
UHV Ultrahochvakuum
XExziton
YLumineszenz aus Y-Defekten
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Grundlagen 3
2.1 Eigenschaften von Halbleiter-Quantenpunkten . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.2 Selbstorganisierte CdSe-Quantenpunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.3 CdSe-Nanokristalle als Grundlage f¨
ur Quantenpunktstrukturen . . . . . . 8
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.4.1 Nanokristallsynthese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.4.2 Form der CdSe(ZnS)-Nanokristalle . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.4.3 Pyridin als L¨
osungsmittel ...................... 15
2.4.4 Elektronische Zust¨
ande in einem Halbleiter-Nanokristall . . . . . 17
2.4.5 Absorption und Emission von Nanokristallen . . . . . . . . . . . . 23
2.4.6 Blinken von Nanokristallen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2.4.7 Photobleichen............................. 30
2.4.8 Spektrale Diffusion und Linienbreite . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.5 Integration von kolloidalen Nanokristallen in epitaktischem ZnSe . . . . . 32
3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten 35
3.1 Molekularstrahlepitaxie von ZnSe-Schichten . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.2 Oberfl¨
achenbeschaffenheit der ZnSe-Schichten . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.3 Kristallqualit¨
at der ZnSe-Schichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
i
ii Inhaltsverzeichnis
3.4 ZnSe-Defektlumineszenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen 45
4.1 Die verwendeten Substrate und Nanokristalle . . . . . . . . . . . . . . . 46
4.2 Benetzungssmethoden von Oberfl¨
achen mit Nanokristallen . . . . . . . . 47
4.2.1 Nanokristalldeposition mittels Tropfenmethode . . . . . . . . . . 47
4.2.2 Das Spincoating-Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
4.3 Aufbau des µ-PL Messplatzes zum Nachweis der Nanokristalle . . . . . . 49
4.4 Nanokristalle auf relaxierten ZnSe-Bufferschichten . . . . . . . . . . . . . 51
4.5 Nanokristalle auf verspannten ZnSe-Bufferschichten . . . . . . . . . . . . 56
4.6 Diskussion................................... 63
5 Stabilit¨
at und Tempern der Nanokristalle im Ultrahochvakuum 67
5.1 Tempern von individuellen Nanokristallen auf relaxiertem ZnSe . . . . . 68
5.2 Tempern von NK-Agglomeraten auf verspanntem ZnSe . . . . . . . . . . 70
6 Kombination von Molekularstrahlepitaxie und kolloidaler Halbleitersynthese 77
6.1 Minimierung der Verunreinigungen bei der Molekularstrahlepitaxie . . . . 77
6.2 Reinheit der kolloidalen Synthese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
6.3 Einfluss des Pyridin auf die optischen Eigenschaften von ZnSe . . . . . . 79
6.4 Einfluss des Pyridin auf die strukturellen Eigenschaften von ZnSe . . . . 81
7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle 85
7.1 Strukturelle Eigenschaften von NK in relaxierten ZnSe-Strukturen . . . . 86
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen . . . 89
7.2.1 In situ Oberfl¨
achenuntersuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
7.2.2 Strukturanalyse mit hochaufgel¨
oster R¨
ontgenbeugung . . . . . . . 92
7.2.3 Strukturanalyse mit dem Elektronenmikroskop . . . . . . . . . . . 95
8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle 103
8.1 Optische Eigenschaften von NK in relaxierten ZnSe-Strukturen . . . . . . 103
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen . . . . . 107
Inhaltsverzeichnis iii
9 Vergleich der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristalle mit SK-Strukturen 117
9.1 Herstellung der CdSe/ZnSe-Quantenpunktproben . . . . . . . . . . . . . 117
9.2 Quantenpunktdichte in den CdSe/ZnSe-Strukturen . . . . . . . . . . . . 119
9.3 Quantenpunktgr¨
oße und Gr¨
oßenverteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
10 Zusammenfassung 123
iv Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
2.1 Schematische Darstellung der Formation von Quantenpunkten nach dem Stranski-
Krastanow Verfahren. ............................. 6
2.2 Herstellungsweg einer Stranski-Krastanow Quantenpunktstruktur. ...... 7
2.3 Reagenzgl¨
aser bef¨
ullt mit CdSe-Nanokristallen verschiedener Gr¨
oße in Toluol. 9
2.4 Herstellungsweg einer Quantenpunktstruktur auf der Basis von Nanokristallen. 11
2.5 Schema der Nanokristallsynthese. ....................... 12
2.6 Skizze eines CdSe-Nanokristalles ........................ 15
2.7 Prinzipskizze eines Pyridin-Molek¨
uls ...................... 16
2.8 Beitr¨
age zur ¨
Ubergangsenergie des niedrigsten angeregten Zustandes von Na-
nokristallen. .................................. 20
2.9 Exzitonenergie in Abh¨
angigkeit vom Nanokristallradius f¨
ur einen runden CdSe-
Kristall. .................................... 22
2.10 Absorptionsspektren verschiedener Nanokristalle ................ 23
2.11 Nanokristallgr¨
oße in Abh¨
angigkeit der Absorptionswellenl¨
ange ........ 24
2.12 Abh¨
angigkeit des Extinktionskoeffizienten vom Nanokristalldurchmesser. . . . 25
2.13 Absorptionsspektrum zur Berechnung der Nanokristallkonzentration. ..... 27
2.14 Emissions- und Absorptionsspektrum von Nanokristallen. ........... 28
2.15 Blinken eines Nanokristalles .......................... 29
2.16 Nanokristalle als optisch aktives Material in Halbleiterstruktur. ........ 32
3.1 ¨
Ubersicht ¨
uber das ZnSe-Bufferwachstum ................... 37
v
vi Abbildungsverzeichnis
3.2 RHEED-Bilder der Oberfl¨
ache einer pseudomorph verspannten und einer rela-
xierten Buffer-Schicht ............................. 38
3.3 Halbwertsbreite von R¨
ontgen-Rockingkurven in Abh¨
angigkeit der ZnSe-Buffer-
schichtdicke. .................................. 40
3.4 Photolumineszenzspektren von relaxierten ZnSe-Bufferschichten verschiedener
Dicke. ...................................... 43
4.1 Die verschiedenen Benetzungsmethoden. .................... 46
4.2 Schematische Darstellung der Verdampfung der NK-Dispersion. ........ 48
4.3 Aufbau des µ-PL Messplatzes. ......................... 50
4.4 Beispiel f¨
ur das charakteristische Blinken von Nanokristallen. ......... 51
4.5 CCD-Bilder der µ-PL von NK auf relaxiertem ZnSe, aufgetragen mittels Trop-
fenmethode. .................................. 52
4.6 CCD-Bilder der µ-PL von Nanokristallen auf relaxiertem ZnSe außerhalb des
Restropfenbereichs. ............................... 53
4.7 CCD-Bilder der µ-PL von NK auf relaxiertem ZnSe nach dem Aufschleudern
der Dispersion. ................................. 55
4.8 Nanokristalldichte auf relaxiertem ZnSe in Abh¨
angigkeit der NK-Ausgangskon-
zentration. ................................... 56
4.9 SEM-Aufnahme und Photolumineszenzspektrum der R¨
uckst¨
ande im Resttrop-
fenbereich. ................................... 57
4.10 CCD-Bilder der µ-PL von Nanokristallen innerhalb und außerhalb des Rest-
tropfenbereiches . ................................ 58
4.11 Schematische Darstellung der Benetzungsergebnisse von verspanntem ZnSe mit-
tels Tropfenmethode. .............................. 59
4.12 CCD Bilder der µ-PL von Nanokristall-Agglomeraten auf verschiedenen Ober-
fl¨
achen von verspanntem ZnSe. ......................... 61
4.13 µ-Photolumineszenzspektren von Nanokristallen auf verspanntem ZnSe an zwei
verschiedenen Probenstellen mit unterschiedlicher NK-Agglomeratdichte. . . . 62
Abbildungsverzeichnis vii
4.14 Schematische Darstellung der Energieminimierung von ZnSe-Oberfl¨
achen mit
NK. ....................................... 64
5.1 Unterteilung des III. Schritt bei der Probenherstellung: IIIa Aufheizen bzw.
Tempern und IIIb ¨
Uberwachsen der NK. .................... 68
5.2 RHEED-Bild einer mit NDs benetzten relaxierten ZnSe Schicht bei 300C im
UHV. ...................................... 69
5.3 CCD-Bilder der µ-PL von getemperten individuellen Nanokristallen auf ZnSe. 70
5.4 RHEED-Bilder im (-110)-Azimut einer mit ND-Agglomeraten bedeckten ZnSe
Oberfl¨
ache. ................................... 71
5.5 Standardphotolumineszenzmessungen von im UHV bei 300C getemperten und
ungetemperten ND-Agglomeraten. ....................... 72
5.6 PL-Spektren und zeitaufgel¨
oste Lumineszenzmessungen von getemperten Nan-
odots. ...................................... 73
6.1 Herstellungsweg der Referenzstrukturen ohne Nanokristalle. .......... 80
6.2 Einfluss des Pyridin auf die optischen Eigenschaften. ............. 81
6.3 RHEED-Bilder ¨
uberwachsener Bufferschichten, welche verschiedenen Medien
ausgesetzt wurden. ............................... 82
6.4 Rockingkurven ¨
uberwachsener Bufferschichten, welche verschiedenen Medien
ausgesetzt wurden. ............................... 83
7.1 Schritte beim ¨
Uberwachsen der Nanokristalle. ................. 86
7.2 RHEED-Bilder der Oberfl¨
ache der relaxierten Struktur R1. .......... 87
7.3 ZnSe-Rockingkurve der relaxierten Probe R2 mit einer 400nm dicken ZnSe-
Deckschicht. .................................. 88
7.4 RHEED-Bilder der ZnSe-Deckschichtoberfl¨
ache bei selenreichen und st¨
ochio-
metrischen Wachstumsbedingungen. ...................... 90
7.5 Halbwertsbreite des (-10)-Streak parallel zur Schattenkante in Abh¨
angigkeit der
Dicke der ZnSe-Deckschichten. ......................... 92
viii Abbildungsverzeichnis
7.6 Rockingkurve des ZnSe (004)-Reflexes der unter selenreichen und st¨
ochimetri-
schen Bedingen hergestellten Proben S1 und S2. ................ 93
7.7 Rockingkurven und ω-2Θ Scans vor und nach dem Tempern von verspannten
Strukturen mit Nanokristallen. ......................... 94
7.8 HRTEM-Analysen der st¨
ochiometrisch ¨
uberwachsenen NDs in Probe S2. . . . 96
7.9 HRTEM-Bild eines mit einer 1nm dicken Deckschicht ¨
uberwachsenen Nanorods. 97
7.10 SEM-Bilder von ¨
uberwachsenen Nanorods. ................... 98
7.11 HRTEM-Bild von epitaktisch ¨
uberwachsenen NRs mit einer Deckschichtdicke
von 12nm auf Nanorods. ............................ 99
8.1 PL Spektrum der Probe R1 mit epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanodots nach dem
Wachstum. ................................... 104
8.2 Vergleich der PL-Spektren der Proben R2 und R3 mit unterschiedlicher Deck-
schichtdicke. .................................. 106
8.3 PL-Spektren der unter st¨
ochiometrischen Bedingungen ¨
uberwachsenen Nan-
odots (verspannte Struktur S2). ........................ 108
8.4 Strahlende Lebensdauer der PL von epitaktisch ¨
uberwachsenen NDs bei gepul-
ster Laseranregung. ............................... 109
8.5 Zeitaufgel¨
oste Intensit¨
atsverl¨
aufe der Nanodot-PL bei kontinuierlicher Laser-
anregung. .................................... 111
8.6 PL-Spektren ¨
uberwachsener NRs mit unterschiedlicher ZnSe-Deckschichtdicke. 112
8.7 Zeitaufgel¨
oste PL von verschiedenen Halbleiter-Nanostrukturen: SK-QDs, Na-
norods und epitaktisch ¨
uberwachsene NRs. .................. 114
9.1 Vergleich der RHEED-Aufnahmen von SK-Proben mit NK-Quantenpunktproben
w¨
ahrend der Herstellung. ............................ 118
9.2 Quantenpunktdichte innerhalb von SK-Proben sowie von epitaktisch ¨
uberwach-
senen NK-Proben. ............................... 119
9.3 Vergleich der PL von SK-Proben und epitaktisch ¨
uberwachsenen NK. . . . . . 120
1 Einleitung
Null-dimensionale Quantenpunktstrukturen zeichnen sich gegen¨
uber h¨
oher dimensiona-
len Strukturen dadurch aus, dass ihre optischen Eigenschaften im Wesentlichen durch
ihre Strukturgr¨
oße bestimmt werden. Die optischen Eigenschaften, welche dann denen
von Atomen ¨
ahneln, sind weitgehend von der Temperatur unabh¨
angig.
Quantenpunktstrukturen finden Anwendung in Halbleiter-Laserdioden (engl. laser di-
ode, LD), Leuchtdioden (engl. light emitting diode, LED), optischen Verst¨
arkern, Wel-
lenleiterstrukturen und u.a. als Einzelphotonenemitter f¨
ur die Realisierung von Quan-
tencomputern oder f¨
ur die Quantenkryptographie.
Die Herstellung von Quantenpunktstrukturen basiert derzeit haupts¨
achlich auf dem
Stranski-Krastanow Wachstumsverfahren. Diese Art der Quantenpunktherstellung be-
ruht auf Verspannungen in der Kristallmatrix zweier unterschiedlicher Materialien. Der
Verspannungsabbau f¨
uhrt zu einer Formierung dieser Quantenpunkte (engl. quantum
dots, QDs).
In dieser Arbeit wird ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von Quantenpunkt-
strukturen vorgestellt [1]. Basierend auf der Molekularsrtrahlepitaxie (engl. molecular
beam epitaxy, MBE) werden nasschemisch erzeugte kolloidale Nanokristalle in eine epi-
taktische Kristallmatrix integriert. Es k¨
onnen somit Heterostrukturen erzeugt werden,
die gegen¨
uber den SK-Quantenpunkten variable optische und strukturelle Eigenschaften
haben.
Als Materialsystem werden die auf Selen basierenden II-VI Halbleiter verwendet. ZnSe
ist ein Material mit großer Energiel¨
ucke (Egap=2,82eV, 4,3K) und großer Exzitonenbin-
21 Einleitung
dungsenergie von 20meV [2], womit es sich f¨
ur Raumtemperaturanwendungen von Bau-
elementen eignet. Unter den kolloidalen Nanokristallen ist CdSe das bisher am h¨
aufig-
sten untersuchte Material. Beide Systeme, kolloidale CdSe-Nanokristalle und mittels
MBE gewachsenes ZnSe werden in dieser Arbeit miteinander kombiniert. Anschließend
werden die neuen NK-Quantenpunktstukturen mit den bereits im Detail untersuchten
CdSe/ZnSe SK-Quantenpunktstukturen verglichen.
Nach der Diskussion der allgemeinen Herstellung von Quantenpunktstrukturen und
der grundlegenden Eigenschaften der nasschemisch hergestellten Nanokristalle im Kapi-
tel 2 wird im Kapitel 3 das Wachstum und die Eigenschaften der ZnSe-Pufferschichten
(engl. buffer layer) erl¨
autert. Die Beschreibung der Benetzung von Halbleiteroberfl¨
achen
mit Nanokristallen folgt in Kapitel 4. In Kapitel 5 und 6 wird die Stabilit¨
at der Na-
nokristalle bei MBE-Wachstumstemperaturen und die Kompatibilit¨
at der Nasschemie
mit der im Ultrahochvakuum stattfindenden Molekularstrahlepitaxie herausgearbeitet.
Die strukturellen und optischen Eigenschaften der auf Nanokristallen basierenden Halb-
leiterstrukturen werden in Kapitel 7 und 8 beschrieben. Bevor am Ende dieser Arbeit
eine Zusammenfassung der Ergebnisse erfolgt, werden im Kapitel 9 die wesentlichen
Unterschiede der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen zu den SK-QDs auf-
gef¨
uhrt.
2 Grundlagen
Zu Beginn werden die Eigenschaften und Anwendungen von Quantenpunktstrukturen
erl¨
autert. In einer kurzen ¨
Ubersicht ¨
uber das in der Halbleitertechnologie standardm¨
aßig
verwendete selbstorganisierte SK-Wachstum von Quantenpunkten werden dessen Vor-
und Nachteile beschrieben und die Motivation f¨
ur die alternative Verwendung von Nano-
kristallen in Halbleiterstrukturen abgeleitet. Als n¨
achstes werden die f¨
ur diese Arbeit als
Grundlage dienenden kolloidalen Nanokristalle vorgestellt. Nach der Beschreibung der
Anwendungsm¨
oglichkeiten dieser Nanokristalle wird deren Synthese erl¨
autert. Danach
werden sowohl die strukturellen Eigenschaften wie Form und Gr¨
oße, als auch die opti-
schen Eigenschaften wie Absorptions- und Emissionsverhalten, Photooxidation, spektrale
Diffusion und Blink-Effekte beschrieben.
2.1 Eigenschaften von Halbleiter-Quantenpunkten
Optoelektronische Bauelemente basierend auf Halbleiter-Quantenpunktstrukturen ma-
chen sich diskrete Energieeigenwerte von Ladungstr¨
agern zunutze, wie sie beispielsweise
auch in Atomen vorliegen. Die Einsatzgebiete reichen von LDs, LEDs, optischen Detek-
toren bis hin zu Quantencomputern. Die Herstellung von QDs erfolgt standardm¨
aßig mit
dem selbstorganisierten epitaktischen SK-Wachstum und durch kolloidale Synthese von
Halbleiter-Nanokristallen.
Quantenpunkte sind Nanostrukturen, welche die Bewegung von Elektronen im Lei-
tungsband, L¨
ochern im Valenzband oder Exzitonen (gebundene Elektronen-Lochpaare)
42 Grundlagen
in allen drei Raumrichtungen einschr¨
anken (engl. confinement). Das elektronische Confi-
nement der Ladungstr¨
ager wird durch die Anwesenheit eines Interfaces zwischen zwei un-
terschiedlichen Halbleitermaterialien (z.B. QD in einer epitaktischen Schicht mit gr¨
oßerer
Bandl¨
ucke) oder durch Halbleiteroberfl¨
achen (z.B. Halbleiter-Nanokristalle) erreicht. In-
nerhalb des QDs f¨
uhrt das Confinement zu einer Bildung von Zustandsniveaus oberhalb
der Energiel¨
ucke. Dadurch ist die Interbandabsorption im Vergleich zu einem makro-
skopisch ausgedehnten Kristall blauverschoben. Als direkte Konsequenz k¨
onnen QDs
desselben Materials und mit unterschiedlichen Gr¨
oßen Licht verschiedener Wellenl¨
ange
emittieren.
Die Reduzierung der r¨
aumlichen Dimensionen eines optisch aktiven Materials f¨
uhrt
zu einer h¨
oheren Bindungsenergie der Exzitonen und gr¨
oßerer Oszillatorst¨
arke der loka-
lisierten Zust¨
ande. Dieses hat eine Reduzierung der Schwellstromdichte in Laserdioden
[3] zur Folge und damit kommt es zu einer Reduzierung der thermischen Belastung des
Bauelementes. Quantenpunktdetektoren zeichnen sich durch niedrigeren Dunkelstrom
aufgrund des dreidimensionalen Confinement der Ladungstr¨
ager aus. Die Absorbtion
von Licht ist unabh¨
angig vom Einfallswinkel. Daher lassen sich die Detektoren g¨
unstiger
und einfacher herstellen. Desweiteren besitzen die Ladungstr¨
ager in QDs im Gegensatz
zu Quantentrogstrukturen (engl. quantum wells, QWs) h¨
ohere Lebensdauern, was deren
Beitragswahrscheinlichkeit zum Photostrom erh¨
oht.
Die Halbleiter-Quantenpunkttechnologie ist eine der vielversprechenden Kandidaten
f¨
ur die Realisierung von Quantencomputern. Herk¨
ommliche Computer stellen Informa-
tionen bin¨
ar durch eine Folge der Zust¨
ande |0>und |1>dar. Quantencomputer verar-
beiten so genannte Quanten Bits (engl. quantum bits) welche sich aus Superpositionen
der Zust¨
ande |0>und |1>zusammensetzen.
Die Medizin benutzt Quantenpunkt-Nanokristalle zur selektiven Fluoreszenzmarkie-
rung von biologischen Proben. Sie zeigen zum Beispiel nicht ein so stark ausgepr¨
agten
Effekt des Photobleichens wie die bisher verwendeten biologischen Marker und sind da-
mit f¨
ur Langzeitstudienzwecke unter dem Mikroskop geeignet.
2.2 Selbstorganisierte CdSe-Quantenpunkte 5
2.2 Selbstorganisierte CdSe-Quantenpunkte
Beim epitaktischen Wachstum von Halbleiterschichten werden grunds¨
atzlich drei Wachs-
tumsmoden unterschieden:
1. Frank-Van der Merwe (FM) [4]: Zweidimensionales Schichtwachstum, welches bei
gitterangepassten Materialen auftritt, z.B. AlAs auf GaAs.
2. Volmer-Weber (VW) [5]: Inselwachstum von Materialen mit großer Gitterfehlan-
passung und hoher Interface-Energie zum Substrat wie z.B. GaN auf Saphir oder InAs
auf GaP.
3. Stranski-Krastanow (SK) [6]: Diese Wachstumsart tritt bei Materialen mit stark
unterschiedlicher Gitterkonstante und niedriger Interfaceenergie des wachsenden Kri-
stallmaterials zum Substrat auf, z.B. InAs auf GaAs oder CdSe auf ZnSe. Aufgrund des
Abbaus von Verspannungsenergie formen sich nach einem beginnenden zweidimensiona-
len Schicht-Wachstum spontan Inseln auf dieser sogenannten Benetzungsschicht (engl.
wetting layer).
Das SK-Verfahren zur Herstellung von Quantenpunktstrukturen ist am weitesten ver-
breitet. Es bietet den Vorteil, die Quantenpunktstrukturen w¨
ahrend des Wachstumspro-
zesses zu formen und direkt epitaktisch in einem Barrierenmaterial zu integrieren. Die
Strukturg¨
ute dieser Heterostrukturen ist so hoch, dass diese Schichten in Resonatorstruk-
turen eingebettet werden k¨
onnen (Wachstum von Bragg-Spiegeln, ¨
Atzen von Mikropil-
lars oder Mikrodisks). Mit dem SK-Verfahren lassen sich u.a. Multilagen von Quanten-
punktschichten herstellen, wobei das Verspannungsfeld der ersten Quantenpunktlage das
Wachstum der Dots in den n¨
achsten Lagen beeinflusst [7].
Der SK-Prozess zur Inselformation ist ein thermodynamischer Prozess und daher auch
reversibel [8, 9]. Abbildung 2.1 zeigt schematisch die Abscheidung und die Inselbildung
von einem Halbleitermaterial mit dem Gitterparameter aL(rot) auf einem Substrat mit
einem kleineren Gitterparameter aS(blau). W¨
ahrend der Nukleation w¨
achst das Material
verspannt auf dem Substrat (Abb. 2.1a). Bei der Abscheidung weiterer Monolagen bilden
62 Grundlagen
sich dreidimensionale Inseln, womit die Verspannungsenergie in der Schicht abgebaut
wird (Abb. 2.1b).
Aa)
Ab)
Cd
Zn
skillustration
Abbildung 2.1: Schematische Darstellung der Formation von CdSe/ZnSe-
Quantenpunkten nach dem Stranski-Krastanow Verfahren. Das CdSe
w¨
achst zun¨
achst verspannt auf dem ZnSe-Substrat auf (a) und relaxiert
dann unter Abbau dieser Verspannungsenergie (b).
Unter den III-V Materialen sind (In,Ga)As QDs die am h¨
aufigsten untersuchten Struk-
turen [10]. Unter den II-VI Materialien ist die Herstellung von CdSe-Quantenpunkten
in ZnSe am weitesten verbreitet [11, 12, 13]. Die Gitterfehlanpassung fvon CdSe ge-
gen¨
uber ZnSe wird nach folgender Gleichung berechent:
f=aSaL
aL
.(2.1)
Mit aS= 0,5662nm (latteraler Gitterparameter von pseudomorph verspanntem ZnSe auf
GaAs, TSubstrat = 280C) und dem Gitterparameter von CdSe aL= 0,6126nm betr¨
agt
die Gitterfehlanpassung f=7,57%. CdSe-Quantenpunkte formen sich bei einer CdSe-
Bedeckung von 2,1 bis 3,1 Monolagen [12, 14, 15]. Der Herstellungsweg von CdSe SK-
QD ist in Abbildung 2.2 skizziert. Auf einem GaAs-Substrat wird zuerst ca. 50nm ZnSe
bei 280C aufgewachsen. Im 2. Schritt werden darauf 2,1 bis 3,1 Monolagen bei 260C
CdSe abgeschieden und die Formation der Quantenpunkte durch Erh¨
ohung der Sub-
strattemperatur bis 340C durchgef¨
uhrt. Im dritten und letzten Schritt werden die SK-
2.2 Selbstorganisierte CdSe-Quantenpunkte 7
SKQDsteps
ZnSe
Epitaktisches Über-
wachsen der SK-QD
Abscheiden von CdSe
(2,1 bis 3,1ML)
und Formation der QD
GaAs
Wachstum der
ZnSe-Bufferschicht
I. II. III. UHV
ZnSe
GaAs
ZnSe
GaAs
CdSe
Abbildung 2.2: Herstellungsweg einer Stranski-Krastanow Quantenpunktstruktur mit-
tels MBE. Schritt I: Wachstum der ZnSe-Bufferschicht auf GaAs bei
280C, Schritt II: Abscheidung von 2,1 bis 3,1 Monolagen CdSe bei 260C
und Formation der Quantenpunkte durch Erh¨
ohung der Substrattempe-
ratur, Schritt III: Epitaktisches ¨
Uberwachsen der Quantenpunkte. Der
Prozess findet ohne Unterbrechung im UHV statt.
Quantenpunkte mit ZnSe ¨
uberwachsen (vgl. [11, 12]). Der komplette Prozess findet ohne
Unterbrechung im Ultrahochvakuum (engl. ultra high vacuum, UHV) statt. Es hat sich
gezeigt, dass die CdSe/ZnSe-Quantenpunkte genau wie im System (In,Ga)As/GaAs in
einer bimodalen Morphologie vorliegen. Neben den eigentlichen SK-QD entstehen in der
Benetzungsschicht Cd-reiche Einschl¨
usse (sogenannte Submonolagen-Quantenpunkte),
deren Formation auf kinetische Prozesse zur¨
uckzuf¨
uhren ist [11, 16].
Quantenpunkte hergestellt nach dem SK-Verfahren unterliegen bestimmten Beschr¨
an-
kungen: die Quantenpunktgr¨
oße und die Gr¨
oßenverteilung (5-10%) sind konstant. Dieses
schr¨
ankt die optischen Eigenschaften in der Kontrollierbarkeit der Lichtemission ein.
Desweiteren ist die Quantenpunktdichte abh¨
angig von der Anzahl der Monolagen der
aufwachsenen Schicht und l¨
asst sich nicht beliebig variieren (typischerweise nur von 109
bis 1011cm2). Aufgrund dieser großen Fl¨
achendichte ist die optische Untersuchung von
einzelnen Quantenpunkten nur nach einer geeigneten Pr¨
aparation der Proben m¨
oglich
(Aufdampfen von nanostrukturierten Metallmasken, oder ¨
Atzen von Nanostrukturen mit
einer Gr¨
oße von wenigen hundert Nanometern). Ein weiterer Nachteil ist die mangelnde
82 Grundlagen
Positionskontrolle der SK-QDs w¨
ahrend deren Herstellung mittels MBE und MOCVD.
Diese Nachteile begrenzen die Anwendung und die Flexibilit¨
at von selbstorganisier-
ten Quantenpunkten. Als alternative M¨
oglichkeit zur Herstellung von QD-Bauelement-
strukturen werden kolloidale Halbleiter-Nanokristalle in epitaktische Halbleiterstruktu-
ren integriert. Ein solches Verfahren wird im Rahmen dieser Arbeit erstmals untersucht
[1]. Die kolloidale Synthese beinhaltet im Gegensatz zum SK-Verfahren weitere freie Pa-
rameter wie die Wahl des Halbleitermaterials, die Variation der Gr¨
oße, Form und Dich-
teverteilung der Nanokristalle. Damit lassen sich die optischen Eigenschaften dieser auf
Nanokristallen basierenden QD-Halbleiterstrukturen ¨
uber weite Bereiche des Spektrums
durchstimmen. Die prinzipielle Herstellung und verschiedene Anwendungsm¨
oglichkeiten
von kolloidalen Nanokristallen werden nachfolgend erl¨
autert.
2.3 CdSe-Nanokristalle als Grundlage f¨
ur
Quantenpunktstrukturen
Die Erforschung von metallischen Nanopartikeln sowie von nanostrukturierten Halblei-
termaterialien hat sich zu einem rasant wachsenden Gebiet der Wissenschaft entwickelt.
Auf der Basis der gezielten einfachen, reproduzierbaren Herstellung dieser Partikel er¨
off-
nen sich viele optoelektronische Anwendungsm¨
oglichkeiten zur Nutzung von Quanti-
sierungseffekten. Die wichtigsten Vertreter, CdSe-Nanokristalle, werden mittlerweile in
makroskopischen Mengen mit einer durch die Synthesebedingungen einstellbaren Gr¨
oße
von 1,5 bis 10nm gewachsen. Die Gr¨
oßenverteilung der NK nach deren Synthetisierung
l¨
asst sich durch geeignete Verfahren auf <5% minimieren [17, 18]. Abbildung 2.3 zeigt
Nanokristalle gel¨
ost in Toluol und angeregt mit einem HeCd-Laser (λAnr.=325nm).
Neben dem Gr¨
oßenquantisierungseffekt spielt bei den kolloidalen Systemen die Ober-
fl¨
ache eine entscheidende Rolle. Bei einem 3nm großen CdSe-Kristall befinden sich etwa
ein Drittel aller Atome auf dessen Oberfl¨
ache und somit nicht mehr in einem regelm¨
aßigen
Gitterverband. Durch eine Passivierung der Oberfl¨
ache mit einem weiteren Halbleiterma-
2.3 CdSe-Nanokristalle als Grundlage f¨
ur Quantenpunktstrukturen 9
Abbildung 2.3: CdSe-Nanokristalle verschiedener Gr¨
oße in Toluol. Links: = 2,3nm
(λEmission = 525nm), Mitte: = 2,7nm (λEmission = 557nm) und
Rechts: = 4,4nm (λEmission = 615nm).
terial anderer Energiel¨
ucke l¨
asst sich die nichtstrahlende Ladungstr¨
agerrekombination an
Oberfl¨
achendefekten reduzieren und somit die Flureszenz-Quantenausbeute von CdSe-
Nanokristallen enorm steigern [19]. Die Nanopartikel k¨
onnen mittels geeigneter Stabi-
lisatormolek¨
ule auf dessen Oberfl¨
ache in verschiedenen L¨
osungsmitteln gel¨
ost werden.
Die Liganden sorgen f¨
ur gegenseitig passivierte und damit frei bewegliche Nanokristalle
ohne Bildung von Agglomeraten. Die Stabilisatormolek¨
ule auf der Oberfl¨
ache lassen sich
durch geeignete Verfahren austauschen [18, 21]. Es k¨
onnen dadurch sogar wasserl¨
osliche
CdSe-Nanokristalle erhalten oder Nanokristalle mit anderen Molek¨
ulen oder Proteinen
verbunden werden [22]. Diese hohe chemische Flexibilit¨
at und die hohe Quantenausbeute
mehrschaliger Nanokristalle er¨
offnen vielseitige Anwendungsm¨
oglichkeiten f¨
ur kolloidale
Halbleiter-Nanokristalle.
In der Medizin werden Nanokristalle zur selektiven Fluoreszenzmarkierung von bio-
logischen Proben [23, 24, 25] genutzt. Sie zeigen ein nicht so stark ausgepr¨
agtes Pho-
tobleichen wie die bisher verwendeten biologischen Marker und sind damit ideal f¨
ur
Langzeitstudienzwecke unter dem Mikroskop geeignet [26, 27].
Neben ihrem Einsatz in der Mikrobiologie ist die Integration von Nanokristallen in op-
tische und optoelektronische Bauelementstrukturen eine große wissenschaftliche Heraus-
10 2 Grundlagen
forderung. In der Literatur sind verschiedene L¨
osungsans¨
atze diskutiert und umgesetzt
worden. Zum Beispiel lassen sich Nanokristalle, aufgebracht auf die Oberfl¨
ache von Halb-
leiterheterostrukturen mittels eines F¨
orster-Energietransfers aus einem in 1 bis 2nm nahe
der Oberfl¨
ache plazierten QW pumpen [28]. Nanokristalle in dichtgepackten Multilagen
oder organischen Matrizen (z.B. Polymehrfilme) bilden u.a. die Grundlage f¨
ur Laser-
strukturen [29, 30], LED Strukturen [31, 32, 33], Solarzellen [34, 35], Infrarotdetektoren
[36], optische Datenspeicher [37] und Einzelphotonenemittern [38].
Der Einbau von Nanokristallen in anorganische Halbleiterstrukturen mit Hilfe von
MOCVD ist bereits 1994 von Danek et al. unternommen worden [39]. Damals wur-
den dicht gepackte Multilagen von CdSe-Nanokristallen auf Glas unter einer polykri-
stallinen ZnSe-Schicht eingebettet. Durch die Passivierung von Defekten auf der NK-
Oberfl¨
ache, konnte die nichtstrahlende Rekombination von Ladungstr¨
agern verringert
und damit die Lumineszenzausbeute aus den Nanokristallen erh¨
oht werden. Das Sy-
stem Glas/Nanokristalle/polykristallines-ZnSe ist allerdings nicht f¨
ur die Verwendung in
integrierten optoelektronischen Schaltungen geeignet.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Integration von CdSe-Nanokristallen in eine epitak-
tische ZnSe-Schicht vorgestellt und ein ¨
Uberblick ¨
uber die strukturellen und optischen
Eigenschaften solcher auf Nanokristallen basierenden QD-Strukturen gegeben. Der Vor-
teil dieser Integrationsmethode liegt in der direkten Verkn¨
upfung der flexiblen kolloi-
dalen Nanokristallchemie mit der etablierten Halbleitertechnolgie zur Erzeugung opto-
elektronischer Halbleiterquantenpunktstrukturen. Die derzeit nach dem SK-Verfahren
hergestellten QD-Bauelemente k¨
onnen durch diese epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokri-
stalle erg¨
anzt werden. Es muss an dieser Stelle erw¨
ahnt werden, dass mit ,,epitaktisch
¨
uberwachsen“ eine epitaktisch wachsende ZnSe-Deckschicht gemeint ist welche die Na-
nokristalle umschließt.
In Abbildung 2.4 sind die drei Schritte zur Herstellung einer auf Nanokristallen basie-
renden QD-Struktur skizziert.
Im Schritt I wird mittels MBE eine ZnSe-Bufferschicht auf GaAs aufgewachsen. Diese
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 11
original
CdSe(ZnS) Nano-
kristalle in Pyridin
ZnSe ZnSe
Epitaktisches Über-
wachsen der NK
mit ZnSe
Deposition der
NK-Dispersion und
Verdampfen des Lösungsmittels
GaAs GaAs
Wachstum der
ZnSe-Bufferschicht
ZnSe
GaAs
I. II. III.
UHVUHV
HerstullungHybridstruktur
Abbildung 2.4: Die drei Schritte zur Herstellung einer auf Nanokristallen basierenden
Quantenpunktstruktur. Schritt I: Wachstum des ZnSe-Buffers mittels
Molekularstrahlepitaxie (MBE) auf GaAs, Schritt II: Benetzung der
ZnSe-Oberfl¨
ache mit der Nanokristall-Dispersion und anschließender Ver-
dampfung des L¨
osungsmittels, Schritt III: Epitaktisches ¨
Uberwachsen der
Nanokristalle mit ZnSe in der MBE-Anlage.
Bufferschicht wird anschließend aus der MBE-Kammer ausgeschleust und unter Rein-
raumbedingungen mit Nanokristall-Dispersion benetzt. Das L¨
osungsmittel verdampft
anschließend, wobei die Nanokristalle auf der ZnSe-Oberfl¨
ache verbleiben. Im Schritt III
wird die pr¨
aparierte Schicht zur¨
uck in die MBE-Kammer transferiert, wo dann die Nano-
kristalle bei Wachstumstemperaturen von 240 bis 300C mit weiterem ZnSe ¨
uberwachsen
werden.
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle
Bevor mit Schritt I der Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstruktu-
ren begonnen wird, werden in diesem Teil des Kapitels die n¨
otigen Informationen zum
Verst¨
andnis des Aufbaus und der optischen Eigenschaften von Nanokristallen gegeben.
Es hat sich herausgestellt, dass durch den Einbau der Nanokristalle als optisch aktives
Material in Quantenpunktstrukturen einige Eigenschaften der Nanokristalle durch den
Einfluss der epitaktischen Kristallmatrix ver¨
andert werden.
12 2 Grundlagen
2.4.1 Nanokristallsynthese
Bei der nasschemischen Synthese der kolloidalen CdSe-Nanokristalle werden durch die
Wahl geeigneter Ausgangsverbindungen (z.B. Cadmiumdimethyl, Cd(CH3)2und Trioc-
thylphosphinselenid, TOP-Se) die Monomere Cd2+ und Se2f¨
ur den Kristallaufbau be-
reitgestellt [18, 19, 21]. Injiziert in eine Reaktionsl¨
osung (z.B. Triocthylphosphinoxid,
TOPO) mit einer Temperatur von 300 bis 360C bilden die Monomere Kristallkeime,
woran sich weitere Ionen anlagern und gr¨
oßere Kristallite formen. Dabei muss darauf
geachtet werden, dass Kristallkeimbildung und Kristallwachstum wie in Abbildung 2.5
zu sehen ist, zeitlich voneinander getrennt werden. So bilden sich im Reaktionsverlauf
keine neue Kristalle, und die vorhandenen Keime wachsen m¨
oglichst gleichm¨
aßig.
Abbildung 2.5: Schema der Nanokristallsynthese. Nach Injektion der Ausgangssubstan-
zen findet bei h¨
oheren Temperaturen erst eine Keimbildung statt, an-
schließend wachsen die Nanokristalle dann bei niedrigeren Temperaturen.
Die Synthese wird in einer Argon-Atmosph¨
are unter aktiver Temperatur-
kontrolle (TK) durchgef¨
uhrt [20].
Das Zeitfenster der Keimbildung ist sehr klein (weniger als eine Sekunde), wohingegen
das Kristallwachstum bei den niedrigeren Temperaturen um 280C¨
uber einige Minuten
bis hin zu mehreren Stunden dauern kann. Die Wachstumsdauer entscheidet ¨
uber die Na-
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 13
nokristallgr¨
oße. Die Nanokristalle werden dabei aufgrund von TOPO-Ligandenmolek¨
ulen
in L¨
osung gehalten, welche gleichzeitig eine NK-Agglomeratbildung verhindert. Durch
die Auswahl bestimmter Synthesebedingungen lassen sich die Kristallstruktur, Gr¨
oße
und Form der Nanokristalle gezielt beeinflussen.
Die Wachstumskinetik h¨
angt von der Monomerkonzentration und den verwendeten
Oberfl¨
achenstabilisatoren (Liganden) ab. Ist die Monomerkonzentration zu niedrig, so
dominiert w¨
ahrend des Wachstums die Ostwaldreifung [40]: Kleinere, h¨
oher energetische
Kristallite l¨
osen sich zugunsten von gr¨
oßeren Kristallen wieder auf. Diese f¨
uhrt bei ge-
eigneter Wahl der Monomerausgangskonzentration zu einer geringeren Dispersion einer
bestimmten Kristallgr¨
oße (thermodynamische Wachstumskontrolle [21]). Extrem hohe
Monomerkonzentrationen f¨
uhren auf der anderen Seite zu verschiedenen Wachstumsge-
schwindigkeiten auf den unterschiedliche Kristallfacetten. Daraus folgt eine ¨
Anderung
der Nanokristallform (kinetische Wachstumskontrolle [41]).
Durch eine sukzessive Entnahme von Fraktionen der L¨
osung aus dem Reaktions-
beh¨
alter w¨
ahrend des Wachstums, mit anschließender F¨
allung der Nanokristalle aus dem
L¨
osungsmittel, lassen sich Nanokristalle unterschiedlicher Gr¨
oße aus einem Reaktionspro-
zeß gewinnen. In einer zweiten Synthese k¨
onnen dann die CdSe-Nanokristalle mit einer
ZnS-Schale (1-2ML) ¨
uberwachsen werden. Das erh¨
oht deren optische Quantenausbeute,
weil Defekte (nichtstrahlende Rekombinationszentren) auf den CdSe-Kristalloberfl¨
achen
passiviert werden [19]. Mit der Zugabe der Monomere Zn2+ und S2(z.B. als Diethyl-
zink, ZnEt2und Hexamethyldisilathian, (TMS)2S) in die Reaktionsl¨
osung l¨
asst sich ein
homogenes ZnS-Wachstum auf den CdSe-Kristallen bei Temperaturen von 140 bis 220C
erzielen. Durch Einbringen der Nanokristalle nach deren Wachstum in weitere L¨
osungen
und erneute Ausf¨
allung durch ein gezieltes ¨
Andern der Polarit¨
at des L¨
osungsmittels kann
die Gr¨
oßendispersion bis auf <5% minimiert werden [21].
Mit der geeigneten Wahl des Halbleitermaterials, des Synthesemilieus, der Reaktions-
bedingungen und der Oberfl¨
achenstabilisatoren lassen sich im Idealfall Nanokristalle mit
einer bestimmten Kristallstruktur, Gr¨
oße und definierter Form maßschneidern.
14 2 Grundlagen
2.4.2 Form der CdSe(ZnS)-Nanokristalle
Die Kristallstruktur der in dieser Arbeit verwendeten CdSe-Nanokristalle ist wurtzit.
Die Ausbildung der CdSe-Nanokristall Oberfl¨
achen wird durch Minimierung der Ober-
fl¨
achenenergie des wachsenden Systems bestimmt. Die Oberfl¨
achenenergie einer einzel-
nen Facette h¨
angt von der Anzahl der unges¨
attigten Valenzen pro Einheitsfl¨
ache ab. Die
Oberfl¨
achenenergie ist f¨
ur die (001)-Ober- und Unterseite und die senkrechten (100)-
Seitenfl¨
achen am geringsten. Die Seitenfl¨
achen sind ungeladen, da die Anzahl der Cd
und Se-Atome in der Oberfl¨
ache gleich sind. Im Gegensatz dazu sind Ober- und Unter-
seite polar, sie bestehen nur aus freien Valenzen einer Atomsorte (Cd oder Se). Ober-
und Unterseite zeigen deshalb eine hohe Tendenz zur Umwandlung und Ausbildung von
(103)-Oberfl¨
achen, die Anzahl der Se- und Cd-Atome ist dann wieder ausgeglichen. Die
Oberfl¨
achenenergie wird desweiteren durch die stabilisierende Umgebung (L¨
osungsmit-
tel und Oberfl¨
achenstabilisatoren) bestimmt. Die Ausbildung bestimmter Oberfl¨
achen
w¨
ahrend des Wachstum wird verst¨
arkt, weil sich Liganden vorzugsweise an eine Atomsor-
te auf einer bestimmten Fl¨
ache (z.B. TOPO an Cd-Atomen der (001)-Oberseite) binden
und diese dann energetisch stabiler sind. Mit fortschreitendem Wachstum versucht das
System Kanten an den Facetten¨
uberg¨
angen mit der Ausbildung neuer (101)-Oberfl¨
achen
abzuflachen, um das Verh¨
altnis von Oberfl¨
ache zu Volumen zu minimieren. Abbildung
2.6 zeigt den Habitus eines CdSe-Nanokristalls, wobei in 2.6a eine idealisierte Darstellung
eines perfekten CdSe-Nanokristalles und in Abbildung 2.6b die Ausbildung der (001)-
und (101)-Oberfl¨
ache gezeigt wird. In Abbildung 2.6c ist der Querschnitt entlang der
grauen Fl¨
ache aus 2.6b dargestellt. Die (103)-Oberfl¨
achen sind in den Abbildungen aus
Gr¨
unden der ¨
Ubersicht vernachl¨
assigt worden.
Die selenterminierte (00-1)-Unterseite des Kristalles ist aufgrund ihrer negativen ¨
Uber-
schussladung nahezu TOPO-frei und erm¨
oglicht daher die effektivste Anlagerung Cd2+-
Ionen. Nach der Umladung liegt eine hochpositive Cd2+ Grenzfl¨
ache mit drei unges¨
attig-
ten Valenzen pro Cd2+-Ion vor. Das TOPO vermag diese Valenzen nur ungen¨
ugend
zu stabilisieren. Es werden deshalb aus der L¨
osung weitere Se2-Ionen angelagert. Die
Wachstumsgeschwindigkeit auf dieser Fl¨
ache (
c-Achse) wird in [00-1]-Richtung gestei-
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 15
Abbildung 2.6: a) Perfekter CdSe-Nanokristall (Wurtzitstruktur) mit seiner Atomanord-
nung (gelb = Selen, blau = Cadmium) und b) seiner Facettierung. c)
zeigt die ¨
außeren Atome bei einem Schnitt durch die L¨
angsachse des
Kristalles (graue Fl¨
ache in b). Die Netzebenen sind bezeichnet, wobei
die (103)-Fl¨
achen nicht eingezeichnet sind [20].
gert, welches eine Elongation des Nanokristalles entlang dieser Achse zur Folge hat (¨
Uber-
gang vom Nanodot zum Nanorot).
2.4.3 Pyridin als L¨
osungsmittel
Die Nanokristalle liegen in fester Form mit einer Schutzh¨
ulle aus TOPO vor. Von diesem
pulver¨
ahnlichen Stoff wird eine bestimmte Menge (kleine Spatelspitze, etwa 5mg) in ein
gereinigtes Reagenzglas gegeben und mit 1ml Toluol aufgef¨
ullt. Die Nanokristalle mit den
TOPO-Liganden k¨
onnten jetzt auf Halbleiteroberfl¨
achen aufgetragen werden. TOPO hat
die Eigenschaft, auch bei MBE-Wachstumstemperaturen von 300C nicht zu verdamp-
fen, was den epitaktischen Einbau in die ZnSe-Kristallmatrix beeinflussen kann. Damit
sich beim ¨
Uberwachsen der Nanokristalle kein ¨
Ubergang Halbleiter-Ligand-Nanokristall
bildet, muss das TOPO durch Pyridin ersetzt werden, welches bei den f¨
ur die Epitaxie
notwendigen Temperaturen verdampft. Pyridin eignet sich besonders, da es die Eigen-
schaft besitzt, als Tr¨
agerl¨
osung die TOPO-Liganden zu ersetzen und schon bei Raum-
temperatur zu verdampfen. Weiterhin wichtig und unerl¨
asslich ist die Aufrechterhaltung
der Passivierung der Nanokristalle in der Tr¨
agerl¨
osung. Pyridin ist auch deshalb als Er-
16 2 Grundlagen
satz f¨
ur TOPO ideal, da eine Abschirmung der Nanokristalle untereinander vorhanden
bleibt und sich keine Agglomerate in der Nanokristall-Pyridin-Dispersion bilden.
Zum Austausch des TOPO ist ein Auswaschprozess erforderlich um die absolute TOPO-
Liganden-Konzentration von mehreren Monolagen (engl. monolayer, ML) auf eine ML
zu senken [21]. Zu der vorliegenden Nanokristall-Toluol-Dispersion werden 2ml Metha-
nol gegeben. Die dadurch verursachte Polarit¨
ats¨
anderung der L¨
osung erzielt eine Aus-
flockung der Nanokristalle (Tr¨
ubung der L¨
osung) [18]. Zum Separieren der Nanokristalle
und des L¨
osungsmittels wird das Gemisch f¨
ur drei Minuten bei 6000U/min zentrifugiert.
Die Nanokristalle werden dabei zum Boden des Reagenzglases beschleunigt. Der fl¨
ussi-
ge (klare) Bestandteil kann anschließend dekantiert werden. Der gesamte Prozess wird
zwei Mal wiederholt. Durch das st¨
andige Aufl¨
osen in Toluol gehen immer mehr TOPO-
Bestandteile in die L¨
osung ¨
uber und werden durch das Dekantieren entfernt, bis nach
insgesamt dreimaligem Auff¨
ull-/Ausf¨
allprozess ca. eine Monolage von TOPO-Liganden
auf den Nanokristallen verbleiben. Abschließend wird das Reagenzglas mit den sich am
Boden befindenen Nanokristallen mit 2ml Pyridin aufgef¨
ullt. F¨
ur mindestens 24 Stun-
den verbleibt die L¨
osung in diesem Zustand. Diese Zeit ist n¨
otig, damit das Pyridin
die Ligandenpl¨
atze vom TOPO ersetzt [17, 40]. Pyridin als L¨
osungsmittel besitzt die
Summenformel C5H5N.
Abbildung 2.7 zeigt die Prinzipskizze eines Pyridinmolek¨
uls. Pyridin wird auch Az-
Pyridin
E(k)
k
1S
e
1S
h
LB
VB
h
+
e
-
E
10
e
E
10
h
E
gap
Energie
E(k)
k
1S
e
1S
h
LB
VB
h
+
e
-
E
10
e
E
10
h
E
gap
Abbildung 2.7: Prinzipskizze eines Pyridinmolek¨
uls. Es besteht aus 5 CH-Gruppen und
einem Stickstoffatom (blau) mit zwei freien Elektronen. Das Molek¨
ul bin-
det mit dem Stickstoffatom an einen Nanokristall und passiviert diesen.
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 17
abenzol genannt, da in einem Benzolring eine CH-Gruppe durch ein Stickstoffatom N
ersetzt wird. Das Stickstoffatom hat zwei freie Elektronen, die nicht in Molek¨
ulbindun-
gen verankert sind. Hier besteht die Kontaktm¨
oglichkeit mit einem Nanokristall. Aus den
starken Bindungsm¨
oglichkeiten resultiert die Aggressivit¨
at zu anderen Materialien wie
z.B. Kunststoff. Die sonst mit den nach Außen weisenden Wasserstoffatomen neutralen
Molek¨
ule sorgen f¨
ur die Passivierung und f¨
ur eine Abschirmung gegen¨
uber anderen Na-
nokristallen [19, 40]. Positiv wirken sich ein hoher Dampfdruck (schnelle Verdampfung)
und eine niedrige Oberfl¨
achenspannung (g¨
unstige Benetzungseigenschaften) aus. Pyridin
weist eine hohe Gesundheitsgef¨
ahrdung auf, deswegen ist die Handhabung mit diesem
Stoff aufwendig und kompliziert. Arbeiten, bei denen Pyridin verwendet wird, m¨
ussen
daher unter einem Abzug stattfinden. Außerdem ist ein Atemschutz zu tragen.
2.4.4 Elektronische Zust¨
ande in einem Halbleiter-Nanokristall
Werden Exzitonen in einem unendlich ausgedehnten Halbleiterkristall betrachtet, so spie-
len Effekte wie die r¨
aumliche Beschr¨
ankung durch Oberfl¨
achen und R¨
ander keine Rolle.
Da die Bewegungsrichtung ebenso wie der Impuls in keiner Raumrichtung eingeschr¨
ankt
ist, nimmt die Zustandsdichte oberhalb der Bandl¨
ucke kontinuierlich zu. Innerhalb eines
Nanokristalles ist die Bewegung der Ladungstr¨
ager entlang aller drei Raumrichtungen
eingegrenzt. Sie werden deshalb auch als Quantenpunkte mit singul¨
aren Energiewerten
in der Zustandsdichte bezeichnet. Die Energiewerte lassen sich durch die ¨
Anderung der
Nanokristallgeometrie ¨
uber weite Bereiche kontrollieren.
Nachfolgend werden die Einfl¨
usse der dreidimensionalen Beschr¨
ankung auf die elektro-
nischen Eigenschaften und die Energieniveaus der Nanokristalle diskutiert. Als Grund-
lage f¨
ur die Betrachtungen wird ein sph¨
arisches Potential mit unendlich hohen Potenti-
albarrieren herangezogen, dessen Radius variiert werden kann. Bei den hier vorliegenden
Nanokristallen ist der Kristalldurchmesser deutlich kleiner als der Exzitonenradius, was
allgemein als starke Beschr¨
ankung des Exzitons bezeichnet wird. Die Quantisierungsener-
gien f¨
ur Elektron und Loch in einem Nanokristall sind deutlich st¨
arker als der Einfluß
18 2 Grundlagen
der Coulombwechselwirkung. Daher wird zun¨
achst das System als zwei in erster N¨
ahe-
rung unabh¨
angige Ladungstr¨
ager betrachtet, bei der jeder f¨
ur sich eine Quantisierung
seiner Energiezust¨
ande erf¨
ahrt [42, 44, 45]. F¨
ur die Quantisierung eines Ladungstr¨
agers
in einem Potential wird im Folgenden kurz eine allgemeine L¨
osung skizziert.
Es wird die L¨
osung der zeitunabh¨
angigen Schr¨
odingergleichung f¨
ur einen sph¨
arischen
Potentialtopf mit radialsymmetrischen Potential U(r) gesucht. Der Hamiltonoperator
f¨
ur dieses Problem ist:
H=¯h2
2M2+U(r) (2.2)
mit
r=qx2+y2+z2.(2.3)
Damit ergibt sich der Laplace Operator zu
2=1
r2
r r2
r!1
r2
1
sin ν"
ν sin ν
ν !+1
sin ν
2
ϕ2#(2.4)
wobei rder radiale Abstand, ϕder radiale und νder azimutale Winkel ist. Weil das
Potential radialsymmetrisch ist, l¨
asst sich der L¨
osungsansatz separieren. Ohne in die
mathematischen Details zu gehen, l¨
asst sich f¨
ur die L¨
osung der folgende Ausdruck erhal-
ten [46]:
ψn,l,m(r, νϕ) = un,l(r)
rYlm(ν, ϕ).(2.5)
Ylm(ν, ϕ) sind die Laguerre-Polynome und enthalten die sph¨
arischen Anteile der L¨
osung.
Die Energieeigenwerte En,l werden durch die radiale Schr¨
odingergleichung festgelegt:
"¯h2
2Mr2
d2
dr2+U(r) + ¯h2
2Mr2l(l+ 1)#un,l(r) = En,lun,l(r).(2.6)
Das Potential U(r) f¨
ur eine Kugel mit dem Radius Rist im einfachsten Fall kastenf¨
ormig:
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 19
U(r) =
0rR
r > R
(2.7)
Die Randbedingung, dass die Wellenfunktion f¨
ur r=Rverschwinden muss, ergibt die
Quantisierung und f¨
uhrt aufgrund des dreidimensionalen Confinements zu drei neuen
Quantenzahlen der Ladungstr¨
ager: die Hauptquantenzahl n= 1,2,3, ..., die Drehimpuls-
quantenzahl l= 0,1,2, ... und dessen zKomponente ml. Die Orientierungsquantelung
lbestimmt ¨
ahnlich wie im Fall des Wasserstoffatoms die Symmetrie der Wellenfunktion.
Daher werden die Zust¨
ande l= 0,1,2, ... analog als s,p,d,f Zust¨
ande bezeichnet und sind
(2l+1)-fach entartet (lmll). Die Energiewerte der radialen Schr¨
odingergleichung
lassen sich durch die Nullstellen der sph¨
arischen Besselfunktion χml darstellen:
En,l =¯h2
2M
χ2
ml
R2.(2.8)
Die Energien sind proportional zum inversen quadratischen Radius des Kristalles. Daraus
folgen die f¨
ur gen¨
ugend kleine Beschr¨
ankungen sehr großen Quantisierungsenergien.
Mittels dieser L¨
osungen k¨
onnen nun die verschiedenen Energieniveaus der Elektron-
und Lochzust¨
ande in einem Nanokristall berechnet werden, indem die jeweiligen effek-
tiven Massen und Kristallradien eingesetzt werden. Die Quantisierungsenergie der La-
dungstr¨
ager in dem energetisch niedrigsten Zustand (1S) eines Bandes betr¨
agt f¨
ur n= 1
und l= 0 (χ10):
E10 =¯h2
2M
π2
R2.(2.9)
Die Gleichungen 2.8 und 2.9 enthalten nur den Energiebeitrag f¨
ur einen Ladungstr¨
ager in
einem Band aufgrund des r¨
aumlichen Confinements. Das Valenzband ist in erster N¨
ahe-
rung voll besetzt und es werden im Wesentlichen ¨
Uberg¨
ange zwischen Valenz- und dem
dar¨
uber liegenden Leitungsband betrachtet. Aufgrund der Energie- und Drehimpulser-
haltung k¨
onnen in diesem einfachen Bild zwischen den Elektron- und Lochzust¨
anden nur
¨
Uberg¨
ange mit gleicher Haupt- und Drehimpulsquantenzahl angeregt werden (∆n= 0
20 2 Grundlagen
und l= 0). F¨
ur den niederenergetischsten angeregten Zustand eines Elektron-Loch-
Paares (le=lh= 0) muss neben der Confinementenergie der Ladungstr¨
ager in Valenz-
und Leitungsband auch die makrokristalline Bandl¨
ucke Egap zwischen diesen beiden
B¨
andern ber¨
ucksichtigt werden [43, 44]:
E(1Sh1Se) = Egap +Eh
10 +Ee
10 =Egap +¯h2π2
2R2 1
m
h
+1
m
e!.(2.10)
In Abbildung 2.8 sind die Beitr¨
age zur ¨
Ubergangsenergie dargestellt. Als Vergleich ist
ein einfaches Schema der Bandstruktur eines ausgedehnten makroskopischen Halbleiter-
kristalles angegeben. Wegen der st¨
arkeren Kr¨
ummung der Energidispersion des Leitungs-
bandes (LB) und der damit geringeren effektiven Masse des Elektrons m
eist Ee
10 > Eh
10.
Pyridin
E(k)
k
1S
e
1S
h
LB
VB
h
+
e
-
E
10
e
E
10
h
E
gap
Energie
E(k)
1S
e
1S
h
LB
VB
h
+
e
-
E
10
e
E
10
h
E
gap
Abbildung 2.8: Beitr¨
age zur ¨
Ubergangsenergie des niedrigsten angeregten Zustandes
1Sh1Segem¨
Gleichung 2.10. Egap ist die Bandkantenenergie des
makrokristallinen Materials, Ee
10 und Eh
10 resultieren aus des r¨
aumlichen
Confinements von Elektron und Loch wobei aufgrund der unterschied-
lichen effektiven Massen Ee
10 > Eh
10 ist. Zum Vergleich ist ein einfaches
Schema der Bandstruktur eines Volumenkristalles eingezeichnet.
In Gleichung 2.8 wurde keine Wechselwirkung zwischen Elektron und Loch angenom-
men. Im angeregten Zustand kommt es jedoch zu einer elektrostatischen Anziehung
zwischen den Ladungstr¨
agern, die nicht vernachl¨
assigt werden kann [43, 44, 47]. Unter
Ber¨
ucksichtigung dieser Coulombwechselwirkung erweitert sich der Hamiltonoperator 2.2
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 21
zu:
H=¯h2
2m
e(
re)2
e¯h2
2m
h(
rh)2
h+Ve(re) + Vh(rh)e2
4π0|
re
rh|.(2.11)
Den Einfluss der Coulombwechselwirkung f¨
ur den ¨
Ubergang in den ersten angeregten
Zustand l¨
asst sich unter Verwendung einer Variationsrechnung mit folgender Gleichung
beschreiben [47, 48, 49]:
E(1Sh1Se) = Egap+EConf +ECoul =Egap+¯h2π2
2R2 1
m
h
+1
m
e!1,786 e2
4πr0R.(2.12)
Die Coulombwechselwirkung ist proportional zum inversen Nanokristallradius R, wohin-
gegen die Quantisierungsenergie proportional zum quadratischen inversen Radius ist.
Abbildung 2.9 zeigt die Exzitonenergien f¨
ur einen sph¨
arischen CdSe-Nanokristall in
Abh¨
angigkeit vom Kristallradius, sowohl mit, als auch ohne Coulombwechselwirkung. Ta-
belle 2.1 gibt eine ¨
Ubersicht ¨
uber die Materialparameter f¨
ur CdSe und CdS-Nanokristalle
mit hexagonaler Struktur.
Die elektronischen Eigenschaften von Nanokristallen werden zum einen von der Nano-
kristallgr¨
oße beeinflusst. Zum anderen ist die Materialwahl des Nanokristalles von ent-
scheidender Bedeutung, weil diese die Bandkantenenergie und die effektiven Elektronen-
und Lochmassen festlegt. Nanokristalle aus den verschiedensten Materialien und dessen
Zusammensetzung wurden bisher synthetisiert, wobei Nanokristalle aus CdSe und CdS
am h¨
aufigsten untersucht und analysiert wurden. Abh¨
angig vom Material emittieren Na-
nokristalle entweder im hochenergetischen Bereich des sichtbaren Spektrums (ZnS, ZnSe,
ZnO), im sichtbaren Bereich (CdSe, CdS, CdTe) oder im nahen Infrarotbereich (InP, In-
As, HgTe). Die Materialwahl definiert auch, wie sensitiv die optischen Eigenschaften
auf eine Variation der Nanokristallgr¨
oße reagieren. Die Energieniveaus von Materiali-
en mit z.B. sehr kleinen effektiven Elektronenmassen (InAs: me= 0,02) verhalten sich
in Abh¨
angigkeit des Nanokristallradius sensitiver als Materialien mit großer effektiver
Elektronenmasse (CdSe: me= 0,1, CdS: me= 0,2) [50, 51].
22 2 Grundlagen
NKEnergie
12345
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0
ohne e-h Wechselwirkung
mit e-h Wechselwirkung
Energie (eV)
Nanokristallradius (nm)
Eg
Abbildung 2.9: Exzitonenergie in Abh¨
angigkeit vom Nanokristallradius f¨
ur einen runden
CdSe-Kristall nach Gleichung 2.10 ohne und nach Gleichung 2.12 mit
Elektron-Loch (e-h)-Wechselwirkung.
Materialparameter CdSe CdS
Eg[eV] 1,84 2,6
ahex [˚
A] 4,30 4,13
chex [˚
A] 7,01 6,75
m
e,eff /m00,13 0,18
m
h,eff /m00,45/1k0,7/5k
r9,15/9,29k8,45/9,12k
rExciton[nm] 4,9 2,8
Tabelle 2.1: Bandl¨
ucke (Egap), Gitterkonstante der hexagonalen Kristallstruktur
(ahex, chex), effektive Massen von Elektron und Loch (m
e,eff , m
e,eff ), dielek-
trische Konstante rund Exziton Bohr Radius (rExziton) f¨
ur CdSe und CdS.
Die effektive Masse f¨
ur das Loch h¨
angt von der Orientierung des Nanokri-
stalles relativ zur Vorzugsachse ab [2].
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 23
Die Energiezust¨
ande in einem sph¨
arischen Nanokristall sind gut verstanden und lassen
sich unter Vernachl¨
assigung der Coulombwechselwirkung vollst¨
andig analytisch l¨
osen.
Wird die Elektron-Loch-Wechselwirkung ber¨
ucksichtigt, so sind Variationsrechnungen
anzuwenden, mit der die Energie f¨
ur den Grundzustand geschlossen darstellbar ist. Wenn
allerdings Nanokristalle mit einer reduzierten Symmetrie (Nanorods) untersucht werden
sollen, so sind deren Energiezust¨
ande nicht mehr geschlossen darstellbar. Zur Berechnung
der Energiezust¨
ande werden dann numerische L¨
osungsverfahren angewendet [52].
2.4.5 Absorption und Emission von Nanokristallen
Die Absorption von Licht in NK reicht ¨
uber einen breiten Wellenl¨
angenbereich bis weit
in das ultraviolette Spektrum hinein. Abbildung 2.10 zeigt zwei Absorptionsspektren von
CdSe(ZnS) Kern(Mantel)-Nanokristallen verschiedener Gr¨
oße in Pyridin.
Abbildung 2.10: Absorptionsspektren von zwei Nanokristall-Pyridin-Dispersionen mit
unterschiedlich großen Nanokristallen [54]. Aus den Wellenl¨
angen des
ersten exzitonischen Absorptionspeak (515 bzw. 590 nm) l¨
asst sich der
Nanokristall-Durchmesser berechnen.
Deutlich sichtbar ist der erste elektronische Anregungszustand bei 525nm bzw. 590nm.
Bei Raumtemperatur sind die elektronischen Zust¨
ande im Nanokristall aufgrund von
24 2 Grundlagen
Elektron-Phonon Wechselwirkungen verbreitert. Deswegen sind die h¨
oher liegenden An-
regungszust¨
ande weniger stark ausgepr¨
agt. Die Breite des ersten Absorptionpeaks spie-
gelt die Gr¨
oßenverteilung der Nanokristalle wieder. Befinden sich Nanokristalle unter-
schiedlicher Gr¨
oße in der Nanokristall-Dispersion, so wird der Peak verbreitert. Aus der
spektralen Position l¨
asst sich der mittlere Partikeldurchmesser bestimmen [18, 53].
Abbildung 2.11 zeigt den Zusammenhang zwischen dem Nanokristall-Durchmesser und
der Wellenl¨
ange des ersten exzitonischen ¨
Ubergangs.
Abbildung 2.11: Gr¨
oße des Nanokristall-Durchmessers in Abh¨
angigkeit der Absorptions-
wellenl¨
ange des ersten Exzitonischen ¨
Ubergangs [18].
Die experimentellen Werte lassen sich mit einer polynomischen Funktion 4. Grades
ann¨
ahern, so dass sich der Nanokristall-Durchmesser (Din nm) von der Wellenl¨
ange (λ
in nm) des ersten Absorptionspeak berechnen l¨
asst [18]:
D=1,6122 ·109λ42,6575 ·106λ3+1,6242 ·103λ20,4277 ·109λ+(41,57)
(2.13)
Aufgrund der Partikelgr¨
oße ist bei der Absorptionsmessung die Streuung des Lichtes
vernachl¨
assigbar. Da bei der Synthese große Teile der Monomere nicht zur Nanokri-
stallformation beitragen, l¨
asst sich die Konzentration der Nanokristalle nicht ¨
uber die
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 25
Ausgangsmenge der verwendeten Monomere bestimmen. Die Partikeldichte l¨
asst sich
allerdings aus den optischen Absorptionsmessungen bestimmen.
Die Absorption Avon Licht in einer L¨
osung oder der hier vorliegenden Nanokristall-
Dispersionen ist ¨
uber das Lambert-Beer’sche Gesetz mit der Konzentration cverkn¨
upft:
ADispersion =·c·d(2.14)
Dabei ist der Extinktionskoeffizient (cm1Mol1), cdie molare Konzentration (Mol/l=
6,022 ·1017Mol/µl und ddie Dicke des absorbierenden Mediums (im vorligenden Fall:
K¨
uvettendicke d=1cm). Der Extinktionskoeffizient ist abh¨
angig vom Nanokristalldurch-
messer. Dessen Verlauf ist in Abbildung 2.12 angegeben. Dabei hat die Art des verwen-
deten L¨
osungsmittels in erster N¨
aherung keinen Einfluss auf die Absorption des Lichtes
bzw. den Extinktionskoeffizienten [18].
Abbildung 2.12: Abh¨
angigkeit des Extinktionskoeffizienten vom Nanokristall-
Durchmesser [18].
Die Messdaten in Abb. 2.12 lassen sich durch folgende Gleichung ann¨
ahern:
= 23111 ·(D)1.88 (2.15)
26 2 Grundlagen
Zur Berechnung der NK-Konzentration cder Dispersion nach Gl. 2.14 fehlt noch die
Absorption ADispersion. Die Abnahme der Lichtintensit¨
at Iauf dem Weg durch ein Me-
dium (NK-Dispersion) l¨
asst sich wie folgt berechnen:
I=I0·ea·d.(2.16)
I0bezeichnet die Ausgangsintensit¨
at und aden Absorptionskoeffizienten (cm1). Aus
Gleichung 2.16 folgt nach Umformung
Am·1
log(e)=a·d, (2.17)
Dabei ist Am= log I0
Idie Absorption des ersten exzitonischen ¨
Ubergangs welche aus der
Absorptionsmessung erhalten werden kann.
f¨
ur die Absorption ADispersion folgt dann:
ADispersion =Am·1
log(e).(2.18)
Abbildung 2.13 zeigt die zur Konzentrationsbestimmung relevanten Daten einer Absorp-
tionsmessung.
Die gemessene Absorption betr¨
agt Am= 0,276. Das Absorptionsspektrum des er-
sten exzitonischen ¨
Uberganges ist nicht symmetrisch, deshalb wird die Gr¨
oßenverteilung
durch die Angabe der halben Halbwertsbreite (engl. half width at half maximum, hwhm)
angegeben. Die experimentell in Abb. 2.13 bestimmte Halbwertsbreite ist hwhmExp =
18,8nm. Wenn die Gr¨
oßenverteilung der Nanokristalle wie in dem hier vorliegenden Fall
signifikant breiter als bei den verwendeten Standardproben in [18] ist, so muss eine Kor-
rektur der nach Gl. 2.18 berechneneten Absorption Aerfolgen. Die Halbwertsbreite der
CdSe-Standardproben ist hwhmStandard = 14nm. F¨
ur die Gr¨
oße ADispersion in Gleichung
2.14 folgt dann:
ADispersion =Am
hwhmExp
hwhmStandard
·1
log(e).(2.19)
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 27
Abbildung 2.13: Absorptionsspektrum des ersten exzitonischen ¨
Uberganges in Nanokri-
stallen mit einem Durchmesser von 2,5nm [54]. Aus der gemessenen
Absorption Amund der halben Halbwertsbreite (hwhm) l¨
asst sich die
Konzentration der Nanokristalle in dieser Dispersion zu c= 1·1012µL1
berechnen.
Eingesetzt in Gl. 2.14, folgt die Konzentration der Nanokristalle in der Dispersion:
c=ADispersion
·d.(2.20)
F¨
ur die CdSe(ZnS)-Nanokristalle in Dispersion, deren Absorption in Abb. 2.13 gezeigt
ist, folgt eine Konzentration von c= 1·1012µL1. Die Konzentration l¨
asst sich ¨
uber meh-
rere Gr¨
oßenordnungen verd¨
unnen, so dass gezielte Nanokristall-Konzentrationen einge-
stellt werden k¨
onnen.
Die Gr¨
oßenverteilung der Nanokristalle spiegelt sich auch in deren Emissionsspektren
durch die inhomogene Verbreiterung der Peaks wieder. In Abbildung 2.14 ist die Emission
der CdSe(ZnS)-Nanokristalle in Pyridin neben ihrem Absorptionsspektrum wiedergege-
ben.
Die Halbwertsbreite (engl. full width at half maximum, fwhm) betr¨
agt fwhm =
29nm, im Vergleich dazu haben die CdSe(ZnS)-Standardproben nach [18] eine Halbwerts-
breite von fwhmStandard = 25nm. Wie bereits erw¨
ahnt, l¨
asst sich die Gr¨
oßenverteilung
28 2 Grundlagen
Abbildung 2.14: Emissionsspektrum (rot) verglichen mit dem Verlauf des Absorptions-
spektrum (blau) von CdSe(ZnS) Nanokristallen. Die Halbwertsbreite
der Emission spiegelt die Gr¨
oßenverteilung der Nanokristalle wieder und
betr¨
agt 29nm [54].
w¨
ahrend des Wachstums durch bestimmte gr¨
oßenselektivierende Verfahren vermindern.
2.4.6 Blinken von Nanokristallen
Bei der Untersuchung des Luminsezenzspektrums eines einzelnen kolloidalen Nanokristal-
les zeigt sich, dass dessen Emission bei kontinuierlicher Anregung nicht zeitlich konstant
ist, sondern u.a. deutliche Fluktuationen in der Intensit¨
at aufweist. Die Intensit¨
at eines
einzelnen Nanokristalles schaltet diskontinuierlich zwischen einem emittierenden und ei-
nem nicht emittierenden ,,dunklen“ Zustand. Dieses sogenannte Blinken (engl. blinking)
wird in Abbildung 2.15 verdeutlicht.
Die Ursache f¨
ur den ,,dunkel“-Zustand ist eine Ionisation des Nanokristalles [55, 56].
Die Ionisation findet durch die Lokalisierung eines Ladungstr¨
agers an einer Defektstelle
auf der Oberfl¨
ache oder der direkter Umgebung des Nanokristalles statt [55, 57, 58]. Wird
dann durch die Absorption eines Photons ein Exziton im Nanokristall erzeugt, so han-
delt es sich um ein System mit drei Ladungstr¨
agern. Die Energie bei der Rekombination
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 29
Abbildung 2.15: Zeitlicher Verlauf der Lumineszenzintensit¨
at eines Nanokristalles. Der
Wechsel zwischen hell und dunkel Zustand wird als Nanokristall-Blinken
bezeichnet [55].
des Elektron-Loch Paares wird durch Auger-Prozesse [59] zum dritten Ladungstr¨
ager
transferiert, welcher anschließend nichtstrahlend relaxiert. Dieser Vorgang ist deutlich
schneller (100ps) als die strahlende Rekombination des Exzitons (10ns). Ein gelade-
ner Nanokristall erscheint daher dunkel [55, 57]. Das Verst¨
andnis der Ionisations- bzw.
Neutralisationsprozesse kann aus der Statistik ¨
uber die L¨
ange der ,,An“- und ,,Aus“-
Zeiten (τan/aus) gewonnen werden. Deren Wahrscheinlichkeit P(τan/aus) kann durch ein
universelles Potenzgesetz mit dem Exponenten mbeschrieben werden [57, 58]:
P(τan/aus) = τm
an/aus (2.21)
Es wurde festgestellt, dass die Verteilung der An- bzw. Auszeiten unabh¨
angig von
der Temperatur und der Anregungsleistung ist [57, 58]. Folglich gibt es offensichtlich
keine Aktivierungsenergie f¨
ur den ¨
Ubergang in den ionisierten Zustand, was auf einen
Tunnelprozess der Ladungstr¨
ager zu den Defektstellen an der Oberfl¨
ache hinweist.
Technisch gesehen ist das Blinken der Nanokristalle von Nachteil. Die Quanteneffiziens
und damit die Gesamtintensit¨
at ist deutlich verringert. Eine Verl¨
angerung der Anzeiten,
bzw. eine Verk¨
urzung der Auszeiten w¨
are f¨
ur die Anwendung der Nanokristalle in Bau-
elementen und f¨
ur deren Untersuchung mit spektroskopieschen Methoden von großem
Vorteil. Dies wird z.B. durch die Passivierung der CdSe-Oberfl¨
ache durch eine ZnS-
Schale erreicht [60]. Die an der Oberfl¨
ache liegenden Vakanzen werden abges¨
attigt, so
30 2 Grundlagen
dass die Wahrscheinlichkeit einer Lokalisation von Ladungstr¨
agern an St¨
orstellen und der
Energietransfer ¨
uber den Auger-Prozess minimiert wird. Es kommt daher in CdSe(ZnS)
Kern(Mantel)-Nanokristallen zu l¨
angeren Anzeiten.
Obwohl alle Anstrengungen f¨
ur die technologische Anwendung der Nanokristalle dar-
auf hinauslaufen, das Blinken zu unterdr¨
ucken, ist der Effekt auf der anderen Seite eine
n¨
utzliche Methode individuelle Nanokristalle auf Oberfl¨
achen mittels optischer Messver-
fahren nachzuweisen. W¨
urden innerhalb des beugungsbegrenzten Abbildes mehrere Na-
nokristalle emittieren bzw. handelt es sich um ein Nanokristall-Agglomerat, so werden
mehr als zwei Intensit¨
atsniveaus erwartet. Es zeigt sich dann eine kontinuierliche Fluk-
tuation in der Intensit¨
at und kein Blinken mehr. Das Blinken der Nanokristalle wird im
sp¨
ateren Verlauf der Arbeit dazu genutzt, nicht ¨
uberwachsene individuelle Nanokristalle
auf ZnSe-Halbleiteroberfl¨
achen nachzuweisen.
2.4.7 Photobleichen
Neben dem auch als reversible ¨
Anderung der Nanokristall-Lumineszenz bezeichnete Blin-
ken, treten auch irreversible Prozesse auf. Bei kontinuierlicher Bestrahlung mit hohen
Laserleistungen zeigen Nanokristalle eine Lumineszenzabnahme bis hin zu einem Wechsel
in einen dauerhaften ,,Aus“-Zustand. Dieses sogenannte Photobleichen (engl. photoble-
aching) wird auf eine Oxidation der Nanokristall-Oberfl¨
ache zur¨
uckgef¨
uhrt. Der Effekt
der Nanokristall-Oxidation an der Luft ist allgemein bekannt [61] und wird durch Be-
leuchtung verst¨
arkt [62, 63]. An der Oberfl¨
ache von CdSe-Kristallen bildet sich SeO2,
was die Lumineszenzausbeute reduziert. Der Vorgang dauert einige 10 Sekunden und
geht oft mit einer Blauverschiebung der Lumineszenz einher. Dies ist auf eine Verklei-
nerung der Nanokristalle aufgrund der chemischen Umwandlung der ¨
außeren Atomlage
zur¨
uckzuf¨
uhren. CdSe-Kristalle mit einer ZnS-H¨
ulle passiviert, zeigen eine langsamere
Photooxidation (wenige Minuten). Oxide auf der ¨
außeren ZnS-Schale m¨
ussen erst durch
Defekte in der ZnS-Schicht bis zum CdSe-Kern diffundieren. Das Photobleichen findet
auch bei Nanokristallen umgeben von inerten Gasen oder bei Naokristallen im Vakuum
2.4 Eigenschaften der CdSe-Nanokristalle 31
statt. Es wird in diesem Fall auf eine Reorganisation von Bindungen oder Bildung von
Defekten im Kristall durch die hohen Energien von Biexzitonen zur¨
uckgef¨
uhrt, die nicht-
strahlende Rekombinationskan¨
ale bilden [63]. Eine Reduktion der Photooxidation durch
eine zus¨
atzliche Passivierung der Nanokristalle in Form eines Einbaus der Nanokristalle
in eine epitaktische Kristallmatrix wird im Rahmen dieser Arbeit untersucht.
2.4.8 Spektrale Diffusion und Linienbreite
In der Einzel-Quantenpunktspektroskopie werden Linienbreiten von 500µeV bis 5meV
[64, 65, 66] beobachtet. Bei diesen Linienbreiten in der Einzelpartikelfluoreszenz handelt
es sich nicht um intrinsische Eigenschaften der Nanokristalle, sondern um eine Verbreite-
rung der Linie durch spektrale Diffusion der Emissionsenergie w¨
ahrend der Integrations-
zeit [67, 64, 65]. Mittels Vier-Wellen-Mischen und Lochbrennen konnten Linienbreiten
einzelner Nanokristalle von 6µeV gemessen werden [68, 69]. Zeitliche spektrale Diffusion
und Linienbreite stehen also in direktem Zusammenhang.
Exzitonen sind empfindlich gegen¨
uber elektrischen Feldern, was die r¨
aumliche Delo-
kalisierung der Ladungstr¨
ager angeht (Starkeffekt in quantenbeschr¨
ankten Halbleiter-
strukturen , engl. quantum confinement Stark effect, QCSE). Das spektrale Wandern
der Emissionsenergie von Nanokristallen wird daher einer ¨
Anderung des lokalen elek-
trischen Feldes zugeordnet [67, 70]. Durch eine Umorientierung von Ladungstr¨
agern an
Oberfl¨
achendefektzust¨
anden oder in der direkten Umgebung der Nanokristalle wird die
lokale Feldst¨
arke ver¨
andert. Dabei wird eine Starkverschiebung von bis zu 50meV indu-
ziert [67, 70].
Die St¨
arke der spektralen Diffusion der Lumineszenz von Nanokristallen, eingebettet
in eine Halbleitermatrix ist noch nicht untersucht worden. Von epitaktisch hergestellten
SK-QDs ist jedoch bekannt, dass deren spektrale Diffusion deutlich geringer ist weil die
Einbettung der Quantenpunkte in die kristalline Umgebung eine geringere Anzahl von
Defektstellen verursacht [72, 73, 74].
32 2 Grundlagen
2.5 Integration von kolloidalen Nanokristallen in
epitaktischem ZnSe
Abbildung 2.16 fasst die M¨
oglichkeiten und die Vorraussetzungen f¨
ur die Verwendung
kolloidaler Nanokristalle als optisch aktives Material in epitaktischen Halbleiterstruktu-
ren zusammen.
ZnSe on GaAs
ZnSe cap layer
CdSe CdTe ZnSe:
Mn
Verwendung verschiedener
NK-Materialien, Formen oder
Größen (Durchstimmbarkeit
des Emissionsspektrums)
Kompatibilität mit der
existierenden
Halbleitertechnologie
Reduktion von Oberflächen-
defekten, Unterdrückung des
NK-Blinken, Photobleichens
und der spektralen Diffusion
Kontrolle der Nanokristall-
Quantenpunktdichte und
Position in Halbleitern
Effiziente Ladungsträger-
transport in die NK
Neuartiger Wachstums-
prozess: Vermeidung
einer Benetzungsschicht
moeglichkeiten
Abbildung 2.16: Nanokristalle als optisch aktives Material in Halbleiterstruktur.
Grundlegend ist die Kombinierbarkeit der kolloidalen Nanokristallchemie mit der Halb-
leitertechnologie zur Herstellung von Halbleiter-Quantenpunktstrukturen, da sich die
Reinheit beider Verfahren um drei Gr¨
oßenordnungen unterscheidet. Dieser Punkt wird
in Kapitel 6 diskutiert. Die Nanokristalle werden in einer Tr¨
agerl¨
osung aufbewahrt, in
der die NK-Konzentration ¨
uber mehrere Gr¨
oßenordnungen variierbar ist. Damit las-
sen sie sich mit beliebigen Dichten auf ZnSe-Halbleiteroberfl¨
achen abscheiden. Ziel ist
u.a. eine Nanokristalldichte die unterhalb SK-Quantenpunktdichte von 109cm2liegt.
Diese erm¨
oglicht die Durchf¨
uhrung von Einzelquantenpunktspektroskopie ohne vorhe-
rige Probenpr¨
aparation wie ¨
Atzen von Strukturen oder Aufdampfen von Metallmas-
ken. Die Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen wird nicht
von der Ausbildung einer wie beim SK-Wachstum ¨
ublichen Benetzungschicht begleitet.
Die Formation von selbstorganisierten Quantenpunkten beruht auf einen thermodyna-
mischem Prozess, der die Gr¨
oße und damit auch die optischen Eigenschaften der SK-
Quantenpunktstrukturen begrenzt. Das Emissionsspektrum der epitaktisch ¨
uberwachse-
2.5 Integration von kolloidalen Nanokristallen in epitaktischem ZnSe 33
nen Nanokristallstrukturen hingegen wird durch die variierbare Form und Gr¨
oße der Na-
nokristalle bestimmt. Desweiteren k¨
onnen NK aus unterschiedlichen Materialien in epi-
taktische Schichten eingebaut werden. Damit ist die Emission der Strukturen mit epitak-
tisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen ¨
uber weite Bereiche des optischen Spektrums vari-
ierbar. Der defektfreie Einbau der Nanokristalle in eine epitaktische ZnSe-Kristallmatrix
erm¨
oglicht zudem einen effektiven Einfang von Ladungstr¨
agern. In der Halbleitermatrix
besitzen die NK keine freien Oberfl¨
achen. Damit werden ihre sonst durch Oberfl¨
achen-
defekte bestimmten optischen Eigenschaften wie spektrale Diffusion, Photobleichen und
Blinken minimiert bzw. unterdr¨
uckt. Nanokristalle in epitaktischen Schichten erm¨
ogli-
chen also die Erzeugung von Quantenpunktstrukturen mit durchstimmbaren optischen
Eigenschaften.
Die Grundlagen haben einen ¨
Uberblick ¨
uber die allgemeinen Eigenschaften von Quan-
tenpunktstrukturen sowie deren Herstellung mittels selbstorganisiertem Wachstum und
kolloidaler Synthese gegeben. Der Herstellungsweg der neuen Quantenpunktstrukturen
mit epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen wurde anschließend skizziert. Nach der
Erl¨
auterung der Eigenschaften der CdSe(ZnS)-Nanokristalle sind zum Schluss die Vortei-
le der ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen gegen¨
uber den SK-QDs aufgef¨
uhrt worden.
Bevor nun die Nanokristalle in epitaktischem ZnSe integriert werden k¨
onnen, m¨
ussen erst
die ZnSe-Bufferschichten bereitgestellt und anschließend die Nanokristalle in geeigneter
Weise auf diesen deponiert werden. Dieses wird in den folgenden Kapiteln detailliert
diskutiert.
34 2 Grundlagen
3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten
Im Schritt I der Herstellung einer auf Nanokristallen basierenden Quantenpunktstruktur
wird eine ZnSe-Schicht auf GaAs gewachsen, welche sp¨
ater mit Nanokristallen benetzt
werden soll. In diesem Kapitel wird das MBE-Wachstum der Substrate, sowie die Cha-
rakterisierungsmethoden der Halbleiterschichten beschrieben.
3.1 Molekularstrahlepitaxie von ZnSe-Schichten
Zu Beginn der Herstellung von Quantenpunktstrukturen mit epitaktisch ¨
uberwachse-
nen Nanokristallen wird eine ZnSe-Bufferschicht auf GaAs mittels MBE hergestellt.
Daf¨
ur muss erst in einer GaAs-Vorkammer das industriell hergestellte GaAs-Substrat
(ca. 10 ×10mm2) durch thermische Desorption von der sog. Epireadyschicht befreit
werden. Anschließend wird weiteres GaAs mittels MBE aufgewachsen, bis sich eine zwei-
dimensionale Oberfl¨
ache ausgebildet hat. Dann wird die Probe ¨
uber ein Transfersystem
in die II-VI Hauptkammer geschleust, wo das eigentliche ZnSe-Wachstum erfolgt.
Das Halbleiter-Kristallwachstum mittels MBE ist eine Standardmethode zur Herstel-
lung qualitativ hochwertiger Halbleiterstrukturen. Im Ultrahochvakuum werden aus Ef-
fusionszellen die elementaren Materialien Zn und Se (Reinheit 99,9999%, 6N) verdampft.
ZnSe w¨
achst in einem Temperaturbereich von 240C bis 400C epitaktisch. In der Regel
werden die ZnSe-Schichten unter Se-¨
Uberschuss (Flussverh¨
altnis Se:Zn = 3:1) hergestellt.
36 3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten
Der Haftkoeffizient s(engl. sticking coeffizient) f¨
ur Zn betr¨
agt 0,62 bei der Wachstum-
stemperatur von 300C. Das Wachstum wird in situ mittels Reflexion hochenergetisch
gebeugter Elektronen (engl. reflection high energy electron diffraction, RHEED) un-
tersucht. Bei der Molekularstrahlepitaxie wird das Schichtwachstum in drei Moden un-
terteilt: MBE, MEE (engl. migration enhanced epitaxy) und ALE (engl. atomic layer
epitaxy). Im MBE-Modus sind w¨
ahrend des Wachstums von ZnSe beide Quellen (Zn und
Se) ge¨
offnet. Bei der MEE von ZnSe ist die Se-Quelle st¨
andig offen und Zn wird peri-
odisch dazu gegeben. Dieser Modus wird unter anderem beim sp¨
ateren ¨
Uberwachsen der
Nanokristalle verwendet, da den Zn-Atomen mehr Zeit zur Verf¨
ugung steht, freie Pl¨
atze
im Gitterverbund nahe den Nanokristallen zu erreichen. Dieses hat die Ausbildung von
glatteren Oberfl¨
achen und defektfreieren Schichten zur Folge. Bei der ALE werden Zn
und Se abwechselnd f¨
ur die Abscheidung von einer Monolage mit anschließenden Pausen
ge¨
offnet [16]. Eine genaue Beschreibung der Halbleiterherstellung mittels MBE ist der
Literatur zu entnehmen [76].
Aufgrund der Gitterfehlanpassung von 0,27% von ZnSe auf GaAs w¨
achst ZnSe pseu-
domorph auf. Die kritische Schichtdicke von ZnSe auf GaAs betr¨
agt 200nm [77]. Die
Schichten sind oberhalb einer Dicke von 500nm vollst¨
andig relaxiert. Im ersten Schritt
der Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen wurden zum einen
voll verspannte (001)-ZnSe Schichten mit einer Dicke von 45nm bis 80nm gewachsen,
zum anderen komplett relaxierte (001)-Bufferschichten mit einer Dicke von 1000nm bis
4000nm. Die Schichten wurden Se-reich mit einem Flussverh¨
altnis Se:Zn von 3:1 gewach-
sen. Ein Zn-Fluss von 1,7·1014cm2s1f¨
uhrt dabei zu einer Wachstumsrate von 0,27ML/s
(0,27µm/h). F¨
ur die relaxierten Schichten wurde die Wachstumsgeschwindigkeit durch
Erh¨
ohung der Fl¨
usse auf bis zu 0,8ML/s vergr¨
oßert. W¨
ahrend der Wachstumspausen oder
bei ¨
Anderungen der Substrattemperatur wird die Schicht unter Se-Gegendruck belassen,
um einer Desorption von Se-Atomen aus den oberen Atomlagen entgegenzuwirken.
Die (001)-Fl¨
ache eines Halbleiterkristalles mit fcc-Struktur besteht nur aus einer Sorte
von Atomen. Die Fl¨
ache wird entweder nur von Metallatomen (z.B. Zn) oder Nichtme-
tallatomen (z.B. Se) bedeckt und daher als polar bezeichnet. Die (-110)- bzw. (110)-
3.1 Molekularstrahlepitaxie von ZnSe-Schichten 37
Oberfl¨
achen enthalten beide Atomsorten in gleicher Anzahl und sind daher unpolar. F¨
ur
einige Versuche wurde (-110)-ZnSe auf (-110)-GaAs mit Schichtdicken von 45nm herge-
stellt (pseudomorph verspannt). Das Wachstum erfolgt prinzipiell genauso wie auf (001)-
Fl¨
achen, lediglich muss aufgrund der Anwesenheit beider Atomsorten ein Flussverh¨
altnis
Se:Zn von 1:1 (st¨
ochiometrisches Wachtum) eingestellt werden. Am Ende des Wachstums
lassen sich die ZnSe-Bufferschichten durch ¨
Offnen der jeweiligen Quelle gezielt mit Se
oder Zn bedecken, bevor sie aus der MBE-Anlage ausgeschleust werden. Eine ¨
Ubersicht
¨
uber die im Herstellungsschritt I gewachsenen ZnSe-Substrate ist in Abbildung 3.1 ge-
geben. Deren strukturelle und optischen Eigenschaften werden nachfolgend diskutiert.
Ausblenden znsesubstrate
GaAs
ZnSe
relaxiert
GaAs
ZnSe
verspannt
CdSe(ZnS) Nano-
kristalle in Pyridin
ZnSe ZnSe
Epitaktisches Über-
wachsen der NK
mit ZnSe
Deposition der
NK-Dispersion und
Verdampfen des Lösungsmittels
GaAs GaAs
Wachstum der
ZnSe-Bufferschicht
ZnSe
GaAs
I. II. III.
UHVUHV
(001)
(-110) (001)
xxx
Abbildung 3.1: ¨
Ubersicht ¨
uber das ZnSe-Bufferwachstum. Neben verspanntem ZnSe wird
auch relaxiertes ZnSe auf GaAs hergestellt.
38 3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten
3.2 Oberfl¨
achenbeschaffenheit der ZnSe-Schichten
Wie bereits erw¨
ahnt, wird das Wachstum in situ mittels RHEED kontrolliert. Dabei wird
ein Elektronenstrahl in einem flachen Winkel (<1) auf die Probe gelenkt (streifender
Einfall), auf der die Elektronen mit den Atomen in der Oberfl¨
ache wechselwirken. Die
gebeugten Elektronenstrahlen treffen auf einen mit Phosphor beschichteten Schirm, der
zum Leuchten angeregt wird. Mit einer CCD-Kamera wird das Elektronenbeugunsbild
(RHEED-Bild) aufgenommen und in einem Computer verarbeitet. Aufgrund der Be-
schaffenheit des RHEED-Bildes l¨
asst sich unter anderem die Wachstumsst¨
ochiometrie,
die Oberfl¨
achenbeschaffenheit und die Wachstumsgeschwindigkeit ermitteln [78]. In Ab-
bildung 3.2 sind die in situ aufgenommenen RHEED-Bilder einer voll verspannten 50nm
dicken und komplett relaxierten 1000nm dicken ZnSe-Bufferschicht zu sehen.
znse-1192_02_-110_280deg_ende buffer znse znse-1457_12_-110_300deg_e
n
a) b)
50nm ZnSe 1µm ZnSe
Schattenkante
RHEEDbuffer
specular spot
(-10) (10)(00)
Abbildung 3.2: RHEED-Bilder der Oberfl¨
ache einer auf GaAs gewachsenen ZnSe-
Bufferschicht mit der Dicke von a) 50nm (pseudomorph verspannt) und
b) 1000nm (komplett relaxiert). Die Bilder zeigen Streifen (streaks) was
auf eine zweidimensionale Oberfl¨
ache zur¨
uckzuf¨
uhren ist.
Beide ZnSe-Oberfl¨
achen sind zweidimensional, das Elektronenbeugungsbild unterhalb
der sogenannten Schattenkante ist streifenf¨
ormig. Die Streaks sind indiziert und der spie-
gelnd reflektierte Elektronenstrahl (engl. specular spot) kenntlich gemacht. Die Wachs-
tumsgeschwindigkeit der Schichten bei festeingestellten Se- und Zn-Fl¨
ussen wurde ¨
uber
die sogenannten RHEED-Oszillationen ermittelt (periodische ¨
Anderung der Intensit¨
at
3.3 Kristallqualit¨
at der ZnSe-Schichten 39
der RHEED-Reflexe bzw. des specular Spot w¨
ahrend des Wachstums). RHEED-Messungen
geben nur Informationen ¨
uber die Oberfl¨
achenbeschaffenheit der epitaktischen Halb-
leiterschichten. Die kristalline Perfektion der Schicht wird mit dieser Methode nicht er-
fasst.
3.3 Kristallqualit¨
at der ZnSe-Schichten
Die Dichte von Defekten und deren Natur in Halbleiterkristallen l¨
asst sich ¨
uber hochauf-
gel¨
oste Transmissionselektronenmikroskopie (engl. high resolution transmissions electron
microscopy , HRTEM) exakt ermitteln. Eine alternative M¨
oglichkeit zur Bestimmung der
kristallinen Perfektion der Schichten ist die hochaufl¨
osende R¨
ontgenbeugung (engl. high
resolution X-ray diffraction, HRXRD). Dazu werden ω-Scans des (004)-Bragg-Reflexes
der ZnSe-Bufferschichten, die sog. Rockingkurven aufgenommen. Die Rockingkurve ver-
breitert sich, wenn im Kristall die Gesamtzahl der Stufen- und Schraubenversetzungen
steigt und damit die Gitterperiodizit¨
at unterbrochen wird. Die R¨
ontgenuntersuchungen
wurden mit einem 3-Achsen-Diffraktometer (X’Pert-MRD, Fa. PANalytical) bei einer
R¨
ontgenstrahlung der Wellenl¨
ange λ= 1,54056 ˚
A (Cu-Kα1-Linie) durchgef¨
uhrt. Abbil-
dung 3.3a zeigt die Rockingkurve des (004)-Reflex einer 1µm dicken ZnSe-Schicht auf
GaAs. In Abbildung 3.3b ist die Halbwertsbreite (engl. full width at half maximum,
fwhm) verschiedener Rockingkurven in Abh¨
angigkeit der ZnSe-Bufferschichtdicke aufge-
tragen.
Die Rockingkurve der 1µm dicken ZnSe-Schicht hat eine FWHM von ω= 350arcsec
(Abb. 3.3a). F¨
ur relaxierte ZnSe-Strukturen sinkt die FWHM der Rockingkurven mit
steigender ZnSe-Schichtdicke (Abb. 3.3b, schwarz). Im Gegensatz dazu sind die FWHM
der Rockingkurve f¨
ur verspannte Strukturen geringer und zeigen einen leichten Anstieg
mit steigender Schichtdicke aufgrund partieller Relaxation im Kristall (rot). Die Ergeb-
nisse sind vergleichbar mit den Untersuchungen von Wolf et al. [77]. Da die Rockingkur-
ven senkrecht zur Wachstumsrichtung entlang des (004)-ZnSe-Reflex vermessen worden
sind, unterliegen sie nicht dem Ph¨
anomen der Reflexverbreiterung aufgrund endlicher
40 3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten
HRXRDbuffer
32.7 32.8 32.9 33.0 33.1
Δ
ω
=
350arcsec
Intensität (bel. Einh.)
Winkel
ω
(°)
ZnSe-Reflex: (004)
a) b)
0.1 1
0
100
200
300
400
teilw.
relaxiert relaxiert
FWHM Δ
ω
(arc sec)
ZnSe-Schichtdicke (µm)
pseudomorph
verspannt
10
100
1000
10000
100000
Qadrierte Halbwertsbreite des
ω
-Scan (arcsec²)
Abbildung 3.3: a) R¨
ontgen-Rockingkurve einer 1µm dicken ZnSe-Bufferschicht. Die
Halbwertsbreite betr¨
agt 350arcsec. b) Halbwertsbreite der Rockingkur-
ven in Abh¨
angigkeit der Buffer-Schichtdicke f¨
ur pseudomorph verspann-
tes ZnSe (rot) und relaxiertes ZnSe (schwarz) auf GaAs gewachsen. Die
Relaxation beginnt bei 200nm, bei 500nm ist die Schicht komplett rela-
xiert [77].
Schichtdicke (engl. finite thickness broadening). Die Halbwertsbreite h¨
angt nur von der
Mosaikstruktur des Kristalles ab (unterschiedlich orientierte Kristallite). Mit fortschrei-
tendem Wachstum l¨
oschen sich die Defektlinien (Versetzungen) gegenseitig aus und die
Kristallqualit¨
at, bzw. die Gitterperiodizit¨
at verbessert sich.
Aus der Halbwertsbreite ωder Rockingkurve l¨
asst sich nach dem Modell von Gay et
al. die maximale Dislokationsdichte DD in den ZnSe-Schichten berechnen [79]:
DD =ω2
9·b2(3.1)
mit dem Burgersvektor b=a0
2. Dabei ist a0der Gitterparameter f¨
ur ZnSe (0,56676nm).
Dieses Modell basiert auf der Annahme, das die Mosaikkristallite durch Stufen- oder
Schraubendislokationen getrennt sind und die Anzahl der unterschiedlichen Kristallitori-
entierungen gaussf¨
ormig entlang einer Vorzugsrichtung verteilt ist. Der Burgersvektor b
3.4 ZnSe-Defektlumineszenz 41
ist nach Betrag und Richtung der Vektor, um den sich die Kristallbereiche gegeneinander
verschieben, wenn eine Versetzung gebildet wird.
3.4 ZnSe-Defektlumineszenz
Aufschluss ¨
uber Verunreinigungen in der ZnSe-Kristallmatrix lassen sich insbesondere
durch Photolumineszenz (PL)-Messungen gewinnen. Das Vorhandensein von intrinsi-
schen Defekten und Fremdstoffen/Verunreinigungen ¨
außert sich durch das Auftreten si-
gnifikanter Linien in den PL-Spektren. Eine umfangreiche Zusammenstellung bekannter
PL-Ergebnisse bietet der ¨
Ubersichtsartikel von Gutowski et al. [80].
Bei einer Energie von 2,8eV tritt Lumineszenz von freien und auch gebundenen Exzito-
ne auf. Dazu z¨
ahlen die Rekombinationslinien von neutralen Donator-Exziton Komplexen
(D0, X), auch I2-Linie genannt, die Linien von neutralen Akzeptor-Exziton Komplexen
(A0, X) bzw. I1-Linie und die Donator-Akzeptor Paar-¨
Uberg¨
ange (DAP). Die Lumi-
neszenz gebundener Exzitonen oder die DAP-¨
Uberg¨
ange stehen in Zusammenhang mit
flachen St¨
orstellen und sind charakteristisch f¨
ur bestimmte Dotierelemente.
Im Spektrum tritt unterhalb 2,6eV weitere Lumineszenz von tiefen St¨
orstellen (engl.
deep level emission, DLE) aufgrund nicht optimaler Wachstums- oder Dotierbedingun-
gen auf. Sie werden generell klassifiziert als:
Y-Linie: Die Lumineszenz bei 2,6eV wird mit ausgedehnten Defekten und Versetzungen
in Zusammenhang gebracht.
S-Bande: Diese aus einem ¨
Ubergang zwischen einem flachen Donator und tiefen Akzeptor
entstehende Lumineszenz liegt bei 2,5eV und wird von Phononenrepliken begleitet.
Gr¨
une Breitbandemission: Diese bei 2,3 bis 2,4eV liegende, auch ,,Cu-gr¨
un“-Emission
genannte Lumineszenz, wird oft mit Kristallverunreinigungen durch Kupfer w¨
ahrend
des Wachstums in Verbindung gebracht. Das Kupfer stammt aus der MBE-Anlage da
UHV-Dichtungsringe aus diesem Material verwendet werden bzw. von verunreinigten
42 3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten
GaAs-Substraten die nach dem Bridgman-Verfahren gez¨
uchtet werden. Die Lumineszenz
in diesem Spektralbereich kann allerdings auch einem intrinsischen Defekt, ein an eine
Zn-Leerstelle (VZn) gebundenes Exziton zugeordnet werden (VZn,X-Komplex).
SA: Diese Lumineszenz aus selbstaktivierten Zentren (SA) ist zwischen 1,97 und 2,14eV
zu finden und wird in Verbindung mit VZn-Vakanzen oder einem Komplex aus VZn und
Verunreinigung (z.B. Ga) gebracht.
In Abbildung 3.4 sind die normierten 10K-Photolumineszenzspektren von ZnSe-Buffer-
schichten unterschiedlicher Dicke (1, 2 und 4µm) aufgetragen. Die Anregung erfolgte
mit einem HeCd-Laser bei der Wellenl¨
ange 325nm (3,82eV). Die Proben befanden sich
auf einem Probenhalter in einem He-Badkryostaten mit dem auch temperaturabh¨
angige
Messungen durchgef¨
uhrt werden k¨
onnen. Die Lumineszenzspektren wurden ¨
uber einen
Monochromator (Spex 270M) mit nachgeschaltetem Photomultiplier wellenl¨
angenselek-
tiv detektiert.
Die Proben zeigen zwischen 2,6eV und 2,8eV exzitonische und DAP-Lumineszenz.
Die einzelnen Linien sowie die Lumineszenz aus Y-Defekten sind in der logarithmischen
Darstellung nicht aufl¨
osbar. Die Lumineszenz aus S- und SA-Zentren, sowie die Cu-
gr¨
un Bande gehen ebenfalls ineinander ¨
uber. Die Lumineszenzintensit¨
at aus den intrin-
sischen Defekten nimmt mit steigender Schichtdicke ab. Die 4µm dicke Probe zeigt die
schw¨
achste Lumineszenz (das Maximum bei 2.2eV entspricht ca. 80counts/s). Die Mo-
dulation in den Spektren l¨
asst sich auf Interferenz des in der Struktur erzeugten Lichtes
an den Grenzfl¨
achen Luft-ZnSe und ZnSe-GaAs zur¨
uckf¨
uhren. Die (kleinen) Pfeile in
Abbildung 3.3 geben die erwartete Positionen konstruktiver Interferenz an, und zwar f¨
ur
die Schichtdicken von 1µm (schwarz) und 2µm (rot). Die PL-Maxima stimmen mit den
Maxima der Schichtdickenoszillationen gut ¨
uberein. Bei der 4µm dicken Schicht liegen die
Interferenzmaxima so dicht zusammen, das sie im PL-Spektrum kaum noch aufzul¨
osen
sind. Werden also 4µm dicke ZnSe-Bufferschichten bei den Experimenten mit relaxier-
ten Strukturen verwendet, so l¨
asst sich die Lumineszenz aus intrinsischen Defekten um
mehr als eine Gr¨
oßenordnung reduzieren und zudem ist die Modulation des PL-Signals
aufgrund von Interferenz an den Grenzfl¨
achen minimiert.
3.4 ZnSe-Defektlumineszenz 43
Decrease of defects in the buffer layer
1,8 2,0 2,2 2,4 2,6 2,8 3,0
1E-5
1E-4
1E-3
0,01
0,1
1
10
1 µm ZnSe
2 µm ZnSe
4 µm ZnSe
Intensität (norm. Einh.)
Energie (eV)
10 K
400 500 600 700
1E-5
1E-4
1E-3
0.01
0.1
1 1 µm, ZnSe-1457
2 µm, ZnSe-1515a1
4 µm, ZnSe-1526
normalized intensity (a.u.)
Wavelength (nm)
10 K
PLbuffer
SA, Cu-grün DAP, X
Y
S-Zentren
10K
Abbildung 3.4: Photolumineszenzspektren von relaxierten ZnSe-Bufferschichten ver-
schiedener Dicke. Die Zuordnung der Lumineszenzzentren ist angegeben
(Beschreibung siehe Text). Die Spektren sind teilweise moduliert (Fabri
P´erot-Oszillationen). Die kleinen Pfeile geben die Positionen konstrukti-
ver Interferenz an, und zwar f¨
ur die erwarteten Schichtdicken von 1µm
(schwarz) und 2µm (rot).
Im Schritt II der Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstruktu-
ren folgt die Deposition der CdSe(ZnS)-Nanokristalle mittels geeigneter Methoden. Die
ZnSe-Bufferschichten werden zuvor auf bestimmte Gr¨
oßen gespalten, um mit einer ZnSe-
Bufferschicht mehrere Benetzungsexperimente durchf¨
uhren zu k¨
onnen. Die Benetzung
mit Nanokristallen wird im n¨
achsten Kapitel genauer untersucht, um eine Aussage ¨
uber
die Nanokristalldichte und -Verteilung auf der Oberfl¨
ache treffen zu k¨
onnen.
44 3 Wachstum der ZnSe-Bufferschichten
4 Deposition von Nanokristallen auf
Substratoberfl¨
achen
In diesem Kapitel wird der Schritt II der Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen
NK-Strukturen, die Benetzung von ZnSe-Bufferschichten mit Nanokristallen diskutiert.
Ziel ist eine m¨
oglichst homogene Benetzung von ZnSe-Oberfl¨
achen mit Nanokristallen.
Die Bedeckungsdichte soll zum einen kleiner sein als die mittels SK-Wachstum erreich-
ten QD-Dichten (<109cm2[12, 14]). Das erm¨
oglicht Einzelquantenpunktspektrosko-
pie ohne Nanostrukturierung der Proben. Im Gegensatz dazu wird f¨
ur bestimmte NK-
Anwendungen (z.B. in LEDs, LDs) eine hohe NK-Dichte angestrebt (>1011cm2), um
eine hohe optische Effizienz zu erhalten. Die NK-Benetzung wird unter Reinraumbedin-
gungen an der Luft mittels der einfachen Tropfenmethode und dem in der Halbleiterin-
dustrie standardm¨
aßig angewendeten Drehschleuderverfahren (engl. spin coating) vorge-
nommen (siehe Abbildung 4.1). Die Nanokristalle werden mittels Standardphotolumines-
zenz, µ-PL Messungen und Elektronenmikroskopie auf den Oberfl¨
achen nachgewiesen.
Die verwendeten ZnSe-Substrate und Nanokristalle, die verschiedenen Benetzungsverfah-
ren und der µ-PL Messplatz (zum Nachweis der Nanokristalle) werden zu Beginn dieses
Kapitels vorgestellt. Danach wird die Nanokristallhaftung und die Nanokristallverteilung
auf den Oberfl¨
achen von relaxiertem und verspanntem ZnSe diskutiert.
46 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
GaAs
GaAsQuarzglas
(001)
(-110)
Benetzungsexperi-
mente alternativ auf
ZnSe
(001)
relaxiert
GaAs
(001)
(-110)
ZnSe
verspannt
substrate
ZnSe
ZnSe
Epitaktisches Über-
wachsen der NK
mit ZnSe
Deposition der
NK-Dispersion und
Verdampfen des
Lösungsmittels
GaAs
GaAs
Wachstum der
ZnSe-Bufferschicht
ZnSe
GaAs
I. II. III.
UHVUHV CdSe(ZnS) Nano-
kristalle in Pyridin ZnSe
GaAs
Tropfen-
methode
Spin-
coating
Abbildung 4.1: Die Benetzung im Schritt II der Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachse-
nen NK-Strukturen erfolgt entweder mittels Tropfenmethode oder Spin-
coating.
4.1 Die verwendeten Substrate und Nanokristalle
Die f¨
ur die Benetzungsexperimente verwendeten ZnSe-Bufferschichten sind ausf¨
uhrlich in
Kapitel 3 beschrieben. Es handelt sich dabei um verspanntes ZnSe mit den Oberfl¨
achen
(001) sowie (-110) (Schichtdicke db=45nm) und relaxiertes ZnSe (001) mit Dicken von
db=1000nm bis 4000nm. Die Bufferschichten besitzen, wenn nicht anders angegeben, eine
mit Selenatomen abgeschlossene Oberfl¨
ache.
Bei den verwendeten Nanokristallen handelt es sich um in Pyridin gel¨
oste Nanodots
und Nanorods. Die L¨
osungen wurden nach dem in Kapitel 2.4.3 vorgestelltem ,,Ausf¨
all-/
Aufl¨
oseverfahren“ pr¨
apariert und die absolute Konzentration der Nanokristalle in der
Dispersion mittels Absorptionsmessungen bestimmt. Die Bezeichnung der verwendeten
Nanokristalle im Text erfolgt durch die Angabe des Nanokristall-Typs und ihrer Fluores-
zenzwellenl¨
ange bei Raumtemperatur (in nm). Mit ND535 werden Nanodots mit einer
Fluoreszenzwellenl¨
ange von 535nm bezeichnet, bei NR595 handelt es sich um Nanorods,
die bei 595nm fluoreszieren. Es werden ausschließlich CdSe(ZnS) Kern(Mantel)-Partikel
4.2 Benetzungssmethoden von Oberfl¨
achen mit Nanokristallen 47
verwendet, es sei denn, es ist ausdr¨
ucklich eine andere Sorte erw¨
ahnt. Mittels Transfer-
pipetten wurde die Ausgangsdispersion f¨
ur die Experimente mit Pyridin verd¨
unnt.
4.2 Benetzungssmethoden von Oberfl¨
achen mit
Nanokristallen
Im Schritt II der Herstellung von auf Nanokristallen basierenden Quantenpunktstruk-
turen werden die NK mittels Tropfenmethode und Spincoating auf die ZnSe-Oberfl¨
ache
abgeschieden. Beide Verfahren werden in diesem Abschnitt genauer erl¨
autert. Weitere
Benetzungsm¨
oglichkeiten wie die Tauchbeschichtung (engl. dip coating), elektrostatische
Deposition und die Filamentmethode sind ebenfalls untersucht worden und f¨
uhrten aber
auf den verwendeten ZnSe-Bufferschichten zu vergleichbaren NK-Verteilungen.
4.2.1 Nanokristalldeposition mittels Tropfenmethode
Die Tropfenmethode ist das einfachste Verfahren zur Benetzung von Oberfl¨
achen mit
NK um Erfahrungen ¨
uber Benetzungseigenschaften der Probenoberfl¨
ache mit der NK-
Dispersion (hydrophil, hydrophob) und die Dauer der Verdampfung einer bestimmten Di-
spersionsmenge sammeln zu k¨
onnen. Der Vorteil dieser Methode liegt in deren einfacher
Durchf¨
uhrbarkeit. Weiterhin ist die auf der Probe verdampfende Menge der NK-L¨
osung
bekannt, woraus auf die Anzahl der abgeschiedenen NK geschlossen werden kann. Zur
Benetzung wird mittels einer µL-Spritze eine bestimmte Menge Nanokristall-Dispersion
auf die ZnSe-Substrate mit einer Fl¨
ache von etwa 5 ×10mm2gegeben.
Wird ein Tropfen der Nanokristall-Dispersion (5µL) auf ZnSe (001) sowie (-110)
gegeben, verl¨
auft er auf der Oberfl¨
achen bis zu den R¨
andern der Probe. Der Benetzungs-
winkel der Dispersion zur Oberfl¨
ache ist klein, was einer hydrophilen Benetzung sehr
nahe kommt. Die dargestellten Beobachtungen sind bei der Verwendung von Pyridin
mit und ohne Nanokristalle identisch. Die Bestimmung der absoluten Benetzungswinkel
48 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
des Pyridin auf den Substraten ist aufgrund der in Kapitel 2.4.3 beschriebenen Aggres-
sivit¨
at und der gesundheitsch¨
adlichen Wirkung nur bedingt m¨
oglich.
Nach dem Auftropfen der NK-Dispersion verdampft das Pyridin ohne weitere ¨
außere
Einwirkung. Das Verdampfungsverhalten des Tropfen ist in Abbildung 4.2 schematisch
dargestellt.
Trocknen
Dipl arbeit Dirk, Abb. 4.2
Abbildung 4.2: Schematische Darstellung der Verdampfung der NK-L¨
osung. Dabei zeigt
a) den Zustand der Verdampfung kurz nach Aufbringen der NK-
Dispersion. Mit fortschreitender Dauer b) zieht sich die Fl¨
ussigkeit zu-
sammen, bis am Ende R¨
uckst¨
ande aus dem Resttropfen auf der Probe
verbleiben c).
Zu Beginn bedeckt die NK-Dispersion die gesamte Oberfl¨
ache (Abb. 4.2a). W¨
ahrend
der kompletten Verdampfungsphase bildet die Fl¨
ussigkeit einen zusammenh¨
angenden
Tropfen, der sich immer weiter zusammenzieht (Abb. 4.2b). Dieses Zusammenziehen
zeigt, das die Benetzung nicht vollst¨
andig hydrophil ist. Der Einfluss der Oberfl¨
achen-
spannung macht sich deutlich bemerkbar. Dort, wo der letzte Resttropfen verdampft,
bleiben R¨
uckst¨
ande auf der Probenoberfl¨
ache zur¨
uck (Abb. 4.2c). Der gesamte Ablauf
dauert bei 20µL NK-Dispersionsmenge etwa 10 Minuten und ist f¨
ur verspanntes sowie
f¨
ur relaxiertes ZnSe gleich. Die Deposition von Nanokristallen mit diesem Verfahren und
die Bildung der R¨
uckst¨
ande im Resttropfenbereich wird sp¨
ater diskutiert.
4.2.2 Das Spincoating-Verfahren
Spincoating ist in der Halbleiterindustrie das Standardverfahren zur Beschichtung von
Halbleiteroberfl¨
achen mit d¨
unnen organischen Filmen (z.B. Fotolack). Der Unterschied
4.3 Aufbau des µ-PL Messplatzes zum Nachweis der Nanokristalle 49
des Spincoating-Verfahrens zu der zuvor diskutierten Tropfenmethode besteht darin,
dass die Pyridin-Verdampfung unter Rotation des Substrates abl¨
auft. Bei der Rotati-
on bildet die Nanokristall-Dispersion einen d¨
unnen Film auf der Oberfl¨
ache, woraus das
L¨
osungsmittel innehalb weniger Sekunden verdampft und die Nanokristalle auf der Ober-
fl¨
ache zur¨
uckbleiben. Der Vorteil bei diesem Verfahren gegen¨
uber der Tropfenmethode
besteht in der homogenen Ausbreitung der Dispersion auf der Oberfl¨
ache. Der Nachteil
besteht in der Tatsache, dass ein großer unbekannter Teil der Dispersion von der Probe
abgeschleudert wird und die netto verbleibende Anzahl der Nanokristalle in dem Film
nicht bekannt ist. Es sei erw¨
ahnt, dass die Benetzung der Oberfl¨
achen mit ausreichend
Nanokristall-Dispersion bei Stillstand des Spincoaters erfolgt, um auch eine komplette
Bedeckung der verspannten ZnSe-Schichten zu gew¨
ahrleisten.
Bevor die mit den erl¨
auterten Verfahren erreichte Nanokristallverteilungen auf den
Oberfl¨
achen diskutiert werden, wird im n¨
achsten Abschnitt der Aufbau des µ-Photolumi-
neszenz (µ-PL) Messplatzes vorgestellt, mit dem die Nanokristalle auf ZnSe nachgewiesen
werden k¨
onnen.
4.3 Aufbau des µ-PL Messplatzes zum Nachweis der
Nanokristalle
Eine Nachweismethode der NK auf Oberfl¨
achen ist die µ-Photolumineszenz, wobei die
NK anhand ihrer in Kapitel 2.4 vorgestellten optischen Eigenschaften identifiziert werden
k¨
onnen. Ein Unterschied zwischen der µ-PL und der Standard-PL liegt in der Gr¨
oße des
Anregungsspots. Er nimmt bei der µ-PL eine Fl¨
ache von wenigen µm2ein. Darin liegt
der Vorzug zur Standard-PL (Anregungsfl¨
ache einige 100 µm2), da die Lumineszenz von
einzelnen Objekten (NK) aufgel¨
ost werden kann. Abbildung 4.3 zeigt den Aufbau der
µ-PL Apparatur in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Woggon an der Universit¨
at
Dortmund. Ein Halbleiterlaser (Leistung = 25 mW, 409nm) strahlt durch ein Objektiv
mit einer numerischen Apertur (NA) von 0,95 in konfokaler Anregung auf die Probe. Das
50 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
Optical setup:
muPLsetup
Summary deposition S. 1
0.85 m
Monochromator
CCD
CCD-Kamera
GaInN Laser
Filter
λ/2
Pol.
f=1000
63x
0.95 NA
f=163
f=160
f=300
f=75
BS
f=200
f=1000 (cyl.)
f=150
409 nm 25 mW,
< 3 kW/cm²
auf der Probe
2
Probe
Abschwächer
Abbildung 4.3: Versuchsaufbau zur Messung der µ-PL. Die NK auf der Probe werden
konfokal angeregt und die Lumineszenz mittels einer CCD-Kamera, bzw.
Monochromator mit Detektor aufgenommen.
Lumineszenzlicht der Nanokristalle wird vom Objektiv gesammelt und ¨
uber Strahlteiler,
Spiegel, Linsen und Filter auf eine CCD-Kamera bzw. einen Monochromator mit Detek-
tor gelenkt. Bei konfokaler Anregung der Probe ist dem Lumineszenzsignal reflektiertes
Laserlicht ¨
uberlagert, das mit einem Polaristor ausgeblendet werden muss. Obwohl das
in Kapitel 2.4.6 beschriebene Blinken zur technologischen Anwendung von einzelnen Na-
nokristallen unterdr¨
uckt werden soll, wird es in diesem Kapitel zur Identifizierung von
individuellen Nanokristallen auf den Oberfl¨
achen genutzt. Ein Beispiel f¨
ur das Blinken
ist in Abbildung 4.4 gegeben. Gezeigt sind CCD-Bilder der µ-PL von drei Nanokristal-
len auf einer Oberfl¨
ache in konfokaler Anregung zu verschiedenen Zeitpunkten. In Abb.
4.4a sind alle Nanokristalle im An-Zustand, w¨
ahrend f¨
unf Sekunden sp¨
ater in Abb. 4.4b
ein Nanokristall in den Aus-Zustand gewechselt ist. Die anderen Nanokristalle zeigen
4.4 Nanokristalle auf relaxierten ZnSe-Bufferschichten 51
3 µm
30µm30µm
a) b) c)
3µm
bright dark
strained ZnSe relaxed ZnSe relaxed ZnSe
t0t=t0+5s
a) b)
relaxed ZnSe
a) 3µm NC densty ~1NC/µm²
3 µm
a) b)
3µm
„An“
t0t=t0+5s
„Aus“
Abbildung 4.4: CCD-Bild der µ-PL von Nanokristallen auf einer Oberfl¨
ache in konfokaler
Anregung. Ein Nanokristall wechselt vom a)An- in den b) Aus-Zustand.
ebenfalls das charakteristische Blinken bei Zeiten >5s.
4.4 Nanokristalle auf relaxierten ZnSe-Bufferschichten
Im folgenden wird die Benetzung von relaxiertem ZnSe erl¨
autert, wobei zuerst auf die
Tropfenmethode und anschließend auf die NK-Abscheidung mittels Spincoating einge-
gangen wird.
Bei der Tropfenmethode wird mit einer µL-Spritze die NK-Dispersion
(ND535) auf die Oberfl¨
ache einer 1µm dicken ZnSe-Bufferschicht auf-
getropft. Die NK-Konzentration betr¨
agt c= 1010µL1. Dabei wird ei-
ne Menge von 10µL/25mm2(0,4µL/mm2) verwendet. Nach dem Ver-
dampfen des Pyridin werden die Proben mittels µ-PL untersucht. In
Abbildung 4.5 sind CCD-Aufnahmen der µ-PL von den Nanokristallen
auf der Oberfl¨
ache von relaxiertem ZnSe an vier verschiedenen Proben-
stellen innerhalb und außerhalb des in Abschnitt 4.2.1 beschriebenen
Resttropfenbereiches zu sehen.
Die Positionen 1 und 2 befinden sich innerhalb des Resttropfenbereiches. Dort sind
auf der Probenoberfl¨
ache nur NK-Agglomerate zu finden. Aufgrund der unterschied-
lich starken Lumineszenzintensit¨
aten l¨
asst sich auf verschiedene NK-Agglomeratdichten
52 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
Weiter drop exp auf ZnSe u. Quarz
1655cdrop1e16
0824_1617_9s
Corel H20 K50 I50
1655cdrop1e16
0824_1620_28s
Corel H20 K50 I50
1655cdrop1e16
0824_1615_1m02
Corel H20 K50 I50
1655cdrop1e16
0824_1615_04s
Corel H20 K50 I50
Pos. 1
Pos. 2
Pos. 3
Pos. 4
10µm
NK-Agglomerate
Individuelle NK
depNKdroprel
Restropfenbereich
Abbildung 4.5: CCD-Bilder der µ-PL von Nanokristallen auf relaxiertem ZnSe an vier
verschiedenen Probenstellen, aufgetragen mittels Tropfenmethode (c=
1010µL1). An der Position 1 und 2 befinden NK-Agglomerate unter-
schiedlicher Dichte (an den verschiedenen PL-Intensit¨
aten zu erkennen).
An den Positionen 3 und 4 ist die Lumineszenz von individuellen (blin-
kenden) Nanokristallen mit einer Dichte von 8 bzw. 3NK/50µm2(1,6·107
bzw. 6·106µm2) zu erkennen (gelbe Kreise).
4.4 Nanokristalle auf relaxierten ZnSe-Bufferschichten 53
in beiden Abbildungen schließen. Die genaue Anzahl der NK in den Agglomeraten ist
allerdings anhand von CCD-Bildern nicht bestimmbar. Die Positionen 3 und 4 zeigen
Lumineszenz von individuellen (blinkenden) Nanokristallen, deren Dichte betr¨
agt 8 bzw.
3 NK pro 50µm2(1,6·107cm2bzw. 6·106cm2). Damit ist jetzt schon gezeigt, dass mit
der Kombination von kolloidaler Nanokristallsynthese und MBE Quantenpunktdichten
erreicht werden k¨
onnen, die mehr als 2 Gr¨
oßenordnungen geringer sind als die Dichten
bei dem SK-Wachstum (109cm2).
Bei dem vorherigen Experiment wurde eine NK-Konzentration von c= 1010µL1
verwendet. In Abbildung 4.6 sind im Vergleich dazu typische CCD-Bilder der µ-PL von
NK außerhalb des Resttropfenbereiches bei Verwendung von Dispersionen mit niedrigerer
und h¨
oherer Ausgangskonzentrationen (c= 109µL1und c= 1011µL1) zu sehen.
Weiter drop exp auf ZnSe u. Quarz
10µm
1655edrop1e17
0824_1633_37s
Corel H20 K50 I50
1655edrop1e17
0824_1640_16s
Corel H20 K50 I50
NK-Agglomerate
NK-Konz. 1011µL-1
Pos. 1
Individuelle NK
depNKdroprel1e11
1655adrop1e15
0824_1603_53s
Corel H20 K50 I50
NK-Konz. 109µL-1
Individuelle NK
10µm
10µm
a) b)
Abbildung 4.6: CCD-Bilder der µ-PL von NK auf relaxiertem ZnSe außerhalb des Rest-
tropfenbereiches aufgebracht mittels Tropfenmethode. Bei Verwendung
von NK-Dispersionen mit c= 109µL1ist die PL von individuellen (blin-
kenden) NK zu sehen (a). Bei NK-Dispersionen mit c= 1011µL1sind
haupts¨
achlich nur NK-Agglomerate zu finden (b).
Abbildung 4.6a zeigt die Lumineszenz von individuellen Nanokristallen. Diese sind
auf der gesamten Probe außerhalb des Resttropfenbereiches zu finden. Zus¨
atzlich sind
auch Agglomerate mit einer Dichte << 6·106µm2vorhanden (in Abb. 4.6a nicht zu
sehen). Abbildung 4.6b zeigt dagegen bei der Verwendung einer 100mal konzentrierteren
NK-Dispersion von c= 1011µL1eine hohe Ansammlung von Agglomeraten auf der
Probe, auch außerhalb des Resttropfenbereiches. Blinkende Nanokristalle sind nur selten
zu finden. Mit der Tropfenmethode lassen sich also individuelle NK auf relaxiertem
54 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
ZnSe abscheiden, wenn die Nanokristallkonzentration in Pyridin <1011µL1ist. Die
Nanokristalldichte auf der ZnSe-Oberfl¨
ache ist allerdings inhomogen.
Als n¨
achstes wird die NK-Deposition mittels Spincoating auf relaxiertem ZnSe dis-
kutiert. Dabei bildet die Dispersion einen d¨
unnen Film auf der Oberfl¨
ache, woraus das
L¨
osungsmittel dann verdampft. Die Filmschichtdicke beim Spincoa-
ting h¨
angt von der Viskosit¨
at, von der Oberfl¨
achenspannug und von
den Spincoating-Parametern (Umdrehungsgeschwindigkeit, Beschleu-
nigung und Spin-Zeit) ab. Aus der Dicke des Dispersionsfilmes l¨
asst
sich die im Film vorhandene Menge der Nanokristalle berechnen. Das
Modell nach Chung et al. [81] zur Berechnung der Filmdicke l¨
asst
sich hier nicht verwenden, da die Dispersion im Gegensatz zu Fotolack
einen extrem großen Dampfdruck hat und schon in den ersten Sekunden des Spincoating
restlos verdampft.
Zu Beginn der Spincoatingexperimente wurden auf 1µm dicken ZnSe-Bufferschichten
NK-Dispersionen mit verschiedenen Ausgangskonzentrationen von c= 109,1010 und
1011µL1bei 2000Umdrehungen/min aufgeschleudert. Abbildung 4.7 zeigt CCD-Abbil-
dungen der µ-PL von NK an zwei verschiedenen Probenpositionen nach deren Auftra-
gung aus der Dispersion mit c= 1010NK/µL.
Auf dieser Probe lassen sich mittels µ-PL individuelle Nanokristalle anhand deren
charakteristischen Blinken finden (Abb. 4.7a). Zus¨
atzlich ist an einigen Probenstellen
auch Lumineszenz von nicht blinkenden Objekten zu sehen, welche als NK-Agglomerate
identifiziert werden. Aufgrund der doppelten Lumineszenzintensit¨
at des Agglomerates in
Abb. 4.7b gegen¨
uber dem daneben liegenden einzelnen NK, besteht dieses Agglomerat
nur aus zwei Nanokristallen. Anhand solcher CCD-Bilder wurde die Dichte der blin-
kenden Nanokristalle auf einer Fl¨
ache von 50µm2abgez¨
ahlt und die Nanokristalldichte
auf den verschiedenen ZnSe Proben berechnet. In Diagramm 4.8 ist die durchschnitt-
liche Dichte der individuellen Nanokristalle auf relaxiertem ZnSe in Abh¨
angigkeit der
verwendeten NK-Konzentrationen mit ihrem statistischen Fehler dargestellt.
4.4 Nanokristalle auf relaxierten ZnSe-Bufferschichten 55
1655edrop1e17
0824_1640_16s
Corel H20 K50 I50
NK-Agglomerate
NK-Konz. 1011µL-1
depNKspinprel1e10
1655dspin1e16
0824_1303_15s
Corel H20 K50 I50
10µm
1655dspin1e16
0824_1335_47s
Corel H20 K50 I50
Pos. 1
Individuelle NK
10µm NK-Agglomerat, I=30
c=1010µL-1 Pos. 2 NK, I=25
1091010 1011
0,5
1,0
1,5
2,0
NK-Dichte (107cm-2)
NK-Konzentration der Dispersionen, cL-1)
depNKspinkonz
Abbildung 4.7: CCD-Bilder der µ-PL von NK auf relaxiertem ZnSe aufgebracht mittels
Spincoating (NK-Konz. c= 1010µL1.). An Probenstelle 1 lassen sich
individuelle NK identifizieren. Probenstelle 2 zeigt neben individuellen
Nanokristallen auch ein NK-Agglomerat. Die integralen Intensit¨
aten auf
den Fl¨
achen sind in bel. Einh. angegeben. Die Hintegrundintensit¨
at be-
tr¨
agt 20, d.h. die Lumineszenz des Agglomerates ist im Vergleich zum
individiuellen (blinkenden) Nanokristall doppelt so groß.
Die NK-Dichte auf den Oberfl¨
achen der relaxierten ZnSe-Proben ist innerhalb der
ermittelten Fehlergrenzen unabh¨
angig von der NK-Ausgangskonzentration. Beim Spin-
coating ist sie außerdem mit 107Nanokristallen pro cm2um zwei Gr¨
oßenordnungen
geringer als die mittels SK-Wachstum erreichten Quantenpunktdichten.
Die Benetzung von relaxiertem ZnSe mittels Tropfenmethode und Spincoating ist
prinzipiell m¨
oglich. Die Verwendung der Tropfenmethode f¨
uhrt jedoch zu einer inho-
mogenen NK-Verteilung entlang der ZnSe-Oberfl¨
ache und die Ausbildung eines Rest-
tropfenbereichs mit unter Umst¨
anden sehr hohen NK-Konzentrationen. Außerhalb des
Resttropfenbereiches lassen sich individuelle NK finden, deren Dichte im Gegensatz zur
Anzahl der Agglomerate unabh¨
angig von der NK-Ausgangskonzentration ist. Beim Spin-
coating ist die Dichte von NK auf relaxiertem ZnSe ebenfalls unabh¨
angig von der NK-
Ausgangskonzentration. Teilweise auftretende Agglomerate bestehen aus wenigen Nano-
kristallen. Generell lassen sich auf relaxiertem ZnSe Nanokristalldichten von individuellen
Nanokristallen erreichen, die zwei Gr¨
oßenordnungen geringer als die beim SK-Wachstum
erreichten Quantenpunktdichten sind. Das erm¨
oglicht Einzelquantenpunktspektroskopie
ohne dass die Proben durch Aufdampfen von Metallmasken oder ¨
Atzen von Submikro-
meterstrukturen bearbeitet werden m¨
ussen.
56 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
1655edrop1e17
0824_1640_16s
Corel H20 K50 I50
NK-Agglomerate
NK-Konz. 1011µL-1
depNKspinprel1e10
1655dspin1e16
0824_1303_15s
Corel H20 K50 I50
10µm
1655dspin1e16
0824_1335_47s
Corel H20 K50 I50
Pos. 1
Individuelle NK
10µm NK-Agglomerat, I=30
c=1010µL-1 Pos. 2 NK, I=25
1091010 1011
0,5
1,0
1,5
2,0
NK-Dichte (107cm-2)
NK-Konzentration der Dispersionen, cL-1)
depNKspinkonz
Abbildung 4.8: Durchschnittliche Nanokristalldichte auf relaxiertem ZnSe in Abh¨
angig-
keit der NK-Ausgangskonzentrationen ermittelt aus µ-PL Untersuchun-
gen. Die Nanokristalldichte ist innerhalb des statistischen Fehler un-
abh¨
angig von der Rotationsgeschwindigkeit.
4.5 Nanokristalle auf verspannten ZnSe-Bufferschichten
Verspannte ZnSe-Bufferschichten besitzen gegen¨
uber den relaxierten Strukturen eine
h¨
ohere, kristalline Perfektion. Zu Beginn dieses Abschnittes wird deren Benetzung erst
wieder mittels Tropfenmethode diskutiert. Die Gr¨
oße der verwendeten
Substrate betrug ca. 5 ×10mm2, auf die jeweils 20µL NK-Dispersion
verschiedener Konzentrationen aufgetropft wurde. Das ergab wieder ei-
ne Benetzungsmenge von 0,4µL/mm2. Der Tropfen der NK-Dispersion
zieht sich beim Verdampfen zusammen und hinterl¨
asst am Ende der
Verdampfung R¨
uckst¨
ande auf der Oberfl¨
ache von verspanntem ZnSe.
Abbildung 4.9a zeigt eine SEM-Aufnahme dieser R¨
uckst¨
ande nach der
4.5 Nanokristalle auf verspannten ZnSe-Bufferschichten 57
1,8 1,9 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4
0
10000
20000
30000
40000
50000
E=2,102eV (593nm)
FWHM=
158meV
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
RingeREMplusPL
003gaas1 spincoater conc
a) b)
Abbildung 4.9: a) SEM-Aufnahme der R¨
uckst¨
ande im Resttropfenbereich auf einer mit-
tels Tropfenmethode benetzten Oberfl¨
ache. b) Photolumineszenzspek-
trum der R¨
uckst¨
ande (λAnr.=3,81eV, 30W/cm2). Bei der verwendeten
Dispersion handelte es sich um Nanorods in Pyridin mit einer Fluores-
zenzwellenl¨
ange von 590nm.
Probenbenetzumg mit Nanorods (NR590).
Auf der SEM-Aufnahme ist deutlich eine ringf¨
ormige Struktur des Resttropfenbereiches
zu erkennen. Es handelt sich dabei um Ablagerungen aus der NK-Dispersion. Abbil-
dung 4.9b zeigt das PL-Spektrum dieser Ablagerungen. Das Lumineszenzspektrum ist
gaußf¨
ormig und das Intensit¨
atsmaximum mit einer Halbwertsbreite von 158meV liegt
bei 2,102eV (590nm). Diese Werte stimmen mit den Fluoreszenz-Spektren der NRs in
Pyridin ¨
uberein. Somit handelt es sich bei den R¨
uckst¨
anden um Nanokristalle. Die Aus-
bildung des ringf¨
ormigen Restropfenbereichs wurde sowohl f¨
ur Nanorods als auch f¨
ur
Nanodots beobachtet.
Eine µ-PL Untersuchung von NK auf verspanntem ZnSe (001) ist in Abbildung 4.10
gezeigt. Die Benetzung wurde mit einer ND-Konzentration von 4 ·1011µL1(ND535)
durchgef¨
uhrt. Abb. 4.10a zeigt die Lumineszenz der Nanokristalle innerhalb des Res-
tropfenbereichs. Die NK sind zu Agglomeraten zusammengeschlossen und einzelne (blin-
kende) NK sind nicht identifizierbar. Außerhalb des Restropfenbereiches ist keine PL
sichtbar (Abb. 4.10b). Nanokristall-Benetzungsexperimente auf Oberfl¨
achen der Orien-
58 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
1403a_0508 mpg_ 1s_____33s mit NC
1403a_0508 mpg_ 4s_____17s mit NC
10µm
b)
Außerhalb des
Resttropfenbereichs
a)
Innerhalb des
Resttropfenbereichs
10µm
innerhalbausserhalb
Abbildung 4.10: CCD Bilder der µ-PL einer (001)-Oberfl¨
ache von verspanntem ZnSe,
die mit NK-Dispersion c= 4 ·1011µL1mittels Tropfenmethode be-
netzt wurde, a) innerhalb des Resttropfenbereiches und b) außerhalb
am Probenrand.
tierung (-110) f¨
uhren zu denselben Ergebnissen wie auf den oben beschriebenen (001)
Fl¨
achen. Die Orientierung der Oberfl¨
ache hat also keinen Einfluss auf die Anlagerung
der Nanokristalle auf verspanntem ZnSe.
Um die Verteilung der Nanokristalle entlang der Oberfl¨
achen zu analysieren, ist ver-
spanntes ZnSe mit verschiedenen NK-Dispersionen benetzt worden. Die Konzentration
wurde dabei um f¨
unf Gr¨
oßenordnungen variiert (c= 1091013µL1). Um die Proben
miteinander vergleichen zu k¨
onnen, wird jeweils dieselbe Dispersionsmenge verwendet
(ca. 0,4µL/mm2, ND535). Abbildung 4.11 zeigt eine Schematische Darstellung der Er-
gebnisse der Probencharakterisierung mittels µ-PL.
Die Abbildung ist in drei Bereiche unterschiedlicher Konzentrationen unterteilt: a)
c > 1012µL1, b) c= 109bis 1012µL1und c) c < 109µL1. Skizziert ist die quantitative
Nanokristallanordnung und zwar innerhalb und außerhalb des Resttropfenbereiches, wel-
che aus CCD-Aufnahmen abgeleitet wurden. Die CCD-Bilder zeigen Beispiele der µ-PL
von Nanokristallen in den jeweiligen Bereichen.
Die Anzahl der Nanokristalle und deren Verteilung auf der Oberfl¨
ache h¨
angt von der
Nanokristallkonzentration in der Dispersion ab. Bei der Verwendung von Konzentratio-
nen c > 1012µL1sind auf der kompletten Probenoberfl¨
ache Nanokristalle vorhanden.
4.5 Nanokristalle auf verspannten ZnSe-Bufferschichten 59
c 109
109 <c 1012
c > 1012
Innerhalb des
Resttropfenbereich
Außerhalb des
Resttropfenbereich
c: NK Konzentra-
tion in Pyridin (µL-1)
/ / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /
/ / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /
/ / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /
keine NK
keine NK
NK-Agglomerate
NK-Agglomerate
wenige
NK-Agglomerate
NK-Agglomerate
u. Multilagen
10µm
a)
b)
c)
GaAs
ZnSe
verspannt
(001)
(-110)
Restropfen
Abbildung 4.11: Schematische Darstellung der Benetzungsergebnisse von verspanntem
ZnSe mittels Tropfenmethode f¨
ur verschiedene NK-Konzentrationen, a)
c > 1012µL1, b) c= 109bis 1012µL1, c) c < 109µL1. Bei Verwendung
von Konzentrationen c > 1012µL1sind auf der gesamten Oberfl¨
ache
NK-Agglomerate zu finden (a), bei geringeren Konzentrationen sind NK
nur im Resttropfenbereich vorhanden (b und c). Die Nanokristalldichte
im Restropfenbereich h¨
angt von der verwendeten NK Konzentration in
Dispersion ab und reicht von dichtgepackten Multilagen (a) bis hin zu
einzelnen Agglomeraten (b und c). Die Benetzungsmenge betrug jeweils
0,4µL/mm2.
60 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
Diese sind außerhalb des Resttropfenbereiches zu Agglomeraten mit einer Dichte von
etwa einem Aggl. pro µm2zu finden (Abb. 4.11a). Die Agglomeratdichte innerhalb des
Resttropfenbereiches ist so groß, dass die Nanokristalle zu dichtgepackten Multilagen
aufgeschichtet sind (außerordentlich starke PL). Bei Dispersionen mit Konzentrationen
unterhalb von 1012µL1sind außerhalb des Resttropfenbereiches keine NK mehr zu er-
kennen. Im Resttropfenbereich befinden sich separierte Agglomerate (Abb. 4.11b), deren
Dichte mit abfallender Konzentration ebenfalls sinkt. Bei NK-Konzentrationen unter
109µL1sind innerhalb des Restropfenbereichs nur noch wenige Agglomerate vorhanden
(Abb. 4.11c).
Werden verspannte ZnSe-Bufferschichten mit NK-Dispersion benetzt, ist es f¨
ur die
Nanokristalle energetisch g¨
unstiger innerhalb des Pyridin zu verbleiben bzw. außerhalb
des Pyridins aneinander zu binden, anstatt separiert auf der ZnSe-Oberfl¨
ache zu haften.
Wird nun w¨
ahrend des Verdampfens des L¨
osungsmittels das Volumen des Tropfens im-
mer kleiner, steigt folglich die Nanokristalldichte innerhalb des Tropfens kontinuierlich
an. Erst bei Erreichen einer bestimmten Konzentration lagern sich die Nanokristalle in
Agglomeraten zwangsweise auf der ZnSe-Oberfl¨
ache ab. Bei Konzentrationen >1012µL1
und den verwendeten Probengr¨
oßen ist dies von Beginn des Verdampfens an der Fall, so
daß die Oberfl¨
ache komplett mit Agglomeraten bedeckt wird. Bei Dispersionen niedriger
Konzentration wird die NK-Dichte erst zum Ende des Verdampfungsprozesses so groß,
dass sie sich an der Position des letzten Resttropfens erst auf der Oberfl¨
ache anlagern.
Das erkl¨
art auch die ringf¨
ormige Anordnung der NK-Agglomerate, welche die Form des
trocknenden Tropfens auf der Oberfl¨
ache wiederspiegelt. Mittels der Tropfenmethode
lassen sich also nur Nanokristalle in Form von Agglomeraten auf der Oberfl¨
ache von ver-
spanntem ZnSe abscheiden. Deren Dichte entlang der Oberfl¨
ache ist abh¨
angig von der
verwendeten Nanokristall-Konzentration, wobei eine komplette Benetzung der Substrate
mit Agglomeraten nur unter Verwendung von Konzentrationen >1012µL1m¨
oglich ist.
Nachfolgend wird nun die Abscheidung von NK mittels Spincoating auf verspanntem
4.5 Nanokristalle auf verspannten ZnSe-Bufferschichten 61
ZnSe untersucht. Dazu wurde NK-Dispersion mit einer Konzentration
von 4 ·1011µL1bei einer Rotationsgeschwindigkeit von 2000U/min
aufgeschleudert. Bei den Substraten handelt es sich um verspanntes
ZnSe mit einer Se bzw. Zn bedeckten Oberfl¨
ache unterschiedlicher Ori-
entierung, (001) und (-110). Die Proben wurden anschließend mittels
µ-PL charakterisiert. Abbildung 4.12 zeigt CCD-Aufnahmen der PL
von NK auf den verschiedenen Oberfl¨
achen.
Zusammenstellung einiger Spin Bilder auf GaAs und strained ZnSe
m
.
b) c)
d
10µm
a) verspanntes ZnSe (001)
Se-reiche Oberfläche
10µm 10µm
verspanntes ZnSe (001)
Zn-reiche Oberfläche verspanntes ZnSe (-110)
Zn-reiche Oberfläche
spinZnSeabcd
Abbildung 4.12: CCD Bilder der µ-PL von Nanokristall-Agglomeraten auf verschiedenen
Oberfl¨
achen von verspanntem ZnSe (NK-Konzentration 4·1011µL1,
2000rpm). Die Nanokristalle liegen unabh¨
angig von der Oberfl¨
achenbe-
schaffenheit des ZnSe als Agglomerate vor.
Nanokristalle aufgebracht auf selenreichen (001)-ZnSe sowie auch auf zinkreichen (001)-
Oberfl¨
achen lagern sich w¨
ahrend des Spincoating in Agglomeraten an (4.12a und b).
Individuelles Nanokristall-Blinken ist nicht zu erkennen. Die Agglomerateverteilung ist
inhomogen und in der Gr¨
oßenordnung von 0,2 bis 1 Agglomerat pro µm2. Die genaue
Anzahl der Nanokristalle pro Agglomerat ist mittels µ-PL Untersuchung nicht ermittel-
bar.
Die Agglomeratbildung ist genauso wie bei der Tropfenmethode auch auf Oberfl¨
achen
von verspanntem (-110)-ZnSe (Abb. 4.12c) zu beobachten. Die Laser-Anregungsleistung
in Abb. 4.12c ist doppelt so groß, deswegen zeigen die NK st¨
arkere Lumineszenz als in
den Abb. 4.12a und b. Die inhomogene Agglomeratverteilung auf den Substraten kann
auch durch PL-Spektren best¨
atigt werden. In Abbildung 4.13 ist das µ-PL Spektrum an
einer zu Abb. 4.12a vergleichbaren Probe an zwei Probenstellen mit hoher und niedriger
62 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
NK-Konzentration dargestellt.
1.6 1.8 2.0 2.2 2.4 2.6 2.8 3.0
1500
2000
2500
3000
3500
4000
4500
5000
150meV
spatial filtered
Intensity (a.u.)
energy (eV)
2.323eV
ZnSe-1413 spin 1:10
0
High NC density (Clos
e
high power laser illumi
n
blinking. The high den
s
sample.Time elapsed
b
file names 0609_01+0
6
4E16/L, 200
0
1,6 1,8 2,0 2,2 2,4 2,6 2,8 3,0
0
50000
100000
150000 NK-PL
GG 475
Kantenfilter
Unterdrückung
der ZnSe-PL
Bereiche mit
hoher und
niedriger
NK Dichte
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
2,32eV (535) RT
spinGaAsPL
Abbildung 4.13: µ-Photolumineszenz von Nanokristallen auf verspanntem ZnSe an zwei
verschiedenen Probenstellen mit hoher (rot) und niedriger (schwarz)
NK-Agglomeratdichte. Die PL-Intensit¨
aten spiegeln die inhomogene
Agglomeratverteilung nach dem Spincoating entlang der Probenober-
fl¨
ache wieder.
Die Spektren zeigen Lumineszenz unterschiedlicher Intensit¨
at aufgrund der inhomoge-
nen NK-Verteilung auf der Oberfl¨
ache nach dem Spincoating. Die Lumineszenzenergie
von 2,32eV ist vergleichbar mit den Fluoreszenzuntersuchungen der verwendeten Nano-
kristalle (ND535) in L¨
osung. Die auftretende ZnSe-Lumineszenz ist w¨
ahrend der Messun-
gen durch einen Kantenfilter (475nm) aus dem Spektrum herausgefiltert. Die Intensit¨
at
der NK-PL im Bereich hoher NK-Dichte (rot) ist 5 mal st¨
arker als im Bereich niedriger
NK-Dichte (schwarz).
4.6 Diskussion 63
4.6 Diskussion
Nanokristalle, gel¨
ost in Pyridin, sind stabil und aggregieren nicht [21]. Die Unterschie-
de in der NK-Anlagerung auf relaxiertem und verspanntem ZnSe liegt in der F¨
ahig-
keit der NK, sich an die Oberfl¨
ache zu binden. Die freie Oberfl¨
achenenergie von ZnSe
und die Oberfl¨
achenspannung der L¨
osung sind die beiden Parameter, die das Benet-
zungsverhalten von ZnSe mit Pyridin beeinflussen. Die Oberfl¨
achenenergie eines ZnSe-
Volumenkristalles mit selenreicher Oberfl¨
ache betr¨
agt JZnSe =0,54Jm2[82], die Ober-
fl¨
achenspannung von Pyridin nur JP yridin =0,037Jm2[83]. Dieses resultiert in einem
nahezu hydrophilen Benetzungsverhalten der ZnSe-Oberfl¨
ache mit Pyridin was auch in
Kapitel 4.2.1 beschrieben wurde. Die Benetzungsexperimente mit NK-Dispersion wur-
den jeweils f¨
ur relaxiertes und verspanntes ZnSe unter denselben Bedingungen durch-
gef¨
uhrt. Der einzige Parameter, welcher die Aggregierung der NK beeinflussen kann,
ist der Verspannungszustand der ZnSe-Bufferschichten. Die gesamte Energie im System
von verspanntem ZnSe plus NK-Dispersion unterscheidet sich von der Gesamtenergie
des relaxiertem ZnSe plus NK-Dispersion. Die Anlagerung der Nanokristalle auf der
ZnSe-Oberfl¨
ache verl¨
auft generell so, dass das resultierende System den energetisch ge-
ringsten Zustand einnimmt. Dieses geschieht bei relaxierten ZnSe Schichten durch die
Haftung von individuellen Nanokristallen, w¨
ahrend ein Minimim der Gesamtenergie bei
verspanntem ZnSe nur durch eine Anh¨
aufung von Nanokristallen (mehrere Nanokristalle
pro Agglomerat) auf der Oberfl¨
ache erreicht wird. Dies ist in der Abbildung 4.14 sche-
matisch verdeutlicht. Da in der Literatur die energetischen Oberfl¨
acheverh¨
altnisse von
verspannten ZnSe-Strukturen weitgehend unbekannt sind, wird an dieser Stelle nicht
genauer auf einen quantitativen Energievergleich der Strukturen eingegangen.
In diesem Kapitel wurde die Deposition von Nanokristallen auf die ZnSe-Oberfl¨
achen
unter atmosph¨
arischen Bedingungen diskutiert. Der Verspannungszustand der Buffer-
schicht beeinflusst wesentlich die Benetzung mit Nanokristallen. Individuelle NK lassen
sich nur auf relaxiertem ZnSe abscheiden. Mittels Tropfenmethode ist die NK-Verteilung
auf der Probe inhomogen und erreicht Werte von 107cm2am Probenrand, bis hin zu ho-
64 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
EGesamt
~
~
1Anzahl der NK pro Agglomerat
depModell
relaxiertes ZnSe
ZnSe, relaxiert
GaAs
ZnSe, verspannt
GaAs
Abbildung 4.14: Schematische Darstellung der Energieminimierung von ZnSe-
Oberfl¨
achen mit NK. Diese binden separiert an die Oberfl¨
ache von
relaxierten ZnSe-Strukturen. Auf verspanntem ZnSe ist es hingegen
energetisch g¨
unstiger, wenn sich die NK in Form von Agglomeraten
mit einer NK-Anzahl >>1 pro Agglomerat anlagern.
hen NK-Agglomeratdichten in dem sogenannten Restropfenbereich. Unter Verwendung
des Spincoating lassen sich ebenfalls NK-Dichten von 107cm2unabh¨
angig von der ver-
wendeten NK-Ausgangskonzentration erzielen. Mit beiden Benetzungsmethoden ist es
m¨
oglich, bis zu zwei Gr¨
oßenordnungen geringere Dichten als mit dem SK-Verfahren zu
erreichen.
Auf verspanntem ZnSe lagern sich die NK generell in Agglomeraten an. Bei der Auf-
tragung der NK mittels Tropfenmethode ist deren Verteilung auf den Oberfl¨
achen inho-
mogen. Bei Verwendung von Dispersionen mit NK Konzentrationen c < 1012µm1sind
in den Randbereichen der Probe keine NK vorhanden. In der Probenmitte kommt es im
Resttropfenbereich zur Ausbildung von dich gepackten NK-Multilagen. Die Auftragung
der Nanokristalle mittels Spincoating auf verspanntem ZnSe f¨
uhrt zu einer Bedeckung
der kompletten Probenoberfl¨
achen mit Agglomeraten inhomogener Verteilung.
4.6 Diskussion 65
Die Verwendung der Substrate und Depositionsverfahren h¨
angt von der Anwendung
der Strukturen ab. Individuelle NK k¨
onnen in relaxierten Strukturen integriert werden.
Eine homogene Verteilung der NK ist dann nur durch die Wahl der Spincoating Methode
zu erreichen. F¨
ur die Untersuchung der allgemeinen optischen und strukturellen Eigen-
schaften von NK in einer ZnSe-Matrix sind NK-Agglomerate besonders gut geeignet. We-
gen ihrer Gr¨
oße lassen sie sich mittels Elektronenmikroskopie einfacher als individuelle
Nanokristalle in den ZnSe-Strukturen nachweisen. Desweiteren besitzen Halbleiterstruk-
turen mit Agglomeraten aufgrund der hohen NK-Dichte eine hohe optische Effizienz und
PL-Spektren lassen sich bereits bei Raumtemperatur messen. Die Gr¨
oße eines Agglome-
rat mit 102dichtgepackten Nanokristallen nimmt das vergleichbare Volumen eines SK-
QD von 16·16·5nm3ein. Folglich ist wegen der Gr¨
oße auch eine wie beim SK-Wachstum
vergleichbare Einbettung des Agglomerates in eine ZnSe-Nanostruktur m¨
oglich. F¨
ur die
Abscheidung der NK-Agglomerate auf ZnSe bieten sich sowohl Spincoating als auch die
Tropfenmethode an.
Es werden in dieser Arbeit individuelle NK auf relaxiertem sowie Agglomerate auf
verspanntem ZnSe ¨
uberwachsen. Vorher muss deren Stabilit¨
at im UHV bei den zur MBE
n¨
otigen Wachstumstemperaturen von 240C bis 300C untersucht werden. Desweiteren
folgt ein Nachweis, dass die NK-Chemie mit der hochreinen MBE-Technologie kompatibel
ist.
66 4 Deposition von Nanokristallen auf Substratoberfl¨
achen
5 Stabilit¨
at und Tempern der
Nanokristalle im Ultrahochvakuum
Im vorherigen Kapitel wurde die Deposition von Nanokristallen auf ZnSe-Oberfl¨
achen
vorgestellt. Dabei stellte sich heraus, dass sich Nanokristalle nur auf relaxiertem ZnSe
individuell anlagern und auf verspanntem ZnSe Agglomerate bilden. Im letzten Schritt
der Probenherstellung folgt das ¨
Uberwachsen der NK, weshalb die benetzten ZnSe-
Bufferschichten in die MBE zur¨
ucktransferiert werden. Das ZnSe-Wachstum erfolgt in
einem Temperaturbereich von 240C bis 300C. Das bedeutet f¨
ur die Nanokristalle auf
den ZnSe-Proben ein zwingend notwendiges Aufheizen im UHV der MBE. Wie in Ab-
bildung 5.1 gezeigt ist, teilt sich der Schritt III daher in zwei Abschnitte. Die Probe
wird im Teil IIIa auf Wachstumstemperatur gebracht (evtl. noch getempert), bevor im
Teil IIIb die Nanokristalle ¨
uberwachsen werden. In diesem Kapitel wird die Auswirkung
des notwendigen Aufheizens der Probe auf die Nanokristall-Stabilit¨
at untersucht. Dazu
werden im Schritt IIIa die Nanokristalle wahlweise im UHV (ohne ge¨
offnete Quellen),
bzw. in selenreicher Atmosph¨
are innerhalb der MBE-Anlage getempert.
Obwohl NK auf verspanntem ZnSe Agglomerate bilden, haben auch diese Strukturen
ihre Vorteile. Von ihnen lassen sich im Gegensatz zu individuellen Nanokristallen auf re-
laxiertem ZnSe PL-Spektren messen. Anhand derer k¨
onnen die Einfl¨
usse des Aufheizens
der Probe auf die NK-PL diskutiert werden. Doch zuvor werden die Auswirkungen des
Temperns auf individiuelle NK anhand von µ-PL CCD-Aufnahmen erl¨
autert.
68 5 Stabilit¨
at und Tempern der Nanokristalle im Ultrahochvakuum
240 – 350 °C
Wachstumstemperatur
Stability chapter
ZnSe
GaAs
ZnSe
GaAs
Zn + Se
III.a III.b
Aufheizen, bzw. tem-
pern der Probe
CdSe(ZnS) Nano-
kristalle in Pyridin
ZnSe ZnSe
Epitaktisches Über-
wachsen der NK
mit ZnSe
Deposition der
NK-Dispersion und
Verdampfen des Lösungsmittels
GaAs GaAs
Wachstum der
ZnSe-Bufferschicht
ZnSe
GaAs
I. II. III.
UHVUHV
240 – 400 °C
stabskizze
UHV
Abbildung 5.1: Der letzte Schritt zur Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nano-
kristallstrukturen ist zweigeteilt. Die Probe und damit die Nanokristalle
werden im Teil IIIa auf Wachstumstemperatur gebracht bzw. getempert,
bevor im Teil IIIb der ¨
Uberwuchs durchgef¨
uhrt werden kann.
5.1 Tempern von individuellen Nanokristallen auf
relaxiertem ZnSe
Im Folgenden werden individuelle Nanokristalle mittels Spincoating (2000U/min) auf
einer relaxierten, ca. 1µm dicken ZnSe Schicht, deponiert. Es handelt sich um Nanodots
(ND535) mit einer Dichte von etwa 0,15µm2(vgl. Abb. 4.4). Diese Probe wird in die
MBE-Anlage transferiert, wo sie dann bei 300C f¨
ur 10 Minuten im UHV getempert
wird. In der Wachstumskammer kann die Probenoberfl¨
ache zudem mittels RHEED un-
tersucht werden. Die Abbildung 5.2 zeigt ein RHEED-Bild von der mit individuellen
NDs benetzten ZnSe-Oberfl¨
achen im (-110)-Azimut. Die vom Elektronenstrahl erfasste
5.1 Tempern von individuellen Nanokristallen auf relaxiertem ZnSe 69
Fl¨
ache betr¨
agt etwa 5·104µm2. Das Elektronenbeugungsbild unterhalb der Schattenkan-
1452a-znse_03_300deg_-110_
during annealing
1.5E16
1µmZnSe
znse-1452c_02_-110_
300deg_annealing 1457a-02_30
Pure Py
1µmZnSe
0
1.5E17
1µmZnSe
a) Pure Pyridin b) 1.5•1010 NC/µL 0,15NC/µm²
300°C 300°C
ZnSe(001)
relaxiert
GaAs
stabRHEEDind
Abbildung 5.2: RHEED-Bild einer mit NDs benetzten relaxierten ZnSe Schicht
(0,15NK/µm2) bei 300C im UHV, (-110) Azimut.
te ist streifenf¨
ormig ohne zus¨
atzliche Reflexe, die von dreidimensionalen Strukturen auf
der Oberfl¨
ache stammen. Die Nanodotdichte ist hier 0,15µm2. Daher ist das Wechsel-
wirkungsvolumen der NDs mit dem Elektronenstrahls zu gering (F¨
ullfaktor 4 ·107bei
einem Nanodotdurchmesser von D=2,2nm).
Abbildung 5.3 zeigt ein CCD-Abbild der µ-PL von den einzelnen NDs auf relaxiertem
ZnSe - vor und nach dem Tempern im UHV. In beiden F¨
allen ist die PL von individu-
elle NDs zu sehen. Weitere µ-PL Messungen entlang der Probenoberfl¨
ache belegen, dass
die Anzahl der optisch aktiven NDs nach dem Tempern geringer geworden ist (Faktor
2 bis 3). Ein Teil der NDs verbleibt trotzdem auf der Oberfl¨
ache, welche das typische
Blinken aufweisen. Aufgrund ihrer geringen Dichte und des schnell einsetztenden Photo-
bleichens an der Luft nimmt die ND-PL sehr stark ab, sodass sich mit dem µ-PL Aufbau
aus Abb. 4.3) keine PL-Spektren messen lassen. Die ND-Dichte muss dazu erh¨
oht wer-
den. Dieses gelingt z.B. durch die Verwendung von verspannten ZnSe-Strukturen mit
NK-Agglomeraten auf deren Oberfl¨
achen. Im n¨
achsten Abschnitt werden deshalb sol-
che Proben getempert und die Auswirkungen auf die Lumineszenzeigenschaften dieser
Nanokristall-Agglomerate vorgestellt.
70 5 Stabilit¨
at und Tempern der Nanokristalle im Ultrahochvakuum
Anealt, 1m14s
Not annealt, 44s
a) b)
NK auf relaxiertem ZnSe
vor dem Tempern NK auf relaxiertem ZnSe
nach dem Tempern bei 300°C
1,5E10, no1441 stabCCDind
Pos. 3
Individuelle NK
10µm
Abbildung 5.3: CCD-Bild der µ-PL von einzelnen Nanokristallen auf relaxiertem ZnSe
mit einer Dichte von 0,15NK/µm2, a) vor und b) nach dem Tempern bei
300C im UHV.
5.2 Tempern von NK-Agglomeraten auf verspanntem
ZnSe
Die Temperexperimente von Agglomeraten auf verspannten ZnSe-Schichten sind von be-
sonderem Interesse, da deren Lumineszenz aufgrund der hohen NK-Dichte schon bei
Raumtemperatur und mittels Standard-PL Messungen spektral aufgel¨
ost werden kann.
Bevor die optischen Eigenschaften der getemperten NK aufgef¨
uhrt werden, wird zu-
erst die Oberfl¨
achenbeschaffenheit der mit NK-Agglomeraten benetzten Probe mittels
RHEED untersucht.
Die Proben wurden mittels Tropfenmethode mit NK-Dispersion von etwa 1 ·1013µL1
benetzt, um eine komplette Bedeckung der ZnSe-Oberfl¨
ache mit NK-Agglomeraten zu
gew¨
ahrleisten. Bei den Nanokristallen handelt es sich um Nanodots (ND545) die bei
545nm lumineszieren (RT). Ein typisches Beispiel von RHEED-Messungen dieser Probe
im (-110)-Azimut einer mit ND-Agglomeraten bedeckten ZnSe-Oberfl¨
ache ist in Abbil-
dung 5.4 gezeigt. Es handelt sich dabei um ein RHEED-Bild bei Raumtemperatur (a)
und bei 240C (b) jeweils im UHV ohne ge¨
offnete Quellen. Als Referenz ist das RHEED
Bild einer ZnSe-Oberfl¨
ache bei 240C gezeigt, welche nur mit der Tr¨
agerl¨
osung Pyridin
ohne Nanokristalle benetzt wurde (c).
5.2 Tempern von NK-Agglomeraten auf verspanntem ZnSe 71
znse-1252b_02_-110_
240deg_before cap znse-1195b_01
_
240deg_before
1.5E18
50nm ZnSe Pure P
y
50nm
Z
znse-1252b_01_-110_rt_before cap
c)
nach der Benetzung
mit reinem Pyridin
240°C
b) 240°C
a) RT
ZnSe (001)
verspannt
GaAs
ZnSe (001)
verspannt
GaAs
Pyridin,
ohne NK
Pyridin+
NK-Aggl.
stabRHEEDAgg
Abbildung 5.4: RHEED-Bilder im (-110)-Azimut einer mit ND-Agglomeraten bedeckten
ZnSe-Oberfl¨
ache bei a) Raumtemperatur und b) bei 240C im UHV oh-
ne ge¨
offnete Quellen. Bild c) ist von einer nanokristallfreien Oberfl¨
ache,
welche nur mit Pyridin benetzt wurde (240C).
Abbildung 5.4a zeigt schwache Elektronenbeugungsreflexe bei Raumttemperatur, wel-
che bei 240C deutlicher hervortreten (Abb. 5.4b). Die Position der Schattenkante ist
zur Orientierung eingezeichnet. Die ellipsenf¨
ormigen Reflexe sind regelm¨
aßig angeordnet,
was f¨
ur eine ¨
Uberlagerung von einem zwei- mit einem dreidimensionalen Beugungsbild
spricht. Das Referenzbild Abb. 5.4c von einer nanodotfreien und nur mit Pyridin benetz-
ten Oberfl¨
ache zeigt streifenf¨
ormige Reflexe einer zweidimensionalen Oberfl¨
ache. Daher
l¨
asst sich schlussfolgern, dass die dreidimensionalen Reflexe in Abb. 5.4a und b von
den ND-Agglomeraten verursacht werden. Zudem ist die Position der dreidimensionalen
Reflexe unabh¨
angig vom Einfallswinkel des RHEED-Strahls, was den Ursprung dieser
Reflexe noch einmal best¨
atigt.
Im folgenden werden die optischen Eigenschaften von getemperten im Vergleich zu un-
getemperten ND-Agglomeraten auf verspanntem ZnSe vorgestellt. Abbildung 5.5 zeigt
Standardphotolumineszenzspektren bei Raumtemperatur von ND-Agglomeraten auf ei-
ner ZnSe-Oberfl¨
ache, nach dem Tempern bei 300C im UHV f¨
ur 10min (ND525, Schritt
IIIa).
Die Lumineszenz ist nach dem Tempern bei 300C um ca. 10meV blau verschoben und
72 5 Stabilit¨
at und Tempern der Nanokristalle im Ultrahochvakuum
2,0 2,2 2,4 2,6 2,8
0
5000
10000
15000
20000
nicht getempert
getempert, 300°C, 10min
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
175meV
FWHM
165meV
PL 1288a und ag
0,95
1,00
n
ormalzed intensity
2,3mW
528nm detektion
ZnSe-1288a_#58 low conc usonic_ivst8335
0 1000 2000 3000 4000 5000
0,92
0,94
0,96
0,98
1,00
1,02
NK auf ZnSe, nicht getempert
NK auf ZnSe, 300°C, 10min
Intensität (norm. Einh.)
Anregungsdauer (s)
RT
a) b)
stabdegradation
Abbildung 5.5: a) Photolumineszenzspektren von ND-Agglomeraten auf ZnSe direkt
nach dem Aufbringen mittels Spincoating (schwarz) und nach dem
Tempern bei 300C im UHV (rot). b) zeitlicher Verlauf der Lu-
mineszenzintensit¨
at bei kontinuierlicher Laseranregung (EDetektion =
2,35eV, EAnregung = 3,81eV, 30Wcm2.
hat eine um 10meV gr¨
oßere Halbwertsbreite (5.5a). Daraus l¨
asst sich schließen, dass sich
w¨
ahrend des Temperns im UHV Atome aus dem CdSe-Kern und der ZnS-Schale l¨
osen
und damit der effektive Kernradius sinkt, bzw. die ZnS-Passivierung der NDs geschw¨
acht
wird. Messungen an mehreren Probenstellen haben ergeben, dass die mittlere Intensit¨
at
der NDs nach dem Tempern um 20% gesunken ist. Ein Teil der NDs wird optisch inaktiv.
Die Degradation ist nicht gleichm¨
aßig f¨
ur alle NDs, welches aus der Verbreiterung des
PL-Spektrums ersichtlich ist. Abb. 5.5b zeigt den zeitlichen Verlauf der PL-Intensit¨
at
des Peakmaximums bei kontinuierlicher Laserbestrahlung (HeCd Laser, 30Wcm2) bei-
der Proben bei einer Detektionsenergie von 3,35eV (528nm). Die Lumineszenz sinkt bei
beiden Proben in erster N¨
aherung linear mit fortschreitender Laserbestrahlung (getem-
pert und ungetempert). Das Sinken l¨
asst sich auf eine Photooxidation bzw. Photoblei-
chen der NDs zur¨
uckf¨
uhren (vgl. Kapitel 2.4.7). Der Intensit¨
atsabfall der getemperten
NDs verl¨
auft doppelt so schnell, weil aufgrund der Degradation der ZnS-Schale mehr
Sauerstoff durch diese zum Kern vordringt und damit das CdSe schneller oxidiert.
5.2 Tempern von NK-Agglomeraten auf verspanntem ZnSe 73
Da aus den NDs w¨
ahrend des Temperns im UHV Atome herausdampfen, werden nach-
folgend Temper-Experimente in selenreicher Umgebung (ge¨
offnete Selen-Quelle) durch-
gef¨
uhrt, um eine Desorption der Atome aus den NDs zu verhindern. Dazu wird w¨
ahrend
des Ausheizens die Se-Quelle ge¨
offnet, um einen Selengegendruck auf die Nanokristalle
aufzubauen.
Abbildung 5.6 zeigt die normierten PL-Spektren und zus¨
atzlich die zeitaufgel¨
oste PL
(im Peak-Maximum) von NDs, welche einmal mit (blau) und ohne Selengegendruck
(schwarz) bei 240C getempert wurden.
annealing with and without Se decay 1206 Se annealt
1,8 2,0 2,2 2,4 2,6 2,8
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
FWHM
257 meV
ohne Se
Se-Gegendruck
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
164 meV
0 100 200 300 400
1E-3
0,01
0,1
1
unter Se-
Gegendruck
Intensität (norm. Einh.)
Zeit (ns)
15K
ohne Se
a) b)
stabSeannealing
Abbildung 5.6: a) Photolumineszenz Spektren von ND-Agglomeraten auf ZnSe, getem-
pert bei 240C im UHV (schwarz) und unter Selengegendruck. b) zeit-
lich aufgel¨
oste Intensit¨
atsabnahme des Lumineszenz-Maximum (gepulste
Anregung, 120fs, Ti:Sa Laser, 390nm). Die Lumineszenz der in Selen ge-
temperten NDs ist rot verschoben und stark verbreitert. Die strahlende
Lebensdauer der PL ist zudem gr¨
oßer geworden.
Die PL der unter Selengegendruck getemperten NDs ist um 200meV rotverschoben
und stark verbreitert. Eine Vergr¨
oßerung der NDs kann diese Rotverschiebung der Lu-
mineszenz zur Folge haben. Desweiteren k¨
onnen die NDs aufgrund einer Reaktion mit
dem Selen ihre Form ge¨
andert haben, so dass sich die energetischen Grundzustandnive-
74 5 Stabilit¨
at und Tempern der Nanokristalle im Ultrahochvakuum
aus der NDs verschoben haben. Die Verbreiterung der PL l¨
asst sich auf eine inhomo-
gene Form¨
anderung zur¨
uckf¨
uhren. Die zeitliche Abnahme der PL-Intensit¨
at im Peak-
Maximum (Pfeil) der unter Selengegendruck getemperten Nanokristalle betr¨
agt mehrere
hundert Nanosekunden. Damit ist sie zwei Gr¨
oßenordnungen langsamer als der zeitliche
Abfall der PL von im UHV getemperten Proben (5.6b) und vergleichbar mit der strah-
lenden Lebensdauern von St¨
orstellen (engl. traps) in Halbeitermaterialien. Daraus l¨
asst
sich schließen, dass die NDs unter Bildung von Defekten ihre Form ver¨
andern, wenn sie
in Se-Atmosph¨
are getempert werden.
In diesem Kapitel wurde die Stabilit¨
at der Nanokristalle im UHV bei den zur MBE
n¨
otigen Wachstumstemperaturen untersucht. Die NK-Agglomerate auf verspanntem ZnSe
lassen sich in RHEED-Messungen auf dem ZnSe nachweisen. Es kommt zu einer Super-
position von Elektronenbeugungsmustern, die durch zwei- und dreidimensionale Reflexe
der ZnSe-Oberfl¨
ache und den NK verursacht werden. Individuelle NK auf relaxiertem
ZnSe hingegen verursachen durch ihr geringes Wechselwirkungsvolumen mit dem Elek-
tronenstrahl keine ¨
Anderung des zweidimensioneln RHEED-Beugungsbildes der ZnSe-
Oberfl¨
ache.
Mit CCD-Abbilddungen der PL von individuellen NK konnte gesehen werden, dass
ein Tempern der Proben im UHV bei 300C die Anzahl der optisch aktiven NK auf
relaxiertem ZnSe nur um den Faktor 2 bis 3 reduziert hat. Die aktiven NK lassen sich
auch nach dem Aufheizen durch ihr Charakteristisches Blinken identifiziern.
Beim Tempern von NK-Agglomeraten auf verspanntem ZnSe zeigte sich, dass eine
selenreiche Umgebung die NK in den Agglomeraten schon bei 240C degradieren l¨
asst,
da deren PL-Spektren nur noch breite Defektlumineszenz mit langer strahlender Lebens-
dauer aufweisen. Dieses ist beim Tempern der Proben im UHV der MBE bei 300C nicht
der Fall. Danach ist deren NK-PL noch vorhanden, allerdings aufgrund der Desorption
von Atomen aus der NK-Oberfl¨
ache blauverschoben und verbreitert. Der Temperprozess
verst¨
arkt Photodegeneration der NK bei kontinuierlicher Laseranregung.
Die optischen Eigenschaften der NK bleiben also nach deren Aufheizen auf ZnSe-
5.2 Tempern von NK-Agglomeraten auf verspanntem ZnSe 75
Wachstumstemperatur erhalten. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden die NK im
Schritt IIIb mit ZnSe ¨
uberwachsen. Zuvor muss nur noch der Einfluss der verwendeten
Chemikalien auf die Eigenschaften von epitaktisch gewachsenen ZnSe gekl¨
art werden.
76 5 Stabilit¨
at und Tempern der Nanokristalle im Ultrahochvakuum
6 Kombination von
Molekularstrahlepitaxie und
kolloidaler Halbleitersynthese
Halbleiterherstellung mittels MBE erfordert h¨
ochste Reinheit zur Minimierung der Ver-
unreinigungen im wachsenden Halbleiterkristall. Nur ein Wachstum unter UHV-Beding-
ungen, der Einsatz hochreiner Quellenmaterialien (Reinheitsgrad 6N) und die Verwen-
dung von oxidfreien Substraten verhindert die Kristallkontamination mit Fremdatomen.
Der Herstellungsprozess der kolloidalen Nanokristalle hingegen beruht auf der Grundlage
der organischen Chemie (Reinheitsgrad 3N). Die Nanokristalle selber sind mit organi-
schen Verbindungen umgeben und wie im vorherigen Kapitel beschrieben, kommt die
Substratoberfl¨
ache in direkten Kontakt mit der Tr¨
agerl¨
osung Pyridin ohne Reinigung
der Probe im Anschluss. In wieweit sich diese Kontaminierung auf die strukturellen und
optischen Eigenschaften der epitaktischen Strukturen auswirkt, wird in diesem Kapitel
erl¨
autert.
6.1 Minimierung der Verunreinigungen bei der
Molekularstrahlepitaxie
Die Molekularstrahlepitaxie erfolgt im UHV bei einem Restgashintergrundsdruck von
1010mbar.Die verwendeten elementaren oder auch bin¨
aren Quellmaterialien haben ei-
78 6 Kombination von Molekularstrahlepitaxie und kolloidaler Halbleitersynthese
ne Reinheit von 99,9999% (6N). Die Tiegel, aus denen sie verdampft werden, bestehen
aus reinem pyrolytischem Bohrnitrit. Ein Schleusensystem verhindert ein Eindringen
von Umgebungsatmosph¨
are in die MBE-Kammer w¨
ahrend des Probeneinbaus. In vie-
len F¨
allen ist eine nasschemische Behandlung der Substrate zur Entfernung von Oxi-
den auf den Oberfl¨
achen n¨
otig. Die Substrate werden allerdings vor dem Einbau mit
deionisiertem Wasser von den L¨
osungsmitteln gereinigt und in einer Vorkammer unter
UHV-Bedingungen ausgeheizt, bevor sie in die Wachstumskammer transferiert werden.
6.2 Reinheit der kolloidalen Synthese
Die kolloidale Synthese verwendet organische Chemikalien wie z.B. Trioctylphosphinoxid
(TOPO), Trioctylphosphin (TOP), Cadmiumdimethyl (Cd(CH3)2), Diethylzink (ZnEt2,
Triocthylphosphine-Selen oder Hexamethyldisilathin ((TMS)2S) [19, 18]. Nach der Pr¨
apa-
ration sind die NK mit TOPO-Liganden umgeben und k¨
onnen in verschiedenen Tr¨
ager-
l¨
osungen gelagert werden. In unserem Fall werden die NK in einem Auff¨
ull-/Ausf¨
all-
prozess unter der Verwendung von Methanol und Toluol bzw. Pyridin von den TOPO
Liganden befreit. Die Reinheit aller Chemikalien liegt in Bereichen von 90 bis 99,9%
(1N bis 3N) und damit weit unter der Reinheit der MBE-Materialien. Als Tr¨
agerl¨
osung
der NK dient Pyridin. Dieses L¨
osungmittel kommt in direkten Kontakt mit der ZnSe-
Halbleiteroberfl¨
ache und verdampft auf dieser unter Zur¨
ucklassung der NK. Die so mit
Nanokristallen benetzte Probe wird keiner weiteren Reinigung unterzogen und in der
MBE-Wachstumskammer mit weiterem ZnSe ¨
uberwachsen. Ein weiterer Faktor, der die
Reinheit der Proben beeinflusst, ist die Benetzung der Oberfl¨
achen mit Nanokristallen
außerhalb der Kammer in Umgebungsluft. Die Proben sind f¨
ur mehrere Minuten dem
Luftsauerstoff ausgesetzt. Dieses f¨
uhrt zu einer Bildung von SeO2an der Oberfl¨
ache.
Der Kontakt der Halbleiterprobe mit dem L¨
osungsmittel Pyridin und der Luft ist damit
ein kritischer Prozess bei der Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristall-
strukturen. Der Einfluss der Pyridinbenetzung und die damit verbundenen Kontamina-
tionen der ZnSe-Oberfl¨
ache mit organischen R¨
uckst¨
anden und Oxiden in Bezug auf die
6.3 Einfluss des Pyridin auf die optischen Eigenschaften von ZnSe 79
Eigenschaften der ZnSe-Strukturen mit epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen wird
im Folgenden genauer untersucht.
6.3 Einfluss des Pyridin auf die optischen Eigenschaften
von ZnSe
In diesem Kapitel gehen wir zum letzten Schritt IIIb der Herstellung einer auf Na-
nokristallen basierenden Quantenpunktstruktur ¨
uber. Bevor allerdings kolloidale Na-
nokristalle in die epitaktische Schicht eingebaut werden k¨
onnen, muss der Einfluss der
Tr¨
agerl¨
osung Pyridin auf die optischen Eigenschaften von epitaktischen ZnSe-Halbleiter-
kristallen gekl¨
art werden. Daher wird die Nanokristall-Dispersion im Schritt II gegen rei-
nes Pyridin ohne Nanokristalle ausgetauscht. Es wurden zwei Proben ¨
uberwachsen, deren
Buffer mit Pyridin unterschiedlicher Reinheit behandelt wurden. Die Vorgehensweise ist
in Abbildung 6.1 skizziert. Es handelt sich dabei um den allgemeinen Herstellungspro-
zess von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen (vgl. Abb. 2.3). Im Schritt II
wird nur die NK-Dispersion gegen reines Pyridin ausgetauscht.
Auf GaAs (5 ×5mm2) wird pseudomorph verspanntes ZnSe von 45nm Dicke aufge-
wachsen (I). Die Probe wird aus der MBE-Kammer ausgeschleust und mit 10µL Pyridin
mittels Tropfenmethode benetzt (II). Nach dem vollst¨
andigen Verdampfen des Pyridins
wird die Probe wieder in die MBE eingeschleust und mit 20nm ZnSe bei 240C mittels
MEE ¨
uberwachsen (III). Zwei Proben wurden hergestellt. Dabei wurde im Schritt II Pro-
be A mit Pyridin 99,9% (3N) und Probe B mit Pyridin 99,9+% (biotechnology-grade)
der Firma Alfa Aesar benetzt. Abbildung 6.2 zeigt PL-Spektren der Proben nach dem
¨
Uberwachsen.
Die Probe A (99,9%) zeigt ausgepr¨
agte Lumineszenz mit einem Maximum bei etwa
2,3eV und einer Halbwertsbreite von 0,29eV. Sie liegt im Bereich der in Kapitel 3.4
vorgestellten Lumineszenz aus tiefen St¨
orstellen (SA und gr¨
une Breitbandemission). Das
Spektrum der Probe B (Abb. 6.2b) zeigt diese Art von Lumineszenz nicht. Daher liegt es
80 6 Kombination von Molekularstrahlepitaxie und kolloidaler Halbleitersynthese
Kapitel Kombination
ZnSe ZnSe
Epitaktisches Über-
wachsen des behandelten
ZnSe-Buffers
Auftragen und
Verdampfen des Pyridin
GaAs GaAs
Wachstum der
ZnSe-Bufferschicht
ZnSe
GaAs
I. II. III.
KombinationPyridin
Pyridin
UHV
UHV
Abbildung 6.1: Probenherstellung der Referenzstrukturen ohne Nanokristalle. Schritt
I: Wachstum des ZnSe-Buffers (45nm) mittels Molekularstrahlepitaxie
(MBE) auf GaAs, Schritt II: Benetzung der ZnSe-Oberfl¨
ache mit Pyridin
und anschließender Verdampfung des L¨
osungsmittels, Schritt III: Epitak-
tisches ¨
Uberwachsen der behandelten Oberfl¨
ache mit ZnSe (MEE) in der
MBE-Anlage.
nahe, das der Ursprung der Emission von Probe A aus einem Komplex von Vakanzen und
Verunreinigungen mit R¨
uckst¨
anden, die nach dem Verdampfen aus dem Pyridin 99,9%
zur¨
uckgeblieben sind, zu suchen ist. Diese bilden in der ZnSe-Deckschicht intrinsische De-
fekte in der Kristallmatrix, die bei optischer Anregung gr¨
une Lumineszenz verursachen.
Da die gr¨
une PL im Bereich der Fluoreszenz der in dieser Arbeit allgemein verwendeten
Nanokristalle liegt, eignet sich Pyridin dieser Qualit¨
at daher nicht als Tr¨
agerl¨
osung von
Nanokristallen, da es zu einer ¨
Uberlagerung der Nanokristall-PL mit der Defektlumines-
zenz in den Schichten kommen kann. Die Verwendung von Pyridin 99,9+% hinterl¨
asst
nach dem Verdampfen keine R¨
uckstande auf der ZnSe-Oberfl¨
ache, welche intrinsische
Defekte bilden k¨
onnen. Das Spektrum der Probe B zeigt keine Lumineszenz aus solchen
St¨
orstellen. Pyridin 99,9+% bietet sich damit als Tr¨
agerl¨
osung f¨
ur Nanokristalle an. An-
hand dieser Probe ist auch zu sehen, dass die Umgebungsluft ebenfalls keinen Einfluss
auf die Bildung von optisch aktiven Defekte in der ZnSe-Kristallmatrix hat.
6.4 Einfluss des Pyridin auf die strukturellen Eigenschaften von ZnSe 81
1155a
1108
1,8 1,9 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5
0
50
100
150
200
250
300
Intensität (bel.Einh.)
Energie (eV)
1,81,92,02,12,22,32,42,5
0
5000
10000
15000
20000
Intensität (bel.Einh.)
Energie (eV)
290meV
Pyridin 99.9% Pyridin
99.9+% biotechnology grade
15K
ZnSe
45nm
GaAs
22nm
ZnSe
45nm
GaAs
22nm 15K
AB
PLblanksamples
Abbildung 6.2: Einfluss des Pyridin auf die optischen Eigenschaften. Die Proben wur-
den mit Pyridin der Reinheiten a) 99,9% und b) 99,9+% (biotechnology
grade) benetzt, und nach dessen Verdampfen mit ZnSe ¨
uberwachsen. Die
Probe a zeigt ausgepr¨
agte Lumineszenz zwischen 2 und 2,4eV.
6.4 Einfluss des Pyridin auf die strukturellen
Eigenschaften von ZnSe
Die Auswirkungen des L¨
osungsmittels Pyridin 99,9+% (biotechnology grade) und der
Umgebungsluft auf die strukturellen Eigenschaften der ZnSe-Strukturen wird in diesem
Abschnitt betrachtet.
Abbildung 6.3a zeigt das RHEED-Bild der Probenoberfl¨
ache der nach Abb. 6.1 her-
gestellten Probe im (-110)-Azimut am Ende des Probenwachstums. Zum Vergleich ist
in Abb. 6.3b das RHEED-Bild eines im Herstellungsschritt II nur der Luft ausgesetzten
Buffers und in Abb. 6.3c einer direkt in der MBE-Kammer durchgewachsenen Schicht
ohne Schritt II gezeigt. Die Proben sind jeweils bei 240C mittels MEE mit ZnSe ¨
uber-
wachsen worden.
Die RHEED-Bilder zeigen alle ein streifenf¨
ormiges Elektronenbeugungsmuster, was
auf den zweidimensionalen Charakter der Oberfl¨
achen am Ende des ¨
Uberwachsens hin-
weist. Lediglich Bild 6.3a zeigt keinen specular Spot, was auf eine rauhere Oberfl¨
ache
als in den F¨
allen b) und c) zur¨
uckzuf¨
uhren ist. Eine in situ-Kontrolle des ¨
Uberwachsens
82 6 Kombination von Molekularstrahlepitaxie und kolloidaler Halbleitersynthese
Exposed to Py
Exposed to air
Not exposed to any media
S2
S3
S4
GaAs
45nm
ZnSe
GaAs
45nm
ZnSe
GaAs
22nm
22nm
22nm
Pyridin (und Luft)
22nm
Luftkontakt
Ohne
Unterbrechung
45nm
ZnSe
MEE, Tsub=240°C
22nm
22nm
Probe B
a)
b)
c)
RHEEDblanksamples
Abbildung 6.3: RHEED-Bilder im (-110)-Azimut am Ende des MEE- ¨
Uberwuchs der
ZnSe-Bufferschichten mit 22nm ZnSe (240C). Die Bufferschichten wur-
den in a) der Luft und Pyridin ausgesetzt, in b) nur der Luft und in
c) direkt mit ZnSe ¨
uberwachsen (ohne aus der MBE ausgeschleust zu
werden).
von mit Pyridin benetzten bzw. der Luft ausgesetzten Bufferschichten ist m¨
oglich. Das
Deckschichtwachstum verl¨
auft zweidimensional.
Die Schichten wurden ebenfalls mittels HRXRD untersucht, um Aussagen ¨
uber den
Einfluss des Pyridins oder der Luft auf die Versetzungsdichte in der ZnSe-Deckschicht
machen zu k¨
onnen. Abbildung 6.4 zeigt die ω-Scans der Proben.
Die Rockingkurven-Halbwertsbreite des ¨
uberwachsenen, dem Pyridin ausgesetzten Buf-
fers, betr¨
agt 25arcsec (Abb. 6.4a). Das entspricht nach Gl. 3.1 einer Dichte an Schrauben-
und Stufenversetzungen von DD = 1·106cm2. Wird der Buffer nur der Luft ausgesetzt,
so betr¨
agt die Halbwertsbreite der Schicht nur 7,2arcsec (DD = 8,4·104cm2Abb.
6.4b). Das ist vergleichbar mit der direkt ¨
uberwachsenen und nicht aus der MBE aus-
geschleusten Probe, welche eine fwhm von 6,8arcsec aufweist (DD = 7,5·104cm2Abb.
6.4 Einfluss des Pyridin auf die strukturellen Eigenschaften von ZnSe 83
32,90 32,91 32,92 32,93 32,94
6,8arcsec
7,2arcsec
25arcsec
Intensität (bel.Einh.)
Win kel ω (°)
GaAs
45nm
ZnSe
GaAs
45nm
ZnSe
GaAs
22nm (MEE) Pyridin (und Luft)
Luftkontakt
Ohne
Unterbrechung
45nm
ZnSe
a)
22nm (MEE)
22nm (MEE)
b)
c)
Xrayblanksamples
Abbildung 6.4: R¨
ontgen-Rockingkurven der ¨
uberwachsenen Bufferschichten (MEE,
240C), welche verschiedenen Medien ausgestzt wurden: a) Luft und Py-
ridin, b) nur Luft und c) direkt ¨
uberwachsen. Die Halbwertsbreiten der
ω-Scans sind angegeben.
6.4c). Das Aussetzten des Buffers der Umgebungsluft hat also nur einen geringen Ein-
fluss auf die kristalline Qualit¨
at, die Probenbenetzung mit dem L¨
osungsmittel Pyridin
f¨
uhrt jedoch zu einer Erh¨
ohung der Dichte von Stufen- und Schraubenversetzungen in
der ZnSe-Deckschicht.
In diesem Kapitel ist die Kompatibilit¨
at der NK-Chemie mit der hochreinen MBE-
Technologie nachgewiesen worden. Obwohl die ZnSe-Bufferschicht der Luft und Pyri-
din ausgesetzt werden, w¨
achst die ZnSe-Deckschicht zweidimensional. Die strukturelle
Qualit¨
at wird durch den Kontakt des ZnSe-Buffers mit Luft nicht vermindert. Das Py-
ridin verursacht eine Erh¨
ohung der Stufen- und Schraubenversetzungen in der ZnSe-
84 6 Kombination von Molekularstrahlepitaxie und kolloidaler Halbleitersynthese
Deckschicht um eine Gr¨
oßenordnung. Die optischen Eigenschaften des ZnSe bleiben je-
doch bei Verwendung von Pyridin 99,9+% (biotechnology grade) unbeeinflusst! In den
n¨
achsten Kapiteln wird das hier verwendete reine Pyridin im Schritt II wieder gegen
eine NK-Dispersion ausgetauscht. Anschließend werden die Nanokristalle im Schritt III
¨
uberwachsen.
7 Strukturelle Eigenschaften
epitaktisch ¨
uberwachsener
Nanokristalle
In diesem Kapitel wird vorgestellt, wie zum ersten Mal kolloidale Nanokristalle mit epi-
taktischem ZnSe ¨
uberwachsen wurden. Die strukturellen Eigenschaften der individuellen
Nanokristalle in relaxiertem ZnSe werden zu Beginn dieses Kapitels beschrieben, gefolgt
von den Eigenschaften der NK-Agglomerate eingebettet in verspannten ZnSe-Schichten.
NK-Agglomerate sind f¨
ur die Integration in eine ZnSe-Matrix deswegen so interessant,
weil sie aufgrund ihrer r¨
aumlichen Ausdehnung mit elektronenmikroskopischen Unter-
suchungen leicht nachweisbar sind. Zudem ist die Lumineszenzausbeute von den NK-
Agglomeraten gr¨
oßer und sie sind ¨
uber lange Zeitr¨
aume optisch aktiv. Das vereinfacht
die Messung von Photolumineszenzspektren im Gegensatz zu individuellen Nanokristal-
len.
Die Einbettung der Nanokristalle im Schritt III erfolgt immer nach dem in Abbildung
7.1 gezeigten Prinzip. Die Probentemperatur wird im Schritt IIIa erh¨
oht, bevor das
¨
Uberwachsen der Nanokristalle im Schritt IIIb durchgef¨
uhrt werden kann. Die struk-
turellen Eigenschaften dieser epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen werden
durch RHEED, HRXRD und HRTEM ermittelt.
86 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
Structural prop chapter
240 – 350 °C
Wachstumstemperatur
ZnSe
GaAs
ZnSe
GaAs
Zn + Se
III.a III.b
Aufheizen, bzw. tem-
pern der Probe
struceinf
UHV
Abbildung 7.1: Einbetten der Nanokristalle in epitaktischem ZnSe. Dazu wird die Pro-
bentemperatur im Schritt IIIa erh¨
oht, bevor in Schritt IIIb die Nanokri-
stalle ¨
uberwachsen werden k¨
onnen.
7.1 Strukturelle Eigenschaften von NK in relaxierten
ZnSe-Strukturen
Relaxierte ZnSe-Schichten weisen, wie in Kapitel 3.3 gezeigt wurde, eine hohe Dichte
von Stufen- und Schraubenversetzungen von bis zu DD = 2 ·108cm2(1µm ZnSe) auf.
Der Vorteil dieser Bufferschichten liegt allerdings in der M¨
oglichkeit, individuelle Nano-
kristalle auf der Oberfl¨
ache zu deponieren und anschließend zu ¨
uberwachsen. In diesem
Abschnitt werden in situ Messungen w¨
ahrend diesem ZnSe-Deckschichtwachstums und
HRXRD-Messungen der relaxierten Proben mit integrierten Nanokristallen vorgestellt.
Mittels Spincoating (2000rpm, 40s) wird auf die Oberfl¨
ache einer 1µm dicken ZnSe-
Schicht Nanodotdispersion (ND535, 1,5·1010µL1) aufgeschleudert, so dass eine Nan-
odotdichte von 0,15µm2erreicht wird. Das ¨
Uberwachsen erfolgt mittels MBE unter
st¨
ochiometrischen Bedingungen (Flussverh¨
altnis Zn:Se = 1:1) bei einer Wachstumsrate
von 0,27ML/s (Probe S1). Abbildung 7.2 zeigt RHEED-Bilder w¨
ahrend des ¨
Uberwach-
sens der Nanodots mit ZnSe entlang des (-110)-Azimut. Die Dicke der ZnSe-Deckschicht
betr¨
agt am Ende des Wachstums d=19nm.
Das RHEED-Bild nach 1,5nm ZnSe-Schichtdicke zeigt punktf¨
ormige Reflexe, das Wachs-
7.1 Strukturelle Eigenschaften von NK in relaxierten ZnSe-Strukturen 87
ZnSe1452a)
009_1zu300, 1,5E16
spin coater, a=5, 2000rpm, 40s, 20µL.
3min annealing bei 300°C
Überwuchs mit 4min MBE mit kurzen Pausen
Growth rate = 0.271
d) 14nm
c) 9.2nm
a) 0nm
b) 4,6nm c) 19nm
a) 1,5nm
(01) (01)
16 9
ZnSe
relaxiert
GaAs
Zn + Se
1 : 1
R1
III.b
MBE
strucRHEEDgrowth
Abbildung 7.2: RHEED-Bilder der Oberfl¨
ache der relaxierten Struktur R1 nach a)
1,5nm, b) 4,6nm und c) 19nm Deckschichtwachstum mittels MBE auf
Nanodots. Das RHEED-Bild wechselt mit fortschreitenem Wachstum von
einer Punkt- zu einer Streifenstruktur. Die ZnSe-Oberfl¨
ache wird mit stei-
gender ZnSe-Deckschichtdicke zunehmend zweidimensionaler. Der specu-
lar Spot ist zu sehen (Kreis). Die Halbwertsbreiten des (-10)-Streaks sind
in beliebigen Einheiten angegeben.
tum der ZnSe-Deckschicht startet dreidimensional. Diese wechseln bei fortgesetztem
Wachstum nach und nach zu einem Streifenmuster ¨
uber, was auf eine zweidimensio-
nale Oberfl¨
ache schließen l¨
asst. Im Elektronenbeugungsbild von der 4,6nm dicken ZnSe-
Deckschicht 7.2b ist schon der specular Spot (gelber Kreis) zu sehen. Die Halbwertsbreite
des (-10)-Reflexes ist nach 19nm ZnSe-Deckschichtdicke auf etwa die H¨
alfte gesunken. Die
Untersuchung zeigt, dass sich individuelle Nanodots mit epitaktischem ZnSe ¨
uberwach-
sen lassen. Weitere Experimente zeigten, dass weder die Dicke der Bufferschicht, noch
die Art der Wachstumsmode (MBE bzw. MEE)den zweidimensionalen Wachstumspro-
zess der Deckschicht beeinflusst. Nach der in situ Oberfl¨
achencharakterisierung wird
nachfolgend die Kristallqualit¨
at der Schichten mittels HRXRD ermittelt.
Die Struktur R1 ist f¨
ur die R¨
ontgenstrukturanalyse ungeeignet, da das Streuvolumen
der Deckschicht gegen¨
uber der Bufferschicht nur 2% betr¨
agt. Aufgrund der allgemein
hohen Dichte von Mosaikkristallen in der relaxierten Struktur ist es nicht eindeutig
m¨
oglich, zwischen der Buffer- und der Deckschicht zu unterscheiden. Aus diesem Grunde
wurden HRXRD-Untersuchungen an einer weiteren relaxierten Probe (R2) mit epitak-
tisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen vorgenommen. Die Dicke des ZnSe-Buffers betr¨
agt
4µm. Dieser wurde unter denselben Bedingungen wie R1 mit NK benetzt und mit einer
88 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
ZnSe-Schicht von 400nm Dicke ¨
uberwachsen (10% der Bufferschichtdicke). Abbildung
7.3 zeigt die Rockingkurve des (004)-ZnSe Reflexes der Probe R2 im Vergleich mit der
zugrunde liegenden Bufferschicht.
strucrelHRXRDthick
32,85 32,90 32,95 33,00 33,05 33,10
4µm Buffer
NK-Struktur
-0.02 -0.01 0.00 0.01 0.02
4.40
4.42
4.44
4.46
qz-1)
qx-1)
GaAs
ZnSe
226"
8*10-7cm-2
Intesität (norm. Einh.)
Winkel
ω
(°)
174"
5*10-7cm-2
RSM (004), NK-Struktur
ZnSe
4µm
GaAs
400nm
MBE
Zn Se
ZnSe
4µm
GaAs
Buffer
R2
Abbildung 7.3: ZnSe-Rockingkurven der relaxierten Proben R2 im Vergleich mit der zu-
grunde liegenden relaxierten Bufferschicht. Die Halbwertsbreite (in arc-
sec) ist 30% gr¨
oßer als die der zugrunde liegenden Bufferschicht. Zus¨
atz-
lich ist der RSM des (004)-Reflexes der Probe R2 eingetragen. Es ist nur
ein ZnSe-Reflex bei qx=0 zu sehen.
Die Halbwertsbreite der Probe R4 ist im Vergleich mit der zugrunde liegenden Buffer-
schicht um 30% gr¨
oßer. Bei genauerer Betrachtung hat sich die Dichte der Stufen- und
Schraubenversetzungen allerdings nur um den Faktor 1,6 erh¨
oht. Die Kristallqualit¨
at
der Deckschicht hat sich aufgrund des Einflusses von Pyridin und der Anwesenheit der
Nanokristalle nur geringf¨
ugig verschlechtert. Die zus¨
atzlich eingezeichnete Intensit¨
ats-
verteilung des (004)-Reflexes im reziproken Raum (engl. reciprocal space map, RSM)
zeigt einen ZnSe-Reflex unterhalb des GaAs-Reflexes bei der reziproken Gitterkonstan-
te qx=0˚
A. Die roten Punkte geben jeweils die theoretischen Positionen der Reflexe von
GaAs und relaxiertem ZnSe wieder. Da es sich nur um einen ZnSe-Reflex handelt, ist die
ZnSe Deckschicht nicht verkippt und mit derselben Orientierung wie die Bufferschicht
aufgewachsen.
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 89
Nanodots lassen sich in relaxiertem ZnSe einbetten, die ZnSe-Deckschicht w¨
achst dabei
epitaktisch und unverkippt auf. Die kristalline Qualit¨
at der Deckschicht ist allerdings
aufgrund des Einflusses der Nanodots verringert. Im n¨
achsten Abschnitt werden NK-
Agglomerate mit ZnSe ¨
uberwachsen. Dabei werden auch Maßnahmen zur Verringerung
der Versetzungsdichte in den Schichten diskutiert.
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten
ZnSe-Strukturen
Der Vorteil von Strukturen mit einer verspannten (pseudomorphen) Zwischenschicht
liegt in ihrer geringen Dichte von Stufen- und Schraubenversetzungen <105cm2(45nm
ZnSe auf GaAs). Auf diesen Buffern lassen sich Nanokristall-Agglomerate deponieren, die
gegen¨
uber individuellen Nanokristallen wegen ihrer Gr¨
oße hinsichtlich deren Nachweis
auf Oberfl¨
achen und innerhalb von Nanostrukturen entscheidende Vorteile besitzen.
Im ersten Teil dieses Abschnittes werden in situ Messungen der Oberfl¨
achenbeschaffen-
heit w¨
ahrend des ZnSe-Wachstums auf ND-Agglomeraten gezeigt, gefolgt von HRXRD-
Analysen im zweiten Teil. Am Ende dieses Kapitels wird mittels HRTEM- und SEM-
Untersuchungen die Einbettung von ND- sowie NR-Agglomeraten in die ZnSe-Matrix
nachgewiesen. Die Anbindung der epitaktischen ZnSe-Deckschicht an die Nanokristalle
wird dabei anhand von hochaufl¨
osenden TEM-Bildern im Detail diskutiert.
7.2.1 In situ Oberfl¨
achenuntersuchungen
Auf die Oberfl¨
ache einer 45nm dicken ZnSe-Schicht wurde mittels Tropfenmethode Nan-
odotdispersion (ND525, DND=2,2nm) mit einer Konzentration von 1012µL1aufge-
bracht. Die gesamte Probenoberfl¨
ache wurde dadurch mit Agglomeraten bedeckt. Die
Nanodots sind anschließend im Schritt III der Probenherstellung unter Selengegendruck
aufgeheizt und mit einer 20nm dicken ZnSe-Schicht bei einer Wachstumsrate von 0,2MLs1
90 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
und einem Zn zu Se-Flußverh¨
altnis von 1:3 ¨
uberwachsen worden (MEE, TSub = 240C,
Probe S1). Dieses sind die idealen Wachstumsbedingungen, um m¨
oglichst defektarmes
(001)-orientiertes ZnSe zu erhalten (vgl. Kapitel 3.1). Aus den Stabilit¨
atsuntersuchun-
gen der Nanodots in Kapitel 5.2 ist jedoch bekannt, dass die NDs auf ZnSe bei Wachs-
tumstemperaturen von 240C innerhalb einer selenreichen Umgebung degradieren. Die
Experimente sollen zeigen, ob die unter optimalen Bedingungen ZnSe-Matrix regenera-
tiv auf die degradierten NDs wirkt. Zudem wurden in einem zweiten Experiment NDs
im UHV bei geschlossenen Quellen auf Wachstumstemperatur (240C) gebracht. Dieses
verhindert die Degradation der NDs im Herstellungsschritt IIIa. Danach sind die NDs
im Schritt IIIb bei geringerem Selenfluss (st¨
ochiomterisches Flussverh¨
altnis von Zn:Se =
1:1) ¨
uberwachsen worden (Probe S2).
Abbildung 7.4 zeigt die RHEED-Bilder der Proben S1 und S2 entlang des (-110)-
Azimut nach wenigen Nanometern ZnSe-Deckschichtdicke und am Ende des Wachstums
von etwa 20nm (d>DND). Nach dem selenreichen Aufheizen zeigt das RHEED-Bild
ZnSe
GaAs
stöchiometisch
Zn + Se
1 : 1
ZnSe
GaAs
selenreich
Zn + Se
1 : 3
S1
a) 5nm Deckschicht
selenreich
S2
a) 2nm Deckschicht b) 22nm Deckschicht
b) 20nm Deckschicht
stöchiometrisch
strucRHEEDstoech
(-10) (10)
FWHM
Abbildung 7.4: RHEED-Bilder der Probenoberfl¨
ache zu Beginn und am Ende des ZnSe-
Deckschichtwachstums bei selenreichen (S1) und st¨
ochiometrischen (S2)
Wachstumsbedingungen (MEE, 240C).
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 91
der Probe S1 zu Beginn der Abscheidung von ZnSe punktf¨
ormige Reflexe, welche auf ein
beginnendes, dreidimensionales Wachstum der ZnSe-Deckschicht aufgrund der Agglome-
rate zur¨
uckzuf¨
uhren ist. Nach 20nm haben sich die punktf¨
ormigen Reflexe senkrecht zur
Schattenkante ausgedehnt. Die Oberfl¨
ache ist zunehmend zweidimensionaler geworden.
Zu Beginn des Deckschichtwachstum ist das RHEED-Bild der im UHV aufgeheizten Na-
nokristalle auf der Oberfl¨
ache von Probe S2 mit dem der Probe S1 vergleichbar. Nach
22nm ZnSe-Deckschichtdicke sind allerdings nur noch Streaks zu erkennen, die auf eine
zweidimensionale Oberfl¨
ache hindeuten.
Die Unterschiede in der Oberfl¨
achenmorphologie der ZnSe-Deckschicht beider Proben
S1 und S2 ist in Abbildung 7.5 quantitativ wiedergegeben. Dort ist die Halbwertsbreite
des (-10)-Streaks parallel zur Schattenkante (gelbe Pfeile Abb. 7.4) in Abh¨
angigkeit
von der ZnSe Deckschichtdicke wiedergegeben. Die Halbwertsbreite des (-10)-Streaks
parallel zur Schattenkante der Probe S2 nimmt mit steigender ZnSe-Deckschichtdicke
exponentiell ab und n¨
ahert sich einem Minimum. Nach etwa 15nm ZnSe-Deckschichtdicke
erfolgt das Wachstum bereits zweidimensional. Der Wandel vom (einsetzenden) drei- zum
zweidimensionalen ZnSe-Wachstum auf den NDs der Probe S2 wird damit best¨
atigt. Die
Halbwertsbreite des (-10)-Streaks der selenreich ¨
uberwachsenen Probe S1 sinkt ebenfalls,
jedoch nicht in dem Maße wie bei der Probe S2. Der (-10)-Reflex wird von Elektronen,
welche an dreidimensionalen Oberfl¨
achenstrukturen gebeugt werden, dominiert.
Die in situ Messungen zeigen also erstmals, dass ND-Agglomerate mit ZnSe ¨
uberwach-
sen werden k¨
onnen. Die ZnSe-Schicht ist epitaktisch, wenn die Agglomerate dabei im
UHV aufgeheizt und das Wachstum unter st¨
ochiometrischen Bedingungen verl¨
auft. Auf
diesen zweidimesionalen Oberfl¨
achen k¨
onnen je nach Anwendung der ND-Quantenpunkt-
strukturen epitaktische Bragg-Spiegel oder weitere ND-Multilagen aufgebracht werden.
Im n¨
achsten Abschnitt wird die strukturelle Qualit¨
at der Proben S1 und S2 miteinander
verglichen.
92 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
0 5 10 15 20 25
6,0
6,5
7,0
7,5
8,0
8,5
9,0
9,5
10,0
NDs, stöchiometrisch überwach-
sen (Flussverhältnis Zn:Se 1:1)
Halbwertsbreite des (-10)-Streaks (bel. Einh.)
Schichtdicke (nm)
NDs, selenreich überwachsen
strucRHEEDparallel
S1
S2
Abbildung 7.5: Halbwertsbreite des (-10)-RHEED-Streak parallel zur Schattenkante in
Abh¨
angigkeit der ZnSe-Deckschichtdicke. Die Halbwertsbreite bei der
selenreich ¨
uberwachsenen Probe S1 (rot) sinkt mit steigender ZnSe-
Deckschichtdicke. Die Halbwertsbreite der unter st¨
ochiometrischen Be-
dingungen ¨
uberwachsenen Probe S2 (schwarz) zeigt eine deutlich st¨
arke-
re (exponentielle) Abnahme und n¨
ahert sich bereits nach ca. 15nm einem
Minimum (zweidimensionale ZnSe-Oberfl¨
ache).
7.2.2 Strukturanalyse mit hochaufgel¨
oster R¨
ontgenbeugung
Um neben den Oberfl¨
achenuntersuchungen auch Aussagen ¨
uber die kristalline Qualit¨
at
treffen zu k¨
onnen, wurden an den Strukturen S1 und S2 HRXRD-Messungen vorgenom-
men. Abbildung 7.6 zeigt die Rockingkurven des ZnSe (004)-Reflexes von der selenreich
hergestellten und der unter st¨
ochiometrischen Flussverh¨
altnissen gewachsenen Probe.
Die Halbwertsbreite der Rockingkurve der Probe S1 betr¨
agt 100arcsec (DD = 1,6·
107cm2). Die Breite der Rockingkurve von Probe S2 ist mit 113arcsec (DD = 2 ·
107cm2) nur geringf¨
ugig gr¨
oßer. Obwohl beide Proben mit unterschiedlichen Parame-
tern ¨
uberwachsen wurden und deren Oberfl¨
achemorphologie sich unterscheidet, liegt bei
beiden die Dichte an Stufen- und Schraubenversetzungen in derselben Gr¨
oßenordnung. In
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 93
32,95 33,00 33,05 33,10
stöchio-
metrisch
113"
100"
Intensität (norm. Einh.)
Winkel
ω
(°)
ZnSe (004)
selenreich
S1
S2
strucHRXRDQualitaet
Abbildung 7.6: Rockingkurve des (004) ZnSe Reflexes der unter selenreichen und st¨
ochi-
metrischen Bedingungen hergestellten Proben S1 und S2. Die Halbwerts-
breiten sind in arcsec angegeben und liegen f¨
ur beide Proben in derselben
Gr¨
oßenordnung.
Kapitel 6 ist die Halbwertsbreite der Rockingkurve einer chemisch behandelten allerdings
nanokristallfreien Struktur zu 25arcsec ermittelt worden (45nm ZnSe-Bufferschicht, mit
reinem Pyridin benetzt und anschließend mit 20nm ZnSe ¨
uberwachsen).
Strukturelle Defekte im ZnSe lassen sich durch Tempern ausheilen. Dieses wurde an
der Probe S1 bei 280C und 30 Minuten in der MBE-Anlage durchgef¨
uhrt. In Abbildung
7.6 sind die ZnSe-Rockingkurven und zus¨
atzlich die ω-2Θ Scans des (004)-Reflexes der
Probe S1 vor und nach dem Tempern aufgetragen. Aus den Rockingkurven ist ersichtlich,
dass ein Tempern der Probe bei 280C f¨
ur 30min eine Verkleinerung der Halbwertsbreite
auf 63arcsec (DD = 6,5·106cm2), also eine Verminderung der Dichte von Stufen- und
Schraubenversetzungen in der Deckschicht um den Faktor 2,5 zur Folge hat. Das Tem-
94 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
c)
32.95 33.00 33.05 33.10
Tempern
280°C
63"
100"
Intensität (norm. Einh.)
Winkel ω)
ZnSe (004)
20nm
MEE
240°C
65,0 65,5 66,0 66,5
dSim=45nm
ZnSe
Tempern
280°C
ZnSe auf GaAs;
45nm / NDs / 20nm
dSim=62nm
Intensität (log. Einh.)
Winkel 2θ (°)
GaAs
(004)
strucHRXRDtempern
a) b)
Fits +-2-5nm
Abbildung 7.7: a) Rocking Kurven und b) ω-2ΘScans vor und nach dem Tempern
der verspannten Probe S1 mit epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanodots. Die
Halbwertsbreiten der Rockingkurven sind in arcsec angegeben. Die ω-2Θ
Scans sind mit Hilfe der dynamischen R¨
ontgenbeugungstheorie simuliert
und die angegebenen ZnSe-Dicken aus der Periodizit¨
at der Schichtdicke-
noszillationen berechnet.
pern hat somit die strukturelle Qualit¨
at der Deckschicht verbessert. Aus dem ω-Scan
lassen sich nur Informationen ¨
uber die Ausdehnung des (004)-Gitterreflexes senkrecht
zur Wachstumsrichtung gewinnen. Ein ω-2Θ-Scan hingegen verl¨
auft parallel zur Wachs-
tumsrichtung (Abb.7.7b). In dem Diagramm ist der jeweilige GaAs- und ZnSe-Reflex
deutlich zu sehen. Das ZnSe ist pseudomorph verspannt auf GaAs aufgewachsen, was
sich aus dem relativen Abstand der Reflexe GaAs und ZnSe zueinander ableiten l¨
asst.
Die R¨
ontgenstrahlen werden an verschiedenen Grenzfl¨
achen reflektiert und interferieren
miteinander. Daher ist die Intensit¨
at des ZnSe-Reflexes moduliert. Die Spektren sind un-
ter Anwendung der dynamischen Beugungstheorie simuliert (durchgezogenen Linien) und
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 95
die dabei ermittelten ZnSe-Schichtdicken angegeben. Vor dem Tempern betrug die be-
rechnete Schichtdicke 45nm. Das widerspricht der nach RHEED-Wachstumsoszillationen
bestimmten Dicke von insgesamt 65nm. Auf der anderen Seite stimmt der Wert mit der
Dicke der ZnSe-Bufferschicht ¨
uberein. Die Deckschicht tr¨
agt nicht zur Interferenz bei.
Das Interface ZnSe-Buffer-/ZnSe-Deckschicht ist aufgrund der qualitativ unterschiedli-
chen Kristallstrukturen von Deck- und Bufferschicht zu deutlich ausgepr¨
agt. Nach dem
Tempern l¨
asst sich mit der Simulation eine Schichtdicke von 62nm berechnen. Diese ist
mit der ¨
uber RHEED-Untersuchungen ermittelten Gesamtdicke von 65nm vergleichbar.
Die makroskopischen Defekte am Interface Buffer-/Deckschicht sind soweit ausgeheilt,
sodass die R¨
ontgengenstrahlen dort nicht mehr reflektiert werden.
Die R¨
ontgenuntersuchungen haben gezeigt, dass die Strukturen mit integrierten ND-
Agglomeraten eine hohe Dichte an Stufen- und Schraubenversetzungen enthalten. Diese
ist unabh¨
angig von den Wachstumsparametern und kann durch thermische Behandlung
reduziert werden.
7.2.3 Strukturanalyse mit dem Elektronenmikroskop
Zur weiteren strukturellen Analyse sind TEM- und SEM-Untersuchungen an verspannten
Proben mit eingebetteten NK-Agglomeraten am Laboratorium f¨
ur Elektronenmikrosko-
pie der Universit¨
at Karlsruhe unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Gerthsen vorgenom-
men worden. Dabei handelt es sich zun¨
achst um TEM-Untersuchungen an der ungetem-
perten Probe S2 mit Nanodot-Agglomeraten. Im weiteren Verlauf werden neue Proben
hergestellt, bei denen Nanorods mit ZnSe ¨
uberwachsen werden. Aufgrund der gr¨
oße-
ren r¨
aumlichen Ausdehnung der Nanorods in eine Richtung ist die Wahrscheinlichkeit
noch gr¨
oßer, diese oder Teile von NR-Agglomeraten in den epitaktisch ¨
uberwachsenen
Nanorodstrukturen mittels Elektronenmikroskopie aufzul¨
osen. An den hochaufl¨
osenden
TEM-Bildern von diesen NR-Proben wird das Anwachsen der ZnSe-Deckschicht an die
Nanokristalle im Detail diskutiert.
Abbildung 7.8 zeigt ein HRTEM-Bild der Struktur S2 mit epitaktisch ¨
uberwachsenen
96 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
NDs entlang der (1-10)-Zonenachse und Elektronenbeugungsbilder, aufgenommen an
zwei unterschiedlichen Probenstellen.
Bereich 2 [111]
[111]
[001]
1 0[ 1]
Bereich 1
(111)ZnSe
(002)ZnSe
(002)CdSe
Ab)Aa) Ac)
Abbildung 7.8: a) HRTEM-Bild der st¨
ochiometrisch ¨
uberwachsenen NDs in Probe S2.
b) und c) zeigen das Elektronenbeugunsbild der Positionen 1 und 2. In
Bereich 1 sind mehr Reflexe aufgrund unterschiedlicher Kristallorientie-
rungen und Materialien sichtbar.
Das Interface zwischen ZnSe-Bufferschicht und -Deckschicht der Probe S2 ist in 7.8a
deutlich zu sehen. Die ZnSe-Bufferschicht ist bis dahin defektfrei gewachsen. Die Deck-
schicht ist vollst¨
andig vorhanden, allerdings mit Defektlinien (Stufenversetzungen) durch-
zogen und enth¨
alt Bereiche mit unterschiedlicher Kristallorientierung. Das erkl¨
art die
Halbwertsbreite der Rockingkurven in Abb. 7.6. Das Elektronenbeugungsbild 7.8b von
der Position 1 im Bereich des Interface zeigt mehrere [111]-Reflexe unterschiedlich ori-
entierter Kristallite (schwarz). Im Bereich 1 treten zus¨
atzliche (002)-ZnSe Beugungsre-
flexe auf (blau). Von den weiteren, rot markierten Reflexen, wird eine Gitterkonstante
von (0,60 ±0,01)nm berechnet, welche (002)-CdSe zugeordnet werden kann. Damit ist
eindeutig die vollst¨
andige Integration der Nanodot-Agglomerate in die ZnSe-Matrix ge-
zeigt. In Bereich 2 der Bufferschicht sind nur Beugungsreflexe entlang der [111] und [11-1]
sichtbar, was auf perfekt gewachsenes ZnSe in der Bufferschicht ohne unterschiedliche
Kristallorientierungen schließen l¨
asst.
F¨
ur die nachfolgende, detaillierte Diskussion des ZnSe-Wachstums auf den Nanokri-
stallen werden neue Proben hergestellt, wobei im Benetzungsschritt II die Nanodot-
Dispersion gegen CdSe-Nanorods (ohne ZnS-Schale) in Pyridn ausgetauscht wird (NR-
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 97
Durchmesser DRod = 7nm, L¨
ange L=35nm, Fluoreszenzwellenl¨
ange λNR=670nm, NR670).
Analog zu dem vorangegangenen Experiment S2 wird diese Nanorod-Dispersion ebenfalls
auf verspanntem ZnSe mittels Tropfenmethode deponiert; im UHV auf Wachstumstem-
peratur gebracht und unter st¨
ochiometrischen Bedingungen bei 240C mit ZnSe ¨
uber-
wachsen (MEE, Flussverh¨
altnis Zn:Se=1:1). Es werden vier Proben mit unterschiedlicher
ZnSe-Deckschichtdicke von 1nm (NR1), 6nm (NR2), 12nm (NR3) und 20nm (NR4) her-
gestellt.
In Abbildung 7.9 ist ein HRTEM-Bild der Probe NR1 mit der d= 1nm dicken ZnSe-
Schicht (d<DRod) gezeigt. Es ist nur ein Nanorod zu sehen. Dieser kann ein Teil
Abbildung 7.9: HRTEM-Bild eines mit einer 1nm dicken Deckschicht ¨
uberwachsenen Na-
norods. Die hexagonale Struktur im Querschnitt des Nanorods ist er-
kennbar. Zwischen Nanorod und Buffer- bzw. Deckschicht gibt es keine
atomaren Fehlstellen.
eines nicht komplett sichtbaren Agglomerat sein. Es ist deutlich die hexagonale Wurt-
zitstruktur im Querschnitt des Nanorots sichtbar, womit sich der Nanokristall in der
Abbildung vom restlichen kubischen ZnSe abhebt. Die longitudinale ~c-Achse des Nano-
rod ist parallel zum Elektronenstrahl orientiert. Der Durchmesser des Nanorod betr¨
agt
d= 7nm. Dieses entspricht der Originalgr¨
oße der verwendeten Nanorods. Die Oberfl¨
ache
der ZnSe-Bufferschicht ist durch die schwarze Linie gekennzeichnet. Sie wurde aus einem
TEM-¨
Ubersichtsbild der Umgebung des NR extrapoliert. Zwischen Nanorod und Buffer
bzw. zwischen Nanorod und Deckschicht haben sich keine Fehlstellen gebildet. Der Na-
norod ist komplett in der ZnSe-Schicht eingebettet. W¨
ahrend des ¨
Uberwachsens kommt
98 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
es nicht zu Abschattungseffekten der Molek¨
ulstrahlen, d.h. die ZnSe-Deckschicht w¨
achst
auch seitlich unter dem NR an.
Wird das Wachstum fortgesetzt, w¨
achst die ZnSe-Deckschicht um die Nanokristalle
herum. Abbildung 7.10 zeigt zwei SEM-Aufnahmen von ¨
uberwachsenen Nanorods der
Probe NR2 mit 6nm (dDRod) und der Probe NR3 mit 12nm (d > DRod) Deckschicht-
dicke.
strucNRTEMthin
5 nm
ZnSe [001]
[110]
[1100]
ZnSe
45nm
GaAs
NR1
III.b
Zn + Se
d<DRod
strucNRSEM
50 nm50 nm
ZnSe
45nm
GaAs
ZnSe
45nm
GaAs
d~DRod d>DRod
b)a)
12nm Deckschicht6nm Deckschicht
NR3NR2
NR
Abbildung 7.10: SEM Bilder von ¨
uberwachsenen Nanorods. a) NR2 mit 6nm Deck-
schichtdicke dDRod und b) NR3 mit 12nm Deckschichtdicke (d >
DRod). Liegt die Deckschichtdicke im Bereich des Nanokristalldurch-
messers, so sind sie im SEM Bild Aufgrund der unterschiedliche Materi-
alkontraste noch aufl¨
osbar, w¨
ahrend der ¨
Ubergang zu gr¨
oßeren Schicht-
dicken eine unstrukturierte ZnSe Oberfl¨
ache zeigt.
Wegen ihrer Ausdehnung lassen sich die Nanorods in den SEM-Untersuchungen aufl¨
osen.
Die Nanorods sind in einer Deckschicht von dDRod noch sichtbar (Probe NR2). Die
Nanokristalle zeigen auch jetzt noch ihre urspr¨
ungliche Form und Gr¨
oße und zerfließen
w¨
ahrend des ¨
Uberwachsens nicht zu einem tern¨
aren Verbindungshalbleiter (Zn,Cd)Se.
Abb. 7.10a zeigt eine hohe Dichte von Nanorods auf der Oberfl¨
ache von etwa 103µm2.
Nach der Abscheidung von 12nm ZnSe (d > DRod, Probe NR3) ist der Kontrastunter-
schied zwischen den Nanorods und dem umgebenen ZnSe im SEM-Bild so gering, dass
in der Abb. 7.10b eine nahezu homogene unstrukturierte ZnSe-Oberfl¨
ache zu sehen ist.
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 99
Die NR sind im ZnSe vergraben.
Von der Probe NR3 mit 12nm Deckschichtdicke zeigt Abbildung 7.11 eine HRTEM-
Aufnahme anhand derer verschiedene Wachstumsszenarien f¨
ur Deckschichten d>DRod
diskutiert werden k¨
onnen.
5 nm
.h-CdSe
ZnSe
ZnSe
(111)
[001]
[110]
(001)
5 nm5 nm
.h-CdSe.h-CdSe
ZnSe
ZnSe
(111)(111)
[001][001]
[110][110]
(001)(001)
ZnSe
B
AC D
Abbildung 7.11: HRTEM-Bild von epitaktisch ¨
uberwachsenen NRs mit einer Deck-
schichtdicke von 12nm. Verschiedene Wachstumsabl¨
aufe sind in den ver-
schiedenen Bildbereichen unterscheidbar: Defektfreies Aufwachsen der
ZnSe-Deckschicht in den Bereichen A und D, Defekte und Zwillings-
bildung treten im Bereich B in einigen Nanometern Entfernung zum
Nanorod auf, w¨
ahrend in unmittelbarer N¨
ahe das ZnSe perfekt um und
¨
uber dem Rod anw¨
achst. Bereich C: unterbrochenes Wachstum.
Die Bereiche A und D enthalten keine Nanorods. Dort ist die ZnSe-Deckschicht ohne
Defektbildung auf der ZnSe-Bufferschicht aufgewachsen. Die Grenze Buffer- zu Deck-
schicht ist markiert. Die Dicke der Schicht betr¨
agt 12nm. Im Bereich B befindet sich
ein Nanorod. Wie bereits f¨
ur den Fall der d¨
unnen Deckschichten mit d < DRod gesehen,
befinden sich keine Fehlstellen zwischen diesem und dem Buffer. Der Nanorod ist auf der
linken Seite mit ZnSe umwachsen. Die ZnSe-Kristallmatrix hat dort, genauso wie ¨
uber
dem Nanorod, dieselbe Orientierung wie die Buffer-Matrix und ist defektfrei. Erst in
einem Abstand von etwa 2nm zum Nanorod ist die Deckschicht aufgrund des Abbaues
von Verspannungen mit Defektlinien durchzogen und das ZnSe weist unterschiedliche
100 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
Orientierungen auf. Im Bereich C ist das Wachstum unterbrochen. Dort befinden sich
weitere Nanorods (Agglomerate), welche allerdings in einer niedrig indizierten Zonenach-
se liegen und deshalb in der HRTEM Abbildung nicht bzw. nur schwach erkennbar sind.
Die HRTEM-Analysen an den Nanorod-Strukturen zeigen also, dass sich Nanokristalle,
obwohl sie eine hexagonale Kristallstruktur besitzen, in kubisches ZnSe einbetten lassen.
Dabei w¨
achst die epitaktische ZnSe-Deckschicht defektfrei an den Nanokristallen an.
In diesem Kapitel wurden die strukturellen Eigenschaften der epitaktisch ¨
uberwachse-
nen Nanokristallstrukturen vorgestellt. Individuelle Nanokristalle sowie NK-Agglomerate
lassen sich in epitaktischem ZnSe einbetten. Dazu m¨
ussen die Proben im UHV der MBE-
Anlage auf Wachstumstemperatur gebracht und unter st¨
ochiometrischen Bedingungen
¨
uberwachsen werden. Nur dann bildet sich im Gegensatz zum selenreichen Wachstum
eine zweidimensionale Oberfl¨
ache aus und zwar nach 5nm ZnSe-Deckschichtdicke auf
individuellen Nanokristallen und nach 15nm Deckschichtdicke auf NK-Agglomeraten.
R¨
ontgenstrukturanalysen zeigten zudem, dass die Deckschichten generell eine h¨
ohere
Dichte an Stufen- und Schraubenversetzungen als die zugrunde liegenden Bufferschich-
ten besitzen. Dieses macht sich besonders bei verspannten Strukturen bemerkbar. Die
Halbwertsbreite der Rockingkurven dieser Proben steigt aufgrund der NK-Agglomerate
um den Faktor 4 und liegt in der Gr¨
oßenordnung von 102arcsec. Die Kristallversetzungen
in der Deckschicht lassen sich thermisch ausheilen. Ein Tempern der Proben bei 280C
verringert die Halbwertsbreite der Rockingkurven um den Faktor 1,5.
Die Nanokristalle behalten w¨
ahrend des ¨
Uberwachsens ihre Form und Gr¨
oße, was
HRTEM-Untersuchungen an NRs belegen. Es bildet sich keine zweidimensionale Benet-
zungsschicht aus (Zn,Cd)Se wie im SK-System. Desweiteren kommt es nicht zu Abschat-
tungseffekten der Molek¨
ulstrahlen, sodass die Nanokristalle seitlich unterwachsen und
dann umwachsen werden. Die Anbindung der Nanokristalle an die Bufferschicht sowie
die Anbindung der kubischen ZnSe-Deckschicht an die Nanokristalle ist defektfrei. Ver-
setzungslinien im ZnSe bilden sich erst in einem Abstand von wenigen Nanometern zu
den Nanokristallen aus. Nach der erfolgreichen Integration von Nanokristallen in eine
epitaktische ZnSe-Matrix und der Diskussion der strukturellen Eigenschaften werden im
7.2 Strukturelle Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 101
n¨
achsten Kapitel die optischen Eigenschaften dieser epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokri-
stallstrukturen vorgestellt.
102 7 Strukturelle Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
8 Optische Eigenschaften epitaktisch
¨
uberwachsener Nanokristalle
Im letzten Kapitel wurden die strukturellen Eigenschaften der Strukturen mit epitaktisch
¨
uberwachsenen Nanokristallen diskutiert. Die Oberfl¨
ache der ZnSe-Deckschicht wird bei
Verwendung von st¨
ochiometrischen Wachstumsbedingungen zweidimensional. Die Dichte
der Stufen- und Scharaubenversetzungen in der Deckschicht ist gr¨
oßer als in der Buffer-
schicht, kann aber durch Temperprozesse verringert werden. In diesem Kapitel werden
die optischen Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle vorgestellt. Den
Anfang bilden die relaxierten Proben mit eingebetteten individuellen Nanokristallen.
Danach werden die Lumineszenzeigenschaften der sich als extrem interessant heraus-
gestellten ¨
uberwachsenen NK-Agglomerate in verspannten Strukturen pr¨
asentiert. Es
werden Standard- und µ-Photolumineszenzspektren sowie zeitabh¨
angige PL-Intensit¨
ats-
messungen bei kontinuierlicher bzw. gepulster Laseranregung der Proben mit epitaktisch
¨
uberwachsenen Nanokristallen vorgestellt.
8.1 Optische Eigenschaften von NK in relaxierten
ZnSe-Strukturen
Wie bereits erw¨
ahnt, lassen sich individuelle Nanokristalle nur auf Oberfl¨
achen von re-
laxiertem ZnSe abscheiden. Der Nachteil der relaxierten Schichten ist deren hohe Dichte
von Mosaikkristalliten. In diesem Abschnitt werden die optischen Eigenschaften der re-
104 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
laxierten CdSe/ZnSe Quantenpunktstrukturen mit einzelnen ¨
uberwachsenen Nanodots
diskutiert.
Auf einer 1µm dicken, relaxierten ZnSe-Bufferschicht wurden NDs mittels Spincoa-
ting aufgebracht, im UHV der MBE-Anlage auf 300C ohne Selengegendruck aufgeheizt
und mit 20nm ZnSe unter st¨
ochiometrischen Flussverh¨
altnissen Se:Zn ¨
uberwachsen. Es
handelt sich dabei um die im Kapitel 7 vorgestellten Probe R1. Abbildung 8.1 zeigt das
normierte PL-Spektrum der relaxierten Probe R1 mit epitaktisch ¨
uberwachsenen Nan-
odots (0,15ND/µm2). Die Lage der Fluoreszenzenergie der verwendeten NDs (ND535)
von 2,36eV bei 10K ist im Spektrum kenntlich gemacht. Als Referenz ist das Lumines-
zenzspektrum einer Probe eingezeichnet, welche nur dem L¨
osungsmittel Pyridin ohne
NDs ausgesetzt und anschließend unter den gleichen Bedingungen wie die Probe R1
¨
uberwachsen wurde.
e
Diagramme
r
arbeitet
1,8 2,0 2,2 2,4 2,6
Cu-
grün MY
ND
10K
überwachsene NK,
1 NK/µm²
Buffer benetzt
mit pyridine
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
m ZnSe, Buffer
SA
überwachsene NK,
1 NK/µm²
10K
Buffer benetzt
mit Pyridin
Intensität (bel. Einh.)
m ZnSe, Buffer
eigentlich ALE Proben
ZnSe
1µm
GaAs
ZnSe
1µm
GaAs
ZnSe
1µm
GaAs
ZnSe
1µm
GaAs
ZnSe
1µm
GaAs
ZnSe
1µm
GaAs
300°C, 4h, Ar (300mbar)
R1
R1
optPLrelt1um
a)
b)
1,9 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6
intrinsische
Defekte
Y
überwachsene NDs
Buffer, benetzt
mit Pyridin,
überwachsen
S
Intensität (norm. Einh.)
Energie (eV)
Position der Fluoreszenz von
nicht eingebetteten Nanodots 10K
überwachsene NK,
1 NK/µm²
10K
Buffer benetzt
mit Pyridin
Intensit (bel. Einh.)
m ZnSe, Buffer
Referenz:
Pyridin,
überwachsen
Referenz 2
Buffer
2,4 2,5 2,6
Y
S
e
V)
v
on 10K
Abbildung 8.1: PL-Spektrum der Probe R1 mit epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanodots
(schwarz) im Vergleich zu einem Spektrum eines nur mit Pyridin benetz-
ten und ¨
uberwachsenen Buffer (rot).
Im Spektrum der Probe R1 ist keine außerordentliche Lumineszenz bei 2,38eV zu fin-
8.1 Optische Eigenschaften von NK in relaxierten ZnSe-Strukturen 105
den (Fluoreszenzenergie der verwendeten Nanodots, Pfeil). Beide Spektren zeigen einen
¨
ahnlichen Verlauf der Intensit¨
at in Abh¨
angigkeit der Energie, welcher aufgrund von Fa-
bri P´erot-Oszillationen moduliert ist. Die f¨
ur ZnSe charakteristischen Lumineszenzener-
gien (exzitonische ¨
Uberg¨
ange bzw. Defektbanden) sind in Kapitel 3.4 diskutiert. In den
Spektren ist die Y-Linie sehr deutlich zu sehen und neben einem weiteren ausgepr¨
agten
Maximum bei etwa 2.5eV, welches den S-Zentren im ZnSe zuzuordnen ist, l¨
asst sich in
den Spektren weitere Lumineszenz zwischen 2 und 2,4eV beobachten. Diese Lumineszenz
stammt aus intrinsischen Defekten (z.B. atomaren Leerstellen bzw. Verunreinigungen in
der epitaktischen Matrix) oder aus selbstaktivierten Zentren (SA) innerhalb der Struk-
tur. Das relative Intensit¨
atsverh¨
altnis der PL von den intrinsischen Defekten zu der
PL aus den S-Zentren ist bei der Probe R1 mit NDs gr¨
oßer als bei der Referenzprobe.
Diese zus¨
atzliche Lumineszenz stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus weiteren De-
fekten, z.B. atomaren Fehlstellen, die bei der Anbindung der Matrix an die Nanodots
entstanden sind. Weitere Proben mit epitaktisch ¨
uberwachsenen NDs von unterschiedli-
chen Durchmessern (bis 4nm, λ=605nm) wurden nach demselben Verfahren hergestellt,
lieferten aber ¨
ahnliche PL-Intensit¨
atsverl¨
aufe wie die Probe R1. Aufgrund der geringen
ND-Dichte in diesen relaxierten Proben ist deren Lumineszenz nicht detektierbar. In den
PL-Spektren ¨
uberwiegt die Defektlumineszenz.
In Kapitel 3 wurden verschiedene Bufferschichten unterschiedlicher Dicke zur Redu-
zierung der Defektlumineszenz von relaxierten Strukturen vorgestellt. Werden z.B. 4µm
dicke ZnSe-Bufferschichten verwendet, so l¨
asst sich die Defektlumineszenz um mehr als
eine Gr¨
oßenordnung reduzieren und zudem ist die Modulation des PL-Signals aufgrund
von Schichtdickeninterferenz minimiert. Es wurden Nanodots mit einem Durchmesser
von 2.3nm (ND535) auf solchen 4µm dicken ZnSe-Bufferschichten aufgeschleudert (Dich-
te 0,15NK/µm2) und anschließend mit 400nm ZnSe ¨
uberwachsen. Abbildung 8.2 zeigt
das Lumineszenzspektrum dieser Probe R2, wobei zus¨
atzlich die Lumineszenz einer wei-
teren Probe R3 mit einer geringeren ZnSe-Deckschichtdicke von 40nm eingetragen ist.
Die Spektren sind auf die Lumineszenzenergie des freien Exzitons der zugrunde liegenden
Bufferschichten normiert.
106 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
optPLrelthick
1,82,02,22,42,62,83,0
1E-5
1E-4
1E-3
0,01
0,1
1
X
Position derFluoreszenz von
nicht eingebetteten NDs
R2, 400nm ZnSe
R3, 40nm ZnSe
Intensität (norm. Einh.)
Energie (eV)
Y
10K
ZnSe
4µm
GaAs
400nm
MBE
Zn Se
R2
ZnSe
4µm
GaAs
40nm
MBE
Zn Se
R3
Abbildung 8.2: Vergleich der PL-Spektren der Proben R2 und R3 mit unterschiedlicher
Deckschichtdicke.
Die Lumineszenz von freien sowie gebundenen Exzitonen und deren Phononenrepli-
ken, die Lumineszenz der S-Zentren und intrinsische Defekte (1,8eV - 2,4eV) lassen
sich identifizieren. Die Lage der PL von den verwendeten, nicht ¨
uberwachsenen NDs ist
eingezeichnet (2.36eV, Pfeil). Dort ist in den Spektren allerdings kein ausgezeichnetes
PL-Maximum zu finden. Die Probe R2 mit 400nm Deckschichtdicke zeigt weniger Lu-
mineszenz von intrinsischen Defekten und Verunreinigungen um 2eV im Vergleich zu
der Probe mit 40nm Deckschichtdicke. Die intrinsischen Defekte sind nicht gleichm¨
aßig
in der Schicht verteilt, sondern in der Ebene der Nanokristalle lokalisieret. Aufgrund
der begrenzten Eindringtiefe der Laserstrahlung (einige hundert Nanometer) werden bei
der Probe R2 damit weniger Defekte in der NK-Ebene angeregt. Die exzitonische Lu-
mineszenz aus dem ZnSe ist zudem nahezu unterdr¨
uckt und stattdessen die PL aus
den Y-Defekten (2.6eV) stark hervorgetreten. Auch mit optischen Messungen ist damit
nachgewiesen, dass die Dichte der ausgedehnten Defekte (Versetzungen) in der ZnSe-
Deckschicht gr¨
oßer als in der Bufferschicht ist (vgl. Kapitel 7.1).
Wenn die ¨
uberwachsenen individuellen NDs lumineszieren, dann ist deren Lumines-
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 107
zenzausbeute so gering ist, dass diese nicht detektierbar ist. Die ND-Dichte sollte deswe-
gen drastisch erh¨
oht werden. Das l¨
asst sich besonders einfach durch das Einbetten von
ND-Agglomeraten in verspannten Strukturen realisieren.
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten
ZnSe-Strukturen
Die Bedeckung der Oberfl¨
ache von verspanntem ZnSe mittels Tropfenmethode oder Spin-
coating ist nur mit NK-Agglomeraten m¨
oglich. Deren Eigenschaften lassen sich aufgrund
ihrer Gr¨
oße besonders gut mit optischen Messmethoden erfassen, da die Nanokristall-
dichte so hoch ist, dass die Strukturen bereits schon gen¨
ugend Lumineszenz bei Raum-
temperatur zeigen und sogar f¨
ur Langzeitstudienzwecke geeignet sind. Vorbereitende
Experimente zeigten, dass ein Tempern der Nanokristalle in der MBE-Kammer unter
UHV-Bedingungen eine Blauverschiebung und Verbreiterung der NK-Lumineszenz ver-
ursacht. Die Photodegradation wird aufgrund der Modifizierung der Nanokristallober-
fl¨
ache erh¨
oht (Kap. 5.2). Ein Tempern der Nanokristalle unter Selengegendruck hingegen
verbreitert und verschiebt die NK-Lumineszenz zu 2,25eV aufgrund einer chemischen
Umwandlung bzw. einer Degradation der Kristalle.
Im letzten Kapitel wurde erkl¨
art, wie die Nanodots (ND525) der Probe S2 im UHV bei
geschlossenen Quellen auf Wachstumstemperatur gebracht und unter st¨
ochiometrischen
Bedingungen (Flußverh¨
altnis Se/Zn : 1/1) mit 22nm ZnSe ¨
uberwachsen worden sind
(d >> DND). In Abbildung 8.3 sind die Photolumineszenzspektren dieser Probe S2
bei Raumtemperatur und 15K aufgetragen. Im Vergleich dazu ist das PL-Spektrum
der selenreich ¨
uberwachsenen Probe S1 bei 15K in Diagramm 8.3b eingezeichnet. Als
Referenz sind in den Diagrammen die PL-Spektren von derselben Sorte Nanodots auf
ZnSe (getempert im UHV) eingezeichnet.
Die st¨
ochiometrisch ¨
uberwachsenen Nanodots (S2) zeigen bei Raumtemperatur (RT)
ein deutliches Lumineszenzsignal (schwarz). Die Lage der PL stimmt mit der von nicht
108 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
1211a
Solution58
optPLNDstoech
a) b)
ZnSe
GaAs
stöchiometisch
überwachsen
S4
2,02,22,42,62,8
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000 position 1
position 2
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
141meV
15K
2.454eV
a) b)
ZnSe
GaAs
stöchiometisch
überwachsen
S2
2,0 2,2 2,4 2,6 2,8
ND-PL
S2
NDs,
nicht überw.
NDs,
überwachsen
Intensität (norm. Einh.)
Energie (eV)
177 meV
RT
2.394eV
2.0 2.2 2.4 2.6 2.8
Defekt-PL
260 meV
2,2eV
2,45eV
NDs, überwachsen
S1 S2 NDs,
nicht
überw.
144meV
Intensität (norm. Einh.)
Energie (eV)
15K
ND-PL
Abbildung 8.3: PL-Spektren der unter st¨
ochiometrischen Bedingungen ¨
uberwachsenen
Nanodots (Probe S2) bei a) Raumtemperatur und bei b) 15K (schwarz).
Die Spektren der im UHV getemperten, nicht ¨
uberwachsenen Nanodots
(ND525) ist als Referenz eingezeichnet (blau). Zus¨
atzlich ist in Diagramm
b) der PL-Verlauf der selenreich ¨
uberwachsenen Nanodots (Probe S1, rot)
eingetragen.
¨
uberwachsenen NDs auf einer ZnSe-Oberfl¨
ache (blau) ¨
uberein. Bei 15K ist die PL der
Nanodots um 60meV blauverschoben (schraffiert) und die Halbwertsbreite um 20% auf
144meV gesunken. Sie ist damit wieder geringer als die PL-Halbwertsbreite der nicht
¨
uberwachsenen, getemperten Nanodots. Im Tieftemperaturspektrum der Probe S2 ist bei
etwa 2,2eV zus¨
atzliche Lumineszenz zu sehen. Diese ist auf intrinsische Defekte innerhalb
der ZnSe-Kristallmatrix in der Umgebung der Nanokristalle zur¨
uckzuf¨
uhren.
Das PL-Spektrum der selenreich ¨
uberwachsenen NDs (Probe S1, rot) ist gegen¨
uber
dem Spektrum der nicht ¨
uberwachsenen NDs rotverschoben und stark verbreitert. Es
ist mit den Spektren der unter Selengegendruck getemperten Nanokristallen (Abb. 5.6)
vergleichbar. Desweiteren l¨
asst sich nach dem selenreichen ¨
Uberwachsen von NDs im-
mer ein PL-Peak bei 2,25eV detektieren, unabh¨
angig von der ND-Gr¨
oße. Die w¨
ahrend
des aufheizen unter Selengegendruck gebildeten Defekte in den NDs werden nicht durch
die ZnSe-Deckschicht ausgeheilt. Der Vergleich der PL-Spektren der Proben S1 und S2
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 109
f¨
uhrt zu dem Schluss, dass nur die im UHV aufgeheizten und unter st¨
ochiometrischen
Flussverh¨
altnissen von Zn zu Se ¨
uberwachsenen Proben deutliche ND-Lumineszenz zei-
gen.
In Abbildung 8.4 ist das zeitliche Verhalten der PL von Probe S1 bei gepulster An-
regung (frequenzverdoppelter Ti:Sa Laser, 390nm, 120fs) und verschiedenen Detektions-
energien aufgetragen. Abb. 8.7a spiegelt die zeitliche Abnahme der Photolumineszenz von
der ND-PL (E=2,45eV, siehe Pfeil in Abb. 8.3) im Vergleich zu derselben Sorte nicht
¨
uberwachsene Nanodots wieder (ND525). Das PL-Signal wurde in einem zur Abb. 4.3
erweitertem Aufbau mit einer streak camera (Aufl¨
osung 20ps) zeitlich vermessen. Abb.
8.7b zeigt die zeitliche Lumineszenzabnahme der Probe S2 bei der Detektionsenergie
von 2,2eV. Die Detektion erfolgte diesesmal mittels Einzelphotonenz¨
ahlung (Aufl¨
osung
500ps).
optPLNDtime
0 200 400 600 800
0,01
0,1
1
Probe S2
ND-PL: 2,45eV (506nm)
NDs, nicht überwachsen
Intensität (norm. Einh.)
Zeit (ps)
10K
0 100 200 300 400
1E-3
0.01
0.1
1
Probe S2
Defekt-PL: 2,2eV (564nm)
NDs,
nicht überwachsen
Intensität (norm. Einh.)
Zeit (ns)
15K
0 200 400 600 800
0,01
0,1
1
NK-Quantenpunktprobe
Detektion 2,46eV
NDs auf Quarz
Intensität (norm. Einh.)
Zeit (ps)
Das ist 1252
a) b)
Abbildung 8.4: Strahlende Lebensdauer der PL von epitaktisch ¨
uberwachsenen NDs (S2)
bei gepulster Anregung mittels eines frequenzverdoppelten Ti:Sa La-
sers. a) ND-PL (detektiert mittels streak camera bei 2,45eV) und b)
PL-Dynamik bei 2,2eV detektiert mittels Einzelphotonenz¨
ahlung (siehe
Pfeile in Abb. 8.3b). Als Referenz ist die Intensit¨
atsabnahme derselben
Sorte nicht ¨
uberwachsenen Nanodots eingetragen.
Die multiexponentiell verlaufende PL-Abnahme der Nanodots in der Struktur S2 (Abb.
110 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
8.4a, schwarz) besteht aus einem schnellen beginnenden Zerfall, gefolgt von Zerfallszeiten
mit gr¨
oßerer Zeitkonstante. Die strahlende Lebensdauer der PL von epitaktisch ¨
Uber-
wachsenen Nanodots ist gegen¨
uber den nicht eingebetteten Nanodots deutlich k¨
urzer.
Dies kann damit erkl¨
art werden, dass die Oberfl¨
achendefekte der Nanodots durch die
ZnSe-Matrix passiviert worden sind, was die Rekombinationsrate der Ladungstr¨
ager in
den Nanodots deutlich erh¨
oht. Zudem wird das optische ¨
Ubergangsdipolmoment durch
das Eindringen der Elektron- und Lochwellenfunktion in das umgebende Barrierenmate-
rial ver¨
andert. M¨
oglich ist auch, dass sich die zeitliche PL-Dynamik aus der strahlenden
Lebensdauer der Nanodots und der Transferzeit zwischen Nanodot und dem Substrat
zusammensetzt. Die strahlende Lebensdauer der Lumineszenz bei 2,2eV (Abb. 8.7b) ist
deutlich l¨
anger, da es sich um Ladungstr¨
agerrekombinationen in intrinsischen Defekten
mit geringer Rekombinationsrate handelt.
In Abbildung 8.5 ist die Nanodot-PL diesmal bei kontinuierlicher Laseranregung (HeCd,
325nm, 50Wcm2) in Abh¨
angigkeit der Beleuchtungsdauer dargestellt. Es handelt sich
dabei um eine zur Probe S2 vergleichbare Struktur mit 7nm Deckschichtdicke. Als Re-
ferenz ist der zeitliche Verlauf der PL von im UHV bei 240C getemperten und nicht
eingebetteten ND auf ZnSe eingetragen (rot). Der Intensit¨
atsabfall bei fortdauernder An-
regung der getemperten Nanodots ist aus Kapitel 5.2 bekannt. Die Anregungsleistungs-
dichte ist mit 50Wcm2doppelt so groß wie bei den Experimenten in Abb. 5.5. Die NDs
ohne Deckschicht degradieren aufgrund von Photooxidation [63], wohingegen die ¨
uber-
wachsenen NDs eine Zunahme des Luminezenzsignal mit fortschreitender Laseranregung
zeigen. Die ZnSe-Matrix sch¨
utzt damit die Nanokristalle gegen photochemische Reak-
tionen. Es kann kein Luftsauerstoff mehr mit dem Material der Nanokristalle reagieren
und es werden keine nichtstrahlende Rekombinationskan¨
ale auf der ND-Oberfl¨
ache er-
zeugt. Die PL-Effizienz der Nanodots wird durch die Laserstrahlung sogar noch erh¨
oht.
Dieser zum Photobleichen gegenteilige Effekt, die photoinduzierte Aktivierung, wurde
bereits von Cordero et al. [84] beobachtet: Mit fortschreitender Laseranregung kommt es
zu einer Verst¨
arkung des Fluoreszenzsignals von CdSe(ZnS)-Nanodots, die sich im Dun-
kelzustand befanden. Die NDs werden durch Laserbestrahlung wieder optisch aktiv, was
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 111
2,0 2,2 2,4 2,6 2,8
Nanodots
overgrown
Intensity (a.u.)
Energy (eV)
Nanodots
annealed
0 500 1000 1500 2000
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
NDs, überwachsen
mit 7nm ZnSe
Intensität (bel. Einh.)
Zeit (s)
NDs, getempert
nicht überwachsen
RT,
λ
Detektion=525nm
ZnSe
GaAs
7nm Deckschicht
ZnSe
GaAs
getempert bei 240°C
stöchiom. 240°C
optNDcwanreg
2,2 2,4 2,6
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
before Laserannealing
after
intensity (a.u.)
energy (eV)
Abbildung 8.5: Zeitaufgel¨
oste Intensit¨
atsverl¨
aufe der Nanodot-PL bei kontinuierlicher
Laseranregung von bei 240C st¨
ochiometrisch ¨
uberwachsenen Nanodots
(schwarz) und von bei 240C getemperten ND auf ZnSe ohne ZnSe-
Deckschicht (rot). Die PL-Intensit¨
at der epitaktisch ¨
uberwachsenen NDs
nimmt zu (HeCd, 50Wcm2).
durch eine lichtinduzierte Rekonstruktion der ND-Oberfl¨
ache und Ausheilung von De-
fekten erkl¨
art wird. Dabei hat die ND-Umgebung einen Einfluss auf die photoinduzierte
Aktivierung. NDs in trockener Stickstoffatmosph¨
are zeigen nicht den Aktivierungspro-
zess, im Gegensatz zu NDs in Luft. Die Erkl¨
arung ist, dass die Passivierung der ND-
Oberfl¨
ache mit Wassermolek¨
ulen aus der Luftfeuchtigkeit erfolgt. In unserem Fall sind
die NDs keiner Atmosph¨
are ausgesetzt sondern in ZnSe integriert. Das heißt, die Defekte
in der neuen, kristallinen Umgebung stehen im Zusammenhang mit der photoninduzier-
ten Aktivierung. Durch das lokale Tempern mittels der Laserbestrahlung kommt es zu
einer Ausheilung dieser Defekte am Interface Nanokristall/ZnSe-Matrix. Diese dienen
dann nicht mehr als nichtstrahlende Rekombinationskan¨
ale f¨
ur die Ladungstr¨
ager. Die
Laserbehandlung der ND-Strukturen nach dem Wachstum verbessert also die optische
Lumineszenzausbeute der eingebetteten Nanodots. Weitere Experimente zeigten, dass
durch die Laserbehandlung die energetische Lage des PL-Peaks der ¨
uberwachsen NDs
auch nicht ver¨
andert wird. Der nachtr¨
agliche Ausheilprozess ist damit genauso wichtig
wie das eigentliche ¨
uberwachsen der NDs.
112 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
Das Verhalten der PL von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen mit unterschied-
lichen ZnSe-Deckschichtdicken wird im Folgenden an ¨
uberwachsenen Nanorods unter-
sucht. Da bei diesen Proben die PL-Intensit¨
at von der Probenstelle abh¨
angt (Anzahl
der NR-Agglomerate), l¨
asst sich eine Abh¨
angigkeit der Lumineszenzintensit¨
at von der
Dicke der ZnSe-Deckschicht nicht eindeutig verifizieren. Um jedoch eine qualitative Aus-
sage ¨
uber die Lumineszenzeffektivit¨
at in Abh¨
angigkeit der Deckschichtdicke zu machen,
wurden NRs mit 35nm L¨
ange und 7nm Durchmesser mit einer ZnSe-Deckschicht unter-
schiedlicher Dicke ¨
uberwachsen. Abbildung 8.6 zeigt die µ-PL Spektren der aus Kapitel 7
bekannten Proben mit NR2: 6nm, NR3: 12nm und NR4: 20nm Schichtdicke. Als Referenz
ist die PL der nicht ¨
uberwachsenen NRs eingetragen.
Graph 3 20nm
A15061922C 0x0y
2x2y
gut
Graph 1 11.5nm
A15061112C 1x1y
g
ut
Graph 4 6nm
A21063334C 1x1y
g
ut
optNRPL
-20%von
1.8 2.0 2.2 2.4
10
100
1000
10000
Defek-
lumineszenz
15K
NRs in ZnSe
original NRs
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
85
1,82,02,22,4
10
100
1000
10000 15K
78
NRs in ZnSe
original NRs
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
1.8 2.0 2.2 2.4
10
100
1000
10000 15K
NRs in ZnSe
original NRs
Intensität (bel. Einh.)
Energie (eV)
78
ZnSe
45nm
GaAs
ZnSe
45nm
GaAs
d~DRod d>DRod
NR3NR2
ZnSe
45nm
GaAs
NR4
d>>DRod
6nm 12nm 20nm
Abbildung 8.6: µ-PL Spektren von ¨
uberwachsenen Nanorods mit NR2: 6nm, NR3: 12nm
und NR4: 20nm ZnSe-Deckschichtdicke. Jedes Diagramm zeigt µ-PL
Spektren der epitaktisch ¨
uberwachsenen NRs und die PL der nicht ¨
uber-
wachsenen NRs (blau). Die Halbwertsbreiten sind in meV angegeben.
Die Proben NR2 und NR3 mit d=6nm ZnSe-Deckschichtdicke (dDNR) und d=12nm
ZnSe-Deckschichtdicke (d>DNR) zeigen starke PL bei 1.9eV von den Nanorods mit
einer Halbwertsbreite von 78meV. Die PL ist gegen¨
uber den nicht ¨
uberwachsenen NRs
rotverschoben, was auf ¨
Anderungen des energetischen Confinements oder ¨
Anderungen
der Oberfl¨
achenzust¨
ande der NR aufgrund des umgebenden ZnSe zur¨
uckgef¨
uhrt wird. Im
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 113
PL-Spektrum der Probe NR4 mit 20nm ZnSe-Deckschichtdicke (d >> DNR) ist ebenfalls
die PL der NRs und gleichzeitig Lumineszenz bei 2.25eV zu sehen (vgl. Abb. 8.3, PL-
Spektren von epitaktisch ¨
uberwachsenen NDs). Die Halbwertsbreite der NR-PL ist um
10% auf 85meV gestiegen.
Diese zus¨
atzliche Lumineszenz l¨
asst sich wieder auf intrinsische Defekte innerhalb der
ZnSe-Deckschicht zur¨
uckf¨
uhren. Das kann durch die strahlende Lebensdauer dieser PL
von einigen hundert Nanosekunden begr¨
undet werden. Alle ¨
uberwachsen Proben emit-
tieren starke NR-PL. Erst mit steigender ZnSe-Deckschichtdicke tritt Defektlumineszenz
bei 2,25eV im PL-Spektrum hervor.
Abbildung 8.7 zeigt die NR-PL Dynamik bei gepulster Anregung f¨
ur die verschiedenen
CdSe/ZnSe Halbleiterstrukturen. Es handelt sich dabei um zeitaufgel¨
oste PL-Messungen
an den NR-Proben NR2 mit 6nm und NR4 mit 20nm ZnSe Deckschichtdicke. Desweiteren
ist die PL-Dynamik derselben Sorte Nanorods (NR650, nicht ¨
uberwachsen) und von
CdSe/ZnSe SK-QDs als Referenz eingetragen.
Die PL-Dynamik der epitaktisch ¨
uberwachsenen NRs ist genauso wie bei den ¨
uber-
wachsenen NDs multiexponentiell. Sie besteht aus einem schnellen beginnenden Zerfall,
gefolgt von einer Zerfallszeit, welche im Vergleich zu den SK-QDs k¨
urzer ist. Die PL der
nicht ¨
uberwachsenen NRs weisen auch hier eine deutlich l¨
angere Abklingzeit im Gegen-
satz zur PL von den ¨
uberwachsenen NRs auf. Die strahlende Lebensdauer der Probe
NR2 mit 6nm ZnSe-Deckschichtdicke ist im Vergleich zur Probe NR4 mit 20nm ZnSe zu
Beginn k¨
urzerer. Dies l¨
asst sich damit erkl¨
aren, dass die Defektdichte in der Probe NR2
mit der d¨
unnen Deckschicht geringer ist, womit die Rekombinationsrate der Ladungs-
tr¨
ager in den Nanorods erh¨
oht wird. Damit ist auch am Beispiel der Nanorod-Strukturen
gezeigt worden, dass die ZnSe-Kristallmatrix das zeitliche Verhalten der Lumineszenz
von ¨
uberwachsenen NRs beeinflusst. Die strahlende Lebensdauern der SK-QDs (einigen
hundert Pikosekunden) und die der nicht ¨
uberwachsenen NRs (einige Nanosekunden) in
Abbildung 8.7 ist mit den bekannten Werten aus der Literatur vergleichbar [73, 86].
Erstmalig wurden in dieser Arbeit kolloidale Nanokristalle in eine epitaktische ZnSe-
114 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
0 2 4 6 8 10 12
10-3
10-2
10-1
100
CdSe NRs auf Quarz
λ
dedektion =646nm
NR2: CdSe NRs überwachsen mit 6nm ZnSe
NR4: CdSe NRs überwachsen mit 20nm ZnSe
SK-QD, CdSe/ZnSe
λ
dedektion =537nm
Laser
λ
dedektion =390nm
PL-Intensität (norm. Einh.)
Zeit (ns)
0 100 200 300 400 500 600 700
10-3
10-2
10-1
100
NR4: 6 nm Deckschichtdicke,
λ
dedektion =646nm
Laser
Zeit (ps)
PL-Intensität (norm. Einh.)
optPLNRdecay
SK:537nm
NR: 646nm
390
Abbildung 8.7: Zeitaufgel¨
oste PL von verschiedenen Halbleiter-Nanostrukturen: CdSe-
Nanorods (L=35nm lang, =7nm) nicht ¨
uberwachsen (Dreiecke), epitak-
tisch ¨
uberwachsene NRs: NR2 mit 6nm (Quadrate) und NR4 mit 20nm
ZnSe-Deckschichtdicke (Punkte). Als Referenz ist das zeitliche Verhal-
ten von CdSe/ZnSe SK-QDs (Rauten) und der Laserstrahlung einge-
zeichnet (Linie). a) PL-Detektion unter Verwendung von Einzelphoto-
nenz¨
ahlung (Aufl¨
osung 500ps) und b) Detektion mittels streak camera
(Aufl¨
osung 20ps). Die Detektion ist im Maximum der jeweiligen PL-
Emissionsspektren durchgef¨
uhrt worden.
8.2 Optische Eigenschaften von NK in verspannten ZnSe-Strukturen 115
Matrix eingebettet und deren grundlegenden optischen Eigenschaften sowohl von re-
laxierten ZnSe-Strukturen mit individuellen Nanokristallen als auch von verspannten
ZnSe-Strukturen mit NK-Agglomeraten vorgestellt. Die Lumineszenzausbeute von ¨
uber-
wachsenen individuellen Nanokristallen in den hier gefertigten Strukturen ist so gering,
dass diese nicht detektiert werden konnte. Die PL-Spektren sind von der Lumineszenz
zwischen 2 und 2,4eV dominiert, welche durch intrinsische Defekte, z.B. Verunreinigun-
gen oder beispielweise Zn-Leerstellen in der kristallinen Umgebung der individuellen Na-
nokristalle erzeugt wird. Bei relaxierten Schichten mit dicker ZnSe-Deckschicht (400nm)
ist desweiteren die Lumineszenz aus ausgedehnten Versetzungen in der Deckschicht (Y-
Linie) besonders intensiv.
NK-Agglomerate in verspannten Strukturen hingegen zeigen, wenn sie unter st¨
ochio-
metrischen Bedingungen ¨
uberwachsen werden, deutliche Lumineszenz sowohl bei Raum-
temperatur als auch bei 10K. Bei epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen mit ZnSe-
Deckschichtdicken d >> D tritt Defektlumineszenz bei 2,2eV bis 2,25eV auf Zeitauf-
gel¨
oste PL-Messungen haben ergeben, dass die strahlende Lebensdauer von epitaktisch
¨
uberwachsenen Nanokristallen (Nanodots sowie Nanorods) gegen¨
uber den nicht ¨
uber-
wachsenen Nanokristallen deutlich k¨
urzer ist. Die Unterdr¨
uckung von photochemischen
Reaktionen der Nanokristalle aufgrund einer Oberfl¨
achenpassivierung durch die ZnSe-
Matrix ist durch Langzeitexperimente mit kontinuierlicher Laseranregung nachgewiesen.
Die Lumineszenzausbeute der Nanokristalle l¨
asst sich zus¨
atzlich durch photoinduzier-
te Aktivierung verst¨
arken. Dabei werden durch lokales Tempern der Strukturen mittels
Laserstrahlung Defekte an der Grenzfl¨
ache Nanokristalle/ZnSe-Matrix ausgeheilt, die
danach nicht mehr als nichtstrahlende Rekombinationszentren f¨
ur die Ladungstr¨
ager
dienen.
Bevor eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit erfolgt, werden
im n¨
achsten Kapitel noch die strukturellen und optischen Eigenschaften der verspann-
ten Strukturen mit ¨
uberwachsenen Nanokristallen und der selbst organisiert gewachsenen
SK-QDs miteinander verglichen. Die Vor- und Nachteile der neuen Herstellungsmetho-
de von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallstrukturen gegen¨
uber dem derzeit noch
116 8 Optische Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsener Nanokristalle
standardm¨
aßig angewendeten Stranski-Krastanow Wachstumsverfahren werden verdeut-
licht.
9 Vergleich der epitaktisch
¨
uberwachsenen Nanokristalle mit
SK-Strukturen
Im Rahmen dieser Arbeit wurden erstmalig kolloidale CdSe-Nanokristalle in eine epi-
taktische ZnSe-Matrix integriert. Die Eigenschaften epitaktisch ¨
uberwachsenen NK wie
Gr¨
oße, Gr¨
oßenverteilung und die optische Durchstimmbarkeit werden in diesem Kapitel
mit denen von CdSe SK-QDs verglichen.
9.1 Herstellung der CdSe/ZnSe-Quantenpunktproben
Die CdSe-Quantenpunkte k¨
onnen entweder in einem selbsorganisierten Stranski-Kras-
tanow Prozess oder nasschemisch in einer kolloidalen Synthese erzeugt werden. Die kol-
loidalen NK werden außerhalb des UHV auf eine ZnSe-Bufferschicht aufgetragen und da-
nach in der MBE-Anlage mit ZnSe unter st¨
ochiometrischen Flussverh¨
altnissen von Zn:Se
¨
uberwachsen. Abbildung 9.1a-c zeigt RHEED-Bilder, aufgenommen w¨
ahrend oder nach
den einzelnen Herstellungsschritten (Probe S2). Das Bild 9.1a der ZnSe-Bufferoberfl¨
ache
l¨
asst auf eine zweidimensionales Wachstum schließen. Im RHEED-Bild 9.1b sind Punkt-
reflexe aufgrund der Anwesenheit von NK-Agglomeraten zu erkennen. Es wurde nach der
ex situ Deposition und dem ¨
Uberwachsen mit einer 2,5nm dicken ZnSe-Schicht aufge-
nommen. Am Ende des Deckschichtwachstums ist die Oberfl¨
ache wieder zweidimensional
118 9 Vergleich der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristalle mit SK-Strukturen
(Streifenmuster in Abb. 9.1c).
NK
SK
compRHEED
Abbildung 9.1: RHEED-Bilder, aufgenommen w¨
ahrend der Herstellung von epitaktisch
¨
uberwachsenen Nanokristallen und Stranski-Krastanow Quantenpunk-
ten. (a) ZnSe-Bufferschicht vor der NK-Deposition, (b) nach dem Auf-
tragen der Nanokristalle und einer 2,5nm dicken ZnSe-Deckschicht und
(c) am Ende des Deckschichtwachstums (22nm ZnSe, 240C). (d) Ober-
fl¨
ache einer 2,8ML dicken CdSe-Schicht auf ZnSe bei 260C, (e) nach der
Quantenpunktformation bei 340C und (f) nach dem ¨
Uberwachsen.
Die SK-Wachstum verl¨
auft selenreich und ohne Unterbrechung im UHV [11, 12]. Die
RHEED-Bilder 9.1d-f geben die Informationen der Oberfl¨
achenbeschaffenheit w¨
ahrend
der SK-QD Herstellung wieder. Dabei zeigt das Bild 9.1d das Elektronenbeugungsmu-
ster von einer CdSe-Oberfl¨
ache bei 260C (2,8ML CdSe auf ZnSe). Die Oberfl¨
ache ist
zweidimensional. Nach einer Temperaturerh¨
ohung auf 340C erscheinen im Bild 9.1e
punktf¨
ormige Reflexe die von den r¨
aumlich ausgedehnten SK-QDs verursacht werden.
Im letzten Schritt werden auch diese SK-QD mit ZnSe epitaktisch ¨
uberwachsen und die
Oberfl¨
ache wird wieder zweidimensional (Abb. 9.1e).
Die Oberfl¨
achenbeschaffenheit w¨
ahrend der einzelnen Fertigungsschritte ist bei beiden
Prozessen (NK und SK) gleich.
9.2 Quantenpunktdichte in den CdSe/ZnSe-Strukturen 119
9.2 Quantenpunktdichte in den CdSe/ZnSe-Strukturen
Die Dichte der NK h¨
angt vom Verspannungszustand der ZnSe-Bufferschicht und der De-
positionsmethode ab. Sie konnte f¨
ur individuelle NK auf relaxiertem ZnSe bis zu 107cm2
minimiert werden. Ein Beispiel f¨
ur individuelle NK auf relaxiertem ZnSe ist in der Ab-
bildung 9.2a zu sehen. Auf verspanntem ZnSe sammeln sich die NK nur Agglomerate an
(Abbildung 9.2b).
(submonolagen Quantenpunkte)
CdSe-Bedeckung (ML)
SK-Quantenpunkte
SK-QD-Dichte (cm-2)
a) verspanntes ZnSe (001)
Se-reiche Oberfläche
10
Individuelle NK auf relaxiertem
ZnSe
10µm
compDichte
a) c)
b)
NK-Agglomerate auf
verspanntem ZnSe
Abbildung 9.2: a) Nanokristalle auf relaxiertem ZnSe mit einer Dichte von 1,5·107cm2.
b) NK-Agglomerate auf verspannten ZnSe. c) Quantenpunktdichte inner-
halb von SK-Proben in Abh¨
angigkeit der CdSe-Bedeckung.
Der thermodynamische SK-Formationsprozess ist nur bei einer CdSe-Bedeckung von
2,1 bis 3,1ML m¨
oglich. In Abbildung 9.2b ist die SK-Dichte ¨
uber der Anzahl der CdSe-
Monolagen aufgetragen. Die Dichte der SK-Quantenpunkte liegt zwischen 109cm2und
1011cm2und kann nicht weiter variiert werden [12].
9.3 Quantenpunktgr¨
oße und Gr¨
oßenverteilung
Die Gr¨
oße und Form der CdSe-Nanokristalle kann w¨
ahrend der kolloidalen Synthese
beeinflusst werden. Die Monomerkonzentration in der Reaktionsfl¨
ussigkeit bestimmt die
Wachstumsgeschwindigkeit auf den verschiedenen Nanokristallfacetten und damit deren
Form (Nanodot oder Nanorod) [41]. Der Durchmesser h¨
angt von der Wachstumszeit im
Reaktionsgef¨
ab. CdSe-Nanodots mit einem Durchmesser von 1,5 bis zu 10nm k¨
onnen
120 9 Vergleich der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristalle mit SK-Strukturen
synthetisiert werden.
Die selbstorganisierten SK-QDs haben auf der anderen Seite einen mittleren Durch-
messer von 16nm. Abbildung 9.3 zeigt 10K PL-Spektren von SK-QDs und ¨
uberwachsenen
NK bei 10K. Mit steigender CdSe-Monolagenbedeckung erfolgt eine Rotverschiebung der
PL von SK-QDs (Abb. 9.3a), welche allerdings nur zwischen 2,6eV (2,3ML CdSe) und
2,4eV (3,1ML CdSe) variierbar ist [11]. Wie in Abbildung 9.3b ersichtlich, deckt im Ge-
gensatz dazu die PL der ¨
uberwachsenen Nanokristalle mit unterschiedlicher Gr¨
oße (und
Form) einen weiten Bereich des optischen Spektrums ab.
1,8 2,0 2,2 2,4 2,6
10K S2NR4
SK-Quantenpunkt-
strukturen
überwachsene
Nanokristalle ND-PL
PL-Intensität (norm. Einh.)
Energie (eV)
CdSe-Bedeckung: 3.1 ... 2.3ML
10K
NR-PL
85meV 144meV
FWHM= 140meV
(3.1ML)
(a)
(b)
Quelle: ICPS Wien, PL range of overgrown NC_comparison with SK
compPL
Abbildung 9.3: Photolumineszenzspektren bei 10K von a) SK-Qds mit unterschiedli-
cher CdSe-Monolagenbedeckung und b) ¨
uberwachsenen Nanorods (Probe
NR4) und Nanorod (S2).
Die Halbwertsbreite des PL-Peaks ist mit der Gr¨
oßenverteilung der Quantenpunkte
korreliert. Sie betr¨
agt bei den ¨
uberwachsenen NK 85meV bis 150meV und ist mit der
PL-Halbwertsbreite von SK-QD vergleichbar oder sogar geringer.
Beide Herstellungsmethoden von Quantenpunktproben sind grundverschieden und
9.3 Quantenpunktgr¨
oße und Gr¨
oßenverteilung 121
weisen Vor- sowie Nachteile auf. Das ¨
Uberwachsen von Nanokristallen erlaubt es, die
Lumineszenzeigenschaften und Quantenpunktdichten ¨
uber weite Bereiche zu variieren.
Auf der anderen Seite muss der epitaktische Wachstumsprozess f¨
ur die Deposition der
NK auf der ZnSe-Oberfl¨
ache unterbrochen werden. Das SK-Wachstum mittels MBE
findet vollst¨
andig und ohne Unterbrechung im UHV statt. Es erlaubt allerdings keine
unabh¨
angige Einflussnahme auf die physikalischen Eigenschaften dieser selbstorganisiert
gewachsenen Quantenpunkte.
122 9 Vergleich der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristalle mit SK-Strukturen
10 Zusammenfassung
Im Rahmen dieser Arbeit wurden zwei verschiedene Forschungsgebiete erfolgreich zu-
sammengef¨
uhrt: die flexible, kolloidale Nanokristallchemie und die Halbleitertechnologie
(MBE). Zum ersten Mal wurden kolloidale CdSe-Nanokristalle mit ZnSe ¨
uberwachsen.
Damit ist eine neue Methode zur Herstellung von Halbleiter-Schichtstrukturen, die QDs
enthalten, realisiert worden.
Zur Herstellung von epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristallen werden außerhalb der
MBE-Kammer ZnSe-Bufferschichten mit einer NK/Pyridin-Dispersion benetzt. Das Py-
ridin verdampft und die NK bleiben auf der Oberfl¨
ache zur¨
uck. Mittels Spincoating
lassen sich so individuelle NK mit einer Dichte von 1,5·107cm2auf relaxierten ZnSe-
Bufferschichten aufgetragen. Auf verspanntem ZnSe bilden die Nanokristalle Agglome-
rate, unabh¨
angig von der Depositionsmethode.
Es wurde gezeigt, dass die Herstellung von Schichtstrukturen mit MBE und die kol-
loidale Nasschemie miteinander kompatibel sind, sofern die Qualit¨
at der Tr¨
agerl¨
osung
Pyridin hoch ist. Nur bei Verwendung von Pyridin 99,9+% (biotechnology grade) kommt
es nicht zu optisch aktiven Kristallverunreinigungen aufgrund organischer L¨
osungsmit-
telr¨
uckst¨
ande. Die optischen Eigenschaften der NK auf den ZnSe-Oberfl¨
achen bleiben
weiterhin erhalten, wenn sie f¨
ur das ¨
Uberwachsen im UHV ohne Selengegendruck aufge-
heizt (240C bis 300C) werden.
Die ZnSe-Deckschicht w¨
achst epitaktisch, wenn w¨
ahrend des Wachstums die mole-
kularen Fl¨
usse von Se und Zn ein st¨
ochiometrisches Verh¨
altnis von 1:1 bilden. Sowohl
individuelle NK als auch NK-Agglomerate lassen sich in eine ZnSe-Kristallmatrix in-
124 10 Zusammenfassung
tegrieren. Der epitaktische Charakter der ZnSe-Deckschicht wurde mit RHEED- und
HRTEM-Untersuchungen gezeigt.
Von den ¨
uberwachsenen, individuellen Nanokristallen ist aufgrund deren geringer Dich-
te keine PL detektierbar. Die mit ZnSe ¨
uberwachsenen NK-Agglomerate hingegen lumi-
neszieren sehr stark, sowohl bei Raumtemperatur als auch bei tiefen Temperaturen. Ihre
strahlende Lebensdauer ist im Vergleich zu den nicht ¨
uberwachsenen NK kleiner. Das
liegt an der Passivierung von haftstellenartigen Defekten auf den NK-Oberfl¨
achen durch
die ZnSe-Kristallmatrix. Mit PL-Messungen und HRXRD-Analysen wurde nachgewie-
sen, dass Versetzungen und intrinsische Defekte in der ZnSe-Deckschicht durch einen
thermischen Temperprozess und durch Laserbestrahlung ausgeheilt werden k¨
onnen. NK-
Agglomerate als optisch aktives Material in ZnSe-Strukturen haben großes Potential f¨
ur
die Realisierung von photonischen Bauelementen. Sie eigenen sich als Basisstrukturen
f¨
ur LEDs und eingebettet in Resonatoren f¨
ur Laserdioden.
Die Lumineszenzeigenschaften der epitaktisch ¨
uberwachsenen Nanokristalle k¨
onnen
durch die Materialwahl und die NK-Gr¨
oße beliebig variiert werden. Das ist ein entschei-
dender Vorteil gegen¨
uber SK-Quantenpunktstrukturen, auch wenn ein Teil der Herstel-
lung der neuartigen Strukturen außerhalb der MBE-Anlage stattfindet.
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348-393 (Springer-Verlag 2004).
Probenliste
Probennummer Bufferdicke Benetzung Deckschichtdicke
1108a 45nm Pyridin 99,9% drop 20nm
1155a 45nm Pyridin 99,9+% drop 20nm
1164a 45nm ND525, 5E11 drop 20nm Se
1192 50nm - -
1193a 45nm ND548, 5E11 drop 20nm Se
1194 45nm - -
1199a 45nm Pyridin 99,9+% drop 22nm
1206a 45nm ND525, 5E12 drop 240C Se -
1208a 45nm NR670, 1E12 drop 20nm
1208b 45nm NR670, 1E12 drop 12nm
1208c1 45nm NR670, 1E12 drop 5nm
1208c2 45nm NR670, 1E12 drop 1nm
1211a 45nm ND525, 1E12 drop 22nm
1211b 45nm ND525, 1E12 drop 22nm
1238d 45nm ND525, 5E12 drop 240C -
1252a1 45nm ND535, 5E12 drop -
1252a2 45nm ND525, 5E11 drop 7nm
1269 45nm - 22nm
1270 45nm Luft 22nm
1288a 45nm ND525, 5E12 drop -
1288ag 45nm ND525, 5E12 drop 300C -
1306 100nm - -
1392a 45nm ND535, 4E11 spin -
1391 45nm ND535, 4E11 spin -
1403a 45nm ND535, 4E11 drop -
136 Literaturverzeichnis
Probennummer Bufferdicke Benetzung Deckschichtdicke
1406a 45nm ND535, 4E11 spin -
1411 45nm ND535, 6E9 drop -
1411b 45nm ND535, 6E10 drop -
1413 45nm ND535, 6E9 -
1413b 45nm ND535, 6E10 -
1414 45nm ND535, 6E8 -
1426 1µm ND535, 1,5E10 spin -
1441ref 1µm ND535, 1,5E10 spin -
1441an 1µm ND535, 1,5E10 spin 300C 3min -
1452ref 1µm - -
1452a 1µm ND535, 1,5E10 spin 19nm
1452c 1µm Pyridin 99,9+% 20nm
1457 1µm - -
1457a 1µm ND535, 1,5E11 spin 300C 10min -
1525 2µm - -
1531b 4µm NR535, 1E10 spin 40nm
1550 4µm - -
1548 4µm - -
1548a 4µm ND535, 1,5E17 spin 400nm
1640 70nm - -
1655a 1µm ND535, 1,5E9 drop -
1655b 1µm ND535, 1,5E9 spin -
1655c 1µm ND535, 1,5E10 drop -
1655d 1µm ND535, 1,5E10 spin -
1655e 1µm ND535, 1,5E11 drop -
1655f 1µm ND535, 1,5E11 spin -
le003 GaAs NR590, 5E12 drop -
Publikationen
1. U. Woggon, E. Herz, O. Sch¨
ops, M.V. Artemyev, Ch. Arens, N. Rousseau, D. Schi-
kora, K. Lischka, D. Litvinov, D. Gerthsen, Hybrid Epitaxial-Colloidal Semiconductor
Nanostructures
Nano Lett. 5(3) (2005) 483-490
2. Ch. Arens, N. Roussau, D. Schikora, K. Lischka, O. Sch¨
ops, E. Herz, U. Woggon, D.
Litvinov, D. Gerthsen and M.V. Artemyev Colloidal Nanocrystals Integrated in Epitaxial
Nanostructures: Structural and Optical Properties
phys. stat. sol. (c) 3, No. 4, 861-864 (2006)
3. Ch. Arens, O. Sch¨
ops, M.V. Artemyev, U. Woggon, K. Lischka and D. Schikora,
Self Organized Grown Stranski-Krastanow II-VI Quantum Dots vs. Colloidal Nanocry-
stals Integrated In Epitaxial Nanostructures
AIP Conf. Proc. 893, 1071 (2007)
Tagungsbeitr¨
age
T1 Ch. Arens, K. Lischka, D. Schikora, O. Sch¨
ops, U. Woggon, Self Organized Grown
Stranski-Krastanow II-VI Quantum Dots vs. Colloidal Nanocrystals Integrated In Epitaxi-
al Nanostructures
28th Int. Conference on the Physics of Semiconductors, Wien, ¨
Osterreich, 2006
138 Literaturverzeichnis
T2 Ch. Arens, D. M¨
ugge, M. Bartels, K. Lischka, D. Schikora, O. Sch¨
ops, M.V. Ar-
temyev, U. Woggon, D. Litvinov, D. Gerthsen, Integration of colloidal nanocrystals in
epitaxial nanostructures
Photon Mediated Phenomena, Network Meeting, Cambridge, England, 2006
T3 Ch. Arens, D. M¨
ugge, K. Lischka, D. Schikora, O. Sch¨
ops, M.V. Artemyev, U.
Woggon, Deposition of Colloidal Nanocrystals on Semiconductor Surfaces: Optical pro-
perties
DPG Fr¨
uhjahrstagung, Dresden, 2006
T4 Ch. Peitzmeyer, S. Michaelis, P. Ester, Ch. Arens, A. Zrenner, D. Schikora, K.
Lischka, Single Photon emission from CdSe/ZnSe quantum dots
DPG Fr¨
uhjahrstagung, Dresden, 2006
T5 Ch. Arens, N. Rousseau, D. Schikora, K. Lischka, U. Woggon, E. Herz, O. Sch¨
ops,
M.V. Artemyev, D. Litvinov, D. Gerthsen, Colloidal Nanocrystals Integrated in Epitaxial
Nanostructures: Structural and Optical Properties
12th Int. Conference on II-VI Compounds, Warsaw, Polen, 2005
T6 Ch. Arens, N. Rousseau, A. Pawlis, D. Schikora, Recent progress in the development
of new II-VI microcavity device concepts
Photon Mediated Phenomena, Network Meeting, Grenoble, Frankreich, 2005
T7 Ch. Arens, N. Rousseau, D. Schikora, K. Lischka, U. Woggon, E. Herz, O. Sch¨
ops,
M.V. Artemyev, D. Litvinov, D. Gerthsen, Hybrid Epitaxial-Colloidal Semiconductor
Nanostructures
DPG Fr¨
uhjahrstagung, Berlin, 2005
T8 N. Rousseau, Ch. Arens, D. Schikora, Optimisation of Bragg-mirror growth for
Literaturverzeichnis 139
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Photon Mediated Phenomena, Network Meeting, Paderborn, Deutschland, 2004
T9 Ch. Arens, A. Pawlis, A. Khartchenko, M. Bartels, D. Schikora, Herstellung und
Characterisierung von (Zn,Mg)Se Schichten
DPG Fr¨
uhjahrstagung, Dresden, 2003
Danksagung
Ich bedanke mich bei Herrn Prof. Dr. Klaus Lischka f¨
ur die Unterst¨
utzung, die Dis-
kussionen und die Anregungen, die zur Entstehung dieser Arbeit beigetragen haben.
Derselbe Dank geht auch an Dr. D. Schikora und Apl. Prof. Dr. D. J. As, insbesondere
f¨
ur die vielen Diskussionen rund um das Wachstum der Halbleiter-Schichten sowie deren
optische Charakterisierung.
Weiterhin geht mein Dank an alle Kolleg(inn)en, auf deren Unterst¨
utzung ich immer
z¨
ahlen konnte. Da ist als erstes das II-VI Team mit Dr. A. Pawlis, M. Panfilova, A.
Zado, D. M¨
ugge und Dr. E. M. Larramendi. Mein besonderer Dank gilt Dr. N. Rous-
seau aus Frankreich der mich in der erste H¨
alfte meines Promotionsstudium besonders
tatkr¨
aftig unterst¨
utzt hat. Nat¨
urlich vergesse ich auch nicht die Kollegen aus der III-V
Gruppe, allen voran Dr. J. Sch¨
ormann und Dr. S. Potthast sowie E. Tschumak und alle
weiteren Studenten dieser Arbeitsgruppe. Meinem B¨
urokollegen S. Preuß danke ich be-
sonders f¨
ur die abwechslungsreichen Diskussionen und dem Austausch von so manchem
zuckerhaltigen Lebensmittel.
Speziell erw¨
ahnt werden m¨
ussen die weiteren Mitarbeiter(innen) unserer Gruppe und
des Departments Physik, die den formellen und technischen Teil der Arbeit unterst¨
utzt
haben. Dazu z¨
ahlen Frau I. Zimmermann, S. Igges, B. Volmer, R. Winterberg, J. Pauli
und die Mitarbeiter der mechanischen Werkstatt unter der Leitung von W. Hartung.
Frau Prof. Dr. U. Woggon und deren Mitarbeitern danke ich ich f¨
ur die gute Zusam-
menarbeit, insbesondere aber O. Sch¨
ops f¨
ur die regen Diskussionen am Telefon und per
e-mail. Er hat sich zudem f¨
ur die Durchf¨
uhrung der µ-PL-Untersuchungen immer wieder
Laborzeit erk¨
ampfen k¨
onnen, um die Proben zu vermessen. Die kolloidalen Nanokristalle
wurden von Dr. M. Artemyev und E. Herz hergestellt.
Dem Laboratorium f¨
ur Elektronenstrahlmikroskopie der Universit¨
at Karlsruhe um Frau
Prof. D. Gerthsen danke ich f¨
ur die TEM-Untersuchungen.
142 Literaturverzeichnis
Ohne die Geduld, die vielen aufmunternden Worte und die Liebe meiner Freundin Bianca
w¨
are diese Arbeit nicht m¨
oglich gewesen. Vielen Dank daf¨
ur.
Zuletzt bedanke ich mich bei meiner Familie f¨
ur die Liebe, Ermutigung und Unterst¨
utzung
in meinem bisherigen Leben.
Diese Arbeit wurde von der deutschen Forschungsgemeinschaft (Projekt Schi 345) un-
terst¨
utzt.