Theoretische und numerische Untersuchung
des Str¨
omungsmischens
in einem T-f¨
ormigen Mikromischer
Dissertation
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
-Dr. rer. nat.-
vorgelegt
der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften
Department Chemie
der Universit¨
at Paderborn
von
Carsten Stemich
Paderborn, 29. August 2006
25. November 2006
Die vorliegende Arbeit wurde in der Zeit von Januar 2003 bis August 2006 im Institut
f¨
ur Technische Chemie und Chemische Verfahrenstechnik im Fachbereich Chemie und
Chemietechnik der Universit¨
at Paderborn angefertigt.
Referent: Prof. Dr.-Ing. H.-J. Warnecke
Universit¨
at Paderborn
Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften
Institut f¨
ur Technische Chemie und Chemische Verfahrenstechnik
Korreferent: Prof. Dr. rer. nat. D. Bothe
RWTH Aachen
Lehrstuhl f¨
ur Mathematik
Center for Computational Engineering Science
Datum der Abgabe: 29. August 2006
Datum der m¨
undlichen Pr¨
ufung: 10. November 2006
Hiermit erkl¨
are ich,
dass ich die vorgelegte Dissertation selbst¨
andig ausgef¨
uhrt und verfasst habe und alle
benutzten Quellen und Hilfsmittel vollst¨
andig angegeben worden sind.
Carsten Stemich
An dieser Stelle m¨
ochte ich allen danken, die durch ihre sowohl fachliche als auch
moralische Unterst¨
utzung zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben.
Mein besonderer Dank gilt
Prof. Dr.-Ing. H.-J. Warnecke f¨
ur die interessante, fach¨
ubergreifende Themenstellung,
seine stete Diskussionsbereitschaft und insbesondere f¨
ur sein Vertrauen, das mir die
freiheitliche Gestaltung und Umsetzung der wissenschaftlichen Ziele dieser Arbeit
erm¨
oglichte,
Prof. Dr. rer. nat. D. Bothe f¨
ur die ¨
Ubernahme des Korreferates, seinen großen Ein-
satz, seine stete Diskussionsbereitschaft und seine unverzichtbare Unterst¨
utzung bei
allgemeinen und mathematischen Fragestellungen,
Thorsten Grebe f¨
ur die Diskussionen bei einer Tasse Kaffee,
Alexander Lojewski f¨
ur die Weiterf¨
uhrung der Arbeiten,
sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereiches Technische Chemie
und Chemische Verfahrenstechnik, die durch das hervorragende Arbeitsklima ihren
Beitrag zum erfolgreichen Abschluss dieser Arbeit geleistet haben.
Und nat¨
urlich danke ich auch Jana, die stets f¨
ur mich da ist.
Meinen Eltern
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung 1
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens 5
2.1 Mikrotechnologie ............................. 5
2.1.1 Mikromischer ........................... 7
2.1.2 Technische Anwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.2 Skalen ................................... 10
2.3 Beurteilung der Mischqualit¨
at bzw. des Mischzustandes . . . . . . . . 19
2.3.1 Statistische Beurteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.3.2 Potenzial f¨
ur diffusives Mischen . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.3.3 Beurteilung der Mischg¨
ute durch chemische Reaktion . . . . . 24
3 Numerische Str¨
omungssimulation 27
3.1 Numerische Verfahren in Fluent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.1.1 ¨
Ortliche Diskretisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.1.2 Zeitliche Diskretisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3.1.3 Parallelit¨
atinFluent....................... 35
3.2 Solvereinstellungen ............................ 36
3.3 Geometrie und Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.4 Untersuchungen zur Gitterinvarianz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.5 VerwendeteGitter ............................ 41
3.6 Untersuchungen zur Schmidt-Zahl Variation . . . . . . . . . . . . . . 42
3.7 Implementierung benutzerdefinierter Funktionen und Auswertungen . 43
3.8 Berechnung des Str¨
omungsfeldes..................... 45
3.9 Berechnung des Speziestransportes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.10 Berechnung reaktiver Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
i
Inhaltsverzeichnis
3.11 Analyse des Deformationsratentensors . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
3.12 Untersuchungen zum Verweilzeitverhalten . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.13 Untersuchungen zur Str¨
omungsmodulation . . . . . . . . . . . . . . . 52
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen 55
4.1 Gitterinvarianz .............................. 55
4.1.1 Hydrodynamik .......................... 56
4.1.2 Speziestransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
4.2 Str¨
omungsbereiche ............................ 59
4.3 Druckverlauf und Energiedissipation . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
4.4 Tracerexperimente ............................ 65
4.4.1 Spezifische Kontaktfl¨
ache und Mischg¨
ute am Ende der Mischzone 67
4.4.2 Spezifische Kontaktfl¨
ache und Mischg¨
ute entlang des Mischkanals 71
4.4.3 Diffusivit¨
atdesTracers...................... 76
4.4.4 Verweilzeitverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
4.4.5 Asymmetrische Einlaufbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . 85
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute ....................... 89
4.5.1 Verbesserung durch Geometrievariation . . . . . . . . . . . . . 89
4.5.2 Verbesserung durch Str¨
omungsmodulation . . . . . . . . . . . 99
4.6 ReaktiveSysteme............................. 103
5 Experimentelle Validierung 107
5.0.1 Passiver Speziestransport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
5.0.2 Reaktive Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
6 Zusammenfassung und Ausblick 115
7 Symbolverzeichnis 119
Literaturverzeichnis 123
A Anhang i
A.1 Herleitung: Kanalstr¨
omung........................ i
A.2 Quellcodeudf.c .............................. ix
ii
1 Einleitung und Problemstellung
Die Bedeutung von Mikroreaktoren ist in den letzen Jahren stark angestiegen. Das
große Fl¨
ache-zu-Volumen-Verh¨
altnis verspricht Verbesserungen in Ausbeute und Se-
lektivit¨
at, da diffusive Fl¨
usse von Spezies und W¨
arme mit der Fl¨
ache skalieren,
w¨
ahrend die ¨
Anderungen durch Quellen und Senken proportional zum Volumen sind.
Um die daraus resultierenden Potenziale, die sich f¨
ur die technische Anwendung er-
geben, voll aussch¨
opfen zu k¨
onnen, ist ein fundamentales Verst¨
andnis der Transport-
prozesse auf den f¨
ur Mikroreaktoren relevanten Zeit- und L¨
angenskalen notwendig.
Dabei ist die Vermischung chemisch reagierender Spezies von besonderem Interesse.
Eine notwendige Voraussetzung jeder chemischen Reaktion ist die Vermischung auf
molekularer Ebene, d.h. die mittleren Abst¨
ande der Reaktanden zueinander m¨
ussen
in Bereichen unterhalb von 1 nm liegen. Auf der anderen Seite werden Edukte meist
segregiert in den Reaktor gegeben, wobei die L¨
angenskalen, auf denen Segregation
auftritt, in Bereichen der Reaktorabmessungen liegen. Im Falle der hier untersuchten
Mikro-Reaktoren sind dies L¨
angen im Bereich von bis ca. zu 100 µm. In Mikro-
Reaktoren sind dabei laminare Str¨
omungsformen zu bevorzugen, da auf Grund der
kleinen Abmessungen turbulente Str¨
omungen mit zu hohen Druckverlusten verbun-
den sind.
Durch Sekund¨
arstr¨
omungen k¨
onnen die mittleren Abst¨
ande zwischen unterschiedlich
konzentrierten Bereichen verkleinert werden, so dass vorhandene L¨
angenskalen bis
hinunter zu ca. 5 −10 µm minimiert werden. Dies gilt insbesondere bei einer Ver-
drillung der Eingangsstr¨
ome. Die so entstehenden Skalen m¨
ussen diffusiv ausgeglichen
werden, um eine homogene Verteilung der Reaktanden zu erreichen. Bei Parallel- oder
Folgereaktionen kann es, durch unzureichende Vermischung auf molekularer Ebene,
zur Beeinflussung der Selektivit¨
aten und der Ausbeuten kommen.
Dabei h¨
angt es von der durchzuf¨
uhrenden Reaktion ab, ob die vorhandenen Struk-
turen diffusiv ausgeglichen werden k¨
onnen. Bei sehr langsamen Reaktionen, deren
1
1 Einleitung und Problemstellung
Zeitskalen (der Reaktionen) im Bereich einiger Sekunden oder gar Minuten liegen, ist
meistens die Diffusionszeit ausreichend. Somit kommt es nicht zu einer Mischungsmas-
kierung der Reaktion. Bei schnellen Reaktionen reicht die Diffusionszeit meist nicht
mehr aus; die Gradienten werden unzureichend abgebaut, und somit wird die statt-
findende Reaktion maskiert von Transportprozessen. In Abbildung 1.1 sind die hier
1mm100µm10µm
1µm
100nm
10nm
1nm0.1nm
chemischeReaktion
Engulfmentflow
Mikro-Mischer
t =
R1ms Diffusion
Konvektion
Apparat
Reaktion
Mikrovermischung
Längenskala
Abbildung 1.1: Die durch das Zusammenspiel von Diffusion und Konvektion entstehenden
L¨
angenskalen bei gleichzeitiger chemischer Reaktion.
beschriebenen L¨
angenskalen dargestellt. Die dort mit Mikrovermischung bezeichnete
Strecke kennzeichnet die Abst¨
ande, die diffusiv, bei einer Zeitskala der Reaktion von
1ms (entspricht einer Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten von 103s−1), ¨
uberwun-
den werden k¨
onnen. Dies bedeutet, dass die Skalen, auf denen die Reaktionspartner
maximal voneinander getrennt vorliegen, h¨
ochstens 100 nm breit sein d¨
urfen, um
keine Beeinflussung der Selektivit¨
aten zu erhalten. Dadurch ergibt sich bei schnellen
chemischen Reaktionen eine L¨
ucke, die es zu ¨
uberbr¨
ucken gilt, um eine Maskierung
der Reaktion zu vermeiden.
Ziel dieser Arbeit ist zum einen ein fundamentales Verst¨
andnis der Transportprozesse
in einem T-f¨
ormigen Mikromischer mit rechteckigem Kanalquerschnitt zu erlangen,
und zum anderen die durch das Zusammenspiel von Konvektion und Diffusion er-
zeugten Skalen n¨
aher zu untersuchen.
2
Untersucht werden die durch Konvektion und Diffusion erzeugten Vermischungen.
Bewertet werden die erzielten Vermischungen zum einen mittels einem von der Dan-
ckwerts´schen Definition der Intensit¨
at der Segregation abgeleitetem Maß. Zum an-
deren wird die Vermischung durch das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen bewertet. Das
letztere ist in voll segregierten Systemen einerseits ein Maß f¨
ur die spezifische Kon-
taktfl¨
ache, andererseits ist es ein Maß f¨
ur die Triebkraft des diffusiven Ausgleichs des
Systems. Dieses gilt f¨
ur den Fall, dass die Gradienten teilweise durch stattfindende
Diffusionsprozesse egalisiert worden sind.
In Systemen, wie z.B. in einem Str¨
omungsrohrreaktor, m¨
ussen, um Selektivit¨
aten und
Ausbeuten chemischer Reaktionen zu maximieren, Vermischungsprozesse in axialer
Richtung minimiert werden. In Analogie zur Diffusion, bezeichnet man diese Pro-
zesse als axiale Dispersion und diese f¨
uhren zu einer Verbreiterung des Verweilzeit-
spektrums eines Reaktors. Radial hingegen m¨
ochte man m¨
oglichst eine homogene
Verteilung erreichen, somit m¨
ussen die Vermischungsprozesse in radialer Richtung in-
tensiviert werden. Um die Prinzipien zu erkennen, die zu einer guten Vermischung in
radialer Richtung bei gleichzeitiger geringer axialer Vermischung f¨
uhren, werden die
Leistungseintr¨
age in axialer sowie in radialer Richtung f¨
ur verschiedene Str¨
omungsbe-
reiche untersucht. Die dadurch erlangten Kenntnisse sollen dazu dienen, Geometrien
und die damit verbundenen Str¨
omungsformen zu optimieren, um so die L¨
ucke, die
bei schnellen Reaktionen auftritt, zu verkleinern, bzw. zu ¨
uberbr¨
ucken.
Die Untersuchungen werden auf der numerischen St¨
omungssimulation basierend durch-
gef¨
uhrt. Dadurch k¨
onnen gezielt sowohl integrale als auch lokale Kenngr¨
oßen er-
mittelt werden, die messtechnisch entweder nicht zug¨
anglich sind oder aber ¨
ort-
lich ungen¨
ugend aufgel¨
ost werden k¨
onnen. Des Weiteren ist es durch die numeri-
sche Str¨
omungssimulation m¨
oglich, zeitlich hochaufgel¨
oste Daten bei instation¨
aren
Str¨
omungs- und Vermischungsverhalten zu erlangen.
Durch den Einsatz hochaufgel¨
oster Rechnungen mit der M¨
oglichkeit der ¨
ortlichen
Verfeinerung des vorhandenen Gitters ist es m¨
oglich, Informationen ¨
uber das Zu-
sammenspiel von Konvektion und Diffusion sowie die dadurch entstehenden integra-
len und feinsten Skalen bei realistischen Schmidt-Zahlen zu erhalten. Des Weiteren
k¨
onnen Informationen ¨
uber das Zusammenspiel von in Querschnittsrichtung einge-
tragener Energie und die damit erzeugten Vermischungen bei diesen Schmidt-Zahlen
gewonnen werden.
3
1 Einleitung und Problemstellung
Die hier durchgef¨
uhrten Arbeiten sind innerhalb des DFG Sonderschwerpunktpro-
gramms (SPP) 1141 ”Analyse, Modellbildung und Berechnung von Str¨
omungsmi-
schern mit und ohne chemische Reaktion“ entstanden. Innerhalb dieses SPP´s be-
steht eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um Prof. R¨
abiger (Institut f¨
ur
Umweltverfahrenstechnik der Universit¨
at Bremen). Die dort erzeugten experimentel-
len Daten dienen zur Validierung der numerischen Simulationen.
4
2 Theoretische Grundlagen und Stand des
Wissens
2.1 Mikrotechnologie
W¨
ahrend der letzen Jahrzehnte ist die Bedeutung der Mikrotechnologie in der chemi-
schen Verfahrenstechnik stark angestiegen (Himmel und Schierholz, 2004). Dabei war
eine wesentliche Voraussetzung die Verf¨
ugbarkeit von preisg¨
unstigen Verfahren zur
Herstellung mikroverfahrenstechnischer Bauteile in ausreichender Pr¨
azision (Hessel
und L¨
owe, 2002). Wurde zu Anfang lediglich Silizium als Grundwerkstoff eingesetzt
und mittels photolithographischer Methoden bearbeitet, so steht heute durch die Wei-
terentwicklung auf dem Gebiet der Mikrostrukturtechnik eine viel gr¨
oßere Bandbreite
an Verfahren und verschiedensten Materialien zur Verf¨
ugung.
Man unterscheidet grunds¨
atzlich f¨
unf verschiedene Arten der Herstellung von mi-
krostrukturierten Bauteilen (Winnacker und K¨
uckler, 2004): feinmechanische, Laser-
ablatons-, Um- und Abformverfahren sowie ¨
Atzverfahren.
Zu den feinmechanischen Verfahren z¨
ahlt neben der Mikrofunkenerosionstechnik die
Mikrozerspanung. Mit der Funkenerosionstechnik lassen sich dabei zwar Strukturen
mit kleinsten Abmessungen von wenigen 10 µm erzeugen, aber diese lediglich mit Ge-
nauigkeiten von ca. 5 µm und einer erheblichen Oberfl¨
achenrauhigkeit. Daher m¨
ussen
so erzeugte Bauteile mit einer anderen Technik nachbearbeitet werden. Mit der Mi-
krozerspanung lassen sich zwar nur Abmessungen der Strukturen von bis zu 50 µm
erreichen, doch diese in einer weitaus gr¨
oßeren Pr¨
azision. Die sich ergebenen Wandrau-
higkeiten, d.h. die mittleren Abweichungen vom Mittelwert der Erh¨
ohungen auf der
Wand, betragen hierbei etwa 1 µm. Bei dieser Herstellungstechnik wird das Werkst¨
uck
durch Mikro-Bohrer bearbeitet.
Beim Laserablationsverfahren wird das Werkst¨
uck - meist Metallfolien oder Werk-
5
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
st¨
ucke aus Kunststoff - durch verschiedene Laser perforiert oder auch zerschnitten.
Die so entstandenen Werkst¨
ucke besitzen Bohrungsdurchmesser von ca. 30 µm mit ei-
ner lateralen Genauigkeit von 0,8µm im Falle eines Excimer-Lasers. Da diese Technik
zur Zeit noch unwirtschaftlich arbeitet, ist dieses Herstellungsverfahren meist unat-
traktiv.
Bei den Umformverfahren werden zum einen durch Pr¨
agen in Thermoplaste oder
in Aluminium- bzw. Stahlfolien Abdr¨
ucke von Werkzeugen erhalten. Zum anderen
k¨
onnen durch das Stanzen von d¨
unnen Folien mit anschließendem Stapeln und Ver-
l¨
oten/Verschweißen mikrostrukturierte Kan¨
ale erhalten werden. Diese Technik, mit
sehr guter Pr¨
azision und kleinen Wandrauhigkeiten, stellt ein preiswertes Verfahren
zur technischen Massenfertigung von Bauelementen dar. Bei den Abformverfahren
wird, neben dem galvanischen Abformen, das Spritzgießen verwendet. Dabei wird
das Material in die vorher evakuierte und beheizte Spritzform gegeben. M¨
ogliche ver-
wendbare Materialien sind hierbei Kunststoff, Keramik oder Metall, wobei die zuletzt
genannten immer mit einem Kunststoff als Mischgranulat verwendet werden m¨
ussen.
Ein weit verbreitetes Verfahren ist das ¨
Atzverfahren, wobei man zwischen dem nass-
chemischen und dem trockenen ¨
Atzverfahren unterscheidet. Beim nasschemischen
¨
Atzen wird durch das Auflegen einer Maske eine Form vorgegeben. Beim ¨
Atzen in
St¨
ahlen kommt es dabei allerdings zum isotropen ¨
Atzen, da der ¨
Atzvorgang in alle
Richtungen stattfindet - auch unterhalb der Maske. Dieses muss man daher bei der
Herstellung der Masken ber¨
ucksichtigen. Durch das nasschemische ¨
Atzen von St¨
ahlen
lassen sich gezielt halbrunde Formen herstellen, die durch ein nachtr¨
agliches Verschlie-
ßen mit einer Platte zu Mikrokan¨
alen werden. Allerdings ist man hierbei im Design
beschr¨
ankt, da nur bestimmte H¨
ohe-zu-Breite Verh¨
altnisse erzielt werden k¨
onnen.
Anders verh¨
alt es sich beim nasschemischen ¨
Atzen in Silizium bzw. in speziellen
Gl¨
asern. Dabei kommt es zu anisotropen ¨
Atzvorg¨
angen, d.h. es gibt eine Vorzugs-
richtung in der ge¨
atzt wird. So lassen sich Kan¨
ale mit scharfen Kanten herstellen.
Bei der zweit genannten Art des ¨
Atzverfahrens - das trockene ¨
Atzverfahren - ist f¨
ur
das ¨
Atzen von Silizium entwickelt worden. Dabei wird ein reaktives Gas in einem
Plasma aktiviert und anschließend auf eine Oberfl¨
ache hin beschleunigt. An den Stel-
len, die durch die Maske freigegeben sind, reagiert das Gas, z.B. SF6, wodurch eine
fl¨
uchtige Siliziumverbindung entsteht. Eine Variante dieses reaktiven Ionen¨
atzens ist
das Advanced Silicon Etching, bei dem abwechselnd ¨
Atz- und Passivierungsschritte
6
2.1 Mikrotechnologie
durchgef¨
uhrt werden. Mit Hilfe dieses Verfahrens lassen sich stark anisotrope Profile
exakt fertigen.
2.1.1 Mikromischer
Die Aufgaben der heutigen mikrostrukturierten Apparate sind mannigfaltig. Auf der
einen Seite gibt es sehr spezielle Bauteile, wie sie meist zur Pr¨
aparation f¨
ur chemi-
sche Analysen ben¨
otigt werden (Pennemann et al., 2004, Y. Yamaguchi et al., 2006).
Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Standard-Komponenten im Mikro-
maßstab, die verfahrenstechnische Grundoperationen wie Mischen, W¨
armeaustausch,
Verdampfen und Destillation, etc. ¨
ubernehmen (Schubert et al., 2001, Foli et al.,
2006,Tsukamoto und Imai, 2006). Die letzte Gruppe, speziell Mikromischer, soll im
Folgenden n¨
aher besprochen werden.
Prinzipiell unterscheidet man zwei verschiedene Arten von Mikromischern (Hessel
et al., 2005a, Nguyen und Wu, 2005). Zum einen passive Mikromischer, also Mischer,
die allein dadurch mischen, dass durch eine angelegte Druckdifferenz Str¨
omungsener-
gie eingetragen wird. Zum anderen wird bei aktiven Mischern zus¨
atzlich Energie ein-
getragen (Hessel et al., 2005b). Dies kann beispielsweise durch ein zus¨
atzliches R¨
uhr-
organ (Lu et al., 2002), durch Ultraschall (Yang et al., 2001), akustisch oder durch
Blasen induzierte Schwingungen (Liu et al., 2002) erfolgen. Dar¨
uber hinaus kann die
zus¨
atzliche Energie auch durch elektrokinetische Instabilit¨
aten (Moctar et al., 2003),
durch periodische ¨
Anderungen der Volumenstr¨
ome (MacInnes et al., 2005), durch
schwingende Membranen (Fu et al., 2006) oder mittels magnetohydodynamischen Ef-
fekten (West et al., 2002) eingetragen werden.
Aufgrund ihrer Einfachheit waren passive Mikromischer die ersten mikrofluidischen
Komponenten, von denen haupts¨
achlich berichtet wurde (Nguyen und Wu, 2005).
Dadurch, dass im Mikromaßstab vornehmlich strikt laminare Str¨
omungsformen reali-
siert werden, und die Vermischung chemischer Spezies in diesen Bereichen vornehm-
lich durch Diffusion erfolgt, war ein erstes Ziel die Reduzierung von Diffusionsl¨
angen.
Bei den einfachsten Geometrien, den sogenannten T- und Y-f¨
ormigen Mikromischern,
werden h¨
aufig bei relativ niedrigen Reynolds-Zahlen zwei Fluidstr¨
ome nebeneinander
in den Mischkanal hinein eingestr¨
omt. Die Segregation bewegt sich dabei jeweils auf
L¨
angenskalen, die der H¨
alfte der Breite des Kanals entsprechen. Im Fall von gasf¨
ormi-
7
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
gen Spezies mit relativ großen Diffusionskoeffizienten k¨
onnen so kurze Diffusionszeiten
bzw. Mischl¨
angen erreicht werden (Gobby et al., 2001). Im Fall von Fl¨
ussigkeiten, in
denen Spezies in der Regel einen, um den Faktor 103kleineren Diffusionskoeffizien-
ten haben, sind die notwendigen Mischzeiten sehr groß. Daher muss die Skala der
zu ¨
uberbr¨
uckenden Segregation weiter reduziert werden. Die Skalen k¨
onnen z.B. mit
Hilfe einer geeigneten Sekund¨
arstr¨
omung, die senkrechte Komponenten der Geschwin-
digkeit zur Hauptstr¨
omungsrichtung besitzt, weiter reduziert werden. Dieses wird im
Falle von gebogenen Kan¨
alen mit Hilfe von Dean-Wirbeln erreicht (Dean, 1928, Tiwa-
ri, 2006) oder im Falle von T-f¨
ormigen Mikromischern durch Engulfment-Str¨
omung
(Wong et al., 2004). Bei geeigneten Reynolds-Zahlen lassen sich in zickzack-f¨
ormigen
Mikrokan¨
alen Sekund¨
arstr¨
omungen erzeugen, die ¨
ahnlich den Dean-Wirbeln zur Re-
duktion vorhandener Schichtstrukturen dienen k¨
onnen (Mengenaud et al., 2002).
Zur Erzeugung d¨
unner Lamellen in Bereichen kleiner Reynolds-Zahlen wurden eine
Vielzahl von Geometrien entwickelt und sowohl numerisch als auch experimentell un-
tersucht. Ein Beispiel zur Erzeugung kleiner Lamellen ist der Interdigitalmischer der
Firma IMM aus Mainz, der eine Vielzahl von einzelnen Str¨
omen erzeugt und diese
f¨
acherartig zulaufend nebeneinander kombiniert. Andere Bauweisen, die auf der glei-
chen Funktionsweise beruht, sind Multilaminationsmischplatten mit entweder gera-
den oder gekr¨
ummten Zuf¨
uhrungen (Karlsruhe, 2002). Die so erzeugten Lamellen sind
sehr viel kleiner als die Kanalbreite und k¨
onnen daher diffusiv schneller ausgeglichen
werden. Eine andere, verwandte Technik ist die Verengung des Kanals mittels z.B.
Einschn¨
urungen beim Einlass in den Mischkanal (Gobby et al., 2001). Da die Reduzie-
rung der Diffusionsl¨
angen aber mit einem erheblich h¨
oheren Druckabfall einhergeht,
ist diese Methode wenig effizient. Bei einer anderen Methode werden vorhandene Ska-
len durch immer wiederkehrendes Trennen und Wiedervereinen (split and recombine)
von vorhandenen, geschichteten Lamellen reduziert. Dieses ist allerdings mit einer
erheblich komplizierteren Kanalgeometrie verbunden (Sch¨
onfeld et al., 2004).
Ein aus der Makrowelt bekanntes und untersuchtes Prinzip, mit der durch Segre-
gation entstandene Skalen exponenziell reduziert werden k¨
onnen, ist die chaotische
Advektion (Aref, 1984). Sie kann zum einen durch einen zus¨
atzlichen Energieeintrag,
wie im Falle von aktiven Mischern, oder zum anderen durch geeignete Einbauten im
Falle statischer (passiver) Mischer erzeugt werden. Die chaotische Advektion kann
in einem station¨
aren dreidimensionalen oder aber in einem instation¨
aren zweidimen-
8
2.1 Mikrotechnologie
sionalen Geschwindigkeitsfeld auftreten. Durch eine Kombination von Strecken und
Falten (stretching and folding) von Filamenten werden die vorhandenen Schichtdicken
exponentiell verkleinert. (Mizuno und Funakoshi, 2004, Szalai et al., 2003)
Zu diesem Zweck wurden mikrostrukturierte Mischergeometrien entwickelt, die durch
statische Einbauten das Strecken und Falten von Filamenten induzieren. Ein Beispiel
daf¨
ur ist der Herringbone-Mischer (Stroock et al., 2002), der aus einem Kanal mit
rechteckigem Querschnitt besteht. Zus¨
atzlich sind kleine Riefen in Form von Fisch-
gr¨
at-Mustern am Boden eingelassen (Aubin et al., 2005, Camesasca et al., 2005). Da-
durch werden in der Str¨
omung Wirbelstrukturen erzeugt, die, je nach Riefenmuster,
die Gr¨
oße und Lage der einzelnen Wirbel beeinflussen. Auf einem ¨
ahnlichen Prin-
zip beruht der Effekt von statischen Einbauten in kreisf¨
ormigen (Mini-)Mischern, bei
denen oszillierende Str¨
omungen - auch bei kleinen Reynolds-Zahlen - hervorgerufen
werden k¨
onnen (Mackley, 1987). Durch diese Betriebsweise kann, aufgrund der Oszil-
lationen, ein deutlich energes Verweilzeitsprektrum erreicht werden.
Andere Geometrien, die ¨
ahnlich kurze Mischzeiten besitzen, sind statische Mikro-
Mischer, die, basierend auf industriell verwendeten Makro-Mischern, adaptiert wur-
den. So untersuchte die Gruppe um (Bertsch et al., 2001) zwei Mikro-Mischer, die mit-
tels eingebauter und zueinander verdrehter Platten Vermischungsprozesse beschleu-
nigten.
2.1.2 Technische Anwendungen
In den letzten Jahren ist das Interesse an der Durchf¨
uhrung von Reaktionen im Mi-
kromaßstab gestiegen. Dabei zeigen sich Vorteile der Mikroabmessungen, die nicht
nur auf Ausbeuten- und Selektivit¨
atssteigerungen beschr¨
ankt sind, sondern auch die
Prozesssicherheit und die Steigerung der Produktqualit¨
at betreffen.
In ihrem Review zeigen (Pennemann et al., 2004) durch eine Vielzahl durchgef¨
uhrter
Benchmark Tests mit verschiedensten Reaktionen, dass durch den Einsatz der Mi-
krotechnologie die Raum-Zeit-Ausbeuten vieler Reaktionen stark gesteigert werden
konnten. Dabei wurden f¨
ur sehr regide Reaktionsbedingungen entweder gleiche oder
sogar h¨
ohere Ausbeuten erhalten (Jensen und Seeberger, 2005). Selbst direkte Fluo-
rierungen k¨
onnen in Mikroreaktoren bei Raumtemperatur durchgef¨
uhrt werden (L¨
ob
et al., 2004, Kawai et al., 2005). ¨
Ahnliche Vergleiche, die zu demselben Fazit gelan-
9
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
gen, sind in (Wiles et al., 2005) f¨
ur wichtige organische Standardreaktionen wie z.B.
Aldolreaktionen, Michaeladditionen oder Kn¨
ovenagel-Kondensationen zusammenge-
stellt. Dabei bestehen keine Einschr¨
ankungen bei der Verwendung von homogenen
bzw. heterogenen Katalysatoren (Fletcher et al., 2002, Mauger et al., 2005).
Im Gegensatz zu herk¨
ommlichen Reaktoren k¨
onnen Gefahren, selbst bei explosions-
gef¨
ahrdeten Stoffen, durch die kleinen Reaktionsvolumina vermieden werden. Bei-
spielsweise ist seit ca. 2005 bei der Firma Xi’an Chemical Industrie Group, China
eine mikrostrukturierte Reaktionsanlage mit einem Durchsatz von ca. 15 kg/h zur
Herstellung von Nitroglycerin erfolgreich in Betrieb (L¨
owe, 2005).
Zur Vermeidung von Fouling-Prozessen an statischen Mischern bei der radikalischen
L¨
osungspolymerisation von Acrylaten verwendet die Firma Axia, Frankfurt Mikromi-
scher und erreicht damit neben einer Verbesserung der Produktqualit¨
at auch k¨
urzere
Wartungszeiten (Hessel und L¨
owe, 2003). In diesem Verfahren werden 32 parallel ge-
schaltete Mikroreaktoren dazu benutzt, die Reaktionsl¨
osung vorzumischen. Die Firma
Merck, Darmstadt, ersetzte 1998 eine Batch-Anlage durch f¨
unf parallel geschaltete
Minimischer zur Herstellung von Feinchemikalien. Dadurch wurden Ausbeutungsstei-
gerungen gegen¨
uber dem Batch-Betrieb von ca. 25 % erreicht.
Es l¨
asst sich zusammenfassen, dass durch die durchgef¨
uhrten Untersuchungen und
Forschungsanstrengungen in den letzten Jahren gezeigt werden konnte, dass die Ver-
wendung von Mikroreaktoren in einigen Bereichen zu Verbesserungen der Raum-Zeit-
Ausbeuten sowie der Handhabbarkeit bestimmter Reaktionstypen f¨
uhren kann. Zur
Zeit werden zunehmend neben Pilot-Anlagen auch einige Anlagen f¨
ur großtechnisch
durchgef¨
uhrte Prozesse in Betrieb genommen.
2.2 Skalen
Bei Reaktionen, bei denen zwei oder mehr Spezies chemisch reagieren, ist eine not-
wendige Voraussetzung die Vermischung auf molekularer Ebene. Dabei beeinflusst
die Homogenit¨
at der Vermischung Ausbeuten sowie Selektivit¨
aten. In Abh¨
angigkeit
der bei Reaktionen vorkommenden verschiedenen Zeitskalen, k¨
onnen sich starke Ein-
fl¨
usse in den Selektivit¨
aten ergeben (Roessler und Rys, 2001, Vgl. Abb. 2.1). Be-
trachtet man eine konsekutive Reaktion, bei der in einem ersten Schritt zwei Kom-
ponenten, A und B, zu einem Zwischenprodukt R reagieren, so kann nachfolgend
10
2.2 Skalen
das entstandene R wiederum mit einem Edukt B weiter reagieren. Oft unterschei-
den sich die Geschwindigkeitskonstanten der beiden Teilschritte in der Art, dass die
erste Reaktion bevorzugt, d.h. schneller abl¨
auft. In der Praxis gibt es eine Reihe sol-
cher Reaktionen wie z.B. Chlorierungen an aromatischen Systemen, bei denen durch
den ersten Reaktionsschritt die Reaktivit¨
at des Zwischenproduktes gesenkt und so-
mit der zweite Reaktionsschritt verlangsamt wird. Vergleicht man nun die Zeitskala
der Reaktion (des ersten Teilschrittes) mit der Zeitskala der Vermischung, so erge-
ben sich prinzipiell zwei verschiedene M¨
oglichkeiten: zum einen, dass die Zeitskala
der Reaktion gr¨
oßer ist, als die Zeitskala der Vermischung, d.h., dass die Reaktion
langsamer ist als die Vermischungungsprozesse. Zum anderen, dass die Zeitskala der
Vermischung gr¨
oßer ist, als die Zeitskala der Reaktion, das System also viel schneller
reagiert, als es sich vermischt. Da im ersten Fall die Reaktion langsam (bezogen auf
die Zeit, die die Vermischung ben¨
otigt) ist, hat das System gen¨
ugend Zeit sich ho-
mogen zu vermischen. Daher reagieren A und B, die nun homogen verteilt vorliegen,
zu dem Zwischenprodukt, wobei im Fall stochiometrischer Startbedingungen nahezu
alles B verbraucht wird. So kann die nachfolgende Reaktion mangels des Eduktes
nicht stattfinden. Daher bleibt ein Reaktionssystem, bei dem die Edukte st¨
ochiome-
trisch zugegeben wurden und die Zeitskala der Reaktion sehr viel gr¨
oßer ist als die
Zeitskala der Vermischung auf der Stufe des Zwischenproduktes stehen. Im anderen
Fall, in dem die Zeitskala der Reaktion sehr viel kleiner ist als die Zeitskala der Ver-
mischung, reagieren die Edukte, noch bevor es zu einer signifikanten Vermischung
kommt (Abb. 2.1 (rechts)). An der Kontaktfl¨
ache der beiden Edukte kommt es daher
zur Bildung des Zwischenproduktes R, welches die beiden Reaktionspartner vonein-
ander trennt. Durch die Separation liegen nun lediglich das Zwischenprodukt und das
Edukt B als reaktive Komponenten nebeneinander vor. Es kommt daher zur Folge-
reaktion und es entsteht das Produkt S. Nach vollst¨
andiger Reaktion besteht daher
das Reaktionssystem nahezu ausschließlich aus dem Produkt S.
Diese vereinfachte Betrachtungsweise zeigt bereits, dass das Verh¨
altnis der beiden
Zeitskalen (die der Vermischung und die der Reaktion) f¨
ur die Selektivit¨
at von Reak-
tionen von entscheidender Bedeutung ist.
Vermischungsprozesse sind gekennzeichnet durch den diffusiven Abbau feinster Ska-
11
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
Zeit
A
B B
R S
Abbildung 2.1: Schematische Darstellung des Reaktionsverlaufes einer Konsekutiv-
Reaktion, bei der zum einen die Zeitskala der Reaktion gr¨
oßer (rechts)
und zum anderen kleiner ist (links), als die Zeitskala der Vermischung
(Roessler und Rys, 2001).
len. Dabei ist die Zeitskala der Vermischung gegeben durch die Zeitskala der Diffusion
τD=d2
D,(2.1)
wobei Dder Diffusionskoeffizient der Spezies und dder diffusiv zu ¨
uberbr¨
uckende
Abstand ist. Im Falle einer Reaktion 1. Ordnung kann die Zeitskala der Reaktion
formuliert werden als
τR=1
k cn−1,(2.2)
mit der Reaktionsgeschwindigkeitskonstante k.
Die dimensionslose Kennzahl DaII gibt das Verh¨
altnis dieser beiden Zeitskalen an,
DaII =τD
τR
=d2k cn−1
D,(2.3)
wobei die Kennzahl umso kleiner wird, desto schneller Diffusionsprozesse sind, bzw.
desto langsamer die Reaktion abl¨
auft.
12
2.2 Skalen
Um sicherzustellen, dass die Zeit, die das System zur Verf¨
ugung hat um feinste Skalen
diffusiv abbauen zu k¨
onnen ausreichend ist, m¨
ussen die Diffusionsprozesse ca. 100 mal
schneller sein, als die dazugeh¨
origen Reaktionsprozesse.
Um eine chemische Reaktion zu erm¨
oglichen, ist es zus¨
atzlich notwendig, dass die
Reaktionspartner in direkten Kontakt treten. Dieses findet im Subnanometer-Bereich
statt. In Abbildung 2.2 sind f¨
ur drei unterschiedlich große Zeitskalen der Reaktion
die dazugeh¨
origen L¨
angen aufgetragen, die diffusiv ¨
uberbr¨
uckt werden k¨
onnen, ohne
dass die Reaktion durch Transportprozesse maskiert wird. Eine Maskierung in diesem
Zusammenhang bedeutet, dass die Transportprozesse auch geschwindigkeitsbestim-
mend, aber nicht -limitierend f¨
ur die durchzuf¨
uhrende Reaktion sind (Roessler und
Rys, 2001). Maskierungen durch Diffusionsprozesse treten nicht auf, wenn diese ca.
100 mal schneller ablaufen als die chemische Reaktion, daher gilt f¨
ur die dazugeh¨
orige
Zeitskala τD= 10−2τR. Die Strecke, die diffusiv in dieser Zeit ¨
uberwunden werden
1mm100µm10µm
1µm
100nm
10nm
1nm0.1nm
chemischeReaktion
t =
R1ms
Diffusion
Reaktion
Längenskala
t =
R1s
t =
R100s
Abbildung 2.2: Diffusiv ¨
uberwindbare Distanzen f¨
ur drei Reaktionen mit unterschied-
lich großen Zeitskalen der Reaktion. Angenommen wurde jeweils, dass die
Zeitskala der Diffusion 100 mal kleiner als die der Reaktion ist.
kann, berechnet sich aus
d=p10−2τRD. (2.4)
Bei einem realistischen Diffusionskoeffizienten von 10−9m2/s ergibt sich daher f¨
ur
schnelle Reaktionen ein Wert von ca. 100 nm. Das bedeutet, dass die Skalen, auf
denen die verschiedenen Reaktionspartner voneinander getrennt vorliegen, h¨
ochstens
100 nm breit sein d¨
urfen, damit die Reaktion homogen ablaufen kann. Bei normal
13
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
schnellen Reaktionen, bei denen die Zeitskala der Reaktion ca. 1 sentspricht, liegt
die ¨
uberwindbare Skala schon bei ca. 3 µm. Bei den langsamen Reaktionen, mit da-
zugeh¨
orenden Zeitskalen von mehreren Minuten, ergibt sich so die durch Diffusion
¨
uberbr¨
uckbare Strecke zu 30 µm.
Man erkennt, dass selbst schon bei der Bestimmung von Geschwindigkeitskonstanten
bei normal schnellen Reaktionen diese wahrscheinlich durch Transportprozesse ¨
uber-
lagert sind. Bei schnellen oder gar sehr schnellen (quasi-instantanten) Reaktionen,
deren Zeitskalen unter 1 µs sind, k¨
onnen die entstandenen Skalen nicht mehr diffusiv
¨
uberwunden werden.
Da diffuse Fl¨
usse mit der Oberfl¨
ache skalieren, w¨
ahrend die entsprechenden Quellen
und Senken proportional zum Volumen sind, wurde erwartet, dass durch eine Ver-
kleinerung der charakteristischen L¨
angen die Skalen ¨
uberbr¨
uckt werden k¨
onnen. Es
wird in diesem Zusammenhang in der Literatur derzeit diskutiert, ob und in welchem
Maße Str¨
omungen eines Fluids in Mikrokan¨
alen sogenannte Mikroeffekte aufweisen
k¨
onnen (Herwig, 2002; Herwig und Hausner, 2003; Gad-el Hak, 1999; Gad-el Hak,
2004; Guo und Li, 2003; Koo und Kleinstreuer, 2003; Koo und Kleinstreuer, 2004;
Stone et al., 2004). F¨
ur Str¨
omungen von newtonschen Fl¨
ussigkeiten in Kan¨
alen mit
Wandabst¨
anden oberhalb von 10 µm gibt es zur Zeit keine Anzeichen f¨
ur Abweichun-
gen von den, f¨
ur Makrosysteme verwendeten Beschreibungen (Guo und Li, 2003). Die
Grundlage f¨
ur die Beschreibung des Impulstransports bilden die Navier-Stokes´schen
Gleichungen (2.5), hier in der dimensionslosen Formulierung
∂tu+u·∇u=−∇p+1
Re∆umit Re = UdH
ν(2.5)
mit an festen W¨
anden gelten Haftbedingungen. Im Falle geometrischer ¨
Ahnlichkeit,
sowie bei entsprechend skalierten Ein- und Auslassbedingungen, wird das Str¨
omungs-
verhalten unabh¨
angig von den vorliegenden Abmessungen des Systems allein durch
die Reynolds-Zahl bestimmt. Daher bieten Mikrosysteme bez¨
uglich des Str¨
omungs-
verhaltens keinen prinzipiellen Vorteil gegen¨
uber dem Makrometermaßstab (Bothe
et al., 2004).
Der Transport einer chemischen Komponente, die ideal verd¨
unnt in dieser Str¨
omung
transportiert wird, wird beschrieben durch die Speziesgleichung (2.6).
∂tci+u·∇ci=1
Re Sc∆cimit Sc = ν
D.(2.6)
14
2.2 Skalen
Selbst die L¨
osungen des vollen Systems der Gleichungen 2.5 und 2.6 sind, bei geeig-
neter Skalierung, unabh¨
angig von den wahren geometrischen Abmessungen.
Wird allerdings die Speziesgleichung um einen reaktiven Term erweitert, hier ex-
emplarisch f¨
ur eine Reaktion 1. Ordnung (2.7), so kann eine chemisch-physikalische
¨
Ahnlichkeit nicht mehr erreicht werden.
∂tci+u·∇ci=1
Re Sc∆ci−dH
LDaIcimit DaI=kL
U,(2.7)
bzw.
∂tci+u·∇ci=1
Re Sc (∆ci−DaIIci) mit DaII =d2
Hk
D(2.8)
Dies erkennt man daran, dass in der Reynold-Zahl das Produkt UL und in der Damm-
k¨
ohler(I)-Zahl der Quotient L/U, bzw. in der Dammk¨
ohler(II)-Zahl der Faktor d2
H
allein auftritt. Daher k¨
onnen, bei gleichbleibendem (dH/L)-Verh¨
altnis, beim Scaling
Down nicht beide Kennzahlen konstant gehalten werden.
Um den Skalierungseffekt zu quantifizieren wird im Folgenden ein geometrischer Ska-
lierungsfaktor λmit λ¿1 eingef¨
uhrt (Vgl. dazu Bothe et al., 2006), wobei gelte:
L0=λ L und d0
H=λ dH. Des Weiteren wird, um dieselben Str¨
omungsbedingungen
zu erhalten, die mittlere Str¨
omungsgeschwindigkeit wie folgt skaliert U0=U/λ, wobei
zu beachten ist, dass der neue Volumenfluss durch λ˙
Vverringert wird.
Der resultierende Satz von dimensionslosen Kennzahlen f¨
ur das Mikro- sowie f¨
ur das
Makro-System lautet damit:
Re0= Re,Sc0= Sc,aber Da0
I=λ2DaI.(2.9)
Betrachtet man die zu den Teilprozessen Konvektion, Diffusion und Reaktion geh¨
oren-
den Zeitskalen
τK=L
U, τD=d2
H
D, τR=1
k,(2.10)
sowie die unter den gleichen Bedingungen wie oben skalierten Zeitskalen
τ0
K=λ2τK, τ0
D=λ2τD, τ0
R=τR,(2.11)
so ist auch unmittelbar klar, dass bei Verkleinerung der Abmessungen die durch Kon-
vektion bestimmte Verweilzeit τKsowie die Diffusionszeit τDproportional abnimmt,
15
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
w¨
ahrend die Reaktionszeit τRkonstant bleibt.
Die dimensionslose Kennzahl Dammk¨
ohler(II) vergleicht die Zeitskala der Diffusion
(τD=d2
H
D) mit der Zeitskala der Reaktion (τR=1
k). Da auch Dammk¨
ohler(II) f¨
ur das
Mikrosystem mit dem Faktor λ2verkleinert wird, ergibt sich somit, dass die Zeitskala
der Diffusion im Vergleich zur Zeitskala der Reaktion stark verkleinert, bzw. dass die
Diffusion bezogen auf die Zeitskala der Reaktion schneller abl¨
auft. Ein kleiner Wert
f¨
ur die Zeitskala bedeutet, dass die dazugeh¨
origen Prozesse schnell ablaufen, daher
bedeutet eine Verkleinerung der Dammk¨
ohler(II)-Zahl eine Beschleunigung der Diffu-
sion bezogen auf Reaktionsprozesse, bzw. eine Verlangsamung der Reaktion bezogen
auf Diffusionsprozesse.
Damit bietet der Einsatz von Mikroreaktoren neben M¨
oglichkeiten zur Selektivit¨
ats-
steigerung (Yoshida et al., 2005) auch Ans¨
atzen zur Ermittlung von kinetischen Kon-
stanten f¨
ur schnelle chemische Reaktionen (Baroud et al., 2003), bei denen durch
herk¨
ommliche Bestimmung diese meist durch Transportprozesse verf¨
alscht werden
(Rys, 1992).
Besonders bei schnellen chemischen Reaktionen m¨
ussen Effekte der W¨
armebildung
und der W¨
armeabfuhr ber¨
ucksichtigt werden. Im Falle einer exothermen Reaktion
1. Ordnung kann die dimensionslose W¨
armebilanz formuliert werden zu
∂tϑ+u·∇ϑ=1
Re Pr∆ϑ+Ec
ReS:∇u+dH
LDaIIIc(2.12)
mit
ϑ=T−T0
T0
,Pr = ν
α,Ec = U2
ˆcPT0
,DaIII =(−∆RH)kc0
ρˆcPT0U/L .(2.13)
Pr bezeichnet die Prandtl-Zahl, die die durch innerer Reibung erzeugte W¨
arme und
die durch die Str¨
omung abgef¨
uhrten W¨
arme ins Verh¨
altnis setzt. Ec ist die Eckert-
Zahl, die das Verh¨
altnis von kinetischer zu thermischer Energie angibt und DaIII ist
die Damk¨
ohler(III)-Zahl, die die maximale Rate der W¨
armeproduktion durch Reak-
tion ins Verh¨
altnis setzt mit der durch Konvektion antransportieren W¨
arme.
Der Term (Ec/Re) S:∇uin Gleichung 2.12 korrespondiert mit der durch viskose
Reibung hervorgerufene Erw¨
armung, mit dem viskosen Spannungstensor in dimen-
sionsloser Form S=η(∇u+∇uT) und dem durch Doppelpunktprodukt S:∇u=
spur(S·∇u) definierten Tensorinnenprodukt.
Zus¨
atzlich muss die W¨
armebilanz noch durch geeignete Randbedingungen erg¨
anzt
16
2.2 Skalen
werden. Hierzu z¨
ahlen vor allem Bedingungen f¨
ur die Temperatur an festen W¨
anden.
Die Randbedingung wird erhalten, indem die betreffenden W¨
armestr¨
ome (W¨
arme-
transport an die Wand und W¨
armedurchgang durch die Wand) gleich gesetzt werden.
Durch zus¨
atzlich Annahme einer konstanten Umgebungstemperatur und der Quasi-
Stationarit¨
at bzgl. der W¨
armeleitung in der Wand erh¨
alt man:
α∂ϑ
∂n=−αWNu dH
dW
(ϑ−ϑW),(2.14)
mit
ϑW=TW−T0
T0
,Nu =
∂T
∂n
TW−T
dW
,(2.15)
wobei Nu die lokale Nusselt-Zahl bezeichnet, die das Verh¨
altnis zwischen W¨
arme¨
uber-
gang und -leitung beschreibt. Angenommen wird dabei, dass die Wandtemperatur TW
konstant ist.
Um die ¨
Anderungen der W¨
armeproduktion zu erkennen, die durch Miniaturisierung
hervorgerufen werden, werden wiederum die charakteristischen L¨
angen mit einem
Skalierungsfaktor λmit λ¿1 verringert. In Analogie zur Skalierung der Navier-
Stokes´schen Gleichungen, sei L0=λ L,d0
H=λ dHund U0=U/λ. Die sich daraus
ergebenen dimensionslosen Kennzahlen des Systems lauten:
Re0= Re,Pr0= Pr,aber Ec0=λ−2Ec,Da0
III =λ2DaIII.(2.16)
Es ist zu erkennen, dass die viskose Erw¨
armung bei einer Verkleinerung der charakte-
ristischen L¨
angenskalen bis hinein in den Mikromaßstab immer st¨
arker an Bedeutung
gewinnt. Dies wurde bereits durch experimentelle Untersuchungen, sowie durch Si-
mulationsrechnungen (Koo und Kleinstreuer, 2004 und Morini, 2005) gefunden. Im
selben Maße, wie die viskose Erw¨
armung ansteigt, f¨
allt die durch Reaktion erzeugte
W¨
arme. Das bedeutet, dass durch eine Reduktion der charakteristischen L¨
angen die
W¨
armeproduktion im Vergleich zu Makrosystemen abnimmt, falls viskose Erw¨
armung
noch keine Rolle spielt.
Um eine exotherme Reaktion in einem Reaktor kontrollieren zu k¨
onnen, ist es er-
forderlich, W¨
arme ¨
uber die ¨
außere Wand abzuf¨
uhren, womit gelten muss: ϑW< ϑ.
Mathematisch fungiert deshalb die Randbedingung der ¨
außeren Wand als Senkenterm
der W¨
armebilanz (Gleichung 2.12). Um den Prozess durch Vergleich aller Quell- und
17
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
Senkenterme bewerten zu k¨
onnen, muss daher die Randbedingung, welche nur auf
dem Rand definiert ist, in eine volumenbezogene Senke umformuliert werden. Durch
Integration ¨
uber ein axiales Segment mit konstantem Kanalquerschnitt ergibt sich die
Randbedingung 2.14 in dimensionsloser Formulierung zu
QW=−4 Nu
Re PrW
dH
dWhϑ−ϑWi∂A (2.17)
f¨
ur einen kreisf¨
ormigen Kanalquerschnitt mit |∂A|=πdH. Da in der Praxis bei ei-
ner Verkleinerung der geometrischen Abmessungen in der Regel die charakteristischen
L¨
angen und die Wanddicken des Reaktors nicht in gleicher Weise herunterskaliert wer-
den k¨
onnen, ergibt sich hierf¨
ur ein ver¨
andertes Verh¨
altnis von hydraulischem Durch-
messer zu Wanddicke
µdH
dW¶0
=λ0...1µdH
dW¶.(2.18)
F¨
ur den Fall, dass hydraulischer Durchmesser und Wanddicke in der gleichen Weise
skalieren, gibt es keinen Einfluss (Exponent von λist gleich Null). Im Fall, dass die
Wand ¨
uberhaupt nicht verkleinert wird, kann der Exponent von λmaximal den Wert
1 annehmen. Es ergibt sich somit maximal ein linearer Abfall des W¨
armetransportes
durch die Wand.
Damit ist die volumetrische Rate der W¨
arme¨
anderung Qges als Funktion des Skalie-
rungsparameters λzu (Bothe et al., 2006)
Qges =λ−2QV+λ2QR−λ0...1QWhϑ−ϑWi∂A (2.19)
gegeben. Hier bezeichnet QVdie volumetrische Rate der W¨
arme¨
anderung durch vis-
kose Erw¨
armung und QRdie Rate durch chemische Reaktion.
Zusammenfassend l¨
asst sich sagen, dass bei einer geeigneten Skalierung in Bereichen,
in denen die viskose Erw¨
armung keine Rolle spielt (Xu et al., 2003), Mikro-Reaktoren
thermisch besser zu kontrollieren sind als die entsprechenden Makro-Reaktoren. Dies
liegt daran, dass, die W¨
armeproduktion durch chemische Reaktion mit einem Faktor
von λ−2verringert wird, der W¨
armedurchgang durch die Wand aber maximal mit
einem Faktor von λ.
18
2.3 Beurteilung der Mischqualit¨
at bzw. des Mischzustandes
2.3 Beurteilung der Mischqualit¨
at bzw. des
Mischzustandes
Das Mischen stellt wohl die ¨
alteste verfahrenstechnische Grundoperation dar. Dabei
bezieht sich der Begriff Mischen nicht nur auf das Homogenisieren voll ineinander
mischbarer Fluide, sondern beinhaltet dar¨
uber hinaus auch das Dispergieren, also
die Verteilung von Gasen in Fluiden als auch das Suspendieren, die Verteilung fester
Partikel in fluiden Phasen (Rielly et al., 1994).
Großtechnisch stellt der Mischprozess, besonders bei Fl¨
ussigkeiten und insbesondere
bei hohen Viskosit¨
aten, ein großes Problem dar. Da der Aufwand umso gr¨
oßer wird, je
n¨
aher der ideale Mischzustand erreicht wird, ist die Quantifizierung der Vermischung
eines Systems von besonderem Interesse. Daher werden in dem folgenden Kapitel
einige wichtige Quantifizierungsm¨
oglichkeiten vorgestellt.
2.3.1 Statistische Beurteilungen
In der Literatur gibt es eine Vielzahl von g¨
angigen Definitionen um eine statisti-
sche Beurteilung der Homogenit¨
at eines Systems vorzunehmen (u.a. Ogawa und Ito,
1975, Rielly et al., 1994, Tucker III und Peters, 2003, Bothe, 2006). Eine Aufstellung
verschiedener Definitionen findet sich in (Boss, 1986), wobei alle auf Kombinationen
der Standardabweichung und entweder einem Maximalwert der Standardabweichung,
bzw. des Mittelwertes des Systems basieren. Eine andere M¨
oglichkeit, basierend auf
Entropien des Systems, beginnt zunehmend wieder an Bedeutung zu gewinnen (Oga-
wa und Ito, 1975, Camesasca et al., 2005). Die Breite der einzelnen Maßzahlen variiert
je nach Definition zwischen zwei festen Werten f¨
ur das voll segregierte und dem homo-
genen System. Allerdings gibt es auch Definitionen, deren Ergebnisbereiche halbseitig
offen sind und somit Werte bis ∞annehmen k¨
onnen. Diese sind schwer einzuordnen.
Ein Maß, welches auf (Danckwerts, 1952) zur¨
uckgeht, vergleicht die Varianz mit der
maximal erreichbaren Varianz dieses Systems. Die zentrale Bedeutung der Varianz,
insbesondere bei chemischen Reaktionen, wird kurz in Kapitel 2.3.3 skizziert. Das
Danckwerts´sche Maß ist 1 f¨
ur ein voll segregiertes System und 0 f¨
ur ein homo-
gen gemischtes System. Die Danckwerts´sche Intensit¨
at der Segregation ISist ein
wohleingef¨
uhrtes Maß und wird in der Literatur sehr h¨
aufig zur Beurteilung des Se-
19
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
gregationsgrads benutzt.
IS=σ2
σ2
0
(2.20)
mit
σ2=1
|V|ZV
(c−¯c)2dV und σ2
0= ¯c(cmax −¯c) (2.21)
|V|benennt in diesem Fall den Inhalt von Vund ¯cden Mittelwert der Konzentra-
tion c. Eine allgemeine Definition von σ2
0ist problematisch, da es im Gegensatz zur
Danckwerts´schen Definition, in der mit Volumenfraktionen gearbeitete wird, einen
allgemein g¨
ultigen Maximalwert der molaren Konzentration cmax nicht gibt (Bothe,
2006). Eine M¨
oglichkeit f¨
ur einen Maximalwert der Konzentration ist der in dem Aus-
wertungsbereich vorkommende Maximalwert der Konzentration. Dadurch erh¨
alt man
eine intrinsische Beurteilung des Systems, jedoch lassen sich dabei im kontinuierlichen
Betrieb keine Gr¨
oßen wie Mischzeit oder -l¨
ange bestimmen, da cmax kontinuierlich ver-
ringert wird. Die andere M¨
oglichkeit zur Bestimmung eines Mischprozesses und den
damit verbunden Mischzeiten und -l¨
angen ist, cmax so zu w¨
ahlen, dass cmax der Ma-
ximalkonzentration zu Beginn der Vermischung bzw. der Maximalkonzentration im
Eingang in den Reaktor entspricht.
Ein mit der Danckwerts´schen Intensit¨
at der Segregation verwandtes Maß, ist die
Intensit¨
at des Mischens IMnach (Rose, 1959)
IM= 1 −pIS,(2.22)
wobei 0 einem voll segregierten und 1 einem homogen gemischten System entspricht.
Diese Definition wird im Folgenden zur Beurteilung der Mischg¨
ute herangezogen.
cmax wird in diesen F¨
allen, da zeitlich bzw. ¨
ortlich fortschreitende Mischprozesse un-
tersucht werden, so gew¨
ahlt, dass cmax der Maximalkonzentration im Einlass in den
Reaktor entspricht.
In Abbildung 2.3 ist f¨
ur zwei unterschiedliche Konzentrationsfelder die sich jeweils
ergebende Intensit¨
at des Mischens angegeben. Im Gegensatz zu a zeigt das System
b eine segregierte Verteilung. Diese Art von Verteilungen k¨
onnen durch das Mischen
hochviskoser Fluide oder bei Systemen mit sehr kleinen Diffusionskoeffizienten der
transportierten Spezies auftreten. Man erkennt, dass obwohl beide Systeme vermischt
20
2.3 Beurteilung der Mischqualit¨
at bzw. des Mischzustandes
vorliegen, bei a eine Intensit¨
at des Mischens von ca. 0,6 erreicht wird, im Falle b diese
allerdings 0 ist. Dies liegt daran, dass die Varianz lediglich den Abstand zum Mittel-
wert erfasst. Im Falle b ist dieser immer konstant.
Schon Danckwerts hat daher gefordert, dass jede Angabe einer Mischg¨
ute erg¨
anzt
werden muss durch die Angabe einer L¨
angenskala, auf der Segregation auftritt. Ba-
sierend auf der statistischen Analyse der Konzentrationsfelder schlug Danckwerts ei-
ne Autokorrelation des Konzentrationsfeldes zur Bestimmung einer L¨
angenskala der
Segregation vor (Rielly et al., 1994). Zum einen ist die Bestimmung von Autokor-
a) b)
I =0,611
MI =0
M
Abbildung 2.3: Intensit¨
aten des Mischens mit σ0= 0,5 f¨
ur zwei unterschiedliche Konzen-
trationsverteilungen.
relationen numerisch sehr rechenintensiv. Zum anderen haben Autokorrelationen in
mehreren Dimensionen keine anschauliche Bedeutungen mehr und stellen daher nur
ein abstraktes Maß dar. Eine andere Bestimmungsmethode einer Segregationsskala,
die bei der Vermischung von hochviskosen Fluiden verwendet wird, ist die Bestim-
mung der mittleren Schichtdicke (Spencer und Wiley, 1951; Mohr et al., 1957).
Die in dieser Arbeit verwendete Skala der Segregation wird n¨
aher in Kapitel 2.3.2
erl¨
autert.
2.3.2 Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
Wie schon im Kapitel 2.3.1 erw¨
ahnt, ist es notwendig, jede Angabe einer Mischg¨
ute
auch durch die Angabe einer L¨
angenskala, auf der Segregation vorliegt, zu erg¨
anzen.
Im Falle geschichteter lamellarer Strukturen kann eine sinnvolle Skala der Segregation
die Schichtdicke der auftretenden Lamellen sein (Ottino et al., 1979). In Geometri-
21
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
en mit einfachen lamellaren Strukturen ist die Schichtdicke effizient zu erhalten. In
Systemen, in denen komplexere Strukturen auftreten, ist dies allerdings nicht trivial.
Eine mittlere Schichtdicke seiner gegebenen Konzentrationsverteilung kann erhalten
werden durch den Kehrwert der Gr¨
oße A/V , indem man die enthaltene Kontakt-
fl¨
ache durch das Gesamtvolumen teilt. Dies l¨
asst sich numerisch sehr effizient durch
das ”Potenzial f¨
ur diffusives Mischen“ bewerkstelligen. Es ist gegeben durch
Φ = 1
|V|ZVk∇fkdV mit f=c/cmax (2.23)
mit der normierten Konzentration f. Hier bezeichnet |V|den Volumenanteil des Be-
reiches Vund k∇fkdie (euclidische) L¨
ange des normierten Gradienten ∇f(Bothe
et al., 2004).
Diese Gleichung, die aus der geometrischen Maßtheorie adaptiert wurde, gibt f¨
ur voll
segregierte Systeme exakt die spezifische Kontaktfl¨
ache an. In Systemen, in denen
durch diffusive Transportprozesse Gradienten teilweise ausgeglichen wurden, verliert
das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen diese Interpretationsm¨
oglichkeit. Dennoch liefert
es in solchen Systemen immer noch ein Maß f¨
ur die Triebkraft des Systems f¨
ur den
diffusiven Ausgleich. Des Weiteren gibt der Kehrwert von Φ eine L¨
angenskala und ist
somit ein Maß f¨
ur eine mittlere Schichtdicke, auf der Segregation auftritt.
Abbildung 2.4 a und b zeigen die beiden Tracerverteilungen, wie sie auch schon in
Kapitel 2.3.1 vorgestellt wurden. Bei der Beurteilung mittels der Dankwerts´schen
Intensit¨
at der Segregation bzw. hier einem davon abgeleiteten Maß ergibt sich das
Problem, dass, obwohl das voll segregierte System ein gewisses Vermischungspoten-
zial aufweist, dies durch statistische Methoden nicht aufgel¨
ost wird. So w¨
urde eine
Konzentrationsverteilung ¨
ahnlich Abbildung 2.4 c erheblich l¨
anger f¨
ur den diffusiven
Abbau aller Skalen ben¨
otigen als die Verteilung in Abbildung d.
Um das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen bei den hier gezeigten Konzentrationsvertei-
lungen auswerten zu k¨
onnen, m¨
ussen, da diese Gr¨
oße eine dimensionsbehaftete ist,
die Abmessungen des Querschnitts bekannt sein. In dem hier vorliegenden Fall wurde
von einer Kantenl¨
ange des quadratischen Querschnitts von je 10 cm ausgegangen. Die
Intensit¨
at des Mischens ist dabei unabh¨
angig von den jeweiligen Abmessungen.
Obwohl die beiden Speziesverteilungen a und b zwei v¨
ollig verschiedene Mischg¨
uten
besitzen, ist deren Potenzial f¨
ur diffusives Mischen vergleichbar groß. Die Triebkraft
f¨
ur den diffusiven Ausgleich der beiden Systeme ist also zu diesem Zeitpunkt ver-
22
2.3 Beurteilung der Mischqualit¨
at bzw. des Mischzustandes
a) b)
c) d)
I =0,611
MI =0
M
I =0
MI =0
M
F=50,411/m F=76,861/m
F=10,001/m F=141,421/m
Abbildung 2.4: Das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen und die Intensit¨
at des Mischens (σ0
= 0,5) bei vier prinzipiellen Tracerverteilungen ausgewertet auf einem
Bereich von 10 x 10 cm.
gleichbar. Im Falle von c und d erkennt man, dass das System d, bei dem schon
augenscheinlich ein h¨
oheres Potenzial vorhanden ist, eine um den Faktor 14 gr¨
oßere
Triebkraft f¨
ur den diffusiven Ausgleich, verglichen mit Abbildung c, besitzt.
Bei den segregierten Verteilungen l¨
asst sich sehr leicht die Interpretation des Po-
tenzials f¨
ur diffusives Mischen ¨
uberpr¨
ufen, indem man den Wert mit der Fl¨
ache, in
diesem Fall 100 cm2, multipliziert. Man erh¨
alt dadurch f¨
ur die einzelnen Konzen-
trationsverteilungen exakt die Kontaktfl¨
ache zwischen Bereichen hoher und niedriger
Konzentration. Bildet man den Kehrwert von Φ, so erh¨
alt man den mittleren Ab-
stand zwischen den unterschiedlich konzentrierten Bereichen. F¨
ur a und b ergibt sich
ein mittlerer Abstand von ca. 1,3 bzw. 1,9 cm, f¨
ur die Verteilung von c betr¨
agt der
23
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
Abstand 10 cm, was der Breite dieser Geometrieabmessungen entspricht. Im Falle
von System d ergibt sich ein mittlerer Abstand von ca. 0,8 cm.
In allen F¨
allen erkennt man, dass bei segregierten Systemen die Angabe des Potenzials
f¨
ur diffusives Mischen (oder eines verwandten Maßes) unerl¨
aßlich f¨
ur die Beurteilung
der Mischung ist. In fast vollst¨
andig gemischten Systemen hingegen besitzt das Poten-
zial nur noch die Interpretationsm¨
oglichkeit der Triebkraft des diffusiven Ausgleichs,
welcher f¨
ur nahezu homogen vermischte Systeme sehr klein sein kann. Daher ist die
Angabe der Intensit¨
at der Segregation bzw. des Mischens oder einer davon abgeleite-
ten Gr¨
oße hilfreich zur Beurteilung solcher fast homogenen Verteilungen.
Somit werden zur Beurteilung des Mischzustandes innerhalb dieser Arbeit immer bei-
de Maßzahlen, die Intensit¨
at des Mischens und das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen,
angegeben.
2.3.3 Beurteilung der Mischg¨
ute durch chemische Reaktion
Da die Grundlage chemischer Reaktionen das Vorhandensein chemisch reagierender
Substanzen ist, geben Reaktionsraten bzw. erzielte Mischg¨
uten R¨
uckschl¨
usse auf die
Homogenit¨
at des vorliegenden Systems. Dies ist der Grund, warum chemische Reak-
tionen R¨
uckschl¨
usse auf den Vermischungsgrad geben k¨
onnen und so ein Maß f¨
ur die
Mischg¨
ute sind.
F¨
ur ein reagierendes System sind die lokalen Konzentrationen entscheidend
Rreal =hk cAcBi(2.24)
hier f¨
ur den Fall einer Reaktion 2. Ordnung, gemittelt ¨
uber den Ort. Dies ergibt
die tats¨
achliche Rate, mit der das System reagiert. Die maximale Reaktionsrate des
Systems ist gegeben, wenn an allen Orten dieselbe, mittlere Konzentration der beiden
Spezies A und B vorliegen, dabei gibt
Rhom =khcAihcBi(2.25)
die maximale Rate.
Bezieht man nun beide Gr¨
oßen aufeinander und betrachtet den Spezialfall A = B, so
erh¨
alt man
Rreal
Rhom
=khc2
Ai
khcAi2= 1 + hc2
Ai−hcAi2
khcAi2= 1 + σ2
µ2(2.26)
24
2.3 Beurteilung der Mischqualit¨
at bzw. des Mischzustandes
mit σ2der Varianz und µdem Erwartungswert. Somit stellt der Vergleich der beiden
Reaktionsraten ¨
ahnlich wie das Danckwerts´sche Maß ein Maß f¨
ur die G¨
ute einer
Mischung dar.
Experimentell gibt es einige Reaktionen, bei denen durch das Nachverfolgen einer
Produktkonzentration in Batch-Systemen auf den Vermischungszustand geschlossen
wird (Ehlers et al., 2000, Marchisio und Barresi, 2003). Beispiel eines solchen Systems
ist das konsekutive Reaktionssystem der Dushman- bzw. der Villermaux-Reaktion
(Fournier et al., 1996, Guichardon und Falk, 2000, Guichardon et al., 2000).
Dieses System besteht aus einem Puffersystem aus H3BO3und H2BO−
3, welches
Protonen instantan abfangen kann. Die zweite Reaktion besteht aus einer s¨
aurekata-
lysierten Synproportionierung von I−und IO−
3zu I2. Das I2kann durch instantane
Komplexbildung mit I−zu dem stark farbigen I−
3reagieren und mittels photometri-
scher Untersuchungen charakterisiert werden (Schmitz, 2000, Thuesdale et al., 2003).
Bei Batch-Systemen, bei denen vorher homogen das Puffersystem sowie eine Mischung
von I−und IO−
3vorlag, k¨
onnen bei einer lokalen Zugabe einer starken S¨
aure und an-
schließendem Mischen, R¨
uckschl¨
usse auf lokale Vermischungen gezogen werden. In
dem Fall, dass die S¨
aure lokal sehr schnell verteilt wird, werden die freien H3O+Io-
nen durch das vorhandene Puffersystem abgefangen. Im anderen Fall, bei dem der
lokal vorhandene ¨
Uberschuss an H3O+Ionen nicht abgebaut werden kann, wird die
zweite Reaktion katalysiert und es entsteht ein intensiv farbiges Signal der I−
3Ionen.
Daher zeigt ein Farbsignal das Vorhandensein lokaler Segregation in Batch-Systemen
an.
Im kontinuierlichen Fall ist die St¨
arke des Signals der I−
3Ionen lediglich ein Maß f¨
ur
die entstandene Kontaktfl¨
ache zwischen den einzelnen Reaktionspartnern. Dennoch
wird die Dushman- bzw. Villermaux-Reaktion teilweise zur Beurteilung der Vermi-
schung in kontinuierlichen Systemen verwendet (Liu und Lee, 1999, Panic et al., 2003,
Keoschkerjan et al., 2004, Nagasawa et al., 2005).
25
3 Numerische Str¨
omungssimulation
Grundlage der kontinuumsmechanischen Beschreibung von Str¨
omungen ist die An-
nahme, dass Fluidstr¨
ome durch makroskopische Gr¨
oßen (Kontinuumsannahme) wie
Dichte (ρ), Geschwindigkeit (u), Druck (p) etc. beschrieben werden k¨
onnen. Durch
Bilanzierung der betreffenden Gr¨
oßen (Masse, Impuls, Energie) ¨
uber kleine, materi-
elle Volumenelemente, erh¨
alt man die integralen Bilanzen (Whitaker, 1968, McLeod,
1963).
Zusammen mit der Divergenzfreiheit, bilden die Navier-Stokes´schen Gleichungen,
hier in dimensionsbehafteter Formulierung, die Grundlage der numerischen Str¨
omungs-
simulation.
∇·u= 0, ∂tu+u·∇u=−∇p+ν∆u+f, (3.1)
mit den ¨
außeren Kr¨
aften f. Die Navier-Stokes´schen Gleichungen, zusammen mit
Randbedingungen, bilden ein System von Differenzialgleichungen, das f¨
ur einfachste
F¨
alle analytisch, f¨
ur andere jedoch nur noch numerisch l¨
osbar ist.
Die Navier-Stokes´schen Gleichungen k¨
onnen im Falle chemisch reagierender Spezies
erg¨
anzt werden durch Speziesgleichungen
∂tci+u·∇ci=∇·(Di∇ci) + Ri(3.2)
hier f¨
ur den Fall der i-ten Komponente und der dazugeh¨
origen Reaktionsrate Riauf-
gestellt.
Diese Gleichungen bilden die Grundlage der numerischen Str¨
omungssimulation (kurz
CFD - Computational Fluid Dynamics), bei der f¨
ur ein gegebenes Gebiet und ge-
gebenen Randbedingungen sowie Stoffeigenschaften des Fluids, auftretende Str¨
ome
und Konzentrationsverteilungen n¨
aherungsweise berechnet werden. In der vorliegen-
den Arbeit wird das kommerzielle CFD-Programm Fluent 6 in der Version 6.1.18
sowie der Version 6.2.16 verwendet.
27
3 Numerische Str¨
omungssimulation
3.1 Numerische Verfahren in Fluent
In Fluent stehen prinzipiell zwei unterschiedliche numerische Methoden zur L¨
osung
der Transportgleichungen zur Verf¨
ugung (Fluent Inc., 2003). Zum einen der ”segre-
gated“, zum anderen der ”coupled Solver“. In beiden F¨
allen werden die integralen
Bilanzen f¨
ur Masse, Impuls - sofern erforderlich - die Bilanzen f¨
ur Energie und andere
Skalare gel¨
ost. Dies geschieht, indem das Rechengebiet in diskrete Kontrollvolumi-
na unterteilt wird, in denen durch Integration der betreffenden Transportgleichungen
algebraische Ausdr¨
ucke der abh¨
angigen Variablen entstehen. Danach werden die dis-
kretisierten Gleichungen linearisiert und nachfolgend gel¨
ost.
Die beiden L¨
osungsschemata unterscheiden sich in der sequenziellen Abfolge, in der
die Gleichungen der unterschiedlichen Variablen gel¨
ost werden. Beim ”segregated Sol-
ver“ werden zuerst die drei Impulsgleichungen gel¨
ost. Die Druckkorrektur, welche
in Fluent in die Massenbilanz implementiert wurde, wird nachfolgend gel¨
ost. Daran
anschließend werden dann ggf. die Gleichungen f¨
ur Energie, Spezies und sofern er-
forderlich Turbulenz sowie die Gleichungen zus¨
atzlicher Skalare gel¨
ost. Im Fall des
”coupled Solvers“ werden die Gleichungen f¨
ur Masse, Impuls und Energie sowie Spe-
zies simultan, d.h. gleichzeitig gel¨
ost. Sollten Gleichungen f¨
ur Turbulenz oder Skalare
n¨
otig sein, werden diese in einem nachgeschalteten Schritt gel¨
ost.
Um die integralen Bilanzen der einzelnen Erhaltungsgr¨
oßen effizient numerisch be-
rechnen zu k¨
onnen, m¨
ussen diese linearisiert werden. Die Art der Linearisierung resul-
tiert in eine explizite, bzw. implizite Formulierung der Gleichungen, wobei allerdings
der ”segregated Solver“ nur eine implizite Formulierung erlaubt.
Die implizite Formulierung der Gleichungen beinhaltet zum einen bekannte Werte
der Variablen aus Nachbarzellen, d.h. die Werte der Variablen aus dem vorherigen
Iterationsschritt sowie unbekannte Werte der Nachbarzellen des aktuellen Iterations-
schrittes. Beispielsweise berechnet sich die x-Geschwindigkeit un+1
iin der Zelle i f¨
ur
den Iterationschritt n+ 1 als Funktion der bekannten Werte der Zelle i, seiner Nach-
barzellen j des Iterationsschrittes nsowie die jeweiligen unbekannten Werte des Ite-
rationsschrittes n+ 1 (Vgl. Gl. 3.3).
un+1
i=f¡un
i, un
j, un+1
j¢(3.3)
Diese Gleichungen werden simultan gel¨
ost. Da beim ”segregated Solver“ die Gleichun-
gen der Erhaltungsgr¨
oßen nacheinander gel¨
ost werden, resultiert bei dieser Lineari-
28
3.1 Numerische Verfahren in Fluent
sierung eine Gleichung pro Zelle (System von skalaren Gleichungen). Die Gleichungen
werden nach dem Gauss-Seidel Verfahren in Verbindung mit einer algebraischen Mul-
tigrid Methode (AMG) gel¨
ost. Zusammmengefaßt bedeutet dies, dass der ”segregated
Solver“ eine Variable (z.B. Druck) zur gleichen Zeit in allen Zellen berechnet.
Der ”coupled Solver“ erlaubt hingegen neben der impliziten auch die explizite For-
mulierung der Gleichungen, wobei sich dies allerdings nur auf die gekoppelten Glei-
chungen (Masse, Impuls, Energie und Spezies) bezieht. Die eventuell vorhandenen
Gleichungen f¨
ur Turbulenz oder zus¨
atzliche Skalare werden immer implizit formu-
liert.
Bei der Solvereinstellung ”coupled Solver“ mit impliziter Formulierung wird daher ein
Satz von linearen Gleichungen mit N Gleichungen pro Zelle mit Hilfe eines ”Block“-
Gauss-Seidel Verfahrens gel¨
ost. Das bedeutet, dass diese Solvereinstellung die Varia-
blen f¨
ur Druck, Impuls, Energie und ggf. Spezies in allen Zellen zur gleichen Zeit l¨
ost.
Bei der expliziten Formulierung der Gleichungen werden zur Berechnung der unbe-
kannten Gr¨
oße in einer Zelle nur bekannte Werte, d.h. Werte aus dem vorherigen Ite-
rationsschritt, der betrachteten Zelle und der Nachbarzellen verwendet (Vgl. Gl. 3.4).
un+1
i=f¡un
i, un
j¢(3.4)
Es resultiert wiederum ein Satz von N Gleichungen pro Zelle. Da jedoch die unbe-
kannten Variablen nur in einer Zelle auftreten, m¨
ussen diese nicht gleichzeitig gel¨
ost
werden. Daher berechnet ”coupled“ explizit die Variablen f¨
ur Druck, Impuls, Energie
und ggf. Spezies in nur einer Zellen zur gleichen Zeit. Dies geschieht mit Hilfe eines
mehrstufigen Runge-Kutta Verfahrens.
3.1.1 ¨
Ortliche Diskretisierung
Fluent verwendet zur Diskretisierung der Transportgleichungen die Finite Volumen
Methode. Dabei wird das Rechengebiet in kleine diskrete Volumina (Zellen) unter-
teilt. Die Diskretisierung kann am einfachsten am Beispiel einer skalaren Gr¨
oße φ
verdeutlicht werden.
29
3 Numerische Str¨
omungssimulation
Diskretisierung einer skalaren Gr¨
oße
Die allgemeine, station¨
are integrale Bilanz einer solchen skalaren Gr¨
oße wird beschrie-
ben durch
Z∂V
φu·ndA =Z∂V
Dφ(∇φ)·ndA +ZV
SφdV , (3.5)
wobei φuden konvektiven und Dφ(∇φ) den diffusiven Fluss der Gr¨
oße φbeschreibt.
Das Volumenintegral dieser Gleichung beschreibt Quellen und Senken. Im Fall einer
chemischen Spezies sind dies ¨
Anderungen durch chemische Reaktion.
Bei der Finiten-Volumen Methode (FVM) gilt diese integrale Bilanz f¨
ur jedes Kon-
trollvolumen (Peyret und Taylor, 1985, Versteeg und Malakasekera, 1995). Dabei
werden diese Volumina durch die Gitterzellen repr¨
asentiert und man ersetzt das Ran-
dintegral durch eine Summierung ¨
uber die Fl¨
achen jeder Zelle :
X
Fl¨achen
φfuf·nAf=X
Fl¨achen
Dφ(∇φ)n·nAf+SφV. (3.6)
φfist der Wert von φ, der durch die Fl¨
ache ftransportiert wird. Da in Fluent Werte
nur in den Zellzentren gespeichert werden, φfaber zur Berechnung des konvektiven
Transportes notwendig ist, muss dieser interpoliert werden. Hierzu werden in Fluent
ausschließlich ”upwind“ Verfahren benutzt, d.h. der Wert auf der Fl¨
ache wird mit
Hilfe von Werten berechnet, die stromaufw¨
arts bez¨
uglich der Str¨
omungsrichtung lie-
gen. Die treibende Gr¨
oße im diffusiven Term ist ∇φ, sie wird stets durch eine zentrale
Differenzen Methode 2. Ordnung interpoliert.
Die in Fluent verf¨
ugbaren ”upwind“ Verfahren sind: 1. Ordnung, 2. Ordnung, QUICK
(Quadratic Upstream Interpolation for Convective Kinematics), einem 3. Ordnungs-
Verfahren und power-law, wobei die Wahl des Verfahrens stark von der Art des zu
l¨
osenden Problems abh¨
angt, aber auch starken Einfluss auf die G¨
ute der L¨
osung ha-
ben kann (Fluent Inc., 2005). Beim Verfahren 1. Ordnung wird davon ausgegangen,
dass der Wert der Variablen φeine zellgemittelte Gr¨
oße darstellt und somit auch auf
den Fl¨
achen gilt. Daher wird bei dieser Diskretisierung der Wert auf der Fl¨
ache gleich
dem Wert des stromabw¨
arts liegenden Zellzentrums gesetzt. Falls φeine Spezies dar-
stellt, die einen kleinen Diffusionskoeffizienten besitzt, wie Stoffe in Fl¨
ussigkeiten, ist
allerdings eine Interpolation 1. Ordnung zu ungenau (Leonard et al., 1995). Sie w¨
urde
zu einem zu großen Fluss ¨
uber die Fl¨
ache f¨
uhren (numerische Diffusion) und somit zu
30
3.1 Numerische Verfahren in Fluent
einer Verf¨
alschung der Ergebnisse. Eine Verbesserung stellt das ”upwind“ Verfahren
2. Ordnung dar, welches aber einen h¨
oheren numerischen Aufwand mit sich zieht. Bei
diesem Verfahren wird der Wert von φauf der Fl¨
ache durch Taylor Reihenentwicklung
erhalten. Das QUICK Verfahren ist eine Kombination aus 2. Ordnung ”upwind“ und
einem 2. Ordnung zentrale Differenzen Verfahren und besitzt eine Approximation 3.
Ordnung (Leonard, 1995).
φe= Θ ·Sd
Sc+Sd
φP+Sc
Sc+Sd
φE¸+ (1 −Θ) ·φP+Sc
Su+Sc
(φP−φW)¸(3.7)
Θ = 1 in Gleichung 3.7 resultiert in einem zentralen Differenzen Verfahren 2. Ord-
nung, Θ = 0 in einem 2. Ordnung ”upwind“ Verfahren. Abbildung 3.1 zeigt f¨
ur einen
f
W
f
P
f
E
f
w
f
e
S
u
S
c
S
d
2 . O r d n u n g U p w i n d
Q
= 0
2 . O r d n u n g
Z e n t r a l e d i f f e r e n z e n
Q = 1
f
e
Abbildung 3.1: Skizze des in Fluent verwendeten QUICK Schemas, f¨
ur eine 1D Anord-
nung und den Fall, dass die Str¨
omungsrichtung von links nach rechts
verl¨
auft. Die H¨
ohen der vertikalen Linien repr¨
asentieren den Wert der
Transportvariable, z.B. Spezies oder auch eine Geschwindigkeitskompo-
nente.
eindimensionalen Fall, und das die Hauptstr¨
omungsrichtung von links nach rechts
verl¨
auft die verwendeten Gradienten. Der gesuchte Wert von φeergibt sich nun aus
31
3 Numerische Str¨
omungssimulation
der Gewichtung der beiden Verfahren. Die Standardwahl des Parameters Θ im klassi-
schen QUICK-Schema (Leonard, 1979) ist 1/8, dieser Wert wird allerdings in Fluent
l¨
osungsabh¨
angig ver¨
andert und angepasst. Der Rechenaufwand bei Verwendung einer
Diskretisierung 3. Ordnung ist h¨
oher als bei einer 2. Ordnung. Allerdings verringert
ein Verfahren 3. Ordnung bei der Berechnung eines Speziestransports mit kleinen
Diffusionskoeffizienten die numerische Diffusion und f¨
uhrt daher zu st¨
arkeren Gradi-
enten, was die G¨
ute der L¨
osung verbessert.
Setzt man nun die jeweilige Approximation f¨
ur φfbzw. dessen Gradienten in Glei-
chung 3.6 ein, so erh¨
alt man eine Gleichung f¨
ur die betreffende Unbekannte, in der
nur Werte von φim Zellzentrum sowie Werte von φder angrenzenden Zellzentren vor-
kommen. Durch Trennung der Unbekannten ergibt sich daraus folgende linearisierte
Gleichung f¨
ur den Wert φin der Zelle p:
apφ=X
np
anp φnp +b, (3.8)
wobei np die Nachbarzellen von Zelle p repr¨
asentieren. Der lineare Koeffizient apsowie
die Koeffizienten der Nachbarzellen anp beinhalten neben approximationsspezifischen
Termen u.a. auch Transportkoeffizienten wie Geschwindigkeit und Diffusionskoeffizi-
ent. Der Term b beinhaltet volumenspezifische ¨
Anderungen von φ.
Diskretisierung der Massen- und Impulsgleichung
Grundlage der Massenbilanz ist die Massenerhaltung die besagt, dass die Summe
aller Massenstr¨
ome eines nicht kompressiblen Fluids ¨
uber den Rand eines Volumens
konstant null sein muss:
Z∂V
ρu·ndA = 0 (3.9)
mit der Dichte ρund der ¨
außeren Normalen n.
Bei der Bilanzierung des Impulses ist, ausgehend vom 2. Newton´schen Gesetz zum
Erhalt des Impulses, die zeitliche ¨
Anderung des Impulses gleich der Summe der angrei-
fenden Kr¨
afte. Die auftretenden Kr¨
afte k¨
onnen in zwei Typen unterteilt werden: zum
einen in Volumen- und zum anderen in Fl¨
achenkr¨
afte. Volumen- oder auch K¨
orper-
kr¨
afte sind solche, die ein Fluidelement im gesamten Volumen sp¨
urt. Hierzu z¨
ahlen
z.B. Gravitationskr¨
afte oder auch elektromagnetische Felder. Fl¨
achenkr¨
afte hingegen
32
3.1 Numerische Verfahren in Fluent
sind solche Kr¨
afte, die ¨
uber die Oberfl¨
ache eines Volumenelements ¨
ubertragen und
daher auch als Spannungen bezeichnet werden. Diese setzen sich im inkompressiblen
Fall zusammen aus Druckkr¨
aften und solchen Kr¨
aften, die durch viskose Scherung
hervorgerufen werden. Somit ergibt sich die station¨
are integrale Impulsbilanz zu:
Z∂V
ρu u ·ndA =−Z∂V
pI·ndA +Z∂V
S·ndA +ZV
fdV (3.10)
wobei Idie Identit¨
at, Sden Spannungstensor und f¨
außere Kr¨
afte bezeichnet.
Zur Diskretisierung der Impulsbilanz wird in Fluent eine zum Skalartransport analoge
linearisierte Gleichung benutzt (Gl. 3.8). F¨
ur die x-Komponente der Geschwindigkeit
u ergibt sich beispielsweise die linearisierte, diskretisierte Gleichung zu
apu=X
np
anp unp +X
Fl¨achen
pfnA+F, (3.11)
wobei F die volumenspezifischen ¨
außeren Kr¨
afte beinhaltet und pfden Druck auf der
Fl¨
ache darstellt.
Sind nun Massenfl¨
usse sowie das Druckfeld bekannt, kann diese Gleichung genau wie
die lineare Gleichung eines Skalars gel¨
ost werden. Meist sind allerdings Druckfeld
und Massenfl¨
usse Teil der L¨
osung und somit zu Anfang nicht bekannt. Der Druck
auf der Fl¨
ache wird, wie auch beim Transport eines Skalars, durch Approximation
erhalten. In Fluent sind dazu Schemata unterschiedlicher Ordnung verf¨
ugbar, wobei
in der vorliegenden Arbeit ein Verfahren 2. Ordnung gew¨
ahlt wurde.
Die Diskretisierung der Massenbilanz durch Integration ¨
uber ein Kontrollvolumen
liefert
X
Fl¨achen
JfnfAf= 0, mit Jf=ρu.(3.12)
Allerdings wird die Kontinuit¨
atsgleichung in Fluent als Gleichung f¨
ur den Druck be-
nutzt. Dazu wird der Fluss Jfmit Hilfe von SIMPLE (Semi-Implicit Method for
Pressure-Linked Equations) Algorithmen modelliert. Dabei wird der Fluss beschrie-
ben durch
J∗
f=ˆ
J∗
f+df(p∗
c0−p∗
c1),(3.13)
wobei p∗die Werte eines angenommenen Druckfeldes und dfeine Funktion des Mittel-
wertes ¨
uber beide Zellen der linearen Koeffizienten apist. ˆ
J∗
fbeinhaltet die Beeinflus-
sung der Geschwindigkeiten. Da diese Gleichung nicht der Massenerhaltung gen¨
ugt,
33
3 Numerische Str¨
omungssimulation
wird zu J∗
feine Druckkorrektur addiert, so dass die Kontinuit¨
atsgleichung erf¨
ullt ist.
Die Werte der Druckkorrektur werden durch L¨
osung eines Gleichungssystems erhal-
ten und damit das angenommene Druckfeld p∗modifiziert, so dass die resultierende
Gleichung der Massenerhaltung gen¨
ugt.
Diskretisierung der Speziesgleichung
Fluent bietet neben der Implementierung des passiven Skalartransportes auch die
M¨
oglichkeit die Transportgleichung von chemisch regierenden Spezies zu l¨
osen. Ana-
log zur allgemeinen integralen Transportgleichung eines Skalars φkann die Spezies-
gleichung formuliert werden als
Z∂V
ρ Yiu·ndA =Z∂V
Ji·ndA +ZV
RidV , (3.14)
mit dem Massenbruch Yiund der spezifischen Reaktionsrate Rider Spezies i. Im Fall
der laminaren Str¨
omung und unabh¨
angiger Diffusionsraten wird der diffusive Strom
Jiin Analogie zum 1. Fick´schen Gesetz formuliert:
Ji=−ρ Di∇Yi.(3.15)
Es ergibt sich daher:
Z∂V
ρ Yiu·ndA =−Z∂V
ρ Di∇Yi·ndA +ZV
RidV , (3.16)
welches in ¨
ahnlicher Weise wie auch die integrale Tranzportgleichung eines passiven
Skalars linearisiert werden kann.
3.1.2 Zeitliche Diskretisierung
F¨
ur transiente Rechnungen m¨
ussen die Transportgleichungen sowohl ¨
ortlich, als auch
zeitlich diskretisiert werden. Der Teil der Transportgleichungen, der die ¨
ortlichen
Ver¨
anderungen beschreibt, ist identisch zu den station¨
aren Gleichungen (3.5). Die
zeitliche Diskretisierung beinhaltet die Integration aller Transportmechanismen (Kon-
vektion und Diffusion) ¨
uber einen Zeitschritt ∆t. Diese kann formuliert werden als
(Fluent Inc., 2003):
ZV
∂ρφ
∂t +Z∂V
ρ φu·ndA =Z∂V
Dφ∇φ·ndA +ZV
SφdV . (3.17)
34
3.1 Numerische Verfahren in Fluent
Fluent benutzt, bei Wahl des segregierten Solvers, eine implizite Formulierung der
Gleichung. Dabei werden die konvektiven, diffusiven Terme sowie die Quellterme f¨
ur
den Zeitschritt n+ 1 ausgewertet.
ZV
∂ρn+1φn+1
∂t =−Z∂V
ρn+1 φn+1 un+1 ·ndA
+Z∂V
Dn+1
φ∇φn+1 ·ndA +ZV
Sn+1
φdV
=F¡φn+1¢.(3.18)
Die Funktion Fbeinhaltet somit alle r¨
aumlichen Abh¨
angigkeiten. Zur Diskretisierung
dieser Gleichung stehen in Fluent Approximationen erster oder zweiter Ordnung zur
Verf¨
ugung. In der vorliegenden Arbeit wurde bei nicht station¨
aren Rechnungen stets
eine Diskretisierung 2. Ordnung in der Zeit gew¨
ahlt. Bei diesem Verfahren wird die
zeitliche Evolution mit Hilfe der folgenden Gleichung iterativ gel¨
ost
φi=4
3φn−1
3φn−1+2 ∆t
3F(φi).(3.19)
Dabei wird, wobei φizu Anfang mit φninitialisiert wird, solange iterativ angepasst,
bis φisich nicht mehr ¨
andert bzw. ein Konvergenzkriterium erreicht wird.
3.1.3 Parallelit¨
at in Fluent
Um belastbare L¨
osungen gegebener Str¨
omungs- oder Speziestransportprobleme zu
erhalten, muss die gew¨
ahlte Zellengr¨
oße des Gitters hinreichend klein sein (Vgl.
Kap. 3.4). Da die Zellanzahl f¨
ur Simulationen die auf einem handels¨
ublichen Rechner
sinnvoll realisierbar sind, je nach Rechnerleistung und Str¨
omungsproblem zwischen
einigen Hunderttausend und wenigen Millionen Zellen variiert, kann es passieren, dass
die so erreichbare Anzahl von Zellen nicht ausreichend ist. In solchen F¨
allen muss die
Rechnung auf mehreren Rechnern parallelisiert ausgef¨
uhrt werden.
Fluent bietet hierzu automatisierte Algorithmen um Gitter auf mehrere Rechner zu
verteilen und dann parallelisiert zu rechnen. Dabei unterscheidet man zwei verschie-
dene Arten von verwendeten Prozessen. Zum einen ben¨
otigt Fluent in der parallelen
Version einen ”Host“-Prozess und zum anderen mindestens einen ”Node“-Prozess. Der
”Host“ h¨
alt bei den Rechnungen keine Werte einzelner Variablen oder Informationen
35
3 Numerische Str¨
omungssimulation
¨
uber das Gitter und dessen Verteilung vor. Er steuert lediglich die Kommunikati-
on und den Austausch zwischen den einzelnen Knoten (”Nodes“) und die Ein- und
Ausgabe von Variablen oder Meldungen. Die ”Node“-Prozesse sind die eigentlichen
Rechenprozesse, wobei allerdings jeder Knoten nur Gitter- und Variableninformatio-
nen ¨
uber den ihm zugeteilten Gitterbereich besitzt. Jeder Knoten l¨
ost daher nur die
Transportgleichungen in einem kleinen Gitterausschnitt. Randbedingungen in diesen
Bereichen sind in den meisten F¨
allen L¨
osungen der Variablen eines anderen Knotens,
daher werden die Randschichten immer zweimal, d.h. auf zwei verschiedenen Knoten,
gehalten. Die Werte der Variablen in diesen Zellen werden dann nach jeder Iteration
automatisch durch den ”Host“ zwischen den beiden Knoten ausgetauscht.
Dieser Austausch von Variableninformation kann, besonders bei sehr großen Gittern
und vielen Knoten, einen erheblichen Teil der Zeit einer Iteration ausmachen. Um da-
her den Austausch und auch die Zeit, die pro Iteration ben¨
otigt wird, m¨
oglichst klein
zu halten, sind eine Mindestzellenanzahl pro Knoten und eine glatte Bereichsberan-
dung, sinnvoll. Eine solche Optimierung der Partitionierung (Verteilung auf mehrere
Knoten) kann in Fluent automatisiert geschehen oder auch nachtr¨
aglich durch den
Benutzer ge¨
andert werden.
3.2 Solvereinstellungen
F¨
ur die numerischen Berechnungen wurden folgende Solvereinstellungen verwendet:
Tabelle 3.1: Solvereinstellungen
Solver Segregated
Linarisierung implicite
Genauigkeit doppelt
zeitliche Diskretisierung 2. Ordnung
Impuls QUICK
Spezies QUICK
Energie QUICK
Druck 2. Ordnung
Druckgeschwindigkeitskopplung SIMPLE
36
3.3 Geometrie und Randbedingungen
Hierzu wurden in den Simulationen folgende Unterrelaxationsfaktoren f¨
ur die einzel-
nen Komponenten verwendet:
Tabelle 3.2: Unterrelaxationsfaktoren
Druck 0,3 (Default)
Dichte 1 (Default)
K¨
orperkr¨
afte 1 (Default)
Impuls 0,7 (Default)
Spezies 1 (Default) bis 0,7
Energie 1 (Default)
Bei Verwendung einer Diskretisierung 3. Ordnung ist es teilweise n¨
otig, um ausrei-
chende Konvergenz (Residuen <10−6) erreichen zu k¨
onnen, den Standardwert des
Relaxationsfaktors der Spezies leicht und sehr langsam zu kleineren Werten hin zu
ver¨
andern. Senkt man den Wert zu schnell ab, so kann dies zu verf¨
alschten L¨
osungen
f¨
uhren. Der Unterrelaxationsfaktor αgibt an, wie stark die ¨
Anderungen der betref-
fenden Variable sich pro Iteration ¨
andern darf.
φi+1 =φi+α∆φi.(3.20)
3.3 Geometrie und Randbedingungen
Die Simulationen wurden f¨
ur einen T-f¨
ormigen Mikromischer mit rechteckigen Quer-
schnittsfl¨
achen durchgef¨
uhrt (Abb. 3.2). Die Reaktorgeometrie des, f¨
ur die Experi-
mente verwendeten T-Mischers, der den Simulationen zugrunde liegt, besteht aus
einem in Silizium ge¨
atzten T-f¨
ormigen Kanal mit einer Tiefe von 100 µm. Der Misch-
kanal hat eine L¨
ange von 16 mm, die beiden Einlasskan¨
ale je 8 mm. Die Breite
der Einlasskan¨
ale betr¨
agt 100 µm, die des Mischkanals 200 µm. Verglichen mit dem
hydraulischen Durchmesser sind die L¨
angen der Ein- und Auslasskan¨
ale sehr groß,
daher k¨
onnen die numerischen Simulationen, zur Reduktion der Rechenzeit, mit re-
duzierten Abmessungen durchgef¨
uhrt werden. Durch Vorrechnungen wurde gezeigt,
dass eine Mindestl¨
ange von 1,5 mm f¨
ur den Mischkanal notwendig ist, da anson-
sten die nur n¨
aherungsweise g¨
ultigen Randbedingungen am Auslass Einfluß auf die
Str¨
omungscharakteristika im Mischkanal haben. Die Berechnungen wurden daher mit
37
3 Numerische Str¨
omungssimulation
Abbildung 3.2: Photo eines in Silizium ge¨
atzen Mikromischers (links). Das hellgraue
Rechteck kennzeichnet die Gr¨
oße des numerischen Rechengebietes.
Abb. 3.2 (rechts) zeigt die schematische Darstellung der Geometrie des
berechneten Mikromischers.
dieser L¨
ange f¨
ur den Mischkanal durchgef¨
uhrt. Um m¨
oglichst kurze Einlasskan¨
ale ver-
wenden zu k¨
onnen, wurde ein Einlassprofil an den beiden Einlassfl¨
achen verwendet
(vgl. Abb. 3.3), welches dem einer voll entwickelten Kanalstr¨
omung entspricht. Durch
L¨
osen der inkompressiblen station¨
aren Navier-Stokes-Gleichung f¨
ur einen rechteckigen
Kanalquerschnitt nach Eigenfunktionen wird folgendes Profil erhalten (Vgl. Herlei-
tung A.1):
w(x, y) = 16∆p
ηLπ4
∞
X
j,kεN
d2
1d2
2
jk(j2d2
2+k2d2
1)sin µjπ
d1
x¶sin µkπ
d2
y¶,(3.21)
wobei N die ungeraden nat¨
urlichen Zahlen bezeichnet (Muralidhar und Biswas, 1996).
Eine andere Darstellung der L¨
osung ist bei Spurk (Spurk, 1996), zu finden. In den
vorliegenden Simulationen sind, wenn dies nicht explizit erw¨
ahnt wird, symmetrische
Einlassstr¨
ome verwendet worden, d.h. die Volumenstr¨
ome der beiden Einlasskan¨
ale
waren gleich groß. Die angegebenen mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeiten sowie die
Angabe von Reynolds-Zahlen beziehen sich stets auf die Ausstr¨
omgeschwindigkeit am
Auslass des Mischkanals bei 1600 µm bzw. auf den hydraulischen Durchmesser des
Mischkanals.
38
3.4 Untersuchungen zur Gitterinvarianz
Abbildung 3.3: Geschwindigkeitsprofil einer voll entwickelten Rohrstr¨
omung f¨
ur einen
rechteckigen Kanalquerschnitt mit Seitenl¨
angen von 100 x 200 µm.
Weitere Randbedingungen der Simulation sind Haftbedingung an festen W¨
anden und
Normaldruck am Auslass.
3.4 Untersuchungen zur Gitterinvarianz
Bei der Finiten-Volumen Methode wird das Rechengebiet in kleine Volumina un-
terteilt. Diese m¨
ussen so klein gew¨
ahlt werden, dass durch die Linearisierung der
gekoppelten nicht linearen Differenzialgleichungen keine zu großen Fehler auftreten,
da durch ein zu grobes Gitter Transportprozesse stark ged¨
ampft werden.
Die Untersuchungen zur Gitterinvarianz wurden zum einen f¨
ur die Hydrodynamik
und zum anderen f¨
ur den diffusiven Stofftransport durchgef¨
uhrt. Zur Pr¨
ufung auf In-
varianz bez¨
uglich der Hydrodynamik wurden Berechnungen durchgef¨
uhrt, bei denen
das Gitter nach und nach verfeinert wurde. Alle Randbedingungen wurden hierbei
konstant gehalten. Verglichen wurden dann sowohl integrale Gr¨
oßen wie Druckabfall
oder dissipierte Leistung, als auch diskrete Geschwindigkeitsverteilungen auf festen
Querschnitten l¨
angs des Mischkanals.
Sobald sich diese Werte bei einer Verfeinerung des Gitters nicht mehr ¨
andern, gilt
ab dieser Gittergr¨
oße die numerische Simulation als gitterinvariant und es ist daher
nicht mehr n¨
otig, das Gitter weiter zu verfeineren.
Um die erforderliche Mindestaufl¨
osung zu ermitteln, die ausreichend ist, die Str¨
omung
39
3 Numerische Str¨
omungssimulation
im untersuchten T-Mikromischer gen¨
ugend genau zu beschreiben, wurde die Hydro-
dynamik jeweils auf verschiedenen Gitter berechnet. Dies wurde durchgef¨
uhrt bei
einer mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit von 1,4m/s (Re = 186), da sich hierbei
eine nicht-triviale Sekund¨
arstr¨
omung ausbildet, was zur Gitterinvarianzpr¨
ufung gut
geeignet ist.
Zur Pr¨
ufung auf Unabh¨
angigkeit der Str¨
omung bez¨
uglich des Gitters wurden block-
strukturierte Gitter verwendet, deren Aufl¨
osung l¨
angs des Mischkanals bis hin zu
einem Abstand von ca. 600 µm hinter der Einlassfl¨
ache in den Mischkanal hinein
sukzessive verfeinert wurde.
Rechnungen zur Pr¨
ufung auf Gitterinvarianz bez¨
uglich einer diffusiv transportierten
Spezies mit sehr hohen Schmidt-Zahlen (hier Sc = 3600) geraten sehr schnell an
die Grenzen der heute zur Verf¨
ugung stehenden Leistungsf¨
ahigkeit von Computern.
Daher k¨
onnen Vollverfeinerungen im gesamten Rechengebiet hier nicht durchgef¨
uhrt
werden. Die Aufl¨
osungen, die zur vollst¨
andigen Aufl¨
osung der feinsten Skalen not-
wendig sind, sind ca. 60mal (Sc−1/2) kleiner als die Skalen der Hydrodynamik. Um
dennoch Absch¨
atzungen durchf¨
uhren zu k¨
onnen, mußte das zu verfeinernde Rechen-
gebiet stark eingeschr¨
ankt werden. Um die Hydrodynamik nicht zu ver¨
andern, wurde
bei der Untersuchung des Speziestransports stets in allen Bereichen mindestens die
erforderliche Aufl¨
osung f¨
ur die Hydrodynamik verwendet.
Die Mischzone, der Bereich wo die beiden Einlassstr¨
ome aufeinandertreffen, ist der
Bereich, in dem Wirbel entstehen. Dieser Bereich (der Kopf des Mischkanals) muss
daher jedesmal zwingend mitverfeinert werden. Da allerdings die Str¨
omung im Misch-
kanal zum einen station¨
ar ist und zum anderen eine Punktsymmetrie aufweist, wurde
nicht die gesamte Breite des Kanals verfeinert. Ausgehend vom Eintritt in den Misch-
kanal bis hin zu einer L¨
ange von 250 µm dahinter, wurde mindestens 60 % der Breite
verfeinert. Um Fehler bei dieser Vorgehensweise auszuschließen wurden f¨
ur die ersten
Rechnungen sowohl der gesamte als auch nur ein Teil des Kanals verfeinert und die
Ergebnisse miteinander verglichen.
Die Auswertungen bez¨
uglich der Speziesverteilung wurden hier auf einem ”halben“
Querschnitt 200 µm in den Mischkanal hinein und auf halber H¨
ohe durchgef¨
uhrt.
40
3.5 Verwendete Gitter
3.5 Verwendete Gitter
Die numerischen Simulationen wurden mit Hilfe der kommerziellen CFD-Software
Fluent 6.1 bzw 6.2 durchgef¨
uhrt, die die Navier-Stokes Gleichungen n¨
aherungsweise
durch die Finite-Volumen Methode l¨
ost (Vgl. Kap. 3.1). Zur Diskretisierung des Re-
chengebietes werden unter anderem blockstrukturierte Gitter mit 1 Millionen bzw. 9
Millionen kubischen Gitterzellen verwendet. Durch die Blockstruktur des Gitters wird
nur dort stark verfeinert, wo es n¨
otig ist. In Bereichen strenger laminarer Str¨
omungen
ohne bzw. mit geringen axialen Komponenten der Geschwindigkeit (Einlasskanal und
hinterer Mischkanal) kann eine grobere Gitterstruktur verwendet werden (Zellgr¨
oßen
von ca. 2,5µm). In anderen Bereichen, wie z.B. in der Mischzone, die ein Bereich
starker Umlenkungen ist, muss das Gitter stark verfeinert werden.
Eine andere Methode, um lokal hohe Aufl¨
osungen zu erreichen, ist die Verwendung
von lokaler Gitterverfeinerung. Diese wurde insbesondere zur Erzeugung der zu vali-
dierenden Simulationen verwendet, um lokal hoch aufgel¨
oste Daten zu erhalten. Bei
diesem Verfahren wird zu Anfang eine L¨
osung auf einem hinreichend feinen Git-
Abbildung 3.4: L¨
angsschnitt durch den Mischkanal. Gezeigt wird die Gitterstruktur nach
vorheriger doppelter Gitterverfeinerung. Die Grauabstufungen symboli-
sieren Bereiche starker Gradienten.
41
3 Numerische Str¨
omungssimulation
ter errechnet. Hinreichend in diesem Zusammenhang bedeutet, dass die L¨
osung der
Str¨
omungsgleichungen gitterunabh¨
angig ist und sich deren L¨
osung somit bei Verfeine-
rung nicht mehr ¨
andert. Im Falle des Mikro-Mischers bedeutet dies ein Gitter mit ca.
1 Millionen Zellen (vgl. Kap. 4.1). Zur L¨
osung der Speziesgleichung f¨
ur hohe Schmidt-
Zahlen ist dieses Gitter allerdings unzureichend daher werden die feinsten Skalen der
Spezies nicht aufgel¨
ost. Ausgehend von der L¨
osung auf diesem Gitter werden Bereiche
starker Gradienten der Spezies markiert und nachfolgend vollverfeinert. Der Vorteil
dieser Methode ist, dass nicht der gesamte Bereich verfeinert werden muss, sondern
nur einzelne, kleinere Bereiche. Mit Hilfe dieser Methode ist es daher m¨
oglich, lokal
Zellgr¨
oßen von unter 0,3 µm zu erzielen. Um eine entsprechende Aufl¨
osung mit ei-
nem konventionellen Gitter zu erreichen, w¨
aren beispielsweise f¨
ur den Mikro-Mischer
ca. 180 Millionen Zellen n¨
otig. Abbildung 3.4 zeigt das kubische Gitter auf einem
L¨
angsschnitt durch den Mischkanal. Die einzelnen Graustufen kennzeichen Bereiche
unterschiedlich großer Gradienten der Spezies. Zu erkennen ist, dass in den Bereichen,
wo die Spezies keinerlei Gradienten besitzt, die urspr¨
ungliche Gittergr¨
oße beibehalten
wurde (rechte Seite des Ausschnittes), wohingegen bei hohen Gradienten das Gitter
stark verfeinert wurde.
3.6 Untersuchungen zur Schmidt-Zahl Variation
Die hier durchgef¨
uhrten Rechnungen wurden mit dem Diffusionskoeffizienten von
Rhodamin-B (2,8·10−10m2/s) und der Viskosit¨
at von Wasser (1,00361·10−6m2/s) bei
20◦Cdurchgef¨
uhrt. Die sich daraus ergebene Schmidt-Zahl (Sc =ν/D) der transpor-
tierten Spezies betr¨
agt 3600. In w¨
assrigen Systemen liegen diese Werte in der Regel
zwischen 50 (kleinere Ionen) und mehreren Tausend f¨
ur gr¨
oßere, langsam diffundie-
rende Substanzen.
Kleine Diffusionskoeffizienten (große Schmidt-Zahlen) stellen numerisch ein großes
Problem dar, da diese zu scharfen Gradienten f¨
uhren. Diese Gradienten m¨
ussen durch
eine Vielzahl von Gitterzellen aufgel¨
ost werden. Da in der Regel bei Rechnungen mit
sehr hohen Schmidt-Zahlen diese große Anzahl an Gitterelementen aufgrund einge-
schr¨
ankter Rechenkapazit¨
at nicht erreicht werden kann, kommt es zur so genannten
numerischen Diffusion. Das bedeutet, dass die errechneten Diffusionsraten gr¨
oßer sind,
als die tats¨
achlich vorhandenen. Dieser Effekt kann durch L¨
osungsverfahren h¨
oherer
42
3.7 Implementierung benutzerdefinierter Funktionen und Auswertungen
Ordnung deutlich verkleinert werden (Sch¨
onung, 1990).
Um Abh¨
angigkeiten von der Diffusivit¨
at zu untersuchen, wurden in dieser Arbeit
Schmidt-Zahl Variationen durchgef¨
uhrt. Des Weiteren wurden diese Rechnungen auf
Gittern mit unterschiedlichen Aufl¨
osungen berechnet.
3.7 Implementierung benutzerdefinierter Funktionen
und Auswertungen
Um weiterf¨
uhrende Analysen der berechneten Str¨
omung bzw. der erzielten Vermi-
schungen zu erm¨
oglichen, wurde zus¨
atzlich ein voll parallelisiertes Unterprogramm
(UDF - ”User defined Function“) entwickelt und implementiert. Mit Hilfe des UDF´s
ist es m¨
oglich, w¨
ahrend der Rechnung Zugang zu Werten bzw. Gradienten der einzel-
nen Variablen auf Zellebene zu erhalten. Der Mischkanal wird mit Hilfe des UDF´s
in Schichten l¨
angs des Mischkanals eingeteilt, auf denen die Werte und Gradienten zu
charakteristischen Gr¨
oßen wie Mischg¨
ute, Potenzial f¨
ur diffusives Mischen oder auch
querschnittsbezogene Energiedissipation zusammengefasst werden.
Das UDF ist in der Programmiersprache Cgeschrieben und basiert zum Teil auf Mo-
dulen, die vorimplementiert in Fluent zur Verf¨
ugung stehen. Diese beinhalten unter
anderem Funktionen wie Schleifen ¨
uber die gesamten Zellen einer Dom¨
ane oder auch
die Kommunikation zwischen einzelnen Knoten bzw. Host und Knoten. Der gesamte
Quellcode des parallelen Unterprogramms kann in Anhang A.2 eingesehen werden.
Das Programm ist inhaltlich in drei Hauptprozeduren unterteilt. Eine Prozedur, die
vor einer Rechnung ausgef¨
uhrt wird, eine, die w¨
ahrend instation¨
arer Rechnungen ak-
tiviert wird und eine dritte Prozedur, die nach Erreichen der Konvergenzkriterien aus-
gef¨
uhrt wird. Die einzelnen Teilprogramme sind daher mit ”Vor“,”Waehrend“ und
”Nach“ bezeichnet. Die Prozedur ”Vor“ wird in Fluent als ”Execute-on-demand“
aufgerufen, d.h., der Funktionsaufruf erfolgt manuell. Dies gilt auch f¨
ur die Proze-
dur ”Nach“. Da w¨
ahrend einer Rechnung eine manuelle Steuerung nicht m¨
oglich ist,
werden die Auswertungsalgorithmen der Prozedur ”Waehrend“ auf einem Umweg in
den Code implementiert. Fluent bietet die M¨
oglichkeit, bei instation¨
aren Rechnun-
gen die Zeitschrittweite fest vorzugeben, diese von Fluent intern anpassen zu lassen
43
3 Numerische Str¨
omungssimulation
oder dies durch ein UDF zu steuern. Innerhalb dieser Zeitschrittweitensteuerung wird
die Prozedur ”Waehrend“ aufgerufen. Diese f¨
uhrt die einzelnen Unterprogramme aus
und gibt anschließend eine, der Courant-Beziehung (Courant et al., 1928) gen¨
ugende,
vorher berechnete Zeitschrittweite zur¨
uck.
Die Prozedur ”Vor“ hat zwei wesentliche Aufgaben, zum einen den Mischkanal mit
vorher definierten Abst¨
anden in Schichten zu unterteilen, zum anderen eine Zeit-
schrittweite f¨
ur instation¨
are Prozesse so zu berechnen, dass die Courant Zahl kleiner
als eins ist. ”Nach“ startet die eigentlichen Auswertungsroutinen bei station¨
aren
Rechnungen. Hierbei wird das Unterprogramm ”Volumenfunktionen“ durchlaufen,
welches nachfolgend n¨
aher erkl¨
art wird.
Die dritte Prozedur (”Waehrend“ ), die unter anderem f¨
ur die Zeitschrittsteuerung
zust¨
andig ist, wird nach jedem Zeitschritt automatisch ausgef¨
uhrt. Dabei wird die
Zeitschrittweite neu berechnet und zur¨
uckgegeben. Des Weiteren wird auch hier die
Prozedur ”Volumenfunktionen“ durchlaufen.
Die Funktion ”Volumenfunktionen“ hat die Aufgabe, schichtgemittelte Kennzahlen
wie Mischg¨
ute, Potenzial f¨
ur diffusives Mischen sowie dissipative Energie zusammen-
zufassen und in eine externe Datei zu speichern. Wie oben erw¨
ahnt, geschieht dies
bei station¨
aren Rechnungen einmal am Ende der Rechnung, bei instation¨
aren Rech-
nungen hingegen werden diese, nicht in jedem Zeitschritt, sondern nur in vorher fest-
gelegten Bruchteilen der mittleren hydrodynamischen Verweilzeit abgespeichert.
Generell ben¨
otigt das UDF wenige Einstellungen, die vor jeder Rechnung und vor
dem Einbinden der C-Routinen am Anfang des UDF´s eingegeben werden m¨
ussen.
Dazu geh¨
oren die Abmessungen des Mischkanals, die kinematische Viskosit¨
at des
Fluids sowie die mittlere Geschwindigkeit im Mischkanal, die nachfolgend berechnet
werden soll. Des Weiteren m¨
ussen die L¨
ange einer Zellkante im Mischkanal sowie die
Abst¨
ande der Auswertungsschichten im Mischkanal angegeben werden. Zus¨
atzlich bie-
tet das UDF die M¨
oglichkeit lediglich hydrodynamische, und/ oder speziesbezogene
Auswertungen durchzuf¨
uhren.
44
3.8 Berechnung des Str¨
omungsfeldes
3.8 Berechnung des Str¨
omungsfeldes
Zur Berechnung des Str¨
omungsfeldes wurden die Navier-Stokes Gleichungen eines
dichtebest¨
andigen Fluids ohne ¨
außere Kr¨
aften f¨
ur Masse
∇·u= 0 (3.22)
und Impuls
∂tu+u·∇u=−∇p+1
Re∆u(3.23)
mit Hilfe der Finiten-Volumen Methode n¨
aherungsweise mit Fluent 6.1.18 bzw. 6.2.16
gel¨
ost. Die Rechnungen wurden hierbei bis zu einer Reynoldszahl von 240 durch-
gef¨
uhrt. Unterhalb dieser Reynoldszahl liegen station¨
are Verh¨
altnisse vor, wohingegen
beim ¨
Uberschreiten dieser Reynoldszahl es durch nahezu periodischen Wirbelabl¨
osun-
gen zu einem instation¨
aren Str¨
omungsverhalten kommt.
3.9 Berechnung des Speziestransportes
Im Falle reagierender Str¨
ome sind die Navier-Stokes Gleichungen (3.22, 3.23) zus¨
atz-
lich noch um die Speziesgleichung zu erg¨
anzen. F¨
ur eine ideal verd¨
unnte Spezies ergibt
sich die Transportgleichung in nicht-dimensionsloser Formulierung zu
∂tci+u·∇ci=Di∆ci+Ri(3.24)
mit der Reaktionsrate Riund dem Diffusionskoeffizienten Di.
Im Falle eines passiven Transports kann entweder die Speziesgleichung (3.24) mit ei-
ner Reaktionsrate Ri= 0 gel¨
ost werden, oder der Speziestransport wird durch den
Transport eines passiven Skalars berechnet (Vgl. 3.5).
In den hier durchgef¨
uhrten Berechnungen wurden zur Beschreibung des Speziestrans-
ports beide M¨
oglichkeiten je nach Problemstellung gew¨
ahlt. Bei allen passiven Rech-
nungen ohne Reaktion wurde ausschließlich die Speziesgleichung verwendet. Bei der
Berechnung reaktiver Systeme wurde hingegen die Reaktion mit Hilfe der Spezies-
gleichung und der pH-Indikator als passiver Skalar berechnet.
45
3 Numerische Str¨
omungssimulation
3.10 Berechnung reaktiver Systeme
Die zeitliche ¨
Anderung der Spezieskonzentrationen einer chemischen Reaktion vom
Typ A+B→Cwird beschrieben durch drei Differenzialgleichungen, wobei f¨
ur jede
Komponente jeweils die Speziesbilanz inklusive Reaktionsterm aufgestellt wird. Bei
sehr schnellen Reaktionen (k→ ∞) ist cA·cB= 0, d.h. die Eduktkonzentrationen cA
und cBsind nirgends beide strikt positiv. Wegen der großen Steifheit des resultieren-
den Differenzialgleichungssystems f¨
ur große ksind instantane Reaktionen numerisch
direkt nicht gut handhabbar. Allerdings stellt in solchen Systemen, in denen die Zeits-
kala der Diffusion sehr viel gr¨
oßer als die Zeitskala der Reaktion ist (quasi-instantane
Reaktion), die von Toor (Toor und Chiang, 1959) theoretisch vorgestellte Vereinfa-
chung f¨
ur diffusionskontrollierte (irreversible) Reaktionen eine numerisch handhab-
bare Alternative dar.
Zu diesem Zweck und unter der Pr¨
amisse, dass die Diffusionskoeffizienten DAund
DBgleich sind, kann durch Differenzbildung der beiden Gleichungen folgende Diffe-
renzialgleichung erhalten werden:
∂tφ+u·∇φ=D∆φ, (3.25)
mit φ=cB−cAund φ²[−1,1]. Diese Gleichung ist identisch mit der Transportglei-
chung eines passiven Skalars ohne Quellen und Senken. Ist nun in solchen Systemen
die Reaktionsgeschwindigkeit sehr groß, so spricht man von quasi-instantanen Reak-
tionen. In solchen Systemen k¨
onnen die Reaktanden nicht koexistieren, da sie sofort
(instantan) abreagieren w¨
urden, d.h. es gilt cAcB= 0. Daher ist es m¨
oglich, aus der
Verteilung des passiven Skalars φdie urspr¨
unglichen Konzentrationen von cAund cB
wieder zu berechnen. Es gilt:
φ(t, x) = (cA= - min{φ, 0}
cB= max{φ, 0}.(3.26)
In der vorliegenden Arbeit wurde die Neutralisationsreation von NaOH mit HCl
betrachtet. Da die Diffusivit¨
aten der beiden Reaktionspartner nicht gleich sind (Sc =
300 f¨
ur HCl und Sc = 470 f¨
ur NaOH), wurde zur Beschreibung des Systems der
Diffusionskoeffizient des Skalars φin Abh¨
angigkeit des Wertes von φangepasst
D(φ) = (DHCl f¨
ur φ≥0
DNaOH f¨
ur φ < 0. (3.27)
46
3.10 Berechnung reaktiver Systeme
Bei dem hier untersuchten reaktiven System handelt es sich allerdings nicht um eine
einzelne Reaktion, sondern um eine Parallelreaktion der Form
A+B→C
D+B→P
Die zweite ablaufende Reaktion ist eine pH-abh¨
angige Deprotonierungsreaktion eines
Farbstoffes. In den Experimenten wurde als Farbstoff Fluoreszein verwendet, der im
Basischen eine Fluoreszenzerscheinung zeigt.
Die experimentellen Messungen (Hoffmann et al., 2006) wurden durchgef¨
uhrt, in dem
man in einen Eingang des T-Mikromischers eine Mischung von Fluoreszein mit HCl
zuf¨
uhrt, in den anderen Eingang NaOH. Die an der Kontaktfl¨
ache stattfindende
Neutralisationsreaktion, mit einer Zeitskala der Reaktion im Bereichen von einigen ns,
ist eine quasi-instantane Reaktion. Dies bedeutet, dass es keine Koexistenz der beiden
Reaktionspartner gibt; sobald sie aufeinandertreffen bildet sich das Reaktionsprodukt
Wasser, welches gleichzeitig das Solvenz ist. Die beschreibenden Reaktionsgleichungen
dieses Systems k¨
onnen wie folgt formuliert werden
H++OH−→H2O
HFl +OH−ÀH2O+Fl−,
mit Fl als Bezeichnung des Fluoreszeins. Da Wasser (H2O) als Solvenz bei dieser
Reaktion dient, sind die ¨
Anderungen dieser Spezies irrelevant bei der Bilanzierung.
Die zu bilanzierenden Spezies sind daher die S¨
aure (H+), die Lauge (OH−) sowie die
protonierte (HFl) und die deprotonierte (Fl−) Form des Fluoreszeins. Die beschrei-
benden Transportgleichungen dieser Spezies lauten
∂tcH++u·∇cH+=∇·(DH+∇cH+)−ˆ
k cH+cOH−
∂tcOH−+u·∇cOH−=∇·(DOH−∇cOH−)
−ˆ
k cH+cOH−−kH(cOH−cF l−−K−1cF l−) (3.28)
∂tcHFl +u·∇cHF l =∇·(DHFl ∇cHFl)−kH(cOH−cF l−−K−1cF l−)
∂tcFl−+u·∇cFl−=∇·(DFl−∇cF l−) + kH(cOH−cF l−−K−1cF l−)
mit den Diffusionskoeffizienten Dider i-ten Komponente und der Geschwindigkeits-
komponente ˆ
kder Neutralisationsreaktion. K bezeichnet hier das Verh¨
altnis von Hin-
reaktion und R¨
uckreaktion der Deprotonierungsreaktion K=kH/kR.
47
3 Numerische Str¨
omungssimulation
Da wie oben angesprochen, die Geschwindigkeitskonstante ˆ
ksehr groß ist, ist dies
Differenzialgleichungssystem numerisch nur schwer handhabbar. Daher wird hier die
bereits erw¨
ahnte Vereinfachung angewandt. Zu diesem Zweck f¨
uhrt man eine neue
Variable φein, die folgendermaßen definiert ist
φ=cOH−−cH+.(3.29)
φhat einen Wertebereich von [−1; 1], wobei ein Wert von φ < 0 dem Vorhandensein
von H+entspricht, einen Wert ≥0 dem von OH−.
Man bildet die Differenz der ersten beiden Gleichungen des Gleichungssystems und
erh¨
alt
∂tφ+u·∇φ=∇·(Dφ∇φ)−kH(cOH−cFl−−K−1cF l−).(3.30)
Da bei den experimentell durchgef¨
uhrten Messungen die Konzentration des eingesetz-
ten Fluoreszenzfarbstoffes 1000mal kleiner ist als die eingesetzte Konzentration der
Lauge, wird die Senke der Gleichgewichtsreaktion vernachl¨
assigt. In wie weit dieses zu
einer korrekten Beschreibung f¨
uhrt, muss noch gepr¨
uft werden. Mit dieser Annahme
gilt
∂tφ+u·∇φ=∇·(Dφ∇φ).(3.31)
F¨
ur den Fluoreszenzfarbstoff wird zur Vereinfachung ebenfalls eine neue Variable ψ
eingef¨
uhrt, die der Summe der beiden Konzentrationen von protoniertem und deproto-
niertem Farbstoff entspricht. Dadurch reduzieren sich die beiden letzten Gleichungen
des Gleichungssystems zu
∂tψ+u·∇ψ=∇·(Dψ∇ψ),(3.32)
mit Dψ=const, da die Diffusivit¨
aten der protonierten und der deprotonierten Form
ann¨
ahernd gleich sind.
Zu beachten ist hierbei, dass die direkte Umrechnung der Skalare in die urspr¨
ung-
lichen Konzentrationen streng genommen nur f¨
ur φm¨
oglich ist. Da allerdings der
Fluoreszenzfarbstoff lediglich zur Visualisierung dient, ist die genaue Konzentration
der deprotonierten Spezies Fl−nicht wichtig. Zur numerischen Visualisierung wird
daher nur an den Stellen ausgewertet, wo Fl−existiert und ebenfalls OH−vorhanden
ist.
48
3.11 Analyse des Deformationsratentensors
Die numerischen Simulationen wurden mit Skalaren durchgef¨
uhrt, die auf einen Wer-
tebereich von [0; 1] normiert sind. Daher wurden beide Skalare φund ψmit einem
Maximalwert von 1 in einen Eingang und mit jeweils 0 in den anderen aufgegeben.
Die Fluoreszenzintensit¨
at des Fluoreszeins steigt auf einem Bereich von pH3 bis pH11
stark an, weshalb zur Visualisierung und vor allem zur Verifizierung der experimen-
tellen Daten eine pH-Wert abh¨
angige Signalst¨
arke der Form
I=a102pH c0,HFl
1 + a102pH +b10pH ,(3.33)
gew¨
ahlt wurde. Dieses gibt die experimentell gefundene Abh¨
angigkeit der Intensit¨
at
mit ¨
Anderung des pH-Wertes an (Munsterer und J¨
ahne, 1998).
Da aufgrund der filigranen lamellaren Struktur lokal hohe Aufl¨
osungen erforderlich
sind, wurde bei den Simulationen das Gitter sukzessive in mehreren Schritten ver-
kleinert bis zu einer Zellgr¨
oße von 0,3µm bei einer Kanalbreite von 200 µm.
3.11 Analyse des Deformationsratentensors
Bei Reaktionen mit Reaktionsordnungen >1 ist es erforderlich, dass die beteiligten
Spezies aufeinander treffen, um reagieren zu k¨
onnen. Dazu m¨
ussen diese durch Misch-
prozesse in Kontakt zueinander gebracht werden. Um dabei eine hohe Selektivit¨
at zu
erzielen, m¨
ussen die Mischprozesse, z.B. in einem Str¨
omungsrohrreaktor, in radialer
Richtung erfolgen; Mischprozesse in axiale Richtung, die man in Analogie zur Diffusi-
on, als axiale Dispersion bezeichnet, f¨
uhren durch R¨
uckvermischung zur Senkung von
Selektivit¨
at und Ausbeute. Aufschluss ¨
uber die Effizienz, mit der die eingetragene
Leistung in Quervermischung, also eine Vermischung in radialer Richtung, umgesetzt
wird, gibt eine Analyse der Rate der Energiedissipation. In viskosen Fl¨
ussigkeiten wird
mechanische Energie in dem Maße dissipiert, in dem Relativbewegungen vorliegen.
Dies geschieht durch Wandhaftung, auch in voll entwickelten Rohrstr¨
omungen. In die-
sem Fall sind die Relativbewegungen allerdings in Str¨
omungsrichtung und bewirken
daher die unerw¨
unschte Dispersion. Erreicht man es, dass die Relativbewegungen in
zur Achse senkrechten Richtungen erfolgen, so erh¨
alt man Vermischung in Querrich-
tung.
Um die Quervermischung im Mikroreaktor quantitativ zu bestimmen, muss der Defor-
mationsratentensor Danalysiert werden. Dieser entspricht dem symmetrischen Anteil
49
3 Numerische Str¨
omungssimulation
von ∇u:
D=1
2∇u+1
2(∇u)T(3.34)
und stellt die lokale massenspezifische Energiedissipation durch Relativbewegungen
dar. Es gilt
D=
∂xu1
2(∂xv+∂yu)1
2(∂xw+∂zu)
1
2(∂xv+∂yu)∂yv1
2(∂yw+∂zv)
1
2(∂xw+∂zu)1
2(∂yw+∂zv)∂zw
(3.35)
Liegt die Hauptstr¨
omungsrichtung in z-Richtung, so m¨
ussen die Relativbewegungen
in x- und y-Richtung erfolgen, um eine Quervermischung zu erzielen. Daher muss die
obere 2x2 Untermatrix (D2) des Deformationsratentensors Dausgewertet werden.
εquer ∼D2:D2=µ∂u
∂x¶2
+µ∂v
∂y¶2
+1
2µ∂u
∂y +∂v
∂x¶2
(3.36)
Durch Integration ¨
uber die jeweilige Querschnittsfl¨
ache und Multiplikation mit einem
konstanten Faktor von 2 ηergibt sich die Rate der in Querschnittsrichtung dissipierten
Leistung. Um diesen Wert zu normieren, wird die in Querschnittsrichtung eingetra-
gene Leistung auf die gesamte Leistung, die auf diesem Querschnitt dissipiert wurde,
bezogen. Die Gesamtleistung erh¨
alt man durch Auswertung des gesamten Deforma-
tionsratentensors
εges = 2 ηD:D.(3.37)
Die einzelnen Gradienten k¨
onnen direkt aus Fluent erhalten werden. Sie werden dann
gem¨
aß Gleichungen 3.36 und 3.37 mittels des schon erw¨
ahnten UDF´s ”Waehrend“
w¨
ahrend der Rechnung ¨
uber die Querschnitte integriert und ausgegeben. Dar¨
uber
hinaus k¨
onnen diese Auswertungen auch f¨
ur station¨
are Berechnungen mit dem UDF
”Nach“ durchgef¨
uhrt werden.
3.12 Untersuchungen zum Verweilzeitverhalten
Der Umsatz einer chemischen Reaktion wird bei einem kontinuierlich betriebenen Re-
aktor maßgeblich beeinflusst durch die Aufenthaltszeit jedes reagierenden Molek¨
uls im
50
3.12 Untersuchungen zum Verweilzeitverhalten
Reaktor (Jakubith, 1998). Da aufgrund der großen Anzahl der vorhandenen Molek¨
ule
ein Nachverfolgen jedes einzelnen nicht m¨
oglich ist, wird ein Verweilzeitspektrum auf-
genommen. Ein Verweilzeitspektrum oder auch relative H¨
aufigkeit (E(t)), wird erhal-
ten, indem man eine Stoßmarkierung (idealerweise ein Dirac-Signal) in den Eingang
des Reaktors bringt und die Antwortfunktion im Ausgang misst. Man bekommt da-
durch ein Antwortsignal in Abh¨
angigkeit der Zeit. Eine andere Darstellungsmethode
ist die H¨
aufigkeitssummenfunktion (F(t)), die durch Integration der relativen H¨
aufig-
keit erhalten wird
F(t) = Zt
0
E(τ)dτ. (3.38)
Experimentell kann dieser Verlauf durch Aufbringen einer Sprungmarkierung (idea-
lerweise eine Heaviside-Funktion) im Eingang erhalten werden.
Die Verl¨
aufe der beiden H¨
aufigkeitsfunktionen unterscheiden sich f¨
ur verschiedene
Reaktortypen. Des Weiteren lassen sich beim Vergleich von Messungen realer Re-
aktoren mit den Verl¨
aufen idealer Reaktoren (ggf. auch Mischformen verschiede-
ner idealer Reaktoren) Abweichungen vom idealen Verhalten erkennen. Diese Ab-
weichungen k¨
onnen unter anderem von Totwasserzonen, Kurzschl¨
ussen oder ¨
ahnlich
unerw¨
unschten Str¨
omungsverhalten hervorgerufen und dadurch charakterisiert wer-
den. Die große Bedeutung der Verweilzeitverteilung besteht in der Charakterisierung
der Realstr¨
omung des kontinuierlich betriebenen Reaktors (Jensen, 1998). Auf der
Grundlage der Verteilungen l¨
asst sich entscheiden, welches vereinfachte Modell (z.B.
Dispersions-, Kaskaden- oder Zellenmodell) zur Beschreibung des Reaktionsverhal-
tens sinnvoll ist (Fitzer und Fritz, 1989, Levenspiel, 1999).
Zur Untersuchung des Verweilzeitverhaltens im Mikroreaktor wurden Sprungmarkie-
rungen in numerischen Tracerexperimenten durchgef¨
uhrt. Zu diesem Zweck wurde
zu Anfang der Rechnungen das station¨
are Str¨
omungsprofil berechnet und dann an-
schließend der Tracer in einen der beiden Einlasskan¨
ale aufgegeben. Die nachfolgen-
de Berechnung des Stofftransportes erfolgte transient, wobei bei festen Bruchteilen
der mittleren hydrodynamischen Verweilzeit mittels des UDF´s ”Waehrend“ integra-
le Kenngr¨
oßen zur Berechnung der Verweilzeitverteilung herausgeschrieben wurden.
Das verwendete Gitter bestand aus ca. 9 Millionen Zellen, was einer Zellbreite von
1,25 µm entspricht.
51
3 Numerische Str¨
omungssimulation
3.13 Untersuchungen zur Str¨
omungsmodulation
Da rein laminare Str¨
omungen in Mikroreaktoren noch relativ lange Diffusionswege
aufweisen und andererseits turbulente Str¨
omungen mit einem erheblichen Druckver-
lust verbunden sind, kommt dem Str¨
omungsmischen durch chaotische Advektion eine
wachsende Bedeutung zu. Unter chaotischer Advektion versteht man ein Ph¨
anomen,
wobei die Str¨
omung auf der einen Seite zwar laminar ist, diese aber chaotische Parti-
keltrajektorien zeigen kann. Dieses kann erreicht werden, indem zus¨
atzliche Energie
z.B. in Form periodischer Volumenstromschwankungen (Niu und Lee, 2003, Mackley
und Stonestreet, 1995) eingebracht wird. Desgleichen kann eine chaotische Advektion
durch trickreich gestaltete statische Einbauten (Stroock et al., 2002, Aubin et al.,
2003, Kim et al., 2004) erreicht werden. Bei der somit erhaltenen Str¨
omung treten
abwechselnd Dehn- und Streckungen sowie Faltungen von Filamenten auf.
Die hier durchgef¨
uhrten Simulationen zur Str¨
omungsmodulation wurden mit periodi-
schen Volumenstromschwankungen vorgenommen. Dazu wurden die Eingangsvolu-
menstr¨
ome so eingestellt, dass sie in entgegengesetzter Phase schwingen (Abb. 3.5).
Dadurch erreicht man einen konstanten Volumenstrom im Auslass, was bei einer
sp¨
ateren Implementierung innerhalb eines verfahrenstechnischen Systems technische
Vorteile bietet. Die Amplitude wurde so gew¨
ahlt, dass bei den gew¨
ahlten Geschwin-
digkeiten durch die Modulation der Engulfmentbereich nicht verlassen wurde. Dazu
wurde die mittlere, eingestellte Geschwindigkeit jeweils mit einer Amplitude von ±
25 % der mittleren Geschwindigkeit moduliert. Die angelegten Frequenzen variierten
zwischen 10, 20 und 30 kHz.
u(x, t) = u(x)(1 + 0,25 sin(t f π)) (3.39)
Technisch l¨
asst sich eine solche Str¨
omungserzeugung mit Hilfe der Piezotechnologie
umsetzen (Fu et al., 2006).
F¨
ur die instation¨
aren Rechnungen wurde zu Anfang auf einem blockstrukturiertem
Gitter mit 1 Millionen Zellen (Zellbreiten von 2,5µm) allein die Hydrodynamik be-
rechnet, so dass die zu erzeugende Str¨
omung im gesamten Reaktor einlaufen kann.
Danach wurde eine Sprungmarkierung mit einem Tracer durchgef¨
uhrt, der die physi-
kalischen Eigenschaften von Rhodamin-B hat. Die Rechnungen wurden solange durch-
gef¨
uhrt, bis die Mischcharakteristika gleichm¨
aßige Schwingungen zeigten. Ausgewer-
tet wurde zum einen die Hydrodynamik, wobei Druckschwankungen und dissipativ
52
3.13 Untersuchungen zur Str¨
omungsmodulation
u( )t
t
Abbildung 3.5: Zeitlich schwankender Verlauf der Maximalgeschwindigkeiten der beiden
Einlasskan¨
ale bei einer mittleren Geschwindigkeit von 1,4 m/s und einer
Frequenz von 10 kHz.
eingetragene Energie in Querrichtung untersucht wurde. Zum anderen wurden Misch-
charakteristika wie Mischg¨
ute und Potenzial f¨
ur diffusives Mischen der eingetragenen
Spezies untersucht. Um die Impulsfronten bei den wechselnden Geschwindigkeiten nu-
merisch aufzul¨
osen, wurden die Verweilzeiten mit jeweils ca. 2.000 Zeitschritten pro
τHaufgel¨
ost. Da bei einer maximalen Frequenz maximal 21 Schwingungen pro τH
in einem Eingang auftreten, wird jede Schwingung mit mindestens 100 Zeitschritten
aufgel¨
ost.
53
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
4.1 Gitterinvarianz
Zur Pr¨
ufung hinsichtlich der Gitterinvarianz wurde zu Anfang die verwendete Geo-
metrie (Vgl. Abb. 4.1) auf Mindestl¨
angen von Einlass- und Mischkanall¨
angen hin
¨
uberpr¨
uft. Durch Vorrechnungen hat sich gezeigt, dass der Mischkanal eine Min-
destl¨
ange von 1500 µm besitzen muss, da ansonsten die nur n¨
aherungsweise g¨
ultige
Randbedingung am Auslass des Reaktors Einfluss auf die Str¨
omungscharakteristika
in der Mischzone hat. Dementsprechend wurden die L¨
angen der beiden Einlasskan¨
ale
auf mindestens 300 µm festgesetzt. Um die bei den experimentellen Messungen im
Einlasskanal vorliegende entwickelte Rohrstr¨
omung zu erhalten wurde zus¨
atzlich noch
das Profil einer voll entwickelten Rohrstr¨
omung an den beiden Einlassfl¨
achen als Ein-
lassprofil vorgegeben (Vgl. Kap. 3.3).
8 0 0 µ m
1 0 0 µ m
1 0 0 µ m
2 0 0 µ m
1 0 0 µ m
1 5 0 0 µ m
3 0 0 µ m
x
y
z
Abbildung 4.1: F¨
ur die Simulationen verwendete Geometrie. Ursprung des Koordinaten-
systems (schwarzer Punkt) befindet sich unten an der Stirnfl¨
ache des
Mischkanals, wobei die beiden Einlassfl¨
achen denselben Abstand vom Ur-
sprung besitzten.
55
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
4.1.1 Hydrodynamik
Im Anschluss an die Optimierung der reduzierten L¨
angen wurden Testrechnungen mit
verschiedenen Gitteraufl¨
osungen durchgef¨
uhrt, um zu testen, ab welcher Aufl¨
osung
die L¨
osung bei gegebener Reynolds-Zahl gitterunabh¨
angig wird. Zu diesem Zweck
wurden insgesamt drei verschieden aufgel¨
oste Gitter getestet, ein Gitter mit 20 mal
40, eines mit 40 mal 80 und eines, welches die Mischzone im Querschnitt mit 80 mal
160 Zellen aufl¨
ost. Die resultierenden Zellengr¨
ossen ergeben sich dann zu 5 µm, 2,5
µm und 1,25 µm f¨
ur die Kantenl¨
ange einer Zelle.
Die Verl¨
aufe integraler Str¨
omungsgr¨
oßen, wie die des querschnittsgemittelten stati-
schen Drucks und die der in Querrichtung dissipierten Energie, sind in Abbildung 4.2
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
-7000
-6000
-5000
-4000
-3000
-2000
-1000
0
Auflösung5µm
Auflösung2,5µm
Auflösung1,25µm
statischer Druck [Pa]
AbstandlängsdesMischkanals[µm]
Abbildung 4.2: Verlauf des querschnittsgemittelten statischen Drucks bei drei verschie-
denen Gitteraufl¨
osungen (links) und des Anteils der dissipierten Energie
in Querrichtung bezogen auf die gesamte dissipierte Energie auf einem
Querschnitt bei denselben Aufl¨
osungen (rechts).
f¨
ur die drei Testf¨
alle zusammengestellt. Man erkennt, dass die Simulationen mit den
drei Aufl¨
osungen f¨
ur beide integralen Kenngr¨
oßen ¨
ahnliche Verl¨
aufe liefern. Bei ge-
nauerer Untersuchung erkennt man allerdings, dass die Verl¨
aufe der gr¨
obsten Aufl¨
osung
ein sichtbares D¨
ampfungsverhalten zeigen. In der Vergr¨
oßerung (4.2 rechts oben) er-
kennt man, dass der Verlauf der eingetragenen Energie etwas unterhalb der beiden
anderen Verl¨
aufen liegt. In einem ¨
ahnlichen Bereich bewegen sich die Abweichungen,
wenn man diskrete Zellenwerte der Geschwindigkeit betrachtet (Abb. 4.3). Vergli-
chen wurden jeweils die Verl¨
aufe gegen die Rechnung mit der feinsten Aufl¨
osung.
Abweichungen zwischen den Ergebnissen der drei Aufl¨
osungen in Richtung der Haupt-
str¨
omungsachse sind vernachl¨
assigbar klein, genauso wie die in x-Richung, die Kompo-
56
4.1 Gitterinvarianz
-100 -50 0 50 100
-0,2
0,0
0,2
-100 -50 0 50 100
0,0
0,4
0,8
1,2
1,6
2,0
2,4
-100 -50 0 50 100
-0,6
-0,4
-0,2
0,0
0,2
0,4
0,6
Geschwindigkeits-
komponente w [m/s]
Querschnitt über die Breite des Mischkanals [µm]
Geschwindigkeits-
komponente v [m/s]
Auflösung 5 µm
Auflösung 2,5 µm
Auflösung 1,25 µm
Geschwindigkeits-
komponente u [m/s]
Abbildung 4.3: Verlauf der Geschwindigkeitskomponenten entlang einer Linie auf halber
H¨
ohe des Mischkanals bei einem Abstand von 300 µm in den Mischkanal
hinein. u (oben) und w (unten) bilden die Geschwindigkeitskomponenten
in x und z-Richtung, v (Mitte) die in y-Richtung.
nente in Richtung der H¨
ohe des Mischkanals. Abweichungen sind erkennbar zwischen
der Rechnung mit 1,25 µm bzw. 2,5µm pro Zelle auf der einen Seite und 5 µm auf
der anderen Seite bez¨
uglich der Geschwindigkeitskomponente in z-Richtung. Diese
entspricht der Komponente in Richtung der Breite des Mischkanals.
Zusammenfassend l¨
asst sich sagen, dass die D¨
ampfung des Geschwindigkeitsfeldes und
daraus abgeleiteter Gr¨
oßen bei einer Aufl¨
osung mit 5 µm Zellenbreite zwar nicht sehr
stark, aber dennoch ausgebildet ist. Die Rechnungen bez¨
uglich der Hydrodynamik
gelten daher ab einer Mindestaufl¨
osung von 2,5µm Zellenbreite als gitterinvariant.
Im Folgenden wird daher bei allen Rechnungen diese Mindestaufl¨
osung gew¨
ahlt, was
einer Anzahl von 1 Millionen Zellen entspricht.
57
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
4.1.2 Speziestransport
Dar¨
uber hinaus wurde der passive Stofftransport eines Skalars mit einer Schmidt-Zahl
von 3600 bez¨
uglich der Gittervarianz ¨
uberpr¨
uft. Der bei den experimentellen Unter-
-100 -80 -60 -40 -20 0
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
Auflösung 2,5 µm
Auflösung 1,25 µm
Auflösung 0,603 µm
Konzentration
Halbe Breite des Mischkanals [µm]
Abbildung 4.4: Verlauf der Konzentration entlang einer Linie auf halber H¨
ohe des Misch-
kanals bei einem Abstand von 200 µm in den Mischkanal hinein. Darge-
stellt ist die halbe Breite des Kanals f¨
ur drei verschiedene Gitteraufl¨
osun-
gen.
suchungen verwendete Fluoreszenzfarbstoff Rhodamin-B besitzt eine Diffusivit¨
at, die
einer Schmidt-Zahl in Wasser von 3600 entspricht. Daher wurde bei diesen Unter-
suchungen eine solch hohe Schmidt-Zahl verwendet. Das gr¨
obste dazu verwendete
Gitter besitzt eine Zellbreite von 2,5µm. Die L¨
osung der Transportgleichungen auf
einem Gitter mit dieser Aufl¨
osung hat sich bez¨
uglich der Hydrodynamik als gitterin-
variant herausgestellt. Zus¨
atzlich wurden noch zwei Vollverfeinerungen untersucht.
58
4.2 Str¨
omungsbereiche
Die Erzeugung der jeweiligen Vollverfeinerungen wurde wie in Kapitel 3.4 beschrie-
ben durchgef¨
uhrt. Abbildung 4.4 zeigt die Verl¨
aufe der Konzentration der Spezies auf
einen halben Schnitt auf halber H¨
ohe des Mischkanals in einem Abstand von 200 µm
hinter dem Eingang in den Mischkanal f¨
ur die drei Aufl¨
osungen. Man erkennt, dass
durch das grobe Gitter die auftretenden, erzeugten Skalen sehr stark durch numeri-
sche Diffusion egalisiert werden. Erst bei einer kompletten Vollverfeinerung, was einer
Zellbreite von 1,25 µm entspricht, werden die auftretenden Skalen nicht mehr weg-
ged¨
ampft. Im Vergleich zu dem Gitter mit einer Zellbreite von ca. 0,6µm sind zwar
die Gradienten abged¨
ampft, aber die auftretenden Strukturen werden wiedergegeben.
Dennoch ist hier zu erw¨
ahnen, dass eine Gitterinvarianz bez¨
uglich der diffusiv trans-
portierten Spezies mit einer Schmidt-Zahl von 3600 hier noch nicht erreicht worden
ist. Auch ist bei einer Koordinate von ca. −70 µm zu erkennen, dass es mit zuneh-
mender Verfeinerung zu einer Einbuchtung des Signals kommt. Dieses deutet darauf
hin, dass bei weiterer Verfeinerung zus¨
atzliche, feinere Strukturen sichtbar werden
k¨
onnen.
Insgesamt l¨
asst sich zusammenfassen, dass selbst eine Aufl¨
osung von 1,25 µm nur
ein Kompromiss darstellt, da die so erhaltenen Skalen immer noch nicht vollst¨
andig
aufgel¨
ost sind.
Aufl¨
osungen und dabei auftretende und erzeugte Skalen bei anderen Schmidt-Zahlen
sind Gegenstand von Kapitel 4.4.3.
4.2 Str¨
omungsbereiche
In dem untersuchten Reynolds-Zahlenbereich k¨
onnen, in Abh¨
angigkeit der Str¨
omungs-
geschwindigkeit, drei station¨
are Str¨
omungsbereiche unterschieden werden (Abb. 4.5).
In allen drei F¨
allen gelangen die beiden Einlassstr¨
ome in die Mischzone, welche sich
im Eingangsbereich des Mischkanals befindet, treffen dort aufeinander und fließen in
den Mischkanal hinein.
Bei kleinen Reynolds-Zahlen liegt eine streng laminare Str¨
omung vor, bei der beide
Einlassstr¨
ome nebeneinander in den Mischkanal hinein str¨
omen. Bei Injektion eines
Tracers in einem der beiden Einlasskan¨
ale entsteht eine Tracerverteilung im Ausgang,
die aus zwei vollst¨
andig segregierten Bereichen besteht.
Bei Erh¨
ohung der Reynolds-Zahl ¨
uber einen Wert von Re = 35 −40 hinaus, bil-
59
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
det sich, auf Grund der von durch Fliehkr¨
aften ausgel¨
osten Instabilit¨
aten, eine Se-
kund¨
arstr¨
omung aus. Auf jeder Seite des Mischkanals entsteht durch die Umlenkung
in den Mischkanal aus den Einlasskan¨
alen je ein Doppelwirbel, der aus zwei kor-
kenzieherartigen station¨
aren Wirbeln besteht. Die Entstehung der Doppelwirbel im
Vortex-Bereich scheint ¨
ahnlich wie die Entstehung von Dean-Wirbeln in gekr¨
umm-
ten Rohrwendeln (Ookawara et al., 2006) zu sein. Eine Sprungmarkierung in diesem
Str¨
omungsbereich erg¨
abe, genau wie im laminaren Bereich, zwei segregierte Berei-
che, da die Symmetrieebene, bez¨
uglich der beiden Einlasskan¨
alen, erhalten bleibt.
Bei weiterer Steigerung der mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit, bildet sich, ab einer
Abbildung 4.5: Stromlinien im Eingang des Mischkanals f¨
ur drei verschiedene Reynolds-
zahlen a) Re = 0,1, b) Re = 119 und c) Re = 146. Die jeweilige Abbildung
ist repr¨
asentativ f¨
ur den jeweiligen Str¨
omungsbereich.
Reynolds-Zahl von 138, die Engulfment-Str¨
omung aus. In diesem dritten Str¨
omungs-
bereich werden ebenso wie im Vortex-Bereich Doppelwirbel gebildet, doch die Spie-
gelsymmetrie bez¨
uglich der Einlasskan¨
ale wird nun aufgebrochen. Dadurch gelangen
60
4.2 Str¨
omungsbereiche
Fluidelemente auf die gegen¨
uberliegende Seite des Mischkanals, wodurch die beiden
Fluidstr¨
ome verdrillt werden. Durch diese Verdrillung wird zus¨
atzlich Kontaktfl¨
ache
erzeugt und somit das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen erh¨
oht. Die so entstandene
Str¨
omung besitzt lediglich eine Punktsymmetrie (4.5 unten).
Bei einer weiteren Steigerung der Str¨
omungsgeschwindigkeit, ¨
uber einen Wert von
ca. 240 f¨
ur die Reynolds-Zahl, treten Instationarit¨
aten auf. In nahezu periodischen
Zeitabst¨
anden l¨
osen sich einzelne Wirbel, die an der Stirnseite der Mischzone entstan-
den sind und durch den Mischkanal hindurch wandern. Die Wirbel bewirken lokal
ein starkes Aufrollen der Kontaktfl¨
ache, was zu einer Erh¨
ohung der Mischg¨
ute f¨
uhrt
(Abb. 4.12); hinter den Wirbeln dominieren allerdings segregierte Verteilungen. Die
erzielten Mischg¨
uten bei diesen Reynolds-Zahlen sind daher zeitlichen Schwankungen
unterworfen.
Das Auftreten dreier station¨
arer Bereiche sowie die Instationarit¨
aten bei h¨
oheren
Reynolds-Zahlen wurden numerisch ebenfalls von anderen Arbeitsgruppen gefunden.
So fand die Arbeitsgruppe Woias der Universit¨
at Freiburg die gleichen ¨
Uberg¨
ange bei
¨
ahnlichen Reynolds-Zahlen. Die Arbeiten dort zeigten aber auch, dass diese ¨
Uberg¨
ange
nur f¨
ur die jeweilige Geometrie G¨
ultigkeit besitzen, d.h. ¨
andert man das Aspekt-
verh¨
altnis des Mischkanals, so finden die ¨
Uberg¨
ange bei anderen Reynolds-Zahlen
statt (Engler et al., 2004; Kockmann et al., 2003). Experimentell wurden diese ¨
Uber-
g¨
ange sowie die Nicht¨
ubertragbarkeit auf andere Geometrien von der Arbeitsgrup-
pe R¨
abiger der Universit¨
at Bremen nachgewiesen (Vgl. Hoffmann et al., 2003). Un-
abh¨
angig davon zeigten experimentelle sowie numerische Untersuchungen von Wong
(Wong et al., 2004) bei einer vergleichbaren Geometrie sowohl einen ¨
Ubergang vom
Vortex- zum Engulfment Bereich als auch den ¨
Ubergang zu instation¨
aren Str¨
omungs-
verhalten. Allerdings wird der Engulfment-Bereich erst bei h¨
oheren Reynolds-Zahlen
erhalten. Die Simulationen von Wong wurden mit FLUENT 6.1 auf einem Gitter
mit ca. 173.000 Zellen durchgef¨
uhrt. Eigene Rechnungen zur Gitterinvarianz bzw. zu
Mindestl¨
angen von Ein- und Auslasskan¨
alen (vgl. Kap. 4.1) haben gezeigt, dass ein
zu grobes Gitter oder zu kurze Auslasskan¨
ale eine sp¨
urbare D¨
ampfung der Str¨
omung
verursachen. Daher sind die Abweichungen zu den hier gefundenen Ergebnissen mit
hoher Wahrscheinlichkeit auf die zu geringe Gitteraufl¨
osung zur¨
uckzuf¨
uhren.
61
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
4.3 Druckverlauf und Energiedissipation
Laminare Str¨
omungen in geraden Kan¨
alen zeigen einen linearen Druckabfall entlang
der Hauptstr¨
omungsrichtung, wohingegen bei einem T-f¨
ormigen Mikromischer, be-
dingt durch die Umlenkung, ein ver¨
anderter Verlauf zu beobachten ist. Abbildung 4.6
0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
-7000
-6000
-5000
-4000
-3000
-2000
-1000
0
0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
-4000
-3500
-3000
-2500
-2000
-1500
-1000
-500
0
1,4 m/s
extrapolierter Verlauf
Abstand längs des Mischkanals [µm]
0,9 m/s
extrapolierter Verlauf
statischer Druck [Pa]
Abbildung 4.6: Querschnittgemittelter Druck entlang des Mischkanals f¨
ur eine mittlere
Str¨
omungsgeschwindigkeit von 0,9m/s (oben) und 1,4m/s (unten).
zeigt den ver¨
anderten Druckverlauf exemplarisch f¨
ur den Vortex-Bereich (oben) und
dem Engulfment-Bereich (unten). In beiden Bereichen ist ein hoher Energieeintrag f¨
ur
die Umlenkung der Str¨
omung in den Mischkanal und den Aufbau der Wirbelstruktur
erforderlich, was sich an den verh¨
altnism¨
aßig hohen Druckverlusten auf den ersten ca.
120 µm erkennen l¨
asst. Nachfolgend durchl¨
auft der Druck im Engulfment-Bereich ein
Plateau, auf dem der statische Druck nahezu konstant bleibt. Dieses Plateau wurde
definiert als Ende der Mischzone, da hier der Energieeintrag und somit die Vermi-
62
4.3 Druckverlauf und Energiedissipation
schung in Querrichtung nahezu auf Null abgefallen ist. Im Vortex-Bereich ist dieses
Plateau nicht oder fast nicht ausgepr¨
agt; es kommt lediglich zur Verlangsamung des
Abfalls. Das Ende der Mischzone variiert zwischen 50 und 200 µm hinter dem Eingang
in den Mischkanal, je nach Str¨
omungsgeschwindigkeit. Im Anschluss an die Mischzone
gehen die Druckverl¨
aufe in einen linearen Abfall ¨
uber, wie es f¨
ur voll entwickelte Ka-
nalstr¨
omungen zu erwarten ist. Die jeweilige graue Linie in Abbildung 4.6 zeigt den
linearen Druckabfall, der durch stromaufw¨
artsgerichtete Extrapolation des Druckes
erhalten wurde. Der Unterschied zwischen der linearen Extrapolation und dem rea-
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0,00
0,04
0,08
0,12
0,16
0,20
0,24
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0
2000
4000
6000
8000
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0
4000
8000
12000
16000
20000
24000
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,01 m/s - dissipierte Energie in
Querrichtung
0,01 m/s - Gesamtdissipierte Energie
Abstand längs des Mischkanals [µm]
Dissipierte Leistung [W/kg]
0,9 m/s - dissipierte Energie in
Querrichtung
0,9 m/s - Gesamtdissipierte Energie
Abstand längs des Mischkanals [µm]
Dissipierte Leistung [W/kg]
1,4 m/s - dissipierte Energie in
Querrichtung
1,4 m/s - Gesamtdissipierte Energie
Dissipierte Leistung [W/kg]
Abstand längs des Mischkanals [µm]
0,01 m/s
0,9 m/s
1,4 m/s
Querrichtung/Gesamt
Abstand längs des Mischkanals [µm]
Abbildung 4.7: Raten der gesamten dissipierten Leistung und der in Querrichtung dissi-
pierten Leistung. Verh¨
altnis zwischen gesamter und in Querrichtung dis-
sipierter Leistung (unten rechts).
len Druckabfall ist proportional zur Energiedissipation, die f¨
ur zus¨
atzliche Relativbe-
wegungen aufgebracht wird. Einen qualitativen Zusammenhang gibt die Integration
des Deformationsratentensors ¨
uber den jeweiligen Querschnitt (Vgl. Kap. 3.11). Auf-
schluss ¨
uber die Effizienz, mit der die eingebrachte Energie in Vermischung umgesetzt
63
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
wird, gibt eine Analyse des Deformationsratentensors gem¨
aß Gleichung 3.36. Abbil-
dung 4.7 zeigt die Raten mit der die dissipierte Leistung in Quervermischung umge-
1E-3 0,01 0,1 1 10
1E-3
0,01
0,1
1
10
100
1000
10000
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8
0,00
0,02
0,04
0,06
0,08
0,10
0,12
0,14
gesamt dissipierte
Leistung [W/kg]
mittlereStrömungsgeschwindigkeit[m/s]
gesamt dissipierte
Leistung [W/kg]
mittlereStrömungsgeschwindigkeit[m/s]
Querrichtung/Gesamt
Abbildung 4.8: Rate der gesamten dissipierten Energie (oben) und das Verh¨
altnis zwi-
schen in Querrichtung dissipierter und gesamter dissipierten Energie je-
weils f¨
ur verschiedene Str¨
omungsgeschwindigkeiten auf einem Querschnitt
300 µm in den Mischkanal hinein. Das kleine obere Diagramm zeigt die
gesamte dissipierte Energie in doppeltlogarithmischer Auftragung gegen
die mittlere Str¨
omungsgeschwindigkeit.
setzt wird und die gesamt eingebrachte Leistung auf einem Querschnitt f¨
ur die drei
Str¨
omungsbereiche. Unabh¨
angig von der mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit zeigen
alle drei Str¨
omungsbereiche einen Anstieg der dissipierten Energie im Bereich der
Umlenkung, gefolgt von einem Abklingen bis hin zu einem Wert, der der rein lami-
naren Rohrstr¨
omung entspricht. In Abbildung 4.7 unten rechts ist das Verh¨
altnis von
64
4.4 Tracerexperimente
gesamter und in Querrichtung dissipierter Energie wiedergegeben. Man erkennt, dass
f¨
ur alle drei Str¨
omungsbereiche - streng laminarer, Vortex- und Engulfment-Bereich
- im Bereich der Mischzone ein Teil der dissipierten Energie in die Quervermischung
geht. Mit zunehmender Str¨
omungsgeschwindigkeit nimmt zum einen der Anteil, der
in die Quervermischung geht, zu, zum anderen nimmt zus¨
atzlich noch die L¨
ange der
Mischzone und somit die L¨
ange, auf der Energie in die erw¨
unschte Quervermischung
geht, zu.
Betrachtet man nun die gesamte dissipierte Energie als Funktion der mittleren Str¨
o-
mungsgeschwindigkeit (Abb. 4.8 oben), so erkennt man, dass mit zunehmender Ge-
schwindigkeit die dissipierte Leistung ebenfalls steigt. Der kleinere Bildausschnitt
zeigt den Verlauf in doppelt logarithmischer Auftragung. Man erkennt einen linearen
Zusammenhang mit einer Steigung von ca. 2 f¨
ur die ersten beiden Str¨
omungsbereiche.
Dies bedeutet, dass die dissipierte Leistung proportional zum Quadrat der Geschwin-
digkeit (εges ∼u2) ist. Ab einer mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit von ca. 1,04 m/s
(¨
Ubergang in den Engulfment-Bereich) ¨
andert sich allerdings die Steigerung auf 2,4,
womit sich eine Abh¨
angigkeit von εges ∼u2,4ergibt.
In Abbildung 4.8 unten ist der Anteil der in Querrichtung eingebrachten Leistung zur
gesamten eingetragenen Leistung dargestellt. Die Unterteilung in die drei Str¨
omungs-
bereiche ist hier gut erkennbar. Im streng laminaren Bereich ist der Energieeintrag
in Querrichtung vernachl¨
assigbar. Erst mit der Ausbildung einer Sekund¨
arstr¨
omung
steigt er merklich an. Mit dem ¨
Ubergang in den Engulfment-Bereich ¨
andert sich die
Steigung des Graphen f¨
ur die in Querrichtung eingetragene Leistung in Abh¨
angigkeit
von der Str¨
omungsgeschwindigkeit. Der Anstieg in diesem Bereich ist nahezu linear.
4.4 Tracerexperimente
Die in Kapitel 4.3 durchgef¨
uhrten Berechnungen zur Energiedissipation liefern einen
wichtigen Hinweis, in wie weit eingetragene Leistung in Quervermischung umgesetzt
werden kann. Allerdings ist die eingetragene Leistung kein Maß f¨
ur die erzielte Vermi-
schung. Diese h¨
angt im starken Maß von der lokalen Orientierung der Kontaktfl¨
ache
zwischen Bereichen mit hoher und niedriger Konzentration ab. Um Abh¨
angigkeiten
der erzielbaren Vermischung in Bezug auf einzelne Str¨
omungs- und Geometriepara-
meter zu erhalten, wurden im Folgenden verschiedene Arten von Tracerexperimenten
65
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
durchgef¨
uhrt.
Als Tracer wurden die Stoffdaten des Fluoreszenzfarbstoffs Rhodamin-B verwendet,
der auch in den Validierungsexperimenten eingesetzt wurde. Dieser besitzt eine Dif-
fusivit¨
at, der einer Sc-Zahl von 3600 in w¨
assrigen Medien entspricht. Zum einen
wurden station¨
are Berechnungen f¨
ur verschiedene Volumenstromverh¨
altnisse, mitt-
lere Str¨
omungsgeschwindigkeiten, Gitter und unterschiedliche Diffusionskoeffizienten
durchgef¨
uhrt. Zum anderen wurden so genannte Sprungmarkierungen vorgenommen.
Zus¨
atzlich wurden instation¨
are Rechnungen f¨
ur gr¨
oßere Str¨
omungsgeschwindigkeiten
(Re > 240) durchgef¨
uhrt.
Zur besseren Lesbarkeit werden die wesentlichen Gr¨
oßen, die zur Charakterisierung
der erzielten Vermischung verwendet werden, noch einmal wiederholt.
Es wird das wohleingef¨
uhrte (statistische) Maß IMverwendet, welches auf Danckwerts
Intensit¨
at der Segregation ISbasiert. Es ist durch
IS=σ2
σ2
max
σ2=1
|V|ZV
(c−¯c)2dV (4.1)
mit einem sinnvollen σ2
max (Vgl. Kapitel 2.3.1) gegeben. ISist 0 f¨
ur ein komplett
gemischtes und 1 f¨
ur ein total segregiertes System. Um ein Maß f¨
ur die Vermischung
zu erhalten, wobei 1 dann f¨
ur ideal gemischt steht, wird die Intensit¨
at der Mischung
IMeingef¨
uhrt, die gegeben ist durch
IM= 1 −pIS.(4.2)
Da eine rein statistische Beurteilung der Vermischung problematisch ist, wird zus¨
atz-
lich zu IMdas Potenzial f¨
ur diffusives Mischen als weiteres Maß zur Beurteilung der
Vermischung benutzt. Das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen Φ,
Φ = 1
|V|ZVk∇fkdV, mit f =c/cmax (4.3)
ist ein Maß f¨
ur die Triebkraft eines Konzentrationsfeldes f¨
ur den diffusiven Ausgleich
zwischen verschieden konzentrierten Bereichen. Dar¨
uber hinaus ergibt Φ in voll se-
gregierten Systemen exakt die spezifische Kontaktfl¨
ache wieder. Des Weiteren ist der
Kehrwert von Φ eine L¨
ange und kann als mittlerer Abstand zwischen Bereichen hoher
und niedriger Konzentrationen verstanden werden. Daher werden in dieser Arbeit, zur
Beurteilung der Vermischung, stets beide Kennzahlen, also die Intensit¨
at des Mischens
und das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen angegeben.
66
4.4 Tracerexperimente
4.4.1 Spezifische Kontaktfl¨
ache und Mischg¨
ute am Ende der
Mischzone
Die Analyse des Deformationsratentensors (vgl. Kap. 4.3) f¨
ur verschiedene Geschwin-
digkeiten hat gezeigt, dass die gew¨
unschte Quervermischung lediglich in der Mischzone
stattfindet. Nur in diesem Bereich wird neue Kontaktfl¨
ache durch die dort auftreten-
0,0 0,5 1,0 1,5 0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
IM [-]
Intensität des
Mischens I M
mittlere Strömungsgeschwindigkeit [m/s]
0
50
100
150
200
250
Skala der Segregation [µm]
Skala der
Segregation
Abbildung 4.9: Skala der Segregation und Intensit¨
at des Mischens als Funktion der mittle-
ren Str¨
omungsgeschwindigkeit auf einem Querschnitt 300 µm hinter dem
Eingang in den Mischkanal.
den Wirbel erzeugt. Daher wird zur Beurteilung des Mischverhaltens die Mischg¨
ute
und die Gr¨
oße der spezifische Kontaktfl¨
ache auf einem festen Querschnitt 300 µm
hinter der Einlassfl¨
ache in den Mischkanal untersucht. Diese Entfernung stellt einen
Kompromiss dar: Zwar wird f¨
ur hohe Geschwindigkeiten auf einer Strecke von bis zu
800 µm in den Mischkanal hinein Energie in Querrichtung dissipiert, aber der Betrag
der Dissipation ist auf ein sehr niedriges Niveau abgesunken, so dass diese n¨
aherungs-
67
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
weise vernachl¨
assigbar wird.
Der jeweilige Verlauf der Intensit¨
at des Mischens sowie der Skala der Segregation
(Kehrwert des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen) ist in Abbildung 4.9 dargestellt. Die
Intensit¨
at des Mischens ist f¨
ur die ersten beiden Str¨
omungsbereiche, streng laminarer
(bis Re 35 - 40) und Vortex-Bereich (bis Re 138), nahezu null. Ab einer mittleren
Str¨
omungsgeschwindigkeit von ca. 1,045 m/s, was dem ¨
Ubergang in den Engulfment-
Bereich entspricht, steigt die Intensit¨
at des Mischens sprunghaft an. Gleichzeitig f¨
allt
die Skala der Segregation (Φ−1) von einem Wert von 160 µm, was ungef¨
ahr der Breite
des Mischkanals entspricht, auf einen Wert von unter 50 µm. Diese starken ¨
Ande-
rungen in den Verl¨
aufen der Intensit¨
at des Mischens und der Skala der Segregation
werden hervorgerufen durch das Aufbrechen der Symmetrie im Engulfment-Bereich.
Dieses bewirkt ein ¨
Ubergreifen einzelner Fluidelemente des einen Doppelwirbelpaars
in den jeweiligen gegen¨
uberliegenden. Die ausgewerteten Tracerprofile auf den jeweili-
gen Querschnitten sind in Abbildung 4.10 f¨
ur die drei Str¨
omungsbereiche dargestellt.
a)
b)
c)
d)
e)
f)
g)
h)
Abbildung 4.10: Tracerprofile auf einem Querschnitt 300 µm hinter dem Eingang in den
Mischkanal f¨
ur die drei verschiedenen Str¨
omungsbereiche streng lami-
nar (a=0,01 m/s, b=0,1 m/s), Vortex- (c=0,9 m/s, d=1,04 m/s) und
Engulfment-Bereich (e=1,045 m/s, f=1,2 m/s, g=1,4 m/s, h=1,7 m/s).
68
4.4 Tracerexperimente
Deutlich zu erkennen ist die Ver¨
anderung bzw. die Vergr¨
oßerung der Kontaktfl¨
ache
bei ¨
Anderung der mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit. In Abbildung 4.10 a und b
sind die Profile f¨
ur den streng laminaren Bereich dargestellt. Man erkennt ein deut-
liches Sch¨
arferwerden der Kontaktfl¨
ache mit zunehmender Geschwindigkeit. Bei sehr
kleinen Geschwindigkeiten (¯u¿0,1m/s) steht der Diffusion mehr Zeit f¨
ur den dif-
fusiven Ausgleich zur Verf¨
ugung und somit k¨
onnen Gradienten teilweise abgebaut
werden. Mit steigender mittlerer Str¨
omungsgeschwindigkeit sinkt die hydrodynami-
sche Verweilzeit wodurch die Zeit, die die Diffusion ben¨
otigt, nicht mehr ausreicht,
um Gradienten abzubauen. Dadurch kann das Absinken der Intensit¨
at des Mischens
mit zunehmender Str¨
omungsgeschwindigkeit im streng laminaren Bereich gut erkl¨
art
werden. Der Vortex-Bereich (Abb. c und d) zeigt ¨
ahnliche Tracerprofile wie der streng
laminare Bereich, jedoch ist in diesem Bereich zu beachten, dass die Intensit¨
at der
Mischung mit zunehmender Geschwindigkeit steigt. Dieser Unterschied, obgleich die
Tracerverteilungen in beiden F¨
allen aus zwei voll segregierten Bereichen bestehen,
liegt an den unterschiedlichen Str¨
omungsformen. Im streng laminaren Bereich exi-
stiert keine Sekund¨
arstr¨
omung, d.h. die Geschwindigkeiten an der Kontaktfl¨
ache zei-
gen nur in die Hauptstr¨
omungsrichtung. Im Vortex-Bereich, einem Bereich mit einer
ausgebildeten Sekund¨
arstr¨
omung, gibt es direkt an der Kontaktfl¨
ache zus¨
atzlich noch
Geschwindigkeitskomponenten, die senkrecht zu der Hauptstr¨
omungsrichtung, also
in Querschnittsrichtung, liegen. Durch diese Str¨
omungsform wird die Kontaktfl¨
ache
von der Kanalmitte ausgehend st¨
andig erneuert, und der Stofftransport ¨
uber die Kon-
taktfl¨
ache hinaus wird mit zunehmender Geschwindigkeit beg¨
unstigt (Abb. 4.10 c, d).
Im Engulfment-Bereich (Abb. 4.10 e-h) ist diese Sekund¨
arstr¨
omung zus¨
atzlich durch
ein ¨
Ubergreifen der Doppelwirbel ineinander ¨
uberlagert. Man erkennt bei Steigerung
der mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit ¨
uber 1,04 m/s hinaus eine Ausbildung zwei-
er station¨
arer Wirbel, die Bereiche unterschiedlicher Konzentration ineinander auf-
rollen (Abb. 4.11). Dies bedingt eine zunehmende Vergr¨
oßerung der Kontaktfl¨
ache.
Dadurch sinkt zwar mit zunehmender Geschwindigkeit die hydrodynamische Verweil-
zeit und somit auch die Zeit, die die Diffusion zum Ausgleich von Gradienten zur
Verf¨
ugung hat, jedoch steigt die Intensit¨
at des Mischens in diesem Bereich durch die
starke Zunahme der spezifischen Kontaktfl¨
ache, was die Grundlage f¨
ur effektives Se-
kund¨
arstr¨
omungsmischen bildet.
Die zunehmende Verschmierung (4.10 g, h) wird durch den Abbau feinster Skalen
69
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
Abbildung 4.11: In den Mischkanal f¨
uhrende Stromlinien (oben) bei 0,01 m/s (links),
0,9 m/s (Mitte) und 1,1 m/s (rechts) und die daraus resultierenden
Tracerprofile (unten).
hervorgerufen. Das hat allerdings zwei Gr¨
unde, zum einen physikalische und zum
anderen unphysikalische (numerische) Gr¨
unde. Bedingt durch die nicht vollst¨
andige
Aufl¨
osung der feinsten Skalen (Vgl. Kap. 4.1.2) kommt es zur Berechnung eines zu
großen diffusiven Stroms ¨
uber Zellfl¨
achen hinaus (numerische Diffusion).
Bei einer weiteren Steigerung der mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit ¨
uber einen
Wert von 1,8 m/s (Re ≈240) hinaus kommt es durch das Auftreten von instation¨
aren
Wirbelabl¨
osungen am oberen Kopf des Mischkanals zu einem zeitlich schwankenden
Mischverhalten. Dabei wandern laminare Wirbel in nahezu periodischen Zeitabst¨
anden
durch den Mischkanal und bewirken so Schwankungen der Mischcharakteristika. In
Abbildung 4.12 sind diese zeitlichen Schwankungen des Potenzials f¨
ur diffusives Mi-
schen (oben), f¨
ur die Intensit¨
at des Mischens (Mitte) und die in Querrichtung einge-
tragene dissipierte Leistung (unten) angegeben. Bei jedem Durchlauf eines Wirbels
steigt die eingetragene dissipierte Leistung an, wobei jeweils das Maximum des Ein-
trags exakt mit dem Durchlauf des Wirbels durch die Kontrollschicht zusammenf¨
allt.
Durch den Energieeintrag in Querrichtung werden bestehende Strukturen st¨
arker auf-
gerollt und das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen steigt. Der Abbau der so erzeugten
Skalen findet nachfolgend in der Wirbelschleppe statt. Daher steigt die Intensit¨
at
des Mischens nach dem Passieren des Wirbels bis zu einem Maximalwert an. Das
erneute Absinken der Mischg¨
ute ist dadurch zu erkl¨
aren, dass der n¨
achste Wirbel
die Kontrollschicht passiert und somit wiederum segregierte Bereiche, die innerhalb
des Wirbels mitgef¨
uhrt werden, stark aufgerollt werden und dadurch wiederum das
70
4.4 Tracerexperimente
Potenzial f¨
ur diffusives Mischen steigt.
t/t
0123456789
0,0
0,1
0,2
0,3
0123456789
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0123456789
0
20000
40000
60000
80000
Querrichtung/Gesamtenergie
Querrichtung/
Gesamtenergie
IntensitätdesMischens
Intensität
desMischens
[-]
PotenzialfürdiffusivesMischen
Potenzialfür
diffusivesMischen
[m-1]
Abbildung 4.12: Potenzial f¨
ur diffusives Mischen (oben), Intensit¨
at des Mischens (Mitte)
und der Anteil der in Querrichtung eingebrachten Leistung (unten) auf
einem Querschnitt 300 µm in den Mischkanal hinein (unten) zu verschie-
denen Zeitpunkten einer instation¨
aren Rechnung bei Re = 267.
4.4.2 Spezifische Kontaktfl¨
ache und Mischg¨
ute entlang des
Mischkanals
In den vorherigen beiden Kapiteln wurde der Energieeintrag in Querrichtung unter-
sucht, der eine notwendige Voraussetzung zum Aufbau von zus¨
atzlicher Kontaktfl¨
ache
auf Querschnitten l¨
angs des Mischkanals ist. Es hat sich gezeigt, dass bei steigender
mittlerer Str¨
omungsgeschwindigkeit der relative, prozentuale Leistungseintrag f¨
ur die
Quervermischung steigt und die L¨
ange, auf der dies geschieht, im gleichen Maße zu-
nimmt. Des Weiteren wurde der Zuwachs an Kontaktfl¨
ache bzw. der Mischg¨
ute an ei-
nem festen Querschnitt im Mischkanal f¨
ur verschiedene Geschwindigkeiten analysiert.
71
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
Um die Mechanismen zu erkennen, die bei den verschiedenen Str¨
omungsgeschwindig-
keiten zu den unterschiedlichen Mischcharakteristika f¨
uhren, ist es notwendig, auch
den Verlauf der spezifischen Kontaktfl¨
ache bzw. der Intensit¨
at des Mischens auf Quer-
schnitten entlang des Mischkanals zu analysieren. Eine zus¨
atzliche Generierung von
Kontaktfl¨
ache findet in den ersten beiden Str¨
omungsbereichen (streng laminar und
Vortex-Bereich) nicht statt. Die durch die beiden Einlasskan¨
ale erzeugte Kontakt-
fl¨
ache von 100 µm bleibt weitestgehend erhalten. Im streng laminaren Bereich f¨
allt
dieser Wert, bedingt durch den diffusiven Abbau der Gradienten an der Kontaktfl¨
ache,
¨
uber die L¨
ange des Mischkanals leicht ab. Im Vortex-Bereich hingegen nimmt die
spezifische Kontaktfl¨
ache leicht zu, weil durch die Sekund¨
arstr¨
omung Spezies an der
Wand des Kanals auf die jeweils andere Seite transportiert wird (Abb. 4.10 c, d). Um
auf einem kurzen Bereich eine gute Vermischung zu erzielen, sind daher diese beiden
Bereiche nicht geeignet. Anders verh¨
alt es sich allerdings im dritten Str¨
omungsbereich,
dem Engulfment-Bereich. In Abbildung 4.13 ist f¨
ur drei unterschiedliche Str¨
omungs-
geschwindigkeiten im Engulfment-Bereich der Verlauf der spezifischen Kontaktfl¨
ache
bzw. dessen Projektion auf den Kanalquerschnitt sowie die in Querrichtung einge-
tragene Energie, bezogen auf die gesamt dissipierte Energie, entlang des Mischkanals
dargestellt. Ungeachtet der mittleren Geschwindigkeit steigt die spezifische Kontakt-
fl¨
ache auf den ersten Mikrometern im Mischkanal bedingt durch das Ineinandergrei-
fen der beiden Doppelwirbelpaare und damit des Leistungseintrages in Querrichtung
stark an. Bei einer mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit von 1,045 m/s (Beginn des
Engulfment-Bereichs) wird, weil das ¨
Ubergreifen nicht stark ausgebildet ist, nur we-
nig neue, zus¨
atzliche Kontaktfl¨
ache erzeugt (Abb. 4.14 links). Zwar wird Energie in
Querschnittsrichtung auf einer L¨
ange von ca. 500 µm l¨
angs des Mischkanals dissipiert
(Abb. 4.13 unten), doch ist die zus¨
atzlich entstandene Kontaktfl¨
ache lediglich an den
Kanalw¨
anden lokalisiert. Dadurch kann diese nicht durch die Wirbel weiter aufgerollt
und somit zus¨
atzlich vergr¨
oßert werden.
Im Gegensatz dazu wird bei den h¨
oheren Geschwindigkeiten (1,4m/s und 1,7m/s)
sehr viel mehr Kontaktfl¨
ache erzeugt. Bei diesen Geschwindigkeiten ist das Ineinan-
dergreifen der beiden Wirbelpaare bzw. die Engulfment-Str¨
omung sehr viel st¨
arker
ausgebildet. Da zus¨
atzlich schon am Anfang der Mischzone die Projektion der Kon-
taktfl¨
ache fast diagonal vorliegt, ger¨
at diese genau in den Wirkungsbereich der bei-
den Wirbelpaare. Daraus resultiert ein sehr viel schnelleres und effektiveres ineinan-
72
4.4 Tracerexperimente
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
Potential für diffusives
Mischen [m -1]
0
200
400
600
800
1000
1200
auf den Querschnitt
projezierte Kontaktfläche [µm]
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
1,7 m/s
1,4 m/s
1,045 m/s
1,7 m/s
1,4 m/s
1,045 m/s
Anteil Energieeintrag
in Querrichung
Abstand längs des Mischkanals [µm]
Abbildung 4.13: Potenzial f¨
ur diffusives Mischen und die auf den Querschnitt projizierte
Kontaktfl¨
ache in Abh¨
angigkeit zum Abstand l¨
angs des Mischkanals f¨
ur
drei verschiedene Str¨
omungsgeschwindigkeiten (oben) und die in Quer-
richtung dissipierte Energie f¨
ur die jeweiligen Geschwindigkeiten (un-
ten).
der Aufrollen von Bereichen hoher und niedriger Konzentration. Bei einer mittleren
Str¨
omungsgeschwindigkeit von 1,4m/s steigt das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
auf den ersten 100 µm auf ¨
uber 35.000 m−1, was ungef¨
ahr dem 7fachen des Wertes
der reinen Vortex-Str¨
omung entspricht. Bei Projektion der spezifischen Kontaktfl¨
ache
auf den Kanalquerschnitt ergibt sich daraus eine L¨
ange von ¨
uber 700 µm. Die spezi-
fische Kontaktfl¨
ache wird bei dieser Str¨
omungsgeschwindigkeit von 1,4m/s, bedingt
durch den Energieeintrag in diesem Bereich, auf einer L¨
ange von ca. 800 µm l¨
angs
des Mischkanals vergr¨
oßert. Gleichzeitig werden die entstandenen Gradienten durch
diffusive Transportprozesse abgebaut. Da allerdings die entstandenen Schichtdicken
diffusiv in k¨
urzester Zeit noch nicht ¨
uberbr¨
uckt werden k¨
onnen, f¨
allt der Wert f¨
ur
73
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
a)
b)
c)
d)
e)
f)
g)
h)
i)
j)
Abbildung 4.14: Tracerprofile f¨
ur drei unterschiedliche mittlere Str¨
omungsgeschwindig-
keiten: 1,045 m/s (links), 1,4 m/s (Mitte) und 1,7 m/s (rechts) auf
Querschnitten im Abstand von jeweils 50 µm beginnend am Eingang in
den Mischkanal (a - i) und am Ausgang des Mischkanal (j).
74
4.4 Tracerexperimente
das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen im vorderen Bereich des Mischkanals nicht ab.
Erst nachdem keine zus¨
atzliche Kontaktfl¨
ache mehr erzeugt wird (ab ca. 1.000 µm
hinter dem Eintritt in den Mischkanal), beginnt der Wert der spezifischen Kontakt-
fl¨
ache zu sinken.
Anders verh¨
alt es sich bei einer mittleren Geschwindigkeit von 1,7 m/s. Im Gegensatz
zu 1,4 m/s entstehen bei dieser mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit sehr viel feinere
Skalen, die schon im Anfang des Mischkanals diffusiv ausgeglichen werden k¨
onnen
(Abb. 4.14 d, e (rechts)). Auf den ersten 100 µm steigt hier die spezifische Kontakt-
fl¨
ache auf ¨
uber 55.000 m−1- dem 11fachen des Wertes der reinen Vortex-Str¨
omung
- f¨
allt dann aber wieder nach wenigen 100 µm auf einen Wert von ca. 45.000 m−1
ab. Dadurch entsteht l¨
angs des Mischkanals, bei ca. 600 µm, ein Minimum der spezi-
fischen Kontaktfl¨
ache, weil hier die Gradienten schon ausgeglichen wurden. Da aber
weiterhin noch Energie in die Quervermischung eingetragen wird, werden die vorhan-
denen Strukturen weiter aufgerollt. Dies f¨
uhrt dann wieder zu einer Steigerung der
spezifischen Kontaktfl¨
ache. Allerdings sind nun die Skalen (Abb. 4.14h (rechts) im
Gegensatz zu 4.14d (rechts)) gr¨
ober und k¨
onnen deshalb erst sp¨
ater komplett diffusiv
homogenisiert werden.
Im gleichen Maße, wie bei den drei Geschwindigkeiten spezifische Kontaktfl¨
ache neu
erzeugt wird, wird, bedingt durch den diffusiven Stofftransport, die Intensit¨
at des
Mischens gesteigert (Abb. 4.15). Da im Fall der kleinen Geschwindigkeit nur relativ
wenig neue Kontaktfl¨
ache erzeugt wird, steigt die Intensit¨
at des Mischens auf den
ersten ca. 300 µm lediglich auf ca. 0,05 an. Bei h¨
oheren Str¨
omungsgeschwindigkeiten
wird sehr viel mehr Kontaktfl¨
ache erzeugt, allerdings sinkt die hydrodynamische Ver-
weilzeit. Der Stofftransport per Diffusion ist absolut zum einen umso gr¨
oßer, desto
mehr Kontaktfl¨
ache vorliegt und zum anderen umso gr¨
oßer, je mehr Zeit f¨
ur den dif-
fusiven Ausgleich zur Verf¨
ugung steht. Im Falle der Engulfment-Str¨
omung ¨
uberwiegt
der Effekt der stark vergr¨
oßerten Kontaktfl¨
ache. Bei den h¨
oheren Geschwindigkeiten
steigt daher die Intensit¨
at des Mischens in den Bereichen, in denen viel neue Kon-
taktfl¨
ache erzeugt wird (bis ca. 600 µm in den Mischkanal hinein) sehr stark an.
Nachfolgend werden dann die erzeugten Gradienten diffusiv abgebaut und da keine
neue zus¨
atzliche Kontaktfl¨
ache erzeugt wird, steigt die Intensit¨
at des Mischens ab der
Mischzone nur noch langsam an.
75
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
1,7 m/s
1,4 m/s
1,045 m/s
Intensität des Mischens
Abstand längs des Mischkanals [µm]
Abbildung 4.15: Verlauf der Intensit¨
at des Mischens f¨
ur drei verschiedene Geschwindig-
keiten l¨
angs des Mischkanals.
4.4.3 Diffusivit¨
at des Tracers
Zur Untersuchung der Abh¨
angigkeit der Strukturen bzw. von erzeugten Skalen wurden
im Folgenden Rechnungen auf verschiedenen Gittern bei unterschiedlichen Schmidt-
Zahlen durchgef¨
uhrt. Die Schmidt-Zahlen wurden in einem Bereich von 1, was f¨
ur
Fl¨
ussigkeiten ein eher ”akademischer“ Wert ist, bishin zu 3600, der Schmidt-Zahl des
auch experimentell benutzen Farbstoffes Rhodamin-B, variiert. Die verwendeten Git-
ter wurden im Eingangsbereich des Mischkanals bis hin zu einem Abstand von ca.
500 µm in den Mischkanal hinein sukzessive verfeinert. In Abbildung 4.16 sind f¨
ur
diese Rechnungen die Verl¨
aufe des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen gegen den Lo-
garithmus der Schmidt-Zahl aufgetragen. In diesem Diagramm kann man nochmals
die in Kapitel 4.1 angesprochene Problematik der numerischen Diffusion erkennen.
76
4.4 Tracerexperimente
1 10 100 1000
10000
20000
30000
40000
50000 2. Ordnung
3. Ordnung (QUICK)
12.000.000 Zellen
9.000.000 Zellen
1.000.000 Zellen
Potential für diffusives Mischen [m -1]
Log (Sc)
Abbildung 4.16: Potenzial f¨
ur diffusives Mischen als Funktion der Schmidt-Zahl f¨
ur ein
unterschiedlich aufgel¨
ostes Rechengebiet bei unterschiedlichen Diskreti-
sierungsschemata.
Bei sehr niedrigen Schmidt-Zahlen, d.h. bei sehr großen Diffusionskoeffizienten, wer-
den die Skalen auch bei groben Gitteraufl¨
osungen mit einer Zellbreite von 2,5µm
(ca. 1.000.000 Zellen) voll aufgel¨
ost. Bei realistischeren Schmidt-Zahlen, in Bereichen
von mehreren Hundert, reichen grobere Gitter, auch bei Verwendung von h¨
oheren
Ordnungen f¨
ur die Diskretisierung, nicht mehr aus. Daher ist es in diesen F¨
allen
erforderlich, das Gitter lokal zu verfeinern.
Integrale Skalen
In Abbildung 4.16 ist zu erkennen, dass f¨
ur sehr hohe Gitteraufl¨
osungen das Poten-
zial f¨
ur diffusives Mischen einen linearen Zusammenhang mit dem Logarithmus der
Schmidt-Zahl besitzt. Bis zu einer Schmidt-Zahl von 30 ist das 9 Millionen Zellengit-
ter, mit einer Zellbreite von 1,25 µm, ausreichend, um die entstehenden integralen
77
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
Skalen aufzul¨
osen. Das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen f¨
ur eine Schmidt-Zahl von
500 (oberster Punkt in Abbildung 4.17) wurde auf einem Gitter mit ca. 18 Millionen
Zellen berechnet, welches lokal bis hinunter zu 0,3µm verfeinert wurde. Die Aus-
gleichsgerade, die durch die Punkte gelegt wurde (graue Linie), beschreibt in sehr
guter N¨
aherung das Verhalten des Potenzials.
Das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen gibt die spezifische Kontaktfl¨
ache wieder, es ist
allerdings nur exakt g¨
ultig in voll segregierten Systemen. Der Kehrwert der spezifi-
schen Kontaktfl¨
ache hat die Einheit einer L¨
ange und ist ein Maß f¨
ur den mittleren
Abstand von Bereichen hoher und niedriger Konzentration (Vgl. Kap. 2.3.2). Bei die-
sem mittleren Abstand handelt es sich um eine integrale Skala, d.h., dass diese den
gesamten Querschnitt erfasst. Dabei werden zum einen Bereiche großer L¨
angenskalen,
die zwischen den beiden sich aufrollenden Wirbeln auftreten und zum anderen sehr
feine Skalen im Zentrum der aufrollenden Wirbel gemittelt.
Aus der so erhaltenen linearen Beziehung wurden f¨
ur verschiedene Reynolds-Zahlen
und verschiedene Querschnitte die Faktoren des linearen Zusammenhangs bestimmt.
Daraus wurde folgende Beziehung f¨
ur eine integrale L¨
angenskala der Konzentration
1 10 100 1000
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
1,4 m/s
Lineare Ausgleichsgerade
mit R =0,99992
Potenzial für diffusives Mischen
Schmidt-Zahl
Abbildung 4.17: Potenzial f¨
ur diffusives Mischen versus dem Logarithmus der Schmidt-
Zahl (schwarz) bei einer mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit von
1,4m/s auf einem Querschnitt 300 µm in den Mischkanal hinein. Li-
neare Ausgleichsgerade f¨
ur die gegebenen Punkte (grau).
78
4.4 Tracerexperimente
100 200 300 400 500
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25 100 200 300 400 500
0
50
100
150
200
a[-]
AbstandlängsdesMischkanals[µm]
Re
Re
1,1m/s
1,2m/s
1,3m/s
1,4m/s
Geschw [µm]
l
Abbildung 4.18: L¨
angenskala aus dem Geschwindigkeitsfeld (oben) und der Proportio-
nalit¨
atsfaktor a (unten) f¨
ur verschiedene Geschwindigkeiten entlang des
Mischkanals.
erhalten
λKonz =λGeschw
1 + aln Sc (4.4)
mit λGeschw (L¨
angenskala aus dem Geschwindigkeitsfeld) und einem Vorfaktor a.
Die L¨
angenskala des Geschwindigkeitsfeldes und der Vorfaktor sind Funktionen der
Reynolds-Zahl sowie eine Funktion des Abstandes im Mischkanal (Abb. 4.18).
Feinste Skalen
Im vorherigen Kapitel wurden die Zusammenh¨
ange untersucht, die sich bei der Unter-
suchung von integralen, also gemittelten Skalen ergeben. Dabei wurde ein linearer Zu-
sammenhang von spezifischer Kontaktfl¨
ache und dem Logarithmus der Schmidt-Zahl
gefunden. Um zu pr¨
ufen, ob ein solcher Zusammenhang f¨
ur die station¨
are Engulfment-
Str¨
omung auch f¨
ur die feinsten Skalen zutrifft, wurden dahingehend verschiedene
Reynolds-Zahlen und verschiedene Querschnitte l¨
angs des Reaktors untersucht. Zu
diesem Zweck wurde das Konzentrationsprofil eines Querschnitts in einem ”Post-
Processing“ Schritt in Mathematica eingelesen. Zur Untersuchung der auftretenden
Skalen wurden dann Bereiche ausgew¨
ahlt, durch die ein einzelner Streifen der Kon-
zentration ging (Abb. 4.19). Diese Position wurde dann nachfolgend f¨
ur verschiedene
79
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
Schmidt-Zahlen analysiert.
Um automatisch und effizient die entstehenden Skalen zu bestimmen, wurden die
jeweiligen Schichtdicken in folgender Weise ermittelt. Stellt man sich die durch das
Kontrollgebiet laufende Schicht als Fl¨
ache vor, so kann der Fl¨
acheninhalt durch Mul-
tiplikation von Seitenl¨
ange und Schichtdicke erhalten werden. Das Potenzial f¨
ur dif-
fusives Mischen ergibt, multipliziert mit der Gesamtfl¨
ache, die L¨
ange der enthaltenen
Kontaktfl¨
ache. Ermittelt man daher diese auf dem Kontrollbereich und teilt durch 2,
so erh¨
alt man die Seitenl¨
ange der durchgehenden Schicht. Um die Fl¨
ache zu ermit-
telt, wurden die enthaltenen Konzentrationen ¨
uber den Bereich integriert. Um nun
die Schichtdicke zu erhalten, teilt man die Fl¨
ache durch die Seitenl¨
ange
d=1
2RAf dA
RAk∇fkdA mit f=c/cmax.(4.5)
Abbildung 4.19: Darstellung der in Mathematica eingelesenen Konzentrationsverteilung
bei einer Reynolds-Zahl von 186 auf einem Querschnitt 300 µm in den
Mischkanal hinein (links). Die Skalierung der Abbildung gibt die jeweili-
ge Zellschicht an. Zus¨
atzlich ist ein Kontrollbereich angegeben (rechts),
auf dem die feinsten Skalen in Abh¨
angigkeit der Schmidt-Zahl ausgewer-
tet wurde.
80
4.4 Tracerexperimente
1 10 100
1
10
Lamellendicke d [µm]
1,4 m/s
Lineare Ausgleichsgerade
mit R = 0,9992
Schmidt-Zahl
Abbildung 4.20: Verlauf der feinsten Skalen als Funktion der Schmidt-Zahl (schwarz) und
ein linearer Ausgleich (grau).
Die so erhaltenen Werte der Schichtdicke in Abh¨
angigkeit zur Schmidt-Zahl wurden
in doppeltlogarithmischer Form (Vgl. 4.20) gegeneinander aufgetragen. Man erh¨
alt
einen linearen Abfall mit einer ungef¨
ahren Steigung von −1/2. Dies bedeutet, dass
die entstehende Schichtdicke proportional zu 1/√Sc ist.
Diese Abh¨
angigkeit ist bereits im Zusammenhang mit turbulenten Str¨
omungen wohl
bekannt. Sie gibt den Zusammenhang zwischen den feinsten Skalen einer Spezies, aus-
gedr¨
uckt durch die Batchelor-L¨
angenskala als Funktion der Kolmogorov-L¨
angenskala
und der Schmidt-Zahl zu
λB=λK
√Sc (4.6)
Diese Beziehung, die f¨
ur turbulente Str¨
omungen gilt und - wie hier gezeigt - auch f¨
ur
feinsten Skalen in der laminaren Engulfment-Str¨
omung G¨
ultigkeit besitzen, kann mit
Hilfe eines Vergleiches von Zeitskalen der beteiligten Teilprozesse erhalten werden.
Feinste Skalen in einer Str¨
omung entstehen durch ein Gleichgewicht von durch Kon-
vektion hintransportierter und diffusiv abtransportierter Spezies. Die entsprechenden
Zeitskalen sind
τD=λ2
D
Dund τKonv =λ2
Geschw
ν.(4.7)
81
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
Die Skalen der Konzentrationsfelder k¨
onnen nicht feiner als in Gleichung 4.6 angege-
ben werden, da sie sonst diffusiv schneller abgebaut als konvektiv erzeugt werden.
4.4.4 Verweilzeitverhalten
Numerische Simulationen wurden durchgef¨
uhrt, um das Verweilzeitverhalten im T-
f¨
ormigen Mikroreaktor zu untersuchen. Dabei war eine zentrale Frage, ob durch die
auftretenden Sekund¨
arstr¨
omungen Dispersion verringert werden kann. Im Allgemei-
nen f¨
uhren Dispersionsprozesse, also Vermischungen in Hauptstr¨
omungsrichtung, zu
einer Verbreiterung des Verweilzeitspektrums. Die somit stark unterschiedlichen Ver-
weilzeiten einzelner Fluidelemente haben einen negativen Einfluss auf Selektivit¨
aten
durchzuf¨
uhrender Reaktionssysteme.
Bei den hier untersuchten Str¨
omungen, mit Reynolds-Zahlen <240 handelt es sich
ausschließlich um laminare Str¨
omungen. Daher ist zu erwarten, dass die erhaltenen
H¨
aufigkeitsverteilungen ¨
Ahnlichkeiten zu der des idealen laminaren Str¨
omungsrohres
besitzen.
t/t
0123456
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
0,01m/s
idealeslaminaresStrömungsrohr
E(t)
Abbildung 4.21: H¨
aufigkeitsverteilung einer Stoßmarkierung eines idealen, laminaren
Str¨
omungsrohres und die des T-f¨
ormigen Mikromischers bei einer
Reynolds-Zahl von 1,3.
82
4.4 Tracerexperimente
Da allerdings die analytische L¨
osung der Verweilzeitverteilung des laminaren Rohres
(Denbigh und Turner, 1971) als Grundlage die Str¨
omung durch ein Rohr ohne Um-
lenkung mit einem kreisf¨
ormigen Querschnitt hat, kann diese L¨
osung nicht direkt mit
den hier erzeugten Ergebnissen verglichen werden.
Um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit denen einer streng laminaren Str¨
omung
zu erhalten, wurde ein Verweilzeitsprektrum f¨
ur den T-Mikromischer im streng lami-
naren Bereich aufgenommen. Bei einer Reynolds-Zahl von 1,3, welche einer mittleren
Str¨
omungsgeschwindigkeit von 0,01 m/s entspricht, treten keinerlei Sekund¨
arstr¨
omun-
gen auf. Die beiden Einlassstr¨
ome fließen hier Seite an Seite in den Mischkanal hinein
und sind daher vergleichbar mit der Str¨
omung des idealen laminaren Str¨
omungs-
rohres. Abbildung 4.21 zeigt die Verl¨
aufe der Verweilzeitverteilung f¨
ur das lamina-
re Str¨
omungsrohr und das Antwortsignal einer Stoßmarkierung im T-Mikromischer
bei Re = 1,3. Man erkennt, dass durch die Umlenkung und den nun nicht mehr
kreisf¨
ormigen Querschnitt das Verweilzeitspektrum stark ge¨
andert wird. Zwar stei-
gen beide Signale erst ab einem Wert von 0,5τan, doch ist dieser Anstieg bei der
Kurve f¨
ur den Mikromischer nicht so steil, wie im idealen Fall. Zus¨
atzlich hat die
Kurve des T-f¨
ormigen Mischers ein st¨
arkeres Nachlaufen, d.h. die Verweilzeit vieler
Fluidelemente ist zu h¨
oheren Verweilzeiten verschoben.
Wie oben erw¨
ahnt, wird hier im Folgenden das Verweilzeitspektrum des Verlaufes
des streng laminaren Bereiches als Vergleich f¨
ur die beiden anderen untersuchten
Reynolds-Zahlen von 120 (Vortex-Bereich) und Re = 186 (Engulfment-Bereich) ver-
wendet. Abbildung 4.22 zeigt zum einen die relativen H¨
aufigkeitsverteilungen (oben)
und zum anderen die Verweilzeitsummenfunktionen (unten) bei den drei unterschied-
lichen Reynolds-Zahlen von 1,3, 120 und 186. Vergleicht man den Verlauf der Sum-
menfunktion bei einer mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeit von 0,9m/s mit der von
0,01 m/s, so erkennt man, dass zu Anfang (bis zum Wendepunkt) beide Verl¨
aufe
identisch sind. Mit ¨
Uberschreiten des Wendepunktes steigt allerdings der Verlauf der
Summenfunktion der gr¨
oßeren Reynolds-Zahl st¨
arker an als die der kleineren. Dieses
liegt wahrscheinlich daran, dass durch die beiden Doppelwirbel das Signal schneller
entlang des Querschnittes verteilt wird, die Verteilung also insgesamt enger im Ver-
gleich zu der streng laminaren Str¨
omung wird. Erstaunlicherweise steigt allerdings
der Verlauf bei der kleineren Geschwindigkeit ab einer dimensionslosen Zeit von ca.
3,5 wieder schneller und erreicht somit eher den Maximalwert von 1.
83
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
t/t
0 2 4 6
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
0,01ms -1
0,9ms -1
1,4ms -1
F(t)
0 2 4 6
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
E(t) 0,01ms -1
0,9ms -1
1,4ms -1
Abbildung 4.22: Verweilzeitspektrum (oben) sowie Verweilzeitsummenfunktion (unten)
versus der dimensionslosen Zeit f¨
ur eine mittlere Str¨
omungsgeschwin-
digkeit von 0,01 m/s, 0,9m/s und 1,4m/s.
Sichtlich anders verh¨
alt sich das Verweilzeitspektrum bzw. die Summenh¨
aufigkeits-
funktion bei einer Reynolds-Zahl von 186, was einer Str¨
omung im Engulfment-Bereich
entspricht. Die H¨
aufigkeitsverteilung (Abb. 4.22 oben) steigt erst kurz nach dem An-
stieg der Kurve der laminaren Str¨
omung an, dann aber sehr viel st¨
arker. Nach dem
¨
Uberschreiten des Maximalwertes f¨
allt diese zus¨
atzlich schneller auf Null herab. Das
sich so ergebene Verweilzeitspektrum der h¨
oheren Reynolds-Zahl ist somit viel enger
als dasjenige der reinen streng laminaren Kanalstr¨
omung. Dieses Verhalten ist ebenso
deutlich in der Verweilzeitsummenfunktion erkennbar. Diese steigt bei einer mittle-
ren Str¨
omungsgeschwindigkeit von 1,4m/s deutlich st¨
arker an, als bei den beiden
anderen Geschwindigkeiten und erreicht schneller den Maximalwert von 1.
Zusammenfassend l¨
asst sich sagen, dass sowohl die Vortex-Str¨
omung wenn auch nur
84
4.4 Tracerexperimente
im geringeren Maße, als auch die Engulfment-Str¨
omung zu einer engeren Verweil-
zeitverteilung f¨
uhren. Daher sind diese Str¨
omungsformen f¨
ur die Durchf¨
uhrung von
Folgereaktionen, die sensitiv gegen¨
uber ¨
Anderungen des Verweilzeitspektrums sind,
streng laminaren Str¨
omungformen vorzuziehen.
4.4.5 Asymmetrische Einlaufbedingungen
Bei allen bisher vorgestellten Rechnungen sind die beiden Einlassvolumenstr¨
ome gleich
groß gew¨
ahlt. Dabei hat sich gezeigt, dass sich in Abh¨
angigkeit der mittleren Str¨
o-
mungsgeschwindigkeit die Mischcharakteristika sowie die charakteristischen Verl¨
aufe
der dissipierten Energie in Querrichtung stark ¨
andern. Hier soll nun die Abh¨
angigkeit
dieser Gr¨
oßen, bei einem ver¨
anderten Volumenstromverh¨
altnis untersucht werden.
Dazu wurden numerische Untersuchungen durchgef¨
uhrt, die auf einem Gitter mit ca.
1.000.000 Zellen, was einer Zellgr¨
oße von 2,5µm entspricht, durchgef¨
uhrt. Wie in den
vorherigen Kapiteln erw¨
ahnt, reicht eine solche Gittergr¨
oße f¨
ur die Aufl¨
osung feinster
Skalen der Konzentrationsverteilung nicht aus. Daher k¨
onnen diese Rechnungen nur
mit Gr¨
oßen verglichen werden, die auf dem gleichen Gitter berechnet wurden. Des-
halb beziehen sich die angegebenen Gr¨
oßen zur Mischcharakteristik jeweils auf dieses
Gitter. Kenngr¨
oßen, die sich direkt aus der Hydrodynamik ergeben, wie z.B. Druck
oder auch Energieeintr¨
age, sind bei diesem Gitter belastbar (Vgl. Kapitel 4.1).
Die vergleichenden Rechnungen wurden jeweils bei einem Volumenstromverh¨
altnis
von 1:2 und 1:3 durchgef¨
uhrt und mit dem herk¨
ommlichen Volumenstromverh¨
altnis
von 1:1 verglichen. In Abbildung 4.23 ist f¨
ur jede dieser drei Volumenstromverh¨
altnis-
se zum einen die dissipierte Leistung auf einem Querschnitt 300 µm hinter der Ein-
lassfl¨
ache in den Mischkanal hinein angegeben, zum anderen der Anteil der in Quer-
richtung dissipierten Leistung bezogen auf die gesamte dissipierte Leistung auf diesem
Querschnitt. Man erkennt, dass der Gesamtenergieeintrag steigt, je unterschiedlicher
die Volumenstr¨
ome der beiden Einlasskan¨
ale sind. Der f¨
ur die Vermischung wichtige
Eintrag von Energie in zur Hauptstr¨
omungsrichtung senkrechter Richtung steigt f¨
ur
die beiden Verh¨
altnisse 1:2 und 1:3 sehr viel eher, als es bei einem symmetrischen
Einstr¨
omen der Fall ist. Im symmetrischen Fall steigt der Anteil erst nach Erreichen
des Engulfment-Bereiches nennenswert an. Dieser sprunghafte ¨
Ubergang wird bei den
nicht symmetrischen Einlassbedingungen nicht gefunden.
85
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
9000
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8
0,00
0,02
0,04
0,06
0,08
0,10
0,12
0,14
1:1
1:2
1:3
gesamt dissipierte
Energie [W/kg]
mittlere Strömungsgeschwindigkeit [m/s]
Querrichtung/Gesamt
Abbildung 4.23: Gesamtdissipierte Energie auf einem Querschnitt 300 µm in den Misch-
kanal hinein (oben) und der Anteil der Energie, die in Querrichtung
dissipiert wird (unten), f¨
ur ein Volumenstromverh¨
altnis von 1:1, 1:2 und
1:3.
Der Grund f¨
ur dieses ver¨
anderte Verhalten wird deutlich, wenn man sich f¨
ur verschie-
dene Str¨
omungsgeschwindigkeiten die dazugeh¨
origen Speziesverteilungen anschaut.
In Abbildung 4.24 sind diese f¨
ur alle drei Volumenstromverh¨
altnisse f¨
ur eine Ge-
schwindigkeit von 0,1 m/s (a), 0,9 m/s (b) und 1,4 m/s (c) angegeben. Links erkennt
man die Verteilungen f¨
ur die drei Str¨
omungsbereiche des symmetrischen Falls, den
streng laminaren, den Vortex- und den Engulfment-Bereich. Bei einem ver¨
anderten
Volumenstromverh¨
altnis entsteht zwar bei sehr kleinen Str¨
omungsgeschwindigkeiten
auch eine rein laminare Str¨
omung wie bei einem Verh¨
altnis von 1:1, doch ein Vortex-
Bereich wie vorher beschrieben wird hier nicht durchlaufen.
Allerdings liegen hier f¨
ur h¨
ohere Geschwindigkeiten auch keine reinen Engulfment-
86
4.4 Tracerexperimente
a)
b)
c)
Abbildung 4.24: Tracerprofile f¨
ur jeweils drei unterschiedliche Volumenstromverh¨
altnisse
von 1:1 (links), 1:2 (Mitte) und 1:3 (rechts) bei mittleren Str¨
omungsge-
schwindigkeiten von 0,1 m/s (a), 0,9 m/s (b) und 1,4 m/s (c).
Str¨
omungen vor, da die Charakteristik des Engulfment-Bereiches, das gegenseitige
¨
Ubergreifen der Wirbelpaare, hier nicht ausgebildet wird. Bei den in diesen F¨
allen
vorherrschenden Str¨
omungsformen handelt es sich eher um eine Durchdringung oder
Verdr¨
angungsstr¨
omung des langsamer einfließenden Volumenstroms durch den schnel-
leren. Dabei wird der langsamer fließende Strom zur¨
uckgedr¨
angt, so dass dieser den
gr¨
oßeren Wirbel umschließt. Das dadurch entstehende Umschließen des gr¨
oßeren Wir-
bels f¨
uhrt dazu, dass Spezies des kleineren Wirbels in den gr¨
oßeren Wirbel transpor-
tiert wird. Durch die in dem großen Wirbel vorherrschende Doppelwirbelstruktur wird
die so eingebrachte Spezies lamellar aufgerollt.
An dieser Stelle sei erw¨
ahnt, dass die beiden H¨
alften des Mischkanals keiner 1:1 Stoi-
chiometrie entsprechenden Stoffmengen enthalten, wie es bei einem Volumenstrom
von 1:1 der Fall ist. Des Weiteren enthalten die Speziesverteilungen bei einem von 1
verschiedenen Volumenstromverh¨
altnis gr¨
oßere voll segregierte Bereiche, die diffusiv
schlecht abgebaut werden k¨
onnen. Daneben liegen Bereiche mit feinen Skalen inner-
halb der gebildeten Wirbel.
Dieses Ph¨
anomen spiegelt sich auch in den erzielten Mischg¨
uten wieder. In Abbil-
dung 4.25 sind zum einen die Intensit¨
at des Mischens zum anderen das Potenzial f¨
ur
diffusives Mischen f¨
ur die drei Volumenstromverh¨
altnisse wiedergegeben. Die Inten-
sit¨
at des Mischens steigt f¨
ur die Volumenstromverh¨
altnisse von 1:2 und 1:3 kontinu-
ierlich an und zwar auch in dem Bereich, in dem bei einem Verh¨
altnis von 1:1 die
erzielte Mischg¨
ute nahezu konstant Null bleibt. Diese kontinuierliche Steigerung ist
87
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4
0
50
100
150
200
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
1:1
1:2
1:3
Skala der Segregation
[µm]
mittlere Geschwindigkeit [m/s]
1:1
1:2
1:3
Intensität des Mischens
Abbildung 4.25: Intensit¨
at des Mischens (oben) und Skala der Segregation (unten)
bei drei verschiedenen Volumenstromverh¨
altnissen bei unterschiedlichen
mittleren Str¨
omungsgeschwindigkeiten.
ann¨
ahernd linear, wobei sie allerdings sehr viel schw¨
acher ausf¨
allt, als die Steigerung
im Engulfment-Bereich f¨
ur das 1:1 Verh¨
altnis. Die Zunahmen sind f¨
ur die ver¨
ander-
ten Zulaufbedingungen ann¨
ahernd gleich, doch ist die Intensit¨
at des Mischens f¨
ur das
Volumenstromverh¨
altnis von 1:3 zu dem von 1:2 leicht erh¨
oht. Gleichzeitig, in dem
Maße wie die Intensit¨
at des Mischens steigt, f¨
allt die zugeh¨
orige Skala der Segregati-
on. In allen drei F¨
allen ist diese Skala f¨
ur sehr kleine Geschwindigkeiten ca. 200 µm,
was der Breite des Mischkanals entspricht. Bei dem 1:1 Verh¨
altnis bleibt die Skala der
Segregation bis zum Erreichen des Engulfment-Bereiches ann¨
ahernd konstant (Vgl.
Kapitel 4.4.1). Bei den anderen beiden Volumenstromverh¨
altnissen f¨
allt die Skala der
Segregation schon bei ca. 0,1 m/s kontinuierlich ab. Dieser Abfall zeigt sich dabei als
ein fließender ¨
Ubergang. Die so erzielten mittleren Skalen liegen dabei ungef¨
ahr bei
88
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
dem Wert des Engulfment-Bereichs f¨
ur ein Volumenverh¨
altnis von 1:1.
Zusammenfassend l¨
asst sich zu den ver¨
anderten Volumenstrombedingungen sagen,
dass diese nicht zur Verbesserung der Vermischung bei h¨
oheren mittleren Str¨
omungs-
geschwindigkeiten beitragen. Dar¨
uber hinaus enthalten die beiden H¨
alften des Misch-
kanals keine st¨
ochiometrisch abgestimmten Stoffmengen und es kommt zur Ausbil-
dung von stark segregierten Bereichen. Lediglich bei kleineren Str¨
omungsgeschwindig-
keiten, bei denen bei symmetrischen Einstr¨
omungsverh¨
altnissen eine Vortex-Str¨
omung
vorliegt, kann die Vermischung gesteigert werden.
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
In den vorherigen Kapiteln wurde deutlich, dass der T-f¨
ormige Mikromischer auf kur-
zen Strecken keine guten Mischergebnisse liefert. Dennoch lassen sich die prinzipiellen
Mechanismen, die zu einem guten Mischergebnis auch auf k¨
urzesten Stecken f¨
uhren,
daraus ableiten.
Im Folgenden wird daher untersucht, wie durch gezielte Geometrieanpassung bzw.
durch gezielten Eintrag von zus¨
atzlicher Energie Vermischungsprozesse weiter gestei-
gert werden k¨
onnen. Dazu werden in verschiedenen Geometrien die Mischcharakteri-
stika bei einer fixen Reynolds-Zahl von 120 und einer festen Schmidt-Zahl von 3600
berechnet.
4.5.1 Verbesserung durch Geometrievariation
Es hat sich gezeigt, dass durch die dissipierte Leistung in Querrichtung vorhandene
Strukturen durch Aufrollen verkleinert werden. Dadurch wird sehr viel zus¨
atzliche
Kontaktfl¨
ache geschaffen, die eine notwendige Voraussetzung f¨
ur effektives laminares
Mischen darstellt. Es hat sich weiter gezeigt, dass nach der Umlenkung der beiden
Fluidstr¨
ome in den Mischkanal hinein, ungeachtet der mittleren Geschwindigkeit, ein
erheblicher Anteil der dissipierten Energie in Querschnittsrichtung eingetragen wird.
Dabei ist der Anteil dieser Energie umso h¨
oher, desto gr¨
oßer die mittlere Str¨
omungs-
geschwindigkeit ist. Unter der Pr¨
amisse zeitlich nichtschwankender Mischergebnisse
und station¨
arer Str¨
omungsfelder im Mischkanal ist die Steigerung der Str¨
omungsge-
89
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
schwindigkeit begrenzt. Ab einer Reynolds-Zahl >240 kommt es zu Instationarit¨
aten,
die ein periodisches Schwingen der Mischcharakteristika bewirken und daher bei tech-
nischer Anwendung nicht erw¨
unscht sind. Eine Alternative dazu ist die Verwendung
von mehreren Umlenkungen hintereinander, weil bei jeder Umlenkung neue Kontakt-
fl¨
ache erzeugt wird. Sukzessive aufeinanderfolgende Umlenkungen f¨
uhren dabei zu
entweder m¨
aander-f¨
ormigen oder zickzack-f¨
ormigen Kan¨
alen.
Im Folgenden wurden verschiedene zickzack-f¨
ormige Anordnungen
Abbildung 4.26: Schematische Darstellung der drei untersuchten Geometrien mit unter-
schiedlichen Aspektverh¨
altnissen von 1:1 (links), von 1:2 (Mitte) und 2:1
(rechts).
untersucht. Aus der Literatur ist bekannt, dass die geometrische Anordnung der ein-
zelnen Zickzack-Elemente starken Einfluss auf das Mischergebnis hat (Mengenaud
et al., 2002). Zur Optimierung wurden drei Geometrien ausgew¨
ahlt, die sich in dem
Verh¨
altnis von Breite zu H¨
ohe des Mischkanals unterscheiden. In Abbildung 4.26
sind diese zusammengestellt. Es wurde eine Geometrie gew¨
ahlt, bei der das Breite zu
H¨
ohe Verh¨
altnis dem Mischkanal des T-f¨
ormigen Mikromischers entspricht (2:1). Ge-
dacht war hierzu eine Aneinanderreihung von beiden Geometrien. Eine weitere Geo-
metrie wies ein genau entgegengesetztes Breite zu H¨
ohe Verh¨
altnis auf (1:2). Auch
eine solche Aneinanderreihung kann fertigungstechnisch realisiert werden. Als drit-
te Geometrievariation wurde ein zickzack-f¨
ormiger Kanal gew¨
ahlt, dessen Breite zu
H¨
ohe Verh¨
altnis gleich eins war (1:1). Eine dazugeh¨
orige Einlaufkanalgeometrie wird
sp¨
ater in diesem Kapitel untersucht.
90
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
Zudem wurden die Abmessungen so gew¨
ahlt, dass die Querschnittsfl¨
achen in allen
drei F¨
allen gleich groß sind. Die Simulationen wurden durchgef¨
uhrt f¨
ur zwei aufein-
anderfolgende Umlenkungen (Abb 4.26), wobei eine Zellenanzahl von ca. 2 Millionen
Zellen f¨
ur jede der drei Geometrien gew¨
ahlt wurde. Die mittleren Str¨
omungsgeschwin-
digkeiten in den Kan¨
alen wurde jeweils so eingestellt, dass eine Reynolds-Zahl von
Re = 120 erreicht wurde.
Hydrodynamik und Stofftransport wurden nicht simultan berechnet, sondern es wur-
de zu Anfang nur die Str¨
omung simuliert. Um keine Einlaufeffekte zu erhalten, wurden
die Rechnungen mit periodischen Randbedingungen durchgef¨
uhrt. Die somit erhal-
tene Str¨
omung gilt f¨
ur einen unendlich langen Zickzack-Kanal, d.h. die Str¨
omungs-
verh¨
altnisse im Mittelst¨
uck sind repr¨
asentativ f¨
ur alle diese Mischelemente.
Die drei Geometrien wurden anhand der Mischcharakteristika untersucht, die auch
0 100 200 300 400 500
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5 1:1
1:2
2:1
Anteil der Energiedissipation
in Querrichtung
Schichten
Abbildung 4.27: Anteil der in Querrichtung dissipierten Energie zur gesamt dissipierten
Leistung auf einem Querschnitt des Kanals bei einem Breite zu H¨
ohe
Verh¨
altnis von 1:1, 1:2 und 2:1.
91
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
schon bei dem T-f¨
ormigen Mikromischer Anwendung gefunden haben. Aus den zu
Beginn durchgef¨
uhrten Untersuchungen der Hydrodynamik hinsichtlich der Energie-
dissipation sind die in Abbildung 4.27 dargestellten Ergebnisse erhalten worden, wo-
bei die Abbildung den Anteil der in Querrichtung dissipierten Energie f¨
ur die drei
Geometrien zeigt. Aufgetragen sind die Verl¨
aufe gegen fortlaufende Schichten l¨
angs
der Geometrie. Die beiden Aussparungen in den Kurven sind jeweils die Bereiche
der Umlenkung, die bei den Berechnungen hinsichtlich der Mischcharakteristika nicht
ausgewertet wurden. Man erkennt, dass hinter und auch vor den Umlenkungen der
Anteil des Energieeintrages in allen drei F¨
allen in gleicher Weise steigt. Im Bereich
des Mischkanals sind allerdings die Abklingraten des Energieeintrags der unterschied-
lichen Geometrien verschieden. Die Sekund¨
arstr¨
omung in dem Kanal, der eine H¨
ohe
von 100 µm und ein Aspektverh¨
altnis von 2 hat, besitzt den st¨
arksten Abfall, tr¨
agt
also in Summe am wenigsten Energie in Querrichtung ein; die Str¨
omung in der da-
zu umgekehrten Geometrie, am meisten. Die Str¨
omung des Kanals mit einem Brei-
te zu H¨
ohe Verh¨
altnis von eins liegt dazu n¨
aherungsweise in der Mitte. F¨
ur diese
station¨
aren Geschwindigkeitsfelder wurden nachfolgend der Speziestransport berech-
net. Um vergleichbare Startbedingungen zu bekommen, wurde in den Anfang der
Zickzack-Geometrien jeweils eine Tracerverteilung gepatcht, die f¨
ur alle drei Geome-
trien dieselbe spezifische Kontaktfl¨
ache besitzt. Da die Geometrien unterschiedliche
Breiten und H¨
ohen besitzen, variiert daher auch die Anzahl der gepatchten Schichten
zwischen 8 f¨
ur den 2:1, 11 f¨
ur den 1:1 und 16 f¨
ur den 1:2 Kanal f¨
ur eine senkrechte
Orientierung der Schichten. Senkrecht bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die
Zickzack-Geometrie parallel zur Horizontalen liegt und die Tracerschichten im Ein-
gang somit von oben nach unten verlaufen. Zus¨
atzlich wurde auch eine waagerecht
angeordnete Schichtverteilung untersucht. Die Anzahl der einzelnen Schichten ¨
andert
sich auch hierbei. Bei dieser Vorgabe der Schichtverteilung besitzt jede Geometrie im
Eingang zu Anfang ein Potenzial f¨
ur diffusives Mischen von 75.000 m−1, was einer
Kontaktlinie von 1.500 µm entspricht. Abbildung 4.28 zeigt f¨
ur beide Schichtanord-
nungen, senkrecht wie waagerecht und f¨
ur alle drei Geometrien die Tracerverteilungen
auf Querschnitten l¨
angs des Kanals. Die einzelnen Querschnitte liegen jeweils 150 µm
weit auseinander. Zu beachten ist, dass alle Querschnitte die gleiche Fl¨
ache besitzen.
Verkleinerte Querschnitte in dieser Abbildung sind nur aufgrund der ¨
Ubersichtlich-
keit gew¨
ahlt worden.
92
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
Bei einem einmaligen Durchlaufen durch ein Zickzack-Element erkennt man rein qua-
litativ, dass die Orientierung der Kontaktfl¨
ache am Eingang in den Zickzack-Kanal
starke Auswirkungen auf das sp¨
atere Mischergebnis hat. Es ist deutlich zu sehen, dass
durch die im Kanal vorliegende Vortex-Str¨
omung die Kontaktfl¨
ache aufgerollt wird.
F¨
ur jeweils eine Seite des Kanals bildet sich ein Korkenzieher ¨
ahnlicher Wirbel aus,
der jeweils nur dort die Kontaktfl¨
ache aufrollt. Dieses gilt f¨
ur jede der untersuchten
Geometrien. Ein Austausch von einem Wirbel in den anderen findet nur rein diffusiv
Abbildung 4.28: Tracerverteilungen auf verschiedenen Querschnitten in Abst¨
anden von
150 µm durch die Zickzack-Kan¨
ale f¨
ur die jeweiligen Kan¨
ale. Diese
Verl¨
aufe sind f¨
ur jeweils eine waagerechte und senkrechte Anordnung
der Tracerschichten f¨
ur ein Aspektverh¨
altnis von 1:1 (links), 1:2 (Mitte)
und 2:1 (links) angegeben.
93
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
statt, daher w¨
urde eine ungleichm¨
aßige Verteilung eines Tracers ¨
uber den Querschnitt
des Eingangs auch eine ungleiche Verteilung ¨
uber den Querschnitt im Auslass zur Fol-
ge haben.
Das rein qualitativ erkennbare Ergebnis spiegelt sich auch in dem Verlauf der In-
tensit¨
at des Mischens wieder. Abbildung 4.29 zeigt den Verlauf dieser Intensit¨
at f¨
ur
die drei Geometrien bei beiden Tracerverteilungen. Generell erzielt eine waagerech-
te Tracerschichtverteilung im Eingang des Zickzack-Kanals h¨
ohere Mischg¨
uten, wie
0 100 200 300 400 500
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0 0 100 200 300 400 500
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1:2
1:1
2:1
Intensität des Mischens
Schichten
1:2
1:1
2:1
Abbildung 4.29: Verlauf der Intensit¨
at des Mischens f¨
ur drei unterschiedliche Aspekt-
verh¨
altnisse f¨
ur eine waagerechte (oben) und eine senkrechte Anordnung
(unten) der Tracerschichten.
man qualitativ an den Tracerverteilungen (Abb. 4.28) schon sehen konnte. Ungeach-
tet der Geometrie und der Startverteilung steigt die Intensit¨
at des Mischens in dem
ersten Bereich leicht an. Bei einer waagerechten Schichtverteilung (Abb. 4.29 (oben))
erfolgt f¨
ur alle drei Geometrien nach der ersten Umlenkung ein starker Anstieg der
94
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
Mischg¨
ute, die nach wenigen 100 µm ann¨
ahernd den Maximalwert erreicht. Die zwei-
te Umlenkung tr¨
agt dann jedoch nicht mehr sehr viel zur weiteren Vermischung bei.
Die erzielten Mischg¨
uten sind schon sehr nahe an einer homogenen Mischung, wobei
der Zickzack-Kanal mit einem Breite zu H¨
ohe Verh¨
altnis von 2 mit einem Wert von
0,92 die beste Vermischung liefert. Die Vermischung in der Geometrie mit einem dazu
vertauschten Aspektverh¨
altnis erreicht lediglich eine Intensit¨
at des Mischens von 0,8.
Der Zickzack-Kanal mit einem Seitenverh¨
altnis von eins liegt mit einem Wert von ca.
0,91 nahe am Mischergebnis des 2:1 Zickzack-Kanals.
Bei einer Startkonfiguration von senkrechten Schichten werden niedrigere Mischg¨
uten
erzielt und die Effektivit¨
at der einzelnen Kan¨
ale ist nicht mehr so wie bei einer waa-
gerechten Schichtenverteilung. Auch in diesem Fall steigen die Intensit¨
aten des Mi-
schens in den ersten Bereichen an. Nach jeder Umlenkung nimmt dazu zus¨
atzlich die
Mischg¨
ute zu. Allerdings erzielt der Zickzack-Kanal mit dem Breite zu H¨
ohe Verh¨
alt-
nis von 2, also der, der bei einer waagerechten Anordnung am besten mischt, die
schlechteste Mischg¨
ute. Den Grund daf¨
ur kann man an dem Verlauf der Intensit¨
at
des Mischens kurz nach den beiden Umlenkungen erkennen. In diesen Bereichen f¨
allt
die Intensit¨
at des Mischens ab. Da es nicht zu Entmischungsph¨
anomenen kommen
kann, muss dieses ein Bereich stark unterschiedlicher Str¨
omung sein, gegebenenfalls
befinden sich hinter der Umlenkung gr¨
oßere Totzonen. Die beste Vermischung bei ei-
ner senkrechten Tracerschichtverteilung im Eingang der Zickzack-Geometrie wird hier
durch den Mischer mit dem quadratischen Querschnitt erzielt. Im gleichen Maße, wie
die Intensit¨
at des Mischens steigt, f¨
allt das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen, welches
ein Maß f¨
ur die Triebkraft des diffusiven Ausgleichs ist. Allerdings ist das Potenzial
f¨
ur diffusives Mischen der beiden Startkonfigurationen f¨
ur alle drei Geometrien schon
nach einer Umlenkung stark abgebaut, sodass in diesen F¨
allen die Intensit¨
at des Mi-
schens (IM) die relevante Gr¨
oße darstellt.
Aus dem Vergleich der beiden Startbedingungen der drei Zickzack-Kan¨
alen erkennt
man, dass die zu Anfang vorherrschende Orientierung der Kontaktfl¨
ache einen star-
ken Einfluss auf das erreichbare Mischergebnis hat.
Str¨
omungen in Zickzack-Kan¨
alen k¨
onnen, im Gegensatz zu gebogenen Kan¨
alen, Tot-
zonen hinter den Umlenkungen ausbilden. Gr¨
oßere Totzonen sind bei Reaktoren in
einer technischen Anwendung unerw¨
unscht, da sie zu einer Verbreiterung des Verweil-
zeitspektrums f¨
uhren und so bei durchzuf¨
uhrenden Reaktionen zu Folgereaktionen
95
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
und so damit zur Senkung der Selektivit¨
at f¨
uhren k¨
onnen.
Zur ¨
Uberpr¨
ufung hinsichtlich des Verweilzeitverhaltens wurden daher Sprungmarkie-
rungen durchgef¨
uhrt. Deutlich zu erkennen ist, dass das Verweilzeitspektrum des 2:1
Zickzack-Kanals vor einem Wert von 0,5 τansteigt. Dieses deutet auf Totzonen in-
t/t
0 2 4
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1zu1
1zu2
2zu1
F(t)
0 2 4
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
E(t) 1zu1
1zu2
2zu1
Abbildung 4.30: Verweilzeitspektren (oben) und die dazugeh¨
origen Verweilzeitsummen-
funktionen (unten) der Geometrien mit einem Aspektverh¨
altnis von 1:1,
1:2 und 2:1.
nerhalb des Reaktors hin, da zum Transport des Signals effektiv weniger Volumen
im Kanal zur Verf¨
ugung steht. Desweiteren f¨
allt der Verlauf von E(t) der 2:1 Kurve
sehr viel langsamer ab bzw. die F(t) Kurve steigt nur sehr langsam. Dieses deutet auf
starke Dispersionseffekte innerhalb des Kanals hin; ein Signal wird also stark ausein-
andergezogen. Die Verl¨
aufe der Verweilzeitspektren von 1:1 und 1:2 weisen mehrere
Maxima auf. Ein solches Verhalten tritt meist in schlecht gepackten Festbettreak-
toren auf sowie in Str¨
omungsrohren mit R¨
uckf¨
uhrung. Beides liegt hier nicht vor.
96
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
Eine m¨
ogliche Erkl¨
arung f¨
ur dieses Verhalten sind R¨
uckstrombereiche. Die Gr¨
oße
und die Lage der einzelnen Maxima des Verweilzeitspektrums gibt dabei Anhalts-
punkte ¨
uber die Gr¨
oße dieser Bereiche. Der Verlauf des Verweilzeitspektrums des 1:2
Kanals hat deutlich unterschiedliche Maxima, die ca. 0,3 τweit auseinander liegen.
Die R¨
uckstromzonen sind daher hier stark ausgebildet und nehmen einen erhebli-
chen Teil des Reaktorvolumens ein. Bei dem 1:1 Kanal erscheinen beide Maxima kurz
hintereinander, wobei das zweite Maximum noch gr¨
oßer ist, als das erste. Dieses Ver-
halten l¨
asst darauf schließen, dass zwar die R¨
uckstromzonen recht groß sind, jedoch
das Fluid innerhalb dieser Zonen keine nennenswerte Verweilzeit besitzt.
Die Rezirkulationszonen der Kan¨
ale mit einem Aspektverh¨
altnis von 1:1 und 1:2
f¨
uhren insgesamt zu einer engeren Verweilzeitverteilung, was f¨
ur durchzuf¨
uhrende
Reaktionen Vorteile in Ausbeute und Selektivit¨
at bedeuten kann.
Da der Mischer mit dem quadratischen Querschnitt zum einen sehr gute Vermi-
schungssteigerungen bei nur zwei Umlenkungen erzielen konnte und zum anderen
er durch Rezirkulationszonen ein relativ enges Verweilzeitspektrum besitzt, wurde
diese Mischergeometrie f¨
ur weitere Untersuchungen ausgew¨
ahlt.
Abbildung 4.31: Skizze des Tangential-Mischers mit versetzten (rechts) und nicht ver-
setzten (links) Einlass-Kan¨
alen.
Wie sich in den vorherigen Untersuchungen gezeigt hat, ist das Einlassprofil in den
Zickzack-Kanal maßgeblich f¨
ur die zu erwartende Vermischung. Um nun bei kleinen
Reynolds-Zahlen (hier 120) ein Einlassprofil zu erreichen, welches die Kontaktfl¨
ache
nicht nur senkrecht in der Mitte des Kanals lokalisiert, sondern dar¨
uber hinaus auch
97
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
die Kontaktfl¨
ache gleichm¨
aßig ¨
uber den Querschnitt verteilt, scheiden einfachste Geo-
metrien wie ein Y-f¨
ormiger Einlass aus. Auf der Grundlage der numerischen Erfahrun-
gen f¨
ur T-f¨
ormigen Mischgeometrien wurden Geometrien untersucht, die zum einen
bei dieser Reynolds-Zahl eine geeignete Tracerverteilung erzeugen und zum anderen
fertigungstechnisch leicht realisiert werden k¨
onnen.
Da der Mischkanal, im Gegensatz zu dem vorher untersuchten, ein Aspektverh¨
alt-
nis von 1:1 aufweist, und keine Beschleunigungen im Mischkanal stattfinden sollen,
mussten die Einlasskan¨
ale angepasst werden. Dazu wurden zwei verschiedene Geome-
trievariationen untersucht (Abb. 4.31)
Bei der einen Geometrie prallen, ¨
ahnlich wie beim vorher untersuchten T-Mischer,
beide Einlassstr¨
ome aufeinander. Im anderen Fall sind diese gegeneinander versetzt.
Abbildung 4.32: Querschnitte l¨
angs des Mischkanals im Abstand von je 50 µm (von links
nach rechts) f¨
ur die Geometrie dessen Einlasskan¨
ale gegeneinander ver-
setzt angeordnet sind (unten) und die, dessen Einlasskan¨
ale direkt ge-
gen¨
uber stehen (oben).
Die numerischen Simulationen wurden f¨
ur ein kubisches Gitter mit 4.000.000 Git-
terzellen durchgef¨
uhrt. Abbildung 4.32 zeigt Querschnitte l¨
angs des Mischkanals f¨
ur
beide Geometrien. Man erkennt, dass der Mischer, bei dem die beiden Einlass-Kan¨
ale
(links) versetzt angeordnet sind, eine st¨
arkere Verdrillung der Kontaktfl¨
ache erzeugt.
Es bildet sich dabei eine Drallstr¨
omung aus, die bei unterschiedlich konzentrierten
Einlassstr¨
omen diese spiralf¨
ormig aufrollt. Im Gegensatz dazu erzeugt die Geometrie,
deren Einlasskan¨
ale frontal gegen¨
uber angeordnet sich, weniger zus¨
atzliche Kontakt-
fl¨
ache. Auf einer Strecke von 300 µm in den Mischkanal hinein wird hier 48.000 m−1
spezifische Kontaktfl¨
ache erzeugt, wohingegen durch die Drallstr¨
omung 63.000 m−1
spezifische Kontaktfl¨
ache erzeugt wird. Desweiteren ist ein weiterer Vorteil der spi-
ralf¨
ormigen Drallstr¨
omung, dass die entstehende Kontaktfl¨
ache gleichf¨
ormig ¨
uber den
98
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
Querschnitt verteilt vorliegt. Ein solches Einlassprofil f¨
uhrt im 1:1 Zickzack-Mischer
binnen k¨
urzester Zeit bzw. Stecke zu einer ann¨
ahernden vollst¨
andigen Vermischung.
4.5.2 Verbesserung durch Str¨
omungsmodulation
Eine andere M¨
oglichkeit Mischg¨
uten zu verbessern, ist der gezielte Eintrag zus¨
atzli-
cher Energie in Form von sinusf¨
ormigen Pulsationen der Einlassvolumenstr¨
ome in den
Eing¨
angen des Reaktors. Um in Hinblick auf eine verfahrenstechnische Anwendung
die Str¨
omungsgeschwindigkeit im Auslass des Reaktors pulsationsfrei zu halten, wird
hier eine phasenverschonene Modulationen der beiden Einlassstr¨
ome zu verschiedenen
Frequenzen der Modulation untersucht.
Durch die so eingetragene, zus¨
atzliche Energie kann es, durch das wiederkehrende
Strecken und Falten von Fluidelementen, zu chaotischer Advektion kommen.
Untersucht wurde in dem hier vorliegenden Fall, wie sich Mischcharakteristika, wie
das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen und die Intensit¨
at des Mischens, durch die zeitlich
instation¨
are Str¨
omung ¨
andern. Weiter wird untersucht, ob die zus¨
atzlich eingetragene
Energie in die erw¨
unschte Quervermischung eingetragen werden kann.
Abbildung 4.33 zeigt f¨
ur die untersuchten Frequenzen die Anteile der sich ergebenen
Energiedissipationen in Querrichtung auf einem Querschnitt 300 µm in den Misch-
kanal hinein. Zum Vergleich ist dazu noch der Anteil des Leistungseintrags f¨
ur die
nicht modulierte Simulationsrechnung angegeben. Im Vergleich dazu, liegen die An-
teile der modulierten Rechnungen h¨
oher, wobei der mittlere Wert umso gr¨
oßer ist,
desto kleiner die Frequenz ist. Die ¨
Anderungen in den Verl¨
aufen korrelieren jeweils
mit der Modulation. Allerdings sind die Schwankungsbreiten der unterschiedlichen
Verl¨
aufe unterschiedlich, obwohl die ¨
Anderungen in den Geschwindigkeiten f¨
ur alle
drei F¨
alle gleich sind. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Ausbildung der Wirbel,
die Energie in Querrichtung eintragen, durch ein zu schnelles Wechseln der Orientie-
rungen gest¨
ort werden. Bei jeweils 20 und 30 kHz sind die Amplituden des Anteils
des Energieeintrags sowie der Anteil des mittleren Leistungseintrags ann¨
ahernd gleich
groß. Im Gegensatz dazu ist der Mittelwert bei einer Modulation mit 10 kHz um et-
was mehr als 1 % zu h¨
oheren Werten verschoben mit einer deutlichen Zunahme (ca.
um das 4-5fache) der Amplitude.
Dies hat Auswirkungen auf die Verl¨
aufe f¨
ur die Intensit¨
at des Mischens und auf das
99
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
0 1 2 3
0,080
0,085
0,090
0,095
0,100
0,105
0,110
0,115
0,120
0,125
0,130
0,135
0,140
1,4m/sohneModulation
1,4m/smit10.000Hz
1,4m/smit20.000Hz
1,4m/smit30.000Hz
AnteilderEnergiedissipation
inQuerrichtung
t/t
Abbildung 4.33: Anteil des Leistungseintrags in Querrichtung bei 10, 20 und 30 kHz
sowie bei einer ohne Str¨
omungsmodulation.
Potenzial f¨
ur diffusives Mischen. Abbildung 4.34 zeigt die Ergebnisse der modulierten
Rechnungen und zum Vergleich die Werte der station¨
aren Rechnung ohne Str¨
omungs-
modulation. Nach einer Einschwingphase, die f¨
ur alle drei Frequenzen ann¨
ahernd
gleich lang ist, stellen sich zeitlich oszillierende Verl¨
aufe f¨
ur die Intensit¨
aten des Mi-
schens (4.34 unten) und das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen (4.34 oben) ein. Da der
Leistungseintrag in Querrichtung f¨
ur die Simulationen mit modulierten Str¨
omungen
h¨
oher ist, als die der nicht modulierten, wird in diesem Fall mehr Kontaktfl¨
ache er-
zeugt. Dabei wird umso mehr Kontaktfl¨
ache erzeugt, je geringer die angelegte Schwin-
gungsfrequenz ist. ¨
Ahnlich wie beim Leistungseintrag ist die Amplitude bei einer Mo-
dulation von 10 kHz im Vergleich zu den h¨
oheren Frequenzen viel st¨
arker ausgebildet.
Die sich daraus ergebenen Mischg¨
uten korrespondieren in ihren Verl¨
aufen mit denen
des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen. Die h¨
ochste Mischg¨
ute mit einem Mittelwert
von ca. 28 % wird hier mit einer Modulation von 10 kHz erhalten. Die beiden anderen
sind mit ca. 25 % zwar kleiner, sind aber dennoch zur nicht str¨
omungsmodulierten
Verfahrensweise leicht erh¨
oht. Die station¨
are Rechnung ohne Str¨
omungsmodulation
liefert eine Mischg¨
ute von ca. 21 %.
Es l¨
asst sich zusammenfassen, dass sich bei niedrigen Frequenzen h¨
ohere Vermischun-
100
4.5 Verbesserung der Mischg¨
ute
0 2 4 6
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
1,4m/sohneModulation
1,4m/smit10kHz
1,4m/smit20kHz
1,4m/smit30kHz
Intensitätdes
Mischens
0 2 4 6
0
10000
20000
30000
40000
50000
1,4m/sohneModulation
1,4m/smit10kHz
1,4m/smit20kHz
1,4m/smit30kHz
Potenzial
fürdiffusivesMischen
t/t
Abbildung 4.34: Zeitlich ver¨
anderliche Verl¨
aufe des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen
(oben) und der Intensit¨
at des Mischens (unten) bei 10, 20 und 30 kHz
sowie bei einer nicht modulierten Simulation.
gen erzielen lassen, allerdings k¨
onnen diese starken zeitlichen Schwankungen unter-
liegen. F¨
ur technische Anwendungen und zur Durchf¨
uhrung von chemischen Reaktio-
nen sind zeitlich schwankende Vermischungsgrade oder auch Zusammensetzungen des
Fluids unerw¨
unscht, da dieses zu einer zeitlich schwankenden Produktqualit¨
at f¨
uhren
kann. Dennoch kann der Grad der Vermischung, auch bei technischen Anwendungen,
durch die Modulation der Eingangsvolumenstr¨
ome vergr¨
oßert werden. Durch Verwen-
dung einer h¨
oheren Frequenz wird zwar die Vermischung nicht in solch einem starken
Maße erh¨
oht wie bei 10 kHz. Allerdings unterliegen die erzielten Mischg¨
uten bei 20
und 30 kHz keinen starken zeitlichen Schwankungen.
Eine weitere wichtige Fragestellung ist, ob sich durch die Modulation der Eingangs-
volumenstr¨
ome das Verweilzeitspektrum gezielt ver¨
andern l¨
asst. Dazu wurden nu-
merische Sprungmarkierungen mit modulierten Str¨
omungen durchgef¨
uhrt, bei denen,
anders als in allen anderen Sprungmarkierungsrechnungen, Tracer in beide Einlas-
skan¨
ale aufgegeben wurde. Nur so erh¨
alt man einen konstanten Endwert von 1.
101
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
Abbildung 4.35 zeigt zum einen die Verweilzeitspektren (unten) und die Verweilzeit-
summenfunktionen (oben) der str¨
omungsmodulierten Rechnungen sowie zum Ver-
gleich dazu die Verl¨
aufe ohne Modulation der Eingangsvolumenstr¨
ome. Die Verl¨
aufe
f¨
ur die modulierten sind bis auf leichte Schwankungen nahezu identisch, wobei die
Schwankungsbreite mit der Frequenz der ¨
Anderungen der Einlassvolumenstr¨
ome kor-
reliert. Die Amplitude der Schwankungen ist ¨
ahnlich wie auch bei den eingetragenen
Energien umso kleiner, je gr¨
oßer die angelegte Frequenz ist. Im Vergleich zu der
Rechnung ohne Modulation der Eingangsvolumenstr¨
ome zeigen die Verweilzeitspek-
tren der modulierten Rechnungen einen leicht verz¨
ogerten Austritt aus dem Reaktor.
Die Breite der Spektren wird allerdings nicht beeinflusst, daher ist die Modulation in
Bezug auf das Verweilzeitverhalten weder von Vorteil noch nachteilig.
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0 1,4m/sohneModulation
1,4m/smit10.000Hz
1,4m/smit20.000Hz
1,4m/smit30.000Hz
E(t)
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,4m/sohneModulation
1,4m/smit10.000Hz
1,4m/smit20.000Hz
1,4m/smit30.000Hz
F(t)
t/t
Abbildung 4.35: Verweilzeitspektren (unten) und die Verweilzeitsummenfunktionen
(oben) bei 10, 20 und 30 kHz sowie bei einer nicht modulierten Si-
mulation, aufgenommen auf einer Schicht 300 µm hinten dem Eingang
in den Mischkanal.
102
4.6 Reaktive Systeme
4.6 Reaktive Systeme
Erste Ans¨
atze zur Berechnung einer Neutralisationsreaktion, bei deren klassischer
Modellierung Probleme (wie in Kapitel 3.10 beschrieben) auftreten, werden mittels
einer Vereinfachung f¨
ur diffusionskontrollierte instantane Reaktionen von Toor (Toor
und Chiang, 1959) durchgef¨
uhrt. Dazu werden die betreffenden Bilanzgleichungen
f¨
ur den T-Mikromischer auf 9 Millionen kubischen Gitterzellen gel¨
ost. Dabei sei
erw¨
ahnt, dass diese Gr¨
oße des Gitters noch unzureichend f¨
ur die Aufl¨
osung fein-
ster, durch das Zusammenspiel von Konvektion und Diffusion auf der einen Seite
und chemischer Reaktion auf der anderen Seite, entstehender Skalen ist. Zur Berech-
nung wurden in einem Einlasskanal zwei passive Skalare aufgegeben, wobei ein Skalar
Abbildung 4.36: L¨
angsschnitte auf halber H¨
ohe des Mikromischers. pH-Wert-Verteilung
(links) in einem Bereich von pH3 (schwarz) und pH11 (weiß), das Vor-
handensein des Farbstoffes (Mitte) und die Signalst¨
arke (rechts) bei einer
Reynolds-Zahl von 250 mit einem Aspektverh¨
altnis des Mischkanals von
0,45.
103
4 Ergebnisse der numerischen Simulationen
die S¨
aure/ Lauge-Verteilung beschreibt. Der andere Skalar beschreibt das Vorhan-
densein des Fluoreszenzfarbstoffes Fluoreszein. Die Signalverteilungen des Farbstof-
fes werden jeweils f¨
ur eine mittlere Geschwindigkeit von 0,9 m/s (Vortex-Bereich)
und 1,2 m/s (Engulfment-Bereich) ermittelt. Zus¨
atzlich dazu werden Simulationen
f¨
ur eine Reynolds-Zahl von 250, diese jedoch bei leicht ver¨
anderter Geometrie, mit
lokalen Gitterverfeinerungen durchgef¨
uhrt. Die letzt genannte Geometrie hat eine
Kanalbreite von 600 µm und ein Aspektverh¨
altnis von 0,45. Durch die das geringere
H¨
ohe-zu-Breite Verh¨
altnis ist die Str¨
omung, selbst bei einer Reynolds-Zahl von 250,
noch station¨
ar.
Abbildung 4.36 zeigt f¨
ur eine mittlere Geschwindigkeit von 2,0 m/s (Re=250) neben
der pH-Wert Verteilung (links), die Verteilungen des Farbstoffes (Mitte) und die sich
ergebene Signalverteilung (rechts) auf einem L¨
angsschnitt auf halber H¨
ohe durch den
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0,00
0,02
0,04
0,06
0,08
0,10
0,12
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
Kontaktfläche für 0,9 m/s
Kontaktfläche für 1,2 m/s
Umsatz [-]
Abstand längs des Mischkanals [µm]
Umsatz für 0,9 m/s
Umsatz für 1,2 m/s
Kontaktfläche [m²]
Umsatz [-]
Abbildung 4.37: Umsatzverhalten und die integral entstandene Kontaktfl¨
ache l¨
angs des
Mischkanals f¨
ur eine mittlere Geschwindigkeit von 0,9 m/s (Vortex-
Bereich) und 1,2 m/s (Engulfment-Bereich).
104
4.6 Reaktive Systeme
Reaktor. Da die beiden Skalare unterschiedliche Schmidt-Zahlen besitzen, 300 bzw.
470 f¨
ur HCl bzw. NaOH und ca. 3600 f¨
ur den Farbstoff, ergeben sich kleinste Un-
terschiede in den Verteilungen. Das Farbsignal des pH-Indikators entsteht genau in
diesen Bereichen, da zum einen Fluoreszein vorhanden ist, und zum anderen in die-
sen Bereichen der pH-Wert durch die stattfindende chemische Reaktion erh¨
oht wird.
Zus¨
atzlich zu den Signalst¨
arken wird der Umsatz auf einzelnen Schichten l¨
angs des
Mischkanals ausgewertet. Zu diesem Zweck wird pro Zelle der Produktstrom bestimmt
und dieser ¨
uber diskrete Querschnitte integriert. Abbildung 4.37 zeigt f¨
ur den Vortex-
und f¨
ur den Engulfment-Bereich den erzielten Umsatz in Abh¨
angigkeit zum Abstand
l¨
angs des Mischkanals. Es ist zu erkennen, dass im Vortex-Bereich, in dem nur sehr
wenig Kontaktfl¨
ache erzeugt wird, nur sehr wenig Produkt gebildet wird. Im Falle
der Engulfmentstr¨
omung wird hingegen aufgrund der starken Zunahme der Kontakt-
fl¨
ache ein viel h¨
oherer Umsatz erzielt. Auch die Steigerung des Umsatzes l¨
angs des
Mischkanals f¨
allt f¨
ur die h¨
ohere mittlere Str¨
omungsgeschwindigkeit sehr viel gr¨
oßer
aus.
105
5 Experimentelle Validierung
In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um Prof. R¨
abiger (Institut f¨
ur Umwelt-
verfahrenstechnik, Universit¨
at Bremen) wurden die numerisch erhaltenen Daten f¨
ur
den Stofftransport einer diffusiv transportierten Spezies mit einer Schmidt-Zahl von
Sc = 3600 (Rhodamin-B) mit experimentell erhaltenen Daten verglichen. Zus¨
atzlich
wurden erste qualitative Validierungen einer Neutralisationsreaktion durchgef¨
uhrt,
die mit Hilfe eines pH-abh¨
angigen Fluoreszenzfarbstoffes visualisiert wurden.
Die Messungen beruhen auf der µ−LIF (Laser-Induzierte Fluoreszenz) Methode, kom-
biniert mit konvokaler Mikroskopie. Abbildung 5.1 zeigt schematisch den Versuchsauf-
bau. Mit Hilfe der Laser-Induzierten Fluoreszenz ist es m¨
oglich, eine ber¨
uhrungslose,
quantitative Erfassung von Konzentrationfeldern von in Wasser gel¨
osten, fluoreszen-
sierenden Stoffen durchzuf¨
uhren. Dabei wird durch einen Laser der im System vorhan-
dene Fluoreszenzfarbstoff angeregt, so dass er nachfolgend Licht anderer Wellenl¨
ange
emittiert. Die Intensit¨
at dieser Emission wird dann mit Hilfe eines Epifluoreszenzmi-
kroskops ermittelt. Bei diesem Vorgehen wird allerdings durch die Volumenbeleuch-
tung ¨
uber einen relativ großen Bereich integriert. Um dies zu vermeiden, wurde bei
den Messungen die µ−LIF Methode angewandt, kombiniert mit konvokaler Mikros-
kopie, um so das Epifluoreszenzmikroskop zu ersetzen (Abb. 5.1). Bei dieser Technik
wird durch eine Lochblende nur emittiertes Licht einer definierten Schicht zum Detek-
tor durchgelassen (Hoffmann und Schl¨
uter, 2006). Bei der konvokalen Laser Scanning
Methode (CLSM) wird das Bild Punkt f¨
ur Punkt abgerastert um so ein kontrastrei-
ches und hochaufgel¨
ostes Abbild des Konzentrationsverlaufes auf dieser Schicht zu
erhalten. Durch Variation der Schicht kann so ein hochaufgel¨
ostes dreidimensionales
Abbild erzeugt werden, welches zur qualitativen Validierung herangezogen werden
kann. Nach Erzeugung einer Eichkurve kann auf Grund der erhaltenen Grauwertver-
teilung diese mit den Konzentrationen korreliert werden, um so Daten zur Quantifi-
zierung der numerischen Simulationsrechnungen zu erhalten. Die Messungen mit Hilfe
107
5 Experimentelle Validierung
der CLS-Methode k¨
onnen allerdings nur bei zeitlich station¨
aren Konzentrationsver-
teilungen
Abbildung 5.1: Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus f¨
ur die µ−Laser-Induzierte
Fluoreszenz, kombiniert mit konvokaler Mikroskopie (Hoffmann und
Schl¨
uter, 2006).
durchgef¨
uhrt werden, da das Abrastern der einzelnen Schichten eine gewisse Zeit
in Anspruch nimmt. Daher k¨
onnen hier diese Daten nur zur Quantifizierung von
station¨
aren Rechnungen herangezogen werden.
Die ersten qualitativ durchgef¨
uhrten Validierungsrechnungen beziehen sich auf eine
Reynolds-Zahl von 186. Bei dieser Geschwindigkeit wurde Rhodamin-B als Tracer in
einen der beiden Einlasskan¨
ale aufgegeben.
5.0.1 Passiver Speziestransport
Die ersten Rechnungen wurden auf einem Gitter mit einer Zellbreite von 2,5µm
durchgef¨
uhrt. Dies entspricht einer Zellenanzahl von 1 Millionen Zellen f¨
ur den ge-
samten Reaktor. Ein Vergleich zu den experimentell erhaltenen µ−LIF Aufnahem
wurde auf einem horizontalen Schnitt auf halber H¨
ohe des Reaktors durchgef¨
uhrt. In
108
Abbildung 5.2: Experimentelle (links) und durch Simulation (rechts) ermittelte Tracer-
verteilung auf einem Schnitt auf halber H¨
ohe des Mischkanals.
Abbildung 5.2 (links) erkennt man die durch die Engulfment-Str¨
omung erzeugten, fei-
nen Skalen l¨
angs des Kanals. Prinzipiell werden die Strukturen durch die Simulation
wiedergegeben. Die beiden Wirbel am Kopf des Mischkanals sowie die Wirbelstruk-
tur im Kanal sind klar erkennbar. Allerdings werden die feinsten Skalen aufgrund
der numerischen Diffusion nicht aufgel¨
ost. Dieses wurde schon in Kapitel 4.1 bei der
Untersuchung zur Gittervarianz angesprochen.
Zur Erzielung einer besseren ¨
Ubereinstimmung wurde das verwendete Gitter lokal
stark verfeinert. In Bereichen, in denen die diffusiv transportierte Spezies große Gra-
dienten besitzt, wurden die lokal vorhandenen Zellen jeweils vollverfeinert. Dieses
wurde zur Erzeugung der Validierungsergebnisse in Abbildung 5.3 (rechts) verwen-
det. Diese adaptive Verfeinerung wurde lokal mehrfach durchgef¨
uhrt, bis hinunter
109
5 Experimentelle Validierung
zu einer Zellbreite von ca. 0,3µm. Man erkennt, dass die im Experiment auftreten-
den Skalen nun viel sch¨
arfer durch die Simulation aufgel¨
ost werden. Am Kopf des
Abbildung 5.3: Experimentelle (links) und durch Simulation (rechts) ermittelte Tracer-
verteilung auf einem Schnitt auf halber H¨
ohe des Mischkanals.
Mischkanals zeigen sich, wie schon in Abbildung 5.2, die beiden Wirbel allerdings
sind hier viel mehr Einzelheiten erkennbar. Man erkennt sogar die ”Einbuchtungen“,
d.h. das Eindringen des hell dargestellten Tracers in die R¨
uckseite des dunklen Wir-
bels (andersherum auf der anderen Seite). Dieses Ph¨
anomen ist im Experiment auch
erkennbar. Selbst die feinsten Skalen im Mischkanal werden durch die Simulation teil-
weise aufgel¨
ost. Dazu geh¨
oren vor allen Dingen die ¨
außersten Lamellen der Wirbel.
Feinste Lamellen im Zentrum der Wirbel werden, auch mit 30 Millionen Zellen f¨
ur
den gesamten Reaktor, noch nicht vollst¨
andig aufgel¨
ost.
110
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0 50 100 150 200
Experiment
12M-adaptiv
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0 50 100 150 200
Experiment
12M-adaptiv
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0 50 100 150 200
Experiment
12M-adaptiv
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0 50 100 150 200
Experiment
12M-adaptiv
0
0,2
0,4
0,6
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0 50 100 150 200
Experiment
12M-adaptiv
0
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Experiment
12M-adaptiv
0
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Experiment
12M-adaptiv
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Experiment
12M-adaptiv
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0 50 100 150 200
Experiment
12M-adaptiv
Abbildung 5.4: Vergleich der Konzentrationsverl¨
aufe (links) auf verschiedenen Quer-
schnitten zwischen Simulationsrechnung (mitte) und Experiment (rechts).
111
5 Experimentelle Validierung
Zus¨
atzlich zu den vorher besprochenen qualitativen Validierungen werden auch quan-
titative Validierungen durchgef¨
uhrt, bei denen Querschnitte l¨
angs des Mischkanals
mittels den experimentell erhaltenen Daten verglichen wurden. In Abbildung 5.4
werden jeweils Querschnitte, beginnend am Eingang in den Mischkanal und danach
in einem Abstand von 50 µm in Str¨
omungsrichtung, miteinander verglichen. Auf
der rechten Seite sind jeweils die experimentellen Aufnahmen zu sehen, die mittels
µ−LIF durch die Arbeitsgruppe R¨
abiger erhalten wurden. In der Mitte erkennt man
die jeweils dazu geh¨
origen Simulationen. Auf der linken Seite ist jeweils der Konzen-
trationsverlauf auf der betreffenden Schicht auf halber H¨
ohe im Mischkanal f¨
ur das
Experiment sowie f¨
ur die Simulation wiedergegeben. Beim Verlauf der Konzentration,
ermittelt durch das Experiment, erkennt man, dass teilweise die Punktsymmetrie, die
eigentlich aufgrund der Geometrie und der Str¨
omung zu erwarten w¨
are, nicht oder
nur teilweise erreicht wird. Dieses liegt wahrscheinlich an fertigungsbedingten Unge-
nauigkeiten in der Geometrie des Mischkanals, welche numerisch nicht ber¨
ucksichtigt
werden k¨
onnen. Die besten Ergebnisse werden erhalten, wenn man die jeweils lin-
ke Seite des Mischkanals vergleicht. Man erkennt, dass die im Experiment erzeugten
Skalen, die im Diagramm als Peak mit einer gewissen Breite erscheinen, durch die
Simulationen in der Lage sehr gut erfasst werden. Die Intensit¨
at, die proportional zur
Konzentration ist, also die H¨
ohen der Peaks, wird allerdings nur teilweise auf gewissen
Schichten gut wiedergegeben. Insgesamt l¨
asst sich sagen, dass es durch die sukzes-
sive lokale Verfeinerung des Gitters bis hinunter zu einer Zellbreite von ca. 0,3µm
gelungen ist, die durch das Experiment aufgezeigten Skalen gut wiederzugeben.
5.0.2 Reaktive Systeme
Im Rahmen der ersten Berechnungen einer Neutralisationsreaktion, deren Konzentra-
tionsverl¨
aufe mit Hilfe eines fluoreszenzaktiven Farbstoffes experimentell visualisiert
wurden, werden erste qualitative Validierungsrechnungen durchgef¨
uhrt. Die bei die-
sen Simulationen verwendete Geometrie ist im Vergleich zu den vorher untersuchten
im Aspektverh¨
altnis leicht ver¨
andert. Zus¨
atzlich ist diese Geometrie ca. 3mal gr¨
oßer
und hat somit eine Mischkanalbreite von 600 µm und eine H¨
ohe von 270 µm. Dies
entspricht einem Aspektverh¨
altnis von 0,45 im Gegensatz zu 0,5, f¨
ur den urspr¨
unglich
berechneten Mikromischer. Diese vergr¨
oßerten Abmessungen bieten den Vorteil, dass
112
bei den experimentellen Untersuchungen detailliertere Aufnahmen erhalten werden
k¨
onnen.
Das Gitter wurde, beginnend mit 1 Millionen Gitterzellen, in mehreren Schritten
sukzessive in Bereichen starker Gradienten verfeinert. Wie bereits in Kapitel 3.10
beschrieben, werden zwei passive Skalare mit jeweils unterschiedlichen Diffusionsko-
effizienten zur Berechnung der instantanen chemischen Reaktion verwendet. Dabei
beschreibt ein Skalar die Verteilung der beiden Edukte (HCl und NaOH), der andere
Skalar die Verteilung des Fluoreszenzfarbstoffes Fluoreszein. Die sich ergebenen Si-
gnalst¨
arken des Fluoreszenztracers wurde mit Hilfe der Gleichung 3.33 bestimmt.
In Abbildung 5.5 (unten) ist f¨
ur eine Reynolds-Zahl von 250 f¨
ur die oben beschriebene
Geometrie auf einem Querschnitt 250 µm in den Mischkanal hinein die experimentell
Abbildung 5.5: Experimenteller (unten) und durch Simulation (oben) ermittelte Fluores-
zenzerscheinung auf einem Querschnitt 250 µm in den Mischkanal hinein.
erhaltene Fluoreszenzintensit¨
at dargestellt (Hoffmann et al., 2006). Dazu zeigt die
Abbildung 5.5 (oben) das Ergebnis der dazugeh¨
origen Simulation. Man erkennt, dass
die durch die chemische Reaktion erzeugten filigranen Lamellen qualitativ durch die
Simulation sehr gut wiedergegeben werden.
113
6 Zusammenfassung und Ausblick
In der vorliegenden Arbeit wird das Mischverhalten in einem T-f¨
ormigen Mikromi-
scher mit rechteckigem Kanalquerschnitt untersucht. Dazu werden numerische Unter-
suchungen durchgef¨
uhrt, bei denen die Navier-Stokes´schen Gleichungen, zusammen
mit gegebenenfalls Speziesgleichung und/oder der Transportgleichung eines passiven
Skalars gel¨
ost werden. Zur Charakterisierung der Vermischung wird zum einen die
Intensit¨
at des Mischens, ein von der Danckwerts´schen Definition der Intensit¨
at der
Segregation abgeleitetes Maß und zum anderen das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen,
ein Maß f¨
ur die Triebkraft f¨
ur den diffusiven Ausgleich eines Systems, verwendet.
Dar¨
uber hinaus wird zur Bestimmung der Effizienz der in das System eingetragenen
Energie der Anteil der dissipierten Energie in Querrichtung mittels Analyse des De-
formationsratentensors untersucht.
Ein Schwerpunkt bildet hier die Vermischung in Abh¨
angigkeit der mittleren Str¨
o-
mungsgeschwindigkeit. In den drei station¨
aren Str¨
omungsbereichen, die unterhalb
einer Reynolds-Zahl von 240 auftreten, k¨
onnen unterschiedliche Vermischungsprozes-
se beobachtet werden. Der streng laminare Bereich ist f¨
ur effektives Mischen nur
f¨
ur Gase, die hohe Diffusionsgeschwindigkeiten aufweisen, sinnvoll. Auch der zwei-
te Bereich, der Vortex-Bereich, zeichnet sich, da die Symmetrieebene bez¨
uglich der
beiden Einlasskan¨
ale erhalten bleibt, bei realistischen Schmidt-Zahlen durch gerin-
ge Vermischungen aus. Erst mit dem Erreichen des Engulfment-Bereiches werden
die erzielbaren Mischg¨
uten signifikant gesteigert. Durch die in Querschnittsrichtung
eingetragene Energie wird im Engulfment-Bereich die spezifische Kontaktfl¨
ache zwi-
schen Bereichen hoher und niedriger Konzentration innerhalb der Mischzone stark
vergr¨
oßert, was zu einem st¨
arkerem Diffusionsstrom und somit erh¨
ohten Mischg¨
uten
f¨
uhrt. Dabei sind die erzielbaren Vermischungen umso gr¨
oßer, desto h¨
oher die mitt-
lere Str¨
omungsgeschwindigkeit ist. Die spezifische Kontaktfl¨
ache, die Intensit¨
at des
Mischens und der Anteil der in Querrichtung eingetragenen Energie werden auf einem
115
6 Zusammenfassung und Ausblick
festen Querschnitt 300 µm in den Mischkanal hinein sowie ¨
uber die Gesamtl¨
ange des
Mischkanals ermittelt. Aus den durch das Ineinandergreifen der Wirbelpaare in die-
sem station¨
aren Str¨
omungsbereich erzeugten L¨
angenskalen wird eine Korrelation f¨
ur
eine integrale L¨
angenskala der Konzentration in Abh¨
angigkeit der Schmidt-Zahl er-
mittelt. Zus¨
atzlich werden bei verschiedenen Schmidt-Zahlen feinste Lamellendicken
untersucht und ein Zusammenhang gefunden, der analog zur Batchlor Skala ist.
Neben der Simulation von asymmetrischen Volumenstromverh¨
altnissen werden insta-
tion¨
are Rechnungen durchgef¨
uhrt, bei denen durch phasenverschobene Modulation
der Einlassvolumenstr¨
ome zus¨
atzlich Energie in das System eingetragen wird. Es
zeigt sich, dass die erzielbaren Mischg¨
utesteigerungen den erh¨
ohten Energieeintrag
nicht rechtfertigen. Auch die asymmetrischen Volumenstromverh¨
altnisse f¨
uhren nur
f¨
ur kleine Str¨
omungsgeschwindigkeiten zu Verbesserungen der Mischg¨
ute. Allerdings
besitzen die H¨
alften des Mischkanals keine st¨
ochiometrisch abgestimmten Stoffmen-
gen, wie es bei einem Volumenstromverh¨
altnis von 1:1 der Fall ist.
Des Weiteren werden zur Ermittlung von Verweilzeitspektren, Sprungmarkierungen
durchgef¨
uhrt. Dabei zeigt sich, dass es durch die in den Vortex- und Engulfment-
Bereich vorherrschenden Sekund¨
arstr¨
omungen zu einer engeren Verweilzeitverteilung
kommt. Dies kann Vorteile bei den Selektivit¨
aten bei durchzuf¨
uhrenden Reaktionen
bringen. Modulationen der Einlassvolumenstr¨
ome zeigen hier keinen prinzipiellen Vor-
teil.
Da selbst im Engulfment-Bereich die erzielten Vermischungen f¨
ur technische Anwen-
dungen nicht interessant sind, werden die Prinzipien, die zu einer st¨
arkeren Vermi-
schung f¨
uhren, zur Optimierung der Geometrie verwendet. Dazu werden Zickzack-
Kan¨
ale mit verschiedenen Aspektverh¨
altnissen untersucht. Dabei zeigt sich, dass bei
den einzelnen Geometrien die zu Anfang vorherrschende Orientierung der Kontakt-
fl¨
ache sehr starken Einfluss auf die erzielbaren Vermischungen hat. Daher werden zwei
Einlassgeometrien untersucht, die sich in der Anordnung der Einlasskan¨
ale unterschei-
den. Dabei zeigt sich, dass bei einem Versatz der beiden Einlasskan¨
ale gegeneinander
eine Drallstr¨
omung erzwungen wird, die eine spiralf¨
ormige Orientierung der Kontakt-
fl¨
ache zur Folge hat. Dadurch kann nachfolgend die Verwendung eines Zickzack-Kanal
innerhalb k¨
urzester Zeit bzw. auf k¨
urzester Strecke zu einer vollst¨
andigen Vermi-
schung f¨
uhren.
Weiterhin werden erste Simulationen durchgef¨
uhrt, die das reaktive Mischen bei ei-
116
ner Neutralisationsreaktion einer starken S¨
aure mit einer starken Base berechnen.
Die durch die klassische Modellierung des Quellterms auftretenden Probleme werden
durch eine Vereinfachung f¨
ur diffusionskontrollierte irreversible Reaktionen umgan-
gen. Dabei wird zus¨
atzlich der Fluoreszenz-Farbstoff Fluoreszein als weiterer passi-
ver Skalar mit berechnet, um eine Validierung mit experimentell erhaltenen Daten
m¨
oglich zu machen.
Dar¨
uber hinaus wurden die numerisch erhaltenen Tracerverteilungen bei einer mitt-
leren Str¨
omungsgeschwindigkeit von 1,4 m/s auf diskreten Querschnitten mit experi-
mentell ermittelten Verteilungen validiert. Dabei zeigten sich sehr gute ¨
Ubereinstim-
mungen von numerischen und experimentellen Daten.
Da aufgrund der heutigen Leistungsf¨
ahigkeit von Rechnern die numerische Simu-
lation von Vermischungen bei realistischen Schmidt-Zahlen nur bis zu einer L¨
ange
von ca. 2 mm f¨
ur den Mischkanal eines T-Mikromischers m¨
oglich ist, ein realistischer
Mischkanal aber eine L¨
ange von ca. 20 mm besitzt, ist zus¨
atzlich noch die Beschrei-
bung auf dieser L¨
ange erforderlich. Es ist daher notwendig Modelle zu entwickeln und
zu implementieren, die eine Simulation dieses Gebiets, des sogenannten Reaktions-
gebietes unter Ber¨
ucksichtigung der erforderlichen Aufl¨
osung und Randbedingungen
erm¨
oglichen. Solche Modelle sind insbesondere auch f¨
ur kommerzielle Str¨
omungssi-
mulationen in Mikrokan¨
alen notwendig.
¨
Ahnliche ¨
Uberlegungen gelten f¨
ur die weiterf¨
uhrende Optimierungen der Zickzack-
Geometrie, weil auch hier bei realistischen Schmidt-Zahlen sehr viele Zellen zur Auf-
l¨
osung feinster Skalen notwendig sind. Um daher mehrere Zickzack-Elemente berech-
nen zu k¨
onnen, muss hier eine geeignete Methode gefunden werden, um sowohl die
konvektiven als auch die diffusiven Transportprozesse beim Durchlauf mehrerer Mi-
schelemente ad¨
aquat zu beschreiben.
Ein dritter Schwerpunkt weiterf¨
uhrender Arbeiten kann die Simulation von endlich
schnellen Reaktionen sein, wobei auch Folge- und Konkurenzreaktionen zu ber¨
uck-
sichtigen sein werden, da insbesondere diese Reaktionen geeignet erscheinen, aufgrund
der auftretenden unterschiedlichen Selektivit¨
aten Aufschluss auf unterschiedliche Ver-
mischungsprozesse zu geben.
117
7 Symbolverzeichnis
Lateinische Zeichen
a,b [-] dimensionslose Konstante
A [m2] Fl¨
ache
c [-] dimensionslose Konzentration
¯c[-] Mittelwert der Konzentration
ˆcP[J/kg K] massenspezifische W¨
armekapazit¨
at
d [m] L¨
angenskala
D [m2/s] Diffusionskoeffizient
D[-] dimensionsloser Deformationsratentensor
dH[m] hydraulischer Durchmesser
E(t) [s−1] relative H¨
aufigkeit
f [N] ¨
außere Kr¨
afte
f [s−1] Frequenz
f[-] normierte Konzentration
F[N] Kraft
F(t) [s−1] H¨
aufigkeitssummenfunktion
∆HR[J/(mol K)] Reaktionsenthalpie
I[-] Intensit¨
at
IM[-] Intensit¨
at des Mischens
IS[-] Intensit¨
at der Segregation
I[-] Identit¨
at
J [kg/(m2s)] Fluss
k [s−1] Geschwindigkeitskonstante 1. Ordnung
L [m] L¨
ange
n[-] dimensionsloser Normalenvektor
119
7 Symbolverzeichnis
p [-] dimensionsloser Druck
Q [-] dimensionsloser W¨
armefluss
R [mol/s] Reaktionsrate
S [mol/s] Quellterm
Sd, Sc, Su[m] Zellbreiten
S[-] dimensionsloser Spannungstensor
t [s] Zeit
T [K] Temperatur
u, v, w [m/s] Geschwindigkeitskomponenten
U [m/s] Mittlere Geschwindigkeit
u[-] dimensionsloser Geschwindigkeitsvektor
V [m3] Volumen
∂V [m2] Rand von V
x, y, z [m] Ortskomponente
x[m] Ortsvektor
Y [-] Massenbruch
Griechische Symbole
α[-] Unterrelaxationsfaktor
α[m2/s] W¨
armeleitf¨
ahigkeit
ε[W/kg] Energiedissipation
η[Pa s] dynamische Viskosit¨
at
ϑ[-] dimensionslose Temperatur
Θ [-] Faktor
λ[-] Faktor
λ[m] L¨
angenskala
ν[m2/s] kinematische Viskosit¨
at
%[kg/m3] Dichte
σ2[mol2/L2] Varianz
τ[-] dimensionslose Zeit
φ[-] Skalar
φW, φP, φE[m] Zellwerte bei W, P, E
120
Φ [m−1] Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
Tiefgestellte Indices
0 Referenz
B Batchlor
D Diffusion
f Fl¨
ache
ges gesamt
Geschw Geschwindigkeit
hom homogen
H Hydraulisch
i Laufzahl
j Laufzahl
k Laufzahl
max Maximalwert
K konvektiv
K Kolmogorov
Konz Konzentration
n normal
np Nachbarzelle
p Zelle
q Querrichtung
R Reaktion
W Wand
Hochgestellte Indices
∗modifiziert
0skaliert
iZeitpunkt i
Ttransponiert
121
7 Symbolverzeichnis
Notation
|.|Inhalt
k.kEuclidnorm
Dimensionslose Kennzahlen
DaIDammk¨
ohler(I) Zeitskala der Konvektion bezogen auf die Zeitskala
der Reaktion
DaII Dammk¨
ohler(II) Zeitskala der Diffusion bezogen auf die Zeitskala
der Reaktion
DaIII Dammk¨
ohler(III) maximale Rate der W¨
armeproduktion durch Re-
aktion bezogen auf die durch Konvektion antrans-
portierter W¨
armemenge
Ec Eckert Kinetischer zur thermischen Energie
Nu Nusselt W¨
arme¨
ubergang bezogen auf W¨
armeleitung
Pr Prandtl durch innere Reibung erzeugte W¨
arme bezogen auf
die konvektiv antransportierte W¨
armemenge
Re Reynolds Massenkraft bezogen auf Oberfl¨
achenkraft
Sc Schmidt Impulstransport zu Diffusionstransport
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A Anhang
A.1 Herleitung: Kanalstr¨
omung
Navier-Stokes’sche Gleichungen:
∂~u
∂t +~u ·∇~u =−1
%·∇p+ν∆~u (A.1)
∇·~u = 0 (A.2)
Geometrie:
G=A×R={(x, y, z) : (x, y)∈A, z ∈R}
Hauptbedingungen:
~u = 0 (A.3)
auf ∂G
Ansatz:
axiale Geschwindigkeit und zeitunabh¨
angig
~u(~x, t) = (0,0, w(x, y, z)) (A.4)
Einsetzten der Gleichung ( A.4) in die Navier-Stokes’schen Gleichungen:
0 = −1
%·∂p
∂x
0 = −1
%·∂p
∂y
=⇒p=p(z, t) (A.5)
i
A Anhang
w·∂w
∂z =−1
%·∂p
∂z +ν·∆w= 0 (A.6)
Da ∂w
∂z = 0 (Nebenbedingung (Gleichung A.2))
=⇒w=w(x, y)
=⇒µ∂2w
∂x2+∂2w
∂y2¶=1
η·∂p
∂z (A.7)
Getrennte Variablen:
1
η·∂p
∂z =const
| {z }
=µ∂2w
∂x2+∂2w
∂y2¶(A.8)
p(z) = p0+pL−p0
L·z(A.9)
Sei ∆p.
=p0−pL>0 =⇒∂p
∂z =−∆p
L
=⇒Es bleibt noch zu l¨
osen:
∆w=−∆p
η·L∀(x, y)∈A
w= 0 ∀(x, y)∈∂A
Ersatzproblem:
Es reicht aus:
∆w= 1 ∀(x, y)∈A
w= 0 ∀(x, y)∈∂A
=⇒Finde die Eigenfunktionen und Eigenwerte von ∆D, d.h. l¨
ose die Gleichungen:
∆u=λ·u(A.10)
u= 0 (A.11)
ii
A.1 Herleitung: Kanalstr¨
omung
Ansatz: “Separation der Variablen“
Sei u(x, y) = v(x)·w(y)
Eingesetzt in Gleichung A.10:
=⇒v00(x)·w(y) + w00(y)·v(x) = λ·v(x)·w(y) (A.12)
v00(x)
v(x)+w00(y)
w(y)=λ(A.13)
v00(x)
v(x)=λ−w00(y)
w(y)=const =µ(A.14)
Zwei Teilprobleme:
•v00(x)−µ·v(x) = 0 (A.15)
f¨ur 0< x < d1
mit v(0) = v(d1) = 0 (A.16)
•w00(y)−(λ−µ)·w(y) = 0 (A.17)
f¨ur 0< y < d2
mit w(0) = v(d2) = 0 (A.18)
1. Teilproblem:
•µ= 0 =⇒v00(x) = 0
iii
A Anhang
=⇒v(x) = a+b·x
mit Randbedingungen: =⇒v≡0
=⇒keine Eigenfunktion
•µ > 0 =⇒v00(x) = µ·v(x)
=⇒v(x) = a·eωx +b·e−ωx, mit ω2=µ
mit Randbedingungen: =⇒v≡0
=⇒keine Eigenfunktion
•µ < 0 =⇒v00(x) = µ·v(x)
=⇒v(x) = a·sin ωx +b·cos ωx,
mit µ=−ω2,ω > 0
1. Randbedingung: v(0) = 0
v(0) = a·sin ω·0 + b·cos ω·0=0
0 + b·1=0
b= 0
=⇒v(x) = a·sin ω·x
2. Randbedingung: v(d1) = 0
iv
A.1 Herleitung: Kanalstr¨
omung
v(d1) = a·sin ω·d1= 0
sin ω·d1= 0
ω·d1=m·π(∀m∈N)
ω=m·π
d1
=⇒vm(x) = am·sin (m·π
d1·x)
Da −ω2=µ=⇒µm=−m2·π2
d2
1
2. Teilproblem:
w00(y)−(λ−µ)·w(y) = 0
mit w(0) = v(d2) = 0
Sei λ−µ=κ=⇒
w00(y)−κ·w(y) = 0
Analog: wn(y) = bn·sin(n·π
d2·y), ∀n∈N
κn=−n2·π2
d2
2
=λm,n −µm
−n2·π2
d2
2
=λm,n −µ−m2·π2
d2
1¶
λm,n =−m2·π2
d2
1−n2·π2
d2
2
(A.19)
Eigenwerte ∀n, m ∈N
v
A Anhang
Eigenfunktion:
um,n(x, y) = Cm,n ·sin µm·π
d1·x¶·sin µn·π
d2·y¶(A.20)
Finde Cm,n, so dass u(x, y) = X
m,n
um,n(x, y) und ∆u= 1 erf¨
ullt ist.
=⇒∆u=X
m,n
Cm,n ·∆um,n =X
m,n
Cm,n ·λm,num,n
∆u=
∞
X
m,n
Cm,n ·λm,n ·sin µm·π
d1·x¶·sin µn·π
d2·y¶= 1 (A.21)
Idee:
Multiplizieren mit sin µk·π
d1·x¶
Multiplizieren mit sin µl·π
d2·y¶,∀k, l ∈N
Integrieren ¨
uber Zd1
0Zd2
0
dx ·dy
∞
X
m,n
Cm,n ·λm,n ·Zd1
0µsin µm·π
d1·x¶·sin µk·π
d1·x¶¶dx
·Zd2
0µsin µn·π
d2·y¶·sin µl·π
d2·y¶¶dy
=Zd1
0Zd2
0
sin µk·π
d1·x¶·sin µl·π
d2·y¶dxdy (A.22)
F¨
ur den Fall, dass k,l ungerade Zahlen sind, vereinfacht sich die rechte Seite der Glei-
chung zu 2d1
k·π·2d2
l·π.
vi
A.1 Herleitung: Kanalstr¨
omung
Die linke Seite der Gleichung wird zerlegt und eine Fallunterscheidung durchgef¨
uhrt:
Zd1
0
sin µm·π
d1·x¶·sin µk·π
d1·x¶dx =
0, k 6=m
d1
2, k =m
(A.23)
Zd2
0
sin µn·π
d2·y¶·sin µl·π
d2·y¶dy =
0, l 6=n
d2
2, l =n
(A.24)
=⇒
Ck,l ·λk,l ·d1
2·d2
2=2d1
k·π·2d2
l·π
Ck,l ·µ−k2·π2
d2
1−l2·π2
d2
2¶·d1
2·d2
2=2d1
k·π·2d2
l·π
Ck,l =−16 ·d2
1·d2
2
π4·k·l·(k2·d2
2+l2·d2
1)
L¨
osung einsetzen in die Eigenfunktion.
u(x, y) =
∞
X
k,l −16 ·d2
1·d2
2
π4·k·l·(k2·d2
2+l2·d2
1)·sin µk·π
d1·x¶·sin µl·π
d2·y¶
(A.25)
w(x, y) = ∆p
η·L
∞
X
k,l
16 ·d2
1·d2
2
π4·k·l·(k2·d2
2+l2·d2
1)·sin µk·π
d1·x¶·sin µl·π
d2·y¶
(A.26)
∀k, l ∈U
vii
A Anhang
Setzt man nun f¨
ur die Druckdifferenz die Gleichung f¨
ur den Druckverlust in glatten
Rohren mit laminarer Str¨
omung ein (∆plam
w=32·u·η·L
d2), so erh¨
alt man n¨
aherungsweise
das Geschwindigkeitsprofil in Abh¨
angigkeit der mittleren Eingangsgeschwindigkeit:
w(x, y) = 128 ·u
π4
∞
X
k,l
(d1+d2)2
k·l·(k2·d2
2+l2·d2
1)·sin µk·π
d1·x¶·sin µl·π
d2·y¶
(A.27)
∀k, l ∈U
Die mit diesem Geschwindigkeitsprofil ermittelten Werte sind mit einem Fehler be-
haftet. Um diesen Wert wird im Folgenden daher der Vorfaktor erniedrigt:
w(x, y) = 119.003 ·u
π4
∞
X
k,l
(d1+d2)2
k·l·(k2·d2
2+l2·d2
1)·sin µk·π
d1·x¶·sin µl·π
d2·y¶
(A.28)
∀k, l ∈U
viii
A.2 Quellcode udf.c
A.2 Quellcode udf.c
/*-----------------------------------------------------------------------------------------*/
/* */
/*AusgabeSPP1141*/
/*22.08.2005*/
/*-----------------------------------------------------------------------------------------*/
#include"udf.h"
#include"para.h"
#include"prf.h"
#if!RP_NODE
#ifndefPRF_GISUM
#definePRF_GISUM(a,b,c)
#endif
#ifndefPRF_GRSUM
#definePRF_GRSUM(a,b,c)
#endif
#ifndefPRF_GRHIGH
#definePRF_GRHIGH(a,b,c)
#endif
#endif
voidFINDSCHICHT(intnmax);
voidSCHICHTNEU(intnmax);
voidDRUCKVERLAUF(intnmax);
voidZEITSCHRITTW();
voidVOLUMENFUNKTIONEN(intnmax);
intSCHRITTW();
doubleZEITDELTA();
realBERECHUQUER();
/*------------------------------------------------------------------------------------------*/
doublebreiteMischk=200e-6;
doublehoeheMischk=100e-6;
doublelaengeMischk=1600e-6;
doubleschichtIntervall=10e-6;
doublealletauraus=0.1;
doubleminKante=2.5e-6;/*späterberechnenlassen*/
doubleuquer=1.4;
doubleviskos=1.00361e-6;
intIDOUT=5;
inttracer=1;
intstroemung=1;
realDickeSchicht[161];
/*------------------------------------------------------------------------------------------*/
DEFINE_ON_DEMAND(vor)
{
intnmax=(int)(laengeMischk/(schichtIntervall)+0.5);
FINDSCHICHT(nmax);
#if(!PARALLEL||RP_HOST)
ix
A Anhang
ZEITSCHRITTW();
#endif
/*VOLUMENFUNKTIONEN(nmax);*/
}
/*------------------------------------------------------------------------------------------*/
DEFINE_DELTAT(waehrend,domain)
{
realzeit=ZEITDELTA();
intzeitschritt=RP_Get_Integer("time-step");
intnmax=(int)(laengeMischk/(schichtIntervall)+0.5);
intschritt=SCHRITTW();
if(((zeitschritt%schritt)==0)&&(zeitschritt!=0))
{
SCHICHTNEU(nmax);
VOLUMENFUNKTIONEN(nmax);
}
returnzeit;
}
/*------------------------------------------------------------------------------------------*/
DEFINE_ON_DEMAND(nach)
{
intnmax=(int)(laengeMischk/(schichtIntervall)+0.5);
SCHICHTNEU(nmax);
/* DRUCKVERLAUF(nmax);*/
VOLUMENFUNKTIONEN(nmax);
}
/*------------------------------------------------------------------------------------------*/
DEFINE_PROFILE(invel,thread,index)
{
#if!HOST
constdoublepi=3.14159265359;
doublewert=0;
doublevorf=0;
doublex[ND_ND];
face_tf;
intk=0;
intl=0;
intkmax=5;
intlmax=5;
doubled1=0.0001;
doubled2=0.0001;begin_f_loop(f,thread);
{
F_CENTROID(x,f,thread);
for(k=0;k<=kmax;k++)
{
for(l=0;l<=lmax;l++)
{
wert+=sin((2*k+1)*pi*x[0]/d1)*sin((2*l+1)*pi*x[1]/d2)
/((2*k+1)*(2*l+1)*((2*k+1)*(2*k+1)*d2*d2+(2*l+1)*(2*l+1)*d1*d1));
}
}vorf=113.549*uquer*(d1+d2)*(d1+d2)/(pow(pi,4));F_PROFILE(f,thread,
index)=vorf*wert;
wert=0;
}
x
A.2 Quellcode udf.c
end_f_loop(f,thread);
#endif
}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
DEFINE_DIFFUSIVITY(Diffusionskoeff,c,t,i)
{
#if!HOST
realdiffkoeff=0;
if(C_YI(c,t,0)>=0.5)
{
diffkoeff=3.336e-09;
}
else {
diffkoeff=2.128e-09;
}
returndiffkoeff;
#endif
}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
voidFINDSCHICHT(intnmax)
{
int*Counter;/*PARALLELUNDSeriellundHOST*/
intanzahl=0;
int*tmpArray;
real*tmp2Array;
#if!HOST/*ParallelundSerial*/ Domain*domain=Get_Domain(1);
Thread*t=Lookup_Thread(domain,2);
cell_tc;
Node*node;
real(*x_Array)[ND_ND];
intn_cells=0;
intn_cell_min=10e6;
intn=0;
intnummer=0;
realabstand=10e6;
realknotenkoord[8];
realdiff[8];
#endif/*!HOST*/
#if!HOST
n_cells=THREAD_N_ELEMENTS_INT(t);/*AnzahlZellenaufdiesemKnoten*/
anzahl=nmax+1;/*AnzahlSchichtenaufdiesemKnoten*/
/*dieNullwirdnicht
mitbenutzt*/
x_Array=(real(*)[ND_ND])malloc(ND_ND*n_cells*sizeof(real));
/*ArrayfürdieKoordinaten*/
xi
A Anhang
Counter=(int*)malloc(anzahl*sizeof(int));
/*ArrayfürdieAnzahlZellenproSchicht*/
tmpArray=(int*)malloc(anzahl*sizeof(int));
tmp2Array=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
for(n=0;n<anzahl;n++){Counter[n]=0;tmpArray[n]=0;DickeSchicht[n]=0;tmp2Array[n]=0;}
for(n=0;n<8;n++){diff[n]=0;knotenkoord[n]=0;}
#endif/*!HOST*/
#if!HOST
begin_c_loop_int(c,t)
{
if(c<n_cell_min){n_cell_min=c;}
abstand=10e6;
C_CENTROID(x_Array[c],c,t);
if((x_Array[c][2]<=(0.5*breiteMischk))
&&(x_Array[c][2]>=-(0.5*breiteMischk)))
{
c_node_loop(c,t,nummer)
{
node=C_NODE(c,t,nummer);
knotenkoord[nummer-1]=NODE_X(node);
}
for(n=0;n<8;n++)
{
diff[n]=fabs(knotenkoord[0]-knotenkoord[n]);
}
for(n=0;n<8;n++)
{
if(diff[n]!=0) { if(diff[n]<abstand){
abstand=diff[n];
}
}
}
C_UDMI(c,t,0)=0;/*Schichteinteilungwirddortabgelegt*/
for(n=1;n<=nmax;n++)
{
if((x_Array[c][1]>(schichtIntervall*n-abstand))
&&(x_Array[c][1]<(schichtIntervall*n+abstand)))
{/*Abfrage,obZelleaufeinerSchichtliegt*/
C_UDMI(c,t,0)=n;/*SchichtenwerdenfürAuswertungen
vorgehalten*/
Counter[n]+=1;
DickeSchicht[n]=abstand;
}
}
}
}end_c_loop_int(c,t)
free(x_Array);
xii
A.2 Quellcode udf.c
#endif/*!HOST*/
PRF_GISUM(Counter,anzahl,tmpArray);
node_to_host_int(Counter,anzahl);
PRF_GRHIGH(DickeSchicht,anzahl,tmp2Array);
node_to_host_real(DickeSchicht,anzahl);
#if!RP_NODE
Message("Schichteinteilungwiefolgt:\n");
Message("Schicht\tAnzahlZellen\tDickederSchicht\n");
for(n=1;n<(nmax+1);n++)
{
Message("%d\t%d\t%g\n",n,Counter[n],DickeSchicht[n]);
}
#endif
free(Counter);
free(tmpArray);
free(tmp2Array);
}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
voidSCHICHTNEU(intnmax)
{
int*Counter;/*PARALLELUNDSeriellundHOST*/
intanzahl=0;
int*tmpArray;
#if!HOST/*ParallelundSerial*/ Domain*domain=Get_Domain(1);
Thread*t=Lookup_Thread(domain,2);
cell_tc;
real(*x_Array)[ND_ND];
intn_cells=0;
intn_cell_min=10e6;
intn=0;
#endif/*!HOST*/
#if!HOST
n_cells=THREAD_N_ELEMENTS_INT(t);/*AnzahlZellenaufdiesemKnoten*/
anzahl=nmax+1;/*AnzahlSchichtenaufdiesemKnoten*/
/*dieNullwirdnicht
mitbenutzt*/
x_Array=(real(*)[ND_ND])malloc(ND_ND*n_cells*sizeof(real));
/*ArrayfürdieKoordinaten*/
Counter=(int*)malloc(anzahl*sizeof(int));
/*ArrayfürdieAnzahlZellenproSchicht*/
tmpArray=(int*)malloc(anzahl*sizeof(int));
xiii
A Anhang
for(n=0;n<anzahl;n++){Counter[n]=0;tmpArray[n]=0;}
#endif/*!HOST*/
#if!HOST
begin_c_loop_int(c,t)
{
C_CENTROID(x_Array[c],c,t);
if((x_Array[c][2]<=(0.5*breiteMischk))
&&(x_Array[c][2]>=-(0.5*breiteMischk)))
{
C_UDMI(c,t,0)=0;/*Schichteinteilungwirddortabgelegt*/
for(n=1;n<=nmax;n++)
{
if((x_Array[c][1]>(schichtIntervall*n-DickeSchicht[n]))
&&(x_Array[c][1]<(schichtIntervall*n+DickeSchicht[n])))
{/*Abfrage,obZelleaufeinerSchichtliegt*/
C_UDMI(c,t,0)=n;/*SchichtenwerdenfürAuswertungen
vorgehalten*/
Counter[n]+=1;
}
}
}
}end_c_loop_int(c,t)
free(x_Array);
#endif/*!HOST*/
PRF_GISUM(Counter,anzahl,tmpArray);
node_to_host_int(Counter,anzahl);
#if!RP_NODE
Message("Schichteinteilungwiefolgt:\n");
Message("Schicht\tAnzahlZellen\tDickederSchicht\n");
for(n=1;n<(nmax+1);n++)
{
Message("%d\t%d\t%g\n",n,Counter[n],DickeSchicht[n]);
}
#endif
free(Counter);
free(tmpArray);
}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
voidDRUCKVERLAUF(intnmax)
{
xiv
A.2 Quellcode udf.c
real*Druck;
real*Volumen;
real*tmpArray;
intn=0;
intanzahl=nmax+1;
#if!HOST
Domain*domain=Get_Domain(1);
Thread*t=Lookup_Thread(domain,2);
cell_tc;
intschicht=0;
intn_cells=0;
/* real(*x_Array)[ND_ND];*/
#endif/*!HOST*/
#if!RP_NODE
FILE*fp=NULL;
chardatei[]="Druck_Misch.txt";
realausgabe=0;
#endif
Druck=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Volumen=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
tmpArray=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
for(n=0;n<anzahl;n++){Druck[n]=0;Volumen[n]=0;tmpArray[n]=0;}
#if!HOST
n_cells=THREAD_N_ELEMENTS_INT(t);
begin_c_loop_int(c,t)
{
/* C_CENTROID(x_Array[c],c,t);*/
if(C_UDMI(c,t,0)>0)
{
schicht=(int)(C_UDMI(c,t,0)+0.5);
Druck[schicht]+=C_P(c,t)*C_VOLUME(c,t);
Volumen[schicht]+=C_VOLUME(c,t);
}
}end_c_loop_int(c,t)
/* free(x_Array);*/
#endif/*!HOST*/
PRF_GRSUM(Druck,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Druck,anzahl);
PRF_GRSUM(Volumen,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Volumen,anzahl);
#if!RP_NODE
fp=fopen(datei,"a");
fprintf(fp,"Schicht\tDruck[Pa]\n");
xv
A Anhang
for(n=1;n<(nmax+1);n++)
{
if(Volumen[n]==0){ausgabe=0;}else{ausgabe=Druck[n]/Volumen[n];}
Message("%d\t%g\n",n,ausgabe);
fprintf(fp,"%d\t%g\n",n,ausgabe);
}
fclose(fp);
#endif
free(Druck);
free(Volumen);
#if!RP_NODE
Message("Druckdatenin%sgeschrieben\n",datei);
#endif}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
voidZEITSCHRITTW()
{
realdeltat=0;
intzeitraus=0;
deltat=(0.75*minKante)/(2*uquer);
deltat=(int)(deltat*1e9);
deltat/=1e9;
zeitraus=(int)((1900e-6/(1/alletauraus*uquer*deltat))+0.5);
Message("\nZeitschrittweite:%g[s]",deltat);
Message("\nAlle%dZeitschrittewerdenDatenherausgeschrieben.\n\n",zeitraus);
}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
intSCHRITTW()
{
realdeltat=0;
intzeitraus=0;
deltat=(0.75*minKante)/(2*uquer);
deltat=(int)(deltat*1e9);
deltat/=1e9;
zeitraus=(int)((1900e-6/(1/alletauraus*uquer*deltat))+0.5);
returnzeitraus;
}/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
realZEITDELTA()
{
realdeltat=0;
deltat=(0.75*minKante)/(2*uquer);
deltat=(int)(deltat*1e9);
xvi
A.2 Quellcode udf.c
deltat/=1e9;
returndeltat;
}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
voidVOLUMENFUNKTIONEN(intnmax)
{
real*Konzquer;
real*Maxc;
real*Sigma;
real*Gradc;
real*Dissip;
real*Mischtensor;
real*Volumen;
real*Druck;
real*tmpArray;
realgeschw=0;
intanzahl=nmax+1;
intn;
#if!HOST
Domain*domain=Get_Domain(1);
Thread*t=Lookup_Thread(domain,2);
cell_tc;
intschicht;
#endif/*!HOST*/
#if!RP_NODE
FILE*fp=NULL;
chardatei[]="Volumenfunktionen.txt";
realzeit=1900e-6/uquer;
realzeitjetzt=RP_Get_Real("flow-time");
realtau=0;
realreynolds=0;
#endif/*!RP_NODE*/
tmpArray=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Konzquer=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Maxc=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Druck=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Volumen=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
for(n=0;n<anzahl;n++){Konzquer[n]=0;Maxc[n]=0;tmpArray[n]=0;Volumen[n]=0;Druck[n]=0;}
for(n=0;n<anzahl;n++){Volumen[n]=0;}
#if!HOST
begin_c_loop_int(c,t)
{
if(C_UDMI(c,t,0)>0)
{
xvii
A Anhang
schicht=(int)C_UDMI(c,t,0);
Druck[schicht]+=C_P(c,t)*C_VOLUME(c,t);
Volumen[schicht]+=C_VOLUME(c,t);
if(tracer==1)
{
Konzquer[schicht]+=C_YI(c,t,0)*C_VOLUME(c,t);
Maxc[schicht]=(Maxc[schicht]<C_YI(c,t,0))?C_YI(c,t,0):Maxc[schicht];
}
}
}end_c_loop_int(c,t)
#endif/*!HOST*/
PRF_GRSUM(Volumen,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Volumen,anzahl);
PRF_GRSUM(Druck,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Druck,anzahl);
if(tracer==1)
{ PRF_GRSUM(Konzquer,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Konzquer,anzahl);
PRF_GRHIGH(Maxc,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Maxc,anzahl);
for(n=1;n<anzahl;n++)
{
Konzquer[n]/=Volumen[n];
}
}
for(n=1;n<anzahl;n++)
{
Druck[n]/=Volumen[n];
}
Dissip=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Mischtensor=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Gradc=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
Sigma=(real*)malloc(anzahl*sizeof(real));
for(n=0;n<anzahl;n++){Sigma[n]=0;Gradc[n]=0;Dissip[n]=0;Mischtensor[n]=0;}
#if!HOST
begin_c_loop_int(c,t)
{
if(C_UDMI(c,t,0)>0)
{
schicht=(int)C_UDMI(c,t,0);
if(tracer==1)
{
Sigma[schicht]+=SQR(C_YI(c,t,0)-Konzquer[schicht])*C_VOLUME(c,t);
Gradc[schicht]+=NV_MAG(C_YI_G(c,t,0))*C_VOLUME(c,t);
xviii
A.2 Quellcode udf.c
}
if(stroemung==1)
{
Dissip[schicht]+=(SQR(C_U_G(c,t)[0])+SQR(C_V_G(c,t)[1])+
SQR(C_W_G(c,t)[2])
+0.5*SQR(C_U_G(c,t)[1]+C_V_G(c,t)[0])
+0.5*SQR(C_U_G(c,t)[2]+C_W_G(c,t)[0])
+0.5*SQR(C_V_G(c,t)[2]+C_W_G(c,t)[1])
)*C_VOLUME(c,t);
Mischtensor[schicht]+=(SQR(C_U_G(c,t)[0])+SQR(C_W_G(c,t)[2])+0.5*
SQR(C_U_G(c,t)[2]+C_W_G(c,t)[0]) )*C_VOLUME(c,t);
}
}
}end_c_loop_int(c,t)
#endif/*!HOST*/
if(tracer==1)
{
PRF_GRSUM(Sigma,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Sigma,anzahl);
PRF_GRSUM(Gradc,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Gradc,anzahl);
for(n=1;n<anzahl;n++)
{
Sigma[n]/=Volumen[n];
Gradc[n]/=Volumen[n];
}
}
if(stroemung==1)
{
PRF_GRSUM(Dissip,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Dissip,anzahl);
PRF_GRSUM(Mischtensor,anzahl,tmpArray);
node_to_host_real(Mischtensor,anzahl);
for(n=1;n<anzahl;n++)
{
Dissip[n]/=Volumen[n];
Dissip[n]*=(2*viskos);
Mischtensor[n]/=Volumen[n];
Mischtensor[n]*=(2*viskos);
}
}
if(stroemung==1){geschw=BERECHUQUER();}
else{geschw=uquer;}
xix
A Anhang
#if!RP_NODE
fp=fopen(datei,"a");
#endif/*!RP_NODE*/
#if!RP_NODE
tau=zeitjetzt/zeit;
reynolds=geschw/viskos*(2*breiteMischk*hoeheMischk)/(breiteMischk+hoeheMischk);
fprintf(fp,"Zeit\tSchicht\tGeschw\tReynolds\tcquer\tcmax\tsigma2\tGradc\tMischtensor\t
Epsilonges\tAnteilEps\tDruck\n");
for(n=1;n<anzahl;n++)
{
fprintf(fp,"%5.2f\t%5.0f\t%5.3f\t%6.1f\t%5.3f\t%5.3f\t%5.3f\t%7.2f\t%g\t%g\t%g\t
%g\n",
tau,n*schichtIntervall*1e6,geschw,reynolds,Konzquer[n],Maxc[n],Sigma[n],Gradc[n],
Mischtensor[n],Dissip[n],Mischtensor[n]/Dissip[n],Druck[n]);
}
fclose(fp);
#endif
free(Konzquer);
free(Maxc);
free(Sigma);
free(Gradc);
free(Mischtensor);
free(Dissip);
free(Druck);
free(Volumen);
#if!RP_NODE
Message("Volumenfunktionenin%sgeschrieben\n",datei);
#endif}
/*--------------------------------------------------------------------------------------------------*/
realBERECHUQUER()
{
#if!HOST
Domain*domain=Get_Domain(1);
Thread*t=Lookup_Thread(domain,IDOUT);
face_tf;
realA[ND_ND];
#endif
realgeschwindigkeit=0;
realflaeche=0;
xx
A.2 Quellcode udf.c
#if!HOST
begin_f_loop(f,t)
{
if(PRINCIPAL_FACE_P(f,t))
{
F_AREA(A,f,t);
geschwindigkeit+=F_V(f,t)*NV_MAG(A);
flaeche+=NV_MAG(A);
}
}
end_f_loop(f,t)
#endif/*!HOST*/
geschwindigkeit=PRF_GRSUM1(geschwindigkeit);
flaeche=PRF_GRSUM1(flaeche);
node_to_host_real_2(geschwindigkeit,flaeche);
if(flaeche==0)
{
geschwindigkeit=0;
}
else
{
geschwindigkeit/=flaeche;
}
#if!RP_NODE
returngeschwindigkeit;
#endif
}
xxi