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[en] (orig)
Marcus Wienecke
Aufbau und Betrieb
einer Versuchsanlage zur
Untersuchung des Strömungssiedens
hochviskoser Gemische
Paderborn 2006
Aufbau und Betrieb einer
Versuchsanlage zur Untersuchung des
Strömungssiedens hochviskoser Gemische
zur Erlangung des akademischen Grades eines
DOKTORS DER INGENIEURWISSENSCHAFTEN (Dr.-Ing.)
der Fakultät für Maschinenbau
der Universität Paderborn
genehmigte
DISSERTATION
von
Marcus Wienecke
aus Bielefeld
Tag des Kolloquiums: 16.12.2005
Referent: Prof. Dr.-Ing. Roland Span
Korreferent: Prof. Dr.-Ing. Dieter Gorenflo
Vorwort
Die vorliegende Dissertation entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftli-
cher Mitarbeiter am ehemaligen Lehrstuhl für Wärme- und Kältetechnik (WKT) und
dem jetzigen Lehrstuhl für Thermodynamik und Energietechnik (ThEt) der Fakultät
für Maschinenbau der Universität Paderborn.
Begonnen habe ich meine Forschungsarbeit am Lehrstuhl von Herrn Prof. Dr.-Ing.
Dieter Gorenflo (WKT), der dieses Projekt zusammen mit der Firma Bayer ins Leben
gerufen hat und somit meine Dissertation erst ermöglichte. Dafür sowie für sein be-
ständiges Interesse am Fortgang der Untersuchungen und die bereitwillige Über-
nahme des Korreferats möchte ich ihm an dieser Stelle herzlich danken.
Mein besonderer Dank gilt dem Leiter des Lehrstuhls für Thermodynamik und Ener-
gietechnik, Herrn Prof. Dr.-Ing. Roland Span, für die Betreuung und die Förderung
meiner Dissertation. Die erfolgreiche Fortführung des Forschungsprojektes mit der
Firma Bayer Technology Services durch ihn und seine wertvollen Anregungen haben
wesentlich zum gelingen der Arbeit beigetragen.
Ebenso danke ich Herrn Dipl. Physikingenieur Elmar Baumhögger, Herrn Dipl.-Ing.
Josef Schütte und Herrn Dipl.-Ing. Thorsten Föhrer für die tatkräftige Hilfe beim Auf-
bau der Versuchsapparatur und bei der Durchführung der Experimente. Sehr herzlich
bedanke ich mich auch bei allen jetzigen und ehemaligen Mitarbeitern des Lehr-
stuhls, die direkt durch ihre Unterstützung und Anregungen oder indirekt durch das
gute Arbeitsklima zum gelingen dieser Arbeit beigetragen haben.
Für die Finanzierung meiner Arbeit durch die Firma Bayer Technology Services
GmbH und die gute Zusammenarbeit danke ich Herrn Dr.-Ing. Klemens Kohlgrüber
und Herrn Dipl.-Ing. Ulrich Liesenfelder sowie ihren Kollegen.
Meinen Eltern danke ich, dass sie den von mir eingeschlagenen Bildungsweg unter-
stützt und meine Arbeit bis zum Schluss mit großem Interesse verfolgt haben.
Danke Jamila. Dafür, dass Du so lange Geduld und Verständnis für mich hattest und
mir stets geholfen hast, wo und wann Du nur konntest.
Paderborn, im Juni 2006
Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Wärmeübertragung beim Strömungssieden hochviskoser
Fluide – Stand der Forschung 5
2.1 Wärmeübergangskorrelationen für niedrigviskose Fluide 5
2.2 Wärmeübergangskorrelationen für hochviskose Fluide 18
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden hochviskoser Fluide 29
3.1 Grundlegende Überlegungen zum Design der Versuchsstrecken 29
3.2 Auswahl eines geeigneten Versuchsstoffgemisches 31
3.3 Anforderungen an die Versuchsanlage 34
3.4 Gesamtkonzept der Versuchsanlage 36
3.5 Ringspaltversuchsstrecke 38
3.6 Anlagengestell 47
3.7 Klimakammer 49
3.8 Anlagenkomponenten und Peripherie 55
4. Messtechnik 65
4.1 Temperaturmessung 65
4.1.1 Temperaturmessung mit Thermoelementen 65
4.1.2 Einfache Fluidtemperaturmessung 68
4.1.3 Dreifache Fluidtemperaturmessung 70
4.1.4 Temperaturmessung mit Platinthermometern 80
4.1.5 Verarbeitung der Temperatur-Sensorsignale 81
4.2 Druckmessung 84
4.3 Messwerterfassung 90
4.4 Kalibrierung und Messunsicherheit 93
4.4.1 Kalibrierung und Messunsicherheit der Druckaufnehmer 93
4.4.2 Kalibrierung und Messunsicherheit der Temperatursensoren 97
4.5 Anfangs- und Restgehaltbestimmung des Lösungsmittels im Silikonöl 106
Inhaltsverzeichnis
II
5. Versuchsdurchführung 109
5.1 Versuchsvorbereitungen 109
5.1.1 Ansetzen des Versuchsstoffgemisches 109
5.1.2 Versuchsvorbereitungen vor dem Messtag 110
5.1.3 Versuchsvorbereitungen am Messtag 112
5.2 Versuchsablauf 113
5.3 Versuchsprogramm 117
6. Systematische Untersuchungen zum Einfluss von Betriebsparametern 121
6.1 Einleitung 121
6.2 Versuche mit Silikonöl M100k 126
6.2.1 Variation des Durchsatzes bei jeweils gleichem spezifischen
Energieeintrag 126
6.2.2 Variation der Pentankonzentration bei gleicher Wärmestromdichte
und gleichzeitig konstantem Durchsatz 131
6.2.3 Vergleich der Betriebsarten konst. Wärmestromdichte und konst.
Wandtemperatur bei ansonsten gleichen Versuchsbedingungen 138
6.3 Versuche mit Silikonöl M1000k 143
6.3.1 Einfluss der Betriebsart auf den Wärmeübergang bei Variation
der Silikonölviskosität und jeweils gleichem Pentangehalt 144
6.3.2 Variation des Durchsatzes bei konstanter Heizwandtemperatur
und jeweils gleicher Pentankonzentration 154
6.4 Druck- und Temperaturschwingungen 163
6.5 Ergebnisse der neuen Fluidtemperatur - Messtechnik 184
7. Zusammenfassung 192
8. Nomenklatur 196
9. Literaturverzeichnis 200
10. Anhang 206
10.1 Berechnung der Schauglas-Schraubverbindung 206
10.2 Probenaufbereitung und Behälterreinigung 209
1. Einleitung und Problemstellung
1. Einleitung und Problemstellung
Im Rahmen eines von der Firma Bayer Technology Services GmbH – vormals Tech-
nische Entwicklung der Bayer AG – initiierten Kooperationsprojektes, wird am Lehr-
stuhl für Thermodynamik und Energietechnik der Universität Paderborn das Strö-
mungssieden von hochviskosen Fluiden experimentell untersucht. Die Wärmeüber-
tragung beim Strömungssieden ist in einer Vielzahl von technischen Anwendungen
zu finden, wie z.B. der Verdampfung von Wasser in Kraftwerken, Kältemitteln in der
Klima- und Kältetechnik, Leichtsiedern in der Petrochemie oder auch von Lösungs-
mitteln und Monomeren beim Eindampfen von Polymerlösungen [1 - 4]. Die Voraus-
berechnung des Wärmeübergangs und der sich einstellenden Fluid- und Wandtem-
peraturen in der 2-Phasenströmung zur Auslegung dieser Apparate ist daher von
großer technischer Bedeutung.
Ausgehend von Fragestellungen aus der Kältetechnik und der Kernenergie wurde
das Strömungssieden in Rohren und rohrähnlichen Geometrien in einer Vielzahl von
Arbeiten grundlegend experimentell und theoretisch untersucht. Aus diesen Arbeiten
resultiert eine große Zahl von verschiedenen Korrelationen zur Berechnung des
Wärmeübergangs, siehe [2 - 9], die jedoch hauptsächlich für Stoffe und Stoffgemi-
sche im niedrigviskosen Bereich entwickelt wurden, wie zum Beispiel für Wasser,
Kältemittel oder organische Lösungsmittel.
Im Bereich der hochviskosen Fluide, wie sie z.B. in der Kunststoffproduktion bei der
Eindampfung von Polymer-Lösungsmittelgemischen, der Nahrungsmittelverarbeitung
und der Kautschukindustrie vorkommen, ist dagegen eine deutlich geringere Anzahl
experimenteller Untersuchungen zu finden, die sich weniger mit grundlegenden Zu-
sammenhängen beschäftigen, sondern vielmehr mit direkt anwendungsbezogenen
Problemen1. In Folge dessen wurden bis heute nur wenige Korrelationen zur Be-
rechnung des Wärmeübergangs beim Strömungssieden hochviskoser Fluide
veröffentlicht, die zudem jeweils nur an ein einzelnes Stoffsystem angepasst wurden.
Da die Stoffsysteme der verschiedenen Korrelationen zum Teil sehr verschieden
sind, wie z.B. Gemische aus Polymeren und Lösungsmitteln [4 & 5] oder Wasser und
Methylcellulose [6], ist die Anwendbarkeit dieser Korrelationen auf ihr jeweiliges
Stoffsystem beschränkt.
1 Da die zu lösenden Problemstellungen bei hochviskosen Medien zum Teil sehr speziell und anwen-
dungsbezogen sind, findet ein Grossteil der experimentellen Arbeiten in den betreffenden Firmen statt;
die Ergebnisse aus diesen Untersuchungen stellen in der Regel einen Technologievorsprung gegen-
über den Mitbewerbern dar, und werden daher nicht oder nur zum Teil veröffentlicht.
1
1. Einleitung und Problemstellung
Aufgrund der bis heute sehr unbefriedigenden Datenlage für hochviskose Stoffsys-
teme, lassen sich die existierenden Korrelationen nicht bzw. nur sehr eingeschränkt
auf ihre Übertragbarkeit auf andere Stoffsysteme hin untersuchen. Auch die Entwick-
lung einer neuen, allgemeingültigen Korrelation wird durch diesen Umstand er-
schwert. Für ein zuverlässiges, in einem weiten Bereich anwendbares Modell kommt
hinzu, dass neben den für die Modellierung obligatorischen Messdaten grundlegende
Kenntnisse über den Wärmeübergang beim Strömungssieden hochviskoser Fluide
und der dabei auftretenden Phänomene nötig sind.
Insbesondere in der Kunststoffindustrie hat sich in den letzten Jahren aufgrund des
sich verschärfenden Wettbewerbs die Notwendigkeit ergeben, den Produktionspro-
zess immer weiter zu optimieren. Dazu kommt, dass an moderne Kunststoffe immer
größere Ansprüche hinsichtlich der Qualität und des Restgehalts an Lösungsmitteln
gestellt werden, sowohl vom Gesetzgeber als auch von der Kunststoff verarbeiten-
den Industrie (staatliche Institutionen: Verschärfung der Restgehalt-Grenzwerte auf-
grund des gesundheitsschädlichen Potentials der Lösungsmittel, Autoindustrie: Ge-
ruchsbelästigung durch Lösungsmittel im PKW, Lebensmittelindustrie: schädliche
Wirkung durch Verpackungsmaterial).
Ein entscheidender Teilbereich der Kunststoffherstellung besteht in der Entgasung
der Kunststoff-Lösungsmittelgemische nach der Polymerisation. Da nach der Poly-
merisation in der Regel große Mengen an nicht umgesetzten Monomeren und/oder
Lösungsmitteln im Polymer verbleiben [4], müssen diese entfernt werden. Neben der
Produktqualität und dem Lösungsmittelrestgehalt wird durch diesen Verfahrensschritt
auch die wirtschaftliche Rentabilität des gesamten Produktionsprozesses mitbe-
stimmt. Dies äußert sich beispielsweise in dem zur Entgasung benötigten Energie-
aufwand oder in den Investitionskosten für den Bau der Anlage.
Eine gängige Methode die Lösungsmittel aus dem Produkt zu entfernen besteht dar-
in, das Gemisch durch Rohrbündel-Wärmeübertrager zu pumpen und dabei zu be-
heizen2. Hierdurch bildet sich im Verlauf des Wärmeübertragers eine 2-Phasen-
strömung aus Lösungsmitteldampf und flüssigem Polymer mit noch gelösten Resten
2 Die Verfahren, die bisher zur Entgasung eingesetzt werden, beruhen im wesentlichen auf zwei
Technologien: 1. kontinuierlich arbeitende Apparate, in denen dem Gemisch aus flüssigem Kunststoff
und Lösungsmittel Wärme zugeführt wird und der dabei entstehende Lösungsmitteldampf von der
Kunststoffschmelze getrennt wird, oder 2. Schneckenmaschinen, in welchen dem Polymer Energie
durch Schervorgänge zugeführt wird, und zusätzlich an bestimmten Positionen in den Maschinen Un-
terduckzonen erzeugt werden, in welchen das/die Lösungsmittel verdampfen können. In dieser Arbeit
wird ausschließlich das erste Verfahren behandelt.
2
1. Einleitung und Problemstellung
an Lösungsmittel. Das Polymer ist dabei praktisch nicht an der Verdampfung betei-
ligt, da der Dampfdruck des reinen Polymers bei den üblichen Prozesstemperaturen
zu vernachlässigen ist. Das Ende des Wärmeübertragers mündet normalerweise in
einen Abscheidebehälter, in dem die dampfförmigen Lösungsmittel und Monomere
vom flüssigen Polymer getrennt werden.
Obwohl die Entgasung mit dieser Apparatetechnik schon lange bekannt und weit
verbreitet ist, sind die dabei auftretenden Strömungsvorgänge und Wärmeüber-
gangsmechanismen bis heute nicht genau beschreibbar. Auch für den sich in den
Apparaten einstellenden Druckverlust sind bis dato keine zuverlässigen Berech-
nungsmethoden bekannt. Um die Produktionsanlagen und deren Prozessablauf wei-
ter optimieren zu können, sind sowohl die Kenntnis des Wärmeübergangs und des
zu erwartenden Druckverlustes als auch ein grundlegendes Verständnis der Strö-
mungsvorgänge in den Wärmeübertragern unter verschiedenen Betriebszuständen
unverzichtbar.
Aus diesem Grund wurde eine Kooperation zwischen Bayer Technologies Services
(BTS) und dem damaligen Lehrstuhl für Wärme- und Kältetechnik (WKT) – jetzt
Lehrstuhl für Thermodynamik und Energietechnik (ThEt) – zur detaillierten Untersu-
chung des Strömungssiedens hochviskoser Gemische ins Leben gerufen. Langfristi-
ges Ziel dieses Vorhabens ist es, eine Korrelation für die Vorausberechnung des
Wärme- und Stoffübergangs beim Strömungssieden hochviskoser Gemische zu ent-
wickeln. Des Weiteren soll eine Berechnungsmethode zur Vorhersage des Druckver-
lustes einer hochviskosen 2-Phasenströmung in Wärmeübertragern entwickelt wer-
den. Als Grundlage für eine zuverlässige Modellierung ist dabei neben einer breiten
experimentellen Datenbasis vor allem auch ein grundlegendes Verständnis des
Wärmeübergangs beim Strömungssieden hochviskoser Fluide und der dabei auftre-
tenden Phänomene nötig.
Um die Entwicklung derartiger Korrelationen zu ermöglichen, soll im Rahmen der
vorliegenden Arbeit
1. eine Versuchsanlage zur Untersuchung des Wärmeübergangs, Strömungsverhal-
tens und Druckverlustes beim Strömungssieden hochviskoser Gemische kon-
struiert, aufgebaut und in Betrieb genommen werden, und
3
1. Einleitung und Problemstellung
2. damit begonnen werden, mit dieser Versuchsanlage eine Datenbasis zu schaffen,
die für die Entwicklung einer Wärmeübergangs- bzw. Druckverlustkorrelation ge-
nutzt werden kann. Gleichzeitig sollen grundlegende Untersuchungen zum Ver-
ständnis der Vorgänge beim Strömungssieden hochviskoser Gemische durchge-
führt werden.
Dazu werden zunächst die beim Strömungssieden zu beobachtenden Arten der Wär-
meübertragung näher erläutert. Danach wird ein Überblick über die wichtigsten
Wärmeübergangskorrelationen für niedrigviskose Fluide gegeben und die bisher be-
kannten Korrelationen für hochviskose Fluide werden vorgestellt.
Das Gesamtkonzept der Versuchsanlage, die Auswahl des Versuchsstoffsystems,
die Versuchsstrecke sowie der Aufbau der Anlage mit ihren verschiedenen Kompo-
nenten sind im dritten Kapitel zusammengefasst. Da die Temperatur- und Druck-
messtechnik in diesem Projekt einen besonderen Stellenwert einnehmen, werden
diese ausführlich im vierten Kapitel behandelt.
Den zweiten Schwerpunkt der Arbeit bilden das fünfte und sechste Kapitel. Im fünf-
ten Kapitel wird auf die Vorbereitungen und den Ablauf der Experimente sowie auf
die bisher durchgeführten Versuche eingegangen. Im sechsten Kapitel werden an-
hand eines Teils der vorhandenen Versuchsergebnisse vor allem die systematischen
Zusammenhänge der verschiedenen Prozessparameter und Messgrößen veran-
schaulicht. Des Weiteren werden einige besondere Vorgänge und Phänomene, die
während der Experimente beobachtet werden konnten, im Detail analysiert.
Im siebten Kapitel werden abschließend die wichtigsten Eigenschaften der Ver-
suchsanlage und der aufgrund von fortlaufenden Optimierungen erreichte Status der
Messtechnik noch einmal kurz beschrieben. Des Weiteren wird ein Überblick über
die mit der Anlage insgesamt durchgeführten Experimente gegeben und die wichtigs-
ten Erkenntnisse aus dem Betrieb der Versuchsanlage und der Versuchsauswertung
werden zusammengefasst.
4
2. Stand des Wissens
2. Wärmeübertragung beim Strömungssieden hochviskoser
Fluide – Stand des Wissens
Wie bereits erläutert, sind bis heute keine verlässlichen Berechnungsmethoden be-
kannt, die zur Voraussage des Wärmeübergangs beim Strömungssieden hochvisko-
ser Fluide anwendbar wären. Für Fluide im niedrigviskosen Bereich existiert dagegen
eine Vielzahl verschiedener Korrelation, die sich in drei verschiedene Modellklassen
zusammenfassen lassen. Die Klassen unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch,
wie die beiden Hauptmechanismen der Wärmeübertragung beim Strömungssieden –
Strömungsblasensieden und erzwungene Konvektion – kombiniert werden, siehe
Webb & Gupte [7].
Da ein zukünftiger Ansatz zur Berechnung des Wärmeübergangs von einer oder
mehreren der bisher bekannten Korrelationen für niedrigviskose Stoffe ausgehen
könnte, sollen hier zuerst die wichtigsten in der Literatur beschriebene Ansätze für
solche Stoffe vorgestellt werden. Danach wird auf den experimentellen und theoreti-
schen Wissensstand bei hochviskosen Fluiden eingegangen.
2.1 Wärmeübergangskorrelationen für niedrigviskose Fluide
Zunächst werden die beim Strömungssieden zu beobachtenden Arten der Wärme-
übertragung näher erläutert. Bild 2.1 zeigt die unterschiedlichen Verdampfungs- und
Strömungsphänomene in einem Siederohr mit aufwärts strömendem niedrigviskosen
Fluid, wie sie beispielsweise Mayinger [2] darstellt. Im Unterschied zu den in dieser
Arbeit untersuchten hochviskosen Polymer-Lösungsmittelgemischen kann das nied-
rigviskose Fluid in der Regel vollständig verdampfen. Im unteren Bereich des Rohres
wird die unterkühlte einphasige Flüssigkeit nur durch erzwungene Konvektion er-
wärmt, da die Überhitzung der Heizwand gegenüber dem Fluid noch zu niedrig ist
um Dampfblasen bilden zu können. Nach einem bestimmten Strömungsweg ist eine
erste Blasenbildung an der Heizwandoberfläche zu beobachten, obwohl die mittlere
Flüssigkeitstemperatur noch nicht den Siedezustand erreicht hat. Teilweise konden-
sieren diese Blasen aufgrund der unterkühlten Flüssigkeit wieder unmittelbar an der
Wand, können sich im weiteren Rohrverlauf jedoch auch von der Oberfläche lösen,
um dann erst im Rohrinneren zu kondensieren, wo das Fluid noch deutlich kühler ist
als an der Heizwandoberfläche. Dieser Vorgang wird unterkühltes Sieden genannt,
5
2. Stand des Wissens
und ist durch ein radiales Temperaturprofil im Rohr gekennzeichnet, bei dem das
Fluid direkt an der Heizwand (Grenzschicht) schon die dem örtlichen Druck zugehö-
rige Sättigungstemperatur (Siedetemperatur) erreicht hat und im Rohrinneren noch
deutlich unterkühlt ist. Während die Wandtemperatur im einphasigen Bereich ohne
Dampfblasen kontinuierlich angestiegen ist, bleibt sie im Bereich der Blasenbildung
annähernd konstant auf einem Niveau, welches – je nach niedrigviskosem Stoff bzw.
Stoffsystem – einige Zehntel Kelvin bis einige Kelvin über der lokalen Sättigungs-
temperatur liegen kann.
Siedetemperatur
1-phasige
Zwangskonvektion
unterkühltes Sieden
Blasensieden
konvektives Sieden
(Flüssigkeitsfilm)
Sprühkühlung
Zwangskonvektion
Dampf
xD = 0
xD = 1
Wandtemperatur
Fluidtemperatur
TDampf
Bild 2.1: Verdampfungs- und Strömungsphänomene in einem Siederohr mit einem
aufwärts strömenden niedrigviskosen Fluid (nach [2])
6
2. Stand des Wissens
Da im weiteren Verlauf der Rohrstrecke kontinuierlich immer mehr Blasen gebildet
werden, die zusammen mit der Konvektion Wärme in das Rohrinnere transportieren,
steigt die mittlere Fluidtemperatur allmählich auf die Sättigungstemperatur an. Der
jetzt folgende Siedevorgang wird allgemein Blasensieden3, bzw. hier Strömungsbla-
sensieden (Index SBS) genannt.
Der Zustand des Blasensiedens hält so lange an, wie eine ausreichend dicke Flüs-
sigkeitsschicht an der Heizwandoberfläche vorhanden ist, um darin Dampfblasen
entstehen und wachsen zu lassen. Unterschreitet der Flüssigkeitsfilm jedoch eine
gewisse Dicke, kann die Wärme an die im Kern schneller strömende Dampfphase
ohne Blasenbildung mittels Konvektion und Leitung durch die Flüssigkeitsschicht
übertragen werden. Die Temperatur der wandnahen Flüssigkeitsschicht reicht ab
jetzt nicht mehr aus, um die Bedingungen für die Keimbildung des Blasensiedens zu
erfüllen; die notwendige Überhitzung kann aufgrund des niedrigen Wärmeleitwider-
standes des dünnen Flüssigkeitsfilmes nicht mehr aufgebaut werden. Der sich nun
einstellende Wärmetransportmechanismus wird stilles Sieden bzw. konvektives Sie-
den (Index KS) genannt, Mayinger [2].
Im weiteren Verlauf der Verdampfung wird der Flüssigkeitsfilm an der Rohrwand
nicht nur aufgrund der zugeführten Wärme vollständig verschwinden, sondern auch
durch die Scherkräfte des sich mit hoher Geschwindigkeit bewegenden Dampfstro-
mes. Der Punkt an dem die letzte Flüssigkeit an der Wand verdampft, wird als „Dry-
out Point“ bezeichnet. Danach wird die Wand nur noch durch die sich im Dampf be-
findlichen Flüssigkeitströpfchen gekühlt (Bereich der Sprühkühlung), bis auch diese
an der Heizwand und durch den sie umgebenden überhitzen Dampf vollständig ver-
dampft werden.
Da in dem darauf folgenden Rohrabschnitt nur noch Dampf vorhanden ist, ist der hier
vorherrschende Wärmeübergangsmechanismus wie schon zu Anfang des Siederoh-
res wieder die einphasige erzwungene Konvektion. Je nach Temperaturniveau wird
zusätzlich noch eine mehr oder weniger große Wärmemenge durch Strahlung an den
Dampf übertragen (Absorptionseigenschaften des Dampfes).
Neben den oben beschriebenen Mechanismen der Wärmeübertragung beim Strö-
mungssieden ist das Blasensieden im Behälter (Index BBS) von besonderer Wichtig-
keit, da es oft Grundlage der Berechnung des Wärmeübergangs beim Strömungs-
3 Blasensieden ist der allgemeine Begriff für die Wärmeübertragung durch Dampfblasenbildung, die
sowohl in „ruhenden“ (Behälter) als auch in strömenden Flüssigkeiten (Rohre) stattfinden kann.
7
2. Stand des Wissens
blasensieden ist. Technische Anwendung findet das Blasensieden in der Regel in
Verdampferkesseln mit ruhender oder sich nur sehr langsam bewegender Flüssigkeit
im Siedezustand (z.B. Kälte- und Klimatechnik: sog. überflutete Verdampfer), in de-
nen einzelne beheizte Rohre oder Rohrbündel zur Wärmeübertragung benutzt wer-
den. Ist die Überhitzung der Rohre gegenüber der sie umgebenden Flüssigkeit hoch
genug, bilden sich an Keimstellen auf der Heizwandoberfläche Dampfblasen, durch
die jetzt ein großer Teil der Wärme von der Heizwandoberfläche an die Flüssigkeit
übertragen wird. Mit zunehmender Wärmestromdichte wird der Anteil am gesamten
Wärmestrom, der durch freie Konvektion übertragen wird, im Vergleich zu der Wär-
meübertragung durch Blasensieden immer geringer, bis er nur noch eine vernach-
lässigbare Größe darstellt.
Aufgrund des deutlich besseren Wärmeübergangskoeffizienten gegenüber der freien
Konvektion (FK) – der Wärmeübergangskoeffizient des Blasensiedens (αBBS) steigt
mit αBBS ~ T3 im Vergleich zur freien Konvektion mit αFK ~ T1/4 wesentlich stärker
an, siehe [3] – besitzt das Blasensieden eine hohe technische Relevanz. Dieser Um-
stand führte zu einer Vielzahl von experimentellen und theoretischen Untersuchun-
gen zum Blasensieden, siehe z.B. [10,11], mit deren Hilfe eine Reihe von unter-
schiedlichen Korrelationen entwickelt wurde. Da die verschiedenen Korrelationen
zum Blasensieden in Behältern teilweise deutliche Unterschiede zueinander aufwei-
sen, stellt deren Anwendung in den jeweiligen Korrelationen zum Strömungssieden
ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal dar und kann entscheidend für die Qualität
der gesamten Korrelation sein.
Im Folgenden sollen die wichtigsten Korrelationen zum Strömungssieden niedrigvis-
koser Stoffe in Rohren und rohrähnlichen Geometrien unterschiedlicher Orientierung
vorgestellt werden, wie sie von Webb [7] zusammengefasst wurden. Da bisher kein
analytisch geschlossenes Modell existiert, beruhen alle veröffentlichen Korrelationen
auf empirisch ermittelten Konstanten und Funktionsformen.
Alle bisher bekannten Korrelationen zur Berechnung des Wärmeübergangs in der
2-Phasenströmung lassen sich in drei gebräuchliche Modellvorstellungen einordnen:
1. Korrelationen nach dem Superpositions-Prinzip
2. Korrelationen mit Verbesserungsfaktor
3. Asymptotische Korrelationen
8
2. Stand des Wissens
Zu 1: Modelle auf Basis des Superpositions Prinzips gehen von der Annahme aus,
dass der gesamte übertragene Wärmestrom q
&ges an der Verdampferwand die Sum-
me aus den beiden Einzelkomponenten Strömungsblasensieden q
&SBS und konvekti-
vem Sieden q
&KS ist,
. (2.1)
KSSBSGes qqq &&& +=
Als erster hat Rohsenow [12] diesen Ansatz zur Berechnung des Wärmeübergangs
beim Strömungssieden benutzt. Er ging davon aus, dass ein Großteil der Wärme-
übertragung durch die Entstehung von Dampfblasen stattfindet und nur ein relativ
kleiner Teil durch Mikrokonvektion im Nachlauf der Blase und die überlagerte Strö-
mung übertragen wird. Der durch Blasen verursachte Wärmetransport wird dabei
nach Gleichung 2.2 berechnet. Darin ist αBBS der Wärmeübergangskoeffizient des
Blasensiedens im Behälter und für die Nusselt-Zahl ergibt sich:
0,7
F
0,667
Bl
F
BBS
SBS λ
α
== PrReC
b
Nu f. (2.2)
Die Reynolds- und Prandtlzahl, ReBl und PrF, sowie die Laplace-Konstante b sind
folgendermaßen definiert:
FVF
Bl ρhν
bq
Re
=& (2.3)
F
FFF
Fλ
ρνc
Pr = (2.4) )ρg(ρ
σ2
GF
=b (2.5)
mit als aufgeprägter Wärmestromdichte, der Verdampfungsenthalpie h
q
&V, den
Flüssigkeitsstoffgrößen Wärmeleitfähigkeit λF, Wärmekapazität cF, Dichte ρF und
Oberflächenspannung σ. vF steht für die Strömungsgeschwindigkeit an der Verdamp-
feroberfläche, Cf für deren Materialeigenschaften.
Die Wärmestromdichte infolge der erzwungenen Konvektion kann nach Glei-
chung (2.6), siehe Mayinger [2], berechnet werden:
KS
q
&
330,0,7
F
hydKS
KS 0.023
λPrReNu == αd (2.6)
mit Re = vF·dhyd·ρF/ηF (ρ = Dichte, η = dynamische Viskosität), Pr = η·cF/λF und dhyd
als hydraulischem Durchmesser für unterschiedliche Rohrgeometrien.
9
2. Stand des Wissens
Hat sich nach einer gewissen Rohrlänge ein großer Dampfgehalt ausgebildet, ist der
nach Mayinger berücksichtigte Anteil der erzwungenen Konvektion an der Wärme-
übertragung zu gering, da auf der Heizwandoberfläche nur noch ein sehr dünner
Flüssigkeitsfilm vorhanden ist, der keine ausgeprägte Blasenbildung mehr zulässt,
siehe auch Bild 2.1. Der Wärmetransport wird deshalb im Wesentlichen durch die
Strömungsvorgänge in dieser Flüssigkeitsschicht bestimmt, an deren freien Oberflä-
che ein Großteil des Dampfes entsteht (konvektives Sieden).
Diesen Fall hat Chen [13] in seiner Korrelation für Strömungen in vertikalen Rohren
mitberücksichtigt. Er addiert allerdings nicht einfach die beiden Wärmeströme, son-
dern geht davon aus, dass das treibende Temperaturgefälle für beide Transport-
mechanismen mit TWF = TWand - TFluid jeweils das Gleiche ist, und man die Wärme-
stromdichten für das Blasen- und konvektive Sieden durch TWF dividiert und so die
Wärmeübergangskoeffizienten nach Gleichung 2.7 erhält,
αGes = αSBS + αKS. (2.7)
Um den konvektiven Beitrag zum Wärmeübergang zu berechnen, empfiehlt Chen
eine einfache Abwandlung der Colburn-Beziehung, die nur auf den flüssigen Anteil in
der Strömung zu beziehen ist,
F
c
dxm
d
0,4
F
FF
0,8
F
hyd
hyd
F
KS λ
η
η
)-(1
0.023
λ
α
=&
(2.8)
und einen zusätzlichen Korrekturfaktor F enthält, auch konvektiver zwei Phasen Mul-
tiplikator genannt, der die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse in Gas/Flüssig-
keits-Gemischen im Vergleich zu rein einphasigen Fluiden berücksichtigen soll.
In Gleichung 2.8 ist ηF die dynamische Viskosität, cF die Wärmekapazität und λF die
Wärmeleitfähigkeit der Flüssigkeit, m der Gesamtmassenstrom, x der Strömungs-
dampfgehalt und d
&
hyd der hydraulische Durchmesser der Rohrgeometrie.
Da das Temperaturfeld in der wandnahen Grenzschicht durch den Geschwindig-
keitsverlauf in der Flüssigkeit geprägt ist, und dieser sich seinerseits nach den
Schubspannungsverhältnissen und dem Dampfgehalt richtet, kann man beide Kenn-
werte durch den Martinelli-Parameter ausdrücken, Mayinger [2], Webb [7] und Marti-
nelli [14], der in modifizierter Form nach Chen folgendermaßen lautet:
10
2. Stand des Wissens
0,1
D
L
0,5
L
D
0,9
tt µ
µ
ρ
ρ
1
=x
x
X (2.9)
mit der Dampf- und Flüssigdichte ρD und ρF, der kinematischen Viskosität des Damp-
fes µD und der Flüssigkeit µF, sowie des Strömungsdampfgehaltes x. Der Korrektur-
faktor F wurde daher von Chen als reziproke Funktion des Martinelli-Parameters Xtt
korreliert, mit
-0,79
tt
1.81 XF += . (2.10)
Um den Korrekturfaktor F durch experimentelle Daten bestimmen zu können, wird
von Chen die empirische Gleichung
L
BBS
L
SBS
α
αα
=
=S
q
qq
F&
&& (2.11)
angegeben, mit für die Wärmestromdichte bzw. α
L
q
&L für den Wärmeübergangskoef-
fizienten bei ausschließlich einphasiger Strömung. Der Faktor S in Gleichung 2.11
stellt wiederum einen Korrekturfaktor für den Blasensiedeanteil der Wärmeübertra-
gung dar. Chen argumentierte, dass mit zunehmender Strömungsgeschwindigkeit im
Rohr das Blasensieden immer stärker unterdrückt würde, und daher nicht der Wär-
mestrom bzw. Wärmeübergangskoeffizient des reinen Behältersiedens angewandt
werden könnte, sondern ein mit einem Unterdrückungsfaktor S multiplizierter Wert
gemäß der Beziehung αSBS = S · αBBS. S dient hierbei zur Berücksichtigung der Tem-
peraturverhältnisse in der Grenzschicht. Für die Berechnung des Wärmeübergangs-
koeffizienten des Behältersiedens αBBS gibt Chen eine Korrelation von Foster und
Zuber [15] an. Die Definition des S-Faktors von Chen lautet:
1,17
2Ph
6
102,531
1
Re
S
+
= (2.12)
der wiederum von der 2-Phasen-Reynolds-Zahl Re2Ph für das Gas-Flüssigkeits-
Gemisch abhängt,
1,25
hydF
2Ph η
)-(1 F
d
xm
Re
=& bzw. Re2Ph = F1,25 · ReFL. (2.13)
11
2. Stand des Wissens
Über den Korrekturfaktor F ist somit der Mechanismus des Blasensiedens mit der
erzwungenen Konvektion verbunden.
Der Chen-Ansatz in der oben beschriebenen Form wurde von einer Reihe von Auto-
ren variiert (u.a. für andere Stoffe und Geometrien), wobei sich die Korrelationen die-
ser Arbeiten hauptsächlich durch unterschiedliche Berechnung der F- & S-Faktoren
sowie die Anwendung aktuellerer Gleichungen zur Berechnung des Wärmeüber-
gangskoeffizienten beim Behältersieden unterscheiden, siehe z.B. Collier [16], Chis-
holm [17], Ishihara et al. [18] oder Wadekar [19]. Auf diese Arbeiten soll an dieser
Stelle aber nicht weiter eingegangen werden.
Zu 2: Eine Korrelation mit Verbesserungsfaktor wurde zuerst von Shah [20] für die
Berechnung des Wärmeübergangs in vertikalen Rohren vorgeschlagen; sie lautet:
α = E · αl (2.14)
mit E als Verbesserungsfaktor, der eine Funktion der Siedezahl Bo und der Konvek-
tionszahl Co ist. αl stellt den Wärmeübergangskoeffizienten für die einphasige (flüs-
sige) Strömung im Rohr ohne Dampfanteil dar. Die beiden Kennzahlen Bo und Co
sind folgendermaßen definiert:
m
q
Βο &
&
λ
= (2.15) und
0,5
l
v
0,8
ρ
ρ
1
=x
x
Co . (2.16)
Allerdings wird bei Shah zwischen zwei Verbesserungsfaktoren unterschieden, die
jeweils unterschiedlich von Bo und Co abhängen: EKS für rein konvektives Sieden
und EKS,SBS für die Kombination aus konvektivem Sieden und Blasensieden. Diese
Werte müssen zuerst bestimmt werden; mit dem jeweils größeren Faktor wird die
Berechnung fortgesetzt. Auf den genauen Zusammenhang zwischen α und den bei-
den Kennzahlen soll hier nicht näher eingegangen werden, da die verwendeten Be-
ziehungen zudem von den jeweiligen Werten für Bo und Co abhängen. Um im Fall
einer horizontalen Strömung die partielle Benetzung der Rohrwand zu berücksichti-
gen wird zusätzlich zu Bo und Co noch die Froude Zahl benutzt.
Eine Variation des Modells mit Verbesserungsfaktor wurde von Kandlikar [21] vorge-
stellt, bei der wie schon bei Shah α/αl eine Funktion der Kennzahlen Bo, Co und Fr
ist. Um den unterschiedlichen Wärmeübergang bei verschiedenen Flüssigkeiten zu
12
2. Stand des Wissens
berücksichtigen, wurde zusätzlich der Parameter Ffl zur Korrektur des Blasensiede-
anteils eingefügt, woraus sich folgende Gleichung ergibt:
D5
l
D2
1fl
D6
l
D4
3
l
)(25D)(25D
α
αFrCoFFrBo += . (2.17)
Die Ffl sowie die Konstanten D1 bis D6 wurden dabei durch eine empirische Regres-
sionsanalyse mit Hilfe von 5246 experimentellen Datenpunkten ermittelt.
Weitere Arbeiten zu dem Modell mit Verbesserungsfaktor wurden u.a. von Hahne et
al. [22], sowie Jensen und Hsu [23] veröffentlicht.
Zu 3: Das dritte und letzte Wärmeübertragungsmodell geht von einem asymptoti-
schen Ansatz gemäß Gleichung 2.18 aus:
. (2.18)
n
KS
n
SBS
n
Ges qqq &&& +=
Kutadeladze [24] hat als erster das asymptotische Modell zur Berechnung des Wär-
meübergangs für unterkühltes Wasser in Glattrohren benutzt (mit n = 2). Der Wert
des Exponenten wird bestimmt, indem mit einem willkürlich Anfangswert die Über-
einstimmung mit den experimentellen Werten getestet und je nach Ergebnis n da-
nach solange variiert wird, bis die beste Übereinstimmung mit den Messergebnissen
erreicht wird.
Dieses Modell wurde von Steiner [8,9] weiterentwickelt, der jeweils die Wärmeüber-
gangskoeffizienten für das konvektive Sieden und das Blasensieden neu definierte.
Für das konvektive Strömungssieden reiner Stoffe im Sättigungszustand in einem
senkrechten Rohr gilt nach Steiner für den Wärmeübergangskoeffizient α(z)KS im Ab-
stand z vom Begin des Rohrs die Gleichung
0,5
2
0,67
0,7
LO
GO
01,0
2,2
0,35
0,60,0101,0
LO
KS
'ρ'
ρ'
)(18(1
α
α
'ρ'
ρ'
1,9)(1)(1
α
(z)α
+
+
+= xxxxx (2.19)
mit der Flüssigkeitsdichte ρ´ und der Dampfdichte ρ´´. Die einphasigen Wärmeüber-
gangskoeffizienten αLO und αGO sind dabei jeweils lokal (für die Position z in Strö-
mungsrichtung) nach Gnielinski [25] mit der Annahme zu berechnen, dass bei der
Massenstromdichte jeweils nur Flüssigkeit (α
m
&LO) bzw. nur Dampf (αGO) vorliegen
13
2. Stand des Wissens
würde. Welche der vorhandenen Gleichungen dafür benutzt wird, hängt von der je-
weiligen Geometrie (z.B. Rohr, Ringspalt oder Schlitz) ab. Dementsprechend müs-
sen auch die Reynoldszahlen für beide Wärmeübergangskoeffizienten gemäß
G
hyd
GO
L
hyd
LO η
und
η
dm
Re
dm
Re
&& == (2.20)
berechnet werden, wobei der hydraulische Innendurchmesser dhyd nach Collier [26]
und Bennett [27] durch dhyd = 4A / U (A = Querschnittsfläche, U = Umfang) hier für
konzentrische Ringspalte und rechteckige Rohre definiert ist.
Die Berechnung des Wärmeübergangskoeffizienten αSBS in senkrechten Rohren wird
nach Steiner folgendermaßen durchgeführt:
,x)mF(F(W)F(d))F(p
q
q
C*&
&
&n
0
F
0
SBS
α
α(z)
=. (2.21)
Darin werden die Flüssigkeitseigenschaften durch CF, die Rohrabmessungen durch
F(d) und die Strömungseinflüsse durch F gekennzeichnet. F(W) steht für die
beim Behältersieden wichtigen Eigenschaften der Heizwandoberfläche (R
)( , xm
&
a, Rao), sie-
he [28]. Den Einfluss des Siededrucks enthält F(p*), während die Abhängigkeit von
der Wärmestromdichte durch den Potenzansatz qn
& beschrieben wird. Der Normie-
rungswert α wurde aus dem Behältersieden von Gorenflo [28] übernommen.
0
Unter Berücksichtigung der oben genannten Einflüsse kann der Wärmeübergangs-
koeffizient für das Blasensieden αSBS im senkrechten Rohr bei aufwärts strömendem
Fluid an der Stelle z dann nach folgender Gleichung ermittelt werden,
0,133
ao
a
0,4
0
3,7
7
0,45
n(p*)
0
F
0
SBS *
*1
1,7
3,4*2,816
α
α(z)
++
=R
R
d
d
p
p
p
q
q
C&
& (2.22)
mit p* als normiertem Druck (p/pKritisch) und dem Index 0 für die Normierungswerte.
Nach Pujol [29] sollte bei Abwärtsströmung im senkrechten Rohr der nach Gleichung
2.22 berechnete Wert mit dem Faktor 0.75 multipliziert werden, um realistische Wer-
te für αSBS zu erhalten.
14
2. Stand des Wissens
Nach der Bestimmung der beiden Wärmeübergangskoeffizienten Blasensieden und
konvektives Sieden wird αGesamt folgendermaßen berechnet:
33
SBS
3
KSGes α(z)α(z)α(z) += . (2.23)
Des Weiteren wird bei Steiner auch das Strömungssieden von Gemischen behan-
delt. Wie bei Reinstoffen wird auch bei Gemischen zwischen den beiden Wärme-
übertragungsmechanismen „konvektives Sieden“ und „Strömungsblasensieden“ un-
terschieden. Der Wärmeübergangskoeffizient im konvektiven Bereich soll nach Glei-
chung 2.19 mit den Stoffwerten des Gemisches berechnet werden, sofern es sich
dabei um ein Stoffsystem ohne Mischungslücke handelt. Die Stoffwerte sind laut
Steiner mit Hilfe des Abschnitts Da des VDI-Wärmeatlas [30] zu bestimmen. Handelt
es sich beispielsweise um ein Kältemittel-Öl-Gemisch, sind die Stoffwerte des Kälte-
mittels im Sättigungszustand bei dem im System herrschenden Druck einzusetzen
und die Stoffwerte des Öls bei der Siedetemperatur des Kältemittels.
Der Wärmeübergangskoeffizient für das Strömungsblasensieden vollständig ver-
dampfender Gemische ohne Mischungslücke wird nach Steiner [8] folgendermaßen
berechnet,
=
=K
1j jSBS,
j
SBSid, α
x
~
α
1 (2.24)
wobei die Reinstoffe bei gegebenem Druck p nach steigender Siedetemperatur ge-
ordnet werden müssen, mit j=1 als am niedrigsten siedende und j=K als am schwers-
ten siedende Komponente. j
x
~
stellt den jeweiligen Anteil an der Gesamtmasse und
αB,j den örtlich zu berechnenden Wärmeübergangskoeffizienten der reinen Stoffe
nach Gleichung 2.22 dar. Zur Überprüfung der Gleichung wurden von Steiner neben
eigenen auch experimentelle Daten von Schlünder [31] und Thome [32] verwendet.
Hierbei wird jedoch davon ausgegangen, dass alle Komponenten des Gemisches an
der Verdampfung beteiligt sind. Der Fall, dass eine der Komponenten des Gemi-
sches nicht flüchtig ist, wie z.B. bei dem in dieser Arbeit verwendeten Versuchsstoff-
gemisch aus Silikonöl und einem Lösungsmittel, wurde nicht berücksichtigt.
Für ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen oder anorganischen Verbindungen mit
Kohlenwasserstoffen schlägt Steiner Gleichung 2.25 vor, bei der nach dem Modell
von Schlünder [31] B0 den Anteil der zur Blasenverdampfung benötigten Heizleistung
15
2. Stand des Wissens
bezogen auf die gesamte Heizleistung, und βL den flüssigkeitsseitigen Stoffüber-
gangskoeffizienten darstellt:
0,15-
-0,77
0
1,19
0LpL
Bid,
L
040,6
ρ
α
βx
m
m
q
q
c
B
= &
&
&
&. (2.25)
Als Normierungswerte sind = 20000 W/m² und = 100 kg/m²s einzusetzen.
0
q
&0
m
&
Eine weitere Korrelation nach dem asymptotischen Ansatz wurde von Winterton und
Liu [33] vorgeschlagen:
αGes = [(S · αBBS)2 + (F · αKS)2]1/2 (2.26)
mit F als Verbesserungsfaktor für die erzwungene Konvektion und S als Unterdrü-
ckungsfaktor für den Blasensiedeanteil der Wärmeübertragung. Diese Methode hat
laut Winterton und Liu gegenüber dem rein additiven Superpositionsansatz den Vor-
teil, dass der Anteil des Blasensiedens an der gesamten Wärmeübertragung stärker
unterdrückt wird, wenn F·αKS größer als S·αBBS wird. αKS in Gleichung 2.26 wird nach
der von Dittus-Boelter [34] angegebenen Gleichung 2.27 berechnet, bei der der ge-
samte Massenstrom als flüssig angesehen wird:
. (2.27)
0,4
l
0,8
llKS )/(λ0,023 αPrRed =
Der Wärmeübergangskoeffizient beim Blasensieden wird nach Winterton/Liu mit der
Gleichung von Cooper [35] bestimmt:
. (2.28)
-0,5-0,55
10
2/30,12
BBS *)(-log*55 αMpqp &
=
Die von Winterton und Liu verwendeten Faktoren F und S wurden mit Hilfe von neun
Fluiden und insgesamt 4202 Datenpunkten aus 30 verschiedenen Veröffentlichungen
zum experimentellen Strömungssieden empirisch bestimmt, bei denen das Fluid je-
weils im Sättigungszustand vorlag:
0,35
v
l
l1
ρ
ρ
1
+= PrxF (2.29) und 0,16
l
0,1
0,551
1
ReF
S+
= (2.30)
16
2. Stand des Wissens
Ist die Wärmestromdichte bekannt, kann Gleichungen 2.28 direkt zur Berechnung
des Wärmeübergangskoeffizienten benutzt werden. Des Weiteren lässt sich hiermit
auch die Temperaturdifferenz TWF = TWandTFluid bestimmen.
Ist jedoch die Heizwandtemperatur statt der Wärmestromdichte bekannt, kann Glei-
chung 2.26 mit multipliziert sowie Gleichung 2.28 in 2.26 eingesetzt werden,
q
&2 = (FαKSTWF)2 + (ApSTWF)2q
&4/3 (2.31)
mit
. (2.32)
0,5,55
10
0,12
p*)(-log*55
=MppA 0
Mit der Definition von
q
&KS = FαKSTWF (2.33) und
2
KS
2
WSKS
3
xα
=
=q
q
TF
q
q&
&&
& (2.34)
sowie
(2.35)
4/3
KS
2
KSp )α/( qFSAC &
=
kann Gleichung 2.31 in eine standardisierte kubische Gleichung umgeformt werden,
die für q x direkt gelöst werden kann:
0
. (2.36)
1
2
x
3
x= qCq &&
Der gesamte Wärmeübergangskoeffizient αGes lässt sich abschließend mit Gleichung
2.37 bestimmen:
. (2.37)
4/3
xKSGes α αqF &
=
Diese Beziehungen gelten für den Fall, dass gesättigtes Strömungssieden vorliegt.
Der Zustand des unterkühlten Siedens wurde ebenfalls von Winterton/Liu untersucht,
indem die oben beschriebenen Gleichungen an 991 Datenpunkte aus Experimenten
mit ausschließlich unterkühltem Fluid angepasst wurden. Hierauf soll an dieser Stelle
jedoch nicht weiter eingegangen werden.
17
2. Stand des Wissens
2.2 Wärmeübergangskorrelationen für hochviskose Fluide
Im Unterschied zu niedrig viskosen Medien existieren nur wenige wissenschaftliche
Untersuchungen zu Siedevorgängen hochviskoser Medien. Im Rahmen der für diese
Arbeit durchgeführten Literaturrecherche zur Thematik des Wärmeübergangs beim
Strömungssieden hochviskoser Fluide konnte als erste veröffentlichte wissenschaftli-
che Untersuchung die Dissertation von Ritter [4] gefunden werden. In der 1969 veröf-
fentlichten Dissertation wurde ein Polymer-Lösungsmittel-Gemisch – Polystyrol mit
Ethylbenzol – untersucht, um ein besseres Verständnis des industriellen Entgasens
von Polymerschmelzen in der Kunststoffproduktion zu erhalten. Die eigens hierfür
gebaute Versuchsanlage orientierte sich dabei an den großindustriellen Prozessen,
im Unterschied zur Großtechnik jedoch mit einer wesentlich höheren Variabilität in
den verfahrenstechnischen Grenzen. Mit den so gewonnen experimentellen Daten
wurde neben einer neuen Beziehung für den Wärmeübergang im Verdampferrohr
auch eine Funktion für die Trennwirkung des Prozesses aufgestellt4.
Bei der von Ritter verwendeten Versuchsanlage handelte es sich um ein von außen
mit Wärmeträgeröl beheiztes Versuchsrohr mit einer Länge von 1,88 m und einem
Innendurchmesser von 16 mm, welches in sechs Segmente unterteilt wurde. Jedes
Segment wurde separat beheizt, um den jeweils zugeführten Wärmestrom bestim-
men zu können. Zusätzlich wurde zwischen den Segmenten jeweils ein Schauglas
zur Strömungsbeobachtung eingebaut.
Die Versuche wurden mit drei unterschiedlichen Lösungsmittelkonzentrationen –
30%, 37% und 45% Ethylbenzol – sowie mit verschiedenen Durchsätzen, Gemisch-
eintrittstemperaturen und Vorlauftemperaturen der Heizflüssigkeit (Temperatur des
Wärmeträgeröls) durchgeführt.
Die von Ritter beobachteten Wärmeübergangsmechanismen im abwärts durchström-
ten Rohr sind dabei ähnlich wie bei der oben beschriebenen Aufwärtsströmung eines
niedrigviskosen Fluids. Am Anfang des Rohres ist eine einphasige Strömung zu beo-
bachten, in der Wärme in erzwungener Konvektion übertragen wird. Der darauf fol-
gende Bereich ist durch unterkühltes Strömungsblasensieden gekennzeichnet, in
welchem die an der Rohrwand entstehenden Blasen in der noch unterkühlten Flüs-
sigkeit im Inneren des Rohres wieder kondensieren.
4 Hierbei handelt es sich um eine Art Wirkungsgrad, der die Ausdampfrate des Lösungsmittels aus
dem Polymer in Abhängigkeit von den eingestellten Versuchsbedingungen bewertet.
18
2. Stand des Wissens
Im Unterschied zu den zum damaligen Zeitpunkt schon vorhandenen Erkenntnissen
zum Strömungssieden niedrigviskoser Fluide konnte Ritter in seinen Experimenten
einen deutlich längeren Bereich mit unterkühlter Kernströmung feststellen. Des Wei-
teren wurde von Ritter beobachtet, dass nachdem die an der Heizfläche erzeugten
Dampfblasen in die unterkühlte Rohrmitte gewandert waren, die Blasen in diesem
Rohrbereich relativ lange bestehen konnten, ein Verhalten, wie es in dieser Form bei
niedrigviskosen Fluiden nicht vorkommt. Dieser Umstand wird mit einer die Dampf-
blasen umgebenden Hüllschicht aus heißer Lösung (THüllschicht = TWand) erklärt, die
beim Ablösen der Blase von der Heizwand mit in die Kernströmung wandert und ihre
Überhitzung nur relativ langsam an die Umgebung abgibt. Im weiteren Verlauf kon-
densieren diese Dampfblasen und bilden in der Restlösung eingebettete Lösungsmit-
teltröpfchen (siehe [4]).
Für eine Reihe der Experimente trat der Zustand ein, dass die insgesamt zugeführte
Wärme nicht zur kompletten Verdampfung der in die Strömung eingelagerten Tröpf-
chen zum Rohrende hin ausreichte. Daher fand am Ende der Strecke aufgrund des
im Abscheidebehälter herrschenden Vakuums eine Entspannungsverdampfung statt,
die teilweise zu einer Abkühlung der Schmelze führte.
Obwohl der übertragene Wärmestrom und die Wandtemperatur gemessen wurden,
war es laut Ritter nicht möglich, den Wärmeübergangskoeffizienten zu bestimmen,
da hierfür die Kenntnis des radialen Temperaturprofils in der Strömung nötig ist. Dies
war aufgrund der oben geschilderten Verhältnisse nicht möglich, da hierfür eine sehr
große Anzahl von Temperatursensoren nötig gewesen wäre.
Um eine Wärmeübergangsbeziehung aufstellen zu können, wurde daher das kom-
plette Wärmeübertragungssystem als Vorgang ohne Phasenänderung betrachtet.
Die Verdampfungsenthalpie des Lösungsmittels wird dementsprechend einer schein-
baren spezifischen Wärmekapazität zugerechnet. Ritter ist hierbei von einer mittleren
Wärmekapazität cmittel über die Rohrlänge ausgegangen, die nach Gleichung 2.38
definiert ist5,
EintrittAustritt
EintrittAustritt
mittel TT
hh
c
= (2.38)
mit den jeweiligen Werten der Enthalpie und Temperatur für die Flüssigkeit am
Rohrein- bzw. Austritt.
ße.
5 In der Realität ist die Wärmekapazität des Stoffsystems eine sich entlang der Versuchsstrecke
kontinuierlich verändernde Grö
19
2. Stand des Wissens
Für ein Rohr des Durchmessers d mit konstantem Wert cmittel über die gesamte Län-
ge l gilt nach Schmidt [36] für die Stantonzahl St bei konstanter Wandtemperatur,
(z)
m
Einl
ϑ
TT
d
l
PrRe
Nu
d
l
St
== 44 (2.39)
mit den dimensionslosen Kennzahlen Nusselt, Reynolds und Prandtl, der Eintritts-
temperatur TEin des Fluids sowie an der Stelle z mit Tl, und der mittleren logarithmi-
schen Temperaturdifferenz zwischen Fluid und Heizwand (l)
m
ϑ
.
Ritter definiert als maximal übertragbaren Wärmestrom für den Fall, dass der
gesamte Massenstrom auf die nominelle Wandtemperatur erwärmt und das Lö-
sungsmittel komplett verdampft wird, sowie als effektiv übertragenen Wärme-
strom. Gleichung 2.39 lässt sich demnach folgendermaßen schreiben:
max
Q
&
A
Q
&
mittel
Amax
A
Amax
max α
1lnln cm
ld
QQ
Q
QQ
Q
d
l
St
=
+=
&
&&
&
&&
&
π
4. (2.40)
Nach Ritter folgt die Wärmeübertragung über die gesamte Rohrlänge einer einheitli-
chen Gesetzmäßigkeit, die in allgemeiner Form lautet:
wRe
w
-
w)()/η(η l/dPrReC
d
l
St
=
4 (2.41)
bzw. nach Umformung mit Gleichung 2.39
(2.42)
sp
wRe
n
w
m
w)()/η(η d/lPrReCNu =
mit den empirischen Parametern m, m´, n, n´, p, p´, s und s´.
Betrachtet man die Gleichungen 2.41 und 2.42 im Detail, ist in diesen keine direkte
Abhängigkeit des Wärmeübergangskoeffizienten vom treibenden Temperaturgefälle
zu finden. Ritter schließt hieraus, dass trotz ausgeprägter Dampfblasenbildung die
Gesetzmäßigkeiten des Strömungsblasensiedens für das untersuchte hochviskose
Stoffsystem nicht gelten, sondern die des Wärmeübergangs bei konvektivem Sieden
und der einphasigen erzwungenen Konvektion am Rohranfang.
Zusammenfassend beschreibt Ritter, dass der von ihm untersuchte Trennprozess mit
der laminaren Aufheizung in einem Rohr ohne Phasenänderung – siehe auch Sieder
und Tate [37] – verglichen werden kann, wobei trotz der Dampfblasen der Wärme-
20
2. Stand des Wissens
übergang linear vom treibenden Temperaturgefälle T Heizwand und Flüssigkeit be-
stehen bleibt – analog dem turbulenten Oberflächensieden nach Dengler [38].
Eine Arbeit, die sich ebenfalls mit der Entgasung eines Polymers beschäftigte, wurde
von Maffettone. [5] veröffentlicht, bei der allerdings nicht ein Kreisrohr zur Wärme-
übertragung benutzt wurde, sondern eine ebenfalls von außen beheizte Schlitzgeo-
metrie mit Rechteckquerschnitt. Mit Hilfe von Experimenten wurde ein Modell mit nur
einem veränderbaren Parameter entwickelt, um das Temperaturprofil entlang des
Schlitzes, den gesamten Druckabfall und den Restgehalt an Lösungsmittel vorherzu-
sagen. Grundlage waren dabei Experimente, bei denen die spezifischen Durchsätze
zwischen 1,39 kg/(m²·s) und 13,9 kg/(m²·s), die Heizwandtemperatur zwischen
200°C und 300°C, die Eintrittstemperatur des Gemisches zwischen 100°C und 180°C
sowie der Druck im Entspannungsraum am Ende der Versuchsstrecke (Abscheider)
zwischen 1,33 kPa und 17,3 kPa variiert wurden.
In der Modellbildung wird bei Maffettone zwischen zwei möglichen Strömungsformen
des Polymer/Lösungsmittel-Gemisches im Schlitz unterschieden, was zu verschie-
denen Ansätzen für die Wärmeübertragung führt. Im ersten Fall wird von einer sym-
metrischen Strömung ausgegangen, in der sich der Lösungsmitteldampf in der Mitte
des Schlitzes befindet und jeweils beide Wände von dem Polymer benetzt werden.
Bei der zweiten Form ist die Strömung von Dampf und Polymer asymmetrisch und
der Lösungsmitteldampf wird an einer Wand gebildet, während die gegenüberliegen-
de Wand ausschließlich von Polymer benetzt ist. Dies hat zur Folge, dass sich auf
der Seite des Schlitzes ohne Dampfbildung eine Überhitzung im Gemisch aufbaut,
welche die Blasenbildung in diesem Bereich im Vergleich zu der Seite mit kontinuier-
licher Dampfphase begünstigt. Nach Maffettone kann dies bedeuten, dass die
Dampfphase im Rohrverlauf zyklisch von einer Seite des Schlitzes auf die andere
wechselt. Da zyklisches Verhalten während der Experimente tatsächlich beobachtet
wurde, wird diese Strömungsform als die wahrscheinlichere angesehen. Für beide
Fälle wird davon ausgegangen, dass nur radiale Wärmeleitung vorliegt und kein kon-
vektiver Wärmetransport in Strömungsrichtung stattfindet. Mit der Annahme, dass die
Wärmeleitfähigkeit λPol des Polymers über die Schlitzlänge konstant bleibt, ist der von
zwei beheizten Wänden übertragbare Wärmestrom für den symmetrischen Strö-
mungszustand folgendermaßen definiert:
21
2. Stand des Wissens
SL
WPolPol
D
)(2λTTNu
q
=
& (2.43)
mit T als Mitteltemperatur des Polymers, der Heizwandtemperatur TW und der lokalen
Nusselt Zahl PolSLPol λ/Dα
=
Nu mit dem lokalen Wärmeübergangskoeffizienten α
(DSL = Schlitzhöhe). Für den Fall, dass eine asymmetrische Strömung vorliegt, ist
Gleichung 2.44 zu verwenden, in der TR die Randschichttemperatur Gas/Polymer
darstellt, SDGas die Schichtdicke der Dampfschicht und λGas die Wärmeleitfähigkeit
des Dampfes. Der Wärmestrom durch die Gasphase ist somit:
G
q
&
Gas
RWGas
GSD
)(λTT
q
=
&. (2.44)
Da die Temperatur der Randschicht vorher nicht bekannt ist, kann auch durch
G
q
&
SL
WPol/GasPol
GD
)(λTTNu
q
=
& (2.45)
bestimmt werden ( stellt ebenfalls den Wärmestrom in die Polymerphase an der
Randschicht dar). Durch die Kombination von Gleichung 2.44 und 2.45 kann nun die
Randschichttemperatur T
G
q
&
l herausgekürzt werden und es ergibt sich daraus für q:
&
)(
/KSD1/
1
D
λ
W
GasPol/Gas
Pol
SL
Pol TT
Nu
Nuq
+
+=
&. (2.46)
NuPol/Gas ist hierbei die Nusselt-Zahl der Polymerphase direkt an der Gas/Polymer
Grenzschicht. Die beiden Nusselt-Zahlen in Gleichung 2.46 werden von Maffettone
mit einem Wert von 10 für NuPol und 3,8 für NuPol/Gas angegeben.
Betrachtet man die Energiebilanz des Systems, sind vier Terme zu berücksichtigen:
zwei Arten des Wärmeeintrags – beheizte Schlitzwände und Dissipation – und zwei
Wärmesenken. Der Energieeintrag geschieht hauptsächlich über die Wärmezufuhr
der Schlitzwände, wohingegen die Reibungswärme nur einen sehr kleinen Beitrag
liefert [5]. Die Wärmesenken stellen einerseits die Temperaturerhöhung des Gemi-
sches und andererseits die lokale Verdampfung von Lösungsmittel dar. Vernachläs-
sigt man den Energieeintrag durch die Reibungswärme, lässt sich die Energiebilanz
für den symmetrischen Fall nach Maffettone [5] folgendermaßen formulieren,
22
2. Stand des Wissens
dz
d
dZ
d
)()α(Pol
FGGaspGPolpPW
m
h
T
mcmcTT
&
&& += (2.47)
mit als Massenstrom des Polymers und als Massenstrom des Gases im
Schlitz in kg/s, sowie den Wärmekapazitäten des Polymers c
Pol
m
&Gas
m
&
pP und des Dampfes cpG.
Mit Hilfe des Ansatzes für die symmetrisch ausgeprägte Strömung und der Einfüh-
rung verschiedener dimensionsloser Kennzahlen, wurde der axiale Temperaturver-
lauf im Schlitz für einige der Versuche nachgerechnet [5]. Die Ergebnisse zeigten
jedoch z.T. starke Abweichungen (± 20 K) von den gemessenen Werten, was laut
Maffettone et. al. einerseits auf die Genauigkeit der Messergebnisse, und anderer-
seits auch auf ein noch unvollständiges Wärmeübergangsmodell zurückzuführen ist.
Parallel zu dem symmetrischen Ansatz wurden zusätzlich Berechnungen mit einem
asymmetrischen Modell durchgeführt, die zu ähnlichen Ergebnissen führten6.
In der Arbeit von Junhong [6] wurde ebenfalls das Strömungssieden eines hochvis-
kosen Gemisches in einem vertikalen Rohr untersucht. Bei dem verwendeten Stoff-
system handelte es sich um ein Gemisch aus Natriumcarboxylmethyl-Cellulose und
Wasser, bei dem nur das Wasser an der Verdampfung beteiligt ist, vergleichbar also
zu den Vorgängen bei Polymer/Lösungsmittel-Systemen. Die Viskosität des Systems
wurde durch die Zugabe unterschiedlicher Mengen von Wasser jeweils auf das ge-
wünschte Maß eingestellt. Mit Hilfe einer Speisepumpe wurde der Versuchsstoff zu-
erst durch einen Vorwärmer zur Thermostatisierung gepumpt, um danach die eigent-
liche Versuchsstrecke zu passieren. Diese bestand aus einem Edelstahlrohr, wel-
ches direkt von einer am Rohr angelegten elektrischen Spannung beheizt wurde.
Neben der Verwendung unterschiedlicher Versuchsrohre – 5,34 und 10,60 mm
Rohrdurchmesser – wurde bei den Experimenten die Gemischviskosität zwischen
0,71 und 26,6 Pas, die elektrisch aufgeprägte Wärmestromdichte zwischen 1,4 und
14,4 kW/m² und der Massenstrom zwischen 4,58 und 53,4 kg/(m²s) variiert.
Im Vergleich zum Strömungssieden niedrigviskoser Fluide, bei dem Massenströme
bis zu 20000 kg/(m²s) vorkommen, wurden hier Experimente mit vergleichsweise
6 Um die Genauigkeit der Berechnung zu verbessern, sollte der Wärmeübergang in Zukunft laut Maf-
fettone nicht mehr eindimensional betrachtet werden, sondern in Form eines zweidimensionalen Mo-
dells, bei dem zusätzlich das Impulsgleichgewicht der Strömung im Schlitz mit integriert wird. Zudem
waren verbesserte Ansätze für den Stofftransport und das Impulsgleichgewicht geplant, welche die
Schaumstruktur der 2-Phasenströmung berücksichtigen sollten, da im bisherigen Modell in diesem
Zusammenhang von einem einphasigen Fluid ausgegangen wurde. Bisher wurden von Maffetone
allerdings noch keine weitergehenden Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht.
23
2. Stand des Wissens
kleinen Massenströmen durchgeführt, da laut Junhong die hohe Viskosität nur sehr
kleine Wärmeübertragungskoeffizienten zulässt, und demzufolge die Temperaturzu-
nahme bei höheren Durchsätzen nur sehr gering wäre.
Aus diesem Grund wird die Gemischviskosität von Junhong als sehr wichtiger Para-
meter angesehen, der in einem Wärmeübertragungsmodell berücksichtigt werden
sollte. Ebenfalls in das Modell zu integrieren sei die Reynoldszahl ReL der flüssigen
Phase – mit sehr kleinen Werten zwischen 0,083 und 3,33 – die den Strömungszu-
stand des Fluids im Rohr kennzeichnet und somit laut Junhong einen direkten Ein-
fluss auf das Strömungssieden besitzt.
Aufgrund ihrer experimentellen Untersuchungen gehen Junhong davon aus, dass der
Wärmeübertragungskoeffizient α hauptsächlich von der Wärmestromdichte abhängt.
Im Gegensatz dazu wird dem Durchsatz kein entscheidender Einfluss auf den Wär-
meübergangskoeffizienten eingeräumt. Aus diesen Beobachtungen schlussfolgern
sie, dass der ausschlaggebende Wärmeübergangsmechanismus in diesem Prozess
das Strömungsblasensieden darstellt bzw. der Übergangsbereich zwischen konvekti-
vem Sieden und Strömungsblasensieden, da ihrer Meinung nach die hohe Viskosität
des Mediums die Entstehung von konvektivem Sieden unterdrückt.
Auf der Basis dieser Annahmen geht Junhong bei der Berechnung des Wärmeüber-
gangskoeffizienten analog dem Ansatz von Winterton und Liu [33] – siehe auch Glei-
chung 2.26 – gemäß Gleichung 2.48 vor,
(2.48)
2
BBS
2
KS
2
Ges )α()α(αSF +=
mit
[]
(
)
0,35
GL
2,1
L1/ρ(ρ)ηlog(620026,41 +=
F (2.49)
und
(2.50)
10,52
L
0,49 )0,19(1
+= ReFS
bei dem die beiden Wärmeübergangskoeffizienten für das konvektive Sieden und
das Blasensieden jeweils mit einem Verstärkungs- bzw. Unterdrückungsfaktor multip-
liziert und dann addiert werden. Da jedoch bei dem von Junhong verwendeten hoch-
viskosen Gemisch andere Stoffeigenschaften im Vergleich zu niedrigviskosen Flui-
den vorliegen, wurde dieses Modell über die F- und S - Faktoren sowie eine modifi-
zierte Berechnung von αBBS an die neuen Verhältnisse angepasst. Der Wärmeüber-
24
2. Stand des Wissens
gangskoeffizient αKS wird analog der Dittus-Boelter Beziehung [34] bestimmt, bei der
der gesamte Massenstrom als Flüssigkeit im Rohr angenommen wird. Zur Berech-
nung des Wärmeübergangskoeffizienten αBBS wird Gleichung 2.51 benutzt, mit p* als
normiertem Druck und dem mittleren Molekulargewicht M des Gemisches:
[
]
0,50,55
R
2/30,12
0,24
LBBS )log(*)ηlog(620034α
= Mpqp & (2.51)
Beim Vergleich der mit dieser Korrelation berechneten Werte mit den experimentel-
len Daten geben Junhong eine durchschnittliche Abweichung von 9,1% an. Aus die-
sem Ergebnis folgern sie, dass die Berücksichtigung der Gemischviskosität für eine
zuverlässige Korrelation zur Berechnung des Wärmeübergangs bei einem hochvis-
kosen Fluid von besonderer Wichtigkeit sei. Den im Vergleich zu einem niedrigvisko-
sen Fluid deutlich schlechteren Wärmeübergangskoeffizienten begründen Junhong
damit, dass nur eine relativ kleine Fläche zur Wärmeübertragung zur Verfügung
steht, da große Teile der Rohroberfläche von der nichtflüchtigen Komponente be-
deckt werden. Inwiefern die Ergebnisse von Junhong auf Polymere in der Kunststoff-
industrie und die dort verwendeten organischen Lösungsmittel übertragen werden
können, ist bis heute nicht untersucht worden.
Im Hinblick darauf, dass die Gemischviskosität einen starken Einfluss auf den Wär-
meübergang hat, sind keine unterschiedlichen Auffassungen bei den hier zitierten
Autoren zu finden. Ein deutlicher Unterschied besteht jedoch zwischen Ritter und
Junhong hinsichtlich der Bedeutung der verschiedenen Wärmeübertragungsmecha-
nismen. Ritter geht aufgrund seiner Experimente davon aus, dass der Wärmeüber-
gangskoeffizient keine direkte Abhängigkeit vom treibenden Temperaturgefälle be-
sitzt. Seiner Meinung nach gelten trotz ausgeprägter Dampfblasenbildung die Ge-
setzmäßigkeiten des Strömungsblasensiedens niedrigviskoser Fluide nicht für hoch-
viskose Stoffsysteme, weshalb dieser Wärmeübertragungsmechanismus in der Be-
rechnung der Gesamtbilanz des Wärmeübergangs nur eine untergeordnete bis gar
keine Rolle spielt. Der nach Ritter hauptsächlich für die Wärmeübertragung verant-
wortliche Mechanismus, das konvektive Sieden, ist im Gegensatz dazu bei Junhong
von deutlich geringerer Bedeutung. Aufgrund ihrer Ergebnisse gehen sie davon aus,
dass der Hauptteil der Wärmeübertragung durch Strömungsblasensieden stattfindet,
und dass die Entwicklung konvektiven Siedens im Rohr aufgrund der hohen Viskosi-
tät des Fluids unterdrückt wird.
25
2. Stand des Wissens
Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass bis heute kein verlässliches Modell
existiert, mit dem sich der Wärmeübergang beim Strömungssieden eines hochvisko-
sen Gemisches quantitativ berechnen ließe. Des Weiteren ist bei den wenigen ver-
fügbaren Arbeiten über hochviskose Stoffsysteme keine Einigkeit über die relevanten
Wärmeübergangsmechanismen zu finden, während zumindest für eine Reihe von
niedrig viskosen Stoffen bzw. Stoffsystemen relativ zuverlässige Berechnungsme-
thoden existieren7. Dieser Punkt trägt insbesondere dazu bei, dass die unterschiedli-
chen Ansätze wesentlich schwieriger miteinander verglichen werden können, als bei
den detailliert untersuchten niedrig viskosen Fluiden. Dazu kommt, dass alle bisher
bekannten Korrelationen an unterschiedliche Stoffsysteme angepasst wurden, wo-
durch die Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert wird. Ein weiteres Problem resultiert
aus der insgesamt sehr unbefriedigenden experimentellen Datenlage, die die Über-
prüfung neuer Berechnungsansätze für den Wärmeübergang beim Strömungssieden
sehr erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht8.
Die oben beschriebene Problematik zeigt Bild 2.2. Von Schwerdtfeger [39] wurden im
Rahmen seiner Diplomarbeit einige der beschriebenen Korrelationen hinsichtlich ih-
rer Anwendbarkeit auf das in dieser Arbeit verwendete Stoffsystem aus Silikonöl und
Pentan – Beschreibung des Versuchsstoffsystems siehe nächstes Kapitel – unter-
sucht. Ausgehend von den Temperatur- und Druckmesswerten einiger Experimente
der vorliegenden Arbeit9 wurden die für die jeweilige Korrelation benötigten Stoffwer-
te ermittelt und die lokalen Wärmeübergangskoeffizienten berechnet. Neben den
Korrelationen von Steiner, Chen und Winterton, die ursprünglich für niedrigviskose
Fluide entwickelt wurden, ist mit Junhong eine Korrelation für hochviskose Fluide be-
trachtet worden. Zur Beurteilung der Korrelationen wurden die experimentell ermittel-
ten Wärmeübergangskoeffizienten den berechneten gegenübergestellt10. Bild 2.2
zeigt den berechneten Verlauf der Wärmeübergangkoeffizienten der verschiedenen
7 Die Berechnungsansätze unterschieden sich hauptsächlich darin, wie die einzelnen Wärmeüber-
gangsmechanismen berechnet (z.B. Art des Berechnungsmodells für das Blasensieden) und dann mit
einander kombiniert werden (Gewichtung und Übergangsbereich); bei den Vorstellungen über die
Vorgänge im Siederohr sind kaum Unterschiede zu finden.
8 Während bei niedrig viskosen Medien eine sehr breite Datenbasis (zumindest für gebräuchliche Stof-
fe wie z.B. Wasser oder Kältemittel) existiert, konnten keine Mehrfachmessungen eines hochviskosen
Stoffsystems gefunden werden
9 Die Experimente wurden an einer Ringspaltversuchsstrecke durchgeführt, die im Rahmen der vorlie-
genden Arbeit konstruiert und aufgebaut wurde (Ringspalt mit 10 mm Innenrohr- und 20 mm Außen-
rohrdurchmesser, Länge 210 cm, Details siehe Abschnitt 3.5). Die Geometrie des Ringsspalts wurde
von Schwerdtfeger bei der Berechnung der Wärmeübergangskoeffizienten berücksichtigt.
10 Experimenteller Wärmeübergangskoeffizient: α = q / (TWand - TFluid), siehe auch Kapitel 6.
26
2. Stand des Wissens
Korrelationen – Details siehe oben und [39] – sowie die experimentell ermittelten
Werte eines Versuchs mit einem Silikonöl der Viskosität 1000 Pas (dynamische ohne
Lösungsmittel bei 25°C) und 27% (Massenprozent) Pentan. Der Volumenstrom
(Durchsatz) durch die Strecke betrug 6,6 l/h bei einer konstanten Wärmestromdichte
von 3,5 kW/m² entlang des von innen beheizten Ringspaltes.
Betrachtet man zuerst die für niedrigviskose Fluide entwickelten Korrelationen, un-
terscheiden sich die berechneten Wärmeübergangskoeffizienten nicht nur deutlich
von den experimentellen Werten sondern auch untereinander. Da die Wärmeüber-
gangskoeffizienten gemäß der vorgeschriebenen Berechnungsvorschriften der jewei-
ligen Korrelation ermittelt wurden und auf den identischen Mess- und Stoffdaten be-
ruhen – Details zu den Berechnungsvorschriften und der Bestimmung der Stoffdaten
siehe [39] –, sind die Abweichungen zwischen den Korrelationen von Steiner, Chen
und Winterton unerwartet hoch. Insbesondere fällt der nach Chen berechnete Verlauf
des Wärmeübergangskoeffizienten auf, da dieser sich ab der Rohrmitte völlig anders
verhält als die nach Steiner und Winterton berechneten Verläufe.
100
1000
0 30 60 90 120 150 180 210
(interpoliert)
Chen, Superposition, (nv), [13]
Steiner, asymptotisch, (nv), [8]
Winterton, asymptotisch, (nv), [33]
m²K
3000
30
300
αGes
Silikonöl M1000k, 27% Massenanteil Pentan
3,5 kW/m², Volumenstrom 6,6 l/h
W
Rohrlänge (Ringspalt) cm
Junhong et al., asymptotisch, (HV), [6]
Experiment
Bild 2.2: Wärmeübergangskoeffizienten verschiedener Korrelationen und expe
rimentelles α entlang einer Ringspaltversuchstrecke; nv: Korrelation
niedrigviskoses Fluid, HV: Korrelation hochviskoses Stoffsystem [39]
27
2. Stand des Wissens
Ab der Rohrmitte (ca. 100 cm) wird rechnerisch der Sättigungszustand des Ver-
suchsstoffgemisches erreicht. Nach der Korrelation von Chen [11] erhält man für das
unterkühlte Strömungssieden keine Werte, da der Verstärkungsfaktor F vom Marti-
nelli Parameter Xtt abhängt, der sich bei einem Dampfgehalt von x = 0 nicht bestim-
men lässt, siehe Gleichung 2.9. Damit ist die Chen-Korrelation nur auf das gesättigte
Strömungssieden anwendbar.
Quantitativ betrachtet gibt keine der drei Korrelationen die experimentellen Ergebnis-
se wieder. Das Gleiche gilt auch für die Korrelation von Junhong, die im Gegensatz
zu den zuvor genannten Korrelationen für ein hochviskoses Fluid entwickelt wurde.
Während die Korrelation von Steiner zumindest qualitativ den experimentellen Ver-
lauf gut nachbildet – wenn auch auf einem deutlich höheren Niveau –, ist bei Jun-
hong zusätzlich ein deutlich unterschiedliches Verhalten ab der Mitte der Versuchs-
strecke zu beobachten (αexp steigt schwach auf ca. 50%, αJunhong fällt drastisch auf
den letzten 25%).
Die oben genanten Gründe und dieses Beispiel machen deutlich, dass eine neue,
umfassende experimentelle Datenbasis geschaffen werden muss, mit der ein modifi-
ziertes bzw. neues Wärmeübergangsmodell erarbeitet werden kann11. Um eine gute
Übertragbarkeit der Messergebnisse und Vorgänge im Siederohr auf unterschiedli-
che Polymer-Lösungsmittel-Gemische zu gewährleisten, ist die Verwendung eines
Versuchsstoffsystems mit möglichst vergleichbaren Stoffeigenschaften von besonde-
rer Wichtigkeit. Von Bedeutung ist des Weiteren die Gewinnung von Erkenntnissen
über lokale und globale Siedephänomene und deren Verständnis, da diese eine
wichtige Grundlage für die Entwicklung einer zuverlässigen Korrelation darstellen.
11 Der Vergleich anderer Experimente in der Arbeit von Schwerdtfeger lieferte ähnliche Ergebnisse.
28
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden hochviskoser Fluide
3.1 Grundlegende Überlegungen zum Design der Versuchsstrecken
In der Literatur gibt es nur wenige Untersuchungen zum Sieden hochviskoser Medien
in Rohren, die in Zusammenhang mit der Entgasung von Polymeren gebracht wer-
den können. Eine der wenigen experimentellen Arbeiten, die sich mit diesem Thema
beschäftigte, wurde von Ritter [4] mit einer speziell dafür gefertigten Fallrohrver-
suchsanlage durchgeführt. Ritter benutzte ein ca. 1.9 m langes Versuchsrohr aus
sechs mit Schaugläsern ausgerüsteten Segmenten und segmentweiser Beheizung
durch Wärmeträgeröl. Zusammen mit den sich einstellenden Versuchsstofftempera-
turen im Fallrohr dienten die experimentellen Daten zur Bestimmung der lokalen
Wärmeübergangskoeffizienten. Die Art der Beheizung hatte jedoch gegenüber einer
elektrischen Beheizung den Nachteil, dass die an den Versuchsstoff abgegebene
Wärmemenge nur relativ ungenau bestimmt werden konnte, da neben der Messung
der jeweiligen Ein- und Austrittstemperaturen und der Massenströme in den sechs
Segmenten auch die Stoffwerte des Wärmeträgeröls genau bestimmt werden muss-
ten (von Ritter angegebene Unsicherheit der Wärmestrommessung ca. ± 6%). Zu-
dem gab es im Bereich der Schaugläser keine Beheizung bzw. Wärmeverlust des
Gemisches. Ein weiteres Problem ergab sich bei der Messung der Fluidtemperatur
durch Thermoelemente mit 1,5 mm Durchmesser, da deren Messwerte laut Ritter
teilweise durch Wärmeleitung von der beheizten Rohrwand beeinflusst wurden. So-
mit waren genaue Werte für den Wärmeübergang nur bedingt zu ermitteln. Ein weite-
rer Nachteil dieser Versuchsstreckenkonstruktion bestand darin, dass das Strö-
mungsverhalten im Rohr nur in sehr kleinen Bereichen zu verfolgen war, da die
Schaugläser relativ klein dimensioniert werden mussten, um die nicht beheizte Rohr-
länge so klein wie möglich zu halten.
Auch bei dem von Maffettone [5] benutzten Versuchsrohr mit einer Schlitzgeometrie
war aufgrund der Beheizung mit Wärmeträgeröl eine genaue Energiebilanzierung zur
Berechnung von verlässlichen Wärmeübergangskoeffizienten nicht möglich. Die Be-
obachtung der Strömung durch Schaugläser oder Glassichtstrecken waren bei dieser
Versuchsstreckenkonstruktion nicht vorgesehen.
Im Unterschied dazu verwendeten Junhong [6] eine elektrische Beheizung für ihre
Versuchsstrecke. Das Versuchsrohr wurde direkt durch eine an den beiden Enden
angeschlossene Stromquelle beheizt, bei der die aufgeprägte Wärmestromdichte
mittels Messung der eingestellten Stromstärke und Spannung berechnet werden
29
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
konnte. Diese Lösung hatte somit gegenüber den mit Wärmeträgeröl beheizten Stre-
cken den Vorteil, dass der übertragene Wärmestrom genau bestimmt werden konnte.
Zusammen mit der Messung der Versuchsstofftemperaturen waren so Aussagen
über den Wärmeübergangskoeffizienten möglich. Schaugläser zur Beobachtung der
Strömungsvorgänge im Rohr wie bei Ritter waren allerdings nicht vorhanden.
Da die Nachteile der oben beschriebenen Versuchsstrecken bei der für diese Arbeit
neu zu konstruierenden Versuchsstrecke vermieden werden sollten, wurde nach ei-
ner anderen Konstruktion gesucht. Einerseits sollen die Wärmestromdichten zur Be-
rechnung der Wärmeübergangskoeffizienten sehr genau bestimmt werden können,
und andererseits sollen möglichst große Schaugläser die Beobachtung der lokalen
Strömungsverhältnisse und Identifizierung der Wärmeübergangsmechanismen er-
möglichen. Da sowohl Wärmeträgeröl, wie es bei Ritter und Maffettone verwendet
wurde, als auch Dampf nur eine ungenaue Bestimmung der übertragenen Wärme-
ströme erlauben, wurde eine elektrische Beheizung der Versuchsstrecke gewählt.
Bei der Konstruktion von Junhong wäre das Integrieren von Schaugläsern jedoch
technisch sehr aufwendig gewesen, da dass Versuchsrohr komplett oder auch nur
teilweise hätte geteilt werden müssen. Dieses hätte besondere Maßnahmen bei der
Stromführung und bei der Isolierung erfordert (die Versuchsstrecke von Junhong war
komplett mit 150 mm Glasfaserwolle isoliert). Daher wurde anstatt eines Rohres mit
Kreisquerschnitt eine Versuchsstrecke mit einer Ringspaltgeometrie als die beste
Lösung angesehen. Mit der elektrischen Beheizung über ein Innenrohr ist es mög-
lich, das Außenrohr in großen Teilen aus Glas zu fertigen, ohne auf die Beheizung in
diesen Bereichen verzichten zu müssen. Ein weiterer Vorteil dieser Anordnung be-
steht darin, dass der gesamte Wärmestrom der Heizelemente an den Versuchsstoff
abgegeben wird, allerdings unter der Voraussetzung, dass das Außenrohr ausrei-
chend isoliert bzw. thermostatisiert wird, um Wärmeverluste an die Umgebung zu
minimieren.
Ein zusätzliches Argument für die elektrische Beheizung des Innenrohres einer Ring-
spaltversuchsstrecke fand sich in der langen Erfahrung mit dem Bau von Versuchs-
rohren, wie sie am Lehrstuhl für Thermodynamik und Energietechnik (ThEt) der Uni-
versität Paderborn – ehemals Institut für Wärme und Kältetechnik (WKT) – für For-
schungsarbeiten im Bereich des Behältersiedens verwendet werden. Aufgrund der
für diese Untersuchungen notwendigen thermostatisierten Kammern (Schaffung ei-
30
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
nes annähernd adiabaten Raumes um den Verdampfer), kann hier ebenfalls auf Er-
fahrungen in deren Konstruktion und Anwendung zurückgegriffen werden.
Die Übertragbarkeit der experimentellen Ergebnisse einer Versuchsstrecke mit Ring-
spaltgeometrie auf die in industriellen Anlagen und in den bisher veröffentlichten Ar-
beiten zur Polymerentgasung benutzten Rohrstrecken war zum damaligen Zeitpunkt
noch nicht geklärt. Um die Messdaten der Versuchsstrecke mit Ringspaltgeometrie
verifizieren zu können, sollte daher zusätzlich eine von außen mit Dampf beheizte
zweite Versuchsstrecke mit einem Kreisrohrquerschnitt für Vergleichsmessungen
gebaut werden.
3.2 Auswahl eines geeigneten Versuchsstoffgemisches
Neben der Konzeption der Versuchsanlage musste im Vorfeld ein mit unterschiedli-
chen Polymer-Lösungsmittel-Gemischen vergleichbares Versuchsstoffgemisch aus-
gewählt werden, da dessen physikalische und chemische Eigenschaften einen we-
sentlichen Einfluss nicht nur auf das grundlegende Design der Versuchsanlage, son-
dern auch auf technische Detaillösungen haben würde. Herkömmliche Polymere, die
bei Umgebungstemperatur in fester Phase vorliegen, verursachen einen sehr hohen
Aufwand bei der Gemischherstellung, da zur Erzeugung eines Versuchsstoffes das
Aufschmelzen des Kunststoffgranulats in einem Extruder und daran anschließend
eine aufwändige Mischtechnik für das Zudosieren des Lösungsmittels nötig wäre. Es
wurde daher ein technisch einfacher zu realisierender, absatzweiser Betrieb aus ei-
nem Vorratsbehälter gewählt, bei dem das jeweils gewünschte Polymer/Lösungs-
mittelgemisch vor den Versuchen angesetzt werden kann.
Da bei Kunststoffen, die mit Lösungsmitteln kontaminiert sind, hohe Entsorgungskos-
ten zu veranschlagen wären, sollte der Versuchsstoff zudem problemlos wieder ver-
wendet werden können. Dies ist bei den handelsüblichen Polymeren aufgrund der
schwierigen Handhabung (fester Aggregatszustand bei TU) beim Ansetzen des Ge-
misches und Umfüllen von den Auffanggefäßen zurück in den Vorratsbehälter eben-
falls sehr aufwändig.
Es wurde daher nach einem Stoff gesucht, der bei Umgebungstemperatur in flüssiger
Form vorliegt, eine genügend große Viskosität aufweist, und zudem temperatur- und
zeitstabil ist, um mehrere Male wieder verwendet werden zu können. Neben dem
31
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
deutlich leichteren Handling eines bei Umgebungstemperatur als Flüssigkeit vorlie-
genden Versuchsstoffes, war auch das damit direkt verbundene niedrigere Tempera-
turniveau bei den Experimenten von großer Bedeutung. Bei einem technisch relevan-
ten Polymer können während des Trennprozesses leicht Temperaturen von 300°C
und mehr erreicht werden [4,5,6]. Diese Stoffe wären daher nicht für die vorgesehe-
ne Versuchsrohrtechnik brauchbar, da aufgrund fertigungstechnischer Gründe Kom-
ponenten der Versuchsstrecke weichgelötet werden müssen – siehe Abschnitt 3.1
und 3.5. Eine maximale Betriebstemperatur von 200°C darf daher nicht überschritten
werden (Schmelzpunkt des Weichlotes bei ca. 220°C).
Ein Stoff, der alle oben genannten Eigenschaften erfüllt, ist Silikonöl (= Polydimethyl-
siloxan). Silikonöl ist von der chemischen Struktur her den organischen Polymeren
sehr ähnlich, da es ebenfalls langkettige Moleküle bildet. Das Grundelement ist dabei
aber nicht Kohlenstoff, sondern Silizium. Es zeigt bei Umgebungstemperatur ein
physikalisch ähnliches Verhalten wie die Kohlenstoff-Polymere im flüssigen Zustand,
und hat gegenüber diesen den zusätzlichen Vorteil, dass bei den vorgesehenen Flu-
idtemperaturen von maximal 200°C keine Rückpolymerisation oder Zersetzungser-
scheinungen des Silikonöls zu erwarten sind. Da bei den Experimenten verschiedene
Viskositäten untersucht werden sollten, boten sich die von der Firma Bayer in einem
weiten Viskositätsbereich von 1 Pa·s bis maximal 2000 Pa·s produzierten Baysilone
Öle an. Ausgewählt wurden drei Silikonöle mit dynamischen Viskositäten von 10, 100
und 1000 Pa·s.
Nach der Festlegung auf Silikonöl als hochviskose Komponente war nun noch ein
geeignetes Lösungsmittel zu bestimmen. Von besonderer Wichtigkeit war eine sehr
gute Mischbarkeit mit dem Öl, da ansonsten aufgrund von Entmischungsvorgängen
vor, während oder nach der Versuchsstrecke keine Vergleichbarkeit zu den Versu-
chen mit herkömmlichen Polymeren hätte hergestellt werden können. Aufgrund des
niedrigeren Temperaturniveaus des Silikonöls im Vergleich zu den technisch relevan-
ten Kohlenstoff-Polymeren, sollte das Lösungsmittel einen möglichst hohen Dampf-
druck besitzen. Bei Verwendung der im Bereich der Kohlenstoff-Polymere vorkom-
menden Lösungsmittel, wie z.B. Ethylbenzol oder Acrylnitrit, wäre ansonsten ein
deutlich niedrigerer Dampfdruck im Prozess die Folge, wodurch wiederum die Über-
tragbarkeit auf die technischen Prozesse eingeschränkt wäre.
32
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Würden in der Endauswahl noch mehrere Stoffe zur Auswahl stehen, sollte das Lö-
sungsmittel mit dem geringsten Gefährdungspotential ausgewählt werden. Stark ge-
sundheitsschädliche Stoffe wurden allerdings von vornherein ausgeschlossen.
Begonnen wurde mit den Stoffen, die in den Produktinformationen der BAYSILONE-
Öle der Serie M [40] als besonders geeignete Lösungsmittel genant werden: Benzin,
Benzol, Toluol, Ethylacetat, Tetrachlorkohlenstoff, Chloroform und Trichlorethylen.
Aufgrund der teilweisen bzw. totalen Unlöslichkeit von Silikonöl in Wasser und Alko-
holen (z.B. iso-Propanol, Ethanol) wurden diese nicht betrachtet. Generell werden
aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe als gute Lösungsmittel angesehen.
Aus diesem Grund und wegen der karzinogenen Eigenschaften einiger der oben ge-
nannten Stoffe (insbesondere Chloroform, Benzol, Toluol), wurden zusätzlich Cyclo-
Hexan, n-Hexan, n-Heptan, Dichlorethan sowie das leichtsiedende n-Pentan in das
Versuchsprogramm aufgenommen. Damit wurden letztlich folgende Substanzen auf
ihre Löslichkeit hin getestet:
n-Pentan, n-Hexan, n-Heptan, Cyclo-Hexan, Toluol, Ethylacetat, Dichlorethan und
Aceton.
Um die Löslichkeit der Substanzen zu untersuchen, wurde jeweils ein Gemisch mit
50% (Gewichtsprozent) Lösungsmittel hergestellt. Als Öl für die Löslichkeitsversuche
wurde M1000k mit einer kinematischen Zähigkeit von ν = 1.000.000 mm²/s (=1m²/s)
benutzt, und einer zugehörigen dynamischen Zähigkeit von η = 1000 Pa·s bei einer
Flüssigkeitsdichte von ρ = 1000 kg/m³ (ν = η/ρ) (Werte für 25°C).
Die Ergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
Aceton war im Öl unlöslich und ist daher ungeeignet. Alle anderen Stoffe mischten
sich vollständig mit dem Öl, allerdings mit unterschiedlichem Zeitbedarf. In Tabelle
3.1 sind die Gemische in der Reihenfolge zunehmender Mischzeit und abnehmender
Fließfähigkeit (zunehmende Viskosität) aufgeführt. Eine sehr gute Mischbarkeit wur-
de mit zwei Pluszeichen, eine gute durch ein Pluszeichen und eine befriedigende
Mischbarkeit durch eine „0“ bewertet ( – = nicht mischbar).
Abschließend wurde n-Pentan als das am besten geeignete Lösungsmittel angese-
hen, da es neben der sehr guten Löslichkeit im Silikonöl bei den zu erwartenden
Temperaturen den höchsten Dampfdruck der getesteten Lösungsmittel erzeugen
würde. Zudem ist dieser Stoff im Vergleich zu n-Hexan oder Toluol physiologisch re-
lativ unbedenklich.
33
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Tabelle 3.1: Mischbarkeit und Eigenschaften verschiedener Lösungsmittel
Silikonöl mit
Lösungsmittel:
Misch-
barkeit
Maximale
Arbeitsplatz
Konentration
Dampfdruck
bei 150°C
Siedetem-
peratur bei
1013 mbar
Dampfdruck
bei 20°C
n-Pentan
n-Heptan
n-Hexan
Cyclo-Hexan
Toluol
Ethylacetat
Dichlorethan
Aceton
++
++
+
+
0
0
0
300 ppm
500 ppm
50 ppm
200 ppm
50 ppm
400 ppm
100 ppm
-
15, 87 bar
3,73 bar
7,50 bar
5,53 bar
2,68 bar
6,92 bar
5,59 bar
-
35°C
98°C
69°C
81°C
111°C
77°C
57°C
-
570 mbar
46 mbar
160 mbar
127 mbar
29 mbar
100 mbar
240 mbar
-
3.3 Anforderungen an die Versuchsanlage
Bei der Konzeption, der Auslegung und dem Bau der Versuchsanlage wurde nach
konstruktionssystematischen Prinzipien vorgegangen, wie sie z.B. von Jorden [41]
oder Pahl und Beitz [42] beschrieben werden12. Im Folgenden soll hier allerdings nur
auf die Erstellung der Anforderungsliste eingegangen werden, da falsch gestellte An-
forderungen an die Versuchsanlage, die Versuchsstrecken oder auch einzelner
Komponenten eine unzureichende Funktion derselben oder sogar ein totales Versa-
gen der Anlage hinsichtlich der Aufgabenstellung zur Folge haben kann. Zeit- und/
oder kostenintensive Änderungen zu einem späteren Zeitpunkt – z.B. während des
Aufbaus der Versuchsanlage – sollen auf diese Weise vermieden werden. Ausführli-
chere Informationen zum Konstruktionsprozess der Versuchsanlage finden sich im
Abschlussbericht zur ersten Phase des Projektes [43].
12 Das grundlegende Vorgehen hierbei besteht im Abarbeiten aufeinander folgender Prozessschritte,
wie 1. Klärung der Aufgabenstellung, 2. Aufstellen einer Anforderungsliste, 3. konzeptionelles Design,
4. gestalterisches Design und 5. Detaillierung [41,42].
34
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Da der Zweck dieses Projektes die wissenschaftliche Untersuchung des Siedens
hochviskoser Gemische in Rohren ist, stellen die Versuchsstrecken die wichtigste
Komponente der Versuchsanlage dar und sind infolgedessen Ausgangspunkt des
Gesamtkonzeptes, siehe auch Abschnitt 3.1. Die Anforderungen an die Rohre und
an deren Gestaltung und Dimensionierung wirken sich direkt und indirekt auf die
Gestaltung der restlichen Versuchsanlage aus.
Ein wichtiger Punkt hierbei ist vor allem die Vergleichbarkeit der experimentellen Er-
gebnisse dieser Versuchsanlage mit anderen wissenschaftlichen Untersuchungen
und industriellen Prozessen. Um dies zu gewährleisten, sollten die direkt und indirekt
an der Anlage einstellbaren Parameter wie z.B. Durchsatz, Viskosität, Temperatur-
differenzen und Druckverlust in etwa in der gleichen Größenordnung liegen wie bei
den zugrunde liegenden industriellen Prozessen.
Im Folgenden sind die wichtigsten Anforderungen an die Versuchsstrecken und die
Versuchsanlage zusammengefasst:
elektrisch beheizte Ringspaltstrecke zur Bestimmung des lokalen Wärmeüber-
gangs mit der Möglichkeit zur mehrmaligen Beobachtung der Heizfläche und
der Strömungsvorgänge entlang der Versuchsstrecke über größere Abschnitte
Segmentweise Beheizung der Ringspaltversuchsstrecke für zwei unterschiedli-
che Betriebsarten: 1. konstante Wärmestromdichte und 2. (quasi) konstante
Wandtemperatur entlang der Strecke
Konstruktion der elektrisch beheizten Innenrohre ähnlich der Versuchsrohre aus
dem Behältersieden, Messung der Heizwandtemperatur mit Thermoelementen
zweite Versuchsstrecke für Vergleichsmessungen (Vergleichsstrecke) in Form
eines von außen Fluid beheizten Fallrohres mit Kreisgeometrie
zulässiger Betriebsdruck der beiden Versuchsstrecken sowie der dazugehören-
den Peripherie mindestens 10 bar
maximal erreichbare Heizwandtemperatur ca. 200°C
maximal fahrbare Silikonölviskosität in der Anlage mindestens 1000 Pa·s
Thermostatisierung der Versuchsstrecken durch eine Klimakammer für bessere
Reproduzierbarkeit der Versuche bei wechselnden Umweltbedingungen;
Vorraussetzung für den adiabaten Betrieb der Ringspaltversuchsstrecke (Mini-
mierung von Wärmezu- bzw. Abfuhr der Strecke an die Umgebung)
35
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
absatzweiser Betrieb mit vorher angesetztem Gemisch und wieder Verwendung
des Versuchsstoffes, siehe auch Abschnitt 3.2
Bestimmung des Lösemittelgehaltes vor und nach den Versuchsstrecken mit
Hilfe von Probennahmen
Auslegung der Anlage auf Gemischdurchsätze von 3 kg/h bis 20 kg/h
Lösemittelkonzentrationen zwischen 0 und 70%
korrosionsbeständiger Stahl für alle Versuchsstoff berührenden Komponenten
Zentrale Online-Messwerterfassung und Speicherung durch Rechner
Mit Hilfe dieser grundlegenden Anforderungen konnte danach mit der Konzeption der
Gesamtanlage sowie der Detaillierung und Konstruktion der einzelnen Anlagenkom-
ponenten begonnen werden.
3.4 Gesamtkonzept der Versuchsanlage
Wesentliches Gestaltungsmerkmal der Anlage und ihrer Komponenten war der Ver-
suchsstofffluss mit dem geforderten absatzweisen Versuchsbetrieb. Bild 3.1 zeigt
das Schema der Versuchsanlage. Es wird anhand des Versuchstoffflusses erläutert:
Der Versuchsstoff, bestehend aus Silikonöl und Pentan, wird über den Anschluss (4)
in den Vorratsbehälter (1) eingefüllt und mit Hilfe des Rührwerks (2) homogenisiert.
Um die Eintrittstemperatur des Versuchsstoffes in die Versuchsstrecken zu variieren
und den Mischvorgang durch eine erhöhte Temperatur beschleunigen zu können, ist
eine Behälterheizung (3) vorgesehen. Mit der Speisepumpe (5) wird der Versuchs-
stoff über den Umschalthahn (7) entweder für eine bessere Durchmischung im Kreis
oder über die beheizte Steigleitung (8) zu den Versuchsstrecken gefördert. Um den
Pentananfangsgehalt bestimmen zu können, ist direkt nach der Speisepumpe eine
Probenentnahmestelle (6) vorgesehen.
Der Druckwächter (9), der bei Überschreiten eines einstellbaren Druckes die Speise-
pumpe ausschaltet, dient insbesondere zum Schutz der Schaugläser in den Ver-
suchsstrecken. Über einen mit einem Ölbadthermostat (11) beheizbaren Mischer
(10) zur abschließenden Homogenisierung und Feinthermostatisierung gelangt der
Versuchsstoff über einen Umschalthahn (12) entweder in die Ringspaltversuchsstre-
36
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
cke (13) oder in die Vergleichsstrecke (14). Beide Versuchsstrecken münden in ei-
nen Abscheider mit unten angeflanschter Austragspumpe (15), die das Silikonöl aus
dem Abscheider fördert.
8
2
R
25
20
12
17
1
23
6
5
16
18
14
3
4
R
15
7
26
13
11
9
8
19 21
22
24
10
Bild 3.1 Anlagenschema: (1) Vorratsbehälter mit (2) Rührwerk, (3) Heizung, (4) Füll-
leitung, (5) Speisepumpe, (6) Probenentnahme Pentananfangsgehalt, (7) Umschalt-
hahn Umlaufförderung/Steigleitung, (8) Steigleitung mit Zusatzheizung, (9) Druck-
wächter, (10) beheizter Mischer, (11) Mischerheizung, (12) Umschalthahn Versuchs-
strecken, (13) Ringspaltversuchsstrecke, (14) Vergleichsversuchsstrecke, (15) Ab-
scheider mit Austragspumpe, (16) Überströmventil, (17) Probenentnahme Pentan-
endgehalt, (18) Auffangbehälter Silikonöl, (19) Pentandampfleitung mit Drosselventil,
(20) Kondensator, (21) Kühlfalle, (22) Vakuumpumpe, (23) Kältemaschine, (24) Pen-
tanschleuse, (25) Auffangbehälter Pentan, (26) Klimakammer mit Lüfter (ohne Dar-
stellung der Segmentierung und Luftleitbleche)
T: Temperatur- und P: Druckmessstellen (TV und PV jeweils an den Versuchsstre-
cken), M: Antriebsmotoren, R: Regelheizungen, PW: Druckwächter
37
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Direkt an die Pumpe schließt sich ein Überstromventil (16) an, an das wiederum eine
Vorrichtung zur Probenentnahme (17) für die Bestimmung des Pentanrestgehaltes
im Silikonöl montiert ist. Das Silikonöl wird abschließend in einem Auffangbehälter
(18) gesammelt. Das dampfförmige Pentan wird über die Dampfleitung und ein Dros-
selventil (19) in einen Kondensator (20) geleitet und dort verflüssigt. Um Inertgase
(wie z.B. Stickstoff) aus dem System zu entfernen und den Druck im Abscheider
noch weiter absenken zu können, ist hinter dem Kondensator eine Kühlfalle mit flüs-
sigem Stickstoff (21) sowie eine Vakuumpumpe (22) vorgesehen. Der Kondensator
wird von einer Kältemaschine (23) mit Kühlsole versorgt. Über die Pentanschleuse
(24), die mit zwei Kugelhähnen geöffnet bzw. geschlossen wird, gelangt das flüssige
Pentan in den Auffangbehälter (25). Für eine bessere Reproduzierbarkeit der Expe-
rimente sind der Mischer, die Versuchsstrecken und der Abscheider mit Austrags-
pumpe in einer Klimakammer (26) integriert.
Auf der Basis dieses Grundkonzeptes wurden eine Reihe von Festlegungen bezüg-
lich des Designs der Versuchsstrecken getroffen. Das Versuchsstreckendesign war
insbesondere für die Gestaltung der Klimakammer von Bedeutung, da diese quasi
um die Versuchsstrecken „herumgebaut“ werden musste. Die Dimensionierung der
Klimakammer hatte wiederum Auswirkungen auf die Gestaltung des Anlagengestells,
da das Gestell nicht nur die Klimakammer aufnehmen, sondern auch einen guten
Zugang zu den Versuchsstrecken für Beobachtungszwecke und Wartungsarbeiten
ermöglichen sollte. Im Folgenden werden das konzeptionelle und gestalterische De-
sign der Ringsspaltversuchsstrecke sowie deren Details beschrieben.
3.5 Ringspaltversuchsstrecke
Bei der Konzeption der Ringspaltversuchsstrecke mussten neben den geschilderten
allgemeinen Anforderungen spezielle Anforderungen an die Geometrie, die Mess-
technik und die Fertigung der Strecke berücksichtigt werden. Als endgültiges Design
wurde eine Versuchsstrecke mit sieben einzeln beheizbaren Segmenten gewählt, die
mit einer Segmentlänge von jeweils 300 mm einen Ringspalt mit einer beheizten
Länge von 2100 mm ergibt. Pro Segment sollte die Fluidtemperatur und der Druck
einmal, die Heizwandtemperatur vier mal gemessen werden.
38
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Die Festlegung auf sieben Segmente hatte verschiedene Gründe:
Durch die Wahl von sieben Segmenten kann bei der Betriebsart „konstante
Wandtemperatur“ durch Variation der elektrischen Heizleistungen an den Seg-
menten der Temperaturverlauf entlang der Ringspaltstrecke besser angepasst
werden, als dies mit weniger Segmenten möglich wäre (kontinuierlichen Tempe-
raturverlauf entlang der Strecke simulieren bzw. nachbilden).
Die effektiv beheizte Rohrlänge kann durch Abschalten einzelner Segmente am
Ende der Ringspaltstrecke variiert werden, um kürzere Versuchsrohre zu simu-
lieren. Je mehr Segmente zu Verfügung stehen, umso mehr Rohrlängen können
simuliert werden.
Mit sieben Segmenten ergibt sich eine ausreichende Zahl an Messpositionen
und Beobachtungsgläsern entlang der Ringspaltversuchsstrecke.
Das elektrisch beheizte Innenrohr sollte nach dem gleichen Verfahren und mit
den bereits vorhandenen Fertigungseinrichtungen hergestellt werden, die zuvor
schon für die Versuchsrohre beim Behältersieden zur Anwendung kamen. Da-
durch wurde die maximale Länge des Innenrohres auf 300 mm begrenzt.
Eine größere Anzahl von Segmenten wäre zwar konstruktiv möglich gewesen, wurde
aber aufgrund des zu erwartenden hohen Fertigungsaufwandes die – Fertigung von
elektrisch beheizten Versuchsrohren ist sehr aufwendig – und der Komplexität der in
der Klimakammer zu montierenden Versuchsstrecke verworfen.
Neben der Ringspaltstrecke sollte eine Vergleichsstrecke zur Verfügung stehen, um
den Geometrieeinfluss auf den Ausdampfprozess zu untersuchen. Da sich hieraus
eine ganze Reihe unterschiedlicher Kombinationen für die Abmessungen des Ring-
spalts und der Vergleichsstrecke ergaben, musste die am besten geeignete Kombi-
nation mit Hilfe anderer Anforderungen ermittelt werden. Diese bezogen sich vor al-
lem auf den Durchmesser des Innenrohres. Neben einer ausreichenden Stabilität im
eingebauten Zustand sollte das Innenrohr so einfach und zuverlässig wie möglich zu
fertigen sein. Ein zu kleiner Durchmesser hätte eine unbefriedigende mechanische
Stabilität und komplizierte Fertigung zur Folge gehabt. Ein zu großer Durchmesser
des Innenrohres hätte wiederum zu große Gesamtabmessungen der Ringspaltver-
suchsstrecke zur Folge, die sich negativ auf die Variationsbreite der Betriebsparame-
ter auswirken (insbesondere der minimale Durchsatz). Als bester Kompromiss wurde
ein Durchmesser von 10 mm angesehen.
39
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Nach der Festlegung des Innendurchmessers musste ein geeigneter Außendurch-
messer für den Ringspalt ermittelt werden. Favorisiert wurde ein Außendurchmesser
von 20 mm, der zu einem Ringspalt von 5 mm führt, da hierfür sowohl geeignetes
Edelstahlrohr als auch Schauglasmaterial beschafft werden konnte. Bild 3.2 zeigt die
Konstruktion eines Segmentes der Ringspaltstrecke in Form einer 3-D Darstellung.
Im darauf folgenden Bild 3.3 sind die wichtigsten Abmaße eines Segmentes in einer
Konstruktionszeichnung dargestellt.
In das Innenrohr mit einem Durchmesser von 10 x 1 mm ist ein Kupferkern mit
7,8 mm Außen- und 2,2 mm Innendurchmesser zusammen mit einem Heizleiter und
vier Thermoelementen zur Heizwandtemperaturmessung weich eingelötet. Der Kup-
ferkern im Innern des Edelstahlrohres dient dazu, den mit Gleichstrom versorgten
elektrischen Heizleiter mit einem Außendurchmesser von 2 mm aufzunehmen und
dessen Wärme homogen in axialer sowie in radialer Richtung über das Rohr zu ver-
teilen. Des Weiteren sind Außen in den Kupferkern Längsnuten der Tiefe 0,55 mm
und der gleichen Breite eingefräst worden, in die die vier Miniatur-Mantel-Thermo-
elemente mit 0,5 mm Außendurchmesser zur Messung der Rohrwandtemperatur
eingelassen werden. Die Länge der Nuten beträgt 125 mm vom Segmentanfang,
wodurch gleichzeitig der Abstand der Thermoelement Messspitze vom Anfang des
Segments festgelegt wird.
Alle Komponenten der Versuchsstrecke bestehen aus Edelstahl 1.4571. Dieses Ma-
terial wurde aus einer Reihe anderer in Frage kommender Edelstahlwerkstoffe aus-
gewählt, da es die gleiche Wärmeausdehnung wie das für den Kern gewählte hoch-
reine Elektro-Kupfer besitzt. Dies war besonders im Hinblick auf die sonst zu erwar-
tenden Wärmespannungen wichtig, die unter Umständen zur Zerstörung des Ver-
suchsrohres bei höheren Temperaturen geführt hätten.
Allerdings war die Werkstoffpaarung Edelstahl/Kupfer nicht ganz unproblematisch:
Dadurch, dass Edelstahl eine sehr schlechte Benetzbarkeit für Weichlote besitzt,
konnte der Kupferkern nicht wie bei Rohren zur Untersuchung des Behältersiedens
üblich (Material der dort verwendeten Versuchsrohre: Kupfer oder „normaler“ Stahl),
ohne Vorbehandlung des Edelstahls weich eingelötet werden. Dieses Problem kann
umgangen werden, wenn Edelstahl mit Nickel beschichtet wird, da Nickel einerseits
eine sehr gute Benetzbarkeit für Weichlote besitzt und andererseits ebenfalls sehr
gut auf Edelstahl haftet.
40
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Heizleiteranschluss
(kaltes Ende)
Thermoelemente
Versuchsrohrflansch
Adapter für
Temperaturmessung
im Versuchsstoff
Zwischenrohr I
Druckaufnehme
r
10 mm Innenrohr
2 mm Heizleiter
Zwischenrohr II
Kupferkern
Anschlussflansch an nächstes Segment Verschluss Innenrohr und Zentrierung
Bild 3.2: links: einzelnes Segment der Ringspaltversuchsstrecke komplett,
rechts: Segment geschnitten in verschiedenen Ebenen
41
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Bild 3.3: Konstruktionszeichnung eines Ringspaltstreckensegmentes
42
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Die Beschichtung der Rohrinnenseite mit Nickel ist aufgrund der hierfür nötigen tech-
nischen Einrichtungen sehr aufwändig13 – im Gegensatz zur der Beschichtung der
Rohraußenseite –, und wird daher nur von sehr wenigen Spezialfirmen beherrscht.
Der Firma Thales Electron Devices (TED), spezialisiert auf Metallbeschichtungen
unterschiedlicher Materialien (metallisch und nichtmetallisch) im Bereich der Luft-
und Raumfahrttechnik, gelang es letzen Endes, mit Hilfe eines speziell angepassten
chemischen Verfahrens, die 10 mm Edelstahlrohre von Innen zu vernickeln. Da da-
bei erreichte Schichtdicke an Nickel beträgt ca. 80 bis 120 µm über die gesamte
Rohrlänge von 300 mm. Aufgrund des Verfahrens wurden die Rohre gleichzeitig mit
einer dünnen, ca. 5 bis 8 µm starken Nickelschicht von Außen beschichtet, die aller-
dings keinen störenden Einfluss auf den Wärmeübergang erwarten lässt, und daher
auf den Rohren belassen wurde.
Vor dem eigentlichen Lötvorgang, bei dem der Kupferkern mit Heizleiter und Ther-
moelementen mit dem Innenrohr verbunden wird, wurde das Innenrohr am oberen
Ende über zwei 6 x 1 mm große Röhrchen an dem Versuchsrohrflansch befestigt,
siehe Bild 3.2. Hierfür wurden die Röhrchen außen am Flansch verschweißt und da-
nach am Innenrohr hartgelötet. Diese Röhrchen dienen nicht nur als Halterung des
Innenrohrs, sondern auch als Durchführung für den Heizleiteranschluss und die vier
Thermoelemente zur Messung der Heizwandtemperatur. Da die Röhrchen die Quer-
schnittsfläche des Ringspaltes verkleinern, ist für eine annähernd konstante Strö-
mungsgeschwindigkeit in diesem Bereich der Innendurchmesser des Flansches auf
22,2 mm vergrößert worden, um die Störung durch die in der Strömung stehenden
Röhrchen so klein wie möglich zu halten. Der durch eines der 6 mm Röhrchen
durchgeführte elektrische Anschluss des Heizleiters erfolgte über ein so genanntes
„Kaltes Ende“, welches im Innenrohr mit dem Heizleiter verlötet und über einen Swa-
gelok Adapter mit dem 6 mm Röhrchen zur Sicherung gegen Zugkräfte außen ver-
schraubt wurde.
Der obere Teil des Innenrohres wurde über eine Spezialschraube (M9 x 1 mm) ab-
gedichtet. Das untere Ende des Innenrohres ist ebenfalls mit einer Spezialschraube
(M9 x 1 mm) verschlossen, die einerseits als Anschlag für den Kupferkern während
des Lötens dient, und andererseits mit einem Führungsstift das Rohrende im an-
schließenden Segment gegen eine seitliche Auslenkung fixiert.
13 Obwohl sich chemische und elektrolytische Verfahren zum Teil sehr stark unterscheiden, ist der
technische Aufwand und die Komplexität des Prozesses für eine Nickelbeschichtung einer Rohrinnen-
seite bei beiden Verfahren vergleichbar.
43
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Das Außenrohr eines Segmentes setzt sich aus drei verschiedenen Teilen zusam-
men (siehe Bild 3.2 und 3.3): das Zwischenrohr I mit Druck- und Temperaturmess-
stelle in der Mitte (erster Teil), die Glassichtstrecke (zweiter Teil), und das Zwischen-
rohr II (dritter Teil). Bei den Zwischenrohren handelt es sich um Edelstahlrohre der
Abmessung 25 x 2.5 mm, jeweils mit einem angeschweißten Flansch am Anfang und
Ende. Auf der Anschlussseite zum Versuchsrohrflansch, der gleichzeitig als Träger-
flansch des Innenrohres dient, ist der Innendurchmesser der Flansche jeweils ko-
nisch von 20 mm auf 22.2 mm vergrößert, um eine möglichst gleichmäßige Strömung
im Übergangsbereich zu gewährleisten. Die Versuchsrohrflansche sind jeweils durch
sechs M8 Gewindestangen mit den Anschlussflanschen der Zwischenrohre I und II
verschraubt.
Die Schauglasflansche, zwischen die das 100 mm lange Glasrohr gespannt wird,
sind ebenfalls durch sechs M8 Gewindestangen verbunden. Bei dem Glasrohr han-
delt es sich um eine Sonderanfertigung der Firma HECKER aus Borosilikatglas 3.3.
Da Glasrohr-Rohlinge mit einem Innendurchmesser von 20 mm und einer benötigten
Wandstärke von mindestens 4 mm nicht erhältlich waren14, musste ein etwas zu gro-
ßes Glasrohr auf das benötigte Maß umgeformt werden. Der beste Kompromiss be-
stand in einem von der Firma QVF gelieferten Glasrohr mit 30 mm Außen- und
21 mm Innendurchmesser, welches von der Firma Hecker mit Hilfe einer Spezialma-
schine auf den gewünschten Innendurchmesser von 20 mm „kalibriert“ wurde15.
Aufgrund der stark voneinander abweichenden Wärmeausdehnungskoeffizienten16
von Borosilikatglas 3.3 und Edelstahl 1.4571, musste bei der Auslegung der Flansch/
Schraubenverbindung insbesondere die unterschiedliche Wärmedehnung der einzel-
nen Bauteile berücksichtigt werden. Hierfür dienen Tellerfedern, die in jedem Be-
triebszustand der Versuchsstrecke für eine ausreichende Anpresskraft an der Dicht-
fläche sorgen sollen. Gleichzeitig kompensieren diese das Setzen der Teflondichtun-
gen während des Betriebs. Das Federnpaket, die benötigte Vorspannung und der
14 Die Wandstärke sollte aus Gründen der Druckbeständigkeit – für 20 bar Überdruck im Rohrinneren
wäre schon eine Wandstärke von 1 mm ausreichend – so groß wie möglich sein, da hierdurch die
mechanischen Einspannverhältnisse zwischen den Flanschen deutlich besser sind als bei dünnwan-
digeren Glasrohren.
15 Bei der Kalibrierung wird der Glasrohrrohling auf einem Stahlzylinder bis zur Glastemperatur erhitzt
um dann mit Zug auf den Durchmesser des Zylinders gezogen zu werden. Der Außendurchmesser
des Stahlzylinders orientiert sich dabei an dem gewünschten Innendurchmesser des Glasrohres. Der
Außendurchmesser und die Wandstärke des Glasrohrrohlings nimmt bei diesem Verfahren etwas ab.
16 Wärmeausdehnungskoeffizienten Borosilikatglas 3.3: 3,3x10-6/K, Edelstahl 1.4571: 17x10-6/K,
Stoffwerte aus VDI-Wärmeatlas Kapitel Dea, Abschnitt Metalllegierungen [45]
44
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Federweg wurden mit Hilfe der Schrauben/Tellerfeder Beziehungen von Roloff und
Matek [44] berechnet (Details hierzu siehe Anhang).
Um das Fließen der Teflondichtungen in den Strömungskanal durch die lang anhal-
tende mechanische und thermische Belastung so weit wie möglich zu unterdrücken,
wurde kein „herkömmliches“ Teflonmaterial eingesetzt, wie es bisher am Institut ver-
wendet wurde, sondern ein bereits bei der Herstellung vorverformtes Flachdich-
tungsmaterial TEADIT 24 SH der Firma TEADIT. Hierbei handelt es sich um multidi-
rektional expandiertes PTFE (Polytetrafluorethylen), welches sich aufgrund der auf-
geprägten Vorverformungen senkrecht zur vorgesehenen Dichtfläche nur noch in
Belastungsrichtung setzt und nicht wie herkömmliches Teflon seitlich zwischen den
Dichtflächen heraus fließt. Dies ist besonders im Hinblick auf eine ungestörte Strö-
mung im Übergangsbereich zwischen Flanschen und Schaugläsern wichtig, da jede
potentielle Störstelle einen mehr oder weniger starken Einfluss auf die Zweiphasen-
strömung haben könnte17. Dadurch, dass Plattenmaterial zur Verfügung stand, konn-
ten die Dichtungen (Abmessungen 29 mm x 20 mm, Plattenstärke 0,5 mm) durch
Stanzwerkzeuge selbst hergestellt werden. Das Material kann in einem Temperatur-
bereich von -240°C bis +270°C (kurzzeitig bis 315°C) eingesetzt werden. Die chemi-
sche Beständigkeit ist gleich dem anderer, herkömmlicher PTFE-Typen, mit chemi-
scher Stabilität im gesamten pH Bereich (pH 0-14) [47].
Der Vorteil der oben beschriebenen Versuchsstreckenkonstruktion liegt darin, dass
jedes Segment einzeln mit den Schaugläsern vormontiert werden kann. Dies ermög-
licht einerseits eine präzise Montage der Schaugläser durch fein abgestufte Dreh-
momentschritte, und erleichtert andererseits den späteren Zusammenbau der Seg-
mente in Inneren der Klimakammer. Hierbei wird das erste Segment über einen spe-
ziellen Montageflansch mit einer im Inneren der Klimakammer befestigten Halteplatte
verschraubt. An den Anschlussflansch des schon montierten Segments wird dann
der Versuchsrohrflansch des darauf folgenden Segmentes befestigt, bis alle sieben
Segmente montiert sind. Da das Innenrohr des letzten Segmentes keine Zentrierung
durch ein darauf folgendes Segment besitzt, wurde für diesen Zweck ein spezieller
Zentrierflansch montiert, der zudem die Aufgabe hat, über ein angeschweißtes Zwi-
schenrohr (Durchmesser 25 x 2,5 mm) die Verbindung mit einem Metallfaltenbalg zur
Kompensation von thermischer Längenausdehnung und Fluchtfehlern der Versuchs-
17 Neben dem vergrößerten Druckverlust durch die Störstellen, ist hier u.U. auch die Ablenkung von
Strömungsfäden denkbar, was sich auf die Temperaturmessung im Rohr auswirken kann.
45
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
strecke herzustellen. Um einen zusätzlichen Druckmesswert vor dem Abscheider zu
erhalten, wurde an dem Zwischenrohr ein Adapter zur Aufnahme eines Druckauf-
nehmers angebracht. An den Kompensator ist wiederum ein weiteres Edelstahlrohr
angeschweißt, welches über eine Schraubverbindung mit einem Absperrhahn ver-
bunden ist. Dieser dient vornehmlich dazu, die Versuchsstrecke von der restlichen
Anlage für Dichtigkeitstest zu trennen. Über ein an den Absperrhahn anschließendes
Rohr mit angeschweißtem Flansch ist die Versuchsstrecke mit dem Abscheide-
behälter verbunden. Zum Schutz der Versuchstrecke gegen Erschütterungen und
seitliche Auslenkungen – die zu einer Zerstörung der Schaugläser führen können –,
wurde zum Abschluss der Montage am Zentrierflansch ein Dreipunkthalter montiert,
der über eine stabile Halterung am Abscheidebehälter befestigt ist.
Zur Kontrolle der Strömungs- und Siedeverhältnisse am Eintritt der Strecke wurde
zusätzlich vor dem Beginn des ersten Segmentes ein Borosilikatglasrohr mit 30 mm
Länge (20 mm Innendurchmesser und 29 mm Außendurchmesser) eingebaut.
Um Wärmeverluste oder Wärmezufuhr von der Klimakammerluft an die Ringspaltver-
suchsstrecke und somit auch den Versuchsstoff aufgrund einer nicht optimalen
Thermostatisierung zu minimieren, ist die komplette Versuchsstrecke isoliert. Das
hierfür verwendete Dämmmaterial ARMAFLEX HT mit 20 mm Schichtdicke ist ein
geschäumter hochflexibler, geschlossenzelliger Schaumstoff auf Basis synthetischen
Kautschuks (Elastomer), der in einem Temperaturbereich von -40°C bis 150°C, in
Ausnahmefällen auch bis 200°C, eingesetzt werden kann. Das FCKW freie, UV be-
ständige Material besitzt eine mittlere Wärmeleitfähigkeit von 0,045 W/m·K (bei 40°C
Mitteltemperatur) und ist im Brandfall selbstverlöschend und nicht tropfend, Daten
aus Produktinformation ARMAFLEX HT [46]. Der Hauptgrund für den Einsatz dieses
Elastomers liegt in der hohen Flexibilität und einfachen Verarbeitung des Materials
im Vergleich zu der sonst üblichen Isolierung aus Steinwolle.
46
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
3.6 Anlagengestell
Parallel zum Bau der Versuchstrecken wurde mit der Konstruktion des Anlagenge-
stells begonnen, siehe Bild 3.4. Von besonderer Wichtigkeit war hierbei, dass die
genauen Maße des Anlagengestells, die Tragfähigkeit und der Standort im Techni-
kum auf die Dimensionen, die Position und das Gewicht der erst später zu bauenden
Klimakammer sowie anderer für den Gestellbereich vorgesehener Anlagenkompo-
nenten abgestimmt werden mussten.
Die Größe und das Design der Klimakammer hing wiederum unmittelbar mit dem
Design und den Abmessungen der Versuchsstrecken zusammen, da beispielsweise
die Länge der Versuchsstrecken ausschlaggebend für die Innenhöhe der Klimakam-
mer ist oder die Lage der Schaugläser die Position der Sichtfenster in den Klima-
kammertüren bestimmt. Des Weiteren musste bei der Gestellkonstruktion auf eine
gute Zugänglichkeit zur Klimakammer geachtet werden, um problemlose Montage-
und Instandhaltungsarbeiten im Inneren der Kammer sowie Foto- und Videoaufnah-
men an den Sichtfenstern zu ermöglichen. Zusätzlich musste ein schon vorhandenes
Stahlprofilgerüst in das Gestell miteinbezogen werden, da dessen mittlere Ebene als
Messwarte vorgesehen war, von der aus auch die Beobachtungen an den Schauglä-
sern vorgenommen werden sollten.
Ein sehr variables Konstruktionsprinzip, mit dem sich die oben beschriebenen Anfor-
derungen am besten realisieren ließen, ist das Kee-Klamp Rohrverbindersystem für
den Gestellbau. Bei diesem System werden mit Knotenbauelementen aus Temper-
guss Gewinderohre zu einem Gestell verbunden, indem die passend abgelängten
Rohre durch Schneidschrauben in den Knoten festgeklemmt werden. Das System ist
einfach und schnell aufzubauen und aufgrund der Vielzahl verschiedener Knoten-
elemente leicht erweiterbar.
Bild 3.4 zeigt das fertige Rohrgestell mit der Messwartenebene und einer zusätzli-
chen Zwischenebene sowie der schon im Gestell montierten Klimakammer (das In-
nere der Kammer noch ohne Versuchsstrecken, eine Tür geöffnet). Vier am Hallen-
boden verankerte Rohre dienen als Hauptsäulen (Höhe 7 m), welche über Querstre-
ben in verschiedenen Ebenen miteinander verbunden wurden, auf denen wiederum
die Klimakammer und die Spanplattenböden angebracht sind. Zur Stabilisierung
wurden diverse Rohrverstrebungen zwischen den vier Hauptsäulen eingezogen.
47
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Den oberen Abschluss des Gestells bildet eine Deckenebene, welche durch zusätzli-
che Abstützungen verstärkt wurde, da sie als Gegenlager der Klimakammer und Hal-
terung der Türlaufschienen (siehe Abschnitt 3.7 Klimakammer) dient.
Kee Klamp Gerüst
mit Knotenelementen
Laufschiene einer
Klimakammertür
Klimakammertür
(geöffnet)
Sichtfenster zur
Beobachtung der
Strömung
Messwarten
Ebene
Dexiongerüst
Bild 3.4: Anlagengestell mit Dexiongerüst und Klimakammer (Gesamthöhe 7 m)
48
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Tabelle 3.1 gibt einen kurzen Überblick über die Wichtigsten vom Anlagengestell zu
tragenden Komponenten mit ihren Gewichten.
Tabelle 3.1: Gewichte der vom Gestell zu tragenden Anlagenkomponenten
Betrachtete
Komponente/Bauteil Anzahl Einzelgewicht Gesamtgewicht
Klimakammertür 2 400 kg 800 kg
Klimakammerwand 2 160 kg 320 kg
Klimakammerdecke/Boden 2 95 kg 190 kg
Abscheider mit Halterung 1 140 kg 140 kg
Austragspumpe mit Motor 1 50 kg 50 kg
Versuchsstrecke 2 45 kg 90 kg
Mischer 1 40 kg 40 kg
Sonstige Einbauten Klimakammer - 70 kg 70 kg
Rohrleitungen - 100 kg 100 kg
Spanplattenböden in m² 18 25 kg/m² 450 kg
Bedienpersonal + Besucher (max.) 10 75 kg 750 kg
Kondensationssystem 1 150 kg 150 kg
Sonstige Kleinteile - 150 kg 150 kg
Gestell: Gewinderohre in m 180 5 kg/m 900 kg
Gestell: Rohrverbinder 160 1,5 kg/St. 240 kg
Gesamtgewicht Gestell (ca.): 4440 kg
3.7 Klimakammer
Wie oben schon beschrieben wurde, mussten bei der Dimensionierung der Klima-
kammer vor allem die geplanten Abmessungen der Versuchsstrecken mit den dazu-
gehörenden Bauteilen und die Zugänglichkeit der Versuchsstreckenschaugläser für
die Foto/Videoaufnahmen berücksichtigt werden. Dazu kamen noch einige andere
Komponenten, die ebenfalls im Inneren der Klimakammer untergebracht werden soll-
ten, wie der beheizte Mischer und der Abscheider mit Austragspumpe, zu sehen in
Bild 3.5 (siehe auch Bild 3.1). Daraus ergaben sich folgende Abmessungen des In-
nenraums: Höhe 400 cm, Breite 136 cm, Tiefe 52 cm.
49
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
50
Luftkanal
Mischer /
Wärmeübertrager
Elektrische
Heizelemente
Luftleitbleche
Luft - Öl
Wärmeübertrager
(WÜ Nr.1)
Ventilator +
Antriebsmotor
Luft - Wasser
Wärmeübertrager
(WÜ Nr.2)
Zwischenboden
Halteplatte
Versuchsstrecken
Ringspaltstrecke
Vergleichsstrecke
Abscheider mit
Austragspumpe
Austrags-
pumpenmotor
Bild 3.5: Klimakammer mit Einbauten
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
In Bild 3.4 und im vorangegangenen Bild 3.5 ist der Grundaufbau der Klimakammer
zu sehen. Abbildung 3.5 zeigt zudem die im Inneren installierten Versuchsstrecken-
und Klimakammerkomponenten. Der Grundaufbau der Klimakammer besteht aus
einem fest stehendem Mittelteil und zwei Schiebetüren, siehe Bild 3.4 mit einer ge-
öffneten und einer geschlossenen Tür. Der Mittelteil setzt sich zusammen aus den
beiden am Anlagengestell befestigten Hauptrahmen sowie den wiederum daran be-
festigten Boden- bzw. Deckenteilen. Diese Teile bilden die 20 cm starke Klimakam-
merwand18 und wurden aus Vierkant-Profilstahl zusammengeschweißt. Der Haupt-
sowie der Decken und Bodenrahmen wurden mit Steinwolle als Isolierung gefüllt,
nachdem die Innenseiten mit 1 mm Edelstahlblech verkleidet wurden. Als Außen-
wand dient 1,5 mm starkes Alublech.
Die Klimakammertüren bestehen ebenfalls aus einem mit Steinwolle gefüllten 20 cm
dicken Rahmengerüst mit Edelstahl als Innen- und Aluminium als Außenwand. Als
Fenstermaterial wird speziell gehärtetes 5 mm starkes Sicherheitsglas verwendet.
Um Wärmeverluste an die Umgebung durch die Sichtfenster zu minimieren, wurden
Einschubkästen aus Edelstahlblech gefertigt, um die bei den Videoaufnahmen nicht
benötigten Fenster zu verschließen19. Die Türen hängen jeweils an zwei am oberen
Ende eingeschweißte Bolzen, die wiederum über zwei drehbar gelagerte Streben mit
zwei Rollwagen in den Laufschienen befestigt sind.
Für das Umwälzen der Klimakammerluft ist im Bodenbereich der Zelle ein von außen
angetriebener Ventilator eingebaut. Der Luftstrom wird vom Lüfter direkt über einen
angeflanschten Diffusor dem ersten Wärmeübertrager (Nr.1 in Bild 3.5) zugeleitet,
welcher von einem Ölthermostaten mit Wärmeträgeröl, siehe hierzu Abschnitt 3.8,
versorgt wird. Von hier gelangt die Luft durch einen Kanal zur Decke der Klimakam-
mer, wo noch ein zweiter Wärmeübertrager (Nr.2 in Bild 3.5) montiert ist. Nach dem
Durchströmen des zweiten Wärmeübertragers strömt die Luft in den Deckenbereich
der Klimakammer zurück.
nen.
18 Die maximale Betriebstemperatur der Klimakammer beträgt 150°C. Als Kompromiss aus zu erwar-
tendem Wärmeverlust und Platzbedarf der Isolierung, wurde die Schichtdicke der Steinwollenisolie-
rung auf 20 cm festgelegt. Bei einer Betriebstemperatur von 150°C über die gesamte Höhe der
Klimakammer ist bei dieser Isolierung maximal mit einem Wärmeverlust von ca. 1 kW zu rech
19 Bei der Konstruktion der Türen musste insbesondere auf die Positionen der Sichtfenster im Türrah-
men geachtet werden, durch die während der Experimente Foto- und Videoaufnahmen der Strömung
in den Versuchsstrecken gemacht werden sollten.
51
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Aufgrund der unterschiedlichen Beheizungsarten der beiden Versuchsstrecken – von
außen beheizte Vergleichsstrecke im Gegensatz zu der von innen beheizten Ring-
spaltstrecke –, ist jeweils für die Vergleichs- und Ringspaltstrecke ein unterschiedli-
cher Betriebsmodus der Klimakammer vorgesehen.
Der erste Betriebsmodus sieht für die Experimente mit der von außen mit Dampf be-
heizten Vergleichsstrecke eine einheitliche Temperatur über die gesamte Höhe der
Klimakammer vor. Die Temperatur der Klimakammer wird dabei auf etwa das gleiche
Niveau eingestellt wie der Heizdampf. Hierdurch kann auf eine aufwändige Isolierung
der Strecke verzichtet werden, da Wärmeverluste der Dampfheizung an die Klima-
kammer durch die Temperierung minimiert werden. Um die Klimakammer auf die
gewünschte Temperatur aufzuheizen, dient Wärmeübertrager Nr. 1, siehe Bild 3.5.
Der Luftumlauf in der Klimakammer wird durch einen Niederdruck-Ventilator erzeugt,
dessen Antriebsmotor20 zum Schutz gegen die in der Kammer herrschenden hohen
Temperaturen außerhalb angebracht wurde, siehe Bild 3.5. Die Drehzahl des An-
triebsmotors kann mit Hilfe eines Frequenzumrichters stufenlos von 0 bis 3000 U/min
eingestellt werden. Der maximale theoretische Durchsatz des Ventilators beträgt bei
Nenndrehzahl und Vernachlässigung des Druckverlustes 3450 m³/h. Der Druckver-
lust durch die beiden Wärmeübertrager und die verschiedenen Umlenkungen in der
Klimakammer wird näherungsweise auf 800 Pa abgeschätzt, wodurch sich nur noch
ein Durchsatz von etwa 2200 m³/h bei Nenndrehzahl ergibt. Bei einem durchschnittli-
chen Strömungsquerschnitt von etwa 0,15 m² im Hauptteil der Klimakammer ent-
spricht dieser Durchsatz einer mittleren Strömungsgeschwindigkeit von ca. 4 m/s.
Der zweite Betriebsmodus, der wesentlich schwerer zu realisieren war, sieht eine
von oben nach unten ansteigende Lufttemperatur vor. Dadurch, dass die Ringspalt-
versuchsstrecke von Innen beheizt wird, ist der Versuchsstoff nicht von einer „isolie-
renden“ Dampfschicht umgeben. Da die Versuchsstofftemperatur jedoch mehr oder
weniger stark von Oben nach Unten ansteigt – je nach eingestellter elektrischer Heiz-
leistung – würde eine einheitliche Klimakammertemperatur entweder einen Wärme-
verlust oder eine Wärmezufuhr zur Folge haben, abhängig davon auf welchem Tem-
peraturniveau sich die Klimakammer befindet und welcher Teil der Ringspaltver-
suchsstrecke betrachtet wird. Aus diesem Grund sollte die Möglichkeit bestehen, die
Lufttemperatur in der Klimakammer über elektrische Zusatzheizungen dem Tempera-
turverlauf des Versuchsstoffes in der Ringspaltstrecke so genau wie möglich anzu-
20 Nenndrehzahl 3000 U/min bei 2,5 kW elektrischer Leistung, in Eexe II T3 Ausführung
52
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
passen, und somit Wärmeströme von dem Versuchsstoff an die Umgebung bzw. von
der Umgebung an den Versuchsstoff zu minimieren.
Hierfür wurden an den Übergangsstellen der Ringspaltsegmente Zwischenböden aus
Blech eingebaut, die bis auf die erste Ebene jeweils über einen eigenen elektrischen
Luftheizer verfügen. Die erste Ebene stellt das erste Versuchsstreckensegment dar
und wird direkt über die aus dem Wärmeübertrager Nr.2 austretende Luft temperiert.
Über Umlenkbleche und ein zwischen den Ebenen angeordnetes elektrisches Heiz-
element gelangt die Luft zur zweiten Ebene. Diese Anordnung wiederholt sich auf
ähnliche Weise für die anderen Segmente/Ebenen, bis die Luft über das siebte Seg-
ment und den Abscheider wieder zum Boden der Klimakammer gelangt und vom Lüf-
ter angesaugt wird.
Die Zusatzheizungen und der Luft/Wasser Wärmeübertrager zur Rückkühlung der
erhitzten Luft wurden dabei so ausgelegt, dass bei einer Austrittstemperatur von
50°C am Luft/Wasser Wärmeübertrager und somit auch am ersten Segment oben in
der Klimakammer, ein Temperaturanstieg um mindestens 80°C entlang der Ring-
spaltversuchsstrecke bis auf 130°C am letzten Segment und Abscheider möglich
sein sollte. Da die hierfür benötigte elektrische Leistung von 55 kW bei einem Volu-
menstrom von 2200 m³/h sehr groß gewesen wäre21, wurde ein deutlich niedrigerer
Durchsatz gewählt. Hauptgrund hierfür war die insgesamt verfügbare elektrische An-
schlussleistung an der Versuchsanlage von maximal 30 kW. Die Auslegung musste
sich daher an diesem Wert orientieren.
Als Kompromiss aus ausreichender Strömungsgeschwindigkeit 22 und benötigter
Heizleistung wurde ein Volumenstrom von ca. 880 m³/h gewählt, der bei der gefor-
derten Temperaturdifferenz von 80 K eine Heizleistung von ca. 21,5 kW benötigt. Die
Element-Heizleistung je Ebene wurde anhand dieser Rechnung auf jeweils 3,5 kW
festgelegt, also insgesamt 21 kW. Da bei der Gegenkühlung noch ausreichend Re-
serven vorhanden sein sollten, wurde der Luft/Wasser Wärmeübertrager auf eine
deutlich höhere Kühlleistung von 30 kW ausgelegt. Die wichtigsten Daten der beiden
Wärmeübertrager sind in Tabelle 3.2 zusammengefasst.
21 Berechnet man die Leistung nach
T
cVQ p=
ρ
&
&, wäre die benötigte Leistung bei einem Volu-
menstrom von V= 2200 m³/h und der oben angegebenen Temperaturdifferenz von 80 K ca. 55 kW
&
22 Ein kleinerer Volumenstrom hätte aufgrund der kleineren Strömungsgeschwindigkeit u.U. eine Über-
lastung der Heizelemente durch eine zu hohe Oberflächentemperatur zur Folge. Des Weiteren kann
sich bei niedrigen Geschwindigkeiten leichter eine inhomogene Temperaturverteilung in der strömen-
den Luft ausbilden, die sich negativ auf die Temperierung der Versuchsstrecke auswirken könnte.
Bei 880 m³/h ist eine mittlere Luftgeschwindigkeit von ca. 2,5 m/s zu erwarten, die laut Hersteller aus-
reichend ist für einen unproblematischen Betrieb der elektrischen Heizelemente.
53
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Tabelle 3.2: Auslegungsdaten der beiden Klimakammer Wärmeübertrager
Wärmeübertrager I für Betriebs-
modus I (Vergleichsstrecke)
Wärmeübertrager II für Betriebs-
modus II (Ringspalt)
Luftseite Ölseite Luftseite Wasserseite
Material Stahl verzinkt Stahl verzinkt Stahl verzinkt Stahl verzinkt
Volumenstrom 3000 m³/h 1 m³/h 896 m³/h 0,479 m³/h
Massenstrom 3615 kg/h 754 kg/h 1080 kg/h 0,475 kg/h
Bezugstemp. 20°C 178°C 20°C 42,5°C
Bezugsdruck 1,013 bar 10 bar 1,013 bar 6 bar
Auslegung 148°C/150°C 180°C/176°C 150°C/50°C 15°C/70°C
Betriebsdruck 1 bar 10 bar 1 bar 6 bar
Druckverlust 120 Pa 2251 Pa 151 Pa 836 Pa
Leistung 2,1 kW 30,4 kW
Zur Ansteuerung der Heizelemente werden Nullspannungs-Leistungssteuerungen
verwendet (240 V bei maximal 25 A), mit jeweils einer Steuerung pro Heizelement.
Das Funktionsprinzip dieser Steuerungen beruht auf einer Impulsfolgezündung, die
im Nulldurchgang der Phase den Verbraucher jeweils ein- bzw. ausschaltet. Die Leis-
tung wird dabei über die Anzahl der Schwingungen geregelt, die der Verbraucher
jeweils eingeschaltet bleibt. Dieses Prinzip hat den Vorteil, dass praktisch keine Stö-
rungen im Hochfrequenz Bereich erzeugt werden, was besonders im Hinblick auf die
Messtechnik von Bedeutung ist, da HF-Störungen einen deutlichen Einfluss auf die
Genauigkeit der Spannungsmessung haben können23. Die Einschaltdauer der Steue-
rung – und somit die Leistung an den Heizelementen – wird über Potentiometer ein-
gestellt. Zur Einstellung und Kontrolle der Lufttemperaturen sind im Umfeld der jewei-
ligen Segmente Thermoelemente angebracht worden, deren Messwerte direkt vom
Messrechner angezeigt werden.
Da bei dem Betrieb der E-Heizungen ein Überhitzten der Klimakammer nicht auszu-
schließen ist – beispielsweise durch den Ausfall des Wasserkreislaufes der Gegen-
kühlung – wurde aus sicherheitstechnischen Gründen ein Temperaturschutzschalter
in die Klimakammer eingebaut. Bei Überschreiten eines einstellbaren Temperatur-
wertes – als Grenzwert wurden 155°C festgelegt – werden die elektrischen Heizun-
gen automatisch ausschaltet.
23 Die Verbindungsleitungen zwischen Sensoren und Messgerät wirken in diesem Fall als Antennen
für die HF-Störungen, und geben dieses „falsche Messsignal“ an das Messgerät weiter.
54
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
3.8 Anlagenkomponenten und Peripherie
In den Bildern 3.6 und 3.7, die jeweils die komplette Anlage von der linken und der
rechten Seite aus zeigen, sind die wichtigsten Komponenten eingezeichnet, die für
den Betrieb der Versuchsstrecken notwendig sind. Im Folgenden werden die Kom-
ponenten Anhand des Versuchsstoffflusses (siehe auch Abschnitt 3.4) beschrieben.
Ausgangspunkt ist der Vorratsbehälter, in dem das Versuchsstoffgemisch angesetzt
wird. Der speziell angefertigte Behälter hat ein Fassungsvermögen von 290 l und
einen zulässigen Betriebsdruck von 7 bar.
Bild 3.6: Versuchsanlage mit den wichtigsten Komponenten von vorne links
Ölbadthermostat
Klimakammer mit
geöffneter Tür
Messtechnikschrank
und Messdatenerfassung
Vorratsbehälter
mit Rührwerk
Kältemaschine
für Kondensation
Auffangbehälter
für Silikonöl
Sieben Netzteile für
Ringspaltheizung
Vakuumpumpe
55
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Um den Versuchsstoff erwärmen zu können, besitzt der Behälter einen mit Wärme-
Bild 3.7: Versuchsanlage komplett von der rechten Seite
trägeröl gefüllten Doppelmantel (Fassungsvolumen 400 l), der durch zwei explosi-
onsgeschützte Heizpatronen erwärmt wird. Da Wärmeverluste an die Umgebung so
weit wie möglich minimiert werden sollten, ist der Doppelmantel zusätzlich mit
100 mm Steinwolle isoliert worden.
Dampferzeuger
Ölthermostat Speisepumpe
Ausgleichsbehälter
Abscheider
Vorratsbehälter
7 m
für Vorratsbehälter
Heizung
Mischer vor den
Pentanschleuse
Versuchsstrecken
56
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Zur Durchmischung von Silikonöl und Pentan ist der Behälter mit einem Rührwerk
r einen Frequenzumrichter
pe
(Antriebsleitung 6 kW) ausgerüstet, dessen Drehzahl übe
stufenlos im Bereich von 1 - 50 U/min eingestellt werden kann. Aus Sicherheitsgrün-
den ist im Dampfraum des Behälters ein Überdruckventil (Abblasdruck 6 bar) mon-
tiert worden, das über eine Rohrleitung mit der Atmosphäre außerhalb des Techni-
kums verbunden ist. Direkt unterhalb des Vorratsbehälters ist eine Zahnradpumpe
montiert, mit der der Versuchsstoff über eine Kurzschlussleitung im Kreis – zur Un-
terstützung des Mischprozesses – oder zu den Versuchsstrecken gefördert wird.
Aufgrund der hohen Viskosität des Versuchsstoffgemisches und des dadurch zu er-
wartenden Druckverlustes, wurde die Anschlussleitung Vorratsbehälter/Speisepum
so kurz wie möglich gehalten. Da dennoch zu befürchten war, das die Zahnzwi-
schenräume der Speisepumpe bei hohen Drehzahlen aufgrund des Druckverlustes
in der Pumpenzuleitung nicht schnell genug gefüllt werden, ist im Dampfraum des
Vorratsbehälters eine Stickstoffleitung angeschlossen worden, über die ein zusätzli-
cher Stickstoffdruck auf den Flüssigkeitsspiegel des Versuchsstoffes aufgebracht
werden kann. Eine bei hohen Gemisch-Durchsätzen nicht vollständig gefüllte Pumpe
hätte ansonsten zur Folge, dass der Massenstrom in den Versuchsstrecken stark
schwanken würde und nur mit unzureichender Genauigkeit bestimmt werden könnte.
Die Notwendigkeit einer Stickstoffüberlagerung wird besonders deutlich, wenn man
den Druckverlust in der Pumpenzuleitung für ein Gemisch hoher Viskosität und einen
hohen Durchsatz berechnet. Der Druckverlust wird mit Gleichung 3.1 für laminare
Strömung bestimmt:
i
2
il
dv
p=
i
η
32 (3.1)
kurze Überschlagsrechnung für die Reynoldszahl bei einem Durchsatz von 15 l/h und
Das in diesem Fall von laminarer Strömung ausgegangen werden kann, zeigt eine
einer Viskosität von 500 Pas nach Gleichung 3.2 (Durchmesser 22 mm):
η
ρ
ii
i
Re dv
= => 0.242Rei
(3.2)
er Wert von Re = 242 l somit weit unte
narer zu turbulenter Strömung.
einteilen: der erste Abschnitt vom Behälterauslauf
D 0, iegt rhalb des Übergangsbereichs von lami-
Die Zuleitung lässt sich in insgesamt drei verschiedene Rohrabschnitte mit jeweils
unterschiedlichen Druckverlusten
57
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
durch den Doppelmantel zu einem Anschlussflansch mit einer Länge von 600 mm
(Innendurchmesser 28,5 mm); der zweite Abschnitt (ID 28,5 mm) mit einer Länge
von 260 mm vom Anschlussflansch mit einer 90° Umlenkung bis zu einer Über-
gangsleitung auf den Durchmesser des Pumpenanschlusses; der dritte Abschnitt als
Übergang auf den Pumpenflansch mit einer Länge von 210 mm (ID 22,1 mm). Bei
einer angenommenen Viskosität24 von maximal 500 Pa·s und einem Durchsatz von
15 l/h erzeugt Abschnitt I einen Druckverlust von ca. 1 bar, Abschnitt II ca. 0,5 bar
und Abschnitt III ca. 1 bar, zusammen also 2,5 bar. Der Druckverlust im direkten
Pumpeneinlauf ist nur sehr schwer zu bestimmen, weshalb der Stickstoffvordruck für
besonders „ungünstige Betriebszustände“ auf 4 bar festgelegt wurde.
Vor dem Umschalthahn Behälterumlauf/Versuchsstrecken passiert der Versuchsstoff
die Zapfstelle zur Probenentnahme für die Anfangsgehaltbestimmung (eine genaue
-
in der Klimakammer montiert ist. Dieser dient zur Feintempe-
Beschreibung des Probeentnahmevorgangs folgt in Kapitel 4, Messtechnik). Die nun
folgende isolierte Steigleitung ist über eine Länge von ca. 2 m als Doppelrohr in der
Bauart eines Gegenstrom-Wärmeübertragers ausgeführt, um ein zu starkes Abküh-
len des Versuchsstoffs auf dem Weg zu den Versuchsstrecken zu verhindern. Die
Beheizung des Wärmeübertragers geschieht über das synthetische Wärmeträgeröl25
des Vorratsbehälters, welches über eine Zahnradpumpe im Umlauf gefördert wird.
Das Öl tritt unten aus dem Doppelmantelraum des Vorratsbehälters aus und wird
nach Durchlaufen des Wärmeübertragers in der Steigleitung über einen Ausgleichs
behälter (Kompensation der Wärmeausdehnung des Wärmeträgeröls) oben in den
Vorratsbehälter zurückgeführt. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass sich durch den
Flüssigkeitsumlauf im Doppelmantelraum keine Temperaturschichtung im Vorratsbe-
hälter ausbilden kann.
Das Versuchsstoffgemisch gelangt nach der Steigleitung in einen Wärmeübertra-
ger/Mischer, der bereits
rierung auf die gewünschte Eintrittstemperatur in die jeweilige Versuchsstrecke sowie
zur weiteren Homogenisierung des Versuchsstoffes, falls Silikonöl und Pentan trotz
des Behälterrührwerks noch nicht vollständig gemischt sein sollten. Die Beheizung
und Kühlung dieses Wärmeübertragers geschieht dabei über einen Ölbadthermosta-
ten, der auf der Deckenebene des Anlagengestells montiert ist. Vor den beiden Ver-
24 Das zähflüssigste Silikonöl hat eine Viskosität von 1000 Pa·s bei T = 25°C; da jedoch stets ein Sili-
konöl/Pentan Gemisch verwendet wird, ist eine deutlich niedrigere Viskosität zu erwarten.
25 Typ W801 Olex der Firma BP, synthetisches Wärmeträgeröl auf der Basis von isomeren Dibenzylto-
luolen mit einem Einsatzbereich von 0°C bis 300°C
58
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
suchsstrecken befindet sich noch ein Kugelhahn in einer 3-Wege Ausführung, der
den aus dem Mischer austretenden Versuchsstoff entweder in die Ringspalt- oder die
Vergleichsstrecke leitet. Die Versuchsstoffleitung vom Mischer über den Umschalt-
hahn bis zu den Versuchsstrecken ist mit dem schon für die Ringspaltversuchsstre-
cke verwendeten Dämmmaterial ARMAFLEX HT zusätzlich isoliert.
Nachdem das Versuchsstoffgemisch eine der beiden Versuchsstrecken durchlaufen
hat, gelangt das je nach Betriebsbedingungen mehr oder weniger stark entgaste Sili-
urden so
ber eine doppeltwirkende Gleitringdichtung, da der
konöl zusammen mit dem Pentandampf in den Abscheider. Hierbei handelt es sich
um einen speziell angefertigten Druckbehälter mit einem Volumen von 30 l bei einem
zulässigen Betriebsüberdruck von 10 bar. Um den Flüssigkeitsstand im Inneren zu
kontrollieren, ist der Behälter mit einem seitlichen Schauglas ausgerüstet.
Wichtig bei der Konstruktion dieses Behälters war vor allem die Lage der Anschluss-
flansche der beiden Versuchsstrecken auf dem Abscheiderdeckel. Diese w
weit wie möglich auseinander positioniert, damit die Versuchsstrecken und somit
auch deren Schaugläser möglichst dicht an den Sichtfenstern der Klimakammertüren
montiert werden konnten. Dies ist besonders für die Video und Fotoaufnahmen wich-
tig, da die außerhalb der Klimakammer angebrachten Lampen für gute Lichtverhält-
nisse einen möglichst kleinen Abstand zu den Schaugläsern haben sollten. Der
Behälterdurchmesser war jedoch durch das Innenmaß der Klimakammer von 520
mm stark eingeschränkt, weshalb auf einen sonst üblichen gewölbten Deckel
(Klöpperboden) aus Stabilitäts- (Durchbrüche zu weit außen!) und Platzgründen
verzichtet werden musste, und stattdessen eine Sonderkonstruktion mit Flachdeckel
(30 mm Materialstärke) gewählt wurde.
Über einen Rechteckflansch ist der Abscheider mit einer Zahnradpumpe zur Entlee-
rung verbunden. Diese verfügt ü
Abscheider vor allem im Unterdruckbereich zwischen ca. 0 und 100 mbar betrieben
werden sollte. Die Pumpe hat einen Arbeitsbereich von 0 bis 50 bar bei einer Silikon-
ölviskosität bis maximal 1000 Pa·s und einer maximalen Betriebstemperatur von
150°C, und kann über einen Frequenzumrichter in einem Durchsatzbereich von 0 bis
20 l/h gefahren werden. Als Dichtmedium der Gleitringdichtung – auch Sperrflüssig-
keit genannt – dient Monoethylenglycol, welches aus einem außerhalb der Klima-
kammer liegenden Vorratsbehälter über eine Edelstahlleitung in den Gleitringdicht-
raum gelangt, und von dort über eine zweite Leitung nach dem Thermosyphon Prin-
zip wieder in den Vorratsbehälter zurück fließt.
59
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Da eine Restgehaltbestimmung des Pentans im Silikonöl vorgesehen war, ist unter-
halb der Austragspumpe (außerhalb der Klimakammer) eine Vorrichtung zur Probe-
n handelt es
scheiderdeckel mit einer 1“
nahme angebracht worden. Diese besteht aus zwei Kugelhähnen und einem Über-
strömventil. Mit Hilfe der Kugelhähne wird dabei zwischen der normalen Förderung
zum Auffangbehälter und dem Probenbehälter umgeschaltet. Das Überströmventil
wurde auf 7 bar eingestellt und soll verhindern, dass Luft aus dem Ölauffangbehälter
über den Rücklaufschlauch in das Probenahmesystem gelangen kann. Der Vorgang
der Probenahme wird im vierten Kapitel noch ausführlich beschrieben.
Von der Entnahmestelle gelangt das Silikonöl über einen temperatur- und druckfes-
ten Polymerschlauch zu zwei baugleichen Auffangbehältern. Bei diese
sich um Edelstahlbehälter (Fassungsvermögen ca. 100 l, 0 - 1,2 bar Druckbeständig-
keit), die für eine einfache Reinigung und schnelle Füllstandkontrolle während der
Experimente mit einem leicht zu öffnenden Lukendeckel verschlossen sind. Unten
verfügen die Behälter über eine groß dimensionierte Ablaufleitung mit 1 Zoll Durch-
messer und entsprechendem Kugelhahn, über welche das Silikonöl während des
Umfüllvorgangs zurück in den Vorratsbehälter gelangt.
Der in der Versuchsstrecke aus dem Öl frei gewordene Pentandampf wird aus dem
Abscheider über einen dritten Anschluss auf dem Ab
Rohrleitung (22,1 mm Innendurchmesser) zum Kondensator geleitet. Um den Pen-
tandruck im Abscheider während des Experimentes variieren zu können, ist direkt
am Austritt aus der Klimakammer ein Drosselventil in die Rohrleitung eingebaut wor-
den. Nach Passieren eines wassergekühlten Vor-Wärmeübertragers gelangt der
Pentandampf zur Verflüssigung in den Kondensator. Daran schließt sich ein Pentan-
schleusensystem an, zu sehen im Anlagenschema, Bild 3.1, und in Bild 3.7, welches
dazu dient, das verflüssigte Pentan aus dem Kondensationssystem herauszubeför-
dern, ohne das dabei größere Mengen von Inertgasen in das System eindringen. Als
interner Sammelbehälter für das kondensierte Pentan (auf gleichem Druckniveau wie
der Abscheider) wird ein vertikal angeordnetes Doppelmantelrohr verwendet, wel-
ches zur Kontrolle des Pentanstandes im Rohr sowohl am oberen wie unteren Ende
über einen Druckaufnehmer verfügt. Um das Pentan aus dem Sammelrohr in den
externen Auffangbehälter – Druckbehälter aus Edelstahl mit einem Fassungsvermö-
gen von ca. 100 l, Druckbereich Vakuum bis maximal 6 bar – leiten zu können, ist
zwischen Kondensator und Sammelrohr ein Dreiwegehahn und zwischen Sammel-
rohr und Auffangbehälter ein Zweiwegehahn montiert worden. Der Dreiwegehahn hat
60
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
dabei die Funktion, den Kondensator vom Sammelrohr zu trennen und somit das
Eindringen von Luft in den Abscheider zu verhindern. Gleichzeitig wird über den
Hahn das Sammelrohr belüftet, damit das Pentan in den Sammelbehälter abfließen
kann. Aufgrund der für eine gute Kondensationsleistung geforderten tiefen Tempera-
turen, wurden Kondensator, Sammelrohr und die Kugelhähne sehr stark gekühlt (ca.
-80°C) und zudem sorgfältig isoliert. Hierdurch sind die Kugelhähne nicht mehr direkt
zugänglich, und mussten mit einer elektro-pneumatischen Betätigung ausgerüstet
werden, die zudem den Vorteil einer Fernsteuerung von der Messwarte bietet. Dies
geschieht mit einer Steuereinheit am Messrechner, die sowohl eine manuelle Betäti-
gung als auch einen automatisierten Entleerungsvorgang durch eine in das Mess-
programm integrierte Schleusenroutine erlaubt, siehe auch Abschnitt 4.3.
Als Kältemaschine zur Kühlung des Kondensators und des Pentansammelrohres
wurde ein zweistufiger Kryostat der Firma Huber gewählt (Kälteleistung 7 kW, Kälte-
träger Ethanol), der bereits am Institut vorhanden war. Der Kälteträger wird mit Hilfe
eines im Gerät integrierten Badthermostaten zuerst unten in das als Doppelmantel
ausgeführte Sammelrohr gepumpt, tritt am oberen Ende aus und wird über eine Zwi-
schenleitung in den Kondensator aus Edelstahl geleitet. Von dort gelangt er nach
Durchströmen des Kondensators im Gegenstrom wieder zurück in den Badthermos-
taten. Das Sammelrohr mit einem Fassungsvermögen von ca. 1000 ml ist unten und
oben jeweils mit einem Druckaufnehmer und im Inneren mit einem Sensor zur Mes-
sung der Pentantemperatur ausgerüstet, die zur Bestimmung des Pentanstandes im
Rohr dienen. Dies geschieht über die Messung des statischen (Pentan) Drucks unten
im Rohr, von dem der oben gemessene (Pentan) Dampfdruck abgezogen wird. Da
aus Genauigkeitsgründen eine möglichst große Druckdifferenz gemessen werden
sollte, Pentan jedoch eine sehr geringe Flüssigkeitsdichte von ca. 0.6 kg/l (bei 20°C)
besitzt, wurde die Höhe des Sammelrohres auf 1,5 m festgelegt. Die über die Druck-
aufnehmer ermittelte Druckdifferenz wird dann mit der berechneten Pentandichte26
korrigiert, wodurch die jeweilige Füllhöhe im Rohr angegeben werden kann. Zusam-
men mit den elektro-pneumatisch ansteuerbaren Kugelhähnen ist das Ablassen des
Pentans in den Auffangbehälter bei Erreichen einer definierbaren Füllhöhe automa-
tisch durch den Messrechner steuerbar.
26 Die Berechnung der Dichte geschieht in Abhängigkeit von der Temperatur, mit dem Fluid im Sätti-
gungszustand.
61
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Der Kondensator selbst ist eine Edelstahl-Konstruktion aus fünf 16 mm Rohren, die
von einem Hüllrohr umgeben sind. Die 16 mm Rohre und das Hüllrohr sind zwischen
und Kondensator gelangen können,
noch einige zusätzliche Kom-
ponenten zu nennen, ohne die der Betrieb der Versuchsanlage nicht möglich wäre.
i-
eßlich im
zwei Flansche eingeschweißt, vor die jeweils ein Adapterflansch geschraubt wird, um
eine einzelne Anschlussleitung zu erhalten. Die Kühlsole gelangt über eine Zuleitung
am Hüllrohr in den Raum zwischen den 16 mm Rohren, und verlässt über eine auf
der gegenüberliegenden Seite gelegene Ablaufleitung den Mantelraum wieder. Die
für die Kondensation zur Verfügung stehende Fläche der 16 mm Rohre beträgt ca.
0,1 m² bei einem Innenvolumen von ca. 0,4 l.
Da während der Versuche aus dem Versuchsstoffgemisch oder durch eventuelle
Undichtigkeiten Inertgase in den Abscheider
wurde zwischen Kondensator und Sammelrohr eine Entlüftungsleitung mit Absperr-
ventil vorgesehen, die direkt an eine Vakuumpumpe angeschlossen ist. Hierüber
lässt sich die Anlage vor und während der Versuche evakuieren. Um die Pentanver-
luste durch die Vakuumpumpe so gering wie möglich zu halten, ist zwischen Kon-
densator und Pumpe eine groß dimensionierte Glaskühlfalle geschaltet, die mit flüs-
sigem Stickstoff in einem Dewar Gefäß gekühlt wird.
Neben den versuchsstoffberührenden Bauteilen sind
Bei dem Ölthermostaten zur Beheizung der Klimakammer handelt es sich um ein
Gerät der Firma Single, der mit dem verwendeten Wärmeträger Marlotherm S in e
nem Temperaturbereich von 0 bis 305°C eingesetzt werden kann. Um Temperaturen
unterhalb der Umgebungstemperatur zu fahren oder bei einem Temperaturwechsel
ein schnelles Abkühlen des Öls zu erreichen, ist der Thermostat an das Kühlwasser-
netz des Technikums angeschlossen. Die Regelung erfolgt dabei selbsttätig durch
das Gerät über ein Magnetventil. Der Massenstrom des Wärmeträgers kann in einem
Bereich von 1 bis 80 l/h bei maximal 11 bar Druckdifferenz und die Heizleistung von
0 bis 9 kW elektronisch am Gerät eingestellt werden. Heizen bzw. Kühlen geschieht
durch getaktetes Einschalten der Regelheizung bzw. durch Öffnen des Kühlwasser-
ventils. Als Regelungsparameter wurde die interne Vorlauftemperatur des Wärmeträ-
geröls gewählt, die direkt am Gerät eingestellt werden kann. Alternativ wäre auch die
Regelung mit Hilfe eines externen Temperaturfühlers (z.B. PT100) möglich.
Bei dem Dampferzeuger zur Beheizung der Vergleichsstrecke handelt es sich um
das Modell Vakutherm VT06 der Firma GWK. Dieses Gerät arbeitet ausschli
62
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
Unterdruckbereich bei Drücken von 0,1 bar bis 0,9 bar. Die Wahl des Wärmeträgers
richtet sich nach dem gewünschten Temperaturbereich, da der verfügbare Tempera-
turbereich des Heizdampfes durch die jeweiligen Siedetemperaturen des Wärmeträ-
gers bei 0,1 bar und 0,9 bar festgelegt ist. Bei den vom Hersteller zugelassenen
Wärmträgern steht allerdings nur eine maximale Temperaturspreizung von ca. 50°C
zwischen der unteren und oberen Druckgrenze zur Verfügung, weshalb der Wärme-
träger je nach benötigter Betriebstemperatur u.U. gewechselt werden muss.
Der Dampferzeuger ist mit einer Vakuumpumpe ausgerüstet, die das Gerät beim
Einschalten und während des Betriebs evakuiert um durch eventuelle Undichtigkei-
n Pentan aufgrund von Undichtigkeiten nicht ausgeschlos-
ten eingedrungenes Inertgas aus dem System zu entfernen. Zusätzlich wird die
Pumpe für ein schnelleres Erreichen der Betriebstemperatur des Verbrauchers ge-
nutzt – in diesem Fall die Vergleichsstrecke –, indem die Pumpe elektronisch in un-
terschiedlichen Intervallen selbsttätig eingeschaltet wird, um den Heizdampf durch
das „System zu saugen“. Die maximale Heizleistung der drei Heizpatronen beträgt
6 kW und wird ebenfalls elektronisch geregelt. Als Regelparameter können verschie-
dene Temperaturen im Gerät selbst oder auch ein externes Temperatursignal
(PT100) gewählt werden. Die für diese Anwendung gewählten Parameter sind zum
einen die intern gemessene Dampfaustrittstemperatur und zweitens die Temperatur-
differenz Dampfaustritt und Dampfeintritt, die auf einen Richtwert von maximal ein
Kelvin eingestellt wurde.
Da während des Anlagenbetriebs und beim Ansetzen eines neuen Versuchsstoffge-
misches das Austreten vo
sen werden kann, die niedrige Zündtemperatur (285°C, Flammpunkt -35°C) und Exp-
losionsgrenze (1,4 Volumenprozent Pentan in Luft, Daten aus EG - Sicherheitsda-
tenblatt [48]) des Pentans jedoch zu kritischen Situationen führen können, sind ver-
schiedene Sicherheitseinrichtungen an der Anlage vorgesehen worden. Um das Aus-
treten von Pentan aus den Versuchsstrecken im Inneren der Klimakammer zu über-
wachen, beispielsweise ausgelöst durch das Versagen der Schauglasdichtungen
oder einen Schauglasbruch, wird kontinuierlich Luft aus dem Inneren der Kammer
über eine Rohrleitung abgesaugt. Diese wird von einem speziellen Analysesensor
hinsichtlich ihres Pentangehalts überprüft. Eine zweite Messstelle befindet sich im
Bereich des Vorratsbehälters, die ebenfalls von diesem Sensor kontrolliert wird. Wird
in der analysierten Luft ein volumetrischer Pentananteil von 20% der unteren Explo-
sionsgrenze detektiert, löst der Sensor einen optischen Voralarm aus. Kann die Un-
63
3. Versuchsanlage zum Strömungssieden
dichtigkeit nicht rechtzeitig lokalisiert und beseitigt werden, wird bei Erreichen von
30% der unteren Explosionsgrenze zu dem optischen Signal eine akustische War-
nung geschaltet, die das vollständige Abschalten der Versuchsanlage erfordert.
Um die Explosionsgefährdung durch austretendes Pentan so weit wie möglich zu
minimieren, ist am Vorratsbehälter und unterhalb der Klimakammer eine Luftabsau-
gung angebracht worden, die im Fall einer Leckage verdampftes Pentan aus dem
Bereich der Versuchsanlage in die Atmosphäre außerhalb des Technikums beför-
dert. Die Absaugung wird während der Experimente und solange sich ein Versuchs-
stoffgemisch mit einer Konzentration größer 10% Pentan im Vorratsbehälter befindet
kontinuierlich betrieben. Der Luftdurchsatz beträgt ca. 25 m³/min.
64
4. Messtechnik
4. Messtechnik
Um die Versuchsanlage unter sehr unterschiedlichen Versuchsbedingungen betrei-
ben zu können und dabei gleichzeitig eine möglichst geringe Messunsicherheit zu
gewährleisten, mussten die Anforderungen an die Sensoren und Erfassungssysteme
der Messtechnik im voraus möglichst genau spezifiziert werden. Neben der Auswahl
des jeweils geeigneten Sensortyps, galt dies auch für die Festlegung der Anzahl,
Position und des Messbereiches (=> Messunsicherheit abhängig vom Messbereich)
der jeweiligen Sensoren.
Die technisch am schwierigsten zu realisierenden Messaufgaben lagen dabei vor
allem in der Druck- und Temperaturbestimmung in den Versuchsstrecken. Problema-
tisch war hier weniger, einen Kompromiss aus der Größe des Messbereichs – Druck
0 bis 10 bar bzw. Temperatur ca. 20°C bis 200°C – und der damit verbundenen
Messunsicherheit zu finden; vielmehr zeigte sich, dass neben den rein messtech-
nisch bedingten Unsicherheiten vor allem die jeweiligen Randbedingungen im Um-
feld der Sensoren eine wichtige Rolle für die Zuverlässigkeit der Messung spielen.
In den einzelnen Abschnitten des folgenden Kapitels soll daher neben der Beschrei-
bung der verwendeten Sensoren zur Temperatur- und Druckmessung sowie der
Messdatenerfassung vor allem auf die erschwerenden Randbedingungen – wie z.B.
Anordnung der Sensoren in den Versuchsstrecken, Einfluss des Temperatur- und
Strömungsfeldes – der jeweiligen Messaufgabe eingegangen werden. Danach wird
eine Abschätzung der zu erwartenden Unsicherheit für die Druck- und Temperatur-
messung vorgestellt. Am Ende dieses Kapitels wird die Methode zur Anfangs- bzw.
Restgehaltbestimmung des Pentans detailliert behandelt.
4.1 Temperaturmessung
4.1.1 Temperaturmessung mit Thermoelementen
Bei der Messung der Fluid- und Heizwandtemperaturen wird aus verschiedenen
Gründen hauptsächlich mit Thermoelementen gearbeitet. Im Falle der Heizwandtem-
peraturmessung der elektrisch beheizten Ringspaltversuchsstrecke war dieses
Messprinzip von vornherein festgelegt, da sich Thermoelemente als die am besten
geeigneten Sensoren für den Einsatz in Versuchsrohren herausgestellt haben und
65
4. Messtechnik
sie am Lehrstuhl schon über einen langen Zeitraum und in großer Zahl zur Untersu-
chung des Behälterblasensiedens verwendet werden.
Die Wahl von Thermoelementen lässt sich in erster Linie durch das Funktionsprinzip
begründen, welches für diese Anwendung verschiedene Vorteile gegenüber Tempe-
ratursensoren mit anderen Funktionsprinzipen bietet. Das grundlegende Funktions-
prinzip eines Thermoelementes wurde zuerst von Seebeck [49] beschrieben und soll
an dieser Stelle nicht im Detail erklärt werden27. Im Folgenden soll vielmehr auf die in
dieser Anlage verwendete Messtechnik zur Erfassung der Thermospannungen und
die realisierte Temperaturkompensation der Messschaltung eingegangen werden.
In Bild 4.1 ist das Schema des Temperaturmessungsprinzips dieser Versuchsanlage
durch ein Thermoelement mit einer Materialpaarung aus reinem Nickel und einer Ni-
ckel-Chrom Legierung abgebildet. An der Messstelle sind die beiden Metalldrähte
miteinander verbunden, die jeweils zu einer Vergleichsstelle weitergeführt werden.
Wird die Messstelle auf die Temperatur TMS erwärmt und bleibt die Temperatur der
Vergleichsstelle TVS konstant, entsteht eine Thermospannung, die über zwei An-
schlussleitungen aus Kupfer zu einem Spannungsmessgerät weitergeleitet werden
kann. Da die zu den jeweiligen Thermospannungen gehörenden Temperaturdifferen-
zen dieser Materialpaarung bekannt sind, kann über den Messwert des Voltmeters
die Temperaturdifferenz zwischen Vergleichsstelle und Messstelle ermittelt werden.
Mit dem Temperaturmesswert der Vergleichsstelle lässt sich somit die Absolut-
temperatur der Thermoelementmessstelle bestimmen.
Vergleichsstelle (Kupferquader)
mit Platinthermometer (PT 1000)
Messstelle
+
75.49 °C
TMS
TVS
+
UThSp
(Thermospannung)
TMS =
T(UThSp) +
TVS (PT1000)
Anschlussleitung aus Kupfer
Nickel
Chrom
Nickel
Thermoelement
Anschlussleitung aus Kupfer
Spannungs- und
Widerstandsmessget
TMG
Bild 4.1: Schematische Darstellung der in der Versuchsanlage angewendeten
Temperaturmesstechnik mit Nickel/Chrom-Nickel Thermoelementen
27 Eine detaillierte Beschreibung des thermoelektrischen Effektes ist bei Körtvelyessy [50] zu finden.
66
4. Messtechnik
Die Entstehung der Thermospannung kann allerdings auch nach dem heutigen
Stand der Wissenschaft noch nicht geschlossen erklärt werden, weshalb man zur
Berechnung der Temperatur aus der Thermospannung auf Erfahrungswerte ange-
wiesen ist, die sich am besten in einer Taylor-Reihe darstellen lassen, siehe Körtve-
lyessy [50]. Die allgemeine Form einer Taylor-Reihe lautet:
(4.1)
==
n
i
i
iTaE 0
mit E als gemessener Thermospannung in µV und T als berechneter Temperatur.
Zur Berechnung der Thermospannung für die an dieser Anlage eingesetzte Material-
paarung Nickel/Nickel-Chrom wird von Körtvelyessy folgende Gleichung angegeben
(Temperaturbereich von 0°C bis 1372°C)
+
= =
2
11
10
8
02
1
AAT
ATAE g
i
iiexp (4.2)
und den Koeffizienten A0 = -18,533, A1 = 38,918, A2 = 1,6645·10-2, A3 = -7,8702·10-55,
A4 = 2,2835·10-7, A5 = -3,57·10-10, A6 = 2,9932·10-13, A7 = -1,2849-16, A8 = 2,2239·1020,
A9 = 125, A10 = 127 und A11 = 65 [50].
Die Genauigkeit dieser Gleichung beträgt bei einem Thermoelement dieser Material-
paarung im Temperaturbereich von 0°C bis 400°C ± 0,07 K, siehe [50].
Da Gleichung 4.2 nicht geschlossen nach T = f(E) aufzulösen ist, muss sie mit Hilfe
eines Iterationsverfahrens gelöst werden. Dies geschieht durch das Newton-
Verfahren, das im Messprogramm des Rechners hinterlegt ist und aus den Thermo-
spannungsmesswerten direkt die Temperaturdifferenz zwischen der Messspitze des
Thermoelements und der Vergleichsstelle berechnet. Um die absolute Temperatur
an der Messspitze zu erhalten, muss zu diesem Wert noch die Temperatur der Ver-
gleichstelle addiert werden28.
Der Vorteil der Temperaturmessung mit einem Thermoelement liegt hier vor allem
darin, dass die Sensoren sehr klein ausgeführt werden können, da nur die Messspit-
ze auf die zu messende Temperatur gebracht werden muss und die Größe der Spit-
ze oder der Drahtdurchmesser keinen Einfluss auf die Höhe der Thermospannung
28 Die Temperatur der Vergleichsstelle wird hier durch ein Platinthermometer mit einem Normwider-
stand von 1000 gemessen (PT 1000). Auf die Temperaturmessung mit Platinthermometern wird
weiter unten in diesem Kapitel näher eingegangen.
67
4. Messtechnik
haben. Insofern sind diese Sensoren besonders geeignet zur Messung der lokalen
Heizwandtemperaturen in einem Versuchsrohr. Hier müssen einerseits Störungen
des Wärmeflusses vom Heizleiter über den Kupferkern zum Außenrohr durch beson-
ders kleine Temperaturfühler minimiert werden (Inhomogenitäten im Rohrgefüge
durch den Sensor), und andererseits soll eine hohe räumliche und zeitliche Auflö-
sung des Temperatursignals gewährleistet werden. Bei den bisher am Institut herge-
stellten Versuchsrohren wurde dies je nach Problemstellung mit Thermoelementen
der Durchmesser 0,5 mm oder 0,25 mm erreicht. Bei den Versuchsrohren dieser An-
lage wurden Miniatur-Mantel-Thermoelemente (Ausführung Typ K) der Legierung
Nickel/Nickel-Chrom mit isolierter Messspitze und 0,5 mm29 Außendurchmesser der
Firma THERMOCOAX verwendet.
Die baugleichen Thermoelemente werden zur Messung der Dampftemperaturen in
der Fallrohrstrecke und verschiedener Lufttemperaturen in der Klimakammer einge-
setzt. Um die Thermoelemente zur Messung der Heizdampftemperatur druckdicht im
Dampfraum befestigen zu können, wurden diese in 2 mm Röhrchen weich eingelötet,
welche wiederum über Swagelok Adapterverschraubungen an den Fallrohrsegmen-
ten montiert wurden (zur Thermoelementmontage siehe auch Abschnitt 4.1.2).
Da sich im Laufe des Projektes herausstellte, dass zusätzliche Informationen über
die tatsächlichen Temperaturen der Versuchsstreckenflansche benötigt werden,
werden deren Temperaturen ebenfalls mit 0,5 mm Thermoelementen erfasst30.
4.1.2 Einfache Fluidtemperaturmessung
Zur Messung der Fluidtemperaturen in der Ringspalt- und der Fallrohrversuchsstre-
cke werden ebenfalls Thermoelemente eingesetzt. Für einen Großteil der bisher
durchgeführten Experimente wurden dafür ebenfalls 0,5 mm Thermoelemente ver-
wendet. Zu Begin des Projektes waren allerdings noch Thermoelemente mit 2 mm
Durchmesser und sehr hoher mechanischer Stabilität zur Fluidtemperaturmessung
vorgesehen, da das Umknicken zu dünner Sensoren in der hochviskosen Strömung
29 Die bessere zeitliche und räumliche Auflösung der 0,25 mm Thermoelemente gegenüber den
0,5 mm Thermoelementen, wie sie zum Teil bei den Versuchsrohren des Behältersiedens benötigt
wird, wurde als weniger wichtig angesehen, da aufgrund der begrenzten Anzahl insbesondere die
höhere Ausfallsicherheit und mechanische Stabilität der 0,5 mm Thermoelemente gefordert waren.
30 Aus diesem Grund wurden während einer Revision der Ringspaltversuchsstrecke (Strecke wurde
zerlegt) Bohrungen mit 1 mm Durchmesser und 30 mm Tiefe in die Flansche (insgesamt 40 Stück)
gesetzt, um deren jeweilige Temperatur mit Hilfe von 0,5 mm Thermoelementen zu bestimmen.
68
4. Messtechnik
befürchtet wurde. Erste Messungen mit diesen zeigten jedoch systematische Mess-
fehler, da die Temperatur an der Messspitze sehr stark durch Wärmeableitung über
den Mantel an die Thermoelementeinspannung beeinflusst wurde31. Um die vorhan-
denen Thermoelementaufnahmen für die 0,5 mm Thermoelemente dennoch nutzen
zu können, wurden diese in Edelstahlröhrchen mit 2 mm Außen- und 1 mm
Innendurchmesser weich eingelötet, die einerseits zur Montage der Thermoelemente
an den Versuchsstrecken dienen und andererseits die relativ instabilen 0,5 mm Ther-
moelemente mechanisch verstärken. Das Röhrchen selbst wurde mit Hilfe eines Ein-
schraubadapters und einer 2 mm Swagelok Klemmring Rohrverschraubung am Au-
ßenrohr der Ringspaltstrecke bzw. in den Segmentflanschen der Fallrohrstrecke be-
festigt. Hierbei war vor allem darauf zu achten, dass die Messspitze jeweils genau in
der Mitte des Ringspaltes (d.h. 2,5 mm von der Heizwand) bzw. des Fallrohres (d.h.
6 mm von der Heizwand) positioniert wurde, um vergleichbare Messwerte entlang
der Versuchsstrecken zu erhalten. Die Konstruktion der Thermoelementaufnahme
und die Positionierung des 0,5 mm Thermoelementes im Ringspalt zeigt Bild 4.2.
Edelstahl Rohr 2 x 0,5 mm
5 mm
Swagelok Verschraubung
2 mm - 1/8 Zoll NPT
0,5 mm Thermoelement in Rohr weich
eingelötet; TE-Spitze in RSP-Mitte
Beheiztes
Innenrohr
7 mm
Außenrohr mit
Adapterflansch
Bild 4.2: Konstruktion der Thermoelementaufnahme mit 2 mm Edelstahlrohr, Swa-
gelok Verschraubung im Adapterflansch (1.4571, auf dem Außenrohr an-
geschweißt) und der Thermoelementspitze in Ringspaltmitte (2,5 mm)
31 Dies hängt insbesondere mit der nur unzureichenden Eintauchtiefe des Thermoelementes in das
Fluid zusammen. Laut Hersteller (Thermocoax) sollte diese dem siebenfachen Außendurchmesser
des Thermoelementes entsprechen – hier also 14 mm, statt der tatsächlichen 3,5 mm. Dies war nur
mit einem deutlich kleineren Außendurchmesser des TE zu realisieren: 0,5 mm x 7 = 3,5 mm.
69
4. Messtechnik
Um Wärmeab- oder auch Zufluss durch das 2 mm Halteröhrchen an die Messspitze
so gut wie möglich ausschließen zu können, ragen die Thermoelemente 7 mm her-
aus, entsprechend einer freien Länge von 14 x Außendurchmesser. Vor dem Einbau
der Thermoelemente wurden diese in einem Strömungsexperiment mit reinem Sili-
konöl M1000k bei einer Umgebungstemperatur von ca. 18°C auf ihre mechanische
Belastbarkeit hin getestet. Da diese Bedingungen deutlich ungünstiger waren als die,
die im ungünstigsten Fall während der Experimente zu erwarten waren, konnte ein
Umknicken der Thermoelementspitze im Betrieb ausgeschlossen werden.
Die Fallrohrstrecke ist jeweils in den Flanschen vor und nach einem Schauglas mit
einem Thermoelement ausgestattet (insgesamt also mit 10 Thermoelementen), wäh-
rend bei der Ringspaltstrecke 56 mm nach Begin eines jeden Segmentes, sowie am
Abschlussflansch am Ende der Versuchsstrecke ein Thermoelement montiert wurde
(acht Thermoelemente), siehe auch Abschnitt 3.5 und 3.6.
4.1.3 Dreifache Fluidtemperaturmessung
Im Laufe des Projektes stellte sich heraus, dass die oben beschriebene einzelne Flu-
idtemperaturmessstelle pro Segment für eine zuverlässige Bestimmung des Wärme-
übergangs nicht ausreichend ist. Nicht zu vernachlässigbare Unterschiede zwischen
den durch Energiebilanzen berechneten und den gemessenen Fluidtemperaturen –
siehe Abschnitt 6.5 – ließen darauf schließen, dass stark ausgeprägte, nichtlineare
Temperaturgradienten radial über den Ringspalt existieren32. Daraus ergab sich die
Notwendigkeit – und zugleich das messtechnische Problem –, die Fluidtemperatur in
jedem Segment radial über den Ringspalt an mehreren Stellen messen zu können.
Die zuerst favorisierte Lösungsvariante, die jedoch aufgrund mechanischer sowie
thermischer Schwierigkeiten relativ schnell wieder verworfen wurde, bestand aus ei-
nem radial über den Ringspalt verschiebbaren Thermoelement.
Die zweite – und letzten Endes auch realisierte – Variante besteht aus drei 0,25 mm
Thermoelementen, die mit Hilfe eines Trägersystems an verschiedenen Positionen
im Ringspalt gehalten werden, siehe Bild 4.3. Als Halterung wird weiterhin ein Edel-
stahlrohr verwendet, welches allerdings aufgrund des größeren Platzbedarfs der drei
32 Die Existenz eines Temperaturprofils radial über den Ringspalt wurde schon vor den ersten Bere-
chungen angenommen, allerdings nicht in so stark ausgeprägter Form wie später gemessen wurde.
70
4. Messtechnik
Thermoelemente nun einen Durchmesser von 4 mm statt 2 mm aufweist, mit einer
dementsprechend angepassten Rohrverschraubung am Außenrohr.
Um die Sensoren an genau definierten Positionen im Ringspalt fixieren zu können,
ist in das Rohr ein Halteblech aus Edelstahl eingelassen, auf dem die Thermoele-
mente durch Weichlöten befestigt werden. Der Abstand der aufgelöteten Thermo-
elemente zueinander beträgt jeweils 1,5 mm. Die freie Länge der 0,25 mm Thermo-
elemente in Strömungsrichtung33 beträgt 3 mm (zwischen Messspitze und Blechhal-
ter), entsprechend einem Länge / Durchmesserverhältnis von 12 x D.
Da die Thermoelemente definiert im Ringspalt positioniert werden mussten, war ins-
besondere der Abstand zwischen Innenrohr und Dichtfläche genau zu vermessen.
Anhand dieses Maßes wurde die Dichtfläche der Klemmringverschraubung auf dem
4 mm Rohr derart ausgerichtet und verschraubt, dass das erste Thermoelement (Po-
sition 1) nach der endgültigen Montage in der Versuchsstrecke einen Abstand von
einem Millimeter von der Oberfläche des Innenrohres besitzt.
Edelstahl Rohr 4x1mm
5 mm
Halterung (2 x 0,5 mm, 1.4571)
mit aufgelöteten Thermoelementen
Swagelok Verschraubung
4 mm - 1/8 Zoll NPT
0,25 mm Thermoelemente
Innenrohr
Pos.
3 2 1
Bild 4.3: Erste Version (I) des Dreifach-Temperatursensors mit 0,25 mm Thermo-
elementen auf einem Blechträger, 4 mm Edelstahlrohr, Swagelok Ver-
schraubung im Adapterflansch (auf dem Außenrohr angeschweißt), sowie
den Positionen der Thermoelementmessspitzen im Ringspalt
33 Ein größerer Wert ließ sich bei dieser Konstruktion aufgrund der Begrenzung durch die 6 mm Boh-
rung des Adapterflansches nicht realisieren, da bei der Montage des Halters als Sicherheit gegen
Beschädigungen noch ein Mindestspiel (Halter mit TE: 5 mm Höhe) zur Verfügung stehen musste.
71
4. Messtechnik
Dabei musste neben der Stärke der Dichtung auch das Setzen der Verschraubung
auf dem 4 mm Rohr berücksichtigt werden34, da eine nachträgliche Änderung der
Lage auf dem Rohr nicht mehr möglich ist. Durch einen Abstand von jeweils 1,5 mm
zwischen den Thermoelementspitzen ergibt sich somit für das zweite Thermoelement
ein Abstand von 2,5 mm (Position 2), und für das Dritte ein Abstand von 4 mm (Posi-
tion 3) von der Heizwandoberfläche des Innenrohrs. Beispiele für die mit dieser
Messanordnung gewonnenen Messwerte sowie der Vergleich mit der einfachen Flu-
idtemperaturmessung folgen in Abschnitt 6.5.
Aufgrund der ersten Versuchsergebnisse mit der neuen Messtechnik sowie den bis-
herigen Erfahrungen mit den 0,5 mm Thermoelementen hinsichtlich des Wärmzu-
bzw. Abflusses an die Thermoelementspitze ergab sich allerdings die Vermutung,
dass auch bei diesen Sensoren u.U. mit einem systematischen Messfehler durch
Wärmeleitung zu rechnen sei. Bei einigen Messzuständen konnte im Bereich der
Heizwand ein sehr stark ausgeprägtes radiales Temperaturprofil von bis zu 60 K/mm
festgestellt werden. Da der Edelstahl des Trägermaterials sowie des Thermoele-
mentmantels mit 17 W/(m·K) eine wesentliche bessere Wärmeleitfähigkeit besitzt als
das Versuchsstoffgemisch mit ca. 0,17 W/(m·K), wurde vermutet, dass sich insbe-
sondere am Thermoelement an der ersten Position ein nicht zu vernachlässigender
Wärmestrom von der Messspitze über den Mantel und das Trägermaterial zu dem
deutlich kühleren Außenbereich des Ringspaltes einstellt. Dies hätte zur Folge, dass
die an der Messspitze ermittelte Temperatur zu niedrig wäre.
Um diese Hypothese zu überprüfen, wurde eine zweite Version (Ib) des Dreifachsen-
sors gebaut, der an Position 1 zusätzlich ein viertes Thermoelement mit einer freien
Länge von 1,5 mm in Strömungsrichtung besitzt. Durch das verkürzte Thermoele-
ment sollten Informationen über den Temperaturabfall entlang des Thermoelementes
an Position 1 gewonnen werden, um somit Rückschlüsse auf die tatsächliche Tem-
peratur an dessen Messspitze ziehen zu können, siehe Bild 4.4. Diese Version wur-
de in das vierte Segment der Ringspaltstrecke eingebaut und einige der bisher schon
mit den Dreifachsensoren durchgeführten Experimente nachgefahren.
34 Serienmäßige Verschraubungen besitzen im Inneren einen Anschlag, auf dem sich das Rohr bei
der Montage abstützt. Die hier verwendeten Verschraubungen mussten allerdings für das Durch-
schieben der 4 mm Rohre aufgebohrt werden, weshalb dieser Anschlag nicht mehr vorhanden ist. Da
es keine Angaben zum Setzverhalten der Swagelok-Verschraubungen bei der Montage ohne den
Anschlag gibt, wurde die Länge, um den sich das Rohr verschiebt, in einer Versuchsreihe mit 10 Ver-
schraubungen untersucht. Es zeigte sich, dass die Verschiebung – 0,4 mm ±0,05 mm bei genauer
Befolgung der Anziehvorschrift – reproduzierbar ist. Bei der Positionierung der Verschraubung auf
dem Rohr musste diese Länge noch zusätzlich berücksichtigt werden.
72
4. Messtechnik
Bild 4.4: Dreifach-Temperatursensor mit Halteblech und einem zusätzlichen vierten
verkürztem Thermoelement an Position 1 (Version Ib)
Bild 4.5 zeigt die Fluidtemperaturen entlang der Ringspaltstrecke für das Experiment
mit den am stärksten ausgeprägten Temperaturgradienten. Es ist zu erkennen, dass
mit dem verkürzten Thermoelement eine deutlich niedrigere Temperatur gemessen
wurde, als mit dem längeren Thermoelement an Position 1.
30 60 90 120 150 180 210
50
60
70
80
90
100
110
120
130
140
Experiment mit 15 l/h
27% Pentangehalt
9 kW/m² Heizleistung
Position I zu
verkürztem
Thermoelement:
verkürztes TE
Position 1 (1 mm)
Position 2 (2,5 mm)
Position 3 (4 mm)
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
T = 13.87 K
Bild 4.5: Fluidtemperaturverlauf entlang der Ringspaltversuchsstrecke mit zusätzli-
chem viertem Thermoelement (verkürzt) an Position 1 in Segment V
73
4. Messtechnik
Mit Hilfe der beiden Messwerte an Position 1 sowie der Temperaturen an Position 2
und 3 sollten nun die tatsächlichen Fluidtemperaturen im Ringspalt und die Tempera-
turverteilung im Thermoelementträger berechnet werden. Hierfür wurde die von
Baehr/Stephan [3] aus der Differentialgleichung für linearen Wärmefluss abgeleitete
Temperaturverteilung in einem Stab mit gleich bleibendem Querschnitt verwendet:
LmmLm xLmmxLm
T
L
L
x+
+
=sinh)/((cosh
)(sinh))/(()(cosh
λα
α
(4.3) und
q
A
U
m
=
λ
α
² (4.4)
mit der Länge L, der Querschnittsfläche Aq, dem Umfang U und der Wärmeleitfähig-
keit λ des Stabes, sowie den Wärmeübergangskoeffizienten an der Stirnfläche und
entlang des Stabes αL und α. Allerdings konnten keine genauen Angaben zum Wär-
meübergang gemacht werden, da in dem betrachteten Bereich der Versuchsstrecke
eine 2-Phasenströmung vorlag. Des Weiteren stand auch kein verlässlicher Wert für
die axiale Wärmeleitfähigkeit des Thermoelementes zur Verfügung35, weshalb der
tatsächlich vorliegende Zustand nur annähernd abgeschätzt werden konnte36.
Bild 4.6 zeigt ein Beispiel für die Abschätzung der Fluid- und Halteblechtemperatu-
ren. Die Wärmeübergangskoeffizienten αL und α wurden mit 215 W/(m²·K)37 ange-
nommen während für die axiale Wärmeleitfähigkeit des Thermoelementes und des
Haltebleches ein Wert von 16 W/(m·K) gewählt wurde (dabei Wärmeleitung nur über
den Edelstahlmantel des Thermoelementes mit einer Dicke von 0,03 mm). Allerdings
lieferte die Abschätzung abhängig von den jeweils gewählten Werten für die Wärme-
übergangskoeffizienten und die axiale Wärmeleitfähigkeit der Thermoelemente sehr
unterschiedliche Ergebnisse – die berechnete Fluidtemperatur an Position 1 variierte
beispielsweise zwischen +0,5 K und +8,5 K zu der gemessenen Temperatur. Aus
diesem Grund sollte die durch einen „Wärmeleitfehler“ bedingte Messunsicherheit
der Sensoren auf einem „Wärmeleit-Prüfstand“ untersucht werden.
35 Da die verwendeten Thermoelemente aus einer mit Magnesiumoxid gefüllten Edelstahlhülle beste-
hen, in der die eigentlichen „Thermodrähte“ verlaufen, konnte für die Wärmeleitfähigkeit nicht der ge-
samte Querschnitt mit der Wärmeleitfähigkeit von Edelstahl angesetzt werden. Genaue Werte der
tatsächlichen Wärmeleitfähigkeit waren vom Hersteller nicht zu erhalten.
36 Dies geschah mit Hilfe eines in Excel angefertigten Kalkulationsprogramms, in dem verschiedene
Annahmen für α und λ durchgespielt wurden. Als Randbedingungen wurden die gemessenen Tempe-
raturen an Position 1 sowie verschiedene Manteldicken des Thermoelementes gewählt.
37 Dieser Wert entspricht in etwa (±20%) dem Wärmeübergangskoeffizienten, der bei einer einphasi-
gen Strömung bei ansonsten gleichen Versuchsbedingungen am Mantel der Thermoelemente zu er-
warten wäre; Abschätzung mit Hilfe des VDI-Wärmeatlas, Abschnitt Ge [51]
74
4. Messtechnik
beheizte Wand
mit 192°C
Silikonöl: 0,17 W/mK
Edelstahl: 17 W/mK
qÖL
qÖl<<qStahl
92°C
TE-Basis(?): 87°C
qTE
qStahl
Fluid(?): 87°C 100°C 137°C
TE: 87°C 98°C 133°C
verrztes
Thermoelement
mit 119°C
106°C
Flansch Innenrohr
Bild 4.6: Mit Variante Ib (zusätzliches verkürztes viertes TE) des Dreifachsensors
gemessene Fluidtemperaturen im Ringspalt (siehe auch Temperaturverlauf
in Bild 4.5) sowie den daraus abgeschätzten Temperaturwerten des Halte-
bleches und des Versuchsstoffes
Lufttemperatur-Thermoelemente
Pos. 1 2 3
elektrischer Heizleiter
Pos. 1 3
Trägerblech-
Thermoelemente
laminare Luftströmung mit bekannter Geschwindigkeit
Q
Bild 4.7: Prüfstandsversion des Dreifach-Temperatursensors mit Halteblech; zusätz-
liche Thermoelemente auf dem Halteblech an Position 1 und 3 sowie drei
Thermoelemente zur Lufttemperaturmessung an Position 1, 2 und 3
75
4. Messtechnik
Hierfür wurde eine weitere Version (Ic) des Dreifachsensors gebaut, bei dem das
Trägerrohr des Dreifachsensors mit einem elektrischen Heizleiter und das Träger-
blech mit zwei zusätzlichen 0,25 mm Thermoelementen zur Messung der Träger-
temperatur ausgerüstet sind, siehe Bild 4.7. Die Trägerthermoelemente wurden da-
bei jeweils direkt unterhalb der Basis der Fluidthermoelemente 1 und 3 angelötet.
Der Sensor wurde dann mit Hilfe einer Halterung über einer Präzisionsluftdüse mon-
tiert, die mit Hilfe eines dazugehörigen Druckreglers einen laminaren Luftstrom defi-
nierter Geschwindigkeit erzeugen kann38. Da der Thermoelementträger durch den
Heizleiter beheizbar ist, lässt sich an der Basis der Fluidthermoelemente eine ge-
genüber dem Luftstrom höhere Temperatur einstellen, jeweils abhängig von der
Strömungsgeschwindigkeit und der Heizleistung. Aufgrund der Ergebnisse aus der
oben beschriebenen Abschätzung war dementsprechend zu erwarten, dass die Flu-
idthermoelemente durch die Temperaturerhöhung an deren Basis beeinflusst wer-
den. Mit den zusätzlich im Luftstrom gegenüber den Fluidthermoelementen (TFluid,x)
angebrachten 0,25 mm Luftthermoelementen (TLuft,x) konnte über die Temperaturdif-
ferenz TFluid,x -TLuft,x der Effekt der Beheizung an der Thermoelementbasis direkt ge-
messen werden.
Der Vorteil dieser Prüfstandesanordnung besteht vor allem darin, dass verschiedene
Varianten des Sensors bei jeweils gleichen Versuchsbedingungen untersucht und
verglichen werden können, da sich die Einstellung der Strömungsgeschwindigkeit an
der Präzisionslüftdüse sehr gut reproduzieren läst. Wie zu erwarten, konnten Abwei-
chungen zwischen der tatsächlichen Lufttemperatur und den Messwerten der Flu-
idthermoelemente festgestellt werden, die je nach eingestellten Versuchsbedingun-
gen und der Position im ungünstigsten Fall bis zu 10 K betragen konnten. Die vor
allem qualitativ zu sehenden Ergebnisse dieser Versuchsanordnung bestätigten
demnach die zu Anfang aufgestellte Vermutung eines nicht zu vernachlässigenden
Messfehlers, der aufgrund des nicht genau zu bestimmenden Wärmeübergangs an
den Thermoelementen in der Versuchsstrecke aber nach wie vor nicht genau spezifi-
ziert werden konnte.
Die daraufhin entwickelte zweite Variante des Dreifachsensors mit an den Thermo-
elementspitzen angelöteten Rippen zeigte auf dem Prüfstand eine deutliche Verbes-
38 Die laminare Luftströmung wird mit einer Normdüse erzeugt, die von einem einstellbaren Druckluft-
regler versorgt wird (System DISA, ursprünglich zur Kalibrierung von Luftanemometern verwendet).
Über den Druckabfall über der Düse (wird mit einem Schrägrohrmanometer gemessen), den Umge-
bungsluftdruck (gemessen mit einem Digiquarz-Druckaufnehmer) und der Luftaustrittstemperatur aus
der Düse lässt sich die Strömungsgeschwindigkeit mit einer Unsicherheit von ±0,1 m/s bestimmen.
76
4. Messtechnik
serung bezüglich der Temperaturdifferenz zwischen Fluid- und Luftthermoelement,
d.h. der Einfluss des Trägerbleches auf die Fluidtemperaturmessung konnte wesent-
lich verringert werden. Da der modifizierte Sensor allerdings in der Versuchsstrecke
leider nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen konnte, wurde diese Lösung
verworfen und wird an dieser Stelle nicht weiter behandelt.
Die dritte und endgültige Variante der dreifachen Fluidtemperaturmessung ist in Bild
4.8 zu sehen. Hierbei handelt es sich um eine Lösung, bei der auf das Halteblech
komplett verzichtet wurde, und die Stabilität der Thermoelemente nur durch gegen-
seitiges Abstützen gewährleistet wird. An Stelle des Haltebleches ist eine Messing-
führung getreten, die an der Unterseite mit einer eingefrästen Nut (0,3 mm breit,
1 mm tief) versehen wurde, in der die Thermoelemente übereinander geführt werden.
Mit Hilfe eines speziell dafür angefertigten Formwerkzeugs werden die drei Thermo-
elemente passend ausgerichtet – die Abstände zueinander sind unverändert wie bei
der ersten Variante – und dann in einem Arbeitsgang zusammen mit der Führungs-
hülse und dem 4 mm Röhrchen miteinander verlötet. Der Vorteil dieser Anordnung
liegt vor allem darin, dass die freie Thermoelementlänge jetzt ca. 5 mm und nicht
mehr wie zuvor 3 mm beträgt39.
Edelstahl Rohr 4x1mm
5 mm
verlötete Thermoelemente
in Führungshülse (Messing)
Swagelok Verschraubung
4 mm - 1/8 Zoll NPT
0,25 mm Thermoelemente
Innenrohr
Pos.
3 2 1
Bild 4.8: Konstruktion der dritten Variante (III) des Dreifach-Temperatursensors mit
Führungshülse und ohne Halteblech
39 Freie Länge des Thermoelementes an der ersten Position 5 mm, an der zweiten Position 4,75 mm
und an der dritten Position 4,5 mm. Im Bereich des höchsten Temperaturgradienten steht somit die
größte freie Länge des Thermoelementes zur Verfügung.
77
4. Messtechnik
Des Weiteren ist auch die radiale Wärmeleitung deutlich verringert, da insbesondere
im Bereich zwischen der ersten und zweiten Messposition nur der einfache Thermo-
elementquerschnitt vorhanden ist. Aber auch im äußeren Bereich des Ringspalts, in
dem die drei Thermoelemente miteinander verlötet sind, ist der wärmeleitende Quer-
schnitt mit 0,2 mm² gegenüber den 1 mm² des Blechträgers deutlich kleiner. Einen
potentiellen Nachteil im Vergleich zu den vorangegangenen Varianten stellt aller-
dings die Stabilität des Sensors dar, da maximal nur der dreifache Thermoelement
Querschnitt in Strömungsrichtung zur Verfügung steht (=> 0,75 x 0,25 mm). Zur Un-
tersuchung der Stabilität wurde der Sensor einer M1000k Silikonölströmung in einem
Becherglas bei 20°C Umgebungstemperatur ausgesetzt, den dieser bei einer graden
(rechtwinklig in Strömungsrichtung) Ausrichtung der Thermoelemente unbeschadet
überstand. Lediglich bei einer hohen Strömungsgeschwindigkeit und gleichzeitiger
schrägen Anströmung trat eine Verformung auf, die in dieser Form in der Versuchs-
strecke allerdings ausgeschlossen werden kann.
Um die Verbesserung gegenüber der ersten Variante zu untersuchen, wurde von
diesem Typ ebenfalls eine Prüfstandsversion gefertigt. Zur Messung der Temperatur
an der Thermoelementbasis wurde ein einzelnes 0,25 mm Thermoelement an dem
Übergang zwischen der Führungshülse und den drei frei verlaufenden Thermoele-
menten festgelötet. Um die Vergleichbarkeit der Prüfstandversuche der beiden Vari-
anten zu gewährleisten, wurde die Leistung am Heizleiter von Variante III derart ein-
gestellt, dass die Temperatur an deren Thermoelementbasis der Basistemperatur der
ersten Variante an Position 3 entsprach. Ein Beispiel für den deutlich niedrigeren
„Wärmeleitfehler“ von Variante III gegenüber Variante I zeigt Bild 4.9.
Bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 10 m/s und ca. 65°C an der Thermoele-
mentbasis ist bei der ersten Variante an Position 3 eine maximale Abweichung von
ca. 9,5°C zu erkennen, während die Temperaturdifferenz bei Variante III lediglich 3 K
beträgt. Ähnliche Messergebnisse konnten bei anderen Strömungsgeschwindigkeiten
und Basistemperaturen beobachtet werden. Insgesamt zeigte Variante III auf dem
Prüfstand ähnlich gute Ergebnisse wie die verworfene Variante II.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde diese Variante des dreifachen Thermoelementsen-
sors allerdings nur bei einigen Wiederholungsexperimenten in den ersten vier Seg-
menten der Ringspaltversuchsstrecke eingesetzt. Die mit der dritten Variante ermit-
telten Fluidtemperaturen waren dabei nur geringfügig höher (ca. +0,2 K) als die
Messwerte der ersten Variante aus vorangegangenen Experimenten.
78
4. Messtechnik
30 35 40 45 50
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Strömung 10 m/s
Basistemperatur 65°C
(Position 3)
Version I
Zeit in Minuten
TE Position 3
TE Position 2
TE Position 1
Luft (Mittelwert)
Temperatur in °C
Zeit in Minuten
30 35 40 45 5020
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Strömung 10 m/s
Basistemperatur 65°C
(Hülse/TE)
Verbesserung durch Version III
Version III
Luft (Mittelwert)
TE Position 1
TE Position 2
TE Position 3
Bild 4.9: Links: Messwerte der Fluidthermoelemente an den drei Positionen der Va-
riante I mit Trägerblech sowie tatsächliche Lufttemperatur
Rechts: Messwerte der Fluidthermoelemente an den drei Positionen der
Variante III ohne Trägerblech sowie tatsächliche Lufttemperatur
Dies und die Ergebnisse aus den Prüfstandsversuchen lassen darauf schließen,
dass der Wärmeleitfehler der ersten Variante deutlich niedriger sein muss als ur-
sprünglich befürchtet wurde. Demnach kann ein Messfehler aufgrund von radialer
Wärmeleitung bei der dritten Variante des Dreifachsensors nun so gut wie ausge-
schlossen werden. Aus diesem Grund wurden alle Dreifachsensoren der ersten Vari-
ante durch die neuste Variante ersetzt, so dass zum jetzigen Zeitpunkt alle Messstel-
len der Ringspaltversuchsstrecke mit dem neuen Sensor ausgerüstet sind.
79
4. Messtechnik
4.1.4 Temperaturmessung mit Platinthermometern
Zur Absoluttemperaturmessung des Versuchsstoffes vor und nach den Versuchs-
strecken sowie der Thermoelement-Vergleichstellen werden Platinwiderstandsther-
mometer verwendet. Der Grund hierfür liegt vor allem in der sehr hohen Mess-
genauigkeit und Langzeitstabilität dieses Sensortyps40, siehe auch ITS-90 [52].
Zum Einsatz kommen zwei unterschiedliche Sensoren: durch Keramik gekapselte PT
mit einem Grundwiderstand von 1000 (PT1000) und Edelstahl gekapselte PT mit
einem Grundwiderstand von 100 (PT100), wobei beide Werte jeweils für eine Re-
ferenztemperatur von 0°C gelten.
Für den Zusammenhang zwischen dem elektrischen Widerstand und der Temperatur
gelten als Grundwerte im Temperaturbereich von 0°C bis 850°C für Platin-
Widerstandsthermometer (T in °C):
R
T = R0 · (1 + A·T + B·T 2) (4.5)
mit den Konstanten A = 3,90802 · 10-3 °C-1 und B = -5,802 · 10-7 °C-2. R0 ist jeweils
abhängig vom benutzten PT (100 oder 1000 ). Da diese Gleichung geschlossen
lösbar ist – die Gleichung lässt sich beispielsweise mit einer quadratischen Ergän-
zung nach T auflösen –, kann über den gemessenen Widerstand relativ problemlos
die Temperatur berechnet werden. Hierfür ist ähnlich der Temperaturberechnung der
Thermoelemente eine Berechnungsroutine in das Messwerteerfassungs-Programm
integriert.
Neben den PT1000 Sensoren zur Messung der Kupferklotztemperaturen mit einer
Keramikkapselung zur elektrischen Isolierung und als Schutz gegen leichte mechani-
sche Beanspruchungen, wird die Versuchsstofftemperatur an einigen Stellen der
Versuchsanlage mit PT100 Sensoren gemessen. Der Grund hierfür liegt vor allem an
der Entfernung dieser Messpositionen von den Kupferquadern der Thermoelement-
Vergleichsstellen, die aufgrund der verfügbaren Länge der Thermoelemente nur
schwer mit diesen erreichbar wären. Außerhalb der Klimakammer sind das die Fluid-
temperaturen im Dampfraum und am Auslauf des Vorratsbehälters, in der Steiglei-
tung vor und nach dem Wärmeübertrager, sowie im Pentankondensationssystem.
Innerhalb der Klimakammer wird die Versuchsstofftemperatur nach dem Mischer und
im Abscheider mit PT100 Sensoren gemessen. Um eine ausreichende Stabilität ge-
40 Platinthermometer werden in der Internationalen Temperatur Skala von 1990 (ITS-90) als Normal-
gerät zur Temperaturbestimmung im Bereich von 13,8033 K bis 1234,93 K festgelegt.
80
4. Messtechnik
gen mechanische und chemische Beanspruchungen der PT100 Sensoren zu ge-
währleisten, sind diese neben der Keramikschicht (insbesondere zur elektrischen
Isolierung) zusätzlich durch eine Edelstahlhülle (Durchmesser 2 mm) geschützt.
Um die Messunsicherheit der Platinthermometer unabhängig von den Herstelleran-
gaben zu überprüfen und zu verbessern, wurden alle PT zusätzlich kalibriert. Je nach
PT-Typ (PT100 oder PT1000) wurden dabei unterschiedliche Kalibrierungen vorge-
nommen, die in Abschnitt 4.4 näher beschrieben werden. Dort wird ebenfalls auf die
zu erwartende Messunsicherheit der PT eingegangen.
4.1.5 Verarbeitung der Temperatur-Sensorsignale
Im Folgenden soll auf die Messtechnik zur Erfassung der Sensorsignale der Ther-
moelemente und Platinthermometer eingegangen werden. Bild 4.10 zeigt die hierfür
verwendete Messtechnik. Wie oben schon beschrieben wurde, wird bei dieser Ver-
suchsanlage eine Thermoelementmesstechnik mit Temperaturkompensation ver-
wendet. Infolge dessen muss die Temperatur der Verbindungsstelle zwischen dem
Thermoelementmaterial und den Kupferanschlussleitungen zur Ermittlung der Abso-
luttemperatur an der Thermoelementspitze unbedingt bekannt sein.
Da bei der großen Zahl von Thermoelementen die Messung aller Verbindungsstellen
mit Platinthermometern sehr aufwendig wäre, sind alle Buchsen der Steckverbindun-
gen in Kupferquader eingelassen, deren Temperaturen jeweils mit einem PT1000
gemessen werden. Die Temperatur der PT1000 wird dabei auf die gleiche Weise
ermittelt, wie die der restlichen PT100. Insgesamt sind sechs Kupferquader (Länge
160 mm, Breite 50 mm, Höhe 50 mm) mit jeweils 16 Steckplätzen vorhanden, die
außerhalb der Klimakammer auf drei verschiedenen Ebenen angeordnet sind41.
Die Verbindung zwischen Thermoelement und Ausgleichsleitung im Kupferquader
geschieht über ein Stecker-Buchsensystem der Firma Lemosa (LEMO-System, ein-
setzbar bis 255°C, Thermocoax [53]), um eine fehlerfreie Übertragung des Messsig-
nals sicherzustellen. Zusätzlich soll die gute Wärmeleitfähigkeit des Kupfers eventu-
elle Temperaturunterschiede in der Umgebung eines Quaders ausgleichen.
41 Ursprünglich waren nur vier im Inneren der Klimakammer montierte Kupferquader vorhanden. Auf-
grund des Steckplatzbedarfes der dreifachen Fluidtemperaturmessung wurden zusätzliche Kupfer-
quader außerhalb der Kammer montiert. Da die ursprünglich im Inneren der Klimakammer montierten
Quader nur sehr langsam auf Änderungen der Klimakammereinstellung reagierten und somit das An-
fahren eines neuen Messzustandes erschwerten, wurden diese ebenfalls nach Außen verlegt.
81
4. Messtechnik
Wie in Bild 4.10 zu sehen, ist das PT mit einem der beiden Digital Multimeter ver-
bunden. Hierbei handelt es sich um ein 7½ stelliges Präzisonsmultimeter der Firma
PREMA für 20 vierpolige Kanäle (bzw. 80 x einpolig oder 40 x zweipolig), das für den
Anschluss an einen Messrechner mit einer seriellen RS232 Schnittstelle ausgerüstet
ist. Über die RS232 Schnittstelle steuert das auf dem Messrechner befindliche
Messprogramm die Multimeter an, um auf den jeweils zu messenden Kanal, die rich-
tige Messgröße und den passenden Messbereich umzuschalten.
Messrechner
mit
Datenerfassung
Platinthermometer (PT 1000)
Messstelle
+
TMS
TVS
Digital Multimeter
+
UThSpx1000
1
Kanäle 1 - 64
. . . . . . . . . . .
Multiplexer
Halteverstärker
Mess-
bereich-
verstärker
ADU
Controller
PCI BUS (16 BIT)
. . . . . . . .. . . . . . . .
PCI BUS I
PCI BUS II
1400.479 e
Kanal
A B C
D E F
RANGE/MENU
FUNKTION
C01
Verstärker
RS 232
Schnittstelle
Digital - Analog
Umsetzerkarte
64
Bild 4.10: Messtechnik zur Erfassung der Thermoelement- und Platinthermometer-
Temperaturen mit Signalverstärker, Digital-Analog-Umsetzerkarte mit Hal-
teverstärker, Multiplexer, Messbereichsverstärker, Analog-Digital-Umsetzer
(ADU) und Controller, Messrechner und Referenztemperaturermittlung
durch ein Platinthermometer und Digital Multimeter
82
4. Messtechnik
Nach einer einstellbaren Integrationszeit übermittelt das Multimeter den jeweils ge-
messenen Widerstand des Platinthermometers an den Rechner, der unmittelbar in
eine Temperatur umgerechnet wird. Im Fall der PT der Kupferquader wird diese wie-
derum zur Bestimmung der Thermoelementtemperatur weiter verwendet. Danach
wird der Temperaturwert in der Messdaten-Datei gespeichert. Auf die Messgenauig-
keit und Langzeitstabilität der Multimeter wird in Abschnitt 4.4.2 näher eingegangen.
Wegen der hohen Lufttemperaturen mussten alle in der Klimakammer befindlichen
PT über zweiadrige hitzeresistente Spezialkabel (maximale Betriebstemperatur
200°C) mit den Multimetern verbunden werden, welche zusätzlich noch über eine
elektronische Abschirmung gegen elektromagnetische Störungen verfügen. Das
Gleiche gilt für die zweiadrigen Kupferanschlussleitungen der Thermoelemente und
die vieradrigen Anschlussleitungen der Druckaufnehmer in den Versuchsstrecken.
Aufgrund der großen Anzahl von Thermoelementen wird die Thermospannung nicht
mit Digitalmultimetern gemessen, sondern mit Hilfe einer Digital-Analog Umsetzer-
karte (DAU-Karte), die im Gegensatz zu den Multimetern eine gleichzeitige Messung
aller Messkanäle erlaubt. Um eine höhere Messgenauigkeit zu erzielen, wird die
Thermospannung jedes Thermoelementes zuvor von einem separaten Signalver-
stärker – insgesamt 64 für alle Messkanäle der DAU-Karte – um den Faktor 1000
verstärkt. Die Signalverstärker sind eine Eigenentwicklung am Institut, die sich be-
reits bei den bisherigen Versuchsanlagen bewährt hatten und hinsichtlich einer
größtmöglichen Messgenauigkeit und Zuverlässigkeit optimiert wurden.
Bei der Digital-Analog Umsetzerkarte handelt es sich um eine AD976A/ADC Mess-
karte der Firma Measurement Computing mit einem PCI-Bus System42 zum direkten
Einbau in einen handelsüblichen Rechner. Die Messkarte wird in der Konfiguration
„single ended“ benutzt, die es erlaubt, 64 Kanäle bzw. 64 Thermoelemente simultan
zu messen. Bild 4.10 zeigt das Funktionsschema der hier verwendeten ADU-Karte.
Das „Prinzip der Gleichzeitigkeit“ der Messung beruht darauf, dass alle Verbindun-
gen der karteninternen Messkanäle zu den Thermoelementen zu einem vom Control-
ler festgelegten Zeitpunkt getrennt werden. Die zu dem jeweiligen Zeitpunkt an den
Messkanälen anliegenden Spannungen werden dabei solange durch Halteverstärker
archiviert, bis durch den Multiplexer alle 64 Kanäle angewählt und von dem Analog-
42 Auflösung der Messkarte 16 BIT, Betriebsspannung 5 V, 32 BIT Datenübertragung bei 33 MHz,
Umwandlungszeit analoges in digitales Signal 5 µs. Die Karte verfügt über 64 einzelne Messkanäle in
der Betriebsart „single ended“ bzw. 32 Kanäle in „double ended“ (differentieller Betrieb); alternativ ist
auch eine Betriebsart mit 16 Kanälen und einer vierfachen Bandbreite möglich [54].
83
4. Messtechnik
Digital-Umsetzer (ADU) gemessen und umgewandelt wurden. Um den optimalen Ar-
beitsbereich des Analog-Digital-Umsetzers ausnutzen zu können, ist vor diesen ein
Messbereichsverstärker geschaltet, der das Signal der Halteverstärker auf ein geeig-
netes Messniveau anhebt. Die „gesammelten“ Daten werden nach Abtasten aller
Kanäle über den PCI-Bus an den Messrechner weitergegeben, wo sie durch das
Messprogramm weiter verarbeitet werden.
Durch die Erdung über eine gemeinsame Masse sowohl der Thermoelementverstär-
ker als auch der ADU-Karte, ist die Temperaturmessung der Thermoelemente über
ein einzelnes Kabel möglich, da die jeweilige Spannung vom Spannungsniveau „0“
aus gemessen wird. Die Vorteile dieses Systems liegen vor allem darin, dass weni-
ger Messkartenkanäle notwendig sind – Betriebsart „single ended“ anstatt „differen-
tiell“ – und das die jeweilige Kanalspannung nur zu dem Nullspannungsniveau ge-
messen werden muss, wodurch sich einerseits eine höhere Messgenauigkeit erzie-
len lässt und andererseits fehlerhafte Kanäle leichter detektiert werden können. Nicht
zu unterschätzen ist zudem ein deutlich reduzierter Aufwand bei der Verkabelung.
4.2 Druckmessung
Bei der Auswahl der Druckaufnehmer stellte sich eine besondere Problematik:
Dadurch, dass der Druck entlang der Versuchsstrecken so direkt wie möglich ge-
messen werden sollte, waren die „herkömmlichen“ Drucksensoren, wie sie in den
bereits am Institut vorhandenen Versuchsanlagen zum Behältersieden und zur Mes-
sung von Phasengleichgewichten verwendet werden, nicht geeignet, da deren
Messmembran relativ weit im Inneren des Sensors liegt. Die für die Strecken vorge-
sehenen Sensoren sollten eine vorn liegende Messmembran besitzen, um den Druck
innerhalb der Strömung so direkt und genau wie möglich an der Außenwand der Ver-
suchsrohre erfassen zu können. Ein weiteres Problem ergab sich durch die hohe
Lufttemperatur in der Klimakammer, da die Mehrzahl der erhältlichen Sensoren bei
einer Umgebungstemperatur von 150°C nicht mehr einsetzbar ist.
Ein Sensor, der die oben genanten Anforderungen erfüllt, ist ein spezieller Miniatur
Drucksensor vom Typ 81530 der Firma SENSOTEC mit außen liegender, ver-
schweißter Membran, der für die Druckmessung in beiden Versuchsstrecken benutzt
wird. Die Druckaufnehmer besitzen einen Messbereich von Vakuum - 20 bar bzw.
84
4. Messtechnik
Vakuum - 10 bar – die Druckaufnehmer wurden in zwei unterschiedlichen Chargen
beschafft – und können bei einer Umgebungs- und Mediumstemperatur von maximal
200°C eingesetzt werden. Der Überlastbereich ohne Schädigung des Sensors und
die Berstsicherheit beträgt 150% bzw. 500% des maximalen Nenndrucks.
In das Gehäuse der Druckaufnehmer ist eine elektronische Temperaturkompensation
integriert, die in einem Bereich von 15°C bis 150°C arbeitet. Der Ausgangswider-
stand bei Umgebungsdruck beträgt nominell 350 , ALTHEN [55]. Bild 4.11 zeigt den
Sensor mit den wichtigsten Abmessungen, die im Inneren des Druckaufnehmers in-
tegrierte Brückenschaltung und die zur Druckmessung benötigte Messtechnik.
USP = +5V
UBrSpx1000
Instrumenten
Versrker
UBrückenspannung
Speisespannung
Messrechner
mit
Datenerfassung
. . . . . . . .
. . . . . . . .
PCI BUS I
PCI BUS II
Digital - Analog
Umsetzerkarte
Anschluss
Speisespannung
Anschluss
Verstärker
Druckaufnehmer
Membran mit Folien-
DMS Messbrücke
(9 mm Durchmesser)
Folien-DMS Messbrücke
Gewinde M 10 x 1
Dichtfläche
Bajonettverschluss
SW 19
Speisespannung
Gesamtlänge:
45 mm
Bild 4.11: Miniatur Sensor zur Messung der Drücke in den beiden Versuchsstrecken
mit schematischer Darstellung des Funktionsprinzips der Messbrücke und
der sich anschließenden Messtechnik
85
4. Messtechnik
Der Sensor besitzt insgesamt vier elektrische Anschlüsse: zwei für die Versorgungs-
spannung der Messbrücke (Speisespannung), und zwei Anschlüsse zur Messung
der Brückenspannung. Die Speisespannung aller Versuchsstreckendruckaufnehmer
– achtmal in der Ringspalt- und sechsmal in der Fallrohrversuchsstrecke – wird von
einer zentralen Spannungsversorgung der Messwarte geliefert.
Das Funktionsprinzip dieser Sensoren beruht auf der Widerstandsänderung von
Dehnungsmessstreifen, die auf der Rückseite der Membran als vierarmige Folien-
DMS aufgebracht sind und mit Hilfe einer Wheatstoneschen Brückenschaltung ge-
messen werden (angedeutet durch Auslenkungspfeile an den DMS in Bild 4.11). Um
die Brückenspannung messtechnisch genauer bestimmen zu können, sind die An-
schlüsse der Messbrücke mit einem Instrumentenverstärker des Typs AD 524 BD
X1000 mit Gleichtaktunterdrückung verbunden, der das Signal mit einem einstellba-
ren Faktor verstärkt – die hier verwendete Verstärkung beträgt 103. Zusätzlich ist der
Verstärker mit einem Tiefpass Filter zweiter Ordnung ausgerüstet, der eventuell in
der Umgebung auftretende Störsignale mit einer Frequenz größer als 10 Hz expo-
nentiell dämpft. Von dem Verstärker wird das Signal über eine einzelne Leitung an
eine Digital-Analog Umsetzerkarte weitergegeben, die baugleich zu dem Typ ist, wie
er auch bei der Erfassung der Thermoelementtemperaturen Verwendung findet. Die
maximal mögliche Druckabtastrate dieser Messkarte beträgt 1 kHz (die hier verwen-
deten Abtastraten werden weiter hinten noch näher beschrieben). Das Gleiche gilt für
die baugleiche ADU-Karte zur Messung der Thermoelementspannungen. Der von
der Umsetzerkarte digitalisierte Spannungswert wird dann von dem Messprogramm
weiter zu einem Druckmesswert verarbeitet.
Die von dem Messprogramm durchgeführten Operationen zur Druckberechnung sol-
len im Folgenden anhand des Druckaufnehmers an der ersten Druckmessstelle (1),
beschrieben werden. Um die Abhängigkeit des Messwertes von der Speisespannung
zu kompensieren, wird der gemessene Spannungswert dabei zuerst durch die Spei-
sespannung geteilt, so dass man eine „normierte“ Spannung erhält:
UNorm(1) = UBrSp(1) / USP. (4.6)
Die normierte Spannung wird nun mit Hilfe einer Druckberechnungsroutine in den
eigentlichen Druckmesswert umgerechnet, und danach in der Messdatendatei ge-
speichert. Dabei wird folgende lineare Korrekturgleichung verwendet:
86
4. Messtechnik
P(1) = UNorm(1) · A(1) + B(1). (4.7)
Da es zwischen den Druckaufnehmern leichte Unterschiede gibt, unterschieden sich
auch jeweils deren Koeffizienten A (=Gain) und B (=Offset), so dass diese für jeden
Sensor separat ermittelt werden müssen. Dies geschieht mit Hilfe einer Druckkalib-
rierung, bei der die jeweiligen Spannungen bei einem niedrigen Druck – in der Regel
0,2 bis 0,5 bar – und einem hohen Druck – in der Regel 10 bar als maximaler Druck
in der Anlage – gemessen werden. Mit Hilfe des tatsächlichen Druckes – dieser wird
von einem Referenzdruckaufnehmer ermittelt, siehe auch weiter unten – und den
Spannungswerten können dann der jeweilige Offset und Gain eines Sensors be-
stimmt, und in die Druckberechnungsroutine des Messprogramms integriert werden.
Im Mittel beträgt der Wert für den Gain ca. 10 [bar/V] und für den Offset ca. 1 [bar].
Diese Druckberechnungsroutine wurde während der ersten Experimente verwendet.
Es zeigte sich allerdings sehr schnell, dass eine einfache lineare Korrektur bei Um-
gebungstemperatur nicht ausreicht, da die Druckaufnehmer eine starke Temperatur-
drift besitzen. Aufgrund der Tatsache, dass die Experimente bei zum Teil sehr unter-
schiedlichen Temperaturen stattfinden, musste der Einfluss der Temperatur auf die
Druckmessung mit berücksichtigt werden, um verlässliche und reproduzierbare
Druckmesswerte zu erhalten. Dies führte zu einer Berechnungsgleichung, bei der
neben dem Offset und Gain bei „Normaltemperatur“ noch ein temperaturabhängiger
Offset und Gain integriert wurde. Die neue, modifizierte Korrekturgleichung der
Druckberechnungsroutine lautet:
PT(1) = C(1) + D(1) · TFluid + UNorm · (E(1) – F(1) · TFluid). (4.8)
Da sich die Druckaufnehmer auch hinsichtlich ihres Temperaturverhaltens leicht un-
terscheiden, müssen alle vier Koeffizienten für jeden Druckaufnehmer separat be-
stimmt werden, siehe hierzu Abschnitt 4.4. Für den ersten Druckaufnehmer ergaben
sich beispielsweise folgende Koeffizienten:
C(1) = -1.4536 [bar], D(1) = 1.2832·10-2 [ bar/K], E(1) = 1.0838 [bar/V] und
F(1) = 6.0065·10-4 [bar/(V·K)].
Entscheidend für die Temperaturkorrektur ist die Bestimmung der Membrantempera-
tur des jeweiligen Druckaufnehmers. Da diese nicht direkt gemessen werden kann,
wird sowohl für die Kalibrierung als auch in der Druckberechnungsroutine der am
87
4. Messtechnik
nächsten liegende Fluidtemperatursensor verwendet43. Bei der Mehrzahl der Expe-
rimente waren dies die einzelnen 0,5 mm Thermoelemente, da die dreifache Fluid-
temperaturmessung noch nicht zur Verfügung stand. Im Fall der dreifachen Tempe-
raturmessung wird in jedem Segment das außen liegende (Position 3, siehe Bild 4.3)
Thermoelement verwendet, da dessen Temperatur am ehesten der Membrantempe-
ratur entspricht und kleinere Abweichungen gegenüber der tatsächlichen Membran-
temperatur erwarten lässt als die alte 0,5 mm Messtechnik, siehe auch Abschnitt 6.5
Bei der Fallrohrversuchsstrecke wird ebenfalls das am nächsten angeordnete Flu-
idthermoelement zur Druckberechnung benutzt, welches in Strömungsrichtung aller-
dings einen Versatz von ca. 20 mm zum Druckaufnehmer aufweist. In beiden Fällen
– Fallrohr und Ringspalt – wird für die Druckberechnung die zeitlich unmittelbar vor
dem jeweiligen Druckaufnehmer gemessene Fluidtemperatur verwendet.
Neben den Sensoren zur Messung der Drücke in den beiden Versuchsstrecken, fin-
den noch einige andere Druckaufnehmer Verwendung. Bei der Messung des Dru-
ckes im Abscheidebehälter konnte auf einen Sensor zurückgegriffen werden, der
sich bereits bei einer Vielzahl von Anwendungen am Institut bewährt hatte. Da der
Druck außerhalb der Klimakammer an der Dampfleitung zum Kondensator bei Um-
gebungstemperatur gemessen werden kann, stellte sich nicht das Problem der ho-
hen Umgebungstemperaturen für die im Sensor integrierte Elektronik. Problematisch
war hingegen, dass die unter Umständen sehr hohe Dampfaustrittstemperatur einen
Temperaturgradienten innerhalb des Sensors erzeugen könnte, wodurch, wie Erfah-
rungen zeigten, eine deutlich schlechtere Messgenauigkeit zu erwarten gewesen
wäre. Um dies zu vermeiden, wurde der Sensor mit Hilfe eines „U-Rohres“ an die
Dampfleitung angeschlossen, welches dazu dient, eine isolierende Flüssigkeitssäule
gegen den heißen Dampf zu erzeugen (Kondensat im U-Rohr kann nicht abfließen).
Die Länge des Rohres wurde dabei derart angepasst, dass kein statischer Druck auf
die Sensormembran durch die Flüssigkeits-Säule erzeugt werden kann, da ansons-
ten der Druckaufnehmer systematisch falsche Messwerte liefern würde.
43 Da die Temperaturen der Sensoren entlang der Versuchsstrecke zum Teil sehr stark variieren kön-
nen – im Extremfall um 100 K von oben nach unten, hätte eine falsch gewählte Temperaturmessstelle
zur Druckkorrektur gravierende Messfehler zur Folge.
Bei der Ringspaltversuchsstrecke befindet sich das Fluidthermoelement des jeweiligen Segmentes
axial auf genau der gleichen Position wie der Druckaufnehmer (am Rohrumfang um 180° versetzt,
siehe auch Bild 3.2 und 3.3); das Gleiche gilt für die dreifache Temperaturmessung
88
4. Messtechnik
Bei dem verwendeten Sensor handelt es sich um einen „hochpräzisions-Absolut-
druckaufnehmer“ vom Typ 8262 „Super TJE“44 der Firma Burster mit einem Messbe-
reich von 0 bis 13,8 bar, der wie die Miniatur Druckaufnehmer mit einer vierarmigen
Folien-DMS ausgerüstet ist. Da der Druckaufnehmer als Referenz für die Versuchs-
streckendruckaufnehmer verwendet wird, wurden dessen Offset und Gain mit Hilfe
eines Drehkolbenmanometers in den Endpunkten des möglichen Druckbereichs bei
0 bar und 13 bar kalibriert. Die in der Druckberechnungsroutine des „Referenzdruck-
aufnehmers“ verwendete Gleichung lautet:
P
Ref = (UBrSp · 103 / USP) · ARef - BRef (4.9)
mit den ermittelten Koeffizienten ARef = 6.920760 [bar] und BRef = - 0.087438 [bar].
Neben den oben beschriebenen Druckaufnehmern werden an einigen Positionen des
Versuchsstoffsystems noch zusätzliche Drucksensoren bzw. Manometer eingesetzt,
die nicht der Erfassung von Messdaten sondern der Anlagenüberwachung dienen.
Hier ist insbesondere der in der Steigleitung eingebaute Druckwächter zu erwähnen,
der bei Überschreiten des Sicherungsdruckes45 automatisch den Stromkreis der
Speisepumpe unterbricht, um die Schaugläser der Versuchsstrecken vor Beschädi-
gungen zu schützen. Zusätzlich ist der Wächter mit einem Druckaufnehmer ausges-
tattet, der den jeweils herrschenden Druck in der Versuchsstoffleitung misst und die-
se Information an den Messrechner liefert.
Zur Kontrolle des Füllstandes in der Pentanschleuse nach dem Kondensator werden
zwei Präzisions-Druckmessumformer der Serie P900 der Firma ALTHEN verwendet,
die besonders für niedrige Temperaturen geeignet sind, siehe auch Abschnitt 3.9.
Ein weiterer Druckaufnehmer findet Verwendung in der Regeleinheit der Druckauf-
nehmer-Nachkalibrierung. Dieser Sensor liefert das Steuersignal für den Messrech-
ner zur Ansteuerung der Ablassventile. Hierauf wird noch detailliert im Abschnitt 4.4
„Kalibrierung und Messgenauigkeit“ eingegangen.
44 Die Temperatur ist in einem Bereich von 15°C bis 70°C kompensiert (maximaler Temperaturbereich
-30°C bis 120°C), der Überlastbereich des Sensors sowie dessen Berstsicherheit beträgt 150% bzw.
400% des maximalen Nenndrucks, die Speisespannung ist 5 V, Produktdatenblatt Burster [56].
45 Druckbereich stufenlos einstellbar von 1 bis 16 bar.
89
4. Messtechnik
4.3 Messwerterfassung
Für die Erfassung, Verarbeitung und Speicherung der digitalisierten Sensorsignale
im Messrechner wurde ein Programm mit grafischer Bedienungsoberfläche erstellt.
Hierfür wurde die objektorientierte Programmiersprache Visual Basic benutzt, welche
vor allem den Vorteil besitzt, dass die verwendeten ADU-Messkarten und Multimeter
softwareseitig unterstützt werden. Die Routinen zu deren Abfrage konnten daher di-
rekt von den Hardware Herstellern übernommen werden.
Wie oben schon beschrieben wurde, sind in dem Programm die Berechnungsglei-
chungen für die Thermoelement- und Platinthermometertemperaturen sowie der ver-
schiedenen Druckaufnehmer hinterlegt. Zusätzlich werden die von den Multimetern
gemessenen Spannungen und Stromstärken der sieben Netzteile der Ringspaltver-
suchsstrecke erfasst. Ein Messdurchlauf aller Sensoren mit anschließender Abspei-
cherung der Daten benötigt im Schnitt 1 Minute und 20 Sekunden. Diese Zeitdauer
ergibt sich durch die Messkanalabfrage der Digitalmultimeter, da neben dem reinen
Umschaltvorgang für jeden Kanal eine bestimmte Integrationszeit zur Mittelwertbil-
dung des Messsignals benötigt wird. Zum Zeitpunkt der Abfrage des letzten Multime-
terkanals werden die über die genannte Zeitdauer gemittelten Messwerte der ADU-
Karten abgefragt – Thermoelemente und Druckaufnehmer der Versuchsstrecken –
und mit den anderen Werten zusammen in einer Messdatendatei abgespeichert.
Da dieses Messintervall für die Untersuchung schneller ablaufender Strömungspro-
zesse – z.B. von Schwingungsvorgängen – nicht oder nur bedingt geeignet ist, wur-
de eine zweite, schnellere Messwerterfassung in das Messprogramm integriert, die
parallel zu der langsamen Messung abläuft. Bei dieser wird auf die Erfassung der
„langsamen“ Digitalmultimeterkanäle verzichtet. Nur die „schnellen“ Messkanäle der
Analog-Digital-Umsetzer Karten werden erfasst und in einer zweiten, parallel erzeug-
ten Datei abgespeichert. Dies bedeutet, dass die Temperaturen der Platinthermome-
ter, einige Drücke sowie die Spannungen und Stromstärken der Netzteile in der Datei
der schnellen Messdatenerfassung nicht enthalten sind. Da bei diesen Größen in
einem stationären Betriebszustand der Versuchsanlage in der Regel jedoch keine
schnellen Veränderungen ablaufen, können sie bei der Versuchsauswertung der
schnellen Messdaten als gemittelte Werte aus der Datei der langsamen Messung
übernommen werden. Die Messfrequenz der schnellen Betriebsart beträgt ca. 1,5
Sekunden, d.h. in einer Minute werden etwa 40 Messwerte abgespeichert.
90
4. Messtechnik
Durch Änderungen an der Programmsoftware und veränderte Einstellungen auf der
Hardwareseite wäre noch eine deutlich höhere Abtastrate der ADU-Karten möglich,
die aufgrund der hohen internen Arbeitsfrequenz der Messkarten bis in den kHz-
Bereich reicht. Diese Betriebsart wurde während einiger Experimente versuchsweise
auf ihre Durchführbarkeit hin untersucht, aufgrund der dabei auftretenden Daten-
menge und des zu erwartenden hohen Änderungsaufwandes am Messprogramm
bisher allerdings nicht weiter verfolgt.
Bild 4.12 oben zeigt eine Bildschirmaufnahme der grafischen Bedienungs- und Mess-
oberfläche des Messprogramms. Als Hintergrund dient eine Schemazeichnung der
Versuchsanlage, auf der die verschiedenen Sensoren durch farbige Kästchen
dargestellt werden in denen die dazugehörigen Messwerte erscheinen. Analog zu
der oben genannten Dauer eines Messdurchlaufes der langsamen Messung
(1,33 min) werden die Anzeigen im Laufe dieses Intervalls mit den jeweils neu be-
rechneten Druck-, Temperatur-, Stromstärke- und Spannungswerten aktualisiert. Die
Datenfelder der „schnellen“ Versuchsstreckendruckaufnehmer und Thermoelemente
werden entsprechend schneller alle 1,5 Sekunden erneuert.
Auf der linken Bildseite sind die Thermoelement- und Druckmessstellen der Ring-
spaltversuchsstrecke zu sehen. Direkt unterhalb sind die Spannungen und Strom-
stärken der sieben Netzteile der Rohrheizungen angeordnet, die zusätzlich mit je-
weils einem Feld für die sich daraus ergebende Heizleistung ergänzt werden. Dies
dient vor allem dazu, während des Einstellens der Netzteile einen Überblick über die
jeweils anliegende Heizleistung zu erhalten.
In der Mitte sind neben den Fluidtemperaturen in der Zuleitung die Vergleichstempe-
raturen der Kupferquader sowie der Druck vor den Versuchsstrecken und im Ab-
scheider zu sehen. Die Felder rechts daneben zeigen die Drücke und Temperaturen
der Fallrohrversuchsstrecke. Die Steuerelemente zum Starten des Messprogramms
und der schnellen Messung finden sich am rechten Bildrand.
Zur Kontrolle der zeitlichen Druck- und Temperaturverläufe in den beiden Versuchs-
strecken ist es möglich, während der Messung Diagramme aufzurufen, in denen die-
se Verläufe angezeigt werden und die zusätzlich mit einer Zoom-Funktion zur Detail-
lierung ausgerüstet sind. Ein Beispiel hierfür ist in Bild 4.12 unten zu sehen, in dem
die zeitlichen Verläufe einiger Fluidtemperaturen der Ringspaltversuchsstrecke wäh-
rend eines Experimentes zu sehen sind. Des Weiteren sind auf diesem Bildschirm
die aktivierten Fenster der Druckkalibrier- und Pentanschleusenroutine zu sehen.
91
4. Messtechnik
(
°C
)
(
h
)
Bild 4.12: oben: Bildschirmkopie der grafischen Bedienungs- und Messoberfläche
unten: Temperaturverlauf einiger Fluidtemperaturen der Ringspaltstrecke
sowie aktivierte Druckkalibrierungs- und Pentanschleusenfenster
92
4. Messtechnik
Bei der Druckkalibrierroutine handelt es sich um die automatisierte Nachkalibrierung
der Versuchsstreckendruckaufnehmer, deren Zweck und Funktionsweise im nächs-
ten Abschnitt näher erläutert wird. Die Pentanschleusenroutine stellt ebenfalls eine in
das Messprogramm integrierte Automatisierung dar, die eine selbsttätige Entleerung
des Pentanschleusensystems während der Messung erlaubt. Dies geschieht durch
eine zeitgesteuerte Ablassfunktion, die nach Ablauf einer einstellbaren Zykluszeit die
beiden elektro-pneumatisch betriebenen Kugelhähne des Pentanschleusensystems
automatisch öffnet und wieder schließt; eine detaillierte Beschreibung des Ablasssys-
tems wurde bereits in Abschnitt 3.8 gegeben. Die Zykluszeit richtet sich dabei nach
dem Massenstrom während eines Experimentes und dem Pentangehalt des Gemi-
sches und muss daher an den jeweiligen Messzustand angepasst werden. Zur Kon-
trolle des Füllstandes sind am oberen und unteren Ende des Sammelrohres zwei
Druckaufnehmer installiert, deren Messwerte ebenfalls in der Pentanschleusenrouti-
ne angezeigt werden.
4.4 Kalibrierung und Messunsicherheit
4.4.1 Kalibrierung und Messunsicherheit der Druckaufnehmer
Hinsichtlich der Kalibrierung und Messunsicherheit erwiesen sich insbesondere die
Miniaturdruckaufnehmer der Versuchsstrecken als problematisch. Aufgrund der spe-
ziellen Konstruktion mit einer außen am Sensor liegenden Membran reagieren sie
besonders empfindlich auf Störungen und Veränderungen im direkten Umfeld. Der
Nachteil dieser Lösung ist vor allem, dass bei der Montage Spannungen in die
Membran durch das in der Nähe liegende Gewinde eingebracht werden. Je nach
Anzugsmoment, Dichtungsgeometrie und Material sowie Reibbedingungen bewirken
die Spannungen ein unterschiedliches mechanisches Verhalten der Membran. Somit
müssen alle Druckaufnehmer nach jeder Montage neu kalibriert werden, um den für
den an der Membran anliegenden mechanischen Verspannungszustand jeweils pas-
senden Wert für Offset und Gain zu ermitteln.
Wie oben schon erwähnt wurde, wird eine temperaturabhängige Druckberechnung
verwendet, für die neben den „normalen“ Werten für Offset und Gain auch die tempe-
raturabhängigen Offset und Gain Werte in einer Grundkalibrierung ermittelt werden
93
4. Messtechnik
müssen. Die allgemeine Form dieser Berechnung für einen beliebigen Druckaufneh-
mer n ist in Gleichung 4.10 zu sehen:
PT(n) = C(n) + D(n) · TFluid + UNorm(n)· (E(n) – F(n) · TFluid) (4.10)
mit dem druckabhängigen Offset C(n) und Gain E(n) sowie dem temperaturabhängi-
gen Offset D(n) und Gain (F(n) des jeweiligen Druckaufnehmers. Um die vier Kon-
stanten zu bestimmen, wird die Kalibrierung bei Klimakammertemperaturen von 20°C
und 150°C und jeweils zwei Drücken (Vakuum und ca. 10 bar) durchgeführt. Um die
Druckmesswerte nicht aufwendig zurückrechnen zu müssen, wird im Quellcode des
Messprogramms die Berechnungsgleichung der temperaturabhängigen Druckbe-
rechnung auskommentiert und nur der vorläufige, nach Gleichung 4.4 berechnete
Wert abgespeichert. Aus den so ermittelten Daten lässt sich ein System von vier
Gleichungen mit vier Unbekannten für jeden Druckaufnehmer aufstellen, mit dem
sich die vier neuen Konstanten bestimmen lassen. Diese werden in die Druckbe-
rechnungsroutine des Messprogramms eingegeben und die auskommentierte Be-
rechnungsgleichung wieder in Funktion gesetzt.
Erfahrungen mit den Druckaufnehmern in den Versuchsstrecken zeigen, dass deren
Messwerte im Laufe der Zeit immer stärker von denen des Referenzdruckaufneh-
mers abweichen. Dieser Effekt ist umso größer, je höher die in der Klimakammer ge-
fahrenen Temperaturen während eines Messzeitraumes waren und je länger die
Temperaturen anhielten. Um den temperaturabhängigen Drift des Messsignals zu
kompensieren, ist es daher nötig, die Kalibrierung nicht nur im Fall von Umbauarbei-
ten an den Druckaufnehmern zu wiederholen, sondern auch bei zu großen Abwei-
chungen zur ursprünglichen Kalibrierung. Auf Grund des damit verbundenen hohen
zeitlichen Aufwandes geschieht dies allerdings erst ab einer Abweichung von ca.
±70 mbar zu den Messwerten des Referenzdruckaufnehmers.
Um die in der Zwischenzeit auftretenden Abweichungen von maximal ±70 mbar zu
kompensieren, wird neben der temperaturabhängigen Grundkalibrierung eine Nach-
kalibrierung der Druckaufnehmer nach jedem Versuchstag durchgeführt. Bei dieser
wird die Klimakammer jeweils mit den gleichen Einstellungen gefahren, die während
der Experimente eingestellt wurden46. Dadurch soll während der Nachkalibrierung
46 Die Temperaturen in der Klimakammer werden während des Experimentes an die Fluidtemperatu-
ren angepasst, die wiederum annähernd mit der Membrantemperatur übereinstimmt. Dadurch erge-
ben sich bei der Nachkalibrierung durch die Thermostatisierung von Außen in etwa die gleichen
Membrantemperaturen.
94
4. Messtechnik
gewährleistet werden, dass die Druckaufnehmermembranen auf dem gleichen Tem-
peraturniveau sind wie während der Messung. Die Fluidtemperaturen der Experimen-
te eines Messtages können sich allerdings sehr stark unterscheiden, weshalb der
Temperaturverlauf in der Klimakammer dementsprechend angepasst wurde. In der
Regel muss daher jeder einzelne Messzustand mit der jeweiligen Klimakammerein-
stellung nachkalibriert werden.
Um den Arbeitsaufwand bei diesem Vorgang zu minimieren – alle entlang der Ver-
suchstrecke gemessenen Drücke werden bei der Nachkalibrierung durch das Auf-
bringen von Stickstoff „simuliert“ –, wurde eine Druckkalibrierroutine in das Messpro-
gramm integriert, siehe Bild 4.12 unten, die nach Einstellen des höchsten Drucks au-
tomatisch die niedrigeren Drücke anfährt und jeweils eine Stunde lang konstant hält
(Zeitspanne einstellbar). Dies geschieht mit Hilfe einer Systemeinheit aus einem
Druckaufnehmer, Proportional- und Absperrventil, die an der Pentandampfleitung
außerhalb der Klimakammer angebracht wurde. Über den Druckaufnehmer wird der
jeweils herrschende Druck im Abscheider mit dem Sollwert in der Drucktabelle der
Kalibrierroutine verglichen und das Proportionalventil so lange geöffnet, bis der ge-
wünschte Druck erreicht ist. Das ebenfalls vom Programm gesteuerte elektromagne-
tische Absperrventil soll dabei Leckverluste des Proportionalventils während der ei-
gentlichen Messung verhindern.
Die Messdaten der Nachkalibrierung werden anschließend in der Versuchsauswer-
tung verwendet, um die während der Experimente gemessenen Drücke zu korrigie-
ren (durch einfaches Addieren oder Subtrahieren).
Die Genauigkeit der Druckmessung durch die Miniatur Sensoren hängt dabei vor al-
lem von der Genauigkeit des Druckaufnehmers am Abscheider ab, da dieser die Re-
ferenz für die Nachkalibrierung darstellt. Dessen Unsicherheit wird als Summe der
Fehler aus Nichtlinearität, Hysterese und Nichtreproduzierbarkeit vom Hersteller mit
einem Wert kleiner als 0,05% vom Endwert angegeben, was bei einem Messbereich
von 13,8 bar ca. ±7 mbar entspricht, Burster [56].
Für die Unsicherheit der Spannungsmessung des Digitalmessgeräts gibt der Herstel-
ler PREMA [57] folgende Gleichung an (Bereich von ±30 V):
UFehler = ± (0,0004% des Messwertes + 0,0002% des Messbereichs) (4.11)
Bei der maximalen Ausgangsspannung des Druckaufnehmers von 5 V – gleich dem
Nenndruck von 13,8 bar – hätte dies einen maximalen Fehler von
95
4. Messtechnik
5 V · 0,0004% + 30 V · 0,0002% = ±0,08 mV (4.12)
zur Folge, entsprechend einer Unsicherheit von ±0,2 mbar. Zusammen mit dem oben
genannten Wert des Druckaufnehmers ergibt sich insgesamt eine Unsicherheit von
maximal ±7,2 mbar. Da die Übertragung vom Multimeter zum Messrechner auf digita-
lem Weg stattfindet, kann ein weiterer Fehler ab hier ausgeschlossen werden.
Der vom Hersteller der Miniatur Druckaufnehmer angegebene Unsicherheit von
0,75% vom Endwert – ebenfalls als Summe aus Nichtlinearität, Hysterese und Nicht-
reproduzierbarkeit, ALTHEN [55] – wird hier nicht näher betrachtet, da jeweils eine
Nachkalibrierung der Sensoren unmittelbar nach dem Versuchstag durchgeführt wird
(siehe oben). Aus dem gleichen Grund wird hier auch nicht auf die Unsicherheiten
des Instrumentenverstärkers (0,1% vom Messbereich) und der ADU-Karte (hierzu
mehr bei der Fehlerbetrachtung der Thermoelemente) eingegangen. Wichtig ist es
jedoch, die jeweilige Streuung der Messwerte während der Kalibrierung zu betrach-
ten, da diese Rückschlüsse auf die tatsächliche Unsicherheit während des eigentli-
chen Experimentes liefert. Aus einer großen Zahl von Kalibrierungen und einem Ka-
librierversuch mit reinem Silikonöl M100k ohne elektrische Beheizung konnte eine
maximale Streubreite der Druckmesswerte von ca. ±20 mbar um den Mittelwert fest-
gestellt werden. Allerdings kann die Streubreite je nach Kalibrierung und Experiment
deutlich kleinere Werte von ±5 mbar annehmen, unabhängig vom jeweils betrachte-
ten Druckaufnehmer. Ein Zusammenhang mit dem absolut gemessenen Druck und
der jeweils herrschenden Membrantemperatur konnte nicht beobachtet werden.
Die absolute Unsicherheit für den Mittelwert kann im ungünstigsten Fall daher mit der
Summe aus den oben genannten ±20 mbar sowie den ±7 mbar des Referenzdruck-
aufnehmers mit maximal ±27 mbar angegeben werden. Bei einem stationären Strö-
mungszustand, d.h. keinen beobachtbaren Schwingungsvorgängen, einer ausrei-
chenden Zahl von Messwerten – im Durchschnitt etwa 40 Messwerte – und einer
aufwendigen Versuchsauswertung mit Einbeziehung der Daten aus der schnellen
Messung lässt sich dieser Wert im optimalen Fall auf ±10 mbar zum Referenzdruck-
aufnehmer reduzieren47. Diese Aussagen sind allerdings auf die in der Ringspaltver-
suchsstrecke verwendeten Druckaufnehmer beschränkt.
47 Das Erreichen dieser Messunsicherheit ist allerdings mit einem hohen Zeitaufwand für die Analyse
der verschiedenen Daten verbunden. Zudem stehen nicht immer alle hierfür benötigten Daten kom-
plett zur Verfügung.
96
4. Messtechnik
Für die Druckmessung an der Fallrohrversuchsstrecke muss prinzipiell mit einem
höheren Fehler gerechnet werden, da die Membrantemperatur nicht genau festge-
stellt werden kann. Problematisch ist hier vor allem die direkte Beheizung des Ver-
schraubungsgewindes der Druckaufnehmer durch den Wärmeträgerdampf, wodurch
Wärme über das Sensorgewinde an die Membran geleitet wird, die jedoch selbst von
einem deutlich kälteren Fluid umgeben ist. Neben der Tatsache, dass es über die
hierdurch unter Umständen verursachte systematische Abweichung keine eigenen
Erfahrungen oder Aussagen des Sensorherstellers gibt, lässt sich dieser Zustand
auch während der Nachkalibrierung durch Stickstoff nicht simulieren. Die absolute
Unsicherheit des Mittelwertes kann daher nur vorläufig auf ca. ±52 mbar abgeschätzt
werden, die sich aus den oben genanten Unsicherheiten von ±20 mbar und ±7 mbar
sowie der Fehler behafteten Temperaturkorrektur zusammensetzt, die auf ca.
±25 mbar geschätzt wird. Dieser Wert müsste allerdings durch weitere Experimen-
te/Kalibrierungen und spezielle Kalibrierversuche noch weiter verifiziert werden.
4.4.2 Kalibrierung und Messunsicherheit der Temperatursensoren
Da für die Temperaturmessung mit Thermoelementen neben der Messung der
Thermospannung zusätzlich auch die mit Platinthermometern ermittelten Vergleichs-
stellentemperaturen benötigt werden, wird hier zuerst die Messunsicherheit der Pla-
tinthermometer betrachtet.
Die verwendeten Platinthermometer der Typen PT1000 (Kupferquader) und PT100
(Fluidtemperatur) gehören der Genauigkeitsklasse A an, die laut Hersteller – Merz
MFT [58] – bei 0°C eine zulässige Abweichung vom Grundwiderstand R0 von maxi-
mal 0,7 ‰ besitzen dürfen. Bei einer typischen Kupferquadertemperatur von 100°C
und einem dementsprechenden Widerstand von ca. 1400 des PT1000, beträgt die
zulässige Abweichung ca. 0,86 ‰ bzw. 1,2 (0,12 für PT100). Um die durch die
Widerstandstoleranz bedingte Unsicherheit zu berechnen, wird Gleichung 4.5 zu der
normierten quadratischen Gleichung 4.13 umgeformt,
0
B
/1
B
A0
2=
++ RR
TT T (4.13)
die direkt nach T aufgelöst werden kann, Gleichung 4.14:
97
4. Messtechnik
B
/1
2
A/B
2
A/B 0
2RR
TT
±= . (4.14)
Mit den oben genannten Werten ergäbe sich daher eine allein vom Sensor bedingte
Toleranz von ±0,3 K bei einer zu messenden Temperatur von 100°C.
Neben der Unsicherheit des Platinthermometers muss nun noch die Unsicherheit des
Digital-Multimeters betrachtet werden, welches zur Widerstandsmessung verwendet
wird. Die Unsicherheit der Widerstandsmessung sowie die Fehlergrenze für den
Messbetrieb über ein Jahr (Langzeitstabilität bei einer Umgebungstemperatur von
23°C ±5°C) in einem Messbereich bis 3 k wird von dem Gerätehersteller Prema
[57] mit folgender Gleichung angegeben:
R
Fehler = ± (0,003% des Messwertes + 0,0005% des Messbereichs). (4.15)
D.h., es ist bei dem oben genannten Beispiel von ca. 1400 gemessenem Wider-
stand eine durch das Messgerät bedingte Unsicherheit von maximal ±0,006 zu
erwarten, die umgerechnet in eine Temperatur, eine Unsicherheit von ±0,016 K be-
deuten würde48. Die durch das Multimeter bedingten Unsicherheiten können daher
im Vergleich zu der möglichen Abweichung des Sensorwiderstandes nahezu ver-
nachlässigt werden. Durch die Übertragung des Messsignals vom Multimeter an den
Messrechner in digitaler Form, kann ein zusätzlicher Messfehler auf diesem Weg
ebenfalls wie bei der Spannungsmessung des Referenzdruckaufnehmers ausge-
schlossen werden. Anhand dieser Betrachtungen wird daher insgesamt von einer
maximal zu erwartenden Messunsicherheit von ±0,3 K ausgegangen.
Um die oben angegebene Messunsicherheit der Sensoren zu minimieren, wurde bei
allen Platinthermometern eine Nullpunktkorrektur des Grundwiderstandes R0 in Eis-
wasser durchgeführt, wodurch sich die Messunsicherheit der PT100 Sensoren bei
100°C auf einen Wert von ±0,13 K verkleinert. Die bei der Kalibrierung gefundene
Abweichung des Grundwiderstands lag dabei in der vom Hersteller angegebenen
Toleranz von 0,07 .
Bei der Kalibrierung der PT1000 Sensoren wurde allerdings eine deutlich größere
Abweichung des Grundwiderstandes zum nominalen Wert gefunden, als zu erwarten
gewesen wäre. Aus diesem Grund wurde zusätzlich eine Kalibrierung durchgeführt,
48 Die Unsicherheiten für den Messbereich bis 300 , der für die PT 100 Sensoren benötigt wird, lie-
gen in etwa auf dem Niveau wie die oben genannten Werte (0,003% des Messwertes und 0,0004%
des Messbereichs), so das hier in etwa die gleichen Unsicherheiten in T zu erwarten sind.
98
4. Messtechnik
bei der auch die beiden Konstanten A und B überprüft werden konnten. Da hierfür
drei unterschiedliche Temperaturen notwendig sind, wurden die in die Kupferquader
eingebauten PT1000 Sensoren mit Hilfe der Klimakammer auf die jeweils gewünsch-
te Temperatur gebracht. Die Kalibriertemperaturen betrugen 26°C (Umgebung), 87°C
und 148°C. Um die Kalibrierung zu überprüfen, wurden zusätzlich noch Messungen
bei 60°C und 116°C durchgeführt.
Obwohl die Temperaturunterschiede zwischen den Kupferquadern bei einheitlicher
Beheizung der Klimakammer fast zu vernachlässigen sind, wurden die Quader als
Einheit innerhalb der Klimakammer zusätzlich aufwendig isoliert. Da deren Tempera-
tur mit Hilfe eines zwischen den Quadern positionierten hochgenauen PT25 Refe-
renzthermometers gemessen wurde, diente die Isolierung zusätzlich dazu, Tempera-
turunterschiede zwischen den Kupferquadern und dem Referenzsensor zu minimie-
ren. Die Messunsicherheit des verwendeten PT25 Referenzthermometers – auch als
Normal-Widerstandsthermometer bezeichnet – beträgt ±0,001 K im Temperaturbe-
reich zwischen 0°C und 150°C.
Wie schon beim Grundwiderstand R0 konnten auch bei den beiden Konstanten A und
B Unterschiede zu den nominellen Werten festgestellt werden, die zudem noch stär-
ker ausgeprägt waren. Während sich die Abweichung der Grundwiderstände zum
nominalen Wert in einem Bereich zwischen -0,3% und +0,09% bewegte, lag die Ab-
weichung der Konstante A bei maximal -2,43% (minimal -2,07%) und der Konstante
B sogar bei +11,64% (minimal +7,15%). Aufgrund dieser Ergebnisse wurde die Rou-
tine zur Berechnung der PT1000 Temperaturen im Messprogramm dahingehend
modifiziert, das diese nicht mehr die global gültigen Werte für R0, A und B verwendet,
sondern die aus der Kalibrierung gewonnenen individuellen Werte. Bei einer nach-
träglichen Überprüfung der Messgenauigkeit – gleiche Methode wie bei der Kalibrie-
rung, allerdings mit zusätzlichen Temperaturen – wurde eine maximale Abweichung
zur PT25 Referenz von ±0,05 K gefunden. Dieser Wert kann daher als maximal zu
erwartende Messunsicherheit der PT1000 Sensoren angesehen werden.
Betrachtet man nun die Messgenauigkeit der Thermoelemente, so werden deren To-
leranzen für die Materialpaarung Nickel/Chrom Nickel in der Ausführung K von der
Firma Thermocoax allgemein für den Temperaturbereich bis 333°C mit ±2,5 K ange-
geben. Bei dieser Angabe handelt es sich jedoch nur um einen groben Richtwert, der
vor allem unterschiedliche Produktions-Chargen sowie unterschiedliche Geometrien
(z.B. unterschiedliche Thermodraht Durchmesser) berücksichtigen soll.
99
4. Messtechnik
Da am Institut schon langjährige Erfahrungen mit Thermoelementen bestehen und
hier wesentlich engere Toleranzen benötigt werden – die gemessenen Temperatur-
differenzen beim Behältersieden betragen zum Teil nur wenige Zehntel Kelvin –,
wurde eine Vielzahl von Thermoelementen verschiedener Chargen auf ihre Genau-
igkeit hin untersucht. Bei den im Behältersieden üblichen Temperaturdifferenzen von
bis zu 10 K zwischen Thermoelementspitze und – jeweils gleicher – Vergleichsstelle
wurden Abweichungen von maximal ±0,05 K innerhalb einer Thermoelementcharge
gefunden. Die ermittelten Abweichungen innerhalb einer Charge sind somit wesent-
lich geringer als der oben angegebene Wert des Herstellers. Auch bei dem Vergleich
unterschiedlicher Chargen konnten kaum größere Abweichungen gemessen werden.
Da statistisch gesehen jedoch die Thermospannungen der Thermoelemente einer
Charge die geringsten Abweichungen zeigen, wurden an dieser Versuchsanlage so
weit möglich nur Thermoelemente aus einer Charge verwendet.
Aufgrund der deutlich höheren Temperaturdifferenzen dieser Anwendung – bis zu
100 K zwischen Thermoelementspitze und Vergleichsstelle –, wurden die Abwei-
chungen zwischen Thermoelementen mit gleicher Vergleichsstelle bei 100 K Tempe-
raturdifferenz untersucht. Für die 0,5 mm Thermoelemente der einfachen Fluid- und
Heizwandtemperaturmessung konnte dabei eine maximale Abweichung von ±0,15 K
(= TE - Toleranz) gefunden werden. Die 0,25 mm Thermoelemente der dreifachen
Fluidtemperaturmessung zeigten dagegen deutlich größere Abweichungen von bis
zu ±1,5K zueinander, weshalb diese im Gegensatz zu den 0,5 mm Thermoelementen
jeweils individuell kalibriert wurden. Details zur Kalibrierung und Messunsicherheit
der 0,25 mm Thermoelemente folgen im weiteren Verlauf dieses Kapitels.
Betrachtet man nun die Unsicherheit der Absoluttemperaturmessung der Thermo-
elemente – exklusive der 0,25 mm Thermoelemente –, so ist diese von einer Reihe
verschiedener Faktoren abhängig. Neben der Unsicherheit der Vergleichsstellentem-
peraturmessung ist vor allem auch die verwendete Messtechnik und die Berech-
nungsgleichung der Thermoelementtemperatur von Bedeutung.
Wie oben schon beschrieben wurde, werden die Vergleichsstellentemperaturen in
den Kupferquadern mit Hilfe von PT 1000 Sensoren ermittelt, die eine maximale Ab-
weichung von ±0,05 K erwarten lassen. Der zu erwartende Fehler in der Thermoele-
mentmesstechnik setzt sich zusammen aus einem Verstärkeranteil und dem Anteil
der ADU-Karte, siehe auch Abschnitt 4.1.3. Der Fehler des Verstärkers (Eigenbau)
lässt sich ähnlich wie bei den Druckaufnehmern mit einem Offset und Gain angeben.
100
4. Messtechnik
Der Offset beträgt ±5 µV, der jedoch nach dem Anschluss an die restliche Messtech-
nik durch eine Verstärkerkalibrierung auf „Null“ gesetzt wird. Die Verstärkung (Gain)
kann bei einem Faktor von 1000 um ±1, also ±1‰ schwanken. Dies hätte bei einer
Temperaturdifferenz zwischen Thermoelementsspitze und Vergleichsstelle von 100
K eine Unsicherheit von ±0,1 K zur Folge, bzw. bei 50 K dementsprechend ±0,05 K.
Zusätzlich muss noch eine Nullpunktsdrift von ±2 µV berücksichtigt werden, die eine
Unsicherheit von ±0,05 K erzeugen würde.
Die Messunsicherheit der Analog-Digital-Umsetzerkarte wird vom Hersteller für den
Messbereich ±5 V mit vier verschiedenen, sich addierenden Fehlerkomponenten an-
gegeben. Neben Offset und Gain sind dies integrale Linearität (ILE) und differentielle
Linearität (DLE). Die Genauigkeit wird dabei in der Form eines Vielfachen des „last
significant bits“ (LSB) angegeben. Die Werte für die vier Fehlerkomponenten lauten:
Offset ±2 LSB, Gain ±2 LSB, ILE ±1 und DLE ±1 LSB. Laut Hersteller konnte der un-
günstigste Fehlerwert jedoch mit maximal ±4 LSB anstatt mit ±6 LSB bestimmt wer-
den. Bei einer Auflösung von 16 BIT, also einer Datenbreite von 65536 Bits, ist mit
±4 LSB eine Unsicherheit von ±0,06‰ zu erwarten, die im Vergleich zu den Unsi-
cherheiten der anderen Komponenten vernachlässigt werden kann [54]. Die Übertra-
gung des Messsignals von der Karte zum Rechner wird wie bei den Druckaufneh-
mern als ideal angenommen, d.h. es wird kein zusätzlicher Fehler erwartet. Die Feh-
ler durch die Umrechnung des digitalisierten Spannungsmesswertes in einen Tempe-
raturwert mit Hilfe von Gleichung 4.2 wurde schon in Abschnitt 4.1.3 angegeben und
beträgt für den Temperaturbereich von 0°C bis 400°C ± 0,07 K.
Zur Berechnung der maximal möglichen Messunsicherheit lassen sich die einzelnen
Unsicherheiten der Messkette in der folgenden Gleichung zusammenfassen:
Tmax = ±0,05 K ±1/1000·TMS/VS ±0,05 K ±0,07 K ±0,15 K . (4.16)
PT 1000 TE - Verstärker Berechnung TE - Toleranz
Im ungünstigsten Fall und bei einer Temperaturdifferenz von 100 K zwischen Ther-
moelementspitze und Vergleichstelle, wäre eine maximale Messunsicherheit in der
Absoluttemperatur von 0,42 K zu erwarten. Hierbei ist die in Vergleichsmessungen
gefundene TE - Toleranz von ±0,15 K bereits berücksichtigt (siehe oben). Da dieser
Fall allerdings sehr unwahrscheinlich ist, wird hierfür der mittlere absolute Fehler
nach der Methode von Gaus [59], siehe Gleichung 4.17, berechnet:
101
4. Messtechnik
()
[
]
= =
k
jjx xxfT j
1
2
mittel mit 1
=
j
x
f für diesen Fall. (4.17)
Die xj stehen dabei für die einzelnen Unsicherheiten. Mit Gleichung 4.17 ergibt sich
für die mittlere Messunsicherheit Tmittel ein Wert von 0,21 K. Diese Größe kann
auch durch Erfahrungen mit den Grundkalibrierungen der Druckaufnehmer bestätigt
werden, bei denen die Klimakammer auf einer einheitlichen Temperatur gefahren
wurde. Hier konnte bei dem Vergleich aller Thermoelemente eine Abweichung von
±0,4 K als Maximalwert zwischen den Thermoelementen unterschiedlicher Kupfer-
quader festgestellt werden, der in den meisten Fällen jedoch auf dem Niveau von
Tmittel oder sogar darunter lag. Bei den Thermoelementen eines Kupferquaders, d.h.
Thermoelementen mit der gleichen Vergleichsstelle, lagen die Temperaturabwei-
chungen innerhalb eines Tolleranzbandes von ±0,05 K.
Wie oben bereits erwähnt wurde, sind die vorausgegangenen Ausführungen zur
Messunsicherheit der Thermoelemente nur für die Thermoelemente mit 0,5 mm
Durchmesser gültig. Bei einer Überprüfung der 0,25 mm Thermoelemente der Drei-
fachsensoren mit Hilfe einer Kalibriervorrichtung, wurden deutlich größere Abwei-
chungen gefunden, als nach der obigen Abschätzung zu erwarten gewesen wäre,
insbesondere bei hohen Temperaturdifferenzen zwischen Thermoelementspitze und
Vergleichsstelle49. Die 0,25 mm Thermoelemente des Dreifachsensors der ersten
Variante (Nr. 7) lieferten beispielsweise bei einer Referenztemperatur von 137,92°C
des PT-25 Temperaturen zwischen 139,54°C und 139,87°C, bei einer Vergleichsstel-
lentemperatur von ca. 25°C. Die Abweichungen zur Referenztemperatur lagen für die
0,25 mm Thermoelemente demnach zwischen 1,4 K und 2 K.
Diese Abweichungen wurden als deutlich zu groß angesehen, weshalb alle bisher
gefertigten Dreifachsensoren der verschiedenen Varianten mit Hilfe des Kalibrierge-
rätes vermessen wurden. Einen Überblick über die Messwerte der zum jetzigen Zeit-
punkt in der Ringspaltversuchsstrecke eingebauten Dreifachsensoren der dritten Va-
riante und der jeweiligen PT-25 Referenztemperatur zeigt Tabelle 4.1.
49 Bei der Kalibriervorrichtung handelt es sich um ein Temperiergerät, welches für die Aufnahme der
Dreifachsensoren modifiziert wurde. Über ein programmierbares Steuermodul können am Gerät frei
wählbare Temperatur-Zeitprofile eingestellt werden. Während des Ablaufes des Temperatur-Zeitpro-
gramms werden die Messwerte des Dreifachsensors von dem Messrechner aufgezeichnet. Gleichzei-
tig wird neben dem Dreifachsensor ein PT-25 (siehe auch PT-Kalibrierung) als Referenzthermometer
temperiert, dessen Messwerte ebenfalls vom Messrechner aufgezeichnet werden.
102
4. Messtechnik
Tabelle 4.1: Temperaturmesswerte der 0,25 mm Thermoelemente (mit Position auf
den Dreifachsensoren) und des PT-25 Referenztemperatursensors aus
der Nachkalibrierung sowie deren jeweiligen Abweichungen zum PT-25
PT-25
(°C)
Pos. 1
(°C)
Abw.
(K)
Pos. 2
(°C)
Abw.
(K)
Pos. 3
(°C)
Abw.
(K)
24.974 24.892 -0.082 24.880 -0.093 24.890 -0.084
80.135 80.806 0.671 80.772 0.637 80.809 0.674
138.165 139.815 1.651 139.760 1.596 139.840 1.676
24.995 24.843 -0.153 24.875 -0.120 24.831 -0.164
80.141 80.865 0.724 80.837 0.696 80.705 0.564
138.175 139.925 1.750 139.870 1.695 139.572 1.398
24.966 24.880 -0.086 24.898 -0.068 24.887 -0.079
80.040 80.014 -0.026 80.237 0.197 80.546 0.506
138.002 138.010 0.008 138.548 0.546 139.184 1.182
24.966 24.831 -0.135 24.827 -0.138 24.874 -0.092
80.164 80.585 0.421 80.507 0.343 80.707 0.543
138.213 139.212 0.999 139.151 0.939 139.424 1.211
24.979 24.907 -0.072 24.912 -0.067 24.903 -0.076
80.045 80.670 0.625 80.729 0.685 80.696 0.651
137.979 139.491 1.512 139.669 1.690 139.547 1.568
24.972 24.892 -0.080 24.874 -0.098 24.881 -0.091
80.096 80.664 0.567 80.607 0.510 80.719 0.622
138.104 139.320 1.216 139.327 1.223 139.540 1.437
24.965 24.791 -0.174 24.761 -0.204 24.826 -0.139
80.147 80.546 0.399 80.582 0.435 80.570 0.422
138.190 139.159 0.969 139.343 1.153 139.238 1.048
24.948 24.790 -0.158 24.782 -0.166 24.781 -0.167
80.024 80.791 0.767 80.765 0.742 80.421 0.397
137.962 139.946 1.984 139.876 1.914 139.031 1.069
Halter Nr.15
Halter Nr.16
Halter Nr.23
Halter Nr.24
Halter Nr.22
Halter Nr.18
Halter Nr.20
Halter Nr.21
Da hierdurch das Temperaturverhalten aller bisher verwendeten 0,25 mm Thermo-
elemente bekannt ist, können die Messergebnisse der vorhandenen Experimente
entsprechend korrigiert werden. Des Weiteren wurden mit Hilfe der Temperatur-
messwerte aus der Kalibrierung Abweichungs-Koeffizienten bestimmt, die in das
Messprogramm integriert werden, um so direkt den jeweils „korrekten“ Temperatur-
103
4. Messtechnik
messwert zu berechnen und abzuspeichern. Die Gleichung zur Berechnung der kor-
rigierten Temperatur hat die Form:
KorTEKKTEKKTE )()( TTcTTcTTc =+++ 01
2
2 (4.18)
mit den Koeffizienten c2 [1/K], c1 [1] und c0 [K], der ursprünglichen Thermoelement-
temperatur TTE und der korrigierten Thermoelementtemperatur TKor. Für die Bestim-
mung der Koeffizienten wurden die Temperaturen 25°C, 80°C und 138°C gewählt,
um den gesamten Bereich der Fluidtemperaturmessung abzudecken. Da in dieser
Kalibrierung gleichzeitig die gesamte Messkette50 vom Thermoelement bis zum
Messrechner mitberücksichtigt wurde, liegt die zu erwartende Messunsicherheit der
0,25 mm Thermoelemente im Bereich bis 138°C bei maximal ±0,2 K51.
Neben der reinen Messunsicherheit der 0,25 mm Fluidtemperatursensoren ist der
Zuordnungsfehler von besonderer Bedeutung, der durch die Positionierung der
Thermoelemente im Ringspalt bedingt ist. Wie in Abschnitt 4.1.3 bereits beschrieben
wurde, betragen die Nennabstände zur beheizten Innenrohrwand 1 mm, 2,5 mm und
4 mm. Da sich insbesondere das Thermoelement auf der ersten Position (1 mm) in
dem Bereich mit dem größten Temperaturgradienten befindet, ist die genaue Kennt-
nis des tatsächlichen Abstandes zur Innenrohrwand von besonderer Wichtigkeit52.
Die Unsicherheit für die Positionierung des Thermoelementes auf Position 1 beträgt
für die bisher durchgeführten Experimente ±0,2 mm. Für die Positionen 2 und 3, de-
ren Abstände jeweils an Position 1 angepasst wurden, beträgt die Unsicherheit be-
züglich Position 1 ±0,05 mm. Diese Werte gelten für beide Varianten des Dreifach-
sensors, der Varianten 1 und 3. Die absolute Unsicherheit bezüglich der Innenrohr-
wand beträgt demnach maximal ± 0,25 mm (ungünstigster Fall 0,2 mm + 0,05 mm).
Im Rahmen eines Umbaus und Revision der Ringspaltstrecke ergab sich die Mög-
lichkeit, die Position des ersten Thermoelementes mit anderen Hilfsmitteln außerhalb
der Klimakammer genauer zu vermessen, da die Messbedingungen bei montierter
Strecke sehr ungünstig waren. Das Messverfahren, auf das an dieser Stelle nicht
50Die Thermoelement-Kalibrierung erfolgte jeweils auf dem endgültigen Steckplatz im Kupferquader.
51 Alle Sensoren wurden nach der Kalibrierung nachmals vermessen. Dabei wurde bei einzelnen
Thermoelementen eine Abweichung von maximal ±0,2 zur PT-25 Referenz ermittelt. Im Mittel lag die
Abweichung mit ±0,1 deutlich niedriger.
52 Die genaue Zuordnung der gemessenen Fluidtemperatur zu einer Position im Ringspalt ist insbe-
sondere für die Bilanzierung des Wärmestroms und dessen Aufteilung in die Temperaturerhöhung des
Fluids bzw. der Verdampfung von Lösungsmittel von Bedeutung.
104
4. Messtechnik
näher eingegangen werden soll, besitzt im Vergleich zu dem zuvor angewandten
Verfahren eine wesentlich kleinere Unsicherheit von ±0,04 mm. Da mit dem neuen
Verfahren allerdings nur das erste Thermoelement vermessen werden konnte, be-
trägt die relative Unsicherheit von Position 2 und 3 zu Position 1 nach wie vor
±0,05 mm; die absolute Unsicherheit verbesserte sich dagegen auf maximal
±0,09 mm (im ungünstigsten Fall 0,04 mm + 0,05 mm).
Aufgrund des oben genannten Umbaus der Ringspaltstrecke – die Lage der Durch-
führungen für die Rohrthermoelemente und den Heizleiteranschluss wurde um 60°
zur Lage der Fluidtemperatur- und Druckmessung durch verdrehen des Versuchs-
rohrflansches zum jeweiligen Segment versetzt, siehe auch Bild 3.2 – änderte sich
die Lage der Innenrohre zum Außenrohr. Da sich hierdurch gleichzeitig auch die Ab-
stände der Innenrohre zu den Fluidtemperatursensoren verschoben – die Position
der Thermoelemente auf dem Halter sowie die Position der Rohrverschraubung kön-
nen nachträglich nicht mehr verändert werden –, sind die aktuellen Werte zum Teil
deutlich unterschiedlich zu den ursprünglich vorgesehenen „Nenn“-Abständen. In der
folgenden Tabelle 4.2 sind die aktuellen Abstände der drei Thermoelemente von der
Innrohroberfläche des jeweiligen Segmentes angegeben. Bei einigen Segmenten ist
zum Teil ein deutlicher Unterschied zum ursprünglichen Nennabstand zwischen
Rohrwand und Messposition 1 zu erkennen. Aufgrund der speziellen Konstruktion
der letzten Messstelle blieben die Positionen der Thermoelemente am Ende der
Strecke unverändert.
Tabelle 4.2: Abstände der radial im Ringspalt angeordneten Fluidthermoelemente
auf den Positionen 1, 2 und 3 zur beheizten Innenrohrwand
I 0.675 ±0.04 2.175 ±0.09 3.675 ±0.09
II 1.035 " 2.535 " 4.035 "
III 1.195 " 2.695 " 4.195 "
IV 1.240 " 2.740 " 4.240 "
V 1.125 " 2.625 " 4.125 "
VI 0.755 " 2.255 " 3.755 "
VII 1.105 " 2.605 " 4.105 "
Ende 1.500 ±0.1 3.000 ±0.15 4.500 ±0.15
Segment
Nummer TE Pos. 1 /
Rohrwand
TE Pos. 2 /
Rohrwand
TE Pos. 3 /
Rohrwand
Abstände und Toleranzen in mm
105
4. Messtechnik
4.5 Anfangs- und Restgehaltbestimmung des Lösungsmittels im Silikonöl
Neben den direkt zu messenden Größen wie Druck und Temperatur, ist vor allem
auch die Kenntnis der jeweiligen Pentan Anfangs- und Endgehalte von Bedeutung.
Der Anfangsgehalt an Lösungsmittel stellt bei dieser Untersuchung vor allem einen
entscheidenden Einflussfaktor für den Druckverlust und die ablaufenden Wärme-
übergangsphänomene dar, wie in Kapitel 6 noch zu sehen sein wird. Der Endgehalt
spiegelt wiederum den „Wirkungsgrad“ des Prozesses, und ist in der industriellen
Anwendung ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Aus diesem Grund werden von dem jeweils verwendeten Versuchsstoffgemisch53
sowie von dem aus den Versuchsstrecken austretenden Silikonöl gravimetrische
Konzentrationsanalysen durchgeführt. Hierfür werden definierte Probenvolumen in
speziell dafür angefertigte Behälter gezogen, deren Leergewicht vorher genau be-
stimmt wurde. Um einen statistisch zuverlässigeren Wert für die Anfangs- und Rest-
gehaltbestimmung zu erhalten, werden jeweils mindestens drei Proben verwendet.
Da sich die Methode für die Anfangsgehaltbestimmung nur unwesentlich von der der
Restgehaltanalyse unterscheidet, wird im Folgenden nicht explizit zwischen den bei-
den Fällen unterschieden.
Nach der Probenahme und verschiedenen Bearbeitungsschritten – Einzelheiten zur
Probenaufbereitung und Behälterreinigung sind im Anhang 10.2 zu finden – werden
die Behälter gewogen und in einem Laborofen an ein Rohrleitungssystem ange-
schlossen. Über dieses System sind die Behälter mit einer Vakuumpumpe außerhalb
des Ofens verbunden, über die bei einer Temperatur von 120°C das aus dem Sili-
konöl verdampfende Pentan abgesaugt wird54. Nach einer Verweilzeit von ca. zwei
Wochen werden die Behälter erneut gewogen, wodurch die verdampfte Masse an
Pentan, und somit auch die Pentankonzentration, aus dem Behälterleergewicht, dem
Anfangs- und dem Endgewicht berechnet werden kann.
Um repräsentative Proben für die Restgehaltbestimmung zu erhalten, sollte der je-
weils eingestellte Versuchspunkt für mindestens eine Stunde einen stationären Tem-
peratur- und Druckverlauf zeigen. Der Grund hierfür liegt in der Bauart des Abschei-
53 Prinzipiell wären die Informationen aus dem Ansetzvorgang für die Anfangsgehaltbestimmung zu
verwenden; allerdings ist die minimale Unsicherheit der hierdurch gewonnenen Konzentrationswerte
mit ±2% deutlich zu groß, siehe auch Kapitel 5.
54 Bei einem Dampfdruck von 1·10-5 mbar [40] kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil an
verdampfendem Silikonöl während des Entgasens mit diesem Verfahren nicht nachgewiesen werden
kann. Verweilzeiten mit bis zu zwei Monaten bestätigten dies, da die Gewichte im Rahmen der Mess-
unsicherheit nach dieser Zeit identisch zu den Werten mit nur zwei Wochen Verweilzeit waren.
106
4. Messtechnik
ders, da das Silikonöl nach dem Austritt aus den Versuchsstrecken eine bestimmte
Zeit benötigt, bis es zu dem Einlauf der Austragspumpe gelangt und von dort weiter-
gefördert wird. Dies hat zur Folge, dass sich zu Anfang des stationären Verlaufs ei-
nes Messpunktes noch Silikonöl aus dem Anfahrvorgang im Abscheider befinden
kann. Eine zu diesem Zeitpunkt gezogene Probe hätte somit einen mehr oder weni-
ger fehlerhaften Restgehalt.
Die Proben für die Anfangsgehaltbestimmung werden ca. in der Mitte eines Ver-
suchstages zwischen zwei Messzuständen gezogen. Bei vier oder mehr Messzu-
ständen werden z.T. auch Proben nach dem ersten Messzustand und vor dem letz-
ten Messzustand eines Versuchstages genommen, um die Konzentrationskonstanz
des Versuchsstoffgemisches zu kontrollieren.
Wie schon in Abschnitt 3.8 beschrieben wurde, besteht die Vorrichtung zur Entnah-
me der Restgehaltprobe aus zwei Kükenhähnen und einem Überstromventil. Der ers-
te Kükenhahn, an den jeweils die Probenbehälter direkt angeschlossen werden, dient
dazu, die Entnahmestelle zur Umgebung abzuschließen. Um den kompletten Mas-
senstrom in den Probenbehälter zu leiten, ist unterhalb der Entnahmestelle ein zwei-
ter Hahn vorgesehen, der während der Probenahme die Leitung zum Auffangbehäl-
ter verschließt55, siehe auch Bild 3.1.
Bei den Probenahmen zur Anfangsgehaltbestimmung wird im Prinzip auf sehr ähnli-
che Weise vorgegangen. Anstatt eines Kükenhahnes zum Absperren der Entnahme-
leitung wird hier ein spezielles Nadelventil mit sehr geringem Druckverlust verwen-
det, welches neben der Absperrfunktion auch der Einstellung eines bestimmten
Druckniveaus in der Förderleitung während der Massenstrommessung dient, Details
siehe fünftes Kapitel. Die Funktion des zweiten Hahnes wird durch den 3-Wege Um-
schalt-Kugelhahn übernommen, der ansonsten den Versuchsstoff entweder zu den
Versuchsstrecken oder zurück in den Vorratsbehälter leitet.
Die eigens angefertigten Probenbehälter wurden hinsichtlich einiger Eigenschaften
für das hochviskose Medium optimiert. Die besondere Problemstellung bei diesen
Behältern war, dass das Verhältnis VB/mB aus Füllvolumen VB und Behältergewicht
mB möglichst groß sein sollte, um somit ebenfalls ein günstiges Verhältnis mE/mB
zwischen Einwaage mE und Behältergewicht mB zu erzielen. Als Lösung boten sich
55 Hieran schließt sich ein Überstromventil an (Betriebsdruck 7 bar, einstellbar), welches dazu dient,
die Austragspumpe während der Nachkalibrierung der Druckaufnehmer gegen die Umgebung abzu-
dichten, da diese bei höheren Stickstoffdrücken im Abscheider nicht vollständig dicht ist.
107
4. Messtechnik
kugelförmige Behälter aus dünnwandigem Edelstahlblech an, die sich in ähnlicher
Form schon beim Betrieb der Phasengleichgewichtsapparaturen des Instituts be-
währt hatten und ein Innenvolumen von 100 ml besitzen56. Die optimale Füllmenge
des Behälters wurde für diese Anwendung auf ca. 50 ml festgelegt, damit im Inneren
des Behälters beim Anlegen von Vakuum auch bei hohem Pentangehalt genug
Raum zum Aufschäumen bereitsteht und das Öl nicht aus dem Behälter austritt. Als
Behälterarmatur wurde ein 6 mm Kugelhahn der Firma Swagelok verwendet, der den
besten Kompromiss hinsichtlich des Gewichts, des Druckverlusts und der Entleer-
barkeit darstellte. Die Masse der Probenbehälter beträgt mit dieser Armatur und dem
dazugehörigen Adapter im Mittel ca. 260 g.
Die mit diesem Verfahren erreichbare Messunsicherheit der Anfangsgehaltbestim-
mung kann aufgrund der bisherigen Erfahrungen im Mittel mit ±0,1% (Massenpro-
zent) Pentan angegeben werden. Da die Pentanrestgehaltbestimmung aufgrund des
wesentlich niedrigeren Pentangehalts unproblematischer ist, ist hier eine Messunsi-
cherheit in der Bestimmung der Pentankonzentration von ±0,02% möglich. Die ge-
nannte Unsicherheit für den Pentan-Anfangsgehalt beruht auf einer statistischen
Auswertung aller bisher verfügbaren Messwerte. Dabei wurde eine Standardabwei-
chung von ±0,1% für die (intakten) Proben einer Versuchsstoffcharge ermittelt57.
Ähnliches gilt für die Unsicherheit der Restgehaltbestimmung, bei der eine Standard-
abweichung von 0,02% gefunden wurde. Hierbei wurden allerdings die Messzustän-
de mit Schwingungen – siehe Kapitel 6 – nicht mit einbezogen.
56 Alternativ zu der beschriebenen Lösung wäre auch die Verwendung größerer Behälter mit einem
günstigerem Verhältnis VB/mB bzw. mE/mB möglich gewesen; dies hätte allerdings deutlich längere
Analysenzeiten zur Folge, da bei einem größeren Probenvolumen die Wege für den Stofftransport des
Pentans durch das Silikonöl länger werden.
57 Zur Bestimmung der Standardabweichung wurde folgende Gleichung verwendet:
1
22
= nxnx
xi
i , mit n als der Anzahl der Messungen und dem Mittelwert x.
108
5. Versuchsdurchführung
5. Versuchsdurchführung
In diesem Kapitel werden neben den allgemeinen Versuchsvorbereitungen auch die
speziellen Vorbereitungen für die Inbetriebnahme der Ringspaltversuchsstrecke be-
schrieben. Hieran schließt sich eine Zusammenfassung der während der eigentlichen
Experimente durchzuführenden Arbeiten an. Abschließend wird ein Überblick über
die bisher mit der Ringspaltversuchsstrecke durchgeführten Experimente gegeben
und die dabei jeweils eingestellten Prozessparameter werden näher erläutert.
5.1 Versuchsvorbereitungen
5.1.1 Ansetzen des Versuchsstoffgemisches
Um zum Zeitpunkt des Versuchstages das gewünschte Versuchsstoffgemisch zur
Verfügung zu haben, muss das in den beiden Auffangbehältern befindliche Silikonöl
zurück in den Vorratsbehälter geleitet werden, um es dort mit der jeweils gewünsch-
ten Menge Pentan zu mischen58. Da während des Einfüllens des Öls Inertgase in
den Vorratsbehälter gelangen können, wird dieser vor dem Einleiten des Pentans mit
Hilfe einer Vakuumpumpe für ca. 1 Stunde evakuiert. Danach wird ein Auffangbehäl-
ter mit der vorher berechneten Menge Pentan befüllt, die für die gewünschte Pentan-
konzentration notwendig ist. Bei der Berechnung der Pentanmenge wird dabei neben
dem reinem Silikonöl auch ein gewisser Restgehalt an Pentan im Silikonöl berück-
sichtigt, da in den vorangegangenen Experimenten in der Regel nicht 100% des im
Öl gelösten Pentans entfernt wurde. Die verbleibende Pentanmenge wird dabei aus
Erfahrungen abgeschätzt (Restgehaltbestimmung zu hoher Arbeits- und Zeitauf-
wand) und liegt im Schnitt zwischen 0,5% und 3%.
Um die beiden Komponenten besser mischen zu können – die Viskosität des Sili-
konöls nimmt mit steigender Temperatur deutlich ab –, wird der Vorratsbehälter mit
Hilfe der in dem Doppelmantel befindlichen Heizpatronen auf 50°C aufgeheizt. Nach
Erreichen der Mischtemperatur wird der Vorratsbehälter vor dem eigentlichen Mi-
schen noch mehrere Male für kurze Zeit „entlüftet“, um hierdurch noch eventuell im
System vorhandene Inertgase aus dem Behälter herauszuspülen. Hierbei wird vor
allem die geringere Dichte der Inertgase gegenüber dem Pentandampf ausgenutzt,
58 Da dieser Prozess sehr zeitaufwändig ist – zum Entleeren eines mit ca. 100 kg M1000k gefüllten
Auffangbehälters wird mindestens eine Zeitspanne von 24 Stunden benötigt – sollte immer ein ausrei-
chendes Zeitfenster von ca. 5 Tagen eingeplant werden.
109
5. Versuchsdurchführung
die sich vor allem am höchsten Punkt des Behälters unterhalb des Deckels sammeln.
Da hierdurch auch eine nicht zu vernachlässigende Menge an Pentan verloren geht,
wird beim Einwiegen zum Ausgleich der Verluste eine zusätzliche Pentanmasse von
ca. 0,2 kg zu dem ursprünglich berechneten Wert hinzu gegeben. Der Pentangehalt
ist aufgrund des oben beschriebenen Ansetzvorganges nicht genau vorhersagbar,
konnte im Durchschnitt aller bisherigen Gemische allerdings auf ca. ±2% des ur-
sprünglich anvisierten Pentangehaltes eingestellt werden.
Nachdem der Vorgang zur Entfernung der Inertgase abgeschlossen wurde, wird das
Rührwerk mit einer Drehzahl von nur 3 U/min angefahren, da aufgrund der zu Anfang
noch sehr hohen Viskosität ansonsten zu stark belastet würde. Schrittweise wird die
Drehzahl im Laufe von ca. 2 Stunden auf 25 Umdrehungen pro Minute gesteigert.
Zusätzlich wird die Speisepumpe in Betrieb genommen, um den Mischprozess durch
das Umpumpen des Öls von unten nach oben im Behälter zu unterstützen. Aus Er-
fahrungen mit diesem Stoffsystem beträgt die typische Mischzeit bis zum Vorliegen
eines homogenen Gemischs im Mittel ca. 12 Stunden59. Um eventuell dennoch exis-
tierende Inhomogenitäten abzubauen – tatsächlich konnten diese bisher noch nicht
beobachtet werden – wurde die Mischzeit auf 24 Stunden festgelegt. Danach wird
das Gemisch noch ca. 24 Stunden „ruhen“ gelassen (ausschalten des Rührwerks
und der Speisepumpe), um einerseits eine einheitliche Versuchsstofftemperatur im
Gemisch zu erreichen und andererseits die unter Umständen noch in der Flüssigkeit
befindlichen Pentangasblasen aufzulösen.
5.1.2 Versuchsvorbereitungen vor dem Messtag
Der zeitliche Ablaufplan für die Inbetriebnahme der Anlagenkomponenten vor dem
eigentlichen Messtag ist in Bild 5.1 zusammengefasst. Zusätzlich sind die Vorgänge
am Vorratsbehälter während dieses Zeitraumes aufgeführt.
Die Notwendigkeit, einige Anlagenkomponenten eine bestimmte Zeit vor dem Mess-
tag hochzufahren erklärt sich vor allem durch den Zeitbedarf, den diese benötigen,
um in einen stationären Zustand zu gelangen. Dies gilt vor allem für die Klimakam-
59 Das Versuchsstoffgemisch wurde nach dieser Zeitspanne für einen Messtag mit verschiedenen
Messzuständen verwendet. Während des Messtages wurde zu verschiedenen Zeiten – zu Anfang,
zwischen den einzelnen Messzuständen und am Ende des Messtages bei fast vollständig geleertem
Versuchsstoffbehälter – Proben des Versuchsstoffgemisches gezogen. Die dabei gemessenen Ab-
weichungen zwischen den einzelnen Proben lagen innerhalb der in Abschnitt 4.5 angegebenen Mess-
unsicherheit und zeigten keine Tendenz in eine bestimmte Richtung.
110
5. Versuchsdurchführung
mer, die in der Regel zwei Tage vor der geplanten Messung in Betrieb gesetzt wird,
um von Umgebungstemperatur auf das gewünschte Temperaturprofil des ersten
Messzustandes hochzufahren.
Ein weiteres System, dass ca. 24 Stunden vor der ersten Messung in Betrieb ge-
nommen werden muss, ist die Beheizung der Versuchsstoffsteigleitung. Dieser Zeit-
raum ist einerseits bedingt durch die Anfahrzeit der Versorgungspumpe (erreichen
der erforderlichen Betriebstemperatur) und andererseits durch die Aufheizzeit der
Steigleitung. Da die Steigleitung mit dem Wärmeträgeröl des Vorratsbehälters ver-
sorgt wird, ist während der Aufheizphase der Steigleitung zudem ein deutlicher Tem-
peraturabfall im Doppelmantel des Vorratsbehälters festzustellen, der erst nach einer
gewissen Betriebszeit (ca. 5 h) wieder ausgeglichen ist.
Die Kältemaschine, die ebenfalls vor dem eigentlichen Messtag in Betrieb genom-
men wird und zur Versorgung des Pentankondensationssystems mit Kühlsole (Etha-
nol) dient, benötigt ca. 12 Stunden (inklusive Vorwärmung des Kompressors), bis die
erforderliche Betriebstemperatur von -75°C erreicht ist60.
48 44 40 36 32 28 24 20 16 12 8 4
Stunden vor Versuchsbeginn
Hochfahren der Klimakammer 2: Einschalten des
Ölthermostates für homog. Temperatur
Fallrohrbetrieb: Hochfahren des Dampferzeugers auf
Betriebstemperatur (100,125 oder 150°C)
Vorheizen des
KM-Kompr.
A
bkühlen des Konden-
sationssystems
Homogenisieren des Gemisches durch Rührwerk
und Speisepumpe Ruhen des Gemisches um gleichmäßige
Fluidtemperatur zu erreichen
Hochfahren der Klimakammer 1: Einschalten und justieren der elektrischen Heizungen um
Temperaturprofil entlang der Strecke für den ersten Messzustand zu erzeugen
Pumpe
Steigleitung Steigleitung auf Betriebs-
temperatur aufheizen
Bild 5.1: Zeitskala der Versuchsvorbereitungen vor dem Messtag (ohne Ansetzen
des Versuchsstoffgemisches)
60 Diese Zeit setzt sich zusammen aus ca. 8 Stunden Vorwärmzeit für das Motoröl der Kaskaden-
Kältemaschine auf die erforderliche Betriebstemperatur und ca. 4 Stunden zur Abkühlung des Kon-
densationssystems.
111
5. Versuchsdurchführung
5.1.3 Versuchsvorbereitungen am Messtag
Bevor die Anlage den Versuchsbetrieb aufnehmen kann, muss unmittelbar am Ver-
suchstag zur Unterstützung des Kondensationssystems die Vakuumpumpe an dem
Entlüftungsventil der Anlage zusammen mit der mit flüssigem Stickstoff betriebenen
Kühlfalle angeschlossen werden. Die Kühlfalle dient in erster Linie dazu, das neben
den Inertgasen ebenfalls aus der Kondensation abgesaugte Pentan zu verflüssigen,
um hierdurch einerseits die Vakuumpumpe zu entlasten und andererseits die Verlus-
te von gasförmigen Pentan an die Umgebung so klein wie möglich zu halten.
Vor dem Anschalten der Speisepumpe wird die gesamte Anlage von der Steigleitung
über die Versuchsstrecken und den Abscheider, sowie das Kondensationssystem mit
Pentanauffangbehälter evakuiert, um eventuell noch vorhandene Inertgase oder
Sauerstoff aus dem System zu entfernen.
Die Kombination von niedrigen Pentankonzentrationen und gleichzeitig hohem
Durchsatz kann zur Bildung von Dampfblasen im Einlaufbereich der Speisepumpe
führen, da der durch die Pumpe erzeugte Unterdruck aufgrund des hohen Druckver-
lustes in der Zuleitung nicht schnell genug durch das Nachfließen von Versuchsstoff
kompensiert werden kann61. Um dennoch einen problemlosen Betrieb der Speise-
pumpe zu gewährleisten, wird unmittelbar vor deren Anfahren ein Stickstoffvordruck
von ca. 4 bar auf den Vorratsbehälter gegeben. Dadurch wird gewährleistet, dass ein
ausreichend hoher Druck am Pumpeneinlauf bereitsteht, und für das vollständige
Füllen der Zahnzwischenräume sorgt, siehe auch Abschnitt 3.9.
Abschließend eine Zusammenfassung der Arbeiten, die am Versuchstag vor der
Messung durchzuführen sind:
Anschließen der Auffangbehälter für Pentan und Silikonöl sowie Bereitstellen des
zweiten Silikonöl-Auffangbehälters
Anschließen von Vakuumpumpe und Kühlfalle mit Stickstoffkühlung
Evakuieren der kompletten Versuchsanlage inklusive des Kondensationssystems
und des Pentan-Auffangbehälters
Einstellen des Stickstoffvordrucks im Vorratsbehälter
Hochgeschwindigkeitskamera aufbauen und Hochfahren des Systems
61 Neben dem damit verbundenen schwankenden Liefergrad – der Massenstrom ist nicht genau zu
bestimmen, da die Pumpe nicht vollständig gefüllt wird – wäre langfristig auch eine Schädigung der
Speisepumpe zu befürchten.
112
5. Versuchsdurchführung
5.2 Versuchsablauf
Nach dem Abschluss der vorbereitenden Arbeiten wird damit begonnen, den ersten
Messzustand anzufahren. Hierzu wird die Speisepumpe eingeschaltet und der vor-
gesehene Durchsatz justiert. Um ein Volllaufen des Abscheiders mit Silikonöl zu ver-
hindern, wird die Austragspumpe auf einen etwas höheren Durchsatz als die Speise-
pumpe eingestellt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wird das Messprogramm gestar-
tet, um alle Vorgänge während des Anfahrvorgangs aufzuzeichnen.
Da das Versuchsstoffgemisch am Eintritt zu den Versuchsstrecken zu kalt ist – die
Wärmeverluste entlang der Steigleitung können durch die Steigleitungsheizung nicht
vollständig kompensiert werden –, wird der Ölbadthermostat zur Beheizung des Mi-
schers im Inneren der Klimakammer so eingestellt, dass der Versuchsstoff mit einer
Temperatur von 50°C in die jeweilige Versuchsstrecke gelangt62. Die Einstellung des
Ölbadthermostaten ist jeweils abhängig von dem gefahrenen Durchsatz und der
Temperatur im oberen Bereich der Klimakammer. Bei der Ringspaltversuchsstrecke
erfolgt die Temperaturkontrolle über ein in der Zuleitung kurz vor dem Eintritt in die
Strecke montiertes Platinthermometer (PT100).
Die Inbetriebnahme der Rohrheizungen des Ringspalts unterscheidet sich je nach
der Betriebsart. Bei der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ müssen jeweils
die passenden Heizleistungen an den sieben Segmenten eingestellt werden. Im Fall
der Betriebsart „konstante Wandtemperatur“ ist es dagegen erforderlich, den Verlauf
der gemessenen Rohrtemperaturen kontinuierlich zu verfolgen, da in der Anfangs-
phase noch ein häufiges Nachregulieren der Heizleistungen nötig ist, um die ge-
wünschte Wandtemperatur entlang der Versuchsstrecke zu erreichen.
Für beide Modi ist zudem während des Versuchs eine kontinuierliche Kontrolle der
Klimakammerthermostatisierung nötig, da der Verlauf des Temperaturprofils in der
Kammer immer dem des Versuchsstoffes entsprechen sollte. Hierfür ist in der Regel
eine mehrmalige Anpassung der Leistung der elektrischen Luftheizer und der Durch-
flussmenge an Kühlwasser im Gegenkühler (Wärmeübertrager Nr.2 in Bild 3.5) not-
wendig. Aufgrund von Schwankungen im Kühlwassernetz muss zum Teil auch wäh-
rend eines Versuches bei schon abgeschlossener Einstellung der Luftheizerleistung
eine Korrektur am Regelventil des Kühlwasser-Kreislaufs vorgenommen werden.
62 Andere Eintrittstemperaturen wären möglich, wurden bisher aber nicht gefahren.
113
5. Versuchsdurchführung
Bild 5.2 zeigt ein Beispiel für die Einstellung des Temperaturprofils in der Klimakam-
mer für drei Versuche mit unterschiedlichen Durchsätzen und einem Silikonöl mittle-
rer Viskosität (M100k mit 100 Pa·s bei 25°C), wobei an der Ringspaltversuchsstrecke
über alle Segmente eine konstante Heizleistung von 4 kW/m² eingestellt wurde. Die
Lufttemperatur im Bereich des ersten Segmentes wird dabei mit Hilfe des
Luft/Wasser Wärmeübertragers eingestellt, während die folgenden sechs Lufttempe-
raturen mit Hilfe der sechs elektrischen Zusatzheizungen an die Fluidtemperaturen
der nächsten Versuchsstreckensegmente angepasst werden.
Ein Versuchspunkt gilt in der Regel dann als angefahren, wenn ein stationärer Ver-
lauf in der Fluidtemperatur und im Druck erkennbar ist. Nach Erreichen dieses Punk-
tes wird damit begonnen, Videoaufnahmen mit der Hochgeschwindigkeitskamera
und gegebenenfalls auch mit einer „herkömmlichen“ CCD-Kamera durchzuführen.
0 30 60 90 120 150 180 210
50
60
70
80
90
100
110
120 Temperatur:
Kammer Fluid Durchsatz
V = 6.6 l/h
V = 10 l/h
V = 15 l/h
Fluidtemperatur in °C
Länge
Segment I II III IV V VI VII
cm
Bild 5.2: Temperaturverläufe (einfache Fluidmesstechnik mit 0,5 mm Thermoele-
menten) in der Ringspaltversuchsstrecke und der Klimakammer bei drei
unterschiedlichen Durchsätzen mit jeweils gleicher Heizleistung aller Seg-
mente von 4 kW/m², Silikonöl M100k mit 12% Pentananteil
114
5. Versuchsdurchführung
Bei der Hochgeschwindigkeitskamera handelt es sich um ein digitales Videosystem
der Firma Weinberger. Die Kamera ist mit einem CCD-Chip ausgerüstet, der eine
Auflösung von 262.144 Bildelementen besitzt, entsprechend 512 Zeilen mit jeweils
512 Elementen. Die Kamera kann bei voller Auflösung mit einer Bildaufnahmefre-
quenz zwischen 50 Hz und maximal 1000 Hz betrieben werden. Aufgrund der relativ
niedrigen Strömungsgeschwindigkeit in den Versuchsrohren wird die Kamera in der
Regel mit einer Frequenz von 50 Hz (= 50 Bilder pro Sekunde) betrieben. Bei dieser
Frequenz ist die Aufnahmezeit durch den internen RAM-Speicher der Kamera auf
insgesamt 40 Sekunden begrenzt. Danach müssen die aufgenommenen Bilder erst
auf einer Festplatte gespeichert und im RAM-Speicher gelöscht werden, bevor die
nächste Aufnahmesequenz gestartet werden kann.
Um eine möglichst gute Ausleuchtung der Aufnahmefläche zu erreichen, werden
spezielle LED-Blitzeinheiten verwendet, deren Blitzfrequenz über eine Anschlusslei-
tung am Steuergerät der Hochgeschwindigkeitskamera synchronisiert wird. Maximal
ist mit diesem Gerät eine Blitzfrequenz von 7000 Hz möglich, mit einer einstellbaren
Blitzdauer von 10 µs bis 90 µs. Zusätzlich ist bei einem höheren Lichtbedarf die An-
zahl der Blitze pro Bild auf maximal 4 zu erhöhen. Die LED-Fläche besteht aus ins-
gesamt 36 (6 x 6) LED´s mit einer erzeugten Lichtwellenlänge von 660 nm.
Während einiger Experimente konnten Druck- und Temperaturschwingungsvorgänge
in den Versuchsstrecken beobachtet werden (siehe hierzu Kapitel 6). Aufgrund der
Schwingungsdauer dieser Vorgänge, die im Bereich von 2 bis 7 Minuten liegen, wird
zur Dokumentation des gesamten Schwingungsdurchlaufes ein Video-Camcorder
verwendet. Durch den Abgleich der Bandlaufzeit mit der im Messprogramm aufge-
zeichneten Rechnerzeit können die auftretenden Strömungsvorgänge den Druck-
und Temperaturmesswerten des jeweiligen Segmentes zugeordnet werden.
Nach Abschluss der Videoaufnahmen und eines stationären Druck- und Temperatur-
verlaufs aller Messstellen von ca. 1,5 bis 2,5 Stunden – entsprechend ca. 60 bis 100
gespeicherten Messwerten aller Größen, vgl. Abschnitt 6.1 – werden die Proben zur
Restgehaltbestimmung unterhalb des Abscheiders gezogen, siehe Abschnitt 4.5.
Vor dem Wechsel des Durchsatzes wird danach eine Massenstrommessung durch-
geführt. Um zu gewährleisten, dass sich die Fördermengen der Speisepumpe wäh-
rend der Massenstrommessung und während des Experimentes nicht unterscheiden,
wird der Druck in der Entnahmeleitung über das bereits in Abschnitt 4.5 beschriebe-
ne Zapfventil eingestellt. Der Massenstrom wird dann über die in einem bestimmten
115
5. Versuchsdurchführung
Zeitintervall – in der Regel 4 bis 7 Minuten – in ein Becherglas geflossene Gemisch-
masse gravimetrisch bestimmt. Um die Unsicherheit dieser Messmethode zu
bestimmen, wurden mehrere Massenstrommessungen bei 6,6 l/h und verschiedenen
Messzeiten durchgeführt; die dabei ermittelte Unsicherheit für die Reproduzierbarkeit
beträgt weniger als 1‰ (0,67‰) des Massendurchsatzes.
Vergleicht man die bisher durchgeführten Experimente mit jeweils gleichem Nenn-
durchsatz und Pentangehalt hinsichtlich der Wiederholgenauigkeit der Durchsatzein-
stellung, konnte im Mittel eine Abweichung von ±1% festgestellt werden. Diese Ab-
weichung ist allerdings nicht allein auf die Einstellung der Speisepumpe zurückzufüh-
ren, sondern auch auf die leicht unterschiedlichen Pentangehalte – und somit auch
Dichten – der verschiedenen Gemischschargen.
Nachdem die Massenstrommessung durchgeführt wurde, werden vor dem Anfahren
des nächsten Betriebspunktes die Proben zur Anfangsgehaltbestimmung gezogen.
Im Normalfall geschieht dies, wenn ca. die Hälfte des Versuchsstoffgemisches ver-
braucht wurde. Um den Entnahmevorgang zu vereinfachen, wird während dieses
Zeitraumes in der Regel ein niedrigerer Durchsatz von 5 l/h eingestellt, wodurch sich
bei einer Einwaage von 50 ml eine Entnahmezeit von etwa 36 Sekunden ergibt.
In der folgenden Liste sind noch einmal alle während des Messtages durchzuführen-
den Arbeiten zusammengefasst:
Einstellen des korrekten Durchsatzes an der Speisepumpe sowie eines entspre-
chenden Durchsatzes an der Austragspumpe
Einstellen des Ölbadthermostaten zur Beheizung des Mischers
Ringspaltversuchsstrecke: Einschalten der sieben Rohrheizungen für Betriebsart
„konstante Wärmestromdichte“ oder „konstante Wandtemperatur“
Kontrolle und Feinjustierung der Klimakammerthermostatisierung vor und währ-
end der Messung
bei stationärem Temperatur- und Druckverlauf: Aufnahmen mit der Hochge-
schwindigkeits-Videokamera und eventuell mit Video-Camcorder
Probennahme zur Restgehaltbestimmung
Kontrolle des Pentanschleusensystems während der Messung
Probennahme zur Anfangsgehaltbestimmung (zwischen zwei Betriebspunkten)
Bestimmung des Durchsatzes durch Massenstrommessung (zwischen zwei BP)
Anfahren neuer Betriebspunkt durch Durchsatz- und/oder Heizleistungsvariation
Anpassen der Klimakammerthermostatisierung für neuen Betriebspunkt
116
5. Versuchsdurchführung
5.3 Versuchsprogramm
Im Rahmen dieser Arbeit wurden alle Experimente mit dem Silikonöltyp BAYSILONE
der Firma Bayer durchgeführt. Allerdings kamen drei verschiedene Viskositäten zur
Anwendung. Die kinematischen Null-Viskositäten der drei Silikonöle betragen laut
Katalog nominell 10.000 mm²/s (Typ M10k), 100.000 mm²/s (Typ M100k) und
1.000.000 mm²/s (Typ M1000k), bei einer Fluidtemperatur von jeweils 25°C [40].
Die meisten Experimente wurden mit dem Silikonöltyp M1000k durchgeführt. Das
Silikonöl M10k fand nur kurzzeitig während der Probeläufe und der ersten Untersu-
chungen Verwendung, da die Gemischviskosität dieses Öls an der unteren Grenze
liegt, bei der die Versuchsanlage noch zufrieden stellend arbeitet. Es wird daher in
Kapitel 6 nicht weiter auf dieses Öl eingegangen.
Die Variationsbreite von Durchsatz und Wärmestromdichte in den Experimenten mit
der Ringspaltversuchsstrecke sollte vor allem einen weiten technisch interessanten
Bereich abdecken, und wurde jeweils ausgehend von 1,8 kW/m² bzw. 3 l/h auf das
1,5-Fache des vorangegangenen Wertes gesteigert (=> 2,7 / 4 / 6 / 9 kW/m² bzw. =>
4,4 / 6,6 / 10 / 15 l/h).
Die verwendeten Lösemittelgehalte liegen innerhalb des technisch wichtigen Be-
reichs und wurden variiert, um die Wirkung dieses Parameters auf die sich einstel-
lenden Fluid- und Heizwandtemperaturen sowie die Drücke entlang der Versuchs-
strecken interpretieren zu können. Allerdings umfassen diese bis jetzt noch nicht den
ganzen in der technischen Anwendung vorkommenden Bereich – in der industriellen
Anwendung kommen sowohl höhere als auch niedrigere Lösemittelgehalte vor.
In den folgenden Tabellen sind stark vereinfacht die Parameter aller bis Mitte 2005
durchgeführten Versuche aufgeführt. Tabelle 5.1 zeigt eine Übersicht über die Expe-
rimente, die während der Inbetriebnahme der Versuchsanlage mit dem niedrigvisko-
sen Öl M10k an der Ringspaltversuchsstrecke durchgeführt wurden. Der grau hinter-
legte Bereich steht für den Durchsatz, bei dem die weiter rechts durch einen Punkt
gekennzeichneten Wärmestromdichten gefahren wurden. Der Buchstabe „N“ in Ta-
belle 5.1 steht für die Durchsätze, die aufgrund der verfahrenstechnischen Grenzen
der Versuchsanlage nicht erfolgreich vermessen werden konnten63.
63 Bei den kleineren Durchsätzen dieses Öls konnte die Versuchsstrecke bedingt durch die niedrige
Viskosität des Versuchsstoffgemisches nicht vollständig gefüllt werden – die Strecke lief leer –, so
dass keine vollständige Benetzung der Heizflächen erreicht werden konnte. Da Experimente unter
diesen Bedingungen nicht als repräsentativ und reproduzierbar angesehen werden können, wurden
die jeweiligen Messungen abgebrochen.
117
5. Versuchsdurchführung
Zudem sollten die Messergebnisse dieses Silikonöls nur qualitativ verwendet wer-
den, da sie während des Anlagenaufbaus stattfanden, in der noch wichtige Modifika-
tionen an der Klimakammerthermostatisierung und der Messtechnik vorgenommen
wurden mussten. Die Messwerte sind daher quantitativ nicht, oder nur sehr begrenzt
nutzbar. Daher gelten diese Experimente nur als Vorversuche und sollten dement-
sprechend verwendet werden. Andererseits lieferten diese Experimente erste wichti-
ge Erkenntnisse zum Betrieb der Versuchsanlage, siehe hierzu den Abschlussbericht
zur ersten Phase des Hochviskos-Projektes [43].
Tabelle 5.1: Parameter der Vorversuche mit Silikonöl M10k
Durchsatz in l/h Wärmestromdichte in
kW/m²
Massenprozent
Pentan 6.6 10 15 0 4.0 6.0 9.0
27% N N
20% N N
12% N N
In Tabelle 5.2 sind die Parameterbereiche der Experimente mit dem zweiten verwen-
deten Silikonöl, M100k, dargestellt. Der Schwerpunkt lag bei diesem Öl vor allem bei
dem relativ niedrigen Pentangehalt von 12%, bei dem erstmals der Durchsatz zwi-
schen 6,6 l/h, 10 l/h und 15 l/h variiert werden konnte.
Tabelle 5.2: Parameter der Experimente mit Silikonöl M100k
Durchsatz
in l/h
Wärmestromdichte
in kW/m²
Rohrwand-
temperatur in °C
Pentan
Anteil
6.6 10 15 0 4.0 6.0 9.0 95 120 150
27%
19% ●●●
●●●
12%
0%
118
5. Versuchsdurchführung
Neben der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ wurde hier an der Ringspalt-
versuchsstrecke zum ersten Mal die Betriebsart „konstante Wandtemperatur“ gefah-
ren. Um die Wirkung der beiden technisch wichtigen Nebenbedingungen der Wär-
meübertragung „konstante Wandtemperatur“ (TW = konstant, z.B. bei Dampfbehei-
zung) und „konstante Wärmestromdichte“ ( = konst., z.B. bei elektrischer Behei-
zung) direkt miteinander vergleichen zu können, wurde die Variation der Heizwand-
temperatur jeweils auf die mittlere Wärmestromdichte aller sieben Segmente abge-
stimmt. Dabei wurde die Heizwandtemperatur entlang der Ringspaltstrecke derart
eingestellt, dass die insgesamt über die Rohrlänge der Versuchsstrecke in den Ver-
suchsstoff eingebrachte Heizleistung in etwa der jeweiligen gesamten Heizleistung
der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ entsprach.
q
&
Um Rückschlüsse über die Unsicherheit der Messtechnik zu erhalten, wurde zusätz-
lich ein Versuch mit reinem Silikonöl ohne Pentan gefahren. Im Gegensatz zu den
Versuchen mit den Ölen M10k und M1000k konnten alle angefahrenen Betriebs-
punkte erfolgreich vermessen werden.
Tabelle 5.3 zeigt eine Übersicht über die Parameter der Experimente mit M1000k.
Zusätzlich zu den aus den vorausgegangenen Experimenten schon bekannten
Durchsätzen wurden die beiden kleineren Durchsätze 4,4 l/h und 3 l/h eingeführt, um
den technisch interessierenden Bereich weiter nach unten abdecken zu können.
Dementsprechend ergaben sich für die beiden Durchsätze auch zwei niedrigere
Wärmestromdichten von 1,8 kW/m² und 2,7 kW/m². Somit standen insgesamt fünf
verschiedene Durchsätze mit jeweils spezifisch gleicher Energiedichte (Heizleis-
tung/Durchsatz = konst.) zur Verfügung.
Eine Besonderheit stellen die bei diesem Silikonöl erstmals beobachteten Schwin-
gungsvorgänge der Strömung in der Ringspaltversuchsstrecke dar, weshalb einige
Betriebspunkte – vor allem der Punkt 6,6 l/h bei 4 kW/m² mit einem Pentangehalt von
27% – zur genaueren Untersuchung mehrmals wiederholt wurden. Hierauf wird in
Abschnitt 6.4 detailliert eingegangen.
Neben den „schwingenden“ Betriebspunkten wurden auch andere Betriebspunkte
nachgefahren. Alle wiederholten Experimente sind in Tabelle 5.3 durch ein Dreieck
gekennzeichnet. Der Buchstabe „N“ kennzeichnet wieder die Punkte, die aufgrund
der Anlagengrenzen nicht erfolgreich vermessen werden konnten. Die Betriebspunk-
te, die zusätzlich durchgeführt wurden, allerdings außerhalb der üblichen Parameter-
bereiche liegen, sind in einer Fußnote zu Tabelle 5.3 angegeben.
119
5. Versuchsdurchführung
Tabelle 5.3: Parameter der Experimente mit Silikonöl M1000k 64
Durchsatz in Litern
pro Stunde Wärmestromdichte in kW/m² Rohrwand-
temperatur in °C
Pentan
Anteil
3.0 4.4 6.6 10 15 0 1.8 2.7 4.0 6.0 9.0 95 120 150
N
27%
N
N
N ●●●
●●●
●●●
18%
N N
9%
Dreieckige Symbole repräsentieren Versuchspunkte, die mehrmals gefahren wurden:
3 l/h bei 1.8 kW/m²: 2 x, 4.4 l/h bei 4 / 2.7 kW/m²: 2 / 3 x, 6.6 l/h bei 4 kW/m²: 12 x, 10l/h bei 6 / 4
kW/m²: 3 / 2 x, 15 l/h bei 9 / 6 / 4 kW/m²: 7 / 3 / 2 x.
Symbol N: Diese Versuchspunkte konnten aufgrund zu großer Drücke, zu hoher Temperaturen oder
zu hoher Heizleistungen nicht gefahren werden.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden an der Ringspaltversuchsstrecke insgesamt 101
verschiedene Betriebspunkte angefahren, wovon 92 Betriebspunkte erfolgreich ab-
geschlossen werden konnten. Die restlichen 9 ließen sich aufgrund der technischen
Grenzen der Versuchsanlage – zu hohe Rohrwandtemperaturen bzw. nicht ausrei-
chende elektrische Heizleistung – nicht erfolgreich vermessen. Zusammen mit der
Wiederholung einer Reihe von Betriebspunkten beläuft sich die Gesamtzahl der
durchgeführten Experimente auf insgesamt 140.
64 Zu den in der Tabelle aufgeführten Versuchen wurden zusätzlich durchgeführt: 6.6 l/h mit 3.5, 4.5
und 5 kW/m² sowie 22.5 l/h bei 9 kW/m² (alle bei 27% Pentananteil)
120
6. Versuchsauswertung
6. Systematische Untersuchungen zum Einfluss von
Betriebsparametern
6.1 Einleitung
In diesem Kapitel wird aufgrund der Vielzahl zur Verfügung stehenden Messungen
nur eine Auswahl der aussagekräftigsten Experimente mit den hochviskosen Silikon-
ölen M100k und M1000k vorgestellt. Da die Experimente mit M10k während der Auf-
bauphase der Versuchsanlage vor den tief greifenden Modifikationen an der Mess-
technik und der Klimakammer durchgeführt wurden, können diese nur als Vor-
versuche angesehen werden, und werden hier nicht weiter behandelt. Versuchser-
gebnisse zu M10k sind im Projekt-Abschlussbericht der ersten Phase zu finden [43].
Neben den reinen Messgrößen wie Druck und Temperatur, werden auch daraus ab-
geleitete Größen wie Temperaturdifferenzen und Wärmeübergangskoeffizienten ge-
zeigt. Anhand dieser Ergebnisse sollen vor allem die systematischen Zusammen-
hänge der verschiedenen Prozessparameter und Messgrößen veranschaulicht und
die Unterschiede zum Strömungssieden konventioneller Fluide niedriger Viskosität
verdeutlicht werden. Des Weiteren werden, soweit möglich, für die beobachteten
Vorgänge und Phänomene Erklärungen angeboten, die allerdings, bei dem jetzigen
Stand dieses Forschungsprojektes, nur als vorläufig angesehen werden sollten.
Der größte Teil der hier vorgestellten Versuchsergebnisse beruht auf Messdaten, die
mit dem Messprogramm in der langsamen Betriebsart – siehe hierzu auch Abschnitt
4.3 Messwerterfassung – aufgezeichnet wurden. Eine Ausnahme stellt lediglich Ab-
schnitt 6.4 dar, in dem die in den Versuchsstrecken beobachteten Schwingungen
betrachtet werden. Aufgrund der Schwingungsfrequenz ist die zeitliche Auflösung der
„langsamen“ Messwertaufzeichnung für eine detaillierte Auswertung der Schwin-
gungsvorgänge nicht ausreichend, weshalb die mit der schnellen Messtechnik auf-
gezeichneten Daten verwendet werden mussten.
Die jeweils in den Diagrammen dargestellten Temperaturen und Drücke sind Mittel-
werte, die in der Regel aus ca. 50 - 100 aufeinander folgenden Messungen des je-
weiligen Betriebspunktes ermittelt wurden. Der Begriff „Betriebspunkt“ bezeichnet
hierbei einen abgeschlossenen Messzeitraum, in dem die relevanten Prozesspara-
meter wie Durchsatz und Wärmestromdichte nicht verändert werden.
Bei der Auswertung werden nur die Messungen berücksichtigt, die in allen Segmen-
ten einen zeitlich stationären Temperatur- und Druckverlauf zeigen. Alle Messungen
121
6. Versuchsauswertung
davor bzw. danach werden nicht in die Mittelwertbildung miteinbezogen. Die Abwei-
chungsbalken stellen die Minima und Maxima der gemessenen Werte dar, die in dem
ausgewerteten Messzeitraum auftraten.
Der größte Teil der in diesem Kapitel vorgestellten Versuchsergebnisse beruht auf
Messungen, bei denen 0,5 mm Fluidthermoelemente verwendet wurden. Ausnahme
sind hierbei lediglich die zum Ende des Projekts durchgeführten Experimente, bei
denen die neue Messtechnik mit 0,25 mm Thermoelementen zum Einsatz kam, siehe
hierzu auch Kapitel 4.
Um die Experimente nicht nur hinsichtlich der gemessenen Parameter wie Tempera-
tur und Druck miteinander vergleichen zu können, wurde zusätzlich der Wärmeüber-
gangskoeffizient α berechnet. α wird sowohl im Fall des Behälter- als auch des Strö-
mungssiedens als Quotient aus der Wärmestromdichte q und der gemessenen
Temperaturdifferenz zwischen Heizwand T
&
W und der Fluidtemperatur TF definiert:
FluidWand TT
q
α
=& (6.1)
Allerdings besitzt diese Definition für das Behältersieden eine andere „Qualität“ als
für das Strömungssieden. Das Fluid liegt beim Behältersieden in der Regel im Sätti-
gungszustand vor und man geht daher von einer einheitlichen Fluidtemperatur im
Verdampferkessel aus – ausschließlich der überhitzten Grenzschicht an der Rohr-
wand, in der die Blasenbildung stattfindet. Die Fluidtemperatur entspricht demzufolge
der Siedetemperatur, die von dem jeweils im Verdampfer herrschenden Druck ab-
hängt. Zusammen mit der Temperatur der beheizten Rohrwand, die als einheitlich
angesehen wird65 und der jeweils eingestellten Wärmestromdichte wird der Wärme-
übergangskoeffizient berechnet, der als Kenngröße der Wärmeübertragung beim
Behältersieden angesehen werden kann.
Für die Berechnung des Wärmeübergangskoeffizienten beim Strömungssieden er-
gibt sich insbesondere bei der Fluidtemperatur ein anderes Bild. Da entlang eines
Siederohres ein Druckgefälle auftritt und zudem ein großer Teil wenn nicht sogar die
gesamte Flüssigkeit bis zum Rohrende in Dampf umgewandelt wird, kann die Fluid-
temperatur aufgrund der Abhängigkeit der Siedetemperatur vom jeweils herrschen-
den Druck axial unterschiedlich sein [2] (Annahme: Fluid im Sättigungszustand, siehe
65 Tatsächlich wurde bei horizontalen Verdampferrohren ein Temperaturprofil über den Rohrumfang
gemessen, welches allerdings bis zum jetzigen Zeitpunkt bei der Berechnung des Wärmeübergangs
noch nicht berücksichtigt wurde, Gorenflo [8]
122
6. Versuchsauswertung
Kapitel 2). Zusätzlich ist mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten radialen
Temperaturprofil im Rohr zu rechnen. Des Weiteren ist auch die Heizwand-
temperatur entlang der Verdampferrohre nicht konstant. Die „globale“ Gültigkeit des
Wärmeübergangskoeffizienten über die gesamte Wärmeübertragerfläche und ein
Fluid im gleich bleibenden Sättigungszustand, wie es beim Behältersieden der Fall
ist, kann beim Strömungssieden daher nicht angenommen werden. Der experimen-
telle Wärmeübergangskoeffizient beim Strömungssieden wird daher in der Regel aus
den lokal gemessenen Werten der Fluidtemperatur (Annahme: TF entspricht der adi-
abaten Mischtemperatur) und der Rohrwandtemperatur berechnet.
Im Fall der in dieser Arbeit behandelten hochviskosen Silikonöle sind die oben ge-
nannten Zusammenhänge um so mehr zu beachten, da im Vergleich zu den niedrig-
viskosen Medien extreme Unterschiede in der Fluidtemperatur entlang der Versuchs-
strecken zu beobachten waren. Für die Berechnung der lokalen Wärmeübergangs-
koeffizienten werden die im jeweiligen Segment gemessenen Werte für die Fluid-
und Wandtemperatur sowie die Wärmestromdichte verwendet. Da die Thermoele-
mente zur Messung der Rohrwandtemperatur axial nicht an der gleichen Stelle posi-
tioniert sind wie die der Fluidtemperaturmessung66, die Werte für den Wärmeüber-
gangskoeffizienten jedoch mit Temperaturwerten bei jeweils gleicher axialer Position
berechnet werden sollten, werden die Rohrtemperaturen axial auf die Positionen der
Fluidthermoelemente zurückgerechnet. Dies geschieht mit Hilfe eines Polynoms
sechster Ordnung in der Excel-Auswertungsdatei des jeweiligen Experimentes, wel-
ches derart angepasst wird, dass alle gemessenen Wandtemperaturwerte mit dieser
Funktion in Abhängigkeit von der Rohrlänge dargestellt werden können. Hierdurch
werden dann die Rohrwandtemperaturen an die Stellen der Fluidtemperaturmessung
zurückgerechnet67. Zusätzlich wird noch der Temperaturabfall durch die 1 mm starke
Rohrwand berücksichtigt, um die Oberflächentemperatur der Heizfläche zu erhalten.
Neben den Versuchen in der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ mit einer
einheitlichen (elektrischen) Heizleistung an allen sieben Segmenten, wurden auch
Versuche in der zweiten Betriebsart „konstante Wandtemperatur” durchgeführt. Bei
dieser wird mit Hilfe der Messwerte der Rohrthermoelemente die jeweilige Segment -
66 Die Fluidmessstelle ist jeweils 56 mm vom Segmentanfang entfernt, während die Rohrmessstelle
125 mm vom Segmentanfang entfernt ist.
67 Vor der Verwendung des Polynoms wird dieses noch hinsichtlich des Verhaltens zwischen den
Stützstellen (= Temperaturmessstellen) untersucht, um ein physikalisch korrektes Verhalten sicher-
stellen zu können.
123
6. Versuchsauswertung
Heizleistung derart eingestellt, dass entlang der Ringspaltversuchsstrecke eine ein-
heitliche Heizwandtemperatur herrscht. Dabei ist allerdings zu beachten, dass inner-
halb eines einzelnen Segments nicht von einer konstanten Heizwandtemperatur aus-
gegangen werden kann. Vielmehr ist die Temperatur zu Anfang des Segmentes
niedriger als die geforderte Heizwandtemperatur, und nach der Messstelle höher.
Genaue Wert hierzu lassen sich aufgrund fehlender Thermoelemente an diesen Stel-
len jedoch leider nicht angeben. Da sich die Messstelle in etwa im mittleren Bereich
des Segmentes befindet (125 mm), und der Kupferkern im Innenrohr einen guten
axialen Temperaturausgleich ermöglicht, wird bei der Auswertung von einer „einheit-
lichen“ Rohrwandtemperatur ausgegangen, die sich zwischen Anfang und Ende des
Segmentes in etwa mittelt. Mit der Wandtemperatur und der bekannten Wärme-
stromdichte lässt sich somit der Wärmeübergangskoeffizient auf ähnliche Weise
bestimmen wie bei den Experimenten konstanter Wärmestromdichte.
Wie in Kapitel 2 schon beschrieben wurde, ist der Zustand des Fluids ein entschei-
dendes Kriterium für den vorherrschenden Wärmeübergangsmechanismus. Vor al-
lem das Erreichen des Sättigungszustandes kann sich dabei in einer deutlichen
Veränderung des Fluidtemperaturverlaufs äußern68. Aus diesem Grund wird bei der
Diskussion der Versuchsergebnisse an mehreren Stellen des Kapitels die Position in
der Versuchsstrecke berechnet, an der „theoretisch“ der Sättigungszustand des Ge-
misches erreicht wird und mit den tatsächlich zu beobachtenden Phänomenen ver-
glichen. Dies geschieht iterativ, indem schrittweise an verschiedenen Stellen der ge-
messenen Fluidtemperaturkurve die Sättigungsdrücke des Gemisches berechnet,
und diese dann mit den an den gleichen Stellen gemessenen Drücken verglichen
werden. Die Schrittweite wird dabei so lange verkleinert, bis der berechnete und ge-
messene Druckwert bis auf wenige Millibar (ca. 1 - 3 mbar) übereinstimmen; an die-
ser Stelle wird davon ausgegangen, dass der „theoretische“ Sättigungszustand des
Gemisches erreicht ist. Da keine genaue Aussage über die an der ermittelten Positi-
on bereits verdampfte Menge an Pentan möglich ist, und andererseits auch das radi-
ale Temperaturprofil im Ringspalt – siehe hierzu Abschnitt 6.5 – dabei keine Berück-
sichtigung findet, handelt es sich hierbei allerdings nur um eine Überschlagsrech-
nung zur Orientierung.
68 Beispielsweise durch einen weniger steilen Anstieg der Fluidtemperatur. Dies wird im weiteren Ver-
lauf dieses Kapitels noch zu sehen sein.
124
6. Versuchsauswertung
Die eigentliche Berechnung beruht auf einer Berechnungsroutine von Herres [60], in
der der Dampfdruck des Pentans in Abhängigkeit von der Fluidtemperatur, dem
Massenanteil des flüssigen Pentans und der Grundviskosität des Silikonöls bestimmt
wird. Die für die Berechnung nötigen Dampfdruckdaten des reinen Pentans wurden
mit Hilfe einer Korrelation von Span [61] bestimmt, die im Programmmodul FLIUD-
CAL hinterlegt ist. Mit Hilfe einer Dynamic Link Library findet dabei ein direkter Da-
tenaustausch zwischen dem Excelprogramm und FLUIDCAL statt.
Um die Einstellung des Durchsatzes durch die Versuchsstrecke so unkompliziert wie
möglich zu handhaben und einfach reproduzieren zu können, wurden unabhängig
von der jeweiligen Pentankonzentration stets die gleichen Drehzahlen an der Spei-
sepumpe eingestellt. Diese wiederum entsprechen jeweils bestimmten Volumen-
Durchsätzen. Es handelt sich somit um „Nennvolumenströme“, deren tatsächliche
Massendurchsätze sich durch die verschiedenen verwendeten Pentangehalte – und
demnach auch verschiedenen Gemischdichten – bei gleichem Nennvolumenstrom
unterscheiden. Tabelle 6.1 gibt einen Überblick über die bei den jeweiligen Volumen-
strömen und Pentangehalten gemessenen Massenströme. Da bei den Untersuchun-
gen zum Strömungssieden häufig die Massenstromdichte – Quotient aus Massen-
strom und durchströmter Fläche – als Vergleichsgröße angegeben wird, ist die jewei-
lige Massenstromdichte in der Einheit kg/(m²·s) zusätzlich in Tabelle 6.1 angegeben.
Tabelle 6.1: Nennvolumenströme mit den Mittelwerten der jeweils gemessenen
Massenströme und der daraus berechneten Massenstromdichte bei
unterschiedlichen Pentangehalten
27% Pentan 18% Pentan 12% Pentan
Nenn-
volumen-
strom kg/h kg/(m²·s) kg/h kg/(m²·s) kg/h kg/(m²·s)
15 l/h 11.80 13.91 12.23 14.42 12.89 15.20
10 l/h 7.95 9.37 8.19 9.66 8.55 10.08
6.6 l/h 5.09 6.00 5.30 6.25 5.43 6.40
4.4 l/h 3.42 4.03 3.53 4.16 3.70 4.36
3 l/h 2.22 2.62 2.29 2.70 2.40 2.83
125
6. Versuchsauswertung
6.2 Versuche mit Silikonöl M100k
Im Rahmen der Experimente mit dem Silikonöl mittlerer Viskosität, M100k, wurden
Gemische mit drei unterschiedlichen Pentangehalten verwendet. Hierbei wurden so-
wohl der Durchsatz – 15 l/h, 10 l/h und 6,6 l/h – als auch die Wärmestromdichte vari-
iert – 4kW/m², 6 kW/m² und 9 kW/m². Zusätzlich sind drei Einstellungen der Betriebs-
art konstante Wandtemperatur – 95°C, 120°C und 150°C vermessen worden.
6.2.1 Variation des Durchsatzes bei jeweils gleichem spezifischen Energieeintrag
Zuerst sollen drei Experimente mit den Durchsätzen 6,6 l/h, 10 l/h und 15 l/h betrach-
tet werden, die mit einem Pentanmassengehalt von 12% durchgeführt wurden. Um
die eingebrachte Energie je Volumenelement bei den drei Durchsätzen jeweils gleich
zu halten, wurden die Netzteile der Segmentheizungen auf die Wärmestromdichten
4 kW/m² bei 6,6 l/h, 6 kW/m² bei 10 l/h und 9 kW/m² bei 15 l/h eingestellt. Bezieht
man die jeweilige Segmentheizleistung auf den Durchsatz, ergibt sich für alle drei
Durchsätze eine je Segment zugeführte Energie von ca. 20 MJ/m³, im Folgenden
Energiedichte genannt. Die mittlere Energiedichte ist in dieser Arbeit definiert als
Quotient aus Segmentheizleistung und Nennvolumenstrom: P /
V
&=> W·h/l = MJ/m³.
Diese Fahrweise hat zudem den experimentellen Vorteil, dass das Temperaturprofil
in der Klimakammer nur geringfügig bzw. gar nicht verändert werden musste, da sich
die Fluidtemperaturen der drei Durchsätze nur unwesentlich veränderten.
In Bild 6.1 ist für die drei Durchsätze der Temperaturverlauf des Fluids entlang der
Ringspaltstrecke zu sehen. Wie zu erwarten, steigt die Fluidtemperatur entlang der
Versuchsstrecke bei dieser hohen Energiedichte69 und dem niedrigen Pentangehalt
kontinuierlich bis zum Ende der Versuchsstrecke an. Da die auf den Durchsatz be-
zogene Heizleistung jeweils gleich ist, liegen die Temperaturverläufe über die ganze
Versuchsstrecke hinweg sehr eng beieinander. Allerdings ist die Steigung je nach
Abschnitt der Ringspaltversuchsstrecke unterschiedlich steil.
Der starke Anstieg in den ersten beiden Segmenten – entsprechend einem Gradien-
ten von ca. 45 K/m – lässt sich durch den in diesem Bereich dominierenden Wärme-
übergangsmechanismus der einphasigen erzwungenen Konvektion erklären. Obwohl
69 Die niedrigste Energiedichte bei diesem Öl war 9 MJ/m³ bei 15 l/h und 4 kW/m²
126
6. Versuchsauswertung
in diesem Streckenabschnitt schon eine deutliche Blasenbildung zu erkennen ist,
fließt der Grossteil der zugeführten Energie in die Aufheizung des Versuchsstoffes.
Erst ab dem Moment, bei dem die Bedingungen für ausgeprägtes Blasensieden ge-
geben sind – d.h. Fluid im Sättigungszustand –, wird ein wesentlich größerer Teil der
Heizleistung für die Verdampfung des Pentans verwendet, wodurch nur noch wenig
Energie zur Aufheizung des Versuchsstoffes zur Verfügung steht und die Fluidtem-
peratur demzufolge mit 10 K/m deutlich weniger stark ansteigt70. Dieser Effekt ist al-
lerdings nur für die Länge eines Segmentes zu beobachten; danach steigt die Fluid-
temperatur mit 33 K/m wieder stärker an.
In Bild 6.2 ist links die zurückgerechnete Rohrwandtemperatur – siehe hierzu Ab-
schnitt 6.1 – und rechts die aus dieser und der Fluidtemperatur ermittelte Tempera-
turdifferenz T = TWand - TFluid zu sehen, die zur Berechnung des in Bild 6.3 darge-
stellten Wärmeübergangskoeffizienten verwendet wurde. Bei den Wandtemperaturen
ist zu erkennen, dass für die Übertragung der größeren Wärmestromdichten deutlich
höhere Wandtemperaturen benötigt werden, womit sich wiederum – zu sehen auf der
30 60 90 120 150 180 210
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
105
110
115
120 Silikonöl M 100k mit 12% Pentan
6.6 l/h, 4kW/m²
10 l/h, 6kW/m²
15 l/h, 9kW/m²
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.1: Versuchsstofftemperaturen der Experimente mit M100k bei 12% Pentan
und drei Durchsätzen mit gleicher Energiedichte von 20 MJ/m³
70 Nach einem kurzen Bereich einphasiger Strömung am Beginn der Versuchsstrecke war im ersten
Schauglas bei allen Durchsätzen Dampfblasenbildung an der Heizwandoberfläche zu erkennen.
127
6. Versuchsauswertung
rechten Seite von Bild 6.2 – größere Temperaturdifferenzen zwischen Fluid und
Heizwand einstellen. Wie bei der Versuchsstofftemperatur schon erläutert wurde,
kann auch der starke Temperaturanstieg der Heizwand zu Beginn der Versuchsstre-
cke auf den dominierenden Wärmeübergangsmechanismus der einphasigen er-
zwungenen Konvektion zurückgeführt werden, der daran anschließend durch das
Strömungsblasensieden abgelöst wird, deutlich erkennbar an dem weniger steilen
Temperaturanstieg. Der gleiche Effekt ist auch bei der Temperaturdifferenz zu beo-
bachten, die bei allen Durchsätzen im zweiten Segment ihr Maximum erreicht, um
danach mit dem Einsetzen von „ausgeprägtem“ Blasensieden wieder abzufallen.
Dieser Zusammenhang wird durch den Verlauf des Wärmeübergangskoeffizienten in
Bild 6.3 links bestätigt, der nach einem starken Abfall zu Anfang der Strecke mit ein-
setzendem Blasensieden eine deutliche Verbesserung zeigt. Obwohl eine ausge-
prägte Blasenbildung schon im ersten Segment beobachtet werden konnte, fällt α
vom ersten Segment an ab, ähnlich dem Verhalten bei rein einphasiger erzwungener
Konvektion. Das Blasensieden im unterkühlten Bereich am Rohranfang scheint da-
her noch keine bedeutende Rolle für den Wärmeübergang zu spielen. Zwischen
zweitem und drittem Segment steigen die Wärmeübergangskoeffizienten hingegen
wieder an, was darauf hindeutet, dass in diesem Bereich die Wärmeübertragung
durch das Blasensieden an Bedeutung gewinnt. Hierbei fällt auf, dass die Werte für α
bei allen drei Durchsätzen im dritten Segment auf fast identischem Niveau liegen.
0 306090120150180
90
100
110
120
130
140
150
160
170
180
0 306090120150180
40
50
60
70
80
90
100
110
I II III IV V VI VII
Heizwandtemperatur in °C
T in K
(Wand - Fluid)
Seg.Nr. I II III IV V VI VII
Rohrlänge in cm
6.6 l/h, 4kW/
10 l/h, 6kW/m²
15 l/h, 9kW/m²
Rohrlänge in cm
Bild 6.2: Links: Rohrwandtemperaturen- Rechts: berechnete Temperaturdifferenzen
aus Fluid- und Rohrtemperaturen, Silikonöl M100k mit 12% Pentananteil
128
6. Versuchsauswertung
Allerdings ist festzuhalten, dass die Verbindungslinien zwischen den einzelnen
Messpunkten nicht notwendigerweise den „realen“ Verlauf darstellen. Insbesondere
im Zusammenhang mit dem an Einfluss gewinnenden Blasensieden im oberen Ver-
suchsstreckenbereich wird dies deutlich, wenn man zu dem α-Verlauf noch die In-
formation aus dem Druckverlauf hinzunimmt, und hieraus überschlägig ohne Berück-
sichtigung des schon vorhandenen Dampfgehaltes den theoretischen Sättigungszu-
stand berechnet, siehe auch Abschnitt 6.1. Anhand der vorhandenen Daten wäre der
Sättigungszustand bei 6,6 l/h nach ca. 45 cm, bei 10 l/h nach ca. 55 cm und bei
15 l/h nach ca. 65 cm vom Versuchsstreckenanfang erreicht.
Betrachtet man das Erreichen des Sättigungszustandes nach dem unterkühlten Be-
reich zu Anfang der Strecke als Beginn des ausgeprägten Strömungsblasensiedens,
und nimmt man ebenfalls an, dass der Wärmeübergangskoeffizient für das Blasen-
sieden an dieser Stelle sein Optimum erreicht, siehe hierzu auch Steiner, VDI-
Wärmeatlas [8], verschiebt sich dieser Punkt mit niedrigerem Durchsatz aufgrund
des ebenfalls niedrigeren Druckniveaus weiter nach oben.
0 30 60 90 120 150 180
70
75
80
85
90
95
100
105
110
115
120
125
130
135
0 30 60 90 120 150 180 210 240 270
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
1.2
1.4
1.6
1.8
2.0
2.2
Silikonöl M 100k
mit 12% Pentan
in W/m²K
α
6.6 l/h, 4kW/m²
10 l/h, 6kW/m²
15 l/h, 9kW/m²
Rohrlänge in cm Rohrlänge in cm
Abscheider
Druck (abs.) in bar
Bild 6.3: Links: Wärmeübergangskoeffizienten der Experimente mit Silikonöl M100k
und 12% Pentananteil, berechnet aus den Temperaturdifferenzen und
Wärmestromdichten aller 7 Segmente
Rechts: Druckverlauf über der Ringspaltstrecke bis zum Abscheider
129
6. Versuchsauswertung
Für die beiden Durchsätze 6,6 l/h und 10 l/h würde das bedeuten, dass der Wärme-
übergangskoeffizient für das Blasensieden sein Optimum noch vor der dritten Mess-
stelle erreicht hat. Die axiale Auflösung an Temperatursensoren reicht an dieser Stel-
le nicht aus, um das Maximum des Wärmeübergangskoeffizienten genauer lokalisie-
ren zu können.
Nachdem sich die drei α-Verläufe im dritten Segment sehr stark angenähert haben,
ist ab hier ein deutlich unterschiedlicher Verlauf der Wärmeübergangskoeffizienten
zu beobachten. Während sich die α-Werte beim niedrigsten Durchsatz nur noch we-
nig verändern – von 90 auf 96 W/m²K –, steigt α bei den beiden größeren Durchsät-
zen ab dem vierten Segment stark an. Eine Erklärung hierfür liefert der zunehmende
Einfluss des konvektiven Strömungssiedens, der das Blasensieden als dominieren-
den Wärmeübergangsmechanismus ablöst71. Während bei dem höchsten Durchsatz
das konvektive Strömungssieden bereits ab dem vierten Segment deutlich an Ein-
fluss gewinnt – erkennbar am Anstieg von α –, ist dieser Übergang bei den beiden
kleineren Durchsätzen um ein Segment (10 l/h) bzw. zwei Segmente (6,6 l/h) der
verschoben. Da der Wärmeübergangskoeffizient des Blasenssiedens nach dem Ver-
suchsstrecke reichen des Maximums stets absinkt [8], deuten die leicht abfallenden
Werte des Wärmeübergangskoeffizienten bei 6,6 l/h und 10 l/h auf eine Dominanz
des Blasenssiedens in diesem Bereich hin.
Auch der bei allen Durchsätzen zu beobachtende Anstieg von α zum Rohrende hin
lässt sich durch konvektives Strömungssieden begründen. Aufgrund der Abhängig-
keit des konvektiven Siedens von der Strömungsgeschwindigkeit, siehe z.B. [2,8],
führt der kontinuierliche Druckabfall in der Versuchsstrecke zu einer Beschleunigung
der Strömung (Volumenvergrößerung des Dampfanteils in der Versuchsstrecke), der
wiederum einen Anstieg von α zur Folge hat. Wie hiernach zu erwarten, sind bei den
größeren Durchsätzen die höheren α-Werte zu finden.
Abschließend sollen die Druckverläufe der zuvor diskutierten Experimente betrachtet
werden, siehe Bild 6.3 rechts. Dabei fällt vor allem auf, dass sich der Druckverlust bei
allen drei Durchsätzen entlang der Versuchsstrecke nicht linear verhält, sondern kon-
tinuierlich zunimmt. Nimmt man vereinfachend eine einphasige Strömung als Ver-
gleichsgrundlage für den Druckverlust der drei Durchsätze, ist vor allem bei 6,6 l/h
71 Die Wärmeübergangsmechanismen beim Strömungssieden niedrigviskoser Fluide sind nicht streng
voneinander zu trennen, da die Übergänge fließend sind; dennoch ist die Abfolge immer die gleiche:
einphasige erzwungene Konvektion, unterkühltes Sieden, Blasensieden und konvektives Sieden;
siehe hierzu auch Kapitel 2
130
6. Versuchsauswertung
der zu erwartende Druckverlust wesentlich niedriger als der gemessene. Geht man
jeweils von der Steigung zwischen erstem und zweiten Segment der Strecke aus,
wäre statt eines Druckverlustes von ca. 1,3 bar nur ca. 0,8 bar zu erwarten gewesen.
Mit zunehmendem Durchsatz wird diese Tendenz geringer, mit 1,65 bar zu 1,2 bar
bei 10 l/h und 2,2 bar zu 1,9 bar bei 15 l/h. Betrachtet man in diesem Zusammen-
hang den Druckverlust pro Versuchsstreckensegment, wird dieser zum Rohrende hin
kontinuierlich größer, insbesondere bei dem niedrigsten Durchsatz mit 6,6 l/h. Wäh-
rend im ersten Segment der auf die Länge bezogene Druckverlust ca. 0,3 bar/m be-
trägt, ist der Wert mit ca. 0,9 bar/m im letzten Segment dreimal so groß. Bei reinem
Silikonöl wäre eher das Gegenteil zu erwarten, da die Viskosität des Öls aufgrund
der Erwärmung zum Rohrende hin abnimmt, und dementsprechend der Druckverlust
pro Segment kleiner werden müsste. Zudem wird in diesem Fall noch zusätzlich Pen-
tandampf erzeugt, dessen Viskosität mehrere Größenordnungen unter der des Sili-
konöls liegt und demzufolge die „Gesamtviskosität“ aus Silikonöl/Pentan und Pen-
tandampf deutlich verringern müsste.
Dieses „unerwartete“ Verhalten des Druckverlustes kann dadurch erklärt werden,
dass das Ausdampfen des Pentans aus dem Silikonöl zu einer deutlichen Viskosi-
tätserhöhung des zurückbleibenden Gemisches mit niedrigerem Pentangehalt führt.
Der Effekt der Viskositätserhöhung des Gemisches durch den Ausdampfprozess
wirkt sich in diesem Fall deutlich stärker aus, als die Kombination der „gegenläufigen“
Einflussgrößen Fluidtemperatur und Pentandampfbildung.
6.2.2 Variation der Pentankonzentration bei gleicher Wärmestromdichte und
gleichzeitig konstantem Durchsatz
In diesem Abschnitt sollen die Ergebnisse von drei Experimenten gegenübergestellt
werden, bei denen ausschließlich der Pentangehalt variierte; Durchsatz und Wärme-
stromdichte wurden konstant gehalten. Bei den Pentankonzentrationen wurde ähn-
lich verfahren wie bei der Variation der Wärmestromdichten und Durchsätze, bei de-
nen ein Faktor von 1,5 als Vielfaches gewählt wurde. Die verwendeten Gemische
hatten dementsprechend einen Pentanmassenanteil von ca. 12%, 19% bzw. 27%.
Bild 6.4 zeigt die Fluidtemperaturen entlang der Strecke, die sich im stationären Zu-
stand bei einem Durchsatz von 15 l/h und einer in allen Segmenten gleichen Wärme-
131
6. Versuchsauswertung
stromdichte von 9 kW/m² einstellten. Bei allen drei Experimenten konnte wie auch
schon bei den zuvor beschriebenen Experimenten Blasenbildung im ersten Schau-
glas festgestellt werden, bzw. die Strömung enthielt bereits beim Eintritt in den
Schauglasbereich Dampfblasen. Mit zunehmendem Pentangehalt war allerdings eine
deutliche Zunahme an Blasen im ersten Schauglas feststellbar72, siehe Bild 6.5. Am
Anfang der Strecke ist der Temperaturverlauf bei allen Konzentrationen in etwa
gleich, siehe Bild 6.4. Zwischen dem zweitem und dem drittem Segment wird dann
bei den beiden niedrigeren Konzentrationen ein deutlich stärkerer Anstieg der Fluid-
temperatur beobachtet als bei der höchsten Konzentration. Wie zu erwarten, ist die
Fluidtemperatur am Ende der Versuchsstrecke bei dem niedrigsten Pentangehalt am
höchsten und bei der höchsten Konzentration am niedrigsten. Auffallend ist bei den
Verläufen vor allem, dass die jeweiligen Temperaturdifferenzen zwischen den drei
Konzentrationen ab dem vierten Segment konstant bleiben, d.h. die drei Temperatu-
ren verlaufen annähernd parallel.
30 60 90 120 150 180 210
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
105
110
115
120
125
cm
Segment
Rohrlänge
I II III IV V VI VII
Versuchsstofftemperatur in °C
M 100k, 15 l/h, 9kW/m²
Pentankonzentration
27%
19%
12%
Bild 6.4: Versuchsstofftemperaturen von M100k bei drei Pentankonzentrationen mit
jeweils gleichem Durchsatz und gleicher Wärmestromdichte
72 Zur Kontrolle der Eintrittsbedingungen ist vor der Strecke ein weiteres Schauglas mit 30 mm Länge
eingebaut worden; bei allen hier behandelten Experimenten war dieses Schauglas blasenfrei
132
6. Versuchsauswertung
27% Pentan 19% Pentan 12% Pentan
Bild 6.5: Dampfblasenbildung im ersten Segment bei 15 l/h und 9 kW/m²
Ein ähnliches Bild zeigen die Rohrwandtemperaturen in Bild 6.6. Nachdem die Heiz-
wandtemperatur bei den niedrigeren Pentangehalten zu Anfang wesentlich stärker
ansteigt, ist ab dem vierten Segment ein qualitativ sehr ähnlicher Verlauf aller drei
Konzentrationen zu beobachten. Betrachtet man nur die beiden Konzentrationen
27% und 19%, verhalten sich diese bereits ab dem zweiten Segment sehr ähnlich.
Des Weiteren kann bei allen Konzentrationen ein Wandtemperaturminimum im mitt-
leren Bereich der Versuchsstrecke festgestellt werden, das sich mit zunehmendem
Pentangehalt weiter nach oben verschiebt.
Das insgesamt niedrigere Fluid- und Heizwandtemperaturniveau der höheren Kon-
zentrationen kann sehr gut mit dem Pentangehalt erklärt werden, da bei diesen we-
sentlich mehr Energie für die Verdampfung benötigt wird. Hierdurch wird ein großer
Teil der zugeführten Energie in der Verdampfungsenthalpie des Pentans gebunden,
wodurch diese nicht mehr zur Aufheizung des restlichen, noch flüssigen Versuchs-
stoffes zur Verfügung steht.
133
6. Versuchsauswertung
0 30 60 90 120 150 180
130
140
150
160
170
180
0 30 60 90 120 150 180
60
70
80
90
100
110
Rohrlän
g
e in cmRohrlän
g
e in cm
T in K
Rohrwandtemperatur in °C
(Wand - Fluid)
Seg.Nr.
I II III IV V VI VII I II III IV V VI VII
27%
19%
12%
Bild 6.6: Links: Rohrwandtemperaturen- Rechts: berechnete Temperaturdifferenzen
aus Fluid- und Rohrtemperaturen der Experimente mit M100k bei drei un-
terschiedlichen Pentankonzentrationen
Dies liefert auch eine Erklärung für die niedrigeren Heizwandtemperaturen, da die
beheizten Innenrohre durch die größeren Mengen an verdampfendem Pentan besser
gekühlt werden. Daraus ergeben sich deutlich niedrigere Temperaturdifferenzen zwi-
schen Fluid und Heizwand (Bild 6.6 rechts), was sich wiederum auf den Wärmeüber-
gangskoeffizienten auswirkt, der bei den höheren Lösungsmittelanteilen, siehe Bild
6.7 links, insgesamt höhere Werte annimmt.
In diesem Zusammenhang ist auch der flachere Temperaturanstieg bei 27% in den
ersten vier Segmenten der Versuchsstrecke zu sehen. Die Erklärung hierfür findet
sich insbesondere bei dem in diesem Bereich der Versuchsstrecke dominierenden
Wärmeübergangsmechanismus des „ausgeprägten“ Strömungsblasensiedens, wel-
ches bei hohen Pentangehalten durch zwei sich gegenseitig verstärkende Mecha-
nismen deutlich erleichtert wird:
das Fluid muss weniger stark aufgeheizt werden, um die Blasenbildung zu er-
möglichen, da die (Gleichgewichts-) Siedetemperatur des Gemisches bei dem
höchsten Pentangehalt von 27% gegenüber 19% und 12% deutlich niedriger
ist73; dies bedingt wiederum eine kleinere Heizwandtemperatur, siehe Bild 6.6;
73 Bei einem angenommenen Siededruck von 1,6 bar beträgt die Siedetemperatur bei einem Pentan-
gehalt von 12% ca. 76,7°C, bei 19% ca. 64,7°C und bei 27% ca. 58,0°C
134
6. Versuchsauswertung
die Gemischviskosität ist bei hohen Lösungsmittelanteilen deutlich niedriger,
was sich wiederum in einem insgesamt kleineren Druckverlust äußert. Dies hat
insbesondere in den ersten zwei Dritteln der Versuchsstrecke ein niedrigeres
Druckniveau zur Folge, Druckverlauf siehe Bild 6.7 rechts.
Durch die Kombination von niedrigem Druck und niedriger Gleichgewichtstemperatur
wird die Blasenbildung an der Heizwandoberfläche und in der Flüssigkeit mit stei-
gender Pentankonzentration deutlich erleichtert. Anhand dieses Zusammenhangs
können auch die für höhere Konzentrationen besseren Wärmeübergangskoeffizien-
ten im zweiten Segment erklärt werden, die zu Anfang der Versuchsstrecke weniger
stark abfallen als bei 12% Pentankonzentration. Die typische, relativ starke Ver-
schlechterung des einphasigen konvektiven Wärmeübergangs zu Anfang der Ring-
spaltversuchsstrecke, wie sie auch schon in 6.2.1 zu sehen war, wird durch das frü-
here Einsetzen von „unterkühltem Blasensieden“ bei den höheren Pentangehalten zu
einem großen Teil kompensiert.
0 30 60 90 120 150 180
85
90
95
100
105
110
115
120
125
130
135
140
145
150
0 30 60 90 120 150 180 210 240 270
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
1.2
1.4
1.6
1.8
2.0
2.2
2.4
α
in W/m²K
Druck (abs.) in bar
M 100k, 15l/h, 9kW/
Pentankonzentration
27%
19%
12%
Rohrlänge in cmRohrlänge in cm
Bild 6.7: Links: α von M100k bei drei Pentankonzentrationen, berechnet aus den
Temperaturdifferenzen und Wärmestromdichten der sieben Segmente
Rechts: Druckverlauf über der Ringspaltstrecke bis zum Abscheider
135
6. Versuchsauswertung
Dies wird auch bestätigt, wenn man wie schon in Abschnitt 6.2.1 das Erreichen des
Sättigungszustandes als Kriterium für ausgeprägtes Blasensieden ansetzt. Demnach
wird dieser Punkt bei 27% schon nach ca. 30 cm und bei 19% nach ca. 52 cm vom
Begin der Versuchsstrecke an erreicht. Bei dem 12% Gemisch ist dies erst bei ca.
65 cm der Fall. Die Bestätigung hierfür lieferte auch die Beobachtung der Blasenbil-
dung in den Schaugläsern, die im ersten Segment bei hohen Konzentrationen deut-
lich mehr Blasen aufwiesen, siehe Bild 6.5. Zudem wird der Punkt, an dem die Bla-
senbildung eintritt früher erreicht, d.h., mit zunehmendem Pentangehalt verschieben
sich sowohl das unterkühlte als auch das ausgeprägte (=gesättigte) Blasensieden in
der Versuchsstrecke weiter nach oben.
Betrachtet man in diesem Zusammenhang den Verlauf der Heizwandtemperaturen,
fällt vor allem das Minimum auf, das bei allen drei Konzentrationen in der Mitte
(27%), zwischen viertem und fünften (19%) bzw. im fünften (12%) Segment zu er-
kennen ist. Mit zunehmendem Pentangehalt verschiebt sich auch dieser Punkt konti-
nuierlich zum Anfang der Versuchsstrecke. Eine abfallende Heizwandtemperatur ist
bei dem „herkömmlichen“ Strömungssieden niedrigviskoser Fluide nur im Bereich
des unterkühlten Blasensiedens bekannt – und dort auch nur im Anfangsbereich.
Schröder [62]. Das unterkühlte Blasensieden ist in der Regel durch die leichte Bil-
dung von Dampfblasen an der Heizwand gekennzeichnet, die beim Erreichen der
Kernströmung wieder sehr schnell kondensieren, [62]. Dies steht im Widerspruch zu
dem an der jeweiligen Stelle der Versuchsstrecke beobachteten Strömungsbild, wel-
ches einer Art Schaumströmung entspricht, in der nur noch sehr schwer einzelne
Blasen zu erkennen sind.
Eine Erklärung für die Wandtemperaturminima kann hier der kontinuierliche Druckab-
fall liefern. Da die Sättigungstemperatur des Fluids unmittelbar vom jeweils herr-
schenden Druck abhängt, wird die Verdampfung von Lösungsmittel durch den sin-
kenden Druck stark begünstigt, mit der Folge, dass die Heizwandtemperatur ab-
nimmt. Dies äußert sich auch im Wärmeübergangskoeffizienten aller drei Konzentra-
tionen, der in bis zum Erreichen des Wandtemperaturminimums stark ansteigt. Da-
nach ist ein jeweils deutlich weniger steiler Verlauf zu beobachten, siehe Bild 6.7. Bei
12% Pentan nimmt α beispielsweise zwischen dem vierten und fünften Segment
(Wandtemperaturminimum im fünften Segment) um ca. 15 W/m²K zu, während die
Zunahme zwischen Segment fünf und sechs nur noch ca. 10 W/m²K beträgt. Der
durch die Gemischverarmung (kontinuierliche Verdampfung von Pentan!) bedingte
136
6. Versuchsauswertung
(überproportionale) Anstieg der Sättigungstemperatur, kann hier anscheinend durch
den Druckabfall kurzfristig kompensiert werden. Eine genaue Bestimmung des tat-
sächlichen Verlaufs der Sättigungstemperatur ist nur sehr schwer möglich, da hierfür
neben der Verdampfung von Lösungsmittel auch Stofftransportvorgänge radial über
den Ringspalt eine Rolle spielen können. Bestätigt wird dies auch bei erneuter Be-
trachtung der Fluidtemperaturverläufe in Bild 6.4, die im Bereich fallender Heizwand-
temperaturen – z.B. Segment drei bis fünf bei 12% Pentan in Bild 6.6 – bis zu den
Minima deutlich weniger ansteigen, als im darauf folgenden Streckenabschnitt.
Betrachtet man abschließend noch einmal die Druckverläufe, so fällt auf, dass die
gemessenen Drücke aller drei Pentankonzentrationen ab dem sechsten Segment bis
zum Ende der Ringspaltversuchsstrecke nahezu identisch sind. D.h., der unter-
schiedliche Gesamtdruckverlust wird vornehmlich in den beiden oberen Dritteln der
Versuchstrecke erzeugt.
Der unterschiedliche Druckverlust in diesem Bereich lässt sich sehr gut mit der Ab-
hängigkeit der Viskosität von der Lösungsmittelkonzentration erklären: die höhere
Gemischviskosität aufgrund einer niedrigeren Pentankonzentration hat einen insge-
samt höheren Druckverlust zu Folge. Im unteren Drittel der Versuchstrecke scheint
dieser Zusammenhang allerdings nicht mehr zu gelten. Dort wirkt sich bei dem Expe-
riment mit 12% Pentankonzentration die Kombination aus Viskositätsabfall durch
eine höhere Fluidtemperatur und einer höheren Anfangsviskosität ähnlich aus, wie
bei 27% Pentankonzentration eine niedrigere Anfangsviskosität gepaart mit einer
deutlich niedrigeren Fluidtemperatur. Dementsprechend liegt der Versuch mit 19%
Pentan zwischen den beiden anderen Konzentrationen. Ob dieses Verhalten bei
anderen Versuchsbedingungen in ähnlicher Form zu beobachten ist, wird im Verlauf
dieses Kapitels noch weiter untersucht werden.
137
6. Versuchsauswertung
6.2.3 Vergleich der Betriebsarten konstante Wärmestromdichte und konstante
Wandtemperatur bei ansonsten gleichen Versuchsbedingungen
Im Folgenden werden einige Experimente gegenübergestellt, bei denen die Ver-
suchsstrecke in den Betriebsarten „konstante Wärmestromdichte“ und „konstante
Heizwandtemperatur“ betrieben wurde. Dabei wurden jeweils drei Wärmestromdich-
ten und Heizwandtemperaturen bei gleichem Durchsatz und Pentangehalt gefahren.
Da Wärmeübertrager in der industriellen Anwendung sehr häufig mit dampfförmigen
Wärmeträgern beheizt werden, die entlang des Wärmeübertragers eine in etwa kon-
stante Wandtemperatur erzeugen, die Ringspaltstrecke mit ihrer elektrischen Behei-
zung dagegen hauptsächlich für einen Betrieb mit konstanter Heizleistung entlang
der Rohrlänge vorgesehen wurde, sollte durch diese Experimente der Einfluss der
Beheizungsart auf den Wärmeübergang und den Druckverlust untersucht werden.
Die hier eingestellten Wärmestromdichten von 4, 6 und 9 kW/m² sind schon in den
weiter oben beschriebenen Experimenten erwähnt worden. Im Unterschied zu 6.2.1
ist hier allerdings keine Variation des Durchsatzes vorgenommen worden; der Durch-
satz von 15 l/h wurde konstant gehalten. Die Einstellungen der Rohrheizungen für
eine konstante Heizwandtemperatur orientierten sich an der durchschnittlichen Heiz-
leistung aller sieben Segmente, um die Ergebnisse der beiden Betriebsarten besser
miteinander vergleichen zu können. Am Ende stellten sich die Heizwandtem-
peraturen 150°C, 120°C und 95°C als am besten geeignet dar. Vergleicht man die
durchschnittlichen Heizleistungen aller sieben Segmente der Versuchsstrecke, konn-
ten mit den oben genannten Heizwandtemperaturen relativ gute Übereinstimmungen
zwischen den beiden Betriebarten erreicht werden:
4 kW/m² zu 4,21 kW/m² (95°C), 6 kW/m² zu 6,27 kW/m² (120°C) und 9 kW/m² zu
8,64 kW/m² (150°C). Die Genauigkeit der Einstellung in der Betriebsart „konstante
Wärmestromdichte“ beträgt hier und auch bei den vorausgegangen Experimenten
maximal ±1‰ vom jeweiligen Nennwert. Einen Überblick über die entlang der
Versuchsstrecke eingestellten Heizleistungen beider Betriebsarten zeigt Bild 6.8.
Während der eigentlichen Experimente war vor allem das Anfahren der Betriebs-
punkte mit konstanter Heizwandtemperatur aufwendig, da die Heizleistung am Netz-
teil bis zum Erreichen eines stationären Zustandes kontinuierlich nachreguliert wer-
den musste; eine automatisierte Regelung stand für die Netzteile bisher nicht zur
Verfügung. Die in Bild 6.8 gezeigten Werte gelten für den stationären Zustand des
jeweiligen Experimentes.
138
6. Versuchsauswertung
Bei allen drei Varianten fällt auf, dass zu Anfang der Strecke zum Erreichen der kon-
stanten Heizwandtemperatur eine größere Heizleistung nötig ist; unmittelbar darauf
im zweiten Segment wird dagegen weniger Heizleistung benötigt. Der sich daran an-
schließende Bereich sieht bei allen drei Varianten ähnlich aus, da die variable Heiz-
leistung den „Verlauf“ der konstanten Heizleistung wieder nach oben hin schneidet,
allerdings mit zunehmender Heizwandtemperatur weiter oben in der Versuchsstrecke
(95°C: Segment 5, 150°C: Segment 3/4). Danach ist bei allen drei Wandtemperatu-
ren ein unterschiedliches Verhalten zu beobachten: der 150°C Verlauf schwenkt
nach zwei Segmenten wieder stark nach unten ab – mit einer Steigung von ca. -1,3
kW/m² pro Segment – und ist am Ende der Strecke mit ca. 7 kW/m² deutlich unter-
halb des Wertes von 9 kW/m². Der 120°C Verlauf schwenkt zwar ebenfalls nach ca.
zwei Segmenten nach unten ab, dies allerdings mit nur -0,2 kW/m² pro Segment we-
niger stark und liegt am Ende in etwa bei 6 kW/m². Der 95°C Verlauf zeigt hingegen
mit einem konstanten Anstieg von ca. 0,6 kW/m² pro Segment bis zum Rohrende
und einem Endwert von ca. 5,2 kW/m² genau das entgegen gesetzte Verhalten wie
das Experiment mit 150°C Wandtemperatur.
30 60 90 120 150 180 210
3
4
5
6
7
8
9
10
9 kW/m²
4 kW/m²
6 kW/m²
120°C
95°C
150°C
M100k, 19% Pentan
Durchsatz 15 l/h
Wärmestromdichte in kW/m²
Rohrlänge
Segment I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.8: Heizleistungen der sieben Segmente für die beiden Betriebsarten „kon-
stante Heizleistung“ und „konstante Heizwandtemperatur“ bei 19% Pen-
tangehalt in M100k und einem Durchsatz von 15 l/h
139
6. Versuchsauswertung
Betrachtet man im Vergleich dazu die Fluidtemperaturen in Bild 6.9, sind die oben
beschriebenen Variationen in der Wärmestromdichte allerdings kaum von Bedeu-
tung. Bei den jeweiligen Temperaturverläufen der beiden Betriebsarten sind bis auf
die letzte Messstelle absolut betrachtet nur kleine Abweichungen zu beobachten, die
an einigen wenigen Stellen maximal ca. 1 K betragen74. Die größeren Unterschiede
in den Endtemperaturen – maximal 3,5 K zwischen 9 kW/m² und 150°C – lassen sich
gut mit der durchschnittlichen Heizleistung in Verbindung bringen.
Beispielsweise hat das Experiment mit 150°C Heizwandtemperatur und einer durch-
schnittlichen Heizleistung von 8,64 kW/m² auch eine etwas niedrigere Endtemperatur
als das 9 kW/m² Experiment. Bei 95°C und 120°C Heizwandtemperatur folgen aus
höheren durchschnittlichen Heizleistungen am Ende der Versuchsstrecke auch höhe-
re Endtemperaturen.
Auffallend ist bei allen Temperaturverläufen vor allem der Bereich zwischen drittem
und viertem Segment, in dem die Fluidtemperatur nahezu konstant bleibt. Bei den
Experimenten mit 6 kW/m², 4 kW/m², 120°C und 95°C ist hier sogar ein leichter
Temperaturabfall zu erkennen, der bei 4 kW/m² und 95°C bis zum Ende der Strecke
anhält. Die gesamte zugeführte Energie fließt demzufolge in die Verdampfung des
Lösungsmittels, bzw. ein Teil der benötigten Verdampfungswärme muss zusätzlich
durch die Abkühlung des Fluids gewonnen werden.
Eine Erklärung hierfür liefert vor allem das kontinuierlich sinkende Druckniveau. Ob-
wohl der Sättigungszustand durch das stetige Verdampfen von Pentan zu höheren
Temperaturen bzw. niedrigeren Drücken hin verschoben wird, kompensiert der an-
haltende Druckabfall kurzzeitig (bei 6 kW/m² und 120°C beschränkt auf dieses Seg-
ment) die Siedepunktsverschiebung. Die durch den Druckabfall erzeugte Verschie-
bung des Sättigungszustandes teilweise sogar so groß, dass kurzzeitig die Bedin-
gungen für eine überlagerte Entspannungsverdampfung gegeben sind, und das Ge-
misch in der Folge leicht abkühlt (ca. -2 K) 75.
Betrachtet man die Verläufe der Heizwandtemperaturen in Bild 6.10 links und die der
Temperaturdifferenzen auf der rechten Seite zeigen diese jeweils ein qualitativ ana-
loges Verhalten wie die in Bild 6.8 dargestellten Heizleistungen.
74 Die Abweichungen in den Endtemperaturen der beiden Betriebsarten lagen bei anderen, vergleich-
baren Experimenten mit diesem Silikonöl in der gleichen Größenordnung (12% Pentangehalt).
75 Durch den Druckabfall sinkt der lokale Druck in diesem Segment kurzzeitig unter den Gleichge-
wichtsdruck des Gemisches, mit der Folge, dass die Überhitzung durch die Entspannungsver-
dampfung abgebaut wird und sich das Fluid abgekühlt.
140
6. Versuchsauswertung
30 60 90 120 150 180 210
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
105
110
9 kW/m² 150°C
6 kW/m² 120°C
4 kW/m² 95°C
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment I II III IV V VI VII
cm
M 100k 19% Pentan, Durchsatz 15 l/h
Bild 6.9: Versuchsstofftemperaturen der Experimente mit Silikonöl M100k bei drei
unterschiedlichen Wärmestromdichten und Heizwandtemperaturen mit je-
weils gleichem Durchsatz und gleicher Pentankonzentration
0 306090120150180
80
90
100
110
120
130
140
150
160
0 30 60 90 120 150 180
30
40
50
60
70
80
90
100
I II III IV V VI VII
Heizwandtemperatur in °C
9 kW/m²
6 kW/m²
4 kW/m²
T in K
(Wand - Fluid)
Seg.Nr.
I II III IV V VI VII
Rohrlänge in cm
Rohrlänge in cm
Bild 6.10: Links: Rohrwandtemperaturen- Rechts: berechnete Temperaturdifferenzen
aus Fluid- und Rohrtemperaturen der Experimente mit Silikonöl M100k
bei drei unterschiedlichen Wärmestromdichten und Heizwandtemperaturen
141
6. Versuchsauswertung
Dementsprechend lässt sich auch eine relativ gute Übereinstimmung bei den Wär-
meübergangskoeffizienten beider Betriebsarten entlang der Versuchsstrecke finden,
siehe Bild 6.11 links. Bis auf die Messung mit 150°C Heizwandtemperatur, bei der im
sechsten und siebten Segment um 4% bzw. 6% kleinere α-Werte zu beobachten
sind, liegen die Wärmeübergangskoeffizienten der anderen Messzustände sehr nah
beieinander. Die niedrigeren Werte bei 150°C am Ende der Versuchstrecke können
auf die stark abfallende Wärmestromdichte zurückgeführt werden, die im letzten
Segment gegenüber den 9 kW/m² der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ auf
weniger als 7 kW/m² zurückgeht.
Auch die Druckverluste über der Rohrlänge, zu sehen in Bild 6.11 rechts, zeigen sehr
gute Übereinstimmungen. Die Messwerte der jeweils zusammengehörigen Variatio-
nen der beiden Betriebsarten liegen in den meisten Punkten deckungsgleich über-
einander. Auch dieses Verhalten spricht dafür, dass zumindest für den Fall der hier
untersuchten Experimente mit M100k zwischen den beiden Betriebsarten keine nen-
nenswerten Unterschiede bestehen und die Ergebnisse nahezu 1:1 übertragbar sind.
Ob dies jedoch auch für das Silikonöl der höchsten Viskosität gilt, soll im nächsten
Abschnitt untersucht werden.
0 30 60 90 120 150 180
90
95
100
105
110
115
120
125
130
135
140
145
0 30 60 90 120 150 180 210 240 270
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
1.2
1.4
1.6
1.8
in W/m²K
α
M 100k, 19% Pentan,
15 l/h, 3 x q = konst.
3 x T
Wand
= konst.
9 kW/m²
150°C
6 kW/m²
120°C
4 kW/m²
95°C
Rohrlänge in cm Rohrlänge in cm
Abscheider
Druck (abs.) in bar
Bild 6.11: Links: α von M100k bei 19% Pentan, berechnet aus den Temperatur-
differenzen und Wärmestromdichten der sieben Segmente
Rechts: Druckverlauf über der Ringspaltstrecke bis zum Abscheider
142
6. Versuchsauswertung
6.3 Versuche mit Silikonöl M1000k
Wie in der Einleitung zu diesem Kapitel schon erwähnt wurde, lag der Schwerpunkt
der bisherigen Untersuchungen bei dem Silikonöl M1000k. Aufgrund seiner hohen
Viskosität war insbesondere bei diesem Öl zu erwarten, dass dessen Verhalten beim
Strömungssieden am ehesten auf die in der industriellen Anwendung vorkommenden
flüssigen Polymere übertragbar ist. In der Tat zeigen die Versuchsergebnisse von
M1000k deutliche Unterschiede zu denen des vorangegangenen Abschnitts. Des
Weiteren wurden Schwingungsvorgänge beobachtet, die in dieser Form bei den
niedrigviskosen Ölen nicht auftraten. Auf diese soll allerdings erst in Abschnitt 6.4
näher eingegangen werden. In den folgenden Abschnitten sollen daher vor allem wie
schon in Abschnitt 6.2 die „allgemeinen Versuchsergebnisse“ – wie zum Beispiel
Temperatur- und Druckverläufe – vorgestellt werden.
Wie bei M100k wurden mit 27%, 18% und 9% Pentangehalt wiederum drei unter-
schiedliche Lösungsmittelkonzentrationen untersucht. Mit der mittleren Konzentration
von 18% Pentan wurde bis zum Abschluss dieser Arbeit die größte Anzahl an unter-
schiedlichen Versuchseinstellungen gefahren. Mit Gemischen, die einen Pentananteil
von 27% enthielten, wurden ebenfalls eine Vielzahl von Untersuchungen durchge-
führt; dies diente allerdings in erster Linie dazu, die fast ausschließlich bei dieser
Konzentration beobachteten Schwingungsvorgänge – zyklische Druck- und Tempe-
raturschwingungen entlang der Versuchsstrecke, siehe Abschnitt 6.4 – näher zu un-
tersuchen und einzugrenzen. Mit der niedrigsten Konzentration von 9% Pentan wur-
den nur vier Experimente mit der Randbedingung „konstante Wandtemperatur“ und
ein Experiment in der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ durchgeführt.
Die neue Fluidtemperatur-Messtechnik mit drei radial angeordneten 0,25 mm Ther-
moelementen – siehe Kapitel 4, Abschnitt 1.3 – wurde bisher ausschließlich bei Ex-
perimenten mit dem Silikonöl der höchsten Viskosität M1000k und einem Pentanan-
teil von 27% verwendet. Systematische Untersuchungen zum radialen und axialen
Temperaturverlauf entlang der Versuchsstrecke finden sich in Abschnitt 6.5.
143
6. Versuchsauswertung
6.3.1 Einfluss der Betriebsart auf den Wärmeübergang bei Variation der
Silikonölviskosität und jeweils gleichem Pentangehalt
Im Folgenden soll der Einfluss der Beheizungsart auf den Wärmeübergang auf ähnli-
che Weise wie im vorangegangenen Abschnitt untersucht werden. Zusätzlich soll
dabei der Einfluss der Ölviskosität untersucht werden. Um die Versuchsergebnisse
für die beiden Silikonöle so gut wie möglich miteinander vergleichen zu können, wur-
den Experimente mit den jeweils gleichen Einstellungen für Durchsatz, Wärmestrom-
dichte, Heizwandtemperatur und Pentankonzentration ausgewählt. Allerdings zeigte
sich, dass aufgrund des vorher nicht in dem Ausmaß erwarteten unterschiedlichen
Verhaltens des höherviskosen Silikonöls nicht alle Messzustände gefahren werden
konnten, die zuvor mit M100k problemlos durchführbar waren. Insbesondere im ers-
ten Segment ergab sich das anlagentechnische Problem, dass die maximal mögliche
Heizleistung von 10 kW/m² nicht ausreichte, um bei einem Durchsatz von 15 l/h die
geforderte Wandtemperatur von 150°C zu erreichen.
Des Weiteren ergaben sich auch Schwierigkeiten am Ende der Versuchsstrecke. Bei
der höchsten Heizleistung in der Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“ traten
vor dem Erreichen eines stationären Zustands deutlich zu hohe Heizwandtemperatu-
ren auf, die bei einer Fortsetzung des Experimentes zur Zerstörung des letzten Ver-
suchstreckensegmentes geführt hätten, so dass das Experiment abgebrochen wer-
den musste. Um dennoch einen Vergleich der beiden Betriebsarten bei unterschied-
lichen Messzuständen zu ermöglichen, wurden Experimente mit den beiden niedrige-
ren Heizleistungen 6 kW/m² und 4 kW/m² sowie den Wandtemperaturen 120° und
95°C durchgeführt. Der Pentangehalt entsprach bei den Versuchen mit M1000k im
Durchschnitt 18%, also 1% weniger als bei den Experimenten mit M100k.
An erster Stelle dieses Vergleiches soll wie schon in Abschnitt 6.2.3 ein Überblick
über die durchschnittlichen Heizleistungen in der Betriebsart „konstante Wandtempe-
ratur“ gegeben werden. Während bei M100k nur sehr geringe Unterschiede in den
durchschnittlichen Heizleistungen der beiden Betriebsarten zu sehen waren –
4 kW/m² zu 4,21 kW/m² bei 95°C und 6 kW/m² zu 6,27 kW/m² bei 120°C – sind die
Unterschiede bei M1000k mit 4 kW/m² zu 2,76 kW/m² bei 95°C und 6 kW/m² zu
4,5 kW/m² bei 120°C wesentlich größer. Zudem sind die durchschnittlichen Heizleis-
tungen der „konstanten Wandtemperaturen“ hier generell kleiner und nicht mehr wie
vorher bei M100k relativ ausgeglichen. In Bild 6.12 sind die jeweils an den Segmen-
ten eingestellten Heizleistungen zu sehen. Da sich die Heizleistungen der Betriebsart
144
6. Versuchsauswertung
„konstante Wärmestromdichte“ bei beiden Silikonölen nicht unterscheiden, gelten die
Verläufe für 6 kW/m² und 4 kW/m² in Bild 6.11 für beide Viskositäten.
Ein ähnliches Verhalten der beiden Öle ist nur im ersten Segment zu erkennen, in
dem die jeweiligen Heizleistungen fast identisch sind. Danach fällt die zum Erreichen
einer konstanten Wandtemperatur benötigte Heizleistung bei M1000k deutlich stärker
ab als bei M100k. Während die Heizleistung beider Wandtemperaturen bei M100k
nach relativ kurzer Strecke wieder ansteigt und die Linie der konstanten Wärme-
stromdichte schneidet, fällt die Heizleistung bei M1000k bis zum fünften Segment
(120°C) bzw. bis zum sechsten Segment (95°C) ab, um erst im letzten wieder anzu-
steigen. Dennoch bleiben die Heizleistungen dort mit ca. 2,8 kW/m² und 4,9 kW/m²
deutlich unter den konstanten Werten. Die Unterschiede zwischen den lokalen als
auch durchschnittlichen Heizleistungen der beiden Betriebsarten bei M1000k sind
daher insgesamt deutlich größer als bei M100k.
Vergleicht man die beiden Öle in der Betriebsart „konstante Wandtemperatur“, sind
die Unterschiede noch größer, z.B. zu sehen an den Fluidtemperaturen in Bild 6.13.
Während bei M100k ab dem dritten Segment ein deutliches Abknicken des Tempera-
turverlaufs zu erkennen ist, steigen die Fluidtemperaturen bei M1000k bis zum
sechsten bzw. siebten Segment an, um dann – bei den beiden niedrigeren Einstel-
lungen etwas verzögert – zum Rohrende hin abzufallen.
Qualitativ gesehen unterscheiden sich die Experimente mit M1000k nur wenig von-
einander, da alle vier Messzustände über die gesamte Länge auf verschiedenen Ni-
veaus annähernd parallel verlaufen. Im Vergleich dazu verhalten sich die beiden
Temperaturvariationen von M100k deutlich anders (120°C: ab viertem Segment An-
stieg mit ca. 12 K/m, dagegen bei 95°C: annähernd konstant bis zum Rohrende).
Die quantitativen Unterschiede zwischen den Temperaturverläufen der beiden
Betriebsarten bei M1000k, die bei M100k nur sehr gering waren76, können vor allem
mit den durchschnittlichen Heizleistungen erklärt werden. Da bei den beiden Wand-
temperaturvariationen mit einer durchschnittlichen Heizleistung von 2,8 kW/m² bzw.
4,5 kW/m² insgesamt deutlich weniger Energie zur Aufheizung des Versuchsstoffes
zur Verfügung steht als mit 4 kW/m² und 6 kW/m² bei den Variationen der konstanten
Heizleistung, kann am Ende der Versuchsstrecke dementsprechend auch nur eine
niedrigere Endtemperatur erreicht werden.
76 Die Temperaturverläufe der Heizleistungsvariation wurden aufgrund der nur sehr geringen Unter-
schiede zur Wandtemperaturvariation in Bild 6.13 weggelassen, siehe auch Abschnitt 6.2.3.
145
6. Versuchsauswertung
30 60 90 120 150 180 210
2
3
4
5
6
7
8
120°C 95°C M100k
120°C 95°C M1000k
M 100k / M 1000k, 19% / 18%, 15l/h
M100k / M1000k
6 kW/m²
4 kW/m²
Wärmestromdichte in kW/m²
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.12: Heizleistungen der sieben Segmente für M100k und M1000k in den Be-
triebsarten „konstante Heizleistung“ und „konstante Heizwand-temperatur“
bei 19% (M100k) bzw. 18% (M1000k) Pentan und 15 l/h
30 60 90 120 150 180 210
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
M 1000k
120°C 6kW/m²
95°C 4kW/m²
M 100k / M 1000k, 19% / 18%, 15l/h
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment I II III IV V VI VII
cm
M 100k
120°C 95°C
Bild 6.13: Versuchsstofftemperaturen M100k / M1000k bei drei Wärmestromdichten
und Heizwandtemperaturen, 19% / 18% Pentan, 15 l/h
146
6. Versuchsauswertung
Der Grund für die Unterschiede zwischen den beiden Ölen und auch die Differenzen
zwischen den beiden Betriebsarten bei M1000k lassen sich vor allem auf die Ge-
mischviskositäten zurückführen, die wiederum sehr verschiedene Druckniveaus in
der Versuchsstrecke zur Folge haben, siehe Bild 6.14. Vergleicht man die Druckver-
läufe der beiden Öle, ist der durchschnittliche Druckverlust bei M1000k ca. fünfmal
so groß wie bei M100k (8,5 bar zu 1,7 bar). Berechnet man wie schon in den voran-
gegangen Abschnitten die zum jeweils in der Versuchsstrecke herrschenden Druck
dazugehörige Gleichgewichtstemperatur, wird der Sättigungszustand bei allen vier
Messzuständen des Öls M1000k wesentlich später erreicht als bei dem niedrigvisko-
seren Öl M100k. Während bei M100k der Sättigungszustand theoretisch nach ca. 59
cm für 6 kW/m²/ 120°C und für 4 kW/m²/95°C nach ca. 66 cm erreicht wird, ist dies
bei M1000k und 6 kW/m² erst nach ca. 155 cm der Fall.
0 30 60 90 120 150 180 210 240 270
1
2
3
4
5
6
7
8
9
M100k
120°C 6kW/m²
95°C 4kW/m²
M1000k
120°C 6kW/m²
95°C 4kW/m²
M100k / M1000k, 19% / 18%, 15 l/h
Rohrlän
g
e in cm
Abscheider
Druck (abs.) in bar
Bild 6.14: Druckverlauf über der Ringspaltversuchsstrecke bis zum Abscheider für
die Heizleistungs- und Wandtemperaturvariationen der beiden Betriebsar-
ten und der beiden Silikonöle M100k und M1000k mit 19% bzw. 18% Pen-
tan und jeweils gleichem Durchsatz von 15 l/h
147
6. Versuchsauswertung
Da bei den anderen Messzuständen die Fluidtemperaturen noch niedriger verlaufen,
kann bei 4 kW/m²/120°C nach ca. 175 cm und bei 95°C erst nach ca. 186 cm vom
Erreichen des Sättigungszustandes ausgegangen werden. Bei dem herrschenden
Druckniveau sind im Unterschied zu M100k die Fluidtemperaturen noch zu niedrig,
um ausgeprägtes Blasensieden zu ermöglichen. Es kann daher nur ein sehr geringer
Teil der zugeführten Energie für die Verdampfung des Pentans genutzt werden;
vielmehr wird der weitaus größte Teil der zugeführten Energie in sensible Wärme des
Gemisches umgesetzt, mit der Folge, dass die Fluidtemperaturen bis zum sechsten
Segment mit nahezu konstantem Gradienten ansteigen.
Dies zeigt sich auch im Verlauf der Wandtemperaturen in Bild 6.15, in dem bis zum
fünften Segment für M1000k ein steiler Temperaturanstieg zu sehen ist. Bedingt
durch das niedrigere Druckniveau bei M100k, kann das Strömungsblasensieden we-
sentlich früher einsetzen, wodurch wiederum die Wandtemperatur trotz höherer Heiz-
leistung deutlich weniger stark ansteigt. Bestätigt wird dies auch durch die Beobach-
tung der Blasenbildung in den Schaugläsern, die bei M1000k im Vergleich zu M100k
deutlich später einsetzt.
30 60 90 120 150 180 210
80
90
100
110
120
130
140
150
160
M 100k / M 1000k
120°C
95°C
Heizwandtemperatur in °C
6kW/m²
4kW/m²
M 100k / M 1000k, 19% / 18%, 15l/h
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.15: Zurückgerechnete Rohrwandtemperaturen der Experimente mit Silikonöl
M100k und M1000k bei drei unterschiedlichen Wärmestromdichten und
Heizwandtemperaturen mit 19%/18% Pentan und 15 l/h Durchsatz
148
6. Versuchsauswertung
Wie zu erwarten, ist dabei „unterkühltes Blasensieden“ aufgrund der höchsten Heiz-
leistung zuerst bei 6 kW/m² im dritten Segment zu erkennen. Bei 120°C ist Blasenbil-
dung ab dem vierten und bei 4kW/m² und 95°C ab dem fünften Versuchsstrecken-
segment festzustellen. Des Weiteren ist in Bild 6.15 an den Verläufen der Wandtem-
peratur von M1000k bei 4 kW/m² und 6 kW/m² ab dem sechsten bzw. siebten Seg-
ment der Effekt einer druckinduzierten Verdampfung zu sehen (sog. Flashverdamp-
fung). Bedingt durch das hohe Druckniveau und der dadurch unterdrückten Ver-
dampfung von Pentan, kann das Lösungsmittel erst zum Ende der Versuchstrecke
nach Erreichen des Sättigungsdruckes verdampft werden. Da der Druck zum Rohr-
ende hin weiter kontinuierlich abfällt und lokal über die Rohrwand nicht genug Ener-
gie zugeführt werden kann um durch die Verdampfung von Pentan den Gleichge-
wichtszustand des Gemisches zu erhalten, wird die hierfür benötigte Energie aus
dem Fluid bezogen welches sich in der Folge abkühlt77. Dies bedingt wiederum die
Abkühlung der Heizwandoberfläche. Aufgrund des Anpassens der Heizleistung bei
den Experimenten mit konst. Wandtemperatur, äußert sich die verstärkte Pentanver-
dampfung dort in einem deutlichen Anstieg der Heizleistung am Rohrende (siebtes
Segment), siehe Bild 6.12. Neben der Heizwandtemperatur ist der Effekt der Ent-
spannungsverdampfung vor allem auch an den Fluidtemperaturen zu erkennen, Bild
6.13, die unabhängig von der Betriebsart bei allen vier Experimenten mit M1000k am
Ende der Strecke deutlich abfällt.
Fasst man die bisherigen Beobachtung zusammen wird deutlich, dass der Einfluss
der Betriebsart mit zunehmender Viskosität an Bedeutung gewinnt. Während bei
M100k nur relativ geringe Abweichungen in der Endtemperatur und dem Fluidtempe-
raturverlauf zwischen den beiden Betriebsarten zu erkennen sind, unterscheiden sich
diese bei M1000k deutlich. Um jeweils vergleichbare Endtemperaturen zu erhalten,
müssten bei M1000k höhere Wandtemperaturen gewählt werden. Dies hätte aller-
dings unterschiedliche Fluidtemperaturverläufe der beiden Betriebsarten zur Folge,
da die Wärmestromdichten in den ersten Segmenten der Strecke wesentlich höher
und in den letzten Segmenten deutlich niedriger gewählt werden müssten. Beispiel-
haft lässt sich dies bereits in Bild 6.12 erkennen.
Betrachtet man abschließend die Wärmeübergangskoeffizienten in Bild 6.16, zeigen
auch hier die Verläufe von M1000k ein deutlich unterschiedliches Verhalten gegen-
77 Hiermit ist der Zustand gemeint, bei dem der lokale Druck in der Versuchsstrecke dem lokalen Sät-
tigungsdruck des jeweiligen Gemisches entspricht.
149
6. Versuchsauswertung
über denen von M100k, insbesondere ab dem zweiten Segment. Ab hier steigen die
Wärmeübergangskoeffizienten des Öls M100k bei beiden Betriebsarten aufgrund
einsetzenden (ausgeprägten) Blasensiedens kontinuierlich an. Die Wärmeüber-
gangskoeffizienten von M1000k fallen dagegen stetig bis zum fünften Segment ab,
vergleichbar einem Verlauf, wie er bei einer einphasigen erzwungenen Konvektion zu
erwarten gewesen wäre. Erst nachdem im sechsten Segment die Bedingungen für
ausgeprägtes Blasensieden gegeben sind, steigt der Wärmeübergangskoeffizient
steil an, erreicht aber am Ende der Versuchsstrecke immer noch nicht die Werte des
Silikonöls M100k.
Vergleicht man die unterschiedlichen Betriebsarten bei M1000k, verlaufen die
Wärmeübergangskoeffizienten einerseits qualitativ sehr ähnlich, wie dies auch schon
bei M100k beobachtet werden konnte; andererseits sind die α-Werte der
Betriebsart konstante Wandtemperatur bis auf das letzte Segment schlechter als bei
der Betriebsart konstante Wärmestromdichte.
0 306090120150180
70
80
90
100
110
120
130
140
0 306090120150180
70
80
90
100
110
120
130
140
M 100k / M 1000k, 19% / 18%, 15l/h
I II III IV V VI VII
M 100k M 1000k
6kW/m²
4kW/m²
in W/m²K
α
cm
cm Seg.Nr. I II III IV V VI VII
M 100k M 1000k
120°C
95°C
Bild 6.16: Links: experimentelle Wärmeübergangskoeffizienten der beiden Silikonöle
M100k und M1000k mit einem Pentananteil von 19%/18%, berechnet aus
den Temperaturdifferenzen und Wärmestromdichten aller sieben Segmen-
te für die Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“
Rechts: Wärmeübergangskoeffizienten wie links, allerdings für die Be-
triebsart „konstante Wandtemperatur“
150
6. Versuchsauswertung
Bei Gnielinski [63] wurden für die Wärmeübertragung in Form „einphasiger erzwun-
gener Konvektion“ bereits sehr ähnliche Unterschiede zwischen den beiden Behei-
zungsarten = konst. und T
q
&W = konst. beschrieben78. Berechnet man die jeweiligen
Wärmeübergangskoeffizienten mit Hilfe der von Gnielinski angegebenen Gleichun-
gen, lassen sich hiermit die relativen Unterschiede zwischen den beiden Behei-
zungsarten gut wiedergeben. Dies gilt sogar für den Bereich, in dem bereits „unter-
kühltes Blasensieden“ beobachtet werden konnte (viertes Segment). Zur Berechnung
des dimensionslosen Wärmeübergangskoeffizienten (Nusselt) gibt Gnielinski die fol-
genden Gleichungen an (Gültigkeit im gesamten Bereich von 0 < Re·Pr·d/x < , max.
Unsicherheit ±6%):
a) Betriebsart „konstante Wandtemperatur“
(
)
[]
31
3
2
33 17070 ,, ,,,,, ++= xxx NuNuNu
ϑϑϑ
(6.2), mit
3,66
,, =
x
Nu 1
ϑ
(6.3) und
31
2
= x
d
Nu xxx PrRe1,077
,,
ϑ
(6.4)
b) Betriebsart „konstante Wärmestromdichte“
(
[
)
]
31
3
2
3111 ++= xqxqxq NuNuNu ,,,,, (6.5), mit
4,364
,, =
xq
Nu 1 (6.6) und
31
2
= x
PrReNu xxxq
d
1,302
,, (6.7)
Zu Berechnung von α werden dabei noch folgende Kennzahlen bzw. Stoffwerte an
der Stelle x (x = axiale Position in der Versuchsstrecke) benötigt:
p,x
cPr
x
x
x=
λ
η
(6.8),
x
x
v
Re
ν
d
F
= (6.9)
Für das erste Segment lauten die so berechneten Nusselt-Werte für die konstante
Wandtemperatur und für die konst. Wärmestromdichte Nu
6,855
,=
x
Nu
ϑ
q,x = 8,134.
78 Für den Wärmeübergang in einer Ringspaltgeometrie liegt von den beiden Randbedingungen „kon-
stante Wandtemperatur“ und „konstante Wärmestromdichte“ leider nur eine geschlossen lösbare Be-
ziehung für die Randbedingung erster Art „konstante Wandtemperatur“ vor; da sich Ringspalt und
Kreisrohr bei der Berechnung der Nusseltzahlen für die Randbedingung „konstante Wandtemperatur“
nach Gnielinski: VDI-WA [63] – Kapitel Ga: Abschnitt 3.1.2 und Kapitel Gb: Abschnitt 3.2.2 – nur un-
wesentlich unterscheiden, wird für eine vereinfachte Beispielrechnung von einer „normalen“ Kreisrohr-
geometrie ausgegangen; der obige Vergleich wird daher als Analogieschluss für den Ringspalt zwi-
schen 3.1.1: Kreisrohr, „konstante Wandtemperatur“ und 3.2.1: Kreisrohr, „konstante Wärmestrom-
dichte“ durchgeführt.
151
6. Versuchsauswertung
Vergleicht man das Verhältnis der beiden dimensionslosen Wärmeübergangskoeffi-
zienten, , mit dem Verhältnis der experimentellen Koeffizienten im ersten
Segment, , so sind diese mit 1,19 (berechnet) zu 1,21 (exp.: 142,5 W/m²·K
zu 117,5 W/m²·K bei 6 kW/m² und 120°C) fast identisch. Berechnet man die absolu-
ten Werte mit α = Nu·λ/d, sind diese ca. 11% (126 W/m²·K bei WSD = konst.) bzw.
10% (106 W/m²·K bei T
xxq NuNu ,, /
ϑ
xxq ,, α/α
ϑ
W = konst.) niedriger, als die experimentellen Koeffizienten.
Dieser Unterschied ist dabei einerseits auf den Geometriefehler zurückzuführen, da
die Berechnung auf der Annahme eines Kreisquerschnitts beruht und nicht auf der
eines Ringspaltes. Andererseits können auch die durch die Stoffdaten bedingten,
nicht genau spezifizierbaren Unsicherheiten nicht vernachlässigt werden.
Führt man die gleiche Berechnung für das vierte Segment durch (x = 956 mm), lie-
gen die Werte hier mit Nuq,x = 4,602 und 3,882
,
=
x
Nu
ϑ
deutlich niedriger, was quali-
tativ durch den α-Verlauf in Bild 6.16 bestätigt wird. Das Verhältnis aus beiden Wär-
meübergangskoeffizienten ist bei den berechneten Werten mit 1,19 das gleiche wie
bei x = 56 mm, während bei den experimentellen Werten mit 1,14 ein etwas niedrige-
res Verhältnis zu sehen ist. Zudem ist die Abweichung zu den experimentellen Wer-
ten mit 16% (Berechnet: 71 W/m²·K zu Experiment: 85 W/m²·K) bei 6 kW/m² und
19% (Berechnet: 59,8 W/m²·K zu Experiment: 74 W/m²·K) bei 120°C größer gewor-
den, was hier neben den oben schon genannten Einflussfaktoren der Geometrie und
der Stoffwerte auf das bereits zu beobachtende unterkühlte Blasensieden zurückge-
führt werden kann.
Die besseren α-Werte der Betriebart „konstante Wärmestromdichte“ gegenüber der
„konstanten Wandtemperatur“ im fünften und sechsten Segment lassen sich mit den
oben geschilderten Zusammenhängen nicht mehr erklären79. Da in diesem Abschnitt,
wie weiter oben schon beschrieben wurde, der Wärmeübergangsmechanismus des
gesättigten Strömungsblasensiedens vorherrscht, können die unterschiedlichen
Wärmeübergangskoeffizienten unter Umständen mit den lokalen Wärmestromdichten
erklärt werden. Nach Gorenflo [10] ist der Wärmeübergangskoeffizient beim Blasen-
sieden von der Wärmestromdichte abhängig, was sich qualitativ mit α ~ qn beschrei-
ben lässt. Für das Strömungsblasensieden niedrigviskoser Fluide wurde dieser Zu-
sammenhang z.B. auch von Steiner – siehe Gleichung 2.21 [8,9] in Kapitel 2 – be-
79 Bei einer einphasigen erzwungenen Konvektion laufen die α-Werte auf einen konstanten Grenzwert
zu, der keinen weiteren Anstieg zum Rohrende hin erlaubt.
152
6. Versuchsauswertung
schrieben. Genaue Werte lassen sich für das hier verwendete hochviskose Ver-
suchsstoffgemisch allerdings nicht angeben, da bis zum jetzigen Zeitpunkt die für die
Bestimmung von „n“ notwendigen Stoffgrößen ohne weitere Grundlagenuntersu-
chungen nicht verfügbar sind80. Des Weiteren ist auch die Kenntnis des jeweiligen
lokalen „Entgasungszustandes“ des Gemisches von Bedeutung, da hiervon die Flüs-
sigkeitseigenschaften abhängig sind. Diese sind wiederum zur Berechnung des loka-
len Wärmeübergangskoeffizienten unbedingt nötig.
Die Wärmeübergangskoeffizienten am Rohrende müssen gesondert betrachtet wer-
den, da sich hier mehrere Wärmeübergangsmechanismen überlagern. Aufgrund des
rapiden Druckabfalls zum Abscheider hin und der damit verbundenen hohen Strö-
mungsgeschwindigkeit, wird die für das Blasensieden notwendige überhitzte Grenz-
schicht an der Heizwandoberfläche abgebaut, wodurch konvektives Strömungssie-
den bereits nach wesentlich kürzerem Weg einsetzt, als noch bei M100k. Hierzu
kommt die bereits oben beschriebene Entspannungsverdampfung, die – bedingt
durch das hohe Druckniveau bei M1000k – durch den relativ hohen Restgehalt an
gelöstem Pentan im Silikonöl und den rapiden Druckabfall zum Abscheider hin aus-
gelöst wird. Dieser Effekt wird bei den Experimenten mit einer über der Rohrlänge
niedrigen durchschnittlichen Heizleistung – 4 kW/m², 95°C aber auch 120°C – noch
zusätzlich verstärkt, da hier die Verdampfung später einsetzt als bei dem 6 kW/m²
Experiment und dementsprechend weniger Pentan verdampft werden kann.
Besonders deutlich ist die Entspannungsverdampfung am Abfall der Fluidtemperatur
im letzten Segment zu erkennen. Während bei dem 95°C Experiment ein Tempera-
turabfall um 14 K beobachtet werden konnte (120°C: -10 K, 4 kW/m²: -12 K), beträgt
dieser bei 6 kW/m² nur -6 K, siehe Bild 6.12. Bei den M100k Experimenten ist eine
Entspannungsverdampfung dagegen nicht oder nur sehr schwach (95°C/4 kW/m²,
siehe auch Abschnitt 6.2.3) zu erkennen.
Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass bei diesem Stoffsystem hoher Viskosi-
tät verschiedene Wärmeübergangsmechanismen innerhalb eines kurzen Bereichs
ineinander übergehen bzw. sich überlagern können. Insbesondere der Vergleich mit
dem Silikonöl der niedrigeren Viskosität macht dies deutlich, da die hier beobachte-
ten Effekte dort deutlich schwächer ausgeprägt sind. Hierdurch wird in besonderem
Maße die Entwicklung eines Wärmeübergangsmodells erschwert, da neben der
80 Ob dieser Zusammenhang zwischen α und q auch bei dem hier verwendeten weitsiedenden Ge-
misch hoher Viskosität gültig ist, muss noch im Detail untersucht werden.
153
6. Versuchsauswertung
komplizierten Stoffwerteermittlung auch die Rohrabschnitte vorhergesagt werden
müssen, in denen die unterschiedlichen Wärmeübertragungsmechanismen wie ein-
phasige Konvektion, unterkühltes bzw. gesättigtes Blasensieden, konvektives Strö-
mungssieden und „Entspannungssieden“ dominieren, bzw. wo diese sich überlagern.
Versuche, die verschiedenen Wärmeübertragungsmechanismen anhand der Strö-
mungsbilder bzw. des Strömungsverhaltens zu definieren, wie dies bei niedrig visko-
sen Fluiden praktiziert wird, sind bisher gescheitert. Dies wird vor allem durch eine
„undurchsichtige“ Schaumschicht verhindert, die bei allen analysierten Experimenten,
bei denen eine nennenswerte Blasenbildung stattfand, einen tieferen Einblick in die
Strömungsvorgänge im Ringspaltinneren verhinderte.
Zumindest im Anfangsbereich der Versuchsstrecke war über die Schaugläser zu er-
kennen, wann die Blasenbildung des „unterkühlten Siedens“ einsetzt. Wie lange der
Bereich „unterkühlten Blasensiedens“ anhält, konnte allerdings bisher nur vermutet
werden, da keine Informationen über das radiale Temperaturprofil vorlagen. Mit der
neuen Fluidtemperatur Messtechnik mit drei über den Ringspalt angeordneten Ther-
moelementen besteht die Möglichkeit, Informationen über den Sättigungszustand im
Bereich des beginnenden Blasensiedens radial über den Ringspalt zu gewinnen,
wodurch das Erreichen des Sättigungszustandes wesentlich besser eingegrenzt
werden kann. Zusätzlich können mit dieser Technik auch im unteren Bereich der
Versuchsstrecke in Kombination mit den Druckmesswerten Rückschlüsse auf die
dort dominierenden Wärmeübergangsmechanismen gewonnen werden.
6.3.2 Variation des Durchsatzes bei konstanter Heizwandtemperatur und jeweils
gleicher Pentankonzentration
Im Folgenden soll der Einfluss des Durchsatzes auf den Wärmeübergang bei einer
konstanten Wandtemperatur von 120°C untersucht werden. Der Durchsatz wurde
dabei in einem weiten Bereich von 3 l/h bis 15 l/h variiert, jeweils mit einem Faktor
von 1,5 zwischen zwei Durchsätzen. Der Pentangehalt beträgt wie bei den vorherge-
gangenen Experimenten 18%.
Bild 6.17 zeigt für alle fünf Durchsätze den Temperaturverlauf entlang der Ring-
spaltstrecke. Betrachtet man zuerst die Endtemperaturen, fällt auf, dass diese zu den
kleineren Durchsätzen hin ansteigen. Bei den beiden größten Durchsätzen ist zudem
154
6. Versuchsauswertung
am Ende der Strecke ein deutlicher Temperaturabfall zu erkennen. Bei den in Ab-
schnitt 6.2.1 beschriebenen M100k Versuchen mit spezifisch gleichem Energieein-
trag und unterschiedlichen Durchsätzen wurden dagegen fast identische Endtempe-
raturen gemessen. Des Weiteren unterscheiden sich auch die jeweiligen Tempera-
turverläufe deutlich. Während bei dem niedrigsten Durchsatz von 3 l/h der steilste
Temperaturanstieg mit 85 K/m (nur im ersten Segment) zu verzeichnen ist, steigt die
Fluidtemperatur bei 15 l/h mit 21 K/m am wenigsten stark an, dies aber annähernd
konstant über eine Länge von fünf Segmenten.
Die Erklärung für dieses Verhalten kann wieder in erster Linie in Zusammenhang mit
dem jeweils herrschenden Druckniveau gebracht werden, welches sich direkt auf die
lokale Heizleistung auswirkt. Bedingt durch den niedrigen Druck der kleineren Durch-
sätze am Anfang der Versuchsstrecke, beispielsweise 3 bar im ersten Segment bei
3 l/h (Bild 6.19), erreicht das Gemisch wesentlich früher den Sättigungszustand. Dies
wird auch durch eine überschlägige Berechnung bestätigt. Geht man auf die gleiche
Art vor wie in den vorangegangenen Abschnitten, ergeben sich für die fünf Durchsät-
ze die folgenden Positionen für das Erreichen des Sättigungszustandes (gerechnet
30 60 90 120 150 180 210
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
105
110
115
M 1000k, 18% Pentan
120°C Heizwandtemperatur
V = 3 l/h
V = 4.4 l/h
V = 6.6 l/h
V = 10 l/h
V = 15 l/h
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.17: Versuchsstofftemperaturen der Experimente mit Silikonöl M1000k bei fünf
unterschiedlichen Durchsätzen mit jeweils gleicher Heizwandtemperatur
von 120°C und einem Pentangehalt von 18%
155
6. Versuchsauswertung
vom Anfang der Versuchsstrecke, Sättigungstemperatur gleich der gemessenen Mit-
teltemperatur): 175 cm bei 15 l/h, 150 cm bei 10 l/h, 125 cm bei 6,6 l/h, 90 cm bei
4,4 l/h und 60 cm bei 3 l/h. Da das gesättigte Strömungsblasensieden gegenüber der
einphasigen erzwungenen Konvektion den effektiveren Wärmeübergangsmechanis-
mus darstellt und dieses bei den niedrigeren Durchsätzen wesentlich früher einsetzt,
kann beispielsweise bei 3 l/h auf den Durchsatz bezogen wesentlich mehr Energie
übertragen werden als bei 15 l/h (Energiedichte, siehe auch 6.2.1). Während bei 3 l/h
im ersten Segment mit 47 MJ/m³ das lokale Maximum der Energiedichte81 erreicht
wird, beträgt der Wert für 15 l/h an der gleichen Position nur 18,4 MJ/m³, siehe den
Verlauf der Wärmestromdichten (links) und der Energiedichten (rechts) entlang der
Versuchsstrecke in Bild 6.18. Auch der auf die gesamte Strecke bezogene Mittelwert
der Energiedichten ist bei 3 l/h mit 20,3 MJ/m³ am größten, während bei 15 l/h das
Minimum mit 10,2 MJ/m³ zu finden ist82. Dadurch sind auch die deutlich unterschied-
lichen Fluidtemperaturen am Ende der Versuchsstrecke zu erklären.
0 30 60 90 120 150 180
1
2
3
4
5
6
7
8
0 30 60 90 120 150 180
10
20
30
40
50
I II III IV V VI VII
V = 15 l/h
V = 10 l/h
V = 6.6 l/h
V = 4.4 l/h
V = 3 l/h
Wärmestromdichte in kW/m²
V = 3 l/h
V = 4.4 l/h
V = 6.6 l/h
V = 10 l/h
V = 15 l/h
Rohrlänge in cm
Seg.Nr.
I II III IV V VI VII
Energiedichte MJ/m³
Rohrlänge in cm
Bild 6.18: Links: Wärmestromdichten Rechts: auf den „Anfangs-Volumen“-
Durchsatz bezogene spezifische Energiedichten der Experimente
mit M1000k bei fünf Durchsätzen und einer Heizwandtemperatur
von 120°C und 18% Pentananteil
81 Die mittlere Energiedichte ist in dieser Arbeit definiert als Quotient aus Segmentheizleistung und
Nennvolumenstrom: P/
V
&=> W·h/l = MJ/m³, siehe auch 6.2.1.
82 Die mittleren Energiedichten der anderen Durchsätze betragen: 18,9 MJ/m³ bei 4,4 l/h, 15,8 MJ/m³
bei 6,6 l/h und 12,8 MJ/m³ bei 10 l/h
156
6. Versuchsauswertung
Betrachtet man die Fluidtemperaturen detaillierter, lässt sich das Erreichen des Sät-
tigungszustandes auch am Temperaturverlauf erkennen. Ein Indikator hierfür ist die
Veränderung des Temperaturanstiegs, wie z.B. bei 4,4 l/h im dritten oder bei 15 l/h
im sechsten Segment. Hieraus lassen sich folgende Positionen für das Erreichen des
Sättigungszustandes, ermitteln: 156 cm bei 15 l/h, 126 cm bei 10 l/h, 96 cm bei 6,6
l/h, 66 cm bei 4,4 l/h und 36 cm bei 3 l/h83. Vergleicht man die oben berechneten Po-
sitionen, an denen der Sättigungszustand „theoretisch“ erreicht wird, mit den Werten
aus den Fluidtemperaturverläufen, fällt auf, dass der Sättigungszustand gegenüber
der Rechnung deutlich früher erreicht wird. Eine Erklärung hierfür liefert aller Wahr-
scheinlichkeit nach ein stark ausgeprägtes radiales Temperaturprofil über den Ring-
spaltquerschnitt, welches bereits in den vorangegangenen Abschnitten erwähnt wur-
de, und in Abschnitt 6.5. ausführlich behandelt wird.
Bei der Betrachtung der Wärmeübergangskoeffizienten in Bild 6.19 (links) fällt vor
allem das deutlich unterschiedliche Verhalten der Verläufe am Anfang, in der Mitte
und am Ende der Versuchsstrecke auf. Die Werte am Anfang der Strecke sind gut
durch einphasige erzwungene Konvektion zu erklären. Der Wärmeübergangskoeffi-
zient nimmt mit zunehmendem Durchsatz höhere Werte an. Die unterschiedlichen
Werte am Ende lassen sich ebenfalls anschaulich erklären, da hier das konvektive
Strömungssieden mit zunehmender Strömungsgeschwindigkeit an Bedeutung ge-
winnt und den wichtigsten Wärmeübertragungsmechanismus darstellt. Allerdings ist
insbesondere bei 15 l/h und 10 l/h die Entspannungsverdampfung in den Abscheider
ein nicht zu vernachlässigender Faktor, erkennbar an dem Abfall der Fluidtemperatur
und dem Anstieg der Heizleistungen und Temperaturdifferenzen am Rohrende. Bei
den beiden niedrigsten Durchsätzen spielt die Verdampfung am Rohrende dagegen
kaum noch eine Rolle, da nur noch sehr geringe Mengen flüssiges Pentan im Ge-
misch vorhanden sind. Dementsprechend ist hier hauptsächlich mit einer konvektiven
Wärmeübertragung an das Silikonöl und den Pentandampf zu rechnen, wodurch vor
allem bei 3 l/h der schlechte Wärmeübergangskoeffizient zu erklären ist.
Der mittlere Teil der Versuchsstrecke zeigt dagegen bei allen fünf Durchsätzen eine
deutliche Annäherung der Wärmeübergangskoeffizienten. Dies fällt insbesondere im
vierten Segment auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach beruht diese Annäherung bei den
83 Da die Temperaturmessstellen einen Abstand von 30 cm haben, kann aufgrund der relativ niedrigen
axialen Auflösung die tatsächliche Position, an der der Sättigungszustand erreicht wird, nur annähernd
abgeschätzt werden. Die Unsicherheit dieser Angaben beträgt ±15 cm.
157
6. Versuchsauswertung
fünf Durchsätzen allerdings auf verschiedenen Wärmeübertragungsmechanismen
mit zudem unterschiedlichen „Stadien der Ausprägung“. Während beispielsweise bei
3 l/h im vierten Segment ausgeprägtes Blasensieden vorherrscht, ist die Strömung
bei 15 l/h im Bereich der Fluid- und Wandtemperaturmessung noch rein einphasig.
Der Wärmeübergang bei beiden Durchsätzen ist in diesem Bereich daher nicht direkt
miteinander vergleichbar.
Abschließend sollen die bisherigen Erkenntnisse zum Druckverlust zusammenge-
fasst werden. Als Einflussgrößen auf den Druckverlust konnten neben dem Durch-
satz, der Grundviskosität des Silikonöls und dem Pentangehalt die Versuchsstoff-
temperatur und vor allem auch der „Entgasungszustand“ des Versuchsstoffgemi-
sches identifiziert werden. Versuchsstofftemperatur und „Entgasungszustand“ sind
dabei unmittelbar abhängig von den anderen Einflussgrößen sowie der Heizleistung
bzw. der Heizwandtemperatur der jeweiligen Betriebsart. Insbesondere das Ver-
dampfen von Lösungsmitteln aus dem Versuchsstoffgemisch liefert eine plausibel
Erklärung für den zunehmenden Druckverlust pro Segment (=relativer Druckverlust),
wie er bei kleineren bis mittleren Durchsätzen beobachtet werden kann.
0 30 60 90 120 150 180 210
60
70
80
90
100
110
120
0 30 60 90 120 150 180 210 240 270
0
1
2
3
4
5
6
7
8
V = 15 l/h
V = 10 l/h
V = 6.6 l/h
V = 4.4 l/h
V = 3 l/h
in W/m²K
α
M 1000k
18% Pentan
120°C
Rohrlänge in cm Rohrlänge in cm
Abscheider
Druck (abs.) in bar
Bild 6.19: Links: α von M1000k bei 18% Pentan, berechnet aus den Temperaturdiffe-
renzen und Wärmestromdichten der sieben Segmente
Rechts: Druckverlauf über der Ringspaltstrecke bis zum Abscheider
158
6. Versuchsauswertung
Dies ist Beispielsweise am Durchsatz 6,6 l/h in Bild 6.19 zu erkennen, der – bezogen
auf ein Segment – am Anfang der Strecke 1,4 bar/m Druckverlust aufweist, während
sich im letzten Segment ein Druckverlust von 4,3 bar/m einstellt. Die Viskositätszu-
nahme durch den Entgasungsvorgang hat – zumindest bei den hier untersuchten
Versuchstoffgemischen – dementsprechend einen wesentlich größeren Einfluss auf
den Druckverlust als die ansteigende Fluidtemperatur, die einen gegenteiligen Effekt
ausübt. Hierzu kommt noch der Beschleunigungsdruckverlust der Zweiphasenströ-
mung, der durch den Druckabfall zum Rohrende hin bedingt ist (Volumenvergröße-
rung des Pentans). Im Vergleich zu dem Druckverlust, der auf die Viskositätserhö-
hung zurückgeführt werden kann, ist der Einfluss des Beschleunigungsdruckverlus-
tes jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach von geringer Bedeutung.
Dies lässt sich anhand einer Abschätzung verdeutlichen. Berechnet man z.B. für den
mittleren Durchsatz von 6,6 l/h – tatsächlich gemessener Massenstrom 5,28 kg/h –
die Leerrohrgeschwindigkeit des vollständig verdampften Pentans ohne Silikonöl am
Ende der beheizten Strecke (Position 210 cm), so beträgt diese ca. 1,5 m/s84. Geht
man zusätzlich von der rein hypothetischen Annahme aus, dass ausgehend vom
einphasigen Anfang der Strecke entlang des Ringspaltes gleich bleibend 74,1%85
des Ringspaltquerschnitts von Silikonöl und 25,9% von Pentandampf eingenommen
werden, hätte dies eine Strömungsgeschwindigkeit des Dampfes von ca. 4,3 m/s zur
Folge (ebenfalls am Streckenende).
Bestimmt man hiermit den zu erwartenden Beschleunigungsdruckverlust der reinen
Pentandampfströmung bei maximalem Schlupfverhältnis zwischen Gas- und Flüs-
sigphase (d.h. dem Silikonöl widerfährt keine Beschleunigung) durch
0
2
,
22
2
Fl
Fl
2
Fl
Fl
2
Gas
Gas = vvvp
ρρ
ρ
(6.10)
ergäbe sich lediglich ein Wert von 6,9 N/m² bzw. 6,9·10-5 bar. Tatsächlich wird sich
jedoch ein Schlupfverhältnis – das Schlupfverhältnis ist definiert mit s = vGas/vFl [2] –
84 Die Leerrohrgeschwindigkeit wurde mit einem Pentandurchsatz von 0,95 kg/h (entsprechend 18%
des Gesamtmassenstroms von 5,28 kg/h), einer Dampfdichte von 0,75 kg/m³ (Bestimmung durch
Fluidcal bei 365 K und 0,3 bar) sowie dem Ringspaltquerschnitt von 235,6 mm² berechnet. Am Anfang
der Strecke würde die Geschwindigkeit bei ausschließlich flüssigem Pentan und 50°C lediglich 2 mm/s
betragen. Die Strömungsgeschwindigkeit des Gemisches beträgt am Beginn der Strecke ca. 8 mm/s.
85 Ausgehend vom einphasigen Anfang der Strecke würde das Pentan mit 18% Massenanteil und
einer Dichte von 597 kg/m³ ca. 25,9% des Ringspaltquerschnitts einnehmen. Das Silikonöl mit einer
Dichte von 951 kg/m³ benötigt dementsprechend einen Anteil von 74,1% (Betrachtung bei 50°C). Die
Ausdehnung des Silikonöls entlang der Strecke ist hierbei nicht berücksichtigt.
159
6. Versuchsauswertung
zwischen dem theoretischen Maximum von 56086 und dem Minimum von 1 (kein
Schlupf) einstellen. Berechnet man nun den Beschleunigungsdruckverlust für das
Minimum, d.h. es würde kein Schlupf zwischen Silikonöl und Pentandampf existieren,
muss hierfür zuerst die mittlere Fluiddichte am Ende der Strecke abgeschätzt wer-
den. Da die in die Versuchsstrecke eintretende Masse (Ein) gleich der austretenden
Masse (Aus) sein muss, lässt sich die Dichte am Ende der Strecke über
Av
m
AvAvm
==>==
Aus
AusAusAusEinEin
&
&
ρρρ
(6.11)
bestimmen. Für die genannten 4,3 m/s Strömungsgeschwindigkeit ergäbe sich dem-
nach eine mittlere Dichte von ca. 1,45 kg/m³. Der hiermit berechnete Druckverlust
wäre mit ca. 14 N/m² bzw. 14·10-5 bar nach wie vor vernachlässigbar gering. Da der
reale Beschleunigungsdruckverlust zwischen den beiden berechneten Werten liegen
muss, spielt dieser für den Gesamtdruckverlust keine entscheidende Rolle87.
Zusätzlich zu den oben bereits genannten Faktoren muss auch das Scherverhalten
des Silikonöls beachtet werden. Betrachtet man beispielsweise den Gesamtdruckver-
lust über der Versuchsstrecke und multipliziert die gemessenen 3,8 bar bei 4,4 l/h mit
dem Faktor 1,5 (der Druckverlust ist linear abhängig von der Strömungsgeschwindig-
keit; Durchsatzverhältnis Verhältnis der Strömungsgeschwindigkeiten) um den in
etwa zu erwartenden Druckverlust des nächst höheren Durchsatzes 6,6 l/h zu erhal-
ten, so ist dieser Wert mit 5,7 bar deutlich größer als die tatsächlich gemessenen
4,7 bar. Für 15 l/h wäre bei dieser Rechnung ein Wert von ca. 13 bar zu erwarten
gewesen statt dem gemessenen Druckverlust von ca. 8,1 bar. Eine Erklärung für
dieses Verhalten kann der Wechsel aus dem newtonschen hin zum strukturviskosen
Verhalten des Silikonöls bei ansteigender Strömungsgeschwindigkeit liefern. Aller-
dings ist bisher nur eine grobe Abschätzung des Bereichs möglich, in dem der Über-
gang von newtonschem zu strukturviskosem Verhalten stattfindet, da verlässliche
Daten über das Fließverhalten bei den hier auftretenden Temperaturen und Pentan-
gehalten nicht vorhanden sind. Problematisch ist bei dieser Betrachtung zudem, dass
im Gesamtdruckverlust die Einflüsse von Entgasungszustand, Fluidtemperatur und
Scherverhalten auf die Viskosität nicht im Detail unterschieden werden können.
86 Das Maximum ergibt sich aus der Anfangsgeschwindigkeit von ca. 8 mm/s und der berechneten
Dampfgeschwindigkeit von 4,3 m/s.
87 Führt man die gleiche Berechnung für den Zustand im Abscheider mit 93°C Dampftemperatur und
20 mbar Druck aus, liegt das Minimum des Beschleunigungsdruckverlustes bei 108 N/m² und das
Maximum bei 211 N/m². Im Vergleich zum Gesamtdruckverlust nach wie vor vernachlässigbar gering.
160
6. Versuchsauswertung
Um sowohl den Einfluss der Viskositätserhöhung durch die Entgasung als auch die
2-Phasenströmung bei der Betrachtung des Gesamtdruckverlustes auszuschließen,
kann der relative Druckverlust im ersten Segment herangezogen werden. Sowohl bei
dem höchsten Durchsatz von 15 l/h als auch bei 4,4 l/h war die Strömung im ersten
Segment blasenfrei, d.h. die Verdampfung von Lösungsmittel konnte in diesem Be-
reich noch keine Rolle spielen. Während der relative Druckverlust im ersten Segment
bei 4,4 l/h 0,82 bar/m beträgt, hat dieser bei 15 l/h einen Wert von 3,56 bar/m. Be-
rechnet man ausgehend von 4,4 l/h über das Durchsatzverhältnis 15/4,4 den bei
15 l/h zu erwartenden Druckverlust im ersten Segment, wäre dieser bei strukturvis-
kosem Verhalten höher als der tatsächlich gemessene. Tatsächlich ist der vorausbe-
rechnete Druckverlust mit 2,8 bar/m deutlich kleiner88 als der experimentelle Wert.
Zumindest im ersten Segment mit einphasiger Strömung scheint strukturviskoses
Verhalten demnach noch keine Rolle zu spielen.
Im unteren Bereich der Versuchsstrecke findet durch die Verdampfung von Pentan
und den starken Druckabfall allerdings eine deutliche Beschleunigung der Dampf-
phase statt, die, abhängig vom jeweiligen Schlupf zwischen Flüssig- und Dampfpha-
se, sich auch auf die Schergeschwindigkeit des Silikonöls auswirkt. Des Weiteren
stellt auch die abnehmende Pentankonzentration im Silikonöl einen wichtigen Ein-
flussfaktor dar, da hierdurch der strukturviskose Bereich zu niedrigeren Scherge-
schwindigkeiten hin verschoben wird. Strukturviskoses Verhalten kann in diesem Be-
reich der Versuchsstrecke demnach nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Ein Modell für die Vorausberechnung des Druckverlustes muss daher neben dem
Entgasungszustand des Gemisches und seiner Temperatur auch eventuell auftre-
tendes strukturviskoses Verhalten über die zu erwartenden Schergeschwindigkeiten
berücksichtigen. Da hierfür der Schlupf zwischen Dampf- und Flüssigphase bekannt
sein muss, ist dies bis zum jetzigen Zeitpunkt mit der vorhandenen Messtechnik noch
nicht möglich. Des Weiteren müssen verlässliche Stoffdaten zur Gemischviskosität in
Abhängigkeit von Lösemittelgehalt, Temperatur und Schergeschwindigkeit zur Verfü-
gung stehen.
88 Der relativ gesehen niedrigere Druckverlust im ersten Segment bei 4,4 l/h im Vergleich zu 15 l/h
lässt sich mit der höheren Mitteltemperatur (über die Segmentlänge gemittelt) erklären. Während die
mittlere Fluidtemperatur bei 4,4 l/h 65,6°C beträgt, ist diese mit 53,5°C bei 15 l/h deutlich niedriger,
d.h. die Viskosität ist dementsprechend höher.
161
6. Versuchsauswertung
Abschließend soll noch auf das Experiment mit 3 l/h Durchsatz eingegangen werden.
Wie bereits bei der Fluidtemperatur (Bild 6.17), der Wärmestromdichte / Überhitzung
(Bild 6.18) sowie dem Wärmeübergangskoeffizienten in Bild 6.19, kann bei diesem
Durchsatz ein abweichendes Druckverhalten im Vergleich zu den bisher behandelten
Experimenten festgestellt werden. Besonders auffallend ist neben dem gegenüber
den anderen Durchsätzen deutlich unterschiedlichen Verlauf die sehr hohe
Schwankungsbreite der Druckmesswerte ab dem vierten Segment. Diese
Schwankungen betragen zum Teil über 2 bar und konnten in dieser Größe bisher
noch bei keinem anderen Experiment festgestellt werden, siehe die Schwankungs-
breiten in Bild 6.19. Die Beobachtung der Vorgänge in der Versuchsstrecke zeigte
zudem deutliche Unregelmäßigkeiten, die sich vor allem darin äußerten, dass es zum
Teil zum vollständigen Stillstand der Strömung kam.
Somit scheint es sich bei diesem Durchsatz um eine Art Grenzfall zu handeln, da bei
allen anderen Durchsätzen mit dem gleichen Pentangehalt unter ansonsten gleichen
Versuchsbedingungen keine derartigen Störungen festgestellt werden konnten. Al-
lerdings zeigten eine Reihe von Experimenten mit 27% Pentananteil ein ähnliches
Verhalten, welches sich in zum Teil relativ starken zyklischen Druck- und Tempera-
turschwankungen äußerte. Obwohl die Vorgänge bei 3 l/h im Vergleich dazu relativ
unregelmäßig wirkten und die Schwankungen hier deutlich stärker waren, können die
Vorgänge bei beiden Konzentrationen wahrscheinlich auf ein ähnliches Phänomen
zurückgeführt werden. Hierauf soll im folgenden Abschnitt 6.4 eingegangen werden.
162
6. Versuchsauswertung
6.4 Druck- und Temperatur-Schwingungen
Wie im vorangegangenen Abschnitt schon erwähnt wurde, traten während einer Rei-
he von Experimenten starke Temperatur- und Druckschwankungen auf, die sich
auch im „stationären“, eingefahrenen Zustand periodisch wiederholten. Die Schwin-
gungen beschränkten sich allerdings vor allem auf Experimente mit 27% Pentange-
halt. Bei 18% Pentan konnten diese Schwingungsvorgänge nur vereinzelt festgestellt
werden, wie z.B. bei dem im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen Betriebs-
punkt mit 3 l/h und einer Wandtemperatur von 120°C. Die folgenden Ausführungen
beschränken sich daher auf die sinusförmigen Schwingungen, die bei Versuchen mit
27% Pentananteil beobachtet werden konnten. Im Detail wird dabei vor allem der
Betriebspunkt mit 6,6 l/h Durchsatz und einer Heizleistung von 4 kW/m² diskutiert,
der vor allem aufgrund seiner „zuverlässigen Schwingungsneigung“ ausgewählt wur-
de, die in so starker Ausprägung bei anderen Messzuständen nicht beobachtet wer-
den konnte. Dies äußerte sich einerseits in den größten Druck- und Temperaturamp-
lituden aller Experimente, und andererseits in der Entstehung der Schwingung, die
selbsttätig ohne eine erkennbare Anregung89 von außen erfolgte. Bei 6,6 l/h konnten
zudem im Gegensatz zu niedrigeren oder auch höheren Durchsätzen bei fast allen
Heizleistungen und Heizwandtemperaturen periodische, sinusförmige Schwingungen
festgestellt werden. Der Durchsatz von 6,6 l/h scheint somit eine Art von „Optimum“
dieser Versuchsstrecke darzustellen, bei dem die Erzeugung von Schwingungen be-
sonders begünstigt wird.
Die „Entstehung“ der Schwingung läuft dabei wie folgt ab: Unmittelbar nach dem
Hochfahren der Rohrheizungen kann in der Regel nur eine relativ kleine periodische
Schwingung festgestellt werden, die sich im weiteren Verlauf des Experimentes im-
mer weiter verstärkt, bis ein „stationärer“ Zustand erreicht ist, bei dem die Druck- und
Temperaturamplituden konstant bleiben. Aufgrund seines „konstanten“ und stabilen
Schwingungsverhaltens wurde der Betriebspunkt 6,6 l/h / 4 kW/m² bei der Untersu-
chung der Schwingungsvorgänge mehrere Male wiederholt und zudem als Startpunkt
gewählt, um von hier aus andere Durchsätze anzufahren und deren Schwingungs-
verhalten zu untersuchen.
89 Mit Anregung sind vor allem Druckschwankungen am Ende der Versuchsstrecke gemeint, die durch
das Kondensationssystem erzeugt werden und hierdurch das Rohrsystem zum Schwingen anregen
könnten. Eine Anregung vom Anfang der Strecke aus durch Förderschwankungen der Speisepumpe,
konnte bei den bisher untersuchten Fällen ausgeschlossen werden.
163
6. Versuchsauswertung
Bei den Durchsätzen mit niedriger spezifischer Energiedichte, deren „Schwingnei-
gung“ nicht zur Erzeugung einer stabilen Schwingung ausreicht, kann eine absichtli-
che „Störung“ des Druckniveaus am Ende der Versuchsstrecke zur Entstehung einer
Schwingung führen. Hierbei wird der Abscheiderdruck durch das Schließen des
Dampfventils zum Kondensator absichtlich auf ca. 400 bis 500 mbar erhöht, und an-
schließend durch das Öffnen des Dampfventils wieder abrupt abgesenkt.
Tabelle 6.2 zeigt einen Überblick über die bisher durchgeführten Experimente zur
Untersuchung des Schwingungsverhaltens bei verschiedenen Durchsätzen und un-
terschiedlichen Einstellungen der beiden Betriebsarten „konstante Wärmestromdich-
te“ und „konstante Heizwandtemperatur“. Bei vergleichbaren durchschnittlichen
Heizleistungen der beiden Betriebsarten war das beobachtete Schwingungsverhalten
sehr ähnlich, so dass über das Schwingungsverhalten eines bestimmten Betriebs-
punktes einer Betriebsart durchaus Rückschlüsse über die zu erwartenden Schwin-
gungsvorgänge bei einem vergleichbaren Betriebspunkt der anderen Betriebart ge-
zogen werden können90.
Bei den im oberen Teil der Tabelle aufgeführten Experimenten handelt es sich um
die Messzustände, bei denen eine stabile Schwingung mit konstanten Amplituden
festgestellt werden konnte (stabile Schwingungen). Einen Sonderfall stellen einige
der Experimente mit 3 l/h dar, die sich ähnlich verhielten wie das weiter oben schon
beschriebene Experiment bei 18% Pentananteil und 120°C Wandtemperatur mit un-
regelmäßigen Temperatur- und Druckschwankungen.
Im zweiten Abschnitt der Tabelle sind die Experimente zu sehen, bei denen nach
einer künstlichen Anregung zwar die Ausbildung einer Schwingung mit konstanter
Schwingungsfrequenz zu beobachten war, deren Amplitude allerdings nach dem Er-
reichen eines Maximums wieder kleiner wurde und nach einiger Zeit vollständig ver-
schwand (abklingende Schwingungen). Durch eine erneute Anregung konnte dieses
Verhalten reproduziert werden.
Abschließend sind die Experimente aufgeführt, bei denen auch nach mehrmaliger
Fremderregung – insbesondere durch die oben schon beschriebene Druckerhöhung
mit anschließendem schnellen Druckabfall im Abscheider – keinerlei Schwingungen
festgestellt werden konnten (keine Schwingungen).
90 Ein Teil der Experimente in Tabelle 6.1 lässt sich hinsichtlich des Schwingungsverhaltens haupt-
sächlich qualitativ (quantitativ nur eingeschränkt) auswerten, da aufgrund des zum Teil sehr hohen
Zeitbedarfs zur Einstellung des korrekten Temperaturverlaufs in der Klimakammer diese nicht immer
optimal auf den Verlauf der Versuchsstofftemperatur in der Strecke angepasst werden konnte.
164
6. Versuchsauswertung
Tabelle 6.2: Schwingungsverhalten der mit M1000k durchgeführten Experimente
stabile Schwingungen:
Pentan 3 l/h 4.4 l/h 6.6 l/h 10 l/h 15 l/h
27% 1.8 –
2.7*kW/m²
1.8 - 2.7 -
4 kW/m²
1.8 - 2.7 - 4 -
6 kW/m²;
150°C
4 - 6kW/m² 9 kW/m²
18% 95* - 120°*C 6 kW/m²
abklingende Schwingungen:
Pentan 3 l/h 4.4 l/h 6.6 l/h 10 l/h 15 l/h
27% 95°C
2.7 kW/m²
95°C
4 - 6 kW/m²;
95 - 120°C
18% 95 - 120 -
150°C
1.8 - 2.7 -
4 kW/m²
120 - 150°C
4 kW/m²
150°C 6 kW/m²
„keine“ Schwingungen**:
Pentan 3 l/h 4.4 l/h 6.6 l/h 10 l/h 15 l/h
18% 1.8 -
2.7kW/m² 95°C 2.7 kW/m²;
95 – 120°C
4 kW/m²;
95 - 120°C
10% 120°C 120°C
4 kW/m²;
120 - 150°C
*: starke, unregelmäßige Druckschwankungen; Temperaturangaben gelten jeweils für TW = konst.
**: trotz Anregung von Außen keine merklichen Schwingungsvorgänge zu beobachten
Vor allem bei den Experimenten mit 27% Pentananteil ist offensichtlich, dass der
mittlere Durchsatz 6,6 l/h eine besonders ausgeprägte Schwingungsneigung besitzt,
die auch bei der relativ niedrigen Heizleistung von 1,8 kW/m² noch Schwingungen
zulässt. Auch bei 18% Pentan ist im Bereich der abklingenden Schwingungen noch
eine deutlich stärker ausgeprägte Tendenz zu Schwingungen festzustellen als bei
den anderen Durchsätzen.
Vergleicht man nun verschiedene Durchsätze mit einer stabilen Druckschwingung
miteinander, sind bei einer genauen Betrachtung deutliche Unterschiede im Schwin-
gungsverhalten zu erkennen. Ein Beispiel hierfür zeigt Bild 6.20 für die Durchsätze
3 l/h bis 15 l/h mit einer jeweils gleichen spezifischen Energiedichte von 20,4 MJ/m³
über einen ausgewerteten Zeitraum von 20 min.
165
6. Versuchsauswertung
Der in Bild 6.20 dargestellte Zeitraum von 20 min stellt dabei nur einen Ausschnitt
aus dem stationären Verlauf des jeweiligen Experiments dar.
Bei den Druckverläufen fällt vor allem auf, dass mit zunehmendem Durchsatz die
Schwingungsdauer F deutlich kleiner bzw. umgekehrt die Schwingungsfrequenz
deutlich größer wird. Während bei 3 l/h eine Schwingungsdauer von ca. 10,7 min vor-
liegt, beträgt diese bei dem höchsten Durchsatz von 15 l/h nur noch ca. 2,2 min91.
Setzt man die oben angegebenen Werte jeweils ins Verhältnis – 15 l/h / 3 l/h und
10,7 min / 2,2 min – zeigt sich, dass der Quotient der Durchsätze mit 5:1 annähernd
dem Quotient der Schwingungsdauer von 4,9:1 entspricht. Es scheint somit ein linea-
rer Zusammenhang zwischen Schwingungsdauer und Durchsatz zu bestehen.
Um zu überprüfen, ob dieser Zusammenhang auch für andere Durchsätze gilt, wur-
den die Schwingungsdauer FR = 4,795 min und der Massendurchsatz = 5,09 kg/h
R
m
&
90 92 94 96 98 100 102 104 106 108 110
2.0
2.5
3.0
3.5
4.0
4.5
5.0
5.5
6.0
3l/h, 1.8kW/m²
4.4l/h, 2.7kW/m²
6.6l/h, 4kW/m²
10l/h, 6kW/m²
15l/h, 9kW/m²
Druck in bar
Zeit in Minuten
Bild 6.20: Druckverläufe verschiedener Durchsätze im ersten Segment der Ring-
spaltstrecke über einen Zeitraum von 20 Minuten bei jeweils gleicher
spezifischer Energiedichte; Silikonöl M1000k mit 27% Pentangehalt
91 Die Schwingungsdauern der verschiedenen Durchsätze wurden alle mit Hilfe der Druckverläufe des
ersten Versuchsstreckensegments ermittelt; die Schwingungsdauer wurde dabei jeweils als Mittelwert
aus ca. 5 aufeinander folgenden Maxima und Minima berechnet
166
6. Versuchsauswertung
des (nominellen) Durchsatzes 6,6 l/h als Referenzwerte gewählt92. Ausgehend von
der Referenz, wurden mit Hilfe der Massen-Durchsatzverhältnisse (DVy) dann die
jeweils zu erwartenden Schwingungsdauern FB,y nach folgender Definition bestimmt:
Referenz
y
ym
m
DV &
&
= (6.12) und RyyB, FDVF
=
(6.13)
Der Index y steht dabei für den jeweils untersuchten Massendurchsatz. Die auf diese
Weise ermittelten Durchsatzverhältnisse, die berechneten (FB) als auch die experi-
mentellen Schwingungsdauern (Fexp) aller fünf Durchsätze sind in Tabelle 6.3 zu-
sammengefasst.
Vergleicht man die linear vorausberechneten Schwingungsdauern der verschiedenen
Durchsätze, ist eine sehr gute Übereinstimmung zu den experimentellen Ergebnis-
sen zu finden. Da mit dem Durchsatz direkt auch die Strömungsgeschwindigkeit und
somit auch die Durchlaufzeit eines „Volumenelementes“ oder „Teilchens“ durch die
Versuchstrecke festgelegt wird, ist es durchaus vorstellbar, dass die Schwingungs-
dauer unmittelbar abhängig von der Rohrlänge ist. Dies wird deutlich bei der Berech-
nung der mittleren Durchlaufzeit eines „Volumenelementes“ im Rohr.
Um die Durchlaufzeit zu berechnen, benötigt man allerdings den realen Volumen-
strom durch die Versuchsstrecke, da, wie bereits im fünften Kapitel erwähnt wurde,
es sich bei den Durchsatzangaben nur um nominale Werte handelt, die von den tat-
sächlichen Volumenströmen zum Teil deutlich abweichen. Mit Hilfe des realen Mas-
senstroms, der Fluidtemperatur und dem Pentangehalt kann dabei über die Ge-
mischdichte93 auf den realen Volumenstrom in der Versuchsstrecke zurückgerechnet
werden. Aufgrund der deutlichen Temperaturerhöhung des Versuchsstoffes während
des Durchlaufens der Strecke, und der damit direkt verbundenen Dichteänderung94
die Bildung von Dampf wird bei dieser Abschätzung nicht berücksichtigt –, ist der lo-
kale Volumenstrom entlang der Versuchstrecke sehr unterschiedlich.
92 Wie oben schon erwähnt wurde, konnte bei dem mittleren Durchsatz 6,6 l/h und 4 kW/m² die „sta-
bilste“ Schwingung mit den höchsten Druckamplituden beobachtet werden, weshalb dieser als
Referenzpunkt gewählt wurde.
93 Bei der Berechnung der Dichte wurde zuerst die Temperaturabhängigkeit der Reinstoffdichte der
beiden Komponenten Pentan und Silikonöl in der Form ρT = ρ0 + T(b + c·T) ermittelt. Diese beiden
Werte wurden dann linear über ihren jeweiligen Anteil im Gemisch gewichtet addiert.
94 Die Verringerung der Dichte aufgrund des entstehenden Pentandampfes und seinem kontinuierlich
ansteigendem Volumenanteil im Ringspalt ist nur sehr aufwendig zu bestimmen; die Berechnung der
mittleren Dichte ist aus Gründen der Einfachheit daher nur auf eine einphasige Strömung bezogen.
167
6. Versuchsauswertung
Tabelle 6.3: Massendurchsatz, Volumenstrom bei 85°C, Durchsatzverhältnis DV,
berechnete Schwingungsdauer FB, experimentelle Schwingungsdauer
Fexp, einphasige Strömungsgeschwindigkeit und mittlere Durchlaufzeit
TDZ für M1000k mit 27% Pentan
nomineller
Durchsatz
3 l/h
1,8 kW/m²
4,4 l/h
2,7 kW/m²
6,6 l/h
4 kW/m²
10 l/h
6 kW/m²
15 l/h
9 kW/m²
Massendurchsatz
in kg/h 2,22 3,42 5,09 7,95 11,80
Durchsatz in l/h
bei 85°C 2,71 4,14 6,17 9,62 14,28
Durchsatzverhältnis
DV 0,435 0,671 Referenz 1,560 2,315
berech. Schwin-
gungsdauer FB [min] 10,995 7,144 4,795 = FR3,070 2,068
exp. Schwingungs-
dauer Fexp [min] 10,725 7,310 4,795 = FR2,978 2,135
einphasige. Strö-
mungsgesch. [mm/s] 3,190 4,911 7,319 11,406 16,935
mittlere Durchlaufzeit
TDZ bei 85°C [min] 10,971 7,127 4,782 3,068 2,067
Da der Versuchsstoff am Eintritt der Versuchsstrecke mit einer Fluidtemperatur von
50°C eine wesentliche „höhere“ Dichte besitzt als am Ende der Strecke mit ca.
120°C, ist dementsprechend der Volumenstrom und damit auch die Strömungsge-
schwindigkeit deutlich unterschiedlich, auch für den Fall einer rein einphasigen Strö-
mung. Aus diesem Grund wurde zur Berechnung der Durchlaufzeit nicht die Eintritts-
temperatur von 50°C gewählt, sondern ein einfacher Mittelwert aus Eintritt- und Aus-
trittstemperatur, der für die hier mit 85°C angenommen wird.
Mit Hilfe des berechneten Volumenstroms bei 85°C und der Querschnittsfläche des
Ringspaltkanals (A = 235,62 mm²) kann dann eine mittlere Strömungsgeschwindig-
keit berechnet werden, die zur Bestimmung der Durchlaufzeit TDz benötigt wird. Als
Berechnungsgrundlage wurde eine Versuchsstreckenlänge von 2100 mm angesetzt,
die der beheizten Länge des Ringspaltes entspricht. Die Daten sind ebenfalls in Ta-
belle 6.3 zusammengefasst.
Vergleicht man nun die experimentellen sowie die berechneten Schwingungsdauern
mit den Durchlaufzeiten, ist hier eine deutliche Übereinstimmung bei allen fünf unter-
suchten Durchsätzen zu erkennen. Dies bekräftigt die weiter oben aufgestellte Ver-
mutung, dass die Schwingungsdauer von der Rohrlänge und dem jeweiligen Volu-
168
6. Versuchsauswertung
menstrom und damit der Strömungsgeschwindigkeit durch das Rohr bestimmt wird.
Aufgrund der guten Übereinstimmung zwischen Schwingungsdauer und Durchlauf-
zeit scheint daher ein „Volumenelement“ während des Passierens der Versuchs-
strecke einen kompletten Schwingungsvorgang zu durchlaufen. Entscheidend ist
hierbei, dass die Eigenfrequenz der Versuchsstrecke als schwingendes System
durch dessen beheizte Rohrlänge vorgegeben wird, da bei einer Berechnung der
Durchlaufzeit mit Berücksichtigung der Verbindungsleitung zwischen dem Ende des
Ringspaltes und dem Abscheider oder auch dem Rohrleitungsabschnitt vor der Ver-
suchstrecke deutliche Abweichungen zu den oben genannten Schwingungsdauern
die Folge wären. Für den Durchsatz 6,6 l/h würde sich beispielsweise bei Berück-
sichtigung der 600 mm langen Verbindungsleitung vom Ende der Versuchsstrecke
bis zum Abscheider eine Durchlaufzeit von ca. 6,15 min gegenüber vorher 4,782 min
ergeben, also deutlich länger, als die experimentelle Schwingungsdauer. Um den
Zusammenhang zwischen beheizter Rohrlänge und Schwingungsfrequenz experi-
mentell zu verifizieren ist mittelfristig geplant, die beheizte Rohrlänge zu variieren.
Dies kann aufgrund der Konstruktion der Ringspaltversuchsstrecke relativ einfach
durch das Ausschalten einzelner Segmente am Anfang oder auch am Ende der Stre-
cke erreicht werden.
Um die Vorgänge in den einzelnen Segmenten der Versuchsstrecke näher zu unter-
suchen und ein besseres Verständnis über die Entstehung der Schwingungen zu
gewinnen, soll im Folgenden der Durchsatz 6,6 l/h mit 4 kW/m² noch detaillierter be-
trachtet werden, siehe Bild 6.21. Im oberen Teil von Bild 6.22 sind die Temperatur-
verläufe an den acht Temperaturmessstellen und im unteren Teil die Druckverläufe
an den acht Druckmessstellen entlang der Ringspaltstrecke sowie der Abscheider-
druck über einen Zeitraum von 20 Minuten abgebildet.
Bei den Fluidtemperaturen im oberen Teil von Bild 6.21 fällt vor allem auf, dass diese
ab dem dritten Segment ähnlich wie die Drücke ein Schwingungsverhalten aufwei-
sen, wenn auch mit einem etwas anderen Verlauf als die gleichmäßigere Schwin-
gung der Drücke. Der Anstieg und Abfall der Fluidtemperaturen ist in den beiden letz-
ten Segmenten – zum Teil auch noch im sechsten – durch einen fast linearen An-
stieg bis zum Maximum gekennzeichnet. Danach fallen die Temperaturen auf ähnli-
che Weise zum Minimum hin wieder ab. Die anderen Fluidtemperaturverläufe zeigen
dagegen einen deutlich ungleichmäßigeren Verlauf, der sich allerdings kontinuierlich
und gleich bleibend wiederholt.
169
6. Versuchsauswertung
50
60
70
80
90
100
110 T8
T7
T6
T5
T4
T3
T2
T1
Temperatur in °C
140 142 144 146 148 150 152 154 156 158 160
0.0
0.5
1.0
1.5
2.0
2.5
3.0
3.5
4.0
4.5
Ab
P1
P2
P3
P4
P5
P6
P7
P8
P
Druck in bar
Zeit in Minuten
Bild 6.21: oben: Zeitlicher Verlauf der acht entlang der Ringspaltstrecke gemes-
senen Fluidtemperaturen bei einem Durchsatz von 6,6 l/h, einer Heiz-
leistung von 4 kW/m² und einem Pentangehalt von 27% in M1000k
unten: Zeitlicher Druckverlauf der acht entlang der Ringspaltstrecke
gemessenen Drücke einschließlich des Abscheiderdruckes
170
6. Versuchsauswertung
Im vierten Segment wird beispielsweise das Maximum nicht in einem „einzelnen
Punkt“ erreicht; vielmehr scheint es sich um einen ausgedehnten Zeitraum zu han-
deln, während dessen das Temperaturmaximum auf einem hohen Niveau annährend
konstant bleibt. Weiterhin ist zu erkennen, dass die Temperaturamplituden bis zum
vierten Segment größer werden, und ab dort zum Ende der Versuchsstrecke hin an-
nährend konstant bleiben.
In den ersten beiden Segmenten ist keine (erstes Segment) bzw. nur eine sehr ge-
ringe Schwankung (zweites Segment) der Fluidtemperatur zu beobachten. Da in
diesem Bereich ein hohes Druckniveau herrscht, wird die Sättigungstemperatur des
Gemisches nicht bzw. nur teilweise erreicht95. Dampf ist in der Strömung dement-
sprechend gar nicht bzw. nur in geringer Menge vorhanden (bei niedrigem Druck).
Die Drücke zeigen dagegen alle eine mehr oder weniger gleichmäßige Schwingung,
ähnlich einer Sinusfunktion, d.h. die Phasen hohen Druckes (Zeitdauer in der ein
Druck oberhalb des jeweiligen Mitteldrucks herrscht = Hochdruckphase) entsprechen
in etwa den Phasen niedrigen Druckes (Zeitdauer in der ein Druck unterhalb des je-
weiligen Mitteldrucks herrscht = Niederdruckphase). Ein etwas abweichendes Verhal-
ten zeigt lediglich der Druckverlauf am Ende der Strecke, der durch eine ausgeprägte
Niederdruckphase und nur eine kurze Hochdruckphase gekennzeichnet ist. Der Ab-
scheiderdruck Pab schwingt ebenfalls, allerdings nur um einen Betrag von +30 mbar
und -15 mbar bei einem Mittelwert von 36 mbar.
Betrachtet man jeweils die beiden Diagramme für sich, ist vor allem bei der Fluid-
temperatur zu erkennen, dass die Maxima und Minima entlang der Versuchsstrecke
nicht zeitgleich auftreten. Es ist vielmehr eine Phasenverschiebung festzustellen, die
kontinuierlich von unten nach oben zunimmt, d.h. das Temperaturmaximum bzw. Mi-
nimum wird im letzten Segment zuerst und im ersten Segment zuletzt erreicht. Bei
den Druckverläufen ist ebenfalls ein zeitlicher Versatz zwischen den einzelnen
Messstellen entlang der Strecke festzustellen, der allerdings zu den Fluidtemperatu-
ren unterschiedlich ist. Zudem weisen auch die Temperaturen gegenüber den Drü-
cken eine Phasenverschiebung auf, die sich entlang der Versuchsstrecke verändert.
Dies wird vor allem beim Betrachten von Bild 6.22 deutlich. In den sechs Detaildar-
stellungen sind die Druck- und Temperaturverläufe in den Segmenten III bis VII so-
95 Während des Experimentes war im ersten Segment nur in der Niederdruckphase leichte Blasenbil-
dung zu erkennen; in der Hochdruckphase lag eine 1-phasige Strömung vor. Im zweiten Segment war
in der Hochdruckphase ebenfalls keine Blasenbildung festzustellen, während in der Niederdruckphase
Blasensieden zu beobachten war, siehe auch die noch folgende Diskussion.
171
6. Versuchsauswertung
wie den Messstellen am Ende der Versuchsstrecke für das jeweils gleiche Zeitinter-
vall von 20 Minuten dargestellt. In den Diagrammen ist deutlich zu erkennen, dass
die jeweiligen Druck- und Temperaturmaxima der drei Segmente III, IV, V jeweils zu
fast identischen Zeitpunkten erreicht werden. Betrachtet man hingegen die Minima,
ist eine sich verändernde Phasenverschiebung zwischen Druck- und Temperaturver-
lauf zu erkennen. Während im dritten Segment das Druck- vor dem Temperaturmi-
nimum erreicht wird, ist nach den gleichzeitigen Minima des vierten Segmentes im
daran anschließenden fünften wieder eine Phasenverschiebung zu beobachten,
diesmal allerdings mit dem Temperatur- vor dem Druckminimum. In den darauf fol-
genden Segmenten bleibt dieser Trend bis zum Streckenende erhalten. Das gleiche
gilt auch für die Temperaturmaxima, die sich ab dem sechsten Segment ebenfalls
zeitlich vor die Druckmaxima schieben. Am Ende der Strecke – der achten Messstel-
le – sind die Fluidtemperatur und der Druck schließlich so weit phasenverschoben,
dass das Temperaturmaximum zeitgleich mit dem Druckminimum erreicht wird.
Um einen Überblick über die genaue zeitliche Abfolge der Maxima und Minima in den
einzelnen Segmenten zu gewinnen, wurden die Druck- und Temperaturschwingun-
gen in jedem Segment detailliert analysiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchung
sind in Tabelle 6.4 zu sehen. Neben den Messwerten und Zeiten für jeweils zwei
aufeinander folgenden Druck- (P) und Temperaturmaxima bzw. Minima (T) und de-
ren Amplituden, wurden sowohl die Zeiten zwischen Minimum/Maximum bzw. Maxi-
mum/Minimum, als auch die Zeiten zwischen den Maxima und Minima ermittelt. Zu-
sätzlich sind für alle Messstellen der Strecke jeweils die über die Maxima und Minima
der Temperaturen und Drücke ermittelten Schwingungsdauern (F) angegeben.
Betrachtet man zuerst die Druckamplituden fällt auf, dass diese entlang der Strecke
unterschiedlich sind. Während die Amplitude kontinuierlich bis zum sechsten Seg-
ment ansteigt und dort das Maximum der gesamten Versuchsstrecke von 1,77 bar
erreicht (lokal Pmax - Pmin), ist am Ende der Strecke nur noch eine Amplitude von 0,66
bar festzustellen. Bezieht man allerdings die Schwankungsbreite auf den jeweils im
Segment herrschenden mittleren Druck, ist diese am Ende der Strecke deutlich am
größten. Bildet man den zeitlichen Mittelwert der Maxima und Minima eines Segmen-
tes, so beträgt dieser z.B. für Segment 6 ca. 2,2 bar. Bezieht man die Druckamplitu-
de auf diesen Wert, so beträgt die Amplitude ca. 80% des mittleren Druckniveaus.
Für die letzte Druckmessstelle ergibt sich ein Wert von ca. 170% bezogen auf das
mittlere Druckniveau von 0,4 bar, für Segment 1 dagegen nur ca. 38%.
172
6. Versuchsauswertung
140 142 144 146 148 150 152 154 156 158 160
0.1
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
Druck in bar
Temperatur in °C
Zeit in Minuten
T8
P8
Zeit in Minuten
100
102
104
106
108
110
112
114
140 142 144 146 148 150 152 154 156 158 160
0.8
1.2
1.6
2.0
P8
P7
T7
96
99
102
105
108
2.0
2.4
2.8
3.2
3.6
P5
T5
84
86
88
90
92
94
Druck in bar
1.2
1.6
2.0
2.4
2.8
3.2
P6
T6
90
92
94
96
98
100
2.8
3.2
3.6
4.0
T3
P3
74
75
76
77
78
79
80
Temperatur in °C
2.4
2.8
3.2
3.6
4.0
T4
78
81
84
87
90
P4
Bild 6.22: Zeitlicher Verlauf (20 min) der Fluidtemperaturen und Drücke der Mess-
Segment III Segment IV
Segment V Segment VI
Segment VII Ende (VIII)
stellen Segment III bis VII sowie den Messstellen am Ende der Strecke
(VIII), 6,6 l/h bei 4 kW/m² und 27%
173
6. Versuchsauswertung
Tabelle 6.4: Schwingungsdaten für M1000k mit 27% Pentan bei 6,6 l/h und 4 kW/m²
P
maxa
P
mina
t
Pmaxb
t
Pminb
F
c
T
maxa
T
mina
t
Tmaxb
t
Tminb
F
c
(bar) (bar) (min) (min) (min) (°C) (°C) (min) (min) (min)
4,570 3,113 45,338 47,286 t
Pmax
=
4,573 3,121 50,024 52,100 4,686
t
Pmin
=
4,814
4,445 2,990 45,363 47,315 t
Pmax
= 64,740 63,341 43,620 46,579 t
Tmax
=
4,448 2,997 50,021 52,142 4,658 64,651 63,308 48,150 51,350 4,530
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,827 4,771
4,196 2,667 45,360 47,329 t
Pmax
= 79,710 74,305 45,370 47,900 t
Tmax
=
4,203 2,669 50,035 52,141 4,675 78,804 74,207 50,080 52,621 4,710
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,812 4,721
3,912 2,298 45,334 47,381 t
Pmax
= 89,610 78,744 45,549 47,381 t
Tmax
=
3,921 2,295 50,101 52,220 4,767 89,585 79,383 50,631 52,381 5,082
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,839 5,000
3,610 1,878 45,223 47,415 t
Pmax
= 92,810 84,860 45,371 47,107 t
Tmax
=
3,643 1,886 50,020 52,232 4,797 93,156 84,939 50,100 51,960 4,729
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,817 4,853
3,062 1,307 45,252 47,615 t
Pmax
= 98,370 90,190 44,668 46,955 t
Tmax
=
3,094 1,311 49,999 52,453 4,747 98,477 90,468 49,449 51,667 4,781
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,838 4,712
2,003 0,660 45,639 47,794 t
Pmax
= 107,110 96,528 44,518 46,693 t
Tmax
=
2,023 0,659 50,538 52,644 4,899 107,090 96,592 49,219 51,491 4,701
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,850 4,798
0,704 0,059 45,778 48,980 t
Pmax
= 113,530 102,190 44,369 46,449 t
Tmax
=
0,712 0,048 50,581 53,873 4,803 113,710 102,110 49,171 51,378 4,802
t
Pmin
=t
Tmin
=
4,893 4,929
P: 1,620 t
min-max
: 2.047
t
max-min
: 2.720
P: 1,455 t
min-max
: 1,948
t
max-min
: 2,738
P: 1,454 t
min-max
: 1,952
t
max-min
: 2,706
P: 0,655 t
min-max
: 3,202
t
max-min
: 1.601
P: 1,745 t
min-max
: 2,192
t
max-min
: 2.605
P: 1,769 t
min-max
: 2,363
t
max-min
: 2.384 T: 8,095 t
min-max
: 2,287
t
max-min
: 2,494
P: 1,354 t
min-max
: 2,155
t
max-min
: 2.744 T: 10,540 t
min-max
: 2,175
t
max-min
: 2,526
T: 11,470 t
max-min
: 2,722
t
min-max
: 1,832
t
max-min
: 3,250
t
min-max
: 1,736
Seg.
I
t
min-max
: 2,080
T: 8,084 t
max-min
: 2,993
T: 1,371 t
min-max
: 2,959
t
max-min
: 1,571
T: 5,001
VII
Ende
VII
VI
V
IV
II
III
sehr geringe Temperaturschwankungen
t
min-max
: 2,530
t
max-min
: 2,180
T: 10,534
P: 1,532 t
min-max
: 1,969
t
max-min
: 2.706
a: für die maximalen und minimalen Drücke und Temperaturen sind jeweils zwei aufeinander folgen-
de Messwerte angegeben; P und T ist der aus beiden Werten berechnete Mittelwert
b: die jeweils zu den Druck- und Temperaturmaxima bzw. Minima ermittelten Zeiten sowie die dar-
aus berechneten Zeitdifferenzen zwischen Maximum und Minimum bzw. umgekehrt
c: Schwingungsdauer zwischen den Maxima bzw. Minima
fette, unterstrichene Schrift: frühste Druck/Temperatur Maxima bzw. Minima; grau hervorgehobene
Schrift: späteste Druck/Temperatur Maxima bzw. Minima
174
6. Versuchsauswertung
Bemerkenswert ist des Weiteren, dass das Druckminimum der letzten Messstelle fast
das mittlere Druckniveau von 36 mbar im Abscheider erreicht, trotz der verbleiben-
den unbeheizten Rohrlänge von 600 mm zwischen dem Ende der Versuchsstrecke
und dem Abscheider.
Bei der Analyse der Zeiten, an denen die Maxima und Minima erreicht werden, ist
das frühste Erreichen des Druckmaximums im Bereich des fünften Segments festzu-
stellen. Da das Maximum allerdings auch im sechsten Segment zu einem fast identi-
schen Zeitpunkt erreicht wird – die Druckamplitude ist ebenfalls vergleichbar – kann
dies bedeuten, dass das frühste Maximum mit der größten Druckamplitude zwischen
den Druckmessstellen des fünften und sechsten Segment angesiedelt ist.
Hier ist auch die „gleichmäßigste“ Druckschwingung der Versuchsstrecke zu finden,
d.h. die zeitlichen Abstände zwischen Maximum & Minimum bzw. Minimum & Maxi-
mum sind mit 2,363 min bzw. 2,384 min im sechsten Segment annähernd iden-
tisch96. Das im Vergleich dazu ungleichförmigste Schwingungsverhalten ist – ohne
Berücksichtigung der letzten Druckmessstelle – im ersten Segment mit 1,948 min
beziehungsweise 2,738 min zu finden. Im ersten Segment wird zudem das Druckmi-
nimum vor allen anderen Segmenten erreicht.
Ermittelt man mit den Ergebnissen der Druckauswertung die Schwingungsdauer im
jeweiligen Segment, zeigen sich insgesamt nur kleine Abweichungen von maximal
+0,1 min und -0,14 min zu dem bereits oben genannten Wert von 4,795 min (Refe-
renzwert aus dem Vergleich der verschiedenen Durchsätze). Die dennoch vorhande-
nen Abweichungen können auf die relativ niedrige Zahl von ausgewerteten Mess-
punkten zurückgeführt werden. Bildet man mit diesen Werten hingegen einen Mittel-
wert aller Druckmessstellen von P1 bis P8, ist dieser mit 4,795 Minuten identisch zu
der oben genannten Schwingungsdauer.
Betrachtet man nun die Fluidtemperaturen, ist im Gegensatz zu den Drücken im obe-
ren Bereich der Versuchsstrecke eine deutlich niedrigere Schwingungsamplitude zu
erkennen als in den mittleren und unteren Segmenten. Da die Strömung an der
Temperaturmessstelle des ersten Versuchsstreckensegmentes auch während der
Niedrigdruckphase einphasig blieb, konnten hier keine periodischen Temperatur-
schwankungen beobachtet werden (keine Daten in der Tabelle).
96 Die zeitlichen Abstände wurden aus den in Tabelle 6.3 angegebenen Zeiten für die Druckmaxima
und Minima ermittelt.
175
6. Versuchsauswertung
Des Weiteren konnten im zweiten Segment nur geringe Schwankungen von ±0,7 K
festgestellt werden, die sich zudem nicht zur Untersuchung der zeitlichen Schwin-
gungsparameter eignen. Diese Werte wurden daher in die Auswertung der frühsten
und spätesten Maxima bzw. Minima nicht mit einbezogen (Werte kursiv dargestellt).
Nach der Temperaturamplitude von 5 K im dritten Segment erreicht diese im vierten
Segment einen Wert von ca. 10 K, die in den darauf folgenden Segmenten in etwa
auf dem gleichen Niveau bleibt (Segment V: 8 K, VI: 8 K, VII: 10,5 K, Ende der Ver-
suchsstrecke: 11,5 K).
Die Erklärung für die am Anfang der Strecke von Segment zu Segment ansteigende
Temperaturamplitude kann in erster Linie auf die zunehmende Steigung der Dampf-
druckkurve des Pentans zurückgeführt werden. Druckschwankungen auf einem ho-
hen Druckniveau bewirken demnach deutlich kleinere Temperaturamplituden als
Druckschwankungen auf einem niedrigeren Druckniveau97.
Betrachtet man die Zeiten, zu denen die Temperaturmaxima und Minima erreicht
werden, zeigt sich gegenüber den Drücken ein deutlich unterschiedliches Bild. Wäh-
rend das Druckmaximum zuerst im fünften und das Druckminimum zuerst im obers-
ten Segment festgestellt werden kann, wird sowohl das Temperaturmaximum als
auch das Minimum am Ende der Versuchsstrecke zuerst erreicht, d.h. sowohl das
Druck- und Temperaturmaximum als auch die Minima weisen an dieser Messstelle
die größte Phasenverschiebung auf. Die späteste Zeit für das Temperaturmaximum
ist im vierten und für das Minimum im dritten Segment zu finden. Im vierten Segment
ist zudem die Schwingung am ungleichmäßigsten. Während zwischen dem Minimum
& Maximum der Fluidtemperatur lediglich 1,832 min vergehen, beträgt die Differenz
zwischen dem Maximum & Minimum 3,250 min. Am gleichmäßigsten sind die zeitli-
chen Abstände im sechsten Segment mit 2,287 min bzw. 2,526 min.
Ermittelt man mit Hilfe der Temperaturauswertung die Schwingungsdauer, sind die
Ergebnisse vergleichbar mit denen der Druckauswertung. Da die Temperaturverläufe
im Vergleich zu den gleichmäßigeren Druckverläufen schwieriger auszuwerten sind,
und zudem nur eine relativ kleine Stichprobe ausgewertet wurde, ergeben sich etwas
größere Abweichungen zwischen den Werten der einzelnen Segmente. Der Mittel-
wert der Schwingungsdauer aus den Messstellen II bis VIII ist mit 4,794 Minuten al-
lerdings wiederum fast identisch mit dem Ergebnis der Druckauswertung
97 Dies gilt allerdings erst nach dem Erreichen der Sättigungstemperatur, d.h. der beschriebene Me-
chanismus wird erst durch die Bildung von Dampf ermöglicht.
176
6. Versuchsauswertung
Erklärungsansatz zur Schwingungsentstehung
Im Folgenden soll anhand der verschiedenen Einflussfaktoren auf den Ausdampfpro-
zess und deren Zusammenwirken ein Erklärungsansatz erarbeitet werden. Von be-
sonderer Bedeutung die Schwingungsentstehung sind dabei die unterschiedlichen
Wärmeübergangsmechanismen, die entlang der Versuchsstrecke auftreten. Um ein
besseres Verständnis der Vorgänge und Phänomene zu ermöglichen, soll zuvor
noch einmal kurz auf die verschiedenen Wärmeübergangsmechanismen eingegan-
gen werden, siehe hierzu detaillierter auch Kapitel 2.
Im ersten Abschnitt von Kapitel 2 wurden die Wärmeübergangsmechanismen in ei-
nem Rohr beschrieben, wie sie in der Regel beim Strömungssieden eines niedrigvis-
kosen Fluids beobachtet werden können. Bei dem hier verwendeten hochviskosen
Gemisch aus Silikonöl und Pentan kommen bis auf die letzten beiden Mechanismen
der Sprühkühlung und der einphasigen, erzwungenen Konvektion an den Dampf die
gleichen Wärmeübergangsmechanismen vor. Zusätzlich zu den üblichen Mechanis-
men ist teilweise noch die in dieser Ausprägung bei den niedrigviskosen Fluiden
nicht bekannte Entspannungsverdampfung zu beobachten. Insbesondere bei Expe-
rimenten mit hohem Pentangehalt in Verbindung mit niedrigen Heizleistungen und
hohen Durchsätzen konnte am Ende der Versuchsstrecke eine ausgeprägte Ent-
spannungsverdampfung festgestellt werden. Der Grund hierfür liegt vor allem im
starken Druckabfall zum Abscheider hin, der bei entsprechend hohem Restpentan-
gehalt im Gemisch für eine Entspannungsverdampfung sorgt, die ihre Energie zum
Teil aus der sensitiven Wärme des Versuchsstoffes bezieht, da die Energiezufuhr
über die Heizwand hierfür nicht mehr ausreicht.
Der Hauptunterschied zum Strömungssieden niedrigviskoser Fluide ist vor allem der
durch die hohe Viskosität bedingte Druckverlust entlang der Versuchstrecke. Wäh-
rend bei den niedrigviskosen Stoffen der Sättigungszustand aufgrund des niedrigen
Druckverlustes annähernd konstant bleibt98, setzt beim hochviskosen Fluid nach Er-
reichen des Sättigungszustandes durch den weiter abfallenden Druck eine starke
Verdampfung ein, die im Extremfall zur oben beschriebenen Entspannungsverdamp-
fung führen kann. Ein gegensätzlicher Effekt ist die mehr oder weniger kontinuierli-
che Verdampfung des Lösungsmittels, die zu einer Verarmung des Gemisches führt,
und somit die Gleichgewichtstemperatur zu höheren Werten verschiebt. Dies hat
98 Bei weitsiedenden, niedrigviskosen Gemischen findet eine Verschiebung des Sättigungszustandes
zu höheren Temperaturen statt, da das Gemisch entlang des Siederohres kontinuierlich an leichtsie-
dender Komponente verarmt.
177
6. Versuchsauswertung
auch zur Folge, dass bei entsprechend hoher Heizleistung ein deutlicher Anstieg der
Fluidtemperatur beobachtet werden kann, siehe beispielsweise die Auswertungen in
den vorangegangenen Abschnitten dieses Kapitels.
Der jeweils dominierende Wärmeübergangsmechanismus wird daher nicht nur vom
vorhandenen Strömungsdampfgehalt bestimmt99, sondern vor allem vom vor Ort
herrschenden Druckniveau und von der Konzentration des Lösungsmittels in der
flüssigen Phase. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Strömungsbilder bei
unterschiedlichem lokalen Druck betrachtet. Bild 6.23 zeigt Standbilder einer Video-
aufnahme des dritten Segmentes zu den Zeitpunkten des Druckmaximums (linke
Seite) und Minimums (rechte Seite). Während der Hochdruckphase ist fast im ge-
samten Schauglas eine einphasige Flüssigkeitsströmung zu beobachten; lediglich im
unteren Teil des Schauglases sind einige Mikroblasen und eine aktive Blasenkeim-
stelle zu erkennen. Der hier dominierende Wärmeübergangsmechanismus kann da-
her als einphasige erzwungene Konvektion angenommen werden.
0 30 60 90 120 150 180 210 240 270 300
2.8
3.0
3.2
3.4
3.6
3.8
4.0
4.2
Zeit in Sekunden
Druck in bar
6.6 l/h, 4 kW/m²
M1000k, 27%
a) b)
a
b
Bild 6.23: Strömungsverhalten Druckverlauf während eines Schwingungsdurch-
gangs (dargestellter Zeitraum ca. 5 Minuten) im dritten Segment mit
zwei Videostandbildern; links im Maximum mit Einzelblasen (a), rechts
im Minimum mit einer Schaumströmung (b)
99 Dies ist nach Erreichen des Sättigungszustandes bei niedrigviskosen Fluiden der Fall, siehe hierzu
das zweite Kapitel.
178
6. Versuchsauswertung
Während der Niederdruckphase ist dagegen eine ausgeprägte Schaumströmung zu
erkennen, die auf zweiphasiges konvektives Strömungssieden als dominierenden
Wärmeübergangsmechanismus schließen lässt.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man, wenn man überschlägig den Sättigungs-
zustand abhängig von der lokalen mittleren Fluidtemperatur und dem jeweils herr-
schenden Druckniveau bestimmt100. Für das Druckmaximum wäre der Sättigungszu-
stand demnach ab dem fünften Segment (ca. 130 cm vom Anfang der Strecke), für
das Druckminimum dagegen bereits ab dem dritten Segment (ca. 60 cm) erreicht. Da
das hier dargestellte Schauglas den Bereich von 70 cm bis 80 cm vom Begin der
Strecke zeigt, ist in der Niedrigdruckphase in diesem Segment auch rechnerisch
konvektives Strömungssieden möglich.
Die Schlussfolgerung hieraus ist, dass das lokale Druckniveau eine bestimmende
Größe für den vor Ort dominierenden Wärmeübergangsmechanismus darstellt. Das
lokale Druckniveau ist allerdings direkt abhängig vom Druckverlust, der sich insge-
samt über der Versuchsstrecke einstellt. Dieser lässt sich wiederum mit der Viskosi-
tät des Fluids in Zusammenhang bringen, da eine hohe mittlere Viskosität einen ho-
hen Druckverlust zu Folge hat und umgekehrt. Die Viskosität des Fluids ist zudem
entlang der Versuchsstrecke nicht konstant, da sie selbst von zwei weiteren Einfluss-
faktoren abhängt: dem Lösungsmittelgehalt im Gemisch und der Fluidtemperatur.
Den entscheidenden Einfluss hat hier insbesondere der Pentananteil im Gemisch, da
die Viskositätsunterschiede aufgrund der zu beobachtenden Temperaturanstiege und
Schwankungen um Größenordnungen kleiner sind, als die, die durch unterschiedli-
che Lösungsmittelgehalte bedingt werden101. Die Menge an Pentan, die aus dem
Gemisch verdampft wird, ist wiederum davon abhängig, an welcher Position in der
Versuchsstrecke die jeweiligen Wärmeübergangsmechanismen auftreten und wie
stark diese ausgeprägt sind. Es lässt sich daher zusammenfassen, dass Druckver-
lauf und Wärmeübergang voneinander abhängen.
Aus der Abhängigkeit des Druckverlustes von der Viskosität lassen sich wiederum
Rückschlüsse über die während des Schwingungsprozesses verdampfte Menge an
100 Die Berechnung erfolgt dabei auf gleiche Weise, wie in den vorangegangenen Abschnitten dieses
Kapitels, siehe auch Abschnitt 6.1.
101 Dies wird vor allem bei den Druckverläufen von M1000k in den vorangegangenen Abschnitten
deutlich, siehe z.B. Abschnitt 6.3.2, bei denen der Druckverlust pro Länge (p/l) in den unteren
Segmenten trotz steigender Fluidtemperaturen aufgrund der Pentanverarmung der flüssigen Phase
deutlich ansteigt.
179
6. Versuchsauswertung
Lösungsmittel ziehen. Da ein hoher Druckverlust durch eine hohe Viskosität bedingt
wird, muss sich zu diesem Zeitpunkt ein Gemisch in der Versuchsstrecke befinden,
welches nur noch wenig Pentan enthält. Umgekehrt muss bei einem niedrigen Druck-
verlust Gemisch mit relativ viel gelöstem Pentan vorhanden sein102. Dies lässt darauf
schließen, dass die Menge an verdampfendem Lösungsmittel deutlichen Schwan-
kungen unterliegt. Aufgrund des zeitlich konstanten Masseneintrags an Pentan in die
Versuchsstrecke, muss es insbesondere während der Niedrigdruckphase einen
starken Schlupf zwischen der Flüssigphase und der Dampfphase geben. Dies wird
auch durch die sichtbaren Strömungsverhältnisse in den Schaugläsern bestätigt, da
man insbesondere in der Phase niedrigen Druckes eine stark ausgeprägte
Schaumströmung hoher Geschwindigkeit beobachten kann. Während dieser Phase
der Schwingung wird aufgrund des niedrigen Druckes und des Schlupfes fast über
die gesamte Länge der Versuchsstrecke Pentan verdampft, deutlich mehr als vom
Anfang der Strecke her eingetragen wird. Aufgrund der begünstigten Entspannungs-
verdampfung ist zudem eine deutliche Abkühlung des Fluids zu beobachten, da der
Energiebedarf der Verdampfung die über die Heizwand zugeführte Heizleistung in
Teilen der Versuchsstrecke übersteigt. Die sensible Wärme des Fluids dient dem-
nach zur weiteren Verdampfung von Lösungsmittel.
Dieser Prozess kann allerdings nur einige Zeit aufrecht gehalten werden, da das
Gemisch kontinuierlich an Lösungsmittel verarmt. Nach dem Durchlaufen des Druck-
minimums nimmt die Fluidviskosität über den gesamten Bereich der Versuchsstrecke
zu, in dem zuvor eine ausgeprägte Verdampfung stattgefunden hat bzw. zum Teil
immer noch vorliegt. Da einerseits der Druck in der Versuchsstrecke ansteigt, ande-
rerseits weiterhin Pentan verdampft, steigt die Sättigungstemperatur des Fluids stark
an. Aufgrund des abnehmenden Kühleffektes der Verdampfung und dem kontinuier-
lichen Einleiten von Energie über die Heizfläche, steigt dementsprechend auch die
Fluidtemperatur je nach lokaler Position mehr oder weniger gleichzeitig mit dem
Druck wieder an103. Die Verdampfung wird im weiteren Verlauf immer weiter er-
102 Zusätzlich übt der Dampfgehalt in der 2-Phasenströmung einen Einfluss auf den Druckverlust aus.
Da bei einem hohen Dampfanteil in der Strömung allerdings gleichzeitig ein niedriger Druckverlust zu
beobachten ist und umgekehrt – zu erkennen an dem Strömungsverhalten in den Schaugläsern –,
läuft dieser Einflussparameter anscheinend in Phase zur Viskositätsänderung der flüssigen Phase, die
durch den Ausdampfprozess des Pentans bedingt ist.
103 Da während der Niedrigdruckphase große Mengen an Pentan verdampft wurden, steht dieses wäh-
rend des Druckanstieges nicht oder nur noch sehr begrenzt zur Energieaufnahme zur Verfügung,
weshalb ein Großteil der zugeführten Energie nicht mehr in latente Wärme sondern in sensible Wärme
des Versuchsstoffes umgesetzt wird.
180
6. Versuchsauswertung
schwert, da der Druck weiter ansteigt und das Gemisch weiter verarmt, bis im
Druckmaximum nur noch in den untersten Segmenten eine Verdampfung bei hohen
Fluidtemperaturen möglich ist.
Während der Zeit des Druckanstiegs wurde allerdings von oben neues Gemisch mit
hohem Lösungsmittelanteil nachgeliefert, dessen Pentan aufgrund des jetzt hohen
Druckniveaus noch nicht verdampfen konnte. Aufgrund des Anstiegs der Fluidtempe-
ratur und des Drucks in weiten Teilen der Versuchsstrecke, nähert sich das neue,
„frische“ Gemisch lokal immer mehr seinem Sättigungszustand, allerdings auf einem
jeweils hohen Druckniveau. Im oberen Bereich der Versuchsstrecke, in dem keinerlei
Blasenbildung zu erkennen ist, kann sich sogar eine – für die Blasenbildung noch
nicht ausreichende – Überhitzung des Gemisches aufbauen. Gleichzeitig wandert
das „alte“, stark verarmte Gemisch hoher Viskosität in der Versuchsstrecke immer
weiter nach unten und wird durch das „frische“ Gemisch niedriger Viskosität (hoher
Lösungsmittelanteil) ersetzt104. Das Druckniveau fällt dementsprechend in dem Maße
ab, in dem das hochviskose Gemisch ausgeschoben wird.
Erreicht das nach unten wandernde „frische“ Gemisch schließlich ein niedrigeres
Druckniveau, hätte dies eine Überhitzung zur Folge, die allerdings durch eine sich
verstärkende Verdampfung abgebaut wird. Da gleichzeitig Gemisch mit hohem Lö-
sungsmittelanteil – mit dementsprechend niedriger Viskosität – nachgeliefert wird,
fällt der Druck in diesem Zeitraum zusammen mit der Fluidtemperatur kontinuierlich
ab, wodurch sich insbesondere die Entspannungsverdampfung ausbreiten kann.
Dieser Vorgang hält so lange an, bis das Druckminimum mit der höchsten Verdamp-
fungsrate erreicht wird, das Gemisch veramt und der oben beschriebene Prozess mit
zunehmender Viskosität in den letzten Segmenten der Strecke von vorne beginnt.
Der Punkt, an dem im „frischen“ Gemisch eine verstärkte Pentanverdampfung ein-
setzt, kann aufgrund der vorangegangenen Detailauswertung zwischen dem fünften
& sechsten Segmentes angenommen werden. Hierfür lassen sich mehrere Indizien
finden. Neben dem frühsten Druckabfall aller Segmente – das Druckmaximum wird in
diesem Bereich zuerst erreicht –, ist zwischen den beiden Segmenten auch der
104 Dies lässt sich auch an der Phasenverschiebung der Druckverläufe in den verschiedenen Segmen-
ten wieder finden: da das „neue“, an Pentan reiche Gemisch mit niedriger Viskosität von oben nach
unten wandert, wird das Druckminimum zuerst im obersten Segment erreicht; das Druckmaximum
wird zuerst im fünften/sechsten Segment erreicht, mit einer leichten Phasenverschiebung der oberen
Segmente (Rückstau!) und einer größeren Phasenverschiebung der nachfolgenden Segmente, da das
zu diesem Zeitpunkt schon relativ hoch entgaste Fluid hoher Viskosität eine bestimmte Zeit benötigt,
bis es von dort zum Ende der Strecke geströmt ist.
181
6. Versuchsauswertung
Punkt der Versuchsstrecke zu finden, in dem Temperatur- und Druckschwingung (im
Maximum) in Phase sind, siehe Bild 6.22, Segment V und VI. Es ist daher davon
auszugehen, dass die verstärkte Verdampfung sich in der Hochdruckphase von hier
aus nach oben ausbreitet.
Bestätigt wird dies auch bei der Analyse der Videoaufnahmen. Während im sechsten
Segment auch in der Hochdruckphase eine ausgeprägte Verdampfung zu erkennen
war, konnte im fünften und den darüber liegenden Segmenten nur eine leichte Bla-
senbildung an der Heizwandoberfläche beobachtet werden. Betrachtet man zusätz-
lich den Punkt, an dem in der Hochdruckphase der berechnete „theoretische“ Sätti-
gungszustand des Fluids erreicht wird, so liegt dieser, wie oben bereits erwähnt wur-
de, mit ca. 130 cm vom Anfang der Versuchsstrecke ebenfalls im Bereich des fünften
Segmentes. D.h. spätestens ab hier nähert sich das Gemisch bedingt durch die Er-
wärmung in der Hochdruckphase seinem Sättigungszustand, wodurch unmittelbar
nach dem Druckabfall eine sich nach oben ausbreitende Entspannungsverdampfung
ausgelöst wird.
Aufgrund dieser Zusammenhänge ist es denkbar, die Entstehung der Schwingungen
zu verhindern, bzw. die Größe der Amplitude deutlich zu verringern. Während einer
unplanmäßigen Unterbrechung des Messbetriebs mit relativ langer Stillstandszeit der
Versuchsanlage wurde der noch im Vorratsbehälter vorhandene Versuchsstoff mit
Stickstoff gesättigt. In den darauf folgenden Experimenten, bei denen dieser Ver-
suchsstoff zur weiteren Untersuchung der Schwingungsvorgänge verwendet wurde,
konnten die zuvor stets vorhandenen Schwingungen nicht, bzw. nur noch sehr
schwach festgestellt werden. Auch eine Fremderregung durch das mehrmalige Er-
höhen des Abscheiderdruckes (siehe auch oben) konnte keine stabile Schwingung
erzeugen. Ein Beispiel hierfür zeigt Bild 6.24 mit den Druckverläufen im ersten Seg-
ment sowie am Ende der Versuchsstrecke. Die Einstellungen waren hier wiederum
6,6 l/h bei 4 kW/m², ein Betriebspunkt also, bei dem eigentlich eine stabile Schwin-
gung zu erwarten gewesen wäre.
Die Erklärung hierfür wird in dem Stickstoff gesehen, der zuvor im Versuchsstoffge-
misch gelöst wurde. Da die Stickstofflöslichkeit mit der Erhöhung der Fluidtemperatur
deutlich abnimmt, gast dieser aufgrund seines hohen Partialdruckes wesentlicher
schneller aus dem Gemisch aus als das Pentan. Die so entstehenden Gasblasen
stellen nicht nur Keimstellen in der Flüssigkeit dar, in die Lösungsmittel verdampfen
kann, sondern sie erleichtern auch die Blasenbildung an der Rohroberfläche. Dieses
182
6. Versuchsauswertung
Verhalten ist auch vom Blasensieden in überfluteten Verdampfern bekannt, bei dem
die Überhitzung der Heizfläche gegenüber der Flüssigkeit im Sättigungszustand
deutlich kleiner ist, solange Inertgase in der Flüssigkeit gelöst sind. Im Fall dieses
Stoffsystems verhindert der ausgasende Stickstoff den Aufbau einer großen Flüssig-
keitsüberhitzung sowohl an der Heizwand als auch in der restlichen Flüssigkeit, wo-
durch ein wichtiger Einflussfaktor für die Schwingungsentstehung unterdrückt wird.
Da jetzt im einphasigen Bereich der Versuchsstrecke keine nennenswerte Überhit-
zung mehr entstehen kann, die zuvor durch eine weit ausgedehnte Entspannungs-
verdampfung abgebaut wurde, verläuft die Verdampfung wesentlich gleichmäßiger.
Dies wird auch durch die Beobachtung der Strömungsverhältnisse in den Schauglä-
sern bestätigt, die keine nennenswerten Schwankungen erkennen ließen. Ob dieser
Zusammenhang auch für andere Messzustände zutrifft, soll in Zukunft noch weiter
untersucht werden.
60 70 80 90 100 110 120
3.6
3.7
3.8
3.9
4.0
4.1
4.2
Druck in bar (Ende Strecke)
Druck in bar (Segment 1)
Zeit in Minuten
Ende Strecke
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1.0
Segment 1
Bild 6.24: Schwingungsverhalten des Drucks im ersten Segment sowie am Ende
der Versuchsstrecke nach der Fremderregung durch eine Anhebung
des Abscheiderdruckes und anschließendem schnellen Absenken,
6,6 l/h, 4 kW/m², 27% Pentan, M1000k mit Stickstoff gesättigt
183
6. Versuchsauswertung
6.5 Ergebnisse der neuen Fluidtemperatur - Messtechnik
Im Laufe des Projektes stellte sich heraus, dass sowohl die Messgenauigkeit als
auch die örtliche Auflösung der einfachen Fluidtemperaturmessung nicht ausrei-
chend ist, um ein detailliertes Wärmeübergangsmodell befriedigender Genauigkeit zu
entwickeln. Dies wurde insbesondere bei einem Vergleich von den „theoretisch zu
erwartenden“ Fluidtemperaturen mit experimentellen Messwerten im einphasigen
Bereich der Versuchsstrecke deutlich105. Die „theoretischen“ Fluidtemperaturen wur-
den dabei mit Hilfe einer Energiebilanz bestimmt, bei der über den Gemischmassen-
strom und die in den jeweiligen Abschnitten eingebrachte elektrische Heizleistung
eine mittlere lokale Fluidtemperatur nach Gleichung 6.14 berechnet wird:
1)Seg.(ZFluid,
FluidP,Fluid
Seg.(Z)
Seg.(Z)Fluid,
=T
cm
Q
T&
&
(6.14)
Hierbei zeigte sich, dass die über die Energiebilanz gewonnenen Werte ausnahms-
los höher waren als die real gemessenen.
Die Erklärung hierfür konnte in der Annahme eines stark ausgeprägten radialen
Temperaturprofils über den Ringspalt gefunden werden. Bereits zu Anfang des Pro-
jektes wurde die Existenz eines Temperaturprofils vor allem im einphasigen Bereich
angenommen, allerdings in wesentlich schwächerer Ausprägung und mit nähe-
rungsweise linearem Temperaturverlauf. Es wurden daher keine bzw. vernachlässig-
bare Auswirkungen für die mittlere Fluidtemperatur erwartet.
Als besonders problematisch erwies sich bei der radialen Temperaturmessung ins-
besondere die Einbaulage und Dimensionierung der Fluidthermoelemente. Bedingt
durch die radiale Anordnung im Ringspalt durchläuft die Messspitze des Thermoele-
mentes je nach eingestellten Versuchsbedingungen ein mehr oder weniger stark
ausgeprägtes Temperaturfeld. Da einerseits der Bereich eines 0,5 mm Thermoele-
mentes, der für die eigentliche Temperaturmessung relevant ist, eine räumliche Aus-
dehnung von ca. 3,5 - 5 mm (7 - 10 Außendurchmesser, Thermocoax Produktpros-
pekt [53]) hat, und andererseits die Wärmeleitfähigkeit des Thermoelementes (Edel-
stahlmantel) deutlich besser ist als die des Versuchsstoffgemisches, wirkt sich das
Temperaturfeld direkt auf den Messwert aus. Es ist davon auszugehen, dass Wärme
105 Im zweiphasigen Bereich lässt sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verlässliche Bilanzrech-
nung aufstellen, da hierfür jeweils die lokal verdampfte Pentanmenge bekannt sein müsste; diese
hängt in der Rechnung allerdings von der jeweils gemessenen Fluidtemperatur ab.
184
6. Versuchsauswertung
von der deutlich wärmeren Thermoelementspitze über den Mantel in den kälteren
Außenbereich des Ringspaltes abgeleitet wird, mit der Folge, dass eine zu niedrige
Temperatur gemessen wird. Da mit der in Abschnitt 4.1.2 beschriebenen Messtech-
nik außer der Wandtemperatur des Innenrohrs keine weitere Information über das
tatsächliche Temperaturprofil im Ringspalt verfügbar ist, kann zudem über die Höhe
der eigentlichen Messunsicherheit keine Aussage getroffen werden.
Um dieses Manko zu überwinden, wurde eine Messanordnung von Thermoelemen-
ten entwickelt, die es ermöglicht, die Fluidtemperatur in jedem Segment der Ring-
spaltversuchsstrecke an drei Positionen radial über den Ringspalt verteilt zu messen.
Da die verschiedenen Varianten des Dreifachsensors bereits in Abschnitt 4.1.3. aus-
führlich beschrieben wurden, wird auf deren konstruktive Details hier nicht weiter ein-
gegangen. Im Folgenden sollen vielmehr die Versuchsergebnisse einiger der mit der
neuen dreifachen Fluidtemperaturmesstechnik durchgeführten Experimente vorge-
stellt, und mit „alten“ Messdaten mit einfacher Fluidmesstechnik verglichen werden.
Die in diesem Abschnitt präsentierten Versuchsergebnisse beruhen dabei aus-
schließlich auf Experimenten, die mit der ersten Variante des Dreifachsensors, siehe
Abschnitt 4.1.3, durchgeführt wurden. Versuchsergebnisse mit der dritten Sensorva-
riante – der Ausführung ohne Halteblech – sind bisher nur für die Messstelle im vier-
ten Segment verfügbar. Aufgrund der Prüfstandsergebnisse ist bei dieser Variante
mit einer vernachlässigbaren Messunsicherheit zu rechnen. Für die hier geschilder-
ten Messungen mit Dreifachsensoren vom Typ I muss von einer Unsicherheit von
maximal ±2 K ausgegangen werden.
Bei den „alten“ Messdaten handelt es sich um Experimente, die mit der ursprüngli-
chen Fluidtemperaturmessung mit einem radial angeordneten 0,5 mm Thermoele-
ment durchgeführt wurden, also um ca. 98% aller bisher verfügbaren Messdaten. Die
Fluidtemperaturen der Experimente in den vorangegangenen Abschnitten dieses
Kapitels wurden alle mit der alten 0,5 mm Messtechnik gewonnen. Mit der dreifachen
Fluidtemperaturmesstechnik stehen zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich Experi-
mente mit M1000k und 27% Pentananteil zur Verfügung. Neben den Durchsätzen 3,
4,4, 6,6, 10 und 15 l/h mit jeweils gleicher spezifischer Energiedichte von 20 MJ/m³
wurden noch die beiden Heizleistungen 4 und 6 kW/m² bei einem Durchsatz von
15 l/h gefahren.
Für den Durchsatz 15 l/h bei einer Heizleistung von 9 kW/m² ist in Bild 6.25 der Fluid-
temperaturverlauf entlang der Ringspaltstrecke zu sehen. Neben den Fluidtempera-
185
6. Versuchsauswertung
turen mit dreifacher Messung und dem daraus (linear) berechneten Mittelwert106 sind
in diesem Diagramm auch die Messwerte eines früheren Experimentes mit einfacher
Fluidtemperaturmessung (Thermoelement mit 0,5 mm Durchmesser) dargestellt. Die
Messpositionen der Thermoelemente im Ringspalt sind jeweils 1 mm für Position 1
(Abkürzung P.1), 2,5 mm für Position 2 (= P.2) und 4 mm für Position 3 (= P.3) von
der Innenrohrwand entfernt, Details siehe Abschnitt 4.1.3. Position 2 in der Mitte des
Ringspaltes würde demnach der Position der alten Fluidtemperaturmessung mit ei-
nem 0,5 mm Thermoelement entsprechen.
Beim Betrachten von Bild 6.25 fällt auf, dass insbesondere im mittleren Bereich der
Versuchsstrecke die Differenz zwischen der heizwandnahen Position 1 und den bei-
den anderen Messstellen besonders groß ist. Während die Temperaturdifferenzen
am Anfang der Strecke jeweils ca. 13 K zwischen Position 1 und den beiden äußeren
30 60 90 120 150 180 210
50
60
70
80
90
100
110
120
130 M1000k, 27%
15 l/h, 9 kW/
1-fache Messung:
(Mitte RSP)
Pos. 3 2 1
3-fach Messung:
Pos. 1 (1mm)
Pos. 2 (2.5mm)
Pos. 3 (4mm)
MW (1+2+3)/3
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.25: Temperaturmesswerte des Dreifachsensors (Variante I) sowie des einfa-
chen Thermoelements (0,5 mm), 15 l/h mit 9 kW/m², M1000k mit 27% Pen-
tan; zusätzlich ist der linear berechnete Mittelwert der drei Thermoelemen-
te angegeben mit MW = (Pos.1+2+3)/3
106 Der Mittelwert wurde auf einfache Weise durch die Addition aller drei Werte und anschließender
Division durch 3 berechnet: (T(Pos1) + T(Pos2) + T(Pos3)) / 3 = Mittelwert. Detaillierte Berechnungen
unter Berücksichtigung des Strömungsprofils und temperaturabhängiger Viskositäten haben gezeigt,
dass die adiabate Mischtemperatur nur geringfügig von diesem einfachen Mittelwert abweicht.
186
6. Versuchsauswertung
Positionen 2 und 3 – P.2 und P.3 liefern im ersten Segment noch annähernd gleiche
Temperaturwerte – betragen, erreichen diese im vierten Segment 35 K für P.2 bzw.
45 K für P. 3. Ab hier nehmen die Temperaturdifferenzen zwischen den drei Positio-
nen wieder ab und erreichen an der letzten Messstelle der Versuchsstrecke nur noch
5 K (P.1 zu P.2) bzw. 9 K (P.1 zu P.3).
Das ausgeprägte Temperaturprofil im vierten Segment, in dem bereits eine starke
Blasenbildung festgestellt wurde, widerspricht der früheren „Theorie“, dass ein aus-
geprägtes radiales Temperaturprofil vor allem auf den einphasigen Bereich der Ver-
suchsstrecke beschränkt sei. Für die zweiphasige Strömung wurde angenommen,
dass das Temperaturprofil wesentlich schwächer ausgebildet wäre, da durch die
Pentandampfblasen ein intensiver Stoffaustausch und somit auch Wärmetransport
radial über den Ringspalt stattfinden würde107. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass
die Dampfblasen in der Strömung für den radialen Wärmetransport keine oder nur
eine sehr untergeordnete Rolle spielen.
Vergleich man nun die Fluidtemperaturen der neuen Messtechnik mit denen der „al-
ten“, einfachen 0,5 mm Sensoren, werden die weiter oben geschilderten Zusammen-
hänge besonders deutlich. Zwischen dem zweiten und fünften Segment liegen die
Messwerte der 0,5 mm Thermoelemente deutlich unterhalb der mittleren Messpositi-
on (Position 2). Die „alten“ Messwerte liegen in diesem Bereich sogar deutlich näher
an den Werten der äußersten, dritten Messposition108. Lediglich am Anfang der Stre-
cke und in den letzten drei Messstellen stimmen die Temperaturen des mittleren
0,25 mm Thermoelementes mit der alten 0,5 mm Messtechnik überein. Betrachtet
man den einfach berechneten Mittelwert aus den drei Messstellen, sind die Abwei-
chungen zu den Messwerten der 0,5 mm Thermoelemente noch größer109.
Würde man den lokalen Dampfanteil mit Hilfe der alten Fluidtemperaturmesstechnik
über eine Energiebilanz berechnen110, wäre dieser deutlich zu groß, da ein Großteil
107 In den Bereichen einer zweiphasigen Strömung wurde davon ausgegangen, dass sich das im ein-
phasigen Abschnitt entstandene radiale Temperaturprofil sehr schnell abbaut und nur noch in der
heizwandnahen Randschicht ein merklicher Temperaturgradient vorliegt.
108 Im 3. Segment beträgt die Abweichung zu P.2 z.B. 13 K (Maximalwert), zu P.3 dagegen nur 3 K.
109 Für eine genaue Berechnung im einphasigen Bereich müssten das temperaturabhängige Ge-
schwindigkeitsprofil und im zweiphasigen Bereich noch zusätzlich der Dampfanteil und die Phasenver-
teilung berücksichtigt werden. Die tatsächliche adiabate Mischtemperatur ist im einphasigen Bereich
etwas höher, da das Geschwindigkeitsprofil durch das Temperaturprofil beeinflusst wird.
110 Die tatsächliche Mitteltemperatur des Fluids ist wesentlich höher als die Messwerte der 0,5 mm
Thermoelemente, wodurch deutlich weniger Energie für das Verdampfen von Pentan zur Verfügung
steht, als mit den alten Messwerten angenommen werden konnte.
187
6. Versuchsauswertung
der sensiblen Wärme des Versuchsstoffgemisches nicht berücksichtigt worden wäre.
Allerdings wurden bei dem hier diskutierten Betriebspunkt mit 15 l/h und 9 kW/m²
Heizleistung die größten Abweichungen zur einfachen Fluidtemperaturmessung fest-
gestellt werden. Zu niedrigeren Durchsätzen hin ist sowohl zwischen den drei Mess-
stellen als auch zwischen den alten und neuen Messwerten eine deutliche Verringe-
rung der Temperaturdifferenzen zu erkennen.
Ein Beispiel hierfür zeigt Bild 6.26. Wie schon in Bild 6.25 sind hier die Fluidtempera-
turverläufe entlang der Versuchstrecke für die Messstellen des Dreifachsensors, de-
ren Mittelwert sowie der alten Messtechnik abgebildet, allerdings für einen deutlich
niedrigeren Durchsatz von 4,4 l/h bei 2,7 kW/m² Heizleistung, d.h. einer spezifisch
gleichen Heizleistung wie bei 15 l/h und 9 kW/m². Am Anfang der Strecke ist die Dif-
ferenz mit 11 K (P.1 zu P.2) bzw. 12 K (P.1 zu P.3) zwischen den einzelnen Mess-
stellen in etwa vergleichbar zu dem größeren Durchsatz. Während bei 15 l/h aller-
dings die Differenzen zwischen den unterschiedlichen Positionen bis zum vierten
30 60 90 120 150 180 210
50
60
70
80
90
100
110
120
130 M1000k, 27%
4.4 l/h, 2.7 kW/m²
1-fache Messung:
(Mitte RSP)
Pos. 3 2 1
3-fach Messung:
Pos. 1 (1mm)
Pos. 2 (2.5mm)
Pos. 3 (4mm)
MW (1+2+3)/3
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.26: Temperaturmesswerte des Dreifachsensors (Variante I) sowie des einfa-
chen Thermoelements (0,5 mm), 4,4 l/h mit 2,7 kW/m², M1000k mit 27%
Pentan; zusätzlich ist der linear berechnete Mittelwert der drei Thermo-
elemente angegeben mit MW = (Pos.1+2+3)/3
188
6. Versuchsauswertung
Segment anwachsen, verändern sich die Differenzen bei 4,4 l/h deutlich weniger
stark (viertes Segment: 13 K bzw. 17 K). Danach ist ein Abfall der Differenzen auf
9 K bzw. 11 K festzustellen, die bis zum Ende der Versuchsstrecke annähernd kon-
stant bleiben. An der letzten Messstelle betragen die Abweichungen nur noch wenige
Kelvin (2 K bzw. 4 K).
Vergleicht man nun die Messdaten der unterschiedlichen Sensoren miteinander, lie-
gen die Werte der alten Messtechnik auch hier wie schon bei 15 l/h zwischen dem
zweiten und fünften Segment unterhalb der mittleren Position 2, in den Segmenten II
und III sind sie annähernd mit der dritten Messposition identisch. Allerdings sind die
absoluten Abweichungen deutlich kleiner geworden. Während bei 15 l/h im dritten
Segment noch eine maximale Abweichung von 13 K zur mittleren Messposition zu
beobachten war, beträgt die maximale Abweichung – jetzt im zweiten Segment – nur
noch 5 K. Dementsprechend wären die zu erwartenden Fehler einer Energiebilanz-
rechnung bei diesem Betriebspunkt deutlich geringer als bei dem vorangegangenen
Experiment mit 15 l/h.
Überraschend ist das Verhalten an den letzten drei Messstellen. In diesem Bereich
sind die alten Temperaturmesswerte annähernd identisch mit den Mittelwerten der
Dreifachmessung, d.h. die Fluidtemperaturen der Positionen 2 und 3 liegen unterhalb
der 0,5 mm Messwerte. Da die Differenzen aber nur gering sind – die Messwerte der
zweiten und dritten Position weichen nur um ca. 3 bis 5 K von den alten Werten ab,
mit abnehmender Tendenz zum Ende der Versuchstrecke hin –, können die Diffe-
renzen aller Wahrscheinlichkeit nach mit leicht unterschiedlichen Pentankonzentrati-
onen erklärt werden. Während das Gemisch bei der neuen Messtechnik eine Kon-
zentration von ca. 26% Pentan besaß, konnte für die Messung mit alter Messtechnik
lediglich eine Konzentration von 24% festgestellt werden. Dementsprechend sind bei
dem Experiment mit niedrigerem Pentananteil insbesondere im unteren Abschnitt der
Versuchsstrecke höhere Fluidtemperaturen zu erwarten, da hier weniger Energie in
latente Wärme umgewandelt werden kann, als bei der höheren Pentankonzentration.
Generell lässt sich für die Fluidtemperaturmesstechnik festhalten, dass die zu beo-
bachtenden Unterschiede zwischen alter und neuer Messtechnik einer „Gesetzmä-
ßigkeit“ folgen. Da eine große Zahl von Messwerten mit der alten Fluidtemperatur-
messtechnik generiert wurde, und das Nachfahren aller Experimente einen unver-
hältnismäßig großen Aufwand darstellen würde, soll versucht werden, diese „Ge-
setzmäßigkeit“ genauer zu formulieren. Ermöglicht werden soll dies durch einen sys-
189
6. Versuchsauswertung
tematischen Vergleich weiterer Experimente mit jeweils alter und neuer Fluidtempe-
raturmesstechnik.
Abschließend soll noch ein Beispiel für die Durchsatzabhängigkeit des radialen Tem-
peraturprofils gegeben werden. In den vier Diagrammen von Bild 6.27 sind jeweils
die Fluidtemperaturen der drei Messpositionen sowie des linear berechneten Mittel-
werts für die Durchsätze 3, 4,4, 6,6, 10 und 15 l/h mit der jeweils gleichen spezifi-
schen Energiedichte von 20 MJ/m³ zu sehen. Die Messwerte bei 4,4 und 15 l/h sind
dabei identisch mit den beiden zuvor behandelten Experimenten.
50
60
70
80
90
100
110
120
130
M1000k
27% Pentan
15l/h 9kW
10l/h 6kW
6.6l/h 4kW
4.4l/h 2.7kW
3l/h 1.8kW
TE Pos.1
Versuchsstofftemperatur in °C
Pos. 3 2 1
TE Pos.2
30 60 90 120 150 180 210
50
60
70
80
90
100
110
120
130 TE Pos.3
Versuchsstofftemperatur in °C
Rohrlänge
Segment
I II III IV V VI VII
cm
0 30 60 90 120 150 180 210
TE-MW
Arithmetischer Mittelwert
aus den TE-Positionen 1,2,3
I II III IV V VI VII
cm
Bild 6.27: Fluidtemperaturen des Dreifachsensors mit Mittelwerten für fünf unter-
schiedliche Durchsätze von 4,4 l/h bis 15 l/h mit jeweils gleicher spezifi-
scher Energiedichte von 20 MJ/m³
190
6. Versuchsauswertung
Es ist deutlich zu erkennen, dass die Fluidtemperatur an Position 1 mit zunehmen-
dem Durchsatz deutlich ansteigt, während außen am Rohr an Position 3 nur relativ
kleine Veränderungen zu beobachten sind. Bemerkenswert ist insbesondere die
Temperaturdifferenz zwischen dem niedrigsten und größten Durchsatz an der ersten
Position im vierten Segment, die hier einen Wert von ca. 43 K annimmt, trotz der bei
beiden Durchsätzen spezifisch gleichen Heizleistung.
Wie in den vorangegangenen Abschnitten bereits erläutert wurde, hängt das Druck-
niveau in der Versuchsstrecke direkt vom jeweils eingestellten Durchsatz ab. Dies
führt wiederum auf die Abhängigkeit des Wärmeübergangs vom Druckniveau, da die
Verdampfung bei niedrigen Drücken wesentlich erleichtert wird. Dieser grundsätzlich
bekannte Zusammenhang lässt sich mit der dreifachen Fluidtemperatur-Messtechnik
direkt zeigen.
191
7. Zusammenfassung
7. Zusammenfassung
Im Rahmen der hier vorliegenden Arbeit wurde eine neuartige Versuchsanlage zur
grundlegenden Untersuchung des Wärmeübergangs und des Druckverlustes beim
Strömungssieden hochviskoser Fluide entwickelt, aufgebaut und deren Funktions-
tüchtigkeit nachgewiesen. Des Weiteren wurde damit begonnen, mit Hilfe dieser Ver-
suchsanlage eine experimentelle Datenbasis zu schaffen, die für die Modellierung
neuer Korrelationen für den Wärmeübergang und des Druckverlustes hochviskoser
2-Phasenströmungen unverzichtbar ist. Ein Teil der durchgeführten Experimente
wurde exemplarisch ausgewertet, um die systematischen Zusammenhänge ver-
schiedener Prozessparameter aufzuzeigen und zu diskutieren.
Das in dieser Arbeit verwendete Versuchsstoffsystem bestand aus einem hochvisko-
sen Silikonöl – drei unterschiedliche Grundviskositäten mit 10 Pa·s, 100 Pa·s und
1000 Pa·s wurden verwendet – und dem leichtflüchtigen n-Pentan, einem Kohlen-
wasserstoff aus der Reihe der n-Alkane. Im Gegensatz zu herkömmlichen Polymeren
hat Silikonöl vor allem die Vorteile, dass es einerseits chemisch stabil ist – d.h. die
Experimente sind unabhängig von der „Versuchshistorie“ des Polymers, wodurch es
mehrere Male wieder verwendet werden kann – und andererseits wesentlich leichter
zu handhaben ist, da es bei Umgebungstemperatur in flüssiger Form vorliegt.
Bei der Auslegung und Konstruktion der Versuchsanlage wurde vor allem auf eine
möglichst große Flexibilität hinsichtlich der einzustellenden Versuchsbedingungen
geachtet. Mit der jetzt zur Verfügung stehenden Anlage ist es möglich, die wichtigen
Prozessparameter wie Gemischdurchsatz, Wärmestromdichte bzw. Heizwandtempe-
ratur, Druckniveau, Lösungsmittelkonzentration und Grundölviskosität in einem wei-
ten Bereich zu variieren.
Als Besonderheit der Versuchsanlage ist dabei vor allem die Ringspaltversuchsstre-
cke zu nennen. Mit dieser neuartigen Versuchsstreckenkonstruktion ist es möglich,
auch die Strömungsverhältnisse in weiten Bereichen der Versuchsstrecke zu beo-
bachten. Hierfür spielt insbesondere die Klimakammer eine wichtige Rolle, da durch
das flexibel einstellbare Lufttemperaturprofil ein für die Aufstellung von Energiebilan-
zen notwendiger annähernd adiabater Betrieb der Versuchsstrecke gewährleistet
wird und sich die Experimente sehr gut reproduzieren lassen.
192
7. Zusammenfassung
Des Weiteren erlaubt die Ringspaltversuchsstrecke die Simulation kürzerer Sie-
derohre, da die beheizte Rohrlänge durch das Ausschalten einiger der insgesamt
sieben Segmente verkürzt werden kann. Zudem steht in der Anlage eine zweite Ver-
suchsstrecke zur Verfügung, die es erlaubt, Messergebnisse für die Ringspaltgeo-
metrie direkt mit einer in der Praxis häufig verwendeten Siederohrgeometrie zu ver-
gleichen und zu verifizieren. Nach den bisherigen Untersuchungen zeigen Fluidtem-
peratur- und Druckmesswerte für beide Geometrien eine gute Übereinstimmung.
Durch den Einsatz von hochtemperaturfesten Miniaturdruckaufnehmern gelang es,
den Druck entlang der Versuchsstrecken direkt an der Strömung und mit einer hohen
zeitlichen Auflösung zu messen. Obwohl die Messgenauigkeit der verwendeten Sen-
soren durch die erschwerten Einsatzbedingungen eingeschränkt ist, konnte durch
eine aufwendige temperaturabhängige Grundkalibrierung und eine nach jedem
Messtag zusätzlich durchgeführte Nachkalibrierung eine maximale Messunsicherheit
von nur ±27 mbar erreicht werden.
Im Bereich der Fluidtemperaturmessung wurden im Laufe des Projektes große Fort-
schritte erzielt. Während zu Anfang noch 2 mm Thermoelemente mit einer sehr gro-
ßen Messunsicherheit Verwendung fanden, konnten durch die für den Großteil der
Experimente verwendeten 0,5 mm Thermoelemente bereits wesentlich zuverlässige-
re Messwerte gewonnen werden. Den letzten Stand stellt die dreifache Temperatur-
messung mit 0,25 mm Thermoelementen dar, die in zwei unterschiedlichen Varian-
ten in der Ringspaltversuchsstrecke zur Anwendung kam, und jetzt auf die neuste,
dritte Variante umgerüstet wurde. Trotz der sehr beengten Platzverhältnisse im Ring-
spalt ist es mit der letzten Variante gelungen, in Strömungsrichtung eine freie Länge
entsprechend dem zwanzigfachen des Thermoelementdurchmessers zu realisieren
(5 mm/0,25 mm an Position 1). Hierdurch ist es erstmals möglich, das Temperatur-
profil einer hochviskosen 2-Phasenströmung in einem Ringspaltquerschnitt sowohl
radial als auch axial entlang der Versuchsstrecke genau zu vermessen.
Insbesondere aufgrund der oben genannten Vorteile der Versuchsstreckenkonstruk-
tion, der neuen dreifachen Fluidtemperatur-Messtechnik und der Möglichkeit, die
Ringspaltmessergebnisse durch eine Vergleichsstrecke zu verifizieren, kann mit Hilfe
dieser Versuchsanlage eine detaillierte und verlässliche Datenbasis zur Entwicklung
neuer Wärmeübergangs- und Druckverlustkorrelationen für hochviskose 2-Phasen-
strömungen geschaffen werden.
193
7. Zusammenfassung
Im Rahmen dieser Arbeit wurden mit der Ringspaltversuchsstrecke 101 verschiede-
ne Betriebspunkte angefahren, wovon 92 Betriebspunkte erfolgreich vermessen wer-
den konnten. Die restlichen 9 Betriebspunkte ließen sich aufgrund der technischen
Grenzen der Anlage nicht erfolgreich abschließen.
Da das Öl mit der niedrigsten Viskosität, M10k, nur während der Inbetriebnahme der
Versuchsanlage Verwendung fand, wurden hiermit lediglich 15 Betriebspunkte ange-
fahren. Diese Betriebspunkte decken den folgenden Parameterbereich ab: Pentan-
konzentration 12%, 18% und 27%, Wärmestromdichten „0“, 4, 6 und 9 kW/m² bei
einem Volumenstrom von jeweils 15 l/h.
Für das Öl mittlerer Viskosität, M100k, liegen Daten für 25 verschiedene Betriebs-
punkte vor. Bei den drei von M10k bekannten Konzentrationen wurden hier drei
Durchsätze mit 6,6, 10 und 15 l/h bei den Wärmestromdichten „0“, 4, 6 und 9 kW/m²
sowie den Heizwandtemperaturen 95°C, 120°C und 150°C eingestellt.
Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag auf dem Silikonöl mit der höchsten Visko-
sität, M1000k. Insgesamt wurden 97 Experimente durchgeführt, wovon 61 unter-
schiedliche Betriebspunkte repräsentieren. Bei den übrigen 36 Experimenten handelt
es sich um Wiederholungen einzelner Betriebspunkte zur Prüfung der Reproduzier-
barkeit. Bei den Experimenten mit M1000k wurde der folgende Parameterbereich
abgedeckt: Pentankonzentrationen 10%, 18% und 27%, Durchsätze 3, 4,4, 6,6, 10,
15 l/h sowie in einem Fall 22,5 l/h, „konstante Wärmestromdichten“ mit 1,8, 2,7, 4, 6,
und 9 kW/m² und zusätzlich „0“ kW/m², quasi konstante Heizwandtemperaturen
95°C, 120°C und 150°C.
Aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Messungen wurden die aussagekräf-
tigsten Experimente ausgewählt, um die systematischen Zusammenhänge der ver-
schiedenen Prozessparameter und Messgrößen zu veranschaulichen. Neben Mess-
größen wie Drücken und Temperaturen, wurden auch daraus abgeleitete Größen wie
Temperaturdifferenzen und Wärmeübergangskoeffizienten gezeigt und diskutiert.
Im ersten Teil der Auswertung wurde bei ansonsten gleich gehaltenen Versuchsbe-
dingungen für das Silikonöl mittlerer Viskosität, M100k, jeweils der Einfluss des
Durchsatzes, der Pentankonzentration und der Betriebsart auf den Wärmeübergang
und den Druckverlust untersucht.
194
7. Zusammenfassung
Analog zum ersten Teil wurden im zweiten Teil Experimente mit M1000k detailliert
ausgewertet. Neben einem Vergleich der Ölviskositäten M100k und M1000k bei bei-
den Betriebsarten der Ringspaltversuchsstrecke, wurde hier der Einfluss des Durch-
satzes auf Wärmeübergang und Druckverlust untersucht. Dabei sollte insbesondere
der Einfluss der unterschiedlichen Viskosität verdeutlicht werden.
Im dritten Teil der Auswertung wurden spezielle Fragestellungen behandelt. Eines
dieser Themen war die Untersuchung der periodischen Druck- und Temperatur-
schwankungen in der Ringspaltversuchsstrecke. Neben einer Analyse verschiedener
Betriebspunkte hinsichtlich ihres Schwingungsverhaltens und systematischer Zu-
sammenhänge zwischen Anlagen- und Betriebsparametern, wurde auch ein Erklä-
rungsansatz zur Schwingungsentstehung erarbeitet. Hieran schloss sich eine Dis-
kussion der ersten experimentellen Ergebnisse der neuen dreifachen Fluidtempera-
turmessung an, in der vor allem auf die Differenzen zur alten, einfachen Tempera-
turmessung eingegangen wurde.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Viskosität eines Fluids einen
großen Einfluss auf den Wärmeübergang hat. Neben den „konventionellen Einfluss-
faktoren“ wie Durchsatz, Lösungsmittelkonzentration, Wärmestromdichte bzw. Heiz-
wandtemperatur, wird vor allem auch durch die Viskosität die jeweilige Lage und
Ausprägung der verschiedenen Wärmeübergangsmechanismen im Siederohr be-
stimmt. Zusätzlich gewinnt bei hohen Viskositäten mit der Entspannungsverdamp-
fung ein Mechanismus an Bedeutung, der in dieser Form bei niedrigviskosen Fluiden
keine Rolle spielt. In den Wärmeübergangskorrelationen für niedrigviskose Fluide
findet dieser Mechanismus dementsprechend keine Berücksichtigung. Auch die beo-
bachteten extremen radialen Temperaturgradienten sind durch die Viskosität be-
stimmt, und stellen eine besondere Herausforderung für die Formulierung eines de-
taillierten Wärmeübergangsmodells dar. Des Weiteren zeigte sich bei hoher Ölvisko-
sität und hoher Lösungsmittelkonzentration ein in dieser Form bisher noch nicht do-
kumentiertes Schwingungsverhalten, welches in Zukunft noch Gegenstand weiterer
Untersuchungen sein wird.
195
8. Nomenklatur
8. Nomenklatur
Wärmeübergang:
Symbol Bedeutung Einheit
A Fläche m²
U Umfang m
l Rohrlänge m
d Durchmesser m
dhyd Hydraulischer Durchmesser m
g Erdbeschleunigung 9,81 m/s²
v Strömungsgeschwindigkeit m/s
Massenstrom kg/h
m
&
normierter Massenstrom 100 kg/m²s
0
m
&
ρ Dichte kg/m³
xD Strömungsdampfgehalt %
SD Dicke der Dampfschicht m
p Siededruck oder Systemdruck bar
p* normierter Siededruck (p/pkritisch) -
F(W) Eigenschaften der Heizwandoberfläche -
Ra arithmetischer Mittenrauhigkeitswert (DIN 4762/01.89) µm
Ra0 normierter Mittenrauhigkeitswert 0,4 µm
Q Wärmestrom Watt
&
Wärmestromdichte W/m²
q
&
normierte Wärmestromdichte 20 kW/m²
0
q
&
α Wärmeübergangskoeffizient W/m²K
α0 normierter Wärmeübergangskoeffizient bei *
0
p und [26] W/m²K
0
q
&
T Temperatur °C
T Temperaturdifferenz Heizwandoberfläche - Fluid K
TR Randschichttemperatur Gas/Polymer K
σ Oberflächenspannung N/m
c Wärmekapazität kJ/kgK
cpP Wärmekapazität der Polymerphase kJ/kgK
cpG Wärmekapazität der Gasphase kJ/kgK
196
8. Nomenklatur
η dynamische Viskosität Pas
µ kinematische Viskosität m²/s
λ Wärmeleitfähigkeit W/mK
hv Verdampfungsenthalpie kJ/kg
β Stoffübergangskoeffizient m²/s
M mittleres Molekulargewicht kg/kmol
m
ϑ
mittlere logarithmische Temperaturdifferenz K
ζ
Widerstandsbeiwert (Druckverlust) -
φ Korrekturfaktor für die Exzentrizität des Ringspaltes -
Tiefgestellte Indizes
Bl Auf den Blasendurchmesser bezogene Kennzahl
KS Konvektives Sieden
BBS Behälterblasensieden
SBS Strömungsblasensieden
G Stoffwerte der Gasphase
F Stoffwerte der Flüssigphase
L auf rein einphasige flüssige Strömung bezogene Größe
W Heizwandoberfläche
2Ph auf 2-phasige Strömung bezogene Größe
GO Gas-Only
LO Liquid-Only
z Längenkoordinate in axialer Richtung des Rohres / Ringspaltes
WF Differenz Heizwand – Fluid
Pol Eigenschaften des Polymers
SL Schlitzdicke (Geometrie) [37]
i bezogen auf den Innendurchmesser des Ringspaltes
a bezogen auf den Außendurchmesser des Ringspaltes
KR bezogen auf ein Rohr mit Kreisgeometrie
Hochgestellte Indizes
n Exponent des asymptotischen Ansatzes
´ Flüssigphase
´´ Gasphase
197
8. Nomenklatur
Kennzahlen
Nu Nußelt-Zahl: Dimensionsloser Wärmeübergangskoeffizient
Re Reynolds-Zahl: Verhältnis Trägheitskraft zu Reibungskraft
Pr Prandtl-Zahl: Stoffwertverhältnis (z.B. Pr = ηcP/λ)
b Laplace-Konstante: Verhältnis Oberflächenspannung / Auftriebskraft
Cf Material-Konstante: Materialeigenschaften der Oberfläche
F 2-Ph.-Multiplikator: Korrekturfaktor 1-Phasige / 2-Phasige Strömung
S Korrekturfaktor: Funktion der 2-Phasen Reynoldszahl
Xtt Martinelli-Parameter: Reibungsdruckverlust Flüssigphase/Gasphase
Bo Siedezahl: Normierte Wärmestromdichte ( /h
q
&m
&ve)
Co Konvektionzahl: Modifizierter Martinelli-Parameter (Shah [18])
Fr Froude-Zahl: Verhältnis Trägheitskraft zu Schwerkraft
E Verbesserungsfaktor: Funktion von Bo und Co
Ffl Kandlikar-Parameter: Korrektur des Blasensiedenanteils
F(W) Rauhigkeitsparameter: Heizwandeigenschaften mit Ra und Rao
ST Stantonzahl: Quotient aus Nußelt- und Peclet-Zahl
Versuchsanlage:
β thermischer Ausdehnungskoeffizient
Fp Druckkraft N
p Flächenpressung N/mm²
S Sicherheitsbeiwert -
lt Wärmeausdehnung mm
MA Anzugsmoment Nm
MRA Drehmoment in der Mutterauflage Nm
FVM Montage-Vorspannkraft N
µGes Gesamtreibwert Gewinde -
δ
Teilflankenwinkel °
ϕ
Steigungswinkel Gewinde °
d2 Gewindeflankendurchmesser mm
dW Auflagedurchmesser Schraubenkopf mm
dh Durchmesser des Schraubenlochs mm
198
8. Nomenklatur
P Gewindesteigung mm
dk wirksamer Reibungsdurchmesser mm
Messtechnik:
TMS Temperatur der Thermoelement-Messstelle °C
TVS Temperatur der Vergleichs-Messstelle °C
E gemessene Thermospannung µV
RT temperaturabhängiger Widerstand (PT)
R0 Grundwiderstand (PT)
USP Messbrücken-Speisespannung V
UBrSp gemessene Brückenspannung mV
UNorm normierte Druckaufnehmerspannung -
PRef Druck des Referenzdruckaufnehmers bar
PT temperaturabhängige Druckberechnung bar
PRef Unsicherheit der Spannungsmessung mV
RFehler Unsicherheit der Widerstandsmessung
ILE integrale Linearität LSB
DLE differentielle Linearität LSB
Tmax maximale Messunsicherheit K
TMS/VS Messunsicherheit Thermoelementverstärker K
Tmittel mittlerer absoluter Fehler (Gaus) K
xj j - Unsicherheiten -
TTE Thermoelementtemperatur (= TMS) K
TKK Temperatur des Kupferquaders (= TVS) K
TKor korrigierte Thermoelementtemperatur K
c0 Korrekturkoeffizient 0,25 mm Thermoelemente K
c1 Korrekturkoeffizient 0,25 mm Thermoelemente 1
c2 Korrekturkoeffizient 0,25 mm Thermoelemente 1/K
VB Füllvolumen Probenbehälter ml
mB Gewicht Probenbehälter g
mE Einwaage in Probenbehälter g
199
9. Literaturverzeichnis
9. Literaturverzeichnis
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tenblatt gemäß EG-Richtlinie 91/155/EWG, Stand 03.03.2004
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GmbH, D-65779 Kelkheim/Ts, Datenblätter Technische Informationen
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GmbH & Co Kg, D-76593 Gernsbach, Gesamtkatalog, 1994/ 1995
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Braunschweig, 12. Auflage, 1992
205
10. Anhang
10. Anhang
10.1 Berechnung der Schauglas-Schraubverbindung
Aufgrund der stark voneinander abweichenden Wärmeausdehnungskoeffizienten1
von Borosilikatglas 3.3 und Edelstahl 1.4571, musste bei der Auslegung der Flansch/
Schraubenverbindung insbesondere die unterschiedliche Wärmedehnung der einzel-
nen Bauteile berücksichtigt werden. Hierfür dienen die montierten Tellerfedern, die in
jedem Betriebszustand der Versuchsstrecke für eine ausreichende Anpresskraft an
der Dichtfläche sorgen sollen. Die Berechnung des Federnpakets mit der benötigten
Vorspannung und des Federwegs geschah mit Hilfe der Schrauben/Tellerfeder Be-
ziehungen von Roloff und Matek [44].
Am Anfang der Tellerfederberechnung musste zuerst die zu erwartende Ausdeh-
nungsdifferenz nach Gleichung 10.1 berechnet werden:
TlTll
= GlasGlasStahlStahlt
β
β
(10.1)
Bei einer maximalen Betriebstemperatur von 150°C (T = 130 K bei TU = 20°C) und
einer Bezugslänge von 140 mm der Stahlbauteile und 100 mm des Schauglases,
beträgt die zu kompensierende Ausdehnung lt = 0,27 mm.
Um zwischen den Schaugläsern und Flanschen eine zuverlässige Abdichtung zu
gewährleisten, wurde ein Wert von pmin = 10 N/mm² als mindestens notwendige Flä-
chenpressung2 angenommen. Mit einem Sicherheitsfaktor von S = 3,2 – entspre-
chend einer minimalen Flächenpressung von pmin,S=3.2 = 32 N/mm² –, der neben dem
relativ ungünstigen geometrischen Verhältnis zwischen Dichtflächen und Flanschen
auch Fertigungstoleranzen3 berücksichtigt, ergibt sich über die Dichtfläche des Glas-
rohres (346 mm²) eine mindestens benötigte Dichtungskraft von 11072 N4.
1 Wärmeausdehnungskoeffizienten Borosilikatglas 3.3: 3,3x10-6/K, Edelstahl 1.4571: 17x10-6/K, Stoff-
werte aus VDI-Wärmeatlas Kapitel Dea, Abschnitt Metalllegierungen [45]
2 Dieser Wert stammt aus langjährigen Erfahrungen im Institut mit der Abdichtung von Schaugläsern
in Siede- und Phasengleichgewichtapparaturen durch Teflondichtungen.
3 Die Flansche wurden samt Dichtfläche auf der Drehbank fertig bearbeitet, bevor die Schweißverbin-
dung zu den 20 mm Rohrstücken hergestellt wurde. Dadurch bestand die Gefahr eines nachträglichen
Verzugs der Dichtfläche.
4 Bei der Berechnung der Dichtungskraft ist die vom Innendruck erzeugte Gegenkraft auf die Schau-
glasdichtungen zu vernachlässigen, da sich bei einem Auslegungsdruck von 10 bar lediglich eine
Druckkraft von Fp = 235 N ergibt.
206
10. Anhang
Da für die Schauglasverschraubung sechs Gewindestangen benutzt werden, müssen
die Tellerfedern jeder Verschraubung dementsprechend Fmin/6 = 1845 N aufbringen.
Als Tellerfeder wurde der Typ 16x8.2x0,9 der Gruppe I aus Edelstahl 1.4307 mit ei-
ner Federkonstante von S = 3846 N/mm ausgewählt. Die Feder besitzt bei einer Aus-
lenkung von 75% des maximalen Federweges – entsprechend 0,26 mm – eine Fe-
derkraft von 1000 N. Durch die Kombination von Parallel- und Reihenschaltung –
„Ineinander“ legen bzw. „Hohl“ legen – der Tellerfedern lässt sich jeweils der benötig-
te Federweg bzw. die erforderliche Federkonstante erreichen.
Mit den oben berechneten Werten ergab sich eine Federkonstruktion mit 3 x 3
Federn in Parallel- und Reihenschaltung5. Der minimal benötigte Federweg für Fmin/6
beträgt demnach Fmin/S = lmin = 0,48 mm. Berücksichtigt man nun noch die Wärme-
ausdehnung lt, ergibt sich ein erforderlicher Gesamtfederweg von lges = 0,75 mm.
Mit der Federkonstante S = 3846 N/mm ergibt sich dementsprechend einer Schrau-
beneinzelkraft von 2885 N, bzw. eine Gesamtkraft von 17310 N6.
Um diese Kraft aufzubringen, musste nun noch das hierfür nötige Anzugsmoment
der 8 mm Schrauben ermittelt werden. Dies geschah mit Hilfe der Formel für das
rechnerische Anzugsmoment MA von Befestigungsschrauben mit metrischem Regel-
und Feingewinde von Roloff/Matek [44]:
+
+
+=
ϕ
δ
µ
tan
2)2/cos(
0,5 hw
gesVMA
2
2
1
ddd
dFM (10.2)
mit der Schrauben Montage-Vorspannkraft FVM, dem Gewindeflankendurchmesser
d2, der Gesamtreibungszahl im Gewinde und am Schraubenkopf µGes, dem Teilflan-
kenwinkel 2/
δ
, dem äußeren Auflagedurchmesser des Schraubenkopfes bzw. der
Mutter dw, dem Durchmesser des Durchgangsloches dh nach DIN ISO 273 [65], so-
wie dem Steigungswinkel des Gewindes
ϕ
. Für metrische ISO-Gewinde mit einem
Flankenwinkel von 60°, lässt sich Gleichung 3.9 auch in folgender Form schreiben:
5 Durch diese Kombination der Tellerfedern bleibt die Federkonstante gegenüber einer einzelnen Fe-
der unverändert; allerdings steht nun ein dreifacher maximaler Federweg zur Verfügung.
6 Bei der Festlegung der Tellerfeder Konfiguration musste vor allem auch die maximal zulässige Flä-
chenpressung des Borosilikatglases von 100 N/mm² berücksichtigt werden; das Überschreiten dieses
Wertes hätte ansonsten die Zerstörung des Schauglases zur Folge. Bei der berechneten Vorspann-
kraft von 17310 N/mm und einer Dichtfläche von 346 mm² ergibt sich allerdings nur ein Wert von
50 N/mm², so dass eine ausreichende Sicherheit gewährleistet werden kann.
207
10. Anhang
MA = FVM · (0,159P + µges(0,577d2 + dk / 2)) (10.3)
mit der Gewindesteigung P und dem wirksamen Reibungsdurchmesser dk für das
Drehmoment MRA in der Schraubenkopf- bzw. Mutterauflage.
Für den wirksamen Reibungsdurchmesser dk gilt: 4/)(2/ hwk ddd
+
(10.4)
Die Gewindekenngrößen der hier verwendeten Verschraubung sind in Tabelle 10.1
zusammengefasst.
Tabelle 10.1: Kenngrößen der Schauglasverschraubungen
Schrauben-Gewinde nach DIN 13T1 M8
Nenndurchmesser Schraube in mm d 8
Gewindeflankendurchmesser in mm d27,188
Gesamtreibungszahl (experimentell) µges 0,093
Auflagedurchmesser in mm dwd 11,2
Durchgangsloch Durchmesser in mm dh8,4
Steigungswinkel Gewinde φ 3,17°
Reibungsdurchmesser in mm dk/2 4,9
Gewindesteigung in mm P 1,25
Minimale Schraubenkraft in N Fmin 1845
Maximale Schraubenkraft in N Fmax 2885
Da für die Berechnung des korrekten Anzugsmomentes die Gesamtreibungszahl µges
so genau wie möglich bekannt sein musste, wurden für deren Bestimmung Anzugs-
versuche unter vergleichbaren Randbedingungen vorgenommen. Dabei wurde für
µges ein Wert von 0,093 ermittelt7. Mit Gleichung 10.3 ergab sich daraus letzten En-
des ein Schraubenanzugsmoment von MA = 3 Nm.
7 Die Werte für verschiedene Oberflächen-, Werkstoff- und Schmiermittelpaarungen sind in der Regel
in Tabellen zu finden, und wird z.B. von Roloff/Matek [44] für die hier verwendete Schraubverbindung
mit gewalzten Gewinden aus Edelstahl und einem Schmiermittel auf Kupferbasis in einem Bereich von
µ = 0,08 bis 0,12 angegeben. Dieser relativ große Bereich für die Gleitreibungszahl war jedoch für die
angestrebte Genauigkeit sehr unbefriedigend, da sich beispielsweise bei µ = 0,08 eine Schraubenkraft
von 3525 N einstellen würde, bei µ = 0,12 allerdings nur 2336 N, d.h. fast 30% weniger als im güns-
tigsten Fall. Dementsprechend war die genaue Kenntnis des Reibwertes von besonderer Wichtigkeit.
208
10. Anhang
Auf ähnliche Weise wurde bei der Fallrohrversuchsstrecke die Vorspannung der Tel-
lerfedern berechnet und ist so gewählt, dass die unterschiedliche Wärmedehnung
Glas/Metall und das Setzen der 0,5 mm Teflondichtungen kompensiert wird. Die ma-
ximale Flächenpressung des Glases wurde dabei ebenfalls berücksichtigt.
Im Gegensatz zu der Ringspaltversuchsstrecke wurden aufgrund der kürzeren
Schaugläser und Gewindestangen (50 mm zu 100 mm und 90 mm zu 140mm) – d.h.
weniger Längendifferenz bei thermischer Ausdehnung – 2 x 3 Tellerfedern (3 Federn
in Parallelschaltung, die dann als 2 „Pakete“ in Reihe geschaltet wurden) benutzt.
Das Anzugsmoment wurde auf MA = 2,5 Nm abgesenkt, da ansonsten die Flächen-
pressung an der Dichtung aufgrund der kleineren Auflagefläche der Schaugläser
(346 mm² zu 201 mm²) zu groß geworden wäre.
10.2 Probenaufbereitung und Behälterreinigung
Die bei der Probenaufbereitung sowie der Behälterreinigung zu berücksichtigenden
Verfahrensschritte sind im Ablaufschema in Bild 10.1 zu sehen. Die dort aufgeführten
Arbeiten beruhen teilweise auf den Erfahrungen mit der Probenanalyse, wie sie bei
den am Institut verwendeten Phasengleichgewichtsapparaturen durchgeführt wurde.
Da das Silikonöl aufgrund seiner sehr hohen Viskosität eine zuverlässige Probenana-
lyse im Vergleich zu niedrigviskosen Stoffen wie Wasser und Alkoholen allerdings
stark erschwerte, mussten neue Verfahrensschritte entwickelt werden, die die spe-
ziellen Eigenschaften des Silikonöls berücksichtigen.
Nur das strikte Befolgen dieser Verfahrensschritte verbunden mit dem Einhalten der
erforderlichen hohen Sauberkeit während der Probenaufbereitung und Behälterreini-
gung kann letzten Endes ein verlässliches Resultat der Pentangehaltanalyse ge-
währleisten. Im Folgenden soll allerdings nur kurz auf die Besonderheiten einiger
Verfahrensschritte im Ablaufschema näher eingegangen werden.
Von besonderer Wichtigkeit ist beispielsweise die gründliche Reinigung der Behälter
von außen nach der Probenahme, da insbesondere im Anschlussstutzen des Kugel-
hahns stets Ölreste verbleiben, die das Messergebnis stark verfälschen können. Als
Lösungsmittel für die Außenreinigung der Behälter ist n-Pentan aufgrund seines ho-
hen Dampfdrucks (Explosionsschutz!) nur bedingt geeignet, weshalb n-Heptan mit
209
10. Anhang
Gereinigte
Bild 10.1: Vorgehensweise bei der Probenaufbereitung und Behälterreinigung
Probenbehälter
Evakuieren und Be-
stimmung des Leer-
gewichtes (LGV)
Belüften und Be-
stimmung des Leer-
gewichtes (LGB)
Evakuieren der Be-
hälter für anschlie-
ßende Probenahme
Probenahme Vorrats-
behälter (A) und nach
Austragspumpe (B)
Reinigung der Pro-
benbehälter von
Außen mit Heptan
Verdampfen des
Heptans im Labor-
ofen bei 120°C
Wiegen der Behälter:
bei Vakuum und offe-
nem Ventil
Evakuieren für ca.
10 Minuten
Zeitspanne abhän-
gig vom Durchsatz
Einlegen in Heptan
für ca. 24 Stunden
Im Ofen für ca. 24
Stunden
Analysierte
Probenbehälter
Evakuieren für ca.
10 Minuten ca. 24 Stunden
Auflösen des Öls
Einfüllen von 50 ml
Pentan zum Auflö-
sen des Silikonöls
Ablassen des Sili-
konöl/Pentan Gemi-
sches in Becherglas
ca. 24 Stunden
Ablassen des Öls
Einfüllen von Heptan
zum Auflösen des
restlichen Öls
Wiederholung des
Vorgangs 5 mal
Ablassen des Hep-
tans in Entsor-
gungsbehälter Pro Vorgang jeweils
ca. 2 Stunden
Spülen mit Pentan
zur Entfernung des
Heptans
Ablassen des Pen-
tans in Entsor-
gungsbehälter
Wiederholung des
Vorgangs 2 mal
Pro Vorgang jeweils
ca. 1 Stunde
Evakuieren im Ofen
bei 120°C zur Ent-
fernung des Pentans
Im Ofen für ca. 24
Stunden
Proben (B): freies
Verdampfen des Pen-
tans im Ofen 120°C
Proben (A): Verdamp-
fen des Pentans bei
PUmgebung und TUmgebung
Gereinigte
Probenbehälter
Abkühlen, Ventil
schließen und aus
Ofen ausbauen
Präzisionswaage:
Auflösung 0.000 g
Kontrollvergleich
mit alten Werten
2 Wochen Evakuie-
ren der Behälter im
Laborofen bei 120°C
Proben (A): freies
Verdampfen des Pen-
tans im Ofen bei
60°C, 90°C, 120°C
Wiegen der Behälter
mit Vakuum und mit
offenem Ventil
24 Stunden
belüften (ca.)
jeweils ca.
24 Stunden
Analysierte
Probenbehälter
210
10. Anhang
seinem deutlich niedrigeren Dampfdruck verwendet wird, bei einer vergleichbar gu-
ten Löslichkeit in Silikonöl, siehe Abschnitt 3.2. Allerdings zeigte die Erfahrung, dass
das alleinige Reinigen durch n-Heptan nicht ausreichte. Vielmehr wurde das Proben-
gewicht durch das n-Heptan zusätzlich verfälscht, da es sich in den Verschraubun-
gen des Kugelhahns und Rohradapters sammelte, und von dort nur sehr langsam an
die Umgebung abdampfte. Dies begründet das Aufheizen der Probenbehälter im La-
borofen für 24 Stunden vor dem eigentlichen Ausdampfprozess des Pentans, da
hierdurch das in den Gewinden verbliebene n-Heptan durch Verdampfen entfernt
werden kann. Erst danach können die fertig gereinigten Probenbehälter gewogen
und in den Laborofen zum Ausdampfen des Pentans eingebaut werden.
Ein weiterer Punkt, dem in diesem Zusammenhang besondere Beachtung gehört, ist
die Anfangsgehaltanalyse, insbesondere bei Pentangehalten von 27%. Bedingt
durch den hohen Pentananteil neigt das Silikonöl-Pentangemisch schon bei leichtem
Vakuum zu starker Schaumbildung, die wiederum zu einer deutlichen Volumenver-
größerung des Behälterinhalts führt. Aus diesem Grund können die Behälter nicht
direkt an das Vakuumsystem im Laborofen angeschlossen werden, da die Volumen-
vergrößerung unter Umständen so groß ist, dass ein Schaum aus Silikonöl und Pen-
tan aus dem Behälter austritt. Dies hätte nicht nur die „Zerstörung“ der jeweiligen
Probe zur Folge, sondern unter Umständen auch der über Rohrleitungen des Vaku-
umsystems parallel angeschlossenen Proben. Die Behälter werden daher für einige
Zeit mit geöffnetem Ventil im Ofen belassen, wodurch der größte Teil an Pentan „frei“
verdampfen kann. Erst nach ca. 24 Stunden werden die Behälter angeschlossen und
evakuiert, siehe auch Bild 10.1.
211
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ِﻢﻴِﺣﱠﺮﻟا ِﻦ َﻤ ْ ﱠﺮ ا ِﻪﱠﻠﻟا ِﻢ ْ ِﺑ
اُ ْﻤ َ ْﻟ ِﻪ ّ ِﻟ ِّبَراْﻟَﻦ ِﻤ َﻠ ََﻌ
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