Analyse der Fertigungs- und Prozeßeinflüsse auf die
Spannungsrißbildung beim Fügen amorpher Thermoplaste mittels
Heizelement
zur Erlangung des akademischen Grades eines
DOKTORS DER INGENIEURWISSENSCHAFTEN (Dr.-Ing.)
der Fakultät für Maschinenbau
der Universität Paderborn
genehmigte
DISSERTATION
von
Dipl.-Ing. Joachim Schnieders
aus Hörstel
Tag des Kolloquiums: 05.November.2004
Referent: Prof. Dr.-Ing, Helmut Potente
Korreferent: Prof. Dr.-Ing, Andreas Limper
Vorwort
Diese Arbeit entstand in den Jahren 1998 bis 2002 während meiner Zeit als
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Kunststofftechnik der Universität
Paderborn.
Mein besonderer Dank gilt dem Institutsleiter Herrn Prof. Dr.-Ing. Potente für seine
Unterstützung und das mir jederzeit entgegengebrachte Vertrauen. Für die
Übernahme des Korreferates und die damit verbundene kritische Durchsicht der
Arbeit danke ich Herrn Prof. Dr.-Ing. Limper.
Allen Mitarbeitern des Instituts für Kunststofftechnik danke ich für die gute und
kooperative Zusammenarbeit und die anregenden Diskussionen. Ganz besonders
danken möchte ich allen studentischen Hilfskräften sowie Studien- und
Diplomarbeitern, ohne deren tatkräftige Unterstützung diese Arbeit nicht entstanden
wäre.
Zahlreiche interessante Hinweise erhielt ich durch die enge Kooperation mit dem
Laboratorium für Technische Mechanik (LTM) in Paderborn und durch die Mitarbeiter
des DVS Arbeitskreises Heizelementschweißen. Diesbezüglich möchte ich
besonders Herrn Dr.-Ing. K. Linnenbrock für die Kooperations- und Diskussions-
bereitschaft danken.
Die Ergebnisse der Arbeit wurden im Rahmen von Forschungstätigkeiten
zusammengetragen, die dankenswerterweise von der Arbeitsgemeinschaft
industrieller Forschung (AiF) finanziert wurden. Hierfür, sowie für die großzügige
Bereitstellung von Versuchsmaschinen und –materialien, bedanke ich mich bei den
Firmen BASF AG, Bayer AG, bielomatik Leutze GmbH und Degussa.
Ganz besonders und nicht zuletzt möchte ich mich für die Unterstützung meiner Frau
Heidrun und die erfrischenden und ideenreichen Eskapaden meines Sohns Malte
bedanken, die es mir immer wieder ermöglichten, mich von dem Thema zu lösen und
mit neuen Ideen die Arbeit zu vollenden.
Joachim Schnieders Paderborn, im Dezember 2004
Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 STAND DER TECHNIK UND FORSCHUNG 2
2.1 Grundlagen zum Schweißen mittels Heizelement 2
2.1.1 Einordnung des Verfahrens und Anwendungsgebiete 2
2.1.2 Verfahrensablauf und Prozeßphasen 3
2.2 Kenntnisstand beim Schweißen von amorphen Thermoplasten 5
2.3 Grundlagen der Spannungsrißbildung 7
2.3.1 Spannungsaufbau beim Spritzgießen und Schweißen 7
2.3.2 Einfluß physikalisch aktiver Medien 10
2.3.3 Verfahren, Prüfvorschriften und Normen zur Ermittlung der
Eigenspannungen und des Spannungsrißverhaltens 14
3 PROBLEMSTELLUNG, ZIELSETZUNG UND VORGEHENSWEISE 16
3.1 Problemstellung 16
3.2 Zielsetzung und Vorgehensweise 17
4 UNTERSUCHUNGEN ZUM EINFLUß DES SPRITZGIEßPROZESSES
MIT HILFE DER FEM-ANALYSE 19
4.1 Berechnungsgrundlagen 19
4.2 Versuchsdurchführung und –auswertung an einer ebenen Rechteckplatte 20
4.2.1 Diskretisierung des FE-Modells 20
4.2.2 Simulationsergebnisse zur Temperatur- und
Spannungsberechnung 21
4.2.3 Simulationsergebnisse zur Bestimmung des J-Integrals 25
4.3 Versuchsdurchführung und –auswertung an einer Heckleuchtengeometrie 27
4.3.1 Diskretisierung des FE-Modells 28
4.3.2 Simulationsergebnisse zur Temperatur- und
Spannungsberechnung 28
5 EINFLUß DER PROZEßPARAMETER BEIM
HEIZELEMENTSCHWEIßEN 31
5.1 Parameterstudien mit anschließenden Benetzungstests 31
Inhaltsverzeichnis II
5.1.1 Grundlagen zur Vorgehensweise beim Einsatz von
Benetzungstests 31
5.1.2 Versuchsauswertung zum Werkstoff Polymethylmethacrylat 34
5.1.3 Versuchsauswertung zum Werkstoff Polycarbonat 39
5.1.4 Zusammenfassung der Ergebnisse zum Benetzungstest 41
5.2 Parameterstudien mit spannungsoptischer Auswertung 41
5.2.1 Grundlagen der Spannungsoptik 42
5.2.2 Versuchsdurchführung und Auswertung 44
5.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse 52
5.3 Einsatz der Bohrlochmethode zur Spannungsermittlung 53
5.3.1 Grundlagen zum Einsatz der Bohrlochmethode 54
5.3.2 Versuchsdurchführung und Auswertung 56
5.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse 60
5.4 Theoretische Betrachtung mit Hilfe der FEM-Analyse 61
5.4.1 Simulationsergebnisse zum Einfluß der Prozeßparameter am
Modell ebene Platte 61
5.4.2 Einfluß der Prozeßparameter auf das J-Integral am Modell ebene
Platte 64
5.4.3 Simulationsergebnisse zum Einfluß der Prozeßparameter am
Modell Heckleuchte 66
5.4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse 67
5.5 Zusammenfassende Bewertung des Prozeßparametereinflusses und der
Untersuchungsmethoden 68
6 MODELLBETRACHTUNGEN ZUR SPANNUNGSENTWICKLUNG BEIM
HEIZELEMENTSCHWEIßEN 70
6.1 Das Schichtenmodell 70
6.1.1 Temperaturberechnung 71
6.1.2 Spannungsberechnung 78
6.2 Numerische Beschreibung der Stoffwerte 82
6.2.1 Anpassung der Wärmekennzahlen 82
6.2.2 Temperaturabhängigkeit der Stoffwerte 86
6.2.3 Anpassung der Relaxationskennzahlen 88
6.3 Spannungsberechnung mit dem Schichtenmodell 89
6.3.1 Spannungsverlauf über der Prozeßzeit 89
Inhaltsverzeichnis III
6.3.2 Eigenspannungszustand in Abhängigkeit der Prozeßparameter 93
6.3.3 Einfluß der Wärmebehandlungsverfahren 96
6.3.4 Einfluß der Relaxation 97
6.4 Vergleich mit experimentellen Ergebnissen 99
6.4.1 Benetzungstests 99
6.4.2 Bohrlochmethode 102
6.4.3 FEM-Analysen 104
6.5 Kritische Betrachtung 105
7 ZUSAMMENFASSUNG 107
8 LITERATUR 112
9 ANHANG I
Formelzeichen und Abkürzungen IV
Formelzeichen und Abkürzungen
Lateinische Formelzeichen
A Lichtvektor
A, B Geometrie- und Materialkonstante
A1,2 Orthogonale Komponenten des Lichtvektors
aeff Effektive Temperaturleitfähigkeit
b Größe zur Rißlängenbestimmung beim PC
B Bestimmtheitsmaß
b0 Regressionskonstante
b1 ,bp Koeffizienten
baußen Größe zur Rißlängenbestimmung außen beim PMMA
Bi Biot-Zahl
bmitte Größe zur Rißlängenbestimmung mitte beim PMMA
C Konstante
d Dicke der spannungsoptischen Probe
D Diffusionskoeffizient
E E-Modul
E0 Kurzzeitzugmodul an Partikeln
ei Residuen
Frel,i Relativer Fehler
G Kurzzeitschubmodul
h Relativer Wärmeübergangskoeffizient
H1,2 Teilkomponenten des Lichtvektors
I Temperaturintegral in der Schmelzeschicht
j Index Zeitschritt
k Konstante (Relaxation)
L Plattenlänge
L0 Schmelzeschichtdicke
lmax statistisch größte Gefügeschwachstelle senkrecht zur Lastrichtung
M Index Anzahl der Schichten in z-Richtung
n Isochromatenordnung
n Index Schicht
N Index Anzahl der Schichten in x-Richtung
oR Index Ohne Relaxation
p Modul
pA Angleichdruck
pF Fügedruck
qK Konvektionswärme
qL Leitungswärme
qs Strahlungswärme
Ra Rißlänge außen
Ra berechnet,i Berechnete Rißlänge außen
Ra gemessen,i Gemessene Rißlänge außen
Rm Mittlere Rißlänge
s Plattendicke
S Spannungsoptische Konstante
sA Angleichweg
Formelzeichen und Abkürzungen V
sF Fügeweg
t Zeit
T(x) Temperaturverlauf
t* kritischer Zeitpunkt in dem die höchste Zugspannung vorliegt
T0 Bezugstemperatur
tA Angleichzeit
TA(x) Temperaturverlauf während des Angleichens
TAufheizen Heizelementtemperatur bei der FEM-Simulation
tE Erwärmzeit
TE(x,t) Temperaturverlauf während des Erwärmens
tF Fügezeit
Tfl Fließtemperatur
TFl(x) Temperaturverlauf während des Fügens (linke Platte)
TFr(x) Temperaturverlauf während des Fügens (rechte Platte)
TG Grenzflächentemperatur
TH Heizelementtemperatur
tK Kühlzeit
TT Tempertemperatur
tT Temperzeit
TU Umgebungstemperatur
tu Umkehrzeitpunkt
tU Umstellzeit
TUf Fiktive Umgebungstemperatur
TUm(x,t) Temperaturverlauf während des Umstellens
TUmgebung Umgebungstemperatur bei der FEM-Simulation
TWerkzeug Werkzeugwandtemperatur bei der FEM-Simulation
v Spez. Volumen
vA Angleichgeschwindigkeit
vF Fügegeschwindigkeit
x , y Ortskoordinaten
xi Einflußgrößen bei der Regression
y Mittelwert der abhängigen Variablen
i
y
ˆ Schätzwert
yi Beobachtungswerte
Griechische Formelzeichen
α Temperaturausdehnungskoeffizient
β Volumenausdehnungskoeffizient
δ Phasenverschiebung
δ Wärmeübergangskoeffizient
Gkrit,
ε Grenzdehnung, bei der erste Spannungsrisse auftreten
y
ε Dehnung in y-Richtung
z
ε Dehnung in z-Richtung
1,y
ε Dehnungsanteil in y-Richtung
2,y
ε Dehnungsanteil in y-Richtung
maxQ,
ε maximale Quelldehnung
c,b,a
ε Richtungsabhängige Dehnungen
Formelzeichen und Abkürzungen VI
0
γ Grenzflächenspannung an Partikeln
0
η Dämpferviskosität
ϕ Hauptspannungswinkel
λ Wärmeleitfähigkeit
ν Querkontraktionszahl
maxQ,
σ Maximalspannung in der Probenmitte (Quellung)
z
σ Spannung in z-Richtung
j,n,rel
σ∆ Relaxationsanteil der Schicht n zum Zeitpunkt j
)t(σ Spannungsverlauf (Relaxation) bei konstanter Dehnung
2,1
σ Hauptspannungen
yx σ−σ Betrag der Normalspannungsdifferenz
maxD,
σ Maximalspannung in der Probenmitte (Desorption)
11
σ Spannung in 11 Richtung
22
σ Spannung in 22 Richtung
33
σ Spannung in 33 Richtung
I
σ Hauptnormalspannung I
II
σ Hauptnormalspannung II
x
σ Spannung in x-Richtung
y
σ Spannung in y-Richtung
τ Relaxationszeit
)T(
τ Relaxationszeit in Abhängigkeit der Temperatur
0
τ Relaxationskonstante
xy
τ Betrag der Schubspannung
H
τ Hauptschubspannung
Nicht aufgeführte Formelzeichen sind am Ort ihrer Verwendung erläutert bzw.
erklären sich aus der entsprechenden lokalen Nutzung.
Einleitung 1
1 Einleitung
In der Zulieferindustrie werden von den Herstellern immer komplexere Formteile mit
komplizierten Geometrien gefordert. Gleichzeitig werden immer höhere Qualitäts-
anforderungen in Verbindung mit strengen Prüf- und Abnahmevorschriften an die
Lieferanten gestellt. Insbesondere beim Einsatz von Bauteilen bzw. Baugruppen, die
durch Fügen unterschiedlicher Werkstoffe speziellen praxisorientierten Anfor-
derungen angepaßt sind, erweist sich das unterschiedliche Materialverhalten als
problematisch hinsichtlich mechanischer und insbesondere thermischer Belastung.
Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz eines Fügeverfahrens ist, neben Wirt-
schaftlichkeitsbetrachtungen und der Integrierbarkeit des Verfahrens in den Fer-
tigungsablauf, die Erfüllung der an die Verbindung gestellten Qualitätsanforderungen.
Die Qualität der Verbindung hängt dabei im wesentlichen von der Wahl und Ein-
haltung der Fügebedingungen, der konstruktiven Gestaltung der Fügeteile, den
Werkstoffeigenschaften und von der Verarbeitungsgeschichte ab [Brü99]. Dies
schließt die Verarbeitungsvorgeschichte des Spritzgießens und der Lagerung, den
eigentlichen Fügeprozeß, sowie die Verarbeitungsnachgeschichte der Temperung
und den Einflüssen beim Gebrauch mit ein.
Ein Beispiel ist die Produktion von Kfz-Rückleuchten. Die aus Polycarbonat (PC)
oder Polymethylmethacrylat (PMMA) im Spritzgießverfahren hergestellte
Lichtscheibe wird mit einem Gehäuse aus Acrylnitrilbutadienstyrol (ABS) verbunden,
wobei das Heizelementschweißverfahren am häufigsten Anwendung findet. Ein
häufig auftretender Schadensfall ist die Bildung von Spannungsrissen. Die
Rißbildung hat neben optischen Nachteilen auch das Eindringen von Feuchtigkeit zur
Folge. Diese Feuchtigkeit verschlechtert die lichtoptischen Eigenschaften der
Rückleuchte, so daß diese in der Regel ausgetauscht werden muß [Sch98].
Der Heizelementschweißprozeß wird heute als Hauptverursacher der Spannungs-
rißbildung angesehen. Das Erwärmen der Fügepartner und der unter Druck statt-
findende Fügevorgang stellen Materialbelastungen dar, die Eigenspannungen in das
Bauteil induzieren [PB96A]. Überlagert werden diese Eigenspannungen in der Regel
durch äußere Spannungen infolge mechanischer Belastungen. Durch das Einwirken
oberflächenaktiver Medien, wie z.B. Waschflüssigkeiten, entstehen in dem so bean-
spruchten Material umgehend Risse. Der Grund hierfür sind Diffusionsvorgänge, die
eine Reduzierung der werkstoffspezifischen Streckgrenze zur Folge haben. Um die
Spannungsrißempfindlichkeit von Heckleuchten zu minimieren, werden zur Zeit von
den Herstellern spezielle nachgeschaltete Verfahrensschritte, wie z.B. das Tempern
durchgeführt, wodurch hohe Kosten entstehen.
Eine Minimierung der Kosten für Austausch, Neuproduktion und Temperung von
Bauteilen bzw. Baugruppen ist von zentraler Bedeutung für die Verarbeiter und
Systemlieferanten, die sich gerade aufgrund des ständig verschärfenden
Wettbewerbs einem wachsenden Kostendruck ausgesetzt sehen.
Stand der Technik und Forschung 2
2 Stand der Technik und Forschung
2.1 Grundlagen zum Schweißen mittels Heizelement
2.1.1 Einordnung des Verfahrens und Anwendungsgebiete
Das Heizelementschweißen ist ein Verfahren, bei dem die Fügeteile durch direkten
Kontakt zu einem elektrisch beheizten Element erwärmt und anschließend unter
Druck gefügt werden. Im Hinblick auf die zu erzielende Schweißnahtqualität gilt es
als sicheres Verfahren mit hohem Qualitätsniveau. Dies ist ein Grund, daß das
Verfahren seit etwa 50 Jahren in der Serienfertigung Anwendung findet.
Das Heizelementschweißen bietet eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten. So lassen
sich im Gegensatz zum Ultraschall- und Vibrationsschweißen auch komplizierte
Geometrien und fast alle Produktgrößen realisieren [Brü98]. Selbst Bauteile mit
dreidimensionalen Fügeflächen, wie sie z.B. bei Kfz-Heckleuchten vorkommen,
können problemlos geschweißt werden.
Darüber hinaus eignet sich das Heizelementschweißverfahren für eine große
Produktpalette von Kunststoffen. Durch die Möglichkeit, die Erwärmbedingungen an
beiden Seiten des Heizelements getrennt voneinander einstellen zu können, können
auch Kunststoffe mit unterschiedlichen Fließeigenschaften miteinander geschweißt
werden [PG80, Brü99]. Weitere Vorteile des Verfahrens sind die Minimierung von
Formteiltoleranzen, eine genaue Reproduzierbarkeit der Schweißung und die
Möglichkeit, simultan mehrere Bauteile zu verarbeiten.
Ein Nachteil des Verfahrens im Vergleich zu anderen Schweißverfahren, wie dem
Ultraschall- und Vibrationsschweißen, ist die längere Taktzeit. Um die Taktzeit zu
minimieren, wird häufig im Hochtemperaturfeld geschweißt. Beim Hochtempe-
raturschweißen sind Heizelementtemperaturen bis zu 450°C möglich, wodurch sich
die benötigten Erwärmzeiten drastisch reduzieren lassen. Das geschädigte Material
wird durch den Fügevorgang in den Schweißwulst verdrängt und hat somit keinen
oder nur geringen Einfluß auf die Schweißnahtqualität [PP75].
Der hohe Automatisierungsstand der beim Heizelementschweißen eingesetzten
Maschinen ist neben den genannten Vorteilen der Grund für eine weite Verbreitung
des Verfahrens in der industriellen Serienfertigung. So wird das Heizelement-
schweißen für eine breite Produktpalette thermoplastischer Bauteile, die in
unterschiedlichsten industriellen Bereichen zu finden sind, eingesetzt [Pec82, Pec84,
Pec86, NN2, Brü99].
Typische Anwendungsgebiete sind in der Automobilindustrie, in der Haushalts- und
Weißgeräteindustrie, im Bereich der Sanitär- und Installationstechnik sowie in den
Bereichen Medizintechnik, Elektrotechnik und in der Verpackung zu finden.
Bild 2.1 zeigt eine Auswahl der genannten Anwendungsgebiete mit schematischer
Darstellung der Nahtgeometrie.
Stand der Technik und Forschung 3
Salzbehälter (PP)
Kfz-Rückleuchte (ABS / PMMA) Instrumententafel (PP-T)
Mittelkonsole (ABS)
Bild 2.1: Anwendungsbeispiele für das Heizelementschweißen [NN1]
2.1.2 Verfahrensablauf und Prozeßphasen
Das Heizelementschweißen beruht auf dem Prinzip der Wärmeeinbringung durch
Wärmeleitung mit Hilfe eines Heizelementes und dem Fügen unter Druck. Da die
Erwärmungs- und Fügevorgänge zeitlich getrennt voneinander ablaufen, gehört das
Heizelementschweißen aus verfahrenstechnischer Sicht zu den Mehrstufenver-
fahren, wobei sich folgende Prozeßphasen unterscheiden lassen:
- Angleichen und Erwärmen
- Umstellen
- Fügen und Abkühlen
Schematisch sind diese drei Phasen in Bild 2.2 dargestellt.
Fügeteil 1 Fügeteil 2
Heizelement
Angleichen und
druckloses Erwärmen Umstellen Fügen
Bild 2.2: Schematische Darstellung der Phasen beim Heizelementschweißen
Während des Angleichvorganges werden die zu schweißenden Fügeteile entweder
mit Kraft- und Zeitvorgabe oder mit Geschwindigkeits- und Wegvorgabe gegen das
Heizelement gedrückt, bis die Fügeflächen ganzflächig am Heizelement anliegen.
Stand der Technik und Forschung 4
Verfahrenstechnisch kann dieser Zeitpunkt an einem linearen Verlauf des Schlitten-
verfahrweges oder anhand einer gleichmäßigen Wulstbildung am Rand der
Fügefläche festgestellt werden. Nach Erreichen der Weg- oder Zeitvorgabe schließt
sich die zeitgesteuerte Erwärmphase an. Charakteristisch für diese Phase ist die
drucklose Erwärmung der Fügeteile am Heizelement durch Wärmeleitung. So
werden mit zunehmender Temperatureinwirkzeit auch tiefere Materialzonen erwärmt
und es kommt zum Aufbau einer Schmelzeschicht, die im Gegensatz zum
druckbeaufschlagten Angleichvorgang nicht in den Wulst verdrängt wird. Im Hinblick
auf die spätere Fügephase stellt die Größe der erzeugten Schmelzeschicht ein
entscheidendes Kriterium für die Qualität der Schweißung dar.
Vor dem Fügen erfolgt zunächst das Umstellen, d. h. das Heizelement wird aus der
Fügeebene entfernt. Damit während des Umstellens aufgrund der fehlenden Wärme-
zufuhr keine zu große Abkühlung auftritt, sollte die Umstellzeit so kurz wie möglich
sein.
Mit dem anschließenden Aufeinandertreffen der Fügeteile beginnt die Fügephase,
der eigentliche Verbindungsvorgang der zu schweißenden Fügeteile. Durch den
Fügevorgang wird hierbei ein ausgeprägtes Quetschfließen erzeugt, wobei der
zurückgelegte Fügeweg in Korrelation zur der in der Erwärmphase erzeugten
Schmelzeschichtdicke ein wichtiges Qualitätskriterium darstellt. Das Ende des
Fügevorgangs ist erreicht, wenn keine wesentlichen Fließvorgänge mehr ablaufen.
Ist der aufgeschmolzene Bereich genügend abgekühlt, so ist die Schweißung
beendet und die Fügeteile können entnommen werden.
Ebenso wie die Angleichphase kann die Fügephase maschinentechnisch auf zwei
unterschiedliche Arten durchgeführt werden. Entweder wird die Schweißung kraft-
geregelt durchgeführt, d. h. es wird ein materialspezifischer Druck eingestellt, der
über eine vorgegebene Zeit aufrechterhalten wird oder der Prozeß wird weggeregelt
durchgeführt. Die Einhaltung des Fügeweges wird hierbei durch mechanische
Anschläge oder durch maschinenseitige Wegregelung gewährleistet. Die Weg- und
Kraftverläufe für die unterschiedlichen Arten der Prozeßführung sind in Bild 2.3
dargestellt.
Abhängig von der Verfahrensführung stellen sich unterschiedliche Weg-Kraftverläufe
ein. In der betrieblichen Praxis wird aufgrund der maschinenseitig einfach zu
realisierenden Weganschläge die weggeregelte Fahrweise bevorzugt. Weiterhin
besteht so die Möglichkeit, geforderte Maßtoleranzbänder einzuhalten. Nachteilig ist
die Belastung der Fügenaht schon während des Abkühlprozesses, da bei der
weggeregelten Fahrweise die schwindungsbedingten Längenänderungen nicht
nachgefahren werden. So können sich schon in der Abkühlphase Zugspannungen
aufbauen, die im Hinblick auf die Schweißnahtqualität einen negativen Einfluß
ausüben.
Stand der Technik und Forschung 5
Druck
Weg
pA
pF
Zeit
Zeit
sF
tAtEtUtFtK
sA
Druck
Weg
pA
pF
Zeit
Zeit
sF
tAtEtUtFtK
sA
druckgeregelt weggeregelt
Bild 2.3: Druck- und weggeregelter Verfahrensablauf
In Tabelle 2.1 sind die prozeßbeschreibenden Parameter für die unterschiedlichen
Verfahrensvarianten aufgeführt.
Tabelle 2.1: Parameter beim weg- und kraftabhängigen Heizelementschweißen
Prozeßrelevante Verfahrensparameter
weggeregelt kraftgeregelt
Angleichphase sA
vA <-> pA
pA
tA
drucklose Erwärmphase tE t
E
Umstellphase tU t
U
Fügephase sF
tF + tK
vF <-> pF
-
tF + tK
pF
allgemeine Parameter TH T
H
Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Prozeßphasen kann [Nat92] und
[Brü99] entnommen werden. Auf die benötigten theoretischen und physikalischen
Zusammenhänge im Hinblick auf die instationäre Temperatur- und Eigenspannungs-
entwicklung wird in Kapitel 6 näher eingegangen.
2.2 Kenntnisstand beim Schweißen von amorphen Thermoplasten
Bei heizelementgeschweißten Bauteilen aus amorphen Thermoplasten stellt die
Bildung von Spannungsrissen eine nicht selten auftretende Versagensursache dar.
Voraussetzung und damit Ursache der Spannungsrißbildung ist das Vorhandensein
von Bauteilspannungen, die rißauslösende Werkstoffdehnungen hervorrufen.
Bauteilspannungen sind auf Eigenspannungen als Folge der Verarbeitungsbedin-
gungen, auf äußere Spannungen als Folge äußerer mechanischer Beanspruchung
oder auf eine Überlagerung von beiden Spannungsarten zurückzuführen [Men90,
PB96Aa-d, SS94].
Stand der Technik und Forschung 6
Bild 2.4 zeigt eine Kfz-Heckleuchte, deren Lichtscheibe aus Polymethylmethacrylat
mit einem Gehäuse aus Acrylnitrilbutadienstyrol durch Heizelementschweißen
verbunden wurde. In der Ausschnittvergrößerung sind deutliche Risse erkennbar, die
eine Dichtheit der Leuchte nicht mehr garantieren und daher eine Versagensursache
darstellen.
Gehäuse (ABS)
Spannungsrisse
Lichtscheibe (PMMA)
Bild 2.4: Spannungsrisse in einer heizelementgeschweißten Kfz-Heckleuchte
An Heckleuchten treten derartige Risse insbesondere dann auf, wenn die Leuchte
mit spannungsrißauslösenden Medien in Kontakt kommt, wie bspw. einer
Waschflüssigkeit. Infolge des eindiffundierenden Mediums werden zwischenmoleku-
lare Kräfte verringert, wodurch die Bruchdehnung und damit das Bruchverhalten des
Werkstoffs beeinflußt wird. Es kommt zu einer Verminderung der Grenzdehnung, d.
h. bereits bei niedrigen Dehnungen können erste irreversible Werkstoffschädigungen
in Form von Mikrorissen auftreten [Dol78, MM72a, MA72b, Püt77].
Bevor es zum eigentlichen Riß kommt entstehen Fließzonen, die in der Fachliteratur
auch als „Crazes“ bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich um rißähnlich
aufgeweitete Bereiche, die durch hochverstreckte Molekülstränge zusammengehal-
ten werden. Das Aufweiten von Crazes, das durch ein Medium infolge von Quell-
spannungen beschleunigt wird, kann letztendlich zu Haarrissen, Oberflächenrissen
bis hin zu durchgehenden Rissen führen [Rog82, SS94].
Von den am Fertigungsprozeß beteiligten Verfahren wird das Auftreten von
Spannungsrissen allgemein dem Schweißverfahren angelastet, da die einseitige
Wiedererwärmung der Fügeteile am Heizelement eine erneute Materialbelastung
darstellt.
In Bild 2.5 sind drei Proben vergleichend zueinander dargestellt, die einer
Lichtscheibe bzw. einer bereits geschweißten Heckleuchte partiell entnommen
wurden. Die Proben wurden anschließend mit einem Gemisch aus 30% Isopropanol
und 70% destilliertem Wasser befeuchtet, um die Zeitspanne bis zur Rißbildung zu
verkürzen.
Stand der Technik und Forschung 7
a)
spritzgegossene
Lichtscheibe
b)
erwärmte
Lichtscheibe
c)
geschweißte
Heckleuchte
Schweißrippe
A
BS-Gehäuse
Schweißrippe Spannungsriß
Spannungsriß
Bild 2.5: Vergleich partiell entnommener Heckleuchtenproben (a: spritzgegossen, b: am Heiz-
element erwärmt, c: geschweißt)
Der Vergleich zeigt, daß bei der Probe, die der rein spritzgegossenen PMMA-
Lichtscheibe (a) entnommen ist, keine Rißbildung auftritt. Eine deutliche Span-
nungsrißbildung ist dagegen bei der Probe zu erkennen, die der bereits am
Heizelement erwärmten Lichtscheibe (b) entnommen wurde. Die Probe (b), an deren
oberen Ende der Schweißrippe der aufgeschmolzene Bereich zu erkennen ist, zeigt
unterhalb der Fügefläche einen Spannungsriß, der sich aus der Kerbe zwischen
Rippe und Abdeckung entwickelt hat. Unter dem Mikroskop ist der Spannungsriß
bereits wenige Sekunden nach Aufbringen des Mediums beobachtet worden. Der
gleiche Schadensverlauf ist auch an Proben beobachtet worden, die aus
geschweißten Heckleuchten (c) entnommen wurden. Am unteren Ende der Probe (c)
ist noch ein Teil des abgetrennten ABS-Gehäuses zu erkennen.
Aus den Untersuchungsergebnissen kann gefolgert werden, daß die einseitige
Erwärmung am Heizelement zu einer Induzierung von Eigenspannungen führt, die im
Fall einer Benetzung mit dem oberflächenaktiven Medium aus Isopropanol und Was-
ser zu einer Überschreitung der kritischen Grenzbruchdehnung führt. Aufgrund der
dargestellten Versagensursache wird in bestimmten Anwendungsbereichen, wie
bspw. der Leuchtenfertigung, eine hohe Beständigkeit gegen derartige Medien ge-
fordert. Bei heizelementgeschweißten Bauteilen aus amorphen Thermoplasten wird
der Eigenspannungszustand und somit die Spannungsrißempfindlichkeit zu einem
wichtigen Qualitätskriterium.
2.3 Grundlagen der Spannungsrißbildung
2.3.1 Spannungsaufbau beim Spritzgießen und Schweißen
Bei den meisten technischen Thermoplast-Formteilen handelt es sich um
Spritzgußteile. Besonders beim Spritzgießen ist es jedoch unvermeidlich, daß es
aufgrund der dynamischen Prozesse während der Formfüll- und der Abkühlphase zu
Anisotropien im Werkstoff kommt, die sich allerdings nicht in jedem Fall negativ auf
die Gebrauchseigenschaften des Formteils auswirken müssen [Bac85, MW88].
Stand der Technik und Forschung 8
Sowohl die Orientierungen als auch die Eigenspannungen werden unter anderem
beim Spritzgießen durch die hohen Scherkräfte auf die Polymermoleküle und die
daraus resultierenden Deformationen im molekularen Bereich verursacht. Es stellt
sich ein Gleichgewicht mit rücktreibenden Kräften ein, die sich aus
thermodynamischer Sicht in einen entropieelastischen und einen energieelastischen
Anteil aufteilen lassen [Bac85].
Der entropieelastische Anteil (Orientierungen) begründet sich in der Konfigurations-
änderung der Molekülketten, die in eine Vorzugsrichtung gedreht werden. Der
energieelastische Beitrag (Eigenspannungen) beruht auf dem Bestreben der
Moleküle, die gegen die zwischenatomaren Kräfte verrichtete Arbeit wieder
abzugeben [Bac85]. Die aus Energie- und Entropieelastizität resultierenden Kräfte
können sich in der Größenordnung stark unterscheiden. Die große Temperatur-
abhängigkeit der entropieelastischen Rückstellkräfte bewirkt, daß diese im
eingefrorenen Zustand des Werkstoffs im Vergleich zu den energieelastischen
Kräften verhältnismäßig klein sind, zu höheren Temperaturen bis hin zur Schmelz-
temperatur jedoch zunehmend dominieren [MW88].
Die im Gebrauchstemperaturbereich dominierenden Eigenspannungen lassen sich
aus physikalischer Sicht in vier Kategorien einteilen [Pei66, KB80]:
- Eigenspannungen 1. Art in quasi-isotropen, makroskopischen Bereichen
homogener Werkstoffe;
- Eigenspannungen 2. Art in kleineren Bereichen, in denen anisotropes
Stoffverhalten zu berücksichtigen ist, wie z.B. Kristallbereiche;
- Eigenspannungen 3. Art in kleineren, z.B. interkristallinen Bereichen;
- Eigenspannungen 4. Art in atomaren Bereichen, z.B. Versetzungen,
Valenzwinkelverbiegungen und Atomabstandsänderungen.
Die Eigenspannungen höherer Art verursachen die Eigenspannungen 1. Art, machen
sich jedoch makroskopisch nicht bemerkbar und sind daher im weiteren von
untergeordnetem Interesse. Der Begriff „Eigenspannungen“ soll daher in weiteren
Ausführungen ausschließlich für diejenigen der 1. Art verwendet werden.
Die inneren Spannungen eines Formteils können also generell als Resultat des lokal
unterschiedlichen Kontraktions- bzw. Ausdehnungsverhaltens bei instationären
thermodynamischen Prozessen bezeichnet werden. Die Ursache der Eigenspan-
nungen ist stets ein Gradient der Expansionskoeffizienten, der lokal unterschiedliche
Dehnungen bewirkt [MW88].
Die meßtechnische Erfassung von Eigenspannungen in Formteilen gestaltet sich
sehr schwierig und ist stark von der Formteilgeometrie und dem verwendeten
Werkstoff abhängig. Um grundlegende Aussagen über die Spannungsverteilung
treffen zu können, stützt man sich auf theoretische Überlegungen, die das Problem
rein phänomenologisch beschreiben. Grundlage der Beschreibung sind Temperatur-,
Zeit- und Druckverlauf.
Stand der Technik und Forschung 9
Bei der Abkühlung von Spritzgußteilen werden thermische Eigenspannungen
aufgrund der Temperaturunterschiede bzw. der unterschiedlichen Wärmeausdehn-
ungskoeffizienten durch differierende Verformungen in verschiedenen Querschnitts-
bereichen induziert. Von besonderem Interesse sind die Eigenspannungen des
Formteils nach dem Spritzgießen. Bild 2.6 stellt die Ausbildung thermischer
Eigenspannungen in einem Körper (zylindrisch oder eben) bei Abkühlung dar.
Temperatur
Zug-
spannungen
Druck-
spannungen
Oberfläche
Kernbereich
1
2
Zeit tu
Bild 2.6: Thermische Eigenspannung bei Abkühlung eines Spritzgießformteils in Anl. an [Tie82]
Hierbei kühlt der Rand schneller ab als der Kern, so daß am Rand zunächst Zug-
und im Kern Druckspannungen entstehen. Die Spannungen nehmen bis zu einem
Umkehrzeitpunkt tu, also maximale Temperaturdifferenz von Rand und Kern (Kurve 1
und 2), zu und verringern sich mit zunehmendem Temperaturausgleich. Da die
Oberfläche zuerst erstarrt, verhindert sie die freie Kontraktion der inneren Zonen.
Das Bauteilinnere versucht auf die Oberfläche aufzuschrumpfen, so daß sich zum
Schluß Zugspannungen im Bauteilinneren und Druckspannungen an der Oberfläche
einstellen [Tie82, Sch72, Ngu98].
Beim Heizelementschweißen hingegen ist die partielle Erwärmung der Bauteile am
Heizspiegel während des Schweißvorganges ausschlaggebend für den Spannungs-
aufbau in der Schweißnaht. Die Schweißeigenspannungen entstehen hauptsächlich
durch Schwindungen und behinderte Relaxationsvorgänge. Bild 2.7 und Bild 2.8
stellen die Schwindungsseigenspannung in Längs- und in Querrichtung der Naht dar
[Tie82]. Die Schwindung in Längsrichtung der Naht und der weiteren erwärmten
Bereiche wird durch die kälteren Zonen behindert, so daß Zugspannungen (+σx)
entstehen. Die kälteren Zonen üben eine Einspannwirkung aus und werden dadurch
gestaucht, wobei Druckspannungen (-σx) entstehen. Die Schwindung in Querrichtung
führt auch zu Zugspannungen (+σy), die aber an den Nahtenden aus Gleichgewichts-
gründen in Druckspannungen (-σy) übergehen. Bei längeren Nähten sind die
Querspannungen (σy) im Vergleich zu den Längsspannungen (σx) klein. Je höher die
Längsspannungen parallel zur Schweißnaht sind, desto kritischer ist der Zustand im
Stand der Technik und Forschung 10
Hinblick auf eine Spannungsrißbildung, die in den meisten Fällen orthogonal zur
Schweißnaht verläuft [PS00, LS00a, PS99].
σx
Erwärmen
x
y
+
++
-
Bild 2.7: Spannungsverlauf in x-Richtung einer Rechteckplatte (symmetrisch zur Schweißnaht)
+
Zug
x
y
Zug
Druck
Druck
σy
-
-
+
+
+
Bild 2.8: Spannungsverlauf in y-Richtung einer Rechteckplatte (symmetrisch zur Schweißnaht)
In der Realität kommt es zu einer Überlagerung der Spannungszustände nach dem
Spritzgießen und nach dem Schweißen, wobei eine Superposition dieser Eigenspan-
nungszustände aufgrund der ablaufenden instabilen thermodynamischen Prozesse
nicht ohne weiteres möglich ist. So kommt es beim Erwärmen eines eigenspan-
nungsbehafteten Formteils am Heizelement zur partiellen Relaxation der Eigenspan-
nungen aus dem Spritzgießprozeß. Da die Erwärmung aber in einem örtlich sehr be-
grenzten Bereich stattfindet und die Relaxation in hohem Maße temperatur- und zeit-
abhängig ist, kommt es in fügenahtfernen Bereichen zu keinem Spannungsabbau.
2.3.2 Einfluß physikalisch aktiver Medien
Bei der Beurteilung der Widerstandsfähigkeit von Formteilen gegenüber Chemikalien
ist zu berücksichtigen, daß ein Werkstoff ein völlig anderes Verhalten zeigen kann,
wenn neben der chemischen eine mechanische Beanspruchung durch
Eigenspannungen und / oder äußere Lastspannungen auftritt. Ein Werkstoff, der sich
im spannungsfreien Zustand absolut beständig gegen bestimmte Medien zeigt, kann
unter Zugspannung bereits nach relativ kurzer Zeit schädigende Einwirkung erfahren.
Diesen Schädigungsvorgang in physikalisch aktiver Umgebung nennt man
„Spannungsrißbildung“ oder „ESC“ (environmental stress crazing and cracking).
Stehen Kunststoffe mit Umgebungsmedien in Berührung, gegen die sie chemisch
unbeständig sind, finden chemische Reaktionen statt. Diesen Vorgang bezeichnet
Stand der Technik und Forschung 11
man in Analogie zu metallischen Werkstoffen als „Spannungsrißkorrosion“ [Rog82,
Sch92, Sch72, NN1].
Spannungsrisse können die Wand eines Kunststoffteils vollständig durchdringen und
damit zu Bruchflächen werden oder sie können zur Ruhe kommen, wenn sie Zonen
mit genügend niedrigen Spannungen oder mit anderer Materialstruktur erreichen
[NN1]. Bei Formteilen aus spannungsrißempfindlichen Werkstoffen mit Eigen-
spannungen oder unter mechanischer Belastung können sich bereits an der Luft
Spannungsrisse bilden [Sch92,Rog82].
Die Spannungsrißbildung ist gekennzeichnet durch die Ausbildung von Fließzonen
(Crazes) im Werkstoff und ihre mögliche Weiterentwicklung zu Haarrissen,
Oberflächenrissen, bis hin zu durchgehenden Rissen. Die Bildung von Crazes ist,
ebenso wie der Bruchvorgang selbst, zeitabhängig; es ist eine gewisse
Entwicklungs- oder Induktionszeit erforderlich. Crazes sind ebenso wie Risse planar
und reflektieren Licht. Es handelt sich hierbei um rißähnlich aufgeweitete Bereiche,
die durch hochverstreckte Molekülstränge zusammengehalten werden [SS94,
Kam73].
Craze
Riß
Spannung
Spannung
Zugspannung
Zugspannung
Riß
Craze
Bild 2.9: Unterschied zwischen Craze und Riß
Erwärmt man die Probe über die Glasübergangstemperatur, bilden sich die Crazes
im Gegensatz zu Rissen zurück und verlieren ihre reflektierenden Eigenschaften
[Sch72, WB75, Kam66, Opf78]. In Bild 2.9 ist der Unterschied zwischen Fließzone
und Riß dargestellt.
Für das Auftreten und das Ausmaß der Spannungsrißbildung eines durch
Zugspannungen beanspruchten Polymerwerkstoffs unter Medieneinfluß sind vor
allem drei Effekte entscheidend, wenn man die in Ausnahmefällen mitwirkenden
chemischen Reaktionen vernachlässigt [Men90, Rog82]:
- Senkung der Grenzflächenenergie
- Quellkräfte
- Desorption und Lösen
Stand der Technik und Forschung 12
2.3.2.1 Erniedrigung der Grenzflächenenergie
In der Potentialtheorie wird der Zusammenhalt der Kunststoffpartikel durch Kohäsion
erklärt. Ein oberflächenaktives Medium, das durch Diffusion in die Grenzflächen
eindringt und diese benetzt, vermindert die kohäsiven Oberflächenspannungen
zwischen den Partikeln. Die Gleichung (2.1) [Men90, Rog82] zur Abschätzung der
kritischen Dehnungen bei linear-viskoelastischem Verhalten zeigt, daß die
Grenzdehnung sinkt, wenn die die Haftungskräfte ausdrückende Grenzflächen-
spannung zwischen adhärierenden Partikeln durch eindringende Fremdmoleküle
herabgesetzt wird [Men90].
max
0
0
Gkrit, lE
C⋅
γ
≈ε (2.1)
Gkrit,
ε Grenzdehnung, bei der erste Spannungsrisse auftreten
C Konstante
0
γ Grenzflächenspannung an Partikeln
0
E Kurzzeitzugmodul an Partikeln
max
l statistisch größte Gefügeschwachstelle senkrecht zur Lastrichtung
Durch die Benetzung reduziert sich die zur Rißentstehung notwendige Spannung auf
einen Wert, der unterhalb der werkstoffspezifischen Streckgrenze liegt, so daß
bereits bei niedriger Dehnung Fließzonen und Mikrorisse auftreten können. Das
Eindringen erfolgt entlang Zonen geringer Dichte wie bspw. Partikelgrenzen, Grenz-
flächen von Füllstoffen oder Fertigungsfehlern. Falls Zugspannungen vorhanden
sind, kann es zu einer Aufweitung kommen. Die Wirkung des Mediums ist weder
chemisch noch physikalisch lösend, sondern „benetzend“. Der Werkstoff nimmt
deshalb wieder seine ursprünglichen Eigenschaften an, wenn das Medium vor einer
Rißbildung entfernt wird [SS94,Men90].
2.3.2.2 Quellkräfte
Wird ein Umgebungsmedium von einem Polymerwerkstoff aufgenommen, entsteht
eine leicht bestimmbare Gewichtszunahme und eine Volumenvergrößerung. Da
diese Volumenvergrößerung von den noch nicht beeinflußten tiefer liegenden
Werkstoffzonen behindert wird, erzeugt dies Quellspannungen. Sie wirken als
Zugspannungen im Zentrum des Werkstoffs, wenn dieser von beiden Seiten benetzt
wird. Die Anwendung der Diffusionsgesetze und die Kenntnis der Quelldehnung
zwischen zwei Konzentrationszuständen sowie die Berücksichtigung der mecha-
nischen Eigenschaften eines Polymeren lassen eine Berechnung der zeitlichen
Zugspannungsverläufe nach [Püt77, Git80, Men90] zu. So gilt für die Sorption in der
Probenmitte
()
ν
−
⋅ε⋅===σ 1
E
0,330x,tt maxQ,
*
maxQ, (2.2)
mit
Stand der Technik und Forschung 13
D
s0,28
t2
2
*
⋅
π
⋅
= (2.3)
maxQ,
σ Maximalspannung in der Probenmitte
t* kritischer Zeitpunkt, in dem die höchste Zugspannung vorliegt
x Ortskoordinate
maxQ,
ε maximale Quelldehnung
ν Querkontraktionszahl
s Plattendicke
D Diffusionskoeffizient
Formteile enthalten neben geometrisch ungünstigen Bereichen und Fertigungs-
fehlern in Form von Poren, Rissen oder Kratzern vor allem Eigenspannungen.
Dadurch können ohne äußere Belastung gefährliche Spannungszustände vorhanden
sein, die sich den Beanspruchungen aus der Flüssigkeitsaufnahme überlagern
[Men90].
2.3.2.3 Desorption und Lösen
Rißbildung durch Desorption kann bei allen hygroskopischen Kunststoffen beob-
achtet werden. Ein mit Flüssigkeit gesättigter Polymerwerkstoff versucht zu
schwinden, wenn von seiner Oberfläche her die Flüssigkeit abgegeben werden muß.
Daran hindern ihn die tieferen noch gesättigten Schichten. Es entstehen spontan
gefährliche Zugspannungen, die schnell eine Rißbildung bewirken können. Diese
Spannungen (Gleichung (2.4)) können leicht dreimal größer sein als diejenigen bei
der Flüssigkeitsaufnahme [Gro73, Men90]:
()
ν
−
⋅ε===σ 1
E
0ts/2,x maxQ,maxD, (2.4)
Das Volumendefizit im Oberflächenbereich kann durch Abgabe vorher aufge-
nommener Flüssigkeit oder durch andere desorbierte Anteile des Werkstoffs hervor-
gerufen werden. Solche Anteile, die gelöst oder weggetragen werden, können Verar-
beitungshilfsstoffe wie Farbmittel, Weichmacher, Stabilisatoren, Gleitmittel oder
niedermolekulare Polymeranteile sein. Gefährlich sind hier vor allem die Monomeren
des jeweiligen Polymeren, da deren Löslichkeitsparameter denjenigen des Poly-
meren nahe kommt. Es ist anzunehmen, daß diese Lösungsmittel nicht nur schnell in
Werkstoffzonen niedriger Dichte eindringen und dabei eine Sprengwirkung
verursachen sondern, daß sie auch vorhandene niedermolekulare Stoffe herauslö-
sen [Men90].
Die hier kurz geschilderten Effekte lassen sich nicht scharf voneinander trennen; es
können bei der Spannungsrißbildung außerdem noch andere Einflüsse eine Rolle
spielen. Eine ausführliche Beschreibung der vorgestellten Effekte findet sich in
[Rog82].
Das Auftreten von Spannungsrissen wird begünstigt durch Monomerreste, durch
breite Molmassenverteilungen, geringe Molmasse und Zugspannungen aus Eigen-
Stand der Technik und Forschung 14
oder Lastspannungen. Als besonders spannungsrißanfällig gelten spröde, amorphe
Kunststoffe (z.B. PS und PMMA) und hochkristalline, relativ kurzkettige
Thermoplaste, wie niedermolekulares PE. Durch Tempern und geeignete Zusätze
(Crazes- und Rißstopper, wie z.B. Elastomerpartikel) kann die Spannungsrißan-
fälligkeit verringert werden [Sch92].
2.3.3 Verfahren, Prüfvorschriften und Normen zur Ermittlung der
Eigenspannungen und des Spannungsrißverhaltens
2.3.3.1 Verfahren zur Ermittlung von Eigenspannungen
Läßt man äußere Lastspannungen am Bauteil außer Betracht, so stellt es heute
immer noch ein Problem dar, die für die Spannungsrißbildung ursächlichen
Eigenspannungen in ihrer Größe zu bestimmen. Aus der Literatur sind eine Reihe
von Verfahren bekannt, mit deren Hilfe Eigenspannungen qualitativ oder quantitativ -
zumindest für einfache Formteilgeometrien - bestimmt werden können [Pei66]:
- Spannungsrißauslösung mit physikalisch aktiven Medien
- Spannungsoptik mit polarisiertem Licht
- Ultraschall
- Gitterverformungsmessungen mit Röntgenstrahlen (Reflextion und
Transmission)
- Störung des inneren Kräftegleichgewichts durch mechanische Bearbeitung
des Formteils und Messung der resultierenden Bauteilverformung wie z.B
beim Bohrlochverfahren
Allen diesen Verfahren ist gemeinsam, daß sie sich die im Material verursachten
Veränderungen zu nutze machen, um die Eigenspannungen zu lokalisieren und
teilweise auch zu quantifizieren. Bezüglich ihrer Anwendbarkeit für ein konkretes
Problem unterliegen sämtliche Verfahren bestimmten Restriktionen wie z.B.
Transparenz, dem Vorhandensein kristalliner Bereiche oder ebene Formteilgeo-
metrien [MW88].
2.3.3.2 Prüfvorschriften und Normen zur Ermittlung des Spannungsrißverhaltens
Das Spannungsrißverhalten von Kunststoffen wird erheblich vom
Verarbeitungszustand beeinflußt. Es ist darum mehr eine Eigenschaft des Formteils
als der Formmasse [Ort83]. Zur Zeit wird eine Vielzahl von genormten und nicht
genormten Prüfungen angewendet, um das Spannungsrißverhalten von polymeren
Werkstoffen zu charakterisieren. Die möglichen Prüfverfahren lassen sich in drei
Gruppen unterteilen: Hierbei handelt es sich um Prüfungen ohne äußere
mechanische Beanspruchung, um Prüfungen mit konstanter Spannung (Kriechen)
und um Verfahren mit konstanter Verformung (Relaxation).
Die Auswahl eines Prüfverfahrens sollte den Erfordernissen der Praxis angepaßt
sein. Das ist nur möglich, wenn man die mechanische Belastung, das betreffende
Umgebungsmedium sowie die Einsatztemperatur des Formteils kennt. Wie bei vielen
Prüfungen an eigens dafür hergestellten Probekörpern, lassen sich die Ergebnisse
Stand der Technik und Forschung 15
nicht ohne weiteres auf Fertigteile übertragen. Neben den komplexen inneren und
äußeren Spannungen ist der von den Herstellbedingungen abhängige Zustand des
Werkstoffs für dessen Verhalten von Bedeutung [Ort83].
Prüfverfahren ohne äußere mechanische Beanspruchung
Bei diesen Verfahren resultiert eine eventuelle mechanische Beanspruchung nur aus
der Wirkung des Eigenspannungszustandes, der als Folge des Verarbeitungs-
vorganges im Formteil vorliegt. Die Wirkung dieser Eigenspannungen wird mit Hilfe
von Tauchversuchen (Benetzungsversuchen) beurteilt, wobei sehr unterschiedliche
Beständigkeitskriterien zur Anwendung kommen [Sch92]:
- Tauchzeit bis zum Auftreten der Rißbildung
- Art, Verlauf und Größe der auftretenden Risse
- Veränderungen mechanischer, elektrischer und optischer Kennwerte in
Abhängigkeit von Tauchzeit, Tauchtemperatur und Medienkonzentration
- Medienkonzentration, bei der nach einer bestimmten Zeit Rißbildung auftritt
Prüfverfahren bei konstanter Verformung
Bei diesen Prüfverfahren wird die Medieneinwirkung auf einen Probekörper bei
konstanter Verformung untersucht. Durch die aufgezwungene Verformung wird in der
Probe ein ein- oder mehrachsiger Spannungszustand erzeugt, der nicht stabil ist und
durch die Folgen der Rißbildungsvorgänge oder durch molekulare Relaxations-
prozesse im Laufe der Zeit abklingt. Diese Beanspruchung dient der Beurteilung von
Formteilen, die in der Praxis langzeitig konstanten Verformungen unterworfen sind
[SS94, Sch92, Sch72].
Die bekanntesten Verfahren sind:
- Kugeleindrückmethode (nach DIN 53449)
- Einfache Biegestreifen-Prüfung (Bell-Telephone-Test)
- Biegestreifenverfahren (nach DIN 53449)
- Bruchmechanische Rißarrest-Methode
Zur qualitativen oder quantitativen Abschätzungen von Eigenspannungszuständen
sind diese Verfahren nicht geeignet, da sie den im Bauteil vorliegenden Eigenspan-
nungszuständen weitere Prüflastspannung überlagern.
Prüfverfahren bei konstanter Spannung
Eine Prüfung bei konstanter Belastung hat den Vorteil, daß die Bruchzeiten
verschiedener Werkstoff- / Medien-Kombinationen vergleichbar sind und die Größe
der Beanspruchung exakt vorgegeben werden kann. Eine gute Reproduzierbarkeit
der Prüfbedingungen ist als weiterer Vorteil zu nennen. Die Prüfung bei konstant
gehaltener Spannung erfolgt in einem Zeitstandsversuch. Spannungsrißbildung kann
nur bei Zugbeanspruchung auftreten, deshalb wählt man zweckmäßigerweise den in
DIN 53449 genormten Zeitstand-Zugversuch [Sch92, Sch72]. Diese Prüfverfahren
werden vornehmlich zur Werkstoffcharakterisierung eingesetzt. Aussagen über die
Höhe der verarbeitungs-, geometrie- und werkstoffbedingten Eigenspannungen
können nicht getroffen werden.
Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise 16
3 Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise
3.1 Problemstellung
Ein häufig auftretender Schadensfall an heizelementgeschweißten Bauteilen ist die
Bildung von Spannungsrissen. Ein Industriezweig, in der Spannungsrisse eine
wesentliche Rolle spielen, ist die Leuchtenfertigung in der Automobilindustrie. Diese
Schadensfälle treten häufig noch während der laufenden Fertigung auf, manchmal
aber auch erst bei bereits ausgelieferten Fahrzeugen. In jedem Fall aber entstehen,
sei es durch erhöhte Ausschußraten oder durch Gewährleistungsverpflichtungen
seitens der Automobilhersteller, hohe Folgekosten für die Zulieferbetriebe.
Die Rißbildung in Kunststoffbauteilen ist abhängig von mehreren Faktoren.
Grundsätzlich gilt, daß Spannungen, die oberhalb der werkstoffspezifischen Streck-
grenze liegen, Risse im Bauteil verursachen. Durch das zusätzliche Einwirken
physikalisch aktiver Medien, z.B. Waschflüssigkeit, finden Diffusionsvorgänge statt,
die im Bauteil zu lokalen Volumenänderungen führen und somit durch eine
Verminderung der Bruchdehnung die Belastbarkeit des Werkstoffs verringern. Das
Phänomen der Spannungsrißbildung ist seit Jahren bekannt und Gegenstand
umfangreicher theoretischer und experimenteller Untersuchungen [Rog82, SS94,
Kam73, WB75, Kam66, Püt77, Git80, Gro73].
Auch auf dem Gebiet des Heizelementschweißens, welches aus verfahrens-
technischer Sicht ein einfaches Verfahren zum Fügen von Kunststoffen ist, wurden in
der Vergangenheit bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten mit unterschied-
lichsten Forschungsschwerpunkten durchgeführt [Kre87, Mic84, Mic89, Nat92,
Pie75, Tap89, Zee78, Pot77].
Genauere wissenschaftliche Untersuchungen sowie fundierte Kenntnisse über die
Beeinflussung der Spannungsrißempfindlichkeit durch die Prozeßführung beim
Heizelementschweißen unter Berücksichtigung des vorgeschalteten Spritzgießpro-
zesses sowie der Vor- bzw. Nachbehandlungsverfahren, wie der Warmlagerung vor
dem Schweißen und der Temperung, liegen jedoch nicht vor. So fehlen klare
Aussagen zur Wirkrichtung und –größe der Prozeßparameter beim Heizelement-
schweißen. Von besonderem Interesse sind hier die Einflüsse
- der Heizelementtemperatur,
- der Erwärmzeit,
- des Fügedrucks und
- des Fügeweges
auf den Spannungshaushalt der gefügten Bauteile. Ebenso fehlen Aussagen zum
Einfluß des Spritzgießprozesses auf den Spannungshaushalt nach dem Schweißen.
Der Einfluß der thermischen Vor- und Nachbehandlung sowie der Lagerung der
Bauteile vor dem Schweißen ist bis jetzt ebenfalls nicht untersucht worden.
Gerade die Wärmebehandlungsverfahren zur Reduzierung des Eigenspannungs-
haushaltes stellen innerhalb der Produktionskette einen zusätzlichen Verfahrens-
Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise 17
schritt dar, der kosten- und zeitintensiv ist. Deswegen sucht man von Seiten der
Verarbeiter und Systemlieferanten nach alternativen Vorgehensweisen bzw.
verfahrenstechnischen Erkenntnissen, die diesen Arbeitsschritt ersetzen oder
zumindest verkürzen können.
3.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, durch Analyse des Einflusses der
Fertigungsbedingungen auf den Eigenspannungszustand eines heizelementge-
schweißten Bauteils Verarbeitungshinweise herzuleiten, die zu einer Minimierung der
Spannungsrißempfindlichkeit führen. Dabei gilt es, einen nicht mehr als
unvermeidbaren Eigenspannungszustand zu erhalten, bei dem gegebenenfalls auf
eine kostenintensive Warmlagerung, wie sie derzeit in vielen Zulieferbetrieben
durchgeführt wird, verzichtet werden kann. Dies erfordert das Aufzeigen von verar-
beitungsbedingten Faktoren, die zu rißfördernden Eigenspannungen führen. Insbe-
sondere gilt es, die Ursachen der durch den Schweißprozeß eingebrachten Eigen-
spannungen zu klären, andererseits die Einflußnahme der Prozeßführung beim
Heizelementschweißen auf die Spannnungsrißempfindlichkeit zu analysieren. Aus-
gehend von dieser Zielsetzung stellt das qualitative und quantitative Studium der
Eigenspannungsentwicklung in heizelementgeschweißten Bauteilen den Schwer-
punkt dieser Arbeit dar.
Die diesbezüglich durchzuführenden Untersuchungen sollen vergleichend an
verschiedenen spannungsrißgefährdeten Thermoplasten vorgenommen werden, die
eine häufige industrielle Anwendung besitzen. Die Untersuchungen werden zunächst
an einem einfachen, zweidimensionalen Formteil durchgeführt. Kerben und Nuten
erschweren, aufgrund der Kerbspannungen im Kerbgrund und aufgrund von
strukturellen und morphologischen Fehlern, die Untersuchungen in starkem Maße.
Dies gilt besonders bei der Anwendung von Benetzungstests mit physikalisch aktiven
Medien, die bevorzugt an Partikelgrenzen und Fehlstellen in das Bauteil
eindiffundieren und hier zu Spannungsrissen führen.
Der Einfluß der Verarbeitungsbedingungen wird durch eine gezielte Variation der
Prozeßparameter beim Heizelementschweißen aufgezeigt. Eine besondere
Bedeutung soll dabei der Variation der Heizelementtemperatur, der Erwärmzeit und
des Fügedrucks zukommen. Dabei sollen auch Formteile geschweißt werden, die
nach dem Spritzgießen unterschiedlichen Warmlagerungsbedingungen unterzogen
wurden bzw. vor dem Schweißen vorgewärmt wurden.
Die Beurteilung des Eigenspannungszustandes bzw. der Spannungsrißempfind-
lichkeit der unter verschiedenen Verarbeitungsbedingungen hergestellten Formteile
soll sowohl in Anlehnung an die seitens der Automobilhersteller vorgegebenen Prüf-
und Abnahmevorschriften als auch mit Hilfe der Spannungsoptik und der FEM-
Analyse erfolgen. Die Spannungsoptik nutzt die doppelbrechende Eigenschaft, die
durch Spannungen bzw. Verformungen im Innern eines Bauteils hervorgerufen
werden und ermöglicht dadurch das Sichtbarmachen des Spannungszustandes in
Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise 18
qualitativer und unter bestimmten Voraussetzungen auch in quantitativer Form. Um
diese Ergebnisse zu bestätigen, soll das Bohrlochverfahren angewendet werden.
Desweiteren sollen Untersuchungen an einer realen Heckleuchtengeometrie
durchgeführt werden. Eine spannungsoptische Auswertung der Heckleuchten-
geometrie ist aufgrund der dreidimensional geformten Oberfläche nicht oder nur mit
sehr großem Aufwand möglich. So soll aus Gründen der Bewertbarkeit der
Ergebnisse die FEM-Analyse eingesetzt werden, die ebenfalls Einflüsse des
Spritzgießprozesses auf den Eigenspannungszustand des Bauteils aufzeigen kann.
Abschließend soll ein mathematisches Modell entwickelt werden, das zum einen die
Temperaturentwicklung während des Heizelementschweißprozesses über einer
Rechteckplatte beschreibt und zum anderen die daraus resultierende
Spannungsbelastung verdeutlicht. Das Modell soll die experimentell ermittelten
Prozeßeinflüsse wiedergeben und so den Einfluß der Prozeßparameter beim
Heizelementschweißen auf den Eigenspannungszustand verdeutlichen.
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 19
4 Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe
der FEM-Analyse
1Die Finite-Element-Methode (FEM) wird überall dort eingesetzt, wo die Be-
rechnungsmodelle und -verfahren komplex sind. Dabei ist die Berechnung eines
Kontinuums von unendlich vielen Freiheitsgraden erlaubt. Die komplexen techni-
schen Probleme lassen sich daher mit modernen Digitalrechnern lösen [Zie75].
Ausgehend von der Problematik der Spannungsrißbildung beim Heizelement-
schweißen von amorphen Thermoplasten wurden zwei unterschiedliche Versuchs-
schwerpunkte gelegt.
Zum einen sollte an einem ebenen Modell die Übertragbarkeit des Spritzgieß- und
Heizelementschweißprozesses auf die FE-Methode untersucht werden. Aufgrund der
Voruntersuchungen, die einen starken Einfluß der Erwärmphase auf den
Eigenspannungshaushalt verdeutlichten, wurde in der FEM-Simulation auf die
Abbildung der Fügephase verzichtet und somit nur das Angleichen und Erwärmen
mit anschließender Abkühlung betrachtet.
Als zweiter Schwerpunkt wurde die Angleich-, Erwärm- und Abkühlphase des
Heizelementschweißprozesses an einer realen Kfz-Heckleuchte simuliert. Die Er-
gebnisse sollen die Möglichkeit einer Übertragung auch auf komplexe Geometrien
veranschaulichen und so Geometrieeinflüsse auf den Spannungszustand einer rea-
len Heckleute verdeutlichen.
4.1 Berechnungsgrundlagen
Die numerische Simulation wurde mit Hilfe des FEM-Programms ABAQUS durch-
geführt [NN3]. Für die numerischen Berechnungen wurden Werkstoffkennwerte von
PMMA verwendet. Die der FE-Berechnung zugrunde liegenden temperaturab-
hängigen Kennwerte, wie Wärmeausdehnungskoeffizient, Dichte, Poisson´sche Zahl,
spezifische Wärmekapazität, Wärmeleitfähigkeit, Elastizitätsmodul sowie das Span-
nungs-Dehnungs-Verhalten, stammen teilweise aus eigenen Messungen, teils aus
der Literatur sowie aus der Extrapolation von vorhandenen Daten der Rohstoffher-
steller über die angegebenen Temperaturen hinaus. Die berücksichtigten
Werkstoffkennwerte sowie ihre Temperaturabhängigkeit sind im Anhang (Bild 9.1 bis
Bild 9.7) dargestellt.
Da kein Austausch zwischen mechanischer und thermischer Energie stattfindet,
wurde im ersten Schritt die instationäre Temperaturverteilung berechnet. Als Ansatz
wurde die Fourier-Differentialgleichung verwendet. Darauf aufbauend wurden im
zweiten Schritt Strukturberechnungen durchgeführt. Die aus der thermischen Belas-
tung entstehenden Dehnungen und Spannungen wurden auf Basis der Ther-
1 Die in diesem Kapitel dargestellten Zusammenhänge sind teilweise den Arbeiten von [Ngu98,
Gog99] entnommen, auf die hier für eine ausführliche Darstellung verwiesen wird.
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 20
moelastizitätstheorie und der Plastizitätstheorie ermittelt [BK90, Gro92, Hah76,
Hin93, Ric86]. Einschränkend muß gesagt werden, daß das temperatur- und
zeitabhängige Relaxationsverhalten bei der Simulation nicht berücksichtigt wurde
und es somit zur Berechnung von unrealistisch hohen Bauteilspannungen kommt,
die aber im Vergleich eine hohe Aussagekraft in Bezug auf die Einflüsse des
Spritzgieß- und Schweißprozesses besitzen.
Die Beurteilung der Spannungsrißempfindlichkeit erfolgt am Beispiel der ebenen
Platte durch Generierung eines Grenzflächenrisses und der Bestimmung der J-Inte-
gralwerte in der Umgebung des Grenzflächenrisses.
Aufgrund der Verarbeitungsvorgeschichte sind die zu simulierenden Geometrien in
der Praxis bereits vor dem Erwärmen am Heizelement mit Eigenspannungen
behaftet [Wüb74, Wüb75]. Um die realen Verhältnisse zu simulieren, wurden
zunächst die Wärmeleitungsvorgänge während der Abkühlung im Spritzgießwerk-
zeug und die anschließende konvektive Abkühlung an Raumtemperatur nachge-
bildet.
Ausgehend von einer Schmelzetemperatur von 240°C erfolgte zunächst die
Abkühlung im Spritzgießwerkzeug bei einer konstanten Werkzeugwandtemperatur
von 80°C. Die Werkzeugwand wurde dabei nicht diskretisiert. Aus diesem Grund
wurde die Wärmeübergangszahl nach mehreren Iterationsschritten so festgelegt,
daß nach einer realen Kühlzeit von 40s (Herstellerangabe) im Werkzeug die
Temperatur in der Rückleuchte unterhalb der Glasübergangstemperatur von 115°C
lag. Für die sich daran anschließende freie Konvektion an Luft ist ein
Wärmeübergangskoeffizient von 20W/(m²K) angenommen worden [Gig79].
Die sich daran anschließende Wiedererwärmung der Heckleuchtengeometrie am
Heizelement wurde für die Heizelementtemperaturen 230°C, 330°C und 420°C
simuliert. Auf die Ergebnisse zur Temperaturvariation wird in späteren Kapiteln
eingegangen.
4.2 Versuchsdurchführung und –auswertung an einer ebenen Rechteckplatte
4.2.1 Diskretisierung des FE-Modells
Für die numerischen Berechnungen wurde als Modell eine Rechteckplatte mit den
Abmessungen 130mm x 70mm x 3mm gewählt, das mit Hilfe des 3D-CAD-Systems
I-DEAS [NN5] erstellt wurde. Anschließend wurde ein FE-Netz generiert, das im
Bereich der Fügefläche sehr fein diskretisiert ist, um eine hohe Auflösung der
Temperatur- und Spannungsgradienten zu erhalten.
Um aus den Ergebnissen der Temperatur- und Spannungssimulation die Span-
nungsrißempfindlichkeit zu beurteilen, ist in der Mitte der Fügefläche eine ro-
settenförmige Vernetzung vorgenommen worden, an der später ein Grenzflächenriß
generiert wird. Die anderen Bereiche der Geometrie sind in einem ausreichend gro-
ben Raster diskretisiert (Bild 4.1). Insgesamt besteht das Volumenelement aus ca.
4.000 Elementen und 20.000 Knoten.
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 21
0,1
(0,3)
x
1
2
0,3
8,1
x
rosettenförmige
Vernetzung
Heizelement
PMMA-Platte
Bild 4.1: FE-Modell einer Rechteckplatte
4.2.2 Simulationsergebnisse zur Temperatur- und Spannungsberechnung
Um die Simulationstechnik am diskretisierten Modell zu verdeutlichen, werden die
Simulationsschritte in Bild 4.2 grafisch dargestellt.
T
PMMA-
= 240 °C
Masse
T
Werkzeug
= 80 °C
TUmgebung
= 25 °C
Abkühlphase TPMMA
(x
i
,t)
PMMA
T
PMMA
(x
i
,t)
TAufheizen
= 230/ 330/ 420 °C
PMMA
Erwärmphase
x
y
z
Aufheizen
Temperatursimulation
T
PMMA
= 240°C
Temperatursimulation
Erwärmen am
Heizelement
Spritzgießen
T
Werkzeug
= 80°C TErwärmen
= 230/330/420°C
PMMA PMMA
TUmgebung
= 25°C
A
bkühlphase
T
PMMA
(x
i
,t) T
PMMA (x
i
,t)
y
x
z
Bild 4.2: Temperatursimulation
Beim Spritzgießen werden zu Beginn der Simulation alle Knoten der PMMA-Platte
mit einer Temperatur von 240°C definiert. Solange die PMMA-Masse sich im
Werkzeug befindet, herrscht in der Umgebung eine Temperatur von 80°C, die die
Werkzeugwandtemperatur beschreibt. Nach der Entformung aus dem Werkzeug
kühlt sich die PMMA-Masse auf die Umgebungstemperatur (TUmgebung = 25°C) bis
zum stationären Zustand ab. Beim Aufheizen werden die Knoten der zu erhitzenden
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 22
Fläche mit einer konstanten Temperatur (230°C, 330°C und 420°C) für kurze Zeit
(8s, 14s und 20s) belastet. Danach erfolgt die Abkühlung an Umgebungstemperatur.
Die gesamte Abkühlzeit für die Heizelementtemperatur von 420°C liegt bei 30
Minuten.
In Bild 4.3 sind die Temperaturprofile der Erwärmphase über der Plattentiefe für
TH=420°C dargestellt. Unmittelbar in der Nähe der Aufheizfläche (x < 2mm) herrscht
ein großer Temperaturgradient. Dieser nimmt aber mit zunehmender Zeit ab. Die
tiefer liegenden Gebiete werden in der Realität durch die Wärmestrahlung der Heiz-
elementplatte auf bis zu ca. 55 bis 60°C aufgewärmt, so daß alle Knoten der Platte
zu Beginn der Berechnung auf 55°C bzw. 60°C gesetzt werden. Das Ergebnis der
Simulation zeigt eine gute Übereinstimmung mit den experimentellen Werten (Bild
4.3). Auf der Grundlage der Temperatursimulation werden die Spannungsanalysen
für den Spritzgieß- und Schweißprozeß durchgeführt.
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
0123456
Plattentiefe x [mm]
Temperatur [°C]
t = 4 sek
t = 4 sek (experimentell)
t = 6 sek
t = 6 sek (experimentell)
Bild 4.3: Temperaturprofil über der Plattentiefe bei TH = 420°C
Die Schwindung der Platte während und nach der Abkühlung im Spritzgießwerkzeug
erzeugt Eigenspannungen im Bauteil (Bild 4.4). So liegen zu einer Zeit von t = 8s
(Platte befindet sich noch im Spritzgießwerkzeug) an der Oberfläche hohe
Zugspannungen (σ11, σ22, σ33) und im Kern geringe Spannungen vor. Mit Erreichen
des stationären Zustands während der Abkühlung kommt es zu einer
Spannungsumkehr (vgl. Bild 2.6). An der Plattenoberfläche herrschen nun Druck-
spannungen (-σ11, -σ22, -σ33) und im Inneren Zugspannungen (+σ11, +σ22). Durch die
Druckspannungen an der Plattenoberfläche wird die Spannungsrißanfälligkeit
vermindert. Experimentelle Untersuchungen haben bestätigt, daß PMMA-
Spritzgußplatten bei Benetzung mit einer physikalisch aktiven Flüssigkeit keine
Rißbildung aufweisen. Kommt es allerdings durch überlagerte äußere mechanische
Beanspruchung trotz der Druckspannungen zu einer Rißbildung, wird ein Fortlaufen
des Risses durch die Zugspannungen im Platteninneren begünstigt.
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 23
1
2
3
σ11 [N/mm2]
Zug Druck
0
-56,5
+35,8
Bild 4.4: Spannung σ11 nach dem Spritzgießen
Ausgehend von den Ergebnissen der Spannungssimulation des
Spritzgießprozesses, erwies sich die Simulation des Heizelementschweißprozesses,
insbesondere der Angleichphase, als sehr aufwendig. Da es während des
Angleichens aufgrund des Angleichdrucks zu einem ausgeprägten Quetschfließen
am Heizelement (Bild 4.5) kommt, was in der Übertragung auf die FE-Methode einer
extremen Knotenpunktverschiebung entspricht, ergeben sehr hohe Rechenzeiten
(290CPU-Stunden).
Heizelement
Bild 4.5: Quetschfließen beim Angleichen
Die Ergebnisse der Spannungssimulation unter Berücksichtigung des Spritzgießpro-
zesses sowie der Erwärmung am Heizelement machen den Einfluß des Schweiß-
prozesses deutlich.
Die aus der einseitigen Wiedererwärmung resultierenden Verformungen verur-
sachen im Bereich der thermisch beeinflußten Zone hohe Eigenspannungen. Bild 4.6
stellt die Spannung σ11 für eine Heizelementtemperatur von 420°C und einer
Erwärmzeit von 8s dar.
Unmittelbar an der Heizfläche sind die Spannungen in etwa gleich groß wie bei der
Simulation des Schweißprozesses ohne Berücksichtigung der Spannungsverteilung
nach dem Spritzgießen.
Quetschfluß
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 24
Zug Druck
2
σ11 [N/mm2]
-61,0
+87,0
1
3
0
Bild 4.6: Spannungsverteilung σ11 unter Berücksichtigung des Spritzgieß- und des
Schweißprozesses
Im Platteninneren dominieren aber die durch den Spritzgießprozeß erzeugten Zug-
spannungen, die sich aufgrund der örtlich begrenzten Temperatureinflußzone beim
Schweißen nicht abbauen können. Im Vergleich hierzu liegen bei der Simulation des
Schweißprozesses, ohne Berücksichtigung der Spannungsverteilung nach dem
Spritzgießen, Druckspannungen in der Platte vor.
Die in Folge der Abkühlung während und nach dem Spritzgießprozeß entstandenen
Druckspannungen an der Plattenoberfläche werden allerdings durch die Wiederer-
wärmung am Heizelement abgebaut und in Zugspannungen umgewandelt. Diese
Zugspannungen begünstigen das Auftreten von Spannungsrissen.
Kommt es zur Bildung eines Grenzflächenrisses durch die Zugspannungen an der
Plattenoberfläche, wirken sich die durch den Spritzgießprozeß eingebrachten Zug-
spannungen im Platteninneren negativ auf den weiteren Rißfortschritt aus. Dies läßt
sich durch die Berechnung des J-Intergrals (Kapitel 4.2.3) belegen.
Beim Vergleich der simulierten mit den experimentell ermittelten Isochromatenbildern
(Bild 4.7) zeigt sich eine sehr gute Übereinstimmung.
experimentell
TH = 420°C
FEM
Bild 4.7: Vergleich der simulierten und der experimentell ermittelten Isochromatenbilder
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 25
Für eine Heizelementtemperatur von 420°C beträgt die Isochromatenordnung 0,42.
Das experimentelle Isochromatenbild hat eine Ordnung von etwa 0,5.
Isochromaten stellen dabei Linien gleicher Hauptnormalspannungsdifferenz dar,
denen eine definierte Ordnung n zugewiesen ist. Die Isochromatenverteilung kann
aus der numerisch berechneten Spannungsverteilung der Finite-Element-Analyse mit
Hilfe der spannungsoptischen Grundgleichung (Gl.(4.1)) bestimmt werden. Unter
Berücksichtigung der Beziehungen für den Mohrschen Spannungskreis ist der Wert
der Isochromatenordnung proportional zur Hauptnormalspannungsdifferenz und
damit zur Hauptschubspannung.
4.2.3 Simulationsergebnisse zur Bestimmung des J-Integrals
Die oben genannten Eigenspannungen, die sich im Bereich der Heizfläche eingestellt
haben, können vorerst nur eine geringe Aussage über die Rißempfindlichkeit geben.
Um aber eine hinreichende Aussage über die Rißempfindlichkeit machen zu können,
muß ein Riß für die Berechnung des J-Integrals erzeugt werden. Das J-Integral stellt
ein dreidimensionales Flächenintegral um die Rißfront dar. Der Wert des Integrals ist
ein Maß für die Größe der Rißausbreitungskraft und läßt somit eine Aussage über
die Rißempfindlichkeit zu. Der numerische Weg zur Berechnung des J-Integrals kann
der Literatur [Gro92, Ric68] entnommen werden. Die notwendigen Rechenroutinen
werden vom FEM-Programmsystem ABAQUS für eine rosettenförmige Vernetzung
um die Rissspitze bereitgestellt. Aufgrund des vordefinierten rosettenförmigen
Vernetzungsmusters (Bild 4.1) wird im stationären Spannungszustand ein Flächenriß
mit der Länge von 8,1mm in der Mitte der Aufheizfläche geöffnet. Bild 4.8 (Rißöffung
ohne Berücksichtigung des Spritzgießprozesses) zeigt deutlich, daß sich der Riß im
Fall einer Heizelementtemperatur von 420°C öffnet. Dies läßt sich dadurch erklären,
daß die Zugspannungen σ11 sehr groß und für die Rißöffnung maßgeblich
verantwortlich sind.
(Verzerrungsfaktor = 20)
1
2
3
Bild 4.8: Darstellung der verzerrten (weiß) und unverzerrten (grau) Platte nach der Rißöffnung
(rechts)
Bild 4.9 stellt die von Mises-Vergleichsspannung und die Spannung σ11 nach der
Rißöffung für eine Heizelementtemperatur von 420°C dar. Bei den dargestellten
n
d
S
2IIIH =σ−σ=τ (4.1)
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 26
Simulationsergebnissen wurde die Spannungsverteilung nach dem Spritzgießprozeß
bei der Simulation des Schweißprozesses berücksichtigt.
Durch die Rißbildung baut sich die Spannung in der Mitte der Aufheizfläche ab (Bild
4.9). Es treten hohe Spannungskonzentrationen unmittelbar an der Rißspitze auf.
Dabei sind die Spannungskonzentrationen größer als bei der Simulation des
Schweißprozesses ohne Berücksichtigung des Spritzgießprozesses.
Mises
1
2
3
Mises
S
11 (innen)
Mises
(innen)
Mises [N/mm
2
]
2,08
72,8
Mises Mises (innen)
9,99
61,6
Mises [N/mm
2]
2,08
Mises [N/mm
2
]
72,8
3
2
1
Mises
σ
11 [N/mm
2]
-17,4
+48,1
σ
11
(innen)
0
Bild 4.9: Von Mises-Vergleichsspannung und Spannung σ11 nach der Rißöffnung für TH=420°C
Die höheren Spannungskonzentrationen bei der Berücksichtigung des Spritzgieß-
prozesses lassen sich dadurch begründen, daß nach dem Spritzgießen in der Platte
Zugspannungen vorliegen, die durch den simulierten Schweißprozeß aufgrund der
örtlich begrenzten Temperatureinflußzone nicht abgebaut werden können. Bei der
Simulation des Schweißprozesses ohne Berücksichtigung des Spritzgießens liegen
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 27
hingegen im Platteninneren Druckspannungen vor, die im Fall einer Rißöffnung die
Spannungskonzentrationen um die Rißspitze verringern.
Aus den Spannungskonzentrationen in der Umgebung der Rißspitze lassen sich
bruchmechanische Kennwerte ermitteln, die die Berechnung des J-Integrals
erlauben. Der Vergleich der J-Integralwerte einer Simulation des
Heizelementschweißprozesses ohne Berücksichtigung des Spritzgießprozesses, mit
einer Simulation bei der sowohl der Spritzgieß- als auch der
Heizelementschweißprozeß berücksichtigt wurden, zeigt, daß der vorgeschaltete
Spritzgießprozeß den Wert des J-Integrals deutlicher beeinflußt als die einseitige
Wiedererwärmung am Heizelement (Bild 4.10).
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1 2 3 4 5 6 7
T = 420°C mit Spritzgießen T = 420°C ohne Spritzgießen
1 3 57
(Knoten-Nr.)
J-Integral [N/mm]
Rißfrontknoten
Bild 4.10: J-Integralwerte der Rißfrontknoten mit und ohne Berücksichtigung des Spritzgieß-
prozesses
Dennoch hat das Experiment gezeigt, daß die aus dem Spritzgießprozeß
resultierenden Eigenspannungen nicht ausreichen, um Dehnungen zu erzeugen, die
bei einer Benetzung mit einem Gemisch aus Isopropanol und Wasser zur Bildung
von Spannungsrissen führen.
Zusammenfassend kann daraus geschlossen werden, daß durch den
Spritzgießprozeß die Rißinitiierung zwar nicht begünstigt wird, aber bei
Vorhandensein eines Risses, das Fortlaufen aufgrund der Zugspannungen im
Platteninneren sehr wahrscheinlich ist. Im Sinne der Spannungsrißbildung stellt die
Kombination aus Spritzgieß- und Schweißprozeß einen kritischen Zustand dar. So
werden beim Heizelementschweißen die rißmindernden Druckspannungen an der
Plattenoberfläche nachteilig in Zugspannungen umgewandelt, aber die durch den
Spritzgießprozeß vorhandenen Zugspannungen im Platteninneren können aufgrund
der begrenzten Temperatureinfußzone beim Schweißen nicht abgebaut werden.
4.3 Versuchsdurchführung und –auswertung an einer Heckleuchtengeometrie
Auf der Grundlage der Untersuchungen an einer ebenen Platte werden weitere FEM-
Analysen an einer realen Heckleuchtengeometrie durchgeführt. Diese sollen zum
einen die Ergebnisse der vorangegangenen Analyse stützen und durch die Übertra-
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 28
gung auf eine Realgeometrie weitere Einflüsse, wie z.B. den der Geometrie, auf den
Eigenspannungshaushalt aufzeigen.
4.3.1 Diskretisierung des FE-Modells
Analog zu den FEM-Analysen an den ebenen Platten wurde auch in diesem Fall eine
Variation der Heizelementtemperatur von 230°C über 330°C auf 420°C vorgenom-
men, wobei auf die Ergebnisse in späteren Kapiteln eingegangen wird. Ebenso
wurde der Einfluß des Spritzgießprozesses in die Rechnung mit einbezogen und so
die aus dem Abkühlvorgang des Bauteils im Werkzeug und an Luft resultierenden
Eigenspannungen als Anfangsbedingung für die Simulation des Heizelement-
schweißprozesses genutzt, um so die Übertragbarkeit auf die Prozeßstufen in der
realen Heckleuchtenfertigung zu gewährleisten. Die untersuchte Heckleuchten-
geometrie ist in Bild 4.11 wiedergegeben.
Bereich 1
Bereich 2
Bereich 3
Bild 4.11: Reale Heckleuchtengeometrie und diskretisiertes FE-Modell
Gegenübergestellt sind hier die reale Geometrie sowie das FE-Modell, daß die zur
Simulation benötigte Heizelementplatte beinhaltet. Zur vergleichenden Betrachtung
der Ergebnisse werden drei Bereiche ausgewählt, die sich in der Praxis bei der
Benetzung mit einem physikalisch aktiven Medium als kritisch herausgestellt haben.
Um die hohen Temperatur- und Spannungsgradienten gut wiedergeben zu können,
wird die Schweißnaht im oberen Bereich, analog zur ebenen Platte, fein diskretisiert.
Das vernetzte Volumenmodell besteht aus 6.500 Elementen und 36.000 Knoten.
4.3.2 Simulationsergebnisse zur Temperatur- und Spannungsberechnung
In Bild 4.12 ist die dreidimensionale Temperaturverteilung im Werkzeug nach 4s und
bei der Entformung nach 40s sowie die Temperaturverteilung beim anschließenden
Abkühlen an Luft nach 80s und 120s wiedergegeben.
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 29
Durch die örtlich differierenden Temperaturverteilungen kommt es somit sowohl im
Werkzeug als auch bei der Abkühlung an Luft zu behinderten Schwindungen, die ein
dreidimensionales Spannungsfeld im Formteil verursachen.
Betrachtet man die aus der instationären Temperaturverteilung resultierende Span-
nungsverteilung nach dem Spritzgießen (Bild 4.13), so wird deutlich, daß in den
Bereichen der Fügeebene und der Kerbe Druckspannungen herrschen, die in diesem
Fall einer Spannungsrißbildung direkt nach dem Spritzgießen entgegenwirken.
Hieraus läßt sich die Aussage ableiten, daß nicht, wie anfänglich angenommen,
schon nach dem Spritzgießprozeß kritische rißauslösende Spannungen vorliegen,
sondern diese erst bei der Erwärmung am Heizelement erzeugt werden.
t =4s t =40s
t =80s t =120s
T [°C]
T [°C]
T [°C]
77,6
245,0
80,0
120,0
45,0
80,0
Bild 4.12: Temperaturverteilung im Spritzgießwerkzeug und während der Abkühlung an Luft,
Bereich 1
Experimentell läßt sich diese Aussage durch Versuche stützen, in denen spritzge-
gossene Lichtscheiben einem Benetzungstest unterzogen wurden, wobei es zu
keinerlei Rißbildung kam.
σ
33
σ
11
σ
22
3
21
σ [N/mm2]
-73,0
+85,0
0
Zug Druck
Kerbe
Fügeebene
Bild 4.13: Spannungsverteilung nach dem Spritzgießen, Bereich 3
Untersuchungen zum Einfluß des Spritzgießprozesses mit Hilfe der FEM-Analyse 30
Werden die eigenspannungsbehafteten Heckleuchten am Heizelement erwärmt, so
stellen sich, analog zu den simulierten Temperaturverteilungen der ebenen Platte,
große Temperaturgradienten im fügeflächennahen Bereichen ein, wobei mit
steigenden Heizelementtemperaturen auch in tieferen Materialschichten hohe
thermische Belastungen auftreten. Durch diese örtlich und zeitlich variierenden
Temperaturfelder kommt es infolge behinderter Schwindungsvorgänge zum Aufbau
von Eigenspannungen (Bild 4.14), die unter Wirkung physikalisch aktiver Medien zur
Spannungsrißbildung führen können.
σ
22
σ
33
3
1
2
σ [N/mm
2
]
-103,0
0
+73,0
Zug Druck
σ
11
Fügeebene
Bild 4.14: Spannungsverteilung nach dem Heizelementschweißen, Bereich 3
Bei der Gegenüberstellung der Spannungsverteilung nach dem Spritzgießen und
dem Heizelementschweißen wird der Einfluß des Heizelementschweißprozesses
sehr deutlich. Gegenüber der Spannungsverteilung nach dem Spritzgießen sind im
Bereich der Fügenaht und der Kerbe nach dem Heizelementschweißen Zugspan-
nungen zu erkennen. Dabei stellt die Kerbe auch im Experiment den Ausgangspunkt
für die Rißbildung dar (Bild 4.15). Aufgrund der Ergebnisse wird deutlich, daß nicht
nur der Heizelementschweißprozeß einen starken Einfluß auf die Spannungsriß-
bildung hat, sondern auch die Geometrie des Bauteils berücksichtigt werden muß,
um eine Reduzierung der rißauslösenden Zugspannungen zu erreichen. So ist es
sinnvoll, schon in der Konstruktionsphase eines Bauteiles FE-Rechnungen anzu-
stellen, die Aufschluß über den Geometrieeinfluß geben.
PMMA
Bild 4.15: Spannungsriß ausgehend von der Kerbe in einer Heckleuchte
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 31
5 Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen
In den folgenden Unterkapiteln soll mit Hilfe unterschiedlichster
Untersuchungsmethoden der Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelement-
schweißen auf die Spannungsrißbildung analysiert werden. Eine gesicherte Aussage
zum Einfluß der Prozeßparameter kann hierbei nur über eine zusammenfassende
Bewertung der Teilergebnisse erfolgen, da die eingesetzten Analysemethoden
gewissen Einschränkungen unterliegen. So kann mit Hilfe der Benetzungstests nur
eine qualitative Aussage getroffen werden. Beim Einsatz der Spannungsoptik erhält
man hingegen unter bestimmten Voraussetzungen quantitative Ergebnisse, wobei
diese Methode nur auf spannungsoptisch aktive Materialien, wie z.B. Polycarbonat,
angewendet werden kann. Die Bohrlochmethode liefert quantitative Einpunkt-
ergebnisse, die aber keinen direkten Rückschluß auf die Eigenspannungsverteilung
zulassen. Über die FEM-Analyse erhält man zwar quantitative Ergebnisse, die aber
aufgrund der problematischen Abbildung des hoch komplexen temperatur- und
zeitabhängigen Materialverhaltens nur qualitativ bewertet werden sollten. So kann
nur über die Kombination der verschiedenen Methoden eine gesicherte Bewertung
der Einflüsse vorgenommen werden.
5.1 Parameterstudien mit anschließenden Benetzungstests
2Die durchgeführten Parameterstudien mit den anschließenden Benetzungstests
orientieren sich sehr stark an der Praxis und somit an der vorgeschriebenen
Prüfspezifikation der Heckleuchtenhersteller. In der Praxis bedeutet dies, daß die
geschweißten Heckleuchten gemäß ihrer Anbringung im PKW mit einer physikalisch
aktiven Flüssigkeit benetzt werden und das entstandene Rißbild visuell beurteilt wird.
Ein Nachteil dieser Prüfmethodik ist, daß die durch die komplexe dreidimensionale
Gestalt der Heckleuchten vorliegenden Kerben und Nuten, gerade im Bereich der
Schweißnaht, die Ergebnisse sehr stark verfälschen. Aus diesem Grund werden die
Versuche an ebenen Rechteckplatten durchgeführt und das Rißbild kann ohne den
Einfluß von Kerbspannungen beurteilt werden. Diese Vorgehensweise bietet die
Möglichkeit, bestimmte rißbildbeschreibende Qualitätsgrößen direkt dem Einfluß der
Prozeßparameter beim Heizelementschweißen zuzuordnen. Zur Beschreibung
dieser Abhängigkeiten wird die multiple Regressionsanalyse eingesetzt.
5.1.1 Grundlagen zur Vorgehensweise beim Einsatz von Benetzungstests
Bei den Erwärmversuchen mit den Rechteckproben werden unter Variation der
Prozeßparameter weg- und druckgeregelte Versuche durchgeführt (vgl. Anhang
Tabelle 9.2 und Tabelle 9.3). Für die Versuchsauswertung werden nach dem
Erwärmen in jeder Rechteckplatte Risse erzeugt. Um bei allen Platten gleiche
2 Die in diesem Kapitel dargestellten Zusammenhänge sind teilweise den Arbeiten von [Bor99, Sch98]
entnommen, auf die hier für eine ausführliche Darstellung verwiesen wird.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 32
Voraussetzungen zu schaffen, werden die erwärmten Platten grundsätzlich einen
Tag später bearbeitet. Im Fall des Werkstoffs PMMA werden an vordefinierten
Stellen Kerben eingebracht. Diese Kerben allein lösen aufgrund der Höhe der
Eigenspannungen keine Rißbildung aus. Als spannungsrißauslösendes physikalisch
aktives Medium wird Super-Bleifrei-Kraftstoff verwendet. Ergebnis dieser
Beträufelung ist eine sofort einsetzende Rißbildung. Die Rißspitze wird solange
beträufelt, bis kein Fortschreiten des Risses mehr erkennbar ist. Beim Werkstoff PC
lassen sich die bei PMMA erzeugten einzelnen Risse nicht realisieren, da das
verwendete physikalisch aktive Medium bei der Beträuflung der vordefinierten
Kerben im gesamten benetzten Bereich zu einer sofortigen und undefinierten
Rissbildung führt, die keine sinnvolle Auswertung erlaubt. Daher werden die PC-
Platten eine halbe Stunde in ein Gemisch aus 3 Teilen n-Propanol und einem Teil
Toluol eingelegt. Die erzeugten Rißbilder und charakteristischen Rißverläufe für
PMMA und PC können Bild 5.1 entnommen werden.
b
69,6 mm
PMMA PC
PMMA PC
b-mitte
69,6 mm
10 mm 10 mm
b-außen
Bild 5.1: Rißbilder und charakteristischer Rißverlauf für die Werkstoffe PMMA (links) und PC
(rechts)
Die experimentelle Bestimmung der Rißlängen erfolgt in diesem Fall nach:
Rißlänge (Ra, Rm) = Plattenbreite – Angleichweg - b (5.1)
Eine weitere Möglichkeit, eine Bewertung der Risse vorzunehmen, ist die
Klassifizierung der Rißhäufigkeit, wobei diese Methode, die in der Arbeit von [Kos95]
Verwendung findet, als sehr subjektiv einzustufen ist. Zusätzlich ist es hierbei nicht
möglich, eine genauere Bewertung mit Hilfe der multiplen Regressionsanalyse
vorzunehmen.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 33
5.1.1.1 Multiple Regressionsanalyse
Die multiple Regressionsanalyse hat das Studium des gemeinsamen Einflusses von
mehreren Einflußgrößen xi auf eine Zielgröße bzw. ein Qualitätsmerkmal y zum
Inhalt. Aufgabe der Regressionsrechnung ist es, einen Zusammenhang zwischen
einer Zielgröße und einer oder mehrerer Einflußgrößen rechnerisch nachzuweisen,
formelmäßig zu beschreiben und durch Gütekennzahlen zu belegen [Brü98]. Das
Prinzip der Regressionsrechnung beruht darauf, daß die zugrunde liegende Ziel-
größe durch eine mathematische Funktion der Form
pp22110 xbxbxbby
ˆ
⋅
+
+
⋅
+
⋅
+
=K (5.2)
bestmöglich angenähert wird. Diese Funktion liefert somit Schätzwerte für die
wahren Beobachtungswerte yi. Die Größe y wird als Regressand bezeichnet. Die xi
stellen die unabhängigen Variablen (Einflußgrößen) dar, die als Regressoren
bezeichnet werden. Die Koeffizienten bi geben an, wie sich die abhängige Variable
bei Änderung der betreffenden unabhängigen Variablen verändert. Damit die
Schätzgenauigkeit des Prognosemodells möglichst groß wird, sind die Regres-
sionskonstante b0, die unabhängigen Variablen xi sowie deren Regressions-
koeffizienten bi so auszuwählen, daß die als Residuen bezeichneten Abweichungen
zwischen dem Beobachtungswert yi und dem Schätzwert i
y
ˆ möglichst klein werden.
Hierbei wird das Ziel verfolgt, die Summe der Residuenquadrate zu minimieren. Die
Zielfunktion der Regressionsanalyse für n Beobachtungswerte lautet somit:
()
[]
minxbxbxbbye
2
n
1i
ipp2i21i10i
2
n
1i
i→⋅++⋅+⋅+−= ∑∑ ==
K (5.3)
Die so gefundene Funktion darf nur innerhalb des beobachteten Wertebereichs der
Einflußgrößen verwendet werden. Will man nichtlineare Zusammenhänge zwischen
den Qualitätsmerkmalen und den Einflußfaktoren berücksichtigen, so müssen die
Einflußfaktoren vor der Regressionsrechnung transformiert werden. Die standard-
mäßigen Transformationen sind:
- quadratisch - kubisch
- Logarithmen - Kehrwert
- Exponent - Wurzeln
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, auch Wechselwirkungen zwischen jeweils
zwei Regressoren bei der Modellbildung zu berücksichtigen. So werden alle
möglichen Produkte zweier Regressoren gebildet, wobei das Produkt wiederum wie
ein Regressor behandelt wird. Um zu beurteilen, wie verläßlich der durch das Modell
geschätzte Wert eines Qualitätsmerkmals ist bzw. wie gut sich die Regressions-
gleichung an die empirische Punkteverteilung anpaßt, wird das Bestimmtheitsmaß B
gebildet. Es ist definiert als:
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 34
()
()
∑
∑
=
=
−
−
−= n
1i
2
i
2
n
1i
ii
yy
y
ˆ
y
1B (5.4)
mit i
y = Beobachtungswert i der abhängigen Variablen
i
y
ˆ = Schätzwert i der abhängigen Variablen
y = Mittelwert der abhängigen Variablen
Ein Bestimmtheitsmaß von bspw. 0,94 drückt aus, daß 94% der tatsächlich im
Regressand auftretenden Streuung durch das Modell erklärt werden, 6% hingegen
nicht. Diese immer vorhandene Reststreuung ist auf nicht erfaßte Einflußgrößen
und / oder Meßungenauigkeiten zurückzuführen.
Es bleibt anzumerken, daß die beschriebene Vorgehensweise allein auf statistischen
Methoden beruht. Es ist daher unumgänglich, das Modell anhand von Sachkenntnis
über die Prozeßzusammenhänge auf seine Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen.
5.1.2 Versuchsauswertung zum Werkstoff Polymethylmethacrylat
Eine Bewertung der Eigenspannungsbelastung der Rechteckproben über die
Auswertung von Rißlängen ist unter Berücksichtigung der Spannungsverläufe σx und
σy (Bild 2.7 und Bild 2.8) möglich. Dem Spannungsverlauf σx ist zu entnehmen, daß
an einem bestimmten Punkt die rißauslösenden Zugspannungen in Druckspan-
nungen übergehen. Schon vor diesem Punkt ist kein weiteres Rißwachstum in x-
Richtung mehr möglich, da bereits vorher ein Spannungsniveau unterhalb der
kritischen Zugspannung für die Rißbildung erreicht wird.
Zug
Druck
Spannungserhöhung
kritische Zugspannungen
für Rißbildung
y
Platte
Verschiebung des Abknickpunktes
Spannungen
Bild 5.2: Schematische Darstellung der Zusammenhänge zwischen Abknickpunkt und
Spannung
Um trotzdem weiter Energie abbauen zu können, knickt der entlang der y-Achse
verlaufende Riß ab und die Zugspannungen σy, die sich noch in einer Grö-
ßenordnung oberhalb der kritischen Zugspannung für Rißbildung befinden, sorgen
für weiteres Rißwachstum in x-Richtung. Es ergibt sich der charakteristische Rißver-
lauf aus Bild 5.1. Steigen die rißauslösenden Spannungen σx aufgrund anderer
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 35
Erwärmbedingungen an, so ist davon auszugehen, daß sich der Abknickpunkt weiter
in Richtung Plattenmitte verschiebt. Dieser Zusammenhang ist in Bild 5.2
anschaulich dargestellt. Somit kann anhand des Abknickpunktes der Spannungs-
haushalt der Platte qualitativ beurteilt werden. Größere Rißlängen bedeuten folglich
stärker belastete Rechteckproben. Die Bilder 5.3 (Wegregelung) und 5.4
(Druckregelung) zeigen die gemittelten äußeren Rißlängen Ra in Abhängigkeit von
der Heizelementtemperatur, wobei zusätzlich die Erwärmzeit variiert wurde.
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
200 250 300 350 400 450
TH [°C]
Rißlänge außen [mm]
tE = 6s; sA = 0,2 mm
tE = 6s; sA = 0,4 mm
tE = 6s; sA = 0,6 mm
tE = 11s; sA = 0,2 mm
tE = 11s; sA = 0,4 mm
tE = 11s; sA = 0,6 mm
tE = 16s; sA = 0,2 mm
tE = 16s; sA = 0,4 mm
tE = 16s; sA = 0,6 mm
Bild 5.3: Gemittelte Meßwerte der äußeren Rißlänge als Funktion der Heizelementtemperatur
und der Erwärmzeit, weggeregelt, PMMA
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
200 250 300 350 400 450
TH [°C]
Rißlänge außen [mm]
tE = 6s; pA= 1 N/mm²
tE = 6s; pA= 2 N/mm²
tE = 6s; pA= 3 N/mm²
tE = 11s; pA= 1 N/mm²
tE = 11s; pA= 2 N/mm²
tE = 11s; pA= 3 N/mm²
tE = 16s; pA= 1 N/mm²
tE = 16s; pA= 2 N/mm²
tE = 16s; pA= 3 N/mm²
Bild 5.4: Gemittelte Meßwerte der äußeren Rißlänge als Funktion der Heizelementtemperatur
und der Erwärmzeit, druckgeregelt, PMMA
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 36
Die Auswertung ergibt, daß die zu erkennenden Abhängigkeiten hinsichtlich des
Temperatur- bzw. des Zeiteinflusses bei Weg- und Druckregelung gleich sind. Mit
steigender Heizelementtemperatur erhöht sich die Rißlänge. Die gleiche Tendenz
ergibt sich bei Verlängerung der Erwärmzeiten. Ferner lassen sich nur geringe
Abhängigkeiten der Rißlängen vom Angleichweg bzw. vom Angleichdruck
ausmachen, der in einem für die Praxis sehr großen Bereich variiert wurde. Für
Risslängen Rm in der Mitte der Proben gelten die gleichen Aussagen und
Abhängigkeiten, die aus diesem Grund hier nicht näher diskutiert werden sollen.
Da der Einfluß des Angleichwegs bzw. -drucks relativ gering ist, werden diese beiden
Parameter in der folgenden Modellbildung nicht berücksichtigt. Nur die
Heizelementtemperatur und die Erwärmzeit werden als Einflußfaktoren in die
Berechnung des Regressionsmodells mitaufgenommen. Tabelle 5.1 enthält das
erstellte „weggeregelte“ Modell. Das Bestimmtheitsmaß liegt mit einem Wert von
97,06% auf einem sehr hohen Niveau.
Tabelle 5.1: Regressionsmodell für die Rißlänge außen, weggeregelt
Parameter Zahlenwerte/
Wertebereich
Zusätzliche
Modelloptionen
Zielgröße Ra [mm] 8,1-16,7
TH [°C] 230-430
Vorein-
stellungen Einflußgrößen tE [s] 6-16
alle Transformationen u.
Wechselwirkung
Gewichtung/Einzel-
bestimmtheitsmaße [%]
b0 [mm] 13,848
b1[mm/°C²] -0,0002 32,98
b2 [mm/°Cs] 0,0035 19,04
b3 [mm/°C³] 3,1 . 10-7 30,91
Modellkoeffizienten
b4 [mm/s] -0,829 14,22
Modell
Bestimmtheitsmaß B [%] 97,06
Modell-
gleichung E4
H
3EH2H10 tb
T
1
btTbTbbRa ⋅+⋅+⋅⋅+⋅+=
Die Rißlänge nimmt mit ansteigenden Werten der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit zu. Die Gültigkeit des Modells beschränkt sich auf den Wertebereich der
Einflußgrößen TH und tE aus Tabelle 5.1. Ein direkter Vergleich der Meßwerte von Ra
mit den berechneten Werten aller Versuchspunkte für den druckgeregelten
Versuchsplan ist anhand von Bild 5.5 möglich. Hier sind neben den berechneten
Werten und den Meßwerten auch die relativen Fehler in % aufgeführt. Diese werden
wie folgt berechnet:
100
Ra
RaRa
F
gemessen,i
iberechnet,gemessen,i
rel,i ⋅
−
= (5.5)
Der mittlere relative Fehler für das Modell beträgt 4,13%. Die Tatsache, daß bei
lediglich zwei berücksichtigten Einflußgrößen bereits 97,95% (Bestimmtheitsmaß
„druckgeregelt“) der auftretenden Streuung in den äußeren Rißlängen durch das
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 37
Modell erklärt werden, weist auf einen eindeutigen Einfluß der Parameter
Heizelementtemperatur und Erwärmzeit auf die Rißlänge und somit auf den
Eigenspannungshaushalt hin. Der physikalische Gehalt des berechneten Modells ist
offensichtlich. Aufgrund des Erwärmvorgangs werden große Wärmedehnungen in die
Probeplatten eingebracht. Der anschließende Abkühlvorgang sorgt dann infolge stark
unterschiedlicher Abkühlgeschwindigkeiten am Rand der Platte und im
Platteninneren für den Verbleib von Eigenspannungen in den Proben.
-20
-10
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Versuchspunkte
Fehler [%]
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140
Rißlänge außen [mm]
Fehler
Ra berechnet
Ra gemessen
230°C
280°C
330°C
380°C
430°C
Bild 5.5: Gemessene und berechnete Rißlängen, druckgeregelt, PMMA
In weiteren Untersuchungen hat sich gezeigt, daß die ermittelten Rißlängen nicht nur
in starkem Maße mit den Einstellparametern der Heizelementschweißmaschine
korrelieren, sondern auch mit theoretisch hergeleiteten Größen, wie z.B. der
Schmelzeschichtdicke und dem Integral über dem theoretischen Temperaturverlauf
in der Schmelzeschicht. So erreicht man bei der Berücksichtigung der
Schmelzeschichtdicke als einzige Einflußgröße in der Regressionsrechnung
Bestimmtheitsmaße von 97,98%. Hierbei zeigt sich, daß mit steigender
Schmelzeschichtdicke auch längere Risse erzeugt werden (Bild 5.6).
Berücksichtigt man nur das Integral über dem theoretischen Temperaturverlauf
innerhalb der Schmelzeschicht nach Gleichungen (5.6), so werden ebenfalls
Bestimmtheitsmaße von bis zu 98% erzielt, wobei auch hier mit ansteigenden Werten
längere Risse beobachtet werden (Bild 5.7).
()
[]
dxTxTI
Lo
0
fl ⋅−= ∫
mit:
() ( )
U
Eeff
UG T
ta2
x
erfcTTxT +
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
⋅⋅
⋅−=
(5.6)
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 38
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8 2,0 2,2 2,
4
Schmelzeschichtdicke [mm]
Rißlänge außen [mm] aaaa
berechnet
gemessen
Bild 5.6: Berechnete und gemessene äußere Rißlängen in Abhängigkeit der Schmelze-
schichtdicke, druckgeregelt
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160
Temperaturintegral in der Schmelzeschicht [°C mm]
Rißlänge außen [mm] aa
berechnet
gemessen
Bild 5.7: Berechnete und gemessene äußere Rißlängen in Abhängigkeit des Temperatur-
integrals in der Schmelzeschicht, druckgeregelt
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 39
5.1.3 Versuchsauswertung zum Werkstoff Polycarbonat
Aufgrund der geringeren Rißlängen sind diese als Charakteristikum für den
Eigenspannungsgehalt der PC-Proben schwerer auswertbar, da sich Meßfehler und
verfahrensbedingte Ungenauigkeiten bei kleinen Rißlängen prozentual sehr viel
stärker auf das Meßergebnis auswirken als bei großen Rißlängen, die innerhalb des
Versuchsplans sehr viel stärker variieren. Bild 5.8 zeigt die mittleren Rißlängen Rm in
Abhängigkeit von der Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit, wobei im
wesentlichen die gleichen Abhängigkeiten von Rm bezüglich der Erwärmzeit und des
Angleichweges auszumachen sind wie bei den PMMA-Proben. Auffällig ist hier die
Abhängigkeit der Rißlänge Rm von der Heizelementtemperatur. Rm nimmt zunächst
bei 280°C bis 330°C stark zu und stagniert dann bei weiterer Temperaturerhöhung.
3,4
3,6
3,8
4
4,2
4,4
4,6
4,8
5
5,2
5,4
5,6
5,8
6
250 280 310 340 370 400 430
TH [°C]
Rißlänge mittel [mm] aa
tE = 6s; sA = 0,2 mm
tE = 6s; sA = 0,4 mm
tE = 11s; sA = 0,2 mm
tE = 11s; sA = 0,4 mm
tE = 16s; sA = 0,2 mm
tE = 16s; sA = 0,4 mm
Bild 5.8: Gemittelte Meßwerte von Rm als Funktion der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit, weggeregelt, PC
Bei einer Erwärmzeit von 6s ist von 380°C bis 430°C sogar eine Abnahme von Rm
zu verzeichnen. Bei den druckgeregelten Versuchspunkten ist diese Tendenz
ebenfalls zu beobachten.
Bei den Regressionsrechnungen zeigen sich ähnliche Abhängigkeiten wie beim
Werkstoff PMMA. Allerdings liegen die erzielten Bestimmtheitsmaße mit Werten von
88% bis 96% etwas unter denen des Werkstoffs PMMA.
Exemplarisch sind in Tabelle 5.2 die Ergebnisse der Regressionsrechnung unter
Berücksichtigung der Heizelementtemperatur, der Erwärmzeit und des Angleichwegs
dargestellt.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 40
Tabelle 5.2: Regressionsmodell für die Rißlänge, weggeregelt
Parameter Zahlenwerte/
Wertebereich
Zusätzliche
Modelloptionen
Zielgröße Rm [mm] 3,4-6,6
TH [°C] 280-430
tE [s] 6-16
Vorein-
stellungen Einflußgrößen
sA [mm] 0,2-0,6
alle Transformationen u.
Wechselwirkung
Gewichtung/Einzel-
bestimmtheitsmaße [%]
b0 [mm] 7,5922
b1 [mm/°Cs] 0,00038 25,13
b2 [1/°C] 0,0029 9,12
b3 [mm/°C³] -0, 26 . 10-7 29,93
b4 [mm°C] -1282,1468 27,90
Modellkoeffizienten
b5 [mm] 0, 35 . 10-7 7,22
Modell
Bestimmtheitsmaß B [%] 95,30
Modell-
gleichung
()
E5
H
4
3
H3AH2EH10 texpb
T
1
bTbsTbtTbbRm ⋅+⋅+⋅+⋅⋅+⋅⋅+=
Hält man den Angleichweg in der berechneten Modellgleichung konstant auf 0,4mm
zeigt sich das in Bild 5.9 dargestellte Verhalten. Der mittlere relative Fehler beträgt
bei diesem Modell 5,06%.
280
295
310
325
340
355
370
385
400
415
430
6
11
16
3,2
3,4
3,6
3,8
4,0
4,2
4,4
4,6
4,8
5,0
5,2
5,4
5,6
5,8
6,0
Rißlänge mittel [mm]
TH [°C]
tE [s]
Bild 5.9: Berechnete Rißlänge über der Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit, PC
Berücksichtigt man hier ebenfalls die Schmelzeschichtdicke oder das
Temperaturintegral in der Schmelzeschicht als einzige Einflußgröße in der Regres-
sionsrechnung, so lassen sich Bestimmtheitsmaße von ca. 88% erzielen, wobei mit
ansteigenden Werten die Rißlängen ebenfalls zunehmen.
Auch beim Polycarbonat besitzen die Heizelementtemperatur und die Erwärmzeit
den größten Einfluß auf das Spannungsrißverhalten.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 41
5.1.4 Zusammenfassung der Ergebnisse zum Benetzungstest
Abschließend soll darauf hingewiesen werden, daß die ermittelten Rißlängen in
starkem Maße vom verwendeten Material, der Geometrie sowie vom eingesetzten
Benetzungsmittel abhängig sind und nicht ohne weiteres auf andere Bedingungen
übertragen werden können. Allerdings ist die Vergleichbarkeit innerhalb der Ver-
suchsreihen eindeutig gegeben und die ermittelten Rißlängen machen eine Bewer-
tung der Wirkrichtung und –größe der einzelnen Verfahrensparameter möglich.
So zeigt sich bei den Versuchsmaterialien PMMA und PC ein eindeutiger Einfluß der
Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit. In den Versuchen wird deutlich, daß die
ermittelten Rißlängen mit steigenden Werten der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit deutlich zunehmen. Beim Werkstoff PC ist dieser Trend jedoch bei
höheren Temperaturen nicht so stark ausgeprägt.
Der Einfluß der Angleichparameter, wie z.B. Angleichweg oder –druck, ist zu
vernachlässigen, wenn man berücksichtigt, daß bei den großen Druckvariationen von
1 bis 3N/mm2 nur geringe Auswirkungen auf die Rißlänge ermittelt werden. Dies zeigt
sich auch in den Ergebnissen der Regressionsrechnungen, die bei Nichtberück-
sichtigen dieser Größen zu höheren Bestimmtheitsmaßen führen.
Vergleicht man die experimentell ermittelten Schmelzeschichtdicken jedes Versuchs-
punktes mit den erzeugten Rißlängen, so ist mit steigenden Werten von L0 ein
deutlicher Anstieg der Rißlängen zu beobachten.
Ausgehend vom Einfluß der beschriebenen Größen läßt sich mit Hilfe der Re-
gressionsrechnung ein eindeutiger Zusammenhang der Rißlänge mit dem
theoretisch berechneten Temperaturintegral in der Schmelzeschicht herleiten, die so
mit steigenden Werten zu größeren Rißlängen führt.
Da die in den Benetzungstests ermittelten Rißlängen in engem Zusammenhang mit
den erzeugten Eigenspannungen der erwärmten Rechteckplatten stehen, lassen die
hier vorgestellten Untersuchungen erste qualitative Aussagen über die Wirkung des
Heizelementschweißprozesses auf die Spannungsrißbildung zu. Die getroffenen
Aussagen sollen in den nächsten Kapiteln bestätigt und verifiziert werden.
5.2 Parameterstudien mit spannungsoptischer Auswertung
3Die im vorangegangenen Kapitel vorgestellten Untersuchungen lassen zwar die
Wirkrichtung und auch –größe einzelner Prozeßparameter beim Heizelement-
schweißen auf die erzeugten Rißlängen erkennen, es können aber aufgrund der
starken Abhängigkeiten der Rißlängen vom Werkstoff, der Geometrie und vom ver-
wendeten Benetzungsmittel keine quantitativen Aussagen über den Einfluß der
Prozeßparameter auf den erzeugten Eigenspannungshaushalt nach dem Schweißen
gemacht werden. Dieser Eigenspannungszustand nach dem Heizelementschweißen
3 Die in diesem Kapitel dargestellten Zusammenhänge sind teilweise den Arbeiten von [Kön99, Pan00]
entnommen, auf die hier für eine ausführliche Darstellung verwiesen wird.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 42
in Kombination mit der Wirkung physikalisch aktiver Medien stellt die Ursache für die
Spannungsrißbildung dar und soll mit Hilfe spannungsoptischer Methoden genauer
untersucht werden.
5.2.1 Grundlagen der Spannungsoptik
In der experimentellen Spannungsanalyse gibt es eine Vielzahl von Methoden, den
durch thermische oder mechanische Beanspruchungen hervorgerufenen Span-
nungszustand zu ermitteln (vgl. Kapitel 2.3.3.1). Zu den interessantesten Methoden
zählen aufgrund des relativ einfachen Aufbaus und der großen Anschaulichkeit die
optischen Verfahren. Die Grundlagen der ebenen Spannungsoptik werden im
folgenden kurz erläutert.
Die Basis für spannungsoptische Versuche bilden transparente Modelle aus
doppelbrechenden Werkstoffen, wie z. B. Polycarbonat. Diese Werkstoffe eignen
sich in besonderem Maße für die Herstellung von Modellen, da sie die für die Span-
nungsoptik wichtigen Eigenschaften wie Isotropie, Homogenität, optische Empfind-
lichkeit und eine lineare Abhängigkeit zwischen Spannung, Dehnung und Isochro-
matenordnung aufweisen.
Ein Linearpolariskop, Bild 5.10, besteht aus einer Lichtquelle und zwei um 90°
gegeneinander gedrehten Polarisationsfiltern, zwischen die das zu untersuchende
Modell eingebracht wird. Als Lichtquelle wird überwiegend monochromatisches Licht,
d.h. Licht gleicher Wellenlänge (z. B. Natriumdampflampe), verwendet.
1
σ
δ
1
H
2
H
ϕ
2
σ
1
A
2
A
δ
Polarisator
A
nalysato
r
A
=
A
0 cos (ωt)
Bild 5.10: Prinzipieller Aufbau eines Linearpolariskops
Das von der Lichtquelle erzeugte Licht trifft auf den ersten Polarisationsfilter, den
Polarisator. Hier werden alle Schwingungsrichtungen des Lichtes herausgefiltert, die
nicht in der vom Polarisator vorgegebenen Richtung liegen.
Der auf diese Weise linear gerichtete Lichtvektor A wird beim Durchgang durch ein
transparentes und belastetes Modell in zwei orthogonale Komponenten A1 und A2
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 43
zerlegt. Die Richtungen dieser Komponenten fallen mit den Richtungen der beiden
Hauptspannungen σ1 und σ2 zusammen.
Die Spannungen verursachen gleichzeitig eine Veränderung der Ausbrei-
tungsgeschwindigkeit der beiden Teilkomponenten A1 und A2, wodurch eine Phasen-
verschiebung δ hervorgerufen wird. Diese Phasenverschiebung verhält sich propor-
tional zur Hauptspannungsdifferenz σ1 - σ2 und zur Dicke d des Modells.
Die Polarisationsrichtung des Analysators ist um 90° gegen die Polarisationsrichtung
des Polarisators gedreht und läßt daher nur die Teilkomponenten H1 und H2 durch.
Das durch den Analysator dringende Licht hängt nur von der Phasenverschiebung δ
ab. Hierbei können zwei Extremwerte auftreten:
δ = 0: Die horizontalen Komponenten löschen sich aus.
Es entsteht ein Helligkeitsminimum (dunkler Punkt).
δ = π: Die horizontalen Komponenten addieren sich.
Es entsteht ein Helligkeitsmaximum (heller Punkt).
Dieser Vorgang wiederholt sich, so daß bei geraden ganzzahligen Vielfachen von π
vollkommene Verdunklung und bei ungeraden Vielfachen von π vollkommene
Aufhellung auftritt.
Die durch diesen Effekt hervorgerufenen Linien gleicher Lichtintensität werden
Isochromaten genannt. Es handelt sich um Linien gleicher Hauptspannungsdifferenz
σ1 - σ2. Der Zusammenhang zwischen der Hauptspannungsdifferenz σ1 - σ2 und der
Phasenverschiebung δ wird durch das Maxwell-Gesetz (Gleichung (5.7)) beschrie-
ben, das als Hauptgleichung der Spannungsoptik bezeichnet wird:
()
S
d
2n 21 σ−σ=πδ= (5.7)
mit:
n: Isochromatenordnung 2
σ
: Hauptspannung 2
δ: Phasenverschiebung d: Dicke des Modells
1
σ: Hauptspannung 1 S: spannungsoptische Konstante
Am Modell sind im linearpolarisierten Licht neben den Isochromaten auch andere
dunkle Linien sichtbar. Fällt die Polarisationsrichtung mit einer der beiden
Hauptspannungsrichtungen zusammen, so wird eine der Komponenten des
zerlegten Lichtvektors zu Null. Der Lichtstrahl passiert ohne Geschwindig-
keitsaufspaltung das Modell und wird vom Analysator vollkommen ausgelöscht, so
daß an dieser Stelle ein schwarzer Punkt entsteht. Die auf diese Weise sichtbaren
Linien gleicher Hauptspannungsrichtungen werden als Isoklinen bezeichnet.
Bei der Betrachtung von Isochromaten üben die Isoklinen einen störenden Effekt
aus, da sie die Isochromaten zum Teil überlagern und somit nicht immer eindeutig
von diesen zu unterscheiden sind. Dieser störende Effekt läßt sich durch das
Verwenden von zirkularpolarisiertem Licht unterbinden.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 44
Die Aufnahmen und die Auswertung der im Polariskop erzeugten Bilder finden mit
Hilfe von digitalen Bildanalysemethoden statt. Von [HM86] wurde hierzu das
Phasenshiftverfahren auf die Spannungsoptik übertragen. Durch das Phasenshift-
verfahren ist es möglich, mit relativ geringem Aufwand Grauwertbilder für den Betrag
der Normalspannungsdifferenz σx - σy sowie für den Betrag der Schubspannung τxy
zu gewinnen. Die Lichtintensität, d.h. der Grauwert an jedem Punkt des Bildes, stellt
ein Maß für die gewünschten Spannungsgrößen dar.
5.2.2 Versuchsdurchführung und Auswertung
Bild 5.11 zeigt den verwendeten spannungsoptischen Versuchsaufbau. Mit Hilfe
dieser Versuchsanordnung ist es möglich, den Betrag der Normalspannungsdifferenz
Iσx-σyI sowie den Betrag der Schubspannung IτxyI an jedem Ort der Platte zu
bestimmen.
A
nalysator
CCD-Kamera
Bildverarbeitungsrechner
Viertelwellenplatte
Polarisator
Modell
Lichtquelle
Steuergerät
Bild 5.11: Spannungsoptischer Versuchsaufbau
Grundlage dieser Methode ist die doppelbrechende Eigenschaft des verwendeten
Kunststoffs, welche von der Höhe der Belastung abhängig ist. Bei der Bestimmung
der spannungsoptischen Konstanten als Maß für die doppelbrechende Eigenschaft
stellte sich heraus, daß für die spannungsoptischen Untersuchungen nur der Werk-
stoff PC verwendet werden kann. Das Material PMMA ist zwar spannungsoptisch
aktiv, kann aber aufgrund der relativ großen spannungsoptischen Konstanten nur bei
Vorliegen sehr großer Belastungen spannungsoptisch ausgewertet werden. Tabelle
5.3 gibt einen Überblick über die ermittelten spannungsoptischen Konstanten.
Tabelle 5.3: Spannungsoptische Konstanten im Vergleich
Werkstoff Spannungsoptische
Konstante S [N/mm Ord]
PC 9,9268
PMMA 134,81
SAN 101,25
Berücksichtigt man Gleichung (5.7), so müßte die Hauptnormalspannungsdifferenz
σ1-σ2 für den Werkstoff PMMA den 13-fachen Wert der Spannungsdifferenz des
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 45
Werkstoffs PC annehmen, um eine Auswertung mit Hilfe der Spannungsoptik zu
gewährleisten.
5.2.2.1 Erwärmversuche
Analog zu den Untersuchungen in Kapitel 5.1 wurden Erwärmversuche durchgeführt.
Hierzu wurden die Rechteckplatten unter Variation der Prozeßparameter am
Heizelement angeglichen und drucklos erwärmt. Die erwärmten Proben wurden dann
mit Hilfe der Spannungsoptik untersucht, um so Aussagen über den vorliegenden
Eigenspannungszustand zu machen. Die Parametervariation wurde auf der Grund-
lage der Versuchspläne aus Kapitel 5.1 vorgenommen.
Die Auswertung der Erwärmversuche gliedert sich in drei Schwerpunkte; so werden
Untersuchungen zum Einfluß der Heizelementtemperatur, der Erwärmzeit und des
Angleichdrucks und -weges durchgeführt.
Untersuchungen zum Einfluß der Heizelementtemperatur
Die Ergebnisse der spannungsoptischen Untersuchungen sind exemplarisch in Bild
5.12 wiedergegeben. Variiert wurde die Heizelementtemperatur von 280°C über
330°C und 380°C nach 430°C. Die Erwärmzeit und der Angleichweg sind konstant.
TH = 280 °C TH = 330 °C
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
25
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
25
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
TH = 380 °C TH = 430 °C
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
25
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
Iσx-σyI [N/mm2]
y [2 mm] x [2 mm]
Bild 5.12: Normalspannungsdifferenzen, Polycarbonat, tE=11s, sA=0,4mm
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 46
In den spannungsoptischen Aufnahmen ist deutlich zu erkennen, daß sich die
Erwärmung am Heizelement noch in einem Abstand von 40mm orthogonal zur
Fügefläche (y-Richtung) in einer Erhöhung der Normalspannungsdifferenzen aus-
wirkt. Die relativ großen Normalspannungsdifferenzen an den Rändern der Platte
lassen sich durch die sehr hohen Temperaturgradienten, die verfahrensbedingt dort
vorliegen, erklären. Für den Vergleich und die genauere Interpretation der Ergeb-
nisse ist es sinnvoll, Schnitte in den Normalspannungsdifferenzenverlauf zu legen,
um diese in Abhängigkeit der Heizelementtemperatur zu beurteilen.
In Bild 5.13 sind die Schnitte im Normalspannungsdifferenzenverlauf in einem
Abstand von 8mm parallel zur Fügefläche dargestellt. Mit zunehmender
Heizelementtemperatur ist ein deutlich ausgeprägteres Normalspannungsdif-
ferenzenprofil zu erkennen, wobei es ab 380°C zu keiner weiteren Erhöhung der
Spannungsdifferenzen kommt. Die Ergebnisse decken sich mit den Untersuchungen
in Kapitel 5.1. Auch die Rißlänge in Abhängigkeit der Heizelementtemperatur (Bild
5.8) zeigt keinen weiteren Anstieg mit zunehmenden Temperaturen.
0,2
0,4
0,6
0,8
1
1,2
1,4
-50 -30 -10 10 30 50
330°C
280°C
380°C 430°C
Iσx – σyI [N/mm2]
Plattenbreite
Bild 5.13: Schnitte durch den Normalspannungsdifferenzenverlauf im Abstand von 8mm zur
Fügenaht, tE = 11s, sA = 0,4mm
Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang, wenn man die Verläufe in Bild 5.13
anhand von Kennzahlen beurteilt. In Tabelle 5.4 sind das Integral, der Mittelwert und
der Maximalwert der Kurvenverläufe in Abhängigkeit der Heizelementtemperatur
wiedergegeben.
Tabelle 5.4: Kennzahlenvergleich zum Einfluß der Heizelementtemperatur
TH
[°C]
Integral
[N/mm]
Mittelwert
[N/mm2]
Maximalwert
[N/mm2]
280 84,35 0,83 1,01
330 90,50 0,89 1,11
380 106,39 1,05 1,25
430 105,1 1,04 1,22
Beim Vergleich der Kennzahlen wird deutlich, daß das Integral, der Mittelwert und
der Maximalwert mit steigender Heizelementtemperatur zunehmen. Der rückläufige
Trend ist beim Vergleich der Temperaturen 380°C und 430°C zu erkennen. Hier
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 47
nehmen im Vergleich zu 380°C die Kennzahlen mit steigender Heizelementtempe-
ratur wieder leicht ab. Die dargestellten Untersuchungsergebnisse machen den
Einfluß der Heizelementtemperatur auf das Normalspannungsdifferenzenprofil
deutlich. Im folgenden soll der Einfluß der Erwärmzeit diskutiert werden.
Untersuchungen zum Einfluß der Erwärmzeit
Analog zu den vorangegangenen Untersuchungen soll der Einfluß der Erwärmzeit
auf das Normalspannungsdifferenzenprofil diskutiert werden. Die Ergebnisse der
Untersuchungen sind exemplarisch in Bild 5.14 wiedergegeben. Variiert wurde die
Erwärmzeit von 6s über 11s nach 16s. Die Heizelementtemperatur und der Angleich-
weg sind konstant.
Zur genaueren Interpretation und Auswertung des Einflusses der Erwärmzeit werden
wiederum Schnitte in die Normalspannungsdifferenzenverläufe gelegt und anhand
von Kennzahlen beurteilt. Bild 5.15 zeigt Schnitte parallel zur Fügefläche in einem
Abstand von 8mm.
tE = 6s t
E = 11s
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
25
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
25
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
tE = 16s
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50
0
5
10
15
20
25
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
0
0.5
1
1.5
2
2.5
3
Bild 5.14: Normalspannungsdifferenzen, Polycarbonat, TH = 330°C, sA = 0,4mm
Bei einer konstanten Heizelementtemperatur von 330°C und konstanten Angleich-
parametern zeigt sich, daß mit zunehmender Erwärmzeit die Normalspan-
nungsdifferenzen deutlich zunehmen. Dieses Ergebnis bestätigt die Aussagen aus
Kapitel 5.1, wo sich ein ähnlicher Einfluß der Erwärmzeit auf die Rißlänge zeigt.
Tabelle 5.5 zeigt die zu Bild 5.15 zugehörigen Kennzahlen.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 48
0,2
0,4
0,6
0,8
1
1,2
1,4
-50 -30 -10 10 30 50
6 s
11 s
16 s
Plattenbreite
Iσ
x
– σ
y
I
[
N/mm2
]
Bild 5.15: Schnitte durch den Normalspannungsdifferenzenverlauf im Abstand von 8mm zur
Fügenaht, TH = 330°C, sA = 0,4mm
Tabelle 5.5: Kennzahlenvergleich zum Einfluß der Erwärmzeit
tE
[s]
Integral
[N/mm]
Mittelwert
[N/mm2]
Maximalwert
[N/mm2]
6 79,3 0,78 0,97
11 90,5 0,89 1,11
16 106,1 1,04 1,25
Beim Vergleich der Kennzahlen wird deutlich, daß das Integral, der Mittelwert und
der Maximalwert mit steigender Erwärmzeit zunehmen. Der rückläufige Trend, wie er
beim Einfluß der Heizelementtemperatur zu beobachten ist, ist hier nicht zu
erkennen. Um den Einfluß der Erwärmzeit noch deutlicher zu machen, ist in Bild 5.16
ein Schnitt durch den Normalspannungsdifferenzenverlauf orthogonal zur Fügenaht
dargestellt.
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
1,2
1,4
010 20 30 40 50
6 s
11 s
16 s
Plattenlänge
Iσx – σyI [N/mm2]
Bild 5.16: Schnitte durch den Normalspannungsdifferenzenverlauf orthogonal zur Fügefläche,
TH= 330°C, sA = 0,4mm
Auch im größeren Abstand orthogonal zur Schweißnaht ist der Einfluß der Er-
wärmzeiten noch deutlich zu erkennen, wobei die Normalspannungsdifferenzenver-
läufe für die Erwärmzeit 6s und 11s in einem Abstand von 30mm zur Fügenaht
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 49
ineinander übergehen. Der Einfluß der Erwärmzeit ist somit stärker ausgeprägt als
der Einfluß der Heizelementtemperatur.
Untersuchungen zum Einfluß des Angleichdrucks
An dieser Stelle soll nur der Einfluß des Angleichdrucks diskutiert werden, da die
Untersuchungsergebnisse zum Einfluß des Angleichwegs zu ähnlichen Aussagen
führen. Als Beispiel (Bild 5.17) soll hier ein Schnitt im Abstand von 8mm parallel zur
Fügenaht dienen. Der Angleichdruck wurde abweichend von den Versuchsplänen in
Kapitel 5.1 in einem Bereich von 0,5N/mm2 über 0,7N/mm2 bis zu 1,0N/mm2 variiert.
Die Heizelementtemperatur beträgt für alle drei Kurvenverläufe 280°C und die
Angleich- und Erwärmzeit sind konstant auf 3s und 11s eingestellt.
0
,
2
0
,
4
0
,
6
0
,
8
1
1
,
2
1
,
4
Plattenbreite
-50 -30 -10 10 30 50
0,5 N/mm
2
0,7 N/mm
2
1,0 N/mm
2
Iσx – σyI [N/mm2]
Bild 5.17: Schnitte durch den Normalspannungsdifferenzenverlauf im Abstand von 8mm zur
Fügenaht, TH = 280°C, tA = 3s, tE = 11s
Die Aussagen zum Einfluß des Angleichdrucks aus Kapitel 5.1 können durch die
Ergebnisse der Spannungsoptik bestätigt werden. Zwar werden die Angleichdrücke
in diesem Beispiel nicht in einem so großen Bereich variiert, wie es bei den
Parameterstudien mit anschließenden Benetzungstests der Fall war, dafür liegen die
hier vorgenommenen Variationen in einem für die Praxis üblichen Bereich. Die Er-
gebnisse zeigen deutlich, daß bei unterschiedlichen Angleichdrücken nur ganz ge-
ringe Unterschiede in den Normalspannungsdifferenzenverläufen zu erkennen sind.
So wirkt sich eine Angleichdrucksteigerung nur in geringem Maße aus. Diese
Aussagen gelten grundsätzlich auch für den Einfluß des Angleichwegs. Da die
Ergebnisse der Benetzungstests in hohem Maße mit den Ergebnissen der
spannungsoptischen Auswertung korrelieren und der Angleichdruck und –weg nur
einen geringen Einfluß zeigen, werden diese Einflußfaktoren in den nachfolgenden
Untersuchungen nicht mehr diskutiert.
5.2.2.2 Schweißversuche
Neben den Erwärmversuchen, bei denen die Rechteckplatten am Heizelement
erwärmt werden, wurden weitere Schweißversuche durchgeführt, um zu ermitteln, ob
und inwieweit sich das Spannungsfeld durch den Fügevorgang verändert. Desweite-
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 50
ren werden neben der Materialkombination PC mit PC, Versuche mit der Kombi-
nation ABS mit PC durchgeführt, um so Aussagen über die Veränderung des
Spannungsfeldes in Abhängigkeit des verwendeten Schweißpartners zu treffen.
Parallel hierzu wurden die Heizelementtemperaturen von 280°C in 50K-Schritten auf
430°C variiert. So wurden neben den Untersuchungen mit konstanter Heizele-
menttemperatur auch Untersuchungen mit unterschiedlicher Temperatur der beiden
Fügepartner durchgeführt, um so Aussagen über einen eventuellen Spannungs-
ausgleich machen zu können.
In Bild 5.18 ist exemplarisch der Normalspannungsdifferenzenverlauf zweier
geschweißter Polycarbonat-Rechteckplatten zu erkennen. Die Heizelementtempera-
tur beträgt 430°C und die Erwärmzeit liegt bei 11s.
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50 60
0
10
20
30
40
50
60
0
1
2
3
4
5
6
0
1
2
3
4
5
6
Bild 5.18: Normalspannungsdifferenzen beim Fügen, PC - PC, TH = 430°C
Das Erscheinungsbild des Normalspannungsdifferenzenverlaufs ähnelt stark dem
ermittelten Verlauf bei den Erwärmversuchen. Auffällig sind die großen Spannungs-
differenzenerhöhungen an den Rändern der Schweißnaht. Diese sind auf Randef-
fekte bei der Abkühlung zurückzuführen und lassen sich durch die unterschiedlichen
Abkühlbedingungen zwischen Plattenrand und -mitte erklären.
Bild 5.19 zeigt die Schnitte der Normalspannungsdifferenzenverläufe der Fügeverbin-
dungen aus den Materialkombinationen PC und PC. Dargestellt sind die Normal-
spannungsdifferenzenverläufe über dem rechten Fügepartner, der in allen vier Ver-
suchen konstant mit einer Heizelementtemperatur von 280°C erwärmt wurde. Bei
den zugehörigen Fügepartnern der linken Seite wurde die Heizelementtemperatur
variiert. In den unteren beiden Kurvenverläufen beträgt die Heizelementtemperatur
auf beiden Seiten 280°C (Referenzverläufe). Bei dem mit 1 gekennzeichneten Ver-
lauf beträgt die Temperatur 380°C auf der linken und 280°C auf der rechten Seite. In
der Kombination 2 liegen die Temperaturen bei 430°C links und bei 280°C rechts.
Die Erwärmzeit beträgt 11s und der eingestellte Angleich- und Fügeweg liegt bei
0,2mm und 0,8mm.
Fügeebene
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 51
Aus den Ergebnissen in Bild 5.19 läßt sich ableiten, daß die Kombination der Heiz-
elementtemperatur auf der linken und rechten Seite den Normalspannungsdif-
ferenzenverlauf entscheidend beeinflußt. So liegen die dargestellten Kurvenverläufe
der mit 280°C erwärmten rechten Platten nicht auf einem Niveau, sondern werden
durch die Heizelementtemperatur des Schweißpartners auf der linken Seite beein-
flußt. Dieser Effekt läßt sich durch die Temperaturausgleichsvorgänge der
Fügepartner während der Abkühlung erklären. Es zeigt sich, daß eine höhere
Heizelementtemperatur auch zu höheren Normalspannungsdifferenzen führt.
Ursache dieses Phänomens sind die in der Platte vorliegenden Temperatur-
gradienten, die zu örtlich unterschiedlichen Schwindungen und somit Spannungen
führen.
430°C 280°C
380°C 280°C
280°C 280°C
280°C 280°C
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
1,2
1,4
0 10 20 30 40 50 60
T = 280°C
Einstellparameter (PC - PC):
t
E= 11 s
s
A
= 0,2 mm
sF= 0,8 mm
1
2
links rechts
Iσx – σyI [N/mm2]
Plattenbreite y
1
2
Bild 5.19: Schnitt der Normalspannungsdifferenzen orthogonal zur Fügenaht für die Fügepartner
PC - PC
In Bild 5.20 ist exemplarisch der Normalspannungsdifferenzenverlauf der Mate-
rialkombination ABS – PC zu erkennen. Die Heizelementtemperatur beträgt 380°C
und die Erwärmzeit liegt bei 11s.
Iσx-σyI [N/mm2]
x [2 mm]
y [2 mm]
0
10
20
30
40
50
60
010 20
30
40
50
60
0
1
2
3
4
5
0
1
2
3
4
5
Bild 5.20: Normalspannungsdifferenzen beim Fügen, ABS - PC, TH = 380°C, tE = 11s
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 52
Da das Material ABS aufgrund seiner Struktur nicht spannungsoptisch aktiv ist,
liegen die ermittelten Normalspannungsdifferenzen des linken Fügepartners auf
Nullniveau. Eine Beurteilung der Entwicklung von Eigenspannungen im ABS kann
somit mit Hilfe der Spannungsoptik nicht erfolgen. Da dieser Werkstoff aufgrund der
vorliegenden relativ weichen Butadienenphase nicht spannungsrißanfällig ist, sollen
hier nur die Auswirkungen des Schweißpartners ABS auf den Spannungshaushalt
der PC-Platten untersucht werden.
A
BS 380°C PC 380°C
PC 380°C PC 380°C
A
BS 280°C PC 280°C
PC 280°C PC 280°C
Einstellparameter
(PC - PC / ABS - PC):
tE = 11 s
sA = 0,2 mm
sF = 0,8 mm
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
1,2
1,4
1,6
0 10 20 30 40 50 6
0
A
BS-PC, 380°C
PC-PC, 280°C
A
BS-PC, 280°C
PC-PC, 380°C
links rechts
Iσx – σyI [N/mm2]
Plattenbreite y
Bild 5.21: Vergleich der Normalspannungsdifferenzen der Kombinationen PC - PC mit ABS - PC
Auch hier wird deutlich, daß bei der Materialkombination ABS – PC die ermittelten
Normalspannungsdifferenzen in den PC-Platten mit steigender Heizelement-
temperatur zunehmen. Vergleicht man die Normalspannungsdifferenzen im PC bei
der Kombination PC-PC mit der Kombination ABS-PC (Bild 5.21), so zeigt sich, daß
der Schweißpartner ABS bei gleicher Heizelementtemperatur zu höheren Nor-
malspannungsdifferenzen im PC führt.
5.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
Bei der Ermittlung der spannungsoptischen Konstanten der verwendeten Ver-
suchsmaterialien im Vorfeld der Untersuchungen hat sich gezeigt, daß aufgrund der
geringen Spannungsdifferenzen nur der Werkstoff PC spannungsoptisch ausgewer-
tet werden kann. Dies bedeutet nicht, daß der Werkstoff PMMA nicht spannungsop-
tisch aktiv ist, allerdings müßten die vorliegenden Hauptnormalspannungsdifferenzen
ca. 13 mal so groß sein wie die beim PC, um eine Auswertung in der wie beim PC
vorgenommenen Weise zu garantieren.
Im drei-dimensionalen Normalspannungsdifferenzenverlauf der PC-Platten zeigt sich
ausgehend von der erwärmten Zone eine eindeutige Erhöhung der Nor-
malspannungsdifferenzen. So wirkt sich eine Erwärmung am Heizelement noch in
einem Abstand von 40mm orthogonal zur Schweißnaht aus. An den Rändern der
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 53
Platte liegen aufgrund der geometriebedingt dort vorliegenden hohen Temperatur-
gradienten große Normalspannungsdifferenzen vor.
Vergleicht man die Normalspannungsdifferenzen, so zeigt sich analog zu den Unter-
suchungen mit anschließender Rißauswertung ein Ansteigen der Normalspan-
nungsdifferenzen mit zunehmender Temperatur, wobei auch hier bei hohen Tempe-
raturen ein rückläufiger oder stagnierender Trend zu erkennen ist.
Der Einfluß der Erwärmzeit ist noch stärker. Hier zeigen sich nicht nur im Abstand
von 8mm zur Fügefläche deutliche Abstufungen, auch orthogonal zur erwärmten
Zone ist der Einfluß der Erwärmzeit noch in einem Abstand von 30mm klar zu
erkennen. Die Ergebnisse der Benetzungstests werden in diesem Fall ebenfalls
bestätigt.
Dies gilt ebenso für die Aussagen zum Einfluß des Angleichdrucks. So zeigt sich,
daß bei unterschiedlichen Angleichdrücken nur ganz geringe Unterschiede in den
Normalspannungsdifferenzen zu erkennen sind. Diese Aussagen gelten grund-
sätzlich auch für den Einfluß des Angleichwegs.
Desweiteren ist anhand der Schweißversuche PC-PC erkennbar, daß mit steigender
Heizelementtemperatur die Normalspannungsdifferenzen stark ansteigen. Dies gilt
auch für Schweißversuche mit unterschiedlichen Temperatureinstellungen der
beiden Schweißpartner. Dieser Effekt begründet sich durch Temperaturausgleichs-
vorgänge während der Abkühlung.
Vergleicht man die Schweißversuche PC-PC mit den Versuchen ABS-PC, so zeigt
sich, daß durch den Schweißpartner ABS höhere Normalspannungsdifferenzen in
den PC-Platten erzeugt werden, als wenn es sich um eine artgleiche Schweißung
handelt.
Bei unterschiedlichen Temperatureinstellungen der Schweißpartner ABS-PC kommt
es hier, analog zu den Schweißversuchen PC-PC, zu Temperaturausgleichs-
vorgängen während der Abkühlung. Somit ist es nicht möglich, durch unterschied-
liche Heizelementtemperaturen die Spannungsüberhöhungen auf den Fügepartner
ABS zu verlagern, der aufgrund der Butadienphase spannungsrißbeständiger ist.
Abschließend läßt sich sagen, daß die Erwärmphase einen entscheidenden Einfluß
auf den Spannungshaushalt der geschweißten Platte hat, wobei die Fügephase eher
eine untergeordnete Rolle spielt.
5.3 Einsatz der Bohrlochmethode zur Spannungsermittlung
4Mit Hilfe der Spannungsoptik ist es möglich, Normalspannungsdifferenzen sowie
deren Verteilung innerhalb eines Werkstücks zu bestimmen. Diese Normalspan-
nungsdifferenz gibt zwar einen ersten Überblick über die Spannungsverhältnisse
4 Die in diesem Kapitel dargestellten Zusammenhänge sind teilweise der Arbeit von [Pan00]
entnommen, auf die hier für eine ausführliche Darstellung verwiesen wird.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 54
innerhalb eines Bauelements, sie läßt jedoch keine Rückschlüsse über die Höhe der
absoluten Spannungen zu. Die Berechnung der für die Rißbildung ursächlichen
Normalspannungen σx und σy aus den Ergebnissen der Spannungsoptik ist somit
nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand möglich. Eine Möglichkeit zur Ermittlung der
Normalspannungen σx und σy ist der Einsatz der Bohrlochmethode.
5.3.1 Grundlagen zum Einsatz der Bohrlochmethode
Das Meßprinzip des Bohrlochverfahrens beruht auf einer Teilentlastung der
Oberfläche durch das Bohren eines Lochs und damit auf Teilauslösung der dort
vorhandenen Eigenspannungen. Die resultierenden Oberflächendehnungen werden
in verschiedenen Richtungen gemessen.
Eigenspannungen in der Oberfläche von Bauteilen lassen sich mit Deh-
nungsmeßstreifen (DMS) nur dann ermitteln, wenn der bestehende Spannungszu-
stand durch einen mechanischen Eingriff gestört wird. Dem Wunsch, diesen Eingriff
so klein wie möglich zu halten, kommt das Bohrlochverfahren entgegen. Handelsüb-
liche Bohrlochrosetten erfordern eine relativ kleine Bohrung. Damit kann das Verfah-
ren als nahezu zerstörungsfrei angesehen werden [Hof87, LS00a]. Durch den Bohr-
vorgang dürfen keine zusätzlichen Eigenspannungen, z.B. durch plastische Verfor-
mungen oder thermisch bedingte Werkstoffumwandlungen, in die Oberfläche einge-
bracht werden. Die praktische Anwendung des Bohrlochverfahrens gliedert sich in
zwei Phasen:
Die erste experimentelle Phase umfaßt das Bohren und Messen der dabei
entstehenden Dehnungsänderungen. Um Meßfehler und die damit verbundene
Fehlinterpretation der aus den verfälschten Dehnungssignalen errechneten Eigen-
spannungen zu vermeiden, müssen einige wesentliche Randbedingungen, vor allem
bezüglich der Bauteilgröße, der Oberflächenkrümmung, des Abstands benachbarter
Meßstellen sowie des Meßstellenabstands von der Bauteilberandung, eingehalten
werden [LS00a].
In der zweiten Phase muß aus den gemessenen richtungsabhängigen Deh-
nungsänderungen (εi) der vor dem Bohren vorhandene Eigenspannungszustand (σ1,
σ2, ϕ) berechnet werden. Die dazu erforderlichen Grundlagen lassen sich mit Hilfe
der Elastizitätstheorie unter Annahme bestimmter Voraussetzungen herleiten. Bei
den heutigen rechnergestützten Meßwerterfassungssystemen können beide Schritte
auch gleichzeitig erfolgen.
Die Berechnung der Hauptspannungen σ1 und σ2 erfolgt nach:
()()( )
2
bca
2
acca2,1 ε2εεεε
B4
E
εε
A4
E∆−∆+∆+∆−∆±∆+∆−=σ (5.8)
mit: σ1,2 = Hauptspannungen
E = E-Modul
A, B = Geometrie- und Materialkonstanten
i
ε = Richtungsabhängige Dehnungen
wobei der Hauptspannungswinkel nach folgender Gleichung berechnet wird:
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 55
ac
bca
εε
ε2εε
arctan
2
1
∆−∆
∆
−
∆
+
∆
=ϕ (5.9)
Die Berechnung der Normalspannungen (σx, σy) erfolgt dann über:
()
(
)
(
)
ϕ
−
σ
−
σ
+
σ
+
σ
=σ 902cos
2121
2
1
x
()
(
)
(
)
ϕ
−
σ
−
σ
−
σ
+
σ
=σ 902cos
2121
2
1
y (5.10)
Grundlage der Auswertungen von Messungen nach dem Bohrlochverfahren ist die
bereits 1898 von Kirsch durchgeführte Berechnung der Spannungsverteilung in der
Umgebung eines kreisrunden Lochs. Da sich das Auswertungsverfahren für
Messungen mit Bohrlochrosetten auf das Hooke´sche Gesetz stützt, dürfen zumin-
dest im Meßbereich der Dehnungsmeßstreifen keine plastischen Deformationen
auftreten [Kei95, LS00a].
5.3.1.1 Voruntersuchungen mit Hilfe der Spannungsoptik
Zunächst sollte ermittelt werden, ob die um die Bohrung freiwerdenden Dehnungen
in ihrer Größe überhaupt ausreichen, um eine Auswertung mit Hilfe der
Bohrlochmethode zu rechtfertigen. Hierzu wurden zwei Probekörper mit unterschied-
lichen Temperaturen (280°C und 430°C) am Heizelement erwärmt und das Span-
nungsfeld in der Umgebung der erzeugten Bohrungen ausgewertet. Bild 5.22 zeigt
die durch die Beanspruchung entstehenden Isochromaten in Form von dunklen
Linien, sowie die Größe und Verteilung der Hauptspannungsdifferenz.
TH= 280°C, tE= 11s TH= 430°C, tE= 11s
x
y
1.5
0
0
1.2
0.9
0.6
0.3
σ − σ
xy
[N/mm ]
2
0.9
x
y
1.5
0
0
0.3
0.6
1.2
σ − σ
xy
[N/mm ]
2
Bild 5.22: Isochromaten und Normalspannungsdifferenzenverteilungen für unterschiedliche
Heizelementtemperaturen
Iσx – σyI
[N/mm2]
I
σ
x –
σ
yI
[N/mm2]
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 56
Schon beim Vergleich der Isochromaten wird deutlich, daß durch die unter-
schiedlichen Temperaturen des Heizelements stark unterschiedliche Spannungsfel-
der erzeugt werden. Vergleicht man die Normalspannungsdifferenzenverteilung in
der Umgebung des Lochs, so läßt sich dieses Ergebnis bestätigen.
Grundsätzlich lassen sich mit dem Bohrlochverfahren Eigenspannungen in Kunst-
stoffbauelementen nachweisen; dies wird eindeutig anhand der ausgewerteten
Grauwertbilder sowie der Normalspannungsdifferenzenverläufe visualisiert. Um eine
Möglichkeit zu finden, dieses Prüfverfahren zur Bestimmung von Eigenspannungen
in Kunststoffbauteilen einzusetzen, scheint es empfehlenswert, die Ergebnisbilder
der spannungsoptischen Untersuchung mit den Ergebnissen der über DMS-
Bohrlochrosetten ausgewerteten Bohrlochversuche zu vergleichen, um dann
konkrete Größen der vorhandenen zweiachsigen Eigenspannungen zu ermitteln.
5.3.2 Versuchsdurchführung und Auswertung
Aufgrund der Vergleichbarkeit zur Spannungsoptik wurden die Versuche
ausschließlich an PC-Proben durchgeführt. Nachdem die PC-Probeplatten unter
Variation der Prozeßparameter am Heizelement erwärmt wurden, wurde die DMS-
Rosette geklebt und die Meßkette abgeglichen. Verwendet wurde eine Halbbrücke
mit Temperaturkompensation. Der Abstand des Bohrlochs beträgt 14mm von der
Fügefläche, so daß unter Berücksichtigung des theoretischen Spannungsverlaufs
davon ausgegangen werden kann, daß eine Verminderung der für die Rißinitiierung
verantwortlichen Zugspannungen σx vorliegt oder diese in Druckspannungen überge-
gangen sind. Der Versuchsaufbau zur Eigenspannungsermittlung nach der Bohrloch-
methode ist Bild 5.23 zu entnehmen.
Bild 5.23: Versuchsaufbau der Bohrlochanalysen
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 57
5.3.2.1 Auswertung der Versuche zum Einfluß der Prozeßparameter
Während der Untersuchungen zum Einfluß der Prozeßparameter wurde die
Heizelementtemperatur von 280°C in 50K Schritten auf 430°C erhöht. Parallel hierzu
wurde eine Variation der Erwärmzeit von 6s über 11s nach 16s vorgenommen, um
dann mit Hilfe der DMS-Rosetten die Eigenspannungen zu ermitteln.
Die aussagekräftigsten Meßwerte des Bohrlochverfahrens im Hinblick auf die
Spannungsrißbildung sind die Absolutwerte der Normalspannungen. Die Normal-
spannung σx, (Bild 5.24), verläuft parallel zur Erwärmzone und ist ursächlich für die
Rißbildung und Rißfortpflanzung orthogonal zur Erwärmzone.
-0,6
-0,3
0
0,3
0,6
0,9
1,2
1,5
Temperatur [°C]
0,01 0,22 0,51
Erwärmzeit: 11 s -0,31 0,29 0,28 1,43
Erwärmzeit: 16 s -0,36 0,21 1,42
280 330 380 430
σ
X
σ
X
σ
X
Erwärmzeit: 6 s
Druck Zug [N/mm
2
]
Bild 5.24: Normalspannungen σx parallel zur Fügezone
Am Meßpunkt, also im Abstand von 14mm von der Erwärmzone, herrschen bei
280°C in x-Richtung Druckspannungen. Ab 330°C liegen an diesem Punkt Zugspan-
nungen vor, die mit steigender Temperatur größer werden. Auch die Erwärmzeit wirkt
sich negativ auf das Spannungsverhältnis in x-Richtung aus. So ist bei 430°C und
11s Erwärmzeit die Zugspannung etwa dreifach so groß als bei 6s.
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
Temperatur [°C]
Erwärmzeit: 6 s 1,26 1,66 2,2
Erwärmzeit: 11 s 0,86 1,56 2,02 3,17
Erwärmzeit: 16 s 1,04 1,88 3,01
280 330 380 430
σ
y
σ
y
σ
y
Zug [N/mm
2
]
Bild 5.25: Normalspannungen σy orthogonal zur Fügezone
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 58
Die Normalspannung σy verläuft orthogonal zur Erwärmzone. Am Meßpunkt sind die
Werte für σy (Bild 5.25) alle im positiven Bereich, d.h. in y-Richtung herrschen in
diesem Punkt für alle geprüften Erwärmtemperaturen und -zeiten Zugspannungen.
Die Höhe der Zugspannungen korreliert, wie auch bei den zuvor dargestellten Span-
nungen, mit der Erwärmtemperatur und -zeit. So steigt die Zugspannung bei 11s
Erwärmzeit und 430°C auf das Doppelte der vergleichbaren Werte bei 330°C.
5.3.2.2 Auswertung der Versuche zur thermischen Vor- und Nachbehandlung
Alternativ zu den Untersuchungen zum Einfluß der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit wurden weitere Analysen zur thermischen Vor- und Nachbehandlung
vorgenommen. So wurden neben dem Referenzversuch mit der Heizelementtempe-
ratur von 280°C die Proben vor dem Schweißen auf 100°C erwärmt. Alternativ wurde
nach dem Schweißen eine Schockabkühlung in Wasser vorgenommen und des-
weiteren eine Temperung bei 100°C für 4 Stunden durchgeführt. Die Ergebnisse
dieser Untersuchungen zeigt Bild 5.26.
-1
-0,5
0
0,5
1
1,5
2
-0,18 -0,59 -0,09 -0,57
1,37 1,22 1,76 0,97
normal Vorheizen Schock-
abkühlung
nachträgliches
Tempern
σ
x
σ
y
Druck Zug [N/mm
2
]
Bild 5.26: Normalspannungen zur thermischen Vor- und Nachbehandlung
Dient der Versuch mit einer Heizelementtemperatur von 280°C als Referenz, so zeigt
sich, daß durch ein kurzzeitiges Vorwärmen der Proben auf 100°C vor dem
Schweißen eine Reduzierung der Zugspannungen in der Fügeebene erreicht werden
kann. Deutlich wird dies durch das Vorliegen hoher Druckspannungen im Abstand
von 14mm zur Schweißnaht. Zu erklären ist dieser Effekt durch das Vorliegen kleine-
rer Temperaturgradienten in der Schweißnaht, die so zu geringen, örtlich differieren-
den Schwindungen führen. Die durchgeführte Schockabkühlung nach dem Schwei-
ßen führt zu negativen Ergebnissen, da hier im Meßabstand von 14mm die im
Vergleich zum Referenzversuch mit 280°C vorliegenden Druckspannungen noch
weiter verringert wurden. Der Grund hierfür liegt in dem schockartigen Einfrieren des
Eigenspannungszustandes und somit in einer drastischen Reduzierung des
Relaxationsanteils. Die nachträgliche Temperung der Probe, wie sie auch heute bei
der Fertigung von Kfz-Heckleuchten vorgenommen wird, zeigt einen ähnlichen
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 59
Einfluß wie die Vorwärmung vor dem Schweißen und führt somit zur Minimierung der
Spannungsrißanfälligkeit.
5.3.2.3 Vergleich der Bohrlochmethode mit der Spannungsoptik
Eine Gegenüberstellung der Ergebnisse der zwei Meßmethoden Spannungsoptik
und Bohrlochverfahren verfolgt das Ziel der Überprüfung der Vergleichbarkeit dieser
beiden Methoden. Da es sich um zwei völlig unterschiedliche Verfahren zur
Spannungsermittlung handelt, kann bei gleichen Ergebnissen ein systematischer
Fehler in den Messungen nahezu ausgeschlossen werden.
So werden, wie in Bild 5.27 gezeigt, die Proben vor dem Bohrlochversuch span-
nungsoptisch ausgewertet und die Spannungsdifferenz sowie die Ordnung der Probe
an dem Punkt der späteren Bohrstelle ermittelt.
Isochromatenbild
spätere Bohrstelle P1
1:
Iσx – σyI [N/mm
2
]
I
σ
x -
σ
yI
Meßwerte an der Stelle P1
Iσx – σyI = 1,13 [N/mm2]
n = 0,39
nmax = 1,29
Bild 5.27: Spannungsoptische Auswertung am Beispiel einer PC-Probe, Heizelementtemperatur
280°C, Erwärmzeit 11s
Die Ergebnisse werden dann mit denen der Bohrlochmethode verglichen. Als
Vergleich sollen hier die Normalspannungsdifferenzen bei einer Erwärmzeit von 11s
dienen (Bild 5.28). Die maximale Differenz der beiden Meßverfahren ist bei 380°C zu
beobachten und beträgt 19,5%. Dieser Wert stellt gleichzeitig die größte Abweichung
im gesamten Versuchsplan dar. Vergleicht man die Normalspannungsdifferenzen bei
6 und 16-sekündiger Erwärmzeit, so zeigt sich eine sehr gute Übereinstimmung.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 60
0
0,3
0,6
0,9
1,2
1,5
1,8
Temperatur [°C]
Iσx - σyI [N/mm²]
Spannungsoptik 1,13 1,33 1,4 1,71
Bohrlochverfahren 1,17 1,27 1,74 1,74
280 330 380 430
Bild 5.28: Vergleich der Normalspannungsdifferenzen bei einer Erwärmzeit von 11s
Ein größerer systematischer Fehler in einem der beiden Meßverfahren wird somit
sehr unwahrscheinlich und die Ergebnisse können als reproduzierbar angesehen
werden.
5.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
In den Voruntersuchungen zum Einsatz der Bohrlochmethode zeigt sich, daß die mit
Hilfe der Spannungsoptik erzeugten Isochromatenbilder deutliche Unterschiede in
der Verteilung aufweisen. Dies äußert sich in einer starken Erhöhung der Span-
nungsdifferenzen im Umfeld des Bohrlochs, die mit steigenden Heizelementtem-
peraturen zunehmen.
Bei der Auswertung der Bohrungen mit Hilfe von DMS-Rosetten wird der Einfluß der
Prozeßparameter auf die erzeugten Eigenspannungsfelder deutlich. So weisen die
ermittelten Spannungen σx noch in einem Abstand von 14mm (Bohrlochabstand)
erhebliche Unterschiede auf. Auch hier kommt es bei steigenden Heizelementtem-
peraturen und Erwärmzeiten zu größeren Spannungswerten σx. Die ermittelten
Spannungswerte liegen zwar nur in einem Bereich von bis zu 2N/mm2, berücksichtigt
man aber den Abstand des Bohrlochs von der Fügefläche, dann wird deutlich, daß
im Bereich der erwärmten Fügezone weitaus höhere Spannungen vorliegen, die im
Zusammenhang mit physikalisch aktiven Medien zur Spannungsrißbildung führen.
Die Höhe der ermittelten Spannungen σy orthogonal zur Schweißnaht begründet den
charakteristischen Rißverlauf, der bei den PMMA-Platten ermittelt wurde. So breiten
sich die Spannungsrisse zunächst orthogonal zur Schweißnaht aus, um dann
aufgrund der relativ hohen Zugspannungen σy in y-Richtung abzuknicken.
Bei den Untersuchungen zur thermischen Vor- und Nachbehandlung der Proben
zeigen sich deutliche Unterschiede. So wirkt sich eine nachträgliche Temperung der
Proben in einer Reduzierung der Spannungen aus. Dies zeigt sich darin, daß die
rißauslösenden Zugspannungen schon in einem Abstand von 14mm in Druckspan-
nungen übergegangen sind. Allerdings kommt es bei einer Temperung erst zum
nachträglichen Abbau der Spannungen. Im Gegensatz hierzu führt ein kurzes Vor-
wärmen der Probeplatten gar nicht erst zu einem starken Aufbau von Zugeigenspan-
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 61
nungen in der Schweißnaht, da hier aufgrund der Vorwärmung auf 100°C geringere
Temperaturgradienten vorliegen, die so zu geringeren örtlich differierenden Schwin-
dungen führen. Dieses Ergebnis spricht für eine kurze Vorwärmung der Heckleuch-
ten vor dem Schweißen oder alternativ für die Verwendung spritzwarmer Formteile.
Die kurzzeitige Vorwärmung stellt somit eine Alternative zur kosten- und zeitintensi-
ven Temperung dar. Ein weiterer Vorteil liegt darin, daß die durch den
Spritzgießprozeß erzeugten Zugspannungen im Platteninneren ebenfalls abgebaut
werden können.
Beim Vergleich der ermittelten Spannungsdifferenzen der Bohrlochmethode und der
Spannungsoptik zeigt sich eine sehr gute Übereinstimmung. Somit ist ein größerer
systematischer Fehler in den beiden Meßverfahren auszuschließen.
5.4 Theoretische Betrachtung mit Hilfe der FEM-Analyse
5In diesem Kapitel soll zusätzlich zu den Untersuchungen aus Kapitel 4 der Einfluß
der Parametervariation beim Heizelementschweißen auf den Spannungshaushalt
einer ebenen Platte und einer Heckleuchtengeometrie diskutiert werden. Die Berech-
nungsgrundlagen können Kapitel 4.1 entnommen werden, wobei für die Diskre-
tisierung der FE-Modelle im Fall der ebenen Platte auf Kapitel 4.2.1 und im Fall der
Heckleuchtengeometrie auf Kapitel 4.3.1 verwiesen wird.
5.4.1 Simulationsergebnisse zum Einfluß der Prozeßparameter am Modell
ebene Platte
Für die Untersuchungen zum Einfluß der Prozeßparameter wurden drei
unterschiedliche Versuchseinstellungen mit jeweils unterschiedlichen Heizelement-
temperaturen, Angleichzeiten und Erwärmzeiten am Beispiel des Materials PMMA
simuliert (Tabelle 5.6). Der Einfluß des Spritzgießprozesses wird in diesem Fall nicht
berücksichtigt.
Tabelle 5.6: Parameterkombination für die FE-Simulation
Heizelementtemperatur 230°C 330°C 420°C
Angleichzeit 4s 3s 2s
Erwärmzeit 16s 11s 6s
Betrachtet man die Verzerrung der Platten im stationären Zustand (Bild 5.29), wird
deutlich, daß es auf der am Heizelement erwärmten Plattenseite zu starken
Verformungen kommt, die indirekt den stationären Spannungszustand des Modells
nach der Erwärmung am Heizelement wiedergeben. Die Verformung bei der
Heizelementtemperatur TH = 230°C ist deutlich geringer als bei den anderen
Temperaturen. Für TH = 330°C und 420°C ist kaum ein Unterschied festzustellen.
5 Die in diesem Kapitel dargestellten Zusammenhänge sind teilweise den Arbeiten von [Ngu98,
Gog99] entnommen, auf die hier für eine ausführliche Darstellung verwiesen wird.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 62
T
H
= 230°C
(Verzerrungsfaktor = 20)
T
H = 330°C
T
H = 420°C
Bild 5.29: Darstellung der verzerrten Rechteckgeometrien in Abhängigkeit von der Heizelement-
temperatur
Durch die Wärmeeinbringung am Heizelement und die anschließende Abkühlung
entstehen hohe Eigenspannungen. Bild 5.30 stellt die von Mises-
Vergleichsspannung dar. Je höher die Heizelementtemperatur, um so größer ist auch
die Eigenspannung. Unmittelbar in der erwärmten Zone treten hohe Spannungs-
gradienten auf, welche die Rißbildung begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit der
Rißbildung ist groß, wenn eine Platte mit derart hohen Eigenspannungen mit einer
physikalisch aktiven Flüssigkeit in Berührung kommt.
1
2
3
TH = 230°C TH = 330°C TH = 420°C
1
86,5
Mises [N/mm
2
]
Bild 5.30: Von Mises Vergleichsspannungen im stationären Zustand bei unterschiedlichen
Heizelementtemperaturen
Bild 5.31 stellt noch einmal den Spannungsverlauf von σ11, σ22, σ33 sowie die von
Mises-Vergleichsspannung entlang der Außenkante für die Temperaturen 230°C und
330°C in Form von Kurven dar.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 63
x [mm]
x 70mm
1
2
3
σ11
σ22
σ33
Mises
Spannung [N/mm2] Spannung [N/mm2]
80
60
40
20
0
0 5 10 15 20 25 30 35
x [mm]
0 5 10 15 20 25 30 35
x [mm]
0
20
40
60
80
TH = 230°C
TH = 330°C
Bild 5.31: Spannungsverlauf und von Mises Vergleichsspannung bei unterschiedlichen
Heizelementtemperaturen
Unmittelbar an der Heizfläche ist die Zugspannung σ11 viel größer als σ22 und σ33.
Die Zugspannung σ11 (+σ11) stellt sich nach relativ kurzer Entfernung (x ≈ 2,5mm)
auf die Druckspannung (-σ11) um, die dann auf Null abklingt. Die Zugspannung σ22
zeigt eine geringe Spannungsamplitude, die dann langsam auf Null zurück geht. Die
genannten Spannungsverläufe von σ11 und σ22 entsprechen somit dem in Kapitel
2.3.1 eingeführten Spannungszustand (Bild 2.7 und Bild 2.8) des Schweißprozesses.
Die Ergebnisse der FEM-Simulation bestätigen die getroffenen Aussagen aus den
experimentellen Untersuchungen. Bei genauerer Betrachtung fallen allerdings die
sehr großen Spannungen auf, die mit ca. 80N/mm2 deutlich oberhalb der
Materialfestigkeit des Werkstoffs PMMA liegen. Wie eingangs erwähnt, sind diese
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 64
Werte auf die Vernachlässigung der Relaxation sowie auf die Abbildung des
mechanischen Materialverhaltens mit dem Potenzansatz von Ramberg-Osgood
[Ngu98] zurückzuführen. In dem Bereich der Beschreibung des temperatur- und
zeitabhängigen Materialverhaltens von Kunststoffen sind in Zukunft noch weitere
Modifikationen nötig, die eine genauere und realitätsnahe Abbildung der Prozesse
ermöglichen.
5.4.2 Einfluß der Prozeßparameter auf das J-Integral am Modell ebene Platte
Wird der Zusammenhang des Temperatureinflusses unter bruchmechanischen
Gesichtspunkten betrachtet, ist es sinnvoll, die Energiefreisetzungsrate in Form des
J-Integrals an der Rißspitze (vgl. Kapitel 4.2.3) zu ermitteln. Hierzu wurde die Platte
um einen Riß an der erwärmten Fügefläche sehr fein diskretisiert, um so die
Rißfortschrittskraft zu bestimmen. Grundsätzlich gilt die Aussage, daß mit steigenden
Werten des J-Integrals die Wahrscheinlichkeit eines Rißwachstums zunimmt.
Bild 5.32 zeigt die Rißfortschrittskraft über den Rißfrontknoten in Abhängigkeit von
der Parametereinstellung (vgl. Tabelle 5.6), wobei die Simulationen in diesem Fall
ohne Berücksichtigung des Spritzgießprozesses durchgeführt wurden.
0
0.05
0.1
0.15
0.2
1 2 3 4 5 6 7
Rißfrontknoten
J
-
I
n
t
egra
l
[N/
mm
]
T = 230°C
T = 330°C
T = 420°C
1 3
5 7
(Knoten-Nr.)
Bild 5.32: Einfluß der Parametereinstellung auf das J-Integral
Leider sind aufgrund des Versuchsplans (Tabelle 5.6) die Einflüsse der
Heizelementtemperatur, der Angleichzeit und der Erwärmzeit nicht getrennt
voneinander zu bewerten. Es zeigt sich jedoch, daß mit einer steigenden
Heizelementtemperatur ein Anstieg der J-Integralwerte einhergeht. Die J-
Integralwerte sind im Innern der Platte am größten und nehmen zu den
Seitenrändern hin ab, da dort ein Spannungsabfall vorliegt.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 65
Mises [N/mm
2
]
x [mm]
x [mm]
x [mm]
t = 20 s
t = stationär
t = Riß offen
t = 14 s
t = stationär
t = Riß offen
x70 mm
TH = 230°C
t = 8 s
t = 42 s
t = stationär
t = Riß offen
1
2
3
Rißspitze
TH = 330°C
Mises [N/mm
2
]
Mises [N/mm
2
]
TH = 420°C
0 5 10 15 20 25 30 35
0 5 10 15 20 25 30 35
0 5 10 15 20 25 30 35
80
60
40
20
0
60
40
20
0
50
40
30
20
10
0
Bild 5.33: Darstellung der Vergleichsspannungen nach von Mises für unterschiedliche Zeitab-
stände bzw. vor und nach der Rißöffnung für unterschiedliche Heizelement-
temperaturen
Die von Mises Vergleichsspannungen vor und nach der Rißöffnung sind Bild 5.33 zu
entnehmen. Die Spannungen in der Mitte der Aufheizfläche werden durch Rißbildung
abgebaut. Unmittelbar an der Rißspitze tritt eine hohe Spannungskonzentration auf.
Sehr deutlich wird, daß die Spannungen mit zunehmender Heizelementtemperatur
zunehmen. Anhand der Verläufe der Spannungskurven in Bild 5.33 erkennt man die
Zunahme der Spannungen während der Abkühlung. Die Spannungen fallen erst
nach Öffnung des Risses ab, wobei es zu einem Ansteigen der Vergleichs-
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 66
spannungen an der Rißspitze (x = 8,1mm) kommt. Überträgt man diese Ergebnisse
auf eine reale Platte, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Spannungsrißbildung mit
steigender Heizelementtemperatur deutlich an.
5.4.3 Simulationsergebnisse zum Einfluß der Prozeßparameter am Modell
Heckleuchte
Die Simulationsergebnisse am Modell der realen Heckleuchte stimmen weitest-
gehend mit den Ergebnissen zur Rechteckgeometrie überein. Auch hier wurden die
Versuchseinstellungen aus Tabelle 5.6 simuliert.
Bei der Gegenüberstellung der Spannungsverteilung nach dem Heizelement-
schweißen mit den Temperaturen 230°C und 420°C (Bild 5.34) und dem nach-
träglichen Abkühlen der Heckleuchten an Luft, wird der Einfluß der Heizelement-
temperatur sehr deutlich.
σ
11
σ
22
σ
33
T
H
= 230°C
T
H
= 420°C
3
2 1
σ [N/mm
2
]
-103,0
+73,0
0
Zu
g
Druck
Fügeebene
Fügeebene
Bild 5.34: Stationäre Spannungsverteilung nach dem Erwärmen am Heizelement und der
Abkühlung an Luft, Bereich 3
Gegenüber der Spannungsverteilung nach dem Spritzgießen (Bild 4.13), sind im
Bereich der Fügenaht und der Kerbe Zugspannungen zu erkennen. Analog zu den
Untersuchungen an der ebenen Platte (Bild 5.31) zeigt sich, daß bei steigender
Heizelementtemperatur auch in tieferen Materialschichten noch Zugspannungen
vorliegen, die zur Aufweitung eines Risses führen. Deutlich wird ebenfalls, daß mit
zunehmender Temperatur von 230°C auf 420°C auch in der Kerbe Zugspannungen
zu erkennen sind. Vergleicht man dies mit der Rißausbildung in einer realen Heck-
leuchte (Bild 4.15), die analog zur FE-Simulation am Heizelement erwärmt wurde, so
zeigt sich eine gute Übereinstimmung zwischen Experiment und Simulation.
Aufgrund der Untersuchungsergebnisse wird deutlich, daß nicht nur die Prozeß-
parameter beim Heizelementschweißen einen starken Einfluß auf die Spannungsriß-
bildung haben, sondern auch die Geometrie des Bauteils berücksichtigt werden muß,
um eine Reduzierung der rißauslösenden Zugspannungen zu erreichen. Ausgehend
von der guten Übereinstimmung der experimentellen Untersuchungsergebnisse mit
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 67
denen der FE-Simulationen, ist es sinnvoll, schon in der Konstruktionsphase eines
Bauteiles FE-Rechnungen anzustellen, die Aufschluß über den Geometrieeinfluß
geben.
5.4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
Als Ergebnis der FE-Simulation an der ebenen Rechteckplatte läßt sich ein
eindeutiger Einfluß der Verfahrensparameter auf den Spannungshaushalt erkennen.
Bei den entkoppelten Temperaturberechnungen zeigt sich, daß eine hohe
Heizelementtemperatur mit zunehmender Erwärmzeit einen deutlichen Tempera-
turanstieg in den fügeflächennahen Zonen bewirkt, was einen steileren Temperatur-
gradienten zur Folge hat. Diese lokal unterschiedliche Temperaturverteilung und das
dadurch bedingte unterschiedliche Abkühlverhalten bei Raumtemperatur sind ver-
antwortlich für den in der Platte vorliegenden Eigenspannungszustand.
Es zeigt sich, daß mit zunehmender Heizelementtemperatur auch in tieferen
Schichten noch hohe Zugspannungen vorliegen, die dann zur Aufweitung eines
Risses führen. Die höchsten Spannungen treten dabei direkt am Rand der
Fügefläche auf und sind auf die starken Schwindungsvorgänge in diesem Bereich
zurückzuführen.
Bei der Ermittlung der J-Integralwerte als bruchmechanische Kenngröße wird der
Einfluß der Heizelementtemperatur auf die Rißfortschrittskraft deutlich. So zeigt sich,
daß mit höherer Temperatur höhere Werte für das J-Integral berechnet werden,
wobei die Werte im Inneren der Platte am größten sind und zu den Seitenrändern hin
abnehmen, da dort ein Spannungsabfall vorliegt. Überträgt man diese Ergebnisse
auf eine reale Platte, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Spannungsrißbildung bei
steigender Heizelementtemperatur deutlich an.
Auch bei der Simulation der realen Heckleuchtengeometrie stellen sich große
Temperaturgradienten in den fügeflächennahen Bereichen ein, die dann zum Aufbau
von Zugeigenspannungen führen. Auch hier zeigt sich mit zunehmender Heizele-
menttemperatur ein deutlicher Anstieg dieser oberflächennahen Zugspannungen.
Durch einen sinnvollen Einsatz der FE-Simulation kann somit schon im Vorfeld
Einfluß auf die geometriebedingte Spannungsrißbildung genommen werden.
Leider muß zu den Untersuchungen mit der FE-Methode angemerkt werden, daß es
aufgrund der relativ schlechten Abbildung des realen Materialverhaltens des
Werkstoffs PMMA zur Berechnung von stark überhöhten Spannungswerten kommt.
Allerdings stimmen die Ergebnisse qualitativ mit den Aussagen der experimentellen
Untersuchungen überein, so daß die FEM zur phänomenologischen Beschreibung
der Vorgänge sinnvoll genutzt werden kann.
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 68
5.5 Zusammenfassende Bewertung des Prozeßparametereinflusses und der
Untersuchungsmethoden
Der erste Schwerpunkt der Untersuchungen ist eine Parameterstudie mit an-
schließenden Benetzungstests, um so die Wirkrichtung der Prozeßparameter beim
Heizelementschweißen auf die Spannungsrißanfälligkeit abzuschätzen. So zeigt sich
bei den Versuchsmaterialien PMMA und PC ein eindeutiger Einfluß der Heizele-
menttemperatur und der Erwärmzeit. In den Versuchen wird deutlich, daß die ge-
messenen Rißlängen mit steigender Heizelementtemperatur und Erwärmzeit zuneh-
men. Beim Werkstoff PC ist dieser Trend gerade bei höheren Temperaturen nicht so
stark ausgeprägt.
Der Einfluß der Angleichparameter, wie z.B. Angleichweg und –druck, ist zu vernach-
lässigen. Dies zeigt sich in den Ergebnissen der Regressionsrechnungen, die bei
Nichtberücksichtigen dieser Größen zu hohen Bestimmtheitsmaßen führen.
Beim Vergleich der Schmelzeschichtdicken mit den erzeugten Rißlängen ist ein
eindeutiger Einfluß erkennbar. Physikalisch läßt sich der Einfluß in der Weise deuten,
daß gerade in der Schmelzeschicht die größten Temperaturgradienten vorliegen, die
dann zu örtlich differierenden Schwindungsvorgängen führen und somit gerade in
den fügeflächennahen Zonen hohe Spannungen in das Bauteil induzieren. So kann,
ausgehend von diesen Erkenntnissen, ebenfalls ein eindeutiger Zusammenhang der
Rißlänge mit dem theoretisch berechneten Temperaturintegral in der
Schmelzeschicht hergeleitet werden.
In den spannungsoptischen Untersuchungen zeigt sich zunächst, daß aufgrund der
spannungsoptischen Konstanten der Versuchsmaterialien nur der Werkstoff PC für
diese Untersuchungen in Frage kommt. In den ermittelten drei-dimensionalen
Normalspannungsdifferenzenverläufen ist, ausgehend von der erwärmten Zone,
noch in einem Abstand von 40mm zum Heizelement eine eindeutige Überhöhung der
Normalspannungsdifferenzen erkennbar. Desweiteren sind an den Rändern der
Platte, aufgrund der geometriebedingt dort vorliegenden hohen Temperatur-
gradienten, große Normalspannungsdifferenzen zu erkennen. Beim Vergleich der
Normalspannungsdifferenzen in Abhängigkeit von der Heizelementtemperatur ist mit
zunehmender Temperatur ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen. Der Einfluß der
Erwärmzeit auf die Normalspannungsdifferenzenverteilung ist noch ausgeprägter, so
daß hier mit steigender Erwärmzeit ein deutlicher Unterschied der Normal-
spannungsdifferenzen nahezu im gesamten Bereich der Platte sichtbar wird. Auch
mit Hilfe der spannungsoptischen Untersuchungen kann der geringe Einfluß des
Angleichdrucks und –wegs nachgewiesen werden, der bei Variation der Angleichpa-
rameter nur zu geringen Änderungen des Normalspannungsdifferenzenfeldes führt.
Bei den durchgeführten Schweißversuchen ist erkennbar, daß die Normalspan-
nungsdifferenzen mit zunehmender Heizelementtemperatur stark ansteigen. Dies gilt
auch für Schweißungen, die mit unterschiedlichen Temperaturen der beiden Füge-
partner durchgeführt werden. Somit ist es nicht möglich, durch unterschiedliche
Heizelementtemperaturen der beiden Fügepartner die Spannungsspitzen auf den
Einfluß der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen 69
Fügepartner ABS zu verlagern, der aufgrund der relativ weichen Butadienphase
spannungsrißunempfindlich ist.
Beim Vergleich der Schweißversuche ABS-PC und PC-PC zeigt sich, daß der
Schweißpartner ABS höhere Spannungen in das PC induziert, als dies bei einer
artgleichen Schweißung der Fall wäre. Bei der Auswertung der Normalspannungs-
differenzenfelder beim Schweißen zeigt sich ebenfalls, daß der Verlauf dieser Span-
nungsfelder hauptsächlich durch die Erwärmphase beeinflußt wird und der
eigentliche Fügevorgang nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Beim Vergleich der mit Hilfe der Bohrlochmethode und der Spannungsoptik
ermittelten Spannungsdifferenzen liegt eine sehr gute Übereinstimmung vor, so daß
man systematische Fehler bei der Spannungsoptik sowie bei der Bohrlochmethode
ausschließen kann.
Die Ergebnisse zum Einfluß der Verfahrensparameter Heizelementtemperatur und
Erwärmzeit können durch die Bohrlochmethode voll bestätigt werden. Desweiteren
läßt sich der ermittelte Rißverlauf in den PMMA-Platten durch die Ergebnisse der
Bohrlochmethode physikalisch interpretieren.
Bei den Untersuchungen zur Vor- und Nachbehandlung der Proben zeigen sich
deutliche Unterschiede. So wirkt sich eine nachträgliche Temperung der Proben in
einer Reduzierung der Spannungen aus. Allerdings kommt es bei einer Temperung
erst zum nachträglichen Abbau der Spannungen. Im Gegensatz hierzu führt ein
kurzes Vorwärmen der Probeplatten gar nicht erst zum Aufbau von großen Zugei-
genspannungen. Dieses Ergebnis spricht für eine kurze Vorwärmung der Formteile
vor dem Schweißen oder alternativ für die Verwendung spritzwarmer Heckleuchten.
Eine nach dem Schweißen durchgeführte Schockabkühlung der Formteile führt
hingegen zu negativen Ergebnissen.
Auch die Ergebnisse der FE-Simulationen zeigen, daß mit zunehmender
Heizelementtemperatur auch in tieferen Schichten noch hohe Zugeigenspannungen
vorliegen, die dann zur Aufweitung eines Risses führen. Die höchsten Spannungen
treten dabei direkt am Rand der Fügefläche auf und sind auf die starken Schwin-
dungsvorgänge in diesem Bereich zurückzuführen. Auch die J-Integralwerte nehmen
mit steigender Heizelementtemperatur deutlich zu. Überträgt man diese Ergebnisse
auf eine reale Platte, dann steigt die Wahrscheinlichkeit einer Spannungsrißbildung
bei zunehmender Heizelementtemperatur deutlich an.
Bei der Simulation der realen Heckleuchtengeometrie kommt es aufgrund der örtlich
differierenden Temperaturverteilungen schon im Spritzgießwerkzeug und auch bei
der Abkühlung an Luft zu behinderten Schwindungen, die in den kritischen
Formteilbereichen Druckspannungen verursachen. Nach der simulierten Erwärmung
am Heizelement wandeln sich diese Druckspannungen in Zugspannungen um. Auch
hier ist mit zunehmender Heizelementtemperatur ein Anstieg der Zugspannungen in
fügeflächennahen Bereichen und in den vorliegenden Kerben zu erkennen, die somit
auch den Entstehungsort von Spannungsrissen darstellen.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 70
6 Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim
Heizelementschweißen
6.1 Das Schichtenmodell
6Bei der Suche nach analytischen Ansätzen für die Berechnung der thermischen
Spannungsentwicklung infolge des Schweißprozesses zeigt sich, daß für derart
komplexe mehrdimensionale Probleme keine vorgefertigten Lösungen in der Fach-
literatur (z.B. [BW60], [MP53], [Par59]) existieren. Die Grundgleichungen sind dort in
der Regel stark vereinfacht. Beispielsweise werden die Systeme entkoppelt
betrachtet, d.h. die thermische Ausdehnung der Platte wird bei der Temperatur-
berechnung vernachlässigt. Weiterhin bleiben dynamische Effekte unberücksichtigt.
Außerdem sind die Grundgleichungen zumeist nur für rein elastisches Material-
verhalten und sehr einfache Randbedingungen gelöst worden. Daher wird bei der
Modellbildung auf das im folgenden beschriebene Differenzenverfahren zurück-
gegriffen. Die prinzipielle Vorgehensweise dabei ist [Tar77] entnommen. Im
Gegensatz zur analytischen Berechnung des Spannungshaushaltes ist dieses
Verfahren mathematisch unkomplizierter. Darüber hinaus ist eine genauere Model-
lierung möglich, beispielsweise kann das für Kunststoffe typische Spannungs-
relaxationsverhalten mit in das Modell einfließen.
Beim Differenzenverfahren wird die reale Platte durch ein Schichtenmodell
angenähert. Dazu wird diese längs der x-Achse in gleichgroße Schichten ∆x
unterteilt. Ebenso wird die Prozeßzeit in Intervalle zerlegt. Jeder Schicht wird nach
einem Zeitschritt ∆t eine Temperatur zugeordnet, die näherungsweise für die
gesamte Schicht gelten soll. Somit ergibt sich ein zu berechnendes Temperatur-
schema, das je nach Größe der Intervalle aus unterschiedlich vielen Werten besteht.
Alle auftretenden Temperaturen können symbolisch durch die Schreibweise Tj,n
charakterisiert werden. Dabei bezeichnet der Index j die Anzahl der Zeitschritte und
der Index n die jeweilige Schicht der Platte. Bild 6.1 zeigt das beschriebene Modell.
Beispielhaft sind dort die Temperaturen zweier aufeinander folgender Zeitschritte
beim Erwärmen dargestellt.
Zur Ermittlung der für das Schichtenmodell benötigten Temperaturwerte ist zunächst
die Temperaturverteilung während des Schweißprozesses über der Zeit zu ermitteln.
Im nächsten Schritt wird dann die daraus resultierende Spannungsverteilung
berechnet. Dabei wird das System entkoppelt betrachtet.
6 Die in diesem Kapitel dargestellten Zusammenhänge sind teilweise der Arbeit von [Bor03]
entnommen, auf die hier für eine ausführliche Darstellung verwiesen wird.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 71
x
y
T
x
L
1n Nn+1
Tj,n
Tj+1,n
Platte
Heizelement
Bild 6.1: Simulation des Erwärmvorgangs mit dem Schichtenmodell
6.1.1 Temperaturberechnung
Bild 6.2 zeigt die auftretenden Wärmeströme und die Temperaturverläufe beim
Heizelementschweißen. Für jede einzelne Prozeßphase ist nun eine geeignete
Funktion zu bestimmen, die den Temperaturverlauf in Abhängigkeit von x über der
Zeit möglichst realitätsnah wiedergibt. Mit diesen Funktionen können anschließend
die für das Temperaturschema des Schichtenmodells benötigten Werte berechnet
werden.
6.1.1.1 Angleichen
Charakteristisch für den Angleichvorgang ist die Angleichgeschwindigkeit. Diese
ergibt sich aus dem Verlauf des Angleichweges über der Zeit. Typisch für die
Angleichgeschwindigkeit ist die Unterteilung in die instationäre Phase und die
stationäre Phase. Die instationäre Phase ist dadurch gekennzeichnet, das sich die
Angleichgeschwindigkeit mit der Zeit von Null auf einen endlichen Wert verändert,
der dann in der stationären Phase konstant bleibt. Bezogen auf den Prozeß bedeutet
eine konstante Angleichgeschwindigkeit, daß gerade soviel Schmelze erzeugt wird,
wie auch in den Wulst verdrängt wird. Die Temperaturverteilung ist mit dem
Erreichen der stationären Angleichphase zeitlich konstant und nur von der
Angleichgeschwindigkeit abhängig. Zur Vereinfachung der Berechnung wird die
instationäre Angleichphase vernachlässigt und bereits zu Beginn von einer
konstanten Angleichgeschwindigkeit ausgegangen.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 72
TH
TG
TU
x
vA
qL
qS
Angleichen
L0
TH
TG
Tfl
TU
x
qLqK
qS
Erwärmen
T
x
qK
Umstellen
Tu
T
x
Fügen
Tu
qKvF
vF
T
x
Abkühlen
Tu
qK
Schweiß-
zyklus
Bild 6.2: Wärmeströme und Temperaturverläufe für alle Phasen des
Heizelementschweißprozesses
Beim Angleichen setzt sich die vom Heizelement in das Fügeteil eingebrachte
Wärme aus Wärmeleitung und Wärmestrahlung zusammen. Zunächst wird davon
ausgegangen, daß bei diesem Vorgang nur Wärmeleitung stattfindet. Somit kann
man das Angleichen als eindimensionalen Vorgang betrachten. Wenn man von
konstanten Stoffwerten ausgeht und die sich bildende Schmelzeschicht vernach-
lässigt, wird der Angleichvorgang durch die folgende DGL beschrieben [CJ59]:
0
x
T
v
x
T
aA
2
2
eff =
∂
∂
⋅−
∂
∂
⋅ (6.1)
Bei der Herleitung von Gl. (6.1) wurde mit einer effektiven Temperaturleitfähigkeit aeff
gerechnet. Hierunter wird ein Wert verstanden, der in gleichen Zeiten zu gleichen
Temperaturerhöhungen wie beim realen Aufschmelzvorgang führt [Pot97]. In erster
Näherung soll davon ausgegangen werden, daß die sich einstellende
Grenzflächentemperatur TG zwischen Heizelement und Fügeteil konstant ist. Die
Grenzflächentemperatur TG entspricht der eingestellten Heizelementtemperatur TH
minus 10 K. Für das Angleichen reicht die Betrachtung eines Fügeteils aus, da nur
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 73
artgleiche Schweißungen untersucht werden. Für die rechte Platte mit der Länge L
und dem Angleichweg sA ergeben sich somit folgende Randbedingungen zur Lösung
von Gl. (6.1):
()
GA T0xT == ,
(
)
UAA TsLxT =−=
Mit diesen Randbedingungen erhält man die folgende Lösung von Gl. (6.1):
() () ( )
()
1sL
a
V
exp
x
a
V
expTTTsL
a
V
expT
xT
A
eff
A
eff
A
UGUA
eff
A
G
A
−
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛−⋅−
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛⋅−⋅−−−
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛−⋅−⋅
= (6.2)
6.1.1.2 Erwärmen
Die für das Angleichen getroffenen Annahmen gelten auch für das Erwärmen. Im
Gegensatz zum Angleichen liegt beim Erwärmen jedoch keine aufgeprägte
Geschwindigkeit des Fügeteils mehr vor. Somit vereinfacht sich die zu lösende DGL
zu:
2
2
eff x
T
a
t
T
∂
∂
⋅=
∂
∂ (6.3)
Die Randbedingungen für den Erwärmvorgang sind:
- Anfangsbedingung:
()
(
)
xT0t,xT AE
=
= für A
sLx0
−
≤
≤
- Thermische Randbedingungen:
(
)
GE T0t,0xT
=
>
=
,
(
)
UAE T0t,sLxT =>−
=
Als Lösung von Gleichung (6.3) unter den gegebenen Randbedingungen erhält man
[CJ59]:
() ( )
(
)
()
()
()
∑
∫
∑
∞
=−
∞
=
⎪
⎪
⎪
⎭
⎪
⎪
⎪
⎬
⎫
⎪
⎪
⎪
⎩
⎪
⎪
⎪
⎨
⎧
′
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
−
′
⋅π⋅
⋅
′
⋅
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
−
⋅π⋅⋅−
⋅
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
−
⋅π⋅
⋅
−
+
⎪
⎪
⎭
⎪
⎪
⎬
⎫
⎪
⎪
⎩
⎪
⎪
⎨
⎧
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
−
⋅π⋅⋅−
⋅
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
−
⋅π⋅
⋅
−π⋅⋅
⋅
π
+
−
⋅−+=
1n sL
0A
A
2
A
22
eff
A
A
1n
2
A
22
eff
A
UG
A
UGUE
A
xd
sL
xn
sinxT
sL
tna
exp
sL
xn
sin
sL
2
sL
tna
exp
sL
xn
sin
n
TncosT
2
sL
x
TTTt,xT
(6.4)
6.1.1.3 Umstellen
Nach dem Erwärmen wird das Heizelement aus der Fügezone herausgefahren. Der
nun eintretende Wärmeverlust an die Umgebung wird zur Vereinfachung nur in x-
Richtung berücksichtigt. Somit ergeben sich zur Lösung von (6.3) die folgenden
Randbedingungen für das Umstellen:
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 74
- Anfangsbedingung:
()
(
)
EEUm tt,xT0t,xT
=
== für A
sLx0
−
≤
≤
- Thermische Randbedingungen:
x = 0:
() ()
0)Ttx,(Th
x
tx,T
UUm
Um =−⋅+
∂
∂
−, mit
λ
δ
=h
x = L-sA:
() ()
0)Ttx,(Th
x
tx,T
UUm
Um =−⋅+
∂
∂ (Randbedingungen 3. Art)
Löst man nun Gleichung (6.3) mit den entsprechenden Randbedingungen, so erhält
man [CJ59]:
() ()()
()
()
() ()
()
()
() ()()
()
() ()()
∑∫
∞
=
−
⎪
⎪
⎪
⎭
⎪
⎪
⎪
⎬
⎫
⎪
⎪
⎪
⎩
⎪
⎪
⎪
⎨
⎧
′′
⋅⋅+
′
⋅⋅
⋅
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
+⋅−
⋅−+⋅
−
′
⋅
⋅+−⋅+
⋅⋅+⋅⋅
⋅⋅⋅−
⋅+
+⋅−
⋅−+⋅
=
1n
sL
0nnn
A
AU
EE
A
22
n
nnn
2
neff
A
AU
Um
A
xdxbsinhxbcosb
2hsL
hsL2T
t,xT
h2sLhb
xbsinhxbcosb
tbaexp
2
2hsL
hsL2T
t,xT
(6.5)
Hierbei steht bn für alle Lösungen 0≠ der Gleichung:
()()
22
Ahb
bh2
sLbtan −
⋅⋅
=−⋅ (6.6)
6.1.1.4 Fügen
Die Fügezeit ist im Vergleich zur Dauer des Gesamtprozesses sehr kurz. Daher wird
zur Vereinfachung davon ausgegangen, daß während des Fügens keine Abkühlung
erfolgt. Diese Vereinfachung ist dadurch zu begründen, daß während des Fügens
eine Abkühlung im wesentlichen im Fügebereich der Platte erfolgt, dieser aber durch
den Schweißwulst gegen Abkühlung isoliert wird. Die aus dem Umstellprozeß
übernommene Temperaturkurve wird daher lediglich um den Fügeweg verschoben.
Da nach dem Fügen nunmehr nur noch eine Platte vorliegt, sind auch für den Fall
x<0 Randbedingungen vorzugeben. Es gilt:
- FA ssLx0 −−≤≤ :
() ( )
UFUmFr t,sxTxT +=
- 0xssL FA <≤++− :
() ( )
UFUmFl t,sxTxT
−
=
6.1.1.5 Abkühlen
Im Falle des Abkühlens stellt sich heraus, daß die bei den vorherigen Prozeßphasen
angewandte eindimensionale Betrachtungsweise nicht mehr zulässig ist. Der
Vergleich mit realen Abkühlvorgängen zeigt, daß die gefügten Platten nicht
ausreichend schnell abkühlen. Ein Grund hierfür ist, daß im Verlauf einer
vergleichsweise langen Abkühlzeit besonders der Wärmeverlust an der Plattenober-
und Unterseite nicht mehr vernachlässigt werden kann. Da in der Literatur für
zweidimensionale Temperaturausgleichprozesse keine einfachen analytischen
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 75
Lösungen existieren, wird zur Ermittlung der Abkühltemperaturwerte das Binder-
Schmidt-Verfahren angewandt. Im folgenden wird diese Methode zunächst für den
eindimensionalen Fall erläutert:
Der partielle Differenzenquotient zweiter Ordnung der Fourier-Gleichung (6.3) wird
gemäß [GS90] zur Zeit t an der Stelle x durch einen "zentralen" Differenzen-
quotienten zweiter Ordnung angenähert, der sich als Differenz zweier "zentraler"
Differenzenquotienten erster Ordnung bilden läßt. Dabei wird das für das Schichten-
modell eingeführte Temperaturschema beibehalten.
(
)
(
)
2
1n,jn,j1n,j1n,jn,jn,j1n,j
t,x
2
2
x
TT2T
x
x/TTx/TT
x
T
∆
+⋅−
=
∆
∆−−∆−
≈
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
∂
∂−+−+ (6.7)
Der partielle Differenzenquotient erster Ordnung nach der Zeit wird durch einen
"vorderen" Differenzenquotienten bezüglich der Zeit angenähert.
t
TT
t
Tn,jn,1j
t,x ∆
−
≈
⎟
⎠
⎞
⎜
⎝
⎛
∂
∂+ (6.8)
Mit Einführung des Moduls p
2
eff
x
ta
p∆
∆⋅
= (6.9)
und Auflösen nach Tj+1,n erhält man:
(
)
(
)
n,j1n,j1n,jn,1j Tp21TTpT
⋅
⋅
−
+
+
⋅
=−++ (6.10)
Die beim Abkühlen gegebene Randbedingung 3. Art läßt sich ebenfalls in eine Diffe-
renzengleichung umwandeln. Man erhält für die linke Seite:
()
UW,j
W,j,j TT
/x
TT −⋅α=
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
∆
−
⋅λ 2
1 (6.11)
Den Anschluß an das Laufschema aus Gleichung (6.10) erreicht man am einfachsten
durch die Einführung einer Hilfsschicht, die den Ortsindex 0 erhält. Hierdurch wird
unterstellt, daß zwischen den Punkten 1 und 0 reine Wärmeleitung stattfindet, so daß
gelten muß:
()()
W,j,j,jW,j TT
/x
TT
/x −⋅
∆
λ
=−⋅
∆
λ
10 22 (6.12)
Wird eine spezielle Biot-Zahl gemäß
2
x
Bi*∆
⋅
λ
α
= (6.13)
eingeführt, so erhält man nach Elimination der Wandtemperatur TW für die
Temperatur in der Hilfsschicht:
U
*
*
1,j
*
*
0,j T
Bi1
Bi2
T
Bi1
Bi1
T⋅
+
⋅
+⋅
+
−
= (6.14)
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 76
Entsprechend kann man im Falle eines beidseitigen Wärmeübergangs auf der
rechten Seite verfahren. Die beschriebene Vorgehensweise wird anhand von Bild 6.3
[GS90] veranschaulicht.
n=012345
W
α
T
TU
x
∆x
2
∆x
λ/α
j
j+1
Bild 6.3: Anwendung des Binder – Schmidt - Verfahrens
Bei diesem Verfahren muß beachtet werden, daß der Modul p höchstens den Wert
0,5 annehmen darf, da für p>0,5 mit dem Auftreten negativer Koeffizienten in
Gleichung (6.10)) völlige Instabilität des Verfahrens verbunden wäre. Diese
Stabilitätsbedingung hat demnach zur Folge, daß bei vorgegebener Schichtdicke ∆x
für die Länge des Zeitschritts ∆t die Obergrenze
eff
2
a
x
2
1
t∆
⋅≤∆ (6.15)
nicht überschritten werden darf.
Um den Wärmeverlust an der Ober- und Unterseite der gefügten Platte in Richtung
der z-Koordinate zu berücksichtigen, wird das Binder-Schmidt-Verfahren formal auf
den zweidimensionalen Fall übertragen. Die Differentialgleichung der Wärmeleitung
(6.3) lautet dann:
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
∂
∂
+
∂
∂
⋅=
∂
∂
2
2
2
2
z
T
x
T
a
t
T
eff (6.16)
Zur weiteren Berechnung wird die Platte zusätzlich längs der z-Achse (Plattendicke)
in Schichten der Größe ∆z unterteilt. Diese erhalten den Index m. Analog zur
Gleichung (6.7) lautet der zentrale Differenzenquotient zweiter Ordnung bezüglich z:
(
)
(
)
2
111
2
22
z
TTT
z
z/TTz/TT
z
T,jn,jm,jm,jm,jm,jm,j
t,z ∆
+⋅−
=
∆
∆−−∆−
≈
⎟
⎟
⎠
⎞
⎜
⎜
⎝
⎛
∂
∂+−+
(6.17)
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 77
Im folgenden soll die Bedingung ∆z = ∆x gelten. Setzt man daraufhin die
Gleichungen (6.7), (6.8) und (6.17) in die Fouriergleichung (6.16) ein, so erhält man
durch Auflösen nach Tj+1, n,m:
(
)
(
)
m,n,jm,n,jm,n,jm,n,jm,n,jm,n,j TpTTTTpT ⋅
⋅
−
+
+
+
+
⋅= −+−++ 41
11111 (6.18)
Unter der Annahme, daß die Platte längs der x-Achse aus N Schichten und längs der
z-Achse aus M Schichten besteht, folgt für die Temperaturen in den Hilfsschichten:
Links:
Rechts:
Oben:
Unten:
U
*
*
m,,j
*
*
m,,j T
Bi
Bi
T
Bi
Bi
T⋅
+
⋅
+⋅
+
−
=1
2
1
1
10
U
*
*
m,N,j
*
*
m,N,j T
Bi
Bi
T
Bi
Bi
T⋅
+
⋅
+⋅
+
−
=
+1
2
1
1
1
U
*
*
M,n,j
*
*
M,n,j T
Bi
Bi
T
Bi
Bi
T⋅
+
⋅
+⋅
+
−
=
+1
2
1
1
1
U
*
*
,n,j
*
*
,n,j T
Bi
Bi
T
Bi
Bi
T⋅
+
⋅
+⋅
+
−
=1
2
1
1
10
(6.19)
Im zweidimensionalen Fall ändert sich das Stabilitätskriterium bezüglich ∆t wie folgt:
eff
a
x
t
2
4
1∆
⋅≤∆ (6.20)
Das folgende Bild 6.4 zeigt exemplarisch einen mit dem vorgestellten Verfahren
berechneten Temperaturverlauf während des Abkühlprozesses.
90
T [°C]
80
70
60
50
5432
1510 15 20 25 30 35
Länge x [mm]Dicke z [mm]
PC
TH = 280°C, tE = 11 s
∆t = 1 mm, ∆x,z = 1 mm
L = 20 mm, D = 5 mm
tK = 20 s
Bild 6.4: Temperaturverlauf über der Länge und Breite einer gefügten Platte während des
Abkühlvorgangs
Gemäß der für das Schichtenmodell getroffenen Voraussetzungen ist für jede
Schicht n genau ein Temperaturwert zu bestimmen, der näherungsweise für die
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 78
gesamte Schicht gelten soll. Daher wird für jede Schicht aus den M berechneten
Temperaturen ein Mittelwert gebildet.
6.1.2 Spannungsberechnung
Da die rißauslösenden Spannungen σy infolge einer Dehnungs- bzw.
Schwindungsbehinderung durch kältere bzw. wärmere Nachbarschichten entstehen,
liegt es nahe, die Platte längs der x-Achse in Schichten zu unterteilen. Bei der nun
folgenden Spannungsberechnung wird nun für jede Schicht mittels der zuvor
berechneten Temperaturverteilung die thermische Spannung bestimmt. Dazu sind
zunächst geeignete Randbedingungen zu wählen.
Zur Veranschaulichung dient Bild 6.5.
z
x
y
Einfassung
Bild 6.5: Freiheitsgrade der Schichten innerhalb des Modells
Es werden folgende Annahmen getroffen: Das Modell kann sich als Ganzes in alle
Richtungen frei ausdehnen bzw. schwinden. Aufgrund der Einfassungen an den
Enden der Platte wird in y- und z-Richtung jeder Schicht die gleiche Dehnung εy bzw.
εz aufgeprägt, die sich aus den thermischen Dehnungen aller Schichten ergeben.
Als Folge entstehen in y- bzw. z-Richtung Normalspannungen. Im Gegensatz hierzu
können sich in x-Richtung die Einzeldehnungen ungehindert aufsummieren. Folglich
entstehen in x-Richtung auch keine Normalspannungen. Schubspannungen
zwischen den Schichten können nicht übertragen werden. Auch innerhalb der
Einzelschichten ergeben sich aufgrund der Art der Einfassungen naturgemäß keine
Schubspannungen.
Die für das Schichtenmodell festgelegten Randbedingungen sowie mögliche Span-
nungszustände infolge einer Temperaturänderung sollen anhand von Bild 6.6
verdeutlicht werden.
Dargestellt sind hier die qualitativen Spannungsverläufe σy nach einem Erwärm- bzw.
einem Abkühlvorgang. Entsprechende Spannungsverläufe σz ergeben sich in z-
Richtung.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 79
T
T1
∆Ly
T
T2
σy
σy
xx
xx
Erwärmen Abkühlen
y
y
∆Ly
Bild 6.6: Spannungen in y-Richtung für einen Erwärm- bzw. Abkühlvorgang gemäß des
zweidimensionalen Schichtenmodells
Reale Kunststoffe reagieren bei Beanspruchung zunächst elastisch bzw.
viskoelastisch und oberhalb einer bestimmten Fließgrenze plastisch. Das
Temperatur- und Zeitverhalten von Kunststoffen unter Belastung soll im Verlauf der
Modellbildung schrittweise berücksichtigt werden. Den folgenden Herleitungen sei
zunächst noch rein elastisches Verhalten vorausgesetzt. Bei dem vorliegenden
Modell wird einer Schicht durch eine Längenänderung eine Dehnung aufgeprägt und
verursacht im Inneren eine Beanspruchung. Kehrt man dieses Prinzip um und geht,
wie erläutert, von einem zweiachsigen Spannungszustand in einer Schicht aus, so
bedingt eine Spannung σy bei einer Bezugstemperatur T0 (T0<Tfl) die Dehnung:
E
y
1,y
σ
=ε (6.21)
Berücksichtigt man Querkontraktion, so wird durch σz in y-Richtung zusätzlich die
Dehnung
E
z
y,2
σ
⋅ν−=ε (6.22)
erzeugt. Nach dem Superpositionsprinzip ergibt sich für die Gesamtdehnung:
EE
z
y
y
σ
⋅ν−
σ
=ε (6.23)
Wird die Schicht nun frei von Formzwängen auf die Temperatur T (T<Tfl) aufgeheizt,
so erhält man für die Gesamtdehnung:
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 80
()
0
z
y
yTT+
EE
=−⋅α
σ
⋅ν−
σ
ε (6.24)
Stellt man nach σy um, so folgt:
(
)
(
)
z0yy TTE
σ
⋅
ν
+
−
⋅
α
−
ε⋅=σ (6.25)
Gleichermaßen gilt für σz:
(
)()
y0zz TTE
σ
⋅
ν
+
−
⋅
α
−
ε
⋅=σ (6.26)
Da in beiden Richtungen y und z freie Längen vorliegen, die unbehindert von
äußerem Formzwang schwinden können, gilt:
zy
ε
=
ε
(6.27)
Hieraus folgt unmittelbar:
zy
σ
=
σ
(6.28)
Somit reicht die Betrachtung einer Richtung und es gilt für die Spannung:
(
)()
σ
⋅
ν
+
−
⋅
α
−
ε
⋅=σ 0
TTE (6.29)
Die Berücksichtigung von Viskoelastizität bzw. Plastizität in einer analytischen
mathematischen Berechnung ist sehr komplex. Daher soll zur Vereinfachung von
folgender Vorstellung ausgegangen werden. Spannungsaufbau und Spannungs-
relaxation laufen nicht gleichzeitig sondern zeitlich getrennt ab. Zunächst erfolgt der
Spannungsaufbau ohne Relaxation, dann die Relaxation ohne erneuten
Spannungsaufbau.
Der gesamte Erwärm- bzw. Schweißvorgang wurde daher in kleine Zeitschritte ∆t
unterteilt, um den Spannungsaufbau über der Zeit sukzessive berechnen zu können.
Für einen Zeitschritt ∆t folgt aus Gleichung (6.29) unter Berücksichtigung temperatur-
abhängiger Stoffwerte für jede Schicht n:
(
)
nnnnn TE
σ
∆
⋅
ν
+
∆
⋅
α
−
ε
∆
⋅
=σ∆ (6.30)
Zum Zeitpunkt j erhält man durch Aufsummieren dann die Spannung:
jn,1jn,jn,
σ
∆
+
σ
=
σ− (6.31)
Das für Kunststoffe typische Relaxationsverhalten wird nun vereinfachend berück-
sichtigt, indem von der Spannung ein Relaxationsanteil abgezogen wird. Es folgt:
j,n,reljn,1jn,jn,
σ
∆
−
σ
∆
+
σ=σ − (6.32)
Zur Erläuterung der Vorgehensweise soll Bild 6.7 dienen.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 81
t
realer
Verlauf
t
σ
∆σrel,n,1
∆σn,1
σ1
∆σrel,n,3
∆σrel,n,2
∆σn,2
∆σn,3
σ2
σ3
Bild 6.7: Vorgehensweise bei der Spannungsberechnung einer Schicht n über der Zeit
Die Spannung zum Zeitpunkt j ergibt sich also als Summe der während der Zeit ∆t
aufgebauten Spannung und der zuvor vorliegenden Spannung. Anschließend wird
der während ∆t relaxierte Spannungsanteil abgezogen. Je kleiner ∆t gewählt wird,
desto genauer läßt sich der Spannungsverlauf über der Zeit annähern.
Bei der Berechnung des Relaxationsanteils wird wie folgt vorgegangen. In Anlehnung
an einen einfachen Relaxationsversuch soll mit Hilfe eines Maxwell-Modells, das aus
der Reihenschaltung einer idealen Feder und eines idealen Dämpfers besteht, die
Spannungsrelaxation simuliert werden. Hierbei wird allerdings außer Acht gelassen,
daß im realen Fall die aufgeprägte Dehnung nicht konstant ist, sondern Spannung
und Dehnung sich gegenseitig beeinflussen. Ferner müßte man zur genaueren
Simulation auf eine Parallelschaltung vieler Maxwell-Modelle zurückgreifen.
Die Spannung σ verhält sich bei konstanter Dehnung ε0 nach der Funktion [Men90]:
()
0
0
00 E
mit,
t
expEt
η
=τ
⎟
⎠
⎞
⎜
⎝
⎛
τ
−
⋅ε⋅=σ (6.33)
Hierbei ist die Relaxationszeit τ eine charakteristische Größe, die maßgebend für die
Geschwindigkeit der Relaxation ist. Sie ist material- und temperaturabhängig. Zur
Bestimmung der Relaxationszeit müssen Versuche durchgeführt werden.
Hinsichtlich der Temperaturabhängigkeit der Relaxationszeit gibt es verschiedene
empirische Gleichungen, die für bestimmte Temperaturbereiche gelten. Für den
festen Zustand von Kunststoffen wird gemäß [Tar77] eine Beziehung der Form
(
)
Tk
010T ⋅−
⋅τ=τ (6.34)
verwendet. Die Konstanten τ0 und k sind hierbei mit Hilfe von experimentellen Daten
an das Relaxationsverhalten anzupassen. Da für Gleichung (6.32) der Relaxations-
anteil gesucht wird, folgt aus (6.33):
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 82
()
⎥
⎦
⎤
⎢
⎣
⎡⎟
⎠
⎞
⎜
⎝
⎛
τ
∆−
−⋅σ∆+σ=σ∆ −
t
exp
j,nj,nj,n,rel 1
1 (6.35)
Aus (6.29) und (6.31) erhält man somit:
(
)
(
)
(
)
jn,rel,1jn,jn,1jn,jn,jn,jjn,1jn,jn, TTE
σ
∆
−
σ
−
σ
⋅
ν
+
−
α−ε∆⋅+σ=σ −−− (6.36)
Die Spannung σn,j ist folglich durch
()(){}
jn,rel,1jn,jn,jn,jjn,1jn,jn, TTE σ∆−−⋅α−ε∆⋅⋅
ν−
+σ=σ −− 1
1 (6.37)
gegeben. Eine Kräftebilanz in y- oder z-Richtung mit der Vereinfachung
constAn=ergibt:
0=σ
∑
n
jn, (6.38)
Setzt man nun Gleichung (6.37) in (6.38) ein, so folgt :
()
(
)
∑
∑
∑
∑−− σ⋅ν−−σ∆+−⋅α⋅
=ε∆
n
jn,
n
1jn,
n
jn,rel,
n
1jjjn,jn,
jE
TTE 1
(6.39)
Mit den Gleichungen (6.37) und (6.39) kann nun der Spannungsaufbau über der Zeit
berechnet werden. Mit der beschriebenen Vorgehensweise aus Bild 6.7 ist der
Spannungsaufbau über der Zeit nach folgendem Schema zu berechnen.
(
)
(
)
(
)
() ( ) ( )
.
.
.
,:t2
,:t
2,n,rel22,n2,n,rel2oR,2,n2,n,reloR,2,noR,2
1,n,rel11,n1,n,rel1oR,1,n1,n,reloR,1,noR,1
σ∆ε∆σ→σ∆ε∆→σσ∆→σ→ε∆∆⋅
σ∆ε∆σ→σ∆ε∆→σσ∆→σ→ε∆∆
(6.40)
Hierbei wird die Dehnung ohne Relaxationsanteil mit ∆εj,oR bezeichnet. Sie wird
berechnet, indem in Gleichung (6.39) der Relaxationsanteil gleich Null gesetzt wird.
Analog wird mit Gleichung (6.37) die Spannung σn,j,oR berechnet, indem der
Relaxationsanteil wiederum gleich Null gesetzt wird. Die hergeleiteten Gleichungen
gelten für den Fall T<Tfl. Im Falle T>Tfl, das heißt für den Fall der Schmelze, wird die
Gesamtspannung gleich Null gesetzt, da davon ausgegangen wird, daß im
Schmelzezustand keine nennenswerten Zug- bzw. Druckspannungen übertragen
werden können.
6.2 Numerische Beschreibung der Stoffwerte
6.2.1 Anpassung der Wärmekennzahlen
Die von Materialherstellern angegebenen bzw. in Literaturstellen gefundenen
Stoffwerte sind meistens anwendungsbezogen und deswegen häufig nur als
Anhaltswerte zu betrachten. Aufgrund der zahlreichen getroffenen Vereinfachungen
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 83
bei der theoretischen Temperaturberechnung ist es daher sinnvoll, die berechneten
Temperaturverläufe durch eine Korrektur der Stoffgrößen an experimentelle Daten
anzupassen. Im vorliegenden Fall können die in Kapitel 6.1.1 aufgestellten
Funktionen über die effektive Temperaturleitfähigkeit aeff und den Wärmeüber-
gangskoeffizienten δ angepaßt werden.
Zur Anpassung dieser Größen werden Erwärm- bzw. Schweißversuche mit PMMA-
und PC-Platten durchgeführt. Tabelle 6.1 zeigt den Versuchsplan. Variiert werden die
Heizelementtemperatur und die Erwärmzeit in jeweils 3 Stufen.
Tabelle 6.1: Versuchsplan der Erwärm- bzw. Schweißversuche bei der Temperaturprofilmessung
Heizelementtemperatur
[°C]
Erwärmzeit
[s] 280 330 430
6 (3) (6)
11 (1) (4) (7)
16 (2) (5)
Mit Thermoelementen, die in unterschiedlichen Abständen zur Fügefläche
angebracht sind, werden die entsprechenden Temperaturen über der Zeit
aufgezeichnet. Die Thermoelemente werden dabei in y-Richtung versetzt
angeordnet, um einen ungestörten Wärmefluß in x-Richtung zu gewährleisten. Die
prinzipielle Anordnung der Thermoelemente ist in Bild 6.8 skizziert.
x1
x2
x3
x4
x5
y
x
Erwärmen
Thermoelement
Bild 6.8: Anordnung der Thermoelemente bei der Temperaturprofilmessung
Bei der Auswertung der Versuche ist es zweckmäßig, zunächst aeff an die
Erwärmfunktion anzupassen und dann den Wärmeübergangskoeffizienten δ über die
Umstellfunktion bzw. die Abkühltemperaturwerte festzulegen.
Der Vergleich von berechneten Funktionsverläufen mit experimentell erfaßten
Temperaturen zeigt, daß die bei der Modellbildung nicht berücksichtigte Wärme-
strahlung einen erheblichen Einfluß auf den Temperaturverlauf hat (Bild 6.9).
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 84
Plattenlänge
T
TU
theoretischer Temperaturverlauf
bei reiner Wärmeleitung
experimenteller Temperaturverlauf
( mit Wärmestrahlung )
angepaßte Erwärmfunktion
TUf
TG
Bild 6.9: Einfluß der Temperaturstrahlung auf den Temperaturverlauf während der
Erwärmphase
Dies äußert sich in einer zusätzlichen Temperaturerhöhung, die dem theoretischen
Temperaturverlauf im Falle reiner Wärmeleitung überlagert ist. Die Temperatur-
erhöhung korreliert dabei mit der Heizelementtemperatur bzw. der Erwärmzeit. Der
Strahlungseinfluß wird im vorliegenden Fall zum einen durch die Anpassung von aeff
berücksichtigt und zum anderen wird eine fiktive Umgebungstemperatur TUf
eingeführt, um der Temperaturerhöhung über der gesamten Plattenlänge Rechnung
zu tragen.
Bei der Anpassung bestätigt sich, daß die effektive Temperaturleitfähigkeit gemäß
[Tap89] für amorphe Thermoplaste unabhängig von der Grenzflächentemperatur TG
ist. Bei Polycarbonat ergibt sich ein Wert von 0,15 mm²/s für aeff. Dieser Wert ist
etwas größer als der vom Hersteller angegebene Wert von 0,1mm²/s, was jedoch,
wie bereits erläutert, durch den Einfluß der Wärmestrahlung zu erklären ist. Bild 6.10
zeigt exemplarisch die angepaßten Erwärmfunktionen und die experimentell erfaßten
Temperaturen für die Versuchspunkte (1) und (7).
Zu erkennen ist, daß durch die Anpassung unabhängig von der Heizele-
menttemperatur eine sehr gute Übereinstimung zwischen den theoretischen und den
experimentellen Temperaturverläufen besteht.
Bei der Anpassung von δ werden zunächst die experimentellen Abkühlverläufe der
Erwärmversuche herangezogen. In Bild 6.11 werden diese mit den theoretischen
Funktionen für den Versuchspunkt (4) verglichen.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 85
TH = 280°C, tE = 11s, TUf =38°C
TH = 430°C, tE = 11s, TUf = 56°C
PC
aeff = 0,15 mm²/s
Plattenlänge [mm]
T [°C]
0 5 10 15 20 25
100
200
300
400
Bild 6.10: Berechnete und experimentelle Temperaturverläufe für PC beim Erwärmen
Plattenlänge [mm]
T [°C] PC
TH = 330°C, tE = 11s
aeff = 0,15 mm²/s
h = 0,1 /mm
200
150
100
50
0 5 10 15 20 25 30
tK = 5 s
tK = 40 s
tK = 100 s
TUf = 50°C
Bild 6.11: Berechnete und experimentelle Temperaturverläufe für PC beim Abkühlen
(Versuchspunkt (4))
Bemerkenswert ist, daß über der gesamten Abkühlzeit eine sehr gute
Übereinstimmung erzielt wird. Für die Wärmeleitfähigkeit λ von PC wird gemäß
Herstellerangaben ein Wert von 0,173W/°Cm verwendet. Somit berechnet sich ein
Wärmeübergangskoeffizient δ = 17,3W/°Cm². Im Vergleich zu dem in [Tap89]
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 86
angegebenen Wert für den Wärmeübergangskoeffizienten von 60W/°Cm² sind die
angepaßten Werte für δ relativ klein. Dies ist jedoch als Folge unterschiedlicher
Berechnungsverfahren zu sehen. Bei [Tap89] wird von einem eindimensionalen
Abkühlvorgang in der Umstellphase ausgegangen. In diesem Fall muß daher ein
größerer Wärmeübergangskoeffizient verwendet werden, um ein annähernd gleiches
Abkühlergebnis zu erzielen.
Die weitere Auswertung der Schweißversuche zeigt, daß die bei den
Erwärmversuchen durchgeführte Anpassung von δ auch für die Schweißversuche
verwendet werden kann. Bild 6.12 zeigt die experimentellen Temperaturen und die
zugehörigen berechneten Kurven für einen kompletten Schweißzyklus.
T [°C]
Plattenlänge [mm]
PC
aeff = 0,15 mm²/s
h = 0,1 /mm
TH = 280°C
tE = 11 s, tU = 3 s, tK = 25 s
50 1015202530
50
100
150
200
250
TUf = 40°C
tU = 3 s
tE = 11 s
tK = 25 s
Bild 6.12: Experimentell ermittelte Temperaturen und berechnete Kurven für einen
Schweißzyklus am Beispiel PC
Bei der Anpassung von aeff erhält man für PMMA einen Wert von 0,1mm²/s. Für δ
berechnet sich aufgrund einer Wärmeleitfähigkeit λ von 0,196W/°Cm ein Wert von
19,6W/°Cm². Die Übereinstimmung zwischen Theorie und Experiment ist bei PMMA
ebenfalls sehr gut.
6.2.2 Temperaturabhängigkeit der Stoffwerte
Für die hergeleiteten Gleichungen in Kapitel 6.1.2 sind die Temperaturabhängigkeit
des E-Moduls und des Temperaturausdehnungskoeffizienten zu berücksichtigen.
Grundlegend bei der mathematischen Beschreibung des Ausdehnungskoeffizienten
ist das pvT-Verhalten der betrachteten Kunststoffe. Das spezifische Volumen von
Polycarbonat und Polymethylmethacrylat in Abhängigkeit von Temperatur und Druck
liegt anhand der Datenblätter der Rohstoffhersteller vor und wird in der Modellbildung
durch einfache Regressionsfunktionen angenähert. Für Polycarbonat ist dieser
Verlauf in Bild 6.13 dargestellt.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 87
1,15
1,1
1,05
1
0,95
0,9
0,85
100 200 300 400
p = 1 bar
Temperatur [°C]
v [cm³/g]
Bild 6.13: Spezifisches Volumen von PC in Abhängigkeit der Temperatur
Die Regressionsfunktionen werden, falls erforderlich, über den Bereich der Material-
daten hinaus extrapoliert.
Für den isobaren Volumenausdehnungskoeffizienten β gilt [Sch63]:
p
0T
v
v
1⎟
⎠
⎞
⎜
⎝
⎛
∂
∂
⋅=β (6.41)
Für geringe thermische Dehnungen kann man nach [Sch63] den Temperaturaus-
dehnungskoeffizienten schreiben als:
3
β
=α (6.42)
Bild 6.14 zeigt den Verlauf des Längenausdehnungskoeffizienten am Beispiel von
Polycarbonat über der Temperatur.
Für die Querkontraktionszahl ν wird gemäß der Angaben in [Sae98] ein Wert von
0,35 für beide Werkstoffe verwendet. Der Kurzzeitschubmodul G zur Bestimmung
des E-Moduls ist wiederum durch eine Regressionsfunktion zu beschreiben, der die
Materialdaten der Rohstoffhersteller zugrunde liegen (Bild 6.15). Der E-Modul ergibt
sich nun nach folgender Gleichung [SG92]:
(
)
G12E
⋅
ν
+
⋅
=
(6.43)
Die in diesem Kapitel abgebildeten Verläufe der Stoffdaten in Abhängigkeit von der
Temperatur sind im Anhang dieser Arbeit auch für PMMA aufgeführt (Bild 9.8 bis Bild
9.10). Die zugrunde liegenden Regressionsfunktionen für beide Materialien sind
ebenfalls dort enthalten (Tabelle 9.1).
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 88
0,0008
0,0006
0,0004
0,0002
100 200 300 400
Temperatur [°C]
α [1/°C]
Bild 6.14: Längenausdehnungskoeffizient für PC in Abhängigkeit der Temperatur
800
600
400
200
0
100 200 300 400
G [N/mm²]
Temperatur [°C]
Bild 6.15: Verlauf des Schubmoduls für PC über der Temperatur
6.2.3 Anpassung der Relaxationskennzahlen
Die Spannungsrelaxation wird in der Modellbildung durch die Gleichungen (6.33) und
(6.35) beschrieben. Für Polycarbonat und PMMA können aus der Literatur ([Sae98],
[Dom98]) sog. isochrone Spannungsdehnungsdiagramme entnommen werden.
Allerdings beruht die Spannungsberechnung im vorliegenden Fall auf einem
Näherungsverfahren, bei dem mit sehr kleinen Zeitschritten ∆t in der Größenordnung
von unter einer Sekunde gerechnet wird. Jedoch können für kleine Zeitschritte keine
experimentellen Daten aus den Spannungsdehnungsdiagrammen entnommen
werden, so daß bei der Anpassung der Relaxationsfunktionen im Bereich unterhalb
einer Sekunde ein Unsicherheitsfaktor bestehen bleibt. Bild 6.16 stellt diese
experimentellen Verläufe den angepaßten Funktionen gegenüber. Die Relaxations-
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 89
kennzahlen für Polycarbonat berechnen sich zu τ0=10,8 . 106s und k=0,041°C-1.
Anders als in Gleichung (6.35) wird hier allerdings nicht der Spannungsanteil,
sondern die Gesamtspannung dargestellt.
Zeit [h]
σ
[N/mm²]
s1010,8 8
0
⋅
=
τ
C
1
0,041k°
=
120°C
100°C
60°C
0 0,2 0,4 0,6 0,8 1
5
10
15
20
25
30
Bild 6.16: Experimentelle Werte und angepaßte Funktionen der Spannungsrelaxation von PC
über der Zeit bei unterschiedlichen Temperaturen
Der Vergleich der experimentellen Datenpunkte mit den angepaßten Funktionen
zeigt, daß das Relaxationsverhalten mit den Gleichungen (6.34) und (6.35) für große
Zeitintervalle von einer Stunde und darüber hinaus, sowie für große
Temperaturbereiche, nur sehr unzureichend beschrieben werden kann. Aus diesem
Grund wird in Kapitel 6.3.4 der Einfluß der ermittelten Kennzahlen auf den
berechneten Spannungsverlauf diskutiert. Die Anpassung der Relaxations-
kennzahlen für PMMA liefert für τ0 und k Werte von 10,8 106s bzw. 0,055 °C-1.
6.3 Spannungsberechnung mit dem Schichtenmodell
Da in den experimentellen Untersuchungen zu Beginn dieser Arbeit die Heizele-
menttemperatur und die Erwärmzeit als Haupteinflußfaktoren für die Höhe der
Eigenspannungsbelastung ausgemacht wurden, werden die dargestellten Ergeb-
nisse auf diese beiden Parameter beschränkt.
6.3.1 Spannungsverlauf über der Prozeßzeit
Im folgenden wird zunächst die Spannungsentwicklung in Abhängigkeit von der
Prozeßzeit für einen Erwärmversuch und einen Schweißversuch dargestellt.
Abschließend wird der Fall einer simulierten Vorwärmung diskutiert. Aus Gründen der
Darstellbarkeit wird die Plattenlänge auf 30mm und die Kühlzeit von ursprünglich
500s auf 100s reduziert, um den relevanten Spannungsbereich in der Fügezone
besser sichtbar zu machen. Die Reduzierung der Kühlzeit auf 100s führt zu einem
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 90
ausgeprägten Druckspannungsbereich, der sich bei weiterer Abkühlung deutlich
abbaut. Zusätzlich wird ebenfalls aus Gründen der Visualisierung das ∆x für die
schrittweise Berechnung auf einen Wert von 1mm gesetzt. Der Nachteil dieser
Vorgehensweise ist, daß die Temperaturen und Spannungen über einen Bereich von
1mm gemittelt werden. Deutlich wird dies bei den Temperaturverläufen direkt in der
Fügezone, wo aus den Darstellungen nur die gemittelten Temperaturen der ersten
1mm breiten Schicht entnommen werden können und nicht die Grenzflächen-
temperatur TG direkt am Heizelement.
In Bild 6.17 ist der Temperatur- und Spannungsverlauf während eines Erwärm-
versuchs mit PC dargestellt.
x [mm]
x [mm]
510 15 20 25
5
10
15
σ
[N/mm²]
100 80 60 40 20
Zeit [s]
50
100
150
200
Temperatur [°C]
Zeit [s]
510 15 20 25
100 80 60 40 20
PC
TH = 280°C
tE = 11s
tK = 100s
L = 30 mm
∆
x = 1 mm
∆
t = 1s
tK
tE
tK
tE
-15
-10
-5
Bild 6.17: Temperatur- und Spannungsverlauf über der Zeit nach einem Erwärmversuch mit dem
Werkstoff PC
Charakteristisch für den Spannungsverlauf sind die sich aufbauenden Druckspan-
nungen in der Fügezone während der Angleich- und Erwärmphase. Diese bauen sich
dann zu Beginn der Abkühlphase ab und gehen im weiteren Verlauf des Abkühlens
in Zugspannungen über. Nach längerer Zeit ist die Tendenz erkennbar, daß sich die
Spannungen bei fortschreitender Abkühlung nicht mehr wesentlich verändern und
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 91
sich der Druckspannungsbereich deutlich abbaut. Daher ist zu erwarten, daß ein
quasistationärer Eigenspannungszustand erreicht wird, sobald die Platte auf
Umgebungstemperatur abgekühlt ist.
Bei identischer Parametereinstellung zeigt sich im Falle eines Erwärmversuchs mit
PMMA im Vergleich zum PC ein ähnliches Verhalten (Bild 6.18). Während sich der
Temperaturverlauf von PMMA fast mit dem von PC deckt, sind im Spannungsverlauf
Unterschiede erkennbar. Beispielsweise vollzieht sich der Übergang von Druck-
spannungen nach Zugspannungen im Fügebereich bei PMMA langsamer als bei PC.
510 15 20 25 x [mm
]
20
40
60
80
100
Zeit [s]
Temperatur [°C]
200
150
100
50
tE
tK
10
510 15 20 25
20
40
60
80
100 -10
-20
-30
x [mm
]
tE
tK
Zeit [s]
σ [N/mm²]
PMMA
TH = 280°C
tE = 11s
tK = 100s
L = 30 mm
∆x = 1 mm
∆t = 1s
PC
PMMA
Bild 6.18: Temperatur- und Spannungsverlauf über der Zeit nach einem Erwärmversuch mit dem
Werkstoff PMMA
Nach 100s Abkühlzeit zeichnen sich bei beiden Materialien ähnliche Eigenspan-
nungsverläufe ab, die sich in der Höhe der Zug- und Druckspannungen und in der
Größe der Zug- und Druckspannungsbereiche auf der x-Achse voneinander unter-
scheiden.
Der Temperatur- und Spannungsverlauf über der Zeit beim Schweißen von PC wird
in Bild 6.19 im Vergleich zum Erwärmversuch dargestellt.
PC
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 92
510 15 20 25
5
10
15
-5
-10
-15
100 80 60 40 20
σ [N/mm²]
x [mm]
Zeit [s]
25
20
15
10
5
100 80 60 40 20
200
150
100
50
x [mm
]
Zeit [s]
Temperatur [°C]
PC
TH = 280°C
tE = 11s
tK = 100s
L = 30 mm
∆x = 1 mm
∆t = 1s
tE
tK
sF
tK
tE
sF
sF = 1mm
Erwärmen
Schweißen
Bild 6.19: Temperatur- und Spannungsverlauf über der Zeit nach einem Schweißversuch mit
dem Werkstoff PC
Man erkennt, daß der Zugspannungsbereich, der sich während des Abkühlens
einstellt, kleiner ist als beim Erwärmversuch. Dies ist dadurch zu begründen, daß
durch den Fügeprozeß die komplette erste Schicht in den Wulst verdrängt wird. Der
Wulst wird jedoch bei der Spannungsberechnung vernachlässigt.
Wie in den experimentellen Untersuchungen mit Hilfe des Bohrlochverfahrens
diskutiert, übt die Vorwärmung der Fügepartner direkt vor dem Schweißen einen
positiven Effekt auf die Spannungsverteilung aus. In Bild 6.20 sind die Span-
nungsentwicklungen beim Erwärmen mit und ohne Vorwärmung auf eine Temperatur
von 80°C gegenübergestellt.
Wie zu sehen ist, befindet sich die Platte zu Beginn des Angleichprozesses auf
Vorwärmtemperatur. Dies führt dazu, daß die Platte im weiteren Verlauf des
Prozesses über ihrer gesamten Länge abkühlt. Da der Energieinhalt der
vorgewärmten Platte größer ist, steht somit auch mehr Zeit für Temperatur-
ausgleichsvorgänge zur Verfügung, die sich positiv auf die Spannungsverteilung
auswirken. Die Folge ist, daß sich zusätzliche Zugspannungen am Ende der Platte
aufbauen. Dadurch fallen die Zugspannungen in der Fügezone geringer aus und
gleichzeitig vergrößert sich der Zugspannungsbereich.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 93
100
±15
±10
±5
80 60 40 20 5 10 15 20 25
50
100
150
200
Temperatur [°C]
Zeit [s]
x [mm]
Zeit [s]
x [mm]
tE
tK
15
10
5
σ [N/mm²]
510 15 20 25
100 80 60 40 20
tK
tE
PC
TH = 280°C, TV = 80°C
tE = 11s
tK = 100s
L = 30 mm
∆x = 1 mm
∆t = 1s
mit
Vorwärmen
ohne Vorwärmen
Bild 6.20: Temperatur- und Spannungsverlauf über der Zeit nach einem Erwärmversuch im
Vergleich zum Vorwärmen mit dem Werkstoff PC
Die in diesem Kapitel dargestellten Ergebnisse dienen der Visualisierung des
Spannungsaufbaus beim Erwärmen, Schweißen und bei der Kombination aus
Erwärmversuch mit Vorwärmung. Im folgenden soll der Einfluß der Prozeßpara-
meter diskutiert werden.
6.3.2 Eigenspannungszustand in Abhängigkeit der Prozeßparameter
Die berechneten Eigenspannungsverläufe weisen signifikante Abhängigkeiten von
den variierten Parametern auf. Bild 6.21 zeigt die Eigenspannungen über der
Erwärmzeit bei einer Heizelementtemperatur von 280°C.
Man erkennt, daß der Zugspannungsbereich mit zunehmender Erwärmzeit größer
wird. Gleichzeitig nimmt die Höhe der Zugspannungen geringfügig ab. Diese
Abhängigkeit ist bei höheren Heizelementtemperaturen ebenfalls zu beobachten.
Beim Vergleich mit Bild 6.17 fällt auf, daß der Druckspannungsbereich viel weniger
ausgeprägt ist, was auf die unterschiedlichen Kühlzeiten zurückzuführen ist. So wird
in Bild 6.17 aus Gründen der besseren Visualisierung mit einer Kühlzeit von 100s
gerechnet. In den folgenden Auswertungen wird mit einer Kühlzeit von 500s
gerechnet, so daß nach dieser Zeit davon ausgegangen werden kann, daß sich ein
quasistationärer Eigenspannungszustand eingestellt hat.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 94
Trägt man die Eigenspannungsverläufe in Abhängigkeit von der Heizelement-
temperatur bei konstanter Erwärmzeit auf, so zeigt sich ein annähernd gleiches
Verhalten (Bild 6.22). Es bleibt also festzuhalten, daß mit ansteigenden Werten von
Heizelementtemperatur und Erwärmzeit die Zugspannungen in der Fügezone
abnehmen und gleichzeitig der Zugspannungsbereich entlang der x-Achse größer
wird.
-5
0
5
10
15
20
25
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²]
tE = 6s
tE = 11s
tE = 16s
Bild 6.21: Eigenspannungsverläufe in Abhängigkeit der Erwärmzeit für den Erwärmversuch mit
dem Werkstoff PC, TH = 280°C
-5
0
5
10
15
20
25
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²] ff
TH = 230°C
TH = 280°C
TH = 330°C
TH = 380°C
TH = 430°C
Bild 6.22: Eigenspannungsverläufe in Abhängigkeit der Heizelementtemperatur für den
Erwärmversuch mit dem Werkstoff PC, tE = 11s
Als charakteristische Größen zur Kennzeichnung des Zugspannungsbereiches
können die Lage des Nulldurchgangs auf der x-Achse ("Nullage") und die Höhe der
Zugspannung in der ersten Schicht herangezogen werden. Trägt man diese Größen
über der Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit auf, so läßt sich der
beobachtete Zusammenhang bezüglich TH und tE in allgemeiner Form für alle
Versuchspunkte formulieren.
Bild 6.23 zeigt die Nullagen in Abhängigkeit von der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit für die Versuchsmaterialien PC und PMMA. Die aufgeführten Werte
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 95
ergeben sich als Nullstellen derjenigen Geraden, die durch lineare Interpolation
zwischen dem letzten positiven und dem ersten negativen Spannungswert berechnet
werden können. Man erkennt in beiden Abbildungen, daß die Nullagen sowohl beim
Erwärmen als auch beim Schweißen mit der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit zunehmen. Desweiteren läßt sich feststellen, daß die Nullagen bei PC
zwar kleiner sind als bei PMMA, jedoch in Abhängigkeit von der Heizelement-
temperatur und der Erwärmzeit stärker zunehmen.
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
220 270 320 370 420
TH [°C]
Nulldurchgang [mm]
tE = 6s, Erw. tE = 11s, Erw. tE = 16s, Erw.
tE = 6s, Schw. tE = 11s, Schw. tE = 16s, Schw.
3
3,5
4
4,5
5
5,5
6
220 270 320 370 420
TH [°C]
Nulldurchgang [mm] aa
tE = 6s, Erw. tE = 11s, Erw. tE = 16s, Erw.
tE = 6s, Schw. tE = 11s, Schw. tE = 16s, Schw.
Bild 6.23: Lage des Nulldurchgangs in Abhängigkeit von der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit (links: PC; rechts: PMMA)
Bild 6.24 zeigt die Zugspannungen in der ersten Schicht in Abhängigkeit von der
Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit für PC und PMMA. Im Fall von PC ist
sowohl beim Erwärmen als auch beim Schweißen eine Abnahme der
Zugspannungen mit der Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit festzustellen.
Die gleichen Zusammenhänge sind beim Erwärmen von PMMA zu beobachten. Im
Gegensatz zum Erwärmen nehmen die Zugspannungen jedoch beim Schweißen
vom PMMA in Abhängigkeit von der Heizelementtemperatur leicht zu.
20
20,5
21
21,5
22
22,5
220 270 320 370 420
TH [°C]
Spannung [N/mm²]
tE = 6s, Erw. tE = 11s, Erw. tE = 16s, Erw.
tE = 6s, Schw. tE = 11s, Schw. tE = 16s, Schw.
21,5
22
22,5
23
23,5
24
24,5
220 270 320 370 420
TH [°C]
Spannung [N/mm²]
tE = 6s, Erw. tE = 11s, Erw. tE = 16s, Erw.
tE = 6s, Schw. tE = 11s, Schw. tE = 16s, Schw.
Bild 6.24: Spannungen in der ersten Schicht über der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit (links: PC; rechts: PMMA)
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 96
6.3.3 Einfluß der Wärmebehandlungsverfahren
Der Einfluß des Vorwärmens auf die Eigenspannungsbelastung wird am Beispiel
eines Erwärmversuchs mit PC und PMMA aufgezeigt (Bild 6.25). Zunächst ist
festzustellen, daß der typische Spannungsverlauf, der einen Übergang von Zug-
nach Druckspannungen beschreibt, auch im Falle eines vorgeschalteten
Vorwärmprozesses erhalten bleibt. Der Druckspannungsbereich ist hier ebenfalls
aufgrund der Kühlzeit von 500s nicht so deutlich ausgeprägt. Durch das Vorwärmen
werden jedoch die Zugspannungen in der Fügezone deutlich reduziert und die
Nullage wird sehr weit in Richtung der positiven x-Achse verschoben. Diese beiden
Tendenzen nehmen mit ansteigender Vorwärmtemperatur weiter zu und sind durch
die höhere innere Energie der vorgewärmten Bauteile zu begründen. Die genannten
Beobachtungen gelten für unterschiedliche Versuchseinstellungen, wobei die
typischen Abhängigkeiten der Verläufe bezüglich der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit auftreten.
-5
0
5
10
15
20
25
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²]
ohne Vorwärmen
TV = 80°C
TV = 100°C
TV = 120°C
-10
-5
0
5
10
15
20
25
30
0 5 10 15
L [mm]
Spannung [N/mm2]
ohne Vorwärmen
TV = 60°C
TV = 80°C
TV = 100°C
Bild 6.25: Eigenspannungsverläufe in Abhängigkeit von der Vorwärmtemperatur TV bei TH =
380°C und tE = 11s (links: PC; rechts: PMMA)
Das Tempern hat wie das Vorwärmen eine eindeutige Reduzierung des
Eigenspannungshaushaltes zur Folge. Die Spannungen nehmen in der Fügezone mit
zunehmender Tempertemperatur (Tt) deutlich ab (Bild 6.26 links). Der Temper-
prozeß hat im Gegensatz zum Vorwärmen allerdings keine Auswirkung auf den
Nulldurchgang des Spannungsverlaufs. Betrachtet man den Eigenspannungsverlauf
in Abhängigkeit von der Temperzeit (tT) bei konstanter Temperatur (Tt), so ist ein
identischer Einfluß festzustellen. Wie man in Bild 6.26 (rechts) sieht, nimmt die Höhe
der Zugspannungen mit zunehmender Temperzeit ab. Für den Werkstoff PMMA
zeigen sich ähnliche Abhängigkeiten (Anhang Bild 9.11).
Im Gegensatz zum Vorwärmen kommt es beim Tempern nicht zu Temperatur-
ausgleichsvorgängen nach dem Fügen, sondern die vorhandenen Spannungen
werden durch Relaxation in Abhängigkeit von der Temperatur und der Zeit abgebaut.
Hierdurch ist zu erklären, daß es nicht wie beim Vorwärmen zu einer Verschiebung
des Nulldurchganges kommt, sondern die Spannungen nur in ihrer Höhe verringert
werden.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 97
TH = 380°C, tE = 11s
-5
0
5
10
15
20
25
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²] aa
ohne Tempern
Tt = 80°C
Tt = 100°C
Tt = 120°C
TH = 380°C, tE = 11s, Tt = 100°C
-5
0
5
10
15
20
25
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²]
ohne Tempern
tT = 1h
tT = 3h
tT = 5h
Bild 6.26: Eigenspannungsverläufe nach dem Tempern in Abhängigkeit von der Temperatur
(links) und der Zeit (rechts) für den Werkstoff PC
6.3.4 Einfluß der Relaxation
Gewöhnlich bauen sich Eigenspannungen in Kunststoffbauteilen mit der Zeit
allmählich ab. Dieser Vorgang wird als Spannungsrelaxation bezeichnet. Bei der
Modellbildung wird das Relaxationsverhalten durch die Gleichungen (6.34) und
(6.35) beschrieben. Um diese Gleichungen anwenden zu können, sind die
Relaxationskennzahlen τ0 und k in Kapitel 6.1.2 an experimentelle Datenpunkte
angepaßt worden. Hierbei trat das Problem auf, daß für kleine Zeiten in der
Größenordnung von ∆t = 1s keine experimentellen Daten vorliegen und demzufolge
die Qualität der Anpassung nicht beurteilt werden kann. Daher soll im folgenden die
Auswirkung der Relaxation auf den Eigenspannungsverlauf untersucht werden, um
einen möglichen Fehler abschätzen zu können. Zu diesem Zweck werden pro
Versuchsmaterial drei zusätzliche Spannungsberechnungen für einen beliebigen
Versuchspunkt durchgeführt, wobei die Relaxationskennzahl τ0 bei konstantem k
variiert wird. Bild 6.27 zeigt zunächst für jedes τ0 die Relaxationsfunktion über der
Temperatur und der Zeit gemäß folgender Gleichung.
()
⎟
⎠
⎞
⎜
⎝
⎛
τ
−⋅σ=σ =
t
expt 0t (6.44)
Man erkennt, daß sich für die in Kapitel 6.1.2 vorgenommene Anpassung
(τ0=10800000s) nur bei sehr hohen Temperaturen ein sichtbarer Relaxationsanteil
ergibt. Bei einer Temperatur knapp unterhalb der Fließtemperatur baut sich die
Spannung nach einer Sekunde auf ca. 80% der Anfangsspannung ab. Dies führt bei
der Spannungsberechnung dazu, daß sich die Relaxation im wesentlichen im
Fügebereich der Platte vollzieht. Für kleinere Relaxationskennzahlen erhöht sich der
Relaxationsanteil. Gleichzeitig sinkt die Temperaturgrenze, bei der ein Spannungs-
abbau einsetzt.
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 98
1
0,8
0,6
0,4
0,2
0
020 40 60 80 100120140
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
Temperatur [°C] Zeit [s]
σ / σ0
τ01 = 10800000 s
τ03 = 108000 s
τ02 = 1080000 s
Bild 6.27: Einfluß der Relaxationskennzahl auf die Spannungsrelaxation beim Werkstoff PC
Die Auswirkungen der unterschiedlichen Relaxationskennzahlen auf den
Eigenspannungsverlauf von PC nach einer Abkühlung von 500s werden in Bild 6.28
aufgezeigt. Man sieht, daß der Eigenspannungsverlauf durch die Relaxation mit den
in Kapitel 6.1.2 angepaßten Kennzahlen nur geringfügig beeinflußt wird. Dies ergibt
sich aus dem Vergleich mit demjenigen Eigenspannungsverlauf, bei dem keine
Relaxation berücksichtigt wird.
-5
0
5
10
15
20
25
0246810
x [mm]
Spannung [N/mm²]
ohne Relaxation
tau01=10,8*10^6s
tau02=10,8*10^5s
tau03=10,8*10^4s
Bild 6.28: Eigenspannungsverläufe in Abhängigkeit von der Relaxationskennzahl für den
Werkstoff PC
Desweiteren zeigt sich, daß der Einfluß der Relaxation auf den Eigenspannungs-
verlauf mit abnehmendem τo größer wird. Dies macht sich anhand des Eigenspan-
nungsverlaufs dadurch bemerkbar, daß die Höhe der Zugspannungen in der Füge-
zone abnimmt und gleichzeitig größere Nullagen erzielt werden. Für PMMA ergeben
sich bei einer Variation von τ0 die gleichen Zusammenhänge (Anhang Bild 9.12).
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 99
Zum Abschluß sei angemerkt, daß sich die gefundenen Tendenzen der Eigenspan-
nungsverläufe bezüglich der Parameter TH und tE durch die Variation von τ0 nicht
verändern.
6.4 Vergleich mit experimentellen Ergebnissen
6.4.1 Benetzungstests
In Kapitel 5.1 wurden Untersuchung zur Spannungsrißempfindlichkeit an Rechteck-
platten aus PMMA und PC vorgestellt, wobei die Platten mit einem spannungsriß-
auslösenden Medium benetzt und die entstehenden Risse meßtechnisch ausge-
wertet wurden.
Zur Beurteilung der Spannungsrißempfindlichkeit kann zum einen die Anzahl der
erzeugten Risse und zum anderen die Rißlänge herangezogen werden. Die
genannten Größen beeinflussen sich gegenseitig, da sich die Eigenspannungen
durch die Entstehung und Ausbreitung der Risse abbauen, d.h. bei mehreren Rissen
werden kürzere Rißlängen erzielt als bei nur einem Riß. Aus den Ergebnissen der
Rißuntersuchungen konnten lediglich qualitative Aussagen bezüglich des Einflusses
der Schweißparameter auf den Eigenspannungszustand der Platten abgeleitet
werden. Ein quantitativer Zusammenhang zwischen der Rißlänge bzw. der Anzahl
der Risse und dem vor der Rißinitiierung vorliegenden Eigenspannungszustand in
den Platten war nicht herstellbar.
Im folgenden soll untersucht werden, ob die durch die Rißuntersuchungen
gewonnenen qualitativen Aussagen bzw. Tendenzen mit dem theoretischen Modell
bestätigt werden können. Zunächst müssen Aussagen darüber getroffen werden, ob
die Höhe der berechneten Zugspannungen ausreicht, um eine Rißbildung
auszulösen. Die Spannungen liegen bei den Versuchsmaterialien PC und PMMA in
einer Größenordnung von ca. 20 - 25N/mm². Anhand der Angaben der Material-
hersteller lassen sich in Abhängigkeit des Materials und des jeweils eingesetzten
physikalisch aktiven Mediums Spannungsbereiche angeben, bei denen Risse
entstehen. Die Benetzungstests wurden im Falle von PMMA mit Benzin und im Falle
von PC mit einem 3:1 Gemisch aus n-Propanol und Toluol durchgeführt. Wenn man
sich an der unteren Grenze des jeweiligen Spannungsbereiches orientiert, so ergibt
sich für die Kombination PMMA - Benzin ein Wert von 5N/mm² und für die Kombi-
nation PC - n-Propanol/Toluol ein Wert von 10N/mm², bei dem es laut Angaben der
Materialhersteller zu einer Rißbildung käme. Die Zugspannungen sind sowohl bei PC
als auch bei PMMA so groß, daß bei einer Benetzung mit einem spannungsriß-
auslösenden Medium zwangsläufig Risse entstehen.
Für die weitere Diskussion zur Vergleichbarkeit des theoretischen Modells mit den
experimentellen Ergebnissen müssen geeignete Vergleichsmerkmale der
berechneten Spannungsverläufe gefunden werden, die mit großer Wahrschein-
lichkeit mit der Rißlänge bzw. der Anzahl der Risse in Zusammenhang stehen. In
[Kos95] wurde festgestellt, daß bei den Heizelementtemperaturen 230°C und 430°C
die Anzahl der Risse geringer ist als im mittleren Temperaturbereich. Diese Tatsache
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 100
läßt sich mit Hilfe des theoretischen Modells nur ansatzweise erklären. Mit
zunehmender Heizelementtemperatur nimmt die Höhe der Zugspannungen in der
Fügezone ab und der Zugspannungsbereich wird größer. Die Tatsache, daß im
Hochtemperaturbereich von 430°C weniger Risse entstehen, kann darauf zurück-
geführt werden, daß die Zugspannungen in der Fügezone mit zunehmender
Heizelementtemperatur abnehmen. Dies erklärt allerdings nicht die geringe Anzahl
von Rissen bei TH = 230°C. Daher muß vermutet werden, daß sich bei geringen
Heizelementtemperaturen die Ausweitung des Zugspannungsbereichs stärker auf die
Anzahl der Risse auswirkt als die Abnahme der Spannungen in der Fügezone.
In Kapitel 5.1 wird deutlich, daß mit zunehmender Heizelementtemperatur und
Erwärmzeit größere Rißlängen erzielt werden. Die Rißlänge ist ein qualitatives Maß
für die Größe des Zugspannungsbereichs, da mit größer werdendem Zugspannungs-
bereich längere Risse erzielt werden. Die Größe des Zugspannungsbereichs der
berechneten Verläufe wird durch die Nullage charakterisiert. Ein weiteres der Nullage
vergleichbares Merkmal ist die dem jeweiligen Spannungswert zugehörige
Plattenlänge (L), bei der in Verbindung mit einem physikalisch aktiven Medium laut
Materialhersteller Risse entstehen. Für PC werden diese beiden Größen in Bild 6.29
zusammen mit der Rißlänge über der Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit
dargestellt. Um Tendenzen besser sichtbar zu machen, wurden die Werte auf die
jeweiligen Mittelwerte der Verläufe normiert. Die normierten Werte werden im
folgenden weiter als Rißlänge bzw. Nulldurchgang bezeichnet.
0,7
0,8
0,9
1
1,1
1,2
1,3
270 320 370 420
TH [°C]
normierte Länge
tE = 6s, Risslänge tE = 6s, Nulldurchgang tE = 6s, L(10 N/mm²)
tE = 11s, Risslänge tE = 11s, Nulldurchgang tE = 11s, L(10 N/mm²)
tE = 16s, Risslänge tE = 16s, Nulldurchgang tE = 16s, L(10 N/mm²)
Bild 6.29: Normierte Werte der Rißlänge, Nullage und Plattenlänge L in Abhängigkeit von der
Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit für den Werkstoff PC
Es besteht hier eine gute Übereinstimmung zwischen den aufgeführten Werten.
Sowohl die Nullage als auch die Länge L (10N/mm²) nehmen mit ansteigender
Heizelementtemperatur bzw. Erwärmzeit zu. Zu beobachten ist, daß die Rißlänge
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 101
von 280°C bis 330°C relativ stark und von 330°C bis 380°C in geringerem Maße
zunimmt. Von 380°C bis 430°C ist eine Stagnation, im Falle von tE = 6s sogar eine
Abnahme der Rißlänge zu verzeichnen. Bis auf die Abnahme bei tE = 6s sind alle
diese Tendenzen bei den Vergleichsmerkmalen in schwächerer Ausprägung
ebenfalls vorhanden.
Trägt man im Falle von PMMA die Rißlänge und die Nullage über der
Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit auf (Bild 6.30), so stellt sich heraus, daß
die bei PC gefundenen grundsätzlichen Übereinstimmungen, d.h. die Zunahme der
Werte mit der Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit, auch bei PMMA gegeben
sind. Beim PMMA nimmt die Risslänge hingegen im niedrigen Heizelement-
temperaturbereich zunächst nur geringfügig zu. Im mittleren Temperaturbereich ist
ein stärkeres Wachstum zu verzeichnen, das schließlich im Hochtemperaturbereich
zwischen 380°C und 430°C für eine Erwärmzeit von 11 s wieder abnimmt. Diese
Tendenzen lassen sich bei der Nullage nicht beobachten. Die Steigung der Kurven
kann dort als nahezu konstant angesehen werden.
0,6
0,7
0,8
0,9
1
1,1
1,2
1,3
1,4
220 270 320 370 420
TH [°C]
normierte Länge
tE = 6s, Risslänge tE = 6s, Nulldurchgang
tE = 11s, Risslänge tE = 11s, Nulldurchgang
tE = 16s, Risslänge tE = 16s, Nulldurchgang
Bild 6.30: Normierte Werte der Rißlänge und der Nullage in Abhängigkeit von der
Heizelementtemperatur und der Erwärmzeit für den Werkstoff PMMA
Die im Gegensatz zu PC schlechtere Übereinstimmung der Verläufe kann mehrere
Gründe haben. Zum einen ist die unterschiedliche Definition der Rißlänge bei PC
bzw. PMMA zu nennen. Während bei PC sehr viele Risse erzeugt wurden und die
Rißlänge als Länge des Gesamtrißbildes definiert war, wurde im Fall der PMMA-
Platten genau ein definierter Riß erzeugt. Zum anderen ist es möglich, daß die
Nullage bei PMMA kein geeignetes Vergleichsmerkmal für die Rißlänge ist. Die
Suche nach besser geeigneten Vergleichsmerkmalen blieb im Fall von PMMA
erfolglos.
Zusammenfassend kann man sagen, daß die mit dem theoretischen Modell
berechneten Eigenspannungsverläufe über weite Strecken vereinbar mit den aus
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 102
den Rißuntersuchungen gewonnenen Ergebnissen sind. Wie gezeigt wurde, ergeben
sich Anhaltspunkte zur Beurteilung der Größe der berechneten Zugspannungen.
Diese liegen in einer realen Größenordnung. Darüber hinaus läßt sich feststellen,
daß die durch die Rißuntersuchungen ableitbaren qualitativen Aussagen hinsichtlich
des Einflusses der Schweißparameter auf den Eigenspannungszustand durch das
Modell bestätigt werden können. Dies ergibt sich aus dem Vergleich von Größen wie
z.B. der Nullage des Spannungsverlaufs mit der Rißlänge.
6.4.2 Bohrlochmethode
In Kapitel 5.3 wurde mit Hilfe der Bohrlochmethode die Höhe der Eigenspannungen
in erwärmten Platten aus PC bestimmt. Mit der Bohrlochmethode kann aus
verfahrensspezifischen Gründen lediglich ein einziger Spannungswert pro Platte
ermittelt werden. Außerdem muß beim Bohren, aufgrund der Anordnung der
Dehnungsmeßstreifen, um die Bohrung ein Mindestabstand zum Rand der Platte
eingehalten werden. Da die rißauslösenden Zugspannungen beim Schweißen bzw.
Erwärmen direkt in der Fügezone anzutreffen sind, ist es sinnvoll, die Bohrung
inklusive Meßanordnung genau dort anzubringen. Der kleinstmögliche Abstand
zwischen Bohrung und Fügefläche betrug 14mm. Bild 6.31 zeigt die mit der
Bohrlochmethode ermittelten Spannungswerte zusammen mit den entsprechenden
Spannungswerten des theoretischen Modells in Abhängigkeit von der Heizelement-
temperatur und der Erwärmzeit. Wie man sieht, werden die mit der Bohrlochmethode
berechneten Spannungswerte mit zunehmender Heizelementtemperatur und
zunehmender Erwärmzeit größer.
-1,5
-1
-0,5
0
0,5
1
1,5
2
270 320 370 420
TH [°C]
Spannung [N/mm²]
tE = 6s, Bohrlochm. tE = 6s, Modell (14 mm)
tE= 11s, Bohrlochm. tE = 11s, Modell (14 mm)
tE = 16s, Bohrlochm. tE = 16s, Modell (14 mm)
Bild 6.31: Vergleich der theoretischen und der mit der Bohrlochmethode ermittelten Spannungen
in einem Abstand von 14mm zur Fügefläche für den Werkstoff PC
Im Gegensatz dazu verringern sich die mit dem Modell berechneten Spannungen mit
zunehmender Heizelementtemperatur bzw. Erwärmzeit. Diese unterschiedlichen
Tendenzen können mit Hilfe von Bild 6.32 erklärt werden. Wenn man den aus Bild
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 103
6.22 bekannten typischen Spannungsverlauf voraussetzt, kann man annehmen, daß
die mit der Bohrlochmethode bestimmten Spannungswerte im Abstand von 14mm
von der Fügefläche noch vor dem eingezeichneten Umkehrpunkt liegen. Folglich
steigen die Spannungen mit zunehmender Heizelementtemperatur und Erwärmzeit
an. Im Gegensatz dazu liegen die mit dem theoretischen Modell berechneten
Spannungen bereits hinter dem Umkehrpunkt. Daher nehmen diese Spannungen mit
zunehmender Heizelementtemperatur bzw. Erwärmzeit ab. Verkürzt man nun, im
Falle des Modells, den Abstand zur Fügefläche und vergleicht die so ermittelten
Spannungsverläufe mit den durch die Bohrlochmethode ermittelten Spannungs-
verläufen, so bestätigt sich diese Annahme. Diese Vorgehensweise ist in soweit
korrekt, da die Bohrlochmethode an spritzgegossenen und gefügten Platten
angewendet wurde. Da sich beim Spritzgießen im Platteninneren Zugspannungen
aufbauen, die sich während der Erwärmung am Heizelement nicht abbauen können
(vgl. Kapitel 4.2), verlagert sich der Zugspannungsbereich weiter in die Platte hinein.
In dem hier beschriebenen theoretischen Modell wird der nach dem Spritzgießen
vorliegende Spannungszustand nicht berücksichtigt, so daß der Umkehrpunkt in der
Realität weiter in das Platteninnere verlagert ist. In Bild 6.33 werden die Spannungs-
verläufe erneut gegeneinander aufgetragen, wobei in diesem Fall der "Modell-
abstand" 3,25mm beträgt.
x
Bohrlochmethode
TH
σx
x
Modell
σx
14 mm
TH
Umkehrpunkt
Umkehrpunkt
Bild 6.32: Schematischer Vergleich der Spannungsverläufe von Bohrlochmethode und
theoretischem Modell über der Plattenlänge
Wie zu sehen ist, werden nun sowohl die mit der Bohrlochmethode ermittelten
Spannungen als auch die mit dem Modell berechneten Spannungen mit zunehmen-
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 104
der Heizelementtemperatur bzw. Erwärmzeit größer. Auffallend ist die sehr gute
Übereinstimmung der Verläufe. In beiden Fällen nehmen die Spannungen bei
größeren Heizelementtemperaturen stärker zu als bei geringen Heizelementtem-
peraturen. Darüber hinaus werden die Spannungsverläufe mit zunehmender
Erwärmzeit steiler.
-1
-0,5
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
270 320 370 420
TH [°C]
Spannung [N/mm²]
tE = 6s, Bohrlochm. tE = 6s, Modell (3,25 mm)
tE = 11s, Bohrlochm. tE = 11s, Modell (3,25 mm)
tE = 16s, Bohrlochm. tE = 16s, Modell (3,25 mm)
Bild 6.33: Vergleich der mittels des Modells (3,25mm) bzw. der Bohrlochmethode (14mm)
bestimmten Spannungswerte für den Werkstoff PC
Der Vergleich der experimentellen mit den theoretischen Spannungswerten im
Abstand von 14mm von der Fügefläche zeigt, daß der Zugspannungsbereich in der
Realität wesentlich größer sein muß als durch das Modell vorhergesagt. Ein weiterer
Hinweis für die Richtigkeit dieser Annahme ist die Tatsache, daß gemäß Kapitel
6.4.1 die Rißlängen in der Regel größer sind als die berechneten Nullagen. Die
Spannungsverläufe in Abhängigkeit von der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit stimmen sehr gut überein, wenn man im Falle des theoretischen Modells
den Abstand zur Fügefläche auf 3,25mm verkürzt. Da sich die Verläufe im Bereich
des Nulldurchgangs befinden, erhält man hierdurch einen Anhaltswert, wie weit der
Nulldurchgang in der Realität weiter nach rechts in die Platte verschoben ist. Positiv
fällt auf, daß die Tendenzen der experimentellen und der theoretischen Spannungs-
verläufe bezüglich der Parameter Heizelementtemperatur und Erwärmzeit sehr gut
übereinstimmen. Diese Eigenschaft wurde schon im Kapitel zuvor festgestellt und
spricht für eine sehr gute Vorhersagegenauigkeit des Modells hinsichtlich der
Auswirkung der Prozeßparameter auf die Eigenspannungsentwicklung.
6.4.3 FEM-Analysen
Die Vergleichbarkeit des theoretischen Modells mit den Ergebnissen der FEM-
Analyse im Hinblick auf die Spannungsverteilung macht aufgrund der unterschied-
lichen Berechnungsansätze wenig Sinn. So werden mit Hilfe der FEM-Analyse viel
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 105
zu hohe Spannungswerte ermittelt, was unter anderem auf die Abbildung des
Materialverhaltens mit Hilfe des Potenzgesetzes von Ramberg-Osgood zurückzu-
führen ist. Desweiteren bleibt der Einfluß der Relaxation bei der FEM-Analyse völlig
unberücksichtigt. So sind die mit der FEM berechneten Spannungen in der Fügezone
ca. zwei bis drei mal so groß, wie die mit Hilfe des theoretischen Modells
berechneten Werte, wobei der Abstand des Nulldurchgangs von Zugspannungen zu
Druckspannung im Fall des theoretischen Modells ca. doppelt so groß ist wie bei der
FEM-Analyse vorhergesagt. So muß sich der Vergleich der beiden Methoden auf die
Berechnung des Temperaturprofils beschränken (Bild 6.34), wobei sich in allen
Versuchspunkten eine sehr gute Übereinstimmung zeigt.
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
0 5 10 15
L [mm]
Temperatur [°C]
230°C, 10s - FEM
230°C, 10s - Modell
330°C, 10s - FEM
330°C, 10s - Modell
420°C, 6s - FEM
420°C, 6s - Modell
Bild 6.34: Vergleich zwischen den mit der FEM und dem theoretischen Modell berechneten
Temperaturverläufen
6.5 Kritische Betrachtung
Die berechneten Spannungen müssen hinsichtlich ihrer Gültigkeit mit gewissen
Einschränkungen betrachtet werden. Diese resultieren aus dem abweichenden
Verhalten einer realen Schweißverbindung von den für die Modellbildung getroffenen
Voraussetzungen. Im einzelnen sind dabei folgende Aspekte zu nennen:
- Bei der Temperaturberechnung wurde bis auf das Abkühlen von einer
eindimensionalen Wärmeleitung ausgegangen. In der Realität liegen jedoch bereits
beim Angleichen und Erwärmen mehrdimensionale Temperaturausgleichprozesse
vor, die in der Modellbildung keine Berücksichtigung gefunden haben. Die dadurch
entstandenen Fehler sind jedoch als gering einzustufen, da durch die Anpassung
der Wärmekennzahlen bereits eine Korrektur stattgefunden hat.
- Beim Schichtenmodell wird jeder Schicht genau ein Temperaturwert zugeordnet,
der näherungsweise für die gesamte Schicht gelten soll. Auf diese Weise ergibt sich
ein eindimensionaler Temperatur- und Spannungsverlauf. In der Realität liegt beim
Erwärmen bzw. Schweißen einer Platte jedoch ein dreidimensionales Tempe-
raturprofil und ein mehrachsiger Spannungszustand vor. Daher hat die eindim-
Modellbetrachtungen zur Spannungsentwicklung beim Heizelementschweißen 106
ensionale Sichtweise einen nicht unerheblichen Fehler zur Folge, der sich
dementsprechend auf das Ergebnis der Spannungsberechnung auswirkt.
- Die angewandten Gleichungen zur Berechnung der Spannungsverteilung gehen
von rein elastischem Materialverhalten aus. Da jedoch in der Realität die zu berech-
nenden Größen, wie beispielsweise die Dehnung, immer aus einem elastischen und
einem plastischen Anteil bestehen, ist diese Annahme fehlerhaft.
- Beim Schichtenmodell wird eine für alle Schichten gleiche Dehnung angenommen.
Dieses Verhalten dürfte bei einer realen Schweißsituation nicht zu erwarten sein.
Vielmehr muß hier von einer ortsabhängigen Dehnung ausgegangen werden.
- Gänzlich unberücksichtigt bleiben beim theoretischen Modell Einflußgrößen, die für
den Ablauf des Schweißprozesses kennzeichnend sind, wie z.B. der Angleich- bzw.
Fügedruck und der Einfluß der Schweißwulstbildung auf die Eigenspannungs-
belastung.
- Die Anpassung von Stoffwerten an experimentelle Daten ist in der Regel immer mit
Fehlern verbunden. Zu nennen ist an dieser Stelle besonders die Anpassung der
Relaxationskennzahlen.
Aus den vorstehenden Gründen kann die vorgenommene theoretische Vorgehens-
weise keinen Anspruch darauf erheben, eine exakte Berechnung der realen
Eigenspannungen zu liefern. Es bietet aber die Möglichkeit, Tendenzen hinsichtlich
des Einflusses der Schweißparameter auf die Eigenspannungsbelastung abzu-
schätzen und geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Eigenspannungen
abzuleiten.
Zusammenfassung 107
7 Zusammenfassung
Bei der Produktion von Kfz-Heckleuchten wird die aus Polycarbonat oder
Polymethylmethacylat hergestellte Lichtscheibe mit einem Gehäuse aus Acrylnitril-
butadienstyrol verbunden, wobei das Heizelementschweißen am häufigsten Anwen-
dung findet. Ein häufig auftretender Schadensfall ist die Bildung von Spannungs-
rissen. Die Rißbildung hat neben optischen Nachteilen auch das Eindringen von
Feuchtigkeit zur Folge.
Der Heizelementschweißprozeß wird als Hauptverursacher der Spannungsrißbildung
angesehen. Das Erwärmen der Fügepartner und der unter Druck stattfindende
Fügevorgang stellen Materialbelastungen dar, die Eigenspannungen in das Bauteil
induzieren. Überlagert werden diese Eigenspannungen i.d.R. durch äußere Span-
nungen infolge mechanischer Belastung. Durch das Einwirken oberflächenaktiver
Medien, wie z.B. Waschflüssigkeiten, entstehen in dem so beanspruchten Material
umgehend Risse.
Um die Spannungsrißanfälligkeit von Heckleuchten zu minimieren, werden z.Z. von
den Herstellern speziell nachgeschaltete Verfahrensschritte, wie z.B. das Tempern,
durchgeführt.
Zielsetzung dieser Arbeit ist das Studium der Eigenspannungsentwicklung in
heizelementgeschweißten Bauteilen. Dies erfordert das Aufzeigen von verarbei-
tungsbedingten Faktoren, die zu rißfördernden Eigenspannungen führen. So soll,
neben dem Einfluß des Spritzgießprozesses, die Einflußnahme der Prozeßführung
beim Heizelementschweißen auf den Spannungsaufbau und die Spannungsriß-
bildung analysiert werden, um so einen nicht mehr als unvermeidbaren Eigenspan-
nungszustand zu erhalten, bei dem ggf. auf eine kostenintensive Warmlagerung
verzichtet werden kann.
Betrachtet man die Verarbeitungsgeschichte eines geschweißten Bauteils im Hinblick
auf die Spannungsrißanfälligkeit, so ist es notwenig vorgeschaltete Prozesse wie z.B
das Spritzgießen in die Untersuchungen mit einzubeziehen, um so den Einfluß der
verschiedenen Prozeßschritte gegeneinander abschätzen zu können. Bei der FEM-
Simulation einer Rechteckplatte kommt es schon im Spritzgießwerkzeug zu
Ausbildung von Eigenspannungen. Allerdings liegen nach dem Spritzgießen in den
oberflächennahen Bereichen Druckspannungen vor, die einer Spannungsrißbildung
entgegenwirken. Im Platteninneren kommt es zum Aufbau von Zugspannungen. In
experimentellen Untersuchungen an gespritzten Platten kann nachgewiesen werden,
daß es auch durch die Benetzung mit einer physikalisch aktiven Flüssigkeit nicht zur
Ausbildung von Spannungsrissen kommt, was die Ergebnisse der FEM Simulation
bestätigt.
Berücksichtigt man den Spannungszustand nach dem Spritzgießen für die
Simulation des Heizelementscheißprozesses, so kommt es in dem thermisch
beeinflußten fügeflächennahen Bereich zu einer Spannungsumkehr und zum Aufbau
von Zugspannungen, die ursächlich für die Entstehung von Rissen sind. In den
Zusammenfassung 108
darunter liegenden Schichten bleiben die Zugspannungen aus dem Spritzgießprozeß
erhalten, da diese Zonen thermisch nicht durch den Schweißprozeß beeinflußt
werden und so kein Spannungsabbau stattfindet. In experimentellen Untersuchungen
an geschweißten Platten kommt es aufgrund der Zugspannungen in der Oberfläche,
bei der Benetzung mit einer physikalisch aktiven Flüssigkeit sofort zur Spannungs-
rißbildung, so daß die theoretischen Vorhersagen des FEM-Simulation bestätigt
werden können.
Bei der Berechnung der Rißfortschrittskraft um eine simulierte Rißspitze mit und
ohne Berücksichtigung des Spritzgießprozesses zeigt sich, daß der Spritzgießprozeß
die Rißentstehung nicht begünstigt, aber daß bei Vorliegen eines Grenzflächenrisses
das Rißwachstum beschleunigt wird. Dieses Phänomen ist auf die vom
Spritzgießprozeß zurückgebliebenen Zugspannungen im Platteninneren zurückzu-
führen.
Die FEM Simulation an einer realen Heckleuchtengeometrie bestätigt die getroffenen
Aussagen. So kommt es auch hier erst nach dem Schweißprozeß zur Ausbildung
von Zugspannungen in fügeflächennahen Bereichen, wobei der Rißentstehungsort
häufig in Nuten und Kerben zu finden ist, die durch den Schweißprozeß und
aufgrund ihrer geometrischen Anordnung ebenfalls thermisch beeinflußt sind. Auch
in diesen Zonen liegen aufgrund des Schweißprozesses Zugspannungen vor, die
dann auch im Benetzungstest zur Ausbildung von Spannungsrissen führen.
Der erste Schwerpunkt der Untersuchungen zum Prozeßparametereinfluß beim
Heizelementschweißen ist eine Parameterstudie mit anschließenden Benetzungs-
tests, um so die Wirkrichtung der Prozeßparameter beim Heizelementschweißen auf
die Spannungsrißanfälligkeit abzuschätzen. So zeigt sich bei den Versuchsma-
terialien PMMA und PC ein eindeutiger Einfluß der Heizelementtemperatur und der
Erwärmzeit. In den Versuchen wird deutlich, daß die gemessenen Rißlängen mit
steigender Heizelementtemperatur und Erwärmzeit zunehmen. Beim Werkstoff PC ist
die Zunahme der Rißlänge bei höheren Temperaturen nicht so deutlich ausgeprägt.
Der Einfluß der Angleichparameter, wie z.B. Angleichweg und –druck, ist zu vernach-
lässigen. Dies zeigt sich in den Ergebnissen der Regressionsrechnungen, die bei
Nichtberücksichtigen dieser Größen zu hohen Bestimmtheitsmaßen führen.
Beim Vergleich der Schmelzeschichtdicken mit den erzeugten Rißlängen ist ein
eindeutiger Einfluß erkennbar. Physikalisch läßt sich der Einfluß in der Weise deuten,
daß gerade in der Schmelzeschicht die größten Temperaturgradienten vorliegen, die
dann zu örtlich differierenden Schwindungsvorgängen führen und somit in den
fügeflächennahen Zonen hohe Spannungen in das Bauteil induzieren. So kann
ausgehend von diesen Erkenntnissen ebenfalls ein eindeutiger Zusammenhang der
Rißlänge mit dem theoretisch berechneten Temperaturintegral in der
Schmelzeschicht hergeleitet werden.
Um die Parameterstudien mit den anschließenden Benetzungstests zu verifizieren
und genauere Aussagen über die Spannungsverteilung in Abhängigkeit von den
Zusammenfassung 109
Prozeßparametern machen zu können, werden spannungsoptische Untersuchungen
durchgeführt.
In den ermittelten drei-dimensionalen Normalspannungsdifferenzenverläufen zeigt
sich ausgehend von der erwärmten Zone noch in einem Abstand von 30mm zum
Heizelement eine eindeutige Überhöhung der Normalspannungsdifferenzen. Des-
weiteren sind an den Rändern der Platte, aufgrund der geometriebedingt dort
vorliegenden hohen Temperaturgradienten, große Normalspannungsdifferenzen zu
erkennen. Beim Vergleich der Normalspannungsdifferenzen in Abhängigkeit von der
Heizelementtemperatur ist mit zunehmender Temperatur ebenfalls ein Anstieg zu
verzeichnen. Der Einfluß der Erwärmzeit auf die Normalspannungsdifferenzen-
verteilung ist noch ausgeprägter, so daß hier mit steigender Erwärmzeit ein
deutlicher Unterschied der Normalspannungsdifferenzen nahezu im gesamten
Bereich der Platte sichtbar wird. Auch mit Hilfe der spannungsoptischen
Untersuchungen kann der geringe Einfluß des Angleichdrucks und –wegs
nachgewiesen werden, der bei Variation der Angleichparameter nur zu geringen
Änderungen des Normalspannungsdifferenzenfeldes führt.
Bei den durchgeführten Schweißversuchen ist erkennbar, daß die Normalspan-
nungsdifferenzen mit zunehmender Heizelementtemperatur stark ansteigen. Dies gilt
auch für Schweißungen, die mit unterschiedlichen Temperaturen der beiden Füge-
partner durchgeführt werden. Somit ist es nicht möglich, durch unterschiedliche
Heizelementtemperaturen der beiden Fügepartner die Spannungsspitzen auf den
Fügepartner ABS zu verlagern, der aufgrund der relativ weichen Butadienphase
spannungsrißunempfindlich ist.
Beim Vergleich der Schweißversuche ABS-PC und PC-PC zeigt sich, daß der
Schweißpartner ABS höhere Spannungen in das PC induziert, als dies bei einer
artgleichen Schweißung der Fall wäre. Bei der Auswertung der Normalspan-
nungsdifferenzenfelder beim Schweißen wird deutlich, daß der Verlauf dieser
Spannungsfelder hauptsächlich durch die Erwärmphase beeinflußt wird, und der
eigentliche Fügevorgang nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Da die spannungsoptischen Untersuchungen nur den Betrag der Normalspannungs-
differenz und der Schubspannung liefern, aber keine genaueren Aussagen über die
Einzelspannungen gemacht werden können, werden diese in Größe und Richtung
mit Hilfe der Bohrlochmethode bestimmt.
Beim Vergleich der mit der Bohrlochmethode und der Spannungsoptik ermittelten
Spannungsdifferenzen liegt eine sehr gute Übereinstimmung vor, so daß man
systematische Fehler bei der Spannungsoptik sowie bei der Bohrlochmethode
ausschließen kann.
Die Ergebnisse zum Einfluß der Verfahrensparameter Heizelementtemperatur und
Erwärmzeit können durch die Bohrlochmethode voll bestätigt werden. Desweiteren
läßt sich der ermittelte Rißverlauf in den PMMA-Platten durch die Ergebnisse der
Bohrlochmethode physikalisch interpretieren.
Zusammenfassung 110
Bei den Untersuchungen zur Vor- und Nachbehandlung der Proben zeigen sich
deutliche Unterschiede. So wirkt sich eine nachträgliche Temperung der Proben in
einer Reduzierung der Spannungen aus. Allerdings kommt es bei einer Temperung
erst zum nachträglichen Abbau der Spannungen. Im Gegensatz hierzu führt ein
kurzes Vorwärmen der Probeplatten gar nicht erst zum Aufbau von großen Zug-
eigenspannungen. Dieses Ergebnis spricht für eine kurze Vorwärmung der Formteile
vor dem Schweißen oder alternativ für die Verwendung spritzwarmer Bauteile. Eine
nach dem Schweißen durchgeführte Schockabkühlung der Formteile führt hingegen
zu negativen Ergebnissen.
Die Ergebnisse der FE-Simulationen zeigen, daß mit zunehmender Heizelement-
temperatur auch in tieferen Schichten noch hohe Zugeigenspannungen vorliegen, die
dann zur Aufweitung eines Risses führen. Die höchsten Spannungen treten dabei
direkt am Rande der Fügefläche auf und sind auf die starken Schwindungsvorgänge
in diesem Bereich zurückzuführen. Auch die J-Integralwerte nehmen mit steigender
Heizelementtemperatur deutlich zu. Überträgt man diese Ergebnisse auf eine reale
Platte, dann steigt die Wahrscheinlichkeit einer Spannungsrißbildung bei zuneh-
mender Heizelementtemperatur an.
Bei der Simulation der realen Heckleuchtengeometrie kommt es aufgrund der örtlich
differierenden Temperaturverteilungen schon im Spritzgießwerkzeug und auch bei
der Abkühlung an Luft zu behinderten Schwindungen, die in den kritischen Formteil-
bereichen Druckspannungen verursachen. Auch hier ist mit zunehmender
Heizelementtemperatur ein Anstieg der Zugspannungen in fügeflächennahen
Bereichen und in den vorliegenden Kerben zu erkennen, die somit auch den
Entstehungsort von Spannungsrissen darstellen.
Um die Ergebnisse aus den experimentellen Untersuchungen und den FEM-
Analysen physikalisch interpretieren und nachvollziehen zu können wird ein Modell
erstellt, mit dem zunächst die instationäre Temperaturverteilung während des
gesamten Heizelementschweißprozesses berechnet wird. Auf dieser Grundlage wird
dann unter Berücksichtigung von temperaturabhängigen Relaxationsvorgängen die
Eigenspannungsverteilungen über der simulierten Rechteckgeometrie bestimmt.
Die berechneten Temperaturverläufe über den einzelnen Prozeßstufen des
Heizelementschweißprozesses stimmen sehr gut mit den experimentell ermittelten
Temperaturen überein, wobei sich zeigt, daß über Strahlungsvorgänge nahezu die
gesamte Geometrie der Platte erwärmt wird.
Charakteristisch für den Spannungsverlauf sind die sich aufbauenden Druckspan-
nungen in der Fügezone während der Angleich- und Erwärmphase. Diese bauen sich
dann zu Beginn der Abkühlphase ab und gehen im weiteren Verlauf des Abkühlens
in Zugspannungen über. Nach längerer Zeit ist die Tendenz erkennbar, daß sich die
Spannungen bei fortschreitender Abkühlung nicht mehr wesentlich verändern. Daher
ist zu erwarten, daß ein quasistatischer Eigenspannungszustand erreicht wird,
sobald die Platte auf Umgebungstemperatur abgekühlt ist.
Zusammenfassung 111
Beim Vergleich der berechneten Spannungsverteilungen mit den über die
experimentellen Untersuchungen getroffenen Aussagen zeigt sich eine sehr gute
Übereinstimmung.
Somit ist mit dem Modell die Möglichkeit gegeben, den Einfluß der Prozeßparameter
beim Heizelementschweißen, sowie den Einfluß der vor- und nachgeschalteten
Prozeßstufen, wie der Vorwärmung oder Temperung, auf die Eigenspannungs-
belastung der Bauteile im Vorfeld abzuschätzen und physikalisch zu interpretieren.
Abschließend kann man sagen, daß es im Hinblick auf eine Minimierung der
Spannungsrißanfälligkeit an heizelementgeschweißen Bauteilen sinnvoll ist, die
Energieeinbringung in die Schweißnaht so gering wie möglich zu halten. Dieses Ziel
kann durch eine Absenkung der Heizelementtemperatur und eine Verringerung der
Erwärmzeit erreicht werden, die die Haupteinflußparameter für den Spannungs-
aufbau in der Schweißnaht darstellen.
Desweiteren ist bei der Konstruktion von zu schweißenden Bauteilen auf Rippen und
Kerben in fügeflächennahen Bereichen zu verzichten oder deren Auswirkung auf den
Eigenspannungsaufbau ist im Vorfeld mit Hilfe der FE-Analyse zu klären.
Eine weitere Möglichkeit der Minimierung liegt darin, die Formteile vor dem
Schweißprozeß kurzzeitig auf Tempertemperaturen zu erwärmen, um den Tempe-
raturgradienten und somit auch den Spannungsgradienten klein zu halten. Eine
Alternative hierzu ist das Verwenden von spritzwarmen Formteilen.
So muß, je nach Anwendungsfall, durch experimentelle Untersuchungen nachge-
wiesen werden, ob die hier aufgezeigten Verarbeitungsrichtlinien zu einer aus-
reichenden Minimierung der Spannungsrißanfälligkeit führen oder ob im Einzelfall
eine nachträgliche Temperung der geschweißten Bauteile erfolgen muß.
Literatur 112
8 Literatur
[Bac85] Backhaus, J.: Gezielte Qualitätsvorhersage bei thermoplastischen
Spritzgussteilen. Dissertation an der RWTH Aachen, 1985
[BK90] Brocks, W.; Klinbeil, D.; Olschewski, J.: Lösung der HRR-Feld-
Gleichungen der elastisch-plastischen Bruchmechanik. Forschungs-
bericht 175, BAM, Berlin, 1990
[Bor03] Bornemann, M.: Theoretisches Modell zur Berechnung von
Eigenspannungen in Rechteckplatten infolge des Heizelement-
schweißprozesses, Diplomarbeit in Vorbereitung, Universität
Paderborn, Institut für Kunststofftechnik, 2003
[Bor99] Bornemann, M.: Untersuchungen zur Eigenspannungsermittlung
beim Angleichen und Erwärmen von Rechteckplatten aus PMMA, PC
und SAN, Diplomarbeit, Universität Paderborn, Institut für
Kunststofftechnik, Paderborn 1999
[Brü98] Brüßel, A.: Untersuchungen zur Schweißbarkeit von Fügeteilen aus
ungefülltem und gefülltem/verstärktem Polyamid mittels Heizelement,
Abschlußbericht zum AiF-Forschungsbericht Nr.: 10.691 N (DVS Nr.:
8.011), Universität Paderborn 1998
[Brü99] Brüßel, A.: Fertigungstechnische und werkstoffspezifische Aspekte
zum Fügen von Thermoplasten mittels Heizelement, Dissertation an
der Universität Paderborn, 1999
[BW60] Boley, B.A.; Weiner, J.H.: Theory of Thermal Stresses. New York:
John Wiley & Sons, 1960
[CJ59] Carslaw, H.S.;Jaeger, J.C.: Conduction of Heat in Solids. Second
Edition. Oxford: University Press, 1959
[Dol78] Dolezel, B.: Die Beständigkeit von Kunststoffen und Gummi. Carl
Hanser Verlag, München, Wien, 1978
[Gig79] Gigull, U.: Sandner, H.: Wärmeleitung. Springer-Verlag, Berlin, 1979
[Git80] Gitschner, W.: Diffusionsbedingte Verformungs- und Spannungs-
zustände in glasfaserverstärkten Verbundwerkstoffen, Dissertation an
der RWTH Aachen, 1980
[Gog99] Gogolok, D.: FEM-Analyse an einer PMMA-Streulichtscheibe,
Diplomarbeit, Universität Paderborn / Fachhochschule Südwestfalen,
Laboratorium für Technische Mechanik, Institut für Kunststofftechnik,
Paderborn 1999
[Gro73] Großkurth, K. P.: Elektronenmikroskopische Untersuchungen der
Struktur von Fließzonen in Polystyrol, Kautschuk und Gummi –
Kunststoffe, 26 (1973) 2, S. 43 - 45
[Gro92] Gross, D.: Bruchmechanik 1. Springer-Verlag, Berlin, 1992
[GS90] Grigull, U.; Sandner, H.: Wärmeleitung. Berlin, Heidelberg, New
York, London, Paris, Tokyo, Hong Kong: Springer Verlag, 1990
Literatur 113
[Hah76] Hahn, H. G.: Bruchmechanik. Teubner Studienbücher, Stuttgart,
1976
[Hin93] Hinz, O.: Experimentelle und numerische Analyse von Rißspitzen-
spannungsfeldern mit Hilfe der digitalen Bildanalysetechnik. Disser-
tation an der Universität-GH Paderborn, 1993
[HM86] Hecker, F.W.; Morche, B.: Computer-aided measurement of relative
retardations in plane photo-elasticity; In: Wieringa, H.; Experimental
Stress Analysis, S.535-542, Martinus Nijhoff Publishers, Dordrecht,
Bosten, Lancaster, 1986
[Hof87] Hoffmann, K.: Eine Einführung in die Technik des Messens mit
Dehnungsmeßstreifen, Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH, 1987
[Kam66] Kambour, R.P.: Die Rolle des Crazing beim Bruchmechanismus von
glasartigen Polymeren, Alterung und Korrosion von Kunststoffen,
Korrosion 20, S. 57 – 64, Verlag Chemie, Weinheim, 1966
[Kam73] Kambour, R.P.: A Review of Crazing and Fracture in Thermoplastics,
Journal of Polymer Science, Macromolecular Reviews 7, (1973) 1
[KB80] Kleinemeier, B.; Boden, H.E.: Das Spannungs-Dehnungsverhalten
von Thermoplasten bei Stoßbeanspruchung. Abschlußbericht zum
Forschungsvorhaben AiF 4094, IKV Aachen, 1980
[Kei95] Keil, S.: Beanspruchungsverhalten mit Dehnungsmeßstreifen,
Cunens Verlag Zwingenberg an der Bergstraße, 1995
[Kön99] König, R.: Anwendung von Spannungsoptik und digitaler
Bildverarbeitung zur Analyse thermisch induzierter Eigenspannungen
in heizelementgeschweißten Kunststoffbauelementen, Diplomarbeit,
Universität Paderborn, Laboratorium für Technische Mechanik,
Institut für Kunststofftechnik, Paderborn 2000
[Kos95] Kosel, H.: Untersuchungen zum Einfluss des Heizelementschweiß-
prozesses auf das Spannungsrissverhalten von PMMA / ABS Heck-
leuchten., Institut für Kunststofftechnik, Universität Paderborn, 1995
[Kre87] Kreiter, J.: Optimierung der Schweißnahtfestigkeit von
Heizelementstumpfschweißungen von Formteilen durch verbesserte
Prozeßführung und Selbsteinstellung, Dissertation an der Universität
Paderborn, 1987
[LS00] Linnenbrock, K.; Schnieders, J.; Ferber, F.; Herrmann, K.P.;
Potente, H.: Determination of Self-Stresses in Hot Plate Welded
Specimen by Use of Photoelasticity and the Hole Drilling Method.
17th DANUBIA-ADRIA SYMPOSIUM on experimental methods in
solid mechanics; October 2000 Prague; Czech Republic
[LS00a] Linnenbrock, K.; Schnieders, J.; Ferber, F.; Herrmann, K.P.;
Potente, H.: Spannungsrißbildung an amorphen Thermoplasten
infolge des Heizelementschweißprozesses; DVM Deutscher Verband
für Materialforschung und –prüfung e.V.; 32. Tagung „Festigkeits- und
Bruchverhalten von Fügeverbindungen“; Februar 2000; Berlin
Literatur 114
[MA72b] Menges, G.; Alf, E.: Beziehungen zwischen der verformungsbe-
dingten Spannungsrißbildung und dem Versagen von Polypropylen.
Kunststoffe 64 (1972) 4, S. 259-267
[Men90] Menges, G.: Werkstoffkunde Kunststoffe, 3. Auflage, Carl Hanser
Verlag, München Wien, 1990
[Mic84] Michel, H.-J.: Untersuchungen zur Verschweißbarkeit unterschied-
licher HD-Polyethylene mittels Heizelementstumpfschweißen,
Dissertation an der RWTH Aachen, 1984
[Mic89] Michel, P.: Parameteroptimierung beim Heizelementschweißen am
Beispiel von HDPE, Dissertation an der Universität Paderborn, 1989
[MM72a] Menges, G.; Michaeli, W.; Rieß, R.: Verformungsbedingte Span-
nungsrißbildung bei Polypropylen in korrosiver Umgebung. Kunst-
stoffberater 10 (1972) 9, S. 791-794
[MP53] Melan, E.; Parkus, H.: Wärmespannungen infolge stationärer
Temperaturfelder. Wien: Springer Verlag, 1953
[MW88] Menges, G.; Weng, M.; Fölster, T.: Der Einfluß von
Eigenspannungen auf das mechanische Verhalten von Kunststoffen
(Teil1). Kunststoffberater, Heft 10 /1988, S.: 40 - 44
[Nat92] Natrop, J.: Rechnergestützte Parameteroptimierung und
Qualitätssicherung in der Serienfertigung am Beispiel des Heizele-
mentschweißens, Dissertation an der Universität Paderborn, 1992
[Ngu98] Nguyen v. S.: Simulation elastisch-plastischer temperaturabhängiger
Deformationszustände in heizelementgeschweißten Bauteilen unter
Berücksichtigung realer Randbedingungen, Diplomarbeit, Universität
Paderborn, Laboratorium für Technische Mechanik, Paderborn 1998
[NN1] N.N.: DIN 53449, Teil 1-3, Prüfen von Kunststoffen, Beurteilung der
Spannungsrißbildung (ESC)
[NN2] N.N.: Heizelementschweißen von Formteilen aus thermoplastischen
Kunststoffen in der Serienfertigung, Richtlinie DVS 2215 Teil 1, DVS-
Verlag GmbH, Düsseldorf, 1998
[NN3] N.N.: ABAQUS User´s Manual: Volume 1 and Volume 3, Version 5.6.
Hibbit, Karlsson & Sorensen, Inc. 1996
[NN4] N.N.: Degalan-(PMMA)-Formmassen. Technisches Datenblatt,
Degussa, 1994
[NN5] N.N.: I-DEAS Master SeriesTM 5.0: Mechanical CAE/CAD/CAM
Software, Structural Dynamics Research Corporation, Milford Ohio,
1997
[Obe80] Oberbach, K.: Kunststoff-Kennwerte für Konstrukteure. Carl Hanser
Verlag, München, 1980
[Opf78] Opfermann, J.: Untersuchungen zur Fließzonenbildung und zum
Bruch von amorphen Thermoplasten, Dissertation an der RWTH
Aachen, 1978
[Ort83] Orthmann, H.J.: Das Spannungsrissverhalten von thermoplastischen
Kunststoffen. Kunststoffe, Heft 2, 73 (1983) 2, S. 96 – 101
Literatur 115
[Pan00] Pannek, H.: Experimentelle Untersuchungen an heizelement-
geschweißten Kunststoffformteilen – eine Synthese der Bohrloch-
methode und der ebenen Spannungsoptik unter Einsatz digitaler
Mess- und Bildverarbeitung, Diplomarbeit, Universität Paderborn,
Laboratorium für Technische Mechanik, Institut für Kunststofftechnik,
Paderborn 2000
[Par59] Parkus, H.: Instationäre Wärmespannungen. Wien: Springer Verlag,
1959
[PB96a] Potente, H., Brüßel, A.: Spannungsrißbildung an heizelement-
geschweißten Heckleuchten, Kunststoffberater (1996), 5, S. 18 - 21
[PB96b] Potente, H.; Brüßel, A.: The Problem of Stress Cracking in Heated
Tool Butt Welded Tail Lights made of PMMA and ABS, 12. Annual
Meeting of THE POLYMER PROCESSING SOCIETY, Sorrento
(1996)
[PB96c] Potente, H.; Brüßel, A.: The problem of stress cracking in heated
tool butt welded tail lights made of PMMA and ABS. Handbook of the
54nd Annual Technical Conference of the Society of Plastics
Engineers, Indianapolis/USA, 1996, pp. 1292-1296
[PB96d] Potente, H.; Brüßel, A.: The problem of stress cracking in heated
tool butt welded tail lights made of PMMA and ABS. International
Institute of Welding Doc. No. XVI-694-96, Budapest/Ungarn, 1996
[Pec82] Pecha, E.: Ökonomisches Heizelementschweißen komplizierter
Formteile, Kunststoffberater 27 (1982) 7/8, S. 13 - 15
[Pec84] Pecha, E.: Trennung auf längere Sicht ausgeschlossen,
Plastverarbeiter 35 (1984) 3, S. 106 - 109
[Pec86] Pecha, E.: Heizelementschweißen von Kunststoffen, Kunststoffe 76
(1986) 4, S. 318 - 323
[Pei66] Peiter, A.: Eigenspannungen 1. Art – Ermittlung und Bewertung.
Michael Triltsch Verlag, Düsseldorf, 1966
[PG80] Potente. H., Gabler, K.: Schweißen unterschiedlicher Thermoplaste,
Plastverarbeiter 31 (1980) 4, S. 203 - 207
[Pie75] Pieschel, D.: Untersuchung zur Optimierung der Wärmekontakt-
schweißverfahren für Plastomere, Dissertation an der RWTH Aachen,
1975
[Pot77] Potente, H.: Theorie des Heizelementstumpfschweißens, Kunststoffe
67 (1977) 2, S. 98 -102
[Pot97] Potente, H.: Fügen von Kunststoffen (Vorlesungsumdruck).
Universität-Gesamthochschule-Paderborn, WS 1997/98
[PP75] Potente, H., Pieschel, D., Brinken, F.: Heizelement-
Hochtemperaturschweißen, Plastverarbeiter 27 (1975) 4, S. 189 –
192
Literatur 116
[PS00] Potente, H.; Schnieders, J.; Herrmann, K.P.; Linnenbrock, K.:
Investigations Concerning the Development of Inherent Stresses
During Welding by Using the Drilled-Hole Method as Well as the
Fenite Element Method. IIW, International Institut of Welding; Com.
XVI „ Polymer Joining and Adhesive Technology“, Italy 2000
[PS99] Potente, H.; Schnieders, J.: Influence of Hot Plate Welding Process
on the Stress Cracking of PMMA and PC; IIW International Institut of
Welding; Com XVI „Polymer Joining and Adhesive Technology“; July
1999; Lissabon
[Püt77] Pütz, D.: Kunststoffe in korrosiven Flüssigkeiten, Dissertation an der
RWTH Aachen, 1977
[RF75] Richard, V.; Franz, E.: Polymethacrylate. Kunststoffhandbuch, Band
IX. Carl Hanser Verlag, München, 1975
[Ric68] Rice, G. R.: Path independent integral and the approximation analy-
sis of strain concentrations by notches and cracks, Journal of Applied
Mechanics 36, S. 379 – 385, 1968
[Ric86] Richard, B. H.: Thermal Stresses I. Vol. I, 2nd. North-Holland, 1986
[Rog82] Rogalla, G.: Ein Beitrag zur Erklärung der „SPANNUNGSRISSBIL-
DUNG“ bei Kunststoffen, Dissertation, RWTH Aachen, 1982
[Sch63] Schmidt, E.: Einführung in die Technische Thermodynamik. 10.
Auflage. Berlin/ Göttingen/ Heidelberg: Springer-Verlag,1963
[Sch72] Schreyer, G.: Konstruieren mit Kunststoffen, Teil 2, Carl Hanser
Verlag, München, 1972
[Sch92] Schmiedel, H.: Handbuch der Kunststoffprüfung; Carl Hanser Verlag,
München Wien, 1992
[Sch98] Schuldt, Th.: Untersuchungen zur Eigenspannungsermittlung beim
Angleichen und Erwärmen sowie beim Fügen von Rechteckplatten
aus PMMA und PC, Diplomarbeit, Universität Paderborn, Institut für
Kunststofftechnik, Paderborn 1998
[SG92] Schnell, W.; Gross, D.; Hauger, W.: Technische Mechanik Bd. 2:
Elastostatik. 4. Auflage. Berlin/ Heidelberg/ New York: Springer-
Verlag, 1992
[SS94] Schmachtenberg, E.; Schöche, N.: Das Spannungsrißverhalten von
Kunststoffen –ein unterschätzter Versagensmechanismus?, Kunst-
stoffe 84 (1994) 9, S. 1165-1170
[Tap89] Tappe, P.: Modellgesetze beim Heizelementstumpfschweißen
teilkristalliner Thermoplaste, Dissertation an der Universität
Paderborn, 1989
[Tar77] Targiel, G.: Bestimmung der Verarbeitungsschwindung und
Eigenspannungsverteilung thermoplastischer Spritzgussteile.
Diplomarbeit am Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV), Rheinisch
Westfälische Technische Hochschule Aachen, 1977
[Tie82] Tiez, H.D.: Grundlagen der Eigenspannungen. Leipzig, VEB Deut-
scher Verlag für Grundstoffindustrie, 1982
Literatur 117
[WB75] Wellinghoff, S., Baer, E.: The Mechanism of Crazing in Polystyrene,
Journal of Macromolecules Science and Physics 11 (1975) 3, S. 367 -
387
[Wüb74] Wübken, G.: Einfluß der Verarbeitungsbedingungen auf die innere
Struktur thermoplastischer Spritzgießteile unter besonderer Berück-
sichtigung der Abkühlverhältnisse. Dissertation an der RWTH
Aachen, 1974
[Wüb75] Wübken, G.: Eigenspannungen in Spritzgießteilen. Plastverarbeiter
19 (1975) 1, S. 17-23
[Zee78] De Zeeuw, K.: Untersuchungen zur Qualitätssicherung von
Kunststoffschweißnähten, Dissertation an der RWTH Aachen, 1978
[Zie75] Zienkiewicz, O. C.: Methode der finiten Elemente, Carl Hanser
Verlag, 1975
Anhang i
9 Anhang
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
22
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Temperatur [°C]
Wärmeausdehnungs-
koeffizient [10-5 x K-1]
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.1: Wärmeausdehnungskoeffizient von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur
[Obe80]
1,000
1,050
1,100
1,150
1,200
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Temperatur [°C]
Dichte [g/cm³]
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.2: Dichte von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0,45
0,5
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Temperatur [°C]
Poisson´sche Zahl [-]
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.3: Poisson´sche Zahl von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur [RF75]
Anhang ii
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Temperatur [°C]
spez. Wärmekapazität [J/g K]
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.4: Spezifische Wärmekapazität von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur
0,15
0,20
0,25
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Temperatur [°C]
Wärmeleitfähigkeit [W/m K]
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.5: Wärmeleitfähigkeit von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur [Men90]
1
10
100
1000
10000
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Temperatur [°C]
Elastizitätsmodul [N/mm²]
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.6: Elastizitätsmodul von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur [RF75]
Anhang iii
0
10
20
30
40
50
60
70
80
0 1 2 3 4
Dehnun
g
[%]
Spannung [N/mm²]
23 °C
40 °C
60 °C
80 °C
100 °C
0
0,0025
0,005
0,0075
0,01
0 1 2 3 4
Dehnung [%]
Spannung [N/mm²]
200 °C
400 °C
gestrichelter Verlauf
wurde extrapoliert
Bild 9.7: Spannungsdehnungsverhalten von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur [NN4]
p = 1 bar
Temperatur [°C]
v [cm³/g]
1,15
1,1
1,05
1
0,95
0,9
0,85
100 200 300 400
Bild 9.8: Spezifisches Volumen von PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur
Temperatur [°C]
α [1/°C]
100 200 300 400
0,0006
0,0005
0,0004
0,0003
0,0002
0,0001
Bild 9.9: Längenausdehnungskoeffizient für PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur
Anhang iv
G [N/mm²]
Temperatur [°C]
100 200 300 400
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
0
Bild 9.10: Schubmodul für PMMA in Abhängigkeit von der Temperatur
TH = 380°C, tE = 11s
-5
0
5
10
15
20
25
30
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²]
ohne Tempern
Tt = 60°C
Tt = 80°C
Tt = 100°C
TH = 380°C, tE = 11s, Tt = 80°C
-5
0
5
10
15
20
25
30
0246810
L [mm]
Spannung [N/mm²]
ohne Tempern
tT = 1h
tT = 3h
tT = 5h
Bild 9.11: Eigenspannungsverläufe nach dem Tempern in Abhängigkeit von der Temperatur
(links) und der Zeit (rechts) für den Werkstoff PMMA
TH = 280°C, tE = 11s
-5
0
5
10
15
20
25
30
0 2 4 6 8 10
x [mm]
Spannung [N/mm²]
ohne Relaxation
tau01=10,8*10^6s
tau02=10,8*10^5s
tau03=10,8*10^4s
Bild 9.12: Eigenspannungsverläufe in Abhängigkeit von den Relaxationskennzahlen für den
Werkstoff PMMA
Anhang v
Tabelle 9.1: Regressionsfunktionen für PP bzw. PMMA
PC PMMA
()
384 T1032,0T1017,183,0T1v ⋅⋅+⋅⋅+= −−
(
)
384 T1023,0T1044,283,0T1v ⋅⋅+⋅⋅+= −−
()
274 T1012,0104,1Tbeta ⋅⋅+⋅= −−
(
)
284 T1081,01091,2Tbeta ⋅⋅+⋅= −−
(
)
2
8
T01,0
T1032,0T23,071,859T1G
⋅−
⋅⋅+⋅−= −
(
)
2
T03,0T13,1125,1890T1G ⋅−⋅−=
()
T5,3701,5625T2G ⋅
−
=
(
)
T5,3299,3919T2G ⋅
−
=
Tabelle 9.2: Weggeregelter Versuchsplan zur Durchführung der Benetzungstests
Heizelement-
temperatur 230°C 280°C 330°C 380°C 430°C
Erwärmzeit Angleichweg Angleichweg Angleichweg Angleichweg Angleichweg
6s 0,2 mm (13) 0,2 mm (22) 0,2 mm (31)
11s 0,2 mm (1) 0,2 mm (7) 0,2 mm (14) 0,2 mm (23) 0,2 mm (32)
16s 0,2 mm (2) 0,2 mm (8) 0,2 mm (15) 0,2 mm (24)
6s
0,4 mm (16) 0,4 mm (25) 0,4 mm (33)
11s 0,4 mm (3) 0,4 mm (9) 0,4 mm (17) 0,4 mm (26) 0,4 mm (34)
16s 0,4 mm (4) 0,4 mm (10) 0,4 mm (18) 0,4 mm (27)
6s 0,6 mm (19) 0,6 mm (28) 0,6 mm (35)
11s 0,6 mm (5) 0,6 mm (11) 0,6 mm (20) 0,6 mm (29) 0,6 mm (36)
16s 0,6 mm (6) 0,6 mm (12) 0,6 mm (21) 0,6 mm (30)
Tabelle 9.3: Druckgeregelter Versuchsplan zur Durchführung der Benetzungstests
Angleichzeit 4 s 4 s 3 s 3 s 2 s
Heizelement-
temperatur 230 °C 280 °C 330 °C 380 °C 430 °C
Angleichdruck Erwärmzeit Erwärmzeit Erwärmzeit Erwärmzeit Erwärmzeit
1 N/mm2 6 s (49) 6 s (58) 6 s (67)
2 N/mm2 6 s (50) 6 s (59) 6 s (68)
3 N/mm2 6 s (51) 6 s (60) 6 s (69)
1 N/mm2 11 s (37) 11 s (43) 11 s (52) 11 s (61) 11 s (70)
2 N/mm2 11 s (38) 11 s (44) 11 s (53) 11 s (62) 11 s (71)
3 N/mm2 11 s (39) 11 s (45) 11 s (54) 11 s (63) 11 s (72)
1 N/mm2 16 s (40) 16 s (46) 16 s (55) 16 s (64)
2 N/mm2 16 s (41) 16 s (47) 16 s (56) 16 s (65)
3 N/mm2 16 s (42) 16 s (48) 16 s (57) 16 s (66)
Lebenslauf
privat: Joachim Schnieders dienstl.:
Lange Trift 5 Verein zur Förderung der Kunststofftechnologie
33100 Paderborn Warburger Straße 100
Tel.: 05293/931078 Tel.: 05251/603936
geboren am 19.05.1970 in Hörstel
verheiratet, 1 Kind
deutsch
SCHULAUSBILDUNG
8/76 – 6/80 Kath. St.-Antonius Grundschule in Hörstel / Bevergern
8/80 – 6/86 Anne Frank Realschule in Ibbenbüren
BERUFSAUSBILDUNG
8/86 – 1/89 Ausbildung zum Kunststoff-Formgeber
Firma SEG Kunststofftechnik in Dreierwalde
Hans-Böckler Berufsschule in Münster
Abschluß: Facharbeiter
BERUFLICHE TÄTIGKEIT
2/89 – 6/89 Facharbeiter in der Firma SEG Kunststofftechnik
FACHBEZOGENE SCHULAUSBILDUNG
8/89 – 6/90 Fachoberschule Technik in Ibbenbüren
Abschluß: Fachhochschulreife
STUDIUM
9/90 – 8/94 Studium der Hochleistungswerkstofftechnik an der
Fachhochschule Osnabrück
6/92 Erhalt des Vordiploms
3/93 – 7/93 Praxissemester in der Firma Engel Maschinenbau
in Schwertberg / Österreich
8/94 Fachhochschulabschluß: Diplom-Ingenieur, Note: 1,2
mit Auszeichnung
10/94 – 12/97 Ergänzungsstudiengang Maschinenbau, Universität
Paderborn, Schwerpunkt Kunststofftechnik
Hochschulabschluß: Diplom-Ingenieur, Note: 1,8
WISSENSCHAFTLICHE / BERUFLICHE TÄTIGKEIT
1/98 – 12/02 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunst-
stofftechnik, Universität Paderborn
Arbeitsgebiet: Schweißen von Kunststoffen
seit 1/03 Angestellter des Vereins zur Förderung der Kunststoff-
technologie e.V. Paderborn
Paderborn, im Dezember 2004