Einfluss von Ozon auf den
Allergengehalt von Graspollen
Von der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften
der Universit¨
at Paderborn
zur Erlangung des Grades eines
Doktors der Naturwissenschaften
Dr. rer. nat.
genehmigte Dissertation
von
Kristin Galler
aus
Bad Driburg
Paderborn, Mai 2003
Die vorliegende Dissertation wurde in der Zeit von Oktober 1998 bis Mai 2003 im
Fachgebiet Technische Chemie und Chemische Verfahrenstechnik der Universit¨
at
Paderborn angefertigt.
Referent: Prof. Dr. H.-J. Warnecke
Korreferent: Prof. Dr. H. Paradies
Tag der Abgabe: 30. 5.2003
Tag der m¨
undlichen Pr¨
ufung: 27.6.2003
Herrn Prof. Dr. H.-J. Warnecke danke ich f¨
ur die interessante, fach¨
ubergreifende
Themenstellung und die gew¨
ahrten Freir¨
aume bei der Bearbeitung der Arbeit.
Herrn Prof. Dr. H. Paradies danke ich f¨
ur die ¨
Ubernahme des Korreferates, die
Beratung bei biochemischen Fragestellungen und die vielen guten Anregungen.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. M. Weiß und allen Mitarbeitern des
sportmedizinischen Institutes, vor allem Dr. Ulrich Deppe, Dr. Maya Vangala,
Barbara G¨
otte und Michaela Langrock f¨
ur die Nutzung des Labors und die freund-
schaftliche Zusammenarbeit.
Dr. Peter Dapprich und Anke Holtzmann, FH Soest, FB Agrarwirtschaft danke
ich f¨
ur die Nutzung des Gew¨
achshauses, Betreuung der Pflanzen und Rat bei
allen Grasproblemen.
Der DSV, besonders Herrn Dr. Feuerstein, Herrn Dr. Bothe und Herrn Dr. Eick-
meyer danke ich f¨
ur Bereitstellung von Pflanzen und Saatgut und das Interesse
an meiner Arbeit.
Dem Landesumweltamt in Essen-Kettwich danke ich f¨
ur Nutzung der Begasungs-
kammern und die Betreuung der Pflanzen.
Frau D. Comisel danke ich f¨
ur jahrelange gute Zusammenarbeit und die M¨
oglich-
keit, Erfahrungen zu sammeln, die ich nicht missen m¨
ochte.
F¨
ur Hilfe bei allen biologischen Fragen, schweren Kisten und Korrekturlesen
m¨
ochte ich Dr. J¨
org-Thomas Franz danken.
F¨
ur die L¨
osung von Tex-Problemen, Tee, Kekse und viel Spaß w¨
ahrend der letz-
ten Jahre danke ich meinen B¨
urokollegen Hermann-Josef Post und Oliver Smits
sowie Joachim Kleine und Petra M¨
uller. Ohne euch w¨
are ich nie so weit gekom-
men.
Mein Dank gilt allen nicht namentlich genannten Mitarbeitern, die mir mit Rat
und Tat zur Seite gestanden haben. Sie trugen durch ein angenehmes Arbeitskli-
ma zum Gelingen dieser Arbeit bei.
Ganz besonders danke ich meinen Eltern f¨
ur ihre Unterst¨
utzung, meinen Schwes-
tern, die mich immer auf andere Gedanken bringen konnten, und Wolfgang.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Aufgabenstellung 1
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Immunsystem und Allergien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.1.1 Das menschliche Immunsystem . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.1.2 Antik¨
orper und ihre Bindungseigenschaften . . . . . . . . . 4
2.1.3 Allergien............................ 6
2.1.4 Allergene und ihre Nomenklatur . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.1.5 Pollen ............................. 10
2.1.6 Allergene des Weidelgrases . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.2 Erh¨
ohte Ozonwerte und ihre Auswirkungen auf Pflanzen . . . . . 16
2.2.1 Erh¨
ohteOzonwerte...................... 16
2.2.2 Auftreten von erh¨
ohten Ozonwerten . . . . . . . . . . . . . 17
2.2.3 Auswirkungen von erh¨
ohten Ozonwerten auf Pflanzen . . . 18
2.2.4 Ozonsch¨
aden an Weidelgras . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.2.5 Pollen und Luftschadstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.2.6 Ozonsch¨
aden an Weidelgraspollen . . . . . . . . . . . . . . 21
3 Material und Methoden 24
3.1 Ozonisierungskammern und Pflanzenmaterial . . . . . . . . . . . . 24
3.1.1 Begasungskammern LUA Essen . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.1.2 Begasungskammern Paderborn . . . . . . . . . . . . . . . . 25
3.2 Biochemische Analytik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.2.1 ELISA (Enzyme linked immunosorbent assay) . . . . . . . 30
3.2.2 Bestimmung des Gesamtproteingehaltes . . . . . . . . . . 31
3.2.3 Elektrophorese ........................ 32
3.2.4 Kapillarelektrophorese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.2.5 Proteinf¨
arbunginGelen ................... 36
3.2.6 Blotting ............................ 37
3.2.7 FTIR-Spektroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.2.8 Extraktion........................... 41
3.3 Pflanzenmaterial ........................... 42
i
INHALTSVERZEICHNIS ii
4 Ergebnisse und Diskussion 44
4.1 Protein- und Allergengehalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
4.1.1 Klimakammern Paderborn . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
4.1.2 Klimakammern Essen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
4.1.3 Fazit.............................. 47
4.2 SDS-Gelelektrophorese und Blots . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
4.2.1 Nachweis der Allergene im Gel . . . . . . . . . . . . . . . . 50
4.2.2 Vergleich ozonisierte und Kontrollextrakte . . . . . . . . . 51
4.3 Kapillarelektrophorese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
4.3.1 Methodenentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
4.3.2 Versuche zur Identifizierung von Allergenen im Elektrophe-
rogramm............................ 55
4.3.3 Vergleich von ozonisierten und Kontrollextrakten . . . . . 57
4.3.4 Fazit.............................. 60
4.4 FTIR.................................. 61
4.4.1 Spektren............................ 61
4.4.2 Vergleich begaste - unbegaste Probe . . . . . . . . . . . . . 62
4.4.3 Fazit.............................. 65
5 Zusammenfassung und Ausblick 67
A Abk¨
urzungsverzeichnis 70
B Begasungsversuche und Pflanzen 71
B.0.4 Lolium multiflorum ...................... 71
B.0.5 Lolium perenne ........................ 71
B.0.6 Lolium westerwoldicum .................... 71
B.0.7 Verwendete Materialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
B.0.8 Lampen in den Klimakammern . . . . . . . . . . . . . . . 72
B.0.9 Kalibrierung der Feuchtesensoren . . . . . . . . . . . . . . 73
C Versuchsdurchf¨
uhrungen 74
C.1 Extraktion der Pollen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
C.2 Proteingesamtbestimmung (Lowry-Test) . . . . . . . . . . . . . . 74
C.3 ELISA................................. 75
C.4 Denaturierende, nicht reduzierende SDS-Gelelektrophorese . . . . 76
C.4.1 Puffer ............................. 76
C.4.2 GießendesGels........................ 76
C.4.3 Vorbereitung der Proben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
C.4.4 Durchf¨
uhrung der Elektrophorese . . . . . . . . . . . . . . 77
C.5 Kolloidale Coomassief¨
arbung..................... 77
C.6 Westernblot im Anschluss an die Gelektrophorese . . . . . . . . . 78
C.6.1 Semidry ............................ 78
INHALTSVERZEICHNIS iii
C.6.2 Kapillarblot.......................... 79
C.7 Immunchemische Detektion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
C.8 Kapillarelektrophorese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
C.9 FTIR.................................. 81
C.10 Chemikalien und Reagenzien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
Literaturverzeichnis 83
Kapitel 1
Einleitung und Aufgabenstellung
Allergien z¨
ahlen in den Industriel¨
andern zu den h¨
aufigsten Krankheiten. Haupt-
ausl¨
oser sind neben Milben (ganzj¨
ahrig) vor allem Pollen von Gr¨
asern und
B¨
aumen (saisonale Allergie). Nach Sch¨
atzungen des ¨
Arzteverbandes deutscher
Allergologen [1] leiden ca. 12 Millionen Deutsche an einer Pollenallergie. Bei
etwa 40 % der Betroffenen entsteht daraus ein Bronchialasthma.
In den letzten Jahrzehnten beobachtet man einen Anstieg der Allergieh¨
aufigkeit,
was auf verschiedene Ursachen zur¨
uckgef¨
uhrt wird. Zum einen f¨
uhren ver¨
anderte
Lebensbedingungen wie mehr Hygiene, weniger Kinderkrankheiten und Parasiten
dazu, dass das Immunsystem weniger gefordert ist. Es kann dann, vor allem bei
genetisch daf¨
ur veranlagten Menschen, auf eigentlich harmlose Stoffe mit einer
Allergie reagieren.
Zum anderen k¨
onnen auch Umweltschadstoffe wie Stickoxide, Ozon oder
Rußpartikel zu Reizungen der Atemwege und damit zu erh¨
ohter Anf¨
alligkeit
f¨
uhren. Luftschadstoffe ”alten Typs“ (SO2, Rußpartikel) der sogenannten Klasse
I f¨
uhren u.a. zu Bronchialerkrankungen. Typisches Beispiel hierf¨
ur war die
DDR. Bronchitis war dort die Hauptatemwegserkrankung, Allergien waren weit
weniger verbreitet als in Westdeutschland, wo Luftverschmutzung vom Typ II
(NOx, Photooxidantien wie Ozon) vorherrschte. In den Jahren nach der Wieder-
vereinigung glichen sich sowohl Luftverschmutzung als auch Allergieh¨
aufigkeit
in Ostdeutschland den Werten der westlichen L¨
ander an [2]. Auswirkungen
von Photooxidantien sind dabei haupts¨
achlich auf Ozon zur¨
uckzuf¨
uhren. Es
ist nachgewiesen, dass Ozon die Lungenfunktion und die Atemwege negativ
beeinflusst [3]. Es kann bei bereits sensibilisierten Individuen die Wirkung von
Allergenen verst¨
arken, eine erh¨
ohte Sensibilisierungsrate unter Ozoneinfluss
konnte aber nicht nachgewiesen werden.
Pollen kommen, w¨
ahrend sie vom Wind transportiert werden, mit Luftschad-
stoffen in Ber¨
uhrung. An ihrer Oberfl¨
ache k¨
onnen sich Partikel anlagern, die
dann gemeinsam mit dem Pollen in die Atemwege gelangen. Gleichzeitig k¨
onnen
1
KAPITEL 1. EINLEITUNG UND AUFGABENSTELLUNG 2
Pflanzen:
Wachstum
und
Pollenreifung
Pollen in der Atmosphäre
Allergene Aerosole
Menschlicher
Organismus
Luftschadstoffe,
Klimafaktoren
Stress / Schädigung
Stress / Schädigung
Anlagerung
Reaktion
Mögliche Änderung: Allergengehalt,
Struktur der Allergene,
Pollenmenge,
Morphologie
Anlagerung von
Anlagerung von
Allergenen an
Partikeln,
Partikel an Pollen
Änderung von Morphologie,
Allergenfreisetzung
Abbildung 1.1: Auswirkungen von Schadstoffen auf Mensch und Pflanze
sich durch Feuchtigkeit freigesetzte Allergene an den Partikeln anlagern. Kontakt
mit Schadgasen kann zu Ver¨
anderungen der Pollenoberfl¨
ache und damit der
Allergenfreisetzung f¨
uhren [4].
Umweltverschmutzung sch¨
adigt neben dem Menschen auch Fauna und Flora.
W¨
ahrend des Wachstums und der Bl¨
uhperiode der meisten Pflanzen im Sommer
treten erh¨
ohte Ozonwerte auf, die f¨
ur die Pflanzen oxidativen Stress bedeuten
und zu ¨
Anderungen in ihrem Stoffwechsel f¨
uhren k¨
onnen. Das kann vermehrte
Bildung von Hormonen oder ”Stressproteinen“ verursachen. In Versuchen an
Birken [5] wurde eine ¨
Ahnlichkeit des Majorallergens Bet v 1 mit Stressproteinen
von Bohne und Petersilie festgestellt. Dies ist ein Hinweis auf eine verst¨
arkte
Expression dieser allergenen Proteine unter Stress. Diese Reaktionen der Pflanze
verbrauchen Energie, so dass weniger f¨
ur den Aufbau von Biomasse oder Pollen
zur Verf¨
ugung steht. K¨
onnen die Abwehrmechanismen den oxidativen Stress
nicht mehr kompensieren, treten Sch¨
aden an den Pflanzen auf, die Auswirkungen
auf Pollenmenge und Einlagerung von Allergenen haben k¨
onnen.
Masuch et al. [6] und Hayek et al. [7] konnten erste Beweise f¨
ur das Auftreten
von erh¨
ohtem Allergengehalt in Gras- bzw. Getreidepollen unter Ozoneinfluss
anf¨
uhren. Die vorliegende Arbeit soll diese Ergebnisse absichern und zur weiteren
Kl¨
arung des Einflusses von Ozonbelastung auf den Allergengehalt von Pollen
beitragen.
Kapitel 2
Theoretische Grundlagen
2.1 Immunsystem und Allergien
2.1.1 Das menschliche Immunsystem
Die Aufgabe des Immunsystems umfasst den Schutz des K¨
orpers vor Viren,
Bakterien und sonstigen Fremdk¨
orpern. Toleranz gegen k¨
orpereigene Stoffe ist
dabei besonders wichtig. Fehlt sie, kommt es zu Autoimmunerkrankungen wie
multibler Sklerose oder rheumatischer Arthritis. Reagiert das Immunsystem auf
eigentlich ungef¨
ahrliche Stoffe, entstehen Allergien.
Die wichtigsten Zellen f¨
ur das Immunsystem sind die Lymphozyten, eine Gruppe
weißer Blutk¨
orperchen. Sie gliedern sich in B-Lymphozyten, auch B-Zellen
genannt, die im Knochenmark heranreifen, und T-Lymphozyten, die im Thymus
reifen. B-Zellen produzieren die Antik¨
orper oder Immunglobuline wie IgM, IgG
und IgE. Die Antik¨
orper sind dann auf der Oberfl¨
ache der B-Zellen gebunden
oder zirkulieren frei in der Blutbahn. Jeder Antik¨
orper bindet spezifisch an
Strukturen (Epitope) auf einem bestimmtem Antigen nach dem Schl¨
ussel-
Schloss-Prinzip.
Um mit der riesigen Menge von verschiedenen Fremdstoffen, die der K¨
orper
abwehren muss, fertig werden zu k¨
onnen, m¨
ussen auch große Variationsm¨
oglich-
keiten f¨
ur die Antik¨
orper gegeben sein. Dazu arbeiten die B-Zellen mit
Rekombination und Mutation der Antik¨
orpergene und k¨
onnen so ¨
uber eine
Million Antik¨
orpervariationen produzieren. Im reifen Zustand entsteht in
jeder B-Zelle nur ein Antik¨
orpertyp, der auf der Zelloberfl¨
ache sitzt. Trifft ein
passendes Antigen auf die Zelle und wird vom Antik¨
orper gebunden, wird die
Zelle aktiv, teilt sich und produziert bis zu 20 Millionen Antik¨
orper pro Stunde.
Die Antik¨
orper neutralisieren zum Beispiel Viren im Blut, indem sie sich an sie
binden, die Andockstellen an gesunde Zellen blockieren und so die Infizierung
von weiteren Zellen verhindern.
Ein wichtiger Faktor des Immunsystems, an dem die Antik¨
orper beteiligt sind,
ist das Komplementsystem. Binden Antik¨
orper an Zellen oder an Bakterien,
3
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 4
werden Enzymen im Blut aktiv, die sogenannten Komplementfaktoren. Sie
binden an die Antik¨
orper, erkennen so die Bakterien bzw. Zellen und t¨
oten sie,
indem sie die Zellmenbran durchl¨
ochern. Die Makrophagen (Fresszellen) haben
ein ¨
ahnliches Erkennungssystem und t¨
oten markierte Zellen [8].
2.1.1.1 Die zellul¨
are Immunantwort
Die zellul¨
are Immunantwort ist gegen Viren und Mikroben gerichtet, die Zellen
infiziert haben und sich in ihnen ”verstecken“. Es gibt einen Mechanismus, der im
ersten Schritt infizierte Zellen identifiziert und im zweiten Schritt Abwehrzellen
dagegen mobilisiert. Wichtig sind hierbei die von fast allen Zellen produzier-
ten MHC-Molek¨
ule (Major histocompatibility complex). Klasse-1-MHC kommen
in allen K¨
orperzellen vor, MHC der Klasse 2 nur in Zellen des Immunsystems.
Sie transportieren Peptide von infekti¨
osen Erregern aus der Zelle an die Zell-
oberfl¨
ache. Diese Komplexe werden von T-Lymphozyten erkannt. Virusinfizier-
te Zellen pr¨
asentieren virale Proteinfragmente zusammen mit MHC-1 auf ihrer
Oberfl¨
ache. Eine Unterart der T-Zelle, der T8-Lymphozyt oder die Zytotoxische
Zelle mit dem passenden Rezeptor t¨
otet die infizierte Zelle ab, so dass sie keine
weiteren Viren produzieren kann. T4-Zellen erkennen Proteinfragmente zusam-
men mit MHC-2 Molek¨
ulen. Sie rufen Entz¨
undungen hervor und stimulieren die
Makrophagen zur Selbstverteidigung.
Eine weitere Untergruppe von T4-Zellen, die T-Helferzellen, steuern die B-Lym-
phozyten. Bindet ein Fremdmolek¨
ul an die oberfl¨
achengebundenen Antik¨
orper
auf einer B-Zelle, wird es ins Zellinnere transportiert, zerlegt und von MHC-2
auf der Zellmembran pr¨
asentiert. Die T4-Helferzelle bindet an diesen Komplex
und signalisiert der B-Zelle durch Botenstoffe, dass sie sich stark vermehren und
Antik¨
orper ins Blut aussch¨
utten soll.
Insgesamt ist bis jetzt aber erst ein Teil des komplizierten Zusammenspiels der
Zellen des Immunsystems verstanden [9].
2.1.2 Antik¨
orper und ihre Bindungseigenschaften
Es gibt beim Menschen f¨
unf Antik¨
orpertypen, Immunglobulin A (IgA), Im-
munglobulin D (IgD), Immunglobulin E (IgE), Immunglobulin G (IgG) und Im-
munglobulin M (IgM). Sie bestehen alle aus einer variablen Region, die f¨
ur die
Bindung der verschiedenen Antigene zust¨
andig ist und einer konstanten Region,
die den Wirkungs- oder Effektormechanismus, zum Beispiel die Bindung an eine
Zelle, erm¨
oglicht. Die Grundeinheiten der Immunglobuline bilden zwei schwere
Ketten, (Index H, heavy chain) mit Molmassen von je 50 kD und zwei leichte
Ketten (Index l, light chain) mit Molmassen von je 25 kD. Sie sind ¨
uber Disul-
fidbr¨
ucken miteinander verkn¨
upft. Inzwischen sind viele Aminos¨
auresequenzen
der Ketten bekannt. Jede besteht aus Untereinheiten von 110 Aminos¨
auren, die
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 5
leichten Ketten enthalten davon 2, die schweren 4 (Cx1-Cx4). Das x steht hier als
Abk¨
urzung f¨
ur den Antik¨
orpertyp, z.B. f¨
ur IgE oder µf¨
ur IgM.
Die aminoterminalen Sequenzen der Antik¨
orper unterscheiden sich stark vonein-
ander. In dieser variablen Region liegen die Antigenbindungsstellen, die Paratope.
Die c-terminalen Untereinheiten sind bez¨
uglich der Zusammensetzung fast kon-
stant. Hier sind auch Kohlenhydratketten angelagert.
Die verschiedenen Antik¨
orpertypen unterscheiden sich in der konstanten Region.
Bei IgE und IgM gibt es zum Beispiel keine Gelenkregion, daf¨
ur eine zus¨
atzliche
Dom¨
ane im konstanten Bereich. Auch die Kohlenhydratgruppen sind unterschied-
lich angeordnet. IgM und IgA k¨
onnen Polymere bilden, IgM vorwiegend Pentame-
re, IgM Dimere. Dadurch bindet IgM besser an sich wiederholende Epitope wie
bakterielle Zellwandpolymere, bei IgA scheint Dimerisierung den ¨
Ubergang durch
die Epithelien zu erleichtern. IgA ist wichtig f¨
ur die Immunit¨
at der Mukosa, IgM
und IgG k¨
onnen das Komplementsystem aktivieren. Die Funktion des IgD ist
noch unbekannt. IgE scheint f¨
ur die Abwehr von Parasiten von Bedeutung zu
sein.
Allergien vom Soforttyp laufen ¨
uber das IgE ab. Es wurde erst 1967 von Jo-
hansson [10] und Ishizaka [11] entdeckt, da es nur in einer Konzentration von
17-450 ng/ml im Serum enthalten ist.
2.1.2.1 Epitope
Die Bindung zwischen Paratop und Epitop beruht auf verschiedenen Prinzipien:
•Wasserstoffbr¨
uckenbindungen,
•Ionenbindung,
•van der Waals Kr¨
afte
•und hydrophobe Wechselwirkungen [12].
Die Affinit¨
at der Bindung kann sehr unterschiedlich sein. Homologe Antigen-
Antik¨
orper-Komplexe mit artspezifischen Antik¨
orpern binden am st¨
arksten. He-
terogene Komplexe mit kreuzreaktiven Antigenen zeigen eine geringere Passge-
nauigkeit, da sie mit dem spezifischen Antigen nur verwandt und nicht chemisch
identisch sind.
Man unterscheidet sequenzielle (oder kontinuierliche) Epitope, die aus 5-8 Ami-
nos¨
auren, die unmittelbar nacheinander auf dem Peptidstrang liegen, und kon-
formationsbedingte, diskontinuierliche Epitope, die durch die Faltungen der drei-
dimensionalen Struktur der Proteine zustandekommen.
Die Spezifit¨
at einer Antigen-Antik¨
orperbindung ist abh¨
angig von der Bindungs-
st¨
arke (Avidit¨
at) und setzt sich zusammen aus:
1. der Affinit¨
at, der monovalenten Bindungsst¨
arke zwischen Paratop und Epi-
top, die ¨
uber die Gleichgewichtskonstante bestimmt wird,
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 6
2. der Multivalenz eines Antik¨
orpers und
3. der Fc-Assoziation von unterschiedlichen Ig-Molek¨
ulen zur Antik¨
orperbin-
dung.
Die Avidit¨
at ist ein eher funktioneller Begriff, der nur ¨
uber die Geschwindigkeit
der Antigen-Antik¨
orperreaktion zu bestimmen ist.
2.1.2.2 Proteine
Proteine sind hochmolekulare Naturstoffe, die aus den 20 nat¨
urlich vorkom-
menden L-Aminos¨
auren aufgebaut sind. Die Sequenz der Aminos¨
auren wird als
Prim¨
arstruktur bezeichnet und ist genetisch vorgegeben. Bei der ribosomalen Pro-
teinbiosynthese wird nach den Informationen, die in der DNA codiert sind, diese
Sequenz aufgebaut. Anschließend sind posttranslative Modifikationen wie Glyko-
sylierung m¨
oglich. Das Ende der Aminos¨
aurekette, das die freie α-Aminogruppe
tr¨
agt, wird als N-Terminus bezeichnet, der C-Terminus hat die Carbons¨
aurefunk-
tion.
Wichtig f¨
ur die physiologischen und chemischen Eigenschaften der Proteine ist
ihre dreidimensionale Struktur. Als Sekund¨
ar- und Terti¨
arstruktur bezeichnet
man periodisch wiederkehrende Faltungen wie die α-Helix oder das β-Faltblatt,
die durch Wasserstoffbr¨
ucken stabilisiert sind. Besteht ein Protein aus mehreren
Peptidstr¨
angen (Untereinheiten), bezeichnet man das als Quart¨
arstruktur. Sie
wird durch Disulfidbr¨
ucken zwischen zwei Cysteinresten, Wasserstoffbr¨
ucken, hy-
drophobe und ionische Wechselwirkungen zwischen den Aminos¨
aureseitenketten
stabilisiert.
Die Struktur der Proteine ist empfindlich gegen ¨
Anderungen von z.B. Tempera-
tur, UV-Bestrahlung, pH-¨
Anderung und Ver¨
anderungen im Salzgehalt [13]. Da-
durch kann es zu einer reversiblen (Um-)faltung mit Verlust der biologischen Akti-
vit¨
at kommen (Ausf¨
allung durch organische L¨
osemittel, Aussalzen). Es kann auch
zur irreversiblen Denaturierung der Proteine, z.B. durch W¨
arme kommen [14].
Da Proteine sowohl saure als auch basische Gruppen im selben Molek¨
ul enthalten,
haben sie amphotere Eigenschaften. Der pH-Wert, bei dem ihre Ladung neutral
ist, wird als isoelektrischer Punkt (pI) bezeichnet.
Proteine erf¨
ullen zahlreichen Aufgaben im Organismus. Es gibt Enzyme, Trans-
portproteine, N¨
ahrstoff- und Speicherproteine, Strukturproteine und Abwehrstof-
fe wie die Immunglobuline. Sie k¨
onnen mit verschiedenen chemischen Komponen-
ten konjugiert sein, wie Lipiden (Lipoproteine), Zuckergruppen (Glykoproteine),
Metallatomen (Metalloproteine) oder Minerals¨
auren [12].
2.1.3 Allergien
Als Allergie [8, 15] bezeichnet man eine ¨
Uberreaktion des Immunsystems
auf einen im Prinzip harmlosen Stoff. Schnell nach Kontakt mit einem al-
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 7
lergieausl¨
osenden Stoff (Allergen) auftretende Reaktionen, Reaktionen des
Soforttyps, werden vom IgE vermittelt. Sie f¨
uhren durch Mastzellaktivierung zu
den typischen Entz¨
undungsreaktionen.
Der typische Ablauf ist folgender: Nach Erstkontakt mit dem Allergen werden
die Fremdmolek¨
ule von Makrophagen aufgenommen und auf ihrer Oberfl¨
ache
pr¨
asentiert. Eine Gruppe von T-Helferzellen erkennt diese Komplexe und sch¨
uttet
Botenstoffe wie z.B. Interleukin 4 aus, die benachbarte B-Zellen, die das Antigen
auch erkannt haben, zur Produktion von spezifischen IgE-Molek¨
ulen anregen.
Diese binden an den Oberfl¨
achen von Mastzellen und basophilen Granulozyten.
Diese Sensibilisierungsphase dauert oft mehrere Jahre, und es erfolgt immer
wieder Kontakt mit dem Antigen, ohne dass eine Erkrankung sichtbar wird.
B-Lymphozyt
Antigen
Spezifisches IgE
Erstkontakt mit Antigen
Zweitkontakt mit dem Antigen
Vernetzung der
gebundenen IgE
Histamin
Mastzellaktivierung
Freisetzung von
Entzündungsmediatoren
1. Beim Kontakt mit Allergen bildet der B-Lym-
phozyt spezifisches IgE
2. Das IgE bindet auf der Oberfläche der
Mastzellen
3. Bei erneutem Allergenkontakt vernetzen
die gebundenen IgEs
4. Entzündungsmediatoren wie Histamin
werden freigesetzt
Mastzelle
IgE Fc RI
IgE-Bindung an
Fc RI auf Mastzellen
Abbildung 2.1: Mechanismus der Typ 1 Allergie
Das passiert erst, wenn ein ausreichend hoher IgE-Spiegel erreicht ist. Bei er-
neutem Allergenkontakt reagiert das Allergen mit dem zellgebundenen IgE, das
vernetzt und die Mastzellen zur Aussch¨
uttung von Histamin anregt. Dieser
Entz¨
undungsmediator l¨
ost Symptome wie Schnupfen, Asthma und tr¨
anende Au-
gen aus. Die Art der Symptome h¨
angt von der Art der Antigenaufnahme ab. Bei
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 8
intraven¨
oser Aufnahme (Medizin, Serum, Gifte) kann es zu systemischer Anaphy-
laxie kommen, bei subkutanem Eintritt (Allergietest, Insektenstiche) zu Quaddel-
bildung, bei oraler Aufnahme (Nahrungsmittelallergie) zu Erbrechen, Durchfall
und Urtikaria und bei inhalativer Aufnahme (Pollen, Milbenallergie) zu Heu-
schnupfen bis hin zu Asthma bronchiale.
Nicht alle Individuen reagieren auf Allergenkontakt mit einer allergischen Reak-
tion. Voraussetzung hierf¨
ur ist zum einen eine genetische Disposition. Den Aller-
gikern gemeinsam ist ein erh¨
ohter IgE-Spiegel, der genau wie die F¨
ahigkeit zur
Bildung von Antik¨
orpern gegen Antigene aus speziellen Pflanzengattungen wie
z.B. Pollen von Ambrosia vererbt wird. Normalerweise betr¨
agt der Gehalt an IgE
im Blut 1 mg/ml, bei schwerer Atopie (oder bei Wurminfektionen) kann er bis auf
1000 mg/ml ansteigen. Atopiker produzieren nach Allergenkontakt IgE; w¨
ahrend
bei ”gesunden“ Individuen IgM, IgG und nur Spuren von IgE gebildet werden.
Sie zeigen eine h¨
ohere Anzahl von Fc-Rezeptoren und davon ist eine gr¨
ossere
Zahl mit IgE belegt als bei Nichtatopikern.
2.1.4 Allergene und ihre Nomenklatur
Allergien werden haupts¨
achlich von Proteinen und Polypeptiden verursacht, ob-
wohl auch Glyco- und Lipoproteine und Polysaccharide als Allergene agieren
k¨
onnen. Dabei reagieren Atopiker nur auf wenige der tausend Proteine, die sie
t¨
aglich aufnehmen. Was ein potentes Allergen auszeichnet, ist noch nicht gekl¨
art,
es gibt aber Voraussetzungen, die f¨
ur alle allergieausl¨
osenden Stoffe gelten.
Nur Proteine l¨
osen eine T-Zellantwort aus, deshalb muss eine Eiweißkomponente
vorhanden sein. Die Allergene diffundieren in die Schleimhaut des Menschen, sie
sollten also leicht wasserl¨
oslich sein und ein nicht zu hohes Molekulargewicht (ca.
5000-100000 Da) haben. Aminos¨
auren und kleinere Peptide sind normalerweise
nicht immunogen. Zudem wirken nur Molek¨
ule mit einer gewissen Komplexit¨
at
als Allergene. Polymerisierte Monoaminos¨
auren sind nicht allergen. Statistisch
gesehen weisen solche Epitope einen hohen ”Antigenindex“ auf, die eher hydro-
phile Aminos¨
auren enthalten, an der Oberfl¨
ache liegen und sich aus verschiedenen
Komponenten zusammensetzen. Sie zeigen wenig β-Faltblattstrukturen und ent-
halten geh¨
auft L-Prolin und L-Glycin [16].
Allergene treffen nur in geringen Dosen auf unser Immunsystem. Bei Pollen wur-
den wenige µg pro Tag berechnet, das sind 0,06 µg allergenes Protein pro Jahr.
Diese geringe Konzentration beg¨
unstigt die Aktivierung von Il-4 (Interleukin 4)
produzierenden CD4-T-Helferzellen.
Einige gut charakterisierte Allergene zeigen Proteaseaktivit¨
at. Das kann dazu
beitragen, dass sie in die Schleimhaut eindringen und CD4-T-Helferzellen akti-
vieren. Einige Proteine werden physiologisch von Adjuventien begleitet, die die
IgE-Synthese beg¨
unstigen. Eine große evolution¨
are Distanz und damit chemi-
sche Differenz zwischen antigen- und antik¨
orperbildendem Individuum scheint
ein weiterer beg¨
unstigender Faktor bei Ausbildung von Allergien zu sein. Um
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 9
die Vernetzung von IgE zu verursachen, ben¨
otigt ein Protein zwei (verschiedene)
IgE-bindende Epitope [17].
Die Allergenit¨
at eines Proteins ist noch schwierig vorherzusagen. Die Analyse von
vierzig Allergenen mit bekannter Struktur zeigt, dass sie fast alle vier Struktur-
familien zugeordnet werden k¨
onnen.
1. Antiparallele β-Str¨
ange: die immunglobulin¨
ahnlich-gefaltete Familie, z.B.
Gras Gruppe 2, Milbe Gruppe 2, Serin Proteasen wie Milbe Gruppe 3, 6
und 9 und Soybean-type Trypsin-Inhibitoren (Ole e 1)
2. Antiparallele β-Faltbl¨
atter direkt verbunden mit einer oder mehr α-Helices:
B¨
aume Gruppe 1, Lipocalin, Profilin, K¨
uchenschabe Gruppe 2
3. α+β-Strukturen, in denen die α- und β-Strukturelemente nicht direkt ver-
bunden sind, wie Milbe Gruppe 1, Lysozym, Lactalbumin, Vespid (Wespe)-
Gruppe 5
4. α-Helices: Fel d 1, Pollen Calmodulin [18]
Auch in diesen Untersuchungen konnten keine f¨
ur Allergene charakteristischen
strukturellen Eigenschaften nachgewiesen werden. Selbst wenn ein Protein einer
der oben genannten Gruppen angeh¨
ort, bedeutet das nicht, dass es ein Allergen
ist.
2.1.4.1 Nomenklatur
Allergene werden gem¨
aß den Regeln der WHO/IUIS (World Health Organisati-
on) (International Union of Immunological Societies) Allergen Nomenklatur [19]
nach den taxonomischen Namen ihrer Quellen bezeichnet. Zuerst kommen die
ersten drei Buchstaben der Gattung, dann der erste Buchstabe der Art und eine
Nummer. Die Nummern werden in der Reihenfolge der Entdeckung des Molek¨
uls
vergeben, dieselbe Nummer wird f¨
ur homologe Allergene aus verwandten Spezi-
es verwendet. Das zuerst entdeckte Allergen des Weidelgrases (Lolium perenne)
heißt demnach Lol p 1, das homologe Protein aus Wiesenlischgras (Phleum pra-
tense) Phl p 1. Reichen die ersten drei bzw. der erste Buchstabe nicht aus, um
die Art oder die Gattung eindeutig anzugeben, wird ein weiterer Buchstabe an-
geh¨
angt, z.B. bei den Wespenallergenen (Vespula vidula Ves vi x und Vespula
vulgaris Ves v x).
Molek¨
ule, auf die mehr als 50 % der Patienten allergisch reagieren, werden als
Majorallergene bezeichnet, auf Minorallergene reagieren nur weniger als 10 % der
Allergiker. Bei verwandten Allergenquellen (Gr¨
asern, Milben usw.) gibt es kreuz-
reaktive Proteine, das heißt, Patienten, die auf eine Art reagieren, reagieren auch
auf die Verwandte, obwohl sie zuvor noch nie Kontakt mit der Spezies hatten.
Antik¨
orper gegen Proteine aus Art 1 binden auch die Proteine der zweiten Art
¨
uber gleiche oder ¨
ahnliche Epitope. Die Pollen vieler Grasarten enthalten z.B.
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 10
ein Protein, das mit Antik¨
orpern gegen Phl p 5 reagiert. Diese Allergene werden
zusammengefasst als ”Gruppe 5-Allergene“ bezeichnet. Die Zusammenfassung
in einer Gruppe beruht vor allem auf ¨
ahnlichen immunologischen Eigenschaften
(Antik¨
orperbindung) und auf ¨
ahnlichen molekularen Massen.
Ein Allergen einer Spezies kann aus mehreren Isoallergenen bestehen. Sie sind
anhand der molekularen Masse nicht zu unterscheiden und werden auch von den-
selben Antik¨
orpern erkannt. Sie haben aber verschiedene isoelektrische Punkte
und unterschiedliche Aminos¨
auresequenzen. Bei einer Sequenzidentit¨
at von 67 %
oder dar¨
uber gelten zwei Proteine als Isoallergene, es gibt aber Ausnahmen und
Grenzf¨
alle [20].
2.1.5 Pollen
Pollen sind die Tr¨
ager des m¨
annlichen Erbguts einer Pflanze. Die Verbreitung
kann ¨
uber Bienen und andere Insekten erfolgen; in diesem Fall sind die Pollen
relativ groß und haften am K¨
orper der Tiere, von denen sie weitergetragen
werden. Insektenbest¨
aubte Pflanzen haben meist bunte, duftende Bl¨
uten. Ihre
Pollen verursachen nur wenige Allergien. F¨
ur den Allergiker relevant sind die
Pollen der windbest¨
aubten (anemophilen) Pflanzen. Sie sind klein, werden durch
die Luft transportiert und vom Menschen eingeatmet. Windbest¨
aubt sind etwa
ein Zehntel der 250 000 Pollenproduzenten, zum Beispiel B¨
aume wie Birke und
Erle, Kr¨
auter, Gr¨
aser und Getreide. Sie produzieren Pollen in großen Mengen.
So enth¨
alt eine Roggen¨
ahre bis zu 4,2 Millionen Pollenk¨
orner [21]. Die K¨
orner
k¨
onnen ¨
uber weite Strecken transportiert werden, Graspollen fliegen bei einem
Wind von 10 m/s bis zu 175 km weit.
2.1.5.1 Aufbau eines Pollenkorns
Pollen sind von einer sehr stabilen Doppelschicht umgeben. Die ¨
außere H¨
ulle, die
Exine, zeigt eine artspezifische Morphologie und besteht aus dem lipophilen Spo-
ropollein, das sehr restistent gegen ¨
außere Einfl¨
usse ist. Pollen k¨
onnen deshalb
mehrere hundert Jahre unbesch¨
adigt ¨
uberstehen. Die innere Schicht, die Intine,
umschließt das Cytoplasma mit den Zellorganellen wie Kern, St¨
arkek¨
orner und
Polysaccaridpartikel. In der Exine gibt es Mikrokan¨
ale, die Exine und Intine ver-
binden, und Poren (bei Gr¨
asern eine), durch die das Pollenschlauchwachstum
m¨
oglich ist [22].
Pollen enthalten etwa 37 % ( [24], keine Einheitsangabe, vermutlich w/w) Koh-
lenhydrat, 20 % Protein, 4 % Lipide, 3 % Mineralien und 36 % Wasser. Wel-
cher Anteil von diesen Komponenten bei w¨
assriger Extraktion in L¨
osung geht,
ist nicht bekannt. St¨
arke wird w¨
ahrend der Pollenentwicklung eingelagert. Bei
Lolium perenne enth¨
alt der reife Pollen nur Amyloplasten mit einem einzelnen
St¨
arkekorn. Auch l¨
osliche Zucker wie Glukose, Fruktose und Sucrose konnten in
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 11
Stärkekörner
Polysaccharid-
partikel
Cytoplasma
Intine
Exine
Abbildung 2.2: Aufbau eines Pollenkorns [23]
Pollen verschiedener Arten nachgewiesen werden [25]. Sie k¨
onnen durch Abbau
der St¨
arke entstehen und h¨
angen mit der Dehydrierung der Pollen zusammen [26].
Die Lokalisation der Allergen in den Pollen ist schwierig, da eine streng wasser-
freie Fixierung notwendig ist, um zu verhindern, dass die wasserl¨
oslichen Allerge-
ne sofort ausgewaschen werden [27]. Allergenfreisetzung erfolgt bei Kontakt mit
Feuchtigkeit, zum Beispiel auf der menschlichen Schleimhaut. Osmotische Kr¨
afte
f¨
uhren zur Freisetzung von St¨
arkek¨
ornern (Amyloplasten) durch die Pore. Die-
se Partikel tragen Allergene an ihrer Oberfl¨
ache [28]. Bei hoher Luftfeuchte und
Regen entsteht ein allergenhaltiges Aerosol in der Luft. Liegen in diesem Aero-
sol Kohlenstoffpartikel (z.B. Dieselruß) vor, k¨
onnen Allergenmolek¨
ule an diese
binden und so eingeatmet werden [29]. Zus¨
atzlich enthalten die Pollen Enzy-
me (Proteasen, Glucosidasen, Lyasen [30]), die die Ephithelzellen der Atemwege
sch¨
adigen k¨
onnen [31]. Die Aktivit¨
at solcher Proteasen konnte in Graspollenex-
trakten nachgewiesen werden [32]. Petersen et al. vermuten, dass Phl p 1 in dieser
Weise wirkt [33].
Die Menge an Allergen im Pollen kann durchaus unterschiedlich sein [34],
abh¨
angig vom Jahr der Pollenernte. Genauso schwankt der Gehalt an Zucker.
2.1.5.2 Entwicklung des Pollens
Acht Stadien der Pollenentwicklung wurden wie folgt definiert [35]:
1. Tetradenstadium, Dauer etwa 5 Tage
2. freie Spore: Mikrosporen (Keimzellen) mit d¨
unner Exine, Durchmesser bei
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 12
Lolium 18 µm, Dauer: weniger als 1 Tag
3. Prevakuolisiertes Stadium: Exine und Pore sind erkennbar, Dauer: weniger
als ein Tag
4. Fr¨
uhes vakuolisiertes Stadium: Vakuolen sind vorhanden, deren Durchmes-
ser bis zur H¨
alfte des Pollenkorns reicht, Dauer ca. 2 Tage
5. Mittleres vakuolisiertes Stadium: Vakuolen f¨
ullen das Korn, ”Siegelring“-
Stadium, Dauer ca. 2 Tage
6. Sp¨
ates vakuolisiertes Stadium: Cytoplasma bildet sich, eif¨
ormiges Pollen-
korn, Durchmesser ca. 28 µm, Dauer ca. 2 Tage
7. Fr¨
uhes Reifestadium: erste Pollenmitose hat stattgefunden, Cytoplasma
f¨
ullt das Korn
8. Sp¨
ates Reifestadium: zweite Mitose hat stattgefunden, Pollenk¨
orner sind
dreizellig, das Cytoplasma mit St¨
arkek¨
ornern f¨
ullt den Pollen, durchschnitt-
licher Durchmesser: 30 µm
Die beiden letzten Stadien dauern zusammen etwa eine Woche, die genaue
Dauer wurde nicht bestimmt. W¨
ahrend dieser Zeit finden zwei Mitosen statt,
und Reserven (St¨
arke) werden eingelagert.
W¨
ahrend des Endstadiums der Pollenreife in den Antheren erfolgt auch die
Einlagerung von Allergenen, beginnend zum Zeitpunkt der Beladung mit St¨
arke.
Die erfolgt etwa 5-6 Tage nach der Meiose, das sind 6 Tage vor der Freisetzung
der Pollen. Das allergene Potential ist beim reifen Pollen dann am gr¨
oßten. Auch
der Proteingehalt steigt w¨
ahrend der Pollenreife st¨
andig an, am h¨
ochsten ist er
in reifen Pollen [36].
2.1.6 Allergene des Weidelgrases
Graspollenallergene im allgemeinen und die des Weidelgrases sind schon lange be-
kannt und gut untersucht [37]. Erste Arbeiten dazu stammen aus den sechziger
Jahren von Johnson und Marsh [38, 39, 40] und wurden in verschiedenen Arbeits-
gruppen weitergef¨
uhrt. Durch Identifizierung von Strukturgenen, die ein Allergen
codieren, konnten die Sequenzen mehrerer Majorallergene ermittelt werden [41].
Die Lage von Epitopen wurde durch Reaktion von verschiedenen Bruchst¨
ucken
mit Antik¨
orpern bestimmt. Sekund¨
ar- und Terti¨
arstrukturen k¨
onnen in einigen
wenigen F¨
allen durch Computersimulation und/oder Vergleich mit bekannten
Proteinen ¨
ahnlicher Sequenz erschlossen werden. Auf ¨
ahnliche Weise werden Aus-
sagen ¨
uber die Funktionen der Allergene in der Pflanze getroffen.
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 13
Bezeichnung Molmasse pI’s Funktion glykos. SwissProt-
Nummer
Lol p 1 27 kD (35) ca. 5 - ja P14946
Lol p 2 11 kD ca. 5 - nein P14947
Lol p 3 11 kD 9-9,4 - nein P14948
Lol p 4 ca. 60 kD 9 - ja
Lol p 5a 31 kD 9 - nein Q40240
Lol p 5b 31 kD 7 Ribunuclease [42] nein Q40237
Lol p 5c 27,5 6,7 - nein Q9SC99
(TrEmbl)
Lol p 10 ? ? Cytochrom c -
Lol p 11 18 5,5 - ja -
Tabelle 2.1: ¨
Ubersicht ¨
uber die Allergene des Weidelgrases (Swissprot:
www.expasy.ch)
2.1.6.1 Lol p 1
Lol p 1 wurde zum ersten Mal 1965 von Marsh und Johnson [38] isoliert und
charakterisiert. Howlett et al. (1981) [43] beschreiben es als Glykoprotein bei 30
kD (5% Kohlenhydratanteil) bestehend aus 3 Isoallergenen mit pIs von 5,1; 5,3
und 5,5; Cottam [44] gibt 1991 die Molmasse mit 31 kD und den pI mit 5,8 an.
Das acide Glykoprotein besteht aus 240 Aminos¨
auren (mature Form), die Mol-
masse betr¨
agt 26,6 kD. Durch die Glykosylierung erscheint es in der SDS-Page bei
35 kD. Die Aminos¨
auresequenz wurde fast gleichzeitig von Perez et al. [45] und
Griffith et al. [46] aufgekl¨
art. Der ¨
uberdurchschnittlich hohe Anteil an Glycin und
Lysin weist auf ein sekretiertes Protein hin. Der saure isoelektrische Punkt (pI)
wird durch 14 Glutamat- und 19 Aspartatreste verursacht, was in Pocaee-Gr¨
asern
sehr verbreitet ist [47]. Die 99 C-terminalen Aminos¨
auren zeigen Sequenz¨
ahnlich-
keiten mit Lol p 2 und 3, die letzten 28 Aminos¨
auren enthalten ein Epitop. Im
N-terminus liegt eine cysteinreiche Region, 7 Cystein an den Positionen 41, 61,
74, 77, 82, 88 und 133 erlauben die Bildung von Schwefelbr¨
ucken zur Struktursta-
bilisierung. Es existieren mehrere Isoformen von Lol p 1 (mindestens zwei) [45],
die sich sehr ¨
ahnlich sind. Nur vier Aminos¨
auren sind verschieden, was sich in
leicht verschiedenen pI’s bemerkbar macht.
Die Kohlenhydratkomponente ist wahrscheinlich f¨
ur die beobachtete Kreuzreak-
tivit¨
at mit Bromelain verantwortlich [48]. Sie besteht aus Glukose, Galactose,
Mannose, Arabinose und N-Acetylglucosamin im Verh¨
altnis 3:3:1:2:2:1 [43]. Ob-
wohl die Sequenz ¨
Ahnlichkeiten mit Proteinasen und Cysteinasen aufweist, zeigt
Lol p 1 keine enzymatische Aktivit¨
at. Durch sein Vorkommen auf der Ober-
fl¨
ache der Pollen wird eine Funktion in der Pollen-Stigma-Erkennung vermutet
[49]. Etwa 95 % aller Graspollenallergiker haben spezifisches IgE gegen Lol p 1.
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 14
Damit ist es das Hauptallergen des Weidelgrases, wo es ungef¨
ahr 10 % des ge-
samten Pollenproteins ausmacht [47]. Durch Modellierung [50] wurde Lol p 1 den
β-Expansinen zugeordnet, einer Stoffgruppe, die vermutlich an der L¨
osung von
Zellw¨
anden und bei Zellvergr¨
oßerungen zum Wachstumsprozess der Pflanze be-
teiligt ist. Die Cellulose bindende Region (CBD) besteht aus zwei β-Faltbl¨
attern,
die in einer Sandwich-Struktur arrangiert sind. Jedes der Faltbl¨
atter enth¨
alt vier
Str¨
ange, einer ist geknickt und geh¨
ort zu beiden Bl¨
attern. Die von den mensch-
lichen Antik¨
orpern erkannten Epitope k¨
onnten in den gleichen Regionen liegen
wie die CBD.
Gruppe 1 Allergene sind stabil und zeigen zellwanddehnende Effekte, aber keine
proteolytischen Eigenschaften [51], obwohl sie strukturell mit den β-Expansinen
verwandt sind [52]. Durch Spaltung von rekombinantem Phl p 1 und ELISA-Test
der Bruchst¨
ucke mit Allergikerseren wurden vier konformationsbedingte Epito-
pe [33] und mehrere sequenzielle Epitope identifiziert, die aber weniger Bedeu-
tung haben. Disulfidbr¨
ucken spielen f¨
ur die Allergenit¨
at eine Rolle. Reduktion
und Carboxymethylierung der SH-Gruppe f¨
uhrt zu einer Reduktion der IgE-
Bindungskapazit¨
at um 25 %.
2.1.6.2 Lol p 5
Das zweite Majorallergen des Weidelgrases ist das Gruppe 5 Allergen. Etwa
90% der Gr¨
aserpollenallergiker haben Antik¨
orper dagegen. In den 60er und
70er Jahren war noch keine Unterscheidung zu Lol p 1 m¨
oglich aufgrund
der sehr ¨
ahnlichen Molmassen der Proteine. Ford [37] entdeckte 1986 durch
Serendetektion im SDS-Page-Blot in der Region zwischen 28 und 35 kD mehrere
sehr reaktive Banden. Erst in den 90er Jahren wurden diese Banden von
verschiedenen Arbeitsgruppen Isoallergenen von Lol p 5 zugeordnet. Zuerst
beschrieben wurde Lol p 5a [53], noch unter der Bezeichnung Lol p 1b. Es
besteht aus 283 Aminos¨
auren, hat eine Molmasse von 31 kD (SDS-PAGE) und
einen pI von ca. 9. Es ist besonders reich an Alanin (23 %) und Prolin (13 %),
nicht glykosyliert und zeigt keine Homologien zu Lol p 1, 2 oder 3, daf¨
ur starke
Kreuzreaktivit¨
at mit Phl p 5 (Gruppe 5 Allergen aus Phleum pratense) was erste
Hinweise zur Einordnung zu den Gruppe 5 Allergenen ergab. Lol p 5a konnte
in den St¨
arkek¨
ornern lokalisiert werden [53]. Es wird als Precursor im Cytosol
synthetisiert und gelangt dann in den Amyloplasten. Die wiederholte Sequenz
Pro-Ala-Thr kann auf eine strukturelle Funktion hinweisen. Weitere vermutete
Funktionen w¨
aren eine Rolle in der Pollenentwicklung, beim Pollenschlauch-
wachstum, bei der Pollen-Stigma-Erkennung oder der St¨
arkemobilisierung
w¨
ahrend der Germination. Transgene Pflanzen, in denen die Expression von Lol
p 5 unterdr¨
uckt wurde, zeigten eine normale Pollenentwicklung, was gegen diese
Theorie spricht [54, 55].
Ong et al. [56] beschrieben 1993 das Lol p 5b, mit einer Molmasse von 31,3
kD (mature form), 314 Aminos¨
aureresten und einem pI von 7,1. Es scheint ein
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 15
Strukturprotein zu sein, worauf eine Alanin-reiche Region hinweist. Zu Lol p
5a ist Lol p 5b 66 % identisch und zu 80 % ¨
ahnlich. Immunologisch sind die
beiden Proteine verschieden, haben aber gemeinsame Epitope. Eine m¨
ogliche
Begr¨
undung w¨
aren artinterne genetische Variationen.
Lol p 5c ist das kleinste der Gruppe 5 Allergene mit 27,5 kD und 276 Aminos¨
aur-
en. Der berechnete pI liegt bei 6,7. Zu Lol p 5a besteht 95 % Sequenzidentit¨
at,
zu Lol p 5b nur 56.6 % [57]. Lol p 5c hat 11 eigene Aminos¨
aurereste, davon ein
Cystein, was zu verschiedener Sekund¨
ar-/Terti¨
arstruktur durch eine zus¨
atzliche
Disulfidbr¨
ucke f¨
uhren kann. Inhibierung von Patientenseren mit Lol p 5c f¨
uhrt zu
einer reduzierten Erkennung von Banden in der 50 kD Region in der SDS-PAGE,
was auf die Bildung von Dimeren oder ein immunologisch verwandtes Protein
hindeutet.
Lol p 5c scheint eine st¨
arkere klinische Relevanz zu besitzen als Lol p 5a, die
IgE-Bindung ist bei 72 % der Patienten stark, w¨
ahrend auf Lol p 5a nur 9,2 %
stark reagieren.
Ragashankar et al. gelang es 2002 [58], die Struktur eines 11 kD-Fragments von
rPhl p 5b (rekombinantes Phl p 5b) mittels R¨
ontgenstrukturanalyse aufzukl¨
aren.
Kristalle von rPhl p 5 wurden durch Dampf-Diffusionstechnik aus einer Mischung
von Proteinl¨
osung und Phosphat (1,6 M, pH 4.0, 0,5 mM MgCl2, 0,1 mM ATP)
gewonnen. Unter den verwendeten experimentellen Bedingungen spalteten sich
von rPhl p 5 zwei Fragmente ab, was auf Verunreinigungen mit einer Protease
oder auf Autoprotolyse zur¨
uckzuf¨
uhren sein kann. Das untersuchte Bruchst¨
uck
zeigte im Patiententest dieselbe allergene Aktivit¨
at wie das Gesamtprotein. Es
besteht ausschließlich aus α-Helices und bildet ein durch eine Schwefelbr¨
ucke
stabilisiertes Dimer. Zwischen den Gruppe 5 Allergenen besteht eine starke
Kreuzreaktivit¨
at durch ¨
Ahnlichkeit in der aminoterminalen Sequenz [59].
Neben diesen beiden Majorallergenen enth¨
alt Weidelgras mehrere weniger
gut erforschte Allergene.
Lol p 2 wurde 1989 von Ansari et al. [60] beschrieben. Es ist ein acides
Protein aus 97 Aminos¨
auren, einem pI von 5,0-5,3 und einem berechneten
Molekulargewicht von 10882 Da (Edman-Abbau). Es besteht aus mindestens
zwei Isoformen [61], die durch Elektrophorese getrennt werden k¨
onnen. Das
Allergen enh¨
alt weder Cystein noch Glutamin, es gibt kein Anzeichen von
Glykosylierung. Etwa 45 % der Allergiker besitzen spezifische Antik¨
orper gegen
Lol p 2 [62], es gibt keine Kreuzreaktivit¨
at mit Lol p 1.
Lol p 3, ebenfalls 1989 von Ansari beschrieben [63], ist Lol p 2 sehr ¨
ahnlich.
Es besteht aus 97 Aminos¨
auren, 57 davon sind mit Lol p 2 gleich (59% Iden-
tit¨
at) [61]. Daraus erkl¨
art sich die starke Kreuzreaktivit¨
at der beiden Allergene.
Lol p 3 ist eine Gruppe von basischen Proteinen (pI 9,0-9,4), die h¨
aufigsten sind
Lol p 3a (pI 9,4) und Lol p 3b (pI 9,0). Die berechnete Molmasse von Lol p 3
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 16
liegt bei 10909 Da. Es enth¨
alt keine Cysteinreste und ist nicht glykosyliert. Lol
p 2 und Lol p 3 haben gemeinsame Segmente mit Lol p 1, zeigen aber keine
Kreuzreaktivit¨
at.
Lol p 4 ist ein Glykoprotein mit einer Molmasse von 57 kD [43, 64] und einem
pI gr¨
oßer 9. ¨
Uber 70 % der Pollenallergikerseren enthalten Antik¨
orper gegen
Lol p 4. Der Kohlenhydratanteil liegt bei 12 %, der Eiweißanteil enth¨
alt 12
Methionin-, 31 Lysin- und 24 Argininreste. Es bestehen Kreuzreaktivit¨
aten zu
Gruppe 4-Allergenen zahlreicher anderer Gr¨
aser [65].
Lol p 11 besteht aus mehreren Isoformen mit einem Molekulargewicht von 18
kD und einem pI zwischen 5 und 6 [66]. Es enth¨
alt einen Kohlenhydratanteil,
der ca. 8 % der Gesamtmasse ausmacht. Bei einigen Patienten treten Antik¨
orper
gegen diesen Kohlenhydratanteil auf, die zu Kreuzreaktivit¨
aten mit anderen Pol-
lenallergenen und auch Nahrungsmittelallergenen f¨
uhren k¨
onnen.
Der Eiweißanteil besteht aus 134 Aminos¨
aureresten, darunter 6 Cysteine, was
zur Ausbildung von drei potentiellen Schwefelbr¨
ucken bef¨
ahigt. Sequenzhomo-
logien zu anderen Grasallergenen sind nicht bekannt. Im Immunoblot wird es
selten erkannt, vielleicht aufgrund von Konformations¨
anderungen w¨
ahrend der
SDS-PAGE.
2.2 Erh¨
ohte Ozonwerte und ihre Auswirkungen
auf Pflanzen
2.2.1 Erh¨
ohte Ozonwerte
Ozon (O3) z¨
ahlt zur Schadstoffgruppe der Photooxidantien zusammen mit PAN
(Peroxyacetylnitrat) oder PPN (Peroxypropionylnitrat). Diese Stoffe entstehen
unter Lichteinfluss in Anwesenheit von NOxvor allem aus fl¨
uchtigen organischen
Kohlenwasserstoffen (VOC). Ozon ist ein farbloses giftiges Gas und wurde 1840
von Prof. Sch¨
onbein (Basel) entdeckt.
Der Hauptanteil des Ozons (90 %) der Atmosph¨
are befindet sich in der Stratos-
ph¨
are (ca. 15-50 km ¨
uber dem Erdboden). Dort absorbiert es die ultraviolette
Strahlung der Sonne (230-295 nm). Die Zerst¨
orung dieser Ozonschicht durch an-
trophogene Spurengase wie FCKW’s bedingt eine Zunahme der UV-B Strahlung
auf der Erdoberfl¨
ache und damit Sch¨
aden an Mensch, Tier und Pflanzen. Die
restlichen 10 % des atmosph¨
arischen Ozons befinden sich in der Troposph¨
are (0-
15 km ¨
uber dem Erdboden). Es wird entweder aus der Stratosph¨
are eingetragen
oder entsteht durch photochemische Prozesse in der Troposph¨
are. Die Bildung
von Ozon erfolgt durch eine von NOxkatalysierte photochemische Oxidation von
CO, Methan oder h¨
oherer Kohlenwasserstoffe.
Aufgrund der Reaktionsmechanismen in Tabelle 2.2 tritt das Tagesmaximum der
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 17
CH4+2O2+ 2 NO →Oxidation von Methan
HCHO + H2O+2NO2
2 NO2→NO + O*Photochemisches NO-NO2
Gleichgewicht
O*+ O2+ M →O3+ M Beim Zusammentreffen von Sauer-
stoffradikal und -molek¨
ul ist ein dritter
inerter Stoßpartner (M) wie Stickstoff
zur Aufnahme von Energie n¨
otig. Fehlt
er, zerf¨
allt das Ozonmolek¨
ul sofort wie-
der.
NO + O3→O2+ NO2Zerfall von Ozon bei Dunkelheit
Tabelle 2.2: Entstehung und Zerfall von Ozon
Ozonwerte um die Mittagszeit auf.
2.2.2 Auftreten von erh¨
ohten Ozonwerten
In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde zum ersten Mal das Auftreten
von photochemischem Smog in Los Angeles beobachtet (deshalb ”Los Angeles-
Smog“). Die Einwohner bemerkten einen sauren, die Augen irritierenden Dunst.
Die Analytik war aufgrund wenig entwickelter Messmethoden nicht einfach. Ozon-
werte wurden z.B. durch das Auftreten und die Tiefe von Rissen in Gummistreifen
bestimmt. In den 50er Jahren wurden dann von Stephens et al. [67] Peroxyace-
tylnitrat (PAN) und Ozon als Hauptbestandteile des photochemischen Smogs
nachgewiesen. In L.A. wurde als Spitzenwert mittags 580 ppb (1160 µg/m3) ge-
messen, in Deutschland sind schon 275 ppb (550 µg/m3) aufgetreten.
Von 1978 bis 1990 hat sich die mittlere Ozonkonzentration von knapp unter
40 ppb auf 50 ppb erh¨
oht. Dabei nahm der Gehalt in Ballungsgebieten und ande-
ren belasteten Gebieten weniger stark zu (1977-1983: 3 %) als in den l¨
andlichen
Gebieten (selber Zeitraum: 16 %). ¨
Uberhaupt f¨
allt auf, dass in Gebieten fern von
Industrie und Verkehr (z.B. auf der Zugspitze) die Ozonwerte h¨
oher liegen als in
Industrieregionen.
In industriellen Regionen kommt es auch nachts zur fortgesetzten Emission von
NO durch Autos und Industrie. Durch NO wird vorhandenes Ozon fast sofort in
O2und NO2umgewandelt. NO2ist langlebiger als O3und kann nachts unzersetzt
¨
uber weite Strecken transportiert werden. Am Tag wird dann unter Lichteinfluss
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 18
Mittelwerte Ozonmesstationen
050 100
1989 1991 1993 1995
µg/m3
Mittelwert aller
Messstationen
verkehrsnahe
Messstationen
städt. Messstationen
ländl. Messstationen
Bergstationen
Abbildung 2.3: ¨
Ubersicht ¨
uber die Ozonwerte in verschiedenen Regionen (Quel-
le: Bundesumweltamt)
wieder Ozon gebildet. In l¨
andlichen Gebieten fehlt NO zum Abbau des Ozons.
Deshalb gibt es an quellfernen Orten oft h¨
ohere Ozonbelastungen als in quell-
nahen. Betroffen sind hier vor allem Reinluftgebiete. Um das Auftreten hoher
Ozonwerte zu verhindern, muss die Emission von Stickoxiden eingeschr¨
ankt wer-
den. Deshalb gilt bei einem Ozonwert von ¨
uber 240 µg/m3im Stundenmittel
Fahrverbot f¨
ur nicht schadstoffarme Fahrzeuge [68].
Ozon beeintr¨
achtigt die Lungenfunktionen [69] vor allem von Kindern [70]
und ¨
alteren Menschen. Entz¨
undliche Schleimhautver¨
anderungen f¨
uhren zu einer
erh¨
ohten Permeabilit¨
at der Schleimhaut [71]. Die allergische Reaktion eines Asth-
matikers kann durch Ozonexposition verst¨
arkt werden, Ozon selbst f¨
uhrt aber zu
keiner Reaktion [72, 73, 3].
2.2.3 Auswirkungen von erh¨
ohten Ozonwerten auf Pflan-
zen
Das Auftreten von Ozonsch¨
aden wurde zum ersten Mal 1952 im Osten der
USA an Tabakpflanzen beobachtet. Die Bl¨
atter zeigten gelbe Verf¨
arbungen und
Chlorosen, die sie zum Einwickeln von Zigarren unbrauchbar machten. In den
50er Jahren konnten diese Ph¨
anomene auf Ozon zur¨
uckgef¨
uhrt werden durch
Vergleiche mit ¨
ahnlichen Sch¨
aden, die an Bohnen beobachtet wurden. Bis 1959
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 19
wurden analoge Krankheiten bei Grapefruit, Spinat, Roggen usw. entdeckt. In
den letzten dreißig Jahren wurde die Sensivit¨
at verschiedener Nutzpflanzen und
B¨
aumen untersucht. Als typische akute Ozonsch¨
aden bei hohen Konzentrationen
wurden weißliche, blasse Flecken, Lesionen und Nekrosen, die zu Streifen zusam-
menwachsen k¨
onnen, beschrieben. Geringf¨
ugig erh¨
ohte Ozonwerte w¨
ahrend der
Wachstumsperiode k¨
onnen zu vorzeitiger Blattalterung und reduzierter Ernte
f¨
uhren [74, 75].
2.2.3.1 Mechanismus der Sch¨
adigung
Der Ozongehalt der Luft wird ¨
ublicherweise 3-5 m oberhalb des Erdbodens be-
stimmt. Der Gehalt, dem die Pflanzen ausgesetzt sind, h¨
angt von weiteren Fakto-
ren ab [Abb. 2.4]. Der aerodynamische Widerstand beruht auf der Bildung einer
Lokale Ozonwerte
Aerodynamischer Widerstand
Aufnahmerate der Stomata
Biochemische Stressabwehr im Amyloplast
Veränderter Stoffwechsel
Abbildung 2.4: Einfluss von Ozon auf Pflanzen
Grenzschicht mit geringer Luftbewegung oberhalb einer Pflanzenschicht. Konvek-
tion von Luftschichten verschiedener Temperatur sorgen f¨
ur Durchmischung der
Atmosph¨
are. Die Rauigkeit einer Pflanzenschicht f¨
uhrt dabei zu Wirbelbildung
und besserer Durchmischung. Glatte Pflanzenschichten wie Wiesen oder Getrei-
defelder erzeugen dabei weniger Wirbel als z.B. W¨
alder mit verschieden hohen
B¨
aumen. In einem Feld gibt es daher gr¨
oßere Ozongradienten [76].
Ozon tritt durch die Stomata in die Bl¨
atter von Pflanzen ein. Die Aufnahmerate
h¨
angt von der Art der Pflanzen und den Umweltbedingungen, vor allem Feuchte,
ab. In der Pflanze l¨
ost sich Ozon zum Teil im Wasser auf den Zelloberfl¨
achen.
Es bilden sich Radikale sowie verschiedene Ionen. Sie k¨
onnen Zellkomponenten
und Membranbestandteile wie Proteine, SH-Gruppen der Aminos¨
auren oxidie-
ren. Laut einer Simulation von Urbach et al. (1989) [77] erreichen noch 80 % des
Ozons die Membran, 18 % das Cytosol und 2 % den Chloroplasten. Die Photo-
synthese wird durch Sch¨
adigung der Struktur der Chloroplasten gest¨
ort. F¨
ur die
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 20
CO2-Fixierung wichtige Enzyme wie Carboxylasen k¨
onnen in ihrer Aktivit¨
at ge-
hemmt werden. Außerdem wird die Permeabilit¨
at von Membranen ver¨
andert [78].
Die Zusammensetzung der Proteine der Plasmalemma zeigt Ver¨
anderungen. Es
wurde ein zus¨
atzliches Protein beobachtet [79]. Assimilat wird in der gestressten
Pflanze anders verteilt als in einer Ungestressten aufgrund von Sch¨
aden an den
Speicherorganen der Pflanze [80].
Da Ozon ein nat¨
urlich vorkommendes Schadgas ist, haben Pflanzen Abwehr-
mechanismen, die Radikale abfangen und dem oxidativen Stress entgegenwir-
ken k¨
onnen [81, 82]. Ascorbat ist ein wichtiger Radikalf¨
anger, es wird zu De-
hydroascorbat oxidiert. ¨
Uber den Glutation-Cyclus wird Ascorbat wiederherge-
stellt. Weitere Abbaumechanismen setzen Carotinoide, Vitamin E und phenoli-
sche Komponenten ein. Erst wenn der Ozonwert so hoch ist, dass diese Systeme
¨
uberfordert sind, treten Sch¨
aden auf. Wann dieser Fall eintritt, h¨
angt von Art,
Variet¨
at und Individuum ab. Wichtige Faktoren sind auch Wasserversorgung,
Temperatur und vor allem Luftfeuchte w¨
ahrend des Ozoneinflusses. Nachts rea-
gieren Pflanzen unempfindlicher als tags¨
uber, wenn die Stomata ge¨
offnet sind.
Pflanzen zeigen bei erh¨
ohten Ozonwerten einen ver¨
anderten Stoffwechsel [83, 84].
Es gibt Aktivit¨
atsver¨
anderungen von Enzymen, die mit Stressabwehr verbunden
sind, wie z.B. Superoxiddismutase (SOD). Die Ethylenproduktion ist deutlich
erh¨
oht [85, 86, 87] und es werden Gene von pathogen-related (PR) Proteinen
aktiviert [88], wie β-1,3-Glucanase [89, 90, 91, 92]. Diese Reaktionen ¨
ahneln den
Abwehrmechanismen gegen virale und mikrobiologische Pathogene [93, 94]. Brei-
teneder und Scheiner [5] zeigten 1998, dass das Gruppe 1 Allergen der Birke,
Bet v 1, weitgehend homolog mit diesen PR-Proteinen ist, was f¨
ur eine Funkti-
on des Allergens in der Stressantwort der Birke spricht. Das eine Stressantwort
mit erh¨
ohtem Allergengehalt durch Luftschadstoffe ausgel¨
ost wird, konnte nicht
nachgewiesen werden [95].
Die Sensitivit¨
at von Pflanzen gegen¨
uber Ozon h¨
angt von der Art, Sorte und Kul-
tivar ab und kann v¨
ollig unterschiedlich sein [96].
2.2.4 Ozonsch¨
aden an Weidelgras
Deutsches Weidelgras (Lolium perenne Manhattan) zeigt bei niedrigen (ambient)
Ozonwerten mittlere Sensitivit¨
at. Die Blattfl¨
achen sind signifikant reduziert [97],
es bilden sich braune Verf¨
arbungen und Nekrosen. Dabei waren ¨
altere und jun-
ge Bl¨
atter weniger betroffen. Bei Italienischem Weidelgras (Lolium multiflorum)
zeigten sich bei Ozonwerten von 90 ppb ¨
uber acht Stunden pro Tag keine sicht-
baren Sch¨
aden. Allerdings ist das Trockengewicht pro Pflanze reduziert, ebenso
wie die Blattfl¨
ache pro Pflanze und das Verh¨
altnis von Wurzel zu Spross. Die
Empfindlichkeit des Blattsystems wird durch eine erh¨
ohte Assimilationsrate kom-
pensiert.
Verschiedene Kultivare einer Pflanzenart k¨
onnen ganz unterschiedlich auf Ozon-
werte reagieren, wie man an Kentucky Blue Gras [98] sieht.
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 21
2.2.5 Pollen und Luftschadstoffe
Untersuchungen zur Wirkung von erh¨
ohten Ozonkonzentrationen auf die Ent-
wicklung von Pollen zeigen, dass die Keimf¨
ahigkeit der Pollen eingeschr¨
ankt sein
kann. In Mais ist der Gehalt an freien Aminos¨
auren im Pollen erh¨
oht, vor al-
lem Alanin, Prolin und Glutamat. Der Gehalt an reduzierenden und neutralen
Zuckern geht nach 5-st¨
undiger Ozonexposition zur¨
uck [99]. Dies kann auf die
verringerte Photosyntheserate zur¨
uckzuf¨
uhren sein. Auch ¨
Anderungen in der All-
ergenit¨
at und der Molmasse der Allergene wurde bei Exposition mit NO2, SO2
und CO beobachtet [100].
Luftschadstoffe wirken auch auf reife Pollen in vitro. Bei Pollen, die mit poly-
aromatischen Partikeln beladen sind, wurde verst¨
arkte Allergenfreisetzung, ver-
mutlich durch morphologische Ver¨
anderungen am Pollen beobachtet. Begasung
mit SO2bei unterschiedlichen Luftfeuchtigkeiten f¨
uhrt zu geringerer Allergen-
freisetzung [4]. Begasung von reifen Maispollen mit Ozon f¨
uhrt zu geringerer
Keimf¨
ahigkeit, einem h¨
oheren Anteil an freien Aminos¨
auren und geringerer Kon-
zentration an reduzierendem Zucker [101]. ¨
Ahnliche Versuche mit Dactylus glome-
rata-Pollen zeigten keinen ver¨
anderten Allergengehalt bei Ozonbehandlung [102].
Auch ultrastrukturelle Ver¨
anderungen wurden beobachtet [103].
2.2.6 Ozonsch¨
aden an Weidelgraspollen
Seit 1994 werden in der Arbeitsgruppe ”Allergene“ der Universit¨
at Paderborn
Auswirkungen von erh¨
ohten Ozonwerten w¨
ahrend der Bl¨
utezeit auf den Aller-
gengehalt und die Entwicklung von Weidelgraspollen untersucht.
2.2.6.1 Allergengehalt
Zun¨
achst wurde in einer Freilandstudie die Wirkung von Ozon auf Wildpflanzen
von Lolium perenne ¨
uberpr¨
uft. Dabei wurde der Gehalt an Gruppe 5 Allergen
von Pflanzenpollen aus Schwerte (industrienaher Standort, niedrige Ozonwerte)
und vom Velmerstot (Reinluftgebiet) verglichen. Die Allergenkonzentration im
Reinluftgebiet betrug 33 ng/µg Gesamtprotein gegen¨
uber 20 ng/µg am Standort
Schwerte. Zus¨
atzlich wurden in Open-Top Chambers am Velmerstot Pflanzen in
gefilterter Luft kultiviert und mit Pflanzen aus dem Freiland verglichen. Auch
hier waren die Allergenwerte unter Ozoneinfluss erh¨
oht [104, 105, 6].
Bei solchen Versuchen muss beachtet werden, dass auch Parameter wie unter-
schiedliche Temperatur, Wasser- und Lichtverh¨
altnisse und Bodenbeschaffen-
heit die Ergebnisse beeinflussen k¨
onnen. Deshalb wurde 1996 Lolium perenne
in Closed-Top Chambers des Landesumweltamtes Essen-Kettwig [Abschitt 3.1]
einer Ozonkonzentration von 130 µg/m3¨
uber den ganzen Tag ausgesetzt. Der Ex-
trakt aus den begasten Pollen zeigt einen h¨
oheren Gehalt an Gruppe 5 Allergen
und einen h¨
oheren Gesamtproteingehalt als die in gefilterter Luft gewachsenen
KAPITEL 2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 22
Vergleichspflanzen.
Dieses Experiment wurde 1997 wiederholt mit einem dem nat¨
urlichen Verlauf der
Ozonwerte angen¨
aherten Programm. Die Belastung mit 130 µg/m3war auf die
Lichtphase begrenzt bei einer durchg¨
angigen Grundlast von 40 µg/m3. In einer
zweiten Versuchsreihe erhielten die Pflanzen 220 µg/m3als Spitzenwert ¨
uber 4
Stunden, so dass die Tagesdosis an Ozon dieselbe war. Der Trend der Ergebnisse
vom Vorjahr wurde best¨
atigt [106].
Gefilterte Luft 130/40 µg/m3O3220/40 µg/m3O3
µg Protein/g Einwaage 117.330 108.740 97.500
µg Gr.5/g Einwaage 1.046 1.325 1.323
ng Gr.5/µg Protein 8,92 12,18 13,56
Tabelle 2.3: Gehalt an Gesamtprotein und Gruppe 5 Allergen in Lolium perenne
Pollen nach 28 Tagen Exposition (1997)
2.2.6.2 Histologische Sch¨
aden
Ozon kann im Pollen eine unvollst¨
andige Entwicklung ausl¨
osen. Die gesch¨
adigten
Pollen lagern in diesem Fall keine St¨
arke ein, was durch Fehlen des Amyloplasten
erkennbar wird. Untersuchungen der Arbeitsgruppe Masuch [108] zeigen, dass
bei kurzzeitigen Spitzenbelastungen wesentlich mehr gesch¨
adigte Pollen vorhan-
den (58 %) sind als in Antheren, die sich in gefilterter Luft entwickeln konnten
(9 %). Bei mittlerer Belastung ¨
uber den ganzen Tag ist die Sch¨
adigung weniger
ausgepr¨
agt (18 %).
Fehlende St¨
arkeeinlagerung wird auch bei Trockenstress w¨
ahrend der Meiose in
Weizen beobachtet [109].
Kapitel 3
Material und Methoden
3.1 Ozonisierungskammern und Pflanzen-
material
3.1.1 Begasungskammern LUA Essen
Das Landesumweltamt Essen verf¨
ugt ¨
uber 12 sechseckige Freilandbegasungskam-
mern (Seitenl¨
ange 1,2 m, Grundfl¨
ache 36,65 m2, H¨
ohe 2,6 m) mit Betonsockel
und einem Glasaufbau mit Fl¨
ugelt¨
uren. Die Pflanzen stehen auf einem Dreh-
teller, der sich sechsmal pro Minute dreht, um einen gleichm¨
aßigen Lichteinfall
zu gew¨
ahrleisten. Beschattung ist ¨
uber Rollos m¨
oglich. Die Luftzufuhr erfolgt an
der Kammerdecke, ein Ventilator mit variabler Drehgeschwindigkeit (0,5-1,5 m/s)
sorgt f¨
ur ausreichende Durchmischung. Die Verweilzeit der Luft in der Kammer
betr¨
agt 2 Minuten. Als Zuluft wird Außenluft verwendet, die durch verschiedene
Filter geleitet wird, zun¨
achst durch einen Regenabweiser, Grob- und Feinstaub-
filter, Aktivkohle, Puratex und Aktivkohle mit KOH zur Oxidation von NO zu
NO2und zur Neutralisation von sauren Bestandteilen der Luft. Die Abluft wird
durch einen Ventilator abgesaugt.
Der Zuluft k¨
onnen je nach Problemstellung verschiedene Schadgase zugesetzt
werden. Ozon wird durch einen Ozonisator (OG5, VTU, Rheinbach) durch elek-
trische Entladung aus reinem Sauerstoff erzeugt. Die in den Kammern erhaltene
Gaskonzentration wird von einem Ozonanalysator (Dasibi, Env. Corp. Colorado,
Typ 1008) ¨
uber UV-Absorption gemessen. Nacheinander werden die Ozonmen-
gen in allen Kammern bestimmt, wobei Teflonventile alle 5 Minuten eine Kammer
weiterschalten. Zum Durchsp¨
ulen der Leitungen sind 3 Minuten notwendig, weite-
re 2 Minuten um den Messwert zu erhalten. Ist- und Sollwerte in den Kammern
werden verglichen und geregelt. Alle 22 h erfolgt eine Kalibrierung des Mess-
ger¨
ates [74].
Vorteile dieser Freiluftkammern sind die naturnahen Licht- und Temperatur-
verh¨
altnisse, die M¨
oglichkeit zur genauen Dosierung verschiedener Schadgase und
24
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 25
Filter-
einheit
Ozon-
messung
O3
SO2
NOX
Abbildung 3.1: Begasungskammern LUA Essen
die große Menge an Pflanzen, die hier exponiert werden k¨
onnen. Allerdings ist
durch die Witterungsabh¨
angigkeit keine Reproduzierbarkeit der Versuche gege-
ben. Die Kammern k¨
onnen nur zwischen Mai und September genutzt werden.
3.1.2 Begasungskammern Paderborn
3.1.2.1 Aufbau
Um das ganze Jahr ¨
uber Pollen von Kontroll- und ozonisierten Pflanzen
gewinnen zu k¨
onnen, wurden zwei Begasungskammern in Betrieb genommen.
Ein Kellerraum garantiert eine gleichbleibende Temperatur von 20 ◦C, ohne dass
Temperierung n¨
otig ist.
Die Kammern (H¨
ohe 170 cm, Breite 130 cm, Tiefe 85 cm) bestehen zur besseren
Beleuchtung aus Plexiglas. Auf einer Lochplatte 10 cm oberhalb des Bodens
stehen die Pflanzen, die Abluft wird darunter direkt in den Abzug gef¨
uhrt.
Die Zuluft liegt unter der Deckenplatte jeder Kammer, eine Lochplatte 10
cm unterhalb sorgt f¨
ur gute Verteilung und Durchmischung in den Kammern
(Abb. 3.2).
¨
Uber Druckminderer und Str¨
omungsmesser (Rotameter) wird ein Luftstrom
von 4-5 m3/h eingestellt, was einem zweimaligen Luftaustausch pro Stunde
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 26
Biolux Biolux
Ozongenerator
Ozonmessgerät
MU
Temp,
Feuchte
Temp,
Feuchte
Abbildung 3.2: Begasungskammern Paderborn
entspricht. Bei der Ozonkammer wird die Zuluft mit ozonangereicherter Luft
vermischt, um Konzentrationen im ppb-Bereich, wie sie nat¨
urlich vorkommen, zu
erhalten. Das Ozon wird in einem Ansyco-Ozonisator aus gefilterter temperierter
Luft durch Aufspaltung von Sauerstoffmolek¨
ulen mit UV-Licht und anschlie-
ßende Rekombination erzeugt. ¨
Uber die manuelle Regelung der Stromst¨
arke
oder durch Steuerung mittels PC k¨
onnen verschiedene Ozonmengen aufgegeben
werden. Die bei einer voreingestellten Luftmenge von 4 m3/h erhaltenen Ozon-
konzentrationen in der Kammer sind in Abbildung 3.3 dargestellt.
Die Ozonwerte werden mit einem Ansyco-Messger¨
at M O3 41 durch UV-
Absorption abwechselnd im Pr¨
ufgas und in ozonfreier (gefilterter) Luft als
Nullabgleich bestimmt. Durch f¨
unf Teflon-Magnetventile und daran ange-
schlossene Teflonschl¨
auche k¨
onnen abwechselnd die verschiedenen Messstellen
- Außenluft, Kontrollkammer und an mehreren Punkten der Ozonkammer -
gemessen werden. Dazu wird der Schlauch zun¨
achst 2 Minuten mit Pr¨
ufluft
gesp¨
ult, dann wird der sich innerhalb von weiteren 40 Sekunden am Messger¨
at
einstellende Wert im PC gespeichert und das n¨
achste Ventil ge¨
offnet.
Der Ozongehalt wird nicht ¨
uber die Messwerte geregelt, da das Messsystem
so tr¨
age ist, dass es zu einer Aufschaukelung kommen k¨
onnte. Stattdessen
werden ¨
uber den PC Stromwerte f¨
ur den O3-Generator abh¨
angig von der
Tageszeit vorgegeben. Der Generator erzeugt dann einen relativ konstanten
Ozonwert (+-10 ppb) in der Kammer. Es k¨
onnen der Natur nachempfundene
Tagesprogramme gefahren werden, nachts kann der Ozonwert auf null gedrosselt
werden. Der Messrechner erfasst zus¨
atzlich zu den Ozonwerten die Temperatur
und die Luftfeuchte in jeder Kammer.
Pflanzen brauchen Licht mit hohem Rotanteil, um die Lichtreaktion in ihren
Bl¨
attern ablaufen zu lassen. Daher befinden sich ¨
uber jeder Kammer 10 Leucht-
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 27
4 6 8
10 12 14 16 18 20 22
100
150
200
250
300
350
400
450
500
mit Beleuchtung
Volumenstrom 40 %
Ozon in 140 cm Höhe
Ozon in 85 cm und 20 cm Höhe
Ozon [ppb]
Strom [mA]
Abbildung 3.3: Ozonwerte in Abh¨
angigkeit vom Generatorstrom
stoffr¨
ohren Biolux (Osram), deren Emissionsspektrum dem des Sonnenlichtes
¨
ahnelt, aber wesentlich weniger intensiv ist. Die Luxwerte nehmen vom Boden
der Kammern hin zu den Lichtquellen ann¨
ahernd exponentiell zu (Abb. 3.4).
0
1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Lux
Höhe über dem Boden [cm]
Abbildung 3.4: Lichtmenge in Abh¨
angigkeit von der H¨
ohe der Klimakammer
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 28
3.1.2.2 Verteilungsversuche
In den leeren Kammern werden zun¨
achst Versuche zum Anfahr- und Durch-
mischungsverhalten durchgef¨
uhrt. Um die Ozonverteilung ¨
uber die H¨
ohe zu
bestimmen, wurden im Zuluftstrom, in der Mitte der Kammer (85 cm) und
20 cm ¨
uber dem Boden je eine Messstelle eingerichtet und Ozon gemessen.
Nach etwa 30 Minuten ist die Ozonkonzentration konstant. Die ”Spitzen“, die
in der Zuluft auftreten, h¨
angen mit Schwankungen in der Druckluftversorgung
zusammen. Sie verschwinden in der Kammer aufgrund der Konvektion.
0 2 4 6 8
10
0
50
100
150
200
250
Aussenluft
unteres und mittleres Drittel
oberes Drittel Ozonkammer
Volumenstrom 4 m
3
/h
Beleuchtung an
O3
[ppb]
Zeit /h
(a) Verlauf der Ozonwerte
0 5
10 15 20
0
5
20
25
Temperatur Vergleichskammer
Temperatur Ozonkammer
Temp [°C]
Zeit /h
0
20
40
60
80
100
Luftfeuchte Vergleichskammer
Luftfeuchte Ozonkammer
Feuchte [%]
(b) Temperatur und Feuchte
Abbildung 3.5: Ozonwerte, Temperatur und Luftfeuchte in leeren Begasungs-
kammern
Das Einschalten der Lampen f¨
uhrt zu einem Ozongradienten. Im oberen Drittel
liegt der Wert je nach Ausgangswert 30-50 ppb h¨
oher als im Rest der Kammer,
vermutlich durch eine leichte Aufheizung der oberen Luftschicht. Obwohl der
W¨
armeeintrag der Neonr¨
ohren nur wenige Watt betr¨
agt, reicht er offenbar aus,
um die Durchmischung zu behindern [Abb. 3.5]. Graspflanzen erreichen das obere
Drittel der Kammern nicht, daher kann die dortige schlechte Durchmischung
vernachl¨
assigt werden.
Um die horizontale Vermischung zu ¨
uberpr¨
ufen, werden in 40 cm H¨
ohe ¨
uber dem
Boden Messstellen angebracht, in der Mitte der Kammern und am Rand. Nach
wenigen Minuten liegen identische Ozonkonzentrationen vor.
Bei den Durchmischungsversuchen muss die Tr¨
agheit des Messsystems ber¨
uck-
sichtigt werden. Es dauert etwa 3 Minuten, bis ein aktueller Ozonwert vorliegt,
so dass ¨
uber kleinere Zeitintervalle keine Aussage getroffen werden kann.
Befinden sich Pflanzen in den Kammern, so sind die Str¨
omungsverh¨
altnisse
v¨
ollig anders. Bei einj¨
ahrigem Weidelgras, das etwa 30 cm hoch wird, gibt
es nur geringe Einfl¨
usse auf die Durchmischung. Wenn man zwischen den
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 29
Pflanzen Ozonwerte ermittelt, liegen die Konzentrationen um 20 ppb niedriger
als oberhalb der Pflanzenschicht.
0 5
10 15 20
-10
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
Vergleichskammer
Aussenluft
oberhalb der Pflanzen
zwischen den Pflanzen
O3
[ppb]
Zeit /h
(a) Verlauf der Ozonwerte mit Bepflanzung
0 5
10 15 20
0
5
10
15
20
25
30
Temperatur Ozonkammer
Temperatur Kontrollkammer
Temp [°C]
Zeit /h
20
40
60
Luftfeuchte Ozonkammer
Luftfeuchte Kontrollkammer
Feuchte [%]
(b) Temperatur und Feuchte
Abbildung 3.6: Typische Ozonwerte, Temperatur und Luftfeuchte in Bega-
sungskammern mit Bepflanzung im Tagesverlauf
Bei hohen Gr¨
asern (bis 80 cm) muss zus¨
atzlich ein Ventilator eingesetzt werden,
um den Ozonwert ¨
uber die Grundfl¨
ache der Kammer konstant zu halten. In der
H¨
ohe besteht immer noch ein Ozongradient [Abb. 3.6]. Die Bl¨
uten sind etwa 10
cm h¨
oher als der Pflanzenk¨
orper und wachsen st¨
andig, so dass es schwierig zu
beurteilen ist, welcher Ozonwert f¨
ur eventuelle Sch¨
aden ausschlaggebend ist. In
den Kammern in Essen wird der Ozonwert weit oberhalb der Gr¨
aser bestimmt,
so dass auch hier der Ozonwert ¨
uber den Pflanzen angegeben wird.
Die Temperaturen in Ozon- und Vergleichskammer sind fast ¨
uber den ganzen
Tag identisch. Durch die Lampen bedingt gibt es einen Unterschied von 1,5 ◦C
zwischen Nacht- und Mittagstemperatur. Die Luftfeuchte, die in leeren Kammern
etwa 10 % betr¨
agt [Abb. 3.5], steigt durch die Verdunstung der Pflanzen an.
W¨
ahrend des Tages werden so je nach Luftdurchsatz und Gr¨
oße der Pflanzen bis
zu 60 % Luftfeuchte erreicht [Abb. 3.6].
In den Ozonkammern sind Licht- und Temperaturverh¨
altnisse reproduzierbar,
und es k¨
onnen ¨
uber das ganze Jahr Pollen erzeugt werden.
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 30
3.2 Biochemische Analytik
3.2.1 ELISA (Enzyme linked immunosorbent assay)
Der ELISA beruht auf dem Vorhandensein von spezifischen Antik¨
orpern gegen
ein Antigen und deren selektive Bindungseigenschaften. In der einfachsten Form
wird das interessierende Antigen an eine Festphase (¨
ublicherweise eine Mikroti-
terplatte mit hoher Proteinbindungskapazit¨
at) gekoppelt. Ein enzymmarkierter
Antik¨
orper bindet selektiv an das Antigen. Nachdem in einem Waschschritt nicht
gebundene Antik¨
orper entfernt wurden, kann ¨
uber eine Farbreaktion das Antigen
quantifiziert werden [16].
Es existieren zahlreiche Varianten des ELISA. Hier kommt der sogenannte
Sandwich-ELISA zum Einsatz. Daf¨
ur werden zwei Antik¨
orper ben¨
otigt, die gegen
verschiedene Epitope des Antigens gerichtet sind. Der eine Antik¨
orper wird als
Fangantik¨
orper an die Festphase gekoppelt und bindet das Antigen aus der im
n¨
achsten Schritt zugegebenen Probe. Der zweite Antik¨
orper ist mit einem Enzym
markiert. Er bindet an das Antigen. Der Nachweis erfolgt durch ein Substrat, das,
wenn es vom Enzym umgesetzt wird, einen Farbumschlag zeigt. Eine Standard-
reihe bekannter Konzentrationen dient zur Kalibrierung. Durch diese Anordnung
l¨
asst sich die Genauigkeit gegen¨
uber dem einfachen ELISA stark verbessern [15].
Man erh¨
alt eine Kurve der optischen Dichte abh¨
angig von der Konzentration ¨
ahn-
lich Abbildung 3.7. Zur Auswertung k¨
onnen nur Proben herangezogen werden,
die im linearen Bereich der Kurve liegen, da nur dort geringe Konzentrations¨
ande-
rungen gen¨
ugend starke Ver¨
anderungen der optischen Dichte bewirken.
Verwendet man statt direkt enzymmarkierter Antik¨
orper das Biotin-Avidin-
System, wird die Sensitivit¨
at des Assays erh¨
oht. Biotin, auch bekannt als Vitamin
H, hat eine besondere Affinit¨
at zu Avidin (Affinit¨
atskonstante 1015 M-1), vier Bio-
tinmolek¨
ule k¨
onnen an jedes Avidin binden. Durch kovalente Bindung mehrerer
Biotinmolek¨
ule an den Detektionsantik¨
orper kann das Signal amplifiziert werden
[110]. Avidin wird heute in den meisten F¨
allen durch Streptavidin, ein Produkt
des Pilzes Streptomyces avidinii, ersetzt. Es hat ¨
ahnliche Eigenschaften wie Avi-
din, neigt als Glykoprotein aber weniger zu unspezifischen Bindungen, und sein
pH-Wert ist ann¨
ahernd neutral [111]. Am Streptavidin ist Meerettichperoxidase
(POD) gebunden. POD ist eins der am h¨
aufigsten eingesetzen Detektionsenzyme
im ELISA. Es bildet aus dem Substrat o-Phenylendiamin (OPD) einen gelben
Farbstoff, der beim Abstoppen der Reaktion mit S¨
aure in orange umschl¨
agt und
bei 492 nm vermessen wird.
F¨
ur Graspollenallergen steht ein ELISA f¨
ur Phl p 5, das Gruppe 5-Allergen von
Phleum pratense zur Verf¨
ugung. Aufgrund der Kreuzreaktivit¨
at zwischen den
Gruppe 5-Allergenen der Gr¨
aser wird auch Lol p 5 erkannt. Zur Erstellung der
Standardkurve wird ein definfierter Extrakt von Phleum pratense-Pollen verwen-
det.
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 31
Konzentration
Beschichten einer Mikrotiterplatte
mit primärem Antikörper
Zugabe des Antigengemisches
Zugabe des enzymmarkierten
sekundären Antikörpers Entwicklung durch
Zugabe von Substrat,
das vom Enzym farbig
umgesetzt wird
Optische Dichte
Probe 1
Probe 1
Probe 1
Probe 2 Probe 2
Probe 2
Abbildung 3.7: Schema eines Sandwich-ELISA
3.2.2 Bestimmung des Gesamtproteingehaltes
Die Bestimmung des Proteingehaltes der L¨
osung ist ein entscheidender Schritt
zur Charakterisierung eines Allergenextraktes, da er als Bezugsgr¨
osse f¨
ur weitere
Analysen wie ELISA und SDS-Elektrophorese dient. Zur Gesamtproteinbestim-
mung gibt es zahlreiche Methoden. Die wichtigsten sind die Proteinbestimmung
nach Bradford und nach Lowry.
3.2.2.1 Proteinbestimmung nach Bradford [112]
Der Bradford-Test beruht auf der Reaktion des aciden Farbstoffs Coomassieblau
mit Arginin und anderen basischen und aromatischen Aminos¨
auren in Protei-
nen. Das Absorptionsmaximum verschiebt sich von 465 nm (braun) nach 595
nm (blau). Durch Vergleich mit einer Kalibrierkurve (meist Rinderserumalbu-
min, BSA) wird der Proteingehalt der Probe bestimmt. Ungenauigkeiten treten
durch verschiedene Zusammensetzung von Standard- und Probenprotein auf. Bei
unterschiedlichem Gehalt an basischen und aromatischen Aminos¨
auren werden
unterschiedliche Farbstoffmengen gebunden. Beim Bradford-Assay werden nur
Proteine mit Molmassen gr¨
osser 3-5 kD erfasst.
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 32
3.2.2.2 Proteinbestimmung nach Lowry [113]
Die Lowry-Methode ist ebenfalls ein colorimetrischer Test. Er beruht auf der
Komplexierung von Cu2+-Ionen durch die Peptidbindung. Dieser Komplex
unterst¨
utzt die Reduktion von Molybdat bzw. Wolframat aus dem Folin-
Ciocalteau-Phenol Reagenz durch Tryptophan und Tyrosin. Dabei findet
vermutlich eine Reduktion des Cu2+ aus dem Kupfer-Protein-Komplex zu Cu+
statt. Die charakteristisch blaue Farbe entsteht durch Abspaltung von ein bis
drei Sauerstoffatomen von Folins Reagenz. Der Farbumschlag wird bei 650 nm
vermessen.
Vor allem der Anteil an Tyrosin, Tryptophan, Cystein und Histidin bestimmt die
St¨
arke der Farbentwicklung. Der Lowrytest ist sehr st¨
oranf¨
allig, zahlreiche in der
Proteinchemie h¨
aufig verwendete Reagenzien beeintr¨
achtigen die Genauigkeit.
Durch verschiedene Modifikationen wurde aus dem Lowry-Test ein Mikroassay
entwickelt, der stabiler und genauer ist [114].
K¨
onnen Beeintr¨
achtigungen des Assays ausgeschlossen werden und sieht man von
einigen Ausnahmen ab, k¨
onnen bei verschiedenen Bestimmungsmethoden f¨
ur das
gleiche Protein immer noch Abweichungen zwischen 5 und 20 % auftreten. Bei
Rohproteinl¨
osungen sind die Unterschiede noch gr¨
osser. Daher ist die Angabe der
Testmethode, die zu einem Ergebnis gef¨
uhrt hat, sehr wichtig.
3.2.3 Elektrophorese
Als Elektrophorese bezeichnet man die Wanderung von geladenen Teilchen in
einem homogenen elektrischen Feld. Das urspr¨
ungliche Verfahren wurde von Ti-
selius in den 30er Jahren entwickelt. Er trennte Seren in einem mit Puffer gef¨
ullten
U-Rohr und wies so zum ersten Mal nach, dass Proteine Makromolek¨
ule mit de-
finierter Gr¨
osse, Ladung und Form sind. Darauf aufbauend wurden verschiedene
Verfahren etabliert, die heute in der Bioanalytik, der Molekularbiologie und der
forensischen Medizin Anwendung finden.
Wichtigste Weiterentwicklung ist die Elektrophorese in por¨
osen Medien wie Aga-
rosegel (Hjerten 1961) und Polyacrylamid (PA) (Raymond und Weintraub 1959).
Durch die Porenstruktur der Gele werden die Teilchen abh¨
angig von der Gr¨
osse
retardiert, so dass eine Trennung nach Masse-Ladungs-Verh¨
altnis erfolgt. Agaro-
segele werden vor allem in der Immunelektrophorese (Rocket-E.) und zur Tren-
nung von DNA-Fragmenten eingesetzt. In der Proteinanalytik haben sich PA-
Gele durchgesetzt, sie sind stabiler als Agarosegele, inert und transparent. Durch
Variation von PA-Konzentration und Vernetzungsgrad kann die Porengr¨
osse ein-
gestellt werden, um verschiedene Trennprobleme zu optimieren.
Proteine als amphotere Substanzen werden bei der Elektrophorese nach ihrem
effektiven Radius und der Ladung getrennt. Je nach eingesetztem Puffersystem
variieren die Ladungen und es kann sein, dass basische Proteine aus dem Gel her-
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 33
1
2
3
-
-
-
-
-
-
-
-
--
-
-
---
--
-
--
-
-
--
-
-
-
Proteine in verschiedenen
Größen, mit SDS ver-
kocht
E
-
+
Abbildung 3.8: Schema einer SDS-Gelektrophorese
auswandern und nicht erfasst werden. Zur Molmassenbestimmung von Proteinen
m¨
ussen die Ladungen der Proteine Ӭ
uberdeckt“ werden. Das passiert durch Ko-
chen mit dem anionischen Detergenz Natriumdodecylsulfat (SDS). Ein Gramm
Protein bindet ca. 2,4 g SDS. Es entstehen Micellen mit negativer Ladung, die zur
Anode wandern. Bei der SDS-Elektrophorese nach Laemmli mit einem Puffersys-
tem aus HCl/Tris und Glycin l¨
asst sich ¨
uber einen weiten Bereich eine lineare
Beziehung zwischen Wanderungsgeschwindigkeit und Molmasse der Proteine er-
halten.
Eine moderne Variante der Elektrophorese ist die Kapillarelektrophorese (CE).
Sie findet tr¨
agerfrei in Kapillaren mit Innendurchmessern um die 100 µm statt.
Als Trennmedien werden w¨
assrige Puffersysteme eingesetzt. Die Detektion er-
folgt ¨
ublicherweise durch UV-Absorption, Fluoreszenz oder auf elektrochemi-
schem Weg [16].
3.2.4 Kapillarelektrophorese
Die Kapillarelektrophorese beruht auf demselben Prinzip wie die tr¨
agerfreie Elek-
trophorese im offenen Rohr. Seit Anfang der achtziger Jahre sind zuverl¨
assige und
automatisierte Ger¨
ate erh¨
altlich, so dass die CE zunehmend in der Routineana-
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 34
lytik eingesetzt wird. Wichtig hierf¨
ur war die Entwicklung von Kapillaren mit
einem Innendurchmesser von 100 µm und weniger. Durch das kleine Oberfl¨
ache-
zu-Durchmesser-Verh¨
altnis gibt es wenig Konvention und die gute W¨
armeabfuhr
erm¨
oglicht das Anlegen hoher Spannungen. Die Kapillare wird mit einem w¨
ass-
rigen Puffer gef¨
ullt, der den pH-Wert ¨
uber die Trennstrecke konstant h¨
alt und
den Ladungstransport gew¨
ahrleistet. Im sauren pH-Bereich werden h¨
aufig Citrat-
oder Phosphatpuffer eingesetzt, im basischen Borat oder Tris. Es kommen auch
zwitterionische Puffersubstanzen wie MOPS, MES oder CAPS zum Einsatz [16].
3.2.4.1 Aufbau der CE
Grundbestandteile der CE sind die Kapillare, Detektor, Spannungsquelle, zwei
Elektroden und Puffervials. An modernen Ger¨
aten sind ¨
ublicherweise auch ein
Fraktionssammler, automatischer Probenaufgeber und eine M¨
oglichkeit zur Tem-
perierung der Kapillare vorhanden [Abb. 3.9].
Die Spannungsquelle in der CE kann entweder mit konstantem Strom oder mit
konstanter Spannung betrieben werden. Dabei werden Spannungen bis zu 30 kV
und Stromst¨
arken um die 100 mA verwendet. H¨
ohere Spannungen k¨
onnen zu
Problemen durch Entladung am Geh¨
ause oder durch Luftfeuchte f¨
uhren. Die
Spannungsrichtung kann umgekehrt werden, da je nach Anwendung Detektion
an der Kathoden- oder Anodenseite notwendig ist.
Als Kapillarmaterial wird ¨
ublicherweise amorpher Quarz (fused silica) eingesetzt.
Er ist UV-transparent zur Detektion und chemisch stabil ¨
uber einen weiten pH-
Bereich. Der Innendurchmesser einer Kapillare liegt bei 50-100 µm, der Außen-
durchmesser bei ca 350 µm. Daher wird die Oberfl¨
ache der Kapillare mit einer
Polyimidschicht gesch¨
utzt und stabilisiert. Am Detektorfenster muss diese Schicht
entfernt werden.
Um keine Bandenverbreiterung zu erzeugen, d¨
urfen nur geringe Probenvolumina
(einige Nanoliter) mit hoher Reproduzierbarkeit aufgegeben werden. Dies kann
elektrokinetisch oder hydrodynamisch (durch Druck auf der Eingangsseite oder
Vakuum auf der Detektorseite) geschehen. Die Druckinjektion ist heute am ge-
br¨
auchlichsten, wobei Standardabweichungen von etwa 1 % bei der Probemenge
erzielt werden. Bei der elektrokinetischen Injektion wird die Probe durch Anlegen
einer Hochspannung elektrophoretisch und -osmotisch in die Kapillare transpor-
tiert. Die Probemenge ist dabei abh¨
angig von der Mobilit¨
at ihrer Ionen. Technisch
ist das leicht zu realisieren und bei gleicher Probe gut reproduzierbar, bei unter-
schiedlichen Matrices aber nicht sinnvoll, da Unterschiede in der Probenmenge
um den Faktor 100 auftreten k¨
onnen. Bei gelgef¨
ullten Kapillaren ist hydrodyna-
mische Injektion nicht m¨
oglich, daher wird hier die elektrokinetische angewendet.
Zur Detektion werden je nach Anwendung verschiedenste Methoden eingesetzt,
vor allem UV-Absorption, Diodenarray, Fluoreszenz- oder Leitf¨
ahigkeitsmessung
oder elektrochemische Detektion.
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 35
Fluss
Kapillare, 20-100 cm
Hoch-
spannungs-
quelle
Detektor
Outlet PufferInlet Puffer/
Probeninjektion
+
+
+
+
+
+-
-
-
-
--
Abbildung 3.9: Aufbau einer Kapillarelektrophorese
3.2.4.2 Verfahren
Legt man an eine mit Puffer gef¨
ullte Kapillare eine Hochspannung an, wandern
die Kationen am Detektor vorbei zur Kathode. Aber auch Neutralteilchen und
Anionen k¨
onnen in der CE aufgrund des elektroosmotischen Flusses (EOF) erfasst
werden. Die Silanolgruppen auf der inneren Kapillarwand sind je nach pH-Wert
negativ geladen und ziehen Kationen aus dem Puffer an. Es bildet sich eine Ionen-
schicht, deren positive Ladungsdichte mit der Entfernung von der Wand exponen-
tiell abnimmt. Diese innere Helmholtz- oder Stern-Layer ist praktisch statisch.
Weiter entfernt von der Wand liegt die outer Helmholtz Plane (OPL), eine diffu-
se Ionenschicht. Ionen aus der OPL wandern zur Kathode und ziehen durch ihre
Hydrath¨
ulle Wassermolek¨
ule mit sich. Aufgrund der Koh¨
asionskr¨
afte des Wassers
bewegt sich der gesammte Puffer in Richtung Kathode und erm¨
oglicht auch die
Detektion von neutralen und negativ geladenen Teilchen. Der EOF tr¨
agt nicht zur
Peakverbreiterung bei wie die Str¨
omung in der HPLC, da praktisch ein plug-flow
angenommen werden kann.
3.2.4.3 CE von Proteinen
Nach der Theorie von Debey-H¨
uckel h¨
angt die Mobilit¨
at µvon Teilchen von ihrer
Ladung q, dem Stokesschen Radius r und der Viskosit¨
at h des Umgebungsmedi-
ums ab [115].
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 36
Bei Proteinen werden r und q von der dreidimensionalen Struktur der Molek¨
ule
bestimmt. Sie ist schwer vorherzusagen und ¨
andert sich durch An- und Abwe-
senheit von Co-Faktoren und mit der chemischen und physikalischen Umgebung.
Ein weiteres Problem sind Wechselwirkungen mit den W¨
anden der Kapillare.
Bei Kapillaren aus fused silica beschreibt Gleichung 3.1 die Deprotonierung der
Silanolgruppen:
[SiOH]s↔[SiO−] + [H+] (3.1)
Der pK-Wert dieser Reaktion liegt zwischen 4,5 und 5. Bei pH-Werten unterhalb
von 4 sind die Silanolgruppen protoniert, es gibt keine elektrostatische Adh¨
asion
der Proteine, wohl aber hydrophobe Adsorption, die zu Anlagerung an der Ober-
fl¨
ache f¨
uhrt. Zwischen pH 4 und 8 variiert der EOF stark und damit der Einfluss
auf die Migrationszeit der Proteine. Deshalb arbeitet man bevorzugt unterhalb
von 4 oder oberhalb des pI-Wertes der Proteine, so dass alle anionisch/neutral
vorliegen.
Versuche, Allergene mittels CE zu trennen und zu analysieren wurden vor allem
von Pacakova (Biene, Gras) [116], Besler (H¨
uhnerei) [117] und Chen (Latex) [118]
unternommen. Problematisch ist das Fehlen kommerziell erh¨
altlicher gereinigter
Pollenallergene als Vergleichsubstanzen.
3.2.5 Proteinf¨
arbung in Gelen
Nach der Elektrophorese m¨
ussen Proteine durch unspezifische F¨
arbung im Gel
sichtbar gemacht werden. Hierf¨
ur gibt es zwei Standardmethoden, die Impr¨
agnie-
rung mit metallischem Silber (Silberf¨
arbung) und die F¨
arbung mit organischen
Farbstoffen, vor allem Coomassie-Blau. F¨
ur die Silberimpr¨
agnierung gibt es ver-
schiedene Methoden, zum Beispiel von Oakley (1980) mit ammoniakalischer Sil-
berl¨
osung, die Silbernitratf¨
arbung von Merril et al. (1981) oder nach Blum et al.
(1987). Die Silberf¨
arbung bietet die gr¨
oßte Empfindlichkeit von allen Methoden,
das Gel kann aber anschließend nicht f¨
ur Blots o.¨
a. weiterverwendet werden. Au-
ßerdem ist die Reproduzierbarkeit problematisch, da die erhaltene Farbintensit¨
at
stark von der Einwirkzeit abh¨
angt [110].
Bei der konventionellen Coomassief¨
arbung mit Coomassieblau R250 bindet der
Triphenylmethanfarbstoff im sauren Medium vor allem durch elektrostatische
Wechselwirkungen an freie geladene Amino- und Iminogruppen der Proteine. Die
Farbintensit¨
at korreliert mit dem Gehalt an Lysin-, Arginin- und Histidinresten.
Die F¨
arbung erfolgt direkt in der Fixierl¨
osung, Hintergrundf¨
arbung wird durch
anschließendes Waschen entfernt. Die Nachweisgrenze der Methode liegt bei 0.3-1
µg/Bande.
Bei der kolloidalen Coomassief¨
arbung wird Coomassieblau G250, eine methylsub-
stituierte Form von R250 mit reduzierter L¨
oslichkeit im sauren Medium, verwen-
det. G 250 kann als kolloidale L¨
osung auf das Gel aufgebracht werden. Der gel¨
oste
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 37
Anteil f¨
arbt die Proteine, die Hauptmasse dringt aber nicht ins Gel ein, so dass
praktisch keine Hintergrundf¨
arbung entsteht. Somit ist kein Auswaschen mehr
n¨
otig. Außerdem ist die Empfindlichkeit der Methode deutlich h¨
oher als die der
urspr¨
unglichen Coomassief¨
arbung, das Gel ist f¨
ur nachfolgende densiometrische
Auswertung geeignet und kann auch geblottet werden. Man muss beachten, dass
das Gel nicht dicker als 1 mm ist, die Proben gut vorbereitet sind und vollst¨
andig
ins Gel einwandern. Das Gel darf nicht ¨
uberladen werden und sollte lange genug
(¨
uber Nacht) im F¨
arbebad bleiben, um eine gleichm¨
aßige F¨
arbung zu erzielen.
3.2.6 Blotting
Die Fixierung von Proteinen auf Membranen zur anschließenden Immunde-
tektion, Massenspektrometrie oder Aminos¨
aureanalyse wird als ”Blotting”
(auftropfen) bezeichnet. Im einfachsten Fall, dem Dot-Blotting, wird eine Pro-
teinl¨
osung auf eine Membran aus PVDF (Polyvinyldifluorid) oder Nitrocellulose
aufgetropft. Die Proteine haften durch physikalische Wechselwirkungen. Man
ben¨
otigt je nach Eiweißkonzentration zwischen 0,2 und 10 µl L¨
osung. Die
Membran wird anschließend mit BSA oder Magermilchpulver geblockt, um
unspezifische Bindung an freien Bindungsstellen der Membran zu verhindern. Im
n¨
achsten Schritt reagieren die immobilisierten Antigene mit einem spezifischen
Antik¨
orper, der mit einem enzymmarkierten Detektionsantik¨
orper ¨
uber eine
Farbreaktion (¨
ahnlich dem ELISA-Prinzip) sichtbar gemacht wird. Auf diese
Weise kann schnell getestet werden, ob eine L¨
osung ein bestimmtes Antigen
enth¨
alt oder es kann die Reinheit eines Antigens ¨
uberpr¨
uft werden. Vorausetzung
ist das Vorhandensein spezifischer Antik¨
orper.
Nach einer Elektrophorese ist es m¨
oglich, Proteine zur weiteren Untersuchung
aus dem Gel zu eluieren. Oft entstehen dabei Probleme durch zu geringe
Proteinkonzentration, Verunreinigungen durch Gelbruchst¨
ucke oder zu große
Mengen Salze oder Detergenzien; große oder sehr hydrophobe Proteine eluieren
schlecht.
Deshalb entwickelten Renart und Tombin (1979) [119] eine Methode zur direkten
¨
Ubertragung aus dem Gel auf eine Membran mittels elektrischer Spannung,
wobei das Proteinmuster des SDS-PAGE-Gels erhalten bleibt. Dieser ”Western-
blot“ wird heute in verschiedenen Varianten durchgef¨
uhrt. Die bekanntesten
sind Tank- und Semidry-Blot. Beim Tankblot wird ein vertikaler Puffertank ver-
wendet, in dem die Elektroden in gegen¨
uberliegenden W¨
anden angebracht sind.
Gel und Membran sind zwischen Filterpapieren in einer Kassette eingeklemmt.
Bei konstantem elektrischen Feld wandern die negativ geladenen Proteine aus
dem Gel auf die Membran. Der Strom steigt dabei von 500 mA am Anfang stetig
an, so dass zur K¨
uhlung gr¨
oßere Mengen an Puffer (ca. 2 l) n¨
otig sind [16].
Beim Semidry-Blot liegen Gel und Membran zwischen puffergetr¨
ankten Filter-
papieren horizontal zwischen den Elektrodenplatten [Abb. 3.10]. Es wird weniger
Strom angelegt (ca. 1 mA/cm2), der w¨
ahrend des Blots ansteigt. Gasentwicklung
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 38
Graphitplatte
Graphitplatte
Filterpapier mit
Puffer
Filterpapier mit
Puffer
Gel
Membran
Kathode
Anode
Abbildung 3.10: Schematischer Aufbau des Blotsandwich beim Semidry-
Verfahren
aus dem Wasser kann das Blotsandwich auseinanderdr¨
ucken, deshalb wird es mit
einem Gewicht beschwert. Diese Variante hat sich immer mehr durchgesetzt, da
sie sparsamer im Pufferverbrauch ist und die Proteine mehr an der Oberfl¨
ache
der Membran bleiben, wo sie leichter detektiert werden k¨
onnen.
Bei beiden Methoden entstehen Probleme bei sehr großen Proteinen, die das
Gel schlecht verlassen. Zu hohe Spannungen k¨
onnen dazu f¨
uhren, dass kleine
Proteine die Membran durchschlagen und der Detektion verlorengehen.
3.2.7 FTIR-Spektroskopie
Schwingungsspektroskopie wird in den verschiedensten Bereichen biochemischer
Analytik (Lebensmittelanalytik, Medizin oder Mikrobiologie) und zur Kl¨
arung
unterschiedlichster Fragestellungen eingesetzt. Bedeutend f¨
ur die Ausweitung
der Anwendungsm¨
oglichkeiten gerade der IR-Spektroskopie war die Entwicklung
der Fourier-Transformations-Infrarot Spektroskopie in der Mitte der 80er Jah-
re. Der Aufbau eines FT-IR ist in der Literatur beschrieben [120]. Grunds¨
atz-
lich wird dabei das gesamte Interferogramm ¨
uber einen Wellenzahlenbereich er-
fasst und anschließend mittels Fourier-Transformation in ein Spektrum ¨
uberf¨
uhrt.
Vorteile gegen¨
uber der konventionellen IR-Technik ist eine bessere Ausnutzung
der Lichtintensit¨
at und damit ein besseres Signal-Rausch-Verh¨
altnis. Spektren
k¨
onnen schneller (ca. 1 Minute, je nach Aufl¨
osung) und mit großer Empfindlich-
keit bei hoher Wellenzahlpr¨
azision aufgenommen werden.
Bei Makromolek¨
ulen k¨
onnen nicht wie ¨
ublich Normalschwingungen ausgewer-
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 39
tet werden, sondern es werden Gruppenschwingungen betrachtet. Das heißt, ein
Molek¨
ul wird in einzelne Gruppen und Bindungen zerlegt, die in erster N¨
ahe-
rung unabh¨
angig voneinander schwingen. Gerade die IR-Spektren von Prote-
inen sind gut erforscht und k¨
onnen zu Vorhersagen der Sekund¨
arstruktur her-
angezogen werden. Verschiedene Banden konnten den Schwingungen des Pep-
tidger¨
ustes oder den Seitenketten zugeordnet werden. Miyazawa et al. [121] er-
forschten ab 1958 an N-Methylacetamid die Schwingungsmoden des Peptidr¨
uck-
grates, die sogenannten Amidbanden. Wichtig f¨
ur Strukturvorhersagen ist dabei
vor allem die Amid 1-Bande, die aus C=O-Streck-, C-N-Streck-, und C-C-N-
Deformationsschwingungen besteht. Die genauen Werte der Wellenzahlen sind
von der Umgebung der Proteine, vor allem von der Ausbildung von Wasserstoff-
br¨
ucken abh¨
angig. Gerade in Gemischen, wie sie typischerweise bei biologischen
Proben vorliegen, ist die Auswertung einzelner Banden durch starke ¨
Uberlage-
rungen problematisch. Man kann aber Regionen einteilen, in denen bestimmte
Absorptionsbanden liegen. Tabelle 3.1 zeigt verschiedene Schwingungsmodi und
ihre Wellenzahlen.
Da in komplexen biologischen Proben die Betrachtung von einer Bande oder
Wellenzahl [cm-1] Art der Schwingung
≈3500 -OH, Hydroxylgruppe
≈3200 NH-Streckschw. aus Protein (Amid A)
≈2959 CH-Str., assym. aus CH3Methylgruppen
≈2934 CH-Str. assym. aus CH2Methylengruppen
≈2921 CH-Str. aus Methylengruppen von Fetts¨
auren
2898 CH-Str. aus CH-Gruppen
2872 CH-Str. assym. aus Methylgruppen
2852 CH-Str. assym. aus Fetts¨
auren
1741 C=O aus Estergruppen
1715 C=O str. protonierter Carbonylgruppen, Carbons¨
auren
1695, 1685, 1675 Amid 1, verschiedene Komponenten,
≈1655 Amid 1, α-Helix
˜1637 Amid 1, β-Faltblatt
1550 Amid 2
1515 Schwingung von Tyrosinresten in Proteinen
≈1470 CH-Beugeschwingungen von CH2
≈1400 C=O symm. von Carbons¨
aureresten
1310-1240 Amid 3
1200-900 Ringschwingungen von Kohlehydraten
900-600 Fingerprint-Region
Tabelle 3.1: Typische IR-Absorptionsbanden [122]
Intensit¨
at nicht ausreicht, um die vorhandene Heterogenit¨
at zu erfassen, werden
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 40
statistische Methoden wie z.B. die Clusteranalyse angewandt, die im folgenden
Kapitel dargestellt wird.
3.2.7.1 Clusteranalyse
Als Clusterananlysen bezeichnet man Klassifizierungsmethoden, um ausgehend
von Distanzmatrizes die zu klassifizierenden Objekte in Klassen einzuteilen. ¨
Ahn-
liche Objekte werden dabei zusammengefasst, un¨
ahnliche weit voneinander ge-
trennt. Man unterscheidet hierarchische und nichthierarchische Verfahren. Erstere
k¨
onnen aufsteigend oder absteigend sein. Bevorzugt werden hierarchische Verfah-
ren angewendet, da angenommen wird, sie beschreiben am besten die inh¨
arenten
hierarchische Struktur der Klasseneinteilung in einem Datensatz.
Der typische Algorithmus einer hierarchisch aufsteigenden Methode sieht wie folgt
aus:
1. Anhand eines ¨
Ahnlichkeitsmaßes werden die zwei ¨
ahnlichsten Objekte zu
einem Cluster zusammengefasst.
2. Die Abst¨
ande des neuen Clusters zu den restlichen Objekten wird bestimmt.
3. Wie in 1. werden die beiden ¨
ahnlichsten Objekte zusammengefasst.
4. Es folgt eine erneute ¨
Ahnlichkeitsberechnung usw.
So wird verfahren, bis alle Objekte in einem Cluster fusioniert sind [123]. Die
AB C D E F G
Abbildung 3.11: Beispiel eines Clusters
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 41
spektrale Distanz zweier Spektren y1und y2kann zum Beispiel ¨
uber den Pear-
son’schen Produktmoment Korrelationskoeffizient r ausgedr¨
uckt werden.
ry1,y2=(Pn
i=1 y1,i ∗y2,i)−ny1∗y2
q(Pn
i=1 y2
1,i −ny2
1)∗(Pn
i=1 y2
2,i −ny2
2)(3.2)
y1,i, y2,i: y-Werte der Spektren, z.B. Extinktionswerte bei Wellenzahl i
n: Anzahl der Datenpunkte
Aus r kann dann die spektrale Distanz d berechnet werden:
dy1,y2= (1 −ry1,y2)∗1000 (3.3)
r kann dabei Werte zwischen null (keine ¨
Ahnlichkeit), eins (identische Objekte)
und minus 1 (vollst¨
andige negative Korrelation) annehmen. Alternativ k¨
onnen
spektrale Abst¨
ande durch z.B. euklidische Distanzen im zweidimensionalen Fak-
torraum ausgedr¨
uckt werden. Verschiedene Clusteranalyseverfahren unterschei-
den sich in der Berechnung dieser Distanzen. Bei ”Average Linkage“ entsprechen
die Fusionswerte im Dendogramm in etwa den urspr¨
unglichen Distanzen. Die Ent-
fernung eines neuen Clusters zum Cluster iwird hier durch einen ungewichteten
Mittelwert bestimmt:
dneu,i = 1/2(dpi+dqi) (3.4)
Beim Ward’schen Algorithmus ist ein ”Zuwachs an Heterogenit¨
at“ ein Maß f¨
ur
den Abstand. Er wird ¨
uber Quadratsummen gebildet, daher wachsen die Werte
rasch an und sind von der Anzahl der Spektren abh¨
angig. Die erhaltenen Werte
kann man nicht mehr als Distanzen interpretieren.
Problematisch ist bei allen Verfahren, ob und inwieweit sie die Realit¨
at richtig
wiedergeben. Der Cluster in Abbildung 3.11 wurde mit ”Average Linkage“ er-
stellt. Auf den ersten Blick scheint A weit außerhalb der anderen ”Spektren“ zu
liegen, die Trennung zwischen den beiden Clustern erfolgt aber zwischen AB-
CD und EFG. Die Objekte D und E, obwohl sehr ¨
ahnlich, driften immer weiter
auseinander. Deshalb pr¨
uft das Programm Opus intern, ob ganz am Anfang der
Analyse zwei Spektren n¨
aher zusammenliegen als nach dem Zusammenschluss.
Wenn sie noch nicht verbunden sind, gibt das Programm eine Warnmeldung aus
[124].
Eine Entscheidung, welcher Algorithmus f¨
ur welches Probenkollektiv am geeig-
netsten ist, kann nur durch Versuch und Irrtum getroffen werden. Bei komplexen
biologischen Proben haben sich aber vor allem ”Average Linkage“ und Wards
Algorithmus bew¨
ahrt.
3.2.8 Extraktion
In der Literatur werden zahlreiche Methoden zur Extraktion von Allergenen aus
Pollen beschrieben. Dabei kommen verschiedene Extraktionspuffer wie Coca’s
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 42
L¨
osung oder Ammoniumhydrogencarbonat zur Anwendung. Ebenso variieren das
Verh¨
altnis Pollen zu Puffer und die Dauer und Bedingungen der Extraktion.
Wichtig sind milde Bedingungen, um die Strukturen der Allergene und die Epi-
tope weitgehend zu erhalten, und zu vermeiden, dass sie von Proteasen abgebaut
werden. Dazu sind 4 ◦C ausreichend - zumindest bei Pollenallergenen. Bei ein-
facher Hydratation wird der Großteil des IgE-bindenden Proteins schon nach
den ersten 10 min in L¨
osung gehen [125]. Verwendet man Detergenzien, liegt
mehr allergisch irrrelevantes Protein im Extrakt vor. Maasch et al. untersuchten
die Zeitabh¨
angigkeit bei der Allergenextraktion [126]. Bereits nach 5 Minuten
waren alle Allergene in L¨
osung nachweisbar, eines (Gruppe 2) war sogar schon
vollst¨
andig extrahiert. Der Gehalt an Gruppe-1 stieg bis zu 13 Stunden an, ebenso
wie der Proteingehalt, der noch 48 Stunden leicht ansteigt. Proteolytische Zerset-
zung konnte unter den gew¨
ahlten Bedingungen (4 ◦C) nicht beobachtet werden.
Die geeigneten Extraktionsbedingungen sind also ein Kompromiss aus schonender
Behandlung der Proteine und vollst¨
andiger Gewinnung der Allergene.
3.3 Pflanzenmaterial
Weidelgras (Lolium) wird hier als Modellpflanze genutzt, da es eine große Bedeu-
tung als Futterpflanze im gem¨
aßigten Klima (Europa und Australien) hat und
Sensibilisierung gegen Weidelgraspollen weit verbreitet ist. Die Pollen lassen sich
aufgrund der schlanken ¨
Ahren und des großen Ertrags gut gewinnen. Die Allerge-
ne der Weidelgraspollen sind schon gut erforscht (siehe Kapitel 2) und Antik¨
orper
sind kommerziell erh¨
altlich. Weidelgras kommt in drei Hauptarten vor, mehrj¨
ahri-
ges (Lolium perenne, Deutsches Weidelgras), ¨
uberj¨
ahriges (Lolium multiflorum,
Welsches Weidelgras)und einj¨
ahriges Weidelgras (Lolium westerwoldicum).
3.3.0.1 Lolium perenne
Lolium perenne ist ein ausdauerndes wintergr¨
unes Horstgras, das vor allem im
Seeklima gut gedeiht. Die Bl¨
utezeit beginnt im Mai bis Juni und zieht sich ¨
uber
den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein. Lolium perenne kommt vor al-
lem auf Grasland, Wegen, Rainen, Rasenfl¨
achen und Graspl¨
atzen vor, da es sehr
trittfest ist. Als wichtiges Futter- und Weidegras vertr¨
agt es Verbiss sehr gut und
w¨
achst rasch nach. Es ist in Nordamerika, Nordafrika und im gem¨
aßigten Asien
eingeb¨
urgert worden. Sch¨
adlich f¨
ur Lolium perenne sind Frost, eine ausgedehnte
Schneeperiode und Trockenheit.
Lolium perenne kommt nur nach dem Winter zur Bl¨
ute. Nach der Aussaat und
einer gewissen Anwachszeit muss es einem k¨
unstlichen Winter (Vernalisation)
ausgesetzt werden (ca. 7 ◦C f¨
ur 6 Wochen), langsam wieder an Temperaturen
um 20 ◦C gew¨
ohnt werden und dann durch Lichtperioden l¨
anger als 16 Stunden
pro Tag (Langtagpflanze) die Bl¨
ute induziert werden. Dies ist im Gew¨
achshaus
KAPITEL 3. MATERIAL UND METHODEN 43
problematisch, die Pflanzen erholen sich nach der K¨
alteperiode oftmals schlecht,
die Vernalisation ist nicht erfolgreich oder die Pollenertr¨
age sind gering, wenn
¨
uberhaupt vorhanden.
3.3.0.2 Lolium multiflorum
Lolium multiflorum ist ein ein- bis mehrj¨
ahriges Horstgras, das bis zu 1 m hoch
werden kann. Nach dem Schnitt w¨
achst es schnell nach und schiebt neue Bl¨
uten.
Es ¨
uberwintert je nach Witterungsbedingungen ein oder mehrmals. Deshalb ist es
nicht f¨
ur Grasland geeignet. Zur Gr¨
unfuttergewinnung wird es h¨
aufig angebaut,
da es hohe Ertr¨
age liefert.
Auch Lolium multiflorum muss vernalisiert werden, um zu bl¨
uhen. Bei Entnahme
aus dem Freiland nach dem Winter bl¨
uht es auch in den Begasungskammern bis
zu zweimal und liefert große Pollenmengen. Allerdings kann es nur zwischen Mai
und Juli verwendet werden, da dann die Bl¨
utezeit endet.
3.3.0.3 Lolium westerwoldicum
Lolium westerwoldicum ist von der Morphologie dem mehrj¨
ahigen Weidelgras sehr
¨
ahnlich. Es handelt sich um eine Unterart, allerdings ¨
uberwintert es nicht. Es geht
ohne Vernalisation von der vegetativen in die generative Phase ¨
uber, so dass es
sich zur Untersuchung gut eignet [127]. Etwa sechs Wochen nach der Aussaat
bl¨
uhen die Graspflanzen, abh¨
angig von den Wetterbedingungen. Wachsen die
Pflanzen im Freiland heran, werden sie gr¨
oßer und kr¨
aftiger als im Labor oder
direkt in den Begasungskammern. Auch Sch¨
adlinge wie Blattl¨
ause oder Mehltau
verursachen dann weniger Probleme.
Kapitel 4
Ergebnisse und Diskussion
4.1 Protein- und Allergengehalt
Der Gehalt an Gruppe 5 Allergen im Pollenextrakt l¨
aßt sich ¨
uber den ELISA
sehr genau bestimmen (im Bereich ng/ml). Problematisch ist die Auswahl
einer geeigneten Bezugsgr¨
oße. Die Ergebnisse der Gesamtproteinbestimmung
sind weniger genau als die des ELISAs (siehe Kapitel 3) und k¨
onnen unter
Umst¨
anden Trends in den Ergebnissen ¨
uberdecken. Deshalb werden zum einen
die Gruppe 5-Gehalte der Extrakte und auch das Verh¨
altnis Gruppe 5 Allergen
zum Gesamtprotein angegeben.
4.1.1 Klimakammern Paderborn
In den Paderborner Klimakammern werden haupts¨
achlich Lolium multiflorum
und Lolium westerwoldicum eingesetzt. Lolium perenne ist nur einmal verwendet
worden, wobei nur eine Probe genommen werden konnte. Bei den ersten Versu-
chen wurden insgesamt nur wenig Pollen erhalten, so dass Sammelproben ¨
uber
mehrere Tage untersucht werden mußten. Bei Versuchen mit Lolium multiflorum
und sp¨
ater auch mit Lolium westerwoldicum konnte jeden Tag eine ausreichende
Menge Pollen zur Extraktion geerntet werden.
Das verwendete Begasungsprogramm war identisch bei allen Versuchsreihen (au-
ßer beim ersten Versuch). Die Pflanzen erhielten acht Stunden ¨
uber Nacht kein
Ozon, w¨
ahrend der Lichtphase (sechzehn Stunden) wurde Ozon von 80 bzw. 140
ppb aufgegeben. In der Kontrollkammer blieben die Ozonwerte immer unterhalb
der Erfassungsgrenze.
4.1.1.1 Lolium multiflorum.
1. durchgehende Ozonbegasung ¨
uber 24 Stunden
Es konnten drei Proben genommen und untersucht werden. Im Allergen-
44
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 45
Proteinverh¨
altnis wurde kein eindeutiger Trend festgestellt. Allerdings sind
die Allergenwerte der ersten beiden Proben (Pollen vom 26.5. und vom
30.5.) außergew¨
ohnlich niedrig und die Pollen selbst klumpig, so dass es
nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie mit zu hoher Feuchtigkeit in
Kontakt gekommen sind.
2. Tag-Nacht Programm
Die Gruppe 5-Gehalte der Extrakte von ozonisierten und Kontrollpollen so-
wie der Proteingehalt pro Gramm Pollen sind in Abbildung 4.1 dargestellt.
468
10 12 14 16
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Gruppe 5 Ozon
Gruppe 5 Kontrolle
µg Gruppe 5/ml
Tage Ozon
30
40
50
60
70
80
90
100
mg Protein/g Pollen
Proteingehalt Ozon
Proteingehalt Kontrolle
Abbildung 4.1: Lolium multiflorum, Allergen- und Proteinwerte
Die Allergengehalte zeigen keine signifikanten Unterschiede. Im Proteinge-
halt liegen die Kontrollpollen teilweise deutlich h¨
oher als die ozonisierten.
Dadurch ist das Verh¨
altnis Gruppe 5 Allergen - zu - Masse - Protein bei
den ozonisierten Pollen gr¨
oßer als bei der Kontrolle [Abb. 4.2].
Bei einer Wiederholung des Versuchs konnte dieses Ergebnis nicht best¨
atigt
werden, die Proteingehalte waren nicht sigifikant verschieden. Auch im All-
ergen - zu - Proteinverh¨
altnis zeigte sich kein Unterschied.
Bei allen Versuchen konnte sowohl bei der Kontrolle als auch bei den begasten
Pollen eine Abnahme der Gesamtproteinmenge als auch des Allergengehaltes ¨
uber
die Zeit beobachtet werden. Ob das ein Effekt ist, der vielleicht von den subop-
timalen Lichtverh¨
altnissen in den Kammern verursacht wird, oder ein zuf¨
alliger
Verlauf, kann nicht beurteilt werden.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 46
4 6 8
10 12 14 16
0
10
20
30
40
50
60
70
ozonisierte Pflanzen
Kontrolle
µg Allergen /mg Protein
Tage Ozon
Abbildung 4.2: Lolium multiflorum Verh¨
altnis Allergen zu Protein
4.1.1.2 Lolium westerwoldicum
Die ersten Versuche mit Lolium westerwoldicum wurden mit einem Tag-Nacht-
Programm (8h 0 ppb Ozon, 16 h 80 ppb) durchgef¨
uhrt. Wie in Abb. 4.3 illustriert
ist, ist das Verh¨
altnis von Gruppe 5 Allergen zu Protein bei den ozonisierten
Pollen h¨
oher als bei der Kontrolle. Die Unterschiede sind allerdings gering. Auch
der Gesamtproteingehalt ist bei den ozonisierten Pollen h¨
oher, ebenso die Menge
an Gruppe 5-Allergen im Extrakt.
Um den Effekt deutlicher sichtbar zu machen, wurden h¨
ohere Ozonwerte (um die
140 ppb tags¨
uber) eingesetzt. Bei den ersten beiden Proben (13.2.02 und 6.3.02)
best¨
atigte sich dieser Effekt, bei den weiteren Proben nicht. Das kann an einer
Gew¨
ohnung der Pflanze an den Stressfaktor Ozon liegen oder an einer so schweren
Sch¨
adigung durch Ozon, das der Stoffwechsel der Pflanze zu stark ver¨
andert ist.
Auch bei einem dritten Versuch ¨
uber 20 Tage, bei dem jeden Tag eine Probe
genommen wurde, ließ sich kein eindeutiger Effekt nachweisen.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 47
4--34
35-49
ab 49
0
10
20
30
40
50
60
70
80
Gruppe 5 ozonisiert
Gruppe 5 Kontrolle
µg/ml
Tage Ozon
40
60
80
100
120
Proteingehalt Ozon
Proteingehalt Kontrolle
mg Protein/g Pollen
(a) Protein- und Allergenwerte
4--34
35-49
ab 49
40
50
Gruppe 5 ozonisiert
Gruppe 5 Kontrolle
µg Allergen/ g Protein
Tage Ozon
(b) Verh¨
altnis Allergen zu Protein
Abbildung 4.3: Lolium multiflorum, tags¨
uber 80 ppb, nachts 0 ppb Ozon
4.1.2 Klimakammern Essen
Im Jahr 2001 konnte Lolium multiflorum in Essen ¨
uber mehrere Wochen in
den Klimakammern begast werden. Dabei dienten zwei Kammern als Kontrolle
(0 ppb Ozon). In zwei Kammern wurde ein ”l¨
andliches Ozonmuster“ (50-60
ppb ¨
uber 24 h) aufgegeben und in zwei weiteren Kammern ein ”st¨
adtisches
Muster“ (nachts 40 ppb, tags¨
uber bis zu 100 ppb).
Die Protein- und Allergenwerte dieser Versuchsreihe sind recht einheitlich. Nur
eine Probe bei Begasung mit ”st¨
adtischem Muster“ liegt weit unterhalb des
Durchschnittswertes. Es ist kein Trend oder Unterschied zwischen Kontrolle und
ozonisierten Pollen zu erkennen.
4.1.3 Fazit
Bei mehreren Wiederholungen der Versuche konnte im ELISA keine signifikante
¨
Anderung des Gehalts an Gruppe 5-Allergen nachgewiesen werden.
Gruppe 5 ist nur eines der Majorallergene der Gr¨
aser. Um eine Aussage ¨
uber die
Allergenit¨
at eines Extraktes zu machen, m¨
ußten noch weitere Allergene bestimmt
werden, wie zum Beispiel Gruppe 1. Daf¨
ur steht leider kein funktionierender
ELISA zur Verf¨
ugung.
Die Menge an Lol p 5 im Extrakt h¨
angt stark von der Grassorte, den Anzucht-
bedingungen und Extraktionsbedingungen ab. W¨
ahlt man ein abweichendes
Pollen-Pufferverh¨
altnis – setzt man zum Beispiel mehr Puffer ein, wenn zu
geringe Pollenmengen vorhanden sind – ist der Gruppe 5-Gehalt erh¨
oht. Der
Proteingehalt ist dann geringer, w¨
ahrend bei dem ¨
ublichen Extraktionsverh¨
altnis
von 2 % w/v der Proteingehalt der Extrakte recht konstant ist.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 48
Die Allergen- und Proteinwerte unterscheiden sich leicht, je nach Lolium-Art.
Lol p 5 Protein Protein % Allergen
Art im Extrakt im Extrakt pro g Pollen vom Protein
Lolium perenne 40 µg/ml 1,65 mg/ml ca. 80 mg 2,5
Lolium multiflo-
rum
50-130µg/ml 1,3-2 mg/ml 50-70 mg 5-6
Lolium wester-
woldicum
80-120 µg/ml 1,4-2 mg/ml 75-105 mg 4-7
Tabelle 4.1: Durchschnittliche Protein- und Allergengehalte verschiedener
Lolium-Arten
In Lolium westerwoldicum ist im Verh¨
altnis am meisten Allergen enthalten,
in Lolium perenne am wenigsten (Tabelle 4.1). Die hier untersuchten Pollen
werden unter unnat¨
urlichen Verh¨
altnissen in den Klimakammern gesammelt.
Zum Vergleich werden auch Pollen aus dem Freiland untersucht, z.B. von Lolium
multiflorum Pflanzen, die aus der selben Aufzucht stammen wie die aus den
Kammern und in den gleichen T¨
opfen heranwachsen, allerdings im Freiland
unter nat¨
urlichen Lichtverh¨
altnissen. Die Proteinwerte liegen bei etwa 65 mg pro
g Pollen und die Menge an Lol p 5 im Extrakt bei 70 µg/ml. Zus¨
atzlich wurden
Pollen von Loliumpflanzen im Freiland gesammelt. Allerdings liegen hier keine
Informationen ¨
uber die Sorte vor. Der Proteingehalt war mit 89-120 mg pro g
Pollen wesentlich h¨
oher als unter Laborbedingungen, der Allergengehalt mit ca.
30 µg pro mg Protein geringer.
Quantifizierung von Allergenen in Pollenextrakten wurde von z.B. Fahlbusch
et al. [128] oder Sch¨
appi et al. [129] vorgenommen. Da die Werte sehr von der
Extraktionsmethode abh¨
angen, ist ein Vergleich schwierig. Fahlbusch unter-
suchte den Gruppe 5- und Gruppe 1-Gehalt verschiedener Gr¨
aser, f¨
ur Lolium
perenne werden 38 µg Gruppe 5 pro mg Protein gefunden, das sind ca. 4 % des
Gesamtproteins. Bei einem Extraktionsverh¨
altnis von 10 % w/v erhalten sie 2
mg/ml Protein im Extrakt, was in etwa den hier gefundenen Werten entspricht.
Der Anteil an Gruppe 1 Allergen ist etwa doppelt so hoch wie der an Gruppe 5.
Sch¨
appi et al. verglichen Lolium perenne und Lolium multiflorum und finden
einen Anteil von Gruppe 5 am Gesamtprotein von 18,2 % bzw von 28,2 %. Durch
die abweichenden Extraktionsbedingungen erhalten sie einen Proteingehalt von
485 bzw 584 µg/ml.
Obwohl man zwischen ozonbegasten und nicht begasten Pollen keinen sig-
nifikanten Unterschied im Allergengehalt nachweisen kann, ist es durchaus
m¨
oglich, dass andere Majorallergene in verschiedenen Konzentrationen auftre-
ten.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 49
Das Fehlen einer absoluten Bezugsgr¨
oße f¨
ur den Allergengehalt ist ein weiteres
Problem. Wenn bei begasten Pollen (wie in Kapitel 2 vermutet), die St¨
arkeein-
lagerung nicht oder nur eingeschr¨
ankt stattfindet, w¨
aren diese Pollen leichter
und das Extraktionsverh¨
altnis w¨
urde verf¨
alscht. Da keine M¨
oglichkeit besteht,
die Pollen vor dem Einwiegen zu z¨
ahlen und auf fehlende St¨
arkek¨
orner zu
untersuchen, kann das nicht ausgeschlossen werden.
Der Proteingehalt der Extrakte ist nicht unterschiedlich. Das kann an der man-
gelnden Sensitivit¨
at des Assays liegen. Dadurch werden eventuell verhandene
geringe Unterschiede im Proteingehalt nicht entdeckt. Trotzdem wird er hier als
Bezugsgr¨
oße gew¨
ahlt.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 50
4.2 SDS-Gelelektrophorese und Blots
Da es sich bei Graspollenallergenen um Proteine handelt, k¨
onnen qualitative
und eingeschr¨
ankt auch quantitative Ver¨
anderungen im Allergengehalt der Pol-
len ¨
uber SDS-Gelelektrophorese nachgewiesen werden. Durch Blot und Detektion
mit Allergiker-Seren k¨
onnen Bindungseigenschaften der Allergene zu spezifischem
IgE auf Modifikationen ¨
uberpr¨
uft werden.
4.2.1 Nachweis der Allergene im Gel
Um zu ¨
uberpr¨
ufen, welche der Banden im SDS-Gel allergene Wirkung haben,
wird der Blot mit monoklonalen Antik¨
opern gegen Gruppe 1 und 5 und zwei
Seren inkubiert. Zum Vergleich dient eine mit Ponceau-S gef¨
arbte Bahn mit Pol-
lenextrakt bzw. Molgewichtsmarkern [Abb. 4.4].
Der Pollenextrakt (Lane 2) zeigt viele scharfe Banden, die Proteine konnten
Abbildung 4.4: Identifizierung von Allergenen im Western-Blot, Lane 1: Mar-
ker; Lane 2: Lolium-Extrakt, Coomassief¨
arbung; Lane 3: mAbs
gegen Gruppe 5; Lane 4: mAbs gegen Gruppe 1; Lanes 5 und
6: Allergikerseren; Gel 12 %/4 %, Tris-HCl-Glycin
sauber getrennt werden. Der monoklonale Antik¨
orper (Lane 4) gegen Gruppe 1
bindet an eine Doppelbande bei ca. 30 kD. Laut Literatur zeigt Lol p 1 eine
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 51
einzelne Bande bei 31 kD. Die Abweichung kann durch Abspaltung eines Frag-
ments (vielleicht des Kohlenhydratanteils) und dadurch bedingte Ver¨
anderung
des Molekulargewichts zustandekommen. Das Epitop, gegen das der Antik¨
orper
gerichtet ist, bleibt aber intakt. Es ist auf der anderen Seite m¨
oglich, dass der
verwendete Antik¨
orper nicht gen¨
ugend spezifisch ist und mit einem anderen Pro-
tein reagiert.
Der Antik¨
orper gegen Gruppe 5 (Lane 3) erkennt eine Dreifachbande zwischen
30 und 36 kD, was sich in guter ¨
Ubereinstimmung mit der Literatur befindet. Im
gef¨
arbten Gel ist die Unterscheidung zwischen den Banden von Lol p 1 und Lol p
5(a-c) schwierig, da sie sehr nah nebeneinander liegen. Was im Blot als intensive
Bande herauskommt, ist in der F¨
arbung m¨
oglicherweise nur eine d¨
unne Bande
von vielen, da die Immundetektion wesentlich empfindlicher ist.
Die Seren (Lanes 5 und 6) binden im Bereich um die 30 kD mehrere Proteine, sie
enthalten spezifisches IgE gegen Gruppe 1 und 5. Serum D erkennt eine weitere
Bande bei ca. 60 kD. Laut Literatur kann es sich hier um Lol p 4 handeln. Theo-
retisch ist ein Dimer von Gruppe 5 m¨
oglich, was in der Literatur beschrieben ist,
aber ein solches sollte von den mAbs gegen Lol p 5 oder einem Serum mit Gruppe
5-spezifischem IgE erkannt werden. Bei Serum E ist keine Bande bei 60 kD zu
erkennen.
Die schwachen Banden unterhalb von 30 kD und oberhalb von 60 kD k¨
onnen kei-
nen Allergenen zugeornet werden. Es kann sich hier auch um eine unspezifische
Bindung handeln.
4.2.2 Vergleich ozonisierte und Kontrollextrakte
4.2.2.1 Bandenmuster
Zum Vergleich werden ozonisierte und Kontrollpollenextrakte im Gel nebenein-
ander aufgetragen und angef¨
arbt [Abb. 4.5]. Die Extrakte stammen von Lolium
multiflorum-Pflanzen, die zwischen 11 und 15 Tagen erh¨
ohten Ozonwerten in den
Klimakammern ausgesetzt waren.
Im Bandenmuster ist kein Unterschied zu erkennen. Die Hauptbanden liegen
jeweils bei 31, 36, 55, 61, 70 und 85 kD. Bei den begasten Pollen sind keine
zus¨
atzlichen Banden aufgetreten, es gibt auch keine Bandenverschiebung, was
ein Hinweis auf Ver¨
anderungen der Sequenz oder Struktur eines bestimmten Pro-
teins ist. Auch in den Gelen der weiteren Versuchsextrakte waren keine Unter-
schiede zwischen begasten und Kontrollpflanzen zu erkennen. Die verschiedenen
Lolium-Arten zeigen praktisch identische Bandenmuster, was auf die ¨
Ahnlichkeit
der Extrakte hinweist.
Die Gele werden eingescannt und ¨
uber die optische Dichte semiquantitativ aus-
gewertet. Dabei werden vor allem die Banden bei 30, 36 und 60 kD betrachtet.
Wie in Tabelle 4.2 zu erkennen, gibt es keine signifikanten Unterschiede.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 52
Abbildung 4.5: SDS-Page von ozonisierten (O3) und unbehandelten (V) Pol-
lenextrakten, M: Pharmacia Low molecular weight marker, Gel
12%/4%, Tris-HCl-Glycin
Probe 36 kD (Gr1) 60 kD (Gr4) 30 kD (Gr 5)
Gel 1
20.6. V 88,7 76,6 68,7
20.6. Oz 74,8 60,5 73,2
23.6. V 85,6 54,2 57,9
23.6. Oz 71,2 59,5 69,2
24.6. V 68,0 66,5 58,7
24.6. Oz 64,0 46,6 63,2
25.+26.6. V 76,1 46,6 52,7
25.+26.6. Oz 74,5 41,3 75,5
Gel 2
27.6. V 92,4 59,3 59,8
27.6. Oz 101,0 79,8 81,8
28.6. V 90,0 76,6 64,1
28.6. Oz 85,4 76,0 70,6
30.6. V 91,2 60,3 65,1
30.6. Oz 103,0 64,2 77,8
2.7. V 109,0 84,8 77,1
2.7. Oz 104,8 77,6 72,6
Tabelle 4.2: Densiometrisch bestimmte Bandenintensit¨
aten - Lolium multiflo-
rum, V: Vergleich, Oz: Ozon
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 53
4.2.2.2 Bindung von spezifischem IgE im Blot
Um zu ¨
uberpr¨
ufen, ob sich die Bindungseigenschaften der Proteine zu spezifi-
schem IgE durch Ozon ver¨
andern, wurden Kontroll- und Ozonproben gelelektro-
phoretisch getrennt, geblottet und mit Patientenseren detektiert [Abb. 4.6].
Abbildung 4.6: Detektion von begasten und Kontrollpollen mit Allergikerseren
(Serum D und E) und mAbs (1D11 gegen Gruppe 5, 3G5 gegen
Gruppe 1), K Kontrolle, Oz Ozon
Die Banden zeigen keine Unterschiede zwischen begasten und unbegasten Pollen.
¨
Anderungen k¨
onnen sich zum Beispiel durch Punktmutationen ergeben, die zum
Austausch einer Aminos¨
aure f¨
uhren. Die daraus folgende leichte Differenz in der
Molmasse ist im SDS-Gel nicht zu erkennen, kann aber zur Zerst¨
orung eines
Epitopes f¨
uhren, so dass Antik¨
orper das Protein nicht mehr erkennen. In Pati-
entenseren liegen Mischungen von IgE vor, die gegen verschiedene Epitope eines
einzigen Antigens gerichtet sein k¨
onnen, daher m¨
ussten schon mehrere Epitope
ver¨
andert sein, damit es nicht mehr gebunden wird. Die verwendeten monoklona-
len Antik¨
orper, die alle gegen ein Epitop gerichtet sind, reagieren empfindlicher
auf Ver¨
anderungen. Aber in den Lanes 3-6 sind auch keine Unterschiede zwischen
Kontrollextrakt und ozonsiertem Pollen zu erkennen.
Der immunochemische Nachweis der Proteine ist empfindlicher als die unspezi-
fische F¨
arbung der Proteine im Gel. Eine Quantifizierung der Banden ist nicht
m¨
oglich, da keine direkte Beziehung zwischen Farbintensit¨
at und Proteinmenge
besteht.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 54
4.3 Kapillarelektrophorese
4.3.1 Methodenentwicklung
Die Kapillarelektrophorese bietet die M¨
oglichkeit, die Allergene weitgehend nativ
zu untersuchen. Es ist kein Verkochen oder eine andere wenig schonende Proben-
vorbereitung n¨
otig. Dieser Vorteil soll auch bei der Entwicklung der Trennmetho-
de erhalten bleiben. Auf extreme pH-Werte sollte daher verzichtet werden. Am
geeignetsten sind hierf¨
ur beschichtete Kapillaren, die die Adh¨
asion der Proteine
an den Kapillarw¨
anden minimiert. Da nur unbeschichtete Fused-silica-Kapillaren
zur Verf¨
ugung standen, m¨
ussen pH-Werte unterhalb von 4 oder oberhalb des pIs
der Proteine gew¨
ahlt werden. Erste Versuche mit Phosphatpuffern (pH-Wert 1-2)
zeigten eine gute Trennung, aber eine schlechte Reproduzierbarkeit. Verschiedene
Boratpuffer bei pH-Werten oberhalb von 9,6 wurden getestet, wobei ein pH-Wert
von 10,1 die beste Trennung bei noch annehmbaren Analysezeiten ergab.
Neben der direkten Quantifizierung der erhaltenen Peaks ¨
uber UV-Absorption
bietet die CE die M¨
oglichkeit zur Aufnahme eines UV-Spektrums f¨
ur jeden Peak.
Damit k¨
onnen die Reinheit und auch gewisse Eigenschaften der Substanzen ¨
uber-
pr¨
uft werden. Ein Nachteil der Methode ist die lange Analysenzeit von 60 Mi-
nuten pro Probe. Außerdem f¨
uhren schon geringe ¨
Anderungen in der Pufferzu-
sammensetzung, wie sie w¨
ahrend eines Laufs vorkommen, zu ¨
Anderungen in den
Retentionszeiten. Nach jedem Lauf sollte daher frischer Puffer verwendet werden.
0
10 20 30 40 50
-2000
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
53,7
41,4
33,4
30,3
20,2
12,5
28,5
Absorption
min
Abbildung 4.7: Lolium westerwoldicum, typisches Elektropherogramm
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 55
180 200 220 240 260 280 300
-5000
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
35000
40000
Peak bei 28.617 min
Absorbance units
nm
Abbildung 4.8: UV-Spektrum des Peaks bei 28 min
In Abbildung 4.7 ist ein typisches Elektropherogramm einer Pollenprobe dar-
gestellt. Die ersten Peaks bis etwa 13 Minuten enthalten die Ionen aus dem
Probenpuffer. Zwischen 15 und 25 Minuten erscheint ein schlecht aufgel¨
oster
Multipeak. Die Trennung konnte in diesem Bereich nicht verbessert werden. Der
scharfe Peak bei 28 Minuten geh¨
ort zu einem Protein, wie man am UV-Spektrum
[Abb. 4.8] sieht. Bei etwa 214 nm liegt eine Schulter typisch f¨
ur Absorption durch
die Peptidbindung. Das zweite Maximum bei 258 nm deutet auf aromatische
Aminos¨
auren wie Tryptophan oder Phenylalanin hin. Der Fl¨
achenanteil dieser
Substanz liegt bei etwa 30 %.
Zwischen 30 und 55 Minuten liegen mehrere Peaks, deren Muster und Fl¨
achen-
anteile je nach Pflanzencharge variieren. Im Bereich von 258 nm zeigen sie
Absorption, was auf aromatische Komponenten hindeutet. Die Allergene des
Weidelgrases enthalten aromatischen Aminos¨
auren in verschiedenen Anteilen, so
dass es sich hier um Allergene handeln k¨
onnte.
4.3.2 Versuche zur Identifizierung von Allergenen im
Elektropherogramm
Um herauszufinden, welche der Proteine im Elektropherogramm allergisch
relevant sind, wurden verschiedene Ans¨
atze erprobt, da die Allergene des
Weidelgrases in reiner Form kommerziell nicht erh¨
altlich sind.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 56
•Aus einem pr¨
aparativen SDS-Gel wurden die allergisch relevanten Ban-
den ausgeschnitten und das Protein daraus eluiert. Mithilfe des Dotblot
wurde best¨
atigt, dass das interessierende Protein in der L¨
osung vorhan-
den ist. Diese Proteinl¨
osungen wurden in der Kapillarelektrophorese als
Standard verwendet. Als Vergleich dient ein Puffer, mit dem freies SDS-
Gel extrahiert wurde. Es konnte kein Proteinpeak im Elektropherogramm
identifiziert werden. Vermutlich durch Gelbruchst¨
ucke, die ¨
uber den ganzen
Zeitraum im Elektropherogramm erscheinen, wird das Allergen ¨
uberdeckt.
Durch das Kochen mit SDS kann die Ladung des Proteins im nativen Ex-
trakt so ver¨
andert worden sein, dass die Wanderungsgeschwindigkeit im
elektrischen Feld v¨
ollig anders ist als die des nativen Proteins. Versuche
mit einer nativen Gelelktrophorese brachten keine besseren Ergebnisse.
•Die Sammlung einzelner Fraktionen nach einem Lauf der Kapillarelektro-
phorese und anschließende Dotblot-Detektion der Allergene ist aus appara-
tiven Gr¨
unden nicht m¨
oglich.
•Mischt man eine L¨
osung eines Allergens mit einem spezifischen Antik¨
orper,
findet eine Reaktion zwischen den Molek¨
ulen statt und es entsteht abh¨
angig
von der Bindungsst¨
arke ein Allergen-Antik¨
orperkomplex. Nimmt man das
Elektropherogramm der Allergenl¨
osung auf und vergleicht es mit dem Elek-
tropherogramm des Allergen-Antik¨
orpergemisches, sollte ein Proteinpeak
verschwinden und ein neuer Komplexpeak auftauchen.
Ein Pollenextrakt wurde mit mAb gegen Phl p 5 in verschiedenen Kon-
zentrationsverh¨
altnissen gemischt und die L¨
osung in der CE getrennt. Es
konnte kein Peak als Allergen identifiziert werden. Der gew¨
ahlte pH-Wert
von 10 ist vielleicht zu alkalisch und die entstandene Allergen-Antik¨
orper-
bindung ist zu schwach, um unter diesen Bedingungen bestehen zu bleiben.
¨
Ahnliche Versuche wurden mit Allergikerseren unternommen. Da hier An-
tik¨
orper gegen mehrere Proteine enthalten sind, ist das Elektropherogramm
der Mischung dem des reinen Allergenextraktes kaum noch ¨
ahnlich. Fast alle
Peaks ¨
andern ihre Position, vielleicht auch durch unspezifische Bindungen,
so dass auch hier kein Allergen zugeornet werden kann. Beim Arbeiten mit
Serum, auch mit gefiltertem, kommt es h¨
aufig zum Verstopfen der Kapillare.
Obwohl es nicht gelungen ist, den Signalen des Elektropherogramms Allergene zu-
zuordnen, kann man die Kapillarelektrophorese einsetzen, um die Zusammenset-
zung von Extrakten zu vergleichen. Man ist nicht wie bei der SDS-Elektrophorese
auf Proteine beschr¨
ankt, alle UV-aktiven Substanzen geben ein Signal. Durch den
direkten Zusammenhang zwischen Absorptionsintensit¨
at und Menge sind Men-
genvergleiche genauer m¨
oglich als bei den gescannten Gelen.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 57
4.3.3 Vergleich von ozonisierten und Kontrollextrakten
4.3.3.1 Lolium westerwoldicum 2001
Bei den Pollen, die bei einem Tag-Nacht-Programm mit 80 ppb/0 ppb Ozon
begast wurden, zeigte sich im Elektropherogramm bei 45 min ein zus¨
atzlicher
Peak [Abb. 4.9].
0
10 20 30 40 50 60
-2000
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
18000
45.3
39.2
31.7
Ozon 1
Kontrolle 1
Absorbance bei 214 nm
min
Abbildung 4.9: Elektropherogramm von begasten und unbegasten Pollenpro-
ben
Auch bei den in derselben Versuchsreihe gemessenen Proben best¨
atigte sich das
Vorhandensein eines zus¨
atzlichen Peaks. Das UV-Spektrum dieses Peaks ist in
Abbbildung 4.10 zu sehen. Das Absorptionsmaximum der Substanz liegt bei
195 nm, ein weiteres Maximum bei 260 nm ist nicht zu erkennen. Der Stoff
enth¨
alt daher vermutlich keine aromatischen Anteile. Ob es sich um ein Protein
handelt, kann zur Zeit nicht bestimmt werden. Der Anteil an der Fl¨
ache betr¨
agt
zwischen 5 und 6 %.
In dem SDS-Gel der oben genannten Proben sind keine zus¨
atzlichen Banden
bei den ozonisierten Proben zu erkennen. Das weist darauf hin, dass es sich
nicht um ein Protein handelt, sondern vielleicht um ein Kohlenhydrat oder einen
sonstigen Pflanzeninhaltsstoff.
Bei einem Ozon-Tageswert von 140 ppb ist ebenso wie bei 80 ppb ein weiterer,
intensiver Peak bei 39 Minuten zu beobachten [Abb. 4.11]. Dessen Anteil an der
Fl¨
ache ist h¨
oher als bei der vorhergehenden Proben (20 %).
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 58
180 200 220 240 260 280 300
0
10000
20000
30000
40000
50000
Absorbance units
nm
Peak bei 45.308 min
Abbildung 4.10: UV-Spektrum des zus¨
atzlichen Peaks
0
10 20 30 40 50
-2000
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
19,8 min
39 min
27,6 min
Ozon
Kontrolle
Absorbance units
min
Abbildung 4.11: Vergleich ozonbegaste Proben-Kontrolle (Charge 2)
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 59
Diese Ergebnisse ließen sich in den t¨
aglich gesammelten Proben von 2002 nicht
wiederholen. Die Elektropherogramme von begasten und unbegasten Pollen zei-
gen hier ein sehr ¨
ahnliches Peakmuster [Abb. 4.12], das heißt keine zus¨
atzlichen
Peaks. Beim Großteil der Versuche sind nur geringe Unterschiede in der Menge
oder leichte Verschiebungen der Retentionszeiten zu erkennen, die keinem be-
stimmten Verlauf folgen.
0
10 20 30 40 50 60
-2000
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
38 min
16 min
23 min
Kontrolle 5.8.
Ozon 5.8.
Absorbance units
min
Abbildung 4.12: Elektropherogramm Lolium multiflorum Pollenextrakt
4.3.3.2 Lolium multiflorum
Bei Proben von Lolium multiflorum Pollen konnte in keiner Probe ein zus¨
atzlicher
Peak beobachtet werden.
Auch ¨
uber den Vergleich der prozentualen Fl¨
achenanteile der einzelnen Peaks
sind keine Unterschiede in der Menge an Substanz zu erkennen, die man auf Ozon
zur¨
uckf¨
uhren k¨
onnte. Bei den in den Klimakammern in Essen gewonnenen Proben
zeigt sich ein abweichendes Peakmuster, was auf die l¨
angere Lagerung (obwohl bei
-20 ◦C) zur¨
uckzuf¨
uhren sein kann. Proteine fallen bei l¨
angerer Lagerung aus oder
werden von Proteasen zersetzt. In den Probegef¨
aßen ist teilweise ein Niederschlag
zu beobachten.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 60
4.3.4 Fazit
In den Elektropherogrammen zeigen sich nur in zwei Versuchsreihen mit Lolium
westerwoldicum Unterschiede in der Zusammensetzung. Es ist ein zus¨
atzlicher
Peak bei etwa 40 min zu erkennen. Es kann nicht nachgewiesen werden, um
welche Substanz es sich handelt, aufgrund des UV-Spektrums ist ein Protein
unwahrscheinlich. Bei den weiteren Untersuchungen mit Lolium westerwoldicum
und Lolium multiflorum konnte dieses Ergebnis nicht wiederholt werden. Mit der
CE k¨
onnen Aussagen ¨
uber Ver¨
anderungen in der Zusammensetzung einer Probe
gemacht werden. Um diese Diskrepanzen zu charakterisieren, sind begleitende
Untersuchungen n¨
otig.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 61
4.4 FTIR
4.4.1 Spektren
Abbildung 4.13 zeigt das typische FTIR-Spektrum eines Pollenextraktes. Auf-
grund der Heterogenit¨
at der Probe ¨
uberlappen sich die einzelnen Banden
stark, aber die Schwingungsbereiche sind noch zu erkennen. Zwischen 3000 und
4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000
500
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
2930
1046
1404
1574
1624
Absorption
/cm
Abbildung 4.13: Typisches FT-IR eines Lolium-Pollenextrakts
3500 cm-1 liegen die Absorptionsbanden der -OH Gruppen aus verschiedenen
Substanzen wie zum Beispiel Carbons¨
auren. Die Bande bei 2900 cm-1 ist auf
C-H Schwingungen zur¨
uckzuf¨
uhren. Die Haupt-Amid 1-Bande schwingt bei 1635
cm-1, die Amid 2-Bande ist als Schulter bei 1574 cm-1 zu erkennen. Zwischen 1260
und 1460 cm-1 liegen die Schwingungsbanden der Carbons¨
aurefunktion, zwischen
1000 und 1200 cm-1 schwingen Kohlenhydrate. Unterhalb von 1000 cm-1 beginnt
der Fingerprintbereich. Auff¨
allig ist die fehlende Unterteilung der Amidbande in
Amid 1 und 2, wie sie z.B. bei BSA zu erkennen ist. Hier scheint eine weitere
Stoffgruppe zu schwingen, vielleicht aus l¨
oslichem Zucker wie Glukose (Abb. 4.14
a)) oder St¨
arke (Abb. 4.14 b)), die in einem Pollenextrakt vorhanden sein kann.
In dieser Gegend schwingen auch Phosphat- gegen Zuckergruppen, so dass auch
phosphorylierte Zucker vorliegen k¨
onnen (Glukose-1 bzw.-6 phophat, sowie N-
acetyldiglukosamin, 4 diphosphate [130]).
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 62
4000 3000 2000 1000
0
1
0,8
0,2
0,4
0,6
(a) St¨
arke
4000 3000 2000 1000
0
1
0,2
0,4
0,6
0,8
(b) Glukose
Abbildung 4.14: FT-IR Spektren typischer Polleninhaltsstoffe (Spektren: Bru-
ker Optics, Ettlingen)
4.4.2 Vergleich begaste - unbegaste Probe
Mit bloßem Auge sind in den Spektren von begasten und unbegasten Pollen
keine Unterschiede zu erkennen. In der 1. Ableitung der Spektren von Lolium
westerwoldicum sind die Kurvenverl¨
aufe im Bereich zwischen 1200 und 900 cm-1
aber doch verschieden (Abb. 4.15). F¨
uhrt man eine Clusteranalyse in diesem
Bereich durch (Abb. 4.16), werden die Spektren nach ihrer Ozonexposition
geordnet. Die Heterogenit¨
at ist mit 0,1 sehr gering.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 63
1040 1020 1000
980 960
-0,0004
-0,0002
0,0000
0,0002
0,0004
0,0006
0,0008
Ozon 3.6.
Ozon 4.6.
Vergleich 3.6.
Vergleich 4.6.
Absorption
/cm
Abbildung 4.15: Erste Ableitung von ozonbegasten und Kontrollpollenextrak-
ten
11
0
0.01
0.02
0.03
0.04
0.05
0.06
0.07
0.08
0.09
0.1
Heterogenität
O31.1
O32.0
V1.1
V2.0
Methode: Vektornormalisierung, Ward’s Algorithmus
Wellenzahl: 1210-927 /cm
Abbildung 4.16: Clusteranalyse Lolium westerwoldicum
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 64
Beim zweiten Versuch mit Lolium westerwoldicum sind die Heterogenit¨
aten
zwischen den Spektren gr¨
oßer, es treten aber Fehlermeldungen auf, das heißt,
es gibt Spektren, die einem Spektrum außerhalb des Clusters ¨
ahnlich sind. Die
Proben vom 14.8. und vom 29.7. fallen heraus, vermutlich wegen zu geringer
Proteinkonzentration (Abb. 4.17).
11
22
0
0.05
0.1
0.15
0.2
0.25
0.3
0.35
Heterogenität
oz14-8.0
oz3-8.0
oz29-7.0
oz5-8.1
v3-8.0
v6-8.0
v7-8.0
v5-8.0
oz6-8.0
oz7-8.0
oz1-8.0
oz9-8.0
Wellenzahl: 914 - 1482 /cm
Methode: Vektornormalisierung, Ward’s Algorithmus
Abbildung 4.17: Clusteranalyse Lolium westerwoldicum, August 2002
Bei den Versuchen mit Lolium multiflorum zeigte sich eine Heterogenit¨
at von 0,3
zwischen begasten und Kontrollpollen (Abb. 4.18). Innerhalb jedes Clusters be-
tr¨
agt die Heterogenit¨
at etwa 0,1. Liegt zwischen diesen Werten ein Faktor gr¨
oßer
als zwei, kann man von einer signifikanten Unterscheidung sprechen. Am deut-
lichsten wird der Unterschied jeweils bei Verwendung des Wellenzahlenbereichs
um 1000 cm-1. Das weist auf Differenzen im Kohlenhydratanteil der Extrakte
hin. Allerdings sind diese Unterschiede sehr gering, mit bloßem Auge nicht zu
erkennen. In der Summe erm¨
oglichen sie aber eine Unterscheidung der Spektren.
4.4.2.1 Unterschiedliche Weidelgrasarten
Durch Clusteranalyse im Fingerprintbereich k¨
onnen die Spekten von Lolium mul-
tiflorum und Lolium westerwoldicum unterschieden werden (Abb. 4.19). Hier liegt
die Heterogenit¨
at bei 0,6. Die Arten zeigen also mehr Verschiedenheit unterein-
ander als durch Ozon hervorgerufen werden.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 65
0
0.05
0.1
0.15
0.2
0.25
0.3
Heterogenität
oz24-6a.0
oz25+26-6.0
oz27-6.0
oz30-6.0
v24-6a.0
v25+26-6.0
v27-6.0
v30-6.0
Wellenzahl: 920-1488 /cm
Methode: Vektornormalisierung, Ward’s Algorithmus
Abbildung 4.18: Clusteranalyse Lolium multiflorum
4.4.3 Fazit
Zwischen den Spektren von ozonisierten und Kontrollpollen bestehen nur gerin-
ge Differenzen. Damit sind die Zusammensetzungen der Extrakte sehr ¨
ahnlich.
Geringe Wellenzahlschwankungen, wie sie durch unterschiedliche Faltungen von
Proteinen hervorgerufen w¨
urden, gehen in der Zusammensetzung der Probe ver-
loren.
KAPITEL 4. ERGEBNISSE UND DISKUSSION 66
1
23
45
0
0.1
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
v10-6.0
v6-6.0
v12-6.0
v28-6.0
v28-6.1
v5-6.0
v3-6.0
v8-6.0
v4-6.0
v28-6a.0
v1-8.0
v12-8.0
v6-8.0
v14-8.0
v7-8.0
v9-8.0
v3-8.0
v5-8.0
Frequenzbereich: 523-940 /cm
Methode: Vektornormalisierung, Ward’s Algorithmus
Heterogenität
Abbildung 4.19: Unterscheidung von Lolium multiflorum und westerwoldicum
in der Clusteranalyse (V1-8 bis V14-8: Lolium westerwoldi-
cum, V3-6 bis V28-6: Lolium multiflorum)
Kapitel 5
Zusammenfassung und Ausblick
Erh¨
ohte Ozonwerte in den Sommermonaten bedeuten f¨
ur Pflanzen oxidativen
Stress. Durch verschiedene Mechanismen sind sie in der Lage, den Stress in ge-
wissem Maß abzuwehren. Dar¨
uberhinaus entstehen Sch¨
aden an der Pflanze. In
dieser Arbeit wird ¨
uberpr¨
uft, ob sich durch Induktion dieser Mechanismen oder
durch Sch¨
adigung der Pflanzen ¨
Anderungen in der Allergenit¨
at von Graspollen
ergeben.
Um Graspflanzen unter definierten Ozonwerten sowie Licht- und Temperatur-
verh¨
altnissen zur Bl¨
ute bringen zu k¨
onnen, wurden zwei Begasungskammern mit
der M¨
oglichkeit zur Aufgabe verschiedener Ozonwerte aufgebaut.
Pollen, die unter Ozoneinfluss gebildet worden sind, und Kontrollpollen wurden
mit verschiedenen analytischen Methoden untersucht.
•Mit ELISA-Tests wurde der Gehalt an Gruppe 5-Allergen in den Extrak-
ten bestimmt und zum Gesamtproteingehalt in Beziehung gesetzt. Dabei
ließen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen ozonisierten und Kon-
trollpollen nachweisen.
•Das Gesamtproteinspektrum beider Probenarten wurde durch SDS-
Elektrophorese verglichen. Dabei konnten keine Unterschiede in den Ban-
denmustern und -intensit¨
aten beobachtet werden. Im Westernblot zeigten
begaste und unbegaste Pollen keine unterschiedlichen Eigenschaften in der
Antik¨
orperbindung.
•Durch Kapillarelektrophorese wurde die Zusammensetzung der nativen Ex-
trakte verglichen. Bei zwei Chargen konnte ein zus¨
atzlicher Peak bei 45
Minuten beobachtet werden. Um welche Art der Substanz es sich hier han-
delt, konnte nicht bestimmt werden.
•Durch FTIR-Spektroskopie sind Vergleiche der ¨
Ahnlichkeit der Extrakte auf
statistischer Basis m¨
oglich. In der Clusteranalyse zeigten sich nur geringe
Differenzen zwischen ozonisierten und Kontrollpollen. Sie scheinen vor allem
im Bereich der Schwingungen von Kohlenhydraten zu liegen.
67
KAPITEL 5. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 68
Die wahrscheinlichste Hypothese f¨
ur das Auftreten erh¨
ohter Allergengehalte bei
Ozonexposition ist die st¨
arkere Expression eines Stressproteins, das als Allergen
wirkt. Allerdings konnte nur die Menge von Gruppe 5 Allergen bestimmt
werden. Dass sich die Mengen der anderen Allergene ge¨
andert haben, kann nicht
ausgeschlossen werden. Um Aussagen ¨
uber die Allergenit¨
at der Extrakte machen
zu k¨
onnen, w¨
aren RAST-Hemmtests mit einem Poolserum n¨
otig gewesen. SDS-
Elektrophorese ist zur Erfassung solcher Unterschiede im Nanogramm-Bereich
zu ungenau.
Durch Ozon kann es zu ¨
Anderungen in der Struktur, fehlerhafte Expression von
Proteinen oder ver¨
anderten posttranslativen Modifikationen kommen. Allergene
k¨
onnen auch nur in Bruchst¨
ucken vorhanden sein. Dadurch auftretende Mol-
massenverschiebungen konnten in der Elektrophorese nicht beobachtet werden.
Epitope k¨
onnen zerst¨
ort sein oder f¨
ur Antik¨
orper besser zug¨
anglich sein. Auch
ver¨
anderte Bindungseigenschaften durch modifizierte Epitope konnten im Blot
nicht nachgewiesen werden.
Auch die Expression eines zus¨
atzlichen Proteins w¨
are m¨
oglich. Damit es eine
allergene Wirkung haben kann, muss es IgE-bindende Epitope mit bereits
etablierten Allergenen gemeinsam haben oder zu einer eigenen Sensibilisierung
f¨
uhren.
Die FTIR-Spektren weisen auf Modifikationen im Kohlenhydratanteil der
Extrakte hin. Davon kann ein glykosyliertes Protein betroffen sein, ebenso
wie l¨
osliche St¨
arke oder Zucker im Pollen. Schon in fr¨
uheren Arbeiten wurden
Ver¨
anderungen in der St¨
arkeeinlagerung durch Ozon beobachtet. Ob es eine
Verbindung zur Allergenit¨
at gibt, konnte nicht nachgewiesen werden.
Obwohl es in der vorliegenden Arbeit nicht gelang, einen Zusammenhang
zwischen ver¨
anderter Allergenit¨
at von Graspollen und erh¨
ohten Ozonwerten
nachzuweisen, kann die These auch nicht widerlegt werden.
Es konnte hier nur eine Grassorte untersucht werden. Andere Arten oder Sorten
zeigen andere Sensitivit¨
aten gegen¨
uber Ozon und damit andere Reaktionen.
Es besteht die M¨
oglichkeit, dass sogar Individuen einer Art verschieden auf
Ozon reagieren. Das kann neben der genetischen Disposition auch von den
Lebensbedingungen der Pflanze vor und w¨
ahrend der Ozonexposition abh¨
angen.
Die Aufnahmerate von Ozon ¨
uber die Stomata wird stark von der (Luft-)Feuchte
beeinflusst. Ist sie gering, verdunstet die Pflanze wenig Wasser, die Stomata
bleiben geschlossen, und die Aufnahme von Ozon ist geringer als bei großer
Feuchtigkeit. Ein Zusammenwirken mit der nat¨
urlichen UV-Strahlung bei der
Sch¨
adigung ist auch m¨
oglich. UV-Strahlung ist in den Indoor-Klimakammern
nicht vorhanden.
Aus Zeitgr¨
unden konnten nur wenige verschiedene Ozonprogramme ausprobiert
werden. Das Zeitfenster zur Sch¨
adigung der Pollen ist m¨
oglicherweise verpasst
worden oder die Ozonwerte lagen in einem falschen Konzentrationsbereich. Bei
Exponierung ¨
uber l¨
angere Zeit trat vielleicht ein Gew¨
ohnungseffekt ein, der zur
KAPITEL 5. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 69
Abwehr des Stressfaktors Ozon beitr¨
agt.
Weitere Forschung ist zur Bestimmung der nat¨
urlichen Schwankung des Allergen-
gehalts in Pollen in Abh¨
angigkeit von den Lebensbedingungen wie Temperatur,
Feuchte, Licht und Boden und auch von der individuellen Pflanze n¨
otig. In
verschiedenen Jahren geerntete Pollenchargen k¨
onnen durchaus voneinander
in Protein- und Zuckergehalt abweichen. Variationen in diesen Parametern
¨
uberdecken unter Umst¨
anden alle durch Ozon verursachten Ver¨
anderungen.
Ein besonders wichtiger Parameter f¨
ur den Allergiker ist die Menge an Pollen,
die eine Pflanze freisetzt. Die Sch¨
aden durch Ozon k¨
onnen dazu f¨
uhren, dass eine
Pflanze weniger Pollen bildet, was eine ver¨
anderte Allergenit¨
at des einzelnen
Pollen weniger bedeutungsvoll macht.
Anhang A
Abk¨
urzungsverzeichnis
BSA Bovine Serum Albu-
min
ppb parts per billion
CHAPS (3-[(3-
Cholamidopropyl)-
dimethylammonio]-
propan- sulfonat)
ppm parts per million
CBD Cellulose binding do-
main
PPN Peroxypropionylnitrat
CE Kapillarelektrophorese PR-
Protein
pathogen-related Pro-
tein
ELISA Enzyme linked immu-
nosorbent assay
PVDF Polyvinyldifluorid
EOF Electroosmotic flow SDS Sodiumdodecylsulfat
mAb monoklonaler An-
tik¨
orper
Tris Tris(hydroxymethyl)-
aminomethan
MES 2-
Morpholinoethansulfons¨
aure-
Monohydrat
MOPS 3-
Morpholinopropansulfons¨
aure
NC Nitrocellulose
OPD o-Phenyldiamin
PA Polyacrylamid
PAN Peroxyacetylnitrat
pI isoelektrischer Punkt
POD Meerettichperoxidase
70
Anhang B
Begasungsversuche und Pflanzen
B.0.4 Lolium multiflorum
Pflanzen Lolium multiflorum Partie PC 70302 (2002) bzw. WV8RKPH6-101
(2001) werden aus einem Feld der DSV (Deutsche Saatgutveredelung, Th¨
ule, Salz-
kotten) ausgegraben. Sie werden in je drei Pflanzen geteilt, so dass drei genetisch
identische Individuen entstehen. Jede Pflanze wird in einen Topf (Durchmesser
15 cm, H¨
ohe 12 cm, 2 l) gepflanzt und in einen Topf mit Wasserreservoir (H¨
ohe
21 cm) gestellt. ¨
Uber einen Docht aus Asbestfasern (2000) oder Bew¨
asserungsfließ
(ab 2001) wird das Wasser in die T¨
opfe gesaugt und sorgt f¨
ur gleichm¨
aßig feuchte
Erde. Lolium multiflorum wurde in den Begasungskammern des LUA Essen und
in Paderborn eingesetzt.
Da die Pflanzen im Freiland ¨
uberwintern konnten, ist keine Vernalisation not-
wendig.
B.0.5 Lolium perenne
Lolium perenne v. Livree wird in Kulturt¨
opfen im Gew¨
achshaus anges¨
at, etwa 3
Wochen nach dem Keimen vereinzelt und weitere 6 Wochen heranwachsen gelas-
sen. Anschließend werden sie einem k¨
unstlichen Winter (2 Wochen bei 14 ◦C, 6
Wochen bei 7 ◦C, 2 Wochen bei 14 ◦C) ausgesetzt. Danach kann durch Lichtpha-
sen l¨
anger als 16 Stunden die Bl¨
uhphase induziert werden.
B.0.6 Lolium westerwoldicum
Lolium westerwoldicum v. Lifloria wird in Kisten von 60 mal 80 cm (H¨
ohe 15 cm)
oder 55 mal 60 cm (H¨
ohe 10 cm) ausges¨
at. Die Dichte betr¨
agt etwa 2,5 g Samen
pro 0,3 m2. Bei dichterer Saat bleiben die Pflanzen und ¨
Ahren klein und erge-
ben geringere Pollenausbeute. Nach etwa 6 Wochen auf dem Balkon im Sommer
oder im Winter im Labor oder in den Kammern bl¨
uhen die Pflanzen. Beim An-
wachsen unter nat¨
urlichem Licht wachsen die Gr¨
aser schneller und sind weniger
71
ANHANG B. BEGASUNGSVERSUCHE UND PFLANZEN 72
empfindlich gegen Sch¨
adlinge.
B.0.7 Verwendete Materialien
B.0.7.1 Pflanzerde Spezifikation
Hochmoortorf, m¨
aßig stark zersetzt (H2-H8) 60 %
Rindenhumus 30 %
Gr¨
unschnittkompost 30 %
Salzgehalt 3,0 g/l
pH (CaCl2) 5,0-6,5
N¨
ahrstoffe: 200-500 mg/l N
200-500 mg/l P2O5
300-600 mg/l K2O
B.0.7.2 D¨
unger
Wuxal N:K:P 12:4:6 5 ml auf 1 l Wasser, alle 3 Wochen
B.0.7.3 Sch¨
adlingsbek¨
ampfung
gegen Blattl¨
ause: Pirimor (Wirkstoff Primicarb) 5 % in Wasser
gegen Mehltau: Milgo-E (Ethirimol) 0,3 % in Wasser
Sch¨
adlingsbek¨
ampfung wurde, wenn n¨
otig, gleichm¨
aßig in beiden Kammern
durchgef¨
uhrt.
B.0.8 Lampen in den Klimakammern
Abbildung B.1: Osram Biolux Lichtfarbe 72-966, 36 W
ANHANG B. BEGASUNGSVERSUCHE UND PFLANZEN 73
B.0.9 Kalibrierung der Feuchtesensoren
Die Feuchtesensoren wurden durch verschiedene Schwefels¨
auren kalibriert, ¨
uber
denen sich abh¨
angig von der Konzentration, eine bestimmte Luftfeuchte einstellt.
δ(H2SO4) Konzentration (mol/l) Luftfeuchte oberhalb (%)
1,50 9,2 18,8
1,30 5,3 58,3
1,25 4,3 70,4
1,20 3,4 80,4
1,15 2,5 88,8
Abbildung B.2: Klimakammern Paderborn
Anhang C
Versuchsdurchf¨
uhrungen
C.1 Extraktion der Pollen
Extraktionspuffer pH 7,8
0,1 m/l NH4HCO37,9 g/l
NaN3(optional) 0,01 g/l
Pollenproben werden im Verh¨
altnis 2 % w(Pollen)/v(Puffer) mit dem Extrakti-
onspuffer gemischt und bei 4◦C 23 h auf dem Sch¨
uttler extrahiert. Anschließend
werden die Extrakte bei 4◦C und 2000 x g f¨
ur 25 min zentrifugiert und der ¨
Uber-
stand abgenommen, aliquotiert und sofort bei -20◦C eingefroren.
C.2 Proteingesamtbestimmung (Lowry-Test)
Arbeitsschritt verwendete L¨
osung Zeit
Ansetzen der Standardreihe BSA in Probenpuffer: 0,1;
0,25; 0,5; 1,0; 1,5 und 2,0
mg/ml
Pipettieren in die Wells der
MTP
5µl Probe bzw. Standard
oder Blindl¨
osung
25 µl L¨
osung A
200 µl L¨
osung B
Mixen im Plattenreader 5 s
Inkubationszeit 15 min
Vermessen bei 650 nm
Die Konzentrationen der Standards werden gegen die optische Dichte aufgetragen
und die Kalibrierkurve durch lineare Regression erstellt (Programm: ”Easy-Fit“).
74
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 75
C.3 ELISA
Alle Puffer und L¨
osungen werden mit doppelt destiliertem Wasser angesetzt.
Beschichtungspuffer pH 9,6 PBS/Tween
Na2CO321,0 g/l NaCl 8,4 g/l
NaHCO316,8 g/l NaH2PO40,24 g/l
nicht titrieren Na2HPO41,08 g/l
Tween 20 500 µl/l
Ansetzen der Standardverd¨
unnungsreihe: 10 Verd¨
unnungen
1. 2,5 µg Phl p 5/ml 10µl Phl p-Extrakt 81292 + 1,2 ml PBS-Tween
2. 250,0 ng/ml 100 µl Extrakt 1 + 900 µl PBS-Tween
3. 125,0 ng/ml 500 µl Extrakt 2 + 500 µl PBS-Tween
4. 62,5 ng/ml 500 µl Extrakt 3 + 500 µl PBS-Tween
usw.
10. 0,98 ng/ml 500 µl Extrakt 9 + 500 µl PBS-Tween
Arbeitsschritt L¨
osung Volumen oder Zeit
Beschichten der Mikro-
titerplatte mit Anti-
k¨
orper
10 µg/ml AB 1D11 in
Beschichtungspuffer
50 µl/well, ¨
uber Nacht,
4◦C
3 x waschen PBS/Tween 100 µl/well
Auftragen der Proben
bzw. Standardreihe in
Doppel- oder Dreifach-
bestimmung
50 µl/well 1 h, 37◦C
3 x waschen PBS/Tween 100 µl/well
Reaktion mit biotini-
liertem AB
AB 2B3 in
PBS/Tween, 1:250
verd.
50 µl/well, 1 h, 37◦C
3 x waschen PBS/Tween 100 µl/well
Reaktion mit
Streptavidin-
Peroxidase
Streptavidin-
Peroxidase-Konjugat
(0,25 µg/ml) in
PBS/Tween 1:1000
50 µl/well, 1 h, 37◦C
3 x waschen PBS/Tween 100 µl/well
Reaktion mit POD-
Substrat
POD/Harnstoff/H2O2
in Wasser
50 µl/well, ca. 15 min
im Dunklen
Abstoppen 1,5 n H2SO450 µl/well
Die Absorbtion wird bei 492 nm im Plattenreader SLT Spectra gemessen und
mit dem Programm ”SLT EasyFit“ ausgewertet.
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 76
C.4 Denaturierende, nicht reduzierende SDS-
Gelelektrophorese
Elektrophoresen wurden mit einer Biorad Mini-2D-Cell (Gelgr¨
oße 8 cm x 10 cm,
Dicke der Gele 0,5 cm) und einem Netzger¨
at Biorad Power Supply 1000 durch-
gef¨
uhrt.
C.4.1 Puffer
Gelpuffer Trenngel 1,5 mol/l Tris mit HCl auf pH 8,8 einstellen
Gelpuffer Sammelgel 0,5 mol/l Tris mit HCl auf pH 6,8 einstellen
Probenpuffer Sammelgelpuffer 2,5 ml
Glycerin 2,0 ml
10 % w/v SDS 4,0 ml
Bromphenolblau (0,1 %) 0,5 ml
mit H2O auf 10 ml auff¨
ullen
Laufpuffer Tris Base 29 g
Glycin 144 g
SDS 10 g
mit H2O auf 1 l auff¨
ullen pH ca 8,3; nicht einstellen
C.4.2 Gießen des Gels
Trenngel, c=2,7 % T=10 % 12 % 15 %
H2Odd 1,38 ml 0,81 ml 0,23 ml
Trenngel-Puffer 1,25 ml 1,25 ml 1,25 ml
10 % w/v SDS 50 µl 50 µl 50 µl
Lsg. Gel A 1,62 ml 2,03 ml 2,44 ml
Lsg. Gel B 0,675 ml 0,85 ml 1,02 ml
APS 10 %w/v 40 µl 40 µl 40 µl
TEMED 5 µl 5 µl 5 µl
Sammelgel, c=2,7 % T=4 %
H2Odd 1,96 ml
Sammelgelpuffer 1,25 ml
10 % w/v SDS 50 µl
Lsg. Gel A 1,22 ml
Lsg. Gel B 0,5 ml
APS 10 % w/v 40 µl
TEMED 5 µl
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 77
Zun¨
achst wird die Trenngell¨
osung gemischt, Katalysator (APS) und TEMED
d¨
urfen erst unmittelbar vor dem Gießen des Gels zugegeben werden. 5 ml der
L¨
osung werden vorsichtig am Rand der Glasplatte entlang in die Gießkassette
pipettiert und mit ca. 1 ml Terti¨
arbutanol ¨
uberschichtet. Nach 45 Minuten ist das
Gel polymerisiert, der Alkohol wird abgesch¨
uttet und die Kassette bis zum Rand
mit Sammelgelmischung gef¨
ullt. Zum Formen von Probentaschen wird sofort ein
passender Kamm in die L¨
osung gedr¨
uckt, so dass keine Luftblasen eingeschlossen
werden. Nach etwa 30 Minuten ist die Polymerisation abgeschlossen, der Kamm
kann entfernt und das Gel verwendet werden.
C.4.3 Vorbereitung der Proben
Proteinl¨
osung wird im Verh¨
altnis 1:1 mit Probenpuffer versetzt, gut durchmischt
und etwa 10 Minuten im Wasserbad verkocht. Nach dem Abk¨
uhlen k¨
onnen die
Proben mit einer Mikrospritze auf das Gel gegeben werden.
C.4.4 Durchf¨
uhrung der Elektrophorese
Die Kathodenkammer der Mini-2D-Cell wird mit 100 ml Laufpuffer gef¨
ullt und
die Proben werden aufgetragen. In die Anodenkammer werden 500 ml Laufpuffer
gegeben, die Elektrophoresezelle geschlossen und eine Spannung von 125 V an-
gelegt. W¨
ahrend des Laufes f¨
allt der Strom von etwa 30 mA auf bis zu 10 mA.
Wenn die Farbstofffront das Ende des Gels erreicht hat (ca. 90 Minuten), kann
die Elektrophorese beendet werden.
C.5 Kolloidale Coomassief¨
arbung
Arbeitsschritt verwendete L¨
osung Zeit
Fixieren der Protei-
ne
79 ml H2O, 1 ml o-
Phosphors¨
aure, 20 ml
Methanol
1 h auf dem Sch¨
uttler
F¨
arben 60 ml H2O, 20 ml Roti-
Blue 5x, 20 ml Methanol
¨
uber Nacht auf dem
Sch¨
uttler
Waschen 25 % Methanol in H2Odd 10 min
Trocknen 70 ml H2O, 10 ml Glyce-
rin, 20 ml Ethanol
30 min auf dem Sch¨
utt-
ler
Anschließend kann das Gel zwischen zwei nassen Cellophanfolien auf einer Glas-
platte getrocknet werden (ca. 24 h). Es wird eingescannt und mit dem Programm
Image1D von Pharmacia ausgewertet.
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 78
C.6 Westernblot im Anschluss an die Gelektro-
phorese
Nitrocellulose (NC) oder PVDF-Membran auf Gelgr¨
osse schneiden, eine Ecke
markieren; sechs Blotfilterpapiere auf Gelgr¨
oße schneiden.
C.6.1 Semidry
Kathodenpuffer:Anodenpuffer 1 pH 6,8
39 ml/l Glycin 2,93 g/l 0,3 mol/l Tris 36,3 g/l
0,01 % SDS (w/v) 0,1 g/l 0,01 % NaN3(s.o.) 0,1 g/l
0,01 % NaN3(optional) 0,1 g/l
Anodenpuffer 2 pH 8,6
25 mmol/l Tris 3,03 g/l
0,01 % NaN3(s.o.) 0,1 g/l
Arbeitsschritt verwendete L¨
osung Zeit
Gel ¨
aquilibrieren Kathodenpuffer 5 min
Membran aktivieren
(nur PVDF)
Methanol 15 s
H2O 2 min
Anodenpuffer 2 5 min
Aufbau des Blotsand-
wich
Graphitelektroden
w¨
assern
- 2 Filterpapiere in AP1
tr¨
anken, auf der Anode
plazieren
- 1 Filter in AP2 ge-
tr¨
ankt
- Membran
- Gel
- 3 Filterpapiere in KP
getr¨
ankt
- Kathode + Gewicht
Luftblasen durch Walzen mit Pasteurpipette entfernen
Blot 0,8 mA/cm2Gel: 1-2 h
1,2 mA/cm2Gel: 1 h
2,5 mA/cm2Gel: 30-45
min
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 79
Kontrolle des ¨
Ubergangs
- Ponceau S-F¨
arbung der Membran,
- farbige Markerproteine,
- kolloidale Coomassief¨
arbung des Gels
C.6.2 Kapillarblot
Blotpuffer pH 8,3
20 mmol/l Tris 2,41 g/l
150 mmol/l Glycin 10,25 g/l
Aufbau des Blotsandwich
•3 Filterpapiere gut in Puffer tr¨
anken, auf eine Glasplatte platzieren, Enden
in Pufferreservoirs
•Gel darauf, gut mit Puffer tr¨
anken, Luftblasen entfernen
•Membran
•3 auf Gelgr¨
oße geschnittene trockene Filterpapiere
•trockenes, saugf¨
ahiges Material
•mit Glasplatte und Gewicht beschweren
Der Blot erfolgt durch Kapillarkr¨
afte ¨
uber Nacht.
¨
Uberpr¨
ufung des Bloterfolgs s.o.
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 80
C.7 Immunchemische Detektion
Auf den Blotmembranen k¨
onnen die Allergene je nach Fragestellung mit Human-
seren oder monoklonalen Antik¨
orpern detektiert werden.
Waschpuffer: PBS + 0,05 % Tween 20 (siehe ELISA)
Inkubationspuffer: PBS + 0,1 % BSA (Fraktion 5)
mAb’s 1D11 bzw 3G5: 2 µg/ml in Inkubationspuffer
Allergiekerseren: 1:5 in Inkubationspuffer
Chromogenes Subtrat Novex: 1:1 mit H2O
Arbeitsschritt verwendete L¨
osung Zeit
Blockieren der freien
Bindungsstellen
Blockierungsl¨
osung
Western Breeze Kit
30 min auf dem Sch¨
utt-
ler
Trocknen der Membran 37 ◦C 1-2 h
Kennzeichnen der Lanes, schneiden in 4-5 mm Streifen und ¨
Uberf¨
uhren in
Inkubationstray (Biorad)
Inkubation mit
prim¨
arem Antik¨
orper
1 ml verd. Serum oder
AB-Lsg pro Lane
¨
uber Nacht auf
Kippsch¨
uttler
Waschen Waschpuffer je 1 ml 3 x 10 min
Inkubation mit se-
kund¨
arem Antik¨
orper •Bei Serum: anti-
human mouse
IgE-AP 1:1000 in
Inkubationspuf-
fer
•bei mAB: Wes-
tern Breeze Anti-
Mouse AP, 1 ml
pro Lane
3-4 h auf dem Sch¨
uttler
Waschen Waschpuffer je 1 ml 3 x 10 min
Farbreaktion Chromogenes Substrat
1 ml pro Lane
20-60 min bis Banden
erscheinen
Die Membranstreifen werden im Dunklen getrocknet und eingescannt.
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 81
C.8 Kapillarelektrophorese
Ger¨
at: Beckman-Coulter PACE-MDQ
Kapillare: Fused-silica, unbelegt, ID 75 µm, L=60/50 cm,
CS-Chromatographie Service
Puffer: 100 mmol/l Na2B4O7, mit 0,1 n NaOH pH-Wert
auf 10,1 einstellen
Vor jeder Analyse sp¨
ulen: 2 min mit 1 n NaOH und 20 psi Druck
2 min mit 0,1 n NaOH, 20 psi
2 min mit Wasser, 20 psi
2 min mit Boratpuffer, 20 psi
Injektion 9 sec, 0,7 psi
Trennung 15 kV, 20◦C, Boratpuffer, 50-60 min
Detektion PDA-Detektor, 190-300 nm
Nach jeder Analyse sp¨
ulen: 4 min 1 n NaOH, 20 psi
2 min H2O, 20 psi
Auswertung: PACE-MDQ Software
Die Proben werden bei Raumtemperatur aufgetaut, zentrifugiert, um Teilchen,
die die Kapillare verstopfen k¨
onnen, abzutrennen, und vermessen.
C.9 FTIR
FTIR-Spektren werden mit einem Spektrometer Bruker IFS 28/B aufgenommen.
Dazu werden 30 µl (zweimal nacheinander 30 µl bei sehr geringer Proteinkonzen-
tration) auf das Probenrad gegeben und im Exsikkator getrocknet. Die Messung
erfolgt mit einer modifizierten MO-Methode mit 256 Scanns. Zum Abgleich wird
jeweils der Hintergrund vermessen. Auswertung und Messung erfolgt mit dem
Programm ”OPUS NT“ bzw. ”OPUS 4.0“.
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 82
C.10 Chemikalien und Reagenzien
C.10.0.1 Markerproteine f¨
ur die SDS-Elektrophorese:
MG Marker14-94 LMW Electrophoresis Calibration Kit, Pharmacia
Protein MG (Da) Protein MW (Da)
Phosphorylase b 94 000 Carbonic Anhydrase 30 000
Bovine Serum Albumin 67 000 Soybean Trypsin Inhibitor 20 100
Ovalbumin 43 000 α-Lactalbumin 14 400
C.10.0.2 Acrylamidl¨
osungen
Rotiphorese Fertigl¨
osungen Roth
Gel A: 30 % w/v Acrylamid
Gel B: 2 % w/v Bisarylamid
C.10.0.3 ELISA-Test Phl-p-5
Antik¨
orper Allergopharma J. Ganzer KG
Antik¨
orper 1D11, monoklonal (von der Maus)
biotynilierter Nachweisantik¨
orper 3B2 (Maus)
Peroxidase Substrat Sigma
o-Phenylendiamin Dihydrochlorid
Urea Hydrogen Peroxide
Mikrotiterplatten Nunc Maxisorp C96
C.10.0.4 Blot
Blotpapier Schleicher und Schuell GB 404 Gel Blotting Paper
Membran PVDF Invitrogen Invitrolon PVDF-Filterpaper Sandwich, 0,45 µm pore size
C.10.0.5 WesternBreeze
NOVEX-Invitrogen
Chromogenic Western Blotting Immunodetection System
bestehend aus Blocking solution, Washing Solution, Secondary AB Solution and
Chromogenic Solution
C.10.0.6 Kolloidale Coomassie-F¨
arbung
Roti-Blue 5-fach Konzentrat Roth
ANHANG C. VERSUCHSDURCHF ¨
UHRUNGEN 83
C.10.0.7 Proteintest Lowry
Biorad DC Protein Assay
L¨
osung A alkalisches Cu-tartrat
L¨
osung B Folins Reagenz
C.10.0.8 Sonstige Chemikalien
Ammoniumhydrogencarbonat Riedel
Ammoniumperoxodisulfat APS Roth
Anti-Human IgE, AP-konjugiert Pharmingen International
Bovine serum Albumin V BSA
Bromphenolblau Sigma
Glycin Merck
Glycerin wasserfrei Merck
Methanol Roth
Kaliumphosphat Merck
Natriumazid Sigma
Natriumcarbonat Merck
Natriumchlorid Merck
Natriumdihydrogenphosphat Fluka
Di-Natriumhydrogenphosphat Fluka
Natriumhydrogencarbonat Roth
Natriumdodecylsulfat Biorad
Natriumhydroxid Merck
ortho-Phosphors¨
aure Merck
Salzs¨
aure Merck
Schwefels¨
aure
Sodiumdodecylsulfat SDS Merck
Streptavidin Sigma
1,2-Bis(dimethylamino)ethan TEMED Roth
Tris-(hydroxymethyl)aminomethan Tris Roth
Polyoxyethylensorbitan-monolaurat Tween 20 Sigma
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