Stereoselektive Biohydrolyse von Epoxiden
- Analyse, Optimierung und Modellierung
Von dem Department Chemie
der Universit¨at Paderborn genehmigte
Dissertation
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat. -
von
Diplom-Chemiker
Thorsten Bruß
aus Jarlingen
Paderborn, M¨arz 2003
Die vorliegende Arbeit wurde in der Zeit von Januar 1999 bis M¨arz 2003 im Fachge-
biet f¨ur Technische Chemie und Chemische Verfahrenstechnik und im Fachgebiet f¨ur
Organische Chemie im Department Chemie der Universit¨at Paderborn angefertigt.
Referent: Prof. Dr.-Ing. H.-J. Warnecke
Universit¨at Paderborn
Fachbereich Chemie und Chemietechnik
Technische Chemie und Chemische Verfahrenstechnik
Korreferent: Priv. Doz. Dr. rer. nat. B. Westermann
Universit¨at Paderborn
Fachbereich Chemie und Chemietechnik
Organische Chemie
Datum der Abgabe: 12. M¨arz 2003
Datum der m¨undlichen Pr¨ufung: 17. April 2003
Damit das M¨ogliche entsteht,
muss immer wieder das Unm¨ogliche
versucht werden.
Hermann Hesse (1877-1962)
I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Stand des Wissens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 Problemstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
2 Theorie 4
2.1 Chiralit¨at und Enantioselektivit¨at . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Gewinnung enantiomerenreiner Epoxide . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.2.1 Kinetische Racematspaltung mit Epoxidhydrolasen . . . . . . 6
2.2.2 Mikrobiologische Epoxidhydrolasen . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.2.3 Substrate filament¨oser Pilz-Epoxidhydrolasen katalysierter Re-
aktionen.............................. 9
2.3 Chirale Analytik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.3.1 Polarographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.3.2 Kernresonanzspektroskopie in der Stereoisomerenanalytik . . 12
2.3.3 Chromatographie an chiralen Phasen . . . . . . . . . . . . . . 13
2.4 Immobilisierung von Biokatalysatoren . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.4.1 Allgemeine ¨
Ubersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.4.2 Verkapselung von Biokatalysatoren . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.5 Beauveria bassiana und Aspergillus niger in der organischen
Synthese.................................. 17
2.6 Modellierungsbeispiele in der Biokatalyse . . . . . . . . . . . . . . . 18
3 Experimentelles 20
3.1 Analytik.................................. 20
INHALTSVERZEICHNIS II
3.1.1 Bestimmung der Styrolepoxid-Stereoisomeren . . . . . . . . . 20
3.1.2 Bestimmung der 1,2-Phenylethandiol-Stereoisomeren . . . . . 20
3.1.3 Messung der Phenylacetaldehydkonzentration . . . . . . . . . 21
3.1.4 Messung des gesamten organischen Kohlenstoffgehaltes in L¨osun-
gen................................. 21
3.1.5 Strukturbeweis der Produkte mittels NMR-Spektroskopie . . 21
3.1.6 Messung der Kohlenwasserstoffkonzentration in der Gasphase 22
3.1.7 Messung der Biotrockenmasse . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2 Biokatalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2.1 Pilzkulturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2.2 Biomassenanzucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2.3 Messung der Wachstumskurven . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2.4 Biohydrolyse mit freiem Pilz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.2.5 Biohydrolyse mit gefriergetrocknetem Pilz . . . . . . . . . . . 25
3.2.6 Biohydrolyse in organischen L¨osemitteln . . . . . . . . . . . . 26
3.2.7 Bestimmung der Autohydrolyse- und Folgereaktion . . . . . . 26
3.3 Immobilisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.3.1 Verkapselung der Biokatalysatoren in eine Polyvinylalkohol-
matrix............................... 27
3.3.2 Biohydrolyse mit Immobilisaten . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.3.3 Bestimmung des Diffusionsmechanismus . . . . . . . . . . . . 27
3.3.4 Bestimmung der Diffusionskoeffizienten . . . . . . . . . . . . 28
3.4 Aufschluss der Pilzzellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.4.1 Aufschluss durch Gefriertrocknung . . . . . . . . . . . . . . . 29
INHALTSVERZEICHNIS III
3.4.2 Aufschluss mit dem Zellaufschlussger¨at . . . . . . . . . . . . 29
3.4.3 Aufschluss mit Ultraschall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.4.4 Aufschluss mit dem Ultraturrax . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.4.5 Aufschluss mit gek¨uhlten L¨osemitteln . . . . . . . . . . . . . 30
3.4.6 Kombination der Aufschlussverfahren . . . . . . . . . . . . . 30
3.4.7 Anreicherung der Enzymfraktion . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.4.8 Bestimmung der Substratbreite . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
4 Ergebnisse 32
4.1 Anzucht der Mikroorganismen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
4.1.1 Wachstumskurve Aspergillus niger ............... 32
4.1.2 Wachstumskurve Beauveria bassiana .............. 34
4.1.3 Optimierung der Wachstumstemperatur . . . . . . . . . . . . 36
4.1.4 Zusammensetzung des N¨ahrmediums . . . . . . . . . . . . . . 36
4.2 Analytik.................................. 39
4.2.1 Extraktion der Analyten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.2.2 Enantiomerentrennung der Epoxide . . . . . . . . . . . . . . 39
4.2.3 Enantiomerentrennung der Diole mittels chiraler Hochleistungs-
fl¨ussigkeitschromatographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
4.3 Reaktionssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.4 Reaktionsverlauf im Detail . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.4.1 Autohydrolyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.4.2 Folgereaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.4.3 Racemasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
INHALTSVERZEICHNIS IV
4.4.4 Enzymatische Hauptreaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
4.4.5 Enzymatische Nebenreaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
4.4.6 Enzymatische R¨uckreaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
4.4.7 Inhibition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
4.4.8 Das Reaktionssystem f¨ur die Modellierung . . . . . . . . . . . 52
4.5 Reaktion mit suspendiertem Pilz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
4.5.1 Wahl des optimalen Reaktionsmediums . . . . . . . . . . . . 53
4.5.2 Reaktionsverlauf mit gefriergetrocknetem Pilz . . . . . . . . . 54
4.5.3 Reaktion unter O2-Atmosph¨are . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
4.6 Reaktion in organischen L¨osemittelsystemen . . . . . . . . . . . . . . 57
4.6.1 Wahl der geeigneten L¨osemittel . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
4.6.2 Wahl des Konzentrationsbereiches der L¨osemittel . . . . . . . 60
4.6.3 Konzentrationssteigerung des Eduktes . . . . . . . . . . . . . 60
4.7 Aufschluss der Pilzzellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4.8 Immobilisierung der Biokatalysatoren . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
4.8.1 Reaktion mit PVA verkapselten Mikroorganismen . . . . . . 65
4.8.2 Wiederverwendung der PVA-Kapseln . . . . . . . . . . . . . . 66
4.8.3 Bestimmung des Diffusionskoeffizienten in den PVA-Immobilisaten 67
4.9 Bewertung der Substratbreite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
5 Modellierungen der Biohydrolyse 73
5.1 Reaktion mit suspendiertem Pilz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
5.2 Eindimensionale Diffusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
INHALTSVERZEICHNIS V
5.3 Batch-Reaktionsansatz unter Ber¨ucksichtigung der Immobilisatgeo-
metrie ................................... 79
6 Zusammenfassung und Ausblick 82
7 Anhang 85
Notation 85
7.1 Bestimmung des Diffusionskoeffizienten in PVA-Membranen . . . . . 87
7.2 Anpassungsroutinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
7.2.1 Biohydrolyse mit Pilzsuspension . . . . . . . . . . . . . . . . 90
7.2.2 Eindimensionale Diffusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
7.2.3 Biohydrolyse mit Immobilisaten . . . . . . . . . . . . . . . . 93
Literatur 99
Dank 106
Abstract 107
1 EINLEITUNG 1
1 Einleitung
1.1 Stand des Wissens
Synthese- und Trennschritte zu enantiomerenreinen Produkten sind in der chemi-
schen und pharmazeutischen Industrie der Schl¨ussel zu einer hohen Wertsch¨opfung
in einem Markt mit einer hohen Dynamik. Das Wachstum des Marktvolumens an
enantiomerenreinen Feinchemikalien wird mit 13.2% j¨ahrlich bis 2007 prognostiziert
[83] und ist so ¨uberdurchschnittlich hoch. Außerdem ist sp¨atestens seit der Conter-
gankatastrophe 1962 der Bedarf an enantiomerenreinen Wirkstoffen unumstritten
[66], [77]. Dieser f¨uhrt in der Industrie zu einem starken Anstieg der eingesetzten
0
20
40
60
80
100
120
140
160
1960 1970 1980 1990 2002
Jahr
Anzahl biotechnologischer Prozesse
Abbildung 1.1: Anzahl der eingesetzten biotechnologischen industriellen Prozesse
biokatalytischen Prozesse zur Gewinnung von enantiomerenreinen Substanzen, der
in Abbildung 1.1 dargestellt ist. Im Jahre 2002 wurden 138 großtechnische, bio-
technologische Prozesse in Betrieb genommen [84]. Das wissenschaftliche Interesse
an der Bereitstellung enantiomerenreiner Produkte wird besonders durch die Verlei-
1 EINLEITUNG 2
hung des Nobelpreises f¨ur Chemie im Jahre 2001 an Knowles, Noyori und Sharpless
f¨ur ihre Pionierarbeiten auf dem Gebiet dokumentiert [51]. Exemplarisch f¨ur die-
ses Forschungsgebiet ist die Konkurrenz bei der Herstellung von enantiomerenreinen
Epoxiden und deren korrespondierenden Diolen, um diese sehr interessanten ”buil-
ding blocks” zur Verf¨ugung zu stellen.
Einer der Nobellaureaten, Sharpless, entwickelte 1980 den nach ihm benannten Kata-
lysator, um Allylalkohole enantioselektiv zu epoxidieren [81]. Die Entwicklung dieses
Katalysators stellt einen Meilenstein in der Synthese enantiomerenreiner Epoxide
dar. Allerdings wird man bedingt durch den Reaktionsmechanismus bei der Edukt-
wahl auf Allylalkohole beschr¨ankt. Neben der asymetrischen Synthese ist die kineti-
sche Racematspaltung ein weiteres stark bearbeitetes Arbeitsgebiet. Bei den Epoxi-
den sind einige Beispiele f¨ur die Spaltung verschiedener Racemate mit Hilfe von
Epoxidhydrolasen aus unterschiedlichen Zellen bekannt [3], [25], [26]. Besonders her-
vorzuheben sind die Hydrolasen aus filament¨osen Pilzen [3], [45], da sie durch gezielte
Anzucht der Mikroorganismen in ausreichenden Mengen zur Verf¨ugung stehen. Als
Beschr¨ankungen der Reaktionsf¨uhrung treten hier die f¨ur Ganzzellsysteme typischen
Probleme [20], wie geringe Eduktkonzentration und die Wiederverwendbarkeit der
Katalysatoren, auf. Von Bedeutung f¨ur pharmazeutische Produkte ist außerdem die
vollst¨andige Abtrennbarkeit der Mikroorganismen nach der Reaktion. In der Lite-
ratur ist eine hohe Anzahl von Substraten f¨ur diese Reaktion beschrieben [25], [42],
[44], die allerdings alle unter den oben genannten Beschr¨ankungen leiden, so dass
eine Optimierung der Reaktionssf¨uhrung zu einem technisch interessanten Prozess
f¨uhren kann.
1.2 Problemstellung
Als Modellsystem wird in dieser Arbeit die enantioselektive Biohydrolyse von Sty-
rolepoxid mit den filament¨osen Pilzen Aspergillus niger und Beauveria bassiana un-
tersucht (Abbildung 1.2). Beide enantiomerenreine Produkte sind interessante Zwi-
schenprodukte in der chemischen und pharmazeutischen Industrie [25], [45], [61].
In der vorliegenden Arbeit soll mit verschiedenen Strategien die Reaktionsf¨uhrung
optimiert werden. Hierzu ist ein genaues Verst¨andnis des Reaktionssystems notwen-
dig, um Nebenreaktionen zu unterdr¨ucken und die Enantiomeren¨ubersch¨usse anzu-
heben. F¨ur die Verfolgung des Reaktionsverlaufes wird eine geeignete Analytik aller
beteiligten Stoffe etabliert, die es erlaubt das Reaktionssystem vollst¨andig zu erfas-
1 EINLEITUNG 3
O
Beauveria bassiana
Aspergillus niger
rac-Styrolepoxid
O
O
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
(S)-Styrolepoxid
(R)-Styrolepoxid
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan -1,2-diol
+
+
Abbildung 1.2: Stereoselektive Biohydrolyse von Styrolepoxid mit den filament¨osen
Pilzen Beauveria bassiana und Aspergillus niger
sen.
Zur Optimierung des Reaktionsverlaufes werden folgende Ans¨atze verfolgt und ge-
gebenenfalls kombiniert:
•Variation des Reaktionsmediums
•Immobilisation des Biokatalysators
•Aufschluss der Mikroorganismen
•Modellierung des Reaktionsverlaufes
Durch die Verwendung von organischen L¨osemitteln als Reaktionsmedium soll die
Eduktkonzentration erh¨oht und gegebenenfalls Nebenreaktionen unterdr¨uckt wer-
den. Die geeignete Immobilisation des Biokatalysators soll eine Wiederverwendung
und kontinuierliche Verfahrensweise erm¨oglichen. Parallel dazu kann ein Aufschluss
des Biokatalysators mit anschließender Aufkonzentration des Enzymes und einer
Immobilisation zu h¨oherer Raum-Zeit-Ausbeute f¨uhren. Es soll mit einem einfachen,
auch unter technischen Bedingungen handhabbaren Verfahren gearbeitet werden.
Schließlich soll die Modellierung des Reaktionssystems und die Anpassung des Mo-
dells an Meßdaten die Modellvorstellung validieren und nicht experimentell zug¨angli-
che kinetische Daten liefern. Die Modellbildung soll aus den experimentell ermittelten
kinetischen Daten in einem kommerziell erh¨altlichen Programm erfolgen.
2 THEORIE 4
2 Theorie
2.1 Chiralit¨at und Enantioselektivit¨at
Die 1848 von Pasteur entdeckte Stoffeigenschaft der Chiralit¨at [68] tritt bei Mo-
lek¨ulen auf, die sich nicht mit ihrem Spiegelbild in Deckung bringen lassen. Auf
molekularer Ebene muss hierzu ein asymmetrisches Zentrum oder eine Symmetrie-
achse Cnvorhanden sein. Das Molek¨ul darf hingegen keine Symmetrieebenen oder
Drehspiegelachsen enthalten. Die beiden Molek¨ule mit spiegelbildlicher Topologie
nennt man Enantiomere. Ihre physikalischen Eigenschaften stimmen bis auf die Ab-
lenkung der Drehrichtung der Schwingungsebene von linear polarisiertem Licht ¨ube-
rein. Große Unterschiede treten in der Pharmakokinetik und Toxizit¨at der Enan-
tiomeren auf, die mit ihrer verschiedenen Topologie und damit verbundener Wech-
selwirkungsf¨ahigkeit mit Zellstrukturen zusammenh¨angen. F¨ur die Verwendung von
Wirkstoffen ist die enantiomerenreine Gewinnung und Quantifizierung der Reinheit
von gr¨oßter Bedeutung. Die Reinheit von stereogenen Substanzen wird durch den
Enantiomeren¨uberschuss (ee-Wert) angegeben, der durch die Formel 2.1 definiert ist.
ee =(xR)−(xS)
(xR)+(xS)∗100% (2.1)
Der Enantiomeren¨uberschuss betr¨agt bei einem Racemat, einem ¨aquimolaren Ge-
misch beider Enantiomere, 0% und bei einem rein vorliegenden Enantiomeren 100%.
Die im Verlauf der Reaktion umgesetzte Stoffmenge bezogen auf die eingesetzte Stoff-
menge einer bestimmten Komponente wird in der Reaktionstechnik als Umsatzgrad
(U oder kurz Umsatz) bezeichnet (Formel 2.2). Sie kann bei einer enantioselektiven
Reaktion ebenfalls aus den Enantiomeren¨ubersch¨ussen des Substrates (ees) und des
Produktes (eep) berechnet werden. Der Umsatz steigt im Verlauf der Reaktion von
0, beim Reaktionsstart, bis auf 1 bei vollst¨andiger Reaktion.
U≡ni0−ni
ni0
=ees
ees+eep
(2.2)
F¨ur die Bewertung enantioselektiver Reaktionen wird die Enantioselektivit¨at (E-
Wert, Formel 2.3) verwendet [28]. Die Enantioselektivit¨at ist f¨ur die jeweilige Re-
aktion eine Konstante unabh¨angig von den Substratkonzentrationen und dem Um-
satz. Sie quantifiziert die F¨ahigkeit des Katalysators zur Unterscheidung der beiden
um einen Katalysatorenplatz konkurrierenden Enantiomeren. Ein E-Wert von 1 ent-
spricht einer unselektiven Reaktion, ab einem Wert von 100 erh¨alt man bei einem
2 THEORIE 5
Umsatz von 0,5 ein optisch reines Produkt. In diesem Fall spricht man von einer
hochselektiven Reaktion.
E≡Vmax
KMR
Vmax
KMS
=ln[(1 −U)(1 −ees)]
ln[(1 −U)(1 + ees)] =ln[(1 −U)(1 −eeP)]
ln[(1 −U)(1 + eeP)] (2.3)
Ab einem E-Wert von 20 sind enantioselektive Reaktionen meist pr¨aparativ nutzbar,
da sich bei einem bestimmten Umsatz ein stark enantiomerenangereichertes Produkt
isolieren l¨asst.
2.2 Gewinnung enantiomerenreiner Epoxide
Enantiomerenreine Epoxide sind interessante Edukte in der organischen Synthese
und ”building blocks” in der Wirkstoffherstellung. Dank ihrer hohen Ringspannung
stellen sie exzellente Reaktionspartner f¨ur fast alle Nukleophile dar. Als Strategie zu
ihrer Darstellung wurden die asymmetrische Synthese und die kinetische Racemat-
spaltung entwickelt.
Bei der asymmetrischen Synthese wird von einer prochiralen Verbindung ausgegan-
gen. Mit Hilfe von chiralen Reagenzien (chirale Pers¨auren, chirale Dioxirane oder
chirale Borate), chiralen Auxiliaren oder chiralen Katalysatoren gelangt man zu ei-
nem chiralen Epoxid [17]. Diese Verfahren sind nicht in allen F¨allen hochselektiv. Bei
der Reaktion einer chiralen Pers¨aure mit einem trans-Alken ist das Stereozentrum
zu weit von den neu zu bildenden Zentren entfernt f¨ur eine hochwirksame Wechsel-
wirkung. Erst eine sterisch anspruchsvolle Seitengruppe an dem Alken, die einen der
m¨oglichen ¨
Ubergangszust¨ande stark bevorzugt, erm¨oglicht hohe Selektivit¨aten [47].
Die genauere Untersuchung des Mechanismus ergab, dass ein sterischer Einfluss nicht
ausreicht, um die Ergebnisse der Reaktion zu erkl¨aren. Es wird ein ¨
Ubergangszustand
angenommen, bei dem die eingef¨ugte Seitengruppe die Pers¨aure in der richtigen Po-
sition fixiert. Diese ¨
Uberlegung f¨uhrte schließlich zu der Idee, Metallkatalysatoren
f¨ur die Reaktion einzusetzten.
Die wohl bekannteste Reaktion zu einem enantiomerenreinen Epoxid ist die in den
1980er Jahren entwickelte Sharpless-Katsuki-Oxidation, die ausgehend von Allylal-
koholen mit Hilfe von tert-Butylhydroperoxid und Titan-Tatrat-Komplexen zu den
entsprechenden Glycidolen f¨uhrt. Das bevorzugte Enantiomer kann hierbei ¨uber das
am Katalysator gebundene Enantiomere des Tatrates bestimmt werden [80], [89].
2 THEORIE 6
Die Reaktion f¨uhrt im Allgemeinen zu hohen Enantiomeren¨ubersch¨ussen. Die ally-
lische Hydroxidgruppe koordiniert das Substrat am Titanzentrum. Das Tatrat ist
ebenfalls am Titan koordiniert und erzeugt eine chirale Umgebung. Die eigentliche
Oxidation erfolgt ¨uber einen ¨
Ubergangszustand, an dem das tert-Butylhydroperoxid
ebenfalls am Titanzentrum koordiniert ist [17]. Die Limitierung des Substrates auf
Allylalkohole wird durch den Mechanismus auch theoretisch einsichtig.
Eine Weiterentwicklung der enantioselektiven Epoxidation sind die Katalysatoren
nach Jacobsen und Katsuki [35], die in den 1990er Jahren entwickelt wurden. Dabei
handelt es sich um eine Katalysatorgruppe, in der ein C2-symmetrisches Mn(III)-
Salen-Zentrum unterschiedlich substituiert ist. In der Literatur wurden ¨uber 100 ka-
talytisch aktive Komplexe dieses Types beschrieben [57], von denen der N,N-Bis(3,5-
di-t-butylsalicyliden)-1,2-cyclohexandiaminomangan(III)chlorid, der sogenannte Ja-
cobsen Katalysator, der effizienteste und meistgenutzte ist. Mittlerweile ist der luft-
stabile, lange lagerbare Komplex kommerziell erh¨altlich, was seine Verbreitung in
pr¨aparativen Laboren weiter vorantreibt. Als Substrate eignene sich konjugierte cis-
Alkene und di- und trisubstituierte Olefine. Die asymmetrische Epoxidation von
trans-Alkenen stellt immer noch ein ungel¨ostes Problem dar.
2.2.1 Kinetische Racematspaltung mit Epoxidhydrolasen
Alternativ zur asymmetrischen Synthese bildet die kinetische Racematspaltung mit
Epoxidhydrolasen einen interessanten Zugang zu enantiomerenreinen Epoxiden und
deren korrespondierenden Diolen [6]. Nach der Internationalen Komission f¨ur Enzy-
me werden Epoxidhydrolasen der Klasse EC 3.3.2.3 zugeordnet [48]. Diese spalten
eine Etherbindung regio- und enantiospezifisch unter Anlagerung von Wasser. Vi-
cinale trans-Diole (Abbildung 2.1) werden so durch eine SN2 Reaktion gebildet.
R2
R1
R4
R3
Epoxidhydrolase
Wasser
R3
R4
OH
R2
HO
R1
**
O
Abbildung 2.1: Hydrolyse eines Epoxids durch Epoxidhydrolasen
Epoxide haben einen stark elektrophilen Charakter und sind ein gutes Alkylierungs-
reagenz. Daraus resultiert ihr Verm¨ogen, den Informations- und Strukturerhalt le-
2 THEORIE 7
bender Zellen zu st¨oren [64]. Sie werden zum Beispiel bei dem Abbau von Aroma-
ten ¨uber Monooxidasen gebildet [22]. Wegen ihrer Giftigkeit, Cancerogenit¨at und
Teratogenit¨at besitzen alle Zellen zu ihrem Schutz Epoxidhydrolasen, die Epoxide
zu biologisch weniger problematischen, wasserl¨oslichen und sehr gut sekretierbaren
trans-1,2-Diolen umwandeln [25]. In h¨oheren Organismen sind Epoxidhydrolasen da-
her verst¨arkt in katabolisch aktiven Organen, wie der Leber, zu finden. Eukarionten,
wie Mammalia- und Pilzzellen, weisen ebenfalls eine nachweisbare Hydrolaseaktivit¨at
auf [29]. Neuere Untersuchungen zeigen auch eine Verbreitung der Epoxidhydrolasen
in Bakterienzellen [36].
F¨ur die mit Epoxidhydrolasen katalysierte Reaktionen wurde ein Mechanismus vor-
geschlagen, der die trans-antiperiplanare Addition von Wasser unter Inversion an
dem angegriffenen Kohlenstoffatom erkl¨art (Abbildung 2.2) [25], [27]. An dieser Re-
aktion sind keine Cofaktoren und auch keine Metallzentren beteiligt.
OO
Asp
His
Tyr
O
N
N
H
OH
-
OO
Asp
His N
N
H
OH
H O
H
OO
Asp
His N
N
H
-
HO
OH
H+
"Glycol-
momoester
intermediat"
Abbildung 2.2: Mechanismus der Epoxid¨offnung mit microsomaler Epoxidhydrolase
Die Carboxylatgruppe des Aspartatrestes der ”active site” des Enzyms greift nu-
kleophil den Oxiranring unter Bildung eines Glycolmonoesterintermediats an. Das
ben¨otigte Proton wird synchron hierzu von einem Tyrosin ¨ubertragen. Im darauf fol-
genden Schritt wird die Esterbindung des Glycomonoesters basenkatalysiert durch
ein Histidinrest hydrolysiert und das Diol von der ”active site” abgespalten.
2 THEORIE 8
2.2.2 Mikrobiologische Epoxidhydrolasen
Epoxidhydrolasen (EH) aus Mikroorganismen k¨onnen nach ihrer Herkunft und gleich-
zeitig nach ihrem Substratmuster in drei Gruppen eingeteilt werden [25]:
•EH aus Rotalgen (Bsp. Rhodutorula und Rhodosporidium Spezies),
•EH aus Pilzzellen (Bsp. Aspergillus und Beauveria Spezies),
•EH aus Bakterien (Bsp. Rhodococcus und Nocadia Spezies).
W¨ahrend die Epoxidhydrolasen aus Rotalgen die h¨ochste Enantioselektivit¨at mit
monosubstituierten Epoxiden zeigen, werden die Epoxidhydrolasen aus Pilzzellen
am erfolgreichsten f¨ur Styrolepoxid-Typ Substrate eingesetzt. Epoxidhydrolasen aus
Bakterien zeigen ihr h¨ochstes katalytisches Potential bei h¨ohersubstituierten 2,2- und
2,3-disubstituierten Epoxiden.
Monosubstituierte Epoxide sind sehr flexibel und bieten wenig Oberfl¨ache f¨ur ei-
ne chirale Erkennung. Daher sind die Reaktionen der Epoxidhydrolasen mit einer
hohen Enantiomerenselektivit¨at die Ausnahme. Die Ring¨offnung erfolgt unter dem
Angriff des sterisch weniger abgeschirmten Kohlenstoffatoms unter Bevorzugung des
(S)-Enantiomeren. Styroloxid-Typ Epoxide bilden aufgrund des benzylischen Koh-
lenstoffatoms eine spezielle Gruppe von Substraten. Durch den aromatischen Ring
kann ein Carbeniumion sehr gut resonanzstabilisiert werden. Außerdem ist es ste-
risch gehindert, so dass mehrere Reaktionswege ¨uber Inversion und Retention des
Kohlenstoffzentrums m¨oglich sind. Eine klare Bevorzugung eines Enantiomeren ist
in dieser Reaktion nicht feststellbar. Sterisch anspruchsvollere Substrate wie 2,2-
und 2,3-disubstituierte Epoxide werden von Epoxidhydrolasen mit guten Enantio-
meren¨ubersch¨ussen unter Bevorzugung der (S)-Enantiomere hydrolysiert.
Die komplement¨are Enantioselektivit¨at bei der Hydrolyse von Styrolepoxid durch
die Pilze Beauveria bassiana und Aspergillus niger, die in Abbildung 2.3 dargestellt
ist, er¨offnet die M¨oglichkeit aus einem racemischen Edukt mittels zweier Biokataly-
satoren ein enantiomerenreines Diol zu gewinnen [45].
F¨ur 2,2-substituierte Oxirane konnte ein solches Verfahren durch den Mangel an en-
antiokomplement¨ar arbeitenden bakteriellen Enzymen nicht etabliert werden. Des-
halb wurde auf ein Zwei-Schritt-Mechanismus mit der enzymatischen ¨
Offnung und
2 THEORIE 9
O
Beauveria bassiana
Aspergillus niger
rac-Styrolepoxid
O
O
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
(S)-Styrolepoxid
(R)-Styrolepoxid
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan -1,2-diol
+
+
Abbildung 2.3: Enantiokomplement¨are Epoxidhydrolyse durch Beauveria bassiana
und Aspergillus niger
mild saurer chemischer Hydrolyse des enantiomerenreinen ¨uberbleibenden Epoxids
unter Inversion ausgewichen [25].
2.2.3 Substrate filament¨oser Pilz-Epoxidhydrolasen katalysierter Reak-
tionen
F¨ur Reaktionen vom Edukttyp Styroloxid mit Epoxidhydrolasen aus Pilzen als Ka-
talysator wurden verschiedene Substratmuster untersucht, um die Substratbreite
zu ermitteln. Abbildung 2.4 zeigt das allgemeine Substitutionsmuster, w¨ahrend in
Tabelle 2.2 die Substituenten und die in der Literatur beschriebenen Enantiome-
ren¨ubersch¨usse zusammengefasst sind [25].
Tabelle 2.1: Enantiomeren¨ubersch¨usse anderer Substrate
Substrat Nr. Mikroorganismus eeEUEeeDUDLit.
[%] [%] [%] [%]
1B. bassiana 98 20 69 48 [44]
2B. bassiana 98 38 77 49 [44]
3A. niger 99 43 62 43 [38],[37]
4A. niger 99 28 65 50 [40]
4B. bassiana 98 34 83 45 [39]
5A. niger 96 36 70 48 [4]
6A. niger 99 40 92 42 [2]
2 THEORIE 10
O
R2
R1
X
rac
Epoxidhydrolase R2
R1
X
O
R2
R1
X
+
2
OH
OH
Puffer
R3R3R3
Abbildung 2.4: Reaktionsschema der literaturbeschriebenen Substrate
Tabelle 2.2: Substituenten und Selektivit¨aten der literaturbeschriebenen
Styroloxidtyp-Substrate
R1R2R3X Mikroorganismus eeEUEeeDUDLit.
[%] [%] [%] [%]
H H H - A. niger 99 28 65 50 [45]
H H H - B. bassiana 98 34 83 45 [45]
CH3H H - A. niger 73 13 32 60 [45]
CH3H H - B. bassiana 53 10 10 80 [45]
H H CH3-A. niger - - - - [45]
H H CH3-B. bassiana 98 30 90 38 [45]
H CH3H - A. niger - - - - [45]
H CH3H - B. bassiana 20 42 99 42 [45]
H CH3CH3-A. niger - - - - [45]
H CH3CH3-B. bassiana - - - - [45]
H H H CH3A. niger 95 34 66 - [2]
H H H CH3B. bassiana 98 30 76 - [2]
H H H F A. niger 98 35 81 - [2]
H H H F B. bassiana 96 25 78 - [2]
H H H Br A. niger 98 34 80 - [2]
H H H Br B. bassiana 96 33 79 - [2]
H H H CN A. niger 99 38 76 - [2]
H H H CN B. bassiana 15 59 50 - [2]
H H H p −NO2A. niger 98 37 70 - [46]
H H H p −NO2B. bassiana 20 50 49 - [46]
Weitere Substrate dieser Epoxidhydrolasenklasse sind bicyclische Systeme (1,2), Li-
monenenoxid (4), Bower´s Reagenz (5) und Verbindungen mit heterocyclischen Aro-
maten (3), die in Abbildung 2.5 zusammengefasst sind. Die Selektivit¨aten dieser
Reaktionen sind in Tabelle 2.1 aufgef¨uhrt. Interessant ist vor allem die ¨
Offnung von
Glycidylacetal-Derivaten (6), die zeigen, dass die Epoxidhydrolasen aus filament¨osen
Pilzen nicht ausschließlich auf Styrolepoxidderivate begrenzt sind.
2 THEORIE 11
OO
N
O
O
OO
O
OO
OO
1 2 3
4 5 6
Abbildung 2.5: Weitere Substrate filament¨oser Pilzepoxidhydrolasen
2.3 Chirale Analytik
Die Enantiomerenanalytik bildet einen zentralen Bestandteil der Synthese chiraler
”building blocks”. Aufgrund der wenigen physikalischen Eigenschaften, die bei Enan-
tiomeren unterschiedlich sind, kommen nur recht wenige Verfahren f¨ur die Analytik
in Frage. Neben der Derivatisierung der Enantiomeren zu Diastereoisomeren und
anschließenden klassischen Analytik, z.B. durch HPLC, haben sich die Polarogra-
phie, die Kernresonazspektroskopie und die Chromatographie an chiralen Phasen
etabliert. Bei der Wahl des geeigneten Verfahrens m¨ussen folgende Aspekte beachtet
werden:
•Gr¨oße der verf¨ugbaren Probenmenge
•Anzahl der Proben
•Art und Anzahl der Isomeren
•Art und Anzahl der funktionellen Gruppen f¨ur die Derivatisierung und f¨ur
Wechselwirkungen mit chiralen Phasen
•Anwesenheit von Chromophoren
•Literaturwerte f¨ur den spezifischen Drehwert bzw. f¨ur die Eluationsreihe der
Stereoisomere
•Notwendigkeit der Bestimmung der absolute Konfiguration
2 THEORIE 12
2.3.1 Polarographie
Das klassische Verfahren der Enantiomerenanalytik beruht auf der Ablenkung der
Schwingungsebene von linear polarisiertem Licht durch die Probe. Der Ablenkungs-
betrag ist bei beiden Enantiomeren gleich, weist aber das entgegengesetzte Vorzei-
chen auf. Ein Racemat ergibt somit kein Signal. Hinweise auf die Enantiomeren-
reinheit kann man daher nur bei Kenntnis der spezifischen Rotation der Substanz
gewinnen. Eine Weiterentwicklung dieser Methode ist die Optische Rotationsdisper-
sion (ORD) bei der die Ablenkung als Funktion der Wellenl¨ange gemessen wird.
Bei dem Cirkulardichroismus (CD), einer weiteren optischen Methode, muss das
Substrat ein Chromophores aufweisen, welches die Messwellenl¨ange absorbiert. Alle
polarographischen Verfahren sind in der Regel nicht automatisierbar, was f¨ur ein
hohes Probenaufkommen notwendig w¨are. Da keine Konzentrationen mehrerer Ste-
reoisomere in einer Messung bestimmt werden k¨onnen, ist sie eher das Verfahren der
Wahl bei Einzelmessungen zur Reproduktion der Literaturwerte und zur schnellen
Kontrolle der Stereoisomerenanreicherung.
2.3.2 Kernresonanzspektroskopie in der Stereoisomerenanalytik
Bei der Kernresonanzspektroskopie in der Stereoisomerenanalytik werden die Enan-
tiomeren der Probe derivatisiert oder solvatisiert, um separierte Signale im Spektrum
zu erhalten. F¨ur die Modifikation stehen folgende Methoden zur Verf¨ugung:
•Chirale Derivatisierungsreagenzien (CDA´s)
•Achirale Derivatisierungsreagenzien
•Chirale Shiftreagenzien (CSR)
•Chirale L¨osemittel (CSA)
Die Vorteile der Verfahren sind die Bestimmung der relativen Konzentrationen der
Enantiomeren und die M¨oglichkeit der Bestimmung der absoluten Konfiguration.
Nachteilig ist der Verbrauch an chiralen Reagenzien und der apparative Aufwand.
Eine Automation f¨ur ein hohes Probenaufkommen ist prinzipiell m¨oglich, bis jetzt
aber un¨ublich. Kernresonanzspektroskopie ist das Verfahren der Wahl f¨ur Einzel-
proben, bei denen die absolute Konfiguration der Stereoisomeren bestimmt werden
soll.
2 THEORIE 13
2.3.3 Chromatographie an chiralen Phasen
Die Chromatographie an chiralen Phasen beruht auf der Bildung von tempor¨aren
Diastereoisomeren, die eine unterschiedliche Stabilit¨at und somit unterschiedliches
Verweilzeitverhalten in der S¨aule aufweisen [86]. Die Enantiomeren werden mit der
mobilen Phase an der chiralen station¨aren Phase entlang eluiert. W¨ahrenddessen
bilden sie mit den funktionellen Gruppen der chiralen station¨aren Phase Diastereoi-
somere unterschiedlicher Stabilit¨at (Abbildung 2.6).
Chirale Phase
Analyt Adsorbat
stabil labil
Abbildung 2.6: Bildung von tempor¨aren Diastereoisomeren in der chiralen Chroma-
tographie
Da das stabile Adsorbat eine h¨ohere Verweilzeit als das labile Adsorbat aufweist,
kommt es zur Enantiomerentrennung. Die Konzentrationen der Enantiomeren wer-
den ¨uber Verd¨unnungsreihen mit Standards ermittelt. Dabei k¨onnen auch Einzel-
konzentrationen in Mehrstoffgemischen bestimmt werden. Die Chromatographie an
chiralen Phasen ist als gaschromatographisches und fl¨ussigkeitschromatographisches
Verfahren etabliert. Sie ist automatisierbar und somit auch f¨ur h¨ohere Probenauf-
kommen das Verfahren der Wahl. F¨ur die station¨are Phase werden in der Regel
modifizierte Cyclodextrine, Mehrfachzucker und Peptidphasen verwendet.
2.4 Immobilisierung von Biokatalysatoren
2.4.1 Allgemeine ¨
Ubersicht
Biokatalysatoren, speziell isolierte Enzyme, sind wasserl¨osliche globulare Proteine,
deren Terti¨ar- und Quart¨arstruktur ausschlaggebend f¨ur ihre katalytische Aktivit¨at
2 THEORIE 14
ist. Alle Enzyme weisen auf ihrer Oberfl¨ache eine Reihe von katalytischen, regula-
torischen und Substratbindungszentren auf. Aufgrund dessen sind sie in der Lage,
bei moderaten Temperaturen und Drucken in einem neutralen pH-Bereich spezies-,
regio- und stereoselektive Reaktionen zu katalysieren. Um diese Eigenschaften f¨ur
technische Prozesse zu nutzen und energie- und resourcensparende Prozesse zu eta-
blieren, ist es h¨aufig sinnvoll, Biokatalysatoren einzusetzen. Die optimalen Prozessbe-
dingungen liegen jedoch nicht immer im physiologischen Optimum des Enzymsy-
stems. Daher ist es notwendig, Enzyme zum Schutz des Enzymsystems, zur Erhal-
tung der Aktivit¨at, zur R¨uckgewinnung und zu ¨ortlichem Zusammenhalt mit einem
notwendigen Cofaktorregenerationssystems zu immobilisieren. Immobilisierte Enzy-
me sind solche, die unter Erhaltung ihrer katalytischen Aktivit¨at physikalisch oder
chemisch an Tr¨agermaterialien gebunden sind, so dass sie wiederholt oder kontinu-
ierlich genutzt werden k¨onnen [48]. Nach dieser Definition lassen sich die Immobili-
sierungsarten wie in Abbildung 2.7 gliedern.
Kovalente
Bindung
Adsorptive
Bindung Einschluss
Anlagerung
Quervernetzung
Ionische Bindung
Adsorption
Geleinschluss
Mikroverkapselung
Membraneinschluss
Immobilisierungsarten
Abbildung 2.7: Gliederung der wichtigsten Immobilisierungsarten
Vorteile der Immobilisierung sind die gute Wiedergewinnbarkeit bzw. Zur¨uckhalt-
barkeit in kontinuierlichen Reaktoren, mechanische Stabilit¨at und gute Dosierbarkeit
der Biokatalysatoren. Weniger offensichtliche Vorteile sind die Trennung der Enzym-
2 THEORIE 15
proteine von der Produktphase, Schaffung einer Mikroumgebung mit optimaleren
Reaktionsbedingungen f¨ur den Katalysator und gegebenenfalls der r¨aumliche Zu-
sammenhalt von Cofaktorregenerierung und cofaktorverbrauchender Reaktion. Die
resultierenden Nachteile entsprechen denen der heterogenen Katalyse, wie teurer
Katalysator durch den vorgeschalteten Immobilisierungsschritt und ein Stofftrans-
portwiderstand an den aktiven Katalysezentren. In der Biokatalyse werden h¨aufig die
Quervernetzung von Enzymen mit Glutardialdehyd, die Bindung an Ionentauscher-
harzen und die Verkapselung von Enzymen und Zellsystemen in geeigneten Matrices
angewandt [50].
2.4.2 Verkapselung von Biokatalysatoren
Der Einschluss oder die Umh¨ullung von Biokatalysatoren mit einer polymeren Matrix
wird als Verkapselung bezeichnet. Hierf¨ur sind vier Herstellungsprinzipien etabliert:
•Polyanionen-Polykationenkomplexe (Bsp. Sulfoethylcellulose, Chitosan),
•F¨allung durch mehrwertige Ionen (Bsp. Alginat in Ca2+),
•Sol-Gel-Verfahren (Bsp. Poly(alkoxysilanole)),
•Stabilisierung durch Trocknung und Zugabe mehrwertiger Ionen (Bsp. Polyvi-
nylalkohole).
Zur Herstellung von Polyanionen-Polykationenkomplexen wird der Katalysator mit
einer Polyanionenl¨osung vermengt und in die Polykationenl¨osung eingetropft. Durch
Bildung einer Membran an der Oberfl¨ache kommt es zur Ausbildung von Hohlku-
geln mit einem Durchmesser von 1,5 bis 5 mm. Die Partikelgr¨oße kann durch die
Tropfengr¨oße eingestellt werden.
Bei der F¨allung von mehrwertigen Ionen wird die Katalysator-Polyanionenl¨osung in
ein F¨allbad mit mehrwertigen Kationen getropft. Die Partikelgr¨oße wird ebenfalls
durch die Tropfengr¨oße bestimmt. Die Immobilisate k¨onnen je nach F¨allungsdauer
eine Umh¨ullungsmembran aufweisen oder durchgeliert werden.
Monodisperse Tropfen f¨ur beide Immobilisierungsverfahren werden durch das Vibra-
ting Nozzel-Verfahren oder durch einen Strahlschneider erzeugt [72]. Bei dem Vi-
brating Nozzel-Verfahren wird die Zubereitung durch eine schnell schwingende D¨use
2 THEORIE 16
gedr¨uckt. Durch die Schwingungen zerreißt der Fl¨ussigkeitsstrom in monodisperse
Tropfen, die durch eine elektrostatische Aufladung an der Integration in der Luft
gehindert werden. Die Tropfengr¨oße kann sowohl durch den Durchmesser als auch
durch die Schwingungsfrequenz der D¨use eingestellt werden. Dabei werden Tr¨opfchen
von 0,1 bis 1,5 mm erzeugt. Bei der Strahlschneidung wird der Fl¨ussigkeitsstrom
durch ein rotierendes Rad mit Schneidelementen zerteilt. Hier wird die Tropfengr¨oße
ebenfalls durch die D¨usengr¨oße und zus¨atzlich durch die Geschwindigkeit des Schnei-
derades bestimmt. Dieses Verfahren ist f¨ur technische Einsatzgebiete f¨ur Teilchen mit
einem Durchmesser von 150 nm bis 3 mm geeignet.
Die Sol-Gel-Verfahren zur Verkapselung von Biokatalysatoren beginnen wie das klas-
sische Sol-Gel Verfahren mit der Herstellung eines Precursors [8]. Ein Alkylsilikat,
ein Alkoximetallat oder ein Alkoxisilan wird zu Alkoxiderivaten hydrolysiert und
in einer Kaskade von Kondensationsreaktionen zu einem wasserl¨oslichen kolloidia-
len phasenseparierten Polymer umgesetzt. Dieses Kolloid wird mit dem Katalysator
vermischt und bildet die Matrix des Immobilisates. Es kann durch die verschiedenen
Verfahren zu Immobilisaten geformt werden. Als letzter Schritt erfolgt die Sol-Gel-
Umwandlung und gegebenenfalls Trocknung zum Xerogel.
Das in dieser Arbeit verwendete Verfahren basiert auf der Trocknung und anschlie-
ßender Stabilisierung durch mehrwertige Ionen. Der Katalysator wird mit einer ge-
schmolzenen Polyvinylzubereitung vermengt, auf eine Unterlage aufgetropft und die
erzeugten Partikel anschließend getrocknet [49], [91]. Bei einem bestimmten Feuch-
tigkeitsgehalt konkurrieren zwei in der Zubereitung vorhandenen PVA-Phasen um
die verbleibende Feuchtigkeit und es kommt zur Gelierung.
3 - 4 mm
200 - 400 µm
Abbildung 2.8: Schema eines Polyvinylalkoholimmobilisats
2 THEORIE 17
Die Partikel klaren dabei sichtbar auf. Zur endg¨ultigen Verfestigung werden die ge-
lierten Partikel mit einer Salzl¨osung mehrwertiger Ionen stabilisiert. Der Katalysator
ist in eine gelierte Matrix verkapselt. Durch die Verarbeitung resultiert eine Linsen-
form, die in Abbildung 2.8 dargestellt ist [92], [93]. Die Partikelbildung kann im
Labor durch eine Spritze oder einen Stempel erfolgen. Technisch werden die Partikel
mittels D¨usen auf ein Trockenband abgelegt, welches in einem F¨allbad endet. Erste
technische Anwendungen zeigen eine sehr hohe Standzeit der Immobilisierungsma-
trix. Immobilisierte Denitifizierer konnten 9 Monate in einer Kl¨arstufe eingesetzt
werden [19]. F¨ur die Herstellung von Difructoseanhydrid (DFA III) aus Inulin als
Waschmittelzusatz und Kuststoffweichmacher ist die Produktion ¨uber immobilisier-
te, genetisch ver¨anderte Mikroorganismen in der Entwicklung [56].
2.5 Beauveria bassiana und Aspergillus niger in der organischen
Synthese
Die in dieser Arbeit verwendeten Pilze Beauveria bassiana und Aspergillus niger
werden neben der stereoselektiven ¨
Offnung verschiedener Epoxide auch als Biokata-
lysatoren f¨ur einige andere Reaktionen verwendet [42], [45].
Aspergillus niger wird zur Fermentation von R¨ubenkraut zur Zitronens¨auregewin-
nung in Submerskulturen eingesetzt [18]. Dieses Verfahren stellt eine Weiterentwick-
lung einer Oberfl¨achenfermentation dar, bei der aus Kohlenhydratgemischen Zitro-
nens¨aure gewonnen wird. Die hierbei auftretenden St¨orungen durch anorganische
Verbindungen, die in dem als Rohstoff gew¨unschten R¨ubenkraut vorhanden sind,
wurden durch gezielte Feed-Strategien umgangen. Großtechnisch wird Aspergillus
niger samt Mutantenst¨ammen ebenfalls f¨ur die Fermentation von Glucose zu Glu-
cons¨aure in stark saurer L¨osung eingesetzt [70]. Dieses Verfahren bietet einige Vor-
teile gegen¨uber bakteriellen Ans¨atzen, da bei diesen Biotransformationsbedingungen
ein geringeres Kontaminationsrisiko durch Konkurrenten besteht.
Beauveria bassiana wurde von Petch 1914 als Parasit auf einer Seidenwurmlarve
isoliert [85], [71]. Hieraus ergaben sich die Versuche, ihn zur biologischen Insekten-
vertilgung einzusetzten [31], [53]. In der Literatur der Biokatalyse sind die Reduktion
von α, β-unges¨attigten Ketonen [59], die Modifikation von Imipraminen mit polaren
Gruppen [55], die Glycolisierung von phenolischen Hydroxylgruppen [60] und die
Oxygenierung von Dialkylbenzen [88] mittels Beauveria bassiana als Katalysator
beschrieben. Gerade bei der Reduktion von α, β-unges¨attigten Ketonen wurde eine
2 THEORIE 18
Vielzahl von Verbindungen mit einer Cyclohex-2-en-1-on ¨ahnlichen Struktur unter-
sucht mit dem Ziel steroselektiv Carvone zu reduzieren. Dabei ergaben sich hohe Ste-
reoselektivit¨aten bei den korrespondierenden ges¨attigten Ketonen, wenn ein asym-
metrisches Kohlenstoffatom gebildet wird. Eine hohe katalytische Aktivit¨at wurde
ebenfalls bei der Reduktion struktur¨ahnlicher α, β-unges¨attigter Aldehyde beschrie-
ben.
2.6 Modellierungsbeispiele in der Biokatalyse
In der Biokatalyse wurden bereits zahlreiche Prozesse modellhaft erfasst und opti-
miert. Im einfachsten Fall wird die Kinetik des Reaktionssystems ermittelt und an die
gemessenen Reaktionsverl¨aufe angepasst. F¨ur Enzymsysteme wird dabei h¨aufig die
Michaelis-Menten-Kinetik oder von ihr abgeleitete Ans¨atze verwendet [13]. Ein vor-
geschaltetes Gleichgewicht (Formel 2.4) zur Bildung eines Enzym-Substrat-Kompexes
und eine anschließende irreversible Enzymreaktion bilden den Ausgangspunkt der
Herleitung.
[S]+[E]
k1
*
)
k−1
[ES]k
→[P]+[E] (2.4)
δcS
δt =V[S]
k1
k1+ [S]=V[S]
Kd
+ [S] (2.5)
In der Literatur wurden mehrere abgeleitete Ans¨atze f¨ur Gleichgewichtsenzymre-
aktionen oder Mehrsubstratreaktionen dargestellt [1]. Diese Ans¨atze k¨onnen auch
f¨ur freie Enzyme in homogenen Reaktionsmedien verwendet werden. Bei immobi-
lisierten Enzymen muss zus¨atzlich der Stofftransport an den Katalysator beachtet
werden. Meist sind die immobilisierte Biokatalysatoren an der Oberfl¨ache der Immo-
bilisatpartikel gebunden. Diese Partikel schwimmen in einer homogen durchmischten
Bulkphase oder werden als Festbettpackung durchstr¨omt. In diesen Verfahren wur-
den bisher ausschließlich kugelf¨ormige Partikel modelliert, da sie sich mathematisch
gut beschreiben lassen. Zur Vereinfachung wird nur ein Kugelsegment berechnet,
was die Rechenzeiten begrenzt und ausreichende Informationen ¨uber die zu unter-
suchenden Partikel ergibt. Die Kerngleichungen der Modelle sind die Kinetiken der
Hauptreaktion und ein Stofftransportterm an den Katalysator.
Hilker modelierte die Epoxidation von unges¨attigten Pflanzen¨olen mittels oberfl¨ache-
nimmobilisierter Lipase B von Candida antarctica [54]. Das Enzym ist in diesem
2 THEORIE 19
Prozess auf der Oberfl¨ache eines kugelf¨ormigen Ionenaustauscherharzes immobili-
siert. Das Reaktionssystem besteht aus der Bildung der Pers¨aure aus Carbons¨auren
und Wasserstoffperoxid und der eigentlichen enzymatischen Prileschajew-Reaktion.
Vor der Pers¨aurebildung ist eine Gleichgewichtseinstellung vorgeschaltet, bei der
die organische Reaktionsphase aus einer w¨aßrigen L¨osung mit Wasserstoffperoxid
ges¨attigt wird. Die Deaktivierung der Enzyme bei bestimmten Reaktionsbedingun-
gen wird ebenfalls in dem Modell ber¨ucksichtigt. Dieses ”overall-kinetic” Modell be-
schreibt den untersuchten Prozess ausreichend f¨ur eine Simulation bei verschiedenen
Reaktionsbedingungen.
Ein weiteres interessantes Modell f¨ur immobilisierte Biokatalysatoren ist das ”dead
core” Model [21]. Cruz modelierte die Cephalosporin C Bildung w¨ahrend einer spe-
ziellen Mangelwachstumsphase von Cephalosporium acremonium in kugelf¨ormigen
Alginatgelperlen. Die Modellbildung ergab, dass die aktiven Zellen in dieser spezi-
ellen Wachstumsphase nur in einer ¨außeren H¨ulle des Immobilisates vorliegen. Die
berechneten Sauerstoffprofile zeigen deutlich, dass nur eine ¨außere Schale in dieser
Wachstumsphase vorhanden ist. Die berechneten Profile konnten mittels Scanning
Elektronenmikroskopie (SEM) best¨atigt werden.
3 EXPERIMENTELLES 20
3 Experimentelles
3.1 Analytik
3.1.1 Bestimmung der Styrolepoxid-Stereoisomeren
Die Konzentrationen der Styrolepoxidenantiomeren wird mittels chiraler Gaschro-
matographie ermittelt. 2 mLder w¨assrigen Reaktionsbr¨uhe werden mit demselben
Volumen Hexan extrahiert. Das Extrakt wird ¨uber Natriumsulfat getrocknet und
gaschromatographisch vermessen. Hierzu wird ein Chrompack CP 2002 Gaschroma-
tograph mit einem Probenaufgabesystem Modell 911 genutzt. Als Trenns¨aule wird
eine 12,5 m lange, modifizierte Cyclodextrins¨aule [Heptakis-(6-O-butyldimethylsilyl-
2,3-di-O-methyl)-β-cyclodextrin] verwendet. Helium mit einem Fluß von 20 mL/min,
einem Druck von 100 kPa und einem Splitverh¨altnis 1:20 wird als mobile Phase ver-
wendet. Es werden jeweils 5 µL Probe bei einer Injektortemperatur von 230oC aufge-
geben. Die getrennten Enantiomeren werden mit einem Flammenionisationsdetektor
erfasst. Die Datenaufnahme und Auswertung erfolgt mit dem Programm Maitre
Chromatography Data Sytem Version 2.5 der Firma Chrompack. Bei der isothermen
Analyse bei 90oC hat das (R)-Styrolepoxid eine Retentionszeit von 9,05 min und das
(S)-Enantiomeres basisliniengetrennt eine Retentionszeit von 9,75 min. Die Integrale
der Signale ergeben bei einem Racemat ein Verh¨altnis von 1:1. Die Bestimmung der
Konzentrationen in den Proben erfolgt ¨uber die Aufnahme einer Kalibriergeraden
bestehend aus drei Standards (0,25 g/L, 0,5 g/L und 1,0 g/L rac-Styrolepoxid mit
den gleichen Konzentrationen Phenyalacetaldehyd).
3.1.2 Bestimmung der 1,2-Phenylethandiol-Stereoisomeren
Die Konzentrationen der Enantiomeren des 1,2-Phenylethandiols werden mittels chi-
raler HPLC bestimmt. Es wird ein Merck-Hitachi Lachrom System mit folgenden
Komponenten verwendet: Pumpe L7100, Degaser L7612, Autosampler L7200, UV-
VIS Detektor L7420 und Interface D7000. Zur Trennung der Diole wird die S¨aule
Chiracel OB-H der Firma Daicell verwendet. Es wird ein isokratischer Fluss von
0,6 mL/min bestehend aus 91% Hexan und 9% Isopropanol angelegt. Die Detektion
findet bei einer Wellenl¨ange von 219 nm (Absorptionsmaximum) statt. Die Daten-
aufnahme und Auswertung erfolgt mit Hilfe der Software ”HPLC System Manager
7000” der Firma Hitachi in der Version 4.0. Die Bestimmung ergibt eine Retentions-
3 EXPERIMENTELLES 21
zeit von 22,6 min f¨ur das (R)-Enantiomere und von 28,5 min f¨ur das (S)-Enatiomere.
Styrolepoxid weist eine Retentionszeit von 15,8 min auf, wird aber nicht in die En-
antiomeren getrennt. Die Bestimmung der Konzentrationen in den Proben erfolgt
¨uber die Aufnahme einer Kalibriergeraden bestehend aus drei Standarts (0,25 g/L,
0,5 g/L und 1,0 g/L rac-1,2-Phenylethandiol).
3.1.3 Messung der Phenylacetaldehydkonzentration
Phenylacetaldehydkonzentrationen werden ebenfalls wie die Styrolepoxidkonzentra-
tionen gaschromatographisch bestimmt. Die Retentionszeit in dem oben beschriebe-
nen System betr¨agt 10,65 min.
3.1.4 Messung des gesamten organischen Kohlenstoffgehaltes in L¨osun-
gen
Der gesamte organische Kohlenstoffgehalt der Fermentationsbr¨uhe wird als Maß der
Glucosekonzentration in den Wachstumskurven verwendet. Er wird mittels eines
Wasseranalysators Dimatoc100 (Dimatec Analysentechnik GmbH) ermittelt. Das
Meßprinzip beruht auf der thermisch-katalytischen Oxidation von kohlenstoffhal-
tigen Verbindungen. Das entstehende Kohlenstoffdioxid wird mittels eines Infrarot-
detektors quantitativ erfasst. Die Bestimmung des TC-Wertes erfolgt bei 850oC und
8 L/min Tr¨agergasstrom mir dem TC-Kugelkatalysator (Nr.G3195, Dimatec) und
Platinwolle. Der TIC Kanal arbeitet bei 160oC und mit dem TIC-Katalysator Nr.
G3250 (Dimatec). Die Probe der Fermentationsbr¨uhe wird mit VE Wasser 1:100
verd¨unnt (Meßbereich C-Konzentration kleiner 10 mg/L) und durch einen Faltenfil-
ter partikelfrei filtriert. Die so vorbehandelte Probe wird mittels TC- (total carbon)
und TIC-Kanal (total inorganic carbon) vermessen. Der TOC-Gehalt, der als Maß
f¨ur den verstoffwechselbaren Glucosegehalt angenommen wird, ergibt sich aus der
Differenz des TC- und TIC-Gehaltes.
3.1.5 Strukturbeweis der Produkte mittels NMR-Spektroskopie
Die NMR-Spektren werden mit dem NMR-Spektrometer Bruker ARX 200 (200/50
MHz) gemessen. Als L¨osemittel wird deuteriertes Chloroform verwendet. Es ergeben
sich die in Tabelle 3.1 angegebenen Verschiebungen.
3 EXPERIMENTELLES 22
Tabelle 3.1: NMR Daten der Edukte und Produkte
Verschiebung Signalart Protonen
Styrolepoxid
7,3 ppm m Aromatenprotonen
3,9 ppm q Protonen am sekund¨aren Epoxidkohlenstoff
2,8 und 3,2 ppm q Protonen am prim¨aren Epoxidkohlenstoff
1,2-Phenylethandiol
7,3 ppm m Aromatenprotonen
3,9 ppm s Protonen am sekund¨aren Alkoholkohlenstoff
2,8 und 3,1 ppm t Protonen am prim¨aren Alkoholkohlenstoff
1,2 und 1,4 ppm t Alkoholprotonen
Phenylacetaldehyd
7,3 ppm m Aromatenprotonen
3,7 ppm d Protonen am sekund¨aren Seitenkettenkohlenstoff
9,8 ppm t Protonen am Aldehydkohlenstoff
Epoxypropyl-isopropylether
3,5 ppm d Protonen am sekund¨aren Seitenkettenkohlenstoff
3,19 ppm m Protonen am tert. i-Propylkohlenstoff
2,8 ppm q Protonen am sekund¨aren Epoxidkohlenstoff
2,5 ppm q Protonen am prim¨aren Epoxidkohlenstoff
1,16 ppm m Protonen an den Methylgruppen des i-Propylrestes
Epoxypropyl-phenylether
7,3 ppm m Aromatenprotonen
4,2 und 4,1 ppm m Protonen an der Kohlenstoffkette
3,9 ppm q Protonen am sekund¨aren Epoxidkohlenstoff
2,8 ppm q Protonen am prim¨aren Epoxidkohlenstoff
Benzyloxiran
7,3 ppm m Aromatenprotonen
2.68 ppm m Protonen an der Kohlenstoffkette
2,92 ppm q Protonen am sekund¨aren Epoxidkohlenstoff
2,5 ppm q Protonen am prim¨aren Epoxidkohlenstoff
3.1.6 Messung der Kohlenwasserstoffkonzentration in der Gasphase
Zur Ermittlung der Kohlenwasserstoffkonzentration in der Gasphase wird ein Flam-
menionisationsdetektor (Bernath Atomic Modell 3006) eingesetzt. Als Umrechnungs-
faktor wird der Strukturfaktor von Styrol verwendet. Bei Versuchen in Fermentern
wird aus dem Volumenstrom der Begasung und dem Meßwert die ausgegaste Stoff-
3 EXPERIMENTELLES 23
menge berechnet.
3.1.7 Messung der Biotrockenmasse
Die Biotrockenmasse wird durch Einwaage von ca. 0,5 g der abgesaugten Pilzpro-
be, Trocknung bei 102oC bis zur Massenkonstanz (24 h) und Zur¨uckw¨agung be-
stimmt. Es wird davon ausgegangen, dass die Trockenmasse des Pilzes bei identi-
schen Anzucht- und Erntebedingungen als Maß f¨ur die Zellzahl verwendet werden
kann.
3.2 Biokatalyse
3.2.1 Pilzkulturen
Es werden Pilzkulturen Beauveria bassiana (DSM 1344) und Aspergillus niger (DSM
823), die bei der Deutschen Sammlung f¨ur Mikroorganismen und Zellkulturen hin-
terlegt sind, verwendet.
3.2.2 Biomassenanzucht
Die Biomasse wird in Fermentern (1-4,5 L Nutzvolumen) mit einer N¨ahrl¨osung aus 20
g/L Corn Steep Liquor (Sigma C-4648) und 10 g/L Glucose herangezogen. Zur Ver-
hinderung der Schaumbildung wird 1 mLAntischaummittel (Antifoam O-30, Sigma
A-8082) hinzugegeben. Die hitzesterilisierte Supension wird auf 27oC temperiert und
mit sterilfiltrierter Luft (3 L/min) begast. Zum Animpfen wird pro Liter N¨ahrl¨osung
1 cm2einer 7 Tage alten Pilzkultur auf Sabourand 2% Glucose Agar (Merck) hinzu-
gegeben. Nach 72 h (Beauveria bassiana) und 66 h (Aspergillus niger) Inkubationszeit
wird der Pilz durch Zentrifugation (5 min bei 10000 U/min) isoliert.
3.2.3 Messung der Wachstumskurven
Die Wachstumskurven der beiden Pilzkulturen werden in dem 4,5 L Nutzvolumenfer-
menter aufgenommen. 4,5 L der Standardn¨ahrl¨osung (siehe 3.2.2) werden angeimpft
und bei 27oC inkubiert. In regelm¨aßigen Abst¨anden werden die Parameter pH- und
3 EXPERIMENTELLES 24
pO2mittels Elektroden bestimmt. In den gleichen Intervallen werden Kulturpro-
ben ¨uber das Heberohr gezogen und der TOC-Wert (siehe Abschnitt 3.1.4) und die
Biotrockenmasse (siehe Abschnitt 3.1.7) bestimmt. Zum Ende der exponentiellen
Phase, mehrfach in der station¨aren Phase und am Anfang der Absterbephase wird
etwas Biomasse isoliert und auf Epoxidhydrolaseaktivit¨at entsprechend Kapitel 3.2.4
beschrieben untersucht.
Die Optimierung der Wachstumstemperatur wird mittels eines temperierbaren Sch¨utte-
linkubators (IKA KS130) mit Thermoaufsatz durchgef¨uhrt. In Probenr¨ohrchen mit
5 mLStandardn¨ahrl¨osung wird nach Animpfung mir einer Zellsuspension 2 Tage bei
verschiedenen Temperaturen inkubiert. Anschließend wird die Biotrockenmasse wie
in Kapitel 3.1.7 beschrieben bestimmt.
Zur Optimierung der N¨ahrbodenkonzentration werden in 100 mLErlenmeyerkolben
jeweils 50 mLN¨ahrl¨osung mit den im Ergebnisteil angegebenen Konzentrationen
angesetzt. Die Animpfung erfolgt mit 100 µL einer gut durchmischten Zellsupension,
die aus 1 mLRingerl¨osung, 100 µL SDS-L¨osung und 2 Impf¨osen Pilzzellen einer 3
Tage alten Agarkultur besteht. Nach einer Inkubationsdauer von 3 Tagen wird die
Biomasse isoliert und die Biotrockenmasse bestimmt. Die Hydrolyseaktivit¨at wird
durch Reaktion mit 1 g der Biofeuchtmasse in 20 mLPhosphatpuffer und 20 µL
Styrolepoxid untersucht.
3.2.4 Biohydrolyse mit freiem Pilz
Generelle Vorgehensweise:
Die stereoselektiven Hydrolysen werden in 100 mLErlenmeyerkolben in einem Sch¨utte-
linkubator (Braun BBiotech) bei 170 H/min und 27oC durchgef¨uhrt. Es werden,
wenn nicht anders vermerkt, 50 mLeines 0,1 mol/L Phosphatpuffers pH 7 und 2 g
Biofeuchtmasse eingesetzt. Zur Reaktionskontrolle werden je 2 Proben a 2 mLRe-
aktionsbr¨uhe entnommen und mit 2 mLHexan (Edukt) oder 2 mLDichlormethan
(Produkt) extrahiert.
Abweichungen f¨ur spezielle Fragestellungen:
Bei der Analyse des Reaktionssystems im Detail wird die Reaktion wie oben be-
schrieben durchgef¨uhrt. Als Edukt wird jedoch enantiomerenreines Styrolepoxid ver-
wendet. Die R¨uckreaktion wird durch Verwendung von enantiomerenreinem 1,2-
3 EXPERIMENTELLES 25
Phenylethandiol untersucht.
Zur Messung der Inhibition der Reaktion wird zus¨atzlich zum Edukt 1,2-Phenylethandiol
in den untersuchten Konzentrationen vorgelegt.
Die Wahl der geeignetesten Reaktionsmedien wird durch die Biohydrolyse, wie oben
beschrieben, in verschiedenen Puffern bei verschiedenen Konzentrationen durch-
gef¨uhrt. Der Vergleich verschiedener Puffersysteme wird bei pH 8 vorgenommen.
Es wird Kalium-, Natriumphosphatpuffer, TRIS-HCl-Puffer, Ringerl¨osung und VE-
Wasser verwendet. Natriumphosphatpuffer wird in den Konzentrationen 1; 0,5; 0,25;
0,1; 0,05 mol/L eingesetzt. Die Puffer werden aus laborhandels¨ublichen Chemikalien
in p.a. Qualit¨at hergestellt.
F¨ur die Messung der Reaktion im Detail wird in einem 1000 mLErlenmeyerkolben
30 g Biofeuchtmasse in 500 mLPhosphatpuffer pH 8 suspendiert und zu Beginn
der Reaktion mit 0,5 mLStyrolepoxid beschickt. Zur Reaktionskontrolle werden in
dichten Abst¨anden (zu Beginn alle 5 Minuten ansteigend auf 60 min Abst¨ande) Pro-
ben, wie bereits oben beschrieben, entnommen, aufgearbeitet und vermessen. Die
Ausgasung wird durch Messung der Kohlenwasserstoffkonzentration in der Gaspha-
se mittels FID angen¨ahert. Zur Verringerung des Eduktverlustes durch Ausgasung
wird der Versuch zus¨atzlich in verschließbaren Flaschen durchgef¨uhrt. F¨ur die Mo-
dellanpassung werden Meßkurven mit 200 mL Puffer pH 8 mit 12 g Biofeuchtmasse
in einem verschlossenen Reaktionsgef¨aß aufgenommen. 160 µL Styrolepoxid werden
in dem gleichen Volumen Ethanol gel¨ost und kurz vor der Zugabe des Biokatalysators
mittels Ultraturax in der Reaktionsl¨osung vollst¨andig gel¨ost. Die genaue Anfangs-
konzentration wird mittels GC und HPLC wie zuvor beschrieben bestimmt.
3.2.5 Biohydrolyse mit gefriergetrocknetem Pilz
F¨ur die Gefriertrocknungsversuche werden 3 g des abgesaugten Pilzes bei -20oC ein-
gefroren und anschließend in der Gefriertrocknung (Christ Alpha 1-2LD) am ¨
Olpum-
penvakuum bei 0,45 mbar ¨uber Nacht getrocknet. Das Gasbalastventil wird zur End-
trocknung f¨ur 30 min geschlossen und die Biomasse bei Maximalvakuum getrocknet.
Anschließend wird die entsprechende Reaktionsl¨osung nach Beendigung des Trock-
nungsvorganges schnell hinzugegeben.
Glycerin (10 mLZellsuspension mit 3 g Biofeuchtmasse in Wasser mit 10% Glycerin)
3 EXPERIMENTELLES 26
wird bei der Gefriertrocknung von Beauveria bassiana als Schutzstoff hinzugegeben
und die Suspension 60 min auf dem Sch¨uttelinkubator inkubiert. Anschließend wird
die Zubereitung eingefroren und wie oben beschrieben gefriergetrocknet. Es wird ein
Ansatz mit 0,5% Na-L-Ascorbat (Goldblume Handelsgesellschaft) als Antioxidans
angesetzt. Als weitere Variante wird eine Zellsupension in einer L¨osung mit 20%
Magermilchpulver (Sucofin Magermilchpulver) mit 0,5% Na-L-Ascorbat verwendet.
Zur Untersuchung der Lagerstabilit¨at des gefriergetrockneten Pilzes wird 1 g Bio-
trockenmasse, die bei 20oC unter Luftabschluss gelagert wird, mit 2 mLPhosphat-
puffer pH 8 analog der Reaktion mit freiem Pilz durchgef¨uhrt. Nach einer Stunde
Reaktionszeit wird die Supension in zwei H¨alften geteilt und wie in Kapitel 3.1 be-
schrieben extrahiert und analysiert.
3.2.6 Biohydrolyse in organischen L¨osemitteln
Die Biohydrolyse in organischen L¨osemitteln wird wie unter 3.2.4 beschrieben durch-
gef¨uhrt. Statt Wasser wird das entsprechende L¨osemittel in Synthesequalit¨at oder
ein L¨osemittel-Wasser-Gemisch verwendet. Die Analytik der getrockneten L¨osemit-
telproben erfolgt direkt, w¨ahrend die Untersuchung der Proben aus den L¨osemittel-
Wasser-Gemischen nach einer Extraktion stattfindet.
3.2.7 Bestimmung der Autohydrolyse- und Folgereaktion
Die Autohydrolyse wird durch Vorlage von Phosphatpuffern im pH-Bereich von 6,5-
9 in verschließbaren Flaschen mit 100 mLVolumen gemessen. Nach Zugabe von
1 g/L Styrolepoxid wird der Reaktionsansatz auf einem Sch¨uttelinkubator bei 170
H/min durchmischt. Die Reaktionskontrolle findet wie unter 3.1 beschrieben statt.
Zur Untersuchung der Folgereaktion wird statt des Styrolepoxids zum Reaktionsstart
1 g/L 1,2-Phenylethandiol zu den pH-Puffern hinzugegeben. Die entnommenen Pro-
ben werden zur Reaktionskontrolle mit Dichlormethan extrahiert und mittels HPLC
vermessen.
3 EXPERIMENTELLES 27
3.3 Immobilisierung
3.3.1 Verkapselung der Biokatalysatoren in eine Polyvinylalkoholmatrix
Die Biokatalysatoren werden nach dem Verfahren der Firma GeniaLab (Braun-
schweig) in Polyvinylalkohol zu sog. LentiKats r
verkapselt [49]. Hierzu wird eine
Suspension von 3 g isolierter Biomassse in 20 mLRingerl¨osung mit 80 mLPVA Zu-
bereitung verarbeitet. Das PVA wird entsprechend der Herstellerangaben bei 80oC
vollst¨andig geschmolzen, auf 30oC temperiert, mit der Biokatalysatorsuspension ver-
mischt und verarbeitet. Zur Bilanzierung wird die PVA/Biokatalysatorsuspension
mittels einer Spritze mit Kan¨ule auf Polystyrolpetrischalen zu 3 mm großen Trop-
fen aufgegeben. F¨ur gr¨oßere Ans¨atze wird eine Stempelvorrichtung (LentiKatPrin-
ter, GeniaLab, Braunschweig) verwendet. Hierbei wird mittels einer Stempelplatte
mit 400 gleichm¨aßigen Metallstiften aus einem Bad PVA/Biokatalysatorsuspension
entnommen und auf Polystyrolpetrischalen abgestreift. Die nach beiden Verfahren
gewonnenen Partikeln werden in der Cleanbench auf 20% ihres Gewichtes getrocknet
(ca. 90 min). Die linsenf¨ormigen Partikel werden anschließend in einer mitgelieferten
Salzl¨osung unter R¨uhren 2 h stabilisiert.
3.3.2 Biohydrolyse mit Immobilisaten
Die stereoselektiven Hydrolysen werden in 100 mLErlenmeyerkolben in einem Sch¨utte-
linkubator (Braun BBiotech) bei 170 H/min und 27oC durchgef¨uhrt. Es werden,
wenn nicht anders vermerkt, 50 mLeines 0,1 mol/L Phosphatpuffers pH 7 und die
oben gewonnene Masse an Immobilisat eingesetzt. Die Reaktionskontrolle wird ana-
log der Biohydrolyse mit freiem Pilz durchgef¨uhrt.
3.3.3 Bestimmung des Diffusionsmechanismus
Die PVA-Oberfl¨ache wurde mit einem Rasterelektronenmikroskop (Joel Typ 640F,
Uni-Bielefeld) untersucht.
Die Untersuchung auf Poren im Berich zwischen 2-100 nm wird nach dem Verfahren
der Thermoporometrie [63], [69] mit dem Differential Scanning Calorimeter Pyris 1
der Firma Perkin Elmer durchgef¨uhrt. F¨ur die Bestimmung wurden 30 mg des PVA´s
in einen Aluminiumtiegel (PE 0219-0041) gef¨ullt und ausreichend ¨
Uberschusswasser
3 EXPERIMENTELLES 28
hinzugegeben. Zuvor wurde das PVA gr¨undlich in VE-Wasser gewaschen. Die Pro-
be wurde in dem Meßbereich von -30oC bis 2oC mit einer Aufheizrate von 0,5oC
vermessen.
3.3.4 Bestimmung der Diffusionskoeffizienten
Die Bestimmung der Diffusionskoeffizienten durch einen PVA-Film wurde in einer
2*120 mLMeßzelle durchgef¨uhrt (Abbildung 3.1).
Retentat
(turbulent durchmischt)
Permeat
(turbulent durchmischt)
PVA-Membran
Abbildung 3.1: Schema der Diffusionsmeßzelle
Zur Membranherstellung wird in einer Petrischale eine ca. 5 mm dicke PVA-Schicht
gegossen und entsprechend der Herstellungsanweisung der LentiKats r
weiterverar-
beitet. Die Membrandicke wird mit einem Mikomereterdickenmesser bestimmt (ge-
messene und gemittelte Dicke V1= 0,45 mm, V2= 0,43 mm, V3= 0,46 mm). Aus der
stabilisierten Membran wird ein gleichm¨assiges, blasenfreies 3*5 cm großes St¨uck her-
ausgeschnitten und in die Trennwand der Meßzelle eingebaut. Die Trennung der Meß-
zellen erfolgt durch ein freies kreisf¨ormiges Membranst¨uck von 2 cm Durchmesser.
Die Einzelzellen werden mittels Magnetr¨uhrer turbulent durchmischt (200 U/min).
Aus beiden Teilzellen (VP=VB= 100 mL) werden in regelm¨aßigen Zeitabst¨anden 2
mLProbe gezogen und wie in Kapitel 4.1.1 und 4.1.2 beschrieben aufgearbeitet und
vermessen.
3 EXPERIMENTELLES 29
3.4 Aufschluss der Pilzzellen
Bei allen beschriebenen Aufschlussverfahren wird der abgenutschte Pilz mit ca. 20 mL
Aufschlusspuffer in einem M¨orser vordispergiert, um eine gleichm¨assige Behandlung
im anschließenden Verfahren zu gew¨ahrleisten. Ziel ist es ein zellfreies Extrakt zu
gewinnen, dessen Hydrolyseaktivit¨at erhalten bleibt. Es wird jeweils ein Ausstrich
auf einem Sabourand-2%-Glucose-Agar angelegt und 3 Tage bei 27oC inkubiert. Die
katalytische Aktivit¨at wird mittels Biohydrolyse wie in Kapitel 4.2.3 beschrieben
bestimmt.
F¨ur alle Aufschl¨usse wird folgender Puffer verwendet: 10 mM TRIS (Merck), 1 mM
Cystein (Aldrich), 1 mM EDTA (Aldrich), 0,3 mM Phenylmethansulfonylfluorid
(Fluka). Die L¨osung wird mit Salzs¨aure auf pH 7,0 eingestellt.
3.4.1 Aufschluss durch Gefriertrocknung
3 g des abgesaugten Pilzes werden bei -20oC eingefroren und anschließend in der
Gefriertrocknung (Gerstell Nimbus 2000) am ¨
Olpumpenvakuum bei 0,45 mbar ¨uber
Nacht getrocknet. Zur Endtrocknung wird f¨ur 30 min das Gasbalastventil geschlossen
und die Biomasse bei Maximalvakuum getrocknet. Nach der Trocknung wird sofort
der entsprechende Puffer hinzugegeben.
3.4.2 Aufschluss mit dem Zellaufschlussger¨at
F¨ur den Zellaufschluss durch Scheerung wird ein Zellaufschlussger¨at (Braun BBio-
tech) verwendet. Die Zellsuspension wird dabei auf Eis gek¨uhlt und bei einer Dreh-
zahl von 250 U/min f¨ur 5 bzw. 10 min. behandelt (vergl. [14]).
3.4.3 Aufschluss mit Ultraschall
Die entsprechende Pilzmenge wird in dem Aufschlusspuffer vorgelegt, suspendiert
und mit Eis gek¨uhlt. Die Ultraschallsonde des Aufschlussger¨ates (Sonicator 6,7; Ul-
trasonoc Inc.) wird in die Mitte des Becherglases eingef¨uhrt, die Leistung des Ger¨ates
auf 300 mW eingestellt und die Suspension 15 min beschallt.
3 EXPERIMENTELLES 30
3.4.4 Aufschluss mit dem Ultraturrax
Die Pilzsuspension in Aufschlusspuffer wird mit dem Ultraturrax unter K¨uhlung
zerscheert. Zur Stabilisierung der Enzyme wird ein Zuschlag von 2,5% Paraffin und
2,5% Glycerin verwendet.
3.4.5 Aufschluss mit gek¨uhlten L¨osemitteln
3 g Biofeuchtmasse werden in 20 mLAufschlusspuffer suspendiert, mit doppeltem
Volumen gek¨uhlten Aceton (-20oC) ¨ubergossen und durchmischt. Die Suspension
wird 15 min gek¨uhlt (-20oC) und alle 5 min erneut durchmischt. Anschließend wird
der aufgeschlossene Pilz abgenutscht und zur Reakton eingesetzt. Das Verfahren wird
ebenfalls mit Butylacetat durchgef¨uhrt.
3.4.6 Kombination der Aufschlussverfahren
Die aussichtsreichen Einzelaufschlussverfahren wurden miteinander kombiniert. Nach
dem ersten Aufschlussschritt wird die Biomasse ggf. abzentrifugiert, dem zweiten
Verfahren zugef¨uhrt und anschließend auf Biohydrolyseakivit¨at untersucht.
3.4.7 Anreicherung der Enzymfraktion
Die katalytisch aktiven Zellbruchst¨ucke werden durch Dialyse (vergl. [75], [14]) an-
gereichert. Hierzu wir eine Dialysemembran (Medicell, 12-14 kDa cut-off) f¨ur 30
min in EDTA-L¨osung ausgekocht, zweifach mit VE-Wasser gewaschen und mit der
anzureicherenden L¨osung gef¨ullt. Die Membran wird bei 2oC in Polyethylenglycol
(PEG 200, Aldrich) geh¨angt und regelm¨assig durchmischt. Nach der gew¨unschten
Anreicherung wird das Retentat aus der Membran isoliert.
3.4.8 Bestimmung der Substratbreite
F¨ur die Bestimmung der Substratbreite wird die Biohydrolyse in Erlenmeyerkolben
wie oben beschrieben durchgef¨uhrt. Die Substrate werden in Ethanol (1:1) gel¨ost
und in die Fermentationssuspension bis zur Endkonzentration von 1 g/L zugegeben.
Es werden Epoxypropyl-phenylether, Epoyxpropyl-isopropylether und Benzyloxiran
3 EXPERIMENTELLES 31
in purum-Qualit¨at (Fluka) eingesetzt. 1,2-Indenepoxid wurde aus Inden mittels der
Prileschajew-Reaktion mit m-Chlorbenzoes¨aure als Oxidationsmittel hergestellt. Die
Synthese des 1,2-Dihydronaphtalinoxid erfolgte nach dem Bromhydrinverfahren [11].
4 ERGEBNISSE 32
4 Ergebnisse
4.1 Anzucht der Mikroorganismen
Die Mikroorganismen Aspergillus niger und Beauveria bassina werden in der Biokata-
lyse neben den in Kapitel 2.2.2 aufgef¨uhrten Anwendungen auch zur stereoselektiven
¨
Offnung von Epoxiden verwendet. Hierzu werden sie als rastende Zellen (resting cells)
eingesetzt. Die Zugabe von Epoxiden in eine Batchkultur in der logarithmischen Pha-
se f¨uhrt zu einer sofortigen Verstoffwechselung als Kohlenstoffquelle. Schon 30 min
nach der Zugabe ist kein Styrolepoxid in der Fermentationsbr¨uhe nachweisbar.
4.1.1 Wachstumskurve Aspergillus niger
Zur Bestimmung des optimalen Erntezeitpunktes einer Batchkultur ist eine Wachs-
tumskurve f¨ur den eingesetzten Mikroorganismus ausschlaggebend. In Abbildung 4.1
werden die aufgenommenen Parameter pH-, pO2-Wert, die Biotrockenmasse (BTM)
und der gesammte organische Kohlenstoffgehalt (TOC-Wert) f¨ur eine Aspergillus
niger Kultur dargestellt. Aus dem Verlauf der Biotrockenmasse sind bis Stunde 10
die lag-Phase, bis Stunde 27 die log-Phase, bis Stunde 50 die station¨are Phase und
anschließend die Absterbephase zu erkennen. In dem ¨
Ubergang aus der lag- in die
log-Phase um die Stunde 10 der Biomassenanzucht beginnt der pO2-Wert als Zeichen
der einsetzenden katabolischen Aktivit¨at zu sinken. Gleichzeitig sinkt der pH-Wert
von pH 7 auf pH 6. In der logarithmischen Phase sinkt der TOC-Wert, der als ein-
fach zu bestimmendes Summenmaß f¨ur die Kohlenstoffquellen verwendet wird. Der
¨
Ubergang zu der station¨aren Phase ist gekennzeichnet durch die starke Abnahme
des TOC-Wertes und den gleichzeitigen Anstieg des pH-Wertes. Der ¨
Ubergang in
die station¨are Phase wird durch eine Glucoselimitierung induziert. Im Laufe dieser
Phase nimmt der TOC-Wert weiter ab. Gleichzeitig steigt der pO2-Wert an. Der
von Vermehrung auf Erhalt umgestellte Stoffwechsel der Pilze kommt nun mit we-
niger Glucose aus. Nach dem Durchlaufen des TOC-Wertminimums beginnt in der
Sterbephase der Kultur eine Autolyse der Zellen, die zu dem leichten Wiederanstieg
des TOC-Wertes f¨uhrt. Gleichzeitig erreicht der pO2-Wert wieder den S¨attigungs-
wert. Der pH-Wert der Kultur steigt w¨ahrend der gesamten station¨aren Phase bis
auf pH 8 an. Zur einfachen Detektion der Wachstumsphasen der Batchkultur von
Aspergillus niger scheiden die ¨ublichen Verfahren, wie die Messung optischer Dichte,
aufgrund der hohen Zelldichte und der starken Tr¨ubung des Mediums aus. Von den
4 ERGEBNISSE 33
untersuchten Parametern kann der
-20
0
20
40
60
80
100
0 10 20 30 40 50 60 70 80
Zeit (h)
TOC, pO2, Biomasse
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
pH
TOC (50 mg) pO_2 BTM (mg) pH
Abbildung 4.1: Wachstumskurve von Aspergillus niger (DSM 823)
pO2-Wert am besten zur Detektion der Wachstumsphase der untersuchten Kultur
verwendet werden. Als Detektionskriterien werden folgende Punkte eingesetzt:
•erster Abfall des pO2-Wertes zum Minimum ⇒¨
Ubergang aus der lag- in die
log-Phase,
•Anstieg des pO2-Wertes aus dem Minimum ⇒¨
Ubergang aus der log- in die
station¨are Phase,
•80% des Maximal-pO2-Wertes ⇒¨
Ubergang aus der station¨aren in die Sterbe-
phase.
In jeder detektierten Wachstumsphase werden mehrfach die katalytischen Aktivit¨aten
bestimmt, welche in Tabelle 4.1 als ee-Wert des Styrolepoxids nach 1 h Reaktions-
zeit aufgef¨uhrt sind. Der optimale Erntezeitpunkt wird bei einer hohen Aktivit¨at mit
4 ERGEBNISSE 34
einer hohen Selektivit¨at und gleichzeitiger maximaler Biomasse im Anzuchtsreaktor
erreicht. F¨ur Aspergillus niger liegt er bei 49,5 h am Ende der station¨aren Phase.
Tabelle 4.1: Katalytische Aktivit¨at von Aspergillus niger
Zeit BTM ee-Wert Umsatz Wachstums-
(h) (g) (Epoxid, %) (%) phase
15,5 40 - - log-
20,5 70 - - Phase
28,5 80 4,8 0,37
32,5 80 10,2 0,56 station¨are
40,5 80 20,5 0,68 Phase
45,0 80 42,7 0,51
49,5 80 62,5 0,63
55,5 65 8,8 0,61 Absterbephase
W¨ahrend der station¨aren Phase wird bei Pilzen h¨aufig das Enzymsystem stark um-
gebaut, um den ver¨anderten Umweltbedingungen gerecht zu werden [85], [70]. Der
Aufbau der stereoselektiven Epoxidhydrolasen in der station¨aren Phase l¨aßt sich
deutlich in der Tabelle 4.1 ablesen. Die katalytische Aktivit¨at von Aspergillus niger
nimmt im Verlauf der station¨aren Phase zu, um am Ende der Phase ein Maximum
zu erreichen. In der Absterbephase nimmt das Verm¨ogen die Epoxide enantioselektiv
zu hydrolysieren schnell ab.
4.1.2 Wachstumskurve Beauveria bassiana
Die Wachstumskurve von Beauveria bassiana ist in Abbildung 4.2 dargestellt. Die
lag-Phase dieser Kultur dauert bis zu Stunde 7, wonach sich die log -Phase bis Stunde
31 anschließt. Die station¨are Phase dauert bis Stunde 62 an, um dann in die Ab-
sterbephase ¨uberzugehen. Der pH-Wertverlauf zeigt im ersten Drittel der log-Phase
ein Minimum bei pH 5,8, gefolgt von einem Anstieg bis zum Ende der log-Phase auf
pH 7,6. W¨ahrend der station¨aren Phase steigt der pH-Wert gleichm¨aßig und erreicht
in der Absterbephase den Wert pH 8,8. Nach dem der TOC-Wert um 74% gefallen
ist, wechselt die Kultur in die station¨are Phase, in welcher der TOC-Wert auf sein
Minimum sinkt. Er steigt erst wieder w¨ahrend der Sterbephase durch die Zelllyse
an. Der pO2-Wert f¨allt zu Beginn der station¨aren Phase auf sein Minimum ab und
steigt erst am Ende dieser Phase wieder an. Seinen Maximum erreicht er schon in der
4 ERGEBNISSE 35
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 10 20 30 40 50 60 70 80
Zeit (h)
TOC, pO2, Biomasse
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
pH
TOC (50 mg) pO_2 BTM (mg) pH
Abbildung 4.2: Wachstumskurve von Beauveria bassiana (DSM 1344)
Mitte der station¨aren Phase nach 40 h. Die Onlinedetektion der Wachstumsphasen
erweist sich bei der Batchkultur von Beauveria bassiana als schwierig. Der ¨
Ubergang
der lag- in die log-Phase und der ¨
Ubergang der log-Phase in die station¨are Phase er-
folgen analog der Aspergillus niger Kultur durch den Abfall des pO2-Wertes auf sein
Minimum. Der pO2-Wert erreicht jedoch schon zur Mitte der station¨aren Phase sei-
nen Maximalwert und kann so nicht zur Detektion des Phasen¨uberganges eingesetzt
werden. Als Indikator f¨ur das Ende der station¨aren Phase kann der erste Anstieg des
TOC-Wertes genutzt werden. Die Werte f¨ur die stereoselektive Hydrolyseaktivit¨at
sind in Tabelle 4.2 aufgef¨uhrt. Die Enzyme werden analog denen des Aspergillus ni-
ger erst am Ende der station¨aren Phase aktiv. Der optimale Erntezeitpunkt liegt
nach 54 h Anzucht.
4 ERGEBNISSE 36
Tabelle 4.2: Katalytische Aktivit¨at von Beauveria bassiana
Zeit BTM ee-Wert Umsatz Wachstums-
(h) (g) (Epoxid, %) (%) phase
16,5 35 - - log-
21,5 52 - - Phase
30,5 62 - 0,37
40,5 62 29 0,56 station¨are
45,5 60 21 0,68 Phase
54,5 60 50 0,51
65,5 50 1,7 0,63 Absterbe-
76,5 25 - 0,61 phase
4.1.3 Optimierung der Wachstumstemperatur
F¨ur eine wirtschaftliche Biokatalysatorgewinnung ist die Anzucht der Mikroorganis-
men unter optimalen Bedingungen entscheidend. Dabei ist die maximale Biomassen-
ausbeute bei maximaler katalytischer Aktivit¨at erw¨unscht. In Abbildung 4.3 werden
die Biotrockenmassen nach 50 h Wachstumszeit dargestellt. Daraus ergibt sich ein
Maximum bei einer Wachstumstemperatur von 31oC f¨ur Aspergillus niger und von
29oC f¨ur Beauveria bassiana.
Die katalytische Aktivit¨aten lassen sich aus dem ee-Wert der Biohydrolyse mit dem
Schimmelpilz, der bei den entsprechenden Temperaturen gewachsen ist, bewerten.
Die ee-Werte des entstehenden 1,2-Phenylethandiols sind in Tabelle 4.3 aufgef¨uhrt.
Die Enantiomeren¨ubersch¨usse in der Tabelle dienen nur der Absch¨atzung eines Trends,
da f¨ur die Biohydrolyse mit Beauveria bassiana nur sehr wenig Biomasse verwendet
werden kann. Es ist deutlich zu sehen, dass die Aktivit¨at des Beauveria bassiana,
der bei 29oC wuchs, am h¨ochsten ist. Die Biomasse, die bei anderen Temperaturen
gewachsen ist, zeigt keine signifikante Selektivit¨at. Bei dem Aspergillus niger hinge-
gen ist die Selektivit¨at bei allen Wachstumstemperaturen hoch. Ein Maximum ergibt
sich bei den Temperaturen zwischen 29oC und 31oC.
4.1.4 Zusammensetzung des N¨ahrmediums
Die Konzentrationen der N¨ahrmediumsbestandteile Glucose und Corn Steep Liquor
wurden variiert und die nach 50 h nach Animpfung gebildete Biomasse nach Mas-
4 ERGEBNISSE 37
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
25 26 27 28 29 30 31 32 33
Temperatur (°C)
BTM (g/L)
BTM B.bassiana (g/L) BTM A.niger (g/L)
Abbildung 4.3: Biomassen von Beauveria bassiana und Aspergillus niger bei verschie-
denen Wachstumstemperaturen
Tabelle 4.3: Hydrolyseselektivit¨at bei verschiedenen Wachstumstemperaturen
Wachstumstemperatur Beauveria bassiana Aspergillus niger
(oC) ee-Wert in % ee-Wert in %
26 - 60
27 10 61
29 26 62
31 7 62
se und Aktivit¨at bewertet. Die Biomassenkonzentrationen sind in Tabelle 4.4 auf-
gef¨uhrt. Die optimalen Konzentrationen sind 10 g/L Glucose und 25 g/L Corn Steep
Liquor f¨ur Beauveria bassiana und 30 g/L Glucose und 20 g/L Corn Steep Liquor
f¨ur Aspergillus niger. Die Aktivit¨at wird nach 2 h Reaktionszeit als ee-Wert des Sty-
4 ERGEBNISSE 38
rolepoxids und des entstehenden 1,2-Phenylethandiols gemessen. Die bestimmten
Aktivit¨aten der Biomassen sind bei allen Chargen im Rahmen der Meßgenauigkeit
gleich hoch.
Tabelle 4.4: Optimierung der N¨ahrmedienzusammensetzung
N¨ahrmedium Masse
CSL Glucose B. bassiana A. niger
g/L g/L g/L g/L
0 10 - -
10 10 0,2 1,3
15 10 0,3 1
20 10 0,4 1,3
25 10 1,5 1,1
30 10 1,0 0,6
35 10 1,0 0,6
40 10 1,0 0,6
50 10 1,0 0,6
60 10 1,0 0,6
20 0 1,1 1,3
20 5 0,3 1,2
20 10 0,4 1,3
20 15 1,3 1,4
20 20 1,3 2,3
20 30 0,2 2,7
20 40 0,7 2,4
4 ERGEBNISSE 39
4.2 Analytik
4.2.1 Extraktion der Analyten
Die analytische Erfassung der Enantiomerenkonzentrationen der Edukte und der
Produkte wird mit chiraler Hochleistungsfl¨ussigkeitschromatogrphie (HPLC) und
Gaschromatographie (GC) durchgef¨uhrt. Da die dazu eingesetzten Phasen hydro-
lyseempfindlich sind, m¨ussen die Stoffe in ein nichtw¨assriges L¨osemittel ¨uberf¨uhrt
werden. F¨ur die Quantifizierung der Extraktion wird ein reproduzierbarer Vertei-
lungskoeffizient bestimmt. Die in der Arbeit verwendeten Systeme sind in Tabelle
4.5 zusammengefasst. Die Extraktionszeit muss auf der Stufe 8 eines Laborsch¨uttlers
mindestens 10 s betragen, um eine ausreichende Reproduzierbarkeit zu gew¨ahrlei-
sten.
Tabelle 4.5: Extraktionssysteme
Analyt Extraktions- Verteilungs- Standard-
mittel koeffizient abweichung
1,2-Phenylethandiol Dichlormethan 0,257 0,003
Styrolepoxid n-Hexan 0,315 0,024
Phenylacetaldehyd n-Hexan 0,083 0,078
4.2.2 Enantiomerentrennung der Epoxide
Die Optimierung der Enantiomerentrennung auf der Gaschromatographies¨aule [Heptakis-
(6-O-butyldimethylsilyl-2,3-di-O-methyl)-β-cyclodextrin] von Prof. K¨onig (Univer-
sit¨at Hamburg) ergibt die in Tabelle 4.6 angegebenen Bedingungen. Die Signale
der einzelnen Enantiomeren sind basisliniengetrennt und ausreichend reproduzier-
bar f¨ur eine Quantifizierung. Um die Reproduzierbarkeit der erhaltenen Werte zu
verbessern, wird die Injektionstemperatur variiert. Es wird ein Optimum bei einer
Injektortemperatur von 230oC gefunden, bei der die durchschnittliche Abweichung
der Signalintensit¨aten unter 5% liegt.
4 ERGEBNISSE 40
Tabelle 4.6: Enantiomerentrennung der Epoxide mittels chiraler Gaschromatographie
Analyt Retentions- Retentions- Temperatur-
zeit (R) zeit (S) programm
Styrolepoxid 8,8 min 9,6 min 90oisotherm
α-Methylstyrolepoxid 58,1 min 58,7 min 45oab 46 min 15o/min
α-Ethylstyrolepoxid 14,0 min 14,7 min 95oisotherm
Benzoxiran 32,7 min 33,8 min 82oisotherm
Epoxipropyl-isopropylether 6,5 min 6,8 min 60oisotherm
Epoxipropyl-phenylether 35,6 min 36,4 min 75oisotherm
4.2.3 Enantiomerentrennung der Diole mittels chiraler Hochleistungs-
fl¨ussigkeitschromatographie
Die Enantiomerentrennung der entstehenden Diole wird mittels chiraler HPLC durch-
gef¨uhrt. Es wird die S¨aule OB-H der Firma Daicel mit Hexan, Isopropanol und Etha-
nol als mobile Phase verwendet. Die Detektion erfolgt bei 219 nm. Die Bedingungen
f¨ur die optimierten Trennungen sind in Tabelle 4.7 aufgef¨uhrt. Die Signale der Diole
sind basisliniengetrennt und gut von einem Eduktsignal, das bei 16 min auftritt,
getrennt. Dieses Signal kann bei den Trennungsbedingungen der Diole nicht in die
einzelnen Enatiomerensignale getrennt werden und ist somit nicht f¨ur die Eduktana-
lytik geeignet.
Tabelle 4.7: Enantiomerentrennung der Diole
Analyt Retentions- Retentions- Eluent Fluss
zeit (R) zeit (S) (ml/min)
1,2-Phenylethandiol 20,3 min 25,5 min 91:9 a) 0,8
α-Methylphenylethan-1,2-diol 29,5 min 34,5 min 92:8 a) 0,75
α-Ethylphenylethan-1,2-diol 18,5 min 20,0 min 94:6 a) 0,8
Phenylpropan-1,2-diol 18,5 min 24,5 min 92:8 a) 0,75
Propyl-1,2-diol-phenylether 35,5 min 38,5 min 94:6 b) 0,75
a) Hexan:i-Propanol b) Hexan:Ethanol
4 ERGEBNISSE 41
4.3 Reaktionssystem
Die Analyse des Reaktionssystems mit Gaschromatographie und Hochleistungsfl¨ussig-
keitschromatographie zur Trennung und mit der Kernresonanzspektroskopie zur Iden-
tifikation der Substanzen ergab, dass an dem System folgende Spezies beteiligt sind:
•(R)-Styrolepoxid,
•(S)-Styrolepoxid,
•(R)-1,2-Phenylethandiol,
•(S)-1,2-Phenylethandiol,
•Phenylacetaldehyd.
Die Konzentrationen dieser Substanzen werden w¨ahrend eines Versuchansatzes auf-
genommen. Sie werden zur Aufkl¨arung des vorliegenden Reaktionssystems in folgen-
dem Kapitel diskutiert. In Abbildung 4.4 sind die chromatographischen Trennungen
der beteiligen Substanzen exemplarisch abgebildet. Es sind deutlich voneinander ba-
sisliniengetrennte Signale sichtbar. Die Signale sind in dem Konzentrationsbereich
bis 1 g/L proportional, so dass eine Kalibrierung m¨oglich ist.
4.4 Reaktionsverlauf im Detail
In Abbildung 4.5 sind die Konzentrationsverl¨aufe aller am Reaktionssystem betei-
ligten Stoffe ¨uber die Reaktionszeit aufgetragen. Hierbei wurde exemplarisch mit
Aspergillus niger gearbeitet. Die Konzentrationskurven von Beauveria bassiana zei-
gen den gleichen Verlauf, sind aber zu h¨oheren Reaktionszeiten verschoben. In der
Darstellung ist erkennbar, dass die Schwankungen innerhalb der Konzentrations-
verl¨aufe ca. 5% betragen. Das Meßverfahren zeigt somit f¨ur die Modellbildung und
Anpassung eine ausreichende Genauigkeit.
Der Enantiomeren¨uberschuß des 1,2-Phenylethandiols ist zu Beginn der Reaktion
sehr hoch und nimmt ¨uber die Reaktonszeit langsam ab. Dies ist durch eine Autohy-
drolyse des Epoxids zu erkl¨aren. Zur Beginn der Reaktion dominiert die Bildung des
(R)-1,2-Phenylethandiols durch die Biohydrolyse. W¨ahrend des Reaktionsverlaufes
4 ERGEBNISSE 42
GC-Trennung von (R)- und (S)- Styrolepoxid und Phenyacetaldehyd
HPLC-Trennung von (R)- und (S)- 1,2-Phenylethandiol
Abbildung 4.4: Chromatographische Trennung der beteiligten Komponenten
kommt das durch die unspezifische Autohydrolyse langsamer zu gleichen Teilen gebil-
dete (R)-und (S)- 1,2-Phenylethandiol hinzu. Hierdurch sinkt der Enatiomeren¨uber-
schuss des 1,2-Phenylethandiols langsam. Die Konzentration des (S)-Styrolepoxids
sinkt ab dem Versuchsstart schnell ab. Das (R)-Enantiomere hingegen wird nur durch
die Autohydrolyse oder eine langsame Nebenreaktion abgebaut, was durch die sehr
viel langsamere Konzentrationsabnahme dokumentiert wird. Der Enantiomeren¨uber-
schuss des Styrolepoxids steigt gleichm¨aßig auf ein hohes Niveau um 90%. Bei dem
durch die Folgereaktion aus dem 1,2-Phenylethandiol gebildeten Phenylacetaldeyd
steigt die Konzentration bei dem im Versuch gew¨ahlten pH-Wert von 8 nur sehr
langsam an.
Die Summenkonzentration der f¨unf Komponenten sinkt mit dem Reaktonsverlauf, da
Styrolepoxid ¨uber die Grenzfl¨ache Reaktionsmedium-Luft entweicht. Dies kann mit
Hilfe eines Flammenionisationsdetektors (FID) nachgewiesen werden. Da kein defi-
nierter Luftstrom durch den Kolbenhals str¨omt, ist eine exakte Bilanz nicht m¨oglich.
Die Konzentrationssumme sinkt nach 500 min auf 55%. Nach 24 h betr¨agt sie noch
4 ERGEBNISSE 43
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0,45
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450
Zeit (min)
Konzentration (g/L)
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
ee-Wert (%)
c (S)-Epoxid c (R)-Epoxid c (R)-Diol c (S)-Diol
ee-Epoxid ee-Diol S (Summe,%)
Abbildung 4.5: Konzentrationsverl¨aufe aller beteiligten Stoffe bei der Biohydrolyse
mit Aspergillus niger
45% des Anfangswertes.
Die Verluste ¨uber die Gasphase k¨onnen durch ein geschlossenes Reaktionsgef¨aß mi-
nimiert werden. Da es sich bei dem Biokatalysator um rastende Zellen handelt, ist
keine Begasung notwendig. Der Reaktionsverlauf in geschlossenen Reaktionsgef¨aßen
ist in Abbildung 4.6 dargestellt. Die Summe der Konzentrationen betr¨agt nach 10
h Reaktionszeit ¨uber 90%. Das deutet darauf hin, dass in der Betrachtung keine
gravierende Senke unerkannt gebleiben ist.
Aus den Konzentrationsverl¨aufen der Einzelsubstanzen sind die in Abbildung 4.7
dargestellten Reaktionswege m¨oglich. Die enzymatische Hauptreaktion f¨uhrt zu dem
gew¨unschten Hauptprodukt (R)-1,2-Phenylethandiol und hinterl¨aßt (S)-Styrolepoxid.
Aus den beiden Styrolepoxidenatiomeren entsteht ¨uber eine statistische Autohydro-
lyse racemisches 1,2-Phenylethandiol. Ein Anhaltspunkt hierf¨ur ist die Verringerung
4 ERGEBNISSE 44
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0 2 4 6 8 10
Zeit (h)
Konzentration (g/L)
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
ee-Wert (%)
c (R)-Epoxid c (S)-Epoxid c Phenylacetaldehyd
c (R )-Diol c (S)-Diol ee-Epoxid
ee-Diol Summe (%)
Abbildung 4.6: Konzentrationsverl¨aufe aller beteiligten Stoffe bei der Biohydrolyse
mit Aspergillus niger in einem geschlossenen Reaktionsgef¨aß
des Enantiomeren¨uberschusses des 1,2-Phenylethandiols. Eine Diolracemasenakti-
vit¨at der Pilze kann ebenfalls f¨ur diesen Effekt verantwortlich sein. Der nicht 99%igen
Enatiomeren¨uberschuss des Epoxids kann durch eine Racemasenaktivit¨at des Pilzes
f¨ur das Styrolepoxid hervorgerufen werden. Schließlich ist eine Folgereaktion des 1,2-
Phenylethandiol zu dem Phenylacetaldehyd und R¨uckreaktionen m¨oglich.
Im folgenden Abschnitt werden die m¨oglichen Reaktionen einzeln untersucht, um
ihre Verl¨aufe durch geeignete Versuche direkt zug¨anglich zu machen. Die Relevanz
f¨ur das Modell wird bestimmt und gegebenenfalls ihre Kinetik ermittelt.
4 ERGEBNISSE 45
O
O
(R)-Styrolepoxid
(S)-Styrolepoxid
Autohydrolyse
enzymatische
Hauptreaktion
enzymatische
Nebenreaktion
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
OH
H
H H
OH
(S)-Phenylethan -1,2-diol
H
H
O
H
Weiterreaktion
Phenylacetaldehyd
Racemasen
Racemasen
Abbildung 4.7: Stoffspezies und m¨ogliche Reaktionen bei der Biohydrolyse mit Be-
auveria bassiana
4.4.1 Autohydrolyse
Die statistisch verlaufende Autohydrolyse l¨auft nach einem s¨aure- oder basekataly-
sierten Mechanismus ab [87]. Dabei handelt es sich um eine Reaktion pseudo erster
Ordnung bezogen auf die Styrolepoxidkonzentration (Formel 4.1 ).
∂cE(R)
∂t =−kAH ∗c(E)(4.1)
Die Kinetik dieser Umsetzung wird durch eine Reaktion ohne Biokatalysator be-
stimmt. Bei dem pH-Wert 9 liegt das Minimum der Reaktionsgeschwindigkeiten. Die
Reaktionsverl¨aufe bei verschiedenen pH-Werten sind in Abbildung 4.8 dargestellt.
Die nach der Methode der Anfangsgeschwindigkeit ermittelten kinetischen Konstan-
ten sind in Tabelle 4.8 aufgef¨uhrt.
Die deutlich messbare Autohydrolyse ist aufgrund ihrer Geschwindigkeit f¨ur eine
Modellierung des Reaktionssystems relevant.
4.4.2 Folgereaktion
Als Folgereaktion zur Autohydrolyse ist eine Eliminierung von Wasser und anschlie-
ßende Keto-Enol-Tautomerie denkbar (Abbildung 4.9) [87]. Ebenfalls m¨oglich ist
4 ERGEBNISSE 46
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
0 5 10 15 20 25 30
Zeit (h)
Konzentration (g/L)
pH 6,5 pH 7,0 pH 7,5 pH 8 pH 8,5 pH 9
Abbildung 4.8: Reaktionsverl¨aufe der Autohydrolysereaktion bei verschiedenen pH-
Werten
Tabelle 4.8: Geschwindigkeit der Autohydrolyse
pH-Wert Reaktionsgeschwindigkeitskonstante
(1/s)
6,5 −1,930 ∗10−5
7,0 −6,305 ∗10−6
7,5 −4,666 ∗10−6
8,0 −3,472 ∗10−6
8,5 −2,722 ∗10−6
9,0 −2,694 ∗10−6
auch eine anschließende Weiterreaktion des Ketons zu einem Oligomeren. Messungen
in dem Konzentrationsbereich des Reaktionsmixes ergaben weder eine signifikante
Zunahme der Phenylacetaldehyd- noch eine Abnahme der 1,2-Phenylethandiolkonzentration
4 ERGEBNISSE 47
im pH-Bereich 6,5 -9. F¨ur die Modellierung der Bohydrolyse von Styrolepoxid spielt
sie somit keine Rolle. Dieses Ergebnis kann nicht auf andere Styrolepoxidtyp-Substrate
¨ubertragen werden. Gerade die Substrate mit einem weiterem Ring weisen diese Ne-
benreaktion auf (Siehe auch Kapitel 4.9).
H
H
O
H
OH
H
H H
OH -H2O
H
OH
H
OH
H
HH
+
H
H
+OH
H
- H+
+ H+
+ H+
- H+
Abbildung 4.9: Reaktionsmechanismus der Folgereaktion mit Keto-Enol-Tautomerie
4.4.3 Racemasen
Die Aktivit¨aten der Racemasen f¨ur 1,2-Phenylethandiol und Styrolepoxid konnten
nicht nachgewiesen werden. In Abbildung 4.10 sind die Reaktionsverl¨aufe bei vorge-
legtem enantiomerenreinem 1,2-Phenylethandiol dargestellt. Die Konzentration des
entsprechenden Isomeren sinkt in den 24 Stunden Reaktionszeit nicht signifikant. Ei-
ne Racemasenaktivit¨at f¨ur das 1,2-Phenylethandiol kann somit ausgeschlossen wer-
den.
Um eine Racemasenaktivit¨at f¨ur das Styrolepoxid festzustellen, wird das Enantiome-
re vorgelegt, welches von dem Pilz nicht umgesetzt wird. Bei der Bildung des kompli-
ment¨aren Epoxids liegt eine Racemasenaktivit¨at vor. Ein weiterer Anhaltspunkt ist
ein m¨oglicher Anstieg der (R)-1,2-Phenylethandiolkonzentration. Das durch Race-
masen entstehende Epoxid wird durch die Epoxidhydrolyse enantioselektiv ge¨offnet.
Der Reaktionsverlauf mit (S)-Styrolepoxid und Aspergillus niger ist in Abbildung
4.11 dargestellt. Die Diolbildung ist racemisch und es findet keine signifikante (S)-
Styrolepoxidbildung statt. Somit ist keine Epoxidracemasenaktivit¨at feststellbar. Die
Reaktion mit Beauveria bassiana unter Vorlage von (R)-Styrolepoxid liefert die glei-
chen Erkenntnisse.
4 ERGEBNISSE 48
B. bassiana (R)-Diol
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
Konzentration (g(/L)
c (R)-Epoxid c (S)-Epoxid c Aldehyd c Summe. c (R)-Diol c (S)-Diol
A. niger (S)-Diol
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
Konzentration (g(/L)
c (R)-Epoxid c (S)-Epoxid c Aldehyd c Summe. c (R)-Diol c (S)-Diol
B. bassiana (S)-Diol
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0,45
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
Konzentration (g(/L)
c (R)-Epoxid c (S)-Epoxid c Aldehyd c Summe. c (R)-Diol c (S)-Diol
A. niger (R)-Diol
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
Konzentration (g(/L)
c (R)-Epoxid c (S)-Epoxid c Aldehyd c Summe. c (R)-Diol c (S)-Diol
Abbildung 4.10: Konzentrationsverl¨aufe mit enantiomerenrein vorgelegten 1,2-
Phenylethandiolen zur Untersuchung auf Diol-Racemasenaktivit¨at
4 ERGEBNISSE 49
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
Konzentration (g(/L)
c (R)-Epoxid c (S)-Epoxid c Aldehyd c Summe c (R)-Diol c (S)-Diol
Abbildung 4.11: Konzentrationsverl¨aufe einer Reaktion mit Aspergillus niger und
(S)-Styrolepoxid zur Untersuchung der Epoxid-Racemasenaktivit¨at
4.4.4 Enzymatische Hauptreaktion
Die enzymatische Hauptreaktion kann experimentell nicht getrennt von den oben
genannten Reaktionen erfasst werden. Das Reaktionsgeschwindigkeitsgesetz und die
dazugeh¨origen Konstanten k¨onnen nur durch Anpassung verschiedener Gesetze unter
Ber¨ucksichtigung der bereits erfassten Kinetiken ermittelt werden.
4.4.5 Enzymatische Nebenreaktion
Die Aussagen ¨uber eine m¨ogliche enzymatische Nebenreaktion k¨onnen nur ¨uber eine
Gesamtstoffbilanz der Reaktion oder durch eine Reaktion mit dem entsprechenden
reinen Enantiomeren getroffen werden. Bei der Reaktion des (S)-Styrolepoxid mit
Aspergillus niger als Katalysator wurde der in Abbildung 4.11 dargestellte Verlauf ge-
funden. Darin ist kein signifikanter Anstieg der (R)-1,2-Phenylethandiolkonzentration,
4 ERGEBNISSE 50
wie bei einer enzymatischen Nebenreaktion zu erwarten w¨are, erkennbar. Daraus
folgt, dass eine solche Nebenreaktion f¨ur das Modell nicht signifikant ist.
4.4.6 Enzymatische R¨uckreaktion
Die Reversibilit¨at der enzymatischen Reaktion wird durch Vorlage des 1,2-Phenylethandiols
und Messung der Styrolepoxidkonzentration ermittelt. Auch nach einer 30-st¨undi-
gen Reaktionszeit bei einer Ausgangskonzentration von 1g/L rac-1,2-Phenylethandiol
konnte keine Styrolepoxidbildung festgestellt werden. Dieses Verhalten ist in Abbil-
dung 4.12 dargestellt. Die enzymatische Reaktion im gegebenen Konzentrationsbe-
reich kann demzufolge f¨ur das Modell als irreversibel angenommen werden.
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0,45
0,5
0 5 10 15 20 25 30 35
Zeit (h)
Konzentration (g/L)
c (R)-Styrolepoxid c (S)-Styrolepoxid c (R)-Diol c (S)-Diol
Abbildung 4.12: Konzentrationsverl¨aufe bei der enzymatischen R¨uckreaktion
4 ERGEBNISSE 51
4.4.7 Inhibition
M¨ogliche Inhibitionen der Reaktion durch das Produkt wurden durch Vorlage des
rac-1,2-Phenylethandiols untersucht. Das 1,2-Phenylethandiol wurde in der maximal
zu erwartenden Produktkonzentration (1 g/l) und doppelt konzentriert eingesetzt.
Wie in Abbildung 4.13 zu sehen ist, liegt dabei keine signifikante Produkthemmung
vor.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5
Zeit (h)
ee Wert (%)
ohne Diol 1g/L Diol 2g/L Diol
Abbildung 4.13: Inhibition der Biohydrolyse durch 1,2-Phenylethandiol
Eine m¨ogliche Hemmung der Biohydrolyse durch Phenylacetaldehyd wird ebenfalls
durch Vorlage der Substanz untersucht. Die Verl¨aufe der Enantiomeren¨ubersch¨usse
des Styrolepoxids sind in Abbildung 4.14 dargestellt. Bei beiden Pilzen ist keine
signifikante Hemmung in dem Konzentrationsbereich bis 20 µg/L Phenylacetaldehyd,
das der maximal zu erwartenden Nebenproduktkonzentration entspricht, feststellbar.
4 ERGEBNISSE 52
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
ee-Wert (%)
B.bassiana / Ref. B.bassiana Phenylacetaldehyd
A.niger / Ref. A.niger Phenylacetaldehyd
Abbildung 4.14: Inhibition der Biohydrolyse durch Phenylacetaldehyd
4.4.8 Das Reaktionssystem f¨ur die Modellierung
Durch die zuvor beschriebene Bestimmung der Einzelreaktionen wird f¨ur die Modell-
bildung das in Abbildung 4.15 dargestellte Reaktionssystem eingesetzt.
4 ERGEBNISSE 53
O
O
(S)-Styrolepoxid
(R)-Styrolepoxid
Autohydrolyse
enzymatische
Hauptreaktion
OH
H
H H
OH
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
(S)-Phenylethan -1,2-diol
Abbildung 4.15: Experimentell erfasstes Reaktionssystem
4.5 Reaktion mit suspendiertem Pilz
4.5.1 Wahl des optimalen Reaktionsmediums
Zur Optimierung der Reaktionsbedingungen wurden folgende Reaktionsl¨osungen ver-
glichen:
•VE-Wasser, Na-Phosphatpuffer
•Ringer L¨osung als Minimalmedium mit Na-Phosphatpuffer
•Na- und K-Phosphatpuffer
•Verschiedene Konzentrationen des Na-Puffers
Bei dem Vergleich der Reaktionsverl¨aufe im Na- und K-Phosphatpuffer bei einer
Konzentration von 0,1 mol/L kann kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.
Die Wahl des Puffers kann hier nach reinen Kostenkriterien erfolgen.
Der Vergleich der Reaktionen in VE-Wasser und Ringer L¨osung mit Na-Phosphatpuffer
ergab eine deutliche Reaktionsverlangsamung. Das N¨ahrsalzangebot durch die Rin-
gerl¨osung wird von dem Pilz in der station¨aren Phase nicht durch eine h¨ohere Reak-
tionsgeschwindigkeit honoriert. Den geringsten Umsatz erh¨alt man bei dem Versuch
mit VE-Wasser, wie man in Abbildung 4.16 f¨ur Aspergillus niger sehen kann. Somit
ist eine Pufferung des Reaktionsmediums notwendig.
4 ERGEBNISSE 54
Die Pufferkonzentration ist wichtig f¨ur die Kapazit¨at des Puffers und die osmoti-
sche Umgebung der Pilzzellen. Die Variation der Pufferkonzentration ergab, dass die
optimale Konzentration 0,1 mol/L K-Phosphatpuffer betr¨agt. Der pH-Wert dieser
L¨osung bleibt w¨ahrend der gesamten Reaktionszeit konstant. Bis zu einer Konzen-
tration von 0,05 mol/L ist keine verl¨aßliche Pufferung des Mediums gew¨ahrleistet.
Eine Erh¨ohung der Pufferkonzentration ¨uber 0,1 mol/L verschlechtert die Reakti-
onsgeschwindigkeit wieder.
F¨ur Beauveria bassiana ergeben sich vergleichbare Effekte.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 10 20 30 40 50 60 70
Zeit (min)
ee-Wert (Styrolepoxid, %)
0,1 mol 0,5 mol 0,25 mol Ringer Lösung Dest. Wasser
Abbildung 4.16: Variation der Pufferkonzentration bei der Biohydrolyse
4.5.2 Reaktionsverlauf mit gefriergetrocknetem Pilz
F¨ur die Flexibilisierung der Reaktionsdurchf¨uhrung ist eine stabile Lagerung des
Biokatalysators von Vorteil. Die Lagerung von gefriergetrocknetem Pilz ist hierzu
4 ERGEBNISSE 55
ein g¨angiger Ansatz [14]. In Abbildung 4.17 ist eine Reaktion von freiem Pilz mit ei-
ner Reaktion der gleichen Menge Pilz, der gefriergetrocknet wurde, verglichen. Beide
Reaktionen verlaufen mit dem Pilz Aspergillus niger im Rahmen der Meßgenauig-
keit gleich schnell. Bei Beauveria bassiana l¨aßt die Biohydrolyseaktivit¨at nach der
Gefriertrocknung nach. Zur Gefriertrocknung muss der Pilz zuvor mit Schutzstof-
fen behandelt werden, damit die Proteinausstattung intakt bleibt. Es wurde mit
Glycerin (10%ig) und Magermilch gearbeitet. Beide Stoffe sch¨utzen die Pilzzellen
w¨ahrend der Gefriertrocknung vor der Denaturierung der Proteine [10]. Als Anti-
oxidant wird Na-L-Ascorbat in einer Konzentration von 0,5 % hinzugegeben. Die
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 5 10 15 20 25
Zeit (h)
ee-Wert (%)
ee-Epoxid A.niger, roh ee-Diol A.niger, roh
ee-Epoxid A.niger, gefriergetrocknet ee-Diol A.niger, gefriergetrocknet
Abbildung 4.17: Vergleich der Reaktion mit frischem und gefriergetrocknetem Pilz
Ergebnisse der Reaktion mit gefriergetrocknetem Pilz und Zuschlagsstoffen nach 6 h
Reaktionszeit sind in Tabelle 4.9 angegeben. Bei dem Pilz Beauveria bassiana zeigen
die Zubereitungen geringere Aktivit¨aten als der herk¨ommlich gefriergetrocknete Pilz.
Mit Aspergillus niger hingegen bleibt in der Zubereitung mit 20% Milchpulver und
0,5 % Ascorbins¨aure die hydrolytische Aktivit¨at vollst¨andig erhalten.
4 ERGEBNISSE 56
Tabelle 4.9: Enantiomeren¨uberschuss der Gefriertrocknungszubereitungen nach 6 h
Reaktionszeit
Zuschl¨age B.bassiana A.niger
ee-Wert Styrolepoxid
Referenz 68 % 45 %
Referenz, gefroren 23 % 12 %
10% Glycerin 23 % 12 %
10%Glycerin, 0,5%Ascorbins¨aure 11 % 17 %
20% Milchpulver 36 % 25 %
20% Milchpulver, 0,5%Ascorbins¨aure 40 % 100 %
10%Glycerin, 20% Milchpulver, 0,5%Ascorbins¨aure 29 % 32 %
Massenanteil zu der Zellsuspension, 1 h Einwirkzeit
Die Abbildung 4.18 zeigt den ee-Wert des Styrolepoxids nach einer Stunde Reaktion
der Ans¨atze mit unterschiedlich lange bei 5oC gelagertem gefriergetrocknetem Pilz.
Die Aktivit¨at liegt nach 15 Tagen sowohl bei Aspergillus niger als auch bei Beau-
veria bassiana auf gleichbleibend hohem Niveau. Die Meßwerte weisen eine relativ
hohe Schwankung auf, da nur mit einem geringen Reaktionsvolumen gearbeitet wer-
den kann. Der Enantiomeren¨uberschuss des entstehenden 1,2-Phenylethandiols ist
ebenfalls gleichm¨aßig hoch (nach 1 h Reaktionszeit bei allen Versuchen 80 %). Die
Lagerung des gefriergetrockneten Pilzes ist unter diesen Bedingungen f¨ur 10 Tage
unter Beibehaltung der katalytischen Aktivit¨at m¨oglich.
4.5.3 Reaktion unter O2-Atmosph¨are
Der Einfluss der Sauerstoffkonzentration in der Gasatmosph¨are auf die Biohydroly-
se wurde ebenfalls untersucht. Die Reaktionsgeschwindigkeit in einem geschlossenen
Beh¨alter wird mit der in einem Beh¨alter, der mit O2beaufschlagt wird, verglichen.
Die Verl¨aufe der Enantiomeren¨ubersch¨usse des Styrolepoxids sind in Abbildung 4.19
dargestellt, wo ein deutlich schnellerer Anstieg des ee-Wertes feststellbar ist. Die
Pilze befinden sich zwar am Ende der station¨aren Phase mit einem deutlich einge-
schr¨ankten und auf Zellerhalt eingestelltem Metabolismus [70], eine Erh¨ohung des
Sauerstoffgehaltes erh¨oht trotzdem ihre katalytische Aktivit¨at.
4 ERGEBNISSE 57
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0 2 4 6 8 10 12 14 16
Zeit (t)
ee-Wert (%)
A.niger B.bassiana
Abbildung 4.18: Aktivit¨at des gefriergetrockneten Pilzes nach Lagerung
4.6 Reaktion in organischen L¨osemittelsystemen
4.6.1 Wahl der geeigneten L¨osemittel
Um die L¨oslichkeit der Edukte zu erh¨ohen und gegebenenfalls die Autohydrolyse
durch Verringerung der Wasserkonzentration zu minimieren, wird ein geeignetes Co-
solvens gesucht. Kriterien hierbei sind eine m¨oglichst niedrige Verringerung der Hy-
drolyseaktivit¨at der Biokatalysatoren, gutes L¨osungsverm¨ogen f¨ur die Epoxide und
eine geringe Nucleophilie. Aliphatische L¨osemittel, die zwei letzten Anforderungen
sehr gut erf¨ullen, scheiden aus, da sie die Aktivit¨at der Epoxidhydrolasen vollst¨andig
auf reduzieren. Vermutlich zerst¨oren lipophile L¨osemittel die f¨ur die Enzyme wichti-
gen Membranen. Diese Eigenschaft wird in der Analytik zum Abbruch der Reaktion
w¨ahrend der Probenahme genutzt. F¨ur biokatalytische Reaktionen werden h¨aufig
wasser¨ahnliche L¨osemittel, wie Dimethylsulfoxyd und Dimethylformamid, als Cosol-
4 ERGEBNISSE 58
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
012345678
Zeit (h)
ee-Wert (%)
B. bassiana / Ref. B. bassiana O_2 A. niger / Ref. A. niger O_2
Abbildung 4.19: Vergleich des Enantiomeren¨uberschusses von Styrolepoxid in einer
Reaktion mit Luft und Sauerstoffatmosph¨are
ventien genutzt [25]. In Abbildung 4.20 werden Reaktionsverl¨aufe mit unterschiedli-
chen L¨osemitteln gezeigt.
Die Reaktion mit Aspergillus niger als Katalysator f¨uhrt mit Aceton und DMSO in ei-
ner Versuchszeit von 24 h zu hohen ee-Werten. Die L¨osemittel Dioxan und t-Butanol
ergeben mittlere Enantiomeren¨ubersch¨usse, die bei den anderen untersuchten L¨ose-
mitteln unter der 50%-Grenze verbleiben. Bei Beauveria bassiana hingegen ergeben
nur DMSO und Aceton geringe Enatiomeren¨ubersch¨usse bei 20% L¨osemittelanteil.
Die anderen L¨osemittel unterdr¨ucken hingegen die Reaktion.
4 ERGEBNISSE 59
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 5 10 15 20 25 30
Zeit (h)
ee-Wert (%)
Puffer, A.niger DMSO, A.niger DMF, A.niger Dioxan, A.niger
THF, A.niger T-Butanol, A.niger Aceton, A.niger Ethanol, A.niger
Abbildung 4.20: Biohydrolyse mit A.niger in 20% des angegebenen L¨osemittels als
Cosolvens
Tabelle 4.10: ee-Werte der Biohydrolyse nach 11 h Reaktionszeit und 20% Cosolvens
A.niger B.bassiana
Cosolvens ee-Werte ee-Werte ee-Werte ee-Werte
20% Epoxid Diol Epoxid Diol
Wasser 82% 73% 66% 68%
Aceton 80% 72% 10% 55%
DMSO 74% 73% 14% 61%
t-Butanol 53% 68% 8% 26%
DMF 51% 68% 3% 12%
THF 42% 63% 2% 5%
Dioxan 37% 66% 2% 58%
Ethanol 32% 61% 2% 30%
4 ERGEBNISSE 60
4.6.2 Wahl des Konzentrationsbereiches der L¨osemittel
Die Konzentration der interessanten Cosolventien wird variiert. Die dabei auftre-
tenden Enantiomeren¨ubersch¨usse sind in Tabelle 4.11 zusammengefasst. Bei der Re-
aktion mit Aspergillus niger als Katalysator ist die Verwendung von 10% DMSO
(E-Wert 48) und Aceton (E-Wert 35) am g¨unstigsten. Die Reaktion wird durch die
L¨osemittelzugabe jedoch stark verlangsamt. Nach 9 Stunden ergibt sich ein Umsatz
von nur 0,44 bzw. 0,35.
Bei dem Pilz Beauveria bassiana ergibt sich mit 10% Aceton im Reaktionsgemisch ein
E-Wert von 45. Es wird ebenfalls ein Umsatz von 0,45 nach 9 Stunden erreicht. 10%
Dioxan ergeben einen E-Wert von 56 bei einem Umsatz von 0,48. F¨ur ein System mit
beiden Biokatalysatoren ist Aceton mit einer Konzentration von 10% das Cosolvens
der Wahl. Die Reaktion wird allerdings verlangsamt, was eine Aufkonzentrierung des
Katalysators notwendig macht.
4.6.3 Konzentrationssteigerung des Eduktes
In Tabelle 4.12 werden L¨oslichkeiten von Styrolepoxid in verschiedenen L¨osemittel-
gemischen aufgef¨uhrt. Im Gegensatz zu einer L¨oslichkeit von 1 g/L in reinem Wasser
l¨aßt sich die Eduktkonzentration mit einem L¨osemittelgemisch steigern. Als Preis
daf¨ur erh¨alt man aber eine geringere Aktivit¨at des Biokatalysators.
In Tabelle 4.13 werden die gemessenen Reaktionsgeschwindigkeiten bei Eduktsteige-
rungen aufgetragen. Auch hier wird deutlich, dass eine Aufkonzentrierung des Ka-
talysators die Reaktion in diesen Medien erst in einen interessanten Bereich brin-
gen kann. Da die Geschwindigkeit der Autohydrolyse von der Katalysatormenge un-
abh¨angig ist, k¨onnen so das Verh¨altnis Nebenreaktion zu Hauptreaktion zu g¨unstige-
ren Werten ver¨andert und der Enantiomeren¨uberschuss des Diols deutlich gesteigert
werden.
4 ERGEBNISSE 61
Tabelle 4.11: ee-Wert nach 9 h bei einer Biohydrolyse mit verschiedenen Cosolvensan-
teilen
Pilz Cosolvens Anteil ee-Wert ee-Wert E-Wert
Epoxid Diol
A.niger Aceton 5 % 66 % 87 % 29
Aceton 10 % 53 % 91 % 35
Aceton 20 % 71 % 74 % 15
Aceton 30 % 7 % 80 % 10
A.niger DMSO 5 % 72 % 84 % 25
DMSO 10 % 72 % 91 % 48
DMSO 20 % 66 % 71 % 11
DMSO 30 % 40 % 94 % 44
A.niger DMF 5 % 35 % 71 % 8
DMF 10 % 19 % 70 % 7
DMF 20 % 41 % 71 % 8
DMF 30 % 5 % - -
B.bassiana Aceton 5 % 51 % 58 % 7
Aceton 10 % 45 % 93 % 45
Aceton 20 % 10 % 54 % 5
Aceton 30 % 2 % 35 % 3
B.bassiana Dioxan 5 % 10 % 84 % 9
Dioxan 10 % 85 % 91 % 56
Dioxan 20 % 2 % 49 % 3
Dioxan 30 % 5 % 70 % 5
Tabelle 4.12: L¨oslichkeit von Styrolepoxid in L¨osemittelgemischen
L¨osemittel 5 % 10 % 20 %
Aceton 2,0 g/L 3,0 g/L 4,0g/L
Dioxan 2,2 g/L 3,0 g/L 4,0 g/L
DMSO 2,4 g/L 3,1 g/L 4,0 g/L
4.7 Aufschluss der Pilzzellen
Verschiedene Aufschluß- und Zellwandperforationsverfahren wurden f¨ur die unter-
suchten Pilze ausprobiert und anschließend ein Aktivit¨atstest f¨ur die Epoxidhydro-
lyse durchgef¨uhrt. Die Vitalit¨at des Aufschlusses wird durch Auftragung auf eine
Agarplatte und Inkubation ¨uber 3 Tage bestimmt. Das Ziel dieser Versuche ist einen
4 ERGEBNISSE 62
Tabelle 4.13: ee-Wert der Biohydrolysen mit verschiedenen Eduktkonzentrationen
nach 8 h
Pilz Cosolvens Konzentration ee-Wert ee-Wert E-Wert
Styrolepoxid Epoxid Diol
A.niger Aceton 1 g/L 48 % 74 % 6
Aceton 5 g/L 29 % 64 % 6
Aceton 10 g/L - % 36 % -
A.niger DMSO 1 g/L 75 % 85 % 28
DMSO 5 g/L 72 % 76 % 15
DMSO 10 g/L - % 39 % -
B.bassiana Dioxan 1 g/L 33 % 98% 1,3
Dioxan 5 g/L 8 % 37 % 1,8
Dioxan 10 g/L - % - % -
m¨oglichst vollst¨andigen Zellaufschluss mit einer hohen Epoxidhydrolyseaktivit¨at zu
erhalten. In Tabelle 4.14 sind die dabei ermittelten Ergebnisse zusammengefasst.
Tabelle 4.14: Aufschlussverfahren mit den resultierenden Aktivit¨aten und Vitalit¨aten
Aspergillus Beauveria
niger bassiana
Aufschlussverfahren Hydolyse- Vitalit¨at Hydolyse- Vitalit¨at
aktivit¨at aktivit¨at
% %
Gefriertrocknung 100 hoch 50 hoch
Acetonaufschluss 0 nicht vorh. 0 nicht vorh.
Butylacetataufschluss 0 nicht vorh. 0 nicht vorh
Zelldisruptor 40 halbiert 40 halbiert
Ultraschall 70 hoch 75 hoch
Lipaseaufschluss 100 hoch 100 hoch
Mit den hier verwendeten Aufschlussverfahren lassen sich Pilzzellen nicht unter Bei-
behaltung der hohen Epoxidhydrolaseaktivit¨at aufschließen. Bei dem mechanischen
Verfahren wird ein Teil der Zellen zerscheert, der Rest gut verteilt. Es verbleibt eine
Hydrolaseaktivit¨at, die aber von den erhaltenen Zellen herr¨uhren kann. Auch eine
Verl¨angerung der Aufschlußzeit ver¨andert das Bild nicht. Nach den L¨osemittelauf-
schl¨ussen sind die Pilzzellen nicht mehr vital, aber die Hydrolyseaktivit¨at ist verloren
gegangen. Ein vollst¨andiger Aufschluss ist auch mit dem Ultraschallaufschluss nicht
4 ERGEBNISSE 63
m¨oglich. Hier f¨uhrt der Aufschluss einer sehr verd¨unnten L¨osung und anschließende
Aufkonzentration durch Umkehrosmose auch nicht zu einer aktiven Fraktion. Die Vi-
talit¨at der Pilzzellen wurde auch durch den Aufschluss mit Lipasen nicht ver¨andert.
Die verwendeten Aufschlussverfahren haben sich bei anderen Problemen bew¨ahrt
[9]. Bakterien und Hefezellen wurden damit erfolgreich unter Beibehaltung ihrer Ak-
tivit¨aten aufgeschlossen. Da die Zellwand der Schimmelpilze eine andere chemische
Zusammensetzung und somit auch andere mechanische Eigenschaften aufweist, tre-
ten beim Aufschluss dieser Zellen zus¨atzliche Schwierigkeiten auf. Die Beibehaltung
der Hydrolaseaktivit¨at stellt bei den rabiateren Verfahren ein zus¨atzliches Problem
dar. Der Einsatz von Proteaseinhibitoren zur Verhinderung des Abbaus der Epoxid-
hydrolasen durch eventuell vorhandene zelleigene Proteasen, f¨uhrt zu dem Effekt,
dass die Epoxidhydrolasen ebenfalls vollst¨andig duch die Inhibitoren gehemmt wer-
den. Die Hinzugabe von Proteaseinhibitoren sowohl zu dem ganzen Zellsystem als
auch zu den Zellaufschl¨ussen resultiert in einem vollst¨andigen Verlust der Epoxidhy-
drolaseaktivit¨at.
Zur Stabilisierung und Vernetzung der Proteine k¨onnen verschiedene Stoffe dem Auf-
schlusspuffer hinzugegeben werden. Die Salzkonzentration spielt dabei eine wichtige
Rolle. Weiterhin k¨onnen Paraffin und Glycerin membrangebundene Proteine stabi-
lisieren w¨ahrend Glutardialdehyd h¨aufig in der ist, Lage Proteine zu vernetzten. In
Tabelle 4.15 werden die Auswirkungen der
Zuschlagsstoffe auf eine Reaktion mit einem mechanisch aufgeschlossenen Pilz be-
wertet. Hierzu wird die relative Hydrolyseaktivit¨at mit einer ohne Zuschlagstoffen
aufgeschlossenen Referenzreaktion verglichen.
Glycerin und Paraffin als Zuschlagsstoffe hemmen die Reaktion nicht, genau wie
Glucose, die keinen Einfluß auf die Reaktion zeigt. Glutardialdehyd hemmt die Re-
aktion ebenfalls nicht, so dass eine Vernetzung einer angereicherten Enzymfraktion
so m¨oglich ist. Bei einer Natriumchloridkonzentration von 10 g/L ist eine Reaktions-
beschleunigung von 20% zu beobachten und demzufolge sollte der optimierte Auf-
schlusspuffer diese Salzkonzentration aufweisen. Die aussichtsreichen Aufschlussver-
fahren (Aktivit¨at bei verbleibender Vitalit¨at) wurden miteinander kombiniert. Die
Ergebnisse dieser Versuche sind in Tabelle 4.16 zusammengefasst.
Bei den Kombinationen der Aufschlussverfahren wird keine brauchbare Kombinati-
on aus einer geringen Vitalit¨at bei hoher Aktivit¨at erreicht. Mit den hier verwende-
4 ERGEBNISSE 64
Tabelle 4.15: Zuschlagsstoffe zu einem mechanischen Aufschluss und ee-Werte nach
8 h Biohydrolyse
Aspergillus
niger
Zuschlagsstoff Hydolyseaktivit¨at
ee-Wert
Epoxid
ohne Zuschlag 52
1g/L NaCl 53
5g/L NaCl 69
10g/L NaCl 61
15g/L NaCl 54
1g/L Glucose 73
Glycerin 51
Paraffin 53
Glutardialdehyd 50
Tabelle 4.16: Kombinationen aussichtsreicher Aufschlussverfahren mit den resultie-
renden Aktivit¨aten und Vitalit¨aten
Aspergillus Beauveria
niger bassiana
Aufschlussverfahren Hydolyse- Vitalit¨at Hydolyse- Vitalit¨at
aktivit¨at aktivit¨at
Gefriertrocknung 70% hoch - nicht vorhanden
und Ultraschall
Gefriertrocknung 69% gering - nicht vorhanden
und Acetonaufschluss
Gefriertrocknung 38% mittel - nicht vorhanden
und Ultraschall
ten Methoden ist kein einfacher, technisch verwendbarer Aufschluss der Pilzzellen
m¨oglich. Demzufolge muss hier ein aufwendiges Laborverfahren eingesetzt werden.
4 ERGEBNISSE 65
4.8 Immobilisierung der Biokatalysatoren
4.8.1 Reaktion mit PVA verkapselten Mikroorganismen
Ein Einschluss von ganzen Zellen von Beauveria bassiana in Polyvinylalkohol ist
unter Beibehaltung der Hydrolyseaktivit¨at m¨oglich. Aspergillus niger hingegen ver-
liert die stereoselektive Hydrolyseaktivit¨at vollst¨andig. Der hierf¨ur zust¨andige Be-
arbeitungsschritt konnte durch schrittweise Durchf¨uhrung und anschließenden Akti-
vit¨atstest nicht identifiziert werden.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 100 200 300 400 500
Zeit (min)
ee-Wert (%)
freier Pilz Pilz immobilisiert in Lentikats
Abbildung 4.21: Reaktionsverlauf mit freiem und immobilisiertem Beauveria bassia-
na
Die PVA-Kapsel stellt eine Diffusionsbarriere dar, die vom Edukt und Produkt ¨uber-
wunden werden muß. Durch diesen zeitintensiven Schritt kommt es zu einer Ver-
langsamung der Gesamtreaktionsgeschwindigkeit, die in Abbildung 4.22 dargestellt
ist. Hierdurch steigt die Konzentration des Nebenproduktes (S)-1,2-Phenylethandiol
4 ERGEBNISSE 66
durch die Autohydrolyse des Eduktes st¨arker als bei einer Reaktion mit freien Pilz-
zellen. Der Enantiomeren¨uberschuss des Produktes ist geringer, was auch aus der
Abbildung 4.22 hervorgeht.
85
90
95
100
0 100 200 300 400 500
Zeit (min)
ee-Wert (%)
1.Reaktion 2.Reaktion 3.Reaktion 4.Reaktion
Abbildung 4.22: ee-Werte des 1,2-Phenylethandiols bei der Biohydrolyse mit Lenti-
Kats unter Wiederverwendung des Immobilisates
4.8.2 Wiederverwendung der PVA-Kapseln
Die durch Filtration vollst¨andig zur¨uckgewonnen PVA-Kapseln behalten eine Hy-
drolyseaktivit¨at bei, die jedoch mit der Zeit abnimmt. Die Verl¨aufe der Enantiome-
ren¨ubersch¨usse des Eduktes sind in Abbildung 4.23 f¨ur Reaktionen am Herstellungs-
tag, nach einem Tag, sowie nach 5 und 6 Tagen aufgetragen. Nach dem 5.Tag ist
eine deutliche Abnahme der Reaktionsgeschwindigkeit feststellbar.Die Selektivit¨at
nimmt im weiteren Verlauf zus¨atzlich ab und liegt nach 6 Tagen bei einer Reaktions-
zeit von 500 min unter 60%. Der Enantiomeren¨uberschuss des 1,2-Phenylethandiol
4 ERGEBNISSE 67
zeigt den typischen Verlauf mit einem hohen Wert von ¨uber 95 %, der ¨uber die Reak-
tionszeit auf ca. 90 % abnimmt. Mit steigender Umlaufzahl ist eine leichte Abnahme
feststellbar, die aber im Rahmen der Meßgenauigkeit liegt.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0 100 200 300 400 500
Zeit (min)
ee-Wert (%)
frische LentiKats 1 Tag alt 5 Tage alt 6 Tage alt
Abbildung 4.23: Enantiomeren¨ubersch¨usse von Styrolepoxid mit wiederverwendeten
LentiKats
4.8.3 Bestimmung des Diffusionskoeffizienten in den PVA-Immobilisaten
Zur Festlegung des Diffusionsmechanismus muss entschieden werden, ob Porendiffu-
sion oder ein L¨osungs-Diffusionsmechanismus vorliegt. Hierzu wurde das PVA auf das
Vorliegen einer Porenstruktur untersucht. In der REM Aufnahme konnte bis zu ei-
ner Vergr¨oßerung von 100000 keine Oberfl¨achenstruktur mit Porenm¨undern erkannt
werden (Abbildung 4.24). Bei st¨arkeren Vergr¨oßerungen (Beschleunigungsspannung
von ¨uber 3 kV) wird die Oberfl¨ache durch den Beschuß mit Elektronen besch¨adigt
und quillt blumenkohlartig auf.
4 ERGEBNISSE 68
Abbildung 4.24: REM Aufnahme der Oberfl¨ache eines LentiKats
Um in dem Bereich von 100 bis 2 nm Poren nachzuweisen bzw. auszuschließen, wur-
de das Verfahren der Thermoporometrie verwendet. Hierbei wird die Energiemenge
und die Temperatur gemessen, die f¨ur einen fl¨ussig-fest Phasen¨ubergang von Was-
ser in dem Material gebraucht wird. Bei dem Vorhandensein der Poren sinkt die
Schmelztemperatur von Wasser unter 0oC. Die Signalbreite und die Schmelztempe-
ratur sind von dem Porendurchmesser und der Porenverteilung abh¨angig [69]. Mit
diesem Verfahren konnte ebenfalls keine Porenstruktur nachgewiesen werden. F¨ur
das Modell wird daher ein L¨osungs-Diffusionsansatz verwendet. Die Difffusion in
den PVA-Immobilisaten wurde durch Messungen des Stofftransportes durch einen
PVA-Film angen¨ahert.
Die Konzentrationsverl¨aufe f¨ur die turbulent durchmischten Bulk- und Permeatpha-
sen sind in Abbildung 4.25 aufgetragen. Zur Auswertung der Konzentrationsverl¨aufe
in den beiden Phasen wurde das 1. Ficksche Gesetz (Formel 4.2)
J=−D∂xc(4.2)
4 ERGEBNISSE 69
f¨ur die station¨are Diffusion zwischen zwei geschlossenen Halbr¨aumen gel¨ost (Anhang
2) und die Konzentrationen der Bulkphase entsprechend der Geradengleichung 4.3
aufgetragen.
ln(1 −cp(t)
c∞
) = −αt (4.3)
Der Diffusionskoeffizient l¨asst sich aus der Steigung der Geraden bestimmen.
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
0,4
0,45
0,5
0 20 40 60 80 100
Zeit (h)
Konzentration (g/L)
-3
-2,5
-2
-1,5
-1
-0,5
0
(1-(cp(t)/cuo))
Abgabe (R) Aufnahme (R) Formel 4.3
Abbildung 4.25: Konzentrationsverl¨aufe von 1,2-Phenylethandiol in der Bulk- und
Permeatphase und die logarithmische Darstellung der Permeatphase nach Gleichung
4.3
F¨ur Glucose und Styrolepoxid ergeben sich vergleichbare Verl¨aufe. Die bestimmten
Diffusionskoeffizienten in dem Polyvinylalkohol sind in Tabelle 4.17 angegeben.
Der Vergleich der Diffusionskoeffizienten mit Werten f¨ur Glucose im Wasser ergibt,
dass die Diffusion in PVA um eine Gr¨oßenordnung langsamer verl¨auft. Dies ist ein
plausibles Ergebnis, da das PVA eine Matrix um das Wasser erzeugt, die die Mobilit¨at
des gel¨osten Stoffes verringert.
4 ERGEBNISSE 70
Tabelle 4.17: Gemessene Diffusionskoeffizienten
Substanz Diffusionskoeffizient ( m2/s) Lit:
1,2-Phenylethandiol 5,897∗10−10 -
Styrolepoxid 5,897∗10−10 -
Glucose 3,538∗10−10 -
Literaturdaten:
Glucose in Wasser 0,521∗10−9[5]
Na+in Wasser 1,33∗10−9[5]
Cl−in Wasser 1,78∗10−9[94]
4.9 Bewertung der Substratbreite
Um die Substratbreite der Reaktion zu untersuchen, werden an den in Abbildung 4.26
gekennzeichneten Stellen Substituenten angebracht und deren Einfluß auf die Bio-
hydrolyse untersucht. Ebenfalls werden eine Verl¨angerung der Verbindung zwischen
dem Oxiranring und dem Benzolring, Substrate mit einer Ethergruppe (Abbildung
4.27) und kondensierte Ringsysteme, wie in Abbildung 4.28 dargestellt, untersucht.
O
R2
R1
X
R3
Abbildung 4.26: Styrolepoxidtypsubstrate
Durch das Hinzuf¨ugen von Substituenten an den Positionen R1-R3 wird im Vergleich
zu Styrolepoxid die Reaktionsgeschwindigkeit verringert. Die Enatiomeren¨ubersch¨usse
nach bestimmten Reaktionszeiten sind in Tabelle 2.2 aufgef¨uhrt und mit denen des
Styrolepoxids verglichen. Die Quellen der Daten sind ebenfalls aufgef¨uhrt. Bei der
Hydrolyse mit Beauveria bassiana l¨aßt sich eine Verringerung der Hydrolyseaktivit¨at
in der Reihenfolge R3> R1> R2feststellen. Die Variation des Substituenten am
Aromaten f¨uhrt zu dem Ergebnis, dass die Reaktionsgeschwindigkeit herabgesetzt
wird, aber hohe Enantiomeren¨ubersch¨usse f¨ur das Epoxid erzielt werden k¨onnen.
Bei Beauveria bassiana ergibt sich die Reihenfolge ∼CH3∼Br ∼F > CN > NO2.
In diesem Fall scheint es elektronische Gr¨unde f¨ur die Reihenfolge zu geben. CN und
NO2haben einen elektronenziehenden Effekt (+M und +I), w¨ahrend die besser hy-
4 ERGEBNISSE 71
drolysierbaren Verbindungen Substituenten mit eher elektronenlieferndem Charakter
aufweisen. Besser hydrolysiert werden auch Verbindungen mit einem elektronenrei-
cheren Aromaten. Die hohen Ums¨atze mit geringer Selektivit¨at der elektronenzie-
henden Substituenten weisen darauf hin, dass die elektronen¨armeren Aromaten das
Enzym blockieren und so die unselektive Autohydrolyse die Selektivit¨at der Gesam-
treaktion verringert. Der Unterschied im elektronischen Einfluß wird auch durch die
Biohydrolyse des Pyridinderivates dokumentiert. Bei dem in dieser Hinsicht unemp-
findlicheren Aspergillus niger verl¨auft die Reakton zu hohen Ums¨atzen bei hoher
Selektivit¨at, w¨ahrend die Reaktion mit Beauveria bassiana nicht abl¨auft.
O
O
O
O
O
Abbildung 4.27: Die Substrate Benzyloxiran (K1), Epoxypropyl-phenylether (K2)
und Epoyxpropyl-isopropylether (K3)
Tabelle 4.18: Enantiomeren¨ubersch¨usse von Biohydrolysen der Substrate mit
verl¨angerten Seitenketten
Substrat Mikroorganismus eeEeeDReaktionszeit
[%] [%] [h]
K1 A. niger 65 90 4
K1 B. bassiana 10 95 30
K2 A. niger 80 56 1
K2 B. bassiana 56 25 30
K3 A. niger 80 - 3
K3 B. bassiana 35 - 24
Die Verl¨angerung der Seitenkette f¨uhrt zu einem Einbruch der Hydrolyseaktivit¨at bei
Beauveria bassiana, die bei der Verl¨angerung der Seitenkette um ein Kohlenstoffa-
tom die st¨arkste Verringerung der Biohydrolyse zeigt. Nach 30 h Reaktionszeit ergibt
sich ein Enantiomeren¨uberschuss des Edukts Benzyloxirans von 10%. Die flexible-
4 ERGEBNISSE 72
ren sauerstoffverbr¨uckten Seitenketten der Substrate Epoxypropyl-phenylether (K2)
und Epoxypropyl-isopropylether (K3) f¨uhren zu einer etwas h¨oheren Selektivit¨at, die
aber weit unter der des Styrolepoxids liegt. Bei der Biohydrolyse mit Aspergillus ni-
ger sind generell h¨ohere Selektivit¨aten und Reaktionsgeschwindigkeiten feststellbar.
Die sauerstoffverbr¨uckten Seitenketten der Substrate Epoxypropyl-phenylether und
Epoxypropyl-isopropylether hindern nicht eine schnelle Biohydrolyse. Die bei der
Variation der Substituenten am Aromaten festgestellten sterischen Einfl¨usse k¨onnen
durch die Flexibilit¨at der Seitenkette offensichtlich umgangen werden. Die Verbin-
dungen K1 bis K3 markieren den ¨
Ubergang zu langkettigen Substraten, die in die
Gruppe der monosubstituierten Epoxide einzuordnen sind. F¨ur diese Substrate wer-
den typischerweise Epoxidhydrolasen aus Rotalgen verwendet. Durch sie wird die
Sonderstellung der Pilzepoxidhydrolasen unterstrichen.
Die Hydrolyse der kondensierten Ringsysteme 1,2-Indenepoxid und 1,4-Epoxy-1,2,3,4-
Tetrahydro-Naphtalin verl¨auft mit Beauveria bassiana erwartungsgem¨aß langsamer
als bei Styrolepoxid (siehe Tabelle 2.1). Die Biohydrolyse mit Aspergillus niger findet
nicht statt. Das Ringsystem ist f¨ur das Enzym offensichtlich zu starr.
O
O
Abbildung 4.28: Ringf¨ormige Substrate, 1,4-Epoxy-1,2,3,4-Tetrahydro-Naphtalin
und 1,2-Indenepoxid
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 73
5 Modellierungen der Biohydrolyse
Die Modellierung der Biohydrolyse in dieser Arbeit gliedert sich in drei Schritte:
•Gewinnung einer geeigneten Beziehung f¨ur die Kinetik der enzymatischen Haupt-
reaktion durch Anpassung veschiedener Modellans¨atze an komplette Meßwerts¨atze,
•Hinzuf¨ugen eines Stofftransportwiderstandes eindimensional,
•¨
Ubertragung des Modells auf eine 3D-Geometrie und Modellierung einer Bat-
chreaktion mit LentiKats
Die ersten zwei Schritte werden in Matlab (R 13) aufgesetzt und berechnet. Die
Geometrie und Diskretisierung f¨ur den dritten Schritt wird mit Hilfe des Programm-
paketes Femlab durchgef¨uhrt und an Matlab ¨ubergeben, wo auch die anschließende
numerische Berechnung durchgef¨uhrt wird. Im ersten Schritt ist eine analytische
L¨osung des Modells noch m¨oglich, da es sich ausschließlich um einfache Differen-
tialgleichungen handelt. Die Behandlung des Stofftransportwiderstandes erfordert
das Aufstellen partieller Differentialgleichungen, die analytisch nicht mehr zu l¨osen
sind [96]. In Matlab wird mit dem Solver ODE 45 gearbeitet, der das gew¨ohnliche
Differentialgleichungssystem numerisch l¨ost. Zuvor werden die partiellen Differential-
gleichungen mittels der orthogonalen Translokation in ein System von gew¨ohnlichen
Differentialgleichungen zerlegt.
5.1 Reaktion mit suspendiertem Pilz
Das zu modellierende Reaktionssystem ist in Abbildung 5.1 dargestellt.
Der Bilanzraum ist eine vollst¨andig durchmischte Phase. Zus¨atzlich werden die An-
nahmen getroffen, dass es keine Konzentrationsgradienten gibt, dass der Katalysator
homogen verteilt ist und dass die Autohydrolyse und die enzymatischen Reaktionen
ablaufen. Im Bilanzraum sind keine weiteren Quellen und Senken vorhanden. Die
Bilanzen f¨ur die Stoffe ergeben sich wie folgt:
∂cER
∂t =−f(Enzymreaktion)−f(Autohydrolyse)(5.1)
∂cES
∂t =−f(Autohydrolyse)(5.2)
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 74
O
O
(S)-Styrolepoxid
(R)-Styrolepoxid
Autohydrolyse
enzymatische
Hauptreaktion
OH
H
H H
OH
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
(S)-Phenylethan -1,2-diol
ER
ES
DR
DS
Abbildung 5.1: Das Reaktionssystem f¨ur Aspergillus niger (DSM 823)
∂cDR
∂t =f(Enzymreaktion)+f(Autohydrolyse)(5.3)
∂cDS
∂t =f(Autohydrolyse)(5.4)
Die Autohydrolyse konnte experimentell als Reaktion 1. Ordnung bezogen auf die
Epoxidkonzentration bestimmt und ihre Reaktionsgeschwindigkeitskonstante ermit-
telt werden (siehe Kapitel 4.8). Die Kinetik der Enzymreaktion hingegen muss durch
Anpassung ermittelt werden. Bei einem Ansatz mit cnbezogen auf die Styrolepoxid-
konzentration ist der Reaktionsverlauf f¨ur das Edukt f¨ur n=1 zu steil. Die Erh¨ohung
von n f¨uhrt zu einer starken Kr¨ummung der Kurve, w¨ahrend sich n kleiner 1 anpas-
sen l¨aßt, aber keine sinnvolle theoretische Deutung der Daten ergibt. Das Einsetzen
einer Michaelis-Menton-Kinetik [13] ergibt:
∂cER
∂t = 2 ∗(−k∗
AH ∗cH2O∗cER)−k∗
max ∗cEnz ∗cER
kd+cER
(5.5)
∂cES
∂t = 2 ∗(−k∗
AH ∗cH2O∗cES) (5.6)
∂cDR
∂t =k∗
AH ∗cH2O∗cER +k∗
AH ∗cH2O∗cES +k∗
max ∗cEnz ∗cER
kd+cER
(5.7)
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 75
∂cDS
∂t =k∗
AH ∗cH2O∗cER +k∗
AH ∗cH2O∗cES (5.8)
Da Wasser im ¨
Uberschuss vorhanden ist, wird die Wasserkonzentration als konstant
angenommen. Die Katalysatorkonzentration ist ebenfalls konstant. Daher werden die
beiden Konzentrationen mit den Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten zusammenge-
fasst. Es ergibt sich folgendes Gleichungssystem:
∂cER
∂t = 2 ∗(−kAH ∗cER)−kmax ∗cER
kd+cER
(5.9)
∂cES
∂t = 2 ∗(−kAH ∗cES) (5.10)
∂cDR
∂t =kAH ∗cER +kAH ∗cES +kmax ∗cER
kd+cER
(5.11)
∂cDS
∂t =kAH ∗cER +kAH ∗cES (5.12)
F¨ur die Anpassung des Modells an die Meßwerte wird ein Programm, das auf den
Differentialgleichungen 5.9-5.12 beruht, verwendet (Kapitel 7.2.1). Das oben aufge-
stellte Gleichungssystem gilt f¨ur die Biohydrolyse mit dem Pilz Beauveria bassiana.
F¨ur eine Biohydrolyse mit Aspergillus niger m¨ussen in den Bilanzgleichungen 5.9 und
5.10 die Konzentrationsbezeichnungen der beiden Epoxidenantiomeren miteinander
vertauscht werden. Die Reaktionskonstanten f¨ur die Autohydrolyse sind in Tabelle
4.8 in Kapitel 4.8 aufgef¨uhrt.
Eine Meßkurve mit dem angepassten Modell f¨ur Beauverisa bassiana bei einer Eduk-
tanfangskonzentration von 0,5 g/L ist in Abbildung 5.2 dargestellt. Das Modell passt
sich gut an die Meßdaten an und beschreibt im Rahmen der Meßgenauigkeit alle im
System auftretenden Ph¨anomene. Die ermittelten Konstaten der Michaelis-Menton-
Kinetik f¨ur Anpassungen an Reaktionsverl¨aufe mit unterschiedlichen Anfangskon-
zentrationen sind in Tabelle 5.1 aufgef¨uhrt. Bei allen Versuchen liegt die Geschwin-
digkeitskonstante in der Gr¨oßenordnung um 0,37 1/s und das cmax bei 2 g/L.
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 76
Tabelle 5.1: Aus den Anpassungen des Modells ermittelten Konstanten
Anfangskonzentration Reaktionsgeschwindigkeitskonstante vmax
(g/L) (1/s) (g/L*s)
1 0,353 2,491
0,8 0,389 2,164
0,5 0,378 2,248
0,2 0,389 2,450
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,00 2,00 4,00 6,00 8,00 10,00
Zeit (h)
c (g/L)
c RE mod cRD mod cSE mod cSD mod c RE cRD cSE cSD
Abbildung 5.2: An die Meßdaten angepasstes Modell von Beauveria bassiana
5.2 Eindimensionale Diffusion
Bei der Betrachtung des Reaktionssystems mit immobilisierten Biokatalysatoren er-
geben sich zwei Bilanzr¨aume. Die vollst¨andig durchmischte Bulkphase (b), in der die
Autohydrolyse abl¨auft und die Immobilisatphase (i). Die Vorg¨ange in der Bulkphase
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 77
werden durch folgende Formeln beschrieben:
∂cERb
∂t =−fcb
ER Autohydrolyse −fcb
ER Stoffuebergang−in−LK. (5.13)
∂cESb
∂t =−fcb
ES Autohydrolyse −fcb
ES Stoffuebergang−in−LK. (5.14)
∂cDRb
∂t = +fcb
DRAutohydrolyse +fcb
DRStoffuebergang−aus−LK. (5.15)
∂cDSb
∂t = +fcb
DS Autohydrolyse +fcb
DS Stoffuebergang−aus−LK. (5.16)
In der Immobilisatphase liegen Stofftransporthemmung, beschrieben durch das 2.
Fick´sche Gesetz und die Autohydrolyse, die von der enzymatischen Reaktion ¨uber-
lagert wird, vor. Es ergibt sich folgendes Differentialgleichungssystem:
∂cERi
∂t =−fci
ER Autohydrolyse −fci
ER Biohydrolyse −fci
ER Diffusion (5.17)
∂cESi
∂t =−fci
ES Autohydrolyse −fci
ES Diffusion (5.18)
∂cDRi
∂t = +fci
DRAutohydrolyse +fci
ER Biohydrolyse −fci
DRDiffusion (5.19)
∂cDSi
∂t = +fci
DS Autohydrolyse −fci
DS Diffusion (5.20)
Die enzymatische Aktivit¨at wird als ideal ¨uber das Immobilisat verteilt angenom-
men. Der Phasenanteil des Immobilisates ist 0,5. Die Oberfl¨ache wird ¨uber zwei
Kreise mit dem Radius der LentiKats (4mm) angen¨ahert. Es liegen 204 LentiKats
pro g Immobilisat vor. Die Kopplung der beiden Phasen erfolgt ¨uber die Formel 5.21,
die den Stofftransport ¨uber die Phasengrenzfl¨ache beschreibt. Da die Immobilisat-
phase ein Hydrogel ist, und als eine durch Matrix fixierte Wasserphase angesehen
werden kann, wird ohne einen formalen Stoff¨ubergangswiderstand gearbeitet. Es wird
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 78
an der Oberfl¨ache der Immobilisatphase mit einer einsetzenden Diffusionshemmung
modelliert.
∂cK
∂t
x=L=DA
V
∂cK
∂x
x=L
(5.21)
Die Kopplung des Stofftransportwiderstandes mit der Reaktion im Immobilisat er-
gibt die Formel 5.22.
∂cK
∂t =D∂2cK
∂x2−fcK(5.22)
Das Differentialgleichungssystem lautet:
∂cERb
∂t = 2 ∗(−kAH ∗cER)−DA
V
∂cER
∂x |x=L(5.23)
∂cESb
∂t = 2 ∗(−kAH ∗cES)−DA
V
∂cES
∂x |x=L(5.24)
∂cDRb
∂t = +kAH ∗cER +kAH ∗cES −DA
V
∂cDR
∂x |x=L(5.25)
∂cDSb
∂t =kAH ∗cER +kAH ∗cES −DA
V
∂cDS
∂x |x=L(5.26)
∂cERi
∂t = 2 ∗(−kAH ∗cER)−kmax ∗cER
kd+cER
−D∂2cER
∂x2(5.27)
∂cESi
∂t = 2 ∗(−kAH ∗cES)−D∂2cES
∂x2(5.28)
∂cDRi
∂t =kAH ∗cER +kAH ∗cES +kmax ∗cER
kd+cER
−D∂2cDR
∂x2(5.29)
∂cDSi
∂t = +kAH ∗cER +kAH ∗cES −D∂2cDS
∂x2(5.30)
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 79
Die Diskretisierung innerhalb der Immobilisatphase wird in Matlab mit dem Verfah-
ren der orthogonalen Translokation durchgef¨uhrt. Dieses Verfahren ergibt bei vier
St¨utzstellen gute Ergebnisse bei einem akzeptablen Rechenaufwand. Die f¨ur die Be-
rechnungen notwendigen Daten sind in Tabelle 5.2 zusammengefasst. Das verwen-
dete Matlabprogramm ist in Kapitel 7.2.3 aufgef¨uhrt. Als typisches Ergebnis ist in
Abbildung 5.3 die Anpassung an eine Biohydrolyse abgebildet.
Tabelle 5.2: Daten f¨ur die Anpassung des Immobilisatmodells
Konstante Wert
Diffusionskonstante 5,868 ∗10e−9s
m2
kAutohydrolyse 1,033 ∗10e−91
s
Dicke LentiKat 1,50 ∗10e−8m
Durchmesser LentiKat 4,00 ∗10e−4m
Phasenanteil LentiKat 0,5
Anzahl LentiKat pro mL Reaktionssuspension 204
Startkonzentration 0,5g/L
Das Modell kann gut an die Meßwerte angepasst werden. Es wurden Meßdaten mit
einer geringen Startkonzentration von 0,225 g/L verwendet. Hierdurch wird vermie-
den, dass nicht gel¨ostes Edukt nachgel¨ost wird, und im Anfangsbereich der Meßdaten
eine konstante Konzentration der Edukte vort¨auscht. In den Meßkurven wie auch im
Modell kann deutlich der Verd¨unnungsvorgang am Anfang des Prozesses abgelesen
werden. Bis zur Minute 60 sinken beide Konzentrationen der Eduktenantiomeren
gleich schnell ab. Beide Edukte diffundieren in die Immobilisatphase und reagieren
erst dort enantioselektiv ab. Die kinetische Racematspaltung setzt auch erst dann
ein. Die ermittelten Konstanten liegen mit 0,39 1/s und 2,4 g/L in dem Bereich der
verteilten Reaktion.
5.3 Batch-Reaktionsansatz unter Ber¨ucksichtigung der Immobili-
satgeometrie
Das Gleichungssystem 5.23 - 5.30 wird auf eine in Femlab aufgesetzte und diskreti-
sierte Geometrie angewandt, welche die Linsenform der Immobilisate ber¨ucksichtigt.
Die Geometrie mit dem Diskretisierungsgitter ist in Abbildung 5.4 dargestellt.
Um die Rechenzeit in einem akzeptablen Rahmen zu halten, wird die Linse um die
Rotationsachse geteilt und die Randbedingung an dieser Grenze so gesetzt, dass
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 80
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0 1 2 3 4 5 6
c RE c RD c SE c SD
Abbildung 5.3: An die Meßdaten angepasstes Modell von Beauveria bassiana unter
Ber¨ucksichtigung zweier Phasen
kein Stofftransport m¨oglich ist. ¨
Uber die gekr¨ummten Grenzfl¨achen zu der Bulkpha-
se ist, wie in Formel 5.21 beschrieben, ein Stofftransport m¨oglich. F¨ur die Anpassung
werden ebenfalls die in Tabelle 5.2 aufgelisteten Parameter verwendet. Das Anpas-
sungsergebnis ist in Abbildung 5.5 dargestellt.
Die Anpassung des 3D-Modells erfolgte an die gleichen Meßdaten wie unter 5.2.
Dabei wird ebenfalls eine gute Anpassung an die Meßdaten erzielt. Die ermittelten
Konstanten liegen mit 0,4 1/s und 2,5 g/L etwas h¨oher als bei dem 2D-Modell.
Dies kann durch die gr¨oßere spezifische Stoff¨ubergangsoberfl¨ache bedingt durch die
Ber¨ucksichtigung Linsengeometrie erkl¨art werden.
5 MODELLIERUNGEN DER BIOHYDROLYSE 81
Abbildung 5.4: Gitter f¨ur das Modell unter Ber¨ucksichtigung der Immobilisatgeome-
trie
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0123456
c RE c RD c SE s SD
Abbildung 5.5: An die Meßdaten angepasstes Modell von Beauveria bassiana unter
Ber¨ucksichtigung zweier Phasen und der Immobilisatgeometrie
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 82
6 Zusammenfassung und Ausblick
Enantiomerenreine Epoxide und ihre korrespondierenden Diole sind interessante Syn-
thesebausteine in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Sie sind wichtige
Zwischenprodukte bei der Herstellung heterogener Katalysatoren und Wirkstoffe,
z.B. Indinavir zur HIV Behandlung. Zu ihrer Gewinnung bieten sich biotechnologi-
sche Verfahren an. In der vorliegenden Arbeit wurde die stereoselektive Biohydrolyse
von Styrolepoxid und seinen Derivaten als Modellsystem mit Epoxidhydrolasen aus
Aspergillus niger (DSM 823) und Beauveria bassiana (DSM 1344) untersucht (siehe
Abbildung 6.1).
O
Beauveria bassiana
Aspergillus niger
rac-Styrolepoxid
O
O
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
(S)-Styrolepoxid
(R)-Styrolepoxid
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan -1,2-diol
+
+
Abbildung 6.1: Stereoselektive Biohydrolyse von Styrolepoxid mit Aspergillus niger
und Beauveria bassiana
Als entscheidende Schwierigkeiten dieser Biohydrolyse sind die geringe L¨oslichkeit
des Eduktes und die Reaktionsf¨uhrung mit einer Pilzsupension bekannt. Eine Stei-
gerung der Eduktkonzentration und eine gute R¨uckhaltbarkeit des Katalysators mit
m¨oglicher Wiederverwendung sind aber f¨ur eine technische Nutzung notwendig. Hier-
zu wurde nach der Optimierung der Zellanzucht in Bezug auf maximale Zellzahl
und hohe Hydrolyseaktivit¨at das Reaktionssystem analysiert. Die Autohydrolyse des
Eduktes wurde dabei als wichtigste Nebenreaktion quantifiziert. Weitere in biokata-
lytischen Reaktionen mit Ganzzellsystemen vorkommenden Reaktionen und Effekte,
wie Racemasenaktivit¨at, R¨uckreaktionen und Inhibitionen konnten anhand geeig-
neter Experimente im untersuchten System ausgeschlossen werden. Eine Weiterre-
aktion des Produktes zum Aldehyd ist in der Substanzklasse nachweisbar, findet
aber bei 1,2-Phenylethandiol unter den gew¨ahlten Reaktionsbedingugen nicht statt.
Zur Erh¨ohung der Eduktkonzentration wurden Biohydrolysen in L¨osemittel-Puffer-
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 83
Gemischen durchgef¨uhrt. Es zeigte sich, dass sich durch den Einsatz dieser Gemische
die Eduktl¨oslichkeit deutlich steigern l¨aßt. Die Aktivit¨at der Biokatalysatoren wird
bei den f¨ur die Pilze optimalen Konzentration nur in Maßen verringert.
Um den Biokatalysator wirksam von der Produktl¨osung zur¨uckzuhalten, wurden die
Pilzhyphen in Polyvinylalkohol verkapselt. Es wurde gezeigt, dass die Biohydrolyse
innerhalb von 6 Tagen mit wiedergewonnenem Biokatalysator ohne Selektivit¨atsver-
lust durchgef¨uhrt werden kann. Die Untersuchung der Diffusionsvorg¨ange in dem Po-
lyvinylalkohol ergab, dass sie am besten durch einen L¨osungs-Diffusionsmechanismus
beschrieben werden k¨onnen. Die Diffusionskonstanten wurden in Diffusionsversuchen
durch eine PVA Membran ermittelt.
F¨ur eine schnelle kontinuierliche Reaktionsf¨uhrung ist eine Anreicherung der En-
zymkonzentration notwendig. Hierf¨ur wurden verschiedene Zellaufschlussverfahren
f¨ur die Pilzzellen getestet. Mit den unter technischen Bedingungen durchf¨uhrbaren
Verfahren kann aber keine Anreicherung erfolgen. Hier sind in Zukunft noch weitere
molekulabiologische Methoden anzuwenden, um die Enzyme gegebenenfalls zu iso-
lieren. Zur Ermittlung der Substratbreite der untersuchten Reaktion, wurden noch
nicht beschriebene etherverbr¨uckte Substrate erfolgreich hydrolysiert (siehe Abbil-
dung 6.2). Mit den Pilzepoxidhydrolasen k¨onnen neben den bekannten substituierten
Styrolepoxiden auch Ringsysteme und die etherverbr¨uckten Epoxide stereoselektiv
ge¨offnet werden. Ein interessantes Substratsegment konnte somit auch der kineti-
schen Racematspaltung unterzogen werden.
O
O
O
O
O
Abbildung 6.2: In der vorliegenden Arbeit neu eingef¨uhrten Substrate f¨ur Pilzepoxid-
hydrolasen
Im abschließenden Modellierungsteil wurde aus dem zuvor identifizierten Reaktions-
system und den gewonnenen kinetischen Daten ein Modell f¨ur die Biohydrolyse mit
den suspendierten Pilzzellen aufgestellt und an die Meßdaten angepasst. Hierdurch
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 84
lassen sich Aussagen ¨uber die nicht direkt bestimmbare biokatalytische Reaktion
machen. Der Modellansatz mit einer Michaelis-Menton-Kinetik f¨ur die Biohydrolyse
lieferte die besten Ergebnisse bei den Anpassungen. Im zweiten Schritt wurde das
Modell erweitert, um die Biohydrolyse mit den Immobilisaten zu beschreiben. Hier-
zu wurde ein Zweiphasenmodell erstellt. In die Immobilisatphase wurde dabei ein
Stofftransportwiderstandsterm eingef¨ugt und die zuvor ermittelten Diffusionskoeffi-
zienten eingesetzt. Die analytisch schwer zu modellierende linsenf¨ormige Geometrie
konnte bei der Simmulation mit nummerisch arbeitenden Werkzeugen entsprechend
beschrieben werden.
Zur weiteren Verbesserung dieses Prozesses ist die Anreicherung der Epoxidhydrola-
senaktivit¨at notwendig. Dieses kann der Anwendung der verwendeten Immobilisate
zu einem Durchbruch in der Technik verhelfen. Die hierzu notwenigen molekularbio-
logischen Methoden werden zur Zeit bereits bei Aspergillus niger eingesetzt, mit dem
Ziel verbesserte Mikroorganismen oder sogar das reine Enzym zu isolieren. Die in der
vorliegenden Arbeit gewonnenen Erkenntnisse k¨onnen dann direkt auf Hydrolysen
mit dem reinen Enzym angewandt werden.
7 Anhang
Notation
Symbol Einheit Bedeutung
A[m2] Fl¨ache
α[1/L] spezifische Grenzfl¨ache
BFM [g] Biofeuchtmasse
Brm3Kugelvolumen
BTM [g] Biotrockenmasse
c[g/L] Konzentration
˙c[g
Ls ] zeitliche ¨
Anderung der Konzentration
d[−] Dublett
D[cm2/s] Diffusionskoeffizient
div [−] Divergenz
DMF [−] Dimethylformamid
DMSO [−] Dimethylsulfoxid
DSC [−] Differential Scanning Calorimeter
(Dynamisches Differenzkalorimeter)
DSMZ [−] Deutsche Sammlung f¨ur Mikroorganismen und Zellkulturen
E [−] Enatioselektivit¨at
ee [%] Enantiomerer ¨
Uberschuss
EH [−] Epoxidhydrolase
FID [−] Flammenionisationsdetektor
GC [−] Gaschromatographie
HPLC [−] high performance liquid chromatographie
(Hochleistungsfl¨ussigkeitschromatographie)
J[mol/min] Stoffstrom
k[mol/s] Reaktionsgeschwindigkeitskonstante
NMR [−] nuclear magnetic resonanz (Kernresonanz)
m [−] Multiplett
MHZ [−] Megaherz
p.a. [−] Analysenqualit¨at
ppm [−] parts per million, Verschiebung
PVA [−] Polyvinylalkohol
q [−] Quartett
(R) [−] recktus (rechts)
REM [−] Rasterelektronenmikroskopie
(S) [−] sinister (links)
Symbol Einheit Bedeutung
s [−] Singulett
SDS [−] Natriumdodecylsulfat
t [−] Triplett
t[h] Zeit
TC [mg/L] gesammter Kohlenstoffgehalt
THF [−] Tetrahydrofuran
TIC [mg/L] gesammter anorganischer Kohlenstoffgehalt
TOC [mg/L] gesammter organischer Kohlenstoffgehalt
TRIS [−] (Hydroxymethyl)aminomethan
V[L] Volumen
Indices
AH Autohydrolyse
bBulkphase
DDiol
DR (R)-1,2-Phenylethandiol
DS (S)-1,2-Phenylethandiol
EEpoxid
ER (r)-Styrolepoxid
ES (s)-Styrolepoxid
iImmobilisatphase
lOrtsindex im LentiKat
pPermeatphase
RRetentatphase
SStyrolepoxid
WR Weiterreaktion
x, δ Ortsindex
87
7.1 Bestimmung des Diffusionskoeffizienten in PVA-Membranen
x = 0 x = d
Bulk Membran Permeat
c
cb
Vb
cp
Vp
Abbildung 7.1: Bilanzraum der Diffusionsmessung
Bilanzen:
Vb˙cb=−AJ|x=0 (7.1)
∂tc+divJ = 0 (0 < x < δ) (7.2)
Vp˙cp=AJ|x=δ(7.3)
Stoffstrom: Fick´sches Gesetz
J=−D∂xc(7.4)
A - Grenzfl¨ache Membran - Bulk bzw. Permeat
Vb- Bulkvolumen
Vp- Permeatvolumen
Randbedingungen:
c(t, 0) = cb(t), c(t, δ) = cp(t)
Anfangsbedingungen:
cb(o) = cb
0, c(0, x) = 0 (0 < x < δ), cp(0) = 0
88
Vereinfachungen:
Volumenverh¨altnis:
q=Vp/V b
spezifische Grenzfl¨ache:
a=A/V b
Modell:
˙cb=aD∂xc(0) (7.5)
∂tc=D∂2
xc, (0 < x < δ) (7.6)
˙cp=1
qaD∂xc(δ) (7.7)
c(t, 0) = cb(t), c(t, δ) = cp(t) (7.8)
cb(0) = cb
0, c(0, x) = 0, cp(0) = 0 (7.9)
Quasistation¨ares Modell: station¨are Diffusion
0 = D∂2
xc in 0< x < δ, c(0) = cb, c(δ) = cp(7.10)
⇒∂xc≡konst. =cp−cb
δ(7.11)
Einsetzen in die Bulk-Permeatbilanz:
˙cb=−aD
δ(cb−cp) (7.12)
q˙cp=aD
δ(cb−cp) (7.13)
Massenerhaltung:
˙cb(t) + q˙cp= 0 (7.14)
⇒cb+qcp=konst =cb
0(7.15)
⇒cb(t) = cb
0−qcp(t) (7.16)
Einsetzen in die Permeatbilanz:
q˙cp=aD
δ(cb
0−(1 + q)cp) (7.17)
⇒˙cp=α(c∞−cp) (7.18)
89
mit
α= (1 + 1/q)aD
δ(7.19)
c∞=cb
0
1 + q(7.20)
L¨osen der Differentialgleichung:
˙cp
cp−c∞
=−α(7.21)
⇒[ln |cp−c∞|]t
0=−αt (7.22)
⇒lncp(t)−c∞
−c∞
=−αt (7.23)
ln(1 −cp(t)
c∞
) = −αt (7.24)
1−cp(t)
c∞
=e−αt (7.25)
cp(t) = c∞(1 −e−αt) (7.26)
Aus der Auftragung entsprechend der Formel 7.24 resultiert die Steigung (α) und
daraus der Diffusionskoeffizient (D).
90
7.2 Anpassungsroutinen
7.2.1 Biohydrolyse mit Pilzsuspension
function [k,Fehlerq]=Anpassen
% Funktion zum Anpassen von Messdaten
load d1gl
daten = d1gl;
fhaendle = figure;
plot(daten(:,1),daten(:,2),’r*’,daten(:,1),daten(:,3),’g*’,
daten(:,1),daten(:,4),’b*’,
daten(:,1),daten(:,5),’y*’);
C=daten;
options=optimset(’ShowStatusWindow’,’iter’,
’LevenbergMarquardt’,’off’);
[k,Fehlerq]=LSQNONLIN(@Differenzen,[1,1,1],[0 0 0],[],
options,C,fhaendle);
global T CSim
h=[T,CSim];
save Sim.dat -ASCII -TABS h
% --------------------------------------------------------------------------
function F = Differenzen(k,C,fhaendle)
global T CSim
options = odeset(’jacobian’,@Jacobian);
delete(findobj(’Tag’,’iterline’));
[T,CSim] = ODE45(@DGLSystem,[0, 10],[0.58; 0; 0.58; 0],
options,k);
figure(fhaendle);
lhaendle = [line([T],CSim(:,1),’color’,’r’),line([T],CSim(:,2),
’color’,’b’),line([T],
CSim(:,3),’color’,’g’),line([T],CSim(:,4),’color’,’y’)];
set(lhaendle,’Tag’,’iterline’,’Marker’,’none’);
CSimTER = INTERP1(T,CSim(:,1),C(:,1));
CSimTDR = INTERP1(T,CSim(:,2),C(:,1));
CSimTES = INTERP1(T,CSim(:,3),C(:,1));
CSimTDS = INTERP1(T,CSim(:,4),C(:,1));
F = [CSimTER-C(:,2),CSimTDR-C(:,4),CSimTES-C(:,3),
CSimTDS-C(:,5)];
% --------------------------------------------------------------------------
function dcdt = DGLSystem(t,c,k)
dcdt = [-k(1)*c(1)/(k(2)+c(1))-2*k(3)*c(1);... \%ER
k(1)*c(1)/(k(2)+c(1))+k(3)*c(1)+k(3)*c(3);...\%DR
-2*k(3)*c(3);... \%ES
k(3)*c(1)+k(3)*c(3)]; \%DS
% --------------------------------------------------------------------------
function dfdc = Jacobian(t,c,k)
dfdc = [-k(1)*c(2), -k(1)*c(1), 0;... \% df1dc1 df1dc2 df1dc3
-k(2)*c(2), -k(2)*c(1), 0;... \% df2dc1 df2dc2 df2dc3
k(3)*c(2), k(3)*c(1), 0]; \% df3dc1 df3dc2 df3dc3
7.2.2 Eindimensionale Diffusion
function [k,Fehlerq]=Anpassen
close all;
global nk np nd
np=3;
nk=4;
nd=np+1;
91
feval(@octplot,[],[],’initall’);
options=optimset(’LevenbergMarquardt’,’on’,’Display’,’iter’,’ShowStatusWindow’,’off’,’Diagnostics’,’on’,’LargeScale’,’off’);
[X,RESNORM,RESIDUAL,EXITFLAG,OUTPUT,LAMBDA,JACOBIAN]=LSQNONLIN(@Fehler,[10,1],[0.1 0.000001],[500 50],options);
ci = nlparci(X,RESIDUAL,JACOBIAN)
function F=Fehler(k_O)
global nk np nd
Oberflache=5127;
VolumenLsg=1;
L_Lenti=150e-6;
D_Lenti=1e-10;
k_Auto=3.47e-6;
k_D=[D_Lenti D_Lenti D_Lenti D_Lenti];
k_RL=[-2*k_Auto 0 0 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0;0 0 -2*k_Auto 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0];
k_RB=[0 0 0 0;0 0 0 0;0 0 0 0;0 0 0 0];
k_RB=[-2*k_Auto 0 0 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0;0 0 -2*k_Auto 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0];
k_MM_1=[-k_O(1) 0 0 0;k_O(1) 0 0 0;0 0 0 0;0 0 0 0];
k_MM_2=[k_O(2) 1 1 1;k_O(2) 1 1 1;1 1 1 1;1 1 1 1];
c_0=[0.5 0 0.5 0];
xc=oknullsy(np,0,0);
[A,B]=orthkol(xc,0,1);
xc=[xc;1];
Diffusion=spalloc(nk*nd,nk*nd,nk*nd*np);
for i=[0:(nk-1)]
Diffusion((1:np)+i*nd,(1:nd)+i*nd)=k_D(i+1)/L_Lenti^2*B(1:np,1:np+1);
end
Stoffuebergang=spalloc(nk*nd,nk*nd,nk*nd);
for i=[0:(nk-1)]
Stoffuebergang(nd+i*nd,(1:nd)+i*nd)=-k_D(i+1)/L_Lenti*Oberflache/VolumenLsg*A(nd,:);
end
Reaktion=spalloc(nk*nd,nk*nd,nk*nd);
for i=[0:(nk-1)]
for j=[0:(nk-1)]
for k=[1:(np)]
Reaktion(i*nd+k,j*nd+k)=k_RL(i+1,j+1);
end
end
end
ReaktionB=spalloc(nk*nd,nk*nd,nd);
for i=[0:(nk-1)]
for j=[0:(nk-1)]
ReaktionB((nd)+i*nd,(nd)+j*nd)=k_RB(i+1,j+1);
end
end
J=Diffusion+Stoffuebergang+ReaktionB+Reaktion;
c0=zeros(1,nd*nk);
for i=[0:(nk-1)]
c0(nd+i*nd)=c_0(i+1);
end
options=odeset(’Jacobian’,@Jac,’MaxStep’,5,’outputfcn’,@octplot,’bdf’,’off’,’stats’,’off’);
[t,c]=ode15s(@dfdt,[0:0.1:25],c0,options,J,1,xc,np,nk,nd,Reaktion,k_MM_1,k_MM_2);
load(’daten.mat’);
feval(@octplot,t,c,’plot’);
CSimT1 = INTERP1(t,c(:,nd),t_mess);
CSimT2 = INTERP1(t,c(:,2*nd),t_mess);
CSimT3 = INTERP1(t,c(:,3*nd),t_mess);
CSimT4 = INTERP1(t,c(:,4*nd),t_mess);
F = [CSimT1-c_mess(:,1);CSimT2-c_mess(:,2);CSimT3-c_mess(:,3);CSimT4-c_mess(:,4)];
function dc=Jac(t,c,J,F,xc,np,nk,nd,Reaktion,k_MM_1,k_MM_2)
ReaktionMM=spalloc(nk*nd,nk*nd,nk*nd);
92
for i=[0:(nk-1)]
for j=[0:(nk-1)]
if k_MM_1(i+1,j+1) ~= 0
for k=[1:(np)]
ci=c(i*(nd)+k);
ReaktionMM(i*nd+k,j*nd+k)=-k_MM_1(i+1,j+1)*k_MM_2(i+1,j+1)*ci/(k_MM_2(i+1,j+1)+ci).^2+k_MM_1(i+1,j+1)/(k_MM_2(i+1,j+1)+ci);
end
end
end
end
dc=J+ReaktionMM;
function dfdc=dfdt(t,c,J,F,xc,np,nk,nd,Reaktion,k_MM_1,k_MM_2)
ReaktionMM=zeros(nk*nd,1);
for i=[0:(nk-1)]
for j=[0:(nk-1)]
if k_MM_1(i+1,j+1) ~= 0
ci=c((1:np)+j*nd);
ReaktionMM((1:np)+i*nd)=ReaktionMM((1:np)+i*nd)+k_MM_1(i+1,j+1).*ci./(k_MM_2(i+1,j+1)+ci);
end
end
end
dfdc=J*c+ReaktionMM;
function state=octplot(t,c,flag,varargin)
state=0;
colors={’r’,’b’,’g’,’y’,’w’};
global hl hb hm hf1 hf2
global np nk nd
switch flag
case ’initall’
load(’daten.mat’);
hf1=figure(’position’,[650,200,500,350],’renderer’,’zbuffer’)
set(gca,’color’,[0.7,0.7,0.5],’box’,’on’,’yLim’,[0,1.1*max(max(c_mess))])
for i=[1:4]
m(i)=line(t_mess,c_mess(:,i));
set(m(i),’Marker’,’*’,’LineStyle’,’none’,’linewidth’,1,’color’,colors{i});
end
hf2=figure(’position’,[100,200,500,350],’renderer’,’zbuffer’);
set(gca,’XLim’,[0,1.2],’XLimMode’,’manual’,’YLim’,[0,1.3*max(max(c_mess))],’YLimMode’,’manual’,’Color’,’none’,...
’box’,’on’,’XTick’,[0:0.2:1]);
patch([1,1,1.2,1.2],[0 1 1 0],[0 0 0 0],’facecolor’,[0.7,0.7,0.5]);
case ’init’
delete(findobj(’Tag’,’a’));
figure(hf2)
for i=[0:(nk-1)]
hl(i+1)=line(varargin{3}’,c((1:nd)+i*nd)’);
set(hl(i+1),’Marker’,’o’,’LineStyle’,’none’,’color’,colors{i+1},’Tag’,’a’);
hb(i+1)=line([1 1.2],[c(nd+i*nd) c(nd+i*nd)]);
set(hb(i+1),’Linewidth’,2,’LineStyle’,’-’,’color’,colors{i+1},’Tag’,’a’);
end
case ’plot’
figure(hf1)
delete(findobj(’Tag’,’LineOld’));
set(findobj(’Tag’,’LineNew’),’linewidth’,1.0,’LineStyle’,’- -’,’Tag’,’LineOld’)
for i=[0:(nk-1)]
hm(i+1)=line(t,c(:,(nd)+i*nd)’);
set(hm(i+1),’Marker’,’none’,’LineStyle’,’-’,’linewidth’,1.5,’color’,colors{i+1},’Tag’,’LineNew’);
93
end
case ’’
for i=[0:(nk-1)]
set(hl(i+1),’ydata’,c((1:nd)+i*nd)’)
set(hb(i+1),’ydata’,[c(nd+i*nd) c(nd+i*nd)])
end
end;
drawnow;
7.2.3 Biohydrolyse mit Immobilisaten
function [k,Fehlerq]=Anpassen
close all;
load fem2
fem=meshinit(fem,’out’,’fem’,’hmax’,0.05,’hnum’,1200);
% fem=meshrefine(fem,’out’,’fem’);
% fem=meshrefine(fem,’out’,’fem’);
% fem=meshrefine(fem,’out’,’fem’);
% fem=meshrefine(fem,’out’,’fem’);
mf=figure(’name’,’Mesh’,’color’,[1,1,1],’Render’,’opengl’);
geomplot(fem.geom3D,’parent’,gca,’Detail’,’Extra Fine’)
axis image
set(gca,’visible’,’off’,’view’,[-161,-78]);
set(findobj(’Type’,’Patch’),’Facealpha’,0.2,’FaceLighting’,’phong’,’FaceColor’,[0.6,0.6,0.9]);
meshplot(fem,’Parent’,gca);
D_Lenti=5.86e-9;
fem.const={’D’ D_Lenti};
fem.equ.be{1}={{’-D./r’ ’0’}};
fem.equ.f{1}{1}=’0’;
fem.equ.c{1}{1}={’D’};
[K,L,M,N,DA] = assemble(fem,’tpoint’,’gauss1’);
[KE,LE,NULL,UD,DE] = femlin(fem,’uscale’,’none’,’out’,{’Ke’,’Le’,’Null’,’ud’,’De’},’tpoint’,’gauss1’);
[AR,G1X,G1Y,G2X,G2Y,G3X,G3Y]=FLTRG(fem.mesh.p,fem.mesh.t);
ng=size(G1X,2);
Ev = sparse([fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:ng],[1:ng],[1:ng]],...
[ones(1,ng),ones(1,ng),ones(1,ng)]);,
s = sum(Ev’);
sh=1./s;
Ev = sparse( [fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:ng],[1:ng],[1:ng]],...
sh([fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)]));
Cx = sparse( [fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:size(G1X,2)],[1:size(G1X,2)],[1:size(G1X,2)]],...
[G1X,G2X,G3X]);
Cy = sparse( [fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:size(G1X,2)],[1:size(G1X,2)],[1:size(G1X,2)]],...
94
[G1Y,G2Y,G3Y]);
Abx= Ev*Cx’;
Aby= Ev*Cy’;
idx = [find(fem.mesh.e(5,:)==2)];
idxl = fem.mesh.e(1,idx);
idxr = fem.mesh.e(2,idx);
deltax = abs(fem.mesh.p(1,idxr)-fem.mesh.p(1,idxl));
deltay = abs(fem.mesh.p(2,idxr)-fem.mesh.p(2,idxl));
r=2*pi*fem.mesh.p(1,:);
intelx = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxl,deltay/2.*r(idxl),1,size(Abx,1));
interx = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxr,deltay/2.*r(idxr),1,size(Abx,1));
intely = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxl,deltax/2.*r(idxl),1,size(Aby,1));
intery = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxr,deltax/2.*r(idxr),1,size(Aby,1));
intex = intelx+interx;
intey = intely+intery;
v=-D_Lenti*[intex*Abx+intey*Aby]*NULL;
t=-D_Lenti*[intex*Abx+intey*Aby]*UD;
idx = [find(fem.mesh.e(5,:)==3)];
idxl = fem.mesh.e(1,idx);
idxr = fem.mesh.e(2,idx);
deltax = abs(fem.mesh.p(1,idxr)-fem.mesh.p(1,idxl));
deltay = abs(fem.mesh.p(2,idxr)-fem.mesh.p(2,idxl));
r=2*pi*fem.mesh.p(1,:);
intelx = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxl,deltay/2.*r(idxl),1,size(Abx,1));
interx = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxr,deltay/2.*r(idxr),1,size(Abx,1));
intely = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxl,deltax/2.*r(idxl),1,size(Aby,1));
intery = sparse([ones(1,size(idx,2))],idxr,deltax/2.*r(idxr),1,size(Aby,1));
intex = intelx+interx;
intey = intely+intery;
v=v+D_Lenti*[intex*Abx+intey*Aby]*NULL;
t=t+D_Lenti*[intex*Abx+intey*Aby]*UD;
np=size(v,2);
nd=np+1;
feval(@octplot,[],[],’initall’);
options=optimset(’LevenbergMarquardt’,’on’,’Display’,’none’,’ShowStatusWindow’,’off’,’Diagnostics’,’on’,
’LargeScale’,’off’,’MaxIter’,10);
[X,RESNORM,RESIDUAL,EXITFLAG,OUTPUT,LAMBDA,JACOBIAN]=LSQNONLIN(@Fehler,[4,10,0.02],
[0 0.001 0.001],[20 20 20],options,...
K,L,M,N,DA,KE,LE,NULL,UD,DE,v,t,ng,np,nd,D_Lenti,fem,AR);
ci = nlparci(X,RESIDUAL,JACOBIAN)
X
function F=Fehler(k,K,L,M,N,DA,KE,LE,NULL,UD,DE,v,t,ng,np,nd,D_Lenti,fem,AR)
Oberflache=5127;
VolumenLsg=1;
L_Lenti=150e-6;
k
95
k_Auto=k(3);
k_MM_1s=k(1);
k_MM_2s=k(2);
k_D=[D_Lenti D_Lenti D_Lenti D_Lenti];
k_RL=[-2*k_Auto 0 0 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0;0 0 -2*k_Auto 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0];
k_RB=[0 0 0 0;0 0 0 0;0 0 0 0;0 0 0 0];
k_RB=[-2*k_Auto 0 0 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0;0 0 -2*k_Auto 0;+k_Auto 0 +k_Auto 0];
k_MM_1=[-k_MM_1s 0 0 0;k_MM_1s 0 0 0;0 0 0 0;0 0 0 0];
k_MM_2=[k_MM_2s 1 1 1;k_MM_2s 1 1 1;1 1 1 1;1 1 1 1];
c_0=[0.225 0 0.225 0];
nk=3;
L_Grenze=1;
KX=-[KE,NULL’*K*UD;v,t];
[KXi,KXj,KXw]=find(KX);
Diffusion=spalloc(nd*4,nd*4,size(KXi,1)*4);
for i=[0:3]
Diffusion=Diffusion+sparse(KXi+i*nd,KXj+i*nd,KXw,nd*4,nd*4);
end
DX=[DE,zeros(size(DE,1),1);zeros(1,size(DE,2)),1/204000000];
[DXi,DXj,DXw]=find(DX);
Mass=spalloc(nd*4,nd*4,size(DXi,1)*4);
for i=[0:3]
Mass=Mass+sparse(DXi+i*nd,DXj+i*nd,DXw,nd*4,nd*4);
end
Mef = sparse( [fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:ng],[1:ng],[1:ng]],...
[repmat(1/3,1,ng),repmat(1/3,1,ng),repmat(1/3,1,ng)]);
Mnf = sparse( [fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:ng],[1:ng],[1:ng]],...
[1/3*AR,1/3*AR,1/3*AR]);
ReaktionL=spalloc(4*nd,4*nd,4*nd);
ReaktionB=spalloc(4*nd,4*nd,16);
RL=[NULL’*Mnf*Mef’*NULL,NULL’*Mnf*Mef’*UD];
[RLi,RLj,RLw]=find(RL);
for i=[0:3]
for j=[0:3]
ReaktionL=ReaktionL-k_RL(i+1,j+1)*1*sparse(RLi+i*nd,RLj+j*nd,RLw,nd*4,nd*4);
ReaktionB(np+1+nd*i,np+1+nd*j)=-1/204000000*k_RB(i+1,j+1);
end
end
J=Diffusion-ReaktionL-ReaktionB;
%r=symamd(J);
r=1:size(J,1);
c0=zeros(1,nd*4);
for i=[0:3]
c0(nd+i*nd)=c_0(i+1);
96
end
options=odeset(’Mass’,Mass(r,r),’Jacobian’,@Jac,’MaxStep’,2,’bdf’,’off’,’AbsTol’,1e-4,’RelTol’,1e-2,’stats’,
’on’,’outputfcn’,@octplot);
[t,c(:,r)]=ode15s(@dfdt,[0:0.0125:1,1.25:0.25:7],c0(r),options,J,fem,NULL,UD,k_MM_1,k_MM_2,Mef,
Mnf,np,nk,nd,ng,r,ReaktionL,L_Grenze);
gidx=find(c(:,nd)+c(:,3*nd)>L_Grenze);
c(gidx,nd)=c(gidx,nd)./(c(gidx,nd)+c(gidx,nd+2*nd))*L_Grenze;
c(gidx,nd+2*nd)=c(gidx,nd+2*nd)./(c(gidx,nd)+c(gidx,nd+2*nd))*L_Grenze;
load(’daten.mat’);
feval(@octplot,t,c,’plot’,J,fem,NULL,UD,k_MM_1,k_MM_2,Mef,Mnf,np,nk,nd,ng,r,ReaktionL,L_Grenze);
CSimT1 = INTERP1(t,c(:,nd),t_mess);
CSimT2 = INTERP1(t,c(:,2*nd),t_mess);
CSimT3 = INTERP1(t,c(:,3*nd),t_mess);
CSimT4 = INTERP1(t,c(:,4*nd),t_mess);
assignin(’base’,’h’,[t,c(:,nd),c(:,2*nd),c(:,3*nd),c(:,4*nd)]);
F = [CSimT1-c_mess(:,1);CSimT2-c_mess(:,2);CSimT3-c_mess(:,3);CSimT4-c_mess(:,4)];
function dc=Jac(t,c,J,fem,NULL,UD,k_MM_1,k_MM_2,Mef,Mnf,np,nk,nd,ng,r,ReaktionL,L_Grenze)
ReaktionMM=spalloc(4*nd,4*nd,4*nd);
c(r)=c;
if (c(nd)+c(nd+2*nd)>L_Grenze)
c(nd)=0;
c(nd+2*nd)=0;
end
for i=[0:3]
for j=[0:3]
if k_MM_1(i+1,j+1) ~= 0
ci=Mef’*(NULL*c((1:np)+j*nd)+UD*c(j*nd+np+1));
Jh=(-k_MM_1(i+1,j+1)*k_MM_2(i+1,j+1)*ci./(k_MM_2(i+1,j+1)+ci).^2+k_MM_1(i+1,j+1)./
(k_MM_2(i+1,j+1)+ci));
Mnfm = Mnf.* sparse( [fem.mesh.t(1,:),fem.mesh.t(2,:),fem.mesh.t(3,:)],...
[[1:ng],[1:ng],[1:ng]],...
[Jh,Jh,Jh]);
[Jhi,Jhj,Jhw]=find(NULL’*Mnfm*Mef’*NULL);
ReaktionMM=ReaktionMM+sparse(Jhi+i*nd,Jhj+j*nd,Jhw,nd*4,nd*4);
end
end
end
dc=J(r,r)+ReaktionMM(r,r);
function dfdc=dfdt(t,c,J,fem,NULL,UD,k_MM_1,k_MM_2,Mef,Mnf,np,nk,nd,ng,r,ReaktionL,L_Grenze)
ReaktionMM=zeros(4*nd,1);
c(r)=c;
if (c(nd)+c(nd+2*nd)>L_Grenze)
c(nd)=c(nd)/(c(nd)+c(nd+2*nd))*L_Grenze;
c(nd+2*nd)=c(nd+2*nd)/(c(nd)+c(nd+2*nd))*L_Grenze;
end
for i=[0:3]
for j=[0:3]
if k_MM_1(i+1,j+1) ~= 0
97
ci=Mef’*(NULL*c((1:np)+j*nd)+UD*c(j*nd+np+1));
ReaktionMM((1:np)+i*nd)=ReaktionMM((1:np)+i*nd)+NULL’*Mnf*
(k_MM_1(i+1,j+1).*ci./(k_MM_2(i+1,j+1)+ci));
end
end
end
dfdc=J(r,r)*c(r)+ReaktionMM(r);
function state=octplot(t,c,flag,J,fem,NULL,UD,k_MM_1,k_MM_2,Mef,Mnf,np,nk,nd,ng,r,
ReaktionL,L_Grenze)
state=0;
colors={’r’,’b’,’g’,’y’,’w’};
global hl hb hm hf1 hf2 s1 s2 s3 s4 su1 su2 su3 su4
switch flag
case ’initall’
load(’daten.mat’);
hf1=figure(’position’,[650,200,500,350],’renderer’,’zbuffer’)
set(gca,’color’,[0.7,0.7,0.5],’box’,’on’,’yLim’,[0,0.3])
for i=[1:4]
m(i)=line(t_mess,c_mess(:,i));
set(m(i),’Marker’,’*’,’LineStyle’,’none’,’linewidth’,1,’color’,colors{i});
end
hf2=figure(’position’,[100,200,700,550],’renderer’,’opengl’);
s1=subplot(2,2,1);
s2=subplot(2,2,2);
s3=subplot(2,2,3);
s4=subplot(2,2,4);
set([s1 s2 s3 s4],’color’,[0.7,0.7,0.5],’box’,’on’,’zLim’,[-0.02 0.33],’view’,[-45,45]);
case ’init’
c(r)=c(:,1);
if (c(nd)+c(nd+2*nd)>L_Grenze)
c(nd)=c(nd)/(c(nd)+c(nd+2*nd))*L_Grenze;
c(nd+2*nd)=c(nd+2*nd)/(c(nd)+c(nd+2*nd))*L_Grenze;
end
delete(findobj(’Tag’,’su’));
fem.sol.u=NULL*c([1:np],1)+UD*c(np+1,1);
su1=postplot(fem,’tridata’,’u’,’triz’,’u’,’parent’,s1,’Tribar’,’off’,’view’,get(s1,’view’),’axisequal’,’on’);
fem.sol.u=NULL*c([nd+1:nd+np],1)+UD*c(nd+np+1,1);
su2=postplot(fem,’tridata’,’u’,’triz’,’u’,’parent’,s2,’Tribar’,’off’,’view’,get(s2,’view’),’axisequal’,’on’);
fem.sol.u=NULL*c([2*nd+1:2*nd+np],1)+UD*c(2*nd+np+1,1);
su3=postplot(fem,’tridata’,’u’,’triz’,’u’,’parent’,s3,’Tribar’,’off’,’view’,get(s3,’view’),’axisequal’,’on’);
fem.sol.u=NULL*c([3*nd+1:3*nd+np],1)+UD*c(3*nd+np+1,1);
su4=postplot(fem,’tridata’,’u’,’triz’,’u’,’parent’,s4,’Tribar’,’off’,’view’,get(s4,’view’),’axisequal’,’on’);
set([su1 su2 su3 su4],’Tag’,’su’);
set([s1 s2 s3 s4],’zLim’,[0 0.3] );
case ’plot’
figure(hf1)
98
delete(findobj(’Tag’,’LineOld’));
set(findobj(’Tag’,’LineNew’),’linewidth’,1.0,’LineStyle’,’- -’,’Tag’,’LineOld’)
for i=[0:3]
hm(i+1)=line(t,c(:,(nd)+i*nd)’);
set(hm(i+1),’Marker’,’none’,’LineStyle’,’-’,’linewidth’,1.5,’color’,colors{i+1},’Tag’,’LineNew’);
end
case ’’
c(r)=c(:,1);
if (c(nd)+c(nd+2*nd)>L_Grenze)
c(nd)=c(nd)/(c(nd)+c(nd+2*nd))*L_Grenze;
c(nd+2*nd)=c(nd+2*nd)/(c(nd)+c(nd+2*nd))*L_Grenze;
end
u=NULL*c([1:np],1)+UD*c(np+1,1);
set(su1,’zdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’,’cdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),
u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’);
set(s1,’CLim’,[min(u),max(u)]);
u=NULL*c([nd+1:nd+np],1)+UD*c(nd+np+1,1);
set(su2,’zdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’,’cdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),
u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’);
set(s2,’CLim’,[min(u),max(u)]);
u=NULL*c([2*nd+1:2*nd+np],1)+UD*c(2*nd+np+1,1);
set(su3,’zdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’,’cdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),
u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’);
set(s3,’CLim’,[min(u),max(u)]);
u=NULL*c([3*nd+1:3*nd+np],1)+UD*c(3*nd+np+1,1);
set(su4,’zdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’,’cdata’,[u(fem.mesh.t(1,:)),
u(fem.mesh.t(2,:)),u(fem.mesh.t(3,:))]’);
set(s4,’CLim’,[min(u),max(u)]);
end;
drawnow;
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————————————
Hiermit m¨ochte ich mich bei allen bedanken, die durch ihre Unterst¨utzung und Hilfe
das Gelingen dieser Arbeit erm¨oglicht haben. Insbesondere gilt mein Dank:
Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Warnecke f¨ur die interessante Themenstellung und
seine intensive fachliche und herzliche pers¨onliche Betreuung.
Herrn PD. Dr. Bernhardt Westermann f¨ur die sehr engagierte Betreuung, f¨ur die
vielen Diskussionen und die ¨
Ubernahme des Korreferates.
Frau Dipl. Chem. Samira Fargalli und Herrn Dipl. Chem. Ing. Daniel Mika f¨ur ihr
Engagement w¨ahrend ihrer Diplomarbeiten und vieler Diskussionen.
Frau Ulrike Schnittker f¨ur die Unterst¨utzung bei den GC-Messungen und Thomas
Ahrens und den Auszubildenden f¨ur ihr Engagement w¨ahrend ihrer Eins¨atze in mei-
nem Labor.
Der Arbeitsgruppe Warnecke f¨ur die gute Arbeitsatmosph¨are und Zusammanarbeit.
Speziell Dipl. chem. Hermann Post f¨ur die Unterst¨utzung bei der Modellprogramie-
rung, PD Dr. Bothe f¨ur die Hilfe bei der L¨osung des Diffusionsproblems und Michael
Motzigemba, Hendrik Reimann, Oliver Reipschl¨ager, und Marina Lovrinovic f¨ur al-
les.
Der Arbeitsgruppe Westermann f¨ur die hervorragende Zusammenarbeit und die Un-
terst¨utzung bei organisch chemischen Fragestellungen.
Allen nicht namentlich genannten Mitarbeitern und Freunden, die mich mit Rat und
Tat unterst¨utzt haben.
Einen besondern Dank meiner Familie, ohne deren Glauben an mich und ihrer Un-
terst¨utzung diese Arbeit nicht m¨oglich w¨are.
————————————
Abstract of the PhD Thesis
Stereoselective Biohydrolysis of Epoxides:
Analysis, Optimisation and Modelling
By Thorsten Bruss
Enantiopure Epoxides and their corresponding diols are versatile synthons in the
chemical and pharamaceutical industry. The present work deals with the stereose-
lective biohydrolysis of styrinepoxide und derivates with epoxidhydrolasis from the
fungi Aspergillus niger (DSM 823) and Beauveria bassiana (DSM 1344) in a whole
cell fermentation (figure .1).
O
Beauveria bassiana
Aspergillus niger
rac-Styrolepoxid
O
O
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan-1,2-diol
(S)-Styrolepoxid
(R)-Styrolepoxid
OH
H
H H
OH
(R)-Phenylethan -1,2-diol
+
+
Abbildung .1: Enatiokonvergent biohydrolysis of styrinepoxide with Aspergillus niger
(DSM 823) and Beauveria bassiana (DSM 1344)
After optimisation of growing conditions in a batch fermenter and determination of
the optimal harvest time, the reaction system was analysed and kineticly quantifica-
ted for mathematic modelling. For the enhancement of the reaction mode, in order
to receive higher substrate concentration, the reaction behaviour in cosolvent system
was measured. Subsequently, an immobilisation process in polyvinylalcohol (Lenti-
Kats) was established, which enables an application of the biocatalyst for 7 days.
The substrat range of this biohydrolysis was extanded by a new type of etherbridged
epoxides. Using the messured kinetic data a mathematic model was establised, which
includes different kinetic aspects and substrat transport limitation in the immobilised
biocatalyst.