scieee Science in your language
[en] (orig)
I
Untersuchungen zur
Charakterisierung und Standardisierung
von Allergenextrakten
aus Milbenkulturen
Vom Fachbereich Erziehungswissenschaft - Psychologie -
Sportwissensehaft der Universität Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades
doctor rerum medicinalium
- Dr. rer. medic. -
genehmigte Dissertation
von
Ulrich Deppe
in Neuenkirchen
Paderborn, den 8. Februar 2002
I
DANKSAGUNG
Die vorliegende Arbeit wurde in den Jahren 1998 bis 2001 am Sportmedizini-
schen Institut (Leiter: Prof. Dr. med. Heinz Liesen) der Universität Paderborn er-
arbeitet. Für die Unterstützung und Begleitung während meiner Promotion
möchte ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken.
Herrn Prof. Dr. med. Heinz Liesen danke ich nicht nur für die materielle und mo-
ralische Unterstützung der Arbeit, sondern vor allem für die gewährten Freiheiten.
Herrn Prof. Dr. med. Michael Weiß (Sportmedizinisches Institut, Universität Pa-
derborn) danke ich neben der Übernahme des Erstgutachtens für die stete Be-
reitschaft zur Diskussion.
Herrn Prof. Dr. Dr. med. Henrich Hasko Paradies (Physikalische Technik, MFH
Iserlohn) gilt mein besonderer Dank. Das Aufzeigen immer neuer Denkansätze,
die engagierte Unterstützung und die lebhaften Diskussionen haben in hohem
Maße zum Erfolg beigetragen.
Herrn Dr. med. Horst Müsken und Herrn Prof. Dr. med. Karl Christian Bergmann
(Allergie- und Asthma-Klinik, Bad Lippspringe) danke ich herzlich für die span-
nende Zusammenarbeit, aus der die Fragestellung der vorliegenden Arbeit ent-
stand.
Herrn Dr. Jörg-Thomas Franz schulde ich Dank für die sehr gute und engagierte
Zusammenarbeit, auch und besonders unter oft schwierigen Bedingungen.
Bei Herrn PD Dr. Bernhard Westermann und Herrn Prof. Dr.-Ing. Hans Joachim
Warnecke möchte ich mich für die Unterstützung bedanken.
Zum Schluß gilt mein Dank dem Team der Sportmedizin. Es war eine klasse Zeit,
in der man vor den Scherzen der Kollegen nie sicher war. Vielen Dank dafür!
I
INHALTSVERZEICHNIS
1 Motivation und Zielsetzung 1
2 Einführung in das Thema 4
2.1 Immunsystem und Allergie................................................................................................4
2.2 Die Entstehung allergischer Erkrankungen.....................................................................5
2.3 Biologie der Milben ............................................................................................................6
2.4 Sensibilisierungen gegenüber Domestic Mites ...............................................................8
2.5 Biochemie der Allergene .................................................................................................10
2.5.1 Antigene und Allergene...........................................................................................10
2.5.2 Nomenklatur der Allergene.....................................................................................11
2.5.3 Was macht ein Allergen zu einem Allergen?.........................................................11
2.5.3.1 Some allergens are more major than other - wann ist ein Protein ein Major-
allergen? ...........................................................................................................13
2.5.3.2 Epitope, die aktiven Zentren der Allergene .......................................................13
2.5.4 Struktur und Allergenität.........................................................................................15
2.5.4.1 Polymorphismus und Isoallergene - Variation einzelner Aminosäuren in der
Primärsequenz (1D)..........................................................................................15
2.5.4.2 Veränderungen der Sekundärstruktur (2D).......................................................17
2.5.5 Funktion und Allergenität .......................................................................................18
2.5.5.1 Proteaseaktivität................................................................................................18
2.5.5.2 Kreuzallergenität ...............................................................................................21
2.6 Klassifizierung und Beschreibung ausgewählter Milbenallergene..............................24
2.7 Allergenextrakte ...............................................................................................................30
2.7.1 Bedeutung in der Diagnostik..................................................................................31
2.7.2 Bedeutung in der Therapie .....................................................................................31
2.7.2.1 Peptidtherapie mit Allergoiden ..........................................................................32
2.7.2.2 Unspezifische passive Immuntherapie durch anti-IgE-Antikörper.....................33
2.7.2.3 Spezifische Immuntherapie (SIT)......................................................................33
2.7.3 Herstellung von Allergenextrakten – eine Übersicht............................................34
2.7.4 Stabilisierung von Allergenextrakten.....................................................................35
2.7.4.1 Polyethylenglykol ..............................................................................................40
3 Methoden und Verfahren 42
3.1 Ablauf der Untersuchungen ............................................................................................42
3.2 Probenvorbereitung .........................................................................................................43
3.2.1 Verwendete Milbenkulturen ....................................................................................43
3.2.2 Aufschluss der Milbenkulturen ..............................................................................43
3.2.3 Bestimmung der Proteingesamtmasse nach Lowry.............................................46
3.2.3.1 DC Protein Assay..............................................................................................47
3.2.3.2 Proteinbestimmung nach Lowry (modifiziert) ....................................................47
3.2.4 Spezifische Bestimmung von Einzelallergenen mittels Enzym-Linked-
Immuno-Sorbent-Assay (ELISA).............................................................................48
II
3.2.4.1 Bestimmung von Der p 1...................................................................................49
3.2.4.2 Bestimmung von Der p 2...................................................................................50
3.2.5 UV/VIS-Spektroskopie der Allergenextrakte..........................................................51
3.2.6 Ausschlusschromatographie (SEC).......................................................................52
3.2.7 Diskontinuierliche Polyacrylamidgelelektrophorese (Disk-SDS-PAGE).............54
3.2.8 Native Elektrophorese.............................................................................................58
3.2.9 Isoelektrische Fokussierung (IEF)..........................................................................60
3.2.10 Färbung, Dokumentation und Auswertung von Elektrophoresegelen...............62
3.2.10.1 Kolloidale Coomassie-Färbung [190] ................................................................62
3.2.10.2 Silberanfärbung [191]........................................................................................62
3.2.10.3 Trocknen der Gele ............................................................................................63
3.2.10.4 Dokumentation und Auswertung der gefärbten Proteinspektren.......................64
3.2.11 Immunoblotting........................................................................................................64
3.2.11.1 Chromogene Immundedektion mit BCIP/NBT...................................................67
3.2.11.2 Immunoblotting mit Chemilumineszenz (CSPD)-Detektion...............................69
3.2.12 Patientenseren.........................................................................................................70
3.2.13 Zymogramm .............................................................................................................71
4 Ergebnisse und Diskussion 74
4.1 UV/VIS-Spektroskopie......................................................................................................74
4.2 Spezifische Bestimmung der Majorallergene Der p 1 und Der p 2...............................76
4.3 Ausschlusschromatographie (SEC) ...............................................................................78
4.4 SDS-PAGE.........................................................................................................................82
4.4.1 Verwendung dissoziierender Reagenzien am Beispiel Dithiotreitol (DTT).........84
4.4.2 Unregelmäßigkeiten der Standardallergene..........................................................86
4.5 native Elektrophorese......................................................................................................88
4.6 Isoelektrische Fokussierung (IEF) ..................................................................................90
4.7 Immunoblotting ................................................................................................................93
4.8 Beurteilung der proteolytischen Aktivität mittels Zymogramm .................................101
4.9 MALDI-TOF-MS ...............................................................................................................104
4.10 Exkurs: Diffuse Klein- und Weitwinkel-Röntgenstreuung......................................111
4.11 Abschliessende Diskussion der Ergebnisse...........................................................114
4.11.1 Empfehlung für eine zukünftige Abfolge.............................................................117
5 Zusammenfassung und Ausblick 121
5.1 Zusammenfassung der Einzelergebnisse....................................................................121
5.2 Ausblick...........................................................................................................................123
6 Literatur 125
7 Akürzungsverzeichnis 134
1
1 MOTIVATION UND ZIELSETZUNG
Allergenextrakte zur Diagnostik und Therapie werden im deutschen Arzneimittel-
gesetz vom 1. Februar 2001 als Arzneimittel klassifiziert und unterliegen somit
den entsprechenden Qualitätskriterien (§ 4 Abs. 15):
Qualität ist die Beschaffenheit eines Arzneimittels, die nach Identität, Gehalt,
Reinheit, sonstigen chemischen, physikalischen, biologischen Eigenschaften
oder durch das Herstellungsverfahren bestimmt wird.“
Allgemeingültige Methoden zur Extraktherstellung und zur Standardisierung feh-
len bis auf wenige Ausnahmen [1]. Bei Arzneizubereitungen mit und ohne wirk-
samkeits-bestimmenden Substanzen (Chemische Verbindungen, Naturstoffe mit
definierter pharmakologischer Wirkung) ist der gesamte Anteil des „Extraktes“
maßgebend und auch qualitätsbestimmend, d.h. eine Normierung auf nur einen
Inhaltsstoff kann somit nicht erfolgen. Die Standardisierung ergibt sich aus der
Spezifikation der Extraktzubereitung des so beschrieben Standards, der reprodu-
zierbar erreicht werden muss. Das Verhältnis von nativem Extrakt zu technischen
Hilfsmitteln muss bei allen Chargen konstant sein und bleiben (Stabilität, Lage-
rungsfähigkeit, zwei Jahresfrist und Stresstest). Da das allergisch wirksame Pro-
tein oder Proteingemisch als der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff angese-
hen werden kann, muss hier pharmakologisch von einer Normierung und nicht
von einer Standardisierung gesprochen werden.
Das Fehlen nationaler und internationaler Standards bedingt große Qualitätsun-
terschiede zwischen den Präparaten verschiedener Hersteller [2] und erfordert so
eine komplexe und aufwendige Qualitätssicherung. Diese wird mit einem ganzen
Arsenal analytischer Verfahren mit höchst unterschiedlicher Aussagekraft betrie-
ben, die zudem vom Anwender aufgrund fehlender Vorgaben individuell zusam-
mengestellt werden. Qualität ist bei der Herstellung von Allergenextrakten kein
wohl definierter, allgemein anerkannter und geprüfter Zustand, sondern eine indi-
viduelle Interpretation des Herstellers. Ein Vergleich mit anderen Herstellern ist
nicht vorgeschrieben und führt in der Regel zu großen qualitativen Unterschieden
[2]. Die Schwankungsbreiten der Aktivitätsbestimmungen industriell hergestellter
Extrakte liegen zwischen 12 und 30 % [3], womit sich die Unternehmen aber im-
mer noch im Rahmen der von der Europäischen Kommission vorgegebenen Va-
rianz von 50 bis zu 200 % bewegen [4].
Als einzige Vorgabe zur Qualitätssicherung und -erreichung wurde daher gefor-
dert, dass Herstellungs- und Kontrollmethoden nach dem jeweiligen „Stand der
2
wissenschaftlichen Erkenntnis“ angewandt werden müssen. Eine in-vivo Haut-
testung zur biologischen Aktivität ist nur bei der erstmaligen Zulassung des Prä-
parates vorgeschrieben, die nachfolgende Chargenkontrolle erfolgt in-vitro.
In Ermangelung verbindlicher nationaler und/oder internationaler Vorgaben zur
Allergenstandardisierung und Qualitätskontrolle werden Extrakte hinsichtlich ihrer
globalen Aktivität
auf biologischer Basis (Histaminäquivalent im Pricktest), und
durch eine in-vitro-Methodik (z.B. EAST1-Inhibition oder Histamiliberation)
eingeschätzt.
Flankierend werden Untersuchungen zur Zusammensetzung durch SDS-PAGE2,
IEF3 und andere unspezifische Fraktionierungen durchgeführt. Eine Allergeni-
dentifizierung durch Immunoblotting sowie eine Bestimmung weniger Majoraller-
gene runden die Charakterisierung ab [5].
Die Standardisierung der Allergenstandards anhand biologischer Einheiten ist
sinnvoll, da sie die Summe aller individuellen Aktivitäten repräsentieren. Aller-
dings sind keinerlei Rückschlüsse auf individuelle Allergenkonzentrationen mög-
lich, so dass eine hohe Aktivität u.U. auch ohne Majorallergene zustande kom-
men kann. Des weiteren ist eine biologische Standardisierung nur möglich, wenn
die Anamnese genauestens bekannt ist. Ansonsten kann es zu einer erheblichen
Diskrepanz zwischen den Hauttestergebnissen und der IgE- basierten in vitro
Diagnostik kommen [6].
Betrachtet man hingegen die allergene Aktivität eines Allergenextraktes als die
Summe einzelner Komponenten, wobei jede Komponente bzw. jedes Allergen
einen individuellen Beitrag liefert, so bekommt die Bestimmung von Einzelaller-
genen und die Zuordnung individueller spezifischer Aktivitäten eine neue Be-
deutung. Das Zukunftsszenario eines solchen modularen „Baukastens“ mit Aller-
genen als „Bauklötzen“, die frei zu patientenspezifischen Extrakten für Diagnostik
und zur Therapie kombiniert werden können, erscheint als ein reizvolles Ziel.
In der vorliegenden Arbeit wurden zu diesem Zweck u.a. Untersuchungen
1. zum schonenden Aufschluss von Milbenkulturen,
2. zur physikalisch-chemischen Charakterisierung,
3. zur funktionellen Aktivität des Extraktes sowie
1 Enzyme Allergo Sorbent Assay
2 Sodium Dodecyl Sulfat-Polyacrylamid-Gel-Elektrophorese
3 Isoelektrische Fokussierung
3
4. zur Fragmentierung und Struktur der allergenen Komponenten unternommen.
Objekt der Untersuchungen waren Kulturen der Hausstaubmilbe Dermatophagoi-
des pteronyssinus verschiedener Hersteller und eine Kultur der Vorratsmilbe Le-
pidoglyphus destructor.
4
2 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
2.1 IMMUNSYSTEM UND ALLERGIE
Das Immunsystem besteht aus funktionell ausdifferenzierten Leukozyten, die im
Blut und in den Lymphgefäßen auf der Suche nach fremden Antigenen zirkulie-
ren.
Die Immunabwehr setzt sich aus zwei unterschiedlichen Komponnten zusam-
men, dem angeborenen und adaptiven Immunsystem. Das angeborenen System
besteht aus Makrophagen, Neutrophilen, Mastzellen, Granulozyten und NK-
Zellen4, alle ohne spezifische Antigen Rezeptoren. Die Reaktion dieses Teils des
Immunsystems erfolgt in allen Individuen gleich [7].
Das adaptive Immunsystems proliferiert nach dem Erstkontakt mit einem körper-
fremden Antigen spezifische Zellen identischer Ausprägung und Rezeptoreigen-
schaften. Diese B- und T-Zellen besitzen Antigen-spezifische Rezeptoren. B-
Zellrezeptoren bestehen aus spezifischen Immunglobulin-(Ig)-funktionen, wäh-
rend T-Zellen eigene Rezeptoren (TcR) auf ihrer Oberfläche besitzen. Diese e-
xistieren im Gegensatz zu den Immunglobulinen nicht in freier Form, sondern nur
zellgebunden. Ein weiter Unterschied besteht darin, dass B-Zellen Antigene di-
rekt erkennen (hauptsächlich konformationelle Epitope) [8], T-Zellrezeptoren hin-
gegen an peptidartige, lineare Antigenbruchstücke binden (sequenzielle Epitope),
die in Kombination mit dem Major Histokompatibillitäts Komplex (MHC) auf der
Oberfläche antigenpräsentierender Zellen (APC) den T-Zellen präsentiert wer-
den. Als APC kann jede Zelle bezeichnet werden, die MHC an ihrer Oberfläche
exponiert, wodurch Peptide gebunden werden. Besonders B-Zellen, Dendritische
Zellen und Monozyten bzw. Makrophagen fungieren als APC, aber auch Endo-
thelzellen und Fibroblasten sind hierzu in der Lage [9]. APC nehmen bevorzugt
aggregierte oder partikuläre Antigene auf. Je größer und je komplexer ein Protein
ist und je weniger es mit körpereigenen verwandt ist, um so größer ist die Wahr-
scheinlichkeit, dass es Peptidfragmente enthält, die an MHC-II-Moleküle binden
und sich von körpereigenen Peptiden unterscheiden [10]. Die MHC Moleküle
werden in zwei Klassen, MHC I und MHC II, eingeteilt und besitzen den höchsten
bekannten Grad an allelen Polymorphismen. B- und T-Zellen bilden einen wichti-
4 Natural Killer Zellen
5
gen Teil des immunologischen Gedächtnisses, da es sich um sehr langlebige
Zellen handelt [11].
2.2 DIE ENTSTEHUNG ALLERGISCHER
ERKRANKUNGEN
Allergische Erkrankungen durch Milben sind nach der Einteilung von Coombs
und Gell [12] Hypersensibilisierungsreaktionen vom Typ I. Hierbei dringt das Al-
lergen in den Körper ein und wird an der Eintrittsstelle, z.B. den Bronchial-
schleimhäuten, von den APC aufgenommen, durch Proteasen prozessiert und
gebunden an den MHC II-Komplex auf der Oberfläche als Peptidbruchstücke
präsentiert. Die T-Zellrezeptoren erkennen die Kombination MHC II Allergenpep-
tid. T-Helferzellen (TH) können anhand ihres produzierten Zytokinspektrums in
drei Klassen unterteilt werden. TH1-Zellen produzieren hauptsächlich IFN-γ, IL-2
und TNF-α, TH2-Zellen produzieren IL-4, IL-5 und IL-13. TH0-Zellen produzieren
das Zytokinspektrum von TH1- und TH2-Zellen [13]. IL-4 und IL-13 stimulieren B-
Zellen zur Produktion von allergenspezifischem IgE, das auf der Oberfläche von
Mastzellen und Basophilen an den hoch affinen IgE-Rezeptor (FcεRI) bindet.
Nachfolgend exponiertes Allergen wird durch den FcεRI-IgE-Komplex auf der
Mastzelle gebunden (bridging) und führt zur Ausschüttung von Mediatoren (z.B.
Histamin, Tryptase, Leukotriene, IL-4, IL-5 und IL-13) [14, 15], was wiederum
binnen Minuten die typischen Symptome (Juck- und Niesreiz sowie Nasalblocka-
de) einer allergischen Sofortreaktion auslöst. IL-5 hingegen stimuliert Eosinophile
[13], die wiederum für die Spätreaktionen binnen 6-24 Stunden nach der Sofort-
reaktion verantwortlich sind. IFN-γ unterdrückt den Effekt von IL-4 [14], somit die
Entwicklung von TH2, unterstützt aber die TH1-Bildung und die vermehrte Bil-
dung von MHC II. Das Verhältnis IL-5 zu IFN-γ spiegelt wieder, ob die Zellen ein
TH1 oder TH2 Zytokinmuster aufweisen [16]. Abbildung 1 veranschaulicht die
Entstehung einer allergischen Reaktion.
Die Anzahl allergischer Erkrankungen nimmt seit Jahrzehnten stetig zu [17, 18].
Personen mit einer genetischen Prädisposition besitzen ein erhöhtes Atopierisiko
[19], wobei ein Zusammenhang zwischen allergen-spezifischer Immunantwort
und HLA -Allelen besteht. Jedes Individuum besitzt einen spezifischen HLA-Typ,
wodurch individuelle Epitop-Bindungsmöglichkeiten bestehen [20]. Mit dem
Chromosom 11q13 wurde die genetische Region lokalisiert, die den hoch affinen
IgE-Rezeptor (FcåRI) codiert, und damit der erste direkte Zusammenhang zur
6
Atopie entdeckt [21]. Die Verbindung zu 11q13 und einem weiteren Chromosom-
abschnitt, 6p21, konnte für Dermatophagoides pteronyssinus spezifisches IgE
bestätigt werde [22]. Eine weitere und genetisch interessante Region von Inte-
resse ist die des Chromosoms 5q, wo die Informationen für die mit Atopie asso-
ziierten Zytokine (IL-4 , IL-5, IL-9, IL-13 und GM-CSF) gespeichert sind [23]. Aus-
schließlich genetisch bedingte Faktoren für die Zunahme allergischer Erkrankun-
gen in der Bevölkerung verantwortlich zu machen, ist allerdings nicht zulässig.
Ein Anstieg nur aufgrund genetischer Modifikation des Erbmaterials bedarf der
Abfolge mehrerer Generationen. Polymorphismen des IL-4 Promoters [24] und in
der Codierung des IL-13 [25] verstärken die Annahme, dass auch andere Fakto-
ren zur Allergieentstehung und -entwicklung beitragen. Angeführt seien hier vor
allem die sich verändernden Lebensverhältnisse und die daraus resultierenden
Auswirkungen auf den Menschen. Ein besonderes Augenmerk wird in der For-
schung auf die, vor allem im Kindesalter, sinkende Infektionsrate, die Umstellung
der Ernährungsgewohnheiten (Nahrungsmittelallergien) sowie der Wohnverhält-
nisse und der daraus resultierenden mikroklimatischen Veränderungen (pereniale
Atopien wie z.B. Milbenallergien) gerichtet [26].
2.3 BIOLOGIE DER MILBEN
Milben (Acari) gehören innerhalb der Wirbellosen zu den Spinnentieren (Arachni-
dia: Chelicerata) und werden in eine Vielzahl von Ordnungen insbesondere unter
dem Aspekt der Ausbildung der Atemöffnungen (u.a. Astigmata (keine), Prostig-
Abbildung 1 – Die Entstehung einer allergischen Reaktion.
7
mata (vorne), Cryptostigmata (versteckt), Mesostigmata (Mitte), Metastigmata
(hinten) eingeteilt. Die im wesentlichen für allergische Erkrankungen verantwortli-
chen Milben gehören zu den astigmatischen Superfamilien Pyroglyphoidea und
Acaroidea [27]. Insgesamt wurden bislang weltweit etwa 150 verschiedene Mil-
benarten in Häusern nachgewiesen, insgesamt werden bis zu 40.000 verschie-
denen Arten vermutet [28]. Eine Übersicht der taxonomischen Verhältnisse liefert
Abbildung 2.
Die Einteilung erfolgte in der Vergangenheit in Hausstaubmilben (Pyroglyphoi-
dea) und Vorratsmilben (Acaroidea), und entsprach dem damaligen Wissenstand
über deren Habitate, aber nicht den taxonomischen Gegebenheiten. Die klassi-
schen Hausstaubmilben Dermatophagoides farinae und Dermatophagoides pte-
ronyssinus wurden bevorzugt im direkten menschlichen Wohnumfeld gefunden,
die später entdeckten Vorratsmilbenarten wie z.B. Acarus siro, Tyrophagus
putrescentiae, Glyciphagus domesticus und Lepidoglyphus destructor konnten
vor allem in landwirtschaftlichen Vorratsräumen (Getreidesilo, Stallungen, etc.)
lokalisiert werden [29]. Hausstaub- und Vorratsmilben werden seit geraumer Zeit
als Domestic Mites bezeichnet, da beide Milbenklassen im häuslichen Umfeld
vorkommen und IgE-basierte Sensibilisierungen hervorrufen [27].
Gegenstand dieser Arbeit sind die in Europa allergologisch relevantesten Milben
ihrer Klassen, die Hausstaubmilbe Dermatophagoides pteronyssinus (Abbildung
3) und die Vorratsmilbe Lepidoglyphus destructor (Abbildung 4). Zur besseren
Nachvollziehbarkeit werden in der vorliegenden Arbeit weiterhin die alten Be-
zeichnungen Hausstaubmilbe (HSM) bzw. Vorratsmilbe (VRM) verwendet.
Im menschlichen Wohnumfeld kommen Milben gewöhnlich nicht in direkten
Kontakt mit den Menschen vor, aber sie überleben, entwickeln und ernähren sich
im Hausstaub. Ein Gramm Hausstaub enthält ca. 700 Millionen Partikel, von de-
nen fünf bis sechs Millionen biologische und biogene Substanzen sind. Haus-
staub ist ein heterogenes Substrat, zusammengesetzt aus Synthetik- und Natur-
fasern, Haaren, Mineralien, Salzen, Asche, Pollen, Pilzsporen und Pilzmycel so-
wie Insektenfragmenten, wobei jeder Hausstaub in seiner Zusammensetzung
variiert.
Menschliche Hautschuppen sind die Hauptnahrung der Hausstaubmilben (HSM).
Der Mensch verliert pro Tag 1 bis 1,5 g Hautschuppen, genügend zur Ernährung
hunderttausender Milben. Im Magendarmtrakt der Milben wurden darüber hinaus
Schimmelpilze, Pollen und Bakterien gefunden. Bevorzugte Habitate der Haus-
8
staubmilben sind Matratzen, Polstermöbel und Teppiche, in denen sich Haut-
schuppen ansammeln können [30].
Acaroidea (VRM) bevorzugen Habitate im menschlichen Umfeld, vor allem in der
Landwirtschaft, in denen Vorräte wie Getreide, Mehl, Stroh, Heu, Hefe, Käse,
Trockenfisch oder Früchte gelagert werden [29]. Vorratsmilben werden zwar be-
vorzugt in landwirtschaftlichen Betrieben gefunden, aber auch in den Städten
kommen sie in relevanter Quantität vor. 82,4 % der gefundenen Milben waren
HSM, 17,6% VRM [31]. In einer deutschen Großstadt wurde die Milbenpopulation
wie folgt identifiziert: D. pteronyssinus (72,8 %), D. farinae (10,0 %), L. destructor
(5,4 %), T. putrescentiae (1,4 %), Euroglyphus maynei (1,2 %), G. domesticus
(0,4 %) und A. siro (0,2 %) [32]. Im Staub landwirtschaftlicher Betriebe konnten
38 astigmatische und 14 prostigmatische Milbenarten [33], davon 14 mit allergo-
logischer Relevanz [34], identifiziert werden. Jede Milbenart mit mehr als ca. 100-
200 Milben pro Gramm Staub wird als potentielle Allergenquelle betrachtet [35].
2.4 SENSIBILISIERUNGEN GEGENÜBER DOMESTIC
MITES
Der höchsten Grad der Sensibilisierung im Patientengut wird in Europa durch D.
pteronyssinus und, im geringeren Umfang, von D. farinae verursacht [36, 35].
Schon früh konnten aber auch Vorratsmilben als eigenständige Allergenquelle
mit spezies-spezifischem Allergenspektrum identifiziert werden [37, 38, 39].
Abbildung 2 – Ausschnittsweise Betrachtung der Taxonomie einiger Milben.
9
L. destructor ist in Nordamerika weit verbreitet [40] und scheint in Europa das
höchste allergene Potential der Vorratsmilben zu bergen, so dass mit ihr die ers-
ten Ansätze zur Immuntherapie bei Vorratsmilben vollzogen wurden [41]. Eine
spanische Studie fand trotz einer um den Faktor 50 erhöhten Proteinmenge aus
T. putrescentiae, eine geringere Sensibilisierungsrate im Patientengut als gegen
L. destructor [42]. Eine isländische Studie zeigte eine Sensibilisierungsrate in der
Gesamtbevölkerung gegen L. destructor von 6,3 % und gegen D. pteronyssinus
von 10,9 % [43]. Im Norden Deutschlands wurde bei berufsbedingt unter pneu-
mologischen Beschwerden leidenden Landwirten positive RAST-Ergebnisse wie
folgt ermittelt: 12 % L. destructor, 16 % D. pteronyssinus und 14 % D. farinae
[44]. Neuere Untersuchungen konnten eine „Mono“-Sensibilisierung gegenüber
Vorratsmilben von 16,3 % aufzeigen. Das vorrangige Allergierisiko stellen nach
wie vor die Hausstaubmilbenarten mit 42,5 % Sensibilisierungen dar. 41,3 % der
Patienten zeigten Reaktionen gegenüber beiden „Milbenklassen“ [42].
Abbildung 3 – Dermatophagoides pteronyssinus
Abbildung 4 – Lepidoglyphus destructor
10
Eine Sensibilisierung gegenüber Hausstaubmilben wird in der Regel durch eine
Zweitsensibilisierung gegenüber mindestens einer Vorratsmilbe begleitet [45]. In
den Niederlanden sind dies vor allem G. domesticus und T. putrescentiae und in
geringerem Umfang L. destructor [46]. In Skandinavien überwiegt L. destructor
[47]. Eine spanische Untersuchung ergab bei 86 % der gegen Hausstaubmilben
sensibilisierten Patienten eine Zweitdisposition gegenüber Vorratsmilben, und
hier vor allem gegenüber L. destructor. Die meist aus ländlichen Gegenden
stammenden Patienten zeigten neben höheren Gesamt-IgE-Werten auch er-
höhte Titer an spezifischem IgE gegen Vorrats- und Hausstaubmilben als „nur“
gegen die eine oder andere Milbenklasse sensibilisierte Patienten [48].
Da höhergradige Sensibilisierungen gegenüber Vorratsmilben in der Stadtbevöl-
kerung nachgewiesen werden konnten, ist es nicht zulässig, diese nur auf Sensi-
bilisierungen gegenüber Hausstaubmilben zu testen [49, 50].
2.5 BIOCHEMIE DER ALLERGENE
2.5.1 Antigene und Allergene
Antigene sind Moleküle, die mit Antikörpern reagieren. Ihren Namen verdanken
sie der Fähigkeit, in einem Immunsystem Antikörper zu produzieren. Allerdings
sind nicht alle Antigene in der Lage, eine Antikörperbildung hervorzurufen, so
dass nur die Antigene, die eine Immunantwort hervorrufen können, als komplette
Antigene bzw. Immunogene bezeichnet werden. Einige Substanzen sind zu klein,
um eine immunogene Wirkung hervorrufen zu können, sie werden als in-
komplette Immunogene bezeichnet und können durch Bindung an einen geeig-
neten Carrier die notwendigen Voraussetzungen, in diesem Fall Größe, zur Akti-
vierung des Immunsystems erlangen. Diese, auch als Haptene bezeichneten
Moleküle, können aus den unterschiedlichsten chemischen Stoffklassen stam-
men.
Allergene sind eine Gruppe von Antigenen, die eine unmittelbare Hyperreaktion
im Menschen mit Wechselwirkung von zellgebundenen spezifischen IgE im
Bronchial- und Gastrointestinaltrakt, im Blut, der Haut oder Schleimhäuten her-
vorrufen. Physikochemische Eigenschaften, nach denen Antigene von Allerge-
nen differenziert werden können, existieren allerdings nicht. Im folgenden soll
daher zwischen Antigen und Allergen nicht weiter unterschieden werden.
11
Allergene besitzen ähnlich den immunogenen Antigenen eine gewisse Größe,
wobei sie zwei Funktionen zur Auslösung einer Allergie erfüllen müssen.
1. In der Sensibilisierungsphase, dem Erstkontakt bzw. „priming“, muss die auf-
genommene Substanz vom Immunsystem als fremd erkannt werden und zur
Produktion von IgE-Antikörpern führen.
2. Bei einem neuerlichen, auch Monate oder Jahre später erfolgten Zweitkontakt
mit dem Allergen muss das Allergen Zugang zu IgE-präsentierenden Zellen
erlangen, um die IgE-Antikörper auf der Zelloberfläche zu vernetzen. Dies
wiederum ist das Signal zur Freisetzung entzündlicher Mediatoren mit der
anschließenden allergischen Symptomatik.
2.5.2 Nomenklatur der Allergene
Die allgemein für Allergene gültige Nomenklaturempfehlung des Subkomitees der
WHO und der International Union of Immunological Societies soll anhand des
Majorallergens der Hausstaubmilbe D. pteronyssinus, Der p 1, verdeutlicht wer-
den [51].
Die Gattung, hier Dermatophagoides, wird mit den ersten drei Buchstaben abge-
kürzt, gefolgt vom Anfangsbuchstaben der Art, hier pteronyssinus, und der Aller-
gennummer. Die Allergennummer wird in der Reihenfolge der Entdeckung des
Allergens vergeben; homologe Proteine verwandter Arten erhalten die gleiche
Nummer. So erhielt das Majorallergen der Hausstaubmilbe D. farinae mit einer
Sequenzhomologenität von über 80 % zu Der p 1, die Bezeichnung Der f 1.
Homologe Allergene verwandter Milbenarten werden in Gruppen zusammenge-
fasst. Die schon erwähnten Der p 1 und Der f 1 bilden u.a. mit ihren Homologen
der Spezies D. microceras und E. maynei, Der m 1 und Eur m 1, die Gruppe 1.
Aus der beschriebenen Sequenzhomologenität resultieren für Allergene gleicher
Gruppenzugehörigkeit sehr große Übereinstimmungen in ihren physikalisch-
chemischen Eigenschaften, z.B. Molekulargewicht und Isoelektrischer Punkt,
sowie ihrer Funktionalität im Milbenorganismus.
2.5.3 Was macht ein Allergen zu einem Allergen?
Neben einer genetischen Prädisposition des Individuums spielen folgende Ei-
genschaften von Allergenen eine Rolle, damit das Allergen auch verborgene Be-
reiche des Immunsystems erreichen kann.
12
Eine Mindestgröße von 5-10 kDa sollte gegeben sein. Kleinere Peptide unter
30 Aminosäuren sind nur sehr schwach immunogen und zu hohe Molekular-
gewichte verhindern den Transport durch Haut- und Schleimhautbarrieren.
Die Molekulargewichte der meisten Allergene liegen in der Regel zwischen
10 und 100 kDa, teilweise aber auch erheblich darüber (>250 kDa). Mit an-
steigender Größe wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass als fremd er-
kannte Epitopstrukturen auf der Oberfläche vorhanden sind [10, 52, 53, 54].
Die Fähigkeit, physikalische Barrieren zu durchdringen, um einen Zugang
zum Immunsystem zu erlangen [52].
Beim Herauslösen der Proteine aus einer komplexen Matrix, wie z.B. aus den
Kotpellets oder der Abtrennung von luftgetragenen Partikeln spielt u.U. der
hydrophile Charakter, der wiederum in Bezug zum Lösungsverhalten und der
kinetischen Verteilung (aktiver oder passiver Transport, Verteilungsvolumen)
sowie die Stabilität der Allergene eine entscheidende Rolle [52, 53].
Damit eine allergische Reaktion hervorgerufen werden kann, ist eine Vernet-
zung der an Fcε-Rezeptoren gebundenen IgE-Antikörper an der Oberfläche
von Mastzellen und Basophilen notwendig. Hierzu müssen mindestens zwei
identische zur Erkennung frei zugängliche Epitope vorliegen. Unterschiedli-
che Epitope führen nur zu einer Vernetzung, wenn die entsprechenden IgE-
Antikörper bivalent ausgebildet sind [10].
Ein komplexer Strukturaufbau fördert die Immunogenität. Polymerisierte Mo-
noaminosäuren sind nicht immunogen, die Kopplung verschiedener Amino-
säuren mit zum Teil großen Unterschieden in ihrem immunogenem Potential
ist unabdingbar [28, 52, 54].
Die immunogene Potenz einer Aminosäure ist abhängig von der jeweiligen
Seitenkette. Polare Aminosäuren wie die sauren Glutaminsäure, Aspargin-
säure, Cystein, und den sehr basischen Lysin und Arginin sowie den Amino-
säuren mit „bulky“ (großen, raumerfüllenden) Seitenketten bzw. Ringstruktu-
ren wie Tyrosin, Phenylalanin und Tryptophan sind hier zu nennen [54].
Eine große chemische Differenz des Immunogens zum immunisierten Indivi-
duum, in der Regel durch evolutionäre Differenzierung bedingt, erhöht den
körperfremden Charakter und somit die Möglichkeit vom Immunsystem als
‚fremd‘ erkannt zu werden und eine Immunreaktion einleiten zu können [28,
54].
13
Umfaltung und Aggregation können die immunogene Potenz erhöhen oder
erniedrigen [55, 54].
Das Immunogen muss von Antigen-präsentierenden Zellen (Monozyten und
verwandte Zellen des Immunsystems) zum Teil prozessiert und in Teilstruktu-
ren auf deren Oberfläche präsentiert werden können [11, 53, 54].
2.5.3.1 Some allergens are more major than other - wann ist ein
Protein ein Majorallergen?
Aus allergologischer Sicht bindet ein Majorallergen in mehr als 50 % der getes-
teten Seren von Atopikern spezifisches IgE oder ruft eine Hautreaktion hervor.
Wird in weniger als 10 % der Patienten eine Sensibilisierung nachgewiesen,
spricht man von Minorallergenen. Intermediärallergene sind in der Lage, zwi-
schen 10 und 50 % Sensibilisierung hervorzurufen [11].
Diese Betrachtung basiert auf der Prevalenz der IgE- oder Haut-Reaktivität in
sensibilisierten Individuen gegenüber dem gesamten Extrakt. Diese Betrachtung
ist unscharf, da der Einfluss des einzelnen Allergens im Extrakt nicht berücksich-
tigt wird. Es sollte einen Unterschied ergeben, wenn ein Majorallergen aus dem
Extrakt entfernt wird. Ein Majorallergen ist beispielsweise für 20 % der allergenen
Reaktivität in 20 % der Individuen verantwortlich. Die Allergenität des Restex-
traktes sollte untersucht werden, damit die Potenz, vormals durch das Majoraller-
gen „verdeckter“ Allergene, beurteilt werden kann. Hierzu müssen das Majoral-
lergen aus dem Extrakt oder die spezifischen IgE-Antikörper aus dem Serum
entfernt werden.
Des weiteren ist ein Majorallergen nicht synonym als Hauptallergierisiko zu be-
zeichnen. Patatin ist ein Majorallergen der Kartoffel, aber aufgrund der Exposition
und Verbreitung kein Hauptallergierisiko. Milben Gruppe 1 Allergene bedeuten
ein höheres Allergenrisiko als das Hundemajorallergen Can f 1 [53].
2.5.3.2 Epitope, die aktiven Zentren der Allergene
Die Bindung der IgE und/oder auch IgG-Antikörper an das Allergen erfolgt über
antigene Determinanten, den sogenannten Epitopen. Dabei beruht die Bindung
auf der sterischen Komplementarität, den Wasserstoffbrücken- und Ionenbindun-
gen, den van-der-Waals-Kräften und hydrophoben Wechselwirkungen [56]. Die
Affinität von Antigenen, eine Bindung mit dem entsprechenden Antikörper einzu-
gehen kann daher stark variieren. Homologe Antigene, z.B. spezies-spezifische
14
Antikörper besitzen die stärkste Affinität. Kreuzreaktive Antigene (heterogene
Antigene), haben gewöhnlich eine geringere Passgenauigkeit bzw. Affinität, die
mit den ursprünglichen Immunogenen nicht identisch, sondern nur chemisch
verwandt sind [54].
Kristallographischen Berechnungen zufolge, ist die bei der Allergen-Antikörper-
bindung benötigte Oberfläche zwischen 54-89 nm2 groß [53]. Ein sphärisches 20
kDa Protein hat eine externe Oberfläche von ca. 500 nm2, die für H2O erreichba-
re Oberfläche beträgt gar 1000 nm2. Die Wechselwirkung mit einem Antikörper
würde somit zwischen 5 und 10 % der Oberfläche eines solchen Proteins okku-
pieren, so dass aus sterischen Gründen nur zwischen fünf und zehn Antikörper
binden könnten.
Ein Epitop besteht aus fünf bis acht L-Aminosäuren, die sich in unterschiedlichs-
ter Form zu einer Antikörperbindungsstelle formieren können. Grundsätzlich wer-
den zwei Arten der Epitopbildung unterschieden [54].
1. Die sequenzielle oder kontinuierliche Anordnung bedeutet eine unmittelbar
benachbarte Position der beteiligten Aminosäuren auf einem Polypeptid-
strang.
2. Als eine konformationsbedingte bzw. diskontinuierliche Struktur bezeichnet
man die aus nicht unmittelbar aneinandergereihten L-Aminosäuren entspre-
chend ihrer Primärstruktur (1D) zusammengesetzte dreidimensionale (3D o-
der Quartärstruktur) Bindungsstelle.
Die Klassifizierung lineares oder konformationelles Epitop wurde linearen Se-
quenzen sowie Informationen aus der gefalteten Form des Allergens im Immu-
noblot entnommen. Auskünfte zur 3D Struktur können so aber nicht gewonnen
werden. Dass überhaupt positive Immunoblotergebnisse erzielt werden konnten,
kann darauf zurück geführt werden, dass viele Proteine sich nach dem Verlust
des SDS aus der Elektrophorese wieder in ihre 3D Struktur zurück falten, spe-
ziell, wenn die Reoxidation von Disulfiden möglich ist [53]. Lineare Peptide erga-
ben selbst in der direkten Inkubation mit T-Zelllinien nur sehr geringe Bindungs-
stärken [57]. Bislang ist mit Par o 1 erst ein lineares Peptid beschrieben worden,
das zu einer erheblichen IgE-Bindung geführt hat [58].
Erst durch den Einsatz kristallographischer Verfahren konnte gezeigt werden,
dass alle betrachteten Proteinepitope konformationeller Struktur sind [53]. An der
Antikörperbindung beteiligte Aminosäuren sind somit über die ganze Sequenz-
kette verteilt. Diese Ergebnisse konnten auch für Milbenallergene, unter anderem
für Gruppe 1 Allergene [59] und Gruppe 2 Allergene [60], schon früh bestätigt
15
werden. Gleiches gilt für das Gruppe 2 Allergen der Vorratsmilbe L. destructor
Lep d 2 [61].
Hieraus folgt allerdings, dass durch eine Beschädigung der 3D und 4D Struktur
die konformationelle Epitopstruktur nachhaltig zerstört werden kann. Konformati-
onsänderungen (Umfaltung, geringe räumliche Änderungen der Seitenketten der
L-Aminosäuren) können zur biologischen Inaktivierung des Epitopes führen. Des
weiteren kann eine Entfaltung durch Disulfidbindungsspaltungen im Zuge einer
Extraktion der Allergenquelle oder durch proteolytischen und temperaturbeding-
ten Abbau entstehen. Wird die Epitopstruktur hierbei zerstört, kommt es zu einer
entsprechenden Verringerung der allergenen Potenz. Kann ein Epitop durch eine
solche Aufspaltung besser von Antikörperparatopen, den Antigenbindungsstellen
der Antikörper, erreicht werden, kommt es zu einer Verstärkung der Bindungsaf-
finität mit Auswirkungen auf den Ablauf der immunologischen Folgereaktion. Die
sterische Behinderung kann z.B. durch Seitenkettenwechselwirkungen, Ände-
rungen in der 2D Struktur sowie elektrostatischer und/oder Wasserstoffbrücken-
Wechselwirkungen abnehmen. Eine gewisse Grundstabilität konnte aber selbst
für konformationelle Allergenepitope nachgewiesen werden [62].
2.5.4 Struktur und Allergenität
Im folgenden Abschnitt sollen Strukturmerkmale in den verschiedenen Proteindi-
mensionen (1D, 2D, 3D und 4D) hinsichtlich ihres Einflusses auf die Allergenität
betrachtet werden. Einen ersten Exkurs lieferte bereits die Beschreibung der E-
pitopstrukturen, die im Bereich der Tertiär- und Quartärstruktur (3D, 4D) anzusie-
deln ist.
2.5.4.1 Polymorphismus und Isoallergene - Variation einzelner
Aminosäuren in der Primärsequenz (1D)
Als Polymorphismus bezeichnet man das Auftreten von Genomen mit verschie-
denen Allelen in einer Population, die sich durch verschiedenen Aminosäuresub-
stitutionen unterscheiden. Unterschiede der einzelnen Sequenzen bis zu 3 %
werden als Varianten klassifiziert [51].
Untersuchungen zum Polymorphismus der Der p 1 Sequenz aus Milbenkulturen
unterschiedlicher Herkunft auf DNS-Ebene [63] ergaben, dass der Polymorphis-
mus auf einige wenige Aminosäure-Positionen beschränkt war. Bezogen auf die
Herkunft der Milbenkulturen bestanden Unterschiede, die zu einer unterschiedli-
16
chen Stimulation peripherer T-Zellen führten. Für Der p 2 konnten bezogen auf
das Ausmaß als auch die betroffenen Positionen fast identische Polymorphismen
festgestellt werden [63, 64]. Die Gruppe 3 weist im Vergleich zu den Gruppen 1
und 2 ein sehr abweichendes Spektrum an Variationen auf.
Auffällig ist, dass vor allem die Majorallergene über einen hohen Grad an Poly-
morphismus verfügen. Vermutet wird daher, dass diese Art der Variation eine
Voraussetzung für die Wirkung eines Antigens als Majorallergen ist, denn hier-
durch wird die Anzahl ähnlicher Epitope erhöht, die mit den MHC-Molekülen
(Major Histocompatibility Complex) reagieren können, das wiederum die Zahl der
potentiellen Reaktanden mit dem Allergen erhöht. In dieses Bild fügt sich, dass
die Allergene der Gruppen 1, 2 und 3 in der jeweiligen Spezies durch nur ein Gen
codiert werden. Die Variation liegt somit in den Allelen begründet [65].
Des weiteren konnte festgestellt werden, das niedrig affine Wechselwirkungen
des Allergens mit den MHC- und T-Zell-Antigen-Rezeptoren vermehrt zu einer
TH2-Immunantwort führt und die Exposition gegenüber einer ganzen Bandbreite
an Epitopstrukturen eine höhergradige Sensibilisierung hervorrufen kann.
Auch Unterschiede zwischen Allergenen aus gezüchteten Milbenkulturen und
aus der Natur entnommenen Kulturen wurden nachgewiesen [65]. Es gibt weiter
Hinweise, dass Aminosäuresubstitutionen die Reaktion auf ein Allergen mit be-
einflussen können. So wird die T-Zell-Reaktion gegenüber dem Der p 1 Peptid-
strang 45-60 durch die Aminosäureposition 50 beeinflusst. Dies geschieht aber
nur, wenn die Position 50 durch Tyrosin und nicht Histidin besetzt ist. Tyrosin auf
dieser Position wurde nur bei aus der Natur entnommenen Milben gefunden [65].
Als Isoallergene bezeichnet man die Allergene, die sich durch geringe Differen-
zen in der Primärsequenz des Allergens, wie Polymorphismus und/oder
posttranslationale Modifikationen wie z.B. O- oder N-Glykosylierung einzelner
Positionen, unterscheiden. Posttranslationale Veränderungen können die Aller-
genität durch das Induzieren neuer Epitope, die Beeinflussung der Löslichkeit,
der Größe, der Stabilität und Empfindlichkeit gegenüber Proteasen, verändern.
Die Prozessierung der Allergene durch Antigen Präsentierende Zellen (APC)
kann hierzu führen [53]. Zudem sind die meisten Allergene extrazelluläre Protei-
ne. Damit das Protein aus der Zelle wandern kann, ist die Anwesenheit eines N-
terminalen Leitpeptides notwendig, um das Protein durch die Membran des En-
doplasmatischen Retikulums (ER) zu transportieren. Dieses Protein wird durch
Proteasen im ER abgetrennt. Dies können, wie z.B. bei der Glykosylierung der
Fall, mehrstufige Prozesse sein, in die viele verschiedene Enzyme involviert sind.
17
Hieraus resultiert häufig eine gewisse Heterogenität der transferierten Proteine.
Eine Glykosylierung scheint allerdings kein Hauptgrund für Allergenität zu sein,
da einige Majorallergene nicht und andere stark glykosyliert sind [53].
Isoallergene sind demnach definierte Allergene mit unterschiedlichem isoelektri-
schen Punkt pI und mindestens 67 % Sequenzhomologie [51]. Isoallergene be-
sitzen sowohl spezifische als auch gemeinsame T-Zell-Epitope. Ein gutes Bei-
spiel hierfür ist Der p 1, von dem bis zu zehn verschiedene Isoallergene mit un-
terschiedlichen isoelektrischen Punkten im pH-Bereich vom 0,7-4,1 publiziert
wurden, wobei alle Variationen die für dieses Allergen spezifischen Epitopstruktu-
ren besitzen. Für Der p 3 werden mindestens acht Isoallergene postuliert [66].
2.5.4.2 Veränderungen der Sekundärstruktur (2D)
Als Sekundärstruktur bezeichnet man „regelmäßige, periodisch wiederkehrende
räumliche Anordnungen benachbarter Aminosäuren in einer Polypeptidkette. Die
wichtigsten Typen von Sekundärstrukturen sind die α-Helix und die β-
Faltblattstruktur.“ [56].
In [53] wurden über 40 verschiedene Allergene hinsichtlich ihrer Sekundärstruktur
in vier Gruppen eingeteilt. Es konnten keinen allgemeingültigen Zusammenhänge
zur Allergenität identifiziert werden.
1. Antiparallele β-Stränge der Immunoglobulinfamilie (Gräserpollen Gruppe 2,
Milbe Gruppe 2) [60, 67], Serinproteasen (Milben Gruppen 3, 6, 9) und Soja-
bohnen Trypsininhibitor (Ole e 1, Gräser-Gruppe 11);
2. Antiparallele β-Faltblattstrukturen mit mindestens einer α-Helix (Baumpollen-
Gruppe 1, Lipocalin, Profilin, Aspartatprotease (Kakkerlake-Gruppe 2));
3. α- und β-Strukturen als nicht unmittelbar assoziierte Strukturformen (Milbe-
Gruppe 1, Lysozym/Lactalbulmin, Wespenallergene);
4. α-Helizes: unspezifische Lipidtransferproteine, Hämoglobin (Insekten), Par-
valbumin (Fisch), Kalmodulin (Pollen), Mellitin (Bienengift), Fel d 1-Kette 1,
Serumalbulmin
Proteine werden zum Teil auch durch das Knüpfen von Disulfidbindungen in ihrer
dreidimensionalen Struktur gefestigt. Milben Gruppe 2 Allergene weisen drei Di-
sulfidbindungen auf. Ein Durchtrennen dieser kovalenten Bindungen bewirkt ei-
nen Abfall der Allergenität, der mit der Anzahl der gekappten Bindungen zunimmt
[68, 62, 69]. Für Lep d 2 wurden ebenfalls drei Disulfidbindungen mit hoher Se-
quenzhomologie für die Aminosäurepositionen identifiziert (zu Der p 2 - 52 % zur
18
Der f 1 - 57 %) [70]. Die Disulfidbrücken fixierenden Cysteinpositionen, sind in
allen Gruppe 2 Allergenen konserviert [61]. Spezifisches Durchtrennen der Disul-
fidbindungen bei Der f 2 führte zu einem 10-100 fachen Verlust der Hautreaktivi-
tät in Milbenatopikern, aber nicht zu Veränderungen der T-Zellproliferation in vitro
[67, 71]. Derart modifizierte Allergene könnten bei deutlich bis nicht vorhandener
Allergenität, aber gleichbleibender Immunogenität einen lohnenswerten Thera-
pieansatz darstellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Allergene heterogen und ohne ge-
meinsame strukturelle Merkmale sind. Auch die Überprüfung 150 verschiedener
Allergene ergab keine gemeinsamen Merkmale. Allerdings wird ein Zusammen-
hang zwischen der Funktion und der Allergenität postuliert [72]. Die einzige Ge-
meinsamkeit scheint zu sein, dass sie in der Lage sein müssen, Immun- und
Mastzellen zu erreichen und zu stimulieren. Neben Homologenitäten mit huma-
nen Proteinen scheinen spezifische Eigenschaften für die Ausbildung der Aller-
genität eine entscheidende Rolle zu spielen. Für Nahrungsmittelallergene ist z.B.
die Art der Verdauung, für luftgetragene Allergene die Größe und Löslichkeit
wichtig [53].
2.5.5 Funktion und Allergenität
Der These, dass die Funktion des Allergens einen Einfluss auf seine Allergenität
besitzt, soll anhand der proteolytischen Aktivität einiger Milbenallergene nachge-
gangen werden.
2.5.5.1 Proteaseaktivität
Allergene, vor allem aus Milben- und Schimmelpilzextrakten, besitzen zum Teil
erhebliche proteolytische Enzymaktivität. Diese Eigenschaft führt, verglichen mit
Extrakten nicht proteolytischer Allergene, zu einem erweiterten Wirkspektrum
[73].
Proteasen sind Enzyme, welche die Hydrolyse von Peptidbindungen katalysie-
ren. Entsprechend ihrem Wirkmechanismus und aktivem Zentrum werden sie in
vier Gruppen eingeteilt: Serin-, Cystein-, Aspartat- und Metalloproteasen. Des
weiteren wird zwischen Endo- und Exoproteasen unterschieden. Endoproteasen
spalten jeweils an spezifischen internen Aminosäuren, Exoproteasen bauen
Proteine vom C- oder N-terminalen Ende ab. [74].
19
Milbenallergene sind Endoproteasen und gehören zu den Cystein- (Gruppe 1)
und Serinproteasen (Gruppe 3, 6 und 9), wobei Trypsin (Gruppe 3) und Chy-
motrypsin (Gruppe 6) der Milbe die Eigenschaften wie Größe, Aminosäurese-
quenz, Autolysefähigkeit und Substratspezifität mit Säugetierserinproteasen tei-
len. Cysteinproteasen der Gruppe 1 sind die Allergene mit der größten klinischen
Relevanz und stammen aus dem Gastrointestinaltrakt der Milbe [75].
Der Wirkmechanismus ist bei beiden Proteasetypen vergleichbar. Aufgrund der
Nukleophilität der beiden Aminosäuren L-(+)-Serin und L-(+)-Cystein im Über-
gangszustand, kommt es bei der Hydrolyse der Peptidbindung zur Bildung eines
relativ stabilen kovalenten Übergangszustandes. Hierbei spielen pH, Temperatur,
Kinetik und das Verhältnis Enzym zu Substrat eine Rolle [54, 76]. Gelagerte Mil-
benextrakte haben unter Umständen ein anderes Wirkspektrum und eine verän-
derte Allergenität als die native Milbenkultur.
Neuere Untersuchungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass neben der ur-
sprünglichen Allergenität die Proteaseaktivität in erheblichem Maß zur allergenen
Potenz beiträgt [77]. Die Bronchialschleimhäute sind der primäre Angriffspunkt.
Physikochemische Eigenschaften, welche die Art und Weise des Kontakts mit
immunkompetenten Zellen (Dendritische Zellen) unter der Epithelschicht beein-
flussen, sind in der Lage, die spezifische IgE-Produktion zu erhöhen. Die proteo-
lytischen Allergene der Milben haben zudem einen direkten Effekt auf das Epithel
und dessen Permeabilität [75, 78], können IgE-unabhängige Mastzelldegranula-
tion bewirken [79] und induzieren die Cytokinfreisetzung [80].
Metalloproteaseinhibitoren verhindern die Histaminausschüttung, so dass eine
Beteiligung dieser Proteaseklasse bei der Entstehung allergischer Reaktionen
vermutet wird [76].
Die Immunisierung von Mäusen mit proteolytischem Der p 1 führte zu einer signi-
fikanten Steigerung der Gesamt-IgE- sowie der Der p 1 spezifischen IgE-
Synthese gegenüber Mäusen, die irreversibel mit Cysteinproteaseinhibitor E-64
geblockt wurden [81]. Auch durch sehr geringe D. pteronyssinus Extraktkonzent-
rationen (für Zelltod und Beschädigung der Epithelzellen zu geringe Dosis)
kommt es zu Leitfähigkeitssteigerungen in den trachealen Epithelzellen von Rat-
ten. Durch spezifische Inhibierung der Proteaseaktivität des Extraktes mit E-64
wurde dieser Effekt aufgehoben [82].
Die Cysteinproteaseaktivität von Der p 1 kann die allergene Potenz dieses Aller-
gens beeinflussen, und zwar durch Spaltung der Rezeptoren (CD 23, CD 25),
durch IgE unabhängige Mastzell-Aktivierung, durch Erhöhung der Epithelzellper-
20
meabilität und Hemmung endogener Serinproteaseinhibitoren [83]. Des weiteren
wird berichtet, dass die proteolytische Aktivität der Allergene zur Freisetzung von
proinflammatorischen Cytokinen in humanen Bronchial-Epithelzellen führt, ein
diskreter Einfluss auf den intrazellulären Ca-Spiegel besteht, und dass Proteasen
die Fähigkeit besitzen, die Permeabilität der Bronchialschleimhäute und der Ge-
fäße zu verändern [80]. Der p 1 z.B. besitzt eine gemischte Cystein-Serin-
Proteaseaktivität, da verschiedene Peptidbindungen, abhängig von der Reakti-
onsklasse des angebotenen Inhibitors, gespalten werden [77].
Der Vergleich des Der p 1 Sequenzabschnitts Leu147-Gln160 mit den entspre-
chenden Bereichen von Cysteinproteasen anderer Milben, Pflanzen, Menschen
und Parasiten ergab, dass alle Strukturen einen zentralen Tyrosinrest besitzen
[84]. Zur fundierten Bewertung der Kreuzallergenitäten bedarf es allerdings In-
formationen zur 3D-Struktur der Epitope, die aus einem einfachen Sequenzver-
gleich nicht zu gewinnen sind.
Untersuchungen mittels Elektrophorese und Immunoblotting ergaben bei Haus-
staubmilbenextrakten Proteaseaktivitäten im Molekulargewichtsbereich von 45-
66 kDa und schwache Aktivitäten bei 32 kDa. Ein pH-Optimum wurde bei pH 6
gefunden, ein Verlust der Aktivität ab pH 3,5 und 8,5 beobachtet. Die Immunre-
aktion auf polyklonales HSM-Serum ergab Präzpitate bei 200, 110, 65, 60, 43
kDa, wobei die Proteinbande bei 200 kDa die höchste Antigenität aufwies [85].
Das erst in letzter Zeit aus D. farinae entdeckte M177 ist ein proteasesensitives
Allergen. Die Fragmente von M177 besitzen eine höhere allergene Potenz als
das intakte Allergen. [55].
Eine Studie zur Proteaseaktivität von Vorratsmilben berichtet, dass sowohl Serin-
als auch Cysteinproteasen in L. destructor Extrakten vorhanden sind. Die Se-
rinproreaseaktivität ist bei vergleichbarer Cysteinproteaseaktivität gegenüber den
Dermatophagoides spp um den Faktor zwei erhöht. VRM-Extrakte enthalten
Trypsin, Chymotrypsin, Esterasen, Lipasen, Glykosidasen, Cellulasen, Amylasen,
Lysozyme und Chitinasen in unterschiedlicher quantitativer und qualitativer Zu-
sammensetzung [86].
Sollte sich herausstellen, dass die Proteaseaktivität einen Einfluss auf die Aller-
genität hat, so ist das Einbringen von spezifischen, noch zu entwickelnden Inhi-
bitoren vielleicht ein sinnvoller Therapieansatz.
Die meisten Allergene besitzen keine Proteaseaktivität, so dass die entsprechen-
den Milbenallergene einen IgE-fördernden Effekt besitzen. Da die Prevalenz an
Milbenallergien in Gegenden mit niedrigerer Milbendichte nicht unbedingt gerin-
21
ger ist [53], sollte der Zusammenhang zwischen Enzymaktivität und Allergenität
näher untersucht werden.
N-Glykane
Immunisierung von Tieren mit Pflanzen- oder Insektenallergenen münden oft in
hoch kreuzreaktiven Antikörpern. Ein Grund hierfür können sehr immunogene
und ubiquitär vorhandene N-verknüpfte Zuckerdeterminanten, die N-Glykane,
sein. Sie sind sehr immunogen, da sie mehrere Monosaccharide mit dem Grund-
gerüst in einer Art verknüpft, die bei Säugern unbekannt sind. Antikörper gegen
diese Struktur zeigen ein breites Spektrum an Kreuzallergenität [87, 88, 89].
2.5.5.2 Kreuzallergenität
Kreuzallergenität bedeutet eine gleichzeitige Sensibilisierung gegenüber biolo-
gisch oder chemisch verwandten Substanzen mit einer Teilidentität der allerge-
nen Strukturen, wodurch es schon beim Erstkontakt zu einer allergischen Reakti-
on kommen kann [90]. Die Einschätzung der Kreuzallergenität ist wichtig bei der
Beurteilung der klinischen Relevanz einer Allergenspezies, zur sicheren Dia-
gnostik und zur Einleitung der richtigen Therapie.
Wie kommt es zu Kreuzallergenität?
Sollen Antigen bzw. Allergen und Antikörper mit genügender Affinität reagieren,
so müssen sie eine strukturelle Komplementarität wie Schlüssel und Schloss
oder Abdruck und Matrize aufweisen. Dies bedingt die Spezifität der Bindung.
Ursache hierfür ist, dass die für die Bindung verantwortlichen Kräfte äußerst
schwach und nur auf sehr kurze Distanz wirksam sind. Eine ausreichende Bin-
dungsstärke wird erst erreicht, wenn genügend große Flächen auf den Oberflä-
chen der Antikörper und der Allergene komplementär sind. Neben diesen struktu-
rellen Gegebenheiten müssen diese Flächen mit einer ausreichenden Anzahl
funktioneller, miteinander in Wechselwirkung tretender, Gruppen bestückt sein.
Dies erklärt, dass sehr verschiedene Komponenten durch denselben Antikörper
gebunden werden können und es fließende Übergänge zwischen einer maxima-
len Bindung und einer eben noch ausreichenden Affinität gibt [5]. Antirper rea-
gieren somit auf spezifische Oberflächenmuster, geprägt durch Struktur und
Funktionalität.
Angewandt auf die allergieauslösende Reaktion zwischen Allergen und spezifi-
schem IgE und/oder den Rezeptoren auf der Oberfläche der Immunzellen be-
22
deutet dies, dass im Gegensatz zur Allergenität die Kreuzallergenität stark durch
strukturelle Gegebenheiten beeinflusst wird. Allergene sind nur dann kreuzreak-
tiv, wenn sie strukturelle Gemeinsamkeiten haben [53].
Alle bislang in der Literatur beschriebenen Kreuzallergenitäten besitzen Homolo-
gien in der Primär- und Tertiärstruktur und zeigen den gleichen Faltungstyp [53].
Der Umkehrschluss gilt nicht: Eine identische Faltung ist nicht gleichbedeutend
mit Kreuzallergenität. Die Faltung hängt nicht so sehr von der Sequenzhomologie
ab, da identische Faltungen auch mit weniger als 25 % Sequenzhomologie ge-
funden wurden. Die Substitution einzelner Aminosäuren führt eher zur Verände-
rung der Epitopstruktur an der Proteinoberfläche und moduliert so die Allergeni-
tät. Kreuzallergenität unterhalb 50 %iger Sequenzhomologenität ist selten, sie
liegt meistens bei 70 % und darüber [53]. Der erste Schritt zur Bewertung der
Kreuzallergenität ist daher der Vergleich der Proteinfaltung. Ist diese nicht iden-
tisch, so ist eine Kreuzallergenität ausgeschlossen.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass der Anteil ähnlicher Allergenstrukturen mit
dem Grad der taxonomischen Verwandtschaft der Milbenarten untereinander
ansteigt. Jede Art besitzt zudem einen spezies-spezifischen Allergenanteil, der
zu eigenständigen Sensibilisierungen führen kann [46, 91]. Die hohe Ähnlichkeit
der Allergenstrukturen der Hausstaubmilben untereinander ist klar aus dem en-
gen Verwandtschaftsgrad innerhalb der Dermatophaginae Subfamilie (D. farinae,
Dermatophagoides pteronyssinus) und zur Subfamilie Pyroglyphinae (E. maynei)
zu erklären. Beide gehören zur gleichen Familie (Pyroglyphidae) und Superfami-
lie (Pyroglyphoidae) (siehe „Biologie der Milben“).
Neben der hohen Kreuzallergenität zwischen einzelnen Hausstaubmilbenspezies
[92, 93] bestehen nur sehr schwache Kreuzreaktivitäten zu den Vorratsmilben
[94, 91]. Eine Studie mit isolierten Allergenen bestätigt die nur geringen Über-
schneidungen [95].
Andere Studien kommen allerdings sehr wohl zu einen hohen Grad an Kreuzal-
lergenität zwischen Vorrats- und Hausstaubmilben [96, 97]. Immunoblotinhibitio-
nen ergaben mindestens eine gemeinsame allergene Komponente zwischen L.
destructor und D. pteronyssinus bei 25 kDa. Um allerdings das Majorallergen von
L. destructor, Lep d 2 (15 kDa) zu 50 % zu inhibieren, müsste theoretisch die
2000 fache Menge an D. pteronyssinus Extrakt zugefügt werden [98]. Hierzu sind
zwei Kritikpunkte anzumerken: Seren unterschiedlicher Herkunft und Beschaf-
fenheit führen ebenso zu unterschiedlichen, nicht vergleichbaren Ergebnissen,
wie die Verwendung komplexer und schwer zu standardisierender Allerge-
23
nextrakte [47, 99]. Aufgrund begleitender Bestimmung der Allergenmengen in
den Matratzen der Patienten kommt eine spanische Studie zu dem Schluss, dass
es sich eher um Mehrfachsensibilisierungen als um Kreuzallergenitäten zu den
Hausstaubmilben handelt [48].
Vorratsmilben besitzen in hohem Maße spezies-spezifische Allergene, die stark
innerhalb der Vorratsmilben kreuzreagieren [100, 101, 102, 103, 104]. Für L. de-
structor besteht eine besondere Kreuzallergenität zu G. domesticus, die ca. um
den Faktor 1000 höher ist, als zu D. pteronyssinus [105]. Auch die geographisch
weit voneinander entfernt vorkommende Milben Blomia tropicalis (Amerika) und
L. destructor (Europa) zeigen einen erstaunlich hohen Grad an Kreuzallergenität.
Besonders gilt dies für die 14,5 kDa Fraktion aus B. tropicalis mit Lep d 2 [106].
Diese Ergebnisse entsprechen den taxonomischen Gegebenheiten, da Vorrats-
milben einer anderen Superfamilie, den Acaroidea, als die Hausstaubmilben zu-
gerechnet werden. Dies hat zur Folge, dass Vorratsmilben mit ihrem spezifischen
Allergenspektrum gesondert diagnostiziert und therapiert werden müssen.
Studien zur Kreuzallergenität sind sehr schwierig objektiv zu gestalten. Zum ei-
nen erschwert die Verwendung von Gesamtextrakten die Beurteilung der Potenz
des einzelnen Allergens und zum anderen sind die verwendeten Seren mit einer
regionalen Prädisposition gegenüber einer oder mehrerer Milbenspezies belastet.
Die vorherrschende Milbenart der Region ist immer in die Überlegungen mit ein-
zubeziehen, monosensibilisierte Patientenseren wären hier notwendig. Eine Al-
ternative ist die Herstellung monoklonaler Antikörper. Hierbei ist darauf zu ach-
ten, dass alle auf dem Allergen vorhandenen allergenen Determinanten auch
erkannt werden, was das Vorhaben erheblich erschwert. Auch rekombinante Al-
lergene sind hilfreich. Erste erfolgreiche Hauttestungen sind hier bereits erfolgt
[107]. Zu einer abschließenden Betrachtung und Einschätzung der Allergenität
und Kreuzallergenität ist es notwendig, alle relevanten Allergene in ausreichen-
dem Maße vorrätig zu halten. Nur die Kombination mAK mit isoliertem bzw. re-
kommbinantem Allergen ist erfolgversprechend.
Bei mindestens 20 klinisch relevanten Milbenspezies mit jeweils ca. 15 bis 25
verschiedenen Allergenen, bedarf es hier noch viel Forschungsarbeit, zumal zur
Beurteilung der Kreuzallergenität auch die Epitopstruktur bekannt sein sollte.
24
2.6 KLASSIFIZIERUNG UND BESCHREIBUNG
AUSGEWÄHLTER MILBENALLERGENE
Nach der differenzierten Betrachtung der Struktureigenschaften und der Funktio-
nalität Allergenen, soll nun eine gruppenweise Darstellung der Milbenallergene
vorgenommen werden. Die Tabelle 1 zeigt eine Zusammenfassung.
Gruppe 1
Die zur Gruppe 1 zusammengefassten Allergene wurden anhand ihrer Amino-
säuresequenzen als Cysteinproteasen klassifiziert [108, 63] und weisen eine sehr
hohe Homologie in der Sequenz (80 %) und den chemisch-physikalischen Eigen-
schaften auf [109]. Der p 1 stand als erstes hoch gereinigtes Allergen zur Verfü-
gung und bindet IgE in der Regel in allen getesteten Seren. 50-70 % des gegen-
über einem D. pteronyssinus Extrakt gebildeten IgE ist Der p 1-spezifisch. Die
Anzahl der Aminosäurepositionen, 222 für Der p 1, 223 für Der f 1 und Eur m 1
[63, 109] sowie das gleiche Molekulargewicht von 25 kDa belegen dies [110,
109]. Die isoelektrischen Punkte befinden sich zwischen pH 4,7 und 7,5, ihre IgE-
Bindungsfrequenz im Patientengut liegt bei 80 %. Ein Sequenzvergleich ergab
170 in allen drei Allergenen identisch besetzte Aminosäurepositionen. Die
Cysteinpositionen und die N-glykosylierte Position ist allen Sequenzen gemein
[110], was mit dem gefundenen Kohlenhydratanteil korreliert [75]. Gruppe 1 Al-
lergene sind als Verdauungsenzyme in den Kotpellets angereichert, hitzelabil
und werden bei 80° C bzw. pH 2 oder pH 12 inaktiviert [111].
Gruppe 2
Die Gruppe 2 Allergene zeigen eine Sequenzhomologenität (28 %) mit Epidy-
malenzymen von Wirbellosen und Säugetieren und scheinen bei der Fortpflan-
zung (Der p 2) [112] und/oder der Verdauung (Lep d 2) [113] eine Rolle zu spie-
len. Da Der f 2 an der Oberfläche von E. coli-Bakterien bindet wird vermutet,
dass es Teil des antibakteriellen Abwehrmechanismus der Milbe ist [60]. In ihrer
IgE-Bindungsaktivität von 80 % gleichen sie den Gruppe 1 Allergenen [110, 75,
114, 115]. Gruppe 2 Allergene sind hitze- [116] und pH-stabile Proteine [111].
Die Aminosäurensequenzen sind vergleichbar: Der f 2 und Der p 2 je 145/129
(cDNS/nativ) Positionen, Eur m 2 145/123 [110] und Lep d 2 141/125 [117]. Die
Molekulargewichte betragen 14 kDa (Der p 2/Der f 2/Eur m 2) [110] und 13,3 kDa
(Lep d 2) [117]. N-glykosylierte Positionen wurden in keiner, Disulfidbrücken in
25
allen Sequenzen gefunden. Letztere sind von großer Bedeutung für die Allerge-
nität [68, 62, 69]. Die sechs Cysteinpositionen sind in allen Gruppe 2 Allergenen
der Hausstaubmilben konserviert und bilden die Fixationspunkte für die Disul-
fidbrücken [61, 118].
Die Sequenzhomologenität zwischen Der p 2 und Der f 2 beträgt 88 %. Für Lep d
2 (Der p 2 - 52 %; Der f 1 - 57 %) [70, 119] und Eur m 1 (Der p 2 und Der f 2 – je
84 %) [110] bestehen ebenfalls Überschneidungen zu den beiden Majormilben.
Die Homologenität untereinander (Lep d 2 vs. Eur m 2) beträgt 39 %.
Lep d 2, vormals als Lep d 1 bezeichnet, ist bislang als einziges von bis zu 20
Allergenen [120] aus Lepidoglyphus destructor umfassend charakterisiert. Die
Sequenz ist bekannt [118], genauso wie die Existenz zweier Isoallergene, deren
Sequenz 10 % differiert [119]. Lep d 2 reagiert im Pricktest mit 59 % der L. de-
structor Sensibilisierten [107].
Gruppe 3
Die Gruppe 3 Allergene sind Serinproteasen vom Trypsintyp und scheinen Ver-
dauungsenzyme zu sein, da sie nur in den Ausscheidungen und nicht im Körper
der Milben gefunden wurden [121, 66]. Das Ausmaß der Sensibilisierungsreakti-
on gegenüber der Gruppe 3 wird von niedrig (17 %) [122] bis hin zu 100 % der
Gruppen 1 und 2 beschrieben [123]. Diese widersprüchlichen Ergebnisse könn-
ten unter anderem in der unterschiedlichen Reinheit der untersuchten Allergene
begründet sein. Die Molekulargewichte der Gruppe 3 Allergene bewegen sich
zwischen 28 kDa und 34 kDa (SDS-Page), die isoelektrischen Punkte für D. pte-
ronyssinus zwischen pH 3,7 und 7,4. Aus D. farinae konnten nur zwei Isoformen
mit pI 4,2 und 4,4 isoliert werden [66]. Der Einzelvergleich von Der p 3, Der f 3
und Eur m 3 ergab 81 % Sequenzhomologenität, innerhalb der Gruppe 75 %
[75].
Gruppe 4
Der p 4 wurde als α-Amylase identifiziert [124] und bindet IgE in 46 % der Er-
wachsenen und 25 % der Seren atopischer Kinder. Die Molekulargewichte liegen
zwischen 56 und 60 kDa, die isoelektrischen Punkte von Der p 4 befinden sich
zwischen pH 5 und 7 [75].
26
Gruppe 5
Für Der p 5 konnte eine aus 132/112 Aminosäuren (cDNS/nativ) bestehende
Sequenz und ein Molekulargewicht von 15 kDa (SDS) bestimmt werden, die we-
der N-glykosylierte Positionen noch Cystein aufweist [125]. Aus kommerziell er-
hältlichen Milbenkulturen wurden fünf unterschiedliche Der p 5 Klone ermittelt,
die im Gegensatz zu den Majorallergenen der Gruppen 1, 2 und 3, nur eine ein-
zige Aminosäurevariation enthielten [75]. Der f 5 und Der p 5 induzieren in über
50 % der Patientenseren eine IgE-Bindung [126]. Das jüngste Allergen dieser
Gruppe, Lep d 5 (110 Aminosäuren/ 12,5 kDa), zeigt lediglich 9 % IgE-Bindung.
Die für diese Gruppe geringe Bindungsfrequenz liegt vermutlich darin begründet,
dass zur Bestimmung ein kloniertes Protein verwendet wurde. Sequenzhomol-
gien von Lep d 5 bestehen mit Blo t 5 (46 %) und Der p 5 (36 %) [127].
Gruppe 6
Die Serinproteasen [75] der Gruppe 6 Allergene wurden mit einem Molekularge-
wicht von 25 kDa aus D. pteronyssinus und D. farinae isoliert [128]. Die je 231
Positionen langen Sequenzen weisen eine Chymotrypsin-Substratspezifität bei
einem pI von pH 5,2 auf. Sie sind serologisch nicht mit den Gruppe 3 Trypsinen
verwandt, was auch in der niedrigen Sequenzhomologenität mit Der p 3 (37 %)
zum Ausdruck kommt [129]. Die Allergene der Gruppe 6 reagieren mit ca. 40 %
der Patientenseren bei mittlerer Affinität [128, 75].
Gruppe 7
Gruppe 7 Allergene (Der f 7, Der p 7 und Lep d 7) binden in ca. 50-60 % der Pa-
tientenseren spezifisches IgE, dessen Titer unter Umständen über dem der
Gruppe 2 Allergene liegen kann [130]. Der p 7 besitzt 215/198 (cDNS/natives
Protein) Aminosäuren und ein Molekulargewicht von 22.2 kDa. [131]. Der f 7 be-
steht aus 213/193 Aminosäuren und einem Molekulargewicht von 22.4 kDa mit
86 % Sequenzhomologie zu Der p 7 [132]. Beide Proteine besitzen keine
Cysteinpositionen sowie nur eine isolierte N-glykosylierte Position.
Das native Lep d 7 besteht aus 197 Aminosäuren bei einem Molekulargewicht
von 22 kDa, besitzt weder eine Cysteinposition noch, im Gegensatz zu den restli-
chen Vertretern der Gruppe 7, eine N-glykosylierte Position. Sequenzhomologien
bestehen zu Der p 7 (29 %) und Der f 7 (27 %) [133].
27
Die Besonderheit der Gruppe 7 Allergene sind ihre multiplen Banden in der Im-
mundetektion. So reagieren Antikörper gegen das rekombinante Der p 7 mit
Komponenten der Größe 24, 27 und 29 kDa, alle größer als das mature Protein
[134]. Mindestens 6 Isoallergene mit pI zwischen pH 5,6 und 6 und Molgewichten
um 25, 30 und 31 kDa wurden identifiziert. Es handelt sich vermutlich um glyko-
sylierte Varianten der 22 kDa Allergene [130, 135]. Fragmente existieren bei
11,5, 13 (Der p 7) [132] und 18 kDa (Der f 7) [135].
Gruppe 8
Der p 8 besteht bei einem Molekulargewicht von 26 kDa aus 219 Aminosäuren
(cDNS) und reagiert mit ca. 40 % der Patientenseren [136]. Sequenzhomologien,
wenn auch nur geringe, zu Glutathion-S-Transferasen aus anderen, nur weitläu-
fig verwandten Allergenquellen wie z.B. dem Bla g 5 der Kakerlake Blatella ger-
manica, lassen einen grundsätzlich allergenen Charakter dieser Enzymklasse
vermuten [75].
Gruppe 9
Der p 9, eine Serinprotease, bindet ähnlich Der p 3 in 80 % der Patientenseren
IgE, aber mit niedrigerer Bindungsaffinität. Die anti-Der p 9 Reaktivität von IgE in
Patientenseren korrelierte mit der Reaktivität von Der p 2 und Der p 6, wobei al-
lerdings durch RAST-Inhibierung nur eine sehr geringe Kreuzallergenität festge-
stellt werden konnte. Ein weiterer Unterschied zu den Gruppen 3 und 6 ist die
collagenolytische Aktivität von Der p 9. Das Molekulargewicht von Der p 9 beträgt
24 kDa [137, 75].
Gruppe 10
Für Der f 10 wird eine zu Der f 1 vergleichbare Reaktivität angegeben [138], an-
dere Arbeiten berichten von geringeren Reaktionen (50 %) mit unterschiedlicher
Bindungsaffinität [126]. Bei 3 von 31 Personen wurden hohe IgE-Titer gegenüber
Der f 10, aber keine Bindung zu Der f 1 und/oder Der f 2 festgestellt. Der p 10
und Der f 10 zeigen 98,5 % Sequenzhomologenität. Der f 10 besteht aus 284
Aminosäuren und besitzt ein Molekulargewicht von 33 kDa [75].
Erste Hinweise zu einem Gruppe 10 Allergen aus L. destructor (Lep d 10) mit 34-
39 kDa [139, 140, 127] und 46,5 % RAST-positiven Patientenseren [141] liegen
vor.
28
Die Allergene der Gruppe 10 gehören zu den Tropomyosinen der Wirbellosen (75
% Sequenzhomologie) [75] und besitzen eine in der Evolution hoch konservierte
Aminosäuresequenz, was sich auch in Kreuzreaktionen mit nicht-Milben-
Tropomyosinen zeigt [138]. Es wird eine dimere coiled-coil-Struktur für Tropo-
myosine beschrieben [142].
Gruppe 11
Der f 11 ist ein Paramyosin, ein strukturelles Muskelprotein bei Wirbellosen, mit
einem Molekulargewicht von 98 kDa und bindet IgE in ca. 80 % der Patientense-
ren mit hoher Affinität und Frequenz [143]. Ähnlich den Tropomyosinen (Gruppe
10) besteht Paramyosin aus zwei identischen coiled-coil α-Helizes, wird, anders
als Tropomyosin, nur in Insekten gefunden und ist ein bekanntes Immunogen
[144].
Gruppe 12
Ein Vertreter der Gruppe 12 ist bislang nur in Blomia tropicalis identifiziert wor-
den. Blo t 12 besitzt 144/124 Aminosäuren (cDNS/nativ) und ein Molekularge-
wicht von 14.2 kDa. Eine N-glykosylierte Position wurde nicht gefunden, die IgE-
Bindungsfrequenz wird mit 50 % angegeben [145].
Gruppe 13
Die Gruppe 13 wird durch Allergene aus B. tropicalis (Blo t 13), Acarus siro (Aca
s 13) und L. destructor (Lep d 13) vertreten. Bei Blo t 13 handelt es sich um ein
130 Aminosäuren großes Protein mit einem Molekulargewicht von 14.8 kDa und
einer IgE-Bindungsfrequenz von 11 % [146]. Hierzu passend besteht Lep d 13
aus 131 Positionen bei einem Molekulargewicht von 14.6 kDa und besitzt weder
N-glykosylierte- noch Cysteinpositionen. Isoformen werden nicht vermutet, die
IgE-Bindungsfrequenz in Lepidoglyphus sensibilisierten Patienten liegt bei 13 %.
Homologien der Sequenz bestehen mit Blo t 13 (78 %) und Aca s 13 (60 %)
[127].
29
Gruppe
Allergen
Spezies
Molekulargewicht
[kDa]
IgE-Bindungsfrequenz
[%]
Aminosäurepositionen
Isoelektrischer Punkte
[pH]
Funktion
1Der p 1
Der f 1
D. pteronyssinus
D. farinae
25
25
~80
~80
222
223
4,7–
7,5
Cysteinproteasen
2Der p 2
Der f 2
Lep d 2
D. pteronyssinus
D. farinae
L. destructor
14
14
13,3
>80
>80
~60
129
129
125
6,6 Fortpflanzung
Bakterielle Abwehr
Verdauung
3Der p 3
Der f 3
D. pteronyssinus
D. farinae
28 - 34 17 -
>80
233 3,7–
7,4
4,2–
4,2
Serinproteasen vom
Trypsintyp
4Der p 4
Der f 4
D. pteronyssinus
D. farinae
56 - 60 25-46 5-7 α-Amylase
5Der p 5
Der f 5
Lep d 5
D. pteronyssinus
D. farinae
L. destructor
15
15
12,5
>50
~10
112
112
110
6Der p 6
Der f 6
D. pteronyssinus
D. farinae
25
25
~40 231
231
5,2 Serinproteasen;
Chymotrypsin-
Substratspezifisch
7Der p 7
Der f 7
Lep d 7
D. pteronyssinus
D. farinae
L. destructor
22
22
22
50-60 198
193
197
5,6-7 Multiple Banden in
Immundetektion
(11,5, 13, 24, 27, 29,
30, 31 kDa)
8Der p 8 D. pteronyssinus 26 ~40 219 4,8;
7,8
Glutathion-
Transferase
9Der p 9 D. pteronyssinus 24 ~80 284 Serinproteasen; Col-
lagenase
10 Der p 10
Der f 10
Lep d 10
D. pteronyssinus
D. farinae
L. destructor
33
33
34 - 39
50–80
~50
~280
284
Tropomyosine
11 Der f 11 D. farinae 98 ~80 Paramyosin
12 Blo t 12 B. tropicalis 14 ~50 124
13 Blo t 13
Lep d 13
B. tropicalis
L. destructor
14,8
14,6
~11
~13
130
131
14 Der f 14
(M177)
D. farinae + D.
pteronyssinus
189
(cDNS)
~65 Apolipoporin ähnlich
14b MAG51
MAG3
D. farinae + D.
pteronyssinus
39 Glutathion-
Transferase
M177 Fragmente
Keiner Gruppe zugeordnet
MAG29 D. farinae 67 ~10 145
?L. destructor 79 + 93
172
Tabelle 1 – Klassifizierung der Milbenallergene der untersuchten Spezies D. pteronyssinus
und L. destructor sowie einiger anderer wichtiger Milbenarten.
5 Mite Antigen Gen
30
Gruppe 14
Ein zunächst als M177, inzwischen als Der f 14 bezeichnetes Allergen, konnte
aus D. farinae rief bei ca. 65 % der getesteten Milbenallergiker spezifische IgE-
Reaktion hervor [133]. Aufgrund proteolytischen Abbaus konnten in gelagerten
Extrakten nur noch geringe Konzentrationen nachgewiesen werden. Zudem war
die Allergenität der Fragmente im Vergleich zum „Mutterallergen“ erhöht [55].
Weitergehende Untersuchungen mittels cDNS-Klonierung ergaben ein Polypeptid
mit 1.650 Aminosäuren mit einem Molekulargewicht von 189,5 kDa [147]. Die
bislang als eigenständig geführten Allergene MAG 1 (39 kDa Gluthation-S-
Transferase) [148] und MAG3 wurden als M177-Fragmente eingestuft [147]. E.
maynei und D. pteronyssinus exprimieren die homologen Sequenzabschnitte
(MAG1, MAG3) und das M177-Äquivalent mit über 80 % Sequenzhomologie
[147, 149]. Die Sequenz besitzt große Ähnlichkeit zu den Apolipoproteinen der
Insekten, einer hydrophoben Proteinklasse aus den Lipidtransportvesikeln des
haemolymphischen Systems („Insektenblut“).
Bislang nicht eindeutig zugeordnete Allergene
MAG 29 wurde als ein 67 kDa Allergen aus D. farinae Extrakten (whole mite bo-
dy) mit 145 Aminosäuren und sehr geringer IgE-Bindungsfrequenz (9,8 %) iden-
tifiziert. Es weist Ähnlichkeiten (65,4 %) zu HSP 71 aus der Familie der HSP 70-
Proteine auf [138]. Möglicherweise wird es zukünftig als Der f 15 klassifiziert.
Ein hochmolekularer dimerer Proteinkomplex, bestehend aus einem 79 kDa und
einem 93 kDa Fragment, wurde aus L. destructor identifiziert [140] und konnte im
Frontbereich des Exoskeletons der Milbe lokalisiert werden. In den Kotpellets
gelang mit monoklonalen Antikörpern kein Nachweis [113]. Eine Klassifizierung
wurde noch nicht vorgenommen. Das 93 kDa Fragment passt hinsichtlich des
Molekulargewichts in die Gruppe 11, das 79 kDa Fragment kann aufgrund der
Größe keiner Gruppe zugeordnet werden. Die Summe von 172 kDa lässt wieder-
um die Gruppe 14 interessant erscheinen.
2.7 ALLERGENEXTRAKTE
Allergenextrakte (siehe Motivation und Zielsetzung) sind im Gegensatz zu syn-
thetisch hergestellten chemischen und gentechnologischen Arzneimitteln kom-
plexe Mischungen aus Proteinen, Glykoproteinen und anderen potentiell allergie-
31
auslösenden bzw. irritierenden Komponenten. Sie werden in verschiedenen Be-
reichen der Diagnostik und Therapie allergischer Erkrankungen eingesetzt. So
sind pulverförmige, wenig aufgereinigte oder in Glycerol eingebundenen Allerge-
ne zur Kutantestung, hochaufgereinigte, gut charakterisierte und sterilisierte Lö-
sungen zur Prick- und Provokationstestung (nasal und bronchial) bekannt sowie
individuell eingestellte Therapielösungen.
2.7.1 Bedeutung in der Diagnostik
Allergenextrakte in der Diagnostik werden in-vivo von der Epikutantestung, über
subkutane Prick- und Scratchtestung, bis hin zur nasalen und bronchialen Provo-
kationstestung eingesetzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die in-vitro-
Testung in Forschung und Praxis, angefangen von Lösungen zur RAST/EAST-
Klassenbestimmung und RAST/EAST-Inhibition zur Bestimmung des allergi-
schen Potentials, bis hin zu einem breiten Spektrum immunologischer Verfahren
(Immunoblotting und Elektrophoresen). Idealerweise müssen Extrakte zur Dia-
gnostik vor allem
verfügbar sein, d.h. die allergene Quelle muss reproduzierbar aufgeschlossen
werden und applizierbar sein,
frei von Fremdallergenen und anderen Komponenten (Schwermetalle, Toxi-
ne, Farbstoffen) sein,
definierte Mengen der einzelnen, klinisch relevanten Allergene (Major- oder
Intermediärallergen) in nativer, biologisch aktiver und stabilisierter Form ent-
halten.
Heutige Testextrakte enthalten Mischungen allergener Komponenten einer Aller-
genquelle. Extrakte der Hersteller differieren u.a. aufgrund unterschiedlicher
Rohkulturen (Milben) und Verarbeitungsprozeduren in ihrer Zusammensetzung
(qualitativ und quantitativ). Ergebnisse können so falsch negativ oder falsch posi-
tiv erscheinen. Die größten Probleme bereitet es, allergene Proteine in ausrei-
chender Menge zu isolieren, zu stabilisieren und deren biologische Aktivität zu
erhalten.
2.7.2 Bedeutung in der Therapie
Derzeit kann weder die genetische Veranlagung therapeutisch gezielt vermindert
noch die Allergenexposition wirksam verhindert werden. Mit Hilfe der Immunthe-
32
rapie können eine Verminderung der Symptome oder eine spezifischen Toleranz
gegenüber einem Allergene erzielt werden. In der Therapie existieren drei auf
immunologischen Reaktionen basierende Konzepte, welche die Bereitstellung
verschiedenster Formen von Allergenextrakten erfordern.
1. Peptidtherapie mit Allergoiden
2. Unspezifische passive Immuntherapie durch anti-IgE-Antikörper
3. Allergen-Antikörper-Reaktion der spezifische Immuntherapie (SIT)
2.7.2.1 Peptidtherapie mit Allergoiden
Allergoide sind an anorganischen Trägern immobilisierte immunogene Aller-
genfragmente. Diese Peptide sind Produkte des proteolytischen Abbaus der Al-
lergene durch APC und deren Epitope bestehen aus einer linearen Kette von 10
bis 25 Aminosäuren [16]. Sie besitzen nicht mehr die Konformation des nativen
Moleküls, sondern sind flexibel, zumal durch die Bindung an die MHC-Klasse II
Moleküle eine abweichende räumliche Struktur entsteht [150]. Die Peptide wer-
den in Kombination mit den MHC-Klasse II-Molekülen von den spezifischen T-
Zellrezeptoren erkannt. T-Zellepitope sind sequenzabhängige Epitope, B-
Zellepitope sind hingegen konformationsabhängige Epitope mit mindestens 16
Aminosäuren [78].
Ziel ist es, zur Modulation der TH-Lymphozytenantwort nur die Anteile der Aller-
genmoleküle zu präsentieren, die T-Zellepitope tragen. IgE-bedingte Nebenwir-
kungen bzw. die allergischen Symptome, sind aufgrund der zerstörten oder nicht
vorhandenen B-Zellepitope stark reduziert. Allergoide besitzen eine deutlich nied-
rigere Allergenität, d.h. Bindungsaffinität zu spezifischen IgE, und weisen im Ver-
gleich zu nativen Allergenen im EAST-Hemmtest erst bei 100- bis 1000 fachen
Konzentrationen vergleichbare Hemmwerte (50 %) auf [16]. Die Formulierung
erfolgt durch Denaturierung, kovalente Kopplung an Formaldehyd, Glutaraldehyd
oder synthetische Polymere (PEG, Kopolymere aus D-Glutaminsäure und D-
Lysin) [151].
Gravierender Nachteil der Methodik ist, das T-Zellepitope HLA-Typ abhängig sind
und jedes Allergen von mehreren T-Zellepitopen erkannt wird. Diese Vielfalt be-
dingt, dass ein Cocktail aus mehreren Peptidfragmenten verabreicht werden
muss [150, 11]. In welchem Ausmaß Allergoide zur Hyposensibilisierung einge-
setzt werden können, muss in jedem Einzelfall überprüft werden.
33
2.7.2.2 Unspezifische passive Immuntherapie durch anti-IgE-
Antikörper
Die neuste Therapieentwicklung sind anti-IgE-Antikörper. Diese binden dosisab-
hängig an alle freien IgE-Antikörper aus der Blutbahn am selben Epitop wie der
hoch affine FcεRI-Rezeptor und werden als Immunkomplexe durch die Nieren
ausgeschieden. IgE bildet sich in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen im
gleichen Umfang zurück, eine erneute Applikation wird hierdurch notwendig. Es
wird nur freies IgE und kein zellfixiertes IgE gebunden, so dass die allergene
Persistenz erhalten bleibt. Die Minderung der Symptome erfolgt durch eine her-
abgesetzte Produktion von FcεRI-Rezeptoren auf der Mastzelloberfläche [152].
Die Präparate sind in der klinischen Testung und bewirken dort eine erhebliche
Reduzierung in der oralen und inhalativen Gabe von Kortikosteroiden. Aufgrund
des kurzen Wirkzeitraums wird vor allem eine Anwendung in der saisonalen Al-
lergie (Pollen) gesehen. Aussagen zu langfristig auftretenden Nebenwirkungen
sind noch nicht möglich, systemische klinisch relevante Nebenwirkungen in Zu-
sammenhang mit einer Kurzzeitgabe wurden nicht beobachtet [153]. Zur Zeit
bleibt die Methode deshalb auf kurze saisonale Allergieformen bei Patienten mit
einem starken Krankheitsbild und Mehrfachsensibilisierungen beschränkt [154].
2.7.2.3 Spezifische Immuntherapie (SIT)
Die klassische Variante der Immuntherapie ist die sog. spezifische Immunthera-
pie (SIT), auch als Hyposensibilisierung bezeichnet. Durch die Applikation (sub-
kutan oder sublingual) ansteigender Mengen eines definierten Allergenextraktes
kommt es zu einem Wechsel der Immunantwort von TH2 zu TH1. TH-Zellen von
Allergikern reagieren auf niedrige Allergendosen mit der Produktion eines TH2-
Zytokinmusters (IL-5), mit zunehmender Allergenkonzentration erfolgt eine Ver-
schiebung zu einem TH1/TH0-Muster (IFN-γ). Es erfolgt zunächst ein Anstieg
und dann ein langsamer Abfall der IgE-Konzentration bei gleichzeitigem Anstieg
des spezifischen IgG-Titers [155]. Der Nachteil der SIT ist, das eine Besserung
der allergischen Symptome erst durch der Gabe hoher Allergenmengen, verteilt
über einen längeren Zeitraum, eintritt. Der therapeutische Einsatz hoher Aller-
gendosen wird aber durch die IgE-bedingten Nebenwirkungen, von der lokalen
Reaktion bis hin zur systemischen und unvorhersehbaren Anaphylaxie, begleitet
[156].
34
2.7.3 Herstellung von Allergenextrakten – eine Übersicht
Aufgrund der Verschiedenartigkeit allergener Komponenten soll im folgenden ein
detaillierter Überblick der biochemischen Grundlagen zur Extraktherstellung ge-
ben werden.
Ausgangsmaterial zur Herstellung von Milbenextrakten sind entweder „Whole
Mite Cultures“ (WMC), bestehend aus Milbenkörpern, Kotpellets und Resten des
Futtermediums, letzteres in möglichst geringem Ausmaß, oder „Purified Mite Bo-
dys“ (PMB), isolierten Milbenkörpern. Wird eine WMC verwendet, ist die Aller-
genzusammensetzung des Extraktes von der Wachstumsphase der Entnahme-
kultur abhängig. Mit ansteigender Kulturzeit wird zunehmend Futtermedium durch
eine anwachsende Milbenzahl verstoffwechselt. Dies bedeutet neben dem ab-
nehmenden Futteranteil eine steigende Anzahl an Milben (lebend und tot) sowie
Stoffwechselprodukten in Form von Kotpellets [157]. Hierdurch verändert sich die
Gewichtung vor allem der Majorallergene der Gruppen 1 und 2 zueinander [158].
Während die Quantität der Gruppe 2 Allergene durch die Anzahl der Tiere be-
grenzt ist, kumuliert die Menge der in den Ausscheidungen der Milben befindli-
chen Gruppe 1 Allergene während der gesamten Kulturzeit und erreicht zum En-
de ein Maximum.
Auch regionale Unterschiede müssen bedacht werden. So sind in Japan ca. 80
% der Milbenatopiker gegen das Minorallergen Der p 10, einem Skeletonprotein
aus der Tropomyosinfamilie sensibilisiert. Pricktestungen werden meistens aus
WMC (Milbenkörper und Exkremente) hergestellt. Verwendet man hingegen nur
PMC als Rohmaterial, so kann der Der p 10 Wert auf das 1000 fache ansteigen
[158] und der im Extrakt enthaltene Anteil der Gruppe 1 Allergene ist im Vergleich
zum Gruppe 2 Anteil sehr viel geringer als bei einem WMC Extrakt, da nur die in
den Verdauungsorganen der Milben befindlichen Gruppe 1 Allergene zur Verfü-
gung stehen. Vergleichbares gilt für viele Milbenallergene [159].
Die Extraktion findet in wässrigen Medien mit relativ moderaten Salzfrachten zur
Pufferung des pH-Wertes statt. Geeignete Puffersysteme sind 0,1 M PBS, pH
7,4, also Phosphat-gepufferte Kochsalzlösung, 0,125 M Ammoniumhydrogencar-
bonat pH 7,9 oder auch Cocas Lösung (0,1 M NaCL; 0,03 M NaHCO3 ohne Phe-
nolzusatz) pH 8,2. Es können auch weit geringere Salzfrachten, z.B. 0,01 M, ein-
gesetzt werden [160].
Übliche Extraktionszeiten betragen zwischen 6 und 14 h bei 4° C, wobei ein Op-
timum aus Ausbeute, Reproduzierbarkeit und Stabilität der Proteine gefunden
35
werden muss. Allergene beginnen aufgrund ihres hydrophilen Charakters unmit-
telbar aus der Allergenquelle in das Extraktionsmedium zu wandern. Schon nach
5min wird bis zu 30 %, nach 30 min gar bis zu 50 % der allergenen Gesamtakti-
vität des Extraktes erreicht. Hierbei wird allerdings nur ein Bruchteil der Gesamt-
proteinmenge aus der Allergenquelle überführt. Eine quantitative Ausbeute ist je
nach Ausgangsmaterial nach 24 bis 48 h erreicht. Reproduzierbare Extrakte, d.h.
mehrere Extrakte aus der gleichen Charge mit dem Ziel gleichförmiger Ergebnis-
se, sollten mindestens vier Stunden andauern [157].
Die Abtrennung der Milbenkörper, Kotpellets und restlichen Futterpartikel erfolgt
durch Zentrifugation und Filtration, mit der gleichzeitig eine Sterilisation vorge-
nommen wird. Eine Abgrenzung zum niederen Molekulargewichtsbereich wird
durch eine Dialyse oder Ultrafiltration mit einer Ausschlussgrenze von 500 –
3.000 Da erreicht. Alternativ kann nach der Zentrifugation auch eine Aufreinigung
des Extraktes mittels Säulenchromatographie erfolgen. Auch hier ist je nach Zie-
lallergen ein Optimum zu ermitteln.
Die Stabilisierung der aufgereinigten Extrakte kann durch Lyophilisation und an-
schließender Lagerung bei –20 bis +4° C oder alternativ durch Behandlung mit
Stickstoffkälte und/oder bei –80° C erreicht werden. Ein Optimum ist auch hier
Problembezogen zu ermitteln, da es zu Veränderungen und Schädigungen der
allergenen Quartärstruktur kommen kann [111].
2.7.4 Stabilisierung von Allergenextrakten
Unter der Annahme, dass alle biologisch aktiven Proteine im Extrakt zusammen
eine „Quartärstruktur“ durch diskrete Assoziation zu größeren biochemisch akti-
ven Proteinen bzw. Aggregaten aufbauen, oder im Zusammenspiel mit einzelnen
Proteinen eine vielfältige biologische Wirkung induzieren, können die Gründe für
eine Schädigung dieser „Quartärstruktur“ (4D) und somit der Verlust der biologi-
schen Aktivität unterschiedlicher Natur sein. Danach richten sich die Möglichkei-
ten, solche „Quartärstrukturen“ zu stabilisieren.
Die native Quartärstruktur eines Proteins ist die biologisch aktive Form. Sie wird
durch nicht kovalente Wechselwirkungen wie hydrophobe und ionische Wech-
selwirkungen sowie Wasserstoffbrückenbindungen gestaltet. Bei einem zusam-
mengesetzten Protein mit gleichen oder verschiedenen Untereinheiten („subu-
nits“), z. B Strukturen der Form α2, α2β2, (αβγ)2 mit definierter Symmetrie, z.B.
D1, D2 oder Cn etc., ist die biologisch aktive Form streng an diese Symmetrien
gebunden. Diese Strukturen werden im allgemeinen als Quartärstruktur (4D) be-
36
zeichnet. Im Gegensatz zu den anderen, bekannten Proteinstrukturen, welche
die aminosäure-spezifische Sequenz (1D), ihre Sekundärstuktur (2D) bzw., die
dreidimensionale Faltung (3D) beinhalten, ist die 4D Struktur je nach Ausgestal-
tung der Berührungsfchen (heterolog vs. homolog) der Untereinheiten durch
nicht kovalente Bindungen charakterisiert [56].
Insbesondere aufgrund der verschiedenen Wechselwirkungen, sind die Gründe
für eine Schädigung der Quartärstruktur und dem damit verbundenen möglichen
Verlust der biologischen Aktivität vielfältig:
Aggregation und Dissoziation;
Autolyse;
Endogene und exogene Proteolyse;
pH-Extrema;
Oxidation bzw. Reduktion;
Temperatureinflüsse;
Mechanische Beanspruchung;
Oberflächenaktive Verbindungen, z.B. Detergenzien;
Organische Lösungsmittel, z.B. unpolare Lösungsmittel, oder DMSO.
Die Protein-Stabilisierung spielt für Allergenextrakte eine entscheidende Rolle.
Die Vielzahl der im Extrakt vorkommenden Proteine, die zum Teil sehr ähnlichen
Strukturen, Sequenzen und Molekulargewichtsverteilungen, sind von großer Be-
deutung hinsichtlich Stabilität, Standardisierung, Haltbarkeit und biologischer
Aktivität bzw. als Zulassungskriterien für Behörden.
Durch die Verwendung verschiedener Salze können Proteine in ihrer aktiven
Form stabilisiert werden. Eine Unterteilung der Salze erfolgt nach der Hofmeis-
ter-Serie, wobei Anionen und Kationen auf der linken Seite eine Stabilisierung
bewirken.
SO42- > CH3COO- > CL- > Br- > NO3- > ClO4- > I- > SCN-
NH4+ > K+ > Na+ > Cs+ > Li+ > Mg2+ > Ca2+ > Ba2+
So kann es unter anderem zu einer Reduzierung der Löslichkeit der hydropho-
ben Gruppen durch die Erhöhung der Ionenstärke kommen [74]. Es erfolgt die
Bildung von H2O-Clustern an der Oberfläche oder in Taschen des Proteins, was
zu einem Verlust an Freier Energie (G) des Systems und einer Entropieabnah-
me des H2O führt. Die Reduzierung der Freien Energie (G) bei gleichzeitiger
Entropieabnahme (S) des Wassers führt zur Bildung von quasi-kristallinen
Wasserstrukturen (Scherkräfte, Hydromechanik, Ultraschall, Schütteln) insbe-
37
sondere an der externen Oberfläche des Proteins (1. Schicht). Die zweite H2O-
Schicht ist wesentlich mobiler als die erste H2O-Schicht, so dass es zum Aus-
tausch mit dem Wasser des Mediums („bulk water“) kommen kann. Diese Schicht
ist besonders empfindlich gegenüber Scherkräften, da sie eine Relaxationszeit
besitzt, die in der Nähe der Relaxationszeit des Proteins liegt, daher von der
Form, Größe und ersten Hydratation abhängig ist und somit die Kompaktheit des
Proteins oder Makromoleküls gewährleistet. Diese zweite Wasserschicht ist da-
her unter anderem angreifbar gegenüber Alkoholen, z.B. Methanol, Ethanol, Gly-
cerol, oder Aceton, und kann unter Umständen zur irreversiblen Entfaltung des
Proteins über die Zeit führen. Deshalb werden zur Stabilisierung bzw. Lagerung
von Proteinen, außer Glycerol, Alkohole wenig bis gar nicht eingesetzt.
Anionen und Kationen auf der rechten Seite der Hofmeister-Serie destabilisieren
und entfalten die Proteine durch Bindung an geladene Seitenketten der Proteine,
z.B. Glutamin- oder Asparaginseitenkettenreste, und verändern das Dipolmoment
unter Umständen erheblich, wodurch die Zahl der Wassercluster um die Proteine
verringert wird. Ein ansteigender Salzgehalt (Ionenstärke) einer wässrigen oder
gepufferten Proteinlösung bewirkt eine Reduzierung der geordneten Wasserhülle
und in der Folge werden hydrophobe Bereiche exponiert (Umfaltung). Proteine in
wässriger Lösung interagieren bei ansteigendem Salzgehalt über hydrophobe
Oberflächenbereiche mit sich selbst, ohne dabei ihre Hydratationshülle zu verlie-
ren, so dass sie schließlich (reversibel) ausfallen (Aussalzeffekt) [161].
Des weiteren können Salze Pufferfunktionen übernehmen und vermeiden somit
extreme pH-Wertänderungen. Niedrige pH-Werte unterhalb des isoelektrischen
Punktes des Proteins führen unter Umständen zu einer Entfaltung der Polypep-
tidkette und somit zur biologischen Inaktivierung. Je nach Art des Proteins kann
dieser Vorgang reversibel oder irreversibel sein, wobei im letzteren Fall dann von
Denaturierung gesprochen werden kann.
Die Bindung anionischer, kationischer und nicht-ionischer Detergenzien an Pro-
teine ist eine Funktion der freien Detergenzkonzentration, die im Gleichgewicht
mit dem Protein steht. Nach Erreichen der kritischen Mizellkonzentration (CMC)
erfolgt nur noch eine sehr geringe zusätzliche Detergenzbindung an das Protein.
Wird die Monomerkonzentration des Detergenz über die Anzahl der zur Absätti-
gung der Oberflächenbindungsstellen erhöht, so erfolgt eine weitere Bindung an
anderer Stelle mit einhergehender Entfaltung des Proteins. Dies ermöglicht die
Anlagerung von Detergenzien an zunächst verborgene Bindungsstellen. Durch
Hitzeeinwirkung werden die Proteine in Gegenwart von Detergenzien vollständig
entfaltet. In der Elektrophorese verwendet man Natriumdodecylsulfat (SDS), um
38
den Proteinen eine definierte Menge an Detergenz anzulagern (1,4 g SDS/g
Protein). Proteine mit dem gleichen Masse/Ladungsverhältnis haben im Gel die
gleiche elektrophoretische Mobilität, so dass die Trennung ausschließlich nach
dem durchschnittlichen Molekulargewicht erfolgt [162].
Die häufigste Ursache für Inaktivierung ist Wärme. Durch diese wird die kineti-
sche Energie des Proteins, genauer der Faltung, soweit erhöht, dass zunächst
verborgene hydrophobe Bereiche dem Lösungsmittel gegenüber exponiert wer-
den. Es kommt mit zunehmender Temperatur zur Aggregation oder Dissoziation
bei 4D Strukturen, oder auch zum monomolekularen konformationellen Netzbil-
dung oder „random coil“ Bildung, d.h. einem Verstricken der Polypeptidkette in
sich selbst, in der nur „Nahordnungs-Wechselwirkungen“ eine Rolle spielen.
Nicht kovalente Bindungen einschließlich der Wasserstoffbrückenbindungen ge-
hen verloren. Bei der Rückkehr zu normalen Temperaturen halten nicht kovalente
und andere nicht native Wechselwirkungen das Protein in der netz-ähnlichen
oder „random coil“ Struktur, trotzdem die thermodynamische instabilere Form
überwiegt.
Gruppe 2 Allergene der Hausstaubmilben sind thermoresistenter als Gruppe 1
Allergene (Cysteinproteasen), die Majorallergene von Katze Fel d 1 (Uteroglobin)
und Hund Can f 1 (Lipocalin) sind demgegenüber noch stabiler [116, 62]. Die
Lagerung von Whole Mite Body-Extrakten ist bei 4° C bis zu drei Monaten ohne
große Verluste an biologischer Aktivität möglich. Eine Aufbewahrung bei 23° C
führte zu partiellen Verlusten im Gesamtproteinspektrum, die Erhöhung auf 36° C
zu substantiellen Verlusten [163].
Generell kann es durch Hitzeeinwirkung zur Deamidierung von Asparagin- oder
Glutamin- bzw. Gluthationresten kommen, oder zur Hydrolyse von Peptidbindun-
gen und zur Oxidation von Cystein, Methionin sowie zur Zerstörung von Disulfid-
bindungen.
Ein weiteres Problem ist das Einfrieren und Auftauen von Allergenlösungen. Eine
allgemein gültige Lösung gibt es im Augenblick nicht, jede Proteinlösung stellt ein
eigenständiges Problem dar, das es zu optimieren gilt. Die Aussage, dass die
Lagerfähigkeit eines Proteins ohne Verlust der biologischen Aktivität bis zu nied-
rigen Temperaturen zunimmt, ist nicht bewiesen. Es gibt viele Ausnahmen, wobei
Temperaturen um 5° C oftmals effektiver sind als -40° C [164, 165, 111]. Beim
Einfrieren und Auftauen kann es sowohl zu reversibler als auch irreversibler In-
aktivierung kommen.
39
Eine zunächst reversible Denaturierung wird häufig durch auftauen/einfrieren
irreversibel. Besonders empfindliche Seitenketten, wie z.B. Methionin, Cystein
und Cystin können durch das Einfrieren oxidiert werden, so auch phenolische
Seitenketten, z.B. des Tyrosins. Die Konzentration an molekularem Sauerstoff
liegt in partiell gefrorenem System bei -3° C um bis zu 1000 fach höher als bei 0°
C. Identische Konzentrationsgradienten können durch Dehydratation bzw. Ly-
ophilisation aufgebaut werden und zu irreversibler Inaktivierung führen [164].
Der Grund liegt z.B. in der Lyopilisation von Ammoniumsalzen, die während der
Gefriertrocknung aus dem Extrakt entfernt werden (NH3), wodurch es zu erheb-
lichen pH-Wertverschiebungen kommt.
Ein weiteres Problem ist die mechanische Beanspruchung von Proteinlösungen.
Schütteln führt zu erhöhten Reaktionen am Gas-Flüssig-Übergang. Proteine
entfalten sich, um die maximale Anzahl an hydrophoben Aminosäuren gegen-
über der Luft zu exponieren. Es kommt zu Aggregation aufgrund der hohen An-
zahl an freigelegten hydrophoben Bindungsstellen. Scherkräfte an Filtern oder
Gefäßwänden führen ebenfalls zu Konformationsänderungen mit Freilegung von
hydrophoben Bindungsstellen, wobei der Grad der Inaktivierung eine Funktion
von Dauer und Stärke der Scherkraft ist [164].
Ionisierende und nicht-ionisierende Strahlung beeinflusst sowohl das Protein
selbst als auch die umgebenden Wassermoleküle. Direkter Einfluss ionisierender
Strahlung führt zu Veränderungen der kovalenten Primärstruktur in Form von
Radikalbildung, Quervernetzung und Zerstörung einzelner Aminosäuren. Das
Ergebnis ist ein Verlust an nativer Aktivität oder Aggregation [164, 166].
Direkte UV-Strahlung führt zur Zerstörung von Aminosäuren wie Cystein, Tryp-
tophan und Histidin durch Oxidation [167].
Ultraschallbehandlungen erzeugen Mikrobläschen von schnell entweichenden
Gasen. Diese kollabieren, was wiederum zu einer mechanischen und chemi-
schen Reagenzwirkung (Radikalbildung) führt [164].
Glycerol, als bis zu 50 %iger Anteil der Proteinlösung, ist aufgrund von Solvatati-
onseffekten ein guter Gefrierschutz und ist deshalb keine Gefahr für die geord-
nete Wasserhülle der Proteine. Die Epitopstabilität bleibt bei Gruppe 1 und 2 Al-
lergenen für mindestens ein Jahr bei 4° C gewährleistet [168]. Allerdings kann
Glycerol bei Temperaturen unter –20° C und über 4° C den erheblichen Verlust
an biologischer Aktivität nicht verhindern. DMSO wirkt ebenfalls durch Solvatati-
onseffekte als Gefrierschutz, ist aber als Arzneimittelzusatz nicht zugelassen
[111].
40
2.7.4.1 Polyethylenglykol
Polyethylenglykol (PEG) kann als „salting-out“-Reagenz wirken, wobei ein steri-
scher Ausschluss („steric exclusion“) zu einer Stabilisierung der nativen Protein-
struktur in wässriger Lösung führt [169].
PEG hat einen größenabhängigen Einfluss auf die Thermostabilität von Protei-
nen [170]. Dieser ist abhängig von der Beschaffenheit des Proteins und der Grö-
ße des PEG, wobei PEG mit der größeren Hydrophobizität die bessere Wirkung
erzielt. Die Hydrophobizität wiederum steigt mit wachsender Molekulargewicht
(>400). PEG 1000 interagiert mit den Proteinen bei hohen Temperaturen, wird
bei niedrigen Temperaturen aber von der nativen Form ausgeschlossen. PEG ist
hydrophob und bindet bevorzugt an die bei der Entfaltung freigelegten hydropho-
ben Bereiche der Proteine. Dies führt zu einer Stabilisierung des ungefalteten
Zustandes bei höheren Temperaturen, also zu einer Herabsenkung der Über-
gangstemperatur in den entfalteten Zustand. PEG 6000 wird zur Isolierung von
Antikörpern (IgG) aus Serum durch Aggregation und Ausfällung verwendet. Die
Modifikation von Proteinen mit PEG resultiert in einem Komplex nicht bekannter
Immunogenität, erhöhter Lebensdauer und Stabilität und ermöglicht so in vielen
Fällen die Proteintherapie. So können Lösungen mit einer für die Hypersensibili-
sierung notwendigen hohen Proteinkonzentrationen hergestellt werden [171].
Eine weitere Möglichkeit der Proteinstabilisierung mit PEG ist die kovalente Bin-
dung an die Proteinoberfläche (s. Peptidtherapie mit Allergoiden). Sogenanntes
mPEG ist ungeladen, linear, hydrophob, flexibel und in einer Vielzahl unter-
schiedlicher Molekulargewichte erhältlich. Es ist durch die Food and Drug Admi-
nistration (FDA) der USA für die Verwendung in Pharmazeutika zur oralen, pa-
renteralen und epidermalen Applikation zugelassen. Ausgeschieden wird es
hauptsächlich durch die Nieren [171].
Generell ist bei mPEG modifizierten Proteinen die Stabilität und proteolytische
Widerstandskraft erhöht. Weitere Vorteile sind keine oder nur sehr geringe Im-
munogenität, eine reduzierte Allergenität bei gleichzeitigem minimalen Verlust
der biologischen Aktivität, eine erhöhte Verweildauer des Proteins im Körper so-
wie sehr geringe Toxizität. Die Aktivität bleibt auch in organischen Lösungsmittel
(Benzol, Toluol, Ethanol und DMF) erhalten. Die Effekte sind das Resultat einer
Formation von PEG-Molekülen um das Protein herum, so dass aus sterischen
Gründen keine Reaktion mit TH-Zellen erfolgen kann. Die proteolytische Inakti-
vierung der Antigene bleibt aus, die Aktivität des Proteins kann im Einzelfall so-
gar gesteigert werden [171, 172]. Erfolge konnten hier bei Gräserpollen erzielt
41
werden, wohingegen Milbenallergene scheinbar für diese Anwendung nicht ge-
eignet sind [5].
Zum Ende dieses Abschnitts soll auf die proteolytische Aktivität einiger wichtiger
Milbenallergene in Extrakten hingewiesen werden. Hierbei spielen pH, Tempe-
ratur, Kinetik und das Verhältnis Enzym zu Substrat eine Rolle [173, 76]. Bei der
Herstellung von Allergenextrakten sollte deshalb schnell und bei möglichst nied-
rigen Temperaturen gearbeitet werde. Die Auswirkungen von Veränderungen des
pH sowie der Extraktzusammensetzung auf das allergene Potential sind von Fall
zu Fall neu zu prüfen.
Der Zusatz von Proteaseinhibitoren zu Allergenextrakten kann einen Teilverlust
der allergenen Potenz des Extraktes bewirken. Zudem scheint der Einsatz klassi-
scher Proteasinhibitoren keinen oder nur sehr geringen Einfluss auf die Aller-
genstabilität zu haben. Es wird berichtet, dass Aktivitätsverluste nicht durch Pro-
teasen sondern durch den Verlust an nativen Inhibitoren oder an spezifischer
Instabilität des oder der Proteine hervorgerufen wird [111]. Auch eine Lagerung
bei 4° C ist einem Abbau durch Proteasen unterlegen. Eine Aufbewahrung als 50
%ige Glycerollösung bei –20° C wird deshalb favorisiert [73].
42
3 METHODEN UND VERFAHREN
3.1 ABLAUF DER UNTERSUCHUNGEN
Zur Einführung in den experimentellen Teil sollen zunächst die vorgenommenen
Methoden und Verfahren anhand eines Ablaufschemas dem Untersuchungsab-
lauf zugeordnet werden (Abbildung 5). Die im Schema aufgeführte „Präparative
Isolierung“ (3.1) war nur Gegenstand von Voruntersuchungen und wird im fol-
genden Abschnitt deshalb nicht thematisiert.
Abbildung 5 – Ablaufschema der durchgeführten Untersuchungen. Blau hervorgehobene
Positionen wurden der Vorgehensweise eines Pharmaunternehmens entnommen, grün mar-
kierte Positionen entstammen dem eigenen Ablauf. Nicht farblich gekennzeichnete Positio-
nen waren Bestandteil beider Varianten.
43
3.2 PROBENVORBEREITUNG
3.2.1 Verwendete Milbenkulturen
Es wurden folgende Milbenkulturen zur Extraktherstellung verwendet:
1. „Purified Mite Body-Kultur“ der Hausstaubmilbe Dermatophagoides pte-
ronyssinus
Bezugsquelle: a) Allergon, Schweden und b) CSL, Australien
Die Kulturen bestanden laut Zertifikat aus ca. 95 % Milbenkörper und 5 %
kleineren Komponenten (Futterreste, Kotpellets), wurden lyophilisiert, 48 h
mit Aceton gewaschen und bei 2-8° C gelagert.
2. „Whole Mite-Kultur“ der Vorratsmilbe Lepidoglyphus destructor
Bezugsquelle: Dr. J. T. Franz, Universität Paderborn
Die Kultur enthielt mindestens 70 % Milbenkörper (mikroskopische Kontrolle).
Der Rest bestand aus Futterresten sowie Rückständen der Milben (Exkre-
mente und Körperteile). Die Kultur wurde lyophilisiert und bei 2-8° C gelagert.
3.2.2 Aufschluss der Milbenkulturen
In dieser Arbeit kamen zwei verschiedene Aufschlusswege zur Anwendung, die
sich in folgender Weise unterschieden.
Variante 1
„Pharmaunternehmen“
Variante 2
„Uni Paderborn“
Extraktionsmedium modifizierte Cocas‘-Lösung Ammoniumhydrogencarbonat
Abtrennung niedermoleku-
larer Komponenten
Dialyse -
Überführung in lagerfähigen
Zustand
Lyophilisation Stickstoffkühlung
Lagerung -20° C -80° C
Tabelle 2 – Vergleich der Aufschlussverfahren
Variante 1 „Pharmaunternehmen“
Der unter leicht basischen Bedingungen praktizierte Aufschluss entsprach der
Vorgehensweise in einem zertifizierten Pharmaunternehmen zur Verarbeitung
von Rohkulturen zu Diagnostik- und Therapieprodukten. Niedermolekulare Sub-
44
stanzen unter 3.500 Da wurden zur Vermeidung von unerwünschten Nebenwir-
kungen abgetrennt.
Aufschluss
2 % (w/v) Milbenkultur in modifizierter Cocas‘ Lösung; 4 h; 4° C; Über-
kopfschüttler.
Zentrifugation
3000 x g; 15 min; 4° C.
Filtration
Der Überstand wird nacheinander durch 0,8, 0,4 und 0,2 µm Spritzenfilter
passiert. Die nächst kleinere Porenweite wurde erst nach vollständigem Pas-
sieren des Überstandes durch einen Filter gewählt.
Bestimmung des pH-Wertes
Dialyse
Zur Anwendung kam eine Membran6 mit einem Größenausschluss von 3500
Da, dialysiert wurde gegen 3 x 1000 mL H2Odd ü/N bei 4° C.
Bestimmung des pH-Wertes
Aliquotierung zu je 1 mL.
Lyophilisation
Gefriertrocknung der aliquotierten Extrakte für 1,5 h in einer SpeedVac.
Lagerung bei –20° C
Variante 2 „Universität Paderborn“
Diese Aufschlussvariante unter moderat basischen Bedingungen wurde ohne
Abtrennung niedermolekularer Bestandteile formuliert, da alle im Extrakt vorhan-
denen Komponenten einer analytischen Betrachtung unterzogen werden sollten.
Aufschluss
- 2 % (w/v) Hausstaubmilbenkultur
- 5 % (w/v) Vorratsmilbenkultur
in 0,1 M Ammoniumhydrogencarbonatlösung für 6 h und 4° C bei nur leichter
Durchmischung (keine Blasenbildung) auf dem Vertikalmischer.
Zentrifugation
3000 g; 15 min; 4° C.
6 Spectraphor 3500
45
Filtration
Überstand wird nacheinander durch 0,8, 0,4 und 0,2 µm Spritzenfilter pas-
siert. Die nächst kleinere Porenweite wird erst nach vollständigem Passieren
des Überstandes durch einen Filter gewählt.
Aliquotierung
Schnelles Tieffrieren in flüssigem Stickstoff.
Lagerung bei –80° C
Modifikation der Variante 2 „Universität Paderborn“
Die Modifikation zur Variante 2 bestand aus einem Zusatz von 10 % (v/v) ei-
ner gleichteiligen Polyethylenglykolmischung aus PEG 2007 und PEG 4008
zum Extraktionsmedium.
In Vorversuchen kam ein 10 %iger Zusatz mit PEG 6009 zum Einsatz (Probe
22). Optional wurde 0,5 M ß-Mercaptoethanol oder Dithiotreitol (DTT) hinzu-
gegeben (Proben 20, 21, 22).
Cocas-Lösung modifiziert (ohne Phenol); pH 8,2
Natriumchlorid 5 g
Natriumhydrogencarbonat 2,5 g
mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen.
0,1 M Ammoniumhydrogencarbonat-Lösung, pH 7,8
Ammoniumhydrogencarbonat 7,906 g
mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen.
7 Molmasse 190 – 210 g/moL
8 Molmasse 380 – 420 g/moL
9 Molmasse 570 – 630 g/moL
46
Proben-
Nr.
Probenbeschreibung
Spezies/Hersteller - Einwaage/Volumen Puffer - Zusatz
Variante Status*
1D. pteronyssinus (Pharmaunternehmen) Referenzextrakt 1 F
2D. pteronyssinus (CSL) 0,82 g/41 mL („Stammlyophilisat“) 1 L
3D. pteronyssinus (Allergon) 1,0 g/50 mL („Stammlyophilisat“) 1 L
4** D. pteronyssinus (Allergon) 0,2 g/10 mL (10 % PEG)*** 2 F
5** L. destructor (Uni Paderborn) 0,5 g/10 mL 2 F
6** L. destructor (Uni Paderborn) 0,5 g/10 mL (10 % PEG) 2 F
7** D. pteronyssinus (Allergon) 0,2 g/10 mL 2 F
8** Probe 1b (CSL) rekonstituiert 193 µg Protein/2 mL (10 % PEG) 1 L
9** Probe 1b (CSL) rekonstituiert 193 µg Protein/2 mL 1 L
10** Probe 1c (Allergon) rekonstituiert 175 µg Protein/2 mL (10 % PEG) 1 L
11** Probe 1c (Allergon) rekonstituiert 175 µg Protein/2 mL 1 L
12 D. pteronyssinus (Allergon) 0,1 g/5 mL 2 F
13 D. pteronyssinus (Allergon) 0,1 g/5 mL (10 % PEG) 2 F
14 L. destructor (Uni Paderborn) 0,2 g/5 mL 2 F
15 L. destructor (Uni Paderborn) 0,2 g/5 mL (10 % PEG) 2 F
16 Probe 1c (Allergon) rekonstituiert 175 µg Protein/2 mL 1 L
17 Probe 1c (Allergon) rekonstituiert 175 µg Protein/2 mL (10 % PEG) 1 L
18 Probe 1b (CSL) rekonstituiert 193 µg Protein/2 mL 1 L
19 Probe 1b (CSL) rekonstituiert 193 µg Protein/2 mL (10 % PEG) 1 L
20 D. pteronyssinus (Allergon) 0,2 g/10 mL 2 F
21 L. destructor (Uni Paderborn) 0,2 g/10 mL 2 F
22 L. destructor (Uni Paderborn) 0,2 g/10 mL (10 % PEG600) 2 F
23 Probe 1b (CSL) rekonstituiert 193 µg Protein/2 mL Cocas Lösg. 1 L
24 Probe 1b (CSL) rekonstituiert 193 µg Protein/2 mL H2Odd 1 L
25 Probe 1c (Allergon) rekonstituiert 175 µg Protein/2 mL H2Odd 1 L
26 D. pteronyssinus (Allergon) 0,01636 g/0,5 mL 2 F
27 L. destructor (Uni Paderborn) 0,0176 g/0,5 mL 2 F
28 D. pteronyssinus (Allergon) 0,248 g/6,195 mL 2 F
29 L. destructor (Uni Paderborn) 0,29 g/7,25 mL 2 F
*
F
L
**
***
Erklärungen zum Probenstatus
Frische Proben wurden direkt nach dem Aufschluss analysiert, in flüssigem
Stickstoff gefrostet und dann bei –20 bzw. –80° C gelagert.
Lyophilisate wurden bis zur Rekonstitution in H2Odd bei –20° C gelagert.
Proben 2-9 enthielten 0,176 g/mL Ammoniumsulfat
PEG = Mischung aus PEG200 und PEG400 im Verhältnis 1:1.
Tabelle 3 – Liste, der im Verlauf der Arbeit verwendeten Proben.
3.2.3 Bestimmung der Proteingesamtmasse nach Lowry
Die Bestimmung des Proteingesamtgehaltes erfolgte zur „Normalisierung“ der
Proben untereinander und als Ausgangspunkt für weitergehende Untersuchun-
gen. Die Ergebnisse wurden nicht eigenständig interpretiert.
Der Nachweis des hier angewandten Lowry-Assays basiert auf der Reaktion der
Proteine mit einer alkalischen Kupferlösung und dem Folin-Reagenz. Zwei auf-
einanderfolgende Schritte führen zur Farbentwicklung. Die Reaktion zwischen
den Proteinen und der alkalischen Kupferlösung und die folgende Reduktion des
47
Folin durch den Protein-Kupfer-Komplex. Hauptverantwortlich für die Färbung
sind die Aminosäuren Tyrosin, Tryptophan und im schwächeren Ausmaß auch
Cystin, Cystein und Histidin. Die Proteine bewirken eine Reduktion des Folin
durch den Verlust von ein, zwei oder drei Sauerstoffatomen, wodurch eine cha-
rakteristische blaue Färbung mit einem Maximum zwischen 650-750 nm bildete
[174]. Es kamen zwei Modifikationen der Lowry-Methodik zur Anwendung:
3.2.3.1 DC Protein Assay
Kommerzieller Kit (BioRad) zur Bestimmung der Proteingesamtmasse in Proben
mit Detergenzien. Die Reaktion erreicht 90 % der maximalen Farbentwicklung
nach 15 min und benötigt als Mikroassay lediglich 5 µL Probenvolumen. Die
Standardreihe ist im gleichen Puffer anzusetzen wie die Probe und enthielt die
Konzentrationen 0,05; 0,1; 0,25; 0,5; 1,0; 1,5 und 2,0 µg/mL.
Reagenzienvorbereitung und Versuchsbedingungen nach Herstellerangaben.
3.2.3.2 Proteinbestimmung nach Lowry (modifiziert) [175, 174]
Die Standardreihe wurde mit Humanserumalbumin (HSA) aus den Konzentratio-
nen 1, 2, 5, 10, 15, 20, 40 und 50 µg/mL formuliert.
Probenvorbereitung
Das Probenvolumen ist so zu wählen, dass der zu erwartende Proteinwert im
Bereich der Standardkurve zwischen 1–50 µg liegt (Verdünnungen einsetzen). Ist
das eingesetzte Probenvolumen kleiner als 1 mL, wird es mit H2Odd auf 1 mL
aufgefüllt. Wird eine Probenvolumen oberhalb 1 mL eingesetzt, so ist Trichlores-
sigsäure im Verhältnis 1:2 zu pipettieren. Liegt eine phenolische Probenlösung
vor, so ist die TCA-Fällung einmal zu wiederholen. Standard und Proben werden
als Dreifachbestimmung ausgelegt.
1. Zugabe von 10 µL Natriumdesoxycholat-Lösung zu jedem Röhrchen, danach
gut durchmischen und 15 min bei RT inkubieren lassen. Wird mehr als 1 mL
Probenvolumen eingesetzt, so ist die Zugabe entsprechend zu erweitern.
2. Zugabe von 1 mL 18 %iger TCA (4-8° C), gut durchmischen und bei RT 15
min inkubieren lassen.
3. Zentrifugation: 45 min, 3600 x g, 4-8° C.
4. Überstand mit einer Pasteurpipette absaugen.
48
5. Niederschläge durch Zugabe von je 1 mL Lösung 3 unter leichtem Mischen
lösen und für 10 min bei RT inkubieren.
6. Zugabe von je 100 µL Folin-Lösung, sofort mischen und danach 30 min im
Dunkeln bei RT inkubieren.
7. Standards und Proben werden bei >650 nm im Photometer gegen den Blind-
wert gemessen.
8. Kalkulation der Ergebnisse - Mittelwertbildung mit Standardabweichung (%)
aus Dreifachbestimmung und der Standardkurve.
Lösung 1
Natriumcarbonat 20 g
Kalium-Natrium-Tartrat x 4 H2O 0,27 g
In 1000 mL 0,1 N Natronlauge lösen.
Die Lösung ist bei 4° C drei Monate stabil.
Lösung 2
Kupfersulfat x 5H2O 1,56 g
In 100 mL H2Oddsen
Die Lösung ist bei 4° C drei Monate stabil.
Lösung 3
Lösung 1 und Lösung 2 im Verhältnis 100:1 frisch ansetzen.
Folin-Lösung
Folin-Ciocalteus-Phenolreagenz10 1:1 mit H2Odd frisch ansetzen.
Lösung 1 und Lösung 2 im Verhältnis 100:1 frisch ansetzen.
Natriumdesoxycholat
2 % (w/v) Natriumdesoxycholat in H2Odd lösen und zu 1 mL aliquotieren.
Die Lösung ist bei –20° C für zwei Jahre stabil.
Trichloressigsäure (TCA)
250 g TCA zu 1389 mL H2Odd ergibt eine 18 %ige TCA-Lösung.
3.2.4 Spezifische Bestimmung von Einzelallergenen mittels
Enzym-Linked-Immuno-Sorbent-Assay (ELISA)
Der einfache und schnelle qualitative und quantitative Nachweis einzelner Majo-
rallergene in komplexen Allegenextrakten ist ein weiterer Schritt hin zu einer ver-
besserten Standardisierung und reproduzierbaren Extraktherstellung. Es werden
Einzelkomponenten bestimmt und nicht over-all-Parameter wie z.B. die allergene
Aktivität. Neben den hieraus resultierenden Vorteilen liegen die Nachteile in einer
nur eingeschränkten Verfügbarkeit der monoklonalen Antikörper (mAk) für einige
49
ausgewählte Majorallergene und ihrer Spezifität, wichtige Isoformen werden zum
Teil nicht erkannt. Dieses Manko kann durch Verwendung von mehreren mAK
vermieden werden, die an unterschiedliche Epitope des Allergens koppeln und
zu einem Immunoassay zusammengestellt werden können. In dieser Arbeit ist
ein solches System [176], bestehend aus zwei verschiedenen mAK (Indoor Bio-
technologies, Charlottesville US) verwendet und auf die Problemstellung opti-
miert worden.
3.2.4.1 Bestimmung von Der p 1
Beschichten der Mikrotiterplatte MTP (Immuno Plate C96 Maxisorp, Nunc)
Der Fangantikörper mAk 5H8 (2 mg/mL) gegen Der p 1 wird 1/1000 in Inku-
bationspuffer verdünnt und 50 µL/Kavität auf die MTP aufgetragen. Die Inku-
bationszeit beträgt 2 h bei 37° C oder ü.N. bei 4° C.
Mit der Inkubation ü.N. werden die gleichmäßigeren Ergebnisse erzielt.
Waschen der Platte mit Waschpuffer (3x).
Absättigen der MTP für 30 min bei RT mit 50 µL/Kavität Blockierungspuffer.
Waschen der Platte mit Waschpuffer (3x).
Die Standard-Verdünnungsreihe aus der Der p 1-Stammlösung (2500 ng/mL)
wird wie folgt mit Waschpuffer hergestellt:
Standard-Nr. Zielkonzentration
[ng Der p 1/mL Puffer]
Der p 1-Standard
[µL]
Zugabe an Puffer
[µL]
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
250
125
75
50
25
12,5
5,26
2,5
1,25
0,5
100
50
30
20
10
5
25 von (1)
10 von (1)
4 von (1)
4 von (2)
900
950
970
980
990
995
975
990
995
996
Tabelle 4 - Standard-Verdünnungsreihe von Der p 1.
Erstellen einer Probenverdünnungsreihe, ausgehend von einer 1:100-1:1000
Verdünnung der Originalprobe, mit je nach Problemstellung 5-10 Einzelver-
dünnungen (1:2) in Waschpuffer.
Es werden je 50 µL/Kavität der Proben und der Standards (Doppelbestim-
mungen) aufgegeben und für 1 h bei Raumtemperatur inkubiert.
10 Folin-Ciocalteus-Phenolreagenz (Merck 109001)
50
Waschen der Platte mit Waschpuffer (3x).
Der biotinylierter mAk 4C1 wird 1/1000 mit Blockierungspuffer verdünnt, 50
µL/Kavität aufgegeben und 1 h bei RT inkubiert.
Waschen der Platte mit Waschpuffer (5x).
Die MTP wird für 30 min bei RT mit 50 µL/Kavität einer 1/1000-Verdünnung
von Streptavidin-Peroxidase inkubiert. Die Verdünnung wird mit 1 % RSA in
PBS-T hergestellt.
Waschen der Platte mit Waschpuffer (5x).
Zugabe von 50 µL/Kavität Substratlösung.
Stoppen der Reaktion nach 20-30 min durch Zugabe von 50 µL Stopplö-
sung/Kavität.
Die Mikrotiterplatte wird bei 450 nm vermessen und anhand der sigmoidalen
Standardkurve ausgewertet. Es werden nur die Konzentrationen der Extrakt-
lösungen zur Auswertung herangezogen, die im linearen Bereich dieser Ka-
librierkurve liegen. Das Endergebnis wird durch Mittelwertbildung aus diesen
Verdünnungen gebildet.
3.2.4.2 Bestimmung von Der p 2
Die Durchführung und Auswertung erfolgt identisch zur Quantifizierung von Der p
1. Lediglich Unterschiede der Konzentrationen des Fangantikörpers 1D8, der Der
p 2 Standardlösung und des biotinylierten Detektionsantikörpers 7A1 müssen
beachtet werden.
Standard-Nr. Zielkonzentration
[ng Der p 2/mL Puffer]
Der p 2-Standard
[µL]
Zugabe an Puffer
[µL]
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
250
125
75
50
25
12,5
5,26
2,5
1,25
0,5
50
25
15
10
5
50 von (1)
25 von (1)
10 von (1)
5 von (1)
4 von (2)
950
975
985
990
995
950
975
990
995
996
Tabelle 5 - Standard-Verdünnungsreihe von Der p 2.
Der Fangantikörper mAk 1D8 lag in einer Konzentration von 10 mg/mL vor und
wurde 1/1000 verdünnt zur Inkubation der MTP verwendet. Der biotinylierte mAk
7A1 wird 1/3000 mit 0,1 % RSA in PBS-T verdünnt. Die Der p 2 Standardlösung
51
hatte eine Konzentration von 5000 ng/mL, woraus das Pipetierschema der Ta-
belle 5 resultierte.
Inkubationspuffer; pH 9,6
Dinatriumcarbonat 1,59 g
Natriumhydrogencarbonat 2,93 g
Thimerosal11 0,1 g
in 1000 mL H2Odd lösen.
Waschpuffer; pH 7,4
Natriumchlorid 8 g
Kaliumdihydrogencarbonat 0,2 g
Dinatriumhydrogencarbonat 1,15 g
Kaliumchlorid 0,2 g
Thimerosal 0,1 g
Tween 20 0,5 mL
in 1000 mL H2Odd lösen.
Blockierungspuffer
1 % RSA in Waschpuffer
Streptavidin-Peroxidase-Lösung
250 µg Streptavidin-Peroxidase (S 5512, Sigma) in 1 mL H2Odd lösen und in 25 µL-Portionen bei –
20° C lagern. Für den Gebrauch im Assay wird eine 1/1000-Verdünnung mit Blockierungspuffer
hergestellt.
Substratlösung
Je eine OPD12-Tablette (Sigma) und 1 Harnstoffperoxidtablette (Sigma) werden nach Herstelleran-
gabe in H2Odd gelöst.
Stoplösung
1,5 M Schwefelsäure
Schwefelsäure (98 %) und H2Odd mischen (1:11).
3.2.5 UV/VIS-Spektroskopie der Allergenextrakte
In der UV/VIS-Spektroskopie werden u.a. Valenzelektronen durch Einstrahlung
monochromatischen Lichtes im Wellenlängenbereich von 180-400 nm auf ein
höheres Energieniveau angeregt. Bei ihrem Rückfall in den vor der Anregung
eingenommene Grundzustand wird die Energie wieder abgegeben, und man er-
hält wellenlängenabhängige Absorptionsspektren spezifischer Wellenlänge [177].
Die Ergebnisse ermöglichen u.a. Aussagen zum aromatischen Charakter, den
Seitengruppen und zur Sekundärstruktur der unbekannten Probe [178].
In den vorliegenden Messungen wurde ein scannendes UV/VIS-Spektrometer
(DU-65, Beckman) mit einer Scannrate von 750 nm/min im Bereich 200-300 nm
eingesetzt. Zum Einsatz kamen Quarzküvetten (1 cm). Die Proben wurden mit
11 Thimerosal kann zur Sterilisierung als Alternative zu Natriumazid eingesetzt werden, da dieses die Enzym-
detektion einiger Amplifikatoren (ABTS) stören kann. Natriumazid kann als Stoppreagenz alternativ zu 1,5M
Schwefelsäure oder 1M Salzsäure eingesetzt werden.
52
Puffer und H2Odd kalibriert. Die UV/VIS-Spektren wurden im Absorptionsmodus
vermessen.
Untersucht wurden die folgenden Proben:
1. D. pteronyssinus Lyophilisat (CSL); Probe 16 in Cocas-Lösung
Verdünnungsreihe 1:2-1:16
Zugabe von 1 N Natronlauge zur 1:16 Verdünnung; je 2 x 1 Tropfen bis
zu einem pH 8
Zugabe von 1 N Natronlauge zur 1:2 Verdünnung
Zugabe von 6 N Harnstoff zur 1:2 Verdünnung
2. D. pteronyssinus Lyophilisat (CSL); 193 µg/mL H2Odd
Verdünnung 1:4
Zugabe von konzentrierter Essigsäure (1:1)
3. D. pteronyssinus Lyophilisat (Allergon); 175 µg/mL H2Odd
Verdünnung 1:2
3.2.6 Ausschlusschromatographie (SEC)13
Die Ausschlusschromatographie trennt gelöste Moleküle nach ihrer Größe und
basiert auf der unterschiedlichen Permeabilität der Analyten in ein poröses Trä-
germaterial definierter Porengröße. Das Porenmaterial ist durch einen wirksamen
Bereich gekennzeichnet. Das hydrodynamische Volumen der Analyten ist hierbei
für das Trennverhalten verantwortlich, wobei die kleinsten Substanzen die
längste Aufenthaltsdauer in der Gelmatrix haben und als letzte eluiert werden.
Die mobile Phase dient nur als Lösungsmittel und hat keinen unmittelbaren Ein-
fluss auf die Trennung. Durch die Auswahl von Trenngel, Elutionspuffer und pH-
Wert sowie Probenvolumen bzw. Säulendurchmesser ist die Selektivität vorge-
geben. Einzig die Flussrate kann noch variiert werden [179].
Die Ausschlusschromatographie wird bei der Herstellung kommerzieller Allerge-
nextrakte u.a. zur Fraktionierung eingesetzt [180]. Das für jeden Extrakt charakte-
ristische Elutionsprofil wird zudem zur Überprüfung der Gleichförmigkeit von Pro-
duktionschargen gegenüber hausinternen Referenzen herangezogen. Das Säu-
lenmaterial beeinflusst die Allergenität und das Allergenmuster nicht entschei-
dend [181].
12 o-Phenylendiamin-di-hydrochlorid
13 Size Exclusion-Chromatographie
53
Die Molekulargewichtsbestimmung ist eine weitere wichtige Applikation [182],
wobei die optimale Trennleistung eher zweitrangig ist, so dass es teilweise zu
ausgeprägtem Tailing und Fronting kommt [183]. Die Probenbestandteile beein-
flussen sich zudem gegenseitig, so dass sich die individuellen Retentionszeiten
verschieben. Ein Rückschluss von der Retentionszeit der einzelnen Substanz auf
die Retentionszeit im Gemisch erlaubt daher nur eine näherungsweise Bestim-
mung der Molekulargewichtsverteilung. Externe Standards unterliegen der glei-
chen Verschiebung der Retentionszeiten und können daher dieses Unsicherheit
nicht beseitigen.
Aus der großen Anzahl aktiver Oberflächengruppen der Proteine können erhöhte
Wechselwirkungen mit dem Trennsystem (Gelmatrix, Eluent) resultieren. Die
Stabilität der Allergene während einer chromatographischen Trennung ist vergli-
chen mit der elektrophoretischen Stabilität meistens geringer [183]. Trotz dieser
Einschränkungen ist die Ausschlusschromatographie eine schnelle und effektive
Methodik zur Bestimmung der Molekulargewichtsverteilung einer komplexen
Proteinprobe, die in Kombination z.B. mit der Massenspektrometrie valide Aus-
sagen zu Fragmentierungsmustern erlaubt.
Methodik
Säulenmaterial: Pharmacia Superdex 7514, 3,2 x 300 mm, Bead size 13 µm
Trennbereich: 3-70 kDa
Wellenlänge: 280 nm
Eluent: 0,5 M Ammoniumacetat, pH 6,5
Flussrate: 0,9 mL min-1
Verwendete Standardproteine in der Reihenfolge ihrer Retentionszeiten:
1. Thyroglobulin 670 kDa -/-
2. Gammaglobulin 158 kDa -/-
3. Ovalbulmin 44 kDa 10,92 min
4. Myoglobulin 17 kDa 13,10 min
5. Vitamin B 12 1.35 kDa 19,16 min
Proben
1. Extraktvarianten von
D. pteronyssinus (Ganzkörperkultur):
Lyophilisat der „Hausreferenz“ des Pharmaunternehmens (Probe 1)
Lyophilisat von CSL (Probe 2)
Lyophilisat von Allergon (Probe 3)
Erste Charge Dialysewasser – Allergon
Erste Charge Dialysewasser – CSL
14 Superdex 75 besteht aus hoch vernetzter Agarose, Dextran ist kovalent gebunden .
54
2. Isolierte Standardallergene,
Der p 1
Der p 2
Die mittels Affinitätschromatographie isolierten Standardallergene entstammten
dem Referenzpool eines Pharmaunternehmens und wurden dort in der Routine-
kontrolle eingesetzt. Die Aufgabe der Proben und Standards erfolgte mittels einer
Hamilton-Spritze via eines Probenaufgabenventils.
3.2.7 Diskontinuierliche Polyacrylamidgelelektrophorese (Disk-
SDS-PAGE)
Die Disk-Page ist eine Variante der diskontinuierlichen Elektrophorese (s. Native
Elektrophorese), die zur Verwendung von SDS15 weiterentwickelt wurde [184].
Durch den SDS-Zusatz wird jedem Protein pro Gramm ca. 1,4 g SDS angelagert.
Hierdurch wird die Proteinladung gänzlich durch die starke negativ polarisierte
Ladung des SDS überdeckt, so dass für alle Proteine eine negative Nettoladung
resultiert. Dies bewirkt eine nur von der Größe abhängige Wanderungsgeschwin-
digkeit in einer elektrophoretischen Gelmatrix. Gleichzeitig werden ebenfalls mit
SDS beladene Markerproteine aufgetrennt, so dass über diese eine Kalkulation
des Molekulargewichtes des unbekannten Proteins möglich wird. In der vorlie-
genden Arbeit wurde sie zur Bestimmung des Proteinpatterns der Allerge-
nextrakte und der zugehörigen Molekulargewichte, sowie als vorbereitende Tren-
nung für ein nachfolgendes Immunoblotting verwendet.
Es wurden je nach Fragestellung selbst hergestellte Tris16-Glycin-Gele mit einem
Polymerisationsgrad von 10–15 %, einem Kopolymerisationsgrad von 2,7 % und
den Gelmaßen 8,3 x 6 cm x 1mm verwandt. Die anschließenden Trennungen
erfolgten in einem Mini-Protean II-Tanksystem (BioRad).
Ergänzend kamen 10 %ige Bis17-Tris-Fertiggele (Invitrogen) in einer XCell II-Mini-
Cell (Invitrogen) zum Einsatz. In dieser nach Schaegger und Jagow [185] weiter-
entwickelten Variante des Tris-Glycine-Systems wird mit geringeren pH-Werten
gearbeitet. Die Gele enthielten kein SDS und sind aufgrund der neutralen pH-
Werte des MES18-Puffers (pH 7,2) besonders gut für anschließende massen-
15 Sodium Dodecyl Sulfat
16 Trishydroxymethylaminomethan
17 N,N-bis(2-Hydroxyethyl)glycin
18 3-(N-morpholino)ethansulfonsäure
55
spektroskopische Analysen oder Verfahren geeignet, die eine möglichst geringe
Modifikation der zu untersuchenden Proteine voraussetzen.
Probenvorbereitung
Die Proben wurden in Probenpuffer aufgenommen. Dieser war vierfach (4x) kon-
zentriert und wurde entsprechend der Probenkonstitution, fest (Lyophilisat) oder
flüssig (Extrakt) sowie der Proteinzielkonzentration direkt zugesetzt bzw. mit
H2Odd verdünnt. Anschließend wurden die Proben in Reaktionsgefäßen (Eppen-
dorf) für 5 min in einem ca. 80° C heißen Wasserbad erhitzt, aber nicht verkocht.
Letzteres, damit nicht durch zu große Energiezufuhr Proteinstrukturen zerstört
bzw. fragmentiert wurden.
Herstellen der Polyacrylamidgele
Der zur Mini Protean II-Kammer gehörende Gießstand mit der Gelkassette wurde
auf einem Nivelliertisch unter dem Abzug positioniert. Nach dem Zusammenbau
erfolgte stets die Kontrolle auf Dichtigkeit der Gießkassette, indem Wasser zwi-
schen die Glasplatten gegossen wurde. War die Kassette dicht, wurde das Was-
ser abgegossen und die Gelmischung für das Trenngel konnte mittels einer Pi-
pette zwischen die Glasplatten der Gelkassette bis ca. 2 cm unterhalb der Glas-
plattenoberkante gegeben werden. Grundsätzlich ist beim Gießen darauf zu
achten, dass keine Blasen entstehen. Zur Abdichtung der Geloberfläche gegen-
über Luftsauerstoff wurde das Trenngel mit 1 mL n-Butanol überschichtet. Nach
ca. 30-45 min war das Trenngel vollständig polymerisiert, das n-Butanol konnte
entfernt und die Gelmischung für das Sammelgel bis zur Oberkante der Glas-
platte aufgefüllt werden. Unmittelbar im Anschluss wurde der Probentaschen-
kamm (10 oder 15 Probentaschen) vorsichtig zwischen den Glasplatten in das
Sammelgel gedrückt.
Die Ammoniumpersulfatlösung wurde frisch hergestellt (Haltbarkeit nur einige
Tage) und zusammen mit TEMED19 erst unmittelbar vor dem Gelgießen zur
Gelmischung zu gegeben.
Die Bis-Tris-Fertiggele wurden den Herstellerangaben entsprechend in der XCell
II-Mini-Cell (Invitrogen) Elektrophoresekammer fixiert.
19 N, N, N‘, N‘- Tetramethylethylendiamin
56
Probenaufgabe
Nach vollständiger Polymerisation des Sammelgels wurde der Probenkamm vor-
sichtig entfernt und die innere Kammer der Elektrophorese nach Beschreibung
des Herstellers zusammengesetzt. Auch hier erfolgte zunächst eine Prüfung der
Dichtigkeit der inneren Kammer, in dem diese halb mit Laufpuffer gefüllt und auf
einem Filterpapier platziert wurde, so dass anhand der möglicherweise auslau-
fenden Pufferlösung ein Leck lokalisiert werden konnte. War dies der Fall, wurde
nach erneutem Zusammenbau der Kammer wiederholt die Dichtigkeit geprüft.
War die innere Kammer dicht, so konnten die Probentaschen mit Laufpuffer
durchspült und je nach Untersuchungsdesign mittels einer Hamilton-Spritze die
Proben und Molekulargewichtsmarker appliziert werden. Die Probenmenge war
abhängig von den Nachweisgrenzen der geplanten Visualisierung. Für eine an-
schließende Coomassie-Färbung sollten 20-30 ng und für eine Silberfärbung 1-5
ng eines Proteins je µL Probenvolumen vorhanden sein.
Anschließend wurde die innere Kammer bis kurz unter den oberen Rand mit
Laufpuffer gefüllt und in den äußeren Kammertank eingehängt. Dieser wurde
anschließend mit ca. 500 mL Laufpuffer gefüllt und die Kammer mit der Strom-
Spannungsquelle verbunden.
Die Laufbedingungen waren wie folgt:
Spannung 125 V (konstant über die Laufzeit)
Stromstärke Start: ca. 30-40 mA
Ende: 8-12 mA
Laufzeit 90 min
Nach Beendigung der Elektrophorese wurde das Gel vorsichtig aus der Kammer
entnommen und entsprechend dem experimentellen Verlauf durch Coomassie-
oder Silberfärbung visualisiert bzw. mittels Westernblotting einer anschließenden
Immundetektion zugeführt.
Rezepturen für Gele mit verschiedenen Polymerisationsgraden
Der Polymerisationsgrad des Trenngels sollte dem Trennproblem entsprechend
gewählt werden. Grundsätzlich gilt, desto kleiner das Zielprotein, desto höher der
Polymerisationsgrad. Die Zielproteine dieser Arbeit lagen im Bereich zwischen 10
und 100 kDa. Für diesen Bereich kommen Gele mit einem Polymerisationsgrad
zwischen 10 und 15 % in Frage, ein Optimum an Trenneffizienz wurde mit 12
%igen Gelen erreicht. Proteine mit einem mittleren Molekulargewicht von >100
kDa sollten mit Polymerisationsgraden von 10 % und darunter, Proteine unter 10
57
kDa mit 15 %igen Gelen, aufgetrennt werden. Dient die elektrophoretische Tren-
nung als vorbereitender Schritt zum Westernblotting, sollte der Polymerisations-
grad nicht zu hoch gewählt werden, da mit zunehmendem Vernetzungsgrad die
Transfereffektivität für größere Proteine leidet.
Trenngel Sammelgel
7,5 % 10 % 12 % 15 % 4 %
H2Odd 1,96 mL 1,38 mL 0,81 mL 0,23 mL 0,98 mL
1,5 M Tris-HCL, pH 8,8 1,25 mL
0,5 M Tris-HCL, pH 6,8 -0,625 mL
10 % (w/v) SDS 50 µL 25 µL
Rotiphorese Gel A* 1,22 mL 1,62 mL 2,03 mL 2,44 mL 0,62 mL
Rotiphorese Gel B* 0,505 mL 0,675 mL 0,85 mL 1,02 mL 0,25 mL
10 % (w/v) APS**20 40 µL 20 µL
TEMED** 5 µL 2,5 µL
* Nach Zugabe ca. 5 Minuten im Ultraschallbad entgasen!
** Zugabe erst unmittelbar vor der Gelherstellung!
Tabelle 6 - Rezepturen zur Herstellung von Gelen unterschiedlicher Konzentrationen.
1,5 M Tris-HCL, pH 8,8
Tris 90,75 g
In 400 mL H2Oddsen, mit HCL auf pH 8,8 titrieren und mit H2Odd auf 500 mL auffüllen.
0,5 M Tris-HCL, pH 6,8
Tris 6,05 g
In 80 mL H2Oddsen, mit HCL auf pH 6,8 titrieren und mit H2Odd auf 100 mL auffüllen.
Rotiphorese Gel A
Stabilisierte, gebrauchsfertige, 30 %ige Acrylamid-Stammlösung (Roth).
Rotiphorese Gel B
Stabilisierte, gebrauchsfertige, 2 %ige Bisacrylamid-Stammlösung (Roth).
Die Fertiggellösungen A und B lassen sich je nach Trennproblematik in einem entsprechenden
Verhältnis mischen. Die entsprechenden Volumina für die in Tabelle 6 angegebenen Polymerisati-
onsgrade wurden anhand der vom Hersteller beigefügten Formelvorlagen berechnet. Die Monome-
re des Acrylamids und des Bisacrylamids sind neurotoxisch, weshalb Handschuhe zu tragen sind.
Probenpuffer; pH 8,45 1 x 4 x
Glycerol 1,09 M 4,0 g
Tris 141 mM 0,682 g
Tris-HCL 106 mM 0,666 g
LDS21 73 mM 0,8 g
EDTA 22 0,51 mM 0,006 g
Serva Blue G 25023 0,22 mM 0,75 mL einer 1 %igen Lösung
Phenolrot 0,175 mM 0,25 mL einer 1 %igen Lösung
Mit H2Odd auf 10 mL auffüllen.
Der Puffer wurde als Fertigpuffer NuPage LDS Sample Buffer (Invitrogen) bezogen. Die Lithium-
form kam zur Vermeidung von Proteinaggregation anstelle des Natriums als Zentralion zum Ein-
satz.
20 Ammoniumpersulfat
21 Lithium Dodecyl Sulfat
22 Ethylendiamintetraessigsäure
23 Coomassie Brilliant Blue G-250
58
Laufpuffer für Tris-Glycine-Gel; pH 8,3
1x 10x
Tris 25 mM 29 g
Glycin 192 mM 144 g
SDS 0,1 % (w/v) 10 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen.
Laufpuffer (MES) für Bis-Tris-Fertiggel; pH 7,2
1x 20x
MES 50 mM 97,6 g
SDS 3,5 mM 10,0 g
EDTA 1 mM 3,0 g
Mit H2Odd auf 500 mL auffüllen.
Der Puffer wurde als Fertigpuffer NuPage MES SDS Running Buffer (Invitrogen) bezogen.
Molekulargewichtsmarker
1. Low Molecular Weight Calibration Kit (Amersham Pharmacia Biotech)
94, 67, 43, 30, 21,1 und 14,4 kDa
Der Marker war ungefärbt.
2. MultiMark Multi Colored Standard (Invitrogen)
250, 148, 60, 42, 30, 22, 17, 6 und 4 kDa.
Die Proteine des Markers waren unterschiedlich angefärbt, so dass die Auftrennung im Gel
und der Transfererfolg nach einem Westernblotting unmittelbar beurteilt werden konnten.
3.2.8 Native Elektrophorese
Die Untersuchung der Zusammensetzung und Struktur nativer Proteine bedingt
sowohl den Erhalt der biologischen Aktivität als auch der Konformation. Denatu-
rierende Detergenzien wie z.B. SDS sind zu vermeiden [186, 187].
In dieser Arbeit wurde ein diskontinuierliches Tris-Chlorid/Tris-Glycin-System
verwendet [188, 189]. Die Diskontinuität bezog sich auf vier Parameter:
Gelmatrix (Auftrennung in Sammel- und Trenngel)
pH-Wert der Puffer
Ionenstärke der Puffer
Art der Ionen im Gel und im Elektroden-Puffer
Als Anionen werden im Puffer langsame Folgeionen (Glycin), im Gel ausschließ-
lich schnelle Leitionen (Cl-) eingesetzt. Das Glycin ist bei pH 8,8 im Sammelgel
nicht geladen. Die Proteine trennen sich nach dem Start in der Reihenfolge ihrer
Mobilität auf („tracking“), wobei es zu einer Fokussierung mit erhöhter Banden-
schärfe kommt. Aufgrund der Großporigkeit des Sammelgels ist die Mobilität nur
von der Ladung abhängig, eine Aggregation wird aufgrund des trackings verhin-
dert. Das Proteingemisch wandert zum Rand des Trenngels und wird dort abge-
bremst. Das kleine Glycin überholt die Proteine. Die Proteine befinden sich nun in
59
einem homogenen Puffermillieu, das Proteingemisch löst sich auf und die Protei-
ne trennen sich nach dem zonenelektrophoretischen Prinzip auf. Die Mobilität ist
abhängig von der Ladung und der Größe. Der pH Wert steigt auf 9,5 (pK-Wert
der basischen Aminogruppe des Glycins), wodurch die Proteine höhere Nettola-
dungen erhalten und daher schneller wandern.
Der Tris-Glycin Puffer darf nicht mit Salzsäure titriert werden, da in diesem Fall
ausschließlich Chloridionen wandern und der Trenneffekt nicht auftritt. Die Folge
sind lange Laufzeiten (bis über Nacht) und ungenügend differenzierte Banden.
Basische Proteine mit einem Isoelektrischen Punkt oberhalb pH 6,8 wandern im
Tris-Glycin-System zur Kathode und gehen verloren [186].
Die Zusammensetzung und Herstellung der Gele sowie die Probenapplikation in
der beschriebenen Methodik war, bis auf den Verzicht an SDS, identisch mit der
Disk-SDS-PAGE. Um die Diffusion der Ionen vor dem Start zu verhindern, wurde
das Sammelgel erst kurz vor der Trennung auf das Trenngel polymerisiert.
Die Laufbedingungen waren wie folgt:
Spannung 125 V (konstant über die Laufzeit)
Stromstärke Start: ca. 30-40 mA
Ende: 8-12 mA
Laufzeit 1,5–4 h
Aufgrund der mit erhöhter Laufzeit einhergehenden Wärmeentwicklung fand die
Elektrophorese in einem Kühlschrank statt.
Laufpuffer; pH 8,3
1x 10x
Tris 25 mM 29 g
Glycin 192 mM 144 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen und bei 4° C für ein Jahr haltbar.
Probenpuffer; pH 6,8
1x 5x
Tris-HCl 106 mM 0,666 g
Glycerol 1,09 M 4,0 g
Serva Blue G 250 0,22 mM 0,75 mL einer 1 %igen Lösung
Mit H2Odd auf 10 mL auffüllen.
Feste Proben (Lyophilisate) wurden in 1x Puffer, bereits gelöste Proben in 5x-
Probenpuffer aufgenommen werden. Zielkonzentration war der 1x-Puffer. Die
Proben wurden nicht erhitzt, sondern nur in Probenpuffer aufgenommen, durch-
mischt (Vortex) und umgehend appliziert.
60
3.2.9 Isoelektrische Fokussierung (IEF)
Ein Protein wandert in einem elektrischen Feld durch einen in einem Gel immobi-
lisierten pH-Gradienten solange, bis seine Nettoladung gleich Null ist. An diesem
Punkt, dem isoelektrischen Punkt (pI) ist auch die Wanderungsgeschwindigkeit
gleich Null. Trägt man daher an ein Proteingemisch wie z.B. einen Allerge-
nextrakt, an einer Stelle des pH-Gradienten auf, so besitzen die Proteine an die-
sem Punkt unterschiedliche Nettoladungen. Die Proteine beginnen zu wandern
und stoppen erst an ihren spezifischen isoelektrischen Punkten. Diese Fokussie-
rung funktioniert nur bei amphoteren Substanzen wie z.B. Proteinen und Pepti-
den. Ursache sind die amphoteren Aminosäuren, deren Carboxylgruppen bei
niedrigen pH-Werten neutral und bei hohem pH-Wert positiv geladen sind. Hierzu
reziprok verhalten sich die Amino-, Imidazol- und Guanidingruppen der Amino-
säuren. Durch diese Eigenschaften ihrer Aminosäuren können Proteine in einem
pH-Gradienten durch Anlegen eines elektrischen Stroms fokussiert und vonein-
ander differenziert werden. Proteine, die sich nur durch eine Aminosäure unter-
scheiden, können getrennt werden, so dass ein Einsatz in der Speziesdifferenzie-
rung gute Ergebnisse ergibt. Proteinpattern komplexer Proteingemische sind al-
lerdings noch umfangreicher und schwerer auswertbarer als Molekulargewichts-
pattern, da Proteine je nach Faltungszustand unterschiedliche pI besitzen kön-
nen und die pI nicht als einzelne pH-Werte, sondern als pH-Wertebereich ange-
geben werden müssen. Ein anschließendes Westernblotting mit Immundetektion,
kann so unterschiedliche Banden für ein Allergen zeigen und zu schwer differen-
zier- und auswertbaren Ergebnisse führen. Allergene werden zudem anhand ih-
rer Molekulargewichte klassifiziert, so dass die Isoelektrische Fokussierung in der
Allergenanalytik nur in Kombination mit der SDS-PAGE zur 2D-Elektrophorese
von Bedeutung ist. Allerdings ist der pI ein wichtiger und spezifischer physikali-
scher Parameter eines Proteins [162].
Methodik
In dieser Arbeit sind ausschließlich Fertiggele (5 % Polyacrylamid, 2 % Ampho-
lyte) mit einem pH-Gradienten pH 3-10 und einer Dicke von 1mm (Invitrogen)
verwendet worden. Die Trennung erfolgte in der XCell II-Mini Cell (Invitrogen), als
Spannungsquelle diente das EPS 3500 (Amersham Pharmacia Biotech).
Die Proben wurden in Probenpuffer (2x) entsprechend ihres Grundzustandes
aufgenommen und gut durchmischt. Nach dem Arretieren des Gels in der Trenn-
kammer wurde der so gebildete innere Tank mit 150 mL Kathodenpuffer, alle
61
Probentaschen müssen hierbei geflutet sein und der äußere Tank mit 300 mL
Anodenpuffer gefüllt. Proben und Marker wurden in der Zielkonzentration ent-
sprechenden Volumina mittels einer Hamilton-Spritze in die Probentaschen ap-
pliziert.
Nach Beendigung des Laufs wurden ein spezifischer Fixationsschritt angeschlos-
sen, in dem das Gel für 0,5 h in 100 mL Fixierlösung geschwenkt wurde. Im An-
schluss wurde das Gel direkt der entsprechenden Färbung zugeführt, ohne den
für diese spezifischen Fixierschritt zu durchlaufen.
Die Laufbedingungen waren wie folgt:
Spannung (V) Laufzeit (min)
Stufe 1: 100 60
Stufe 2: 200 60
Stufe 3: 500 30
Kathodenpuffer, pH 3-10
1x 10x
Arginin 20 mM 3,5 g
Lysin 20 mM 2,9 g
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Dieser Puffer stand als Stammlösung 10x zur Verfügung (Invitrogen).
Anodenpuffer, pH 2,4
1x 10x
Phosphorsäure, 85 % 7 mM 2,4 mL
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen und gut durchmischen.
Dieser Puffer stand als Stammlösung 10x zur Verfügung (Invitrogen).
Fixierlösung
Sulfosalicylsäure 3,46 g
Trichloressigsäure 15,46 g
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Probenpuffer
1x 2
Arginin 20 mM 2 mL Kathodenpuffer
Lysin 20 mM 2,9 g
Glycerol 15 % 3 mL
Mit H2Odd auf 10 mL auffüllen und gut durchmischen.
Dieser Puffer stand als Stammlösung 2x zur Verfügung (Invitrogen).
Markerproteine
Broad Calibration Kit, pH 3-10 (Amersham Pharmacia Biotech)
Der Kit enthielt lyophilisierte Proteine mit den folgenden isoelektrischen Punkten:
3,50; 3,75; 4,55; 5,20; 5,85; 6,55; 6,85; 7,35; 8,15; 8,45; 8,65 und 9,30.
62
3.2.10 Färbung, Dokumentation und Auswertung von
Elektrophoresegelen
Im Anschluss an eine elektrophoretische Trennung wurden die Gele entweder
einer Visualisierung durch Anfärbung oder einem Westernblotting mit anschlie-
ßender Immundetektion zugeführt. Die Visualisierung erfolgte durch eine der bei-
den im folgenden beschriebenen Färbetechniken.
3.2.10.1 Kolloidale Coomassie-Färbung [190]
Fixierung der Proteine im Gel in 100 mL Fixierlösung für 60 min.
Färbung des Gel in 100 mL Färbelösung ü/N.
Waschen des Gels in 100 mL Waschlösung für 5 min zur Entfernung über-
schüssiger Farbkomplexe.
Alle Schritte fanden unter ständiger Durchmischung niedriger Intensität auf einem
Horizontalschüttler bei Raumtemperatur statt.
Fixierlösung
o-Phosphorsäure (35 %) 1 mL
Methanol 20 mL
H2Odd 79 mL
Färbelösung
Methanol 20 mL
H2Odd 60 mL
Roti-Blue (5x) (Roth) 20 mL
Gut durchmischen.
Waschlösung
Methanol 25 mL
H2Odd 75 mL
3.2.10.2 Silberanfärbung [191]
Fixierung der Proteine im Gel in 100 mL Fixierlösung für 60 min.
Waschen des Gels mit 100 mL Waschlösung (3 x 10 min).
Inkubation in Sensibilisierungslösung für 1 min.
Waschen des Gel mit 100 mL H2Odd (3 x 20 sec).
Imprägnierung des Gels mit 100 mL Imprägnierlösung für 20 min.
Waschen des Gel mit 100 mL H2Odd (3 x 20 sec).
63
Entwicklung mit 100 mL Entwicklungslösung, bis die Banden ausreichend
gefärbt sind. Gel färbt noch nach, so dass vor dem Erreichen des ge-
wünschten Färbegrades die Entwicklung beendet werden muss.
Waschen und Stoppen der Färbung mit 100 mL H2Odd (2 x 20s).
Stoppen der Färbung durch 100 mL Stopplösung (2 x 30 s und 1 x 10 min).
Waschen des Gel mit 100 mL Waschlösung für 30 min.
Alle Schritte fanden unter geringer ständiger Durchmischung Intensität auf einem
Horizontalschüttler bei Raumtemperatur statt.
Entwicklungslösung
Dinatriumcarbonat 60 g/L 20 mL
Natriumthiosulfat x 5 H2O 4 mg/L 1 mL
p-Formaldehyd, 37 % (v/v) 0.5 mL 75 µL
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Fixierlösung
Ethanol 15 mL
Eisessig 12 mL
p-Formaldehyd, 37 % (v/v) 50 µL
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Imprägnierlösung
Silbernitrat 2 g/L 1 mL
p-Formaldehyd, 37 % (v/v) 0.5 mL 75 µL
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Sensibilisierungslösung
Natriumthiosulfat x 5 H2O 0,25 g/L 1 mL
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Stopplösung
Ethanol 45 mL
Essigsäure 36 mL
Mit H2Odd auf 300 mL auffüllen und gut durchmischen.
Waschlösung
Ethanol 15 mL
Mit H2Odd auf 300 mL auffüllen und gut durchmischen.
3.2.10.3 Trocknen der Gele
Die angefärbten Gele wurden im Anschluss gegen Quellen und mechanische
Beanspruchung geschützt, sowie durch Trocknen in einen langfristig lagerfähigen
Zustand überführt.
Inkubation der Gele für 30 min unter leichtem Schwenken in 100 mL Trockn-
erlösung.
64
Einschlagen der Gele in Cellophanfolie (Amersham Pharmacia Biotech).
Hierzu wurde eine Cellophanfolie in H2Odd getränkt und auf einer Glasplatte
blasenfrei glattgestrichen. Das Gel wurde auf der Mitte der Platte abgelegt
und mit H2Odd gewässert. Zum Abschluss wurde eine zweite gewässerte Fo-
lie auf dem Gel platziert und blasenfrei glattgestrichen. Die überstehenden
Folienenden wurden an der Unterseite der Glasplatte glattgestrichen.
Das so fixierte Gel ü/N an der Luft trocknen. Eine schnellere Trocknung kann
durch Überleiten eines warmen Luftstroms erzielt werden, wobei es aufgrund
unregelmäßiger Trocknung aber zu Gelrissen kommen kann.
Trocknerlösung
Glycerin (99,5 %) 10 mL
Ethanol 20 mL
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
3.2.10.4 Dokumentation und Auswertung der gefärbten
Proteinspektren
Die getrockneten Gel- und Blotfolien wurden mittels eines Scanners mit Durch-
lichteinheit (JX-330, Sharp) und der entsprechenden Software (ScanJX/Win 4.2,
Sharp) in ein 8-bit 256-Graustufen-Bild im TIF-Format digitalisiert und mit der 1D-
Image- Master-Software (Amersham Pharmacia Biotech) ausgewertet. Hierdurch
erfolgte die Zuordnung der Markerbanden und die anschließende Kalkulation der
Molekulargewichte bzw. der isoelektrischen Punkte.
3.2.11 Immunoblotting
In einer Polyacrylamidmatrix fokussierte Proteine können durch ein senkecht
angelegtes elektrisches Feld unter Beibehaltung ihrer Auftrennung eluiert und auf
eine Membranoberfläche transferiert werden. Die Membran dient hierbei als „In-
terface“ zur weiteren Analytik der Proteine, wie einer anschließenden Immunde-
tektion oder massenspektroskopische Untersuchung. Die Kombination der e-
lektrophoretischen Trennung komplexer Proteinextrakte und die anschließende
Fixierung auf einer Membran ermöglicht die Identifizierung und Charakterisierung
der Komponenten, einschließlich der IgE-bindenden Bestandteile.
In der vorliegenden Arbeit erfolgte die Immundetektion nach der Inkubation mit
Allergikerserum durch ein anti-Human IgE-AP-Konjugat24, die anschließende
24 Immunglobulin E mit Alkalischer Phosphatase als enzymatischer Amplifikator
65
Farbentwicklung entweder durch ein Chromogen-(BCIP25/NBT26) oder Chemilu-
mineszenz-(CSPD)-Substrat27. Bei letzterem fand die Visualisierung auf einem
Röntgenfilm statt. Die Nachweisgrenzen lagen nach Angaben der Hersteller für
das BCIP/NBT bei 10-50 ng und für CSPD bei bis zu 10 ng. Ausführliche Be-
schreibungen zum Elektroblotten [186, 162], sowie grundlegenden Arbeiten zur
Anwendung des Immunoblottings in die Allergendiagnostik sind in der Literatur zu
finden [192, 193].
Nach anfänglichen Vergleichen des Transfers zwischen dem Tank- und Semidry-
Verfahren kam ausschließlich das Semidry-Verfahren zum Einsatz. Das Verfah-
ren ist einfacher, ressourcenschonender und benötigt keine Kühlung. Die starke
Hitzeentwicklung im Tankblotting kann zur Schädigung der Proteine in ihrer bio-
logischen Aktivität führen, wobei eine Kühlung nur mit sehr hohem Aufwand
gleichmäßig zu gestalten ist, unregelmäßige Blottergebnisse sind die Folge. Zu-
dem sind Immunnachweise nach Semidryblotten empfindlicher, da der Transfer
schonender ist als der durch Tankblotten [186]. Die Proteine wandern offensicht-
lich weniger tief in die Membran und bleiben eher auf der Oberfläche haften, wo
sie besser detektiert werden können.
Methodik
Gelelektrophorese
1. Auftrennung der Proteinlösungen durch elektrophoretische Verfahren (SDS-
PAGE, IEF oder native Elektrophorese).
2. Lösen des Gels aus der Kammer und äquilibrieren im Kathodenpuffer für 5
min.
Das Gel nicht überladen, als Beispiel ca. 10-20 µg einer komplexen Proteinlö-
sung auf einem Minigel (Lanebreite 8 mm, BioRad MiniProtean II).
Vorbereiten der Blotmembran
1. Schneiden der Blotmembran auf die exakten Gelmaße und markieren einer
Ecke.
2. Aktivieren der PVDF28-Membran (0,45 µm, Invitrolon PVDF, Invitrogen) für 15
sec in 100 % Methanol.
25 5-Bromo-4-chloro-3-indolyl-1-phosphatase
26 Nitro-blue-tetrazolium
27 Disodium 3-(4-metho xyspiro {1,2-dioxetane-3,2'-(5'-chloro) tricyclo (3.3.1.1 3,7) decan}-4-yl) phenyl phos-
phate
28 Polyvinylidenfluorid
66
3. Waschen der Membran in H2Odd für 2 min.
4. Äquilibrieren in Anodenpuffer II für 5 min.
Semidry-Transfer
1. Sättigen der Graphitelektroden (Anode und Kathode) mit H2Odd.
2. Wässern zweier Filterpapiere29 (exakt auf Gelgröße schneiden) in Anoden-
puffer I und platzieren auf der Anode. Luftblasen durch Walzen des Filtersta-
pels mit einer Pasteurpipette entfernen.
3. Wässern eines Filters (exakt auf Gelgröße schneiden) in Anodenpuffer II und
platzieren auf den ersten beiden Filtern. Luftblasen entfernen.
4. Plazieren der vorbereiteten Membran auf dem Filterstapel.
5. Plazieren des Gels auf der Membran und die Zuordnung Markierung Gel und
Membran beachten.
6. Wässern dreier Filter (exakt auf Gelgröße schneiden) mit Kathodenpuffer und
auf dem Blotstapel platzieren. Luftblasen entfernen.
7. Komplettieren der Bloteinheit durch fixieren der Kathodenelektrode und an
den Stromkreis der Kammer anschließen. Beschweren der oberen Elektrode
durch Glasplatten oder ein vergleichbares Gewicht, wodurch ein gleichmäßi-
ger Transfer gewährleistet wird.
Die einzuregelnden Stromstärken sind für eine Gelfläche von 50 cm2 abhängig von der Zeit:
Stromstärke pro Fläche [mA/cm2] Stromstärke (Summe) [mA] Zeit [min]
0,8 40 60-120
1,2 60 60
2,5 125 30-45
4,0 200 10-30
Mit ansteigender Stromstärke ist zu beachten, dass größere Proteine zwar leich-
ter aus der Gelmatrix wandern, kleine Proteine aber unter Umständen die Memb-
ran durchschießen. Die gleichmäßigsten Blotergebnisse wurden bei einer Strom-
stärke von 0,8 mA/cm2 und einer Dauer von 1,5 h erzielt.
8. Nach Beendigung des Transfers die Strom-Spannungsquelle ausschalten
und die Verbindung zur Kammer unterbrechen.
9. Vorsichtiges Abheben der oberen Kathode und der auf dem Gel und der
Membran liegenden Filter.
Der Bloterfolg kann anhand
29 Filter mit hoher Flüssigkeitskapazität notwendig, „extra dick“ (<1 mm), z.B. GB004 Schleicher & Schüll).
67
farbiger Markerproteine auf der Membran und im Gel,
einer reversiblen Anfärbung der Membran durch Ponceau S und
der kolloidalen Coomassie-Färbung des Gels verfolgt werden.
Besonders während der Optimierung der Transferbedingungen ist diese Kontrolle
unbedingt zu empfehlen.
Verwendet wurde das Semidry-Sytem (NovaBlot) in Verbindung mit Multiphor II-
Kammer und der Strom-Spannungsquelle EPS 3500 (Ammersham-Pharmacia
Biotech).
3.2.11.1 Chromogene Immundedektion mit BCIP/NBT
Für die chromogene Immundetektion hat sich eine Vorgehensweise der Fa. Milli-
pore [194] bewährt, die auf die Problemstellung optimiert wurde.
PVDF-Membrane müssen hierbei nicht notwendigerweise geblockt oder durch
ausgedehnte Waschschritte von überschüssigen Reagenzien befreit werden.
Trocknen der Membran versetzt sie in den hydrophoben Grundzustand zurück,
Antikörper binden so nur spezifisch an bereits membrangebundene Proteine.
1. Blockieren der freien Bindungsstellen der Membran mit Blockierungspuffer für
30 min.
2. Trocknen der Membran entweder bei 37° C oder bei Raumtemperatur für 1
bzw. 2 h. Die Membran muss vor dem nächsten Schritt vollständig trocknen.
Auf der Membran verbleibende Wassertropfen verursachen hohe Hinter-
grundfärbungen.
3. Kennzeichnen der einzelnen Lanes auf der Membran und schneiden der
Membran in 4-5 mm breite Streifen.
4. Inkubation der Blotmembran mit verdünnten Patientenseren über Nacht bei
RT auf der Wippe in Inkubationstrays (BioRad). Das Serum wird 1:5 in Inku-
bationspuffer verdünnt.
5. Waschen der Membran in Wasch-Puffer (3 x 10 min).
6. Inkubation für 3-4 h mit dem Alkalische-Phosphatase gekoppelten Detektion-
santiköper (mouse anti-human IgE-AP konjugiert, 36413E, Pharmingen)
1:1000 in Inkubationspuffer verdünnt.
7. Waschen der Membran in Wasch-Puffer (3 x 10 min).
68
8. Zugabe von je 1 mL des chromogenen Substrates (Novex) pro Lane zur
Farbentwicklung der alkalischen Phosphatase. Die Entwicklungszeit beträgt
je nach Problemstellung und gewünschter Farbintensität zwischen 20-60 min.
9. Waschen der Membran in Wasch-Puffer (3 x 10 min).
10. Lichtgeschützt trocknen und umgehend dokumentieren.
Es wurde ein diskontinuierliche Puffersystem [162] ohne den vorgeschlagenen
20 %igen Methanolzusatz verwendet, da Methanol die biologische Aktivität der
Proteine beeinflusst.
Anodenpuffer I
Tris 0,3 M/L 36,3 g
Natriumazid30 0,01 % 0,1 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen und gut durchmischen, pH 6,8.
Anodenpuffer II
Tris 25 mM/L 3,03 g
Natriumazid 0,01 % 0,1 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen und gut durchmischen, pH 8,6.
Kathodenpuffer
Glycin 39 mM/L 2,93 g
SDS (w/v) 0,01 % 0,1 g
Natriumazid 0,01 % 0,1 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen und gut durchmischen.
PBS (Phosphat gepufferte Kochsalzlösung)
Kaliumphosphat 10 mM/L 1,74 g
Natriumchlorid 15 mM/L 0,88 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen und gut durchmischen, pH 7,4.
Inkubationspuffer
PBS mit 0,1 % (w/v) Rinder Serum Albulmin (Fraktion V)
Blockierungspuffer
PBS mit 0,05 % Tween 20
5 % (w/v) Magermilchpulver oder 1 % (w/v) Rinder Serum Albulmin (Fraktion V)
Waschpuffer
PBS mit 0,05 % Tween 20
Chromogenes Substrat
Mischen des chromogenen Substrates (Novex) mit H2Odd (3:2)
30 Natriumazid stört einige Enzymdetektionsmethoden.
69
3.2.11.2 Immunoblotting mit Chemilumineszenz (CSPD)-
Detektion
1. Die PVDF-Membran wird für 15 sec in Methanol getränkt und anschließend
für 5 min in Waschpuffer getaucht
2. Die Blotmembran in ein Inkubationsrohr (Kroll) überführen und 30 min mit 6
mL Blocking-Reagenz absättigen.
3. Waschen: 5 min mit 6 mL Waschpuffer.
4. Inkubation des Blots ü/N bei RT mit Humanserum-Lösung (Se-
rum:Waschpuffer 1:5)
5. Waschen: 3 x 10 min mit je 6 mL Waschpuffer.
6. Inkubation des Blots mit 6 mL Maus-anti-Human IgE-AP-Konjugat (Aller-
gopharma F-PL-Ka, 1:1000 Fertiglösung) bei RT für 2 h
7. Waschen: 3 x 10 min mit je 6 mL Waschpuffer.
8. Waschen: 2 x 5 min mit je 6 mL Assay-Puffer.
9. Inkubation des Blots mit 6 mL CSPD-Substrat-Lösung
10. Die Blotmembran wird vorsichtig auf eine durchsichtige PE-Folie in einer
Röntgenfilm-Kassette gelegt, mit einer weiteren Folie abgedeckt, die mit Te-
safilm am Kassettenrand fixiert wird.
11. Licht aus, Infrarot-Lampe an!
12. Für jeweils 10, 20 und 40 min wird ein Röntgenfilm (Kodak X-Omat AR) auf-
gelegt und entwickelt.
Phosphat gepufferte Kochsalzlösung (PBS) 10 x
Dinatriumhydrogenphosphat 82,3 g
Natriumdihydrogenphosphat x 4 H2O 23,5 g
Natriumchlorid 40,0 g
Natriumazid 0,5 g
Auf 100 mL mit H2Odd auffüllen, pH (6,8-7,2). Lagerung bei RT bis zu drei Monate.
Waschpuffer
Tween 20 (v/v) 0,1 %
100 mL PBS (10x) geben und auf 1000 mL auffüllen.
Lagerung bei RT bis 1 Monat.
Blockinglösung
500 mg Blocking-Reagenz (Magermilchpulver)
PBS (10x) 25 mL
TWEEN 20 (v/v) 0,05 %
250 mL H2Odd im Wasserbad bei 40° C lösen.
Bei höheren Temperaturen Gerinnungsgefahr. Lagerung bei 4° C bis zu einem Monat.
70
Assay-Puffer; pH 10
Diethanolamin 9,6 mL
Magnesiumchlorid x 6 H2O 250 mg
in ca. 900 mL H2Odd lösen
mit 1N Salzsäure auf pH 9,9-10,1 einstellen.
mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen.
Lagerung bei 4° C bis zu einem Monat.
CSPD-Substrat-Lösung
CSPD (Serva) 60 µL
Assay-Puffer 6 mL
3.2.12 Patientenseren
Die verwendeten Patientenseren (Tabelle 7) entstammten bis auf das Poolserum
des Pharmaunternehmes der Serenbank der Allergie- und Asthma Klinik, Bad
Lippspringe und kamen als Einzelserum zum Einsatz. Die Patienten wurden nach
positiver Anamnese und Hauttestung auf Hausstaub- und/oder Vorratsmilben
vorselektiert und mittels des CAP-Tests (Amersham Pharmacia Biotech) auf ih-
ren Gehalt an spezifischen IgE hin untersucht.
Die folgenden Seren wurden verwendet:
Nr. d 1 d 2 d 70 d 71 d 72 d 73 d 74
15 4 2 2 2 1 2
26 5 4 5 4
36 6 4 4 4
46 6 3 4 4 2 2
53 3 0 0 0 0 0
65 5 3 3 3 2
75 4 4 4 4 3 4
84 3
93 4
10 6 6
11 6 6
12 4 4
13 3 3
14 4 4
15 6 5
d 1
d 2
d 70
d 71
d 72
d 73
d 74
Dermatophagoides pteronyssinus
Dermatophagoides farinae
Acarus siro
Lepidoglyphus destructor
Tyrophagus putrescentiae
Glycyphagus domesticus
Euroglyphus maynei
Tabelle 7 – Verwendete Patientenseren
Abschließend erfolgte die Einordnung der Ergebnisse in Sensibilisierungsklas-
sen, den RAST-Klassen. Eine Zuordnung der CAP- zur RAST-Klassifizierung
zeigt Tabelle 8.
71
CAP-RAST-Klasse allergenspezifische IgE-Konzentration
[kU/L]31 RAST-Klasse
0< 0,35 0
10,35 - 0,70 1
20,70 - 3,5 2
33,5 - 17,5 3
417,5 – 50 4
550 – 100 4
6> 100 4
Tabelle 8 – CAP-RAST-Klassen im Vergleich zur RAST-Klassen-Einteilung
3.2.13 Zymogramm
Ein Zymogramm ermöglicht die Bestimmung von Metalloproteasen, Colla-
genasen und weiteren Proteasen, die in der Lage sind, Casein oder auch Gelatin
als Substrat umzusetzen. Hierzu wird das entsprechende Substrat in der Polya-
crylamidmatrix von Elektrophoresegelen eingebunden und die Probe identisch zu
einer SDS-PAGE aufgetrennt. Damit die Umsetzung des Substrates durch die
Proteasen vonstatten gehen kann, wird nach Beendigung der Trennung das Gel
für eine bestimmte Zeit bei 37° C inkubiert. An den Stellen im aufgetrennten
Bandenspektrum des Gels, an dem sich Proteasen befinden, wird das Substrat
aus dem Gel umgesetzt. Die anschließende Coomassie-Färbung ergibt an dieser
Stelle keine Färbung, wohingegen das Gel an allen Stellen kräftig durchgefärbt
wurde, an denen noch Reste des Substrates im Gel verblieben [195]. Die Zuord-
nung der Proteasen erfolgt über den Vergleich mit Molekulargewichtsmarkern
bzw. dem Bandenmuster der „normal“ in einer SDS-PAGE aufgetrennten identi-
schen Probe.
In dieser Arbeit wurden 12 %ige Tris-Glycine-Fertiggele (Invitrogen) mit Casein
verwendet. Da sie identisch mit den in der SDS-PAGE verwendeten Gelen wa-
ren, konnten bei gleichen elektrophoretischen Bedingungen ein direkter Übertrag
der Molekulargewichtsmarker und des Bandenspektrums erfolgen. Die Nach-
weisgrenze des Gaseingels lag laut Herstellerangabe bei 7 x 10-4 Trypsineinhei-
ten.
Methodik
Die frisch hergestellten bzw. rekonstituierten Proben wurden 1:1 mit dem aus der
SDS-PAGE bekannten Probenpuffer versetzt und für 10 min bei Raumtemperatur
inkubiert und anschließend in der entsprechenden Konzentration in die Proben-
31 Kilo Units/Liter
72
taschen des Gels appliziert. Die Probenkonzentration betrug bei allen Proben
zwischen 180 und 200 µg/mL. Die elektrophoretischen Trennung wurde in einer
XCell II-Mini-Cell (Invitrogen) durchgeführt und entsprach in ihren Bedingungen
(Puffer, Spannung und Laufzeit) der in dieser Arbeit verwendeten SDS-PAGE.
Nach Beendigung der Elektrophorese wurde das Gel unter leichtem Schwenken
für 30 min bei Raumtemperatur in 100 mL Renaturierungslösung inkubiert. An-
schließend folgte die Inkubation in 100 mL Entwicklerlösung bei Raumtempera-
tur. Danach wurde die Entwicklerlösung gewechselt und es erfolgte die abschlie-
ßende Inkubation bei 37° C. Die Dauer des letzten Schrittes hing von der prote-
olytischen Aktivität der Proben und dem gewünschten Substratumsetzungsgrad
ab und betrug zwischen 1,5 h und 12 h (ü/N). Die Visualisierung erfolgte für 30
min in einer Coomassie-Färbung, die zur Steigerung des Kontrastes gegenüber
der üblicherweise verwendeten Rezeptur einen höheren Anteil an Farbpigmenten
enthielt. Die Entfärbung erfolgte bis zum gewünschten Kontrast in 100 mL Ent-
färbungslösung unter leichtem Schwenken.
Die Laufbedingungen waren wie folgt:
Spannung 125 V (konstant über die Laufzeit)
Stromstärke Start: ca. 30-40 mA
Ende: 8-12 mA
Laufzeit 90 min
Probenpuffer; pH 8,45
1 x 4 x
Glycerol 1,09 M 4,0 g
Tris 141 mM 0,682 g
Tris-HCL 106 mM 0,666 g
LDS 73 mM 0,8 g
EDTA 0,51 mM 0,006 g
Serva Blue G 250 0,22 mM 0,75 mL einer 1 %igen Lösung
Phenolrot 0,175 mM 0,25 mL einer 1 %igen Lösung
Mit H2Odd auf 10 mL auffüllen.
Der Puffer wurde als Fertigpuffer NuPage LDS Sample Buffer (Invitrogen) bezogen.
Laufpuffer; pH 8,3
1x 10x
Tris 25 mM 29 g
Glycin 192 mM 144 g
SDS (w/v) 0,1 % 10 g
Mit H2Odd auf 1000 mL auffüllen.
Renaturierungslösung
1x 10x
Triton X-10032 2,7 % in H2Odd 135 g
Mit H2Odd auf 500 mL auffüllen.
32 t- Octylphenoxypolyethoxyethanol
73
Entwicklerlösung
1x 10x
Tris 50 mM 30,2 g
Salzsäure (6 N) 40 mM 33 mL
Natriumchlorid 200 mM 58,5 g
Calciumchloriddihydrat 5 mM 3,7 g
Brij 3533 (w/v) 0,2 % 1,0 g
Mit H2Odd auf 500 mL auffüllen.
Färbelösung
Coomassie Brilliant Blue (w/v) 0,5 % 0,5 g
Mit Entfärberlösung auf 100 mL auffüllen und gut durchmischen.
Entfärbungslösung
Essigsäure 10 % (v/v) 10 mL
Methanol 30 % (v/v) 30 mL
Mit H2Odd auf 100 mL auffüllen.
33 Polyethylen-23-Laurylether
74
4 ERGEBNISSE UND DISKUSSION
4.1 UV/VIS-SPEKTROSKOPIE
Es wurden in den Proben 23, 24 und 25 die für Proteine typischen Absorptions-
spektren gefunden [178]. Zu einen das stark ausgeprägte Maximum des n-π*-
Übergang der Peptidbindungen bei 220 nm und zum anderen das auf entschie-
den niedrigerem Niveau verlaufende Maximum des π - π*-Übergangs der chro-
mophoren Aminosäuren bei 260-280 nm (Abbildung 5, A).
Der molare Extinktionskoeffizient nm259 cmmol/L
ε
= 0,513 x 10-3 entspricht bei einer
Schichtdicke der Küvette von 1cm einem mittleren Molgewicht von 19,5-22 kDa.
Der scheinbare Extinktionswert wurde zu )nm259%(1
mL/mg
Ε
= 0,107 bestimmt. Dies ent-
spricht einer optischen Dichte von OD1%(259nm) = 1,0 für eine Proteinkonzentrati-
ondie von 107 µg.
Mit zunehmender Verdünnung der Probe 23 (Abbildung 6; A-C) nahm die Extink-
tion bei 260 nm entsprechend dem Lambert-Beerschen-Gesetz34 linear gegen die
Konzentration [µg/mL] ab. Es kann daraus geschlossen werden, dass mit zu-
nehmender Verdünnung keine bemerkenswerte Dissoziation und/oder Umfaltung
eintrat, sondern - wenn überhaupt - der Grad der Aggregation der Moleküle un-
tereinander schwindet [178]. Das Maximum der Peptidbindung sank proportional
der Verdünnung, wobei die Verschiebung des Maximums von 225 nm hin zu 205
nm in der 1:8-Verdünnung auf das Abnehmen der Wasserstoffbrückenbindungen
bzw. eine Veränderung der Sekundärstruktur hinweisen könnte. Welche Grund-
struktur überwiegt, α-, β-Struktur oder random-Coil, lässt sich z.B. mittels opti-
scher Rotationsdispersion (ORD) oder Circulardichroismus (CD)-Spektroskopie
abschließend beurteilen. Die unterschiedlichen Sekundärstrukturen können auf-
grund verschiedener Polarisationsrichtungen wellenlängen-abhängig (210-280
nm) voneinander differenziert werden [177].
Die Absorption bei 260 nm erwies sich zudem als pH-abhängig bei konstanter
Temperatur und Ionenstärke und Proteinkonzentration. Die Zugabe von Essig-
säure zur Probe 24 führte zu einem starken Absinken des chromophoren Ab-
34 A= log (Io/I) = ε x c x d
Bei konstantem molaren Extinktionskoeffizienten ε und unveranderter Messbreite (Kuvettendicke) d verhalt sich
die Absorption A zur Konzentration c linear proportional.
75
sorptionsanteils bei 260 nm und einer Überlagerung der Peptidbindungen bei 220
nm mit dem Essigsäurespektrum (nicht gezeigt).
Die Zugabe 1 N Natronlauge zur Probe 23 führte zu einem proportionalen Absin-
ken des chromophoren Maximums, aber nicht zu einer Verschiebung zu höheren
Wellenlängen (Abbildung 7, D) hin. Hieraus kann gefolgert werden, dass der
chromophore Anteil hauptsächlich durch Phenylalanin, dessen spezifisches Ma-
ximum bei 257 nm liegt, und nicht durch Tyrosin (275 nm) oder Tryptophan (280 -
291 nm) hervorgerufen wird [178]. Im alkalischen Milieu verändern letztere ihre
Abbildung 6 – UV-Absorptionsspektren eines D. pteronyssinus Extraktes (Lyophilisat Probe
23). A. Originalextrakt; B. 1:2 Verdünnung mit Cocas‘-Puffer; C. 1:8 Verdünnung.
A
CB
76
chromophoren Systeme, so dass es zur angesprochenen Verschiebung des Ma-
ximums kommen würde.
6 N Harnstoff bewirkte in der Probe 23 eine n-π* Verschiebung bei 220 nm um
ca. 5 nm (Abbildung 7, E). Das Glätten der Peakspitze zeigte den gleichzeitigen
Verlust an Sekundärstruktur und damit eine Verschiebung von einem Struktur- zu
einem Bandenspektrum [196]. Im Gegensatz zur Verdünnung mit Pufferlösung,
resultierte die Harnstoffzugabe lediglich in einer Abnahme des n-π*-Maximums
um ca. 10 %.
Ein Vergleich zwischen Extrakten aus Kulturen gleicher Milbenspezies aber un-
terschiedlichen Ursprungskulturen, Allergon (Probe 25) vs. CSL (Probe 23), er-
gab anhand des Peakhöhenverhältnis 220 vs. 260 nm einen höheren aromati-
schen Charakter des CSL-Lyophilisates.
4.2 SPEZIFISCHE BESTIMMUNG DER
MAJORALLERGENE DER P 1 UND DER P 2
Verschiedene Extrakte (Proben 1, 12, 16, 18) der Milbe D. pteronyssinus wurden
ab einem Verdünnungsverhältnis von 1:1000 analysiert. Die Ergebnisse der
ELISA-Bestimungen können der Tabelle 9 entnommen werden. Die gleichzeitige
Analyse eines frischen L. destructor Extraktes (Probe 14) ergab optische Dichten
in der Größenordnung der jeweiligen Leerwerte für den Der p 1- und den Der p 2-
Abbildung 7 – UV-Absorptionsspektren eines D. pteronyssinus Extraktes (Lyophilisat). D.
1:2 Verdünnung der Ausgangsprobe (Abb. 6A) mit 600 µL 6 N Harnstoff; E. 1:2 Verdünnung
der Ausgangsprobe mit 600 µL 1 N Natronlauge.
DE
77
ELISA. Eine Kreuzreaktion der monoklonalen Antikörper gegen die Hausstaub-
milbe mit Epitopen der fremden Spezies Vorratsmilbe bestanden demnach nicht.
Probe
Nr.
Probenbeschreibung Der p 1
[ng/mL]
Der p 2
[ng/mL]
Der p 1/Der p 2
1Referenzextrakt Pharmaunternehmen 48,2 35,0 1:0,73
12 Allergon-Kultur (Frischer Extrakt) 39,3 27,7 1:0,7
16 Allergon-Kultur (Lyophilisat) 25,8 25,0 1:0,96
18 CSL-Kultur (Lyophilisat) 26,6 19,8 1:0,74
Tabelle 9 - Ergebnisse der spezifischen Allergenbestimmung
Der Referenzextrakt (Probe 1) enthielt im Vergleich die höchste Konzentration an
Der p 1 und Der p 2 in einem Verhältnis von 1:0,73. Eine genaue Beschreibung
des Herstellungsprozesses für den Referenzextrakt des Pharmaunternehmens
konnte nicht eingesehen werden. Es wird angenommen, dass die höhere Aus-
beute aufgrund einer längeren Extraktionszeit zustande kam, da bei selbst
durchgeführten Extraktionen ein vergleichbares Verhältnis von 1:0,7 für einen
frischen Extrakt (Probe 12) erzielt werden konnte. Belegt wird diese Annahme
durch die ebenfalls erhöhten Ausbeuten des frisch hergestellten Allergon-
Extraktes, dessen Extraktionszeit sechs anstatt wie bei den Lyophilisaten vier
Stunden andauerte.
Das Verhältnis Der p 1/Der p 2 der lyophilisierten CSL-Probe (Probe 18) stimmte
sehr gut mit der Referenz und auch dem frisch hergestellten Extrakt überein. Da-
her wird vermutet, dass sich die CSL-Kultur entweder grundsätzlich stabiler ge-
genüber der Gefriertrocknung verhält und/oder die Ausgangskultur der Referenz-
kultur in ihrer Zusammensetzung sehr nahe kommt. Der fast identische Anteil an
Der p 1 und Der p 2 im Allergon-Lyophilisat (Probe 16) deutet auf mögliche Ver-
änderungen durch die Gefriertrocknung hin, da der frische Allergon-Extrakt (Pro-
be 12) der Referenz entspricht. Untersuchungen zur proteolytischen Aktivität
zeigten für das Allergon-Lyophilisat (Probe 16) die insgesamt höchste Aktivität.
Das CSL-Lyophilisat (Probe 18) entsprach der Referenz und zeigte im Zy-
mogramm die geringste Proteaseaktivität. Ein direkter Zusammenhang zwischen
dem Verhältnis der Majorallergene zueinander und der proteolytischen Aktivität
ist zukünftig zu prüfen.
Insgesamt lassen die Ergebnisse den Schluss zu, dass alle Kulturen zu einem
sehr hohen Grad ausschließlich Milbenkörper enthielten und Kotpellets nahezu
vollständig abgetrennt wurden. Wären die Kulturen mit größeren Mengen an Kot-
pellets verunreinigt, so wäre der Der p 1-Gehalt gegenüber Der p 2 um ein Viel-
faches erhöht [158] (siehe „Herstellung von Allergenextrakten–eine Übersicht“).
78
4.3 AUSSCHLUSSCHROMATOGRAPHIE (SEC)
γ-Globulin (158 kDa) und Thyroglobulin (670 kDa) wurden durch die Säulenmat-
rix (Ausschlussvolumen ~70 kDa) nicht getrennt, so dass nur der scheinbare
durchschnittliche Molekulargewichtsbereich (gewichts- und zahlenmäßig) von
1,35 bis 44 kDa zur Molekulargewichtsbestimmung herangezogen werden konn-
te. Die Analyse der erhaltenen Elutionsprofile einschließlich ihrer Retentionszei-
ten wurde unter der Annahme durchgeführt, dass sich die Standardproteine in
engen hydrodynamischen Grenzen bewegen, d.h. ähnliches partielles spezifi-
sches Volumen und sphärische Form einnehmen sowie unter den Elutionsbedin-
gungen weder dissoziieren noch aggregieren. Die auf diese Art und Weise kalib-
rierte Säule wurde zur Molgewichtsbestimmung der Proteinanteile im Extrakt he-
rangezogen. Das Methodenprofil konnte nicht variiert werden, da es sich um eine
genormte analytische Methode in einem pharmazeutischen Unternehmen han-
delte und auch dort durchgeführt werden konnte.
Allergon
(Probe 3)
CSL
(Probe 2)
Hausreferenz
(Probe 1)
Der p 1 Der p 2Marker
[Da]
Lyophilisat Dialyse-
wasser
Lyophilisat Dialyse-
wasser
670.000
158.000 151.000 141,554 147.022
75.584
44.000 44.463 43.721 42.810
31.348
17.000 16.459 15.780 15.780 15.452
8.181 6.382
1.350 1.797 1.624 1.804 1.812 1.812
959 963 928 908 939
643
534 541
200
173 168 162
105
50 46 51 48 52
20 20 18 20
Tabelle 10 - Molekulargewichtsfraktionen in Dalton
In der Hausreferenz konnten neun Fraktionen zwischen 200 und 147.000Da be-
stimmt werden (Abbildung 8). Alle Extrakte zeigten Komponenten in den Berei-
chen 140-150, 42-43, 15, und 1,8 kDa sowie 95 Da (Tabelle 10). Es wird ange-
nommen, dass sich die Allergene der D. pteronyssinus Extrakte aus diesen
Komponenten zusammensetzten und größere Proteine aus der Kombination
kleinerer Proteine kombiniert werden. Den Molekulargewichtsfraktionen ab 900
Da und darunter fehlt aufgrund mangelnder Masse die Funktionalität, sie sollen
daher nicht weiter betrachtet werden. Die berechneten Molekulargewichte von
79
ca. 150 kDa könnten, aufgrund der für diesen Bereich nur sehr eingeschränkt
anwendbaren Standardreihe, durchaus im höheren Molekulargewichtsbereich
angesiedelt sein. Eigene massenspektroskopische Untersuchungen konnten im
Bereich von ca. 170 kDa die größten proteinogenen Extraktbestandteile identifi-
zieren. Für die eng verwandte Hausstaubmilbe D. farinae wurde ein Protein mit
einem Molekulargewicht von 177 kDa publiziert [55].
Zusätzlich wurden die Majorallergene Der p 1 und Der p 2 analysiert. Das für Der
p 2 berechnete Molekulargewicht von 15,5 kDa ist identisch mit dem durch SDS-
PAGE bestimmten Wert von 15,6 kDa (siehe „Unregelmäßigkeiten der Standar-
dallergene“). Der für Der p 1 erzielte Wert von 6,4 kDa stimmte hingegen nicht
mit dem Literaturwert von ca. 25 kDa überein. Allerdings wurde bei der SDS-
PAGE ein Wert von 24,5 kDa gefunden (siehe „Ergebnisse-SDS-PAGE“); die
anschließende Kontrolle durch Immunoblotting ergab ein schwaches, aber ein-
deutig positives Signal. Eine weitere Komponente mit vergleichbarem Molekular-
gewicht konnte mit 8,2 kDa nur im Referenzextrakt nachgewiesen werden. Aller-
dings zeigen alle drei Extrakte (1, 2 und 3) sowohl in der SDS-PAGE als auch im
Immunoblotting eindeutige Banden im 25 kDa-Bereich. Es kann daher vermutet
werden, dass sich Der p 1 unter den angewandten ionischen Bedingungen der
SEC in etwa vier gleich große Untereinheiten aufgespalten hat. Die Summe aus
4 x 6,4 kDa ergibt 25,5 kDa, das dem Ergebnis der SDS-PAGE entsprach.
Abbildung 8 – Das Chromatogramm der „Hausreferenz“ des Pharmaunternehmens zeigte
das vollständigste Fraktionierungsmuster.
80
Zur Massenbilanzierung hinsichtlich der Proteine bei der Dialyse wurde der je-
weils erste Pufferwechsel analysiert, wobei ein schwacher Peak (0,25 % Anteil
am Gesamtspektrum der Proteine) bei einer Retentionszeit von 11,68 min gefun-
den wurde, der einem berechneten Molgewicht von 31,4 kDa im Lyophilisat der
Allergonprobe entsprechen würde (Abbildung 9). Bei einem Molekularge-
wichtsausschluss der Dialysemembran von 3,5 kDa liegt der theoretische Radius
in Bezug zur Penetration eines Proteins mit Molgewicht von 3,5 kDa unabhängig
von der Form bei ca. 10 Å. Durch die Dialyse der hochsalzigen (0,5 M) Allerge-
nextrakte gegen H2Odd wurde ein hoher osmotischer Druck (~1,5 x 103 Pa) auf-
gebaut, der über den gesamten Dialysezeitraum von >12 h anstand. Da insbe-
sondere native Proteine mit ihrem spezifischen Hydrationsgehalt (normalerweise
um die 0.2 - 0.5 g/mL) sowie ihrer Ionenwolke (Debye-Hückel-Länge) auf osmoti-
sche Drucke dieser Größenordnung sehr empfindlich reagieren können, kann es
unter Umständen zu Umfaltungen oder Änderungen in der Form, welche auch die
hydrodynamischen Formfaktoren, z.B. sphärische, frei durchspülte Knäuel oder
stäbchenartige Formen, kommen. So ist es durchaus nicht verwunderlich, dass
das gefundene Protein mit Molgewicht 31,4 kDa u.U. eine stäbchenförmige
und/oder flexible Form angenommen hat und durch die Dialysemembran ge-
schlüpft ist [197]. Ergebnisse aus Röntgen-Kleinwinkel- und Weitwinkelstreuun-
gen (Cu Kα1-Stahlung, λ = 1.541 Å) stehen nicht unbedingt im Widerspruch zu
diesen Annahmen.
Abbildung 9 – Chromatogramm des ersten Wasserwechsels der Dialyse der Allergon-Kultur.
Der Peak bei 11,68 min wurde mit 31.348 Da kalkuliert.
81
Vor diesem Hintergrund macht auch der Einsatz von PEG bei der Extraktion
Sinn, da es die polaren Wassermoleküle von der Porteinoberfläche fern hält.
Durch den Einsatz von PEG kann es allerdings zu Verschiebungen des Moleku-
largewichtes zu höheren Molgewichten kommen, da die nicht kovalent gebunde-
nen PEG-Moleküle einen Beitrag zum Molgewicht liefern. Im Gegensatz dazu ist
die Aussalzung u.U. bei sehr polaren Proteinen ineffektiv, da diese noch bei ho-
hem Salzgehalt nicht fällbar sind (Einsalzeffekt).
Scheinbare Moleku-
largewichte
[Da]
Hausreferenz
Probe 1
[%]
CSL
Probe 2
[%]
Allergon
Probe 3
[%]
150.000 49,9 26,9 23,3
75.000 0,3
43.000 1,5 0,9 0,6
16.000 3,4 1,8 4,5
1.800 2,8 41,7 55,4
900 24 25,5 15,3
600 8
200 1,8 0,9
50 4,2 1,5 0,8
20 0,8 0,1 0,2
Tabelle 11 - Anteil einzelner Fraktionen am Gesamtspektrum in Prozent bezogen auf die
Peakfläche
Betrachtet man die Anteile der einzelnen Fraktionen an der gesamten Fragmen-
tierung (Tabelle 11), so ist festzustellen, dass durch die Lyophilisation eine er-
hebliche Verschiebung zu kleineren Fragmenten hin erfolgt. Vor allem der Anteil
der 150 kDa Fraktion sinkt konstant in beiden Lyophilisaten um ca. 50 %. Da im
Gegenzug der Anteil der 1,8 kDa Fraktion von 2,8 % (Referenz) auf 41,7 %
(CSL) bzw. 55,4 % (Allergon) ansteigt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich
um eine direkte Verschiebung handelt. In der Gewichtung des Allergon-
Lyophilisates konnte die Fragmentierung zudem auf einem höheren Molekular-
gewichtsniveau gehalten werden, da der Anteil der 1,8 kDa Fraktion erheblich
(14,3 %) über dem des CSL Lyophilisates lag und diesbezüglich der Anteil der
900 Da Fragmente um 10,2 % verringert war. Nimmt man nun weiter für eine
aktive T-Zell-Epitopstruktur eine Sequenzfolge von 8-12 Aminosäuren mit einem
durchschnittlichen Molekulargewicht von ~150 Da an, so resultiert ein Fragment-
gewicht von 1,2-1,8 kDa. 1.8 kDa ist dementsprechend das kleinste Fragment,
dass durch Human-IgE erkannt werden könnte. Der erhöhte Anteil dieser Frakti-
on im Extrakt müsste zu einer erhöhten Aktivität des Allergon-Extraktes gegen-
über dem CSL-Extrakt führen. Für die proteolytische Aktivität konnte dies mittels
Zymogramms nachgewiesen werden (siehe „Proteaseaktivität“), eine erhöhte
allergische Aktivität kann nur vermutet werden, da hierzu eine EAST-Inhibition
und/oder eine Pricktestung durchgeführt werden müsste.
82
Des weiteren konnte, mit Ausnahme der Standards, in jedem untersuchten Ex-
trakt, eine Fraktion bei 900 Da aufgetrennt werden. Die Vermutung liegt nahe,
dass es sich hierbei um eine „Sollbruchstelle“ handelt. Die nächst kleinere Frakti-
on bei 500 Da tritt hingegen nur in den Dialysaten auf, so dass es sich um eine
spezifische Fragmentierung durch den osmotischen Stress der Dialyse handeln
dürfte.
Den Beleg, dass es sich bei den erzielten Molekulargewichten der
Ausschlusschromatographie um scheinbare Molekulargewichte handelte, lieferte
die MALDI-TOF-MS. Dort konnten weder die Molekulargewichte noch deren An-
teil am Gesamtspektrum bestätigt werden. Trotz dieser Einschränkung, lieferte
die Ausschlusschromatographie schnell erste Hinweise auf die Fraktionierung
und Verteilung der Proteine im Extrakt sowie ein Spektrum, das zur Chargenkon-
trolle herangezogen werden kann.
4.4 SDS-PAGE
Die Ergebnisse der Molekulargewichtsbestimmung mittels SDS-PAGE ergaben
für die untersuchten Extrakte gut differenzierte Bandenmuster im Bereich von 14
bis 150 kDa. In der Tabelle 12 sind die Molekulargewichte der verschiedenen
Extrakte aufgeführt, wobei vorhandene Banden durch eine „1“, nicht vorhandene
durch ein „leeres Kästchen“ erkennbar sind.
Alle Spektren zeigten mit bzw. ohne 10 %igen PEG-Zusatz zwischen 21 und 25
verschiedene Banden. Das durchschnittlichen Molekulargewichte variierte zwi-
schen 45 und 54 kDa.
Der Vergleich frischer Extrakte der Spezies D. pteronyssinus (Probe 12) mit L.
destructor (14) untereinander, ergab kaum Unterschiede in der Bandenzahl (25
vs. 24), das durchschnittliche Molekulargewicht war mit 48,6 kDa vs. 52,2 kDa für
L. destructor leicht erhöht. Insgesamt wurde eine 59 %ige Übereinstimmung der
Bandenmuster (12 vs. 14) festgestellt.
Die Lyophilisate zeigten generell gegenüber nicht lyophilisierten Proben ein um
zwei bis fünf Banden ärmeres Spektrum und lagen mit ihren durchschnittlichen
Molekulargewichten von 54,3 kDa für Allergon (Probe 14) und 45,0 kDa für CSL
(Probe 16) am oberen bzw. unteren Ende der Skala. Dem entsprechend konnte
nur eine 70 %ige Übereinstimmung der Lyophilisate festgestellt werden, im Ver-
gleich mit dem frischen Extrakt (Probe 12) wurden mit 76 % für Allergon (Probe
83
14) und 71 % für CSL (Probe 16) höhere Werte erzielt. Die Resultate des Mat-
chings sind in Tabelle 13 gelistet.
Frische Extrakte Lyophilisierte Extrakte
Spezies D. pteronyssinus L. destructor D. pteronyssinus D. pteronyssinus
Hersteller Allergon Uni Paderborn Allergon CSL
Proben-Nr.
[kDa]
12 13
PEG
14 15
PEG
16 17
PEG
18 19
PEG
151,1 1 1 1 1 1 1 1 1
131,7 1 1 1 1
117,0 1 1 1 1 1
106,3 1 1 1 1 1 1
96,9 1 1 1 1 1
85,8 1 1 1 1 1 1 1
79,1 1 1 1 1
74,3 1 1 1 1 1
65,3 1 1 1 1 1 1
59,3 1 1 1 1 1 1
56,6 1 1 1 1 1 1 1
53,1 1
50,9 1 1 1 1 1 1 1 1
49,0 1 1 1
43,8 1 1 1 1 1 1 1
39,8 1 1 1 1 1 1 1
38,4 1 1
34,5 1 1 1 1 1 1 1
31,7 1 1 1
29,5 1 1
26,8 1 1
25,7 1 1 1 1 1 1 1 1
24,1 1 1 1 1 1 1 1
22,1 1 1 1 1 1
21,6 1 1 1
21,0 1 1 1 1
20,2 1 1 1
19,7 1 1 1
18,4 1 1 1 1 1 1 1
17,9 1 1
17,7 1 1
17,4 1 1 1 1 1 1 1 1
16,7 1 1 1
16,6 1 1 1 1 1 1
16,5 1 1 1
16,2 1 1 1 1 1
15,5 1 1 1 1 1
14,9 1 1 1 1 1 1 1
Statistik
MW 48,6 50,9 52,2 54,4 54,3 42,8 45,0 47,1
Banden 25 26 24 24 23 21 21 22
Tabelle 12 - Molekulargewichte der untersuchten Extrakte. Detektierte Banden sind mit 1
gekennzeichnet.
Der 10 %ige PEG-Zusatz bewirkte bei den frischen Extrakten (Probe 13) und
dem CSL-Lyophilisat (Probe 19) nur geringe Schwankungen im durchschnittli-
chen Molekulargewicht, wobei in den Extrakten mit PEG jeweils um 1-2 kDa er-
höhte Werte gefunden wurden. Das durchschnittliche Molekulargewicht des Al-
84
lergon-Lyophilisates (Probe 17) sackte gegenüber dem nicht mit PEG versetztem
Pendant (Probe 16) um 12 kDa ab. Dass aber nicht nur im Allergon-Lyophilisat
durch den PEG-Zusatz größere Veränderungen induziert wurden, konnte anhand
des Vergleiches der PEG-Extrakte mit ihren Ursprungsproben erhaltenen Werte
ersichtlich. Es wurden für alle Extrakte Veränderungen im Umfang von 16-23 %
festgestellt.
Proben
Nr.
12 13 14 15 16 17 18 19
10 10,84 0,59 0,68 0,76 0,74 0,71 0,68
11 0,84 10,51 0,56 0,64 0,63 0,64 0,61
12 0,59 0,51 10,820,63 0,67 0,63 0,5
13 0,68 0,56 0,82 1 0,74 0,72 0,68 0,6
14 0,76 0,64 0,63 0,74 10,84 0,76 0,73
15 0,74 0,63 0,67 0,72 0,84 10,7 0,67
16 0,71 0,64 0,63 0,68 0,76 0,7 10,77
17 0,68 0,61 0,5 0,6 0,73 0,67 0,77 1
Tabelle 13 - Matching der SDS-PAGE-Bandenspektren. Eine 1 bedeutet 100 % Übereinstim-
mung und erhält man durch Vergleich der Probe mit sich selbst. Den Grad der Übereinstim-
mung mit den anderen Proben kann man links bzw. rechts neben der Vergleichsprobe in der
Waagerechten ablesen. Die Probe 15 ist im Beispiel weiß hinterlegt.
4.4.1 Verwendung dissoziierender Reagenzien am Beispiel
Dithiotreitol (DTT)
Zu Beginn der Untersuchungen wurden einige elektrophoretische Trennungen
durch die Zugabe von DTT (25 mM/L) unter sog. dissoziierenden Bedingungen
durchgeführt. Erst DTT bewirkt die weitestgehende Streckung der Proteinstränge.
Hierdurch werden bestehende Disulfidbindungen gekappt und die entstehenden
SH-Gruppen geschützt, wodurch eine Rückfaltung und Aggregation verhindert
wird [162]. Entsprechend behandelte Proben lassen durch die erhöhte Fragmen-
tierung vor allem im niedermolekularen ein differenzierteres Spektrum mit er-
höhter Bandenanzahl Bereich erwarten.
Die untersuchten Milbenextrakte (Proben 16, 17, 18 und 19) verhalten sich unter
den skizzierten Bedingungen konträr. In Abbildung 10 wird je ein Coomassie ge-
färbtes Bandenmuster für eine Behandlung mit (links) und ohne (rechts) DTT-
Zugabe gezeigt. Die Proben A-AD, B-BD, C-CD und D-DD bilden Probenpaare,
die sich nur im Zusatz an DTT unterscheiden. Alle anderen Parameter wie Kon-
zentration, Gelkonstitution, Lauf- und Färbebedingungen waren identisch. Die
Reihe M zeigt den Molekulargewichtsmarker.
85
Ohne DTT zeigten die Proben über den gesamten Trennbereich das eindeutig
differenzierte und reichhaltigere Bandenspektrum. Die Zugabe von DTT bewirkte
hingegen ein „verwischen“ der Banden. Unterhalb von 14,4 kDa und oberhalb 94
kDa fehlen ganze Bereiche des Spektrums. Im Bereich zwischen 14,4 kDa und
94 kDa fehlen Banden komplett bzw. sind nur sehr undeutlich zu erkennen. Die
beobachteten Veränderungen sind ein Indiz für vorhandene Disulfidbrücken, zu-
dem ist für DTT eine Cysteinprotease aktivierende Wirkung bekannt .
Das hier in aller Kürze beschriebene Phänomen ist aus der Literatur bekannt
[198, 193] und bislang nur für Milbenextrakte beobachtet worden. Normalerweise
werden Allergenextrakte, wie z.B. aus Schimmelpilzen oder Gräsern unter disso-
ziierenden Bedingungen analysiert [199].
Abschließend ist festzuhalten, dass auch die Solubilisierung durch SDS Verände-
rungen in der Probe hervorruft, wie z.B. hochmolekulare Fragmente, allerdings
nicht in dem Umfang, wie durch den DTT-Zusatz. Sind nach der elektrophoreti-
schen Trennung Untersuchungen beabsichtigt, die biologisch aktive Proteine
benötigen, so ist eine Native Elektrophorese zu bevorzugen.
Abbildung 10 – Die Verwendung dissoziierender Reagenzien am Beispiel Dithiotreitol (DTT).
Die Proben (Lyophilisate) wurden auf der linken Seite ohne und auf der rechten Seite mit
DTT aufgetrennt. A. Allergon (16), B. Allergon + 10 % PEG (17), C. CSL (18), D. CSL + 10 %
PEG (19), M. Low Molecular Marker.
86
4.4.2 Unregelmäßigkeiten der Standardallergene
Die in dieser Arbeit in der SDS-PAGE und im Immunoblot verwendeten Standar-
dallergene Der p 1 und Der p 2 kamen als Routinestandards in der Chroma-
tographie, der Elektrophorese und in immunologischen Verfahren, wie z.B.
ELISA, im Pharmaunternehmen zum Einsatz. Sie wurden affinitätschroma-
tographisch aus Standardextrakten isoliert.
In der Anwendung zeigten sich vor allem für Der p 1 verschiedene Unregelmä-
ßigkeiten (Abbildung 11-Reihe G1). Neben der erwarteten kräftigen Bande bei
24,5 kDa wurden in der SDS-PAGE vier weitere Banden bei 16,5 (Nr. 1), 30 (Nr.
2), 32 (Nr. 3) und 34 kDa (Nr. 4) festgestellt. Allerdings zeigte die 24,5 kDa Ban-
de nur eine sehr schwache Immunreaktion (Abbildung 11-Reihe B1), die weder in
Umfang noch Intensität mit der "SDS-PAGE-Bande" vergleichbar war (Nr. 6). Bei
16,5 kDa (Nr. 1b) konnte keine Reaktion festgestellt werden, alle weiteren Ban-
den (Nr. 2b, 3b, 4b) zeigten eine positive Resonanz auf das Poolserum. Es wird
angenommen, das die zusätzlichen Banden bei höherem Molekulargewicht Ag-
gregate aus Fragmenten der 24,5 und der 16,5 kDa Banden bestehen, die auch
im Gesamtextrakt nachgewiesen wurden (Abbildung 11-Reihe B3). Aufgrund der
Abbildung 11 - Unregelmäßigkeiten der Standardallergene. Die Reihen G1 und G2 zeigen
den SDS-PAGE-Ausschnitt von Der p 1 bzw. Der p 2, die Reihen B1 und B2 die entsprechen-
den Blotergebnisse. Das Blotergebnis der D. pteronyssinus „Hausreferenz“ (Probe 1) zeigt
Reihe B3, den Molekulargewichtsmarker Reihe M.
87
bekannten Proteaseaktivität von Der p 1, könnte die niedermolekulare Bande ein
proteolytisches Fragment sein.
Im Gegensatz hierzu, zeigte der Referenzextrakt (Probe 1) eine der SDS-PAGE
an Umfang und Anfärbungsgrad vergleichbare Reaktion mit dem bekannten
Poolserum (Nr. 6b). Dies lässt vermuten, dass an der starken Reaktion bei 24,5
kDa neben Der p 1 auch andere Allergene beteiligt sein müssen. Aus Tabelle 1
(„Klassifizierung der Milbenallergene“) wird ersichtlich, dass im Bereich 22-27
kDa mit den Allergenen Der p 6 (25 kDa), Der p 7 (22 kDa), Der p 8 (26 kDa) und
Der p 9 (24 kDa) fünf weitere Allergene aus der Literatur bekannt sind. Diese
Annahme wird durch eine Analyse des frischen D. pteronyssinus Extraktes (Pro-
be 26) mittels MALDI-TOF-MS belegt, der eine Vielzahl deutlicher Peaks im Be-
reich 22-27 kDa zeigte (Abbildung 12; Klammer A). Es wird daher angenommen,
dass die verschiedenen Banden in der SDS-PAGE als „eine Bande laufen“ und
nicht differenziert werden. Des weiteren ist es denkbar, dass sich die verschiede-
nen Allergene im Extrakt gegenseitig in ihrer Aktivität beeinflussen. Die für Der p
1 aus der Literatur bekannte Frequenz spezifischer IgE-Bindung von >80 % (Ta-
belle 1) ist somit in Frage zu stellen. Es handelt sich vielmehr um die Summe der
Aktivitäten verschiedener Allergene. Eine Auftrennung und Zuweisung des An-
teils einzelner Allergene an der Gesamtaktivität könnte z.B. durch eine 2D-
Elektrophorese mit anschließender Immundetektion erfolgen.
Der Gelausschnitt des Der p 2 Standards (Abbildung 11-Reihe G2) zeigte neben
der kräftigen Bande bei 15,6 kDa nur eine weitere schwache Bande bei 30 kDa
(Nr. 5), wobei es sich um ein Dimer handeln dürfte. Beide Banden wurden in ver-
gleichbaren Intensitäten im Immunoblot nachgewiesen (Abbildung 10-Reihe B2).
Im Massenspektrum konnten bei 15 kDa wiederum mehrere intensive Peaks
nachgewiesen werden (Abbildung 12; Klammer B). Da aber die Intensitäten in
der SDS-PAGE und des Immunoblots übereinstimmten, ist bei affinitätschroma-
tographischer Isolierung des Standards anzunehmen, das hauptsächlich Der p 2
allein für die Immunreaktion verantwortlich ist.
Abschließend ist festzustellen, dass aufgrund der hier aufgezeigten Ergebnisse
die Massenbestimmung mittels MALDI-TOF-MS der durch SDS-PAGE eindeutig
überlegen war.
88
4.5 NATIVE ELEKTROPHORESE
Die Native Elektrophorese wurde mit dem Ziel eingesetzt, Fragmentierungsmus-
ter der Extraktproteine in ihrer nativen funktional gefalteten Form, vergleichbar
der Ausschlusschromatographie, zu erhalten. Der Verzicht auf SDS sollte ermög-
lichen, die Proteine ohne Verlust ihrer allergenen Aktivität ihren waren Molekular-
gewichten zuzuordnen. Die gewünschten Ergebnisse wurde aber nur in einem
sehr geringem Umfang erzielt, da eine zufriedenstellende Auftrennung der Pro-
teine nicht erreicht werden konnte. Abbildung 13 zeigt exemplarisch ein mit Silber
gefärbtes Gel nach 185 min Trennzeit. Es waren nur sehr schwache Banden im
niedermolekularen (1.0-2.5 kDa) und hochmolekularen Bereich (67-90 kDa) er-
kennbar. Tabelle 14 zeigt die vollständige Liste der gefundenen Banden, wobei
die Anzahl hochmolekularer Banden als ein Indiz für nicht dissoziierte „Mutteral-
lergene“ angesehen wurde.
Aufgrund des fehlenden SDS-Zusatzes besaßen die Proteine ihre ursprüngliche
spezifische Oberflächenladung pro Volumen. Daraus resultierende starke Inter-
aktionen der Proteine untereinander und ihre ähnlichen pk-Werte führten zur
schlechten Differenzierung, da sich große und kleine Komponenten gegenseitig
in ihrer Wanderungsgeschwindigkeit beeinflussten. Dass es sich hier eher um
eine probenspezifische Problematik handelte, wurde anhand des entschieden
besser aufgetrennten Standards erkennbar. Der methodenbedingte verminderte
Abbildung 12 - Ausschnitt des MALDI-TOF-Massenspektrum eines frischen D. pteronyssinus
Extraktes (Laserenergie 0,48 µJ; positive Polarität; Matrix Sinapinsäure). Gekennzeichnet
sind die Molekulargewichtsbereiche um die Majorallergene Der p 2 (B) und Der p 1 (A).
89
Siebeffekt erlaubte allerdings auch für die Standards im Bereich 14,4-43 kDa nur
eine unzureichende Differenzierung. Die durchschnittliche Proteinbeladung von
~6 µg je Probe war trotz einer Silberfärbung für diese Problemstellung wahr-
scheinlich zu gering. Eine proteolytische Aktivität während der langen Tren-
nungszeit muss aufgrund der gut sichtbaren niedermolekularen Banden ange-
nommen werden.
Frische Extrakte Lyophilisierte Extrakte
Spezies D. pteronyssinus L. destructor D. pteronyssinus D. pteronyssinus
Hersteller Allergon Uni Paderborn Allergon CSL
Proben-Nr.
[kDa]
12 13
PEG
14 15
PEG
16 17
PEG
18 19
PEG
90 1 1 1 1
82,5 1 1 1 1 1
78 1 1 1 1
67 1 1 1 1 1 1
59 1 1
38,5 1 1
1-2,5 1 1 1 1 1
Tabelle 14 - Molekulargewichte aus der nativen Elektrophorese
Da die Ergebnisse mit einer hohen Ungenauigkeit behaftet waren, wurden sie in
der weiteren Diskussion nicht berücksichtigt.
Abbildung 13 Auftrennung der Extrakte unter nativen Bedingungen. Die Reihe M ist der
Molekulargewichtsmarker. Die Ziffern oberhalb des Gels entsprechen den Probennummern
der Tabelle 14.
90
4.6 ISOELEKTRISCHE FOKUSSIERUNG (IEF)
Die festgestellten isoelektrischen Punkte der Extrakte bewegten sich im Bereich
der Standards von pH 4,55 und 8,65 und sind in Abbildung 14 dargestellt. Die im
Markergemisch enthaltenen pI-Marker bei 3,5, 3,75 und 9,3 wanderten im Laufe
der isoelektrischen Fokussierung über die Gelbegrenzungen hinaus. Tabelle 15
zeigt das sehr bandenreiche und differenzierte Bandenspektrum. Des weiteren
konnte durch die erzielte Auflösung die beiden Spezies D. pteronyssinus und L.
destructor eindeutig differenziert werden. Außerdem wurden deutliche Unter-
schiede der Ursprungskulturen innerhalb der Spezies D. pteronyssinus anhand
der Lyophilisate der Hersteller Allergon und CSL festgestellt (Tabelle 17). Die
durch den Extraktionszusatz PEG hervorgerufenen Veränderungen konnten dem
Bandenspektrum zugeordnet werden. Die weitaus meisten Proteine der Milben-
extrakte lagen im sauren pH-Bereich (~70 %) mit den in allen Extrakten am
stärksten ausgeprägten Banden bei pH 6,3, 6,0 und 5,7.
Abbildung 14 – Isoelektische Fokussierung der Milbenextrakte in einem immobilisierten pH-
Gradienten (pH 3-10). Der Unterschied der Vorratsmilbenextrakte (Proben 14, 15) gegenüber
den Hausstaubmilben (Proben 12, 13, 16, 17, 18, 19) ist im Bereich von pH 8,15 besonders
deutlich zu erkennen.
91
Frische Extrakte Lyophilisierte Extrakte
Spezies D. pteronyssinus L. destructor D. pteronyssinus D. pteronyssinus
Hersteller Allergon Uni Paderborn Allergon CSL
Proben-Nr.
pI [pH]
12 13
PEG
14 15
PEG
16 17
PEG
18 19
PEG
8,65 1 1
8,46 1 1
8,31 1 1 1 1
8,18 1 1 1
1
8,07 1 1 1 1
7,99 1
7,81 1 1 1
7,69 1 1 1 1 1 1 1
7,62 1
7,39 1 1 1 1 1 1
7,31 1 1 1 1 1 1 1 1
7,26 1
7,13 1 1 1 1 1 1 1 1
7,04 1 1 1 1
6,9 1 1 1 1 1 1
6,77 1 1 1 1
6,68 1 1 1 1 1 1
6,57 1 1 1 1
6,51 1 1 1 1
6,42 1 1 1 1
6,38 1 1 1 1
6,32 1 1 1 1 1 1 1
6,26 1 1
6,14 1 1 1 1 1 1
6,1 1 1 1 1 1 1 1
6,06 1 1 1 1 1 1
5,98 1 1 1 1 1 1 1 1
5,87 1 1 1 1 1 1 1
5,83 1 1 1 1 1 1 1 1
5,76 1 1 1 1 1 1 1 1
5,69 1 1 1 1 1 1
5,64 1 1 1 1 1 1 1 1
5,57 1 1 1 1 1 1 1 1
5,48 1 1 1 1 1 1 1
5,37 1 1 1 1 1 1 1
5,34 1 1 1
5,29 1 1 1 1 1 1
5,22 1 1 1 1 1 1
5,1 1
4,99 1
4,65 1
4,57 1 1 1 1
Statistik der Banden
pI 6,65 6,60 6,53 6,51 6,75 6,32 6,93 6,46
> pH 7 9 7 6 5 7 7 6 9
< pH 7 17 19 21 20 14 14 20 21
Summe 26 26 27 25 21 21 26 30
Tabelle 15 - Bandenspektrum der untersuchten Extrakte – Die IgE-reaktiven pH-Bereiche
sind weiß unterlegt, die fett gedruckte Ziffer gibt die Anzahl reaktiver Banden an. Am Ende
der Tabelle sind die Gesamtsumme der Banden sowie ihre Verteilung im sauren und alkali-
schen pH-Bereich dargestellt.
44
1
1
4
2
1
2
4
1
92
Große visuelle Unterschiede konnten im sauren Bereich weder zwischen den
Spezies noch innerhalb der Spezies D. pteronyssinus, bzw. zwischen frischen
und lyophilisierten Extrakten festgestellt werden. Die auffälligsten Banden im al-
kalischen Bereich befanden sich für die D. pteronyssinus Extrakte (lyophilisiert
(Proben 16-19) und frisch hergestellt (Probe 12, 13) bei pH 7,4, 7,7 und 8,3. Ein
deutlich zur Hausstaubmilbe differenziertes Bandenspektrum wurde für L. de-
structor (Proben 14, 15) festgestellt. Die auffälligsten Banden der Vorratsmilbe
lagen bei pH 7,4 und 7,8. Banden oberhalb pH 8 wurden nicht gefunden. Die
durchschnittlichen pI-Werte lagen zwischen 6,5 und 6,9, wobei die Lyophilisate
gegenüber den frisch hergestellten Extrakten leicht erhöhte Werte aufwiesen.
Die Inkubation der Extrakte ohne PEG (Proben 12, 14, 16 und 18) mit Patienten-
serum 10 der höchsten CAP-RAST-Klasse (6) ergab für beide Spezies IgE-
reaktive Banden im alkalischen und sauren Bereich, wobei vier von fünf Banden
der frischen Extrakte im alkalischen Bereich lagen (Tabelle 16). Die pI-Werte der
IgE-aktiven Banden der frischen Extrakte lagen damit um ca. 0,6 Einheiten über
dem Summendurchschnitt aller Proteinbanden. Die aktiven Banden der Lyophili-
sate variierten leicht (Allergon - 0,1; CSL + 0,2) um ihren durchschnittlichen pI-
Wert, wobei das Allergon-Lyophilisat durch seinen um ca. 0,6 pH-Einheiten nied-
rigeren Summen-pI auffiel. In beiden Lyophilisaten (16, 19) konnte eine höhere
Bandenanzahl beobachtet werden, als im frisch hergestellten Extrakt (Probe 12).
Proben-Nr 12 14 16 18
pI 8,13
7,72
7,55
7,39
5,45
8,13
7,55
7,21
7,04
5,85
8,13
7,86
7,72
7,39
5,85
5,69
5,45
5,23
8,13
7,86
7,72
7,55
5,86
5,69
pI 7,25 7,15 6,65 7,13
Anzahl 5586
Tabelle 16 - Auflistung der pI-Werte der IgE-reaktiven Banden
Durch die mit der Lyophilisation einhergehende Fragmentierung könnten Epitope
freigelegt worden sein, die bis zu diesem Zeitpunkt im Inneren der Asozialen oder
Proteinen verborgen waren. Nach ihrer Freilegung durch das elektrische Feld
trugen sie zum erhöhten Bandenspektrum bei. Die hohe IgE-reaktive Bandenan-
zahl des Allergon-Extraktes (Probe 16) lässt auf eine erhöhte Gesamtreaktivität
des Lyophilisates schließen. Untersuchungen zur proteolytischen Aktivität un-
terstreichen die hohe Potenz gerade des Allergon-Lyophilisates.
93
Die zum Teil erheblichen Unterschiede der Extrakte konnten durch eine Korrela-
tionsberechnung mit der Auswertesoftware Image Master 1D Elite (Amersham
Pharmacia Biotech) nochmals verdeutlicht werden. Die Ergebnisse sind in Ta-
belle 17 dargestellt. So wurde zwischen der Hausstaubmilbe D. pteronyssinus
(Probe 12) und der Vorratsmilbe L. destructor (Probe 14) nur eine 68 %ige Über-
einstimmung gefunden. Noch geringere Gemeinsamkeiten konnten zu den Ly-
ophilisaten mit 69 % zu CSL (Probe 18) und zur identischen Allergon-
Ursprungskultur (Probe 12) lediglich 60 % festgestellt werden. Ergebnisse ande-
rer Untersuchungen in dieser Arbeit (SEC, SDS, MS, Zymogramm) bestätigen
die hier festgestellten Veränderungen durch Lyophilisation.
Proben-
Nr
12 13 14 15 16 17 18 19
10 10,81 0,68 0,67 0,6 0,51 0,69 0,75
11 0,81 10,87 0,82 0,68 0,51 0,85 0,86
12 0,68 0,87 10,96 0,71 0,63 0,87 0,81
13 0,67 0,82 0,96 10,7 0,61 0,82 0,76
14 0,6 0,68 0,71 0,7 10,76 0,55 0,67
15 0,51 0,51 0,63 0,61 0,76 10,51 0,51
16 0,69 0,85 0,87 0,82 0,55 0,51 10,82
17 0,75 0,86 0,81 0,76 0,67 0,51 0,82 1
Tabelle 17 - Korrelation der Extrakte - Gezeigt wird eine typische Korrelationsmatrix. Da der
Extrakt mit sich selbst zu 100 % korreliert, wurde er mit 1 bewertet. Die Übereinstimmung
der anderen Extrakte mit Ausgangsextrakt kann in den Spalten links und rechts abgelesen
werden.
Die Lyophilisate der Spezies D. pteronyssinus unterschiedlicher Hersteller (Aller-
gon, Schweden und CSL, Australien) besaßen nur 51 % Übereinstimmung, ein
Indiz für Unterschiede in den Ausgangskulturen und/oder durch die Lyophilisati-
on.
Der Einsatz von PEG bewirkte beim frischen D. pteronyssinus Extrakt eine um
ca. 20 % verringerte Übereinstimmung der Bandenmuster. Selbst die einfache
Zugabe von 10 % PEG zur Rekonstitution der Lyophilisate erzielte eine 20 %ige
Veränderung. Lediglich auf den L. destructor Extrakt schien PEG mit nur 0,04 %
Abweichung keinen Einfluss auszuüben.
4.7 IMMUNOBLOTTING
Frisch hergestellte Extrakte von D. pteronyssinus (Probe 26) und L. destructor
(Probe 27) sowie das Allergon-Lyophilisat von D. pteronyssinus (Probe 16) wur-
den mit verschiedenen Patientenseren inkubiert. Aus den in Abbildung 14 ge-
zeigten Ergebnissen sind die Unterschiede in der spezifischen IgE-Bindung zwi-
schen der Vorratsmilbe L. destructor (Reihen 1-7) und den beiden Extrakten der
94
Hausstaubmilbe (Frischer Extrakt: Reihen 8-15; Lyophilisat: Reihen 16-23) klar
ersichtlich. Während das Vorratsmilbenpräparat nur ein sehr eingeschränktes
Bandenspektrum im niederen Molekulargewichtsbereich zwischen 15 und 24 kDa
zeigte, wurde für beide Hausstaubmilbenextrakte ein Spektrum über den ge-
samten Molekulargewichtsbereich von 13 bis über 150 kDa gefunden. Die Er-
gebnisse des Immunoblottings werden in den Tabellen 18-20 gezeigt, wobei aus
der Literatur bekannte Allergene durch eine grüne Schrift gekennzeichnet, Aller-
gene anderer Spezies blau unterlegt wurden. Konnten Komponenten der unter-
suchten Extrakte zugeordnet werden, so wurden diese entsprechend farblich
gekennzeichnet. Besonders auffällige Banden sind fett gedruckt, besonders
schwache Banden unterstrichen.
Immunreaktionen gegenüber L. destructor (Tabelle 18) wurden bei 14 und 22
kDa lokalisiert. Die 22 kDa Reaktion korreliert mit Lep d 7, die Reaktion bei 14
kDa kann den Allergenen Lep d 2, Lep d 5 und Lep d 13 zugeschrieben werden.
Eine Aussage über den individuellen Anteil an der Gesamtaktivität war nicht
möglich. Wie in Tabelle 1 ausgeführt, besteht für Lep d 2 mit ~60 % gegenüber je
~10 % für Lep d 5 und Lep d 13 die höchste IgE-Bindungsfrequenz. Auffällig war,
dass neben dem CAP-RAST-negativen Serum Nr. 5 (Tabelle 18-Reihe 1) auch
das CAP-RAST-4-positive Serum 7 keine Reaktion zeigte, obwohl die anderen
CAP-RAST-4 bzw. 5-positiven Seren Reaktionen bei 14 und 22 kDa zeigten. Hier
lag entweder ein falsch positives CAP-RAST-Ergebnis und/oder eine Schädigung
des Serums vor. CAP-RAST-3-positive Seren reagierten entsprechend des ver-
minderten Sensibilisierungsgrades in geringerem Umfang, wobei Serum 2 (Ab-
bildung 14-Reihe 2) bei 22 kDa und Serum 6 (Abbildung 14-Reihe 5) bei 14 kDa
auch individuelle Unterschiede zeigten. Die schwache Färbung bei 18 kDa wurde
nur durch Serum 4 (Abbildung 14-Reihe 4) detektiert und konnte keinem be-
Tabelle 18 - IgE-Reaktionen gegenüber einem frischen L. destructor Extrakt (Probe 27) in
kDa. Auffällige Banden sind fett unterlegt, schwache Reaktionen sind unterstrichen. Grün
markierte Molekulargewichte konnten bekannten Allergenen zugeordnet werden. Bereiche
hohen Allergenvorkommens, in denen die Zuordnung aufgrund der Anzahl schwierig war,
wurden durch Klammern symbolisiert. Am unteren Ende der Tabelle erfolgte die Zuordnung
der Patientenseren mit dem entsprechenden Sensibilisierungsgrad.
95
kannten Allergen zugeordnet werden. Ob es sich um ein neues Allergen handelt,
muss zukünftig untersucht werden.
Die in dieser Arbeit verwendete Kultur von L. destructor beinhaltete bis zu 30 %
Rückstände des Kulturmediums. Im Rahmen einer Pricktestung während einer
früheren Untersuchung zur klinischen Relevanz konnte für die zur Anwendung
gekommenen Futterbestandteile keine positive Reaktion ermittelt werden [34].
Die IgE-Reaktionen gegenüber dem frischen D. pteronyssinus Extrakt entspra-
chen in ihrer Breite der Literatur [200] und werden in Tabelle 19 veranschaulicht.
Auch hier ergaben die Seren mit den höchsten Sensibilisierungsgraden die um-
fangreichsten Reaktionen. Auffällig war, dass nur die CAP-RAST-6-positiven Se-
ren Immunreaktionen im Molekulargewichtsbereich ab 70 kDa erzeugten und
sich so vom CAP-RAST-5-positiven Serum 1 (Abbildung 14-Reihe 17) erheblich
unterschieden. Die Erweiterung der „alten“ vier RAST-Klassen auf sechs CAP-
RAST-Klassen macht vor diesem Hintergrund Sinn.
Aus der Literatur ist bekannt, dass eine hohe CAP-RAST-Klasse nicht gleichbe-
deutend mit einer hohen Reaktivität im Immunoblotting ist [2]. Dies konnte an-
hand von Serum 8 (Reihe 10) bestätigt werden, das lediglich eine schwache 15
kDa Bande aufwies. Die CAP-RAST-3-positiven Seren 5, 9 und 13 (Reihen 8, 15
und 13) zeigten entweder mehr (Serum 9) oder kräftig ausgebildete Banden (Se-
ren 5 und 13).
Die in Serum 10 (Reihe 14) erhaltene Färbung bei 42 kDa könnte zu dem aus D.
farinae identifizierten MAG 1 homologe Komponente sein. Im gleichen Serum
wurde eine kräftige Komponente bei 44 kDa erhalten, die in keinem anderen Se-
rum nachgewiesen und bekannten Allergenen nicht zugeordnet werden konnte.
Alle RAST-6-positive Seren (15, 11 und 10) zeigten ein 95 kDa Allergen, welche
dem aus D. farinae bekannten Gruppe 11 Allergen entsprachen und bislang für
D. pteronyssinus noch nicht beschrieben wurden. Eine Zuordnung der schwa-
chen ~100 kDa Bande des Serums 15 (Reihe 11) konnte nicht erfolgen. Die e-
benfalls nur in den CAP-RAST-6-positiven Seren gefundenen ~150 kDa Kompo-
nenten könnten dem Gruppe 14 Allergen (189 kDa) aus D. farinae entsprechen,
da die 150 kDa Bande aufgrund des Fehlers der Molekulargewichtsbestimmung
mittels SDS-PAGE bei hohen Werten durchaus höher liegen könnten.
96
97
Abbildung 15 – (Seite 96) Immunoblots der Probe 27 – L. destructor (Reihen 1-7), der Probe
26 – D. pteronyssinus (Reihen 8-15) und der Probe 16 D. pteronyssinus Lyophilisat (Reihen
16-23).
Die spezifischen IgE-Reaktionen mit dem D. pteronyssinus Lyophilisat (Probe 16)
erfolgten mit den aus der Inkubation mit dem frischen Extrakt bekannten Seren in
identischer Reihenfolge. Die Ergebnisse sind in Tabelle 20 aufgeführt, wobei sich
für die Seren 1, 8 und 13 (Reihen 17, 18 und 20) keine Veränderungen gegen-
über dem frischen Extrakt ergaben. Das Serum 5 (Reihe 16) zeigte neben der
aus dem frischen Extrakt bekannten 57 kDa Komponente und zwei weitere
Fragmente bei 33 und 45 kDa. Die Annahme, dass durch die Lyophilisation ver-
mehrt kleinere Fragmente entstehen, wurde durch den Verlust der 150 kDa
Komponente in den Seren 10 und 11 (Reihen 22 und 21) bestätigt. Das Spekt-
rum ab 95 kDa zu kleineren Molgewichten blieb bis auf das 25 kDa Fragment des
Serum 11 komplett für beide Seren erhalten. Eine erhöhte Fragmentierung zeigte
ebenfalls Serum 15 (Reihe 19) durch zusätzliche Reaktionen bei 120 und 25-28
kDa. Gegenüber dem frischen Extrakt fehlten die 36 und 70 kDa Komponenten
Tabelle 19 – IgE-Reaktionen gegenüber einem frischen D. pteronyssinus Extrakt (Probe 26)
in kDa. Auffällige Banden sind fett unterlegt, schwache Reaktionen sind unterstrichen. Far-
bige Molekulargewichte konnten bekannten Allergenen (grün für D. pteronyssinus und blau
für D. farinae) zugeordnet werden. Klammern symbolisieren Bereiche hohen Allergenvor-
kommens, in denen die Zuordnung aufgrund der Anzahl schwierig war. Am unteren Ende
der Tabelle erfolgte die Zuordnung der Patientenseren mit dem entsprechenden Sensibilisie-
rungsgrad.
98
und die vormals differenzierten Banden bei 52 und 54 kDa verschmolzen zu einer
55 kDa Bande. Eine ebenfalls durch Serum 15 induzierte Reaktion bei 170 kDa
steht im Widerspruch zu der Annahme, das durch eine Lyophilisation eine Frag-
mentierung großer Proteine in kleinere Untereinheiten forciert wird. Dieses Er-
gebnis war für Serum 9 (Reihe 15) noch ausgeprägter. Neben dem Verlust der
13 und 53 kDa Banden wurden Reaktionen im Bereich 95 und 150 kDa erhalten,
die im frischen Extrakt nicht induziert werden konnten.
Die für das untersuchte Lyophilisat erhaltene spezifische IgE-Reaktivität ist von
der Molekulargewichtsverteilung mit dem frischen Extrakt vergleichbar. Ein Hin-
weis, dass es sich bei den niedermolekularen Allergenen wahrscheinlich um
Fragmente größerer Allergenstrukturen handelt, ist die Beobachtung, dass durch
die Fragmentierung keine willkürlichen neuen Komponenten entstehen, sondern
Untereinheiten mit der Größe bekannter Allergene. Durch die mit der Lyophilisa-
tion einhergehende Fragmentierung können zusätzliche Oberflächenepitope für
eine IgE-Bindung erschlossen werden, die den Verlust hochmolekularer allerge-
ner Bestandteile kompensieren und insgesamt eine für Diagnostik und Therapie
ausreichende Reaktivität erhalten wird.
Tabelle 20 - IgE-Reaktionen gegenüber einem frisch rekonstituierten D. pteronyssinus Ly-
ophilisat (Allergon) in kDa. Auffällige Banden sind fett unterlegt, schwache Reaktionen sind
unterstrichen. Farbige Molekulargewichte konnten bekannten Allergenen (grün für D. ptero-
nyssinus und blau für D. farinae) zugeordnet werden. Klammern symbolisieren Bereiche
hohen Allergenvorkommens, in denen die Zuordnung aufgrund der Anzahl schwierig war.
Am unteren Ende der Tabelle erfolgte die Zuordnung der Patientenseren mit dem entspre-
chenden Sensibilisierungsgrad.
99
Allgemeine Betrachtung der spezifischen Immundetektion
Für die Vorratsmilbe L. destructor wurde das gegenüber der Hausstaubmilbe mit
durchschnittlich zwei Immunreaktionen je Serum schwächere Bandenspektrum
erhalten. Allerdings standen für die Inkubation gegenüber den D. pteronyssinus
Extrakten mit CAP-RAST-6-positiven Seren auch hochgradig sensibilisiertes Pa-
tientengut zur Verfügung. Vergleichbar sensibilisierte Seren der CAP-RAST-
Klassen 3 bis 5 zeigten mit ein bis drei Banden auch ein vergleichbares Reakti-
onsspektrum. Die für L. destructor erhaltenen verschiedenen Verteilungsmuster
der IgE-Reaktivität bestätigen, dass gegenüber der Hausstaubmilbe ein eigen-
ständiges Sensibilisierungspotential besteht. Der geringe Verwandtschaftsgrad
der Spezies und ein unterschiedliches Expositionsrisiko sorgen für eine weitere
Differenzierung. Negative Ergebnisse
zur Kreuzreaktivität aus RAST-Inhi-
bitionen zwischen D. pteronyssinus und
L. destructor unterstreichen die Ver-
schiedenartigkeit [201].
Auffällig war, dass die Bindung hoch-
molekularer Komponenten 95 kDa
ausschließlich durch CAP-RAST-6 posi-
tive Seren erfolgte. Grundsätzlich ist die
Epitopbindung konzentrationsabhängig
und liegt im nanomolaren Bereich. Der
Konzentrationsschritt von den Klasse 6-
positiven Seren zur Sensibilisierungs-
klasse 5 ist hier ausschlaggebend.
Der Befund der Mehrfachsensibilisie-
rung für das Serum 1 aus dem CAP-
RAST konnte eindeutig bestätigt wer-
den. Dort war eine Sensibilisierung der
Klasse 5 gegenüber D. pteronyssinus
und der Klasse 2 gegen L. destructor
festgestellt worden. Diese „klinische
Kreuzallergenität“ ist nicht zu verwech-
seln mit einer biochemischen Kreuzallergenität, die Übereinstimmungen in der
Epitopstruktur voraussetzt. Das Ergebnis für Serum 5 stimmte mit einem positi-
Abbildung 16– Chemilumineszenz Blot.
1. Hausreferenz (Probe 1), 2. CSL-
Lyophilisat (2), 3. Allergon-Lyophilisat
(3).
100
ven und einem negativen CAP-RAST-Befund für D. pteronyssinus bzw. L. de-
structor überein. Das auch für den schwachen Sensibilisierungsgrad 2 ein ein-
deutiges Ergebnis im Immunoblotting erhalten werden konnte, spricht für die an-
gewandte Methodik.
Eine Einteilung in Major-, Intermediär- und Minorallergene wurde aufgrund der
eingeschränkten Serenanzahl nicht durchgeführt. Die bislang in der Literatur an-
gegebenen hohen Bindungsfrequenzen für Der p 1 von ~80 % konnten nicht
bestätigt werden. Zusammenfassend mit den in dieser Arbeit durchgeführten
Untersuchungen zu verwendeten Standardallergenen wird vermutet, dass es sich
bei den Immunreaktionen bei 25 kDa um eine Summenaktivität aus mehreren
allergenen Komponenten handelte. Die hohen Bindungsfrequenzen für Der p 2
bei 15 kDa scheinen sich hingegen zu bestätigen, da hier mit Der p 5 nur ein
weiteres Allergen aus der Literatur bekannt ist. Die gegenüber Der p 2 geringere
Bindungsfrequenz von Der p 1 könnte in einer verminderten Stabilität begründet
sein. Die erhöhte Hitzelabilität von Der p 1 ist ein Hinweis hierauf.
Tabelle 21 - IgE-Reaktionen gegenüber der D. pteronyssinus Hausreferenz (Reihe 1) und den
frisch rekonstituierten Lyophilisaten von CSL (Reihe 2) und Allergon (Reihe 3) in kDa. Inku-
biert wurde gegen das Poolserum des Pharmaunternehmens. Auffällige Banden sind fett
unterlegt, schwache Reaktionen unterstrichen. Farbige Molekulargewichte konnten bekann-
ten Allergenen (grün für D. pteronyssinus und blau für D. farinae) zugeordnet werden.
Klammern symbolisieren Bereiche hohen Allergenvorkommens, in denen die Zuordnung
aufgrund der Anzahl schwierig war.
101
Vergleicht man die dargestellte Methodik mit der ebenfalls durchgeführten Im-
mundetektion mit anschließender Chemilumineszenzfärbung (Abbildung 16), so
konnte trotz Einsatz eines multivalenten Poolserums durch letztere Methodik nur
ein eingeschränktes Spektrum allergener Komponenten nachgewiesen werden
(Tabelle 21). Allerdings enthalten Poolseren große Mengen an IgE gegen Majo-
rallergene und wenig gegen Minorallergene. Die IgE gegen Minorallergene
schwimmen quasi in einem See von IgE gegen Majorallergene.
4.8 BEURTEILUNG DER PROTEOLYTISCHEN
AKTIVITÄT MITTELS ZYMOGRAMM
Zur Einschätzung der Proteaseaktivität wurden neben unmittelbar vor der Be-
stimmung hergestellte Extrakte aus D. pteronyssinus (Probe 26) und L. destruc-
tor (Probe 27), lyophilisierte D. pteronyssinus Extrakte der Hersteller Allergon
(Probe 16) und CSL (Probe 18) nach unterschiedlichen Inkubationszeiten durch
Casein-Zymogramme untersucht. Die Ergebnisse nach 1,5 und 10 h sind in Ab-
bildung 16 dargestellt. Es zeigten sich erhebliche Unterschiede sowohl zwischen
den beiden Spezies als auch innerhalb der Spezies D. pteronyssinus, zwischen
dem frischen HSM-Extrakt und den beiden Lyophilisaten sowie zwischen den
beiden Lyophilisaten.
Die aus der Literatur bekannten Milbenallergene mit Proteaseaktivität sind für D.
pteronyssinus die der Gruppen 1, 6 und 9 mit je 25 kDa, der Gruppe 3 mit 28
kDa, der Gruppe 4 mit 60 kDa sowie für L. destructor der Gruppe 2 mit 14 kDa.
Eine Inkubation von 1,5 h reichte aus, um erste Proteaseaktivitäten bei allen un-
tersuchten Extrakten nachweisen zu können. Die CSL-Probe zeigte schwache
Entfärbungen bei ca. 43 kDa und 60 kDa, womit sie lediglich der Gruppe 4 der
Literatur entsprach. Für Allergon wurde die stärkste Aktivität aller Proben dieser
Kurzzeitinkubation festgestellt. Die identifizierten Banden von 28 bis 43 kDa und
22-25 kDa, sowie einer zusätzlichen schwache Entfärbung bei ca. 20 kDa ent-
sprachen der Literatur in vollem Umfang. Des weiteren zeigte sich eine zu höhe-
ren Molekulargewichten schwächer werdende, „schweifartige“ Entfärbung. Im
frischen HSM-Extrakt konnte lediglich eine gut abgegrenzte Bande bei 43 kDa
und leichte Entfärbung bei 60 kDa nachgewiesen werden. Die 43 kDa Bande
entsprach nicht der Literatur, wurde aber als Fraktion in der Ausschlusschroma-
tographie gefunden.
102
Abbildung 17 – Casein-Zymogramme der Proben 16 (Allergon - D. pteronyssinus Lyophili-
sat), 18 (CSL - D. pteronyssinus Lyophilisat), 26 (HSM - D. pteronyssinus) und 27 (VRM - L.
destructor), Probe) nach 1,5 und 10 h Inkubation bei 37 °C.
103
Die VRM-Probe (L. destructor) zeigte eine kontraststarke Bande bei ca. 25 kDa,
wodurch sie sich von den anderen Extrakten der Milbe D. pteronyssinus unter-
schied und der Literatur entsprach.
Nach einer Inkubation über Nacht (10 h), entwickelten die Extrakte eine so starke
Proteaseaktivität, dass einzelne Probenreihen zum Teil nicht mehr voneinander
abgegrenzt werden konnten. Für CSL wurde wieder die schwächste Gesamtakti-
vität mit den drei Hauptbereichen bei 25-32, 40-50 und ca. 55-75 kDa nachge-
wiesen und entsprach nun auch der Literatur. Das Allergon-Lyophilisat zeigte
eine durchgängige Entfärbung, angefangen von ca. 8 kDa bis zu den Probenta-
schen. Aufgrund der maximalen Breite der Entfärbung zwischen 20 und 43 kDa,
wurde für diesen Bereich die höchste proteolytische Aktivität angenommen. Pro-
teaseaktivitäten unterhalb 25 kDa wurden für Milbenallergene bislang nicht publi-
ziert.
Der frische HSM-Extrakt zeigte, nach der CSL-Probe, die schwächste Gesamt-
aktivität, die sich neben einer starken Bande bei 22-25 kDa auf die Komponenten
zwischen 26 und 75 kDa verteilte. Für den frischen VRM-Extrakt konnte ebenfalls
eine durchgängige Entfärbung über den gesamten Bereich oberhalb 14 kDa mit
einem Maximum zwischen 20 und 30 kDa ermittelt werden. Kleinere Fragmente
<14 kDa wurden nicht gefunden. Die Ergebnisse zeigten, dass L. destructor über
ein den Hausstaubmilben vergleichbares Spektrum verschiedener Proteasen
verfügt, und bekräftigen die bislang einzigen Untersuchungen in Vorratsmilben
[86]. Die aktivste Komponente (Entfärbung nach 1,5 h) frischer Extrakte der
Hausstaubmilbe D. pteronyssinus lag bei ca. 43 kDa und die der Vorratsmilbe bei
ca. 25 kDa.
Generell konnten Unterschiede zwischen den verschiedenen Konzentrationen
einzelner Extrakte bis auf eine Ausnahme (Allergon nach 1,5 h) nicht festgestellt
werden. Für die geringere Probenkonzentration (5 µL) wurde bei der Aller-
gonprobe nach 1,5 h Inkubationszeit eine stärkere Entfärbung beobachtet als für
die doppelt so hohe Konzentration (10 µL). Es kann deshalb angenommen wer-
den, dass auch der Einsatz kleinster Konzentrationen zu einer vollständigen Um-
setzung des Substrates Casein hrte.
Die Gegenüberstellung eines frisch hergestellten Extraktes (HSM) mit seinem
lyophilisierten Pendant (Allergon) ergab eine auch nach kurzer Zeit (1,5 h) ein-
deutig höhere Aktivität für das Lyophilisat. Durch die Gefriertrocknung scheinen
Epitope mit proteolytischer Funktion nicht zerstört, sondern aus dem Inneren der
Proteine freigelegt zu werden. Sie tragen dann zu einer erhöhten proteolytischen
104
Gesamtaktivität der Lyophilisate bei. Der grundsätzlich gegenüber frischen Ex-
trakten erhöhte Anteil niedermolekularer Komponenten wurde in der
Ausschlusschromatographie eindeutig festgestellt. An den Ergebnissen des Im-
muno-blottings ist erkennbar, dass eine hohe Proteaseaktivität nicht mit einer
hohen immunologischen Aktivität, bzw. Allergenität, gleichzusetzen ist. Hieraus
zu folgern, dass Lyophilisate grundsätzlich die höher Proteaseaktivität besitzen,
ist falsch und wird eindeutig durch den Vergleich der beiden Lyophilisate CSL
und Allergon widerlegt. Die CSL-Probe zeigte die geringste Aktivität bei gleich-
zeitig am besten differenziertem Bandenmuster aller Extrakte. In der
Ausschlusschromatographie zeigte sie die für ein Lyophilisat typische Verschie-
bung hin zu kleineren Molekulargewichten. Im Vergleich zum Allergon-Lyophilisat
fragmentierte die CSL-Probe allerdings in einen 10 % höheren Anteil in 900 Da
Komponenten, der Anteil der 1.8 kDa Fraktion war hingegen um 14 % erniedrigt.
Bei einem unteren Molekulargewicht von ca. 1.2-1.8 kDa für ein funktionales E-
pitop könnte der geringere Anteil des 1.8 kDa Fragments ein Grund für die ver-
minderte Proteaseaktivität sein.
Weitere Gründe für die verminderte Aktivität könnten die unterschiedliche Her-
kunft der Milbenkultur (Allergon, Europa vs. CSL, Australien) [64] und/oder ein
anderer Entnahmezeitpunkt der Probe aus der Zuchtkultur des Herstellers sein,
wodurch der Proteasegehalt stark variieren könnte [159].
Die eingeschränkten Möglichkeiten und die Ausrichtung dieser Arbeit erlaubten
nur einen geringen Einblick in die Problematik. Dass Proteasen eine entschei-
dende Rolle in der Allergieentstehung spielen, wurde an früherer Stelle dieser
Arbeit ausgeführt (siehe „Funktion und Allergenität“).
4.9 MALDI-TOF-MS
Die massenspektroskopische Untersuchungen ergaben sehr gute Ergebnisse, so
dass selbst aus direkt applizierten Gelstücken ein aussagefähiges Spektrum er-
halten werden konnte. Aufgrund insgesamt zu niedriger Konzentrationen konnten
allerdings nur nicht reproduzierbare Ergebnisse erhalten werden, die an dieser
Stelle keiner weiteren Betrachtung unterzogen wurden. Allerdings ist festzuhal-
ten, dass die Polyacrylamidmatrix kein störendes Untergrundsignal mit der vor-
liegenden Probenkonstellation erzeugte und in zukünftigen Untersuchungen eine
aufwendige Probenvorbereitung entfallen kann.
105
Durch die Massenspektrometrie wurde in kurzer Zeit sehr umfangreiches Infor-
mationsmaterial erhalten, so dass im Rahmen dieser Arbeit nur ausgewählte Er-
gebnisse vorgestellt werden konnten. Oberhalb der gezeigten Molmassenberei-
che (>200 kDa) konnten in keinem Spektrum Komponenten lokalisiert werden.
Da die kleinste immunreaktive Komponente bei ~14 kDa erhalten wurde, ergab
sich eine untere Begrenzung der Spektren bei ~10 kDa.
Den IgE-spezifischen Reaktionen der eigenen Immunoblots konnten ausnahms-
los exponierte Peaks in den Massenspektren zugeordnet werden. Die Abbildun-
gen 16, 17 und 18 führen die Ergebnisse des Immunoblottings mit den MALDI-
TOF-Untersuchungen für den frischen L. destructor Extrakt (Probe 29) und sowie
den frischen Extrakt (Probe 28) und das Lyophilisat (Probe 16) aus D. pteronys-
sinus jeweils in einer Grafik zusammen.
Das für L. destructor (Abbildung 18) erhaltene Massenspektrum zeigt über die
gesamte Breite exponierte Peaks, die in Intensität und Anzahl mit dem D. ptero-
nyssinus-Spektrum vergleichbar waren. Trotz der gefundenen hochmolekularen
Komponenten, konnten spezifische Immunreaktionen gegenüber L. destructor in
den zur Verfügung stehenden Patientenseren nur im niedermolekularen Bereich
festgestellt werden. Betrachtet man den Massenbereich bei ~15 kDa genauer, so
ist aufgrund der Peakintensitäten zu vermuten, dass für die intensive Immunre-
aktion vor allem Lep d 2 verantwortlich war und Lep d 5 bzw. Lep d 13 nur unter-
geordnete Beiträge leisteten. Durch die Kombination einer 2D-Elektrophorese mit
Immunoblotting und Massenspektrometrie könnte hier endgültige Klärung erzielt
werden. Die aus der Literatur bekannten und bislang nicht namentlich klassifi-
zierten Komponenten bei 79 (Lep d ?a) und 93 kDa (Lep d ?b) ergaben keine
IgE-spezifische Reaktion, konnten durch die Massenspektrometrie aber im Ex-
trakt lokalisiert werden. Auch der Immunreaktion bei ~18 kDa konnte ein expo-
nierter Massenpeak zugeordnet und somit ein falsch positives Ergebnis im Im-
munoblot ausgeschlossen werden. Ob es sich hierbei um ein bislang unbekann-
tes Allergen handelt, muss zukünftig untersucht werden.
Der D. pteronyssinus Extrakt (Abbildung 19) zeigte ein Molmassenspektrum ent-
sprechend seiner Reaktionen im Immunoblot bis in den hohen Massenbereich.
Alle aus der Literatur für D. pteronyssinus bekannten Allergene bis auf Der p 9
(~24 kDa) konnten im eigenen Extrakt zugeordnet werden. Schon im Immu-
noblotting wurden die bislang nur für D. farinae bekannten Allergene MAG 39,
MAG 29 sowie das Gruppe 11 Allergen spezifischen Reaktionen zugeordnet.
Durch das Massenspektrum konnten auch hier falsch positive Reaktionen aus
dem Immunblotting ausgeschlossen werden.
106
107
108
Abbildung 18 – (Seite 106) MALDI-TOF Spektrum (negative Polarität) des frischen L. destruc-
tor Extraktes. Matrix: Sinapinsäure; Laserenergie 0,59 µJ. Die Molekularbereiche der aus der
Literatur bekannten Allergene sind grau hinterlegt. Die Farbauswahl der Kennung verdeut-
licht das Blotergebnis: positiv (grün), negativ (schwarz). Der rot unterlegte Bereich zeigte
ein positives Blotergebnis, für das kein Allergen aus der Literatur bekannt war. Ob der Mas-
senpeak 167.322,9 Da das Gruppe 14-Homolog (177 kDa, 189 kDa cDNS) zu D. farinae war,
lies sich nur vermuten. Der Immunreaktion bei ~150 kDa konnten zwei exponierte Peaks
zugeordnet werden, wobei hier zu klären ist, ob es sich um neue Allergene handelte.
Abbildung 19 – (Seite 107) Das Spektrum des Allergon-Lyophilsates von D. pteronyssinus
zeigte im direkten Vergleich mit dem frischen Extrakt Peaks geringerer Intensität. Die in der
Immunreaktion zusätzlich gezeigte Reaktion bei ~170 kDa konnte eindeutig zugeordnet wer-
den. Der frische Extrakt zeigte in dem Bereich nur einen schwachen Massenpeak bei 167
kDa, so dass die dort fehlende Reaktion erklärt werden konnte. Sowohl das Lyophilisat als
auch der frische Extrakt zeigten Massenpeaks bei 120 kDa. Allerdings zeigte nur das Ly-
ophilisat ein eindeutiges Immunsignal. Die geringe Massendifferenz von 1495 Da lässt ver-
muten, dass durch die Lyophilisation einige Aminosäuren abgespalten wurden, so dass ein
Epitop zur spezifischen IgE-Bindung freigelegt oder geschaffen werden konnte. Hierzu pas-
send sind Ergebnisse der Ausschlusschromatographie, die eine Anreicherung mit Fragmen-
ten dieser Größe ergaben.
Die Intensität der Massenpeaks des CSL-Lyophilisates von D. pteronyssinus
(Abbildung 20, A) war mit der des Allergon-Lyophilisates (Abbildung 20, B) ver-
gleichbar. Waren in der Ausschlusschromatographie noch vergleichbare Vertei-
lungsmuster erhalten worden, so ergaben sich deutliche Unterschiede in der
Verteilung der Massen. Insgesamt und besonders im hochmolekularen Bereich
zeigte das CSL-Produkt weniger Massenpeaks. Jede Probe zeigte einen indivi-
duellen Fingerprint, so dass eine Differenzierung nach Ursprungskultur trotz glei-
cher Spezies effektiv und sicher möglich war. Zur Veranschaulichung wurden
einige Gemeinsamkeiten beider Lyophilisate in der Grafik grün, gravierende Un-
terschiede rot markiert. Der auffällige Intensitätsanstieg der Massenpeaks unter-
halb ~8 kDa ist ein weiteres Indiz für die mit der Lyophilisation einhergehende
Fragmentierung.
N-Glykane wurden in keinem der untersuchten Extrakte gefunden. Charakteristi-
sche Peaks dieser Stoffklasse bilden ein wiederkehrendes Muster ab 120 kDa
aufwärts im Abstand der Masse eines Glykanrestes (~150 Da).
Zum Abschluss sollen die Spektren eines selbst hergestellten D. pteronyssinus
Extraktes gezeigt werden, der ca. vier Wochen bei 4° C und im Dunkeln gelagert
wurde. Das in Abbildung 21 gezeigte Massenspektrum positiver (A) und negati-
ver (B) Polarität veranschaulicht eindrucksvoll das Werk der im Extrakt vorhan-
denen Proteasen. Es konnten keinerlei Komponenten oberhalb 1200 Da lokali-
siert werden.
109
110
Abbildung 20 – (Seite 109) Vergleich der Lyophilisate aus D. pteronyssinus unterschiedli-
cher Ursprungskulturen.
Vor diesem Hintergrund scheint die MALDI-TOF-Massenspektroskopie aufgrund
ihrer hohen Effektivität die ideale Analysemethode zur Charakterisierung von
proteolytischen Milbenextrakten zu sein. Zukünftig wird die aus der Proteomana-
lyse bekannte Kombination der 2D-Elektrophorese mit der Massenspektrometrie
eine viel genauere Charakterisierung von Allergenen ermöglichen. Dies gilt vor
allem auch für kleine Fragmente (mz < 1000 Da), die durch die jeweilige Auflö-
sung des Massenspektrometers eindeutig durch die Variation der Matrizes, der
Energie und der Polarität, sowie nach Auftrennung der Fragmente durch Hoch-
leistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) oder Kapillarelektrophorese sowohl
identifiziert, als auch ihrer Sequenz zugeordnet werden können. Unter Einbezie-
hung von tryptischen und proteolytischen Fragmenten und deren Analyse mit der
skizzierten kombinierten Technik, sollte es möglich sein, viele Allergenepito-
muster zu charakterisieren. Hierdurch könnte eine Differenzierung der klinischen
von der biochemischen Kreuzallergenität erfolgen. Im Rahmen dieser Arbeit
konnte nur ein erster Einblick gegeben werden.
Abbildung 21 - MALDI-TOF-Spektren eines D. pteronyssinus Extraktes nach vierwöchigen
Lagerung bei C mit positiver (A) und negativer (B) Polarität. Die grau unterlegte Fläche
kennzeichnet den Molekulargewichtsbereich zwischen 1.200-1.800 Da, der Mindestgröße
eines funktionellen Epitopes. Matrix: Sinapinsäure; Laserenergie: 0,42 µJ
111
4.10 EXKURS: DIFFUSE KLEIN- UND WEITWINKEL-
RÖNTGENSTREUUNG
Trotz der erheblichen proteolytischen Aktivitäten in den Extrakten, konnten Rönt-
gen-Streuungs-Messungen durchgeführt werden, insbesondere durch die kurzen
Belichtungszeiten während der Verwendung von Synchrotronstrahlung. Beispiel-
haft sind die durchgeführten Messungen der Probe 735 am Synchrotron in Dares-
bury, U.K., an der BeamLine A-11, operiert von der University of Salford, De-
partment of Physics, Joule Physics Laboratory, Center of Materials Research
Science, Manchester, ergaben erste Hinweise zur Struktur der Mischung. Die
Messungen wurden im Kleinwinkelbereich von 0,3162 Q36 0,8 nm-1 und bei λ
= 0,15412 nm durchgeführt (T = 17° C) und ergaben folgende charakteristische
Parameter:
1. den durchschnittlichen elektronischen Massenradius, g
R [nm]
2. das durchschnittliche gewichtsmäßiges Molgewicht, w
M [Da]
3. die spezifische Oberfläche, S/V [nm-1].37
Nach Auftragung von log I/C38 vs. Q2 nach Guinier [202] wurde ein durchschnittli-
cher elektronischer Massenradius von g
R= 2,58 ± 0,04 nm bestimmt (Abbildung
22, A), wobei g
R aus der negativen Steigung des Guinier-Plots39 erhalten werden
konnte. Die entsprechende Messung nach 24 h (Abbildung 22, B) ergab ein g
R =
2,03 ± 0,02 nm und nach weiteren 24 h nahm der Massenradius auf ~0,97 nm ab
und näherte sich asymptotisch mit der Zeit auf ~0.57 nm. Die Abnahme des
Massenradius (Rg) mit der Zeit erklärt sich durch die Selbstauflösung des Prote-
ins („suicide enzyme“) durch im Extrakt anwesende Proteasen. Es fiel auf, dass
das Fragment nach 24 h für die Messungen relativ beständig war, d.h. ohne dass
die Fehlerquote durch den proteolytischen Angriff zum Tragen kam. Dieses Er-
gebnis lässt einen metastabilen Zwischenzustand vermuten.
Die Absenkung des pH-Wertes mit 0,01 M Essigsäure auf pH 5,5, (25° C) ergab
mit Rg = 2,05 ± 0.02 nm ein zur Proteaseaktivität nach 24 h vergleichbares Er-
35 Unveröffentlichte Ergebnisse der von Prof. Paradies am Central Laboratory of the Research Councils (CLRS)
in Daresbury, Warrington, Cheshire durchgeführten Röntgen-Kleinwinkelstreuung.
36 Q = Streuung [nm-1]
37 S = spezifische Oberfläche [nm2]; V = Volumen [nm3]
38 I = Intensität; C = Konzentration
39 3
Rq
)(Iln
2
g
2
=
θ
112
gebnis, so dass für die Gesamtstabilität des Extraktes eine pH-Wertabhängigkeit
festzuhalten war.
Die auf absolute Masseeinheiten skalierten gemessenen Intensitäten ergaben für
die beiden verschiedenen Proben (A und B) folgende durchschnittliche Molge-
wichte:
1. A
w
M = 81.000 ± 15.000 bei pH 7,5, und A
g
R= 2.58 ± 0.04 nm,
2. B
w
M= 62.760 ±12.500 bei pH 5,5, und B
g
R= 2.03 ± 0.02 nm.
Für das partielle spezifische Volumen wurde demnach ein Wert von V2 = 0,723
mL/g angenommen, was einer Dichte der Trockenmasse des Extraktes von
1,3831 g/mL entspricht. Der resultierende Hydratationsgrad von 0,26 g/mL und
die entsprechenden hydrodynamischen Radien ergaben unter Einbeziehung ei-
ner sphärischen Form (in erster Näherung) 3,331 nm (A) bzw. 2,621 nm (B).
Interessant ist, dass die Moldifferenz von 19-20 kDa eine wiederkehrende Einheit
im Extrakt zu sein scheint. Die Extrapolation der Minima im Weitwinkelbereich
(Abbildung 23), bei Qmin1 = 0,13 nm-1 und Omin2 = 0,23 nm-1 erzielte ein Verhältnis
von Qmin2/Qmin1= 1,76. Der theoretische Wert einer Kugeleinheit entspricht 1,73
[202]. Unter der Annahme, dass es sich strukturell um identische Untereinheiten
("domains") handeln könnte, ergib sich ein theoretischer hydrodynamischer Ra-
dius von ~7,69 nm, und damit errechnet sich ein Molgewicht von ~15.8 kDa für
eine mögliche wiederkehrende Untereinheit.
Abbildung 22 - Guinier-Plot eines D. pteronyssinus Extraktes (Probe 5). Teilbereich A zeigt
einen durchschnittlichen elektronischen Massenradius von 25,8 ± 0,4 Å, dies entspricht 2,58
± 0,4 nm. Teilbereich B zeigt mit 2,03 ± 0,2 nm das Ergebnis nach 24 h.
113
Aus der Literatur und eigenen Untersuchungen (siehe „Unregelmäßigkeiten der
Standards“) liegt die Vermutung nahe, dass Der p 2 die wiederkehrende Unter-
einheit mit ~15.8 kDa sein könnte. Die höchste Frequenz in der spezifischen IgE-
Sensibilisierung sowie die große Anzahl an Proteinpeaks in der Massenspektro-
metrie in diesem Bereich sprechen für die hohe Aktivität und Präsenz von Kom-
ponenten dieser Größe im Extrakt. Im Gegensatz zu Der p 1 stimmte die Inten-
sität in der SDS-PAGE mit der IgE-spezifischen Intensität im Immunoblot überein.
Hierfür gibt es zwei Erklärungsansätze:
1. Die zur Aufreinigung des Der p 2-Standards verwendeten Antikörper waren
nicht monoklonal, so dass mehrere der in diesem Bereich gefundenen Kom-
ponenten einen Beitrag zur Gesamtaktivität beitragen.
2. Der p 2 ist eine definierte wiederkehrende Substruktur im Extrakt der Milbe D.
pteronyssinus.
Gegen Annahme 1 spricht, dass neben Der p 2 weitere Allergene oder Isoformen
von Der p 2 im Molekulargewichtsbereich um 15 kDa zu definieren wären. Aus
der Literatur ist allein Der p 2 bekannt. Eine endgültige Klärung hätte durch eine
MALDI-TOF-MS-Analyse des Standards erbracht werden können, der aber nicht
zur Verfügung stand. Für Annahme 2 spricht, dass von allen bekannten Allerge-
Abbildung 23– Weitwinkelstreumessung der Probe 5 (D. pteronyssinus Extrakt). Tel A ist die
direkte Messung, Teil B das Ergebnis nach 24 h. Die Extrapolation der Minima im Weitwin-
kelbereich, bei Qmin1 = 0,13 und Omin2 = 0,23 nm-1 erzielte ein Verhältnis von Qmin2/Qmin1= 1,76,
dem theoretischen Wert einer Kugeleinheit.
114
nen Der p 2 in der höchsten Frequenz durch IgE spezifisch gebunden wurde.
Dies gilt für die Literatur und eigene Untersuchungen.
4.11 ABSCHLIESSENDE DISKUSSION DER
ERGEBNISSE
Abschließend sollen die verschiedenen Wege der Extraktherstellung und cha-
rakterisierenden Analytik des Pharmaunternehmen und der eigenen Vorgehens-
weise diskutiert werden. Die Orientierung erfolgte hierbei entlang des in Abbil-
dung 5 (Seite 42) gezeigten Ablaufschemas.
Kultur
Es standen reine Milbenkörperkulturen von D. pteronyssinus der Hersteller Aller-
gon und CSL sowie eine Urprungskultur von L. destructor zur Verfügung. Letzte-
re enthielt neben den Milbenkörpern 20-30 % Rückstände des Kulturmediums
und Exkremente der Tiere. Im Verlauf der Untersuchungen zeigte jedoch auch
die „verunreinigte“ L. destructor Kultur der Literatur entsprechende spezifische
IgE-Reaktionen und eine der Hausstaubmilbe entsprechende Molmassenvertei-
lungen. Unterschiedliche Kulturen gleicher Spezies (CSL vs. Allergon) konnten
anhand der Massenspektren eindeutig differenziert werden.
Aufschluss
Der Aufschluss der Kulturen ergab für beide Extraktionsmedien vergleichbare
Proteinspektren. Argumente für oder gegen eine Methode wurden nicht identifi-
ziert. Der 10 %ige Zusatz von PEG zur Ammoniumsulfatlösung führte zu erhebli-
chen Veränderungen der SDS-PAGE- und IEF-Bandenspektren. Durch die Appli-
kation von PEG kam es während der Extraktion zur Phasenseparation in eine
1. wässrige Extraktionsphase;
2. PEG-Phase;
3. Phase mit hochmolekularen Bestandteilen des Extraktes wie Milbenkörper,
Kotpellets und Fremdstoffe (Farbstoffe, etc.).
Interessant war die Bildung einer trüben Proteinschicht zwischen der wässrigen
und der PEG-Phase. Die Interpretation dieser Ergebnisse bedarf weiterer Unter-
suchungen, wie z.B. der Variation des PEG-Anteils sowie der eingesetzten Mol-
massen des Polymers.
115
Extraktvorbereitung
Die Variante „Pharmaunternehmen“ sah zur Abtrennung niedermolekularer Kom-
ponenten einen Dialyseschritt vor. Dialysierte Extrakte zeigten in eigenen Vor-
untersuchungen einen erheblichen proteolytischen Abbau (Ergebnisse nicht ge-
zeigt), so dass im weiteren Verlauf der Untersuchungen auf eine Dialyse ver-
zichtet wurde.
Die in der Variante „Pharmaunternehmen“ durchgeführte Bestimmung des Pro-
teingesamtgehaltes mit einer vorherigen Fällung der Proteine durch TCA ist aus
der Literatur als die genauere Methodik bekannt, war aber durch eine kompli-
zierte Handhabung und hohe Zeiterfordernis dem ungenaueren Fertigkit unterle-
gen. Der Proteingesamtwert wurde lediglich zur Normalisierung der Proben vor
einem nachfolgenden analytischen Untersuchungsschritt eingesetzt. Eine weiter-
gehende Interpretation der Proteingesamtwerte wurde aufgrund der sehr gerin-
gen Probenanzahl nicht durchgeführt.
Die mit der Lyophilisation einhergehende Fragmentierung der Extrakte konnte mit
den angewandten Analyseverfahren klar nachgewiesen werden. Trotz eines in
der Ausschlusschromatographie klar erkennbaren erheblichen Verlustes an
hochmolekularen Komponenten zeigten die Lyophilisate auch bei hohen Mol-
massen spezifische IgE-Reaktionen, die durch MALDI-TOF-MS alle Massen-
peaks zugeordnet werden konnten. Die Lyophilisation scheint in Ermangelung
wirkungsvoller Alternativen dem derzeitigen Stand der Technik zur Stabilisierung
von Allergenextrakten zur Diagnostik und Therapie zu entsprechen. Sollen die
Extrakte einer weitergehenden analytischen Untersuchung zugeführt werden, ist
eine Lyophilisation allerdings zu vermeiden.
Die Voruntersuchungen zu einer präparativen Isolierung der Proteine durch Am-
moniumsulfatfällungen waren nicht erfolgreich. DNS-Fragmente konnten durch
eine eingesetzte 30 %ige Ammoniumsulfatlösung sowie durch eine 1 %ige
Streptomycin-Lösung nicht abgetrennt werden. Die weitere Erhöhung des Salz-
gehaltes auf 70 % konnte ebenfalls keine Fällung der vorhandenen Proteine in-
duzieren, so dass die Isolierung der Proteine mittels dieser sog. Cohnschen-
Fraktionierung für die vorhandene Probenmatrix nicht weiter verfolgt wurde. Ein
Wechsel von Ammoniumsulfat zu Dinatriumsulfat ist alternativ zu prüfen.
Fraktionierung
Die angewendeten Verfahren waren bis auf die native Elektrophorese zur
schnellen Auftrennung komplexer Extrakte geeignet. Allerdings ist die native E-
116
lektrophorese eine wertvolle Methode, Proteine in ihrer biologisch aktiven Form
aufzutrennen. So können reale Molmassenverteilungen erzielt werden und
nachfolgende Analyseschritte werden nicht durch einhergehende Veränderun-
gen der Proteine verfälscht. Durch die Ausschlusschromatographie konnte
schnell ein recht genaues Fragmentierungsmuster erhalten und die erhöhte
Fragmentierung nach der Lyophilisation aufgezeigt werden. Als Nachteil war der
nach oben begrenzte Molmassenbereich von 70 kDa zu kritisieren.
Die SDS-PAGE ergab eine schnelle und reproduzierbare Auftrennung des Ex-
traktes. In welchem Umfang es zu Veränderungen durch die Solubilisierung der
Proteine mit SDS kam, konnte nicht quantifiziert werden. Die Verwendung von
Reduktionsmitteln wie z.B. DTT ist bei Milbenextrakten zu vermeiden.
Als eine Methode von hoher Trenneffizienz erwies sich die isoelektrische Fokus-
sierung. Die Milbenspezies konnten voneinander differenziert und qualitative
Unterschiede in der Verwendung von PEG aufgezeigt werden. Aufgrund des sehr
bandenreichen Spektrums war eine Interpretation erschwert.
Identifizierung
Die Identifizierung ausgewählter Allergene mittels monoklonalen Antikörpern war
Bestandteil aller Charakterisierungen. Grundsätzlich ist die Bestimmung von
Majorallergenen durch mAK ein wertvolles Tool zur Standardisierung. Wichtig zur
Standardisierung ist das Verhältnis der Majorallergene zueinander. Nachteilig
könnte eine zu große Spezifität der Antikörper sein, so dass der Beitrag von Iso-
formen zur Bindungsaktivität nicht zugeordnet werden kann [158]. Es sei hier auf
die widersprüchlichen Ergebnisse der Untersuchungen der Standardallergene
Der p 1 und Der p 2 verwiesen.
Die spezifische IgE-Bindung erfolgte ebenfalls in beiden Varianten, wobei sich
die eigene Methodik mit einem visualisierenden chromogenen Substrat als ein-
deutig leistungsfähiger heraus stellte. Dies zeigte sich in einer deutlich verbes-
serten Differenzierung einzelner Immunkomponenten voneinander als auch in
der vereinfachten technischen Handhabung.
Massenspektroskopische Untersuchungen hatten bislang noch keinen Einzug in
die Charakterisierung von Allergenextrakten gefunden, so dass komplexe Mil-
benextrakte im Rahmen dieser Arbeit erstmals massenspektroskopisch unter-
sucht wurden. Die Ergebnisse zeigten die Leistungsfähigkeit der Methodik, die
bis zur Einführung in die Routine nur noch geringer Optimierung bedarf.
117
Struktur
Informationen zur Struktur bzw. Fragmentierung wurden einzig durch die eigene
Untersuchungsvariante erhalten. Hierbei konnten durch die UV/VIS-Spektros-
kopie erste Hinweise zur Sekundärstruktur und Substruktur erhalten werden. Die
MALDI-TOF-MS lieferte Informationen zur Fragmentierung und die Klein- bzw.
Weitwinkelstreuung zu wiederkehrenden Substrukturen.
Funktion
Eine Einschätzung der proteolytischen Aktivität der Milbenallergene konnte durch
ein Zymogramm gewonnen werden. Die Ergebnisse der Klein- bzw. Weitwinkel-
streuung lassen zudem erhebliche Zersetzungserscheinungen schon nach 24 h
erkennen.
Als Manko beider Untersuchungsabläufe ist allerdings das Fehlen eines beglei-
tenden Aktivitätstests, wie z.B. der EAST/RAST-Inhibition zu monieren.
4.11.1 Empfehlung für eine zukünftige Abfolge
Als ein Ergebnis der Arbeit sollen im folgenden Empfehlungen zu einer zukünfti-
gen Charakterisierung von Milbenkulturen gegeben werden. Es werden lediglich
Änderungen zur eigenen Abfolge diskutiert, die in Abbildung 24 in das bekannte
Ablaufdiagramm (Abbildung 5 – Seite 42) eingearbeitet wurden.
Milbenkulturen
Eine Grundcharakterisierung kann anhand wenig gereinigter Kulturen, wie z.B.
der in dieser Arbeit verwendeten Vorratsmilbenkultur, durchgeführt werden. Mit
ansteigendem Anspruch an Reinheit und Reproduzierbarkeit sollten nur noch
Ganzkörpermilbenkulturen verwendet werden. Die Entnahme sollte immer im
„linearen“ Bereich der exponentiellen Wachstumsphase der Kultur erfolgen und
die Ursprungskultur und der Hersteller nicht gewechselt werden.
Aufschluss
Grundsätzlich sollten wässrige Extraktionsmedien mit niedrigen Salzfrachten
(0,01-0,1 Mol/L) verwendet und die Extraktionszeiten sollten entsprechend der
vorliegenden Arbeit gewählt werden. Der Zusatz von Extraktionshilfen (z.B. PEG)
ist jeweils zu prüfen.
118
Ein Aktivitätstest zur Überwachung der spezifischen und gesamten allergenen
Aktivität ist an dieser Stelle einzuführen und nach jedem weiteren Schritt im Ab-
lauf anzuwenden, der Veränderungen im Extrakt hervorrufen könnte. Hilfreich ist
hier einen EAST-Inhibition, die im Ergebnis aber nur eine Gesamtaktivität ergibt
und keine Rückschlüsse auf die individuellen Beiträge der Einzelallergene er-
laubt. Minorallergene sowie Unterschiede in der individuellen und/oder der kol-
lektiven regionalen Sensibilisierungssituation im Patientengut werden nicht be-
rücksichtigt. Die Beseitigung einiger Nachteile verspricht die Aktivitätsbestim-
Abbildung 24 Vorschlag für eine zukünftige Vorgehensweise zur Aufarbeitung von Milben-
kulturen. Ergänzende Methoden und Verfahren, die nicht Gegenstand der vorliegenden Ar-
beit waren, aber in eine zukünftige Vorgehensweise eingebettet werden sollten, wurden grün
beschriftet.
119
mung anhand der Mediatorenausschüttung mononosensibilisierter basophiler
leukämischer Rattenzellen [203, 204]. Die breite Anwendung in der Routine steht
allerdings noch aus.
Extraktvorbereitung
Neben der beschriebenen Filtration sollte eine Abtrennung niedermolekularer
Komponenten aus dem Extrakt vermeiden werden. Zur analytischen Betrachtung
bzw. Charakterisierung ist das ganze potentielle Allergenspektrum zu erhalten.
Ist beabsichtigt, die Extrakte zur Therapie und Diagnostik einzusetzen, so ist aus
Sicherheitsgründen eine Abtrennung der niedermolekularen Komponenten vor-
zunehmen. Eine Diafiltration sollte alternativ zur Dialyse vorgenommen werden.
Begleitend sind Proteingesamtbestimmungen und UV/VIS-Untersuchungen zu
empfehlen.
Lagerfähigkeit ist durch Lyophilisation oder Tieffrieren zu erzielen. Der Einsatz
von Stabilisatoren (Salz, PEG) und Proteasehemmern (z.B. Humanserumalbumin
im Überschuß als statistischer Schutz) ist situationsabhängig zu prüfen und kann
nicht generell empfohlen werden.
Fraktionierung
Die klassischen elektrophoretischen Verfahren, SDS-PAGE und IEF, sollten ver-
mehrt kombiniert als 2D-Elektrophorese zur Anwendung kommen und durch die
Kapillarelektrophorese ergänzt werden. Erste Hinweise zur Fragmentierung und
Molekulargewichtsverteilung können durch die Ausschlusschromatographie so-
wie eine native Elektrophorese erhalten werden.
Identifizierung
Eine Zuordnung und Identifizierung allergener Komponenten ist aufbauend auf
bzw. in Kombination mit der zur Auftrennung verwendeten Methode durch spezi-
fische IgE-Bindung und MALDI-TOF-MS vorzunehmen. Die qualitative und quan-
titative Bestimmung durch monoklonale Antikörper ist unabdingbar.
Struktur
Informationen zur 1D-Struktur werden durch eine Aminosäuresequenzierung er-
halten und Daten zur Fragmentierung durch die MALDI-TOF-MS. Neben der
schon erwähnten UV/VIS-Spektroskopie ergeben optische Rotationsdispersion
120
(ORD) und Circulardichroismus (CD) weitere Informationen zur 2D-Struktur.
Komplexere Untersuchungsmethoden wie Klein- und Weitwinkelstreumessungen,
Röntgenstruktur- und Kernresonanz (NMR)-Untersuchungen erlauben die Cha-
rakterisierung der 3D und, falls vorhanden, der 4D-Struktur. Diese Informationen
sind für die Aufklärung von Struktur-Wirkungsbeziehungen notwendig.
Funktion
Die Funktionsaufklärung wie z.B. Trypsin- und Proteaseaktivität geben Auf-
schluss über Wirkmechanismen und erlauben die Entwicklung von Stabilisie-
rungsstrategien.
121
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Im Zuge der vorliegenden Arbeit wurde der Ablauf zur Charakterisierung von Al-
lergenextrakten anhand der Milben Dermatophagoides pteronyssinus und Lepi-
doglyphus destructor erarbeitet. Die Vorgehensweise eines Pharmaunterneh-
mens diente hierbei als Ausgangspunkt der Untersuchungen. Der Zusatz von
Polyethylenglykol (PEG) zum Aufschlussmedium wurde untersucht sowie eine
präparative Isolierung durch Aussalzung mit Ammoniumsulfat unternommen.
Klassische Verfahren wie die SDS-PAGE, die isoelektrische Fokussierung (IEF),
die Ausschlusschromatographie (SEC), sowie spezifische Allergenbestimmungen
durch monoklonale Antikörper (ELISA) und Patientenseren (Immunoblotting),
wurden durch analytische Verfahren abseits der Routine erweitert. Neben der
UV/VIS-Spektroskopie und der nativen Elektrophorese war dies vor allem die
MALDI-TOF-Massenspektroskopie. Weitere Informationen zur Struktur und Frag-
mentierung wurden durch die Klein- und Weitwinkelstreuung, sowie zur Funktion
durch zymographische Proteaseaktivitätsbestimmung erhalten.
5.1 ZUSAMMENFASSUNG DER
EINZELERGEBNISSE
Milbenkulturen waren sowohl hochaufgereinigt als auch mit Kulturmedien ver-
setzt zur Charakterisierung geeignet. Unterschiede zwischen den verwendeten
Aufschlussmedien Cocas‘-Lösung und Ammoniumhydrogencarbonat wurden
nicht festgestellt. Der Zusatz von Polyethylenglykol führte zu qualitativen Verän-
derungen im Extrakt, deren Bewertung allerdings noch weiterer Untersuchungen
bedarf. Die Dialyse zur Abtrennung niedermolekularer Komponenten ist aufgrund
erhöhter Fragmentierung und latenter Proteaseaktivität der Milbenextrakte zu
vermeiden. Eine verbesserte Lagerfähigkeit der Extrakte konnte durch eine Ly-
ophilisation erreicht werden. Diese führte zwar zu einer Verschiebung des Frag-
mentierungsmusters hin zu niedermolekularen Fragmenten, andererseits konnte
ein Allergenspektrum über den gesamtem Molekulargewichtsbereich in der spe-
zifischen IgE-Bestimmung durch Inkubation mit Patientenseren erhalten werden.
Alternativ ist ein Tieffrieren der Extrakte durch flüssigen Stickstoff und die an-
schließende Lagerung bei -80° C möglich. Gegenüber einer präparativen Isolie-
rung durch Ammoniumsulfatfällung (Cohnsche Fraktionierung) zeigten sich die
Extraktproteine stabil und DNS-Fragmente konnten nicht ausgefällt werden. Das
erhaltene Verhältnis der Majorallergene Der p 1 und Der p 2 zueinander bestä-
122
tigte für alle Extrakte aus D. pteronyssinus Kulturen den hohen Anteil an Milben-
körpern und somit Klassifizierung als „Purified Body“-Kultur. Die Testung des L.
destructor Extraktes mit den mAk gegen Der p 1/Der p 2 verlief negativ. Die
durchgeführte Ausschlusschromatographie erlaubte eine schnelle Bestimmung
der im Extrakt vorhandenen scheinbaren Molekulargewichtsfraktionen sowie eine
Einschätzung der Veränderungen durch vorhergehende Aufbereitungsschritte
wie z.B. eine Dialyse oder die Lyophilisation.
Qualitative Veränderungen im Proteinspektrum konnten durch die SDS-PAGE
und die IEF ermittelt werden. Die hier erhaltenen Informationen genügten zu ei-
ner groben Einschätzung, nicht aber zu einer differenzierten Charakterisierung.
Durch die mit diesen Trennverfahren einhergehenden Veränderungen (z.B. So-
lubilisierung mit SDS) sowie der Zusatz reduzierender Reagenzien wie z.B. DTT
zeigten die Limitierungen dieser Verfahren. Weiterhin unentbehrlich blieben sie
als vorgeschaltete Trennverfahren zum Immunoblotting.
Die Reaktionen der Extrakte beider Milbenspezies gegenüber den Patientense-
ren entsprachen bis auf wenige Ausnahmen der Literatur. Eine aus der Taxono-
mie heraus erklärbare Verschiedenheit der beiden Milbenspezies konnte im Im-
munoblot deutlich herausgearbeitet werden. Während die D. pteronyssinus ein
Spektrum an Immunreaktionen zwischen 14 und >150 kDa zeigte, beschränkte
sich das dieses für L. destructor auf den Bereich 14-22 kDa. Bisher unbekannte
Immunkomponenten konnten für L. destructor bei 18 kDa und für bei 44 kDa er-
mittelt werden. Des weiteren konnten für D. pteronyssinus bei 42, 70, 95 und 150
kDa Immunreaktionen in bislang nur für die eng verwandte Spezies D. farinae
ausgemacht werden. Die in der Literatur aufgezeigte Bindungsfrequenz für Der p
1 in Patientenseren von ~80 % konnte nicht bestätigt werden. Es handelte sich
vielmehr um eine Summenaktivität verschiedener im 25 kDa Bereich angesie-
delter Allergene.
Die Proteaseaktivitätsbestimmung mittels Casein-Zymogramm deckte trotz recht
unspezifischer Methodik Unterschiede in den Molekulargewichtsbereichen als
auch in der Gesamtaktivität zwischen den Lyophilisaten unterschiedlicher Ur-
sprungskulturen (Europa vs. Australien) der gleichen Spezies D. pteronyssinus
auf. Ob es sich hierbei um grundsätzliche in der Ursprungskultur begründete
Unterschiede oder um produktionstechnische Effekte wie z.B. durch Gefriertrock-
nung handelte, konnte nicht zugeordnet werden. Die Molekulargewichtsbereiche
mit Proteaseaktivität frisch hergestellter Extrakte beider Spezies entsprachen der
Literatur.
123
Die MALDI-TOF-Massenspektroskopie konnte als hoch effektives Analyseverfah-
ren erstmals auf komplexe Milbenextrakte angewandt werden. Ergebnisse
durchgeführter Immunreaktionen sowie chromatographischer und elektrophoreti-
scher Trennverfahren konnten im Detail bestätigt und zugeordnet werden. r
jede Probe wurde eine individuelle, einem Fingerabdruck vergleichbare, Massen-
verteilung erhalten, die zur Identifizierung herangezogen werden konnte.
Die Ergebnisse der Klein- und Weitwinkelstreuung ergaben erste Informationen
auf eine wiederkehrende Untereinheit im vermessenen D. pteronyssinus Extrakt
bei ~15.800Da und bestätigten erste Hinweise aus der UV/VIS-Spektroskopie.
Der dort erhaltene molare Extinktionskoeffizient nm259 cmmol/L
ε
= 0,513 x 10-3 ergab bei
einer Küvettenschichtdicke von 1cm eine mittlere Partikelgröße von 19,5-22 kDa.
Die Analyse der erhaltenen Ergebnisse mündeten in einer Bewertung der in der
Routine durchgeführten Produktion von Allergenextrakten. Die größten Nachteile
der Vorgehensweise „Pharmaunternehmen“ sind, dass nur scheinbare Moleku-
largewichte bestimmt, Minorallergene nicht berücksichtigt, nur Allergenfragmente
betrachtet und keine Strukturdaten erhalten wurden. Der Fokus liegt eindeutig
auf dem Erhalt der Chargengleichförmigkeit. Zudem konnten Unregelmäßigkeiten
der in der Routine verwendeten Standardallergene aufgezeigt werden.
Die zusammenfassende Betrachtung der Verfahrens- und Analyseschritte in
Kombination mit den Empfehlungen zur Vorgehensweise bilden die Grundlage
einer zukünftig durchgeführten Charakterisierung unbekannter Milbenkulturen
hinsichtlich ihres allergenen Potentials und die Produktion von Extrakten zur Dia-
gnostik und Therapie.
5.2 AUSBLICK
Basierend auf der vorliegenden Arbeit werden die im folgenden skizzierten Un-
tersuchungen als notwendig erachtet:
Einführung eines Aktivitätstestes.
Testung von Zusätzen zur Stabilisierung (z.B. PEG, Aminoalkohole, Suchro-
se, Na2SO4) und Proteaseinhibitoren zur Stabilisierung der Allergenextrakte
aus Milben.
Untersuchungen der Extrakte hinsichtlich ihrer Fragmentierung nach defi-
nierten proteolytischen Mustern sowie der Bestätigung der erhaltenen Sub-
struktur(en). Hierbei ist zu klären, ob die Allergene Fragmente eines
124
Ursprungsallergenes oder unterschiedlicher Herkunft sind. Dies ist wichtig zur
Identifizierung von „Mutterallergenen“, die, einmal identifiziert, Informationen
über Struktur-Wirkungsbeziehungen von Allergenen liefern können.
Zur Zielerreichung ist der Einsatz kombinierter analytischer Verfahren vielver-
sprechend. Hervorzuheben sind hier die 2D-Elektrophorese in Kombination
mit einer spezifischen IgE-Bestimmung und anschließender MALDI-TOF-
Massenspektroskopie, sowie die Kopplung der Kapillarelektrophorese mit der
MALDI-TOF-MS. Letztere Kombination erlaubt durch das hohe Automatisie-
rungspotential einen Routineeinsatz.
Das Ziel der Bestimmung aller Einzelallergene mit der Zuordnung ihrer individu-
ellen allergenen Aktivität, wird entscheidend von der weiteren Entwicklung spezi-
fischer analytischer Möglichkeiten, wie z.B. der Herstellung von rekombinaten
monoklonalen Antikörpern und Standardallergenen oder der Erschließung mono-
sensibilisierter Zelllinien für den Routineeinsatz, abhängen. Weitergehende In-
formationen zur Struktur-Wirkungsbeziehung können nur durch hochkomplexe,
physikalische Analyseverfahren erhalten werden. Die beschriebenen weißen Fle-
cken auf der „Allergenlandkarte“ sind aufgrund ihrer Komplexität nur durch fach-
übergreifende Forschung zu lösen. Hier lag für den Kandidaten auch die Motiva-
tion für diese Arbeit, die im Verlauf stetig stieg.
125
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134
7 AKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Auswahl wichtiger Abkürzungen, die Kapitelübergreifend verwendet wurden.
APC Antigenpräsentierende Zellen
CAP-RAST RAST-System der Fa. Amersham Pharmacia Biotech
Da Dalton
DNS Desoxyribonukleinsäure
DTT Dithiotreitol
EAST Enzyme Allergo Sorbent Assay
ELISA Enzym Linked Immuno Sorbent Assay
H2Odd zweifach destilliertes Wasser
HSM Hausstaubmilbe
IgE Immunglobulin E
IEF Isoelektrische Fokussierung
IL Interleukin
IFN-γInterferon-Gamma
kDa Kilodalton
MAG Mite Antigen Gen
MAk monoklonale Antikörper
MALDI-TOF-MS Matrix unterstützte Laser Desorption Ionisation Massenspektroskopie
MHC Major Histokompatibillitäts Komplex
NMR Nuclear Magnetic Resonance (Kernresonanz)
OD Optische Dichte
PEG Polyethylenglykol
pI Isoelektrischer Punkt
PMB Purified Mite Bodys
RAST Radio Allergo Sorbent Assay
SDS-PAGE Sodium Dodecyl Sulfat-Polyacrylamid-Gel-Elektrophorese
TH1, TH2, TH0 T-Helferzellen verschiedener Ausprägung
VRM Vorratsmilbe
WMC Whole Mite Cultures
SEC Ausschlusschromatographie
RSA Rinderserumalbulmin
UV/VIS Ultraviolett/Visibel-Spektroskopie