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[en] (orig)
Tourismus in Luftkurorten Nordrhein-Westfalens
Bewertung und Perspektiven
Dissertation
(Band 1)
zur Erlangung der Würde eines Doktors der Philosophie
vorgelegt dem
Fachbereich Philosophie, Geschichte, Geographie,
Religions- und Gesellschaftswissenschaften
der Universität – Gesamthochschule – Paderborn
von
Gerhard Hoffmann
aus Paderborn
Tag der mündlichen Prüfung: 24.06.1999
II
______________________________________________________________________
Tourismus in Luftkurorten Nordrhein-Westfalens
Bewertung und Perspektiven
Band 1
I n h a l t Seite
VORWORT......................................................................................................... IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS..........................................................................V
TABELLENVERZEICHNIS............................................................................. VI
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS .....................................................................VII
VERZEICHNIS ABGELEITETER FV-KENNZIFFERN.......................... VIII
1. GRUNDLAGEN..............................................................................................1
1.1 PROBLEMSTELLUNG.....................................................................................1
1.2 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND...................................................................4
1.2.1 Das System Tourismus.........................................................................4
1.2.2 Das Begriffssystem Tourismus.............................................................5
1.2.3 Die Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen..............................................9
1.2.4 Thematische Abgrenzungen...............................................................12
1.3 METHODEN................................................................................................14
2. TOURISMUS IN NORDRHEIN-WESTFALEN.......................................27
2.1 DATENMATERIAL.......................................................................................29
2.2 ANZAHL BEHERBERGUNGSBETRIEBE.........................................................32
2.3 BETTEN IN BEHERBERGUNGSBETRIEBEN....................................................35
2.4 BETTENAUSLASTUNG DER BEHERBERGUNGSBETRIEBE..............................38
2.5 GÄSTEANKÜNFTE.......................................................................................41
2.6 GÄSTEÜBERNACHTUNGEN.........................................................................44
2.7 AUFENTHALTSDAUER IN BEHERBERGUNGSBETRIEBEN ..............................47
2.8 ZUSAMMENFASSUNG .................................................................................50
3. MIKROSTRUKTURELLES BEWERTUNGSMODELL FÜR
LUFTKURORTE..........................................................................................55
3.1 EINFÜHRUNG IN BEWERTUNGSVERFAHREN ...............................................55
3.2 ZUR AUSWAHL DER BEWERTUNGSELEMENTE............................................58
3.2.1 Elemente des Komplexes ´ Natur und Landschaft ´...........................60
3.2.2 Bewertungselemente der Freizeitinfrastruktur..................................67
3.2.3 Bewertungselemente aus Unterkunft und Verpflegung......................75
3.2.4 Sozioökonomische Faktoren ..............................................................84
3.2.5 Bewertungselemente zur Lage und Erreichbarkeit............................88
3.2.6 Negativfaktoren..................................................................................90
3.2.7 Zusammenfassung..............................................................................95
3.3 MODELLSTUFE 1: RANGFOLGEVERFAHREN ...............................................98
III
______________________________________________________________________
3.3.1 Komplex ´ Natur und Landschaft ´ ....................................................99
3.3.2 Komplex ´ Freizeitinfrastruktur ´.....................................................101
3.3.3 Komplex ´ Beherbergung und Versorgung ´....................................103
3.3.4 Komplex ´ Sozioökonomische Faktoren ´ ........................................105
3.3.5 Komplex ´ Lage und Erreichbarkeit ´..............................................107
3.3.6 Komplex ´ Negativfaktoren ´............................................................108
3.3.7 Gesamtbeurteilung der Luftkurorte* im Rangfolgeverfahren .........110
3.3 MODELLSTUFE 2: WERTZAHLENVERFAHREN...........................................116
3.4.1 Skalierung und Gewichtung der Bewertungselemente ....................118
3.4.2 Anwendung, Ergebnisse und Grenzen der Modellstufe...................120
3.5 MODELLSTUFE 3: EINZELERGEBNISSE UND PROGNOSEN..........................134
3.5.1 Schm.-Nordenau...............................................................................135
3.5.2 Nieheim............................................................................................139
3.5.3 Zusammenfassung der Einzelergebnisse..........................................145
3.5.4 Strategie-Szenario............................................................................148
3.6 ZUSAMMENFASSUNG ...............................................................................152
4. PERSPEKTIVEN IM TOURISMUS DER LUFTKURORTE...............153
4.1 AKTIVITÄTEN IM GESUNDHEITSTOURISMUS.............................................153
4.1.1 Anmerkungen zur Statistik des Deutschen Bäderverbandes............153
4.1.2 Stationäre Vorsorge- und Rehabilitationskuren..............................154
4.1.3 Ambulante Vorsorge- und Rehabilitationskuren .............................158
4.1.4 Ausländerkurverkehr und europäischer Binnenmarkt.....................162
4.1.5 Perspektiven im Gesundheitstourismus ...........................................166
4.1.5.1 Potentielle Entwicklungen in der Nachfrage....................................................................166
4.1.5.2 Potentielle Entwicklungen im Angebot ...........................................................................167
4.1.6 Folgerungen für die Luftkurorte......................................................169
4.2 AKTIVITÄTEN IM SONSTIGEN TOURISMUS ................................................171
4.2.1 Erholungsfremdenverkehr................................................................171
4.2.2 Geschäftsreiseverkehr......................................................................173
4.2.3 Gourmetreiseverkehr .......................................................................174
4.2.4 Ausflugsverkehr................................................................................176
4.3 KONSEQUENZEN FÜR LANDESPLANUNG UND RAUMORDNUNG ................178
4.3.1 Bestandsaufnahme...........................................................................178
4.3.1.1 Touristische Relationen auf kommunaler Ebene..............................................................179
4.3.1.2 Touristische Relationen in den Kreisen der Luftkurorte..................................................183
4.3.1.3 Touristische Relationen in den Regierungsbezirken........................................................192
4.3.1.4 Touristische Relationen in den Reisegebieten .................................................................196
4.3.1.5 Zusammenfassung............................................................................................................199
4.3.1.6 Landesförderung der Luftkurorte.....................................................................................200
4.3.2 Konzepte zur Umstrukturierung.......................................................203
5. AUSBLICK..................................................................................................208
6. LITERATURVERZEICHNIS...................................................................211
IV
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Vorwort
Nach eigenen Voruntersuchungen zu Entwicklungen im Tourismus eines ostwestfä-
lischen Luftkurortes schien es mir interessant zu sein, den Untersuchungsraum auf alle
nordrhein-westfälischen Luftkurorte auszudehnen. Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen
haben in der Vergangenheit überwiegend ein Schattendasein geführt. Es gibt kaum um-
fassende Kenntnisse darüber, wie sie auf die Veränderungen im Tourismus im letzten
Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts reagiert haben bzw. reagieren können. Die vorgelegte
Dissertation kann einige Lücken schließen.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. D. Düsterloh für die Betreuung dieser Arbeit.
Seine Anregungen waren mir bei der Durchführung der vorliegenden Untersuchung eine
große Hilfe.
Bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Prof. Dr. W. Schlegel für die Übernahme des
Zweitgutachtens.
Mein Dank gilt auch Herrn Prof. Dr. M. Hofmann, der mir in den Anfängen der Arbeit
in vielen Gesprächen wertvolle Hilfen zuteil werden ließ.
Meinem im Ruhestand lebenden Kollegen Dr. E. Th. Seraphim danke ich für die Sorg-
falt und Mühe beim Korrekturlesen.
In zahlreichen Gesprächen mit der Bevölkerung sowie mit Bediensteten in Behörden
und Institutionen der untersuchten Luftkurorte habe ich Auskünfte und Meinungen zur
Fremdenverkehrsentwicklung der Orte erhalten. Ich bedanke mich bei allen, die zum
Gelingen dieser Arbeit durch Rat und Tat beigetragen haben. Besonders hervorheben
möchte ich die Bereitschaft des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nord-
rhein-Westfalen, das die Arbeit durch die Bereitstellung der gewünschten Daten geför-
dert hat.
Die Untersuchungen zur vorgelegten Arbeit wurden im August 1998 abgeschlossen.
Paderborn, im Dezember 1998 G. Hoffmann
V
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Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 : System Tourismus...................................................................................4
Abb. 2 : Bedingungsgefüge der Bewertungsfaktoren nach KIEMSTEDT..........17
Abb. 3 : Beherbergungsbetriebe gesamt (1991 – 1997)......................................32
Abb. 4: Beherbergungsbetriebe in präd. Orten (1991 - 1997)............................33
Abb. 5 : Bettenangebot in Nordrhein-Westfalen (1991 – 1997).........................35
Abb. 6 : Bettenangebot in prädikatisierten Orten (1991 - 1997).........................36
Abb. 7 : Bettenauslastung in % insgesamt (1991 – 1997)...................................38
Abb. 8 : Bettenauslastung in % in prädikatisierten Orten (1991 - 1997)............39
Abb. 9 : Gästeankünfte insgesamt (1991 - 1997)................................................41
Abb. 10 : Gästeankünfte in prädikatisierten Orten (1991 – 1997)........................42
Abb. 11 : Gästeübernachtungen insgesamt (1991 - 1997) ....................................44
Abb. 12 : Übernachtungen in prädikatisierten Orten (1991 – 1997).....................45
Abb. 13 : Aufenthaltsdauer insgesamt (1991 – 1997) ...........................................47
Abb. 14 : Aufenthaltsdauer in prädikatisierten Orten (1991 – 1997) ....................48
Abb. 15 : Abweichungen der Rangladungen vom arithm. Mittelwert 1993.......114
Abb. 16 : Abweichungen der Rangladungen vom arithm. Mittelwert 1997........114
Abb. 17 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 1. Durchgang 1993...127
Abb. 18 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 2. Durchgang 1993...127
Abb. 19 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 1. Durchgang 1997...131
Abb. 20 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 2. Durchgang 1997...131
Abb. 21 : Touristische Kennzahlen von Nieheim*..............................................141
Abb. 22 : Gesamt-, Privat- und Sozialkurgäste (1973 - 1996)............................155
Abb. 23 : Bettenzahlen für Kurgäste (1973 - 1996).............................................157
Abb. 24 : Bettenbelegung durch Kurgäste (1973 - 1996)....................................158
Abb. 25 : Ausgegebene Kurmittel (1973 - 1996, alte Bundesländer)..................160
Abb. 26 : Ausländer-Gästezahlen im Kurverkehr 1983 - 1996 ...........................162
Abb. 27 : Ausländer-Übernachtungen im Kurverkehr 1983 - 1996.....................163
Abb. 28 – Abb. 50 siehe Band 2
VI
______________________________________________________________________
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen..................................................11
Tabelle 2 : V-Wert, Merkmale, Erfassung und Gewichtung ...............................16
Tabelle 3 : Trends in meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben (1991 - 1997) .34
Tabelle 4 : Trends der Bettenzahlen (1991 - 1997)..............................................37
Tabelle 5 : Trends der Auslastungsquoten von Meldebetrieben (1991 - 1997)...40
Tabelle 6 : Trends der Gästeankünfte (1991 - 1997) ...........................................43
Tabelle 7 : Trends der Gästeübernachtungen (1991 - 1997)...............................46
Tabelle 8 : Trends der Aufenthaltsdauer in Meldebetrieben (1991 -1997)..........49
Tabelle 9: Übernachtungstourismusumsätze und BIP-Anteile (1991 – 1997)....52
Tabelle 10 : Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Übernachtungstourismus .......53
Tabelle 11 : Korrelationskoeffizienten, Sortierungsarten, Sollwerte.....................95
Tabelle 12 : Rangfolgen im Komplex ´ Natur und Landschaft ´ .........................100
Tabelle 13 : Rangfolgen im Komplex ´ Freizeitinfrastruktur ´............................102
Tabelle 14 : Rangfolgen zum Komplex ´ Unterkunft und Verpflegung ´............104
Tabelle 15 : Rangfolgen zum Komplex ´ Sozioökonomische Faktoren ´............106
Tabelle 16 : Rangfolgen im Komplex ´ Erreichbarkeit ´.....................................107
Tabelle 17 : Rangfolgen im Komplex ´ Negativfaktoren ´..................................109
Tabelle 18 : Rangfolgenergebnisse......................................................................111
Tabelle 19 : Bewertungsrahmen ..........................................................................117
Tabelle 20 : Wichtungstabelle .............................................................................120
Tabelle 21 : 1. Bewertung von Schm.-Nordenau.................................................121
Tabelle 22 : 2. Bewertung von Schm.-Nordenau.................................................122
Tabelle 23 : Bewertungsergebnisse 1. Durchgang für 1993 ................................124
Tabelle 24 : Bewertungsergebnisse 2. Durchgang für 1993 ................................125
Tabelle 25 : Bewertungsergebnisse 1. Durchgang für 1997 ................................128
Tabelle 26 : Bewertungsergebnisse 2. Durchgang für 1997 ................................129
Tabelle 27 : Klassenzugehörigkeiten nach Bewertungen in der Modellstufe 2...132
Tabelle 28 : Trendgleichungen der touristischen Kennzahlen Schm.-Nordenaus136
Tabelle 29 : Einzelergebnisse aus Schm.-Nordenau............................................138
Tabelle 30 : Trendgleichungen der touristischen Kennzahlen Nieheims*...........142
Tabelle 31 : Einzelergebnisse aus Nieheim*.......................................................143
Tabelle 32 : Zusammenfassung der Trendergebnisse..........................................146
Tabelle 33 : Änderungen der Ankünfte................................................................150
Tabelle 34 : Veränderungen der Aufenthaltsdauer..............................................151
Tabelle 35 : Ambulante Vorsorge- und Rehabilitationskuren *)..........................159
Tabelle 36 : Kennzahlen in Luftkurorten und Luftkurorten*...............................181
Tabelle 37 : Touristische Kennzahlen im Kreis Olpe..........................................183
Tabelle 38 : Touristische Kennzahlen im Hochsauerlandkreis............................185
Tabelle 39 : Touristische Kennzahlen im Kreis Höxter.......................................186
Tabelle 40 : Touristische Kennzahlen im Kreis Lippe ........................................187
Tabelle 41 : Touristische Kennzahlen im Kreis Herford.....................................189
Tabelle 42 : Touristische Kennzahlen im Kreis Minden-Lübbecke....................190
Tabelle 43 : Touristische Kennzahlen im Reg. Bezirk Arnsberg ........................192
Tabelle 44 : Touristische Kennzahlen im Reg. Bezirk Detmold.........................194
Tabelle 45 : Touristische Kennzahlen im Reisegebiet Sauerland........................196
Tabelle 46 : Touristische Kennzahlen im Reisegebiet Teutoburger Wald ..........198
Tabelle 47 : Landesförderung an die Luftkurorte ................................................202
Tabelle 48 – Tabelle 116 siehe Band 2
VII
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Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angegebenen Ort
arithm. Mittel arithmetisches Mittel
Bd. Band
dass. dasselbe
DBV Deutscher Bäderverband
DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband
ders. derselbe
DFV Deutscher Fremdenverkehrsverband
dies. dieselbe
DWIF Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches
Institut für Fremdenverkehr
DZT Deutsche Zentrale für Tourismus
EP Einheitspreis
EU Europäische Union
flw. k.u.w. fließendes Wasser, kalt und warm
FVV Fremdenverkehrsverband
ggfls. gegebenenfalls
GRG Gesundheitsreformgesetz
GSG Gesundheitsstrukturgesetz
i.d.R. in der Regel
incl. inklusive
Ist-Pkte Ist-Punktezahl
ITB Internationale Tourismusbörse
KOG Kurortegesetz Nordrhein-Westfalen
KOVO Kurorteverordnung Nordrhein-Westfalen
LDS NRW Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik
Nordrhein-Westfalen
LNF landwirtschaftliche Nutzfläche
o. J. ohne Jahresangabe
o. O. ohne Ortsangabe
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
präd. Ort prädikatisierter Ort
Reg. Bezirk Regierungsbezirk
rd. rund
RP Regierungspräsident
SBA Statistisches Bundesamt
S-Pkte Soll-Punktezahl
u.a. unter anderem
u.a.m. und andere mehr
u. GOK unter Geländeoberkante
ü. N.N. über Normal Null
usw. und so weiter
u.U. unter Umständen
V-Wert Vielfältigkeitswert nach KIEMSTEDT
v.a. vor allem
vgl. vergleiche
W-Faktor Wichtungsfaktor
WTO World Tourist Organisation
VIII
______________________________________________________________________
Verzeichnis abgeleiteter FV-Kennziffern
1. Fremdenverkehrsintensität =
Anzahl Übernachtungen 100
Anzahl Einwohner
2. Besucherintensität =
Anzahl Ankünfte 100
Anzahl Einwohner
3. Durchschnittliche Aufenthaltsdauer Anzahl Übernachtungen
Anzahl Ankünfte
=
4. Durchschnittliche Bettenzahl Anzahl Betten
Anzahl Betriebe
=
5. Bettenauslastung in % Anzahl Übernachtungen 100
Anzahl Betten 365
=
6. Bettenbelegung in Tagen Anzahl Übernachtungen
Anzahl Betten
=
7. Bettenanteil der Kleinbetriebe Bettenzahl in Kleinbetrieben
Gesamtbettenzahl
=
8. Einwohner Anzahl
100 Betten Anzahl
tzBettenbesaTotaler
=
9. Einwohner Anzahl
100 eben Meldebetriin Betten Anzahl
tzBettenbesa Partieller
=
10. )(Einw./qkm
Flächenmaß
Einwohner Anzahl
gsdichteBevölkerun =
11.
Gästedichte = Tagenin gungBettenbele Flächenmaß
Ankünfte Anzahl
12. Einkommen-Kopf-Pro ttl.durchschni
Intensität-FV htung / ÜbernacungWertschöpf
ungsindexWertschöpf-FV
=
1
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1. Grundlagen
1.1 Problemstellung
Die Auswirkungen der Veränderungen auf dem allgemeinen Freizeitmarkt und im Be-
reich der Gesundheitsvorsorge zeigen sich auch deutlich in staatlich anerkannten Luft-
kurorten. In diesen Orten mußten viele Kurmittelhäuser ab 1989 drastische Einbußen
hinnehmen. Die Verantwortlichen in den Luftkurorten müssen bei zurückgehender
Nachfrage vertretbare Entscheidungen über die weitere Existenz ihrer Kurmittelhäuser
und anderer Einrichtungen der touristischen Infrastruktur im Ort treffen. Der entschei-
denden Frage zum Fortbestand des Kurbetriebes in Luftkurorten können sie sich in die-
ser Zeit nicht entziehen. Die Antwort setzt die Abwägung der Interessen aller Beteilig-
ten voraus.
Staatlich anerkannte Luftkurorte haben aufgrund ihres geringeren Anteils am Fremden-
verkehr ein Schattendasein geführt und waren nur selten Gegenstand fachwissenschaft-
licher Untersuchungen. Im Zuge der Sparmaßnahmen bei Bund, Ländern, Städten, Ge-
meinden und Kurgästen könnte sich der bisherige Zustand der Luftkurorte bald ändern.
Alle ausgezeichneten Orte stehen auf dem Prüfstand und müssen um ihre Existenz als
Kurort bangen. In dieser Situation soll die Frage beantwortet werden, ob die Luftkurorte
in dem sich abzeichnenden Wettbewerb unter allen prädikatisierten Orten in der Lage
sein werden, sich notfalls auch ohne Subventionen im Tourismusmarkt zu behaupten.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die gegenwärtigen Auswirkungen von Freizeitakti-
vitäten und Gesundheitsvorsorgemaßnahmen auf den Übernachtungstourismus in staat-
lich anerkannten Luftkurorten Nordrhein-Westfalens beispielhaft zu analysieren, zu ver-
gleichen, zu bewerten und Prognosen für zukünftige Entwicklungen abzuleiten. Da bis-
her keine Erfahrungen mit Analysen, Vergleichen und Bewertungen von touristischen
Aktivitäten in Luftkurorten vorliegen, müssen zwangsläufig für das Erreichen des ge-
stellten Zieles neue Instrumentarien entwickelt werden. Es soll der Versuch unternom-
men werden, zunächst eigenständige Vergleichs- und Bewertungsverfahren für diese
prädikatisierten Orte zu entwerfen, zu testen und zu präsentieren. In der Entwicklung
dieser Bewertungssysteme muß besonderer Wert auf die Abgrenzung der ausgezeichne-
ten Ortsteile gelegt werden, da die vom Land verliehenen Prädikate sich nicht auf die
ganze Stadt oder die ganze Gemeinde beziehen. Es soll ein mikrostrukturelles Bewer-
tungsmodell für Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen erarbeitet und vorgestellt werden,
2
______________________________________________________________________
das in der Modellstufe 1 einzelne relevante Strukturelemente von allen Untersuchungs-
objekten im Rangfolgeverfahren vergleicht, in der Modellstufe 2 das angebotene Tou-
rismusprodukt und die realisierte Nachfrage aller Orte bewertet und vergleicht und in
der Modellstufe 3 Einzelergebnisse und Hinweise auf mögliche zukünftige touristische
Entwicklungen darstellt. Es ergeben sich zwei Problemebenen:
Aussagen zur gegenwärtigen und zukünftigen touristischen Situation in Luft-
kurorten Nordrhein-Westfalens zu formulieren,
ein mikrostrukturelles Bewertungsmodell für Luftkurorte in Nordrhein-
Westfalen zu entwickeln, zu testen und zu präsentieren.
Der Fortbestand des Kurbetriebes in Luftkurorten kann und darf nicht abhängig gemacht
werden von den touristischen Entwicklungen in einem Berichtsjahr. Die Erkenntnisse
aus mehrjährigen Untersuchungen müssen bei anstehenden Entscheidungen Berück-
sichtigung finden. Darum soll sich die Anwendung des Bewertungsmodells nicht nur
auf ein Berichtsjahr stützen, sondern erst eine Wiederholung nach mehrjähriger Distanz
kann gesicherte Antworten zur Zukunft der Luftkurorte geben.
Auf der Grundlage der im Untersuchungszeitraum 1991 - 1997 gewonnenen Erkenntnis-
se werden Prognosen und Perspektiven für zukünftige Entwicklungen in Luftkurorten
aufgezeigt. Bei der Bewertung der Perspektiven dürfen Vorschläge für Schließungen
von Kurverwaltungen nicht ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung
können für die anstehenden Entscheidungen in den vertretenen Orten als Hilfe herange-
zogen werden. Folgerungen für Landesplanung und Raumordnung auf kommunaler
Ebene, im Bereich der beteiligten Kreise und Regierungsbezirke, in den ausgewiesenen
Reisegebieten und im gesamten Bundesland ergeben sich zwangsläufig aus den gewon-
nenen Untersuchungen.
Daraus erwächst ein weiteres Ziel dieser Arbeit, an ausgewählten Kennzahlen zu zeigen,
welche Bedeutung und Wirtschaftskraft für die Kommune, für den Kreis, für den Regie-
rungsbezirk, für das Reisegebiet und schließlich für das gesamte Bundesland von den
Luftkurorten in der Vergangenheit ausgegangen ist und auch gegenwärtig noch ausgeht.
Auf der Grundlage dieser Kenntnisse können touristische Konzepte erarbeitet werden,
die das wettbewerbsorientierte Zusammenwirken aller prädikatisierten Orte, auch der
Luftkurorte, im Gesundheitstourismus des Bundeslandes koordinieren.
Luftkurorte haben mit ihrer Prädikatisierung u.a. die Aufgabe übertragen bekommen,
einen Beitrag zur Volksgesundheit zu leisten. In einem neuen Handlungsrahmen „Bäder
3
______________________________________________________________________
bzw. Kurorte“ wird zur Zeit nach Möglichkeiten gesucht, wie die Folgen der Gesund-
heitsstrukturreform überwunden werden können. Es wäre schade, wenn in dieser Dis-
kussion um neue Wege und Ziele im Gesundheitstourismus die Luftkurorte einfach ver-
gessen werden. Sollen oder müssen die Luftkurorte dann ihr verliehenes Prädikat abge-
ben, weil sie nicht mehr ihre Aufgabe erfüllen können? Aus dieser Perspektive enthält
die vorgelegte Arbeit auch den Charakter eines Plädoyers für oder gegen jeden betroffe-
nen Luftkurort.
Es soll eine Richtung der Tourismusforschung vorgestellt werden, die eine „ Entschei-
dungsgrundlage zur Gestaltung menschlichen Handelns“ bereithält (KRIPPENDORF
1980, S. 8). FELDMANN (1993) als Vorsitzender des Tourismuspolitischen Ausschus-
ses des Deutschen Bundestages behauptet in dem Geleitwort für das „Handbuch zur
Tourismuswissenschaft“ von HAHN/KAGELMANN (1993), die bisherige Tourismus-
forschung sei nicht konkret und wertfrei genug. Mit dieser Arbeit soll auch ein kon-
struktiver und konkreter Beitrag zu einer angewandten Tourismusforschung geleistet
werden.
4
______________________________________________________________________
1.2 Untersuchungsgegenstand
1.2.1 Das System Tourismus
Das System Tourismus ist ein sehr komplexes Gebilde, das ständig durch die Umwelt
im weiteren Sinne beeinflußt wird, auf diese aber auch zurückwirkt. Diese Einflüsse
sind weitestgehend anthropogen, da der Mensch an diesen wechselseitigen Beziehungen
in unterschiedlicher Art und Weise ständig beteiligt ist.
Abb. 1 : System Tourismus
Übergeordnete Systeme
Quelle: nach KASPAR 1996, S. 12
Subsystem
Tourismussubjekt
System Tourismus
Tourismusobjekt:
Institutionelle
Subsysteme
T-Ort
T-
Betriebe
T-Organi-
sationen
Ökonomische
Umwelt
Soziokulturelle
Umwelt
Technologische
Umwelt Politische Umwelt
Ökologische
Umwelt
5
______________________________________________________________________
In der Analyse dieses dynamischen Beziehungsgeflechts sind die interdisziplinären Di-
mensionen der soziokulturellen, technologischen, ökologischen, ökonomischen und po-
litischen Umwelt zu untersuchen. Als Verfahren bietet sich die Systemtheorie an.
ULRICH (1968, S. 105) bezeichnet die allgemeine Systemtheorie als formale Wissen-
schaft von der Struktur, den Verknüpfungen und dem Verhalten irgendwelcher Systeme,
wobei er unter einem System eine geordnete Gesamtheit von einzelnen Elementen ver-
standen wissen will, zwischen denen Beziehungen existieren oder aber hergestellt wer-
den können.
Um das komplexe System Tourismus besser analysieren und verstehen zu können, ver-
sucht KASPAR (1996, S.12) eine Veranschaulichung des Gegenstandes über ein Sche-
ma herzustellen. Da es sehr treffend die Strukturen des Systems darstellt, soll es auch in
dieser Studie herangezogen werden.
Das System Tourismus ist allseitig offen und läßt sich von allen Seiten beeinflussen.
Andererseits beeinflußt es aber auch selbst über die innerhalb ablaufenden Prozesse und
Entwicklungen die angrenzende Umwelt.
1.2.2 Das Begriffssystem Tourismus
Die Erarbeitung einer Tourismusstudie über die Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen
verlangt zu Beginn eine Definition und Abgrenzung der Begriffe Fremdenverkehr und
Tourismus. Da sich der Fremdenverkehr besonders nach dem zweiten Weltkrieg in sei-
ner Art und Form stark gewandelt hat, ist zu erwarten, daß auch die Begriffe entspre-
chend angepaßt wurden.
Die Anfänge der weitestgehend selbständigen Erscheinung Fremdenverkehr und der
damit verbundenen wissenschaftlichen Erfassung sind an den Beginn des 20. Jahrhun-
derts zu datieren. STRADNER erkennt schon 1905 die ökonomische Bedeutung dieser
neuen Branche. In seiner Begriffsbestimmung steht die Motivation des Reisens im Vor-
dergrund: „Während der Geschäftsreisende Antrieben des Erwerbes folgt, entspringt der
Verkehr der Luxusreisenden, also der Fremdenverkehr im engeren Sinne, Antrieben, die
mit den Bedürfnissen der Kultur, des geistigen Lebens, des Gemütes, der Gesundheit,
des Wohllebens, kurz mit subjektiven Neigungen idealer Natur im Zusammenhang ste-
hen“ (STRADNER 1905, S. 25).
In späteren Definitionen wird mehr Wert auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des
Fremdenverkehrs gelegt. Diese Veränderungen lassen sich in der Definition des Frem-
6
______________________________________________________________________
denverkehrs von SCHULLERN ZU SCHRATTENHOFEN erkennen. Er definiert den
Fremdenverkehr als „Inbegriff aller jener und in erster Reihe aller wirtschaftlichen Vor-
gänge, die sich in Zuströmen, Verweilen und Abströmen Fremder nach, in und aus einer
bestimmten Gemeinde, einem Land, einem Staat betätigen und damit unmittelbar ver-
bunden sind“ (SCHULLERN ZU SCHRATTENHOFEN 1911, S. 437).
Als Meilenstein im Wandel der Definitionen des Fremdenverkehrs sind die Abgrenzun-
gen von POSER (1939) und drei Jahre später von HUNZIKER und KRAPF anzusehen,
da hier erstmals der Fremdenverkehr als komplexes Gebilde mit Wechselbeziehungen
zu fast allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens dargestellt wird. Nach
POSER ist Fremdenverkehr „ die lokale oder gebietliche Häufung von Fremden mit ei-
nem jeweils vorübergehenden Aufenthalt, der die Summe von Wechselbeziehungen
zwischen den Fremden einerseits und der ortsansässigen Bevölkerung, dem Orte und der
Landschaft andererseits zum Inhalt hat“ (POSER 1939, S. 170). Für HUNZIKER und
KRAPF ist Fremdenverkehr „der Inbegriff der Beziehungen, die sich aus dem Aufent-
halt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassung zur Aus-
übung einer dauernden oder zeitweilig hauptsächlichen Erwerbstätigkeit begründet
wird“ (HUNZIKER / KRAPF 1942, S. 21). Im Vergleich beider Definitionen wird
deutlich, daß die von POSER in einigen Aspekten umfassender erscheint als die von
HUNZIKER und KRAPF.
Auf diese Definitionen wurde bzw. wird häufig zurückgegriffen, wenn es um das
Grundanliegen und die Universalität des Fremdenverkehrs geht. Auch die internationale
Vereinigung wissenschaftlicher Fremdenverkehrsexperten (Association Internationale
d’Experts Scientifiques du Tourisme [kurz: AIEST]) übernahm zunächst 1954 diese De-
finition und erweiterte sie schließlich durch die Einbeziehung des Aspektes ‘Reise’ (vgl.
KASPAR 1996, S. 14).
Ebenfalls BERNECKER sieht den Fremdenverkehr als eine Kette von Beziehungen
materieller und immaterieller Art, die sich aus der „vorübergehenden und freiwilligen
Ortsveränderung aus nicht geschäftlichen oder beruflichen Gründen“ ergeben
(BERNECKER 1962, S. 12). Neu an seiner Festlegung ist die Betonung der immate-
riellen Aspekte des Fremdenverkehrs, die auch gleichrangig Beachtung finden sollten.
Erwerbsabsichten oder -tätigkeiten der Reisenden, die inzwischen immer häufiger vor
allem im Geschäftsreiseverkehr zu beobachten waren, wurden in den bisherigen Be-
griffsabgrenzungen nicht besonders deutlich betont. So verwunderte es nicht, als
7
______________________________________________________________________
schließlich HUNZIKER 1970 in einem Vorwort der AIEST-Veröffentlichung eine Er-
weiterung des Fremdenverkehrsbegriffs einforderte, um in der neuen Definition
schließlich auch den Geschäftsreiseverkehr eingeschlossen zu haben (vgl. HUNZIKER
1970, S. 5).
Diese Forderung erfüllte KASPAR in seiner Definition, in der er den „Fremdenverkehr
als Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Ortsveränderung
und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsäch-
licher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“ festlegt (KASPAR 1986). Erstmals übt
KASPAR selbst Kritik an der Wahl des Ausdrucks ‘Fremdenverkehr’, da „das Wort
‘fremd’ immer mehr aus dem Vokabular der internationalen Beziehungen verbannt
wird, insbesondere wenn es darum geht, die Funktion der Völkerverständigung zu unter-
streichen“ (KASPAR 1996, S. 14).
Es ist von diesen Überlegungen ausgehend einsichtig und folgerichtig, daß in der wis-
senschaftlichen Terminologie nach einem synonym zu verwendenden Begriff Ausschau
gehalten wurde. Mit dem aus dem französischen Sprachgebrauch abgeleiteten Begriff
‘Tourismus’ (Tour = Rundgang, Rundreise) scheint man erfolgreich zu sein. Inzwischen
haben sich in der fachwissenschaftlichen Literatur beide Begriffe nicht nur als Synony-
me etabliert, sondern immer häufiger erscheint der weniger negativ belegte Begriff
‘Tourismus’.
So wird auch in dieser Abhandlung der Begriff Tourismus bevorzugt, da man es im
Untersuchungsraum der Luftkurorte mit Gästen zu tun hat, die sich im Kurort nicht als
Fremde fühlen sollten. So kommen z. B. Kurgäste häufiger in den gleichen Ort und
werden allmählich zu Bekannten.
Die Begriffsdefinition von KASPAR umfaßt aber schließlich nur den Gesamttourismus
bzw. -fremdenverkehr. Es fehlen die verschiedenartigen Tourismusrichtungen, z. B. eine
Differenzierung nach der Motivation der Nachfrager oder nach den äußeren Ursachen
und Einwirkungen. Einen Gliederungsansatz der verschiedenen Richtungen hat
BERNECKER erstellt. Er unterscheidet u.a. aus der Sicht des Nachfragers nach der
Motivation des Tourismusvorhabens:
- Erholungstourismus
- Nah- und Ferien(Urlaub)-erholung zur physischen und psychischen Regeneration
- Kurerholung zur Herstellung psychischer und körperlicher Heilung durch natürli-
che Heilfaktoren(Wasser, Gase, Boden, Klima)
8
______________________________________________________________________
- Kulturorientierter Tourismus
- Bildungstourismus (Kennenlernen anderer Kulturen, Sitten und Gebräuche)
- Alternativtourismus (Kennenlernen des Lebens anderer Menschen in ihren eige-
nen Verhältnissen)
- Wallfahrtstourismus
- Sporttourismus
- Tourismus des aktiven und passiven Sports
- Wirtschaftsorientierter Tourismus
- Geschäftstourismus
- Kongresstourismus
- Ausstellungs- und Messetourismus
- Incentivtourismus (z. B. Prämienreisen von Unternehmungen)
- Politikorientierter Tourismus
- Diplomaten- und Konferenztourismus
- Tourismus im Zusammenhang mit politischen Veranstaltungen
(nach BERNECKER 1962,)
Nach der vorstehenden Differenzierung befaßt sich die vorgelegte Untersuchung dem-
nach vorwiegend mit dem Erholungstourismus.
Eine andere Tourismusgliederung legt HAHN (1993) vor. Er typisiert die Touristen
nach ihren beabsichtigten Aktivitäten und kommt zu den nachfolgenden Klassen:
Urlauber-
Typ Kennwort Kennzeichen
S - Typ Erholungsurlauber Sonne, Sand, See, Alltagsstreß entfliehen, Geruh-
samer, behaglicher Urlaub, nicht zuviel Fremdarti-
ges, nicht zuviel Ferienrummel
F - Typ Erlebnisurlauber Ferne, Flirt, unternehmungslustig, Abwechslung,
Vergnügen, mondäne Atmosphäre
W1 –Typ Bewegungsurlauber Wald, Wandern, Gesundheit aktiv fördern,
naturliebend, Kururlauber
W2 –Typ Sporturlauber Wald, Wettkampf, Hobby wichtig,
Anstrengungen zugetan
A - Typ Abenteuerurlauber nur begrenzt echter Abenteurer und Einzelgänger,
eher: einmaliges Erlebnis mit kalkuliertem Risiko
persönliche Bewährung, Schwärmer, Träumer
B - Typ Bildungs- und Be-
sichtigungsurlauber
Bildung, Besichtigung
B1 –Typ : sammelt Sehenswürdigkeiten und Orte
B2 –Typ: sammelt Gefühle, Stimmungen der
fremden Welt, des Neuen
B3 –Typ: Natur-, kultur-, sozialwissenschaftliche
Interessen
9
______________________________________________________________________
Nach HAHN hätten wir es demnach in den Luftkurorten vorwiegend mit Touristen vom
Typ S bzw. vom Typ W1 zu tun.
ROMEISS-STRACKE (1989) orientiert sich in ihrer Typisierung von Touristen an Frei-
zeit- und Lebenszielgruppen.
Es ist allgemein festzustellen, daß in jüngerer Zeit verstärkt psychographische Elemente
an die Stelle von sozioökonomischen Merkmalen in der Klassifizierung von Touristen
getreten sind.
Abschließend sei noch auf den auch anzutreffenden Begriff ‘Touristik’ hingewiesen.
Nach FREYER wird Touristik als die gewerbsmäßige Beschäftigung im Tourismus an-
gesehen. Dieser Begriff ist daher eher auf die Aktivitäten der Tourismusbetriebe bzw.
der Tourismuswirtschaft anzuwenden (vgl. FREYER 1993, S. 15 ff).
1.2.3 Die Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen
Die Anerkennung und Vergabe von Artbezeichnungen für Orte im Gesundheitstouris-
mus erfolgen nach gesetzlichen Vorschriften. Grundlage der Prädikatisierung von Kur-
orten in Nordrhein-Westfalen ist das Kurortegesetz (KOG NW). In diesem Gesetz ist
vorgesehen, daß Gemeinden auf Antrag als Kurort staatlich anerkannt werden können.
Im Rahmen der Anerkennung als Kurort werden die Artbezeichnungen Heilbad,
Kneippheilbad, Kneippkurort, heilklimatischer Kurort oder Luftkurort verliehen. Heil-
bäder oder Kneippheilbäder können zusätzlich noch als heilklimatische Kurorte ausge-
zeichnet werden. Luftkurorten kann die Zusatzartbezeichnung „mit Kurmittelgebiet“
verliehen werden (vgl. § 1 KOG NW 1975).
Städten oder Gemeinden kann die Anerkennung als Kurort verliehen werden, wenn
1. im Kurgebiet ein für die Genesung geeignetes Klima,
2. im Kurgebiet die den Erfordernissen der Artbezeichnung angemessenen und zur An-
wendung mindestens des Hauptkurmittels sowie zur Betreuung der Kurpatienten
notwendigen Kureinrichtungen,
3. ordnungsgemäße Trinkwasserversorgung, Abwasser- und Abfallbeseitigung,
4. wissenschaftlich geprüfte und ärztlich erprobte, zur Feststellung durch staatliche An-
erkennung geeignete Hauptheilanzeigen sowie Gegenanzeigen vorhanden sind und
5. keine Anlagen betrieben oder genutzt werden, die Heilmittel, Kureinrichtungen oder
Kurortcharakter negativ beeinflussen können (vgl. § 3 KOG NW).
10
______________________________________________________________________
Die Artbezeichnung „Luftkurort“ kann verliehen werden, wenn die Voraussetzungen
nach § 3 Nr. 1, 2, 3, 5 KOG NW erfüllt sind. In Verbindung mit dieser Artbezeichnung
kann die Zusatzartbezeichnung „mit Kurmittelgebiet“ verliehen werden, wenn im Kur-
gebiet auftretende natürliche Heilmittel des Bodens vorhanden sind (vgl. KOG NW
1975).
Im Kurortegesetz sind die Formulierungen sehr allgemein gehalten. In der Verordnung
über die Anerkennung von Gemeinden oder Teilen von Gemeinden als Kurort (KOV
NW) sowie in den Vorschriften zur Artbezeichnung und zum natürlichen Heilwasser
dagegen werden ausführlich und konkret die Bedingungen für alle Kurorte dargestellt.
In § 8 dieser Verordnung wird zwischen Luftkurorten und Luftkurorten mit Kurmittel-
gebiet unterschieden. Weiterhin sind dort die Bedingungen für eine Anerkennung als
Luftkurort festgelegt. Darin heißt es:
„(1) Die Artbezeichnung Luftkurort kann verliehen werden, wenn zusätzlich zu den
Voraussetzungen nach §§ 1 bis 5 im Kurgebiet mindestens 250 Fremdenbetten bereitge-
halten werden.
(2) Die Zusatzartbezeichnung Kurmittelgebiet kann verliehen werden, wenn die Voraus-
setzungen nach §§1 bis 5 und nach Absatz 1 mit der Maßgabe erfüllt sind, daß
1. zur Unterbringung von Kurpatienten zusätzlich mindestens 50 Betten zur Verfügung
stehen und wenn
2. im Kurgebiet zutage tretende natürliche Heilmittel des Bodens therapeutisch genutzt
werden; Heilquellen müssen staatlich anerkannt oder die Anerkennungsfähigkeit ge-
sichert sein“ (KOV NW 1988).
Luftkurorte sind daher ausgezeichnete Orte in der Gesundheitsvorsorge des Staates, die
bei Antragstellung und anschließender Anerkennung die vom Kurortegesetz und von der
Kurorteverordnung vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt haben. Die Anerkennung be-
schränkt sich zwar auf das ausgewiesene Kurgebiet der beantragenden Gemeinde, den-
noch ist von außen keine Differenzierung zwischen dem prädikatisierten und nichtprä-
dikatisierten Gebiet dieser Gemeinde erkennbar. Zur deutlichen Unterscheidung wird in
dieser Schrift der prädikatisierte Stadt- bzw. Ortsteil mit Luftkurort* bezeichnet.
Die nachfolgende Tab. 1 gibt eine Übersicht über die Luftkurorte in NRW. Neben der
Antragstellerin (Stadt oder Gemeinde) werden in der Spalte 4 die prädikatisierten Stadt-
bzw. Ortsteile aufgeführt. In der rechten Spalte der Tabelle ist das Datum der staatlichen
Anerkennung vermerkt.
11
______________________________________________________________________
Preußisch Oldendorf-Holzhausen und Vlotho-Valdorf wurde die Zusatzartbezeichnung
„Luftkurort mit Kurmittelgebiet“ verliehen.
Tabelle 1: Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen
Lfd. .Nr.
Stadt / Gemeinde PLZ Prädikatisierter
Stadtteil / Ortsteil
Luftkurorte*
Tag der
Aner-
kennung
1 Stadt Brakel 33034 Brakel, Kernstadt 10.09.74
2 Stadt Brilon 59929 Brilon, Kernstadt 23.08.74
3 Eslohe 59889 Eslohe, Kerngemeinde 09.01.76
4 Stadt Freudenberg 57258 Freudenberg, Kernstadt 10.09.79
5 Stadt Heimbach 52396 Heimbach, Kernstadt 12.09.74
6 Stadt Horn-Bad Meinberg 32805 Holzhausen-Externsteine 12.05.87
7 Stadt Höxter 37671 Bruchhausen 23.08.74
8 Kirchhundem 57399 Oberhundem 28.01.74
9 Stadt Lage 52791 Hörste 30.10.73
10 Stadt Lennestadt 57368 Saalhausen 18.12.73
11 Stadt Nieheim 33039 Nieheim 25.11.94
12 Stadt Preußisch Oldendorf 32361 Pr. Oldendorf, Kernstadt 16.12.74
13 Stadt Preußisch Oldendorf 32361 Holzhausen 21.05.81
14 Stadt Preußisch Oldendorf 32361 Börninghausen xx.xx.93
15 Rödinghausen 32289 Rödinghausen, Kerngemeinde xx.xx.80
16 Stadt Schmallenberg 57392 Schmallenberg, Kernstadt 20.08.74
17 Stadt Schmallenberg 57392 Grafschaft 23.08.74
18 Stadt Schmallenberg 57392 Nordenau 18.09.84
19 Stadt Sundern 59846 Langscheid 20.08.74
20 Stadt Tecklenburg 49545 Tecklenburg. Kernstadt 26.08.74
21 Stadt Vlotho 32602 Valdorf 18.04.78
22 Stadt Warburg 34414 Germete xx.xx.85
23 Stadt Willebadessen* 34439 Willebadessen, Kernstadt 24.03.75
24 Stadt Petershagen 32458 Bad Hopfenberg 30.06.93
25 Stadt Monschau 52156 Monschau 13.03.96
26 Stadt Winterberg 59955 Neuastenberg xx.02.96
Quelle : Auskunft des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit, Soziales NRW
Stand : April 1996
Die räumliche Lage und die Klassifizierung der Luftkurorte kann der beigefügten Über-
sichtskarte entnommen werden. Dabei fällt auf, daß im Regierungsbezirk Detmold 13,
im Regierungsbezirk Arnsberg 10, im Regierungsbezirk Münster ein Luftkurort und im
Regierungsbezirk Köln zwei Luftkurorte liegen. Mit den Heilbädern, Heilklimatischen
Kurorten und den Luftkurorten kann Ostwestfalen zutreffend als ein Heilgarten
Deutschlands bezeichnet werden.
12
______________________________________________________________________
1.2.4 Thematische Abgrenzungen
Die vorgenommenen Untersuchungen beziehen sich grundsätzlich auf den Übernach-
tungstourismus in den prädikatisierten Orten im Zeitraum 1991 - 1997. Zu Vergleichs-
zwecken werden die in Nordrhein-Westfalen entstandenen Ergebnisse der Grundkenn-
zahlen des touristischen Systems (Anzahl Betriebe, Anzahl Betten, Auslastung der Be-
triebe, Anzahl Ankünfte, Anzahl Übernachtungen und Aufenthaltsdauer) herangezogen.
Der Naherholungsverkehr (Tagesbesucher) konnte leider keine Berücksichtigung finden,
da für eine vergleichende Auswertung keine Ergebnisse der Nachfrage zur Verfügung
standen und eigene Untersuchungen in allen Luftkurorten Nordrhein-Westfalens den
Rahmen dieser Studie erheblich überschreiten würden.
In allen Jahren des Untersuchungszeitraums wurden die Grundkennzahlen des touristi-
schen Systems analysiert. Detaillierte Analysen aller relevanten Bewertungselemente im
Kap. 3 wurden aber wegen des sehr hohen Aufwandes auf die Vergleichsjahre 1993 und
1997 beschränkt. Mit den Ergebnissen aus dem Jahre 1993 konnte erstmalig im mi-
krostrukturellen Bewertungsmodell für Luftkurorte gearbeitet werden. Eine erneute
Anwendung des Modells auf die Analyseergebnisse aus dem Jahre 1997 ermöglichte
detaillierte Aussagen zu den touristischen Entwicklungen der zurückliegenden fünf Jah-
re in allen Untersuchungsorten.
Die in Kap. 3.5 formulierten Prognosen zur künftigen Entwicklung des Übernach-
tungstourismus in Luftkurorten basieren vorwiegend auf der Berechnung von linearen
Trendgleichungen aus dem vorhandenen statistischen Datenmaterial im Untersuchungs-
zeitraum. Sie werden gestützt von den Ergebnissen eines Strategie-Szenarios. Andere
Verfahren (vgl. Kap. 1.3) der Prognostik erscheinen ohne besonderen Aufwand nicht
hinreichend praktikabel.
Die Luftkurorte Petershagen Bad Hopfenberg, Monschau und Winterberg-Neuastenberg
mußten bei der Analyse unberücksichtigt bleiben, da die beiden letztgenannten erst An-
fang 1996 ihre Prädikatisierung erhalten haben und Bad Hopfenberg als prädikatisierter
Ortsteil aus datenschutzrechtlichen Gründen (weniger als fünf meldepflichtige Beher-
bergungsbetriebe) nicht detailliert analysiert werden kann.
Auch der Stellenwert und die Bedeutung der Luftkurorte in der Landesplanung und
Raumordnung Nordrhein-Westfalens können nicht vollständig und abschließend im
Rahmen dieser Arbeit dargelegt werden. Einerseits ist die dauerhafte Existenz des Kur-
betriebs in einigen Luftkurorten ungewiß, andererseits ist noch nicht absehbar, wie das
13
______________________________________________________________________
Zusammenwirken aller prädikatisierten Orte die Folgen der Gesundheitsstrukturreform
überwinden kann. Es können deshalb nur die relevanten planerischen Fakten im Kap.
4.3 analysiert und bewertet werden. Eine Vorstellung überörtlicher Konzepte unter be-
sonderer Berücksichtigung der Probleme in Luftkurorten muß weiterführenden Studien
vorbehalten bleiben.
Alle untersuchten Luftkurorte liegen eingebettet in Fremdenverkehrsregionen. Die Tou-
rismusorte einer Region weisen zwar weitestgehend Übereinstimmung im Landschafts-
bild auf, doch die angebotenen Fremdenverkehrsprodukte der Orte erscheinen aus der
Sicht der Nachfrager unterschiedlich. Es muß in dieser Ausarbeitung zwar auf eine Prü-
fung der vorhandenen Strukturierung betroffener Fremdenverkehrsregionen Nordrhein-
Westfalens aus Zeit- und Raumgründen leider verzichtet werden, aber eine Positionie-
rung der Luftkurorte im touristischen Wettbewerb der Reisegebiete des Bundeslandes
erscheint in Kap. 4.3.1.4.
In der vorgenommenen Untersuchung konnte auch nicht dem Problem nachgegangen
werden, wie oder von welchen Merkmalen geleitet die Touristen ihre Entscheidung für
oder gegen ihren Urlaubs- bzw. Erholungsort immer wieder neu treffen. Damit ist auch
der Gesichtspunkt verbunden, ob ein vom Staat verliehenes Prädikat, z.B. das eines
Luftkurortes, überhaupt oder wesentlich die Auswahl eines bestimmten Ortes beein-
flußt. Ausreichende Kenntnisse zu dieser Problemstellung liegen nicht vor. Die dafür er-
forderlichen Untersuchungen würden den Rahmen des gestellten Themas sprengen.
14
______________________________________________________________________
1.3 Methoden
Die Antworten auf spezifische touristische Fragestellungen können nur aus dem inter-
disziplinären Zusammenwirken der beteiligten Kulturwissenschaften gegeben werden.
So ist nicht nur das Freizeitverhalten aus der Sicht der Wirtschafts- und Sozialgeogra-
phie zu betrachten. Auch volkswirtschaftliche und vor allem betriebswirtschaftliche
Aspekte (Marketing und Logistik) sind ebenso zu berücksichtigen wie die Erkenntnisse
aus der angewandten Statistik, elektronischer Datenverarbeitung und der Medienwissen-
schaft.
Untersucht man die verwendeten Methoden bei der Bearbeitung verschiedenartiger Pro-
blemstellungen in der Tourismusforschung, so läßt sich feststellen, daß in jüngster Zeit
häufiger analytische Ansätze im Gegensatz zu den früheren summarisch beschreibenden
Betrachtungen verfolgt werden. Besonders deutlich werden diese Vorgehensweisen in
den neueren Arbeiten von BÖVENTER (1988), REPPEL und PARTNER (1988),
JENTSCH (1989) und SCHEFFEL (1993). Auch die vorliegende Arbeit verfolgt zu-
nächst den analytischen Ansatz. Nach einer sehr detaillierten Analyse werden zudem
Prognosen, Konsequenzen und mögliche Umstrukturierungskonzepte aufgezeigt. Damit
werden auch Aspekte eines synthetischen Vorgehens verfolgt.
Es werden in der wissenschaftlichen Literatur einige unterschiedliche Bewertungsansät-
ze bzw. -methoden diskutiert. MAIER unterscheidet Bewertungsmethoden auf der Basis
von Faktorengruppen (Partial-Modelle) und solche auf der Basis von Faktorensystemen
(Quasi-Total-Modelle). In der Anwendung von Partial-Modellen beschränkt sich der
Analytiker auf ausgewählte Faktoren. So sind hier Methoden mit
naturgeographischen Komponenten,
Komponenten der Distanzempfindlichkeit,
ökonomische Komponenten oder
Komponenten der touristischen Infrastruktur
zu unterscheiden. Bei den Quasi-Total-Modellen werden ganzheitliche Systembetrach-
tungen in die Bewertung einbezogen (MAIER 1972, S. 9 ff).
Das vorzustellende Bewertungsmodell für Luftkurorte wird beide Typen miteinander
verbinden. Die erste Stufe des Systems soll den Charakter eines Partial-Modells erhal-
ten. Die zweite Stufe wird Komponenten aus unterschiedlichen Bereichen berücksichti-
gen und muß deshalb den Quasi-Total-Modellen zugerechnet werden.
15
______________________________________________________________________
Die im Thema gestellten Probleme verlangen Analysen, Vergleiche, Bewertungen und
Prognosen zu allen für den Übernachtungstourismus in Luftkurorten relevanten Aspek-
ten. Auf der Suche nach geeigneten Verfahren liegt es nahe, zu prüfen, ob in der Fach-
wissenschaft vorhandene vollständige Problemlösungen oder auch Teillösungen abgeru-
fen und eingesetzt werden können.
Da im touristischen Angebot der Luftkurorte u.a. auch der Bereich Natur und Land-
schaft Berücksichtigung findet, ist es sinnvoll, Landschaftsbewertungsverfahren auf
ihre Eignung zur Lösung der gestellten Aufgaben zu untersuchen. In diesen Verfahren
werden die einzeln eingehenden Bewertungselemente analysiert und mit einem Meßwert
versehen, der dann mit einem Wichtungsfaktor multipliziert den Teilnutzwert ergibt.
Alle Teilnutzwerte sind anschließend in einer Synthese zu summieren und einer Rang-
ordnung zu unterwerfen.
KIEMSTEDT (1967) hat den Versuch unternommen, ein Modell zur Bewertung von
Landschaften zur Erholungseignung zu konstruieren. Seine Problemstellung lautete: „Ist
die Ausstattung mit natürlichen Landschaftsfaktoren ein Merkmal von Erholungsgebie-
ten, und läßt sich dieser Komplex von Eigenschaften in einen praktikablen Bewer-
tungsmaßstab fassen?“(KIEMSTEDT 1967, S. 8). Sein ermittelter „Vielfältigkeitswert“
(V-Wert) wird als Maßstab für die vorhandene landschaftliche Vielfalt im Untersu-
chungsraum herangezogen. Er wird wie folgt berechnet:
V-Wert = Waldrandzahl+Gewässerrandzahl+ Reliefzahl+Nutzungszahl x Klimafaktor
1000
Die einzelnen Bewertungsmerkmale, ihre Erfassung und ihre Gewichtung nach
KIEMSTEDT ergeben sich aus der nachfolgenden Tabelle 2.
Nach der Berechnung des V-Wertes erhält der Anwender entsprechend der von
KIEMSTEDT vorgegebener Klasseneinteilung eine Rangordnung für die landschaftliche
Vielfalt:
I. Rang < 3,5,
II. Rang 3,5 bis 5,5,
III. Rang 5,6 bis 7,5,
IV. Rang 7,6 bis 9,9,
V. Rang > 9,9
16
______________________________________________________________________
Tabelle 2 : V-Wert, Merkmale, Erfassung und Gewichtung
Bewertungs-
merkmale Erfassung Gewichtung
Waldränder m je qkm Waldrandzahl in m/qkm x 1;
Hecken: Länge in m x ¼ -1/10
Ufer stehender
Gewässer m je qkm Gewässerrandzahl: m/qkm x 3
Ufer
fließender
Gewässer
m je qkm Gewässerrandzahl : ab 100 m Breite wie stehen
d
Gewässer, beide Uferlängen in m/qkm x 3;
darunter je nach Breite oder Rangordnung des
Gewässers, Faktor bis 3 ansteigend
Relief-
energie relativer Höhenunter-
schied
zwischen dem höchsten
und tiefsten Punkt
einer Fläche in m
Reliefzahl nach Bewertungsrahmen, steigende
Punktzahl bei zunehmender Reliefenergie
10 – 20 m = 220, 60 – 100 m = 590
20 – 30 m = 300, 100 – 250 m = 860
30 – 60 m = 400, 250 – 500 m = 1200
Nutzungs-
arten Anteile an Acker,
Grünland,
Wald, Moor, Heide,
Wasser
und Ödland in % einer
Fläche
Nutzungszahl nach Bewertungsrahmen: %-
Anteile x Gewichtsfaktor, steigend mit abneh-
mender Bewirtschaftungsintensität und zu-
nehmender ´Naturhaftigkeit´
Acker x 6, Moor x 12, Grünland x 15, Wald x
19, Heide, Ödland x 21, Wasser x 50
Klima als Gesamtkomplex
in Bioklimazonen Klimafaktor nach Bewertungsrahmen:
steigend mit zunehmenden bioklimatischen
Reizen:
Stadtklimate 0,65 - 0,80
Beckenlagen 0,70 - 0,90
Norddeutsches Tiefland 0,90 - 1,10
Küstenzone
(Ostsee–, Nordseeinseln 1,30 - 1,60
Submontane Zone 1,10 - 1,20
Montane Zone 1,20 - 1,40
Hochmontane Zone 1,30 - 1,50
Zentrale Hochalpen 1,30 - 1,80
Quelle : KIEMSTEDT 1972, S. 36
Dieses Modell ist vielfach angewandt und in der Praxis mehrfach modifiziert worden.
Es erschienen u.a. zahlreiche Arbeiten am Institut für Landespflege und Naturschutz der
TU Hannover mit Anwendungsbeispielen, die die Stichhaltigkeit und Aussagefähigkeit
dieses Verfahrens testeten. Vor- und Nachteile dieser Methode wurden sichtbar. Es kam
zu Abänderungen, so. z.B. durch Veränderung der Bezugsgröße. Da zunächst von der
Gemarkungsgröße als Erhebungseinheit ausgegangen wurde, konnten gemarkungsüber-
17
______________________________________________________________________
greifende Verteilungen schlecht erfaßt werden. Der Übergang zum Planquadrat, zum
Meßtischblatt oder zum Luftbild als Bezugsgröße bot sich zwangsläufig an.
Aber auch KIEMSTEDT erkannte sehr bald in den vielen Anwendungsbeispielen, daß
eine Bewertung der natürlichen Raumausstattung allein nicht ausreicht, ein begrenztes
Gebiet als für die Erholung geeignet zu klassifizieren. So gab er schon 1972 zu beden-
ken, daß allein die Bewertung der natürlichen Raumausstattung nur eingeschränkte Aus-
sagen über einen Nutzungsanspruch zulasse, und aufgrund von bestehenden Wechsel-
wirkungen untereinander sollten auch noch andere Entscheidungsfaktoren herangezogen
werden. Sein modifiziertes Beziehungsgeflecht wurde von ihm in der Abb. 2 zusam-
mengefaßt.
Abb. 2 : Bedingungsgefüge der Bewertungsfaktoren nach KIEMSTEDT
Erreichbarkeit Sozioökonomische
Ausstattung Natürliche
Ausstattung
Erholungs-
ansprüche
Potentielle Ei
g
nun
g
für Erholun
g
Bedarf an
Erholun
g
s-
g
lichkeiten
Planun
g
Reale Nutzung
für Erholung
Quelle: KIEMSTEDT 1972, S. 40
KIEMSTEDT und andere haben aus dieser Erkenntnis heraus 1975 ein Verfahren zur
Bewertung des Sauerlandes entwickelt, in das mehr als 100 Bewertungskriterien einge-
hen und das den Charakter einer Nutzwertanalyse aufweist. Mit der Modifizierung des
ursprünglichen Verfahrens hat der neue Vielfältigkeitswert zwar eine umfassendere
Aussagefähigkeit in der Fremdenverkehrsgeographie erhalten, doch die Operationali-
sierbarkeit des von dem Begriff bezeichneten Sachverhalts scheint nicht mehr gegeben
zu sein. Die Berechnung des Vielfältigkeitswertes nach KIEMSTEDT sowohl in der er-
sten Fassung als auch in der modifizierten Form läßt sich zwar auch für die hier zu be-
18
______________________________________________________________________
trachtenden Luftkurorte vornehmen, doch sie allein bringt nicht die in der Problemstel-
lung geforderten Aussagen.
Auch die Nutzwertanalyse soll auf ihre Eignung zur Lösung der im Thema gestellten
Aufgaben überprüft werden. Die Nutzwertanalyse der 1. Generation ist von
ZANGEMEISTER im deutschsprachigen Raum vorgestellt worden. Er definiert das
Verfahren als „Analyse einer Menge komplexer Handlungsalternativen mit dem Zweck,
die Elemente dieser Menge entsprechend den Präferenzen des Entscheidungsträgers be-
züglich eines multidimensionalen Zielsystems zu ordnen. Die Abbildung dieser Ord-
nung erfolgt durch die Angabe der Nutzwerte (Gesamtwerte) der Alternative“
(ZANGEMEISTER 1971, S. 45).
Der Nutzwertanalyse liegt ein streng mathematisches Modell zugrunde. Sie wurde zu-
nächst als Verfahren zur Entscheidungsvorbereitung in der Systemtechnik eingesetzt
und später auf Landschaftsbewertungsverfahren übertragen. So bemühten sich in den
70-iger Jahren z. B. AFFELD, TUROWSKI und STRASSERT, Landschaftsbewertun-
gen mit Hilfe der Nutzwertanalyse vorzunehmen. Bei der Realisierung einer Nutz-
wertanalyse werden sowohl subjektive als auch objektive Merkmale des Bewertungs-
objektes erfaßt und ihre spezifische Eignung für eine bestimmte Nutzungsart durch eine
Kardinalzahl bewertet. Der Nutzwert ergibt sich als Ergebnis einer zusammenfassenden
Bewertung sämtlicher Einzelwerte.
Die Standardversion der Nutzwertanalyse wurde von verschiedenen Autoren individuell
überarbeitet und weiter entwickelt. So legten BECHMANN und KIEMSTEDT 1975 bei
der Vorstellung ihres Verfahrens zur Bewertung des Sauerlandes für Erholung eine
Nutzwertanalyse der 2. Generation vor. Chr. BECKER entwickelte 1976 ein Modell zur
Bewertung von Räumen für die Erholung. In dem Verfahren wird die potentielle Eig-
nung der Gemeinden des Landes Hessen für den Erholungsreiseverkehr berechnet.
Landschaftsbewertungsverfahren auf der Basis von Nutzwertanalysen zeigen weitestge-
hend nur mesoskalare Sachverhalte auf und sind weniger für den abgegrenzten Klein-
raum geeignet. Sie werden als Grundlage für Entscheidungen in Regionalplanungen an-
gewandt. Da es in dieser Abhandlung aber nicht darum geht, Fremdenverkehrsförderge-
biete mit definierten Zielsetzungen auf ihre Eignung zu prüfen und auszuweisen, son-
dern bestehende kleinräumige Tourismusstrukturen zu erfassen, zu vergleichen, zu be-
werten und im immer stärker werdenden Wettbewerb Überlebensperspektiven abzu-
schätzen, sind Landschaftsbewertungsverfahren und Nutzwertanalysen für die vorgege-
19
______________________________________________________________________
benen Zielsetzungen weniger geeignet. Allerdings können einige Ansätze aus diesen
Verfahren in ein Bewertungsmodell für Luftkurorte übernommen werden.
Da offensichtlich keine wissenschaftlichen Verfahren bzw. Methoden zur Bewertung
von Tourismus in Luftkurorten vorliegen, muß vom Verfasser der Versuch unternom-
men werden, selbst ein geeignetes Instrumentarium zu konstruieren, zu testen und
schließlich einzusetzen. Es soll folgende Anforderungsstufen erfüllen:
- Einzelkriterienvergleich in allen Luftkurorten
- vollständiger touristischer Bewertungsrahmen für alle Luftkurorte
- Prognostik zum Tourismus in Luftkurorten
Die einzelnen Anforderungsstufen werden in einem mikrostrukturellen Bewertungsmo-
dell für Luftkurorte zusammengefaßt. Im Einzelkriterienvergleich soll es möglich sein,
die Ausprägungen von einzeln ausgewählten Strukturelementen in allen Luftkurorten zu
vergleichen. Die Meßgrößen der Analysefaktoren liegen als Wertziffer (z.B. Zustand des
Kurparks mit Wert 1 bis Wert 6) oder als Maßzahl (z.B. die Gemarkungsgröße von 3
qkm) oder als relative Angabe (kleiner bzw. größer als) vor. Es bietet sich für alle
Aspekte in einer ersten Modellstufe eine Normierung über Rangordnungen an. In dieser
Ordnung wird der 1. Rang als der beste festgelegt. Will man mehrere Einzelkriterien zu
Komplexen zusammenfassen, so können durch Addition von Einzelrängen Rangsum-
men gebildet werden. Rangsummen können erneut als Summenrang über eine aufstei-
gende Sortierung angeordnet werden. Zu den Einzelschritten der Methode in dieser Stu-
fe sei auf das Kap. 3.3 verwiesen.
In der Modellstufe 2 sollen alle für den Tourismus in Luftkurorten relevanten Bewer-
tungselemente erfaßt und für jeden Luftkurort einzeln bewertet werden. In dem Verfah-
ren ist sicherzustellen, daß nur solche Bewertungselemente berücksichtigt werden, die
untereinander keinen Multiplikatoreneffekt aufweisen und somit in keinem erkennbaren
Zusammenhang stehen. Diese Anforderung ist nicht immer ohne besonderen Aufwand
zu erfüllen. Das differenzierte Wirkungsgefüge einzelner Bewertungselemente läßt sich
kausal kaum abgrenzen. Deshalb werden in dieser Stufe statistische Methoden herange-
zogen, um sogenannte unabhängige Bewertungselemente zu gewinnen. Zur detaillierten
Beschreibung der verwendeten Methode sei auf das Kap. 3.2 verwiesen.
Das mikrostrukturelle Bewertungsmodell ist in dieser Stufe auch als Wertzahlenverfah-
ren anzulegen. Die Ausprägungen der Bewertungselemente in jedem Luftkurort, viel-
20
______________________________________________________________________
fach in Kardinalzahlen ausgedrückt, werden zur besseren Vergleichbarkeit bepunktet (in
Ordinalzahlen transformiert).
Bewertungsmodelle auf der Basis von Wertzahlenverfahren erhalten erst durch einen
Wichtungsfaktor der Bewertungselemente den Ansatz einer objektiven Relevanz, sofern
er nach objektiven Gesichtspunkten ermittelt wurde. Faktoren zur Gewichtung von Be-
wertungselementen können auf verschiedenen Wegen gewonnen werden:
Delphi-Methode
Repertory Grid-Technik
Umfrage bei den Erholungssuchenden
Umfrage bei den Anbietern
Umfrage bei Planern der Städte und Gemeinden
Berechnung mit statistischen Methoden aus der tatsächlichen Gästenachfrage
Der Anspruch einer realitätsnahen und möglichst objektiven Gewichtung kann zur Zeit
in einer Delphi-Expertenbefragung (ZIMMERMANN 1992) oder mit der Repertory
Grid-Technik (GRANZOW 1993) bestmöglich verwirklicht werden.
Da zur Gewichtung der Bewertungselemente aus dem vorzustellenden Modell bereits
Ergebnisse von Expertenbefragungen nach der Delphi-Methode vorliegen, konnte auf
eine eigene Umfrage verzichtet werden. Die von BONERTZ (1983) ermittelten Wich-
tungsfaktoren werden in der Anwendung der Modellstufe 2 berücksichtigt. Mit dieser
Entscheidung wird billigend unterstellt, daß in den zurückliegenden 15 Jahren keine we-
sentlichen Änderungen in der Gewichtung der Bewertungselemente bei Anbietern, Ver-
brauchern und Experten der Tourismusbranche eingetreten sind.
Die Punkte aller berücksichtigten Strukturelemente werden mit dem jeweiligen Wich-
tungsfaktor multipliziert und in einer Synthese summiert. Der Summenwert eines jeden
Luftkurortes kann als Maß für den Tourismus im Ort vergleichend herangezogen wer-
den. Der Ort mit der höchsten Punktzahl hat den besten, der mit der niedrigsten Punkt-
zahl den schlechtesten Wert erreicht. Danach wird es möglich sein, in den erreichten
Teilnutzwerten und auch im Summenwert durch Vergleich ortstypische Stärken und
Schwächen zu präsentieren. Zur genauen Berechnungsvorschrift der Punkte sei auf die
Vorbemerkungen zur Modellstufe 2 im Kap. 3.4 verwiesen.
Durch die singuläre Berücksichtigung einzelner Bewertungsaspekte und durch eine ad-
ditive Zusammenfassung der Wertzahlen mehrerer Elemente zu Komplexen wird der
objektive Anspruch des Modells verstärkt.
21
______________________________________________________________________
Für den Tourismusmanager in Luftkurorten sind neben der Kenntnis über bisherige
Entwicklungen im Tourismus auch prognostische Aussagen von besonderer Bedeutung.
Darum sollen in der Modellstufe 3 für alle Luftkurorte beide Schwerpunkte bearbeitet
werden. Die Aufarbeitung bisheriger Entwicklungen erscheint mit Hilfe von touristi-
schen Kennzahlen unproblematisch. Dagegen sind Aussagen für eine zukünftige voraus-
sichtliche Entwicklung des Tourismus in den Luftkurorten nur mit Vorbehalten zu for-
mulieren. Es stehen zwar mehrere Prognosemethoden zur Verfügung, doch inwieweit
sie beim vorliegenden Untersuchungsgegenstand anwendbar sind, muß im einzelnen ge-
prüft werden.
Quantitativ-ökonomisch orientierte Prognosen versuchen auf logisch-deduktive Art Ein-
flüsse auf das touristische System zu erfassen. Dabei sollten möglichst alle Kenngrößen
in einem quantitativen Prognosemodell zusammengefaßt werden. Es scheint zunächst
unmöglich zu sein, alle Merkmale einer komplexen touristischen Realität in einem Mo-
dell abbilden zu können. Deshalb sind eher beschränkte Abbildungen denkbar, die ver-
gangene Trends unter Berücksichtigung ökonomischer Annahmen in die Zukunft extra-
polieren. Da in diese Modelle nur meßbare Größen Eingang finden, können soziologi-
sche und psychologische Einflüsse auch in den Teilabbildungen nicht angemessen be-
rücksichtigt werden. Aufgrund der beschriebenen Probleme sind quantitativ-
ökonomisch orientierte Prognosen, die nach dieser Methode erstellt werden, nur einge-
schränkt aussagefähig.
Eine andere Methode, Prognosen einer Tourismusentwicklung zu erstellen, basiert auf
prospektivem Denken und Brainstorming. Individuelle Annahmen und Folgerungen füh-
ren in einer Strategie zu einem subjektiv bewerteten Zukunftsbild, das den Wunschvor-
stellungen des Prognostikers möglichst nahe kommt. Da die einzelnen methodischen
Schritte der Strategie von außen kaum einsichtig und überprüfbar erscheinen, werden
solche Visionen vorwiegend gewählt, um plakative Effekte zu erzeugen. Dieses Verfah-
ren scheint hier wenig geeignet zu sein und findet deshalb keine Anwendung.
Neuerdings wird immer häufiger die Szenario-Technik als Methode in der touristischen
Zukunftsforschung eingesetzt (ZIMMERMANN 1993, S. 569). Wenn man sich für die-
se Methode entscheidet, geht man „von der Gegenwart oder von einer oder mehreren
Situationen aus und versucht Schritt für Schritt aufzuzeigen, wie sich eine künftige Si-
tuation als Abfolge von Ereignissen entwickeln könnte. Ein Ziel ist, jene Verzwei-
gungspunkte aufzuzeigen, an denen grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden
22
______________________________________________________________________
müssen. Die Folgen der möglichen Entscheidungen können als alternative Entwicklun-
gen dargestellt werden, so daß alternative Szenarien entstehen, wobei man sich auf die
Verfolgung jener Alternativen beschränkt, die nach heutigem Wissensstand nicht uto-
pisch erscheinen“ (SEGNER 1976).
Nach dieser Methode wird in Kap. 3.5.4 ein Strategie-Szenario zur möglichen Ent-
wicklung der Bettenauslastung in meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben der prädi-
katisierten Orte vorgestellt.
ZIMMERMANN propagiert eine Verknüpfung von Szenario-Technik und Expertenbe-
fragung bei der Bearbeitung von Tourismusprojektionen in die Zukunft. Seiner Meinung
nach ist die Arbeit mit Szenarien nur dann sinnvoll, „wenn die Annahmen von einer
breiten Gruppe von Experten evaluiert werden und somit garantiert ist, daß eine Viel-
zahl von Erkenntnissen in der Szenarioformulierung enthalten ist sowie möglichst viele
Rahmenbedingungen, Steuerungsfaktoren und interne Verflechtungen erkannt und be-
rücksichtigt werden“ (ZIMMERMANN 1993, S. 571).
Nach der Vorstellung von Methoden für Tourismusprognosen wird deutlich, daß mit
den zur Zeit zur Verfügung stehenden Mitteln eigentlich keine gesicherten quantitativen
und qualitativen Vorhersagen erstellt werden können. Wenn dennoch Aussagen zu zu-
künftigen Entwicklungen im Tourismus aufgrund verständlicher und nachvollziehbarer
Anforderungen formuliert werden, können sie nur den Charakter einer Orientierungshil-
fe für die Praxis haben.
Auch groß angelegte Projekte für Tourismusprognosen mit Szenariotechnik und Exper-
tenbefragung können im Ergebnis nur Orientierungshilfen bieten. Die Ergebnisse des
Strategie-Szenarios in Kap. 3.5.4 können lediglich zu Abschätzungen genutzt werden.
Nicht anders sind die beschränkten prognostischen Erkenntnisse aus quantitativ-
ökonomischen Verfahren zu betrachten.
In der Modellstufe 3 soll deshalb versucht werden, Aussagen zur zukünftigen Entwick-
lung der komplexen touristischen Realität der Luftkurorte mit Hilfe von Teilabbildun-
gen im quantitativ-ökonomischen Prognosemodell zu gewinnen. Da es offensichtlich
noch nicht gelingt, Entwicklungen für das vollständige touristische Geschehen in einem
Luftkurort in Form von Trends zu extrapolieren, muß man sich auf einzelne Merkmale
beschränken. MEISE/VOLWAHSEN sehen das Ziel einer Trendextrapolation „in der
bisherigen Entwicklung einer Größe eine mathematisch definierbare Gesetzmäßigkeit zu
23
______________________________________________________________________
entdecken und die beobachtete Entwicklung in die Zukunft zu verlängern“ (zit. aus
STIENS 1996, S. 36).
Um Entwicklungen im Tourismus der Luftkurorte aufzeigen zu können, müssen Verän-
derungen von Kenngrößen des Tourismus über einen längeren Zeitraum analysiert wer-
den. Auf der Basis der Veränderungen von Kennzahlen und unter der Annahme einer
weiterhin streng monotonen Entwicklung können Trends für eine mögliche Entwicklung
der Kenngröße formuliert werden. Um einsichtige Vorhersagen zu erstellen, wird als
statistische Methode die Regressionsanalyse angewandt (siehe BAHRENBERG /
GIESE 1975, S. 128). Die Methode setzt funktionale Zusammenhänge bei den zu unter-
suchenden Größen voraus. Es wird aus den tatsächlichen Daten der Kenngrößen und ih-
rer Schwankungen eine Regressionstrendlinie berechnet. Da der Trend funktional be-
stimmt wird, sind lineare, polynomische, logarithmische, exponentielle und potentielle
Trendfunktionen denkbar und auch berechenbar. Darüber hinaus können in jedem Ver-
fahren starke Datenschwankungen durch die Berechnung eines gleitenden Durchschnitts
ausgeglichen werden. Grundsätzlich sind alle Berechnungsarten für die Auswertung der
vorhandenen Daten geeignet.
Aus Praktikabilitätsgründen wird in der Modellstufe 3 für jede touristische Grundkenn-
zahl zunächst eine lineare Trendgleichung berechnet. Sie beschreibt die zurückliegenden
Entwicklungen der touristischen Kenngröße und hat die Eigenschaft „mittlere“ Gerade
zu den Funktionswerten der Meßwerte sein, da sie so berechnet wird, daß die Abstände
der Funktionswerte zur Trendgeraden möglichst klein werden (Methode der kleinsten
Quadrate). Unter der Voraussetzung eines gleichbleibenden Trends kann er als Vorher-
sage für eine zukünftige Entwicklung der jeweiligen touristischen Kenngröße formuliert
werden.
Der Trend kann dann annähernd genau bezeichnet werden, wenn es gelingt, eine beson-
ders gute Anpassung der gegebenen Werte an die berechnete Gerade zu erzielen.
Manchmal ergibt sich durch die berechnete Gerade aber nur eine schlechte Anpassung.
In solchen Fällen ist es sinnvoll, die Zuordnungsvorschrift einer geeigneten nichtlinea-
ren „Anpassungsfunktion“ zu berechnen. Es stellt sich die Frage nach einem Maß für
eine gute bzw. eine schlechte „Anpassungsfunktion“. Nach SPIEGEL wird von allen
Graphen, die sich einer gegebenen Menge von Wertepaaren anpassen, der als am besten
geeignete Graph bezeichnet, bei dem die Summe der Abweichungsquadrate minimal ist
(SPIEGEL 1980, S. 219).
24
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Aufgrund des vorliegenden Untersuchungszeitraumes von sieben Jahren (sieben Meß-
werte, sechs Zwischenräume) wird mit einer polynomischen Gleichung 6. Grades der
genaue Graphenverlauf der Merkmalsausprägungen am besten beschrieben, da sich bei
diesem Graphen die Summe der Abweichungsquadrate zu den gegebenen Daten zu Null
berechnet. Deshalb ist dieser Graph besonders geeignet, als Trendbeschreibung der ge-
gebenen Daten herangezogen zu werden. Darum wurde für jede touristische Grund-
kennzahl diese polynomische Trendgleichung berechnet und präsentiert. Der Name
„Trendgleichung“ mag vielleicht etwas eigentümlich erscheinen, dennoch ist er akzep-
tabel, da ihm die gleiche mathematisch-statistische Methode wie die der linearen Trend-
gleichung zugrunde liegt.
Um die Zuverlässigkeit und Sicherheit des berechneten Trends abschätzen zu können,
sind für jede Regression auch das Bestimmtheitsmaß r2 und der Korrelationskoeffizient
r zu berechnen. Das Bestimmtheitsmaß r2 ist definiert durch
== 2
2
2
)(
)´(
yy
yy
Streuungtotale
Streuungerklärte
r
i
i.
In der Formel bedeuten yi die Funktionswerte der gemessenen, y´i die Funktionswerte
der erwarteten Werte und y das arithmetische Mittel der Funktionswerte der gemesse-
nen Werte.
Somit steht im Nenner des Bruches die Summe der quadratischen Abweichungen vom
arithmetischen Mittel der Funktionswerte der gemessenen Werte und im Zähler die
Summe der quadratischen Differenzen von den Funktionswerten der erwarteten Werte
und dem arithmetischen Mittel der Funktionswerte der gemessenen Werte.
Das Bestimmtheitsmaß r2 ist eine Zahl zwischen null und eins und gibt die Streuung
zwischen den realen und den erwarteten Werten an. Hat das Bestimmtheitsmaß r2 den
Wert eins erreicht, liegt keine Streuung vor, ist der Wert null, dann liegt die totale
Streuung vor. Deshalb ist das Bestimmtheitsmaß r2 als Verhältnis zwischen erklärter
und totaler Streuung definiert. Sind die Abweichungen zwischen tatsächlichen und er-
warteten Werten sehr gering, dann beschreiben die erwarteten Werte sehr genau die
reale Situation. Die berechnete Zuordnungsvorschrift der erwarteten Werte kann damit
zur Beschreibung der vorliegenden Situation herangezogen werden. Im anderen Fall ist
die Zuordnungsvorschrift der Regressionsfunktion für eine Beschreibung der abgebil-
deten Situation nicht brauchbar.
25
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Der Korrelationskoeffizient r wird als Quadratwurzel des Bestimmtheitsmaßes r2 be-
rechnet.
Beide Maße, Korrelationskoeffizient r und Bestimmtheitsmaß r2, entscheiden darüber,
ob eine Trendaussage mit hoher Wahrscheinlichkeit formuliert werden kann oder nicht.
Eine Trendgleichung soll statistisch hinreichend gesichert sein, wenn das Bestimmt-
heitsmaß r2 mit größer als 0,81 und der Korrelationskoeffizient r dementsprechend mit
größer als 0,9 berechnet worden ist. Liegen die Werte unter den gesetzten Grenzen, ist
eine hinreichend gesicherte Aussage zum Trend der Kenngröße nicht möglich. Mit der
berechneten polynomischen Trendgleichung 6.Grades wird die höchste Zuverlässigkeit
erreicht: Die Summe der Abweichungsquadrate zu den gegebenen Wertepaaren wird
Null, das Bestimmtheitsmaß r2 und der Korrelationskoeffizient r haben daher immer den
Wert 1. Der polynomische Graph 6.Grades, der von den Meßwerten der Kenngröße
festgelegt wird, stimmt mit dem Graphen aus den erwarteten Funktionswerten der be-
rechneten polynomischen Trendgleichung 6.Grades überein.
Trendextrapolationen können zu sehr differenzierten Aussagen über eine zukünftige
Entwicklung des betroffenen Merkmals führen. Die eventuell eintretende neue Situation
kann nur innermathematisch (statistisch) begründet werden. Andere Begründungsebenen
scheiden bei dieser Vorgehensweise aus. Auch deshalb erscheint es einsichtig, größte
Sorgfalt und Sicherheit bei der Berechnung und Formulierung der Trends walten zu las-
sen.
Bei den durchzuführenden Untersuchungen können nur in begrenztem Maße Primärda-
ten erfaßt und ausgewertet werden. Im Zuge der Erfassung des detaillierten touristischen
Angebots und der Negativfaktoren in jedem Luftkurort waren vom Verfasser z. B. für
die Erreichbarkeit und den Zustand des Kurparks, für die Ausstattung des Hauses des
Gastes, für das Wanderangebot und für den Zustand der Wanderwege, für das Unter-
haltungs-, Kultur-, Bildungs- und Sportangebot, für den Komfortzimmeranteil und den
Anteil der Kleinbetriebe, für die Gastronomiequalität und die Einkaufsmöglichkeiten,
für die Lärmbelästigung im Kurpark und die Ortsbildmängel Primärdaten zu erheben
und auszuwerten, da zu diesen Bereichen keine Daten vorlagen. Gezielte Befragungen
der Gäste oder der einheimischen Bevölkerung konnten nur in wenigen Luftkurorten
vorgenommen werden.
Bei der Sekundärdatenauswertung werden vorhandene Daten und Unterlagen für be-
stimmte Fragestellungen aufbereitet und ausgewertet. Dabei wird zwischen internen (in-
26
______________________________________________________________________
nerbetrieblichen) und externen Informationsquellen unterschieden (vgl. SEITZ /
MEYER 1995, S. 21).
Interne Datensammlungen standen nur aus dem Luftkurort Höxter-Bruchhausen zur
Verfügung, die im Rahmen der Erarbeitung eines Tourismuskonzeptes vom Verfasser
gewonnen werden konnten. Die vorliegende Arbeit mußte sich deshalb weitgehend auf
externe Informationsquellen stützen.
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2. Tourismus in Nordrhein-Westfalen
In der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion über neue oder veränderte Wege im
Gesundheitstourismus erscheint es notwendig, die bisherigen Aktivitäten der Luftkur-
orte im Vergleich zu den anderen prädikatisierten und nichtprädikatisierten Orten darzu-
stellen. Als Überblick werden in einem ersten Teil die Kennzahlen aus allen melde-
pflichtigen Übernachtungsbetrieben des gesamten Bundeslandes den aus den prädikati-
sierten und nichtprädikatisierten Orten des gesamten Bundeslandes gegenübergestellt.
Anschließend wird der Übernachtungstourismus in den Mineral-, Moor-, Sole- und
Thermalbädern, in den heilklimatischen Kurorten, in den Kneippheilbädern und -
kurorten, in den Luftkurorten und in den Erholungsorten zum Vergleich mit dem in den
prädikatisierten Ortsteilen der Luftkurorte anhand von bekannten Kennzahlen analysiert.
Als Kennzahlen werden die Anzahl Übernachtungsbetriebe, die Anzahl Gästebetten, die
Bettenauslastung in Prozent, die Anzahl Ankünfte und Übernachtungen sowie die
durchschnittliche Aufenthaltsdauer berücksichtigt. Die in den nachfolgenden Untersu-
chungen benutzten Zahlen beziehen sich immer auf die Aktivitäten in den meldepflich-
tigen Übernachtungsbetrieben der jeweiligen Sparten, denn nur dieses Zahlenmaterial ist
verfügbar und amtlich festgestellt. Die Artbezeichnungen der vom Bundesland verliehe-
ner Prädikate können in graphischen Darstellungen wegen ihrer Länge nicht immer voll-
ständig berücksichtigt werden. Deshalb werden aus Vereinfachungsgründen folgende
Hilfsbegriffe bzw. Abkürzungen durchgehend verwendet:
Gesamt = : Gesamtes Bundesland Nordrhein-Westfalen
Bäder = : Mineral-, Moor-, Sole- und Thermalbäder
Heilkl. Kurorte = : Heilklimatische Kurorte
Kneipporte = : Kneippheilbäder und Kneippkurorte
Luftkurorte = : Städte oder Gemeinden mit einem prädikatisierten Orts-
oder Stadtteil der Artbezeichnung Luftkurort
Luftkurorte* = : prädikatisierte Orts- oder Stadtteile der Luftkurorte
Prädik. Ort = : Stadt oder Gemeinde mit Tourismus und wenigstens einer
verliehenen Artbezeichnung
Sonst. Ort = : Stadt oder Gemeinde mit Tourismus ohne jegliches
verliehenes Prädikat bzw. verliehene Artbezeichnung
28
______________________________________________________________________
Um die jährlichen Veränderungen einer Kennzahl im Untersuchungszeitraum umfas-
send beschreiben zu können, wurde jeweils aus den Maßzahlen der Merkmale in diesem
Kapitel eine lineare Trendgleichung berechnet. Durch die Berechnung des Bestimmt-
heitsmaßes r2 und des Korrelationskoeffizienten r können die Aussagen zu den berech-
neten Trends statistisch abgesichert werden. In den nachfolgenden Betrachtungen soll
ausreichende statistische Sicherheit vorliegen, wenn das Bestimmtheitsmaß r2 einen
Wert von größer als 0,81 und damit der Korrelationskoeffizient r einen Wert von mehr
als 0,9 erreicht.
29
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2.1 Datenmaterial
Das im Kapitel 2 verwendete Datenmaterial stammt aus der amtlichen Statistik. Die Ge-
setzesgrundlage für die Erhebungen von Übernachtungen in Nordrhein-Westfalens bil-
det das Beherbergungsstatistikgesetz (BherbStatG) vom 14.07.1980. Die diesem Gesetz
zugrundeliegende Statistik umfaßt in den
monatlichen Erhebungen Anzahl der Ankünfte, Übernachtungen - bei ausländischen
Gästen auch das Herkunftsland -, Anzahl Fremdenbetten und Wohneinheiten sowie
auf Campingplätzen die Zahl der Stellplätze,
Erhebungen im Abstand von sechs Jahren die Anzahl der Beherbergungsstätten nach
Art und Ausstattung sowie die Anzahl der vorhandenen Beherbergungsräume nach
Ausstattung und Preis.
Mit den monatlichen Erhebungen kann die durch den Übernachtungstourismus ausgelö-
ste Nachfrage und auch das Angebot regional und saisonal erfaßt und dargestellt wer-
den. Die Kapazitätserhebungen im Turnus von sechs Jahren schaffen einen Überblick
für den Einsatz von Maßnahmen und Finanzmitteln zur Förderung der Tourismusbran-
che.
Berichtspflichtig nach diesem Gesetz sind alle Beherbergungsstätten, die mehr als acht
Betten für die vorübergehende Unterbringung von Gästen bereithalten. Übernachtungs-
und Gästezahlen in Kleinbetrieben mit weniger als neun Betten werden amtlich nicht er-
faßt und stehen damit normalerweise in einer statistischen Auswertung nicht zur Verfü-
gung. Es gibt aber Kurverwaltungen, die bei der Ausgabe von Kurkarten auch jene Gä-
ste registrieren, die in Kleinbetrieben übernachten, um eine eigene interne Statistik zur
zentralen Marketingunterstützung nutzen zu können.
Eine differenziertere Erfassung von statistischen Daten führen Kurverwaltungen durch,
die Mitglied im Deutschen Bäderverband e.V. sind und dessen Auflagen zu erfüllen ha-
ben (vgl. Kap. 5.1). Die verdichteten Daten in den Jahresberichten des Verbandes
konnten ebenfalls berücksichtigt werden.
Die vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen publi-
zierten Statistiken enthalten nur verdichtete Zahlen für Verwaltungsbezirke (Stadt, Ge-
meinde) insgesamt, so daß Aussagen über Stadtteile bzw. Gemeindeteile kaum möglich
sind. Nur auf besonderen Wunsch des Verfassers hat sich das Landesamt für Datenver-
arbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen bereit erklärt, die erforderlichen Touris-
30
______________________________________________________________________
musdaten für die prädikatisierten Ortsteile zur Verfügung zu stellen. Es konnten An-
kunfts- und Übernachtungszahlen, differenziert nach Inlands- und Auslandsgästen, so-
wie die Zahlen der angebotenen Betten aller Meldebetriebe der Ortsteile für den Unter-
suchungszeitraum 1991 - 1997 ausgewertet werden. Leider war es dem Landesamt aus
datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, für Petershagen / Bad Hopfenberg die
gewünschten Zahlen anzuzeigen, da in diesem Ortsteil weniger als drei Meldebetriebe
existieren. Deshalb konnte dieser prädikatisierte Ort bei der nachfolgenden Untersu-
chung nicht berücksichtigt werden. Ab 1996 gilt diese Einschränkung auch für Willeba-
dessen*. Weiterhin ergaben sich noch Besonderheiten in Rödinghausen und Willebades-
sen. Außerhalb des prädikatisierten Gemeinde- bzw. Stadtteils befanden sich weniger
als drei meldepflichtige Beherbergungsbetriebe. Deshalb war es in diesen Orten nicht
möglich, die Tourismusausprägungen im prädikatisierten und nichtprädikatisierten Be-
reich der Gemeinde bzw. Stadt zu erfassen. Somit erhielt Rödinghausen* und Willeba-
dessen* etwas „geschönte“ Daten zugeordnet, die aber nicht wesentlich die touristische
Situation beeinträchtigen. Diese „Glättung“ ermöglichte die auf S. 10 getroffene Diffe-
renzierung zwischen Luftkurorten und Luftkurorten* für alle Luftkurorte in der vorlie-
genden Studie anzuwenden.
Die Daten von Winterberg und Monschau wurden in der vorliegenden Untersuchung
nicht berücksichtigt, da beide erst im Jahre 1996 die Prädikatisierung Luftkurort erhal-
ten haben.
Bei der Betrachtung der zusammengefaßten Bereiche „prädikatisierte Orte“ und „nicht-
prädikatisierte Orte“ könnte es durch die Mehrfachartbezeichnung zu leichten Über-
schneidungen kommen, wenn keine Berichtigungen vorgenommen würden. Da Bad
Fredeburg Kneippheilbad ist und deshalb in dieser Sparte gezählt werden muß, käme es
durch die verwaltungsmäßige Zugehörigkeit zu Schmallenberg als Luftkurort zur dop-
pelten Zählung in dem Bereich prädikatisierte Orte. Der gleiche Sachverhalt ergäbe sich
in Horn - Bad Meinberg durch die Zugehörigkeit zu den Luftkurorten bzw. zu den Mi-
neralbädern. Dieser Abgleich ist durchgängig vorgenommen worden.
Die zuständigen Einwohnermeldeämter stellten die Einwohnerzahlen der prädikatisier-
ten Ortsteile aus der Statistik für das Meldewesen bereit. Die zuständigen Katasterämter
übermittelten auf Wunsch die Flächengrößen und Nutzungsarten der zugehörigen Ge-
markungen aus dem amtlichen Liegenschaftskataster, in der die Luftkurorte liegen. Er-
gänzt wurden diese Daten durch die allgemein zugänglichen Veröffentlichungen amtli-
31
______________________________________________________________________
cher Statistiken. Nach der Datensammlung konnte mit der Aufbereitung zur Formulie-
rung von Aussagen begonnen werden.
32
______________________________________________________________________
2.2 Anzahl Beherbergungsbetriebe
In allen dargestellten Gruppen der Abb. 3 schwankt die Anzahl der Beherbergungsbe-
triebe im Untersuchungszeitraum 1991 – 1997 nur geringfügig. Leichte Steigerungen
wechseln sich mit leichten Rückgängen ab. Die Veränderungen aller meldepflichtigen
Beherbergungsbetriebe in Nordrhein-Westfalen bewegen sich zwischen 5666 und 5842
Betrieben.
Abb. 3 : Beherbergungsbetriebe gesamt (1991 – 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Prädikatisierte Orte
Sonstige Orte
NRW gesamt



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
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
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
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
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
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
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




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


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
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Quellen : LDS NRW 1991-1997,eigene Berechnungen und Darstellung
Diese nicht gleichförmigen Veränderungen zeigen sich auch in dem Versuch, einen
Trend zu berechnen. Die in Tabelle 3, S. 34 angegebene lineare Trendgleichung ist stati-
stisch nicht ausreichend gesichert. Eine erste Differenzierung nach Betrieben in prädi-
katisierten und sonstigen Orten liefert die wesentliche Aussage, daß sich mehr als 60 %
aller Übernachtungsbetriebe in den sonstigen Orten befinden. Die Anzahl dieser Betrie-
be schwankt zwischen 3698 und 3827 unstetig, so daß auch hier keine statistisch gesi-
cherte Trendgleichung anzugeben ist (vgl. Tabelle 3, S. 34). Dagegen konnte in den prä-
dikatisierten Orten durchgängig ein negativer Trend der Anzahl Übernachtungsbetriebe
von 2077 auf 1866 festgestellt werden.
33
______________________________________________________________________
Der Abb. 4 ist zu entnehmen, daß in den Luftkurorten des Landes im gesamten Untersu-
chungszeitraum die meisten Beherbergungsbetriebe (von 658 bis 793 Betriebe) der auf-
geführten Sparten angesiedelt sind. Ihnen folgen die Betriebe in den Bädern (von 526
bis 606 Betriebe), in den Kneipporten (von 405 bis 490 Betriebe), in den Erholungsorten
(von 299 bis 346 Betriebe), in den Luftkurorten* (von 188 bis 230 Betriebe) und in den
heilklimatischen Kurorten (von 189 bis 219 Betriebe).
Abb. 4: Beherbergungsbetriebe in präd. Orten (1991 - 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Luftkurorte*
Heilklim. Kurorte
Erholungsorte
Kneipporte
Bäder
Luftkurorte
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Quellen : LDS NRW 1991-1997,eigene Berechnungen und Darstellung
Die Veränderungen der Anzahl meldepflichtiger Beherbergungsbetriebe im Vergleich
zu 1991 deuten auf ein fast einheitliches Verhalten. Nach einem leichten Anstieg in
1992 nehmen in den Bädern die meldepflichtigen Übernachtungsbetriebe ab. Auch in
den Luftkurorten ist eine stetige Abnahme der Beherbergungsbetriebe im Untersu-
chungszeitraum festzustellen. Das gleiche Verhalten zeigt sich in den Luftkurorten*. Bis
auf die Ausnahme von 1994 nach 1995 war ein stetiger Rückgang zu registrieren. Eine
Minderung der Übernachtungsbetriebe muß auch in den heilklimatischen Kurorten und
in den Kneipporten festgestellt werden. Gegenläufiges Verhalten weist die Anzahl der
Betriebe in den Erholungsorten auf. Von 1991 bis 1996 ist in dieser Sparte eine stetige
34
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Zunahme der Beherbergungsbetriebe festzustellen. Erst in 1997 geht auch hier die An-
zahl zurück.
Die oben beschriebenen Veränderungen lassen sich auch durch eine Trendgleichung
darstellen. Die in Tabelle 3 für die Bereiche Gesamt, sonstige Orte, und heilklimatische
Kurorte berechneten linearen Gleichungen zeigen keine ausreichende statistische Si-
cherheit für einen bestimmten Trend auf, weil der Korrelationskoeffizient r < 0,9 ist
(vgl. S. 25). Die Veränderungen in allen anderen Sparten werden durch die linearen
Trendgleichungen verifiziert.
Tabelle 3 : Trends in meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben (1991 - 1997)
Bereich Lin. Trendgleichung Bestimmt-
heitsmaß r2Korrelations-
koeffizient r
Gesamt y = -17,893x + 5809,4 0,4212 0,6490
Prädikatisierte Orte y = -32,464x + 2107,4 0,9370 0,9680
Sonstige Orte y = 14,571x + 3702 0,4927 0,7019
Bäder y = -12,25x + 619 0,9099 0,9539
Heilklimatische Kurorte y = -3,7857x + 219,14 0,7543 0,8685
Kneipporte y = -13,643x + 497,71 0,9725 0,9862
Luftkurorte y = -20,357x + 794,71 0,9163 0,9572
Luftkurorte* y = -6,7143x + 231,43 0,8866 0,9416
Erholungsorte y = 7,6429x + 291,43 0,8370 0,9149
Quellen : LDS NRW 1991-1997, eigene Berechnungen
35
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2.3 Betten in Beherbergungsbetrieben
Die Bettenanzahl in den meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben des Bundeslandes ist
von 242141 im Jahr 1991 auf 270730 im Jahr 1997 fast kontinuierlich gestiegen (vgl.
Abb. 5 ). Lediglich von 1992 nach 1993 mußte ein leichter Rückgang um 1260 Betten
registriert werden. In der Gruppe der prädikatisierten Orte und der sonstigen Orte zeigte
sich im Untersuchungszeitraum die gleiche Entwicklung der Bettenzahlen wie im ge-
samten Bundesland. Die meisten Betten (ca. 2/3 aller Betten) werden in den sonstigen
Orten angeboten. Aus dieser Kapazitätslage ergibt sich zwangsläufig für die prädikati-
sierten Orte Nordrhein-Westfalens eine schlechtere Ausgangsbasis im Übernach-
tungstourismus.
Die Bettenanzahl der meldepflichtigen Übernachtungsbetriebe hat sich in den Orten des
Gesundheitstourismus mit deutlichen Unterschieden in den jeweiligen Sparten verän-
dert.
In den Bädern wurden im Jahr 1992 394 Betten mehr als in 1991 angeboten. Im Jahr
1993 ging das Bettenangebot in dieser Sparte um 813 Betten auf 30048 zurück.
Abb. 5 : Bettenangebot in Nordrhein-Westfalen (1991 – 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Prädikatisierte Orte
Sonstige Orte
NRW gesamt
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Quellen : LDS NRW 1991-1997, eigene Berechnungen und Darstellung
36
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In den Folgejahren 1994, 1995, 1996 stieg die Bettenanzahl in den Bädern erneut an und
zwar auf 30883. Die Auswirkungen der Gesundheitsreform ließen das Bettenangebot im
Jahr 1997 auf 30233 schrumpfen.
Auch in den heilklimatischen Kurorten wurden im Jahr 1992 ca. 8,4 % mehr Betten als
in 1991 angeboten. Aber in den folgenden Jahren bis 1995 wurde in dieser Sparte die
Zunahme fast wieder rückgängig gemacht. In 1996 stieg das Bettenangebot in den heil-
klimatischen Kurorten gegenüber dem Vorjahr um 1100 Betten auf 9658. Trotz Ge-
sundheitsreform wurden in dieser Sparte im Jahre 1997 immerhin noch 9575 Betten den
Gästen angeboten, was mit einem Rückgang von rd. 0,8 % verbunden war.
Abb. 6 : Bettenangebot in prädikatisierten Orten (1991 - 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Luftkurorte*
Heilklim. Kurorte
Erholungsorte
Kneipporte
Luftkurorte
Bäder
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20000
25000
30000
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Quellen : LDS NRW 1991- 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
Von 1991 bis 1994 gehen in den Kneipporten die angebotenen Betten von 17266 auf
16564 zurück. In den beiden folgenden Jahren nimmt das Bettenangebot der Sparte
leicht zu und erreicht nach einem deutlichen Rückgang in 1997 ein Angebot von 16610
Betten.
Nach einer leichten Zunahme der angebotenen Betten in 1992 nehmen die Bettenzahlen
in den Luftkurorten bis 1994 wieder ab und erreichen dort einen Stand von 21833. In
den Folgejahren 1995 und 1996 wurde das Bettenangebot von den Inhabern der Über-
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nachtungsbetriebe in Luftkurorten erneut gesteigert. Erst in 1997 gehen die angebotenen
Betten auf das absolute Minimum des Untersuchungszeitraums von 21449 zurück.
Besondere Aufmerksamkeit erzeugen die Bewegungen des Bettenangebots in den Er-
holungsorten. Ihre Bettenangebote waren in 1993 um 12,8 %, in 1994 um 23,1 %, in
1995 um 28,6 % und in 1996 um 37,0 % höher als in 1991. Die Auslastungsquote im
Kap. 2.4 wird zeigen, ob sich die Erhöhung des Bettenangebots für diese Sparte erfolg-
reich ausgewirkt hat.
In den Luftkurorten* wirken sich die Schwankungen im Bettenangebot nicht so deutlich
aus. Leichte Zunahmen werden durch Rückgänge wieder ausgeglichen. Es ergibt sich im
Untersuchungszeitraum eine Streuung von nur 307 Betten. Erstaunerlicherweise gehen
in dieser einzigen Sparte trotz Gesundheitsreformauswirkungen im Jahre 1997 die ange-
botenen Betten nicht zurück. Vielmehr werden in 1997 mit 7619 Betten noch 139 mehr
als im Vorjahr angeboten.
Die Veränderungen der Bettenzahlen mittels statistisch gesicherter Trendgleichungen zu
beschreiben, gelingt nur in vier Bereichen. Die Zunahme der Betten im gesamten Tou-
rismus des Landes und in den sonstigen Orten sowie in den Erholungsorten kann durch
die in Tabelle 4 aufgeführten Trendgleichungen beschrieben und bestätigt werden. In
allen anderen Fällen lassen sich für die Veränderungen der Bettenzahlen in den melde-
pflichtigen Beherbergungsbetrieben der aufgeführten Bereiche keine statistisch gesi-
cherten Trends angeben.
Tabelle 4 : Trends der Bettenzahlen (1991 - 1997)
Bereich Lin. Trendgleichung Bestimmt-
heitsmaß r2Korrelations-
koeffizient r
Gesamt y = 4886,1x + 236896 0,9457 0,9725
Prädikatisierte Orte y = 816,71x + 79331 0,7968 0,8926
Sonstige Orte y = 4069,4x + 157565 0,9589 0,9792
Bäder y = -7,7143x + 30497 0,0028 0,0529
Heilklimatische Kurorte y = 149,75x + 8375 0,4316 0,6570
Kneipporte y = -83,714x + 17197 0,4856 0,6969
Luftkurorte y = -104,64x + 22473 0,3749 0,6123
Luftkurorte* y = -1,25x + 7541 0,0006 0,0245
Erholungsorte y = 728,07x + 9783,3 0,9234 0,9609
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen
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2.4 Bettenauslastung der Beherbergungsbetriebe
In Abb. 7 wird die Entwicklung der Bettenauslastung der Beherbergungsbetriebe in den
Sparten sonstige Orte, prädikatisierte Orte, NRW gesamt und BRD gesamt dargestellt.
Als Ergebnis kann für alle dargestellten Bereiche in Nordrhein-Westfalen ein Rückgang
auf teilweise unter 35 % festgehalten werden. Selbst in den prädikatisierten Orten mit
einer anfänglichen Auslastung von 47,21 % mußte ein schrittweiser Rückgang auf 36,32
% hingenommen werden. Auch in der gesamten BRD ist die gleiche Tendenz festzu-
stellen, ein Rückgang von 43 % auf 35 %. In den sonstigen Orten ging die Auslastung
von 36,74 % auf 33,92 % zurück.
Abb. 7 : Bettenauslastung in % insgesamt (1991 – 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Sonstige Orte
NRW gesamt
BRD gesamt
Prädikatisierte Orte
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Quellen : LDS NRW 1991 - 1997, SBA 1998, eigene Berechnungen und Darstellung
Die Bettenauslastung der meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe zeigt im Untersu-
chungszeitraum in den einzelnen Bereichen der prädikatisierten Orte deutlich unter-
schiedliche Werte. So konnten die angebotenen Betten in den Bädern nur von 62 % bis
zu 43 %, in den Kneipporten nur von 44 % bis zu 35 %, in den Luftkurorten* nur von
42 % bis zu 33 %, in den heilklimatischen Kurorten nur von 36 % bis zu 34 %, in den
39
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Erholungsorten nur von 35 % bis zu 32 % und in den Luftkurorten nur von 44 % bis zu
34 % belegt werden. Neben den leichten Zu- und Abnahmen in den ersten Jahren des
Untersuchungszeitraumes fällt jedoch die in allen Bereichen durchgängige Abnahme der
Auslastung von 1995 nach 1997 auf.
Die meldepflichtigen Übernachtungsbetriebe in den heilklimatischen Kurorten mußten
die geringsten Auslastungsrückgänge, die in den Bädern die höchsten Rückgänge hin-
nehmen. Auch in den Luftkurorten* mußten rd. 6 % Auslastungsrückgänge verkraftet
werden. Die Folgen der Gesundheitsreform im Bäderwesen sind in allen prädikatisierten
Orten mehr oder weniger deutlich ausgeprägt. Auch in den nächsten Jahren muß mit
weiteren Rückgängen in der Bettenauslastung gerechnet werden.
Abb. 8 : Bettenauslastung in % in prädikatisierten Orten (1991 - 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Erholungsorte
Heilklim. Kurorte
Luftkurorte*
Luftkurorte
Kneipporte
Bäder
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0
10
20
30
40
50
60
70
%
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
Aus den zur Verfügung stehenden Daten wurden mittels statistischer Berechnungen
Trenduntersuchungen vorgenommen. Die Ergebnisse sind in Tabelle 5, S.40 aufgeführt.
40
______________________________________________________________________
Tabelle 5 : Trends der Auslastungsquoten von Meldebetrieben (1991 - 1997)
Bereich Lin. Trendgleichung Bestimmt-
heitsmaß r2Korrelations-
koeffizient r
Gesamt y = -0,8519x + 41,328 0,9314 0,9651
Prädikatisierte Orte y = -1,5512x + 50,516 0,7399 0,8602
Sonstige Orte y = -0,4888x + 36,814 0,7654 0,8749
Bäder y = -2,5482x + 67,493 0,6377 0,7986
Heilklimatische Kurorte y = -0,2294x + 35,534 0,4932 0,7023
Kneipporte y = -1,4097x + 46,792 0,8454 0,9195
Luftkurorte y = -1,5766x + 47,062 0,8240 0,9077
Luftkurorte* y = -1,4049x + 44,202 0,8090 0,8994
Erholungsorte y = -0,1981x + 34,424 0,1825 0,4272
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen
Die Rückgänge der Auslastungsquoten im Übernachtungstourismus des Bundeslandes
insgesamt waren so beständig, daß diese Entwicklungen durch eine hinreichend gesi-
cherte statistische Trendgleichung bestätigt werden konnten (vgl. Tabelle 5). Auch in
den Bereichen Kneipporte, Luftkurorte und Luftkurorte* konnte der negative Trend der
Auslastungsquoten durch eine Trendgleichung statistisch bestätigt werden. In den ande-
ren Sparten lassen sich keine gesicherten Trends bestätigen.
41
______________________________________________________________________
2.5 Gästeankünfte
Die Gästezahlen Nordrhein-Westfalens sind im Untersuchungszeitraum fast ständig ge-
stiegen. Nur von 1992 nach 1993 war ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Auch in
den sonstigen Orten konnte das gleiche Verhalten analysiert werden. In den prädikati-
sierten Orten ist von 1991 bis 1994 jährlich eine jeweils leichte Zunahme der Gästean-
künfte festzustellen. Im Jahre 1995 gingen die Ankunftszahlen in dieser Sparte zurück.
Nach einer Zunahme der Gästezahlen im Jahre 1996 ging im Folgejahr die Gästeent-
scheidung für die prädikatisierten Orte des Landes wieder deutlich zurück.
Abb. 9 : Gästeankünfte insgesamt (1991 - 1997)
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
Betrachtet man die einzelnen Sparten der prädikatisierten Orte, so ergibt sich ein diffe-
renzierteres Bild der Gästenachfrage. Bei der Veränderung der Ankünfte in den Beher-
bergungsbetrieben erzielten in der Zeit von 1991 bis 1996 nur die Erholungsorte durch-
gehend eine Erhöhung der Zahlen im Vergleich zu 1991. In den Erholungsorten hatten
die Betriebe in 1993 einen Zuwachs der Ankünfte von ca. 14,7 %, in 1994 einen Zu-
wachs von ca. 27,2 %, in 1995 einen Zuwachs von ca. 26,8 % und in 1996 einen Zu-
wachs von ca. 37,2 % gegenüber 1991 zu verbuchen. Nur im Jahre 1997 war ein leichter
Rückgang in den Ankunftszahlen dieser Sparte festzustellen. Anscheinend gibt es in den
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Prädikatisierte Orte
Sonstige Orte
NRW gesamt
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0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
in Tsd.
42
______________________________________________________________________
Erholungsorten bessere Angebote, die für diese starke Nachfragezunahme verantwort-
lich sind. Weitere Untersuchungen in den Erholungsorten verbunden mit Gästebefra-
gungen könnten dieses Verhalten aufklären.
Abb. 10 : Gästeankünfte in prädikatisierten Orten (1991 – 1997)
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
Eine stetige Abnahme der Gästegunst während des gesamten Analysezeitraums mußte in
den Kneipporten festgestellt werden. Ähnlich verliefen die Zahlen in den Luftkurorten.
Nur im Jahre 1993 war hier eine leichte Zunahme von rd. 3000 zusätzlichen Ankünften
gegenüber dem Vorjahr zu zählen.
In den heilklimatischen Kurorten nahm die Gästezahl im Jahre 1992 zu. Die Jahre 1993,
1994 und 1995 waren geprägt von Rückgängen der Ankünfte. Im Jahre 1996 haben sich
wieder mehr Gäste für die heilklimatischen Kurorte ausgesprochen. Aber schon im Fol-
gejahr mußten erneut Rückgänge hingenommen werden.
Die Gästezahlen in den Luftkurorten* haben sich in den ersten drei Jahren des Untersu-
chungszeitraumes kaum verändert. Im Jahre 1994 ging die Gästezahl um rund 20.000
zurück und im Folgejahr konnte man sich wieder über eine leichte Zunahme von rund
6000 weiteren Gästen freuen. Aber schon im Jahr 1996 ging die Gästezahl erneut um
rund 17.000 Gästen zurück. Im letzten Jahr der Untersuchung waren rund 1.000 Gäste
mehr als im Vorjahr in die Luftkurorte* gekommen.
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Luftkurorte*
Heilklim. Kurorte
Erholungsorte
Kneipporte
Luftkurorte
Bäder
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0
100
200
300
400
500
600
700
800
in Tsd.
43
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Mit Erstaunen konnte in der Sparte Bäder nach einem Anstieg in 1992 und einem Rück-
gang in 1993 für die Folgejahre 1994 bis 1996 ein Anstieg der Ankünfte über das Ni-
veau von 1991 registriert werden. Doch im Jahre 1997 mußten die Bäder deutliche
Rückgänge in der Gästenachfrage hinnehmen.
Weitere detaillierte Angaben zur Entwicklung der Gästezahlen können der Abb. 10, S.
42 entnommen werden. Für die in der Abb. 10, S. 42 dargestellten und vorab beschrie-
benen Entwicklungen der Gästeankünfte im Untersuchungszeitraum können nur bedingt
statistisch gesicherte Trends angegeben werden.
Tabelle 6 : Trends der Gästeankünfte (1991 - 1997)
Bereich Lin. Trendgleichung Bestimmt-
heitsmaß r2Korrelations-
koeffizient r
Gesamt y = 231274x + 1E+07 0,7108 0,8431
Prädikatisierte Orte y = 2606,3x + 2E+06 0,0314 0,1772
Sonstige Orte y = 228668x + 9E+06 0,6846 0,8274
Bäder y = -2122,8x + 743330 0,0555 0,2356
Heilklimatische Kurorte y = 1159,2x + 265339 0,1618 0,4022
Kneipporte y = -18392x + 572467 0,9680 0,9839
Luftkurorte y = -11974x + 731834 0,9602 0,9799
Luftkurorte* y = -6332,6x + 263659 0,8543 0,9243
Erholungsorte y = 24083x + 333576 0,9165 0,9573
Quellen : LDS NRW 1991 - 1997, eigene Berechnungen
So erfüllt die berechnete lineare Trendgleichung für die Gästeankünfte im Bundesland
insgesamt nicht ganz die oben bestimmten Wahrscheinlichkeitsanforderungen. Mit ge-
botener Vorsicht kann jedoch gesagt werden, daß in diesem Bereich von einem anstei-
genden Trend der Gästeankünfte ausgegangen werden kann. In den Kneippheilbädern
und -kurorten sowie in den Luftkurorten und Luftkurorten* konnte der deutliche negati-
ve Trend der Ankünfte in den meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben auch statistisch
gesichert in einer Trendgleichung bestätigt werden.
Aber auch der herausragende positive Trend der Ankünfte in Meldebetrieben der Erho-
lungsorte läßt sich statistisch gesichert in einer Trendgleichung beschreiben. Die ande-
ren Trendgleichungen in Tabelle 6 weisen sehr geringe Wahrscheinlichkeiten auf und
sind deshalb als Beschreibung einer Entwicklung weniger geeignet.
44
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2.6 Gästeübernachtungen
Die Zahlen der gesamten Übernachtungen in Nordrhein-Westfalen zeigen im Untersu-
chungszeitraum keine gleichbleibenden Entwicklungen. Nach einer Zunahme um rund
700 000 Übernachtungen im Jahre 1992 erfolgten Rückgänge von ca. 900 000 im Jahr
1993 und weitere 600 000 in 1994. Diese beiden jährlichen Abnahmen werden durch ei-
ne massive Zunahme um ca. 1,3 Mio. Übernachtungen im Folgejahr fast wieder ausge-
glichen.
Abb. 11 : Gästeübernachtungen insgesamt (1991 - 1997)
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
Nach einer weiteren Steigerung im Jahre 1996 um ca. 36 000 Übernachtungen erfolgte
dann im Jahre 1997 ein totaler Abfall um ca. 1,7 Mio. Übernachtungen auf das absolute
Minimum im Untersuchungszeitraum.
Auch in allen prädikatisierten Orten des Bundeslandes zeigte sich ein fast gleiches Ver-
halten der registrierten Übernachtungszahlen. Nach einer Zunahme im Jahre 1992 folg-
ten in den nächsten beiden Jahren Rückgänge, die im Jahr 1995 durch eine leichte Zu-
nahme nicht ausgeglichen werden konnten. Nach weiteren Rückgängen im Jahr 1996
und im Jahr 1997 muß das letzte Jahr als das schlechteste des Analysezeitraums be-
zeichnet werden, da in diesem Jahr das absolute Minimum der Meßreihe erreicht wurde.
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Prädikatisierte Orte
Sonstige Orte
NRW gesamt
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0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
35000
40000
in Tsd.
45
______________________________________________________________________
Die Entwicklung der Übernachtungszahlen in den sonstigen Orten weicht von den vor-
her beschriebenen Bereichen ab. Nach einer Zunahme von rd. 600 000 Übernachtungen
in 1992 gehen die Zahlen in den beiden Folgejahren um rd. 830 000 bzw. rd. 340 000
zurück und erreichen im Jahre 1994 das absolute Minimum der Meßreihe. Anschließend
nehmen die Übernachtungen im Jahr 1995, 1996, 1997 immer zu und erreichen im letz-
ten Jahr der Untersuchungen mit 23 112 899 das höchste Ergebnis.
Abb. 12 : Übernachtungen in prädikatisierten Orten (1991 – 1997)
1991
1993
1995
1997
Luftkurorte*
Heilklim. Kurorte
Erholungsorte
Kneipporte
Luftkurorte
Bäder
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6000
7000
in Tsd.
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
Auch in Abb. 12 sind die Ergebnisse der Erholungsorte hervorzuheben. Dort konnte
man in 1992 ca. 1,2 %, in 1993 ca. 17,0 %, in 1994 ca. 25,4 %, in 1995 ca. 34,5 %, in
1996 ca. 36,2 % und in 1997 27,8 % mehr Übernachtungen als in 1991 verzeichnen. Der
einzige Rückgang der Übernachtungen um rd. 110 000 mußte in dieser Sparte im Jahr
1997 hingenommen werden. Wie schon bei der Diskussion der Ankünfte erwähnt, muß
den Gästen in Erholungsorten ein besseres touristisches Angebot vorgelegt worden sein,
das für diese deutlichen Veränderungen verantwortlich ist.
Die Kneippheilbäder und –kurorte liefern im Analysezeitraum die negativen Schlagzei-
len. In allen Jahren mußten die Beherbergungsbetriebe dieser Sparte kontinuierliche
Abnahmen der Gästeübernachtungen hinnehmen. Im Jahre 1997 wurde das absolute
Minimum der Meßreihe dieses Bereichs erreicht.
46
______________________________________________________________________
Auch in den Übernachtungsbetrieben der Bäder mußte in fast allen Jahren ein Rückgang
der Gästeübernachtungen hingenommen werden. Diese Sparte erreicht in 1997 das ab-
solute Minimum der Meßreihe. Insgesamt sind im Bereich Bäder seit 1991 die Über-
nachtungszahlen um rd. 32 % zurückgegangen.
Die Übernachtungszahlen in den Beherbergungsbetrieben der heilklimatischen Kurorte
weichen nur im Jahr 1996 von den Entwicklungen in den anderen Sparten ab. In diesem
Jahr nahm die Zahl der Übernachtungen in dieser Sparte um rd. 130 000 zu.
Auch die Luftkurorte und Luftkurorte* blieben von diesen Entwicklungen nicht ver-
schont. In allen Untersuchungsjahren war ein kontinuierlicher Rückgang festzustellen.
Die Beherbergungsbetriebe dieser Sparten erreichen auch im Jahre 1997 die absoluten
Minima aller jährlichen Übernachtungen des Untersuchungszeitraumes.
Die vorher beschriebenen Entwicklungen der Übernachtungszahlen im Untersuchungs-
zeitraum erwiesen sich so ungleichförmig, daß nur in einigen Fällen ein statistisch gesi-
cherter Trend nachgewiesen werden konnte. In den Kneippheilbädern und –kurorten und
in den Luftkurorten und Luftkurorten* können die rückläufigen Übernachtungszahlen
durch eine statistisch gesicherte Trendgleichung (vgl. Tabelle 7) beschrieben werden. In
den Erholungsorten lassen sich die positiven Veränderungen der Übernachtungszahlen
auch durch eine genäherte Trendgleichung belegen, die aber nicht total die geforderten
Wahrscheinlichkeiten aufweist. In allen anderen Bereichen können keine statistisch si-
cheren Trends der Entwicklung von Übernachtungszahlen angegeben werden.
Tabelle 7 : Trends der Gästeübernachtungen (1991 - 1997)
Bereich Lin. Trendgleichung Bestimmt-
heitsmaß r2Korrelations-
koeffizient r
Gesamt y = -126770x + 4E+07 0,1401 0,3743
Prädikatisierte Orte y = -338280x + 1E+07 0,5497 0,7414
Sonstige Orte y = 211509x + 2E+07 0,4151 0,6443
Bäder y = -284054x + 8E+06 0,6229 0,7892
Heilklimatische Kurorte y = 11137x + 1E+06 0,2518 0,5018
Kneipporte y = -99298x + 3E+06 0,8959 0,9465
Luftkurorte y = -141544x + 4E+06 0,8561 0,9253
Luftkurorte* y = -39039x + 1E+06 0,8568 0,9256
Erholungsorte y = 78946x + 1E+06 0,7887 0,8881
Quellen : LDS NRW 1991 - 1997, eigene Berechnungen
47
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2.7 Aufenthaltsdauer in Beherbergungsbetrieben
Während der gesamte Übernachtungstourismus des Landes in 1992 und 1993 noch ei-
nen sehr geringen Zuwachs in der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer verzeichnen
konnte, mußten in den Folgejahren Rückgänge bis zu 7 % hingenommen werden. Die
geringste durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,61 Tagen wird im Jahre 1997 er-
reicht.
In den prädikatisierten Orten geht die Aufenthaltsdauer der Gäste kontinuierlich zurück
mit Ausnahme des Jahres 1995. Das absolute Minimum der Meßreihe von 4,74 Tagen
wird ebenfalls im Jahr 1997 erreicht.
In den sonstigen Orten des Bundeslandes hat sich die Aufenthaltsdauer nicht bedeutsam
verändert. Ausnahmen bilden die letzten drei Jahre des Untersuchungszeitraumes. Nach
1993 geht der durchschnittliche Gästeverbleib kontinuierlich zurück und erreicht im
Jahre 1997 das absolute Minimum der Meßreihe von 2,15 Tagen.
Abb. 13 : Aufenthaltsdauer insgesamt (1991 – 1997)
19911992 1993 1994 1995 1996 1997
Sonstige Orte
NRW gesamt
Prädikatisierte Orte
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Tage
Quellen : LDS NRW 1991 - 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
In der differenzierten Betrachtung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer in den je-
weiligen Sparten der prädikatisierten Orte lassen sich im Untersuchungszeitraum deutli-
che Unterschiede feststellen. In den Bädern geht der durchschnittliche Verbleib der Gä-
48
______________________________________________________________________
ste am Ort von 9,96 Tagen im Jahr 1991 auf 6,72 Tage im Jahr 1997 zurück. Besonders
deutlich wirkt der starke Abfall von 1,49 Tagen im Jahre 1997.
Abb. 14 : Aufenthaltsdauer in prädikatisierten Orten (1991 – 1997)
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
Erholungsorte
Heilklim. Kurorte
Luftkurorte*
Luftkurorte
Kneipporte
Bäder
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0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Tage
Quellen : LDS NRW 1991 - 1997, eigene Berechnungen und Darstellung
In den Kneipporten konnte die Aufenthaltsdauer in den Jahren 1993, 1994 und 1995 bis
zu ca. 4,3 % auf bis zu 5,28 Tage verlängert werden. Danach ging auch in dieser Sparte
der Verbleib zurück und erreichte in 1997 sein absolutes Minimum von durchschnittlich
4,76 Tage.
In den Erholungsorten war nur in den Jahren 1993 und 1995 eine leicht gestiegene Auf-
enthaltsdauer festzustellen. Sie ist in dieser Sparte von 3,84 Tagen auf 3,43 Tage zu-
ckgegangen.
In den Luftkurorten stieg die Dauer im Jahre 1992 auf 5,04 Tage. Danach ging sie stetig
auf 4,12 Tage im Jahre 1997 zurück. Die Übernachtungsbetriebe in den Luftkurorten*
hatten sich mit einer geringen Zuwachsrate beim Verbleib der Gäste am Ort im Jahre
1994 auf 4,62 Tage zufrieden zu geben. Danach ging die Aufenthaltsdauer wieder kon-
tinuierlich zurück und erreichte im Jahre 1997 mit 4,09 Tagen das absolute Minimum
der Meßreihe.
49
______________________________________________________________________
In den heilklimatischen Kurorten hielten sich die Gäste durchschnittlich zwischen 4,41
Tagen und 4,01 Tagen auf. Der geringste Wert wurde 1995 und der höchste im Jahre
1996 festgestellt.
Tabelle 8 : Trends der Aufenthaltsdauer in Meldebetrieben (1991 -1997)
Bereich Lin. Trendgleichung Bestimmt-
heitsmaß r2Korrelations-
koeffizient r
Gesamt y = -0,0643x + 3,1914 0,7428 0,8619
Prädikatisierte Orte y = -0,1504x + 6,1643 0,6879 0,8294
Sonstige Orte y = -0,0307x + 2,4043 0,8284 0,9102
Bäder y = -0,3707x + 10,144 0,7273 0,8528
Heilklimatische Kurorte y = 0,0236x + 4,1029 0,1550 0,3937
Kneipporte y = -0,0161x + 5,1429 0,0453 0,2128
Luftkurorte y = -0,1254x + 5,2929 0,6827 0,8263
Luftkurorte* y = -0,0479x + 4,6386 0,3712 0,6093
Erholungsorte y = -0,0161x + 3,69 0,0780 0,2793
Quellen : LDS NRW 1991 – 1997, eigene Berechnungen
Die Rückgänge der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer in den sonstigen Orten fallen so
kontinuierlich aus, daß sie auch mit einer statistisch gesicherten Trendgleichung be-
schrieben werden können (vgl. Tabelle 8). In allen anderen Bereichen weisen die Trend-
gleichungen der Tabelle 8 zu geringe Wahrscheinlichkeiten auf, um statistisch gesi-
cherte Entwicklungen damit belegen zu können.
50
______________________________________________________________________
2.8 Zusammenfassung
Die Anzahl Übernachtungen im gesamten Tourismus Nordrhein-Westfalens ist nach ei-
ner leichten Steigerung von 1991 nach 1992 in den Jahren 1993 und 1994 zurückgegan-
gen. Im Jahr 1995 konnten sich die Übernachtungszahlen erholen, lagen aber noch um
rd. 248 000 Übernachtungen unter dem absoluten Maximum des Untersuchungszeit-
raumes. Auch im Jahr 1996 haben die Übernachtungen landesweit nur geringfügig zu-
genommen. Im letzten Jahr der Untersuchungen mußten deutliche Rückgänge der Über-
nachtungen hingenommen werden.
Die landesweite Auslastung der Meldebetriebe lag im Untersuchungszeitraum zwischen
127 und 147 Tagen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in allen Meldebetrieben des
Landes erreichte nicht ganz 3 Tage.
In den prädikatisierten Orten des Landes erreichte der Übernachtungsfremdenverkehr im
Untersuchungszeitraum einen Anteil am gesamten Übernachtungstourismus des Landes
von rd. 32 - 39 %. Die Zahl der Meldebetriebe in diesem Bereich ist von 1991 - 1997
stetig gefallen. Auch die Anzahl Übernachtungen in den Kur- und Erholungsorten zeigt
im Untersuchungszeitraum anfänglich eine leicht steigende, dann aber rückläufige Ten-
denz, ebenso die Bettenbelegung in den Betrieben, die von 172 Tagen im Jahr 1991 auf
132 Tage im Jahr 1997 zurückgegangen ist. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der
Gäste in den Kur- und Erholungsorten lag zwischen 4,7 und 5,9 Tagen.
Zur Abschätzung der Bedeutung des Übernachtungstourismus in Luftkurorten und Luft-
kurorten* gehört u.a. ein Vergleich mit übergeordneten Vergleichsobjekten im Bundes-
land.
Die nachfolgende Tab. zeigt die %-Anteile von Ankünften und Übernachtungen der
Luftkurorte im Untersuchungszeitraum an den Zahlen in den prädikatisierten Orten und
an den aus ganz Nordrhein-Westfalen.
%-Anteile an
prädikatisierten Orten
%-Anteile an
NRW insgesamt
Ankünfte 26,99 – 30,57 4,92 – 6,19
Übernachtungen 22,93 – 25,97 7,75 – 10,12
In der folgenden Tab. werden aus dem Analysezeitraum die %-Anteile von Ankünften
und Übernachtungen der Luftkurorte* an den Zahlen in den Luftkurorten, in den prädi-
katisierten Orten und an den Zahlen aus ganz Nordrhein-Westfalen dargestellt.
51
______________________________________________________________________
%-Anteile an
Luftkurorten
%-Anteile an
prädikatisierten Orten
%-Anteile an
NRW insgesamt
Ankünfte 33,29 – 36,29 8,99 – 10,71 1,69 – 2,17
Übernachtungen 31,78 – 34,00 7,32 – 8,27 2,64 – 3,22
Nach diesen Zahlen nehmen Luftkurorte eine bedeutende Position im Gesundheitstou-
rismus des Bundeslandes ein. Luftkurorte* haben erhebliche Anteile am Tourismus in
den Luftkurorten. Es sei an dieser Stelle auch auf die detaillierten Relationen im Kap.
4.3.1, S. 178 hingewiesen.
In den Luftkurorten haben sich die Gäste durchschnittlich von 4,12 – 5,00 Tage aufge-
halten, in den Luftkurorten* blieben sie etwas kürzer, von 4,09 – 4,62 Tage. Auch bei
der Bettenauslastung konnten sich die Luftkurorte geringfügig besser behaupten. Den
Auslastungsquoten von 33,95 % bis 44,12 % stehen den Ergebnissen der Beherber-
gungsbetriebe in den Luftkurorten* mit 32,50 % bis 41,95 % gegenüber. Im quantitati-
ven Vergleich von Beherbergungsbetrieben und Gästebetten stehen selbstverständlich
die Luftkurorte vor den Luftkurorten*.
Die aufgezeigte Bedeutung der Luftkurorte und damit auch der Luftkurorte* im Ge-
sundheitstourismus bzw. im Übernachtungsfremdenverkehr Nordrhein-Westfalens lie-
fert auch eine wesentliche Begründung für die Bearbeitung des gestellten Themas dieser
Schrift.
Die Erholungsorte des Landes lagen bei allen Merkmalen deutlich in einer Nachfrage-
gunst. Die Anzahl Meldebetriebe, die Bettenanzahl in den Meldebetrieben, die Anzahl
Übernachtungen und die Auslastung haben in den Erholungsorten eine positive Wachs-
tumstendenz aufzuweisen, wenn man die Ergebnisse des Jahres 1997 nicht berücksich-
tigt. Der Übernachtungstourismus in den anerkannten Erholungsorten des Landes er-
reichte im Untersuchungszeitraum einen Anteil am gesamten Übernachtungsfremden-
verkehr des Landes von rd. 3,6 % - 4,9 %. Die Gäste hielten sich in diesen prädikati-
sierten Orten durchschnittlich rd. 3,6 Tage auf. Erholungsorte befinden sich aus der
Sicht der Nachfrage inzwischen in einem erkennbaren Wettbewerb mit den Luftkuror-
ten.
Um den Stellenwert des reinen Übernachtungstourismus als Wirtschaftsfaktor zu ver-
deutlichen, wurde der durchschnittliche jährliche Nettoumsatz (ohne MWSt.) des Über-
nachtungstourismus im gesamten Bundesland, in allen Kur- und Erholungsorten und in
allen Luftkurorten des Landes als Produkt von Anzahl Übernachtungen in Meldebetrie-
52
______________________________________________________________________
ben und eines durchschnittlichen Nettoumsatzes je Übernachtung berechnet und in
Tabelle 9 ausgewiesen.
Bei der Berechnung der Jahreswerte ist der durchschnittliche Nettoumsatz (ohne
MWSt.) je Übernachtung in 1991 von DM 111,10 für das gesamte Bundesland zugrunde
gelegt worden (ZEINER / HARRER 1992, S. 215). In den Folgejahren wurde eine
durchschnittliche Preissteigerung von 2 % berücksichtigt.
Tabelle 9: Übernachtungstourismusumsätze und BIP-Anteile (1991 – 1997)
NRW prädikatisierte
Orte Luftkurorte
Jahr B I P
in Mio. in Mio.
DM %-Anteil
am B I P in Mio.
DM %-Anteil
am B I P in Mio.
DM %-Anteil
am B I P
1991 673295 3949 0,59 1539 0,229 400 0,059
1992 680029 4106 0,60 1580 0,232 398 0,059
1993 644196 4081 0,63 1601 0,249 405 0,063
1994 677183 4088 0,60 1598 0,236 396 0,059
1995 684080 4327 0,63 1653 0,242 396 0,058
1996 690027 4418 0,64 1630 0,236 374 0,054
1997 701597 4289 0,61 1397 0,199 333 0,047
Quellen : LDS NRW 1991a – 1997a, eigene Berechnungen
Zur besseren Einordnung der hochgerechneten Nettoerlöse kann ein Vergleich mit dem
BIP des Bundeslandes herangezogen werden. Nach den Ergebnissen aus Tab. 9 erwirt-
schaftete der Übernachtungstourismus in den Meldebetrieben Nordrhein-Westfalens
jährlich rd. 0,6 % des Bruttoinlandsprodukts und nahm deshalb wirtschaftspolitisch kei-
ne bedeutende Stellung ein. Wirtschaftlich noch unbedeutender erscheinen die Umsätze
in den Kurorten und Luftkurorten, da hier lediglich ein Anteil von rd. 0,2 % bzw. 0,05
% am Bruttoinlandsprodukt erzielt werden konnte.
Daß der Ansatz in Tabelle 9 üblich ist und auch anderweitig Anwendung findet, zeigen
u.a. die vom Verkehrsamt im Luftkurort Lage-Hörste errechneten Tourismusumsätze.
Dort geht man allerdings von einem Nettoumsatz je Übernachtung in 1990 von DM
166,20 und wegen der Preissteigerungen in 1997 von DM 193,50 aus. Diese Durch-
schnittspreise in Lage-Hörste sollen nach Auskunft des Amtsleiters aber auch die An-
teile für Tagestouristen und Geschäftsreisende ohne Übernachtung enthalten.
Auch wenn im landesweiten Vergleich sich für prädikatisierte Orte und Luftkurorte nur
geringe Anteile ergeben haben, so hat in jedem prädikatisierten Ort der Übernach-
tungstourismus einen bedeutenden wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Aspekt.
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______________________________________________________________________
Geht man von dem obigen Ansatz eines durchschnittlichen Nettoumsatzes (ohne
MWSt.) von DM 111,10 aus und berücksichtigt man eine Wertschöpfungsquote von 38
% des Übernachtungsumsatzes und eine Arbeitsplatzrelation von 780 Übernachtungen =
ein Vollarbeitsplatz (KOCH 1986, S. 150 ff), dann entstehen aus diesen Vorgaben und
den jeweiligen Übernachtungen in der Tabelle 10 für jede ausgewiesene Sparte konkrete
Vergleichszahlen, die das wirtschaftliche Gewicht des Übernachtungstourismus in die-
sen Bereichen überzeugend kennzeichnen.
Tabelle 10 : Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Übernachtungstourismus
NRW prädikatisierte
Orte Luftkurorte Luftkurorte*
Jahr
Wertschöpfung
in Mio. DM
Arbeitsplätze
Wertschöpfung
in Mio. DM
Arbeitsplätze
Wertschöpfung
in Mio. DM
Arbeitsplätze
Wertschöpfung
in Mio. DM
Arbeitsplätze
1991 1500,5 45567 584,7 17755 151,8 4610 48,3 1468
1992 1560,2 46449 600,3 17872 151,4 4507 48,5 1444
1993 1550,9 45269 608,4 17758 154,1 4497 50,0 1458
1994 1553,6 44458 607,4 17382 150,6 4310 47,9 1369
1995 1644,3 46130 628,1 17621 150,6 4226 49,1 1377
1996 1678,9 46177 619,2 17032 142,0 3906 45,3 1247
1997 1629,7 43945 530,8 14313 126,4 3408 43,0 1159
Quellen : LDS NRW 1991a – 1997a, KOCH 1986, eigene Berechnungen
Nach diesen Ansätzen ist in Nordrhein-Westfalen durch den Übernachtungstourismus
insgesamt ein volkswirtschaftlicher Wertzuwachs von rd. 1500 Mio. bis 1680 Mio. DM
jährlich entstanden. Die Übernachtungsbetriebe in den prädikatisierten Orten lieferten
im Untersuchungszeitraum einen jährlichen Beitrag zum Volkseinkommen von rd. 531
Mio. bis 628 Mio. DM. In den Luftkurorten konnten jährliche Wertzuwachsbeträge von
rd. 126 Mio. bis 154 Mio. DM ermittelt werden. Selbst in den Luftkurorten* entstand
ein beachtlicher Wertzuwachs von jährlich rd. 43 Mio. bis 50 Mio. DM.
Bei einer volkswirtschaftlichen Betrachtung muß aber auch die Multiplikatorenwirkung
der Tourismusumsätze auf andere Wirtschaftsbereiche berücksichtigt werden. KOCH
(1986) geht dabei von einem durchschnittlichen Multiplikator von 1,2 bis 1,6 der ge-
54
______________________________________________________________________
samten Nettowertschöpfung aus. Diese Agglomerationseinflüsse verstärken die volks-
wirtschaftliche Bedeutung des Übernachtungstourismus.
Es sollte an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben, daß der Tagestourismus in Re-
staurants, Cafés, Gaststätten und Imbißbetrieben landesweit für beachtliche Erlöse sorgt.
Ergänzt durch die Umsätze des Übernachtungstourismus in nichtmeldepflichtigen Be-
trieben erwirtschaftete der gesamte Tourismus in Nordrhein-Westfalen im Jahre 1993
einen Umsatz von rd. 21 Mrd. DM (LDS NRW 1994b, S. 9).
Die arbeitsmarktpolitische Bedeutung des Übernachtungstourismus wird durch die Um-
rechnung der Übernachtungen in Vollarbeitsplätze (vgl. Tabelle 10, S. 53) sofort ein-
sichtig. Immerhin wurden in Nordrhein-Westfalen jährlich von 43 945 bis 46 449
Vollarbeitsplätze durch den Übernachtungsfremdenverkehr gesichert. In den prädikati-
sierten Orten konnten in der Branche von 14313 bis 17872 Arbeitsplätze bereitgestellt
werden. In den Luftkurorten fanden 3408 bis 4610 Menschen und in den Luftkurorten*
1159 bis 1468 Menschen eine Vollzeitanstellung.
Aus dieser Sicht wird die gesamte Tourismusbranche für das Bundesland und alle Städte
und Gemeinden mit Übernachtungstourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.
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3. Mikrostrukturelles Bewertungsmodell für Luftkurorte
3.1 Einführung in Bewertungsverfahren
In diesem Kapitel soll ein Verfahren des Verfassers vorgestellt werden, das eine verglei-
chende Beurteilung von Luftkurorten mit ihrem Übernachtungstourismus zuläßt. Staat-
lich anerkannte Luftkurorte brauchen zwar ihre Fremdenverkehrseignung nicht mehr
nachweisen, aber sie müssen sich ständig am Markt behaupten. Nicht zuletzt deshalb
liegt ein verständliches Interesse an einem nachfrageorientierten Bewertungssystem für
Luftkurorte bei allen Verantwortlichen und Beteiligten im Tourismus dieser Orte vor.
Bewertungsmodelle für Luftkurorte sind bisher noch nicht erarbeitet und vorgestellt
worden.
In der ersten Modellstufe sollen mit Hilfe von Vergleichen einzelner Kenngrößen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Tourismusprodukt der Luftkurorte herausge-
stellt werden. Wie im Kapitel Methoden näher beschrieben, werden die Vergleiche mit
den Ausprägungen der Kenngrößen für die Untersuchungsjahre 1993 und 1997 vorge-
nommen. Grundsätzlich bieten sich alle meßbaren Merkmale zum Vergleich an, die
Auswirkungen auf das touristische Produkt in Luftkurorten aufweisen oder als Meßgrö-
ßen für qualitative bzw. quantitative Entwicklungen im Tourismus brauchbar erschei-
nen. Um eine möglichst breite Grundlage zu schaffen, werden in sechs übergeordneten
Komplexen thematisch abgestimmte Kenngrößen zusammengefaßt. Die Sammlung er-
hebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es müssen auch nicht alle existierenden
Elemente Berücksichtigung finden, da in der ersten Modellstufe nur eine Betrachtung
singulärer Aspekte vorgenommen wird.
Neben der Auswahl der Vergleichselemente kann die Zuweisung einer Rangordnung
durch subjektive Einflüsse des Bewerters zu Diskussionen führen, wenn die zugrunde-
gelegte Ordnung nicht akzeptabel erscheint. Da die Vergleichselemente vielfach unter-
schiedliche Größen und Dimensionen haben, sind Vergleiche nur möglich, wenn Daten
gleicher Dimensionen vorliegen. Über einfache Standardisierungen kann die Ver-
gleichsgrundlage geschaffen werden.
Vergleiche entstehen durch die Relationen größer, kleiner oder gleich. In allen beteilig-
ten Orten muß deshalb jedem Vergleichsobjekt eine Maßzahl zugewiesen sein. Im
Komplex II sind das z. B. Wertziffern (vgl. S. 67 ff) oder bei der Bevölkerungsdichte im
Komplex IV ist das die Maßzahl in Einw./qkm. Vergleiche beschränken sich in der hier
diskutierten 1.Modellstufe jeweils auf genau ein Objekt. Wenn die Maßzahlen der Grö-
56
______________________________________________________________________
ße und Wirkung nach aufsteigend oder absteigend geordnet werden, entsteht eine Rang-
folge, in der dem ersten Platz das beste Ergebnis und dem letzten Platz das schlechteste
Ergebnis zugewiesen wird.
Einzelvergleiche wirken einseitig, selbst in Vergleichsreihen, da zunächst bei allen
Merkmalen nur ein Vergleichsobjekt berücksichtigt werden kann. Eine additive Ver-
knüpfung von Meßwerten unterschiedlicher Elemente in einem Vergleich ist aus sachli-
chen Überlegungen nicht möglich. Deshalb stehen Vergleichsreihen mit unterschiedli-
chen Vergleichsobjekten für sich nebeneinander und liefern lediglich singuläre Aussa-
gen. Einzelergebnisse könnten aus statistischer Sicht dann zusammengefaßt werden,
wenn für jeden beteiligten Ort über alle Einzelvergleiche eine Rangfolge und über alle
Ränge ein additiver Summenrang berechnet würde. Die so entstandene Summenrang-
folge kann der Größe nach aufsteigend geordnet den Luftkurort bestimmen, der in allen
Vergleichsreihen sich am besten darstellen konnte. Als bester Ort ist der festzulegen, der
den ersten Rang zugewiesen bekommen hat. Das erreichte statistische Ergebnis muß an-
schließend fachspezifisch interpretiert und kommentiert werden.
Im Kap. 3.3 soll die beschriebene Vergleichsmethode auf alle beteiligten Luftkurorte
angewendet werden. Sie bietet Vor- und Nachteile. Vorteile liegen in der einfachen und
einsichtigen Anwendung. Nachteile zeigen sich in der weitgehend fehlenden Bewer-
tungsebene. Die unterschiedlich starke Wirkung der berücksichtigten Vergleichsele-
mente auf die Entwicklungen im Fremdenverkehrsprodukt der Luftkurorte bleibt in dem
oben beschriebenen Vergleichsverfahren grundsätzlich unbeachtet. Auch der Verstär-
kungseffekt, der von ähnlich wirkenden Merkmalen ausgeht, wird bei Vergleichen von
Einzelelementen nicht beachtet. Deshalb ist es notwendig, in einer höheren Stufe durch
ein weitergehendes Verfahren die aufgezählten Nachteile möglichst zu beseitigen.
In der zweiten Modellstufe werden in einem umfassenderen Verfahren alle relevanten
Bewertungselemente zusammen für eine vergleichende Beurteilung des Tourismus-
produktes in Luftkurorten herangezogen. Auch in dieser Modellstufe werden die beiden
Untersuchungsjahre 1993 und 1997 berücksichtigt. Da jedoch die Erfassung der Aus-
prägung jeder Kennzahl u. U. mit jeweils unterschiedlichen Maßeinheiten erfolgt, muß
in dieser Stufe über eine Transformation eine Normierung vorgenommen werden, die
anschließend eine Zusammenfassung aller Ergebnisse ermöglicht. Außerdem können
Bewertungsmerkmale aus der Sicht des Nachfragers unterschiedliche Wertigkeiten auf-
weisen. Auch diese Einschätzungen können die Akzeptanz eines Luftkurortes stark be-
57
______________________________________________________________________
einflussen und dürfen deshalb in einem vollständigen Bewertungsrahmen nicht fehlen.
Somit müssen in dieser Stufe Wertzahlen für alle Ausprägungen der Bewertungsele-
mente einsichtig nachvollziehbar abgeleitet werden, die stets einer Ordnungsrelation
unterliegen. Die Summe der Wertzahlen aller beteiligten Merkmale ist schließlich das
Vergleichsmaß in einem Bewertungsrahmen für Luftkurorte.
Die genauen Abläufe in den einzelnen Stufen der unterschiedlichen Bewertungsverfah-
ren sind jeweils detailliert vor der Anwendung in den Kap. 3.3 und 3.4 beschrieben.
58
______________________________________________________________________
3.2 Zur Auswahl der Bewertungselemente
Die zu berücksichtigenden Merkmale in den Bewertungsverfahren sollten u.a. meßbare
Größen sein, damit sie Vergleiche ermöglichen. Sie werden so weit wie möglich eigen-
ständig und nicht mit gegenseitigen Abhängigkeiten betrachtet. Jedes Merkmal soll ein-
zeln und losgelöst von möglichen Zusammenhängen und Multiplikatoreneffekten erfaßt
werden. Diese Anforderungen sind eigentlich kaum zu erfüllen, da kausale Abgrenzun-
gen vielfach nicht möglich sind. In Ermangelung bekannter bzw. erprobter Verfahren
zur Auswahl von Bewertungselementen mit den vorgeschriebenen Eigenschaften wird
hier hilfsweise auf statistische Methoden zurückgegriffen. Setzen wir einmal funktionale
Zusammenhänge voraus, dann gibt es abhängige und unabhängige Variablen. Auf der
Suche nach abhängigen Bewertungselementen, die z. B. das touristische Geschehen ei-
nes Luftkurortes umfassend kennzeichnen, können alle Merkmale herangezogen wer-
den, die sich in ihrer Bestimmung auf andere Größen beziehen. Zu nennen sind an die-
ser Stelle z. B.
die Fremdenverkehrsintensität, die Bezug auf die Übernachtungen und die Einwoh-
ner nimmt,
die Besucherintensität, die von den Ankünften und den Einwohnern eines Ortes aus-
geht,
der Tourismus-Wertschöpfungsindex, der sich aus der Wertschöpfung je Übernach-
tung, der Fremdenverkehrsintensität und dem durchschnittlichen Pro-Kopf-
Einkommen zusammensetzt.
In dem vorzustellenden Bewertungsmodell wird mit der Fremdenverkehrsintensität
als abhängige Variable gearbeitet, da sie sich einfach bestimmen läßt, in der Branche
allgemein bekannt ist, sich als Vergleichsgröße durchgesetzt hat und die Übernach-
tungstourismussituation ausgewählter Orte umfassend beschreiben kann.
Als unabhängige Variablen im Bewertungsmodell für Luftkurorte kommen jene Be-
wertungselemente zur Anwendung, die mit der Fremdenverkehrsintensität in keinem
statistisch nachweisbaren Zusammenhang stehen. Dieser Nachweis wird über die Be-
rechnung eines Korrelationskoeffizienten r erbracht. Die Korrelation der Grundgesamt-
heit ergibt sich aus der Kovarianz zweier Datensätze, dividiert durch das Produkt der
zugehörigen Standardabweichungen. Es war für jedes Variablenpaar (unabhängige Va-
riable / abhängige Variable) zu prüfen, ob zwischen den zugehörigen zwei Meßreihen
59
______________________________________________________________________
ein funktionaler Zusammenhang besteht, d.h. ob niedrige Werte der einen Meßreihe mit
niedrigen Werten der anderen Meßreihe zusammenhängen (positive Korrelation) oder
ob niedrige Werte der einen Meßreihe mit hohen Werten der anderen Meßreihe zusam-
menhängen (negative Korrelation) oder ob zwischen den Werten der Meßreihen kein
Zusammenhang besteht. Der Wert des Korrelationskoeffizienten r bestimmt diesen Zu-
sammenhang. Ist r = 0, dann existiert kein Zusammenhang zwischen den beteiligten
Datensätzen, ist r = 1 oder ist r = -1, dann liegt ein totaler funktionaler Zusammenhang
beider Meßreihen vor. Im Bewertungsmodell sollen nur jene Merkmale berücksichtigt
werden, die einen Korrelationskoeffizienten r < 0,3 bzw. r > -0,3 aufweisen. Alle ande-
ren Elemente mit stärkerer Korrelation zur Fremdenverkehrsintensität müssen verwor-
fen werden, weil sonst ein Multiplikatoreneffekt nicht ausgeschlossen werden kann. Als
Beispiel sei der starke statistische Zusammenhang zwischen den Merkmalen „Gesamter
Fremdenverkehrsumsatz“ und „Fremdenverkehrsintensität“ mit r = 0,99 eines Untersu-
chungsortes angeführt. Bei einer zusätzlichen Berücksichtigung dieses Merkmals „Ge-
samter Fremdenverkehrsumsatz“ könnten dann Verstärkungseffekte im Bewertungsver-
fahren nicht mehr ausgeschlossen werden.
Im nachfolgenden Kapitel werden auch deshalb nur jene Kennzahlen analysiert und dis-
kutiert, die keine oder nur geringe Zusammenhänge zur Fremdenverkehrsintensität auf-
weisen. Alle benutzten Bewertungselemente mit den Korrelationskoeffizienten r sind für
die jeweiligen Untersuchungsjahre in der Tabelle 11, S. 95 zusammengefaßt worden.
Bei Vergleichen in einer Meßreihe gibt es ein absolutes Maximum und ein absolutes
Minimum. In Abhängigkeit vom Merkmal stellt in einer direkten Funktionalität der
größte Wert den wertvollsten Sollwert und in einer indirekten Funktionalität der kleinste
Wert den wertvollsten Sollwert dar. Es gibt aber auch Bewertungselemente, die weder
einer direkten noch einer indirekten Funktionalität unterliegen, so z. B. die Bettenanzahl
in Beherbergungsbetrieben. Zu große oder zu kleine Häuser können sich auf den Besu-
cher negativ auswirken. In Ermangelung einer von Nachfragern bestätigten bestmögli-
chen Größe wird in jenen Meßreihen hilfsweise der Median oder das arithmetische
Mittel als optimaler Sollwert herangezogen. Die Abweichungen vom Median bzw. vom
Mittelwert bestimmen hier die Rangfolge. Alle in den nachfolgenden Verfahren ge-
wählten Sortierungen werden in der Tabelle 11, S. 95 zusammengefaßt.
60
______________________________________________________________________
3.2.1 Elemente des Komplexes ´ Natur und Landschaft ´
Es ist unbestritten, daß die Landschaft bei der Wahl des Erholungsortes eine Rolle
spielt. Nach der Entscheidung des Erholungsuchenden bleibt unklar, welche Kriterien
bei der Bewertung der Landschaft herangezogen wurden. Da die Auswahl der Faktoren
immer im Zusammenhang mit den Wertvorstellungen des Bewerters gesehen werden
muß, also von subjektiven Eindrücken geprägt ist, sind objektive Maßstäbe zwar wün-
schenswert, aber nicht erreichbar. Es ist einsichtig, daß an dieser Stelle nicht alle Ele-
mente untersucht werden können, die Nachfrager bei ihrer Entscheidung berücksichtigt
haben könnten. Daher sollen nachfolgend nur die Kriterien vorgestellt und ihre Wirkun-
gen auf den Bewertungsgegenstand beschrieben werden, die auch in anschließendes
Bewertungsverfahren Eingang gefunden haben.
1. Der Wald
Der Wald besitzt als Landschaftsbestandteil einen Vorrang gegenüber den anderen An-
teilen wie Felder, Wiesen, Weiden und Oberflächenformen als bestimmender Erho-
lungsspender (SCHULZE-GÖBEL 1972, S. 216). Diese Sicht unterstützen bestimmt
Kurgäste und andere Gesundheitstouristen. Dagegen wird der typische Erholungsurlau-
ber kaum den Wald bevorzugen. Während sich reine Nadel- oder Laubwaldkulturen mit
nur einer Baumart nicht besonders für den Erholungsuchenden eignen und eher eine ab-
stoßende Wirkung auf ihn ausüben, besonders die Nadelwälder, werden aufgelockerte,
artenreiche Mischwälder bevorzugt aufgesucht.
Die Funktionen, Aufgaben und Werte des Waldes sind in der Literatur an zahlreichen
Stellen ausführlich beschrieben worden (vgl. z. B. KIEMSTEDT 1967, HANSTEIN
1967, RUPPERT/MAIER 1970, HANSTEIN 1972). Hier interessieren zunächst die
Vorzüge und Wirkungen des Waldes auf den Erholungsuchenden. Der Wald
schützt den Wanderer vor starker Strahlung,
mildert durch sein eigenes Innenklima starke Temperaturunterschiede und Winde,
ist von relativ sauberer Luft erfüllt,
vermittelt ein Kontrasterlebnis zur städtischen Umwelt,
bietet vielfach ungestörte Naturbeobachtungen von Flora und Fauna,
bietet Freiheit in der Bewegung,
läßt durch seine Ruhe den Menschen zur Besinnung kommen
61
______________________________________________________________________
(nach ZUNDEL 1972, S. 141).
Der Wald weist aber auch negative Aspekte auf. Er beschränkt z. B.
die Sichtweise des Betrachters in der Landschaft,
die Vielfältigkeit von Freizeitaktivitäten.
Diese Aufzählungen zeigen die Notwendigkeit, den Wald als einen Faktor in einem Be-
wertungsverfahren zu berücksichtigen.
KIEMSTEDT bevorzugte in seinem Bewertungsverfahren besonders den Waldrand und
berechnete die Waldrandzahl in m/qkm als eigenständige Größe zur Bestimmung des
Vielfältigkeitswertes (KIEMSTEDT 1967, S. 19).
Ein Bewertungsverfahren müßte aus den beschriebenen Gründen für den Wald mehrere
Komponenten enthalten: Neben der absoluten Fläche müßten der Mischwaldanteil, der
natürliche Zustand des Waldes und vielleicht noch die Zugänglichkeit bestimmt werden,
um eine aussagekräftige Maßzahl zu erhalten. Dieses Vorgehen würde aber in jedem
Luftkurort kleinräumige Untersuchungen voraussetzen, die im Rahmen dieser Arbeit
nicht zu leisten sind. Um aber auf den Bewertungsfaktor Wald nicht verzichten zu müs-
sen, wird in den Stufen des vorzustellenden Bewertungsmodells für jeden Luftkurort*
die Waldrandlänge in m/qkm berücksichtigt. Die Festlegung einer Richtgröße für das
Maß einer gewünschten Waldrandlänge ist nicht unproblematisch. In Anlehnung an
KIEMSTEDT wird in den nachfolgenden Bewertungen dem Wald eine direkte Funktio-
nalität zugeschrieben. Große Waldrandlängen je qkm wirken sich förderlich, geringe
Waldrandlängen wirken sich nachteilig in der Bewertung aus.
2. Die landwirtschaftliche Nutzfläche
Die landwirtschaftliche Nutzfläche (LNF) erhält ihr unterschiedliches Aussehen durch
den Wechsel von Ackerflächen, Wiesen und Weiden, Brache und Ödland. Hinzuzufü-
gen sind die kleingärtnerisch genutzten Flächen. Jede Nutzungsart wird vom Betrachter
der Landschaft unterschiedlich bewertet. KIEMSTEDT hat den Ackerflächen die ge-
ringste Nutzungszahl, gefolgt vom Moor, Grünland, Wald, Heide und Wasserflächen,
zugewiesen. (KIEMSTEDT 1967, S. 42). Gleichwohl können Ackerflächen in den
Wachstumsphasen bis zur Erntezeit einen stärkeren Kontrast durch die verschiedenen
angebauten Feldfrüchte hervorrufen als Grünland. Wenn man die eintönig wirkende
umgebrochene Ackerscholle nach der Ernte mit dem Grünland vergleicht, dann erreicht
das Grünland verständlicherweise den Vorzug der Erholungsuchenden.
62
______________________________________________________________________
Um den Bewertungsfaktor nicht noch jahreszeitlich abhängig gestalten zu müssen, wur-
de in diesem Verfahren auf eine weitere Differenzierung verzichtet. Die landwirtschaft-
liche Nutzfläche geht vollständig mit ihrem relativen Anteil an der gesamten Gemar-
kungsfläche in % in die Bewertung ein. Da dem Anteil der LNF aber weder eine direkte
noch indirekte Funktionalität zur Fremdenverkehrsintensität eindeutig nachgewiesen
werden kann, könnte eine aufsteigende oder absteigende Sortierung (Maximumsuche
bzw. Minimumsuche) vorgenommen werden. Durch das Vorliegen von Anzeichen einer
indirekten Funktionalität zwischen dem Anteil der LNF und der Fremdenverkehrsinten-
sität und in Anlehnung an KIEMSTEDT scheint ein geringerer Anteil der LNF sich bes-
ser auf die Akzeptanz auszuwirken als ein höherer Anteil der LNF. Von diesen Aspek-
ten ausgehend bestimmt die aufsteigende Sortierung in den vorzunehmenden Bewertun-
gen die Rangordnung für das Merkmal LNF. Dem Minimum der Meßreihe wird der be-
ste Rang zugewiesen. Vielleicht erscheint diese Festlegung etwas übertrieben, so daß
später eine erneute Anpassung nach genauer Untersuchung bzw. Befragung der Erho-
lungsuchenden erforderlich werden könnte.
Bracheflächen wurden, so weit sie nicht in dem Anteil der landwirtschaftlichen Nutzflä-
che enthalten waren, nicht extra erfaßt und bewertet. Die Ödlandanteile in den Luftkur-
orten* haben jeweils einen Anteil von weniger als 1 % der Gemarkungsfläche und wur-
den deshalb in der Bewertung nicht berücksichtigt. Ähnlich verhält es sich mit den An-
teilen an Abbauland bzw. Haldenfläche, so daß auch diese Komponenten zu vernachläs-
sigen sind.
3. Flächen für Freizeitgestaltung
Fließgewässer und auch stehende Gewässer wie Seen, Teiche erhöhen den Eindruck der
Vielfältigkeit einer Landschaft. Insbesondere die Gewässerränder hinterlassen beim Be-
trachter ein belebtes, kontrastreiches Bild der Landschaft (KIEMSTEDT 1967, S. 19).
Erholungssuchende können einerseits den optischen Eindruck der Wasserflächen genie-
ßen, andererseits die Wasserflächen, je nach Eignung, auch zu sportlichen Aktivitäten
heranziehen. Dabei sind Baden und Schwimmen die naheliegenden Freizeitaktivitäten.
Aber auch verschiedene Wassersportarten, wie Segeln, Surfen, Bootfahren, Wasserski
u.a., können auf größeren Gewässern betrieben werden, wenn bestimmte Voraussetzun-
gen für die jeweilige Wassersportart erfüllt sind.
63
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Der Bewertungsansatz der Wasserflächen wurde in den bisherigen Verfahren unter-
schiedlich vorgenommen. KIEMSTEDT (1967) berücksichtigt Wasserflächen in unter-
schiedlichen Ansätzen. In seine Gewässerrandzahl gehen die Uferlängen von stehenden
und fließenden Gewässern ein. Desweiteren werden bei ihm in der zu bestimmenden
Nutzungszahl Wasserflächen mit dem höchsten Gewichtsfaktor versehen. TUROWSKI
(1972) ermittelt die Wasseroberfläche. Denkbar ist auch eine Berücksichtigung der
Wasserqualität und der Kriterien zur Lage in der Landschaft.
Die Wasserflächen nehmen in den meisten zu untersuchenden Luftkurorten* nur einen
geringen Anteil der Gemarkungsfläche ein. Eine Differenzierung der Größenverhältnis-
se von Wasseroberflächen erscheint deshalb wenig aussagekräftig, zumal auch der Tou-
rist meistens nur größere zusammenhängende Wasserflächen bewußt wahrnimmt. In
Anlehnung an KIEMSTEDT gehen deshalb die Gewässerrandlänge in m/qkm aller ste-
henden und fließenden Gewässer sowie die besonders ausgewiesenen Erholungsflächen
der Untersuchungsorte in die Bewertung ein.
Zu den Flächen für Freizeitgestaltung zählen auch alle Sportflächen, öffentliche Grün-
anlagen und Freiflächen des Luftkurortes*. Sofern der Kurpark nicht überwiegend von
baumbestandenen Flächen bestimmt wird, zählt dieses Areal auch zu den Flächen für
besondere Freizeitgestaltung. Ebenso werden die Liegewiesen an den Freibädern be-
rücksichtigt. Wandern im Wald ist aber auch ohne Zweifel eine Form der Freizeitge-
staltung. Somit müßten auch die frei zugänglichen Waldflächen zu den Flächen für
Freizeitgestaltung hinzugerechnet werden. Der Wald als Landschaftselement wird be-
reits mit seinen Waldrandlängen in den Bewertungsverfahren berücksichtigt. Fast alle
Waldflächen dienen aber in erster Linie der Forstwirtschaft und nicht nur den Erho-
lungssuchenden. Die oben genannten Flächen für Freizeitgestaltung und ihre Größen-
verhältnisse stellen auch ein Merkmal der Anstrengungen in einer Gemeinde dar, Erho-
lungssuchenden die Möglichkeit zu bieten, abwechslungsreiche Tagesabläufe zu gestal-
ten. Diese Flächen bedürfen auch einer besonderen Wartung und Instandhaltung. Wenn
nun diese Flächen und alle Waldflächen zusammen als ein Merkmal betrachtet würden,
gingen die eigentümlichen Aussagen der besonderen Freizeitflächen verloren. Es ist da-
her sinnvoll, nur die besonderen Flächen zur Freizeitgestaltung als Bewertungsmerkmal
heranzuziehen.
Als Richtgröße der Flächen für Freizeitgestaltung und der Gewässerrandlänge wird je-
weils als bester Wert das Maximum der Meßreihen aus allen Luftkurorten verwendet.
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4. Die bebaute Fläche
Der Fremdenverkehrsgast sucht in den staatlich anerkannten Luftkurorten verstärkt den
Kontakt mit der Natur und Landschaft. Aus der Sicht des Gastes wird die unbebaute
Fläche bevorzugt. Je geringer der Anteil der bebauten Fläche einer Gemarkung, um so
größer ist das Ausmaß der unbebauten Flächen, die dann weitestgehend der landwirt-
schaftlichen bzw. forstwirtschaftlichen Nutzung unterliegen. Es ist einleuchtend und an-
zunehmen, daß ein Fremdenverkehrsgast unter den Luftkurorten jene Luftkurorte bevor-
zugt, die eine relativ gering bebaute Fläche aufweisen. Der Tourist, der sich für Luftkur-
orte entschieden hat, setzt sich ab von anderen, die typische Tourismuszentren aufsu-
chen oder den Städtetourismus bevorzugen.
Die bebaute Fläche setzt sich zusammen aus allen Gebäudeflächen, angrenzenden befe-
stigten Freiflächen und den Verkehrsflächen für Straßen, Wege, Plätze und Bahngelän-
de. Um diese Flächenanteile vergleichen zu können, wird jeweils der relative Anteil zur
Gemarkungsgröße in % ermittelt. In dieser Meßreihe erreicht der Luftkurort das beste
Ergebnis, der die geringste bebaute Fläche aufweist.
5. Die Höhendifferenz
Das Relief gliedert eine Landschaft und erzeugt beim Betrachter einen optischen Ein-
druck des Wechsels von Bergen und Tälern. Der Wanderer erfährt diese Änderungen an
der Oberfläche der Erde u.a. durch einen verstärkten körperlichen Kraftaufwand beim
Anstieg der Berghänge. Er erlebt die Veränderungen im Landschaftsbild und freut sich
auf einen schönen und weitreichenden Ausblick von der erreichten Anhöhe. Für ihn ist
auf seinen Wegen die zu überwindende Höhendifferenz entscheidend. Deshalb soll die
Höhendifferenz als ein Bewertungselement für die Bewegtheit der Landschaft berück-
sichtigt werden. Zur schematischen Erfassung wird die Höhendifferenz in Metern zwi-
schen dem höchsten und dem tiefsten Punkt des Luftkurortes* bestimmt. Als Karten-
grundlage wird die TK 50 herangezogen. Sollte in Einzelfällen die als lohnendes Wan-
derziel anzusprechende höchste Erhebung in der benachbarten Gemarkung liegen, so
wird diese bei der Berechnung berücksichtigt, da auch der erholungsuchende Wanderer
sich nicht an Verwaltungsbezirksgrenzen hält und diese nach Belieben überschreitet. In
65
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diesen Fällen wurde jedoch ein Radius von 5 km um den Ortsmittelpunkt nicht über-
schritten.
Da die Höhendifferenz in allen Untersuchungsorten nur zwischen 90 und 370 m
schwankt, ist nicht davon auszugehen, daß beim Wanderer in den betroffenen Luftkur-
orten* ein Sättigungseffekt eintreten wird. Weiterhin ist zu berücksichtigen, daß der Er-
holungsuchende in Luftkurorten* keinen besonderen Wert auf die Überwindung großer
Höhenunterschiede liegt und große Höhenunterschiede weitestgehend ablehnt. Aus die-
sen Überlegungen bietet es sich an, das Minimum der Meßreihe als besten Sollwert fest-
zulegen. Differenzierungen in der Bewertung sind aus diesen Überlegungen heraus nicht
vorzunehmen. Die aus der Karte ermittelte Höhendifferenz wird als Maßzahl in die Be-
wertungen übernommen.
Zusätzlich zu den vorstehenden Begründungen zur Auswahl des Reliefs als Bewer-
tungselement wird auch auf Landschaftsbewertungsverfahren verwiesen, die dem Relief
einer Landschaft besonderen Einfluß auf die Entwicklung des Fremdenverkehrs beimes-
sen. Ausgehend von KIEMSTEDT (1967) findet man bei TUROWSKI (1972),
KIEMSTEDT / BECHMANN (1975) und BECKER (1976) ähnlich lautende Erläute-
rungen zur Auswahl des Reliefs als Faktor in der Landschaftsbewertung.
6. Die Höhenlage
Auch die Höhenlage des Untersuchungsortes in Metern wird mit in die Bewertung ein-
bezogen. In einer größeren Höhenlage, z. B. im Sauerland, bieten sich günstigere Mög-
lichkeiten für eine Wintersaison als in tiefer gelegenen Städten und Gemeinden. Sichere
Schneelagen bilden für die Ausübung des Wintersports eine notwendige Voraussetzung.
Aber nicht nur Wintersportler, sondern auch andere Erholungsuchende bevorzugen im
Winter höher gelegene Luftkurorte, z. B. für ausgedehnte Schneewanderungen. Häufig
können in diesen Orten im Winter von gesunden Schneewanderern gewünschte Inver-
sionswetterlagen auftreten, bei denen die Temperatur nicht überall mit der Höhe ab-
nimmt, sondern innerhalb der sogenannten Inversionsschicht zunimmt oder gleich
bleibt. Dagegen sollten atemwegserkrankte oder kreislauferkrankte Wintertouristen In-
versionswetterlagen meiden, da sie sich nachteilig auf ihr Krankheitsbild auswirken
können. Aus den vorstehenden Überlegungen leitet sich auch die Einordnung von Hö-
henlagen ab. Höhere Ortslagen werden überwiegend besser angenommen als niedere
66
______________________________________________________________________
Lagen. Die höchste Lage erhält deshalb den besten und die niedrigste Lage den
schlechtesten Platz.
Zur Feststellung der Höhenlage ist die Lokalisierung des Ortskerns entscheidend. In be-
wegten Lagen der Mittelgebirge können in unmittelbarer Nähe des Ortskerns deutliche
Höhenänderungen wahrnehmbar sein. Die Änderungen werden dann nicht im Merkmal
Höhenlage, sondern im Merkmal Höhendifferenz Berücksichtigung finden. Die aus der
Karte ermittelte Höhenlage in Metern über NN geht als Maßzahl in die Untersuchungen
ein.
7. Das Klima
Der Einfluß des Klimas auf die Erholung gilt als unumstritten. Deshalb wurde in der
Kurorteverordnung (KOVO) des Landes NRW vom 21. Juni 1983 in § 3, Abs. 3 gere-
gelt: „Durch ein Gutachten muß geprüft sein, daß im Kurgebiet die zur Heilung oder
Linderung von Krankheiten erforderlichen Eigenschaften des Klimas vorliegen.“ Somit
liegt für jeden Luftkurort in NRW ein Klimagutachten vor, das ein „Kurortklima“ be-
stätigt. Welche Elemente bestimmen dieses Kurortklima? Jahrzehntelange Forschungen
von Medizinern und Meteorologen führten zu einer Differenzierung von medizin-
meteorologischen Wirkungskomplexen für die Beurteilung der Lokalklimate in den:
thermischen Wirkungskomplex,
Strahlungs-Wirkungskomplex,
luftchemischen Wirkungskomplex
(BECKER 1972, S. 47).
Weiterhin haben die Mediziner die von der klimatischen Umwelt ausgelösten besonde-
ren Zustände für den betroffenen Menschen in drei Klassen unterteilt: Reiz, Belastung
und Schonung (BECKER, F. 1972, S. 55).
Wenn man sich bisher bei der Auswahl von Erholungsgebieten mit den drei Hauptzonen
des Klimas (Alpines Hochgebirgsklima, Mittelgebirgsklima, Seeklima) zufrieden geben
mußte, ist nach der Vorlage der Bioklimakarte eine weitere Differenzierung nach den
bioklimatischen Belastungs-, Schon- und Reizstufen möglich. F. BECKER hat die bio-
klimatischen Zonen der Bundesrepublik Deutschland auf dem Hintergrund medizinme-
teorologischer Erkenntnisse in der Bioklimakarte zusammenfassend dargestellt
(BECKER, F.1972, S. 45 ff).
67
______________________________________________________________________
Nach dieser Einteilung bieten sich für die Erholung des Menschen vorwiegend die Ge-
biete mit schonender, reizschwacher oder reizmilder Stufe an. Es gibt aber auch Krank-
heitsbilder, die zur Gesundung des Patienten reizmäßige bzw. reizstarke Klimate for-
dern. Orte, die in der Bioklimakarte mit dem Prädikat teils belastend versehen sind, eig-
nen sich weniger für Erholungssuchende oder Kurgäste. Die Frage nach dem besten
Klima-Sollwert für Luftkurorte* kann hier eigentlich nicht abschließend beantwortet
werden. Es gibt Argumente für oder gegen ein reizschwaches bzw. ein reizstarkes Klima
als beste Voraussetzung für die Rekonvaleszenz des Gastes in Luftkurorten*. In der
vorliegenden Bewertung der prädikatisierten Luftkurorte* aus der Sicht des lokalen
Bioklimas soll folgende Skala zur Anwendung kommen:
Klima Wertziffer
reizstark 5
reizmäßig 4
reizmild 3
reizschwach 2
schonend 1
teils belastend -1
Die Lokalisierung der zu bewertenden Luftkurorte in der Bioklimakarte zeigt, daß nicht
nur die gesundheitsfördernden Stufen der vorstehenden Skala vorzufinden sind. Es gibt
auch Orte, die der Belastungsstufe zuzurechnen sind. Hier verringert das Lokalklima das
bereits erreichte Punktekonto der Bewertung.
Auf der Suche nach dem besten Klima müßte eigentlich aus der Sicht des betroffenen
Touristen ein individuelles Optimum gefunden werden. Da aber das Klima nicht nur für
den Touristen förderlich sein soll, sondern auch von allen Bewohnern des Ortes ertragen
werden muß, wäre eher eine große Bandbreite unterschiedlicher Klimate wünschens-
wert, da diese Menschen mit unterschiedlichen gesundheitlichen Beschwerden oder ver-
schiedenen Krankheitsbildern den Luftkurort* aufsuchen. Doch dieser Wunsch, aus der
Sicht der Luftkurorte* verständlich, ist aufgrund naturwissenschaftlicher Vorgaben un-
erfüllbar.
3.2.2 Bewertungselemente der Freizeitinfrastruktur
Kurpark
68
______________________________________________________________________
Bei der Analyse des Angebotes zur Freizeitinfrastruktur in den zu vergleichenden Luft-
kurorten hat sich gezeigt, daß sowohl die Anlagen im Kurpark als auch die Lage und Er-
reichbarkeit der Parkanlagen deutliche Unterschiede aufweisen. Um auch diese Er-
kenntnisse mit in die Bewertung einfließen zu lassen, bietet es sich an, zwei verschiede-
ne Elemente vergleichend zu betrachten.
1. Lage und Erreichbarkeit des Kurparks
Die Akzeptanz dieser Einrichtung hängt wesentlich von ihrer Lage und Erreichbarkeit
ab. Auch wenn man vor der Erstellung eines Kurparks ortsbedingt nicht immer mehrere
alternative Flächen für Erholungszwecke zur Verfügung hatte, war dennoch sorgfältig
abzuwägen, welche Lage optimal die Zielsetzungen erfüllt. Einmal getroffene Fehlent-
scheidungen wirken sich später dauerhaft aus. Die Lage des Kurparks in der Nähe des
Ortszentrums ist der am äußeren Ortsrand aus vielfältigen Gründen immer vorzuziehen.
Desweiteren sollte der Kurpark von allen Gästen erreicht und genutzt werden können.
Die Analysen in den Luftkurorten* haben gezeigt, daß diese Anforderungen nicht immer
erfüllt wurden. Zur Unterscheidung wurden die nachfolgenden Klassen gebildet:
Wert 1 = Der Kurpark befindet sich am äußeren Ortsrand. Eine Haltestelle des ÖPNV
ist nicht vorhanden. Alle Anlagen können von gehbehinderten Gästen (auch
Rollstuhlfahrern) nur eingeschränkt genutzt werden.
Wert 2 = Der Kurpark befindet sich am äußeren Ortsrand. Eine Haltestelle des ÖPNV
ist vorhanden. Alle Anlagen können von gehbehinderten Gästen (auch Roll-
stuhlfahrern) nur eingeschränkt genutzt werden.
Wert 3 = Der Kurpark befindet sich in der Nähe des Ortszentrums. Alle Anlagen können
von gehbehinderten Gästen (auch Rollstuhlfahrern) nur eingeschränkt genutzt
werden.
Wert 4 = Der Kurpark befindet sich am äußeren Ortsrand. Eine Haltestelle des ÖPNV
ist vorhanden. Die Anlagen können von allen Gästen, auch von Gehbehinder-
ten bzw. Rollstuhlfahrern, genutzt werden.
Wert 5 = Der Kurpark befindet sich in der Nähe des Ortszentrums. Die Anlagen können
von allen Gästen, auch von Gehbehinderten bzw. Rollstuhlfahrern, genutzt
werden.
69
______________________________________________________________________
Ein Kurpark wird nach Lage und Erreichbarkeit am besten bewertet, wenn ihm der Wert
5 zugewiesen worden ist.
2. Zustand des Kurparks
Der Kurpark wird von den Erholungssuchenden bei längerem Aufenthalt mehrfach auf-
gesucht. Seine Ausstattung und der gegenwärtige Zustand werden von den Gästen stän-
dig in Augenschein genommen. Er gilt auch als Aushängeschild des Kurortes. Der Zu-
stand der Kurparkanlagen in den einzelnen Orten zeigte bei der Begehung vor Ort ein
sehr heterogenes Aussehen. Zur Unterscheidung wurden die nachfolgenden Klassen ge-
bildet:
Wert 1 = Kein deutlich erkennbarer Kurpark ausgewiesen. Als Ersatz wird auf ein Kur-
und Erholungsgebiet mit markierten Wanderwegen hingewiesen.
Wert 2 = Bäume, Sträucher, Bodendecker, gelegentliche Blumenrabatten sowie Rasen-
flächen kaum gepflegt, eintönige und regelmäßige Feldaufteilung begrenzt von
befestigten Gehwegen, Ruhebänke zum Teil nicht nutzbar, Teichanlage oder
Wasserlauf im Kurpark. Alternativ: Anstelle eines Kurparks wird ein Kurwald
mit befestigten Wanderwegen, nutzbaren Ruhebänken und gelegentlichen
Schutzhütten angeboten.
Wert 3 = Kaum ansprechendes Bild von Bäumen, Sträuchern, Bodendeckern, gelegent-
lichen Blumenrabatten und Rasenflächen, befestigte Gehwege, nutzbare Ruhe-
bänke, Teichanlage oder Wasserlauf im Kurpark.
Wert 4 = Noch ansprechendes Bild von gepflegten Bäumen, Sträuchern, Bodendeckern,
gelegentlichen Blumenrabatten und Rasenflächen, befestigte Gehwege, nutzba-
re Ruhebänke, Teichanlage oder Wasserlauf im Kurpark, wenige Schutzhütten
in großen Distanzen.
Wert 5 = Artenreiches Bild von gepflegten Bäumen, Sträuchern, Bodendeckern, Blu-
menrabatten und Rasenflächen, befestigte, unregelmäßig geführte Gehwege,
nutzbare Ruhebänke an wahlweise sonnigen oder schattigen oder geschützten
Plätzen, verschiedene Teichanlagen, künstliche oder natürliche Wasserläufe im
Kurpark, Schutzhütten in verschiedenen Ausführungen.
Wert 6 = Sehr gutes artenreiches Bild von gepflegten Bäumen, Sträuchern, Bodendek-
kern, Blumenrabatten und Zierrasenflächen, gepflasterte, unregelmäßig ge-
70
______________________________________________________________________
führte Gehwege, nutzbare Ruhebänke an wahlweise sonnigen oder schattigen
oder geschützten Plätzen, verschiedene Teichanlagen mit Wasserspielen,
künstliche oder natürliche Wasserläufe, Schutzhütten, thematisch orientierte
Lehrpfade, z. B. zur Botanik, Geologie, Forstwirtschaft im Kurpark.
3. Haus des Gastes / Kurhaus
Das Haus des Gastes bzw. das Kurhaus dient in den Luftkurorten* als Kommunikati-
onszentrum der Gäste. Je nach Lage, Ausstattung und Nutzbarkeit wird diese Einrich-
tung in unterschiedlicher Art und Weise angenommen. Zur Bewertung bietet sich die
nachfolgende Matrix an:
Vorhandene Ausstattung
im Haus des Gastes
Verkehrsbüro
Leseraum
Fernsehraum
Veranstaltungsräum
e
Sanitäre Anlagen
öffentlicher Fern-
s
p
recher
mit dem PKW er-
reichbar
Café / Gaststätte an-
gegliedert
alle Tage ganztägig
geöffnet
Lage in Kurpark-
nähe
Wertziffer
Verkehrsbüro 111111111110
Leseraum 1111111119
Fernsehraum 111111118
Veranstaltungsräume 11111117
Sanitäre Anlagen 1111116
Öffentl. Fernsprecher 1 1 1 1 1 5
mit dem PKW erreichbar 1 1 1 1 4
Café / Gaststätte angegliedert 1 1 1 3
alle Tage ganztägig geöffnet 1 1 2
Lage in Kurparknähe 1 1
Haus z. Zt. nicht verfügbar 0
Wert 0 = Zur Zeit steht kein Haus des Gastes zur Verfügung.
Wert 1 = Aufgeführtes Ausstattungsmerkmal ist für den Gast nutzbar.
4. Kur- und Wanderwege
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Ein weiteres Merkmal der Prädikatisierung für Luftkurorte ist die ausdrücklich vorge-
schriebene Ausweisung von Kur- und Wanderwegen. Bei den Untersuchungen vor Ort
konnten deutlich unterschiedliche Zustände in der Umsetzung dieser Bestimmung fest-
gestellt werden. Sie haben veranlaßt, im Bewertungsmodell die nachfolgenden Zu-
standsstufen zu berücksichtigen:
Wert 0 = Zur Zeit sind keine Kur- oder Wanderwege außerhalb des Kurparks deutlich
markiert ausgewiesen.
Wert 1 = Es sind markierte und begehbare Wanderwege ausgewiesen. Eine aktuelle
Wanderkarte existiert nicht.
Wert 2 = Es sind markierte und begehbare Wanderwege ausgewiesen. Eine aktuelle
Wanderkarte existiert.
Wert 3 = Es sind markierte und begehbare Wanderwege ausgewiesen. Eine aktuelle
Wanderkarte existiert. Am Wegesrand stehen auf ausgewählten Plätzen gele-
gentlich Ruhebänke und Schutzhütten.
Wert 4 = Es sind markierte und begehbare Wanderwege ausgewiesen. Eine aktuelle
Wanderkarte existiert. Am Wegesrand stehen auf ausgewählten Plätzen gele-
gentlich Ruhebänke und Schutzhütten. Es werden gelegentlich geführte Wan-
derungen angeboten.
Wert 5 = Es sind markierte und begehbare Kur- oder Wanderwege ausgewiesen. Eine
aktuelle Kurwege- oder Wanderkarte mit Angaben zum Schwierigkeitsgrad
und zur Steigung existiert. Am Wegesrand stehen auf ausgewählten Plätzen
gelegentlich Ruhebänke und Schutzhütten.
Wert 6 = Es sind markierte und begehbare Kur- oder Wanderwege ausgewiesen. Eine
aktuelle Kurwege- oder Wanderkarte mit Angaben zum Schwierigkeitsgrad
und zur Steigung existiert. Am Wegesrand stehen auf ausgewählten Plätzen
gelegentlich Ruhebänke und Schutzhütten. Es werden in der Saison minde-
stens einmal pro Woche geführte Wanderungen angeboten.
Der Wert 6 stellt das beste erreichbare Ergebnis dar.
5. Unterhaltungsangebot
Der touristische Wert freizeitinfrastruktureller Angebote in Luftkurorten* hängt sowohl
von den baulichen Einrichtungen im Kurgebiet als auch von Informations- und Übungs-
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______________________________________________________________________
programmen zu unterschiedlichen Themen und Bereichen ab. Voraussetzung ist zu-
nächst die Existenz eines Veranstaltungskalenders, der mindestens monatsweise im vor-
aus aufgestellt worden ist. Es sollte jeder Gast Kenntnis von diesem Angebot erhalten
können. Deshalb ist es erforderlich, daß dieser Kalender im Kurhaus bzw. im Haus des
Gastes oder auf Informationstafeln an geeigneten zentralen Stellen des Ortes zur Ein-
sicht aushängt. Der Gast muß seine Teilnahme rechtzeitig planen können. Das Angebot
sollte vielseitig sein und nach Möglichkeit die Interessen vieler Gäste ansprechen. Eine
bunte Mischung von Unterhaltungs-, Sport-, Kultur- und gesundheitserzieherischen An-
geboten sollte sich im vierwöchigen Wechsel wiederholen.
Zur Bewertung des Unterhaltungsangebotes wird folgende Klasseneinteilung benutzt:
Wert 0 = Kein Unterhaltungsangebot
Wert 1 = Gelegentliche Feste (Schützenfest, Kirchweih, Kirmes, Saisoneröffnung, Sai-
sonabschluß, Sommerfest) in der Hauptsaison, die vorwiegend von Einheimi-
schen getragen werden, wenige organisierte Tagesveranstaltungen im Monat,
nahegelegenes Kino mit wöchentlich wechselnden Filmen.
Wert 2 = Organisierte Unterhaltungsveranstaltungen während der Hauptsaison mehrfach
pro Woche, die nicht immer im Ort stattfinden, aber leicht erreichbar sind, au-
ßerhalb der Saisonzeit zwei bis vier Veranstaltungen pro Monat.
Wert 3 = Organisierte Unterhaltungsveranstaltungen in der Hauptsaison täglich nach
Plan.
Wert 4 = Organisierte tägliche, vielseitige Unterhaltungsveranstaltungen mit ausge-
zeichneten Inhalten, aktuelle Gästezeitung mit Veranstaltungskalender, aktu-
elle Filme im örtlichen Kino.
(teilweise in Anlehnung an SCHEFFEL 1993, S. 189)
Der Wert 4 weist auf das beste Ergebnis hin, das ein Luftkurort* für sein Unterhaltungs-
angebot bekommen kann.
6. Fort- bzw. Weiterbildungsangebot
Neuerdings ist an vielen Stellen in der Gesellschaft erkennbar, daß der Einfluß von Frei-
zeit das Wertsystem immer mehr verändert. Dieser Wertewandel führt inzwischen zu
einer gegenseitigen Beziehung von Freizeit- und Arbeitserlebnissen, so
OPASCHOWSKI (1991 b, S. 136 f):
73
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- Arbeit und Berufsethik verlieren ihren Mythos.
- Freizeit verändert das berufliche Anspruchsniveau des Menschen.
- Das Leistungsprinzip als soziale Norm wird in Frage gestellt.
- Freizeit verändert das individuelle Bewußtsein.
Als Folge dieser Änderungen ist immer wieder festzustellen, daß gerade in der Freizeit
von vielen Urlaubern auch gern ein Fort- bzw. Weiterbildungsbildungsangebot wahrge-
nommen wird. Sich mit bestimmten Themen und abgegrenzten Sachgebieten genauer
und detaillierter zu beschäftigen, über die man schon immer etwas mehr wissen wollte,
aber nie reichte die Zeit dazu, das scheint ebenfalls ein Ziel für die Urlaubszeit zu sein.
Auch in Luftkurorten* sind inzwischen Ansätze von Seminartourismus sichtbar. Wer
sich in diesem Bereich als Anbieter präsentiert, ist in erster Linie nicht von Bedeutung.
Entscheidend ist die Existenz des Angebotes überhaupt. Um in meinem mikrostruktu-
rellen Bewertungsmodell für Luftkurorte* alle Formen einer Fort- bzw. Weiterbildung
erfassen und bewerten zu können, wurde die nachfolgende Klasseneinteilung vorge-
nommen:
Wert 0 = Es existiert kein Fort- bzw. Weiterbildungsangebot.
Wert 1 = Abgeschlossene Kurzseminare (max. 2 Std.) zu beliebigen Themen mit Fort-
bildungscharakter, mindestens ein Seminar pro Monat.
Wert 2 = Seminare (max. 2 Std.) mit bis zu drei Folgeveranstaltungen zu beliebigen
Themen mit Fortbildungscharakter, mindestens ein Angebot pro Monat.
Wert 3 = Halbtagesseminare zu beliebigen Themen mit Fortbildungscharakter, minde-
stens ein Seminar pro Monat.
Wert 4 = Ganztagesseminare mit bis zu drei Folgeveranstaltungen zu beliebigen The-
men mit Fortbildungscharakter, mindestens ein Angebot pro Monat.
Wert 5 = Mehrtagesseminare zu beliebigen Themen mit Fortbildungscharakter in Semi-
narhotels, mindestens ein Seminar pro Monat.
Wert 6 = Ständig unterschiedliche Mehrtagesseminare zu beliebigen Themen mit Fort-
bildungscharakter in vorhandenen Bildungsinstitutionen mit Vollverpflegung
und Übernachtung.
Als Seminar wird eine einzelne Veranstaltung oder eine Reihe von Veranstaltungen mit
einer jeweiligen Dauer zwischen zwei Stunden und sieben Tagen bezeichnet, in denen
maximal rund 50 erwachsene Menschen gemeinsam, intentional und in einer Intensiv-
form Weiterbildung betreiben, so ARX (1993, S. 27).
74
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7. Kulturangebot
Das kulturelle Angebot eines Ortes allein läßt sich sehr schwer bewerten. Da die erho-
lungsuchenden Gäste in Luftkurorten heute sehr mobil sind, nicht zuletzt durch den aus-
gebauten Personennahverkehr, ist es sinnvoll, die nähere Umgebung (Radius ca. 20 km)
des zu bewertenden Ortes einzubeziehen. Es wird folgende Klasseneinteilung berück-
sichtigt:
Wert 0 = Vor Ort und in der Umgebung (r ca. 20 km) keine Kultureinrichtungen.
Wert 1 = Kultureinrichtungen wie Burgen, Schlösser, bekannte Kirchen und Museen im
Ort oder im Nahbereich, auch mit öffentlichem Personennahverkehr zu errei-
chen.
Wert 2 = Mindestens eine überlokale Kultureinrichtung im Ort oder im Nahbereich
(mehrmals pro Woche geöffnet), auch mit öffentlichem Personennahverkehr
zu erreichen, gelegentlich Konzerte, Dichterlesungen und Ausstellungen.
Wert 3 = Überregionales Theater im Ort oder im Nahbereich, leicht erreichbar mit
Transferangebot (mindestens einmal pro Monat), überregional bekannte Kul-
tureinrichtung vor Ort oder im Nahbereich, täglich geöffnet, auch mit öffentli-
chem Personennahverkehr zu erreichen.
Wert 4 = Ansprechendes und abwechslungsreiches kulturelles Angebot im Ort oder im
Nahbereich, Konzerte, Dichterlesungen, Theateraufführungen, jeweils minde-
stens einmal pro Woche, mit gutem Niveau, auch mit öffentlichem Personen-
nahverkehr zu erreichen.
Wert 5 = Überregional bekannte Kulturdenkstätten und Museen im Ort oder im Nahbe-
reich, täglich geöffnet, vielseitige Tagesausflugsmöglichkeiten, tägliche Kon-
zerte, Dichterlesungen, Theateraufführungen und Ausstellungen mit hohem
Niveau, auch mit öffentlichem Personennahverkehr zu erreichen.
(teilweise in Anlehnung an SCHEFFEL 1993, S. 189 / 190)
Aus der vorstehenden Klasseneinteilung geht hervor, daß ein Luftkurort hinsichtlich
seines Kulturangebotes am schlechtesten abschneidet, wenn in der Bewertung der Wert
0 zugewiesen werden muß.
8. Sportangebot
75
______________________________________________________________________
Zur Beurteilung des Sportangebots für Gäste des Luftkurortes wird eine quantitative Er-
fassung aller im Ort zu praktizierenden Breitensportarten herangezogen. Es ist verständ-
lich, daß in dieser Kategorie der Bewertung die Orte mit zwei Saisonzeiten ein größeres
Angebot bieten können als die anderen. Eine qualitative Differenzierung der angebote-
nen Sportarten setzt intensivere Untersuchungen vor Ort voraus. So muß vorab erfaßt
werden, ob das Sportangebot auch auf die Teilnahme von Fremdenverkehrsgästen abge-
stimmt ist und inwieweit Gäste das Angebot annehmen. Deshalb wurden bei der Erfas-
sung des Sportangebots drei Stufen zur Bewertung berücksichtigt:
1. Sportart im Angebot 1 Punkt
2. Sportart im Angebot und auf Touristen abgestimmt 2 Punkte
3. Sportart im Angebot, auf Touristen abgestimmt und
von Touristen angenommen 3 Punkte
Es erscheint am Ende naheliegend, dem Ort das beste Ergebnis der vorgenommenen
Sportangebotsbewertung zuzuweisen, der die meisten Punkte auf sich vereinigen konn-
te.
3.2.3 Bewertungselemente aus Unterkunft und Verpflegung
1. Fremdenverkehrsintensität
Die Fremdenverkehrsintensität gilt unumstritten als die prägnante Maßzahl für alle tou-
ristischen Aktivitäten im übernachtenden Fremdenverkehr. Es erklärt sich deshalb von
selbst, daß auch diese Größe in die Bewertung eines Ortes eingeht, auch wenn sie viel-
leicht kleinere Fremdenverkehrsgemeinden gegenüber größeren mit stärkerer Differen-
zierung begünstigen sollte. Dieses Bewertungselement wird in der vorliegenden Arbeit
bei allen statistischen Auswertungen als die abhängige Variable vorangestellt.
Die Istwerte der Fremdenverkehrsintensität in den einzelnen Luftkurorten werden be-
rechnet zu
Fremdenverkehrsintensität =
Anzahl Übernachtungen 100
Anzahl Einwohner .
Der Luftkurort mit der höchsten Fremdenverkehrsintensität gilt als der beste in der Meß-
reihe. Aus der Sicht eines ökonomisch orientierten Tourismus sollte es Ziel eines jeden
76
______________________________________________________________________
Ortes sein, diesen höchsten Wert als Sollwert anzustreben. In dem hier vorzustellenden
Rangfolgeverfahren erreicht der Ort mit dem höchsten Wert den ersten Rang(vgl. Kap.
3.3, S. 98), in den Wertzahlenverfahren erreicht der Ort mit der höchsten Fremdenver-
kehrsintensität die vergebene Höchstpunktzahl, im ersten Bewertungsdurchgang 12,5
Sollpunkte bzw. im zweiten Bewertungsdurchgang 20 Sollpunkte (vgl. Kap. 3.4.2, S.
120).
Angaben zur Fremdenverkehrsintensität von Verwaltungseinheiten, Fremdenverkehrs-
gebieten, Bundesländern und Nationen erscheinen in fast allen Statistiken der Branche
und können deshalb bequem zu Vergleichen herangezogen werden. Da die erzielten Er-
gebnisse des Übernachtungstourismus der hier vorgestellten prädikatisierten Ortsteile
als Vergleichseinheiten sonst nicht in Veröffentlichungen erscheinen, kann durch die
Vorlage der Analyseergebnisse dieser Studie auch ein differenzierter Vergleich zu den
Werten der Stadt bzw. Gemeinde insgesamt vorgenommen werden.
2. Aufenthaltsdauer
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer kann als Maß für die Zufriedenheit der Gäste
mit ihrem Luftkurort angesehen werden und ist dem Komplex der touristischen Nach-
frage zuzuordnen. Die Kennzahl gibt auch Aufschluß über die inneren Strukturen der
Untersuchungsorte. So macht z. B. das absolute Maximum der Meßreihe von 21,51 Ta-
gen, erzielt in Valdorf, auf das besondere Angebot dieses Luftkurortes aufmerksam. Der
dort vorherrschende klinische Gesundheitstourismus bestimmt wesentlich die Aufent-
haltsdauer. Luftkurorte ohne klinischen Gesundheitstourismus erreichen eine deutlich
geringere Aufenthaltsdauer. Aber auch hier lassen sich mit Hilfe dieser Kennzahl feinere
Differenzierungen herausarbeiten. Daher ist eine Aufnahme dieser Größe in den Be-
wertungsbogen sinnvoll.
Es erscheint verständlich, daß der Ort mit der höchsten durchschnittlichen Aufenthalts-
dauer in diesem Merkmalvergleich am besten abschneidet.
3. Bettenauslastung in Tagen
Einen Zusammenhang zwischen der Bettenkapazität einerseits und den tatsächlichen
Übernachtungen andererseits stellt die Bettenauslastung in Tagen her. Die Bettenausla-
stung verbindet den touristischen Angebots- und Nachfragekomplex. Die Aussagen die-
ser Kennzahl sind vielseitig. Eine niedrige Auslastung deutet zunächst auf ein Überan-
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______________________________________________________________________
gebot im Beherbergungssektor hin, während hohe Zahlen eine Erhöhung der Bettenan-
zahl zur Folge haben können. Andererseits kann eine niedrige Auslastung auch auf
Mängel in der Branche hinweisen. Vergleiche über einen längeren Zeitraum bringen
Klarheit in dem sich stellenden Problemkreis.
Da diese Kennzahl umfassende Informationen zur Beherbergungssituation eines Unter-
suchungsortes enthält, bietet es sich an, sie als weitere Bewertungsgröße zu berücksich-
tigen. Hier können aus den vorher dargelegten Gründen nur die Zahlen der Meldebetrie-
be herangezogen werden. Der Ort wird in dem Vergleich Bettenauslastung erstplaziert,
der das Maximum der Meßreihe erzielt.
4. Komfortzimmeranteil
Gäste möchten auch im Urlaub immer weniger auf den gewohnten Komfort verzichten
und erwarten, daß dort die Fremdenzimmer mit Dusche / WC oder Bad / WC ausge-
stattet sind. Zimmer mit Etagendusche / WC oder Etagenbad /WC sind heute überholt
und lassen sich sehr schlecht vermieten. Zukünftig werden solche Zimmer kaum noch
vermietbar sein. Es ist zu vermuten, daß Luftkurorte mit hohem Komfortzimmeranteil
Vorzüge gegenüber anderen zu erwarten haben. Deshalb ist es sinnvoll, für jeden zu
untersuchenden Ort den Komfortzimmeranteil in % im Vergleich zum gesamten Zim-
merangebot zu bestimmen und diese Kennziffer in die Bewertung der Orte aufzuneh-
men. In dem Vergleich werden Zimmer als Komfortzimmer eingestuft, wenn sie mit ei-
ner vollständigen Naßzelle, Sitzecke mit einem Fernsehgerät und Betten mit guten Ma-
tratzen ausgestattet sind. Orte mit einem im Vergleich niedrigen Komfortzimmeranteil
sollten sich verstärkt darum bemühen, diesen Wettbewerbsnachteil schnell zu beseiti-
gen.
5. Bettenanzahl in Meldebetrieben
Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen weisen kein touristisches Massengeschäft auf, wie
es z. B. auf den Balearen, den Kanarischen Inseln oder in den Luftkurorten der Alpenre-
gion beobachtet werden kann. Die typischen Gäste in Luftkurorten Nordrhein-
Westfalens lehnen diesen Trubel ab. So ist es nicht verwunderlich, daß in diesen Luft-
kurorten keine Großbetriebe der Beherbergung mit mehr als 250 Betten existieren. Aus-
nahmen bilden die Einrichtungen im klinischen Gesundheitstourismus, die aus Rentabi-
litätsgründen eine bestimmte Mindestgröße haben müssen. Aber besonders hier besteht
78
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die Gefahr, daß mit ständig zunehmender Klinifizierung kleine und mittelständische
Beherbergungsbetriebe verschwinden und der Eindruck eines Gesundheitsgettos hinter-
lassen wird. Diese Klinikbauten sowie Hotelgroßbetriebe lassen sich auch kaum in ein
landestypisches Ortsbild einfügen. Hochhausbauten und ausgedehnte Flachdachbaukör-
per sind im Ortsbild eines Luftkurortes aus der Sicht der einheimischen Bevölkerung
und der verantwortlichen Planer unerwünscht.
Der Gast in größeren Hotelbetrieben erreicht wenig Kontakt zur einheimischen Bevöl-
kerung. Allerdings kann er hier seine Individualität stärker betonen als in Klein- oder
Privatbetrieben.
Wie groß soll denn der ideale Hotelbetrieb in Luftkurorten aus der Sicht der Gäste und
der einheimischen Bevölkerung sein? Dieser Sicht können die betriebswirtschaftlichen
Ziele der Eigentümer oder Betreiber konträr gegenüber stehen. Festzustellen ist, daß in
den untersuchten Orten viele unterschiedliche Klein- und Mittelbetriebe sich über Jahr-
zehnte dem Wettbewerb gestellt und überlebt haben. Wie sie den Anforderungen begeg-
net sind und welche Ergebnisse sie erzielt haben, kann hier nicht diskutiert werden, da
dazu keine Untersuchungen vorgenommen wurden.
Es müßte auch dem Aspekt nachgegangen werden, ob das wirtschaftliche Überleben der
Beherbergungsbetriebe in den untersuchten Luftkurorten von ihrer Größe abhängig war
bzw. ist oder ob nur die besondere Ausstattung der Landschaft für eine angemessene
Belegung der am Ort ansässigen Beherbergungsbetriebe geführt hat bzw. auch weiterhin
führt.
Verläßliche Zahlen, die den Wünschen und Bedürfnissen aller Beteiligten entsprechen,
können hier nicht genannt werden. Die Antwort auf diese Fragen kann nur in kleinräu-
migen Untersuchungen gegeben werden. Es bieten sich in dieser Situation zwei Mög-
lichkeiten an: Der arithmetische Mittelwert, berechnet aus der Bettenzahl aller melde-
pflichtigen Übernachtungsbetriebe in den Luftkurorten* Nordrhein-Westfalens, oder der
Median dieser Datenfolge. Ein Mittelwert nimmt wenig Bezug auf die im Ort gewach-
senen und bewährten Strukturen. Es bietet sich daher an, eher den Median der vorlie-
genden Meßreihe als anzustrebenden Sollwert heranzuziehen. Für die untersuchten
Ortsteile berechnet er sich im Jahre 1993 zu 34,167 und im Jahre 1997 zu 37,392 Bet-
ten.
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6. Bettenanteil in Kleinbetrieben
Das Beherbergungsstatistikgesetz von 1980 hat neben einigen Vorteilen auch den
schweren Nachteil zur Folge, daß alle Beherbergungsstätten, die weniger als neun Gäste
gleichzeitig und vorübergehend unterbringen können, nicht der Berichterstattung unter-
liegen. Somit werden die Ankünfte und Übernachtungen in diesen Betrieben statistisch
nicht erfaßt. Ohne diese Zahlen bleiben Aussagen zur touristischen Nachfrage eines Or-
tes unvollständig. Wenn Ankünfte und Übernachtungen in diesen Kleinbetrieben nicht
exakt abgerufen werden und den Zahlen aus den Meldebetrieben nicht hinzugerechnet
werden können, sollte nach Hilfsgrößen gesucht werden, die Näherungsaussagen über
den erreichten Anteil in diesem Bereich zulassen. Eine Möglichkeit bietet sich über das
Verhältnis von Betten in Kleinbetrieben zur Gesamtbettenzahl. Dazu wurde die Betten-
anzahl in Kleinbetrieben jeweils in den örtlichen Verkehrsämtern erfragt. Die Verkehrs-
ämter in Luftkurorten haben eigentlich einen guten Überblick über die angebotenen
Betten in den nichtmeldepflichtigen Betrieben, weil diese in der Statistik des Heilbäder-
verbandes erfaßt werden und Kurgäste nur dann eine Kurkarte bekommen, wenn sie als
solche im Ort registriert worden sind. Dennoch bleibt eine geringe Dunkelziffer bei der
Feststellung der angebotenen Betten und Übernachtungen in diesen Betrieben. Die mit
Vorbehalt erfaßten Zahlen gingen in die Berechnung des Verhältnisses ein.
Zur näherungsweisen Berechnung von Ankünften und Übernachtungen in diesem Be-
triebssektor kann die erzielte Auslastung der Meldebetriebe des betroffenen Ortes her-
angezogen werden. Da Nichtmeldebetriebe vorwiegend saisonbedingt geöffnet haben,
sind für diese Einschränkung weitere Abschläge zu machen. Darüber erreicht man
schließlich eine angenäherte Größenordnung von Ankünften und Übernachtungen in
Nichtmeldebetrieben. Dazu sei ein Zahlenbeispiel eingefügt: In einem Ort X weisen die
Meldebetriebe eine jährliche Auslastung von 40 % aus, die Nichtmeldebetriebe bieten
50 Betten an. Setzt man die gleiche Auslastung auch für Nichtmeldebetriebe mit einer
Öffnungsdauer von 180 Tagen an, so erhält man die geschätzten Übernachtungen durch
3600
100
1805040 =
=ngenÜbernachtu .
Diese abschätzende Berechnungsweise setzt voraus, daß Melde- und Nichtmeldebetrie-
be in der Nachfrage gleich begünstigt erscheinen. Die Realität zeigt aber manchmal ge-
genteilige Erscheinungen. Kleinbetriebe haben vielfach ein größeres Stammgästepoten-
tial. Auch scheint der Kontakt zwischen den Betreibern von Kleinbetrieben und ihren
80
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Gästen enger zu sein als in Meldebetrieben. Diese Vorbehalte stellen die obige nähe-
rungsweise Berechnung von Ankünften und Übernachtungen in Nichtmeldebetrieben
zumindest wieder teilweise in Frage.
In dieser Untersuchung wird als Maß für den Anteil des touristischen Geschehens in
Kleinbetrieben im Vergleich zu den Meldebetrieben das Verhältnis der Bettenanzahl in
Nichtmeldebetrieben zur Gesamtbettenzahl herangezogen. Eine weitere Schwierigkeit
ergibt sich bei der Festlegung des Sollwertes. Wie groß darf der Anteil der Nichtmelde-
betriebe in einem Luftkurort sein? Wird ein möglichst kleiner Anteil bevorzugt, dann
besteht die Gefahr, daß der vielfach vorhandene Kontakt mit der einheimischen Bevöl-
kerung weiter zurückgeht und die Wohnbevölkerung des Ortes sich nicht mehr mit dem
touristischen Geschehen im Ort identifiziert. Wird ein möglichst großer Anteil bevor-
zugt, dann entsteht u.a. eine zu große Abhängigkeit von den vielfach instabilen Saison-
betrieben im Nebenerwerb. Eine ideale Größenordnung hängt weitgehend von den Be-
sonderheiten in dem betrachteten Ort ab. Um dem vorher diskutierten Für und Wider ge-
recht zu werden, wird als angestrebter Sollwert in der Bewertung hilfsweise das arith-
metische Mittel der Meßreihe herangezogen. Mit der Wahl dieses Vergleichswertes
werden die jahrelangen Erfahrungen aus allen Luftkurorten des Landes berücksichtigt,
die sich entweder bewährt oder als nachteilig erwiesen haben. Ob die vorliegende Kon-
stellation zwischen meldepflichtigen und nichtmeldepflichtigen Übernachtungsbetrieben
tatsächlich auch die optimale Zusammensetzung darstellt, kann mit der Wahl des Ver-
gleichswertes weder bestätigt noch abgelehnt werden.
Viele Gäste suchen den direkten Kontakt zur heimischen Bevölkerung durch die Aus-
wahl ihres Quartiers in einer Privatpension. Privatpensionen sind vielfach nicht melde-
pflichtige Kleinbetriebe. Ein hoher Anteil an Kleinbetrieben kann für den prädikatisier-
ten Ort sowohl Vorteile als auch Nachteile für das Fremdenverkehrsgeschehen mit sich
bringen. Kleinbetriebe werden im Nebenerwerb geführt und unterliegen nur geringen
betriebswirtschaftlichen Zwängen. Nebenerwerbsbetriebe wurden von der älteren Gene-
ration gegründet, um den Kontakt mit Menschen zu suchen, Freude und Erfüllung in der
Beschäftigung mit Urlaubsgästen zu erhalten, aber auch um einen kleinen Beitrag zum
Familieneinkommen zu leisten.
Sollte diese Beschäftigung einmal zur Last werden, wird der Nebenerwerbsbetrieb um-
gehend geschlossen. Diese Fremdenbetten stehen dann nicht mehr zur Verfügung, ein
Tatbestand, der als Nachteil im touristischen Angebot des Ortes angesehen werden
81
______________________________________________________________________
kann. Auch haben die meisten Betreiber von Privatpensionen Nachfolgesorgen, da die
Kinder den Betrieb nicht weiterführen wollen. Es sind die vielfältigsten Gründe zu hö-
ren, wie, man habe es nicht nötig, einen Nebenerwerbsbetrieb zu führen, man sei durch
den Betrieb zu stark gebunden und nicht frei in der Gestaltung der Freizeit oder man
möchte sich doch nicht mit den Gästen auseinandersetzen bzw. herumärgern. So kommt
es durch die vielfach zwangsweise Aufgabe von Kleinbetrieben aus Altersgründen un-
gewollt zum kontinuierlichen Bettenabbau im Ort. Ein Stück der Urtümlichkeit des
Fremdenverkehrsortes geht damit verloren.
Es kann zwar keine Richtgröße dafür angegeben werden, wie hoch der Bettenanteil von
Kleinbetrieben in einem Fremdenverkehrsort sein sollte. Man kann aber davon ausge-
hen, daß in Orten mit einem Anteil von mehr als 20 % an der Gesamtbettenzahl die ein-
heimische Bevölkerung viel stärker in das aktuelle Fremdenverkehrsgeschehen einbezo-
gen wird als anderswo. Nach der Reiseanalyse 1992 gaben rd. 40 % der Befragten als
Reisemotiv u.a. den Kontakt zu Einheimischen an (STFT 1993, S. 46). Diese Reise-
gruppe wäre in den Orten mit hohem Bettenanteil in Kleinbetrieben gut untergebracht.
Nachfrageuntersuchungen zeigen, daß 1992 die Unterkunftsart Privatzimmer von 9,1 %
(1991) auf 7,9 % weiter zurückgegangen ist (STFT 1993, S. 39). Vielleicht kann diese
Entwicklung als Hilfsgröße zur Findung des richtigen ortsspezifischen Anteils der Bet-
ten in Kleinbetrieben zur Gesamtbettenzahl berücksichtigt werden.
Wenn man aus den vorher genannten Nachfrageuntersuchungen die Richtgröße von 10
% Anteil der Betten in Kleinbetrieben auf die Untersuchungsorte anwendet, dann erfül-
len nur Lage-Hörste, Nieheim*, Vlotho-Valdorf und Freudenberg* in 1993 diese Bedin-
gung. In allen anderen Orten wäre der Bettenanteil der Kleinbetriebe zu hoch. Die Be-
treiber müßten mit Nachfrageeinbußen rechnen.
7. Gastronomiequalität
Die Versorgung in der Gastronomie ist aus der Sicht der Gäste ein wesentliches Ent-
scheidungsmerkmal für oder gegen einen Aufenthalt in dem betroffenen Ort. Bei der
Analyse des Gastronomieangebots kann aus verschiedenen Gründen keine Qualitätsun-
tersuchung der angebotenen und zubereiteten Speisen und Getränke in allen Betrieben
der Untersuchungsorte vorgenommen werden. An dieser Stelle soll einerseits nur die
Kapazität der gastronomischen Betriebe und andererseits die Vielseitigkeit im Angebot
der Betriebe Berücksichtigung finden. Dazu reichen vielfach ein Besuch und die Inau-
82
______________________________________________________________________
genscheinnahme der Speise- und Getränkekarten aus. Zur Bewertung dieser Aspekte im
Gastronomieangebot der Untersuchungsorte wurden folgende Klassen gebildet:
Wert 1 = Kein Betrieb mit warmen Speisen im Angebot.
Wert 2 = Mindestens ein Speiselokal am Ort, an jedem Wochentag sollte mindestens ein
Betrieb geöffnet sein.
Wert 3 = Mehrere Speiselokale am Ort, davon mindestens eins mit unterschiedlichen
Qualitätsstufen im Sortiment. In einem Betrieb sollten Busgruppen bedient
werden können.
Wert 4 = Mehrere Speiselokale am Ort mit ansprechendem Sortiment an Speisen und
Getränken, davon mindestens eins mit überlokalem Ruf. Einige Betriebe soll-
ten Busgruppen bedienen können. Es werden nicht nur Gerichte aus der deut-
schen Küche im Angebot erwartet, sondern auch die ausländische Küche ist
mit mehreren Speisen im Angebot vertreten.
Wert 5 = Ort mit gutem gastronomischen Angebot; entsprechende Alternativen im glei-
chen Segment sind auf der Speisekarte auszuwählen. Neben den Gerichten aus
der guten internationalen Küche wird auch speziell für Kurgäste sowohl
Schonkost bzw. Reduktionskost angeboten. Für Busgruppen ist ein gutes An-
gebot vorgesehen.
Wert 6 = Sehr gute, vielseitige, internationale und regionale Küche, auch mit Schon-
und Reduktionskost. Ein hoher Anteil an Betrieben ist mit einem überregiona-
len Ruf versehen. Es existieren freie Kapazitäten auch in der Hauptsaison für
Busgruppen.
(teilweise in Anlehnung an SCHEFFEL 1993, S. 190)
8. Einkaufsmöglichkeiten
Eine wichtige Rolle für den Gast spielt das Angebot im Einzelhandel. Hier werden die
Daseinsgrundfunktionen ´ Sich versorgen ´ und ´ Sich erholen ´ befriedigt und miteinan-
der verknüpft. Besondere Bedeutung kommt dem Einzelhandelsbesatz zu, wenn es um
die Messung der Zentralität eines bestimmten Ortes geht. Betrachtet man die Einwoh-
nerzahlen und den Einzelhandelsbesatz der zu untersuchenden Luftkurorte*, dann kann
den Luftkurorten* nur in Ausnahmefällen ein nennenswerter Zentralitätsgrad zugeordnet
werden. Nur Brilon als ehemalige Kreisstadt weist mehr als 10.000 Einwohner auf, der
83
______________________________________________________________________
Median der Einwohnerzahlen liegt bei 2672. Brakel, Brilon, Freudenberg, Heimbach,
Nieheim, Schmallenberg und Tecklenburg erfüllen die Anforderungen eines Unterzen-
trums. Bei genauerer Analyse der Einkaufsmöglichkeiten in diesen Unterzentren erfüllt
kein Ort die Anforderung von einem Einkaufserlebnis in kurörtlicher Atmosphäre.
Es kann im Rahmen der hier vorgelegten vergleichenden Bewertung von Luftkurorten in
Nordrhein-Westfalen aus verschiedenen Gründen nicht eine vollständige fachspezifische
Zentralitätsuntersuchung vorgenommen und in das Bewertungsverfahren einbezogen
werden. Diese Aufgabenstellung muß kleinräumigen Untersuchungen vorbehalten blei-
ben (vgl. z.B. POPP 1977, S. 163 ff, HEINRITZ 1979, S. 34 ff). Damit aber alle Luft-
kurorte mit ihrem Angebotsspektrum im Einzelhandel in der Bewertung gleichberechtigt
berücksichtigt werden können, wird folgende Klasseneinteilung vorgenommen:
Wert 0 = Keine Einkaufsmöglichkeiten
Wert 1 = Der tägliche (kurzfristige) Bedarf kann im Luftkurort* gedeckt werden.
Wert 2 = Der periodische (mittelfristige) Bedarf kann im Luftkurort* gedeckt werden.
Wert 3 = Ausgewählte Güter des episodischen (langfristigen) Bedarfs können im Luft-
kurort* gedeckt werden.
Wert 4 = Der vollständige episodische (langfristige) Bedarf kann im Luftkurort* ge-
deckt werden.
9. Sonstige Kennzahlen
Die folgenden Kennzahlen des Komplexes Beherbergung und Versorgung konnten im
mikrostrukturellen Bewertungsmodell für Luftkurorte nicht berücksichtigt werden, da
sie mit hohen Korrelationen zur Fremdenverkehrsintensität versehen sind:
Ankünfte
Übernachtungen
Besucherintensität
Anzahl Meldebetriebe
Anzahl Kleinbetriebe
Anzahl Betten in Kleinbetrieben
durchschnittliche Bettenanzahl in Kleinbetrieben
totaler Bettenbesatz
partieller Bettenbesatz.
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3.2.4 Sozioökonomische Faktoren
Wer an dieser Stelle erwartet, daß Umsatzzahlen aus den verschiedenen Ausgabearten
der Gäste Maße für eine Bewertung darstellen, wird leider enttäuscht sein. Alle Umsatz-
zahlen und auch der Fremdenverkehrswertschöpfungsindex weisen einen deutlichen
statistischen Zusammenhang mit der Fremdenverkehrsintensität auf und sind deshalb in
diesem Bewertungsrahmen ungeeignet. Es sind aus den oben geschilderten Überlegun-
gen nur aussagekräftige, sozioökonomische Elemente zu berücksichtigen, die eine
nachweisbare statistische Unabhängigkeit von der Fremdenverkehrsintensität aufweisen,
damit u.a. Multiplikatoreneffekte in der Bewertung vermieden werden können.
Prädikatisierung
Auf die Berücksichtigung der Prädikatisierung der zu untersuchenden Orte kann im Be-
wertungsmodell verzichtet werden, da alle Orte als Luftkurorte ausgezeichnet worden
sind. Lediglich die an Preußisch Oldendorf, an Vlotho und an Tecklenburg vergebene
Zusatzartbezeichnung „mit Kurmittelgebiet“ sowie der Heilbadstatus von Horn-Bad
Meinberg und der Kneippheilbadstatus von Schmallenberg für den Stadtteil Fredeburg
bilden diesbezüglich einmalige Unterscheidungsmerkmale. Damit entfällt die Prädikati-
sierung als Bewertungselement.
1. Einwohnerzahl bzw. Bevölkerungsdichte einer Gemeinde
Erholungsgäste suchen ihren Urlaubsort u.a. nach der Anzahl Einwohner in einer Ge-
meinde aus. Chr. BECKER konnte durch Einzelregression nachweisen, daß ein negati-
ver Zusammenhang zwischen der Einwohnerzahl und der Fremdenverkehrsintensität be-
steht. Da aber bei der multiplen Regressionsanalyse dieser Zusammenhang wegen zu
hoher interner Korrelation mit anderen Variablen nicht bestätigt werden konnte, hat er
die Einwohnerzahl als Strukturmerkmal fallen gelassen (BECKER, Chr. 1976 S. 85).
In dem hier vorgestellten Bewertungsverfahren für Luftkurorte konnte bei den ausge-
wählten Orten der vermutete negative Zusammenhang zwischen der Einwohnerzahl und
der Fremdenverkehrsintensität statistisch nicht mit hinreichender Sicherheit bestätigt
werden. Der errechnete Korrelationskoeffizient im Jahre 1993 lag bei - 0,3238. Da es
hier aber nicht darum geht, Vorhersagen für eine mögliche Fremdenverkehrsentwick-
85
______________________________________________________________________
lung mit größter Wahrscheinlichkeit zu treffen, spricht kaum etwas gegen die Einwoh-
nerzahl als Bewertungselement.
Es wurde auch statistisch geprüft, ob sich alternativ zur Einwohnerzahl eines Luftkur-
ortes die Bevölkerungsdichte besser als die absolute Bevölkerungszahl zur Bewertung
eignet. Ein statistisch sehr schwach abgesicherter negativer Zusammenhang zwischen
der Bevölkerungsdichte und der Fremdenverkehrsintensität eines Luftkurortes konnte
hier nachgewiesen werden. Der Korrelationskoeffizient wurde im Untersuchungsjahr
1993 mit - 0,2100 und in 1997 mit – 0,3038 berechnet. Orte mit geringerer Bevölke-
rungsdichte werden demnach anscheinend von den Gästen bevorzugt, während die mit
höherer Dichte benachteiligt werden. Einsichtig ist, daß Orte mit geringster Dichte von
Gästen kaum berücksichtigt werden, da hier infrastrukturelle Grundeinrichtungen des
Fremdenverkehrs kaum existieren.
Weil der statistische Zusammenhang zwischen der Fremdenverkehrsintensität und der
Bevölkerungsdichte schwächer ausfällt als der zwischen der Fremdenverkehrsintensität
und der Einwohnerzahl, wird der Bevölkerungsdichte als Bewertungselement der Vor-
zug gegeben.
Problematisch erweist sich aber die Festsetzung eines anzustrebenden Sollwertes. Wel-
che Klasseneinteilung ist vorzunehmen? Bis zu welcher Bevölkerungsdichte wird der
Ort als vorteilhaft für den Erholungszweck angesehen, ab welcher Größe entstehen die
nachteiligen Folgen? Hier liegen keine verwertbaren Untersuchungsergebnisse vor. In
Anbetracht der geführten Diskussion bietet es sich an, das Minimum der aufsteigend
sortierten Meßreihe als geeigneten Sollwert heranzuziehen. Meßwerte, die kleiner als
der Sollwert ausfallen, werden als fördernd, die größer als der Sollwert ausfallen, wer-
den als behindernd bewertet.
Auffälligkeiten in der Bevölkerungsstruktur
In einigen Luftkurorten waren soziale Spannungen zwischen der ursprünglich heimi-
schen Bevölkerung und den in größerer Zahl zugewiesenen Aussiedlern deutlich spür-
bar. Im Rahmen dieser Untersuchung konnte nicht geprüft werden, ob sich der Auslän-
deranteil, wie allgemein angenommen, auch weiterhin negativ auf das Fremdenver-
kehrsgeschehen eines Ortes auswirkt. Entscheiden sich Erholungsgäste nicht für einen
Wiederholungsbesuch in einem Luftkurort, wenn Ihnen ein auffallender Ausländerbe-
satz im Ort in Erinnerung geblieben ist? Bei der Bearbeitung dieses Problemkreises
86
______________________________________________________________________
müßte sicherlich zwischen Aussiedlern, Asylsuchenden und Gastarbeitern unterschieden
werden.
Es konnten auch keine Untersuchungen durchgeführt werden, die möglicherweise be-
nachteiligte Luftkurorte ausweisen, weil sich z. B. Haftanstalten oder Spezialkliniken
für physisch oder psychisch kranke Menschen in der Gemeinde befinden.
2. Gästedichte
Die Gästedichte wird berechnet durch einen Quotienten aus der Anzahl Ankünfte als
Zähler und dem Produkt aus Bettenbelegung in Tagen und der Flächengröße der Ge-
markung als Nenner (vgl. Verzeichnis abgeleiteter FV-Kennziffern, S. VIII). Somit steht
eine Vergleichsgröße als Anzahl Gäste je Belegungstag und je qkm zur Verfügung.
Die in diesem Bewertungsverfahren als abhängige Variable gesetzte Fremdenver-
kehrsintensität berücksichtigt zwar indirekt über die Anzahl Übernachtungen pro 100
Einwohner das Gästeaufkommen, doch dieses Bewertungselement allein ist wenig ge-
eignet, Aussagen über die Gästedichte eines Ortes zu treffen. Es ist anzunehmen, daß
viele potentielle Besucher gerade in Luftkurorten keinen Massentourismus erwarten und
vielleicht aus diesem Grund einen bestimmten Ort bevorzugen. Wenn auch ein kausaler
Zusammenhang zwischen einer hohen Fremdenverkehrsintensität und einer hohen Gä-
stedichte einsichtig wäre, könnte dennoch in den vorliegenden Meßreihen ein sicherer
statistischer Zusammenhang nicht bestätigt werden (vgl. Tabelle 11, S. 95).
Eine relativ hohe Gästedichte kann als Wertschätzung der Gäste für den betroffenen Ort
herangezogen werden. Problematisch wird die Festlegung eines anzustrebenden Soll-
wertes, da beim Überschreiten einer bestimmten Schwelle sich die Sympathiebekun-
dung durch Gäste schnell umkehren kann. Da aber in Luftkurorten Maßstäbe aus dem
Massentourismus noch keine Gültigkeit haben, wird das Maximum der Meßreihe als
idealer Wert herangezogen.
3. Beschäftigte im II. Wirtschaftssektor
In der Literatur sind zahlreiche Hinweise zu finden, die einen negativen Zusammenhang
zwischen der Entwicklung des Fremdenverkehrs und dem Industriebesatz einer Region
darstellen. So meint HARD, daß Industriebetriebe die Landschaft verunstalten (HARD
1970, S. 86). Auch Lärm und Abgase werden sich negativ auf den Tourismus auswir-
87
______________________________________________________________________
ken. Geringer Industriebesatz in einer Region gilt als positives Faktum für den Frem-
denverkehr (SCHULZE-GÖBEL 1972, S. 240).
Industriearbeitsplätze geben den Beschäftigten kurz- bis mittelfristig relativ sichere und
lohnende Arbeitsplätze. Zusätzliche Nebenerwerbsquellen sind bei den Erwerbstätigen
der Industrie wenig gefragt, ein Grund, der zu vielen Schließungen von Privatpensionen
in der heutigen Zeit führt.
Wenn es hier darum geht, Kennzahlen für die weitere Entwicklung und Sicherung des
Fremdenverkehrs zu erarbeiten, dann können sich hohe Anteile an Beschäftigten im
Produzierenden Gewerbe und an Auspendlern eines Ortes nur negativ auf den Bestand
des Fremdenverkehrs auswirken. Dabei sollte aber nicht übersehen werden, daß ein ge-
wisser Anteil an Industriearbeitsplätzen auch in Fremdenverkehrsregionen unbedingt er-
forderlich ist, damit aus regionalökonomischer Sicht ein notwendiges Bruttosozialpro-
dukt sichergestellt werden kann.
Bei welchem Anteil des Produzierenden Gewerbes bzw. bei welchen Auspendlerzahlen
entsteht ein negativer Einfluß auf die Fremdenverkehrsentwicklung? Allgemeingültige
Antworten auf diese Frage liegen nicht vor. Eine weitere Problematik liegt darin, daß für
die zu bewertenden Luftkurorte* keine Beschäftigungsstruktur der arbeitenden Bevölke-
rung vorliegt. Es können nur die Daten der Stadt bzw. der Gemeinde insgesamt berück-
sichtigt werden. Eine Erfassung der Zahlen in den Luftkurorten* könnte aus daten-
schutzrechtlichen Gründen auch nur von amtlicher Seite erfolgen. Trotz aller Schwie-
rigkeiten dürfte eigentlich nicht auf dieses Merkmal verzichtet werden. Deshalb wird
hier hilfsweise auf den Median der Meßreihe Anteil an Beschäftigten im Produzierenden
Gewerbe, bezogen auf die gesamte Stadt bzw. Gemeinde, zurückgegriffen (1993: 34,85
%; 1997: 32,50 %). Werte, die in einem Luftkurort kleiner als der Median ausfallen,
werden als förderlich, Werte, die über dem Median liegen, werden als nachteilig einge-
stuft.
4. Sonstige Kennzahlen
Auch im sozioökonomischen Bereich gibt es Bewertungselemente, die wegen des in
dieser Untersuchung festgestellten Zusammenhangs mit der Fremdenverkehrsintensität
als abhängige Variable des Bewertungssystems nicht berücksichtigt werden können.
Dazu gehören die Merkmale
- Gastronomieumsatz
88
______________________________________________________________________
- Übernachtungsumsatz
- Einzelhandelsumsatz
- Sonstiger Umsatz
- Fremdenverkehrsumsatz insgesamt
- Fremdenverkehrswertschöpfung
- Fremdenverkehrswertschöpfungsindex.
3.2.5 Bewertungselemente zur Lage und Erreichbarkeit
Bei der Auswahl eines Urlaubsortes spielt die Erreichbarkeit eine bedeutende Rolle. Es
ist heute im Zeitalter einer hohen Mobilität nicht mehr die Entfernung zwischen Wohn-
und Urlaubsort ausschlaggebend, sondern es wird die Einbindung des Zielortes in das
Verkehrsnetz als weitaus wichtiger angesehen. Da in Deutschland bisher für den natio-
nalen Tourismus kaum Flugreisen nachgefragt werden, spielt die Entfernung des Zie-
lortes zum nächsten Regionalflughafen noch keine bedeutende Rolle. Entscheidend sind
die Verbindungen auf Straßen und Schienen. Daraus ergeben sich die beiden nachfol-
genden Bewertungselemente: Entfernung von der nächsten Autobahnabfahrt, Entfer-
nung vom nächsten Bahnhof.
Wer nicht mit dem eigenen PKW anreist, ist am Urlaubsort auf das Netz des öffentli-
chen Personennahverkehrs (ÖPNV) angewiesen. Die Mobilität dieser Gäste wird ent-
scheidend von der Einbindung des Aufenthaltsortes in das Netz des ÖPNV beeinflußt.
Es ist einsichtig, daß die Attraktivität eines Ortes durch eine hohe Anzahl von Bus- und
Bahnverbindungen gesteigert oder durch eine geringe Anzahl verringert werden kann.
Da der ÖPNV in den zu untersuchenden Luftkurorten hauptsächlich durch den Linien-
busverkehr getragen wird, ist eine Erfassung und Bewertung der An- und Abfahrten von
Bussen, getrennt nach Werktagen, Samstagen und Sonn- und Feiertagen sinnvoll.
Grundlage für die Erfassung der Bewegungen waren die verschiedenen Busfahrpläne.
Nur vier Luftkurorte verfügen im Nahbereich (Radius < 5 km) über eine gut ausgebaute
Bahnstation mit täglich mehr als 10 Zugankünften und Zugabfahrten. Auch diese Ab-
fahrten bzw. Ankünfte werden bei der Erfassung der Aktionen des ÖPNV der betroffe-
nen Orte berücksichtigt.
89
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1. Nächste BAB-Anschlußstelle
Es wurde die Entfernung zwischen der nächsten Autobahnabfahrt und dem zu bewer-
tenden Ort in km ermittelt. In Ermangelung eines nachgewiesenen Maßstabs sollen sich
Entfernungen bis zu 10 km positiv auswirken, weitere Entfernungen wirken sich negativ
in der Bewertung aus. Die Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm werden an dieser
Stelle nicht berücksichtigt. Sie finden ihren Ansatz im Kap. Negativfaktoren (vgl.
3.2.6).
2. Nächster Bahnhof
Ein Bahnhof im Nahbereich kann sich förderlich auf die Verkehrseinbindung eines Or-
tes auswirken, bringt aber auch Nachteile für einen Kurort mit sich, z. B. durch Lärm-
belästigung. Die Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm werden an dieser Stelle nicht
berücksichtigt. Sie finden ihren Ansatz im Kap. Negativfaktoren (vgl. 3.2.6).
Bei der hier durchgeführten Bewertung wird die Entfernung zwischen dem nächstgele-
genen Bahnhof im Personenverkehr und dem zu bewertenden Ort in km ermittelt. Auch
hier fehlt in der Literatur eine bestätigte Bewertungsgrundlage. Entfernungen bis zu 5
km sollen sich bei der Bewertung positiv auswirken, weitere Entfernungen wirken sich
negativ in der Bewertung aus.
3. Anzahl ÖPNV-Aktionen
Abfahrten und Ankünfte von Bussen und Bahnen im ÖPNV werden von den Betriebs-
gesellschaften differenziert nach Werktagen, Samstagen und Sonntagen angeboten.
Deshalb sollen in dieser Untersuchung auch die ÖPNV-Aktionen in drei Bewertungs-
elementen getrennt nach Werktag, Samstag und Sonntag erfaßt werden. Im Durch-
gangsverkehr steht jeder Fahrplaneintrag für zwei Aktionen: eine Ankunft aus der zu-
rückgelegten Richtung und eine Abfahrt in die geplante Richtung. Im Ort beginnende
bzw. im Ort endende Linien zählen als einfache Aktion. Die Analyse aller Linien der
Bus- und Bahnfahrpläne eines Luftkurortes* liefert die gewünschte Anzahl ÖPNV-
Aktionen. Bei jedem dieser Bewertungselemente ist es naheliegend, als anzustrebenden
Sollwert für alle Untersuchungsorte jeweils das Maximum der Anzahl ÖPNV-Aktionen
vorzugeben.
90
______________________________________________________________________
3.2.6 Negativfaktoren
Bei den Untersuchungen vor Ort zeigten sich mindestens drei Bewertungselemente, die
sich sofort negativ auf die Entscheidungen der Erholungssuchenden zum Nachteil eines
Luftkurortes auswirken können: Lärmbeeinträchtigungen im Kurgebiet, Mängel im
Ortsbild und Beeinträchtigungen durch angesiedelte Industrie- und Gewerbebetriebe.
Nennenswerte Natur- und Landschaftsschäden konnten bei den Ortsbegehungen nicht
festgestellt werden. Sie werden in das hier entwickelte mikrostrukturelle Bewertungs-
modell daher nicht eingefügt.
1. Lärmbelästigung
Die Lärmbelästigung und die damit verbundene Störwirkung auf die Menschen in Kur-
orten hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nach GILGEN haben als wichtige Faktoren
zu gelten:
- Schallpegel oder Lärmpegel
- Dauer des einzelnen Lärmereignisses
- Häufigkeit der Lärmereignisse
- Subjektive Beurteilung und individuelle Empfindlichkeit (GRANDJEAN / GILGEN
1973, S. 121).
Der Schall- oder Lärmpegel wird bestimmt durch den Schalldruck. Der Schalldruckpe-
gel wird in Dezibel (db) gemessen. Um die empfundene Lautstärke annähernd genau er-
fassen zu können, werden bewertete Lärmpegel herangezogen. Am häufigsten wird die
Bewertung nach der db(A)-Kurve durchgeführt, bei der sich der gemessene Lärmpegel
fast proportional zu der subjektiven Hörempfindung verhält (nach GRANDJEAN /
GILGEN 1973, S. 123). Auch in dieser Untersuchung wird die Messung des Lärmpegels
gemäß db(A)-Maßstab vorgenommen.
Lärm kann vielerlei Ursachen haben: Lärm durch den Straßenverkehr, durch Ferti-
gungsprozesse in Gewerbe- und Industriebetrieben, durch Baumaßnahmen, durch Mas-
senveranstaltungen, durch Sportereignisse, durch Schießübungen auf Truppenübungs-
plätzen oder Lärm durch den Flugverkehr in der Nähe von Zivil- oder Militärflughäfen
sowie in den sogenannten Flugschneisen. Beim Lärm durch den Straßenverkehr könnte
91
______________________________________________________________________
noch unterschieden werden, ob die Lärmquelle bei den Durchgangsstraßen oder bei den
Umgehungsstraßen liegt. Bei der Festlegung von Immissionsrichtwerten muß auch nach
Nutzungszonen differenziert werden. In Deutschland sind unterschiedliche Planungs-
richtpegel für Baugebiete zu beachten:
Planungsrichtpegel
Baugebiet tags db(A) nachts db(A)
Reines Wohngebiet,
Wochenendhausgebiet 50 35
Allgemeines Wohngebiet,
Kleinsiedlungsgebiet 55 40
Dorfgebiet, Mischgebiet 60 45
Kerngebiet, Gewerbegebiet 65 50
Industriegebiet 70 70
(nach GRANDJEAN / GILGEN 1973, S. 214).
BRUCKMAYER und LANG haben bei ihrer Festlegung von Lärmgrenzwerten noch ei-
ne stärker differenzierte Gebietseinteilung vorgenommen:
Pegelwerte
Gebietseinteilung Eignung des Gebietes tags
db(A) nachts
db(A)
Kurgebiete, Verkehrsbeschränkung Ruhe 41 36
Wohngebiet, verkehrsarme Lage Wohnen ruhig 46 36
Wohngebiet, mittlere Verkehrslage Wohnen, weniger ruhig 51 43
Wohngebiete mit Büros und Ge-
schäften, verkehrsreiche Lage Wohnen und Büros 56 50
Büro- und Geschäftsgebiet im
Stadtkern, erheblicher Geschäftsver-
kehr
Stadtkern (City) 61 57
Gewerbe- und Industriegebiet, er-
heblicher Lastverkehr Industrie 66 63
Verkehrsgebiet, erheblicher Orts-
verkehr Hauptstraßen 71 63
Verkehrsgebiet, erheblicher Durch-
gangsverkehr Hauptverkehrsstraßen 76 63
Verkehrsgebiet, starker und schwe-
rer Durchgangsverkehr Hauptverkehrsadern 81 81
(nach GRANDJEAN / GILGEN 1973, S. 212).
Als unbestritten gilt die Feststellung, daß ein starker Durchgangsverkehr von den Urlau-
bern als störend empfunden wird (KIEMSTEDT / ZEH 1971, S. 25). Chr. BECKER
konnte statistisch nachweisen, daß ein negativer Zusammenhang zwischen dem Durch-
gangsverkehr und der Fremdenverkehrsintensität besteht (BECKER, Chr. 1976, S. 88).
92
______________________________________________________________________
Auch der Schienenverkehr kann sich störend auf einen Urlaubsort auswirken, wenn z. B.
dort täglich mehr als 100 Züge vorbeifahren.
Für Erholungssuchende wirkt sich eine Lärmbelästigung besonders störend aus, vor al-
lem dann, wenn die Belästigung auch im Kurgebiet eines Luftkurortes deutlich wahr-
nehmbar ist. Da menschliche Wahrnehmung immer subjektiv beeinflußt ist, müssen re-
produzierbare Pegelwerte von 36 – 41 db(A) als Maß für ein Kurgebiet herangezogen
werden.
Zur Beurteilung der Lärmbelästigung wurde ein zentraler Standort im Kurpark ausge-
wählt. Die im Jahre 1993 vorgenommene Bewertung entstand auf der Grundlage einer
einmaligen menschlichen Wahrnehmung an einem Werktag in der Hauptsaison um ca.
10.30 Uhr bzw. 14.30 Uhr über einen Zeitraum von 30 Minuten. Diese Art der Erfas-
sung erwies sich als sehr subjektiv und unzureichend. Deshalb wurde bei der erneuten
Bewertung im Jahre 1997 ein elektronisches Schallpegelmeßgerät eingesetzt. Die Meß-
stationen, -zeiten und die Dauer wurden im Jahre 1997 nicht geändert. Nach dieser Me-
thode konnten leider Dauer und Häufigkeit von besonderen Lärmereignissen nicht de-
tailliert erfaßt werden. Eine optimale und objektive Beurteilung von Lärmverhältnissen
in Kurorten ließe sich nur vornehmen, wenn für alle Orte Dauermeßergebnisse (24 Std.,
365 Tage) vorlägen.
Maß-
zahl Schallpegel in
db(A)
von bis
Zustände
4
> 55
Sehr hoher Störfaktor: täglicher Fluglärm, ständiger Lärm
aus Industriebetrieben, sehr starker Lärm durch den Stra-
ßenverkehr, durch den Schienenverkehr, sehr starker Lärm
durch Militärstandorte.
3
50 – 60
Hoher Störfaktor: störender Fluglärm an Werktagen, Lärm
aus Industriebetrieben zu bestimmten Zeiten, Lärm durch
den Straßenverkehr zu Stoßzeiten (morgens zum Arbeits-
beginn, nachmittags zum Feierabend), Lärm durch den
Schienenverkehr, Militärstandorte
2
45 – 55
Mäßige Störungen: gelegentlicher Fluglärm, gelegentlicher
Lärm aus Industriebetrieben, mäßiger Lärm durch Straßen-
und Schienenverkehr, Militärstandorte, lärmende Kinder
aus Schulen und Kindergärten während der Pausen.
1
40 –50
Geringe Störungen: seltener Fluglärm, kein Lärm aus Indu-
striebetrieben, kaum Lärm durch den Straßen- und Schie-
nenverkehr, oder aus nahegelegenen Schulen und Kinder-
gärten
0 < 40 Keinerlei Beeinträchtigungen
93
______________________________________________________________________
(Zustandsbeschreibungen teilweise in Anlehnung an SCHEFFEL 1993, S. 193)
Auf der Basis der beschränkten Möglichkeiten in dieser Untersuchung und entsprechend
der örtlichen Vorkommnisse ist die vorstehende Bewertungstabelle entstanden. Sie er-
möglicht für beide Untersuchungsjahre die Festsetzung von Maßzahlen der in allen
Luftkurorten* festgestellten Lärmbelästigungen. Bei der Vorgabe der Maßzahlen ist zu
beachten, daß der Wert 4 für die stärkste und der Wert 0 für die geringste Lärmbelästi-
gung in den Untersuchungsorten steht.
2. Ortsbild
Es gilt als unbestritten, daß sich die Bausubstanz und das gesamte Ortsbild eines Luft-
kurortes auf die Zufriedenheit der Erholungsgäste auswirken und die Entscheidung für
einen erneuten Aufenthalt in diesem Ort erheblich beeinflussen. Der gewonnene opti-
sche Eindruck und die erlebte Atmosphäre eines Ortes wirken bei dem Gast auch da-
heim noch nach. Ein gepflegtes Ortsbild bleibt nachhaltig in seiner Erinnerung.
Bei der Bewertung des Ortsbildes wurde der nachfolgende Rahmen zugrunde gelegt:
Wert 0 = Sehr gutes regionsspezifisches, sehr sauberes und gepflegtes Ortsbild mit at-
traktivem innerörtlichen Kommunikationsbereich (Park, Wiesen), gewachsene,
historisch geprägte Baustruktur, viele Baudenkmale, naturbelassene Bachläufe,
keinerlei Ortsbildmängel.
Wert 1 = Gutes regionsspezifisches Ortsbild, einige Baudenkmale, wenig störende
Dachlandschaften, keine Industriebetriebe, ansprechende innerörtliche Kom-
munikationszone, sauber und gepflegt.
Wert 2 = Gutes Ortsbild nur im Zentrum, sonst nur mittelmäßiges Ortsbild, kleine Ge-
werbe- und Industrieflächen am Ortsrand, uneinheitliche Fassadengestaltung,
einige Baulücken.
Wert 3 = Wenig ansprechendes Ortsbild, wenig Bausubstanzpflege, einzelne leerstehen-
de Gebäude, wenig attraktive Dorfränder, gestörte Silhouette.
Wert 4 = Schlechte Integration in die Landschaft (Bausünden), unattraktive Ortsränder,
ausgeprägte störende Dachlandschaft, teilweise verfallene, leerstehende Häu-
ser.
(teilweise in Anlehnung an SCHEFFEL 1993, S. 194)
94
______________________________________________________________________
Die hier gewählte Ordnung (0 = bester Wert, 4 = schlechtester Wert) ergibt sich aus der
Einordnung dieses Bewertungsmerkmals in das Kapitel Negativfaktoren. Der niedrigste
Wert wird aus dieser Sicht mit keinen Mängeln und der höchste Wert mit zahlreichen
Mängeln verbunden.
Die hier vorgenommene Bewertung entstand auf der Grundlage einer mindestens ein-
maligen Begehung des Ortes je Untersuchungsjahr in der Hauptsaison. Sie muß daher
zunächst als subjektiv und mit Vorbehalten eingestuft werden.
3. Nachteile durch Industrie- bzw. Gewerbeansiedlung
Zunächst muß erneut die Existenz von Industrie- bzw. Gewerbearbeitsplätzen in einer
Gemeinde aus ökonomischer Sicht hervorgehoben werden. Auch wenn nach HARD In-
dustriebetriebe die Landschaft verunstalten, so können Industrie- und Gewerbebetriebe
dennoch so angeordnet sein, daß sie weder dem Ortsbild oder Natur und Landschaft
schaden noch der Fremdenverkehrsentwicklung des Ortes wesentliche Nachteile zufü-
gen.
Es sind im Rahmen der Regionalplanung nur solche Betriebe anzusiedeln, die die An-
forderungen einer Fremdenverkehrsverträglichkeit erfüllen. Vor allem muß darauf ge-
achtet werden, daß eine Erhöhung der Lärmpegel unterbleibt, sei es direkt durch die
Produktionsgeräusche oder indirekt über einen verstärkten Gütertransport, und in jedem
Fall keine weitere Luftverunreinigung vorgenommen wird.
Die Bewertung der Nachteile eines Ortes durch Industrie- und Gewerbebetriebe stützt
sich auf die in Anspruch genommenen Flächenanteile einer Gemarkung für Industrie-
und Gewerbebetriebe und die in einer jährlich mindestens einmal persönlich vorge-
nommenen Ortsbegehung in der Hauptsaison wahrgenommenen subjektiven Eindrücke.
Der nachfolgende Bewertungsrahmen wurde angewandt:
Maßzahl Zustände
4Sehr hoher Störfaktor: Industrie- und / oder Gewerbebetriebe
- sind an vielen unterschiedlichen Stellen des Ortes großflächig und
verstreut angesiedelt,
- liegen unmittelbar an benachbarten Erholungs- und Freizeitflächen,
- werden ständig von Schwerlastfahrzeugen angefahren,
- verursachen sehr hohe Emissionen und Immissionen
Eisenbahnanbindungen mit unbeschrankten Bahnübergängen und viel-
fach roten Ampeln stören den innerörtlichen Verkehr
3Hoher Störfaktor: Industrie- und / oder Gewerbebetriebe
95
______________________________________________________________________
- sind an einigen unterschiedlichen Gebieten des Ortes verstreut ange-
siedelt,
- liegen in der Nähe von Erholungs- und Freizeitflächen,
- werden gelegentlich von Schwerlastfahrzeugen angefahren,
- verursachen hohe Emissionen und Immissionen
Eisenbahnanbindung mit unbeschranktem Bahnübergang und roter Am-
pel stört den innerörtlichen Verkehr
2Mäßiger Störfaktor: Industrie- und / oder Gewerbebetriebe
- sind in einem Gebiet des Ortes angesiedelt,
- liegen in der Nähe von Erholungs- und Freizeitflächen,
- werden selten von Schwerlastfahrzeugen angefahren,
- verursachen Emissionen und Immissionen
Eisenbahnanbindung mit unbeschranktem Bahnübergang und roter Am-
pel stört nur gelegentlich den innerörtlichen Verkehr
1Geringer Störfaktor: Industrie- und / oder Gewerbebetriebe
- sind in einem Gebiet des Ortes angesiedelt,
- werden selten von Schwerlastfahrzeugen angefahren,
verursachen geringfügig Emissionen und Immissionen
0Keinerlei Beeinträchtigungen
3.2.7 Zusammenfassung
Im Kap. 3.2 waren nur die Strukturelemente als unabhängige Variablen zu diskutieren,
die in keinem statistisch nennenswerten Zusammenhang zur gewählten abhängigen Va-
riablen, der Fremdenverkehrsintensität, stehen. Als Maß für einen statistischen Zusam-
menhang wurde der berechnete Korrelationskoeffizient r zwischen der abhängigen und
unabhängigen Variablen berücksichtigt.
Tabelle 11 : Korrelationskoeffizienten, Sortierungsarten, Sollwerte
Lfd.
Nr. Merkmal
Art der Meß-
reihe
Korrelations-
koeffizient r
1993
Korrelations-
koeffizient r
1997
Sortierung
Sollwert
1 Waldrand in m/qkm Maßzahl 0,0171 0,0171 ab Maximum
2 LNF in % % -0,2933 -0,2933 auf Minimum
3 Wasser- und Erholungsfläche in % % -0,1409 -0,1409 ab Maximum
4 Gewässerrand in m/qkm Maßzahl 0,2900 0,2900 ab Maximum
5 Bebaute Fläche in % % -0,2937 -0,2937 auf Minimum
6 Höhenunterschied Wertziffer -0,0007 -0,0007 auf Minimum
7 Höhenlage Maßzahl 0,0548 0,0548 ab Maximum
8 Klima Wertziffer 0,0538 0,0538 ab Maximum
9 Lage/Erreichbarkeit des Kurparks Wertziffer 0,1520 0,1520 ab Maximum
10 Zustand des Kurparks Wertziffer -0,1276 -0,1344 ab Maximum
11 Haus des Gastes Wertziffer 0,1323 0,1186 ab Maximum
12 Kur- und Wanderwege Wertziffer 0,2725 0,5878 ab Maximum
96
______________________________________________________________________
13 Unterhaltungsangebot Wertziffer 0,0622 0,1974 ab Maximum
14 Weiterbildungsangebot Wertziffer -0,2034 -0,1149 ab Maximum
15 Kulturangebot Wertziffer 0,2364 0,2990 ab Maximum
16 Sportangebot Wertziffer -0,0422 -0,0327 ab Maximum
17 Fremdenverkehrsintensität Maßzahl ab Maximum
18 Aufenthaltsdauer Maßzahl 0,1596 0,1467 ab Maximum
19 Bettenauslastung der Meldebetriebe % 0,1260 0,2170 ab Maximum
20 Komfortzimmeranteil % 0,2584 0,2895 ab Maximum
21 Durchschn. Bettenanzahl in meldepfl.
Beherbergungsbetrieben Maßzahl -0,023 -0,0385 auf Median
22 Bettenanteil der Kleinbetriebe % 0,2477 0,2661 auf a. Mittel
23 Gastronomiequalität Wertziffer -0,1525 -0,1252 ab Maximum
24 Einkaufsmöglichkeiten Wertziffer -0,2600 -0,2506 ab Maximum
25 Bevölkerungsdichte Maßzahl -0,2100 -0,3038 auf Minimum
26 Gästedichte Maßzahl -0,0124 0,0479 ab Maximum
27 Beschäftigte im II. Sektor % -0,0183 -0,0568 auf Median
28 nächste BAB-Abfahrt Maßzahl 0,2803 0,2178 ab Festwert
29 nächster Bahnhof Maßzahl 0,2462 0,2863 ab Festwert
28 Anz. ÖPNV-Aktionen (Werktag) Maßzahl -0,2510 -0,2386 ab Maximum
29 Anz. ÖPNV-Aktionen (Samstag) Maßzahl -0,2289 -0,2519 ab Maximum
30 Anz. ÖPNV-Aktionen (Sonntag) Maßzahl -0,2017 -0,2894 ab Maximum
31 Lärmbelästigung im Kurpark Wertziffer -0,2343 -0,2465 auf Minimum
32 Ortsbildmängel Wertziffer -0,2671 -0,2474 auf Minimum
33 Neg. Einflüsse d. Gewerbe/Industrie Wertziffer -0,2094 -0,2502 auf Minimum
Quellen : vgl. Urdaten, eigene Bewertungen und Berechnungen
Damit ist sichergestellt, daß es in der Modellstufe 2 des Bewertungsverfahrens zu kei-
nen ungewollten Vervielfältigungseffekten kommt. Dieses Ausschlußverfahren ist für
den Einzelkriterienvergleich in allen Luftkurorten* nicht zwingend erforderlich, da in
dieser Phase jeweils nur ein Element berücksichtigt wird. Da das vorzustellende Be-
wertungsmodell für Luftkurorte* aber in jeder Stufe mit einer Zusammenfassung aller
Faktoren abschließt und ein Vergleich der Ergebnisse beider Stufen angebracht er-
scheint, müssen auch in der Modellstufe 1 die gleichen Auswahlkriterien berücksichtigt
werden.
Bei der Vergabe von Wertziffern konnten zwei Standpunkte bezogen werden: Die
größte Wertziffer steht für das beste Ergebnis, die kleinste für das schlechteste Ergebnis
oder umgekehrt. In der Modellstufe 1 des vorzustellenden Bewertungsmodells für Luft-
kurorte* soll mit Rängen gearbeitet werden. Dort wird der kleinste Rang (1.Rang) als
das beste und der größte Rang als das schlechteste Ergebnis angesehen. Es spricht eini-
ges dafür, bei der Vergabe von Wertziffern diese Rangordnung zu berücksichtigen. Da-
gegen spricht die zwingend notwendige Berücksichtigung der Maßzahlen im Bereich
Natur und Landschaft oder im Bereich Beherbergung und Versorgung, die der Ord-
nungsrelation von Maßzahlen unterliegen. Es gelingt deshalb nicht, im gesamten Be-
wertungsmodell eine einheitliche Ordnung für alle Bewertungselemente zu erklären.
97
______________________________________________________________________
Um wiederholende Formulierungen zu vermeiden und aus Vereinfachungsgründen wer-
den deshalb für alle verwendeten Bewertungselemente in der Tabelle 11, S. 95 der Kor-
relationskoeffizient r bezüglich der Fremdenverkehrsintensität als abhängige Variable,
die Art der Sortierung und das beste Ergebnis (Sollwert) aufgeführt. Als Sollwerte kön-
nen die absoluten Maxima oder die absoluten Minima der Meßreihen (jeweilige Aus-
prägungen der Kriterien in allen Luftkurorten*) bestimmt werden. Es gibt in der Unter-
suchung aber auch Meßreihen, in denen der beste Wert noch nicht überzeugend festge-
legt werden kann. Dazu gehören die durchschnittliche Bettenzahl in Meldebetrieben, der
Bettenanteil der Kleinbetriebe, die Beschäftigten im II.Sektor, die nächste BAB-Abfahrt
und der nächste Bahnhof.
In Ermangelung weiterer Kenntnisse oder Untersuchungen ist dann der Median oder
einmal auch das arithmetische Mittel der jeweiligen Untersuchungsergebnisse als bester
Wert festgesetzt worden.
98
______________________________________________________________________
3.3 Modellstufe 1: Rangfolgeverfahren
Wie im Kapitel Methoden näher erläutert, wurde für alle Luftkurorte* Nordrhein-
Westfalens eine detaillierte Analyse des Übernachtungsfremdenverkehrs in den Unter-
suchungsjahren 1993 und 1997 vorgenommen. Die erhobenen Daten bilden die Grund-
lage für das mehrstufige Modell zur Bewertung des touristischen Geschehens in Luft-
kurorten*.
In der Modellstufe 1 werden zunächst Einzelkriterien aus dem Gesamtkomplex des Un-
tersuchungsgegenstandes miteinander verglichen. In dieser Untersuchung sind für jeden
Untersuchungsort 33 Elemente zu berücksichtigen, die in sechs Komplexen zusammen-
gefaßt worden sind. In Vergleichen können die Relationen größer, kleiner oder gleich
auftreten. Bei der Auswertung der Analyse eines Merkmals entsteht durch den Vergleich
der vorliegenden 23 Einzelwerte (= 23 Luftkurorte*) eine geordnete Zahlenfolge. Je
nach Wirkung und Ausprägung des untersuchten Merkmals kann dem ersten Wert der
Folge der beste Rang oder der schlechteste Rang zugewiesen werden. Aus dieser Zuwei-
sung entsteht eine Rangfolge. Da bei der Auswertung aller Merkmale viele Rangfolgen
bearbeitet werden müssen, benenne ich diesen Vorgang zusammenfassend mit dem Be-
griff Rangfolgeverfahren. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in der Fachwissenschaft für
diese Art der Bearbeitung von Daten andere Termini vergeben worden sind. Der hier
verwendete Begriff Rangfolgeverfahren beschreibt m. E. genau die gewählte Vorge-
hensweise und wird deshalb bevorzugt.
Alle Analysekriterien wurden vorab auf ihre statistischen Zusammenhänge untereinan-
der mittels Korrelationsrechnungen untersucht. Die in diesem Kapitel bearbeiteten Be-
wertungskriterien sind frei von signifikanten statistischen Zusammenhängen mit der
Fremdenverkehrsintensität.
Die Wirkungen des Einzelkriteriums werden in jedem prädikatisierten Ort analysiert
und zu Vergleichszwecken mit einer Maßzahl versehen. Die vergebenen Maßzahlen
werden je nach Kriterium und Wirkung aufsteigend oder absteigend sortiert. Dieser Pro-
zeß wiederholt sich für alle ausgewählten Kennzahlen in den Untersuchungsjahren 1993
und 1997.
Anschließend wird für jeden Ort eine Rangsumme aus den erreichten Rängen der Ein-
zelkriterien eines Bereiches berechnet. Die Rangsummen werden aufsteigend sortiert.
99
______________________________________________________________________
Der Ort mit der niedrigsten Rangsumme in einem Bereich erhält den ersten Summen-
rang, der mit dem schlechtesten Ergebnis erhält den letzten Rang.
In einem weiteren Arbeitsschritt des Rangfolgeverfahrens werden die erreichten Sum-
menränge der Bereiche für jeden beteiligten Ort summiert. Diese Rangsummen sind
ebenfalls aufsteigend zu sortieren. Der Ort mit dem niedrigsten Summenrang in dieser
Stufe gilt als bester Luftkurort in diesem Vergleichsverfahren.
Im Verfahren kommt es vor, daß bei Vorliegen gleicher Meßgrößen die gleiche Rang-
nummer mehrfach vergeben werden muß. Auf eine modifizierte Rangermittlung über
die arithmetischen Mittel wird verzichtet, da sie keine aussagekräftigeren Ergebnisse lie-
fert. Es kann deshalb in den verschiedenen Rangfolgen zu mehrfachem Gleichrang
kommen.
Das Rangfolgeverfahren ermöglicht neben dem direkten Vergleich einzelner Kriterien
mit unterschiedlichen Maßzahlen den Vergleich von Bereichen als zusammengefaßte
Einzelkriterien und auch den Vergleich von Gesamtheiten als zusammengefaßte Berei-
che. Es wird mit dem gewählten Verfahren möglich sein, z. B. für zwei unterschiedliche
Luftkurorte* die zusammengefaßten Ergebnisse des Komplexes Beherbergung und Ver-
sorgung gegenüber zu stellen, um so für diesen Bereich Stärken oder Schwächen zu lo-
kalisieren.
Damit der Leser auf einen Blick die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchungen er-
kennen kann, wurde der beste und der schlechteste Rang in jeder Spalte der Rangfolge-
tabellen durch besondere Randmarkierung hervorgehoben.
Zur Klarstellung sei darauf hingewiesen, daß sich die Analyse in diesem Kapitel aus-
schließlich auf die prädikatisierten Ortsteile der Luftkurorte bezieht. Das gilt auch für
Rödinghausen und Willebadessen (siehe Anmerkung auf S. 30). Die Ortsteile werden
nachfolgend weiter aus Vereinfachungsgründen wie bisher mit Luftkurorte* benannt.
3.3.1 Komplex ´ Natur und Landschaft ´
Die Gemarkungsgrößen der Luftkurorte sind zur Berechnung der relativen Anteile für
Wald, landwirtschaftliche Nutzfläche (LNF), Wasser- und Erholungsfläche und bebaute
Fläche erforderlich und werden deshalb in Tabelle 12, S. 100, Spalte 3, als Rangfolge
der absteigenden Sortierung aufgeführt. Schm.-Nordenau erhielt so bei der Gemar-
kungsgröße den 17. Rang.
100
______________________________________________________________________
Aus den Angaben der zuständigen Katasterämter sind die relativen Anteile der LNF und
der bebauten Fläche der beteiligten Gemarkungen in % berechnet worden. Die Ergeb-
nisse sind aufsteigend sortiert worden. Schm.-Nordenau erzielte bei der Meßreihe LNF
den 1. Rang und bei der bebauten Fläche den 2. Rang.
Tabelle 12 : Rangfolgen im Komplex ´ Natur und Landschaft ´
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Gemarkungs-
fläche
Waldrand
LNF
Wasser-
Erholungsfläche
Gewässerrand
Bebaute Fläche
henunter-
schied
henlage
Klima
Rangsumme
Summenrang
18 Schm.-Nordenau 17 11 1 14 1 2 4 1 1 52 1
8 Ki.-Oberhundem 496 11 51 22 42642
19 Su.-Langscheid 18 5 4 1 2 19 6 7 3 65 3
5 Heimbach* 5 10 3 2 4 8 20 12 4 68 4
10 Le.-Saalhausen 11 14 2 12 3 5 23 6 2 78 5
4 Freudenberg* 15 4 5 8 10 20 5 9 3 79 6
17 Schm.-Grafschaft 7 6 8 21 9 6 19 3 2 81 7
3 Eslohe* 9 2 11 7 7 16 21 8 2 83 8
16 Schmallenberg* 10 3 10 13 8 18 18 5 2 87 9
20 Tecklenburg* 20 1 13 4 12 22 2 18 3 95 10
2 Brilon* 1 15 12 20 19 12 17 2 2 100 11
23 Willebadessen* 6 17 15 15 21 4 10 11 3 102 12
7 Hö.-Bruchhausen 14 12 16 9 23 3 8 19 4 108 13
21 Vlotho-Valdorf 3 8 22 22 16 9 7 16 5 108 14
11 Nieheim* 8 23 23 10 17 10 3 13 4 111 15
6 Holzhsn-Externsteine 19 16 7 23 18 7 12 10 2 114 16
1 Brakel* 2 20 17 17 20 11 11 17 5 120 17
14 Pr.-Börninghausen 16 7 18 18 15 14 9 20 3 120 18
13 Pr.-Holzhausen 12 18 20 6 11 17 16 23 3 126 19
22 Wa.-Germete 22 21 21 5 22 15 1 14 5 126 20
9 Lage-Hörste 13 22 14 19 14 13 13 15 4 127 21
15 Rödinghausen* 21 13 19 3 13 21 15 22 3 130 22
12 Pr. Oldendorf* 23 19 9 16 6 23 14 21 3 134 23
Bester Rang
Schlechtester Rang
Quellen: Top. Karten 1: 50 000, Katasterämter der Kreisverwaltungen, eigene Berechnungen
Mit der CD-ROM Top 50 des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen sind die
Waldrand- und Gewässerrandlängen der einzelnen Gemarkungen in m/qkm ermittelt
und absteigend sortiert worden. Die auf diese Weise gewonnenen Rangordnungen er-
101
______________________________________________________________________
scheinen in Tabelle 12, Spalte 4, Spalte 7. Auch die von den befragten Katasterämtern
angegebenen Wasser- und Erholungsflächen in %-Anteilen der jeweiligen Gemarkungs-
größen wurden absteigend sortiert. Schm.-Nordenau bekam bei der Waldrandlänge den
11. Rang, bei der Gewässerrandlänge den 1. Rang und bei den Wasser- und Erholungs-
flächen den 14. Rang.
Aus den topographischen Karten 1: 50 000 sind die Höhenunterschiede in der Umge-
bung der Luftkurorte* (Radius 2,5 km um den Ortskern) in m ermittelt worden. Die er-
faßten Werte sind aufsteigend sortiert worden. Das Ergebnis der Sortierung steht in
Tabelle 12, Spalte 9. Schm.-Nordenau bekam den 4. Rang.
Aus den topographischen Karten 1: 50 000 sind die mittleren Höhenlagen der Luftkur-
orte* in m bestimmt worden, da Gäste sich ihren Urlaubsort z. B. auch nach der Hö-
henlage aussuchen. Die Rangnummer als Ergebnis der absteigenden Sortierung wurde
für jeden Ort berechnet und in Tabelle 12, Spalte 10, vermerkt. Schm.-Nordenau erhielt
den 1. Rang.
Die in der Bioklimakarte nachgewiesenen Klimate der Untersuchungsorte wurden mit
einer Wertziffer versehen (siehe S. 64). Nach der absteigenden Sortierung der Wertzif-
fern ergibt sich für jeden Ort eine Rangnummer, die in Tabelle 12, Spalte 11, S. 100
vermerkt ist. Schm.-Nordenau erhielt den 1. Rang.
Aus allen Rängen der Einzelmerkmale wurde für jeden Untersuchungsort durch Additi-
on eine Rangsumme (Spalte 12) gebildet. Für Schm.-Nordenau ergibt sich 17 + 11 + 1 +
14 + 1 + 2 + 4 + 1 + 1 = 52. Die Rangsummenfolge aus Spalte 12 wurde anschließend
aufsteigend geordnet. Die niedrigste Rangsumme und damit den 1. Rang erreichte
Schm.-Nordenau, der schlechteste Rang fiel auf Pr. Oldendorf*.
Da sich in der Zeit von 1993 bis 1997 die Bewertungselemente des Komplexes ´ Natur
und Landschaft ´ nicht wesentlich verändert haben, bringt eine vergleichende Darstel-
lung der Bewertungsergebnisse aus den Jahren 1993 und 1997 keine neuen Erkenntnisse
zum gestellten Thema.
3.3.2 Komplex ´ Freizeitinfrastruktur ´
In dem Komplex ´ Freizeitinfrastruktur ´ waren die Merkmale Lage und Erreichbarkeit
des Kurparks, Zustand des Kurparks, Haus des Gastes, Wanderwege, Unterhaltungs-
102
______________________________________________________________________
und Weiterbildungsangebot für Feriengäste sowie das Kultur- und Sportangebot für Fe-
riengäste zu bewerten.
Tabelle 13 : Rangfolgen im Komplex ´ Freizeitinfrastruktur ´
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Lage / Erreichbarkeit
des Kurparks
Zustand des Kurparks
Haus des Gastes
Wandern / Wanderwe-
ge
Unterhaltungsangebot
Weiterbildungsange-
bot
Kulturangebot
Sportangebot
Rangsumme
Summenrang
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1Brakel* 444255332311229930 29 810
2 Brilon* 111155222233111116 16 11
3 Eslohe* 223334213314226622 25 47
4 Freudenberg* 222355333311115522 23 46
5 Heimbach* 112323223245223319 21 25
6 Holzhsn-Externst. 22343333335611
11 11 31 33 912
7 Hö.-Bruchhausen 11443333336733
13 13 36 37 11 15
8 Ki.-Oberhundem 334433113345227727 28 59
9 Lage-Hörste 33552211331111
13 13 29 29 710
10 Le.-Saalhausen 114355113367335528 28 69
11 Nieheim* 11443333335622
14 14 35 36 10 14
12 Pr. Oldendorf* 55667722335722
13 13 43 45 14 18
13 Pr.-Holzhausen 11222233224522
12 12 28 29 610
14 Pr.-Börninghausen 11455544446722
15 15 40 43 13 17
15 Rödinghausen* 11113333234533
10 10 27 29 510
16 Schmallenberg* 113444331111112216 17 12
17 Schm.-Grafschaft 112255223322114420 20 34
18 Schm.-Nordenau 114444212256118827 27 58
19 Su.-Langscheid 113211333356221119 19 23
20 Tecklenburg* 44455522332211
10 10 31 32 911
21 Vlotho-Valdorf 33342233334522
11 11 31 33 912
22 Wa.-Germete 33346633335633
12 12 38 40 12 16
23 Willebadessen* 11345533351122
13 13 31 34 913
bester Rang
Schlechtester Rang
Quellen: eigene Ortsaufnahmen, Bewertungen und Berechnungen
Da in Preußisch Oldendorf* kein Kurpark vorhanden und ein spärlich ausgestatteter, nur
gelegentlich geöffneter Rundpavillon als Haus des Gastes ausgewiesen ist, erhielt dieser
103
______________________________________________________________________
Luftkurort* in diesen Sparten den schlechtesten Rang, den ersten und damit besten Rang
erreichten mehrere Luftkurorte*.
In dem Komplex „Freizeitinfrastruktur“ fällt das besonders ausgeprägte Weiterbil-
dungsangebot der Luftkurorte* auf. Gleich fünf Luftkurorte* (Brakel,* Freudenberg*,
Lage-Hörste, Schmallenberg* und Willebadessen*) erreichten in den beiden Berichts-
jahren den ersten Rang.
Im Summenrang des Bereiches „Freizeitinfrastruktur“ wurde Brilon* in beiden Jahren
als bester und Preußisch Oldendorf* als schlechtester Luftkurort* ermittelt.
3.3.3 Komplex ´ Beherbergung und Versorgung ´
In diesem Komplex werden die Fremdenverkehrsintensität, die durchschnittliche Auf-
enthaltsdauer in Tagen, Bettenauslastung in meldepflichtigen Übernachtungsbetrieben,
durchschnittliche Bettenanzahl in meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben, Bettenan-
teil der nichtmeldepflichtigen Übernachtungsbetriebe gemessen an der Gesamtbettenan-
zahl des Ortes, prozentualer Anteil der Zimmer mit Komfortausstattung, die Gastrono-
miequalität und die Einkaufsmöglichkeiten erfaßt.
In beiden Untersuchungsjahren ergab die Berechnung der Fremdenverkehrsintensität
den höchsten und damit besten Wert für Schm.-Nordenau. Den schlechtesten Wert er-
reichte 1993 Brakel* und 1997 Willebadessen* . In Brakel* standen 1993 zahlreiche
Betten wegen Umbaumaßnahmen in Übernachtungsbetrieben nicht zur Verfügung. In
Willebadessen* kam in 1997 das touristische Geschehen fast zum Erliegen. Nicht ein-
mal fünf meldepflichtige Beherbergungsbetriebe haben im Jahre 1997 ihre Gästebetten
angeboten.
In Vlotho-Valdorf blieben die Gäste aufgrund der klinischen Kurbetriebe am längsten,
in Freudenberg*, Preußisch Oldendorf* und Willebadessen* waren die kürzesten Auf-
enthalte festzustellen.
Die beste Bettenauslastung erreichten die meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe 1993
in Vlotho-Valdorf und 1997 in Tecklenburg*, während die schlechtesten Werte 1993 in
Heimbach* und 1997 in Willebadessen* bzw. Pr.-Börninghausen erzielt wurden.
Der Komfortzimmeranteil war in Schmallenberg* und in Le.-Saalhausen am höchsten.
In Hö.-Bruchhausen und Preußisch Oldendorf* wurden viele Zimmer mit nur fließend
warmen/kalten Wasser angeboten. Zum Komfortzimmeranteil für Willebadessen*
104
______________________________________________________________________
konnten wegen fehlender statistischer Gesamtangaben (Datenschutz ließ eine Veröf-
fentlichung nicht zu) keine Berechnungen vorgenommen werden.
Tabelle 14 : Rangfolgen zum Komplex ´ Unterkunft und Verpflegung ´
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Fremdenver-
kehrsintensität
Aufenthaltsdau-
er in Tagen
Jährliche Bet-
tenauslastung
Komfortzim-
meranteil in %
Durchschnittl.
Bettenanzahl in
Meldebetrieben
Anteil Kleinbe-
triebe in %
Gastronomie-
versorgung / -
qualität
Einkaufsmög-
lichkeiten
Rangsummen
Summenrang
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1 Brakel* 23 21 13 17 21 14 21 15 15 3 5 6 2 1 11101 78 18 12
2 Brilon* 20 19 7 9 3 2 10 14 13 4 11 5 1 1 1166 55 85
3 Eslohe* 844356432151716222244 51 23
4 Freudenberg* 18 16 23 21 20 12 8 11 17 10 16 7 2 2 11105 80 19 14
5 Heimbach* 161211202321141219182218 1 1 11107 103 20 17
6 Holzhsn-Externst. 333443135101798334349 46 42
7 Hö.-Bruchhausen 12 13 14 16 9 19 23 17 18 20 23 20 4 4 43107 112 20 19
8 Ki.-Oberhundem 2 2 12 10 18 10 11 4 14 9 1 2 3 3 4365 43 71
9 Lage-Hörste 10 92111141316 811 12021 3 3 4399 69 17 11
10Le.-Saalhausen 688510951612214224343 54 14
11 Nieheim* 11 10 9 8 12 18 6 6 22 22 19 19 3 3 2284 88 14 16
12 Pr. Oldendorf* 21 20 22 22 17 17 22 18 7 16 14 13 3 3 22108 111 21 18
13 Pr.-Holzhausen 5 6 2 2 2 7 19 10 9 14 4 12 2 2 4347 56 36
14 Pr.-Börninghausen 1722 5 62222201612 513 1 4 4 4397 79 16 13
15 Rödinghausen* 22 18 19 14 7 5 17 10 3 7 15 10 3 3 2288 69 15 11
16 Schmallenberg* 191718181511 1 2 5 8 3 4 2 2 1164 63 68
17 Schm.-Grafschaft 4 5 16 12 6 15 2 2 4 2 12 15 3 3 4351 57 57
18 Schm.-Nordenau 1 1 6 7 16 8 9 9 16 11 21 23 3 3 4376 65 10 9
19 Su.-Langscheid 13 15 17 15 19 20 12 7 1 21 10 3 2 2 4378 86 12 15
20 Tecklenburg* 7 7 20 13 8 1 15 13 21 6 8 11 2 2 1182 54 13 4
21 Vlotho-Valdorf 9 11 1 1 1 4 7 5 23 23 18 17 4 4 4367 68 910
22 Wa.-Germete 151410191316 3 22019 7 9 4 4 4376 86 10 15
23 Willebadessen* 14 23 15 23 11 23 18 0 8 13 6 22 3 3 2277 128 11 20
bester Rang
Schlechtester Rang
Quellen: eigene Ortsaufnahmen, Bewertungen und Berechnungen
105
______________________________________________________________________
In Su.-Langscheid und Lage-Hörste waren die statistisch idealen Größen der Übernach-
tungsbetriebe festzustellen, während in Vlotho-Valdorf aufgrund der klinischen Groß-
betriebe die schlechtesten Bedingungen bezüglich dieses Merkmales vorlagen.
Brilon* und Heimbach* bieten ihren Gästen das beste Gastronomiespektrum, Hö.-
Bruchhausen, Pr.-Börninghausen, Vlotho-Valdorf und Wa.-Germete ein schlechtes an.
Die besten Einkaufsmöglichkeiten bieten Brakel*, Brilon*, Freudenberg*, Heimbach*,
Schmallenberg* und Tecklenburg*. In vielen Luftkurorten* treffen die Gäste nur auf be-
scheidene Einkaufsmöglichkeiten.
In der Summenrangfolge (Spalten 21 / 22 der Tabelle 14, S. 104) erreichten Pr. Olden-
dorf* und Willebadessen* den schlechtesten Rang und Le.-Saalhausen bzw. Ki.-
Oberhundem den 1. Rang (das beste Ergebnis).
3.3.4 Komplex ´ Sozioökonomische Faktoren ´
Die Einwohnerzahlen der Luftkurorte sind zwar zur Berechnung von verschiedenen ab-
geleiteten Kennziffern (z. B. Bevölkerungsdichte, Gästedichte, Fremdenverkehrsinten-
sität, u.a.) erforderlich, aber für sich weniger aussagekräftig. Sie werden deshalb nur in-
direkt über die abgeleiteten Kennzahlen berücksichtigt.
Die Bevölkerungsdichte in Einw./qkm eines Luftkurortes* wird vielfach zu Vergleichs-
zwecken herangezogen und ist u.a. deshalb auch in Tabelle 15, S. 106, Spalte 3/4, als
Rangfolge für beide Untersuchungsjahre aufgeführt. Nach den oben näher erläuterten
Bewertungsgrundsätzen waren in Ki.-Oberhundem die besten Verhältnisse und in Preu-
ßisch Oldendorf* die schlechtesten anzutreffen.
Aus der Anzahl Ankünfte, der Gemarkungsfläche und der Belegtage wurde nach der
Formel
Tagenin
Ankünfte Anzahl
gungBettenbeleFlächenmaß
eGästedicht ×
=
für jeden Luftkurort* die Gästedichte pro qkm und Belegtag bezogen auf die Ergebnisse
in Analysejahren 1993 und 1997 berechnet und der Größe nach sortiert. Als Ergebnisse
erscheinen die Rangfolgen in Tabelle 15, S. 106, Spalte 5/6. Den ersten Rang erreichte
in beiden Jahren Tecklenburg*, den letzten Rang Vlotho-Valdorf bzw. Willebadessen*.
Da Zahlen zu den Beschäftigten im II. Wirtschaftssektor auf der Basis der prädikatisier-
ten Ortsteile nicht vorlagen, wurden hier die seit der letzten Arbeitsstättenzählung für
106
______________________________________________________________________
1993 und 1997 hochgerechneten Zahlen der Verwaltungsbezirke (Städte, Gemeinden)
berücksichtigt. Die Anteile der Beschäftigten im II. Sektor wurden in allen Luftkuror-
ten* gemäß der Untersuchungsjahre bestimmt und aufsteigend sortiert. Die sich aus die-
sen Sortierungen ergebenden Ränge sind in Tabelle 15, Spalte 7/8, angegeben. In beiden
Jahren erreichte Heimbach* den ersten Rang, während Su.-Langscheid sich mit dem
schlechtesten Rang zufrieden geben mußte.
In den Summenrangfolgen (Tabelle 15, Spalten 11, 12) erreichte Schm.-Nordenau den
1. Rang (das beste Ergebnis) und Pr.-Holzhausen bzw. Vlotho-Valdorf den letzten Rang
(das schlechteste Ergebnis).
Tabelle 15 : Rangfolgen zum Komplex ´ Sozioökonomische Faktoren ´
1 2 345678910 11 12
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Bevölkerungs-
dichte
Gästedichte
Beschäftigte im II.
Sektor
Rangsummen
Summenrang
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1 Brakel* 15 16 20 20 9 8 44 44 15 14
2 Brilon* 9 9 22 21 12 6 43 36 14 11
3Eslohe* 1711813613
31 37 812
4 Freudenberg* 21 21 3 4 13 12 37 37 12 12
5 Heimbach* 3 3 21 17 1 1 25 21 32
6 Holzhsn-Externst. 10 10 10 11 11 10 31 31 87
7 Hö.-Bruchhausen 5 5 19 19 4 4 28 28 55
8 Ki.-Oberhundem 1 1 14 12 15 15 30 28 76
9 Lage-Hörste 12 13 4 5 16 14 32 32 98
10 Le.-Saalhausen 7 7 11 16 8 11 26 34 39
11 Nieheim* 8 8 15 10 5 5 28 23 63
12 Pr. Oldendorf* 23 23 6 6 18 16 47 45 16 15
13 Pr.-Holzhausen 16 17 18 15 18 16 52 48 18 16
14Pr.-Börninghausen13141618181647 48 16 16
15 Rödinghausen* 19 19 2 2 14 14 35 35 10 10
16Schmallenberg* 20209977
36 36 11 11
17 Schm.-Grafschaft 4 4 13 14 7 7 24 25 24
18Schm.-Nordenau 227877
16 17 11
19 Su.-Langscheid 18 18 5 3 19 17 42 38 13 13
20 Tecklenburg* 22 22 1122
25 25 34
21 Vlotho-Valdorf 11 12 23 22 17 15 51 49 17 17
22Wa.-Germete 141512710936 31 11 7
23 Willebadessen* 6 6 17 23 3 3 26 32 48
107
______________________________________________________________________
bester Rang
Schlechtester Rang
Quellen: Katasterämter, Einwohnermeldeämter, eigene Ortsaufnahmen,
Bewertungen und Berechnungen
3.3.5 Komplex ´ Lage und Erreichbarkeit ´
Tabelle 16 : Rangfolgen im Komplex ´ Erreichbarkeit ´
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Nächste BAB-
Abfahrt in km
Nächster Bahnhof in
km
Anz. ÖPNV-
Aktionen an Werk-
tagen
Anz. ÖPNV-
Aktionen an Sams-
tagen
Anz. ÖPNV-
Aktionen an Sonn-
u. Feiertagen
Rangsummen
Summenrang
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1Brakel* 151511343346262934
2Brilon* 131366121157262934
3Eslohe* 21 21 11 11 4 1 9 5 13 8 58 46 13 7
4Freudenberg* 221212232211192011
5Heimbach* 10 10 1 1 8 5 16 8 7 4 42 28 7 3
6Holzhsn-Externst. 14 14 4 4 20 18 19 16 18 15 75 67 16 15
7Hö.-Bruchhausen 17 17 2 2 11 10 7 9 4 5 41 43 6 6
8Ki.-Oberhundem 16 16 9 9 21 21 21 20 18 17 85 83 18 17
9Lage-Hörste 7 7 6 6 15 15 14 15 15 14 57 57 12 12
10 Le.-Saalhausen 15 15 7 7 12 13 12 13 12 11 58 59 13 13
11 Nieheim* 202055665646404356
12 Pr. Oldendorf* 11 11 8 8 16 14 11 13 10 9 56 55 11 10
13 Pr.-Holzhausen 9 9 3 3 14 16 13 13 9 9 48 50 9 8
14 Pr.-Börninghausen 8 8 8 8 15 17 11 14 8 9 50 56 10 11
15 Rödinghausen* 5 5 10 10 10 12 8 12 6 13 39 52 4 9
16 Schmallenberg* 18 18 13 13 5 8 10 10 11 10 57 59 12 13
17 Schm.-Grafschaft 19 19 14 14 17 16 15 17 17 18 82 84 17 18
18 Schm.-Nordenau 22 22 16 16 18 19 18 18 18 16 92 91 19 19
19 Su.-Langscheid 6 6 10 10 19 22 20 21 19 19 74 78 15 16
20 Tecklenburg* 3 3 6 6 13 11 10 11 14 12 46 43 8 6
21 Vlotho-Valdorf 4 4 4 4 19 20 17 19 16 15 60 62 14 14
22 Wa.-Germete 1155996733242522
23 Willebadessen* 12 12 15 15 7 7 4 4 2 2 40 40 5 5
bester Rang
schlechtester Rang
Quellen: eigene Ortsaufnahmen, Bewertungen und Berechnungen
108
______________________________________________________________________
Um die Erreichbarkeit der Luftkurorte* in Nordrhein-Westfalen vergleichend darstellen
zu können, werden in diesem Komplex folgende Merkmale untersucht:
Entfernung von der Ortsmitte zur nächsten BAB-Abfahrt in km,
Entfernung von der Ortsmitte zum nächsten Bahnhof in km,
Anzahl Ankünfte, Abfahrten des ÖPNV werktags (Haltestelle Ortsmitte),
Anzahl Ankünfte, Abfahrten des ÖPNV samstags (Haltestelle Ortsmitte),
Anzahl Ankünfte, Abfahrten des ÖPNV sonntags (Haltestelle Ortsmitte).
Die Entfernungen zur nächsten BAB-Abfahrt, zum nächsten Bahnhof wurden aufstei-
gend, die Aktionen im ÖPNV wurden absteigend sortiert (vgl. Kap. 3.1.5 bzw. Tabelle
11, S. 95). Die erreichten Ränge sind in Tabelle 16 dargestellt.
Beim Merkmal ´ nächste BAB-Abfahrt ´ erreichte Wa.-Germete den ersten und Schm.-
Nordenau den letzten Rang.
Da in Heimbach* und Brakel* der Bahnhof direkt im Ort liegt, war diesen Luftkuror-
ten* der beste Rang zuzuordnen. Schm.-Nordenau liegt am weitesten vom nächsten
Bahnhof entfernt und erhielt deshalb den schlechtesten Rang.
In Brilon* bzw. Eslohe* konnten an Werktagen die meisten ÖPNV-Aktionen (Ankünf-
te, Abfahrten bei Bus und Bahn) ermittelt werden. Die Orte erhielten den ersten Rang.
In Ki.-Oberhundem wurden die wenigsten ÖPNV-Aktionen an Werktagen gezählt. Des-
halb war hier der letzte Rang zuzuordnen.
Auch an Samstagen erreicht man in Brilon* mit öffentlichen Verkehrsmitteln die höch-
ste Mobilität. In Ki.-Oberhundem bzw. in Su.-Langscheid ist der auf öffentliche Ver-
kehrsmittel angewiesene Tourist stark benachteiligt. Diesen Orten konnte deshalb für
diese Kennzahl nur der letzte Rang zugewiesen werden.
An Sonn- und Feiertagen konnte der Fremdenverkehrsgast in Freudenberg* über die
meisten und in Schm.-Nordenau über die wenigsten ÖPNV-Aktionen verfügen. Dem-
entsprechend waren die besten und schlechtesten Ränge zu vergeben.
Die additiven Rangsummen sind in den Spalten 13, 14 der Tabelle 16 ausgewiesen. Das
Ergebnis der aufsteigenden Sortierung dieser Rangsummen ist in den Spalten 15, 16 der
Tabelle 16 aufgeführt. In der Summenrangfolge erreichten Freudenberg* den ersten
Rang (das beste Ergebnis) und Schm.-Nordenau den letzten Rang (das schlechteste Er-
gebnis).
3.3.6 Komplex ´ Negativfaktoren ´
109
______________________________________________________________________
In diesem Komplex sind Merkmale ausgewählt worden, die sich negativ auf die touristi-
sche Entwicklung eines Ortes auswirken können.
Folgende Elemente wurden untersucht:
Lärmbelästigung im Kurpark,
Ortsbildmängel,
Belästigung durch Gewerbe- bzw. Industriebetriebe.
Tabelle 17 : Rangfolgen im Komplex ´ Negativfaktoren ´
1 2 345678910 11 12
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
rmbelästigung
im Kurpark
Ortsbildmängel
negative Einflüs-
se d. Gewerbe /
Industrie
Rangsummen
Summenrang
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1Brakel* 2233338855
2Brilon* 3311337744
3Eslohe* 443333101077
4Freudenberg* 443344111188
5Heimbach* 2211114411
6Holzhsn-Externst. 3322116633
7Hö.-Bruchhausen 3333228855
8Ki.-Oberhundem 1122114411
9Lage-Hörste 4444119966
10 Le.-Saalhausen 4433229966
11 Nieheim* 443333101077
12 Pr. Oldendorf* 335544121299
13 Pr.-Holzhausen 4433229966
14 Pr.-Börninghausen 3344229966
15 Rödinghausen* 2233227744
16 Schmallenberg* 4422339966
17 Schm.-Grafschaft 1122114411
18 Schm.-Nordenau 1122114411
19 Su.-Langscheid 2222115522
20 Tecklenburg* 3334228956
21 Vlotho-Valdorf 3333228855
22 Wa.-Germete 3333228855
23 Willebadessen* 3344229966
bester Rang
schlechtester Rang
Quellen: Katasterämter, Einwohnermeldeämter, eigene Ortsaufnahmen,
Bewertungen und Berechnungen
110
______________________________________________________________________
Der Lärmbelästigung, den Ortsbildmängeln und der Belästigung durch Gewerbe- bzw.
Industriebetriebe in den Luftkurorten* ist anhand vorgegebener Skalen (vgl. Kap. 3.2.6,
S. 90) jeweils eine Wertziffer zugeordnet worden. Die nach der festgelegten Sortierung
(vgl. Tabelle 11, S. 95) entstandenen Rangfolgen sind in Tabelle 17 dokumentiert wor-
den.
Bei dem Merkmal ´ Lärmbelästigung im Kurpark ´ erreichten in beiden Untersuchungs-
jahren Ki.-Oberhundem, Schm.-Grafschaft und Schm.-Nordenau die geringsten Beein-
trächtigungen. Dagegen hatten in Eslohe*, Freudenberg*, Lage-Hörste, Le.-Saalhausen,
Nieheim*, Pr.Holzhausen und Schmallenberg* die Touristen die höchsten Lärmbelästi-
gungen der Skala hinnehmen müssen.
In Brilon* und Heimbach* waren die geringsten und in Preußisch Oldendorf* die höch-
sten Ortsbildmängel festzustellen.
Deutlich negative Einflüsse durch Gewerbe und Industrie auf die Tourismusaktivitäten
waren in Freudenberg* und Preußisch Oldendorf* zu erkennen, während der Tourismus
in Heimbach*, Holzhausen-Externsteine, Schm.-Grafschaft, Schm.-Nordenau und Su.-
Langscheid nicht negativ durch Gewerbe bzw. Industrie beeinträchtigt wurde.
Die additiven Rangsummen der Untersuchungsjahre sind in den Spalten 9, 10 der
Tabelle 17, S. 109 aufgeführt. Die Ergebnisse der aufsteigend sortierten Rangsummen
wurden in den Spalten 11, 12 der Tabelle 17 dargestellt. In der Summenrangfolge er-
reichten Heimbach*, Ki.-Oberhundem, Schm.-Grafschaft und Schm.-Nordenau den er-
sten Rang (das beste Ergebnis) und Preußisch Oldendorf* den letzten Rang (das
schlechteste Ergebnis).
3.3.7 Gesamtbeurteilung der Luftkurorte* im Rangfolgeverfahren
Aus den erreichten Rängen aller Merkmalsvergleiche in dieser Modellstufe wurde für
jeden Luftkurort* und jedes Untersuchungsjahr eine Gesamtrangsumme errechnet. Die-
se Gesamtrangsumme wird zur deutlichen Abhebung von den Rangsummen der Kom-
plexe nachfolgend mit Rangladung bezeichnet. Die Rangladungen sind in Spalte 17, 18
der Tabelle 18, S. 111 aufgeführt. Anschließend ist über alle Rangladungen eine Rang-
folge gebildet worden. Die Ergebnisse der aufsteigenden Sortierungen dieser Folgen
werden in Tabelle 18, Spalten 19, 20 als Gesamtrang dargestellt.
111
______________________________________________________________________
Im Untersuchungsjahr 1993 erreichte Le.-Saalhausen den ersten Rang, während im Un-
tersuchungsjahr 1997 sich Brilon* bestplazieren konnte. In beiden Analysejahren er-
reichte Preußisch Oldendorf* den schlechtesten Rang.
Vor der weitergehenden Auswertung muß noch einmal darauf hingewiesen werden, daß
es sich bei den gewonnenen Vergleichsergebnissen um eine Zusammenfassung von
Wirkungen ausgewählter touristischer Merkmale in Luftkurorten* Nordrhein-
Westfalens handelt. Vorrangig können die Orte herausgestellt werden, die das beste
bzw. schlechteste Ergebnis erzielt haben. Weitaus bedeutender könnte aber die Erkennt-
nis über Strukturen sein, die in den beteiligten Orten zu den dargestellten Ergebnissen
geführt haben. Dabei entsteht der Wunsch, die analysierten Auswirkungen des Über-
nachtungstourismus in Luftkurorten* typisieren zu wollen.
Tabelle 18 : Rangfolgenergebnisse
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
III III IV VVI
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Natur und Land-
schaft
Freizeitinfra-
struktur
Beherbergung
und Versorgung
Sozioökonomie
Erreichbarkeit
Negativfaktoren
Summenrang
Rangladung
Gesamtrang
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1993
1997
1 Brakel* 1715810181215143 4 5 51510
329 284 19 10
2 Brilon* 11811851411344452
258 218 3 1
3 Eslohe* 8 10 4 7 2 3 8 12 13 7 7 7 6 6 248 253 2 6
4 Freudenberg* 6 6 4 6 19 14 12 12 1 1 8 8 10 7 273 242 8 4
5 Heimbach* 4325201732731131
265 238 5 3
6 Holzhsn-Externsteine 16129124 2 8 716153 3118306 268 13 9
7 Hö.-Bruchhausen 13 13 11 15 20 19 5 5 6 6 5 5 13 12 328 315 18 15
8 Ki.-Oberhundem 2 2 5 9 7 1 7 6 18 17 1 1 4 3 275 237 9 2
9 Lage-Hörste 211771017119 812126 61713
353 299 20 13
10Le.-Saalhausen 5469143913136615
242 247 1 5
11 Nieheim* 15 14 10 14 14 16 6 3 5 6 7 7 12 10 308 293 14 11
12 Pr. Oldendorf* 23 22 14 18 21 18 16 15 11 10 9 9 19 18 400 388 22 20
13 Pr.-Holzhausen 19 20 6 10 3 6 18 16 9 8 6 6 14 14 310 308 15 14
14 Pr.-Börninghausen 18211317161316161011 6 6 1817363 351 21 19
15 Rödinghausen* 22 23 5 10 15 11 10 10 4 9 4 4 13 15 326 316 17 16
16 Schmallenberg* 9 11 1 2 6 8 11 11 12 13 6 6 7 8 269 268 7 9
17Schm.-Grafschaft 7534572417181124
262 260 4 7
18Schm.-Nordenau 11581091119191134
267 247 6 5
19 Su.-Langscheid 3 7 2 3 12 15 13 13 15 16 2 2 8 9 283 299 10 13
20 Tecklenburg* 10 16 9 11 13 4 3 4 8 6 5 6 9 7 287 262 12 8
21 Vlotho-Valdorf 14 19 9 12 9 10 17 17 14 14 5 5 16 16 325 327 16 18
22 Wa.-Germete 20181216101511 7 2 2 5 5 1312308 294 14 12
23 Willebadessen* 12 9 9 13 11 20 4 8 5 5 6 6 8 11 285 320 11 17
112
______________________________________________________________________
bester Rang
schlechtester Rang
Quellen: eigene Bewertungen und Berechnungen
Aus statistischer Sicht könnte z. B. eine Typisierung über die Abweichungen der
Rangladungen vom arithmetischen Mittelwert der Rangladungsfolge vorgenommen
werden. Die Rangladung ist für jeden Luftkurort* getrennt nach Analysejahr in Spalte
17 und Spalte 18 der Tabelle 18, S. 111 aufgeführt. Anschließend bilde man eine Diffe-
renz aus Rangladung minus arithmetischen Mittelwert der Rangladungsfolge für jeden
Ort.
Bei den sich ergebenden Abweichungen vom Mittelwert sind vier Klassen unterscheid-
bar:
I. Orte scheinen gut geeignet zu sein, wenn sie eine kleinere Rangladung als die Diffe-
renz aus Mittelwert minus Standardabweichung der Rangladungsfolge aufweisen,
II. Orte scheinen geeignet zu sein, wenn sie eine Rangladung haben, die kleiner ist als
der Mittelwert der Rangladungsfolge und größer als die Differenz aus Mittelwert mi-
nus Standardabweichung der Rangladungsfolge ist,
III.
Orte scheinen weniger geeignet zu sein, wenn sie eine Rangladung aufweisen, die
größer als der arithmetische Mittelwert und kleiner als die Summe aus Mittelwert
und Standardabweichung der Rangladungsfolge ist,
IV.
Orte scheinen schlecht geeignet zu sein, wenn sie eine Rangladung aufweisen, die
größer als die Summe aus Mittelwert und Standardabweichung der Rangladungsfolge
ist.
In Abb. 15, S. 114 wird diese Typisierung der Luftkurorte* für Untersuchungsjahr 1993
und in Abb. 16, S. 114 für das Analysejahr 1997 jeweils als zusammengefaßtes Ergebnis
des Rangfolgeverfahrens graphisch dargestellt. In diesen Abbildungen steht die Abkür-
zung Stabw für die Standardabweichung. Die Standardabweichung ist ein statistisches
Streuungsmaß und festgelegt als nichtnegative Quadratwurzel der Varianz. Die Varianz
ist ebenfalls ein Streuungsmaß für Datenfolgen. Sie ist als mittlere quadratische Abwei-
chung definiert (siehe auch BAHRENBERG / GIESE 1975, S. 38 ff).
113
______________________________________________________________________
114
______________________________________________________________________
Abb. 15 : Abweichungen der Rangladungen vom arithm. Mittelwert 1993
Abb. 16 : Abweichungen der Rangladungen vom arithm. Mittelwert 1997
-80
-60
-40
-20
0
20
40
60
80
100
120
L.Saalhausen
Eslohe
Brilon
Schm.-Grafschaft
Heimbach
Schm.-Nordenau
Schmallenberg
Freudenberg
Ki.-Oberhundem
Su.-Langscheid
Willebadessen
Tecklenburg
Holzhsn-Externst.
Nieheim
Wa.-Germete
Pr.Holzhausen
Vlotho-Valdorf
Rödinghausen
Hx-Bruchhausen
Brakel
Lage-Hörste
Pr.Börninghausen
Preuß.Oldendorf
Stabw
-80
-60
-40
-20
0
20
40
60
80
100
120
Brilon
Ki.- Oberhundem
Heimbach
Freudenberg
L.Saalhausen
Schm.-Nordenau
Eslohe
Schm.-Grafschaft
Tecklenburg
Holzhsn-Externst.
Schmallenberg
Brakel
Nieheim
Wa.-Germete
Lage-Hörste
Su.-Langscheid
Pr.Holzhausen
Hö.-Bruchhausen
Rödinghausen
Willebadessen
Vlotho-Valdorf
Pr.Börninghausen
Preuß.Oldendorf
Stabw
115
______________________________________________________________________
Nach dieser Einteilung entstehen die nachfolgenden Klassen:
Klasse Jahr Luftkurorte*
1993 Le.-Saalhausen, Eslohe*, Brilon*
I1997 Brilon*, Ki.-Oberhundem, Heimbach*, Freudenberg*
1993 Schm.-Grafschaft, Heimbach*, Schm.-Nordenau, Schmallenberg*,
Freudenberg*, Ki.-Oberhundem, Su.-Langscheid, Willebadessen*,
Tecklenburg*
II 1997 Le.-Saalhausen, Schm.-Nordenau, Eslohe*, Schm.-Grafschaft,
Tecklenburg*, Holzhausen-Externsteine, Schmallenberg*, Brakel*
1993 Holzhausen-Externsteine, Nieheim*, Wa.-Germete, Pr.-Holzhausen,
Vlotho-Valdorf, Rödinghausen*, Hö.-Bruchhausen, Brakel*
III 1997 Nieheim*, Wa.-Germete, Lage-Hörste, Su.-Langscheid, Pr.-
Holzhausen, Hö.-Bruchhausen, Rödinghausen*, Willebadessen*
1993 Lage-Hörste, Pr.-Börninghausen, Preußisch Oldendorf*
IV 1997 Vlotho-Valdorf, Pr.-Börninghausen, Preußisch Oldendorf*
Brilon* konnte sich in den beiden Analysejahren in der ersten Klasse halten. Le.-
Saalhausen und Eslohe* haben im zweiten Durchgang an Substanz verloren. Sie sind
die „Absteiger“ von Klasse eins nach Klasse zwei, während Ki.-Oberhundem, Heim-
bach* und Freudenberg* als „Aufsteiger“ von Klasse zwei nach Klasse eins angesehen
werden können.
Auf den letzten Rängen befinden sich in beiden Untersuchungsjahren die Luftkurorte*
Pr.-Börninghausen und Preußisch Oldendorf*. Ihr Abstand zur dritten Klasse hat sich
im Jahr 1997 noch erheblich vergrößert. Besonders auffällig erscheint die Position von
Vlotho-Valdorf im Jahr 1997. Hier mögen die anhaltenden nachteiligen Auswirkungen
der Gesundheitsstruktureform für den Rückgang verantwortlich sind.
Wenn man auf der Basis der vorstehenden Ergebnisse der Stufe 1 des Bewertungsmo-
dells für Luftkurorte* Empfehlungen aussprechen müßte, dann wäre mindestens in
Preußisch Oldendorf den Verantwortlichen zu raten, den Luftkurortbetrieb in Börning-
hausen und Preußisch Oldendorf* einzustellen oder nachhaltig zu sanieren. In den Er-
gebnissen der Stufe 2 des Bewertungsmodells wird sich zeigen, ob dieser Hinweis auch
ausreichend gesichert werden kann.
Aber auch die Luftkurorte*, die nach den Untersuchungen der Jahre 1993 und 1997 sich
verschlechtert haben oder dauerhaft der Klasse III angehörten, sollten sich erinnert füh-
len, den erhaltenen Auftrag durch die Prädikatisierung des Ortes zukünftig ernster zu
nehmen und neu zu beleben.
116
______________________________________________________________________
3.3 Modellstufe 2: Wertzahlenverfahren
In der Modellstufe 1 wurden auf ein Bewertungsmerkmal bezogene Einzelvergleiche
vorgenommen und die Ergebnisse in einer Rangfolge ausgedrückt. Zur Bewertung eines
räumlichen Erholungspotentials können einzelne Rangfolgen für sich allein nicht heran-
gezogen werden. Deshalb müssen in der zweiten Modellstufe alle relevanten Bewer-
tungselemente berücksichtigt werden.
Die Eignung einer Landschaft zu Erholungszwecken kann an natur- und kulturgeogra-
phischen Faktoren objektiv erfaßt werden, aber eine Bewertung fällt in der Regel sub-
jektiv beeinflußt von Anforderungen und Wünschen der Erholungsuchenden aus, und
sie ist einem zeitlichen Wandel unterworfen.
Für die nachfolgende Verfahrensstufe war vorab sicherzustellen, daß nur solche Kom-
ponenten Verwendung finden, deren Wirkungen auf den Bewertungsgegenstand unter-
einander als unabhängig erscheinen. Diese Forderung wurde mittels statistischer Verfah-
ren sichergestellt. In durchgeführten Einzelregressionen war für jedes zusätzliche Be-
wertungselement zu zeigen, daß kein hinreichend gesicherter statistischer Zusammen-
hang zur Fremdenverkehrsintensität als einziger abhängiger Variable des Untersu-
chungsortes existierte (vgl. auch Kap. 3.2, S. 58 ff).
Die Stufe 2 im Bewertungsmodell umfaßt ein Wertzahlenverfahren. Ausgewählte Be-
wertungselemente werden in allen Untersuchungsorten analysiert. Die erreichten Ergeb-
nisse der Einzelmerkmale werden mit einem Wichtungsfaktor multipliziert und an-
schließend summiert.
Die Unterschiede zu den anderen Verfahren sollen noch einmal hervorgehoben werden:
Dieses System arbeitet im Gegensatz zum Rangfolgeverfahren (Stufe 1) mit mehreren
Bewertungselementen gleichzeitig. In den bekannten Wertzahlenverfahren werden zwar
mehrere ausgewählte Bewertungsfaktoren berücksichtigt, doch die Unabhängigkeit der
verwendeten Faktoren untereinander wird nicht explizit gefordert. Viele Wertzahlenver-
fahren, so auch das von KIEMSTEDT, verzichten auf eine Erläuterung für die Auswahl
der Kriterien. „Eine Diskussion, warum gerade die genannten und keine anderen Fakto-
ren als Bewertungskriterien im V-Wert-Verfahren verwendet werden, findet nirgends
statt. Auch hier ist plausibles Alltagswissen Ersatz für wissenschaftliche Diskussion
oder wissenschaftliche Fundierung“ (BECHMANN 1978, S. 302). Das Bewertungsmo-
dell des Verfassers arbeitet nur mit ausgewählten Bewertungselementen, die untereinan-
117
______________________________________________________________________
der mindestens eine statistisch nachgewiesene Unabhängigkeit gewährleisten. Das wird
in einem System erreicht, das von einer abhängigen und vielen unabhängigen Variablen
bestimmt wird. Es konnte statistisch sichergestellt werden, daß Bewertungsaspekte im
Modell nicht mehrfach berücksichtigt werden.
Aus den Vorüberlegungen und den später beschriebenen Verfahren entstand in der
zweiten Stufe das Zielsystem zur vergleichenden Bewertung von Luftkurorten*, das in
Tabelle 19 dargestellt ist. Der in der Tabelle aufgeführte Wichtungsfaktor wird im fol-
genden Kapitel diskutiert. Er enthält die gleichen Bewertungselemente, die auch dem
Rangfolgeverfahren zugrunde gelegt wurden.
Tabelle 19 : Bewertungsrahmen
Gesamtziel Komplexe Einzelkriterien Wichtung
Waldrandlänge
Landwirtschaftliche Nutz-
fläche
Gewässerrandnge
Natur und Landschaft Erholungsfläche 2,9375
Bebaute Fläche
Höhendifferenz
Höhenlage
Klima
Lage und Nutzbarkeit des
Kurparks
Zustand des Kurparks
Freizeitinfrastruktur Haus des Gastes
Wandern / Wanderwege 2,575
Unterhaltungsangebot
Freizeit-Bildungsangebot
Kulturangebot
Sportangebot
Fremdenverkehrsintensität
Aufenthaltsdauer in Tagen
Jährliche Auslastung
Optimaler
Nutzwert Beherbergung und
Verpflegung Komfortzimmeranteil 2,0625
Durchschnittl. Bettenzahl
in Meldebetrieben
Anteil Kleinbetriebe
Gastronomiequalität
Einkaufsmöglichkeiten
Bevölkerungsdichte
Sozioökonomische stedichte 1,3
Faktoren Beschäftigte im II. Sektor
Nächste BAB-Abfahrt
Nächster Bahnhof
Erreichbarkeit ÖPNV-Aktionen (w) 1,0
ÖPNV-Aktionen (Sa)
ÖPNV-Aktionen (So)
rmbelastung
Negativfaktoren Ortsbildmängel -1,8875
durch Gewerbe / Industrie
118
______________________________________________________________________
Zur Verdeutlichung wird nochmals darauf hingewiesen, daß es in dieser Stufe des Mo-
dells nicht darum geht, besonders für den Erholungstourismus geeignete naturräumliche
Einheiten voneinander abzugrenzen, um als Ergebnis eine Planungsgrundlage zu erzeu-
gen. Es sollen vielmehr der gegenwärtige Zustand der Luftkurorte* und die damit ver-
bundenen Auswirkungen auf den Tourismus analysiert und bewertet werden.
SCHEFFEL hat in seiner Dissertation ein ähnliches Wertzahlenverfahren vorgestellt,
um „relativ homogen wirkende und in enger Verflechtung stehende, weinbaulich ge-
prägte Ortsgemeinden in einem Angebots- / Nachfragevergleich zu beurteilen“
(SCHEFFEL 1993, S. 186).
3.4.1 Skalierung und Gewichtung der Bewertungselemente
Bei der Skalierung handelt es sich um eine Übertragung (Transformation) von erfaßten
oder bestimmten Meßwerten in eine Güteklassifizierung. Es kann vorkommen, daß be-
stimmte Werte von Beginn an dimensionslos erscheinen, während andere mit Maßein-
heiten versehen sind. In Bewertungs- und Vergleichsverfahren ohne besondere mathe-
matische Unterstützung ist eine Normierung aller Meßwerte nicht unbedingt erforder-
lich. Wird dagegen aber eine mathematische Vergleichbarkeit aller Bewertungskriterien
untereinander angestrebt, ist es sinnvoll, grundsätzlich von dimensionslosen oder
gleichbenannten Werten auszugehen. So müßten ggfls. ordinale Meßwerte in kardinale
transformiert werden. In diesem Verfahren wird das nicht erforderlich sein, da im ersten
Auswertungsgang allen sechs Bewertungskomplexen die gleiche Sollpunktzahl (hier
100 Punkte) und im zweiten Auswertungsgang allen Bewertungselementen die gleiche
Sollpunktzahl (hier 20 Punkte) zugeordnet wurde. Damit sind einerseits alle Bewer-
tungskomplexe und andererseits alle Merkmale gleichrangig bzw. gleichwertig ausge-
stattet.
Die für jedes Strukturmerkmal erfaßten Meßergebnisse werden anschließend mit einem
Wichtungsfaktor multipliziert, um bestimmten Faktoren gegenüber anderen eine höhere
Bedeutung zuzuordnen. An dieser Stelle kommen subjektive Einflüsse des Bewerters
zur Geltung, auch wenn eine weitgehende Objektivität angestrebt wird. Welche Leitlini-
en können bei diesem Gewichtungsprozeß verfolgt werden? TUROWSKI bzw.
BECKER nennen folgende Verfahrensweisen:
119
______________________________________________________________________
1. Gewichtung wird nach den Wünschen und Bedürfnissen der Gäste vorgenommen,
die durch eine repräsentative Umfrage gewonnen werden,
2. Gewichtung wird aus dem bisherigen Verhalten der Gäste mittels statistischer Ver-
fahren abgeleitet,
3. Gewichtung wird nach einer schriftlichen Expertenbefragung (Delphi-Umfrage)
vorgenommen,
4. Gewichtung erfolgt aufgrund normativer Forderungen und Vorstellungen
(TUROWSKI 1972, S. 100), (BECKER, Chr. 1976, S. 60).
In der hier vorgenommenen Gewichtung wird dem 3. Verfahren der Vorzug gegeben,
weil im Rahmen dieser Untersuchungen keine repräsentative Umfrage zu den Wünschen
und Bedürfnissen der Gäste aus finanziellen und zeitlichen Gründen vorgenommen
werden konnte, weil ein allgemeingültiges statistisches Verfahren aufgrund eines nicht
gesicherten Datenbestandes nicht durchführbar erscheint und weil normative Vorstel-
lungen einen zu allgemeinen Zustand beschreiben. Eine Delphi-Umfrage zur Gewich-
tung der Bewertungsfaktoren wurde im Rahmen dieser Untersuchung nicht vorgenom-
men, da zu dem verfolgten Zweck bereits Ergebnisse vorliegen. In der von BONERTZ
vorgenommenen Expertenbefragung zur Planungstauglichkeit von Landschaftsbewer-
tungsverfahren für Räume zur Ferienerholung ergab sich nach der Auswertung der Ant-
worten die nachfolgende Rangfolgeskala:
Rang Kriterien zu / zur Punktzahl
1 Natürliche Eignung 235
2 Freizeitinfrastruktur 206
3 Beherbergungskapazität 165
4 Die Erholungseignung negativ beeinflussen-
de Faktoren 151
5 Sozioökonomische Faktoren 104
6 Erreichbarkeit des Gebietes 80
(BONERTZ 1983, S. 59).
Da der Fragebogen Antworten in Form von Rangfolgen vorsah, mußte BONERTZ die
Rangfolgeskala durch eine Punktbewertung in eine Kardinalskala umwandeln. Der für
die Transformation notwendige Algorithmus wird von BONERTZ in der angegebenen
Literatur nicht näher erläutert. Aus den errechneten Punktzahlen der einzelnen Kriterien
ergab sich auch schließlich die in der linken Spalte der Tabelle ausgewiesene Rangfolge.
Aus der vorstehenden Rangfolgeskala wurden die in dem vorzustellenden Bewertungs-
verfahren angewandten Gewichtungsfaktoren abgeleitet. Da die Experten in der Befra-
gung die Erreichbarkeit mit 80 Punkten auf den letzten Rang verwiesen haben, wird die-
120
______________________________________________________________________
ser Faktor für dieses Kriterium mit 1 festgesetzt. Die anderen Gewichtungsfaktoren er-
rechnen sich aus Punktzahl / 80. Die negativ beeinflussenden Faktoren wurden konse-
quent mit einem Minuszeichen versehen. Aus diesen Vorgaben ergibt sich die für das
vorzustellende Bewertungsverfahren notwendige Wichtungstabelle.
Tabelle 20 : Wichtungstabelle
Rang Kriterien zu / zur Wichtungs-
faktor
1 Natürliche Eignung 2,9375
2 Freizeitinfrastruktur 2,5750
3 Beherbergung und Verpflegung 2,0625
4 Sozioökonomische Faktoren 1,3000
5 Erreichbarkeit des Gebietes 1,0000
6 Die Erholungseignung negativ beeinflus-
sende Faktoren -1,8875
3.4.2 Anwendung, Ergebnisse und Grenzen der Modellstufe
Die berücksichtigten Werte der veränderlichen Variablen stammen, wenn nicht beson-
ders vermerkt, aus den Jahren 1993, 1997 und beziehen sich fast ausschließlich auf die
Gemarkung des Luftkurortes*.
Nach der Auswahl der Bewertungselemente und ihrer Skalierung konnten die jeweiligen
Nutzwerte (= Istwerte) für jeden Luftkurort* in jedem Untersuchungsjahr ermittelt wer-
den. Es wurden aus den im vorherigen Kap. beschriebenen Gründen zwei Bewertungs-
durchgänge vorgenommen. Die Durchgänge unterscheiden sich lediglich in der Vorgabe
der Sollpunktzahlen. Zum besseren Verständnis der Rechenvorgänge sind nachfolgend
für jeden Durchgang der Bewertungsrahmen des bestplazierten Luftkurortes Schm.-
Nordenau* und je ein Rechenbeispiel aufgeführt.
Im 1. Durchgang wird bei absteigend zu sortierenden Meßwerten (bester Wert = Maxi-
mum der Meßreihe = Sollwert) z. B. für die Waldrandlänge im Jahre 1993 berechnet
100/8 * 2,9375 * 1213,98*1/2266,43 = 19,67
allgemein: D(n) * E(n) *F(n) * 1/G(n) = H(n) = Ist-Punkte.
Bei der allgemeinen Berechnungsvorschrift stehen die Variablen D, E, F, G und H für
die Bezeichnung der Spalten und die Variable n für die Bezeichnung der Zeile des Be-
wertungsrahmens.
121
______________________________________________________________________
Tabelle 21 : 1. Bewertung von Schm.-Nordenau
AB C D E F G H I J K
2S-Pkte W-Fakt. Ist-Wert Soll-Wert Ist-Pkte Ist-Wert Soll-Wert Ist-Pkte
3I. Natur und Landschaft 1993 1993 1993 1997 1997 1997
41. Waldrandlänge in m/qkm 100/8 2,9375 1213,98 2.266,43 19,67 1213,98 2.266,43 19,67
52. Gewässerrandlänge in m/qkm 100/8 2,9375 3025,15 3.025,15 36,72 3025,15 3.025,15 36,72
63. LNF in % 100/8 2,9375 8,50 8,50 36,72 8,50 8,50 36,72
74. Freizeit-, Erholungsfläche in % 100/8 2,9375 1,10 27,40 1,47 1,10 27,40 1,47
85. Bebaute Fläche in % 100/8 2,9375 4,73 4,43 34,39 4,73 4,43 34,39
96. Höhenunterschied in m 100/8 2,9375 140 90 23,60 140 90 23,60
10 7. Höhenlage nach Metern über NN 100/8 2,9375 610 610 36,72 610 610 36,72
11 8. Klima 100/8 2,9375 4 4 36,72 4 4 36,72
12 Zwischenergebnis 293,75 226,01 226,01
13 II. Freizeitinfrastruktur
14 1. Kurpark Erreichbarkeit 100/8 2,575 5 5 32,19 5 5 32,19
15 2. Kurpark Zustand 100/8 2,575 3 6 16,09 3 6 16,09
16 3. Haus des Gastes 100/8 2,575 6 5 32,19 6 5 32,19
17 4. Kur-, Wanderwege 100/8 2,575 4 6 21,46 6 6 32,19
18 5. Unterhaltungsangebot 100/8 2,575 3 4 24,14 3 4 24,14
19 6. Fortbildungsangebot 100/8 2,575 1 6 5,36 1 6 5,36
20 7. Kulturangebot 100/8 2,575 4 5 25,75 4 5 25,75
21 8. Sportangebot 100/8 2,575 26 42 19,93 26 42 19,93
22 Zwischenergebnis 257,50 177,11 187,84
23 III. Beherbergung u. Versorgung
24 1. Fremdenverkehrsintensität 100/8 2,0625 12285,2 12285,19 25,78 12251,7 12251,71 25,78
25 2. Aufenthaltsdauer in Tagen 100/8 2,0625 4,98 21,5 5,97 4,84 14,6 8,54
26 3. Jährliche Auslastung in Tagen 100/8 2,0625 117 273 11,09 126 184 17,65
27 4. Komfortzimmeranteil in % 100/8 2,0625 93,1 99,0 24,24 94,7 99,2 24,61
28 5. Durchschnittl. Bettenanz. in Meldebetr. 100/8 2,0625 22,9 34,2 38,40 26,3 37,4 36,64
29 6. Anteil Kleinbetriebe in % 100/8 2,0625 38,5 19,1 25,78 37,4 16,3 25,78
30 7. Gastronomiequalität 100/8 2,0625 3 6 12,89 3 6 12,89
31 8. Einkaufsmöglichkeiten 100/8 2,0625 1 4 6,45 1 4 6,45
32 Zwischenergebnis 206,25 150,60 158,35
33 IV. sozioökonomische Faktoren
34 1. Bevölkerungsdichte 100/3 1,3 38,0024 34,47 39,30 37,8942 33,37 38,16
35 2. Gästedichte 100/3 1,3 8 33,49 10,32 8 24,93 13,23
36 3. Beschäftigte im II. Sektor in % 100/3 1,3 31,8 34,85 39,54 29,2 32,50 38,93
37 Zwischenergebnis 130,00 89,16 90,33
38 V. Erreichbarkeit des Ortes
39 1. nächste BAB-Abfahrt in km 100/5 1,0 52 10 3,85 52 10 3,85
40 2. nächster Bahnhof in km 100/5 1,0 30 5 0,67 30 5 0,67
41 3. Anz. ÖPNV-Aktionen (Werktag) 100/5 1,0 36 327 2,20 39 392 1,99
42 4. Anz. ÖPNV-Aktionen (Samstag) 100/5 1,0 19 196 1,94 19 173 2,20
43 5. Anz. ÖPNV-Aktionen (Sonntag) 100/5 1,0 6 74,00 1,62 6 72,00 1,67
44 Zwischenergebnis 100,00 10,28 10,37
45 VI. Negativfaktoren
46 1. Lärmbelästigung im Kurpark -100/3 1,8875 0 0 0,00 0 0 0,00
47 2. Ortsbildmängel -100/3 1,8875 1 0 -15,73 1 0 -15,73
48 3. Neg. Einflüsse d. Gewerbe / Industrie -100/3 1,8875 0 0 0,00 0 0 0,00
122
______________________________________________________________________
49 Zwischenergebnis -188,75 -15,73 -15,73
50 VII. Bewertungsergebnis 798,75 637,44 657,17
Tabelle 22 : 2. Bewertung von Schm.-Nordenau
AB C D E F G H I J K
2S-Pkte W-Fakt. Istwert Sollwert Ist-Pkte Istwert Sollwert Ist-Pkte
3I. Natur und Landschaft 1993 1993 1993 1997 1997 1997
4 1. Waldrandlänge in m/qkm 20 2,9375 1213,98 2.266,43 31,47 1213,98 2.266,43 31,47
5 2. Gewässerrandlänge in m/qkm 20 2,9375 3025,15 3.025,15 58,75 3025,15 3.025,15 58,75
6 3. LNF in % 20 2,9375 8,50 8,50 58,75 8,50 8,50 58,75
7 4. Freizeit-, Erholungsfläche in % 20 2,9375 1,10 27,40 2,36 1,10 27,40 2,36
8 5. Bebaute Fläche in % 20 2,9375 4,73 4,43 55,02 4,73 4,43 55,02
9 6. Höhenunterschied in m 20 2,9375 140 90 37,77 140 90 37,77
10 7. Höhenlage nach Metern über NN 20 2,9375 610 610 58,75 610 610 58,75
11 8. Klima 20 2,9375 4 4 58,75 4 4 58,75
12 Zwischenergebnis 470,00 361,62 361,62
13 II. Freizeitinfrastruktur
14 1. Kurpark Erreichbarkeit 20 2,575 5 5 51,50 5 5 51,50
15 2. Kurpark Zustand 20 2,575 3 6 25,75 3 6 25,75
16 3. Haus des Gastes 20 2,575 6 5 61,80 6 5 61,80
17 4. Kur-, Wanderwege 20 2,575 4 6 34,33 6 6 51,50
18 5. Unterhaltungsangebot 20 2,575 3 4 38,63 3 4 38,63
19 6. Fortbildungsangebot 20 2,575 1 6 8,58 1 6 8,58
20 7. Kulturangebot 20 2,575 4 5 41,20 4 5 41,20
21 8. Sportangebot 20 2,575 26 42 31,88 26 42 31,88
22 Zwischenergebnis 412,00 293,67 310,84
23 III. Beherbergung u. Versorgung
24 1. Fremdenverkehrsintensität 20 2,0625 12285,2 12285,19 41,25 12251,7 12251,71 41,25
25 2. Aufenthaltsdauer in Tagen 20 2,0625 4,98 21,5 9,55 4,84 14,6 13,67
26 3. Jährliche Auslastung in Tagen 20 2,0625 117 273 17,74 126 184 28,25
27 4. Komfortzimmeranteil in % 20 2,0625 93,1 99,0 38,79 94,7 99,2 39,38
28 5. Durchschnittl. Bettenanz. in Meldebetr. 20 2,0625 22,9 34,2 61,44 26,3 37,4 58,63
29 6. Anteil Kleinbetriebe in % 20 2,0625 38,5 19,1 41,25 37,4 16,3 41,25
30 7. Gastronomiequalität 20 2,0625 3 6 20,63 3 6 20,63
31 8. Einkaufsmöglichkeiten 20 2,0625 1 4 10,31 1 4 10,31
32 Zwischenergebnis 330,00 240,97 253,36
33 IV. sozioökonomische Faktoren
34 1. Bevölkerungsdichte 20 1,3 38,0024 34,47 23,58 37,8942 33,37 22,90
35 2. Gästedichte 20 1,3 8 33,49 6,19 8 24,93 7,94
36 3. Beschäftigte im II. Sektor in % 20 1,3 31,8 34,85 23,72 29,2 32,50 23,36
37 Zwischenergebnis 78,00 53,50 54,20
38 V. Erreichbarkeit des Ortes
39 1. nächste BAB-Abfahrt in km 20 1,0 52 10 3,85 52 10 3,85
40 2. nächster Bahnhof in km 20 1,0 30 5 0,67 30 5 0,67
41 3. Anz. ÖPNV-Aktionen (Werktag) 20 1,0 36 327 2,20 39 392 1,99
42 4. Anz. ÖPNV-Aktionen (Samstag) 20 1,0 19 196 1,94 19 173 2,20
43 5. Anz. ÖPNV-Aktionen (Sonntag) 20 1,0 6 74,00 1,62 6 72,00 1,67
44 Zwischenergebnis 100,00 10,28 10,37
45 VI. Negativfaktoren
46 1. Lärmbelästigung im Kurpark -20 1,8875 0 0 0,00 0 0 0,00
47 2. Ortsbildmängel -20 1,8875 1 0 -9,44 1 0 -9,44
48 3. Neg. Einflüsse durch Gewerbe / Industrie -20 1,8875 0 0 0,00 0 0 0,00
123
______________________________________________________________________
49 Zwischenergebnis -113,25 -9,44 -9,44
50 VII Bewertungsergebnis 1276,75 950,59 980,94
Im 1. Durchgang wird bei aufsteigend zu sortierenden Meßwerten (bester Wert = Mini-
mum der Meßreihe = Sollwert) z. B. für die bebaute Fläche im Jahre 1993 berechnet
100/8 * 2,9375 * 1/4,73* 4,43 = 34,39
allgemein: D(n) * E(n) * 1/F(n) * G(n) = H(n) = Ist-Punkte.
Die Berechnungen für das Untersuchungsjahr 1997 erfolgen in der gleichen Weise wie
vorab beschrieben mit den Variablen D, E, I, J und K sowie n.
Im 2. Durchgang wird die Berechnung analog zur beschriebenen Art des 1. Durchgangs
durchgeführt. Der wesentliche Unterschied zum 1. Bewertungsrahmen liegt in der Vor-
gabe der für jedes Bewertungsmerkmal gleichen maximal zu erreichenden Punktzahl
(Sollpunkte = D(n)).
Für jedes Bewertungselement war demnach die vorgegebene Sollpunktzahl mit dem
Wichtungsfaktor und dem Verhältniswert von Ist- und Sollwert aus dem Meßvorgang zu
multiplizieren. Das Produkt liefert die Ist-Punktzahl der Bewertungskennziffer (Spalte H
bzw. K).
Für jeden Komplex wird ein Zwischenergebnis ausgewiesen. In diesen Zeilen stehen in
der Spalte D das Produkt aus der Summe aller Sollpunkte des betroffenen Bereichs und
dem zugehörigen Wichtungsfaktor, die Summe der Ist-Punkte aller Merkmale des Kom-
plexes für das Untersuchungsjahr 1993 in der Spalte H sowie für das Untersuchungsjahr
1997 in der Spalte K.
Nach der Summierung aller Ist-Punktzahlen in den Spalten H bzw. K stehen die Be-
wertungsergebnisse in Punkten bezogen auf die Untersuchungsjahre 1993 und 1997 für
jeden Luftkurort* in der Zeile 50 zur Verfügung. Der Ort mit der höchsten Ist-Punktzahl
wird in diesem Wertzahlenverfahren bestplaziert, der mit der geringsten Punktzahl er-
reicht den letzten Platz.
Tabelle 23 zeigt die Zusammenfassung der Ergebnisse der Modellstufe 2 des ersten Be-
wertungsdurchgangs mit fest vorgegebenen gleichen Sollpunktzahlen für die Merkmal-
komplexe I – VI aus dem Untersuchungsjahr 1993.
Dabei erreichte Schm.-Nordenau den ersten Platz (das beste Ergebnis), gefolgt von Su.-
Langscheid und Heimbach*. Den letzten Platz belegt Nieheim* vor Preußisch Olden-
dorf* und Wa.-Germete.
124
______________________________________________________________________
Tabelle 23 : Bewertungsergebnisse 1. Durchgang für 1993
erreichte Ist-Punkte im Teilbereich (Komplex) Punkte
I II III IV V VI
Rang-Nr.
Luftkurorte*
Natur und
Landschaft
Freizeitinfra-
struktur
Beherber-
gung / Ver-
sorgung
Sozioökono-
mische Fak-
toren
Erreichbar-
keit
des Ortes
Negativfakto-
ren
Gesamt
1 Schm.-Nordenau 226,01 164,24 150,60 89,16 10,28 -15,73 624,56
2 Su.-Langscheid 197,63 165,23 115,75 92,69 25,47 -31,46 565,32
3 Heimbach* 150,53 174,27 151,71 42,36 48,63 -15,73 551,77
4 Schm.-Grafschaft 160,37 190,52 121,69 78,16 12,42 -15,73 547,43
5 Ki.-Oberhundem 175,95 150,52 114,30 106,26 11,43 -15,73 542,72
6 Brilon* 126,34 205,47 141,28 58,78 62,66 -62,92 531,61
7 Schmallenberg* 154,20 208,31 134,61 52,01 26,08 -94,38 480,83
8 Freudenberg* 155,34 182,55 106,69 72,31 60,26 -125,83 451,32
9 Rödinghausen* 94,23 161,94 119,98 81,86 62,60 -62,92 457,70
10 Pr.-Holzhausen 96,85 164,70 150,42 72,96 46,64 -94,38 437,19
11 Holzhsn-Externsteine 132,16 149,90 117,12 61,65 16,32 -47,19 429,96
12 Le.-Saalhausen 162,07 142,86 128,70 60,35 20,92 -94,38 420,52
13 Tecklenburg* 142,19 152,81 114,98 64,21 24,27 -78,65 419,83
14 Eslohe* 145,67 174,58 119,83 52,74 24,95 -110,10 407,67
15 Willebadessen* 111,11 161,56 111,08 39,78 44,66 -94,38 373,80
16 Lage-Hörste 87,81 176,58 85,24 82,46 27,70 -94,38 365,40
17 Hö.-Bruchhausen 96,47 124,00 118,20 50,69 50,17 -78,65 360,87
18 Vlotho-Valdorf 83,63 139,17 116,81 70,12 25,95 -78,65 357,03
19 Brakel* 64,70 148,75 106,09 50,24 65,46 -78,65 356,60
20 Pr.-Börninghausen 106,40 114,04 97,51 75,39 49,57 -94,38 348,53
21 Wa.-Germete 76,76 113,73 129,58 55,37 36,89 -78,65 333,68
22 Pr. Oldendorf* 107,23 85,37 99,33 79,21 43,82 -110,10 304,86
23 Nieheim* 92,87 134,27 88,36 47,38 37,60 -110,10 290,37
erreichbare Punkte 293,75 257,50 206,25 130,00 100,00 -188,75 798,75
Quellen : eigene Bewertungen und Berechnungen
Tabelle 24, S. 125 faßt die Ergebnisse der Modellstufe 2 des zweiten Bewertungsdurch-
ganges mit fest vorgegebenen Sollpunktzahlen für die Einzelmerkmale aus dem Unter-
suchungsjahr 1993 zusammen.
Nach diesem Berechnungsvorgang hat sich nicht viel geändert. Schm.-Nordenau konnte
den ersten Platz verteidigen. Auch Su.-Langscheid blieb an zweiter Stelle und Heim-
bach* an dritter Stelle. Schm.-Grafschaft ist auf den fünften Platz zurückgefallen. Am
Ende der Rangordnung haben Nieheim* und Preußisch Oldendorf* die Plätze getauscht.
125
______________________________________________________________________
Schlußlicht dieses Durchgangs bildet Preußisch Oldendorf*. Wa.-Germete ist auf dem
drittletzten Platz liegengeblieben.
Tabelle 24 : Bewertungsergebnisse 2. Durchgang für 1993
erreichte Ist-Punkte im Teilbereich (Komplex) Punkte
I II III IV V VI
Rang-Nr.
Luftkurorte*
Natur und
Landschaft
Freizeitinfra-
struktur
Beherber-
gung / Ver-
sorgung
Sozioökono-
mische Fak-
toren
Erreichbar-
keit
des Ortes
Negativfakto-
ren
Gesamt
1 Schm.-Nordenau 361,62 262,77 240,97 53,50 10,28 -9,44 919,69
2 Su.-Langscheid 316,21 264,37 185,21 55,61 25,47 -18,88 828,00
3 Heimbach* 240,85 278,84 242,73 25,42 48,63 -9,44 827,03
4 Brilon* 202,14 328,74 226,04 35,27 62,66 -37,75 817,10
5 Schm.-Grafschaft 256,59 304,83 194,71 46,90 12,42 -9,44 806,01
6 Schmallenberg* 246,72 333,28 215,38 31,20 26,08 -56,63 796,04
7 Ki.-Oberhundem 281,52 240,82 182,87 63,75 11,43 -9,44 770,96
8 Freudenberg* 248,55 292,08 170,71 43,38 60,26 -75,50 739,47
9 Pr.-Holzhausen 154,96 279,33 240,67 43,78 46,64 -56,63 694,67
10 Eslohe* 233,08 228,56 191,73 31,64 24,95 -66,06 694,30
11 Le.-Saalhausen 259,32 263,51 205,92 36,21 20,92 -56,63 692,93
12 dinghausen* 150,76 259,09 191,98 49,12 62,60 -37,75 675,80
13 Tecklenburg* 227,50 244,50 183,97 38,53 24,27 -47,19 671,59
14 Holzhsn-Externsteine 211,46 239,84 187,39 36,99 16,32 -28,31 663,69
15 Willebadessen* 177,77 258,48 177,72 23,87 44,66 -56,63 625,88
16 Lage-Hörste 140,49 282,51 136,38 49,47 27,70 -56,63 579,94
17 Hö.-Bruchhausen 154,35 198,40 189,12 30,41 50,17 -47,19 575,25
18 Vlotho-Valdorf 133,81 222,68 186,90 42,07 25,95 -47,19 564,21
19 Brakel* 103,52 238,00 169,75 30,14 65,46 -47,19 559,69
20 Pr.-Börninghausen 170,24 182,46 156,01 45,23 49,57 -56,63 546,88
21 Wa.-Germete 122,82 181,97 207,33 33,22 36,89 -47,19 535,04
22 Nieheim* 148,59 214,83 141,38 28,43 37,60 -66,06 504,76
23 Pr. Oldendorf* 171,57 136,60 158,93 47,52 43,82 -84,94 473,51
erreichbare Punkte 470,00 412,00 330,00 78,00 100,00 -113,25 1276,75
Quellen : eigene Bewertungen und Berechnungen
Nachdem die Ergebnisse der 2. Stufe des Bewertungsmodells für Luftkurorte* vorlie-
gen, entsteht der naheliegende Wunsch, die gewonnenen Erkenntnisse aus beiden Mo-
dellstufen zu vergleichen. Ein substantieller Vergleich einzelner Merkmale scheidet
aufgrund unterschiedlicher Zugangsweisen aus. Ein struktureller Vergleich dagegen wä-
re möglich, wenn auch in der zweiten Stufe das gleiche Typisierungsverfahren wie in
der ersten angewandt wird. Wenn in der ersten Stufe die Abweichungen vom Mittelwert
der Rangladungsfolge zur Klassifizierung herangezogen wurden, dann werden in der
zweiten Stufe die Abweichungen vom Mittelwert der Gesamtpunktzahlenfolge berück-
sichtigt. Für alle Luftkurorte* liegen die erreichten Gesamtpunktzahlen aus der Stufe 2
126
______________________________________________________________________
des Bewertungsmodells vor. Bei den sich ergebenden Abweichungen vom Mittelwert
sind wieder entsprechend vier Klassen zu unterscheiden wie in Modellstufe 1 (siehe S.
111 ff). Ihre Abgrenzungen gegeneinander sind dann:
V. Orte scheinen gut geeignet zu sein, wenn sie eine größere Punktsumme als die Diffe-
renz aus Mittelwert minus Standardabweichung der Punktsummenfolge aufweisen,
VI.
Orte scheinen geeignet zu sein, wenn sie eine Punktsumme erreicht haben, die grö-
ßer ist als der Mittelwert der Punktsummenfolge und kleiner als die Differenz aus
Mittelwert minus Standardabweichung der Punktsummenfolge,
VII.
Orte scheinen weniger geeignet zu sein, wenn sie eine Punktsumme aufweisen, die
kleiner als der arithmetische Mittelwert und größer als die Differenz aus Mittelwert
und Standardabweichung der Punktsummenfolge ist,
VIII.
Orte scheinen schlecht geeignet zu sein, wenn sie eine Punktsumme aufweisen, die
kleiner als die Differenz aus Mittelwert und Standardabweichung der Punktsummen-
folge ist.
Die Abweichungen der Punktsummen vom Mittelwert der Punktsummenfolge des er-
sten und zweiten Berechnungsdurchgangs führen zu den oben näher beschriebenen
Klasseneinteilungen, die in den Abbildungen 17 und 18, S. 127 visualisiert wird.
127
______________________________________________________________________
Abb. 17 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 1. Durchgang 1993
Abb. 18 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 2. Durchgang 1993
-200
-150
-100
-50
0
50
100
150
200
250
Schm.-Nordenau
Su.-Langscheid
Heimbach
Schm.-Grafschaft
Ki.-Oberhundem
Brilon
Schmallenberg
Rödinghausen
Freudenberg
Pr.-Holzhausen
Holzhsn-Externst.
Le.-Saalhausen
Tecklenburg
Eslohe
Willebadessen
Lage-Hörste
Hö.-Bruchhausen
Vlotho-Valdorf
Brakel
Pr.-Börninghausen
Wa.-Germete
Pr.Oldendorf
Nieheim
Stabw
-250
-200
-150
-100
-50
0
50
100
150
200
250
300
Schm.-Nordenau
Su.-Langscheid
Heimbach
Brilon
Schm.-Grafschaft
Schmallenberg
Ki.-Oberhundem
Freudenberg
Eslohe
Le.-Saalhausen
Pr.-Holzhausen
Rödinghausen
Tecklenburg
Holzhsn-Externst.
Willebadessen
Lage-Hörste
Hö.-Bruchhausen
Vlotho-Valdorf
Brakel
Pr.-Börninghausen
Wa.-Germete
Nieheim
Pr. Oldendorf
Stabw
128
______________________________________________________________________
Tabelle 25 zeigt die Zusammenfassung der Ergebnisse der Modellstufe 2 des ersten Be-
wertungsdurchgangs mit fest vorgegebenen gleichen Sollpunktzahlen für die Merkmal-
komplexe I – VI aus dem Untersuchungsjahr 1997.
Dabei erreichte Schm.-Nordenau den ersten Platz (das beste Ergebnis), gefolgt von Su.-
Langscheid und Heimbach*. Den letzten Platz belegt Willebadessen* nach Nieheim*
und Preußisch Oldendorf*.
Tabelle 25 : Bewertungsergebnisse 1. Durchgang für 1997
erreichte Ist-Punkte im Teilbereich (Komplex) Punkte
I II III IV V VI
Rang-Nr.
Luftkurorte*
Natur und
Landschaft
Freizeitinfra-
struktur
Beherber-
gung / Ver-
sorgung
Sozioökono-
mische Fak-
toren
Erreichbar-
keit des Or-
tes
Negativfakto-
ren
Gesamt
1 Schm.-Nordenau 226,01 174,97 158,35 90,33 10,37 -15,73 644,29
2 Su.-Langscheid 197,63 170,60 106,58 105,57 24,05 -31,46 572,97
3 Heimbach* 150,53 173,74 147,83 49,00 62,71 -15,73 568,09
4 Ki.-Oberhundem 175,95 150,52 125,06 110,60 11,69 -15,73 558,08
5 Schm.-Grafschaft 160,37 190,52 121,75 77,40 11,64 -15,73 545,94
6 Brilon* 126,34 205,47 148,36 50,81 59,09 -62,92 527,16
7 Schmallenberg* 154,20 202,94 139,50 55,35 23,16 -94,38 480,77
8 Freudenberg* 155,34 177,19 120,76 75,84 58,95 -125,83 462,24
9 Eslohe* 145,67 182,09 123,74 70,53 44,98 -110,10 456,91
10 dinghausen* 94,23 153,89 135,57 89,10 33,78 -62,92 443,65
11 Le.-Saalhausen 162,07 148,22 144,67 61,97 20,54 -94,38 443,10
12 Holzhsn-Externsteine 132,16 144,54 121,81 61,04 17,87 -47,19 430,23
13 Tecklenburg* 142,19 147,45 135,70 65,44 26,20 -94,38 422,61
14 Pr.-Holzhausen 96,85 164,70 108,37 72,28 46,20 -94,38 394,02
15 Brakel* 64,70 151,44 134,06 50,02 66,45 -78,65 388,01
16 Lage-Hörste 87,81 176,58 97,39 79,06 27,70 -94,38 374,16
17 Hö.-Bruchhausen 96,47 117,56 127,72 52,34 52,21 -78,65 367,66
18 Vlotho-Valdorf 83,63 133,81 109,29 68,54 24,83 -78,65 341,45
19 Wa.-Germete 76,76 108,36 125,60 62,81 39,13 -78,65 334,03
20 Pr.-Börninghausen 106,40 100,63 97,60 71,68 29,14 -94,38 311,07
21 Pr. Oldendorf* 107,23 80,01 128,18 79,03 25,59 -110,10 309,94
22 Nieheim* 92,87 134,27 93,59 53,68 38,12 -110,10 302,43
23 Willebadessen* 111,11 140,10 44,81 34,03 47,28 -94,38 282,95
erreichbare Punkte 293,75 257,50 206,25 130,00 100,00 -188,75 798,75
Quellen : eigene Bewertungen und Berechnungen
Tabelle 26, S. 129 faßt die Ergebnisse der Modellstufe 2 des zweiten Bewertungsdurch-
ganges mit fest vorgegebenen Sollpunktzahlen für die Einzelmerkmale aus dem Unter-
suchungsjahr 1997 zusammen.
Nach diesem Berechnungsvorgang hat sich nicht viel geändert. Schm.-Nordenau konnte
den ersten Platz verteidigen. Su.-Langscheid belegt hier den dritten Platz. An zweiter
129
______________________________________________________________________
Stelle ist Heimbach* zu finden. Am Ende der Rangordnung liegt erneut Willebadessen*.
Nieheim* ist vom 22. auf den 20. Platz gestiegen, Preußisch Oldendorf* und Pr.-
Börninghausen sind jeweils einen Platz tiefer gerutscht.
Hohe Punktabzüge im Teilbereich VI mußten sich Pr. Oldendorf*, Freudenberg*, Eslo-
he*, Nieheim*, Lage-Hörste, Pr.-Börninghausen, Willebadessen*, Schmallenberg*, Le.-
Saalhausen und Pr.-Holzhausen aufgrund negativer Erscheinungen anrechnen lassen.
Diese Orte sollten sich damit aufgefordert fühlen, die Ursachen für negative Einflüsse
nach Möglichkeit zu beseitigen.
Tabelle 26 : Bewertungsergebnisse 2. Durchgang für 1997
erreichte Ist-Punkte im Teilbereich (Komplex) Punkte
I II III IV V VI
Rang-Nr.
Luftkurorte*
Natur und
Landschaft
Freizeitinfra-
struktur
Beherber-
gung / Ver-
sorgung
Sozioökono-
mische Fak-
toren
Erreichbar-
keit
des Ortes
Negativfakto-
ren
Gesamt
1 Schm.-Nordenau 361,62 279,94 253,36 54,20 10,37 -9,44 950,04
2 Heimbach* 240,85 277,98 236,54 29,40 62,71 -9,44 838,04
3 Su.-Langscheid 316,21 272,95 170,53 63,34 24,05 -18,88 828,21
4 Brilon* 202,14 328,74 237,38 30,49 59,09 -37,75 820,09
5 Schm.-Grafschaft 256,59 304,83 194,80 46,44 11,64 -9,44 804,85
6 Schmallenberg* 246,72 324,70 223,20 33,21 23,16 -56,63 794,36
7 Ki.-Oberhundem 281,52 240,82 200,09 66,36 11,69 -9,44 791,04
8 Freudenberg* 248,55 283,50 193,22 45,51 58,95 -75,50 754,21
9 Eslohe* 233,08 291,34 197,99 42,32 44,98 -66,06 743,64
10 Le.-Saalhausen 259,32 237,15 231,47 37,18 20,54 -56,63 729,03
11 Tecklenburg* 227,50 235,92 217,12 39,27 26,20 -56,63 689,38
12 Holzhsn-Externsteine 211,46 231,26 194,90 36,62 17,87 -28,31 663,79
13 dinghausen* 150,76 246,22 216,91 53,46 33,78 -37,75 663,38
14 Pr.-Holzhausen 154,96 263,51 173,38 43,37 46,20 -56,63 624,80
15 Brakel* 103,52 242,30 214,49 30,01 66,45 -47,19 609,57
16 Lage-Hörste 140,49 282,51 155,83 47,44 27,70 -56,63 597,34
17 Hö.-Bruchhausen 154,35 188,10 204,36 31,40 52,21 -47,19 583,23
18 Vlotho-Valdorf 133,81 214,09 174,86 41,12 24,83 -47,19 541,53
19 Wa.-Germete 122,82 173,38 200,97 37,69 39,13 -47,19 526,80
20 Nieheim* 148,59 214,83 149,75 32,21 38,12 -66,06 517,44
21 Pr.-Börninghausen 170,24 161,00 156,16 43,01 29,14 -56,63 502,91
22 Pr. Oldendorf* 171,57 128,01 205,09 47,42 25,59 -84,94 492,75
23 Willebadessen* 177,77 224,15 71,69 20,42 47,28 -56,63 484,69
erreichbare Punkte 470,00 412,00 330,00 78,00 100,00 -113,25 1276,75
Quellen : eigene Bewertungen und Berechnungen
In den erreichten Bewertungsergebnissen zeigt sich auch, daß die in der Rangordnung
vorn liegenden Luftkurorte* vorwiegend in den Teilbereichen I, II, III und VI beste Er-
130
______________________________________________________________________
folge erzielen konnten, während die Teilbereiche IV und V deutlich schwächer ausfie-
len.
Auch für das Untersuchungsjahr 1997 soll eine Typisierung der Luftkurorte* über die
oben näher beschriebene Klasseneinteilung vorgenommen werden. Dazu werden für je-
den Luftkurort* die Abweichungen der Punktsummen von den Mittelwerten der
Punktsummenfolgen des jeweiligen Durchgangs berechnet. Die Ergebnisse erscheinen
als graphische Darstellung in den Abbildungen 19 und 20, S. 131.
.
131
______________________________________________________________________
Abb. 19 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 1. Durchgang 1997
Abb. 20 : Abweichungen von der mittleren Punktsumme 2. Durchgang 1997
-200
-150
-100
-50
0
50
100
150
200
250
Schm.-Nordenau
Su.-Langscheid
Heimbach
Ki.-Oberhundem
Schm.-Grafschaft
Brilon
Schmallenberg
Freudenberg
Eslohe
Rödinghausen
Le.-Saalhausen
Holzhsn-Externst.
Tecklenburg
Pr.-Holzhausen
Brakel
Lage-Hörste
Hö.-Bruchhausen
Vlotho-Valdorf
Wa.-Germete
Pr.-Börninghausen
Pr. Oldendorf
Nieheim
Willebadessen
Stabw
-300
-200
-100
0
100
200
300
Schm.-Nordenau
Heimbach
Su.-Langscheid
Brilon
Schm.-Grafschaft
Schmallenberg
Ki.-Oberhundem
Freudenberg
Eslohe
Le.Saalhausen
Tecklenburg
Holzhsn-Externst.
Rödinghausen
Pr.-Holzhausen
Brakel
Lage-Hörste
Hö.-Bruchhausen
Vlotho-Valdorf
Wa.-Germete
Nieheim
Pr.-Börninghausen
Pr.Oldendorf
Willebadessen
Sta
b
132
______________________________________________________________________
Abschließend können alle Erkenntnisse zur Typisierung der Luftkurorte* zusammenge-
stellt werden. Tabelle 27 zeigt die Klassenzugehörigkeiten der Luftkurorte* nach der
Bewertung in der Modellstufe 2.
Tabelle 27 : Klassenzugehörigkeiten nach Bewertungen in der Modellstufe 2
Klasse Jahr
Durch
gang
Luftkurorte*
1Schm.-Nordenau, Su.-Langscheid, Heimbach*, Schm.-
Grafschaft, Ki.-Oberhundem, Brilon*
1993 2Schm.-Nordenau, Su.-Langscheid, Heimbach*, Brilon*,
Schm.-Grafschaft, Schmallenberg*
1Schm.-Nordenau, Su.-Langscheid, Heimbach*, Ki.-
Oberhundem, Schm.-Grafschaft
I
1997 2 Schm.-Nordenau, Heimbach*, Su.-Langscheid, Brilon*
1 Schmallenberg*, Rödinghausen*, Freudenberg*
1993 2Ki.-Oberhundem, Freudenberg, Eslohe*, Le.-Saalhausen,
Pr.-Holzhausen
1Brilon*, Schmallenberg*, Freudenberg*, Eslohe*, Rö-
dinghausen*, Le.-Saalhausen
II
1997 2Schm.-Grafschaft, Schmallenberg*, Ki.-Oberhundem,
Freudenberg*, Eslohe*, Le.-Saalhausen, Tecklenburg*
1
Pr.-Holzhausen, Holzhsn-Externsteine, Le.-Saalhausen,
Tecklenburg*, Eslohe*, Willebadessen*, Lage-Hörste,
Hö.-Bruchhausen, Vlotho-Valdorf; Brakel*, Pr.-
Börninghausen
1993
2Rödinghausen*, Tecklenburg*, Holzhsn-Externsteine,
Willebadessen*, Lage-Hörste, Hö.-Bruchhausen, Vlotho-
Valdorf, Brakel*
1Holzhsn-Externsteine, Tecklenburg*, Pr.-Holzhausen,
Brakel*, Lage-Hörste, Hö.-Bruchhausen, Vlotho-Valdorf
III
1997 2Holzhsn-Externsteine, Rödinghausen*, Pr.-Holzhausen,
Brakel*, Lage-Hörste, Hö.-Bruchhausen
1 Wa.-Germete, Pr. Oldendorf*, Nieheim*
1993 2Pr.-Börninghausen, Wa.-Germete, Nieheim*, Pr. Olden-
dorf*
1Wa.-Germete, Pr.-Börninghausen, Pr. Oldendorf*, Nie-
heim*, Willebadessen*
IV
1997 2Vlotho-Valdorf, Wa.-Germete, Nieheim*, Pr.-
Börninghausen, Pr. Oldendorf*, Willebadessen*
Vergleicht man die Ergebnisse der Modellstufen 1 und 2 des Bewertungsmodells, dann
zeigen sich für manche Untersuchungsorte erhebliche Unterschiede. So haben z. B.
Schm.-Nordenau und Schm.-Grafschaft in der Stufe1 in beiden Untersuchungsjahren
nur die Klasse II erreicht, während sie in der Stufe 2 stets zur Klasse I gehören. Klas-
133
______________________________________________________________________
senverschiebungen sind auch für Lage-Hörste festzustellen. Im Rangfolgeverfahren er-
reichte dieser Ort die Klassen III und IV, während die Bewertungen in Stufe 2 des Mo-
dells ihn nur in Klasse III führten. Auch Eslohe ist von den Verschiebungen betroffen.
Das Rangfolgeverfahren brachte Eslohe* für das Untersuchungsjahr 1993 in Klasse I,
das Wertzahlenverfahren der Stufe 2 des Modells lieferte im gleichen Untersuchungs-
jahr im ersten Durchgang die Klasse III und im zweiten Durchgang die Klasse II.
Die sich ergebenden Abweichungen lassen sich vorwiegend durch die Verstärkung von
gleichen Einflüssen aus unterschiedlichen Merkmalen im Rangfolgeverfahren erklären.
Wenn der Leser hier die Diskussion einzelner Veränderungen für die beteiligten Luft-
kurorte* erwartet, dann möge er einige Seiten weiter blättern und sich in den Ausfüh-
rungen der Stufe 3 des Bewertungsmodells informieren.
Die ausgewählten Bewertungselemente der vorgestellten Modellstufe 2 orientieren sich
nur im Übernachtungstourismus sowohl am touristischen Angebot als auch an der touri-
stischen Nachfrage der Luftkurorte. Da inzwischen aber auch der Tagestourismus immer
stärker in Erscheinung tritt, insbesondere in den Einzugsbereichen von Ballungsgebie-
ten, müßte in einem erweiterten Ansatz auch diese Art mit in die Bewertung einbezogen
werden.
Eine Übertragung dieser Modellstufe zur Bewertung von Luftkurorten auf andere Bun-
desländer ist grundsätzlich möglich. Wenn auch wahrscheinlich neue Strukturmerkmale
nicht aufgenommen werden müssen, so sind vielleicht die vorhandenen Wertetabellen
zu modifizieren. Allerdings müßte der Ansatz des Sollwertes in den Teilbereichen I, III
und IV neu überlegt werden. Besonders bei den Bewertungselementen, die mit Hilfe von
statistischen Verfahren ihren anzustrebenden Schwellenwert gesetzt bekommen haben,
sollte versucht werden, diesen durch einen fachwissenschaftlich abgeleiteten Sollwert zu
ersetzen.
134
______________________________________________________________________
3.5 Modellstufe 3: Einzelergebnisse und Prognosen
Wenn in diesem Kapitel von Luftkurorten gesprochen wird, dann sind wie sonst in Kap.
3 die prädikatisierten Ortsteile der Verwaltungseinheiten (Städte, Gemeinden) in Nord-
rhein-Westfalen gemeint. Auch das hier benutzte Zahlenmaterial bezieht sich weiterhin
grundsätzlich auf die meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe in den vorgestellten prä-
dikatisierten Ortsteilen und wurde für die Jahre 1991 - 1997 zusammengestellt.
Mit Hilfe von linearen Trendgleichungen sollen die erwirtschafteten Ergebnisse der zu-
rückliegenden sieben Wirtschaftsjahre in den nachfolgenden Kapiteln erläutert und be-
schrieben werden. Da die berechneten Trendgleichungen für Prognosezwecke herange-
zogen werden sollen, muß auch ein möglicher Prognosefehler definiert werden. Dazu
wird das Bestimmtheitsmaß r2 als Summe der quadrierten Abweichungen der Beobach-
tungswerte von ihrem arithmetischen Mittel berechnet. Liegen sämtliche Punkte auf der
Trendgeraden, dann ist der Vorhersagefehler gleich Null; r2 ist dann gleich Eins. Wenn
die Punkte mehr oder weniger weit von der Trendgeraden entfernt liegen, wird der Vor-
hersagefehler größer; r2 hat dann einen Wert zwischen Null und Eins. Aus dem Be-
stimmtheitsmaß r2 wird der Korrelationskoeffizient r über die Beziehung r = 2
r be-
rechnet. In den nachfolgenden Betrachtungen soll ausreichende statistische Sicherheit
vorliegen, wenn das Bestimmtheitsmaß r2 einen Wert von größer als 0,8 und damit der
Korrelationskoeffizient r einen Wert von mehr als 0,89 erreicht.
Um Wiederholungen zu vermeiden, werden beispielhaft die Ergebnisse aus den Modell-
stufen 1 und 2 von je einem gutplazierten und einem weniger gutplazierten Luftkurort*
diskutiert. Desweiteren zeigen berechnete Trendgleichungen auf der vorgegebenen Da-
tenbasis zu den Merkmalen Fremdenverkehrsintensität, Anzahl meldepflichtiger Beher-
bergungsbetriebe, Anzahl Betten, Bettenauslastung, Ankünfte, Übernachtungen und
durchschnittliche Aufenthaltsdauer in meldepflichtigen Beherbergungsbetrieben der
Luftkurorte* mögliche zukünftige Entwicklungen im Luftkurort* auf.
Die Daten und Ergebnisse der in diesem Kapitel nicht berücksichtigten Luftkurorte*
findet der Leser im Tabellen- und Abbildungsband dieser Schrift.
135
______________________________________________________________________
3.5.1 Schm.-Nordenau
Schm.-Nordenau weist folgende Daten in den touristischen Grundkennzahlen aus:
FV-Intensität
0
100
200
300
400
500
600
700
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Bettenauslastung in %
0
10
20
30
40
50
60
70
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Anzahl Betriebe
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Ankünfte
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
1991 1992 1993 19941995 1996 1997
Anzahl Betten
200
205
210
215
220
225
230
235
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Übernachtungen
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
136
______________________________________________________________________
Aufenthaltsdauer in Tagen
3,6
3,8
4
4,2
4,4
4,6
4,8
5
5,2
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Ausländer-Anteil
an allen Übernachtungen in %
0
2
4
6
8
10
12
14
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Tabelle 28 : Trendgleichungen der touristischen Kennzahlen Schm.-Nordenaus
Bereich Lineare Trendgleichung
Polynomische Trendgleichung 6. Grades
Bestimmt-
heitsmaß
r2
Korrelations-
koeffizient
r
y = -0,5 x + 17 0,8750 0,9354
Betriebe y = 0,0194 x6 - 0,4667 x5 + 4,4028 x4 - 20,667 x3 +
50,078 x2 - 58,367 x + 41 1,0000 1,0000
y = -4,3571 x + 377,29 0,6588 0,8117
Betten y = 0,3 x6 - 6,8833 x5 + 61,375 x4 - 268,17 x3 + 593,33 x2
- 616,95 x + 601 1,0000 1,0000
y = 0,7257 x + 31,744 0,2788 0,5280
Auslastung
%y = 0,0243 x6 - 0,4178 x5 + 2,0828 x4 + 0,3417 x3 -
28,442 x2 + 68,73 x - 12,169 1,0000 1,0000
y = -147 x + 10357 0,0731 0,2704
Ankünfte y = 2,8056 x6 + 17,075 x5 - 1126,8 x4 + 10705 x3 -
41207 x2 + 67250 x – 26192 1,0000 1,0000
y = 408,54 x + 43872 0,0440 0,2098
Nächte y = 70,265 x6 - 1422,3 x5 + 10467 x4 - 33008 x3 + 35739 x2
+ 15536 x + 12676 1,0000 1,0000
y = 0,1064 x + 4,2543 0,4633 0,6807
Dauer y = 0,0049 x6 - 0,1293 x5 + 1,3682 x4 - 7,2838 x3 +
20,127 x2 - 26,307 x + 16,46 1,0000 1,0000
y = 92,445 x + 12645 0,0345 0,1857
FV-
Intensität y = 17,339 x6 - 348,79 x5 + 2533,8 x4 - 7754,3 x3 + 7479 x2
+ 5681,2 x + 4173,5 1,0000 1,0000
y = -1,0218 x + 12,82 0,9066 0,9522
Ausländer-
Anteil aller
Übernach-
tungen y = -0,0084 x6 + 0,2159 x5 - 2,1766 x4 + 11,033 x3 -
29,625 x2 + 38,611 x - 6,95 1,0000 1,0000
Quellen : LDS NRW 1991a - 1997a, eigene Berechnungen
137
______________________________________________________________________
Die vorstehenden acht Diagramme sind selbsterklärend. Weitere Erläuterungen dazu
sind nicht erforderlich. In der Tabelle 28, S. 136 beschreibt die polynomische Trend-
gleichung 6. Grades eines jeden Merkmals den genauen Graphenverlauf aus den vorste-
henden Diagrammen mit voller statistischer Sicherheit (Korrelationskoeffizient r = 1).
Nach den vorher festgelegten statistischen Sicherheitsgrenzen kann bei den Merkmalen
Anzahl Übernachtungsbetriebe und Ausländeranteil an Übernachtungen ein statistisch
gesicherter linearer Trend festgestellt und durch die jeweilige Trendgleichung beschrie-
ben werden: Die Anzahl der Beherbergungsbetriebe und der Anteil der Übernachtungen
von ausländischen Touristen in Schm.-Nordenau zeigten im Untersuchungszeitraum ei-
ne abnehmende Tendenz. Unterstellt man eine gleichbleibende Weiterentwicklung, so
könnte dieser Trend auf die Zukunft übertragen werden. Bei allen anderen Untersu-
chungsmerkmalen kann kein statistisch gesicherter Trend angegeben werden.
Die Tabelle 29, S. 138 zeigt alle Ergebnisse, die Schm.-Nordenau in der Anwendung
sowohl des Rangfolgeverfahrens als auch in beiden Durchgängen des Wertzahlenverfah-
rens erreichen konnte. Nach der Auflistung der Merkmale werden im ersten Spalten-
block die erreichten Ränge aus der Modellstufe 1 der Jahre 1993 und 1997 angegeben.
Im zweiten Spaltenblock folgen die Ergebnisse aus der Modellstufe 2 für die erste und
im nächsten Block für die zweite Bewertung jeweils aus den Untersuchungsjahren 1993
und 1997. Die Stärken Schm.-Nordenaus liegen ganz offensichtlich im Komplex ´ Natur
und Landschaft ´. Nur die Merkmale Waldrandlänge, landwirtschaftliche Nutzfläche
und Höhenlage weisen weniger gute Ausprägungen aus.
Im Bereich der Freizeitinfrastruktur hat sich Schm.-Nordenau nach den Ergebnissen des
Rangfolgeverfahrens von Rang 5 auf Rang 8 verschlechtert. Allerdings zeigen sich bei
der ´ feineren ´ Messung im Wertzahlenverfahren in beiden Durchgängen leichtere Ver-
besserungen um 10 bzw. 17 Punkte.
Im Komplex Beherbergung und Versorgung gibt es auch nur Positives zu berichten. Im
Rangfolgeverfahren war eine Verbesserung vom 10. auf den 7. Platz festzustellen. Diese
Entwicklungen werden auch im Wertzahlenverfahren bestätigt.
Im Bereich der Sozioökonomie war nach Anwendung der ersten Stufe des Bewertungs-
modells für Schm.-Nordenau die Bestplazierung für die Jahre 1993 und 1997 festzu-
stellen. In der Bewertung nach Punkten zeigte sich im Untersuchungszeitraum eine ge-
ringfügige Zunahme.
138
______________________________________________________________________
Tabelle 29 : Einzelergebnisse aus Schm.-Nordenau
Rangfolge-
verfahren Wertzahlenverfahren
1. Durchgang Wertzahlenverfahren
2. Durchgang
Rang Soll-Pkte Ist-Punkte Soll-Pkte Ist-Punkte
I. Natur und Landschaft 1993 1997 1993 1997 1993 1997
1. Waldrandlänge in m/qkm 11 11 36,72 19,67 19,67 58,75 31,47 31,47
2. Gewässerrandlänge in m/qkm 1 1 36,72 36,72 36,72 58,75 58,75 58,75
3. LNF in % 4 4 36,72 36,72 36,72 58,75 58,75 58,75
4. Freizeit-, Erholungsfläche in % 1 1 36,72 1,47 1,47 58,75 2,36 2,36
5. Bebaute Fläche in % 2 2 36,72 34,39 34,39 58,75 55,02 55,02
6. Höhenunterschied in m 1 1 36,72 23,60 23,60 58,75 37,77 37,77
7. Höhenlage Metern über NN 4 4 36,72 36,72 36,72 58,75 58,75 58,75
8. Klima 1 1 36,72 36,72 36,72 58,75 58,75 58,75
Zwischenergebnis 1 1 293,75 226,01 226,01 470,00 361,62 361,62
II. Freizeitinfrastruktur
1. Kurpark Erreichbarkeit 1 1 32,19 32,19 32,19 51,50 51,50 51,50
2. Kurpark Zustand 4 4 32,19 16,09 16,09 51,50 25,75 25,75
3. Haus des Gastes 4 4 32,19 32,19 32,19 51,50 61,80 61,80
4. Kur-, Wanderwege 2 1 32,19 21,46 32,19 51,50 34,33 51,50
5. Unterhaltungsangebot 2 2 32,19 24,14 24,14 51,50 38,63 38,63
6. Fortbildungsangebot 5 6 32,19 5,36 5,36 51,50 8,58 8,58
7. Kulturangebot 1 1 32,19 25,75 25,75 51,50 41,20 41,20
8. Sportangebot 8 8 32,19 19,93 19,93 51,50 31,88 31,88
Zwischenergebnis 5 8 257,50 177,11 187,84 412,00 293,67 310,84
III Beherbergung u. Versorgung
1. Fremdenverkehrsintensität 1 5 25,78 25,78 25,78 41,25 41,25 41,25
2. Aufenthaltsdauer in Tagen 6 12 25,78 5,97 8,54 41,25 9,55 13,67
3. Jährliche Auslastung in Tagen 16 15 25,78 11,09 17,65 41,25 17,74 28,25
4. Komfortzimmeranteil in % 9 2 25,78 24,24 24,61 41,25 38,79 39,38
5. Ø Bettenanz. in Meldebetr. 16 2 25,78 38,40 36,64 41,25 61,44 58,63
6. Anteil Kleinbetriebe in % 21 15 25,78 25,78 25,78 41,25 41,25 41,25
7. Gastronomiequalität 3 3 25,78 12,89 12,89 41,25 20,63 20,63
8. Einkaufsmöglichkeiten 4 3 25,78 6,45 6,45 41,25 10,31 10,31
Zwischenergebnis 10 7 206,25 150,60 158,35 330,00 240,97 253,36
IV Sozioökonomische Faktoren
1. Bevölkerungsdichte 2 2 43,30 39,30 38,16 26,00 23,58 22,90
2. Gästedichte 7 8 43,30 10,32 13,23 26,00 6,19 7,94
3. Beschäftigte im II. Sektor in % 7 7 43,30 39,54 38,93 26,00 23,72 23,36
Zwischenergebnis 1 1 130,00 89,16 90,33 78,00 53,50 54,20
V. Erreichbarkeit des Ortes
1. chste BAB-Abfahrt in km 22 22 20,00 3,85 3,85 20,00 3,85 3,85
2. nächster Bahnhof in km 16 16 20,00 0,67 0,67 20,00 0,67 0,67
3. Anz. ÖPNV-Aktionen (Werktag) 18 19 20,00 2,20 1,99 20,00 2,20 1,99
4. Anz. ÖPNV-Aktionen (Samstag) 18 18 20,00 1,94 2,20 20,00 1,94 2,20
5. Anz. ÖPNV-Aktionen (Sonntag) 18 16 20,00 1,62 1,67 20,00 1,62 1,67
Zwischenergebnis 19 19 100,00 10,28 10,37 100,00 10,28 10,37
VI Negativfaktoren
1. Lärmbelästigung im Kurpark 1 1 -62,85 0,00 0,00 -37,75 0,00 0,00
2. Ortsbildmängel 2 2 -62,85 -15,73 -15,73 -37,75 -9,44 -9,44
3. Neg. Einflüsse d. Gew./ Industrie 1 1 -62,85 0,00 0,00 -37,75 0,00 0,00
Zwischenergebnis 1 1 -188,75 -15,73 -15,73 -113,25 -9,44 -9,44
VII Bewertungsergebnis 798,75 637,44 657,17 1276,75 950,59 980,94
139
______________________________________________________________________
Besonders nachteilig hat sich die Erreichbarkeit des Luftkurortes* erwiesen. Die weitere
Entfernung zur nächsten BAB-Auffahrt und zum nächsten Bahnhof brachte schlechte
Rangplazierungen ein. Auch die schlechte Anbindung an das Netz des ÖPNV erwies
sich für Schm.-Nordenau-Besucher besonders nachteilig. Die Sauerland-Urlauber-Karte
könnte dem Luftkurort* noch mehr Besucher bringen, wenn mehrere Buslinien über
Schm.-Nordenau führen würden. Auch Tagesbesucher hätten es einfacher, z. B. den
Schm.-Nordenauer Schieferstollen, ein angebliches Gesundheitsphänomen, ohne Auto
zu erreichen.
Folgt man dem Ansatz zum Nettoumsatz je Übernachtung nach den Erhebungen von
ZEINER / HARRER, dann erzeugte der Übernachtungstourismus in Nordenau einen
Umsatz von 4,98 Mio. DM im Jahre 1993 und von 5,37 Mio. DM im Jahre 1997
(ZEINER / HARRER 1992, S. 186 ff). Wenn man davon ausgeht, daß 780 Übernach-
tungen einen Vollarbeitsplatz sichern (KOCH 1986, S. 151ff), dann wurden durch die
Übernachtungen in den Untersuchungsjahren 1993 und 1997 rd. 55 Vollarbeitsplätze in
Nordenau gesichert (vgl. auch Kap. 2.8).
Als Negativfaktoren waren nur geringfügige Ortsbildmängel festzustellen, so daß auch
in diesem Bereich Schm.-Nordenau eine Bestplazierung erreichen konnte.
Schm.-Nordenau ist ein von Touristen vielbesuchter Luftkurort* mit einem ausgezeich-
neten Angebot von intakter Natur und Landschaft, zwei Saisonzeiten, ausreichendem
Versorgungs- und ausgezeichnetem Beherbergungsangebot und einer weniger guten
ÖPNV-Anbindung.
3.5.2 Nieheim
Nieheim* ist ein jüngerer Luftkurort. Erst am 25.11.1994 wurde die staatliche Anerken-
nung als Luftkurort verliehen. Voraus gingen einige Jahre als Erholungsort, in denen die
Voraussetzungen zum Luftkurort geschaffen werden konnten. Wer in Nieheim* den
Kurpark sucht, wird überrascht sein, daß eine größere innerstädtische Freifläche vor der
Stadthalle mit Sport- und Spielflächen, freien Grünflächen, befestigten Gehwegen mit
alleeähnlichem Laubbaumbestand, vielen dicht beieinander stehenden Ruhebänken, ei-
nem Fließgewässer mit künstlicher Teichanlage und einer etwas abseits gelegenen
Kneippanlage ausreicht, als Kurpark ausgewiesen und anerkannt worden ist.
140
______________________________________________________________________
Aber Nieheim* hat ja noch Zeit und Gelegenheit, sich als junger Luftkurort im ange-
spannten Wettbewerb zu behaupten, so oder ähnlich könnte im Dialog erwidert werden.
Die zukünftigen touristischen Entwicklungen in Nieheim werden es zeigen.
Obwohl Nieheim* im Jahre 1993 und davor noch Erholungsort war, wurde dieser Ort in
die Untersuchungen über Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen einbezogen, denn an die-
sem Beispiel kann u.a. ein fließender Übergang von dem einen Status zum anderen auf-
gezeigt werden.
Von Nieheim* werden in Abb. 21, S. 141 die Daten der touristischen Grundkennzahlen
präsentiert. Auf eine Beschreibung der Graphenverläufe wird verzichtet, da die Darstel-
lungen selbsterklärend sind und in der Tabelle 30, S. 142 mit den polynomischen
Trendgleichungen 6.Grades eine genaue Beschreibung der Kurvenverläufe aller aufge-
führten touristischen Kennzahlen vorgenommen wird. Die in dieser Tabelle ebenfalls
angegebenen linearen Trendgleichungen geben Aufschluß darüber, ob in den Daten der
touristischen Kennzahlen gleichbleibende positive oder negative Entwicklungen zu er-
kennen sind.
Mit der vorgegebenen statistischen Sicherheit kann festgestellt werden, daß die Anzahl
der dort angebotenen Betten im Untersuchungszeitraum eine steigende Tendenz auf-
weist. Die Anzahl der Beherbergungsbetriebe zeigt ein fast ähnliches Verhalten, jedoch
sind bei diesem Merkmal die vorgegebenen statistischen Sicherheitsgrenzen nicht ganz
erreicht. Das Wachstum der Zahl der Beherbergungsbetriebe und angebotenen Gäste-
betten wäre in einem jungen aufstrebenden Luftkurort auch zu begrüßen, wenn die Bet-
tenauslastung auf dem gleichen Stand gehalten werden kann. Tatsächlich ist aber festzu-
stellen, daß die Auslastung nach einem starken Abfall von 46 % im Jahre 1991 auf 24 %
im Jahre 1992 gefallen ist, in den Folgejahren wieder leicht steigt, aber ab 1995 wieder
fällt und schließlich im Jahre 1997 nur einen Wert von 26 % erreicht.
Die Daten der verbleibenden Kennzahlen sind so gestreut, daß sich ein einheitlicher
Trend mit der gebotenen statistischen Sicherheit nicht bestimmen läßt. Somit läßt sich
auch eine gesicherte Prognose für die zukünftigen touristischen Entwicklungen im Luft-
kurort* nicht vorhersagen.
141
______________________________________________________________________
Abb. 21 : Touristische Kennzahlen von Nieheim*
FV-Intensität
0
500
1000
1500
2000
2500
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Bettenauslastung in %
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Anzahl Betriebe
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Ankünfte
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
1991 1992 1993 19941995 1996 1997
Anzahl Betten
0
100
200
300
400
500
600
700
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Übernachtungen
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
70000
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
142
______________________________________________________________________
Aufenthaltsdauer in Tagen
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
5
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Ausnder-Anteil
an allen Übernachtungen in %
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
1,2
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Tabelle 30 : Trendgleichungen der touristischen Kennzahlen Nieheims*
Bereich Lineare Trendgleichung
Polynomische Trendgleichung 6. Grades
Bestimmt-
heitsmaß
r2
Korrelations-
koeffizient
r
y = 0,3929 x + 5,1429 0,7961 0,8922
Betriebe y = 0,0069 x6 - 0,1708 x5 + 1,6319 x4 - 7,6458 x3 +
18,361 x2 - 21,183 x + 15 1,0000 1,0000
y = 56,25 x + 264,71 0,8827 0,9395
Betten y = 0,1042 x6 - 1,0708 x5 - 8,1042 x4 + 153,52 x3 - 752 x2
+ 1526,5 x – 670 1,0000 1,0000
y = -2,0768 x + 40,682 0,3362 0,5798
Auslastung
%y = -0,0286 x6 + 0,4199 x5 - 0,6398 x4 - 17,752 x3 +
109,81 x2 - 229,14 x + 183,89 1,0000 1,0000
y = 571,54 x + 10288 0,6524 0,8077
Ankünfte y = -16,749 x6 + 367,34 x5 - 3051,9 x4 + 11870 x3 -
21586 x2 + 16842 x + 6134 1,0000 1,0000
y = 3705,5 x + 40585 0,5943 0,7709
Nächte y = -80,36 x6 + 1699,9 x5 - 13279 x4 + 45699 x3 - 60921 x2
+ 11489 x + 57703 1,0000 1,0000
y = 0,1061 x + 3,9486 0,4927 0,7019
Dauer y = 0,0011 x6 - 0,0339 x5 + 0,412 x4 - 2,504 x3 + 7,8419 x2
- 11,377 x + 9,67 1,0000 1,0000
y = 98,095 x + 1289 0,5230 0,7232
FV-
Intensität y = -0,8398 x6 + 13,815 x5 - 50,172 x4 - 270,47 x3 +
2247,4 x2 - 4654,5 x + 4081,7 1,0000 1,0000
y = 0,0196 x + 0,37 0,0169 0,1300
Ausländer-
Anteil aller
Übernach-
tungen y = -0,027 x6 + 0,6494 x5 - 6,1198 x4 + 28,63 x3 - 69,098 x2
+ 80,166 x - 33,8 1,0000 1,0000
Quellen : LDS NRW 1991a - 1997a, eigene Berechnungen
143
______________________________________________________________________
Tabelle 31 : Einzelergebnisse aus Nieheim*
Rangfolge-
verfahren Wertzahlenverfahren
1. Durchgang Wertzahlenverfahren
2. Durchgang
Rang Soll-Pkte Ist-Punkte Soll-Pkte Ist-Punkte
I. Natur und Landschaft 1993 1997 1993 1997 1993 1997
1. Waldrandlänge in m/qkm 23 23 36,72 6,90 6,90 58,75 11,04 11,04
2. Gewässerrandlänge in m/qkm 23 23 36,72 19,04 19,04 58,75 30,47 30,47
3. LNF in % 10 10 36,72 4,15 4,15 58,75 6,64 6,64
4. Freizeit-, Erholungsfläche in % 17 17 36,72 1,81 1,81 58,75 2,90 2,90
5. Bebaute Fläche in % 10 10 36,72 16,74 16,74 58,75 26,79 26,79
6. Höhenunterschied in m 13 13 36,72 23,60 23,60 58,75 37,77 37,77
7. Höhenlage nach Metern über NN 3 3 36,72 11,44 11,44 58,75 18,30 18,30
8. Klima 4 4 36,72 9,18 9,18 58,75 14,69 14,69
Zwischenergebnis 15 15 293,75 92,87 92,87 470,00 148,59 148,59
II. Freizeitinfrastruktur
1. Kurpark Erreichbarkeit 1 1 32,19 32,19 32,19 51,50 51,50 51,50
2. Kurpark Zustand 4 4 32,19 16,09 16,09 51,50 25,75 25,75
3. Haus des Gastes 3 3 32,19 22,53 22,53 51,50 36,05 36,05
4. Kur-, Wanderwege 3 3 32,19 16,09 16,09 51,50 25,75 25,75
5. Unterhaltungsangebot 3 3 32,19 16,09 16,09 51,50 25,75 25,75
6. Fortbildungsangebot 5 6 32,19 5,36 5,36 51,50 8,58 8,58
7. Kulturangebot 2 2 32,19 12,88 12,88 51,50 20,60 20,60
8. Sportangebot 14 14 32,19 13,03 13,03 51,50 20,85 20,85
Zwischenergebnis 10 14 257,50 134,27 134,27 412,00 214,83 214,83
III. Beherbergung u. Versorgung
1. Fremdenverkehrsintensität 11 10 25,78 3,62 3,74 41,25 5,79 5,99
2. Aufenthaltsdauer in Tagen 9 8 25,78 5,33 7,80 41,25 8,53 12,48
3. Jährliche Auslastung in Tagen 12 18 25,78 11,98 13,45 41,25 19,16 21,52
4. Komfortzimmeranteil in % 6 6 25,78 25,13 25,11 41,25 40,21 40,17
5. Ø Bettenanz. in Meldebetr. 22 22 25,78 11,85 12,34 41,25 18,96 19,74
6. Anteil Kleinbetriebe in % 19 19 25,78 4,68 5,37 41,25 7,48 8,60
7. Gastronomiequalität 3 3 25,78 12,89 12,89 41,25 20,63 20,63
8. Einkaufsmöglichkeiten 2 2 25,78 12,89 12,89 41,25 20,63 20,63
Zwischenergebnis 14 16 206,25 88,36 93,59 330,00 141,38 149,75
IV. sozioökonomische Faktoren
1. Bevölkerungsdichte 8 8 43,30 11,78 11,22 26,00 7,07 6,73
2. stedichte 15 10 43,30 5,01 9,40 26,00 3,01 5,64
3. Beschäftigte im II. Sektor in % 5 5 43,30 30,59 33,07 26,00 18,35 19,84
Zwischenergebnis 6 3 130,00 47,38 53,68 78,00 28,43 32,21
V. Erreichbarkeit des Ortes
1. nächste BAB-Abfahrt in km 20 20 20,00 4,65 4,65 20,00 4,65 4,65
2. nächster Bahnhof in km 5 5 20,00 2,86 2,86 20,00 2,86 2,86
3. Anz. ÖPNV-Aktionen (Werktag) 6 6 20,00 8,44 7,24 20,00 8,44 7,24
4. Anz. ÖPNV-Aktionen (Samstag) 5 6 20,00 8,67 9,48 20,00 8,67 9,48
5. Anz. ÖPNV-Aktionen (Sonntag) 4 6 20,00 12,97 13,89 20,00 12,97 13,89
Zwischenergebnis 5 6 100,00 37,60 38,12 100,00 37,60 38,12
VI. Negativfaktoren
1. Lärmbelästigung im Kurpark 4 4 -62,85 -47,19 -47,19 -37,75 -28,31 -28,31
2. Ortsbildmängel 3 3 -62,85 -31,46 -31,46 -37,75 -18,88 -18,88
3. Neg. Einflüsse d. Gewerbe / Ind. 3 3 -62,85 -31,46 -31,46 -37,75 -18,88 -18,88
Zwischenergebnis 7 7 -188,75 -110,10 -110,10 -113,25 -66,06 -66,06
VII Bewertungsergebnis 12 10 798,75 290,37 302,43 1276,75 504,76 517,44
144
______________________________________________________________________
In Tabelle 31, S. 143 werden die Einzelergebnisse aus den Modellstufen 1 und 2 zu-
sammenfassend präsentiert. Die besten Plazierungen im Rangfolgeverfahren des Be-
wertungsmodells hat Nieheim* im Bereich Sozioökonomie erreicht. Durch die Verstär-
kung der Gästedichte war sogar im Untersuchungszeitraum eine Verbesserung von Platz
6 auf Platz 3 möglich.
Vergleicht man die Ränge der jeweiligen Kennzahlen, so kann kaum eine Veränderung
in den Beobachtungsjahren festgestellt werden. Aber durch die Anstrengungen in den
anderen Luftkurorten* hat sichr Nieheim* in den Komplexen II, III, V eine Rangver-
schlechterung ergeben. Durch zahlreiche Gleichränge in den Wertefolgen vieler Kenn-
zahlen hat sich nach Bildung der Summenränge und anschließender Sortierung für Nie-
heim im Analysezeitraum trotzdem noch eine Verbesserung des Gesamtergebnisses vom
12. auf den 10. Rang darstellen lassen.
Im Wertzahlenverfahren des Bewertungsmodells zeigte sich für Nieheim* in allen Teil-
bereichen, daß meistens noch nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte angerechnet
werden konnte. So wurden für den Bereich ´ Natur und Landschaft ´ im ersten und
zweiten Durchgang nur rund 32 % der zu erreichenden Punkte verbucht. Auch in dem
sehr wichtigen Komplex ´ Beherbergung und Versorgung ´ lag die Erfolgsquote nur bei
rund 43 %. Vergleicht man in diesem Bereich die Einzelergebnisse, so waren bis auf
zwei Ausnahmen jeweils leichte Punktzunahmen zu verzeichnen. Besonders deutlich er-
scheint dieser Tatbestand bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer und bei der Bet-
tenauslastung. Auch die Merkmale Gästedichte und Beschäftigte im II. Wirtschaftssek-
tor weisen im Untersuchungszeitraum leichte Verbesserungen auf, die sich dann in einer
leicht höheren Punktzahl bemerkbar gemacht haben.
Die doch schon zum Teil störende Lärmbelästigung im Kurpark läßt sich mit den häufi-
gen Sport- und Spielveranstaltungen auf den Spielflächen im Kurpark sowie auf die La-
ge zur nahegelegenen Grundschule und zum Kindergarten erklären. Die Absicht, viele
Funktionen der Stadt in der vorgenommenen räumlichen Anordnung des Kurparks zu
bündeln, muß fehlschlagen. Ruhe und Erholung, wie man sie eigentlich im Kurpark er-
wartet, läßt sich nicht mit fast ständiger Lärmbeeinträchtigung vereinbaren.
Auch am Ortsbild muß noch einiges getan werden. Einige alte nicht mehr benutzte Ge-
bäude bieten keinen schönen Anblick und sollten entweder saniert oder abgerissen wer-
den. Die durch Abriß entstehenden Freiflächen bedürfen anschließend einer neuen oder
145
______________________________________________________________________
anderen Funktionszuweisung, da auch brachliegende, nicht gepflegte Flächen das Stadt-
gefüge nicht verbessern.
Die Übernachtungsgäste brachten den Beherbergungsbetrieben im Untersuchungsjahr
1993 einen Umsatz von rd. 6,54 Mio. DM und im Jahr 1997 von rd. 7,43 Mio. DM
(nach dem Berechnungsansatz von ZEINER / HARRER 1992, S. 186 ff). Die Über-
nachtungen in den Jahren 1993 und 1997 sicherten in Nieheim 73 bzw. 77 Vollarbeits-
plätze im Gastgewerbe (nach dem Ansatz KOCH 1986, S. 151 ff: 780 Übernachtungen
=
ˆ 1 Vollarbeitsplatz).
Abschließend sei gesagt, daß Nieheim* Zeit und Gelegenheit gegeben werden sollte,
aktiv an seiner Ausstattung als Luftkurort zu arbeiten, denn nach den wenigen Jahren
mit dieser Prädikatisierung (1994 – 1997) kann und darf man noch keine Bestzustände
erwarten.
3.5.3 Zusammenfassung der Einzelergebnisse
Wie oben schon angedeutet, ist hier nicht der Raum für jeden Luftkurort* gegeben, alle
Einzelheiten zu präsentieren, wie es beispielhaft bei den vorgestellten Orten geschehen
ist. Auch wenn im Anhang Detailergebnisse für jeden Ort dargestellt werden, ist es für
eine Zusammenfassung hilfreich, wenn die touristische Situation in den Luftkurorten*
durch Angabe der Trendergebnisse der Grundkennzahlen beschrieben wird. Zur Verein-
fachung werden in Tabelle 32, S. 146 folgende Abkürzungen verwendet:
p(ositiv) = statistisch gesicherter positiver Trend
n(egativ) = statistisch gesicherter negativer Trend
= keine Trendaussage möglich
Nur für wenige Luftkurorte* und touristische Kennzahlen ließen sich statistisch hinrei-
chend gesicherte Prognosen auf der Basis der zurückliegenden Jahre 1991 – 1997 dar-
stellen. In den anderen Fällen wäre der potentielle Prognosefehler einfach zu hoch ge-
wesen. Darum mußte in diesen Fällen auf Aussagen zur zukünftigen Entwicklung ver-
zichtet werden.
Positive Entwicklungen:
Bei den positiven Prognosen konnte Brakel* wegen der Zunahme des Bettenangebots
erwähnt werden. Lage-Hörste und Nieheim* erscheinen zweimal auf der Positivliste: So
146
______________________________________________________________________
wurden bei der Anzahl der Meldebetriebe und bei der Anzahl angebotener Betten eine
steigende Tendenz prognostiziert.
Inwieweit allerdings eine Erhöhung des Übernachtungsangebots aus betriebswirtschaft-
licher Sicht einen Wettbewerbsvorteil bietet, ist erst dann zu entscheiden, wenn auch die
touristische Nachfrage mindestens in gleicher Weise zunimmt. Andernfalls entsteht eine
geringere Bettenauslastung, die keinesfalls erwünscht ist.
Tabelle 32 : Zusammenfassung der Trendergebnisse
Lfd. Nr.
Luftkurorte*
Anzahl
Meldebetriebe
Anzahl Betten
Bettenauslastung
Anzahl
Ankünfte
Anzahl
Übernachtungen
Durchschnittl.
Aufenthaltsdauer
Fremdenver-
kehrsintensität
Anteil Ausländer-
Übernachtungen
1Brakel* n p
2 Brilon*
3 Eslohe* n n
4 Freudenberg*
5 Heimbach* n
6Holzhsn-Externst. n nnnnn
7 Hö.-Bruchhausen
8 Ki.-Oberhundem n n
9 Lage-Hörste p p n
10 Le.-Saalhausen n n
11 Nieheim* p p
12 Pr. Oldendorf*
13 Pr.-Holzhausen n
14 Pr.-Börninghausen n n n n
15 Rödinghausen*
16 Schmallenberg* n
17 Schm.-Grafschaft n n n
18 Schm.-Nordenau n n
19 Su.-Langscheid n n n n
20 Tecklenburg* n n
21 Vlotho-Valdorf
22 Wa.-Germete n
23 Willebadessen* n
Quellen : eigene Auswertungen und Berechnungen
147
______________________________________________________________________
Negative Entwicklungen:
Eslohe* wird sich überlegen müssen, wie den prognostizierten Trends rückläufiger Be-
herbergungsbetriebe und rückläufiger Übernachtungen entgegengewirkt werden kann.
In Heimbach* hat man sich um die rückläufige Bettenauslastung zu kümmern.
Holzhausen-Externsteine sollte sich wie Eslohe* um Gegenmaßnahmen zu den rück-
läufig prognostizierten Übernachtungszahlen und den rückläufigen Beherbergungsbe-
trieben bemühen. Darüber hinaus muß man sich um die rückläufigen Ankünfte, die zu-
rückgehende durchschnittliche Aufenthaltsdauer und die Rückgänge bei den Übernach-
tungen ausländischer Besucher kümmern. Maßnahmen in fast allen touristischen Berei-
chen würden dann schließlich auch die Abnahme der Fremdenverkehrsintensität ins Ge-
genteil kehren.
In Ki.-Oberhundem sind Bettenauslastung und Anzahl Gästeankünfte rückläufig.
In Lage-Hörste mußte eine rückläufige Bettenauslastung prognostiziert werden. Sie
kann als Folge der voraussichtlichen Steigerung von Bettenzahlen und Anzahl der Mel-
debetriebe erklärt werden.
Für Le.-Saalhausen wurden rückläufige Bettenzahlen prognostiziert; ein nicht unbe-
dingt besorgniserregender Zustand, da dadurch bei gleichbleibenden Übernachtungs-
zahlen mit einer besseren Bettenauslastung gerechnet werden könnte. Aber hinzu kom-
men noch die rückläufigen Zahlen bei den Gästeankünften, so daß auch in diesem Luft-
kurort* touristischer Handlungsbedarf besteht.
In Pr.-Holzhausen besteht ein negativer Trend bei den Gästeankünften. Er läßt sich nur
durch die Rückgänge im klinischen Gesundheitstourismus erklären.
In Pr.-Börninghausen sollten Maßnahmen geprüft werden, ob die rückläufigen Gäste-
ankünfte, rückläufigen Übernachtungen und die rückläufige Auslastung wenigstens zum
Teil verhindert werden können oder ob man den Luftkurortbetrieb hier einstellen sollte.
Für Schm.-Grafschaft werden die rückläufigen Ankünfte und Übernachtungen verbun-
den mit den rückläufigen Auslastungszahlen noch nicht besorgniserregend sein. Es ist
anzuraten, ständig den Verlauf der Übernachtungszahlen zu kontrollieren, um den Zeit-
punkt von gezielten Gegenmaßnahmen nicht zu verpassen.
In Schm.-Nordenau ist in der Anzahl der Beherbergungsbetriebe und bei den Anteilen
an Übernachtungen von ausländischen Gästen ein negativer Trend festzustellen. Diese
Sachverhalte sind für den Übernachtungstourismus des Ortes noch nicht schwerwie-
gend, sollten aber dennoch genau beobachtet werden.
148
______________________________________________________________________
In Su.-Langscheid wird man sich überlegen müssen, wie den prognostizierten Trends
rückläufiger Gästeankünfte, Übernachtungen und rückläufiger Aufenthaltsdauer durch
gezielte Maßnahmen begegnet werden kann. Nur gezielte Strategien werden dazu füh-
ren, daß auch der negative Trend in der Fremdenverkehrsintensität gestoppt und umge-
kehrt werden kann.
Tecklenburg* wird mit zwei negativen Trends fertig werden müssen: Rückläufige
Bettenzahlen und rückläufige Übernachtungen. Nur ein umfassendes und abgestimmtes
Fremdenverkehrskonzept kann hier Abhilfe schaffen.
In Wa.-Germete haben die Übernachtungsbetriebe mit rückläufiger Aufenthaltsdauer zu
kämpfen. Wer einmal in diesem kleinen Luftkurort* gewesen ist, weiß, daß dort die
Freizeitinfrastruktur über ein bescheidenes Angebot verfügt. Nur durch zusätzliche An-
gebote, auch im Freizeitbildungsbereich, können Touristen länger an den Ort gebunden
werden.
Die in Willebadessen* rückläufige Tendenz bei den Beherbergungsbetrieben könnte
nur dann für den Fremdenverkehr des Ortes von existentieller Bedeutung werden, wenn
durch die weitere Schließung von Betrieben kein ausreichendes Übernachtungsangebot
präsentiert werden kann. Über den Statistikteil hinaus sind im Ort viele kleine Anzei-
chen zu erkennen, die zum jetzigen Zeitpunkt die Existenz eines Luftkurortbetriebes
ernsthaft in Frage stellen.
3.5.4 Strategie-Szenario
Bei der Analyse der Einzelergebnisse wurde in vielen Luftkurorten* deutlich, daß die
Beherbergungsbetriebe allein aufgrund ihrer geringen Auslastung in den zurückliegen-
den Jahren ständig am Rande der Existenzschwelle gearbeitet haben. Nach Auskunft des
Hotel- und Gaststättenverbandes sollte ein Übernachtungsbetrieb mindestens eine
durchschnittliche Bettenauslastung von ca. 60 % aufweisen, um mittelfristig existieren
zu können. Gegen diese Angabe sprechen zunächst die Auslastungszahlen (34 % – 40
%) im deutschen klinischen Gesundheitstourismus (vgl. Abb. 24, S.158). Aber wie auf
dem 94. Deutschen Bädertag in Bad Elster zu erfahren war, mußten bisher 250 Reha-
Kliniken infolge zu geringer Auslastung schließen, und der Verlust von 40 000 Arbeits-
plätzen im Zuge der Gesundheitsreform war nicht zu vermeiden.
Da die meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe aber meistens auch ein Restaurant- bzw.
Gaststättenangebot mit höheren Gewinnmargen aufweisen, konnte bisher in vielen Be-
149
______________________________________________________________________
trieben ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erwirtschaftet werden. Sollten aber auch
noch die Gewinne im Restaurant- bzw. Gaststättenbereich dieser kombinierten Betriebe
zurückgehen, müßte deutlicher und gezielter nach Auswegen gesucht werden.
In den Übernachtungsbetrieben muß es deshalb vorrangigstes Ziel sein, die Bettenausla-
stung stetig zu erhöhen. Um mögliche Entwicklungen in der Bettenauslastung der mel-
depflichtigen Beherbergungsbetriebe in den Luftkurorten* Nordrhein-Westfalens ab-
schätzen zu können, wurde ein Strategie-Szenario entwickelt: Wie ließe sich die Bet-
tenauslastung positiv verändern? .
Es wird nicht sinnvoll sein, in Kenntnis der touristischen Situation in den Luftkurorten*
eine Erhöhung des Bettenangebotes in den vorhandenen Übernachtungsbetrieben oder
durch Eröffnung weiterer Betriebe in den Luftkurorten anzunehmen, da jede weitere
Bettenzunahme die Auslastung verringern würde.
Die Bettenauslastung kann direkt nur auf zwei verschiedenen Wegen verändert werden:
1. Möglichst viele neue Kontakte zu potentiellen Gästen des Luftkurortes* knüpfen,
damit sich diese für einen Aufenthalt im Ort entscheiden.
2. Die vorhandenen Gäste durch gezielte Maßnahmen länger an den Luftkurort* bin-
den, d.h. die durchschnittliche Aufenthaltsdauer erhöhen.
Beide Wege führen zur Erhöhung der Übernachtungszahl im Luftkurort* und diese Ver-
änderung führt bei konstantem Bettenangebot zur Erhöhung der Bettenauslastung. Es ist
naheliegend, daß durch eine Verknüpfung der beiden Wege das gesetzte Ziel noch bes-
ser erreicht werden kann. Mit Hilfe des Strategie-Szenarios soll zunächst geklärt wer-
den, welcher Weg der effektivere ist.
Zum besseren Verständnis des Rechenvorganges im Strategie-Szenario müssen in Ab-
hängigkeit des gewählten Weges noch einige Vorbemerkungen gemacht werden. Be-
gonnen wird mit den erreichten Werten aus dem Jahr 1997. Hochgerechnet wird die
Ausgangskennzahl auf das Zieljahr 2007 mit einem über die gesamte Zeit linearen jähr-
lichen Wachstum von 1, 2, 3 % oder mit einem linearen jährlichen Rückgang von 1, 2, 3
%. Kombinationen von Wachstum und Rückgang, die über die gesamte zeitliche Di-
stanz auch denkbar sind, müssen hier ausgeschlossen werden, da sich sonst das gestellte
Problem als mathematisch nicht lösbar erweist.
Im ersten Weg wird bei den neuen Gästen vorausgesetzt, daß sie mindestens so lange im
Ort bleiben, wie es die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Jahr 1997 vorgibt; m.a.W.
während der Berechnung bleibt die Aufenthaltsdauer konstant. Im zweiten Weg wird
150
______________________________________________________________________
angenommen, daß sich die Anzahl der Gäste eines Luftkurortes* nicht erhöht und mit
dem konstanten Wert aus dem Jahr 1997 in die Berechnung eingeht. Denkbare Kombi-
nationen, welche die Konstanz auflösen, münden ebenfalls in mathematisch nicht lösba-
ren Aufgaben. Somit führen die Ergebnisse des Szenarios zwar zu irrealen Situationsbe-
schreibungen, dienen dennoch einer Abschätzung des anfangs gestellten Problems.
Im Strategie-Szenario kann Willebadessen* nicht berücksichtigt werden, da für dasAus-
gangsjahr1997 die Daten des Ortes aus den oben erläuterten Gründen fehlen.
In der besten Variante eines Zuwachses von 3 % bei den Ankunftszahlen würden nur die
Betriebe in Brilon*, Eslohe*, Holzhausen-Externsteine, Pr. Holzhausen, Rödinghau-
sen*, Tecklenburg* und Vlotho-Valdorf eine Bettenauslastung von mehr als 50 % als
wünschenswerten Schwellenwert erreichen. Alle anderen Orte müssen auch weiterhin
mit geringeren Auslastungen ihrer Beherbergungsbetriebe fertig werden.
Tabelle 33 : Änderungen der Ankünfte
Luftkurorte* Jahr 1997 2007 2007 2007 2007 2007 2007
Veränderung
der Ankünfte
um
+ 1 % + 2 % + 3 % - 1 % - 2 % - 3 %
Bettenauslastung in %
1 Brakel* 27,80 30,71 33,89 37,36 25,14 22,71 20,50
2 Brilon* 48,52 53,60 59,15 65,21 43,88 39,65 35,78
3 Eslohe* 40,64 44,90 49,54 54,62 36,76 33,21 29,97
4 Freudenberg* 30,08 33,23 36,67 40,43 27,21 24,58 22,19
5 Heimbach* 13,82 15,26 16,84 18,57 12,49 11,29 10,19
6 Holzhsn-Externst. 42,72 47,19 52,07 57,41 38,63 34,90 31,50
7 Hö.-Bruchhausen 25,78 28,47 31,42 34,64 23,31 21,06 19,01
8 Ki.-Oberhundem 32,15 35,51 39,19 43,20 29,07 26,27 23,71
9 Lage-Hörste 29,67 32,77 36,16 39,87 26,83 24,24 21,88
10 Le.-Saalhausen 32,71 36,14 39,88 43,97 29,59 26,73 24,12
11 Nieheim* 26,04 28,76 31,74 34,99 23,55 21,27 19,20
12 Pr. Oldendorf* 26,52 29,30 32,33 35,64 23,99 21,67 19,56
13 Pr.-Holzhausen 39,40 43,52 48,03 52,95 35,63 32,19 29,05
14 Pr.-Börninghausen 4,68 5,17 5,71 6,29 4,23 3,83 3,45
15 Rödinghausen* 40,87 45,14 49,82 54,92 36,96 33,39 30,14
16 Schmallenberg* 30,45 33,63 37,11 40,92 27,54 24,88 22,45
17 Schm.-Grafschaft 26,59 29,37 32,41 35,73 24,04 21,72 19,61
18 Schm.-Nordenau 34,35 37,95 41,87 46,17 31,07 28,07 25,33
19 Su.-Langscheid 15,99 17,67 19,49 21,49 14,46 13,07 11,79
20 Tecklenburg* 50,26 55,52 61,27 67,55 45,46 41,07 37,07
21 Vlotho-Valdorf 42,10 46,51 51,32 56,58 38,08 34,40 31,05
22 Wa.-Germete 26,59 29,37 32,41 35,73 24,04 21,72 19,61
Quelle : LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
151
______________________________________________________________________
In der schlechtesten Variante eines Rückganges von 3 % bei den Ankunftszahlen wür-
den die Betriebe in Brilon*, Holzhausen-Externsteine, Rödinghausen*, Tecklenburg*
und in Vlotho-Valdorf in der Bettenauslastung einen minimalen Schwellenwert von
mehr als 30 % erreichen. Alle anderen Betriebe lägen mit ihrer Auslastung weit darun-
ter.
Tabelle 34 : Veränderungen der Aufenthaltsdauer
Luftkurorte* Jahr 1997 2007 2007 2007 2007 2007 2007
Veränderung
der Aufent-
haltsdauer
um
+ 1 % + 2 % + 3 % - 1 % - 2 % - 3 %
Bettenauslastung in %
1 Brakel* 27,80 30,71 33,89 37,36 25,14 22,71 20,50
2 Brilon* 48,52 53,60 59,15 65,21 43,88 39,65 35,78
3 Eslohe* 40,64 44,90 49,54 54,62 36,76 33,21 29,97
4 Freudenberg* 30,08 33,23 36,67 40,43 27,21 24,58 22,19
5 Heimbach* 13,82 15,26 16,84 18,57 12,49 11,29 10,19
6 Holzhsn-Externst. 42,72 47,19 52,07 57,41 38,63 34,90 31,50
7 Hö.-Bruchhausen 25,78 28,47 31,42 34,64 23,31 21,06 19,01
8 Ki.-Oberhundem 32,15 35,51 39,19 43,20 29,07 26,27 23,71
9 Lage-Hörste 29,67 32,77 36,16 39,87 26,83 24,24 21,88
10 Le.-Saalhausen 32,71 36,14 39,88 43,97 29,59 26,73 24,12
11 Nieheim* 26,04 28,76 31,74 34,99 23,55 21,27 19,20
12 Pr. Oldendorf* 26,52 29,30 32,33 35,64 23,99 21,67 19,56
13 Pr. Holzhausen 39,40 43,52 48,03 52,95 35,63 32,19 29,05
14 Pr.-Börninghausen 4,68 5,17 5,71 6,29 4,23 3,83 3,45
15 Rödinghausen* 40,87 45,14 49,82 54,92 36,96 33,39 30,14
16 Schmallenberg* 30,45 33,63 37,11 40,92 27,54 24,88 22,45
17 Schm.-Grafschaft 26,59 29,37 32,41 35,73 24,04 21,72 19,61
18 Schm.-Nordenau 34,35 37,95 41,87 46,17 31,07 28,07 25,33
19 Su.-Langscheid 15,99 17,67 19,49 21,49 14,46 13,07 11,79
20 Tecklenburg* 50,26 55,52 61,27 67,55 45,46 41,07 37,07
21 Vlotho-Valdorf 42,10 46,51 51,32 56,58 38,08 34,40 31,05
22 Wa.-Germete 26,59 29,37 32,41 35,73 24,04 21,72 19,61
Quelle : LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
Nach der Hochrechnung mit einem linearen jährlichen Zuwachs von 3% bei der durch-
schnittlichen Aufenthaltsdauer zeigt sich im Jahr 2007, daß die Betriebe in Brilon* und
Tecklenburg* mit einer Auslastung von mehr als 60 %, in Eslohe*, Holzhausen-
Externsteine, Pr.-Holzhausen, Rödinghausen* und Vlotho-Valdorf mit einer Auslastung
von mehr als 50 % rechnen könnten.
152
______________________________________________________________________
Nimmt man dagegen einen linearen jährlichen Rückgang von - 3 % bei der durch-
schnittlichen Aufenthaltsdauer an, so könnten nur die Betriebe in Brilon*, Holzhausen-
Externsteine, Rödinghausen*, Tecklenburg* und Vlotho-Valdorf im Jahr 2007 eine
Bettenauslastung von mehr als 30 % erreichen.
Im Vergleich der Ergebnisse aus der Tabelle 33 und der Tabelle 34 zeigt die Verände-
rung der Aufenthaltsdauer bessere Wirkungen bei der Bettenauslastung. Deshalb kann
eine Empfehlung an die Tourismusmanager der Luftkurorte* lauten, eine Strategie zur
Verlängerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer zu erarbeiten und umzusetzen.
Auch in diesem Strategie-Szenario konnte gezeigt werden, daß die Beherbergungsbe-
triebe in vielen Luftkurorten* zukünftig von keiner mittelfristig gesicherten Existenz
ausgehen können. Es wird weiterhin ein scharfer Wettbewerb zur existentiellen Siche-
rung der Übernachtungsbetriebe erforderlich sein.
3.6 Zusammenfassung
Es konnte in der 1. Stufe des Bewertungsmodells für Luftkurorte gezeigt werden, daß
Rangfolgeverfahren sich zum Vergleich von Einzelaspekten des Tourismus in Luftkur-
orten eignen. Wenn sie auch innerhalb des erfaßten Themenbereichs eine Bewertung
durch die errechnete bzw. bestimmte Maßzahl hervorrufen und anschließend eine ange-
ordnete Zahlenfolge vorliegt, so ist der erreichte Rang eines Ortes in diesem Verfahren
nur ein Ausdruck für diesen speziell betrachteten Sachverhalt. Übergeordnete Sachver-
halte werden nicht berücksichtigt.
Das vorgestellte Wertzahlenverfahren in der 2. Stufe des mikrostrukturellen Bewer-
tungsmodells für Luftkurorte ist zur Bewertung von Fremdenverkehrsaktivitäten we-
sentlich besser geeignet als das Rangfolgeverfahren, da hier ein ganzheitlicher Ansatz
verfolgt wird.
In beiden Stufen werden die Ergebnisse in einer Klassifizierung der Untersuchungsorte
zusammengefaßt. Obwohl die angewandten Methoden zur Klassenbildung die gleiche
Grundstruktur aufweisen, führen sie zu partiell verschiedenen Ergebnissen. Auch an
diesen Stellen konnte gezeigt werden, daß das Verfahren in der 2. Stufe des Bewer-
tungsmodells erheblich feinere Abstimmungen zuläßt.
153
______________________________________________________________________
4. Perspektiven im Tourismus der Luftkurorte
4.1 Aktivitäten im Gesundheitstourismus
Um die Chancen und Risiken von Luftkurorten im Zuge der sich abzeichnenden Verän-
derungen im Gesundheitstourismus besser einschätzen und abgrenzen zu können, ist es
notwendig, zunächst eine Analyse dieser Tourismussparte vorzunehmen. Dabei stehen
überwiegend nationale Entwicklungen im Vordergrund. Aber auch die ausländischen
Gesundheitstouristen in Deutschland sind in die Betrachtungen einzubeziehen. Darüber
hinaus soll auch ein Ausblick in Richtung europäischer Gesundheitstourismus nicht
fehlen.
4.1.1 Anmerkungen zur Statistik des Deutschen Bäderverbandes
Der Deutsche Bäderverband führt über direkte jährliche Vollerhebung bei seinen Mit-
gliedern seit 1947 die Bäderstatistik, eine anerkannte Fachstatistik, „ die wegen ihrer be-
sonderen Erhebungsart und ihrer auf die speziellen Bedürfnisse des Kur- und Bäderwe-
sens ausgerichteten Interpretation für die Sozialpolitik einen hohen Stellenwert hat “
(DEUTSCHER BÄDERVERBAND 1994, S. 36).
Die Bäderstatistik weist erhebliche Unterschiede zur amtlichen Beherbergungsstatistik
des Statistischen Bundesamtes (Fachserie 6, Reihe 7.1) auf. Sie beabsichtigt, die beson-
dere Situation aller staatlich anerkannten Heilbäder und Kurorte aus gesundheitspoliti-
scher Sicht darzustellen.
Während die amtliche Fremdenverkehrsstatistik jede Übernachtung in auskunftspflich-
tigen Beherbergungsbetrieben (mehr als acht Betten) registriert, erfaßt die Bäderstatistik
nur Gäste und ihre Übernachtungen, wenn diese mindestens vier Nächte im Kurort blei-
ben. Die Größe der Übernachtungsbetriebe spielt dabei keine Rolle. So werden beson-
ders auch die Kleinbetriebe mit Privatzimmern und Privatpensionen sowie Ferienwoh-
nungen und Ferienhäuser mit weniger als neun Betten in die Erfassung einbezogen. So-
mit erfaßt die Statistik des Bäderverbandes weitestgehend den Tourismus, der überwie-
gend einen medizinisch begründbaren Erholungseffekt mit gesundheitlicher Auswirkung
enthält. Kurzurlauber, Wochenendausflügler und auch Kongreßbesucher sowie Ge-
schäftsreisende werden in der Bäderstatistik nicht erfaßt, obwohl sie aus wirtschaftlicher
Sicht für die betroffenen Heilbäder und Kurorte einen nicht wegzudenkenden Umsatz-
anteil erzeugen.
154
______________________________________________________________________
Die Bäderstatistik unterscheidet u.a. zwischen Sozialkurgästen und Privatkurgästen.
„Als Sozialkurgäste werden grundsätzlich alle Kurpatienten ausgewiesen, bei denen ein
gesetzlicher Sozialleistungsträger - für die Kurverwaltung erkennbar - die Kosten der
Kurmaßnahme voll übernimmt oder dazu einen Zuschuß leistet. Patienten, die den Auf-
enthalt und die Kurmittelanwendungen am Kurort selbst finanzieren, gelten - auch bei
späterer teilweiser Rückerstattung durch einen anderen Leistungsträger - als Privatkur-
gäste“ (DEUTSCHER BÄDERVERBAND 1994, S. 40).
Die Bäderstatistik erfaßt auch die Abgabe von Kurmitteln sowie das Aufkommen der
Kurtaxe. Weiterhin werden die ambulanten Vorsorge- und Rehabilitationskuren erfaßt.
In der Bäderstatistik 1993 werden erstmals die Mitgliedsbetriebe in den östlichen Bun-
desländern erfaßt. Damit bietet die Statistik auch verläßliche Zahlen über das Kur- und
Fremdenverkehrswesen in den neuen Bundesländern, die jährlich gesondert ausgewie-
sen werden.
4.1.2 Stationäre Vorsorge- und Rehabilitationskuren
Die Entwicklungen im klinischen Gesundheitstourismus sind den aufgezeichneten Da-
ten der Bäderstatistik zu entnehmen. In dieser Abhandlung wird nur auf Zahlen aus den
westlichen Bundesländern zurückgegriffen, da Vergleichszahlen aus den östlichen Bun-
desländern vom DEUTSCHER BÄDERVERBAND erst seit 1993 erhoben werden. Sie
lassen bisher eine statistische Bewertung kaum zu.
Die Statistik unterscheidet zwischen Privat- und Sozialgästen in stationären Heilbe-
handlungen und damit auch zwischen Heilkuren, die privat oder von Sozialversiche-
rungsträgern finanziert werden. Eine weitere Unterscheidung nach Art, Zweck oder
Krankheit wird offiziell vom DEUTSCHEN BÄDERVERBAND nicht vorgenommen.
So lassen sich Differenzierungen zwischen Prävention und Rehabilitation nicht darstel-
len.
In der Abb. 22, S. 155 werden die Anteile von Privat- und Sozialkurgästen im Untersu-
chungszeitraum von 1973 - 1996 dargestellt. Als dritte Größe werden alle Gäste der Bä-
derwirtschaft (in den registrierten Mitgliedsbetrieben des Verbandes) aufgezeigt. Wenn
auch die Gesamtgästezahl des klinischen Gesundheitstourismus in den zurückliegenden
21 Jahren fast immer von Jahr zu Jahr leicht angestiegen ist, Ausnahmen bilden die Jah-
re 1975/1976, 1981/1982, 1991/1992, so zeigt sich in der genaueren Differenzierung,
daß diese Zunahmen nur den privatzahlenden Gästen zu verdanken sind.
155
______________________________________________________________________
Abb. 22 : Gesamt-, Privat- und Sozialkurgäste (1973 - 1996)
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0
2000
4000
6000
8000
10000
73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96
Sozial
g
äste
Privatgäste
Gesamt
Jahr
Gäste
in Tsd.
Quelle : DBV 1997, S. 58, eigener Abbildungsentwurf
Diese Gästegruppe hat im Berichtszeitraum von Jahr zu Jahr fast immer einen Zuwachs
verzeichnen können, wenn man einmal von den geringfügigen Rückgängen in den Jah-
ren 1973/74, 1978/79, 1980/81 absieht. Innerhalb von 19 Jahren (1973 - 1991) hat sich
die Zahl der Privatgäste von 3 787 000 auf 7 903 000 mehr als verdoppelt. Vielfältige
Gründe können für diese Entwicklung genannt werden:
Wachsender Wohlstand in weiten Teilen der Bevölkerung,
Verbessertes Gesundheitsbewußtsein in einer stärkeren Selbstkontrolle der Lebens-
führung,
Fortschritte in der medizinischen Behandlung, Vorsorgeuntersuchungen, Erfolge bei
rechtzeitiger Diagnose,
Zunahme von Freizeit und Abnahme von Arbeitszeit,
Soziale Veränderungen und zunehmende Mobilität,
Kostendämpfungsgesetze im Gesundheitswesen, hervorgerufen durch die dramati-
schen Ausgabensteigerungen für Gesundheit.
Diese Veränderungen in der Gesellschaft führten zu unübersehbaren Folgen. In der Zeit
von 1970 bis 1991 haben sich die Ausgaben für Gesundheit in den westlichen Bundes-
156
______________________________________________________________________
ländern jährlich je Einwohner von 1149 DM auf 5220 DM erhöht (STATISTISCHES
BUNDESAMT 1994, S. 195).
Auch die Privatzahler reagierten. Der Aufwärtstrend vollzog sich bei den Privatgästen
nur bis ins Jahr 1993. In den Jahren 1994, 1995 und 1996 nahm die Zahl der privatzah-
lenden Gäste ab und erreichte in 1996 nur einen Wert von 7671 000.
Auch wenn das Sozialkurwesen immer wieder als Rückgrat der Kurorte dargestellt wird,
das die Basis der kurörtlichen Leistungsstruktur vorgibt, so wird der Kurverkehr in den
westlichen Bundesländern im Berichtszeitraum mit rd. 70 % durch die privatzahlenden
Gäste gestützt (DBV 1997, S. 58).
Die Heilbehandlungen der privaten Kurgäste sind erheblich kürzer als die der Sozial-
kurgäste (DBV 1997, S. 60). So liegt z. B. im Untersuchungsjahr 1993 die durchschnitt-
liche Aufenthaltsdauer der Privatgäste in Seebädern bei 10,2 Tagen, in den Mineral- und
Moorbädern bei 9,8 Tagen, in den Kneippkurorten bei 9,5 Tagen und in den heilklimati-
schen Kurorten bei 8,0 Tagen.
Die bezuschußten Sozialkuren von Mitgliedern der Sozialversicherungsträger nehmen
im Beobachtungszeitraum 1973 - 1993 nur einen Anteil von 18 % bis 31 % aller Maß-
nahmen ein, wobei nur 1974 ein Anteil von 30,7 % und 1981 ein Anteil von 31,1 %
verzeichnet werden konnte, aber nach 1988 ein 20 %-iger Anteil nicht mehr erreicht
wurde (Statistik des Bäderverbandes).
Bei der Ermittlung der Aufenthaltsdauer fällt auf, daß die Dauer der Sozialkuren 1993
insgesamt bei 25,7 Tagen je Maßnahme liegt, während der Durchschnitt aller Maßnah-
men (Privat- und Sozialkuren) nur 12,1 Tage umfaßt. Offensichtlich verhindert das
Preisgefüge der Heilbehandlungen bei den selbstzahlenden Privatgästen eine längere
Aufenthaltsdauer. Diese Aussage kann allerdings nur mit Vorbehalt getroffen werden,
da die Bäderstatistik keinen Aufschluß darüber gibt, inwieweit Privatgäste sich mehr-
fach im Jahr, vielleicht auch in unterschiedlichen Orten, eine selbstfinanzierte Heilbe-
handlung leisten.
Die längere Aufenthaltsdauer bei Sozialkuren erklärt sich aus den angestrebten thera-
peutischen Zielen innerhalb einer von Sozialversicherungsträgern verordneten und fi-
nanzierten Heilbehandlung. Aus der Sicht der Kurortmedizin müssen alle Kuren, zu de-
ren Leistung ein Sozialversicherungsträger gesetzlich verpflichtet ist, den Janus-
Charakter der Rehabilitation und zugleich der Prävention tragen. Je nach Art und Aus-
wirkung der vorliegenden Gesundheitsbeeinträchtigung können in einer Heilbehandlung
157
______________________________________________________________________
jedoch die Akzente der Prävention und Rehabilitation notwendigerweise verschoben
werden. Obwohl es manchmal wünschenswert wäre, zwischen vorwiegend präventiv-
medizinischen Kurmaßnahmen und schwerpunktmäßigen Rehabilitationskuren zu un-
terscheiden, wird dennoch in der Bäderstatistik diese Differenzierung vom Deutschen
Bäderverband nicht vorgenommen.
Die Bettenanzahl für Kurgäste hat in den westlichen Bundesländern von 1973 bis 1988
stetig zugenommen (vgl. Abb. 23). Von 1988 nach 1989 erfolgte ein leichter Abbau von
1000 Betten. Danach stieg die Bettenanzahl 1990 auf 771000, das Maximum des Unter-
suchungszeitraums.
Abb. 23 : Bettenzahlen für Kurgäste (1973 - 1996)
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96
Betten
in Tsd.
Jahre
Quelle : DBV 1997, S.58, eigener Abbildungsentwurf
Anschließend wurden im Jahr 1991 zunächst 5000 Betten, im Jahr 1992 44000 Betten
abgebaut, während in 1993 wieder ein leichter Anstieg um 3000 auf 726000 Betten, in
1994 ein Anstieg um 15000 auf 741000 Betten und in 1995 ein weiterer Anstieg um
23000 auf 764000 Betten für Kurgäste zu verzeichnen war. Im Jahr 1996 machte sich
wieder ein Bettenabbau bemerkbar. Nach einem Rückgang von 21626 Betten standen
nur noch 742627 Betten zur Verfügung. Der Bettenabbau hat besonders in den Mineral-
und Moorheilbädern sowie in den Seebädern stattgefunden. Kneippkurorte und heilkli-
matische Kurorte haben dagegen Ihre Bettenzahlen in 1996 erhöht. Als Folge eines
strukturverändernden Verdrängungswettbewerbs in der Bäderwirtschaft können beson-
158
______________________________________________________________________
ders Kleinbetriebe und Privatvermieter kaum noch existieren und geben auf (DBV 1994,
S. 47).
Will man die betriebswirtschaftliche Situation der Beherbergungseinrichtungen in den
Heilbädern und Kurorten analysieren, so muß auch die Bettenauslastung betrachtet wer-
den. Die Bettenbelegung durch Kurgäste in den registrierten Kurbetrieben lag im Unter-
suchungszeitraum zwischen 123,2 Tagen (1983) und 144,9 Tagen (1996). Damit ergibt
sich eine Auslastungsquote von 33,8 % bis 39,7 %.
Abb. 24 : Bettenbelegung durch Kurgäste (1973 - 1996)
0
20
40
60
80
100
120
140
160
1973
1975
1977
1979
1981
1983
1985
1987
1989
1991
1993
1995
Bettenbelegung
in Tage
Jahre
Quelle : DBV 1997, S.58, eigener Abbildungsentwurf
Diese geringe Auslastung hat sich negativ auf die Kostenentwicklung bei stationären
Kuren ausgewirkt und erklärt die hohen Tagessätze im Klinikbetrieb. An dieser Stelle
muß bald eine Bedarfsprüfung das Kostengefüge verbessern, wie sie im § 111 Abs. 2
Satz 1 Nr. 2 des Sozialgesetzbuchs V vorgesehen ist. Die Umsetzung der Sparbeschlüs-
se der Bundesregierung vom Sept. 1996 wird zukünftig die dauerhafte Existenz einiger
Kurkliniken in Frage stellen müssen, um die sich ständig erhöhende Kostenlawine zu
stoppen.
4.1.3 Ambulante Vorsorge- und Rehabilitationskuren
Ambulante Kuren haben im deutschen Gesundheitswesen eine lange Tradition. Ihre An-
fänge liegen in den 20-iger Jahren dieses Jahrhunderts (WENIG 1993, S. 416).
Vor dem Inkrafttreten des Gesundheitsreformgesetzes (GRG) am 01.01.1989 übernah-
men bei einer ärztlich verordneten offenen Badekur die Krankenkassen die Kosten des
159
______________________________________________________________________
Badearztes, der kurortspezifischen Heilmittel, der ergänzenden physikalischen Therapie
und zahlten einen jeweils in der Satzung festgelegten Zuschuß zu den Kosten der selbst-
gewählten Unterkunft und Verpflegung (WENIG 1993, S. 417).
Auch wenn mit dem Gesundheitsreformgesetz der Vorrang der ambulanten Kur gegen-
über der stationären Rehabilitation gesetzlich normiert und auch im nachfolgenden Ge-
sundheitsstrukturgesetz von 1993 der Grundsatz ´ ambulant vor stationär ´ festgeschrie-
ben wurde, zeigten sich sehr bald die Auswirkungen in den Kürzungen in allen Berei-
chen der ambulanten Kur. So wurden in dem GRG der tägliche Kurkostenzuschuß von
bisher DM 25,00 auf DM 15,00 für badeärztliche Behandlung, kurortspezifische Heil-
mittel und ergänzende physikalische Maßnahmen gekürzt. Auch hat der Versicherte zu-
sätzlich für die medizinischen Leistungen einen Eigenanteil von zur Zeit 10 % der Ko-
sten zu übernehmen. Die Folgen dieser entscheidenden Neuerungen zeigten sich sehr
bald in der Statistik. So gingen die ambulanten Kuren insgesamt von 1988 nach 1989
um 47 % zurück.
Tabelle 35 : Ambulante Vorsorge- und Rehabilitationskuren *)
Jahr Veränderungen
zum
Vorjahr
Pflicht-
Kranken-
kassen
Ersatz-
Krankenkas-
sen
Gesamt
1988 417 670 403 519 821 189
1989 Anzahl
in %
221 879
- 195 791
- 46,9
213 163
-190 356
47,2
435 042
- 386 147
- 47,0
1990 Anzahl
in %
261 758
+ 39 879
+ 18,0
255 169
+ 42 006
+ 19,7
516 927
+ 81 885
+ 18,8
1991 Anzahl
in %
294 472
+ 32 714
+ 12,5
281 180
+ 26 011
+ 10,2
575 652
+ 58 725
+ 11,4
1992 Anzahl
in %
268 786
- 25 686
- 8,7
252 667
- 28 513
- 10,1
521 453
- 54 199
- 9,4
1993 Anzahl
in %
253 972
- 14 814
- 5,5
235 731
- 16 936
- 6,7
489 703
- 31750
- 6,1
*) ab Juli 1991 einschl. Abrechnungen in den neuen Bundesländern
Quelle : DBV 1994, S. 87
Wenn auch in den Jahren 1990 und 1991 Zunahmen an ambulanten Kuren von 18,8 %
bzw. 11,4 % registriert werden konnten, erfolgten in den beiden Jahren 1992 und 1993
160
______________________________________________________________________
wiederum weitere Rückgänge um 9,4 % bzw. 6,1 % als Folge der Budgetierung auch bei
den Kur- und Badeärzten.
In den Statistiken des Bäderverbandes werden ab 1994 leider keine Daten mehr über
ambulante Kuren veröffentlicht, da aufgrund veränderter Rechtsgrundlagen die örtlichen
Kurverwaltungen die außerhalb des kurtaxrechtlich erfaßten Kurgebietes wohnenden
Patienten nicht mehr als Nutzer der Kureinrichtungen registrieren. Die im Kurgebiet
wohnenden Ambulanzpatienten könnten zwar statistisch erfaßt werden, doch sie allein
würden das Bild der ambulanten Nutzergruppe der Kurmittelhäuser total verfälschen
und werden deshalb zur Zeit in keiner Statistik aufgeführt.
Die Anzahl ausgegebener Kurmittel in Abb. 25 zeigt in aller Deutlichkeit die Schatten-
seiten der Kostendämpfungsgesetze. Immer dann, wenn die neuen gesetzlichen Rege-
lungen ihre ersten Wirkungen zeigten, sanken die Zahlen in der Kurmittelausgabe. So
brachte es das 1. Haushaltsstrukturgesetz mit sich, daß die Kurmittelausgabe im Jahr
1974 von 38 464 000 auf 31 525 000 im Jahr 1976 - ca. -18 % - zurückging. In den Fol-
gejahren bis 1981 konnten die ausgegebenen Kurmittel wieder erheblich gesteigert wer-
den.
Abb. 25 : Ausgegebene Kurmittel (1973 - 1996, alte Bundesländer)
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
1973
1974
1975
1976
1977
1978
1979
1980
1981
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
Kurmittel
in Tsd.
Jahre
1. HStruk-
turG 2. HStruk-
turG GR
GGSG
Quelle : DBV 1997, S. 55, eigener Abbildungsentwurf
Das erste lokale Maximum von 1974 konnte schon in 1980 wieder überschritten wer-
den. Ein neues lokales Maximum im Graphen der ausgegebenen Kurmittel wurde in
1981 mit 40 934 000 erreicht. Aber sehr bald reduzierte die Umsetzung des 2. Haus-
161
______________________________________________________________________
haltsstrukturgesetzes die ausgegebenen Kurmittel in den zwei Folgejahren auf 30565000
zu einem weiteren Tiefstand, ein Rückgang von ca. 25,3 %.
Danach konnte in den Folgejahren bis 1988 ein neues lokales Maximum von 45432000
durch verstärkte Ausgabe von Kurmitteln entstehen, das auch über den bisherigen zwei
Extrema liegt. Die Auswirkungen des Gesundheitsreformgesetzes führten nur in 1989
zu einer reduzierten Ausgabe von 39578000, ein Rückgang von ca. 13 %. Schon in 1990
konnte die Ausgabe von Kurmitteln wieder gesteigert werden bis zum absoluten Maxi-
mum von 49493000. Die Auswirkungen des Gesundheitsstrukturgesetzes reduzierten
diese Anzahl schrittweise auf 37323000 im Jahr 1993, auf 36371000 im Jahr 1994, auf
33501000 im Jahr 1995 und auf 32156000 im Jahr 1996 (= -35,03 %).
Wo lagen die Ursachen für den letzten Rückgang in der Kurmittelabgabe? Durch die
Budgetierung der Heilmittelverordnung im Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) sind die
Ärzte aus Sorge um eine Budgetüberschreitung und die daraus resultierende Regreßdro-
hung sehr verunsichert worden. Sie haben die Verordnungen von Heilbehandlungen
entweder in Einzelfällen gezielt verweigert oder aber deutlich hinausgezögert. In einer
besonderen Konfliktsituation befinden sich die Badeärzte, die dem ´ echten ´ Kurpati-
enten ohne Auflage Kurmittel verordnen können, aber bei den Selbstzahlern, die ledig-
lich die Anwendungen von ihrer Krankenkasse ersetzt haben möchten, greifen die Bud-
getbeschränkungen.
Die Kurmittelhäuser sind oder werden ein Opfer der Budgetierung. Sie haben in den
meisten Fällen nicht nur Kurgäste mit offenen Badekuren betreut, sondern auch die
wohnortnahe Versorgung chronisch kranker Patienten übernommen. Gerade diese Pati-
enten erhielten auch als Folge der Bestimmungen des GSG weniger Heilmittel verord-
net.
In größeren Heilbädern und Kurorten entsteht eine wachsende Konkurrenz durch Ange-
bote von Hotels und Privatsanatorien, die in hauseigenen Therapieabteilungen medizini-
sche Leistungen anbieten. Diese Patienten fehlen den zentralen Kurmitteleinrichtungen.
Die Folgen der Sparmaßnahmen sind für viele Kurmittelhäuser absehbar. Sie arbeiten
schon lange nicht mehr kostendeckend. Wenn in den vergangenen Jahren verschiedene
Kommunen und sonstige öffentliche Träger der Kurmittelhäuser versucht haben, über
den Weg der Privatisierung eine Kostenreduzierung zu erreichen, so mag diese Methode
in Einzelfällen zu einer zeitlich begrenzten akzeptablen betriebswirtschaftlichen Lösung
geführt haben. Aber die Rückgänge der Kurmittelabgabe von 1992 bis 1996 haben viele
162
______________________________________________________________________
zentrale Kurmittelhäuser an den Rand der wirtschaftlichen Existenz geführt. So wurden
z. B. in Hö.-Bruchhausen und in Wa.-Germete die Abteilungen der Kurmittelanwen-
dungen an privatwirtschaftliche Unternehmungen verpachtet. Es ist zu befürchten, daß
bald viele Häuser geschlossen werden müssen, wenn hier nicht eine drastische Umkehr
eintritt.
4.1.4 Ausländerkurverkehr und europäischer Binnenmarkt
Ausländische Touristen im Kurverkehr der Bundesrepublik Deutschland hatten im Un-
tersuchungszeitraum 1983 - 1993 nur einen Anteil von 2 bis 3 % am gesamten Kurver-
kehr. Die einzelnen Bädersparten wurden von den ausländischen Gesundheitstouristen
sehr unterschiedlich nachgefragt. Wenn auch für jede Veränderung nicht immer eine
einsichtige Begründung angeführt werden kann, so sollte doch der rapide Rückgang al-
ler Auslandskurgäste von 1992 nach 1993 (vgl. Abb. 26) sehr nachdenklich stimmen.
Abb. 26 : Ausländer-Gästezahlen im Kurverkehr 1983 - 1996
0
50
100
150
200
250
300
350
1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
Alle Mineral- und Moorbäder
Seebäder Kneippkurorte
Heilklimatische Kurorte
Jahre
Auslandsgäste
in Tsd
Quelle : DBV 1997, S. 75, eigener Abbildungsentwurf
163
______________________________________________________________________
Die wirtschaftlich ungünstige Situation auf dem Weltmarkt durch die schlechten Wäh-
rungsparitäten zur stabilen DM hat Deutschland zu einem teuren Urlaubsland gemacht.
Aber auch die unbestimmten und vielfach ungünstigen Wetterlagen haben besonders in
den deutschen Seebädern zu Rückgängen in den Ausländer-Gästezahlen geführt. Auch
ist nicht auszuschließen, daß die ausländerfeindlichen Demonstrationen der rechten
Szene in Deutschland viele potentielle Besucher aus dem Ausland ferngehalten haben.
Der Rückgang der Ausländer-Gästezahlen war auch in 1996 nicht aufzuhalten.
Bei der Betrachtung der Übernachtungszahlen von ausländischen Gästen ergibt sich ein
etwas anderes Bild als bei den Ankünften. Diese Entwicklungen werden in Abb. 27 dar-
gestellt. Die Zahl aller Übernachtungen ist von 1983 bis 1991 kontinuierlich angestiegen
und erreichte dort das absolute Maximum des Untersuchungszeitraums mit 1654316
Übernachtungen. Danach sind die Übernachtungen in mehreren Stufen auf 1439232 im
Jahr 1995 zurückgegangen. Im Jahr 1996 wurde der negative Trend umgekehrt. Die
Zahl der Ausländer-Übernachtungen stieg auf 1622000 und erreichte das Niveau von
1992.
Abb. 27 : Ausländer-Übernachtungen im Kurverkehr 1983 - 1996
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
Alle Mineral- und Moorbäder
Seebäder Kneippkurorte
Heilklimatische Kurorte
Jahre
Übernachtungen
in T
sd
.
Quelle : DBV 1997, S. 75, eigener Abbildungsentwurf
In den heilklimatischen Kurorten wurde das absolute Maximum der Übernachtungen
schon 1988 erreicht. Danach fielen die Übernachtungszahlen in den zwei folgenden Jah-
164
______________________________________________________________________
ren um 80 998 und 86 099. Im Jahr 1991 konnte dann wieder eine Steigerung der Über-
nachtungen von 148 269 registriert werden. 1992 und 1993 konnte dieses Niveau in et-
wa gehalten werden. 1994 mußte ein weiterer Rückgang hingenommen werden, wäh-
rend in 1995 die Übernachtungszahlen wieder auf das Niveau von 1993 anstiegen. Im
Jahr 1996 konnten die Übernachtungen in den heilklimatischen Kurorten weiter um
18000 auf 862000 gesteigert werden.
Die Mineral- und Moorbäder weisen im Untersuchungszeitraum ein bewegteres Bild bei
den Übernachtungen im Ausländerkurverkehr mit drei zeitlich getrennten Maxima im
Bereich von 472 000 bis 569 000 und dementsprechend angeordneten lokalen Minima
auf. Von 1995 nach 1996 konnten die Übernachtungen um 101000 gesteigert werden.
Die Übernachtungszahlen in Seebädern und Kneippkurorten zeigen bis 1988 ein in etwa
gleich hohes Niveau von ca. 83 000 bis ca. 127 000. Danach nehmen die Übernach-
tungszahlen in den Seebädern erheblich zu und erreichen 1991 ihr absolutes Maximum
von 230 382. Nach 1991 fallen die Übernachtungszahlen in den Seebädern in zwei Stu-
fen auf das Vorniveau von rd. 133 000 zurück. 1994 und 1995 müssen in den Seebädern
weitere drastische Rückgänge bei den Ausländer-Übernachtungen hingenommen wer-
den, so daß 1995 das absolute Minimum des Betrachtungszeitraumes mit 91 569 Über-
nachtungen registriert werden mußte. In den Seebädern konnte der stetige Rückgang der
Übernachtungen erst im Jahr 1996 geändert werden, denn es konnte in dieser Sparte
63000 Übernachtungen mehr als im Vorjahr gezählt werden. Damit wurde wieder das
Niveau von 1992 erreicht.
In den Kneippkurorten erreichten die Übernachtungszahlen ihr absolutes Maximum mit
rd. 148 000 im Jahre 1990. Danach gingen die Übernachtungen in drei Sprüngen auf rd.
114000 zurück, stiegen aber 1994 wieder auf rd. 142 000 an und fielen 1995 auf rd.
118000 Übernachtungen zurück. Im Jahr 1996 waren in dieser Bädersparte bei den
Ausländer-Übernachtungen keine Veränderungen festzustellen.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Ausländer-Kurverkehr in allen Heilbädern
und Kurorten schwankt zwischen 5,0 und 7,5 Tagen. Während sich die ausländischen
Gäste in den Mineral- und Moorbädern durchschnittlich zwischen 6,3 und 9,7 Tagen
aufhielten, blieben sie in den heilklimatischen Kurorten durchschnittlich nur zwischen
4,2 und 6,9 Tage. Vergleicht man die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der ausländi-
schen Gäste in Seebädern und Kneippkurorten, so fällt eine Bevorzugung der Kneipp-
kurorte auf. Hier blieben die Kurste im Vergleichszeitraum durchschnittlich zwischen
165
______________________________________________________________________
6,2 und 9,9 Tagen, wenn man einmal von dem ´ Ausreißer ´ 11,7 Tage im Jahre 1983
absieht. In den Seebädern hielten sich die Gäste durchschnittlich zwischen 3,9 und 10,1
Tage auf.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß der Ausländer-Kurverkehr mit einem
Anteil von 2 bis 3 % am gesamten Kurverkehr in den westlichen Bundesländern bei der
Entwicklung neuer Perspektiven und Spezialisierungen im Gesundheitstourismus zu-
nächst vernachlässigt werden kann. Dennoch bleibt anzuraten, die neueren Zahlen im
Ausländer-Kurverkehr weiterhin zu beobachten, letztendlich auch unter dem Gesichts-
punkt der Öffnung des europäischen Binnenmarktes.
Durch die Öffnung des europäischen Binnenmarktes wird sich die Wettbewerbssituation
für alle deutschen Heilbäder und Kurorte, auch die in den neuen Bundesländern, noch
weiter verschärfen. Wenn sich die veränderte Rechtslage durchsetzt, daß Leistungen von
nationalen Sozialversicherungsträgern und den gesetzlichen Krankenversicherungen
nicht mehr zwingend auf ein Nationalgebiet, z. B. auf Deutschland, begrenzt werden
können und auch begrenzt werden, wird ein neuer europäischer Markt für den Gesund-
heitstourismus entstehen. Das EG-Recht verbietet immer dann nationale Beschränkun-
gen, „wenn ein Arbeitnehmer in einem anderen Mitgliedstaat... eine wirksamere Be-
handlung erhalten kann, als ihm in dem Mitgliedstaat, in dem er wohnt, zukommen
kann... “ (MAYDELL 1990, S. 280). Diese Sachverhalte wurden schon 1971 in der
Verordnung 1408 der EG-Kommission zentral geregelt. Auch wird dort die Übernahme
der Behandlungskosten im EG-Ausland bejaht, wenn die nationalen inländischen medi-
zinischen Einrichtungen lange Wartelisten haben. Der Versicherte hat keinen Anspruch
auf eine Akutbehandlung im EG-Ausland, sondern ggfls. nur einen auf präventive oder
rehabilitative Leistungen. Darüber hinaus muß auch noch eine abrechnungstechnische
Bedingung beachtet werden. „Voraussetzung auf einen Rechtsanspruch auf Übernahme
der Kur durch den nationalen Sozialversicherungsträger ist nach diesem EG-Recht al-
lerdings zusätzlich, daß die medizinischen Maßnahmen, um die es geht, auch von der
Sozialversicherung des Landes gewährt werden, in dem die Maßnahmen durchgeführt
werden sollen. Denn das EG-Recht sieht vor, daß dieser Träger zunächst die Finanzie-
rung übernimmt und anschließend mit dem Sozialversicherungsträger des Versicherten
abrechnet“ (THOMAE 1994, S. 17). Diese Bedingung führt dazu, daß sich der neue eu-
ropäische Markt des Gesundheitstourismus nur auf solche Länder beschränkt, die prä-
ventive und rehabilitative Behandlungen für ihre Versicherten finanziell unterstützen.
166
______________________________________________________________________
Die Verordnung 1408 der EG-Kommission kann in Zukunft Vorteile für alle Kurgäste
bringen, die auf eine bestimmte Behandlung angewiesen sind, die bisher im nationalen
Geltungsbereich nicht verabreicht werden konnte. Wann dieser Zustand eintreten wird,
bleibt abzuwarten. Bis dahin müssen noch viele Verwaltungshürden überwunden wer-
den. Die deutschen Heilbäder und Kurorte müssen sich vor diesem Wettbewerb nicht
fürchten. Die anerkannte Qualität und Wirkung ihrer Kurmaßnahmen haben sich im eu-
ropäischen Ausland bereits herumgesprochen. Wenn es dann auch noch gelingt, den
Eindruck zu beseitigen, eine Kurmaßnahme sei einem Urlaubsaufenthalt gleichzusetzen,
dann können im europäischen Binnenmarkt weitere Potentiale erschlossen werden. Zur
Öffnung dieses Marktes trägt auch der am 22. 11.1995 gegründete europäische Heilbä-
derverband bei. Zum ersten Präsidenten dieses Verbandes wurde der derzeitige Präsi-
dent des deutschen Bäderverbandes, Dr. Kirschner, gewählt.
Auch die Öffnung der EU nach Osten in jüngster Zeit bietet neue Herausforderungen für
die deutschen Anbieter. Wenn in den Ländern Osteuropas traditionelle Bäderländer wie
Ungarn oder Tschechien mit ihren Angeboten locken, so werden hier zunächst die Pri-
vatgäste umworben. Sozialkurgäste haben, wie oben dargelegt, keinen Anspruch auf
Heilbehandlung in diesen Ländern. Da hier in absehbarer Zeit eine Vereinheitlichung
der sehr unterschiedlichen Gesundheitssysteme nicht zu leisten ist, bleibt für die deut-
sche Bäderwirtschaft nur zu hoffen, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in den
osteuropäischen Ländern so verbessern, daß eine grenzüberschreitende Nachfrage von
Privatgästen aus diesen Ländern heraus entsteht.
4.1.5 Perspektiven im Gesundheitstourismus
4.1.5.1 Potentielle Entwicklungen in der Nachfrage
Die Nachfrage von Sozialkurgästen über die Kostenträger wird zukünftig infolge der
angespannten Kostensituation weiter zurückgehen. Die Aufwandsträger sind beim be-
stehenden Beitragsaufkommen nicht mehr in der Lage, die Anzahl der Sozialkuren zu
steigern. Auch die neuen Kurformen, wie z. B. die Kompaktkur über 21 Tage, werden
die Situation nicht ändern. Rehabilitationsmaßnahmen werden von den Versicherungen
infolge der ständig gestiegenen Preise im Gesundheitswesen auf das unbedingt erfor-
derliche Maß beschränkt.
Zukünftige Nachfrageänderungen können weiterhin bei den selbstzahlenden Privatgä-
sten auftreten. Sie sind finanziell in der Lage, ihre Gesundheitsvorsorge weitestgehend
167
______________________________________________________________________
selbst unter Inanspruchnahme ärztlicher Beratung nach Art und Umfang zu steuern und
zu bestimmen. Da diese Gästegruppe ihre Entscheidungen auch im Hinblick auf die je-
weils geltenden Preise in den Bereichen Unterkunft und Verpflegung, Kurmittel und
ärztliche Leistungen trifft, können von den Privatgästen weitere Nachfragesteigerungen
bei angemessener bzw. günstiger Preisgestaltung erwartet werden.
Eine besondere Position in dieser Gästegruppe werden die selbstzahlenden Senioren
einnehmen. Sie sind inzwischen von einem höheren Lebensstandard und größerer Mo-
bilität mit stärkerer Wohlstandserfahrung, Freizeitorientierung und eigenständiger Ge-
sundheitsvorsorge geprägt. Da nach Erkenntnissen der Altersforscher der fortgeschritte-
ne Alterungsprozeß erst in der Regel nach dem 70. Lebensjahr einsetzt, ist zu erwarten,
daß diese Gästegruppe auch zukünftig für eine Nachfragesteigerung sowohl im klini-
schen als auch im ambulanten Gesundheitswesen sorgt.
4.1.5.2 Potentielle Entwicklungen im Angebot
Da die Auslastungsquote im klinischen Bereich bei weniger als 50 % liegt, ist aus Ko-
stengründen nicht damit zu rechnen, daß zukünftig eine Vergrößerung des Beherber-
gungsangebots befürwortet werden kann. Um in Zukunft für jede weitere stationäre
Kureinrichtung einen Versorgungsvertrag zu erhalten, muß neben dem Nachweis der
Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit auch noch eine Bedarfsprüfung positiv aus-
fallen. Ein Anspruch auf Abschluß eines Versorgungsvertrags besteht nach der Ände-
rung des Sozialgesetzbuches nicht. Diese Änderung kann nur begrüßt werden, weil da-
mit keine weiteren Überkapazitäten in diesem Sektor entstehen. Wenn auch die Betten-
zunahme erschwert wird, entsteht noch nicht eine bessere Auslastung der vorhandenen
Einrichtungen. Deshalb wird es erforderlich sein, ausgewählte Belegungsverträge nicht
mehr zu verlängern. Die finanzielle Situation der Aufwandsträger und die Angst der Ar-
beitnehmer, einen möglichen Verlust des Arbeitsplatzes als Folge einer längeren Reha-
Maßnahme einkalkulieren zu müssen, verhindern zudem, die Anzahl der Sozialgäste in
Kureinrichtungen zu erhöhen. Denkbar ist auch, die Anzahl der selbstzahlenden Privat-
gäste zu erhöhen. Das wird aber sehr schwierig werden angesichts des bereits vorhande-
nen hohen Anteils von mehr als 70 %. Auch eine andere Variante ist grundsätzlich
möglich: Austausch von Kapazitäten mit Krankenhäusern der Akutversorgung. Wenn
ausgewählte Belegungsverträge privatwirtschaftlich geführter Kliniken bzw. Sanatorien
168
______________________________________________________________________
nicht mehr verlängert würden, könnte das Bettenüberangebot in Krankenhäusern abge-
baut werden. Letztendlich bleibt festzuhalten, daß aufgrund der eingeführten Budgetie-
rung Ausgabensteigerungen im Bereich des Kurwesens nicht mehr hingenommen wer-
den. Ob damit ein Abbau der stationären Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen
verbunden ist, muß abgewartet werden. Wünschenswert wäre jedenfalls eine effizientere
Nutzung der bestehenden Einrichtungen zum Wohle der Bedürftigen.
Kosten entstehen nicht nur durch die Beherbergung der Patienten in den Kurkliniken,
sondern auch durch die vielseitigen Behandlungen durch das medizinische Klinikteam.
Deshalb müssen auch die Heilbehandlungen auf ihre Notwendigkeit und Effizienz über-
prüft werden. „Prävention und Rehabilitation zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit
sind die zukünftigen kostensparenden Maßnahmen der Gesundheitspolitik. Das Kur-
und Bäderwesen muß sich dieser Entwicklung anpassen. Das ist ein klares Ziel für zu-
künftige Entwicklungen“ (PRATZEL 1992, S. 216).
PRATZEL fordert weiterhin, daß in den Kurarztpraxen wieder mehr Gebrauch von den
kurorttypischen therapeutischen Möglichkeiten gemacht werden soll. Der Patient werde
auch am Kurort immer häufiger kostensteigernd apparativ und medikamentös versorgt,
so daß für die Anwendung der ortsgebundenen Heilmittel, die den Kurpatienten ur-
sprünglich zum Aufsuchen des Kurortes veranlaßten, immer weniger Zeit bleibt
(PRATZEL 1992, S. 217). Auch RIEHEMANN unterstützt diese Forderung und kriti-
siert die Wissensdefizite im Bereich der Balneologie und der Kurortrehabilitation bei
praktizierenden Medizinern in Kurorten. Deshalb sei es unbedingt erforderlich, daß an
deutschen Universitäten Lehrstühle für Rehabilitationsmedizin einschließlich Balneolo-
gie errichtet werden, die auch von Chefärzten der Rehabilitationskliniken besetzt wer-
den (RIEHEMANN 1992, S. 144).
PRATZEL erläutert in seinem Artikel die Notwendigkeit einer zentralen Organisation
der kurortmedizinischen Forschung bzw. Ausbildung und befürwortet die Einrichtung
eines Bundesinstitutes für Kurortmedizin. Dazu biete sich das ehemalige zentrale For-
schungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft Bad Elster/Sachsen der Ex-
DDR an (PRATZEL 1992, S. 220). Dieser Vorschlag ist inzwischen realisiert worden
und die ersten Ergebnisse des Instituts liegen bereits vor.
Wenn man sich in der klinischen Heilbehandlung aus finanziellen Überlegungen mit
dem erreichten Stand zufrieden geben muß, könnte erneut die Chance und Herausforde-
rung für die ambulante Vorsorge- und Rehabilitation gekommen sein. In einigen ost-
169
______________________________________________________________________
westfälischen Bädern wird diese Zielrichtung bereits verfolgt. Es ist daher denkbar, daß
zukünftig die ambulante Kur aufgewertet wird, um das bisherige negative Image -´ mor-
gens Fango - abends Tango ´- abzubauen. Die Betriebskrankenversicherung setzt sich
inzwischen dafür ein, daß eine ambulante Versorgung die zukünftig größer werdende
Rehabilitationslücke schließen soll. Detaillierte Anforderungen werden an die ambu-
lante Rehabilitation gestellt:
ausreichende Häufigkeit und Intensität der Therapiemaßnahmen,
Wohnortnähe,
Konzentration der Angebote an einem Ort,
Arzt als ständiger Ansprechpartner,
ständige ärztliche Verantwortung,
Verlaufskontrolle und Dokumentation der Therapie,
sozialmedizinische Beurteilung,
psychologische und soziale Beratung
(HÜLLEN / SCHAUENBURG 1994, S. 137).
Die Behandlungen können in einem ambulanten Reha-Zentrum, in einer Reha-Klinik, in
einer Krankenhaus-Ambulanz oder in einem Verbundsystem (Ärzte, Physiotherapeuten,
Ergotherapeuten, Psychotherapeuten) erfolgen (HÜLLEN / SCHAUENBURG 1994, S.
138). Es ist einsichtig, daß in diesen Möglichkeiten der Durchführung von Heilbehand-
lungen auch bestehende Einrichtungen wie Kurmittelhäuser, Kurkliniken und Akut-
Krankenhäuser eingebunden werden können, die damit ihre wirtschaftlichen Existenz-
nöte vielleicht abbauen können.
Über die Wirksamkeit aus medizinischer Sicht und über die Wirtschaftlichkeit aus öko-
nomischer Sicht liegen bisher keine Erfahrungen vor. Auch fehlt bisher für die Durch-
führung dieser Maßnahmen die gesetzliche Grundlage. Die Zukunft wird zeigen, ob die-
ser Weg eine Alternative zu stationären Vorsorge- und Rehabilitationskuren bietet.
4.1.6 Folgerungen für die Luftkurorte
Die Betten im klinischen Gesundheitstourismus waren im Untersuchungszeitraum 1973
- 1996 durchschnittlich nur zu 42 % ausgelastet. Bei der geringen Auslastungsquote ist
aus Kostengründen nicht zu erwarten, daß das Bettenangebot erweitert werden kann. Da
zukünftig mit Klinikschließungen auch in den traditionellen Heilbädern gerechnet wer-
den muß, können Klinikneubauten, z. B. in Luftkurorten, aus betriebswirtschaftlichen
170
______________________________________________________________________
Gründen nicht befürwortet werden. So befürchtete der zuständige Landesminister im
Dez. 1996, daß als Folge der Gesundheitsreform 50 der vorhandenen 118 Reha-Kliniken
in NRW akut gefährdet sind (Westfälisches Volksblatt vom 14.12.96). Der klinifizierte
Gesundheitstourismus wird sich deshalb nicht auf die Luftkurorte ausdehnen lassen.
In Abb. 25, S. 160 war zu entnehmen, daß die jährlich ausgegebenen Kurmittel in den
westlichen Bundesländern nach 1990 immer weiter gesunken sind. Insgesamt mußte ein
Rückgang von rd. 35 % festgestellt werden. Die Nachfragesenkung hat auch die Kur-
mittelhäuser der Luftkurorte getroffen und sie in starke Existenznot gebracht. Es ist für
die Luftkurorte zu befürchten, daß aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs die Heilbä-
der zukünftig zur besseren Auslastung ihrer Kurmittelhäuser versuchen werden, auch
die ambulanten Heilbehandlungen verstärkt zu übernehmen, da sie in jedem Falle ge-
genüber Luftkurorten deutliche Wettbewerbsvorteile aufweisen. So werden die in den
Luftkurorten zu verabreichenden Kurmittel weiter zurückgehen. Es ist damit zu rechnen,
daß der Beitrag der Luftkurorte zum Gesundheitstourismus in Zukunft sinken wird. Ein
Wachstum des Fremdenverkehrs in Luftkurorten über die Verabreichung von Kurmit-
teln muß mittelfristig ausgeschlossen werden. Es kann mit Sicherheit angenommen
werden, daß das Gesundheitsbewußtsein der deutschen Bevölkerung weiterhin wachsen
wird. Damit wächst zwar auch die Zahl derer, die in ihrer Freizeit auf eigene Kosten et-
was für ihre Gesundheit tun wollen. Aber gerade diese potentielle Gästegruppe wird die
speziellen Angebote, wie z. B. FIT FÜRS LEBEN, URLAUB UND GEISTIGE
FITNESS, VITAL-PROGRAMM, Älter werden Jung bleiben, genau und zielgerichtet
vergleichen. Da Heilbäder für die Gesundheitsurlauber eher über bisher unausgeschöpfte
Profilierungsmöglichkeiten verfügen, wird auch dieser Wettbewerb nicht zugunsten der
Luftkurorte entschieden werden.
Der bisher vorhandene nationale Wettbewerbsdruck wird sehr bald durch die Gleich-
stellung der Kuren in der Europäische Union größer werden. Versicherte können dann
im Geltungsbereich der EU mit gleichen Leistungen wie bei Kuren in Deutschland rech-
nen. Damit kommt eine wachsende Zahl von neuen nichtdeutschen Anbietern in den
Gesundheitsmarkt. Deutsche Heilbäder werden sich in dem ausgedehnten Markt auf-
grund ihrer Leistungsfähigkeit bestimmt behaupten können. Luftkurorte aber müssen in
diesem Markt mit weiteren Nachteilen rechnen.
Die politische Wende in den Ländern Osteuropas könnte nach einer absehbaren Erweite-
rung der Europäischen Union in diese Richtung die Wettbewerbssituation der deutschen
171
______________________________________________________________________
Heilbäder und Kurorte ebenfalls beeinflussen. Bei dieser Erweiterung muß für die Luft-
kurorte mit weiteren Nachteilen gerechnet werden.
4.2 Aktivitäten im sonstigen Tourismus
4.2.1 Erholungsfremdenverkehr
Die meisten Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen werden zukünftig kaum noch einen
Beitrag zum Gesundheitstourismus leisten können. Darum stehen die Politiker in den
betroffenen Kommunen bald vor der Entscheidung
Auflösung der Kurorteinrichtungen und Rückgabe der Prädikatisierung?
oder
Um- bzw. Neuorientierung im Fremdenverkehrsmarkt als Erholungsort?
Da aber alle Orte sich bisher als Luftkurorte im Fremdenverkehrsmarkt mehr oder weni-
ger gut behauptet haben, kann den meisten betroffenen Luftkurorten nur eine Um- bzw.
Neuorientierung im Erholungstourismus empfohlen werden. Damit treten diese Luftkur-
orte in einen ebenso stark wettbewerbsorientierten Markt ein, in dem eine Käufermarkt-
situation vorliegt. In diesem Markt dominieren zur Zeit die ausländischen Anbieter.
Dennoch können sich Luftkurorte in diesem Markt Chancen ausrechnen, wenn es Ihnen
gelingt, Erholungs- und Familienurlaubern ein ansprechendes Angebot zu unterbreiten.
Bei der Ausarbeitung der Programme und Angebote kann auf das bewährte Potential in
den Kureinrichtungen zurückgegriffen werden. Zur Zeit lassen sich „Anti-Streß-Kuren“,
Regenerationswochen, „Fitneß- und Gesundheitsseminare“, „Beauty–Urlaub“, „Well-
ness-Konzepte“, kreative Selbstmanagementprogramme und „Top-Health-Angebote“
besonders gut verkaufen. In dieser boomenden „Wellness-Branche“ setzen die Anbieter
auf medizinisch, sport- und ernährungswissenschaftlich fundierte Programme, die von
erfahrenen Fachleuten betreut werden.
Auch dem Familienurlaub kann inzwischen mehr Bedeutung zugemessen werden. Fa-
milien mit Kindern sind erfahrungsgemäß sehr spontan und reisefreudig. Sie suchen die
leider immer noch nicht in ausreichendem Maße vorhandenen familienfreundlichen und
familiengerechten Angebote. Dabei setzen diese Eltern u.a. auf Vergünstigungen und
Einrichtungen für Kinder, wie Abschläge bei den Übernachtungspreisen, Kinderportio-
nen zu annehmbaren Preisen, kindgerecht ausgestattete Spielzimmer und Spielplätze,
Babysitterdienste und Kinderbetreuung, Kinder- und Familienprogramme. Als Beispiele
für Beherbergungsbetriebe, die diese Fremdenverkehrsmarktlücke schließen könnten,
172
______________________________________________________________________
werden die ´ Kinderhotels Österreich ´ und die erst 1994 im Allgäu gegründete
FAMILOTEL-Gruppe erwähnt. Nicht jeder Hotelbetrieb kann ohne weiteres ein
FAMILOTEL werden, da er strenge Aufnahmekriterien erfüllen muß und einer laufen-
den Qualitätsprüfung unterliegt.
Viele Luftkurorte sind, vom Durchschnittsalter der Gäste betrachtet, eigentlich Senio-
renferienorte. Dieser Sachverhalt paßt zu der Tatsache, daß im deutschen Fremdenver-
kehr die älteren Menschen den größten Anteil am Gästeaufkommen einnehmen. Nach
der deutschen Bevölkerungspyramide wird sich bis Ende der neunziger Jahre die Anzahl
der Jungsenioren (50 - 64 Jahre) um ca. 9 % erhöhen.
Wenn Fremdenverkehrsmanager der Luftkurorte allerdings meinen, die Bedürfnisse der
neuen Senioren genauso befriedigen zu können wie bei ihren Vorgängern, dann lassen
sie den inzwischen eingetretenen gesellschaftlichen Wertewandel unberücksichtigt und
werden sich ggfls. über den Rückgang dieser Gästegruppe im Fremdenverkehrsort wun-
dern. Die ´ neuen Alten ´ werden von einem höheren Lebensstandard und größerer Mo-
bilität mit stärkerer Wohlstandserfahrung und Freizeitorientierung geprägt sein und sind
nicht mehr wie ihre Vorgänger mit dem Dasein eines vielfach gebrechlichen Greises zu-
frieden. Hinzu kommt die Erkenntnis der Altersforscher, daß der fortgeschrittene Alte-
rungsprozeß in der Regel erst nach dem 70. Lebensjahr einsetzt. Hier wird sich zwar ein
neues Gästepotential entwickeln, aber die Erschließung dieses Potentials wird viel an-
strengender sein als bisher angenommen. Die ´ neuen Alten ´ werden sich nach Meinung
der Fachleute vom Studienkreis für Tourismus in Starnberg im Vergleich zu anderen
Gästen kritischer und anspruchsvoller verhalten. Bei der Auswahl des Urlaubsortes sei-
en Landschaft und Natur von großer Bedeutung, gefolgt von Aspekten wie Unterkunft,
Sauberkeit, Atmosphäre am Urlaubsort, Verpflegung und der Möglichkeit, aus dem
Alltag herauszukommen (nach SCHREIER 1989, S. 55 ff).
Die neuen Jungsenioren können sich einen Aufenthalt in einem Kurhotel leisten und le-
gen Wert auf eine abwechslungsreiche und vielfach auch anspruchsvolle Verpflegung.
Sie geben sich nicht zufrieden mit einem nicht abwechslungsreichen und uninteressan-
ten Veranstaltungskalender. Sie lassen sich nicht für die gesamte Dauer des Aufenthal-
tes einen bestimmten Tagesrhythmus aufdrängen, früh ins Bett zu gehen und früh aufzu-
stehen, weil z. B. keine abendlichen Veranstaltungen angeboten werden. Die verant-
wortlichen Tourismusmanager in Luftkurorten müssen sich auffälliger und stärker als
bisher um die Wünsche und Bedürfnisse dieser Gästegruppe kümmern.
173
______________________________________________________________________
Als weitere Zielgruppe für den Erholungstourismus in Luftkurorten können behinderte
Menschen angesehen werden. Behinderte Menschen mit ihren Begleitern oder Betreuern
verfügen über eine weitaus geringere Reiseintensität. Das liegt häufig daran, daß sie im
Urlaub Vorurteilen und Ausgrenzungen ausgesetzt sind und oft auch nicht die richtigen
Angebote finden. Luftkurorte sollten sich in einer Phase der Neuorientierung überlegen,
welche Behindertengruppen in den vorhandenen Freizeitinfrastruktureinrichtungen ihres
Ortes möglichst geringe Nutzungsschwierigkeiten und Nutzungshindernisse erfahren.
Überall dort, wo mit geringem Aufwand Beeinträchtigungen der behinderten Gäste zu
beseitigen sind, sollten die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet werden. Zufriedene
Gäste kommen gern wieder; das gilt erst recht für behinderte Gäste.
Die freizeitorientierten Konzepte setzen am Angebotsort auch eine funktionierende Tou-
rismusinfrastruktur voraus. Sind die Voraussetzungen für freizeitorientierte Konzepte
nicht gegeben, muß überlegt werden, ob sie herbeigeführt werden sollen bzw. können
oder nicht (vgl. auch Kap. 4.3.2). Werden keine Veränderungen eingeleitet, so ist abzu-
sehen, daß das Fremdenverkehrsgeschehen am Ort immer weiter zurückgeht und
schließlich einschläft.
4.2.2 Geschäftsreiseverkehr
Der verstärkte Ausbau der Angebote im Geschäftsreiseverkehr könnte auch jenen Luft-
kurorten eine Chance bieten, die bereits ein ausreichendes Hotellerieangebot aufweisen
können. Der Tagungs- und Kongreßtourismus gilt nach SMERAL als Hoffnungsmarkt,
da er besonders bei kleinen Tagungen und Seminaren mit bis zu 50 Teilnehmern immer
noch deutlich wächst (SMERAL 1994). Es kann davon ausgegangen werden, daß ein
wesentlicher Teil der Weiterbildung weiterhin nicht in Schulen stattfinden wird, sondern
in Tagungs- und Seminarhotels, die abseits von der Alltagshektik für einen positiven
Beitrag zur Lernatmosphäre sorgen. Der Seminartourismus unterliegt keinen saisonalen
Schwankungen; er könnte aber von konjunkturellen Entwicklungen abhängig sein.
Eine erkennbare Spezialisierung als Tagungs- und Seminarhotel schärft das Profil eines
Hauses und bietet eine bessere Ausgangsposition im immer stärker werdenden Wettbe-
werb. Durch den deutlich erkennbaren Strukturwandel auf dem deutschen Hotelmarkt
muß das bisherige ´ Allzweckhotel ´ als Auslaufmodell deklassiert werden. Das Hotel
der Zukunft orientiert sich immer deutlicher an den Zielen bestimmter Gästegruppen,
um die gestiegenen Erwartungen dieser Gruppen auch erfüllen zu können. So haben Ta-
174
______________________________________________________________________
gungs- und Seminarhotels neben einer erstklassigen Zimmerausstattung, modernster Ta-
gungstechnik mit vielfältiger Projektionsmöglichkeit in Verbindung mit PC-
Anschlüssen, auch via ISDN zum Datenhighway, ebenso Erholungs- und Fitneßpro-
gramme für Pausen und Freizeiten ihrer Gäste bereitzuhalten. Tagungs- und Seminargä-
ste sowie die zugehörigen Veranstalter von heute stellen höchste Ansprüche an ihr Ta-
gungsumfeld, sind aber auf der anderen Seite auch bereit, ihren Ansprüchen gemäß den
geforderten Marktpreis zu entrichten.
Der mit der Veränderung des Angebots verbundene Strukturwandel bringt zwar erhebli-
che Risiken mit sich, bietet aber auf der anderen Seite Chancen, über eine Form des Ni-
schentourismus für eine bessere und vielleicht auch sichere Auslastung des Hotels zu
sorgen. Verbunden mit dem Strukturwandel ist meistens auch ein Beitritt zu einer Ho-
telkooperation oder Franchisinggruppe, um die finanziellen und personellen Ressourcen
für eine effiziente Vermarktung zu sichern und die mit der Veränderung verbundenen
Risiken zu minimieren. Als Alternative dazu bietet sich eine örtliche oder regionale Ko-
operationsstrategie an, wie z. B. die Tagungsregion Nordhessen, ein Zusammenschluß
von mehr als 40 Tagungshotels in der Region, zeigt.
Wenn man sich als mittelständischer Hotelier für dieses Tourismussegment entschieden
hat, sollten nach BLEILE die nachfolgenden Bedingungen für eine erfolgreiche Ni-
schenpolitik auch eingehalten werden:
1. Professionelles Management - Führung des Hotels nach betriebswirtschaftlichen
Grundsätzen,
2. Modernes Marketing - Stärkere Zielgruppenorientierung und Angebotsprofilierung,
aktiver Verkauf,
3. Individualität und ein hohes Maß an Gastfreundschaft,
4. Optimierung des Betriebsklimas - Gute Personalführung durch Verbesserung der Ar-
beitsbedingungen, Nachwuchsförderung durch gute Ausbildung,
5. Verstärkter Einsatz der EDV,
6. Effizientes Controlling (BLEILE 1995, S. 37).
4.2.3 Gourmetreiseverkehr
SMERAL erwähnt in seinen Mega-Trends für den Tourismus auch den Gourmettouris-
mus und weist darauf hin, daß durch den steigenden Lebensstandard und durch eine Po-
175
______________________________________________________________________
pularisierung des Feinschmeckertums erst die Grundlage für diese besondere Touris-
musart geschaffen worden ist (SMERAL 1994, S. 260).
Immer häufiger tauchen Reiseangebote mit kulinarischen Inhalten auf. Bekannt sind in-
zwischen schon die Wochenendangebote zu Winzerfesten während oder nach der Bee-
renlese. Luftkurorte, die bereits auf das naheliegende Bedürfnis in der Freizeit „gut Es-
sen und Trinken“ durch besonders ausgeprägte und strukturierte Gastronomieangebote
reagiert haben, könnten sich auf diesen Nischentourismus spezialisieren.
Folgende Trends werden nach SMERAL die Entwicklung des Gourmettourismus beein-
flussen: „
Kommunikation, Erlebnis und nicht bloße Verpflegung bestimmen die Gastronomie
der Zukunft.
Die Eß- und Trinkgewohnheiten werden durch immer höhere gastronomische Erfah-
rungen geprägt sein. Wir werden es mit gutinformierten und kritischen Gästen zu tun
haben.
Das „Ausgehen“ und das Bedürfnis, sich Genuß zu leisten, werden weiter ansteigen.
Der Verbrauch der teuersten Delikatessen und ihr erlebnisgerechter Genuß sind im
ständigen Ansteigen begriffen (Trend zur „Gourmetsucht“), ebenso auch eine stark
steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Weinen.
Gastronomische Zielpunkte werden einen hohen Stellenwert im Ausflugstourismus
behalten. Man fährt heute viele Kilometer, um ein gutes Lokal zu besuchen.
Der Außer-Haus-Konsum wird aktiver Bestandteil der Freizeitgestaltung.
Der Stellenwert der Ernährung wird zunehmen, qualitative Gesichtspunkte gewinnen
an Bedeutung.
Die gute Gastronomie in einem Urlaubsort erfährt eine immer größer werdende Be-
deutung bei der Wahl des Urlaubszielortes.
Das zelebrierte Erlebnis von „gut Essen und Trinken“ wird ein immer wichtigerer
Akt der Selbstdarstellung.
Die Nachfrage nach Originalität, nach alten Rezepten und traditioneller Zuberei-
tungsart steigt.
Stilfragen und wechselnde Moden beeinflussen die Lokalwahl - besonders stark in
der „Szene“-Gastronomie“ (SMERAL 1994, S. 260).
176
______________________________________________________________________
Auch mit der Spezialisierung in dieser Richtung sind Vor- und Nachteile verbunden.
Um Wiederholungen zu vermeiden, sei auf die Ausführungen zu den diesbezüglichen
Problemen im Kap. 4.2.2 hingewiesen.
4.2.4 Ausflugsverkehr
Dem Ausflugsverkehr wurde bisher in der Tourismusdiskussion wenig Aufmerksamkeit
zugemessen. Vielleicht lag das daran, daß es immer noch keine Definition des Begriffes
gibt. ZEINER hat mit einer Negativabgrenzung eine begriffliche Einordnung des Sach-
verhaltes vorgenommen. Ein Ausflug ist nach ihm „jedes Verlassen des Wohnumfeldes,
das
nicht als Fahrt von oder zur Arbeit, Schule, Verein, etc. ,
nicht als Einkaufsfahrt zur Deckung des täglichen Bedarfs,
nicht als regelmäßige oder Routinefahrt (z. B. Gottesdienstbesuche, Behördengänge,
Arztbesuche)
zu bezeichnen ist“ (ZEINER 1993, S. 344).
Am Ausflugsverkehr sollen sich fast alle Bevölkerungsschichten in Deutschland beteili-
gen. In den alten Bundesländern unternehmen 89,1% aller Deutschen jährlich minde-
stens einen Ausflug. Die Anzahl der Ausflüge fällt bei der städtischen Bevölkerung mit
23 pro Jahr deutlich höher aus als bei den Deutschen aus ländlichen Gegenden mit we-
niger als 10 pro Jahr (vgl. ZEINER 1993). Das liegt an der bekannten stärkeren Mobili-
tät der Menschen in Städten und Großstädten.
In Befragungen hat ZEINER festgestellt, daß der durchschnittliche Ausflug 8,3 Stunden
dauert, morgens zwischen 9 und 10 Uhr beginnt und abends zwischen 18 und 20 Uhr
endet. Außerdem konnte in Erfahrung gebracht werden, daß die mittlere Entfernung
zwischen Ausgangs- und Zielort eines Ausflugs bei 83 km liegt und jeder zweite Aus-
flug im Nahbereich von unter 50 km Umkreis stattfindet (vgl. ZEINER 1993).
Bei der Motivsuche, warum Ausflüge unternommen werden, sind viele Gründe zu nen-
nen:
Sich in der Natur aufhalten, um das Erholungsbedürfnis zu befriedigen,
Wanderungen oder Spaziergänge vornehmen,
Sport- oder Kulturveranstaltungen besuchen,
Natürliche oder kulturelle Sehenswürdigkeiten besuchen,
Bekannte oder Verwandte besuchen.
177
______________________________________________________________________
Da Ausflügler überwiegend ganztägig unterwegs sind, ist der Besuch von Restaurants
oder Cafés zur Stärkung des leiblichen Wohls eine der beliebtesten Aktivitäten des Aus-
flugs. Daher sind Tagesbesucher auch aus ökonomischer Sicht eine gern gesehene Ziel-
gruppe. ZEINER konnte in Befragungen feststellen, daß bei einem Ausflug im Durch-
schnitt 28 DM pro Person am Zielort umgesetzt werden (ZEINER 1993). Die ursprüng-
liche Annahme, Ausflügler hinterlassen nur Müll und sonst nichts, hat keine Geltung
mehr. In vielen Tourismusorten hat inzwischen der Ausflugsverkehr einen höheren öko-
nomischen Stellenwert einnehmen können als der Übernachtungsfremdenverkehr, da die
Nettowertschöpfungsquoten des Ausflugsverkehrs höher ausfallen als die im Über-
nachtungstourismus.
Darum ist auch allen Luftkurorten anzuraten, das Angebot im Ausflugsverkehr zu er-
weitern. Überzeugende Sehenswürdigkeiten, abwechslungsreiche und interessant ange-
legte Rundwanderwege oder Lehrpfade, ansprechende Veranstaltungen, auch an Wo-
chenenden in den Kureinrichtungen, ziehen viele Ausflügler an. Selbstverständlich muß
das Angebot in der Gastronomie den Anforderungen der Nachfrage gewachsen sein,
denn Enttäuschungen lassen sich Tagesbesucher nur einmal gefallen.
Es bleibt in den einzelnen Luftkurorten zu überprüfen, inwieweit der Tagestourismus
eventuelle Ausfälle im Übernachtungstourismus ökonomisch kompensieren kann.
178
______________________________________________________________________
4.3 Konsequenzen für Landesplanung und Raumordnung
4.3.1 Bestandsaufnahme
Wie an verschiedenen Stellen der Arbeit gezeigt werden konnte, verursacht der Über-
nachtungsfremdenverkehr in den Luftkurorten Nordrhein-Westfalens landesplanerische
Forderungen und deckt Aspekte bzw. Handlungsspielräume zur Realisierung einer
nachhaltigen Entwicklung mit Tourismus auf. In der Agenda 21 und auch in der Habi-
tat-Agenda werden lokale Handlungsansätze herausgestellt und die Bürgerinnen und
Bürger aufgefordert, in einem kritischen Dialog an einer lokalen Agenda im Rahmen ih-
rer Möglichkeiten mitzuwirken.
ADAM / BLACH (1997) bieten Strategieempfehlungen für ein raumordnerisches Mo-
dellvorhaben „Regionen der Zukunft“ und regen an, für die Mitwirkung an einem sol-
chen Vorhaben zunächst die lokalen und regionalen Potentiale einer nachhaltigen Ent-
wicklung zu erfassen. Die nachfolgende Kennzahlenanalyse und der Vergleich von zwei
Untersuchungsjahren liefern aus den beteiligten Kommunen, Kreisen, Regierungsbezir-
ken und Reisegebieten jeweils eine Bestandsaufnahme eines touristischen Handlungs-
rahmens, der von den Luftkurorten des Landes Nordrhein-Westfalens bestimmt wird.
Bei der Kennzahl Umsatz durch Übernachtungen wurden die Ansätze von ZEINER /
HARRER (1992) für den durchschnittlichen Nettoumsatz je Übernachtung von 111,10
DM aus dem Jahr 1991 und für die Folgejahre mit einer jeweiligen Preissteigerung von
2 % berücksichtigt. Dabei wurden alle Standorte im Bundesland gleich behandelt, ob-
wohl bei genauer Analyse Differenzierungen zwischen ländlichen und städtischen Re-
gionen unumgänglich erscheinen.
Zur Ermittlung der Vollarbeitsplätze im Gastgewerbe wurde die Relation 780 Über-
nachtungen =
ˆ 1 Vollarbeitsplatz von KOCH (1986) berücksichtigt.
Da die Umsatz- und Vollarbeitsplatzberechnungen auf den Übernachtungszahlen basie-
ren, ist immer eine Korrelation zwischen den Größen vorhanden. Es muß an dieser
Stelle erneut erwähnt werden, daß die in diesem Kapitel genannten Zahlen zum Umsatz
aus Übernachtungen bzw. zu den Arbeitsplätzen durch den Übernachtungstourismus
potentielle Größen sind, die mathematisch entstanden sind und durchaus zu Differenzen
mit der Realität vor Ort führen können. Dennoch sind diese potentiellen Zahlen von be-
deutender Relevanz bei planerischen Überlegungen.
Die Lage der Luftkurorte im Bundesland führt dazu, daß es beteiligte Kreise, Regie-
179
______________________________________________________________________
rungsbezirke und Reisegebiete gibt, die nur einen analysierten Luftkurort in ihren Gren-
zen aufweisen:
Heimbach als einziger Luftkurort im Kreis Düren, im Regierungsbezirk Köln und
im Reisegebiet Eifel,
Tecklenburg als einziger Luftkurort im Kreis Steinfurt und im Regierungsbezirk
Münster,
Freudenberg als einziger Luftkurort im Kreis Siegen-Wittgenstein und im Reise-
gebiet Siegerland-Wittgenstein.
Es ist nicht sinnvoll, für diese Orte Relationen ausgewählter touristischer Kennzahlen in
den beteiligten Kreisen, Regierungsbezirken und Reisegebieten zu erstellen, da die Aus-
sagekraft der Erkenntnisse nur von geringfügiger Bedeutung sein wird. Aus diesem
Grunde wird in den Kap. 4.3.1.2 – 4.3.1.4 auf eine Darstellung dieser Sachverhalte ver-
zichtet.
4.3.1.1 Touristische Relationen auf kommunaler Ebene
Um die Bedeutung eines Luftkurortes für den jeweiligen Verwaltungsbezirk (Stadt bzw.
Gemeinde) im Fremdenverkehrsbereich besser einschätzen zu können, ist es sinnvoll,
die jeweils erwirtschafteten Anteile in den zugehörigen Ortsteilen zu vergleichen. In
Tabelle 36, S. 181 wurden die Kennzahlen Anzahl Übernachtungsbetriebe, angebotene
Gästebetten, Bettenauslastung in %, die erreichte Zahl der Ankünfte und Übernachtun-
gen, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer, die erreichte Zahl von Ankünften und
Übernachtungen ausländischer Gäste, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der aus-
ländischen Gäste, der prozentuale Anteil der Übernachtungen ausländischer Gäste an
den Gesamtübernachtungen sowie die Fremdenverkehrsintensität im jeweiligen Luft-
kurort* den Gesamtzahlen aus den Verwaltungsbezirken für die Jahre 1993 und 1997
gegenübergestellt. Auch die Flächenanteile der Luftkurorte* an den Gesamtflächen der
Verwaltungsbezirke könnte bei planerischen Entscheidungen von Bedeutung sein. Dar-
um werden auch diese Maßzahlen in der Tabelle 36 aufgeführt.
Wenn man eine absteigende Sortierung nach den erreichten Übernachtungsanteilen in
den Luftkurorten* vornimmt, dann zeigen sich deutlich die touristischen Abhängigkei-
ten der Luftkurorte von den Luftkurorten*. So gibt es Stadt- bzw. Ortsteile, die zu mehr
als 75 % die touristischen Aktivitäten der Verwaltungseinheit beeinflussen. In dieser
180
______________________________________________________________________
Sortierung bleiben Rödinghausen* und Willebadessen* unberücksichtigt, da dort aus
den oben dargelegten Gründen nicht zwischen Ort und Ortsteil differenziert werden
konnte.
In Preußisch Oldendorf-Holzhausen (89 % / 1997, 80 % / 1993), Lage-Hörste (81 % /
1997, 78 % / 1993), Nieheim* (80 % / 1997, 79 %/ 1993), Freudenberg* (75 % / 1997,
75 % / 1993), Vlotho-Valdorf (61 % / 1997, 72 % / 1993), Tecklenburg* (66 % / 1997,
70 % / 1993), Eslohe* (53 % / 1997, 57 % / 1993), Brilon* (53 % / 1997, 48 % / 1993)
und Kirchhundem-Oberhundem (51 % / 1997, 43 % / 1993) werden die touristischen
Aktivitäten überwiegend für die gesamte Stadt bzw. gesamte Gemeinde übernommen,
da hier die Nachfrage im Übernachtungstourismus dominiert.
In Heimbach* (38 % / 1997, 30 % / 1993), Brakel* (35 % / 1997, 26 % / 1993), Lenne-
stadt-Saalhausen (23 % / 1997, 26 % / 1993), Sundern-Langscheid (14 % / 1997, 19 % /
1993), Warburg-Germete (12 % / 1997, 13 % / 1993), Höxter-Bruchhausen (9 % / 1997,
11 % / 1993) und Preußisch Oldendorf-Börninghausen (3 % / 1997, 11 % / 1993) wer-
den noch nennenswerte Anteile am Tourismus der Stadt/Gemeinde erbracht.
Obwohl die prädikatisierten Stadtteile Schmallenberg, Grafschaft und Nordenau gute
Ergebnisse erwirtschaftet haben, erreichen sie dennoch jeweils nicht einmal 10 % aller
Übernachtungen der gesamten Stadt.
181
______________________________________________________________________
Tabelle 36 : Kennzahlen in Luftkurorten und Luftkurorten*
lfd.Nr.
Luftkurorte/ Luftkurorte* Jahr
Fläche in qkm
Anteil am Ort in %
Anzahl Betriebe
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Anzahl Betten
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Bettenauslastung in
%
Veränderungen in %
Ankünfte
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Übernachtungen
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Aufenthaltsdauer in
Tagen
Veränderungen in %
Ankünfte Ausländer
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Übernachtungen
Ausländer
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Dauer(Ausl.) in Tagen
Veränderungen in %
Ausl.-Anteil an allen
Übernachtungen in %
Veränderungen in %
FV-Intensität
Veränderungen in %
1 Brakel 1993 173,720 12 529 40,83 14174 78840 5,56 846 5957 7,04 7,56 473,2
Brakel 1997 14 16,7 587 11,0 31,07 -23,9 17002 20,0 66569 -15,6 3,92 -29,5 889 5,1 5185 -13,0 5,83 -17,2 7,79 3,0 369,23 -22,0
Brakel* 1993 41,968 24,2 5 41,7 216 40,8 26,44 6087 42,9 20843 26,4 3,42 459 54,3 1385 23,2 3,02 6,64 220,72
Brakel* 1997 6 20,0 42,9 228 5,6 38,8 27,8 5,2 8359 37,3 49,2 23134 11,0 34,8 2,77 -19,0 545 18,7 61,3 1092 -21,2 21,1 2 -33,8 4,72 -28,9 221,95 0,6
2 Brilon 1993 228,980 44 796 49,03 23040 142466 6,18 2084 12130 5,82 8,51 518,59
Brilon 1997 44 0,0 1143 43,6 35,35 -27,9 34409 49,3 147463 3,5 4,29 -30,6 3457 65,9 17100 41,0 4,95 -14,9 11,6 36,3 525,19 1,3
Brilon* 1993 97,355 42,5 13 29,5 329 41,3 56,59 13953 60,6 67960 47,7 4,87 1459 70 8062 66,5 5,53 11,86 502,74
Brilon* 1997 12 -7,7 27,3 437 32,8 38,2 48,52 -14,3 20612 47,7 59,9 77398 13,9 52,5 3,75 -23,0 2417 65,7 69,9 11120 37,9 65 4,6 -16,8 14,37 21,2 546,6 8,7
3 Eslohe 1993 113,300 46 1251 43,53 34965 198765 5,68 2440 12721 5,21 6,4 2174,7
Eslohe 1997 41 -10,9 1286 2,8 34,07 -21,7 29687 -15,1 159934 -19,5 5,39 -5,1 2056 -15,7 9092 -28,5 4,42 -15,2 5,68 -11,3 1709,2 -21,4
Eslohe* 1993 16,761 14,8 21 45,7 618 49,4 50,33 19146 54,8 113539 57,1 5,93 654 26,8 3786 29,8 5,79 3,33 2405,5
Eslohe* 1997 11 -47,6 26,8 567 -8,3 44,1 40,64 -19,3 12473 -34,9 42 84114 -25,9 52,6 6,74 13,7 274 -58,1 13,3 1675 -55,8 18,4 6,11 5,5 1,99 -40,2 3139,8 30,5
4 Freudenberg 1993 54,490 14 464 27,57 23156 46694 2,02 1297 2975 2,29 6,37 258,29
Freudenberg 1997 14 0,0 409 -11,9 27,67 0,4 18412 -20,5 41309 -11,5 2,24 10,9 1461 12,6 3181 6,9 2,18 -4,8 7,7 20,9 225,56 -12,7
Freudenberg* 1993 10,893 20 7 50 324 69,8 29,77 17671 76,3 35211 75,4 1,99 877 67,6 2335 78,5 2,66 6,63 677,66
Freudenberg* 1997 6 -14,3 42,9 283 -12,7 69,2 30,08 1,0 14088 -20,3 76,5 31076 -11,7 75,2 2,21 11,1 884 0,8 60,5 2079 -11,0 65,4 2,35 -11,7 6,69 0,9 619,29 -8,6
5 Heimbach 1993 64,810 31 575 17,14 10668 35971 3,37 1992 7368 3,7 20,48 778,09
Heimbach 1997 33 6,5 691 20,2 13,07 -23,7 11982 12,3 32963 -8,4 2,75 -18,4 2073 4,1 6142 -16,6 2,96 -20,0 18,63 -9,0 714,41 -8,2
Heimbach* 1993 30,673 47,3 8 25,8 147 25,6 20,16 2787 26,1 10818 30,1 3,88 544 27,3 2002 27,2 3,68 18,51 780,52
Heimbach* 1997 11 37,5 33,3 245 66,7 35,5 13,82 -31,5 4679 67,9 39,1 12355 14,2 37,5 2,64 -32,0 759 39,5 36,6 2176 8,7 35,4 2,87 -22,0 17,61 -4,9 963,73 23,5
6 Horn-Bad Meinberg 1993 90,160 122 3769 63,03 78100 867048 11,1 2138 8584 4,01 0,99 4753,8
Horn-Bad Meinberg 1997 101 -17,2 3304 -12,3 39,56 -37,2 59857 -23,4 477134 -45,0 7,97 -28,2 1433 -33,0 4965 -42,2 3,46 -13,7 1,04 5,1 2479,6 -47,8
Holzhausen-Externst.* 1993 7,3285 8,13 7 5,74 288 7,64 50,5 7494 9,6 53089 6,12 7,08 255 11,9 1575 18,3 6,18 2,97 4952,3
Holzhausen-Externst.* 1997 5 -28,6 4,95 264 -8,3 7,99 42,72 -15,4 6140 -18,1 10,3 41164 -22,5 8,63 6,7 -5,4 97 -62,0 6,77 526 -66,6 10,6 5,42 -12,3 1,28 -56,9 3614 -27,0
7 Höxter 1993 157,880 26 711 37,21 44468 96563 2,17 1979 3117 1,58 3,23 275,09
Höxter 1997 24 -7,7 585 -17,7 38,58 3,7 38549 -13,3 82382 -14,7 2,14 -1,4 1825 -7,8 5616 80,2 3,08 94,9 6,82 111,1 235,4 -14,4
Hx-Bruchhausen* 1993 10,896 6,9 4 15,4 78 11 37,31 3195 7,18 10623 11 3,32 89 4,5 243 7,8 2,73 2,29 1365,4
Hx-Bruchhausen* 1997 4 0,0 16,7 79 1,3 13,5 25,78 -30,9 2683 -16,0 6,96 7433 -30,0 9,02 2,77 -16,6 68 -23,6 3,73 170 -30,0 3,03 2,5 -8,4 2,29 0,0 929,13 -32,0
8 Kirchhundem 1993 147,890 37 1036 35 31604 132338 4,19 2105 8366 3,97 6,32 989,81
Kirchhundem 1997 34 -8,1 1071 3,4 33,31 -4,8 36212 14,6 130210 -1,6 3,6 -14,1 1981 -5,9 7181 -14,2 3,62 -8,8 5,51 -12,8 973,53 -1,6
Kirchh.- Oberhundem* 1993 32,931 22,3 12 32,4 518 50 29,97 15594 49,3 56671 42,8 3,63 1218 57,9 4092 48,9 3,36 7,22 4993
Kirchh.- Oberhundem* 1997 13 8,3 38,2 565 9,1 52,8 32,15 7,3 20118 29,0 55,6 66296 17,0 50,9 3,3 -9,1 1261 3,5 63,7 4458 8,9 62,1 3,54 5,4 6,72 -6,9 6032,4 20,8
9 Lage 1993 76,060 16 535 34,25 23536 66876 2,84 788 4629 5,87 6,92 180,1
Lage 1997 19 18,8 566 5,8 29,38 -14,2 18480 -21,5 60697 -9,2 3,28 15,5 597 -24,2 4243 -8,3 7,11 21,1 6,99 1,0 160,14 -11,1
Lage-Hörste* 1993 13,166 17,3 10 62,5 419 78,3 34,17 20381 86,6 52254 78,1 2,56 458 58,1 2615 56,5 5,71 5 2014,4
Lage-Hörste* 1997 12 20,0 63,2 451 7,6 79,7 29,67 -13,2 14933 -26,7 80,8 48835 -6,5 80,5 3,27 27,7 251 -45,2 42 1691 -35,3 39,9 6,74 18,0 3,46 -30,8 1789,5 -11,2
10 Lennestadt 1993 135,040 55 1682 32,07 58385 196893 3,37 4449 17116 3,85 8,69 717,38
Lennestadt 1997 51 -7,3 1424 -15,3 29,85 -6,9 53436 -8,5 155124 -21,2 2,9 -13,9 2499 -43,8 10263 -40,0 4,11 6,8 6,62 -23,8 544,89 -24,0
L.Saalhausen* 1993 15,900 11,8 13 23,6 378 22,5 37,08 11369 19,5 51157 26 4,5 889 20 3948 23,1 4,44 7,72 2688,2
L.Saalhausen* 1997 12 -7,7 23,5 297 -21,4 20,9 32,71 -11,8 6356 -44,1 11,9 35464 -30,7 22,9 5,58 24,0 946 6,4 37,9 3245 -17,8 31,6 3,43 -22,7 9,15 18,5 1837,5 -31,6
11 Nieheim 1993 79,820 11 606 32,23 16606 71288 4,29 116 370 3,19 0,52 967,8
Nieheim 1997 12 9,1 771 27,2 26,24 -18,6 17574 5,8 73842 3,6 4,2 -2,1 129 11,2 349 -5,7 2,71 -15,0 0,47 -9,6 1020,8 5,5
Nieheim* 1993 25,896 32,4 6 54,5 446 73,6 34,77 12725 76,6 56594 79,4 4,45 53 45,7 112 30,3 2,11 0,2 1723,3
Nieheim* 1997 8 33,3 66,7 625 40,1 81,1 26,04 -25,1 13442 5,6 76,5 59397 5,0 80,4 4,42 -0,7 127 139,6 98,4 339 202,7 97,1 2,67 26,5 0,57 185,0 1778,9 3,2
182
______________________________________________________________________
lfd.Nr.
Luftkurorte/ Luftkurorte*Jahr
Fläche in qkm
Anteil am Ort in %
Anzahl Betriebe
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Anzahl Betten
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Bettenauslastung in
%
Veränderungen in %
Ankünfte
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Übernachtungen
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Aufenthaltsdauer in
Tagen
Veränderungen in %
Ankünfte Ausland
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Übernachtungen
Ausland
Veränderungen in %
Anteil am Ort in %
Dauer(Ausl.) in Tagen
Veränderungen in %
Ausl.Anteil an allen
Übernachtungen in %
Veränderungen in %
FV-Intensität
Veränderungen in %
12 Preuß.Oldendorf 1993 69,680 21 816 49,31 16033 146872 9,16 259 659 2,54 0,45 1220,2
Preuß.Oldendorf 1997 20 -4,8 851 4,3 32,13 -34,8 12036 -24,9 99807 -32,0 8,29 -9,5 143 -44,8 638 -3,2 4,46 75,6 0,64 42,2 769,76 -36,9
Preuß.Oldendorf* 1993 4,2447 6,1 4 19,0 116 14,2 30,49 5108 31,9 12911 8,8 2,53 54 20,8 132 20,0 2,44 1,02 367,31
Preuß.Oldendorf* 1997 4 0,0 20,0 92 -20,7 10,8 26,52 -13,0 4098 -19,8 34,0 8906 -31,0 8,9 2,17 -14,2 88 63,0 61,5 324 145,5 50,8 3,68 50,8 3,64 256,9 270,62 -26,3
13 Pr.Oldendorf-Holzhsn* 1993 13,609 19,5 14 66,7 488 59,8 66,32 8128 50,7 118129 80,4 14,5 136 52,5 324 49,2 2,38 0,27 3695
Pr.Oldendorf-Holzhsn* 1997 12 -14,3 60,0 615 26,0 72,3 39,4 -40,6 7430 -8,6 61,7 88440 -25,1 88,6 11,9 -18,1 37 -72,8 25,9 294 -9,3 46,1 7,95 234,0 0,33 22,2 2615,8 -29,2
14 Pr.Oldend.-Börninghsen* 1993 9,9479 14,3 8 38,1 207 25,4 20,95 2797 17,4 15832 10,8 5,66 69 26,6 203 30,8 2,94 1,28 768,92
Pr.Oldend.-Börninghsen* 1997 4 -50,0 20,0 144 -30,4 16,9 4,682 -77,7 508 -81,8 4,2 2461 -84,5 2,5 4,84 -14,5 20 -71,0 14,0 20 -90,1 3,1 1 -66,0 0,81 -36,7 117,81 -84,7
15 Rödinghausen 1993 36,270 6 225 41,1 11478 33750 2,94 25 121 4,84 0,36 357,48
Rödinghausen 1997 7 16,7 232 3,1 40,87 -0,6 12231 6,6 34607 2,5 2,83 -3,7 55 120,0 262 116,5 4,76 -1,7 0,76 111,1 345,59 -3,3
16 Schmallenberg 1993 302,940 158 4781 46,1 1E+05 804473 5,37 20187 94050 4,66 11,7 2886
Schmallenberg 1997 144 -8,9 4577 -4,3 37,89 -17,8 1E+05 -16,4 633067 -21,3 5,06 -5,8 13266 -34,3 61707 -34,4 4,65 -0,2 9,75 -16,6 3456,7 19,8
Schmallenberg* 1993 16,461 5,4 11 7,0 321 6,7 33,4 13279 8,9 39130 4,9 2,95 771 3,8 2594 2,8 3,36 6,63 621,41
Schmallenberg* 1997 11 0,0 7,6 245 -23,7 5,4 13,82 -58,6 4679 -64,8 3,7 12355 -68,4 2,0 2,64 -10,5 759 -1,6 5,7 2176 -16,1 3,5 2,87 -14,6 17,6 165,6 190,87 -69,3
17 Schm.-Grafschaft* 1993 26,260 8,7 9 5,7 346 7,2 42,84 18061 12,1 54107 6,7 3 2342 11,6 9218 9,8 3,94 17 4543
Schm.-Grafschaft* 1997 10 11,1 6,3 372 7,5 7,8 26,59 -37,9 12218 -32,4 8,2 36099 -33,3 4,5 2,95 -1,7 1278 -45,4 6,3 5281 -42,7 5,6 4,13 4,8 14,6 -14,1 2871,8 -36,8
18 Schm.-Nordenau* 1993 9,236 3,0 16 10,1 367 7,7 32,19 8657 5,8 43121 5,4 4,98 1011 5,0 4381 4,7 4,33 10,2 12285
Schm.-Nordenau* 1997 13 -18,8 9,0 342 -6,8 7,5 34,35 6,7 8857 2,3 7,1 42881 -0,6 6,8 4,84 -2,8 605 -40,2 4,6 2755 -37,1 4,5 4,55 5,1 6,42 -36,8 12252 -0,3
19 Sundern 1993 192,850 51 1449 32,64 54348 172633 3,18 3824 12746 3,33 7,38 598,57
Sundern 1997 43 -15,7 1457 0,6 31,13 -4,6 61984 14,1 165549 -4,1 2,67 -16,0 4589 20,0 11006 -13,7 2,4 -27,9 6,65 -9,9 551,76 -7,8
Sundern-Langscheid* 1993 8,394 4,4 9 17,6 306 21,1 29,89 11167 20,5 33389 19,3 2,99 598 15,6 2384 18,7 3,99 7,14 1211,1
Sundern-Langscheid* 1997 7 -22,2 16,3 389 27,1 26,7 15,99 -46,5 8193 -26,6 13,2 22707 -32,0 13,7 2,77 -7,4 789 31,9 17,2 2220 -6,9 20,2 2,81 -29,6 9,78 37,0 801,24 -33,8
20 Tecklenburg 1993 70,360 18 627 41,04 36929 93914 2,54 7678 10463 1,36 11,1 1022
Tecklenburg 1997 19 5,6 607 -3,2 41,42 0,9 37603 1,8 91758 -2,3 2,44 -3,9 8118 5,7 12343 18,0 1,52 11,8 13,5 20,7 996,5 -2,5
Tecklenburg* 1993 4,656 6,6 8 44,4 456 72,7 39,37 22410 60,7 65535 69,8 2,92 2871 37,4 4486 42,9 1,56 6,85 2452,7
Tecklenburg* 1997 8 0,0 42,1 330 -27,6 54,4 50,26 27,7 21359 -4,7 56,8 60544 -7,6 66,0 2,83 -3,1 3242 12,9 39,9 5825 29,8 47,2 1,8 15,4 9,62 40,4 2378 -3,0
21 Vlotho 1993 76,920 16 1172 48,08 33995 205694 6,05 2005 6111 3,05 2,97 971,31
Vlotho 1997 16 0,0 1132 -3,4 29,77 -38,1 28044 -17,5 122987 -40,2 4,39 -27,4 2683 33,8 7537 23,3 2,81 -7,9 6,13 106,4 566,11 -41,7
Vlotho-Valdorf* 1993 38,956 50,6 6 37,5 540 46,1 74,84 6858 20,2 147507 71,7 21,5 16 0,8 89 1,5 5,56 0,06 2370,4
Vlotho-Valdorf* 1997 5 -16,7 31,3 487 -9,8 43,0 42,1 -43,7 5122 -25,3 18,3 74837 -49,3 60,8 14,6 -32,1 32 100,0 1,2 623 600,0 8,3 19,5 250,2 0,83 1283,3 1167 -50,8
22 Warburg 1993 168,700 21 559 40,28 29263 82179 2,81 1114 2153 1,93 2,62 321,14
Warburg 1997 19 -9,5 604 8,1 37,53 -6,8 32131 9,8 82728 0,7 2,57 -8,5 1409 26,5 2753 27,9 1,95 1,0 3,33 27,1 321,39 0,1
Warburg-Germete* 1993 4,526 2,7 5 23,8 88 15,7 34,38 2715 9,3 11043 13,4 4,07 161 14,5 465 21,6 2,89 4,21 1107,6
Warburg-Germete* 1997 5 0,0 26,3 101 14,8 16,7 26,59 -22,7 3709 36,6 11,5 9801 -11,2 11,8 2,64 -35,1 361 124,2 25,6 1079 132,0 39,2 2,99 3,5 11 161,5 920,28 -16,9
23 Willebadessen 1993 128,130 9 253 37,03 10957 34193 3,12 31 101 3,26 0,3 384,41
Willebadessen 1997 3 -66,7 152 -39,9 0 0 0 0 0
183
______________________________________________________________________
4.3.1.2 Touristische Relationen in den Kreisen der Luftkurorte
Kreis Olpe
In den Luftkurorten des Kreises Olpe befanden sich im Untersuchungszeitraum rd. 50 –
53 % aller Beherbergungsbetriebe, in den Luftkurorten* dagegen nur 14 – 16 %. Beim
Angebot der Gästebetten sah es ähnlich aus. 45 – 46 % aller Gästebetten wurden in den
Luftkurorten des Kreises Olpe und nur rd. 15 – 16 % in den Luftkurorten* angeboten.
Die touristischen Nachfragerelationen des Kreises konnten mit ähnlichen Ergebnissen
untersucht werden.
Tabelle 37 : Touristische Kennzahlen im Kreis Olpe
1 Kreis/Luftkurorte/ Luftkurorte* Kreis Olpe Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 185 161 92 85 25 25
Veränderungen in % -13,0 -7,6 0,0
Anteil am Kreis in % 49,7 52,8 13,5 15,5
4Anzahl Betten 5926 5491 2718 2495 896 862
Veränderungen in % -7,3 -8,2 -3,8
Anteil am Kreis in % 45,9 45,4 15,1 15,7
5Bettenauslastung in % 32,7 29,2 33,2 31,3 33,0 32,3
Veränderungen in % -10,5 -5,6 -1,9
6Ankünfte 219397 207162 89989 89648 26963 26474
Veränderungen in % -5,6 -0,4 -1,8
Anteil am Kreis in % 41,0 43,3 12,3 12,8
7Übernachtungen 706447 585622 329231 285334 107828 101760
Veränderungen in % -17,1 -13,3 -5,6
Anteil am Kreis in % 46,6 48,7 15,3 17,4
8Aufenthaltsdauer in Tagen 3,2 2,8 3,7 3,2 4,0 3,8
Veränderungen in % -12,1 -13,1 -4,0
9Ankünfte Ausländer 13543 10725 6554 4480 2107 2207
Veränderungen in % -20,8 -31,6 4,7
Anteil am Kreis in % 48,4 41,8 15,6 20,6
10 Übernachtungen Ausländer 47441 35812 25482 17444 8040 7703
Veränderungen in % -24,5 -31,5 -4,2
Anteil am Kreis in % 53,7 48,7 16,9 21,5
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 3,5 3,3 3,9 3,9 3,8 3,5
Veränderungen in % -4,6 0,0 -8,6
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 6,7 6,1 7,7 6,1 7,5 7,6
Veränderungen in % -8,9 -21,1 1,5
13 FV-Intensität 519,6 422,7 806,6 681,9 3549,3 3359,5
Veränderungen in % -18,6 -15,5 -5,3
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 81,67 73,26 38,06 35,70 12,46 12,73
Veränderungen in % -10,3 -6,2 2,1
15 Vollarbeitsplätze 906 751 422 366 138 130
Veränderungen in % -17,1 -13,3 -5,6
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
184
______________________________________________________________________
Der Anteil Ausländer-Übernachtungen ist in den Luftkurorten in den Vergleichsjahren
um rd. 21 % zurückgegangen. In den Luftkurorten* konnte sogar eine Zunahme von 1,5
% und im Kreis Olpe insgesamt ein Rückgang von 8,9 % festgestellt werden.
Die Umsätze aus Übernachtungen sind im Kreis Olpe insgesamt um 10,3 % und in den
Luftkurorten des Kreises um 6,2 % zurückgegangen. Lediglich in den Luftkurorten*
wurde eine leichte Umsatzsteigerung um 2,1 % von 1993 nach 1997 berechnet.
Wenn man sich die Entwicklungen bei den Vollarbeitsplätzen im Übernachtungstouris-
mus ansieht, wird man im Untersuchungszeitraum nur Rückgänge feststellen: -17,1 %
im gesamten Kreis Olpe, -13,3 % in den Luftkurorten und –5,6 % in den Luftkurorten*
des Kreises Olpe.
Hochsauerlandkreis (HSK)
In den Jahren 1993 und 1997 konnten in den Luftkurorten des Hochsauerlandkreises rd.
47 – 48 % aller Übernachtungsbetriebe des Kreises gezählt werden. In den Luftkuror-
ten* waren nur 11 – 13 % aller Angebotsbetriebe des Kreises zu erfassen. Von allen an-
gebotenen Betten des Kreises wurden in den Luftkurorten 33 – 38 % und in den Luft-
kurorten* nur rd. 10 % vorgehalten.
Rund ein Drittel aller Gäste des Kreises hat es in den Untersuchungsjahren in die Luft-
kurorte gezogen, während nur 9 – 12 % aller Gäste sich in den Luftkurorten* aufhielten.
31 – 42 % aller Übernachtungen im Hochsauerlandkreis wurden in Luftkurorten und 8 –
11 % in Luftkurorten* vorgenommen.
Während die Umsätze aus Übernachtungen im Kreis allgemein um 21,5 gestiegen sind,
konnten in den Luftkurorten und Luftkurorten* lediglich Rückgänge von 9 bzw. 8 % re-
gistriert werden. Mit den Vollarbeitsplätzen verhält es sich ähnlich. Allgemein haben im
Analysezeitraum die Vollarbeitsplätze im Gastgewerbe des Kreises um 12,3 % zuge-
nommen, während in den Luftkurorten und Luftkurorten* eine Abnahme von 16,1 %
bzw. um 14,9 % festgestellt werden konnte.
Luftkurorte sind wesentlich und Luftkurorte* sind geringfügig an den touristischen Ak-
tivitäten im Hochsauerlandkreis beteiligt.
185
______________________________________________________________________
Tabelle 38 : Touristische Kennzahlen im Hochsauerlandkreis
1 Kreis/Luftkurorte/ Luftkuror-
te* Kreis HSK Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 626 577 299 272 79 63
Veränderungen in % -7,8 -9,0 -20,3
Anteil am Kreis in % 47,8 47,1 12,6 10,9
4Anzahl Betten 22046 25513 8277 8463 2287 2429
Veränderungen in % 15,7 2,2 6,2
Anteil am Kreis in % 37,5 33,2 10,4 9,5
5Bettenauslastung in % 39,4 38,2 43,6 35,8 42,1 33,7
Veränderungen in % -3,0 -17,9 -19,9
6Ankünfte 692544 829511 262156 251289 84263 75865
Veränderungen in % 19,8 -4,1 -10,0
Anteil am Kreis in % 37,9 30,3 12,2 9,1
7Übernachtungen 3170474 3559230 1318337 1106013 351246 298983
Veränderungen in % 12,3 -16,1 -14,9
Anteil am Kreis in % 41,6 31,1 11,1 8,4
8Aufenthaltsdauer in Tagen 4,6 4,3 5,0 4,4 4,2 3,94
Veränderungen in % -6,3 -12,5 -5,5
9Ankünfte Ausländer 109168 174890 28535 23368 6835 6167
Veränderungen in % 60,2 -18,1 -9,8
Anteil am Kreis in % 26,1 13,4 6,3 3,5
10 Übernachtungen Ausländer 462532 767165 131647 98905 30425 25250
Veränderungen in % 65,9 -24,9 -17,0
Anteil am Kreis in % 28,5 12,9 6,6 3,3
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 4,2 4,4 4,6 4,2 4,45 4,09
Veränderungen in % 3,5 -8,2 -8,1
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 14,6 21,6 10,0 8,9 8,7 8,5
Veränderungen in % 47,7 -10,5 -2,4
13 FV-Intensität 1137,4 1251,5 1412,6 1156,6 1218,2 1077,3
Veränderungen in % 10,0 -18,1 -11,6
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 366,51 445,26 152,40 138,36 40,60 37,40
Veränderungen in % 21,5 -9,2 -7,9
15 Vollarbeitsplätze 4065 4563 1690 1418 450 383
Veränderungen in % 12,3 -16,1 -14,9
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
Kreis Höxter
Die Hälfte aller Beherbergungsbetriebe im Kreis Höxter sind in den Luftkurorten und 17
– 18 % in den Luftkurorten* angesiedelt. Die angebotenen Gästebetten befanden sich zu
37 – 38 % in den Luftkurorten und zu 15 – 17 % in den Luftkurorten*.
Im Beobachtungszeitraum haben sich 54 – 55 % aller Gäste des Kreises für einen Luft-
kurort und 14 – 17 % aller Gäste haben für einen Luftkurort* als Ferien- bzw. Erho-
lungsort entschieden. Aber nur rd. 26 % aller Übernachtungen des Kreises kamen Luft-
186
______________________________________________________________________
kurorten und nur 9 – 10 % von den gesamten Übernachtungen des Kreises den Luftkur-
orten* zugute.
Tabelle 39 : Touristische Kennzahlen im Kreis Höxter
1 Kreis/Luftkurorte/ Luftkuror-
te* Kreis Höxter Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 158 151 79 72 29 26
Veränderungen in % -4,4 -8,9 -10,3
Anteil am Kreis in % 50,0 47,7 18,4 17,2
4Anzahl Betten 7118 7032 2658 2699 1081 1185
Veränderungen in % -1,2 1,5 9,6
Anteil am Kreis in % 37,3 38,4 15,2 16,9
5Bettenauslastung in % 53,7 44,2 37,4 31,0 33,8 23,1
Veränderungen in % -17,6 -17,1 -31,7
6Ankünfte 211877 196823 115468 105256 35679 28193
Veränderungen in % -7,1 -8,8 -21,0
Anteil am Kreis in % 54,5 53,5 16,8 14,3
7Übernachtungen 1394334 1135020 363063 305521 133296 99765
Veränderungen in % -18,6 -15,8 -25,2
Anteil am Kreis in % 26,0 26,9 9,6 8,8
8Aufenthaltsdauer in Tagen 6,6 5,8 3,1 2,9 3,7 3,5
Veränderungen in % -12,3 -7,6 -5,3
9Ankünfte Ausländer 6660 5990 4086 4252 793 1101
Veränderungen in % -10,1 4,1 38,8
Anteil am Kreis in % 61,4 71,0 11,9 18,4
10 Übernachtungen Ausländer 21074 21083 11698 13903 2306 2680
Veränderungen in % 0,0 18,8 16,2
Anteil am Kreis in % 55,5 65,9 10,9 12,7
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 3,16 3,5 2,9 3,3 2,9 2,4
Veränderungen in % 11,4 14,3 -16,5
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 1,5 1,9 3,2 4,6 1,7 2,7
Veränderungen in % 23,2 41,3 55,5
13 FV-Intensität 918,5 731,9 387,8 321,4 765,5 531,3
Veränderungen in % -20,3 -17,1 -30,6
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 161,19 141,99 41,97 38,22 15,41 12,48
Veränderungen in % -11,9 -8,9 -19,0
15 Vollarbeitsplätze 1788 1455 465 392 171 128
Veränderungen in % -18,6 -15,8 -25,2
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
Auch die ausländischen Gäste hielten sich gern in den Luftkurorten des Kreises Höxter
auf, denn 56 – 66 % aller Übernachtungen mit ausländischer Herkunft entfielen auf die
Luftkurorte und 11 – 13% auf die Luftkurorte* des Kreises.
In den Jahren 1993 – 1997 sind die Umsätze durch Übernachtungen in den Luftkuror-
ten* mit -19 % stark, in den Luftkurorten mit -8,9 % geringer und im Kreis Höxter all-
gemein mit -11,9 % deutlich zurückgegangen. Auch die Zahlen der Vollarbeitsplätze
187
______________________________________________________________________
im Gastgewerbe weisen ähnliche Entwicklungen auf. Im gesamten Kreis Höxter sind sie
während der Untersuchungszeit um –18,6 %, in den Luftkurorten des Kreises um –15,8
% und in den Luftkurorten* des Kreises Höxter um – 25,2 % zurückgegangen. Mit dem
Rückgang der Übernachtungen war somit ein Wegfall von rd. 1/5 aller Vollarbeitsplätze
im Übernachtungstourismus des Kreises verbunden.
Kreis Lippe
Im Analysezeitraum befanden sich von allen Übernachtungsbetrieben im Kreis Lippe
etwa 39 % in Luftkurorten und 5 – 6 % in Luftkurorten*.
Tabelle 40 : Touristische Kennzahlen im Kreis Lippe
1 Kreis/Luftkurorte/ Luftkuror-
te* Kreis Lippe Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 352 303 138 120 17 17
Veränderungen in % -13,9 -13,0 0,0
Anteil am Kreis in % 39,2 39,6 4,8 5,6
4Anzahl Betten 14157 13504 4304 3870 707 715
Veränderungen in % -4,6 -10,1 1,1
Anteil am Kreis in % 30,4 28,7 5,0 5,3
5Bettenauslastung in % 54,9 39,7 59,4 38,1 40,8 34,5
Veränderungen in % -27,6 -36,0 -15,5
6Ankünfte 388073 337534 101636 78337 27875 21073
Veränderungen in % -13,0 -22,9 -24,4
Anteil am Kreis in % 26,2 23,2 7,2 6,2
7Übernachtungen 2838078 1958748 933924 537831 105343 89999
Veränderungen in % -31,0 -42,4 -14,6
Anteil am Kreis in % 32,9 27,5 3,7 4,6
8Aufenthaltsdauer in Tagen 7,3 5,8 9,2 6,9 3,8 4,3
Veränderungen in % -20,7 -25,2 13,0
9Ankünfte Ausländer 24667 20896 2926 2030 713 348
Veränderungen in % -15,3 -30,6 -51,2
Anteil am Kreis in % 11,9 9,7 2,9 1,7
10 Übernachtungen Ausländer 89472 61108 13213 9208 4190 2217
Veränderungen in % -31,7 -30,3 -47,1
Anteil am Kreis in % 14,8 15,1 4,7 3,6
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 3,63 2,9 4,5 4,5 5,9 6,4
Veränderungen in % -19,6 0,4 8,3
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 3,2 3,1 1,4 1,7 4,0 2,5
Veränderungen in % -1,0 21,3 -38,2
13 FV-Intensität 803,0 541,0 1686,6 941,2 2873,5 2326,8
Veränderungen in % -32,6 -44,2 -19,0
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 328,08 245,04 107,96 67,28 12,18 11,26
Veränderungen in % -25,3 -37,7 -7,5
15 Vollarbeitsplätze 3639 2511 1197 690 135 115
Veränderungen in % -31,0 -42,4 -14,6
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
188
______________________________________________________________________
Während der Anteil an Gästebetten in den Luftkurorten von 30 auf 29 % zurückgegan-
gen ist, blieb der Anteil in den Luftkurorten* fast konstant bei rd. 5 % des gesamten
Kreisangebots.
Auch die touristische Nachfrage ging im Beobachtungszeitraum in den Luftkurorten zu-
rück. Ebenso verhielt es sich mit den Anteilen an den Zahlen des gesamten Kreises.
Während im Jahre 1993 noch 33 % aller Übernachtungen des Kreises in Luftkurorten
vorgenommen wurden, so waren es 1997 nur noch rd. 28 %. Die Übernachtungsanteile
am Kreis sind in den Luftkurorten* trotz absoluter Rückgänge von rd. 4 auf 5 % gestie-
gen.
Erdrutschartige Rückgänge mußten bei den Umsätzen und bei den Vollarbeitsplätzen
des Übernachtungstourismus in den Luftkurorten des Kreises Lippe hingenommen wer-
den. Während im Kreis allgemein die Umsätze aus Übernachtungen um –25,3 % zu-
rückgingen, hatten die Luftkurorte* nur einen Rückgang von –7,5 % zu bewältigen. In
den Luftkurorten* wurde 14,6 % aller Vollarbeitsplätze des Gastgewerbes im Untersu-
chungszeitraum die „Geschäftsgrundlage“ entzogen, im Kreis allgemein waren es im-
merhin –31 %. Da der Kreis Lippe mit seinen Bädern einen großen Teil des „Heilgar-
tens“ von Ostwestfalen einnimmt, war auch dort infolge der Gesundheitsreform mit ne-
gativen Entwicklungen zu rechnen.
Kreis Herford
Der Tabelle 41, S. 189 ist zu entnehmen, daß im Beobachtungszeitraum in den Luftkur-
orten des Kreises Herford 32 – 34 % und in den Luftkurorten* rd. 18 % aller Über-
nachtungsbetriebe des Kreises sich den Wünschen der Gäste stellten. Die angebotenen
Gästebettenanteile lagen in den Luftkurorten bei 44 % und in den Luftkurorten* bei 23 –
24 % des gesamten Gästebettenangebotes im Kreis.
In der touristischen Nachfrage schneiden die Luftkurorte in den Beobachtungsjahren mit
einem Anteil von rd. 42 % und die Luftkurorte* mit einem Anteil von 29 – 32 % aller
Übernachtungen des Kreises beachtlich ab.
Im Kreis Herford liegen die prädikatisierten Orte Bünde als Erholungsort, Rödinghausen
und Vlotho als Luftkurort. In diesen drei Orten wurde bisher ca. die Hälfte des kreiszu-
gehörigen Tourismusgeschäftes abgewickelt, die andere Hälfte war den sonstigen Orten
des Kreises zuzuweisen. So entfielen auf die prädikatisierten Orte im Jahr 1993 rund 53
% aller Ankünfte und Übernachtungen. 1997 entschieden sich 44 % aller Gäste mit 51
% aller Übernachtungen des Kreises für diese Orte.
189
______________________________________________________________________
Die Beherbergungsbetriebe in den Luftkurorten* des Kreises Herford hat es im Untersu-
chungszeitraum besonders hart getroffen. Die Umsätze durch Übernachtungen sind um
–34,7 % und die Zahl der Vollarbeitsplätze ist um –39,6 % zurückgegangen. In den Be-
trieben des Kreises allgemein und in den Betrieben der Luftkurorte war ein um rd. 6 %
geringerer Rückgang hinzunehmen. Als Ursachen für diese massiven Rückgänge kön-
nen nur die Auswirkungen der Gesundheitsreform genannt werden.
Tabelle 41 : Touristische Kennzahlen im Kreis Herford
1 Kreise/Luftkurorte/ Luftkur-
orte* Kreis Herford Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 68 68 22 23 12 12
Veränderungen in % 0,0 4,5 0,0
Anteil am Kreis in % 32,4 33,8 17,6 17,6
4Anzahl Betten 3209 3090 1397 1364 765 719
Veränderungen in % -3,7 -2,4 -6,0
Anteil am Kreis in % 43,5 44,1 23,8 23,3
5Bettenauslastung in % 49,0 33,7 47,0 31,7 64,9 41,7
Veränderungen in % -31,2 -32,6 -35,8
6Ankünfte 110639 106324 45473 40275 18336 17353
Veränderungen in % -3,9 -11,4 -5,4
Anteil am Kreis in % 41,1 37,9 16,6 16,3
7Übernachtungen 573862 379963 239444 157594 181257 109444
Veränderungen in % -33,8 -34,2 -39,6
Anteil am Kreis in % 41,7 41,5 31,6 28,8
8Aufenthaltsdauer in Tagen 5,2 3,6 5,3 3,9 9,9 6,3
Veränderungen in % -31,2 -25,8 -36,2
9Ankünfte Ausländer 8984 10236 2030 2738 41 87
Veränderungen in % 13,9 34,9 112,2
Anteil am Kreis in % 22,6 26,7 0,5 0,8
10 Übernachtungen Ausländer 22816 24947 6232 7799 210 885
Veränderungen in % 9,3 25,1 321,4
Anteil am Kreis in % 27,3 31,3 0,9 3,5
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 2,54 2,4 3,1 2,9 5,1 10,2
Veränderungen in % -3,9 -7,2 98,6
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 4,0 6,6 2,6 5,0 0,1 0,8
Veränderungen in % 65,1 90,4 575,0
13 FV-Intensität 232,8 150,6 782,0 496,5 1157,2 666,2
Veränderungen in % -35,3 -36,5 -42,4
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 66,34 47,53 27,68 19,72 20,95 13,69
Veränderungen in % -28,3 -28,8 -34,7
15 Vollarbeitsplätze 736 487 307 202 232 140
Veränderungen in % -33,8 -34,2 -39,6
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
Für die Zukunft ist vielleicht zu befürchten, daß Vlotho mit der Klinifizierung in den Bauern-
bädern Bad Seebruch und Bad Senkelteich noch weitere Belegungsrückgänge bewältigen muß.
190
______________________________________________________________________
Kreis Minden-Lübbecke
Die Zahl der Gästeübernachtungen in den Luftkurorten und in den Luftkurorten* des
Kreises Minden-Lübbecke nahm im Untersuchungszeitraum nur den geringen Anteil
von jeweils 7 – 8 % der gesamten Übernachtungen im Kreis ein. Damit haben die Luft-
kurorte im Kreis nur einen geringfügigen Einfluß auf die Aktivitäten der Tourismus-
branche des Kreises.
Tabelle 42 : Touristische Kennzahlen im Kreis Minden-Lübbecke
1 Kreis/Luftkurorte/ Luftkuror-
te* Kreis Minden-
Lübbecke Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 145 149 21 20 26 20
Veränderungen in % 2,8 -4,8 -23,1
Anteil am Kreis in % 14,5 13,4 17,9 13,4
4Anzahl Betten 7979 8857 816 851 811 851
Veränderungen in % 11,0 4,3 4,9
Anteil am Kreis in % 10,2 9,6 10,2 9,6
5Bettenauslastung in % 66,0 38,5 49,3 32,1 49,6 32,1
Veränderungen in % -41,7 -34,8 -35,2
6Ankünfte 245508 215097 16033 12036 16033 12036
Veränderungen in % -12,4 -24,9 -24,9
Anteil am Kreis in % 6,5 5,6 6,5 5,6
7Übernachtungen 1922508 1244311 146872 99807 146872 99807
Veränderungen in % -35,3 -32,0 -32,0
Anteil am Kreis in % 7,6 8,0 7,6 8,0
8Aufenthaltsdauer in Tagen 7,8 5,8 9,2 8,3 9,2 8,3
Veränderungen in % -26,2 -9,5 -9,5
9Ankünfte Ausländer 15771 18362 259 143 259 145
Veränderungen in % 16,4 -44,8 -44,0
Anteil am Kreis in % 1,6 0,8 1,6 0,8
10 Übernachtungen Ausländer 53624 47997 659 638 659 638
Veränderungen in % -10,5 -3,2 -3,2
Anteil am Kreis in % 1,2 1,3 1,2 1,3
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 3,4 2,6 2,5 4,5 2,5 4,4
Veränderungen in % -23,2 75,6 73,2
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 2,8 3,9 0,5 0,6 0,5 0,6
Veränderungen in % 38,4 42,2 42,2
13 FV-Intensität 620,9 390,8 1220,2 769,8 1674,5 1139,2
Veränderungen in % -37,1 -36,9 -32,0
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 222,24 155,66 16,98 12,49 16,98 12,49
Veränderungen in % -30,0 -26,5 -26,5
15 Vollarbeitsplätze 2465 1595 188 128 188 128
Veränderungen in % -35,3 -32,0 -32,0
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
191
______________________________________________________________________
Im Kreis Minden-Lübbecke befinden sich die Erholungsorte Hille und Stemwede, die
Luftkurorte Petershagen und Preußisch Oldendorf, der Kneippkurort Porta Westfalica
und das Staatsbad Bad Oeynhausen. Im Gesundheitstourismus stehen sich besonders die
Luftkurorte, der Kneippkurort sowie das Staatsbad als Wettbewerber direkt gegenüber.
Da in Bad Oeynhausen infolge der Gesundheitsreform ein drastischer Bettenabbau un-
umgänglich war und auch noch nicht abgeschlossen ist, muß von dort aufgrund einer
besseren und umfassenderen Angebotspalette mit Anreizen für Gesundheitstouristen
zum Nachteil der anderen prädikatisierten Orte des Kreises gerechnet werden. Im Ge-
schäftsjahr 1993 entfielen auf alle prädikatisierten Orte des Kreises 66 % aller Ankünfte
und 87 % aller Übernachtungen des Kreises. Ähnlich stellte sich die Situation im Jahr
1997 dar. 61 % aller Ankünfte und 88 % aller Übernachtungen des Kreises Minden-
Lübbecke wurden in den sechs prädikatisierten Orten des Kreises abgewickelt. In die-
sem Kreis besteht akuter Bedarf an einer zukunftsweisenden touristischen Regionalpla-
nung.
192
______________________________________________________________________
4.3.1.3 Touristische Relationen in den Regierungsbezirken
Regierungsbezirk Arnsberg
Im Regierungsbezirk Arnsberg haben die darin befindlichen Luftkurorte einen beachtli-
chen Anteil am touristischen Geschehen. So bieten sich immerhin 25 – 26 % aller Über-
nachtungsbetriebe und 18 –19 % aller Gästebetten in diesen Orten an. In den Luftkuror-
ten* wurden 6 – 7 % der Beherbergungsbetriebe und rd. 6 % der Gästebetten des Regie-
rungsbezirks angeboten (vgl. Tabelle 43).
Tabelle 43 : Touristische Kennzahlen im Reg. Bezirk Arnsberg
1 Reg. Bezirke / Luftkurorte /
Luftkurorte* RP Arnsberg Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 1571 1464 405 371 111 94
Veränderungen in % -6,8 -8,4 -15,3
Anteil am Reg. Bezirk in % 25,8 25,3 7,1 6,4
4Anzahl Betten 59493 64880 11459 11367 3507 3574
Veränderungen in % 9,1 -0,8 1,9
Anteil am Reg. Bezirk in % 19,3 17,5 5,9 5,5
5Bettenauslastung in % 40,9 37,3 40,5 34,5 38,6 33,1
Veränderungen in % -8,8 -14,8 -14,3
6Ankünfte 2439096 2732195 375301 359349 128897 116427
Veränderungen in % 12,0 -4,3 -9,7
Anteil am Reg. Bezirk in % 15,4 13,2 5,3 4,3
7Übernachtungen 8891664 8844366 1694262 1432656 494285 431819
Veränderungen in % -0,5 -15,4 -12,6
Anteil am Reg. Bezirk in % 19,1 16,2 5,6 4,9
8Aufenthaltsdauer in Tagen 3,7 3,2 4,5 4,0 3,8 3,7
Veränderungen in % -11,2 -11,5 -3,1
9Ankünfte Ausländer 281231 375700 36386 29309 9819 9258
Veränderungen in % 33,6 -19,4 -5,7
Anteil am Reg. Bezirk in % 12,9 7,8 3,5 2,5
10 Übernachtungen Ausländer 914296 1235477 160104 119530 40800 35032
Veränderungen in % 35,1 -25,3 -14,1
Anteil am Reg. Bezirk in % 17,5 9,7 4,5 2,8
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 3,25 3,3 4,4 4,1 4,2 3,8
Veränderungen in % 1,2 -7,3 -9,1
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 10,3 14,0 9,5 8,3 8,3 8,1
Veränderungen in % 35,9 -11,7 -1,7
13 FV-Intensität 233,6 231,1 1113,0 919,6 1333,5 1206,2
Veränderungen in % -1,1 -17,4 -9,5
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 1027,88 1106,43 195,86 179,23 57,14 54,02
Veränderungen in % 7,6 -8,5 -5,5
15 Vollarbeitsplätze 11400 11339 2172 1837 634 554
Veränderungen in % -0,5 -15,4 -12,6
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
193
______________________________________________________________________
In der touristischen Nachfrage sieht die Situation ähnlich aus. 13 - 15 % aller Ankünfte
und 16 - 19 % aller Übernachtungen verteilten sich in den Untersuchungsjahren auf die
Luftkurorte. In den Luftkurorten* konnten in den Beobachtungsjahren 4 – 5 % aller An-
künfte und 5 – 6 % aller Übernachtungen des gesamten Regierungsbezirks registriert
werden. Ein deutlich erkennbarer Rückgang der Übernachtungen während der Untersu-
chungszeit von –15,4 % in den Luftkurorten und von –12,6 % in den Luftkurorten* ist
zunächst nicht erklärbar, da in den sonstigen Orten des Regierungsbezirks nur sehr ge-
ringfügige Rückgänge von –0,5 % festgestellt werden konnten. Detailanalysen und be-
grenzte Gästebefragungen mögen hier zu Erklärungen führen.
Wie bei den Übernachtungen zeigt sich auch in den Kennzahlen Umsatz durch Über-
nachtungen bzw. Vollarbeitsplätze im Übernachtungstourismus eine ähnliche Entwick-
lung. Während die Umsätze im gesamten Regierungsbezirk von 1993 auf 1997 um 7,6
% gestiegen sind, mußten im gleichen Zeitraum die Luftkurorte einen Rückgang von 8,5
% und die Luftkurorte * einen Rückgang von 5,5 % bewältigen. Im gesamten Regie-
rungsbezirk Arnsberg gingen die Vollarbeitsplätze des Übernachtungstourismus nur um
0,5 % zurück. Die Luftkurorte mußten Schrumpfungen von 15,4 % und die Luftkurorte*
von 12,6 % hinnehmen.
Während der Anteil der Übernachtungen von ausländischen Gästen im Regierungsbe-
zirk von 10 % im Jahre 1993 auf 14 % im Jahre 1997 gestiegen ist, konnte in den Luft-
kurorten im gleichen Zeitraum nur eine Abnahme von 9 auf 8 % und in den Luftkuror-
ten* ein fast gleichbleibender Anteil von rd. 8 % registriert werden.
Die Fremdenverkehrsintensität in den Luftkurorten* des Regierungsbezirks Arnsberg
weist mit 1333 im Jahre 1993 und 1206 im Jahre 1997 die höchsten Werte in allen Re-
gierungsbezirken Nordrhein-Westfalens aus.
Regierungsbezirk Detmold
Der Tourismus im Regierungsbezirk Detmold wird wesentlich von den Aktivitäten in
den Luftkurorten des Bezirkes bestimmt. So konnte man im Jahre 1993 27 % und im
Jahre 1997 25 % aller Übernachtungsbetriebe in den Luftkurorten des Bezirkes finden.
Das Gästebettenangebot der Luftkurorte lag in den Jahren 1993 und 1997 bei 21 % bzw.
bei 20 % aller Bettenangebote des Regierungsbezirks (vgl. Tabelle 44, S. 194).
Die Angebote in den Luftkurorten* fielen deutlich geringer aus. Nur 8 – 9 % aller Be-
herbergungsbetriebe und nur rd. 8 % aller angebotenen Gästebetten des Regierungsbe-
zirks konnten in den Untersuchungsjahren in den Luftkurorten* registriert werden.
194
______________________________________________________________________
In der touristischen Nachfrage zeigten sich ähnliche Strukturen. In den Luftkurorten
wurden im Jahre 1993 rd. 19 % und im Jahre 1997 rd. 17 % aller Gästeankünfte des Re-
gierungsbezirks gezählt. Die Übernachtungen in den Luftkurorten erreichten im Jahr
1993 einen Anteil von rd. 20 % und im Jahr 1997 einen Anteil von rd. 18 % aller Über-
nachtungen des Regierungsbezirks.
Tabelle 44 : Touristische Kennzahlen im Reg. Bezirk Detmold
1 Reg. Bezirke / Luftkurorte /
Luftkurorte* RP Detmold Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
3Anzahl Betriebe 982 934 260 235 84 75
Veränderungen in % -4,9 -9,6 -10,7
Anteil am Reg. Bezirk in % 26,5 25,2 8,6 8,0
4Anzahl Betten 43119 44057 9175 8784 3364 3470
Veränderungen in % 2,2 -4,3 3,2
Anteil am Reg. Bezirk in % 21,3 19,9 7,8 7,9
5Bettenauslastung in % 53,2 38,0 50,3 34,3 46,2 31,5
Veränderungen in % -28,6 -31,7 -31,7
6Ankünfte 1497028 1425031 278610 235904 97923 78655
Veränderungen in % -4,8 -15,3 -19,7
Anteil am Reg. Bezirk in % 18,6 16,6 6,5 5,5
7Übernachtungen 8366581 6104851 1683303 1100753 566768 399015
Veränderungen in % -27,0 -34,6 -29,6
Anteil am Reg. Bezirk in % 20,1 18,0 6,8 6,5
8Aufenthaltsdauer in Tagen 5,6 4,3 6,0 4,7 5,8 5,1
Veränderungen in % -23,4 -22,7 -12,4
9Ankünfte Ausländer 119993 127539 9301 9163 1806 1681
Veränderungen in % 6,3 -1,5 -6,9
Anteil am Reg. Bezirk in % 7,8 7,2 1,5 1,3
10 Übernachtungen Ausländer 342336 330469 31802 31548 7365 6420
Veränderungen in % -3,5 -0,8 -12,8
Anteil am Reg. Bezirk in % 9,3 9,5 2,2 1,9
11 Dauer(Ausl.) in Tagen 2,85 2,6 3,4 3,4 4,1 3,8
Veränderungen in % -9,1 0,6 -6,4
12 Ausl.-Anteil Übernacht. in % 4,1 5,4 1,9 2,9 1,3 1,6
Veränderungen in % 32,3 51,9 23,8
13 FV-Intensität 423,6 301,2 878,4 559,0 1245,2 834,1
Veränderungen in % -28,9 -36,4 -33,0
14 Übern. Umsätze in Mio. DM 967,18 763,72 194,59 137,70 65,52 49,92
Veränderungen in % -21,0 -29,2 -23,8
15 Vollarbeitsplätze 10726 7827 2158 1411 727 512
Veränderungen in % -27,0 -34,6 -29,6
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
Der Rückgang der Übernachtungszahlen im Regierungsbezirk Detmold ist besorgniser-
regend. Die Übernachtungen im Bezirk allgemein sind um –27 %, in den Luftkurorten
um –34,6 % und in den Luftkurorten* um -29,6 % in der Zeit von 1993 bis 1997 zu-
rückgegangen. Im Regierungsbezirk Detmold liegen alle Bäder des „Heilgartens“ Ost-
195
______________________________________________________________________
westfalen. Deshalb sind hier die Auswirkungen der Gesundheitsreform besonders deut-
lich ausgeprägt. Die Übernachtungsbetriebe in den Luftkurorten mußten in der Zeit 1993
– 1997 einen Umsatzrückgang von –29,2 % und die Betriebe in den Luftkurorten* einen
Rückgang von –23,8 % hinnehmen. Auch aufgrund der deutlich zurückgegangenen
Bettenauslastung mußten viele Übernachtungsbetriebe schließen. 30 – 35 % aller
Vollarbeitsplätze in Luftkurorten bzw. in Luftkurorten* sind damit weggefallen.
Für die Luftkurorte* haben sich in den Beobachtungsjahren nur rd. 5 – 6 % aller Frem-
denverkehrsgäste des Regierungsbezirks entschieden. Sie verbrachten in dieser Zeit nur
rd. 7 % aller Übernachtungen des Bezirks. Dennoch lag die Fremdenverkehrsintensität
in den Luftkurorten* sehr hoch (vgl. Tabelle 44, S. 194).
In diesem Regierungsbezirk besteht akuter Bedarf an einer zukunftsweisenden touristi-
schen Regionalplanung.
196
______________________________________________________________________
4.3.1.4 Touristische Relationen in den Reisegebieten
Reisegebiet Sauerland
Im Reisegebiet Sauerland nehmen die Luftkurorte im Untersuchungszeitraum eine
wichtige Position ein. Immerhin liegen in ihnen rd. 34 % aller Übernachtungsbetriebe
und rd. 25 – 26 % aller angebotenen Gästebetten des Reisegebietes. 22 – 24 % aller An-
künfte und 23 – 27 % aller Übernachtungen des Reisegebietes entfallen auf die Luftkur-
orte im Reisegebiet (vgl. Tabelle 45). Besonders auffällig sind die hohen Anteile von
Ankünften und Übernachtungen ausländischer Gäste im Reisegebiet und in den Luft-
kurorten.
Tabelle 45 : Touristische Kennzahlen im Reisegebiet Sauerland
1 Reisegebiet / Luftkurorte /
Luftkurorte* Sauerland Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
Anzahl Betriebe 1141 1047 391 357 104 88
Veränderungen in % -8,2 -8,7 -15,4
3
Anteil am Reisegebiet in % 34,3 34,1 9,1 8,4
Anzahl Betten 41715 44419 10995 10958 3183 3291
Veränderungen in % 6,5 -0,3 3,4
4
Anteil am Reisegebiet in % 26,4 24,7 7,6 7,4
Bettenauslastung in % 40,5 37,1 41,1 34,8 39,5 33,45Veränderungen in % -8,4 -15,3 -15,6
Ankünfte 1475412 1571318 352145 340937 111226 102339
Veränderungen in % 6,5 -3,2 -8,0
6
Anteil am Reisegebiet in % 23,9 21,7 7,5 6,5
Übernachtungen 6159069 6008721 1647568 1391347 459074 400743
Veränderungen in % -2,4 -15,6 -12,7
7
Anteil am Reisegebiet in % 26,8 23,2 7,5 6,7
Aufenthaltsdauer in Tagen 4,2 3,8 4,7 4,1 4,1 3,9
8Veränderungen in % -8,4 -12,8 -5,1
Ankünfte Ausländer 165593 222410 35089 27848 8942 8374
Veränderungen in % 34,3 -20,6 -6,4
9
Anteil am Reisegebiet in % 21,2 12,5 5,4 3,8
Übernachtungen Ausländer 627191 887657 157129 116349 38465 32953
Veränderungen in % 41,5 -26,0 -14,3
10
Anteil am Reisegebiet in % 25,1 13,1 6,1 3,7
Dauer(Ausl.) in Tagen 3,79 4,0 4,5 4,2 4,3 3,9
11 Veränderungen in % 5,3 -6,7 -8,4
Ausl.-Anteil Übernacht. in % 10,2 14,8 9,5 8,4 8,4 8,2
12 Veränderungen in % 45,1 -12,4 -1,9
FV-Intensität 448,3 430,8 1228,2 1012,1 1440,4 1301,913 Veränderungen in % -3,9 -17,6 -9,6
Übern. Umsätze in Mio. DM 711,99 751,69 190,46 174,06 53,07 50,1314 Veränderungen in % 5,6 -8,6 -5,5
Vollarbeitsplätze 7896 7703 2112 1784 589 514
15 Veränderungen in % -2,4 -15,6 -12,7
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
197
______________________________________________________________________
Die Luftkurorte* müssen sich mit bescheideneren Ergebnissen im Untersuchungszeit-
raum zufrieden geben. Zwischen 8 und 9 % aller Beherbergungsbetriebe und 7 – 8 %
aller angebotenen Gästebetten des Reisegebietes liegen in den Luftkurorten*. In den
Untersuchungsjahren entschieden sich nur 7 – 8 % aller Gäste des Reisegebietes für ei-
nen Aufenthalt in den Luftkurorten*. Sie erbrachten einen ebenso hohen Anteil an
Übernachtungen im Reisegebiet.
Die absoluten Übernachtungszahlen zeigen während der Untersuchungszeit ein ähnli-
ches Verhalten wie im Regierungsbezirk Arnsberg. Die Übernachtungen in den Luft-
kurorten sind um –15,6 % und in den Luftkurorten* um –12,7 % zurückgegangen, wäh-
rend die sonstigen Übernachtungen im Reisegebiet nur um –2,4 % zurückgegangen sind.
Ähnliche Auswirkungen zeigen sich bei den Umsätzen durch Übernachtungen und bei
den Vollarbeitsplätzen im Übernachtungstourismus.
Besonders hoch fällt die Fremdenverkehrsintensität in den Luftkurorten* des Reisege-
bietes Sauerland in den Untersuchungsjahren aus. Mit den Werten 1440 im Jahr 1993
und 1301 im Jahr 1997 sind hier die Maxima aller beteiligten Reisegebiete erreicht wor-
den. Das ist u.a. der Ausdruck der Wertschätzung der Gäste für diese Orte. Aber auch
die geringen Einwohnerzahlen der Luftkurorte* im Reisegebiet Sauerland haben diese
Werte beeinflußt.
Reisegebiet Teutoburger Wald
Im Reisegebiet Teutoburger Wald weisen die Luftkurorte bestimmende Einflüsse auf
den Übernachtungstourismus aus. Immerhin findet man in ihnen zwischen 25 und 27 %
aller Übernachtungsbetriebe und zwischen 20 und 22 % aller angebotenen Gästebetten
des Reisegebietes. In den Untersuchungsjahren nimmt auch die Nachfrage in den Luft-
kurorten eine bedeutende Position im Reisegebiet ein. Zwischen 18 und 20 % aller An-
künfte und zwischen 19 und 21 % aller Übernachtungen des Reisegebietes werden in
den Luftkurorten abgewickelt (vgl. Tabelle 46, S. 198).
Dagegen schneiden die Luftkurorte* im Reisegebiet Teutoburger Wald weniger bedeut-
sam ab. Nur 8 – 9 % aller Übernachtungsbetriebe und aller angebotenen Gästebetten des
Reisegebietes werden in den Luftkurorten* in den Untersuchungsjahren registriert. Auch
die Nachfrageanteile fallen bescheidener aus. 7 – 8 % aller Ankünfte und 7 % aller
Übernachtungen konnten in den Luftkurorten* gezählt werden.
198
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Tabelle 46 : Touristische Kennzahlen im Reisegebiet Teutoburger Wald
1 Reisegebiet / Luftkurorte /
Luftkurorte* Teutoburger Wald Luftkurorte Luftkurorte*
2 Jahr 1993 1997 1993 1997 1993 1997
Anzahl Betriebe 1044 1010 278 254 92 83
Veränderungen in % -3,3 -8,6 -9,8
3
Anteil am Reisegebiet in % 26,6 25,1 8,8 8,2
Anzahl Betten 44897 46049 9802 9391 3820 3800
Veränderungen in % 2,6 -4,2 -0,5
4
Anteil am Reisegebiet in % 21,8 20,4 8,5 8,3
Bettenauslastung in % 52,5 37,7 49,7 34,8 45,3 33,15Veränderungen in % -28,1 -30,0 -26,9
Ankünfte 1604362 1533542 315539 273507 120333 100014
Veränderungen in % -4,4 -13,3 -16,9
6
Anteil am Reisegebiet in % 19,7 17,8 7,5 6,5
Übernachtungen 8596247 6340703 1777217 1192511 632303 459559
Veränderungen in % -26,2 -32,9 -27,3
7
Anteil am Reisegebiet in % 20,7 18,8 7,4 7,2
Aufenthaltsdauer in Tagen 5,4 4,1 5,6 4,4 5,3 4,68Veränderungen in % -22,9 -22,6 -12,6
Ankünfte Ausländer 133106 141900 16979 17281 4677 4923
Veränderungen in % 6,6 1,8 5,3
9
Anteil am Reisegebiet in % 12,8 12,2 3,5 3,5
Übernachtungen Ausländer 364167 357252 42265 43891 11851 12245
Veränderungen in % -1,9 3,8 3,3
10
Anteil am Reisegebiet in % 11,6 12,3 3,3 3,4
Dauer(Ausl.) in Tagen 2,74 2,5 2,5 2,5 2,5 2,511 Veränderungen in % -8,0 2,0 -1,6
Ausl.-Anteil Übernacht. in % 4,2 5,6 2,4 3,7 1,9 2,712 Veränderungen in % 32,8 54,6 42,2
FV-Intensität 403,1 289,4 884,8 578,6 1312,2 912,213 Veränderungen in % -28,2 -34,6 -30,5
Übern. Umsätze in Mio. DM 993,73 793,22 205,45 149,18 73,09 57,4914 Veränderungen in % -20,2 -27,4 -21,3
Vollarbeitsplätze 11021 8129 2278 1529 811 58915 Veränderungen in % -26,2 -32,9 -27,3
Quellen : LDS NRW 1991a – LDS NRW 1997a, eigene Berechnungen
Die Übernachtungen sind im Untersuchungszeitraum in den Luftkurorten und auch in
den Luftkurorten* des Reisegebietes besorgniserregend mit –32,9 % bzw. –27,3 % zu-
rückgegangen. Das gleiche gilt für die Kennzahlen Übernachtungsumsätze bzw. Vollar-
beitsplätze im Übernachtungstourismus. Wie schon bei den Erläuterungen zum Regie-
rungsbezirk Detmold hingewiesen wurde, so müssen auch hier die Gründe für die Rück-
gänge mit dem Hinweis auf die Gesundheitsreform belegt werden.
Ausländische Gäste bevorzugen weniger stark die Luftkurorte*. Während der Anteil
Übernachtungen ausländischer Gäste an allen Übernachtungen im Reisegebiet zwischen
199
______________________________________________________________________
4 – 5 % in den Untersuchungsjahren lag, erreichten die Luftkurorte* in der Gunst der
ausländischen Gäste nur einen Übernachtungsanteil von 2 – 3 %.
4.3.1.5 Zusammenfassung
Aus der detaillierten Analyse des Tourismus in Luftkurorten* (vgl. Kap. 3) und der vor-
hergehenden Bestandsaufnahme (vgl. Kap. 4.3.1.) lassen sich einige wesentliche Sach-
verhalte zu Problemkreisen für die Landesplanung und Raumordnung verdichten:
Einige Luftkurorte* üben starken Einfluß auf den Übernachtungstourismus in der
Stadt bzw. Gemeinde aus: Brilon*, Eslohe*, Freudenberg*, Ki.-Oberhundem, Lage-
Hörste, Nieheim*, Pr.-Holzhausen, Tecklenburg*, Vlotho-Valdorf.
Luftkurorte bzw. Luftkurorte* bestimmen wesentlich die Tourismusaktivitäten in
einigen Kreisen und Regierungsbezirken: Kreise Olpe, Hochsauerlandkreis, Höxter,
Herford, Lippe, Regierungsbezirke Arnsberg und Detmold.
Luftkurorte bzw. Luftkurorte* stehen im Reisegebiet Teutoburger Wald im harten
Konkurrenz- und Existenzkampf des Gesundheitstourismus mit den Heilbädern.
Diesem Wettbewerb sind sie aufgrund unterschiedlicher touristischer Infrastrukturen
nicht gewachsen.
Einige Luftkurorte* sind nicht mehr existenzfähig. Sollen Sie zu Erholungsorten de-
gradiert werden?
Manche Luftkurorte* erfüllen nicht mehr die Bedingungen der Prädikatisierung nach
dem Kurortegesetz von Nordrhein-Westfalen. Soll ihnen das Prädikat aberkannt oder
ein neues Prüfungsverfahren auferlegt werden?
In Luftkurorten* verschwinden immer mehr private Anbieter aus dem Angebot des
Ortes. Es besteht anscheinend keine Bereitschaft und Notwendigkeit für die Nach-
folgegeneration dieser Betriebsinhaber, den Übernachtungsbetrieb der Eltern als Ne-
benerwerbsbetrieb weiterzuführen. Luftkurorte* werden sich deshalb zukünftig
weitestgehend nur noch auf gewerbliche Anbieter in Vollerwerbsbetrieben stützen
können.
Die Produktpolitik in Luftkurorten* wird kaum noch selbstkritisch überprüft. So ist
u.a. zu beklagen, daß Natur und Landschaft als wichtigstes Kapital des Tourismus in
Mittelgebirgen in stärkerem Maße vernachlässigt werden. Nach BRÄMER (1998, S.
255) sind heute Spazierengehen und Wandern die Hauptaktivitäten der Mittelge-
200
______________________________________________________________________
birgsurlauber. Doch das Angebot in den Luftkurorten Nordrhein-Westfalens berück-
sichtigt diese Erkenntnis unzureichend.
ROMEISS-STRACKE (1998, S. 99 ff) nennt acht Forderungen für den Deutschlandtou-
rismus, die sich zum Teil auch auf Luftkurorte bzw. auf Luftkurorte* übertragen lassen:
In vielen Orten wird zu lange an „Bewährtem“ festgehalten. Investitionen in ein mo-
dernes Angebot sind nur in wenigen Luftkurorten* erkennbar.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt in manchen Luftkurorten* nicht mehr. Die in
ländlichen Umgebungen geforderten Preise erscheinen dem Nachfrager überzogen.
Die Servicebereitschaft ist in manchen Luftkurorten* in erforderlichem Maße kaum
noch vorhanden.
Kenntnisse über das Nachfragepotential in Luftkurorten* basiert vielfach auf Ver-
mutungen. Marktforschungsergebnisse sind nicht bekannt oder werden nicht über-
nommen.
Organisationsstrukturen und Verwaltungsabläufe sind verkrustet und inflexibel, um
auf die modernen Markterfordernisse zu reagieren. Noch immer vorhandenes
„Kirchturmdenken“ verhindert unbedingt notwendige Regionalisierungen. Ange-
messene technische Ausstattungen fehlen.
Die Förderungspolitik des Bundeslandes für Tourismusinfrastrukturen orientiert sich
nicht an sachlich begründeten Schwerpunkten, sondern erfolgt weitestgehend nach
dem „Gieskannenprinzip“ (vgl. auch Kap. 4.3.1.6).
4.3.1.6 Landesförderung der Luftkurorte
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat im Untersuchungszeitraum 1991-
1997 auch die Luftkurorte wegen ihrer besonderen Belastungen mit Landesmitteln un-
terstützt. Diese prädikatisierten Orte erhielten im Jahr 1991 insgesamt rd. 6,278 Mio.
DM. Diese Summe stieg jährlich leicht an und erreichte im Jahr 1995 mit 6,857 Mio.
DM das absolute Maximum des Analysezeitraums. Danach ging die jährliche Förder-
summe wieder zurück und liegt im Jahr 1998 mit 6,141 Mio. DM unter dem Anfangs-
wert des Jahres 1991 (vgl. Tabelle 47, S. 202).
201
______________________________________________________________________
Bei der Betrachtung der zugewiesenen Einzelsummen fällt auf, daß Horn-Bad Meinberg
und Schmallenberg besonders begünstigt wurden. Das läßt sich vielleicht durch die hö-
heren Prädikate der beiden Orte erklären. Horn-Bad Meinberg als Heilbad und Schmal-
lenberg-Bad Fredeburg als Kneippheilbad haben insgesamt höhere Kosten auszuglei-
chen als die übrigen Luftkurorte. Dennoch bleibt beim Vergleich der zugewiesenen
Summen für ausschließlich Luftkurorte eine unterschiedlich hohe Berücksichtigung zu-
nächst unerklärbar, da nachvollziehbare Berechnungsgrundlagen der jährlichen Förder-
höhen nicht zur Anwendung kamen. Es ist lediglich ein Antragsprinzip für außerge-
wöhnliche touristische Infrastrukturverbesserungen der Luftkurorte vorgesehen, von
dem jährlich vor den Haushaltsberatungen Gebrauch gemacht werden kann. Als Beispiel
kann Nieheim genannt werden, die im Zuge ihrer Prädikatisierung für bestimmte Vor-
haben zusätzliche Mittel beantragt und auch erhalten haben.
Der Beliebigkeit ist es zuzuschreiben, daß jede Übernachtung in den prädikatisierten
Orten vom Bundesland unterschiedlich hoch subventioniert wurde. So stieg z. B. die
Förderung je Übernachtung in Horn-Bad Meinberg von 2,08 DM im Jahr 1991 auf 4,62
DM im Jahr 1997, während man in Schmallenberg von 1,82 DM bis 2,56 DM je Über-
nachtung bekam. Brilon erhielt lediglich in 1991 4,62 DM je Übernachtung, in allen an-
deren Jahren lag die Unterstützung unter einer DM. In Heimbach lag die Förderung ab
1992 bei über 3 DM je Übernachtung.
Aufgrund der angespannten Finanzlage in den öffentlichen Haushalten muß in den
nächsten Jahren mit einer Senkung oder gar mit einer Streichung der Fördermittel für
Luftkurorte gerechnet werden. Sollte diese nachteilige Entwicklung Wirklichkeit wer-
den, dann muß in einigen Luftkurorten mit der Einstellung des Kurbetriebs als Folgeer-
scheinung gerechnet werden. Für alle beteiligten Luftkurorte wäre es jedoch in dieser
angespannten Situation hilfreicher, die Luftkurorte des Landes auch in einem zukunfts-
weisenden Kurortekonzept einzubeziehen und Förderungen nur noch wettbewerbsori-
entiert, z. B. nach Anzahl Übernachtungen, zu vergeben.
202
______________________________________________________________________
Tabelle 47 : Landesförderung an die Luftkurorte
1998 1997 1996 1995 1994 1993 1992 1991
Förderung
1991- 1998
DM
Förderung
DM
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
Förderung
DM
DM pro Über-
nachtung
1 Brakel 989900 125000 125000 1,88 125000 1,78 125000 1,61 125000 1,92 125000 1,59 125000 1,56 114900 1,13
2 Brilon 1581700 125000 125000 0,85 125000 0,8 125000 0,79 125000 0,8 125000 0,88 125000 0,76 706700 4,62
3 Eslohe 2963392 348200 395000 2,47 385500 2,24 387500 2,16 393000 2,28 419000 2,11 413792 2,03 221400 0,99
4 Freudenberg 875000 125000 125000 3,03 125000 2,98 125000 2,88 125000 2,93 125000 2,68 125000 2,15 0
5 Heimbach 973000 125000 125000 3,79 125000 3,66 125000 3,58 125000 3,62 125000 3,48 125000 3,39 98000 2,54
6 Horn Bad Meinb. 17556496 2145600 2204500 4,62 2251000 3,29 2290000 2,85 2275000 2,7 2337000 2,7 2175996 2,53 1877400 2,08
7 Höxter 887800 125000 125000 1,52 125000 1,39 125000 1,44 125000 1,34 125000 1,29 125000 1,26 12800 0,13
8 Kirchhundem 1969322 186100 125000 0,96 125000 0,93 322500 2,62 322000 2,58 326000 2,46 328522 2,51 234200 1,76
9 Lage 875000 125000 125000 2,06 125000 2,1 125000 1,94 125000 1,95 125000 1,87 125000 1,72 0
10 Lennestadt 1075100 125000 125000 0,81 125000 0,72 125000 0,73 125000 0,67 125000 0,63 125000 0,65 200100 1,05
11 Nieheim 633600 146100 239500 3,24 248000 3,15
12 Pr.Oldendorf 2364104 125000 340500 3,41 336500 2,88 326500 2,28 337500 2,39 338000 2,3 328004 2,32 232100 1,64
13 Rödinghausen 905500 125000 125000 3,61 125000 3,39 125000 3,77 125000 3,62 125000 3,7 125000 3,8 30500 0,88
14 Schmallenberg 12744251 1544600 1623500 2,56 1631500 2,32 1457000 1,95 1490500 1,98 1551000 1,93 1509051 1,82 1937100 2,24
15 Sundern 1173000 125000 125000 0,76 125000 0,8 125000 0,73 125000 0,72 125000 0,72 125000 0,7 298000 1,53
16 Tecklenburg 1768741 145700 267500 2,92 125000 1,3 265500 2,8 277000 3,03 292500 3,11 295441 2,92 100100 0,9
17 Vlotho 1341000 125000 125000 1,02 125000 0,78 433500 2,39 125000 0,64 125000 0,61 125000 0,82 157500 1,55
18 Warburg 875000 125000 125000 1,51 125000 1,51 125000 1,52 125000 1,53 125000 1,52 125000 1,48 0
19 Willebadessen 932500 125000 125000 125000 125000 5,46 125000 5,0 125000 3,66 125000 3,17 57500 1,68
gesamt 52484406 6141300 6695500 6602500 6857500 6595000 6763500 6550806 6278300
Quelle: Gemeindefinanzierungsgsetz NRW ( GFG NRW) 1991 - 1998
203
______________________________________________________________________
4.3.2 Konzepte zur Umstrukturierung
Fällt in den Luftkurorten die Entscheidung zugunsten einer Weiterentwicklung des be-
stehenden Tourismuskonzeptes, sind erneut generelle Überlegungen über eine Regiona-
lentwicklung mit Tourismus angebracht. Welche Strategie soll dabei verfolgt werden?
Sanfter oder harter Tourismus?
Wenn auch in einigen touristischen Zielgebieten die Grenzen des Wachstums erreicht
sind, so gilt das in vielen Fällen nicht für die Luftkurorte in Nordrhein-Westfalen. Im-
mer noch gilt der Tourismus als mögliche Entwicklungsalternative zur Landwirtschaft
in gering entwickelten ländlichen Regionen. Dennoch lassen sich Maßnahmen, die al-
lein auf ein quantitatives Wachstum ausgerichtet sind, aus vielerlei Gründen nicht mehr
durchsetzen. Vorhandene Einrichtungen müssen sich im Zuge der Umstrukturierungen
um sachlich angemessene Reformkonzepte bemühen. Es können heute nur noch Vorha-
ben empfohlen werden, die die drei gleichberechtigten Ziele Wirtschaftswachstum, So-
zialverträglichkeit und Umweltverträglichkeit auf Dauer gewährleisten. Dieses Vorge-
hen wird in dem Konzept einer nachhaltigen Regionalentwicklung mit Tourismus be-
rücksichtigt. Das Konzept tauchte erst Ende der achtziger Jahre in der politischen und
fachwissenschaftlichen Diskussion nach der Zeit einer „Sanften Tourismusentwicklung
auf. Zur Popularisierung dieser Strategie hat entscheidend der Brundtland-Bericht
(WORLD COMMISSION ON ENVIRONMENT AND DEVELOPMENT 1987) und
die Erklärung von Rio de Janeiro vom Juni 1992 (´Rio-Deklaration´ und ´Agenda 21´)
beigetragen (BECKER, C. 1995, S. 22).
Im Arbeitskreis Freizeit und Fremdenverkehrsgeographie ist inzwischen ein Strate-
gierahmen für eine nachhaltige Regionalentwicklung mit Tourismus aufgrund vielfälti-
ger Theoriediskussionen, unterstützt von empirischen Fallstudien, erarbeitet worden, der
allen Regionalplanern, Kommunal- und Landespolitikern zur Beachtung empfohlen
werden kann. Da dieses Konzept auch den Führungskräften in den Luftkurorten eine
vielleicht willkommene Hilfestellung in Form einer Checkliste bieten kann, seien die
wesentlichen Leitsätze nachfolgend zitiert: „
1. Ökologische Dimension: Erhalten eines Gleichgewichts bei den erneuerbaren
Ressourcen zwischen Abbau und Regenerierungsrate - Reduzieren des Ver-
brauchs nicht erneuerbarer Ressourcen - keine Übernutzung der Assimilations-
fähigkeit der Ökosphäre durch Abfallaufkommen und Schadstoffemissionen.
204
______________________________________________________________________
Erhalten bzw. Weiterentwickeln der Flächennutzung im Hinblick auf eine vielfältige
und harmonische Kulturlandschaft...
Schaffen eines Bewußtseins in der Bevölkerung, den hohen Energieverbrauch bei der
Urlaubsreise und bei Fahrten im Urlaubsgebiet (= Suffizienzrevolution zur Selbstbe-
schränkung der Konsumenten) zu reduzieren...
Ausschöpfen aller Möglichkeiten zur Reduzierung des Energieaufwandes für den
touristischen Verkehr (= Effizienzrevolution durch Weiterentwicklung der Tech-
nik)...
Energieverbrauch in den touristischen Betrieben und Einrichtungen senken, mög-
lichst auf örtlich vorhandene, erneuerbare Energieträger und dezentrale Energiever-
sorgung umstellen (= Effizienzrevolution)...
Schonende Nutzung der Ressource Wasser...
Keine dauerhafte Schädigung von Flora und Fauna...
Reduzieren von Abfallaufkommen und Schadstoffemissionen beim touristischen An-
gebot...
Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für ein umweltgerechtes Verhalten...
2. Ökonomische Dimension: Stabile wirtschaftliche Entwicklung
Zielgerichtete Weiterentwicklung des Tourismus - insbesondere in qualitativer Hin-
sicht
Anstreben eines möglichst hohen Anteils der regionalen Wertschöpfung an den touri-
stischen Umsätzen
Offener Handlungsrahmen für unterschiedliche Entwicklungspfade im Tourismus auf
lokaler und regionaler Ebene
Fördern von langfristig ausgerichteten, zukunftsträchtigen Entwicklungsprojekten
und Angeboten im Bereich des Fremdenverkehrs...
Sichern eines vielfältigen Arbeitsmarktes...
Sichern eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Tourismus und anderen Wirt-
schaftssektoren
Schaffen eines ausgewogenen Verhältnisses hinsichtlich der Betriebsgrößen bei den
Anbietern...
Vermeiden einer örtlichen und regionalen Gesamtentwicklung auf der Basis von
staatlichen Dauersubventionen
205
______________________________________________________________________
Sichern der Verträglichkeit mit anderen Funktionen, wenn diese bereits im Sinne der
Nachhaltigkeit gestaltet sind
3. Soziale Dimension: Gerechte Verteilung der Lebenschancen zwischen den Ge-
nerationen am Ort und in der Region
Den kommenden Generationen Entwicklungsperspektiven und Lebenschancen of-
fenlassen...
Partizipation breiter Schichten der einheimischen Bevölkerung an touristischen Ent-
scheidungsprozessen - auch an der Entwicklung entsprechender Leitbilder und Pla-
nungen
Partizipation breiter Schichten der einheimischen Bevölkerung an den Wohlfahrts-
wirkungen durch Tourismus
Erhaltung und Förderung der kulturellen Eigenständigkeit...
Regionalbewußtsein und Engagement der Bevölkerung mobilisieren
Einbinden der Tourismusentwicklung in die allgemeinen und fachplanerischen loka-
len und regionalen Entwicklungskonzeptionen“ (BECKER, C. 1995, S. 26-29).
Dieses Konzept bietet, wie jedes andere auch, Vor- und Nachteile. Vorteilhaft wirkt sich
aus, daß es gut fundiert, anspruchsvoll und weitreichend ist. Aufgrund der umfassenden
Reichweite gelingt es nicht immer auf Anhieb, den Politikern und Tourismuspraktikern
den gesamten Komplex zu vermitteln. Erst die Umsetzung der theoretischen Vorgaben
in eine logische und zeitliche Abfolge eines lokalen Konzeptes wird erfolgversprechen-
der wirken. Inzwischen liegen auch erste Erfahrungen und Ergebnisse aus der Umset-
zung auf kommunaler bzw. regionaler Ebene vor (HAHNE 1995, HAART 1995, POPP
1995). Auch sei an dieser Stelle auf die Erkenntnisse von ADAM/BLACH (1997, S. 201
ff) in ihren Strategieempfehlungen für ein raumordnerisches Modellvorhaben „Regionen
der Zukunft“ hingewiesen. Bei der unbedingt notwendigen Entwicklung von eigenstän-
digen und wettbewerbsfähigen Tourismusregionen in Nordrhein-Westfalen können eini-
ge Sachverhalte aus diesem Modellvorhaben übernommen werden.
Inzwischen hat auch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen den Handlungsbe-
darf in der Tourismuspolitik des Bundeslandes erkannt und sich für die Gründung eines
neuen Tourismusdachverbandes eingesetzt. 40 Organisationen und Unternehmen des
Landes haben mit einer Absichtserklärung den Beitritt in den Verband erklärt. Die Ge-
schäftsführung des „Tourismusverband NRW“ wurde für die ersten drei Jahre einer
Kölner Tourismusagentur übertragen. Im Juni 1997 hat dieser Verband die Arbeit auf-
206
______________________________________________________________________
genommen. DATZER (1997, S. 12 ff), mit der Geschäftsführung des Tourismusverban-
des NRW beauftragt, benennt in seiner Antrittsrede auf dem 5. Tourismustag am
04.09.1997 in Gelsenkirchen die gestellten Aufgaben und Ziele des Verbandes:
1. Angebotsentwicklung und Qualitätsmanagement
Ziel: Das Angebotsspektrum im Land erweitern, akzentuieren und einen hohen
Qualitätsstandard sichern
Definition von Qualitätsstandards
Initiierung von Qualitätszertifikaten
Durchsetzung von Unterkunftsklassifizierungen
Durchführung von Fort- und Weiterbildungskursen zur Qualifizierung des Service-
personals
2. Information und Vermarktung
Ziel: Das touristische Angebot vermarktbar machen und verkaufsorientiert zu
präsentieren.
Der Tourismusverband übernimmt nicht die Aufgabe der Vermarktung bzw.
des operativen Marketings.
Bereitstellung der erforderlichen Informationsbasis durch die Koordinierung der
Durchführung von Markt-, Image- und Trendanalysen.
Aufbau eines landesweiten Informations- und Reservierungssystems unter Berück-
sichtigung modernster Techniken und Vertriebsmöglichkeiten (Internet etc.)
Aufbau eines vielschichtigen Vertriebsnetzes (Neue Medien, Reisebüros, Reise-
veranstalter, Direktvermarktung etc.)
Koordinierung von Messeauftritten und Workshops im In- und Ausland, die sich an
den jeweiligen Markterfordernissen orientieren.
Koordinierung der Aktivitäten, die zu einer stärkeren Vermarktbarkeit bzw. Buch-
barkeit des nordrhein-westfälischen Angebotsspektrums beitragen.
3. Koordinierungsaufgaben bei der Schaffung effizienter Organisationsstruktu-
ren
Ziel: Effiziente Organisationsstrukturen auf Orts-, Regional- und Landesebene zu
schaffen, Rahmen und Grundregeln für eine aufeinander abgestimmte Ge-
samtstruktur des Landes zu definieren und die Umsetzung der Vorgaben zu
koordinieren.
207
______________________________________________________________________
4. Koordinierungsaufgaben bei der Vernetzung der Aktivitäten vorhandener In-
stitutionen
Ziel: Auf Landesebene Kompetenzdifferenzen zu beseitigen, eindeutige Zustän-
digkeiten zu erklären und landesweite Tourismusaktivitäten zu organisieren
und zu koordinieren.
Die Gründung dieses Tourismusverbandes ist grundsätzlich zu begrüßen. Sie stellt einen
Versuch dar, aus der Sackgasse der stagnierenden oder gar zurückgehenden Tourismus-
branche des Landes herauszuführen. Welche Folgen sich daraus für die Kurorte und hier
insbesondere für die Luftkurorte des Landes ergeben, bleibt abzuwarten.
Der von der Landesregierung initiierte Handlungsrahmen Kurorte, der auch den geziel-
ten Einsatz von Wirtschaftsförderungsinstrumenten des Landes für Projekte und Maß-
nahmen in den betroffenen Heilbädern und Kurorten vorsieht, sollte auch die touristi-
schen Aktivitäten in den Luftkurorten des Landes berücksichtigen. Die Folgen für die
Luftkurorte sind noch nicht absehbar.
Abschließend bleibt hier festzustellen, daß auf die Kurorte und damit auch auf die Luft-
kurorte von Nordrhein-Westfalen umfangreiche Veränderungen zukommen, die
schließlich über eine dauerhafte Existenz der Betriebe entscheiden werden.
Detaillierte Konzepte für einzelne Luftkurorte unter Berücksichtigung interkommunaler
bzw. regionaler Handlungsräume können im Rahmen dieser Abhandlung nicht erarbeitet
werden und müssen weitergehenden Studien vorbehalten bleiben.
208
______________________________________________________________________
5. Ausblick
In der vorliegenden Untersuchung konnte gezeigt werden, daß die Luftkurorte* Nord-
rhein-Westfalens aktive Träger des Tourismus sind, auch wenn diese prädikatisierten
Orte nur einen Anteil von weniger als 4% vom gesamten jährlichen Übernachtungs-
fremdenverkehr des Bundeslandes erwirtschaften.
Alle Untersuchungsorte präsentieren unterschiedliche und differenzierte Angebotspo-
tentiale gemäß ihrem Auftrag aus der Prädikatisierung, einen Beitrag für die Volksge-
sundheit zu leisten. Doch die registrierte Nachfrage in den Meldebetrieben erfüllt nicht
immer mehr die Erwartungen, da die Übernachtungszahlen insgesamt einen rückläufi-
gen Trend aufweisen. In den meisten Orten liegt die Bettenauslastung der Meldebetriebe
inzwischen unter 40 %. Diese Beherbergungsbetriebe sind in ihrer Existenz ständig ge-
fährdet. Nur die Luftkurorte mit Klinikbetrieb können höhere Auslastungszahlen auf-
weisen.
Zu den bisherigen Schwierigkeiten kamen ab Ende 1996 auch noch die Auswirkungen
der dritten Stufe des Gesundheitsreformgesetzes vom 13.09.1996. Sie werden die Maß-
nahmen im Gesundheitstourismus der Luftkurorte auf ein Minimum zurückfahren. Viele
Kurmittelhäuser werden bald mangels ausreichender Nachfrage schließen müssen.
Die Verantwortlichen des Tourismusgeschehens in den Luftkurorten des Untersu-
chungsraums stehen vor der folgenschweren Entscheidung einer Neuorientierung, da ein
weiteres Verharren in den bisherigen Strukturen auf Dauer nicht mehr verantwortbar er-
scheint. Zwei Richtungen stehen zur Auswahl an:
1. Absage an den Gesundheitstourismus, Schließung des Kurhauses und Beendigung
des Kurbetriebes und der damit verbundenen touristischen Aktivitäten, Rückgabe der
Prädikatisierung
oder
2. Ausbau der touristischen Infrastruktur des Ortes für einen marktgerechten und wett-
bewerbsfähigen Gesundheits-, Erholungs-, Geschäftsreise- oder Gourmettourismus.
Es ist ohne zusätzliche Erläuterung einsichtig, daß eine Entscheidung zugunsten der er-
sten Richtung keinen zusätzlichen organisatorischen und finanziellen Aufwand erfordert
und deshalb sehr schnell realisiert werden könnte. Gleichwohl tritt als Folge dieser Ent-
scheidung ein kultureller, ideeller und auch ökonomischer Verlust für den betroffenen
Ort ein. Darüber sollten sich die Befürworter dieser Richtung Klarheit verschaffen.
209
______________________________________________________________________
Eine Entscheidung für die zweite Richtung ist nicht so einfach wie die andere zu treffen,
da damit umfangreiche und vielseitige Bedingungen zu erfüllen sind. Sie ist zunächst
von Mut und unternehmerischem Risiko geprägt, denn hier ist mehr zu tun als nur den
Status quo zu verwalten. Aber auch die Gründe für diese Entscheidung sind nachvoll-
ziehbar. Befürworter dieser Richtung werden sich daran erinnern, daß nicht sie allein die
anstehenden Strukturprobleme im Gesundheitstourismus lösen müssen. Warum sollte
man sich nicht dem Wettbewerb mit vielen anderen Erholungsorten stellen, z. B. auch
solchen aus den neuen Bundesländern, die noch viel schwierigere Probleme lösen müs-
sen? Vor Eintritt in diese Auseinandersetzung muß man sich Klarheit darüber verschafft
haben, daß der Weg nur erfolgreich sein kann, wenn die erforderlichen Rahmenbedin-
gungen für das Vorgehen vorliegen und geprägt sind von dem Konzept einer nachhalti-
gen Regionalentwicklung mit Tourismus.
Der Erfolg der zweiten Entwicklungsrichtung hängt weitestgehend von der personellen
Zusammensetzung des Steuerungselements ab. Es sind erfolgsorientierte Manager auf
Zeit erforderlich, die es gewohnt sind, ziel- und zeitorientiert zu arbeiten und sich bei
Bedarf erforderliche Fachkompetenz und -beratung am Markt zu verschaffen. Das
Steuerungselement sollte entweder wesentlich freier in den bisherigen Strukturen eigen-
ständig arbeiten können oder in Form einer Kapitalgesellschaft mit öffentlich-
rechtlichen Gesellschaftern als selbständiges Unternehmen sich im Tourismusmarkt be-
haupten können.
Immer wieder kann festgestellt werden, daß kommunale Planungsträger kaum noch in
der Lage sind, die heterogenen Anforderungen des inzwischen individualisierten Erho-
lungs- und Gesundheitstourismus zu erfüllen, da sie weder schnell noch flexibel auf
Verhaltensänderungen von Touristen infolge der immer länger werdender Orientie-
rungs-, Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse reagieren können.
Auch die zunehmende Verschuldung der öffentlichen Haushalte in der BRD, nicht zu-
letzt hervorgerufen durch die Folgen der Wiedervereinigung, verengt den Entschei-
dungsspielraum der Städte und Gemeinden, so daß vielfach notwendige Investitionen
zur Bestandserhaltung verschoben und wünschenswerte neue Anlagen in der touristi-
schen Infrastruktur bis auf weiteres gestrichen werden müssen.
Einen Ausweg aus dieser Misere bietet die Privatisierung von kommunalen Freizeitein-
richtungen. M. KOCH hat an vielen unterschiedlichen Bespielen aufzeigen können, daß
private Investoren und Betreiber von Freizeiteinrichtungen mit ihrer unternehmerischen
210
______________________________________________________________________
Innovations- und Risikobereitschaft die Anbieterseite im Tourismusmarkt wesentlich
attraktiver gestalten können als kommunale Träger (KOCH 1992). Bei dieser Vorge-
hensweise muß eine Steuerungsorganisation als Mittler zwischen der Kommune und den
Unternehmern autorisiert und befähigt sein, nur solche Maßnahmen einzuleiten und zu
begleiten,
die sich mit den im vorliegendem Tourismuskonzept aufgeführten Tourismusarten
vereinbaren lassen,
die sozial- und landschaftsverträglich sind,
die ökologisch und ökonomisch verantwortbare Grenzen beachten.
Eine weitere Hilfe, zukünftig den richtigen und erfolgversprechenden Weg einzuschla-
gen, kann auch vom neu gegründeten Tourismusverband NRW ausgehen.
211
______________________________________________________________________
6. Literaturverzeichnis
ADAM, B., BLACH, A. (1997): Strategieempfehlungen für ein raumordnerisches Mo-
dellvorhaben „Regionen der Zukunft“. In : Bundesforschungsanstalt für Lan-
deskunde und Raumordnung (Hrsg.): Veröffentlichungen aus der Bundesfor-
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