Fortschritt-Berichte VDI
Michael Schaub, M.Sc.
Berlin
Nr. 162
Wärmetechnik/
Kältetechnik
Reihe 19
Experimentelle
Betrachtung der
Wärmeübertragung
durch instationäre
freie Konvektion an
der vertikalen Platte
Schaub Instationäre konvektive Wärmeübertragung Reihe 19 · Nr. 162
Die Reihen der Fortschritt-Berichte VDI:
1 Konstruktionstechnik/Maschinenelemente
2 Fertigungstechnik
3 Verfahrenstechnik
4 Bauingenieurwesen
5 Grund- und Werkstoffe/Kunststoffe
6 Energietechnik
7 Strömungstechnik
8 Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik
9 Elektronik/Mikro- und Nanotechnik
10 Informatik/Kommunikation
11 Schwingungstechnik
12 Verkehrstechnik/Fahrzeugtechnik
13 Fördertechnik/Logistik
14 Landtechnik/Lebensmitteltechnik
15 Umwelttechnik
16 Technik und Wirtschaft
17 Biotechnik/Medizintechnik
18 Mechanik/Bruchmechanik
19 Wärmetechnik/Kältetechnik
20 Rechnerunterstützte Verfahren (CAD, CAM, CAE CAQ, CIM ...)
21 Elektrotechnik
22 Mensch-Maschine-Systeme
23 Technische Gebäudeausrüstung
ISBN 978-3-18-316219-2
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2
Experimentelle Betrachtung der
Wärmeübertragung durch instationäre
freie Konvektion an der vertikalen Platte
vorgelegt von
Jan Michael Schaub, M.Sc.
geboren in Marburg
von der Fakultät III - Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
- Dr.-Ing. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Felix Ziegler
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Martin Kriegel
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Clemens Felsmann
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 10.05.2019
Berlin, 2019
Fortschritt-Berichte VDI
Experimentelle
Betrachtung der
Wärmeübertragung
durch instationäre
freie Konvektion an
der vertikalen Platte
Michael Schaub, M.Sc.
Berlin
Wärmetechnik/
Kältetechnik
Nr. 162
Reihe 19
Zugl.: Berlin, Technische Universität, Diss., 2019
© VDI Verlag GmbH · Düsseldorf 2019
Alle Rechte, auch das des auszugsweisen Nachdruckes, der auszugsweisen oder vollständigen Wiedergabe
(Fotokopie, Mikrokopie), der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, im Internet und das der Übersetzung,
vorbehalten.
Als Manuskript gedruckt. Printed in Germany.
ISSN 0178-9465
ISBN 978-3-18-316219-2
Schaub, Michael
Experimentelle Betrachtung der Wärmeübertragung durch instationäre
freie Konvektion an der vertikalen Platte
Fortschr.-Ber. VDI Reihe 19 Nr. 162. Düsseldorf: VDI Verlag 2019.
124 Seiten, 56 Bilder, 4 Tabellen.
ISBN 978-3-18-316219-2, ISSN 0178-9465,
¤ 48,00/VDI-Mitgliederpreis ¤ 43,20.
Für die Dokumentation: freie Konvektion – Wärmeübertragung – instationär – vertikale Platte
– Luft – experimentell – analytisches Berechnungsverfahren
In der vorliegenden Dissertation werden die Auswirkungen von instationären Prozessen in freier
Konvektion an der vertikalen Platte auf die Wärmeübertragung an Luft experimentell untersucht.
Die dabei erhobenen Messwerte werden auf der Grundlage einer phänomenologischen Be-
trachtung in ein analytisches Berechnungsverfahren überführt. So legt eine physikalische Interpre-
tation nahe, dass nach einer plötzlichen Veränderung der Wärmestromdichte ein Überschuss an
potentieller Energie in der Strömungsgrenzschicht entsteht, der in einem anschließenden Aus-
gleichsvorgang durch zusätzliche Konvektionsstrukturen (insb. Kelvin-Helmholtz-Wirbel) in kineti-
sche Energie umgewandelt wird. Betrachtet werden zyklische und sprungartige Variationen der
Randbedingungen, deren praktische Anwendung erst durch die Etablierung der elektronischen
Leistungsregelung relevant wurde. Derartige Betriebsweisen erlauben beispielsweise für die
Wärmeübergabe von Raumheizsystemen eine Intensivierung der Übertragungsleistung bei glei-
cher mittlerer Oberflächentemperatur.
Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie;
detaillierte bibliographische Daten sind im Internet unter www.dnb.de abrufbar.
Bibliographic information published by the Deutsche Bibliothek
(German National Library)
The Deutsche Bibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliographie
(German National Bibliography); detailed bibliographic data is available via Internet at
www.dnb.de.
III
Vorwort
Die nachfolgende Dissertation entstand im Rahmen meiner Tätigkeit als wis-
senschaftlicher Mitarbeiter am Hermann-Rietschel-Institut, dem Fachgebiet
Gebäude-Energie-Systeme der Technischen Universität Berlin.
In verschiedenen Forschungsprojekten des Instituts konnten die Potentiale ei-
ner instationären Betriebsweise von technischen Komponenten zur Steigerung
der Energieeffizienz bei der Klimatisierung von Aufenthaltsräumen aufgezeigt
werden. Die vorliegende Arbeit soll daher einen Beitrag zum Verständnis und
zur Berechnung der damit verbundenen instationären Transportvorgänge leis-
ten.
„Die Endlosigkeit des wissenschaftlichen Ringens sorgt unablässig dafür,
dass dem forschenden Menschengeist seine beiden edelsten Antriebe
erhalten bleiben und immer wieder von neuem angefacht werden: Die
Begeisterung und die Ehrfurcht.“
Max Planck, dt. Physiker (1858 – 1947)
Mein Dank für das entgegengebrachte Vertrauen, die inhaltlichen und metho-
dischen Impulse, das fortdauernde Interesse und für ein stets offenes Ohr gilt
dem Hauptgutachter Prof. Dr.-Ing. Martin Kriegel. Für die konstruktiven fachli-
chen Anregungen und die bereitwillige Übernahme der Mitbegutachtung danke
ich Prof. Dr.-Ing. Clemens Felsmann. Außerdem danke ich meinen Kolleginnen
und Kollegen am Institut für den fachlichen und freundschaftlichen Austausch,
die begeisternde Arbeitsatmosphäre und für die Unterstützung bei der Durch-
führung der Experimente. Insbesondere danke ich jedoch meiner Familie und
meinen Freunden für die fortdauernde Motivation, das Verständnis, die Unter-
stützung in vielerlei Hinsicht und für all das, was Ihr mir ermöglicht habt.
Berlin, im Frühjahr 2019 Michael Schaub
V
Inhalt
Vorwort ........................................................................................................ III
Nomenklatur ............................................................................................... VIII
Kurzfassung ................................................................................................... XI
Abstract ...................................................................................................... XIII
1 Freie Konvektion an der vertikalen Platte ................................................... 1
1.1 Konvektive Wärmeübertragung ............................................................... 2
1.1.1 Räumlicher Bezug der Wärmeübertragungs-Intensität................... 5
1.2 Laminar-turbulente Transition ................................................................. 6
2 Instationäre freie Konvektion ..................................................................... 8
2.1 Beschreibung von instationären freien Konvektionsströmungen ............. 9
2.2 Berechnung von instationären Strömungsgrößen .................................. 11
2.2.1 Physikalische Vereinfachungen .................................................... 12
2.2.2 Modellbasierte Vereinfachungen ................................................. 14
2.3 Weiterführende Betrachtung der instationären Wärmeübertragung ..... 17
3 Experimentelle Analyse der Wärmeübertragung durch freie Konvektion
an der vertikalen Platte ............................................................................. 18
3.1 Versuchsaufbau ...................................................................................... 18
3.1.1 Konstruktion und Umgebungsbedingungen ................................. 19
3.1.2 Sandwich-Heizelemente ............................................................... 22
3.1.3 Leistungszufuhr und Regelung ...................................................... 24
3.1.4 Messwert-Erfassung ..................................................................... 26
3.1.5 Betriebsverhalten ......................................................................... 28
3.2 Stationäre Validierung ............................................................................ 29
3.2.1 Bestimmung der Wärmeübertragung aufgrund von Strahlung ..... 30
3.2.2 Bestimmung der konvektiven Wärmeübertragung ....................... 30
3.2.3 Isotherme Oberfläche ................................................................... 31
3.2.4 Homogene Wärmestromdichte .................................................... 33
3.3 Instationäre Bewertungsmethodik ......................................................... 35
3.3.1 Quasi-stationärer Betrachtungsansatz.......................................... 36
3.3.2 Bewertung der instationären Wärmeübertragung ....................... 38
VI
3.3.3 Thermische Kapazität der Sandwich-Heizelemente ...................... 40
3.3.4 Messunsicherheits-Fortpflanzung ................................................ 42
3.4 Versuchsreihen mit veränderlichen Randbedingungen .......................... 42
3.4.1 Zyklische Variationen.................................................................... 42
3.4.2 Sprungartige Änderungen mit anschließender Beharrung ............ 50
3.5 Schlussfolgerungen zur instationären Wärmeübertragung .................... 54
4 Phänomenologische Betrachtung .............................................................. 55
4.1 Strömungsvisualisierung ........................................................................ 55
4.1.1 Versuchsaufbau zur Strömungsvisualisierung ............................... 55
4.1.2 Strömungsstrukturen ................................................................... 56
4.2 Strömungsgeschwindigkeiten ................................................................. 60
4.2.1 Versuchsaufbau zur Messung von Strömungsgeschwindigkeiten . 61
4.2.2 Geschwindigkeits-Fluktuationen .................................................. 62
4.3 Schlussfolgerungen zu instationären Strömungsstrukturen ................... 65
5 Analytische Prognose der Wärmeübertragung durch instationäre
freie Konvektion ........................................................................................ 66
5.1 Physikalische Modellvorstellung ............................................................. 66
5.1.1 Potentielle und kinetische Energie der freien Konvektion ............ 66
5.1.2 Zeitliche Entwicklung der Wärmeübertragung durch
freie Konvektion ........................................................................... 68
5.2 Prognosemodell zur instationären Wärmeübertragung bei
zyklischer Variation der Randbedingungen ............................................ 69
5.2.1 Validierungsmessungen für zyklische Variationen ........................ 70
5.2.2 Instationäre Phase bei zyklischen Variationen .............................. 73
5.2.3 Momentanwerte von zyklischen Variationen ............................... 76
5.2.4 Modellanwendung und Prognosegüte für zyklische Variationen .. 78
5.3 Prognosemodell zur instationären Wärmeübertragung bei
sprungartigen Änderungen mit anschließender Beharrung ................... 80
5.3.1 Validierungsmessungen für sprungartige Änderungen ................. 81
5.3.2 Instationäre Phase bei sprungartigen Änderungen ....................... 83
5.3.3 Momentanwerte von sprungartigen Änderungen ........................ 85
VII
5.3.4 Modellanwendung und Prognosegüte für
sprungartige Änderungen ............................................................ 87
6 Zusammenfassung ..................................................................................... 89
7 Ausblick ..................................................................................................... 93
A Anhang ...................................................................................................... 95
A.1 Ergebnisse der Validierungsmessungen für zyklische Variationen .......... 95
A.2 Ergebnisse der Validierungsmessungen für sprungartige Änderungen . 100
Literatur ...................................................................................................... 103
VIII
Nomenklatur
Symbol
Einheit
Bedeutung
Griechische Formelzeichen
W/(m² K)
Wärmeübergangskoeffizient
1/K
isobarer thermischer Volumen-Ausdehnungskoeffizient
m
Grenzschichtdicke
�
-
Differenz
-
Gesamtemissionsgrad
�
°C
Temperatur
W/(m K)
Wärmeleitfähigkeit
kg/(m s)
dynamische Viskosität
m²/s
kinematische Viskosität
�
-
Verhältnis von Impulsgrößen zu mittleren Größen
�
kg/m³
Massendichte
�
Pa
mechanische Spannung
�
s
Zeitkonstante
Lateinische und sonstige Formelzeichen
m²/s
Temperaturleitfähigkeit
�
m²
Fläche
-
Regressionsparameter
J/(kg K)
spezifische Wärmekapazität
�
J/K
thermische Kapazität
�
kg/(m s³)
Diffusionsterm
J/m³
spezifische Energie
N/m³
volumenbezogene Kräfte
m/s²
Schwerebeschleunigung
-
Grashof-Zahl
J/kg
spezifische Totalenthalpie
�
m
charakteristische Länge des Strömungsgebiets
�
-
Regressionsparameter
�
-
Nußelt-Zahl
IX
Symbol
Einheit
Bedeutung
Pa
Druck
�
-
Prandtl-Zahl
W/m²
spezifische Leistung
�
-
Rayleigh-Zahl
�
-
Reynolds-Zahl
-
Standardabweichung (Grundgesamtheit)
s
Zeit
�
K
Temperatur
�
%
Turbulenzgrad
m/s
Geschwindigkeitskomponente in x-Richtung
m/s
Geschwindigkeitskomponente in y-Richtung
�
m³
Volumen
�
m³/h
Volumenstrom
m/s
Geschwindigkeitskomponente in z-Richtung
-
Richtungskomponente (vertikal in Plattenebene)
-
Richtungskomponente (normal zur Plattenebene)
-
Richtungskomponente (horizontal in Plattenebene)
Indices und Abkürzungen
*
modifiziert (Randbedingung Wärmestromdichte)
+
dimensionslos
zeitliches Mittel
∞
ungestörtes Umgebungsfluid
0
Referenzniveau der Stoffwerte
1�
Zeitraum für 63,2 % der Sprungantwort
c
konvektiv
char
charakteristisch
el
elektrisch
F
Fluid
is
instationär
isPh
instationäre Phase
kin
kinetisch
X
Symbol
Bedeutung
L
geometrisches Mittel der charakteristischen Länge
lam
laminar
LSB
Bitwertigkeit (engl. least significant bit)
m
arithmetisches Mittel
max
Maximum
MB
Messbereich
min
Minimum
MW
Messwert
O
(Umgebungs-)Oberfläche
p
bei konstantem Druck
pot
potentiell
r
radiativ (Wärmestrahlung)
st
stationär
t
thermisch
turb
turbulent
W
(beheizte) Wandoberfläche
x
Ort auf Richtungskomponente x
y
Ort auf Richtungskomponente y
z
Ort auf Richtungskomponente z
XI
Kurzfassung
Die vorliegende Ausarbeitung untersucht den Einfluss von instationären Strö-
mungsstrukturen in freier Konvektion auf die Wärmeübertragung von einer
vertikalen Platte an Luft. Dazu werden die mittlere und die momentane Intensi-
tät der konvektiven Wärmeübertragung für zyklische und sprungartig variie-
rende Betriebsweisen einer direkt-elektrisch beheizten, 2 m hohen Kupferplat-
te experimentell erfasst.
Bei Dauerbetriebstemperaturen von maximal 100 °C und Impuls-Wärme-
stromdichten von bis zu 1.430 W/m² werden sowohl laminare, als auch tran-
siente und turbulente Strömungsformen betrachtet. Im Vergleich zur einer
quasi-stationären Betrachtungsweise tritt im instationären Fall eine mittlere
Intensivierung der konvektiven Wärmeübertragung von maximal 23,8 % bei
zyklischen Variationen der Randbedingungen und von bis zu 30,2 % bei sprung-
artigen Änderungen auf. Die stärkste Beeinflussung der konvektiven Wärme-
übertragung durch eine instationäre Betriebsweise zeigt sich im Bereich der
kritischen Grashof-Zahl, also zu Beginn der laminar-turbulenten Transition. Hin-
sichtlich der zeitlichen Entwicklung der Wärmeübertragungs-Intensität treten
die größten Überschreitungen des quasi-stationären Vergleichsniveaus stets
zum Ende eines Wärmestrom-Impulses auf.
Phänomenologische Betrachtungen der instationären Konvektionsströmung in
Form von Visualisierungen zeigen bei einer impulsartigen Wärmestromzufuhr
eine temporär verstärkte Durchmischung der Grenzschicht. Exemplarische
Messungen zur zeitlichen Entwicklung der Strömungsgeschwindigkeiten inner-
halb der Grenzschicht zeigen dabei ebenfalls stark ausgeprägte irreguläre Fluk-
tuationen. Die phänomenologischen Beobachtungen legen daher nahe, dass
überschüssige potentielle Energie, die durch einen hinreichend intensiven
Wärmestrom-Impuls plötzlich in eine Auftriebsströmung eingebracht wird, zu-
nächst durch das temporäre Aufkommen von großskaligen Rotationsbewegun-
gen in kinetische Energie umgewandelt wird, bevor sich eine quasi-stationäre
Strömungsentwicklung einstellt.
Die Grenzschichtfluktuationen stehen darüber hinaus in guter zeitlicher Über-
einstimmung mit der instationären Phase der Wärmeübertragung. Die vo-
rübergehende Intensivierung des konvektiven Wärmetransports wird dement-
XII
sprechend auf eine kurzzeitig verstärkte Durchmischung der Grenzschicht zu-
rückgeführt.
Auf Grundlage der experimentellen Ergebnisse, für die eine sehr gute quantita-
tive und qualitative Reproduzierbarkeit vorliegt, wird ein analytisches Berech-
nungsmodell vorgestellt. Als zentrale Einflussgrößen werden darin die mittlere
Grashof-Zahl und eine dimensionslose Kennzahl � berücksichtigt, welche als
Maß für den mittleren Überschuss der potentiellen Energie innerhalb der insta-
tionären Phase interpretiert wird.
Das Berechnungsmodell erlaubt sowohl die Prognose der mittleren, als auch
der momentanen Wärmeübertragungs-Intensität durch instationäre freie Kon-
vektionsströmungen an der vertikalen Platte. So eröffnet sich für derartige
Wärmeübertrager durch eine gezielte Variation der Betriebsweise die Möglich-
keit zu einer Intensivierung der Übertragungsleistung bei gleichen mittleren
Oberflächentemperaturen oder zu einer Reduzierung der mittleren Oberflä-
chentemperaturen bei gleicher Übertragungsleistung.
XIII
Abstract
The present elaboration investigates the influence of unsteady flow structures
in natural convection on the heat transfer from a vertical flat plate to air.
Therefore, the mean and momentary intensity of convective heat transfer are
determined experimentally for cyclic and step-like changes in the operation
mode of a direct-electrically heated, 2 m high copper plate.
At continuous operating temperatures of max. 100 °C and impulse heat flux
densities of up to 1,430 W/m², laminar, transitional and turbulent flows are
considered. Compared to a quasi-stationary approach, in the unsteady case, a
maximum increase in the mean convective heat transfer of 23.8% occurs for
cyclic variations of the boundary conditions and of up to 30.2% for step-like
changes. The strongest influence of an unsteady operation mode on the con-
vective heat transfer occurs in the range of the critical Grashof number – i.e. at
the beginning of the laminar-turbulent transition. In terms of the temporal de-
velopment of the heat transfer intensity, the largest exceedances of the quasi-
stationary comparison level consistently occur at the end of a heat flux im-
pulse.
Phenomenological observations of the unsteady convection flow in the form of
visualizations show a temporarily increased mixing of the boundary layer in the
case of an impulse-like heat flux supply. Exemplary measurements of the tem-
poral development of the flow velocities within the boundary layer also show
very distinctive irregular fluctuations. Thus, the phenomenological observations
indicate that surplus potential energy, which is suddenly transferred into a
buoyant flow by a sufficiently intensive heat flux impulse, is initially converted
into kinetic energy through the temporary appearance of large-scale rotational
structures, before a quasi-stationary flow development occurs.
Furthermore, the boundary layer fluctuations are in good temporal agreement
with the unsteady phase of heat transfer. The temporary enhancement of the
convective heat transport is accordingly attributed to a short-time intensified
mixing of the boundary layer.
Based on the experimental results, for which a very good quantitative and qual-
itative reproducibility prevails, an analytical calculation model is presented. The
mean Grashof number and a dimensionless parameter � (which is interpreted
XIV
as a measure of the mean potential energy surplus within the unsteady phase)
are considered as main influencing quantities.
The calculation model allows the prediction of the mean as well as the momen-
tary heat transfer intensity due to unsteady natural convection flows at the
vertical plate. Consequently, for these type of heat exchangers, an unsteady
operation mode allows an increase in the heat transfer intensity for the same
average surface temperatures or a decrease in the average surface tempera-
tures for the same heat transmission rate.
1
1 Freie Konvektion an der vertikalen Platte
In zahlreichen natürlichen und technischen Prozessen spielen freie (oder natür-
liche) Konvektionsströmungen eine signifikante Rolle für den Transport von
Wärme. Ein für technische Prozesse besonders relevantes Beispiel für einen
derartigen, durch Gravitation und Dichteunterschiede induzierten Mole-
kültransport sind Auftriebs- oder Fallströmungen von Fluiden in der Nähe von
Festkörpern mit abweichender Temperatur.
Der Transport von Wärme zwischen Festkörper und Fluid geschieht dabei in-
nerhalb der Grenzschicht, in der die Strömungsgeschwindigkeit des Fluids
vom Wert Null an der Festkörperwand (Haftbedingung) über ein Maximum bis
zum Ruhezustand des Umgebungsfluids variiert, wie in Abbildung 1.1 für den
Fall einer isothermen Wand dargestellt.
Abbildung 1.1: Grenzschichtstruktur bei freier Konvektion an der isothermen
vertikalen Platte
Da der Wärmetransport bei einer Fluidgeschwindigkeit von Null in unmittelba-
rer Wandnähe ausschließlich aufgrund von Wärmeleitung erfolgt, charakteri-
siert der Temperaturgradient des Fluids ��F�
⁄ an der Wand gemäß Glei-
chung 1 (Fourier’shes Wärmeleitungsgesetz) zugleich die Intensität der kon-
�F
2
vektiven Wärmeübertragung , sofern Wärmestrahlung unberücksichtigt
bleibt.
=−W∙��F
�=
(Gl. 1)
Bei freien Konvektionsströmungen an der vertikalen Platte weist die Strö-
mungsgrenzschicht stets eine größere Dicke im Vergleich zur Temperatur-
grenzschicht auf, da am Grenzschichtrand auch temperatur- und somit dich-
teneutrale Teilchen des Umgebungsfluids eine Impulsübertragung von der Auf-
triebs- oder Fallströmung erfahren.
1.1 Konvektive Wärmeübertragung
Eine analytische Berechnung der Temperatur- und Geschwindigkeitsprofile ge-
lingt bislang aufgrund der Kopplung von Energie- und Impulstransport nicht
(vgl. Kapitel 2.2.1). Die Wärmeübertragung durch Transmission in unmittelba-
rer Wandnähe und der konvektive Molekültransport in der Grenzschicht wer-
den daher bevorzugt in einem konvektiven Wärmeübergangskoeffizienten
zusammengefasst (Gleichung 2).
=
�W − �∞
(Gl. 2)
Der somit beschriebene Zusammenhang von konvektiver Wärmestromdichte
und der vorliegenden Temperaturdifferenz zwischen Oberfläche und dem un-
gestörten Umgebungsfluid ∆�W-∞ wird insbesondere zur Quantifizierung der
Wärmeübertragungs-Intensität einer konkreten technischen Anwendung her-
angezogen.
Zur Erarbeitung von Korrelationen, deren Gültigkeit nicht nur auf ein individuel-
les Problem oder ein willkürlich gewähltes Maßsystem beschränkt bleibt, wer-
den darüber hinaus dimensionslose Kennzahlen gebildet. Im Falle des konvekti-
ven Wärmeübergangskoeffizienten gelingt dies mit Hilfe einer charakteristi-
schen Länge � und der Wärmeleitfähigkeit des Umgebungsfluids F (Glei-
chung 3).
3
�L= ∙ �
�F
(Gl. 3)
Die dabei resultierende Nußelt-Zahl � kann folglich als dimensionslose Inten-
sität der konvektiven Wärmeübertragung interpretiert werden.
Kennzeichnend für die Intensität von freien Konvektionsströmungen sind ne-
ben den Auftriebskräften aus temperaturbedingten Dichteunterschieden auch
die entgegenwirkenden Reibungskräfte aufgrund von Zähigkeit sowie die Träg-
heitskräfte. Ausgehend von einer linearen Kopplung zwischen Fluidtemperatur
und -dichte sowie unter Berücksichtigung von Dichteunterschieden ausschließ-
lich im Auftriebsterm (Oberbeck-Boussinesq-Approximation, vgl. Kapitel 2.2.1)
kann der Zusammenhang von Auftriebs-, Zähigkeits- und Trägheitskräften mit
der dimensionslosen Grashof-Zahl gemäß Gleichung 4 beschrieben werden.
L=� ∙ ∞ ∙ �W − �∞ ∙ �
� (Gl. 4)
Für den Fall einer homogenen Wärmestromdichte anstelle einer isothermen
Oberfläche kann die Grashof-Zahl auch in eine modifizierte Form ∗ überführt
werden (Gleichung 5).
L
*=L∙�L=� ∙ ∞ ∙ ∙ �
� ∙ �F
(Gl. 5)
Das Verhältnis von Impuls- und Wärmetransport in einer Grenzschicht wird
durch zustandsabhängige Stoffparameter mit Hilfe der Prandtl-Zahl � nach
Gleichung 6 wiedergegeben.
�=�� (Gl. 6)
Durch eine Kopplung der Kräfteverhältnisse mit den fluidspezifischen Trans-
porteigenschaften gemäß Gleichung 7 resultiert die ebenfalls dimensionslose
Rayleigh-Zahl �.
�L=L∙� (Gl. 7)
Sie wird bei freier Konvektion häufig für eine fluidunabhängige Charakterisie-
rung der Strömungsform herangezogen, soll also u.a. einen Rückschluss darauf
4
geben, ob eine Strömung geordnet-laminare oder chaotisch-turbulente Struk-
turen aufweist.
Tatsächlich weist die laminar-turbulente Transition jedoch eine Abhängigkeit
vom Impuls- und Wärmetransport innerhalb eines jeweiligen Fluids, also von
dessen Prandtl-Zahl, auf (vgl. [Bejan und Lage 1990] sowie [Vitharana und Ly-
kodis 1994]). Im Folgenden wird daher die fluidspezifische Grashof-Zahl als Sta-
bilitäts-Kriterium herangezogen. Für das Beispiel der freien Konvektion von Luft
an der vertikalen, isothermen Platte vollzieht sich die Transition in einem Be-
reich von ca. < L < ∙ (vgl. z.B. [Pirovano et al 1970], [Siebers et al.
1985] sowie [Tsuji und Nagano 1989]). Bei einer homogenen Wärmestromdich-
te liegt der Transitionsbereich bei < L
* < ∙ (vgl. [Miyamoto und
Okayama 1982] sowie [Kitamura et al. 1985]).
Die dargestellten Kennzahlen der Ähnlichkeitstheorie erlauben es schließlich,
die Intensität der konvektiven Wärmeübertragung auf der Basis von empiri-
schen Korrelationen abzuschätzen. Im Bereich der freien Konvektion kommt
dabei den Korrelationen von [Churchill und Chu 1975] in den Gleichungen 8
und 9 die größte Relevanz zu. Sie basieren auf Messdaten zahlreicher Autoren
in einem sehr weiten Anwendungsbereich (ca. - < �L < ) und sind bei
isothermer Oberfläche mit einer Gültigkeit für Fluide beliebiger Prandtl-Zahl
angegeben.
< �L < :
�L= + ∙ ��L
⁄
+
��
⁄
⁄ (Gl. 8)
�L > :
�L=
(
+ ∙ ��L
⁄
+
��
⁄
⁄
)
(Gl. 9)
Für den Fall einer homogenen Wärmestromdichte kann der Faktor 0,492 durch
den Wert 0,437 ersetzt werden. �L ist dann auf Grundlage der Gleichungen 5
und 7 iterativ mit Hilfe von Gleichung 10 zu bestimmen.
5
�L=�L
* �L
⁄ (Gl. 10)
Eine Übersicht der bekannten Korrelationen für verschiedene Randbedingun-
gen wird beispielsweise in [Khalifa 2001], [Aydin und Guessous 2001] sowie
[Martynenko und Khramtsov 2005] gegeben. Die Intensität der konvektiven
Wärmeübertragung wird dabei vorwiegend als Potenzfunktion in Abhängigkeit
der Grashof- und Prandtl-Zahl approximiert. Für die isotherme vertikale Platte
werden Exponenten in der Größenordnung von 1/5 bis 1/4 im laminaren und
ca. 1/3 bis 2/5 im turbulenten Bereich angegeben (vgl. hierzu auch [Martin
1984]). Bei homogener Wärmestromdichte verringern sich die Exponenten auf
zumeist 1/5 für laminare und etwa 1/4 für turbulente Strömungen.
1.1.1 Räumlicher Bezug der Wärmeübertragungs-Intensität
Für die dargestellte Beschreibung der stationären Wärmeübertragungs-
Intensität durch freie Konvektionsströmungen anhand der Nußelt-Zahl in Ab-
hängigkeit der Grashof-Zahl ist jedoch eine Unterscheidung zwischen globalen
und lokalen Angaben zu beachten. Aus semi-empirischen Korrelations-
Gleichungen, wie z.B. den Gleichungen 8 und 9, gehen stets mittlere globale
Nußelt-Zahlen für das gesamte Strömungsgebiet mit der charakteristischen
Länge � hervor. Für lokale Werte werden in der Literatur hingegen unterschied-
liche Bilanzräume verwendet. So beziehen sich einige Autoren (vgl. z.B. [Piro-
vano et al. 1970] sowie [Miyamoto und Okayama 1982]) bei der Angabe von
lokalen Nußelt-Zahlen tatsächlich auf die Intensität der Wärmeübertragung an
einem bestimmten Ort innerhalb des Strömungsgebiets �. Davon abwei-
chend ist auch ein Bezug der Wärmeübertragungs-Intensität auf ein Teilgebiet
der betrachteten Strömung etabliert (vgl. z.B. [Warner und Arpaci 1968]). Die
lokalen Nußelt-Zahlen korrespondieren dann mit einer Bilanzierung vom Beginn
der Strömung (leading-edge, = 0) bis zu einem Ort �
⁄ (siehe auch Abbildung
3.6 in Kapitel 3.1.2). Dieser Vorgehensweise liegt die Annahme zugrunde, dass
stromabwärts befindliche Bereiche keine Rückwirkungen auf das betrachtete
Teilgebiet der Strömung haben.
Aus zahlreichen Quellen geht die Bilanzierungsart für lokale Angaben nicht ein-
deutig hervor (vgl. [Yang 2001] mit Bezug auf [Saunders 1936], [Cheeswright
1968], [Vliet und Ross 1975], [Kitamura et al. 1985], [Siebers et al. 1985], [Tsuji
6
und Nagano 1988] und [Tsuji und Nagano 1989] sowie [Hattori et al. 2006]).
Zumeist ist jedoch eine Zuordnung anhand des Verlaufs der einzelnen Daten-
punkte möglich. So wird der Übergangsbereich von der laminaren zur turbulen-
ten Strömungsform insbesondere bei einer Angabe der Nußelt-Zahlen von Ein-
zelpositionen � deutlich (siehe z.B. Abbildung 3.11 in Kapitel 3.2.3). Bei Bi-
lanzierung über einen Teilbereich des Strömungsgebiets �
⁄ resultiert letztlich
ein quasi-globaler Wert �/L, der ggf. laminare, transiente und turbulente
Strömungsformen beinhaltet. In doppelt-logarithmischer Darstellung verstetigt
sich in der Folge die Anordnung der Datenpunkte im Transitionsbereich (siehe
u.a. Abbildung 3.12 in Kapitel 3.2.3).
Um eine eindeutige Unterscheidung der jeweils bilanzierten Strömungsberei-
che zu ermöglichen, werden im Folgenden die Indices L für globale Bilanzen des
gesamten Strömungsgebiets, x/L für quasi-globale Angaben zu einem Teilbe-
reich und x für lokale Einzelwerte eines Ortes verwendet.
1.2 Laminar-turbulente Transition
Der Transitions-Prozess einer stationären freien Konvektionsströmung an der
vertikalen Platte ist in Abbildung 1.2 schematisch sowie interferometrisch dar-
gestellt.
Grenzt ein ruhendes Fluid an eine beheizte vertikale Oberfläche an, so stellen
sich aufgrund der in Gleichung 1 beschriebenen Wärmeleitung Temperatur-
und somit Dichteunterschiede im Fluid ein. Beginnend am unteren Ende der
Platte setzt eine zunächst laminare Auftriebsströmung mit geordneten Stromli-
nien ein (leading-edge-effect). Die resultierenden Geschwindigkeitsunterschie-
de zwischen Strömungsgrenzschicht und ruhendem Umgebungsfluid lassen lo-
kale Trennschichten entstehen. Dort auftretende Scherkräfte stören im weite-
ren Verlauf die laminare Stabilität, weshalb sich vermehrt zweidimensionale
Strukturen, insbesondere Tollmien-Schlichting-Wellen, ausbilden. Mit zuneh-
mender Strömungsweglänge werden diese durch dreidimensionale, Λ-förmige
Wellen überlagert, die in Turbulenzflecken zerfallen und schließlich in eine voll-
turbulente Strömungsform übergehen.
In turbulenten Strömungsgebieten tritt eine verstärkte Durchmischung der
Grenzschicht mit weiter entferntem Umgebungsfluid auf, was u.a. zu einer er-
7
heblichen Intensivierung der Wärmeübertragung zwischen Oberfläche und Flu-
id führt. Ein Ansatz zur Beschreibung dieses makroskopischen konvektiven Im-
puls- und Energietransports besteht in Analogie zur molekularen Viskosität und
Temperaturleitfähigkeit in der Einführung turbulenter Transportgrößen (siehe
Kapitel 2.2.2).
Abbildung 1.2: Laminar-turbulente Transition bei freier Konvektion an der vertikalen
Platte
(Bildquelle: bearbeitet nach [Oertel jr. 2017])
8
2 Instationäre freie Konvektion
Insbesondere in turbulenten Strömungen müssen die Temperatur- und Ge-
schwindigkeitswerte an jedem Ort einer Grenzschicht als zeitlich fluktuierend
betrachtet werden. Die in den Kapiteln 1.1 und 1.2 dargestellten Zusammen-
hänge, welche für einen vollständig ausgebildeten Strömungszustand gelten,
beziehen sich somit auf zeitlich konstante Mittelwerte der Schwankungsgrößen
(im Folgenden: statistisch stationär). Während der Entstehungs- oder Abkling-
phase einer Strömung sowie bei einer gezielten Variation der Randbedingun-
gen muss jedoch die gesamte Strömung als zeitvariabel angesehen werden (im
Folgenden: instationär).
Die Intensität von Geschwindigkeits-Fluktuationen, die an einem bestimmten
Ort innerhalb der Strömungsgrenzschicht auftreten, kann mit Hilfe des Turbu-
lenzgrades � gemäß Gleichung 11 quantifiziert werden.
�=+
+
⁄ (Gl. 11)
Die darin verwendete dimensionsfreie Geschwindigkeit
+ resultiert gemäß
Gleichung 12 aus einem Bezug der dimensionsbehafteten Grenzschichtge-
schwindigkeit auf die charakteristische Geschwindigkeit der freien Konvekti-
onsströmung har. Deren Bestimmungsgleichung 13 geht aus einer Gleichset-
zung der Grashof-Zahl mit dem Quadrat der Reynolds-Zahl hervor (vgl. z.B. [O-
ertel jr. 2017]).
+= har
⁄ (Gl. 12)
har =√∙�
⁄∙∞∙∆�W-∞ (Gl. 13)
Weist der so bestimmte Turbulenzgrad im zeitlichen Verlauf Veränderungen
auf, wird die Strömung am betrachteten Ort der Grenzschicht als instationär
interpretiert (siehe Kapitel 4.2).
9
2.1 Beschreibung von instationären freien Konvektions-
strömungen
In diesem Sinne instationäre freie Konvektionsströmungen wurden v.a. hin-
sichtlich des laminaren Anlaufverhaltens eines anfänglich ruhenden Fluids aus-
führlich betrachtet. Zahlreiche theoretische (vgl. z.B. [Gebhart 1961] und [Geb-
hart 1963]) sowie experimentelle (vgl. z.B. [Gebhart und Adams 1963],
[Sammakia et al. 1985] und [Maranzana et al. 2002]) Untersuchungen hierzu
zeigen hinreichend genaue Berechnungsergebnisse, wenn für die jeweils aktu-
ellen Randbedingungen eines Zeitpunktes die Berechnungs-Korrelationen für
statistisch stationäre Strömungen herangezogen werden (im Folgenden: quasi-
stationär). Voraussetzung ist, dass sich die Temperaturänderung an der Ober-
fläche langsamer vollzieht, als die Ausbildung der Grenzschicht (vgl. [Saha et al.
2012]). Zusammenfassende zeitliche Skalierungs-Korrelationen für die Grenz-
schichtdicken, Strömungsgeschwindigkeiten und Wärmeübergänge von lamina-
ren Strömungen bei sinusförmigen Temperaturschwankungen geben [Lin und
Armfield 2017] an. Für sehr schnelle Temperaturänderungen an der wärme-
übertragenden Oberfläche wurden in der Grenzschicht von laminaren Strö-
mungen hingegen auch Fluktuationen der Temperaturen (vgl. [Patterson et al.
2002] und [Zhao et al. 2016]) und Geschwindigkeiten (vgl. [Zhao et al. 2019])
beobachtet, die deutlich von einem quasi-stationärem Verlauf abweichen.
Im Bereich der (teil-)turbulenten instationären freien Konvektionsströmungen
befasst sich ein Großteil der bisherigen Betrachtungen mit der phänomenologi-
schen und analytischen Beschreibung von Störfrequenzen, die einer statistisch
stationären Strömung (teilweise zeitvariabel) aufgeprägt werden. Sowohl expe-
rimentelle, als auch numerische Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass
bestimmte Störfrequenzen u.a. in Abhängigkeit der Grashof-Zahl entweder ver-
stärkend oder dämpfend wirken (vgl. z.B. [Gebhart 1969], [Mollendorf und
Gebhart 1970], [Cheeswright und Doan 1978] sowie [Paul und Rees 2008]). Ei-
nige Arbeiten interpretieren dies als eine Art Filter-Wirkung der Grenzschicht.
Demnach sei vor allem bei den Störfrequenzen eine Anfachung der Turbulenz
festzustellen, die der charakteristischen Eigenfrequenz der Temperaturgrenz-
schicht entsprechen (vgl. [Joshi und Gebhart 1987] sowie [Zhao et al. 2013]).
10
Neben Strömungs-Beeinflussungen durch extern aufgeprägte thermische oder
mechanische Störungen konnten einige Untersuchungen auch während des
Aufheiz- und Abkühlvorgangs von beheizten vertikalen Oberflächen instationä-
re Entwicklungen in turbulenten Strömungen nachweisen. So gelang es bei-
spielsweise [Joshi und Gebhart 1987] sowie [Joshi und Gebhart 1988] nach ei-
ner impulsartigen Erhöhung oder Reduktion der Wärmestromdichte temporär
großskalige Wirbelstrukturen zu visualisieren, die im weiteren zeitlichen Ver-
lauf wieder vollständig abklangen. Auch bei Temperatur- und Geschwindig-
keitsmessungen mit Hilfe von reaktionsschnellen Thermoelementen und Faser-
film-Anemometern konnten irreguläre Schwankungen innerhalb der Grenz-
schicht festgestellt werden. Lokale Fluktuationen der Oberflächentemperatur
zeigten darüber hinaus vorübergehende Abweichungen der konvektiven Wär-
meübertragung von einer quasi-stationären zeitlichen Entwicklung. [Inagaki
und Komori 1995] beschreiben in ähnlicher Weise das zufällige Auftreten von
zweidimensionalen turbulenten Strukturen. [Zhao et al. 2015] konnten die zeit-
liche Variation der lokalen Auftriebsgeschwindigkeiten nach einer sprunghaften
Erhöhung der Wärmstromdichte einer beheizten vertikalen Platte auch mit Hil-
fe einer Particle Image Velocimetry quantifizieren. Sie unterteilen die Strö-
mungsentwicklung in einen eindimensionalen Anlaufvorgang (I), gefolgt von
instationären Fluktuationen (II), die schließlich in einen quasi-stationären End-
zustand (III) übergehen. Abbildung 2.1 veranschaulicht dies anhand der Ge-
schwindigkeitskomponente (Hauptströmungsrichtung).
Zusammenfassend beschreiben die dargestellten Untersuchungen irreguläre
Fluktuationen der Zustandsgrößen in sämtlichen Grenzschichtbereichen (la-
minar, transient und turbulent) von freien Konvektionsströmungen, die selbst
einer zeitlichen Veränderung unterliegen.
Eine Methodik zur Prognose der damit einhergehenden zeitlichen Entwicklung
des Wärmetransports auf der Grundlage einer algebraischen oder analytischen
Herangehensweise ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht bekannt.
Gleichwohl würde eine derartige Methodik zahlreiche prozesstechnische Mög-
lichkeiten eröffnen. Beispielhaft sei die Beeinflussung des Wärmeübertra-
gungsvermögens von beheizten Oberflächen durch eine systematische Variati-
on der Betriebsweise genannt. Das Ziel der nachfolgenden Untersuchung ist
11
daher die Erarbeitung eines Berechnungsmodells zur Prognose der Wärme-
übertragung durch instationäre freie Konvektion an der vertikalen Platte.
Abbildung 2.1: Lokale Grenzschichtgeschwindigkeit bei instationärer freier
Konvektion
(mit I: Anlauf, II: instationäre Phase, III: quasi-stationärer Endzustand)
(Bildquelle: bearbeitet nach [Zhao et al. 2015])
2.2 Berechnung von instationären Strömungsgrößen
Für die Prognose von Strömungszuständen und den damit verbundenen Trans-
portgrößen werden neben den in Kapitel 1.1 beschriebenen empirischen Korre-
lationen insbesondere bei anspruchsvollen Fragestellungen auch numerische
Strömungssimulationen eingesetzt. Grundsätzlich kann dabei für eine beliebige
Strömungskonfiguration der Transport von Masse, Impuls und Energie voll-
ständig beschrieben werden, weshalb eine simulationsbasierte Analyse der in-
stationären konvektiven Wärmeübertragung naheliegt. Insbesondere für die
Betrachtung von freien Konvektionsströmungen treten unter den zur Durchfüh-
rung derartiger Simulationen erforderlichen Vereinfachungen jedoch methodi-
sche Einschränkungen auf, deren Relevanz nachfolgend diskutiert wird.
Voraussetzung für die vollständige Beschreibung der Transportvorgänge ist ei-
ne zeitliche und räumliche Diskretisierung des gesamten Strömungsgebiets in
Berechnungselemente in der Größenordnung der Kolmogorov-Skalen (� = 1).
Die Austauschvorgänge zwischen den Berechnungselementen resultieren dann
aus einer direkten numerischen Lösung der instationären, dreidimensionalen
Erhaltungsgleichungen (engl. direct numerical simulation – DNS). Mit der Kon-
zeitlicher Verlauf
Grenzschichtgeschwindigkeit
(II) (III)(I)
12
tinuitätsgleichung (Gleichung 14), den Impulserhaltungsgleichungen (Gleichun-
gen 15 bis 17) und der Energieerhaltungsgleichung (Gleichung 18) entsteht ein
gekoppeltes nichtlineares Differentialgleichungssystem (für eine ausführliche
Herleitung vgl. z.B. [Herwig und Schmandt 2015]).
��
�+��∙
� +��∙
� +��∙
� = (Gl. 14)
��∙
� +�(�∙ + − �)
� +�(�∙∙ − �)
� +��∙∙ − �z
� −= (Gl. 15)
��∙
� +�(�∙∙ − �)
� +�(�∙ + − �)
� +�(�∙∙ − �z)
� −= (Gl. 16)
��∙
� +��∙∙ − �z
� +�(�∙∙ − �z)
� +�(�∙ + − �zz)
� −z= (Gl. 17)
��∙� –
� +��∙∙� +
� +�(�∙∙� + )
� +��∙∙� + z
� (Gl. 18)
−(∙+∙+∙z)−�=
Darin gibt der erste Index der Spannungen � jeweils die Normalenrichtung der
Oberfläche an, auf der die Spannung wirkt; der zweite Index beschreibt die
Richtung der resultierenden Kraft. Die volumenbezogenen Kräfte beinhalten
Schwerkraft, Zentrifugalkraft sowie die Lorentz-Kräfte. Ferner sind die Oberflä-
chenkräfte aufgrund von Normal- und Schubspannungen in der Energieglei-
chung durch einen Diffusionsterm � gemäß Gleichung 19 zusammengefasst.
�=�(∙� + ∙� + ∙�z)
� +�(∙� + ∙� + ∙�z)
� +�(∙�z + ∙�z + ∙�zz)
� (Gl. 19)
2.2.1 Physikalische Vereinfachungen
Zur Lösung des Gleichungssystems sind jedoch weitere Randbedingungen zu
definieren (vgl. z.B. [Oertel jr. 2017]). So gelingt die Bestimmung des Druckes
durch eine Betrachtung als ideales Gas. Stoffwerte können aus kalorischen Zu-
standsgleichungen bestimmt und (mit Ausnahme der Dichte) vereinfachend als
konstant angenommen werden. Unter der Voraussetzung eines Fourier’schen
Wärmeleitungsverhaltens gelingt die Kopplung zwischen Wärmestromvektor
und Temperaturfeld, wobei ein Strahlungswärmeaustausch des Fluids selbst
13
nicht berücksichtigt wird. Außer der Schwerkraft werden darüber hinaus alle
volumenbezogenen Kräfte vernachlässigt. Ferner kann der Spannungstensor für
Newton’she Fluide a das Geshwidigkei sfeld gekoppel werde wodurh
die Navier-Stoke’she Gleihuge e s ehe.
Eine elementare Reduktion der Komplexität der Transportgleichungen ergibt
sich schließlich bei Verwendung der Oberbeck-Boussinesq-Approximation. Sie
ermöglicht es, freie Konvektionsströmungen mit geringen Mach-Zahlen als in-
kompressibel zu behandeln, indem eine Veränderung der Dichte nur noch im
Auftriebsterm der Impulsgleichung berücksichtigt wird. Durch den Abbruch ei-
ner Taylor-Reihe zum Zustand der Dichte � nach dem ersten Glied gelingt eine
lineare, druckunabhängige Kopplung an die Temperatur � gemäß Gleichung 20.
��=�∙[1−∙�−�] (Gl. 20)
Zur weiteren Verringerung des Berechnungsaufwandes kann für freie Konvek-
tionsströmungen aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten die viskose Dissi-
pation in der Energiegleichung vernachlässigt werden (vgl. [Schlichting und
Gersten 2006]). Bleiben für den Spezialfall der vertikalen Platte ferner die
Komponenten der -Achse unberücksichtigt, ergeben sich die zweidimensiona-
len Grundgleichungen für freie Konvektionsströmungen gemäß den Gleichun-
gen 21 bis 24.
�
�+�
�= (Gl. 21)
��
�+�
�+�
�+�
�−�∙∙∙�−�−�
�+�
�= (Gl. 22)
��
�+�
�+�
�+�
�−�
�+�
�= (Gl. 23)
�∙p��
�+��
�+��
�−��
�+��
�= (Gl. 24)
Aus Gleichung 22 wird ersichtlich, dass bei freier Konvektion eine direkte Kopp-
lung zwischen Temperatur- und Geschwindigkeitsfeld zu berücksichtigen ist.
Energie- und Impulsgleichung können folglich nicht unabhängig voneinander
gelöst werden.
14
Zur Durchführung von direkten numerischen Simulationen ist jedoch auch mit
den genannten Vereinfachungen und unter Berücksichtigung der rasanten in-
formationstechnologischen Entwicklung auf absehbare Zeit die Verfügbarkeit
von Großrechenanlagen (Super-Computer-Cluster) vorauszusetzen (vgl. z.B.
[Oertel jr. 2017]). Selbst mit deren Rechenleistung sind die Möglichkeiten zur
Betrachtung von Strömungen mit hohen Turbulenzintensitäten (große Grashof-
oder Reynolds-Zahlen) unter heutigen Maßstäben jedoch stark begrenzt. Dar-
über hinaus ergeben sich bzgl. der Verarbeitung der enormen Datenmengen
weitere Problemstellungen.
Die wenigen bislang bekannten direkten numerischen Simulationen zu instatio-
nären freien Konvektionsströmungen an der vertikalen Platte konnten die in
Kapitel 2.1 beschriebenen instationären Phänomene dessen ungeachtet jedoch
mit sehr guter qualitativer und quantitativer Übereinstimmung abbilden (vgl.
[Brooker et al. 2000], [Lin et al. 2008] sowie [Aberra et al. 2012]).
2.2.2 Modellbasierte Vereinfachungen
Um die genannten Restriktionen von direkten numerischen Simulationen zu
umgehen und die Durchführung von Strömungssimulationen auch mit modera-
ten Rechenkapazitäten zu ermöglichen, wurden verschiedene (meist semi-
empirische) Strömungsmodelle erarbeitet, die den Berechnungsumfang zur
Auswertung der strömungsmechanischen Grundgleichungen massiv reduzie-
ren.
Im Fokus dieser Herangehensweise stehen Abstraktionen für den Transport von
turbulenten Strömungsgrößen (Turbulenzmodelle). Einen wesentlichen Ansatz
stellt die Modellierung von turbulenten Spannungen als äquivalente Viskosität
dar (Wirbelviskositäts-Modelle oder Boussinesq-Ansatz). Voraussetzung für
derartige Modelle ist eine (i.d.R. zeitliche) Mittelung von Strömungsparame-
tern, aus der die Reynolds-gemittelten Navier-Stokes-Gleichungen (engl. Rey-
nolds-averaged Navier-Stokes – RANS) hervorgehen. Darauf aufbauend existie-
ren sowohl Modelle, die Isotropie voraussetzen, als auch solche, die eine Prog-
nose von anisotropen Strömungen ermöglichen. Erstere approximieren die tur-
bulenten Schubspannungen proportional zum mittleren Geschwindigkeitsgra-
dienten, z.B. in Form von Zweigleichungsmodellen. Anisotrope Transportvor-
15
gänge werden durch eine Modellierung der Umverteilung der Turbulenz selbst,
u.a. in Reynolds-Stress-Transport-Modellen (RSTM), abgebildet.
Darüber hinaus kann der RANS-Ansatz mit Hilfe einer Ensemblemittelung
grundsätzlich auch in statistisch nicht stationären Strömungen angewendet
werden (engl. unsteady RANS – URANS). Für eine turbulente Strömungsgröße,
die im statistisch stationären Fall typischer Weise eine zufällige Schwankung
um einen Mittelwert aufweist, wird dann anstelle einer zeitlichen Mittelung für
jeden Zeitschritt das arithmetische Mittel aus einer mehrmaligen Berechnung
gebildet. Dies ermöglicht eine Prognose der zeitlichen Entwicklung von mittle-
ren Strömungsgrößen. URANS-Methoden können jedoch folglich nur eine hin-
reichende Grundlage zur Beurteilung von instationären Phänomenen sein, so-
lange eine Trennung zwischen turbulenzbedingten Schwankungen und den in-
stationären Änderungen selbst möglich ist (sog. spektrale Lücke, vgl. z.B. [Wil-
cox 2002]). Anschaulich ausgedrückt, werden durch URANS-Methoden also nur
großräumige Wirbel, nicht jedoch die kleineren Strukturen (Turbulenzballen)
erfasst, da diese durch den Mittelungsprozess verschwinden.
Ein alternatives Vorgehen besteht in der direkten numerischen Simulation von
großskaligen Wirbeln in Kombination mit Modellen für kleinskalige Strukturen
(engl. large-eddy simulation – LES). Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass
die größten Turbulenzelemente am stärksten zur Produktion sowie zur aniso-
tropen Verteilung der turbulenten kinetischen Energie beitragen und maßgeb-
lich für die Strömungsgestalt sind. Kleinskaligen turbulenten Strukturen werden
hingegen hauptsächlich Dissipationsvorgänge zugeordnet; sie weisen daher ei-
nen eher universellen Charakter auf. Da die räumlich gefilterten großskaligen
Turbulenzelemente ohne Modellannahmen simuliert werden, entfallen die
Notwendigkeit einer Mittelung und somit auch die o.g. Restriktionen der
URANS-Methodik.
Als problematisch ist bei derartigen Grobstruktursimulationen jedoch die Be-
rücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen den kleinen, nicht numerisch
aufgelösten und den großskaligen, aufgelösten Strömungselementen anzuse-
hen. So liegt den Feinstruktur-Modellen (engl. subgrid-scale – SGS) u.a. die Hy-
pothese einer lokalen Isotropie zugrunde. Im Gegensatz zu ungestörten Strö-
mungsbereichen ergibt sich bei Grenzschicht-Strömungen jedoch insbesondere
im für den Wärmeübergang relevanten wandnahen Bereich aufgrund der fes-
16
ten Begrenzung zwangsläufig eine Richtungsabhängigkeit. Die turbulenten Be-
wegungen werden dabei in Richtung der Wand aufgrund von Schubspannun-
gen zunehmend gedämpft, bis schließlich die molekulare Viskosität dominiert.
Darüber hinaus findet im Fall von freien Konvektionsströmungen aufgrund des
Energietransports von der Wand an das Fluid eine Umkehr des Energieflusses
statt. So wird im wandnahen Bereich aufgrund von thermischer Instabilität tur-
bulente kinetische Energie in den kleinen, nicht numerisch aufgelösten Skalen
produziert und zu den großen, aufgelösten Skalen transportiert (vgl. z.B. [Fröh-
lich 2006]).
Berücksichtigt werden derartige Strömungsformen durch hybride Ansätze. Die
LES wird dabei im wandnahen Bereich durch zusätzliche Methoden ergänzt.
Beispielhaft seien hier die Wandfunktionen sowie Niedrig-Reynolds-Zahl-
Turbulenzmodelle (engl. low-�) genannt. Für letztere (im Zusammenhang mit
LES oft als DES – engl. detached-eddy simulation – bezeichnet) sind ebenfalls
die Einschränkungen der Reynolds-Mittelung in instationären Strömungen zu
beachten. Die meist algebraischen Zusammenhänge zwischen Wandabstand
und lokaler Geschwindigkeit oder Schubspannung von Wandfunktionen setzen
indessen eine konstante turbulente Wirbelviskosität, also eine vollständig aus-
gebildete, statistisch stationäre Strömung voraus (vgl. [Schlichting und Gersten
2006]). Darüber hinaus weisen beide Ansätze bei einer Anwendung in freier
und Mischkonvektion aufgrund der Kopplung von Temperatur- und Strömungs-
feld bereits im stationären Fall größere Unsicherheiten auf (vgl. [Henkes und
Hoogendoorn 1990] sowie [Xu et al. 1998]) und erfordern zusätzliche Model-
lanpassungen (vgl. z.B. [Kriegel 2005] und [Hölling 2006]).
Alternativ ist bei LES-Methoden eine lokale Anpassung der numerischen Auflö-
sung und der räumlichen Filterung möglich, sodass auch im relevanten wand-
nahen Bereich sehr kleinskalige Strömungselemente ohne weitere Modellan-
nahmen simuliert werden. Eine derartige Verfeinerung der numerischen Dis-
kretisierung führt jedoch ebenfalls zu einem enormen Berechnungsaufwand,
der letztlich in einer quasi-direkten numerischen Simulation mündet.
17
2.3 Weiterführende Betrachtung der instationären Wärme-
übertragung
Aufgrund der in Kapitel 2.2 genannten Restriktionen einer simulationsbasierten
Untersuchung der Wärmeübertragung durch instationäre freie Konvektions-
strömungen werden mögliche Kausalzusammenhänge zwischen einer gezielten
Variation von Strömungs-Randbedingungen und der instationären Wärmeüber-
tragungs-Intensität im Folgenden experimentell analysiert. Eine Beschreibung
des Versuchsaufbaus und der Bewertungsmethodik sowie eine Darstellung und
Interpretation der Messergebnisse erfolgen in Kapitel 3. Ergänzend werden die
auftretenden Strömungscharakteristika in Kapitel 4 visualisiert und phäno-
menologisch interpretiert. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse wird in
Kapitel 5 schließlich ein analytisches Modell zur Prognose der Wärmeübertra-
gung durch instationäre freie Konvektionsströmungen an der vertikalen Platte
vorgestellt und im Rahmen von gezielten Wiederholungsmessungen validiert.
18
3 Experimentelle Analyse der Wärmeübertragung
durch freie Konvektion an der vertikalen Platte
Zur experimentellen Analyse der Auswirkungen einer instationären freien Kon-
vektionsströmung auf die Wärmeübertragung von einer vertikalen Platte an
Luft wird eine direkt-elektrisch beheizte Oberfläche nachfolgend stationären
sowie zeitlich variablen (instationären) Betriebsmodi ausgesetzt. Als Bewer-
tungsgrundlage dient dabei der Vergleich zwischen einer quasi-stationären Be-
trachtung und den bilanzierten Größen im instationären Fall (siehe Kapitel 3.3).
Die verwendeten Stoffwerte beziehen sich jeweils auf die arithmetisch gemit-
telte Temperatur der Plattenoberfläche und des ungestörten Umgebungsfluids.
Eine Ausnahme stellt der Volumen-Ausdehnungskoeffizient dar. Im Sinne ei-
ner Kopplung von Fluiddichte und Fluidtemperatur (vgl. Gleichung 20) ist für
dessen Bestimmung nur das Umgebungs-Temperaturniveau von Relevanz.
3.1 Versuchsaufbau
Insbesondere für die messtechnische Erfassung von instationären Größen lei-
ten sich verschiedene Anforderungen an die Beschaffenheit eines experimen-
tellen Aufbaus ab. Vorrangig ist hier die Berücksichtigung des Einflusses von
thermischen Kapazitäten der wärmeübertragenden Oberfläche sowie der ver-
wendeten Messtechnik zu nennen. Darüber hinaus liegen der konstruktiven
Ausgestaltung des Versuchsaufbaus die nachfolgend aufgeführten funktionel-
len Erfordernisse zugrunde.
• Berücksichtigung sämtlicher Strömungsformen, d.h. laminar, transient und
vollturbulent.
• Erfassung von Momentanwerten der Wärmeübertragung im instationären
Betriebsfall.
• Lokal variabel anpassbare Leistungsdichte oder Oberflächentemperatur
der beheizten Platte.
• Strömungsmechanisch ungestörtes Umgebungsfluid mit nahezu konstan-
tem Stoffzustand.
19
• Möglichst geringer Einfluss anderer Wärmetransportmechanismen (insbe-
sondere Strahlung).
3.1.1 Konstruktion und Umgebungsbedingungen
Als Umgebungsfluid zur Untersuchung der instationären freien Konvektion
dient feuchte Luft. Der Versuchsaufbau ist dazu in einer ca. 180 m² großen und
etwa 7 m hohen, vollklimatisierten Halle des Hermann-Rietschel-Instituts der
TU Berlin angeordnet. Die thermo-physikalischen Randbedingungen sind für die
Dauer der Versuche konstant auf 20 °C ±1 K und 50 % r.F. ±5 % r.F. gehalten.
Abbildung 3.1: Strömungsmechanische Abschirmung der beheizten Platte
(links: geöffnete Abschirmung; rechts: geschlossener Zustand)
Um der Anforderung eines vollturbulenten Strömungsbereichs gerecht zu wer-
den, sind Grashof-Zahlen in der Größenordnung von /L > ∙ erforderlich
(vgl. Kapitel 1.1). Dies kann in Luft beispielweise für Temperaturdifferenzen von
ca. ∆�W-∞ = K zwischen Oberfläche und Umgebungsfluid und bei einer Strö-
mungsweglänge ab ca. �
⁄ erreicht werden. Um einen ausreichend
großen vollturbulenten Bereich sicherzustellten, ist der Versuchsaufbau auf ei-
ne Strömungsweglänge von � = und eine maximale Übertemperatur der
� = .
20
beheizten Platte von ∆�W-∞ = K ausgelegt, was einer rechnerischen Grashof-
Zahl von ca. /L = ∙ an der Plattenoberkante entspricht.
Zur Vermeidung einer Beeinflussung der zu betrachtenden natürlichen Konvek-
tionsvorgänge durch die Raumluftströmungen der klimatechnischen Konditio-
nierung der Versuchshalle, ist die beheizte Platte horizontal allseitig strö-
mungsmechanisch abgeschirmt (Abbildung 3.1). Die Abschirmung besteht aus
einer Dämmschicht mit geringer thermischer Kapazität (120 mm extrudierter
Polystyrol-Hartschaum). Sie ist zudem in Richtung der beheizten Platte mit ei-
ner stark reflektierenden Aluminium-Folie beschichtet, um den Strahlungs-
wärmeaustausch mit der Platte zu minimieren. In Richtung der Versuchshalle
ist die Abschirmung matt schwarz lackiert, um möglichst im thermischen
Gleichgewicht mit den Umgebungsbedingungen zu stehen.
Abbildung 3.2: Abmessungen des Versuchsaufbaus (Draufsicht)
In vertikaler Richtung ist die Abschirmung durch 50 mm hohe Strömungs-
Gleichrichter ausgeführt. Diese bestehen aus extrudiertem Polypropylen und
weisen eine wabenartige Struktur auf, die durch nebeneinander angeordnete,
vertikale Röhren mit einem Innendurchmesser von jeweils 8 mm entsteht und
21
einen freien Querschnitt von ca. 85 % aufweist. Die Auftriebsströmung der be-
heizten Platte kann so nach oben aus dem abgeschirmten Bereich austreten,
während von unten Umgebungsluft aus der Versuchshalle nachströmt.
Die beheizte Platte besteht aus zehn übereinander angeordneten Kupfer-
Sandwich-Elementen (siehe Kapitel 3.1.2) mit einer Höhe von jeweils 200 mm
und einer Breite von einem Meter.
Abbildung 3.3: Abmessungen des Versuchsaufbaus (Seitenansicht)
Orthogonal zur Plattenebene befindet sich an einer Seite der horizontalen Ab-
schirmung eine 850 mm breite Borosilikat-Glasscheibe mit einer Dicke von
22
5 mm. Sie ermöglicht die optische Erfassung von Strömungsvorgängen (Kapitel
4.1) bei geringem Brechungsindex (ca. 1,47) und weist ebenfalls einen hohen
Reflexionsgrad im infraroten Bereich auf.
Die Gesamtabmessungen des Versuchsaufbaus sind in Abbildung 3.2 und Ab-
bildung 3.3 dargestellt.
3.1.2 Sandwich-Heizelemente
Zur Bestimmung von Momentanwerten der Intensität der konvektiven Wärme-
übertragung ist eine Berücksichtigung der thermischen Kapazität der beheizten
Platte erforderlich, da ein Teil des bilanzierten Wärmestroms deren Be- oder
Entladung zuzurechnen ist (siehe Kapitel 3.3.2). Im Falle einer einseitig an ein
Umgebungsfluid grenzenden Oberfläche, die rückseitig durch starke Dämmung
als annähernd adiabat betrachtet werden kann, gelänge dies nur mit Kenntnis
des zeitvariablen Temperaturprofils innerhalb der Dämmschicht.
Den durchgeführten experimentellen Untersuchungen liegt daher ein symmet-
rischer Aufbau zu Grunde, der beidseitig an das Umgebungsfluid grenzt. Abbil-
dung 3.4 zeigt die Konstruktion der Sandwich-Heizelemente schematisch.
Abbildung 3.4: Aufbau der Sandwich-Heizelemente
Dabei dient ein ca. 1,1 mm dickes Silikon-Glasgewebe als Trägermaterial für
Edelstahl-Leiterbahnen mit einer Breite von etwa 4,2 mm und einer Dicke von
0,7 mm Kupferplatte
1,1 mm Silikon-Glasgewebe
0,7 mm Kupferplatte
0,05 mm Edelstahl-Leiterbahn
3
2
4
1
Auftriebs-
strömung
Auftriebs-
strömung
13
2
4
23
0,05 mm. Die Leiterbahnen sind im Abstand von rund 3,5 mm im ätztechni-
schen Prinzip angeordnet, woraus eine Belegungsdichte von gut 55 % resultiert.
Auf dem Trägermaterial der Heizleiter ist mittels Verklebung beidseitig eine
0,7 mm dicke Kupferplatte (Typ Cu-DHP_CW024A) angebracht, die eine homo-
gene Temperaturverteilung in der Plattenebene bewirkt und ihrerseits einen
sehr geringen Emissionskoeffizienten für Wärmestrahlung aufweist. Die Homo-
genität der Oberflächentemperatur wird für den genannten Aufbau zuvor
messtechnisch mit Hilfe einer Infrarot-Thermografie an einem matt-schwarz
beschichteten Probe-Heizelement überprüft. Dabei sind sowohl im stationären
Fall, als auch während eines Aufheizvorganges keine nennenswerten lokalen
Temperaturunterschiede feststellbar. Aufgrund der geringen Gesamtdicke der
Sandwich-Heizelemente von etwa 2,5 mm und der hohen Wärmeleitfähigkeit
der Kupferschichten wird auch das Temperaturprofil im Plattenquerschnitt (y-
Komponente) als homogen angenommen.
Jedes der zehn Heizelemente weist einen elektrischen Wirkwiderstand von ca.
6 Ω auf und kann mit einer Stromstärke von bis zu 10 A beaufschlagt werden.
Für die dazu erforderliche Gleichspannung von 60 V resultiert eine Leistung von
rund 600 W pro Sandwich-Heizelement. Dies entspricht einer flächen-
spezifischen elektrischen Leistung von etwa 1.500 W/m² (beidseitig).
Abbildung 3.5: Befestigung der Sandwich-Heizelemente
(links: Klemmvorrichtung; rechts: Gesamtaufhängung)
24
Die Sandwich-Heizelemente sind einzeln mit Hilfe einer Klemmvorrichtung aus
Polycarbonat (Makrolon®) befestigt, das für Temperaturen bis 110 °C dauerhaft
beständig ist und kurzzeitig mit bis zu 135 °C belastet werden kann. Die Lage-
rung der Klemmvorrichtungen ist an einer Seite der Platte beweglich ausge-
führt, um die Längenausdehnung der Kupferplatten aufgrund von Tempera-
turänderungen auszugleichen (Abbildung 3.5). Die Zugkraft einer Feder unter-
stützt dabei auch während eines Aufheiz- oder Abkühlvorgangs eine möglichst
ebene Plattenanordnung.
In vertikaler Richtung sind die einzelnen Sandwich-Heizelemente zur Kompen-
sation der Materialausdehnung jeweils mit einem Abstand von ca. 1 mm ange-
ordnet. Die verbleibenden Spalte sind mit einem etwa 0,06 mm dicken Kupfer-
Klebeband verschlossen, wie in Abbildung 3.6 dargestellt.
Abbildung 3.6: Ansicht der Sandwich-Heizelemente
3.1.3 Leistungszufuhr und Regelung
Die beschriebene Aufteilung der betrachteten vertikalen Platte in zehn Ein-
zelelemente wird vorrangig durch die Anforderung einer lokal individuellen An-
passung der Wärmestromdichte oder der Oberflächentemperatur begründet.
�
⁄ =
�
⁄ =
�
⁄ =
�
⁄ =
�
⁄ =
25
Die Versorgung der Heizelemente erfolgt durch zehn elektronische Labornetz-
geräte (Typ Manson HCS 3404), wie in Abbildung 3.7 dargestellt.
Abbildung 3.7: Struktur des Mess- und Regelungssystems
Die Netzgeräte werden mit Hilfe einer zentralen Mess-, Steuer- und Regelungs-
applikation in der Entwicklungsumgebung LabVIEWTM betrieben. Für jedes der
Sandwich-Heizelemente können somit nahezu beliebige zeitliche Profile der
zugeführten Wärmestromdichte vorgegeben werden. Alternativ kann jedes der
Sandwich-Heizelemente mit Hilfe eines eigenen Regelkreises auf eine individu-
elle Oberflächentemperatur geregelt werden.
Neben der Anpassung der zugeführten elektrischen Leistung dienen die Netz-
geräte auch zur Messung ebendieser. Dabei wird für jede der zehn Kombinati-
onen aus Netzgerät, elektrischer Versorgungsleitung und Heizelement eine Kor-
rektur zwischen der eingestellten Ausgangsleistung des Netzgeräts und der tat-
sächlichen Leistung am Heizelement auf der Basis von individuellen Kalibrie-
rungs-Messungen vorgenommen. Im Mittel beträgt der Spanungsabfall zwi-
schen Netzgerät und Heizelement ca. 2,7 % bei einer Stromstärke von 1 A und
rund 4 % bei 10 A. Die Korrektur der zugeführten Leistung erfolgt dabei mit
sehr guter Regressions-Güte durch Polynome zweiten Grades. Da die Netzgerä-
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
Regelung und Messung der elektrischen Leistungszufuhr
Labornetzgeräte Kupfer-
Sandwichplatten Temperatur-Messwert-Aufnahme
Temperatur-
Messdaten
ΩW,1
W,20
…Ω∞,1
∞,20
…
Pt100 Dünnschicht-
Sensoren
Pt100 Folien-
Sensoren
26
te nach dem Konstant-Strom-Prinzip arbeiten, bleibt der relative Spannungsab-
fall unabhängig von einer temperaturabhängigen Veränderung des Wirkwider-
standes der Heizelemente und der Versorgungsleitungen.
3.1.4 Messwert-Erfassung
Zur Bestimmung der konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität (siehe Kapitel
3.2 und 3.3) werden die Oberflächentemperaturen der Sandwich-Heizelemente
messtechnisch erfasst. Dies geschieht mit Platin-Widerstandssensoren der Ka-
tegorie Pt100. Sie sind in einer 0,3 mm dicken, folienartigen Polyimid-
Trägerschicht mit einer Breite von 22 mm und einer Länge von 55 mm einge-
fasst (Typ KIMO SFSC50-4-TB-10). Die Sensor-Folien sind mit Hilfe von Wärme-
leitpaste ( = 8,5 W
∙K) auf der Oberfläche der Kupferplatten befestigt und durch
ein ebenfalls 0,06 mm dickes Kupfer-Klebeband überdeckt, um eine erhöhte
Strahlungswärme-Abgabe der Sensorflächen zu vermeiden (siehe auch Abbil-
dung 3.6).
Pro Sandwich-Heizelement befindet sich ein Oberflächentemperatursensor an
jeder der beiden an das Umgebungsfluid grenzenden Seiten. Dies ermöglicht
eine zweifache messtechnische Erfassung der konvektiven Wärmeübertra-
gungs-Intensität bei jedem Einzelversuch.
Die Bestimmung der Temperatur des Umgebungsfluids erfolgt mit Hilfe von
Pt100-Dünnschichtsensoren (Typ Heraeus M222). Bei maximalen Abmessungen
von etwa 1 bis 2 mm weisen diese in Luft eine Zeitkonstante von ca. � = s auf.
Wie in Abbildung 3.8 dargestellt ist, sind auf jeder Seite der beheizten Platte
fünf Lufttemperatursensoren in einem horizontalen Abstand von ca. 750 mm
gleichmäßig über das Höhenprofil verteilt angeordnet. Außerdem erfasst je-
weils ein Sensor unmittelbar die An- und Abströmtemperaturen der Platte und
die Lufttemperatur außerhalb der strömungsmechanischen Abschirmung. Zur
bilanziellen Berücksichtigung der verbleibenden Strahlungswärmeabgabe der
Sandwich-Heizelemente wird auch die Temperatur der gegenüberliegenden
Innenoberflächen der strömungsmechanischen Abschirmung mit insgesamt
vier Sensoren des gleichen Typs erfasst (vgl. Abbildung 3.8).
Um eine Beeinflussung der Lufttemperatursensoren durch Wärmestrahlungs-
Emissionen der beheizten Platte zu vermeiden, werden diese horizontal umlau-
27
fend mit einem Strahlungsschutz versehen, wie in Abbildung 3.9 dargestellt.
Die Messwert-Erfassung erfolgt bei allen Temperatursensoren im Vierleiter-
Prinzip mit geschirmten Messleitungen.
Abbildung 3.8: Anordnung der Temperatursensoren
Tabelle 3.1: Messunsicherheiten
Komponente
Messunsicherheit
Oberflächentemperatursensoren
±(0,15 °C + 0,2 % v. MW)
Umgebungstemperatursensoren
±(0,1 °C + 0,17 % v. MW)
Netzgeräte
±0,2 % v. MW ±3 LSB
Multimeter-Datenlogger
±(0,01 % v. MW + 0,004 % v. MB)
�O
�O
�O
�O
�∞
�∞
�∞
�∞
�∞
�∞
�∞
�∞
�∞
�∞
28
Abbildung 3.9: Strahlungsabschirmung der Lufttemperatursensoren
Als Messwert-Aufnehmer dienen zwei Multimeter-Datenlogger vom Typ
Agilent 34970A mit je zwei Multiplexer-Modulen (Typ Keysight 34901A). Das
Mess- und Regelungs-Intervall liegt für sämtliche Versuchsreihen bei 2 s. Tabel-
le 3.1 gibt eine Übersicht der relevanten Messunsicherheiten; eine Betrachtung
der Messunsicherheits-Fortpflanzung erfolgt in Kapitel 3.3.4.
3.1.5 Betriebsverhalten
In Abbildung 3.10 ist der Aufheizvorgang für die maximale konvektive Wär-
mestromdichte der Sandwich-Heizelemente von ca. s = . W/² (siehe
Gleichung 27 in Kapitel 3.2.2) bis zu einer Oberflächentemperatur von knapp
�W = °C sowie das anschließende Auskühlverhalten ohne Leistungszufuhr
dargestellt. Die Aufheizdauer beträgt dabei etwa 270 s. Bezogen auf den Zeit-
raum mit der stärksten Änderung (63,2 % von ∆�W innerhalb 1τ) liegt die mitt-
lere Aufheizgeschwindigkeit bei rund ��W�
⁄
τ = K/s und die mittlere
Auskühlgeschwindigkeit bei ca. ��W�
⁄
τ = K/s. Die Totzeit der beheiz-
ten Platte liegt bei deutlich unter 1 s.
29
Abbildung 3.10: Aufheiz- und Auskühlverhalten der Sandwich-Heizelemente
Für die isotherme Oberfläche resultieren im stationären Fall Grashof-Zahlen
von bis zu L ≈ ∙ , wodurch sämtliche Strömungsformen abgebildet
werden können (vgl. Kapitel 1.1). Während des Wärmestrom-Impulses liegen
kurzzeitig Grashof-Zahlen von bis zu L
* ≈ ∙ vor.
Zu Beginn des Aufheizvorgangs weisen zunächst alle zehn Sandwich-
Heizelemente nahezu dieselbe Oberflächentemperatur auf. Für �W °C so-
wie während des Abkühlvorgangs zeigen sich hingegen deutliche Temperatur-
unterschiede zwischen den einzelnen Heizelementen. Das Maximum tritt rund
12 Minuten nach Beginn des Aufheizvorgangs auf und beträgt ca.
�W /L= - �W /L= ≈ K. Dies ist auf die erwartungsgemäße lokale
Variation in der Intensität der konvektiven Wärmeübertragung zurückzuführen,
die in den Kapiteln 3.2.3 und 3.2.4 diskutiert wird (siehe insbesondere Abbil-
dung 3.13 sowie Abbildung 3.16).
3.2 Stationäre Validierung
Zur Überprüfung der Belastbarkeit von Messergebnissen des in Kapitel 3.1 be-
schriebenen Versuchsaufbaus wird zunächst das Wärmeübertragungsvermö-
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
00:00 00:10 00:20 00:30 00:40 00:50 01:00 01:10 01:20 01:30
x/L = 100 mm x/L = 300 mm x/L = 500 mm x/L = 700 mm
x/L = 900 mm x/L = 1.100 mm x/L = 1.300 mm x/L = 1.500 mm
x/L = 1.700 mm x/L = 1.900 mm ∞
�W /L = .
�W /L =
�W /L =
�W /L = .
�W /L = .
�W /L = �W /L =
�W /L = . �W /L =
�W /L = .
�∞
Zeit [hh:mm]
Temperatur in °C
30
gen im stationären Fall erfasst. Ein Vergleich mit den Daten aus bekannten Lite-
raturquellen dient als Validierungsgrundlage.
3.2.1 Bestimmung der Wärmeübertragung aufgrund von Strahlung
Der Wärmeaustausch zwischen der beheizten Platte und der strömungsmecha-
nischen Abschirmung aufgrund von Strahlung r wird gemäß Gleichung 25 nach
dem Prinzip der grauen Strahler bestimmt.
r=∙ ∙-∙(�W−�O) (Gl. 25)
Dabei werden vereinfachend wellenlängenunabhängige Emissionskoeffizienten
verwendet. So wird für die polierte Kupferoberfläche der Sandwich-
Heizelemente (vgl. Kapitel 3.1.2) ein Emissionskoeffizient von W = und für
die umgebende strömungsmechanische Abschirmung mit hochglanzpolierter
Aluminium-Oberfläche ein Wert von O = angenommen (vgl. [VDI 2013]).
Der Gesamtemissionsgrad wird auf der Grundlage der Sichtverhältnisse von
sich umhüllenden Körpern gemäß Gleichung 26 ermittelt und resultiert mit ei-
nem Wert von ≈ .
=
�W + �W
�O ∙ (
�O − ) (Gl. 26)
Der berechnete Anteil der Strahlungswärmeabgabe variiert folglich in Abhän-
gigkeit der Übertemperatur der beheizten Platte. Bei einer Oberflächentempe-
ratur der strömungsmechanischen Abschirmung von �O = °C resultiert für
eine Plattentemperatur von �W = °C ein spezifischer Strahlungswärmestrom
von ca. r = W/²; bei �W = °C sind es etwa r = W/². Im Vorgriff
auf Kapitel 3.2.3 entspricht dies einem Anteil der Wärmestrahlung an der Ge-
samtwärmeabgabe der beheizten Platte von 4,3 % bei �W = °C und 3,8 % bei
�W = °C (bezogen auf das geometrische Mittel des gesamten Strömungsge-
biets, vgl. Kapitel 1.1.1).
3.2.2 Bestimmung der konvektiven Wärmeübertragung
Die Bestimmung der konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität im stationä-
ren Fall s erfolgt auf der Grundlage eines Bilanzierungsansatzes. Dazu wird
31
die vorhandene Strahlungswärmeabgabe r s der Sandwich-Heizelemente von
der zugeführten elektrischen Leistung el s subtrahiert, wie in Gleichung 27
dargestellt.
s =el s −r s (Gl. 27)
Gemäß Kapitel 1.1 resultieren der konvektive Wärmeübergangskoeffizient des
stationären Falls s schließlich nach Gleichung 2 und die dimensionsfreie
konvektive Wärmeübertragungs-Intensität � gemäß Gleichung 3.
3.2.3 Isotherme Oberfläche
Die im stationären Fall gemessenen konvektiven Wärmeübertragungs-
Intensitäten der isotherm beheizten Platte sind in Abbildung 3.11 als lokale Ein-
zelwerte � s und in Abbildung 3.12 für quasi-globale Teilbereiche �/L s
(vgl. Kapitel 1.1.1) angegeben.
Abbildung 3.11: Lokale Nußelt-Zahlen der isothermen Platte (stationär)
In beiden Fällen ist eine sehr gute Übereinstimmung mit den in der Literatur
verfügbaren Vergleichsdaten festzustellen. Auch die empirischen Korrelationen
y = 0,551x0,238 y = 0,003x0,486 y = 0,220x0,305
10
100
1.000
1E+06 1E+07 1E+08 1E+09 1E+10 1E+11
[Churchill und Chu 1975] Messung [Pirovano et al. 1970]
[Siebers et al. 1985] [Tsuji und Nagano 1989]
�
s
/L
laminar
transient turbulent
32
gemäß der Gleichungen 8 und 9 zeigen eine gute Kongruenz zu den hier erho-
benen Messdaten. Darüber hinaus bestätigen Regressions-Funktionen in Form
von Potenzgleichungen die charakteristischen Exponenten in der Größenord-
nung von etwa 1/4 im laminaren und 1/3 im vollturbulenten Bereich (vgl. Kapi-
tel 1.1).
Abbildung 3.12: Quasi-globale Nußelt-Zahlen der isothermen Platte (stationär)
Wie aus Abbildung 3.13 ersichtlich wird, tritt die größte konvektive Wär-
mestromdichte s am untersten der zehn Sandwich-Heizelemente auf, da
dort der konvektive Wärmeübergang s aufgrund der Anströmung mit kaltem
Umgebungsfluid am größten ist. Mit zunehmender Strömungsweglänge /�
reduziert sich die Intensität der konvektiven Wärmeabfuhr s zunächst deut-
lich, da die Grenzschicht der betreffenden Bereiche nun mit bereits erwärmtem
Fluid durchströmt wird. Im oberen Bereich der beheizten Platte bewirkt die zu-
nehmend turbulente Strömung hingegen eine verstärkte Durchmischung der
Grenzschicht und somit eine Induktion von kühlerem Umgebungsfluid, weshalb
die konvektive Wärmeabfuhr s dort wieder zunimmt. Die lokalen Gradienten
der konvektiven Wärmeübertragung � s �
⁄ nehmen dabei mit steigender
Temperaturdifferenz ∆�W-∞ zu.
y = 0,318x0,277 y = 0,070x0,348 y = 0,052x0,361
10
100
1.000
1E+06 1E+07 1E+08 1E+09 1E+10 1E+11
[Churchill und Chu 1975] Messung [Cheeswright 1968]
[Warner und Arpaci 1968] [Yang 2001] mod.([Saunders 1936]) [Hattori et al. 2006]
�/L s
/L
laminar transient turbulent
33
Abbildung 3.13: Lokale Variation der konvektiven Wärmestromdichte
(isotherm, stationär)
3.2.4 Homogene Wärmestromdichte
Ergänzend zur Regelung der Heizelemente auf eine einheitliche Oberflächen-
temperatur wird die stationäre konvektive Wärmeübertragung für den Fall ei-
ner homogenen Leistungszufuhr el s in sämtlichen Heizelementen betrachtet.
Dabei zeigt sich sowohl für lokale Messwerte � s (Abbildung 3.14), als auch
für den quasi-globalen Betrachtungsansatz �/L s (Abbildung 3.15) eine ähn-
lich gute Übereinstimmung mit Literaturdaten, wie im isothermen Fall.
Die Variation der Oberflächen-Übertemperatur ∆�W-∞ bei homogener Leis-
tungszufuhr el ist in Abbildung 3.16 für die resultierende konvektive Wär-
mestromdichte s nach Gleichung 27 dargestellt. In Analogie zum isothermen
Fall (vgl. Abbildung 3.13) charakterisiert das Maximum der Oberflächen-
Übertemperatur ∆�W-∞ hier den Bereich mit dem geringsten konvektiven
Wärmeübergang s . Dementsprechend nehmen die lokalen Gradienten der
Oberflächen-Übertemperatur ��W-∞�
⁄ hier mit steigender konvektiver Wär-
mestromdichte ∆ s zu.
Der beschriebene Verlauf der lokalen konvektiven Wärmeübertragung steht in
guter Übereinstimmung mit vorhergehenden Untersuchungen, wie z.B. [War-
ner und Arpaci 1968], [Pirovano et al 1970] sowie [Miyamoto und Okayama
1982].
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2.000
050 100 150 200 250 300 350 400 450 500
9,9
19,8
29,6
39,4
49,3
59,2
68,9
∆�W−∞ in K
s in W/m²
⁄
�in mm
34
Abbildung 3.14: Lokale Nußelt-Zahlen bei homogener Wärmestromdichte (stationär)
Abbildung 3.15: Quasi-globale Nußelt-Zahlen bei homogener Wärmestromdichte
(stationär)
y = 0,394x0,215 y = 0,037x0,306 y = 0,182x0,252
10
100
1.000
1E+06 1E+08 1E+10 1E+12 1E+14
[Churchill und Chu 1975] Messung
[Miyamoto und Okayama 1982] [Kitamura et al. 1985]
� s
/L
∗
laminar transient turbulent
y = 0,301x0,230 y = 0,187x0,247 y = 0,100x0,269
10
100
1.000
1E+06 1E+08 1E+10 1E+12 1E+14
[Churchill und Chu 1975] Messung [Vliet und Ross 1975]
�/L s
/L
∗
laminar transient turbulent
35
Abbildung 3.16: Lokale Variation der Oberflächentemperatur (homogen, stationär)
3.3 Instationäre Bewertungsmethodik
Eine gezielt instationäre Betriebsweise von technischen Einrichtungen zur
Übertragung von Wärme durch freie Konvektion wird davon motiviert, die In-
tensität der konvektiven Wärmeübertragung zu beeinflussen. Für den Fall einer
beabsichtigen Intensivierung der Wärmeübertragung zwischen Oberfläche und
Umgebungsfluid eröffnen sich im Sinne der Energieerhaltung zwei mögliche
Zielpfade:
• eine Reduzierung der mittleren Temperaturen bei gleicher Übertragungs-
leistung oder
• eine verstärke Übertragungsleistung bei gleichen mittleren Temperaturen.
Konkret bezeichnet eine instationäre Betriebsweise im Folgenden eine Ände-
rung der Randbedingungen, d.h. eine zeitliche Variation der Oberflächentem-
peratur oder der Wärmestromdichte. Der Fokus der Betrachtungen liegt dem-
entsprechend auf einer Quantifizierung der Auswirkungen solcher Änderungen
auf die Intensität der konvektiven Wärmeübertragung. Dies erfolgt anhand ei-
nes Vergleichs zwischen einer quasi-stationären und einer instationären Bewer-
tung, wie nachfolgend erläutert.
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2.000
10 20 30 40 50 60 70 80
50,7
95,7
144,6
195,8
240,3
290,7
346,3
∆�W−∞ in K
s in W/m²
⁄
�in mm
36
3.3.1 Quasi-stationärer Betrachtungsansatz
Die quasi-stationäre Vergleichsgrundlage beruht in Analogie zu Kapitel 2.1 auf
der Annahme, dass eine im zeitlichen Verlauf veränderliche (instationäre)
Strömung zu jedem Zeitpunkt genau die Wärmeübertragungs-Intensität auf-
weist, die in einer vollständig ausgebildeten (statistisch-stationären) Strömung
auftreten würde, in der die Randbedingungen des aktuellen Zeitpunkts dauer-
haft vorliegen. Dementsprechend wird bei der quasi-stationären Bewertung
einer instationären Versuchsreihe für jeden gemessenen Temperaturdiffe-
renzwert ∆�W-∞ (Messintervall 2 s, vgl. Kapitel 3.1.4) die zugehörige konvektive
Wärmestromdichte des stationären Falls s berechnet.
Die Berechnung dieser quasi-stationären Momentanwerte s erfolgt für jeden
Strömungs-Teilbereich /� mit Hilfe eines individuellen Regressions-Polynoms
auf Basis der in Kapitel 3.2 dargestellten stationären Messdaten. In Abbildung
3.17 ist dies beispielhaft für zwei Teilbereiche des Strömungsgebiets darge-
stellt. Die verwendeten Regressions-Polynome dritten Grades repräsentieren
die stationären Betriebspunkte des Versuchsaufbaus dabei mit sehr guter
Übereinstimmung.
Abbildung 3.17: Regression der konvektiven Wärmestromdichte im stationären Fall
Entsprechend der in Kapitel 1.1.1 beschriebenen Konvention handelt es sich bei
der verwendeten Oberflächen-Übertemperatur ∆�W-∞ und der konvektiven
y = -1,198E-04x3+ 4,153E-02x2+ 4,358E+00x - 3,203E+00
R² = 9,999E-01
y = -2,664E-04x3+ 5,937E-02x2+ 2,685E+00x - 2,137E+00
R² = 1,000E+00
0
100
200
300
400
500
600
010 20 30 40 50 60 70 80
x/L = 100 mm x/L = 1.900 mm
s in W/m²
∆�W−∞ in K
/�
=
/�= .
37
Wärmestromdichte s um quasi-globale Mittelwerte des jeweiligen Strö-
mungs-Teilgebiets �
⁄. Diese Betrachtung auf der Grundlage einer räumlichen
Mittelung begründet sich primär durch eine Egalisierung der Randbedingungs-
art. So ist die Korrelation zwischen der mittleren Platten-Übertemperatur und
der mittleren konvektiven Wärmestromdichte sowohl für den Fall einer iso-
thermen Platten-Oberfläche, als auch bei einer homogenen Wärmestromdichte
identisch, wie Abbildung 3.18 für einen transienten Teilbereich des Strömungs-
gebiets zeigt.
Abbildung 3.18: Quasi-globale Mittelung bei unterschiedlichen Randbedingungen
Die quasi-stationären Momentanwerte s werden schließlich durch eine zeit-
liche und temperaturdifferenz-bezogene Mittelung zusammengefasst (Glei-
chung 28).
s =∫ s �
∫[�W − �∞] � (Gl. 28)
Der resultierende Vergleichswert s repräsentiert folglich den mittleren kon-
vektiven Wärmeübergangskoeffizienten eines Betriebsintervalls mit beliebigen
zeitlichen Variationen der Oberflächen-Übertemperatur ∆�W-∞ unter der An-
nahme, dass die Intensität der konvektiven Wärmeübertragung ein vollständig
quasi-stationäres Verhalten aufweist.
y = -1,267E-04x3+ 3,859E-02x2+ 2,902E+00x - 2,507E+00
R² = 1,000E+00
0
100
200
300
400
500
600
010 20 30 40 50 60 70 80
x/L = 900 mm (isotherm) x/L = 900 mm (homogen)
s in W/m²
∆�W−∞ in K
/�= (isotherm) /�= (homogen)
38
3.3.2 Bewertung der instationären Wärmeübertragung
Die Ermittlung der konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität, in der auch
mögliche Auswirkungen einer instationären Betriebsweise berücksichtigt wer-
den, erfolgt durch eine rein messtechnische Erfassung der relevanten Bilanz-
größen des jeweiligen Betrachtungsintervalls. Dabei ist jedoch zu beachten,
dass die Messgrößen aufgrund von thermischen Kapazitäten im instationären
Fall zeitlich verschoben sind. So erfolgt beispielsweise auch nach einem Ab-
schalten der elektrischen Leistungszufuhr weiterhin eine konvektive Abgabe
der in den Sandwich-Heizelementen gespeicherten Wärme. Folglich ist bei der
Bilanzierung der instationären konvektiven Wärmestromdichte is eine teil-
weise Be- oder Entladung der thermischen Eigenkapazität der wärmeübertra-
genden Oberfläche �W zu berücksichtigen, was durch eine Erweiterung der Bi-
lanzgleichung 27 um einen Speicherterm gemäß Gleichung 29 gelingt.
is =el −r−��W
� ∙�W
�W
(Gl. 29)
Die messtechnische Erfassung der erforderlichen Momentanwerte der Bilanz-
größen in Gleichung 29 erfolgt durch eine Auswertung der jeweiligen Messgrö-
ßen in möglichst kleinen Zeitabschnitten ∆. Dabei wird die Änderung der ge-
messenen Oberflächentemperatur innerhalb eines solchen Bilanz-Zeitschritts
∆�W∆
⁄ aufgrund der in Kapitel 3.1.5 beschriebenen sehr geringen Reaktions-
zeit des Versuchsaufbaus und der als homogen angenommenen Temperatur-
verteilung innerhalb der Heizelemente (vgl. Kapitel 3.1.2) als repräsentativ für
die Temperaturänderung des gesamten Speicherterms betrachtet. Bei sehr
kleinen Bilanz-Zeitschritten ∆ oder sehr geringen Temperaturänderungen ∆�W
ist jedoch unvermeidbar von einer Zunahme der messtechnischen Unsicherhei-
ten auszugehen. Für den beschriebenen Versuchsaufbau resultieren für Bilanz-
Zeitschritte ab ∆ s auch für sehr langsame Temperaturänderungen plau-
sible Momentanwerte der konvektiven Wärmeübertragung is (vgl. Kapitel
3.4). Der Kapazitätsterm aus Gleichung 29 wird ferner ab einer Temperaturän-
derung von ∆�W K innerhalb des Bilanz-Zeitschritts von ∆ = s berück-
sichtigt.
Liegt für den Bilanz-Zeitschritt eine Abweichung des instationären Momentan-
werts der konvektiven Wärmeübertragung is gemäß Gleichung 29 von dessen
39
quasi-stationären Pendant s nach Gleichung 27 vor, wird dies als Beeinflus-
sung der Intensität der konvektiven Wärmeübertragung durch eine instationäre
Betriebsweise interpretiert und gemäß Gleichung 30 als relative Abweichung
∆is/s angegeben.
∆is/s = is − s
s
(Gl. 30)
Beläuft sich die Abweichung ∆is/s eines Bilanz-Zeitschritts ∆ auf mehr als ein
Prozent, so wird der Zeitschritt im Folgenden der instationären Phase ∆isPh zu-
geordnet (Gleichung 31).
∆is/s ∆ ⇒∆∈∆isPh (Gl. 31)
Für beliebige Betrachtungszeiträume gelingt eine Quantifizierung des mittleren
instationären konvektiven Wärmeübergangs is schließlich in Analogie zu
Gleichung 28 durch eine separate zeitliche Integration der Bilanzgrößen gemäß
Gleichung 32.
is =∫el � − ∫r � − ∫��W
�� ∙ �W
�W �
∫[�W − �∞] � (Gl. 32)
Wird der Integrations-Zeitraum so gewählt, dass eine vollständig ausgeglichene
Be- und Entladung der thermischen Kapazitäten vorliegt, entfällt darin die
Notwendigkeit zur Berücksichtigung des Speicherterms. Dies gelingt beispiels-
weise bei der Bilanzierung einer vollständigen Periode von zyklischen Änderun-
gen.
In Analogie zu Gleichung 30 kann die mittlere relative Abweichung der instatio-
nären Wärmeübertragung von der quasi-stationären Vergleichsgrundlage ∆is/s
für beliebige Betrachtungszeiträume durch eine zeitliche Integration der jewei-
ligen Momentanwerte der konvektiven Wärmeübertragung is und s oder
durch eine Auswertung der mittleren konvektiven Wärmeübergangskoeffizien-
ten is und s erfolgen, wie in Gleichung 33 dargestellt.
∆is/s =∫ is � − ∫ s �
∫ s � = is − s
s
(Gl. 33)
40
Der Strahlungswärmeaustausch zwischen den beteiligten Oberflächen wird un-
ter Vernachlässigung der Strahlungsabsorption von feuchter Luft als unabhän-
gig vom Umgebungsfluid und von dessen Strömungsstrukturen betrachtet. Die
Berücksichtigung der Wärmestrahlung gemäß Kapitel 3.2.1 erfolgt daher in
Analogie zu Kapitel 3.3.1 auch für veränderliche Randbedingungen stets auf der
Grundlage eines quasi-stationären Betrachtungsansatzes.
3.3.3 Thermische Kapazität der Sandwich-Heizelemente
Zur Bestimmung von Momentanwerten der instationären konvektiven Wärme-
übertragung gemäß Kapitel 3.3.2 ist die Kenntnis der thermischen Kapazität der
Sandwich-Heizelemente �W erforderlich. Für das Trägermaterial der Heizleiter-
bahnen liegen jedoch aufgrund eines Werkstoffverbundes (Silikon-Glasgewebe,
vgl. Kapitel 3.1.2) keine gesicherten Stoffdaten zur spezifischen Wärmekapazi-
tät vor. Aus einer Abschätzung auf der Grundlage von Stoffwerten für reine Sili-
kon-Elastomere (90 %) und reines Glas (10 %) resultiert eine spezifische Wär-
mekapazität von ca. 1.400 J/(kg K), welche gut mit Angaben für glasfaserver-
stärkte Kunststoffe übereinstimmt. Für den in Kapitel 3.1.2 beschriebenen Auf-
bau berechnet sich die Gesamtkapazität der zehn Heizelemente somit wie in
Tabelle 3.2 dargestellt.
Tabelle 3.2: Thermische Gesamtkapazität der zehn Sandwich-Heizelemente
Schicht
�
in m³
�
in kg/m³
�
in J/(kg K)
�
in J/K
2 x 0,7 mm Kupfer
[Cu-DHP_CW024A]
∙-
8.940
389,5
9.750
1,1 mm Silikon-
Glasgewebe [kSilTMFA60]
∙-
1.250
1.400
(Annahme)
3.754
0,05 mm Leiterbahnen,
Belegung ca. 55 %
[AK Steel 18 SRTM]
∙-
7.450
500
205
Summe
13.709
Darüber hinaus wird im Rahmen einer Versuchsreihe die tatsächlich vorhande-
ne Wärmekapazität näherungsweise messtechnisch ermittelt. Dem liegt die
Annahme zugrunde, dass bei hinreichend langsamen Temperaturänderungen
41
keine instationären Effekte zu erwarten sind und die konvektive Wärmeabfuhr
zu jedem Zeitpunkt als quasi-stationär betrachtet werden kann. Sämtliche
Heizelemente werden dazu zeitgleich mit einer Temperaturänderungsrate von
��W�
⁄ = K/Mi kontrolliert isotherm auf eine Übertemperatur von
∆�W-∞ = K erwärmt. Dabei wird zu jedem Zeitpunkt des Aufheizvorgangs die
Wärmeabfuhr aufgrund von Strahlung r (vgl. Kapitel 3.2.1) und Konvektion
s (vgl. Kapitel 3.3.1) für den quasi-stationären Vergleichsfall bestimmt und
von der zugeführten elektrischen Leistung el subtrahiert. Die verbleibende Dif-
ferenz spiegelt in Analogie zu Gleichung 29 folglich die Wärmemenge zur Bela-
dung der thermischen Kapazitäten wider. Abbildung 3.19 zeigt die Ensemble-
Mittel der Gesamt-Wärmekapazität �W der zehn Heizelemente aus einer fünf-
fach wiederholten Messung für eine Bilanzschrittweite von jeweils 5 K.
Abbildung 3.19: Gemessene thermische Gesamtkapazität der Heizelemente
Das arithmetische Mittel aller Bilanzabschnitte ergibt sich dabei mit
�W = . J/K bei einer Standardabweichung von = J/K. Für eine Bilanz
der Wärmemengen im gesamten Aufheizvorgang (75 K) resultiert eine Wärme-
kapazität von �W = . J/K. Die messtechnisch ermittelten Werte weichen
folglich ca. 6 % von der unter Annahmen berechneten Kapazität ab und bestä-
tigen somit deren Plausibilität. Im Folgenden wird daher die Gesamt-
Wärmekapazität der zehn Sandwich-Heizelemente mit einem Wert von
�W = . J/K berücksichtigt.
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
18.000
020 40 60 80
�Win J/K
∆�W−∞ in K
42
3.3.4 Messunsicherheits-Fortpflanzung
Mit Hilfe der Angaben zur Genauigkeit der verwendeten Messtechnik (siehe
Kapitel 3.1.4) kann die messtechnische Gesamtunsicherheit aufgrund von Fort-
pflanzungseffekten für die dargestellte Bewertungsmethodik angegeben wer-
den. Diese ist jedoch nicht als konstant zu betrachten, sondern variiert in Ab-
hängigkeit der jeweils vorliegenden Randbedingungen. So beträgt die kombi-
nierte Messunsicherheit aus Sensor und Messwertaufnahme zur Erfassung der
Umgebungstemperatur etwa ±0,14 K bei �∞ = °C. Für die Oberflächentem-
peratur der Sandwich-Heizelemente liegt bei �W = °C eine Unsicherheit von
ca. ±0,23 K vor, bei �W = °C sind es ±0,33 K. Temperaturdifferenzen zwischen
der beheizten Oberfläche und der Umgebung können folglich mit einer Unsi-
cherheit von ca. 1,9 % bei ∆�W-∞ = K und 0,7 % bei ∆�W-∞ = K erfasst
werden. Die Messunsicherheit der Leistungszufuhr liegt nach Kalibrierung (vgl.
Kapitel 3.1.3) bei ca. 1,4 % für eine Wärmestromdichte von el = W/² und
bei rund 0,6 % für eine Wärmestromdichte von el = . W/².
Die messtechnische Gesamtunsicherheit für Angaben zur Abweichung der In-
tensität der konvektiven Wärmeübertragung des instationären Falls gegenüber
der quasi-stationären Betrachtung ∆is/s gemäß Gleichung 33 bewegt sich somit
in einer Größenordnung von ca. 0,9 % bis 2,4 %.
3.4 Versuchsreihen mit veränderlichen Randbedingungen
Die in Kapitel 3.3 beschriebenen Methoden zur Quantifizierung eines mögli-
chen Einflusses von instationären Strömungsphänomenen auf die konvektive
Wärmeübertragung werden nachfolgend zur Bewertung verschiedenartiger
Änderungen der Strömungs-Randbedingungen herangezogen.
3.4.1 Zyklische Variationen
Im Fokus der experimentellen Untersuchungen stehen zyklische Variationen
der Wärmestromzufuhr mit variablen Frequenzen und Amplituden. Dazu wer-
den zunächst 52 Versuchsreihen mit einer möglichst großen Bandbreite von
Variations-Randbedingungen durchgeführt, die entsprechend der in Kapitel
1.1.1 getroffenen Konvention zur Bilanzierung von Teilabschnitten des Strö-
mungsgebiets und zehn messtechnisch separat erfassten Sandwich-Heizele-
43
menten (vgl. Kapitel 3.1) zu einer Stichprobe von insgesamt 520 Betrachtungs-
fällen führen. Der prinzipielle Versuchs-Ablauf ist jedoch für alle zyklischen Va-
riationen identisch. So wird den Heizelementen zunächst für eine definierte
Dauer ∆Ipuls eine konstante und homogene Leistung el aufgeprägt. Im An-
schluss erfolgt für einen ebenfalls festgelegten Zeitabschnitt ∆Auskhlug eine
Auskühlung ohne aktive Zufuhr von Wärme. Diese Abfolge wird im Rahmen ei-
ner Versuchsreihe so lange wiederholt, bis im Vergleich zum vorherigen Zyklus
keine Änderungen der minimalen, maximalen und mittleren Größen mehr fest-
stellbar sind.
Zur eindeutigen Charakterisierung der instationären Betriebsweise wird für die
zyklischen Variationen anstelle der elektrischen Leistungszufuhr el die Impuls-
Wärmestromdichte Ipuls als Randbedingung angegeben, die gemäß Gleichung
34 eine um die Strahlungswärmeabgabe r bereinigte Leistungszufuhr reprä-
sentiert.
Ipuls =el −r (Gl. 34)
Für den stationären Fall entspricht Ipuls folglich der konvektiven Wär-
mestromdichte s (vgl. Gleichung 27). Bei einer instationären Betriebsweise
wird ein Teil der Impulswärmestromdichte Ipuls jedoch der thermischen Ka-
pazität der beheizten Platte �W zugeführt (siehe Gleichung 29).
Im Rahmen der 52 Versuchsreihen werden Impuls-Wärmestromdichten in ei-
nem Bereich von W/² Ipuls . W/ aufgeprägt. Die Zyklendauer
variiert von s ∆Zklus . s und beinhaltet Impulszeiten von s
∆Ipuls . s. Die zeitlichen Mittelwerte der Grashof-Zahlen liegen dabei im
Bereich ∙8 <
/L Zklus
* < ∙.
Ein Vergleich zwischen der gemessenen mittleren Wärmeübertragungs-
Intensität der Zyklen und der quasi-stationären Betrachtungsweise zeigt für die
durchgeführten Versuchsreihen teils deutliche Unterschiede. In Abbildung 3.20
ist dazu eine Übersicht der mittleren prozentualen Abweichung ∆is/s gemäß
Gleichung 33 in Abhängigkeit des zeitlichen Mittelwerts der Grashof-Zahl des
jeweiligen Zyklus
/L Zklus
* dargestellt. Die Unterschiede belaufen sich, bezo-
gen auf die Gesamtdauer der jeweiligen Zyklen, im Maximum auf ca.
∆is/s = %. Festzustellen ist dabei insbesondere eine ausgeprägte Abhängigkeit
44
der mittleren Abweichung ∆is/s vom zeitlichen Mittel der Grashof-Zahl
/L Zklus
*. So treten die größten Abweichungen der instationären konvektiven
Wärmeübertragung vom quasi-stationären Vergleichsfall ∆is/s im Bereich um
/L Zklus
* ≈ auf, also zu Beginn des laminar-turbulenten Transitionsberei-
ches.
Abbildung 3.20: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung bei zyklischen
Variationen
Mit zunehmender Entfernung der mittleren Grashof-Zahl von diesem kritischen
Wert zeigt sich sowohl im laminaren Strömungsgebiet, als auch im transienten
und vollturbulenten Bereich eine Tendenz zu einer weniger starken Intensivie-
rung der konvektiven Wärmeübertragung durch die instationäre Betriebsweise.
Die Bandbreite, in der der Unterschied zwischen der quasi-stationären Betrach-
tung und der tatsächlichen instationären Wärmeübertragung ∆is/s bei gleicher
mittlerer Grashof-Zahl variiert, verdeutlicht jedoch eine zusätzliche Relevanz
weiterer Einflussgrößen.
Ergänzend zur Analyse von zeitlichen Mittelwerten sind in Abbildung 3.21 bei-
spielhaft die Momentanwert-Verläufe der Oberflächentemperatur �W und der
Umgebungstemperatur �∞ als geometrische Mittelwerte des Strömungs-
-1%
1%
3%
5%
7%
9%
1,0E+08 1,0E+09 1,0E+10 1,0E+11 1,0E+12 1,0E+13 1,0E+14
laminar
transient turbulent
/L Zklus
∗
∆is/s
45
Teilgebiets �
⁄= . (vgl. Kapitel 1.1.1) sowie des zugeführten Wär-
mestroms Ipuls einer zyklischen Variation aufgetragen.
Abbildung 3.21: Temperatur- und Leistungsverlauf bei zyklischen Variationen
(mit Ipuls = W/², ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
In der dargestellten Versuchsreihe wird für eine Impulsdauer von
∆Ipuls = s eine Wärmestromdichte von Ipuls = W/² aufgeprägt. Im
Anschluss folgt eine Auskühlphase von ∆Auskhlug = . s, wodurch sich ge-
mäß Gleichung 35 eine auf die Gesamtdauer des Zyklus von ∆Zklus = . s
bezogene mittlere Wärmestromdichte von etwa Zklus = W/² ergibt.
Zklus =Ipuls ∙ ∆Ipuls
∆Zklus
(Gl. 35)
Betrachtet wird der vierte Zyklus (ca. 01:35 bis 02:07), da die erfassten Mess-
größen für diesen Zyklus erstmals identisch zum vorherigen sind. Die Tempera-
turdifferenz zwischen Wandoberfläche und Umgebungsfluid ∆�W-∞ bewegt
sich dabei bezogen auf das geometrische Mittel des gesamten Strömungsge-
biets zwischen 6,4 K und 30 K; das zeitliche Mittel liegt bei 14,3 K. Die zugehöri-
gen Grashof-Zahlen variieren zwischen ∙ < /L
* < ∙ am untersten
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
150
300
450
600
750
900
1.050
1.200
1.350
1.500
00:00 00:15 00:30 00:45 01:00 01:15 01:30 01:45 02:00 02:15
Temperatur in °C
Leistung in W/m²
Zeit [hh:mm]
P_el
ϑ_W_x/L = 1.900 mm
ϑ_∞_m
Temperatur in °C
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
Ipuls �W /L = . �∞
46
Heizelement (�
⁄ = ) und ∙ < /L
* < ∙ an der obersten
der zehn Platten (�
⁄ = . ). Die zeitlichen Mittelwerte der Grashof-
Zahlen dieser Versuchsreihe liegen im Bereich ∙ <
/L Zklus
* < ∙.
Abbildung 3.22 zeigt den zugehörigen zeitlichen Verlauf der konvektiv von den
Heizelementen abgeführten Wärmestromdichte.
Abbildung 3.22: Konvektive Wärmeübertragung bei zyklischen Variationen
(mit Ipuls = W/², ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
Dargestellt sind in Rot die Werte der quasi-stationären Betrachtung s , wie
sie mit Hilfe der in Kapitel 3.3.1 beschriebenen Regressionspolynome für die
jeweils aktuelle Temperaturdifferenz ∆�W-∞ eines Zeitpunkts resultieren. Auf-
grund der in Kapitel 3.3.2 erläuterten Notwendigkeit zur Bilanzierung eines
Zeitintervalls von min. 90 s bei der messtechnischen Erfassung der grün darge-
stellten Momentanwerte is s wird in Blau zusätzlich der gleitende Mittel-
wert der letzten 90 s für die quasi-stationäre Vergleichsgrundlage s s ange-
geben. Dabei ist für die im instationären Fall gemessenen Momentanwerte
is s insbesondere während des Wärmestrom-Impulses sowie einige Zeit da-
nach eine deutlich intensivere konvektive Wärmeabfuhr zu erkennen, als sie
die quasi-stationäre Betrachtung s s erwarten lassen würde. Im weiteren
0
25
50
75
100
125
150
175
01:30 01:35 01:40 01:45 01:50 01:55 02:00 02:05
q/t_c_st q/t_c_st [90 s] q/t_c_is (gem) [90 s]
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
s s s is s (Messung)
∆Ipuls
∆isPh
⁄
�= .
47
Verlauf gleichen sich die gemessenen Momentanwerte is s asymptotisch
dem quasi-stationären Niveau s s an. Das Maximum der Abweichung zwi-
schen den instationären Messwerten is s und der quasi-stationären Be-
trachtungsweise s s beläuft sich für das dargestellte Strömungsteilgebiet
(�
⁄ = 1.900 mm) auf ca. ∆is/s a = % und tritt zum Ende des Wär-
mestrom-Impulses auf.
Während des Auskühlvorgangs resultiert am untersten der zehn Sandwich-
Heizelemente zudem eine bilanzielle Unterschreitung der quasi-stationären
Vergleichswerte s s durch die gemessenen Momentanwerte is s, wie in
Abbildung 3.23 ersichtlich wird.
Abbildung 3.23: Konvektive Wärmeübertragung am untersten Element bei
zyklischen Variationen
(mit Ipuls = W/², ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
Für die darüber liegenden Heizelemente tritt dieser Effekt nicht auf; lediglich
am obersten Heizelement ist ebenfalls ein ähnlicher Verlauf festzustellen, dort
jedoch in einer deutlich schwächeren Ausprägung (vgl. auch Abbildung 3.22). In
ergänzenden Versuchsreihen ist dasselbe Phänomen auch dann zu beobachten,
wenn nur ein beliebiger Teilbereich der zehn Heizelemente einer zyklischen
Variation der Randbedingungen unterzogen wird. So ist für das unterste und
0
25
50
75
100
125
150
175
01:30 01:35 01:40 01:45 01:50 01:55 02:00 02:05
q/t_c_st q/t_c_st [90 s] q/t_c_is (gem) [90 s]
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
s s s is s (Messung)
∆Ipuls
∆isPh
⁄
�=
48
oberste Element des jeweils beheizten Teilbereichs während des Auskühlvor-
gangs stets eine geringfügige Unterschreitung des quasi-stationären Ver-
gleichsniveaus s s durch die gemessenen Momentanwerte is s festzu-
stellen. Strömungs-geometrische Ursache, wie z.B. ein möglicher Einfluss der
am unteren und oberen Ende der Platte befindlichen Kanten, können somit
ausgeschlossen werden. Eine detaillierte Analyse der lokalen Temperaturvertei-
lung in Plattenebene ��W�
⁄ zeigt jedoch, dass während des Auskühlvorgangs
in ebendiesen Randbereichen eine nicht vollständig isotherme Oberfläche vor-
liegt. So ergaben stichprobenartige Messungen mit einem reaktionsschnellen
Kontakt-Thermometer während des Auskühlvorgangs in Abhängigkeit des je-
weiligen Temperaturniveaus maximale Unterschiede von 1 K bis 5 K zwischen
der Mitte des untersten Heizelements und dessen unterstem Randbereich. In
der Folge wird die Entladung der thermischen Kapazität �W des untersten Heiz-
elements gemäß Gleichung 29 und somit die lokale konvektive Wärmeabfuhr
is s im Auskühlvorgang unterschätzt. Die Wärmemenge, die während der
scheinbaren Unterschreitung des quasi-stationären Niveaus s s im Aus-
kühlvorgang am untersten Heizelement gemessen wird, entspricht unter Bezug
auf die Wärmekapazität �W des untersten Heizelements im Mittel aller Ver-
suchsreihen einer Abweichung der mittleren Oberflächentemperatur �W von
rund 3 K und liegt somit in guter Übereinstimmung mit den stichprobenartig
erfassten lokalen Temperaturgradienten ��W�
⁄.
Die Intensität und die räumliche Ausdehnung des nicht-isothermen Bereichs
fällt am untersten Heizelement ebenfalls erkennbar größer aus, als es am
obersten beheizten Element der Fall ist. Dies ist insbesondere auf den im An-
strömbereich (leading-edge) maximalen räumlichen Gradienten der Intensität
der konvektiven Wärmeübertragung ��
⁄ zurückzuführen (vgl. Abbildung
3.13). Für eine korrekte messtechnische Erfassung der lokalen Momentanwerte
der konvektiven Wärmeübertragung is s des Auskühlvorgangs wäre daher
im unteren Plattenbereich eine feinere räumlich Diskretisierung der Heizele-
mente erforderlich. Für die übrigen Heizelemente sind während der Auskühl-
phase keine lokalen Temperaturunterschiede feststellbar.
Da die Auskühlvorgänge im Vergleich zu den betrachteten Aufheizvorgängen
nur sehr langsame zeitliche Änderungen der Oberflächentemperatur aufweisen
(siehe Kapitel 5.2.2), wird die konvektive Wärmeübertragung nach der asymp-
49
totischen Annäherung der Momentanwerte des Aufheiz-Impulses is s an die
quasi-stationäre Vergleichsbasis s s im Folgenden als quasi-stationär be-
trachtet. Für laminare Auftriebsströmungen, wie sie am untersten Heizelement
ausschließlich vorliegen, wurden quasi-stationäre Verhältnisse bei hinreichend
langsamen Temperaturänderungen der wärmeübertragenden Oberfläche be-
reits mehrfach experimentell bestätigt (vgl. Kapitel 2.1).
Während des Aufheizvorgangs und im stationären Fall sind an keinem Heizele-
ment örtliche Temperaturgradienten feststellbar, was auf die dann vollflächige
Wärmestrom-Zufuhr und eine Homogenisierung durch die Wärmeleitung in der
Plattenebene zurückgeführt wird (vgl. Kapitel 3.1.2 und 3.2.3).
Der Zeitraum einer Überschreitung der quasi-stationären Vergleichswerte
s s durch die Momentanwerte des instationären Falls is s erstreckt sich
in der betrachteten Versuchsreihe auf ca. 16 % der Gesamt-Zyklusdauer
∆Zklus. Gemäß Kapitel 3.3.2 werden hierfür Abweichungen ∆is/s % berück-
sichtigt. Mit Bezug auf alle betrachteten zyklischen Versuchsreihen variiert die
Dauer dieser instationären Phase ∆isPh zwischen 12 % und 51 % der Gesamt-
Zyklusdauer ∆Zklus, das arithmetische Mittel liegt bei 25 %.
Abbildung 3.24: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung bei zyklischen
Variationen (isPh)
-3%
1%
5%
9%
13%
17%
21%
25%
1,0E+08 1,0E+09 1,0E+10 1,0E+11 1,0E+12 1,0E+13 1,0E+14
laminar
transient turbulent
/L Zklus
∗
∆is/s isPh
50
Aufgrund der starken Variation des Anteils der instationären Phase ∆isPh an
der Gesamt-Zyklusdauer ∆Zklus werden nachfolgend ausschließlich die mittle-
ren relativen Abweichungen zwischen instationärer und quasi-stationärer Be-
wertung innerhalb der jeweiligen instationären Phase ∆is/s isPh angegeben. De-
ren Abhängigkeit von den mittleren Grashof-Zahlen des Gesamt-Zyklus
/L Zklus
* zeigt Abbildung 3.24. Aus der entstandenen Anordnung der Daten-
punkte wird zunächst ersichtlich, dass der grundsätzliche Zusammenhang zwi-
schen der Abweichung der instationären Messwerte von der quasi-stationären
Betrachtung ∆is/s isPh und der mittleren Grashof-Zahl
/L Zklus
* unverändert
bleibt (vgl. Abbildung 3.20). Eine stärkere Differenzierung der bilanzierten Un-
terschiede für ähnliche mittlere Grashof-Zahlen lässt jedoch eine deutlichere
Ausprägung möglicher Kausalzusammenhänge bei der Analyse sonstiger Ein-
flussgrößen erwarten (siehe Kapitel 5).
3.4.2 Sprungartige Änderungen mit anschließender Beharrung
Neben den Versuchsreihen mit zyklisch variierenden Randbedingungen werden
auch Änderungen in Form von Sprungantworten mit anschließender Beharrung
bei einer definierten (isothermen) Oberflächentemperatur �W betrachtet. Hier-
zu werden 29 Versuchsreihen durchgeführt, aus denen entsprechend der Bilan-
zierung von Teilabschnitten gemäß Kapitel 1.1.1 insgesamt 290 Betrachtungs-
fälle resultieren. Die anfangs unbeheizten Sandwich-Heizelemente (�W=�∞)
werden dabei wiederum einer plötzlichen Leistungszufuhr el ausgesetzt, die
im weiteren Verlauf jedoch mit Hilfe eines reaktionsschnellen PI-Reglers (Ver-
stärkungsfaktor 2,5; Integrationszeit 15 s) angepasst wird, um einen vorgege-
benen Oberflächen-Übertemperatur-Sollwert ∆�Sprug der Heizelemente zu er-
reichen und beizubehalten.
In Analogie zu Kapitel 3.4.1 wird zur Beschreibung der Wärmestrom-
Randbedingungen der um die Strahlungswärmeabgabe r bereinigte Wert der
elektrischen Leistungszufuhr Ipuls verwendet. Aufgrund der fortlaufenden
Anpassung des Wärmestrom-Impulses Ipuls nach Erreichen des Oberflächen-
Übertemperatur-Sollwerts ∆�Sprug wird im Folgenden dessen Maximalwert
a entsprechend Gleichung 36 zur Charakterisierung der Randbedingungen
angegeben.
51
a =max(Ipuls) (Gl. 36)
Im Rahmen der 29 Versuchsreihen mit einer sprungartigen Änderung der
Randbedingungen wird die Wärmestromzufuhr auf verschiedene Höchstwerte
zwischen W/² a . W/ begrenzt. Die Sollwerte der Oberflä-
chen-Übertemperatur ∆�Sprug werden ferner mit einer Schrittweite von 15 K
zwischen K ∆�Sprug K variiert.
Abbildung 3.25 zeigt dazu beispielhaft den Verlauf der bereinigten Leistungszu-
fuhr Ipuls sowie der Oberflächentemperatur �W bei einer maximalen Wär-
mestromdichte von a = . W/² und einem Beharrungs-Sollwert von
�W = °C.
Abbildung 3.25: Temperatur- und Leistungsverlauf bei sprungartigen Änderungen
(mit a = . W/² und ∆�Sprug = K)
Die Dauer des Aufheizvorgangs beträgt in der dargestellten Versuchsreihe
∆Sprug = s. Dabei treten mittlere Grashof-Zahlen im Bereich von ∙ <
/L < ∙ auf.
In Abbildung 3.26 ist der zugehörige Vergleich zwischen der quasi-stationären
Betrachtungsweise s s und den instationären Momentanwerten der kon-
vektiven Wärmeübertragung is s dargestellt (vgl. Kapitel 3.4.1).
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
150
300
450
600
750
900
1.050
1.200
1.350
1.500
00:10 00:15 00:20 00:25 00:30
q/t_c_L_m
ϑ_W_L_m
ϑ_∞_L_m
Temperatur in °C
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
Ipuls �W /L = . �∞
52
Abbildung 3.26: Konvektive Wärmeübertragung bei sprungartigen Änderungen
(mit a = . W/² und ∆�Sprug = K)
In Analogie zu den zyklischen Variationen der Randbedingungen ist auch bei
einer sprungartigen Änderung mit anschließender Beharrung eine ausgeprägte
Überschreitung der quasi-stationären Vergleichswerte s s durch die im in-
stationären Fall gemessenen Momentanwerte is s festzustellen. Das Maxi-
mum dieser Abweichung tritt ebenfalls zum Zeitpunkt einer rapiden Reduzie-
rung der zugeführten Wärmestromdichte auf und beläuft sich für das darge-
stellte Strömungsteilgebiet (�
⁄ = 1.900 mm) auf ca. ∆is/s a = %. Die da-
rauffolgende Angleichung der gemessenen Momentanwerte is s an das Ni-
veau der quasi-stationären Betrachtungsweise s s erfolgt bei der hier vor-
liegenden fortdauernden Leistungszufuhr des Beharrungsniveaus jedoch lang-
samer, als es bei einer vollständigen Abschaltung der Heizleistung zu beobach-
ten ist (vgl. Kapitel 3.4.1).
Die Dauer der instationären Phase ∆isPh erstreckt sich in der dargestellten Ver-
suchsreihe auf 332 s und entspricht somit in etwa dem 2,8-fachen des Aufheiz-
vorgangs ∆Sprug. Im Mittel aller 29 Versuchsreihen zu sprungartigen Variatio-
nen der Randbedingungen mit anschließender Beharrung dauert die instationä-
0
50
100
150
200
250
00:10 00:15 00:20 00:25 00:30
q/t_c_st q/t_c_st [90 s] q/t_c_is (gem) [90 s]
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
s s s is s (Messung)
∆Sprug
∆isPh
⁄
�= .
53
re Phase ∆isPh knapp 2,7-mal länger an, als der eigentliche Aufheizvorgang
∆Sprug.
Abbildung 3.27 zeigt eine Übersicht der mittleren Abweichungen zwischen der
im instationären Fall erfassten konvektiven Wärmeübertragung und der quasi-
stationären Vergleichsgrundlage innerhalb der jeweiligen instationären Phase
∆is/s isPh gemäß Gleichung 33 in Abhängigkeit der arithmetischen Mittelwerte
der zugehörigen Grashof-Zahlen /L für alle 29 Versuchsreihen.
Abbildung 3.27: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung bei sprungartigen
Änderungen (isPh)
Die Anordnung der Datenpunkte stellt sich in prinzipieller Ähnlichkeit zu den
Versuchsreihen mit zyklisch variierenden Randbedingungen dar. Die Höchst-
werte der mittleren Unterschiede zwischen instationären Messwerten und der
quasi-stationären Bilanzierung ∆is/s isPh treten für die sprungartigen Änderun-
gen mit Beharrung jedoch leicht oberhalb der kritischen Grashof-Zahl von
/L ≈ , also im Transitionsbereich, auf. Diese Verschiebung wird primär
auf die Art und Weise der Versuchsdurchführung zurückgeführt. So werden bei
den hier betrachteten Versuchsreihen nach Abschluss des eigentlichen Auf-
heizvorgangs für die verbleibende Dauer der instationären Phase die Behar-
rungsniveaus bilanziert, während bei den zyklischen Variationen ein Teil des
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
1,0E+06 1,0E+07 1,0E+08 1,0E+09 1,0E+10 1,0E+11
laminar transient turbulent
/L
∆is/s isPh
54
Auskühlvorgangs innerhalb der instationären Phase vollzogen wird. Für mittlere
Grashof-Zahlen /L außerhalb des Transitionsbereichs fällt die Steigerung
der konvektiven Wärmeübertragung durch die instationäre Betriebsweise
∆is/s isPh jedoch ebenfalls geringer aus.
Da Auskühlvorgänge für diese Versuchsreihen ohne Relevanz sind, treten fer-
ner keine bilanziellen Unterschreitungen der quasi-stationären Vergleichswerte
s s durch gemessene instationäre Momentanwerte is s am untersten
und obersten Heizelement auf (vgl. Kapitel 3.4.1).
3.5 Schlussfolgerungen zur instationären Wärme-
übertragung
Die im instationären Fall gemessene Intensität der konvektiven Wärmeübertra-
gung nach einer plötzlichen Erhöhung der Wärmestromzufuhr zeigt signifikante
Abweichungen zu den Erwartungswerten eines quasi-stationären Verlaufs. Die
dabei beobachtete direkte Kopplung dieser Abweichungen an die jeweilige
mittlere Grashof-Zahl wird auf die zu Beginn des Transitionsbereichs besonders
starke Anfälligkeit der Auftriebsströmung für Stabilitätsstörungen und das dor-
tige lokale Minimum der stationären Wärmeübertragungsintensität (vgl. Kapi-
tel 3.2.3 und 3.2.4) zurückgeführt. Das Auftreten der maximalen Momentan-
werte der Abweichungen zum Zeitpunkt einer starken oder vollständigen Redu-
zierung der Wärmestromzufuhr und die anschließende asymptotische Anglei-
chung an einen quasi-stationären Verlauf implizieren zudem eine Kausalität
zwischen der instationären Wärmeübertragungs-Intensität und der jeweiligen
Beschaffenheit eines Wärmestrom-Impulses.
55
4 Phänomenologische Betrachtung
In Ergänzung zur quantitativen Bewertung von instationären Strömungsphä-
nomenen in Kapitel 3 wird nachfolgend eine phänomenologische Beschreibung
des Strömungsgebiets bei gezielten Variationen der Strömungs-Rand-
bedingungen vorgenommen. Dies erfolgt mit Hilfe von Strömungsvisualisierun-
gen (Kapitel 4.1) sowie beispielhaft anhand von Messungen der Geschwindig-
keits-Fluktuationen innerhalb der Strömungsgrenzschicht (Kapitel 4.2).
4.1 Strömungsvisualisierung
Zur Visualisierung der Strömungsverhältnisse des in Kapitel 3.1 beschriebenen
Versuchsaufbaus wird an der unteren Kante der beheizten vertikalen Platte ein
Propylenglykol-Dampfgemisch (Theater-Nebel) in die Auftriebsströmung einge-
bracht.
4.1.1 Versuchsaufbau zur Strömungsvisualisierung
Die Einbringung des Dampf-Gemisches erfolgt mit Hilfe eines handelsüblichen
Schlitzdurchlasses, wie er in der Raumlufttechnik verwendet wird (siehe Abbil-
dung 4.1).
Abbildung 4.1: Dampf-Einbringung zur Strömungsvisualisierung
Zur Reduktion des Freistrahl-Impulses des verwendeten Dampferzeugers (Typ
hazebase base*prime) und zur Temperaturanpassung wird das Dampfgemisch
vor der Einbringung in die Auftriebsströmung durch ein insgesamt ca. 25 m lan-
ges Aluminium-Wickelfalzrohr (DN 160) geleitet, das außenseitig an die Umge-
56
bungsluft der Versuchshalle grenzt. Die Rohrlänge wird dabei in einem iterati-
ven Prozess solange variiert, bis sich eine nahezu dichteneutrale und möglichst
impulsarme Austritts-Situation an der Plattenunterkante einstellt. Für eine Er-
höhung des optischen Kontrastes zwischen der dampfhaltigen Grenzschicht-
strömung und der Umgebungsluft werden die Innenwände des Versuchsauf-
baus zudem schwarz ausgekleidet und eine Linienprojektion (Lichtschnitt, Typ
Philips PCV740) orthogonal zur beheizten Plattenoberfläche implementiert.
Darüber hinaus wird aus konstruktiven Gründen die untere Ebene der vertika-
len Strömungs-Gleichrichter (vgl. Kapitel 3.1.1) für die Dauer der Strömungsvi-
sualisierungen entfernt.
4.1.2 Strömungsstrukturen
Zunächst wird die Auftriebsströmung an der vertikalen beheizten Platte im
strömungsmechanisch vollständig ausgebildeten (statistisch stationären) Fall
betrachtet. Wie aus Abbildung 4.2 hervor geht, entsprechen die auftretenden
Strömungsstrukturen dabei der in Kapitel 1.2 erläuterten Phänomenologie. So
folgen auf die geordneten Stromlinien im unteren Plattenbereich zunehmend
mehrdimensionale Strukturen, die schließlich in vollturbulente Elemente zerfal-
len.
Bei einer Veränderung der stationären Strömungs-Randbedingungen in Analo-
gie zu Kapitel 3.4 sind hingegen temporär deutliche Veränderungen der Grenz-
schichtdicke und der lokal auftretenden Strömungsstrukturen festzustellen.
Abbildung 4.3 und Abbildung 4.4 zeigen dazu die Entwicklung einer zunächst
stationären Auftriebsströmung (Abbildung 4.3, links) bei einer Übertemperatur
der isothermen Plattenoberfläche zur Umgebung von ca. ∆�W-∞ = K, der für
eine Dauer von ∆Ipuls = s eine sprungartig erhöhte Wärmestromdichte von
etwa Ipuls = . W/² aufgeprägt wird.
Der plötzliche Energieeintrag in den Heizelementen wird zunächst durch Wär-
meleitung an die wandnächsten Fluidteilchen abgeführt, wodurch sich deren
Temperatur erhöht und sich deren Dichte entsprechend reduziert. Die gestei-
gerte potentielle Energie der betreffenden Fluidteilchen wird daraufhin durch
Beschleunigung (Abbildung 4.3, Mitte) in kinetische Energie umgewandelt. Die
beschleunigten Teilchen stehen dabei im Impulsaustausch mit ruhendem oder
langsamerem Umgebungsfluid.
57
Abbildung 4.2: Visualisierte Grenzschichtströmung im stationären Zustand
(links: Plattenansicht; rechts: Strömungsprofil)
Durch Viskositätskräfte und lokale Druckunterschiede aufgrund der verschie-
denen Strömungsgeschwindigkeiten kommt es zu Scherbewegungen
(Abbildung 4.3, rechts), die sich im weiteren Verlauf zu rotierenden Strukturen
fortpflanzen (Abbildung 4.4, links). Besonders häufig sind dabei die für Scher-
schichten zwischen unterschiedlich schnellen Fluiden typischen Kelvin-
Helmholtz-Wirbel zu beobachten (Abbildung 4.4, Mitte). Die verstärkte Durch-
mischung der Strömungsgrenzschicht bewirkt eine erhöhte Induktion von kal-
tem Umgebungsfluid in die Auftriebsströmung, was als ursächlich für die in Ka-
pitel 3.4 festgestellte temporäre Intensivierung der konvektiven Wärmeüber-
tragung interpretiert wird. Mit zunehmendem Abbau des kurzfristig einge-
brachten Energieüberschusses durch konvektive Transportvorgänge wird das
stationäre Verhältnis zwischen potentieller und kinetischer Energie schließlich
wiederhergestellt und die zusätzlichen, großskaligen Rotationsstrukturen bil-
den sich zurück (Abbildung 4.4, rechts).
58
Abbildung 4.3: Strömungsstrukturen bei Wärmestromimpuls
(mit Ipuls = . W/² und ∆Ipuls = s)
(links: 27,5 °C stationär; Mitte: Impulsbeginn +13 s; rechts: Impulsbeginn +25 s)
Abbildung 4.4: Strömungsstrukturen nach Wärmestromimpuls
(mit Ipuls = . W/² und ∆Ipuls = s)
(links: Impulsende +2 s; Mitte: Impulsende +34 s; rechts: Impulsende +164 s)
59
Abbildung 4.5: Strömungsstrukturen bei Temperatursprung
(mit a = W/² und ∆�Sprug = K)
(links: 30 °C stationär; Mitte: Impulsbeginn +9 s; rechts: Impulsbeginn +45 s)
Abbildung 4.6: Strömungsstrukturen nach Temperatursprung
(mit a = W/² und ∆�Sprug = K)
(links: Impulsbeginn +119 s; Mitte: Impulsbeginn +168 s; rechts: 70 °C stationär)
In Analogie zu Kapitel 3.4 wird neben zyklischen Variationen der Randbedin-
gungen auch die Entwicklung der Strömungsstrukturen bei sprungartigen Rand-
60
bedingungs-Änderungen mit anschließender Beharrung betrachtet. Abbildung
4.5 und Abbildung 4.6 zeigen dazu vergleichbare Entwicklungsstadien für eine
Versuchsreihe mit einer anfangs isothermen Übertemperatur der beheizten
Platte von ∆�W-∞ = K (Abbildung 4.5, links), die dann sprungartig mit einer
maximalen Wärmestromdichte von ca. a = W/² um ca. ∆�Sprug = K
erwärmt wird. Grundsätzlich sind dabei die gleichen temporären Durchmi-
schungseffekte der Strömungsgrenzschicht zu beobachten, wie im Falle der
zyklischen Variationen (Abbildung 4.5, Mitte bis Abbildung 4.6, Mitte). In Über-
einstimmung mit den gemessenen Momentanwerten der konvektiven Wärme-
übertragung der Abbildung 3.26 in Kapitel 3.4.2 ist für sprungartige Änderun-
gen der Strömungs-Randbedingungen mit anschließender Beharrung aufgrund
der fortdauernden Wärmestrom-Zufuhr jedoch eine länger andauernde instati-
onäre Phase zu beobachten, bevor die Auftriebsströmung wieder ausschließlich
quasi-stationäre Strukturen aufweist (Abbildung 4.6, rechts).
Die beschriebene zeitliche Entwicklung der Strömungsphänomenologie kann
für die betrachteten Randbedingungs-Variationen zuverlässig reproduziert
werden. Für unterschiedliche Impuls-Intensitäten, Zyklusdauern und Behar-
rungsniveaus zeigen sich insbesondere Variationen in der Aus- und Rückbil-
dungsdauer sowie in der räumlichen Ausdehnung der temporären Rotations-
strukturen.
Darüber hinaus zeigen Visualisierungen von [Joshi und Gebhart 1987] sowie
[Joshi und Gebhart 1988] (siehe auch Kapitel 2.1) für eine Auftriebsströmung in
Wasser nach einer sprungartigen Erhöhung oder Reduzierung der zugeführten
Wärmestromdichte eine ähnliche strukturelle und zeitliche Entwicklung.
4.2 Strömungsgeschwindigkeiten
Eine messtechnische Erfassung des zeitlichen Verlaufs von Geschwindigkeiten
innerhalb der Auftriebsströmung an der vertikalen Platte erfolgt mit Hilfe von
omnidirektionalen Hitzkugel-Anemometern (Typ Dantec 54T21S). Aufgrund ei-
ner möglichen Beeinflussung der auftretenden Strömungsstrukturen durch die
invasive Mess-Methodik liegt der Fokus der Betrachtungen jedoch auf einer
exemplarischen Darstellung von Fluktuationen. Absolute Geschwindigkeiten
sind im stationären Fall bereits aus zahlreichen Betrachtungen bekannt (vgl.
61
z.B. [Miyamoto und Okayama 1982], [Tsuji und Nagano 1989] sowie zusam-
menfassend [Oertel jr. 2017]). Für eine darüber hinaus gehende quantitative
Bestimmung des zeitlichen Verlaufs von Absolut-Geschwindigkeiten bei einer
gezielten Variation der Strömungs-Randbedingungen erscheint neben einer
nicht-invasiven Mess-Methodik zudem eine statistische Überprüfung der zeitli-
chen und örtlichen Reproduzierbarkeit sinnvoll.
4.2.1 Versuchsaufbau zur Messung von Strömungsgeschwindigkeiten
Die Hitzkugel-Anemometer werden im experimentellen Aufbau gemäß Kapitel
3.1 mit unterschiedlichen Abständen zur beheizten vertikalen Platte ( = 5 mm,
= 10 mm, = 25 mm, = 50 mm und = 75 mm) sowie bei verschiedenen
Strömungsweglängen (�
⁄ = 700 mm, �
⁄ = 1.300 mm und �
⁄ = 1.900 mm)
positioniert. Die Anordnung in -Richtung erfolgt in Plattenmitte. Abbildung 4.7
veranschaulicht die entsprechende Implementierung im Versuchsaufbau.
Abbildung 4.7: Anordnung der Hitzkugel-Anemometer
Aufgrund der Richtungsunabhängigkeit der verwendeten Hitzkugel-Anemo-
meter beinhalten die dargestellten Geschwindigkeitsfluktuationen Anteile aller
drei Richtungs-Komponenten (, und ). Aus Gründen der Lesbarkeit werden
die kombinierten Schwankungsgrößen nachfolgend hingegen als Geschwindig-
keitskomponente der dominierenden -Richtung bezeichnet. Ein quantitati-
ver Vergleich der gemessenen Geschwindigkeitsfluktuationen mit den in Kapi-
tel 2.1 genannten Untersuchungen ist dementsprechend jedoch nicht möglich.
62
4.2.2 Geschwindigkeits-Fluktuationen
Abbildung 4.8 zeigt beispielhaft den Verlauf der Oberflächentemperatur der
beheizten Platte �W sowie der dimensionslosen Lokalgeschwindigkeit
+ ge-
mäß Gleichung 12 und des zugehörigen Turbulenzgrades � nach Gleichung
11 an der Strömungsposition = . bei einem Plattenabstand von
= 50 mm für eine zyklische Variation der Wärmestromdichte. Dabei wird für
∆Ipuls = s ein Wärmestromimpuls von ca. Ipuls = . W/² aufge-
prägt, dem eine Auskühlphase von ∆Auskhlug = . s folgt.
Abbildung 4.8: Zeitlicher Verlauf der Strömungsgrößen bei = 1.300 mm
(mit Ipuls = . W/², ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
Die Differenz zwischen der mittleren Oberflächentemperatur des Strömungs-
Teilgebietes und der ungestörten Fluidtemperatur ∆�W-∞ variiert in der be-
trachteten Versuchsreihe von 9,3 K bis 51 K; das zeitliche Mittel liegt bei ca.
23,1 K. Die zugehörigen Grashof-Zahlen variieren dementsprechend in einem
Bereich von ∙ < /L
* < ∙ , wobei der zeitliche Mittelwert
/L Zklus
* = ∙ beträgt.
Die zu erwartende Dicke der lokalen Strömungsgrenzschicht kann im stationä-
ren Fall für eine laminare (siehe z.B. [Oertel jr. 2017]) oder turbulente (vgl. z.B.
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
02:05 02:10 02:15 02:20 02:25 02:30 02:35 02:40
u+_y = 50 mm Tu [90 s]
ϑ_W_x/L = 1.300 mm
ϑ_∞_m
�W /L = . �∞
� s
=
+
dimensionslose Geschwindigkeit
oder Turbulenzgrad
Temperatur in °C
Zeit [hh:mm]
∆Ipuls
∆isPh
Fluktuationen
63
[Cheeswright 1968]) Strömungscharakteristik abgeschätzt werden. Für die mi-
nimale Platten-Übertemperatur von ∆�W-∞ = K liegt diese an der dargestell-
ten Stelle des Strömungsgebiets (�
⁄ = . ) zwischen = (la-
minar) und = (turbulent). Bei der maximalen Übertemperatur von
∆�W-∞ = K ist von einer lokalen Grenzschichtdicke zwischen = und
= auszugehen. Die betrachtete Messposition = . mit ei-
nem Plattenabstand von = 50 mm liegt für die minimale Platten-
Übertemperatur von ∆�W-∞ = K im stationären Fall folglich eher im äußeren
Bereich der dann überwiegend laminaren Strömungsgrenzschicht. Während
der (stationär) als überwiegend turbulent einzustufenden Strömung der maxi-
malen Übertemperatur von ∆�W-∞ = K befindet sich das Hitzkugel-
Anemometer hingegen eher im inneren Grenzschichtbereich.
Wie aus Abbildung 4.8 deutlich ersichtlich wird, schwankt die dimensionslose
Geschwindigkeit
+ für die betrachtete zyklische Variation der Strömungs-
Randbedingungen überwiegend in einem Bereich von unter 0,1. Mit Beginn des
Aufheiz-Impulses ∆Ipuls sowie einige Zeit danach sind hingegen deutlich in-
tensivere Geschwindigkeits-Fluktuationen zu erkennen, deren Momentanwerte
das zeitliche Mittel des gesamten Zyklus um ein Vielfaches (im Maximum ca.
Faktor 6,6) überschreiten.
Der Zeitraum mit den stärksten Geschwindigkeits-Fluktuationen steht in guter
Übereinstimmung mit der Dauer der instationären Phase ∆isPh, die gemäß
Gleichung 31 eine Abweichung von mehr als einem Prozent zwischen dem
Momentanwert der konvektiven Wärmeübertragung und dem quasi-
stationären Vergleichswert aufweist. Für die gesamte instationäre Phase der
betrachteten Versuchsreihe von ca. ∆isPh = s resultiert nach Gleichung 33
eine mittlere Abweichung der instationären konvektiven Wärmeübertragung
gegenüber der quasi-stationären Betrachtung von ∆is/s isPh = %.
In Anlehnung an Kapitel 3.3.2 wird die Grenzschichtgeschwindigkeit
+ zur Be-
stimmung des lokalen Turbulenzgrads � ebenfalls für einen Bilanz-Zeitschritt
von ∆ = s ausgewertet. In Abbildung 4.8 ist dementsprechend der zeitliche
Verlauf des Turbulenzgrades der jeweils letzten 90 s � s dargestellt. Bezo-
gen auf die Dauer der instationären Phase ∆isPh liegt der mittlere Turbulenz-
grad bei �
isPh = % und damit deutlich über dem zeitlichen Mittel der rest-
lichen Zyklusdauer von �
= %. Darüber hinaus treten auch nach Abschluss
64
der instationären Phase noch vereinzelte, jedoch ähnlich intensive Geschwin-
digkeits-Fluktuationen auf. In der danach verbleibenden Zyklusdauer (ca. 02:21
bis Zyklusende) reduziert sich der mittlere Turbulenzgrad auf �
= %.
Während der Fluktuationen, die nach Abschluss der instationären Phase auftre-
ten, liegen an der betrachteten Strömungsposition (�
⁄ = . ) Grashof-
Zahlen von ∙ > /L
* > ∙ vor. Im betreffenden Zeitraum befindet
sich die Messstelle also im Kernbereich der laminar-turbulenten Transition. Es
liegt daher die Vermutung nahe, dass die beschriebenen nachgelagerten Fluk-
tuationen auf die lokale, quasi-stationäre Strömungstransition zurückzuführen
sind.
Abbildung 4.9 zeigt in Ergänzung die zeitliche Entwicklung der lokalen Strö-
mungsgeschwindigkeit
+ und des zugehörigen Turbulenzgrades � s für ei-
ne identische Versuchsreihe, jedoch bei einer Messposition von =
und einem Plattenabstand von = 5 mm. Irreguläre Schwankungen treten dort
ausschließlich innerhalb der instationären Phase auf. Eine quasi-stationäre Be-
trachtungsweise ließe an der dargestellten Strömungsposition (�
⁄ = )
hingegen selbst für die maximale Temperaturdifferenz von ∆�W-∞ = K noch
eine nahezu vollständig laminare Strömung erwarten (/L a
* ≈ ∙).
Die in Abbildung 4.9 ersichtliche Entwicklung einer zunehmenden Lokalge-
schwindigkeit
+ bei abnehmender Temperaturdifferenz zwischen Plattenober-
fläche und Umgebungsfluid ∆�W-∞ ist auf die zeitliche Veränderung des Ge-
schwindigkeitsprofils (vgl. Abbildung 1.1) an der Messstelle zurückzuführen. So
verschiebt sich die im stationären Fall zu erwartende Position des Geschwin-
digkeitsmaximums innerhalb der Strömungsgrenzschicht von ca. = 4,2 mm
bei der maximalen Temperaturdifferenz von ∆�W-∞ = K auf etwa = 5,9 mm
bei der minimalen Platten-Übertemperatur von ∆�W-∞ = K (vgl. z.B. [Oertel
jr. 2017]). Dementsprechend liegt die Messposition der dargestellten Versuchs-
reihe ( = 5 mm) bei den hohen Oberflächentemperaturen weiter von der Plat-
tenoberfläche entfernt, als der Punkt der maximalen Grenzschichtgeschwindig-
keit. Mit abnehmender Temperaturdifferenz nimmt die Dicke der laminaren
Strömungsgrenzschicht zu, wodurch sich deren Geschwindigkeitsmaximum zu-
nehmend in Richtung der Messposition (und darüber hinaus) verlagert. In der
Folge steigt die Lokalgeschwindigkeit an der Messposition kontinuierlich an.
65
Abbildung 4.9: Zeitlicher Verlauf der Strömungsgrößen bei = 700 mm
(mit Ipuls = . W/², ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
Qualitativ sowie bezüglich der zeitlichen Entwicklung zeigen die erfassten Ge-
schwindigkeits-Fluktuationen darüber hinaus eine gute Kongruenz zu bereits
bekannten Messungen (vgl. [Joshi und Gebhart 1987], [Joshi und Gebhart 1988]
sowie [Zhao et al. 2015] in Abbildung 2.1).
4.3 Schlussfolgerungen zu instationären Strömungs-
strukturen
Sowohl die Visualisierung der verstärkten Grenzschicht-Durchmischung, als
auch die gute zeitliche Übereinstimmung der gemessenen Geschwindigkeits-
Fluktuationen mit der instationären Phase der konvektiven Wärmeübertragung
deuten auf eine signifikante Beeinflussung des Strömungsfeldes durch eine
sprungartige Erhöhung der Wärmestromzufuhr hin. In Abhängigkeit von der Art
und Weise der Wärmestromänderung sind dabei temporär instationäre Phä-
nomene zu beobachten, die deutlich von einer quasi-stationären Strömungs-
entwicklung abweichen.
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
01:35 01:40 01:45 01:50 01:55 02:00 02:05
u_y = 5 mm Tu [90 s]
ϑ_W_x/L = 700 mm
ϑ_∞_m
�W /L = �∞
� s
=
+
dimensionslose Geschwindigkeit
oder Turbulenzgrad
Temperatur in °C
Zeit [hh:mm]
∆Ipuls
∆isPh
66
5 Analytische Prognose der Wärmeübertragung
durch instationäre freie Konvektion
Für die in Kapitel 4 beobachtete zeitliche Entwicklung von Auftriebsströmungen
nach einer plötzlichen Veränderung der Strömungs-Randbedingungen wird
nachfolgend zunächst eine physikalische Interpretation vorgestellt (Kapitel 5.1),
auf deren Grundlage ein Modellansatz zur Prognose der Wärmeübertragung
durch instationäre freie Konvektion an der vertikalen Platte erarbeitet wird.
Anhand der in Kapitel 3 für verschiedenartige Randbedingungs-Variationen ex-
perimentell erfassten Abweichungen zwischen einer instationären Betriebswei-
se und einer quasi-stationären Betrachtung erfolgt im Anschluss die mathema-
tische Gestaltung einer analytischen Berechnungsmethodik. Die relevanten
Modellparameter werden schließlich mit Hilfe von mehrfach reproduzierten,
systematischen Validierungsmessungen bestimmt (Kapitel 5.2 und 5.3).
5.1 Physikalische Modellvorstellung
Die in Kapitel 2.2 dargestellten Transport-Gleichungen für Masse, Impuls und
Energie setzen für die Beschreibung von freien Konvektionsströmungen sowohl
im stationären, als auch im instationären Fall eine unmittelbare Kopplung zwi-
schen Geschwindigkeits- und Temperaturfeld voraus. So wird ein Teil der durch
Wärmeleitung von der beheizten Oberfläche abgeführten Energie im Fluid von
potentieller in kinetische Energie umgewandelt (vgl. Kapitel 4.1.2). Die verblei-
bende Energiemenge dissipiert aufgrund von Zähigkeits- und Trägheitskräften.
5.1.1 Potentielle und kinetische Energie der freien Konvektion
Für den Fall einer vollständig ausgebildeten, statistisch stationären Strömung
ist von einem konstanten Verhältnis zwischen potentieller und kinetischer
Energie der Fluidteilchen auszugehen (vgl. z.B. [Wagner 2011]). Die phäno-
menologischen Beobachtungen aus Kapitel 4.1.2 begründen demgegenüber die
Annahme, dass das Verhältnis von potentieller zu kinetischer Energie im Falle
einer plötzlichen Änderung der Strömungs-Randbedingungen temporär variiert.
So muss die zusätzlich in das Fluid eingebrachte potentielle Energie zunächst
durch Beschleunigung in kinetische Energie umgewandelt werden, bevor sich
67
das stationäre Verhältnis (wieder) einstellt. Vereinfacht ausgedrückt wird dies
als Abbau von überschüssiger potentieller Energie durch das vorübergehende
Aufkommen von instationären Strömungsstrukturen interpretiert.
Zur Beschreibung der Wärmeübertragung durch eine solche instationäre freie
Konvektionsströmung mit Hilfe einer analytischen Berechnungsmethodik liegt
es daher nahe, neben der in Kapitel 3.4 als Regressionsparameter identifizier-
ten mittleren Grashof-Zahl auch die zeitliche Variabilität des Verhältnisses von
potentieller zu kinetischer Energie zu berücksichtigen.
Die spezifische potentielle Energie im Gravitationsfeld po kann dabei gemäß
Gleichung 37 als Funktion der Dichtedifferenz zwischen dem ungestörten Um-
gebungsfluid und der Wandoberfläche ∆�∞-W bestimmt werden. Eine Beschrei-
bung der spezifischen kinetischen Energie ki gelingt in Abhängigkeit der Fluid-
dichte �∞ und der Strömungsgeschwindigkeit gemäß Gleichung 38.
po =∙�∙�∞−�W (Gl. 37)
ki =�∞
∙ (Gl. 38)
Für die charakteristische Geschwindigkeit har nach Gleichung 13 resultiert aus
den Gleichungen 37 und 38 unmittelbar ein konstantes Verhältnis der potenti-
ellen zur kinetischen Energie von po ki
⁄= . In einer idealen (d.h. reibungs-
und trägheitsfreien) Strömung würde die von der wärmeübertragenden Ober-
fläche eingebrachte potentielle Energie hingegen vollständig in kinetische
Energie umgewandelt werden, was gleichbedeutend mit einem Verhältnis von
po ki
⁄= ist. Für Auftriebsströmungen in Luft wurden tatsächliche Werte
von po ki
⁄ im stationären Fall mit 4,88 (vgl. [Kast 1972]) bis 5 (vgl. [Schlünder
1970]) ermittelt.
Zur Bestimmung des im instationären Fall als variabel angenommenen Verhält-
nisses von potentieller zu kinetischer Energie erscheint entsprechend den Glei-
chungen 37 und 38 insbesondere die örtliche und zeitliche Variation der Fluid-
dichte von zentraler Relevanz, da bei einer Beschleunigung der Auftriebsströ-
mung durch das Gravitationsfeld Änderungen der Strömungsgeschwindigkeit
ebenfalls durch Dichtevariationen initiiert werden.
68
5.1.2 Zeitliche Entwicklung der Wärmeübertragung durch freie
Konvektion
Im Umkehrschluss wird eine Änderung der mittleren Geschwindigkeit von in-
stationären freien Konvektionsströmungen als direkte Auswirkung der Um-
wandlung von potentieller in kinetische Energie interpretiert. Daher wird für
die analytische Prognose der zeitlichen Änderung der konvektiven Wärmeüber-
tragung ergänzend der Zusammenhang zwischen der Wärmeübertragungs-
Intensität und der Strömungsgeschwindigkeit betrachtet. Abbildung 5.1 zeigt
dazu die dimensionslose konvektive Wärmeübertragung �/L gemäß den Glei-
chungen 8 und 9 in Abhängigkeit der charakteristischen Geschwindigkeit har
nach Gleichung 13 sowie als Funktion des Auftriebs-Volumenstroms � auf der
Basis von empirisch ermittelten Korrelationsgleichungen (vgl. [Kriegel 1973]).
Abbildung 5.1: Konvektive Wärmeübertragung in Abhängigkeit der Strömungs-
Intensität
Für die dargestellten Strömungsgrößen (L < ∙) ist jeweils eine annä-
hernd lineare Kopplung der konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität er-
kennbar. Da für Geschwindigkeitsänderungen bei konstanter Schwerebe-
schleunigung ebenfalls von einer kontinuierlichen (d.h. zeitlich linearen) Ent-
wicklung auszugehen ist, wird in den nachfolgend beschriebenen Prognosemo-
050 100 150 200
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0
u_lam u_turb V/t_lam V/t_turb
har la
Volumenstrom in m³/h
Geschwindigkeit in m/s
�/L
har ur �la [Kriegel 1973] � ur [Kriegel 1973]
69
dellen (siehe Kapitel 5.2 und 5.3) in erster Näherung auch die zeitliche Ände-
rung der konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität als linear betrachtet.
Sowohl die messtechnisch erfassten Momentanwerte der konvektiven Wärme-
übertragung (vgl. Abbildung 3.22 und Abbildung 3.26), als auch die phäno-
menologischen Beobachtungen in den Kapiteln 4.1.2 und 4.2.2 lassen darüber
hinaus das Maximum der instationären Wärmeübertragungs-Intensität zum
Ende eines Wärmestrom-Impulses oder bei einer starken Reduzierung der zu-
geführten Wärmestromdichte erwarten.
5.2 Prognosemodell zur instationären Wärmeübertragung
bei zyklischer Variation der Randbedingungen
Aus den in Kapitel 3.4 beschriebenen experimentellen Versuchsreihen wird
deutlich, dass für die Prognose von Abweichungen zwischen der tatsächlichen
konvektiven Wärmeübertragung innerhalb der instationären Phase und der
quasi-stationären Betrachtungsweise neben dem zeitlichen Mittel der Grashof-
Zahl weitere Einflussgrößen von Relevanz sind.
Für die grundlegende Gestaltung eines Regressionsmodells kommen daher als
mögliche charakteristische Größen sowohl minimale, maximale und mittlere
Werte sowie zeitliche Gradienten von Grashof-Zahlen, Wärmestromdichten
und Temperaturdifferenzen, als auch diverse dimensionslose und -behaftete
Parameter-Kombinationen in Betracht. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang
zeigt sich jedoch erst für den in Kapitel 5.1 vorgestellten physikalischen Ansatz.
Abbildung 5.2 stellt dazu nochmals die Ergebnisse der Versuchsreihen aus Ab-
bildung 3.24 dar, jedoch kategorisiert in Abhängigkeit der dimensionslosen
Größe �* entsprechend Gleichung 39.
�*=�Zklus s ∙ ∆Zklus
�Ipuls s ∙ ∆isPh
(Gl. 39)
In der Größe �* werden die Fluiddichte, die sich für den Wärmestrom-Impuls
im stationären Fall einstellen würde �Ipuls s , dessen Pendant für den zeitlichen
Mittelwert der Wärmezufuhr innerhalb der zyklischen Variation �Zklus s sowie
die Dauer der instationären Phase ∆isPh und die gesamte Zyklusdauer ∆Zklus
ausgedrückt.
70
Abbildung 5.2: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung für �*-Kategorien
Für ansteigende Werte von �* ist in Abbildung 5.2 auch bei gleicher mittlerer
Grashof-Zahl
/L Zklus
* eine deutliche Tendenz zu größeren Abweichungen zwi-
schen der im instationären Fall gemessenen Wärmeübertragung und der quasi-
stationären Betrachtungsweise ∆is/s isPh zu erkennen. So zeigt sich für die jewei-
ligen quadratischen Regressionsfunktionen der �*-Kategorien eine deutlich
ausgeprägte Verschiebung entlang der Ordinate.
Eine derartige Betrachtung von Impulsgrößen im Verhältnis zu mittleren Grö-
ßen steht in prinzipieller Analogie zur Definition des Turbulenzgrades nach
Gleichung 11. Gemäß der physikalischen Modellvorstellung aus Kapitel 5.1 wird
�* dabei als Maß für die Abweichung des mittleren Verhältnisses von potenti-
eller zu kinetischer Energie innerhalb der instationären Phase vom Verhältnis
po ki
⁄ im stationären Fall interpretiert.
5.2.1 Validierungsmessungen für zyklische Variationen
Zur Überprüfung einer direkten Abhängigkeit zwischen den festgestellten Aus-
wirkungen von instationären Strömungsstrukturen auf die konvektive Wärme-
übertragung und der Größe �* nach Gleichung 39 werden in Ergänzung zu den
Versuchsreihen aus Kapitel 3.4.1 insgesamt 17 Validierungsmessungen mit zyk-
-3%
1%
5%
9%
13%
17%
21%
25%
8910 11 12 13 14
Π* < Π* < Π* < Π* < Π* <
Π* < Π* < Π* < Π*
laminar transient turbulent
log /L Zklus
∗
∆is/s isPh
Π∗< Π∗< Π∗< Π∗< Π∗<
Π∗< Π∗< Π∗< Π∗
71
lisch variierten Randbedingungen durchgeführt. Die Definition der Variations-
Randbedingungen erfolgt dabei anhand der zu erwartenden Verhältnisse von
Impulsgrößen zu mittleren Größen, sodass eine möglichst große Bandbreite
von �* berücksichtigt wird. So werden �*-Werte zwischen 2 und ca. 10,8 be-
trachtet, wobei die Untersuchungs-Schrittweite bei ca. ∆�* ≈ liegt. Zur Re-
duktion der zufälligen Messunsicherheits-Anteile der in Kapitel 3.3.4 aufgeführ-
ten messtechnischen Gesamtunsicherheit sowie zur Überprüfung der Reprodu-
zierbarkeit der Ergebnisse werden sämtliche Validierungsmessungen jeweils
fünffach wiederholt.
Abbildung 5.3 zeigt die arithmetischen Mittel der resultierenden Abweichun-
gen zwischen der im instationären Fall gemessenen konvektiven Wärmeüber-
tragung und der quasi-stationären Betrachtung ∆is/s isPh für die 17 Validie-
rungsmessungen sowie die jeweilige Standardabweichung .
Abbildung 5.3: Ergebnisübersicht der Wiederholungsmessungen zu zyklischen
Variationen
Die festgestellte Standardabweichung der fünffachen Wiederholungsmessun-
gen liegt dabei zwischen % %, ihr arithmetisches Mittel für alle 170
Einzelergebnisse beträgt = %. In Analogie zur Messunsicherheits-
Fortpflanzung (vgl. Kapitel 3.3.4) ist dabei eine Tendenz zu großen relativen Ge-
-3%
1%
5%
9%
13%
17%
21%
25%
1,0E+08 1,0E+09 1,0E+10 1,0E+11 1,0E+12 1,0E+13 1,0E+14
laminar transient turbulent
/L Zklus
∗
∆is/s isPh
72
samtunsicherheiten bei geringen Grashof-Zahlen
/L Zklus
* festzustellen. Er-
höhte Standardabweichungen zeigen sich außerdem im Übergangsbereich (bei
ca. ∙ <
/L Zklus
* < .
Abbildung 5.4 zeigt die zugehörigen Abweichungen der instationären konvekti-
ven Wärmeübertragung der Validierungsmessungen gegenüber der quasi-
stationären Betrachtungsweise ∆is/s isPh in Abhängigkeit des Verhältnisses von
Impulsgrößen zu mittleren Größen �*.
Abbildung 5.4: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung als Funktion von �*
Für ähnliche mittlere Grashof-Zahlen
/L Zklus
* ist dabei in Analogie zu Abbil-
dung 5.2 für zunehmende �* ein monotoner Anstieg des Einflusses der instati-
onären Betriebsweise ∆is/s isPh zu erkennen.
Zur Prognose der Abweichungen zwischen der tatsächlichen konvektiven Wär-
meübertragung innerhalb der instationären Phase einer zyklischen Variation
der Randbedingungen und der quasi-stationären Betrachtungsweise ∆is/s isPh
wird daher ein logarithmisches Regressionsmodell entsprechend Gleichung 40
vorgeschlagen.
-3%
1%
5%
9%
13%
17%
21%
25%
02 4 6 8 10 12
Gr* < 2E9 E Gr* < E E Gr* < E
E Gr* < E E Gr* < E E Gr* < E
E Gr* < E E Gr* < E E Gr* < E
Gr* E
Π∗
∆is/s isPh
/L Zklus
∗<∙
∙ /L Zklus
∗< ∙
∙/L Zklus
∗< /L Zklus
∗< ∙
∙ /L Zklus
∗<1 /L Zklus
∗< ∙ ∙ /L Zklus
∗< ∙
∙ /L Zklus
∗< ∙ ∙ /L Zklus
∗< ∙
/L Zklus
∗ ∙
73
∆is/s isPh =�∙ln(�*)+ (Gl. 40)
Für den Regressionsparameter � liegt im Falle der zyklisch variierten Randbe-
dingungen ein konstanter Wert von ca. 0,0798 vor, während eine Abhängig-
keit von
/L Zklus
* entsprechend Gleichung 41 aufweist.
={ ∙ln(
/L Zklus
*)− fr
/L Zklus
*
− ∙ln(
/L Zklus
*)+ fr
/L Zklus
* > (Gl. 41)
Eine umfangreiche Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen bei zyklisch
variierten Strömungs-Randbedingungen ist zudem in Anhang A.1 aufgeführt.
5.2.2 Instationäre Phase bei zyklischen Variationen
Für die Dauer der instationären Phase ∆isPh, innerhalb der die Momentanwer-
te der konvektiven Wärmeübertragung is s entsprechend Gleichung 31 um
mehr als ein Prozent vom quasi-stationären Vergleichswert s s abweichen,
zeigt sich eine Abhängigkeit von der Dauer des jeweiligen Wärmestrom-
Impulses ∆Ipuls und der Zyklus-Gesamtdauer ∆Zklus gemäß Gleichung 42.
∆isPh
∆Zklus = ∙(∆Ipuls
∆Zklus)
(Gl. 42)
Abbildung 5.5 zeigt die zugrunde liegenden Regressionsdaten der Validie-
rungsmessungen aus Kapitel 5.2.1. Die Dauer der instationären Phase variiert
bei einem arithmetischen Mittel von ∆isPh = % zwischen %
∆isPh % und steht somit in sehr guter Übereinstimmung zu den Versuchs-
reihen in Kapitel 3.4.1.
Gemäß der in Kapitel 5.1.1 beschriebenen physikalischen Modellvorstellung
erscheint für die instationäre Wärmeübertragung insbesondere die Änderung
der Fluiddichte von Relevanz. Dabei liegt zunächst die Vermutung nahe, dass
auch ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Dauer der instationären
Phase und dem zeitlichen Gradienten der Oberflächentemperatur an der wär-
meübertragenden Platte besteht. Letzterer wird maßgeblich durch die zuge-
führte Wärmestromdichte, die Wärmekapazität der Platte und durch die aktu-
elle Wärmeabfuhr selbst geprägt (vgl. Gleichung 29).
74
Abbildung 5.5: Dauer der instationären Phase bei zyklischen Variationen
Dementsprechend werden Versuchsreihen mit sehr unterschiedlichen zeitli-
chen Gradienten der Oberflächentemperatur durchgeführt. Dabei treten wäh-
rend des Aufheizvorgangs Gradienten zwischen K/s ��W�
⁄
τ K/s
auf und während des Abkühlens Werte zwischen K/s
��W�
⁄
τ K/s, wobei ��W�
⁄
τ den Mittelwert des Zeitraums repräsen-
tiert, in dem 63,2 % der Temperaturänderung ∆�W des Zyklus vollzogen werden
(1�). Für die Dauer der instationären Phase ∆isPh zeigt sich jedoch keinerlei
Abhängigkeit vom zeitlichen Temperaturgradienten ��W�
⁄
τ. In Abbildung 5.6
ist dazu die Dauer der instationären Phase ∆isPh für zwei unterschiedliche Im-
puls-Wärmestromdichten Ipuls bei gleicher Impulsdauer (∆Ipuls = s) und
gleichem Auskühlzeitraum (∆Auskhlug = . s) dargestellt. Für den Wär-
mestromimpuls von Ipuls = W/² liegt während der Aufheizphase ein
zeitlicher Oberflächentemperaturgradient von ��W�
⁄
τ = K/s vor; bei
Ipuls = . W/² sind dies ��W�
⁄
τ = K/s. Unabhängig von der Inten-
sität der Abweichung der instationären Wärmeübertragung von der quasi-
stationären Betrachtungsweise ∆is/s isPh zeigt sich die Dauer der instationären
Phase dabei mit ∆isPh = s bei Ipuls = W/² und ∆isPh = s bei
y = 7,0716x0,3563
R² = 0,9745
10%
20%
30%
40%
50%
60%
1,0E-05 1,0E-04 1,0E-03
⁄∆Ipuls ∆Zklusin 1/s
⁄∆isPh ∆Zklus
75
Ipuls = . W/² vor dem Hintergrund eines Messintervalls von 2 s als na-
hezu identisch.
Abbildung 5.6: Dauer der instationären Phase bei variabler Wärmestromdichte
(mit ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
Für zyklische Variationen der Randbedingungen ist daher von einer Unabhän-
gigkeit der Regressionsfunktion nach Gleichung 42 von der thermischen Kapazi-
tät der beheizten Platte und der Impuls-Wärmestromdichte auszugehen.
Ferner verhält sich die Dauer der instationären Phase unabhängig von der mitt-
leren Grashof-Zahl. So weisen alle betrachteten Strömungs-Teilgebiete (vgl.
Kapitel 1.1.1) einer Versuchsreihe stets den gleichen Anteil der instationären
Phase an der gesamten Zyklusdauer auf.
Der in Kapitel 5.1 vorgestellten physikalischen Modellvorstellung folgend, wird
die beobachtete (ausschließliche) Abhängigkeit der Dauer der instationären
Phase von der Impulsdauer und der gesamten Zyklusdauer derart interpretiert,
dass für die Dauer des Wärmestrom-Impulses ein Aufbau des Überschusses an
potentieller Energie im Fluid stattfindet und dieser darüber hinaus kontinuier-
lich wieder abgebaut wird. Ein Gedankenexperiment, bei dem nach dem Ende
des Wärmestrom-Impulses plötzlich die beheizte Oberfläche aus dem Fluid ent-
fernt wird, verdeutlicht ferner, dass der darauffolgende Ausgleichsvorgang zwi-
0
50
100
150
200
250
300
0300 600 900 1.200 1.500 1.800
q/t_c_st q/t_c_st [90 s] q/t_c_is [90 s]
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit in s
s s s is s (Messung)
⁄
�= .
∆isPh = s
Ipuls = . W/²
∆isPh = s
Ipuls = W/²
76
schen potentieller und kinetischer Energie lediglich eine Funktion des Fluids
und der Zeit sein muss.
Aufgrund des medienspezifischen Verhältnisses von Impuls- und Wärmetrans-
port liegt für die Dauer der instationären Phase jedoch eine Fluid-Abhängigkeit,
also ein Einfluss der Prandtl-Zahl nahe. So erscheint die Temperaturleitfähigkeit
insbesondere für den Aufbau des Überschusses an potentieller Energie von
Relevanz, während für den anschließenden Ausgleichsvorgang von einem be-
sonderen Einfluss der kinematischen Viskosität ν auszugehen ist.
5.2.3 Momentanwerte von zyklischen Variationen
Entsprechend der in Kapitel 5.1.2 dargestellten Annahme einer linearen zeitli-
chen Zuwachs- und Abklingrate der Intensität der konvektiven Wärmeübertra-
gung wird zur Bestimmung der Momentanwerte innerhalb der instationären
Phase ein vereinfachtes lineares Berechnungsmodell vorgeschlagen. Darin wird
die mittlere Abweichung der instationären konvektiven Wärmeübertragung
von der quasi-stationären Betrachtungsweise ∆is/s isPh gemäß Gleichung 33 so
auf die Dauer der instationären Phase ∆isPh verteilt, dass für die Momentan-
werte ∆is/s vom Beginn eines jeweiligen Zyklus ein kontinuierlicher zeitlicher
Zuwachs bis zum Ende des Wärmestrom-Impulses ∆Ipuls resultiert. Vom dort
befindlichen Maximum ∆is/s a wird wiederum ein kontinuierliches Abklingen
der Momentanwerte der (zusätzlich durch die instationäre Betriebsweise ver-
ursachten) Wärmeübertragungs-Intensität ∆is/s bis zum Ende der instationären
Phase ∆isPh angenommen, wie in Abbildung 5.7 schematisch dargestellt.
Abbildung 5.7: Prognose-Modell zur instationären konvektiven Wärmeübertragung
∆
Ipuls
∆isPh
∆is/s isPh
Momentanwerte
∆is/s
77
Der beschriebene zeitliche Verlauf wird entsprechend durch Gleichung 43 aus-
gedrückt.
∆is/s ={ ∙ ∆is/s isPh
∆Ipuls ∙ fr ≤∆Ipuls
∙∆is/s isPh −[ ∙ ∆is/s isPh
∆isPh − ∆Ipuls ∙(−∆Ipuls)] fr >∆Ipuls
(Gl. 43)
Die insgesamt prognostizierte konvektive Wärmeübertragungs-Intensität des
instationären Falls is resultiert schließlich für jeden Zeitpunkt gemäß Glei-
chung 44.
is = s + s ∙∆is/s (Gl. 44)
Darin repräsentiert s den quasi-stationären Momentanwert der konvektiven
Wärmestromdichte entsprechend Kapitel 3.3.1. Für beliebige Randbedingun-
gen kann s alternativ aus den Gleichungen 2 bis 10 ermittelt werden.
Abbildung 5.8 zeigt die Versuchsreihe aus Abbildung 3.22 nochmals, jedoch er-
gänzt um die Prognose der Momentanwerte der instationären konvektiven
Wärmeübertragung is gemäß Gleichung 44.
In Analogie zu Kapitel 3.4.1 handelt es sich bei den in Grün dargestellten, ge-
messenen Momentanwerten is s jeweils um gleitende Mittelwerte der letz-
ten 90 s. Ein direkter Vergleich zu dem in Blau dargestellten Pendant der prog-
nostizierten Momentanwerte is s zeigt eine sehr gute Übereinstimmung für
den gesamten zeitlichen Verlauf des betrachteten Zyklus.
Für eine derartige Prognose der Momentanwerte der konvektiven Wärmeüber-
tragung innerhalb der instationären Phase zeigt sich darüber hinaus für sämtli-
che der durchgeführten Versuchsreihen mit zyklisch variierten Randbedingun-
gen eine gute grafische Übereinstimmung zu den gemessenen Momentanwer-
ten. Lediglich für sehr kurze Impulsdauern (∆Ipuls s) übersteigen die ge-
messenen Momentanwerte die Prognose zum Zeitpunkt des Impulsendes nen-
nenswert. Aufgrund des in Kapitel 3.3.2 beschriebenen Mittelungs-Intervalls
von 90 s zur Messung von Momentanwerten der konvektiven Wärmeübertra-
gung ist für Versuchsreihen mit Impulsdauern ∆Ipuls < s jedoch eher von
einer eingeschränkten Aussagekraft der gemessenen Momentanwerte auszu-
gehen.
für ∆Ipuls
für > ∆Ipuls
78
Abbildung 5.8: Momentanwert-Prognose für zyklische Variationen
(mit Ipuls = W/², ∆Ipuls = s und ∆Auskhlug = . s)
5.2.4 Modellanwendung und Prognosegüte für zyklische Variationen
Für das in den Gleichungen 39 bis 44 vorgestellte Modell zur Prognose der in-
stationären konvektiven Wärmeübertragung bei zyklisch variierten Strömungs-
Randbedingungen zeigt Abbildung 5.9 eine schematische Übersicht der zu-
grunde liegenden Vorgehensweise.
Abbildung 5.9: Anwendungsschema des Regressionsmodells für zyklische
Variationen
0
25
50
75
100
125
150
175
01:30 01:35 01:40 01:45 01:50 01:55 02:00 02:05
q/t_c_st q/t_c_st [90 s] q/t_c_is (gem) [90 s]
q/t_c_is (Prog) q/t_c_is (Prog) [90 s]
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
s s s is s (Messung)
is (Prognose) is s (Prognose)
∆Ipuls
∆isPh
⁄
�= .
�∞
�∞
Gl.
Gl. is
Gl. is
Ipuls
Zklus
∆Ipuls
∆Zklus
Gl.
∆isPh ∆Zklus
⁄
∆�Ipuls s
∆�
Zklus s
/L Zklus
*
�Ipuls s
�Zklus s
∆is/st
�,
�*
Gl.
Gl.
∆is/st,isPh
Gl.
c,is
Gl.
Gl.
79
Dabei stellen die Wärmestromdichte Ipuls und die Dauer des Aufheizimpulses
∆Ipuls sowie die gesamte Zyklusdauer ∆Zklus die bekannten Eingangsgrößen
dar. Mit Hilfe der etablierten Berechnungskorrelationen (vgl. Kapitel 1.1) wer-
den zunächst die Temperaturdifferenzen ∆�Ipuls s und ∆�
Zklus s ermittelt, die
sich im stationären Fall für den Impulswärmestrom Ipuls und den mittleren
Wärmestrom Zklus einstellen würden. Die zugehörigen mittleren Fluiddichten
�Ipuls s und �Zklus s werden im Anschluss mit der Dauer der instationären
Phase ∆isPh in der dimensionslosen Kennzahl �* ausgedrückt. Zusammen mit
den an das zeitliche Mittel der Grashof-Zahl
/L Zklus
* angepassten Regressi-
onsparametern � und folgt daraus die mittlere Abweichung der konvektiven
Wärmeübertragungs-Intensität des instationären Falles von der quasi-
stationären Betrachtungsweise innerhalb der instationären Phase ∆is/s isPh. Die
mittlere Abweichung ∆is/s isPh kann durch einen charakteristischen zeitlichen
Verlauf in Momentanwerten ∆is/s ausgedrückt werden. Durch Addition der
quasi-stationären Vergleichswerte resultiert schließlich die Prognose der für
jeden Zeitpunkt insgesamt vorhandenen konvektiven Wärmeübertragungs-
Intensität im instationären Fall is.
Abbildung 5.10 zeigt einen Vergleich zwischen den Berechnungsergebnissen
des analytischen Regressionsmodells und den jeweiligen Validierungsmessun-
gen des Kapitels 5.2.1.
Abbildung 5.10: Prognosegüte des Regressionsmodells für zyklische Variationen
y = 1,031x - 0,003
R² = 0,970
-3%
1%
5%
9%
13%
17%
21%
25%
-3% 1% 5% 9% 13% 17% 21% 25%
∆is/s isPh (Messung)
∆is/s isPh (Prognose)
80
Wie aus der Anordnung der Vergleichspunkte ersichtlich wird, zeigt sich dabei
insgesamt eine gute Übereinstimmung. So beträgt die Differenz zwischen Prog-
nose und Messwerten für die 170 Einzelergebnisse der Validierungsmessungen
zwischen 0 % und maximal 3,5 %, das arithmetische Mittel beläuft sich auf
0,7 %. Zwischen dem Ausmaß der Prognosefehler und den Regressionsparame-
tern �* oder
/L Zklus
* ist dabei keine eindeutige Kausalität erkennbar. Die
größten Differenzen treten jedoch entsprechend der Gesamtunsicherheit (vgl.
Kapitel 5.2.1) bei sehr kleinen Grashof-Zahlen (
/L Zklus
* < ) auf.
5.3 Prognosemodell zur instationären Wärmeübertragung
bei sprungartigen Änderungen mit anschließender
Beharrung
Für die Prognose der konvektiven Wärmeübertragung nach einer sprungartigen
Änderung der Strömungs-Randbedingungen mit anschließender Beharrung
wird im Grundsatz der gleiche Regressionsansatz vorgeschlagen, wie im Falle
der zyklischen Variationen (vgl. Kapitel 5.2). Im Unterschied dazu existiert je-
doch keine definierte Zyklusdauer ∆Zklus, weshalb ersatzweise der Zeitraum
vom Beginn der Wärmestromzufuhr bis zum Erreichen des Oberflächentempe-
ratur-Sollwertes ∆Sprug herangezogen wird. Ferner beziehen sich die Angaben
zu mittleren Größen anstelle einer zeitlichen Mittelung auf das arithmetische
Mittel der Oberflächentemperatur vor und nach dem Sprung �W . Der resul-
tierende Regressionsparameter � wird durch Gleichung 45 ausgedrückt.
�= � s ∙ ∆isPh
�a s ∙ ∆Sprug
(Gl. 45)
Abbildung 5.11 zeigt dazu die entsprechende Kategorisierung der Messdaten
aus Abbildung 3.27 in Abhängigkeit der dimensionslosen Größe �. In Analogie
zu Abbildung 5.2 ist mit zunehmenden Werten von � bei gleicher mittlerer
Grashof-Zahl /L eine kontinuierliche Verschiebung der Regressionsfunktio-
nen für ∆is/s isPh entlang der Ordinate zu erkennen. Aufgrund des geringeren
Stichprobenumfangs der sprungartigen Randbedingungs-Variationen (vgl. Kapi-
tel 3.4.2) wird im Vergleich zu Kapitel 5.2 eine entsprechend gröbere Kategori-
sierung vorgenommen.
81
Abbildung 5.11: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung für �-Kategorien
5.3.1 Validierungsmessungen für sprungartige Änderungen
Zur Bestimmung der Regressionsparameter für ein Prognosemodell der instati-
onären konvektiven Wärmeübertragung bei einer sprungartigen Variation der
Randbedingungen werden elf Validierungsmessungen durchgeführt, die gemäß
der in Kapitel 1.1.1 beschriebenen Bilanzierung von Strömungs-Teilgebieten zu
einer Regressions-Grundlage von insgesamt 110 Einzelergebnissen führen.
Betrachtet werden dabei �-Werte zwischen etwa 0,8 und ca. 11,4. Die Unter-
suchungs-Schrittweite beträgt ca. ∆� ≈ . Zu Zwecken der Reduktion von zufäl-
ligen Messunsicherheiten und zur Überprüfung der Reproduzierbarkeit der Er-
gebnisse werden die Validierungsmessungen für sprungartige Randbedingungs-
Variationen ebenfalls fünffach wiederholt.
Die so erfassten Unterschiede zwischen instationärer Wärmeübertragung und
dem quasi-stationären Vergleichsfall ∆is/s isPh sowie deren Standardabweichun-
gen sind für sprungartige Änderungen mit anschließender Beharrung in Ab-
bildung 5.12 dargestellt. Die Standardabweichung bewegt sich dabei zwischen
% %, der Mittelwert beträgt = %. Auch hier zeigen sich die
größten relativen Unsicherheiten bei geringen Grashof-Zahlen (/L < )
und im transienten Übergangsbereich (ca. < /L < ∙.
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
678910 11
Π <
Π <
Π <
Π <
Π <
Π
laminar transient turbulent
log /L
∆is/s isPh
Π< Π< Π< Π< Π< Π
82
Abbildung 5.12: Ergebnisübersicht der Wiederholungsmessungen zu sprungartigen
Änderungen
Die Beeinflussung der konvektiven Wärmeübertragung durch eine instationäre
Betriebsweise ∆is/s isPh in Abhängigkeit des Verhältnisses von Impulsgrößen zu
mittleren Größen � zeigt Abbildung 5.13. Für ähnliche mittlere Grashof-Zahlen
/L wird dabei erneut eine direkte Korrelation zur Größe � deutlich.
Zur Prognose der instationären konvektiven Wärmeübertragung bei sprungar-
tig veränderten Oberflächentemperaturen an der vertikalen Platte wird daher
ebenfalls ein logarithmisches Regressionsmodell entsprechend Gleichung 46
vorgeschlagen.
∆is/s isPh =�∙ln�+ (Gl. 46)
Der Regressionsparameter � resultiert dabei mit einem konstanten Wert von
etwa 0,0715, während für ebenfalls eine Abhängigkeit von der Grashof-Zahl
/L auftritt (Gleichung 47).
={ ∙ln(/L )− fr /L
− ∙ln(/L )+ fr /L > (Gl. 47)
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
1,0E+06 1,0E+07 1,0E+08 1,0E+09 1,0E+10 1,0E+11
laminar transient turbulent
/L
∆is/s isPh
83
Abbildung 5.13: Zusätzliche konvektive Wärmeübertragung als Funktion von �
Zu den Validierungsmessungen mit sprungartiger Änderung der Randbedingun-
gen und anschließender Beharrung ist eine ausführliche Ergebnisübersicht im
Anhang A.2 aufgeführt.
5.3.2 Instationäre Phase bei sprungartigen Änderungen
Die Dauer der instationären Phase ∆isPh, in der die konvektive Wärmeübertra-
gung gemäß Gleichung 31 um mehr als ein Prozent vom quasi-stationären Ver-
gleichsniveau der Randbedingungen eines Zeitpunktes abweicht, kann für
sprungartige Änderungen im Verhältnis zur jeweiligen Sprungdauer ∆Sprug
gemäß Gleichung 48 bestimmt werden.
∆isPh
∆Sprug = ∙(a
∆�Sprug ∙ �W�W
⁄)
(Gl. 48)
Der verwendete Regressionsparameter berücksichtigt die maximale Impuls-
Wärmestromdichte a, die Temperaturdifferenz des Sprunges ∆�Sprug und
die flächenbezogene Wärmekapazität der vertikalen Platte �W�W
⁄. Er weist in
Analogie zum Regressionsparameter der instationären Phase für zyklische
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
0 2 4 6 8 10 12
Gr < 5E7 E Gr < E E Gr < E
E Gr < E E Gr < E E Gr < E
E Gr < E E Gr < E E Gr < E
Gr E
Π
∆is/s isPh
/L <∙
∙/L < ∙
∙/L < ∙ ∙/L < ∙
∙/L </L < ∙ ∙/L < ∙
∙/L < ∙ ∙/L < ∙
/L ∙
84
Randbedingungs-Variationen (vgl. Gleichung 42) die Einheit 1/s auf und reprä-
sentiert im physikalischen Sinne die (reziproke) Dauer des Temperatursprunges
∆Sprug
⁄. Die dabei getroffene Vereinfachung einer Vernachlässigung der
wärmeabgebenden Terme der Gleichung 29 ist nur dann zulässig, wenn die zu-
geführte elektrische Leistung el vergleichsweise groß ist. So beträgt die mittle-
re elektrische Leistungszufuhr el während des Temperatursprunges ∆Sprug in
den durchgeführten Validierungsmessungen stets mindestens das Doppelte der
mittleren Wärmeabgabe aufgrund von Konvektion und Strahlung r. Kann
diese Voraussetzung nicht erfüllt werden, ist eine iterative Vorgehensweise er-
forderlich, die die tatsächliche (instationäre) Wärmeabgabe is bei der Ermitt-
lung der Dauer des Temperatursprunges ∆Sprug berücksichtigt.
Für die in Abbildung 5.14 dargestellten Regressionsdaten der Validierungsmes-
sungen beläuft sich die Dauer der instationären Phase ∆isPh in etwa auf das 0,7
bis 8,0-fache der Sprungdauer ∆Sprug ; das arithmetische Mittel beträgt
∆isPh ∆Sprug
⁄ = .
Abbildung 5.14: Dauer der instationären Phase bei sprungartigen Änderungen
y = 98,0279x0,7624
R² = 0,9861
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
1,0E-03 1,0E-02 1,0E-01
a
∆�Sprug ∙⁄
�W�W
in 1/s
⁄
∆isPh ∆Sprug
85
Eine Abschätzung der dimensionsbehafteten Dauer des Temperatursprunges
∆Sprug gelingt unter den genannten Vereinfachungen mit Hilfe desselben Re-
gressionsparameters nach Gleichung 49.
∆Sprug = ∙(a
∆�Sprug ∙ �W�W
⁄)−
(Gl. 49)
Gemäß der physikalischen Modellvorstellung aus Kapitel 5.1.1 wird die Sprung-
dauer in Analogie zur Impulsdauer (vgl. Kapitel 5.2.2) als der Zeitraum interpre-
tiert, in dem ein Überschuss an potentieller Energie im Fluid aufgebaut wird.
Die Angleichung von po ki
⁄ an das stationäre Verhältnis erfolgt wiederum
nach einer (starken) Reduzierung der Leistungszufuhr. Dementsprechend liegt
auch für die Versuchsreihen mit sprungartiger Änderung der Randbedingungen
keine direkte Abhängigkeit der Dauer der instationären Phase von den Eigen-
schaften der wärmeübertragenden Oberfläche vor.
Ferner zeigt sich für die sprungartigen Änderungen in Übereinstimmung mit
Kapitel 5.2.2 kein Zusammenhang zwischen der Dauer der instationären Phase
und der mittleren Grashof-Zahl. Voraussetzung hierfür ist ebenfalls, dass die
Leistungszufuhr während des Temperatursprunges hinreichend groß ist (d.h. im
Vergleich zur Wärmeabgabe dominiert), um an jeder Stelle der beheizten Ober-
fläche die gleiche Sprungdauer zu ermöglichen. Als mögliche Einschränkung der
Regressionsfunktionen der Gleichungen 48 und 49 auf die individuellen Gege-
benheiten des konkreten Versuchsaufbaus verbleibt daher auch für die sprung-
artigen Änderungen primär die Prandtl-Zahl.
5.3.3 Momentanwerte von sprungartigen Änderungen
Zur Prognose des zeitlichen Verlaufs der instationären konvektiven Wärme-
übertragung bei sprungartigen Änderungen der Strömungs-Randbedingungen
wird ebenfalls die bereits in Kapitel 5.2.3 für zyklische Variationen beschriebe-
ne Methodik vorgeschlagen. Dabei ist die Impulsdauer ∆Ipuls jedoch gemäß
Gleichung 50 durch die Dauer des Temperatur-Sprunges ∆Sprug zu ersetzen.
∆is/s ={ ∙ ∆is/s isPh
∆Sprug ∙ fr ∆Sprug
∙∆is/s isPh −[ ∙ ∆is/s isPh
∆isPh − ∆Sprug ∙(−∆Sprug)] fr > ∆Sprug
(Gl. 50)
für ∆Sprug
für > ∆Sprug
86
Den Beobachtungen aus den Kapiteln 3.4.2 und 4.1.2 entsprechend, wird das
Maximum der Momentanwerte ∆is/s dabei zum Ende eines Temperatur-
Sprunges ∆Sprug erwartet, da zu diesem Zeitpunkt eine starke Reduzierung der
Wärmestromzufuhr Ipuls erfolgt.
Eine Prognose der Momentanwerte der insgesamt vorliegenden instationären
konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität is gelingt in Übereinstimmung
mit Kapitel 5.2.3 gemäß Gleichung 44. Abbildung 5.15 zeigt die resultierende
Ergänzung der Versuchsreihe aus Abbildung 3.26 um die prognostizierten Mo-
mentanwerte der konvektiven Wärmeübertragung is gemäß Gleichung 44.
Abbildung 5.15: Momentanwert-Prognose für sprungartige Änderungen
(mit a = . W/² und ∆�Sprug = K)
Wie im Falle der Versuchsreihen mit zyklischen Variationen ist für den darge-
stellten Beispielfall sowie für alle betrachteten Versuchsreihen zu sprungarti-
gen Randbedingungs-Änderungen eine gute grafische Übereinstimmung der
prognostizierten Momentanwerte is s mit den jeweils gemessenen Werten
is s festzustellen. Dabei gilt die in Kapitel 5.2.3 diskutierte eingeschränkte
Vergleichbarkeit von Prognose- und Messwerten für Impulse mit ∆Ipuls s
analog für Sprung-Dauern ∆Sprug s.
0
50
100
150
200
250
00:10 00:15 00:20 00:25 00:30
q/t_c_st q/t_c_st [90 s] q/t_c_is (gem) [90 s]
q/t_c_is (Prog) q/t_c_is (Prog) [90 s]
Wärmestromdichte in W/m²
Zeit [hh:mm]
s s s is s (Messung)
is (Prognose) is s (Prognose)
∆Sprug
∆isPh
⁄
�= .
87
In Gleichung 50 bleibt hingegen unberücksichtigt, dass der konvektive Wärme-
übergang im Falle einer anfangs vollständig ausgekühlten Plattenoberfläche
(�W = �∞) gemäß Gleichung 2 unmittelbar nach dem Beginn einer Wär-
mestromzufuhr (sobald �W > �∞) unendlich groß bilanziert wird. Dieser physi-
kalisch unbegründete Effekt, der dem Konzept des Bezugs von Wär-
mestromdichten auf Temperaturdifferenzen im stationären Fall geschuldet ist,
wird durch das verwendete Mittelungsintervall von 90 s jedoch ohnehin egali-
siert.
5.3.4 Modellanwendung und Prognosegüte für sprungartige
Änderungen
Abbildung 5.16 zeigt schematisch die Vorgehensweise des vorgestellten Prog-
nosemodells zur instationären konvektiven Wärmeübertragung bei sprungarti-
gen Änderungen der Randbedingungen mit anschließender Beharrung.
Abbildung 5.16: Anwendungsschema des Regressionsmodells für sprungartige
Änderungen
Als Eingangsgrößen dienen dabei die maximale Wärmestromdichte a, die
Temperaturdifferenz des Sprunges ∆�Sprug sowie die flächenspezifische Wär-
mekapazität der Plattenoberfläche �W�W
⁄. In Übereinstimmung mit Kapitel
5.2.4 werden zunächst die maximalen und mittleren Temperaturdifferenzen
∆�a s ud ∆� s des stationären Vergleichsfalls mit bekannten Berechnungs-
Korrelationen ermittelt, aus denen anschließend die zugehörigen Fluiddichten
�a s und � s resultieren. Unter Hinzunahme der Dauer der instationären
Phase im Verhältnis zur Dauer des Sprunges ∆isPh ∆Sprug
⁄ kann die dimensi-
Gl.
is
Gl.
�∞
�∞
a
∆�Sprug
∆�a s
∆� s
/L
�a s
� s
∆is/st
�,
�
∆is/st,isPh
Gl.
Gl.
Gl.
Gl.
∆isPh ∆Sprug
⁄
Gl.
�W�W
⁄
c,is
Gl.
88
onslose Größe � berechnet werden, die zusammen mit den Regressionspara-
metern � und zur mittleren Abweichung zwischen der instationären konvek-
tiven Wärmeübertragung und dem quasi-stationären Vergleichsfall ∆is/s isPh
führt. Unter der Annahme einer kontinuierlichen, linearen zeitlichen Zuwachs-
und Abklingrate der konvektiven Wärmeübertragungs-Intensität können die
zugehörigen Momentanwerte ∆is/s bestimmt werden. Wie im Falle der zyklisch
variierten Randbedingungen werden für die Prognose der insgesamt vorhande-
nen instationären konvektiven Wärmestromdichte eines Zeitpunkts is
schließlich die quasi-stationären Vergleichswerte addiert.
Ein Vergleich zwischen den Validierungsmessungen für sprungartige Änderun-
gen und den zugehörigen Prognosewerten des Berechnungsmodells der Glei-
chungen 45 bis 50 ist in Abbildung 5.17 dargestellt.
Abbildung 5.17: Prognosegüte des Regressionsmodells für sprungartige Änderungen
Dabei wird insgesamt ebenfalls eine gute Übereinstimmung deutlich. Die abso-
luten Differenzen zwischen Prognose und Messung liegen für die 110 Einzeler-
gebnisse zwischen 0 % im Minimum und 3,1 % im Maximum, wobei das arith-
metische Mittel 0,8 % beträgt. Die größten Prognosefehler treten in Überein-
stimmung mit der Standardabweichung der Wiederholungsmessungen (vgl.
Kapitel 5.3.1) wiederum für kleine Grashof-Zahlen (/L < ) auf.
y = 1,012x - 0,001
R² = 0,975
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
0% 5% 10% 15% 20% 25% 30%
∆is/s isPh (Messung)
∆is/s isPh (Prognose)
89
6 Zusammenfassung
Im Rahmen der dargestellten Untersuchungen wird die konvektive Wärme-
übertragung durch instationäre, natürliche Auftriebsströmungen an der verti-
kalen Platte betrachtet. Für derartige Strömungsformen ist aufgrund einer
Kopplung von Energie- und Impulstransport bislang keine Möglichkeit zur ana-
lytischen Berechnung des Temperatur- und Geschwindigkeitsfeldes bekannt. Im
Falle von vollständig ausgebildeten Strömungen werden daher semi-empirische
Näherungs-Korrelationen zur Berechnung der Wärmeübertragungs-Intensität
herangezogen.
Bisherige Betrachtungen von zeitlich veränderlichen freien Konvektionsströ-
mungen deuten bei hinreichend langsamen Änderungen auf ein quasi-
stationäres Verhalten der Wärmeübertragung hin. Für schnelle Änderungen
werden hingegen irreguläre Schwankungen der Grenzschichtgrößen beschrie-
ben (vgl. Kapitel 2.1). Der Fokus dieser Ausarbeitung liegt daher auf einer
Quantifizierung der Auswirkungen derartiger instationärer Strömungsfluktuati-
onen auf die konvektive Wärmeübertragung.
Mit Ausnahme von direkten Ansätzen lassen numerische Simulationen bei ei-
ner Analyse der beschriebenen Strömungsart aufgrund von verschiedenen Ein-
schränkungen der zugrundeliegenden Modellannahmen größere Unsicherhei-
ten erwarten (vgl. Kapitel 2.2). Die durchgeführten Betrachtungen beruhen da-
her auf einer experimentellen Herangehensweise. Dazu wird die Intensität der
konvektiven Wärmeübertragung an einer direkt-elektrisch beheizten Kupfer-
platte messtechnisch erfasst (vgl. Kapitel 3.1). Eine symmetrische Wärmeabga-
be und eine geringe thermische Eigenkapazität der beheizten Platte ermögli-
chen dabei auch die Messung von Momentanwerten der Wärmeübertragungs-
Intensität im instationären Fall. Der insgesamt 2 m hohen und 1 m breiten Plat-
te werden Impuls-Wärmestromdichten von bis zu 1.430 W/m² aufgeprägt, was
kurzfristigen Grashof-Zahlen von etwa L
* ≈ ∙ entspricht. Oberflächen-
temperaturen von maximal 100 °C im Dauerbetrieb führen im Maximum zu sta-
tionären Grashof-Zahlen von L ≈ ∙. Betrachtet werden dementspre-
chend sämtliche Strömungsformen (laminar, transient und vollturbulent). Eine
Validierung der stationären Wärmeübertragungs-Intensität zeigt eine sehr gute
Übereinstimmung zu bisherigen Literaturdaten.
90
Die instationäre Bewertung erfolgt im Vergleich zu einer quasi-stationären Be-
trachtungsweise, bei der der Strömung zu jedem Zeitpunkt die Wärmeübertra-
gungs-Intensität unterstellt wird, die sich für die jeweils aktuellen Randbedin-
gungen im stationären Fall einstellen würde (vgl. Kapitel 3.3).
Für eine grundlegende Analyse von Kausalzusammenhängen zwischen der kon-
vektiven Wärmeübertragung und variablen Strömungs-Randbedingungen einer
zyklischen Betriebsweise werden zunächst 52 Versuchsreihen mit Wär-
mestromdichten zwischen 57 W/m² und 1.430 W/m² bei Impulszeiten von 15 s
bis 1.800 s und einer Gesamt-Zyklusdauer von 510 s bis 2.700 s durchgeführt.
Der Verlauf der Momentanwerte der konvektiven Wärmeabfuhr zeigt dabei
während eines plötzlichen Wärmestrom-Impulses sowie einige Zeit danach eine
deutliche Überschreitung der quasi-stationären Vergleichswerte. Im zeitlichen
Mittel dieser instationären Phase wird eine Intensivierung der konvektiven
Wärmeübertragung von bis zu 23,8 % festgestellt. Nach dem Ende eines Wär-
mestromimpulses zeigt sich zunächst eine asymptotische Annäherung der
Momentanwerte an das quasi-stationäre Vergleichsniveau. Der Auskühlvor-
gang erfolgt schließlich in sämtlichen Versuchsreihen aufgrund der verhältnis-
mäßig langsamen zeitlichen Änderung der Oberflächentemperatur mit guter
Näherung quasi-stationär.
Für sprungartige Änderungen der Strömungs-Randbedingungen mit anschlie-
ßender Beharrung zeigt sich grundsätzlich eine sehr ähnliche Beeinflussung der
Wärmeübertragungs-Intensität. Aufgrund der Beharrung der Wärmezufuhr ver-
läuft die asymptotische Annäherung der Momentanwerte an das quasi-
stationäre Vergleichsniveau jedoch langsamer, als bei der plötzlichen Beendi-
gung der Beheizung im Falle der zyklischen Variationen. In 29 Versuchsreihen
mit maximalen Wärmestromdichten zwischen 74 W/m² und 1.430 W/m² und
Beharrungsniveaus der Oberflächentemperatur von 30 °C bis 90 °C bei einer
Umgebungstemperatur von 20 °C zeigen sich für die sprungartigen Änderungen
mittlere Abweichungen der Wärmeübertragungs-Intensität gegenüber dem
quasi-stationären Vergleichsniveau von bis zu 30,2 % innerhalb der instationä-
ren Phase.
Für beide Arten der Randbedingungsvariation liegt eine ausgeprägte Abhängig-
keit der Intensivierung der konvektiven Wärmeübertragung von der mittleren
Grashof-Zahl vor. So treten die Maximalwerte der instationären Wärmeüber-
91
tragung stets zu Beginn des laminar-turbulenten Transitionsgebiets auf, da die
Strömung dort am anfälligsten für Stabilitätsstörungen ist und ein lokales Mi-
nimum in der Wärmeübertragungsintensität aufweist.
Die Beeinflussung der freien Konvektionsströmung durch eine instationäre Be-
triebsweise wird darüber hinaus phänomenologisch mit Hilfe von Strömungsvi-
sualisierungen und Messungen der Geschwindigkeitsfluktuationen untersucht
(vgl. Kapitel 4). Auch dabei zeigen sich nach einer impulsartigen Variation der
Wärmestromzufuhr der beheizten Platte temporär deutliche Veränderungen
der Strömungsstrukturen. So bewirkt eine Beschleunigung von wandnahem
Fluid im Übergangsbereich zu ruhendem Umgebungsfluid Scherbewegungen,
die sich zu großskaligen Rotationsstrukturen (insbesondere Kelvin-Helmholtz-
Wirbeln) fortpflanzen und so eine verstärkte Durchmischung der Strömungs-
grenzschicht verursachen. Im weiteren zeitlichen Verlauf bilden sich die instati-
onären Strukturen wieder vollständig zurück, sodass eine quasi-stationäre
Strömung verbleibt.
Die exemplarische Messung von Strömungsgeschwindigkeiten innerhalb der
Grenzschicht lässt während eines Wärmestrom-Impulses sowie einige Zeit da-
nach ebenfalls stark ausgeprägte, irreguläre Fluktuationen erkennen. Diese
stehen sowohl in guter Übereinstimmung mit den bisherigen Literaturdaten, als
auch mit der gemessenen Dauer der instationären Phase der konvektiven
Wärmeübertragung.
Die experimentellen Erkenntnisse legen die physikalische Modellvorstellung
nahe, dass nach einer plötzlichen Erhöhung der Wärmeübertragung von der
Wand an das Fluid ein Überschuss an potentieller Energie in der Auftriebsströ-
mung vorliegt, der durch das vorübergehende Aufkommen von instationären
Strömungsstrukturen abgebaut wird, bis sich wieder ein stationäres Verhältnis
zwischen potentieller und kinetischer Energie einstellt.
Zur Prognose des Einflusses der instationären Strömungsstrukturen auf die
mittlere konvektive Wärmeübertragung wird eine dimensionslose Kennzahl �
vorgestellt (vgl. Kapitel 5), die gemäß der physikalischen Modellvorstellung den
mittleren Überschusses der potentiellen Energie innerhalb der instationären
Phase ausdrückt. Für das Berechnungsmodell, das außerdem die jeweilige mitt-
lere Grashof-Zahl berücksichtigt, werden die erforderlichen Regressionspara-
meter anhand von fünffach wiederholten Versuchsreihen bestimmt. Die erar-
92
beiteten Prognosemodelle weisen gegenüber den Messwerten mittlere Ge-
samtfehler von ca. 1,1 % bei zyklisch variierten Randbedingungen und von etwa
0,9 % bei sprungartigen Änderungen auf.
Neben der Prognose von mittleren Werten wird auch ein Modell zur Berech-
nung von Momentanwerten der instationären konvektiven Wärmeübertragung
vorgestellt. Dies beruht auf der Annahme, dass die zeitliche Änderung der
Wärmeübertragungs-Intensität bei konstanter Beschleunigung im Gravitations-
feld in erster Näherung linear verläuft. Der so prognostizierte zeitliche Verlauf
der instationären Wärmeübertragungs-Intensität zeigt eine gute grafische
Übereinstimmung mit gemessenen Momentanwerten.
93
7 Ausblick
Die dargestellten Erkenntnisse zur Wärmeübertragung durch instationäre freie
Konvektion an der vertikalen Platte beruhen ausschließlich auf Untersuchun-
gen, die in Luft durchgeführt werden. Dementsprechend stellt sich für weiter-
führende Betrachtungen zunächst die grundsätzliche Frage, ob die vorgestell-
ten analytischen Berechnungsmethoden in abweichenden Fluiden ihre Gültig-
keit behalten.
Damit einhergehend erscheint insbesondere eine Betrachtung zur Abhängigkeit
der Dauer der instationären Phase der konvektiven Wärmeübertragung von der
Prandtl-Zahl sinnvoll. So zeigt sich im Rahmen der hier durchgeführten Ver-
suchsreihen eine ausschließliche Abhängigkeit der Dauer der instationären
Phase von der Dauer eines Wärmestrom-Impulses und von der Gesamtdauer
eines Zyklus oder Sprungs (vgl. Kapitel 5.2.2 und 5.3.2). Aufgrund des individu-
ellen Verhältnisses von Impuls- und Wärmetransport innerhalb eines Fluids
liegt jedoch auch eine individuelle Dauer der Umwandlung von plötzlich einge-
brachter potentieller Energie in kinetische Energie durch instationäre Strö-
mungsstrukturen nahe.
Weitere Fragestellungen resultieren zudem bezüglich des Vorkommens und der
Intensität einer instationären konvektiven Wärmeübertragung bei abweichen-
den Strömungs-Geometrien und Strömungs-Arten (z.B. Mischkonvektion).
Zur Entwicklung von Modellen für die numerische Simulation von instationären
freien Konvektionsströmungen ist ferner eine Untersuchung der zeitlichen
Entwicklung der Geschwindigkeiten im Strömungsfeld erforderlich, da im Rah-
men dieser Untersuchung aufgrund einer invasiven Messmethodik lediglich ei-
ne phänomenologische Analyse der Fluktuationen erfolgt (vgl. Kapitel 4.2).
Für die vertikale Platte erscheint darüber hinaus eine Betrachtung von weiteren
Randbedingungs-Variationen sinnvoll. Beispielsweise wäre die gezielt instatio-
näre Betriebsweise einer Raumheizfläche mit wasserbasierter Wärmezufuhr
vergleichbar mit der impulsartigen Aufprägung einer inhomogenen Wär-
mestromdichte. Die verzögerte asymptotische Annäherung der Momentanwer-
te der instationären konvektiven Wärmeübertragung an das quasi-stationäre
Vergleichsniveau bei sprungartigen Änderungen mit anschließender Beharrung
im Vergleich zur vollständigen Beendigung der Wärmestromzufuhr bei zykli-
95
A Anhang
Nachfolgend werden die Ergebnisse der Validierungs-Versuchsreihen zur insta-
tionären Betriebsweise in tabellarischer Form aufgeführt. Angegeben ist jeweils
das arithmetische Mittel aus fünf Wiederholungsmessungen (vgl. Kapitel 5.2.1
und 5.3.1). Gemäß der in Kapitel 1.1.1 beschriebenen Konvention zur Auswer-
tung von Teilbereichen des Strömungsgebiets liegen für jede Versuchsreihe
zehn Bilanzergebnisse vor. Die Zeilen der aufgelisteten Versuchsreihen bezie-
hen sich somit jeweils auf die Strömungs-Teilbereiche � =
⁄,
� =
⁄, � =
⁄, � =
⁄, � =
⁄, � = .
⁄,
� = .
⁄, � = .
⁄, � = .
⁄ und � = .
⁄.
A.1 Ergebnisse der Validierungsmessungen für zyklische
Variationen
Tabelle A.1 enthält die Betrachtungsergebnisse der Validierungs-Versuchs-
reihen für zyklisch variierte Randbedingungen (Kapitel 5.2.1). Die Randbedin-
gungen werden im Format hh:mm:ss sowie in den Einheiten W/m², K und K/s
angegeben.
Tabelle A.1: Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für zyklische Variationen
Randbedingungen
�
/L,Zkl.
�
/L,Zkl.
*
�*
��
st,/L,Zkl.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = s
4,44E+07
1,90E+09
1,99
45
-1,7%
±0,5%
∆Zklus
00:07:58
3,74E+08
2,94E+10
2,01
76
5,7%
±0,3%
∆isPh
00:04:12
1,31E+09
1,46E+11
2,03
105
8,7%
±0,2%
Zklus
316
3,17E+09
4,54E+11
2,03
135
9,2%
±0,3%
isPh
358
6,24E+09
1,10E+12
2,02
170
6,9%
±0,3%
Ipuls
843,1
1,07E+10
2,30E+12
2,02
212
4,4%
±0,5%
∆�L i
49,0
1,69E+10
4,29E+12
2,01
254
3,2%
±0,5%
∆�L a
73,1
2,49E+10
7,36E+12
2,00
294
3,4%
±0,4%
�W L τ Ipuls
⁄
0,145
3,53E+10
1,18E+13
2,00
334
3,6%
±0,4%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,091
4,81E+10
1,81E+13
2,00
374
3,7%
±0,3%
96
Tabelle A.1 (Fortsetzung): Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für
zyklische Variationen
Randbedingungen
�
/L,Zkl.
�
/L,Zkl.
*
�*
��
st,/L,Zkl.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = s
1,42E+07
4,67E+08
2,42
36
-3,5%
±0,9%
∆Zklus
00:14:40
1,21E+08
7,36E+09
2,43
61
4,5%
±0,8%
∆isPh
00:06:55
4,28E+08
3,70E+10
2,44
83
7,6%
±0,7%
Zklus
58
1,05E+09
1,17E+11
2,44
105
9,5%
±0,5%
isPh
69
2,11E+09
2,84E+11
2,44
128
9,6%
±0,4%
Ipuls
175,6
3,69E+09
5,88E+11
2,44
153
8,9%
±0,5%
∆�L i
12,6
5,91E+09
1,09E+12
2,44
179
7,4%
±0,6%
∆�L a
21,5
8,85E+09
1,86E+12
2,44
205
7,3%
±0,8%
�W L τ Ipuls
⁄
0,033
1,26E+10
2,98E+12
2,44
234
6,3%
±1,1%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,018
1,72E+10
4,54E+12
2,44
263
5,8%
±1,1%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = s
2,41E+07
8,93E+08
2,85
40
-1,1%
±0,9%
∆Zklus
00:08:48
2,04E+08
1,40E+10
2,89
67
7,1%
±0,3%
∆isPh
00:03:41
7,21E+08
7,01E+10
2,92
93
9,6%
±0,3%
Zklus
121
1,77E+09
2,20E+11
2,92
117
10,7%
±0,4%
isPh
149
3,52E+09
5,35E+11
2,91
145
9,6%
±0,4%
Ipuls
726,7
6,13E+09
1,11E+12
2,90
175
7,8%
±0,7%
∆�L i
23,0
9,75E+09
2,05E+12
2,89
207
6,1%
±0,7%
∆�L a
37,3
1,45E+10
3,51E+12
2,88
240
5,7%
±0,7%
�W L τ Ipuls
⁄
0,166
2,05E+10
5,63E+12
2,88
275
5,2%
±0,7%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,038
2,79E+10
8,60E+12
2,87
309
4,9%
±0,6%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = s
1,08E+07
3,39E+08
3,35
35
0,7%
±2,6%
∆Zklus
00:19:52
9,25E+07
5,36E+09
3,37
58
8,4%
±1,4%
∆isPh
00:05:51
3,28E+08
2,68E+10
3,39
80
9,4%
±0,9%
Zklus
41
8,08E+08
8,46E+10
3,39
101
11,4%
±0,9%
isPh
56
1,62E+09
2,06E+11
3,39
122
11,8%
±0,6%
Ipuls
217,3
2,85E+09
4,28E+11
3,39
145
11,4%
±0,6%
∆�L i
8,3
4,57E+09
7,93E+11
3,39
170
10,3%
±0,8%
∆�L a
18,7
6,87E+09
1,35E+12
3,38
192
10,4%
±0,7%
�W L τ Ipuls
⁄
0,049
9,77E+09
2,17E+12
3,38
219
9,3%
±0,8%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,014
1,34E+10
3,31E+12
3,38
247
8,3%
±0,7%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = s
1,77E+07
6,11E+08
3,77
37
2,0%
±1,2%
∆Zklus
00:12:18
1,50E+08
9,61E+09
3,83
63
9,2%
±0,5%
∆isPh
00:03:55
5,31E+08
4,83E+10
3,87
87
12,1%
±0,6%
Zklus
78
1,30E+09
1,52E+11
3,87
111
13,1%
±0,5%
isPh
108
2,61E+09
3,70E+11
3,86
135
12,8%
±0,3%
Ipuls
724,5
4,57E+09
7,66E+11
3,85
162
11,7%
±0,2%
∆�L i
15,3
7,29E+09
1,42E+12
3,84
191
9,7%
±0,3%
∆�L a
29,3
1,09E+10
2,42E+12
3,81
219
9,4%
±0,4%
�W L τ Ipuls
⁄
0,177
1,55E+10
3,88E+12
3,81
250
8,6%
±0,5%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,026
2,10E+10
5,92E+12
3,81
282
8,1%
±0,5%
97
Tabelle A.1 (Fortsetzung): Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für
zyklische Variationen
Randbedingungen
�
/L,Zkl.
�
/L,Zkl.
*
�*
��
st,/L,Zkl.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
9,21E+06
2,79E+08
4,27
34
1,2%
±3,0%
∆Zklus
00:24:04
7,87E+07
4,43E+09
4,30
57
9,6%
±2,3%
∆isPh
00:05:28
2,79E+08
2,23E+10
4,32
78
11,4%
±1,1%
Zklus
34
6,89E+08
7,00E+10
4,33
98
12,8%
±0,5%
isPh
52
1,38E+09
1,71E+11
4,33
119
13,9%
±0,3%
Ipuls
276,3
2,43E+09
3,55E+11
4,32
142
14,0%
±0,8%
∆�L i
6,2
3,91E+09
6,58E+11
4,32
165
13,0%
±0,7%
∆�L a
17,5
5,88E+09
1,12E+12
4,31
186
13,0%
±0,8%
�W L τ Ipuls
⁄
0,067
8,37E+09
1,79E+12
4,31
211
11,5%
±0,9%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,012
1,14E+10
2,73E+12
4,30
238
10,7%
±0,8%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = s
1,37E+07
4,51E+08
4,70
36
1,9%
±1,4%
∆Zklus
00:15:52
1,17E+08
7,11E+09
4,77
61
9,5%
±1,0%
∆isPh
00:04:09
4,14E+08
3,58E+10
4,83
84
13,2%
±0,6%
Zklus
56
1,02E+09
1,13E+11
4,83
106
14,7%
±0,3%
isPh
85
2,04E+09
2,75E+11
4,82
129
14,6%
±0,5%
Ipuls
723,5
3,58E+09
5,69E+11
4,81
154
14,0%
±1,2%
∆�L i
10,8
5,73E+09
1,05E+12
4,79
180
12,8%
±1,1%
∆�L a
24,3
8,58E+09
1,80E+12
4,76
205
12,6%
±1,5%
�W L τ Ipuls
⁄
0,182
1,22E+10
2,88E+12
4,76
235
11,5%
±1,6%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,020
1,66E+10
4,39E+12
4,76
265
10,8%
±1,6%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
8,27E+06
2,47E+08
5,18
33
2,5%
±1,4%
∆Zklus
00:28:04
7,07E+07
3,92E+09
5,23
56
10,2%
±1,3%
∆isPh
00:05:02
2,51E+08
1,98E+10
5,27
77
13,0%
±1,0%
Zklus
30
6,21E+08
6,24E+10
5,28
97
15,1%
±0,6%
isPh
51
1,25E+09
1,52E+11
5,28
117
15,3%
±0,7%
Ipuls
343,3
2,20E+09
3,16E+11
5,27
140
15,1%
±0,8%
∆�L i
5,0
3,53E+09
5,85E+11
5,26
163
14,1%
±1,0%
∆�L a
17,2
5,32E+09
9,98E+11
5,24
182
14,6%
±0,8%
�W L τ Ipuls
⁄
0,086
7,57E+09
1,60E+12
5,24
207
13,0%
±0,7%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,011
1,04E+10
2,43E+12
5,24
233
12,0%
±0,7%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
1,12E+07
3,56E+08
5,62
36
4,7%
±1,0%
∆Zklus
00:19:20
9,59E+07
5,62E+09
5,72
60
12,8%
±0,5%
∆isPh
00:03:46
3,40E+08
2,83E+10
5,79
82
14,9%
±1,0%
Zklus
43
8,40E+08
8,93E+10
5,79
103
16,3%
±0,6%
isPh
72
1,69E+09
2,17E+11
5,78
125
15,8%
±0,8%
Ipuls
743,6
2,96E+09
4,51E+11
5,76
148
14,9%
±1,3%
∆�L i
8,2
4,75E+09
8,35E+11
5,74
173
13,8%
±1,3%
∆�L a
21,2
7,14E+09
1,42E+12
5,70
196
13,7%
±1,2%
�W L τ Ipuls
⁄
0,191
1,02E+10
2,28E+12
5,70
225
12,1%
±1,1%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,016
1,39E+10
3,48E+12
5,69
253
11,3%
±1,0%
98
Tabelle A.1 (Fortsetzung): Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für
zyklische Variationen
Randbedingungen
�
/L,Zkl.
�
/L,Zkl.
*
�*
��
st,/L,Zkl.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
9,76E+06
3,02E+08
6,66
34
5,0%
±1,7%
∆Zklus
00:22:40
8,34E+07
4,77E+09
6,78
57
12,5%
±1,2%
∆isPh
00:04:05
2,96E+08
2,41E+10
6,87
79
15,8%
±0,8%
Zklus
36
7,31E+08
7,58E+10
6,88
99
17,1%
±0,3%
isPh
65
1,47E+09
1,85E+11
6,86
120
17,2%
±0,2%
Ipuls
828,0
2,58E+09
3,83E+11
6,83
143
16,7%
±0,5%
∆�L i
6,6
4,14E+09
7,09E+11
6,81
167
15,5%
±0,8%
∆�L a
19,6
6,22E+09
1,21E+12
6,76
188
15,6%
±0,8%
�W L τ Ipuls
⁄
0,216
8,86E+09
1,94E+12
6,76
214
14,6%
±0,9%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,014
1,21E+10
2,95E+12
6,75
241
13,7%
±0,9%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
1,21E+07
3,85E+08
7,30
35
6,7%
±3,2%
∆Zklus
00:17:44
1,03E+08
6,08E+09
7,47
59
13,2%
±1,8%
∆isPh
00:03:35
3,65E+08
3,07E+10
7,62
82
16,6%
±0,8%
Zklus
47
8,99E+08
9,66E+10
7,61
103
17,8%
±0,2%
isPh
80
1,80E+09
2,35E+11
7,57
125
17,5%
±0,4%
Ipuls
1.405,7
3,17E+09
4,88E+11
7,53
149
16,6%
±0,5%
∆�L i
9,0
5,09E+09
9,03E+11
7,49
175
14,6%
±0,7%
∆�L a
22,7
7,64E+09
1,54E+12
7,40
199
14,4%
±1,0%
�W L τ Ipuls
⁄
0,362
1,09E+10
2,47E+12
7,40
227
13,3%
±1,3%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,017
1,48E+10
3,76E+12
7,38
255
12,6%
±1,2%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
8,76E+06
2,66E+08
7,69
34
6,6%
±1,0%
∆Zklus
00:26:06
7,49E+07
4,20E+09
7,84
57
14,0%
±1,3%
∆isPh
00:04:07
2,66E+08
2,12E+10
7,95
78
17,0%
±1,2%
Zklus
32
6,57E+08
6,69E+10
7,96
97
18,4%
±0,5%
isPh
61
1,32E+09
1,63E+11
7,93
118
18,7%
±0,5%
Ipuls
893,3
2,33E+09
3,38E+11
7,90
141
18,0%
±0,7%
∆�L i
5,5
3,74E+09
6,26E+11
7,87
164
16,6%
±1,3%
∆�L a
18,8
5,63E+09
1,07E+12
7,81
183
17,0%
±1,4%
�W L τ Ipuls
⁄
0,234
8,02E+09
1,71E+12
7,81
208
16,2%
±1,5%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,013
1,10E+10
2,61E+12
7,80
233
15,4%
±1,3%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
1,12E+07
3,55E+08
8,50
36
6,7%
±1,6%
∆Zklus
00:24:47
9,54E+07
5,60E+09
8,70
60
13,5%
±0,1%
∆isPh
00:03:38
3,39E+08
2,83E+10
8,88
82
17,1%
±0,7%
Zklus
43
8,36E+08
8,91E+10
8,86
103
18,6%
±0,4%
isPh
87
1,68E+09
2,17E+11
8,82
125
18,8%
±0,4%
Ipuls
1.405,3
2,95E+09
4,50E+11
8,77
149
17,5%
±0,4%
∆�L i
6,9
4,73E+09
8,33E+11
8,72
174
16,3%
±0,5%
∆�L a
24,3
7,09E+09
1,42E+12
8,61
198
16,4%
±0,9%
�W L τ Ipuls
⁄
0,368
1,01E+10
2,28E+12
8,61
227
15,5%
±1,5%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,018
1,38E+10
3,47E+12
8,60
256
14,9%
±1,6%
99
Tabelle A.1 (Fortsetzung): Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für
zyklische Variationen
Randbedingungen
�
/L,Zkl.
�
/L,Zkl.
*
�*
��
st,/L,Zkl.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
7,83E+06
2,36E+08
8,78
33
11,1%
±1,5%
∆Zklus
00:29:44
6,70E+07
3,72E+09
8,95
56
16,1%
±0,8%
∆isPh
00:04:02
2,38E+08
1,88E+10
9,09
77
18,3%
±0,9%
Zklus
28
5,89E+08
5,92E+10
9,10
97
19,9%
±0,8%
isPh
59
1,18E+09
1,44E+11
9,07
118
19,8%
±0,3%
Ipuls
961,8
2,08E+09
2,99E+11
9,03
140
19,5%
±0,5%
∆�L i
4,4
3,34E+09
5,54E+11
8,99
163
18,3%
±0,6%
∆�L a
18,0
5,03E+09
9,45E+11
8,92
181
19,0%
±0,6%
�W L τ Ipuls
⁄
0,255
7,17E+09
1,51E+12
8,91
205
17,9%
±0,9%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,012
9,82E+09
2,31E+12
8,90
230
17,1%
±1,0%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
1,00E+07
3,15E+08
9,12
35
8,2%
±2,0%
∆Zklus
00:30:54
8,55E+07
4,97E+09
9,32
60
14,8%
±0,5%
∆isPh
00:04:08
3,04E+08
2,51E+10
9,49
81
18,5%
±0,2%
Zklus
38
7,51E+08
7,91E+10
9,48
102
19,7%
±0,4%
isPh
86
1,51E+09
1,93E+11
9,44
124
20,1%
±0,4%
Ipuls
1.268,0
2,65E+09
4,00E+11
9,39
148
19,7%
±0,7%
∆�L i
5,4
4,25E+09
7,40E+11
9,34
172
18,8%
±0,9%
∆�L a
24,3
6,38E+09
1,26E+12
9,24
194
19,2%
±1,1%
�W L τ Ipuls
⁄
0,333
9,08E+09
2,02E+12
9,24
222
18,2%
±1,1%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,017
1,24E+10
3,09E+12
9,23
251
17,3%
±1,1%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
7,72E+06
2,32E+08
9,62
33
9,2%
±1,2%
∆Zklus
00:30:44
6,61E+07
3,66E+09
9,83
56
15,2%
±1,3%
∆isPh
00:04:09
2,35E+08
1,85E+10
10,00
76
18,8%
±1,4%
Zklus
28
5,82E+08
5,84E+10
9,99
95
20,5%
±0,9%
isPh
60
1,17E+09
1,42E+11
9,96
115
20,8%
±0,3%
Ipuls
1.109,0
2,06E+09
2,95E+11
9,91
137
20,5%
±0,6%
∆�L i
4,3
3,31E+09
5,46E+11
9,86
159
19,9%
±0,6%
∆�L a
18,2
4,98E+09
9,32E+11
9,77
178
20,1%
±0,9%
�W L τ Ipuls
⁄
0,292
7,10E+09
1,49E+12
9,77
202
18,8%
±1,1%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,012
9,72E+09
2,28E+12
9,75
228
17,8%
±1,3%
∆Ipuls = s, ∆Auskhlug = . s
7,62E+06
2,30E+08
10,51
32
11,1%
±1,8%
∆Zklus
00:30:36
6,53E+07
3,62E+09
10,76
54
17,3%
±2,4%
∆isPh
00:03:56
2,32E+08
1,83E+10
10,97
75
19,4%
±1,3%
Zklus
27
5,75E+08
5,77E+10
10,96
93
21,8%
±0,4%
isPh
59
1,16E+09
1,41E+11
10,91
113
22,0%
±0,4%
Ipuls
1.319,2
2,04E+09
2,92E+11
10,85
135
21,2%
±0,6%
∆�L i
4,2
3,27E+09
5,40E+11
10,79
157
19,9%
±1,2%
∆�L a
18,0
4,92E+09
9,21E+11
10,66
177
19,5%
±1,1%
�W L τ Ipuls
⁄
0,347
7,02E+09
1,48E+12
10,66
201
17,9%
±1,0%
�W L τ Auskhlug
⁄
-0,012
9,60E+09
2,25E+12
10,65
226
17,2%
±1,1%
100
A.2 Ergebnisse der Validierungsmessungen für sprungartige
Änderungen
Tabelle A.2 zeigt die Ergebnisse der Validierungs-Versuchsreihen für sprungar-
tig veränderte Randbedingungen (Kapitel 5.3.1). Die Randbedingungen werden
hier im Format hh:mm:ss sowie in den Einheiten W/m², K, 1/s und K/s angege-
ben.
Tabelle A.2: Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für sprungartige
Änderungen
Randbedingungen
�
/L,Spr.
�/L,m
�
��
st,/L,Spr.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆�Sprug = K
3,09E+07
2,08E+07
0,81
42
0,8%
±1,5%
∆Sprug
00:23:44
2,54E+08
1,68E+08
0,82
72
6,6%
±1,1%
∆isPh
00:15:26
8,72E+08
5,69E+08
0,82
99
9,7%
±0,7%
Sprug
168
2,09E+09
1,35E+09
0,83
125
10,2%
±1,1%
isPh
129
4,09E+09
2,64E+09
0,83
154
9,7%
±1,9%
a
316,2
7,09E+09
4,57E+09
0,82
189
8,8%
±1,8%
∆�L i
0,0
1,12E+10
7,26E+09
0,82
227
7,5%
±1,5%
∆�L a
50,1
1,68E+10
1,08E+10
0,82
263
7,3%
±1,1%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
1,74E-03
2,38E+10
1,54E+10
0,82
300
7,1%
±0,9%
�W L τ Sprug
⁄
0,065
3,26E+10
2,12E+10
0,82
337
6,9%
±0,8%
∆�Sprug = K
2,20E+07
1,81E+07
1,59
41
8,1%
±0,6%
∆Sprug
00:05:27
1,78E+08
1,46E+08
1,62
68
11,5%
±0,7%
∆isPh
00:09:08
6,05E+08
4,97E+08
1,64
93
12,5%
±0,6%
Sprug
113
1,44E+09
1,18E+09
1,64
116
13,4%
±0,5%
isPh
149
2,82E+09
2,31E+09
1,64
141
13,9%
±0,7%
a
587,0
4,88E+09
3,99E+09
1,63
170
13,7%
±0,8%
∆�L i
0,0
7,75E+09
6,34E+09
1,63
202
13,1%
±0,9%
∆�L a
41,4
1,16E+10
9,47E+09
1,62
235
12,5%
±0,7%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,004
1,65E+10
1,35E+10
1,62
270
12,0%
±0,5%
�W L τ Sprug
⁄
0,143
2,26E+10
1,85E+10
1,62
305
11,8%
±0,5%
∆�Sprug = K
1,75E+07
1,51E+07
2,44
40
11,8%
±1,1%
∆Sprug
00:03:00
1,41E+08
1,22E+08
2,48
65
15,2%
±0,8%
∆isPh
00:07:01
4,78E+08
4,12E+08
2,52
89
16,2%
±0,7%
Sprug
91
1,14E+09
9,78E+08
2,52
111
17,1%
±0,8%
isPh
125
2,22E+09
1,91E+09
2,52
135
17,6%
±1,0%
a
766,5
3,84E+09
3,30E+09
2,51
161
17,8%
±1,2%
∆�L i
0,0
6,10E+09
5,25E+09
2,50
189
17,6%
±1,4%
∆�L a
32,6
9,12E+09
7,84E+09
2,48
218
17,3%
±1,4%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,006
1,30E+10
1,12E+10
2,48
251
16,6%
±1,3%
�W L τ Sprug
⁄
0,196
1,78E+10
1,53E+10
2,48
284
16,0%
±1,1%
101
Tabelle A.2 (Fortsetzung): Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für
sprungartige Änderungen
Randbedingungen
�
/L,Spr.
�/L,m
�
��
st,/L,Spr.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆�Sprug = K
1,46E+07
1,29E+07
3,28
38
14,1%
±1,7%
∆Sprug
00:02:02
1,17E+08
1,03E+08
3,35
63
18,1%
±0,7%
∆isPh
00:05:32
3,96E+08
3,48E+08
3,40
87
18,8%
±0,7%
Sprug
69
9,43E+08
8,27E+08
3,41
108
19,0%
±0,5%
isPh
102
1,83E+09
1,61E+09
3,40
132
19,6%
±0,3%
a
893,3
3,17E+09
2,79E+09
3,38
157
19,6%
±0,7%
∆�L i
0,0
5,04E+09
4,44E+09
3,37
183
19,3%
±0,8%
∆�L a
26,6
7,55E+09
6,63E+09
3,34
208
19,4%
±0,9%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,009
1,08E+10
9,44E+09
3,34
239
18,7%
±0,9%
�W L τ Sprug
⁄
0,236
1,48E+10
1,29E+10
3,34
271
17,8%
±1,0%
∆�Sprug = K
1,16E+07
1,04E+07
4,17
36
14,4%
±0,3%
∆Sprug
00:01:30
9,34E+07
8,29E+07
4,26
61
17,7%
±0,8%
∆isPh
00:05:14
3,15E+08
2,80E+08
4,33
83
18,4%
±1,3%
Sprug
46
7,51E+08
6,66E+08
4,34
104
19,5%
±1,2%
isPh
78
1,46E+09
1,30E+09
4,33
126
20,5%
±0,6%
a
937,2
2,52E+09
2,25E+09
4,31
150
20,5%
±0,7%
∆�L i
0,0
4,01E+09
3,57E+09
4,29
175
20,3%
±0,3%
∆�L a
20,7
6,01E+09
5,33E+09
4,26
197
20,5%
±0,3%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,013
8,56E+09
7,59E+09
4,25
226
19,7%
±0,5%
�W L τ Sprug
⁄
0,252
1,17E+10
1,04E+10
4,25
255
18,8%
±0,5%
∆�Sprug = K
1,01E+07
9,05E+06
5,15
36
14,0%
±1,7%
∆Sprug
00:01:10
8,12E+07
7,22E+07
5,27
59
18,7%
±2,2%
∆isPh
00:04:51
2,73E+08
2,44E+08
5,36
81
20,7%
±1,2%
Sprug
35
6,51E+08
5,79E+08
5,37
101
21,6%
±0,9%
isPh
66
1,26E+09
1,13E+09
5,35
121
22,5%
±0,7%
a
1.031,2
2,18E+09
1,95E+09
5,33
143
22,2%
±0,4%
∆�L i
0,0
3,47E+09
3,10E+09
5,30
167
21,9%
±1,0%
∆�L a
17,6
5,20E+09
4,63E+09
5,26
187
22,2%
±1,8%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,016
7,42E+09
6,59E+09
5,25
214
21,6%
±1,9%
�W L τ Sprug
⁄
0,279
1,02E+10
9,04E+09
5,25
242
20,6%
±1,7%
∆�Sprug = K
8,52E+06
7,63E+06
6,05
34
13,5%
±2,4%
∆Sprug
00:00:58
6,88E+07
6,11E+07
6,19
57
18,4%
±2,1%
∆isPh
00:05:02
2,31E+08
2,07E+08
6,30
78
19,8%
±1,4%
Sprug
22
5,51E+08
4,91E+08
6,31
97
21,3%
±0,8%
isPh
55
1,07E+09
9,58E+08
6,29
117
22,8%
±0,7%
a
1.054,3
1,85E+09
1,66E+09
6,26
139
23,7%
±1,0%
∆�L i
0,0
2,93E+09
2,63E+09
6,23
162
23,7%
±1,1%
∆�L a
14,7
4,41E+09
3,93E+09
6,17
181
23,8%
±1,6%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,020
6,28E+09
5,60E+09
6,17
205
23,2%
±2,0%
�W L τ Sprug
⁄
0,285
8,62E+09
7,68E+09
6,16
231
22,0%
±1,9%
102
Tabelle A.2 (Fortsetzung): Ergebnisübersicht der Validierungsmessungen für
sprungartige Änderungen
Randbedingungen
�
/L,Spr.
�/L,m
�
��
st,/L,Spr.
∆is/st,isPh
(5 Wdh.)
∆�Sprug = K
7,35E+06
6,67E+06
6,80
33
15,9%
±1,7%
∆Sprug
00:00:50
5,94E+07
5,34E+07
6,95
55
20,7%
±1,6%
∆isPh
00:04:30
1,99E+08
1,80E+08
7,08
75
22,1%
±1,2%
Sprug
15
4,76E+08
4,27E+08
7,08
93
23,4%
±0,6%
isPh
45
9,20E+08
8,34E+08
7,06
112
25,5%
±0,6%
a
1.053,8
1,59E+09
1,44E+09
7,03
134
25,5%
±1,2%
∆�L i
0,0
2,53E+09
2,29E+09
7,00
157
24,7%
±1,9%
∆�L a
12,7
3,80E+09
3,42E+09
6,93
175
23,8%
±1,6%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,023
5,43E+09
4,87E+09
6,93
198
22,8%
±1,3%
�W L τ Sprug
⁄
0,284
7,44E+09
6,69E+09
6,92
222
21,2%
±1,4%
∆�Sprug = K
6,25E+06
5,66E+06
7,91
32
17,5%
±2,9%
∆Sprug
00:00:43
5,07E+07
4,52E+07
8,09
53
22,0%
±3,4%
∆isPh
00:04:17
1,70E+08
1,53E+08
8,24
72
24,1%
±1,2%
Sprug
7
4,07E+08
3,64E+08
8,25
89
23,7%
±0,9%
isPh
38
7,86E+08
7,12E+08
8,22
108
26,3%
±0,6%
a
1.076,7
1,36E+09
1,23E+09
8,18
130
26,0%
±0,9%
∆�L i
0,0
2,16E+09
1,95E+09
8,14
152
25,8%
±0,8%
∆�L a
10,7
3,25E+09
2,92E+09
8,07
169
26,5%
±1,5%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,028
4,64E+09
4,16E+09
8,06
191
25,4%
±2,0%
�W L τ Sprug
⁄
0,289
6,36E+09
5,71E+09
8,05
214
24,4%
±2,2%
∆�Sprug = K
5,77E+06
5,18E+06
8,90
31
15,9%
±1,5%
∆Sprug
00:00:38
4,67E+07
4,13E+07
9,11
51
22,7%
±1,7%
∆isPh
00:04:35
1,56E+08
1,40E+08
9,27
70
22,8%
±1,3%
Sprug
7
3,75E+08
3,32E+08
9,28
87
25,0%
±0,7%
isPh
34
7,24E+08
6,51E+08
9,25
105
27,2%
±0,5%
a
1.128,0
1,25E+09
1,13E+09
9,21
127
27,5%
±0,9%
∆�L i
0,0
1,99E+09
1,79E+09
9,16
149
27,1%
±1,8%
∆�L a
9,7
2,99E+09
2,67E+09
9,07
164
27,5%
±1,4%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,032
4,27E+09
3,80E+09
9,07
186
26,5%
±2,1%
�W L τ Sprug
⁄
0,298
5,86E+09
5,22E+09
9,05
208
25,3%
±1,5%
∆�Sprug = K
6,04E+06
5,20E+06
10,88
31
15,8%
±1,8%
∆Sprug
00:00:34
4,87E+07
4,15E+07
11,16
52
21,2%
±2,4%
∆isPh
00:04:32
1,63E+08
1,41E+08
11,40
71
23,9%
±2,1%
Sprug
-3
3,91E+08
3,34E+08
11,40
87
26,4%
±1,7%
isPh
35
7,56E+08
6,54E+08
11,35
105
29,1%
±1,1%
a
1.393,9
1,31E+09
1,13E+09
11,29
126
30,2%
±0,4%
∆�L i
0,0
2,08E+09
1,79E+09
11,22
148
29,6%
±0,7%
∆�L a
9,7
3,12E+09
2,67E+09
11,09
164
30,0%
±0,6%
a (∆�Sprug ∙�W�W
⁄)
⁄
0,040
4,46E+09
3,80E+09
11,08
186
28,5%
±0,6%
�W L τ Sprug
⁄
0,361
6,11E+09
5,21E+09
11,06
208
26,9%
±0,8%
103
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Fortschritt-Berichte VDI
Michael Schaub, M.Sc.
Berlin
Nr. 162
Wärmetechnik/
Kältetechnik
Reihe 19
Experimentelle
Betrachtung der
Wärmeübertragung
durch instationäre
freie Konvektion an
der vertikalen Platte
Schaub Instationäre konvektive Wärmeübertragung Reihe 19 · Nr. 162
Die Reihen der Fortschritt-Berichte VDI:
1 Konstruktionstechnik/Maschinenelemente
2 Fertigungstechnik
3 Verfahrenstechnik
4 Bauingenieurwesen
5 Grund- und Werkstoffe/Kunststoffe
6 Energietechnik
7 Strömungstechnik
8 Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik
9 Elektronik/Mikro- und Nanotechnik
10 Informatik/Kommunikation
11 Schwingungstechnik
12 Verkehrstechnik/Fahrzeugtechnik
13 Fördertechnik/Logistik
14 Landtechnik/Lebensmitteltechnik
15 Umwelttechnik
16 Technik und Wirtschaft
17 Biotechnik/Medizintechnik
18 Mechanik/Bruchmechanik
19 Wärmetechnik/Kältetechnik
20 Rechnerunterstützte Verfahren (CAD, CAM, CAE CAQ, CIM ...)
21 Elektrotechnik
22 Mensch-Maschine-Systeme
23 Technische Gebäudeausrüstung
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