Einfluss von Material- und Strukturparametern zur
Performancesteigerung von Lithium-Luft-Batterien
vorgelegt von
M. Sc.
Dennis Meiling
an der Fakultät IV – Elektrotechnik und Informatik
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
-Dr.-Ing.-
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Ronald Plath
Gutachterin: Prof. Dr.-Ing. Julia Kowal
Gutachter: Prof. Dr. rer. nat. Philipp Adelhelm
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Thomas Turek
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 30. August 2021
Berlin 2021
Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass das Flugzeug gegen den Wind
abhebt, nicht mit ihm.
Henry Ford
Für die Wissbegierde
Für den Glauben an mich
Für Euch
Jörg, Heike und Sylvia
VII
Danksagung
An erster Stelle danke ich meiner Doktormutter Prof. Dr. -Ing. Julia Kowal für die Möglichkeit im
Fachgebiet EET mein Forschungsprojekt zu Lithium-Luft-Batterien zu bearbeiten und meine
Dissertation anzufertigen. Vielen Dank für die vielen kleinen und großen Hilfestellungen und dafür,
dass du immer zur Stelle warst, um mit mir die zahlreichen Probleme dieses Projektes zu diskutieren
und mit großem Einsatz aus der Welt zu schaffen.
Ich danke Prof. Dr. Philipp Adelhelm für die Übernahme des Zweitgutachtens und Prof. Dr. Thomas
Turek für die Übernahme des Drittgutachtens.
Ich danke Dr. Stefan Berendts dafür, dass er mir sein Labor zur Verfügung gestellt hat, damit ich meine
zahlreichen Kohlenstoff- und Nanopartikelsynthesen durchführen konnte. Auch wenn ich den einen
oder anderen Abzug über längere Zeit unaufgeräumt hinterlassen, einen Kalzinierungsofen zur
„Weißglut“ getrieben und den einen oder anderen Feueralarm ausgelöst habe, du warst immer
hilfsbereit und mir eine solide Stütze beim Bewältigen dieses Projektes.
Ich danke außerdem Dr. Raphael de Lima für die permanente Bereitschaft zur Klärung
wissenschaftlicher Phänomene und die Hilfe bei der Synthese und Charakterisierung der einen oder
anderen Materialprobe.
Ich möchte mich auch bei Christoph Fahrenson für die sehr gut gelungenen REM-Aufnahmen
bedanken. Das stundenlange Fokussieren, Hinein- und Herauszoomen waren nie langweilig und jedes
Mal sehr unterhaltsam.
Zudem danke ich Dr. Jan Dirk Epping für die Hilfe zu chemischen Fragestellungen und der
Unterstützung bei den NMR-DOSY Experimenten.
Ein großes Dankeschön geht ebenso an meinen Projektpartner Markus Osenberg, der mithilfe der
Tomographieuntersuchungen und Rekonstruktionen einiges zu diesem Projekt beisteuern konnte.
Ich danke zudem David Dahnke, aus dem Fachgebiet der Bauchemie, der mir durch die
Quecksilberporositätsmessungen einen Großteil der Materialcharakterisierung der Kohlenstoffe
ermöglicht hat.
Vielen Dank auch an Lars Krüger, der mit seinem permanenten Einsatz für das Wohl des Fachgebietes
und mit seinem großen Engagement eine riesige Hilfe ist. Danke für die vielen lehrreichen Gespräche
zwischendurch. Danke für deine stets offene Tür und deine Unterstützung bei allen kleinen und großen
Problemchen.
Ich bedanke mich besonders bei meinen studentischen Hilfskräften und Abschlussarbeitenden, die ich
während dieses Projektes betreuen durfte.
Jennifer Netes, danke für deine Vorarbeiten zum Design und der Fertigung von
Gasdiffusionselektroden. Erst durch deinen Einsatz konnte das Projekt erst so richtig an Fahrt
aufnehmen. Deine Erkenntnisse flossen bis zuletzt in den Bau der zahlreichen Testzellen ein, die für
die Bearbeitung des Projektes gefertigt wurden.
VIII
Tae Hyung Kang, dir danke ich besonders für unsere konspirativen Meetings und die massive
Unterstützung bei der Erstellung des Simulationsmodells. Durch unsere Zusammenarbeit hatte ich das
Gefühl, dass Theorie und Praxis ineinander übergehen können. Nur durch deine Zuarbeiten, da bin ich
mir sicher, konnte das Projekt so weit vorangebracht werden.
Zudem bedanke ich mich bei all den anderen Hilfskräften und Studierenden, die ich betreuen durfte.
Danke an Jan Reininger, Noah Pütz, Aktham Abhulsun und Phillipp Grundmann.
Danke an Kai Kriebel und Dirk Fischer für die Hilfe bei den Werkstattarbeiten, für die Anfertigung der
kleinen und großen Stanz- und Presswerkzeuge und die unterhaltsamen Gespräche bei der Arbeit und
auf den Gängen.
Besonders danke ich meinen direkten Kollegen im „EET-Teilzeitbüro“ mit denen ich eine großartige
Zeit voller Witz und Wissbegierde verleben durfte. Danke an Julian Marscheider, der mich mit seinen
kleinen und großen hacks so häufig unterstützt hat, dass ich ohne dich wohlmöglich noch heute an
meinem ersten LATEX-Dokument sitzen würde. Danke an Paul Martin Luc, für den einen oder anderen
Tipp, der besonders beim Fertigen der Testzellbatterien besonders hilfreich war. Danke auch an
Robert-Franke Lang, der mir nicht nur durch seine fachliche Kompetenz zu Metall-Luft-Batterien einen
weiteren interessanten Wissenschaftszweig offenbart hat, sondern mit dem auch die MABIC-Tagung
umso einiges erträglicher war. Danke für die gemeinsame Zeit.
Ein großes Danke gilt auch meinen anderen Kollegen im EET-Team. Besonderen Dank an Pablo Korth
Pereira Ferraz, Steven Neupert und Felipe Salinas. Ich möchte mich bei Euch für Eure Hilfsbereitschaft
bedanken.
Und zu guter Letzt danke ich meiner Freundin Sylvia, meinen Eltern und meinen Freunden, die mich
seelisch und moralisch so immens unterstützt haben. Ohne Euch stünde ich heute nicht da, wo ich jetzt
stehe. Ich danke Euch für eure Zuversicht und Motivation. Danke, dass ihr immer für mich da seid!
X
Kurzfassung
Lithium-Luft-Batterien galten seit ihrer erstmaligen Veröffentlichung 1996 als der Allheilsbringer aller
menschlichen Energieprobleme. Durch die Verwendung von metallischem Lithium anstelle von
Interkalationsmaterialien, wie bei konventionellen Lithium-Ionen-Akkumulatoren, und Sauerstoff, der
direkt aus der Umgebungsluft bezogen werden könnte, sind theoretische Energiedichten im Bereich
von bis zu 13000 Wh/kg erreichbar. Trotz großer Forschungsanstrengungen und zahlreicher
Forschungsarbeiten zum Thema scheint allerdings der technische Stand gleichzubleiben. Noch immer
sorgen die Bildung von Nebenprodukten, die Elektrolytzersetzung, die Bildung von hochreaktiven
Sauerstoffspezies für vielschichtige Probleme beim Betrieb der Zellen und es scheint, sobald ein
Problem gelöst wurde, würden sich zwei neue auftun.
Trotz ihres Potentials zeigen Lithium-Luft-Batterien bis heute große Probleme bei der
Wiederaufladbarkeit, einem starken Kapazitätsverlust bei fortschreitender Zyklenzahl und eine
schlechte Rundumeffizienz.
Diese Doktorarbeit befasst sich mit der Identifikation von Material- und Strukturparametern zur
Performancesteigerung von Lithium-Luft-Batterien. Hierfür wurde ein Finite-Elemente-Simulations-
modell erstellt, um Parameter zu identifizieren, die die Zellperformance beeinträchtigen und zu
eruieren, welche baulichen oder materialspezifischen Änderungen vorgenommen werden müssten,
um die Zellperformance zu verbessern.
Zusätzlich wurden Testzellen im Knopfzellformat gefertigt und unter reiner Sauerstoffatmosphäre
getestet. In einer Parameterstudie wurde der Einfluss von initialer Porosität, der Art des Katalysators,
die Variation der Stromdichte und die Art des aprotischen Elektrolyten auf die Zyklenlebensdauer und
die generelle Zellperformance untersucht. Die Prognosen des Simulationsmodells und die Ergebnisse
der Zelltests wurden miteinander verglichen und Verbesserungsvorschläge gemacht. In
anschließenden post mortem - Untersuchungen wurden sowohl ganze Testzellen als auch
Zellbestandteile mittels Rasterelektronenmikroskopie, energiedispersiver Röntgenspektroskopie und
Tomografie charakterisiert.
Die Untersuchungen zeigten, dass die schlechte Rundumeffizienz und der hohe Kapazitätsverlust der
Lithium-Luft-Zellen hauptsächlich auf die Anode zurückzuführen sind, deren Struktur sich im laufenden
Batteriebetrieb umzubauen scheint. Durch die Stromstärke des Betriebsstroms wird die
Metalloberfläche während des Entladevorgangs degradiert und im Ladevorgang wird elementares
Lithium an der Anodenoberfläche erneut abgeschieden. Die Stromstärke beeinflusst diesen Vorgang,
so dass sich die Oberflächenstruktur und die Rauigkeit der Lithiumoberfläche von Zyklus zu Zyklus stark
ändert. Das Lithiumreservoir, welches die Entladekapazität bestimmt, variiert dementsprechend und
sorgt für starke Kapazitätsänderungen im Verlauf der Zyklisierung. Zusätzlich expandiert das
Anodenmetall, was die Zelle auf mechanische Art und Weise altern lässt.
In Tomografieschnittbildern der Kathode konnten kristalline Ablagerungen innerhalb der porösen
Gasdiffusionselektrode beobachtet werden, der Einfluss der initialen Porosität auf die Zellperformance
konnte ebenfalls abgeschätzt werden.
Die identifizierten Probleme können einige wenige Fragestellungen zu der schlechten Performance von
Lithium-Luft-Batterien beantworten. Dennoch dürfte noch viel zu tun sein, um die Zelle wirklich zum
Allheilsbringer aller menschlichen Energieprobleme zu erheben.
XI
Abstract
Since it was first published in 1996, lithium-air batteries have been considered to be the solution for
all human energy problems. By using metallic lithium instead of intercalation materials, as used in
conventional lithium-ion batteries, and oxygen, which can be obtained directly from the ambient air
for battery reaction, theoretical energy densities in the range of up to 13,000 Wh /kg can be achieved.
However, despite great research efforts and numerous research projects on the subject, the technical
status seems to remain the same. The formation of by-products, the decomposition of electrolytes and
the formation of highly reactive oxygen species still cause complex problems in the operation of cells
and it seems that as soon as one problem was solved, two new ones would arise.
Despite their potential, lithium-air batteries still have major problems with rechargeability, a large loss
of capacity with increasing number of cycles and poor all-round efficiency.
This doctoral thesis deals with the identification of material and structural parameters to increase the
performance of lithium-air batteries. For this purpose, a finite element simulation model was created
to identify parameters that impair cell performance and to determine which structural or material-
specific changes would have to be made in order to improve cell performance.
In addition, test cells were manufactured in button cell format and tested in a pure oxygen
atmosphere. In a parameter study, the influence of initial porosity, the type of catalyst, the variation
of the current density and the type of aprotic electrolyte on the cycle life and the general cell
performance was investigated. The prognoses of the simulation model and the results of the cell tests
were compared and suggestions for improvement were made. In subsequent post mortem
examinations, whole test cells as well as cell components were characterized by means of scanning
electron microscopy, energy dispersive X-ray spectroscopy and tomography.
The investigations showed that the poor all-round efficiency and the high loss of capacity of the
lithium-air cells are mainly due to the anode, the structure of which seems to change during battery
operation. Due to the strength of the operating current, the metal surface is degraded during the
discharging process and elemental lithium is deposited again on the anode surface during the charging
process. The current strength influences this process, so that the surface structure and the roughness
of the lithium surface changes significantly from cycle to cycle. The lithium reservoir, which determines
the discharge capacity, varies accordingly and ensures large changes in capacity in the course of cycling.
In addition, the anode metal expands, which mechanically ages the cell.
In tomographic cross-sectional images of the cathode, crystalline deposits could be observed within
the porous gas diffusion electrode, and the influence of the initial porosity on the cell performance
could also be estimated.
The identified problems can answer a few questions about the poor performance of lithium-air
batteries. Nevertheless, there is still much to be done in order to really elevate the cell to the solution
of all human energy problems.
XIII
Inhaltsverzeichnis
Danksagung ........................................................................................................................................... VII
Kurzfassung ............................................................................................................................................. X
Abstract .................................................................................................................................................. XI
Abkürzungsverzeichnis ......................................................................................................................... XVI
1. Einleitung und Motivation ................................................................................................................. 17
2. Grundlagen ........................................................................................................................................ 19
2.1 Galvanische Zelle ......................................................................................................................... 19
2.2 Elektrochemische Grundlagen .................................................................................................... 20
2.3 Kapazität, Energie und Leistung .................................................................................................. 22
2.4 Historische Betrachtungen .......................................................................................................... 25
3. Metall-Luft-Batterien ......................................................................................................................... 29
3.1 Aufbau und Funktion der Lithium-Luft-Batterie .......................................................................... 30
3.1.1 Kathode ................................................................................................................................ 30
3.1.2 Katalysator ............................................................................................................................ 31
3.1.3 Anode ................................................................................................................................... 31
3.2 Elektrolyte und Bauarten ............................................................................................................ 31
3.2.1 Aprotischer Elektrolyt ........................................................................................................... 31
3.2.2 Wässriger Elektrolyt ............................................................................................................. 32
3.2.3 Feststoffelektrolyt ................................................................................................................ 32
3.2.4 Hybridbatterie ...................................................................................................................... 32
3.3 Elektrochemie der aprotischen LAB ............................................................................................ 33
3.4 Problematik der LAB- Technologie und aktuelle Forschung ....................................................... 36
3.4.1 Katalysatorforschung ............................................................................................................ 36
3.4.2 Elektrolytforschung .............................................................................................................. 40
3.4.3 Forschung zu Kathodenmaterialien...................................................................................... 49
3.4.4 Forschung zu Anodenmaterialien ......................................................................................... 55
3.4.5 Stand der Forschung zu Lithium-Luft-Simulationsmodellen ................................................ 57
3.4.6 Fazit und Forschungsausblick ............................................................................................... 58
4. Analytik .............................................................................................................................................. 60
4.1 Rasterelektronenmikroskopie (REM) .......................................................................................... 60
4.2 Energiedispersive Röntgenspektroskopie (EDX) ......................................................................... 62
4.3 Tomografie .................................................................................................................................. 64
5. Simulationsmodell ............................................................................................................................. 66
XIV
5.1 FEM-Modell ................................................................................................................................. 66
5.1.1 Finite Elemente Methode (FEM) .......................................................................................... 66
5.1.2 Makroskopische Modellierung ............................................................................................. 67
5.2 Eigentliches Simulationsmodell ................................................................................................... 68
5.2.1 Modellgeometrie .................................................................................................................. 68
5.2.2 Modellannahmen ................................................................................................................. 70
5.2.3 Modellgleichungen ............................................................................................................... 70
5.2.4 Parameterübersicht .............................................................................................................. 77
5.3 Simulationsergebnisse ................................................................................................................. 78
5.3.1 Entladevorgang in 1D- und 2D- Geometrie .......................................................................... 78
5.3.2 Simulation der Zyklisierung .................................................................................................. 79
5.4 Ergebnisse der simulierten Parameterstudie .............................................................................. 80
5.4.1 Elektrolyt .............................................................................................................................. 81
5.4.2 Initiale Porosität ................................................................................................................... 84
5.4.3 Katalysator ............................................................................................................................ 85
5.4.4 Stromdichte .......................................................................................................................... 88
6. Betriebsparameter ............................................................................................................................ 90
6.1 Ladeverfahren ............................................................................................................................. 91
6.2 Fehlerbetrachtungen ................................................................................................................... 91
7. Experimentalteil ................................................................................................................................ 93
7.1 Materialsynthese ......................................................................................................................... 93
7.1.1 Templatsynthese nach Stöber [STÖ68] ..................................................................................... 93
7.1.2 Synthese des Kohlenstoffes .................................................................................................. 96
7.2 Vom Kohlenstoff zur Gasdiffusionselektrode .............................................................................. 99
7.2.1 Katalysator ............................................................................................................................ 99
7.2.2 Binder ................................................................................................................................. 100
7.2.3 Leitruß ................................................................................................................................ 100
7.2.4 Ableiter ............................................................................................................................... 100
7.2.5 Hydraulisches Pressverfahren ............................................................................................ 100
7.3 Materialcharakterisierung der Gasdiffusionselektroden .......................................................... 102
7.4 Zellassemblierung ...................................................................................................................... 105
7.4.1 Verwendete Gasdiffusionselektroden ................................................................................ 106
7.4.2 Verwendete Anodenmaterialien ........................................................................................ 106
7.4.3 Spacermaterial.................................................................................................................... 107
7.5 Experimentalübersicht .............................................................................................................. 107
XV
8. Auswertung und Diskussion ............................................................................................................ 108
8.1 Ergebnisse der Zelltests ............................................................................................................. 108
8.2.1 Elektrolyttests ..................................................................................................................... 109
8.2.2 Einfluss der Porosität .......................................................................................................... 113
8.2.3 Einfluss des Katalysators .................................................................................................... 117
8.2.4 Einfluss der Stromdichte .................................................................................................... 119
8.3 Aussagekraft des Simulationsmodells ....................................................................................... 123
8.3.1 Elektrolyt ............................................................................................................................ 123
8.3.2 Porosität ............................................................................................................................. 124
8.3.3 Katalysator .......................................................................................................................... 125
8.3.4 Stromdichte ........................................................................................................................ 126
8.3.5 Fazit .................................................................................................................................... 127
8.4 post mortem - Analyse der Anode ............................................................................................. 127
8.4.1 Tomographieuntersuchungen an der Anode ..................................................................... 130
8.5 post mortem - Analyse der Gasdiffusionselektrode .................................................................. 134
8.6 Lösungsansätze .......................................................................................................................... 138
9. Ergebnisse und Zusammenfassung ................................................................................................. 141
10. Ausblick ......................................................................................................................................... 143
11. Literaturverzeichnis ..................................................................................................................... CXLV
12. Appendix ....................................................................................................................................... CLVI
XVI
Abkürzungsverzeichnis
NHE normal hydrogen electrode potential – Normalwasserstoffpotential = 0 V
GDE Gasdiffusionselektrode
LiTFSI Lithium-bis(trifluoromethanesulfonyl)imide (Leitsalz)
LiBOB Lithiumbis(oxalato)borat (Leitsalz)
LiPF6 Lithiumhexafluorophosphat (Leitsalz)
PTFE Polytetrafluoroethylen (Binder)
LAB lithium-air-battery
ORR oxygen-reduction-reaction
OER oxygen-evolution-reaction
SEI solid electrolyte interface - Passivierungsschicht zwischen Elektrolyt und
Lithiummetall
TEGDME Tetraethylenglycoldimethylether (Lösungsmittel)
DMSO Dimethylsulfoxid (Lösungsmittel)
EC Ethylencarbonat (Lösungsmittel)
DMC Dimethylcarbonat (Lösungsmittel)
DMA Dimethylacetamid (Lösungsmittel)
EMK Elektromotorische Kraft (Potential zwischen zwei Aktivmassen)
ROS radical oxygen species
FEM Finite Elemente Methode (Simulationsmethode)
BET-Isotherme Brunauer-Emmet-Teller-Isotherme (Verfahren zur Bestimmung der aktiven
Oberfläche)
CC-CV-Ladeverfahren (constant current - constant voltage): Ladeverfahren, bei dem erst der Strom
und anschließend die Spannung konstant gehalten wird.
17
1. Einleitung und Motivation
Im Zuge der Energiewende und der damit verbundenen Bedeutungssteigerung von erneuerbaren
Energien, sowie der steigenden Nachfrage im Sektor der Elektromobilität, haben elektrochemische
Speicher eine besondere Bedeutung, aber einen ebenso großen Forschungsbedarf. Gerade für die
Elektromobilität weisen alle kommerziell verfügbaren Batterien eine zu niedrige gravimetrische und
auch volumetrische Energie- und Leistungsdichte auf. Aber auch bei zukünftigen mobilen Endgeräten
werden sich die Anforderungen bezüglich der Energiedichte von Speichern erhöhen. Metall-Luft-
Batterien und insbesondere Lithium-Luft-Batterien haben eine hohe theoretische Energiedichte und
sind daher prädestiniert für eine neue Batteriegeneration. Aufgrund ihrer physikalisch-chemischen
Komplexität sind jedoch viele Fragen zu ihrer Funktionsweise trotz steigender Forschung weiter
unbeantwortet. Ein wesentliches Problem der Lithium-Luft-Batterie ist die vergleichsweise schlechte
Wiederaufladbarkeit. Die Zellen verlieren während eines Lade-/Entladezyklus viel Kapazität und sind
bereits nach nur wenigen Zyklen am Lebensdauerende angelangt.
Trotz der zahlreichen Probleme, die die Technologie mit sich bringt, wurde sich intensiv in dieser
Ausarbeitung mit Lithium-Luft-Batterien auseinandergesetzt. Um identifizieren zu können, welche
Betriebs- und Materialparameter für den Betrieb einer Lithium-Luft-Zelle essenziell sind und wie stark
der Parametereinfluss ist, war Ziel dieser Arbeit.
Entsprechende Grundlagenforschung zu den ablaufenden Prozessen innerhalb der Batterie wurde
daher nötig, um Probleme zu erkennen, vorherzusagen und zu beseitigen. Ein wichtiger Schritt für die
Vorhersage des Batteriezustands und -verhaltens war die Erstellung eines Simulationsmodells, das die
ablaufenden physikalisch-chemischen und elektrischen Prozesse möglichst genau abbilden kann.
Ein physikalisch-chemisches Modell liefert das größte Verständnis und die höchste Genauigkeit bei
einer guten Extrapolation. Ortsauflösung ist vergleichsweise einfach realisierbar und liefert ebenfalls
eine gute Genauigkeit. Dafür wird jedoch das Wissen über den inneren Aufbau der Batterie und die
verwendeten Materialien einschließlich aller ablaufenden Prozesse benötigt. Einzelheiten über das
dieser Arbeit zu Grunde liegende Simulationsmodell können dem Kapitel 5 entnommen werden.
Das Simulationsmodell simuliert die ideale Zelle, es werden Materialparameter aus einschlägigen
Literaturstellen und die Zellmaße vorgegeben. Das Modell berechnet dann Entladekapazitäten und
Betriebsparameter.
Die mit dem Simulationsmodell berechneten Ergebnisse wurden anschließend mit den realen
Testzellen verglichen, wie dem Kapitel 8 entnommen werden kann.
Um zum einen die Aussagekraft des Simulationsmodells bewerten zu können, zum anderen welche
Material- und Betriebsparameter für die Unterschiede verantwortlich sind, wurden anschließend in
einer Parameterstudie einzelne Parameter aufgegriffen und variiert, um den Einfluss auf die
Performance besser abschätzen zu können.
Eine Möglichkeit Wissen über den inneren Aufbau und die Materialzusammensetzung zu erlangen,
bietet die Tomografie. Die Tomografie basierend auf Röntgenstrahlung oder Neutronen ermöglicht als
innovative Messmethode in Hinblick auf Batterien eine zerstörungsfreie und nicht-invasive Erfassung
von dreidimensionalen Strukturgrößen wie etwa Partikel- und Porengrößenverteilungen.
18
Gleichzeitig konnten die Aktivmaterialien bei verschiedenen Zwischenzuständen in- bzw. ex-situ
ortsaufgelöst analysiert werden, ohne dass sie aufwändig aus dem Gehäuse präpariert werden
mussten. Dadurch war es möglich, strukturelle, morphologische und chemische Veränderungen an ein
und demselben Material während des Be- und Entladens sowie über zahlreiche Zyklen hinweg, ohne
den störenden Einfluss von Präparationsartefakten quantitativ zu untersuchen.
Zusätzlich konnten mittels Rasterelektronenmikroskopie oder energiedispersiver Röntgenspektros-
kopie die verbauten Batteriekomponenten post mortem charakterisiert werden, um Struktur-
änderungen oder Ablagerungen auf der Materialoberseite zu charakterisieren und festzustellen aus
welchen chemischen Elementen die Ablagerung besteht.
Am Ende dieser Arbeit wurden Probleme identifiziert , weshalb die Technologie noch so viele Probleme
mit sich bringt. Zusätzlich werden Lösungsvorschläge formuliert, um die Zelle zu verbessern, damit
diese Technologie in den nächsten Jahrzehnten vielleicht doch noch zur Anwendung gebracht werden
kann.
19
2. Grundlagen
In diesem Kapitel werden die Grundlagen zum Grundverständnis der galvanischen Zelle und
elektrochemische Grundlagen erläutert sowie abschließend eine historische Betrachtung zur
Batterieentwicklung durchgeführt.
2.1 Galvanische Zelle
Der Begriff Batterie, den wir heutzutage allgemein für die Bezeichnung elektrochemischer
Energiespeicher verwenden, entstammt einem militärischen Kontext und bezeichnet eine Anzahl
mehrerer Untereinheiten von z.B. gefechtsbereiten Einheiten oder Formationen. In der Tat besteht
eine Batterie aus Untereinheiten, die man als elektrochemische Zellen bezeichnet. Der erste
Naturforscher, der sich mit dem Phänomen der „thierischen Elektrizität“ [PER92] beschäftigte und damit
den Grundstein für die Entwicklung elektrochemischer Energiespeicher legte, ist Luigi Galvani, der
1789 das berühmte Froschschenkelexperiment durchführte und einen neuartigen Forschungsschub in
Gang setzte. Nach ihm wird die Grundeinheit einer jeden elektrochemischen Zelle, das galvanische
Element, bezeichnet.
Das Wirkungsprinzip der elektrochemischen Zelle dient dem Umwandeln von chemischer in elektrische
Energie. Wenn heutzutage auch die unterschiedlichsten Größen und Bauarten von Batterien eingesetzt
werden, ist der prinzipielle Aufbau immer identisch: Anode, Kathode, Elektrolyt und Separator bilden
ein galvanisches Element.
ABBILDUNG 2.1: Aufbau und Funktion eines galvanischen Elements während des Entladevorgangs am Beispiel des
Daniell-Elements von 1836
Das Zusammenbringen von zwei chemisch unterschiedlichen Aktivmassen, die über einen leitfähigen
Elektrolyten miteinander kontaktiert sind, führt zu einer elektrochemischen Triebkraft, die auf einer
Redoxreaktion beruht und solange bestehen bleibt, bis sich das chemische Gleichgewicht eingestellt
hat. Würden nach diesem Prinzip die Aktivmassen in Kontakt gebracht werden, würde sich dieses
Gleichgewicht sehr schnell einstellen und die chemischen Prozesse abrupt ablaufen. Um vor allem
20
einen technischen Nutzen aus dieser Zelle ziehen zu können wird zusätzlich ein Separator, der nur von
bestimmten Ionen passiert werden kann und gleichzeitig einen Elektronenisolator darstellt, in die Zelle
eingebracht um den Ort der Oxidation (Anode) von dem der Reduktion (Kathode) zu trennen. Erst eine
externe Verbindung der Aktivmassen mit einem Draht komplettiert die Separation von Ionen- und
Elektronenfluss und somit das galvanische Element.
Das galvanische Element wird somit formal in zwei Halbzellen aufgeteilt, zwischen denen die
chemische Reaktion abläuft. So kann der separierte Elektronenfluss von einem elektrischen
Verbraucher abgegriffen werden. Ist die räumlich getrennt ablaufende chemische Reaktion
exergonisch ist eine Zellspannung messbar die adäquat die Triebkraft der Reaktion widerspiegelt. Je
unterschiedlicher das Redoxpotential der Aktivmassen, desto höher ist die Potentialdifferenz der
galvanischen Zelle, die häufig auch als elektromotorische Kraft (EMK) bezeichnet wird.
𝛥𝐸 (𝐸𝑀𝐾)=𝐸°𝐾𝑎𝑡ℎ𝑜𝑑𝑒 −𝐸°𝐴𝑛𝑜𝑑𝑒 (2.1)
Im Falle einer endergonisch ablaufenden Zellreaktion kann durch Stromzufuhr die Zellreaktion
erzwungen werden, in diesem Fall spricht man von dem Prozess der Elektrolyse, der zum Beispiel zur
großtechnischen Darstellung von elementarem Lithium eingesetzt wird. [HOL102]
2.2 Elektrochemische Grundlagen
Die Richtung des Elektronenflusses
1
im galvanischen Element wird durch das Bestreben der Elemente
Elektronen abzugeben definiert. Die Lösungstension der einzelnen Redoxsysteme kann durch eine
elektrochemische Messung bestimmt werden. Als Bezugselektrode wird die Normalwasserstoff-
elektrode (NHE) verwendet und auf 0 V definiert. [RIE10] Das Standardpotential, welches aus dem
entsprechenden Element und einer Lösung mit der Konzentration von 1 mol/L seiner Ionen bei 25°C
besteht, wird gegen die Referenzelektrode gemessen. Die Redoxsysteme unterscheiden sich
hinsichtlich ihrer Lösungstension. „Unedlere Metalle“ wie zum Beispiel Zink oder Lithium geben
bereitwilliger Elektronen ab und weisen deswegen ein negatives Standardpotential auf, während
„edlere Metalle“ wie Kupfer oder Platin ein geringeres Bestreben haben, Elektronen abzugeben und
somit ein positives Standardpotential aufweisen. [RIE10] Somit resultieren unterschiedliche
Standardpotentiale, die in der elektrochemischen Spannungsreihe aufgetragen werden.
Bei abweichenden Standardbedingungen kann die EMK durch die Nernstgleichung berechnet werden,
die sich aus thermodynamischen Gegebenheiten herleiten lässt:
𝐸 =𝐸°+RT
𝑧F ln 𝑎(𝑂𝑥)
𝑎(𝑅𝑒𝑑) (2.2)
E° entspricht dem Standardpotential, R beschreibt die ideale Gaskonstante, T die Temperatur, F die
Faraday-Konstante und z die Anzahl der umgesetzten Elektronen.
1
unabhängig von der Stromrichtung wird bei Batterien bei der elektrochemischen Betrachtung für Anode und Kathode immer der Entladefall betrachtet
21
𝐸 =𝐸°+8,314 J
K ∙ mol ∙ 298,15 K
𝑧 ∙96485 C
mol ln 𝑎(𝑂𝑥)
𝑎(𝑅𝑒𝑑) (2.3)
Die Umrechnung des natürlichen in den dekadischen Logarithmus führt zu folgendem Zusammenhang:
𝐸 =𝐸°+0,059
𝑧 lg 𝑎(𝑂𝑥)
𝑎(𝑅𝑒𝑑) (2.4)
Für die Aktivitäten ai hat man sich auf folgende Konventionen geeinigt:
- in sehr stark verdünnten Lösungen lassen sich für ai die Konzentrationen ci einsetzen
- für Gase gilt im Standardzustand der Partialdruck von 1,013 bar = p°, sonst p/p°
- für reine Phasen ist die Aktivität a = 1
Betragen die Aktivitäten ai = 1 oder liegen alle beteiligten Stoffe in den Standardzuständen vor, so ist
E = E°. [RIE10, KMAC07]
Die mit der Nernstgleichung berechnete Zellspannung bezieht sich hingegen nur auf die eigentliche
Aktivmasse und stellt nur einen theoretischen Wert dar, der beim Laden oder Entladen der
Batteriezelle nicht erreicht werden kann. Die Ruhespannung muss um Überspannungsanteile ergänzt
werden, die gemäß dem ohmschen Gesetz von der Stärke des Lade- bzw. Entladestroms abhängen.
Beim Entladevorgang sind die ohmschen Verluste negativ beim Ladevorgang positiv und müssen zu
der eigentlichen Ruhespannung hinzuaddiert werden. Die Verluste resultieren aus dem Zellaufbau und
sind daher von Zelltyp und -technologie und den verwendeten Batteriematerialien abhängig. Generell
lässt sich die reale Klemmenspannung aus folgenden Anteilen zusammensetzen:
𝑈Klemme = 𝑈EMK + 𝑈Ω−Widerstand + 𝑈Diffusion + 𝑈Reaktion (2.5)
U𝛺-Widerstand berücksichtigt den direkten Spannungsabfall aufgrund des Widerstandes an den Polen,
Ableitern und im Elektrolyten und ist direkt proportional zum Lade- bzw. Entladestrom. UDiffusion
beschreibt den Überspannungsanteil, der aufgrund der Ausbildung einer Nernst‘schen
Diffusionsschicht an der Elektrodenoberfläche resultiert. Es bildet sich eine Diffusionsschicht aus,
durch die die Reaktanden nur durch Diffusion transportiert werden können. Besonders bei hohen
Stromdichten kann es zu einer starken Verarmung oder einem großen Überangebot an Reaktanden
kommen, deren Kinetik im Grenzfall nur von der Diffusion abhängig ist. [WED18] Diese Potentialdifferenz
wird durch den Term UDiffusion beschrieben. Erst wenn neue Reaktionspartner wieder an die Elektrode
diffundiert sind, kann die Batteriereaktion ablaufen.
Die Reaktionsüberspannung UReaktion entsteht durch die Lade- bzw. Entladereaktion an den beiden
Elektroden und kann durch die Butler- Volmer- Gleichung (2.6) beschrieben werden:
22
𝐼 =𝐴∙𝐼0 ∙ (𝑒𝑥𝑝(𝛼∙𝑛∙F
R∙T ∙𝜂)−exp(−(1−𝛼)∙𝑛∙F
R∙T ∙𝜂)) (2.6)
Wobei I den Strom, der in die Elektrode fließt, A die aktive Oberfläche der Elektrode, I0 die
Austauschstromdichte, 𝜂 das Potential der Helmholtz‘schen Doppelschicht und α den Symmetriefaktor
der Batteriereaktion beschreibt. Er liegt zwischen (0 < α < 1). Ist er größer oder kleiner als 0,5 läuft zum
Beispiel die Hinreaktion im Gegensatz zur Rückreaktion bevorzugt ab, was einen großen Einfluss auf
die Lebensdauer und Alterung der Zelle haben kann.
Die Überspannungsanteile können in der folgenden Abbildung 2.2 veranschaulicht werden.
ABBILDUNG 2.2: Spannungsverlauf während einer Konstantstromentladung mit den Überspannungsanteilen
2.3 Kapazität, Energie und Leistung
Während die Redoxsysteme der galvanischen Zelle die Triebkraft und somit auch die maximale
Zellspannung bestimmen, wird die maximal nutzbare Energie von der Änderung der freien Gibb‘schen
Energie 𝛥G0 der verwendeten Aktivmassen bestimmt. Die freie Reaktionsenthalpie ergibt sich aus dem
Produkt der folgenden Einflussgrößen:
𝛥𝐺0= −𝑧∙ F ∙ 𝐸0 (2.7)
Eine weitere wichtige Kenngröße von elektrochemischen Energiespeichern stellt die Energiedichte dar.
23
Die theoretische Energiedichte eignet sich, um die Energiedichte eines Speichers abzuschätzen und
entspricht der maximal nutzbaren Energie der Batteriereaktion pro molare Masse der verwendeten
Aktivmasse:
𝐸𝑡ℎ𝑒𝑜𝑟𝑒𝑡𝑖𝑠𝑐ℎ = −∆𝐺0
M (2.8)
Die Energiedichte hat die Einheit Wh · g-1. Die Berechnung der theoretischen Energiedichte liefert
erfahrungsgemäß große Zahlenwerte, weil man davon ausgeht, dass keine parasitären
Nebenreaktionen stattfinden die die freie Reaktionsenthalpie vermindern und dass die Batteriezelle
nur aus Aktivmaterial besteht, welches komplett an der Batteriereaktion teilnimmt.
Realistischere Werte werden mit der praktischen Energiedichte erreicht:
𝐸𝑝𝑟𝑎𝑘𝑡𝑖𝑠𝑐ℎ = 𝑈∙𝐼∙𝑡
𝑚 (2.9)
Real ermittelte Messwerte wie Zellspannung, Entladestrom und Entladezeit fließen in die Rechnung
mit ein. Da die Zelle neben dem Aktivmaterial auch noch aus anderen Bestandteilen zusammengesetzt
ist, wird im Gegensatz zur theoretischen Energiedichte die Gesamtmasse der Zelle ins Verhältnis
gesetzt.
Spezifische Energiedichten werden entweder auf eine Masse oder ein Volumen bezogen, woraus dann
die gravimetrische oder die volumetrische Energiedichte resultiert.
Um analog die Leistungsdichte einer Batterie zu berechnen, kann das Produkt aus Spannung und Strom
auf die entsprechende Bezugsgröße wie zum Beispiel die molare Masse, um die gravimetrische
Leistungsdichte zu erhalten:
𝑃 =𝑈∙𝐼
m (2.10)
Die volumetrische Leistungsdichte erhält man auf analogem Weg. Die Kapazität einer Batterie
entspricht der Menge an Ladungsträgern, die der Zelle entnommen werden können und lässt sich wie
folgt berechnen:
𝐶 = ∫|𝐼𝐵𝑎𝑡𝑡𝑒𝑟𝑖𝑒|∙𝑑𝑡
𝑣𝑜𝑙𝑙
𝑙𝑒𝑒𝑟 (2.11)
Sie ist vom Entladestrom, der Entladeschlussspannung, der Temperatur und von den verwendeten
Aktivmaterialien abhängig. Die Einheit ist A · h und kann ebenfalls ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße
24
gesetzt werden. Wird die Entladekapazität zum Beispiel auf die Masse des Aktivmaterials bezogen, so
erhält man die spezifische Entladekapazität mit der Einheit A · h · g-1.
Ladezustand und Wirkungsgrad
Der Ladezustand einer Batteriezelle (engl. state of charge, SOC) ist eine Zustandsgröße, die meistens
im Verhältnis zur Zellkapazität angegeben wird. Eine vollgeladene Batterie weist einen SOC von 100%
auf. Ist die Zelle bei der Entladeschlussspannung angelangt ergibt sich ein Ladezustand von 0%.
Weitere wichtige Kenngrößen sind der Coulomb’sche Wirkungsgrad und die Energieeffizienz eines
Energiespeichers.
Ersteres entspricht dem Verhältnis von entnommener zu eingespeister Energie und wird in Prozent
angegeben. Wird der Wirkungsgrad auf das Verhältnis von entnommener zu eingespeister Kapazität
bezogen, so spricht man vom Coulomb’schen Wirkungsgrad (2.12).
𝜂𝐴ℎ =𝐴ℎ𝑒𝑛𝑡𝑛𝑜𝑚𝑚𝑒𝑛
𝐴ℎ𝑒𝑖𝑛𝑔𝑒𝑠𝑝𝑒𝑖𝑠𝑡 (2.12)
Betrachtet man das Verhältnis von entnommener zu eingespeister Energiemenge, so spricht man
vom Energetischen Wirkungsgrad (2.13).
𝜂𝑊ℎ =𝑊ℎ𝑒𝑛𝑡𝑛𝑜𝑚𝑚𝑒𝑛
𝑊ℎ𝑒𝑖𝑛𝑔𝑒𝑠𝑝𝑒𝑖𝑠𝑡 (2.13)
Aufgrund von hohen Ladeüberspannungen, die zum Beispiel durch hohe Innenwiderstände im
Zellinneren zustande kommen, kann sich der Wirkungsgrad einer Batterie verschlechtern. Während
Lithium-Ionen-Batterien einen Wirkungsgrad von ≥ 95 % aufweisen [KOR13], erreichen einige Lithium-
Luft-Batterien nur einen Wirkungsgrad von etwa 70% [MIT11].
25
2.4 Historische Betrachtungen
Elektrochemische Energiespeicher sind aus unserer Gesellschaft und dem Leben des modernen
Menschen kaum mehr wegzudenken. Viele unserer Lebensbereiche oder die Güter, die wir
konsumieren, benötigen viel Energie und erfordern eine fortwährende Versorgung mit elektrischer
Energie. Auch wenn stationäre Kraftwerke genug Energie erzeugen und einen Großteil der Menschen
mit Elektrizität versorgen können, ist der Bedarf an mobilen Energiespeichern gigantisch und wächst
von Jahr zu Jahr.
Die Anwendungsbereiche von elektrochemischen Energiespeichern variieren stark und ermöglichen
erst den fortschrittlichen Lebensstil des Menschen im 21. Jahrhundert. Auf der einen Seite dienen sie
zum Beispiel der elektrischen Netzstabilisierung, auf der anderen Seite sichern sie die Stromversorgung
für sensible Bereiche, wie zum Beispiel in der Gesundheits- und Informationsbranche. Zusätzlich
ermöglichen sie eine unabhängige Energieversorgung der vielen mobilen Endgeräte und gelten als das
zentrale Element bei der Bewältigung des Klimawandels und der Konzeptionierung der Mobilität von
morgen.
Dabei ist die „Batterie“ gemessen an dem historischen Horizont der Menschheit eine sehr junge
Erfindung. Die ersten maßgeblichen Untersuchungen zum Thema Elektrizität gehen in das Jahr 1789
zurück, als Luigi Galvani Experimente an Froschschenkeln zum Studium der Elektrizität durchführte.
Diese Experimente, in denen er unterschiedliche Metalle, die durch einen Draht miteinander
verbunden waren, in Froschextremitäten steckte und Zuckungen beobachten konnte, führten
seinerzeit zu der Annahme, dass Amphibien Elektrizität erzeugen könnten. Was aus unserer heutigen
Sicht eher aberwitzig erscheint, kann als Ausgangspunkt zur Entwicklung zu elektrochemischen
Energiespeichern gesehen werden, denn Galvani hatte damit unwissentlich die erste elektrochemische
Zelle erzeugt und wurde somit zum berühmten Namensgeber für die Anordnung bestehend aus zwei
Elektroden, Elektrolyt und Separator. [GRS13, PER92a]
Alessandro Volta, ein italienischer Physiker, war ganz begeistert von Galvanis Entdeckung und
beschäftigte sich intensiv mit dem Thema der „thierischen Elektrizität“. In zahllosen Experimenten
zerstückelte er Frösche und andere Kleinstlebewesen, weitete seine Versuche auch auf größere
Nutztiere aus, um die Ursachen, die diesem Phänomen zugrunde liegen, beschreiben zu können. [OET00]
1792 postulierte er:
„
Es ist klar, dass in allen diesen Versuchen nur die Nerven erregt werden, ja es werden sogar nur wenige
Punkte auf kurzer Strecke berührt, die vom elektrischen Strome durchsetzt wird, es ist klar, dass die
Ursache dieses elektrischen Stromes die Metalle selbst sind: sie sind im eigentlichen Sinne Erreger und
Motoren der Elektrizität, während das tierische Organ, ja die Nerven selbst passiv sind.
“ [OET00]
Er forschte zunehmend an dem Verhältnis der Metalle zueinander und konnte einige Jahre später
bereits Aussagen über die Wertigkeit der Metalle treffen und stellte als einer der ersten die Urform
der elektrochemischen Spannungsreihe auf, in dem er die Metalle anhand des Geschmackes
klassifizierte. [OET00] Damit legte er den Grundstein für die moderne Batterietechnik, denn bereits 1799
präsentierte er seine Voltaische Säule, die als die erste Primärbatterie in die Geschichte eingehen sollte
und für die er einige Jahre später sogar von Napoléon Bonaparte mit einer Ehrenmedaille
ausgezeichnet wurde.
26
“
The principal of these results, which comprehends nearly all the rest, is the construction of an apparatus…
which should have an inexhaustible charge, a perpetual action or impulse on the electric fluid. The
apparatus was formed exclusively of a large number of non-electric bodies, chosen from among those
which are the best conductors, and therefore the most remote, as has hitherto been believed, from the
electric nature.
” [PER92b]
Dass er einen Entwicklungsschub ungeahnten Ausmaßes angestoßen hatte, konnte Volta zu seinen
Lebzeiten nicht erahnen. 1802 kam der deutsche Physiker Johann Wilhelm Ritter schließlich auf die
simple Idee, anstelle einer alternierenden Anordnung von Kupfer- und Zinkplatten, wie beim Aufbau
von Volta, nur Kupferplatten übereinander zu schichten, die durch mit Salzlösung getränkte
Pappstücke voneinander isoliert wurden. Nach Einprägen eines Stroms in seinen Aufbau konnte die
nach ihm benannte Rittersäule im Gegensatz zur Voltasäule die Spannung halten, anschließend den
Strom wieder abgeben und dieser Prozess mehrfach hintereinander wiederholt werden.
Damit hatte er den Grundstein für die Urform des Akkumulators gelegt. [GRS13, EUL94] Durch Variation der
Plattenanzahl konnte die abgreifbare Spannung, durch Vergrößerung der Plattenoberfläche, die
Stromstärke erhöht werden. [SAT71] Schnell kommt es zu einer fortwährenden Überbietung in
Säulenanzahl und -größe. Doch all diese Batterien hatten ein und dasselbe Problem gemein: nach
einiger Zeit wurde ein Absinken der Batteriespannung beobachtet.
Erst 1836 gelingt es dem englischen Chemiker John Frederick Daniell ein Element zu bauen, welches
die Zellspannung über einen längeren Zeitraum konstant halten konnte. Er teilte erstmals den
Zellenraum in zwei Halbzellen auf und konnte durch Verwendung eines Diaphragmas den Ionenstrom
vom Elektronenstrom separieren. [WHI12] Seine Nasselemente waren für die damalige Zeit ein
Durchbruch und fanden zugleich einen immer größeren Absatzmarkt. [SAT71] Das Aufkommen der
Morsetechnik und der Ausbau des elektrischen Telegraphennetzes erforderten außerhalb der
Ballungsgebiete eine unabhängige Stromversorgung. [NIS99] Während Daniells konstantes Zink-Kupfer
Element als Primärzelle bereits zur Anwendung kommt, erfindet 1854 Wilhelm Joseph Sinsteden durch
Anordnung von Bleiplatten in verdünnter Schwefelsäure den ersten Bleiakkumulator. [EUL94] Er
beobachtet, dass sich beim Einprägen eines Stroms die negative Elektrode auflockert und sich an der
Kathode Bleioxid bildet. [EUL94] Seine Batterie hat nur eine sehr geringe Kapazität und an die technische
Verwendung seiner Entdeckung denkt der Feldarzt bei weitem nicht. 1859 erfindet Gaston Planté den
Bleiakkumulator zum zweiten Mal. [EUL94] Allerdings gibt es um diese Zeit kaum Anwendungspotential
und Planté widmet sich wieder anderen wissenschaftlichen Fragestellungen. Das Konzept des
Akkumulators wird erst Jahre später wieder aufgegriffen. Erst mit der Erfindung der Glühbirne und des
Dampfdynamos im Jahre 1882 durch Thomas Alpha Edison steigt das Interesse, Energie
zwischenzuspeichern. [EUL94]
Bis dahin wird weiter an der Optimierung von Primärzellen gearbeitet. 1867 präsentiert Georges
Leclanché sein neuartiges Primärelement, bestehend aus den Aktivmassen Braunstein und Zink und
mit Salmiaklösung (NH4Cl) als Elektrolyt. Der Vorteil ist, dass die eingesetzten Materialien günstig zu
beschaffen waren und die Zelle eine hohe Lebensdauer hatte, selbst nach Wochen konnte Leclanché
keine Änderung im Verhalten Strom abzugeben, feststellen. [SAT71] Nach der Darbietung auf der Pariser
Weltausstellung 1867 beginnt die Serienfertigung des Leclanché- Elementes und viele Techniker und
Wissenschaftler sind mit der ständigen Optimierung beschäftigt. Der einzige große Nachteil dieses
Nasselementes war das Problem der Austrocknung, so dass viel experimentiert wurde, um ein
trockenes Element zu schaffen. Der Augenarzt Carl Gassner schafft es schließlich 1886 durch das
27
Beimischen von Gips den Elektrolyten zu binden, das Optimum gelingt allerdings erst 10 Jahre später
dem deutschen Unternehmer Paul Schmidt, der durch Verwendung von Weizenmehl die gewünschten
Eigenschaften erzielen kann.
Schmidt, der bereits ein Patent für die Taschenlampe hält, kann somit ein massentaugliches
batteriebetriebenes Alltagsgerät herstellen. Die Massenproduktion macht ihn zum Millionär. [SAT71]
Allerdings bleibt es bei der Anwendung in Kleinstelektronik, denn durch die geringe Leistungsdichte
bleibt die Trockenbatterie ein Nischenprodukt. Auch wenn in Design und Fertigungstechnik bis in die
heutige Zeit die Trockenbatterie ständig verbessert wurde, bleibt es im Kern bei der Zellchemie des
Leclanché- Elementes. Die heute noch verwendete Zink-Kohle Batterie basiert direkt auf Leclanchés
Erfindung. Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Elektrolyt durch einen alkalischen
mit besserer Leitfähigkeit ersetzt, diese auslaufsicheren und ultimativ einsetzbaren Primärzellen
stellen bis heute die meist verwendete Primärzellentechnologie dar. [GRS18]
Durch die hohe Nachfrage für medizinische, militärische und vor allem konsumgüterelektronische
Anwendungen wurde seit den 1960ern intensiv an neuartigen Batterietechnologien geforscht. Die
Verwendung von metallischem Lithium in einem aprotischen Batteriesystem brachte den technischen
Durchbruch. Die geringe Masse bei vergleichsweiser hoher spezifischer Energiedichte (3860 mAh/g)
[PLA17] und einem Zellpotential von etwa -3,05 V (vs NHE) ermöglichte hohe Zellspannungen und
erlaubte bei gleichbleibender Batteriekapazität ein immer kleiner werdendes Zelldesign. Das führte
bereits Anfangs der 1970er Jahre zu einer Explosion am Konsumgütermarkt als zum Beispiel die ersten
elektronischen Uhren und Fotokameras für die breite Masse aufkamen. Aber auch im medizinischen
Bereich gab es großes Anwendungspotential. Das Lithium-Iod Batteriesystem fand ab 1972
Anwendung in Herzschrittmachern und löste die umweltschädlichen Zink-Quecksilberoxid Systeme ab.
[PLA17] Viele verschiedene Kathodenmaterialien wurden mit metallischem Lithium kombiniert, eines der
vielversprechendsten Systeme stellt bis heute die Lithium-Mangandioxid-Zelle dar.
Beflügelt von dieser technischen Revolution stieg auch das Interesse wiederaufladbare Systeme mit
metallischem Lithium zu realisieren. [WHI12] Den Durchbruch erzielten so genannte
Interkalationsmaterialien, die ab den späten 70ern verfügbar waren und ab 1976 als erste
Sekundärbatterien auf den Markt gebracht wurden. Allerdings wurden diese Batterien schnell wieder
vom Markt genommen, da erhebliche Sicherheitsrisiken bestanden.
Beim Ladevorgang wurde die ungleichmäßige Ablagerung von metallischem Lithium auf der
Metallanode beobachtet, die zur Bildung von Lithiumdendriten und somit zu internen Kurzschlüssen,
thermischen Durchgehen und Akkubränden führten. [PLA17, YOS12] Diese Problematik besteht bis heute,
liegt weiterhin im Fokus der Wissenschaft und wird als die Herausforderung schlechthin gesehen,
Batterien mit noch höheren Energiedichten zu realisieren.
Das Lithiummetall wurde unter Inkaufnahme einer geringeren Energiedichte alsbald durch sicherere
Materialien ersetzt. 1980 entdeckten Goodenough et al. eine neue Klasse von Kathodenmaterialien;
geschichtete Übergangsmetalloxide wie zum Beispiel LiCoO2 [PLA17, YOS12]. 1982 demonstrierten Yazami
und Touzian erstmals die elektrochemische Ein- und Auslagerung von Lithium in Graphit. [YOS12]
Basierend auf diesen technologischen Erfolgen konnte 1991 die erste Lithium-Ionen-Batterie
präsentiert werden, welche bis heute einer der meistverwendeten elektrochemischen Energiespeicher
darstellt.
28
Seitdem steigt die Nachfrage an Energiespeichern mit noch höherer Energiedichte kontinuierlich an.
Die Lithium-Ionen-Batterie wird stätig weiter optimiert und auch an anderen vielversprechenden
Lithium-Batteriesystemen, wie zum Beispiel der Lithium-Schwefel Batterie oder anderen post-Lithium-
Ionen-Technologien, in denen anstelle von Lithiumionen Na+-, K+-, Ca2+- oder Mg2+ Ionen interkaliert
werden können, wird unentwegt geforscht. [PLA17]
Eine weitere bahnbrechende Erfindung stellt der erstmals 1996 vorgestellte Lithium-Luft- Akkumulator
dar, der innerhalb der Metall-Luft Batterien die größte theoretische Energiedichte erzielt.
29
3. Metall-Luft-Batterien
Hohe Energie- und Leistungsdichte bei gleichzeitig geologisch verfügbaren Ausgangsstoffen zu
realisieren, treibt viele Batteriekonzerne an neuartige Energiespeichersysteme zu entwickeln.
Gleichzeitig gilt es die Folgen des Klimawandels zu bewältigen und eine Wirtschaftstransformation
gekoppelt mit dem Umstieg von fossiler hin zu nachhaltiger Energieerzeugung, mit der Möglichkeit
dezentral erzeugte Energiemengen zwischenzuspeichern, zu gestalten. Zudem steht eine
Transformation des Verkehrssektors bevor, den Verbrennungsmotor durch elektrisch angetriebene
Fahrzeuge mit stetig steigenden Reichweiten zu realisieren.
Metall-Luft-Batterien eignen sich neben ihrer hohen gravimetrischen und volumetrischen
Energiedichten, der hohen Verfügbarkeit der Anodenmaterialien für diese Anwendungen besonders,
da sie den „Treibstoff“ für die Batteriereaktion aus der Umgebungsluft beziehen. Dies ermöglicht
zudem ein offenes Zelldesign und vermindert das Gewicht der Batteriezelle, was der
Reichweitensteigerung von Elektrofahrzeugen zusätzlich zuträglich ist.
ABBILDUNG 3.1: Vergleich verschiedener Batterietechnologien bezüglich ihrer gravimetrischen Energiedichte in
Wh/kg mit Werten aus [ELI16, GIR10, ZHA14]
Es gibt viele Varianten dieser offenen Zelltechnologie. Neben Lithium-Luft-Batterien, die mit ihrer
theoretischen spezifischen Energiedichte von etwa 13000 Wh/kg [GIR10] mit fossilen Brennstoffen
konkurrieren können und damit alle anderen elektrochemischen Energiespeichertechnologien
zweifelsfrei übertrumpfen, gibt es noch drei weitere prädestinierte Vertreter unter den Metall-Luft-
Batterien, die unter anderen für die Gestaltung der Post-Lithium-Ära interessant werden könnten.
Hierzu zählen Aluminium-Luft- (8100 Wh/kg [ELI16]), Magnesium-Luft- (6800 Wh/kg [ZHA14]) und Zink-Luft-
Batterien (1600 Wh/kg). Bis auf Zink-Luft-Batterien, welche bereits seit Jahrzehnten kommerziell
verfügbar sind und zum Beispiel in Hörgeräten zum Einsatz kommen, befinden sich alle anderen
genannten Vertreter noch im grundlegenden beziehungsweise fortgeschrittenen akademischen
Forschungsstadium. Die Vorteile, die Metall-Luft-Batterien versprechen, werden das wissenschaftliche
Parkett noch einige Jahrzehnte dominieren.
Praktische Energiedichte
Theoretische Energiedichte
25 50 150 350 380 400
1700 1700
65 90
150
350
450
2500
380
400
1600
400
1700
2200
13000 12800
ENERGIEDICHTEN DER BATTERIETECHNOLOGIEN
Praktische Energiedichte Theoretische Energiedichte
30
3.1 Aufbau und Funktion der Lithium-Luft-Batterie
Die wiederaufladbare Lithium-Luft-Batterie wurde ursprünglich als Hochtemperaturbatterie konzept-
ioniert und von Semkow und Sammels 1987 vorgestellt. [SEM87] Erst 1996 wurde von Abraham und Jiang
ein System präsentiert, welches bei Raumtemperatur betrieben werden konnte. [ABR96] Lange galt die
Lithium-Luft- Sekundärbatterie (LAB) als der Heilsbringer für alle Energiespeicherprobleme. Doch
scheinbar unlösbare Probleme reduzierten die Forschungsaktivitäten in den letzten Jahren. Doch
immer bedeutungsvoll werdende Probleme wie die Lösung des globalen Klimaproblems sowie die
Realisierung von E-Autos mit deutlich höherer Reichweite lassen das Interesse an dieser Technologie
nicht abebben. Die folgende Abbildung 3.2 zeigt den prinzipiellen Aufbau eines aprotischen Lithium-
Luft Akkumulators. Der Aufbau der LAB unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, anderer Batterien
und gliedert sich in Kathode, Anode, Separator und Elektrolyt.
ABBILDUNG 3.2: Prinzipieller Aufbau des aprotischen Lithium-Luft Akkumulators
3.1.1 Kathode
In der Lithium-Luft-Batterie läuft die kontrollierte Reaktion zwischen Luftsauerstoff und metallischem
Lithium ab. Die Kathode nimmt hierbei eine besondere Rolle ein, da sie als feste Komponente eine
Dreiphasengrenze zwischen der Luftatmosphäre und dem Elektrolyten ermöglicht. Sie ist der
Reaktionsort für die Bildung und Auflösung des Li2O2, welches das Hauptprodukt der Entladereaktion
darstellt. Für die Herstellung einer Gasdiffusionselektrode (GDE) wird in den meisten Fällen poröses
Graphit verwendet. Durch Zugabe von Bindern wie zum Beispiel PTFE bleibt die GDE elastisch und
behält ihre poröse Struktur. Die Zugabe von Leitruß kann die Leitfähigkeit erhöhen, oftmals wird noch
ein geeigneter Katalysator beigemischt, um die Reaktionsgeschwindigkeiten zu optimieren. Die
Porosität ermöglicht eine große Reaktionsoberfläche, welche die Zellkapazität definiert. Ein häufiges
31
Problem ist das Zusetzen der GDE-Poren während des Batteriebetriebes, was auf der einen Seite die
Kapazität reduziert und zu höheren Überspannungen führt. Diese Thematik wird im Kapitel zur
Forschung an Kathodenmaterialien noch weiter vertieft.
3.1.2 Katalysator
Die Entlade- und Ladereaktion wird durch die Verwendung eines Katalysators beschleunigt und kann
so den Wirkungsgrad der Batterie optimieren. Die ORR (oxygen reduction reaction) bei der Entladung
und die OER (oxygen evolving reaction) beim Ladevorgang stellen die beiden Hauptprozesse der LAB
dar.
Geeignete Katalysatormaterialien stellen zum Beispiel Übergangsmetalloxide oder verschiedene
Kristallstrukturen dar und werden im Kapitel Katalysatorforschung ausführlich diskutiert. Da ein
Katalysator meistens nur einen bestimmten Prozess optimal katalysiert, ist die Realisierung eines
bifunktionalen Katalysators, der sowohl ORR als auch OER katalysiert, Gegenstand aktueller Forschung.
Der Katalysator kann einen großen Beitrag leisten, um die hohen Überspannungen während des
Ladevorgangs zu senken und langfristig die Lebensdauer der Batteriezelle zu steigern.
3.1.3 Anode
Eine hohe Ladungsdichte aufgrund seines geringen Atomradius von 167 pm und seines niedrigen
Potentials von -3,05 V (vs. NHE) machen metallisches Lithium zu einem sehr attraktiven
Anodenmaterial für Lithium-Luft Batterien. Es ist das unedelste Metall des Periodensystems und kann
in Kombination mit einem anderen Redoxpartner hohe Zellspannungen erreichen. Ein Hauptproblem
bei der Verwendung von metallischem Lithium als Anodenmaterial ist die Ausbildung von Dendriten,
die im schlimmsten Fall zu Kurzschlüssen und einem thermischen Durchgehen (thermal runaway) in
der Batteriezelle führen können. Im Kapitel zu den Anodenmaterialien wird dieser Sachverhalt näher
beleuchtet.
3.2 Elektrolyte und Bauarten
Die LAB kann mit unterschiedlichen Elektrolytarten betrieben werden, daher stehen derzeit vier
verschiedene Architekturen der Lithium-Luft Batterie im Fokus der Forschung. Je nach Elektrolytart
ändert sich der Zellaufbau geringfügig, um einen optimalen Betriebsrahmen zu schaffen. Abbildung 3.3
illustriert die Unterschiede in der Architektur der Batteriezelle.
3.2.1 Aprotischer Elektrolyt
Die derzeit am häufigsten verwendete und demnach am meisten studierte Variante stellt die der
Verwendung eines aprotischen (wasserfreien) Elektrolyten dar. Meist werden organische
Lösungsmittel wie Carbonate, Ether, Amine, Sulfoxide oder Nitrile verwendet. Zusätzlich wird noch ein
Leitadditiv wie zum Beispiel Lithiumhexafluorophosphat (LiPF6), Lithiumbis(oxalato)borat (LiBOB) oder
Lithiumbis(trifluormethansulfonyl)-imid (LiTFSI) in verschiedenen Konzentrationen hinzugegeben.
Die Verwendung aprotischer (wasserfreier) Lösungsmittel stellt die einfachste Bauform der LAB dar,
allerdings bilden sich während der Entladung Reaktionsprodukte, die im aprotischen Elektrolyten nur
zu einem sehr geringen Maß löslich sind und sich an der Gasdiffusionselektrode anlagern. Da die
Rückbildung zu den Edukten nicht komplett reversibel stattfindet, kann es zu einem Verstopfen der
Gasdiffusionselektrode kommen. Dieses „pore clogging“ vermindert die aktive Oberfläche der Kathode
32
und reduziert somit im zunehmenden Betrieb die Batteriekapazität. Zudem sorgt der sich bildende
Film für einen zunehmenden Innenwiderstand, der zu hohen Überspannungen führen kann.
Aprotische Lösungsmittel sind meist nur bis etwa 4 V stabil und können sich bei zu hohen
Ladeüberspannungen zersetzen und für eine stärkere Alterung der Batteriezelle sorgen.
3.2.2 Wässriger Elektrolyt
Diese Batterievariante kann einen Vorteil gegenüber der Verwendung von aprotischen Elektrolyten
darstellen, da sich die Entladeprodukte sich zu einem großen Anteil im wässrigen Elektrolyten lösen
und das „pore clogging“ erst nach Überschreiten der Löslichkeitsgrenze eintritt. Um eine Lithiumanode
in diesem System einbringen zu können, muss diese vor dem Einbau speziell geschützt werden, da
Lithium aufgrund seines pyrophoren Verhaltens heftig mit Wasser reagiert. Dadurch resultiert
allerdings ein höherer Innenwiderstand und auch in puncto Leitfähigkeit und Diffusionsverhalten sind
diese Materialien noch nicht weitgehend optimiert.
3.2.3 Feststoffelektrolyt
Diese Variante steht gerade im Hauptfokus der Forschungsaktivitäten, da LAB’s mit
Feststoffelektrolyten die Nachteile der obigen Varianten ausräumen. Der verwendete
Festkörperelektrolyt vereinigt Separator und Elektrolyt in einem und schützt die Anode vor direktem
Kontakt mit zum Beispiel CO2, H2O oder O2 und führt dazu, dass so gut wie keine Nebenprodukte
entstehen können. Allerdings kommt bei dieser Bauart wieder das Verstopfen der GDE zum Tragen;
zudem resultieren aufgrund der Verwendung von ausschließlich festen Bestandteilen hohe
Kontaktwiderstände. Zudem sind die für diesen Einsatz geeigneten Festkörpermaterialien nur in einem
gewissen Spannungsbereich leitfähig. Diese LAB- Bauart wird auch noch in der Zukunft einen wichtigen
Forschungsgegenstand darstellen.
3.2.4 Hybridbatterie
Hier werden die Vorteile der aprotischen Bauart an der Anodenseite und die der wässrigen Architektur
an der Kathodenseite kombiniert. Der Aufbau der Zelle ist im Vergleich zu den anderen
Realisierungsformen um einiges herausfordernder, da die Batteriereaktion durch zwei chemisch
unterschiedliche Bereiche mit den entsprechenden Grenzflächen ablaufen muss. Dieses System
optimal einzustellen, erfordert derzeit noch einiges an Forschungsaufwand [HE16, SAF17, KIM17] und wird nur
der Vollständigkeit halber in dieser Arbeit erwähnt.
33
ABBILDUNG 3.3: Verschiedene Architekturen der Lithium-Luft-Batterie
3.3 Elektrochemie der aprotischen LAB
Gegenstand dieser Arbeit ist der aprotische Lithium-Luft Batterie Typ. Um ein besseres Verständnis für
die zellinternen chemischen Prozesse zu schaffen, wird in diesem Abschnitt ein Fokus auf die
elektrochemischen Vorgänge gelegt. Grundsätzlich reagieren in der LAB Luftsauerstoff und
metallisches Lithium unter Verwendung eines aprotischen Elektrolyten miteinander. Auf der
Anodenseite wird das metallische Lithium via (3.1) oxidiert, der in der Gasdiffusionselektrode
adsorbierte Luftsauerstoff unter Aufnahme eines Elektrons gemäß der ORR- Reaktion (3.2) reduziert.
Hierbei handelt es sich um einen 1-Elektronen-Transfer-Prozess.
Li→Li+ + e−, 𝐸0 𝑣𝑠.Li = 0 𝑉 (3.1)
O2+ e− → O2
− (3.2)
34
Gemäß den obigen Reaktionsgleichungen (3.1 und 3.2) entstehen während des Entladevorganges
Lithium-Kationen und eine einfach negative Sauerstoffspezies, die auch als Superoxidanion bezeichnet
wird. Das metallische Lithium geht im Laufe der Entladereaktion in Lösung und diffundiert in Form von
Lithiumkationen durch den Elektrolyten zur kathodenseitigen Gasdiffusionselektrode und reagiert dort
zu einem Lithiumoxid.
Generell sind zwei Mechanismen denkbar. Bei einem 2-Elektronen-Transfer resultiert Lithiumperoxid
(3.3) als Produkt. Bei einem 4-Elektronen-Transfer wird Lithiumoxid (3.4) als Endprodukt
gebildet. [YAM14]
2 Li++ 2 e−+O2 →Li2O2, 𝐸0 vs.Li=2,96 V (3.3)
4 Li++ 4 e−+O2 →2 Li2O, 𝐸0 vs.Li=2,91 V (3.4)
Nur das Lithiumsuperoxid (3.5) stellt ein Zwischenprodukt dar und reagiert entweder via
Disproportionierung (3.6) zu Lithiumperoxid und Sauerstoff oder durch weitere Reduktion (3.7)
ab. [ABR10]
Li+O2 →LiO2 (3.5)
2 LiO2→Li2O2+O2 (3.6)
LiO2+Li→Li2O2 (3.7)
Führende Forschungsgruppen gehen derzeit davon aus, dass das Lithiumperoxid das Hauptprodukt der
Entladereaktion darstellt. [ABR10, GIR10, BRU11, EIN11]. Somit resultiert in vereinfachter Darstellung folgende
Entladereaktion:
2 Li+ O2 → Li2O2, 𝐸0 vs.Li=U0≈3 V (3.8)
Anders als bei anderen Batteriesystemen, läuft der Ladevorgang nicht komplett reversibel ab. Es wird
im Gegensatz zu der Entladereaktion kein neues Lithiumsuperoxid gebildet. [IMA14, BRU11] Somit wird
angenommen, dass bei einem weiteren 2-Elektronen-Transfer (3.9) das Lithiumperoxid direkt zu
Lithium und Sauerstoff zersetzt wird. Während der gebildete Sauerstoff das Batteriesystem wieder
verlässt, lagert sich das Lithium an der Metallelektrode ab.
Li2O2 → 2 Li++ 2 e−+O2 (3.9)
35
Aus kinetischer Sicht läuft der Ladevorgang schneller als die Entladung ab, da keine Intermediatbildung
von Lithiumsuperoxid und anschließender Disproportionierung erfolgt. [BRU12] Daraus resultiert eine
hohe Energiebarriere, die während der OER überwunden werden muss und sorgt für eine hohe
Überspannung im Ladeprozess. Somit kann im folgenden Cyclovoltagramm schematisch eine Differenz
zwischen Lade- und Entladekurve der sich durch eine Spannungslücke (voltage gap) beobachtet
werden. [BRU12] Die OER-Überspannung ist ein Indikator für die OER-Effizienz und die Absenkung dieses
Überpotentials ist Gegenstand der Forschung, mitunter kann durch geeignete Elektrokatalysatoren die
Effizienz erhöht werden. [KIM14]
ABBILDUNG 3.4: Spannungslücke zwischen dem Entlade- und Ladeprozess; Abbildung nach [BRU12]
Eine andere Erklärung für die große Spannungslücke könnte die Bildung von Singulettsauerstoff
während des Ladevorgangs sein. Sauerstoff besitzt einen diradikalischen Charakter aufgrund der
Besetzung des antibindenden π*-Molekülorbitals. Gemäß Hundt’scher Regel sind die beiden
Valenzelektronen für die Triplett-Variante parallel ausgerichtet. Triplettsauerstoff stellt die
energetisch stabilste und langlebigste Modifikation dar.
Für die Singulett-Variante ergibt sich ein etwas höheres Energieniveau und eine parallele Anordnung
der Spins im antibindenden π*-Molekülorbital. Die Lebensdauer ist deutlich niedriger und der
Singulettzustand des Sauerstoffs deutlich reaktiver.
In einigen Studien [SCR11, WAN16] konnte belegt werden, dass während der OER Reaktion geringe Mengen
von Singulettsauerstoff gebildet werden, während die Sauerstoffspezies, die an der ORR Reaktion
beteiligt sind, vorrangig Triplettsauerstoffe sind. [SCR11] Die Energiebarriere könnte ebenso groß sein, da
der Übergang von Singulett zu Triplett gemäß der Hundt‘schen Regel spin-verboten ist, nur spontan
stattfindet und somit kinetisch gehemmt ist. Wenn die Geschwindigkeit der Singulett-Triplett
Transformation geringer als die der OER Reaktion ist, kann eine Potentialdifferenz aufgebaut werden.
Der Potentialunterschied zwischen Singulett und Triplett entspricht mehrere hundert Millivolt und
könnte einen großen Beitrag zur Bildung der beobachteten Spannungslücke leisten. [BRU12]
36
3.4 Problematik der LAB- Technologie und aktuelle Forschung
Die Lithium-Luft Technologie weist nach wie vor eine Reihe von Problematiken auf, die viele Forscher
seit langem intensiv beschäftigt. Vor allem die geringe „round-trip-efficiency“, der massive
Kapazitätsverlust nach wenigen Zyklen und viele Degradationsmechanismen im Batteriebetrieb sorgen
zunehmend dafür, dass die Technologie aufgrund der Masse an Problemen trotz ihrer hohen
theoretischen Energiedichte und ihrem Image als Allheilsbringer aller menschlichen Energieprobleme
zunehmend nicht über eine theoretische Konzeptionierung hinausgehen wird. Auch intensive
Forschungsanstrengungen brachten nicht die gewünschten Erfolge, so dass bereits proklamiert wurde,
dass die Lithium-Luft Batterie wohlmöglich nie über den Forschungsstatus hinausreichen könnte.
Seitdem geht das globale Forschungsaufkommen zurück, wird aber nicht komplett eingestellt. In
diesem Kapitel soll auf den Stand der Technik, die Probleme und die Lösungsansätze verschiedener
Forschungsgruppen eingegangen werden.
3.4.1 Katalysatorforschung
Ein großes Problem beim Betrieb von Lithium-Luft-Batterien ist der geringe Wirkungsgrad.
Insbesondere beim Ladevorgang werden hohe Überspannungen beobachtet, die vielerlei Ursachen
haben können. Zum einen bildet sich während des Entladeprozesses ein elektrisch isolierendes
Reaktionsprodukt, welches die Leitfähigkeit der Elektrode mindert. Um diesen während der
Batteriereaktion zunehmenden Widerstand zu überwinden, werden Ladespannungen von über 4 V
benötigt, um die Zelle wieder laden zu können. Diese Bedingungen haben weitere negative
Auswirkungen auf das Batteriesystem, da sich bei diesem Spannungsniveau sowohl der Elektrolyt als
auch die Kohlenstoffelektrode durch Oxidationsprozesse zersetzen können. Diese parasitären
Nebenreaktionen altern die Zelle in dem Maße, dass sie bei zunehmender Zyklenzahl massive
Kapazitätseinbußen verzeichnet und bereits nach wenigen Zyklen unbrauchbar wird.
Zusätzlich ist die Bildung des Reaktionsproduktes nicht reversibel, das bedeutet, dass nach
abgeschlossenem Ladevorgang Lithiumperoxid auf der Oberfläche der GDE verbleibt und dauerhaft
Aktivmasse in Form von Lithiumoxiden gebunden wird. Diese Alterungsprozesse sind von immenser
Bedeutung und werden neben anderen Problemfeldern dieser Technologie mit als zentrales
Forschungsspektrum betrachtet. Schon zu Beginn der Veröffentlichung der Lithium-Luft Technologie
Anfang der 2000er Jahre, ging man davon aus, dass die oben geschilderte Problematik sich durch den
Einsatz geeigneter Katalysatoren die Überspannungen verringern, die Zyklenstabilität verbessern und
den Wirkungsgrad der LAB steigern lassen können.
Edelmetall-Katalysatoren
Edelmetalle sind allseits bekannt für ihre gute katalytische Aktivität und werden in vielen industriellen
Verfahren vielseitig eingesetzt. Auch im Bereich der Brennstoffzellentechnik wurden verschiedene
Edelmetalle bereits erfolgreich eingesetzt. [SHA12] Untersuchungen zeigten, dass Gold die ORR, und
Platin die OER zu katalysieren vermag. [SHA12] Durch die einzigartige Elektronenstruktur sind Edelmetalle
in der Lage, die Aktivierungsenergie für chemische Prozesse herabzusetzen und somit die jeweilige
37
Reaktion zu beschleunigen. Da ein Katalysator meist nur für eine spezifische Reaktion eine hohe
katalytische Aktivität aufweist, wurden häufig Mischungen verschiedener Katalysatoren, Komposite
oder Legierungen aus mehreren Edelmetallen zur Katalyse eingesetzt, wie zum Beispiel eine Pt-Au-
Legierung, welcher die Ladeüberspannung besonders bei hohen Entladeströmen absenken konnte.
[LU11] Allerdings ist die geringe geologische Verfügbarkeit und damit preisintensive Anwendung der
Edelmetalle ein wesentlicher Nachteil, um diese Technologie dem breiten technischen
Anwendungsfeld zugänglich zu machen.
Übergangsmetalloxid- Katalysatoren
Auch Übergangsmetalloxide konnten ein erhebliches katalytisches Potential gegenüber der OER und
ORR zeigen. Viele verschiedene Übergangsmetalloxide wurden hinsichtlich einer möglichen
Anwendung in LABs untersucht. Die besten Eigenschaften hierbei zeigte neben Co3O4 α-MnO2. [SHA12,
ZAH19] Der Einsatz von Co3O4- Nanopartikeln als bifunktioneller LAB-Katalysator ermöglichte
Stromdichten von bis zu 160 mA/g und eine bessere Langzeitbeständigkeit als das bis dahin häufig
verwendete Pt/C. [SUN14] Neben der elektrischen Konfiguration dieser Übergangsmetall-verbindungen
scheint auch die Morphologie und Oberflächenstrukturierung der Katalysatorpartikel einen
fundamentalen Einfluss auf die Aktivität zu haben. [ZAH19] DFT-Kalkulationen zeigten, dass
Oberflächendefekte in den verwendeten Cobaltoxidpartikeln zu einer örtlich veränderten
elektronischen Delokalisierung führen, welche die Adsorptions- und Aktivierungseigenschaften an der
Katalysatoroberfläche verbessern. [ZHA18] Zhang et. al. entwickelten einen Prozess, um während der
Katalysatorherstellung zusätzliche Defekte zu erzeugen. Durch die Defekte konnten mehr katalytische
Zentren mit höherer Leitfähigkeit erzeugt werden. Die turn-over-frequency, also die Angabe, wie häufig
ein Katalysator eine Reaktion katalysieren kann, konnte um das 10-fache erhöht werden. [ZHA18]
Eine weitere Möglichkeit die Aktivität des Katalysators weiter zu steigern, ist die Vergrößerung der
Oberfläche. Mit verschiedenen Verfahren wie der ALD (atomic-layer-deposition) lassen sich zum
Beispiel Nanoröhren mit noch größerer Oberfläche erzeugen. So wurde das schon häufig in Lithium-
Ionen-Batterien eingesetzte NiCo2O4 in Form von Nanodrähten synthetisiert und in LABs eingesetzt.
Stromdichten von bis zu 200 mA/g und eine reversible Kapazität von bis zu 13250 mAh/g konnten
erzielt werden. [SUN13] Aber auch ein ähnlich strukturiertes Material wie MnCo2O4 wurde sowohl in Form
von auf Graphit- imprägnierten Nanopartikel [WAN12b] als auch in Form eines multiporösen Materials
[MA13] als bifunktioneller Katalysator eingesetzt. Durch die Herstellung eines multiporösen MnCo2O4-
Materials konnte die aktive Oberfläche noch weiter gesteigert werden und erstmals ein
edelmetallfreier Katalysator mit höherer Aktivität als Pt/C synthetisiert werden. [WAN12b] Stromdichten
von bis zu 250 mA/g über mehr als 50 Zyklen bei gleichbleibend erniedrigter Überspannung konnten
erzielt werden. [MA13]
Katalysatoren mit Perowskit-/Spinellstruktur
Eine bessere Alternative in der Übergangsmetalloxidklasse im Vergleich zu den Edelmetallen könnte
die Verwendung von Katalysatormaterialien mit Perowskit- oder Spinellstruktur darstellen. Hierbei
bedient man sich Materialien der Zusammensetzung AB2O4 (Spinell) oder ABO3 (Perowskit).
38
Perowskit- Katalysatoren
Aufgrund besserer Umweltverträglichkeit, hoher Leitfähigkeit, einzigartiger 3d-Elektronenstruktur und
einer ähnlich hohen katalytischen Aktivität wie zum Beispiel IrO2 oder Pt/C gelten Perowskit
Katalysatoren als attraktive Katalysatorklasse für die OER/ORR. [ZHO13] Viele dieser Systeme wurden für
Brennstoffzellentechnologien entwickelt, da Wasserstoffperoxid und Lithiumperoxid chemisch
ähnliche Verbindungen sind, testete man Perowskite auch für den Einsatz in LABs.
Eine LAB mit einer auf CaMnO3-basierten Elektrode zeigte während der Zyklisierung mit eine
Stromdichte von 50 mA/g eine niedrigere Spannungslücke von 620 mV auf. [HAN14] Perowskit-
Katalysatoren weisen komplizierte Strukturdefekte auf, schaffen somit mehr katalytische Zentren und
weisen daher eine erhöhte Aktivität für die ORR und OER auf. Um das Potential weiter auszuschöpfen,
berichten Zhang et. al. über ein Beschichtungsverfahren von PrBa0.5Sr0.5Co2O5+δ mit Ni3S2. Die Perowskit
Struktur schafft die große Oberfläche mit einzigartiger Morphologie und das Ni3S2 sorgt für die
effiziente OER/ORR Katalyse. [ZHA19a] Hierbei konnte das Überpotential auf 680 mV abgesenkt und damit
eine Kapazität von 12800 mAh/g bei etwa 120 Zyklen realisiert werden. [ZHA19a] Ein großer Vorteil der
Perowskit Materialien ist, dass sich die Atompositionen durch verschiedene Kationen und Anionen
austauschen lassen. Dies ermöglicht ein Finetuning und ermöglicht die perfekte Einstellung auf das
entsprechende elektrochemische System. So wurde La0.6Sr0.4CoO3 (LSC) als effizienter Katalysator in
aprotischen LABs untersucht. Durch Dotierung mit Eisen und Mangan konnten La0.6Sr0.4Co0.2Fe0.8O3
(LSCF) und La0.6Sr0.4Co0.2Mn0.8O3 (LSCM) erhalten werden. LSCF stellte sich hierbei als effizienteste
Variation heraus, 156-mal konnte eine entsprechende Zelle bei einer Stromdichte von 400 mAh/g an
Umgebungsluft zyklisiert werden. [CHE18]
Spinell- Katalysatoren
Ähnlich den Perowskiten kommen auch Festkörper mit Spinell-Struktur als bifunktionelle
Katalysatoren zum Einsatz. Oxospinelle welche Nickel, Cobalt oder Mangan enthalten, wurden schon
häufig als potenzielle Katalysatormaterialien für Zink-Luft-Batterien gehandelt. Sie zeigten eine
erhöhte Aktivität für die OER und ORR. CoMn2O4 ist ein Halbleiter mit guter katalytischer Effektivität
und hoher Elektronenleitfähigkeit. Die Zyklisierung einer entsprechenden LAB zeigte im Vergleich zu
einer Referenzzelle ohne Katalysator, die 1 V aufwies nur eine Spannungslücke von etwa 300 mV auf.
[GOO11] Auch CuCo2O4 [CHU14, Li16a] oder NiCo2O4 [YAN14] zeigen Performanceverbesserungen, niedrigere
Überspannungen und bessere Round-Trip-Effizienzen.
Weiterer Forschungsausblick
Auch wenn, wie in vielen Forschungsarbeiten veröffentlicht, sich die Performance der aprotischen LAB
durch neuartige Katalysatormaterialien optimieren lässt, müssen zunächst die grundlegenden
physikochemischen Eigenschaften dieses elektrochemischen Systems genauer untersucht werden, um
ein gezielteres Katalysatordesign zu ermöglichen, um langfristig eine generelle Performance-
steigerung zu erzielen.
39
Grundsätzlich ist das aprotische LAB-System herausfordernd, da das Entladeprodukt Li2O2 ein
unlöslicher Feststoff ist, der sich auf der Oberfläche der Gasdiffusionselektrode abscheidet und
elektrisch isolierend ist. [ZAH19] Dadurch wird die Leitfähigkeit der Elektrode vermindert und katalytische
Zentren, die in der Lage wären im Ladevorgang das Lithiumperoxid wieder zu zersetzen, werden
überdeckt und somit deaktiviert.
Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass das OER Potential für amorphes Li2O2 mit 4,65 V sehr viel höher
liegt, als elektrochemisch abgeschiedenes Li2O2 mit 3,2- 4,5 V. [SHA12] Es wird vermutet, dass dies auf die
unterschiedliche Wechselwirkung zwischen Kohlenstoffoberfläche und Lithiumperoxid
zurückzuführen ist. Auch die Nukleationsgröße der abgeschiedenen Peroxidpartikel hat einen
bedeutenden Einfluss auf die Zyklenlebensdauer – kleinere Agglomerate können sehr viel schneller
aufgelöst werden als große Kristallite oder durchgängige Oxidfilme, [SHA12] analog zur
Sulfatkristallbildung in Bleiakkumulatoren. Durch die Vergrößerung der Katalysatoroberflächen, die
synthetisch durch die Schaffung von Nanodrähten oder das Einbringen von mehr Defekten in die
Kristallstruktur realisiert werden kann, ist es vor allem die Elektrodenbeschaffenheit, die
ausschlaggebend für die Morphologie des Entladeproduktes ist. Durch die Schaffung einer
hochporösen GDE-Oberfläche, kann auf der einen Seite die Sauerstoffdiffusion durch das
Elektrodenmaterial optimiert und somit die katalytische Aktivität voll ausgeschöpft werden, auf der
anderen Seite bietet eine Hohlraumstruktur auch genügend Platz für die Ablagerung der Oxidprodukte.
[ZAH 19]
Das Verhältnis zwischen Kohlenstoffanteil und Porosität muss ebenso berücksichtigt werden. Ein
höherer Kohlenstoffanteil verringert die Porosität, die verminderte Porosität, hemmt die
Reaktionskinetik und somit auch die spezifische Entladekapazität. [ZAH19] Das Einstellen der Porosität ist
ebenso essenziell wie das Katalysatordesign und wird gesondert in einem anderen Kapitel betrachtet.
Zur perfekten Katalysatoreinstellung bedarf es zuerst eines stabilen Systems ohne unerwartete
Degradationsmechanismen, wie zum Beispiel der Elektrolytzersetzung. Zudem sollte es gelingen
unerwünschte Nebenreaktionen zu unterdrücken und dafür zu sorgen, dass neben dem
Lithiumperoxid keine weiteren Nebenprodukte, wie zum Beispiel Lithiumhydroxid oder
Lithiumcarbonat durch den Eintrag von CO2 und H2O in die Zelle, auf der GDE gebildet werden, da nur
Li2O2 reversibel in die Edukte zersetzt werden kann.
Eine weitere Optimierung könnte dadurch erzielt werden, dass ein Elektrokatalysator verwendet wird,
der die ORR- bzw. OER Reaktion katalysiert und nur auf den Defektstellen des Festkörpers aufgetragen
wird, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis weiter zu steigern.
Viele Erkenntnisse der Katalysatorforschung sollten allerdings mit Vorsicht betrachtet werden, da viele
Forschungsarbeiten zu einem Zeitpunkt durchgeführt wurden, in denen Carbonat-haltige
Lösungsmittel in LABs eingesetzt wurden. [SHA12] Da es sich bei der Verwendung dieses Elektrolyttypen
nicht um ein stabiles Batteriesystem handelt, könnte es sein, dass Erkenntnisse und Trends bei der
Verwendung anderer Elektrolyten hinfällig sind. Hierzu wird genauer im Kapitel Elektrolyte
eingegangen.
Nur das Zusammenspiel vieler Forschungsbereiche und das Einbeziehen vieler Erkenntnisse, zum
Beispiel aus der Brennstoffzellentechnologie, können diese Technologie zur kommerziellen Reife
verhelfen, da das Reaktionsverhalten von H2O2 und Li2O2 ähnlichen Gegebenheiten unterworfen sein
40
dürfte. [SHA12] Aber auch das „Abkupfern“ aus der Natur könnte ein wichtiger Schritt sein, da
Biokatalysatoren hocheffizient biochemische Prozesse beschleunigen können. [CHE12a]
Zudem ist dieses System herausfordernd, da es sich stetig verändert und schwierig ist für jeden Zustand
die optimalen Material- und Betriebsparameter zu finden und einzustellen. Nur wenn das
Zusammenwirken von Kathodenstruktur und katalytischer Aktivität optimiert werden kann, können
die benötigten hohen Stromdichten erzielt werden, die es braucht, um den Lithium-Ionen-
Akkumulator vollends durch Lithium-Luft-Akkumulatoren zu ersetzen.
3.4.2 Elektrolytforschung
Die Hauptanforderungen an den Elektrolyten sind eine hohe Leitfähigkeit für Lithiumionen, hohe
Sauerstofflöslichkeit und eine optimale Viskosität, um den Kontakt zwischen Gasdiffusionselektrode
und Lithiummetallanode zu garantieren. Das verwendete aprotische Lösungsmittel sollte gleichzeitig
aber nicht zu volatil sein, damit die Batterie im fortlaufenden Betrieb oder bei erhöhten Temperaturen
nicht austrocknet. Zusätzlich ist in der Literatur oftmals von Anodenkompatiblen Elektrolyten die Rede,
die mit dem metallischen Lithium eine stabile Solid Electrolyte Interface (SEI), eine Schicht aus
zersetztem Elektrolyten und Lithium, die nur für Lithiumionen durchlässig ist und die metallische
Anode vor Degradation schützt, bildet. Besonders an den Elektrolyten in LABs werden hohe
Erwartungen gestellt, da er neben den oben genannten Eigenschaften auch eine Beständigkeit im stark
oxidativen Milieu aufweisen sollte, um eine gute Zyklenstabilität zu ermöglichen.
Im aprotischen LAB-Typen kommen Elektrolyten zum Einsatz, welche aus einem organischen
Lösungsmittel und einem Leitsalz bestehen. Im Betrieb stellte sich schnell heraus, dass viele Elektrolyte
sich im Betrieb der Batterie zersetzen. Die Hauptursache für die Zersetzung der aprotischen
Lösungsmittel wird dem Superoxidradikalanion O2-· zugeschrieben, da es sich sowohl um ein sehr
starkes Nucleophil handelt, es als starke Base Protonen abstrahieren und durch seinen radikalischen
Charakter homolytische Bindungsbrüche einleiten kann. [SCR11] Diese Zersetzungsprozesse stellen ein
Kernproblem der LAB-Forschung dar und werden für die schlechte Zyklisierbarkeit und den massiven
Kapazitätsverlust nach nur wenigen Zyklen verantwortlich gemacht. Auf der Suche nach einem stabilen
Elektrolyten wurden folgende Eigenschaften als Kernanforderungen definiert. Hohe
Dielektrizitätskonstante, hohe Löslichkeit für das Leitsalz, geringe Viskosität, hohe Beständigkeit
gegenüber Abbauprodukten und Sauerstoffradikalen und den daraus resultierenden Neben- und
Abbauprodukten, geringer Dampfdruck, geringe Toxizität und ökonomische Aspekte wie Preis und
Verfügbarkeit. [LIU15]
Deshalb wurden unterschiedlichste Elektrolyte sowohl in Laborexperimenten als auch in theoretischen
Kalkulationen auf ihre Stabilität getestet. Dieses Kapitel soll einen Einblick in die chemische Struktur
verschiedener Elektrolytlösungsmittel, ihre Reaktivität und Beständigkeit geben, um deren Vor- und
Nachteile aufzeigen und einen Forschungsausblick zu ermöglichen.
41
Aprotische Elektrolyte - Carbonate
Die ersten aprotischen Lithium-Luft-Akkumulatoren verwendeten Carbonat-haltige Elektrolyte, da sie
bereits in Lithium-Ionen-Batterien verwendet wurden und eine gute Performance zeigen konnten. Ein
großer Vorteil von Alkylcarbonaten als Lösungsmittel sind hohe Siedepunkte und eine hohe
Ionenleitfähigkeit. Es konnte gezeigt werden, dass Carbonate während der Entladung in oxidativem
Milieu durch Sauerstoffradikale irreversibel zersetzt werden können. [LIU15]
Die folgende Abbildung 3.5 zeigt den Zersetzungsmechanismus am Beispiel von Diethylcarbonat (DEC)
aus dem eine Vielzahl an Zersetzungsprodukten resultieren können. Das hochreaktive Superoxid-
radikalanion kann nucleophil am O-Alkylkohlenstoff angreifen und eine Reihe weiterer
Zersetzungsmechanismen einleiten, die zur vollständigen Zersetzung des aprotischen Lösungsmittels
sorgen. [BRY11]
ABBILDUNG 3.5: Zersetzungsmechanismus von Alkylcarbonat-haltigen Elektrolyten; Abbildung nach [FRE11]
Als Hauptzersetzungsprodukte werden neben Lithiumcarbonat verschiedene Lithiumalkylcarbonate,
Wasser und CO2 gebildet. Letztere führen wiederum zu separaten Zersetzungsprozessen wie der
Bildung von LiOH oder Li2CO3 die aufgrund ihrer chemischen Reaktivität der Zellperformance
nachhaltig verschlechtern. Somit müssen Carbonate für den Einsatz in LABS als ungeeignet eingestuft
werden. Bereits 2010 stellten Mizuno et al. fest, dass LABs, die Carbonate als Lösungsmittel
verwenden, primär Li2CO3 als Hauptentladeprodukt gebildet wird und die favorisierte Bildung von Li2O2
gar nicht zustande kommt. [MIZ10]
Aprotische Elektrolyte - Ether
Aufgrund des Fehlens elektronenziehender Gruppen in ihrer Molekularstruktur rückten Ether wie
Dimethylether (DME) oder Triethylenglycoldimethylether (TEGDME) in den Fokus geeigneter
Elektrolytklassen. Da sie keine Carbonyl-funktion aufweisen, sind sie nucleophil sehr schwer
anzugreifen, was sie zeitweise als interessante Alternative zu Carbonaten machte. Bei den ersten
Zyklentests konnte die Bildung von Lithiumperoxid beobachtet werden. Allerdings sinkt die Li2O2-
Fraktion von Zyklus zu Zyklus und ab dem 5. Zyklus konnte kein Li2O2 mehr detektiert werden. [LIU15]
Dieser Vorgang wurde auch durch Gasanalytik bestätigt, dass mit zunehmender Zyklenzahl mehr und
mehr CO2 detektiert wurde, im Idealfall sollte die OER eine reine Sauerstofffraktion liefern. [MCC11]
42
Weitere Tests ergaben, dass Ether besonders anfällig für Autooxidationen sind. Dabei wird durch die
radikalische Natur des Superoxidradikalanions das α-Proton durch einen homolytischen
Bindungsbruch abstrahiert. Die neu gebildeten Radikale können anschließend zufällig mit anderen
Radikalen rekombinieren, neue Peroxide bilden, für Veresterungen oder Polymerisationen führen.
[YAO16] Die folgende Abbildung 3.6 illustriert den Zersetzungsmechanismus von Ether-haltigen
Elektrolyten.
Ether sind in der organischen Synthese ein Standardlösungsmittel und haben neben ihrer großen
Verfügbarkeit und geringen Kosten viele weitere nützliche Eigenschaften wie eine geringe Volatilität,
höhere Oxidationsbeständigkeit und eine Kompatibilität mit metallischem Lithium, was zu einer
stabilen SEI-Bildung führt. Allerdings sind Ether nicht langzeitstabil und somit nicht für die Anwendung
in LABs geeignet. Um die Elektrolyten zu stabilisieren, können die reaktiven Zentren, die besonders
anfällig für die jeweiligen Zersetzungsprozesse sind, sterisch abgeschirmt werden, wie zum Beispiel bei
der Methylierung der α-Protonen in autooxidationsanfälligen Ethern. Hierfür werden innerhalb der
ABBILDUNG 3.6: Zersetzungsmechanismus von Ether-haltigen Batterieelektrolyten; Abbildung nach [BRU11a]
Lösungsmittelklasse die Aktivierungsenergien berechnet, die durch die Interaktion mit dem
Superoxidradikalanion zum C-H-Bindungsbruch führen, um eine Aussage über die
Autooxidationsbeständigkeit zu treffen. Diese Rechnungen können helfen besonders anfällige Zentren
zu identifizieren und zu schützen, um langlebigere LABs zu realisieren. [BRY12]
43
Aprotische Elektrolyte - DMSO
Nach Carbonaten und Ethern stand DMSO lange im Fokus geeigneter Elektrolytlösungsmittel, da es
gegenüber nucleophilen Angriffen und Autooxidationen eine hohe Oxidationsbeständigkeit aufweist.
Die geringe Volatilität, Viskosität, hohe Sauerstofflöslichkeit und hohe Leitfähigkeit für Lithiumionen
wird einzig und allein dadurch konterkariert, dass DMSO mit metallischem Lithium reagiert, keine
stabile SEI gebildet werden kann und dadurch eine geringere Lebensdauer der LAB zur Folge hat. [LIU15,
EIN14] Eine XRD-gestützte Analyse konnte zeigen, dass bei LABs, welche DMSO als Elektrolyten
verwenden, bei zunehmender Entladung die vermehrte Bildung von LiOH in Gegenwart von Li2O2
beobachtet werden konnte. Mechanistische Studien konnten zeigen, dass das Lithiumperoxid mit dem
DMSO unter der Bildung von DMSO2 zu LiOH abreagiert. [SHA14] Die folgende Abbildung 3.7 zeigt den
vermuteten Zersetzungsmechanismus von DMSO. Die reduzierten Sauerstoffspezies sind im
aprotischen Milieu stark basisch und können besonders gut die in α-Positionen befindlichen Protonen
abstrahieren. Der elektronenziehende Effekt der Sulfonfunktion erhöht zusätzlich die Acidität und
fördert die Deprotonierung. [YAO16] Somit eignet sich auch DMSO nicht für die Verwendung in LABs.
ABBILDUNG 3.7: Zersetzungsmechanismus von Dimethylsulfoxid [SHA13]
Aprotische Elektrolyte - DMA
Dimethylacetamid (DMA) ist als polares aprotisches Lösungsmittel besonders in stark oxidativem
Milieu beständig und kommt somit auch als LAB-Elektrolyt in Betracht. [EIN14] Auch computergestützte
Kalkulationen, in denen die freie Reaktionsenthalpie für den erforderlich C-H Bindungsbruch berechnet
wurde, zeigten, dass Amide eine hohe Oxidationsstabilität gegenüber O2-Radikalanionen aufweisen.
[BRY13] Die hohe Oxidationsbeständigkeit wird ähnlich wie beim DMSO durch die hohe
Reaktionsfreudigkeit gegenüber metallischem Lithium konterkariert. Diese Problematik lässt sich
lösen, indem durch die Zugabe von LiNO3 als Additiv die Lösungsmitteldegradation aufgehalten werden
kann, da die Zugabe dieses Additivs für die Bildung eine beständigen SEI führen kann. Auch bei
unterstützenden Gasanalysen konnte einzig und allein die Bildung von O2 während des Ladevorgangs
beobachtet werden. [WAL13] Die Elektrolytstabilität ermöglicht eine hohe Zyklenzahl, bei einer
44
Stromdichte von 0,1 mA/cm² konnte eine LAB mit verwendetem 1M LiNO3/DMA Elektrolyt 80-mal
zyklisiert werden. [WAL13] Die hohe Oxidationsbeständigkeit ist auf den inerten Kern der Molekülstruktur
zurückzuführen. Abbildung 3.8 illustriert einen möglichen Mechanismus wie Dimethylacetamid
oxidativ zersetzt werden kann.
ABBILDUNG 3.8: Zersetzungsmechanismus von Dimethylformamid; Abbildung nach [KWA20]
Elektrolytmischungen
Viele der bisher verwendeten Elektrolyte haben nachweislich Vor- und Nachteile, so weisen einige
Verbindungen eine schlechte Löslichkeit für Lithiumleitsalze auf, während andere eine hohe
Oxidationsbeständigkkeit gegenüber den reduzierten Sauerstoffspezies zeigen, doch gleichzeitig mit
dem anodischen Lithium abreagieren. Somit liegt die Vermutung nahe positive Synergieeffekte durch
das Mischen mehrerer Lösungsmittelklassen miteinander zu erzielen. [EIN14] So konnten Wang et. al.
zeigen, dass die Mischung von DMA und Sulfolan in verschiedenen Verhältnissen einen geeigneten
oxidationsstabilen Elektrolyten ergeben. LABs, die den neuen “engineered electrolyte” verwendeten,
zeigten im Vergleich zu DMSO eine höhere Batteriekapazität und konnten die gesteigerte Performance
über 200 Zyklen beibehalten. [WAN17] Ein Vorteil dieser Elektrolytmischung ist, dass die Viskosität perfekt
eingestellt werden kann. Ein höherer Anteil von DMA weist eine niedrigere, ein höherer Anteil von
Sulfolan hingegen, eine höhere Viskosität auf. [WAN17]
45
Bildung von Lithiumcarbonat
Viele Literaturstellen berichten von der Bildung eines elektrisch isolierenden Films auf der GDE-
Oberfläche, der den Innenwiderstand beim Ladevorgang erhöht und daher die großen
Überspannungen erfordert, um das Entladeprodukt Li2O2 wieder zu zersetzen. Die beobachtete
Spannungslücke (Abbildung 6) wird hauptsächlich hierauf zurückgeführt.
Peng et. al. gehen davon aus, dass nicht nur das Entladeprodukt Li2O2, sondern auch das Nebenprodukt
Li2CO3 für einen Großteil dieser Überspannungsdifferenz verantwortlich ist. [PEN18] Wie bei der
Verwendung von Carbonat-haltigen Lösungsmitteln bevorzugten Bildung von Li2CO3 anstelle von Li2O2
vermuten die Forschenden, dass die Bildung von Li2CO3 eine der Hauptursachen für die schlechte
Effizienz der LAB verantwortlich ist. Denn in jedem bisher verwendeten Elektrolyten mit aprotischem
Lösungsmittel bildet sich, wenn auch in unterschiedlichen Masseanteilen, zuverlässig Lithiumcarbonat.
[PEN18] Selbst in vielversprechenden Lösungsmitteln wie TEGDME oder DMA wird die Bildung
beobachtet. Dabei ist es nicht nur der Elektrolyt, der sich oxidativ zersetzt und als Quelle des
isolierenden Nebenproduktes angesehen werden kann. Auch die kohlenstoffbasierte
Gasdiffusionselektrode scheint in dem oxidativen Milieu nicht komplett inert zu sein und sich bei den
hohen Überspannungen von etwa 4,5 V oxidativ zu zersetzen, da auch die Bildung von Lithiumcarbonat
aus Sauerstoff und Kohlenstoff thermodynamisch begünstigt ist. [PEN18] Eine weitere Eingangspforte für
das störende Nebenprodukt ist das in der Umgebungsluft vorhandene CO2, welches in die Zelle
diffundiert und dort gemäß den folgenden Gleichungen (3.10) und (3.11) entweder mit dem
Luftsauerstoff (22) oder dem auf der GDE abgeschiedenen Li2O2 (23) zu Li2CO3 abreagiert. [PEN18] An
dieser Stelle wird deutlich, dass nicht nur die Wahl und Weiterentwicklung des Elektrolyten, sondern
auch die Zellkonstruktion unter Verwendung von semipermeablen Membranen eine Kernaufgabe
darstellt, um die Lebensdauer von LABs zu steigern.
1
2𝑂2+𝐶𝑂2+ 2 𝐿𝑖 → 𝐿𝑖2𝐶𝑂3 (3.10)
2𝐿𝑖2𝑂2+ 2 𝐶𝑂2 →2 𝐿𝑖2𝐶𝑂3+𝑂2 (3.11)
Ionische Flüssigkeiten
Da aprotische Elektrolyten über unterschiedliche Mechanismen zersetzt werden können und nicht die
gewünschten Anforderungen an einen stabilen und langlebigen Elektrolyten erfüllen können, rücken
seit einigen Jahren immer weiter ionische Flüssigkeiten in den Fokus der Forschungsaktivitäten. Vor
allem auf Pyrrolidinium- oder Piperidinium-Kationen basierende ionische Flüssigkeiten qualifizieren
sich aufgrund der hohen Radikalstabilität in LABs. [XIN19] Des Weiteren, verhindern sie durch ihre
Hydrophobie ein Eindringen von Luftfeuchtigkeit in die Zelle und ein vernachlässigbarer Dampfdruck
sorgt dafür, dass die Zelle im fortlaufenden Betrieb nicht mehr austrocknen kann. [LIU15]
Viele verschiedene Polymere wie zum Beispiel Polyethylenoxid (PEO), Polyvinylalkohol (PVA) oder
Polyvinylacrylat (PMMA) wurden mit verschiedenen Lithium-haltigen Leitsalzen wie LiTFSI oder LiPF6
kombiniert, um die hervorragenden elektrochemischen Eigenschaften mit der höheren Sicherheit der
Polymerelektrolyte zu kombinieren. [BAI17]
46
Allerdings haben ionische Flüssigkeiten eine geringere Sauerstofflöslichkeit und weisen geringere
Diffusionskonstanten auf, was derzeit die Entladekapazität immer noch begrenzt. [LIU15] Einzeln
betrachtet, erscheinen die aprotischen Lösungsmittelklassen ungeeignet für den Einsatz in LAB’s zu
sein, doch eine Kombination aus einem Ether und einer ionischen Flüssigkeit konnte eine dreifache
Performancesteigerung bewirken. [CHO13, CEC12]
Neuartige Batterieelektrolyte auf der Basis ionischer Flüssigkeiten basieren meist auf einem fluorierten
Polymer in Kombination mit einem Lithium-haltigen Leitsalz. Das Polymer Polyvinylidenflourid-co-
hexafluoropropylen (PVdF-HFP), welches bereits in Lithium-Ionen-Batterien mit eingesetzt wird,
könnte aufgrund seiner positiven Eigenschaften wie zum Beispiel, geringe Entflammbarkeit, hohe
Leitfähigkeit, hohe thermische und elektrochemische Stabilität, auch für Lithium-Luft-Akkumulatoren
geeignet sein. In Kombination mit der ionischen Flüssigkeit EMITFSI, können Ionenkanäle im Material
gebildet werden, welche die elektrochemischen Eigenschaften weiter verbessern. [BAI17]
So konnte gezeigt werden, dass die Kombination von (PVdF-HFP) mit Lithiumbis(trifluoromethan-
sulfonyl)imid (LiTFSI) und 1-Ethyl-3-Methylimidazolium-bis(trifluoromethansulfonyl)imid (EMITFSI) in
verschiedenen Mischungsverhältnissen als geeigneter Elektrolyt für quasi-Festkörper LABs darstellt.
Dieser Elektrolyt verbindet die Vorzüge von sowohl festen (mechanische und thermische Stabilität) als
auch vom flüssigen Aggregatzustand (besserer Kontakt und höheres Diffusionsvermögen). Durch das
Einstellen des Massenverhältnisses zwischen den Komponenten lässt sich die Kristallinität der
Polymermatrix und somit die Ausprägung vieler homogener vernetzter Poren erzeugen, die die
Leitfähigkeit für Lithiumionen verbessern. Der auf ionischen Flüssigkeiten basierende
Polymerelektrolyt zeigt eine gute Kompatibilität mit der Lithiumanode und weist eine gute
Zyklenstabilität auf, die Überspannungen konnten vermindert und die Zellkapazitäten optimiert
werden. [BAI17]
Synergieeffekte
Neben der Optimierung einer Zellkomponente wie zum Beispiel des Elektrolyten, lassen sich
Performance und Leistungssteigerung vor allem durch Synergieeffekte ausnutzen. Hierbei kommen
alle positiven Leistungsparameter zum Tragen. Dies erfordert auf der einen Seite eine immense
Feineinstellung des Batteriesystems, allerdings lässt sich somit ein riesiges Optimierungspotential
ausschöpfen.
Die Forschergruppe um Asadi et. al. berichtete über ein LAB System, welches bei der Entladung von
etwa 500 mAh eine deutlich höhere Zyklenlebensdauer von bis zu 700 Zyklen erreichen konnte. [ASA18]
Die Zelle bestand aus einer mit Li2CO3-geschützten Anode, einer Kathode aus Molybdändisulfid-
Nanoflakes (MoS2) und einer Elektrolytmischung, die aus einer ionischen Flüssigkeit und DMSO
zusammengesetzt war. Zuvor wurde der größtmögliche Synergieeffekt zwischen den einzelnen
Batteriekomponenten unter Ausschluss bekannter Störfaktoren berechnet. Auf diese Weise können
Systeme designt werden, um noch höhere Leistungsdichten zu realisieren.
Xing et. al. konnten unter Verwendung von Pt3Co Nanodrähten als Kathodenmaterial und eines auf
einer SiO2-basierenden ionischen Flüssigkeit bestehenden Elektrolyten, ein LAB System realisieren,
welches bei einer Entladung von 500 mAh bis zu 300 Zyklen an Umgebungsluft überstehen konnte.
[XIN19] Durch die Verwendung der ionischen Flüssigkeit konnte das Problem der Elektrolytzersetzung
47
komplett umgangen werden. Ein weiterer Vorteil ist die hydrophobe Eigenschaft des Elektrolyten,
welcher dafür sorgt, dass keine Luftfeuchtigkeit in die Zelle diffundiert. Zusätzlich konnte gezeigt
werden, dass selbst bei Temperaturen zwischen 60°C und 80°C der Elektrolyt eine gute thermische
Beständigkeit bei einer deutlich geringeren Zyklenanzahl aufweisen konnte. [XIN19] Die hohe
Leitfähigkeit des Elektrolyten zeigt, dass die Verwendung von ionischen Flüssigkeiten in LABs zu
stabileren Systemen führen kann.
Festkörper/Quasi-Festkörper- Elektrolyte
Neben der Verwendung von ionischen Flüssigkeiten in LAB-Systemen wurden auch einige Fortschritte
in der Erforschung neuartiger Feststoffelektrolyte erzielt. Diese Materialien sind leicht, haben eine
hohe chemische und thermische Beständigkeit und verhindern die Bildung von Lithiumdendriten, was
eine Schwachstelle in der Verwendung von metallischem Lithium als Anodenmaterial bedeutet.
Dadurch werden die Zellen langlebiger und sicherer und können sehr dünn mit verschiedenen
Beschichtungsverfahren auf die Batteriekomponenten aufgetragen werden, was auch einen
produktionstechnischen Vorteil darstellt. Lithiumionen-leitende anorganische Keramiken und
organische Polymere (in Form von Quasi-Feststoffen) kommen für diese Anwendung in Betracht.
Ein großer Vorteil von keramischen Materialien als Feststoffelektrolyt ist die Membranwirkung, die
unerwünschte Komponenten wie Wasser oder CO2 nicht in die Zelle hineindiffundieren lässt und
gleichzeitig eine Austrocknung verhindert werden kann. [EIN14] Die hohe thermische Stabilität der
Materialien macht auch Hochtemperaturanwendungen möglich. Allerdings weisen diese Feststoffe
eine nur sehr schlechte Leitfähigkeit auf, die zum Beispiel durch Dotierung mit LiO2 oder BN verbessert
werden kann. Dadurch soll der Innenwiderstand gesenkt und die elektrochemische Kompatibilität mit
der Metallanode gesteigert werden. [KUM09, KUM10]
Ein weiteres Problem ist der Kontaktwiderstand zwischen dem Feststoffelektrolyt und den
Aktivmassen, der zu großen Leistungseinbußen führt. Da der Feststoffelektrolyt starr ist, können schon
bei kleinsten Strukturveränderungen in den Aktivmassen aufgrund von zum Beispiel mechanischem
Stress oder Elektrodenalterung Störstellen entstehen, die die gesamte Leistungsperformance
verschlechtern. [THO20]
Die Verwendung einer Feststoff-Polymermatrix stellt aufgrund der Flexibilität einen besseren Kontakt
zu den Aktivmassen her, aber hier ist die Langzeitstabilität fraglich. [EIN14] Auch hier kann die
Leitfähigkeit durch Zugabe verschiedenster Additive wie zum Beispiel TiO2, Al2O3 in dem Material
verteilt werden. Die Realisierung lokaler elektrischer Felder innerhalb des Materials, um die
Lithiumdiffusion zu beschleunigen, ist Gegenstand der Forschung. [LIU15]
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Steigerung der Ionenleitfähigkeit. Aktuelle
Forschungsvorhaben beschäftigen sich weiterhin mit der Steigerung der thermischen und chemischen
Stabilität von Quasi-Feststoffelektrolyten. [XIN19] Einer dieser Komposit-Polymerelektrolyte stellt
Li7La3Zr2O12 (LLZO) dar, welcher in einer Polyethylenoxidmatrix eingebunden ist und gute thermische
und elektrochemische Eigenschaften aufweist. [THO20] LLZO hat aufgrund seiner sowohl mechanischen
als auch oxidativen Beständigkeit ein breites elektrochemisches Anwendungsfenster und eignet sich
vor allem in LABs, um im radikalischen Superoxid-Milieu dauerhaft Stand zu halten. Derzeitige
Forschungsarbeiten konzentrieren sich hierbei darauf, die Stabilität weiter zu erhöhen, den
48
Kontaktwiderstand und die kinetischen Parameter der OER/ORR Reaktion zu optimieren und
multifunktionale Katalysatormaterialien für die reversible Zersetzung von Li2O2, LiOH und Li2CO3 in der
Festkörperstruktur zu verankern. Vor allem die Materialverteilung im Festkörperelektrolyten muss
weiter optimiert werden, um die Lithiumleitfähigkeit und die elektrochemischen Eigenschaften zu
verbessern. [SHU18]
Fazit Elektrolyte
Das bei der ORR-Reaktion freigesetzte Radikalanion O2-· kann auf verschiedene Art und Weise mit den
Elektrolytmolekülen wechselwirken und es sind bis heute 5 Wege der Elektrolytzersetzung bekannt.
Dazu gehören a) nucleophile Angriffe, b) Autooxidation, c) Säure-Base-Reaktionen, d) Protonen-
vermittelte Reaktionen und e) Reduktionen durch metallisches Lithium. [YAO16]
Die Elektrolytklassen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Reaktivität gegenüber den „radical oxygen
species (ROS)“ und ihrer Kompatibilität gegenüber der Metallanode. DMSO und Amide bilden keine
stabile SEI-Schicht und zersetzen sich daher durch den Kontakt zur Anode. Dieses Problem könnte man
umgehen, indem Festkörperelektrolyte auf die Lithiumanode gewachsen werden könnten, um als
künstliche SEI zu fungieren.
Auch die Zersetzungsprodukte stellen ein Problem dar. Während Li2O2 oder Li2CO3 elektrisch isolierend
wirken, verursachen andere wie in situ gebildetes Wasser oder Kohlenstoffdioxid eine neue
Zersetzungskaskade. Daher reicht es nicht nur semipermeable Membranen in das Zelldesign zu
integrieren. Auch intern muss die Bildung dieser Spezies vermieden werden.
Computer-gestützte Simulationen werden genutzt, um möglichst stabile Elektrolyte zu finden oder
funktionelle Gruppen zu identifizieren, welche besonders reaktiv gegen über den ROS sind. Durch
Modifikationen am Kohlenstoffgerüst, wie zum Beispiel der Methylierung an Ethermolekülen, kann
durch sterische Abschirmung der reaktiven Zentren die Stabilität gesteigert werden. Die Substituenten
dürfen aber nicht zu voluminös sein, da dies das Diffusionsverhalten der Lithiumionen negativ
beeinflussen kann und wiederum für hohe Überspannungen sorgen kann. [YAO16] Alternativ können
auch neuartige „engineered electrolytes“ konzipiert und synthetisiert werden, dies dürfte aber mit
einem riesigen Kostenaufwand verbunden sein.
Das Austauschen des aprotischen Elektrolyten durch Festkörperelektrolyte oder Polymerelektrolyte
kann in puncto Oxidationsbeständigkeit eine deutliche Verbesserung bringen, bedeutet aber ein
aufwendigeres Zelldesign. Alternativen zeigen bisher nicht die gewünschte Lithiumionenleitfähigkeit
oder Sauerstofflöslichkeit. Diese neuartigen Materialen ermöglichen allerdings die Realisierung
sicherer und langlebigerer LABs. Hohe chemische und thermische Stabilität ermöglichen
Anwendungen im Hochtemperaturbereich.
Ein weiteres Problem bleibt nach wie vor die Bildung von Lithiumdendriten auf der Anodenseite. Dieses
Problem könnte beseitigt werden, wenn man das metallische Lithium durch Lithium-haltige
Interkalationsmaterialien, wie sie bei Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt werden, ersetzt was
hingegen die gravimetrische Energiedichte der LAB reduzieren würde.
Zuletzt muss immer das Gesamtsystem betrachtet werden, da sich die Einzelkomponenten auch
gegenseitig limitieren können. Beispielsweise kann ein Katalysator die Bildung von Lithiumperoxid
49
optimieren, wenn die Kathodenstruktur aber nicht genügend Oberfläche bietet, verstopfen die Poren
und die prognostizierte Leistungssteigerung bleibt aufgrund der großen Ladereaktionsüberspannung
aus.
3.4.3 Forschung zu Kathodenmaterialien
Die Kathode in LABs ist aus elektrochemischer Sicht die wichtigste Zellkomponente, da an der
Dreiphasengrenze, an der die Kathode bestehend aus Kohlenstoff, Katalysator und Binder, mit den
gasförmigen Komponenten der Umgebungsluft und dem flüssigen aprotischen Elektrolyten
zusammenkommen. Viele Parameter werden an diesem Hauptreaktionsort wichtig, damit die
Batteriereaktion problemlos abläuft und die Batteriezelle ihr ganzes Potential ausschöpfen kann.
In erster Linie muss die Kathodenoberfläche so gut es geht maximiert werden, um auf der einen Seite
möglichst viel Sauerstoff zu adsorbieren, der für die ORR-Reaktion nötig ist, gleichzeitig muss aber auch
genug Platz vorhanden sein, um die unlöslichen Entladeprodukte wie Li2O2 und andere Nebenprodukte
zwischenzulagern, ohne die Oberfläche komplett zuzusetzen und die Sauerstoffdiffusion zum Erliegen
zu bringen. Zusätzlich müssen in dem porösen Material genug katalytisch aktive Zentren vorhanden
sein, um zuverlässig die Bildung und rückstandslose Zersetzung von Lithiumperoxid in die
Ausgangsstoffe Lithium und Sauerstoff zu gewährleisten. In diesem Kapitel wird neben dem „pore
clogging“ auf verschiedene Forschungsvorhaben eingegangen, die die Kathode in vielerlei Hinsicht
optimieren sollen, um eine möglichst große Effizienz und Lebensdauer der LAB zu erreichen.
Als Kathodenmaterial wird häufig ein poröser Kohlenstoff verwendet, der aufgrund seiner elektrischen
Leitfähigkeit, großem Porenvolumen und großer Oberfläche, geringer Produktionskosten und großer
Verfügbarkeit besonders geeignet ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Struktur des Kohlenstoffes
synthetisch angepasst werden kann, um noch größere Oberflächen zu schaffen und die Kapazität der
Batteriezelle weiter zu steigern. Im Anwendungsfeld der Lithium-Luft-Batterien herrscht allerdings ein
Reaktionsklima vor, dass den Kohlenstoff auf verschiedenen Ebenen zusetzt.
Zum einen bildet sich während des Entladevorgangs eine Schicht aus oxidischen Entladeprodukten auf
der Elektrodenoberfläche, die die Porenstruktur zusetzen. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als
„pore clogging“. Da die Bildung und Auflösung von Lithiumperoxid nicht komplett reversibel ablaufen,
verbleibt ein Teil des Produktes immer auf der GDE. Mit jedem neuen Zyklus wächst die
Entladeproduktfraktion immer weiter an, bis die ganze reaktive Oberfläche zugesetzt ist und die
Batterie einen Großteil ihrer Kapazität verloren hat.
Dadurch, dass die oxidischen Ablagerungen im Elektrolyten unlöslich und elektrisch nichtleitend sind,
entsteht ein hoher Innenwiderstand. Mit zunehmender Zyklenzahl wird die Oxidschicht immer dicker
und der hohe Widerstand bleibt bestehen. Um die Batteriezelle wieder aufzuladen zu können, müssen
hohe Ladespannungen von bis zu 4 V beim Ladevorgang in Kauf genommen werden, was der Zelle
zusätzlich zusetzt. Auf der einen Seite sind die aprotischen Elektrolyten nicht stabil genug, um in
diesem elektrochemischen Milieu dauerhaft bestehen zu können. In diesem Spannungsbereich
zersetzen sich zunehmend die Elektrolyte und die resultierenden Zersetzungsprodukte stören die
Zellchemie nachhaltig. Zum einen steigt der Innenwiderstand, da die Kontaktierung durch den
Elektrolyten abnimmt, gleichzeitig können Intermediate stattfindender Zersetzungsmechanismen
50
neue Nebenreaktionen initiieren, die zu anderen noch stabileren Ablagerungen führen und aktive
Reaktionsoberfläche oder Lithiumionen dauerhaft an sich binden und somit die Kapazität absenken.
Die hohen Überspannungen können dazu führen, dass der Kohlenstoff im stark oxidativen Milieu zu
CO2 oxidiert wird. Somit bildet sich nicht nur Lithiumcarbonat, welches die Zellchemie nachhaltig stört,
sondern auch die Elektrodenerosion kann zu einer strukturellen Änderung des Zellaufbaus führen, aus
dem neue Kontaktwiderstände und Kapazitätsverluste resultieren können. Generell gilt es zu
bemerken, dass die Kohlenstoffelektrode ständig unter mechanischem Druck steht, da während des
Batteriezyklus in den Poren Ablagerungsprodukte eingelagert werden, die die Porenstruktur
aufdehnen und dadurch beschädigen können. [KWA20]
Somit resultieren mehr oder weniger drei zentrale Forschungsfelder im Bereich der Gasdiffusions-
elektrode, die Kapazität zu steigern und die Zelle langlebiger zu gestalten:
- durch synthetische Strukturierung die aktive Oberfläche zu erhöhen und so große Poren zu
schaffen, dass das Lithiumoxid genug Platz hat, um sich abzuscheiden, ohne die poröse
Struktur der GDE zu beschädigen,
- den Kohlenstoff thermisch zu behandeln oder chemisch zu veredeln, dass er nicht mehr
oxidativ zersetzt werden kann,
- oder die Realisierung kohlenstofffreier Gasdiffusionselektroden die der elektrochemischen
Zersetzung den Nährboden entziehen.
Kommerzielle Materialien wie verschiedene Aktivkohlen oder Ruße wurden häufig aufgrund ihrer
hohen Leitfähigkeit und großen Oberfläche in LABs eingesetzt.
Um die Zellen weiter zu verbessern, werden auch funktionelle Kohlenstoffmaterialien verwendet. Dazu
zählen zum Beispiel Graphen und mesoporöse Kohlenstoffe, aber auch Kohlenstoffnanoröhren (CNT)
und Kohlenstofffasern (CNF). Diese Materialien eignen sich besonders aufgrund ihrer hohen
Oberfläche und einer großen Anzahl an Strukturdefekten, die für die katalytische Wirksamkeit
essenziell sind. Daher werden Kohlenstoffruße auch als Katalysator eingesetzt
Graphen
Graphen ist bedeutsam aufgrund seiner großen Oberfläche, hohen Leitfähigkeit und sowohl chemisch
als auch thermisch hohen Stabilität. LABs mit Graphenelektroden konnten sowohl hohe
Entladekapazitäten als auch eine hohe Gesamteffizienz erreichen. [MA15] Diese Eigenschaften werden
einer dreidimensionalen Dreiphasengrenze und vielen Diffusionskanälen für Lithium- und
Sauerstoffionen zugeschrieben. Mit Entladekapazitäten von bis zu 8705 mAh/gKohlenstoff konnten die
kommerziell weitverbreiteten Kohlenstoffe nicht mithalten.
Graphen ist ein Kohlenstoffallotrop mit sp2-Hybridisierung, welche durch eine planare
Kohlenstoffstruktur mit guten thermischen und elektrischen Eigenschaften charakterisiert wird. Durch
51
die große Oberfläche können die Lade- und Entladekapazitäten von Batterien erhöht werden.
Allerdings gibt es derzeitig noch keinen Prozess Graphen kostengünstig herzustellen. Dreidimensional
angeordnete Graphenstrukturen können noch mehr aktive Oberflächen zur Verfügung stellen, um die
Kapazität zu steigern. Auch funktionalisierte Graphenmaterialien kommen zum Einsatz, in denen der
Einbau funktioneller Gruppen die elektronischen Eigenschaften verbessert. Diese Materialien können
sich je nach Modifikation auch als metallfreie Katalysatoren eignen. [ZAM20]
Dreidimensionale Netzwerke aus Graphen mit bimodalen porösen Strukturen konnten eine
Entladekapazität von 15000 mAh/g erzeugen. [MEI11] Die spezielle Porosität, die aufgrund der
tunnelförmigen Struktur resultiert, kann ausreichend Sauerstoff speichern und eine größere
Dreiphasengrenze erzeugen, was zu eine Kapazitätssteigerung führen kann. Zudem konnte
herausgefunden werden, dass die Li2O2-Partikel einzig und allein auf den Defekten der Struktur
gebildet werden konnten. [XIE19]
Mesoporöse Kohlenstoffe
Mesoporöse Kohlenstoffe, also Materialien mit einer Porengröße zwischen 2 nm und 50 nm, werden
mit Hilfe von Templaten, also strukturfesten Platzhaltern, synthetisiert. So kommen zum Beispiel
Siliziumdioxid-Nanopartikel oder verschiedene Tenside zum Einsatz, die nach der Strukturierung
wieder komplett entfernt werden können. Der Abdruck des Templats verbleibt in der
Kohlenstoffstruktur und führt zu einer Oberflächenvergrößerung. So lassen sich Materialien mit
besonders hohen spezifischen Oberflächen, bei gleichzeitig exzellenter elektrischer Leitfähigkeit
erzeugen.
Generell wird angenommen, dass ein Kathodenmaterial mit großer Oberfläche essenziell für eine hohe
Entladekapazität ist. Die zahlreichen Ecken und Kanten, die durch die Oberflächenvergrößerung
erzeugt werden, schaffen genug Raum, damit sich die Entladeprodukte ablagern können. Allerdings
hat die Oberfläche allein nicht generell einen positiven Effekt auf die Zellperformance. Es gibt auch
einige Performance-limitierende Faktoren, besonders die Porengröße und deren Verteilung im
Material. Wenn die Porengröße sehr klein ist, schafft man formal zwar extrem viel Oberfläche, hier
wirkt die Porengröße allerdings als Performance-limitierend, da sich kleine Poren schneller zusetzen
als große. Somit kann die Performance allein durch das Einstellen der Porengröße nicht optimiert
werden. Eher ist es die Kombination aus vielen Faktoren.
So konnten Ma et. al. belegen, dass Mesoporen effektiver als Mikroporen sind. Die Entladekapazität
einer mit uniform mesoporöser Strukturierung war 10-mal höher als die einer Elektrode die
ausschließlich mikrostrukturiert war. [MA13] Makroporöse Nanoschäume konnten eine noch höhere
Entladekapazität als die Mesoporen liefern, obwohl diese eine noch geringere spezifische Oberfläche
hatten. Die durchschnittliche Porengrößenverteilung hat einen größeren Einfluss auf die
Entladekapazität als die reine spezifische Oberfläche oder das Porenvolumen. [CHE13] Diese Erkenntnisse
sollten in die Konstruktion von Elektrodenmaterialien einfließen. Zhang et. al. konnten nachweisen,
dass Poren mit einem Durchmesser von 10-300 nm besser für die Ablagerung von Feststoffen sind als
Poren, die kleiner als 10 nm sind. [ZHA13d] Lin et. al. fanden heraus, dass Materialien mit 100 nm
Porendurchmesser eine bessere Performance als Materialien zeigen, welche etwa 400 nm haben. [YU13]
52
Basierend auf diesen Ergebnissen wurden mesozellurare Kohlenstoffschäume mit riesigem
Porenvolumen hergestellt, welche eine höhere Entladekapazität zeigen konnten, als kommerziell
verfügbare Materialien. [YAN09]
Zhai et. al. konnten feststellen, dass die Morphologie des Kohlenstoffes auch Einfluss auf die Bildung
der Entladeprodukte haben kann. [AMI13] Durch aufwändige Kohlenstoffstrukturierung konnten Guo et.
al. sowohl die Lithium- als auch die Sauerstoffdiffusion verbessern, was eine verbesserte Ablagerung
und Auflösung von Li2O2 zur Folge hatte. [GUO13] Ideal sollte nach Beendigung des Entladevorgangs
maximal die Hälfte aller Poren zugesetzt sein. Es konnte gezeigt werden, dass eine Korrelation
zwischen Porenvolumen und Entladekapazität besteht. Dabei konnte auch gezeigt werden, dass sich
manche Mesoporen für die Speicherung von Li2O2 gar nicht eignen. [DIN14] Die derzeitige Forschung
fokussiert sich auf die Performanceverbesserung der LABs, indem Materialien mit hierarchischen
Strukturen wie Meso- und Makroporen geschaffen werden. Die optimale Porengröße sollte neben
einer guten O2-Permeabilität auch die Ablagerung der Entladeprodukte ermöglichen. [ZAM20]
Heteroatomdotierung
Ein anderer weitverbreiteter Ansatz ist die Heteroatomdotierung von Kohlenstoffen, die die chemische
und elektronische Natur des Materials verändern, um die Zellperformance zu verbessern. In
zahlreichen Experimenten konnten N-dotierte Kohlenstoffe eine noch bessere elektrochemische
Performance zeigen. N-dotierte Kohlenstoffe sind vor allem im Bereich der Superkondensatoren und
Brennstoffzellentechnik weitverbreitet und werden immer häufiger auch für die Anwendung in LABs
gehandelt. Um diese Materialien herzustellen, werden die Kohlenstoffe in stickstoffreicher
Atmosphäre erhitzt. Higgins et al. konnten zeigen, dass ein N-dotiertes Graphen mit 20 Gewichts-%
eine Entladekapazität von bis zu 11750 mAh/gKohlenstoff liefern konnte. [HIG13] Heteroatomdotierung ist
eine attraktive Methode zur Kapazitätssteigerung. 161 Zyklen konnten mit einer Elektrode erzielt
werden, welche aus einem N-dotierten Material in Kombination mit Makrokanälen und Mesoporen
bestand. [WEI14] Die beobachtete Kapazitätssteigerung beruht auf der Manipulation der lokalen
elektronischen Struktur durch Heterodotierung, dabei wird aber nicht nur Stickstoff eingesetzt.
Schwefel-dotierte Materialien sorgen für eine bessere Zyklenlebensdauer aufgrund der stabileren C-S-
C und C=S Bindungen im Vergleich zu C-N Bindungen. [ITO16]
Kohlenstoffnanoröhren (CNT) und Kohlenstoffnanofasern (CNF)
Neben amorphen Kohlenstoffen wird auch oftmals auf Carbon-Nanotubes (CNT) als Kathodenmaterial
gesetzt, da so die Oberfläche, Leitfähigkeit und katalytische Aktivität gesteigert werden können. [GRA15]
Shao-Jorn et. al. untersuchten die Bildung und Morphologie von Li2O2 und den Zusammenhang
zwischen Kathodenmaterial und Li2O2 Bildung. [SHA13a] Man kann generell zwischen verschiedenen
Materialien unterscheiden. Eindimensionale Kohlenstoffstrukturen wie CNTs oder CNFs,
zweidimensionale Strukturen wie Graphen oder multidimensionale Strukturen wie zum Beispiel
mehrwandige Kohlenstoffnanoröhren (multiwalled carbon nanotubes (MWCNTs)). Die extrem hohe
Kapazität von 34600 mAh/g bei einer Stromdichte von 500 mA/cm² konnte auf diese Art erreicht
werden. Interessanterweise kann die Wachstumsrichtung dieser Drähte synthetisch gesteuert werden
und somit neuartige Materialien je nach Bedarf hergestellt werden. [XIE19]
53
Beständigkeit des Kohlenstoffs
Da besonders im Ladevorgang hohe Überspannungen erforderlich sind, wurde beobachtet, dass auch
der Kohlenstoff in der Kathode nur eine begrenzte Beständigkeit zeigt. Das stark oxidative Milieu und
der Spannungsbereich von mehr als 4 V sorgen für die Oxidation des Kohlenstoffes zu CO2 und somit
zu der Bildung unerwünschter Nebenprodukte.
Tran et. al. erkannten einen Zusammenhang zwischen Porengrößenverteilung und Entladekapazität
und konnten feststellen, dass Kohlenstoffe mit großen Poren für die Ablagerung von Li2O2 besser
geeignet sind als kleinere. Die Oberflächenbeschaffenheit ist ein weiterer Faktor, der die Performance
von LABs beeinflussen kann. [TRA10] Es wird angenommen, dass mit zunehmender Graphitisierung das
Material fester und beständiger wird, gleichzeitig die Kapazität aufgrund des Verlusts an aktiver
Oberfläche abnimmt. Dennoch bleiben die Porosität und die Graphitisierungsrate einzig und allein
intrinsische Faktoren, die die elektrochemischen Eigenschaften des Materials ausmachen.
Hierzu wurden verschiedene Kohlenstoffmaterialien auf verschiedene Temperaturen (1600°C – 2800°C
unter Schutzgasatmosphäre) erhitzt und Kohlenstoffe mit unterschiedlicher Kristallinität erhalten.
[JUN19] Es konnte gezeigt werden, dass hochkristalliner Kohlenstoff resistenter gegenüber der
Kathodenoxidation ist als niedrigkristalliner. Somit ist die hochkristalline Variante besser für hohe
Zyklenlebensdauern geeignet, der stabilste Kohlenstoff zeigte aber die geringste Kapazität. [BAE16, HUA14]
Zudem konnte herausgefunden werden, dass die Kristallinität von Li2O2 von der
Oberflächenbeschaffenheit abhängt. Es wird angenommen, dass die Oberflächenbindungsaffinität je
nach Material verschieden ist. Ein Material mit geringer Bindungsaffinität bildet große Oxidpartikel mit
hoher Kristallinität, während eine hohe Bindungsaffinität zu einem Li2O2-Film mit geringer Kristallinität
führt. [ZHA17f]
Alternative Kathodenmaterialien
Trotz der vielseitigen Vorteile des Kohlenstoffes als Kathodenmaterial bleibt die Anfälligkeit gegenüber
dem oxidativen Milieu. Um diese Problematik zu beheben, wurden alternative Elektrodenmaterialien
entwickelt und getestet.
Häufig wurde mit Metallschäumen oder Metallcarbiden experimentiert, wie zum Beispiel Nickel- oder
Aluminiumschäumen, die eine bessere Beständigkeit zeigten. Allerdings ist die Bildung von
passivierendem NiO oder Al2O3 auf den Metalloberflächen ein großes Hindernis. Ähnliche Erkenntnisse
lieferten die Versuche mit Tantal oder Titan als Kathodenmaterial. [XIE19]
Das Beschichten der Kathodenoberfläche mit In2O3 oder TiN, um den direkten Kontakt zwischen
Kohlenstoff und Sauerstoff zu unterbinden, konnte erfolgreich die Überspannung absenken. [JUN18]
Neben vielen Materialvariationen konnte sich neben Mo2C [ZAV15] vor allem TiC-Nanopuder als
alternatives Kathodenmaterial behaupten. [KOZ16, KWA20] Es konnte eine hohe Kapazitätsretention von
über 98% bei 100 Zyklen erreicht werden. Zudem konnte gezeigt werden, dass die vollständige
Oxidation von Li2O2 eine saubere TiC-Oberfläche zurücklassen konnte, was auf eine höhere
Beständigkeit gegenüber Li2O2 schließen lässt. Durch die inerten Eigenschaften des Carbids kann eine
höhere Stabilität gegenüber den Sauerstoffradikalen erreicht werden, die Halbleitereigenschaften des
54
Materials können allerdings dafür sorgen, dass bei einer zu großen Schichtdicke die ORR-Kinetik
negativ beeinflusst wird. Eine dünne TiC-Schicht könnte als Schutzfilm auf bestehenden
Kohlenstoffkathoden aufgebracht werden. [KOZ16]
Fazit Kathode
Nach wie vor eignet sich poröser Kohlenstoff besonders aufgrund seiner guten Absorptions-
eigenschaften, großen Oberfläche und guter Leitfähigkeit als Kathodenmaterial für LABs. Auch wenn
der Kohlenstoff bei einem hohen Spannungsbereich instabil wird und zu oxidieren beginnt, zeigt er in
Kombination mit geeigneten Katalysatoren und stabilen Elektrolyten eine gute Zellperformance. Auch
hier wird deutlich, dass es nicht ausreicht, nur eine Zellkomponente zu optimieren, sondern dass das
Batteriesystem im Ganzen betrachtet werden sollte.
Alternative Kathodenmaterialien könnten für langlebigere Zellen verwendet werden, aber die
Performance ist derzeit noch nicht gut genug, um den reinen Kohlenstoff komplett abzulösen.
Die ideale LAB-Elektrode sollte aus einem porösen Kohlenstoff mit unterschiedlichen Porengrößen mit
hoher Porengrößenverteilung bestehen, die auf der einen Seite die Ablagerung von Lithiumoxiden
ermöglicht, gleichzeitig aber auch eine gute Benetzbarkeit mit dem Elektrolyten an der
Dreiphasengrenze gewährleistet. Der Einsatz eines bifunktionellen Katalysators, der die Ablagerung
und Auflösung von Li2O2 optimiert und die Morphologie und die Ablagerungen auf der
Gasdiffusionselektrode beeinflusst, ist zusätzlich erforderlich.
Eine thermische Behandlung des Kohlenstoffs kann die Oxidationsbeständigkeit des Kohlenstoffs
steigern, Kohlenstoffe, die zu hoch erhitzt worden sind, zeigen aufgrund thermischer
Strukturmodifikationen niedrigere Kapazitäten.
Kohlenstofffreie Kathoden aus Gold, Nickel oder Aluminium liefern hohe Kapazitäten und haben eine
höhere Leitfähigkeit. Der technische Einsatz ist aber noch nicht ausgereift und die Materialien sind
nicht gerade kosteneffizient, was eine Anwendung in LABs ebenso schwierig gestalten dürfte.
Anorganische Kathoden wie Metalloxide/Carbide/Nitride haben eine große elektrochemische
Beständigkeit aber gleichzeitig eine niedrige Leitfähigkeit. Die Materialien könnten in Zukunft eine
wichtigere Rolle spielen, sind momentan aber noch teuer und unpraktikabel. [JUN19]
Ein weiteres Forschungsfeld stellt der Einsatz von Redoxmeditatoren dar, in denen organische
Moleküle eingesetzt werden, die die Redoxreaktionen in der Lithium-Luft-Batterie vermitteln und die
Entstehung von Nebenprodukten komplett verhindern sollen. [BRU11, BER14]
55
3.4.4 Forschung zu Anodenmaterialien
Aufgrund des hohen Standard-Redoxpotentials von Lithium (-3,06 V vs. NHE) lassen sich Batteriezellen
mit einer relativ hohen Zellspannung realisieren. Mehr dazu wird eingangs im historischen Hintergrund
erläutert. Die bisher meistverwendete Zelltechnologie des Lithium-Ionen-Akkumulators verwendet
Interkalationsmaterialien, die eine höhere Stabilität und Lebensdauer besitzen. Da die
Interkalationsmaterialien aber nur eine begrenzte Zahl an Lithiumionen speichern können, ist deren
Energiedichte begrenzt.
Um Energiespeicher mit noch höheren Energiedichten zu realisieren, wird metallisches Lithium als
Anode verwendet. Dieser Überschuss an potenziellen Lithiumionen birgt allerdings auch ein
Sicherheitsrisiko, welches in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zu zahlreichen Akkubränden
und zur Verbreitung der sichereren Lithium-Ionen-Technologie beigetragen hat.
Während der Entladereaktion geht das metallische Lithium in Lösung und scheidet sich umgekehrt im
Ladevorgang wieder an der Anode ab. Gemäß der Nukleationstheorie bilden sich auf der metallischen
Oberfläche erst kleine Agglomerate und Inseln aus metallischem Lithium aus. Die Distanz den die Ionen
auf dem Weg zurück zur Anode legen ist entscheidend. Somit ist die Nukleation an den bestehenden
Inseln bevorzugt als zur ursprünglichen Lithiumoberfläche.
Somit kommt es im fortlaufenden Betrieb der Batterie zu nadelförmigen Aufwachsungen (Dendriten),
die die Zelle schließlich kurzschließen können. Dieses Problem des Dendritenwachstums ist bei der
Verwendung von metallischem Lithium als Anodenmaterial schon lange bekannt und wurde bereits
intensiv studiert.
Um die vielversprechenden hohen Energiedichten des Lithium-Luft-Akkumulators zu erreichen, wird
man um die bekannte Problematik nicht herumkommen. Diese Kapitel beschäftigt sich mit der
Forschung zu alternativen Anodenmaterialien oder Ideen, wie man das Dendritenwachstum langfristig
unter Kontrolle bekommen kann.
Additive
Durch die Verwendung von Additiven konnte in Laborversuchen die Lebensdauer und die
coulomb‘sche Effizienz der Zellen verbessert werden. Armand et. al. schlussfolgerten aus ihren
Experimenten, dass die Nukleation und das Dendritenwachstum in direktem Zusammenhang mit der
Oberflächenbeschaffenheit der Lithium-Metalloberfläche stehen. Additive, die auf der
Metalloberfläche abgelagert werden und die SEI stabilisieren, können zu einer Performance-
steigerung der LAB führen. [ARM18]
So konnte die Zyklisierungsstabilität beispielsweise durch den Einsatz einer Schutzschicht bestehend
aus Al2O3 und Polyvinylidenflouridhexafluoropropylen (PVdF-HFP) optimiert werden. [LEE13] Die
Forscher folgerten, dass die Bildung von Aufwachsungen und Dendriten die Metalloberfläche
vergrößert und die Passivierung dieser stetig wachsenden Metalloberfläche übermäßig Elektrolyt
konsumiert, was sich in sinkenden Kapazitäten zeigte. Die Passivierung der Metalloberfläche sei der
entscheidende Schritt, um die Zellperformance zu steigern und die Sicherheit der Zelle zu erhöhen.
56
Generell ist die Ausbildung einer stabilen und für Lithiumionen durchgängigen SEI- Schicht
entscheidend für eine lange Zellenlebensdauer. Das stellt sich bei der Lithium-Luft Technologie
allerdings als große Herausforderung dar, da während des Zellbetriebs eine Vielzahl von Elektrolyt-
Zersetzungsprodukten entstehen und sich auch auf der Lithiumanode abscheiden können. Das
erschwert und stört die Ausbildung der SEI-Schicht. Um dieses Problem zu lösen, muss also auch ein
stabiler Elektrolyt gefunden und verwendet werden. Eine andere Herangehensweise, um das
Dendritenwachstum zu verhindern, ist der Einsatz von Nanogitterstrukturen, in die sich das Lithium
einlagert und die massive Volumenexpansion kontrolliert werden könnte. Analog zu den
Interkalationsmaterialien, wie sie im Lithium-Ionen-Akkumulator verwendet werden, dürfte dies auch
zu großen Kapazitätseinbußen führen. [KWA20]
Aber nicht nur die Bildung von Dendriten stellt die Technologie vor große Herausforderungen. Durch
XRD-Messungen konnte nachgewiesen werden, dass die Umwandlung metallischen Lithiums in
Lithiumhydroxid während des Zyklisierens erfolgt. Dieser Prozess ist so gut wie nicht reversibel, sodass
die LiOH-Schicht in fortschreitender Zyklenzahl immer dicker und undurchlässiger wird. Dieser Prozess
wird besonders durch in die Zelle eindringende Luftfeuchtigkeit oder Wasser aus der resultierenden
Elektrolytzersetzung verstärkt. Der Lithium-Ionen Transport bleibt so lange gewährleistet, bis die
gesamte Lithiumanode aufgebraucht und zu LiOH umgewandelt wurde. Der Kapazitätsverlust könnte
vielmehr auf die Degradierung der Anode als auf das Dendritenwachstum an sich zurückgeführt
werden. [SHU13]
Lithiumlegierungen und metallfreie Elektroden
Da das metallische Lithium zu reaktiv ist, um eine langlebige Zelle zu realisieren, ist die Verwendung
von Lithiumlegierungen vielversprechend. So wurden Silizium, Aluminium, Zinn oder Kohlenstoff vor
der Verwendung als Anode lithiiert und als Anodenmaterial getestet. Als vielversprechendstes
Material konnten sich Li-Si-Legierungen bewähren. [KWA20] Allen Legierungen gemein ist allerdings ein
Kapazitätsverlust, da sie weniger Lithium als das Reinmetall enthalten. Zusätzlich treten bei der
Verwendung von Legierungen Nebenreaktionen auf, deren Abbauprodukte auf der Kathode
abgeschieden werden und so die Gesamtperformance beeinflussen. [KWA20]
Aber auch metallfreie Komposite wurden getestet, um die Zellperformance zu verbessern. So wurden
unter anderen Kohlenstoffsiliziumkomposite (Li-Si-C) eingesetzt. Auch wenn die Kapazität und
Zellspannung mit 2,4 V entscheidend niedriger ausfiel, konnte eine sichere Zelle gebaut werden, da
eine Dendritenbildung nicht mehr möglich war. [HAS12] Aleshin und Mitarbeiter konnten die
Performance optimieren, in dem sie eine keramische Schutzschicht auf die Metalloberfläche
aufgebracht haben, die aus einem Lithium-Aluminium-Germanium-Phosphat (LAGP) bestand. [ALE11]
Ferner ist die Realisierung von schützenden Membranen Forschungsgegenstand, welche das
Dendritenwachstum verhindern und gleichzeitig die hohe Zellspannung und Kapazität beibehalten
sollen. [GRA15] Die Verwendung dieser schützenden Membranen sorgt allerdings für einen höheren
Innenwiderstand und sorgt somit für einen kontraproduktiven Kapazitätsverlust. Zudem ist die
Leitfähigkeit dieser schützenden Materialien noch nicht optimal und es bedarf noch großer
Forschungsanstrengungen, bis das Optimum gefunden ist.
57
3.4.5 Stand der Forschung zu Lithium-Luft-Simulationsmodellen
Um die Ursachen für die schlechte Allroundperformance und den schlechten Wirkungsgrad von
Lithium-Luft- Batterien zu erforschen, bedient man sich zunehmend auch der Modellierung. In der
letzten Dekade wurden einige Forschungsarbeiten veröffentlicht, in denen man mit Hilfe von
unterschiedlichsten Simulationsmodellen den Einfluss verschiedener Parameter auf die
Batteriekapazität oder Entladeperformance besser studieren konnte. Sandhu et al. haben ein
diffusionslimitierendes Modell erstellt, mit dem es möglich ist, verlässliche Prognosen bezüglich
erzielbarer spezifischer Kapazität aufzustellen, wenn Porendurchmesser der GDE, der
Sauerstoffpartialdruck die Stromdichte und die Elektrodendicke variiert werden. [SAN07]
Sahapatsombut et al. haben in ihrem Modell die Bildung von Li2CO3 berücksichtigt und so die
Elektrolytzersetzung, welches ein zentrales Problem der Lithium-Luft-Batterie darstellt, zu
implementieren. Die Zyklenverschlechterung wurde in dem Modell durch die irreversible Bildung von
Li2CO3 simuliert, welche einen zunehmenden Widerstand darstellt. Es wurde beobachtet, dass die
Ladespannung von Zyklus zu Zyklus ansteigt, wenn die Fraktion von Li2CO3 kontinuierlich ansteigt. Das
Verstopfen der Poren war für die Beobachtungen nicht ursächlich, da am Ende des Entladevorgangs
noch immer ein großer Anteil an freien Poren vorlag. [SAH13]
Um eine realistischere Prognose des Modells zu erhalten, sollte die Gasdiffusionselektrode besser
ortsaufgelöst werden, um die dort ablaufenden Prozesse besser simulieren und die Aussagekraft
steigern zu können. So haben Xue et al. ein multiskaliertes Modell erstellt, welches die Porenverteilung
berücksichtigt. Auch die Morphologie des Lithiumperoxides, welches sich im Laufe der Entladereaktion
bildet und als Film in den Hohlräumen abscheidet wurde berücksichtigt. Durch die Filmbildung nimmt
die aktive Oberfläche ab, der Radius der Poren wird während der Entladung kleiner. Die kleinen Poren
setzen sich schneller zu und die entstandenen Li2O2 Ablagerungen stellen einen zusätzlichen
Innenwiderstand dar. Das Ende der Entladung ist erreicht, wenn alle Poren am Sauerstoffeinlass
komplett zugesetzt sind. Als Schlussfolgerungen aus diesem Modell zeigen Kohlenstoffe mit einer
größeren Oberfläche eine bessere Performance, da aufgrund der höheren Oberfläche es länger dauert,
bis die Poren vollständig zugesetzt sind. [XUE14]
Aber auch das dreidimensionale Modell von Gwak und Ju ermöglichte ein besseres Verständnis über
die Li2O2- Bildung und die komplexen Wechselwirkungen des Peroxides mit anderen
elektrochemischen Spezies. Das Modell lieferte die Aussage, dass bei steigendem Volumenanteil von
Lithiumperoxid die Entladespannung absinkt und dass die Elektrodendicke und der Füllstand des
Elektrolyten ausschlaggebend für eine gute Performance sind. [GWA15] Yoo et al. haben sich mit der
besseren Auflösung der Dreiphasengrenze in Lithium-Luft-Batterien beschäftigt. Mitarbeiter haben ein
porenskaliertes Transportmodell erstellt, dass sowohl Ladungs- als auch Stofftransport sowie die
Reaktionskinetik an der Dreiphasengrenze simulieren konnte. Das Modell sagte voraus, das die
Entladekapazität bei steigendem Porenvolumen aufgrund einer Steigerung des
Nanosphärenabstandes von 4 nm auf 36 nm um 35 % gesteigert werden konnte. [YOO17] Sergev und
Mitarbeiter haben in ihrer Arbeit das Augenmerk auf die Variation der Porengrößenverteilung gelegt.
Die zentrale Annahme war, dass der begrenzte Massentransport in der Lithium-Luft-Batterie auf die
zunehmende Produktablagerung zurückzuführen ist. Sie konnten zeigen, dass die
Porengrößenverteilung und die Porenarchitektur der GDE ausschlaggebend für den
58
Entladekurvenverlauf ist. Wird eine Porengroßenverteilung implementiert, die zu 50% aus großen
Poren besteht, kann die Kapazität um den Faktor 5 gesteigert werden. [SER16]
Aber auch der Einfluss des Elektrolyten auf die Zellperformance wurde in einer Arbeit von Sereev et al.
untersucht. Es wurde ein numerisches Modell erstellt, welches den Massentransport in der Batterie
berücksichtigt. Es wurden unterschiedliche Sauerstofftransportparameter verschiedener aprotischer
Lösungsmittel implementiert und das Modell mit Stromstärken bis zu 3 mA/cm² simuliert. Eines der
Ergebnisse war, dass eine Optimierung der Kathodenstruktur die Performance der Batterie steigert,
wenn die Sauerstofftransportwege so kurz wie möglich gehalten werden. [SER15]
Aber auch andere Erkenntnisse konnten durch die Forschung mit Simulationsmodellen erzielt werden.
Huang und Faghri haben ein 2D-Simulationsmodell erstellt, um zu untersuchen wie sich der
Elektrolytspiegel innerhalb einer Lithium-Luft-Knopfzelle verhält. Sie konnten herausfinden, dass der
Stand des Elektrolytspiegels entscheidend für die Performance der Batterie ist und dass die Aussage
anderer Simulationsmodelle fehlerbehaftet ist, wenn die Evaporation des Elektrolyten nicht
berücksichtigt wird. Ihre Arbeit konnte zudem auch zeigen, dass das Entladeprodukt über den
gesamten GDE-Querschnitt verteilt ist und das eine Luftkammer im Simulationsmodell eingebracht
werden sollte, um die Evaporation des Lösungsmittels zu verhindern. [HUA16]
In den meisten Simulationsmodellen wird die Lithium-Luft-Batterie mit Sauerstoff zyklisiert,
interessante Erkenntnisse konnte die Arbeit von Sahapatsombut et al. zeigen. Ihr ursprüngliches 1D-
Modell, in dem der Einfluss der Stromdichte bei festgelegten löslichkeitsgrenzen für O2 und Li2O2
simulierte, einen zeitabhängigen Massentransport und konnte bei einer Stromdichte von -0,1 mA/cm²
eine Kapazität von 802 mAh/g erzielen. [SAH13] Das gleiche Modell wurde später mit Umgebungsluft
simuliert, was zu einer deutlich geringeren Kapazität führte. Mit diesem Modell konnten das Verhalten
zwischen Zellperformance, Elektrolytzersetzung und die Bildung von Entladeprodukten untersucht
werden, zudem wurde prognostiziert, dass die Verwendung von O2-selektiven Membranen eine
deutliche Performancesteigerung zur Folge haben kann. [SAH14]
3.4.6 Fazit und Forschungsausblick
Seit ihrer Ankündigung im Jahre 1996 gilt die Lithium-Luft Batterie als der Heilsbringer für die
Entwicklung neuartiger Energiespeicher um Treibhausgasemissionen zu senken, die Energiewende zu
stemmen oder eine massentaugliche E-Mobilität zu realisieren. Trotz ihrer vielen Vorteile steckt die
Technologie weiter in den Kinderschuhen. Es scheint fast so als würde die Lösung eines Problems zwei
neue entstehen lassen. Auf dem Gebiet der Lithium-Luft-Batterien wurde in den letzten beiden
Dekaden so massiv geforscht, dennoch scheint eine Markteinführung noch in den Sternen zu stehen.
Neben der Optimierung der einzelnen Zellkomponenten bleibt die Realisierung eines stabilen und
langlebigen Zellsystems oberste Priorität, da sich die Komponenten gegenseitig stark beeinflussen. So
wurden auf dem Gebiet der Katalyse große Fortschritte erzielt und Katalysatoren eingesetzt, die die
Zellperformance deutlich verbessern. Da in vielen dieser Experimente aber Carbonat-haltige
Elektrolyten eingesetzt wurden, die, wie sich später zeigte, aufgrund ihrer hohen Volatilität und
Instabilität nicht für den Einsatz in LABs geeignet sind, sind auch die Optimierungspotentiale der
Katalysatoren fraglich. Viele Kathodenmaterialien wurden hinreichend untersucht und das „pore
59
clogging“ als zentrales Problem ausgemacht. Ein aufwändiges Kathodendesign kann dieses Problem
beheben. Die Oxidationsanfälligkeit von Kohlenstoff stellt ein weiteres Problem dar, sodass über die
Realisierung kohlenstofffreier Kathodenmaterialien nachgedacht wird. Diese weisen dann aber eine
weit schlechtere Zellperformance auf, sodass das ideale Kathodenmaterial stehts ein Abwägen
zwischen zwei Vorteilen bleiben wird.
Die Lithium-Luft Zelle kann die hohe prognostizierte Energiedichte nur erreichen, wenn metallisches
Lithium als Anodenmaterial eingesetzt wird. Das Problem des Dendritenwachstums und die Bildung
des passivierenden Lithiumoxidfilms auf der Oberfläche sind noch lange nicht behoben. Alternative
Materialen wie Interkalationsmaterialien würden wiederum die Energiedichte senken, sodass man
ähnlich den Kathodenmaterialien einen großen Nachteil wohl in Kauf nehmen müssen wird, um eine
funktionstüchtige Zelle realisieren zu können. Langlebige und sichere LABs können einzig und allein
durch die Verwendung von (Quasi-) Festkörperelektrolyten realisiert werden. Bisher sind die
Materialien in puncto Leitfähigkeit noch nicht optimal, zumal sich die Herstellung aufwendig und
kostenintensiv gestaltet. Sollte es durch materialchemischen Fortschritt oder technische Neuerungen
im Bereich der Materialproduktion Verbesserungen geben, könnte dies auch die Entwicklung von
langlebigeren und sichereren LABs voranbringen.
Eine andere Schlüsseltechnologie für LAB dürfte die Entwicklung wasserdichter permeabler
Membranen sein, welche den Eintritt von Luftfeuchtigkeit und CO2 ausschließen, gleichzeitig aber den
Sauerstoff in die Zelle diffundieren lassen. Bisher wird die gewünschte Performance noch nicht
erreicht, die Erforschung von Membranmaterialien aus anderen Forschungsfeldern könnten auch in
der LAB Entwicklung wichtig werden. [ZAM20] Die Suche nach geeigneten semipermeablen Membranen,
um nur einen Luftbestandteil in die Zelle gelangen zu lassen oder zwischen Anode und Separator nur
die Lithiumionen passieren zu lassen, sind intelligente Ansätze, um die Zellperformance nachhaltig zu
steigern. Es dürfte sich aber als große Herausforderung darstellen funktionale Membranen zu finden,
da die Permeabilität von Sauerstoff schlechter als die von Wasser ist. Gleichzeitig sollen diese
Materialien eine gute Leitfähigkeit aufweisen, da deren Verwendung sonst zu hohen
Innenwiderständen und Kapazitätseinbußen führt. [GIR10]
Simulationsmodelle können einen Beitrag dazu leisten ohne Laboraufwand zellinterne Prozesse
aufzulösen und physikochemische Prozesse abzubilden. Es wurden bisher eine Reihe
unterschiedlichster Simulationsmodelle erstellt, die mit einem unterschiedlichen Fokus Prozesse an
einzelnen Zellkomponenten oder komplette Zellen simuliert und den Einfluss verschiedener Betriebs-
und Materialparameter auf die Zellperformance untersucht haben. Eine Aufgabe für zukünftige
Arbeiten könnte die Kombination mehrerer unterschiedlicher Modelle sein, um Abhängigkeiten
aufzuzeigen, ein anderer Fokus stellt eine verbesserte Simuationsauflösung dar, mit der zum Beispiel
die poröse Struktur der Gasdiffusionselektrode besser aufgelöst und Reaktions- und
Alterungsmechanismen besser aufgelöst werden können. Somit können noch präzisere Prognosen zur
Batteriekapazität und -performance erstellt werden.
60
4. Analytik
Dieses Kapitel beschreibt das Grundprinzip der durchgeführten Analytik zur Material- und
Testzellcharakterisierung. Alle Rasterelektronenaufnahmen und EDX-Messungen wurden vom ZELMI
der TU Berlin durchgeführt. Die Durchführung und Aufnahme der Tomogramme wurde vom
Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) in Berlin-Wannsee übernommen.
4.1 Rasterelektronenmikroskopie (REM)
Mithilfe der Rasterelektronenmikroskopie können Materialien auf ihre chemische Zusammensetzung
und Morphologie an der Probenoberfläche untersucht werden. Der Elektronenstrahl rastert dabei
Zeile für Zeile über die Probe. Die Wechselwirkung zwischen Elektronenstrahl und der zu
charakterisierenden Probe wird dazu genutzt, eine Aufnahme zu erstellen, die dem Betrachter eine
räumliche Vorstellung der Probenoberseite vermitteln kann.
ABBILDUNG 4.1: Wechselwirkungen des Primärelektronenstrahls mit der Probe
Während früher mit Hilfe von Glühkathoden die Elektronen erzeugt wurden, kommen in moderneren
Geräten hingegen andere Verfahren zum Einsatz. Ein heutzutage weitverbreitetes Verfahren ist das
Verwenden einer Feldemissionskathode, bei der durch Anlegen einer sehr hohen Extraktionsspannung
aus der Kathode Elektronen emittiert und durch eine ringförmige Anode beschleunigt werden. Durch
Magnetlinsen und elektrische Felder werden die emittierten Elektronen zu einem Strahl gebündelt und
auf die Probe projiziert. Um die Wechselwirkungen zu minimieren, findet dieser Prozess im
Hochvakuum statt. Je nach Bauart des Mikroskops sind Auflösungen von wenigen Nanometern
61
möglich. Trifft der Strahl auf die Probe, so kann dieser mit der Probe auf verschiedene Art und Weise
wechselwirken und kann von verschiedenen Detektoren detektiert und anschließend verarbeitet
werden. In Abbildung 4.1 werden der Vollständigkeit halber mehr Wechselwirkungen des
Primärelektronenstrahls mit der Probe dargestellt, als für die Probencharakterisierung am
Rasterelektronenmikroskop nötig sind. Denn die am häufigsten verwendeten Informationen sind die
der Sekundärelektronen (SE) und die der rückgestreuten Elektronen (back scattered electrons, BSE).
Die Sekundärelektronen sind Elektronen, die aus den Atom- und Molekülorbitalen des
Probenmaterials herausgelöst werden und mit Hilfe eines elektrischen Feldes abgesaugt werden. Die
kinetische Energie dieser Elektronen ist vergleichsweise gering und lässt die Probe je nach Intensität
des Primärelektronenstrahls gleichmäßig hell erscheinen.
Ein häufig beobachtetes Phänomen bei der Auswertung des SE-Signals ist der Kanteneffekt, in dem
Ecken und Kanten der Materialprobe heller erscheinen als planar ausgerichtete Bereiche der Probe.
Ursache hierfür ist verglichen mit Abbildung 4.1 das halbe Wechselwirkungsvolumen im
Kantenbereich, wodurch es aufgrund der höheren Oberfläche für die Sekundärelektronen einfacher ist
aus der Probe auszutreten.
Dadurch können im Kantenbereich mehr Elektronen gezählt werden und deshalb werden diese
Bereiche heller dargestellt. Bis auf diesen Effekt ist es mittels Detektion der SE-Elektronen nicht
möglich Aussagen über die Probenoberfläche zu treffen.
Um die Oberflächenmorphologie charakterisieren zu können, stellt die Detektion der BSE-Elektronen
ein geeignetes Bildgebungsverfahren dar. Im Gegensatz zu den SE-Elektronen wechselwirken die BSE-
Elektronen mit den positiv geladenen Atomkernen. Elemente mit höherer Kernladungszahl
wechselwirken stärker mit dem Primärelektronenstrahl und sorgen aufgrund ihrer größeren Masse für
eine stärkere Ablenkung und stärkere Rückstreuung als Elemente mit niedrigerer Kernladungszahl.
So kann es vorkommen, dass zum Beispiel Partikel von Schwermetallen heller dargestellt werden, als
Bereiche in denen leichtere Elemente vorkommen. Somit können auch grobe Rückschlüsse über die
Materialverteilung der Probe getroffen werden.
Statische Aufladungen des Materials können den Sekundärelektronenkontrast beeinflussen, was die
Verwendung von unterschiedlichen Detektoren erforderlich machen kann. Wenn die Beschaffenheit
des Materials die Aufladungen erzeugt, können auch unterschiedliche Beschichtungsverfahren
verwendet werden oder das Einbringen von mehr Gasmolekülen in das Hochvakuum, um die
Aufladungen zu vermeiden.
62
4.2 Energiedispersive Röntgenspektroskopie (EDX)
Um Aussagen zur Elementzusammensetzungen der Probe treffen zu können, eignet sich besonders
das Verfahren der energiedispersiven Röntgenspektroskopie.
ABBILDUNG 4.2: Modell der Röntgenemission
Mit einer Beschleunigungsspannung im kV-Bereich werden kernnahe Elektronen aus den
Atomorbitalen geschlagen, und eine Leerstelle erzeugt. Diese Lücke stellt einen instabilen Zustand dar,
die unmittelbar von einem Elektron einer kernferneren Schale besetzt wird. Dabei wird eine
Energiedifferenz in Form eines Röntgenquants frei, welches charakteristisch für das Element und die
Schale des Atoms ist.
Wenn zum Beispiel ein Elektron aus der L-Schale die K-Lücke besetzt, wird die charakteristische Kα-
Linie des Elements im Röntgenspektrum abgebildet. Die Häufigkeit des Elements im Material ist dabei
entscheidend für die „Stärke“ der Linie. Die Lage der Linie im Spektrum ist charakteristisch für das
entsprechende Element. Zusätzlich muss beachtet werden, dass sich die Linien mehrerer Elemente
überlagern können, was den genauen Nachweis erschwert.
Zusätzlich muss zwischen der charakteristischen Röntgenstrahlung und der kontinuierlichen
Untergrundstrahlung differenziert werden. Letztere stellt die Bremsstrahlung der beschleunigten
Elektronen dar, die beim Auftreffen der Elektronen auf die Atomkerne der Probenoberfläche resultiert.
Die freiwerdende Energie, die proportional zur kinetischen Energie der Primärelektronen ist, wird im
Röntgenspektrum als kontinuierliches Untergrundrauschen überlagert. Steigert man die
Beschleunigungsspannung, um schwerere Elemente nachzuweisen, steigt auch das Untergrundsignal.
63
ABBILDUNG 4.3: Röntgenemissionsspektrum mit charakteristischen Peaks für die detektierten Elemente, der
Untergrund von etwa 5 cps/eV ist deutlich zu erkennen
Da die Röntgenemission der leichteren Elemente eine noch geringere Energie aufweist, die leichter
absorbiert werden kann, war mit älteren Geräten ein verlässlicher Nachweis erst von Elementen ab
der Ordnungszahl 11 (Natrium) möglich. Heutzutage ist es ohne große Probleme möglich, auch
Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Fluor, mit spezielleren Zusätzen am Detektor sogar Bor und
Beryllium, nachzuweisen, auch wenn die Fehlertoleranz hier höher als bei den Elementen mit höherer
Ordnungszahl liegt.
Zusätzlich wird die Auflösung durch die Eindringtiefe des Elektronenstrahls in das Material begrenzt.
Um eine deutlichere Linie im Röntgenspektrum zu erreichen, kann die Beschleunigungsspannung
erhöht werden. Beim Auftreffen des Elektronenstrahls auf der Materialoberfläche werden die
Elektronen allerdings so stark gestreut, dass die emittierten Röntgenstrahlen in einem birnenförmigen
Volumen in der Materialoberfläche entstehen. Dieser Bereich kann einige hundert Nanometer groß
sein und somit die Auflösung begrenzen. Die Auflösung kann verbessert werden, indem die
Beschleunigungsspannung gedrosselt wird, um damit das Streuvolumen zu verkleinern. Ein Nachteil
ist, dass mitunter Peaks höherer Energie nicht angeregt werden und daher entsprechende Elemente
nicht mehr nachgewiesen werden können.
Die Kombination des EDX-Detektors mit einem Transmissionselektronenmikroskop (TEM) stellt eine
Möglichkeit dar, um für eine höhere Ortsauflösung zu sorgen, da das zu untersuchende Material bei
dieser Art Mikroskopie generell sehr dünn präpariert wird. Der auftreffende Elektronenstrahl weist
somit ein geringeres Streuvolumen auf.
64
4.3 Tomografie
Neben der Analyse der Materialoberflächen ist zur Aufklärung interner Zellprozesse auch die Analyse
tiefer liegender Materialschichten interessant, um zum Beispiel herauszufinden, wie dick eine
Ablagerung ist, die sich gebildet hat oder wie eine Materialprobe im Kern strukturiert ist. Anhand des
Absorbtions- oder Transmissionsverhaltens der unterschiedlichen Materialbereiche können
Rückschlüsse über Verteilungen oder Anordnungen innerhalb des Probenmaterials gezogen werden.
Um diese Fragestellungen beantworten zu können, bedient man sich der Tomografie als quasi
zerstörungsfreies bildgebendes Verfahren.
Je stärker das zu untersuchende Probe oder einzelne Probenbestandteile Röntgenstrahlung
absorbieren, desto höher muss die Energie der einfallenden Röntgenstrahlung sein, um die
Probenbereiche dahinter abzubilden. Zusätzlich ist es von Vorteil, wenn die einfallende Strahlung
monochromatisch ist. Die Phasengrenze zwischen zwei unterschiedlichen Materialien, kann somit
besser aufgelöst werden, als wenn die einfallende Strahlung eine Verteilung von
Strahlungsintensitäten darstellen würde.
Daher wurde der Großteil der in dieser Arbeit gezeigten Tomografien am Deutschen Elektronen-
Synchrotron (DESY) in Hamburg-Bahrenfeld angefertigt. Dort nutzt man Teilchenbeschleuniger um
hochenergetische monochromatische Röntgenstrahlung zu erzeugen, die dann neben anderen
Anwendungen auch zur Materialanalyse von Batteriezellen genutzt werden kann.
Die Tomografie ermöglicht eine überlagerungsfreie Darstellung einzelner Objektschichten im
Unterschied zu anderen Röntgenverfahren, in denen sich alle Strukturen überlagern, die im
Strahlengang hintereinander liegen.
Die folgende Abbildung 4.4 illustriert grundlegend das Messprinzip.
ABBILDUNG 4.4: Messprinzip der Röntgentomografie
65
Die erstellten Probenschnittbilder, pro Materialprobe bis zu mehreren Hundert Stück, wurden
teilweise auch verwendet, um hochauflösende Rekonstruktionen der untersuchten Materialien
anzufertigen, die auch in dieser Arbeit zu finden sind. Neben einzelnen Batteriekomponenten wie der
Gasdiffusionselektrode oder der Lithiumanode, können oftmals auch komplette Zellen tomographiert
werden. Herausfordernd hierbei ist allerdings, dass das Zellengehäuse aus Edelstahl besteht, welcher
einen Großteil der Röntgenstrahlung absorbiert. Somit ist es schwierig, den kompletten
Zellenquerschnitt abzubilden, da bei es bei einer abnehmenden Strahlungsintensität vermehrt zum
Auftauchen von Bildfehlern und Artefakten kommen kann.
Die Konstruktion einer optimalen Testzelle ist herausfordernd, daher wurde bei den Testzellen, die im
Rahmen dieser Arbeit vermessen worden sind, die Stahlspacer durch Lithiumspacer ersetzt, welche ein
geringeres Absorptionsverhalten aufweisen. So konnte die Auflösung der einzelnen Materialschichten
in der Batteriezelle etwas gesteigert werden.
66
5. Simulationsmodell
Um eine funktionierende und möglichst reproduzierbare Lithium-Luft-Batterie (2032er Format)
realisieren zu können, wurde zuerst ein physikochemisches Simulationsmodell mit der Software
Comsol Multiphysics erstellt, um die wichtigsten Betriebsparameter zu identifizieren und den Einfluss
der einzelnen Parameter auf die Zellperformance zu untersuchen. Auch der Einfluss ausgewählter
Materialparameter auf die Zyklenlebensdauer, die Kapazität und die Zellenlebensdauer ermöglichen
eine Performancevorhersage des im Labor synthetisierten Materials und liefern wichtige Aussagen für
die spätere Zellassemblierung auf dem Weg vom Material zur funktionsfähigen Batteriezelle.
Das in Comsol Multiphysics hinterlegte Lithium-Luft-Modell entstammt einer wissenschaftlichen Arbeit
von Sahapatsombut et al., in der ein eindimensionales Simulationsmodell erstellt worden ist, indem
der Einfluss der Stromdichte auf die Performance der Zelle, die Einlagerung des Entladeproduktes auf
die Kathodenstruktur und feste Löslichkeitsgrenzen für Li2O2 und O2 definiert worden sind, um
möglichst präzise Vorhersagen treffen zu können. [SAH13]
Im Labor werden anschließend geeignete Materialien synthetisiert, Gasdiffusionselektroden
hergestellt, Testzellen assembliert und diese anschließend unter Realbedingungen getestet. Die
elektrische beziehungsweise die impedanzspektroskopische Charakterisierung dient dazu, die
Parametereinflüsse auf die Zellchemie auszumachen und sowohl die Reproduzierbarkeit der Zellen als
auch das Verständnis über die ablaufenden Zellprozesse zu verbessern und ein neues
Optimierungspotential für die Lithium-Luft-Technologie zu identifizieren.
5.1 FEM-Modell
5.1.1 Finite Elemente Methode (FEM)
ABBILDUNG 5.1: 3D-Geometrie einer Knopfzelle für eine FEM-Simulation mit eingezeichneten Teilelementen
Die finite-Elemente Simulationsmethode (FEM) eignet sich besonders dafür komplexere Systeme
abzubilden und durch eine definierte Anzahl von Zustandsgrößen und festgelegten Randbedingungen
das reale Verhalten durch gekoppelte Differentialgleichungen zu beschreiben. Um auch lokal eine gute
Auflösung der Prozesse zu erreichen, wird im Modell eine Geometrie hinterlegt, die in viele separate
Teilelemente netzförmig zerlegt wird. Je kleinteiliger das Netz ist, desto genauer ist das
67
Simulationsergebnis des Teilelementes. Da die Knopfzelle im Grunde genommen einen Zylinder
darstellt, wird diese Geometrie hinterlegt und in möglichst viele kleine und „einfachere“ Teilbereiche
zerlegt, wie in der Abbildung 5.1 zu sehen ist.
Durch die Zerlegung können die physikalischen und chemischen Prozesse des Teilbereiches lokal
berechnet werden. Die benachbarten Teilelemente beeinflussen sich gegenseitig und so ist es möglich,
die physikochemischen Eigenschaften aller Teilbereiche zu einem großen Gesamtsystem
zusammenzusetzen. Numerische und geometrische Grenzen zwischen den Teilelementen sowie
definierte Randbedingungen werden nötig, um das Gesamtsystem abzubilden. Durch die
Verkleinerung der Teilelemente kann die Rechengenauigkeit gesteigert und die Gesamtaussagekraft
des Modells optimiert werden. Die Teilelemente können global oder lokal verkleinert werden. Bereiche
in denen große Änderungen erwartet werden, können verdichtet, Bereiche die als statisch angesehen
werden können, eher grob modelliert werden.
Abbildung 5.2 verdeutlicht diesen Prozess. In der Ecke unten links wird das Netz stark verfeinert, da in
diesem Bereich der Geometrie starke Veränderungen erwartet werden und eine genauere Berechnung
erforderlich wird. Im blauen Bereich am oberen Rand bleiben die Simulationsparzellen größer. Bei
dieser adaptiven Netzverfeinerung muss auf ein gutes Verhältnis zwischen Rechengenauigkeit und
Rechengeschwindigkeit geachtet werden, um die Rechenleistung ideal zu verteilen.
ABBILDUNG 5.2: Vorgang des lokalen adaptiven Netzverfeinerung, Quelle: [COM]
5.1.2 Makroskopische Modellierung
Das Simulationsmodell basiert im Grunde auf der numerischen Lösung von partiellen
Differentialgleichungen, welche die physikochemischen Prozesse innerhalb der Batterie möglichst
detailliert und realitätsnah beschreiben. Alle Prozesse in Form dieser partiellen Differentialgleichungen
abzubilden, kann mitunter eine große Herausforderung darstellen, da die Reaktionsprozesse selbst
sehr komplex sein können und auch die Bildung von Nebenprodukten oder Alterungsprozesse
berücksichtigt werden müssen. Die mikroskopische Betrachtung steigert zwar die Auflösung, aber
schon die Simulation einer Gasdiffusionselektrode mit unterschiedlichen Porengrößen und einer
örtlich verschiedenen Anordnung von Katalysatorpartikeln im Mikrometermaßstab stellen eine sehr
komplexe Ebene dar, die den Berechnungsaufwand enorm steigern können.
68
Eine makroskopische Betrachtungsweise, in der die Eigenschaften von größeren Material-
ansammlungen durch die Mittelung vieler Moleküle in die Simulation einfließen, kann helfen in puncto
Auflösung und Rechenaufwand einen guten Kompromiss zu finden. [STI10] Anstelle jede einzelne Pore
für sich zu betrachten, kann zum Beispiel auch die durchschnittliche Partikelgrößenverteilung zur
Abbildung des Elektrodenmaterials herangezogen werden. Bildung und Diffusion von Haupt- und
Nebenprodukten fließen nur noch als Konzentrationsänderung in die Berechnung ein, anstelle die
Verteilung und Position jedes Moleküls zu berücksichtigen.
5.2 Eigentliches Simulationsmodell
Zur Simulation des physikalisch- chemischen Batteriemodells wurde die Software Comsol Multiphysics
(Version 5.5) verwendet. Die Software eignet sich besonders für die FEM-Simulation physikalischer
Prozesse und kann dazu verwendet werden, simultan ablaufende multiphysikalische Prozesse
abzubilden. Die Software verfügt dabei über einen modularen Aufbau, welcher es erlaubt,
verschiedene physikalische Themenbereiche mit den dazugehörigen Differentialgleichungen in die
Simulation zu implementieren und zu koppeln. In der Lithium-Luft-Batterie laufen viele verschiedene
Prozesse simultan ab, wie zum Beispiel die Bildung des Entladeprodukts und die Bildung von
Nebenprodukten, der Transport von Lithiumionen oder die Lösung von Sauerstoffmolekülen im
aprotischen Elektrolyten. Mit insgesamt drei in der Software vorgefertigten Modulen können die
Vorgänge abgebildet und miteinander gekoppelt werden. Das Modul „Lithium Ion Battery“ umfasst
grundlegende Gleichungen zur Modellierung der Lithium-Ionen-Batterie, in der ein festes nicht
lösbares Reaktionsprodukt simuliert wird. In Kombination mit dem Modul „Transport of Diluted Species
in Porous Media“ wird der Sauerstofftransport in der Gasdiffusionselektrode abgebildet. Für die
Änderung der Produktkonzentration des löslichen Reaktionsproduktes wird zusätzlich das Modul
„Domain ODEs and DAEs Interface“ herangezogen. Die Simulation kann über die Einstellung der
Raumgeometrie in verschiedenen Dimensionen erfolgen.
5.2.1 Modellgeometrie
Mit der Simulationssoftware Comsol Multiphysics können mehrdimensionale Simulationen erstellt
werden und so eine explizierte Ortsauflösung und Visualisierung der dreidimensionalen Geometrie
ermöglicht werden. Da das erstellte Simulationsmodell auf der makroskopischen Betrachtungsweise
fußt, kann durch eine dreidimensionale Simulation kein größerer Erkenntnisgewinn erwartet werden.
Da aufgrund der Komplexität der Lithium-Luft Technologie die detaillierten mikroskopischen Prozesse
vernachlässigt werden, wird für die Identifizierung der Betriebs- und Materialparameter eine
eindimensionale Simulation durchgeführt, die aussagekräftige Ergebnisse bei optimierter
Rechengeschwindigkeit liefern kann.
Die eindimensionale Modellgeometrie wird in der Abbildung 5.3 illustriert. Das Modell mit der
linienförmigen Geometrie besteht im Grunde genommen aus zwei Bereichen, die die
Gasdiffusionselektrode und den Separator darstellen. Die Linienabschnitte werden als Domains
bezeichnet, in denen die tatsächliche Berechnung der Modellgrößen durch FEM erfolgt. Die End- bzw.
Schnittpunkte der Domains werden als Boundaries bezeichnet und dienen zur Implementierung der
Randbedingungen. Im eindimensionalen Modell existieren drei Boundaries, die als Schnittstellen
69
zwischen Anode/Separator, Separator/Kathode und Kathode/Sauerstoff fungieren. Die Anode aus
Lithiummetall wird als Randbedingung implementiert. Zusätzlich werden die Randbedingungen für die
Konzentration von Lithiumionen, Sauerstoffmolekülen und die Stromdichte definiert.
ABBILDUNG 5.3: Linienförmiges 1D-Simulationsmodell
Ähnlich verhält es sich bei dem zweidimensionalen Modell, in dem die Domains für den Separator und
die Gasdiffusionselektrode in Form von rechteckigen Flächen dargestellt werden. Die Boundary für die
Schnittstelle Anode/Separator wird entlang der oberen Kante des Separatorrechtecks implementiert.
Die Boundary für die Schnittstelle Kathode/Sauerstoff wird dagegen entlang der unteren Kante des
Kathodenrechtecks definiert. Da die später im Labor hergestellten Knopfzellbatterien 5 Luftlöcher
aufweisen, können diese in dieser Geometrie berücksichtigt und zusätzlich an der Boundary
Kathode/Sauerstoff implementiert werden.
ABBILDUNG 5.4: Zweidimensionales Lithium-Luft Modell
ABBILDUNG 5.5: FEM-Netz für die zweidimensionale Modellgeometrie
Während die Randbedingung für die Stromdichte in dieser Modellgeometrie wie im eindimensionalen
Fall entlang der gesamten unteren Boundary definiert wird, wird die Randbedingung für die
Sauerstoffkonzentration nur in den Aussparungen, die die Luftlöcher darstellen, definiert. Die
zweidimensionale Modellgeometrie wird in Abbildung 5.4 und das FEM-Netz in Abbildung 5.5
dargestellt.
70
5.2.2 Modellannahmen
Um die vielseitigen Vorgänge und Prozesse des Stofftransportes und der simultan ablaufenden Haupt-
und Nebenreaktionen mit geringerem Zeitaufwand simulieren zu können, werden einige Annahmen
getroffen, die den Rechenaufwand verringern. Das Simulationsmodell ist in erster Linie nur für
aprotische Elektrolyte konzipiert. Zudem wird angenommen, dass einzig und allein Lithiumperoxid als
einziges Entladeprodukt gebildet werden kann. Es wird angenommen, dass weder Nebenprodukte
entstehen noch, dass sich der Elektrolyt zersetzt. Es wird angenommen, dass die Poren an der
Dreiphasengrenze zwischen Gasdiffusionselektrode und Separator komplett mit Elektrolyt gefüllt sind.
Auch thermische Einflüsse und mechanische Veränderungen der Gasdiffusionselektrode werden
vernachlässigt.
5.2.3 Modellgleichungen
In diesem Abschnitt werden die grundlegenden physikalisch-chemischen Prozesse in der LAB mit
mathematischen Gleichungen beschrieben und im Modell implementiert. In der Software sind die
Prozesse und Modelgleichungen vorgegeben und können modular verwendet werden. Ein Großteil des
Modells stellen der Ionentransport, die elektrochemische Reaktionskinetik und der Elektronenstrom
dar. Neben den grundlegenden Prozessen der Lithium-Ionen-Batterie ist der Transport von
Sauerstoffmolekülen durch die Kathode hindurch essenziell für die Simulation der LAB. Die O2-
Moleküle reagieren mit den Lithiumionen und bilden ein festes, im aprotischen Elektrolyten nicht
lösbares Reaktionsprodukt, dass sich auf der Oberfläche der GDE ablagert und die Poren zunehmend
verstopft (pore clogging). Die katalytische Reduktion des Sauerstoffs zu Superoxid-radikalanionen wird
nicht gesondert simuliert. Der Einfluss des Katalysators wird allein durch Variation der Parameter der
Butler-Volmer-Gleichung erzielt. Die Bildung des Reaktionsproduktes und die dadurch entstehende
Filmschicht auf der Elektrodenoberfläche ist ein weiterer essenzieller Bestandteil des
Simulationsmodells. Darauf folgt die Modellierung der aktiven Oberfläche, der Porosität und der
Filmschichtdicke. Die Modellgleichungen für die benannten Vorgänge werden im Folgenden
schrittweise erläutert.
Vereinfachte Reaktionsgleichung
Der eine bessere Nachvollziehbarkeit der Simulationsergebnisse zu erhalten und den Rechenaufwand
zu verringern, wird in dem Modell davon ausgegangen, dass nur Li2O2 als Entladeprodukt gebildet wird.
Somit gilt für die Kathode folgende Reaktionsgleichung:
2𝐿𝑖++𝑂2+2𝑒−→ 𝐿𝑖2𝑂2 (5.1)
Die anodische Reaktion lautet:
𝐿𝑖 →𝐿𝑖++𝑒− (5.2)
71
Die Gesamtreaktion lautet demnach:
2𝐿𝑖+𝑂2→𝐿𝑖2𝑂2 (5.3)
Als Gleichgewichtspotential wird 2,96 V angenommen.
Transport der Lithiumionen
Im Laufe der Entladereaktion wird das Lithium an der Anode oxidiert und die Lithiumionen diffundieren
zur Kathode. Der Ionentransport wird durch eine Konzentrationsänderung simuliert, welche gemäß
Gleichung (5.4) dargestellt wird:
𝜕(𝜀·𝑐𝐿𝑖+)
𝜕𝑡 =▽·𝑁𝐿𝑖++𝑟𝐿𝑖+ (5.4)
ε beschreibt dabei die Porosität der Kathode, 𝑐𝐿𝑖+ die Konzentration der Lithiumionen entlang der
Kathodenachse. Durch Multiplikation mit der Porosität ε wird nur das Hohlraumvolumen, also nur das
Elektrolytvolumen, berücksichtigt. Da die GDE im Rahmen der Modellierung als makroskopisch
homogen betrachtet werden kann, handelt es sich bei der Konzentration um einen Mittelwert. 𝑁𝐿𝑖+
ist die Teilchenstromdichte der Lithiumionen, 𝑟𝐿𝑖+ hingegen die Reaktionsrate. Die
Teilchenstromdichte 𝑁𝐿𝑖+ wird von der Diffusion und dem Ionenstrom beeinflusst, der durch das
angelegte elektrische Feld verursacht wird.
𝑁𝐿𝑖+=−𝐷𝐿𝑖+
𝑒𝑓𝑓 +▽·𝑁𝐿𝑖++𝑖𝑙·𝑡+
𝐹 (5.5)
𝐷𝐿𝑖+ beschreibt die Diffusionskonstante der Lithiumionen. Für eine makroskopische Betrachtung kann
die effektive Diffusionskonstante 𝐷𝐿𝑖+
𝑒𝑓𝑓 nach Bruggemann [CHU13] verwendet werden, die gesondert die
Diffusion in porösen Materialien beschreibt. 𝑖𝑙 beschreibt die Ionenstromdichte im Elektrolyten, 𝑡+ die
Überführungszahl der Lithiumionen.
F
ist die Faraday’sche Konstante.
𝐷𝐿𝑖+
𝑒𝑓𝑓 =𝜀1,5 ·𝐷𝐿𝑖+ (5.6)
72
Transport der Sauerstoffmoleküle
Die Sauerstoffmoleküle gelangen über die Luftlöcher in die Gasdiffusionselektrode, werden im
Elektrolyten gelöst und reagieren mit den Lithiumionen zum Entladeprodukt Lithiumperoxid. Der
Transport der Sauerstoffmoleküle kann analog zu dem Transport der Lithiumionen formuliert werden:
𝜕(𝜀·𝑐𝑂2)
𝜕𝑡 =▽·𝑁𝑂2+𝑟𝑂2 (5.7)
Die Teilchenstromdichte der Sauerstoffmoleküle ist nur von der Diffusion abhängig und lautet wie
folgt:
𝑁𝑂2=−𝐷𝑂2
𝑒𝑓𝑓 ·▽·𝑐𝑂2 (5.8)
𝐷𝑂2
𝑒𝑓𝑓 =𝜀1,5 ·𝐷𝑂2 (5.9)
Ionen- und Elektronenstromdichte
Die Ionenstromdichte 𝑖𝑙 wird wie folgt beschrieben:
𝑖𝑙=𝜅𝑒𝑓𝑓 ·▽·𝛷𝑙−𝜅𝐷·▽·𝑙𝑛𝑐𝐿𝑖+ (5.10)
Für die Ionenleitfähigkeit des Elektrolyten wird der Effektivwert 𝜅𝑒𝑓𝑓 verwendet, 𝛷𝑙 beschreibt das
Elektrolytpotential, der vordere Term der Gleichung (5.10) wird aus dem Ohm‘schen Gesetz
hergeleitet, der hintere Term beschreibt den Diffusionsprozess der Ionen, wobei 𝜅𝐷 die
Diffusionsleitfähigkeit ist [PLI14]. R beschreibt die universelle Gaskonstante, T die Temperatur und 𝑓± den
Aktivitätskoeffizienten des gelösten Lithiumsalzes.
𝜅𝑒𝑓𝑓 =𝜀1,5𝜅 (5.11)
𝜅𝐷=2𝑅𝑇·𝜅𝑒𝑓𝑓
𝐹 (𝑡+−1)·(1+ 𝜕𝑙𝑛𝑓±
𝜕𝑙𝑛𝑐𝐿𝑖+) (5.12)
Die Elektronenstromdichte in der festen Matrix der Gasdiffusionselektrode kann durch die Gleichung
(5.13) beschrieben werden, welche sich aus dem ohmschen Gesetz herleiten lässt. 𝜎𝑒𝑓𝑓 ist die
effektive Leitfähigkeit der festen Matrix der Elektrode, 𝛷𝑠 deren Potential.
73
𝑖𝑠=−𝜎𝑒𝑓𝑓 ·▽·𝛷𝑠 (5.13)
𝜎𝑒𝑓𝑓 =(1−𝜀)1,5 ·𝜎 (5.14)
Ladungserhaltung an der Dreiphasengrenzfläche
An der Dreiphasengrenze gilt das Prinzip der Ladungserhaltung. Die Divergenzen der beiden
entgegengerichteten Stromdichten, der Ionenstromdichte im Elektrolyten und der
Elektronenstromdichte in der Gasdiffusionselektrode, sind insgesamt null. Die Divergenz der
Ionenstromdichte kann außerdem mittels der lokalen Austauschstromdichte für die Grenzfläche 𝑗𝑐 und
der spezifischen Oberfläche a berechnet werden.
▽·𝑖𝑠+▽·𝑖𝑙=0 (5.15)
▽·𝑖𝑙=𝑎·𝑗𝑐 (5.16)
Zusätzlich sind die Reaktionsraten von Lithiumionen und Sauerstoffmolekülen zu bertrachten. Durch
die Reaktionsrate wird der Stoffmengenverbrauch während der Entladung sowie die
Stoffmengenproduktion während der Ladung beschrieben [TAN17]. Für die Berechnung der
Konzentration ist es ein entscheidendes Kriterium, wieviel Lithiumionen und Sauerstoffmoleküle
verbraucht oder freigegeben werden. Die Reaktionsraten der beiden Reaktanden werden durch die
Gleichungen (5.17) und (5.18) beschrieben. a beschreibt die aktive Oberfläche, s den
stöchiometrischen Koeffizienten für Li+ und O2. Jc ist weiterhin die lokale Austauschstromdichte an der
Grenzfläche, F die Faraday’sche Konstante.
𝑟𝐿𝑖+=−𝑎·𝑠𝐿𝑖+
𝐹𝑗𝑐 (5.17)
𝑟𝑂2=−𝑎·𝑠𝑂2
𝐹𝑗𝑐 (5.18)
Elektrochemische Reaktionskinetik
Die lokale Austauschstromdichte für die Dreiphasengrenze jc kann mithilfe der Reaktionskinetik
bestimmt werden. Diese wird durch die Butler-Vollmer-Gleichung beschrieben und stellt den
Zusammenhang zwischen Austauschstromdichte und der Reaktionsüberspannung dar. Für die
kathodische Reaktion wird die modifizierte konzentrationsabhängige Gleichung (5.19) verwendet. ka
und kc sind die kinetischen Reaktionsratenkonstanten für die anodische beziehungsweise kathodische
Reaktion während des Lade- bzw. Entladeprozesses. 𝑐𝐿𝑖2𝑂2 beschreibt die Konzentration des
Entladeproduktes. β beschreibt den Symmetriekoeffizienten,
𝜂
c die Reaktionsüberspannung der
Kathode, die in Gleichung (5.20) formuliert wird. E0 beschreibt das theoretische Ruhepotential der
74
Gesamtreaktion, 𝛥𝛷𝐿𝑖2𝑂2 beschreibt den Spannungsabfall über die gebildete Filmschicht auf der
Kathodenseite.
𝑗𝑐=𝑛𝐹{𝑘𝑎(𝑐𝐿𝑖2𝑂2)𝑒𝑥𝑝[(1−𝛽)𝑛𝐹
𝑅𝑇 𝜂𝑐]−𝑘𝑐(𝑐𝐿𝑖+)2(𝑐𝑂2)𝑒𝑥𝑝[−𝛽𝑛𝐹
𝑅𝑇 𝜂𝑐]} (5.19)
𝜂𝑐=𝛷𝑠−𝛷𝑙−𝐸0−𝛥𝛷𝐿𝑖2𝑂2 (5.20)
Parallel zu der kathodischen Reaktion (5.1) läuft die anodische Reaktion (5.2) ab. Für diese Reaktion
gilt die allgemiene Butler-Vollmer-Gleichung (5.21). ja ist die lokale Austauschstromdichte zwischen
Anode und Elektrolyt. 𝜂a beschreibt die Reaktionsüberspannung der Anode, die gemäß Gleichung
(5.22) berechnet wird. 𝛷𝑚 beschreibt das Potential des metallischen Lithiums und wird als 0 V
angenommen, 𝐸0,𝑎 ist das Ruhepotential der anodischen Reaktion und beträgt bezogen auf das
Potential von Lithium, ebenfalls 0 V.
𝑗𝑎=𝑖0{𝑒𝑥𝑝[(1−𝛽)𝑛𝐹
𝑅𝑇 𝜂𝑎]−𝑒𝑥𝑝[−𝛽𝑛𝐹
𝑅𝑇 𝜂𝑎]} (5.21)
𝜂𝑎=𝛷𝑚−𝛷𝑙−𝐸0,𝑎 (5.22)
Bildung des Reaktionsproduktes
Das Reaktionsprodukt Lithiumperoxid ist ein Feststoff, der in aprotischen Lösungsmittel nur zu einem
sehr geringen Teil löslich ist und sich deswegen in der porösen Kathode ablagert. Nach Gleichung (5.23)
wird die Konzentration des Reaktionsproduktes im löslichen Bereich modelliert. 𝑐𝐿𝑖2𝑂2 beschreibt die
Konzentration bis zu der das Entladeprodukt im aprotischen Elektrolyt gelöst bleibt. In diesem Zustand
bleiben Porosität und die aktive Oberfläche zunächst unverändert.
𝜕(𝜀 · 𝑐𝐿𝑖2𝑂2)
𝜕𝑡 =−1
2𝐹𝑎𝑗𝑐 (5.23)
Wird die Löslichkeitsgrenze überschritten, so wird die Lithiumperoxidkonzentration nach Gleichung
(5.24) beschrieben. Durch Ablagerung des festen Reaktionsproduktes auf der Elektrodenoberfläche
erhöht sich der Volumenanteil an Li2O2 in der Elektrode. Die Änderung des Volumenanteils wird mit
der Formel (5.25) berechnet. Als Löslichkeitsgrenze wurde ein Wert von 0,009 mol/m³ angenommen
[TAS09]. Die Porosität ε wird mittels Gleichung (5.26) berechnet. 𝜀𝑠,0 beschreibt den initialen Anteil der
festen Matrix und kann durch (1− 𝜀0) berechnet werden, wobei 𝜀0 die anfängliche Porosität darstellt.
75
𝜕(𝑐𝐿𝑖2𝑂2 ,𝑠)
𝜕𝑡 =1
2𝐹𝑎𝑗𝑐 (5.24)
𝜀𝐿𝑖2𝑂2= (𝑐𝐿𝑖2𝑂2,𝑥 − 𝑐𝐿𝑖2𝑂2, 𝑥0)𝑀𝐿𝑖2𝑂2
𝜌𝐿𝑖2𝑂2 (5.25)
𝜀 =1−𝜀𝐿𝑖2𝑂2−𝜀𝑠,0 (5.26)
Die Ablagerung des festen Reaktionsproduktes führt zu einer Filmschichtbildung auf der
Elektrodenoberfläche, die für den Ladungstransport einen weiteren Widerstand darstellt. Der
Potentialabfall über die Filmschicht wird mit der Gleichung (5.27) dargestellt. RFilm ist dabei der
Ohm‘sche Flächenwiderstand für die Filmschicht.
𝛥𝛷𝐿𝑖2𝑂2= 𝑗𝑐𝑅𝐹𝑖𝑙𝑚𝜀𝐿𝑖2𝑂2 (5.27)
Aktive Oberfläche und Filmschichtdicke
Die aktive Oberfläche beschreibt die verfügbare Oberfläche, an der die Reaktion ablaufen kann. Im
Rahmen der makroskopischen Modellierung wird die spezifische aktive Oberfläche verwendet, welche
die aktive Oberfläche pro Volumen der Kathode angibt. Gleichung (5.28) gilt für die initiale spezifische
aktive Oberfläche deren Poren kugelförmig sind [GU98]. 𝑟0 ist dabei der Radius der kugelförmigen
Hohlräume. Die zunehmende Konzentration an Reaktionsprodukt führt zwangsläufig zur Abnahme der
aktiven Oberfläche. Die veränderte aktive Oberfläche kann mit Gleichung (5.29) berechnet werden.
Mit Gleichung (5.30) ist es möglich die Dicke der Filmschicht zu kalkulieren.
𝑎0=3𝜀𝑠,0
𝑟0=3(1−𝜀0)
𝑟0 (5.28)
𝑎 =𝑎0{1−(𝜀𝐿𝑖2𝑂2
𝜀0)0,5} (5.29)
𝑙 =(𝜀𝐿𝑖2𝑂2+𝜀𝑠,0
𝜀𝑠,0 )1
3𝑟0−𝑟0 (5.30)
Rand- und Anfangsbedingungen
In Abbildung 5.6 werden die implementierten Rand- und Anfangsbedingungen für das Modell mit 1D-
Geometrie veranschaulicht. Für die Boundary Kathode/Sauerstoff werden Randbedingungen für den
Strom in der Kathode, der sich aus Ionen- und Elektronenstrom zusammensetzt und die Sauerstoff-
konzentration definiert.
76
Die Elektronenstromdichte 𝑖𝑠 beträgt konstant -0,01 mA/cm². Die Ionenstromdichte 𝑖𝑙 wird als Null
angenommen. Die Sauerstoffkonzentration wird als maximal angenommen. Die theoretisch maximale
Konzentration hängt von der Sauerstofflöslichkeit des verwendeten Elektrolyten ab und beträgt
0,252 mol/m³.[GIT16] An der Boundary Kathode/Separator beträgt die Elektronenstromdichte 𝑖𝑠 null. Die
Ionenstromdichte 𝑖𝑙 ist gleich der vorgegebenen Elektronenstromdichte 𝑖𝑎𝑝𝑝. An der Boundary
Anode/Separator wird die Sauerstoff-konzentration gleich Null gesetzt. An dieser Stelle tritt die
Randbedingung für die Konzentrationsentwicklung von Lithiumionen ein, welche von der
Oxidationsreaktion des Lithiums abhängt und gemäß Gleichung (5.31) definiert wird.
ABBILDUNG 5.6: Modellierung der Boundaries im 1D-Model
An der Boundary Kathode/Separator beträgt die Elektronenstromdichte 𝑖𝑠 null. Die Ionenstromdichte
𝑖𝑙 ist gleich der vorgegebenen Elektronenstromdichte 𝑖𝑎𝑝𝑝. An der Boundary Anode/Separator wird die
Sauerstoffkonzentration gleich Null gesetzt. An dieser Stelle tritt die Randbedingung für die
Konzentrationsentwicklung von Lithiumionen ein, welche von der Oxidationsreaktion des Lithiums
abhängt und gemäß Gleichung (5.31) definiert wird. Die Konzentration wird nicht wie bei der
Sauerstoffrandbedingung auf einen gewissen Wert fixiert, sondern deren Änderungsrate begrenzt. Zur
Begrenzung der Konzentrationsableitung wir die Divergenz der Teilchenstromdichte herangezogen.
−▽·𝑁𝐿𝑖+ =(1+𝑡+)𝑖𝑎𝑝𝑝
𝐹 (5.31)
Neben den Randbedingungen, die während der gesamten Simulation gelten, werden auch
Anfangsbedingungen definiert, welche nur zu Beginn der Simulation vorliegen. Die Anfangswerte für
die Konzentration der Reaktanden 𝑐𝐿𝑖+, 𝑐𝑂2, Porosität ε, spezifische aktive Oberfläche a und die
Potentiale 𝜙𝑠 und 𝜙𝑙 werden definiert.
77
5.2.4 Parameterübersicht
Bezeichnung
Symbol
Wert
Quelle
Geometrische Parameter
Dicke des Separators
𝐿𝑆𝑒𝑝
5 · 10−5 𝑚
[WIL10]
Dicke der GDE
𝐿𝑝𝑜𝑠
8 · 10−4 𝑚
gemessen
Porosität des Separators
𝜀𝑆𝑒𝑝
0,87
[SAH13]
Initiale Porosität der GDE
𝜀0
0,73
[SAH13]
Porenradius in der GDE
𝑟
25 · 10−9 𝑚
[SCO10]
Elektrolytparameter
Initiale Li+ Konzentration
𝑐𝐿𝑖+
1000 𝑚𝑜𝑙
𝑚3
[REA03]
O2 Sättigungskonzentration
𝑐𝑂2,0
0,252 𝑚𝑜𝑙
𝑚3
[GIT16]
Li+ Diffusionskonstante
𝐷𝐿𝑖+
1,8·10−11 𝑚2
𝑠
[GIT16]
O2 Diffusionskonstante
𝐷𝑂2
1,09·10−9 𝑚2
𝑠
[GIT16]
Ionenleitfähigkeit des Elektrolyten
κ
0,74 𝑆
𝑚
[GIT16]
Überführungszahl
𝑡+
0,88
[GIT16]
Bezeichnung
Symbol
Wert
Quelle
Elektrokinetische Parameter
Anodische Reaktionskonstante
𝑘𝑎
1,11·10−15 𝑚
𝑠
[SAH13]
Kathodische Reaktionskonstante
𝑘𝑐
3,4·10−17 𝑚
𝑠 · 𝑚𝑜𝑙2
[SAH13]
Symmetriefaktor
𝛽
0,5
[PLI14]
Allgemeine Parameter
Löslichkeitsgrenze von Li2O2
𝑐𝐿𝑖2𝑂2,𝑚𝑎𝑥
0,09 𝑚𝑜𝑙
𝑚3
[TAS09]
Filmschichtflächenwiderstand
𝑅𝐹𝑖𝑙𝑚
50 𝛺
𝑚3
[YAM01]
Leitfähigkeit der Kathode
σ
10 𝑆
𝑚
[PLI14]
Anzahl der übertragenen Elektronen
n
2
-
78
Bezeichnung
Symbol
Wert
Quelle
Allgemeine Parameter
Dichte von Li2O2
𝜌𝐿𝑖2𝑂2
2140 𝑘𝑔
𝑚3
[LID07]
Molmasse von Li2O2
𝑀𝐿𝑖2𝑂2
45,88·10−3 𝑘𝑔
𝑚𝑜𝑙
berechnet
Dichte von Kohlenstoff
𝜌𝑐
2260𝑘𝑔
𝑚3
[LUM]
Temperatur
T
298 K
-
Vorgegebene Stromdichte
𝑖𝑎𝑝𝑝
−0,01 𝑚𝐴
𝑐𝑚2
-
TABELLE 5.7: Parameterübersicht für die 1D- bzw. 2D- Simulation der LAB
5.3 Simulationsergebnisse
5.3.1 Entladevorgang in 1D- und 2D- Geometrie
Der Potentialverlauf der Batteriezelle während der Entladung wird mit der Entladekurve
veranschaulicht. In dieser Darstellung wird das Elektrodenpotential gegenüber der Entladekapazität C
aufgetragen, die mit der Gleichung (5.32) berechnet werden kann.
𝐶 = 𝑖·𝑡
𝜀𝑠· 𝐿𝑝𝑜𝑠· 𝜌𝑐 (5.32)
i ist die Stromdichte, 𝜀𝑠 der Volumenanteil der festen Matrix der Elektrode, 𝐿𝑝𝑜𝑠 ist die Kathodenlänge
und 𝜌𝑐 die Dichte des verwendeten Kohlenstoffs. In Abbildung 5.8 ist die Entladekurve für die 1D-
Simulation abgebildet.
ABBILDUNG 5.8: Entladekurve für 1D-Simulation
79
Mit einer spezifischen Kapazität von 735 mAh/g und dem Gleichgewichtspotential von 2,96 V ergibt
sich eine Energiedichte von 2175,6 Wh/kg. Die Entladekurve der 2D-Simulation in Abbildung 5.9 zeigt
einen ähnlichen Verlauf. Die spezifische Entladekapazität beträgt für die 2D-Simulation 225 mAh/g und
fällt deutlich geringer als bei der 1D-Simulation aus. Da alle Parameter identisch mit denen der 1D-
Simulation sind, können nur die 5 zusätzlichen Luftlöcher (Ø 2 mm) für den Kapazitätsverlust in der 2D-
Simulation verantwortlich sein. Die Sauerstoffzufuhr ist somit deutlich eingeschränkt, da die
Sauerstoffrandbedingung nicht mehr auf die gesamte Sauerstoff/Kathode Boundary einwirkt, sondern
nur noch in 5 Teilbereiche.
ABBILDUNG 5.9: Entladekurve für 2D-Simulation
5.3.2 Simulation der Zyklisierung
Nachdem der Entladevorgang der Lithium-Luft-Batterie im 2D-Simulationmodells simuliert worden ist,
stand die Simulation mehrerer Vollzyklen im Vordergrund. Somit kann die Performance der
Batteriezelle komplett abgebildet werden und der Einfluss der untersuchten Parameter auf das Lade-
bzw. Entladeverhalten der Batterie untersucht werden. Als Ladeverfahren wurde die IU-Ladung, eine
Kombination aus I-Phase und U-Phase eingestellt. Der Ladevorgang beginnt mit einem festgelegten
Ladestrom, bis die festgeschriebene Ladeschlussspannung erreicht ist. Um eine Überladung zu
verhindern, die, um die Alterung der Batteriezelle zu verhindern und sicherheitstechnische Aspekte zu
berücksichtigen unbedingt eingehalten werden muss, schließt nach Erreichen der
Ladeschlussspannung die U-Phase an. Die Ladeschlussspannung wird konstant gehalten und der Strom
sinkt kontinuierlich ab, bis er entweder 0 A erreicht oder eine zeitliche Vorgabe erfüllt ist.
Zur Simulation der Zyklisierung werden die Spannungsgrenzen von 2,5 V und 3,25 V aus den vorherigen
Simulationen verwendet. Nach vollendeter Entladung mit einer Stromdichte von -0,15 A/m² wird der
Strom umgepolt und die I-Phase gestartet. Um die I-Phase zu simulieren, kann in Comsol einzig und
allein die Ladeschlussspannung als Kriterium verwendet werden, um vom Ladevorgang in den
Entladevorgang überzugehen. Die Simulation des IU-Ladeverfahrens gelingt, in dem für den I-Anteil ein
Ladeschlussspannungskriterium festgelegt wird und im Anschluss die Spannung konstant gehalten
wird. Das gelingt über das Stromkriterium, welches 0 A erreichen muss, um die U-Phase abzuschließen.
80
Da dieser Vorgang sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, wird die U-Phase nach etwa 2 Stunden
beendet und der Entladevorgang startet erneut. Da das hierfür nötige Zeitkriterium nicht im Model
hinterlegt ist, kann nur empirisch eine Stromdichtegrenze eingestellt werden, welche der Zeit von 2
Stunden entspricht. Im Simulationsmodell endet die U-Phase, wenn die untere Stromdichtegrenze von
0,09 mA/cm² erreicht ist. In den folgenden beiden Darstellungen für den Spannungsverlauf (5.10) und
den dazugehörigen Stromverlauf (5.11) wurden 10 Vollzyklen simuliert, die als Referenz für die
Parameterstudie dienen soll.
ABBILDUNG 5.10: Spannungsverlauf einer idealisierten Li-Luft-Zelle
ABBILDUNG 5.11: Stromverlauf der idealisierten Lithium-Luft-Zelle
5.4 Ergebnisse der simulierten Parameterstudie
Bis hier wurde die Erstellung des Simulationsmodells beschrieben, welche Abmaße der Zelle, Größen
und Literaturwerte in das Modell eingeflossen sind, um eine ideale Zelle zu simulieren. Die Simulation
hat gezeigt, dass vier Parameter, die im Rahmen dieser Arbeit im Labormaßstab variiert werden
können, maßgeblich die Performance der LAB beeinflussen können - die Elektrolytart, die initiale
Porosität, der Katalysator und die Stromdichte. Im folgenden Kapitel wird beschrieben, wie diese
Parameter im Simulationsmodell variiert werden können, um den Parametereinfluss abschätzen zu
können.
81
5.4.1 Elektrolyt
Bereits im Einleitungsteil dieser Arbeit wird dargestellt, inwieweit die Verwendung eines
oxidationsstabilen Elektrolyten bei gleichzeitig hoher Leitfähigkeit und ausreichender
Sauerstofflöslichkeit für den erfolgreichen Betrieb der LAB ist. Das Simulationsmodell soll eine Aussage
darüber liefern, welches aprotische Lösungsmittel sich am besten für die anschließende Fertigung der
Testzellen eignet und wie groß der Einfluss auf die Zellperformance ist. Die Elektrolyten können nicht
direkt hinterlegt werden, sondern müssen über ihre charakteristischen Materialparameter definiert
werden. Die folgende Tabelle 5.12 veranschaulicht alle hinterlegten Werte. Wenn es sich um
Literaturdaten handelt, ist die Quelle angegeben, alle übrigen wurden selbst im Labor gemessen oder
berechnet.
Elektrolyt
EC:DMC
1 M LiPF6
TEGDME
1 M LiTFSI
DMSO
1 M LiPF6
DMA : Sulfolan
1 M LiTFSI
Elektrolytparameter
Wert
Quelle
Wert
Quelle
Wert
Quelle
Wert
Quelle
O2- Konzentration initial
[mol/m³]
3,2
0,60
0,252
0,262
[REA03]
[GIT16]
[GIT16]
[WAN17]
O2- Diffusionskonstante
[m²/s]
28,5 · 10-9
34,2 · 10-9
1,09 · 10-9
1,04 · 10-9
ber.
ber.
[GIT16]
ber.
Li- Diffusionskonstante
[m²/s]
2,5 · 10-11
1,5 · 10-11
1,8 · 10-11
2,6 · 10-11
gem.
gem.
[GIT16]
gem.
Viskosität dynamisch
[mPas]
5,1
4,25
2,14
1,399
[DAH11]
[KIM11]
[GIT16]
gem.
Ionenleitfähigkeit
[S/m]
1,07
0,161
0,74
0,721
[DAH11]
[GIT16]
[GIT16]
[WAN17]
Überführungszahl
[-]
0,43
0,76
0,88
0,07
[BER15]
[GIT16]
[GIT16]
ber.
TABELLE 5.12: Übersicht für die im Simulationsmodell hinterlegten Elektrolytparameter
Berechnung der Parameter
Zur Ermittlung der Li-Diffusionskonstante in den verwendeten Elektrolyten wurde das Diffusion
Ordered Spectroscopy (DOSY)- Verfahren verwendet. Dieses stellt eine spezielle Variante der NMR-
Spektroskopie dar und ermöglicht die Messung der translatorischen Beweglichkeit der Ionen. Daraus
kann die Diffusionskonstante abgeleitet werden. [LI09] Die Überführungszahl t+ der Kationen gibt den
Anteil des elektrischen Stroms an, der durch die positiv geladenen Lithiumionen transportiert wird. Bei
den eingesetzten Leitsalzen handelt es sich um binär dissoziierbare Salze, welche in zwei Ionen, also
ein Anion und ein Kation, dissoziieren können. Die Überführungszahl für den Amid-haltigen
Elektrolyten wurden durch die DOSY Messung bestimmt. Neben der Diffusionskonstante für das Li+ -
Kation wurde auch die Diffusionskonstante für das TFSI- -Anion ermittelt. Mit der folgenden Näherung
(5.33) kann dann die Überführungszahl abgeschätzt werden.
𝑡𝐿𝑖𝑇𝐹𝑆𝐼
+=𝐷𝐿𝑖+
𝐷𝐿𝑖++𝐷𝑇𝐹𝑆𝐼− (5.33)
82
Zur Bestimmung der Sauerstoffdiffusionskonstante wurde die Stokes-Einstein-Beziehung
herangezogen, da sich das DOSY-Verfahren hierfür nicht eignet. Das häufigste Sauerstoffisotop 16O
weist keinen Kernspin auf und ist somit nicht NMR-aktiv. [LIU08] Die Stokes-Einstein-Beziehung verknüpft
näherungsweise die Diffusionskonstante mit der Viskosität des Lösungsmittels, die im Labor mittels
eines Viskosimeters bestimmt wurde. kB beschreibt die Boltzmann-Konstante, T die Temperatur. Die
dynamische Viskosität hat die Einheit Pa · s. Der Faktor rO beschreibt den Van-der-Waals-Radius des
Sauerstoffatoms und beträgt 1,5 Å. [BAT01]
𝐷𝑂2=𝑘𝐵𝑇
6𝜋𝜂𝑟𝑂 (5.34)
Die initiale Sauerstoffkonzentration im Elektrolyten steht mit der Sauerstofflöslichkeit in direktem
Zusammenhang. Im Simulationsmodell wird davon ausgegangen, dass die Konzentration des gelösten
Sauerstoffes maximal ist, das heißt, der Elektrolyt zu Beginn der Entladung mit Sauerstoff gesättigt ist.
Zur Bestimmung der Sauerstoffkonzentration können zwei Methoden zur Berechnung herangezogen
werden.
Eine Möglichkeit stellt die Näherung über das Henry-Gesetz dar, welches das Löslichkeitsverhalten von
Gasen in Flüssigkeiten beschreibt. [SAN15, SAZ02] Die gesuchte Konzentration des gelösten Gases in der
Flüssigkeit wird durch den Faktor c beschrieben, p beschreibt den Partialdruck des Gases unter
Gleichgewichtsbedingungen. Die Henry-Konstante H hat die Einheit mol/m³Pa.
𝐻 = 𝑐
𝑝 (5.35)
Die Henry-Konstante kann über die Gleichung (5.36) bestimmt werden. [SAZ02] α beschreibt den Bunsen-
Koeffizienten und gibt den Volumenanteil des gelösten Gases in der Flüssigkeit unter
Standardbedingungen, also 273,15 K und 1013 mbar an.
𝐻 = 𝛼
𝑅𝑇0 (5.36)
Der Bunsen-Koeffizient (5.37) beschreibt das Volumenverhältnis von gelöstem Gas zum Volumen des
Lösungsmittels. Die Bunsen-Koeffizienten, die in das Simulationsmodell dieser Arbeit eingegangen
sind, entstammen der Literatur. [REA03]
𝛼 =𝑉1
𝑉2 (5.37)
83
Generell ist bei der Berechnung der Henry-Konstante die Einhaltung der Normtemperatur zu beachten.
Dennoch ist der berechnete Wert mit großer Vorsicht zu verwenden, da bereits kleinste Abweichungen
der Normtemperatur zu großen Ungenauigkeiten führen können. [SMI07] Die Messung mit einer
rotierenden Ring-Scheibenelektrode (RRDE) kann verlässlichere Ergebnisse liefern. Bei diesem Aufbau
wird durch eine rotierende Arbeitselektrode im Elektrolyt eine Stoffdiffusion erzeugt, die über die
Rotationsgeschwindigkeit der Elektrode geregelt werden kann. [JIA14] Ein Vergleich der beiden
Konzentrationswerte zeigt am Beispiel des Sulfoxid-haltigen Elektrolyten große Unterschiede. [GIT16]
Gemäß Berechnung der Henry-Konstante ergibt sich eine Sauerstoffkonzentration von 1,82 mol/m³.
Unter Verwendung einer rotierenden Scheibenelektrode wird eine Konzentration von 0,252 mol/m³
ermittelt. Da sich aus den gegebenen Literaturdaten nicht ablesen lässt, mit welchem Aufbau und bei
welchen Temperaturen die Sauerstoffkonzentration ermittelt wurde, müssen davon ausgegangen
werden, dass die Literaturwerte mit einem großen Fehler behaftet sind.
Ergebnisse der Elektrolytsimulation
Im 1D-Simulationsmodell wurden die Elektrolyt-spezifischen Daten hinterlegt und für die Simulation
genutzt. Die folgende Abbildung 5.13 illustriert den Entladevorgang des 1D- Simulationsmodells einer
LAB-Zelle, in der die vier Elektrolyte eingesetzt wurden. Vergleichbare Aussagen sind in der Literatur
nicht zu finden. In einer Studie von Sergeev et al. wurden zwar unterschiedliche Elektrolyte
miteinander verglichen in dem Sauerstofftransportparameter von DME, DMSO und Acetonitril variiert
worden sind. Der Fokus der Studie richtet sich in erster Linie auf die Zellperformance und nicht auf
maximal erreichbare Entladekapazitäten. [SER15]
ABBILDUNG 5.13: Simulation der Entladekurven für unterschiedliche aprotische Elektrolyten in LABs
84
5.4.2 Initiale Porosität
Simulation der aktiven Oberfläche
Im realen Material werden zur Erzeugung einer großen aktiven Oberfläche in der
Gasdiffusionselektrode unterschiedlich große sphärische Nanopartikel verwendet, deren Abdrücke
eine kugelförmige Hohlraumstruktur schaffen. Diese kann im Simulationsmodell nachempfunden
werden, indem die Kathodenfläche in gleichgroße kreisförmige Flächen aufgeteilt wird, die von der
Aktivmassenfläche subtrahiert werden. Die Flächendifferenz stellt die poröse Kathode dar. Um allein
den Einfluss der aktiven Oberfläche simulieren zu können, wurde die Porosität, also der materialfreie
Anteil konstant gehalten. Die aktive Oberfläche kann nun je nach Einstellen der Partikelradien simuliert
werden. Es wurden exemplarisch mehrere Partikelradien im Bereich von 25 nm bis 25 μm eingestellt.
Ein großer Partikelradius führt zu einer geringeren Aktivfläche als ein kleinerer Partikelradius. Somit
ergibt sich für unterschiedliche Partikelradien je nach Einstellung eine unterschiedliche initiale
Aktivfläche. In der folgenden Auftragung 5.14 werden die unterschiedlichen Partikelradien
miteinander verglichen.
ABBILDUNG 5.14: Variation der Hohlraumpartikelradien zur Einstellung der initialen Porosität
Eine Vergrößerung des Partikelradius und die damit einhergehende Verringerung der Aktivfläche
steigert die Überspannung und führt zu einem Absenken des Gesamtspannungsniveaus. Während bei
Partikelradien von 25 nm das Entladespannungsniveau größtenteils horizontal verläuft, sinkt die
Spannung bei den 25 μm großen Partikeln deutlich schneller ab. Eine Ursache hierfür könnte die
geringere aktive Oberfläche sein, die die Reaktionskinetik vermindert und so für eine schlechtere
Performance sorgt. Bei einem Partikelradius von 25 nm wird eine spezifische Entladekapazität von
710 mAh/g erreicht. Steigt der Partikelradius über 0,25 μm bis zu 2,5 μm an, kann eine geringere
Steigerung der spezifischen Entladekapazität auf 750 mAh/g beziehungsweise 775 mAh/g beobachtet
werden. Erst bei deutlich größeren Partikeln von 25 μm sinkt die spezifische Entladekapazität auf
560 mAh/g ab.
85
Ein Grund hierfür könnte die verminderte Bildung von Lithiumperoxid bei geringerer Aktivfläche sein.
Es bildet sich aufgrund der geringeren Oberfläche weniger Lithiumperoxid und die Porosität bleibt
länger erhalten als bei kleineren Partikelradien und größeren Oberflächen. Daher ist in diesem Bereich
eine geringe Kapazitätssteigerung zu erkennen.
Simulation der initialen Porosität
Die initiale Porosität kann ebenfalls die Zellperformance drastisch beeinflussen. Um möglichst große
Entladekapazitäten erreichen zu können, wäre es vorteilhaft, ein möglichst großes Hohlraumvolumen
in der Elektrode zu haben, damit sich das Entladeprodukt einlagern kann. Eine große initiale Porosität
ist weniger anfällig gegenüber dem pore clogging und erreicht höhere Entladekapazitäten. In der
folgenden Auftragung 5.15 wird der Einfluss der initialen Porosität auf die spezifische Entladekapazität
illustriert.
ABBILDUNG 5.15: Einfluss der initialen Porosität auf die spezifische Entladekapazität
Eine Steigerung der initialen Porosität führt zu einer höheren Entladekapazität. Während die Elektrode
mit der initialen Porosität von 0,66 eine Entladekapazität von 440 mAh/g erreicht kann eine Steigerung
auf 0,73 bereits eine Entladekapazität von 710 mAh/g, eine Steigerung auf 0,8 eine Entladekapazität
von 1250 mAh/g erzielen.
5.4.3 Katalysator
Der „ideale“ Katalysator stellt ein Material dar, welches sowohl die Entlade- als auch die Ladereaktion
optimal katalysiert und zu einer Erhöhung der Reaktionskonstanten führt. Oftmals bedarf es
ausgiebiger detaillierter Forschung die einzelnen Schritte eines katalytischen Prozesses genau zu
definieren und Materialien zu finden, welche über die elektronische oder Oberflächenstrukturierung
die einzelnen Teilschritte zu katalysieren. In dem 2D- Simulationsmodell, welches dieser Arbeit
zugrunde liegt, kann über zwei Methoden der Einfluss des Katalysators auf die Zellperformance
eingestellt werden. Der Symmetriefaktor β der Butler-Volmer-Gleichung (5.21) gibt an, ob die Lade-
bzw. Entladereaktion symmetrisch oder unsymmetrisch ablaufen, das bedeutet eine Reaktion
86
schneller als die entgegengesetzte abläuft. Die Variation des Symmetriekoeffizienten β von 0,5 auf 0,51
führt zu einem erheblichen Kapazitätsverlust. Ist β gleich 0,5 verlaufen Lade- und Entladereaktion
symmetrisch. Eine Änderung auf 0,51 begünstigt die Entladereaktion gegenüber der Ladereaktion,
somit ist die Reaktionskinetik für den Ladeprozess vermindert, der Ladevorgang also langsamer als der
Entladevorgang und ein Kapazitätsverlust bei zunehmender Zyklenzahl die Folge.
ABBILDUNG 5.16: Änderung des Symmetriefaktors zugunsten der Ladereaktion führt zu einem Kapazitätsverlust
bei zunehmender Zyklenzahl
Aber auch die Reaktionskonstanten kc und ka haben einen großen Einfluss auf die Batterieperformance.
In der folgenden Abbildung sind zwei Grenzfälle dargestellt. In Abbildung 5.17 (oben) illustriert der
braune Verlauf eine Halbierung der Reaktionskonstante für die Entladereaktion kc. Durch das Absenken
der Reaktionskonstante kc wird die Entladereaktion verlangsamt, deutlich erkennbar mit der blauen
Referenzkurve.
87
ABBILDUNG 5.17: Variation der Reaktionskonstanten in der Butler-Volmer-Gleichung zur Darstellung des
katalytischen Einflusses auf die Lade- und Entladeperformance
In Abbildung 5.17 (unten) wird eine Steigerung der Reaktionskonstante ka für die Ladereaktion um
100% simuliert. Es wird deutlich, dass durch die höhere Kinetik die Zyklenweite steigt. Eine Erhöhung
der Reaktionskonstante ka kann sogar dem Entgegengesetzten Symmetriefaktor entgegenwirken und
die Kapazitätsverluste bei zunehmender Zyklenzahl vermindert werden. Außerdem ist zu beobachten,
dass die Überspannung geringfügig gegenüber der blauen Referenzkurve abgesenkt wird, was die
Ladeeffizienz steigert.
Im Rahmen dieser Arbeit war es leider nicht möglich die Reaktionskonstanten experimentell zu
ermitteln, so dass in diesem Punkt anhand der getesteten Übergangsmetalloxide nur abgeschätzt
werden kann, welcher Katalysator mehr und welcher weniger für den Einsatz in LAB geeignet ist. In
diesem Fall dient das Simulationsmodell nicht als Prognose, es kann allerdings gezeigt werden, welcher
Parameter die Lade-bzw. Entladekurve beeinflusst.
88
5.4.4 Stromdichte
In Abbildung 5.18 ist zu sehen, dass mit einer Erhöhung der Stromdichte auch die Entladekapazität
sinkt. Ursache hierfür könnten auf der einen Seite mit steigender Stromstärke zunehmende Ohm’sche
Verluste sein, auf der anderen Seite könnte der Lithiumionentransport durch den höheren Strom
beschleunigt werden, während die Sauerstofflöslichkeitstendenz des Sauerstoffs im Elektrolyten
gleichbleibt. Somit ist eine Limitierung der Batteriereaktion auch bei weit höheren Strömen denkbar.
ABBILDUNG 5.18: Variation der Stromdichte und Einfluss auf die Entladeperformance
ABBILDUNG 5.19: Konzentrationsverlauf für die Sauerstoffmoleküle (links) und Lithiumionen (rechts) zu
unterschied-lichen Zeitpunkten des Entladevorgangs für unterschiedliche Stromstärken
89
Um diese Vermutung zu bestätigen, wurde mit Hilfe des Simulationsmodells der Konzentrationsverlauf
der Lithiumionen und Sauerstoffmoleküle dargestellt. Die x-Achse stellt hierbei die gesamte
Elektrodenbreite der Gasdiffusionselektrode dar. Am rechten Rand befindet sich die Boundary
Gasdiffusionselektrode/Sauerstoff, an der der Sauerstoff in die Batteriezelle hineinströmt und maximal
ist und in Richtung Separator absinkt. Die linke Boundary stellt die Grenzfläche zum Separator und
somit zum Lithiumreservoir dar. In der folgenden Abbildung 5.19 wird der Konzentrationsverlauf über
die Elektrodenbreite zur fünften, fünfundzwanzigsten und fünfzigsten Stunde der Entladung
dargestellt. Im direkten Vergleich fällt das Absinken der Sauerstoffkonzentration mit zunehmender
Stromstärke auf, während laut Simulationsmodell die Lithiumionenkonzentrationen konstant bleiben.
Somit sorgt die begrenzte Sauerstofflöslichkeit im Elektrolyten zu einer Kapazitätslimitierung, da das
Lithiumüberangebot nicht aufgenommen werden kann.
90
6. Betriebsparameter
ABBILDUNG 6.1: Zelltester für die LAB-Experimente; a) Gasflasche und Druckminderer, b) Testaufbau und
Verkabelung zum Potentiostat, c) Zellhalterungen und d) Anschlüsse für die Vierpunktmessung
Um den Einfluss der im Simulationsmodell identifizierten Parameter auf die Zellperformance
untersuchen zu können, wurden Testzellen im Knopfzellformat gefertigt. Einzelheiten zum Zellbau
können dem Experimentalkapitel entnommen werden. Alle Testzellen haben den identischen Aufbau
aus kohlenstoffbasierter Gasdiffusionselektrode, aprotischem Elektrolyt, keramischen Separator und
metallischer Lithiumfolie. Alle gefertigten Zellen werden anschließend an die Assemblierung in einer
Sauerstoffatmosphäre an einem Neware-Potentiostat zyklisiert.
Je nach Experiment variiert die eingestellte Zyklenzahl. In zahlreichen Vorexperimenten wurden die
Betriebsparameter für die Knopfzellen eruiert. Der Spannungsbereich für die Zyklentests lag anfangs
zwischen 2,5 V und 4 V. In einigen Experimenten wurde allerdings festgestellt, dass nach einem bis
zwei Zyklen die Zellen die obere Ladeschlussspannung nicht mehr erreichen können. Um eine bessere
Vergleichbarkeit zwischen den Zelltests zu ermöglichen wurde der Spannungsbereich auf 3,5 V bis
2,5 V begrenzt. Die Zellen wurden je nach experimenteller Fragestellung mit unterschiedlichen
Strömen im Bereich von 0,4 mA bis 1,6 mA zyklisiert. Das entspricht einer Stromdichte von 80 - 320
A/m².
91
Die Zelltests wurden in einer eigens dafür entworfenen und selbst gebauten Testbüchse durchgeführt.
Die Dose aus transparentem Kunststoff verfügt über einen Gaszustrom und einen Gasablass, die
manuell eingestellt werden können. Auf dem Deckel der Testdose befinden sich Zellhalter, sodass bei
permanentem Sauerstoffgasfluss 8 Zellen parallel zyklisiert werden können. Die Vielzahl an
Bananenbuchsen auf der Oberseite ermöglicht eine Vierpunktmessung für jede einzelne Zelle.
Abbildung 6.1 zeigt die Testdose für die Lithium-Luft-Batterie Experimente. Für die Experimente wird
reiner Sauerstoff von AirLiquide verwendet. Der Flaschendruck von 200 bar wird mittels
Gasdruckminderer auf 0,5 bar heruntergeregelt und das Gas in die Testbox geleitet. In der Box herrscht
ein kleiner Überdruck, durch Verwenden eines Ballons kann dieser aufrecht erhalten werden. Es wurde
festgestellt, dass die Zellen höhere Kapazitäten und eine bessere Performance aufweisen, wenn der
Sauerstoff mit Überdruck in die Testzellen gelangt. Durch diesen Überdruck ist es möglich alle Zellen
mit Sauerstoff zu versorgen, ohne dass Konzentrationsgradienten innerhalb der Testbox entstehen.
Dadurch sind die Ergebnisse vergleichbarer.
6.1 Ladeverfahren
Alle gefertigten LAB- Testzellen wurden mit einem CC-CV-Ladeverfahren im Spannungsbereich von
3,5 V – 2,5 V zyklisiert. So konnte gewährleistet werden, dass die Zellen in einem sicheren
Betriebsbereich zyklisiert werden konnten. Erhöhte Spannungen von ≥ 4 V stellen einen Grenzbereich
dar, in dem Zersetzungsprozesse des verwendeten Elektrolyten initiiert werden können, die mit
Nebenproduktbildung einhergehen kann. Kapazitätsverluste und schlechte Zyklenperformances sind
somit allein auf die interne Alterung oder andere Nebenprozesse, die nicht von der erhöhten Spannung
herrühren, zurückzuführen. Bei dem CC-CV-Ladeverfahren handelt es sich um ein zweigeteiltes
Verfahren, indem die Zelle einem konstanten Strom geladen wird, bis die eingestellte
Ladeschlussspannung erreicht wird. Anschließend wird die Spannung im weiteren Ladevorgang
konstant gehalten, damit die Zelle komplett vollgeladen werden konnte. Nach dem der Grenzstrom,
der in etwa 0,1 mA beträgt, erreicht ist, startet ein neuer Zyklus.
6.2 Fehlerbetrachtungen
CV-Grenzstrom
Im Idealfall ist die Zelle vollständig geladen, wenn der Strom am Ende der CV-Phase 0 A erreicht. Da es
sich hier um einen logarithmischen Verlauf handelt, ist es in der Praxis sehr umständlich und
zeitaufwändig bis zu diesem Punkt zu warten. Daher wird ein willkürlicher CV-Grenzstrom eingestellt,
der den Ladevorgang nach einer voreingestellten Zeit abbricht. Somit kann besonders bei
Mehrfachzyklusexperimenten ein Kapazitätsverlust auftreten, der allein auf diese Einstellung
zurückgeführt werden kann. In den meisten Fällen reicht es nach Abwägen von zeitlichem Aufwand
und technischem Nutzen den Grenzstrom niedrig wie möglich anzusetzen. Mit dem verwendeten
Potentiostat können minimal 0,1 mA eingestellt werden. Da die assemblierten Testzellen allerdings
mit sehr niedrigen Strömen von 0,4 mA bis 1,6 mA zyklisiert worden sind, ist das Verhältnis aus
Betriebsstrom und Grenzstrom doch recht groß. Somit sind allein aufgrund dieses Setups die Werte
mit einem gewissen Fehler behaftet.
92
Aufbau der Testbox
Bei der Realisierung der Testbox stand im Wesentlichen die Anzahl der parallel zyklisierbaren Zellen im
Vordergrund. Alle Zellen sollten gleich stark mit Sauerstoff umspült werden, um eine ideale
Sauerstoffdiffusion in die Zelle zu ermöglichen. Da der Aufbau relativ einfach gestaltet wurde, können
Undichtigkeiten in der Testbox nicht ausgeschlossen werden. Ebenso lässt sich der an den Luftlöchern
der Knopfzellen anliegende Gasdruck nicht bestimmen, da nur ein globaler Sauerstoffdruck über den
primären Gasdruckminderer eingestellt werden konnte. Die Menge an Sauerstoff, der in die Zellen
gelangt kann durch Position von der Zelle zum Gaseinfüllstutzen oder Strömungsturbulenzen in der
Messbox variieren. Inwieweit die Entladekapazitäten von diesen Irregularitäten beeinflusst werden,
kann nicht abgeschätzt werden. Um eine Vergleichbarkeit der einzelnen Messplätze zu gewährleisten,
wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten immer wieder Impedanzmessungen an Totzellen, leere
Knopfzellgehäuse ohne Aktivmassen, durchgeführt, um Fremdeinflüsse auf die Messungen
ausschließen zu können. Ebenso wurden die Messkabel für die Messkanäle rotiert, um feststellen zu
können, ob Messkabel oder Kontakte defekt waren.
Strombereichsumschaltung
Der Neware-Potentiostat hat eine interne Strombereichsumschaltung, die je nach Strombereich eine
interne Skalierung vornimmt. Die Genauigkeit des Messgerätes beträgt 5 µA. Besonders bei
Experimenten mit niedrigen Strömen, fällt dieser Fehler stärker ins Gewicht als bei Experimenten mit
höheren Strömen. In den durchgeführten Experimenten wurde ein Strom zwischen 0,4 – 1,6 mA
eingeprägt.
93
7. Experimentalteil
Dieses Kapitel widmet sich den experimentellen Arbeiten zur Synthese von porösen Kohlenstoffen und
der Herstellung der für die Folgeexperimente benötigten Gasdiffusionselektroden. Zunächst wird auch
die synthetischen Einzelheiten eingegangen, anschließend wird geschildert, wie Gasdiffusions-
elektroden im Labormaßstab gefertigt werden können und wie das Aktivmaterial der Kathode
analysiert werden kann.
7.1 Materialsynthese
Um den Einfluss der Porosität auf die Batterieperformance untersuchen zu können, wurden im
Rahmen dieser Dissertation Kohlenstoffe mit unterschiedlicher Porosität synthetisiert. Neben der
Qualität des Kathodenmaterials stand vor allem die Reproduzierbarkeit im Vordergrund. Um das
zukünftige Kathodenmaterial strukturieren zu können, wurde ein Templatverfahren angewendet.
Siliziumdioxid-Nanopartikel eigenen sich hierfür hervorragend, da sie formstabil sind und nach der
Materialsynthese rückstandsfrei entfernt werden können.
Als Kohlenstoffprecursor wurde eine Saccharoselösung verwendet. Zusammen mit den Siliziumdioxid-
Nanopartikeln entsteht ein viskoses Gemisch, indem die Nanopartikel komplett umschlossen werden.
Unter Schutzgas wurde diese Mischung kalziniert, sodass ein Kohlenstoff-Siliziumdioxid-Komposit
erhalten werden konnte. Durch Verwendung konzentrierter Kalilauge konnten die Siliziumdioxid-
Nanopartikel rückstandslos entfernt werden.
Der strukturierte Kohlenstoff wurde durch Verwendung mit konzentrierter Salpetersäure aktiviert und
anschließend mit geeigneten Katalysatorpulvern vermischt. Durch Zugabe von PTFE-Bindern und
Leitruß wurde ein Elektrodenslurry angemischt, der anschließend durch ein hydraulisches
Pressverfahren zur verwendungsfertigen Gasdiffusionselektrode verarbeitet wurde. Die Herstellung
der einzelnen Komponenten wird in diesem Kapitel gesondert aufgeführt.
7.1.1 Templatsynthese nach Stöber [STÖ68]
Experimentalvorschrift
In einem Rundkolben werden 1000 mL Ethanol (1000 mL) vorgelegt und auf 35°C erhitzt. Danach
werden Tetraethylorthosilikat (150 – 600 mmol/L) unter starkem Rühren hinzugegeben. Anschließend
werden deionisiertes Wasser (TEOS/H2O Verhältnis 5 -12,7) dem Reaktionsgemisch zugegeben. Nach
90 Minuten werden Ammoniaklösung (25 Vol.-%, 450 -2100 mmol/L) hinzugetropft. Nach 18 h wird
eine opal-schimmernde milchig-weiße Dispersion erhalten. Die Siliziumdioxid-Nanopartikel werden
nach Entfernen des Lösungsmittels erhalten.
94
Einstellung der Partikelgröße
Mit dieser Experimentalvorschrift ist es reproduzierbar möglich, monodisperse Nanopartikel in der
Größe von 40 – 310 nm herzustellen. Die Minimalkonzentration bei gleichem Lösungsmittelvolumen
liefert kleine, die Maximalkonzentration große Partikel.
Syntheseverlauf
Das folgende Reaktionsschema zeigt die Nanopartikelsynthese im Detail.
SCHEMA 7.1: Reaktionsschema für die Synthese von Siliziumdioxid-Nanopartikeln, [eigenes Werk]
Die Kondensationsreaktion von Tetraethylorthosilikat und Wasser in Ethanol läuft bei leicht erhöhten
Temperaturen basisch katalysiert ab. In der ammoniakalischen Lösung liegen formal
Ammoniumkationen und Hydroxidanionen vor. Das Kieselsäurederivat (1) wird am Siliziumzentrum
nucleophil angegriffen, sodass das Silanol (3) gebildet wird, während simultan die Silizium-Sauerstoff-
Bindung gespalten und ein Ethanolat freigesetzt wird, der unter Anwesenheit der Ammoniumionen
formal zu Ammoniak und Ethanol abreagiert (2). Bei der Hydrolyse entstehen nach Freisetzung aller
Ethanolate die Monokieselsäure (4).
Anschließend reagieren in einer Kondensationsreaktion der Kieselsäuremonomere (5) unter
Freisetzung von Wasser zu Kieselsäuredimeren (6). Alle vorhandenen Alkoholsubstituenten können im
Laufe der Reaktion zu Si-O-Si-Brücken kondensieren, sodass am Ende ein verzweigtes Netzwerk aus
Siliziumdioxidpartikeln (7) resultiert.
Partikelgrößen
Ein großer Vorteil dieser Synthese ist, dass die Partikelgröße gut eingestellt werden kann. Zudem
können Partikel mit einer hohen Monodispersität erhalten werden. Im Rahmen dieser Dissertation
wurden 3 verschiedene Partikelgrößen angestrebt, um unterschiedlich große Porenvolumina im
95
späteren Kohlenstoff erzeugen zu können. Allein durch Variation der Konzentration der Reaktanden
konnten reproduzierbar Nanopartikel im Größenbereich von 40 nm bis 310 nm synthetisiert werden.
Tabelle E2 illustriert die Konzentrationsübersicht der einzelnen Reaktanden, um bei gleichem
Lösungsmittelvolumen unterschiedlich große Nanopartikel erhalten zu können.
Stöber - Ansatz
Cmax
Chalb
Cmin
Volumen EtOH
500 mL
500 mL
500 mL
TEOS
290 mmol
185 mmol
80 mmol
NH3
1050 mmol
640 mmol
230 mmol
H2O
3680 mmol
1640 mmol
400 mmol
Partikelgröße
40 – 45 nm
180 – 200 nm
290 – 310 nm
TABELLE 7.2: Konzentrationsübersicht und erzielbare Partikelgröße
ABBILDUNG 7.3: REM-Aufnahmen der erhaltenen Siliziumdioxid-Nanopartikel, a) Cmin, b) Chalb und c) Cmax
ABBILDUNG 7.4: Erhaltene Dispersionen je nach Konzentrationsunterschied, a) Cmin, b) Chalb und c) Cmax
a)
b)
c)
a)
b)
c)
96
7.1.2 Synthese des Kohlenstoffes
Als Kohlenstoffprecursor kommen mehrere Verbindungen in Betracht. So wurde unter anderem
versucht, durch eine Polymerisation von Phenol und Formaldehyd in Schwefelsäure bei 130 °C einen
duroplastischen Phenoplast in der Nanopartikeldispersion zu erzeugen. Allerdings wurde dadurch kein
homogen strukturierter Kohlenstoff erzeugt, Teile des Bakelits waren homogen, andere Teile gar nicht
strukturiert. Aufgrund der einfacheren Handhabung wurde eine Saccharoselösung hergestellt, die im
Verhältnis 1:1 mit den erhaltenen Nanopartikeln vermischt wurde. Es wurde eine stark viskose
Precursormasse erhalten, in der die Partikel vollständig umhüllt waren und so für eine homogene
Nanopartikelverteilung in der Precursormasse gesorgt haben. Anschließend wurde die Masse im
Schutzgasofen kalziniert und die Nanopartikel anschließend mit Kalilauge entfernt.
Experimentalvorschrift
Siliziumdioxid-Nanopartikel (50 g) wurden mit Saccharose (50 g) und Wasser (50 mL) vermischt.
Zusätzlich wurden Ethanol (17 mL) zu der Mischung hinzugegeben und homogen verrührt. Das
Lösungsmittel wurde anschließend am Rotationsverdampfer entfernt, sodass eine klebrig-hochviskose
Masse erhalten wurde. Diese wurde in ein Glühschiffchen gegeben und im Schutzgasofen unter
Stickstoff für 5 h bei 550 °C kalziniert. Der erhaltene Kohlenstoff-Siliziumdioxid-Komposit wurde
anschließend in ein Kalilaugebad (10 M) überführt und 48 h in diesem belassen. Anschließend wurde
die Kalilauge abgefiltert und der Kohlenstoff sorgfältig mit Wasser neutral gewaschen. Es wurde ein
hochstrukturierter Kohlenstoff erhalten, der mittels BET-Isotherme und Rasterelektronenmikroskopie
charakterisiert wurde.
Porositätsmessung und Ergebnisse
Nach der Entfernung der Siliziumdioxid-Nanopartikel aus dem Siliziumdioxid-Kohlenstoff-Komposit
konnten hochporöse Kohlenstoffe erhalten werden. Tabelle E5 illustriert die Ergebnisse der BET-
Analyse.
Analytik
Cmax
Chalb
Cmin
aktive Oberfläche
279,93 m²/g
311,21 m²/g
461,89 m²/g
Porengröße via REM
300-310 nm
180-200 nm
35-40 nm
TABELLE 7.5: Ergebnisse der Kohlenstoffcharakterisierung
In Abbildung 7.6 ist eine REM- Aufnahme des Kohlenstoff-Siliziumdioxid-Komposits zu sehen, die den
Strukturierungsvorgang durch Verwendung der Siliziumdioxid-Nanopartikel veranschaulicht. Es ist
deutlich erkennbar, wie der Kohlenstoff die Siliziumdioxid-Nanopartikel umschließt und
Hohlkugelabdrücke im Kohlenstoff verbleiben. Nach Entfernen der Siliziumdioxid-Nanopartikel mit
konzentrierter Kalilauge (10 M) werden homogen strukturierte Materialien erhalten, wie die beiden
folgenden Abbildungen 7.7 und 7.8 veranschaulichen.
97
ABBILDUNG 7.6: REM-Aufnahme des Siliziumdioxid-Kohlenstoff-Komposits
ABBILDUNG 7.7: REM-Aufnahme des großporigen Kohlenstoffs
98
ABBILDUNG 7.8: REM-Aufnahme des kleinporigen Kohlenstoffs
Die REM-Aufnahmen zeigen, dass das Templatverfahren mit der Verwendung von kolloidalen
Siliziumdioxid-Nanopartikeln mit verschiedenen Durchmessern zu gleichmäßig strukturierten Proben
führt. Die Größe der Hohlkugeln entspricht exakt denen der verwendeten Siliziumdioxid-Template.
99
7.2 Vom Kohlenstoff zur Gasdiffusionselektrode
Komponente
Material
Gewichtsprozent
Masse
Kohlenstoff
Aktivkohle (Fa. Merck, CAS.: 7440-44-0),
synthetisierter Kohlenstoff
75 Gew.-%
15 mg
Leitruß
Vulcan XC 72 (Fa. Cabot)
5 Gew.-%
1 mg
Bindemittel
PTFE-Pulver (Fa. Daikin)
10 Gew.-%
2 mg
Katalysator
Co3O4, Ni2O3, Fe2O3, Mn3O4
10 Gew.-%
2 mg
Summe Aktivmaterial
100 %
20 mg
Ableiter
Edelstahlgaze (Fa. Riffert)
35 mg
Masse der Gasdiffusionselektrode
55 mg
TABELLE 7.9: Bestandteile und Massenanteile einer Gasdiffusionselektrode
Um den synthetisierten Kohlenstoff als Aktivmaterial in den Lithium-Luft Zellen einsetzen zu können,
müssen noch einige Additive hinzugegeben werden, um die finale Elektrode zu erhalten. Es werden
noch der Katalysator, das Bindemittel und Leitruß hinzugefügt, um das finale Aktivmassenpulver zu
erhalten, welches anschließend in Elektrodenform gepresst wird. Die Aktivmaterialmasse wurde mit
einem Pulvermischverfahren hergestellt. Dazu wurden alle Komponenten in ein Becherglas gegeben
und mit einem Magnetrührer für 24 h bei 500 Umdrehungen pro Minute gemischt. In Tabelle 7.9
werden alle verwendeten Komponenten und ihre Gewichtsanteile aufgelistet, um eine
Gasdiffusionselektrode zu erhalten. Die finale Aktivmaterialmasse wurde anschließend auf ein
ausgestanztes Stück Edelstahlgaze aufgetragen und die finale Gasdiffusionselektrode mit einem
hydraulischen Pressverfahren gefertigt.
7.2.1 Katalysator
In der Literatur wurden zahlreiche Reagenzien, Metalle und Metallverbindungen diskutiert, die als
Katalysator in Frage kommen, um die Überspannung der Lithium-Luft-Zelle abzusenken und somit die
Zellperformance steigern zu können. Dies wurde bereits ausführlich im Einleitungsteil dieser Arbeit
berichtet.
Übergangsmetalloxide stehen hierbei besonders im Vordergrund, da sie günstig zu beschaffen und
ohne speziellen Laboraufwand zu verarbeiten sind. Als Katalysatormaterial wurden die kommerziellen
Übergangsmetalloxidpulver Co3O4, Ni2O3, Fe2O3 und Mn3O4 der Firma Sigma Aldrich mit einer Reinheit
von >99,9 % verwendet.
100
7.2.2 Binder
Um das Aktivmaterial in der Gasdiffusionselektrode zu fixieren und der Elektrode eine mechanische
Stabilität zu geben, wurde ein PTFE-Pulver der Fa. Daikin (Polyflon PTFE F201) verwendet. Durch
Verwendung dieses Teflon-haltigen Binders waren die Elektroden nach dem Pressen leicht biegsam
und gleichzeitig mechanisch stabil, um ein Verrutschen oder Ablösen des Aktivmaterials beim Zellbau
oder den späteren Zelltests zu verhindern.
7.2.3 Leitruß
Um die Leitfähigkeit der Elektrode zu erhöhen, wurde der Aktivmaterialmasse Carbon Black im
Pulvermischverfahren hinzugegeben. Leitruß kommt häufig in der Elektrodenfertigung zum Einsatz
und wurde in dieser Arbeit standardmäßig eingesetzt. Wie stark die Leitfähigkeitssteigerung durch die
Zugabe beeinträchtig wird, wurde nicht ermittelt. Es wurde auch keine Blindprobe ohne Leitruß
hergestellt.
7.2.4 Ableiter
Als Ableitermaterial wurde eine Edelstahlgaze der Fa. Riffert (Edelstahl 1.4401, Drahtstärke 0,035 mm,
Maschenweite 0,05 mm) verwendet. Die Gaze wurde in kreisrunde Plättchen mit einem Durchmesser
von Ø = 13 mm gestanzt. Neben der Verbesserung des elektrischen Stromflusses an der Kathodenseite,
dient der Ableiter vor Allem als Stützmatrix um die Aktivmasse in eine mechanisch stabile Form bringen
zu können. Während häufig Nickel oder Kupfer als Ableitermaterialien verwendet werden, wurde hier
auf Edelstahl gesetzt, der den Anforderungen an den Zellbau komplett gerecht werden konnte.
7.2.5 Hydraulisches Pressverfahren
Die GDEs wurden mit einem Presswerkzeug von Ø = 13 mm in einer hydraulischen Presse der Firma
Perkin Elmer mit einem Druck von 2,5 t/cm² verpresst. Mit dieser Belastung wurde das Aktivmaterial
von allen Seiten mit Hilfe einer Heißluftpistole der Firma Steinel für jeweils 1 Minute erhitzt. Durch die
Erwärmung schmilzt das Bindemittel und verklebt die unter dem Pressdruck verdichtete Aktivmasse.
Nach dem Erkalten wurde eine mechanisch stabile Elektrode erhalten, die anschließend in Testzellen
verbaut wurde. Die Abbildung 7.10 illustriert den Herstellungsprozess für die Gasdiffusionselektrode,
Abbildung 7.11 den Pressvorgang an sich. Nach dem Pressvorgang konnten je nach verwendetem
Aktivmaterial homogene Gasdiffusionselektroden erhalten werden. Die Stärke der hergestellten GDEs
beträgt 250 μm.
101
ABBILDUNG 7.10: Herstellung von Gasdiffusionselektroden in einem Presswerkzeug für ein hydraulisches
Pressverfahren: (1) Aufnahme, (2) Grundkörper, (3) Pressplatte, (4) Ableitergaze, (5) Aktivmaterialmasse, (6)
Spatel, (7) Pressstempel und fertig zusammengesetztes Presswerkzeug (rechts)
ABBILDUNG 7.11: In der hydraulischen Presse eingespanntes Presswerkzeug unter Belastung (links), gleichmäßiges
Erhitzen von allen Seiten mit einem Heißluftföhn (rechts)
ABBILDUNG 7.12: Nach dem Pressvorgang erhaltene Gasdiffusionselektroden mit jeweils abweichenden
Aktivmaterial (a) großporiger Kohlenstoff, (b) kleinporiger Kohlenstoff und (c) Aktivkohle
a)
b)
c)
102
7.3 Materialcharakterisierung der Gasdiffusionselektroden
Nach dem Pressvorgang wurden die Gasdiffusionselektroden mittels Rasterelektronen-mikroskopie
und energiedispersiver Röntgenspektroskopie charakterisiert, um die Materialstruktur und -
zusammensetzung nach dem Pressvorgang zu identifizieren.
ABBILDUNG 7.13: REM-Übersichtsaufnahme einer GDE bestehend aus großporigem Kohlenstoff und Manganoxid-
Katalysator (Mn3O4)
ABBILDUNG 7.14: REM-Aufnahme der großporigen GDE; die Katalysatorpartikel (weiß) sind deutlich zu erkennen
103
ABBILDUNG 7.15: 10000-fache Vergrößerung; klar zu erkennen sind die etwa 350 nm großen Poren und Fäden des
PTFE-Binders, die die Probe verkleben
ABBILDUNG 7.16: EDX-Messung einer Aktivkohle-GDE mit Eisen(III)-oxid-Katalysator; a) REM-Aufnahme der GDE-
Oberfläche, b) Einfärbung der Kohlenstoffmatrix und Hervorhebung der Sauerstoff-haltigen Areale,
c) Einfärbungen und Hervorhebung der Eisen- bzw. Sauerstoff-haltigen Areale und d) Röntgenspektrum.
104
Die gepressten Elektroden wurden mittels energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDX)
charakterisiert, um Aufschlüsse über die Materialzusammensetzung zu erhalten. In jedem Teilbild der
Abbildung 7.16 ist dieselbe Probenoberfläche zu sehen, die je nach eingestelltem Filter anders
eingefärbt worden ist. Es ist zu erkennen, dass über die gesamte Probenoberfläche helle Partikel
verteilt sind. Nach Einstellen des Sauerstofffilters wird deutlich, dass nur die Partikel Sauerstoff
enthalten. Da bei der Herstellung des GDE-Slurrys nur der Katalysator Fe2O3 Sauerstoff in gebundener
Form enthielt, ist davon auszugehen, dass die blau hervorgehobenen Areale den Katalysator zeigen.
Für eine allumfassende Aussage wurde zusätzlich der Eisenfilter aktiviert. Bild c) zeigt, dass besonders
in den Sauerstoffarealen eine vermehrte Ansammlung an Eisenatomen festgestellt werden kann.
ABBILDUNG 7.17: EDX-Messung einer Aktivkohle-GDE mit Nickel (III)-oxid-Katalysator, a) REM-Aufnahme der GDE-
Oberfläche, b) Einfärbung der Kohlenstoffmatrix und Hervorhebung der Sauerstoff-haltigen Areale,
c) Einfärbungen und Hervorhebung der Nickel-haltigen Areale und d) Einfärbung der Kohlenstoff- und Fluor-
haltigen Areale.
Allerdings ist in Bild c) erkennbar, dass auch die Areale dazwischen orange aufleuchten. Da Eisen aber
nur in der Form des Katalysators zur Probe hinzugefügt wurde, muss es sich um einen Irrtum handeln.
Bild d) zeigt, dass die K-Linie des Fluors und die L-Linie des Eisens im ähnlichen Bereich des Spektrums
anzutreffen sind und sich überlagern. Das bedeutet, dass Areale als Eisen-haltig dargestellt werden,
die eigentlich Fluor enthalten. Das Bindemittel für die Herstellung des GDE-Slurrys ist PTFE, ein
fluoriertes Polymer, von dem die Signale stammen. Würde man die Messung mit höheren Energien
durchführen, sodass, nicht mehr die K-Linie des Fluors und die L-Linie des Eisens zusammenfallen,
könnte man diese irrtümliche Verfärbung vermeiden. Allerdings hätte dies eine schlechtere Auflösung
der Probenoberfläche zur Folge, da sich die Streuvolumina nahe beieinander befindlicher Messpunkte
105
überlagern würden, siehe Kapitel 5. Diese Problematik besteht bei der Röntgenspektroskopie der
Nickel-haltigen GDE in Abbildung 7.17 nicht. Beim Vergleich der Messungen b) und c) fällt die
Übereinstimmung der Sauerstoff- und Nickel-haltigen Areale auf, die vom beigefügten
Katalysatorpulver stammen. Generell ist festzustellen, dass im Vergleich zu Abbildung 7.16 der
Katalysator deutlich feiner verteilt ist. Messung d) veranschaulicht die homogene Verteilung des Fluor-
haltigen Binders mit der Kohlenstoffmatrix. Das im oberen Abschnitt erwähnte Pulvermischverfahren
eignet sich gut für die Herstellung der Gasdiffusions-elektroden. Weitere EDX-Mappings sind im
Appendix, Kapitel 12 zu finden.
7.4 Zellassemblierung
Die benötigten Komponenten um eine funktionsfähige Knopfzellbatterie des Typs 2032 werden in
Tabelle 7.18 aufgeführt. Das Casing, die Feder und der Spacer bestehen aus hochwertigem Stahl, für
den Betrieb der Testzelle wurden keramische Separatoren der Fa. Freudenberg (Ceramic Separator F-
Serie) verwendet. Abbildung 7.19 illustriert die Zellbestandteile, die mittels der in Abbildung 7.20
gezeigten Knopfzellpresse zu funktionierenden Knopfzellbatterien assembliert werden. Der Elektrolyt
wird während des Fertigungsprozesses zwischen den Separatoren und Aktivmassen mittels einer
Eppendorf-Pipette eingebracht.
Komponente
Maße
Masse
Anzahl
Zellbecher (Container)
19.5 mm x 3.00 mm
850 mg
1
Feder (Spring)
15.5 mm x 1.50 mm
240 mg
1
Abstandshalter (Spacer)
16.0 mm x 1.00 mm
1600 mg
1
Anodenmaterial
10.0 mm x 0.15 mm
10 mg (25 mg)
1
Separator
16.5 mm x 0.02 mm
5 mg
2
Elektrolyt
-
60 mg
3 x 25 μL
Gasdiffusionselektrode
16 (13) mm x 0.25 mm
145 mg (60 mg)
1
Gelochter Zelldeckel
20.0 mm x 3.20 mm
875 mg
1
Gesamt für die Standardbauweise
3790 mg
Gesamt für die Alternativbauweise
3720 mg
TABELLE 7.18: Zellkomponenten für die Fertigung der LAB- Testzellen, der in Klammern stehende Wert beschreibt
die Alternativbauweise
ABBILDUNG 7.19: Zellbestandteile einer Knopfzellbatterie vom Typ 2032, (a) Container, (b) Feder, (c) Spacer, (d)
Lithiummetallfolie, (e) Separator, (f) Gasdiffusionselektrode und (g) gelochter Zelldeckel
106
Für den Pressvorgang wurden alle in Abbildung 7.19 abgebildeten Komponenten in der Reihenfolge
(A-G) übereinandergeschichtet. Um Beschädigungen im Zellinneren bei Pressvorgang zu minimieren
wurden 2 Separatoren übereinandergeschichtet. Insgesamt wurden 75 μL Elektrolyt für die Herstellung
einer Testzelle verwendet. Zwischen der negativen Aktivmasse und dem ersten Separator, zwischen
dem ersten und dem zweiten Separator und zwischen dem zweiten Separator und der
Gasdiffusionselektrode wurden jeweils 25 μL Elektrolyt eingebracht. Anschließend wurden alle
Komponenten mit einer Knopfzellpresse der Firma Micronanotools und einem Pressdruck von 1t /cm²
verpresst.
ABBILDUNG 7.20: Knopfzellpresse zum Assemblieren der Knopfzellen des Typs 2032 und fertige LAB-
Knopfzellbatterie
7.4.1 Verwendete Gasdiffusionselektroden
Neben den selbst hergestellten Gasdiffusionselektroden, deren Herstellung im vorherigen Kapitel 7.2
beschrieben wird, wurden auch kommerzielle Gasdiffusionselektroden der Firma Gaskatel mit
Manganmischoxid-Katalysator als Referenz eingesetzt. Diese hatten eine mittlere Masse von 145 mg
und einen Durchmesser von Ø = 16 mm. Vor allem für die Elektrolyttests und die Experimente zur
Stromdichtenvariation wurden diese GDEs verwendet. Für die Parameterstudie zum Einfluss der
Porosität oder der Wahl des Katalysators wurden selbst hergestellte Gasdiffusionselektroden
eingesetzt, welche eine mittlere Masse von 60 mg und einen Durchmesser von Ø = 13 mm aufweisen.
Der Durchmesser der selbst hergestellten GDEs ist durch die Größe des Presswerkzeuges begrenzt und
konnte deswegen nicht größer gestaltet werden.
7.4.2 Verwendete Anodenmaterialien
Für alle durchgeführten Experimente wurde Lithiumfolie der Firma Goodwell verwendet. Die etwa
2 cm breiten und 50 cm langen Lithiumstreifen wurden mit einem 10 mm- Locheisen ausgestanzt. Die
Lithiumfolienstücken hatten eine mittlere Masse von 10 mg und einen Durchmesser von Ø = 10 mm.
107
7.4.3 Spacermaterial
Für alle elektrischen Tests im Rahmen dieser Dissertation wurden in den gebauten Knopfzellen
standardmäßig Spacer aus Stahl eingesetzt. In den Tomographieexperimenten zeigte sich allerdings,
dass durch das stark absorbierende Verhalten des Stahls, die Auflösung der interessanten
Strukturmerkmale eher ungenügend war. Deswegen wurden in den Testzellen, die tomografiert
worden sind, Lithium als Abstandshalter eingesetzt.
7.5 Experimentalübersicht
Für alle selbst hergestellten Gasdiffusionselektroden wurde die oben beschriebene
Experimentalvorschrift eingehalten. Die folgende Versuchsplanung veranschaulicht die den
experimentellen Ablauf und schildert den wissenschaftlichen Fokus auf die einzelnen Experimente.
Diese können in einen materialchemischen und einen betriebsparametrischen Schwerpunkt unterteilt
werden. Die einzelnen Experimente werden später gesondert aufgeführt und im Einzelnen erläutert.
Im 2D-Simulationsmodell, welches im vorangegangenen Kapitel erläutert wurde, wurden 4 Material
und Testparameter identifiziert, die für die Performance der Zelle und die Kapazitätssteigerung der
LAB identifiziert wurden. Dazu gehören:
1. Porosität der GDE
2. Katalysatormaterial
3. Elektrolytart
4. Stromdichte
Um untersuchen zu können, welchen Einfluss diese Parameter auf das Gesamtsystem haben wurde
ein Versuchsplan erstellt, der in der folgenden Tabelle 7.22 veranschaulicht wird. Vor der
Parameterstudie wurden zahlreiche Vorexperimente durchgeführt, um die Fertigung zu optimieren
und eine höhere Vergleichbarkeit der Testzellen zu erreichen.
Legende
Beschreibung
Carbonat-Elektrolyt
Ethylencarbonat-Dimethylcarbonat (50:50) 1 M LiPF6
Ether-Elektrolyt
TEGDME 1 M LiPF6
Sulfoxid-Elektrolyt
Dimethylsulfoxid 1 M LiTFSI
Amid-Elektrolyt
Dimethylacetamid-Sulfolan (80:20) 1 M LiTFSI
GDEStandard
kommerzielle Gasdiffusionselektrode der Firma Gaskatel
GDEmax
Verwendung Siliziumdioxidpartikel Cmax (Poren ≈ 300 – 310 nm)
GDEhalb
Verwendung Siliziumdioxidpartikel Chalb (Poren ≈ 180 – 200 nm)
GDEmin
Verwendung Siliziumdioxidpartikel Cmin (Poren ≈ 35 – 40 nm)
GDEAktivkohle
kommerzielle Aktivkohle
MnOx
Manganmischoxid-Katalysator
TABELLE 7.21: Materialvariationen
108
Experiment
Elektrolyt
Anzahl
Testzellen
Gasdiffusions-
elektrode
Katalysator
Stromstärke
[mA]
Elektrolyt
(Kapitel 8.2.1)
Carbonat
16
GDEStandard
MnOx
0.4
Ether
16
GDEStandard
MnOx
0.4
Sulfoxid
16
GDEStandard
MnOx
0.4
Amid
16
GDEStandard
MnOx
0.4
Porosität
(Kapitel 8.2.2)
Amid
16
GDEmax
MnOx
0.4
Amid
16
GDEhalb
MnOx
0.4
Amid
16
GDEmin
MnOx
0.4
Ablagerung
von Li2O2
(Kapitel 8.5)
Amid
2
GDEmax
MnOx
0.4
Amid
2
GDEmin
MnOx
0.4
Amid
2
GDEmax
MnOx
1.2
Amid
2
GDEmin
MnOx
1.2
Tomographie
Anode
(Kapitel 8.4)
Amid
4
GDEStandard
MnOx
0.4
Amid
4
GDEStandard
MnOx
0.8
Amid
4
GDEStandard
MnOx
1.2
Katalysator
(Kapitel 8.2.3)
Amid
4
GDEAktivkohle
Fe2O3
0.4
Amid
4
GDEAktivkohle
Co3O4
0.4
Amid
4
GDEAktivkohle
Ni2O3
0.4
Amid
4
GDEAktivkohle
Mn3O4
0.4
Stromdichte
(Kapitel 8.2.4)
Amid
4
GDEStandard
MnOx
0.4
Amid
4
GDEStandard
MnOx
0.8
Amid
4
GDEStandard
MnOx
1.2
Amid
4
GDEStandard
MnOx
1.6
TABELLE 7.22: Experimentalübersicht
8. Auswertung und Diskussion
Im kommenden Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Zelltests präsentiert und ausgewertet. Die
in Kapitel 5 präsentierten Ergebnisse der Simulation werden anschließend mit den Ergebnissen der
Zelltests verglichen. Hierbei sollen die deutlichen Unterschiede zwischen Simulation und Experiment
aufgegriffen und interpretiert werden. Nachfolgend werden einige post-mortem-Analysen
ausgewertet, es wird auf Materialveränderungen während des Zellbetriebs eingegangen und die
Auswirkungen auf die gesamte Zellperformance analysiert.
8.1 Ergebnisse der Zelltests
Basierend auf den Ergebnissen der Simulation wurden die folgenden Testzellexperimente geplant und
in den Versuchen der entsprechende Parameter variiert. Die Experimente gliedern sich in Elektrolyt-,
Porositäts-, Katalysator- und Stromdichteexperimente.
109
8.2.1 Elektrolyttests
Wie bereits ausführlich im Kapitel 3 Literaturteil betrachtet wurde, ist die Wahl des Elektrolyten für
den Bau von LAB-Testzellen essenziell. Auch wenn bis heute kein aprotisches Lösungsmittel gefunden
wurde, welches so stabil ist, dass ein ganzheitlich sicherer Betrieb von Lithium-Luft-Batterien möglich
ist, weisen Elektrolyte auf aprotischer Basis ein mehr oder weniger stabiles Zeitfenster auf, in denen
Zelltests ohne Zersetzung des Lösungsmittels möglich sind.
Die Mechanismen der Elektrolytzersetzung sind vielfältig und werden von der Bildung unerwünschter
Nebenprodukte begleitet, die zu irreversiblen Kapazitätseinbußen führen können. Da sich bereits bei
der Erstellung des Simulationsmodells der Elektrolyt als eine der wichtigsten Zellbestandteile für einen
verlässlichen Zellbetrieb herausgestellt hat und für die Evaluierung der anderen Material- und
Betriebsparameter ein mehr oder weniger stabiler Elektrolyt erforderlich ist, wurden zunächst
Testzellen gebaut, in der die folgenden vier aprotischen Elektrolyte getestet wurden, die in Tabelle 8.9
aufgelistet wurden.
Wie im Kapitel 3.2.4 ausführlich über die Stabilität der Elektrolyte eingegangen wird, so sollten im
Rahmen dieser Arbeit auch mehrere Elektrolytklassen auf Ihre Eignung in Lithium-Luft-Batterien hin
untersucht werden. Im Grundlagenteil dieser Arbeit werden die unterschiedlichen Literaturstellen
zitiert auf welche Art und Weise die Elektrolyte zersetzt werden und warum manche funktionellen
Gruppen in den Lösungsmittelmolekülen eine höhere Stabilität besitzen als andere. Um ein Spektrum
aus geeigneten und ungeeigneten Elektrolyten aufzeigen zu können, wurde auch ein Carbonat-haltiger
Elektrolyt getestet, der in Lithium-Ionen-Batterien Anwendung findet, sich allerdings im stark
oxidativen Milieu zersetzt. In der Literatur werden auch Sulfoxid-haltige und Ether-haltige Elektrolyten
als attraktive Elektrolytklassen präsentiert. Der in der gesamten Literaturrecherche am besten
geeignete Elektrolyt scheint eine Amid-Sulfolan-basierte Elektrolytmischung darzustellen, welche
ebenso in dieser Arbeit getestet werden soll.
Elektrolyt
Lösungsmittel 1
Lösungsmittel 2
Mischungsverhältnis
Leitsalz
Carbonat-haltig
Ethylencarbonat
Dimethylcarbonat
(1:1)
1 M LiPF6
Sulfoxid-haltig
Dimethylsulfoxid
-
-
1 M LiPF6
Ether-haltig
TEGDME*
-
-
1 M LiTFSI
Amid-haltig
Dimethylacetamid
Sulfolan
(8:2)
1 M LiTFSI
TABELLE 8.9: getestete aprotische Elektrolyte; *Tetraethylenglycoldimethylether
Ergebnisse der Zelltests
Jeder der oben aufgeführten Elektrolyte wurde in einer Testzelle eingesetzt und die assemblierten
Zellen unter den gleichen Bedingungen für 5 Zyklen zyklisiert. In der folgenden Abbildung 8.10 werden
der Spannungs- (rot) und Stromverlauf (blau) für die unterschiedlichen Elektrolyte beispielhaft
dargestellt.
110
ABBILDUNG 8.10: Zyklisierung von LABs mit unterschiedlichen aprotischen Elektrolyten
Während mit dem Sulfoxid-haltigen Elektrolyten gar keine Zyklen möglich sind, unterscheiden sich die
anderen drei Elektrolyte deutlich in ihrer Zyklenweite und Entladeperformance. Bei den verbleibenden
drei Elektrolyten fällt ein Kapazitätsverlust mit zunehmender Zyklenzahl auf, der bei dem Carbonat-
haltigen Elektrolyt besonders stark ausgeprägt ist. Während nach 5 Stunden die Zelle die 5 Zyklen
gefahren hat, endet bei der LAB mit dem Ether-haltigen Elektrolyten der fünfte Zyklus nach etwa 8
Stunden. Die beste Performance zeigt der Elektrolyt, der eine Mischung aus Dimethylacetamid und
Sulfolan darstellt. Der fünfte Zyklus endet nach 30 Stunden. Die Testzelle mit dem DMSO-haltigen
Elektrolyten erreichte auch nach 30 Stunden Entladung nicht die untere Spannungsgrenze von 2,5 V.
Entweder ist der Entladevorgang bis dahin noch nicht abgeschlossen oder eine andere bauliche oder
messtechnische Ursache führt zu dem unerwarteten Entladeverhalten.
Eine detaillierte Übersicht der erzielten Entladekapazitäten wird außer für den Sulfoxid-haltigen
Elektrolyten, in der folgenden Tabelle 8.11 aufgeführt.
Elektrolyt
Zyklus 1
Zyklus 2
Zyklus 3
Zyklus 4
Zyklus 5
C [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
Carbonat-haltig
102,4
10,4
5,4
3,0
1,7
Ether-haltig
39,6
29,6
27,8
25,5
24,8
Amid-haltig
305,2
296,3
57,7
40,7
46
TABELLE 8.11: Zyklenspezifische Werte für LAB-Testzellen mit verschiedenen aprotischen Elektrolyten
Bei Betrachtung der Zyklen-bezogenen Werte zeigt, dass für den Carbonat-haltigen Elektrolyten die
Zyklenweite sehr stark abnimmt und dass im zweiten Zyklus nur noch etwa 10% der ursprünglichen
Kapazität erreicht werden können. Dieser Trend setzt sich fort. Mit jedem weiteren Zyklus wird die
Entladekapazität in etwa halbiert. Die baugleiche Testzelle, die mit dem Ether-haltigen Elektrolyten
betrieben wurde, zeigt eine deutlich geringere Entladekapazität verglichen mit den beiden anderen
Elektrolyten. Allerdings fällt der Kapazitätsverlust pro Zyklus deutlich geringer aus, im zweiten Zyklus
111
werden immerhin noch zwei Drittel der Ursprungskapazität erzielt. Der Amid-haltige Elektrolyt konnte
die höchsten Entladekapazitäten aller durchgeführten Zelltests erzielen. Im zweiten Zyklus wird fast
die identische Entladekapazität wie zu Beginn der Messung erreicht. Dennoch setzt ab dem dritten
Zyklus ein starker Kapazitätsverlust ein, der etwa ein Sechstel des vorangegangenen Zyklus entspricht.
Allerdings fällt der fortschreitende Kapazitätsverlust deutlich moderater als zum Beispiel bei dem
Carbonat-haltigen Elektrolyt aus. In der folgenden Auftragung 8.12 wird exemplarisch nochmal der
erste Zyklus aller gebauten Testzellen verdeutlicht, sodass der Einfluss des Elektrolyten auf die
Zellperformance deutlich zu erkennen ist.
ABBILDUNG 8.12: Erster Zyklus des Spannungs-Zeit-Verlaufs für die vier getesteten aprotischen Elektrolyte
Resting-Experiment
Um zu untersuchen, welche Ursache der Performanceunterschied bei den verwendeten Elektrolyten
zugrunde liegt, wurden 4 weitere Testzellen mit den vier aprotischen Elektrolyten gefertigt und für
80 h ohne Last kontaktiert. Die Zellen wurden bewusst nicht zyklisiert, um zu untersuchen, ob der
Performanceunterschied in Abbildung 8.10 auf Messparameter oder auf parasitäre Reaktionen
zurückgeführt werden können, die beim alleinigen Kontakt der Aktivmassen in der assemblierten
Batteriezelle ablaufen und den Zyklisierungsvorgang überlagern. Abbildung D8 illustriert den
Spannungsverlauf für die vier getesteten aprotischen Elektrolyte, ohne dass die Zellen zyklisiert, also
nur gerestet werden.
Das Resting-Experiment zeigt einen deutlichen Spannungseinbruch sowohl für den Carbonat-haltigen
als auch für den Sulfoxid-basierten Elektrolyt im ersten Drittel des Experimentes. Während die
Spannung bei der Sulfoxid-haltigen Zelle nach etwa 20 Stunden eine Spannungsdifferenz von etwa
0.5 V aufweist, steigt die Spannung danach wieder an und erreicht nach 50 Stunden die normale
Ruhespannung von 3.2 V für Lithium-Luft-Zellen. Im Vergleich hierzu sinkt die Spannung des Carbonat-
112
ABBILDUNG 8.13: Resting-Experiment; die vier Testzellen werden über 80 h kontaktiert und der Spannungsverlauf
aufgezeichnet.
haltigen Elektrolyts bereits nach 10 Stunden auf die maximale Spannungsdifferenz von etwa 1.0 V zur
Ausgangsspannung von 3.2 V und steigt danach über die gesamte Dauer des Experiments
kontinuierlich an, ohne die ursprüngliche Spannung wieder zu erreichen. Parallel dazu behalten der
Ether- und der Amid-haltige Elektrolyt über die gesamte Dauer des Experiments ihre Anfangsspannung
von etwa 3.2 V bei. Unter Berücksichtigung des Zyklentests weist der Amid-haltige Elektrolyt die beste
Performance auf und eignet sich aufgrund der störungsfreien Performance am besten für den Bau und
den Betrieb der LAB-Testzellen für diese Arbeit.
Eine mögliche Erklärung für die schlechte Zyklenperformance in Abbildung 8.10 für den Carbonat-
haltigen Elektrolyten könnte eine mit der Zeit fortschreitende Elektrolytzersetzung sein. Auch das
Resting-Experiment (Abbildung 8.13) zeigt einen starken Spannungseinbruch. Der Elektrolyt könnte
durch das hochreaktive Lithium reduktiv zersetzt werden, wie schon in der Literatur berichtet werden
konnte. [YAO16] Entstehende Neben- oder Zersetzungsprodukte können sich in der
Gasdiffusionselektrode absetzen und somit die Kapazität mit zunehmender Zyklenzahl vermindern.
Durch die chemischen Störprozesse, die den Elektrolyten verändern, können sich auch die Leitfähigkeit
des Elektrolyts für Sauerstoff und die Lithiumionen verändern, weshalb die Entladekapazität so stark
vermindert.
Auch im Sulfoxid-haltigen Elektrolyten ist während des Resting-Experiments eine Spannungs-
verminderung zu bemerken. Möglicherweise findet hier ebenfalls eine Veränderung des Elektrolyts
statt, die sich auf die für den Batteriebetrieb wichtigen Elektrolyteigenschaften auswirkt. Dies könnte
erklären, weshalb in Abbildung 8.10 keine Zyklisierung zu beobachten ist. Ob es sich um eine reversible
oder irreversible Nebenreaktion handelt, kann nicht genauer ermittelt werden, da während des
Zyklentests keine Aussagen über das Lade- bzw. Entladeverhalten getroffen werden können. Entweder
hat sich der Elektrolyt zu Beginn der Messung schon stark zersetzt oder die Abbauprodukte wirken sich
grundsätzlich negativ auf die Zellperformance aus.
Aufgrund dieser Beobachtungen werden sowohl der Sulfoxid-haltige als auch der Carbonat-haltige
Elektrolyt in den LAB-Testzellen für weitere Experimente nicht eingesetzt. Die beste
Zyklenperformance konnte der Ether-haltige Elektrolyt zeigen; aufgrund der größeren
113
Entladekapazitäten, die mit dem Amid-haltigen Elektrolyt erzielt werden konnten, wird jedoch dieser
für die folgenden Experimente verwendet.
Werden die Ergebnisse der Elektrolyttests mit anderen Studien verglichen sind Abweichungen
erkennbar. Die mit den Testzellen erreichten Entladekapazitäten variieren je nach verwendetem
Elektrolyt. Aber auch der Vergleich mit der Literatur ist nicht trivial. Während in einigen Studien die
Entladekapazität von Testzellen eines bestimmten Elektrolyten berichtet wird, [WAL13] werden in
anderen nur zum Beispiel über die chemische Stabilität in rechnerischen Studien berichtet, [BRY12]
wiederum andere ermitteln mit einer Testzelle unbekannter Konstruktion, [WAN17] was die
Einordnung der eigenen Ergebnisse erschwert. In der Arbeit von Wang et al. zum Beispiel wird über
die hervorragenden Eigenschaften der DMA-Sulfolan-haltigen Elektrolytmischung berichtet. Die
Aussagekraft sollte allerdings bezweifelt werden, da die Testzellen nicht einfach reproduziert werden
können und die dort beschriebenen Ergebnisse keinen wesentlichen Unterschied in der
Entladekapazität zwischen dem ersten und dem hundertsten Zyklus zeigen. [WAN17] Bekanntlich
verschlechtert sich die Performance der Testzellen drastisch, wie in den eigenen Experimenten
nachvollziehbar dargestellt werden konnte. Generell ist es schwierig, Ergebnisse zu vergleichen, wenn
das Testzelldesign und die Testzellenanzahl in den wissenschaftlichen Arbeiten variiert.
8.2.2 Einfluss der Porosität
Neben dem Elektrolyten stellt auch die Kathode eine wichtige Komponente der Lithium-Luft-Batterie
dar, da sie Ort der Batteriereaktionen ist. Wie im Kapitel 3.4.3ausführlich erklärt wird, besteht sie in
den meisten Fällen aus einem porösen Kohlenstoff, der eine hohe Leitfähigkeit für elektrischen Strom
besitzt und gleichzeitig aufgrund der porösen Struktur eine große Oberfläche aufweist, die vor allem
für die Entladereaktion eine große Rolle spielt. Während der Entladung entsteht idealerweise
Lithiumperoxid als Hauptentladeprodukt, welches sich auf der Oberfläche der Gasdiffusionselektrode
ablagert. Je größer die Oberfläche, desto mehr Sauerstoff kann durch die poröse Struktur zur
Dreiphasengrenze diffundieren und steht dort zur Bildung des Entladeproduktes zur Verfügung.
Da das Entladeprodukt Lithiumperoxid nur zu einem begrenzten Anteil im Elektrolyten löslich ist, lagert
sich dieses in der porösen Struktur der Gasdiffusionselektrode ein. Im Idealfall zersetzt sich das
Lithiumperoxid während des Ladevorgangs wieder in Lithiumionen und elementaren Sauerstoff.
Kohlenstoff
Porengröße
(REM) [nm]
Aktive Oberfläche
(BET) [m²/g]
Porenvolumen [mm³/g]
Aktivkohle
300 - 2100
181,09
2229,70
Maximalporöser Kohlenstoff
300 - 310
279,93
2122,10
Halbporöser Kohlenstoff
180 - 200
311,21
1999,93
Minimalporöser Kohlenstoff
35 - 40
461,89
1733,67
TABELLE 8.14: Eingesetzte Kohlenstoffe und materialspezifische Daten
Aber Teile des Entladeproduktes können in der GDE verbleiben und die poröse Struktur zunehmend
verstopfen. Eine verminderte Sauerstoffdiffusion und abnehmende Reaktionskinetik sowie eine
Abnahme der aktiven Oberfläche sind die Folge. Aber nicht nur das Lithiumoxid kann auf der GDE
114
verbleiben, zahlreiche Nebenprodukte oder sonstige Ablagerungen können die GDE verstopfen und
somit die bei zunehmender Zyklenzahl die Entladekapazität verringern. Daher ist es essenziell ein
möglichst großes Porenvolumen zu schaffen, damit sich möglichst viel Sauerstoff möglichst schnell in
dem Elektrolyten lösen kann und gleichzeitig etwaige Ablagerungen genug Platz finden, um sich
abzulagern, ohne die Reaktionskinetik zu stark zu vermindern.
Daher wurden im Rahmen dieser Arbeit unterschiedlich poröse Kohlenstoffe synthetisiert und zu
Gasdiffusionselektroden verarbeitet, um den Einfluss der Porengröße auf die Testzellperformance
untersuchen zu können. Als Referenzmaterial wurde kommerzielle Aktivkohle verwendet. Tabelle 8.14
illustriert, welche Kohlenstoffe für die Zelltests eingesetzt wurden. Wertet man die Ergebnisse aus
Tabelle 8.14 aus, so sind deutliche Trends zu erkennen. Mit Verminderung der Porengröße steigt die
aktive Oberfläche, während das Porenvolumen abnimmt. Somit weist die Aktivkohle mit einem
Porenvolumen von 2229,70 mm³/g die geringste aktive Oberfläche von 181,09 m²/g auf, während der
minimalporöse Kohlenstoff mit einem deutlich geringeren Porenvolumen von 1733,67 mm³/g die
höchste aktive Oberfläche von 461,89 m²/g aufweist. Einzelheiten zu den Quecksilberporositäts-
messungen können dem Appendix in Kapitel 12 entnommen werden.
Ergebnisse der Zelltests
Die unterschiedlich strukturierten Kohlenstoffe wurden wie im Experimentalteil beschrieben
hergestellt und in den Testzellen assembliert. Für die folgenden Zyklentests wurde ein CC-CV-
Ladeverfahren angewendet, der Lade- bzw. Entladestrom lag bei 0,4 bzw. -0,4 mA. Alle Zellen wurden
unter den gleichen Testbedingungen vermessen und charakterisiert.
Erster Zyklus
Die drei unterschiedlichen Gasdiffusionselektroden wurden einfach zyklisiert und die
Spannungsverläufe in der folgenden Abbildung 8.15 dargestellt. Als Referenz wird eine kommerzielle
Gasdiffusionselektrode aus Aktivkohle dargestellt.
ABBILDUNG 8.15: Vergleich der unterschiedlich porösen GDEs und Aktivkohlereferenz, (links) Auftragung über der
Zeit, (rechts) Auftragung über die spezifische Kapazität
115
In der obigen Auftragung ist zu sehen, wie lange die jeweilige Gasdiffusionselektrode benötigt, um
einen Zyklus zu fahren. Dabei benötigt die Aktivkohleprobe die kürzeste Zeit und weist demzufolge
auch die geringste Entladekapazität auf, während die minimalporöse Probe etwa die dreifache Zeit für
die Entladung benötigt und die höchste Entladekapazität erzielt. Die folgende Tabelle 8.16 listet alle
essenziellen Werte auf, die einen besseren Vergleich zwischen den Proben ermöglicht.
GDE-Typ
Minimalporös
Halbporös
Maximalporös
Aktivkohle
Zyklus
C in [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
1
60,8
26,1
42,9
15,6
TABELLE 8.16: Werte für den ersten Zyklus mit unterschiedlich porösen Elektroden
Wie aus der obigen Abbildung 8.15 und Tabelle 8.16 ersichtlich ist, weist die GDE aus Aktivkohle die
geringste Entladekapazität aller vermessenen Kohlenstoffe mit 15,6 mAh/g im ersten Zyklus auf. Die
höchste Entladekapazität konnte die Gasdiffusionselektrode bestehend aus dem minimalporösen
Kohlenstoff mit 60,8 mAh/g erreichen. Obwohl die Aktivkohleprobe mit einer Mischung aus
verschiedenen Nano- und Mikroporen ein hohes Porenvolumen zur Ablagerung der Reaktionsprodukte
aufweist, zeigt die Probe mit der monoporösen Strukturierung eine etwa 4-mal so hohe
Entladekapazität bei etwa 75% des Porenvolumens der Aktivkohle-GDE auf. Während die
minimalporöse Probe über ausreichend aktive Oberfläche zur Bildung des Entladeproduktes verfügt,
zeigt die Aktivkohleprobe eine deutlich schlechtere Performance aufgrund der geringeren aktiven
Oberfläche. Es ist genug Platz vorhanden, um das pore clogging zu vermeiden, es ist aber gleichzeitig
nicht genug aktive Oberfläche vorhanden, um eine hohe Entladekapazität zu erreichen. Im ersten
Zyklus scheint die aktive Oberfläche der begrenzende Faktor für die Entladekapazität zu sein.
Mehrfachzyklen
Die in Tabelle 8.14 aufgeführten Kohlenstoffe wurden zu GDEs verarbeitet und anschließend in
Testzellen assembliert. Alle Testzellen wurden unter den gleichen Bedingungen für 9 Zyklen zyklisiert.
In der folgenden Abbildung 8.17 werden der Spannungs- (rot) und Stromverlauf (blau) für die
unterschiedlich porösen GDEs dargestellt. Auf den ersten Blick zeigen sich deutliche Unterschiede für
die Zyklenperformance der drei unterschiedlich porösen Kohlenstoffe. Während die maximalporöse
GDE nach etwa 9 Stunden den letzten Zyklus abgeschlossen hat, endet der letzte Zyklus für die
minimalporöse GDE nach etwa 11 Stunden. Die halbporöse GDE benötigt etwa 14 Stunden um alle
Zyklen zu fahren. Besonders auffällig ist der Kapazitätsrückgang für die minimal- bzw. maximalporöse
Elektrode nach dem ersten Zyklus gefolgt von einem stetigen Kapazitätsrückgang bei steigender
Zyklenzahl. Bei der halbporösen Elektrode ist auf den ersten Blick kein großer Kapazitätsverlust zu
bemerken, der Zyklenverlauf ist sehr viel gleichmäßiger als bei den anderen beiden Proben. Als
Referenz wird in Abbildung 8.17 Aktivkohle dargestellt. Das folgende Balkendiagramm 8.18
veranschaulicht den Kapazitätsverlauf über die Zyklenanzahl. Es ist deutlich zu erkennen, dass in den
ersten drei Zyklen die minimalporöse Probe jeweils die höchste Entladekapazität im direkten Vergleich
mit den anderen Proben verzeichnet. Allerdings ist der Kapazitätsverlust von Zyklus zu Zyklus stark
ausgeprägt, sodass bereits im siebenten Zyklus die minimalporöse GDE die geringste Entladekapazität
aufweist. Ursache hierfür könnte das fortschreitende Verstopfen der Poren mit dem Entladeprodukt
sein, sodass ein Großteil der Oberfläche bereits nicht mehr für die Reaktion zur Verfügung steht. Ein
ähnlicher Verlauf lässt sich für die maximalporöse Probe feststellen. Zu Beginn weist diese die
116
zweithöchste Kapazität im Vergleich zu den anderen Proben auf und auch hier ist ein fortschreitender
Kapazitätsverlust mit zunehmender Zyklenzahl zu erkennen. Ab dem siebenten Zyklus verringert sich
der Kapazitätsverlauf stark, sodass in den nachfolgenden Zyklen die Entladekapazität in etwa
gleichbleibt. Während bei der minimalporösen GDE das pore clogging fortwährend zu starken
Kapazitätseinbrüchen führt, scheint für die maximalporöse Probe dieser Alterungsmechanismus nicht
so stark ins Gewicht zu fallen. Möglicherweise ist durch die größere Porosität mehr Volumen
vorhanden, um das Entladeprodukt einzulagern und einen fortlaufenden Batteriebetrieb zu
ermöglichen.
ABBILDUNG 8.17: Zyklisierung von LABs mit unterschiedlich porösen Kohlenstoffen
Im fortschreitenden Zyklenverlauf scheint das Porenvolumen der begrenzende Schritt für die
erzielbare Entladekapazität zu sein. Die Proben, die auch noch nach mehreren Zyklen eine erhöhtes
Porenvolumen aufweisen, zeigen über längere Sicht eine bessere Performance.
In der Abbildung 8.18 ist auch zu erkennen, weshalb kommerzielle Aktivkohle nicht nur bei der Lithium-
Luft-Batterien, sondern auch in anderen Technologien zum Einsatz kommt. Der Kapazitätsverlust von
Zyklus zu Zyklus ist relativ klein, gleichzeitig ist die Aktivkohle sehr viel einfacher herzustellen und weist
eine Mischung aus verschiedenen Porengrößen im Nanometer- und Mikrometerbereich auf. Mit den
aufwendiger hergestellten Kohlenstoffen mit nur einer festgelegten Porengröße lassen sich im ersten
Zyklus zwar sehr viel höhere Entladekapazitäten erreichen, allerdings fällt die Performance im
weiterführenden Betrieb auf das Niveau der kommerziellen Aktivkohle zurück oder unterschreitet
diese sogar. Das Wechselspiel zwischen Makro- Meso- und Mikroporen scheint viele Vorteile in Bezug
auf Diffusion, aktiver Oberfläche und Porenvolumen aufzuweisen.
117
Die halbporöse Gasdiffusionselektrode erreicht im ersten Zyklus die niedrigste Entladekapazität
verglichen mit den beiden anderen Proben, zeigt dennoch ähnlich wie die Aktivkohle ein ähnlichen
Kapazitätsverlauf, der von Zyklus zu Zyklus nur geringfügig abnimmt. Auch wenn im Vergleich mit der
Aktivkohle die halbporöse GDE nur einen festeingestellten Porendurchmesser aufweist, kann diese
Probe als goldener Mittelweg zwischen höhere Kapazität und geringem Kapazitätsverlust pro Zyklus
angesehen werden. Sie erreicht verglichen mit der Aktivkohle eine fast doppelt so große Kapazität über
den gesamten Zyklentest. Die Ergebnisse dieses Experimentes stimmen mit den in der Literatur
beschriebenen Ergebnissen überein.
ABBILDUNG 8.18: Kapazitätsverlauf über die Zyklenanzahl für die drei unterschiedlich porösen Gasdiffusions-
elektroden und der Standardgasdiffusionselektrode auf Aktivkohlebasis
8.2.3 Einfluss des Katalysators
Neben stabilem Elektrolyt und einer porösen Gasdiffusionselektrode mit großer aktiver Oberfläche
wird auch ein Katalysator benötigt, der die Reaktionskinetik beschleunigt. Der Umgebungssauerstoff
muss in die Zelle gelangen und durch die Gasdiffusionselektrode zur Dreiphasengrenze diffundieren,
dort optimiert der Katalysator in der ORR (oxygen reduction reaction) die Sauerstoffreduktion zu
Superoxid welche mit den Lithiumkationen zum Entladeprodukt Lithiumperoxid reagieren. Die Menge
an vorhandenem Superoxid, welches für die Reaktion benötigt wird, kann durch den Katalysator
optimiert werden. In diesem Kontext kann von der Reaktionsrate gesprochen werden, mit der
molekularer Sauerstoff in Superoxid umgewandelt wird. Nach Beendigung der Entladung bei Erreichen
der Entladeschlussspannung soll der Katalysator das gebildete Lithiumperoxid wieder in seine
ursprünglichen Bestandteile, also Lithiumkationen und molekularen Sauerstoff aufspalten. Hierbei
spricht man von der OER (oxygen evolving reaction) in der das Superoxid wieder oxidiert wird.
Übergangsmetalloxide haben neben vielen anderen Katalysatorarten, die im Grundlagenteil näher
beleuchtet werden, gute katalytische Eigenschaften und lassen sich einfach bei der GDE-Fertigung
einsetzen. Für diese Arbeit wurden 4 unterschiedliche Übergangsmetalloxide verwendet, genauere
118
Einzelheiten lassen sich Kapitel 7 entnehmen. Ziel dieser Experimentalserie war es unter den vier
ausgesuchten Übergangsmetalloxiden den am besten geeigneten herauszufinden.
Ergebnisse der Testzellen
Im Rahmen dieser Arbeit wurden die folgenden vier Übergangsmetalloxide als Katalysator für den
Einsatz in der LAB getestet. Die Reaktionskonstanten konnten nicht ermittelt werden. Anhand des
Zyklenverlaufs sollte abgeschätzt werden, welcher der Katalysatoren sich gut für den Einsatz in der LAB
eignet.
1. Cobalt-(II,III)-oxid
2. Nickel-(III)-oxid
3. Mangan-(II,III)-oxid
4. Eisen-(III)-oxid
Die folgende Abbildung 8.19 zeigt den Zyklenverlauf für die vier getesteten Katalysatoren unter
identischen Bedingungen. Als Kohlenstoff wurde kommerzielle Aktivkohle verwendet, der
Massenanteil an der Gasdiffusionselektrode liegt bei 10 Gew.-%.
ABBILDUNG 8.19: Zyklisierung von LABs mit unterschiedlichen Übergangsmetalloxiden
Im direkten Vergleich der Mehrfachzyklen fällt der unterschiedliche Verlauf auf. Während bei der
Manganoxid- und Eisenoxid-haltigen GDE höhere Entladekapazitäten erreicht werden, zeigen die
Cobaltoxid- und die Nickeloxid-haltigen GDEs eine schlechtere Entladeperformance. Bei allen
eingesetzten Übergangsmetalloxiden wird ein Kapazitätsverlust mit zunehmender Zyklenzahl
ersichtlich. Abbildung 8.20 illustriert den Kapazitätsverlauf detaillierter. Während die Cobaltoxid-
haltige Probe die niedrigste Entladekapazität mit etwa 5 mAh/g im ersten Zyklus die niedrigste der vier
untersuchten aufweist, zeigt die Manganoxid-haltige Probe mit 23 mAh/g die höchste im ersten Zyklus.
Im mittleren Bereich mit etwa 10 mAh/g ist die Nickeloxid-haltige Probe angesiedelt, während die
Eisenoxid-haltige GDE mit 15 mAh/g im ersten Zyklus die zweithöchste Entladekapazität erreicht. Der
119
Kapazitätsverlust bei zunehmender Zyklenanzahl fällt bei der Cobaltoxid- und Eisenoxid-haltigen GDE
am geringsten aus, nur die Eisenoxid- und Manganoxid-haltigen GDEs erreichen in etwa das Niveau
der kommerziellen Manganoxid-GDE aus Abbildung 8.18. In der folgenden Abbildung 8.21 wird die
erreichte Entladekapazität im ersten Zyklus direkt verglichen.
ABBILDUNG 8.20: Kapazitätsverlauf über die Zyklenanzahl für die unterschiedlichen Übergangsmetalloxide
ABBILDUNG 8.21: Kapazitätsvergleich der Testzellen nach dem ersten Zyklus für die unterschiedlichen
Übergangsmetalloxide, aufgetragen über der Zeit
8.2.4 Einfluss der Stromdichte
Die Stromdichte ist ein weiterer wichtiger Betriebsparameter der einen Einfluss auf die
Entladekapazität und die Alterung der Zelle hat. Die Stromdichte ist auch ein interessantes Instrument
um die Betriebsgrenzen der Zelle zu ermitteln. Eine erhöhte Stromdichte kann zum Beispiel den
Lithiumionenstrom erhöhen. Dies kann in einer kurzen Zeit zu vermehrter Bildung von
Entladeprodukten führen, die die Kathode verstopfen können. Auch die Bildung von Nebenprodukten
120
kann durch die Stromdichte beeinflusst werden. Zudem kann die Alterung der Zelle dokumentiert und
eingeschätzt werden, da die Materialien höheren Belastungen ausgesetzt sind als bei niedrigeren
Stromdichten. In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Stromdichteexperimente präsentiert.
Identisch gefertigte Testzellen wurden mit Strömen im Bereich von 0.4 mA bis 1.6 mA zyklisiert und
die Auswirkungen auf die Zellperformance diskutiert.
Ergebnisse der Zelltests
Identische Testzellen wurden wie im Experimentalteil assembliert und mit unterschiedlichen Strömen
von 0.4 mA bis 1.6 mA zyklisiert. Dabei resultierten Stromdichten von 80 A/m² bis zu 320 A/m². Die
Zellen wurden mit einem CC-CV-Ladeverfahren zyklisiert.
Erster Zyklus
In der folgenden Abbildung 8.22 sind die Spannungsverläufe für die vier Testzellen dargestellt. Die Zelle
mit dem Strom von 0.4 mA zeigte die höchste Entladekapazität von etwa 600 mAh/g, während die Zelle
mit dem höchsten Strom von 1.6 mA nur eine Entladekapazität von 20 mAh/g erzielen konnte. Der
Vergleich der einzelnen Testzellen untereinander zeigt mit zunehmendem Entladestrom eine
abnehmende Entladekapazität. Die folgende Tabelle 8.23 listet alle essenzielle Werte auf, die einen
besseren Vergleich zwischen den Testzellen ermöglicht.
ABBILDUNG 8.22: Kapazitätsvergleich der identisch gefertigten Testzellen
Stromdichte
80 [A/m²]
160 [A/m²]
240 [A/m²]
320 [A/m²]
Zyklus
C [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
C [mAh/g]
1
598,41
329,55
29,81
20,18
TABELLE 8.23: Werte für den ersten Zyklus mit unterschiedlichen Stromdichten
Wie in der obigen Abbildung zu erkennen ist, besteht eine logarithmische Abhängigkeit zwischen
Stromdichte und Entladekapazität. Die Verdopplung des Stroms von 0.4 mA auf 0.8 mA sorgt in etwa
für eine Halbierung der erreichten Entladekapazität. Bei einer weiteren Erhöhung auf erst 1.2 mA bzw.
1.6 mA sinkt die erzielbare Entladekapazität nicht linear. Eine höhere Stromdichte führt zu einer
121
sinkenden Entladekapazität. Das Experiment zeigt zudem, dass die Zellen Stromdichten von bis zu
320 A/m² tolerieren.
Mehrfachzyklen
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn die 10 folgenden Zyklen der Testzellen betrachtet werden. Die
folgende Abbildung 8.24 zeigt die Zyklisierung über insgesamt 11 Zyklen für die 4 Testzellen aus
Abbildung 8.22 und Tabelle 8.23.
ABBILDUNG 8.24: Zyklisierung von LABs mit unterschiedlichen Stromdichten
Aus der vorherigen Abbildung 8.24 wird ersichtlich, dass die Stromdichte einen deutlichen Einfluss auf
die Zellperformance hat. Der Trend, der schon im ersten Zyklus beobachtet wurde, setzt sich für die
Mehrfachzyklisierung fort.
Kapazitätsverlust pro Zyklus
Ähnlich zu den Testzellen, die für die anderen Parameterexperimente gefertigt wurden, ist auch in
diesem Experiment ein fortschreitender Kapazitätsverlust mit zunehmender Zyklenzahl zu
verzeichnen. Das folgende Balkendiagramm 8.25 illustriert den Verlauf für die Zyklen 2-11. Alle Zellen
zeigen ein ähnliches Verhalten, indem die Entladekapazität in einem Zyklus zum vorangegangenen
absinkt. Eine Ausnahme stellt hierbei die Zelle mit der geringsten Stromdichte dar. Ab dem 7. Zyklus
verzeichnet die Zelle eine höhere Kapazität als im vorangegangen erreicht wird und die Kapazität der
nachfolgenden Zyklen sinkt beginnend von diesem neuen Niveau. Hierbei könnte es sich um eine
Anomalie handeln, denn generell treten beim Zyklisieren einer Batteriezelle ohmsche Verluste auf, die
direkt von der Stromstärke abhängen. Dies sollte sich in der erreichbaren Entladekapazität zwei
baugleicher Zellen, die sich nur im eingeprägten Strom unterscheiden, zeigen. Dies konnte nicht
beobachtet werden, die Ohm’schen Verluste steigen mit höherer Stromstärke.
122
ABBILDUNG 8.25: Kapazitätsverlust mit zunehmender Zyklenzahl für unterschiedliche Stromdichten
Im ersten Zyklus des Stromdichteexperiments treten deutlich höhere Entladekapazitäten auf, als bei
den Mehrzyklenexperimenten. Dies könnte ein Indiz für eine Veränderung der Oberflächenstruktur
der Lithiumanode nach dem ersten Zyklus sein. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird dieses Verhalten
mittels post-mortem-Analysen genauer untersucht.
Die Prognose des Simulationsmodells weicht von den Ergebnissen der Experimente ab. Bei genauerer
Betrachtung erreichen alle Zellen mit einer höheren Stromdichte als 80 A/m² eine höhere
Entladekapazität, wobei ein umgekehrtes Verhalten erwartet wurde. Generell zeigt die Zelle mit der
Stromdichte von 240 A/m² über den gesamten Zyklenverlauf die beste Performance. Das
Lithiumreservoir auf der Anodenseite bedingt die erreichbare Kapazität im Entladevorgang. Diese
Irregularitäten im Kapazitätsverlauf könnten durch Strukturmodifikationen auf der
Lithiummetalloberfläche zurückzuführen sein. Wenn die Menge an verfügbarem Lithium, durch
welche Prozesse auch immer, von Zyklus zu Zyklus variiert, also mal mehr oder mal weniger Lithium
verfügbar ist als im vorangegangenen Zyklus, könnte sich dies im Kapazitätsverlauf bemerkbar machen.
Um dieser Vermutung nachzugehen, wurden die unterschiedlich bestromten Testzellen post mortem
materialchemisch charakterisiert und analysiert.
123
8.3 Aussagekraft des Simulationsmodells
In diesem Kapitel werden die Prognosen des Simulationsmodells mit den Ergebnissen der Zelltests
verglichen, um die Aussagekraft des Simulationsmodells bewerten zu können. Auch hier werden zuerst
die berechneten und die gemessenen Ergebnisse des Elektrolyts verglichen. Anschließend richtet sich
der Fokus auf Porosität, Katalysator und zuletzt die Stromdichte.
8.3.1 Elektrolyt
Werden die Simulationsergebnisse, mit denen der Zelltests verglichen sind, einige Widersprüche zu
bemerken. Laut Simulation müsste aufgrund der besseren Sauerstofflöslichkeit der Carbonat-haltige
Elektrolyt die beste Performance zeigen. Im Realexperiment zeigt sich allerdings, dass der Amid-
basierte Elektrolyt die höchste Entladekapazität und bessere Zellperformance zeigt.
ABBILDUNG 8.26: Vergleich der simulierten Entladekapazität (links) und der gemessenen Entladekapazität der
Testzellen (rechts)
In Abbildung 8.26 wird das Ergebnis der Simulation mit dem der Testzellen verglichen. Im rechten
Diagramm wurde der Graph für den Sulfoxid-haltigen Elektrolyten nicht geplottet, da dies zu einer
Verfälschung der übrigen Ergebnisse führen würde. Da die Sulfoxid-haltige Testzelle, wie in Abbildung
8.10 zu sehen, nicht zyklisiert wurde und die Zelle auch nach 30 Stunden formal noch im
Entladevorgang befindet, würden sich für diesen Fall eine riesige Entladekapazität ergeben.
Die Hauptursache für die Unterschiede in der simulierten Entladeperformance könnte auf die
unterschiedliche Sauerstoffkonzentration im Elektrolyten zurückzuführen sein. Laut Literaturwerten
erreicht der Carbonat-haltige Elektrolyt mit 3.2 mol/m³ die höchste initiale Sauerstoffkonzentration
unter den vier simulierten, während der Sulfoxid-haltige Elektrolyt mit 0,6 mol/m³ die niedrigste
initiale Sauerstoffkonzentration zeigt. Die Sauerstoffkonzentration im Elektrolyten ist ein wichtiger
Faktor bei der Simulation der Lithium-Luft-Batterie. Je mehr Sauerstoff sich im Elektrolyten löst, desto
schneller kann die Entladereaktion ablaufen und mehr Entladeprodukte auf der
Gasdiffusionselektrode gebildet werden. Eine schlechtere Sauerstofflöslichkeit bedeutet eine
langsamere Kinetik, die Zelle bräuchte sehr viel länger, um die gleiche Masse an Lithiumperoxid zu
bilden. Da TEGDME eine deutlich schlechtere Sauerstofflöslichkeit aufweist, steht deutlich weniger
Sauerstoff für die Bildung des Lithiumperoxids zur Verfügung als beim Carbonat-haltigen Elektrolyt.
Die schlechtere Stofftransport beeinträchtigt die Kinetik weshalb nur eine geringere Entladekapazität
124
erreicht werden kann. Werden die anderen spezifischen Elektrolytparameter des EC-DMC-haltigen
Elektrolyts mit den anderen verglichen, ergeben sich außer in puncto Sauerstofflöslichkeit keine
weiteren Vorzüge. Daher ist der Faktor initiale Sauerstoffkonzentration im Elektrolyten
ausschlaggebend für die Ergebnisse der Simulation.
Elektrolyt
Entladekapazität
prognostiziert
Entladekapazität gemessen
Abweichung gegenüber
Prognose
TEGDME
550 mAh/g
396 mAh/g
154 mAh/g (-39 %)
EC : DMC
1630 mAh/g
1024 mAh/g
606 mAh/g (-59 %)
DMA : Sulfolan
735 mAh/g
3052 mAh/g
2317 mAh/g (+240%)
TABELLE 8.27: Gegenüberstellung der simulierten und der gemessenen Entladekapazität
Werden aus Abbildung 8.26 die Plots für die Simulation und den Zelltest für den Ether-haltigen
Elektrolyten verglichen, zeigt sich, dass sowohl in der Simulation als auch in der realen Testzelle ein
ähnliches Entladeverhalten zeigen. Tabelle 8.27 stellt alle Ergebnisse für die Simulation und die
Zelltests gegenüber. Entgegengesetzte Verläufe zeigen sich allerdings für den Amid-haltigen und den
Carbonat-haltigen Elektrolyten. Hier ergeben sich große Abweichungen zwischen Prognose und
Messergebnis. Während der Carbonat- und der Ether-haltige Elektrolyt deutlich weniger
Entladekapazität liefern, als im Modell prognostiziert wird, übertrifft die gemessene Entladekapazität
für den Amid-haltigen Elektrolyten den prognostizierten Wert deutlich.
Um die Aussagekraft des Simulationsmodells zu steigern, müsste die initiale Sauerstoffkonzentration
in den Elektrolyten für alle verwendeten Elektrolyte selbst im Labor ermittelt werden, um
verlässlichere Prognosen zu erhalten. Zudem werden im Simulationsmodell komplett äußere Faktoren
wie der Sauerstoffdruck, der auf die GDE einwirkt, vernachlässigt. Die Testzellen wurden mit einem
leichten Überdruck zyklisiert, um zu verhindern, dass Verunreinigungen wie CO2 und Luftfeuchtigkeit
in die Testzellen gelangen. Bei einem höheren Sauerstoffdruck, der auf die Testzellen wirkt, liegt ein
höherer Transportgradient für den Sauerstoff vor, als wenn eine standardisierte
Umgebungsatmosphäre angenommen wird. Durch den höheren Gradienten kann auch mehr
Sauerstoff in dem Elektrolyten gelöst werden, der die Reaktionskinetik beschleunigt und zu besseren
Performances führt.
8.3.2 Porosität
Das Simulationsmodell lieferte die Aussage, dass die spezifische Entladekapazität von der
Hohlraumgröße abhängt. Bei kleineren Durchmessern der kugelförmigen Hohlräume fällt dieser
Kapazitätsabfall deutlich geringer aus, als wenn der Durchmesser der Hohlraumkugeln stark steigt.
Eine geringere aktive Oberfläche des Materials, wenn größere Template zur Strukturierung eingesetzt
werden könnte die Kapazität vermindern, da in einem Normzeitbereich weniger Entladeprodukte auf
der freien Oberfläche gebildet werden können, als wenn kleinere Template verwendet werden.
Es wäre demnach zuerwarten, dass der minimalstrukturierte Kohlenstoff aufgrund seiner Porengröße
von etwa 40 nm, also das kleinste in dieser Arbeit verwendete Templat, die größte Entladekapazität
aller verglichenen Kohlenstoffe aufweist, die Aktivkohleprobe müsste demnach die geringste
125
Entladekapazität aufzeigen, da in diesem Material neben Mesoporen auch große Überstrukturen im
Mikrometerbereich vorkommen. Diese Prognose kann für den ersten Zyklus bestätigt werden.
Das Simulationsmodell beschreibt ebenso, dass bei sinkender initialer Porosität, also sinkendem
Porenvolumen, die Kapazität ebenfalls absinkt. Dieses Verhalten kann allerdings erst nach
mehrmaligem Zyklisieren beobachtet werden. Die Proben, die ein geringeres Porenvolumen
aufweisen, zeigen bei mehrmaligem Zyklisieren starke Kapazitätseinbußen, wie im vorangegangenen
Kapitel ausführlich beschrieben wurde.
ABBILDUNG 8.28: Vergleich der spezifischen Kapazität aus dem Simulationsmodell a) bezogen auf die initiale
Porosität, b) bezogen auf den Porendurchmesser und die aktive Oberfläche und c) den Testzellexperimenten
Die Aktivkohleprobe weißt ein deutlich höheres initiales Porenvolumen auf, als die
minimalstrukturierte Probe. Im ersten Zyklus zeigt sich allerdings ein entgegengesetztes Verhalten.
Das Simulationsmodell ist in puncto Porositätsparameter trotzdem aussagekräftig. Hier wird deutlich,
dass eine starke Abhängigkeit zwischen Porenvolumen, aktiver Oberfläche und Porendurchmesser
besteht und das das Zusammenspiel aller Parameter die Entladekapazität nachhaltig beeinflusst.
8.3.3 Katalysator
Im Simulationsmodell wurde der Einfluss des Katalysators auf die Zellperformance durch Variation des
Symmetriefaktors in der Butler-Volmer-Gleichung erreicht (Gleichung G21).
In den Testzellen wurden unterschiedliche Übergangsmetalloxide als Katalysator eingesetzt und der
am besten geeignetste unter den vier verglichenen Oxiden durch einfaches „try and error“ ermittelt.
Der Fokus dieser Arbeit lag nicht auf der Optimierung der LABs durch Variation der katalytischen
Aktivität, es wurde demnach auch kein Katalysatorscreening über einen Vulkanplot durchgeführt.
126
Somit kann die Aussage des Simulationsmodells in puncto katalytische Aktivität nur bedingt bewertet
werden. Im Experiment zeigten sich Mangan-(II,III)-oxid und Eisen-(III)-oxid als deutlich geeigneter
verglichen mit Nickel-(III)-oxid und Cobalt-(II,III)-oxid.
Im Simulationsteil dieser Arbeit konnte allerdings gezeigt werden, wie durch Implementierung der
Butler-Volmer-Gleichung der Einfluss des Katalysators auf die Zellperformance gestaltet werden kann.
Das Simulationsmodell konnte aber keine eigenen Prognosen liefern, welche Art von Katalysator die
Zellreaktion optimiert, die anschließend in Zelltestexperimenten verifiziert werden konnten.
8.3.4 Stromdichte
Das Simulationsmodell lieferte die Aussage, dass mit zunehmender Stromstärke die spezifische
Entladekapazität absinkt. Hierbei ist ein logarithmisches Verhalten bei der Kapazitätsabnahme zu
erkennen. Je stärker der Strom steigt, desto geringer ist die Kapazitätsänderung. Wie in der folgenden
Abbildung 8.29 dargestellt wird, zeigen die Testzellen das prognostizierte Verhalten des
Simulationsmodells im ersten Zyklus.
ABBILDUNG 8.29: Vergleich zwischen prognostiziertem und realem Zellverhalten bei der Änderung des
Stromdichteparameters
127
8.3.5 Fazit
Der Einfluss der Parameter auf die Zellperformance konnte nur bedingt durch das Simulationsmodell
prognostiziert und in real durchgeführten Testzellexperimenten bestätigt werden. Die Aussagekraft
des Simulationsmodells ist begrenzt, da viele vereinfachende Annahmen getroffen wurden, um die
Rechenleistung zu optimieren oder weil Messgrößen nicht bestimmt werden konnten und die Literatur
essentielle Werte nicht liefern konnte. Das Simulationsmodell kann aber unterstützend zu den
Testzellexperimenten Trends aufzeigen, inwiefern sich ein bestimmter Parameter im Realexperiment
auf die Zellperformance auswirken kann.
Eine der Ursachen warum Kurvenverlauf und der Unterschied zwischen prognostizierten und
gemessenen Werten sich unterscheiden könnte daran liegen, dass im Simulationsmodell nur reine
Aktivmassen betrachtet wurden, die realen Testzellergebnisse aber mit Knopfzellen durchgeführt
wurden, die von einem Stahlgehäuse eingefasst sind. Im Realexperiment resultieren hieraus große
ohmsche Widerstandsverluste. Durch diese Verluste wird die Ladeschlussspannung deutlich schneller
erreicht als im Modell prognstiziert und führt mitunter zu den Unterschieden im Entladekurvenverlauf
und zu den unpräzisen Vorhersagen. Zusätzlich wurden die Spannungsgrenzen von ursprünglich 2 - 4 V
auf 3,5 - 2,5 V verändert, um eine bessere Vergleichbarkeit der einzelnen Testzellen zu erreichen.
Um die Aussagekraft weiter zu steigern, sollten noch weitere Parameter und Prozesse in das Modell
implementiert werden. Als Beispiel seien an dieser Stelle der Temperatureinfluss oder die Einbindung
der Nebenproduktbildung genannt. Hierzu müsste aber erst einmal genau ermittelt werden, welche
Nebenprodukte bei welchen Betriebsparametern entstehen und welche kinetischen und
thermodynamischen Faktoren hierbei eine Rolle spielen. Wenn die Zellchemie genauer modelliert
werden kann, könnte auch über eine dreidimensionale Simulation nachgedacht werden.
Möglicherweise könnte das Simulationsmodell dann verlässliche Werte liefern, die im Experiment
bestätigt werden können.
8.4 post mortem - Analyse der Anode
Bisher wurden Parameter der Kathode, wie Art und Verteilung des Katalysators, die Porosität der
Gasdiffusionselektrode oder die Art des Elektrolyten auf die Zellperformance untersucht. Es ergibt sich
zwischen den einzelnen Parametern ein mehr oder minder starker Einfluss auf die Zellperformance. All
diese Parameter erklären jedoch nicht, weshalb die Zellen eine stark begrenzte Lebensdauer und einen
hohen Kapazitätsverlust mit steigender Zyklenzahl aufweisen, daher soll im Folgenden die Anode
genauer betrachtet werden.
Als Anodenmaterial der LAB wurde Lithiumfolie mit einer Reinheit von mehr als 99.99% eingesetzt. Ein
erster Ansatz ist eine post mortem Analyse nach dem Zellbetrieb. Die folgende Abbildung 8.30 zeigt
hellgraue Ablagerungen auf der Lithiummetalloberfläche, die sich bei genauerem Hinsehen genau an
den Positionen befinden, an denen sich auf kathodischer Seite die Luftlöcher der Testzellen befinden.
Die restliche Oberfläche des Lithiummetalls erscheint dunkelgrau bis schwarz. Es handelt sich hierbei
um eine gleichmäßige Ablagerung auf der gesamten Metalloberfläche, es könnte sich um
Zersetzungsprodukte des Elektrolyten, also die solid electrolyte interface (SEI) handeln.
128
ABBILDUNG 8.30: post mortem-Untersuchung einer LAB-Zelle
Eine topologische Analyse dieser Ablagerungen erfolgte mithilfe der Rasterelektronenmikroskopie,
anschließend wurde eine EDX Analyse durchgeführt, um herauszufinden aus welchen Elementen die
Ablagerung zusammengesetzt ist. Lithium kann aufgrund seiner Elektronenkonfiguration mittels EDX
nicht zweifelsfrei detektiert werden. Zum einen besitzt das Lithiumatom in der L-Schale nur ein
Elektron, um die Lücke in der K-Schale wieder aufzufüllen, das heißt die Signalausbeute ist
dementsprechend stark vermindet. Zum anderen wird für die Anregung ein geringer Energiebetrag
benötigt, sodass das Lithiumsignal vom Untergrundrauschen schlecht zu unterscheiden ist. Lithium
kann mit dem EDX nur passiv nachweisen werden, wenn zum Beispiel bekannt ist, dass es in
bestimmten Verbindungen vorliegt und gezielt diese Elemente nachgewiesen werden können. Im REM
erscheinen Elemente mit höherer Kernladungszahl heller als leichtere Elemente, da sie aufgrund ihrer
höheren Masse stärker mit dem Primärelektronenstrahl wechselwirken als leichtere Elemente.
Auffällige Schattierungen oder Muster könnten in der REM Aufnahme ein Indiz sein, dass sich eine
Verbindung auf der Oberfläche abgelagert hat. Um festzustellen, ob es sich um eine Ablagerung aus
einem anderen Material auf der Lithiumanode handelt, wäre der direkte Vergleich bereits im REM ein
Indiz. Abbildung 8.31 zeigt eine REM Übersichtsaufnahme der Lithiumoberfläche, in der sich die
kreisrunde Aufwachsung zwar tolopogisch deutlich von der Umgebung unterscheidet, aber keine
helleren oder dunkleren Schattierungen im Vergleich zu der restlichen Oberfläche aufzeigt. Auf den
ersten Blick kann davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei ebenfalls um elementares Lithium
handeln könnte. Vermutlich handelt es sich um elementares Lithium, welches sich während des
Ladevorgangs wieder auf der Oberfläche abgeschieden hat. Die Aufwachsung hat in etwa einen
Durchmesser von 2 mm, das ist der Durchmesser eines kathodenseitigen Luftlochs.
Es gibt zwei Möglichkeiten, weshalb sich ausgerechnet in dieser Position die Lithiumaufwachsung
befindet. Erstens kann es sein, dass nur dort, wo sich Luftlöcher im Zellgehäuse befinden, die
vollständige Zellreaktion abläuft. Durch das Zellgehäuse verdeckte Teile der Zelle sind weniger aktiv
und nehmen weniger an der Reaktion teil. Da zweitens die Zellbestandteile während der
Assemblierung mittels einer Knopfzellpresse zusammengedrückt werden, herrscht auf der gesamten
Lithiummetalloberfläche außer an den Luftlöchern ein Anpressdruck, welcher die reversible
Anlagerung von Lithium in den Aussparungen (Luftlöchern) bevorzugt.
129
ABBILDUNG 8.31: REM-Aufnahme und EDX-Mapping der Lithiumoberfläche einer Lithium-Luft-Batterie post
mortem
Um mögliche Unterschiede zwischen Umgebungsmaterial und dem aufgewachsenen Plateau zu
identifizieren, zeigt der untere Bereich der Abbildung 8.31 die Ergebnisse der EDX- Messung. Es
konnten sowohl Kohlenstoff und Schwefel, als auch Stickstoff, Fluor und Sauerstoff detektiert werden.
Alle genannten Elemente sind in Leitsalz und Elektrolyt vorhanden und haben sich gleichmäßig auf der
Lithiumoberfläche abgeschieden. Hierbei handelt es sich sehr wahrscheinlich um die SEI-Schicht, die
sich sowohl auf der Aufwachsung als auch auf der Umgebung nachweisen lässt. Hellere und dunklere
Bereiche können auf die Oberflächenmorphologie zurückgeführt werden. Sehr wahrscheinlich handelt
es sich bei den beobachteten hellgrauen Ablagerungen auf der Lithiummetalloberfläche um
Lithiumablagerungen in Folge der Batteriereaktion, die für die Unebenheit der Anode sorgt. Die
Ergebnisse des EDX Mappings zeigen, dass die gesamte Oberfläche mit einer SEI-Schicht überzogen ist.
130
8.4.1 Tomographieuntersuchungen an der Anode
Die Tomografie als bildgebendes Verfahren ermöglicht eine zerstörungsfreie Probencharakterisierung,
ohne dass die Aktivmassen vorher aufwändig herauspräpariert werden müssen. Sie ermöglicht einen
Blick auf den Querschnitt der Zelle. Zur Erklärung der sichtbaren Bestandteile dient die folgende
Abbildung 8.32. Die Auflösung der Zellbestandteile wird stark durch die verwendeten Materialien
beeinflusst. Da ein Spacer aus Edelstahl verwendet wurde, und Stahl einen Großteil der
Röntgenstrahlen absorbiert, ist die Auflösung des Materials hinter dem Spacer begrenzt. Dennoch sind
in den folgenden Abbildungen die Zellbestandteile und Änderungen der Materialstärken erkennbar.
ABBILDUNG 8.32: Legende der Tomographieaufnahme
Abbildung 8.33 zeigt drei baugleiche Lithium-Luft-Knopfzellen, die mit unterschiedlichen Strömen von
0.3 -0.5 mA für 5 Zyklen zyklisiert worden sind. Als Referenz dient eine nicht zyklisierte Zelle, die im
obersten Teil der Abbildung A4 zu sehen ist. Es ist zu erkennen, dass bei der nicht zyklisierten Zelle die
verbaute Lithiumfolie eine relativ gleichmäßige Stärke von 5,63 µm sowohl in der Mitte des Luftloches
als auch in den Bereichen unter dem Zelldeckel aufweist. Die Abbildung zeigt anschaulich, dass mit
steigender Stromstärke die Lithiumfolie im Bereich des Luftloches an Stärke zunimmt. Bei 0.3 mA
beträgt die Dicke 11.33 µm, bei 0.4 mA 12.28 µm und bei 0.5 mA 14.08 µm. Es wird deutlich, dass
bereits bei kleinen Zuwächsen in der Stromstärke deutliche Schichtzuwächse in der Anode zu sehen
sind. Das Experiment zeigt zum Einen, dass die Aufwachsungen ein Produkt des Zellbetriebes sind und
dass die Schichtdicke der Anode direkt mit der Stromstärke zusammenhängen. In diesem Experiment
sind nur relativ geringe Änderungen im Zyklisierungsstrom vorgenommen worden. Es ist davon
auszugehen, dass bei noch höheren Zellströmen die Ablagerungen noch weiter anwachsen können.
Besonders deutlich wird die Änderung im Zellquerschnitt der mit 0.5 mA zyklisierten Knopfzelle, hier
ist ein deutlicher Hügel unter dem Luftloch zu erkennen, der zu beiden Seiten des verschlossenen
Zelldeckelteils abflacht. Bei genauerem Hinsehen fällt auch auf, dass das Zellgehäuse um das Luftloch
herum stärker unter Spannung steht und das sich die Ablagerungen nicht nur auf elektrochemischer
Ebene bemerkbar machen dürften sondern auch eine mechanische Spannung die Folge ist. Durch den
zunehmenden internen Druck können auch andere Zellkomponenten beschädigt werden, die zu einem
Kurzschluss führen können. Nicht nur die Separatoren können durch die mechanische Spannung
beschädigt werden, auch durch Lageveränderung am Rand der Zelle kann eine Separierung der
131
Zellbestandteile nicht mehr gewährleistet werden. Auch die poröse Kathode kann Schaden nehmen,
indem es durch den mechanischen Druck zum electrode cracking mit gleichzeitiger Strukturänderung
auf der Kathodenseite kommt, die zu einem Elektrolytverlust in der Zelle oder irreversiblen
Abplatzungen in der Zelle führt, die die Kontaktwiderstände innerhalb der Zelle erhöhen.
ABBILDUNG 8.33: Tomographieaufnahmen baugleicher LAB-Knopfzellen, die mit unterschiedlichen Strömen
zyklisiert wurden
Die Tomografiequerschnitte zeigen, dass sich die Anodenstruktur im Zellbetrieb verändert und dass
baugleiche Zellen durch den Zellbetrieb sich in der post mortem - Analyse deutlich voneinander
unterscheiden. Diese Beobachtungen stimmen mit den Ergebnissen aus der Literatur überein. Fu et al.
konnten mittels tomografischer Verfahren erstmals zeigen, wie sich die Anodenstruktur in Lithium-
Luft-Zellen verändert. [SUN18] Diese Strukturmodifikationen könnten eine Erklärung für die Anomalien
sein, die in der Parameterstudie in Kapitel 8.2.4 zu dem Einfluss der Stromstärke auf die
Zellperformance erkennbar wurden. Dort wurde beobachtet, dass zum Einen bei höheren
Entladeströmen grundsätzlich höhere Kapazitäten erreicht werden konnten, zum Anderen wurde
beobachtet, dass nach mehrmaligem Zyklisieren der erst kontinuierliche Kapazitätsverlust pro Zyklus
abrupt von einem Kapazitätszuwachs gefolgt wurde. All diese Indizien sprechen dafür, dass eine
Strukturänderung in der Anode zu einem unterschiedlichen örtlich verfügbaren Lithiumreservoir
führen, welches die erreichbare Zellkapazität bestimmt. Im Laufe der Entladereaktion geht das
132
metallische Lithium durch die Abgabe von Elektronen in Lösung und diffudiert zum Reaktionsort an der
Dreiphasengrenze. Eine Erhöhung des Entladestroms beschleunigt diesen Vorgang und führt zu einer
stärkeren Degradierung der Lithiumoberfläche. Während des Ladevorgangs und der damit
verbundenen Abscheidung von elementarem Lithium an der Anode wird ungleichmäßig das Lithium
wieder angelagert. Dabei bildet sich eine andere Strukturmodifikation des Lithiums aus, wie die
Tomografiebilder einer post mortem analysierten Anode zeigen, die in Abbildung 8.34 zu sehen ist.
ABBILDUNG 8.34: Tomografieaufnahme einer Lithiumanode nach mehrmaligem Zyklisieren, deutlich zu erkennen
ist der Unterschied zwischen „natürlicher“ und aufgewachsener Lithiumschicht, die Einkerbungen stammen von
der mühseligen Probenpräparation
Die in Abbildung 8.34 gezeigte Probe entstammt einem Stück aus der zyklisierten Anode, welches sich
direkt im Luftlochbereich befunden hat. Eine massive Ansammlung von Lithiumkörnern an der
Oberfläche sticht besonders hervor. Dadurch, dass sich das Lithium in Form dieser Körner ablagert,
ändert sich auch die Oberflächenbeschaffenheit auf der Anode und beeinflusst damit den
nachfolgenden Zyklus. Denn im nachfolgenden Entladevorgang werden zuerst die abgelagerten Körner
aufgelöst, bevor wieder ursprüngliches Lithium für die Reaktion zur Verfügung steht. Auf diese
Oberflächenmodifikation hat der eingestellte Entlade- beziehungsweise Ladestrom einen Einfluss, wie
die folgende Abbildung 8.35 illustriert.
133
ABBILDUNG 8.35: Vergleich der Tomografieaufnahmen zyklisierter Lithiumanoden bei unterschiedlichen Lade-
bzw. Entladeströmen
Um den Einfluss des Stroms auf die Anodendegradation zu untersuchen, wurden drei baugleiche
Lithium-Luft Knopfzellen mit unterschiedlichen Strömen im Bereich von 0.4 mA - 1.2 mA zyklisiert. Um
eine bessere Auflösung dieser Deckschicht zu erreichen wurden diese Proben am DESY vermessen. Das
Gesamtvolumen an Kristalliten und ursprünglichem Lithium wurde am DESY bestimmt und zeigt
deutliche Abweichungen zwischen den unterschiedlich bestromten Testzellen. Das Dendrit-
Lithiumverhältnis steigt mit steigendem Zyklisierungsstromdichte von 0.18 bei 80 A/m² auf 0.37 bei
240 A/m². Ein höherer Strom sorgt für eine stärkere Degradation der Oberfläche und unterschiedlicher
Rauhigkeit. Somit führt ein erhöhter Strom zu einem stärker variierenden Lithiumreservoir, welches
134
die Anomalien in den Zyklenverläufen erklären könnte. Dabei bleibt die Größe der Lithiumpartikel auf
der Anodenoberfläche ungefähr gleich, wie die folgende Abbildung 8.36 zeigt.
ABBILDUNG 8.36: Höhere Auflösung der „bewachsenen“ Lithiummetalloberfläche der (1.2 mA -Probe) und 3D-
Rendering der Oberfläche mit Partikeldurchmesser
Die Anzahl der Partikel steigt mit zunehmender Stromstärke. Somit kann angenommen werden, dass
ein hoher Zyklisierungsstrom nicht nur die Lithiumanode nachhaltig schädigt, sondern dies auch auf
andere Zellbestandteile einen nachhaltigen Einfluss hat. Durch die stätige Umstrukturierung der Anode
können auch hin und wieder wieder neue unbenutzte Lithiumareale freigelegt werden, die mit dem
Elektrolyten zur Bildung einer neuen SEI-Filmschicht führen. Dies kann zu nachhaltigem
Elektrolytverlust und Widerstandsänderungen in der Zelle führen. Wie in der Literatur bereits
beschrieben worden ist, muss die metallische Lithiumanode geschützt werden, um diese möglichen
parasitären Reaktionen zu unterbinden. [KWA20, LEE13, ARM18] Die gezeigten Untersuchungen bestätigen
dies.
8.5 post mortem - Analyse der Gasdiffusionselektrode
Wie bereits bei der post mortem - Untersuchung der Anode aufgefallen ist, findet die elektrochemische
Reaktion vor allem im Bereich der Luftlöcher statt, wie die Strukturmodifikationen, die mittels
Tomografie aufgedeckt wurden, zeigten. Analog hierzu wurden die Gasdiffusionselektroden
untersucht und nach Strukturmodifikationen oder Ablagerungen – möglicherweise von Lithiumperoxid
– untersucht. Dazu wurden die Elektroden mittels Rasterelektronenmikroskopie analysiert. Wie in der
folgenden Abbildung 8.37 zu erkennen ist, unterscheiden sich die Bereiche zwischen Luftloch und dem
Rest der Zelle markant.
135
ABBILDUNG 8.37: REM – Analyse einer Gasdiffusionselektrode nach einmaliger Entladung mit 1.2 mA
Nach einmaliger Entladung mit einem Strom von 1.2 mA sind im Bereich des Luftlochs griesartige
Ablagerungen zu sehen, welche in den Zellbereichen, die durch den Zelldeckel verschlossen waren,
nicht auftauchen. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hier um Entladeprodukte auf der
Gasdiffusionselektrode handelt. Allerdings kann Lithium nur indirekt nachgewiesen werden und auch
die EDX Analyse ergab kein eindeutiges Signal. Auch auf einer zweiten GDE, die mit einem geringeren
Strom von 0.4 mA entladen worden ist, sind ebenfalls im Bereich des Luftloches griesartige
Ablagerungen zu sehen. Es sind weniger Ablagerungen zu erkennen, dies kann am variierten Strom
liegen, aber eine direkte Abhängigkeit zwischen Partikelgröße, Anzahl der Partikel und der Stromstärke
konnte nicht festgestellt werden.
ABBILDUNG 8.38: REM – Analyse einer Gasdiffusionselektrode nach einmaliger Entladung mit 0.4 mA
Nach derzeitigem Stand könnte es sich sowohl um Entladeprodukte als auch um Verunreinigungen
handeln. Das Ziel dieses Experimentes war es, das pore clogging zu beobachten und welchen Einfluss
die unterschiedliche initiale Porosität auf die Ausbildung der Entladeproduktpartikel hat. Die
Ergebnisse liefern keinen eindeutigen Nachweis für pore clogging. Generell ist nicht klar, ob es sich bei
den beobachteten Ablagerungen um Verunreinigungen oder Lithiumperoxid handelt. Eventuell kann
nach einmaliger Entladung auch mit einem relativ hohen Strom von 1.2 mA dieser
Alterungsmechanismus nicht beobachtet werden. Das kann daran liegen, dass die Ablagerungen so
klein sind, dass sie schlecht vom REM aufgelöst werden können oder dass diese nicht auf der glatten
Oberfläche sondern im porösen Materialkern stattfindet. Durch den Pressvorgang der
Elektrodenherstellung wird die Oberfläche verdichtet, was die Durchgängigkeit für Sauerstoff und
Lithiumionen stark beeinträchtigen könnte. Daher wurde mittels FIB-REM ein tieferliegender Bereich
136
der Gasdiffusionselektrode ausgeschnitten um einen Querschnitt der Gasdiffusionselektrode zu
erreichen, wie in Abbildung 8.39 zu erkennen ist.
ABBILDUNG 8.39: FIB-REM Querschnitt durch eine Gasdiffusionselektrode, die farblich markierten Bereiche zeigen
zerdrückte bzw. intakte Porenregionen auf grund des Herstellungsverfahrens
ABBILDUNG 8.40: Tomografische Schnittbilder durch die poröse Kohlenstoffschicht der selben
Gasdiffusionselektrode
In der obigen Abbildung 8.39 sind mehrere Bereiche farblich hervorgehoben worden, die intakte
beziehungsweise zerdrücke Porenbereiche innerhalb der Gasfiffusionselektrode zeigen. Es ist denkbar,
dass diese zerdrückten Bereiche vor allem an der Oberfläche als Totmasse fungieren und daher als
Reaktionsort für die gewünschte Bildung von Lithiumperoxid ausfallen. In tieferliegenden Bereichen
sind mehr intakte Bereiche zu finden. Es ist gut möglich, dass dort die Ausbildung von
137
Lithiumperoxidpartikeln stattfindet. Die FIB-REM Messung wurde mittels Tomografie unterstützt und
so war es möglich, eine Rekonstruktion der Gasdiffusionselektrode zu erstellen.
Abbildungen 8.40 zeigt zwei tomografische Schnittbilder der Gasdiffusionselektrode, die für eine
Rekonstruktion angefertigt wurden. Das erste Bild entstammt dem Beginn der FIB – REM
Untersuchung, das andere zeigt eines der letzteren Schnittbilder. Bei genauerem Hinsehen sind
Kristallite in den Poren zu erkennen. Hier könnte es sich um Entladeprodukte handeln, die sich in den
Poren abgelagert haben. Aber auch hier bedarf es einer lithiumsensitiveren Analytik, um sicher
festzustellen zu können, dass es sich auch hier um Lithiumperoxid handelt.
Desweiteren ermöglicht die Rekonstruktion, die in der folgenden Abbildung 8.41 zu sehen ist,
interessante Einblicke in das Porennetzwerk der GDE.
ABBILDUNG 8.41: Rekonstruktion der FIB -REM Untersuchung der Gasdiffusionselektrode, der große Partikel vorne
links stellt wie im Original ein Manganoxid-Katalysatorpartikel dar
Die Rekonstruktion zeigt, dass in der Gasdiffusionselektrode unterschiedlich große Poren vorzufinden
sind, wie der tiefblaue Bereich auf der rechten Seite der Rekonstruktion zeigt im Vergleich zu dem eher
bunten Bereich auf der linken Seite. Da immer die gleichen Templategrößen bei der Synthese des
Materials zum Einsatz gekommen sind, illustriert diese Rekonstruktion durch die Anzahl der
benachbarten Poren um die Ausgangspore, dass durch den Pressvorgang im Herstellungsprozess die
Porengroße verändert wurde. Ein Blick auf das Porennetzwerk zeigt die schwammartige Struktur, in
der genug Hohlraumvolumen besteht, damit sich die Entladeprodukte ablagern können.
Wahrscheinlich müssten mehrere Vollzyklen durchgeführt werden, um die Alterungsprozesse des pore
cloggings sichtbar zu machen, bis dahin hat sich die Anode aber so stark umgebaut, dass durch
mechanische Alterung, Elektrolytverdrängung oder -austrocknung die Lebensdauer der Zelle schneller
erreicht wird, als durch die kathodischen Alterungsprozesse.
Diese Untersuchungen zeigen, dass die Gasdiffusionselektrode als formstabiles Bauteil in der Lithium-
Luft-Batterie eingesetzt werden kann. Werden die gerade eben gefertigten Gasdiffusionselektroden
mit den zyklisierten Gasdiffusionselektroden verglichen, fallen bis auf die unterschiedlichen
Ablagerungen und betriebsbedingten Verunreinigungen keine wesentlichen strukturellen oder
morphologischen Veränderungen der Kohlenstoffmatrix auf. Es ist keine Degradation oder Erosion des
Kathodenmaterials mittels REM oder FIB – REM zu erkennen. Bei den Untersuchungen wurde kein
138
eindeutiger Nachweis für pore clogging gefunden werden obwohl die Betriebsparameter deutlich
variiert worden sind. Im Bereich der Anode konnten hingegen stromabhängige Veränderungen der
Materialstruktur identifiziert werden. Es ist denkbar, dass der Einfluss der Anodenprozesse auf die
Zellperformance einen wesentlich größeren Einfluss hat, als die Strukturparameter der Kathode. Es ist
möglich, dass die Performanceabnahme der Lithium-Luft-Batterie allein auf die Anodenproblematik
zurückzuführen ist.
8.6 Lösungsansätze
Im Rahmen dieser Arbeit wurden neben der Erstellung eines 2-dimensionalen Simulationsmodells
mehrere hundert Testzellen gebaut, um den Einfluss der Material- und Betriebsparameter auf die
Zellperformance untersuchen zu können.
Das Simulationsmodell beschreibt eine vereinfachte Lithium-Luft-Batterie, es können Lade- sowie
Entladevorgang simuliert werden. Die Aussagekraft des Simulationsmodells ist durch die getroffenen
Annahmen, wie zum Beispiel, dass außer dem Entladeprodukt keine Nebenprodukte gebildet werden,
nur begrenzt. Dennoch eignen sich die Aussagen des Modells um grundlegende globale Aussagen
treffen zu können. Die Aussagekraft ließe sich durch die im Kapitel 8.3 vorgeschlagenen Schritte weiter
optimieren.
Bei allen gefertigten Testzellen ist unabhängig von den entsprechenden Material- und
Betriebsparametern der zunehmende Kapazitätsverlust bei steigender Zyklenzahl aufgefallen. In
vielerlei Hinsicht scheint es so, dass die Knopfzellbatterien nach dem Entladevorgang nicht mehr
vollständig aufgeladen werden können und in den nächsten Zyklus mit stark eingeschränkter Kapazität
starten. Dieses Kapitel soll ein paar Lösungsansätze präsentieren, wie beobachtete Probleme
möglicherweise zukünftig ausgeräumt und behoben werden könnten.
Zelldesign
Zu Beginn der Bearbeitungszeit des Projektes galt es ein Konzept zu entwickeln, wie Testzellen
realisiert werden können, die miteinander vergleichbar sind, ohne aufwändige Zellfertigung gefertigt
werden können, aber gleichzeitig eine hohe Vergleichbarkeit zwischen den Testzellen ermöglicht.
Da in unserem Fachgebiet das Know-How für die Fertigung von Knopfzellen des Formats 2032 bestand,
wurden die Lithium-Luft-Technologie auf die vorhandene Testzellexpertise übertragen – es wurden
Lithium-Luft-Knopfzellen gefertigt. Damit Sauerstoff in die Zellen gelangen kann, wurden 5 Luftlöcher
mit einem Durchmesser von jeweils 2 mm im gleichen Abstand zueinander in das Zellgehäuse gestanzt.
Dabei wurde im Vornherein nicht aufwändig eruiert, welche Anordnung von Luftlöchern die optimale
ist. Die Anordnung der Luftlöcher in den Testzellen ist über die gesamte Projektarbeitszeit gleich
geblieben. Im Laufe des Projekts, gestützt durch zahlreiche REM- und Tomografieexperimente wurde
herausgefunden, dass nur das Aktivmaterial, welches sich innerhalb eines Luftloches befindet für die
Batteriereaktion zur Verfügung steht, die abgedeckten Teile des Aktivmaterials reagierten wider
Erwarten nicht. Zum einen könnte die begrenzte Kapazität der Zellen direkt auf das Zelldesign
zurückzuführen sein, da sich der Sauerstoffdruck nur auf einen geringen Teil der Aktivmasse
139
konzentriert und dort zu überwiegener Alterung führen kann, auf der anderen Seite könnte das
Entladeverhalten auch auf den aprotischen Batterietyp zurückzuführen sein, der generell aufgrund
seiner Konzeptionierung mit vielen Problemen, wie eingangs beschrieben wurde, zu kämpfen hat. Es
wäre also für zukünftige Arbeiten ratsam, das Zelldesign nochmal zu überprüfen und anzupassen, es
ist nicht auszuschließen, dass die idelae Testzelle für Lithium-Luft-Batterien überhaupt im
Knopfzellformat realisierbar ist.
Kathode
Im Rahmen dieser Arbeit ist es gelungen, verschiedene poröse Kohlenstoffe im Labormaßstab zu
synthetisieren und in Form von Gasdiffusionselektroden in den Lithium-Luft-Testzellen einzusetzen.
Die Kohelnstoffe für sich zeigen herausragende Eigenschaften in puncto aktive Oberfläche und
Porenvolumen. Das durchgeführte Fertigungsverfahren, mit dem die Gasdiffusionselektroden gefertigt
wurden, sollte weiter optimiert werden. Der poröse Kohlenstoff wird mit weiteren Additiven, Binder
und Katalysator auf eine Edelstahlgaze gepresst, es ist nicht auszuschließen, dass das Aktivmaterial
durch diesen Fertigungsschritt allein Schaden nimmt, dass die Poröse Struktur aufgrund der
Pressdrucks verändert wird, wie in dem FIB-REM-Querschnitt in Abbildung 8.39 dargestellt wird. Es
sollte für fortführende Forschungsanstrengungen überprüft werden, ob es schonendere
Herstellungsverfahren gibt, die im Labormaßstab durchführbar sind und ob das Fertigungsverfahren
einen Einfluss auf die initiale Porosität der verwendeten Gasdiffusionselektroden hat.
Es zeigte sich im Laufe der Testzellexperimente, dass die kohlenstoffbasierte Gasdiffusionselektrode
gut geeignet ist und neben einer hohen mechanischen Belastbarkeit eine hohe
Oxidationsbeständigkeit aufweist.
Die Imprägnierung und Verteilung des Katalysators könnte in folgenden Forschungsprojekten einen
weiteren Fokus darstellen. In dieser Arbeit wurden kommerziell erhältliche Übergangsmetall-
oxidpulver in den GDE-Slurry gemischt, ein Verfahren zu finden, in dem in situ Katalysatorzentren nicht
nur auf der Oberfläche und in zwischen den Kohlenstoffpartikeln, sondern auf innerhalb der porösen
Struktur erzeugt werden können, und ob dies eine Performancesteigerung zur Folge hat, könnte ein
interessanter Fokus sein.
Ein großes Problem bei der Materialcharakterisierung mit Lithiumhaltigen Ablagerungen ist die
Detektion lithiumhaltiger Species. Vor allem im Bereich der Rasterelektronenmikroskopie war es mit
sehr vielen Schwierigkeiten verbunden, Lithiumoxide zweifelsfrei zu identifizieren. Abhilfe hierfür
könnte die Verwendung von Lithiumsensitiven Detektoren sein, so dass nicht passiv über andere
Elemente der gesuchten Verbindung das Lithium indirekt nachgewiesen werden muss.
Elektrolyt
Im Rahmen dieser Arbeit wurde sich auf den aprotischen Bautyp zur Bearbeitung des Projektes
fokussiert. Hierfür wurden mehrere unterschiedliche aprotische Lösungsmittelklassen als
Batterieelektrolyt verwendet, von denen sich besonders die Elektrolytmischung aus Dimethylamid und
Sulfolan als am besten geeignet herausgestellt hat. Für die hier durchgeführten Experimente war
dieser verwendete aprotische Elektrolyt vollkommen ausreichend – er besitzt eine gute Leitfähigkeit,
140
Viskosität und zeigt eine gute Oxidationsbeständigkeit. Da mit der Verwendung von aprotischen
Elektrolyten Probleme wie die kathodenseitige Abscheidung von Reaktionsprodukten und dem
darausfolgenden pore clogging, sowie die Ausbildung einer stabilen SEI-Schicht verbunden sind und
nach derzeitigem Forschungsstand (Quasi)- Festkörperelektrolyte für eine bessere Alternative
gehandelt werden, sollte sich in kommenden Forschungsarbeiten darauf konzentriert werden, wie in
entsprechende Testzellen alternative Elektrolytmaterialien assembliert werden können, um eine
Performancesteigerung zu erzielen.
Anodenmaterial
Der Ursprung der hohen Energiedichte der Lithium-Luft-Technologie ist die Verwendung elementaren
Lithiums, welches als Metallfolie in die Testzelle eingebaut wird und verglichen mit anderen
Interkalationsmaterialien, wie sie zum Beispiel aus der Lithium-Ionen-Technologie bekannt sind,
aufgrund ihres schier unerschöpflichen Lithiumreservoirs für die hohen prognostizierten
Entladekapazitäten verantwortlich sind. Dieser Vorteil ist gleichzeitig der größte Nachteil der
Technologie, da das reaktive Anodenmaterial, den Elektrolyten zersetzen und Dendritenwachstum die
Folge sein kann. Die durchgeführten Tomografieexperimente in dieser Arbeit konnten aufklären, dass
sich die Lithiumanode fortwährend umbaut und mit der fortwährenden Änderung ihrer
Oberflächenstruktur nicht nur unnötig Elektrolyt abreagiert, sondern auch durch eine beobachtete
Materialexpansion die anderen Zellbestandteile nachhaltig durch mechanische Alterung schädigen
kann. Daher wäre es an dieser Stelle ratsam, auf das elementare Lithium zu verzichten, um die
zahlreichen Probleme zu beheben, die die Verwendung verursacht. Allerdings wäre damit auch der
große Vorteil bezüglich der Energiedichte gegnüber anderen Batterietechnologien hinfällig.
In zukünftigen Forschungsarbeiten sollte der Einsatz von schützenden Additiven, die auf die
Metalloberfläche aufgetragen werden, untersucht oder die Verwendung von Lithiumlegierungen
erwägt werden. Diese zeigen eine deutlich niedrigere Energiedichte als reines Lithium, könnten aber
aufgrund ihrer Zusammensetzung für weniger Nebenreaktionen oder mechanische Alterung sorgen.
Die Diskrepanz zwischen Energiedichtenmaximierung und Sicherheit bleibt weiter bestehen, so dass
wohl wird abgewägt werden müssen, was zum Vorteil der höheren Energiedichte auf Kosten der
Zellsicherheit realisiert wird.
Es gibt noch einiges zu tun auf dem Gebiet der Lithium-Luft-Technologie, um ein sicheren und
verlässlichen Energiespeicher zu realisieren. Ich hoffe, dass ich mit dieser Arbeit dazu beitragen
konnte, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen und dass durch diese Arbeit kommende
Forschungsprojekte mehr Aufwind bekommen, um die Lithium-Luft-Technologie zum neuen Standard
für mobile Energiespeicher zu entwickeln.
141
9. Ergebnisse und Zusammenfassung
Der wissenschaftliche Konsens über die Lithium-Luft-Technologie geht weit auseinander. Die einen
sehen in dieser Technologie einen potenziellen Kandidaten, der die Batteriebranche revolutionieren
wird, die anderen erklären aufgrund der vielschichtigen Probleme die Entwicklung für gescheitert. Es
ist wahr, dass in der Lithium-Luft-Technologie ein großes Potential auf schwer zu bewältigende
Probleme treffen. Noch kann eine langzeitstabile, verlässliche und sichere Lithium-Luft-Batterie nicht
realisiert werden, doch können durch die fortwährende Grundlagenforschung neue Lösungsvorschläge
für die Beseitigung bestehender Probleme gemacht werden. Meiner Einschätzung nach wird das
Konzept, einen Teil des benötigten Aktivmaterials für die Batteriereaktion direkt aus der
Umgebungsluft zu beziehen und Energiespeicher mit der bis zu 20-fachen Energiedichte im Vergleich
zu konventionellen Lithium-Ionen-Akkumulatoren zu schaffen aller Voraussicht nach ein Konzept
bleiben. Die elektrochemischen Prozesse innerhalb der Zelle sind zu komplex, angefangen bei
Nebenproduktbildung, unerwünschten Zersetzungsprozessen bis hin zu stark reaktiven
Zwischenprodukten und einer Aktivmasse, die sich fortwährend aufgrund ihrer eigenen Reaktivität
umbaut, und nicht dafür geeignet ist, einen sicheren Energiespeicher zu schaffen. Zwar ist es
vorteilhaft, weiter an dieser Technologie zu forschen und in der Zukunft Möglichkeiten zu finden alle
Fallstricke zu beseitigen. Würde man dennoch die benötigten finanziellen Mittel in andere
Technologien investieren, die jetzt schon einen höheren Wirkungsgrad aufweisen und nicht von so
vielen störenden Einflussfaktoren beeinträchtigt werden, würde man bessere Energiespeicher
schaffen, die die Lithium-Luft-Technologie gemessen am Kosten-Nutzen-Verhältnis übertreffen. Somit
ist meiner Meinung nach, die prognostizierte Markteinführung ab 2025 mehr als fragwürdig
anzusehen.
Wie verschiedene Forschungsarbeiten zeigen konnten, reicht die Problematik von unerwünschten
Nebenreaktionen bei der Batteriereaktion bis hin zu irreversiblen Zersetzungsprozessen an den
Aktivmaterialien. Neben der Bildung von störenden Nebenprodukten, die die Gasdiffusionselektrode
zusetzen können und Ausgangspunkt neuer unerwünschter Nebenproduktbildung sind, über die
Elektrolytzersetzung, deren Abbauprodukte die Kontaktwiderstände erhöhen und die Leitfähigkeit
beeinflussen bis hin zur irreversiblen Umstrukturierung des Anodenmetalls, die die erreichbare
Kapazität begrenzt und für eine mechanische Alterung in den Batteriezellen sorgt, gibt es für die
einzelnen Probleme zwar Lösungsvorschläge, aber das Gesamtkonzept dieser Technologie sollte
deutlich überarbeitet werden, um eine wirkliche Weiterentwicklung schaffen zu können.
Das Ziel dieser Arbeit war es, Faktoren zu identifizieren, die für die schlechte Zellperformance und die
geringe coulomb’sche Effizienz der Lithium-Luft-Batterie verantwortlich sind und wie diese Faktoren
die Zellenlebensdauer beeinträchtigen.
Zuerst wurde ein zweidimensionales Finite Elemente - Simulationsmodell mit der Software Comsol
Multiphysics erstellt, um zu ergründen, welche Betriebs- und Materialparameter die Zellperformance
nachhaltig beeinflussen. Mithilfe dieser Aussagen wurden Testzellen im Knopfzellformat gefertigt und
die Parameter Elektrolytart, initiale Porosität, Katalysatorart und Stromdichte auf die Lithium-Luft-
Zellperformance untersucht.
Für die Testzellen wurde ein Elektrolyt gesucht, der in dem gegebenen Arbeitsfenster nicht zersetzt
wird und auch für länger andauernde Zelltests die benötigte Leitfähigkeit und Stabilität aufweist. Es
wurden verschiedene aprotische Elektrolyte getestet, von denen sich eine Amid-haltige
142
Elektrolytmischung bestehend aus Dimethylacetamid und Sulfolan im Mischungsverhältnis von 80:20
und 1M LiTFSI Leitsalz als am geeignetsten herausgestellt hat. Unter Verwendung dieses Elektrolyten
wurden alle weiteren Testzellen assembliert.
Um den Einfluss der initialen Porosität auf die Zellperformance untersuchen zu können, wurden mittels
eines Templatverfahrens verschiedenporige Kohlenstoffe synthetisiert und anschließend unter
Beimischung verschiedener Übergangsmetalloxide zu Gasdiffusionselektroden weiterverarbeitet.
Diese wurden anschließend in den Testzellen verbaut und der Einfluss der aktiven Oberfläche und des
Porenvolumens auf die Zellperformance studiert. Zur Qualitätssicherung der erhaltenen Kohlenstoffe
und um die Katalysatorverteilung in den Gasdiffusionselektroden zu identifizieren, wurden die
einzelnen Materialien und fertigen Gasdiffusionselektroden mittels Rasterelektronenmikroskopie,
energiedispersiver Röntgenspektroskopie und fokussierter Ionenstrahl-Rasterelektronenmikroskopie
charakterisiert.
Während der minimalporöse Kohlenstoff unter Zuhilfenahme von 40 nm großen Siliziumdioxid-
templaten das insgesamt kleinste Porenvolumen von 1733,67 mm³/g bei gleichzeitig höchster aktiver
Oberfläche von 461,89 m²/g aufweisen konnte, zeigte eine kommerziell erhältliche Aktivkohle das
insgesamt größte Porenvolumen von 2229,70 mm³/g bei gleichzeitig niedrigster aktiver Oberfläche von
181,09 m²/g.
Der halbporöse Kohlenstoff unter Verwendung von bis zu 200 nm großen Siliziumdioxidnanopartikeln
zeigte den geringsten Kapazitätsverlust mit zunehmender Zyklenzahl aller verglichenen Kohlenstoffe.
Bei einmaliger Zyklisierung der Testzellen stellte sich die aktive Oberfläche des Kohlenstoffs als
limitierender Faktor der Batteriekapazität heraus, während bei Mehrfachzyklen das Porenvolumen
den limitierenden Faktor auf die Batteriekapazität zeigte.
Gasdiffusionselektroden mit Eisen (III)- und Mangan (II,III)-oxid als Katalysatormaterial zeigten einen
deutlich geringeren Kapazitätsverlust pro Zyklus als vergleichbare Gasdiffusionselektroden, in denen
Cobalt (II,III)- und Nickel (III)-oxid verwendet wurde.
Des Weiteren wurden baugleiche Testzellen mit unterschiedlichen Betriebsströmen zyklisiert und der
Einfluss der Stromstärke auf das Zellsystem untersucht. Es konnte ein Kapazitätsverlust mit steigender
Stromstärke festgestellt werden. Beim Vergleich des Kapazitätsverlaufes über die gesamte Zyklenzahl
sind Anomalien in Erscheinung getreten, sodass Zellen, die mit einem höheren Strom zyklisiert worden
waren, inmitten einer Mehrfachzyklisierung sprunghaft höhere Entladekapazitäten zeigten, als
Vergleichszellen mit niedrigeren Strömen.
Bezugnehmend auf diese Beobachtungen wurden diese Testzellen post mortem tomografiert und
anschließend die enthaltenen Elektroden mittels Rasterelektronenmikroskopie charakterisiert. Bei den
Tomografieversuchen konnte herausgefunden werden, dass mit zunehmender Stromstärke die
Lithiumanodenschicht zunehmend expandiert und die Zelle mechanisch altert, indem die enthaltenen
Aktivmaterialien zusammengedrückt werden und dass Elektrolytverdrängung und interne
Kurzschlüsse die Folge sein können. Nach separater Analyse der Lithiumanoden am DESY konnten
körnige Lithiumabscheidungen an der Metalloberfläche beobachtet werden, die mit steigender
Stromstärke in Anzahl und Volumenanteil steigen. Die Größe der kornförmigen Abscheidungen bleibt
dabei in etwa gleich.
143
Post Mortem untersuchte Gasdiffusionselektroden zeigen im Reaktionsbereich oxidische
Ablagerungen, die nicht zweifelsfrei als Lithiumperoxid identifiziert werden können.
Tomografiequerschnitte aus tieferen Ebenen der Gasdiffusionselektroden zeigen eingelagerte
Kristallite in den Poren, die ebenfalls lithiierter Natur sein können, aber nicht zweifelsfrei identifiziert
werden konnten, da die Messtechnik die charakteristische Lithiumemissionsstrahlung nicht
detektieren konnte.
Bei all diesen Experimenten wurden begrenzende Faktoren der Lithium-Luft-Technologie ausgemacht,
die im Grunde erst für sich selbst ausgeräumt werden müssen, bevor das gesamte System sicher in die
Massenanwendung gehen kann.
10. Ausblick
An die Lithium-Luft-Technologie sind viele Erwartungen geknüpft, die in überschaubaren Zeitskalen so
schnell wohl nicht erfüllt werden können. Generell sind vier verschiedene Bauformen des Lithium-Luft
Akkumulators denkbar. Nach Durchführung dieser Arbeit mit dem aprotischen Bautypen erscheint die
Hybridbauform mit kathodenseitig wässrigem Elektrolyten und anodenseitig aprotischen Elektrolyten
als die am besten geeignete Konstruktionsart. Somit können auf der Kathode die wasserlöslichen
Entladeprodukte die Kathode nicht verstopfen und auf der Anodenseite kann sich eine stabile SEI-
Schicht ausbilden, die das Anodenmaterial schützt. Bei der Konstruktion eines „besseren“ Lithium-Luft-
Systems sollten in der Batteriezelle Reservebereiche vorgesehen werden, in welche sich die Anode
ausdehnen kann, da im fortlaufenden Batteriebetrieb die Anode expandiert.
Als weitere Untersuchungen sollte definitiv die Stromabhängigkeit auf die Anodenmorphologie und
die Lithiumperoxidablagerungen auf der Gasdiffusionselektrode eingegangen werden. Interessant
wäre hierbei herauszufinden, inwiefern der Strom die Größe der Entladeprodukte beeinflusst um
vorhersagen zu können, ob ein minimalporöser oder doch eher maximalporöser Kohlenstoff als
Gasdiffusionselektrodenmatrix eingesetzt werden sollte oder nicht.
Der Vergleich zwischen den Ergebnissen der Simulation und den Testzellen zeigt, dass die Aussagekraft
des Simulationsmodells noch sehr begrenzt ist. Um das zu verbessern, könnte das Mesh des Finite
Elemente Modells verfeinert werden, um genauere Prognosen zu erstellen. Um die Aussagekraft des
Modells weiter zu stärken, sollte auf analytischem Wege herausgefunden werden, welche
Nebenprodukte entstehen und wie sie die Zellperformance beeinflussen. Werden diese Faktoren im
Simulationsmodell berücksichtigt, sind sicher bessere Aussagen möglich.
Auch das Werkzeug der Tomografie sollte intensiver genutzt werden, um Zellprozesse aufzuklären. Die
in situ Tomografie von Lithium Luft Testzellen im laufenden Betrieb kann eine Aussage treffen, in
welchem Zeitraum die Zellen wie stark altern und welche Zellbestandteile sich am stärksten verändern.
Dann könnte man durch gezielte Verbesserung der Materialien oder der Zellkonstruktion Batterien mit
höherer Zellenlebensdauer schaffen.
CXLIV
CXLV
11. Literaturverzeichnis
[ABR10] K. Abraham, C. Laoire, S Mukerjee, J. Phys. Chem. C, 114, 9178-9186, 2010,
(DOI: 10.1021/jp102019y)
[ABR96] K. Abraham, Z. Jiang, J. Electrochem. Soc., Vol. 143 No.1, 1-5, 1996
[ALE11] G. Aleshin, D. Semenenko, A. Belova, T. Zakharchenko, D. Itkis, E. Goodilin, Y.
Tretyakov, Solid State Ionics, 184, 62–64, 2011, (DOI: 10.1016/j.ssi.2010.09.018)
[AMI13] D. Zhai, H. Wang, J. Yang, K. Lau, K. Li, K. Amine, L. Curtiss, Journal of The American
Chemical Society, 135(41), 15364–15372, 2013, (DOI: 10.1021/ja403199d)]
[ARM18] H. Zhang, G. Eshetu, X. Judez, C. Li, L. Rodriguez-Martínez, M. Armand, Angew. Chem.
Int. Ed., 57, 15002-15027, 2018, (DOI: 10.1002/anie.201712702)
[ASA18] M. Asadi, B. Sayahpour, P. Abbasi, A. Ngo, K. Karis, J. Jokisaari, C. Liu, B. Narayanan,
M. Gerard, P. Yasaei, X. Hu, A. Mukherjee, K. Chun, Nature, 555, 502-508, 2018,
(DOI: 10.1038/nature25984)
[AUR17] D. Sharon, D. Hirshberg, M. Afri, A. Frimer, D. Aurbach, Chem. Commun., 53, 3269-
3272, 2017, (DOI: 10.1039/c6cc0908a)
[BAE16] Y. Bae, Y. Yun, H. Lim, H. Lee, Y. Kim, J. Kim, H. Park, Y. Ko, S. Lee, H. Kwon, H. Kim, H.
Kim, D. Im, K. Kang, Chem. Mater., 28, 8160–8169, 2016,
(DOI: 10.1021/acs.chemmater.6b02489)
[BAI17] J. Bai, H. Lu, Y. Cao, X. Li, J. Wang, RSC Adv., 7, 30603–30609, 2017,
(DOI: 10.1039/c7ra05035f)
[BAT01] S. Batsanov, Inorganic Materials, 37, 9, 871–885, 2001, Translated from
Neorganicheskie Materialy, 37, 9, 1031–1046, 2001, Original Russian Text Copyright
2001 by Batsanov
[BER14] B. Bergner, A. Schürmann, K. Peppler, A. Garsuch, J. Janek, J. Am. Chem. Soc., 136,
15054–15064, 2014, (DOI: 10.1021/ja508400m)
[BER15] C. Berhaut, P. Porion, L. Timperman, G. Schmidt, D. Lemordant, M. Anouti,
Electrochimica Acta, 180, 778-787, 2015, (DOI: 10.1016/j.electacta.2015.08.165)
[BRU11a] S. Freunberger, Y. Chen. N. Drewett, L. Hardwick, F. Bardé, P. Bruce, Angew. Chem.
Int. Ed., 50, 8609-8613, 2011, (DOI: 10.1002/anie.201102357)
[BRU12] P. Bruce, S. Freunberger, L. Hardwick, J. Tarascon, Nature Materials, 11(1), 19-29,
2012, (DOI: 10.1038/NMAT3191)
[BRU13] Y. Chen, S. Freunberger, Z. Peng, O. Fontaine, P. Bruce, Nat. Chem., 5, 489–494, 2013,
(DOI: 10.1038/nchem.1646)
CXLVI
[BRY11] V. Bryantsev, V. Giordiani, W. Walker, M. Blanco, S. Zecevic, K. Sasaki, J. Uddin, D.
Addison, G. Chase, J. Phys. Chem. A, 115, 12399-12409, 2011,
(DOI: 10.1021/jp2073914)
[BRY12] V. Bryantsev, F. Faglioni, J. Phys. Chem. A, 116, 7128-7138, 2012,
(DOI: 10.1021/jp301537w)
[BRY13] V. Bryantsev, J. Uddin, V. Giordani, W. Walker, D. Addison, G. Chase, Journal of The
Electrochemical Society, 160 (1), A160-A171, 2013, (DOI: 10.1149/2.027302jes)
[CEC12] L. Cecchetto, M. Salomon, B. Scrosati, F. Croce, Journal of Power Sources, 213, 233-
238, 2012, (DOI: 10.1016/j.jpowsour.2012.04.038)
[CHE12a] F. Cheng, J. Chen, Chem. Soc. Rev., 41, 2172-2192, 2012, (DOI:10.1039/c1cs15228a)
[CHE13] C. Chervin, M. Wattendorf, J. Long, N. Kucko, D. Rolison, J. Electrochem. Soc., 160,
A1510-A1516, 2013, (DOI: 10.1149/2.070309jes)
[CHE18] J. Cheng, Y. Jiang, M. Zhang, Y. Sun, L. Zou, B. Chi, J. Pu, L. Jian, Chem Cat Chem, 10(7),
1635–1642, 2018, (DOI: 10.1002/cctc.201701666)
[CHE19] J. Lai, Y. Xing, N. Chen, W. Feng, R. Chen, Angew. Chem. Int. Ed., 59, 8, 2974-2997,
2020, (DOI: 10.1002/anie.201903459)
[CHO13] B. Kim, J. Lee, D. Lee, J. Park, J. Choi, ChemSusChem, 6, 443 – 448, 2013,
(DOI: 10.1002/cssc.201200801)
[CHU13] D. Chung, M. Ebner, D. Ely, V. Wood, E. García, Modelling Simul. Mater. Sci. Eng., 21,
074009, 2013, (DOI: 10.1088/0965-0393/21/7/074009)
[CHU14] Y. Liu, L. Cao, C. Cao, M. Wang, K. Leung, S. Zeng , T. Hung, C. Chung, Z. Lu, Chem.
Commun., 50 (93), 14635–14638 , 2014, (DOI: 10.1039/C4CC04682J)
[COM] COMSOL-Multiphysics, Finite Element Mesh Refinement,
https://www.comsol.de/multiphysics/mesh-refinement, (Letzter Zugriff: 25.09.2020).
[DAH11] M. Dahbi, F. Ghamouss, F. Tran-Van, D. Lemordant, M. Anouti, Journal of Power
Sources, 196, 22, 9743-9750, 2011, (DOI:10.1016/j.jpowsour.2011.07.071)
[DIN14] N. Ding, S. Chien,T. Hor, R. Lum, Y. Zonga, Z. Liu, J. Mater. Chem. A, 2, 12433, 2014,
(DOI: 10.1039/C4TA01745E)
[EIN11] J. Ein-Eli, A. Kraytsberg, Journal of Power Sources, 196, 886-893, 2011,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2010.09.031)
[EIN14] M. Balaish, A. Kraytsberg, Y. Ein-Eli, Phys. Chem. Chem. Phys., 16, 2801, 2014,
(DOI: 10.1039/c3cp54165g)
[ELI16] G. Elia, K. Marquardt, K. Hoeppner, S. Fantini, R. Lin, E. Knipping, W. Peters, J.-F.
Drillet, S. Passerini, R. Hahn, Advanced Materials, 28, 7564-7579, 2016,
(DOI: 10.1002/adma.201601357)
CXLVII
[EUL94] Gespeicherte Energie: Geschichte der elektrochemischen Energiespeicher/ VDE
Ausschuss “Geschichte der Elektrotechnik” Herausgegeben von Kurt Jäger, VDE
Verlag Berlin, 1994
[FRE11] S. Freunberger, Y. Chen, Z. Peng, J. Griffin, L. Hardwick, F.Bardé,P. Novák, P. Bruce, J.
Am. Chem. Soc., 133, 8040–8047, 2011, (DOI: 10.1021/ja2021747)
[GIR10] G.Girishkumar, B. McCloskey, A. Luntz, S. Swanson and W. Wilcke, J. Phys. Chem.
Lett., 1, 2193-2203, 2010, (DOI: 10.1021/jz1005384)
[GIT16] F. Gittleson, R. Jones, D. Ward, M. Foster, Energy Environment Science, 10, 1167-
1179, 2017, (DOI: 10.1039/C6EE02915A)
[GOL07] D. Golodnitsky, R. Kovarsky, H. Mazor, Yu. Rosenberg, I. Lapides, E. Peled, W.
Wieczorek, A. Plewa, M. Siekierski, M. Kalita, L. Settimi, B. Scrosati, L. Scanlon, J.
Electrochem. Soc., 154, 6, A547-A553, 2007, (DOI: 10.1149/1.2722538)
[GOO11] L. Wang, X. Zhao, Y. Lu, M. Xu, D. Zhang, R. Ruoff, K. Stevenson, J. Goodenough,
Journal of The Electrochemical Society, 158, 12, A1379-A1382, 2011, (DOI:
10.1149/2.068112jes)
[GRA15] L. Grande, E. Paillard, J. Hassoun, J. Park, Y. Lee, Y. Sun, S. Passerini, B. Scrosati, Adv.
Mater., 27, 784-800, 2015, (DOI: 10.1002/adma.201403064)
[GRS13] Die Welt der Batterien, Stiftung gemeinsames Rückgabesystem Batterien, grs-
batterien.de, 2013, (Letzter Zugriff: 23.03.2020)
[GRS18] GRS Batterien.de, Erfolgskontrolle, Masse und Stück in Verkehr gebrachter Batterien
/ § 15 (1) Nr. 1 BattG, 2018
[GU98] C. Wang, W. Gu, B. Liaw, Journal of Electrochemical Society, 145, 10, 3407-3417, 1998
[GUO13] Z. Guo , D. Zhou , X. Dong , Z. Qiu , Y. Wang , Y. Xia, Advanced Materials, 25(39),
5668–5672, 2013, (DOI: 10.1002/adma.201302459)
[GWA15] G. Gwak, H. Ju, Electrochima acta, 201, 395-409, 2015,
(DOI: 10.1016/j.electacta.2016.03.040)
[HAN14] X. Han, Y. Hu, J. Yang, F. Cheng and J. Chen, Chem. Commun., 50, 1497, 2014,
(DOI: 10.1039/c3cc48207c)
[HAS12] J. Hassoun, H. Jung, D. Lee, J. Park, K. Amine, Y. Sun, B. Scrosati, Nano Lett., 12,
5775−5779, 2012, (DOI: 10.1021/nl303087j)
[HE16] P.He, T. Zhang, J. Jiang, H. Zhou, J. Phys. Chem. Lett., 7, 1267-1280, 2016,
(DOI: 10.1021/acs.jpclett.6b00080)
[HIG13] D. Higgins, Z. Chen, D. Lee, Z. Chen, J. Mater. Chem. A, 1, 2639-2645, 2013,
(DOI: 10.1039/C2TA00944G)
CXLVIII
[HOL102] Hollemann, Wiberg, Lehrbuch der anorganischen Chemie, 102. Ausgabe, de Gruyter
Verlag, Berlin , S. 1260-1262, 2007
[HUA14] S. Huang, W. Fan, X. Guo, F. Meng, X. Liu, ACS Appl. Mater. Interfaces, 6, 21567–
21575, 2014, (DOI: 10.1021/am506564n)
[HUA16] J. Huang, A. Faghri, Journal of Power Sources, 307, 45-55, 2016,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2015.12.092)
[IMA14] N. Imanishi, A. Luntz, P. Bruce, Springer Verlag, New York, 95, 2014,
(DOI: 10.1007/978-1-4899-8062-5)
[ITO16] J. Han, X. Guo, Y. Ito, P. Liu, D. Hojo, T. Aida, A. Hirata, T. Fujita, T. Adschiri, H.
Zhou, M. Chen, Adv. Energy Mater., 6, 1501870, 2016,
(DOI: 10.1002/aenm.201501870)
[JIA14] Z. Jia, G. Yin, J. Zhang, Rotating Electrode Methods and Oxygen Reduction
Electrocatalysts, 199-229, 2014, (DOI: 10.1016/B978-0-444-63278-4.00006-9)
[JUN18] J. Jung, D. Choi, C. Lee, K. Yoon, S. Yu, J. Cheong, C. Kim, S. Cho, J. Park, Y. Park, I. Kim,
Nano Energy, 46, 193–202, 2018, (DOI: 10.1016/j.nanoen.2018.01.045)
[JUN19] J. Jung, S. Cho, J. Nam, I. Kim, Energy Storage Materials, 24, 512-528, 2020,
(DOI: 10.1016/j.ensm.2019.07.006)
[KIM11] H.S. Kim, C.S. Jeong, Bulletin of the Korean Chemical Society, 32, 2011,
(DOI: 10.5012/bkcs.2011.32.10.3682)
[KIM14] B. Kim, H. Kim, S. Back, K. Nam, Y. Jung, Y. Han, J. Choi, Scientific Reports, 4, 4225,
2014, (DOI: 10.1038/srep04225)
[KIM17] K. Kim, W. Lee, New Journal of Chemistry, 41, 3, 1321–1326, 2017,
(DOI: 10.1039/c6nj03402k)
[KMAC07] Vorlesungsskript Analytik I, TU Berlin, Institut für Chemie, Prof. Ressler, 2007
[KOR13] Reiner Korthauer, Handbuch Lithium- Ionen-Batterien, Springer Verlag, Berlin, 16,
2013
[KOZ16] A. Kozmenkova, E. Kataev, A. Belova, M. Amati, L. Gregoratti, J. Velasco-Vélez, A.
Knop-Gericke, B. Senkovski, D. Vyalikh, D. Itkis, Y. Shao-Horn, L. Yashina, Chem.
Mater., 28, 8248-8255, 2016, (DOI: 10.1021/acs.chemmater.6b03195)
[KUM09] J. Kumar, B. Kumar, Journal of Power Sources, 194, 1113–1119, 2009,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2009.06.020)
[KUM10] B. Kumar, J. Kumar, R. Leese, J. Fellner, S. Rodrigues, K. Abraham, Journal of The
Electrochemical Society, 157, 1, A50-A54, 2010, (DOI: 10.1149/1.3256129)
CXLIX
[KWA20] W. Kwak, Rosy, D. Sharon, C. Xia, H. Kim, L. Johnson, P. Bruce, L. Nazar, Y. Sun, A.
Frimer, M. Noked, S. Freunberger, D. Aurbach, Chem. Rev., 120, 14, 6626–6683, 2020,
(DOI: 10.1021/acs.chemrev.9b00609)
[LEE11] J. Lee, S. Cao, R. Cao, N. Choi, M. Liu, K. Lee, J. Cho, Adv. Energy Mater., 1, 34-50,
2011, (DOI: 10.1002/aenm.201000010)
[LEE13] D. Lee, H. Lee, J. Song, M. Ryou, Y. Lee. H. Kim, J. Park, Electrochemistry
Communications, 40, 45-48, 2014, (DOI: 10.1016/j. elecom.2013.12.022)
[LI09] D. Li, I. Keresztes, R. Hopson, P. Williard, Accounts of Chemical Research, 42, 2, 270,
2009, (DOI: 10.1021/ar800127e)
[LI16] J. Lu ,J. Li , Z. Zhu , Y. Zhao , C. Chen, F. Kang, Int. J. Electrochem. Sci., 11, 498 – 505,
2016
[Li16a] P. Li, W. Sun, Q. Yu, P. Yang, J. Qiao, Z. Wang, D. Rooney, K, Sun, Solid State Ionics,
289, 17-22, 2016, (DOI: 10.1016/j.ssi.2016.02.014)
[LID07] D.R. Lide. CRC Handbook of Chemistry and Physics, 87th edition, CRC Press, 2007
[LIN17] Y. Lin, B. Moitoso, C. Martinez-Martinez, E. Walsh, S. Lacey, J. Kim, L. Dai, L. Hu, J.
Connell, Nano Lett., 17, 3252-3260, 2017, (DOI: 10.1021/acs.nanolett.7b00872)
[LIU08] J. Liu, D. Cao, L. Zhang, The Journal of Physical Chemistry C, 112, 17, 6653-6661, 2008,
(DOI: 10.1021/jp800474t)
[LIU15] X. Liu, B. Cui, S. Liu, Y. Chen, Journal of Materials Science and Chemical Engineering,
3, 1-8, 2015, (DOI: 10.4236/msce.2015.35001)
[LU11] Y. Lu, D. Kwabi, K. Yao, J. Harding, J. Zhou, L. Zuind, Y. Shao-Horn, Energy Environ. Sci.,
4, 2999, 2011, (DOI: 10.1039/c1ee01500a)
[LUM] Lumitos, Kohlenstoff, https://www.chemie.de/lexikon/Kohlenstoff.html, (Letzter
Zugriff: 25.09.2020)
[MA13] S. Ma, D. Lee, V. Roev, D. Im, S. Doo, J. Power Sources, 244, 494-498, 2013,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2013.03.150)
[MA13] S. Ma, L. Sun, L. Cong, X. Gao, C. Yao, X. Guo, L. Tai, P. Mei, Y. Zeng, H. Xie, R. Wang, J.
Phys. Chem. C, 117, 25890−25897, 2013, (DOI: dx.doi.org/10.1021/jp407576q)
[MA15] Z. Ma, X. Yuan, L. Li, Z. Ma, D. Wilkinson, L. Zhang, J. Zhang, Energy Environ. Sci., 8,
2144-2198, 2015, (DOI: 10.1039/c5ee00838g)
[MAZ08] H. Mazor, D. Golodnitsky, Y. Rosenberg, E. Peled, W. Wieczorek, B. Scrosati, Israel
Journal of Chemistry, 48, 259–268, 2008, (DOI: 10.1560/IJC.48.3-4.259)
[MCC11] B. McCloskey, D. Bethume, R. Shelby, G. Girishkumar, A. Luntz, J. Phys. Chem. Lett., 2,
1161-1166, 2011, (DOI: 10.1021/jz200352v)
CL
[MEI11] J. Xiao, D. Mei, X. Li, W. Xu, D. Wang, G. Graff, W. Bennett, Z. Nie, L. Saraf, I. Aksay, J.
Liu, J. Zhang, Nano Lett., 11, 11, 5071–5078, 2011, (DOI: 10.1021/nl203332e)
[MIT11] R. Mitchell, B. Gallant, C. Thompson, Y. Shao-Horn, Energy Environ. Sci., 4, 2952,
2011, (DOI: 10.1039/c1ee01496j)
[MIZ10] F. Mizuno, S. Nakanishi, Y. Kotani, S. Yokoishi, H. Iba, Electrochemistry, 78, 5, 403-405,
2010
[NIS99] Marie-Louise ten Hoorn-van Nispen, 400000 Jahre Technikgeschichte, Primus Verlag,
Darmstadt, 1999
[OET00] Ostwald’s Klassiker der exakten Wissenschaften, Nr. 114, Briefe über thierische
Elektrizität von Alessandro Volta (1792) Herausgegeben von A.J. von Oettingen,
Leipzig, Wilhelm Engelmann, 1900
[PEN18] Z. Zhao, J. Huang, Z. Peng, Angew. Chem. Int. Ed., 57, 3874-3886, 2018,
(DOI: 10.1002/anie.201710156)
[PER92a] The ambiguous Frog, the Galvani-Volta Controversy on Animal Electricity, Marcello
Pera, Princeton University Press, S. 69, 1992
[PER92b] The ambiguous Frog, the Galvani-Volta Controversy on Animal Electricity, Marcello
Pera, Princeton University Press, S. 154, 1992
[PLA17] T. Placke, R. Kloepsch, S. Dühnen, M. Winter, J Solid State Electrochem, 21, 1939-
1964, 2017, (DOI: 10.1007/s10008-017-3610-7)
[PLI14] X. Chen, V. Bevara, P. Andrei, M. Hendrickson, J. Plichta, J. Zheng, Journal of The
Electrochemical Society, 161, 12, A1877-A1883, 2014, (DOI: 10.1149/2.0721412jes)
[REA03] J. Read, K. Mutolo, M. Ervin, W. Behl, J. Wolfenstine, A. Driedger, D. Foster, Journal of
The Electrochemical Society, 150, 10, A1351, 2003, (DOI: 10.1149/1.1606454)
[RIE10] Erwin Riedel, Allgemeine und Anorganische Chemie, 10. Auflage, de Gruyter Verlag,
Berlin, 219-230, 2010
[SAF17] D. Safanama, S. Adams, Journal of Power Sources, 340, 294-301, 2017,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2016.11.076)
[SAH13] U. Sahapatsombut, H. Cheng, K. Scott, Journal of Power Sources, 227, 243-258, 2013,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2012.11.053)
[SAH14] U. Sahapatsombut, H. Cheng, K. Scott, Journal of Power Sources, 249, 418-430, 2014,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2013.10.128)
[SAN07] S. Sandhu, J. Fellner, G. Brutchen, Journal of Power Sources, 164, 365-371, 2007,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2006.09.099(
CLI
[SAN15] R. Sander, Compilation of Henry's Law Constants (Version 4.0) for Water as Solvent,
Atmospheric Chemistry and Physics, 15, 8, 4399-4981, 2015, (DOI: 10.5194/acp-15-
4399-2015)
[SAT71] Kurt Sattelberg, Vom Elektron zur Elektronik, eine Geschichte der Elektrizität, Elitera-
Verlag, Berlin, 107-118, 1971
[SAZ02] V. Sazonov, D. Shaw, Journal of Physical and Chemical Reference Data, 31, 989, 2002,
(DOI: 10.1063/1.1494086)
[SCO10] H. Cheng, K. Scott, Journal of Power Sources, 195, 5, 1370-1374, 2010,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2009.09.030)
[SCR11] B. Scrosati, M. Armand, F. Croce, J. Hassoun, Angew. Chem. Int. Ed., 50, 2999-3002,
2011, (DOI: 10.1002/anie.201006264)
[SEM87] K. Semkow, F. Sammels, Journal of The Electrochemical Society, 134, 8, 2084-2085,
1987
[SER15] A. Sergeev, A. Chertovich, D. Itkis, E. Goodilin, A. Khokhlov, Journal of Power Sources,
279, 707-712, 2015, (DOI: 10.1016/j.jpowsour.2015.01.024)
[SER16] A. Sergev, A. Chertovich, D. Itkis, Chemical Physics Letters, 660, 149-154, 2016,
(DOI: 10.1016/j.cplett.2016.08.012)
[SHA12] Y. Shao, S. Park, J. Xiao, J. Zhang, Y. Wang, J. Liu, ACS Catal., 2, 844-857, 2012,
(DOI: 10.1021/cs300036v)
[SHA13] D. Sharon, M. Afri, M. Noked, A. Garsuch, A. Frimer, D. Aurbach, J. Phys. Chem. Lett.,
4, 3115−3119, 2013, (DOI: 10.1021/jz4017188)
[SHA13a] B. Gallant, D. Kwabi, R. Mitchell, J. Zhou, C. Thompson, Y. Shao-Horn, Energy Environ.
Sci., 6, 8, 2518, 2013, (DOI:10.1039/c3ee40998h)
[SHA14] D. Kwabi, T. Batcho, C. Amanchukwu, N. Ortiz-Vitoriano, P- Hammond, C. Thompson,
Y. Shao-Horn, J. Phys. Chem. Lett., 5, 2850-2856, 2014, (DOI: 10.1021/jz5013824)
[SHU13] J. Shui, J. Okasinski, P. Kenesei, H. Dobbs, D. Zhao, J. Almer, D. Liu, Nat Commun, 4,
2255, 2013, (DOI: 10.1038/ncomms3255)
[SHU18] C. Yang, K. Gao, X. Zhang, Z. Sun, T. Zhang, Rare Met. 37, 459–472, 2018,
(DOI: 10.1007/s12598-018-1036-8)
[SMI07] F. Smith, A. Harvey, Chemical Engineering Progress, 103, 33-39, 2007
[STI10] K. Stierstadt, Thermodynamik - Von der Mikrophysik zur Makrophysik, Springer-
Verlag, Heidelberg, 2010
[STÖ68] W. Stöber, A. Fink, Journal of Colloid and Interface Science 26, 62-69, 1968
[SUN13] B. Sun, J. Zhang, P. Munroe, H. Ahn, G. Wang, Electrochemistry Communications, 31,
88–91, 2013, (DOI:10.1016/j.elecom.2013.03.023)
CLII
[SUN14] C. Sun, F. Li, C. Ma, Y. Wang, Y. Ren, W. Yang, Z. Ma, J. Li, Y. Chen, Y. Kim, L. Chen, J.
Mater. Chem. A, 2, 20, 7188–7196, 2014, (DOI: 10.1039/c4ta00802b)
[SUN18] F. Sun, R. Gao, D. Zhou, M. Osenberg, K. Dong, N. Kardjilov, A. Hilger, H. Markötter, P.
Bieker, X. Liu, I. Manke, ACS Energy Lett., 4, 306−316, 2019,
(DOI:10.1021/acsenergylett.8b02242)
[TAN17] P. Tan, M. Ni, Z. Shao, B. Chen, W. Kong, Applied Energy, 203, 254-266, 2017,
(DOI:10.1016/j.apenergy.2017.05.185)
[TAS09] K. Tasaki, A. Goldberg, J. Lian, M. Walker, A. Timmons, S. Harris, Journal of The
Electrochemical Society, 156, 12, A1019-A1027, 2009, (DOI: 10.1149/1.3239850)
[THO20] S. Song, X. Qin, Y. Ruan, W. Li, Y. Xu, D. Zhang, J. Thokchom, Journal of Power Sources,
461, 228146, 2020, (DOI: 10.1016/j.jpowsour.2020.228146)
[TRA10] C. Tran, X. Yang, D. Qu, Journal of Power Sources, 195, 7, 2057-2063, 2010,
(DOI: 10.1016/j.jpowsour.2009.10.012)]
[WAL13] W. Walker, V. Giordani, J. Uddin, V. Bryantsev, G. Chase, D. Addison, J. Am. Chem.
Soc., 135, 2076-2079, 2013, (DOI: 10.1021/ja311518s)
[WAN12b] H. Wang, Y. Yang, Y. Liang, G. Zheng, Y. Li, Y. Cui, H. Dai, Energy Environ. Sci., 5, 7931,
2012, (DOI: 10.1039/c2ee21746e)
[WAN14] D. Wang, Y.Hu, W. Han, L. Chen, Y. Liu, L. Suo, H. Lin, W. Yang, Y. Fang, X. Liu, J.
Mater. Chem. A, 2, 9020, 2014, (DOI: 10.1039/c4ta00834k)
[WAN16] J. Wandt, P. Jakes, J. Granwehr, H. Gasteiger, R. Eichel, Angew. Chem., 128, 7006-
7009, 2016, (DOI: 10.1002/ange.201602142)
[WAN17] F. Wang, H. Chen, Q. Wu, R. Mei, Y. Huang, X. Li, Z. Luo , ACS Omega, 2, 236-242,
2017, (DOI: 10.1021/acsomega.6b00254)
[WEI14] Z. Zhang, J. Bao, C. He, Y. Chen, J. Wei, Z. Zhou, Adv. Funct. Mater., 24, 6826–6833,
2014, (DOI: 10.1002/adfm.201401581)]
[WHI12] M. Whittingham, Proceedings of the IEEE, 100, 1518-1534, 2012,
(DOI: 10.1109/JPROC.2012.2190170)
[WIL10] J. Zhang, D. Wang, W. Xu, J. Xiao, R. Williford, Journal of Power Sources, 195, 13,
4332-4337, 2010, (DOI: 10.1016/j.jpowsour.2010.01.022)
[XIE19] C. Wang, Z. Xie, Z. Zhou, APL Mater., 7, 040701, 2019, (DOI: 10.1063/1.5091444)
[XIN19] Y. Xing, N. Chen, M. Luo, Y. Sun, Y. Yang, J. Qian, L. Li, S. Guo, R. Chen, F. Wua, Energy
Storage Materials, 24, 707-713, 2019, (DOI: 10.1016/j.ensm.2019.06.008)
[XUE14] K. Xue, T. Nguyen, A. Franco, Journal of the Electrochemical Society, 181, 8, E3028-
E3035, 2014, (DOI: 10.1149/2.002408jes)
CLIII
[YAM01] Q. Li, H. Sun, Y. Takeda, N. Imanishi, Jun Yang, O. Yamamoto, Journal of Power
Sources, 94, 201-205, 2001, (DOI: 10.1016/S0378-7753(00)00587-5)
[YAM14] O. Yamamoto, N. Imanishi, Materials today, 17, 1, 2014,
(DOI: 10.1016/j.mattod.2013.10.004)
[YAN09] X. Yang, P. He, Y. Xia, Electrochemistry Communications, 11, 1127–1130, 2009,
(DOI: 10.1016/j.elecom.2009.03.029)
[YAN14] F. Lu, X. Cao, Y. Wang, C. Jin, M. Shenb, R. Yang, RSC Adv., 4, 40373, 2014,
(DOI: 10.1039/c4ra06300g)
[YAO16] X. Yao, Q. Dong, Q. Cheng, D. Wang, Angew. Chem., 128, 11514-11524, 2016,
(DOI: 10.1002/ange.201601783)
[YOO17] K. Yoo, S. Banerjee, J. Kim, P. Dutta, Energies, 10, 1748, 2017,
(DOI: 10.3390/en10111748)
[YOS12] Akira Yoshino, Angew. Chem. Int. Ed., 51, 5798-5800, 2012,
(DOI: 10.1002/anie.201105006)
[YU13] X. Lin, L. Zhou, T. Huang, A. Yu, J. Mater. Chem. A, 1, 1239-1245, 2013,
(DOI: 10.1039/C2TA00236A)]
[ZAH19] A. Zahoor, Z. Ghouri, S. Hashmi, F. Raza, S. Ishtiaque, S. Nadeem, I. Ullah, K. Nahm,
ACS Sustainable Chem. Eng., 7, 14288-14320, 2019, (DOI:
10.1021/acssuschemeng.8b06351)
[ZAM20] V. Blay, R. Galian, L. Muresan, D. Pankratov, P. Pinyou, G. Zampardi, Adv. Sustainable
Syst., 1900145, 2020, (DOI: 10.1002/adsu.201900145)
[ZAV15] D. Kundu, R. Black, B. Adams, K. Harrison, K. Zavadil, L. Nazar, J. Phys. Chem. Lett., 6,
2252-2258, 2015, (DOI: 10.1021/acs.jpclett.5b00721)
[ZHA13d] Y, Zhang, H. Zhang, J. Li, M. Wang, H. Nie, F. Zhang, Journal of Power Sources, 240,
390-396, 2013, (DOI: 10.1016/j.jpowsour.2013.04.018)
[ZHA14] T. Zhang, Z. Tao, J. Chen, Materials Horizons, 1, 196-206, 2014,
(DOI: 10.1039/C3MH00059A)
[ZHA17f] W. Zhang, Y. Shen, D. Sun, Z. Huang, Y. Huang, Adv. Energy Mater., 7, 1602938, 2017,
(DOI: 10.1002/aenm.201602938)
[ZHA18] R. Zhang, Y. Zhang, L. Pan, G. Shen, N. Mahmood, Y. Ma, Y. Shi, W. Jia, L. Wang, X.
Zhang, W. Xu, J. Zou, ACS Catalysis, 8, 5, 3803–3811, 2018,
(DOI: 10.1021/acscatal.8b01046)
[ZHA19a] Z. Zhang, K. Tan, Y. Gong, H. Wang, R. Wang, L. Zhao, B. He, Journal of Power Sources,
437, 226908, 2019, (DOI: 10.1016/j.jpowsour.2019.226908)
CLIV
[ZHO13] W. Zhou, J. Sunsaro, J. Phys. Chem. Lett., 4, 2982−2988, 2013,
(DOI: 10.1021/jz401169n)
CLVI
12. Appendix
Quecksilberporosimetriemessungen
CLVII
CLVIII
CLIX
CLX
EDX- Mappings
Co3O4- Katalysator
Mn2O3- Katalysator
CLXI
Gasdiffusionselektroden Materialstruktur (200 nm vs 40 nm)
CLXII
CLXIII
Produktdatenblätter