Fakultät für
Elektrotechnik,
Informatik und
Mathematik
Integrationstechniken für Feldeffekttransistoren
mit halbleitenden Nanopartikeln:
Einzel- und Multipartikel-Bauelemente
Von der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik
der Universität Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften (Dr.-Ing.)
genehmigte Dissertation
von
Dipl.-Ing. Karsten Wolff
Erster Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Ulrich Hilleringmann
Zweiter Gutachter: Prof. Dr.-Ing. John Thomas Horstmann
Tag der mündlichen Prüfung: 08.02.2011
Paderborn 2011
Diss. EIM-E/273
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften 5
1.1 Ausgewählte physikalische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.1.1 Raumladungszone............................ 5
1.1.2 Metall-Halbleiter-Grenzfläche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.1.3 Ladungsträgertransportmechanismen . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.2.1 Synthese................................. 15
1.2.2 Dispergierprozess und Nanopartikeldispersionen . . . . . . . . . . . 19
1.2.3 Physikalische und elektrische Eigenschaften von Nanopartikeln . . . 21
2 Transistoraufbau und -funktionsweise 29
2.1 Dünnfilmtransistoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
2.2 Einzelpartikeltransistoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.3 Funktionsweise ................................. 35
2.4 Parameterextraktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
3 Integrationstechniken 45
3.1 Abscheidungsdefinierte Nanostrukturierungstechnik . . . . . . . . . . . . . 45
3.2 Materialien der Opferschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.2.1 Fotolack AZ 5214E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
3.2.2 Fotolack AZ MiR 701 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.2.3 Schutzlack Bectron . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
3.3 Prozesstechnik zum Kantenabscheideverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . 55
3.3.1 Siliziumdioxid-PECVD mit reduzierter Prozesstemperatur . . . . . 55
3.3.2 Verfahren zur selektiven Entfernung des Nanospacers ........ 56
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.4.1 Herstellung nanopartikulärer Schichten . . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.4.2 Abscheidung von Einzelpartikeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln 73
4.1 Dünnfilmtransistor ............................... 73
4.2 Einzelpartikeltransistoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
4.2.1 Inverted Coplanar-Architektur..................... 77
4.2.2 Inverted Staggered-Architektur .................... 86
i
Formelzeichen und Abkürzungen
4.2.3 Degradationsverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
4.3 Zusammenfassung und Bewertung von Si-NP-FET . . . . . . . . . . . . . . 97
5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln 101
5.1 Einfluss der Umgebungsatmosphäre auf das Transistorverhalten . . . . . . 102
5.2 Auswahl des Kontaktmetalls für die Drain- und Source-Elektroden . . . . . 104
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode . . . . . . . . . . . . 106
5.3.1 Inverted Coplanar-Architektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
5.3.2 Inverted Staggered-Architektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
5.3.3 Bewertung der Dünnfilmtransistoren . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
5.4 Einzelpartikeltransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode . . . . . . . . . . 132
5.4.1 Inverted Coplanar-Architektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
5.4.2 Inverted Staggered-Architektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138
5.5 Bewertung und Fazit von ZnO-NP-FET mit Rückseiten-Gate-Elektrode . . 141
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden . . . . . . . . . . . . . 143
5.6.1 Gate-Dielektrikum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
5.6.2 Dünnfilmtransistoren mit PVP-Dielektrikum . . . . . . . . . . . . . 148
5.6.3 Einzelpartikeltransistoren auf Glassubstrat . . . . . . . . . . . . . . 159
5.6.4 Bewertung von TFT mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden . . . . 163
6 Schaltungen 165
6.1 Inverter .....................................165
6.1.1 Inverter auf thermisch oxidiertem Siliziumsubstrat . . . . . . . . . . 167
6.1.2 Inverter auf Glassubstrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
6.2 Fazit.......................................170
Zusammenfassung und Ausblick 171
A Prozesstechnik 177
A.1 Konventionelle Lithografie- und Strukturierungsverfahren . . . . . . . . . . 177
A.1.1 Optische Lithografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177
A.1.2 EUV-Lithografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178
A.1.3 Röntgenstrahllithografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
A.1.4 Elektronenstrahllithografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
A.1.5 Nanoimprint-Lithografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
A.2 Nanostrukturierung: Alternative Materialien der Opferschicht . . . . . . . 181
B Finite-Elemente-Simulation 185
B.1 Simulationsumgebung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
B.2 DESSIS-Quellcode...............................186
Literaturverzeichnis 189
Eigene Veröffentlichungen und Patente 211
Danksagung 213
ii
Ausgewählte Formelzeichen und
Abkürzungen
Allgemeine Variablen und Konstanten
Ageometrische Fläche
A∗∗ effektive Richardson-Konstante
Celektrische Kapazität
erel relativer Fehler
fFrequenz
FCCoulomb-Kraft
Gelektrischer Leitwert
hPlancksches Wirkungsquantum
Ielektrische Stromstärke
Iselektrische Sperrstromstärke
Jelektrische Stromdichte
Jselektrische Sperrstromdichte
JtTunnelstromdichte
kBoltzmann-Konstante
LBLeiterbahnlänge
m∗effektive Masse
m0Ruhemasse
Mmolare Masse
Pelektrische Leistung
qElementarladung
Qelektrische Ladung
Relektrischer Widerstand
TTemperatur
Tbp Siedepunkt
Velektrische Spannung
ZOrdnungszahl im Periodensystem
Eelektrische Feldstärke
ǫrrelative Dielektrizitätszahl
iii
Formelzeichen und Abkürzungen
ǫsrelative Dielektrizitätszahl bei Schottky-Effekt
ǫ0Dielektrizitätskonstante
ΘTunnelwahrscheinlichkeit
λWellenlänge
νWellenfrequenz
ξMassenanteil/-konzentration
ρRaumladungsdichte
ρR, ρR,cspezifischer Widerstand, Kontaktwiderstand
Dichte
σspezifischer Leitwert
τ, τdec, τdeg Zeit- bzw. Verzögerungskonstanten
ϕelektrisches Potenzial
ΨWellenfunktion
Halbleitereigenschaften
ECLeitungsbandkante
EFFermienergie
EgBandlücke
Eiintrinsische Fermienergie
EVValenzbandkante
Evac,HL Vakuumenergieniveau für Halbleiter
Evac,MVakuumenergieniveau für Metalle
LDDebye-Länge
nElektronendichte
nint Ladungsträgerdichte an Grenzflächen
ND,NADonator- bzw. Akzeptorkonzentration
NtStörstellendichte
Nt,Eenergetische Störstellendichte
pLöcherdichte
Vbi Built-in-Spannung
WρRaumladungszonenweite
µLadungsträgerbeweglichkeit
WφBn Barrierenweite für Elektronen
φBn,φBp Barrierenhöhe für Elektronen bzw. Löcher
φtBarrierenhöhe in Störstellen, Tiefe der Störstelle
∆φAbnahme der Barrierenhöhe durch Schottky-Effekt
φHL,φMAustrittspotenzial für Halbleiter bzw. Metalle
χElektronenaffinität
iv
Formelzeichen und Abkürzungen
Transistor- und Schaltungsparameter
CiGate-Kapazität
fTTransitfrequenz
gdAusgangsleitwert
gmSteilheit
ID, IDS Drain- bzw. Drain-Source-Strom
IGGate-Leckstrom
Qsakkumulierte Ladung
tiSchichtdicke des Gate-Dielektrikums
VA, VDD, VEAusgangs-, Versorgungs-, Eingangsspannung
VDS Drain-Source-Spannung
VGS Gate-Source-Spannung
Vth,Vt0 Schwellenspannungsgrößen
EDS Kanalfeldstärke
EBD Durchbruchfeldstärke
α,β,γ,δModellparameter zum DITL-Effekt
µeff effektive Ladungsträgerbeweglichkeit
µFE,µFE0 Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
µn, µpElektronen-, Löcherbeweglichkeit
µsat Sättigungsladungsträgerbeweglichkeit
θModellparameter zur Gate-induzierten Schwellenspannungsabsenkung
Größen der Prozesstechnik und Schichtgeometrie
DNP Nanopartikeldurchmesser
DoF Tiefenschärfe
fRF RF-Anregungsfrequenz
hHL Schichtdicke der Halbleiterschicht
hh,OS Schichtdicke der Opferschicht
hh,SS Schichtdicke der Strukturschicht auf horizontalen Flächen
hv,SS Schichtdicke der Strukturschicht auf vertikalen Flächen (Kantenbedeckung)
kSS Konformität der Strukturschicht-Abscheidung
NA0Nummerische Apertur in Luft
nλoptischer Brechungsindex
NPartikelflächendichte
RAuflösungsvermögen einer Optik
SqRMS-Oberflächenrauheit
TaAnnealing-Temperatur
ΓSchichtbedeckungsgrad
v
Formelzeichen und Abkürzungen
Mathematische Operatoren und abkürzende Notationen
Cov{·} Kovarianz
div{·} Divergenz
Korr{·} Kreuzkorrelation
Var{·} Varianz
{·} Mittelwert
c
{·} approximierte Größe
Abkürzungen
AFM Atomic Force Microscope
ALD Atomic Layer Deposition
ALILE ALuminum Induced Layer Exchange
BSG BoroSilikatGlas
CVD Chemical Vapor Deposition
DIBL Drain Induced Barrier Lowering
DITL Drain Induced Threshold Lowering
DUV Deep UltraViolet
EPT EinzelPartikelTransistor
EUV Extreme UltraViolet
FEM Finite-Elemente Methode
GND GrouND
HMDS HexaMethylDiSilazan
HS High-Spin
IC Inverted Coplanar
IS Inverted Staggered
LPCVD Low Pressure Chemical Vapor Deposition
LS Low-Spin
LTO Low Temperature Oxide
MIS Metal-Insulator-Semiconductor
MOSFET Metal-Oxide-Semiconductor Fieldeffect-Transistor
NIL NanoImprint Lithography
NIS NonInverted Staggered
NMP N-Methyl-2-Pyrrolidon
OFET Organic Fieldeffect-Transistor
OLED Organic Light Emitting Diode
PDMS PolyDiMethylSiloxan
PECVD Plasma Enhanced Chemical Vapor Deposition
PEN PolyEthylenNaphtalat
PET PolyEthylenTerephtalat
vi
Formelzeichen und Abkürzungen
PGMEA PropylenGlycolMonomethylEtherAcetat
PI PolyImid
PL PhotoLuminiszenz
PMCF-m Poly(Melamin-Co-Formaldehyd)-methyliert
PMMA PolyMethylMethAcrylat
PMS Partikel-Massen-Spektroskopie
PP PolyPropylen
PVD Physical Vapor Deposition
PMS Poly(4-VinylPhenol)
REM RasterElektronenMikroskopie
RFID Radio Frequency IDentification
RIE Reactive Ion Etching
RLZ RaumLadungsZone
RMS Root Mean Square
RTA Rapid Thermal Annealing
SB Schottky-Barriere
SCLC Space Charge Limited Current
TEM TransmissionsElektronenMikroskopie
TEOS TetraEthylOrthoSilikat
TES TriEthylSilan
TFT Thin-Film Transistor
UV UltraViolett
VE Völlig Entsalzt
WKB Wentzel-Kramers-Brillouin
vii
Einleitung
Obwohl der Begriff der Nanotechnologie ein besonderes Maß an Innovation und
Fortschritt suggeriert, werden nanotechnologische Phänomene seit der Antike beschrie-
ben. Insbesondere Nanopartikel und die damit verbundenen kolloidalen Dispersionen
wurden häufig in ihren Erscheinungen beobachtet und ihre Auswirkungen genutzt. Als
Beispiele hierfür seien kolloidale Flusssedimente im Babylon des 13. Jahrhunderts vor
Christus, rotgefärbte Kirchenfenster durch Plasmonenresonanz in Gold-Nanopartikeln im
mittelalterlichen Europa oder aber auch nanoskalige Rußadditive in Gummireifen zur
Steigerung der Abriebfestigkeit ab dem frühen 20. Jahrhundert nach Christus genannt.
Die ersten Anwendungen sind somit hauptsächlich der Materialwissenschaft und der
Chemie zuzuordnen.
Das Interesse am Einsatz von Nanopartikeln in elektronischen Anwendungen wuchs
erst mit der Suche nach Möglichkeiten, elektronische Schaltungen auf flexiblen Trägerma-
terialien (Substraten) und kosteneffizient in Druckverfahren (Rolle-zu-Rolle) herstellen
zu können. Die konventionelle Siliziumhalbleitertechnologie kann zwar technisch für
einen Großteil der Anwendungen eingesetzt werden, die Material- und Produktionskosten
sind jedoch bezüglich des Nutzens unverhältnismäßig hoch [Wong09]. Zunächst konzen-
trierte sich die Forschung auf die organische Elektronik, deren entscheidender Nachteil
die Degradation darstellt. Bis auf das Gebiet der organischen Leuchtdioden (OLED)
existieren bislang nur sehr wenige marktreife Produkte [VDMA09]. Dabei wird das
Marktpotenzial auf bis zu 43Milliarden Euro im Jahr 2020 geschätzt [Maur10]. Mögliche
Anwendungsgebiete sind unter anderem die Displaytechnik, Photovoltaik, Batterien,
Sensoren, RFID und intelligente Textilien.
Im Laufe der letzten Jahre blieb die Degradation organischer Transistoren (OFET)
ein dominantes Problem, so dass auch anorganische Halbleitermaterialien für die flexible
Elektronik in Betracht gezogen wurden [SR07]. Diese lassen sich zwar als Dünnschichten in
flexibler Elektronik integrieren, doch nur als kolloidale Dispersion lassen sich anorganische
Materialien auch im Druckverfahren abscheiden. Insbesondere Zinkoxid (ZnO) wird als
aussichtsreiches Material angesehen, da zur Prozessierung geringe Temperaturen benötigt
werden, aber dennoch relativ leistungsstarke Transistoren möglich sind [OHM10,Wong09].
Das Einsatzgebiet der Nanopartikelelektronik besteht zunächst aus Anwendungen
der Makroelektronik. Dieses Gebiet zielt nicht auf eine ausschließliche Erhöhung der
Integrationsdichte wie die Mikro- oder Nanoelektronik ab, sondern auf die Größe des
1
Einleitung
Organik
Nanopartikel
Si-Technologie
Kosten
Performance
Abbildung 1: Einordnung der nanopartikelbasierten Elektronik im Kosten-Performance-
Verhältnis
Gesamtsystems. In Applikationen, bei denen Größe eine untergeordnete Rolle spielt bzw.
gezielt erwünscht ist (z.B. großflächige Displays), soll nanopartikelbasierte Elektronik
im sogenannten low-cost/low-performance-Segment eingesetzt wird, also einem Bereich,
in der eine mittelmäßige Leistungsfähigkeit bei niedrigen Kosten akzeptabel ist. Es ist
durchaus möglich, bessere Ladungsträgerbeweglichkeiten in anorganischen Nanoparti-
keln als in organischen Dünnfilmen zu erreichen und gleichzeitig die Produktionskosten
konstant zu halten, wenn nicht sogar zu senken. Die Nanopartikelhalbleitermaterialien
stellen somit ein Bindeglied zwischen den organischen Halbleitern und der konventionellen
Siliziumtechnik dar [siehe Abbildung 1].
Vorteilhafterweise zeigt sich, dass ein Teil der Forschungsergebnisse aus der OFET-
Technologie auf die Nanopartikeltechnologie transferiert werden kann. So ist es möglich,
auf dieselben Isolatoren und Substrate zurückzugreifen [Hali06, Wong09]. Auch die
späteren Druckverfahren können unter Anpassung der Dispersionsrheologie auf die
Nanopartikelelektronik übertragen werden.
Zielsetzung
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen Transistoren mit halbleitenden Nanopartikeln, die
den Aufbau elektronischer Schaltungen auf isolierenden Substraten ermöglichen. Mit Blick
auf alternative Herstellungsverfahren für flexible Trägermaterialien wird der maximal zu-
lässige Temperaturbereich bereits in dieser Arbeit berücksichtigt. Unter diesen Maßgaben
werden sowohl Dünnfilm- als auch Einzelpartikeltransistoren integriert, charakterisiert,
Prozess- und Materialeinflüsse analysiert und die Leistungsfähigkeit bzw. Eignung der
Bauelemente anhand von Standardtransistorparametern bewertet. Dieses ermöglicht die
Selektion einer geeigneten Transistorarchitektur und Prozessführung. Die Vorgehensweise
soll letztendlich zur Integration eines Inverters als einfache logische Schaltung führen. Die
Materialauswahl konzentriert sich auf Silizium als Elementhalbleiter und Zinkoxid als
transparenten Verbindungshalbleiter.
2
Einleitung
Für den Halbleiter Silizium beschäftigen sich bisherige Arbeiten nahezu ausschließlich mit
vertikal integrierten Einzelpartikelbauelementen, also Transistoren mit einer Kanallänge
in der Dimension des Nanopartikeldurchmessers. Von Nachteil ist der vertikale Aufbau
der Transistoren, der mit einer aufwändigen Prozessführung und einer nicht bestimm-
baren Position der Bauelemente einhergeht, so dass eine gezielte Verschaltung einzelner
Transistoren nicht möglich ist. Nanopartikuläres Zinkoxid als Halbleitermaterial wird in
bisherigen Forschungsarbeiten nur als Dünnschichtmaterial eingesetzt. Die Erhöhung der
Ladungsträgerbeweglichkeit – jedoch unter Vernachlässigung der Kontakteigenschaften –
ist ein zentraler Punkt der aktuellen Forschung. Berichte über Zinkoxid in Einzelparti-
kelarchitekturen sind aus der Literatur nicht bekannt.
In der vorliegenden Arbeit werden daher lateral aufgebaute Einzelpartikeltransisto-
ren sowohl mit Silizium- als auch Zinkoxid-Nanopartikeln vorgestellt. Darüber hinaus
werden Dünnfilmtransistoren mit beiden Partikelarten integriert, wobei eine Steigerung
der Leistungsfähigkeit zunächst nicht im Vordergrund stehen soll.
Gliederung
Zunächst werden in Kapitel 1 ausgewählte physikalische Grundlagen erläutert, die für die
Funktionsweise der Transistoren eine entscheidende Rolle einnehmen. Hauptaugenmerk
liegt auf dem Metall-Halbleiter-Kontakt, der das zentrale Element in der Gruppe der
Schottky-Barrieren-Drain-/Source-Feldeffekttransistoren (SB-(MOS)FET) darstellt,
zu der auch die vorgestellten Feldeffekttransistoren mit halbleitenden Nanopartikeln
zählen. Weiterhin wird auf Ladungsträgertransportmechanismen eingegangen, die im
Zusammenhang mit störstellenbehafteten Nanopartikeln und Grenzflächen auftreten.
Daraufhin werden die Herstellungsverfahren von Nanopartikeln aus Halbleitermaterialien
und der Einfluss einer Überführung des Feststoffs in kollodiale Suspensionen behandelt.
Neben den allgemeinen Eigenschaften von Nanopartikeln und den Unterschieden zu den
Materialien in ihrer Makroform werden Untersuchungen zur Grundcharakterisierung der
verwendeten Silizium- und Zinkoxid-Nanopartikel vorgestellt.
Im darauf folgenden Kapitel 2 werden typische Bauformen von Dünnschicht-Transistoren
erläutert. Diese werden anschließend auch auf Einzelpartikeltransistoren übertragen und
bewertet. Da die in dieser Arbeit zu präsentierenden Bauelemente auf dem Konzept
der Feldeffekttransistoren beruhen, die pn-Übergänge konventioneller MOSFET aber
durch Metall-Halbleiter-Kontakte ersetzt werden, wird sowohl das Funktionsprinzip
der SB-MOSFET als auch die Herleitung stark vereinfachter Modellgleichungen erklärt.
Zum Abschluss des Kapitels werden die Methoden zur Ermittlung der elektrischen
Transistorparameter ausgeführt. Ein Standard für nanopartikelbasierte Transistoren steht
bislang nicht zur Verfügung.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird sich der Dünnfilmprozesse der herkömmlichen
Halbleitertechnologie bedient, um Bauelemente zu integrieren. Insbesondere im Zusam-
menhang mit der großflächigen und effizienten Integration von Einzelpartikeltransistoren
3
Einleitung
wird die technologisch realisierbare Schwelle auf herkömmlichem Wege überschritten,
so dass die Problematiken der Strukturierungstechnik in Kapitel 3 kurz diskutiert
und das sogenannte Kantenabscheideverfahren als alternative Lösung zur großflächigen
Nanostrukturierung vorgestellt wird.
Inhalt des 4. Kapitels ist die Präsentation der Ergebnisse der experimentellen Inte-
gration von Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln. Die Resultate unter
Verwendung von Zinkoxid-Nanopartikeln werden in Kapitel 5 vorgestellt. In beiden
Fällen sind die Transistoren sowohl als Dünnfilm- als auch als Einzelpartikeltransistoren
in verschiedenen Architekturen mit gemeinsamer Rückseiten-Gate-Elektrode aufgebaut.
Hierdurch ist es möglich, die Herstellungsverfahren und grundlegenden Eigenschaften
zu untersuchen. Das Verhalten der Bauelemente und die Einflüsse der Prozesstechnik –
beispielsweise die Auswirkungen einer thermischen Behandlung der Nanopartikel – auf
die elektrische Charakteristik werden diskutiert. Anhand der gewonnenen Resultate wird
im Hinblick auf den Schaltungsaufbau anschließend der Übergang zu frei beschaltbaren
Transistoren mit ZnO-Nanopartikeln vollzogen.
Anhand der in den Kapiteln 4 und 5 gewonnenen Ergebnisse wird ein zum Schal-
tungsaufbau geeignetes Transistorkonzept ausgewählt und eine Inverterschaltung auf
Silizium- bzw. Glassubstrat integriert. Die Charakterisierung und Bewertung der Inver-
terschaltungen wird in Kapitel 6 behandelt, wobei die Performance der Schaltungen
zunächst zweitrangig ist; im Vordergrund steht die Demonstration der Realisierbarkeit.
4
Kapitel 1
Grundlagen, Nanopartikel und deren
Eigenschaften
Aufgrund des Aufbaus von Feldeffekttransistoren mit halbleitenden Nanopartikeln und der
elektrischen Eigenschaften von Nanopartikeln werden im Folgenden die für diese Arbeit re-
levanten physikalischen Modelle für die Raumladungszone, den Metall-Halbleiter-Kontakt
und für die Ladungsträgertransportvorgänge vorgestellt. Die Betrachtungen stützen sich
im Wesentlichen auf [Sze81]. Weiterhin werden in Abschnitt 1.2 eine Auswahl von Synthese-
und Dispergierverfahren von Nanopartikeln sowie die Eigenschaften von Nanopartikeln –
inbesondere im Vergleich mit den entsprechenden Volumenmaterialien – erläutert.
1.1 Ausgewählte physikalische Grundlagen
1.1.1 Raumladungszone
Durch die im Vergleich zu Metallen geringere Ladungsträgerkonzentration in Halbleitern
können elektrische Felder an der Oberfläche eines Halbleiters erst in der Tiefe kompen-
siert werden, während Metalle oder entartete Halbleiter eine oberflächennahe Gegenla-
dung bereitstellen können und die Tiefe dieser Kompensationsschicht vernachlässigbar
ist. Infolgedessen entsteht in Halbleitern eine Raumladungszone (RLZ). Die vollständige
Ei
qϕsqϕ (x)
Oberfläche
EC
EF
EV
x
Wρ
Eg
Abbildung 1.1: Banddiagramm eines n-Halbleiters mit Oberflächenpotenzial ϕs
5
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Kompensation des auf der Oberfläche festgelegten Potenzials ϕstritt erst mit Erreichen
der Raumladungszonenweite Wρein. Diese lässt sich allgemein aus dem Potenzial ϕ(x)
und den Ladungsträgerdichten im Gleichgewichtszustand nn0und pn0berechnen. Für die
Ladungsträgerverteilungen und die Raumladung ρgilt mit den Bezeichnungen in Abbil-
dung 1.1
nn(x) = nn0·exp −qϕ
kT ,(1.1a)
pn(x) = pn0·exp qϕ
kT ,(1.1b)
ρ(x) = qhN+
D−N−
A+pn(x)−nn(x)i.(1.1c)
Die hochgestellten Indizes in Gleichung (1.1c) deuten die Ionisierung der Donatoren ND
bzw. Akzeptoren NAan. Der Verlauf des Bändermodells ist zur Verdeutlichung in Ab-
bildung 1.1 abgebildet. Unter der Annahme einer Störstellenerschöpfung für einen n-
Halbleiter1mit
N+
D=ND,(1.2)
sowie mit N−
A=NA= 0 und der Störstellennäherung vereinfacht sich die Raumladungs-
dichte zu
ρ=qND,(1.3)
womit sich die eindimensionale Poisson-Gleichung
div E=−∂2ϕ
∂x2=ρ
ǫ0ǫr
=qND
ǫ0ǫr
(1.4)
ergibt. Die Gleichung (1.4) lässt sich unter den Randbedingungen E(x≥Wρ) = 0 und
ϕ(x≥Wρ) = 0 lösen. Die Weite der Raumladungszone für ϕ(0) = ϕsstellt sich nach
Wρ=s2ǫ0ǫrϕs
qND
(1.5)
ein. Für die Flächenladungsdichte der Raumladungszone gilt
ρRLZ =qNDWρ.(1.6)
1.1.2 Metall-Halbleiter-Grenzfläche
Im Gegensatz zu konventionellen MOSFET, deren sperrende Eigenschaften auf zwei gegen-
einander geschalteten pn-Homoübergängen basieren, stehen bei Feldeffekttransistoren mit
halbleitenden Nanopartikeln die metallischen Drain- und Source-Elektroden im direkten
Kontakt mit dem Kanalgebiet. Die Eigenschaften des Metall-Halbleiter-Kontaktes spielen
daher eine zentrale Rolle für die Funktion Nanopartikel-basierter Bauelemente.
1Analog lässt sich die Herleitung auch für einen p-Halbleiter durchführen.
6
1.1 Ausgewählte physikalische Grundlagen
Evac,M
qφM
EF
Evac,HL
EC
EF
EV
qχ qφHL
Eg
(a): vor Kontakt
Evac,M
qφM
EF
Evac,HL
EC
EF
EV
qχ
qφHL
Eg
qφBn
d
(b): mit geringem Abstand
+
++
+
-
-
-
-
Evac,M
qφM
EF
Evac,HL
EC
EF
EV
qχ
qφHL
Eg
qφBn
qVbi
qφBn =q(φM−χ)
(c): in Kontakt
Evac,M
qφM
EF
Evac,HL
EC
EF
EV
qχ
qφHL
Eg
Nt
(d): vor Kontakt
Evac,M
qφM
EF
Evac,HL
EC
EF
EV
qχ
qφHL
Eg
qφBn
d
Nt
(e): mit geringem Abstand
Evac,M
qφM
EF
Evac,HL
EC
EF
EV
qχ qφHL
Eg
qφBn
qVbi
Nt
(f): in Kontakt
Abbildung 1.2: Banddiagramme von Metall-Halbleiter-Kontakten. (a)-(c): idealer Metall-
Halbleiter-Kontakt, (d)-(f): Metall-Halbleiter-Kontakt mit Oberflächen-
Störstellen im Halbleiter
Die genauen physikalischen Vorgänge am Metall-Halbleiter-Kontakt sind bislang
nicht vollständig geklärt. Dennoch lässt sich der Metall-Halbleiter mit dem bekannten
und stark vereinfachten Mott-Schottky-Modell beschreiben [Scho38,Mott38].
Im idealen Fall ist das Kontakt-System gegeben durch das Metall mit der Fermienergie
EFund der Austrittsarbeit qφMund dem (idealen) Halbleitermaterial, welches energetisch
durch die Valenzbandkante EV, die Leitungsbandkante EC, das Fermienergieniveau EF
und die Elektronenaffinität χdefiniert ist. In Abbildung 1.2a ist das System graphisch
dargestellt. Vor dem Kontakt befinden sich beide Materialien im thermodynamischen
Gleichgewicht. Werden die beiden Materialien einander angenähert, so ist das System be-
strebt, die Fermienergieniveaus anzugleichen, indem sich im Metall eine negative Ladung
und im Halbleiter eine positive Gegenladung bildet. Aufgrund der hohen Leitfähigkeit
des Metalls kann die Ladung direkt als Oberflächenladung existieren, während sich
im Halbleiter mit einer relativ geringen Ladungsträgerkonzentration die Ladung über
7
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
eine Raumladungszone verteilt. Hierdurch tritt im Barrierengebiet eine Krümmung der
Energiebänder auf [siehe Abbildung 1.2b]. Im Grenzfall, dem direkten Kontakt beider
Materialien, entsteht so eine Ladungsträgerbarriere. Für Elektronen und Löcher als
Ladungsträger gilt für die Barrierenhöhen
φBn =φM−χ(1.7a)
φBp =Eg
q−[φM−χ].(1.7b)
Die Barrierenhöhe wird demnach in erster Näherung durch die Austrittsarbeit des Metalls
und die Elektronenaffinität des Halbleiters bestimmt. Im Falle einer negativen Differenz
zwischen Austrittsarbeit des Metalls und Elektronenaffinität des Halbleiters entsteht ei-
ne Anreicherungsschicht und der Kontakt zeigt ohmsches Verhalten. Für die Summe der
Barrierenhöhen für Minoritäts- und Majoritätsladungsträger ergibt sich die Bandlücke zu
Eg=q[φBn +φBp].(1.8)
Da in einem realen Halbleitermaterial zumindest Störstellen durch Abbruch der
Gitterstruktur an der Oberfläche entstehen, müssen diese für das Verhalten des Metall-
Halbleiterkontakts berücksichtigt werden. Es wird daher davon ausgegangen, dass an
der Oberfläche eine Störstellenkonzentration der Dichte Ntvorliegt. Die Störstellen sind
bis zum Ferminiveau besetzt, und die Energiebänder des Halbleiters sind im thermo-
dynamischen Gleichgewicht auch ohne einen Kontakt zum Metall bereits aufgewölbt
[siehe Abbildung 1.2d]. Bei Annäherung beider Materialien [siehe Abbildung 1.2e] tritt
ebenso die Generation von grenzflächennahen Ladungen auf. Unter der Voraussetzung,
dass die Dichte Ntausreichend groß ist, um zusätzliche Ladungen aufzunehmen, tritt
jedoch keine weitere nennenswerte Veränderung der Bandstruktur des Halbleiters auf.
Im direkten Kontakt existiert wiederum eine Ladungsträgerbarriere φBn. Ihre Höhe
ist nicht mehr von der Austrittsarbeit des Metalls abhängig, sondern wird durch die
Oberflächeneigenschaften des Halbleiters bestimmt.
Für den Ladungsträgertransport an Metall-Halbleitergrenzflächen ist die Barrierenhöhe
von besonderer Bedeutung, da sie direkten Einfluss auf die Anzahl der Ladungsträger hat,
die von dem einen in das andere Material gelangen können. Daher ist der Schottky-
Effekt zu berücksichtigen, der eine Absenkung der Barrierenhöhe durch das elektrische
Feld am Übergang bewirkt. Der Effekt lässt sich an einer idealen Metalloberfläche
erklären. Wird ein Elektron aus dem Metall herausgelöst, so muss die Austrittsarbeit
qφMgeleistet werden. Geichzeitig gilt, dass ein Elektron, welches sich an der Position x
außerhalb des Metalls befindet, eine Coulomb-Kraft erfährt. Diese Kraft wird durch eine
Spiegelladung, die sich im Metall an der Position −xbefindet, hervorgerufen [KMR06].
Dabei ist die Coulomb-Kraft durch
FC=−q2
4πǫ0(2x)2=−q2
16πǫ0x2(1.9)
8
1.1 Ausgewählte physikalische Grundlagen
EF
0xmx
q∆φ
qφB
qφM
potenzielle Energie
qEx
Spiegelladungspotenzialenergie
0
Metall
Abbildung 1.3: Energiediagramm des Übergangs von einer Metalloberfläche zum Vakuum
gegeben. Damit lässt sich die Arbeit angeben, die durch ein Elektron auf seinem Weg
verrichtet werden muss, wenn es aus dem Unendlichen zum Punkt xgeführt wird.
E(x) =
x
Z
∞
FCdx =q2
16πǫ0x.(1.10)
Wenn ein externes elektrisches Feld Eangelegt wird, überlagert sich die Kraft des elek-
trischen Feldes auf das Elektron mit dem Feld der Spiegelladungskraft, so dass sich die
resultierende Energie
Eges(x) = q2
16πǫ0x+qEx(1.11)
ergibt. Abbildung 1.3 zeigt schematisch die Metalloberfläche und die Verteilung der po-
tenziellen Energie außerhalb des Metalls. Ein Elektron benötigt demnach nur die Energie
qφB, um das Metall zu verlassen, wobei qφB=q(φM−∆φ) ist. Der Schottky-Effekt
lässt sich auch auf den Metall-Halbleiter-Kontakt anwenden, wenn das elektrische Feld E
durch die maximale elektrische Feldstärke an der Grenzfläche und die Permittivität im
Vakuum durch eine entsprechende Permittivität ǫ0ǫsausgetauscht werden. Die Größe ǫs
kann je nach Übergangsdauer und dielektrischer Relaxationszeit verschieden von der rela-
tiven Dielektrizitätszahl ǫrdes Halbleiters sein. Die Absenkung der Ladungsträgerbarriere
ist dann definiert als
∆φ=sqE
4πǫ0ǫs
.(1.12)
Weiterhin kann die Barrierenhöhe durch ein externes elektrisches Feld beeinflusst werden,
welches durch das Anlegen einer Spannung am Metall-Halbleiter-Übergang entsteht. Je
nach Vorzeichen der Spannung kann die Barriere vergrößert oder verkleinert werden2.
2Typische Werte für ∆φliegen nach Gleichung (1.12) im Bereich von 0,035 eV mit der relativen
Permittivität ǫs= 12 und der elektrischen Feldstärke E= 105V/cm [Sze81].
9
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Metall
Halbleiter
EF
EF
EV
EC
qV
➀
➁➂➃
Abbildung 1.4: Transport-Prozesse am Metall-Halbleiter-Übergang in Vorwärtsrichtung:
➀thermische Emission über die Barriere, ➁Tunneleffekt durch die Bar-
riere, ➂Rekombination in der Raumladungszone, ➃Löcherinjektion aus
dem Metall (Rekombination im neutralen Bereich) (nach [Sze81])
Der Ladungsträgertransport an Metall-Halbleiter-Grenzflächen wird im Gegensatz
zum pn-Übergang durch Majoritätsladungsträger bestimmt. Die vier grundlegenden
Transportprozesse sind in Abbildung 1.4 dargestellt. Sie treten parallel auf, wobei
die Gewichtung je nach Materialbeschaffenheit und Feldstärken variiert. Gemäß der
Abbildung sind die vier wichtigsten Mechanismen:
➀(feldunterstützte) thermische Emission über die Barriere. Dieser Prozess ist domi-
nant für Metall-Halbleiter-Übergänge mit moderaten Dotierstoffkonzentrationen und
Temperaturen;
➁Tunneleffekt durch die Barriere. Dominant bei hohen Dotierstoffkonzentrationen bzw.
sehr schmalen Barrieren;
➂Rekombination in der Raumladungszone, vergleichbar mit einem pn-Homoübergang;
➃Rekombination im neutralen Bereich (Löcherinjektion vom Metall in den Halbleiter).
Für einen Ladungsträgertransport in Sperrrichtung treten diese Mechanismen ebenfalls
auf. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Barrieren aufgrund ihrer Form in an-
derer Weise auf den Transportprozess wirken.
Je nach Ladungsträgerbeweglichkeit des Halbleiters lässt sich der Strom über den
Übergang berechnen; für Halbleiter mit großer Mobilität (z.B. Silizium) gemäß der
Theorie der thermischen Emission. Bei geringen Mobilitäten ist die Diffusionstheorie an-
wendbar. Da die Ladungsträgerbeweglichkeiten für halbleitende Nanopartikel je nach Ver-
arbeitung und Partikelmorphologie sehr verschieden sind, soll an dieser Stelle die Kom-
bination aus beiden vorgenannten Theorien, die Thermische Emissions - Diffusionstheorie
10
1.1 Ausgewählte physikalische Grundlagen
genannt werden. Für nähere Erläuterungen und die Herleitung wird auf [Sze81] verwiesen3.
Die Stromdichte Jam Übergang ergibt sich zu
J=A∗∗ T2exp −qφBn
kT !exp qV
kT −1,(1.13)
wobei A∗∗ die effektive Richardson-Konstante ist4. Die Größe A∗∗ ist wiederum
abhängig von der Rekombinationsgeschwindigkeit und der Übergangswahrscheinlichkeit
der Ladungsträger am Metall-Halbleiter-Kontakt. Die Charakteristik ähnelt durch die
exponentielle Abhängigkeit von der Spannung einer pn-Diode. Die Stromdichte ist zudem
abhängig von der Barrierenhöhe und nimmt exponentiell mit zunehmender Höhe ab.
Für den Tunneleffekt haben theoretische und experimentelle Untersuchungen gezeigt,
dass die Stromdichte die Abhängigkeit
J=Jsexp qV
nkT −1(1.14)
besitzt. Die Variable nwird als Idealitätsfaktor bezeichnet.
Für stark dotierte Halbleiter tritt eine Dominanz des Tunneleffekts auf. Der Anteil an der
Stromdichte, der durch den Tunneleffekt getragen wird, ist durch
Jt∝exp −qφBn
E00 !mit E00 =q~
2sND
ǫsm∗(1.15)
gegeben. Auch in diesem Fall ist zu erkennen, dass die Stromdichte von der Barrierenhöhe
φBn abhängig ist. Es lässt sich demnach schlussfolgern, dass die Barrierenhöhe eine Schlüs-
selrolle in Halbleiterbauelementen spielt, deren Funktion auf Metall-Halbleiter-Kontakten
gründet. Zwar ist die Barrierenform unter anderem abhängig von der Dotierung des
Halbleiters, doch nimmt – unabhängig von der Dotierung – die Stromdichte exponentiell
mit steigender Barrierenhöhe ab. Es ist weiterhin zu bemerken, dass nicht nur die
Barrierenhöhe, sondern auch die Barrierenweite WφBn die Stromdichte beeinflusst. Diese
ist bereits in Form der Spannung Vbzw. der Dotierstoffkonzentration in den Gleichun-
gen (1.13) und (1.15) inbegriffen. Wie in Abschnitt 2.3 gezeigt werden wird, bestimmt
nicht ausschließlich die angelegte Spannung V(im Speziellen die Drain-Source-Spannung
VDS) die Weite WφBn , sondern auch das elektrische Feld, welches von der Gate-Elektrode
ausgeht. Je nach Betriebszustand des Transistors dominiert entweder die thermische
Emission oder der Tunneleffekt.
Es ist bislang nicht geklärt, inwiefern dieses stark vereinfachte Modell des Metall-
Halbleiterübergangs, beruhend auf idealen Metallen und perfekten Einkristallen, auf die
3Im englischen Sprachgebrauch werden für die Theorien die Bezeichungen
Thermionic Emission Theory,Diffusion Theory bzw. Thermionic Emission - Diffusion Theory ver-
wendet.
4Die ersten drei Faktoren der rechten Seite in Gleichung (1.13) können zur Sperrstromdichte Jszu-
sammengefasst werden, so dass Js=A∗∗ T2exp−qφBn
kT gilt.
11
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Kontakte zwischen Metallen und halbleitenden Nanopartikeln angewendet werden kann.
Insbesondere Nanopartikel weisen eine hohe Störstellendichte und eine nanokristalline
Struktur auf.
Für Silizium als weitverbreitetes Halbleitermaterial wird dieses Problem sehr kontrovers
diskutiert. Es wurde lange davon ausgegangen, dass sich die Kontakteigenschaften in porö-
sem Silizium – einem den Nanopartikeln strukturell ähnlichen System – entsprechend dem
vorgestellten Modell einstellen. Ben-Chorin et al. legten jedoch dar, dass aufgrund
der hohen Zustandsdichte in porösem Material und eines Hopping-Transportmechanismus’
anstelle eines Ladungstransports über thermisch generierte Ladung die Kontakte quasi-
ohmsches Verhalten zeigen [BCMK95]. Übertragen auf Silizium-Nanopartikelfilme folgte
Burr et al. dieser Annahme [BSWK97], jedoch sind auch Beispiele bekannt, in denen
das Verhalten von Nanopartikeltransistoren gezielt durch die Auswahl eines Kontaktme-
talls von p- auf n-leitenden Typ verändert werden kann [DDB+06,SDB+07]. Dies ist aber
nur möglich, wenn die Barriereneigenschaften der Metall-Halbleiter-Grenzflächen Einfluss
nehmen. Es ist folglich anzunehmen, dass keine allgemeingültige Aussage getroffen werden
kann, da zu viele Faktoren (Herstellungsverfahren, Verarbeitung, Reinheit etc.) auf die
Eigenschaften der Übergänge einwirken.
Für die Realisierung von Nanopartikeltransistoren ist es zunächst nicht entscheidend, ob
die Kontakte ohmsch oder gleichrichtend sind. Mit ohmschen Kontakten können ebenfalls
Transistoren integriert werden, sofern der Ladungsträgerabtransport nach der Injektion
durch das Halbleitermaterial stark eingeschränkt ist, also eine Anreicherung von Ladungs-
trägern in der Halbleiterschicht in unmittelbarer Nähe der Metall-Halbleiter-Grenzfläche
stattfindet (Strombegrenzung). Sobald durch die Gate-Elektrode ein Feldeffekt auf den
Kanal wirkt und die Leitfähigkeit erhöht wird, kann der Abtransport gesteigert werden,
so dass sich der Transistor im leitenden Zustand befindet. Nähere Ausführungen zur
Funktionsweise sind dem Abschnitt 2.3 zu entnehmen.
1.1.3 Ladungsträgertransportmechanismen
Da Nanopartikel und aus ihnen hergestellten Schichten im Allgemeinen eine sehr hohe
Störstellendichte besitzen, sollen drei Transportmechanismen vorgestellt werden, die im
engen Zusammenhang mit störstellenbehafteten Halbleitern und Isolatoren stehen.
Feldunterstützte thermische Emission (Frenkel-Poole-Effekt)
Der Frenkel-Poole-Effekt beschreibt den Ladungsträgertransport in störstellenbehaf-
teten Feststoffen, in denen ein elektrisches Feld existiert [Fren38]. Grundlage des Mecha-
nismus’ ist das Anhaften von Ladungsträger an Störstellen und deren anschließende An-
regung zum erneuten Übergang in das Leitungsband. Im Banddiagramm werden die Stör-
stellen als Potenzialtopf endlicher Tiefe repräsentiert. Bei angelegtem elektrischen Feld
werden die Energiebänder geneigt, so dass der Potenzialtopf gemäß Abbildung 1.5 die
mittlere Tiefe qφtbesitzt. Das elektrische Feld bewirkt in Bewegungsrichtung der Ladung
eine Absenkung der Barrierenhöhe, so dass diese lediglich qφt< qφtbeträgt. Wird von
der idealen Vorstellung eines Kastenpotenzials abgewichen und die Coulomb-Kräfte der
Bildladung berücksichtig, tritt (ähnlich dem Schottky-Effekt) eine weitere Absenkung
der Barrierenhöhe um ∆φauf (gestrichelter Bandverlauf). Ladungsträger können somit
12
1.1 Ausgewählte physikalische Grundlagen
qφtqφtq(φt−∆φ)
E
Kastenpotenzial
Coulomb-Potenzial
EC
Abbildung 1.5: Ladungsträgertransport durch Frenkel-Poole-Effekt (rot) und
Fowler-Nordheim-Tunneleffekt (blau)
den Potenzialtopf leichter verlassen, indem sie thermisch angeregt über den „Potenzial-
topfrand” bewegt werden [roter Pfeil in Abbildung 1.5]. Die Stromdichte in einer Isolator-
bzw. Halbleiterschicht der Dicke dwird durch
J∝V·exp 2a√V
T!·exp −qφt
kT !mit a=sq
4πǫ0ǫrd(1.16)
beschrieben.
Feldunterstützter Tunneleffekt (Fowler-Nordheim-Tunneleffekt)
Für den Ladungsträgertransport durch einen störstellenbehafteten Halbleiter bewirkt ein
elektrisches Feld – vergleichbar zum Frenkel-Poole-Effekt – auch einen günstigen Über-
gang eines im Potenzialtopf gefangenen Ladungsträgers, wenn das Teilchen die Störstelle
mittels Durchtunneln der Barriere verlässt. Die Weite der Barriere wird durch das elektri-
sche Feld dermaßen verringert, dass die Tunnelwahrscheinlichkeit starkt zunimmt [blauer
Pfeil in Abbildung 1.5]. Für den Zusammenhang zwischen Stromdichte und anliegender
Spannung gilt
J∝V2·exp −b
V!mit b= const. > 0.(1.17)
Es ist zu bemerken, dass die Stromdichte unabhängig von der Temperatur ist, da eine
thermische Anregungsenergie für den Effekt nicht notwendig ist5.
5Hiervon abzugrenzen ist die thermisch unterstützte Tunnelemission, bei der das Energieniveau des
Ladungsträgers durch Aufnahme von thermischer Energie zunächst erhöht wird. Mit zunehmendem Ener-
gieniveau nimmt die effektive Barrierenweite ab, so dass die Tunnelwahrscheinlichkeit ansteigt [SN07].
13
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Raumladungsbegrenzter Strom
Der Effekt des raumladungsbegrenzten Stroms6berücksichtigt den eigenen Einfluss der
transportierten Ladungsträger auf das elektrische Feld, welches den Transport hervorruft.
Als Erklärung dient die Vorstellung, dass die Feldlinien des elektrischen Feldes auf La-
dungen enden. Somit schirmen Ladungsträger, die sich auf der Strecke zwischen zwei
Elektroden befinden, das Feld von einer Elektrode ab. Historisch ist die Theorie über den
raumladungsbegrenzten Stromfluss aus der Betrachtung von Isolatoren erwachsen; sie ist
aber auch auf Halbleitermaterialien anwendbar. Als einfachster Fall sei ein perfekter Isola-
tor mit einer vernachlässigbaren Anzahl freier Ladungsträger gegeben, der zudem störstel-
lenfrei ist [LM70]. Die Strom-Spannungs-Charakteristik bei Injektion von Ladungsträgern
wird dann durch
J∝ǫ0ǫrµV 2
LB3(1.18)
beschrieben. Diese Charakteristik wird nur durch die Überschussladungsträger hervor-
gerufen, die in das Material injiziert werden. Gleichung (1.18) ist in seiner Form dem
Mott-Gurney-Gesetz ähnlich, das lediglich einen Vorfaktor von 9/8 enthält. Dieses lässt
sich unter der Annahme, dass der Strom nur eine Driftstromkomponente enthält, aus der
Poisson-Gleichung analytisch herleiten.
Befinden sich bereits freie Ladungsträger mit der Dichte n0im Leitungsband, so ergibt
sich das bekannte Ohmsche Gesetz:
J=qn0µV
LB
.(1.19)
Der lineare Zusammenhang zwischen Strom und Spannung ist nur anwendbar, so lange die
Dichte der thermisch generierten Ladungsträger wesentlich größer ist als die Dichte der
injizierten Ladungsträger ninj. Sobald die mittlere Dichte der injizierten Ladungsträger
die Größenordnung von n0erreicht, tritt wiederum der quadratische Zusammenhang in
Gleichung (1.18) in den Vordergrund.
Da Isolatoren bzw. Halbleiter Störstellen aufweisen, müssen diese in die Berechnungen mit
einbezogen werden, weil sie freie Ladungen einfangen und je nach Störstellenenergieniveau
mehr oder weniger leicht wieder entlassen. Nach [LM70] ergibt sich für flache Störstellen,
d.h. Störstellen für die |qφt|< kT gilt, eine Strom-Spannungs-Charakteristik nach
J∝θǫ0ǫrµV 2
LB3mit θ=n0+ninj
nt
.(1.20)
Auch in diesem Fall ist die Ähnlichkeit zum Mott-Gurney-Gesetz zu erkennen. Für den
realistischen Fall einer energetisch verteilten Störstellenkonzentration weicht die Charak-
teristik vom quadratischen Verlauf ab. Wird eine Boltzmann-Verteilung der Störstellen-
konzentration mit
Nt,E(E) = N0·exp E−EC
kTt(1.21)
6Im englischen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Space Charge Limited Current mit der Abkürzung
SCLC üblich [LM70]. Im folgenden Verlauf dieser Arbeit wird der raumladungsbegrenzte Strom ebenfalls
mit SCLC abgekürzt.
14
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
angenommen, wobei Ttein Temperaturparameter ist, der ein charakterisierendes Maß der
Störstellenverteilung bezüglich der Energie darstellt, berechnet sich der Zusammenhang
zwischen Stromdichte und Spannung als
J∝"ǫ0ǫr
qN0kTt#l
·Vl+1
LB2l+1 mit l=Tt
T.(1.22)
Wird berücksichtigt, dass für eine geringe Ladungsträgerinjektionsrate das Ohmsche
Gesetz gilt, lässt sich Gleichung (1.22) als Superposition von Ohmschem- und
Mott-Gurney-Gesetz mit den Faktoren aund bvereinfacht als
J=aV +bV l+1 (1.23)
darstellen. Dabei dominiert der erste Summand für geringe und der zweite für hohe elektri-
sche Feldstärken. Aufgrund des linearen Zusammenhangs zwischen dem Faktor lund dem
Parameter Ttbeschreibt auch ldie Verteilung der Störstellenkonzentration. Während ein
großes leine nahezu gleichverteilte Konzentration beschreibt, stellt l≤1 den Fall flacher
Störstellen aus Gleichung (1.20) dar, weil Störstellen in der Nähe des Leitungsbandes die
Störstellen nahe des Quasi-Ferminiveaus dominieren [LM70].
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
Funktionale Elemente der im Rahmen dieser Arbeit entwickelten Feldeffekttransistoren
sind halbleitende Nanopartikel. Dabei handelt es sich per Definition um Material mit Di-
mensionen unter 100Nanometer, das sich in seinen chemischen und physikalischen Eigen-
schaften von massiven Materialien gleicher Zusammensetzung unterscheidet. Die Vielzahl
der synthetisierbaren nanopartikulären Stoffe lässt sich anhand der Stoffklassen in drei
Hauptgruppen unterteilen. Neben Nanopartikeln aus elektrischen Leitern (z.B. Gold) und
Isolatoren (z.B. Siliziumdioxid), existiert die Gruppe der Halbleiter [Schm05,Fend98]. Da
sich die vorliegende Arbeit ausschließlich mit Silizium-Nanopartikeln als Elementhalblei-
ter und Zinkoxid-Nanopartikeln als Verbindungshalbleiter beschäftigt, beschränken sich
die folgenden Ausführungen auf diese beiden Materialien.
1.2.1 Synthese
Nanopartikel lassen sich durch kolloidale Synthese aus wässrigen Lösungen bzw. durch so-
genannte Sol-Gel-Prozesse herstellen [YBK+99,PBD+99,VRR+95,RPCV+01]. Ebenso ist
eine Synthese aus der Gasphase möglich, bei der ein oder mehrere Precursor-Gase durch
einen geeigneten Energieeintrag derart zur Reaktion angeregt werden, dass nanopartiku-
läre Produkte aus dem gewünschten Material entstehen. Die notwendige Aktivierungs-
energie kann in Form von thermischer, elektrischer7oder elektromagnetischer Energie8
7Hauptsächlich findet eine Anregung durch die Einkopplung einer elektrischen Leistung im Radio-
Frequenz (RF) statt. Hofmeister et al. und Dutta et al. verwenden für die Si-Nanopartikelsynthese
eine Anregungsfrequenz fRF = 30 MHz [HKD98, DBH95], Knipping et al. eine Frequenz
fRF = 2,45 GHz [KWR+04].
8Kleinwechter et al. nutzen zum Energieeintrag 2,45 MHz-Mikrowellen [KJK+02b],
Huisken et al. hingegen Laserlicht [HHK+00].
15
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
zugeführt werden. Die Anregungen durch Laserlicht und durch gleichspannungsangeregte
Gasentladung [ZX94] ermöglichen zwar die Nanopartikelsynthese, sind jedoch qualitativ
und bezüglich des Materialertrags den Verfahren in Heißwand- oder Mikrowellenreaktoren
unterlegen. Da sämtliche verwendete Nanopartikel entweder aus Heißwand- oder Mikrowel-
lenreaktoren stammen, werden diese Prozesse aus Gründen der Vollständigkeit erläutert.
Gasphasensynthese im Heißwand- und Flammenreaktor
Die Nanopartikelsynthese im Heißwandreaktor nach [WSR01] basiert auf einer thermi-
schen Zersetzung von Silan (SiH4) bei hohen Temperaturen (≈1000◦C) unter Atmosphä-
rendruck. Vergleichbar mit dem APCVD-Verfahren9strömt ein Gasgemisch aus Argon
und SiH4mit einer Geschwindigkeit von 5...7 cm/s durch ein Reaktorrohr. Das Mischungs-
verhältnis der Gase beträgt 10%...40% SiH4in Argon. Die Gase werden in einer beheizten
Zone des Reaktors auf Prozesstemperatur aufgeheizt, so dass sich das Silan in der Reaktion
SiH4
1000◦C
−−−−→ Si + 2H2(1.24)
SiH4Ar
Gasfluss-Gasfluss- steuerungsteuerung
Filtersystem Auffangbehälter
Heizelement
Reaktor
Abbildung 1.6: Schematischer Aufbau eines Heißwandreaktors zur Silizium-
Nanopartikelsynthese nach [WSR01]
9Atmospheric Pressure Chemical Vapour Deposition
16
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
zersetzt und sich Siliziumkristalle bilden. Der Primärpartikeldurchmesser liegt im Bereich
von 15...30 nm. In der heißen Zone des Reaktors tritt eine Sinterung von Primärpartikeln
auf, so dass Partikel mit Größen von 60...270nm entstehen. Während diese sich entlang
eines negativen Temperaturgradienten in Richtung des Auslasses bewegen, kühlen diese ab
und koagulieren zu Agglomeraten. Die Agglomerate werden gefiltert und gesammelt. Der
schematische Aufbau eines Heißwandreaktors zur Herstellung von Silizium-Nanopartikeln
ist in Abbildung 1.6 dargestellt.
Die Agglomerate weisen lediglich schwache Bindungen der Einzelpartikel untereinander
und eine geringe Dichte auf, so dass die Bindungen durch entsprechende Dispersionsver-
fahren aufgebrochen werden können [vergleiche Abschnitt 1.2.2]. Untersuchungen durch
Röntgenbeugung und Transmissionselektronenmikropskopie ergeben eine polykristalline
Struktur der Nanopartikel. Die Primärpartikelgröße ist im Wesentlichen abhängig von
der Strömungsgeschwindigkeit bzw. der Verweildauer des Gasgemisches in der Heißzone,
so dass die Größe in gewissen Grenzen frei eingestellt werden kann.
Da die nanopartikulären Pulver nach der Synthese mit dem Sauerstoff in der Luft
beziehungsweise mit Sauerstoff aus anderen Medien (z.B. Ethanol als Dispergiermedium)
in Kontakt kommen, tritt eine Oxidation der Silizium-Nanopartikel auf. Es bildet sich
eine Hülle aus amorphem Siliziumdioxid, welche durch Infrarot-Spektroskopie nach-
gewiesen werden kann. Die Spektren enthalten Si-O- und Si-O-Si-H-charakteristische
Linien [KWR+04].
H2/O2/Ar/Zn(CH3)2
Brennkopf mit
laminarer Flamme
gekühltes Substrat
zur Partikelsammlung
Pumpensystem
∼20 mTorr
∼1 mTorr
∼10−2mTorr
PMS
Abbildung 1.7: Schematischer Aufbau eines Flammreaktors zur Zinkoxid-
Nanopartikelsynthese mit integrierter Partikel-Massen-Spektroskopie
(PMS) zur in-situ-Messung der Partikelgrößenverteilung nach [KJK+02b]
17
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Soll zur Erzeugung von ZnO-Partikeln ebenfalls die thermische Zersetzung und Reaktion
von Gasen eingesetzt werden, kommen anstatt Heißwandreaktoren sogenannte Flammen-
reaktoren zum Einsatz [KJK+02b]. Durch die Reaktion von Dimethylzink (Zn[CH3]2) und
Sauerstoff bildet sich bei Unterdruck Zinkoxid. Das Gemisch enthält inertes Argon, um
die Konzentration der Edukte einstellen zu können. Zusätzlich wird Wasserstoff in den
Brennkopf geleitet, um eine kontrollierte H2-O2-Verbrennung als Energiequelle nutzen zu
können. Die Gesamtreaktion findet nach
2Zn(CH3)2+ 2H2+ 9O2→2ZnO + 8H2O + 4CO2(1.25)
statt. Der Aufbau eines Flammenreaktors ist in Abbildung 1.7 ersichtlich. Die Primärpar-
tikelgröße lässt sich durch Variation der Dimethylzink-Konzentration im Quellgas steuern,
so dass ebenfalls die Größe frei eingestellt werden kann. Vergleichbar mit der Silizium-
Nanopartikelsynthese im Heißwandreaktor bilden sich zwischen den ZnO-Partikeln Sinter-
hälse aus, so dass die effektive Partikelgröße ein Vielfaches der Primärpartikelgröße misst.
Nachteil des Verfahrens ist die Behinderung der Nanopartikelformation durch die Anwesen-
heit des Wassers im Reaktor, welches unweigerlich durch die Verbrennung von Wasserstoff
und Sauerstoff entsteht. Das Wasser verhindert eine gleichmäßige Nanopartikelbildung
im gesamten Reaktor. Vielmehr kommt es zu einer ausgeprägten Synthese im Bereich
kalter Flächen, wohingegen auf warmen Flächen keine Nanopartikel gewonnen werden
können [KJK+02b].
Gasphasensynthese im Mikrowellenreaktor
Prinzipiell lassen sich Mikrowellenreaktoren sowohl zur Herstellung von Silizium- als
auch von Zinkoxid-Nanopartikeln nutzen. Als Quellgase werden im Falle von Silizium
Argon, Wasserstoff und Silan, im Falle von ZnO Argon, Sauerstoff und Dimethylzink
verwendet [KWR+04,KJK+02b,GWKR05,VSH97].
Die Bauart der Mikrowellenreaktoren [vergleiche Abbildung 1.8] ähnelt stark dem
Flammreaktor aus Abschnitt 1.2.1. Anstatt der Verwendung eines Brennkopfes wird das
Quellgasgemisch derart durch Mikrowellen (2,45 MHz) angeregt, dass ein Plasma entsteht,
in dem die chemische Umsetzung der Ausgangsstoffe entsprechend den Gleichungen
(1.24) und (1.25) stattfindet. Die benötigte Leistungsdichte ist abhängig von den zur
Gasreaktion erforderlichen Energien und beträgt bei der Silizium-Nanopartikelsynthese
5...10 kWcm−2, bei der Zinkoxid-Synthese lediglich 1...2,5 kWcm−2[KWR+04,KJK+02b].
Die Partikelgröße lässt sich durch Änderung der Gasmischungsverhältnisse, des Pro-
zessdrucks und der eingespeisten Leistung variieren. Die Synthese beider Materialien
führt zu einkristallinen Nanopartikeln mit Primärpartikelgrößen von 5...25 nm. Nach
Abschluss der Gasphasenreaktion neigen auch die Partikel aus dem Mikrowellenreaktor
zur Agglomeratbildung [KJK+02b,GWKR05].
Auch die Siliziumpartikel aus dem Mikrowellenreaktor zeigen aufgrund der chemischen
Reaktion mit umgebendem Sauerstoff amorphe Siliziumdioxidschichten an der Oberfläche.
Das Siliziumdioxid besitzt dabei nur eine kleine Schichtdicke von wenigen Nanometern
und ist unterstöchiometrisch [KWR+04].
18
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
Quellgase
Mikrowellenquelle
Probensammler
Plasma
Pumpensystem
∼20 mTorr
∼1 mTorr
∼10−2mTorr
PMS
Abbildung 1.8: Schematischer Aufbau eines Mikrowellenreaktors zur Nanopartikelsynthese
mit integrierter Partikel-Massen-Spektroskopie (PMS) zur in-situ-Messung
der Partikelgrößenverteilung nach [KJK+02b]
Im Rahmen dieser Arbeit wurden auch dotierte Siliziummaterialien verwendet. Die
Dotierung kann durch die Zugabe von entsprechenden Dotiergasen in den Reaktor
erreicht werden. Für die p-Dotierung wird hierzu Diboran (B2H6), für die n-Dotierung
Phosphin (PH3) genutzt [SPK+08, LSP+08]. Der Dotierstoff wird während der Gaspha-
senreaktion in die Nanopartikel eingebaut, wobei die Dotierstoffkonzentration durch die
Konzentration des Dotiergases im Reaktor beeinflusst werden kann.
1.2.2 Dispergierprozess und Nanopartikeldispersionen
Die einfachste und kostengünstigste Art, Nanopartikel in elektronische Schaltungen
zu integrieren, besteht in der Verwendung von Dispersionen. Bei den verwendeten
Dispersionen handelt es sich um ein homogenes Flüssigkeit-Feststoff-Gemisch, auch
Suspension genannt, bei dem der Feststoffanteil nicht in Lösung geht, sondern erhalten
bleibt. Es treten lediglich an der Oberfläche der Feststoffpartikel Wechselwirkungskräfte
zwischen dem flüssigen Dispergiermittel und dem Feststoff auf, die die Partikel homogen
im Dispergiermittel halten. Befindet sich die Größe der Feststoffteilchen im Größenbereich
von 1 nm bis 1 µm, so wird die Dispersion auch als kolloidale Suspension bezeichnet und
der Feststoff als Kolloid. Die verwendeten Nanopartikelsuspensionen sind per Definition
dieser Gruppe zuzuordnen [LSZ97].
19
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Grundsätzlich werden zwei Ziele in der Kolloidwissenschaft verfolgt: während einige An-
wendungen (z.B. die Filterung) eine Vermeidung von kolloiddispersen Systemen erfordert,
benötigt der Einsatz von Dispersionen zur Herstellung gleichmäßiger Strukturen eine ho-
mogene Verteilung der Feststoffe. Daher ist das Vorliegen einer stabilen Dispersion bis
zum Zeitpunkt der Verarbeitung unabdingbar. Im Allgemeinen streben physikalische Sy-
steme stets zum Zustand der geringsten freien Energie; im Speziellen wird dieser Zustand
bei Dispersionen durch Annäherung bzw. Zusammenhaftung der Partikel erreicht, da hier-
bei die freie Oberflächenenergie minimiert wird. Das Dispergiermedium bildet jedoch eine
Barriere zum Erreichen des minimalenergetischen Zustandes. Eine Suspension ist demzu-
folge metastabil, d.h. sie ist solange stabil bis genügend Energie zur Verfügung steht, die
Barriere zu überwinden und dem energetisch günstigeren Zustand entgegenzustreben. Die
Wechselwirkungen, die die Eigenschaften eines kolloidalen Systems maßgebend beeinflus-
sen, sind:
• zwischenmolekulare Kräfte,
• zwischenpartikuläre Kräfte,
• Wirkung des umgebenden Mediums,
• elektrostatische Kräfte
• und sterische Abstoßung.
Der Verlauf der Wechselwirkungsenergie zeigt in Abhängigkeit vom Abstand neben dem
primären Energieminimum, das eine Zerstörung der Suspension bedeutet, ein sekundäres,
flaches Minimum. Liegt die Tiefe dieses Minimums in der Größenordnung von wenigen
kT, so bilden sich schwach gebundene Aggregate (Flocken), die jedoch leicht wieder zu
lösen sind [Ever92].
Die Wahl des Dispergiermediums nimmt eine entscheidende Rolle für die Stabilität
der Dispersion ein. Zumeist werden polare Flüssigkeiten genutzt, da diese eine ausreichen-
de Barriere ausbilden können, um eine Reagglomeration zu vermeiden [RVG+08]. Die
verwendeten Nanopartikeldispersionen basieren im Falle von Silizium auf Ethanol und im
Falle von ZnO auf Wasser als Dispergiermittel. Sowohl Ethanol- als auch Wassermoleküle
sind polar und erfüllen damit die Grundvoraussetzung für die Herstellung stabiler Sus-
pensionen. Die Herstellung geschieht unter Mischung des Feststoffes in nanopartikulärer
Pulverform, des Dispergiermittels und Zirkoniumoxid als Mahlstoff in Rührwerksmühlen.
Zusätzlich können noch Dispergieradditive hinzugefügt werden, die die Stabilität der
Suspension darüber hinaus verbessern. Auf die Verwendung solcher Additive wird jedoch
in den Dispersionen, die zur Verfügung stehen, verzichtet. Das Zirkoniumoxid dient
dem Eintrag von mechanischer Energie in das Kolloidsystem, wodurch zum Einen
ein Aufbrechen von bereits bestehenden Agglomeraten, d.h. die Dispergierung von
Primärpartikeln erreicht wird, und zum Anderen die Partikel noch kleiner zermahlen
werden können. Der Energieeintrag kann eine strukturelle Veränderung der Nanopartikel
bewirken. So wird beobachtet, dass ein zu langer Mahlvorgang die Kristallstruktur
von Silizium-Nanopartikeln bis hin zur Amorphisierung verändert und damit auch die
elektrischen Eigenschaften entscheidend verschlechtert [RAA+07].
20
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
Die verwendeten Dispersionen zeigen unabhängig vom Feststoffanteil eine ausreichende
Stabilität [GHW10]. Die Silizium-Nanopartikeldispersionen zeigen mindestens für einen
Monat, die Zinkoxid-Dispersionen mindestens für drei Monate keinerlei Veränderungen
(z.B. Auftreten einer Phasenseparation).
1.2.3 Physikalische und elektrische Eigenschaften von Nanopartikeln
Allgemeine Eigenschaften von Nanopartikeln
Im Vergleich zu Schichten gleicher Materialien, die mittels physikalischer
Gasphasenabscheide- (PVD) oder chemischer Gasphasenabscheideverfahren (CVD)
hergestellt werden, weisen Nanopartikel entscheidende Unterschiede auf. Die vorliegende
Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit Nanopartikeln aus Silizium und Zinkoxid,
so dass anhand dieser beiden Nanopartikelsorten die wesentlichen Eigenschaften von
Nanopartikeln erläutert werden.
Das offensichtlichste Merkmal von Nanopartikeln ist ihre äußere Form. Aus der
Gasphase synthetisierte Si- und ZnO-Nanopartikel treten in Form von Kugeln bzw.
Ellipsoiden auf [WSR01,KWR+04,KJK+02b,DBH95,Fend98,HHK+00,HKD98]. Andere
Synthese-Verfahren (z.B. die Sol-gel-Synthese) können ebenfalls diese Partikelformen
ergeben [PBD+99,YBK+99], aber auch Formen wie die sogenannten Nanorods (Stäbchen-
form) [LJJ+08]. Als Ausnahme gelang es Bapat et al. kubische Silizium-Nanopartikel
zu erzeugen [BGD+07]. Zur Erklärung der Effekte in halbleitenden Nanopartikeln wird
vereinfachend von sphärischen Partikeln ausgegangen, die bis zur Randschicht eine
perfekte einkristalline Struktur aufweisen. Im Fall von Silizium wird von der typischen
Diamantstruktur und bei ZnO von der ebenfalls typischen hexagonalen Wurtzitstruktur
ausgegangen [Fasc05,Jaga06].
Grenzflächeneffekte spielen in Nanopartikeln und Nanopartikelschichten eine domi-
nante Rolle, da die effektive Oberfläche einer dichtesten Kugelpackung um den Faktor
π/2 größer als die Grundfläche ist. Die projizierte Dichte oberflächenbedingter Störstellen
ist demnach ebenfalls mit π/2 skaliert. Chemisch betrachtet führt der Abbruch des Gitters
an der Oberfläche zu freien Bindungen, die sehr leicht mit umgebenden Stoffen in Wech-
selwirkung treten können. Bei Silizium führt diese Eigenschaft in erster Linie zur Bildung
einer unterstöchiometrischen Siliziumoxidschicht in Kontakt mit sauerstoffhaltigen Stoffen
(Umgebungsluft, Ethanol, etc.) [KWR+04,Fend98,PMCK07]. Der Oberflächenprozess ist
für Temperaturen unterhalb von 950◦
C selbstterminierend [LBP+94, LGP+00, LGH01],
wobei die Schichtdicke des umgebenden Oxids ca. 2...5 nm [KWR+04] bzw. 10% des
Primärpartikeldurchmessers beträgt [HHK99]. Neben der elektrisch isolierenden Wirkung
des natürlichen Oberflächenoxides treten an der Grenzfläche zwischen der Siliziumoxid-
hülle und dem Siliziumkern Ladungszustände auf, die typischerweise in der Summe
positiv sind [Hill04, Sze81]. Des Weiteren können dort Störstellenzustände – sogenannte
Haftstellen oder traps – existieren, die freie Ladungsträger binden. Zinkoxid als Me-
talloxid hat bereits nahezu vollständig mit Sauerstoff reagiert, so dass keine weitere
21
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
nennenswerte chemischen Reaktion mit Sauerstoff im Sinne einer Oberflächenoxidbil-
dung auftritt. Stattdessen können durch Reaktionen des Sauerstoffs bzw. durch die
Besetzung von Sauerstofffehlstellen im Kristall reduzierende und oxidierende Prozesse
ablaufen, die das elektrische Verhalten bzw. die Halbleitereigenschaften des Materials
verändern [MO09,CCDN+09,EKS+09].
Bisher wurde davon ausgegangen, dass zumindest der Kern der Nanopartikel einkri-
stallin aufgebaut ist. Diese Annahme ist jedoch nicht für alle Partikel gültig. Zwar
gibt es eine Vielzahl an Forschungsarbeiten, in denen einkristalline Nanopartikel syn-
thetisiert wurden [KWR+04, KJK+02b, HHK+00], doch wird in anderen Arbeiten auch
von amorphen und polykristallinen Partikeln berichtet. Eine Mischform ist ebenso
möglich [Fend98, WSR01, DBH95, CDD+95]. Dabei ist stets zu beachten, dass Korn-
grenzen sowohl Rekombinations- und Streuzentren als auch potenzielle Haftstellen
darstellen, wodurch die Leitfähigkeit reduziert wird. Die kristalline Struktur lässt sich
nicht nur durch die Herstellungsparameter variieren, sondern ist außerdem auch von der
Partikelbehandlung, insbesondere vom Dispersionsverfahren abhängig. Reindl et al.
zeigen, dass Silizium-Nanopartikel mittels einer Rührwerkskugelmühle zwar intrinsisch
stabil dispergierbar sind, sich der Amorphisierungsgrad aber von 25% auf 76% verdrei-
facht [RAA+07]. Als Maßnahme gegen eine Amorphisierung lässt sich eine thermische
Rekristallisation durchführen [Fend98]. Während der Temperung bilden sich innerhalb
der Partikel einzelne Kristalldomänen, die letztendlich an Korngrenzen zusammenführen
und somit polykristalline Partikel bilden [RFPB05,HOS06,Fend98]. Die Rekristallisation
ist ein bekanntes Verfahren aus der Dünnschichttechnik und wird zum Beispiel bei der
Herstellung von Dünnfilmtransistoren eingesetzt [HXY06,Hill88,HG92].
Als Grenzfläche ist auch der Übergang zwischen zwei Nanopartikeln, z.B. innerhalb
eines Agglomerates, anzusehen. Ein Annealing-Schritt ermöglicht die feste Verbin-
dung der Nanopartikel über Sinterbrücken. Bei Silizium-Nanopartikeln setzt dieser
Effekt für Temperaturen oberhalb von 700◦
C ein [STW+08, Fend98, KPL+95]. Für
Zinkoxid-Nanopartikel zeigen eigene Arbeiten, dass ein sichtbares Zusammenwachsen
für Annealing-Temperaturen bereits ab ca. 350◦
C in Sauerstoffatmosphäre stattfin-
det [WH10b].
In Abschnitt 1.2.1 wurde bereits erläutert, dass sich auch Silizium-Nanopartikel
mit Fremdstoffen dotieren lassen. So ist eine Dotierung mit Bor für p-Halbleiter und
mit Phosphor für n-Halbleiter möglich. Es ist jedoch zu beachten, dass einige der
oben erwähnten Effekte (Grenzflächen, Korngrenzen, Morphologie etc.) als elektrische
Störstellen in Erscheinung treten. Diese Störstellen maskieren den Dotiereffekt dermaßen,
dass die Dotierung erst wirksam wird, wenn die Dotierstoffkonzentration die Störstellen-
konzentration übersteigt [LSP+08]. Weiterhin sind Segregations- und Diffusionseffekte zu
beobachten, so dass ein Teil des Phosphors sich während der Bildung an der Grenzfläche
zur Oxidhülle vermehrt ansammelt, während bei Bor eine Anreicherung des Siliziumkerns
mit dem Dotierstoff stattfindet [LSP+08,NA96].
22
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
Charakterisierung der verwendeten Nanopartikel
Die verwendeten Silizium-Nanopartikel werden von der Firma Evonik Degussa GmbH,
Creavis Technologies & Innovation bezogen10. Die Partikel liegen als Dispersion
in Ethanol mit Massenanteilen von ξ(Si) = 0,1 Gew.-% bzw. ξ(Si) = 6,25 Gew.-% vor, so
dass die Farbe von leicht bräunlich bis grau-braun variiert. Der Probenumfang beinhaltet
Nanopartikel, die sowohl im Mikrowellenreaktor als auch im Heißwandreaktor syntheti-
siert wurden. Neben undotierten Nanopartikeln sind ebenfalls Nanopartikel verfügbar, die
durch Zugabe von Phosphin oder Diboran während des Herstellungsprozesses eine entspre-
chende Dotierung aufweisen. Laut Herstellerangaben beträgt die Primärpartikelgröße ca.
16...20 nm und die mittlere Agglomeratgröße 70...90 nm. Die Stabilität der Dispersionen
ist über einen Zeitraum von mindestens einen Monat gegeben, ohne dass eine Ausfällung
des Kolloids sichtbar ist. Nach dieser Zeit kann eine ausreichende Redispergierung durch
eine Ultraschallbehandlung erreicht werden.
Die Bandlücke für sehr kleine Silizium-Nanopartikel wurde durch Photoluminiszenz-
Messungen (PL) ermittelt. Partikel mit Durchmessern unterhalb von 4,8 nm zeigten
eine PL-Emission bei Energien oberhalb von 1,4 eV, wobei die Bandlückenenergie mit
kleinerem Durchmesser auf über 2,05 eV ansteigt [LGP+00, GKWW10, RKS02]. Die
Bandlücke der in dieser Arbeit verwendeten Silizium-Nanopartikel (16...20 nm) beträgt
nach dem in [LGP+00] vorgestellten Zusammenhang zwischen Primärpartikelgröße
und Bandlücke ungefähr der von einkristallinem Silizium (c-Si). Aussagen über die
Elektronenaffinität von nanokristallinem Silizium sind nicht bekannt. Da jedoch die
Bandlücke der von monokristallinem Silizium entspricht, wird vermutet, dass die Elektro-
nenaffinität von Si-NP ebenfalls ausreichend mit qχc-Si = 4,05 eV abgeschätzt werden kann.
Si
SiO2
Aluminium
Si-NP
(a)
0 µm 9,8 µm
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
×10−7m
0 µm
9,8 µm
0,0
4,0
(b)
Abbildung 1.9: Elektrische Charakterisierung von Silizium-Nanopartikelschichten:
(a) Schematischer Aufbau der Messstruktur, (b) Rasterkraftmikroskop-
aufnahme einer Messstruktur mit Silizium-Nanopartikeln
10Aufgrund einer wissenschaftlichen Kooperation der Evonik Degussa GmbH mit den Autoren von
[LSP+08, KWR+04, WSR01] sind die Eigenschaften der in dieser Arbeit verwendeten Nanopartikel mit
denen aus den genannten Veröffentlichungen vergleichbar.
23
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
KontaktKontakt NanopartikelNanopartikel
HülleHülleHülle
Hülle KernKern
Abbildung 1.10: Vereinfachtes elektrisches Ersatzschaltbild einer kontaktierten Nanoparti-
kelschicht
Zur elektrischen Charakterisierung der Silizium-Nanopartikel werden Messelektroden aus
Aluminium auf oxidiertem Siliziumsubstrat strukturiert und ein Nanopartikeldünnfilm
durch Spin-Coating auf die Elektroden aufgetragen. Anschließend werden die Proben bei
unterschiedlichen Temperaturen in Luft (100◦
C) bzw. Argon-Atmosphäre (200◦
C...500◦
C)
behandelt. Der schematische Querschnitt ist in Abbildung 1.9a und eine topographische
AFM11-Aufnahme der Messstruktur einschließlich der aufgebrachten Nanopartikel in
Abbildung 1.9b dargestellt. Das vereinfachte elektrische Ersatzschaltbild (ohne parallele
Strompfade) einer kontaktierten Nanopartikelschicht besteht aus einer Serienschaltung von
RC-Gliedern [siehe Abbildung 1.10], die die Kontaktimpedanzen zu den Metall-Elektroden
und die Impedanzen der Nanopartikelhüllen und -Kerne abbilden. Die Übergangsimpedanz
zwischen zwei Nanopartikelhüllen wird aus Gründen der Vereinfachung als Beitrag zur
Nanopartikelhüllenimpedanz angenommen. Zwischen den zwei Elektroden wird mittels
eines Parameter-Analysators (Hewlett Packard 4156A) eine DC-Vierpunkt-Messung
durchgeführt, um eine Strom-Spannungscharakteristik der Messsystems zu erhalten. Für
den Gleichspannungsfall entfallen somit die kapazitiven Anteile des Systems unter Be-
rücksichtigung von Aufladungsvorgängen während des Messvorgangs. Die Abbildung 1.11
zeigt eine typische Charakteristik, wobei die gefüllten Kreise die Messwerte und die
rote Kurve eine Approximation des Kurvenverlaufs darstellen12. Der Verlauf des Stroms
in Abhängigkeit von der Spannung lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. Für „hohe”
Spannungen (rechts) folgt der Strom einem Zusammenhang gemäß Gleichung (1.22).
Für den linken Bereich ist gemäß Gleichung (1.23) ein ohmscher Zusammenhang zu
erwarten. Aufgrund der Störstellen innerhalb der Nanopartikelschicht tritt jedoch die
Dominanz eines Ladungsträgertransports nach dem Frenkel-Poole-Effekt auf. Beide
Bereiche lassen sich unabhängig von der Annealing-Temperatur Taerkennen. Der
Gesamtwiderstand der Messanordnung, der aus Kontakt- und Bahnwiderstand besteht,
sinkt mit höheren Ta[siehe Abbildung 1.12a]. Wird davon ausgegangen, dass sich die
Kontakte bei ausreichend großer Spannung im SCLC-Bereich ohmsch verhalten, so kann
unter Zugrundelegung des Modells über den raumladungsbegrenzten Strom der Kontakt-
11Atomic Force Microscope
12Sämtliche Kurvenapproximationen der in dieser Arbeit vorgestellten Messdaten wurden mit der
Software OriginLab 8 durchgeführt. Als Approximationsverfahren zur nichtlinearen Kurvenanpassung
wird eine nicht-gewichtete Chi-Quadrat-Minimierung mit einem Toleranzwert ≤10−9verwendet, die
als Standard-Werkzeug in die Software implementiert ist. Da Approximationsverfahren und deren Im-
plementierung nicht Gegenstand dieser Arbeit sind, wird für nähere Informationen zur Software auf die
Dokumentation in [Orig07] und für tiefergehende Betrachtungen der Approximationsverfahren auf die
einschlägige Literatur verwiesen.
24
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
05 10 15
10−6
10−5
10−4
Vin V
Jin A/cm2
Frenkel-Poole
SCLC
Experiment
Kurvenanpassung
Ta= 500◦
C
Abbildung 1.11: Typische Strom-Spannungs-Charakteristik einer Silizium-Nanopartikel-
schicht. Die Messwerte wurden in lateraler Messanordnung mit
Aluminium-Elektroden aufgenommen.
widerstand aus der Extrapolation der Gesamtwiderstände verschiedener Messgeometrien
gewonnen werden. Abbildung 1.12b zeigt, dass der spezifische Kontaktwiderstand mit
steigender Annealing-Temperatur tendenziell sinkt, wobei zwischen 200◦
C und 300◦
C ein
Sprung um zwei Größenordnungen auftritt. Es ist bekannt, dass zwischen 200◦
C und
450◦
C eine Diffusion des Aluminiums in Siliziumdioxid stattfinden kann [UTA+74], so
dass das Aluminium der Kontaktelektroden während der Temperung in die Oxidhülle der
Nanopartikel eindringen kann und den Leitwert erhöht. Verglichen mit herkömmlichen
−15 −10 −50510 15
−20
−10
0
10
20
RT, 100◦
C, 200◦
C
300◦
C
400◦
C
500◦
C
LB= 1,2 µm
WB= 4,8 cm
Vin V
Iin nA
(a)
0100 200 300 400 500
101
102
103
10415 V
12 V
9 V
6 V
Tain ◦
C
ρR,cin Ωm2
(b)
Abbildung 1.12: Charakteristik von Silizium-Nanopartikelschichten in Abhängigkeit
von der Annealing-Temperatur. (a) typische Strom-Spannungs-
Charakteristik, (b) spezifischer Kontaktwiderstand
25
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Kontakten in der Mikroelektronik ist jedoch der Kontaktwiderstand hoch. Die Gründe
hierfür sind einerseits die immer noch bestehende Oxidhülle und andererseits die sehr
kleinen Kontaktflächen zwischen (sphärischen) Partikeln und ebenen Metallkontakten
[vergleiche vergrößerter Ausschnitt in Abbildung 1.9a]. Abhilfe würde eine nachfolgende
Herstellung der Kontakte auf Nanopartikelschichten bieten, um schlüssige Kontakte zu
erhalten. Dieses ist nicht möglich, da Silizium-Nanopartikel sehr leicht abzutragen sind
und somit eine Abscheidung der Nanopartikel nur als finaler Prozessschritt durchzuführen
ist.
Da eine Leitwerterhöhung auch für andere Kontaktmaterialen (z.B. Titan) auf-
tritt [SKC04], ist es naheliegend, dass während der Temperung eine Veränderung der
elektrischen Eigenschaften der Nanopartikel auftritt. Wie AFM-Untersuchungen zeigen,
ändert sich die Oberflächenbeschaffenheit als Maß für die Partikelgröße nicht, so dass die
Veränderung der elektrischen Eigenschaften nicht durch einen Versinterungsprozess der Na-
nopartikel hervorgerufen wird. Diese Beobachtung deckt sich mit TEM13-Untersuchungen
in der Literatur, die ein Zusammenwachsen von Silizium-Nanokristallen erst für Tempera-
turen oberhalb von 700◦
C nachweisen [STW+08]. Mit steigender Annealing-Temperatur
ist ein Anstieg des Temperatur-Parameters Ttzu beobachten, der als Maß für die
Breite der Störstellenverteilung auf ein Ausheilen der Nanopartikel hindeutet. Wird die
Störstellendichte anhand der Cross-over-Spannung Vxmit der Näherung
Vx≈qkTtN0LB2
ǫrǫ0
(1.26)
abgeschätzt, so ergibt sich eine von der Energie abhängige Dichte der Störstellenkon-
zentration von Nt≈1019 cm−3für Ta= 300◦
C bis zu Nt≈1015 cm−3für Ta= 500◦
C.
Die Störstellendichte liegt somit in der Größenordnung der Störstellenkonzentration ver-
gleichbarer Partikel und amorphen Siliziums [LSP+08,NHO78]. In der Literatur wurden
an Silizium-Nanopartikeln Störstellenkonzentrationen von Nt= 2 ·1019 cm−3[SKC04]
und Nt= 2,3·1017 cm−3[RTM+05] gemessen, wobei letztere Konzentrationsmessung
an ungetemperten Nanopartikeln durchgeführt wurde, die nach der Herstellung durch
Laserablation in-situ auf der Probenoberfläche abgeschieden wurden und somit keinen
strukturschädigenden Dispersionsprozess durchlaufen haben [RAA+07]. Die Störstellen-
konzentration der verwendeten Nanopartikel liegt so hoch, dass vermutet werden kann,
dass eine Dotierung mit Phosphor und Bor wirkungslos ist. Dass die Anwendung von
dotierten Nanopartikeln in Transistoren qualitativ nahezu keine Auswirkungen hat, zeigen
die Untersuchungen an Einzelpartikeltransistoren in Abschnitt 4.2.2.
Nanopartikuläres Zinkoxid wurde ebenfalls in dispergierter Form verwendet. Der Massen-
anteil lag bei 35Gew.-% in Wasser als Dispergiermittel. Das verwendete Zinkoxid wurde bis
zum Jahr 2009 kommerziell von der Firma Degussa AG, Advanced Nanomaterials
unter der Bezeichnung AdNano ZnO 20 DW vertrieben [Deg06]. Die weiße Dispersion
enthält Nanopartikelagglomerate mit einer relativ breiten Größenverteilung, die einen
Mittelwert von ca. 128 nm aufweist. Untersuchungen im TEM zeigen, dass Primärpartikel
praktisch nicht isoliert auftreten [Deg06]. Die Stabilität der Dispersion ist für mindestens
13TransmissionsElektronenMikroskopie
26
1.2 Nanopartikel und deren Eigenschaften
Si
SiO2
ZnO-NP
Elektroden
0
(a)
0510 15
10−4
10−3
10−2
10−1
Vin V
Jin A/cm2
Frenkel-Poole
SCLC
Experiment
Kurvenanpassung
(b)
Abbildung 1.13: Elektrische Charakterisierung von Zinkoxid-Nanopartikelschichten:
(a) Vertikale Messstruktur, (b) typische Strom-Spannungs-Charakteristik
einer ZnO-Nanopartikelschicht
drei Monate nach Dispergierung gewährleistet. Nach dieser Zeit kann eine ausreichende
Redispergierung durch eine Ultraschallbehandlung erreicht werden.
Die Bandlücke ähnlicher Nanopartikel wird in [KJK+02b] mit 3,24 eV ≤Eg≤3,28 eV
bestimmt. Diese Werte liegen nahe der in der Literatur für Bulk-ZnO angegebenen
Bandlücken von 3,3 eV ≤Eg≤3,4 eV [Sze81,MO09,Jaga06]. Die Elektronenaffinität von
Bulk-ZnO beträgt je nach Oberfläche des Kristalls 4,19 eV ≤qχ ≤4,6 eV [JZG84]. Für
Nanostrukturen reduziert sich die Elektronenaffinität aufgrund des Größeneffekts, so dass
in der Literatur Werte von qχ = 4,0 eV berichtet werden [ZDZC09,YLPC07].
Die elektrische Charakterisierung von ZnO-Nanopartikeln wird an vertikalen Messstruk-
turen durchgeführt [siehe Abbildung 1.13a]. Eine Strukturierung von Schichten auf
ZnO-Nanopartikeln ist möglich, da diese bei nachfolgenden Prozessen nicht von der
Oberfläche abgelöst werden [WH10b]. Der Vorteil einer vertikalen Messanordnung ist
der schlüssige Kontakt zwischen oberer Metallelektrode und den Nanopartikeln, da
im Bedampfungsprozess das Metall in die Zwischenräume eindringen kann. An der
unteren Grenzfläche bleibt der hohe Übergangswiderstand durch die geringe effektive
Kontaktfläche bestehen.
Wie im Diagramm in Abbildung 1.13b zu erkennen ist, zeigen Zinkoxid-Nanopartikel
ein ähnliches elektrisches Verhalten wie Silizium-Nanopartikel. Die Strom-Spannungs-
Charakteristik lässt sich in zwei Bereiche unterteilen, von denen der eine wiederum mit
dem Frenkel-Poole-Effekt und der andere mit dem raumladungsbegrenzten Strom
modelliert werden kann. Insgesamt ist die gemessene Stromdichte jedoch um ein Vielfaches
höher, da die Kontaktflächen zwischen einzelnen Nanopartikeln keine dem Ladungsträ-
gertransport entgegenwirkende Potenzialbarrieren beinhalten. Wird die Störstellendichte
der ZnO-Partikel aus der charakteristischen Temperatur und der Cross-over-Spannung
ermittelt, ergibt sich eine Konzentration von Nt≈3·1017 cm−3für Nanopartikel, die eine
maximale Temperatur von 120◦
C erfahren haben und Nt= 1 ·1013 cm−3für Ta= 600◦
C.
27
Kapitel 1 Grundlagen, Nanopartikel und deren Eigenschaften
Störstellenkonzentrationen in der selben Größenordnung werden von Untersuchungen an
Zinkoxid-Presspillen berichtet, die aus Mikropulver unter Druck und einer Temperatur
von 1100◦
C gesintert wurden [GC83].
Die Ladungsträgerbeweglichkeit in Nanopartikelschichten ist stark davon abhängig,
wie die Schichten behandelt werden und wie viele Nanopartikel am Ladungsträgertrans-
port beteiligt sind. Allgemein ist in amorphen Schichten der Ladungsträgertransport
durch die fehlende Kristallstruktur stark eingeschränkt. Teilweise tritt in ihnen ein
Transport nach dem Hopping-Mechanismus auf [BB85].
Für polykristalline Schichten kann das Modell von Seto, das eine örtliche δ-förmige
Störstellenverteilung annimmt, angewendet werden. Die Ladungsträgerbeweglichkeit wird
mit zunehmender Korngrenzenbarrierenhöhe reduziert [SJ75]:
µeff =µ0·exp −qφB
kT !.(1.27)
Die Barrierenhöhe selbst wird von der Störstellendichte, der Ladungsträgerdichte und der
Korngröße (bzw. in diesem Fall dem Nanopartikeldurchmesser) bestimmt, wobei für große
Ladungsträgerdichten (n > Nt/DNP) die Höhe der Barrieren mit zunehmender Störstel-
lenkonzentration und sinkender Korngröße steigt [EKR08]. Die Ladungsträgerbeweglich-
keiten der verwendeten Nanopartikel werden aus der Struktur bzw. aus der ermittelten
Störstellenkonzentration nach oben abgeschätzt. Die gemessenen, hohen Störstellenkonzen-
trationen, von denen ein Anteil auf Korngrenzen zurückzuführen ist, erlauben den Schluss,
dass die Beweglichkeit der Ladungsträger den jeweiligen Eigenschaften von amorphem (Si-
NP), nano- (Si-, ZnO-NP) oder mikrokristallinem (ZnO-NP) Material entspricht, so dass
ein Mobilitätslimit für Silizium-Nanopartikel bei 1 cm2(Vs)−1und für ZnO-Nanopartikel
bei ca. 40 cm2(Vs)−1gegeben ist [UTNK91,HNT+03,EKR08,CMRN03].
28
Kapitel 2
Transistoraufbau und -funktionsweise
Die in dieser Arbeit vorgestellten Transistoren sind mit konventionellen MOSFET bzw.
Dünnfilmtransistoren verwandt [Sze81,Kaga03]. Daher werden in diesem Kapitel zunächst
die verschiedenen Bauformen der Transistoren erläutert und wesentliche Unterschiede zu
den konventionellen Bauelementen hervorgehoben. Des Weiteren wird die physikalische
Funktionsweise der Transistoren dargestellt und eine Herleitung der für die Nanopartikel-
transistoren gültigen Transistorgleichungen durchgeführt, die im Kern auf den Standard-
transistorgleichungen basieren.
Abschließend werden die verwendeten Methoden zur Bestimmung der wichtigsten elektri-
schen Transistorparameter erläutert.
2.1 Dünnfilmtransistoren
Die wesentlichen Eigenschaften eines Feldeffekttransistors mit halbleitenden Nanopartikeln
sind stark von der gewählten Architektur abhängig. Bei den Dünnfilmtransistoren1haben
sich in den vergangenen Jahren drei Architektur-Konzepte durchgesetzt:
•Inverted Coplanar-Aufbau (IC) mit Bottom-Gate- und Bottom-Drain-/Source-
Elektroden [siehe Abbildung 2.1a],
•Inverted Staggered-Aufbau (IS) mit Bottom-Gate- und Top-Drain-/Source-
Elektroden [siehe Abbildung 2.1c],
•Noninverted Staggered-Aufbau (NIS) mit Top-Gate- und Bottom-Drain-/Source-
Elektroden [siehe Abbildung 2.1e].
Ist ein leitfähiges Substrat, z.B. ein dotierter Silizium-Einkristall, vorhanden, so lassen
sich die Inverted Coplanar- und die Inverted Staggered-Architektur vereinfachen, indem
das Substrat als ganzflächige Rückseitenelektrode genutzt wird [siehe Abbildungen 2.1b
und 2.1d]. Es kann dann ein thermisch gewachsenes Siliziumdioxid als Gate-Dielektrikum
verwendet werden. Sollen allerdings Schaltungen mit mehreren Transistoren realisiert
werden, sind frei steuerbare Gate-Elektroden unumgänglich.
Bezüglich der Integration ist der Inverted Coplanar-Transistor am einfachsten her-
zustellen. Seine Grundstruktur mit der Bottom-Gate-Elektrode, dem Gate-Dielektrikum
1engl. Thin-Film Transistor (TFT)
29
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
replacemen
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
HL-Dünnfilm
(a): Inverted Coplanar-Aufbau
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
HL-Dünnfilm
Substrat / Gate
(b): Inverted Coplanar-Aufbau mit
Rückseiten-Gate-Elektrode
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
HL-Dünnfilm
(c): Inverted Staggered-Aufbau
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
HL-Dünnfilm
Substrat / Gate
(d): Inverted Staggered-Aufbau mit
Rückseiten-Gate-Elektrode
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
HL-Dünnfilm
(e): Noninverted Staggered-Aufbau
Abbildung 2.1: Schematische Querschnitte von häufig verwendeten Dünnfilm-FET-
Architekturen
und den Bottom-Drain/Source-Elektroden lässt sich vor der Deposition des Nanopar-
tikeldünnfilms auf dem Substrat erzeugen. Für leistungsfähige Bauelemente ist die
präzise Ausrichtung der Elemente zueinander erforderlich, so dass die Schichten mittels
Lithografie und Ätzverfahren strukturiert werden müssen. Die dazu notwendigen Prozesse
sind aus der Mikro- bzw. Halbleitertechnologie hinlänglich bekannt [DN08]. Sind die
Anforderungen an die Leistungsfähigkeit nur gering, lässt sich die Grundstruktur ebenso
unter Verwendung von Drucktechniken realisieren.
Vorteil der Inverted Coplanar-Architektur ist die Trennung von konventioneller Halblei-
tertechnologie zur Integration der Grundstruktur und abschließender Schichtabscheidung
des Nanomaterials. Hierdurch steigt die Vielseitigkeit der Struktur hinsichtlich der
Probenherstellung einerseits; andererseits wird die Halbleiterschicht nicht durch andere
Prozessschritte (z.B. Strukturierung der Drain-/Source-Elektroden) chemisch oder
physikalisch beeinflusst. Nachteilig ist jedoch der nicht schlüssige Kontakt zwischen den
Drain/Source-Elektroden und dem Nanopartikelfilm bzw. die nicht schlüssige Grenzfläche
zwischen dem Gate-Dielektrikum und dem Nanopartikelfilm. Nanopartikel sind im Allge-
meinen und bis auf wenige Ausnahmen sphärisch. Im Kontakt mit den ebenen Drain- und
30
2.1 Dünnfilmtransistoren
Dielektrikum
ulation
Drain-/Source-
Elektrode
(a)
Dielektrikum
Ladungsträgerakkumulation
0nint
0
e−1nint
LD
Ladungsträgerdichte
y
(b)
Abbildung 2.2: Grenzflächenphänomene zwischen ebenen Schichten und Nanopartikelfil-
men. (a) Grenzfläche zwischen Nanopartikelfilm und Metall-Elektroden,
(b) Grenzfläche zwischen Gate-Dielektrikum und Nanopartikelfilm und
Verteilung der Ladungsträgerdichte im Halbleiter in Abhängigkeit von der
Entfernung von der Grenzfläche. Die Größe nint ist die Ladungsträgerdich-
te an der Grenzfläche.
Source-Elektroden ist demnach die effektive Grenzfläche zwischen den beiden Materialien
nur minimal klein. Wie in Abbildung 2.2a dargestellt, können Ladungsträger lediglich
an diesen kleinen Kontaktflächen von den metallischen Elektroden in den Partikelfilm
übergehen, so dass der Kontaktwiderstand sehr hoch ist. An der Grenzfläche zwischen dem
Gate-Dielektrikum und der Nanopartikelschicht tritt der Kontaktflächeneffekt in anderer
Weise in Erscheinung. Durch das elektrische Feld, welches durch das elektrische Potenzial
der Gate-Elektrode hervorgerufen wird, kommt es zu einer Ladungsträgerakkumulation im
Sinne eines Feldeffekttransistors. Da die Stärke des Feldeffekts mit zunehmendem Abstand
zum Dielektrikum abnimmt bzw. es zu Ausgleichsvorgängen im Halbleitermaterial kommt,
sammeln sich Ladungsträger vornehmlich in den dielektrikumsnahen Partikelregionen. In
Abbildung 2.2b ist als Grenze der Akkumulationsschicht die Debye-Länge LDangegeben.
Um einen Stromfluss der akkumulierten Ladungsträger zu erreichen, müssen diese von
einem Partikel in den nächsten gelangen, wobei der Transportvorgang lediglich über die
interpartikulären und ebenfalls kleinen Stoßflächen stattfinden kann. Diese Einschränkung
des Transportweges führt zu einem Dilemma bezüglich der Nanopartikelauswahl. Werden
große Nanopartikel ausgewählt, sinkt zwar die Anzahl der interpartikulären Grenzflächen,
jedoch liegen die Partikelstoßflächen außerhalb der Debye-Länge und somit nicht mehr
im leitfähigen Kanal. Der Einsatz von kleinen Nanopartikeln mit Stoßflächen innerhalb
des Kanals erzeugt unweigerlich viele Grenzflächen. Daher ist das Resultat auf jeden
Fall ein erhöhter Kanalwiderstand, entweder hervorgerufen durch eine unterbrochene
Inversions- bzw. Akkumulationsschicht oder eine hohe Anzahl interpartikulärer Barrieren.
Ein weiterer negativer Effekt ist die Rauheit der Grenzfläche, die durch die Nanopartikel-
form und -anlagerung bestimmt wird. Je stärker jedoch die Rauheit, desto größer ist die
Streuung von Ladungsträgern an dieser Grenzfläche, so dass die effektive Ladungsträger-
beweglichkeit reduziert wird [CS73,SS06,SPSM07,OMNH08]. Im theoretisch günstigsten
Fall lagern sich die Nanopartikel mit der maximalen Kugelpackungsdichte und somit mit
der minimalen Rauheit am Gate-Dielektrikum an. In der Praxis stellt dieser Fall das
erreichbare Optimum dar.
31
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
Die Inverted Staggered-Architektur umgeht die Problematik der kleinen elektrischen
Kontaktflächen an Drain- und Source-Elektroden durch den Einsatz der Top-Drain/Source-
Kontakte. Diese werden erst nach dem Auftragen der Nanopartikel abgeschieden, so dass
sich die Elektroden der Morphologie des Nanopartikelfilms anpassen und beide Schichten
schlüssig ineinander übergehen. Die Verbesserung der Grenzfläche zwischen Dielektrikum
und Nanopartikelfilm ist auf diese Weise nicht möglich. Ein weiterer Vorteil dieses
Aufbaus ist – insbesondere bei Verwendung einer temperaturbeständigen Rückseiten-
Gate-Elektrode – die Möglichkeit, die Partikel einer Temperung zu unterziehen und so
die elektrischen Eigenschaften zu beeinflussen. Bei der Inverted Coplanar-Struktur ist
eine Temperung nur möglich, solange die bereits vorhanden Schichten temperaturstabil
sind und keine nachteiligen chemischen Reaktionen in den Nanopartikeln auftreten.
Zur Realisierung der Top-Drain-/Source-Elektroden ist die Abscheidung und Strukturie-
rung von leitfähigen Schichten auf einem Nanopartikelfilm notwendig. Weit verbreitet
ist hierzu die sogenannte Schattenmaskenbedampfung, bei der metallische Elektroden
durch eine aufgelegte Maske (z.B. Metallfolie oder Silizium) aufgedampft werden. Die
Maske enthält an den Stellen der späteren Elektroden Öffnungen, durch die das Metall
ungehindert an der Probenoberfläche abgeschieden werden kann. Somit ist weder ein
Lithografie- noch ein Ätzprozess auf der Probenoberfläche nötig, um die Elektroden zu
strukturieren. Aus Gründen der mechanischen Stabilität der Masken ist die minimal
erreichbare Strukturgröße auf ca. 10...20 µm begrenzt. Zudem ist eine Maskenjustierung
nur mit hohem Aufwand bei eingeschränkter Genauigkeit möglich.
Vergleichbar problematisch ist die Strukturierung der Top-Gate-Elektrode im Non-
inverted Staggered-Aufbau. Entgegen den beiden oben beschriebenen Architekturen
kann aber der Akkumulationseffekt der dielektrikumsnahen Nanopartikel dahingehend
vermindert werden, dass das Gate-Dielektrikum auch bis in die Partikelzwischenräume
reicht und hier die Permittivität gegenüber den sonst vorhanden Hohlräumen erhöht
wird. Der Feldeffekt im Bereich der interpartikulären Stoßflächen wird somit verstärkt,
wodurch der Kanalwiderstand sinkt.
Allen Dünnfilmtransistoren gemeinsam sind Effekte, die durch die Nanopartikelform sowie
durch die Anordnung der Nanopartikel entstehen. Auftretende Phänomene werden in
Abschnitt 1.2.3 näher erläutert und diskutiert. Mögliche Maßnahmen zur Verminderung
negativer Effekte werden in Abschnitt 3.4.1 thematisiert.
2.2 Einzelpartikeltransistoren
In Nanopartikeldünnfilmen wird die Kanalleitfähigkeit von vielen Faktoren nachteilig be-
einflusst. Abhilfe schafft eine Reduzierung der Transistorkanallänge in die Größenordnung
der Partikelgröße. So wird gewährleistet, dass der stromführende Pfad lediglich durch
einen einzigen Partikel führt. Wird ein Einzelpartikeltransistor2als Transistor mit Nano-
partikeln als Halbleitermaterial und einer Kanallänge LEPT ≤DNP definiert, wobei DNP
2abgekürzt: EPT (EinzelPartikelTransistor)
32
2.2 Einzelpartikeltransistoren
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
Kanal-Nanopartikel
(a): Inverted Coplanar-Aufbau
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
Kanal-Nanopartikel
Substrat / Gate
(b): Inverted Coplanar-Aufbau mit
Rückseiten-Gate-Elektrode
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
Kanal-Nanopartikel
(c): Inverted Staggered-Aufbau
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
Kanal-Nanopartikel
Substrat / Gate
(d): Inverted Staggered-Aufbau mit
Rückseiten-Gate-Elektrode
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
Kanal-Nanopartikel
(e): Noninverted Staggered-Aufbau
Abbildung 2.3: Schematische Querschnitte von Einzelpartikeltransistor-Architekturen
der Nanopartikeldurchmesser ist, lassen sich vergleichbar mit den Dünnfilmtransistoren
aus Abschnitt 2.1 die Architekturen in drei Aufbauarten unterteilen, von denen wiederum
die ersten beiden mit einer Rückseiten-Gate-Elektrode ausgeführt werden können:
•Nanograben-Transistor mit Bottom-Gate- und Bottom-Drain-/Source-Elektroden
vergleichbar mit Inverted Coplanar [siehe Abbildung 2.3a und 2.3b],
•Nanolinien-Transistor mit Bottom-Gate- und Top-Drain-/Source-Elektroden ver-
gleichbar mit Inverted Staggered [siehe Abbildung 2.3c und 2.3d],
•Nanograben-Transistor mit Top-Gate- und Bottom-Drain-/Source-Elektroden ver-
gleichbar mit Noninverted Staggered [siehe Abbildung 2.3e].
33
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
Es sei bemerkt, dass in kolloidalen Suspensionen durchaus Agglomerate auftreten, die
sich durch eine intensive Dispergierung nicht auftrennen lassen. In diesem Fall werden
diese Agglomerate als Einzelpartikel angesehen und im weiteren Verlauf dieser Arbeit ist
auch dann von Einzelpartikeltransistoren die Rede.
Zur Integration der Inverted Coplanar-Struktur sind zunächst nanoskalige Zwischenräume
(sogenannte Nanogräben) auf einem Dielektrikum herzustellen. Die Breite der Nanogrä-
ben ist exakt auf den Partikeldurchmesser anzupassen, wenn Einzelpartikeltransistoren
realisiert werden sollen. Häufig auftretende Nanopartikelagglomerate passen nicht in den
Zwischenraum, so dass diese nicht zum Transistorverhalten beitragen. Für den Fall, dass
Agglomerate toleriert werden, kann eine Anpassung auf den Agglomeratdurchmesser
durchgeführt werden. Diese Möglichkeit ist für Nanomaterialien interessant, die eine
starke Neigung zur Reagglomeration in der Dispersion bzw. während des Auftragens
zeigen oder für sehr kleine Nanopartikel wie zum Beispiel Silizium mit einer typischen
Primärpartikelgröße von 2...20 nm. Vergleichbar zu den Dünnfilmen liegt der Vorteil
des Inverted Coplanar-Aufbaus in der flexiblen Materialauswahl der Nanopartikel sowie
der Trennung zwischen Herstellung der Grundstruktur (Nanogräben) und Auftragen
der Nanopartikel. Problematisch ist aber der Partikeleintrag in die Nanogräben. Dieser
Vorgang ist zunächst ein rein statistischer Prozess, bei dem sich die Nanopartikel beliebig
in den Gräben ansammeln. Durch die Agglomeration von Partikeln kann der Eintrag
entweder erschwert oder sogar ganz verhindert werden.
Bei der Integration in der Inverted Staggered-Architektur wird der problematische
Partikeleintrag in Nanozwischenräume nicht benötigt. Im eigentlichen Sinne handelt es
sich ebenfalls um einen Dünnfilmtransistor. Der Nanopartikelfilm wird auf dem Gate-
Dielektrikum erzeugt. Da jedoch der Elektrodenabstand von Drain- und Source-Elektrode
so gering ist, dass auch hier nur idealerweise ein Nanopartikel kontaktiert wird, unterliegt
diese Bauform der Definition für Einzelpartikeltransistoren. Durch die nicht beeinflussbare
Anordnung der Nanopartikel innerhalb des Dünnfilms kann es aber durchaus passieren,
dass die Drain/Source-Elektroden an einer ungünstigen Position hergestellt werden. Im
schlechtesten Fall führt der Stromkanal durch zwei Nanopartikel, einschließlich einem
interpartikulären Übergang.
Der Noninverted Staggered-Aufbau bei Einzelpartikeltransistoren bietet sich besonders
bei isolierenden Substraten an und gründet ebenfalls auf dem Einsatz von Nanogräben.
Durch die Erzeugung des Gate-Dielektrikum nach der Nanograbenherstellung können
negative Auswirkungen auf das Dielektrikum während der Nanostrukturierung [vergleiche
Abschnitt 3.3] umgangen werden. Das Problem des Partikeleintrags stellt sich wie bei der
Inverted Coplanar-Transistorstruktur dar. Dennoch kommt dem Partikeleintrag nur eine
sekundäre Bedeutung zu. Selbst bei einer mangelhaften Einlagerung von Nanopartikeln
kann durch überbrückende Nanopartikel bzw. einen überbrückenden Nanopartikelfilm ein
Noninverted Staggered-EPT realisiert werden.
In allen drei Varianten muss die Transistor-Kanalweite nicht nanoskalig sein. Viel-
mehr führt eine größere Kanalweite zur Parallelschaltung mehrerer Kanal-Nanopartikel,
34
2.3 Funktionsweise
Substrat
Gate
Dielektrikum
Drain-/Source-Kontakte
Nanopartikel Isolation
Abbildung 2.4: Schematischer Querschnitt eines vertikalen Einzelpartikeltransistors mit
umlaufender Gate-Elektrode nach [DDB+06]
wodurch die maximale Drain-Stromstärke erhöht werden kann. Die Definition eines EPT
wird weiterhin erfüllt.
Die Position der Transistoren wird durch die Strukturdefinition von Source- und Drain-
Elektroden vorgenommen. Sie ist nicht abhängig von der Anordnung der Nanopartikel.
Die Positioniergenauigkeit der Transistoren entspricht der Genauigkeit der Lithographie.
Daher ist ein Schaltungslayout zur Integration logischer Schaltung unmittelbar möglich.
Neben den lateralen Transistoren wird in der Literatur ein vertikales Transistorkon-
zept mit Einzelpartikeln vorgestellt [DDB+06]. Als Halbleitermaterial werden kubische
Silizium-Nanopartikel verwendet [BGD+07]. Die Nanopartikel werden mit einer zufälligen
örtlichen Verteilung auf der Probenoberfläche abgeschieden und so prozessiert, dass die
Architektur aus Abbildung 2.4 entsteht. Der Transistorkanal ist zwischen den Drain-
und Source-Elektroden vertikal ausgerichtet. Das Gate steuert den Nanopartikel seitlich.
Entscheidende Nachteile dieser Integrationstechnik sind:
•die Notwendigkeit von kubischen Nanomaterialien;
•die fehlende bzw. äußerst aufwendige Möglichkeit, Transistoren zu positionieren;
•eine komplizierte Prozessführung, um lateral umlaufende Gates und Gate-Dielektrika
mit ausreichender Qualität zu erzeugen;
•nicht steuerbare Kanalbereiche durch die räumliche Ausdehnung der Isolations-
schicht ober- und unterhalb der Gate-Elektrode.
2.3 Funktionsweise
Die Funktionsweise der in dieser Arbeit vorgestellten Transistoren basiert auf dem Prin-
zip der Schottky-Barrieren-Drain-Source-Feldeffekttransistoren (SB-MOSFET). Diese
nutzen im Gegensatz zu konventionellen MOSFET keine pn-Homoübergänge zwischen
den Drain-/Source-Elektroden und dem Substrat, sondern Metall-Halbleiter-Kontakte
35
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
qφBn
Source
EF
Drain
VGS = 0
Eg
(a)
Source
EF
Drain
qVDS
WφBn
VGS = 0
Eg
(b)
Source
EF
Drain
qVDS
WφBn
VGS > Vth >0
Eg
(c)
Abbildung 2.5: Vereinfachte Bänderdiagramme zur Funktionsweise von Schottky-
Barrieren-Feldeffekttransistoren. (a) VGS = 0, VDS = 0 (Darstellung ein-
schließlich Bandverbiegung), (b) VGS = 0, VDS >0, (c) VGS >0, VDS >0
[TWC94, LS06]. Das Prinzip des SB-MOSFET ist in Abbildung 2.5 für einen n-Typ-
Transistor3dargestellt. Während für den Fall VGS =VDS = 0 [siehe Abbildung 2.5a]
aufgrund der Barrieren und des Fehlens des für einen Driftstrom notwendigen elektrischen
Feldes kein Stromfluss von der Source- zur Drain-Elektrode stattfinden kann, tritt be-
reits beim alleinigen Anlegen einer Drain-Source-Spannung ein Ladungsträgertransport
auf [siehe Abbildung 2.5b]. Die Weite WφBn bzw. die Höhe qφBn der Barriere kann be-
reits so schmal oder niedrig sein, dass Elektronen diese durch thermische Emission oder
Tunneling überwinden können und einen Drain-Strom verursachen. In Abbildung 2.5b
ist die Source-Barriere als dreiecksförmige Barriere approximiert. Wird nun das Gate des
Transistors mit einer Spannung VGS > Vth beaufschlagt, so führt das elektrische Feld zu
einer Bandverbiegung im Kanalgebiet. Die Bänder im Kanalgebiet und insbesondere in
Kontaktnähe werden so verbogen, dass die Barrierenweite WφBn verkleinert wird [siehe
Abbildung 2.5c]. Es gilt
WφBn VGS>Vth
< WφBn VGS=0
.(2.1)
Die Barrierenweite bestimmt die Tunnelwahrscheinlichkeit Θ=Θ(WφBn ). Diese folgt aus
der zeitunabhängigen Schrödinger-Gleichung
d2Ψ
dx2=2m∗[ϕ(x)−E]
~2Ψ(2.2)
mit der Wellenfunktion Ψ. Mit der WKB-Approximation4und unter Annahme einer drei-
eckförmigen Barriere ergibt sich die Tunnelwahrscheinlichkeit Θals
Θ=Ψ(WφBn )Ψ∗(WφBn )
Ψ(0)Ψ∗(0) = exp −4
3
√2qm∗
~qφBnWφBn !.(2.3)
Wie zu erkennen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit mit kleinerer Barrierenweite WφBn . Das
elektrische Feld, welches von der Gate-Elektrode influenziert wird, senkt außerdem die Bar-
rierenhöhe durch den Schottky-Effekt ab, wodurch die Transmissionswahrscheinlichkeit
3Für p-Typ-Transistoren gilt das Funktionsprinzip unter der Maßgabe φBp < φBn analog. Die Vorzei-
chen der Spannungen sind dann mit umgekehrtem Vorzeichen zu wählen.
4Die semi-klassische Wentzel-Kramers-Brillouin-Approximation nimmt zur Lösung der Glei-
chung (2.2) die Unabhängigkeit von ϕ(x)−Eim Intervall [x, x +dx] an [Kram26].
36
2.3 Funktionsweise
ebenfalls ansteigt. Bei entsprechend schmaler Barriere steigt die Tunnelwahrscheinlichkeit
soweit an, dass der Kontakt ohmsch wird, sofern er diese Eigenschaft zuvor nicht besaß.
Zusätzlich wird der Anteil der thermischen Emission (über die Barriere) am Ladungs-
trägertransport durch die Barrierenabsenkung verstärkt [Sze81]. Idealerweise müssen die
Kontakteigenschaften so ausgelegt werden, dass die Barriere so hoch ist, dass der Anteil
der thermischen Emission vernachlässigt werden kann und die Unterscheidung zwischen
ein- und ausgeschaltetem Zustand des Transistors durch den Tunneleffekt bestimmt wird.
Die vorhergehenden Betrachtungen wurden zunächst für Elektronen als ausschließlich
am Ladungsträgertransport beteiligte Teilchen durchgeführt. Diese Näherung ist möglich,
wenn die Barrierenhöhe zwar ausreichend hoch gewählt wird, um eine thermische Emission
von Elektronen zu unterdrücken, aber so niedrig gewählt wird, dass die Barriere für
Löcher nach Gleichung (1.8) so groß wird, dass eine Löcherinjektion unterbunden wird.
Die Verwendung von intrinsischen, undotierten Halbleitern ist möglich. Analog lässt sich
ein p-Kanal-Transistor durch Blockierung der Elektronen und Injektion von Löchern
(φBn > φBp) realisieren, so dass komplementäre Schaltungen allein durch die Wahl der Kon-
taktmaterialien integriert werden können. Als Beispiel hierfür sei auf [DDB+06,SDB+07]
verwiesen5. Während Song et al. mit YbSix-Kontakten eine Barrierenhöhe von ca.
φBn = 0,47 eV erreichen und damit einen n-Typ-Transistor realisieren [SDB+07], verwen-
den Ding et al. in [DDB+06] PtSi als Kontaktmaterial für p-Kanal-Transistoren. Die
Barrierenhöhe zwischen Silizium und PtSi beträgt φBp = 0,24 eV [Maex95].
In Abbildung 2.5c ist angedeutet, dass bei Anlegen einer Gate-Spannung eine Ladungsträ-
gerakkumulation im Kanal stattfindet, da die Fermienergie sich der Leitungsbandkante
nähert:
EC−EFVGS>Vth
< EC−EFVGS=0
.(2.4)
Da mit steigender Ladungsträgerdichte auch der Leitwert steigt, bildet sich ein Stromkanal
in Dielektrikumsnähe aus, der die injizierten Ladungsträger abführt. Dieser ist im Gegen-
satz zum Inversionskanal bei konventionellen MOSFET jedoch durch eine Akkumulation
gekennzeichnet. Zur Herleitung der allgemeinen Transistorgleichungen für Transistoren im
Akkumulationsbetrieb werden zunächst in Anlehnung an [Sze81] Vereinfachungen getrof-
fen:
1. bei der Struktur handelt es sich um eine ideale MOS-Struktur ohne Fallenzustände
an Grenzflächen, Oxidladungen, Austrittsarbeitsdifferenzen etc.;
2. es wird nur ein Driftstrom berücksichtigt;
3. die Ladungsträgermobilität im Kanal ist konstant;
4. die Dotierung im Kanal ist homogen;
5. der Ladungsträgertransport in Rückwärtsrichtung ist vernachlässigbar;
5Beide Arbeiten stammen aus derselben Forschergruppe und verwenden die gleichen undotierten, ku-
bischen Silizium-Nanopartikel.
37
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
VG> Vth
VSVD
Qs(y)
dR
dϕs
dy
n-Halbleiter
Akkumulationszone
x
y
L
Ci
Gate
Source Drain
Dielektrikum
y= 0
Abbildung 2.6: Vereinfachter Inverted Coplanar-Dünnfilmtransistor im Anreicherungsbe-
trieb (VG> Vth;VG> VD)
6. für das transversale E-Feld im Kanal gilt Ex= 0;
7. für das longitudinale E-Feld im Dielektrikum gilt Ey= 0;
8. die Bandverbiegung an der Drain- und Source-Elektrode wird zunächst vernachläs-
sigt.
Mit den genannten Voraussetzungen stellt Abbildung 2.6 das Modell eines n-Kanal-
Transistors zur Herleitung der Gleichungen dar. Nach [Bube09] führt diese Modell mittels
einer Betrachtung der akkumulierten Ladung und der anschließenden Integration der infi-
nitesimalen Widerstandselemente dRbzw. Potenzialelemente dϕsüber den Ort xzu den
Transistorgleichungen
IDS =WµCi
L[VGS −Vth]−1
2VDSVDS für VGS −Vth > VDS,(2.5a)
IDS =WµCi
2L[VGS −Vth]2für VGS −Vth ≤VDS.(2.5b)
Diese werden im Folgenden als Shockley-Gleichungen bezeichnet6[Shoc52]. Die Schwel-
lenspannung Vth drückt eine Verschiebung der Gate-Spannung aus, bei der ein Kanal
im Halbleiter ausgebildet wird. Die Ursache und Größe der Schwellenspannung sind von
mehreren Faktoren abhängig. Unter anderem bestimmen Störstellen und Korngrenzen im
Halbleiterfilm, elektrische Ladungen am bzw. im Dielektrikum, Bandverbiegungen durch
den Ausgleich von Austrittsarbeitsdifferenzen und Dotiereffekte (z.B. Einbau von Sau-
erstoff in den ZnO-Kristall) die Schwellenspannung. Die Gleichung (2.5b) wurde unter
Vernachlässigung eines Löcherstroms hergeleitet. Aufgrund des nicht unerheblichen Poten-
zialgradienten für den Bereich VGS −Vth ≤VDS können mit zunehmendem VDS jedoch
auch Löcher die Barriere an der Drain-Elektrode überwinden, so dass ein Löchertrans-
port berücksichtigt werden muss. Wird der Transistorkanal in einen Abschnitt zwischen
6Der Spannungsbereich der Gleichung (2.5a) wird üblicherweise als „linearer Bereich” oder „Trioden-
bereich” bezeichnet; der Spannungsbereich der Gleichung (2.5b) als „Sättigungsbereich”.
38
2.3 Funktionsweise
Source-Elektrode und Abschnürpunkt7und einen Abschnitt zwischen Abschnürpunkt und
Drain-Elektrode unterteilt, so lassen sich die Transistorströme separat betrachten, wenn
aus Kontinuitätsgründen von einem ungestörten Ladungstransport im jeweils anderen Be-
reich ausgegangen wird. Mit der Elektronenbeweglichkeit µnund der Löcherbeweglichkeit
µpfolgt für den Drainstrom
IDS =WCi
2Lµn[VGS −Vth] + µphVDS −[VGS −Vth]iVDS.(2.6)
Es wird demnach erwartet, dass die im Rahmen dieser Arbeit vorgestellten Transi-
storen ambipolares Verhalten zeigen. Auch wenn im Triodenbereich eine Beteiligung
beider Ladungsträgerarten am Stromfluss durch die Transistorgleichung nicht erfasst
wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sowohl Elektronen
als auch Löcher im Kanal transportiert werden – aufgrund der geringeren longitudi-
nalen Feldstärke jedoch nur in eingeschränktem Maße. Ambipolare Charakteristiken
werden hauptsächlich in anorganischen Transistoren mit a-Si:H (amorphem Silizium)
als Halbleitermaterial, organischen und hybriden organisch-anorganischen Transistoren
beobachtet [Pfle86,NYAY07,KYS+07]. Dieses sind Materialien, die in ihren Eigenschaften
den Nanopartikeln sehr ähnlich sind [vergleiche Abschnitt 1.2.3].
Ein typisches Ausgangskennlinienfeld ist in Abbildung 2.7 skizziert. Die schwarzen
Graphen zeigen das Verhalten gemäß der stark idealisierten Gleichungen (2.5a) und
(2.5b); wird der Effekt des ambipolaren Ladungsträgerflusses laut Gleichung (2.6) berück-
sichtigt, so zeigt sich in den Ausgangskennlinien im Sättigungsbereich ein quadratischer
Anstieg der Stromstärke mit zunehmender Spannung. Je nach Verhältnis zwischen den
Shockley-Gleichungen ambipolarer Transport
Drain-Source-Spannung VDS
Drain-Source-Strom IDS
Abbildung 2.7: Modelliertes Ausgangskennlinienfeld für das vereinfachte Transistormo-
dell nach den Transistorgrundgleichungen (schwarz) und unter Berücksich-
tung des ambipolaren Stromtransports im Sättigungsbereich nach Glei-
chung (2.6) mit µn/µp= 5 (rot)
7Das Auftreten eines Abschnürpunkts der Inversionsschicht ist von konventionellen MOSFET im Sät-
tigungsbereich und der damit verbundenen Kanallängenmodulation bekannt [Sze81].
39
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
Eingangspannungen untereinander und zur Schwellenspannung bleibt eine Sättigung im
Sinne eines Plateaus nahezu aus.
Die oben getroffenen Annahmen zur Herleitung der Transistorgleichungen sind nur
bedingt gültig, da offensichtlich:
•die Kontakte nicht rein ohmsch sind bzw. die Kontakteigenschaften und daraus fol-
gend die Ladungsträgerinjektion mit dem Arbeitspunkt des Transistors variieren;
•die Nanopartikelform eine nicht-ideale Grenzfläche zwischen Kanal und Gate-
Dielektrikum bedingt;
•die Kontakte nicht lateral bis zum Dielektrikum durchgehend integriert sind, sondern
parallel zur Kanaloberfläche liegen;
•durch die Transistorgeometrie, insbesondere bei Einzelpartikeltransistoren, die An-
nahme Ex>Eynicht uneingeschränkt gilt, da Kanallänge und Dielektrikumsdicke
in derselben Größenordnung liegen;
•am Ladungsträgertransport beide Ladungsträgerarten in gleichem Maße beteiligt
sein können; gegebenenfalls ist die dominante Ladungsträgerart abhängig vom Be-
triebsbereich des Transistors.
Die Steuerbarkeit der Transistoren variiert je nach Architektur und verwendeten Mate-
rialien. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass die Steuerung parallel durch Barrieren-
und Kanalsteuerung (Akkumulation) geschieht. Dennoch bieten Transistoren, die sowohl
in den Barriereeigenschaften als auch durch Kanalmodulation steuerbar sind, vermutlich
ein besseres Sperrverhalten als Bauelemente mit nur einem Einflussfaktor.
2.4 Parameterextraktion
Um Transistoren charakterisieren zu können, müssen die Bauelementparameter vergleich-
bar ermittelt werden. Für Nanopartikeltransistoren existiert keine IEEE-Standardisierung
der Parameterextraktion. Daher sind in der Literatur zahlreiche Verfahren anzutreffen,
deren Ergebnisse einen direkten Vergleich erschweren. Die im Folgenden vorgestellten Ver-
fahren lehnen sich an den IEEE-Standard 1620 für organische Feldeffekttransistoren an [IE-
EE08].
Zur Transistorcharakterisierung genügt die Aufnahme von Transferkennlinie ID(VGS), Aus-
gangskennlinienfeld ID(VDS) und Gate-Leckstrom-Charakteristik IG(VGS). Hieraus lassen
sich die Schwellenspannung Vth, die Ladungsträgerbeweglichkeit µ, die Strommodulation
ION/IOFF und gegebenenfalls der Subschwellenspannungsstromanstieg Sals Transistorpa-
rameter bestimmen.
Für die Aufnahme der Kennlinien-Messewerte wird ausschließlich der Präzisionsparame-
teranalysator Hewlett Packard 4156A verwendet.
40
2.4 Parameterextraktion
Schwellenspannung
Zur Ermittlung der Schwellenspannung Vth wird die Wurzel des Drain-Stroms der Trans-
ferkennlinie über der Gate-Spannung aufgetragen. Für den Betrieb in Sättigung führt
Gleichung (2.5b) folglich zum Ausdruck
qIDS =sWµCi
2L[VGS −Vth].(2.7)
Durch Extrapolation der Geraden ergibt sich im Schnittpunkt mit der VGS-Achse die
Schwellenspannung. Tritt eine Beweglichkeitsreduktion auf, so wird im Punkt der größten
Steigung extrapoliert [Schr06]. Das Verfahren weist den Nachteil auf, dass die Schwellen-
spannung bei schlecht sperrenden Transistoren verfälscht wird, da eine Extrapolation bis
zur VGS-Achse zu einer nicht unerheblichen Verschiebung der Schwellenspannung – im Fall
von n-Kanal-Transistoren – in negative Richtung führt. Es ist daher sinnvoll, bei schlechten
Sperreigenschaften die Schwellenspannung am Punkt zu bestimmen, in dem die extrapo-
lierte Gerade den Wert des minimalen Stroms qIDS,min annimmt.
Die Schwellenspannung kann auch durch das Verfahren der linearen Extrapolation ermit-
telt werden. Hierbei ist die Transferkennlinie im steilsten Punkt linear zu extrapolieren.
Der Schnittpunkt mit der Abszissenachse wird als VGS,ibezeichnet. Die Schwellenspannung
ist nach [Schr06] gegeben durch
Vth,lin =VGS,i−VDS
2.(2.8)
Dieses Verfahren ist jedoch sehr sensitiv bezüglich serieller Widerstände und einer Beweg-
lichkeitsdegradation [Schr06]. Es eignet sich jedoch auch für die Schwellenspannungser-
mittlung in Verarmungstransistoren und Transistoren mit vergrabenem Kanal [TS88].
Bei vernachlässigbar kleinen Kontaktwiderständen geht der Wert für die Schwellenspan-
nung aus der linearen Extrapolation Vth,lin in den Schwellenspannungswert der Bestim-
mung aus dem Sättigungsbereich Vth,sat über.
Eine weitere Methode zur Ermittlung der Schwellenspannung ist das Transkonduktanz-
Ableitungs-Verfahren, bei dem die Steilheit gmnach ∂VGS abgeleitet wird. Die Stelle des
Maximums dieser Funktion stellt die Schwellenspannung dar [Schr06].
Ladungsträgerbeweglichkeit
Der Ladungsträgerbeweglichkeit kommt eine entscheidende Bedeutung als Bewertungskri-
terium in Transistoren zu. Insbesondere in Bauelementen mit halbleitenden Nanopartikeln
treten Streueffekte auf, die die Beweglichkeit reduzieren. Hierzu zählen unter anderem die
Streuung an Phononen, an Verunreinigungen, geladenen Teilchen oder an Oberflächen.
Jedem Mechanismus kann eine Beweglichkeit zugeordnet werden, so dass sich die Gesamt-
beweglichkeit µaus den Einzelbeweglichkeiten nach der Mathiessen-Regel als
1
µ=
n
X
i=1
1
µi
(2.9)
41
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
zusammensetzt [Kitt05], wobei die geringste Einzelbeweglichkeit die Gesamtbeweglichkeit
dominiert.
In der geläufigen Literatur werden verschiedene Verfahren zur Ermittlung der Mo-
bilität angewendet, deren Ergebnisse sich erheblich unterscheiden können.
Die effektive Ladungsträgerbeweglichkeit µeff wird aus dem Ausgangskennlinienfeld
bestimmt. Die Spannung VDS sollte gering sein, da so die Ladungsträgerdichte im Kanal
homogen ist. Die effektive Beweglichkeit ergibt sich dann als
µeff =gdL
WQs
mit gd=∂IDS
∂VDS VGS=const.
.(2.10)
Die Schwierigkeit dieses Verfahrens besteht in der Bestimmung der Ladungsdichte Qsim
Kanal. Diese kann nur ungenau über die Kapazität Ciabgeschätzt oder aufwändig durch
Messungen ermittelt werden [Schr06].
Die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit µFE nutzt die Steilheit der Transfer-
kennlinie
gm=∂IDS
∂VGS VDS=const.
,(2.11)
so dass sich aus der Driftkomponente des Drain-Stroms die Feldeffektbeweglichkeit
µFE =Lgm
WCiVDS
(2.12)
berechnen lässt. Wird die Feldeffektmobilität nach dieser Vorschrift ermittelt, so liegt ihr
Wert niedriger als die effektive Ladungsträgerbeweglichkeit, da die Abhängigkeit vom elek-
trischen Feld der Gate-Elektrode vernachlässigt wird [KSA89,Fu82,TTIT94]. Vereinfacht
ausgedrückt wird die Beweglichkeit mit zunehmender Gate-Spannung gemäß
µ=µ0
1 + θ[VGS −Vth](2.13)
mit dem empirischen Faktor θreduziert [Fu82].
Wenn der Transistor im Sättigungsbereich arbeitet, kann die sogenannte Sätti-
gungsladungsträgerbeweglichkeit µsat aus der Transferkennlinie extrahiert werden.
Wird Gleichung (2.7) nach Einführung des Body-Effekt-Faktors βnach der Gate-Source-
Spannung abgeleitet, so kann aus der konstanten Steigung
∂√IDS
∂VGS
=sβWµCi
2Lti
=m(2.14)
die Sättigungsladungsträgerbeweglichkeit
µsat =2Lm2
βWCi
(2.15)
42
2.4 Parameterextraktion
berechnet werden. Fehlererzeugend ist der Faktor β, der schwach von der Gate-Spannung
abhängig und oftmals unbekannt ist, so dass er häufig zu eins gesetzt wird [Schr06]. Wie
bei der Feldeffektbeweglichkeit wird ebenfalls die Abhängigkeit der Beweglichkeit von der
elektrischen Feldstärke vernachlässigt. Daraus folgt µsat < µeff. Die Sättigungsmobilität ist
nur gültig, solange die Ladungsträger keine Sättigungsgeschwindigkeit erreichen [Schr06].
In dieser Arbeit wird IEEE-konform die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit µFE
angegeben [IEEE08]. Nur in Ausnahmefällen sind Werte der Sättigungsladungsträgermo-
bilität aufgeführt, wenn µFE nicht ermittelt werden konnte.
Strommodulation
Die Strommodulation ist definiert als das Verhältnis zwischen der Stromstärke ION im ein-
geschalteten Zustand zur Stromstärke IOFF im ausgeschalteten Zustand. Sie ist ein Maß für
die Entscheidungssicherheit in digitalen Schaltungen und sollte möglichst groß sein. Der
Transistorparameter ION/IOFF wird aus der Transferkennlinie als Quotient des maximalen
und minimalen Drain-Stroms ermittelt. Es muss angemerkt werden, dass die Strommodula-
tion von der verwendeten Drain-Source-Spannung VDS abhängig ist. Insbesondere bei den
hier vorgestellten SB-MOSFET ist das Verhältnis der Stromstärken sensitiv gegenüber der
Spannung VDS. In der Literatur werden im Allgemeinen die größten beobachteten Werte
berichtet [IEEE08]. Infolgedessen wird in dieser Arbeit ebenfalls das maximal ermittelte
ION/IOFF-Verhältnis als Kennwert angegeben, wobei jeweils die Spannung VDS, die zur
Aufnahme der Messwerte verwendet wurde, aus den entsprechenden abgebildeten Trans-
ferkennlinien zu entnehmen ist.
Subschwellenspannungsstromanstieg
In der Realität tritt unterhalb der Schwellenspannung ein Drain-Strom auf, der in seiner
Charakteristik dem Verhalten eines Bipolar-Transistors ähnelt [Hoff06]. Der Anstieg dieses
Stroms wird als Subschwellenspannungsstromanstieg8Sbezeichnet. Sein Wert gibt an, um
welche Spannung die Gate-Spannung verändert werden muss, damit der Strom um eine
Dekade erhöht bzw. reduziert wird. Der Parameter Slässt sich aus dem Verlauf von
log(IDS) über VGS bestimmen. Der Subschwellenstromanstieg ist ein Maß für die Güte
des Sperrverhaltens des Transistors. Je kleiner der Wert von Sist, desto besser sperrt das
Bauelement, da mit kleinen Spannungsdifferenzen der Stromfluss drastisch gesenkt werden
kann.
8kurz: Subschwellenstromanstieg oder engl.: subthreshold swing
43
Kapitel 2 Transistoraufbau und -funktionsweise
44
Kapitel 3
Integrationstechniken
Für die angestrebte Integration der in Abschnitt 2.2 vorgestellten Einzelpartikeltransis-
toren ist die Herstellung der Drain- und Source-Elektroden im nanoskaligen Abstand
erforderlich. Im Folgenden wird daher eine kostengünstige Strukturierungsmethode zur
Definition kleinster Geometrien im Nanometerbereich vorgestellt, die im Rahmen dieser
Arbeit für die großflächige Integration der Nanostrukturen verwendet wird. Der Einsatz
von konventionellen Lithografieverfahren ist zwar technisch möglich, jedoch aus Grün-
den der Verfügbarkeit und Kosten nicht umsetzbar1. Weiterhin wird in diesem Abschnitt
auf die notwendige Abscheidung von Nanopartikeln als Dünnfilm bzw. als Einzelparti-
kel durch Schleuderbeschichtung eingegangen. Die Beschichtung im Schleuderverfahren ist
ein Standardprozess der Halbleiterprozesstechnologie, zeigt aber bei der Verwendung von
Dispersionen als komplexe Feststoff-Flüssigkeits-Systeme wesentliche Unterschiede zum
konventionellen Prozess.
3.1 Abscheidungsdefinierte Nanostrukturierungstechnik
Im Gegensatz zur Strukturgrößendefinition durch lithografische Prozesse lassen sich
feinste Strukturen auch durch abscheidungsdefinierte Prozessfolgen erzeugen. Die Pro-
zessfolge besteht dabei im Grunde aus einem einfachen lithografischen Prozess, einem
Abscheidungs- und einem Ätzprozess [FE83]. Es wird zwischen einer Prozessabfolge
mit und ohne separater Opferschicht unterschieden. In der Abfolge mit separater Op-
ferschicht wird diese zunächst auf dem Substrat abgeschieden oder aufgewachsen [siehe
Abbildung 3.1a]. Die Dicke der erzeugten Schicht entspricht dabei der späteren Höhe der
Nanostruktur. Auf der Opferschicht wird eine Fototechnik durchgeführt, deren Kanten
die Position der Nanostrukturen festlegen [siehe Abbildung 3.1b]. Mittels der Lackmaske
wird die Opferschicht im RIE2-Verfahren anisotrop strukturiert, so dass senkrechte
Flanken entstehen [siehe Abbildung 3.1c]. Nach Entfernen des Fotolacks wird an diesen
senkrechten Flanken eine Schicht, die sogenannte Struktur- oder Spacer-Schicht, mit der
Konformität kSS =hh,SS/hv,SS ≤1 abgeschieden, wobei die Größen hh,SS die Schichtdicke
auf horizontalen Flächen und hv,SS die laterale Schichtdicke beschreiben [siehe Abbil-
dung 3.1d]. Anschließend wird die abgeschiedene Schicht anisotrop im RIE-Verfahren
um die Schichtdicke hh,SS zurückgeätzt. Demnach befindet sich auf horizontalen Flächen
kein Material der Strukturschicht. Lediglich an den Kanten der Opferschicht verbleibt
1Die konventionellen Lithografietechnologien und deren Eignung werden zur Vollständigkeit in An-
hang A.1 diskutiert.
2Reactive Ion Etching; Reaktives Ionenätzen
45
Kapitel 3 Integrationstechniken
Substrat
Opferschicht
otoresist
hich
hh,OS
(a)
Substrat
Opferschicht
Fotoresist
(b)
Substrat
Opferschicht
Fotoresist
(c)
Substrat
Opferschicht
Strukturschicht
hh,SS
hv,SS
(d)
Substrat
Opferschicht
Spacer
(e)
Substrat
Spacer
(f)
Substrat
Fotoresist
hh,OS
(g)
Substrat
Fotoresist
Strukturschicht
hh,SS
hv,SS
(h)
Substrat
Fotoresist
Spacer
(i)
Substrat
Spacer
(j)
Abbildung 3.1: Prozessabfolge der abscheidungsdefinierten Strukturierungstechnik (Kan-
tenabscheideverfahren). (a)-(f): Prozess mit separater Opferschicht, (g)-(j):
Prozess mit Fotolack als Opferschicht.
ein Spacer der Breite hv,SS und der Höhe hh,OS [siehe Abbildung 3.1e]. Dieser verbleibt
ebenfalls nach dem vollständigen Entfernen der Opferschicht [siehe Abbildung 3.1f]. Da
die Abscheidung der Strukturschicht mit Schichtdicken unterhalb von 100 nm sehr genau
durchgeführt werden kann, lassen sich mit der vorgestellten Technik nanoskalige Spacer
integrieren [HHG98, Hors99]. Es wurden bereits Nanostrukturen mit einer Breite von
25 nm demonstriert [HVH00].
46
3.1 Abscheidungsdefinierte Nanostrukturierungstechnik
Substrat
Metallisierung
(a)
Substrat
Elektrode
Nanograben
Elektrode
(b)
Abbildung 3.2: Prozesserweiterung zur Integration nanoskaliger Zwischenräume mittels
Kantenabscheideverfahren.
Da temperaturempfindliche Substrate (z.B. Kunststoffe oder Kunststofffolien) keinen
Hochtemperaturprozessen ausgesetzt werden dürfen, scheiden zur Herstellung nanoskali-
ger Strukturen Standardabscheideverfahren im LPCVD3- oder PECVD4-Verfahren aus,
da deren Prozesstemperaturen mindestens 250◦C betragen [Hill04]. Nur Polyimid (PI) mit
einer maximalen dauerhaften Verabeitungstemperatur von 300◦C wäre für die PECVD-
Abscheidung als Substrat geeignet [HHH04]. Die Materialauswahl für Opferschichten und
Strukturschichten ist sehr begrenzt, soll eine Abscheidung unter den zulässigen Tempe-
raturbedingungen von Kunststoffen durchgeführt werden. Daher werden Opferschichten
bestehend aus Fotolacken untersucht und eine entsprechende Strukturierungstechnik
entwickelt, die auch die Abscheidung eines PECVD-Oxids bei 100◦
C beinhaltet [vergleiche
Abschnitt 3.3.1] [Wolf06]. Die Verarbeitungstemperatur der verwendeten Fotolacke im
Rahmen der abscheidungsdefinierten Nanostrukturtechnik beträgt folglich maximal 110◦
C
im pre-bake-Schritt bzw. im post-exposure-bake-Schritt [AZ500, AZM05] und ist somit
kompatibel zu temperaturempfindlichen Kunststoffen wie z.B. Polyethylenterephtalat
(PET) mit einer kurzfristig zulässigen Maximaltemperatur von 150◦
C [HHH04]. Zusätz-
licher Vorteil ist die Einsparung zweier Prozessschritte (Abscheidung und Ätzung der
separaten Opferschicht). Der Prozessverlauf der Strukturierungstechnik mit Fotolack als
Opferschicht ist in den Abbildungen 3.1g bis 3.1j dargestellt.
Für die Integration von Einzelpartikeltransistoren werden teilweise anstatt der Na-
nolinien nanoskalige Zwischenräume benötigt. Zu deren Integration sind zwei zusätzliche
Prozessschritte erforderlich. Zunächst wird auf die Nanolinie eine metallische Schicht im
Hochvakuum aufgedampft, die später in strukturierter Form als Elektrode dient. Durch
den äußerst geringen Druck während der Bedampfung und der daraus resultierenden
mittleren freien Weglänge können Stoßereignisse zwischen verdampften Metallatomen
und den sonstigen Gasmolekülen nur sehr selten auftreten. Die Metallatome werden sich
demnach geradlinig vom Verdampfungstiegel entfernen und nicht gestreut, so dass sie bei
entsprechender Substratausrichtung senkrecht auf die Oberfläche treffen. Das Ergebnis
ist eine niederkonforme Abscheidung, d.h. dass keine oder nur eine sehr geringe Kanten-
bedeckung mit Metall stattfindet. Neben und auf dem Spacer wird in gewohnter Weise
eine metallische Schicht abgeschieden; die Spacer-Flanken bleiben nahezu unbedeckt,
3Low Pressure Chemical Vapor Deposition; Unterdruck-Gasphasenabscheidung
4Plasma Enhanced Chemical Vapor Deposition; Plasma-unterstütze Gasphasenabscheidung
47
Kapitel 3 Integrationstechniken
solange die Schichtdicke der abgeschiedenen Metallschicht unter der Spacer-Höhe liegt
[siehe Abbildung 3.2a]. Durch die fehlende Bedeckung der Flanke ist diese auch gegenüber
einem Ätzangriff ungeschützt, so dass der Spacer selektiv zur Metallschicht herausgelöst
werden kann. Als Resultat verbleibt ein nanoskaliger Zwischenraum mit der Breite hv,SS,
also der Breite der ursprünglichen Nanolinie [siehe Abbildung 3.2b].
3.2 Materialien der Opferschichten
Für die abscheidungsdefinierte Nanostrukturierungstechnik ist eine Opferschicht zwingend
notwendig. In Folge der Prozessierung muss das Material der Opferschicht folgenden An-
sprüchen genügen:
•Schichtdicken <800 nm;
•senkrechtes Flankenprofil;
•Resistenz zum Ätzprozess der Spacer-Schicht;
•einfacher und selektiver Prozess zum Entfernen der Opferschicht, möglichst im
Trockenätzverfahren;
•rückstandslose Entfernung der Opferschicht;
•thermische Belastbarkeit bzw. Vermeidung von thermischer Belastung in der Prozes-
sierung;
•gegebenenfalls Kompatibilität zum Gate-Dielektrikum;
•gegebenenfalls Abscheidung bei Temperaturen <250◦C.
Die Forderungen unterliegen gewissen Toleranzen, die von den verwendeten Materialien,
der übrigen Prozessierung und den zu integrierenden Strukturgrößen- und -geometrien
abhängen. So dürfen die Schichtdicke größer und die thermische Belastbarkeit geringer
sein, falls eine ausreichende mechanische Stabilität der Spacer-Strukturen gegeben ist und
solange die Abscheidungsbedingungen der Spacer-Schicht nicht im Widerspruch hierzu
steht. Die Abscheidung der Opferschicht darf im Allgemeinen bei höheren Temperaturen
ablaufen, sofern die Substrate (z. B. Glas oder Silizium) hierfür geeignet sind.
Da im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich Lacke bzw. Fotolacke als Opferschicht
der abscheidungsdefinierten Strukturierung zur Anwendung kommen, werden die Ei-
genschaften bezüglich ihrer Verwendung im Folgenden näher ausgeführt. Alternative
Opferschichten (z.B. im LPCVD-Verfahren abgeschiedenes SiO2) werden zur Vollständig-
keit im Anhang A.2 behandelt.
48
3.2 Materialien der Opferschichten
3.2.1 Fotolack AZ 5214E
Der Fotolack AZ 5214E der Firma Clariant ist ein Novolak-Harz-basierter Umkehr-
Fotolack mit Naphthoquinondiazid als photosensitive Komponente, der auch in Positiv-
technik eingesetzt werden kann. Die Schichtdicke des unverdünnten Lacks im Schleuder-
verfahren bei 4000 min−1stellt sich bei ca. 1,4µm ein. Um geringere Schichtdicken zu
erreichen, ist eine Verdünnung mit dem Lösungsmittel AZ EBR Solvent (ebenfalls von
Clariant) möglich [AZ500]. Die Schichtdicke in Abhängigkeit vom Verdünnungsgrad
mit AZ EBR Solvent ist in Abbildung 3.3 dargestellt. Die optimale Lackschichtdicke ist
ein Kompromiss aus mechanischer Stabilität (niedriges Aspektverhältnis) und großen
freiliegenden Seitenflächen zur leichteren Entfernung der späteren Nanolinien (hohes
Aspektverhältnis). Sie liegt erfahrungsgemäß im Bereich von 400...600 nm. Da bei der
50 60 70 80 90 100
200
400
600
800
1000
1200
1400
Anteil Lack in Vol-%
Schichtdicke in nm
Abbildung 3.3: Schichtdicke des Fotolacks AZ 5214E in Abhängigkeit von der Verdün-
nung mit AZ EBR Solvent nach der Schleuderbeschichtung für 45 s bei
4000min−1und einem pre-bake-Schritt von 60 s bei 110◦C
Prozessierung des Fotolacks in Umkehr-Fototechnik ein unterschnittenes Kantenprofil
entsteht, ist diese Art der Prozessführung ungeeignet, um sie für die Herstellung von
Nanolinien bzw. Nanozwischenräumen einzusetzen [Mic05]. Für die Positiv-Technik wird
das Substrat zunächst für mindestens 45 min bei einer Temperatur größer als 100◦C
(typischerweise 150◦C) ausgeheizt, um an der Oberfläche gebundene Feuchtigkeit zu
entfernen. Anschließend wird die Oberfläche mit einem Haftvermittler beschichtet, indem
das Substrat für 5 min einer Hexamethyldisilazan-haltigen Atmosphäre (HMDS) ausge-
setzt wird. Die HMDS-Moleküle lagern sich an der Oberfläche an und verhindern eine
Rehydrierung. Anschließend wird der verdünnte Fotolack AZ 5214E bei einer Drehzahl
von 4000 min−1aufgeschleudert und seine Lösungsmittel im pre-bake-Schritt bei 110◦C
für 60s ausgetrieben. Es folgt die Belichtung durch eine Fotomaske und nach einer
ausreichenden Rehydrierungszeit die Entwicklung in einer alkalischen Entwicklerlösung
(z.B. NaOH). Auf einen anschließenden Härtungsschritt, wie er beim herkömmlichen
49
Kapitel 3 Integrationstechniken
C
Substrat
Lackfuß Nanolinie
(a)
Substrat
(b)
Abbildung 3.4: Zerstörung der Nanolinie durch Abscheidung auf einem Lackfuß
Einsatz als Ätzmaskierung üblich ist, wird verzichtet, da sich der Lack bei Tempera-
turen oberhalb von 110◦C zusammenzieht und die Kanten abflachen. Zudem würde
die thermisch initiierte Vernetzung die Entfernung der Fotolack-Opferschicht nach der
Spacer-Abscheidung erschweren.
Der Fotolack AZ 5214E weist im Zusammenhang mit der Verwendung eines Haft-
vermittlers die Besonderheit auf, sogenannte „Lackfüße” an den Kanten in Substratnähe
auszubilden. Aus dem HMDS wird während des softbake-Schritts Ammoniak abgespalten,
welches zu einer chemischen Veränderung des Fotolacks führen kann, so dass seine
Entwicklungsrate sinkt [Mic07b, Damm93]. Hierzu reichen selbst geringste Rückstände
von HMDS in der Umgebungsluft aus [Blei08]. Wird die Abscheidung der Strukturschicht
auf dem Lackfuß durchgeführt, so entsteht nach der Entfernung der Opferschicht ein
Hohlraum unter dem Spacer, der zu einem Umstürzen der Nanolinie führen kann [siehe
Abbildung 3.4]. Dieser Effekt wird zusätzlich verstärkt, indem durch eine Erwärmung
der Probe während des Rückätzens der Strukturschicht bzw. während der Entfernung
der Opferschicht die Lackschicht kontrahiert und den seitlich anhaftenden Spacer
kippt. Anfänglich wurde zur anisotropen Rückätzung der Strukturschicht ein reaktiver
Ionenätzer mit Elektrodenkühlung (Applied Materials,AME 8110) verwendet. Wie
400 nm
(a)
umgestürzte Nanolinie
stehende Nanolinie
1µm
(b)
Abbildung 3.5: REM-Aufnahmen von Nanolinien, hergestellt mit einer AZ 5214E-
Opferschicht. RIE-Anlage: (a) AME 8110, (b) Plasmalab µ80P
50
3.2 Materialien der Opferschichten
die REM5-Aufnahme in Abbildung 3.5a zeigt, können zwar Nanolinien hergestellt
werden, das Ätzergebnis ist jedoch aufgrund der Hexodenbauform inhomogen. Zusätzlich
leidet der Ätzprozess unter dem ständigen Wechsel der Prozessgase (sowohl chlor- als
auch fluorhaltig) während der Betriebszeit der Anlage. Eine lokal stark eingeschränkte
Integration von nanoskaligen Strukturen ist demnach möglich, nicht aber die angestrebte
großflächige Integration.
Im reaktiven Ionenätzer Plasmalab µ80P mit Parallelplattenreaktor, der lediglich mit
fluorhaltigen Prozessgasen betrieben wird, ist eine sehr homogene Ätzung möglich. Es
zeigt sich, dass sich die Proben während des Ätzprozesses trotz Elektrodenkühlung
erwärmen, und sich daher der Fotolack zusammen zieht. Als Folge der Lackkontraktion
fallen die Nanolinien in Gebieten ohne Krümmung um, während sich in Bereichen von
Lackkantenbiegungen die Linien selbstständig stabilisieren [siehe Abbildung 3.5b].
Störend, aber nicht unbedingt einer Herstellung von Nanolinien entgegenstehend,
sind Überhänge im oberen Bereich des Fotolacks nach der Entwicklung. Diese entstehen
entweder durch stehende Wellen während des Belichtungsprozesses (Intensitätsminimum
an der Lackoberfläche) oder durch den sogenannten surface-inhibition-layer-Effekt, bei
dem durch den Luftsauerstoff oder durch kurzwellige Strahlung (λ≈250 nm) mit einer
geringen Eindringtiefe von ca. 10 nm chemische Bindungen in den oberflächennahen
Kresolharzketten gebrochen werden und der Lack quervernetzt [Mic07a,Damm93].
3.2.2 Fotolack AZ MiR 701
Mit einem Auflösungsvermögen von 300...400 nm zählt der Fotolack AZ MiR 701 der
Firma Clariant zu den hochauflösenden Fotolacken. Im Gegensatz zu Fotolacken mit
geringerer Auflösung sind hochauflösende Lacke auf möglichst steile Flanken hin optimiert,
so dass selbst feinste Geometrien strukturtreu durch anisotrope Ätzprozesse erzeugt
(a)
≈100 nm
(b)
Abbildung 3.6: REM-Aufnahmen von Nanolinien, hergestellt mit einer AZ MiR 701-
Opferschicht
5RasterElektronenMikroskopie
51
Kapitel 3 Integrationstechniken
werden können. Der Fotolack AZ MiR 701 ist insbesondere für Trockenätzprozesse geeig-
net und bietet mit einem Erweichungspunkt über 130◦C eine hervorragende thermische
Stabilität ohne Abflachung der Lackkanten. Die Schichtdicke liegt bei einer Schleuder-
drehzahl von 4000 min−1und 5000 min−1bei ca. 920 nm bzw. ca. 800 nm [AZM05]. Der
Prozessablauf gestaltet sich wie beim Fotolack AZ 5214E, jedoch mit der Reduzierung der
pre-bake-Temperatur auf 90◦C und der Erweiterung um einen post-exposure-bake-Schritt
für 60 s bei 110◦C.
Bei der Herstellung von Nanolinien mit AZ MiR 701 als Opferschicht kommt es
aufgrund der bereits erwähnten Erwärmung während der Rückätzung im reaktiven
Ionenätzverfahren sowie der Opferschichtentfernung im O2-Plasma ebenfalls zu einer
mechanischen Belastung, so dass die Linien zerstört werden können. Verhindert werden
kann die Zerstörung durch eine zeitliche Staffelung der Ätzzeit. Für den Rückätzprozess
im reaktiven Ionenätzverfahren hat sich eine maximale Intervallzeit von einer Minute, für
den Lackveraschungsprozess im Plasmaätzprozess von 30 Sekunden bewährt.
Nanoskalige Linien, die mit Hilfe von AZ MiR 701 erzeugt wurden, sind in Abbildung 3.6
dargestellt.
3.2.3 Schutzlack Bectron
Der Isolationslack Bectron PL 4122-40 BLF FLZ ist ein alkyd-modifizierter Urethan-
Lack, der für die Drahtbeschichtung, aber auch für den Schutzüberzug von elektronischen
Komponenten entwickelt wurde. Er ist unter anderem resistent gegen korrosive Gase,
schwache Säuren, Öle und Glykole [Bec08].
Der Lack mit 40% Feststoffanteil benötigt 16 h bei Raumtemperatur oder 30 min
bei 80◦C, um vollständig zu trocknen. Die maximal zulässige Temperatur liegt laut
Herstellerangabe bei 134◦C. Somit ist der Lack für die Verwendung als Opferschicht auf
Kunststoffsubstraten geeignet.
Mit einer Dichte von 0,87 g/cm3und einer Viskosität von 80 kg(ms)−1lässt sich
der Lack im Tauch-, Sprüh- oder Schleuderbeschichtungsverfahren auf Oberflächen auf-
tragen. Durch Zugabe des Verdünners Bectron Thinner 239 kann die Fluidität gesteigert
werden [Bec08]. Im Rahmen dieser Arbeit wird der Schutzlack für 30 s bei 5000 min−1
aufgeschleudert. Die resultierende Schichtdicke wurde mit einem Tencor Alpha Step
ermittelt. Bei einem Mischungsverhältnis des Lacks mit dem Verdünner von 1:1 ergibt
sich eine Schichtdicke von 525 nm; bei einem Mischungsverhältnis von 2:3 wurde eine
Dicke von 490 nm ermittelt. Eine Reduktion des elektrischen Isolationswiderstandes
aufgrund dieser Verdünnung kann wegen des Einsatzes als elektrisch nicht beanspruchte
Opferschicht vernachlässigt werden [Diek08].
Da der Bectron-Schutzlack im Vergleich zu Fotolacken nicht photosensitiv ist, wird
ein Verfahren zur Erzeugung von steilen Strukturkanten benötigt. Unvermeidbar ist die
Durchführung einer Fotolithografie zur Strukturdefinition. Da der Schutzlack nur eine
mangelhafte Resistenz gegenüber Lösungsmitteln, die ebenfalls in Fotolack vorhanden
52
3.2 Materialien der Opferschichten
(a)
Überhang
(b)
Abbildung 3.7: REM-Aufnahmen von strukturiertem Bectron-Schutzlack. (a) Bectron-
Schutzlack nach Ätzung im RIE-Verfahren mit verbliebenem Fotolack,
(b) Strukturierter Bectron-Schutzlack nach Entfernung der Fotolackreste
durch Plasmaätzen im O2-Plasma
sind, aufweist, ist eine Schutzschicht auf dem Schutzlack notwendig. Im besonderen Maße
eignet sich eine dünne im PECVD-Verfahren bei niedrigen Temperaturen abgeschiedene
Siliziumdioxidschicht [vergleiche Abschnitt 3.3.1], so dass Schutzlack und Fotolack
voneinander getrennt sind. Vor der Strukturierung des Bectron-Lacks muss zunächst
die SiO2-Schicht geätzt werden. Hierzu werden die Prozessparameter aus Tabelle 3.1
verwendet. Im Sauerstoff-RIE-Plasma lassen sich daraufhin die Strukturen in den Schutz-
lack übertragen. Die entsprechenden Prozessparameter sind in Tabelle 3.2 aufgeführt.
In Abbildung 3.7a ist der Zustand des strukturierten Bectron-Schutzlacks nach dem
reaktiven Ionenätzen abgebildet. Die RIE-Ätzung erzeugt zwar senkrechte Flanken, die
Tabelle 3.1: Prozessparameter für die RIE-Ätzung von SiO2und Si3N4
Prozessparameter Siliziumdioxid (SiO2) Siliziumnitrid (Si3N4)
Gasfluss CHF310,5 sccm 10,5 sccm
Gasfluss O2— 10 sccm
Gasfluss Ar 21,5 sccm —
Druck 30 mTorr 35 mTorr
HF-Leistungsdichte 0,48 W/cm20,48 W/cm2
Temperatur 20◦C 20◦C
Elektrode Graphit Graphit
Ätzrate 25 nm/min (therm. Ox) 75 nm/min
30 nm/min (TEOS)
45 nm/min (PECVD-Oxid)
53
Kapitel 3 Integrationstechniken
Tabelle 3.2: Prozessparameter für die RIE-Ätzung von Bectron PL 4122-40-Schutzlack
Prozessparameter Wert
Gasfluss O220 sccm
Druck 30 mTorr
HF-Leistungsdichte 0,35 W/cm2
Elektrode Graphit
Ätzrate 95 nm/min
jedoch rau sind. Auf der Bectron-Schicht sind das Schutzoxid und Reste vom Fotolack
zu erkennen, die im folgenden Schritt entfernt werden müssen. Hierzu eignet sich die
Veraschung im Sauerstoffplasma nicht, da diese neben der Entfernung des Fotolacks einen
isotropen Abtrag des Schutzlacks bewirkt, so dass Überhänge des SiO2entstehen und die
senkrechten Flanken zerstört werden [siehe Abbildung 3.7b]. Die gezielte Verlängerung
des RIE-Prozesses der Bectron-Strukturierung entfernt die Fotolackschicht im gleichen
Maße und bewirkt eine nur minimale Unterätzung der SiO2-Maskierung. Gleichzeitig
stoppt der Ätzprozess auf der SiO2-Schicht, da das Sauerstoff-Plasma diese chemisch
nicht angreift.
Wird SiO2als Spacer-Material eingesetzt, kann die dünne Oxidschicht auf dem Schutzlack
verbleiben, da ihre Entfernung während des anistropen Rückätzens der Strukturschicht
möglich ist. Es ist lediglich zu beachten, dass ein freiliegendes Gate-Dielektrikum entweder
geschützt oder so dick ausgelegt ist, dass eine Überätzung unkritisch ist. Nach der Entfer-
nung der Opferschicht aus Bectron-Schutzlack im O2-Plasma verbleiben Nanolinien. Diese
sind ebenso rau wie die Kanten der Opferschichtstrukturen und stehen nicht in jedem
(a) (b)
Abbildung 3.8: REM-Aufnahmen von Strukturen, die mit Bectron-Schutzlack hergestellt
wurden. (a) Nanolinie, hergestellt mit einer Bectron-Opferschicht und be-
dampft mit Aluminium, (b) Grabenstruktur
54
3.3 Prozesstechnik zum Kantenabscheideverfahren
Fall senkrecht auf dem Untergrund. Insbesondere bei der anschließenden Bedampfung
mit Metallen führt dies zu Abschattungseffekten und verhindert so eine strukturtreue
Übertragung der Nanolinie in einen nanoskaligen Graben. Die Abbildung 3.8a zeigt eine
typische Nanolinie nach der Bedampfung mit Aluminium. Es ist eine starke Neigung und
die sehr raue Struktur der Nanolinie zu erkennen. Wird die Nanolinie nach der Metallbe-
dampfung entfernt, so verbleibt ein Graben, der jedoch aufgrund des Abschattungseffekts
nicht reproduzierbar nanoskalig ist [siehe Abbildung 3.8b].
Aufgrund der notwendigen Strukturierung durch einen separaten Lithografieprozess
und der hierfür benötigten Schutzschicht aus SiO2ist die Prozesskomplexität relativ hoch.
Die Herstellung von nanoskaligen Strukturen ist möglich; die Wahl einer Opferschicht aus
Fotolack ist jedoch vorzuziehen.
3.3 Prozesstechnik zum Kantenabscheideverfahren
3.3.1 Siliziumdioxid-PECVD mit reduzierter Prozesstemperatur
Wird als Opferschicht ein temperaturempfindlicher Lack aus Abschnitt 3.2 eingesetzt,
so ist es erforderlich, die Strukturschicht bei einer Prozesstemperatur abzuscheiden,
die unter der kritischen Temperatur des Lacks liegt. Im besonderen Maße eignen sich
hierzu plasmaunterstützte CVD-Verfahren (PECVD), da die zur Gaszersetzung und
-reaktion nötige Aktivierungsenergie zu einem Teil aus dem hochfrequenten elektrischen
Wechselfeld stammt. Somit lässt sich die Depositionstemperatur reduzieren.
Eine Möglichkeit, Siliziumdioxid im PECVD-Verfahren abzuscheiden, ist die Reakti-
on von Silan (SiH4) mit Distickstoffmonooxid (N2O). Die benötigte Prozesstemperatur
beträgt hierbei typischerweise 250...350◦C; eine für Lacke nicht tolerierbare Temperatur.
Eine Reduktion der Temperatur führt unweigerlich zur Abnahme der Schichtqualität,
Konformität und Abscheiderate. Die fehlende thermische Energie begrenzt den Antrans-
port von Reaktionsedukten zur Oberfläche, den Abtransport von Reaktionsprodukten
von der Oberfläche und im besonderen Maße die Reaktionsgeschwindigkeit. Während
die verminderte Diffusion zur Senkung der Abscheiderate führt, bewirkt der einge-
schränkte Abtransport den verstärkten Einbau von Wasserstoff. Hierdurch resultiert
eine reduzierte elektrische Schichtqualität, die beim Einsatz des SiO2als Strukturschicht
vernachlässigt werden kann. Die schlechtere Kantenbedeckung, die durch eine geringere
Molekularbewegung entsteht, kann durch eine angepasste Prozesszeit ausgeglichen werden.
Die Abscheidung wurde für eine Prozesstemperatur von 100◦
C optimiert6. Dieser
Temperaturwert ist nicht nur verträglich für die Fotolackschichten, sondern kann auch
für die Abscheidung auf temperaturempfindlichen Substraten (z.B. Kunststofffolien)
verwendet werden. Die Homogenität der Abscheidung lässt sich durch Anpassen der
Prozessparameter Gasfluss, Druck und Hochfrequenzleistung so optimieren, dass sie im
6Das abgeschiedene Siliziumoxid wird aufgrund der geringen Prozesstemperatur auch als LTO
(Low Temperature Oxide) bezeichnet.
55
Kapitel 3 Integrationstechniken
Tabelle 3.3: Prozessparameter für die Abscheidung von SiO2im PECVD-Verfahren bei
reduzierter thermischer Belastung
Prozessparameter Wert
Gasfluss SiH43,4 sccm
Gasfluss N2O 10,2 sccm
Druck 350 mTorr
HF-Leistungsdichte 0,06 W/cm2
Elektrodentemperatur 100◦C
Abscheiderate ca. 10 nm/min
Konformität ca. 0,4
Bereich von ca. 3% liegt. Die Konformität, also das Verhältnis der lateralen Abscheiderate
zur vertikalen Abscheiderate, beträgt unter diesen Prozessbedingungen kSS ≈0,4 und
wurde aus REM-, AFM- und Ellipsometrieuntersuchungen ermittelt. Die Kantenbe-
deckung ist aufgrund der eingeschränkten Molekularbewegung im Reaktor geringer
als bei herkömmlichen PECVD- oder gar LPCVD-Schichten [ND00]. Sie kann bei der
Verwendung eines anisotropen, senkrechten RIE-Rückätzprozesses jedoch toleriert werden.
Die Prozessparameter der Siliziumdioxid-Abscheidung sind in Tabelle 3.3 aufgeführt.
3.3.2 Verfahren zur selektiven Entfernung des Nanospacers
RIE-Verfahren mit angewinkelter Elektrodenkonfiguration
Sollen die Nanolinien zur Herstellung von Gräben gemäß Abbildung 3.2 aus den
Zwischenräumen entfernt werden, kann die Entfernung durch eine Ätzung in einem
Trockenätzverfahren geschehen. Besonders eignet sich hierzu das RIE-Verfahren, da es
einen richtungsabhängigen und physikalischen Ätzabtrag ermöglicht. Die Bedampfung
der Nanolinien mit Metallen führt entgegen der idealen Annahme des ausschließlich
senkrechten Auftreffens der Metallatome auf die Probenoberfläche zu einer minimalen
Kantenbedeckung. Die seitliche Oberfläche der Nanolinie liegt somit nicht frei und
kann im Plasmaätzverfahren nicht angriffen werden, ohne auch die Metallisierung in
hohem Grade zu schädigen. Durch den teilweise physikalischen Ätzabtrag des reaktiven
Ionenätzens kann diese Kantenbedeckung jedoch abgesputtert werden, so dass die dar-
aufhin zugänglichen Linien sowohl chemisch als auch physikalisch entfernt werden können.
Idealerweise sollte sich die Probenoberfläche während des Ätzvorgangs in einem
Winkel von 45...90◦zur Bewegungsrichtung der Ionen im Plasma befinden. Dieser Winkel
ist anlagenbedingt nicht möglich. Mittels eines geeigneten Elektrodenaufsatzes wird die
Ätzung unter einem Winkel von 7◦durchgeführt. Da sich unterhalb der Metallisierung,
je nach Transistoraufbau, das Gate-Dielektrikum befindet, muss der Ätzprozess entweder
zeitgesteuert oder durch eine geeignete Materialwahl (Ätzstoppschicht) beendet werden.
56
3.3 Prozesstechnik zum Kantenabscheideverfahren
Abbildung 3.9: REM-Aufnahme eines nanoskaligen Zwischenraumes, hergestellt im RIE-
Verfahren. Die Nanolinie wurde an einer Bectron-Schutzlack-Opferschicht
hergestellt und im CHF3/Ar-Plasma mit angewinkelter Elektrodenkonfi-
guration entfernt. Die Breite des Zwischenraums beträgt ca. 90 nm.
Durch den Kohlenstoffanteil im Reaktor und im Ätzgas Trifluormethan (CHF3)
entstehen Polymerablagerungen, die durch den Abschattungseffekt an den Nanolinien
nicht hinreichend durch die Argon-Ionen-Bestrahlung entfernt werden können. Auch eine
Beimischung von Sauerstoff zur chemischen Verbrennung der Polymere ist unzureichend.
Es entsteht neben den nanoskaligen Zwischenräumen ein Wall aus Polymeren, wie er in
Abbildung 3.9 zu sehen ist.
Ultraschallunterstütze Nassätzung
Alternativ zum oben beschriebenen trockenen Verfahren lassen sich die Nanolinien eben-
falls durch nasschemische Prozesse aus den Zwischenräumen entfernen. Das eingesetzte
Ätzmedium muss eine ausreichend hohe Selektivität zur Metallisierung aufweisen. Für
die Ätzung von Nanolinien, hergestellt aus SiO2, eignen sich insbesondere Flusssäure-
haltige Lösungen. Gepufferte Flusssäure mit einem Mischungsverhältnis zwischen
Ammoniumfluorid (40% NH4F) und Flusssäure (49% HF) von 5: 1 ermöglicht bei einer
Aluminiummetallisierung eine Selektivität von 45 :1. Die Ätzrate für thermisch nicht ver-
dichtetes PECVD-SiO2beträgt ca. 490 nm/min, für Aluminium ca. 11 nm/min [WGW03].
Die Handhabung in Hinblick auf die Verwendung im Ultraschallbad ist äußerst kritisch.
Besser geeignet ist die sogenannte PadEtch-Ätzlösung, deren Selektivität bei gleicher
Materialkombination bei 84:1 liegt. Diese Ätzlösung besteht aus 13% NH4F, 32%
Essigsäure (CH3COOH) und 6% Propylenglykol zur Senkung der Oberflächenspannung.
Die PadEtch-Lösung wurde von der Firma Ashland speziell für die Ätzung der Öff-
nungen in Passivierungsoxid zu den Kontaktpads aus Aluminium entwickelt. Durch die
höhere Selektivität werden die Kontaktpads nur gering angegriffen. Die Ätzraten für
Siliziumdioxid und Aluminium betragen 160nm/min bzw. 1,9 nm/min [WGW03].
57
Kapitel 3 Integrationstechniken
Doppellinie
45 nm
(a)
freiliegendes Dielektrikum
„ausgehöhlte” Linie
(b)
Abbildung 3.10: REM-Aufnahmen von Nanolinien, bedampft mit Aluminium und mit Ul-
traschallunterstützung geätzt. (a) Doppellinie, (b) im Inneren freigeätzte
Linie bei geringer metallischer Kantenbedeckung
Wie bereits im Abschnitt 3.3.2 erwähnt, tritt während der Metallisierung durch
Aufdampfen eine geringe Kantenbedeckung der Nanolinien auf. Metallisches Material
auf den Flanken der Nanolinien lässt sich aufgrund der endlichen Selektivität des
nasschemischen Ätzprozesses entfernen. In gleicher Weise wird auch die restliche Me-
tallisierung angegriffen. Das Resultat ist eine Veränderung der Aluminiumschicht, die
je nach Standzeit der Ätzlösung von einer Aufrauung bis zur großflächigen Entfernung
reicht. Daher ist es von Vorteil, den Entfernungsprozess durch Ultraschallwellen zu
beschleunigen. Durch die Energie der Schallwellen werden die instabilen Nanolinien leicht
abgebrochen, so dass das SiO2im Zwischenraum freiliegt. Sobald das Siliziumdioxid den
Ätzchemikalien ausgesetzt ist, werden die Zwischenräume freigeätzt. Brechen die Linien
zu hoch ab, entstehen jedoch Doppellinien aus Metall. Die Abbildung 3.10a zeigt eine
solche Doppellinie aus Aluminium. Ein Auffüllen solcher Gräben mit Nanopartikeln ist
nicht möglich. Ist die Kantenbedeckung mit Metall sehr gering, so wird die Nanolinie in
ihrem Inneren freigeätzt, bevor die Linien abbrechen [siehe Abbildung 3.10b].
Ein Ätzstopp erfolgt wieder entweder zeitgesteuert oder über die Wahl des Materi-
als. Da die Ätzrate für Siliziumdioxid zu hoch ist, scheidet dieses als Dielektrikum unter
einem Graben aus. Siliziumnitrid ist hingegen als Ätzstopp geeignet, da PadEtch Si3N4
lediglich mit einer Ätzrate von ca. 0,4 nm/min abträgt [WGW03]. Sollen organische
Dielektrika eingesetzt werden, ist zu beachten, dass diese in ausreichendem Maße resistent
gegen die in der Ätzlösung dissoziierte Flusssäure sind. Alternativ können organische
Dielektrika mit einer Passivierung beschichtet werden.
Da trotz der hohen Selektivität das Metall angegriffen wird, sind Prozesszeiten im
Bereich von 0,5...3 min zu wählen. Die Abbildung 3.11 zeigt die REM-Aufnahme einer
Grabenstruktur nach einer Ätzzeit von 3 Minuten. Im oberen Teil des Bildes ist eine
58
3.3 Prozesstechnik zum Kantenabscheideverfahren
Doppellinie
Abbildung 3.11: REM-Aufnahme eines nanoskaligen Zwischenraumes, freigeätzt in
PadEtch-Lösung mit Ultraschallunterstützung
Doppellinie im Bereich der Nanolinienkrümmung zu sehen. In diesem Bereich stabilisiert
sich die Nanolinie so stark, dass ein Abbrechen durch die Ultraschalleinwirkung nicht
möglich ist. Im mittleren Bereich des Bildes ist der Nanozwischenraum zu erkennen.
Rein mechanische Entfernung im Ultraschallbad
Da trotz des nur geringen Flusssäure-Anteils in der PadEtch-Lösung [vergleiche Ab-
schnitt 3.3.2] die Metallisierung angegriffen wird, sollte auf die Ätzlösung verzichtet
werden. Die Linien lassen sich rein mechanisch im Ultraschallbad mit Wasser als kraft-
übertragendes Medium entfernen. Durch die fehlende chemische Komponente während
des Vorgangs erhöht sich die Prozesszeit auf ca. 20...30 Minuten. Eine zu lange Prozesszeit
führt allerdings zum Ablösen der Metallschicht. Dieser Effekt ist bei Aluminium weniger
stark ausgeprägt als bei schlecht haftenden Metallen, z.B. Gold. Vorteil dieses rein
Nanolinienreste
(a)
≈50 nm
(b)
Abbildung 3.12: REM-Aufnahmen von nanoskaligen Zwischenräumen zwischen Aluminiu-
melektroden
59
Kapitel 3 Integrationstechniken
mechanischen Verfahrens ist, dass Doppellinien vermieden werden können; in Krüm-
mungen sind die Nanolinien jedoch derart stabil, dass sie nur sehr schwierig durch die
Ultraschallbehandlung zu brechen sind.
Um die Maskierschicht auch aus den Grabenzwischenräumen zu entfernen, bietet sich, je
nach Untergrund, ein zeitgesteuerter oder durch eine Ätzstoppschicht beendeter Prozess
im reaktiven Ionenätzverfahren an. Eine Schädigung des späteren Gate-Dielektrikums ist
möglich.
Die Abbildung 3.12 zeigt als typisches Ergebnis einen nanoskaligen Zwischenraum
mit einer Breite von ca. 50nm zwischen Aluminium-Kontaktflächen. Die weißen Rückstän-
de oben in Abbildung 3.12a und links oben in Abbildung 3.12b sind Lackrückstände aus
der Plasmaveraschung der Opferschicht (Fotolack AZ MiR 701). Diese sind elektrisch nicht
störend und lösen sich unter Einfluss des Ultraschalls teilsweise ab. In Abbildung 3.12a
sind zusätzlich Reste der Nanolinien in Bereichen starker Linienkrümmung zu erkennen.
Die Linienreste sind nicht tolerabel, da sie durch die Metallbedeckung die Elektroden
kurzschließen.
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
3.4.1 Herstellung nanopartikulärer Schichten
Schichten aus Nanopartikeln können durch direkte Abscheidung aus der Gasphase
oder durch Tauch-, Sprüh oder Schleuderbeschichtung von Dispersionen erzeugt wer-
den [BGD+07,JPCK09,SAW04,WDH09,VK91]. Dabei ist die Abscheidung aus der Disper-
sion der Gasphasenabscheidung vorzuziehen, da Synthese und Applikation der Nanopar-
tikel räumlich und zeitlich getrennt werden können. Insbesondere die Schleuderbeschich-
tung zeichnet sich durch eine einfache Prozessführung und reproduzierbare Ergebnisse
aus. Daher werden im Rahmen dieser Arbeit Nanopartikelschichten ausschließlich durch
Spin-Coating hergestellt. Der Prozess gliedert sich in:
•gegebenenfalls Verdünnung der Dispersion;
•gegebenenfalls Zugabe von Additiven;
•Redispergierung im Ultraschallbad;
•Schleuderbeschichtung (Spin-Coating);
•Soft-bake zur Verdampfung des Dispersionmittels;
•Hard-bake zum Ausheilen von Störstellen bzw. zur Sinterung.
Eine optimale Schicht ist makroskopisch durch Homogenität und einen hohen Bedeckungs-
grad gekennzeichnet. Mikroskopisch sollte sie flächendeckend aus Einzelpartikeln bestehen.
Der Eintrag von mechanischer Energie in die Dispersion in Form von Ultraschall-
wellen ist vor der Abscheidung notwendig, um Agglomerate aufzubrechen und eine
homogene Suspension zu erhalten. Eine Prozesszeit von 10...30Minuten im handels-
60
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
Tabelle 3.4: Standardparameterübersicht zur Herstellung von Nanopartikelschichten
Parameter Silizium Zinkoxid
Dispersionsvolumen 1 ml 1 ml
Feststoffanteil 6,25 Gew.-% 17,5 Gew.-%
Low-spin 800 min−1800 min−1
High-spin 30 s@2000 min−130 s@2000 min−1
Soft-bake 300 s@100◦
C 300 s@110◦
C
Schichtdicke ca. 400 nm ca. 300 nm
Farbe bräunlich transparent
üblichen Ultraschallbad ist ausreichend, um die Dispersion zu homogenisieren und
Verbindungen zwischen großen Agglomeraten aufzubrechen [CLN+09]. Dabei führt eine
Verdünnung der Dispersion mit dem Dispersionsmedium zu einem geringeren Feststoffan-
teil und damit zu einer dünneren Schicht.
Die Schleuderbeschichtung definiert über die Rotationsgeschwindigkeit die Schicht-
dicke. Das Volumen der applizierten Dispersion ist dabei nicht ausschlaggebend, da
überschüssiges Material abgeschleudert wird. Die Nanopartikeldispersion mit einem
Volumen von 0,5...2ml wird während einer Low-spin-Phase (LS) bei 800 min−1aufge-
tragen. In einer anschließenden High-spin-Phase (HS) bei einer Drehzahl im Bereich
von 1000...3000 min−1wird die Dispersion zu einer dünnen Schicht verteilt. Typische
Standardparameter der Schleuderbeschichtung sind in Tabelle 3.4 aufgeführt.
Zinkoxid-Nanopartikelschichten sind transparent, sofern die nanokristalline Struktur
erhalten bleibt. Im Rasterelektronenmikroskop [siehe Abbildung 3.13a] sind Partikelag-
(a)
0µm
×10−8m
0µm0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
2µm
2µm
(b)
Abbildung 3.13: ZnO-Nanopartikelschicht; 35Gew.-% ZnO in Wasser, ohne Additive. (a)
REM-Aufnahme vom Schichtrand, (b) AFM (non-contact-mode)
61
Kapitel 3 Integrationstechniken
(a)
0µm3µm
0,5
1,0
×10−7m
0µm
3µm
0,0
1,5
(b)
Abbildung 3.14: Silizium-Nanopartikelschicht; 6,25Gew.-% Si in Ethanol, ohne Additive.
(a) REM-Aufnahme einer Nanopartikelschicht über einer Messstruktur,
(b) AFM (non-contact-mode)
glomerate mit einer Größe von ca. 30...150 nm zu erkennen. Es liegen demnach sowohl
Agglomerate nach [Deg06] als auch Einzelpartikel vor. Auch die Analyse im Rasterkraft-
mikroskop mit höherer Auflösung zeigt sowohl Agglomerate als auch Einzelpartikel [siehe
Abbildung 3.13b]. Die RMS-Oberflächenrauheit beträgt Sq≈11,8 nm.
Silizium-Nanopartikelschichten zeigen sich als bräunlich-graue Schicht. Das Auftre-
ten von Primärpartikeln nach der Abscheidung ist weder im REM noch im AFM
zu beobachten [siehe Abbildung 3.14]. Jedoch lassen sich im Rasterkraftmikroskop
Agglomerate mit Größen von 60...90 nm darstellen. Diese Größen entsprechen den
Angaben des Herstellers, die nach der initialen Dispergierung gewonnen wurden. Die
Oberflächenrauheit beträgt Sq≈20,2 nm.
Dispersionzusätze
In der Literatur wird im Zusammenhang mit der Integration von Nanopartikeltransistoren
eine Verbesserung der Transistoreigenschaften durch die Zugabe von Dispergieradditiven
berichtet [OMNH08, BNMH09]. Diese reduzieren die Grenzflächenrauheit und erhöhen
so die Ladungsträgerbeweglichkeit durch Reduzierung der Ladungsträgerstreuung. Daher
wurden verschiedene Additive hinsichtlich ihrer Eignung zur Filmherstellung untersucht.
Polyoxyalkenalkylether (NCW-1001)
Polyoxyalkenalkylether ist ein nicht-ionisches Oberflächentensid, welches für die Reini-
gung von Waferoberflächen und Platinen eingesetzt wird. Es wird unter dem Produkt-
namen NCW-1001 von der Firma Wako Chemicals GmbH als 30%ige wässrige Lösung
vertrieben [NCW04]. Polyoxyalkenalkylether ist eine transparente, farb- und geruchlose
Flüssigkeit mit einer Dichte von = 1,024 g/cm3und einem Molekulargewicht von ca.
2300g/mol [NCW04,YSS07]. Der Siedepunkt beträgt Tbp = 100◦
C. Das Tensid NCW-1001
ist vollständig in Wasser löslich und pH-neutral (pH-Wert 7). In seiner ursprünglichen Ver-
62
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
wendung dient es als Reinigungsmittel, um die Grenzflächenspannung zwischen Wasser und
der Oberflächenverunreinigung zu senken und somit den Übergang des Schmutzpartikels
oder -moleküls in das Lösungsmittel zu erleichtern. Da es sich um ein nichtionisches Mole-
kül handelt und damit keine Ionen abgespalten werden, ist NCW-1001 besonders für den
Einsatz an elektrisch funktionellen Schichten geeignet.
Als Dispersionszusatz wird es an kollodialem Zinkoxid untersucht. Durch Schleuderbe-
schichtung (HS: 30 s@2000 min−1,Soft-bake: 300 s@120◦
C) eines Si-Substrats mit 0,9 ml
Dispersion (5:4 ZnO-Dispersion:NCW-1001) entsteht eine weiße Schicht mit wenigen
unbedeckten Stellen am Rand des Wafers. Die Schicht ist an bedeckten Stellen sehr un-
gleichmäßig und zeigt bei Lichteinfall farbliche Reflexionen.
Propylenglycol
Überwiegend als Kotensid in Kosmetika und Arzneimitteln eingesetzt, wird Propylengly-
col (1,2-Propandiol) auch als Netzmittel in Ätzlösungen der Halbleiterprozesstechnologie
eingesetzt. Propylenglycol ist eine farblose, hygroskopische, leicht viskose Flüssigkeit und
nahezu geruchlos [Pro09]. Die Dichte wird mit = 1,04 g/cm3bei einer molaren Masse
76,09 g/mol angegeben [O’Ne06]. Der Siedepunkt liegt bei ca. Tbp = 187◦
C, jedoch ist die
Verbindung bereits ab Temperaturen von 150◦
C oxidationsempfindlich. Es ist mit Wasser
und organischen Lösungsmitteln mischbar [O’Ne06,Lide09].
Propylenglycol wurde lediglich an ZnO-Dispersionen getestet (HS: 30 s@2000 min−1,
Soft-bake: 120 s@120◦
C). Die Zugabe von 2 Teilen 1,2-Propandiol auf 1 Teil ZnO-
Dispersion bewirkt jedoch eine starke Reagglomeration während des Beschichtungsvor-
gangs. Wie in Abbildung 3.15a zu erkennen ist, lagert sich das ZnO in untypischer bräun-
licher Form auf der Oberfläche ab, wobei eine poröse Schicht ausgebildet wird. Makrosko-
pisch erscheinen die erzeugten Schichten weiß. Selbst bei äußerst geringer Zumengung von
Propylenglycol (0,04Gew.-%) tritt bereits eine Reagglomeration mit geringerer Ausprä-
gung auf [siehe Abbildung 3.15b].
(a)
0µm5µm
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
×10−7m
0µm
5µm
0,0
1,6
1,8
2,0
(b)
Abbildung 3.15: Zinkoxid-Nanopartikelschicht, hergestellt mit Zusatz von Propylenglycol.
(a) Lichtmikroskop (20-fache Vergrößerung), Mischungsverhältnis: 1: 2,
(b) AFM (non-contact-mode), 0,04Gew.-% Propylenglycol
63
Kapitel 3 Integrationstechniken
Tego Dispers 750W
Tego Dispers 750W wird als Netz- und Dispergieradditiv für wässrige Formulierungen
von der Firma Evonik Tego Chemie GmbH hergestellt und vertrieben. Es dient zur
Herstellung von stabilen, dispersen Pigmentkonzentraten mit Anwendungen in Farben
und Lacken und ist sowohl für organische als auch anorganische Pigmente geeignet.
Das Additiv beinhaltet 40% des Wirkstoffs, gelöst in Wasser. Die Dichte wird mit
= 1,075 g/cm3und der pH-Wert mit 6,5 angegeben. Löslichkeit ist in Wasser, Ethanol,
Isopropanol und weiteren organischen Lösungsmitteln gegeben. Chemisch handelt es
sich bei Tego Dispers 750W um ein organisch modifiziertes Polymer mit pigmentaffinen
Gruppen [Teg07a, Teg09a]. Laut Herstellerempfehlung soll das Additiv vor der Disper-
gierung zugemischt werden. Da die initiale Dispergierung extern durchgeführt wurde,
ist Tego Dispers 750W unmittelbar vor der Redispergierung der Suspension hinzuzufügen.
Das Spin-Coating von Dispersionen (HS: 30 s@2000 min−1,Soft-bake: 120 s@110◦
C)
mit einer Beimischung des Dispergieradditivs von 10 Gew.-% erzeugt im Falle von
Silizium bräunliche Schichten mit Schlierenbildung und im Falle von ZnO weiße Schichten
mit einer guten Oberflächenbedeckung. Die weiße Farbe der ZnO-Schicht deutet auf
relativ große Kristalldomänen hin. Untersuchungen im Rasterelektronenmikroskop
bestätigen diese Vermutung [siehe Abbildung 3.17a]. Es zeigt sich die Bildung einer
mikroporösen Schicht mit einem großen Hohlraumvolumenanteil. Diese Porosität ist bei
Silizium-Nanopartikeln zwar nicht nachzuweisen, jedoch scheinen die Nanopartikel in
eine Matrix aus Tego Dispers 750W eingebettet zu sein [siehe Abbildung 3.16a]. Einzelne
Partikelagglomerate sind als helle Punkte an Erhebungen zu erkennen. Die Matrixbildung
wird mit dem niedrigen Feststoffanteil der applizierten Si-Dispersion gegenüber der
ZnO-Dispersion begründet. Vorteilhaft ist jedoch der hohe Bedeckungsgrad und die
gleichmäßige Verteilung der Nanopartikelsuspension trotz geringen Feststoffanteils.
Werden die Topographien der Nanopartikelschichten im Rasterkraftmikroskop dargestellt,
(a)
0µm9,8µm
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
×10−7m
0µm
9,8µm
0,0
1,6
1,8
2,0
(b)
Abbildung 3.16: Silizium-Nanopartikelschicht, hergestellt mit Zusatz des Dispergieraddi-
tivs Tego Dispers 750W ; 0,1Gew.-% Silizium-Nanopartikel, 10 Gew.-%
Tego Dispers 750W . (a) REM, (b) AFM (non-contact-mode)
64
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
m
(a)
0µm
×10−7m
0µm0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
2µm
Agglomeratdomäne
2µm
(b)
Abbildung 3.17: Zinkoxid-Nanopartikelschicht, hergestellt mit Zusatz des Dispergieraddi-
tivs Tego Dispers 750W ; 34Gew.-% Zinkoxid-Nanopartikel, 10 Gew.-%
Tego Dispers 750W . (a) REM, (b) AFM (non-contact-mode)
so ergibt sich für Silizium ein ähnliches Bild. In Abbildung 3.16b ist die Additivmatrix
mit den eingebetteten Nanopartikeln erkennbar. Die Oberflächenrauheit ergibt einen
Wert von Sq≈38,1 nm für Silizium und Sq≈39,9 nm für Zinkoxid. Die Zinkoxid-AFM-
Topographie ist durch Einzelpartikel mit Durchmessern von 35...55 nm als Primärstruktur
und durch die bereits im REM beobachteten Agglomeratdomänen mit typischen Abmes-
sungen von 500 nm...1µm als Sekundärstruktur gekennzeichnet [siehe Abbildung 3.17b].
Die Domänengrenzen sind in der Abbildung angedeutet.
Tego Wet 280
Im Gegensatz zu einem Dispergieradditiv, welches die Dispersion stabilisiert, ist
Tego Wet 280 der Firma Evonik Tego Chemie GmbH ein Substratnetzadditiv, des-
sen Aufgabe es ist, gleichmäßige und ganzflächige Beschichtungen zu erzeugen. Sein
ursprünglicher Anwendungsbereich ist die Verbesserung von Automobil-, Industrie-, Holz-
und Bautenschutzlacken. Das Additiv ist ein konzentriertes Polyethersiloxan-Copolymer
(Wirkstoffgehalt 100%) und für wässrige Lösungen geeignet. Die Löslichkeit in Ethanol,
Isopropanol und weiteren organischen Lösungsmitteln ist gut. Die Löslichkeit in Wasser
wird mit >100 g/l angegeben. Tego Wet 280 ist eine gelbliche Flüssigkeit mit einer
Viskosität von ca. 50 mPas. Seine Dichte beträgt = 1,006...1,033 g/cm3[Teg07b,Teg09b].
Der Siedepunkt ist unbekannt.
Die Beimischung von 10 Gew.-% Tego Wet 280 zur Zinkoxid-Nanopartikeldispersion
(34 Gew.-%) führt zu gut bedeckenden Schichten durch Spin-Coating (HS:
30 s@2000 min−1,Soft-bake: 120 s@110◦
C). Der Zinkoxidfilm besitzt eine weiße Far-
be. Wie durch die Analyse im Rasterelektronenmikroskop ersichtlich wird [siehe
Abbildung 3.18a], handelt es sich bei der hergestellten Schicht um poröses Material
vergleichbar mit Tego Dispers 750W als Additiv. Eine feine Primärstruktur im REM ist
nicht zu erkennen. Vielmehr besteht die Schicht aus einer gleichmäßigen, aber porösen
65
Kapitel 3 Integrationstechniken
(a)
0µm3µm
0,5
1,0
×10−7m
0µm
3µm
0,0
1,5
2,0
2,5
(b)
Abbildung 3.18: Zinkoxid-Nanopartikelschicht, hergestellt mit Zusatz des Substratnetz-
additivs Tego Wet 280; 34 Gew.-% Zinkoxid-Nanopartikel, 10Gew.-%
Tego Wet 280. (a) REM, (b) AFM (non-contact-mode)
Matrix. Die Topographiedarstellung im Rasterkraftmikroskop in Abbildung 3.18b zeigt,
dass keine Primärpartikel an der Oberfläche vorhanden sind. Die Nanopartikel bilden
zwar Agglomerate mit Durchmessern von über 1 µm, jedoch sind die Nanopartikel
vollständig in der Tego Wet 280-Matrix eingebettet. Die RMS-Rauheit der Oberfläche
beträgt Sq≈54,3 nm.
Das Additiv wurde nicht in Silizium-Nanopartikeldispersionen untersucht.
Zusammenfassung
Eine Übersicht über die untersuchten Additive mit den wichtigsten Eigenschaften ist in
Tabelle 3.5 dargestellt. Zusammenfassend ist festzustellen, dass pure Nanopartikeldisper-
sionen gute Ergebnisse erzeugen. Der Zusatz von NCW-1001 und Propylenglycol führt zu
einer Schichtqualität, die für die Integration von Feldeffekttransistoren unzureichend ist.
Tego Dispers 750W und Tego Wet 280 steigern zwar den Bedeckungsgrad, jedoch wird
dieser Vorteil durch Einbußen bezüglich der Reagglomeration und der Schichtporosität
erkauft.
Soft-bake und Einfluss des Hard-bake-Schritts
Nach der Schleuderbeschichtung werden die Schichten einem Soft-bake-Schritt auf der
Hot-plate für fünf Minuten unterzogen, der dazu dient, das Dispersionsmittel und die
Additive zu verdampfen. Soft-bake-Temperaturen von 100◦
C für das Dispergiermittel
Ethanol (Siedepunkt Tbp = 78◦
C) bzw. von 110◦
C für Wasser (Tbp = 100◦
C) sind
ausreichend, um das Lösungsmittel zu entfernen. Eventuell verbleibende Dispergiermittel
beeinflussen die elektrischen Eigenschaften der Schichten nur in geringem Maße. Wie
an Einzelpartikeltransistoren mit Silizium-Nanopartikeln in Abschnitt 4.2.1 gezeigt wird,
sind Additivreste dahingehend in der Lage, das elektrische Verhalten wesentlich zu
verändern.
66
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
Tabelle 3.5: Übersicht der Eigenschaften von Nanopartikelschichten in Abhängigkeit vom
verwendeten Additiv
Eigenschaft
Silizium
Silizium:
Tego Dispers
Zinkoxid
Zinkoxid:
NCW-1001
Zinkoxid:
Propylenglycol
Zinkoxid:
Tego Dispers
Zinkoxid:
Tego Wet
Makro-Bedeckung + ++ + ◦ ◦ ++ ++
Mikro-Bedeckung + ++ ++ − − ++ ++
Porosität + + ++ × ◦ ◦ ◦
Reagglomeration + + ++ × ◦ − −−
Primärpartikel + ◦+× ◦ ◦ −
RMS-Rauheit Sq20,2 nm 12,9 nm 11,8 nm ×28,7 nm 34,6 nm 40,0 nm
++ = sehr gut, + = gut, ◦= ausreichend, −= mangelhaft, −− = unzureichend, ×= nicht
untersucht
Die möglichen Restmengen des Dispergiermediums und etwaiger Zusätze wird im
folgenden Hard-bake-Prozess unter definierter Atmosphäre durch Verdampfung bzw.
Verbrennung reduziert. Die Hard-bake-Temperatur liegt zwischen 200◦
C und 800◦
C, auf
jeden Fall aber so niedrig, dass weder das Substrat noch andere Materialien zerstört
werden. Ziele des Hard-bake-Prozesses sind neben der erwähnten Fremdstoffentfernung
die Ausheilung von Störstellen innerhalb der Nanokristalle und eine Versinterung von
Einzelagglomeraten zu größeren Kristalliten [WDH09,STW+08,WH10b].
In Silizium-Nanopartikeln wird die minimale Temperatur zur Versinterung mit
700◦
C angegeben [STW+08]. Diese Temperaturen sind zwar für die Prozessierung
auf Silizium-Substratträgern zulässig, jedoch nicht für Glas- oder gar Foliensubstrate. Für
Temperaturen unterhalb dieser Grenze kann eine Ausheilung von Störstellen beobachtet
werden [vergleiche Abschnitt 1.2.3], welche ebenfalls zur Verbesserung der elektrischen
Eigenschaften der Schicht beiträgt [WDH09].
Die Versinterung von ZnO-Nanopartikeln findet bereits ab Temperaturen von ca. 350◦
C
statt. Die Abbildung 3.19 zeigt die Oberflächen der ZnO-Nanopartikelschichten in
Abhängigkeit von der Annealing-Temperatur Ta. Es ist zu erkennen, dass mit steigender
Temperatur die Kristalle zunehmend zusammenwachsen. Insbesondere bei Ta≥600◦
C
nimmt die kristalline Ordnung zu. Somit wird durch die geringere Korngrenzendichte die
Ladungsträgerbeweglichkeit vergrößert. Das Annealing wird in Sauerstoff-Atmosphäre
durchgeführt, um mögliche Sauerstoff-Leerstellen im Kristall während der Temperung
zu besetzen. Sauerstoff-Fehlstellen erzeugen im Allgemeinen tiefe Zustände in der Band-
67
Kapitel 3 Integrationstechniken
(a): 20◦
C; Sq≈11,8nm (b): 400◦
C; Sq≈13,6nm
(c): 600◦
C; Sq≈15,4nm (d): 800◦
C; Sq≈28,7nm
Abbildung 3.19: REM-Aufnahmen und RMS-Rauheiten von ZnO-Nanopartikelschichten
nach dem Hard-bake-Prozess (2h in O2-Atmosphäre)
lücke des ZnO [SV70, VWS+96, CGL01, LFJ01]. Die Besetzung mit Sauerstoff-Atomen
bewirkt eine niedrigere Ladungsträgerkonzentration im ZnO und einen geringen Strom
im Sperrbereich der Transistoren [LJJ+08]. Zusätzlich kann eine geringe Erhöhung der
effektiven Ladungsträgerbeweglichkeit durch Reduktion der Dichte tiefer Störstellenzu-
stände erreicht werden [IPG+05]. Die letztgenannten Effekte tragen zu einer besseren
Strommodulation bei.
3.4.2 Abscheidung von Einzelpartikeln
Für die Integration von Einzelpartikeltransistoren in der Inverted Coplanar- oder
Noninverted Staggered-Architektur (Nanograben-Transistor) ist es nicht zwingend erfor-
derlich, Schichten aus Nanopartikeln abzuscheiden. Einerseits tritt beim Spin-Coating-
Schritt eine starke Wechselwirkung (Reagglomeration) zwischen den Nanopartikeln auf,
da das stabilisierende Dispersionsmedium entfernt wird; andererseits wird eine REM-
oder AFM-Analyse der Partikelabscheidung in den Nanogräben durch Überdeckung des
Grabens mit der Nanopartikelschicht verhindert.
68
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
0 µm 8.1 µm
0 µm 8.1 µm
X
Y
(a): 0,1 Gew.-%
0 µm 8.1 µm
0 µm 8.1 µm
X
Y
(b): 0,049 Gew.-%
0 µm 8.1 µm
0 µm 8.1 µm
X
Y
(c): 0,014Gew.-%
Abbildung 3.20: AFM-Topographie (non-contact-mode) von Silizium-Nanopartikeln, ab-
geschieden aus verschieden stark verdünnten Dispersionen. Der maximale
Höhenunterschied (z-Achse) beträgt 130nm (schwarz →weiß).
Die Schleuderbeschichtung von stark verdünnten Dispersionen ermöglicht die Ab-
scheidung einzelner Agglomerate bzw. Partikel mit einstellbarer Flächendichte. Als
Verdünnungsmittel wird je nach Partikelmaterial Ethanol oder Wasser verwendet, um
die Potenziale im dispersen System nicht zu beeinflussen und die Stabilität zu erhalten.
AFM-Topographien einer Verdünnungsreihe von Si-Dispersionen mit Ethanol sind in
Abbildung 3.20 dargestellt. Aus den Topographien kann der Bedeckungsgrad Γermittelt
werden. Dieser ist in Abbildung 3.21 über dem Massenanteil ξder Silizium-Partikel
ξin Gew.-%
Γ
0,00 0,02 0,04 0,06 0,08 0,10
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
0,0
2,5
5,0
7,5
Bedeckung ohne Zusätze
Flächendichte ohne Zusätze
Bedeckung mit Tego Dispers
Nin 108cm−2
Abbildung 3.21: Abhängigkeit des Bedeckungsgrades und der Flächendichte vom Massen-
anteil der dispergierten Nanopartikel
69
Kapitel 3 Integrationstechniken
aufgetragen. Der allgemeine Zusammenhang zwischen dem Bedeckungsgrad und dem
Massenanteil ist durch
Γ=a·exp (−bξ) + k(3.1)
gegeben, wobei a,bund kKonstanten für die jeweilige Dispersion sind. Wird die
Partikelflächendichte Nder Nanopartikelagglomerate betrachtet, so gilt, dass je höher
der Massenanteil in der Dispersion ist, desto größer ist N. In erster Näherung istN
proportional zu Γ. Da die sehr starke Verdünnung eine Störung der Dispersionstabilität
bewirkt, tritt eine Vergrößerung der Agglomeratdurchmesser auf, so dass die Flächendich-
te in Abhängigkeit von der Massenkonzentration den abgebildeten Verlauf annimmt.
Der Zusatz eines Dispergieradditivs in Form von Tego Dispers 750W ändert nicht das
qualitative Abscheidungsverhalten der Dispersion nach Gleichung (3.1). Wie bereits im
vorigen Abschnitt beschrieben, steigt durch das Additiv der Bedeckungsgrad, jedoch
hauptsächlich in Form einer einbettenden Matrix.
Der Eintrag der Nanopartikel in die Nanozwischenräume geschieht nach der Mo-
dellvorstellung, wenn ein Partikel oder ein Agglomerat, dessen Durchmesser maximal der
Zwischenraumbreite entspricht, mit dem Nanograben in Wechselwirkung tritt. Die Arten
der Wechselwirkung sind sehr vielfältig. Unter anderem kann der Nanopartikeleintrag
durch folgende Mechanismen ablaufen:
•Stoßereignis an einer Grabenkante (Schleuderbeschichtung);
•fluidischer Transport von Nanopartikeln (Trocknung);
•Ablagerung durch Gravitation (Trocknung);
•mechanischer Eintriebprozess (z.B. Einreiben, Ultraschallbad).
Für eine erfolgreiche Abscheidung im Spin-Coating-Verfahren ist ein schneller Ab-
setzprozess der Nanopartikel in die Zwischenräume notwendig. Aufgrund der großen
Winkelgeschwindigkeit und der daraus resultierenden Radialgeschwindigkeit der Di-
spersion, müssen sich Nanopartikel innerhalb eines sehr kurzen Zeitintervalls in die
Nanozwischenräume absetzen. Dabei wird nur ein Anlagerungsprozess initiiert, wenn ein
Nanopartikel auf eine Kante des Nanograbens stößt.
Als Alternative bieten sich Trocknungsprozesse an. Hierbei wird zunächst die Dispersion
auf die Probenoberfläche gegeben und anschließend an der Luft getrocknet. Während
das Dispersionsmedium verdunstet, setzen sich an der Oberfläche Nanopartikel aus der
Suspension ab. Teilweise werden diese mit dem Fluid transportiert, so dass die Wahr-
scheinlichkeit steigt, dass ein Nanopartikel auf einen Nanozwischenraum trifft und sich in
diesem absetzt. Wesentliche Probleme sind die Reagglomeration und ein ungleichmäßiger
Trocknungsprozess. Während die Reagglomeration zu Agglomeratgrößen führt, die ein
Eindringen der Nanopartikel in Nanozwischenräume ausschließt, bilden sich durch die
zeitlich nicht konstante Trocknungsrate Gebiete mit höherer Partikeldichte. Typische
Ergebnisse des Trocknungsabscheidungsprozesses sind als elektronenmikroskopische
Aufnahmen in den Abbildungen 3.22 und 3.23 dargestellt. Zinkoxid-Nanopartikel scheiden
70
3.4 Abscheidung von Nanopartikeln
(a): Zinkoxid-Nanopartikel (b): Zinkoxid-Nanopartikel
Abbildung 3.22: REM-Aufnahmen von Zinkoxid-Nanopartikeln (ξ(ZnO) = 0,16Gew.-%),
abgeschieden durch Trocknung
(a): Silizium-Nanopartikel (b): Silizium-Nanopartikel
Abbildung 3.23: REM-Aufnahmen von Silizium-Nanopartikeln (ξ(Si) = 0,008Gew.-%),
abgeschieden durch Trocknung
sich aufgrund der ungleichmäßigen Trocknung in Streifenform ab [siehe Abbildung 3.22a].
In den Bereichen mit hoher Flächendichte ist die Schicht geschlossen, während in den übri-
gen Bereichen durchaus einzelne Partikelagglomerate abgeschieden werden können [siehe
Abbildung 3.22b]. Silizium-Nanopartikel zeigen keine speziellen Muster, die durch den
Trocknungsprozess hervorgerufen werden. Dennoch ist die Flächendichte der verbliebenen
Si-Nanopartikel sowohl makroskopisch als auch mikroskopisch sehr unregelmäßig [siehe
Abbildung 3.23a und 3.23b]. Eine Kontrolle und Beurteilung, ob sich Nanopartikel in den
Nanozwischenräumen angesammelt haben, ist schwierig, obwohl die Oberflächendichte
sehr stark reduziert und einzelne Nanopartikelagglomerate abgeschieden werden können.
Die REM-Aufnahme in Abbildung 3.24 zeigt eine Ansammlung von ZnO-Nanopartikeln
über der Grabenstruktur, wobei davon ausgegangen werden kann, dass sich ein Teil der
Nanopartikel im Graben selbst befindet.
71
Kapitel 3 Integrationstechniken
Abbildung 3.24: REM-Aufnahme von Zinkoxid-Nanopartikeln, abgeschieden über einer
Grabenstruktur (ξ(ZnO) = 0,009 Gew.-%)
Die Abscheidung durch Einreiben von Nanopartikelsuspensionen und der Eintrag durch
mechanische Energie in Form von Ultraschallwellen mit Fixierung durch Adhäsion an
den Nanograbenwänden zeigt im Resultat keine Unterschiede zur Trocknungsabscheidung.
Abschließend ist zu bemerken, dass die Abscheidung von Einzelpartikeln in Nano-
zwischenräumen bislang nicht in reproduzierbarer Quantität und Qualität durchgeführt
werden kann, da es sich um einen stark statistischen Prozess handelt. Infolgedessen sinkt
die Ausbeute funktionsfähiger Bauelemente drastisch.
72
Kapitel 4
Feldeffekttransistoren mit
Silizium-Nanopartikeln
Nachdem im vorherigen Kapitel die notwendige Prozesstechniken zur Nanostrukturie-
rung und Partikelabscheidung behandelt wurde, werden in diesem Kapitel die Integra-
tion und Charakterisierung von Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln vorge-
stellt. Aus der Literatur sind bislang nur wenige Berichte von Dickfilm-Transistoren mit
Si-Nanopartikeln bekannt [BH06,HZGB09], nicht aber von Dünnfilm-Baulementen. Daher
wird zunächst ein Dünnfilm-Bauelement vorgestellt, aus dessen Parametern sich ableiten
lässt, dass eine Eignung nicht gegeben ist.
Gemäß diesem Ergebnis erfolgt der Übergang zu Einzelpartikeltransistoren, die bessere
Eigenschaften zeigen, so dass unter anderem Untersuchungen bezüglich der Architektur,
der Partikeldotierung und der Lagerungsdegradation vorgestellt werden.
In der gängigen Literatur sind Feldeffekttransistoren in Einzelpartikeltransistoren nur an
Beispielen mit in-situ synthetisierten, kubischen Silizium-Nanopartikeln bekannt, die in
einem vertikalen Aufbau integriert werden [DDB+06, SDB+07]. Die Auswirkungen einer
Partikeldotierung, eines Zusatzes von Dispergieradditiven, einer nachträglichen Tempera-
turbehandlung, der Integration in anderen Architekturformen sowie Aussagen über eine
Alterung durch Lagerung sind für jene Bauelemente ebenso wenig bekannt wie die allge-
meinen Eigenschaften von Einzelpartikeltransistoren mit ex-situ erzeugten Nanopartikeln
nach den hier vorgestellten Verfahren.
4.1 Dünnfilmtransistor
Kostengünstige Bauelemente lassen sich besonders effizient als Dünnfilmtransistoren rea-
lisieren. Der Aufbau nach Abschnitt 2.1 ist einfach und effizient, doch ist eine Verwen-
dung von Silizium-Nanopartikeln dahingehend erschwert, dass die Haftung von Nanopar-
tikelschichten aus Silizium auf dem Untergrund beschränkt ist und die Dünnfilme durch
Nassprozesse leicht angegriffen werden können. Daher bietet sich die Inverted-Coplanar-
Architektur an, bei deren Herstellung die Abscheidung des Nanopartikelfilms als letzter
Schritt erfolgt. Zur Vereinfachung werden die Transistoren mit dem Silizium-Substrat als
gemeinsame Gate-Rückseitenelektrode integriert. Die Nutzung der gemeinsamen Rücksei-
tenelektrode hat den Vorteil eines stark reduzierten Integrationsaufwands; zusätzlich ist
ein elektrisch hervorragend isolierendes Siliziumdioxid verfügbar [Hill04].
73
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
0µm3µm
2
4
6
8
10
×10−8m
0µm
3µm
0
12
Abbildung 4.1: AFM-Topographie (non-contact-mode) der Silizium-Nanopartikelschicht
nach der Temperung bei Ta= 500◦
C.
Bauelementintegration
Das verwendete Silizium-Substrat ist mit einer Bor-Konzentration von NA≈1015 cm−3
p-dotiert. Auf dieses werden 200 nm SiO2durch thermische Oxidation aufgewachsen.
Drain- und Source-Elektroden aus Aluminium (300 nm) werden durch Elektronen-
strahlverdampfung, anschließende fotolithografische Strukturierung und Nassätzung
erzeugt. Erst danach wird ein Nanopartikeldünnfilm durch Spin-Coating abgeschieden.
Die Partikel sind ebenfalls mit Bor dotiert, welches in Form von Diboran während
der Synthese dem Reaktionsgas hinzugefügt wird. Der Massenanteil der Nanopartikel
in der Dispersion muss ausreichend sein, um geschlossene Dünnfilme zu erhalten. Im
vorliegenden Versuch beträgt ξ(Si) = 6,25 Gew.-%. Mit einer Drehzahl von 1700 min−1
für 45 s werden Schichten von ca. 300 nm Dicke abgeschieden. Um die Leitfähigkeit der
Schichten zu steigern, Fehlstellen auszuheilen und die Kontaktwiderstände zu senken,
werden die Proben einem RTA-Temperungs-Prozess1bei 500◦
C unter Argon-Atmosphäre
unterzogen.
Die Topographie der Silizium-Nanopartikeloberfläche ist in Abbildung 4.1 als AFM-
Aufnahme dargestellt. Gegenüber den Proben ohne Annealing-Schritt ist keine Verände-
rung der Korngröße zu erkennen. Die Oberflächen-Rauheit liegt mit Sq≈17,6 nm nur
knapp unter dem Wert der nicht getemperten Proben in Abschnitt 3.4.1.
Elektrische Transistorparameter
Die Kennlinien des Silizium-Nanopartikel-Dünnfilmtransistors sind in Abbildung 4.2
dargestellt. Die Transferkennlinie und das Ausgangskennlinienfeld zeigen, dass sich der
Transistor nur sehr eingeschränkt über die Gate-Elektrode steuern lässt. Die Strom-
modulation beträgt maximal ION/IOFF = 1,42 und ist damit nicht ausreichend für
die Integration von logischen Schaltungen. Der Transistor erreicht einen on-Strom von
480 nA bei VDS = 40 V. Eine geringe Stromstärke wird zwar für die schlecht leitenden
1Rapid Thermal Annealing
74
4.1 Dünnfilmtransistor
VGS in V
IDin µA
020 40 60 80
0,35
0,40
0,45
0,50
6,00
6,25
6,50
6,75
7,00
VDS = 40 V
√IDin m√A
V
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin nA
010 20 30 40
0
50
100
150 VGS = 0...80 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.2: Kennlinien eines Si-NP-TFT mit einer Kanallänge von L= 8 µm und
einer Weite von W= 16cm. Das Gate-Dielektrikum aus thermischem
SiO2besitzt eine Dicke von ti= 200nm. Als Substrat und Gate-
Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die Drain- und Source-
Kontakte bestehen aus 300nm Aluminium.
Silizium-Nanopartikelschichten erwartet; sie ist in Anbetracht eines W/L-Verhältnisses
von 20000 dennoch als unterdurchschnittlich einzustufen. Die Betrachtung des Ausgangs-
kennlinienfeldes legt nahe, dass sich die Kontakte nahezu ohmsch verhalten und der
Kanalstrom hauptsächlich vom Drain-Potenzial dominiert wird. Für niedrige VDS ist
zunächst keine Steuerbarkeit des Kanalleitwertes in Abhängigkeit von VGS zu erkennen.
Die Strom-Spannungs-Charakteristik folgt dem Verlauf eines raumladungsbegrenzten
Stroms. Für höhere VDS tritt die gewünschte Steuerbarkeit auf, wird jedoch weiterhin
durch die Abhängigkeit des Stroms von VDS dominiert.
Die Schwellenspannung folgt aus der Transferkennlinie zu Vth = 13,8 V. Gemäß Ab-
schnitt 2.4 wird aufgrund des schlechten Sperrverhaltens der minimale Strom zur
Ermittlung der Schwellenspannung herangezogen. Der Transistor ist demnach selbstsper-
rend, wobei am Ladungsträgertransport für VGS > Vth hauptsächlich Elektronen beteiligt
sind (n-Typ). Im Unterschwellenbereich zeigt der Transistor ein Öffnen des Kanals, so
dass der integrierte TFT offensichtlich ambipolar arbeitet.
Die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit beträgt µFE = 3,02 ·10−7cm2(Vs)−1. Ausgehend
von hohen Kontaktwiderständen aufgrund der planar-sphärischen Grenzflächen zwischen
Elektroden und Nanopartikeln und einem Strompfad, der wegen der Kanallänge von 8µm
eine hohe Anzahl interpartikulärer Barrieren beinhaltet, ist ein derart niedriger Wert zu
erklären.
Im Allgemeinen fällt auf, dass die benötigten Spannungen zum Betrieb des Transi-
stors mit bis zu 80V sehr hoch sind. Die Spannungen liegen im typischen Arbeitsbereich
der organischen Elektronik. Die Leistungsfähigkeit der Si-NP-TFT unterliegt den OFET
jedoch bezüglich der Ladungsträgermobilität.
Während der Messung ist weiterhin eine Degradation festzustellen, die aus dem Vergleich
75
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Tabelle 4.1: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter des Si-NP-TFT mit
L= 8µm, W= 16cm und Al-Drain-/Source-Elektroden
Substrat/Gate ǫrtiin nm ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1
p-Si 3,9 200 1,42 13,8≈3·10−7
der maximalen Stromstärken des Ausgangskennlinienfeldes in Abbildung 4.2b und der
Transferkennlinie in Abbildung 4.2a ersichtlich ist. Dieses Verhalten beruht auf einem
Hystereseeffekt in der Halbleiterschicht, der eine Anlagerung von Ladungsträgern in den
Nanopartikeln bewirkt [DMD+04, NNM+08]. Die angelagerten Elektronen erzeugen eine
Verschiebung der Schwellenspannung in positive Richtung, so dass eine Absenkung des
Drain-Stroms beobachtet werden kann.
Die Untersuchungen der Silizium-Nanopartikeldünnfilme beschränken sich in der Li-
teratur auf die Analyse der elektrischen Eigenschaften, nicht aber auf die Funktion in
Transistoren [BSWK97, LSP+08, SKC04, NHO78, RTM+05]. Ein direkter Vergleich ist
somit nicht möglich. Lediglich Beispiele für auf Papier gedruckte Dickfilm-Transistoren
werden berichtet [BH06,HZGB09]. Beide Beispiele zeigen selbstleitende Transistoren mit
p-Typ-Charakter bei Ladungsträgerbeweglichkeiten2von µFE = 2·10−4cm2(Vs)−1[BH06]
bzw. bis zu µFE = 0,7 cm2(Vs)−1[HZGB09]. Die mittleren Nanopartikeldurchmesser
werden mit 30...60 nm in [BH06] und 70 nm in [HZGB09] angegeben, so dass die höheren
Werte für die Ladungsträgerbeweglichkeit mit der geringeren Barrierendichte begründet
werden können. Außerdem ist eine Degradation des Drain-Stroms zwischen den Ausgangs-
und Transferkennlinien festzustellen.
Fazit
Silizium-Nanopartikel-TFT weisen ein schlechtes, aber selbstsperrendes Transistorverhal-
ten mit ambipolarer Charakteristik auf. Der Strom durch den Kanal wird hauptsächlich
durch das laterale elektrische Feld zwischen Drain- und Source-Elektrode dominiert. Eine
Steuerbarkeit des Kanals durch die Gate-Elektrode kann zwar beobachtet werden, doch
ist der Modulationsgrad, bedingt durch die Dominanz des Drain-Potenzials, äußerst ge-
ring. Sowohl die Strommodulation als auch die Ladungsträgerbeweglichkeit schränken die
Pegeldetektionssicherheit bzw. die Treiberfähigkeit ein, so dass sich die Transistoren für
den Aufbau von logischen Schaltungen nicht eignen. Die Transistorparameter sind in Ta-
belle 4.1 zusammenfassend dargestellt.
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Die geringe Ladungsträgerbeweglichkeit in Silizium-Nanopartikel-TFT hat ihre Ursache
in der hohen Dichte an Störstellen, insbesondere an interpartikulären Übergängen. Die
2Britton und Haerting bestimmen in [HZGB09] die Messwerte unter Vernachlässigung des Gate-
Leckstroms, obwohl dieser in der Größenordnung des Drain-Stroms liegt (IG≈0,5·ID).
76
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Störstellendichte kann verringert werden, indem der Transistorkanal auf einen Partikel
begrenzt wird. Dieser Schritt führt zu den in Abschnitt 2.2 beschriebenen Einzelpartikel-
transistoren.
4.2.1 Inverted Coplanar-Architektur
Einzelpartikeltransistoren im Inverted Coplanar-Aufbau sind einfach zu integrieren, da
zunächst ein Templat durch Standardprozesse der Siliziumhalbleitertechnologie hergestellt
wird. Erst abschließend wird das Nanomaterial hinzugefügt, so dass die Materialauswahl
flexibel zu gestalten ist und Untersuchungen effizient durchgeführt werden können.
Bauelementintegration
Die Proben werden wiederum auf einem mit Bor p-leitend dotiertem Silizium-Wafer
(NA≈1015 cm−3) hergestellt, welcher gleichzeitig als Rückseiten-Gate-Elektrode genutzt
wird. Als Gate-Dielektrikum dient Siliziumnitrid mit einer Schichtdicke ti= 15 nm, ab-
geschieden im LPCVD-Verfahren aus Triethylsilan und Ammoniak [siehe Tabelle A.1 in
Anhang]. Siliziumnitrid besitzt als amorphes, dielektrisches Material eine relative Dielek-
trizitätszahl von ǫr= 7 und eine Bandlücke von 4,8≤Eg≤5,3 eV [Kasa06]. Auf dem
Gate-Dielektrikum werden Nanozwischenräume in Aluminiumelektroden mit einer Breite
L= 60 nm erzeugt. Über diese Strukturen wird ein Film aus Silizium-Nanopartikeln durch
Spin-Coating abgeschieden. Die dabei verwendete Dispersion besitzt einen Masseanteil von
6,25 Gew.-% an undotierten Silizium-Nanopartikeln, gelöst in Ethanol. Das Aufschleudern
findet bei einer Drehzahl von 2000 min−1für 30s statt. Zur sicheren Verdampfung des
Dispergiermittels werden die Proben 60 s bei 125◦
C auf der Hot-plate ausgeheizt.
Elektrische Transistorparameter nach der Herstellung
Die Kennlinien eines typischen Transistors mit einer geometrischen Kanalweite
W= 100 µm sind in Abbildung 4.3 dargestellt. Der Transistor zeigt aufgrund einer do-
minierenden Löcherinjektion p-Kanal-Verhalten. Da die Schwellenspannungsbestimmung
durch Extrapolationsverfahren nicht sinnvoll ist, wird die Transkonduktanz-Ableitungs-
Methode angewendet, so dass Vth = 0,2V beträgt und der Transistor selbstleitend ist.
Mit Gate-Spannungen im Bereich von ±15 V kann lediglich ein ION/IOFF-Verhältnis von
ca. 2,2 erreicht werden, wobei der maximale Drain-Strom ungefähr 100 µA bei VDS = 10 V
beträgt.
Im Unterschwellenbereich ist der Stromabfall so gering, dass sich mit S= 80 V/dek ein
extrem hoher Subschwellenstromanstieg ergibt.
Das Ausgangskennlinienfeld zeigt einen deutlichen Sättigungsbereich, doch auch im
Ausgangsverhalten sind die schlechten Sperreigenschaften des Transistors zu erkennen.
Zusätzlich ist ein hoher Gate-Leckstrom bemerkbar, der aufgrund des dünnen Si3N4-
Dielektrikums und der hohen Gate-Spannungen nicht vermeidbar ist. Die Ursache des
Gate-Leckstroms ist herstellungsbedingt, da während der RIE-Rückätzung zur Nano-
grabenintegration das Gate-Dielektrikum durch Ionenbestrahlung geschädigt wird. Die
Schwächung tritt ebenfalls bei thermisch gewachsenem SiO2und einem Stapeldielektrikum
77
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
VGS in V
−IDin µA
−15 −10 −50510
40
60
80
100
15
7
8
9
10
VDS =−10 V
q|ID|in m√A
(a): Transferkennlinie −VDS in V
−IDin µA
0510 15 20
0
40
80
100
VGS =−15...15 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.3: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted-Coplanar-Aufbau ohne Tempe-
rung. Der Transistor besitzt eine Kanallänge von L= 60 nm und eine Weite
von W= 100µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 15 nm Si3N4, welches
bei 960◦
C unter Sauerstoffatmosphäre für 30 Minuten getempert wird. Als
Substrat und Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium. Die Partikel
sind undotiert.
aus SiO2/Si3N4/SiO2selbst bei Schichtdicken über 200 nm auf. Neben der ungewollten
Ätzung des Dielektrikums am Ende des RIE-Prozesses in der Kantenabscheidungsstruk-
turierung zeigen Untersuchungen, dass zu lange Prozesszeiten der Lackentfernung im
Plasmaätzverfahren zur Zerstörung des Dielektrikums führen. Die Plasmaätzung schädigt
den Isolator so stark, dass die Stromdichte um bis zu neun Größenordnungen gegenüber
intakten Proben zunimmt. Ein negativer Einfluss des anfänglich vorhandenen natürlichen
Oberflächenoxids auf dem Si-Substrat oder der Nanopartikeldispersion kann nachweislich
ausgeschlossen werden.
Es ist als unwahrscheinlich anzusehen, dass der Gate-Leckstrom die alleinige Ursache für
die schlechte on/off -Rate des vorgestellten Bauelements ist. Vielmehr wird vermutlich
die schlechte Sperreigenschaft zusätzlich durch Feuchtigkeit in der Partikelschicht und
an der Grenzfläche zum Dielektrikum hervorgerufen. Diese verursacht entweder einen
direkten Beitrag zum Stromfluss durch Wasserstoffionenleitung oder eine Veränderung
der Transistorparameter durch Anlagerung von H+-Ionen und OH−-Gruppen an den
Halbleiter und das Dielektrikum. Dabei kann es unter anderem zu Schwellenspannungsver-
schiebungen und Veränderung der Gate-Kapazität kommen [CNHL99, Pann06, SWB89].
Yoo et al. weisen in [YYL08] den Einfluss der H+- und OH−-Adsorption an das
Halbleitermaterial in Schottky-kontaktierten Silizium-Nanodraht-Transistoren nach;
also Bauelementen, welche in der Funktionsweise identisch mit den in dieser Arbeit
vorgestellten Transistoren sind. Die Adsorbate bewirken ein Anheben bzw. ein Absenken
der Bandstruktur im Halbleiter und beeinflussen somit die Kontakteigenschaften zu den
Drain- und Source-Elektroden. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass dieser
Einfluss auch auf Silizium-Nanopartikel besteht.
78
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Elektrische Transistorparameter nach Temperung der Bauelemente
Um der Adsorption von Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft entgegenzuwirken und
die Kontakteigenschaften zu den Drain- und Source-Elektroden zu verbessern, bietet
sich ein Annealing-Prozess bei moderater Temperatur an. Dieser wird bei 300◦
C für
30Minuten durchgeführt. Während der Temperung befinden sich die Proben in einer
Stickstoff-Atmosphäre, um eine weitere Oxidation der Silizium-Nanopartikel zu vermeiden.
Die Kennlinien unmittelbar nach dem Annealing sind in Abbildung 4.4 dargestellt. Im
Ausgangskennlinienfeld ist der deutliche Sättigungsbereich einem linearen Anstieg des
Stroms mit VDS gewichen. Ein Kanallängenmodulationseffekt, wie er von konventionellen
MOSFET bekannt ist, kann ausgeschlossen werden, da die Kennlinien im Sättigungs-
bereich streng parallel verlaufen, also der differentielle Drainleitwert unabhängig von
VGS ist. Eine mögliche Ursache ist eine Reaktion der Aluminiumelektroden mit den
Silizium-Nanopartikeln. Das Aluminium diffundiert bereits ab Temperaturen von 200◦
C
in Siliziumdioxid, also auch in die Siliziumdioxid-Hülle, die die Partikel umgibt [UTA+74].
So wird zunächst der Leitwert der Hüllen erhöht. Zusätzlich gehen im Nanopartikelkern
das Silizium und das Aluminium eine Feststoffreaktion unterhalb der eutektischen
Temperatur von 577◦
C ein. Hierbei löst sich Aluminium im Silizium auf und dotiert den
Halbleiter. Ein weiterer Effekt ist eine Aluminium-induzierte Rekristallisation des Silizi-
ums, die aufgrund der moderaten Temperatur nur sehr schwach ausfällt [NW00]. Gezielt
wird dieser Effekt als ALILE3-Prozess zur Herstellung von ultradünnem Polysilizium aus
amorphen Siliziumdünnfilmen eingesetzt [AJSS07,AJS08]. Ob es in den Nanopartikeltran-
VGS in V
|ID|in A
−10 −8−6−4−20
10−6
10−5
2
1
2
3
VDS =−1 V
q|ID|in m√A
(a): Transferkennlinie −VDS in V
−IDin µA
01234
0
2
4
6VGS =−1,4...1,4 V
5
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.4: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted-Coplanar-Aufbau nach einem
Temperungsprozess bei 300◦
C für 30 Minuten in Stickstoffatmosphäre. Der
Transistor besitzt eine Kanallänge von L= 60 nm und eine Weite von
W= 100 µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 15 nm Si3N4, welches
bei 960◦
C unter Sauerstoffatmosphäre für 30 Minuten getempert wird. Als
Substrat und Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 100 nm Aluminium. Die Partikel
sind undotiert.
3ALuminum Induced Layer Exchange
79
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Kristallisationskeim
Abbildung 4.5: Lichtmikroskopaufnahme nach Rekristallisation durch die Aluminium-
induzierte Kristallisation. Die Aluminiumelektroden wurden in Al-
Ätzlösung4entfernt (blau-violette Bereiche).
sistoren zu einem Transport des Siliziums in die Aluminiumelektroden kommt oder die
Oxidhülle dem Silizium als Diffusionsbarriere entgegensteht, ist unklar. Dass es trotz der
Siliziumdioxidschicht zum Auftreten der Aluminium-induzierten Kristallisation kommt,
zeigen Proben mit 200 nm thermisch gewachsenem SiO2und Al-Elektroden, die bei 500◦
C
für eine Stunde in N2getempert werden. In der Lichtmikroskopaufnahme in Abbildung 4.5
sind nach Entfernung des Aluminiums (violette Bereiche) große Kristallisationskeime zu
beobachten, wohingegen auf Flächen ohne Aluminium das SiO2intakt ist.
Durch die Temperung können die Ströme – einschließlich der Gate-Leckströme –
um den Faktor 10 und die notwendigen Betriebsspannungen um den Faktor 3...10
reduziert werden. Die Reduktion der Ströme kann mit der Unterbindung der Wasser-
stoffionenleitung, aber auch mit der Ausheilung von Defekten im Gate-Dielektrikum
begründet werden. Qualitativ ähnelt die Transferkennlinie nach der Temperung dem
Verhalten vor der Temperung. Sowohl für VGS ≥Vth als auch im Subschwellenbereich ist
die Kennlinie jedoch steiler, so dass sich ein Subschwellenstromanstieg von S= 4,5 V/dek
und eine Feldeffektladungsträgermobilität µFE = 9,17·10−3cm2(Vs)−1ergeben. Durch die
verbesserte Mobilität und den Subschwellenstromanstieg steigt das ION/IOFF-Verhältnis
auf ca. 20. Des Weiteren tritt eine Schwellenspannungsverschiebung um ∆Vth =−0,5 V
auf Vth =−0,3V ein. Der Transistor wird somit durch die Temperung selbstsperrend,
was den nicht unerheblichen Einfluss der Feuchtigkeitsadsorption auf die Transistorcha-
rakteristik verdeutlicht [YYL08].
Insgesamt zeigt die moderate Temperung in Stickstoffatmosphäre eine Verbesserung
nahezu aller Transistorkennwerte. Lediglich die Reduktion des maximalen Drain-Stromes
mit der daraus resultierenden schlechteren Treiberfähigkeit des Transistors stellt keine
4Die Zusammensetzung der verwendeten Al-Ätzlösung besteht aus 80% konz. Phosphorsäure (H3PO4),
5% Salpetersäure (HNO3), 5% Essigsäure (CH3COOH), 10% Wasser und ca. 0,3% Propylenglykol. Die
Prozesstemperatur beträgt 50◦
C.
80
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Tabelle 4.2: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter der Si-NP-
Einzelpartikeltransistoren im Inverted Coplanar-Aufbau mit L= 60nm,
W= 100µm und Al-Drain-/Source-Elektroden
Temperung tiin nm ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
keine 15 2,2 0,2 1,81 ·10−380
30 min@300◦
C 15 20 −0,3 9,17 ·10−34,5
Verbesserung dar, kann aber toleriert werden, da hierdurch ein besseres Sperrverhalten
erkauft wird.
Ein weiteres Problem ist der unbekannte Füllgrad der Nanozwischenräume mit halbleiten-
dem Material. Da die Anlagerung von Partikeln in den Gräben stochastisch ist, können
keine reproduzierbaren Ergebnisse mit angemessener Bauelementausbeute erzielt werden.
Zudem kann die Ladungsträgerbeweglichkeit nur über das geometrischen Maskenmaß
der Kanalweite nach unten abgeschätzt werden. Die tatsächlichen Mobilitäten liegen mit
großer Wahrscheinlichkeit wesentlich höher. Die Transistorparameter der Transistoren vor
und nach dem Annealing-Prozess sind in Tabelle 4.2 aufgeführt.
Transistor mit Dispergieradditiv Tego Dispers 750W
Da Nanopartikeldispersionen mit einer hohen Feststoffkonzentration zur verstärkten
Agglomeratbildung während der Abscheidung neigen [FBJ+09], wird eine Silizium-
Nanopartikellösung mit einem Masseanteil ξ(Si) = 0,1 Gew.-% an undotierten Partikeln
in Ethanol verwendet. Um einen höheren Bedeckungsgrad zu erreichen, wird die Sus-
pension mit 10 Gew.-% Tego Dispers 750W versetzt und im Ultraschallbad 5 Minuten
vermengt und redispergiert. Die Schleuderbeschichtung für 30 s bei 2000 min−1und ein
Ausheizen auf der Hot-plate für 120 s bei 110◦
C erzeugt eine Schicht, die von leichten
Schlieren gekennzeichnet ist.
Die Grabenstrukturen wurden durch ein alternatives Verfahren erzielt, indem die
Herstellung des Gate-Oxides und der Nanolinien im Prozessablauf vertauscht werden.
Somit wird zunächst eine Nanolinie auf dem Siliziumsubstrat erzeugt. Auftretende
Überätzungen bzw. Beschädigungen durch Trockenätzverfahren können das Gate-
Dielektrikum nicht beeinflussen, da dieses erst anschließend thermisch aufgewachsen
wird. Dabei hat die Nanolinie nur einen äußerst geringen Einfluss auf den Oxidations-
prozess. FEM-Prozesssimulationen5zeigen, dass ein Gate-Dielektrikum unterhalb der
Nanolinie mit nahezu gleicher Aufwachsrate erzeugt werden kann, da der Sauerstoff
im Hochtemperaturprozess nur eine unwesentlich längere Diffusionsstrecke zur Si/SiO2-
Grenzfläche zurückzulegen hat. Das Beispiel in Abbildung 4.6 zeigt Schichtdicken des
5Zur FEM-Simulation wird das Prozesstechnik-nahe ISE TCAD-Programmpaket FLOOPS verwen-
det. Da die Behandlung der Finite-Elemente-Methode nicht Gegenstand dieser Arbeit ist, wird für Infor-
mationen bezüglich der Simulationsumgebung auf den Anhang B und bezüglich Finite-Elemente-Methode
auf die einschlägige Literatur verwiesen.
81
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
xin µm
yin µm
0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
ti= 39,1 nm ti= 36,2 nm
O2
Silizium
SiO2
Abbildung 4.6: FEM-Prozesssimulation der nachträglichen thermischen Oxidation zur Er-
zeugung eines Gate-Oxids mit der ISE TCAD-Komponente FLOOPS
SiO2in unbeeinflussten Regionen von ti= 39,1 nm, während unter der Nanolinie ein
Oxid mit ti= 36,2 nm entsteht. Der relative Unterschied beträgt somit lediglich 7,4%.
Für dickere Oxide wird der Oxidationsprozess zunehmend durch den Diffusionsvorgang
auch auf freiliegenden Flächen begrenzt, so dass keine größeren Abweichungen auftreten.
Das dünnere Oxid im Bereich des späteren Nanograbens ist sogar von Vorteil, da
der Feldeffekt stärker ausgeprägt ist und parasitäre Kapazitäten und Leitungspfade
zu den Drain- und Source-Elektroden reduziert werden. Experimente an leicht ge-
VGS in V
IDin A
−4−3−2−101
10−9
10−8
10−7
10−6
0,0
0,5
1,0
1,5
VDS = 2 V
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
0123
0
1
2
3
4VGS =−2,5... −1 V
5
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.7: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted Coplanar-Aufbau. Die Dispersi-
on wurde vor der Schleuderbeschichtung mit Tego Dispers 750W versetzt.
Der Transistor besitzt eine Kanallänge von L≈100nm und eine Weite
von W= 100µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 107nm SiO2. Als
Substrat und Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium. Die Partikel
sind undotiert.
82
4.2 Einzelpartikeltransistoren
neigten Nanolinien, die die nachträgliche Oxidation unbeschadet überstehen, führen zu
der Erkenntnis, dass die mechanischen Spannungen während des Prozesses unkritisch sind.
Die Ausbeute an funktionsfähigen Bauelementexemplaren ist aufgrund der Statistik
der Partikelabscheidung weiterhin äußerst gering. Die Charakteristik eines typischen
Transistors ist in Abbildung 4.7 dargestellt. Der Transistor zeigt n-Kanal-Verhalten. Im
Gegensatz zu den Transistoren ohne Dispersionzusatz haben sich demnach die Barrieren
an den Kontakten zu den Metallelektroden derart verändert, dass Elektronen anstatt
Löcher die Charakteristik bestimmen.
In der Transferkennlinie ist sowohl ein initialer Aufladungseffekt als auch eine Hysterese
zwischen Vorwärts- und Rückwärtsmessrichtung zu erkennen. Zur Erläuterung der Hyste-
reseeffekte sind in Abbildung 4.8 fünf signifikante Zustände in der Eingangscharakteristik
skizziert, die unter anderem für das Auftreten des Aufladungs- und Hystereseeffektes
verantwortlich sind. Entscheidend für das elektrische Verhalten sind hierbei Fallen- bzw.
Störstellenzustände im Halbleiter, an der Grenzfläche zum Dielektrikum und im Disper-
gieradditiv Tego Dispers, welches die Nanopartikel umgibt [vergleiche Abschnitt 3.4.1].
➀Durch das Anlegen eines negativen Potenzials an die Gate-Elektrode tritt eine Aufla-
dung der Gate-Kapazität ein und damit eine Verdrängung von Elektronen aus dem Ka-
nalgebiet, welche durch das elektrische Feld zwischen Drain- und Source-Elektrode zum
Unbesetzte Fallenzustände im Halbleiter
Besetzte Fallenzustände im Halbleiter
Unbesetzte Fallenzustände an der Grenzfläche und im Tego
Besetzte Fallenzustände an der Grenzfläche und im Tego
➀
➁
➂
➃
➄
Abbildung 4.8: Hysteresemechanismen in Nanopartikeltransistoren
83
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
positiven Potenzial der Drain-Elektrode driften. Gleichzeitig werden unbesetzte Fallenzu-
stände mit Ladungsträgern besetzt.
➁Nahezu alle Haftstellen im Halbleiter sind besetzt. Ladungsträger (Elektronen, Lö-
cher und mobile Ionen) werden mit steigender Gate-Spannung an der Grenzfläche zwi-
schen Halbleiter und Dielektrikum, zwischen Tego Dispers und Dielektrikum sowie im
Tego Dispers selbst gebunden.
➂Der Drain-Strom des Transistors geht in Sättigung (Screening-Effekt). Nahezu alle
Fallenzustände im Dielektrikum und in seiner Nähe sind besetzt.
➃Der Kanal wird durch die Anlagerung von Ladungsträgern an Haftstellen trotz abneh-
mender Gate-Spannung offen gehalten, da die anhaftende Ladung in Summe positiv ist.
Erst ab einer bestimmten Gate-Source-Spannung gewinnt das Gate-Potenzial genügend
Einfluss auf den Kanal. Mit weiter sinkender Gate-Spannung werden Ladungsträger aus
den Haftstellen herausgelöst.
➄Fast sämtliche dielektrikumsnahen Haftstellen sind unbesetzt. Fallenzustände im
Halbleiter bleiben hingegen zu einem Großteil besetzt, so dass beim erneuten Durchlauf
der Transferkennlinie der initiale Aufladungseffekt nur stark abgeschwächt auftritt.
Die Schwellenspannung des in Abbildung 4.7 dargestellten Transistors beträgt in
Vorwärtsrichtung Vth =−2,5 V und in Rückwärtsrichtung Vth =−2,6 V. Die Hysterese
lässt sich anhand der Schwellenspannung demnach nur schwer nachweisen, da die
Kennlinien in der Rückwärtsmessrichtung steiler ausgeprägt sind. Das Bauelement ist
auf jeden Fall selbstleitend und der Drain-Strom sättigt mit steigendem VGS >0 V
ab. Dieses kann nur damit begründet werden, dass entweder durch die Ansammlung
einer Grenzflächenladung bereits ein vollständiger Akkumulationskanal entstanden ist
und durch den Screening-Effekt das Feld der Gate-Elektrode abgeschirmt wird oder
dass ein Akkumulationskanal als Ursache für die Steuerbarkeit ausscheidet und die
Modulation des Kontaktwiderstands durch VGS nur begrenzt möglich ist. Eine Sättigung
der Ladungsträgermobilität aufgrund einer hohen Kanalfeldstärke, die bei E= 200 kV/cm
liegt, kann ausgeschlossen werden, da im Ausgangskennlinienfeld für VDS >2 V ein
Anstieg des Drain-Stroms zu verzeichnen ist. Der Sperrstrom im Kanal wird vermutlich
durch die thermische Emission über die Kontaktbarrieren generiert.
Im Vergleich zu den Transistoren ohne Dispersionszusätze lässt sich eine Steigerung der La-
dungsträgerbeweglichkeit um ungefähr eine Größenordnung auf µFE = 3,5·10−2cm2(Vs)−1
feststellen. Die Strommodulation des Transistors ist mit einem ION/IOFF-Verhältnis von
528 für VDS = 2 V in der Transferkennlinie und einem maximalen Verhältnis von
3,7·103für VDS = 0,7 V im Ausgangskennlinienfeld vergleichsweise hoch. Dabei sind
die maximal gemessenen Drainströme bei der Gegenüberstellung von Transistoren mit
und ohne Tego Dispers 750W annähernd in der gleichen Größenordnung. Die guten
Sperreigenschaften sind auch im Subschwellenstromanstieg zu erkennen. Dieser beträgt
84
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Tabelle 4.3: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter der Si-NP-Einzelpartikel-
transistoren im Inverted Coplanar-Aufbau mit Tego Dispers 750W in der
Nanopartikeldispersion. L≈100nm, W= 100µm und Al-Drain-/Source-
Elektroden. Als Gate-Dielektrikum dient SiO2mit ǫr= 3,9.
Substrat tiin nm ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
p-Si 107 528 −2,5 3,5·10−22,1
mit S= 2,1 V/dek nur die Hälfte des getemperten Beispieltransistors ohne Additiv aus
dem vorherigen Abschnitt.
Aus dem Ausgangskennlinienfeld lässt sich die Steuerbarkeit des Transistors entneh-
men. Ein Sättigungsbereich ist jedoch nur anhand einer leichten Rechtskrümmung der
Kennlinien zu erkennen. An diesen Sättigungsbereich schließt sich bei VDS >2,25 V ein
weiterer Anstieg des Drain-Stroms an. Aufgrund des quadratischen Zusammenhangs
zwischen Strom und Spannung und den Kurzkanalabmessungen kann mit hoher Wahr-
scheinlichkeit auf das Auftreten des Punch-through-Effekts oder auf den ambipolaren
Ladungsträgertransport geschlossen werden [Sze81].
Eine Temperung, die bei 300◦
C durchgeführt wird, erbringt keine Verbesserung, da
die Transistoren hierdurch zerstört wurden. An der Probenoberfläche zeigt sich eine
grünliche Farbveränderung, die vermutlich von einer chemischen Reaktion des Disper-
gieradditivs herrührt. Die Parameter der ungetemperten Transistoren sind in Tabelle 4.3
aufgeführt.
Fazit
Die hier vorgestellten Einzelpartikel-Bauelemente mit Silizium-Nanopartikeln zeigen
in ihrer Leistungsfähigkeit bereits Eigenschaften, die mit organischen Bauelementen
insbesondere bezüglich der Ladungsträgerbeweglichkeit konkurrenzfähig sind. In der
Literatur werden für OFET Beweglichkeiten im Bereich µ≈10−5...10−1cm2(Vs)−1
für durchschnittlich leistungsfähige Bauelemente mit SiO2-Dielektrikum berich-
tet [Diek08, Pann06, BPK+08, HQJ10, SZA+07], wobei zu bemerken ist, dass eine
erhebliche Degradation der OFET-Transistorparameter mit zunehmender Lebensdau-
er zu beobachten ist [PDH+07]. Die vorgestellten Nanopartikeltransistoren sind in
ihrem Herstellungsverfahren einfach zu integrieren und zeigen elektrische Charakteri-
stiken, welche mit Beweglichkeiten im Bereich von µFE = 1,81 ·10−3cm2(Vs)−1bis
µFE = 3,5·10−2cm2(Vs)−1und ION/IOFF-Verhältnissen >103vergleichbar sind. Ebenso
lassen sich mit den Nanopartikeltransistoren Subschwellenstromanstiege erreichen, welche
durch OFET nicht übertroffen werden [Diek08].
Im Vergleich mit den aus Silizium-Nanopartikeln integrierten Dünnfilmtransistoren
und den OFET können durch die Nutzung einzelner Nanopartikel die Betriebsspannungen
von 80 V auf ±3 V entscheidend reduziert werden.
85
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Der Zusatz von Additiven in die Nanopartikeldispersion ermöglicht die Integration von
Transistoren mit besseren elektrischen Eigenschaften bei kleinerem, thermischen Budget,
erzeugt aber eine Hysterese in der Transferkennlinie, die durch die unterschiedliche
Steilheit in Vorwärts- und Rückwärtsmessrichtung ausgeglichen wird, so dass kaum eine
Schwellenspannungsverschiebung verzeichnet werden kann.
Es ist wiederum anzumerken, dass die Ladungsträgermobilitäten mittels der Mas-
kenmaße der Transistorweiten berechnet werden. Da die genaue Anzahl der elektrische
wirksamen Nanopartikel im Nanozwischenraum unbekannt ist, handelt es sich bei der
Näherung um eine Abschätzung nach unten. Die wahren Ladungsträgerbeweglichkeiten
in den integrierten Transistoren können demnach weit oberhalb der in dieser Arbeit
aufgeführten Werte liegen.
4.2.2 Inverted Staggered-Architektur
Das Problem der zuvor vorgestellten Inverted Coplanar-Transistoren besteht in der äu-
ßerst unzuverlässigen und nicht reproduzierbaren Anlagerung von Nanopartikeln in den
Nanogräben. Dieses Problem wird mit dem Inverted Staggered-Aufbau umgegangen, da
zunächst ein möglichst geschlossener Film aus Nanopartikeln abgeschieden wird und an-
schließend Drain- und Source-Elektroden im nanokskaligen Abstand auf diesem integriert
werden. Liegt der Abstand der Elektroden unter dem Durchmesser der Nanopartikel, han-
delt es sich wiederum per Definition um einen Einzelpartikeltransistor, der die volle Ka-
nalweite elektrisch nutzbar macht.
Bauelementintegration
Die Halbleiterdünnfilme werden auf thermisch oxidierten Silizium-Wafern (p-leitend do-
tiert, NA≈1015 cm−3) mit ti= 30 nm durch Schleuderbeschichtung abgeschieden. Um
möglichst geschlossene Filme zu erhalten, werden Dispersionen mit einem Massenanteil
von ξ= 6,25 Gew.-% verwendet. Die Suspension wird mit einem Volumen von 0,5 ml auf
c-Si
SiO2
Si-NP
Au
Abbildung 4.9: REM-Aufnahme eines Querschnitts durch eine mit Gold präparierten Na-
nopartikelschicht
86
4.2 Einzelpartikeltransistoren
die Oberfläche aufgetragen und bei 2000 min−1für 30 s geschleudert. Das Ethanol wird für
60 s bei 110◦
C auf der Hot-plate verdampft. Der Querschnitt der Nanopartikelschicht ist
in Abbildung 4.9 als REM-Aufnahme dargestellt.
Auf dem Partikelfilm werden durch die Kantenabscheidungstechnik Nanospacer hergestellt,
die die späteren Source- und Drain-Elektroden mit einem Sub-100 nm-Abstand separie-
ren. Eine Nanolinienentfernung nach der Bedampfung mit dem Elektrodenmetall ist bei
Inverted Staggered-Transistoren nicht notwendig, solange keine leitfähigen Verbindungen
durch eine geringfügige Kantenbedeckung der Metallisierung vorhanden sind.
Silizium-Nanopartikelfilme zeigen nur eine sehr schwache Haftung und eine geringe me-
chanische Stabilität auf dem oxidierten Substrat. Die Aluminiumschicht bietet jedoch eine
zusätzliche Fixierung der Schicht, so dass eine Fotolithografie zur Strukturierung der Drain-
und Source-Elektroden durchgeführt werden kann.
Transistoren mit undotierten Silizium-Nanopartikeln
Bei der Verwendung von undotierten Silizium-Nanopartikeln sind typische Kennlinien zu
beobachten, die in Abbildung 4.10 dargestellt sind. Ebenso wie die Inverted Coplanar-
Transistoren in Abschnitt 4.2.1 zeigen auch diese Transistoren p-leitendes Verhalten, also
einen Anstieg des Drain-Stroms mit sinkender Gate-Source-Spannung. Die notwendigen
Gate-Source-Spannungen zur Ansteuerung des Kanals sind vergleichbar, wobei jedoch
die Drain-Source-Spannungen von ca. 10 V auf 1 V reduziert werden können. Die Ursache
hierfür liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in den Kontakteigenschaften zwischen den me-
tallischen Elektroden und dem Nanopartikel. Während beim Inverted-Coplanar-Aufbau
nur kleine Kontaktflächen zwischen Halbleiter und Metall existieren, bildet das Metall
auf den Halbleiterdünnfilmen einen schlüssigen, elektrischen Kontakt, wodurch der
Kontaktwiderstand erheblich reduziert wird.
VGS in V
|ID|in A
−2−101
10−8
10−7
10−6
0,0
0,2
0,4
0,6
VDS =−1 V
0,8
1,0
q|ID|in m√A
(a): Transferkennlinie −VDS in V
|ID|in µA
00,51,0 1,52,0
0,0
0,2
0,4
0,6
VGS =−2...1 V
0,8
1,0
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.10: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted Staggered-Aufbau. Der Tran-
sistor besitzt eine Kanallänge von L= 70nm und eine Weite von
W= 800µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 30nm SiO2. Als Sub-
strat und Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium. Die Parti-
kel sind undotiert.
87
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Qualitativ zeigen sich sowohl für VGS <−2 V (eingeschalteter Zustand) als auch für
VGS >0,5 V (ausgeschalteter Zustand) deutliche Plateaus im Verlauf der Transfer-
kennlinie. Ein weiterer Anstieg bzw. Abfall des Drain-Stroms ist im Gegensatz zur
Inverted Coplanar-Architektur selbst bis |VGS|= 6 V nicht festzustellen. Die Schwel-
lenspannung beträgt Vth =−0,25V unter Berücksichtigung des unteren Plateaus als
shunt-Niveau. Der Transistor ist demnach selbstsperrend. Im Unterschwellenbereich
stellt sich gegenüber den Inverted Coplanar-Einzelpartikeltransistoren ein geringerer
Subschwellenstromanstieg von S= 1,7 V/dek ein. Der Sperrstrom ist mit ca. 24nA
für eine Kanalweite von W= 800 µm nur als mittelmäßig einzustufen. Mit einem
maximalen Drain-Strom von ID,max = 880nA ergibt sich folglich eine Strommodulation
ION/IOFF = 36. Das Auftreten eines deutlichen Drain-Stroms im Sperrbereich des Tran-
sistors deutet im Allgemeinen auf eine geringe Barrierenhöhe hin, so dass Ladungsträger
durch thermische Emission in den Halbleiterkanal gelangen können oder auf zu schmale
komplementäre Barrieren zum Valenzband. Wang et al. sehen Barrierenhöhen von
φB= 0,2...0,3 eV für SB-MOSFET mit undotierten Halbleitern als optimal an, um
hohe ION/IOFF-Verhältnisse bei Raumtemperatur zu erhalten, wenn gleichzeitig die
komplementären Barrieren geeignet sind, einen ambipolaren Strom weitestgehend zu
unterbinden [WST99]. Das Subschwellen- bzw. Sperrverhalten ist ein Hauptproblem
der SB-MOSFET-Technologie, da die Ladungsträgertransportmechanismen an den
Grenzflächen im großen Maße vom elektrischen Potenzial abhängen [WR00]. Insbesondere
in hochgradig skalierten Bauelementen sind geringe Strommodulationen aufgrund von
Kurzkanaleffekten und parallelen Strompfaden zu beobachten [CLR+00]. Calvet et al.
berichten in [CLR+00] und [CLR+02] über die Strommodulationsdegradation in SB-
MOSFET mit einkristallinem Silizium als Halbleitermaterial und PtSi-Kontakten. Bei
nahezu konstantem W/L-Verhältnis sinkt die Strommodulation von ION/IOFF ≈107in
Langkanaltransistoren mit L= 1,7µm auf ION/IOFF ≈10 in Kurzkanaltransistoren mit
L= 50 nm.
Eigene FEM-Simulationen6an einer einfachen Kurzkanaltransistorstruktur, die aus
sehr schwach dotiertem Silzium (NA= 1012 cm−3) als Halbleitermaterial im Aktivgebiet
und Aluminium-Drain-/Source-Elektroden besteht, zeigen ebenfalls, dass das ION/IOFF-
Verhältnis mit sinkender Kanallänge abfällt. Viel größeren Einfluss als die Kanallänge
weist offensichtlich die Dicke der Halbleiterschicht auf. Wie in Abbildung 4.11a zu erken-
nen ist, nimmt die Strommodulation mit steigender Schichtdicke stark ab. Transistoren
mit kurzen Kanallängen weisen ohnehin wesentlich geringere Stromverhältnisse auf, so
dass ausreichende ION/IOFF-Verhältnisse nur bei langen Transistorkanälen und äußerst
dünnen Halbleiterschichten erreicht werden. Die schlechten Verhältnisse bei dickeren
Schichten resultieren nicht aus einem Abfall der maximalen Stromdichte, sondern aus
dem unzureichenden Sperrverhalten [siehe Abbildung 4.11b]. Oberflächennah kann bei
der Inverted Staggered-Architektur ein parasitärer, leitfähiger Kanal erhalten bleiben,
obwohl der Transistorkanal an der Grenzfläche zum Dielektrikum unterbrochen wird. Je
6Informationen über die verwendeten Komponenten des Programmpakets ISE TCAD und der ver-
wendete Simulationsquellcode für ISE TCAD-Komponente DESSIS können dem Anhang B entnommen
werden. Für eine detaillierte Betrachtung der Finite-Elemente-Methode wird wiederum auf die einschlägige
Literatur verwiesen.
88
4.2 Einzelpartikeltransistoren
hHL in nm
ION/IOFF
10 100
100
101
102
103200 nm
150 nm
100 nm
50 nm
(a): Strommodulation
10−4
10−3
10−2
10−1
100
hHL in nm
10 100
200 nm
150 nm
100 nm
50 nm
JD/JD0
JD,max/JD,max0
JD,min/JD,max0
(b): Normierte Drain-Stromdichte
µFE in cm2(Vs)−1
10−4
10−3
hHL in nm
10 100
200 nm
150 nm
100 nm
50 nm
(c): Feldeffektladungsträgermobilität
hHL in nm
10 100
200 nm
150 nm
100 nm
50 nm
0
4
8
12
Vth in V
(d): Schwellenspannung
Abbildung 4.11: Simulierte Abhängigkeiten des ION/IOFF-Verhältnisses, der maximalen
und minimalen Drain-Stromdichten, der Feldeffektladungsträgermobili-
tät und der Schwellenspannung von der Schichtdicke hHL des Halblei-
terdünnfilms in Kurzkanal-Si-TFT mit der Kanallänge Lals Parameter.
Die Bor-Dotierung des Dünnfilms beträgt NA= 1012 cm−3. Die Kontakte
bestehen aus Aluminium.
dicker die Halbleiterschicht ist, desto weniger Einfluss hat das Gate-Potenzial auf den
parallelen, oberflächennahen Kanal. Für relativ dicke Schichten (hHL = 500 nm) zeigt
sich, dass der Sperrstrom so groß wird, dass nur noch Strommodulationen kleiner als 10
erreicht werden.
Neben der Nanopartikelschichtdicke nimmt das Material der Gate-Elektrode Einfluss auf
die Sperrcharakteristik. So wurde für n-dotierte Silizium-Gate-Elektroden ein geringerer
Leckstrom als für p-dotiertes Silizium nachgewiesen [WST99]. Vor diesen Hintergründen
ist das experimentell ermittelte ION/IOFF-Verhältnis für den Inverted Staggered-Transistor
mit L= 70 nm und hHL ≈300 nm nachvollziehbar.
Mit µFE = 5,6·10−4cm2(Vs)−1beträgt die Feldeffektbeweglichkeit nur einen Bruchteil
der in den Inverted Coplanar-Strukturen erreichten Mobilitäten. Auch diese Eigenschaft
89
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
10−
VGS in V
|JD|in nA/µm
−50510 15
2
3
4
5
VDS =−5 V
(a): Eingangkennlinie
xin µm
yin µm
0,0 0,20,40,60,8
0,0
0,2
0,4
0,6
SiO2
Si-NP
Si
Source Drain
L
100
10−4
10−7
Jp/Jp,0
(b): Normierte Stromdichte
Abbildung 4.12: Transferkennlinie eines FEM-simulierten Si-Nano-TFT (a) und dessen
normierte Stromdichteverteilung im eingeschalteten Zustand (b)
ist mit dem Aufbau des Transistors zu begründen. Die Simulation der Stromdichtever-
teilung in Abbildung 4.12b zeigt, dass sich ein Transistorkanal an der Grenzfläche zum
Dielektrikum ausbildet. Ladungsträger müssen die Strecke zwischen Source-Elektrode
und der Grenzfläche bzw. zwischen der Grenzfläche und der Drain-Elektrode zusätzlich
zurücklegen. Direkt unter der Source-Elektrode bildet sich hierzu ein vertikaler Strompfad
aus. Ladungsträger auf dem Weg von der Grenzfläche zur Drain-Elektrode hingegen
bewegen sich aufgrund der Feldverteilung nicht auf direktem Weg zur Elektrode, sondern
werden auf der vom Source abgewandten Elektrodenseite abgeführt. Aus dem Strompfad
folgt, dass die effektive Weglänge der Ladungsträger bzw. die effektive Kanallänge des
Transistors ein Vielfaches des geometrischen Abstands zwischen Drain- und Source-
Elektrode beträgt. Die Feldstärke des transversalen elektrischen Feldes an der Grenzfläche
ist stark abgeschwächt, da sich die Potenzialfelder von Drain- und Source-Elektrode
näherungsweise halbkugelförmig ausbreiten. Die Ladungsträger erfahren somit kaum
eine treibende Kraft zur Fortbewegung. Die Abbildung 4.11c stellt den Zusammenhang
zwischen der simulierten Ladungsträgerbeweglichkeit und der Halbleiterschichtdicke mit
der Kanallänge als Parameter dar.
Aufgrund des oberflächennahen Strompfads ist der Einfluss des Gates in kurzkanaligen
Transistoren geringer als in langkanaligen. In Zusammenhang mit dem schlechten
Sperrverhalten von Kurzkanaltransistoren sinkt die Steilheit und somit die Feldeffektbe-
weglichkeit. Mit zunehmend längeren Kanälen wird dieser Teileffekt verringert, dennoch
erscheint die Feldeffektbeweglichkeit, in deren Berechnung lediglich VDS und Leinfließen,
aufgrund der geringen Potenzialdifferenz klein. Eine signifikante Senkung der Mobilität
in Abhängigkeit von der Halbleiterschichtdicke tritt in erster Näherung erst auf, wenn die
Schichtdicke die Kanallänge übersteigt.
Die FEM-Simulation lässt erwartungsgemäß auf einen Zusammenhang zwischen der
Schwellenspannung und der Schichtdicke des Halbleiters schließen [siehe Abbildung 4.11d].
Im Falle der simulierten Transistoren handelt es sich unabhängig von der Kanallänge
90
4.2 Einzelpartikeltransistoren
VGS in V
|JD|in A/µm
−4048
10−12
10−11
10−10
10−9
10−8
VDS =−0,01 V
VDS =−0,1 V
VDS =−0,5 V
VDS =−1 V
VDS =−2 V
VDS =−5 V
(a): Transferkennlinienfeld −VDS in V
Vth in V
0510 15
0
10
20
30
(b): VDS-Abhängigkeit der Schwellenspan-
nung
Abbildung 4.13: Simulation eines Si-Nano-TFT im Inverted Staggered-Aufbau. Der Tran-
sistor besitzt eine Kanallänge von L= 100nm und als Halbleitermaterial
200nm Si (NA≈1012 cm−3). Das Gate-Dielektrikum besteht aus 50nm
SiO2. Als Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1012 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus Aluminium.
und der Halbleiterschichtdicke um selbstleitende p-Kanal-Transistoren. Mit zuneh-
mender Schichtdicke verschiebt sich die Schwellenspannung in positive Richtung, d.h.
der Transistor benötigt immer höhere Spannungen, um den Sperrbereich zu errei-
chen. Zudem zeigen die Simulationen das Auftreten eines DIBL7-Effekts, der eine
Schwellenspannungsverschiebung mit steigender Drain-Source-Spannung bewirkt. In
Abbildung 4.13a ist das Transferkennlinienfeld eines simulierten Transistors (L= 100 nm,
hHL = 200 nm) für verschiedene Drain-Source-Spannungen dargestellt. Neben schlechteren
ION/IOFF-Verhältnissen mit höheren Drain-Source-Spannungen, die auf einer vermehrten
Ladungsträgerinjektion im Sperrbereich beruhen, ist eine Schwellenspannungsverschie-
bung zu erkennen. Werden die Schwellenspannungen gegen die Drain-Source-Spannungen
aufgetragen, so ergibt sich das Diagramm in Abbildung 4.13b. Ein typischer Wert für
den DIBL-bedingten Schwellenspannungsabfall in konventionellen MOSFET wird mit
100 mV/V angegeben [LSH03]. Der ermittelte Wert für den simulierten nanoskaligen
Transistor beträgt mit ca. 1750 mV/V ein Vielfaches. Es ist demnach zu vermuten, dass
auch die integrierten Nanopartikelbauelemente einem verstärkten DIBL-Effekt unter-
worfen sind. Ein Abfall der Schwellenspannung mit kürzeren Kanallängen (Vth-Fall-off )
ist nicht festzustellen. Bezüglich des DIBL-Effekts wird auf Abschnitt 5.3.1 verwiesen,
in dem über die Untersuchung des Schwellenspannungsabfalls im Zusammenhang mit
Zinkoxid-Nanopartikeln berichtet wird.
Qualitativ ähnelt der integrierte Einzelpartikeltransistor dem simulierten Bauele-
ment in großem Maße. Wie an der simulierten Transferkennlinie in Abbildung 4.12a
zu erkennen ist, ist der Verlauf durch die starke Ähnlichkeit zur Transferkennlinie in
7Drain Induced Barrier Lowering
91
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Abbildung 4.10a gekennzeichnet. Beide Transistoren zeigen p-Kanal-Verhalten. Sowohl
im offenen Zustand als auch im Sperrbereich bildet sich in beiden Bauelementen ein
Plateaubereich aus. Die Differenz der Schwellenspannungen und der Strommodulation
zwischen Experiment und Simulation ist mit den verschiedenen Halbleitereigenschaften
und den nicht vollständig nachgebildeten Kontakteigenschaften zu begründen.
Transistoren mit Phosphor-dotierten Silizium-Nanopartikeln
Aufgrund der geringen Stromstärke in Si-NP-EPT mit undotierten Nanopartikeln wird
versucht, die Leitfähigkeit des Kanals zu steigern, indem n-dotierte Silizium-Nanopartikel
als Halbleitermaterial verwendet werden. Wie aus den Transistorkennlinien in Abbil-
dung 4.14 ersichtlich ist, zeigt auch der Transistor mit n-dotierten Nanopartikeln ein
p-Kanal-Verhalten, obwohl wegen der Dotierung ein dominierender Elektronenstrom zu
erwarten ist. Hieraus lässt sich schließen, dass entweder die Metall-Halbleiter-Kontakte
einen Elektronenstrom verhindern oder die Dotierung in den Nanopartikeln elektrisch
nicht wirksam ist. Wird davon ausgegangen, dass die Partikelkonzentration ca. 2·1015 cm−3
beträgt, muss die Dotierstoffkonzentration zumindest dieselbe Größe aufweisen, damit im
Mittel ein Dotierstoffatom pro Nanopartikel vorliegt. Selbst bei einer wesentlich höheren
Dotierstoffkonzentration neigen die Phosphoratome zu einer vermehrten Diffusion zur
Oxidhüllengrenzfläche [NA96], so dass der Dotierstoff im Siliziumkristall elektrische
inaktiv ist. Die nicht unerhebliche Störstellenkonzentration maskiert den Dotiereffekt
zusätzlich [LSP+08]. Im Gesamten erscheinen die Nanopartikel demnach als undotiert
und bilden einen Löcherkanal aus. Die elektrische Inaktivität lässt sich auch aus der
maximalen Drain-Stromstärke ableiten, die nur unwesentlich größer als bei undotierten
Partikeln ist, obwohl sich eine Dotierung des Halbleiters theoretisch in einem signifikanten
VGS in V
|ID|in A
−6−4−2024
10−7
10−6
10−5
60,0
0,5
1,0
1,5
VDS =−1 V
q|ID|in m√A
(a): Transferkennlinie −VDS in V
|ID|in µA
012 3 4
0
5
10
15
VGS =−6...2 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.14: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted Staggered-Aufbau. Der Tran-
sistor besitzt eine Kanallänge von L= 70nm und eine Weite von
W= 800µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 30nm SiO2. Als Sub-
strat und Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium. Die Parti-
kel sind mit Phosphor n-dotiert.
92
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Anstieg des Drain-Stroms bemerkbar machen sollte. Es ist mit ID,max = 2,7·10−6A
nur ein Anstieg um den Faktor 3 zu beobachten, wobei dieser ebenfalls mit einer
Exemplarstreuung begründet werden kann.
Der untersuchte selbstleitende Transistor mit Vth = 0,38 V sperrt im Allgemeinen
schlechter als Bauelemente mit undotierten Nanopartikeln. Diese Tatsache schlägt sich
sowohl im ION/IOFF-Verhältnis mit ION/IOFF = 18 als auch im Subschwellenstromanstieg
mit S= 10,2 V/dek nieder. Unter Berücksichtigung des Ausgangskennlinienfelds in
Abbildung 4.14b wird geschlussfolgert, dass die Kontakte zum Halbleiter primär durch
das Drainpotenzial gesteuert werden. Eine Abhängigkeit des Drain-Stroms vom Gate-
Potenzial ist weniger stark ausgeprägt. Zudem scheint der Kontaktleitwert aufgrund des
flachen Kennlinienverlaufs im Anlaufbereich recht niedrig zu sein. Dennoch ist eine leicht
höhere Feldeffektbeweglichkeit von µFE = 6,5·10−4cm2(Vs)−1aus der Transferkennlinie
zu extrahieren.
Transistoren mit Bor-dotierten Silizium-Nanopartikeln
Bei der Verwendung von p-dotierten Si-Nanopartikeln mit Bor als Dotierstoff ist
erwartungsgemäß ein p-Kanal-Verhalten zu beobachten. Die Transistorkennlinien in
Abbildung 4.15 und im Speziellen das Ausgangskennlinienfeld in Abbildung 4.15b zeigen
einen relativ hohen Gate-Leckstrom, der jedoch nicht durch den gegenüber den bisher
vorgestellten Transistoren veränderten Dotierstoff, sondern vielmehr durch eine Exem-
plarstreuung in der Herstellung hervorgerufen wird. Unabhängig vom Gate-Leckstrom,
der über dem jeweiligen Messbereich nahezu konstant ist, ist ein Sättigungsbereich
im Ausgangskennlinienfeld zu erkennen. Dieser Bereich wird offensichtlich durch einen
weiteren Anstieg des Drain-Stroms beherrscht. Es ist naheliegend, dass der Anstieg
VGS in V
|ID|in A
−10 −50510
10−8
10−7
0,15
0,20
0,25
0,30
VDS =−1 V
0,35
q|ID|in m√A
(a): Transferkennlinie −VDS in V
|ID|in nA
012 3 4
0
50
100 VGS =−10...10 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.15: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted Staggered-Aufbau. Der Tran-
sistor besitzt eine Kanallänge von L= 80nm und eine Weite von
W= 2000µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 30nm SiO2. Als Sub-
strat und Gate-Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium. Die Parti-
kel sind mit Bor p-dotiert.
93
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Tabelle 4.4: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter der Silizium-NP-Einzel-
partikeltransistoren im Inverted Staggered-Aufbau mit unterschiedlicher Na-
nopartikeldotierung und Aluminium-Drain-/Source-Elektroden. L≈70 nm,
W= 800µm für undotierte und n-dotierte Partikel, L≈80 nm, W= 2000µm
für p-dotierte Nanopartikel. Die Rückseiten-Gate-Elektrode besteht aus
p-Silizium (NA≈1015 cm−3). Als Gate-Dielektrikum dient SiO2mit ǫr= 3,9
und ti= 30nm.
NP-Dot. ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
i 36 −0,25 5,6·10−41,7
n 18 0,38 6,5·10−410,2
p 3,7 2,4 6,5·10−665,1
entweder durch eine erhöhte Ladungsträgerinjektion einen raumladungsbegrenzten
Strom [LM70] oder durch ein ambipolares Bauelementverhalten hervorgerufen wird. Eine
genaue Differenzierung der beiden Mechanismen ist unter Berücksichtigung des erhöhten
Gate-Leckstroms nicht möglich.
Mit einer Schwellenspannung Vth = 2,4 V ist der Transistor selbstleitend. Sein Sperrver-
mögen ist aufgrund der Kontakte zwischen Aluminium und p-Si geringer [RM91], wobei
der Gate-Leckstrom die Kennlinienmessung zusätzlich beeinträchtigt. Es kann aus der
Transferkennlinie lediglich ION/IOFF = 3,6 und S= 65,1 V/dek extrahiert werden. Die
Ladungsträgerbeweglichkeit ist mit µFE = 6,5·10−6cm2(Vs)−1zwei Größenordnungen
schlechter als bei den zuvor genutzten Nanopartikeln.
Auch bei den Bor-dotierten Nanopartikeln ist zweifelhaft, ob der Dotierstoff elek-
trisch aktiv ist. Trotz der in [LSP+08] für Bor nachgewiesenen Anreicherung des
Silizium-Kerns in Nanopartikeln zeigt sich kein Anstieg des maximalen Drain-Stroms
gegenüber Bauelementen mit undotierten Nanopartikeln. Es kann demnach davon
ausgegangen werden, dass entweder eine unzureichende Menge des Dotierstoffs während
der Nanopartikelsynthese in den Feststoff eingebaut wurde, der eingebrachte Dotierstoff
elektrisch inaktiv ist oder durch die hohe Störstellendichte maskiert wird.
Vergleich
Eine Zusammenstellung der wichtigsten Transistorparameter der untersuchten
Inverted Staggered-Einzelpartikeltransistoren mit p-, n- und undotierten Silizium-
Nanopartikeln ist in Tabelle 4.4 aufgeführt. Im Vergleich ist zu erkennen, dass
Transistoren mit undotierten Nanopartikeln bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit insgesamt
den Bauelementen mit dotierten Nanopartikeln überlegen sind. Zwar sind die Ladungs-
trägerbeweglichkeit und der maximale Drain-Strom gegenüber den n-dotierten Partikeln
leicht niedriger, doch steht dem das vergleichsweise gute Sperrverhalten gegenüber.
Außerdem ist das selbstsperrende Verhalten als Vorteil zu werten, da hierdurch der
Aufbau von logischen Schaltungen stark vereinfacht wird.
94
4.2 Einzelpartikeltransistoren
Ursache für die guten Eigenschaften des undotierten Halbleiterbauelements ist mit
großer Wahrscheinlichkeit die Ausbildung von Kontakten zwischen Halbleiter und Metall-
elektroden, die für die Integration von Transistoren geeignet sind. Wie bereits anhand
der Grundcharakterisierung der verwendeten Nanopartikel in Kapitel 1.2.3 vermutet
wird, kann insgesamt gefolgert werden, dass die Dotierung von Nanopartikeln bzw. die
Verwendung von dotierten Nanopartikeln in den vorgestellten Transistoren als nicht
sinnvoll bewertet werden kann, da:
•sowohl für n-, p- als auch für undotierte Nanopartikel ein p-Kanal-Verhalten erreicht
wird und die Dotierung somit nicht die Majoritätsladungsträgerart bestimmt;
•eine Steigerung der Treiberfähigkeit (maximaler Drain-Strom) nicht eintritt;
•die Dotierung nur geringen Einfluss auf die Kontakteigenschaften zu den Metallelek-
troden hat.
Insbesondere der letzte Punkt zeigt, dass – auch wenn die Dotierung zu keiner wesentlichen
Änderung der Bandstruktur führt – die Wahl eines undotierten Halbleiters vorteilhaft ist.
Während sich zu vermeintlich n- oder p-leitenden Nanopartikeln Kontakte ausbilden, die
für die Strommodulation nachteilig sind, erzeugen Übergänge zu undotiertem Material
Kontakte, die eine Überflutung des Halbleiters mit Ladungsträgern in gewissem Maße
einschränken, ohne zu hohe Kontaktwiderstände in Vorwärtsrichtung zu erzeugen.
4.2.3 Degradationsverhalten
Ein häufig beschriebener Vorteil von elektronischen Bauelementen mit anorganischen
Halbleiternanomaterialien ist das Ausbleiben einer alterungsbedingten Degradati-
on [SFC+05, HZGB09, SR07]. Während organische Halbleiterbauelemente ohne jegliche
Kapselung des Halbleitermaterials zum Schutz vor der Umgebungsatmosphäre Einbußen
der Ladungsträgerbeweglichkeit um mehrere Größenordnungen aufweisen, sind die
Wechselwirkungen von Silizium-Nanostrukturen mit der Atmosphäre vergleichsweise
gering ausgeprägt, zumal diese im Gegensatz zu organischen Halbleitern reversibel
sind [Wö08,Pann06,PDH+07,YYL08,CNHL99,SWB89].
Die Kennlinien in Abbildung 4.16 zeigen das Verhalten eines Transistors im
Inverted Staggered-Aufbau nach einer Lagerzeit von sechs Monaten an Luft8. Zum
direkten Vergleich sind die Messpunkte der Kennlinien des Transistors nach der Herstel-
lung als offene Kreismarker in die Diagramme eingefügt.
Qualitativ stellt sich weder im Ausgangskennlinienfeld noch in der Transferkennlinie
ein gravierender Unterschied dar. Lediglich die Leckströme im Ausgangskennlinienfeld
8Der nach sechs Monaten charakterisierte Transistor befindet sich in direkter Nähe des Transistors
in Abbildung 4.10; dieser wurde während der anfänglichen Messungen zerstört. Es kann dennoch davon
ausgegangen werden, dass sich beide Transistoren zumindest bezüglich der Alterung in ihrem Verhalten
gleichen.
95
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
VGS in V
|ID|in A
−6−4−202
10−8
10−7
10−6
46
VDS =−1 V
6 Monate
0 Monate
µA
(a): Transferkennlinie −VDS in V
|ID|in µA
00,51,01,52,0
0,0
0,5
1,0
1,56 Monate: VGS =−1...0,5 V
0 Monate: VGS =−2...1 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 4.16: Kennlinien eines Si-NP-EPT im Inverted Staggered-Aufbau nach einer
Lagerzeit von sechs Monaten in Umgebungsatmosphäre im Vergleich
zur Charakteristik nach der Herstellung. Der Transistor besitzt eine
Kanallänge von L= 70nm und eine Weite von W= 800µm. Das
Gate-Dielektrikum besteht aus 30 nm SiO2. Als Substrat und Gate-
Rückseitenelektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die Drain- und Source-
Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium. Die Partikel sind undotiert.
sind erhöht. Das Auftreten eines verstärkten Gate-Leckstroms führt zu der Annah-
me, dass eine Degradation des Gate-Dielektrikums während der Lagerzeit auftritt.
Das Auftreten einer beschleunigten Degradation von SiO2durch Feuchtigkeit ist
bekannt [SAr82, KG66, KMR07]. Klampaftis et al. nennen hierfür als die drei
wichtigsten Mechanismen die Reaktion von diffundierten Wassermolekülen mit Wasser-
stoffatomen an der Si-SiO2-Grenzfläche, die Bildung von Kieselsäure und eine damit
verbundene Zerstörung des Gate-Oxides sowie die Anlagerung von Oberflächenladun-
gen [KMR07]. Eine weitere Folge der angelagerten Feuchtigkeit ist die Neigung der
polaren Oberfläche, weitere Verunreinigungen anzuziehen und hierdurch eine indirekte
Degradation des Dielektrikums zu bewirken [RYSS04].
Auch wenn die Steigungen der Kennlinien im Anlaufbereich des Transistors als Maß
für die Kontaktwiderstände ungefähr gleich sind, ist die Veränderung der Kontakteigen-
schaften zu den Drain- und Source-Elektroden eine mögliche Erklärung für den kleineren
Drain-Strom in der Transferkennlinie. Eine Degradation der Ladungsträgermobilität ist
unwahrscheinlich, da mit µFE = 1,6·10−3cm2(Vs)−1der berechnete Wert für den älteren
Transistor doppelt so hoch ist wie für den unmittelbar nach der Herstellung vermessenen
Transistor. Bezüglich der Mobilität besteht somit ein entscheidender Unterschied zu
organischen Halbleiterbauelementen, die vornehmlich durch eine Ladungsträgerbeweg-
lichkeitsreduktion altern [PDH+07]. Eine Exemplarstreuung kann ebenfalls mit großer
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, da für sämtliche nach sechs Monaten vermes-
sene Transistoren die Tendenz eines abgeschwächten Drain-Stroms auftritt. Vorteil der
veränderten Kontakteigenschaften durch Degradation ist die Tatsache, dass der Drain-
Strom im Sperrbereich doppelt so stark abfällt wie im Durchlassbereich. Somit steigt die
96
4.3 Zusammenfassung und Bewertung von Si-NP-FET
Tabelle 4.5: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter eines Si-NP-
Einzelpartikeltransistors im Inverted Staggered-Aufbau nach einer Lagerzeit
von 0 und 6 Monaten an Luft. L≈70nm, W= 800µm, ti= 30 nm und
ǫr= 3,9. Die Rückseiten-Gate-Elektrode besteht aus p-Si (NA≈1015 cm−3).
Lagerzeit ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
0 Monate 36 −0,25 5,6·10−41,7
6 Monate 73 0,1 1,6·10−36,5
Strommodulation auf ION/IOFF = 73. Trotz des verbesserten ION/IOFF-Verhältnisses ver-
schlechtert sich das Sperrverhalten mit einem Subschwellenstromanstieg S= 6,5 V/dek.
Neben den bisher genannten Effekten ist eine geringe Verschiebung der Schwellenspan-
nung um ∆Vth = 0,35 V auf Vth = 0,1 V zu beobachten, so dass der Transistor nun
leicht selbstleitend ist. Augenscheinlich bewirkt die Adsorption von Umgebungsfeuchte
eine Schwellenspannungsverschiebung in positive Richtung wie in Abschnitt 4.2.1 [CN-
HL99,SWB89,YYL08].
Insgesamt ist zu bemerken, dass eine Degradation während Lagerung an Luft nur
in geringem Maße durch eine Feuchtigkeitseinwirkung eintritt. Gegenüber organischen
Transistoren sind Silizium-Nanopartikelbauelemente daher als alterungsresistent zu
bezeichnen, so dass eine Kapselung zunächst nicht notwendig ist. Sie sollte aber für
den späteren Einsatz der Transistoren in integrierten Schaltungen durchgeführt werden,
wenn die vorgesehene Funktionsdauer die Lebensdauer der ungekapselten Bauelemente
übersteigt. Für die spätere Integration auf Foliensubstraten ist die Permeabilität der
Substrate zu berücksichtigen [Diek08].
Die Übersicht über die Transistorparameter nach der Herstellung und nach einer Lagerzeit
sechs Monaten ist in Tabelle 4.5 aufgeführt.
4.3 Zusammenfassung und Bewertung von Si-NP-FET
Durch die Verwendung von Silizium-Nanopartikeldispersionen lassen sich kostengünstige
Feldeffekttransistoren integrieren. Die Untersuchungen zeigen, dass die Integration von
Dünnfilmtransistoren zwar möglich ist, die Transistoreigenschaften jedoch im Vergleich
zur organischen Elektronik als schlecht zu bewerten sind. Gründe hierfür sind hohe Kon-
taktwiderstände sowie äußerst niedrige Leitwerte der Nanopartikelschicht, hervorgerufen
durch die SiOx-Hüllen der Nanopartikel. Vergleiche mit bisherigen Ergebnissen aus der
Literatur sind nicht möglich, da einerseits nur sehr wenige Veröffentlichungen existieren,
andererseits die berichteten Werte von Dickfilm-Transistoren in [BH06, HZGB09] nur
schwierig zu vergleichen sind.
Im Gegensatz zu den Dünnfilmtransistoren zeigen Einzelpartikeltransistoren mit Silizium-
Nanopartikeln eine deutlich bessere Leistungsfähigkeit. Insbesondere die Verwendung von
undotierten Nanopartikeln ist vorteilhaft. In Abbildung 4.17 sind die Ladungsträgerbeweg-
97
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
Transistor
µFE in cm2(Vs)−1
IC/TFT
IC/EPT/i
IC/EPT/i/Temp
IC/EPT/i/Tego
IS/EPT/i
IS/EPT/n
10−7
10−5
10−3
10−1
IS/EPT/p
100
101
102
103
µFE
ION/IOFF
ION/IOFF
Abbildung 4.17: Vergleich von Ladungsträgerbeweglichkeit und ION/IOFF-Verhältnis zwi-
schen den integrierten Silizium-Nanopartikel-Feldeffekttransistoren
lichkeit und das ION/IOFF-Verhältnis als Vergleichsparameter für die Si-Nanopartikel-FET
dargestellt. Einzelpartikeltransistoren in der Inverted Coplanar-Bauform bieten gegenüber
den Inverted Staggered-Bauelementen eine generell höhere Strommodulation bei gleichen
oder besseren Ladungsträgerbeweglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist der Transistor,
der durch den Zusatz von Tego Dispers 750W zur Nanopartikeldispersion hergestellt
wurde. Dieser zeigt die beste Performance aller integrierten Si-NP-FET, leidet jedoch
unter einem starken Hystereseeffekt.
Ein Vorteil der Inverted Staggered-Architektur ist der vereinfachte Herstellungsprozess,
der außerdem zu einer höheren Ausbeute funktionierender Bauelemente führt, da die
Abscheidung der Nanopartikel in Zwischenräume, wie sie bei Inverted Coplanar-EPT
notwendig ist, nicht reproduzierbar und in ausreichender Qualität möglich ist.
Unter Berücksichtigung eines Performance-Kosten-Kriteriums bieten somit die Tran-
sistoren mit undotierten Nanopartikeln sowohl im Inverted Coplanar-Aufbau mit
Tego Dispers als auch im Inverted Staggered-Aufbau eine hohe Leistungsfähigkeit. Diese
schlägt sich nicht nur in den Parametern der Strommodulation und der Mobilität nieder,
sondern auch in Schwellenspannungen nahe 0V und guten Subschwellenstromanstiegen.
Die Barrierenhöhe des Schottky-Kontakts zwischen Drain-/Source-Elektroden und
dem Silizium als Halbleiter lässt sich durch die geeignete Wahl eines Kontaktmaterials
anpassen. Zur Auswahl stehen hier insbesondere die Silizide von Edelmetallen (Pt, Pd
etc.) und seltener Erden (z.B. Yb, Dy, Er etc.), die je nach Material die Integration von
p- als auch von n-Kanal-Transistoren ermöglichen [Maex95]. Neben den Materialkosten
ist die Neigung zur schnellen Oxidation ein gravierender Nachteil. Die Oxidationsneigung
98
4.3 Zusammenfassung und Bewertung von Si-NP-FET
erfordert eine sofortige Passivierung nach der Abscheidung, noch bevor die Oberfläche
mit Luftsauerstoff in Kontakt kommt. Ein derartiger Oberflächenschutz ist bei den vor-
gestellten Inverted Coplanar-Transistoren nicht und bei Inverted Staggered-Transistoren
nur mit hohem Aufwand möglich, so dass diese Materialien zunächst nicht von Interesse
sind. Metallische Elektroden (Al, Ti etc.) zeigen durch den Fermi-pinning-Effekt ähnlich
ausgeprägte Barrierenhöhen [Sze81]. Da während der Herstellung Haftungsprobleme
von Cr, Ni, Ti bzw. Au zum Untergrund auftreten und somit eine Integration von
funktionsfähigen Bauelementen nicht möglich ist, muss an dieser Stelle auf einen direkten
Vergleich verzichtet werden.
Insgesamt ist es im Rahmen dieser Arbeit erstmals gelungen, großflächig Silizium-
Nanopartikel-basierte Bauelemente in lateraler Bauform zu integrieren, die einzelne
Nanopartikel als Aktivgebiet nutzen und annehmbare Leistungsparameter erreichen. Als
Vergleich in der Literatur können nur vertikal integrierte Transistoren von Ding et al.
in [DDB+06] und Song et al. in [SDB+07] herangezogen werden, die allein schon
deswegen Nachteile besitzen, da sie aufwendig hergestellt und nicht für ein Schaltungs-
layout geeignet sind. Dennoch zeigen auch jene Transistoren, ebenso wie die in dieser
Arbeit vorgestellten Bauelemente, selbstleitende Charakteristiken, jedoch bleibt dort ein
Sättigungsverhalten aus. Stattdessen tritt ein quadratischer Zusammenhang zwischen
VDS und IDauf. Ladungsträgerbeweglichkeiten werden nicht angegeben; die erreichten
Strommodulationen liegen bei ca. 20 bis 30, also teilweise unterhalb der hier erreichten
Werte.
99
Kapitel 4 Feldeffekttransistoren mit Silizium-Nanopartikeln
100
Kapitel 5
Feldeffekttransistoren mit
Zinkoxid-Nanopartikeln
Alternativ zu Transistoren mit Silizium-Nanopartikeln lassen sich auch Bauelemente mit
Zinkoxid als Halbleitermaterial integrieren. Da nanopartikuläres Zinkoxid als homogenes
oxidisches Material nicht zur Ausbildung einer isolierenden Hülle neigt, verringert sich
die Problematik der elektrischen Kontaktierung bezüglich der Nanopartikelhülle und
der Konzentration umladbarer Haftstellen, die durch den oberflächlichen Isolator und
seine Grenzschicht hervorgerufen wird. Prozesstechnisch findet eine Substitution der
verwendeten Nanopartikeldispersionen statt. Weitere Vorteile von Zinkoxid sind die
Verfügbarkeit, Transparenz im optischen Bereich sowie die sensorischen Eigenschaften des
Materials [Jaga06,MO09].
Aus der Literatur sind bislang nur Dünnfilmtransistoren bekannt; Einzelpartikel-
transistoren mit ZnO-Nanopartikeln werden nicht beschrieben. Die in der Literatur
vorgestellten Untersuchungen an ZnO-Nanopartikel-TFT erstrecken sich auf die Einflüsse
von Partikelformen, einer thermischen Behandlung, Dispergieradditiven und alternativen
Gate-Dielektrika [LJK+07, LJJ+08, OMNH08, BNMH09, FBJ+09, MBNH10]. Auch wenn
grundlegende Eigenschaften jener Transistoren bereits bekannt sind, werden in diesem
Kapitel Transistoren vorgestellt, die unter vergleichbaren Bedingungen integriert werden.
Allein die Verwendung einer nicht identischen Nanopartikelsuspension bedingt unmittelbar
andere elektrische Eigenschaften, die es zu untersuchen gilt. Neben den Partikeleigen-
schaften selbst resultieren die Eigenschaften hauptsächlich aus der Wechselwirkung
mit den umgebenden Materalien. Über die Integration und Charakterisierung hinaus
werden weiterhin an einfachen ZnO-Nanopartikel-TFT Effekte vorgestellt, die durch die
Shockley-Gleichungen nicht erfasst werden und in die Modellgleichungen eingebracht
werden. Daher behandeln die Abschnitte 5.3 und 5.4 zunächst die Integration und eine
grundsätzliche Charakterisierung von FET mit gemeinsamen Rückseiten-Gate-Elektroden,
wobei die Rückseiten-Elektrode aus dem leicht p-dotierten Silizium-Substrat und das Gate-
Dielektrikum aus elektrisch stabilem, thermisch gewachsenem Oxid bzw. LPCVD-Si3N4
bestehen. Anhand dieser Transistoren werden Aussagen über die geeignete Auswahl von
Kontaktmetallen, über die Prozessierung zur Kontaktherstellung, über den Einfluss der
Architektur getroffen sowie schlussendlich die Analyse und Modellierung der auftretenden
Effekte durchgeführt. Durch die Einschränkung des Dielektrikums ist die Integration
nur in Bottom-Gate-Konfigurationen möglich, also nicht in den Noninverted Staggered-
Bauformen. Da sich Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden in ihrer Eignung
101
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
für den Schaltungsaufbau und durch alternative Gate-Dielektrika unterscheiden, werden
diese gesondert in Abschnitt 5.6 untersucht.
Zusätzlich werden Einzelpartikeltransistoren vorgestellt, die sowohl gemeinsame Rück-
seiten-Gate-Elektroden als auch frei beschaltbare Gate-Elektroden aufweisen.
5.1 Einfluss der Umgebungsatmosphäre auf das
Transistorverhalten
Metalloxide sind aufgrund von Adsorptions- und Desorptionsvorgängen an der Oberfläche
geeignet, oxidierende und reduzierende Gase, insbesondere O2und H2O, zu detektie-
ren [BW01]. Auf die Zusammensetzung der Atmosphäre reagiert somit auch ZnO mit
der Veränderung der elektrischen Eigenschaften. In seiner nanopartikulären Form zeigt
ZnO wegen der großen Oberfläche eine verstärkte Wechselwirkung mit der umgebenden
Atmosphäre [LXL04]. Zu erwarten ist demnach ein Einfluss der Atmosphäre, insbesondere
der Luftfeuchtigkeit auf die Transistorkennlinien [Walt08].
In Gegenwart von Feuchtigkeit und Sauerstoff bilden sich an der Oberfläche sowohl
Hydroxyl- (OH−) als auch Sauerstoffionenadsorbate, hauptsächlich in Form von O−, O2−
und O2
−. Diese Adsorbate wirken wie Akzeptoren, die Ladungsträger aus dem Kristall
einfangen [Naga71,BW01, BW03, FWC+04, FKS06, SHKL08]. Hingegen erzeugt ungesät-
tigtes Zn+im Kristall (Defektstellen) freie Elektronen. Somit steigt die Elektronendichte
bei Desorption von Hydroxylgruppen sowie Sauerstoffionen und sinkt entsprechend
bei Adsorption. Ein entgegengesetzter Prozess in Anwesenheit von Feuchte ist die
Neutralisation des elektrischen Feldes an der Oberfläche. Das Prinzip ist in Abbildung 5.1
dargestellt. Ohne physikalisch adsorbiertes Wasser ist die oxidische Oberfläche nur teil-
weise durch das chemisorbierte Wasser neutralisiert, so dass zwischen der Oberfläche und
den Sauerstoffionen starke Bindungen entstehen. Durch die physikalische Adsorption von
H2O entsteht eine Dipolschicht, die das elektrische Feld abschirmt. Somit können Sauer-
stoffionen nur noch schwach an die Oberfläche gebunden werden und ein Elektron aus der
vorherigen starken Bindung steht für den Ladungsträgertransport zur Verfügung [Morr81].
Zn
Zn
Zn
Zn
Zn
Zn
Zn
Zn
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
OH−
OH−
OH−
OH−
OH−
OH−
OH−
OH−
H+
H+
H+
H+
H+
H+
H+
H+
H
H
H
H
H
H
H
H
O2
−
O2
−+nH2O⇋
Abbildung 5.1: Neutralisation der Oberflächenladung durch Adsorption von Wasser und
Abschwächung der Bindungsenergie zu Sauerstoffionen nach [Morr81]
102
5.1 Einfluss der Umgebungsatmosphäre auf das Transistorverhalten
Während die Akzeptorwirkung der Adsorbate eine Absenkung der thermisch gene-
rierten Ladungsträgerdichte bewirkt, werden durch Bindungsschwächung Elektronen in
den Kristall injiziert. Beide Effekte bewirken im Transistor das frühe Auftreten eines
raumladungsbegrenzten Stroms, da die Dichte injizierter Ladungsträger die Dichte
thermisch generierter Ladungsträger bei geringerem VDS erreichen kann [LM70]. In den
Ausgangskennlinien von ZnO-Nanopartikel-Dünnfilmtransistoren ist ein Ausbleiben eines
definierten Sättigungsverhaltens zu beobachten. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto
schwächer ist die Sättigung des Drain-Stroms ausgeprägt [Walt08]. An seine Stelle tritt
ein quadratischer Zusammenhang zwischen Drain-Source-Spannung und Drain-Strom.
Ebenfalls verschiebt sich die Schwellenspannung in den selbstleitenden Bereich, da
die vermehrten freien Elektronen ein größeres negatives Potenzial erfordern, um den
Transistorkanal zu sperren.
Im Allgemeinen ergibt sich aus der Sensitivität gegenüber der Umgegebungsatmosphäre
die Forderung nach einer konstanten, definierten Messatmosphäre. Bubel untersuchte
das elektrische Verhalten von ZnO-Nanopartikelschichten nach einer Lagerung in N2mit
O2- und H2O-Konzentrationen jeweils kleiner als 1 ppm [Bube09]. Es stellte sich heraus,
dass die Leitfähigkeit mit zunehmender Zeit gemäß der Desorptionstheorie von Redhead
ansteigt, aber lediglich mit ca. 0,7 bis 0,9 Größenordnungen pro Tag [Redh62]. Erst
nach sechs Tagen Lagerzeit ergibt sich ein Gleichgewichtszustand mit einer konstanten
Leitfähigkeit. Weiterhin konnte ermittelt werden, dass die Störstellendichte innerhalb der
ersten vier Tage der Lagerzeit lediglich von 6,2·1020 cm−3auf 5,3·1020 cm−3abfällt, so
dass gefolgert wird, dass erstens nicht sämtliche Atmosphärenadsorbate desorbieren und
zweitens der in [Bube09] verwendete Dispersionsstabilisator einen nicht unerheblichen
Einfluss auf das Leitfähigkeits- und das Desorptionsverhalten nimmt. Sowohl der recht
langsame Desorptionsvorgang als auch das realitätsferne Betriebszenario einer genau
definierten und an Sauerstoff und Feuchtigkeit verarmten Atmosphäre legen nahe, dass
Messungen unter normalen Raumbedingungen für die Charakterisierung von Bauelemen-
ten mit nanopartikulärem ZnO zunächst vollkommen ausreichend sind. Methoden zur
Kapselung für zukünftige Bauelemente sind hinreichend bekannt und grundlegend für
ZnO-basierte Transistoren geeignet [PDH+07,SHKL08].
Einen größeren Stellenwert für die Störstellenkonzentration nehmen das Syntheseverfahren
zur Herstellung der Nanopartikel, das Dispergierverfahren, die Prozesstechnik zur Inte-
gration der Transistoren und die Joulesche Erwärmung während der Charakterisierung
ein [RAA+07,PSG06,DDB+06,LJJ+08].
Die Transistorparameter lassen sich auch durch die Atmosphäre während der Schicht-
herstellung bzw. während eines Annealing-Schritts nach der Abscheidung der ZnO-
Nanopartikel beeinflussen. Es gilt, dass durch den verstärkten Einbau von Sauerstoff
während eines Annealings die Ladungsträgerdichte durch den Abbau von Donatorzustän-
den reduziert wird und das ZnO einen stärkeren halbleitenden Charakter erhält. Für eine
tiefergehende Betrachtung wird auf Abschnitt 3.4.1 verwiesen.
103
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
5.2 Auswahl des Kontaktmetalls für die Drain- und
Source-Elektroden
Eine gezielte Auswahl des Elektrodenmaterials zur Herstellung von geeigneten Kontakten
auf Zinkoxid ist verglichen mit Silizium wesentlich schwieriger. Die Abbildung 5.2 zeigt
die Lage der Energiebänder in ZnO-Nanopartikeln und die Austrittsarbeiten ausgewählter
Metalle. Da davon ausgegangen werden kann, dass im Zinkoxid Sauerstofffehlstellen
existieren und diese als Donatoren wirken, ist in der Grafik das Zinkoxid als n-leitend
mit dem Fermienergieniveau in der oberen Hälfte der Bandlücke angedeutet [Jaga06]. Die
folgenden Erläuterungen beziehen sich daher auf n-leitendes ZnO.
Gemäß Gleichung (1.7a) bildet sich zwischen Aluminium bzw. Titan und ZnO nur eine
sehr geringe Potenzialbarriere für Ladungsträger aus, so dass die Kontakte als ohmsch
bezeichnet werden können. Experimentell ermittelte Kontaktwiderstände werden in der
Literatur mit ρR,c= 9,0·10−7Ωcm2für Ti/Al-Stapelkontakte, ρR,c= 1,5·10−5Ωcm2
für Ti/Au-Stapelkontakte und ρR,c= 8,0·10−4Ωcm2für reine Al-Kontakte angege-
ben [KJK+02a,KBK+04,GGB+04].
Schottky-Kontakte auf Zinkoxid, die es ermöglichen, ein besseres Sperrverhalten
zu erreichen, können mit Metallen realisiert werden, die eine größere Austrittsarbeit
besitzen. Hierfür kommen vorrangig die Edelmetalle Gold, Platin, Palladium und
Silber in Betracht [ITY+06]. Die Barrierenhöhe der Schottky-Kontakte folgt jedoch
nicht der Differenz zwischen Elektronenaffinität des Halbleiters und der Austritts-
arbeit des Metalls, da der Einfluss der Oberflächenzustände nicht vernachlässigbar
ist. Angegeben werden Barrierenhöhen von qφBn = 0,79...0,93 eV für Pt-Kontakte,
qφBn = 0,59...0,71 eV für Au-Kontakte und qφBn = 0,58...0,68 eV für Ag- und
Pd-Kontakte [GGB+04, CFH+04, WKL+04]. Da durch die Kontaktierung mit Gold
Schottky-Übergänge mit guten Idealitätsfaktoren realisierbar sind [ITY+06], können
Transistoren mit Zinkoxid als Halbleitermaterial integriert werden, deren Steuerbarkeit
theoretisch sowohl durch die Kontakteigenschaften als auch durch einen Akkumulati-
onskanal gegeben ist. Ohmsche Kontakte mit Aluminium hingegen ermöglichen die
Untersuchung an Transistoren, deren Steuerbarkeit ausschließlich durch die Ladungsträ-
gerakkumulation bestimmt wird. Sofern sich die Erkenntnisse über die Kontaktierung
auf nanopartikuläres ZnO übertragen lassen, gelten die Annahmen auch für die in dieser
Arbeit untersuchten Nanopartikeltransistoren.
Um Erkenntnisse über die Barrierenhöhen von Metallen zu nanopartikulärem Zink-
oxid zu gewinnen, wird die Ausgangskennlinie bei VGS ≈Vth (Flachbandfall) ausgewertet.
In diesem Fall kann die Struktur stark vereinfacht als Diode angenommen werden. Die
Barrierenhöhe in Dioden lässt sich aus der log (I)-V-Charakteristik berechnen, indem
der Sperrsättigungstrom durch Extrapolation bestimmt wird. Für die Barrierenhöhe gilt
nach [Sze81]
qφBn =kT ln A∗∗ T2
Js!,(5.1)
104
5.2 Auswahl des Kontaktmetalls für die Drain- und Source-Elektroden
PSfrag
−4
−5
−6
−7
−8
EC=−4,0 eV
EV=−7,24 eV
EF>−5,62 eV
Al (qφM=−4,28 eV)
Ti (qφM=−4,33 eV)
Cr (qφM=−4,5 eV)
Au (qφM=−5,1 eV)
Pd (qφM=−5,12 eV)
Pt (qφM=−5,65 eV)
E[eV] Evac = 0 eV
ZnO-NP Kontaktmetalle
Abbildung 5.2: Lage der Bandkanten von ZnO-Nanopartikeln und der Austrittsarbeiten
ausgewählter Metalle1
wobei die effektive Richardson-Konstante A∗∗ für ZnO mit
A∗∗ =4πqk2m0e
h3m∗
e
m0e (5.2)
abgeschätzt werden kann2, so dass A∗∗ ≈32,4 Acm−2K−2ist [MO09,Sze81].
Die Kontaktierung des Valenzbandes mit den gegebenen Metallen ist aufgrund der
energetisch ungünstigen Lage nicht möglich. Dennoch kann eine Ladungsträgerinjektion
in das Valenzband bei einer starken Bandverbiegung außerhalb des thermodynamischen
Gleichgewichts, z.B. durch den Tunneleffekt, auftreten. Im Allgemeinen werden Transisto-
ren demnach als n-Kanal-FET auftreten. Eine gezielte p-Dotierung der Nanopartikel zur
Integration von p-Kanal-Transistoren ist wegen der eingeschränkten Löslichkeit bzw. der
nicht reproduzierbaren Dotierung bislang weder in Bulk-ZnO noch in nanopartikulärem
Zinkoxid möglich [Jaga06,MO09,PNI+03].
1Die Lage des Ferminiveaus ist in der Grafik willkürlich, aber aufgrund der intrinsischen n-Dotierung,
welche durch Sauerstofffehlstellen erzeugt wird, mit EF>−5,62 eV gewählt.
2Die Abschätzung der effektiven Richardson-Konstante ist als hinreichend anzunehmen, da eine
Abweichung von 100% für die Barrierenhöhe lediglich eine Änderung um 0,018 eV bedeutet.
105
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
5.3.1 Inverted Coplanar-Architektur
Bauelementintegration
Als Substrat und Rückseiten-Gate-Elektrode für die Transistoren dienen Bor-dotierte,
einkristalline Silizium-Wafer. Als Gate-Dielektrikum werden 300 nm SiO2durch
feuchte Oxidation thermisch aufgewachsen. Auf dem Dielektrikum werden Aluminium-
Interdigital-Strukturen mit einer Dicke von 200 nm als Drain- und Source-Elektroden
erzeugt. Anschließend wird 1ml einer unverdünnten ZnO-Nanopartikelsuspension durch
eine Schleuderbeschichtung bei 2000 min−1für 30 s abgeschieden und das Dispersions-
mittel bei einer Temperatur von 120◦
C für 120 s auf der Hot-plate ausgetrieben. Da
Voruntersuchungen gezeigt haben, dass bei der Abscheidung durch Spin-Coating über 3D-
Topographien Bereiche entstehen, die von Partikeln nicht ausreichend beschichtet werden
und somit schlechte elektrische Kontakte entstehen, wird die Nanopartikelabscheidung
insgesamt drei Mal durchgeführt. Die Inhomogenität der Schleuderbeschichtung über
Topographien ist auch aus der Belackung in der Fotolithografie bekannt [PL93]. Dass bei
der mehrmaligen Beschichtung die Schichtdicke anwächst, ist nicht relevant, da sowohl
die Elektroden als auch der Transistorkanal an der Unterseite der Partikelschicht liegen.
Abschließend wird der Transistor für fünf Stunden bei 430◦
C in Sauerstoff-Atmosphäre
(300 sccm) getempert, um Fehlstellen im Kristall durch den Einbau von Sauerstoff zu
besetzen und ein gemäßigtes Zusammenwachsen einzelner Nanopartikel zu größeren
Domänen zu erreichen. Die Temperatur ist hoch genug, um die beschriebene Schicht-
veränderung und eine Sauerstoffdiffusion über Zwischengitterplätze zu erreichen, aber
niedrig genug, um die Aluminium-Elektroden mit einer Schmelztemperatur von 660◦
C
nicht zu zerstören und eine Dotierung des Zinkoxid mit Aluminium weitestgehend zu
verhindern [SC04,KK09,LJJ+08].
ZnO-Nanopartikelschicht
unbedeckte D/S-Elektroden
Abbildung 5.3: REM-Aufnahme eines Ausschnitts des Aktivgebietes eines Zinkoxid-
Nanopartikel-TFT im Inverted Coplanar-Aufbau. Deutlich sind die nur
teilweise mit ZnO bedeckten Al-Elektroden zu sehen.
106
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Die Abbildung 5.3 zeigt den Ausschnitt einer Drain-Source-Struktur, die teilweise
von der ZnO-Nanopartikelschicht überdeckt wird. Es existieren demnach durchaus
Bereiche, in denen trotz mehrmaliger Partikelabscheidung und einer hohen Massen-
konzentration der Nanopartikel in der Dispersion keine Bedeckung stattfindet. Die
lückenhafte Bedeckung wird mit der Oberflächespannung der Suspension bzw. mit
der gitterähnlichen Oberflächenstruktur der Elektroden begründet. Die tatsächliche
Kanallänge des Transistors ist demnach kleiner als die geometrische Kanallänge. Es ist
ferner zu erkennen, dass die Elektroden und ihre Zwischenräume in bedeckten Bereichen
sehr gut mit Nanopartikeln beschichtet sind.
Elektrische Transistorparameter
Die Kennlinien eines typischen Inverted Coplanar-TFT sind in Abbildung 5.4 darge-
stellt. Der Transistor ist vom n-Typ und selbstsperrend mit einer Schwellenspannung
Vth = 6,5 V. Für VGS < Vth ist ein Anstieg des Drain-Stroms zu beobachten, der durch
einen Löchertransport hervorgerufen wird. Das Bauelement unterliegt folglich einem
ambipolaren Ladungsträgertransport. Durch das ambipolare Verhalten kann lediglich ein
ION/IOFF-Verhältnis von ca. 102erreicht werden.
Die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit wird mit µFE = 1,1·10−5cm2(Vs)−1aus der
Transferkennlinie ermittelt. Ein Grund für die geringe Mobilität ist die starke Rauheit
der Grenzfläche zwischen Dielektrikum und Halbleiterschicht [Schr06, OMNH08], die zu
einer Ansammlung der Ladungsträger in den grenzflächennahen Nanopartikeln [vergleiche
Kapitel 2.1] führt, so dass diese für einen transversalen Transport nicht im vollem Umfang
zur Verfügung stehen. Die Abnahme der für den Transport verfügbaren Ladungen schlägt
sich in einer Beweglichkeitsdegradation nieder.
Die maximal benötigten Betriebspannungen betragen für VGS und VDS ca. 25 V. Die Wahl
VGS in V
IDin A
−10 0 10 20 30 40
10−10
10−9
10−8
10−7
0
50
100
150
VDS = 20 V
√IDin µ√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin nA
010 20 30
0
10
20
30 VGS = 0...40 V
40
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.4: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Inverted Coplanar-Aufbau. Der Tran-
sistor besitzt eine Kanallänge von L= 8µm und eine Weite von
W= 16cm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 300nm SiO2. Als Sub-
strat und Rückseiten-Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die
Drain- und Source-Kontakte bestehen aus 200nm Aluminium.
107
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VDS in V
IDin nA
010 20 30
0
10
20
30
VGS = 0...30 V
40 Experiment
Modell
(a)
VGS in V
µFEnin cm2(Vs)−1
0 10 20 30 40
10−7
10−6
10−5aus Transferkennlinie
als Approximationsparameter
(b)
Abbildung 5.5: Modellierung des Ausgangskennlinienfeldes unter der Annahme einer Mo-
bilitätsdegradation. (a) Ausgangskennlinienfeld, (b) Elektronenfeldeffekt-
beweglichkeit in Abhängigkeit von der Gate-Source-Spannung
höherer Betriebsspannungen ist nicht sinnvoll, da bereits für VDS >27 V ein merklicher
Anstieg des Drain-Stroms im Ausgangskennlinienfeld gemessen wird.
Ursache für den Anstieg des Drain-Stroms im Ausgangskennlinienfeld ist ebenfalls
der ambipolare Ladungsträgertransport. Nach Gleichung (2.6) müssen im Falle einer
Kanalabschnürung hinter dem Abschnürpunkt auch die Löcher berücksichtigt werden,
was zu einem quadratischen Anstieg des Stromes führt. Ein quadratischer Zusammenhang
zwischen Strom und Spannung aufgrund des Punch-through-Effektes kann bei einer
Kanallänge von L= 8 µm ausgeschlossen werden. Die Abbildung 5.5a zeigt nochmals das
Kennlinienfeld des vorgestellten Transistors für 0 ≤VGS ≤30 V mit einer Anpassung
nach dem Transistormodell gemäß Gleichung (2.6) für den Sättigungsbereich und dem
Standardmodell der Shockley-Gleichungen im Anlaufbereich. Für die Approximation
im Sättigungsbereich werden
•die Degradation der Ladungsträgerbeweglichkeit mit steigendem VGS und
•die Festlegung der Schwellenspannung auf einen virtuellen Wert
als Anpassungen durchgeführt.
Um das Gleichungssystem der Kurvenanpassung nicht zu überparametrisieren, wird eine
Ladungsträgerbeweglichkeit für eine feste Gate-Source-Spannung vorgegeben. Werden
hierfür die aus der Transferkennlinie gewonnene Mobilität für die Ausgangskennlinie bei
VGS = 10 V angesetzt, führt dieses zu einer Anpassung der Parameter der Modellkurve
mit einer virtuelle Schwellenspannung Vth = 9,8V. Dieser Wert wird für die weiteren
Kennlinien festgesetzt, so dass sich die Elektronenbeweglichkeit mit zunehmender Gate-
Spannung gemäß Abbildung 5.5b reduziert. Die Abnahme der Feldeffektbeweglichkeit
folgt einem reziproken Verlauf, wie er in der Literatur beschrieben wird [Fu82].
Für die Löcherbeweglichkeit ergibt das Ergebnis der Kurvenanpassung für alle VGS
108
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Tabelle 5.1: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter des ZnO-NP-TFT im
Inverted Coplanar-Aufbau mit L= 8 µm, W= 16 cm und Al-Drain-/Source-
Elektroden
Substrat/Gate ǫrtiin nm ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1
p-Si 3,9 300 106 6,5 1,1·10−5
ca. µp≈8·10−8cm2(Vs)−1. Diese Beweglichkeit ergibt sich ebenfalls bei der Ermitt-
lung aus der Steigung der Transferkennlinie für VGS < Vth, also unter der Annahme
eines Löcherstroms. Das Verhältnis zwischen der extrahierten Elektronen- und Lö-
cherbeweglichkeit entspricht damit ungefähr dem Verhältnis der Beweglichkeiten in
ZnO-Volumenmaterial [Jaga06,RLW03].
Es ist in Abbildung 5.5a zu erkennen, dass das Modell im Sättigungsbereich dem
experimentell gewonnenen Kennlinienverlauf sehr gut folgt. Im Triodenbereich hingegen
können die Kennlinien nur bedingt durch die Shockley-Gleichung beschrieben werden.
Zwar wird hier ebenfalls auf eine Beweglichkeitsreduktion zur Modellierung durch die
Kurvenanpassung zurückgegriffen, doch werden weitere Effekte im Bauelement vernach-
lässigt. Neben der vereinfachten Annahme, dass kein ambipolarer Ladungsträgertransport
auftritt, werden Kontakteffekte nicht durch das Modell abgebildet. Diese spielen aber
offensichtlich eine entscheidende Rolle, da der Strom nicht bereits für VDS >0 V ansteigt,
sondern zunächst sehr klein bleibt. Erst für VDS >3,5 V kann ein deutlicher Drain-Strom
gemessen werden. Bezüglich der Modellierung weiterer, feldabhängiger Effekte in SB-
MOSFET wird auf Abschnitt 5.3.2 verwiesen.
Im Allgemeinen lassen sich im vorgestellten Transistor aufgrund der großen Grenz-
flächenrauheit und hochohmiger Drain-/Source-Kontakte nur geringe Ladungsträ-
gerbeweglichkeiten bei einem niedrigen Drainstrom von ID<35 nA erreichen. Die
Transistorparameter sind in Tabelle 5.1 als Übersicht dargestellt. Die ambipolare Charak-
teristik verhindert die Bestimmung des Subschwellenstromanstiegs.
Im Vergleich zur Literatur zeigen die integrierten Transistoren eine schlechte
Leistungsfähigkeit. Sun et al. demonstrierten eine Ladungsträgerbeweglichkeit
µFE = 2,34·10−4cm2(Vs)−1und ein ION/IOFF-Verhältnis von 5·103für Inverted Coplanar-
Transistoren [SS05]. Beide Parameter liegen somit eine Größenordnung über den in dieser
Arbeit vorgestellten Werten. Der hauptsächliche Grund für den Unterschied ist das
hydrothermische Wachstum von zusätzlichem ZnO in [SS05], welches während eines
Tauchbads in Zinknitrat und Ethylendiamin in den Zwischenräumen der Nanopartikel-
schicht synthetisiert wird.
Volkman et al. berichten von Beweglichkeiten größer als 0,1 cm2(Vs)−1. Zur Ermittlung
werden jedoch Strukturen genutzt, die ein W/L-Verhältnis von 2 aufweisen [VMM+05].
Bei solch geringen Geometrieverhältnissen führen die elektrischen Felder am Rand der
Transistorstrukturen zu einer Überschätzung der Ladungsträgerbeweglichkeit [ONMH09].
109
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Den Transistoren von Sun et al. und Volkman et al. ist gemein, dass sie mit
Nanopartikeldurchmessern DNP = 6 nm bzw. DNP = 3 nm sehr viel kleinere Na-
nopartikel benutzen und wesentlich dünnere Schichten erzeugen. Während kleinere
Nanopartikel die Grenzflächenrauheit herabsetzen, unterdrücken dünnere Schichten den
Sub-Oberflächenstrom im Halbleiter, was zum Anstieg der Strommodulation führt. Auch
wenn die Wahl kleinerer Nanopartikel vorteilhaft erscheint, müssen dieses aufwändig
aus der Flüssigphase synthetisiert werden, so dass die Verfügbarkeit der Nanopartikel
äußerst gering ist. Dahingegen ist die Verfügbarkeit der in dieser Arbeit verwendeten
kommerziellen ZnO-Nanopartikel als gut und damit günstig zu bewerten. Weiterhin
nachteilig ist die Inkaufnahme zusätzlicher, teils umständlicher Prozesse (Formiergas-
Annealing, hydrothermische ZnO-Synthese in Nanopartikelfilmen, etc.) zur Steigerung
der Leistungsfähigkeit.
5.3.2 Inverted Staggered-Architektur
Um die Ladungsträgermobilität zu steigern, können die Kontaktwiderstände zwischen
Halbleiterfilm und Drain-/Source-Elektroden durch den Übergang zur Inverted Staggered-
Architektur verringert werden. Die nachträgliche Abscheidung der ladungsträgerinjizieren-
den Elektroden bietet einen formschlüssigen Kontakt zwischen Halbleiter und Metall. Die
Grenzflächenrauheit am Gate-Dielektrikum bleibt bestehen.
Bauelementintegration
Als Substrat dient wiederum mit Bor p-dotiertes Siliziumsubstrat (NA≈1015 cm−3)
mit thermisch gewachsenem SiO2als Gate-Dielektrikum. Auf das Gate-Dielektrikum
wird durch Schleuderbeschichtung der Halbleiterfilm aus der Suspension mit ξ(ZnO) =
35 Gew.-% bei 2000 min−1abgeschieden. Anschließend wird das Wasser als Dispergierme-
dium auf der Hot-plate für 60 s bei 110◦
C ausgetrieben.
(a) (b)
Abbildung 5.6: REM-Aufnahmen eines ZnO-Nanopartikel-TFT im Inverted Staggered-
Aufbau. (a) ZnO-Nanopartikelfilm nach einem Annealing bei Ta= 600◦
C,
(b) Gold-Drain-/Source-Elektroden auf einem ZnO-Nanopartikelfilm
110
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Da die Inverted Staggered-Architektur die Strukturierung von Drain- und Source-
Kontakten auf dem Nanopartikelfilm erfordert, wird der Film bei Temperaturen größer als
600◦
C für zwei Stunden in O2-Atmosphäre getempert. Die Vorteile eines Annealings in Sau-
erstoff für das elektrische Verhalten wurden im Abschnitt 3.4.1 näher diskutiert. Es ensteht
schließlich ein Nanopartikelfilm, wie er in Abbildung 5.6a als REM-Aufnahme abgebildet
ist. Die Nanopartikelschicht ist mechanisch so stabil, dass sich nahezu sämtliche Prozesse
der Halbleitertechnologie auf dieser durchführen lassen. Die Drain- und Source-Kontakte
werden abschließend im Lift-off -Verfahren mit einer Abscheidung durch Bedampfung oder
Kathodenstrahlzerstäubung hergestellt. Das Lift-off -Verfahren ermöglicht die Skalierung
der Bauelemente unterhalb der sonst üblichen minimalen Strukturgröße von 20 µm, die
durch eine Schattenmaskenbedampfung limitiert ist. Die Abbildung 5.6b zeigt interdigita-
le Drain-Source-Strukturen auf einem ZnO-Nanopartikelfilm, hergestellt aus gesputtertem
Gold. Die Transistorkanallänge beträgt 2 µm.
Vergleich der Kontaktmaterialien der Drain-/Source-Elektroden
Die Herstellung von qualitativ hochwertigen und geeigneten elektrischen Kontakten auf
Zinkoxid, insbesondere von Schottky-Kontakten, ist entscheidend für die Funktions-
und Leistungsfähigkeit der Transistoren. Daher werden mit Aluminium, Titan und Gold
zwei Metalle (Al, Ti) mit einer Tendenz zur Ausbildung von ohmschen Kontakten und ein
Metall (Au) mit der Tendenz zu Schottky-Kontakten untersucht. Nach Gleichung (1.7a)
bilden sich theoretisch Barrieren für Elektronen zwischen ZnO und Al, Ti und Au von
ca. 0,28 eV, 0,33 eV bzw. 1,1 eV aus. Wie bereits in Abschnitt 5.2 beschrieben, hängen
die Eigenschaften des Gold-Kontakts stark von den Oberflächenzuständen des Halblei-
ters ab, so dass in der Literatur experimentell ermittelte Barrierenhöhen im Bereich
qφBn = 0,59...0,71 eV zu finden sind [CFH+04, WKL+04]. Alle Nanopartikelschichten
im folgenden Abschnitt werden nach der Abscheidung für zwei Stunden in Sauerstoff-
Atmosphäre bei 600◦
C getempert.
Die Abscheidung von Aluminium und Titan findet durch Elektronenstrahlverdampfung
mit einer Abscheiderate von 5 Å/s im Hochvakuum statt. Für die Herstellung der Gold-
Kontakte wird die Kathodenstrahlzerstäubung mit Argon-Ionen bei einer Abscheiderate
von ca. 5 nm/s verwendet. Alle Kontaktmetalle werden im Lift-off -Verfahren strukturiert.
Für die Abscheidung auf glattem thermisch gewachsenem SiO2lassen sich geringe
Rauheiten der metallischen Schichten mit Sq≤2,5 nm unabhängig vom PVD3-Verfahren
Tabelle 5.2: Rauheiten der untersuchten Kontaktmetalle, abgeschieden in einer Dicke von
50nm auf SiO2
Metall Abscheideverfahren RMS-Rauheit
Aluminium (Al) E-Verdampfung 2,14 nm
Titan (Ti) E-Verdampfung 2,15 nm
Gold (Au) DC-Sputtern 2,50 nm
3Physical Vapor Deposition
111
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
0µm
1µm
0µm1µm
(a): Aluminium
0µm
1µm
0µm1µm
(b): Titan
0µm
1µm
0µm1µm
×10−9m
0
4
8
12
16
20
(c): Gold
Abbildung 5.7: AFM-Topographien (non-contact-mode) verschiedener Kontaktmetalle,
abgeschieden auf SiO2
erreichen [siehe Tabelle 5.2]. Wie in Abbildung 5.7 zu erkennen ist, variieren die
Topographien der Schichten, doch ist die Rauheit der Kontaktmetalle wesentlich kleiner
als die Rauheit einer ZnO-Nanopartikelschicht (Sq≈11,8 nm), so dass davon ausge-
gangen werden kann, dass metallische Schichten mit formschlüssigen Grenzflächen auf
Zinkoxid-Nanopartikelfilmen abgeschieden werden können. Die Topographie der auf
ZnO-Nanopartikeln aufgedampften Filme wird in erster Näherung durch die Rauheit der
Nanopartikel und nicht durch die Rauheit der Metallschicht definiert.
Mit Titan als Kontaktmetall werden typische Kennlinien gemessen wie sie in Abbil-
dung 5.8 abgebildet sind. Gemäß der Differenz zwischen der Austrittsarbeit des Titans
und der Lage der Leitungsbandkante im Zinkoxid ist der Transistor n-leitend und mit einer
Schwellenspannung Vth = 14,3 V (bezogen auf das shunt-level) selbstsperrend. Sowohl VGS
VGS in V
IDin mA
020 40 60 80
10
20
30
100
120
140
160
VDS = 30 V
180
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin mA
020 40 60
0
10
20
30
VGS =−20...40 V
40
50
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.8: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Inverted Staggered-Aufbau mit Titan-
Drain-/Source-Elektroden (100nm). Der Transistor besitzt eine Kanal-
länge von L= 20 µm und eine Weite von W= 45,1 cm. Das Gate-
Dielektrikum besteht aus 125nm SiO2. Als Substrat und Rückseiten-Gate-
Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3).
112
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
als auch VDS müssen sehr hoch gewählt werden, um das Transistorverhalten darzustellen.
Erst für VGS >70 V ist in der Transferkennlinie eine Sättigung des Drain-Stroms zu
erkennen. Der maximale Drain-Strom ist mit 28 mA bei VDS = 30 V vergleichsweise
groß; das ION/IOFF-Verhältnis für VDS = 30 V, ermittelt aus dem Ausgangskennlinienfeld,
beträgt lediglich 16 und der Subschwellenstromanstieg S= 122 V/dek. Beide Kennwerte
zeigen, dass der Transistor nur äußerst schlecht sperrt und für logische Schaltungen
ungeeignet ist.
Ebenfalls nachteilig ist die Hysterese der Transferkennlinie mit entgegengesetzten
Messrichtungen, wodurch eine Schwellenspannungsverschiebung um ∆Vth =−2,0 V her-
vorgerufen wird. Die Hysterese tritt nicht bei allen untersuchten Elektrodenmaterialien in
dieser Stärke auf, so dass (bei gleich hergestelltem SiO2) die Ursache der Kennlinienver-
schiebung unter anderem in den Eigenschaften der Grenzfläche zwischen dem Titan und
dem Zinkoxid liegt. Es wird vermutet, dass während der Messung eine Umbesetzung der
Grenzflächenzustände stattfindet und so eine Schwellenspannungsverschiebung bewirkt
wird. Hierfür spricht auch, dass die Stromstärken im Sperrbetrieb nicht identisch sind und
in Rückwärtsrichtung eine um 12,5% höhere Stromstärke messbar ist. Wäre die Hysterese
hauptsächlich Gate-induziert, so ließe sich der Effekt durch eine Gate-Spannung mit
umgekehrtem Vorzeichen ausgleichen. Dieses ist jedoch nur eingeschränkt der Fall.
Im Ausgangskennlinienfeld ist der Sättigungsbereich nicht vorhanden. Der Drain-
Strom nimmt überproportional mit steigendem VDS zu, so dass darauf zurückgeschlossen
werden kann, dass Ladungsträger in hohem Maße injiziert werden. Eine hohe Injek-
tionsrate ist zu erwarten, weil die Barriere mit einer theoretischen Höhe von 0,33 eV
bei Feldstärken größer als 10 kV/cm leicht von Ladungsträgern durch Ausnutzung des
Frenkel-Poole-Effekts bzw. des Fowler-Nordheim-Tunneleffekts passiert werden
kann. Der Drain-Strom bleibt zwar durch die Akkumulation von Ladungsträgern durch ein
Potenzial an der Gate-Elektrode steuerbar, wird jedoch stark durch das Drain-Potenzial
und dem damit verbundenen raumladungsbegrenzten Strom dominiert.
Aus der Transferkennlinie kann mit µFE = 2,3·10−2cm2(Vs)−1eine Feldeffekt-
ladungsträgerbeweglichkeit ermittelt werden, die drei Größenordnungen größer als in
Inverted Coplanar-Transistoren ist.
Transistoren mit Aluminium als Material der Drain- und Source-Elektroden sollten
wegen der vergleichbaren Austrittsarbeit gegenüber Titan ein ähnliches Verhalten auf-
weisen. Für ungefähr die Hälfte der integrierten Bauelemente lässt sich diese Erwartung
auch tatsächlich in Form der in Abbildung 5.9 dargestellten Kennlinien beobachten.
Der qualitative Kennlinienverlauf wird im Folgenden als Kennlinentyp I bezeichnet.
Auch hier ist im Ausgangskennlinienfeld kein definierter Sättigungsbereich, sondern
ein weiterer Anstieg des Drain-Stroms mit zunehmender Drain-Source-Spannung zu
erkennen. Eindeutig unterschiedlich ist der Verlauf im unteren Spannungsbereich. Wäh-
rend bei Titan-kontaktierten Dünnfilmtransistoren der Drain-Strom für alle VDS >0 V
ansteigt, wird der Drain-Strom in Aluminium-Drain-/Source-Transistoren zunächst bis
ca. VDS = 3 V unterdrückt und steigt erst dann an. Dieses Verhalten wird ebenfalls in
Inverted Coplanar-Dünnfilmtransistoren mit ZnO als Halbleiter beobachtet [vergleiche
Abschnitt 5.3.1].
113
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VGS in V
IDin A
−20 −10 010 20
10−7
10−6
10−5
10−4
0
1
2
3
VDS = 10 V
4
5
√IDin m√A
V
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
0510 15 20
0
20
40
60
VGS =−30...5 V
80
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.9: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Inverted Staggered-Aufbau mit
Aluminium-Drain-/Source-Elektroden (200nm) (Kennlinientyp I). Der
Transistor besitzt eine Kanallänge von L= 3 µm und eine Weite von
W= 100µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 53 nm SiO2. Als Sub-
strat und Rückseiten-Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3).
VGS in V
IDin A
−20 −10 010 20
10−7
10−6
10−5
10−4
10−3
10−2
0
10
20
30
VDS = 20 V 40
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin mA
0510 15 20
0
0,5
1,0
1,5
VGS =−20...20 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.10: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Inverted Staggered-Aufbau mit
Aluminium-Drain-/Source–Elektroden (200 nm) (Kennlinientyp II). Der
Transistor besitzt eine Kanallänge von L= 8µm und eine Weite von
W= 16 cm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 53 nm SiO2. Als Sub-
strat und Rückseiten-Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3).
Die Transferkennlinie weist erwartungsgemäß eine Hysterese auf. Im Vergleich zu
Titan-Drain-/Source-TFT ist sie aber nicht so stark ausgeprägt und die verursachenden
Ladungszustände können durch ein geeignetes Gate-Potenzial vollständig umgeladen
werden, so dass die Kennlinien in Vorwärts- und Rückwärtsmessrichtung für VGS ≤ −13 V
identisch sind. Die Eigenschaften der Kontakte zwischen Aluminium und Zinkoxid werden
demnach nicht durch Aufladungseffekte wie bei Titan negativ beeinflusst. Außerdem ist
eine generelle Absenkung der Schwellenspannung zu messen, die neben einer geringeren
114
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Kontaktbarrierenhöhe mit der später beschriebenen, Drain-induzierten Schwellenspan-
nungsabsenkung begründet wird.
Der andere Teil der integrierten Transistoren besitzt eine Kennliniencharakteristik,
die in Abbildung 5.10 dargestellt ist und als Kennlinientyp II bezeichnet wird. Die
Messkurven des Ausgangskennlinienfeldes verlaufen vollkommen verschieden im Vergleich
zum Kennlinientyp I. Der Drain-Strom steigt bereits mit VDS >0 V an. Mit zuneh-
mender Drain-Source-Spannung tritt letztendlich ein Sättigungsbereich auf. Der für
SB-MOSFET typische linksgekrümmte Anlaufbereich bleibt erhalten.
Wie auch bei den Typ-I-Kennlinien, verschiebt sich die Kennlinie durch einen Hystere-
seeffekt, der durch die Grenzfläche am Dielektrikum und nicht durch die Drain-Source-
Kontakte verursacht wird. Die Hysterese ist ähnlich stark ausgeprägt und kann durch ein
entsprechendes Gate-Potenzial vollständig kompensiert werden.
Das Sperrverhalten ist mit ION/IOFF = 7 ·103und S= 3,9 V/dek vergleichsweise
gut. Die Schwellenspannung beträgt Vth = 0,9 V und die Ladungsträgermobilität
µFE = 5,5·10−3cm2(Vs)−1.
Die Transistorparameter der Aluminium-Drain-/Source-TFT deuten im Vergleich
zu Titan-kontaktierten Transistoren darauf hin, dass die Kontakt- und Grenzflächeneigen-
schaften von Al und Ti zu ZnO grundsätzlich verschieden sind, obwohl die Austrittsarbei-
ten beider Metalle und die spezifischen Kontaktwiderstände ähnlich sind [ITY+06]. Titan
als Elektrodenmaterial lässt es zu, relativ hohe Stromstärken zu erreichen. Die Ladungs-
trägerinjektionsrate wird jedoch durch Grenzflächenzustände bestimmt, die einerseits
eine starke, nur schwierig zu kompensierende Hysterese hervorrufen und andererseits die
Steuerbarkeit des Kanalstroms herabsetzen. Hierdurch entsteht unweigerlich ein schlechtes
Sperrverhalten. Die Kontaktstelle zwischen Aluminium und Zinkoxid weist keine derart
hohe Grenzflächenzustandsdichte auf. Vermutlich wird die Eignung von Aluminium als
Dotierstoff für Zinkoxid ausgenutzt, um Al-Atome oberflächennah in Gitterfehlstellen
des ZnO-Kristalls einzubauen [Jaga06]. Die Folge weniger Grenzflächenzustände ist eine
Reduktion des Drain-Stroms, aber auch die bessere Steuerbarkeit des Transistors. Obwohl
die theoretische Barrierenhöhe zwischen Aluminium und Zinkoxid geringer ist, kann die
Unterbindung einer parasitären Ladungsträgerinjektion im Sperrbetrieb erreicht werden.
Unterstützt wird diese Annahme durch die Schwellenspannung nahe 0 V. Für VGS ≪Vth
verlieren die Kontakte ihre ohmsche Charakteristik durch eine Barrierenverbreiterung
(Abnahme der Tunnelwahrscheinlichkeit). Die theoretische Barrierenhöhe von ca. 0,28 eV
ist ausreichend, um eine thermische Emission über die Barriere zu verhindern [LS06].
Die Ursache für das Auftreten zweier Kennlinientypen ist unklar und bleibt zu klären.
Beide Typen treten parallel auf der selben Probe auf. Mögliche Gründe sind inhomogen
abgeschiedene Schichteigenschaften bzw. eine ungleichmäßige Prozessierung über den
Wafer.
Wird Gold als typisches Material für Schottky-Kontakte auf Zinkoxid eingesetzt,
zeigen die Transistoren ein Verhalten entsprechend der Kennlinien in Abbildung 5.11. Bei
den integrierten Bauelementen handelt es sich offensichtlich ebenfalls um selbstleitende
n-Kanal-Transistoren. Obwohl die Gate-Source-Spannung wie bei den Aluminium-
115
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VGS in V
IDin A
−20 −10 010 20
10−8
10−7
10−6
10−5
0,00
0,05
0,10
0,15
VDS = 0,1 V
0,20
0,25
√IDin m√A
V
µA
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
00,10,2 0,30,4
0
20
40
60
VGS =−30...20 V
0,5
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.11: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Inverted Staggered-Aufbau mit Gold-
Drain-/Source-Elektroden (100nm). Der Transistor besitzt eine Kanal-
länge von L= 20 µm und eine Weite von W= 45,1cm. Das Gate-
Dielektrikum besteht aus 78nm SiO2. Als Substrat und Rückseiten-Gate-
Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3).
Drain-/Source-TFT im Bereich −20 V ≤VGS ≤+20 V gewählt wird, erfolgt die Messung
mit einer geringen Drain-Source-Spannung von 0,1 V. Da im Ausgangskennlinienfeld ein
linearer Zusammenhang zwischen IDund VDS ersichtlich ist und dieser sich auch über den
dargestellten Bereich hinaus fortsetzt, ist die Wahl der geringen Drain-Source-Spannung
für die Strommodulation unerheblich. Für die Ladungsträgerbeweglichkeit hingegen
bewirkt sie eine Verringerung des VGS-Einflusses.
Im initialen Durchlauf der Charakterisierungsmessung zeigt sich in der Transferkenn-
linie eine Grenzflächenaufladung wie sie im Abschnitt 4.2.1 beschrieben wurde. Wird
die Schwellenspannung im steilen Teil der Rückwärtsmessung bestimmt, so dass eine
Beeinflussung durch initiale Ladungseffekte vermieden wird, ergibt sich Vth =−8,4 V. Die
Ladungsträgerbeweglichkeit für diesen Arbeitsbereich beträgt µFE = 2,2·10−3cm2(Vs)−1
und ist dementsprechend geringer als in Ti- bzw. Al-kontaktierten Dünnfilmtransistoren.
Wider Erwarten ist das Sperrverhalten mit ION/IOFF = 28 und S= 23,7 V/dek eher
als mittelmäßig und qualitativ zwischen dem der Aluminium- und Titan-kontaktierten
Transistoren einzustufen. Es wird insbesondere im Zusammenhang mit dem Anstieg aller
Kennlinien im Ausgangskennlinienfeld vermutet, dass ähnlich wie bei Titan-Kontakten
Grenzflächenzustände dafür sorgen, dass eine parasitäre Ladungsträgerinjektion stattfin-
den kann.
Im Vergleich aller drei untersuchten Metalle zeigt Aluminium die besten Eigenschaften als
Kontaktmaterial für die Drain-/Source-Elektroden, obwohl es im Allgemeinen ohmsche
Kontakte zu Zinkoxid bildet. Es bietet ausreichende ION/IOFF-Verhältnisse bei moderaten
Ladungsträgerbeweglichkeiten. Titan hingegen ist als Kontaktmetall aufgrund seiner
schlechten Sperreigenschaften für den Einsatz in ZnO-Nanopartikel-Dünnfilmtransistoren
ungeeignet. Tabelle 5.3 zeigt die Transistorparameter als Übersicht.
116
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Tabelle 5.3: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter der ZnO-NP-TFT
im Inverted Staggered-Aufbau mit unterschiedlichen Drain-/Source-
Kontaktmetallen. Die Rückseiten-Gate-Elektrode besteht aus p-Si
(NA≈1015 cm−3). Als Gate-Dielektrikum dient SiO2mit ǫr= 3,9.
D/S-Metall tiin nm ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
Ti 125 3,5 16,5 2,3·10−2122
Al 53 7 ·1030,9 5,5·10−33,9
Au 78 28 −8,4 2,2·10−323,7
Zur Klärung des Transistorverhaltens in Abhängigkeit von der Wahl des Drain-
und Source-Metalls trägt die Bestimmung der Barrierenhöhen mittels des in Abschnitt 5.2
beschriebenen Verfahrens bei. Die an den Transistoren ermittelten Barrierenhöhen sind
in Tabelle 5.4 den theoretischen und den Literaturwerten gegenübergestellt. Aluminium
und Titan bilden zwar nahezu die selbe Barrierenhöhe zu ZnO-Nanopartikeln aus, die
Barrierenhöhe liegt jedoch über den theoretischen Werten. Das extrem unterschiedliche
Verhalten von Aluminium und Titan in den integrierten Transistoren lässt sich nicht mit
der gemessenen Barrierenhöhe begründen, so dass die Hypothese einer erhöhten Grenzflä-
chenzustandsdichte am Ti-ZnO-Übergang unterstützt wird. Gold zeigt im Kontakt mit
Zinkoxid zwar ebenfalls eine von der Theorie abweichende Barrierenhöhe, die aber von der
Literatur gestützt wird. Durch φBn(Au) −φBn(Al) = 0,22 eV und der damit verbundenen
höheren thermischen Emission an Al-ZnO-Kontakten lässt sich ebenfalls der Unterschied
der Transistor-Drain-Ströme um ca. drei Größenordnungen begründen.
Tabelle 5.4: Experimentell ermittelte Barrierenhöhen φBn an Metall-ZnO-Übergängen im
Vergleich zu Theorie und Literatur [ITY+06,GGB+04,CFH+04,WKL+04]
Metall Experiment Theorie Literatur
Ti 0,426 eV 0,33 eV —
Al 0,429 eV 0,28 eV —
Au 0,649 eV 1,1 eV 0,59...0,71 eV
Einfluss einer nachträglichen Temperung zur Beeinflussung der elektrischen
Kontakteigenschaften am Beispiel von Titan-Elektroden
Kontakte aus Titan zeigen offensichtlich ein für Transistoren ungeeignetes Verhalten,
sofern die Transistoren unmittelbar nach der abschließenden Strukturierung der Drain-
und Source-Kontakte charakterisiert werden. Die Temperung von Transistoren und deren
Kontakte ist eine oftmals erfolgreiche Methode, elektrische Kontakte im Nachhinein
zu verbessern, da Grenzflächenstörstellen ausgeheilt und Kontaktwiderstände reduziert
werden können. Daher werden die Dünnfilmtransistoren einer Temperung bei 400◦
C für
117
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VGS in V
IDin µA
020 40 60 80
30
35
40
45
VDS = 0,1 V
Abbildung 5.12: Transferkennlinie eines ZnO-NP-TFT im Inverted Staggered-Aufbau mit
Titan-Drain-/Source-Elektroden (100nm) nach einer nachträglichen Tem-
perung bei 400◦
C für 2 h in N2-Atmosphäre. Der Transistor besitzt eine
Kanallänge von L= 10 µm und eine Weite von W= 45cm. Das Gate-
Dielektrikum besteht aus 125nm SiO2. Als Substrat und Rückseiten-
Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3).
zwei Stunden unterzogen. Die Temperung findet in Stickstoff-Atmosphäre statt, um
eine mögliche Oxidation der Oberfläche zu elektrisch schlecht leitendem Titanoxid zu
vermeiden. Eine Nitridierung des Titans tritt erst bei Temperaturen oberhalb von 800◦
C
auf. Eine Reaktion des Titans mit Stickstoff in geringem Maße bei 400◦
C ist nicht hinder-
lich, da Titannitrid (TiN) in elektrischen Kontakten der Silizium-Halbleitertechnologie
als Diffusionsbarriere eine gute Leitfähigkeit aufweist [Hill04]. Zusätzlich bewirkt die
Temperaturbehandlung eine Verdrängung von adsorbierter Feuchtigkeit, so dass sich
direkt nach der Temperung Proben ohne den Einfluss einer Wasserstoffionenleitung als
Ursache möglicher Leckströme messen lassen.
Die Transferkennlinie in Abbildung 5.12 zeigt im Vergleich zum Zustand vor der
Temperung qualitativ keine Veränderung. Die starke Hysterese lässt sich auch nach
dem Annealing nicht durch VGS < Vth kompensieren. Quantitativ ist eine Verschiebung
der Schwellenspannung auf Vth = 6,9V, eine weitere Reduktion der Strommodulation
auf ION/IOFF = 1,37 und ein sehr schlechter Anstieg des Drain-Stroms im Unter-
schwellenbereich von S= 451 V/dek zu bemerken. Das ungenügende Sperrverhalten
bedingt eine geringere Drain-Source-Spannung zur Messung der Transferkennlinie. Für
höhere VDS ist kein Transistorverhalten mehr festzustellen, da weder Kontakte noch das
Halbleitergebiet eine Modulation zulassen. Die Temperung erbringt demnach keinerlei
Vorteil. Lediglich die Ladungsträgerbeweglichkeit, wenn auch gegenüber vorher verringert,
ist mit µFE = 2,5·10−3cm2(Vs)−1in einem Größenbereich, der auch für Gold- und
Aluminiumkontakte ermittelt werden kann.
118
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Einfluss eines Reinigungsprozesses zur Verbesserung der elektrischen
Kontakteigenschaften mit Gold-Elektroden
Der Vergleich verschiedener Metalle als Drain-/Source-Elektroden zeigt, dass das Tran-
sistorverhalten vermutlich stark durch Energiezustände am Metall-Halbleiter-Übergang
beeinflusst wird. Für Goldelektroden wird in der Literatur beschrieben, dass sich die Qua-
lität der Schottky-Kontakte durch eine geeignete Reinigungsprozedur der Halbleiterober-
fläche vor der Abscheidung des Metalls verbessern lässt. Polyakov et al. beschreiben
in [PSK+03] den Effekt der Reinigung durch HNO3- bzw. H3PO4-Ätzung und durch Spülen
in organischen Substanzen (Aceton, Trichlorethan und Methanol). Die beste Wirkung zeigt
die Spülung der Proben in organischen Lösungsmitteln. Für die in dieser Arbeit untersuch-
ten TFT wird daher der folgende Reinigungsprozess vor der lithografischen Strukturierung
des Lift-off -Lacks durchgeführt:
1. Reinigung in Aceton (3 min),
2. gründliches Spülen in VE-Wasser zur Entfernung des Aceton,
3. Reinigung in Isopropanol (3 min),
4. gründliches Spülen in VE-Wasser zur Entfernung des Isopropanols.
Eventuelle Verunreinigungen an den Kontaktflächen durch die nachfolgende Fototechnik
werden toleriert. Nach dem Lift-off -Schritt in n-Methyl-2-Pyrrolidon und Aceton werden
die Kennlinien in Abbildung 5.13 gemessen. Die Transferkennlinie enthält wie zuvor eine
Verschiebung zwischen Vorwärts- und Rückwärtsmessrichtung. Die wesentlich niedrigere
VGS in V
IDin A
−20 −10 010 20
10−7
10−6
10−5
10−4
0
2
4
6
VDS = 0,5 V
8
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
00,20,40,60,8
0
5
10
15
VGS =−30...20 V
20
25
1,0
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.13: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Inverted Staggered-Aufbau mit Gold-
Drain-/Source-Elektroden (100nm). Der Transistor besitzt eine Kanallän-
ge von L= 10µm und eine Weite von W= 45cm. Das Gate-Dielektrikum
besteht aus 53 nm SiO2. Als Substrat und Rückseiten-Gate-Elektrode
dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Vor der Abscheidung der Drain- und Source-
Elektroden wurde ein Reinigungsschritt in Aceton und Isopropanol durch-
geführt.
119
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Tabelle 5.5: Vergleich der elektrischen Transistorparameter von ZnO-NP-TFT im
Inverted Staggered-Aufbau mit und ohne Reinigungsprozess der Nanoparti-
kelschicht. L= 20µm, W= 45,1cm für die ungereinigte Probe, L= 10 µm,
W= 45 cm für die gereinigte Probe. Die Rückseiten-Gate-Elektrode besteht
aus p-Si (NA≈1015 cm−3). Die Drain- und Source-Elektroden bestehen aus
100nm Gold. Als Gate-Dielektrikum dient thermisch gewachsenes SiO2mit
ǫr= 3,9.
Reinigung tiin nm ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
nein 78 28 −8,4 2,2·10−323,7
ja 71 474 −15,5 1,8·10−37,0
Schwellenspannung Vth =−15,5 V wird nicht ausschließlich einer Änderung der Kontak-
teigenschaften zugesprochen, sondern – wie an späterer Stelle erläutert – der Steuerung
des Kanals durch das Drain-Potenzial, da die Transferkennlinie nun bei VDS = 0,5 V
gegenüber vorher mit VDS = 0,1 V aufgenommen wird.
In der Tat zeigt sich am Verhalten des Transistors eine Verbesserung der Drain-
und Source-Kontakte. Im Ausgangskennlinienfeld ist der Sättigungsbereich eindeutig
ausgeprägt. Der Drain-Strom steigt in gereinigten Proben erst ab wesentlich höheren
Drain-Source-Spannungen als in ungereinigten Transistoren überproportional an, was auf
ein verbessertes Injektionsverhalten am Source-Kontakt hindeutet. Die Kennwerte der
Strommodulation und des Subschwellenstromanstieges heben sich mit ION/IOFF = 474
bzw. S= 7 V/dek deutlich von den Transistoren mit ungereinigten ZnO-Schichten ab.
Die Ladungsträgerbeweglichkeit nimmt nur minimal ab. Ob diese Abnahme durch ein
verändertes Kontaktverhalten oder durch eine Exemplarstreuung verursacht wird, kann
nicht festgestellt werden.
Eine Reinigung der Halbleiterschicht mit Aceton und Isopropanol bewirkt eine Ver-
besserung des Transistorverhaltens, so dass auch Gold zur Drain-/Source-Kontaktierung
in SB-MOSFET mit ZnO-Nanopartikeln geeignet ist. Zum Vergleich sind die elektrischen
Transistorparameter der typischen Transistoren mit ungereinigten bzw. gereinigten
Halbleiterfilmen in Tabelle 5.5 aufgeführt.
Einfluss der Annealing-Temperatur
Die Ladungsträgerbeweglichkeit in nanopartikulären Transistoren ist aufgrund der hohen
Korngrenzendichte stark reduziert. Dieses ist der Grund, warum Nanopartikelfilme
häufig einem Annealing zur Versinterung unterzogen werden. Um quantitative Aus-
sagen treffen zu können, werden die Transistorparameter von ZnO-Nanopartikel-TFT
mit Au-Drain-/Source-Elektroden in Abhängigkeit von der Annealing-Temperatur Ta
untersucht. Eine statistische Aussage kann bislang nur bei Ta= 600◦
C (10 Exemplare)
und Ta= 800◦
C (9 Exemplare) erreicht werden, da die Ausbeute funktionsfähiger
120
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Bauelemente bei geringeren Temperaturen nicht ausreichend ist. Einzelexemplare
mit Ta<600◦
C zeigen als Anhaltspunkt Feldeffektladungsträgerbeweglichkeiten von
10−5≤µFE ≤10−4cm2(Vs)−1, Schwellenspannungen Vth <−20 V bzw. Strommodulation
1< ION/IOFF <102.
Die ermittelten Transistorparameter Schwellenspannung, Feldeffektladungsträger-
beweglichkeit und ION/IOFF-Verhältnis sind als Häufigkeitsverteilung in Abbildung 5.14
dargestellt. Als Signifikanztest zur Überprüfung auf eine normalverteilte Grundgesamtheit
dient der Shapiro-Wilk-Test. Dieser Test zeichnet sich durch eine hohe Teststärke,
insbesondere bei der Überprüfung von kleinen Stichproben (3 ≤N≤50) aus [SW65].
Demnach ist die Schwellenspannung normalverteilt und sowohl die Ladungsträgerbeweg-
lichkeit und die Strommodulation als Stichproben mit ausschließlich positiven Werten
logarithmisch normalverteilt4.
Alle Transistorparameter zeigen eine Abhängigkeit von der Annealing-Temperatur.
Die Schwellenspannung lässt sich mit erhöhtem Taanheben, da Oberflächenzustände
ausgeheilt werden. An den Grenzflächen zwischen Metall und Halbleiter wird daher
ein Ladungsträgertransport durch die Barriere über Störstellenmechanismen (z.B.
Frenkel-Poole-Effekt oder Fowler-Nordheim-Tunneleffekt) verringert. Infolge-
dessen ist die benötigte Gate-Spannung zur Sperrung des Transistors betragsmäßig
geringer, d.h. die Schwellenspannung steigt. Zusätzlich findet während des Annealings
eine Absättigung von Sauerstofffehlstellen mit Sauerstoffatomen statt, so dass die
halbleitenden Eigenschaften des Zinkoxids und damit auch die Steuerung des Transistors
durch Ladungsträgerakkumulation verbessert werden [LJJ+08].
Der ursprüngliche Grund für die Temperung in Sauerstoffatmosphäre ist die Ver-
besserung der Ladungsträgermobilität. Diese lässt sich im Mittel durch die Erhöhung
der Annealing-Temperatur um 200 K auf insgesamt 800◦
C um ca. eine Größenordnung
erhöhen. Wird eine Ladungsträgerbeweglichkeit von 10−5≤µ≤10−4cm2(Vs)−1als Re-
ferenz angenommen, wie sie für Transistoren bei sehr niedrigen Annealing-Temperaturen
gemessen wird, so beträgt die Verbesserung bereits zwei bis drei Größenordnungen.
Während die Gruppe der Transistoren mit Ta= 600◦
C kein Exemplar mit einer Be-
weglichkeit größer als 10−2cm2(Vs)−1aufweist, werden in einzelnen Bauelementen der
800◦
C-Gruppe Feldeffektbeweglichkeiten von bis zu 0,1 cm2(Vs)−1gemessen. Als Ursache
für die Steigerung gilt nicht nur die Reduktion der Korngrenzendichte, sondern auch die
Verringerung der Dichte tiefer Störstellenzustände [EKR08,IPG+05].
Durch die Nachbesetzung von Fehlstellen im Kristall mit Sauerstoff während der
Temperung wird die Dichte freier Ladungsträger im ZnO abgesenkt. Zudem bewirkt
die Temperung – wie bereits im Zusammenhang mit der Schwellenspannungsanhebung
beschrieben – die Verbesserung der Grenzflächeneigenschaften zwischen Metall und
Halbleiter und damit die Verringerung einer parasitären Ladungsträgerinjektion durch
4Als Signifikanzniveau wurde der übliche Wert von 0,05 verwendet [Stig08], so dass für die Prüfgröße
ein kritischer Wert von 0,829 für N= 9 bzw. 0,842 für N= 10 gilt [SW65].
121
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Vth in V
−25 −20 −15 −10 −5
0
2
4
6
8
0 5
10
Klassengröße: 3 V
Normalverteilung@Ta= 600◦
C
Normalverteilung@Ta= 800◦
C
Häufigkeit Hk
Ta= 600◦
C
Ta= 800◦
C
(a): Schwellenspannung
Klassengröße
Klassengröße: 600◦
C: 10−3cm2(Vs)−1
Klassengröße: 800◦
C: 10−2cm2(Vs)−1
Häufigkeit Hk
µFE in cm2(Vs)−1
0,00 0,02 0,04
Ta= 600◦
C
Log-Normal-Verteilung@Ta= 600◦
C
Ta= 800◦
C
Log-Normal-Verteilung@Ta= 800◦
C
0,06 0,08
0
1
2
3
(b): Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
Klassengröße 600◦
C: 25
Klassengröße 800◦
C: 1000
ION/IOFF
Häufigkeit Hk
100101102103104
0
2
4
6
Ta= 600◦
C
Log-Normal-Verteilung@Ta= 600◦
C
Ta= 800◦
C
Log-Normal-Verteilung@Ta= 800◦
C
(c): ION/IOFF-Verhältnis
Abbildung 5.14: Häufigkeitsverteilungen der Transistorparameter in ZnO-NP-TFT mit
Au-Drain-/Source-Elektroden
122
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Störstellen am Kontakt. Beide Effekte tragen zu einer Steigerung der Strommodulation
bei, die sich im untersuchten Fall im Mittel um eine Größenordnung, in Einzelfällen
sogar um bis zu zwei Größenordnungen steigern lässt. Somit sind in den vorgestellten
Dünnfilmtransistoren ION/IOFF-Verhältnisse von über 104zu beobachten.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass ein Annealing in Sauerstoffatmosphäre positi-
ven Einfluss auf die Transistorparameter nimmt, auch wenn die Exemplarstreuung der
Kennwerte nicht unerheblich ist. Nachteilig ist jedoch die Tatsache, dass eine Temperung
nicht mit jedem Substratmaterial durchgeführt werden kann. So liegt die maximale
tolerierbare Prozesstemperatur für Glassubstrate im Bereich von 525◦
C bis 715◦
C und
für die Kunststoffsubstrate PET, PEN5und PP6unter 200◦
C [MacD06, PEN09, Carl95].
Polyimid gilt bei den Kunststoffsubstraten als Ausnahme, da es kurzeitig Temperaturen
von bis zu 400◦
C standhält [HHH04]. Sofern eine Temperung nicht möglich ist, müssen
schlechtere Transistorparameter toleriert oder alternative Maßnahmen ergriffen werden.
Für Inverted Staggered-Bauformen bietet sich insbesondere die Reduktion der Rauheit
der Halbleiterschicht an [OMNH08,BNMH09].
Feldabhängigkeit der Transistorparameter und Pseudo-Kurzkanaleffekte
Werden die Transistorparameter statistisch betrachtet, fällt unweigerlich die relativ große
Standardabweichung der Häufigkeitsverteilungen auf. Einerseits liegt diese an einer derzeit
nicht vermeidbaren Exemplarstreuung (z.B. inhomogene Eigenschaften von Ober- bzw.
Grenzflächen), andererseits werden die Kennlinien in Messspannungsbereichen charakteri-
siert, die auf die jeweiligen Bauelemente angepasst sind. Mit den unterschiedlichen Kanal-
längen der vermessenen Transistoren existieren in den Halbleiterschichten demnach unter-
schiedlich starke elektrische Feldstärken. Die Transistorparameter in SB-MOSFET sind
im Allgemeinen gegenüber der elektrischen Feldstärke sehr empfindlich, da die Eigenschaf-
ten der Drain- und Source-Kontakte von der Spannung VDS abhängen. Wird die Barriere
näherungsweise mit einem dreiecksförmigen Verlauf angenähert [siehe Abbildung 5.15], ist
die Barrierenweite durch
WφBn (E) = LφBn(E)
VDS
=φBn(E)
E(5.3)
gegeben. Der Ladungsträgerfluss über bzw. durch den in Sperrrichtung gepolten
Schottky-Kontakt und als Folge auch dessen Kontaktwiderstand sind Funktionen der
elektrischen Feldstärke:
J=JφBn(E), WφBn (E)und ρR,c=ρR,cφBn(E), WφBn (E).(5.4)
Im Folgenden werden die Feldabhängigkeiten der Schwellenspannung und der Feldeffekt-
ladungsträgerbeweglichkeit am Beispiel Al-kontaktierter ZnO-Nanopartikel-TFT analy-
siert und modelliert. Die Stichprobenmenge besteht aus 29 Transistoren mit Kanallängen
von 5 µm, 10 µm und 20 µm.
5PolyEthylenNaphthalat
6PolyPropylen
123
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VDS >0
qφBn
Source
Drain
VGS = 0
WφBn
Abbildung 5.15: Banddiagramm eines SB-MOSFET und Abhängigkeit der Barrierenwei-
te von der Drain-Source-Spannung
Um die Abhängigkeit der Schwellenspannung vom elektrischen Feld zu ermitteln, wird ent-
gegen der Standardmethode, die auf der Auswertung der Transferkennlinie bei verschie-
denen VDS beruht, die Häufigkeitsverteilung der Schwellenspannung in Abbildung 5.16a
aufgetragen. Wie an späterer Stelle in Abschnitt 5.6.2 noch gezeigt wird, ist dieses Vor-
Vth in V
Häufigkeit Hk
−24 −16 −80
0
0
0
2
2
2
4
4
EDS = 1 ·104Vcm−1
EDS = 2 ·104Vcm−1
EDS = 4 ·104Vcm−1
(a) EDS in kV/cm
Vth in V
010 20 30 40
−20
−10
0experimenteller Mittelwert
lineares Modell
Hyperbel-Modell
(b)
Abbildung 5.16: Verteilung der Schwellenspannung und ihre Abhängigkeit von der Drain-
Source-Feldstärke. (a) Häufigkeitsverteilungen, (b) Abhängigkeit der
Schwellenspannung von der elektrischen Feldstärke
124
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
qVth(VDS1)
qφBn
Source
qVth(VDS2)
WφBn ,sperr
qϕsperr
EC(VDS)VDS1 < VDS2
Drain
x
E
x= 0
EC(VDS1, VGS =Vth1)
Abbildung 5.17: Vereinfachtes Bändermodell des Source-Kontakts in Abhängigkeit der
Drain-Source-Spannung VDS
gehen angemessen, da die Schwellenspannung unter anderem vom vorherigen VGS- und
VDS-Verlauf abhängt. Eine statistische Betrachtung der Häufigkeitsverteilung bzw. der
Mittelwerte kompensiert diesen Einfluss zumindest teilweise. Es ist eindeutig zu erkennen,
dass der Mittelwert der Schwellenspannung mit steigender Feldstärke zwischen den Drain-
und Source-Elektroden abfällt. Dieses Phänomen tritt in konventionellen MOSFET als
Kurzkanaleffekt DIBL auf [Sze81]. Bei Auftreten des DIBL-Effekts erzeugt das Drainpo-
tenzial bereits teilweise eine Anlagerung von Minoritätsladungsträgern im Kanal, so dass
ein geringeres Gate-Potenzial angelegt werden muss, um eine vollständige Inversionsschicht
zu erreichen. In den hier vorgestellten Transistoren findet zwar kein Schaltmechanismus
durch die Bildung einer Inversionsschicht statt, doch nimmt das Drainpotenzial Einfluss
auf den sperrenden Source-Kontakt, so dass die Schwellenspannung reduziert wird. Das
Transistorverhalten erscheint so, als unterläge es dem DIBL-Effekt. Zur Unterscheidung
wird dieser Effekt im Folgenden drain induced threshold lowering (DITL) genannt und als
Pseudo-Kurzkanaleffekt bezeichnet, da er offensichtlich auch in Langkanaltransistoren auf-
tritt. Zur näheren Erläuterung des DITL-Effekts wird Abbildung 5.17 herangezogen. Sei
WφBn ,sperr die Barrierenweite, die idealerweise ausreichend ist, um eine Durchtunnelung
der Barriere zu unterbinden und den Transistor zu sperren; dann ist ϕsperr das Potenzial,
welches an der Stelle x=WφBn ,sperr existieren muss, um den Transistor zu sperren. Die
Energie der Leitungsbandkante an dieser Stelle muss demnach im Sperrbetrieb mindestens
qϕsperr betragen. Liegt als Drain/Source-Spannung VDS1 an, so muss durch eine negative
Gate-Spannung die Energiedifferenz qVth(VDS1) erreicht werden. Die Bandverbiegung im
Leitungsband, die durch das Gate-Potenzial bewirkt wird, ist exemplarisch als gestrichel-
te, rote Bandkante eingezeichnet. Für eine höhere Drain/Source-Spannung VDS2 > VDS1
verschiebt sich das zur Sperrung notwendige Gate-Potenzial (also die Schwellenspannung)
weiter in den negativen Bereich.
Die Mittelwerte der Schwellenspannungen sind in Abhängigkeit von der longitudinalen
Feldstärke im Diagramm der Abbildung 5.16b aufgetragen. In der Literatur wird für den
DIBL-Effekt ein linearer Zusammenhang zwischen Schwellenspannung und Drain-Source-
125
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Spannung beschrieben [Aror07]. Wird diese Abhängigkeit auf den DITL-Effekt übertragen,
so lässt er sich mit
ˆ
Vt,lin =Vt0 +δ
LVDS (5.5)
approximieren, wobei Vt0 die Schwellenspannung für VDS = 0 V und δdie Steigung sind.
Der lineare Zusammenhang ergibt sich unweigerlich aus Abbildung 5.17, da sich dort ei-
ne Änderung der Drain-Source-Spannung proportional auf das Potenzial an der Stelle
WφBn ,sperr auswirkt. Die Grafik in Abbildung 5.16b zeigt jedoch, dass das lineare Mo-
dell nur einen Kompromiss zwischen Einfachheit und Genauigkeit darstellt. Die durch
das Gate-Potenzial hervorgerufene Bandverbiegung bewirkt einen nicht linearen Zusam-
menhang zwischen Vth und VDS. Wird eine Abhängigkeit mit einer Hyperbel als Verlauf
angenommen, stimmen die Messwerte mit dem Kurvenverlauf wesentlich besser überein.
Die Modellgleichung lautet
ˆ
Vt,hyp =αVDS
βL +VDS
+η(5.6)
mit α,βund ηals bauelement- und messumgebungsabhhängige Konstanten. An dieser
Stelle unterscheidet sich folglich der beobachtete DITL-Effekt in SB-MOSFET vom
DIBL-Effekt in konventionellen Kurzkanaltransistoren. Letztendlich wirkt sich die unter-
schiedliche Abhängigkeit nur geringfügig auf den Kennlinienverlauf aus. Die modellierten
Kennlinien in Abbildung 5.18 zeigen die Ausgangskennlinienfelder unter Anwendung
des linearen Modells nach Gleichung (5.5), des Hyperbel-Modells nach Gleichung (5.6)
und der Shockley-Gleichungen als Standard-Transistormodell. Zur Wahrung der
lineares Modell Hyperbel-Modell Shockley-Modell
Drain-Source-Spannung VDS
Drain-Source-Strom IDS
Abbildung 5.18: Vergleich der Modelle zum DITL-Effekt
126
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Verhältnismäßigkeit sind die Kennlinien im Verhältnis der Vth-VDS-Charakteristik in
Abbildung 5.16b gewählt, wobei die konstante Schwellenspannung für das Shockley-
Modell als arithmetischer Mittelwert der drei experimentellen Schwellenspannungswerte
verwendet wird. Es zeigt sich, dass im Anlaufbereich beide Modelle einen flacheren Kenn-
linienverlauf als das Shockley-Modell ausbilden. Dieser relativ flache Verlauf kann auch
in Experimenten beobachtet werden. Die Abweichung zwischem dem linearen und dem
Hyperbel-Modell ist nur geringfügig. Im Sättigungsbereich tritt ein weiterer Anstieg des
Drain-Stroms auf. Dieser Effekt darf nicht mit dem ambipolaren Ladungsträgertransport
verwechselt werden. Der Anstieg wird allein durch den weiteren Schwellenspannungsabfall
mit steigenden Drain-Source-Feldern verursacht. Zunächst ist auch hier die Abweichung
beider Modelle voneinander unerheblich. Sinnvollerweise sättigt das Hyperbel-Modell den
Drain-Strom für sehr hohe VDS aymptotisch ab, da die Änderung der Barrierenweite für
hohe Drain-Potenziale abnimmt. Das lineare Modell weist diese Eigenschaft nicht auf, was
theoretisch zu einem unlimitierten, aber von der Gate-Elektrode immer noch steuerbaren
Drain-Stromanstieg führt. In der konventionellen MOSFET-Technik führt die Anhebung
der Drain-Source-Spannung in DIBL-betroffenen Bauelementen unweigerlich in einen
Bereich, der durch den Punch-through-Effekt dominiert wird, so dass der Transistor seine
Gate-Steuerbarkeit verliert [Sze81].
Ebenso wie die Schwellenspannung zeigt auch die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
eine Abhängigkeit von dem lateralen elektrischen Feld im Kanal [siehe Abbildung 5.19a].
Häufigkeit Hk
6
0
0
0
2
2
2
4
4
EDS = 1 ·104Vcm−1
EDS = 2 ·104Vcm−1
EDS = 4 ·104Vcm−1
µFE in cm2(Vs)−1
0,00 0,05 0,10 0,15
(a) EDS in kV/cm
µFE in cm2(Vs)−1
0 10 20 30 40
0,00
0,05
0,10
0,15
experimenteller Mittelwert
lineares Modell
(b)
Abbildung 5.19: Verteilung der Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit und ihre Abhängig-
keit von der Drain-Source-Feldstärke. (a) Häufigkeitsverteilungen, (b) Ab-
hängigkeit der Mobilität von der elektrischen Feldstärke
127
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Wird die Häufigkeitsverteilung in Abhängigkeit von der Feldstärke aufgetragen, so
lässt sich der Zusammenhang offensichtlich in linearer Weise beschreiben [siehe Abbil-
dung 5.16b]. Die Modellgleichung lautet somit
ˆµFE =µFE0 +γ
LVDS,(5.7)
mit µFE0 als Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit ohne Einfluss des lateralen, elektrischen
Felds und γals Steigung. Die Ursache des Anstiegs liegt vermutlich einerseits an der
Eigenschaft, dass die Barrierenweiten der Metall-Halbleiter-Kontakte und damit auch die
0
Messwerte Hyperbel-Modell lineares Modell Shockley-Modell
VDS in V
IDin mA
0510 15 20
0
0,5
1,0
1,5
VGS = 0...20 V
(a): Ausgangskennlinienfeld mit modellier-
ten Kurvenverläufen
VDS in V
log (|erel|)
0 5 10 15 20
−4
−3
−2
−1
0
1
(b): relativer Approximationsfehler erel für
VGS = 0V
VDS in V
log (|erel|)
0510 15 20
−4
−3
−2
−1
0
1
(c): relativer Approximationsfehler erel für
VGS = 10V
VDS in V
log (|erel|)
0510 15 20
−4
−3
−2
−1
0
1
(d): relativer Approximationsfehler erel für
VGS = 20V
Abbildung 5.20: Ausgangskennlinienfelder der Kennlinienmodelle im Vergleich und deren
relative Approximationsfehler7zum Transistor aus Abbildung 5.10
7Der verwendete relative Approximationsfehler wird zu erel =ˆ
ID−ID
ID
berechnet.
128
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Kontaktwiderstände stark spannungsabhängig sind; andererseits ist der Effekt in einem
gewissen Maß der ambipolaren Ladungsträgerinjektion zuzurechnen8.
Dem Anstieg der Ladungsträgermobilität durch die Spannung VDS wirkt die Mobili-
tätsreduktion durch den Einfluss des Gate-Potenzials entgegen. Durch die Ladungsträ-
gerakkumulation treten vermehrt Streuereignisse von Ladungsträgern am Gitter und
untereinander auf. Die Abhängigkeit wird mit Gleichung (2.13) beschrieben [Fu82]. In
Nanopartikelbauelementen wird dieser Effekt durch die Ansammlung von Ladungsträgern
in den Halbsphären grenzflächennaher Nanopartikel bzw. durch die Rauheit der Nanopar-
tikelschicht verstärkt [OMNH08,BNMH09]. Wird angenommen, dass die Abhängigkeiten
der Beweglichkeit von VGS und VDS nicht zusammenhängen, kann Gleichung (2.13)
einschließlich der Annahme einer Feldabhängigkeit der Schwellenspannung zu
ˆµFE =µFE0 +γ
LVDS
1 + θhVGS −ˆ
Vthi(5.8)
erweitert werden.
Abbildung 5.20a zeigt den Vergleich der Ausgangskennlinienfelder, modelliert nach
dem linearen und dem Hyperbel-Modell der Schwellenspannungsabhängigkeit sowie
die Kennlinien nach den Shockley-Gleichungen. Als Referenzbauelement wird der
Transistor aus Abbildung 5.10 und seine Strom-Spannungs-Charakteristik herangezogen.
Die Wahl der Modellparameter orientiert sich an den Graphen der Abbildungen 5.16b und
5.19b. Da die Verteilungen der Transistorparameter, aus denen die Modelle entwickelt
werden, einer statistischen Streuung unterliegen, müssen die Modellparameter individuell
an den Transistor angepasst werden. Die Kennlinien des Hyperbel-Modells beinhalten
auch die laterale Feldabhängigkeit der Mobilität im Triodenbereich des Transistor, so
dass die Modellgleichungen durch
ˆ
ID=Wǫ0ǫr
Lti
µFE0 +γ
LVDS
1 + θ"VGS −αVDS
βL +VDS −η#
"VGS −αVDS
βL +VDS −η#−VDS
2
VDS
(5.9a)
für VGS −ˆ
Vth > VDS,
ˆ
ID=Wǫ0ǫr
2Lti
µFE0 +γ
LVDS
1 + θ"VGS −αVDS
βL +VDS #"VGS −αVDS
βL +VDS #2
(5.9b)
für VGS −ˆ
Vth ≤VDS
8Die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit stellt lediglich einen Effektivwert dar, der aus der Überla-
gerung der Ströme beider Ladungsträgerarten ermittelt wird. Eine Unterscheidung zwischen Löcher- und
Elektronenbeweglichkeit ist anhand dieser Größe nicht möglich.
129
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
gegeben sind. Im Sättigungsbereich wird die Abhängigkeit vernachlässigt (VGS = 0 V). Für
das lineare Modell ist der Drain-Strom durch
ˆ
ID=Wǫ0ǫr
Lti
µFE0
1 + θ"VGS −Vt0 +δ
LVDS#
"VGS −Vt0 +δ
LVDS#−VDS
2
VDS (5.10a)
für VGS −ˆ
Vth > VDS,
ˆ
ID=Wǫ0ǫr
2Lti
µFE0
1 + θ"VGS −Vt0 +δ
LVDS#"VGS −Vt0 +δ
LVDS#2
(5.10b)
für VGS −ˆ
Vth ≤VDS
definiert. Die Parameter der Shockley-Gleichungen werden nach den Standardverfahren
aus der Transferkennlinie extrahiert. Anhand der Ausgangskennlinienfelder ist zu bemer-
ken, dass die beiden vorgestellten Modelle das reale Verhalten des Transistors wesentlich
besser approximieren als die Shockley-Gleichung mit konstanten Transistorkennwerten.
Deutliche Unterschiede zwischen dem linearen Modell und dem Hyperbel-Modell sind je-
doch in Abhängigkeit von der Gate-Source-Spannung zu bemerken. Das lineare Modell
scheint insbesondere für niedrige VGS geeignet zu sein [siehe Abbildung 5.20b], da – ob-
wohl der Parameter γim Hyperbel-Modell zu Null gesetzt wird, d.h. die Steigerung der
Mobilität mit größerem VDS abgestellt wird – eine bessere Überdeckung der Kennlinien
erreicht wird. Für hohe VGS hingegen erscheint das Hyperbel-Modell geeigneter [siehe Ab-
bildungen 5.20c und 5.20d].
Die getrennte Wahl der Modellparameter des Hyperbel-Modells nach Betriebsbereichen
des Transistors ist notwendig, weil offensichtlich die Annahme der Unabhängigkeit der
transversalen und lateralen Feldkomponenten für die Herleitung der Gleichung (5.8) nicht
Vth in V
µFE in cm2(Vs)−1
−25 −20 −15 −10 −5
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
05
µFE <(−0,00679V−1·Vth + 0,0183) cm2(Vs)−1
Abbildung 5.21: Korrelation der ermittelten Feldeffektmobilität mit der Schwellenspan-
nung in ZnO-NP-TFT mit Al-Drain-/Source-Elektroden
130
5.3 Dünnfilmtransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
ohne Einschränkung gültig ist. Insbesondere für niedrige Gate-Source-Spannung scheint
eine Korrelation zu existieren.
Das Modell berücksichtigt ebenfalls nicht die Korrelation zwischen Schwellenspannung
und Ladungsträgerbeweglichkeit. Wie in Abbildung 5.21 dargestellt, besteht ein Zusam-
menhang zwischen beiden Größen. Der Korrelationskoeffizient nach Pearson mit
Korr(Vth, µFE) = Cov(Vth, µFE)
qVar(Vth)·qVar(µFE)(5.11)
bestätigt immerhin mit einem Wert von −0,58 eine schwache Korrelation [HEK05]. Auf-
fällig ist, dass oberhalb der eingezeichneten Gerade keine Wertepaare gefunden werden,
so dass davon ausgegangen wird, dass eine obere Schranke existiert und beide Parameter
nicht unabhängig voneinander eingestellt werden können. Dieses ist in Übereinstimmung
mit der physikalischen Vorstellung des Transistors: hohe Kontaktwiderstände bedeuten ei-
ne geringe Ladungsträgerinjektionsrate, so dass die Schwellenspannung hoch ist. In Folge
des Kontaktwiderstands sinkt aber die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit.
5.3.3 Bewertung der Dünnfilmtransistoren
Durch die Integration und Analyse von ZnO-NP-TFT in der Inverted Staggered-Bauform
mit Rückseiten-Gate-Elektrode können sowohl Rückschlüsse auf die Kontakteigenschaf-
ten als auch auf die Auswirkungen der Oberflächenreinigung des Halbleiters und der
Annealing-Temperatur geschlossen werden. Es zeigt sich, dass sowohl Aluminium-
Kontakte als auch Gold-Kontakte geeignet sind, um leistungsfähige Transistoren zu
integrieren.
Die hohe Ausbeute an funktionsfähigen Bauelementen ermöglicht statistische Aussagen
über das Transistorverhalten. In Langkanal-FET mit halbleitendem ZnO tritt eine
draininduzierte Schwellenspannungsabsenkung (DITL) als Pseudo-Kurzkanaleffekt auf.
Weiterhin ist die Zunahme der Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit mit steigender
Drain-Source-Spannung zu beobachten. Die Shockley-Gleichungen beschreiben daher
das Transistorverhalten nicht mehr in ausreichender Weise. Mit dem vorgestellten
semi-empirischen Modell lassen sich die Kennlinienverläufe jedoch, einschließlich einer
gate-induzierten Mobilitätsdegradation, in hinreichender Weise modellieren.
Die in dieser Arbeit vorgestellten Transistoren zeigen, verglichen mit Veröffentlichungen
in der Fachliteratur, eine gute Leistungsfähigkeit. So berichten Lee et al. Ladungsträ-
gerbeweglichkeiten von µFE = 4·10−4cm2(Vs)−1in [LJJ+08] und µFE = 2·10−3cm2(Vs)−1
in [LJK+07]. Die Annealing-Bedingungen werden mit Ta= 600◦
C für fünf Stunden in
O2-Atmosphäre angegeben. Die Strommodulationen betragen ca. 102bzw. 3 ·103. Ein
deutlicher Unterschied zu den Transistoren in [LJJ+08] und [LJK+07] ist die Lage der
Schwellenspannung. Während für die einen Transistoren eine Schicht aus 50nm Gold
verwendet wird [LJJ+08], besteht in [LJK+07] die Kontaktierung aus 1 nm Chrom und
49 nm Gold. Für den ersten Fall wird eine Schwellenspannung Vth =−9 V angegeben, die
konsistent mit den Schwellenspannungen der vorgestellten Verarmungstyp-Transistoren
ist; im zweiten Fall beträgt die Schwellenspannung 31 V, so dass der Transistor selbstsper-
rend ist.
131
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Tabelle 5.6: Vergleichende Übersicht über Transistorparameter aus der Literatur und den
eigenen Arbeiten
Quelle D/S Ta
Vth µFE ION/IOFF
in V in cm2(Vs)−1
Lee et al. [LJK+07] Au 600◦
C−9,0 4 ·10−41·102
Lee et al. [LJJ+08] Au 600◦
C 31,0 2 ·10−33·103
Okamura et al. [OMNH08] Al 150◦
C 49,7 8,4·10−33,8·104
Bubel et al. [BNMH09] Al 150◦
C 60,0 2 ·10−31·102
Mechau et al. [MBNH10] Al 150◦
C 65,0<2·10−31·103
vorliegende Arbeit Au 600◦
C−6,0 1,0·10−21·102
vorliegende Arbeit Al 600◦
C−11,0 1,3·10−21,2·104
Okamura et al. untersuchen in [OMNH08] den Einfluss der Grenzflächenrauheit
zwischen der ZnO-Nanopartikelschicht und dem Gate-Dielektrikum. Die bei einer
maximalen Temperatur von 150◦
C prozessierten und mit Aluminium kontaktierten
Transistoren zeigen demnach höhere Mobilitäten für glattere Grenzflächen, wobei die
Reduktion der Rauheit durch höhere Dispergierzeiten und damit kleineren Partikeln
erreicht wird. Die ermittelte Ladungsträgerbeweglichkeit und Strommodulation betragen
µFE = 8,4·10−3cm2(Vs)−1und ION/IOFF = 3,8·103bei einer Schwellenspannung
Vth = 49,7 V. Hierauf aufbauend demonstrieren sowohl Bubel et al. in [BNMH09] als
auch Mechau et al. in [MBNH10], dass die Mobilitätssteigerung durch Rauheitsreduk-
tion ebenfalls mittels Zugabe von Dispergierstabilisatoren bewirkt werden kann. Dennoch
übertrifft weder die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit bei Bubel et al. noch bei
Mechau et al. einen Wert von µFE = 2 ·10−3cm2(Vs)−1nicht.
Zur Übersicht ist in Tabelle 5.6 ein Vergleich der Parameter der in dieser Arbeit
vorgestellten Transistoren mit ausgewählten Bauelementen aus der Literatur aufgeführt.
5.4 Einzelpartikeltransistoren mit
Rückseiten-Gate-Elektrode
Um auch mit ZnO-Nanopartikeln eine Steigerung der Ladungsträgerbeweglichkeit zu
erreichen, wird wiederum eine Reduktion der Dichte der interpartikulären Grenzflächen
vorgenommen. Die Integrationstechniken zur Herstellung der Einzelpartikeltransisto-
ren, die Vorteile, Nachteile und allgemeinen Problematiken (z.B. der mangelhaft
reproduzierbare Partikeleintrag in nanoskalige Zwischenräume) können von den Silizium-
Einzelpartikeltransistoren prinzipiell übertragen werden.
Die im Folgenden vorgestellten Einzelpartikelbauelemente werden ausschließlich mit
Aluminium kontaktiert, da dieses aufgrund seiner Haftungseigenschaften in besonderem
Maße für den Einsatz in der verwendeten Kantenabscheidungstechnik geeignet ist.
132
5.4 Einzelpartikeltransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Ein Vergleich mit Berichten aus der Literatur ist nicht möglich, da entsprechende
Veröffentlichungen über Kurzkanal- oder Einzelpartikeltransistoren mit Zinkoxid bzw.
Zinkoxid-Nanopartikeln nicht bekannt sind.
5.4.1 Inverted Coplanar-Architektur
Elektrische Transistorparameter
Typische Kennlinien sind in den Abbildungen 5.22 und 5.23 dargestellt. Beide Transistoren
befinden sich auf dem selben Wafer, zeigen jedoch unterschiedliche Qualitäten im Aus-
gangskennlinienfeld. Das Auftreten verschiedener Kennlinienverläufe im Zusammenhang
mit ZnO-Nanopartikel-Dünnfilmtransistoren wurde bereits in Abschnitt 5.3.2 beobachtet.
Während im Ausgangskennlinienfeld des Kennlinientyps I die Drain-Source-Spannung eine
Schwelle übersteigen muss, um einen Drain-Strom hervorzurufen, ist im Kennlinientyp II
ein sofortiger Drain-Stromanstieg für VDS >0 V zu verzeichnen. Die Ursache für die Exi-
stenz derart verschiedener Verläufe liegt vermutlich in einer sehr verschiedenen Anordnung
der Partikel innerhalb des Nanograbens bzw. in einem Unterschied der elektrisch aktiven
Störstellen. Festzustellen sind weiterhin starke Ähnlichkeiten der Charakteristiken der
Inverted Coplanar-EPT zu den in Abschnitt 5.3.1 beschriebenen Inverted Coplanar-TFT.
Die ID-VDS-Charakteristiken des Kennlinientyps I und der Dünnfilmtransistoren ähneln
sich, einschließlich des überschwingenden Drain-Stroms, sehr stark. Der Kennlinienverlauf
erscheint typisch für diese Bauart. Das Überschwingen des Drain-Strom wird nicht durch
den Gunn-Effekt verursacht, da das nächste Seitental mit einer Energiedifferenz von 3 eV
ungünstig liegt. Wahrscheinlicher ist ein Aufladungseffekt grenzflächennaher Defektstellen
oder die Selbsterwärmung während des Stromflusses. Neben der absoluten Sättigung des
ts
VGS in V
IDin A
−6−4−2024
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
10−5
0,0
0,5
1,0
VDS = 2,5 V
1,5
2,0
2,5
6
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
01234
0
2
4
6
VGS =−1...5 V
8
10
5
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.22: Kennlinien eines ZnO-NP-Einzelpartikeltransistors im Inverted Coplanar-
Aufbau (Kennlinientyp I). Der Transistor besitzt eine Kanallänge von
L= 80 nm und eine Weite von W= 100 µm. Das Gate-Dielektrikum
besteht aus 31 nm SiO2und 47 nm Si3N4. Als Substrat und Rückseiten-
Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die Drain- und Source-
Kontakte bestehen aus 100 nm Aluminium.
133
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VGS in V
IDin A
−4−20246
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
0,0
0,2
0,4
0,6
VDS = 2,5 V 0,8
√IDin m√A
0
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
0123
0
2
4
6VGS =−2...4 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.23: Kennlinien eines ZnO-NP-Einzelpartikeltransistors im Inverted Coplanar-
Aufbau (Kennlinientyp II). Der Transistor besitzt eine Kanallänge von
L= 80nm und eine Weite von W= 100µm. Das Gate-Dielektrikum
besteht aus 31 nm SiO2und 47 nm Si3N4. Als Substrat und Rückseiten-
Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3). Die Drain- und Source-
Kontakte bestehen aus 100nm Aluminium.
Drain-Strom VGS ≫Vth ist im Betriebsbereich VGS < Vth ein erneutes Aufsteuern des
Transistors durch ambipolaren Ladungsträgertransport zu beobachten.
Wie erwartet können die notwendigen Betriebsspannungen reduziert werden, so
dass |VGS|<3 V und VDS <3 V gewählt werden können. Da die Schwellenspannungen
der untersuchten Transistoren teilweise im negativen Spannungsbereich liegen und
die Bauelemente somit selbstleitend sind, kann die Gate-Source-Spannung nicht mit
VGS ≥0 V begrenzt werden. Die Schwellenspannungen der dargestellten Transistoren
betragen Vth =−0,8 V für Bauelemente des Kennlinientyps I bzw. Vth =−0,1 V für
Bauelemente des Kennlinientyps II. Eine Hysterese ist nur sehr gering ausgeprägt. Da
sie vornehmlich bei Gate-Source-Spannungen oberhalb der Schwellenspannung auftritt
und in der Nähe der Schwellenspannung bereits kompensiert ist, ist auch nur eine
Schwellenspannungsverschiebung von ca. ∆Vth =−0,2 V zu messen.
Auffällig sind die guten ION/IOFF-Verhältnisse mit Werten bis zu 3,5·104. Diese übertref-
fen die Strommodulationen, die an vergleichbaren Dünnfilmtransistoren gemessen werden.
Dieses Verhalten deutet auf ein angemessenes Sperrverhalten hin, so dass die Kontakte
geeignet sind, im eingeschalteten Zustand ausreichend Ladungsträger passieren zu lassen
und im ausgeschalteten Zustand den Stromfluss zu sperren. Weiterhin drückt sich das
gute Sperrverhalten in Subschwellenstromanstiegen aus, die für Nanopartikel-basierte
SB-MOSFET mit S= 340 mV/dek bzw. S= 240 mV/dek äußerst gering sind.
Eine Steigerung der Ladungsträgerbeweglichkeit kann nur eingeschränkt erreicht
werden. Mobilitäten von µFE = 0,01 cm2(Vs)−1befinden sich zumindest in einem Bereich,
in dem auch die Beweglichkeiten von Al-kontaktierten Dünnfilmtransistoren in der
Inverted Staggered-Konfiguration und einer Annealing-Temperatur von Ta= 600◦
C
134
5.4 Einzelpartikeltransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Tabelle 5.7: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter typischer ZnO-
NP-Einzelpartikeltransistoren im Inverted Coplanar-Aufbau. L= 80 nm,
W= 100µm. Drain- und Source-Elektroden bestehen aus 100nm Aluminium.
Typ Dielektrikum ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
I31 nm SiO23·104−0,8 1,0·10−20,34
+47 nm Si3N4
II 31 nm SiO25·103−0,1 4,9·10−30,24
+47 nm Si3N4
liegen. Verglichen mit Dünnfilmtransistoren im Inverted Coplanar-Aufbau ist eine Stei-
gerung um 3 Größenordnungen zu verzeichnen. In Anbetracht des Problems, dass eine
genaue Bestimmung der Anzahl elektrisch aktiver Nanopartikel nicht möglich ist, kann
die Beweglichkeit in den Einzelpartikeltransistoren mittels der geometrischen Transistor-
weite ausschließlich nach unten abgeschätzt werden. Somit ist von wesentlich höheren,
realen Beweglichkeiten auszugehen. Die Transistorparameter typischer Bauelemente des
Kennlinientyps I und II sind in Tabelle 5.7 aufgeführt.
Trotz der drastischen Skalierung der Kanallänge um zwei Größenordnungen kann
keine abschließende Aussage über das Auftreten von Kurzkanaleffekten getroffen werden.
Im Kennlinientyp II ist zwar nach dem eindeutigen Sättigungsbereich ein weiterer
Anstieg des Drain-Stroms zu erkennen; ein Punch-through-Effekt mit der Dominanz des
raumladungsbegrenzten Stromflusses kann jedoch weitestgehend ausgeschlossen werden,
da IDproportional zu VDS zunimmt. Das Auftreten des DITL-Effekts kann hingegen
nicht ausgeschlossen werden, zumal die Kanallängen sehr kurz sind. Ebenfalls nahelie-
gend ist der ambipolare Ladungsträgertransport, der im Ausgangskennlinienfeld nach
Gleichung (2.6) beschrieben wird und auch in der Transferkennlinie ersichtlich ist. Das
Verhältnis zwischen Elektronen und Löcherbeweglichkeit wird aus einer Kurvenanpassung
bestimmt, nach dem die Löcherbeweglichkeit um einen Faktor von ca. 0,2...0,3 unter der
Elektronenbeweglichkeit liegt. Eine Überlagerung der beiden letztgenannten Effekte ist
selbstverständlich möglich.
Die Ausbeute an funktionsfähigen Transistoren ist im Vergleich zu Silizium-
Nanopartikeltransistoren in Einzelpartikel-Bauform recht hoch, so dass anhand der
Parameter von acht Transistoren statistische Aussagen bezüglich der Kennwerte getroffen
werden können. Die Häufigkeitsverteilungen der Schwellenspannung, der Feldeffekt-
ladungsträgerbeweglichkeit und der Strommodulation sind in den Diagrammen der
Abbildung 5.24 dargestellt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit entscheidet die physische Lage
der Nanopartikel in den Nanozwischenräumen über die Eigenschaften der elektrischen
Kontakte. Die Lage unterliegt naturgemäß dem Zufall, so dass sich die Verteilungs-
eigenschaften auf die elektrischen Eigenschaften auswirken. Eine detaillierte Analyse
der Faktoren, die zu den experimentell gewonnenen Ergebnissen, insbesondere ihrer
135
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Vth in V
−4−202
0
1
2
Klassengröße: 1 V
Normalverteilung
Häufigkeit Hk
Häufigkeit
(a): Schwellenspannung
Klassengröße: 2 ·10−3cm2(Vs)−1
Häufigkeit Hk
µFE in cm2(Vs)−1
0,000 0,005 0,010
Häufigkeit
Log-Normal-Verteilung
0,015 0,020
0
1
2
3
(b): Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
Klassengröße: 2000
ION/IOFF
Häufigkeit Hk
102103104105
0
1
2
3Häufigkeit
Log-Normal-Verteilung
(c): ION/IOFF-Verhältnis
Abbildung 5.24: Häufigkeitsverteilungen der Transistorparameter in ZnO-NP-EPT in der
Inverted Coplanar-Bauform mit Al-Drain-/Source-Elektroden
136
5.4 Einzelpartikeltransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Verteilung führen, ist aufgrund der nicht zur Verfügung stehenden Analyse-Werkzeuge
(z.B. hochauflösende Focused ion beam-Rasterelektronenmikroskopie) nicht Gegenstand
dieser Arbeit.
Die Häufigkeitsverteilung weist einen Mittelwert der Schwellenspannung von
Vth =−0,84V auf, wobei zu bemerken ist, dass 3 von 8 Transistoren eine positive
Schwellenspannung besitzen und somit selbstsperrend sind. Der Mittelwert der Ladungs-
trägerbeweglichkeit ist mit µFE = 9,4·10−4cm2(Vs)−1recht gering, aber größer als die
ermittelte Beweglichkeit in vergleichbaren Dünnfilmtransistoren. Die Strommodulation
verteilt sich mit einem Mittelwert von ca. 103über die funktionsfähigen Exemplare, so dass
mit dem Austausch des Dünnschichthalbleiters durch einzelne Nanopartikelagglomerate
eine Steigerung um durchschnittlich eine Größenordnung erreicht wird.
Degradation
Eine Degradation der Transistorparameter durch Lagerung an Luft kann selbst nach einer
Lagerzeit von 18 Monaten ohne Passivierungsmaßnahmen nicht festgestellt werden.
Vielmehr ist eine Degradation der elektrischen Eigenschaften von Zinkoxid bekannt,
die durch elektrischen Stress hervorgerufen wird. Für ZnO-TFT mit gesputterten ZnO-
Schichten berichten Cross und Souza eine Transistordegradation mit zunehmender Mess-
zeit bei anliegender Gate-Spannung [CS06,CS08]. Dabei nimmt auch die Größe des Gate-
Potenzials Einfluss auf die Ausprägung der Degradation. Diese äußert sich einerseits durch
eine Anhebung der Schwellenspannung, und infolgedessen durch einen Abfall der maxima-
len Drain-Stromstärke. Begründet wird die Beobachtung mit der Besetzung von Haftstellen
im Halbleiter an oder zumindest in der Nähe der Grenzfläche zum Gate-Dielektrikum. Mit
Beendigung des Stress’ ist eine selbsttätige Relaxation bei Raumtemperatur festzustellen,
die auf eine thermische Ionisierung der Haftstellen schließen lässt.
Sowohl Bera et al. als auch Maeng et al. untersuchen den selben Sachverhalt an
einem den Nanopartikeln verwandten Material, den Nanodrähten (nanowires). Ihre Ana-
lyse an Nanodraht-Transistoren führt ebenfalls zu dem Ergebnis eines Stromabfalls mit
steigender Messzeit [BB09,MPC+09]. Neben der Abhängigkeit vom Gate-Potenzial identifi-
zieren Maeng et al. einen zusätzlichen Einfluss der Drain-Source-Spannung [MPC+09].
In beiden Veröffentlichungen wird die Degradation als Folge einer Wechselwirkung mit der
Umgebungsatmosphäre angesehen, dessen Wirkmechanismus darin besteht, durch die Ad-,
De- und Resorption von Sauerstoffionen und Wassermolekülen die oberflächennahe Defekt-
dichte zu verändern. Das transiente Verhalten wird mittels einer exponentiellen Abnahme-
funktion modelliert, wobei die Anzahl der Zerfallsterme die Anzahl der unterschiedlichen
Arten von Defektzuständen entspricht [BB09]. Bei zeitlich konstanter Lichtimmission ge-
nügt ein Zerfallsterm mit der Relaxationszeit τdeg. Der beschreibende Funktionsterm lautet
dann allgemein
ID=ID0+a·exp −t
τdeg !.(5.12)
In der Tat lässt sich auch in den ZnO-Einzelpartikeltransistoren eine Degradation des
Drain-Stroms feststellen. Anhand der wiederholt gemessenen Kennlinien eines Transi-
137
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
tin s
ID,max in A
0 1000 2000
10−7
10−6
10−5
Messwerte
exponentielle Abnahme
Abbildung 5.25: Quasi-transientes Verhalten der maximalen Drain-Stromstärke in einem
ZnO-Einzelpartikeltransistor im Inverted Coplanar-Aufbau unter Stress
(normale Betriebsbedingungen)
stors, der unter gleichen Messparametern belastet wird, lässt sich mit fortschreitender
Zeit ein Abfall des maximalen Drain-Stroms beobachten. Dieser ist im Diagramm der Ab-
bildung 5.25 dargestellt. Die durch eine Kurvenanpassung mit Gleichung (5.12) ermittelte
Zeitkonstante beträgt τdeg = 345,3 s.
Bewertung und Fazit
Einzelpartikeltransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln in der Inverted Coplanar-
Architektur zeigen eine verbesserte Leistungsfähigkeit gegenüber ZnO-Nanopartikel-
Dünnfilmtransistoren. Durch die Reduktion der Störstellenanzahl innerhalb des Kanals
kann unter Aufrechterhaltung der erreichten Ladungsträgerbeweglichkeit auf ein
Annealing der Nanopartikel verzichtet werden. Besonders hervorzuheben ist das wesent-
lich verbesserte Sperrverhalten. Die hohen ION/IOFF-Verhältnisses sind geeignet, um die
Pegeldetektionssicherheit in logischen Schaltungen zu gewährleisten.
Nachteilig ist die bauartbedingte, geringe Ausbeute an funktionsfähigen Bauelementen,
die zuvor bereits bei der Integration der Silizium-Einzelpartikeltransistoren bemängelt
wurde.
5.4.2 Inverted Staggered-Architektur
Bauelementintegration
Der Ablauf der Integration der Inverted Staggered-Einzelpartikeltransistoren wird analog
zu den Silizium-EPT in Abschnitt 4.2.2 durchgeführt, wobei das Dielektrikum aus
elektrischen Stabilitätsgründen durch ein Stapeldielektrikum aus 100 nm SiO2und 20 nm
138
5.4 Einzelpartikeltransistoren mit Rückseiten-Gate-Elektrode
(a)
Drain/Source
nanoskaliger Transistorkanal
(b)
Abbildung 5.26: REM-Aufnahmen der Transistorstrukturen im Inverted Staggered-
Aufbau auf einem ZnO-Nanopartikelfilm. (a) Übersicht, (b) Ausschnitt
des Kanalgebiets
Si3N4ersetzt wird. Die ZnO-Dispersion mit ξ(ZnO) = 35 Gew.-% wird bei 2000 min−1
aufgetragen und anschließend für zwei Stunden in O2-Atmosphäre bei 800◦
C getempert.
Nach der Strukturierung der Drain- und Source-Elektroden werden die Nanolinien
entfernt, um mögliche elektrische Kurzschlüsse, die durch die geringe Kantenbedeckung
während der Bedampfung entstehen, zu verhindern. Die Strukturen sind in Abbildung 5.26
als REM-Aufnahmen abgebildet. Auf eine Untersuchung von anderen Drain-/Source-
Materialien als Aluminium muss verzichtet werden, da sich herausstellt, dass andere
Materialien eine unzureichende Haftung zum ZnO-Nanopartikelfilm aufweisen.
Elektrische Transistorparameter
Aufgrund der elektrischen Instabilität des Gate-Dielektrikums können die Transistoren
nur in einem sehr kleinen Spannungsbereich charakterisiert werden. Selbst eine Erhö-
hung der Gateoxiddicke verhindert nicht den Durchbruch des Dielektrikums. Es wird
vermutet, dass während der Temperung der Partikelschicht zwischen Zinkoxid und
dem Siliziumdioxid bzw. dem Siliziumnitrid eine Reaktion zu Zinksilikat (Zn2SiO4)
abläuft, die zu einer Zerstörung des Dielektrikums führt. Unter UV-Bestrahlung wird
eine grüne Fluoreszenz beobachtet, die für Zn2SiO4typisch ist [XGQ+02,XWQ+03]. Eine
Fluoreszenz ist auch für ZnO im gleichen Wellenlängenbereich (510 nm ≤λ≤525 nm)
bekannt [VWS+96,XGQ+02]. Die Intensität der Fluoreszenz in Zinkoxid ist von der Dichte
der Sauerstoffleerstellenkonzentration abhängig, so dass mit sinkender Leerstellenkonzen-
tration eine Abnahme der Luminiszenz auftritt [VWS+96], also ein Annealing-Prozess
unter Sauerstoffatmosphäre theoretisch zu einer geringeren Leuchtintensität führt. Im
beobachteten Experiment tritt eine sichtbare Zunahme der Intensität auf, welche auf die
Bildung von Zn2SiO4hindeutet. Der genaue Reaktionsmechanismus ist unbekannt, da
die Reaktion offensichtlich selbst bei niedrigen Temperaturen von 400◦
C stattfindet, also
unterhalb der Aktivierungstemperatur [OOSS06]. Wesentlich niedrigere Aktivierungsener-
gien sind jedoch aufgrund des nanopartikulären Zinkoxids und seiner wesentlich größeren
139
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
VGS in V
IDin µA
−2−1012
140
150
160
170
11,5
12,0
12,5
13,0
VDS = 4 V
13,5
√IDin m√A
V
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
01234
0
50
100
150 VGS =−2...2 V
200
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.27: Kennlinien eines Zinkoxid-NP-Einzelpartikeltransistors im
Inverted Staggered-Aufbau. Der Transistor besitzt eine Kanallänge
von ca. L= 90 nm und eine Weite von W= 20 µm. Das Gate-
Dielektrikum besteht aus 100nm SiO2und 20nm Si3N4. Als Substrat
und Rückseiten-Gate-Elektrode dient p-Si (NA≈1015 cm−3).
Oberfläche möglich. Weiterhin unbekannt ist der Einfluss der gesamten Prozessierungs-
kette. Eine derartige Reaktion in den bereits beschriebenen Dünnfilmtransistoren kann
nicht festgestellt werden. Unter Einwirkung von NaOH während der Entwicklung des
Fotolacks tritt außerdem eine offensichtliche Reaktion zu braun-schwarzem Zn2SiO4bzw.
Na2ZnSiO4auf. Diese Reaktion kann bereits bei Raumtemperatur ablaufen und ist von
der NaOH-Konzentration abhängig [Stee04,SPW94].
Eine Vermeidung der Bildung von Zn2SiO4erfordert eine Absenkung der Annealing-
Temperatur unterhalb von ca. 300◦
C. Bei dieser Temperatur haften die Nanopartikel aber
relativ instabil an der Oberfläche, so dass sie sich während der folgenden Prozessierung
ablösen. Die Reaktion zu Zinksilikat ist demnach zunächst unter Einschränkung der
Messspannungen zu tolerieren.
Die Kennlinien eines typischen Transistors sind in Abbildung 5.27 dargestellt. Die
Steuerbarkeit ist mit einem ION/IOFF-Verhältnis von ca. 1,3 sehr schwach ausgeprägt. Im
Ausgangskennlinienfeld ist zu sehen, dass der Drain-Strom für alle VGS in ähnlichem Maße
ansteigt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Schichtdicke des Halbleiterfilms zu groß, so
dass sich zwischen der Source- und der Drain-Elektrode ein oberflächennaher Strompfad
ausbildet, der nicht vom Gate gesteuert werden kann. Dieser Effekt wird auch in den
Silizium-Nanopartikeltransistoren beobachtet und in Abschnitt 4.2.2 detailliert diskutiert.
Eine Abdünnung der ZnO-Schicht ist zunächst nicht möglich, da sich zeigt, dass selbst
bei einer niedrigen Verdünnung auf ξ(ZnO) = 22,7 Gew.-% nach der Temperung eine
poröse Schicht entsteht, die für die Integration von Transistoren nicht geeignet ist.
Die Verkürzung der Kanallänge und die Vermeidung der interpartikulären Grenzflä-
chen ist erfolgreich und führt zu einer Steigerung der Ladungsträgerbeweglichkeit
auf µFE = 0,79 cm2(Vs)−1. In Einzelfällen können sogar Beweglichkeiten größer als
1 cm2(Vs)−1ermittelt werden.
140
5.5 Bewertung und Fazit von ZnO-NP-FET mit Rückseiten-Gate-Elektrode
Tabelle 5.8: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter des ZnO-EPT im
Inverted Staggered-Aufbau mit L= 90nm, W= 20µm und Aluminium-
Drain-/Source-Elektroden
Substrat/Gate Dielektrikum ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1
p-Si 100 nm SiO21,3−0,79
+20 nm Si3N4
Die Transistorkennwerte sind in Tabelle 5.8 als Übersicht dargestellt. Eine Schwellen-
spannung kann aufgrund des sehr kleinen zulässigen Betriebsbereichs nicht bestimmt
werden. Der Transistor ist jedoch offensichtlich selbstleitend. In Folge der unbekannten
Schwellenspannung ist auch eine Ermittlung des Subschwellenstromanstiegs nicht möglich.
Mit der Inverted Staggered-Architektur ist es möglich, die Ladungsträgerbeweglich-
keit um mehrere Größenordnungen zu steigern. Dennoch ist dieser Aufbau für die
Integration von Transistoren ungeeignet, da das Sperrverhalten aufgrund des parasitären
Transistorkanals an der Oberfläche nicht ausreichend ist.
5.5 Bewertung und Fazit von ZnO-NP-FET mit
Rückseiten-Gate-Elektrode
Mit ZnO-Nanopartikel als Halbleitermaterial lassen sich Dünnfilm- und Einzelpartikel-SB-
MOSFET sowohl in der Inverted Coplanar-Technik als auch in der Inverted Staggered-
Bauform realisieren. Die Transistorparameter sind in der vergleichenden Abbildung 5.28
dargestellt. Die elektrischen Eigenschaften sind offensichtlich stark von der gewählten
Architektur bzw. den verwendeten Kontaktmaterialien abhängig
Inverted Staggered-Transistoren bieten generell eine höhere Ladungsträgerbeweglichkeit,
obwohl bereits in Abschnitt 4.2.2 festgestellt wurde, dass diese Bauform eine ungünstige
Lage des Transistorkanals beinhaltet. Mit großer Wahrscheinlichkeit führt der hohe Kon-
taktwiderstand zwischen Halbleiter und Elektroden in Inverted Coplanar-Transistoren
zu einer erheblichen Reduzierung der Ladungsträgerbeweglichkeit. Infolgedessen lässt
der schlüssige Kontakt der abschließenden Elektrodenherstellung des Top-Drain/Source-
Aufbaus die Mobilität vergleichsweise hoch erscheinen.
Die Strommodulation, die unter anderem von der Kontaktqualität abhängig ist, ist für
Aluminium-Kontakte zumindest so hoch (größer als 103), dass diese für den Schaltungsauf-
bau geeignet ist, während Au-kontaktierte Transistoren nur bedingt und Ti-kontaktierte
Bauelemente nicht geeignet erscheinen. Die Wahl der Architektur ist für TFT und
EPT gegenläufig. Soll ein großes ION/IOFF-Verhältnis in Dünnfilmtransistoren erreicht
werden, bietet sich die Inverted Staggered-Bauform an; bei Einzelpartikeltransistoren
dagegen ist die Inverted Coplanar-Konfiguration sinnvoll. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass die Ausbeute in der Einzelpartikel-Technologie weiterhin ein gravierendes Problem,
insbesondere für den Schaltungsaufbau, darstellt.
141
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
µFE in cm2(Vs)−1
IC/Al
IS/Au
IS/Al
IS/Ti
IC/Al
IS/Al
10−5
10−4
10−3
10−2
10−1
100
100
TFT EPT
IC/Al
IS/Au
IS/Al
IS/Ti
IC/Al
100
101
102
103
104
105
IS/Al
ION/IOFF
TFT EPT
Vth in V
IC/Al
IS/Au
IS/Al
IS/Ti
IC/Al
−5
0
−10
5
−15
10
15 TFT EPT
Abbildung 5.28: Vergleich von Ladungsträgerbeweglichkeit, ION/IOFF-Verhältnis und
Schwellenspannung zwischen den integrierten ZnO-NP-FET mit gemein-
samen Rückseiten-Gate-Elektroden
Vergleichbar mit der Strommodulation ist die Schwellenspannung ebenfalls erheblich von
den Metall-Halbleiter-Kontakteigenschaften abhängig. Beste Resultate lassen sich wieder-
um mit Al-kontaktierten Transistoren erreichen, da die Schwellenspannung betragsmäßig
nahe 0 V liegt.
Im Allgemeinen stellt sich heraus, dass Zinkoxid-Nanopartikel für die Integration
der SB-MOSFET besser geeignet sind als Silizium-Nanopartikel. Dieses ist einerseits mit
der Handhabung der Partikel zu begründen. Bei Verwendung der ZnO-Suspension ist die
Ausbeute funktionsfähiger Einzelpartikel-Strukturen geringfügig höher. Vermutlich neigen
die ZnO-Nanopartikel während des Auftragens zu einer schwächeren Reagglomeration
als Silizium-Nanopartikel. Andererseits kann Zinkoxid in seiner nanopartikulären Form
auch für Dünnfilmtransistoren genutzt werden, was im Falle von Silizium aufgrund der
isolierenden Oxidhülle zur Zeit nicht möglich ist. Es zeigt sich, dass die Oxidhülle bei
Einzelpartikeltransistoren nicht mehr ausschlaggebend ist. Mit beiden Materialien lassen
sich ähnliche Stromstärkedichten erreichen.
142
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
Mittels der vorgestellten Integrationstechniken können somit Transistoren integriert wer-
den, die eine bessere Leistungsfähigkeit als die in der Literatur berichteten Bauelemente
zeigen [LCH+07, LJJ+08, SS05]. Durch die radikale Skalierung hin zu Einzelpartikel-
transistoren ist es möglich, das thermische Budget zu reduzieren und gleichzeitig die
Ladungsträgerbeweglichkeit beizubehalten bzw. zu verbessern, die Strommodulation zu
erhöhen und den Subschwellenspannungsstromanstieg zu reduzieren. Weiterhin können die
benötigten Betriebsspannungen – je nach Bauform – um mindestens eine Größenordnung,
in Einzelfällen sogar um fast zwei Größenordnungen auf ca. 3 V gesenkt werden.
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
Bislang wurde in allen vorgestellten Transistoren mit ZnO-Nanopartikeln das Silizium-
substrat als gemeinsame Rückseiten-Gate-Elektrode genutzt. Da für den Aufbau von
logischen Schaltungen für jeden Transistor auch individuell frei beschaltbare Gate-
Elektroden notwendig sind, müssen diese in separaten Prozessen abgeschieden und
strukturiert werden. Als Elektrodenmaterial eignen sich insbesondere Metalle (z.B. Al
oder Au), da sie sowohl einfach abzuscheiden als auch problemlos nasschemisch oder in
Trockenätzverfahren bzw. mittels Lift-off -Technik strukturierbar sind.
Gemäß der Bewertung der Transistoren mit gemeinsamer Rückseiten-Gate-Elektrode
werden die aussichtsreichsten Transistorkonzepte (IS-TFT und IC-EPT) ausge-
wählt und als individuell beschaltbare Bauelemente integriert. Zusätzlich werden
Noninverted Staggered-Architekturen im TFT- und EPT-Aufbau untersucht. Die Integra-
tion von Noninverted Staggered-Transistoren war zuvor nicht möglich, da die notwendige
Top-Gate-Struktur der Verwendung des Siliziumsubstrats als Rückseitenelektrode
entgegensteht.
5.6.1 Gate-Dielektrikum
Der Aufbau erfordert ein Gate-Dielektrikum, welches nun nicht mehr aus thermisch ge-
wachsenem SiO2bestehen kann. Dielektrika, die in LPCVD- bzw. PECVD-Verfahren
oder durch Bedampfung oder Kathodenstrahlzerstäubung abgeschieden werden, sind im
Allgemeinen nicht hinreichend elektrisch stabil oder die Prozesstemperatur zur Schichtab-
scheidung ist zu hoch. Eine bessere Stabilität bieten high-k-Dielektrika, abgeschieden im
ALD9-Verfahren bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen. Sie bieten den Vorteil einer
hohen relativen Permittivität. Geeignet sind nach [WWA01] u.a. die Materialien
Al2O3mit ǫr= 9 und Eg= 8,7 eV,
Y2O3mit ǫr= 15 und Eg= 5,6 eV,
ZrO2mit ǫr= 25 und Eg= 5,8 eV oder
HfO2mit ǫr= 25 und Eg= 5,7 eV.
9Atomic Layer Deposition; Die Schichtabscheidung im ALD-Verfahren kann bei Temperaturen klei-
ner als 100◦
C, häufig auch bei Raumtemperatur durchgeführt werden, so dass eine Deposition auf tempe-
raturempfindlichen Substraten (z. B. Kunststofffolie) erfolgen kann. [HKBG02,GFEG04].
143
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Als Nachteile sind die Sprödigkeit der Materialien, die zu Schichtbrüchen bei der Anwen-
dung auf flexiblen Substraten führt, und das aufwendige Abscheideverfahren zu nennen.
Eine Verwendung der genannten Materialien wird daher verworfen.
Für den Bereich der organischen Elektronik, deren Anwendungsgebiet ebenso auf die Inte-
gration von Elektronik auf flexiblen, isolierenden Kunststoffsubstraten abzielt, hat sich die
Erzeugung von Gate-Dielektrika durch Schleuderbeschichtung durchgesetzt. Insbesondere
Polymere können durch Schleuderbeschichtung reproduzierbar, kostengünstig und in gu-
ter elektrischer Qualität abgeschieden werden. Der Einsatz selbstausrichtender Monolagen-
Gate-Dielektrika ist zwar ebenfalls möglich, jedoch ist die elektrische Durchschlagfestigkeit
zu gering für die Verwendung in ZnO-TFT [Hali06].
Poly(4-vinylphenol)
Als geeignet wird das Polymer Poly(4-vinylphenol) (PVP) angesehen. PVP ist in
organischen Lösungsmitteln (z.B. Aceton, n-Butanol, Propylen Glycol Monomethyl
Ether Acetat (PGMEA), N-Methyl-2-Pyrrolidon (NMP), etc.) löslich. Es kann durch
den Zusatz eines Cross-linkers quervernetzt werden. Hierzu wird z.B. Poly(melamin-co-
formaldehyd)-methyliert (PMCF-m) als thermisch zu initiierendes Vernetzungsmittel
eingesetzt [HKZ+02]. Die Vernetzung mehrerer Polymerketten findet ab Temperaturen
von 150◦
C statt. Eine effiziente Reaktionstemperatur wird mit 200◦
C angegeben [Hali06].
Die Molekülstrukturen von PVP, PMCF-m und quernetztem PVP sind in Abbildung 5.29
dargestellt. Durch die Vernetzung findet eine Reaktion der OH-Gruppen des Phenols
mit den Methylenden des PMCF-m statt, wodurch kovalente Bindungen in Form von
Sauerstoffbrücken zwischen dem PVP und dem PMCF erreicht werden. Ein PMCF-m-
Monomer kann demnach maximal vier PVP-Ketten vernetzen.
Alternativ zu thermisch initiierbaren Vernetzungszusätzen kann ein photoinitiierender
Cross-linker verwendet werden, so dass die maximale Prozesstemperatur auf bis zu 120◦
C
reduziert werden kann [YCHL08].
Die relative Permittivität von PVP mit einer molaren Masse von ca. M= 20000 g/mol
ist in der Literatur mit ǫr≈3,6...6,5 angegeben [Hali06,PK08]. Eigene Untersuchungen
an Kapazitätsstrukturen mit PVP einer molaren Masse M= 25000 g/mol zeigen relative
Dielektrizitätswerte ǫr= 4,5...7,4 bei einer Messfrequenz von 1 kHz. Die Ermittlung
der relativen Dielektrizitätszahl wurde mit einem Impedanzanalysator Agilent 4294A
durchgeführt. Als Modell zur Bestimmung der Kapazität bzw. der relativen Permit-
tivität wird eine reale Kapazitätsstruktur, also die Parallelschaltung einer Kapazität
Cund eines Widerstands mit dem Leitwert Gangenommen. Aus dem gemessenen
Kapazitäts-Frequenzgang kann dann über
C=ǫ0ǫr
A
ti
(5.13)
auf ǫrzurückgeschlossen werden. Eine typische ǫr-f-Charakteristik ist in Abbildung 5.30
dargestellt. Für diese 226 nm dicke PVP-Schicht beträgt die relative Permittivität
ǫr= 5,1 @ 1 kHz. Für f < 20 kHz ist die relative Permittivität näherungsweise konstant;
144
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
C C
H
H
H
n
b
b
"
"
b
b
"
"
bb
""
OH
(a): PVP
b
b
"
"
b
b
"
"N
NN
N
CH2
O
CH3
CH2O
N
CH2
O
CH3
N
CH2O
CH3
CH2
O
CH3
n
(b): PMCF-m
b
b
"
"
b
b
"
"N
NN
N
CH2
O
b
b
"
"
b
b
"
"
bb
""
CH2CH n
CH2O
N
CH2
O
b
b
"
"
b
b
"
"
bb
""
CH2CH n
N
CH2O
b
b
"
"
b
b
"
"
bb
""
CH2CH n
CH2
O
b
b
"
"
b
b
"
"
bb
""
CH2CH n
(c): PMCF-vernetztes PVP
Abbildung 5.29: Molekülstruktur von reinem Poly(4-vinylphenol), Poly(melamin-co-
formaldehyd)-methyliert und quervernetztem Poly(4-vinylphenol)
[LKK+07]
für höhere Frequenzen fällt sie ab10. Ursache für den Abfall der Permittivität ist im
Allgemeinen die Blockade von Polarisationsmechanismen [Fasc05] und im speziellen
Fall von PVP der Ausfall von Reorientierungs- bzw. Relaxationsprozessen [Thom93].
Die Relaxationsprozesse für (amorphe) polymere Systeme werden nach [Thom93] in
zwei Gruppen, die sogenannten α- und β-Prozesse, unterteilt. Während α-Prozesse der
Molekularbewegung der Ketten entsprechen, sind β-Prozesse auf eine begrenzte Molekül-
10Für f > 1 MHz wird eine Dielektrizitätszahl ǫr<1 ermittelt. Diese resultiert aus der parasitären
Serieninduktivität der Messtruktur, so dass die Messwerte für diesen Frequenzbereich ungültig sind.
145
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
fin Hz
ǫr
102103104105106107
1
2
3
4
5
6
ti= 226 nm, Vmess = 0,5 V
Messdaten
Kurvenanpassung
Abbildung 5.30: Frequenzabhängigkeit der relativen Permittivität ǫreiner Poly(4-
vinylphenol)-Schicht, quervernetzt mit 1,67Gew.-% Poly(melamin-co-
formaldehyd)-methyliert
beweglichkeit gründende Reorientierungsprozesse innerhalb eines Moleküls. Infolge der
großen und zudem vernetzten Molekülketten dominieren bei den untersuchten Schichten
die β-Prozesse; bei PVP z.B. in Form einer Drehung an der Phenol-Vinyl-Bindung oder
die lokale Rotationsbewegung des OH-Radikals der Phenol-Gruppe in unvernetztem
PVP [PK08]. Befindet sich die PVP-Schicht in einem elektrischen Wechselfeld, so folgen
die Ketten und polaren Molekülgruppen dem Wechselfeld; für niedrige Frequenzen
sowohl in α- als auch in β-Prozessen, für steigende Frequenzen nur noch in β-Prozessen.
Oberhalb einer Grenzfrequenz sind auch die vorhandenen β-Prozesse zu träge, um dem
Wechselfeld zu folgen, so dass die Permittivität abnimmt. Das Nachlassen der α-Prozesse
ist in dem abgebildeten Frequenzgang nicht ersichtlich. Sofern überhaupt im untersuchten
Frequenzbereich vorhanden, wird es durch viskoelastische Relaxationen im Bereich
f < 600 Hz maskiert [PK08]. Entgegen Park und Kim, die in PVP eine Resonanzab-
sorption des OH−-Radikals an unvernetztem PVP bei 2 MHz beobachten [PK08], tritt
eine Absorption bereits bei geringeren Frequenzen (f≥105Hz) auf. Sie deutet auf eine
unzureichende Quervernetzung des Polymers hin. Weitere typische Frequenzbereiche
der Resonanzabsorption liegen für die Ionenpolarisation bei f≈1013 Hz bzw. für die
Elektronenpolarisation bei f≈1016 Hz [Fasc05] und damit außerhalb des Messbereichs.
Dominierender Faktor für den frequenzabhängigen Abfall der Permittivität ist also der
Ausfall der Orientierungspolarisation. Der Frequenzgang in Abbildung 5.30 wird mit
einer exponentiellen Abnahmefunktion und der Abnahmekonstanten τdec = 1,1·10−6s
approximiert.
Poly(4-vinylphenol) neigt als Gate-Dielektrikum in OFET außerdem zur Bildung von
Hystereseerscheinungen im elektrischen Verhalten aufgrund von Fallenzuständen [Hali06].
Die träge Umladung von Störstellen bewirkt zusätzlich eine Beeinflussung der Orien-
146
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
Tabelle 5.9: Prozessparameter für die RIE-Ätzung von quervernetztem Poly(4-vinylphenol)
Prozessparameter Wert
Gasfluss O210 sccm
Druck 80 mTorr
HF-Leistungsdichte 0,32 W/cm2
Elektrode Graphit
Ätzrate 270 nm/min
tierungspolarisation und daher einen Abfall der Permittivität. Die Störstellen werden
hauptsächlich durch eine hohe Anzahl offener Phenolgruppen, also durch eine unzureichen-
de Quervernetzung hervorgerufen. Der Zusatz von Cross-linker-Additiven in ausreichender
Menge führt zur Senkung der Hysterese [LKK+07]. Auch die direkte Quervernetzung
durch kurzwellige UV-Strahlung unter Bildung von Ozon ist möglich [CKL09]. Bei diesem
Prozess findet die Umsetzung von Phenolgruppen in Ortho-Chinon-Gruppen statt; jedoch
werden nicht sämtliche Phenole umgebaut, so dass restliche Hydroxylgruppen verbleiben.
Messungen der elektrischen Stabilität zeigen, dass die PVP-Schichten eine Durchbruch-
feldstärke EBD >2,7 MV/cm aufweisen. Klauk et al. beobachten an molar leichterem
PVP mit M= 20000g/mol Durchbruchfeldstärken von EBD = 2,5 MV/cm [KHZ+02]. Mit
zunehmender Spannung ist ein quadratischer Anstieg der Stromdichte zu beobachten.
Diese beträgt typischerweise J= 150 µA/cm2knapp unterhalb des Durchbruchs, aber nur
maximal J= 1,6µA/cm2im Betriebsbereich der integrierten Transistoren und ist somit
tolerierbar.
Aufgrund der Untersuchungsergebnisse ist quervernetztes Poly(4-vinylphenol) als
Gate-Dielektrikum für niederfrequente Anwendungen mit Betriebsfrequenzen unterhalb
von 300 kHz geeignet; es bietet gleichzeitig eine höhere Permittivität als SiO2.
Nach der Quervernetzung der Polymerketten verliert PVP seine Löslichkeit in or-
ganischen Lösungsmitteln. Zur Strukturierung wird das reaktive Ionenätzverfahren
eingesetzt, da sich PVP in Sauerstoffplasma mit hoher Ätzrate abtragen lässt. Die
Prozessparameter sind in Tabelle 5.9 aufgeführt. Die Selektivität zum Fotolack AZ 5214E
ist ausreichend, um PVP mit Schichtdicken von 340nm zu strukturieren. Für die
Lackentfernung scheidet die Plasmaätzung im Sauerstoffplasma aus. Da PVP durch die
Quervernetzung seine Löslichkeit in Aceton und NMP verliert, kann der Lack alternativ
mit diesen Lösungsmitteln abgelöst werden.
PECVD-SiO2
Trotz der bekannten Sprödigkeit kann auch SiO2, abgeschieden im PECVD-Verfahren
bei 100◦
C, für die Integration von FET auf temperaturempfindlichen Substraten,
insbesondere auf Glas verwendet werden. Als Abscheideprozess wird das bekannte
147
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Niedertemperatur-PECVD-Verfahren mit SiH4und N2O als Quellgase verwendet, das
bereits von der Kantenabscheidetechnik in Abschnitt 3.3.1 bekannt ist. Der Einsatz des
PECVD-Oxids ist notwendig, da speziell bei der Integration der Einzelpartikeltransistoren
im Inverted Coplanar-Aufbau die Resistenz eines polymeren Dielektrikums gegenüber
nachfolgender Prozessschritte nicht gegeben ist.
Folgende Nachteile sind von Niedrigtemperatur-abgeschiedenen Siliziumdioxid-Schichten
auf ZnO-Untergrund bekannt [NCS+03] und werden daher auch für die PECVD-
abgeschiedenen Schichten erwartet:
•eine erhöhte Dichte an grenzflächenbedingten Haftstellen;
•eine erhöhte Dichte an Oxidladungen;
•Gate-Leckströme, die sich mit fortschreitender elektrischer Beanspruchung des Bau-
elements erheblich verschlechtern;
•sowie eine geringe elektrische Durchbruchfestigkeit.
5.6.2 Dünnfilmtransistoren mit PVP-Dielektrikum
Dünnfilmtransistoren in Inverted Staggered-Architektur auf Si-Substrat
Bauelementintegration
Die Integration der Transistoren wird auf thermisch oxidierten Silizium-Substraten durch-
geführt. Das thermische SiO2stellt die elektrische Isolierung zwischen den Bauelementen
sicher und bietet eine äußerst glatte Oberfläche. Zunächst werden die Gate-Elektroden
für die Inverted Staggered-Transistoren bzw. die Drain- und Source-Elektroden für die
Noninverted Staggered-Transistoren aus Aluminium mit einer Schichtdicke von 100 nm
hergestellt.
Im Falle der Noninverted Staggered-Transistoren wird daraufhin die Nanopartikel-
schicht durch Schleuderbeschichtung erzeugt. Die verwendete Dispersion enthält ZnO-
Nanopartikel mit ξ(ZnO) = 17,5 Gew.-%. Das Dispersionsmedium Wasser wird für 5 min
bei 110◦
C auf der Hot-plate verdampft. Um das thermische Budget der Prozesskette mög-
lichst gering zu halten, wird auf ein Annealing verzichtet. Über den Nanopartikelfilm wird
daraufhin die PVP-Schicht durch Schleuderbeschichtung abgeschieden. Die PVP-Lösung
wird im Gewichtsverhältnis 5:1:54 von PVP:PMCF-m:PGMEA angesetzt. Bei einer
Drehzahl von 3500 min−1stellt sich eine Schichtdicke ti= 340 nm ein. Zur Quervernetzung
wird die Probe für 30 Minuten bei 200◦
C unter Vakuum getempert. Die Vernetzung unter re-
duziertem Druck führt zu qualitativ besseren dielektrischen Schichten [LKL+05,LCH+07].
Zur Integration von Inverted Staggered-Bauelementen werden die Abscheidung der Na-
nopartikel und der PVP-Schicht in der Abfolge vertauscht, wobei der Massenanteil der
Dispersion ξ(ZnO) = 22,7 Gew.-% beträgt und die PVP-Schicht bei einer Drehzahl von
4000 min−1zur Reduktion der Schichtdicke auf ti= 180 nm abgeschieden wird.
In beiden Bauformen werden unmittelbar an die PVP-Schichtabscheidung anschließend
die Kontaktöffnungen im Poly(4-vinylphenol) durch reaktives Ionenätzen geöffnet, um
die Drain-/Source-Elektroden elektrisch kontaktieren zu können. Die ZnO-Schicht bedarf
148
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
keiner Kontaktöffnungen, da sie von den Messspitzen durchstochen werden kann. Die
PVP-Schicht in Noninverted Staggered-Transistoren trägt zur Fixierung der Nanopartikel-
schicht bei, so dass trotz des Verzichts auf einen Annealing-Prozess die vorhandenen Schich-
ten ausreichend stabil sind, um im abschließenden Schritt Gate-Elektroden aus 50 nm Gold
mittels Lift-off -Technik herzustellen.
Elektrische Transistorparameter von Inverted Staggered-TFT
Die untersuchten Transistoren zeigen wiederum n-Kanal-Verhalten. In Abbildung 5.31
ist die Kennliniencharakteristik eines typischen Transistors mit einer Schwellenspannung
von Vth = 1,4 V in Vorwärtsrichtung und Vth = 0,2 V in Rückwärtsrichtung dargestellt.
Der vorgestellte Transistor ist in beide Messrichtungen selbstsperrend; es ist zu erwähnen,
dass durchaus auch Bauelementexemplare existieren, die nur in Vorwärtsmessrichtung
selbstsperrend oder in beide Richtungen selbstleitend sind. Im Vergleich zu organischen
Feldeffekttransistoren mit PVP als Gateisolator fällt die Hysterese gering aus [Hali06].
Berichte über ZnO-Nanopartikel-TFT mit Poly(4-vinylphenol) in der Inverted Staggered-
Architektur zeigen ähnlich geringe Hystereseffekte [FBJ+09]. Faber et al. erreichen
in dieser Bauform eine Ladungsträgerbeweglichkeit11 von µ= 8 ·10−3cm2(Vs)−1.
Die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit des hier vorgestellten Transistors beträgt
µFE = 3,2·10−3cm2(Vs)−1und ist demnach nur unwesentlich geringer. In Anbetracht der
niedrigen Prozesstemperatur von maximal 200◦
C ist dieser Wert als gut einzustufen, zumal
ts
VGS in V
IDin A
−10 −50510
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
0,0
0,2
0,4
VDS = 5 V
0,6
0,8
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
0510 15
0
1
2
3VGS =−2...10 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.31: Kennlinien eines ZnO-NP-Dünnfilmtransistors im Inverted Staggered-
Aufbau. Der Transistor besitzt eine Kanallänge von L= 1,5 µm und
eine Weite von W= 500µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 180 nm
PVP. Als Substrat dient ein thermisch oxidierter Siliziumwafer. Die Gate-
Elektrode besteht ebenso aus Aluminium wie die Drain- und Source-
Kontakte.
11Die Ladungsträgermobilität ist unter Zuhilfenahme der Standard-Transistorgleichung ermittelt wor-
den und entspricht nicht der in dieser Arbeit präsentierten Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit. Tendenzi-
ell liegt der Wert der Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit unter dem direkt aus den Transistorgleichungen
ermittelten Wert. Zudem wird die Größe der Mobilität durch Fehler in der Vth-Bestimmung verfälscht.
149
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
diese Beweglichkeiten in [LJJ+08] selbst bei Anwendung eines Annealing-Prozesses bei
Ta= 600◦
C nicht erreicht werden. Wesentlich größer als der in der Literatur angegebene
Wert ist die Strommodulation mit ca. ION/IOFF = 105. Der in [FBJ+09] berichtete Wert
beträgt lediglich ION/IOFF ≈103. Für VGS < Vth steigt der Drain-Strom aufgrund einer
vermehrten Löcherinjektion an, so dass das Bauelement einen ambipolaren Charakter
aufweist. Das Sperrverhalten ist aufgrund des hohen ION/IOFF-Verhältnisses und des
geringen Subschwellenstromanstiegs von S= 0,7 V/dek als gut zu bewerten.
Das Ausgangskennlinienfeld zeigt einen deutlichen Sättigungsbereich mit einem leichten
Anstieg des Drain-Stroms mit zunehmendem VDS. Der Anstieg kann mit dem für
ZnO-TFT nachgewiesenen DITL-Effekt, aber auch mit dem ambipolaren Charakter
begründet werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine Überlagerung beider Effekte
auftritt. Im Anlaufbereich ist erneut die SB-MOSFET-typische Linkskrümmung der
Kennlinien zu beobachten, welche ebenfalls ein Indikator für den drain-induzierten
Schwellenspannungsabfall ist.
Hysterese und ihre Auswirkungen in Inverted Staggered-TFT
Der DITL-Effekt ist im Zusammenhang mit der auftretenden Hysterese problematisch, da
gefangene Ladungen ihrerseits wiederum die Feldverteilung und damit auch die Schwel-
lenspannung beeinflussen. Am Beispiel eines Transistors mit L= 2 µm und W= 1000µm
sind in Abbildung 5.32a Ausschnitte aus den Transferkennlinien mit variierter Drain-
Source-Spannung dargestellt, wobei VDS sukzessive gesteigert und der Drain-Strom sowohl
in Vorwärts- als auch in Rückwärtsmessrichtung aufgenommen wird. Es ist zu beobachten,
dass in beiden Messrichtungen eine Schwellenspannungsverschiebung mit veränderter
VGS in V
IDin A
0510
10−13
10−11
10−9
10−7
10−5
VDS = 10 V
VDS = 5 V
VDS = 2 V
(a): Transferkennlinienfeld EDS in 104V/cm
Vth in V
012345
−5
0
5
10
steigendes VDS
fallendes VDS
Vorwärtsmessrichtung
Rückwärtsmessrichtung
(b): Abhängigkeit der Schwellenspannung
von der elektrischen Feldstärke
Abbildung 5.32: Transferkennlinienfeld eines ZnO-NP-Dünnfilmtransistors (L= 2µm,
W= 1000µm) mit PVP-Dielektrikum und Abhängigkeit der Schwellen-
spannung von der lateralen elektrischen Feldstärke für Vorwärts- bzw.
Rückwärtsmessrichtung in der Transferkennlinie und fallendem bzw. stei-
gendem VDS im Transferkennlinienfeld
150
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
Drain-Source-Spannung auftritt. Die Größe der Verschiebung ist offensichtlich abhängig
von der Messrichtung: für Messungen mit steigendem VGS ist sie stärker ausgeprägt als in
umgekehrter Richtung, jedoch mit dem selben Vorzeichen. Die Schwellenspannungen sind
in Abhängigkeit von der elektrischen Feldstärke in Abbildung 5.32b (blau) aufgetragen.
Es ist demnach anzunehmen, dass die Besetzungsdichte der für die Hysterese verantwort-
lichen Haftstellen den DITL-Effekt beeinflusst.
Wird die Drain-Source-Spannung in absteigender Richtung verändert, so ergibt sich
der Zusammenhang zwischen Vth und EDS, wie er in Abbildung 5.32b als schwarze
Markierungen dargestellt ist. Wie erwartet nimmt die Schwellenspannung in der Vor-
wärtsmessrichtung (steigendes VGS) ab, doch nimmt sie in Rückwärtsmessrichtung zu.
Folglich nimmt die Drain-Source-Spannung bzw. auch ihr bisheriger Verlauf Einfluss
auf die Schwellenspannungsverschiebung. Dieser Effekt ist damit zu erklären, dass
unterhalb der Drain- und Source-Elektroden Haftstellen besetzt werden und abhängig
von deren Ladungszuständen die Barriereeigenschaften der Metall-Halbleiter-Übergänge
verändert werden. Die Lokalisierung der Haftstellen ist ungeklärt. Möglich sind sowohl
traps an der Grenzfläche zum PVP, in der Halbleiterschicht oder aber unmittelbar am
Metall-Halbleiter-Übergang zwischen der Halbleiterschicht und den Drain- und Source-
Elektroden, wobei das Auftreten der letzten beiden Möglichkeiten eine weitestgehend
von der PVP-Schicht unabhängige Haftstellendichte bedeutet. Aufgrund der messungs-
bedingten Verfälschung wurde der DITL-Effekt in Abschnitt 5.3.2 nicht direkt aus den
Transferkennlinienfeldern ermittelt, sondern aus den Häufigkeitsverteilungen abgeleitet.
Durch die Betrachtung der Mittelwerte der Verteilungen lässt sich der hysteresebezogene
Einfluss der Drain-Source-Spannung näherungsweise vernachlässigen.
Um der Hysterese entgegen zu wirken, kann der Vorgang der Ladungsträgerbefrei-
ung aus den Fallenzuständen durch einen Energieeintrag unterstützt werden. Möglich
ist sowohl eine optische als auch thermische Anregung der Störstellenionisierung. Abbil-
VGS in V
Iin A
−20 −10 010 20
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
IDhell
IGhell
IDdunkel
(a): Transferkennlinien
λin nm
Intensität
300 400 500 600 700 800 900 1000
4 3 2
Energie in eV
(b): Lichtspektrum
Abbildung 5.33: Hysterese eines ZnO-NP-Dünnfilmtransistors im Inverted Staggered-
Aufbau unter Lichteinfall und Wellenlängenspektrum des Lichts. Tran-
sistorkanallänge L= 3 µm, Transistorkanalweite W= 3 µm
151
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
dung 5.33a zeigt die Transferkennlinie eines Transistor unter Lichtbestrahlung mit dem
Spektrum aus Abbildung 5.33b. Als Vergleich ist die Dunkeleingangscharakteristik als
Strichkurve dargestellt. Da das erste spektrale Maximum des Lichts bei einer Wellenlänge
λ= 557 nm zu finden ist, können näherungsweise nur Ladungsträger aus traps befreit
werden, für deren energetische Lage Et
EC−Et≤hν (5.14)
gilt, d.h. Haftstellen, die energetisch nicht weiter als 2,2 eV vom Leitungsband entfernt
liegen. Aufgrund der geringen Energie der Photonen können diese die ZnO-Schicht
ungehindert transmittieren und zum PVP-Dielektrikum gelangen [Deg06]. Die Transfer-
kennlinie zeigt, dass die Lichtimission tatsächlich zu einer Verminderung der Hysterese,
aber zu einem offensichtlichen Anstieg des Sperrstroms führt. Wird zusätzlich der
Gate-Leckstrom betrachtet, so fällt auf, dass dieser gegenüber Dunkelmessungen um
ca. drei Größenordnungen ansteigt und für kleine Gate-Spannungen die Stärke des
Drain-Stroms erreicht. Es ist demnach zu vermuten, dass die Photonen in Wechsel-
wirkung mit dem PVP stehen und der hohe Sperrstrom durch einen photoinduzierten
Gate-Leckstrom hervorgerufen wird. Der hohe Gate-Leckstrom erklärt aber nicht den
höheren Drain-Strom für VGS >−10 V. Dessen Ursache ist die Energieübertragung von
Photonen auf Elektronen im Metall, deren Energie folglich ausreicht, um die Barriere
an der Source-Elektrode passieren zu können. Damit einhergehend ist die verringerte
Schwellenspannung, die für die Vorwärtsmessrichtung um ∆Vth =−16,6 V und in
Rückwärtsmessrichtung um ∆Vth =−11,42 V reduziert ist. Im bestrahlten Zustand
ist durch das Gate-Potenzial eine wesentlich stärkere Bandverbiegung zu leisten, um
den Übergang der energiereicheren Elektronen vom Metall in den Halbleiter zu verhindern.
Die thermische Anregung wird über eine moderate Erhitzung des Substrats wäh-
rend der Messung erreicht. Die Abbildung 5.34 zeigt die Verläufe der Transferkennlinien
für die Temperaturen T={21◦
C,50◦
C,60◦
C,76◦
C}. Die thermischen Energien reichen nur
aus, um Ladungsträger aus sehr flachen Störstellen zu befreien, dennoch ist eine stetige
Abnahme der Hysterese zu beobachten, da die Ionisierungswahrscheinlichkeit steigt und
gemäß dem Frenkel-Poole-Effekt in Abschnitt 1.1.3 die Anregung der Ladungsträger
mit zunehmender thermischer Energie vereinfacht wird.
Für T= 50◦
C tritt lediglich eine Verengung der Hysteresekurve auf, während für T= 60◦
C
bereits eine Überdeckung der Transferkennlinie für Vorwärts- und Rückwärtsmessrichtung
im Bereich hoher Gate-Source-Spannungen auftritt. Die Kennlinie erinnert stark an die
Charakteristik des Inverted Staggered-Transistors in Abbildung 5.10a, der wegen seines
thermisch gewachsenen SiO2-Dielektrikums eine wesentlich geringere Haftstellendichte be-
sitzt. Daraus kann gefolgert werden, dass durch die Erwärmung der Effekt der Haftstellen
in einem gewissen Maße reduziert wird.
Es ist weiterhin zu beobachten, dass der Verlauf in Vorwärtsmessrichtung nahezu
unverändert bleibt, während die Reduktion der Hysterese mit abnehmenden Gate-
Source-Spannungen stattfindet. Vermutlich bleibt der Aufladeeffekt der Störstellen mit
steigender Gate-Source-Spannung von der erhöhten thermischen Energie unbeeinflusst
bzw. es kann ein Verschiebungsstrom auftreten, der unabhängig von der Wärmeenergie
ist. Letztendlich tritt für eine weitere Erhöhung der Temperatur auf T= 76◦
C eine
152
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
VGS in V
IDin A
−10 010 20
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
(a): T= 21◦
C
VGS in V
IDin A
−10 010 20
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
(b): T= 50◦
C
VGS in V
IDin A
−10 0 10 20
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
(c): T= 60◦
C
VGS in V
IDin A
−10 0 10 20
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−6
(d): T= 76◦
C
Abbildung 5.34: Hysterese eines ZnO-NP-Dünnfilmtransistors im Inverted Staggered-
Aufbau in Abhängigkeit von der Temperatur während der Messung. Tran-
sistorkanallänge L= 3 µm, Transistorkanalweite W= 3 µm, VDS = 10 V
Umkehrung der Hysterese auf, so dass für die Vorwärtsmessrichtung teilweise ein höherer
Strom als in Rückwärtsmessrichtung gemessen wird. Eine generelle Verschiebung der
Schwellenspannung mit steigender Temperatur in negative Richtung ist nicht festzustellen.
Zwar ist eine Senkung der Schwellenspannung in Vorwärtsrichtung zu bemerken, in
Rückwärtsrichtung ist jedoch eine Anhebung der Schwellenspannung in den positiven
Spannungsbereich zu erkennen, so dass der Transistor auf jeden Fall selbstsperrend
ist. Für Temperaturen T≤50◦
C ändert sich der Verlauf der Transferkennlinie we-
der qualitativ noch quantitativ. Die zugeführte Wärmeenergie scheint demnach nicht
ausreichend zu sein, die thermische Emission über die Metall-Halbleiter-Barriere nen-
nenswert zu steigern. Erst für T= 76◦
C tritt eine leichte Erhöhung des Drain-Stroms
im Sperrbereich und damit eine Reduktion der Strommodulation ein. Ein Anstieg des
Gate-Leckstroms ist im Gegensatz zum optischen Energieeintrag nicht zu beobachten und
der Gate-Leckstrom ist um mindestens drei Größenordnungen kleiner als der Drain-Strom.
153
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Die Abnahme der Hysterese in den Transferkennlinien aufgrund des Temperaturein-
flusses ist reversibel, so dass nach der Abkühlung wieder die ursprünglichen Kennlinien
gemessen werden können. Es ist somit nahezu ausgeschlossen, dass die Unterschiede in
den Kennlinien durch eine chemische Reaktion der in den Transistoren verwendeten
Materialien – im Sinne einer nicht umkehrbaren Materialveränderung – hervorgerufen
werden.
Dünnfilmtransistoren in Inverted Staggered-Architektur auf Glassubstrat
Für den Übergang auf isolierende Substrate werden die Inverted Staggered-
Dünnfilmtransistoren aus dem vorangegangenen Abschnitt auf Glassubstrat integriert.
Als Substrat wird ein Borosilikatglas als 4-Zoll-Wafer der Firma Plan Optik AG
verwendet. Der thermische Ausdehnungskoeffizient beträgt 3,25 ·10−6K−1. Ein maximale
zulässige Einsatztemperatur ist nicht angegeben. Diese ist vermutlich identisch mit dem
Borofloat 33-Glas der Firma SCHOTT Technical Glas Solutions GmbH [Bor09].
Die Oberflächenrauheit ist laut Produktspezifikation kleiner als 1,5 nm [Pla09].
Der Integrationsprozess wird von den Inverted Staggered-Bauelementen auf thermisch
oxidiertem Siliziumsubstrat übernommen. Die Kennlinien eines typischen Transistors sind
in Abbildung 5.35 dargestellt. Qualitativ ähnelt die Charakteristik den Bauelementen
auf Siliziumsubstrat. Da lediglich das Substrat ausgetauscht wurde, bleibt die Hysterese
bestehen, so dass die Schwellenspannung in Vorwärtsmessrichtung Vth = 11,5 V und in
Rückwärtsmessrichtung Vth = 4,0V beträgt. Der Transistor ist zwar wie die Mehrzahl
der Transistoren selbstsperrend, doch muss erwähnt werden, dass ebenso selbstleitende
bzw. eine Kombination aus beiden Typen auf dem selben Substrat existieren, wobei die
Schwellenspannungen dem DITL-Effekt unterworfen sind; d.h. mit größerem VDS nehmen
VGS in V
IDin A
−10 −50510 15 20
10−11
10−10
10−9
10−8
10−7
10−5
0
1
2
VDS = 5 V
3
4
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
0510 15 20
0
20
40
60
VGS =−5...20 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.35: Kennlinien eines ZnO-NP-Dünnfilmtransistors im Inverted Staggered-
Aufbau auf Borosilikatglas-Substrat mit Al-Gate-Elektroden. Der Tran-
sistor besitzt eine Kanallänge von L= 1,5µm und eine Weite von
W= 500 µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 180nm PVP. Die Drain-
und Source-Kontakte bestehen aus Aluminium.
154
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
die Schwellenspannungen teilweise extrem ab. Diese Tatsache wird für den Aufbau von
Inverter-Schaltungen in Abschnitt 6 entscheidend sein.
Die Strommodulation ist größer als 105, und die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
beträgt µFE = 7,4·10−2cm2(Vs)−1. Beide Werte übertreffen somit die Parameter für die
Transistoren auf oxidiertem Siliziumsubstrat. Der Subschwellenstromanstieg ist hingegen
mit einem Wert von S= 6,1 V/dek wesentlich schlechter.
Aufgrund der Hysterese, deren Ursache im Dielektrikum liegt, sind die oben vorge-
stellten Transistoren je nach Messrichtung selbstleitend oder -sperrend. Um auch für
höhere Drain-Source-Spannungen (z.B. für den Aufbau von Schaltungen) die Transistoren
selbstsperrend verfügbar zu haben, lässt sich in MOSFET die Schwellenspannung über
die Differenz der Austrittsarbeiten zwischen Gate-Elektroden- und Halbleitermaterial
der MIS12-Struktur einstellen [Sze81]. Mit größerer Austrittsarbeit des Gate-Metalls
steigt die Schwellenspannung an. Daher wird für die Integration auf Glas Gold als
Gate-Metall eingesetzt, welches mit qφM(Au) ≈ −5,1 eV gegenüber Aluminium mit
qφM(Al) = −4,28 eV eine größere Austrittsarbeit aufweist. In Folge der schlechten
Haftung von Gold auf Siliziumdioxid, also auch auf Glas, werden zunächst 4 nm Titan
als Haftvermittler durch Elektronenstrahlverdampfung und anschließend 40 nm Gold
durch Kathodenstrahlzerstäubung abgeschieden. Der weitere Integrationsprozess bleibt
unverändert.
Die Charakteristiken eines typischen Transistors sind in Abbildung 5.36 dargestellt.
Die Schwellenspannung von Vth = 2,1 V in Vorwärtsmessrichtung und Vth =−4 V in
Rückwärtsmessrichtung sind keineswegs gegenüber den Schwellenspannungen in den zuvor
vorgestellten TFT mit Al-Gate erhöht, sondern stark verringert. In der gesamten Stich-
VGS in V
IDin A
−10 −50510 15
10−9
10−8
10−7
10−6
0,0
0,2
0,4
VDS = 5 V
0,6
0,8
1,0
√IDin m√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin µA
010 20 30
0
4
8
12
VGS =−5...15 V
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.36: Kennlinien eines ZnO-NP-Dünnfilmtransistors im Inverted Staggered-
Aufbau auf Glassubstrat. Der Transistor besitzt eine Kanallänge von
L= 3 µm und eine Weite von W= 1000µm. Das Gate-Dielektrikum
besteht aus 180nm PVP. Die Gate-Elektrode besteht aus 4nm Ti/40nm
Au und die Drain- und Source-Kontakte sind aus Aluminium.
12Metal Insulator Semiconductor
155
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
probenmenge exisitert kein Transistor, der unabhängig von der Hysterese selbstsperrend
ist, so dass vermutet werden kann, dass die Verwendung von Au-Gate-Elektroden keine
Verbesserung erbringt. Mögliche Ursachen hierfür sind
•ein starker Einfluss der Eigenschaften des Gate-Dielektrikums und seiner Aufladung;
•veränderte physikalische Eigenschaften der Goldelektrode (z.B. in Wechselwirkung
mit dem PVP-Dielektrikum);
•ein zu geringer Einfluss der Ladungsträgerakkumulation auf die Transistorfunktion.
Offensichtlich wird die Transistorfunktion in erster Linie durch die Steuerung der Kontakt-
eigenschaften an den Drain- und Source-Kontakten bewirkt. Die Kontakte liegen an der
Oberseite der Halbleiterschicht und demnach ca. 200−300 nm von der Akkumulationszone
entfernt. Etwaige Feldeinflüsse, die durch die höhere Austrittsarbeit der Goldelektrode
hervorgerufen werden, können im Halbleiter über die Raumladungszone auf einer Distanz
von näherungsweise 10 nm abgebaut werden, so die Kontakte unbeeinflusst bleiben.
Als weitere Transistorparameter ergeben sich die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
mit µFE = 2,6·10−3cm2(Vs)−1, das ION/IOFF-Verhältnis mit ca. 103und der Subschwel-
lenspannungsstromanstieg S= 1,65 V/dek. Während also die Mobilität vergleichbar mit
der der Transistoren auf thermisch oxidiertem Siliziumsubstrat ist, verschlechtert sich das
Sperrverhalten.
Die integrierten Transistoren auf Glassubstrat sind abgesehen von den metallischen
Elektroden im optischen Wellenlängenbereich transparent. Abbildung 5.37 zeigt die
optischen Transmittanzen des Wafers vor und nach der Prozessierung sowie die der
Zinkoxid-Nanopartikeldispersion, entnommen aus dem Datenblatt [Deg06], für Wellen-
längen im Bereich von λ= 350 −800 nm. Bereits das unbearbeitete Borosilikatglas
zeigt eine Absorption von 5% über den gesamten Bereich. Durch die metallischen
Elektroden sinkt die transmittierte Lichtintensität auf ca. 50%. Auffällig ist das lokale
Transmittanzminimum bei einer Wellenlänge λ= 374 nm mit 36,5%, welches durch
die Absorption der ZnO-Nanopartikel im UV-Bereich verursacht wird. Laut Datenblatt
existiert ein lokales Absoprtionsmaximum bei λ= 363 nm. Offensichtlich kommt es zu
einer Rotverschiebung um 11nm, die durch die Prozessierung (z.B. leichte Versinterung),
aber auch durch den Kontakt mit den umgebenden Materialien hervorgerufen werden
kann. Die geringe transmittierte Lichtintensität kann gesteigert werden, indem die
intransparenten metallischen Elektroden durch optisch durchlässige Leiter ersetzt werden.
Mögliche Materialien sind zum Beispiel Indium-Zinn-Oxid (ITO), stark Al-dotiertes
Zinkoxid (AZO) oder leitfähige Polymere [Wong09].
Elektrische Transistorparameter von Noninverted Staggered-TFT auf Si-Substrat
Die Kennlinien eines Transistors sind in Abbildung 5.38 exemplarisch dargestellt.
Aufgrund des schlechten elektrischen Kontakts zwischen den Metallelektroden und der
Halbleiterschicht ist der maximale Drain-Strom klein. Insgesamt ist das Ausmaß der
Hysterese wesentlich größer als in Inverted Staggered-Transistoren. Die Schwellenspan-
nung in Rückwärtsrichtung beträgt ca. Vth =−52,5 V. Das Gate-Dielektrikum besitzt
156
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
eine geringe Durchbruchfeldstärke, so dass VGS =Vth nicht erreicht werden kann, ohne
das Bauelemente zu zerstören. Um die Kennlinie zerstörungsfrei aufzunehmen, wird
nur VGS ≥ −40 V gewählt. Bereits für diesen Betriebsbereich ist im Ausgangskenn-
linienfeld ein merklicher Gate-Leckstrom zu beobachten. Für VGS ≥ −10 V geht der
Drain-Strom in der Transferkennlinie in Sättigung, so dass eine asymmetrische Kennlinie
entsteht. Aus der nicht erreichbaren Schwellenspannung resultiert ein sehr geringes
ION/IOFF-Verhältnis mit ION/IOFF = 5. Mit µFE = 1,0·10−3cm2(Vs)−1liegt die Feld-
effektladungsträgerbeweglichkeit mindestens eine Größenordnung unter den Werten der
Inverted Staggered-Transistoren mit gemeinsamer Silizium-Rückseiten-Gate-Elektrode,
aber nur geringfügig unter den Werten der Inverted Staggered-Bauelemente mit PVP-
Dielektrikum. Die reduzierte Mobilität wird durch die höheren Kontaktwiderstände
zwischen dem nanopartikulären Halbleiter und den Drain-Source-Elektroden verursacht.
Gegensätzlich zu den in dieser Arbeit beobachteten Ergebnissen berichteten Faber et al.
über Transistoren derselben Bauform mit denselben Elektrodenmaterialien, hergestellt
und charakterisiert unter ähnlichen Bedingungen. Sie beobachten Beweglichkeiten13 von
immerhin µ= 2,5 cm2(Vs)−1. Der entscheidende Unterschied besteht offensichtlich in
der Wahl des Halbleitermaterials, da wesentlich kleinere Nanopartikel mit organischen
Liganden an der Partikeloberfläche genutzt werden. Das Transistorverhalten zeigt
ebenfalls eine Hysterese und ein Ausbleiben eines Sättigungsbereichs im Ausgangskennli-
nienfeld. Der Sättigungsbereich des in dieser Arbeit vorgestellten Transistors hingegen ist
deutlich ausgeprägt. Eine Hysterese tritt zwar auf und ist stärker vorhanden als in den
Inverted Staggered-TFT, jedoch im Vergleich zur Literatur klein. Mögliche Ursachen für
die geringere Hysterese können sowohl die PVP-Quervernetzung unter Vakuum als auch
λin nm
Optische Transmittanz
400 500 600 700 800
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
Glassubstrat
TFT (Referenz: Lichtquelle)
TFT (Referenz: Glassubstrat)
ZnO-Nanopartikel (nach [Deg06])
Abbildung 5.37: Optische Transmittanz der ZnO-Nanopartikeltransistoren auf
Borosilikatglas-Substrat im sichtbaren Wellenlängenspektrum
13Die Ladungsträgermobilität ist unter Zuhilfenahme der Standard-Transistorgleichung ermittelt wor-
den und entspricht nicht der in dieser Arbeit angegebenen Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit.
157
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Tabelle 5.10: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter von frei beschalt-
baren Dünnfilmtransistoren. Das Gate-Dielektrikum besteht aus Poly(4-
vinylphenol) mit ǫr≈6; die Schichtdicke des Dielektrums beträgt ca.
180nm für die Inverted Staggered-Transistoren bzw. ca. 340nm für den
Noninverted Staggered-Transistor.
Aufbau Substrat Gate ION/IOFF
Vth µFE S
in V in cm2(Vs)−1in V/dek
IS SiO2@Si Al 1051,4 3,2·10−30,7
IS BSG Al >10511,5 7,2·10−26,1
IS BSG Au 1032,1 2,6·10−31,7
NIS SiO2@Si Al 5 −52,5 1,0·10−3-
die Verwendung von größeren Nanopartikeln bzw. von Nanopartikeln ohne organische
Liganden sein. Zur Vollständigkeit sind die Transistorparameter in Tabelle 5.10 als
Übersicht aufgeführt.
Fazit
Mit Poly(4-vinylphenol) als Gate-Dielektrikum lassen sich frei beschaltbare Transistoren
unter Nutzung von ZnO-Nanopartikeln als Halbleitermaterial integrieren. Insbesondere die
Inverted Staggered-Architektur ist geeignet, um Transistoren herzustellen, deren Transi-
storparameter für den Schaltungsaufbau ausreichend sind. Darüberhinaus können sie auf
VGS in V
IDin A
−40 −30 −20 −10 010
10−9
10−8
0
20
40
60
VDS = 10 V
80
√IDin µ√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin nA
0510 15 20
0
2
4
6
VGS =−40...10 V
8
10
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.38: Kennlinien eines ZnO-NP-TFT im Noninverted Staggered-Aufbau. Der
Transistor besitzt eine Kanallänge von L= 100 µm und eine Weite
von W= 700 µm. Das Gate-Dielektrikum besteht aus 340nm PVP.
Drain- und Source-Elektroden bestehen aus 100nm Aluminium, die Gate-
Elektrode aus 50 nm Gold. Als Substrat dient thermisch oxidiertes Silizi-
um.
158
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
transparenten Glassubstraten mit hinreichenden Transistoreigenschaften integriert werden.
Gegenüber den Noninverted Staggered-Bauelementen, die eine stärkere Hysterese und ei-
ne geringere Strommodulation aufweisen, zeigen Inverted Staggered-Transistoren neben
der geringen Hysterese und der hervorragenden Strommodulation ein gutes Sperrverhal-
ten. Die Schwellenspannungen sind teilweise in einem ausreichenden Wertebereich, lassen
sich aber nicht ohne Weiteres durch eine Variation der Austrittsarbeit der Gate-Elektrode
einstellen.
5.6.3 Einzelpartikeltransistoren auf Glassubstrat
Inverted Coplanar-Architektur mit PECVD-SiO2-Dielektrikum
Bauelementintegration
Für die Integration von frei beschaltbaren Einzelpartikeltransistoren wird Glas als
isolierendes Trägermaterial eingesetzt. Als Substrat wird Borosilikatglas mit dem Mar-
kennamen Borofloat 33 der Firma SCHOTT Technical Glass Solutions GmbH
als 4-Zoll-Wafer mit einer Dicke von 0,7±0,07 mm verwendet. Der thermische Ausdeh-
nungskoeffizient beträgt 3,25 ·10−6K−1. Die maximal zulässige Einsatztemperatur wird
für Kurzzeitbelastung (kürzer als 10 h) mit 500◦
C und für Langzeitbelastungen über 10 h
mit 450◦
C angegeben [Bor09].
Zunächst wird auf dem Substrat Aluminium abgeschieden und zu Gate-Elektroden
strukturiert. Als Gate-Dielektrikum dient im PECVD-Verfahren abgeschiedenes Silizium-
dioxid mit einer Dicke ti= 234 nm. Die elektrische Durchbruchfestigkeit von PECVD-SiO2
ist zwar gering, jedoch lässt es sich bei 100◦
C...120◦
C auch auf temperaturempfindlichen
Substraten abscheiden. Abschließend werden die nanoskaligen Zwischenräume hergestellt
und Nanopartikel in diesen abgeschieden. Die Transistorstruktur ist als REM-Aufnahme
in Abbildung 5.39a dargestellt.
Elektrische Transistorparameter
Da das Gate-Dielektrikum wie erwartet elektrisch sehr schwach ist und zudem die
Ausbeute an funktionsfähigen Exemplaren sehr gering ist, können bislang nur Ausgangs-
kennlinienfelder als Transistorcharakteristik vorgewiesen werden. Ein typisches Kennli-
nienfeld ist im Diagramm der Abbildung 5.39b abgebildet. Eine Transistorcharakteristik
einschließlich eines Sättigungsbereichs ist eindeutig zu erkennen. Auffällig sind wiederum
die Stromspitzen beim Übergang vom Triodenbereich in den Sättigungsbereich, die ebenso
sowohl im Falle von Dünnfilm- als auch von Einzelpartikeltransistoren im Zusammenhang
mit ZnO-Nanopartikeln als Halbleitermaterial und der Inverted Coplanar-Architektur
beobachtet werden [vergleiche Abschnitte 5.3.1 und 5.4.1].
Die Schwellenspannung kann nicht exakt bestimmt werden. Aufgrund eines deutli-
chen Drain-Stroms für VGS =−1 V handelt es sich um selbstleitende Transistoren. Eine
Extraktion des Unterschwellenstromanstiegs ist nicht möglich. Die Strommodulation kann
aus dem Ausgangskennlinienfeld mit ION/IOFF = 25 abgeschätzt werden. Sie beträgt dem-
nach nur einen Bruchteil der Werte, die an Inverted Coplanar-Einzelpartikeltransistoren
159
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Gate-Elektrode
Dielektrikum
Transistorkanal Drain
Source
(a)
VDS in V
IDin nA
0246
0
10
20
30
VGS =−2...2 V
(b)
Abbildung 5.39: REM-Aufnahmen einer Transistorstruktur im Inverted Coplanar-Aufbau
mit frei beschaltbarer Gate-Elektrode auf Glassubstrat und Ausgangs-
kennlinienfeld eines Transistors mit einer Kanallänge L= 70nm und
einer geometrischen Kanalweite W= 50 µm. Das Gate-Dielektrikum
besteht aus 234nm PECVD-SiO2, abgeschieden bei 100◦
C. (a) REM-
Aufnahme (ohne Nanopartikel), (b) Ausgangskennlinienfeld
mit gemeinsamer Rückseiten-Gate-Elektrode gemessen werden. Die Ladungsträgerbeweg-
lichkeit wird unter Zuhilfenahme der Shockley-Gleichung für den Sättigungsbereich
aus dem Kennlinienfeld berechnet und beträgt ca. µ= 2,4·10−4cm2(Vs)−1unter der
Annahme, dass die Schwellenspannung mit Vth ≈ −2 V abgeschätzt werden kann. Es
ist zu beachten, dass es sich hierbei nicht um die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
handelt. Die Transistorkennwerte sind in Tabelle 5.11 als Übersicht aufgeführt.
Fazit
Die Inverted Coplanar-Bauform eignet sich mit der angwendeten Prozessführung nicht
für die Integration von frei beschaltbaren Transistoren. Zum Einen ist die Ausbeute äu-
ßerst gering; zum Anderen ist das verwendete PECVD-SiO2als Gate-Dielektrikum elek-
trisch zu instabil. Ein Austausch des Siliziumdioxids durch alternative Dielektrika (z.B.
Poly(4-vinylphenol)) ist nicht möglich, weil sie nicht resistent gegenüber den folgenden Pro-
zessschritten sind. Da die erreichten Transistorparameter für den Einsatz in integrierten
Schaltungen relativ schlecht sind, ist eine Verwendung für einen weiterführenden Schal-
tungsaufbau nicht zielführend.
Tabelle 5.11: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter eines typischen ZnO-
EPT im Inverted Coplanar-Aufbau mit L= 70nm, W= 50µm und Al-Gate-,
Drain- und Source-Elektroden auf Glassubstrat
Substrat Dielektrikum ION/IOFF Vth in V µin cm2(Vs)−1
BSG 234 nm LTO-PECVD-SiO225 −2,4·10−4
160
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
Noninverted Staggered-Architektur mit PECVD-SiO2-Dielektrikum
Auch wenn die Integration von Transistoren in der Inverted Coplanar-Bauform eine zu
geringe Ausbeute liefert, lassen sich dennoch Bauelemente unter Nutzung von nanoskali-
gen Zwischenräumen in der Noninverted Staggered-Architektur herstellen. Dieser Aufbau
bietet drei wesentliche Vorteile:
1. da das Gate-Dielektrikum erst nach der Abscheidung der Nanopartikel erzeugt wird,
besteht nicht die Gefahr einer prozessbedingten Schädigung;
2. die Partikelabscheidung in die Nanogräben ist unproblematisch, da selbst bei feh-
lenden Partikeln im Nanozwischenraum ein Transistorkanal durch Partikel besteht,
die den Nanograben lediglich überbrücken. Die Transistorkanallänge wird weiterhin
durch den Abstand der Drain- und Source-Elektrode definiert;
3. die Annealing-Temperatur zur Nanopartikelfixierung kann entscheidend verringert
oder ein Annealing-Schritt vermieden werden, da einerseits die Belastung durch nach-
folgende Prozesse (d.h. keine Nanograbenherstellung auf dem Partikelfilm) geringer
ist und eine Fixierung der Nanopartikel im gewissen Maße durch die darauf abge-
schiedene Dielektrikumsschicht erreicht wird.
Bauelementintegration
Die Herstellung der Transistoren wird ähnlich zu den Inverted Coplanar-Transistoren in
Abschnitt 5.6.3 durchgeführt. Als Substrat wird wiederum das Borosilikatglas der Firma
Plan Optik AG verwendet.
Zunächst werden Drain- und Source-Elektroden mittels der Kantenabscheidetechnik
im nanoskaligen Abstand strukturiert. Auf die Source- und Drainelektroden wird ein
Nanopartikelfilm aus einer Dispersion mit ξ(ZnO) ≈1,62 Gew.-% durch Spin-coating
abgeschieden. Es stellt sich heraus, dass sich bei dieser Verdünnung der ZnO-Dispersion
eine besonders gleichmäßige Schicht auf Borosilikatglas erzeugen lässt, wenn die Suspen-
sion bei 150 min−1aufgetragen und anschließend für nur 2 s bei 350 min−1verteilt wird.
Abschließend wird die Schicht durch langsame Verdunstung des Wasser im Trockenofen
für 30 Minuten bei 60◦
C getrocknet.
Auf die Partikelschicht wird Siliziumdioxid im PECVD-Verfahren bei einer Prozess-
temperatur von 100◦
C abgeschieden. Bevor die Kontaktlöcher zu den Drain- und
Source-Elektroden geöffnet werden, wird zunächst Aluminium als Gate-Metall abge-
schieden und per Lift-off strukturiert. Das SiO2fixiert dabei die ZnO-Nanopartikel in
ausreichender Weise. Erst abschließend findet die Öffnung der Drain-/Source-Kontakte
statt.
Es ist zu bemerken, dass die maximale Prozesstemperatur durch das Ausheizen der
Wafer vor der Fototechnik mit 150◦
C gegeben ist. Der komplette Prozess ist somit
im vollen Umfang für den Übergang auf temperaturempfindliche Kunststoffsubstrate
geeignet.
161
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
Elektrische Transistorparameter
Auffällig ist, dass die Ausbeute an funktionsfähigen Transistoren wesentlich höher ist als
bei der Inverted Coplanar-Bauform. Ein typisches Kennlinienpaar ist in Abbildung 5.40
dargestellt. Die Transferkennlinie ist durch eine starke Hysterese zwischen den Messrich-
tungen gekennzeichnet. Offensichtlich besitzt das Gate-Dielektrikum bzw. die Grenzfläche
zwischen Dielektrikum und Halbleiter eine hohe Störstellen- und Haftstellendichte.
Dieses ist nicht unwahrscheinlich, da der Isolator bei lediglich 100◦
C abgeschieden wird
und dadurch vermehrt ortsfeste, aber auch mobile Oxidladungen entstehen. Für die
Messung mit steigendem VGS lässt sich somit eine Schwellenspannung Vth =−0,3 V
ermitteln, für die entgegengesetzte Messrichtung zu Vth =−4,9 V. Der selbstleitende
Transistor besitzt ein ION/IOFF-Verhältnis von 140, wodurch er im Vergleich zu den
Inverted Coplanar-Transistoren auf Glassubstrat eine bessere Pegeldetektion gewähr-
leistet. Der Subschwellenstromanstieg ist mit S= 1,77 V/dek leicht schlechter als in
Inverted Coplanar-Einzelpartikeltransistoren auf oxidiertem Siliziumsubstrat. Dennoch
ist der Subschwellenspannungsstromanstieg vergleichbar mit guten organischen Feldef-
fekttransistoren auf isolierenden Foliensubstraten, deren Werte mit S= 1,33...20 V/dek
angegeben werden [Diek08].
Die Ladungsträgerbeweglichkeit ist mit µFE = 2,1·10−4cm2(Vs)−1in beiden Hysterese-
ästen gering. In Anbetracht der sehr geringen Prozessierungstemperatur von T≤150◦
C
und nicht wesentlich höheren Mobilitätswerte für die Inverted Coplanar-Bauelemente
auf Glassubstrat, befindet sich die Mobilität in einer erwarteten Größenordnung. Es
ist möglich, dass die geringe Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit durch Nanopartikel
bedingt ist, die den Elektrodenabstand oberseitig überbrücken und sich nur wenige
Halbleiterpartikel in den nanoskaligen Zwischenräumen befinden. Nanopartikel in den
Nanogräben liegen außerdem nicht als Einzelagglomerate vor, sondern müssen die Kanal-
VGS in V
IDin A
−4−2024
10−11
10−10
10−9
10−8
0
20
40
60
VDS = 7 V
80
100
√IDin µ√A
(a): Transferkennlinie
VDS in V
IDin nA
02468
0
20
40
60 VGS =−2...2 V
80
10
(b): Ausgangskennlinienfeld
Abbildung 5.40: Kennlinien eines ZnO-NP-Einzelpartikeltransistors auf Borosilikatglas-
Substrat im Noninverted Staggered-Aufbau. Der Transistor besitzt eine
Kanallänge von ca. L= 300nm und eine Weite von W= 20µm. Das
Gate-Dielektrikum besteht aus 120nm PECVD-SiO2, abgeschieden bei
100◦
C. Gate-, Drain- und Source-Elektroden bestehen aus Aluminium.
162
5.6 Transistoren mit frei beschaltbaren Gate-Elektroden
Tabelle 5.12: Übersicht über die elektrischen Transistorparameter eines typischen Zinkoxid-
EPT im Noninverted Staggered-Aufbau mit L= 300nm, W= 20 µm
und Al-Gate-, Drain- und Source-Elektroden auf Glassubstrat. Das Gate-
Dielektrikum besteht aus LTO-PECVD-SiO2.
Substrat ti[nm] ION/IOFF Vth in V µFE in cm2(Vs)−1Sin V/dek
BSG 120 140 −0,3 2,1·10−41,77
länge von L= 300nm durch die Bildung eines Mehragglomeratepfades überbrücken.
Die Kennwerte sind wiederum als Tabelle 5.12 in der Übersicht dargestellt.
Fazit
Im Gegensatz zu den anderen Transistorarchitekturen besitzt der Noninverted Staggered-
Aufbau das Potenzial für den Einsatz in logischen Schaltungen auf isolierendem Glassub-
strat, da die Ausbeute höher ist. Dem entgegen steht bislang die recht geringe Ladungs-
trägerbeweglichkeit, die einer Verbesserung bedarf. Mit Blick auf die Transistoren gleicher
Architektur mit gemeinsamen Rückseiten-Gate-Elektroden, erscheint es jedoch möglich, ei-
ne wesentliche Steigerung der Mobilität durch geeignete Anpassungen der Prozessführung
und Materialien zu erreichen.
5.6.4 Zusammenfassung und Bewertung von ZnO-NP-TFT mit frei
beschaltbaren Gate-Elektroden
Die Integration individuell beschaltbarer Transistoren mit ZnO-Nanopartikeln ist sowohl
in Dünnfilm- als auch in Einzelpartikelbauart möglich. Als Übersicht zu den elektrischen
Transistorparameter sind diese in Abbildung 5.41 als Vergleichsgraphik dargestellt.
Im Bereich der Dünnfilmtransistoren ist der Austausch des Gate-Dielektrikums durch
Poly(4-vinylphenol) mit einer Steigerung des ION/IOFF-Verhältnisses unter Beibehaltung
der Ladungsträgerbeweglichkeit und einer leichten Erhöhung der Schwellenspannung
verbunden. Eine gezielte Einstellung der Schwellenspannung über die Wahl der Austritts-
arbeit des Gate-Elektroden-Metalls ist nicht möglich. Um transparente Bauelemente zu
integrieren, lassen sich Inverted Staggered-Transistoren ebenfalls auf Glassubstraten her-
stellen. Der Wechsel des Substrats ist jedoch mit geringen Einbußen bei der Sperrqualität
verbunden, wohingegen sich für das ION/IOFF-Verhältnis und für die Ladungsträgerbe-
weglichkeit, insbesondere mit Aluminium-Gate-Elektroden, sehr gute Werte ergeben. Der
Wechsel der Architektur zur Noninverted Staggered-Schichtabfolge erbringt keinen Vorteil.
Bei den Einzelpartikeltransistoren hingegen bietet der Übergang zur alternativen
Architektur zwei wesentliche Vorteile. Zum Einen lässt sich grundsätzlich die Ausbeute
und die Lebensdauer steigern; zum Anderen befindet sich die Strommodulation in einer
günstigeren Größenordnung. Die niedrigen Ladungsträgerbeweglichkeiten gleichen einan-
der und sind aufgrund des niedrigen thermischen Budgets und der generell schwierigen
Kontaktierung in Einzelpartikeltransistoren zunächst tolerierbar.
163
Kapitel 5 Feldeffekttransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln
µFE in cm2(Vs)−1
IS@Si
NIS@Si
IC/EPT@Glas
NIS@Glas
IS/Au-Gate@Glas
IS/Al-Gate@Glas
TFT/PVP EPT
10−4
10−3
10−2
10−1
100
IS@Si
NIS@Si
100
101
102
103
104
105
106
IC/EPT@Glas
NIS@Glas
IS/Au-Gate@Glas
IS/Al-Gate@Glas
ION/IOFF
TFT/PVP EPT
IS/Au-Gate@Glas
IS/Al-Gate@Glas
Vth in V
TFT/PVP EPT
IS/TFT/PVP
NIS/TFT/PVP
4
6
0
2
8
−52
10
12
NIS/EPT@Glas
Abbildung 5.41: Vergleich von Ladungsträgerbeweglichkeit, ION/IOFF-Verhältnis und
Schwellenspannung zwischen den integrierten ZnO-NP-FET mit frei be-
schaltbaren Gate-Elektroden. Alle Bauelemente sind Al-kontaktiert.
Im Vergleich zum Bericht über frei beschaltbare Dünnfilmtransistoren in [FBJ+09]
mit µ= 8 ·10−3cm2(Vs)−1,ION/IOFF ≈103und Vth = 27 V, zeigen die hier vorge-
stellten Transistoren ähnliche Ladungsträgerbeweglichkeiten, wobei bemerkt werden
muss, dass in [FBJ+09] nicht die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit ermittelt wurde.
Faber et al. nutzten die Standardtransistorgleichung im Sättigungsbereich zur Beweg-
lichkeitsbestimmung. Dieses Verfahren führt generell zu höheren Werten der Mobilität. Es
zeigt sich weiterhin, dass die Strommodulation der in dieser Arbeit integrierten Zinkoxid-
Dünnfilmtransistoren um zwei Größenordnungen höher ist und die Betriebsspannungen
erheblich geringer gewählt werden können, um den Transistor anzusteuern.
Auch bei einer Gegenüberstellung mit den Dünnfilmtransistoren in [BNMH09, OM-
NH08,LJJ+08,LJK+07] mit gemeinsamer Rückseiten-Gate-Elektrode zeigt sich, dass im
Rahmen dieser Arbeit bessere Resultate erzielt worden sind. Trotz des Verzichts auf ein
Hochtemperatur-Annealing und auf chemische Dispergieradditive können ähnliche oder
günstigere Parameter erreicht werden.
164
Kapitel 6
Schaltungen
Nachdem in Abschnitt 5.6.2 ein Dünnfilmtransistor mit ZnO-Nanopartikeln als Halbleiter-
material vorgestellt wurde, der individuell verschaltbar und ohne übermäßigen Aufwand
realisierbar ist, wird dieser im Folgenden für den Aufbau von Invertern verwendet.
Entscheidend für logische Funktionselemente ist neben den bisher verwendeten (statischen)
Transistorparametern das transiente Verhalten, da das zeitliche Verhalten des Schaltvor-
gangs der Einzelelemente die transiente Charakteristik des logischen Bauelements be-
stimmt. Eine erste Abschätzung der Transitfrequenz fTin konventionellen MOSFET ist
durch
fT=µVDS
2π
1
L2(6.1)
gegeben [Sze81]. Diese Abschätzung beinhaltet jedoch keinerlei parasitäre Kapazitäten,
deren Umladevorgänge die Schaltzeiten erheblich verlängern. Hierzu wäre die Integration
von Ringoszillatoren notwendig.
6.1 Inverter
Das Prinzip des Inverters basiert darauf, den Ausgang entweder auf ein hohes Potenzial
(high-Pegel) oder ein niedriges Potenzial (low-Pegel) zu setzen, wobei sich die jeweiligen
Pegel auf dem Niveau der Versorgungsspannung VDD bzw. auf dem Massepotenzial (GND)
oder sich zumindest in der Nähe dieser Potenziale befinden. Für den Aufbau eines Inverters
wird mindestens ein Transistor mit einer resistiven Last benötigt. Der Platzbedarf kann
gesenkt werden, wenn anstelle der resistiven Last eine Transistorlast vorgesehen wird,
die so verschaltet wird, dass sie stets leitend ist. Im Bereich der Einkanaltechnologien
(hier NMOS) ist es vorteilhaft einen Verarmungstyp-Transistor als Last zu verwenden,
der durch seine selbstleitende Charakteristik einen permanenten Widerstand darstellt.
Als Schalttransistor eignen sich vorzugsweise selbstsperrende Transistoren. Diese Tatsa-
che macht demnach zwei Transistorarten notwendig, die bislang mit der einfachen ZnO-
Nanopartikeltechnologie nebeneinander nicht integrierbar sind. Hierzu sind unterschiedli-
che Kontaktmetalle für die Verarmungs- und Anreicherungs-Transistoren nötig. Alternativ
lässt sich die Last auch durch einen selbstsperrenden Transistor realisieren, dessen Gate-
Elektrode mit seiner Drainelektrode kurzgeschlossen wird. Der Transistor befindet sich
dann ständig im Sättigungsbetrieb. Zusammen mit dem Schalttransistor wird der Inverter
durch das Ersatzschaltbild in Abbildung 6.1 repräsentiert, wobei T1 der Schalttransistor
165
Kapitel 6 Schaltungen
VDD
GND
VE
VA
T2
T1
Abbildung 6.1: Erstzschaltbild eines Inverters mit einem Anreicherungstyp-Transistor im
Sättigungsbetrieb als Lastelement
und T2 das Lastelement sind. Als Nachteil des Inverters mit Anreicherungs-Transistor-
Last ist der eingeschränkte Ausgangspegelhub zu nennen. Der Inverterausgang kann nicht
auf das Massepotenzial gezogen werden, da bei Anlegen eines high-Pegels am Eingang der
Transistor T1 öffnet. Dieser besitzt einen endlichen Leitwert, so dass sich das Ausgangspo-
tenzial gemäß der Spannungsteilerregel einstellt. Ebenso kann das Ausgangspotenzial nicht
das Versorgungsspannungsniveau erreichen, da der Transistor T2 bei hohem Ausgangspe-
gel sperrt und somit ein um Vth(T2) verringertes Versorgungspotenzial am Ausgang nicht
übertroffen werden kann.
PVP
VDD
GND
IN
OUT
T2
T1
ZnO-Nanopartikelschicht
(a): Schematischer Aufbau
VDD
GND
IN OUT
T2
T1
(b): Lichtmikroskop-
Aufnahme
Abbildung 6.2: Schematischer Aufbau (a) und lichtmikroskopische Aufnahme eines inte-
grierten Inverters mit Transistorlast (b): Der Schalttransistor besitzt eine
Kanallänge L= 1,5 µm und eine Weite W= 1000µm. Die Kanallänge des
Lasttransistors beträgt L= 3µm und die Weite W= 500µm.
166
6.1 Inverter
6.1.1 Inverter auf thermisch oxidiertem Siliziumsubstrat
Der Integrationsprozess der Inverted Staggered-Transistoren mit Poly(4-vinylphenol)
ist gegenüber dem in Abschnitt 5.6.2 beschriebenen Verlauf unverändert. Die von den
Einzelpartikeltransistoren bekannte Problematik des erschwerten Partikeleintrags in
kleine Zwischenräume ist in diesem Fall von großem Vorteil. Da zur elektrischen Verbin-
dung zwischen Gate- und Drainelektrode des Lasttransistors ein Kontakt-Via durch die
PVP-Schicht hergestellt werden muss, besteht die Gefahr, dass die Öffnung während der
Nanopartikelabscheidung mit den selbigen aufgefüllt wird. Aufgrund der Kontaktlochgrö-
ße sammeln sich Nanopartikel nur im eingeschränkten Maße in der Öffnung an, so dass
sich durch die abschließende Metallbedampfung qualitativ ausreichende Kontaktierungen
ergeben. Eine schematische 3-D-Darstellung der integrierten Inverterschaltung ist in
Abbildung 6.2a dargestellt, die Aufsicht im Lichtmikroskop in Abbildung 6.2b.
Zur elektrischen Charakterisierung der Inverterschaltung wird die Versorgungsspan-
nung mit VDD = 15 V so gewählt, dass der Schalttransistor auch seinen Sättigungsbereich
erreichen kann. Die Spannungs-Transfer-Charakteristik ist in Abbildung 6.3 dargestellt.
Der Eingang wird über den angestrebten low-Pegel hinaus bis VE=−2 V angesteuert.
Die Übertragungskennlinie ist mit einem Schaltpunkt bei kleinen VEasymmetrisch, da
die Schwellenspannung des Schalttransistors gering ist und der Transistor demnach früh
öffnet. Anzustreben ist idealerweise ein Schaltpunkt bei VE=VDD/2. Hierzu ist entweder
VEin V
VAin V
0 5 10 15
0
5
10
15
0,0
1,5
3,0
4,5
6,0
Pin µW
∆Vhys = 1,3 V
VDD = 15 V
VA=VE
Abbildung 6.3: Spannungs-Transfer-Charakteristik (gefüllte Kreise) eines ZnO-
Nanopartikelinverters und seine Verlustleistung (offene Kreise) mit
VDD = 15 V. Die Kanalweite des Schalttransistor beträgt W= 1000µm,
seine Kanallänge L= 1,5 µm. Mit der Kanalweite W= 500µm und Ka-
nallänge L= 3 µm des Lasttransistors ergibt sich ein Geometrieverhältnis
von 4.
167
Kapitel 6 Schaltungen
die Vorspannung des Halbleiterfilms oder eine Erhöhung der Schwellenspannung, also die
Verwendung eines angepassten Kontaktmaterials der Drain/Source-Elektroden notwendig.
Letzteres ist mit einer Materialoptimierung verbunden, da sich die Schwellenspannung
nicht ohne Weiteres durch den Austausch des Gate-Elektroden-Metalls einstellen lässt
[vergleiche Abschnitt 5.6.2]. Darüberhinaus ist bekannt, dass SB-MOSFET-Transistoren
einer starken VDS-Abhängigkeit unterliegen, so dass eine Schaltpunktverschiebung auch
durch die Variation der Drain-Source-Spannung erreicht werden kann.
In der Transfercharakteristik tritt die erwartete Hysterese zwischen den Schaltrich-
tungen auf, so dass sich auch die Verstärkungen für die Schaltrichtungen unterscheiden.
Die Verstärkung als maximale Steigung v=dVA/dVEder Transfercharakteristik beträgt
in Schaltungrichtung vom low- auf den high-Pegel am Eingang v= 4 V/V und in
umgekehrter Richtung v= 6 V/V. Die Kennlinienverschiebung kann durch lineare Extra-
polation der Tangenten im Punkt maximaler Verstärkung auf das Ausgangs-low-Level
und anschließender Differenzbildung ermittelt werden. Es ergibt sich demnach eine
Differenz der Schaltspannungen von ∆Vhys = 1,3 V. Dieser Wert entspricht ungefähr
der hysteresebedingten Schwellenspannungsverschiebung der verwendeten Transistoren
[vergleiche Abschnitt 5.6.2].
Am Ausgang des Inverters liegt ein high-Pegel an, wenn die Eingangsspannung VE
0 V bis ca. 1,2 V beträgt. Die Ausgangsspannung VAist in diesem Fall größer als 11,1 V.
Soll am Ausgang ein low-Pegel erreicht werden, so ist eine Eingangsspannung VEmit
4,2 V ≤VE≤15 V anzulegen. Dieses kann jedoch zu einer zu hohen Ausgangsspannung
mit 3,6 V ≥VA≥0,95 V führen, wodurch bei VE<12,8 V kein sicherer high-Pegel am
Ausgang anliegt.
Um die Schaltpunkte relativ, wenn auch eingeschränkt, zum Versorgungsspannungs-
niveau zu verschieben, wird VDD gesenkt. Die Spannungs-Transfer-Kennlinie ist in
Abbildung 6.4 für VDD = 10V dargestellt. Qualitativ ergeben sich zu der Transfercha-
rakteristik bei VDD = 15 V nahezu keine Unterschiede. Der Inverterausgang befindet sich
nun für 0 V ≤VE≤1,3 V mit VA>7 V im high-Zustand und für 4 V ≤VE≤10 V
mit 0,88 V ≤VA≤1,8 V im low-Zustand. Diese Werte ermöglichen einerseits immer
noch keine sichere Pegeldetektion, doch findet eine relative Verschiebung der Übergangs-
region statt, da das Verhalten des Schalttransistors nur schwach beeinflusst wird und
seine Schwellenspannung näher an VDD/2 liegt. Eine signifikante Absenkung Ausgangs-
low-Pegels durch eine Reduktion des DITL-Effekts aufgrund der gesenkten effektiven
Drain-Source-Spannung am Lasttransistor ist nicht zu beobachten; sie beträgt lediglich
∆VA(VE=VDD) = 0,07 V. Die Ausgangsspannung des high-Pegels misst weiterhin ca.
70% der Versorgungsspannung.
Entscheidender Vorteil der Senkung der Betriebsspannung ist der wesentlich gerin-
gere Leistungsbedarf des Inverters. Für VDD = 15 V beträgt die maximale statische
Leistung ca. Pmax = 5,5µW. Durch die Senkung von VDD auf 10 V beträgt die Lei-
stungsaufnahme nur Pmax = 0,6µW und ist damit eine Größenordnung geringer als
zuvor.
168
6.1 Inverter
VEin V
VAin V
05 10
0
5
10
0,0
0,2
0,4
0,6
Pin µW
VDD = 10 V
VA=VE
Abbildung 6.4: Spannungs-Transfer-Charakteristik (gefüllte Kreise) eines ZnO-
Nanopartikelinverters und seine Verlustleistung (offene Kreise) mit
VDD = 10 V. Die Kanalweite des Schalttransistor beträgt W= 1000µm,
seine Kanallänge L= 1,5 µm. Mit der Kanalweite W= 500µm und Ka-
nallänge L= 3 µm des Lasttransistors ergibt sich ein Geometrieverhältnis
von 4.
6.1.2 Inverter auf Glassubstrat
Werden Inverter auf Glassubstrat integriert, so zeigt sich die Übertragungscharakteristik
in Abbildung 6.5. Die Versorgungsspannung wird mit VDD = 30 V relativ hoch gewählt,
um den Schalttransistor in Sättigung betreiben zu können [vergleiche Abschnitt 5.6.2]. Das
hohe Versorgungspotenzial unterstützt dabei, Ladungsträger aus Haftstellen herauszulö-
sen, so dass der Hysteresegrad abnimmt; gleichzeitig senkt es aber die Schwellenspannung
durch den DITL-Effekt, wodurch der Schaltpunkt mit VA=VDD/2 bereits bei VE= 2,9 V
liegt. Der maximal high-Pegel am Ausgang beträgt VA= 28,2 V (= 0,94 ·VDD) bei
VE=−7,8V, wobei der sichere high-Pegel mit |v|<1 bereits für VE<−3,1 V und
VA>27,2 V in Vorwärtsrichtung bzw. VE<−6,2 V und VA>28,0 V in Rückwärtsrich-
tung erreicht wird. Minimale Ausgangs-low-Pegel stellen sich im Bereich VE>18,6 V
mit VA<1,4 V (= 0,047 ·VDD) ein. Der sichere low-Pegel ist in Vorwärtsrichtung mit
VE>12,8 V und VA<2,8 V bzw. in Rückwärtsrichtung mit VE>8,0 V und VA<2,5 V
gegeben. Infolge der notwendigen negativen Eingangsspannungen ist für den Aufbau von
erweiterten Schaltungen eine Pegelanpassung notwendig.
Die maximalen Verstärkungen der Inverterschaltung ist gegenüber den auf Silizium-
Substrat integrierten Invertern geringer. Sie betragen für die Vorwärtsmessrichtung
v= 3 V/V und für die Rückwärtsmessrichtung v= 3,5 V/V. Durch die hohe Versor-
gungsspannung steigt die maximale Verlustleistung auf Pmax = 120 µW; bei anliegendem
high-Pegel am Eingang werden nur P= 80 µW umgesetzt.
169
Kapitel 6 Schaltungen
VEin V
VAin V
−10 0 10 20 30
0
10
20
30
0
40
80
120
Pin µW
VDD = 30 V
Abbildung 6.5: Spannungs-Transfer-Charakteristik (gefüllte Kreise) eines ZnO-
Nanopartikelinverters auf Borosilikatglas-Substrat und seine Verlustlei-
stung (offene Kreise) mit VDD = 30 V. Die Kanalweite des Schalttransistor
beträgt W= 500µm, seine Kanallänge L= 3 µm. Mit der Kanalweite
W= 20µm und Kanallänge L= 3 µm des Lasttransistors ergibt sich ein
Geometrieverhältnis von 25.
Wie auch bei den individuellen Transistoren lässt sich die Anregung der Ladungs-
träger aus Haftstellen durch den Eintrag von Wärmeenergie unterstützen, um die
Hysterese auszugleichen. Durch den Einsatz von integrierten Heizern ließe sich dann für
beide Schaltrichtungen ein näherungsweise gleiches Verhalten erreichen. Abbildung 6.6a
zeigt die Transferkennlinie eines Inverters bei VDD = 15 V. Mit dieser Versorgungsspan-
nung ist die Hysterese bei Raumtemperatur besonders deutlich ausgeprägt. Wird die
Temperatur des Inverters auf T= 50◦
C erhöht, so wird die Charakteristik in Abbil-
dung 6.6b gemessen. Deutlich zu erkennen ist die wesentlich geringere Hysterese, doch
auch die Abnahme des high-Pegels auf ca. 50% sowie die Zunahme des low-Pegels auf ca.
13% der Betriebsspannung. Hierdurch sinkt die Verstärkung auf v≤0,99 V/V und die
Schaltung verliert ihre Inverterfunktion. Die Erwärmung ist demnach für die Reduktion
des Hystereeffekts in Invertern ungeeignet.
6.2 Fazit
Die Integration von Inverterschaltungen mit den vorgestellten ZnO-Dünnfilmtransistoren
ist sowohl auf oxidierten Silizium-Substraten als auch auf Glassubstraten möglich. Die
Inverter zeigen unabhängig vom Substrat ein ähnliches Schaltverhalten mit einem links-
verschobenen Schaltpunkt, der durch die geringe Schwellenspannung bzw. durch die Ab-
170
6.2 Fazit
VEin V
VAin V
50 5 10 15
0
5
10
15
0
10
20
30
Pin µW
VDD = 15 V
(a): T= 21◦
C
VEin V
VAin V
50510 15
0
5
10
15
0,0
0,05
0,1
0,15
Pin µW
VDD = 15 V
(b): T= 50◦
C
Abbildung 6.6: Spannungs-Transfer-Charakteristik (gefüllte Kreise) eines ZnO-
Nanopartikelinverters auf Borosilikatglas-Substrat und seine Verlust-
leistung (offene Kreise) mit VDD = 15 V bei Raumtemperatur und
T= 50◦
C. Die Kanalweite des Schalttransistor beträgt W= 1000µm, sei-
ne Kanallänge L= 3 µm. Mit der Kanalweite W= 50 µm und Kanallänge
L= 3 µm des Lasttransistors ergibt sich ein Geometrieverhältnis von 20.
senkung der Schwellenspannung in Folge des DITL-Effekts bestimmt wird. Sie weisen
Verstärkungen bis zu 6 V/V aufweist. Die erreichten logischen Pegel sind zwar typisch
für Inverter mit Anreicherungs-Transistor-Last, erlauben jedoch keine Pegeldetektionssi-
cherheit. Hierzu ist eine Anpassung der Schwellenspannung bzw. die Unterdrückung der
Schwellenspannungsabsenkung erforderlich.
171
Kapitel 6 Schaltungen
172
Zusammenfassung und Ausblick
Zusammenfassung
Nanopartikel aus Silizium und Zinkoxid, abgeschieden aus Dispersionen, sind für den Ein-
satz als halbleitendes Material in Feldeffekttransistoren geeignet. Darüber hinaus ist bei
der Verwendung von Zinkoxid-Nanopartikeln die Integration von optisch transparenten
Inverterschaltungen auf Glassubstraten möglich.
Mit beiden Nanopartikelmaterialien wurden sowohl Dünnfilm- als auch erstmals la-
terale Einzelpartikeltransistoren hergestellt. Untersuchungen auf Siliziumsubstrat als
Trägermaterial und Rückseiten-Gate-Elektrode mit thermisch gewachsenem Siliziumdi-
oxid als Gate-Dielektrikum zeigten, dass Dünnfilmtransistoren mit nanopartikulärem
Silizium lediglich sehr geringe Feldeffektladungsträgerbeweglichkeiten und Strommodu-
lationen aufweisen. Dahingegen lässt sich die Ladungsträgerbeweglichkeit stark erhöhen,
wenn die Feldeffekttransistoren als Einzelpartikeltransistoren integriert werden. Eine
weitere Steigerung der Mobilität wird durch eine Temperaturnachbehandlung bei 300◦
C
erreicht. Ebenso wird durch die thermische Behandlung die Strommodulation vergrößert.
Die Einzelpartikeltransistoren zeigen unabhängig von der Dotierung der Nanopartikel ein
p-Kanal-Verhalten, wobei die besten Transistorkennwerte mit undotierten Nanopartikeln
erreicht werden. Zur Integration eines n-Kanal-Transistors kann die Nanopartikelo-
berfläche durch die chemische Modifikation der Dispersion derart verändert werden,
dass eine verstärkte Injektion von Elektronen in den Transistorkanal stattfindet. Eine
n-Kanal-Verhalten durch die Verwendung von Silizidkontakten an den Drain- und
Source-Elektroden ist – bedingt durch den Aufbau – nicht möglich. Nach einer Lagerzeit
von sechs Monaten ist an den Transistorparametern der Einzelpartikeltransistoren keine
nennenswerte Degradation zu erkennen.
Im Allgemeinen zeigen Dünnfilmtransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln auf Silizium-
substrat n-Kanal-Verhalten. Mit der Inverted Coplanar-Architektur lassen sich nur
mäßige elektrische Eigenschaften erreichen. Transistoren im Inverted Staggered-Aufbau
hingegen weisen gute Transistorkennwerte auf. Es zeigt sich, dass die Wahl des Kontakt-
metalls der Drain- und Source-Elektroden die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit, das
ION/IOFF-Verhältnis und die Schwellenspannung erheblich beeinflusst. Die Kontaktqua-
lität kann durch die Reinigung der Halbleiteroberfläche in organischen Lösungsmitteln
verbessert werden. Transistoren mit Aluminium-Kontakten weisen gegenüber Titan- und
Gold-kontaktierten Bauelementen die besseren Parameter auf. Während die thermische
Behandlung von Zinkoxid-Nanopartikelschichten in Sauerstoffatmosphäre oberhalb von
173
Zusammenfassung und Ausblick
350◦
C eine Versinterung und damit eine Steigerung sowohl der Ladungsträgermobilität als
auch der Strommodulation und Schwellenspannung bewirkt, erbringt eine nachträgliche
Temperaturbehandlung der Bauelemente keinen Vorteil. Weiterhin konnte gezeigt werden,
dass die Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit und die Schwellenspannung stark vom
elektrischen Feld im Kanal abhängig sind und diese Abhängigkeiten durch Anpassung der
Transistorgrundgleichungen mit hinreichender Genauigkeit abgebildet werden können.
Einzelpartikeltransistoren mit Zinkoxid-Nanopartikeln zeigen im Inverted Staggered-
Aufbau zwar wesentlich höhere Ladungsträgerbeweglichkeiten als vergleichbare Bau-
elemente in der Inverted Coplanar-Architektur, jedoch auch gleichzeitig für den
Schaltungsaufbau nicht geeignete Strommodulationen und Schwellenspannungen. Auch
bei den Einzelpartikelbauelementen mit Zinkoxid als Halbleiter handelt es sich um
n-Kanal-Transistoren.
Ein allgemeines Problem der Integration von Einzelpartikeltransistoren ist die reprodu-
zierbare Abscheidung von einzelnen Nanopartikeln in die nanoskaligen Zwischenräume
der Drain- und Source-Elektroden. Aufgrund der sich ändernden Dispersionseigenschaften
während des Abscheidungsprozesses im Schleuderbeschichtungsverfahren tritt sowohl eine
Agglomeration von Nanopartikeln als auch eine Anhaftung von Nanopartikeln an der
Substratoberfläche auf, wodurch die Abscheidung von Partikeln in die Zwischenräume
nicht stattfindet. Eine reproduzierbare Integration von Transistoren ist somit nicht
gegeben, so dass der Schaltungsaufbau mit Silizium-Nanopartikeln als Halbleiter nicht
möglich ist.
Für die Herstellung von integrierten Schaltungen sind Transistoren mit frei be-
schaltbaren Gate-Elektroden notwendig. Daher wurden Dünnfilmtransistoren mit
Zinkoxid-Nanopartikeln und freibeschaltbarer Gate-Elektrode auf oxidiertem Silizium-
substrat im Inverted Staggered- und Noninverted Staggered-Aufbau integriert, wobei
thermisch quervernetztes Poly(4-vinylphenol) als polymeres Gate-Dielektrikum eingesetzt
und untersucht wurde. Generell lassen sich in Inverted Staggered-Transistoren bessere
Transistorkennwerte beobachten, da aufgrund der schlüssigen elektrischen Kontakte die
Ladungsträgerinjektion an den Source-Elektroden nicht behindert wird. In beiden Fällen
wird eine Hysterese der Transistorcharakteristik beobachtet, die hauptsächlich auf die
Verwendung von Poly(4-vinylphenol) zurückzuführen ist.
Infolgedessen wurden Inverted Staggered-Dünnfilmtransistoren auf Glassubstrat in-
tegriert. Trotz der bekannten Problematik der nicht reproduzierbaren Abscheidung
einzelner Nanopartikel wurden aus Gründen der Vollständigkeit ebenfalls Einzelpartikel-
transistoren in der Inverted Coplanar- und Noninverted Staggered-Architektur analysiert.
Diese unterliegen den Dünnfilmtransistoren hinsichtlich der Transistorkennwerte jedoch
deutlich. Die Dünnfilmtransistoren zeigen mit einer Feldeffektladungsträgerbeweglichkeit
µFE ≈0,1 cm2(Vs)−1und einer Strommodulation ION/IOFF ≈106Parameterwerte, die für
die Integration von einfachen Grundschaltungen geeignet sind. Die integrierten Bauele-
mente weisen ebenfalls eine Hysterese der Transistoreingangscharakteristik mit negativen
Schwellenspannungen in Rückwärtsmessrichtung auf. Die Schwellenspannung kann nicht
durch den Austausch des als Gate-Elektrodenmaterial verwendeten Aluminiums durch
Gold beeinflusst werden. Wider Erwarten stellen sich hierbei eine Verringerung der
Schwellenspannung und ein Absinken der Strommodulation und Ladungsträgermobilität
174
Zusammenfassung und Ausblick
ein. Die maximale Temperatur zur Transistorintegration beträgt 200◦
C. Der Prozess ist
somit kompatibel zu geeigneten Kunststofffoliensubstraten.
Die Transmission im optisch sichtbaren Wellenlängenbereich wird aufgrund der Absorp-
tion des Glassubstrats auf 95% und darüber hinaus durch die Transistoren selbst auf ca.
50% reduziert, wobei hauptsächlich die intransparenten metallischen Strukturen für die
Absorption verantwortlich sind. Das Zinkoxid verursacht ein typisches Transmissionsmini-
mum im ultravioletten Spektralbereich.
Abschließend wurden erstmalig Inverterschaltungen mit Transistorlastelementen un-
ter Verwendung von Inverted Staggered-Dünnfilmtransistoren auf oxidiertem Silizium-
und Glassubstrat hergestellt. In beiden Fällen kann die Invertierung des Eingangssignals
erreicht werden. Die Hysterese der einzelnen Transistoren ist in den Transfercha-
rakteristiken der Inverterschaltungen erkennbar. Aufgrund der teilweise negativen
Schwellenspannungen sperrt der Schalttransistor nicht vollständig, wodurch negative
Eingangsspannungen zum Erreichen des maximalen Ausgangspegels benötigt werden. Mit
den vorgestellten Invertern konnten Verstärkungen bis zu v= 6 demonstriert werden.
Ausblick
Für die Weiterentwicklung elektronischer Schaltungen mit halbleitenden Nanopar-
tikeln bis hin zur kommerziellen Anwendung müssen sowohl primäre Aspekte wie
Ladungsträgerbeweglichkeit, Sperrverhalten, Leistungsaufnahme etc. als auch sekundäre
Problemstellungen wie Modellbildung, Zuverlässigkeit, Reproduzierbarkeit, Herstellungs-
kosten, Entsorgung etc. berücksichtigt bzw. verbessert werden.
In erster Linie gilt es, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Transistoren und damit
auch der Schaltungen zu steigern. Hierzu ist die Erhöhung der Ladungsträgerbeweglich-
keit ein erster, interessanter und wichtigerAspekt, zu dem zahlreiche Ansätze existieren.
Neben der Senkung der Grenzflächenrauheit zur Verminderung von Streuereignissen ist
es von großem Interesse, die erzeugten Halbleiterschichten zu homogenisieren, d.h. ihre
Porosität zu verringern. Die möglichst einfach zu haltende, prozesstechnische Einbindung
einer Sol-Gel-Synthese innerhalb der Schichthohlräume (z.B. durch die Umsetzung von
Zinkacetat oder -nitrat) sowie deren Auswirkungen auf das elektrische Verhalten bleiben
ebenso wie die lokale Versinterung durch gezielten Energieeintrag, z.B. in Form von
Laserlicht, zu untersuchen. Sicherlich bleibt auch die Abscheidung aus der Nanopartikel-
dispersion derart zu optimieren, dass es möglich ist, geschlossene, möglichst dünne Lagen
(Mono- oder Doppellagen) der Nanopartikel zu erzeugen.
Ein zweiter und bisher weitestgehend vernachlässigter Aspekt ist die Qualität der
elektrischen Kontakte zum nanoskaligen Halbleitermaterial. Die Wichtigkeit der Kon-
takteigenschaften wurde im Rahmen dieser Arbeit aufgezeigt. Es müssen zukünftig
technologische Lösungen gefunden werden, einstellbare Schwellenspannungen und
Sperreigenschaften zu erreichen. Hierzu sind intensive Analysen der Grenzflächen mit
verschiedenen Materialkombinationen und möglicherweise auch gezielte chemische Modifi-
kationen notwendig.
175
Zusammenfassung und Ausblick
Darüber hinaus ist eine Anpassung flexibler Polymer- oder Komposit-Dielektrika auf
Zinkoxid-Nanopartikelschichten notwendig, so dass die bislang auftretende Hysterese
weitestgehend unterdrückt und gleichzeitig der Feldeffekt verstärkt wird.
Darüber hinausgehende Fragestellungen ergeben sich unmittelbar aus der weiteren
Entwicklung einer Basistechnologie. Interessante Punkte bestehen sicherlich in der Erfor-
schung von Umwelteinflüssen, die zur Degradation der Bauelemente führen, wie z.B. die
Wechselwirkung mit Gasen oder UV-Strahlung. Nicht zuletzt sollte im Hinblick auf eine
wirtschaftliche Anwendung bzw. Produktion die Integrationstechnik mit dem Übergang
auf Druckmethoden, insbesondere auf Rolle-zu-Rolle-Verfahren, weiterentwickelt werden.
176
Anhang A
Prozesstechnik
A.1 Konventionelle Lithografie- und
Strukturierungsverfahren
A.1.1 Optische Lithografie
Seit Beginn der integrierten Schaltungstechnologie werden feinste Strukturen durch opti-
sche Lithografie definiert. Das technologisch fortgeschrittenste Lithografieverfahren stellt
die Projektionslithografie dar. Dennoch ist die Auflösung Rletztendlich durch das Ray-
leigh-Kriterium begrenzt [ND00], nach dem zwei Lichtpunkte als aufgelöst gelten, wenn
der Abstand der beiden Hauptmaxima größer ist als der Abstand des ersten Beugungsmi-
nimums zum jeweiligen Hauptmaximum. Für die Auflösung gilt demnach
R=c1
λ
NA0
(A.1)
mit der Konstanten c1, der Lichtwellenlänge λund der nummerischen Apertur NA0im
optischen Medium Luft (nλ≈1). Für moderne Lithografiesysteme liegt c1im Bereich von
0,4...0,6. Eng im Zusammenhang steht die Tiefenschärfe DoF (depth of focus), die durch
DoF =c2
λ
NA02(A.2)
definiert ist, wobei c2wiederum eine spezifische Konstante ist und gewöhnlich im Bereich
des Wertes 1,0 liegt. Industrielle Belichtungssysteme beinhalten Lichtquellen mit einer
Wellenlänge von 193 nm; im Forschungsstadium befindet sich die Lichtquellentechnologie
mit einer Wellenlänge von 157 nm [Hill04].
Das Dilemma einer Auflösungsverbesserung durch Wellenlängenreduktion und gleichzeiti-
ger Verschlechterung der Tiefenschärfe lässt sich nur durch eine Veränderung der weiteren
Parameter beheben. Die Parameter c1und c2unterliegen keiner genauen Definition und
können als Qualitätswert des gesamten Belichtungssystems angesehen werden. Auflösungs-
oder tiefenschärfesteigernde Maßnahmen sind [ND00]:
•phasenschiebende Masken;
•maskenseitige Korrektur der Beugungseffekte;
•antireflektive Beschichtungen;
•Blendenfilter;
177
Anhang A Prozesstechnik
•nicht-axiale Lichtquellen;
•Fotolacktechnologie.
Eine Verbesserung der Projektionslithografie wird durch den Einsatz der Immersionsli-
thografie erreicht, bei der der Zwischenraum zwischen Linsensystem und Lackoberflä-
che mit einem optisch dichteren Medium als Luft gefüllt wird. Aufgrund seiner her-
vorragenden Eignung wird als Medium hochreines Wasser eingesetzt, welches sämtliche
Anforderungen (chemische Kompatibilität, Umweltfreundlichkeit, hoher Brechungsindex:
nλ,H2O= 1,41 @ 205 nm) erfüllt [WWL+96]. Unter Berücksichtigung des Brechungsindex
können die Gleichungen (A.1) und (A.2) jeweils durch
Rnλ=c1
nλλ
nλNA0
=c1
λ
NA0
(A.3a)
DoFnλ=c2
nλ2λ
nλNA02=c2
nλλ
NA2
0
(A.3b)
ausgedrückt werden, da sowohl die Wellenlänge als auch die nummerische Apertur um den
Faktor 1/nλreduziert werden [DN08]. Wie anhand der Gleichungen (A.3a) und (A.3b)
zu erkennen ist, wird die Tiefenschärfe vergrößert, während die erreichbare Auflösung
konstant bleibt. Anders ausgedrückt, lässt sich die Wellenlänge und damit die minimale
Strukturgröße bei gleichbleibender Tiefenschärfe verkleinern.
Die Projektionslithografie stellt zwar eine Möglichkeit zur Nanostrukturierung bis zu ca.
32 nm Linienweite dar. Sie lässt sich aber aufgrund des enormen finanziellen Aufwands
nur für Großserien und Hochleistungsanwendungen (z.B. Produktion von CPU) einsetzen,
die diesen Aufwand rechtfertigen [ALL+08,Inte09,ND00]. Insbesondere für die Forschung
stehen die fortschrittlichen Projektionslithografieverfahren äußerst eingeschränkt zur Ver-
fügung.
A.1.2 EUV-Lithografie
Eine Reduktion der Wellenlänge führt zur EUV-Lithografie1. Die interessierenden Wellen-
längen im EUV-Bereich liegen zwischen 13 und 14 nm [WA05]. Bereits in bestehenden
optischen Lithopgraphiesystemen mit Wellenlängen von 193 nm (DUV2) neigen die refrak-
tiven Optiken zu Absorption [RC97]. Für die DUV-Lithografie sind die Absorptionsgrade
tolerabel, da hinreichend emissionsstarke Lichtquellen verfügbar sind. Im EUV-Spektrum
jedoch sind die Dämpfungen zu stark ausgeprägt. Daher sind reflektive optische Systeme
notwendig, um die gewünschten Strukturen in die Lackschichten zu übertragen. Vielver-
sprechend sind in dieser Hinsicht Vielschicht-Spiegel (Multilayer-Spiegel), bestehend aus
Silizium-Molybdän-Filmen, um den Strahlengang des Lichts zu lenken und zu formen.
Die Reflektivität von 70% eines einzelnen Spiegels erscheint ausreichend. Dies bedeutet,
dass bei einem System aus sieben Spiegeln, eine Restintensität von 8% das optische Sy-
stem verlassen. Ebenso wie die Strahlformung und -lenkung müssen reflektive Masken zur
Strukturdefinition zur Verfügung stehen. Diese lassen sich mittels Bragg-Reflektoren und
1Extreme Ultraviolet
2Deep Ultraviolet
178
A.1 Konventionelle Lithografie- und Strukturierungsverfahren
entsprechende Absorberstrukturen auf der Oberfläche realisieren [Fahr03]. Den größten ent-
wicklungstechnischen Aufwand erfordert jedoch die Bereitstellung geeigneter Lichtquellen.
Unter der Annahme einer Benutzung von Fotolacken mit einer Sensitivität von 5mJ/cm2,
werden Lichtquellen mit mindestens 115 W im Zwischenfokus bei 2% Bandbreite benö-
tigt. Bei einem Fotolack mit einer Sensitivität von 10 mJ/cm2sind es bereits Leistungen
größer als 180 W. Als vielversprechende Strahlungsquellen gelten derzeit Gasentladungs-
strahlungsquellen und lasergenerierte Plasmaquellen, wobei die erzeugten maximalen Aus-
gangsleistungen im Jahre 2007 mit lediglich 62W bzw. 50W angegeben wurden [WK07].
Technisch ausgereifte Lösungen für die Erzeugung von Strukturen kleiner als 30nm stehen
derzeit nicht zur Verfügung [ITRS09].
A.1.3 Röntgenstrahllithografie
Die Röntgenstrahllithografie wurde erstmals Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahr-
hunderts zur Lackbelichtung vorgeschlagen [Fede70]. Aufgrund einer sehr geringen Wel-
lenlänge der verwendeten Strahlung (λ≈1 nm) werden wellenlängenabhängige Beugungs-
effekte vermieden [SS72]. Da die Absorption von Röntgenstrahlung in Materie generell
höher ist als von ultraviolettem Licht und von der Ordnungszahl Zdes jeweiligen Materi-
als abhängt (∼Z3), sind dünne Masken mit einer Dicke von ca. 1...2µm erforderlich. Zu
Beginn der Forschung auf dem Gebiet der Röntgenstrahllithografie wurden Masken aus
Materialien mit niedrigen Ordnungszahlen (z.B. Beryllium, Magnesium, Silizium, Alumi-
nium oder auch organische Polymere) eingesetzt. Die Absorberstrukturen bestanden hin-
gegen aus hochabsorbierenden Materialien, wie Gold, Iridium, Platin oder Kupfer [SS72].
Hierdurch konnten Kontrastverhältnisse von ca. 10:1 erreicht werden [Fahr03]. Später wur-
de Siliziumkarbid (SiC) eingesetzt, welches einen größeren Elastizitätsmodul und höhe-
re Strahlungsfestigkeit aufweist [Acos91,IHKM91,SCR+93]. Als Absorber stellen derzeit
Ta4B, TaSi, TaGe, TaReGe, pures Tantal oder auch Wolfram-Titan-Legierungen als einzi-
ge Nicht-Tantal-Verbindungen die Materialien der Wahl dar [ND00].
Eines der beiden größten Probleme besteht in der Stabilität der Masken, die sich durch
die Strahlungsabsorbtion erhitzen und somit zu einer verzerrten Abbildung führen. Zusätz-
lich kann trotz Abstandsbelichtung eine Kontamination auftreten [CPC+96]. Das zweite
Problem der Röntgenstrahllithografie ist die Strahlungsquelle. Anfänglich wurde die Strah-
lung in Punktquellen durch hochenergetischen Elektronenbeschuss einer Elektrode erzeugt.
Diese Quellen weisen jedoch die Nachteile auf, dass sich die Quellen während des Be-
triebs extrem stark aufheizen und kein paralleler Strahlengang vorhanden ist, wodurch
eine technisch aufwändige Kühlung bzw. ein Kollimator erforderlich wird. Alternativ wer-
den lasergepumpte Plasmaquellen oder in Speicherringen erzeugte Synchrotronstrahlung
eingesetzt. Derzeit weist jedoch keine der erprobten Plasmaquellen eine ausreichende Aus-
gangsleistung oder Zuverlässigkeit auf. Die Synchrotronstrahlung ist beim Verlassen des
Speicherrings mit einem Öffnungswinkel von ca. 1 mrad zwar nahezu parallel ausgerichtet,
ist aber in der Erzeugung durch den notwendigen Betrieb eines kostenintensiven Synchro-
tronspeicherringsystems aufwendig [ND00].
Die kleinsten Strukturen, die mit Hilfe der Röntgenstrahllithografie hergestellt werden
können, liegen im Bereich von 33...70 nm [ND00,Fahr03].
Trotz aller Bemühungen, die Röntgenstrahllithografie für die industrielle Anwendung zu
179
Anhang A Prozesstechnik
qualifizieren, wurde diese im Jahre 2007 durch die Einführung der 45 nm-Technologie und
spätestens 2009 durch die 32 nm-Technologie bei Intel für die Industrie uninteressant [In-
te09,ALL+08,BCGM07].
A.1.4 Elektronenstrahllithografie
Die Elektronenstrahllithografie, bei der die strahlungsempfindlichen Lacke nicht durch Pho-
tonen, sondern durch Elektronen chemisch verändert werden, ermöglicht die reproduzier-
bare Definition feinster Strukturen mit Abmessungen unter 15 nm [ND00]. Die Auflösung
wird nicht wie bei der optischen Lithografie durch die Beugung der Elektronen, sondern
durch den Strahldurchmesser, der größer als 1,28 nm ist, und Elektronenstreuung im Lack
begrenzt [ND00,WA05]. Die Funktionsweise ähnelt der eines Rasterelektronenmikroskops,
wobei eine Hell-Dunkel-Tastung den Elektronenstrahl an- und abschaltet. Unabhängig da-
von, ob die Elektronenstrahlschreiber die Lackoberfläche punktweise abrastern oder die
Lacke im Vektorverfahren belichten, handelt es sich um ein serielles und damit zeitauf-
wendiges Verfahren. Die Produktionskosten für integrierte Schaltungen liegen demnach
immens hoch, so dass diese Lithografietechnologie noch nicht für den Massenmarkt geeig-
net ist. Für Anwendungen, bei denen Kosten als eher zweitrangig einzustufen sind (z.B.
Spezialanwendungen, Forschung etc.), stellt die Elektronenstrahllithografie jedoch eine
gute Möglichkeit dar, kleinste Strukturen zu erzeugen. Weiterhin werden Elektronstrahl-
schreiber standardmäßig in der Maskenherstellung für die optische Lithografie eingesetzt.
A.1.5 Nanoimprint-Lithografie
Unter Nanoimprint-Lithografie (NIL) wird die Abformung von Strukturen in eine
monomere, polymere oder goldene Maskenschicht mittels eines Stempels verstanden.
Die Nanoimprint-Techniken können prinzipiell in drei Hauptklassen unterteilt wer-
den [Nalw02].
Bei der Heißpräge-Lithografie (engl. Hot-embossing lithography) wird eine polyme-
re Maskenschicht, die zum Beispiel aus PMMA3besteht, aufgeheizt. Ist mindestens die
Glasübergangstemperatur des Polymers erreicht, wird der Stempel, der die Strukturen in
negativer Form enthält, mit einem Druck von 40...130 bar in das Polymer hineingedrückt
und das Polymer wird wieder herabgekühlt, so dass eine Verfestigung einsetzt. Nach
dem Abheben des Stempels verbleiben die Strukturen in positiver Form im Polymer.
Die dünne Polymerschicht unter den erhabenen Strukturen des Stempels, die durch die
Abformung nicht vollständig verdrängt wird, muss in einem anschließenden anisotropen
RIE-Ätzprozess entfernt werden. Die erforderlichen Stempel können mittels herkömmli-
cher Silizium-Technologie hergestellt werden.
In der UV-basierten Nanoimprint-Lithografie werden anstatt der polymeren Mas-
kenmaterialien monomere Acrylat- oder Epoxid-Materialsysteme eingesetzt. Da diese
bereits bei Raumtemperatur verformbar sind, kann der Stempel ohne ein Aufheizen der
3Polymethylmethacrylat
180
A.2 Nanostrukturierung: Alternative Materialien der Opferschicht
Maske angepresst werden. Eine permanente Abformung wird durch eine Bestrahlung
mit UV-Licht erreicht, so dass diese Technik transparente Stempel (z.B. Quarzglas)
erforderlich macht. Vorteile sind kurze Prozesszeiten, die durch die Vermeidung der
Aufheiz- und Abkühlvorgänge erreicht werden, und die stark reduzierten Anspressdrücke
im Bereich von 40 mbar...1 bar [WA05,BOH+00].
Die dritte Technik, das sogenannte Microcontact-Printing, basiert auf der selbsttätigen,
einlagigen Anordnung von Alkanthiol-Molekülen auf Gold, welches als Maskenmaterial
dient. Die Alkanthiole können über einen flexiblen, strukturierten PDMS4-Stempel auf
die Goldschicht übertragen werden, aus der anschließend die freiliegenden Bereiche
in einem Nassätzprozess herausgelöst werden. Durch die Verwendung des flexiblen
Stempelmaterials können auch unebene Oberflächen strukturiert werden [Nalw02].
Die Nanoimprint-Lithografie ist von ihrer Natur aus ein paralleles Verfahren zu Er-
zeugung von nanoskaligen Strukturen. Da hohe Anforderungen an den Abformvorgang
gestellt werden, sind die Stempel auf Größen von 50 ×50 mm2begrenzt, jedoch ohne
Defektprobleme, wie sie von der herkömmlichen Lithografie bekannt sind [CK96]. Für
flexible Substrate lassen sich Strukturen mittels NIL sogar im Rolle-zu-Rolle-Verfahren
herstellen [SSW+09]. Als minimale Dimensionen wurden bereits 15 nm breite Gräben
mit Abständen von 60 nm [CK97] und 6 nm Löcher mit Abständen von 65 nm [CKZ+97]
demonstriert. Wird vorausgesetzt, dass Stempel mit entsprechender Haltbarkeit eingesetzt
werden, stellen die Nanoimprint-Verfahren ein angemessenes Verfahren zur Definition
feinster Strukturen dar.
A.2 Nanostrukturierung: Alternative Materialien der
Opferschicht
Siliziumdioxid / Siliziumnitrid
Sowohl Siliziumdioxid als auch Siliziumnitrid lassen sich in der Kantenabscheidetech-
nik als Opferschichten einsetzen. Dabei ist es vorteilhaft, das jeweils andere Material
als Strukturschicht zu benutzen. Die Abscheidung von SiO2und Si3N4im LPCVD-
Verfahren zeichnet sich durch eine gute Homogenität und Konformität aus, so dass eine
gleichmäßige Herstellung der Nanostrukturen möglich ist [Hill04, Hors99, ND00]. Die
Abscheideparameter für SiO2und Si3N4sind in Tabelle A.1 aufgeführt. Eine anisotrope
Ätzung von Siliziumdioxid und Siliziumnitrid kann im RIE-Verfahren mit den Parametern
aus Tabelle 3.1 erreicht werden. Zu beachten ist allerdings die geringe Selektivität der
Prozesse. Daher muss die Rückätzung der Strukturschicht möglichst genau erfolgen. Es
zeigte sich, dass die Stabilität der Spacer so hoch ist, dass eine Opferschichtentfernung
mittels nasschemischer Ätzverfahren durchgeführt werden kann, ohne eine Zerstörung der
Spacer herbeizuführen. Optimale Ergebnisse lieferte die Opferschichtentfernung von Silizi-
umdioxid mittels gepufferter Flusssäure und einer Siliziumnitrid-Strukturschicht [Hors99].
4Polydimethylsiloxan
181
Anhang A Prozesstechnik
Tabelle A.1: Prozessparameter für die LPCVD-Abscheidung von SiO2und Si3N4
Prozessparameter Siliziumdioxid (SiO2) Siliziumnitrid (Si3N4)
Quelle Tetraethylorthosilikat
(TEOS)
Ammoniak, Triethylsilan
(TES)
Gasflüsse Vakuumentnahme aus der
Dampfphase
15,3 sccm NH3, 98% TES
(bei 50 sccm N2-Nennfluss
des Massflow-Controllers)
Druck 0,3 mbar 0,4 mbar
Temperatur 725◦C 750◦C
Abscheiderate ca. 5,9 nm/min ca. 0,7 nm/min
Die erreichbaren Strukturgrößen der Linienstrukturen liegen mit 25 nm deutlich unterhalb
der derzeitigen Auflösung der optischen Projektionslithografie. Dennoch ist die Prozessie-
rung mit der genannten Materialkombination für die Integration auf Kunststoffsubstraten
ungeeignet, da die Prozessbedingungen mit Temperaturen oberhalb von 700◦C weit außer-
halb der zulässigen Werte für Kunststoffe liegen. Es ist demnach nur eine Prozessierung
auf Siliziumsubstraten möglich. Glassubstrate sind ebenfalls nicht geeignet, da selbst spe-
zielle Glassubstrate für die Halbleiterindustrie eine Glasübergangstemperatur im Bereich
von 525 −715◦C besitzen bzw. in diesem Temperaturbereich erweichen und sich somit
während des Abscheidungsprozesses verformen würden [Bor09,AF409,AF309,Cor10].
Aufgrund der thermischen Eigenschaften wird auf den Einsatz dieser Materialkom-
bination zur Nanostrukturierung durch Kantenabscheidung verzichtet.
Aluminium
Da sich Aluminium im RIE-Verfahren mit steilen Flanken ätzen lässt, kann dieses prinzi-
piell auch als Opferschicht eingesetzt werden. Vorteilhaft ist zudem, dass sich Aluminium
hervorragend durch Elektronenstrahl-Verdampfung im Hochvakuum abscheiden lässt. Es
ist somit für alle temperaturempfindlichen Substrate geeignet, da die Wärmestrahlung
des Quelltargets während der Bedampfung relativ gering ist.
Um Aluminium im Trockenätzverfahren zu strukturieren, werden chlor-, brom- und
iodhaltige Ätzmedien benötigt, mit denen Aluminium eine flüchtige Verbindung eingeht.
Besonders bevorzugt werden chlorhaltige Verbindungen [Köhl99], da das Reaktionspro-
dukt AlCl3einen Dampfdruck von 1 hPa bei 20◦C besitzt [AlC08] und somit unterhalb
eines Drucks von ca. 75mTorr gasförmig ist. Für höhere Prozesstemperaturen ist der
Dampfdruck entsprechend der allgemeinen Gasgleichung höher. Nachteilig ist jedoch die
Eigenschaft von Aluminiumtrichlorid, als Katalysator bei Polymerisationsreaktionen zu
wirken [Mich06]. Hierdurch entstehen insbesondere aus dem Fotolack hartnäckige Poly-
merreste, die nachträglich nur sehr schwer zu entfernen sind. Diese treten hauptsächlich
182
A.2 Nanostrukturierung: Alternative Materialien der Opferschicht
Tabelle A.2: Prozessparameter für die RIE-Ätzung von Aluminium
Prozessparameter Wert
Gasfluss SiCl428 sccm
Gasfluss Cl23 sccm
Druck 60 mTorr
HF-Leistungsdichte 0,41 W/cm2
Elektrodentemperatur 20◦C
Elektrode Graphit
Kammerwandtemperatur 40◦C
Ätzrate 80 nm/min
an Lackkanten in Linienform [siehe Abbildung 1.1], aber auch auf anderen Flächen - un-
abhängig von einer vorherigen Lackbedeckung - auf. Quelle für die Polymerablagerungen
ist der Kohlenstoff des Fotolacks und der Graphitelektrode. Die Aluminiumschicht wird
mit den Prozessparametern in Tabelle A.2 im SiCl4/Cl2-Plasma geätzt.
Die Polymerreste lassen sich zwar mit dem Polymerrestentferner EKC 265 der
Fa. DuPont EKC Technology entfernen [EKC03], doch werden durch die enthalte-
nen Prozesschemikalien auch die Aluminiumschichten angegriffen und diese damit für eine
Verwendung als Opferschicht unbrauchbar. Wie in Abbildung 1.1b zu erkennen ist, ist die
Al-Schicht nach der Behandlung sehr porös; die Strukturkante ist nicht mehr scharf defi-
niert. Ebenso wird der Untergrund (Silizium) angegriffen. Wird der Prozess fortgeführt,
ergeben sich stark wellige Nanolinien mit teilweisen Unterbrechungen [siehe Abbildung 1.2].
Daneben befinden sich Rückstände des Spacer-Schicht-Siliziumdioxids.
Polymerlinie
Polymerablagerungen
(a) (b)
Abbildung 1.1: REM-Aufnahme von beeinträchtigten Al-Strukturen. (a) nach Ätzung im
SiCl4/Cl2-RIE-Plasma, (b) nach der Behandlung in EKC 265
183
Anhang A Prozesstechnik
Nanolinie
Abbildung 1.2: REM-Aufnahme einer Nanolinien-Struktur, abgeschieden an einer
Aluminium-Opferschicht. Der Verlauf der Linie ist stark wellig und weist
Unterbrechungen auf.
Eine Verwendung von Aluminium als Opferschicht kommt wegen der vorgenannten Gründe
und schlechten Reproduzierbarkeit nicht in Betracht.
184
Anhang B
Finite-Elemente-Simulation
Viele der in Abschnitt 2.3 getroffenen Annahmen zur Herleitung der Transistorgrundglei-
chungen gelten nur eingeschränkt. Insbesondere lassen sie sich nicht einhalten, wenn der
Aufbau eines Einzelpartikeltransistors gewählt wird1. Da eine analytische Formulierung der
Transistorgleichungen unter diesem Umstand nur sehr schwierig möglich ist, wurden ver-
einfachte Einzelpartikeltransistoren mittels der Finite-Elemente-Methode (FEM) simuliert.
Die FE-Methode bietet sich an, da das Verhalten komplexer Systeme durch eine örtliche
Diskretisierung in effizienter Weise nummerisch approximiert werden kann. Ausgereifte
Simulationsumgebungen sind kommerziell erhältlich, so dass eine vertiefte Einarbeitung
in die Finite-Elemente-Methode nicht notwendig ist und die FE-Simulation als Werkzeug
zur Bauelementanalyse dient.
B.1 Simulationsumgebung
Im Rahmen dieser Arbeit wurde das kommerzielle Technologiesimulator-Paket
ISE TCAD Release 10.0 der Firma ISE Integrated Systems Engineering AG
(heute Synopsys, Inc.) eingesetzt. Aufgrund der speziellen Auslegung des Pakets auf
die Simulation von Prozessen der Halbleitertechnologie und vom physikalischen Verhalten
elektronischer Bauelemente und Systeme [Inte04], wird es im Rahmen dieser Arbeit zur
Nachbildung von Integrationsprozessen und der Simulation der elektrischen Charakteristik
von Dünnfilmtransistoren mit dem Halbleiter Silizium verwendet. Folgende Programmkom-
ponenten wurden verwendet:
•FLOOPS zur Prozesssimulation;
•DEVISE zur Erzeugung von Bauelementgeometrien;
•MESH zur automatisierten Erzeugung eines FEM-Gitters;
•DESSIS zur Simulation der physikalischen Eigenschaften.
1Die Geometrieverhältnisse im EPT bewirken, dass das longitudinale elektrische Feld zwischen der
Drain- und Source-Elektrode gegenüber dem vom Gate ausgehenden transversalen Feld nicht vernachläs-
sigbar ist. Im unmittelbaren Zusammenhang hiermit steht auch der Transport von Ladungsträgern an den
Metall-Halbleiter-Kontakten. Zum Einen kann ein Ladungsträgertransport in Rückwärtsrichtung nicht ver-
mieden werden, zum Anderen ist den Kontakteigenschaften und ihrer Abhängigkeit von VGS und VDS auch
in Vorwärtsrichtung eine große Bedeutung beizumessen. Weiterhin kann nicht angenommen werden, dass
der Halbleiter unendlich ausgedehnt ist, sondern aus vielen einzelnen Nanopartikeln zusammengesetzt ist.
185
Anhang B Finite-Elemente-Simulation
Eine vertiefende Betrachtung der physikalischen und mathematischen Methoden wird
im Rahmen dieser Arbeit nicht vorgenommen. Hierzu wird für allgemeine Aspekte der
FEM-Methode beispielsweise auf [HBT95, ZTZ05, MG02] und für die Verwendung in
ISE TCAD 10.0 auf [Inte04,BRF83] verwiesen.
B.2 DESSIS-Quellcode
Folgend sind in Quellcode B.1 die Steuerbefehle für die DESSIS-Simulation des Tran-
sistors im Abschnitt 4.2.2 aufgeführt. Bezüglich der Bedeutung der Steuerbefehle und
Schalter wird auf das detaillierte Software-Handbuch in [Inte04] verwiesen.
Quellcode B.1: DESSIS-Quellcode zur Simulation des elektrischen Verhaltens eines nano-
skaligen Dünnfilm-Transistors
E l e c t r o d e {// D e f i n i t i o n der El e kt r od e n und Randbedingungen
{ Name = " Dra in " V ol tage=0 M a t e r i a l="Aluminum "}
{ Name = " Source " V olta ge=0 M a t e r i a l="Aluminum "}
{ Name = " Gate " V ol ta ge=0 M a t e r i a l="Aluminum "}
}
F i l e {// D e f i n i t i o n der Ein−und Aus gabeda tei en
Grid = " @grid@ "
Doping = " @doping@ "
Current = " @plot@ "
Plot = "@dat@"
Output = " @log@ "
Parameter = " @parameter@ "
}
Physics {// Auswahl der zu b e r ü c k s i c h t i g e n d e n
Hydrodynamic // p h y s i k a l i s c h e n Modelle
Recombination ( SRH
eAvalanche ( C arri erTempD rive )
hAvalanche ( Carr i erT empDrive )
)
M o b i l i ty (
H i g h f i e l d s a t u r a t i o n
Enormal
)
E f f e c t i v e I n t r i n s i c D e n s i t y ( oldSlotboom )
}
Plot {// Auswahl de r zu s i m u l i e r e n d e n Größen
e D e n s i ty h D ens i ty
eCurrent hCurrent
E l e c t r i c F i e l d e E p a r a l l e l eEnormal
eQuasiFermi hQuasiFermi
P o t e n t i a l SpaceCharge
SRH Auger
Av alancheGeneration
e M o b i l i t y h M ob i l i t y
D ono rC on cen tr at io n A c c e pt o r C o n ce n t r a ti o n
e V e l o c i t y h V e l oc i t y
ConductionBand ValenceBand
BandGap
}
186
B.2 DESSIS-Quellcode
Math {// Parameter z ur Steuerung der Approximation
R e l E r r C o n t r o l
D i g i t s =5
ErRef ( e l e c t r o n )=1. e10
ErRef ( h o l e )=1. e10
Notdamped=50
I t e r a t i o n s =100
N e w d i s c r e t i z a t i o n
}
Solve {// nummerische Lösung der gegebenen Glei chungen
Coupled ( I t e r a t i o n s =100 ) { Pois s on }
Coupled { Poi ss on E l e c t r o n Hole }
Q u a s i s t a t i o n a r y ( I n i t i a l S t e p =1e−1 Minstep=1e−9 MaxStep =0.05
increment =1.2 Goal {Name="Drain " V oltage=@Vds@}
) {
Coupled { P oiss on E l e c t r o n Hole }
}
Q u a s i s t a t i o n a r y ( I n i t i a l S t e p =1e−1 Minstep=1e−9 MaxStep =0.05
increment =1.2 Goal {Name="Gate " Voltage=−5}
) {
Coupled { P oiss on E l e c t r o n Hole }
}
ne wCur r e ntFile=""
Q u a s i s t a t i o n a r y ( I n i t i a l S t e p =1e−3 Minstep=1e−9 MaxStep =0.01
increment =1.5 Goal {Name="Gate " Voltage=@Vg@}
) {
Coupled { P oiss on E l e c t r o n Hole }
}
}
187
Anhang B Finite-Elemente-Simulation
188
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Eigene Veröffentlichungen und
Patente
Veröffentlichungen
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Top-Gate ZnO-Nanoparticle FETs on Glass Substrates. Nanoelectronics Days
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of Nanoparticulate Zinc Oxide FETs on Glass Substrate. European Solid-State
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[HW09] U. Hilleringmann,K. Wolff: Strukturierungstechnik zur Integration
nanoskaliger Gräben für die Mikrosystemtechnik. Mikro-Nano-Integration
(GMM-FB 60): Beiträge des 1. GMM-Workshops 12. - 13. März 2009 in See-
heim, VDE-Verlag, 2009.
[WDH09] K. Wolff,P. Dombert,U. Hilleringmann: Elektrische Charakteri-
sierung nanopartikulärer Silizium-Schichten für mikrosystemtechnische An-
wendungen. Mikro-Nano-Integration (GMM-FB 60): Beiträge des 1. GMM-
Workshops 12. - 13. März 2009 in Seeheim, VDE-Verlag, 2009.
[WH07a] K. Wolff,U. Hilleringmann: Deposition Defined Nanometer Scale Dots.
Nanotechnology in Northern Europe 2007 (NTNE 2007), March 2007, Helsinki,
Finland 2007.
[WH07b] K. Wolff,U. Hilleringmann: Electrical Contacts to Silicon Nanoparticles
for FET Devices by Metal Nanogaps. Nanotechnology in Northern Europe 2007
(NTNE 2007), March 2007, Helsinki, Finland 2007.
[WH07c] K. Wolff,U. Hilleringmann: Großflächige Erzeugung nanoskaliger Punkt-
strukturen im Sub-100nm-Bereich durch Kantenabscheidung. Technologien
und Werkstoffe der Mikro- und Nanosystemtechnik (GMM-FB 53), S. 175–180,
VDE-Verlag, 2007.
[WH07d] K. Wolff,U. Hilleringmann: Silicon nanoparticles contacted by metal
nanogaps for FET applications. Technical Proceedings of the NSTI Nanotech
2007, Nanotechnology Conference and Trade Show, Santa Clara, CA, USA
S. 185–188, 2007.
211
Eigene Veröffentlichungen und Patente
[WH09a] K. Wolff,U. Hilleringmann: N-type single nanoparticle ZnO transistors
processed at low temperature. Proceedings of the European Solid State Device
Research Conference 2009 (ESSDERC ’09), Athens, Greece S. 460–463, 2009.
[WH09b] K. Wolff,U. Hilleringmann: Solution-processed ZnO Single Nanoparticle
Transistor Using Water-based Dispersions. Technical Proceedings of the NSTI
Nanotech 2009, Nanotechnology Conference and Trade Show, Houston, TX,
USA S. 234–237, 2009.
[WH10a] K. Wolff,U. Hilleringmann: Analysis and Modeling of Pseudo-Short-
Channel Effects in ZnO-Nanoparticle Thin-Film Transistors. Proceedings of
the European Solid-State Device Research Conference 2010 (ESSDERC ’10),
Seville, Spain S. 226–229, 2010.
[WH10b] K. Wolff,U. Hilleringmann: Großflächige Integration von ZnO-
Nanopartikel-Transistoren. Mikro-Nano-Integration (GMM-FB 63): Beiträge
des 2. GMM-Workshops 3. - 4. März 2010 in Erfurt, VDE-Verlag, 2010.
Patente
[HWEP08] U. Hilleringmann,K. Wolff,A. Ebbers,M. F. Petrat: Verfah-
ren zur Erzeugung eines partikelbasierten Transistors. DE102008040827A1
29.07.2008.
[PEH+07] M. F. Petrat,A. Ebbers,U. Hilleringmann,K. Wolff,S. Mey-
er zu Hoberge: Verfahren zur Erzeugung von nanometerskaligen Gräben
mit einfacher optischer Lithographie. DE102007013515A1 21.03.2007.
212
Danksagung
Zum Abschluss der vorliegenden Dissertation, die im Rahmen meiner Tätigkeit als wis-
senschaftlicher Angestellter im Fachgebiet Sensorik der Universität Paderborn entstand,
möchte ich mich bei den Personen bedanken, die mich während der Verwirklichung dieser
Arbeit unterstützt haben. Daher gilt mein besonderer Dank:
•Prof. Dr.-Ing. Ulrich Hilleringmann als Leiter des Fachgebiets Sensorik für die gute
Ausbildung und die Bereitstellung des interessanten Forschungsthemas. Er stellte mir
die Infrastruktur für die Durchführung der Experimente zur Verfügung, war stetig zu
fruchtbaren Diskussionen bereit und gewährte große Freiräume, eigene Vorstellungen
und Ideen zu verfolgen.
•Prof. Dr.-Ing. John Thomas Horstmann, Technische Universität Chemnitz, für die
Übernahme des Zweitgutachtens.
•Meinen derzeitigen und ehemaligen Arbeitskollegen Fabian Assion (M.Sc.),
Dr.-Ing. Tobias Balkenhol, Werner Büttner, Dr.-Ing. Thomas Diekmann, Dr.-Ing.
Siegbert Drüe, Dipl.-Wirt.-Ing. Torsten Frers, Dipl.-Wirt.-Ing. Sebastian Meyer zu
Hoberge, Thomas Markwica, Dipl.-Ing. Jochen Menzel, Dipl.-Ing. Benjamin Ohms,
Dr.-Ing. Christoph Pannemann, Dipl.-Ing. Dmitry Petrov und Sabine Schleghuber
für die zahlreichen Diskussionen, tatkräftige Unterstützung und das angenehme Ar-
beitsklima.
•Den Mikrotechnologen und Auszubildenden des Fachgebiets Sensorik für die Unter-
stützung bei der Präparation der Proben.
•Fabian Assion (M.Sc.), Dipl.-Ing. Andre Brockmeier, Dipl.-Wirt.-Ing. Philipp
Dombert, Dipl.-Ing. Marx Karl, Christian Lehde (B.Sc.), Tim Konopka (M.Sc.)
und Fábio Fedrizzi Vidor für ihre Beiträge in Form von Studien-, Diplom-, Bachelor-
und Masterarbeiten sowie den studentischen Hilfskräften des Fachgebiets Sensorik.
•Der Evonik Degussa GmbH, Creavis Technologies & Innovation für die
Nanopartikel und insbesondere Dr. André Ebbers für die zahlreichen Diskussionen.
•Der DFG für die finanzielle Förderung des Projekts „Feldeffekttransistoren mit halb-
leitenden Nanopartikeln” (Hi551/24-1).
•Dr.-Ing. Tobias Balkenhol, Dipl.-Ing. Christopher Wiegand und meinem Vater
Dipl.-Ing. Johannes Wolff für die gewissenhafte Durchsicht des Manuskripts und
ihre wertvollen Anmerkungen.
•Meiner Familie und meinen Freunden für das entgegengebrachte Verständnis und die
moralische Unterstützung. Insbesondere danke ich meinen Eltern für ihre Liebe, für
den Rückhalt und für die Möglichkeit, meinen Weg gehen zu können.
213