scieee Science in your language
[en] (orig)
Jugendliche und sportiver Lebensstil
Eine kulturvergleichende Untersuchung zwischen
Deutschland und China
Yuanfang Sun
Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades
doctor philosophia (Dr. phil.)
im Fach Sportwissenschaft
eingereicht am
Department Sport und Gesundheit
Fakultät für Naturwissenschaft
Uni Paderborn, 2010-05-20
Erstgutachter: Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider
Zweitgutachter: Prof. Dr. Hans Peter Brandl-Bredenbeck
2
I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung..............................................................................1
2 Jugend, Sport und Lebensstil im 21sten
Jahrhundert……………………………….…………..………..7
2.1 Jugendlicher Lebensstil im 21sten Jahrhundert............................7
2.1.1 Deutscher jugendlicher Lebensstil im 21sten Jahrhundert…..…........8
2.1.2 Chinesischer jugendlicher Lebensstil im 21sten Jahrhundert.............11
2.2 Jugendlicher Sport im 21sten Jahrhundert...................................16
2.2.1 Jugendlicher Sport im 21sten Jahrhundert in Deutschland….........17
2.2.2 Jugendlicher Sport im 21sten Jahrhundert in China...........................19
3 Die Methodik des Kulturvergleichs.................................21
3.1 Zur Methodik kulturvergleichender Forschung…….……..……….22
3.2 Kulturvergleichende Forschung in der Sportwissenschaft…..…..25
4 Sport und Lebensstil.........................................................31
4.1 Theorietische Grundannahmen von Lebensstil...........................31
4.1.1 Zum Begriff des Lebensstils..............................................................31
4.1.2 Bourdieus Theorie vom Lebensstil.................................................33
4.1.2.1 Sozialer Raum...................................................................................................34
4.1.2.2 Habitus...............................................................................................................35
4.1.2.3 Der Geschmack…..............................................................................................37
4.1.2.4 Kapitaltheorie......................................................................................................38
4.2 Bourdieus Lebensstilansätze und Sport......................................41
4.2.1 Vor- und Nachteile der Theorie Bourdieus........................................42
4.3 Jugendliche und sportiver Lebensstil..........................................46
4.3.1 Sportiver Lebensstil............................................................................48
II
4.3.2 Jugendliche und sportiver Lebensstil....................................................50
4.4 Forschungsfragen..............................................................................51
5 Die empirische Untersuchung..........................................55
5.1 Stichprobe...........................................................................................55
5.2 Datenerhebung...................................................................................59
5.2.1 Durchführung der Umfrage.................................................................63
5.3 Dateneingabe, Datencleaning und Datenauswertung....................64
6 Ergebnisse.........................................................................69
6.1 Jugendliche, Freizeit und Mediennutzung im Kontext von
Lebensstilen in Deutschland und China.........................................69
6.2 Jugendliche, Sport und Mediennutzung..........................................85
6.2.1 Die Bedeutung vom Sport im Vergleich zwischen Deutschland
und China............................................................................................86
6.2.1.1 Sporttreiben in der Freizeit chinesischer Jugendlicher…………......................94
6.2.2 Sportartenpräferenzen und Sportaktivitäten in Deutschland und
China.................................................................................................. 99
6.2.2.1 Wunschsportarten von Jugendlichen in Deutschland und China..................107
6.2.3 Der Vergleich des Sportverständnisses in Deutschland und China...112
6.2.4 Die subjektiven Einflussfaktoren auf das Sporttreiben der
Jugendlichen in Deutschland und China..........................................126
6.2.5 Die Sportorganisation der Jugendlichen in Deutschland und China....133
6.2.5.1 Schulsport in beiden ndern..............................................................................135
6.2.5.1.1 Pausengymnastik...............................................................................................136
6.2.5.1.2 Sportunterricht....................................................................................................137
6.2.5.1.3 Bewegungsstunde..............................................................................................140
6.2.5.1.4 Schulspiele.........................................................................................................141
6.2.5.2 Der Vergleich der kommerziellen Sportarten der Jugendlichen In Deutschland
und China.........................................................................................................144
III
6.2.5.2.1 Kommerzielle Sportarten bei den chinesischen Jugendlichen.......................150
6.2.6 Sportkonsum von den chinesischen Jugendlichen.........................153
6.2.7 Vergleich der familiären Einflussfaktoren auf die Sportbeteiligung
der Jugendlichen in Deutschland und China....................................168
6.2.8 Jugendliche und Selbstkonzept in Deutschland und China...............181
7 Zusammenfassung und Ausblick..................................199
7.1 Zusammenfassung...........................................................................199
7.2 Methodische Erträge und Grenzen der Arbeit................................204
7.3 Ausblick.............................................................................................208
8 Literatur.............................................................................211
Anhang………………………………………………………………...229
IV
Abrzungsverzeichnis
Abb.
Abbildung
Aufl.
Auflage
Bd.
Band
bzw.
beziehungsweise
ca.
zirka
d. h.
Das heißt
ebd.
ebenda
et al.
und andere
etc.
und so weiter
f.
folgend(e)
Hrsg.
Herausgeber
o. g.
oben genannt
n
Anzahl
Nr.
Nummer
p
Irrtumswahrscheinlichkeitsfaktor
S.
Seite
sig.
Signifikanzniveau
Tab.
Tabelle
u. a.
und andere
vgl.
Vergleiche
z. B.
zum Beispiel
%
Prozent
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Der Raum der Lebensstile in Abhängigkeit von
Kapitalvolumen und Kapitalstruktur..........................................39
Abbildung 2 Das Schulsystem Chinas...........................................................56
Abbildung 3 Fernsehnutzung von chinesischen Jugendlichen nach
ufigkeit.................................................................................. 74
Abbildung 4 Internetsurfen von chinesischen Jugendlichen nach
ufigkeit.................................................................................. 76
Abbildung 5 Computernutzung chinesischer Jugendlichen nach
ufigkeit.................................................................................. 77
Abbildung 6 cherlesen der chinesischen Jugendlichen nach
ufigkeit.................................................................................. 79
Abbildung 7 Zeitungs- und Magazinlesen der chinesischen Jugendlichen
nach ufigkeit..........................................................................80
Abbildung 8 Computerspielen oder Benutzen der Spielkonsole der
chinesischen Jugendlichen nach ufigkeit..............................81
Abbildung 9 Radiohören der chinesischen Jugendlichen nach ufigkeit.....82
Abbildung 10 DVD- und Videonutzung chinesischer Jugendlicher
nach ufigkeit..........................................................................83
Abbildung 11 Vergleich der Medienbeschäftigung in der Freizeit beider
nder glich/mehrmals pro Woche.........................................85
Abbildung 12 Der Vergleich der Wichtigkeit vom Sport der Jugendlichen
beider nder.............................................................................91
Abbildung 13 Die sechs häufigsten Freizeitaktivitäten der chinesischen
Heranwachsenden..................................................................... 94
Abbildung 14 Die Häufigkeit des Sporttreibens chinesischer
Heranwachseden……….………………………………………..…96
VI
Abbildung 15 Die Auswahl der Sportarten chinesischer Jugendlicher
in ihrer Freizeit nach den Altersstufen......................................103
Abbildung 16 Erwünschte Sportarten chinesischer Jugendlicher..................108
Abbildung 17 Erwünschten Sportarten chinesischer Jugendlicher
nach Altersstufen.....................................................................109
Abbildung 18 Die erwünschten Sportarten chinesischer Jugendlicher
nach Geschlechtern.................................................................110
Abbildung 19 Ergebnisse des Sportverständnisses beider nder................115
Abbildung 20 Die Unterschiede im Sportverständnis chinesischer und
deutscher Jugendlicher nach den Geschlechtern....................118
Abbildung 21 Mittelwerteunterschiede zum „ Trainings- und Leistungs-
aspekt“ nach Geschlechtern beider Länder..............................122
Abbildung 22 Mittelwerteunterschiede zum „Spaßaspekt“ nach
Geschlechtern beider nder...................................................123
Abbildung 23 Mittelwerteunterschiede zum „ Körperaspekt“ nach
Geschlechtern beider Länder...................................................124
Abbildung 24 Die Gründe des Sporttreibens der chinesischen Jugendli-
chen.........................................................................................128
Abbildung 25 Die Gründe des Sporttreibens der deutschen Jugendlichen... 129
Abbildung 26 Die Beliebtheit des Schulsports bei chinesischen Schüler...... 136
Abbildung 27 Die Beliebtheit der Pausengymnastik bei chinesischen
Schülern...................................................................................137
Abbildung 28 Die Beliebtheit des Sportunterrichts bei chinesischen
Schülern...................................................................................138
Abbildung 29 Die Beliebtheit der Bewegungsstunde bei chinesischen
Schülern...................................................................................140
Abbildung 30 Die Beliebtheit der Schulspiele (etc.) bei chinesischen
Schülern...................................................................................141
VII
Abbildung 31 Die Sportstätten der Pekinger Jugendlichen in ihrer Freizeit...146
Abbildung 32 Sportstätten chinesischer Jugendlichen in der Freizeit nach
den Geschlechtern..................................................................147
Abbildung 33 Sportstätten chinesischer Jugendlichen in der Freizeit nach
den Altersstufen......................................................................147
Abbildung 34 Die Verhältnisse des kommerziellen Sporttreibens
chinesischer Schüler...............................................................149
Abbildung 35 Die drei häufigsten Gründe chinesischer Jugendlicher
keinen kommerziellen Sport zu treiben...................................150
Abbildung 36 Kommerzielsportarten chinesischer Jungen und dchen….151
Abbildung 37 Kommerziellbetriebene Sportarten chinesischer
Jugendlicher nach dem Alter...................................................152
Abbildung 38 Verhältnisse des Sportkonsums chinesischer Jugendlicher....155
Abbildung 39 Sportkonsum chinesischer Jugendlicher nach
Geschlechtern und Altersstufen..............................................156
Abbildung 40 Sechs Sportkonsum-Items der chinesischen Jugendlichen... 157
Abbildung 41 Sportkleidung und -schuhen chinesischer Jugendlicher.........158
Abbildung 42 Sportgeräte chinesischer Jugendlicher...................................158
Abbildung 43 Konsum der Sportmedien chinesischer Jugendlicher.............159
Abbildung 44 Sporturlaub oder Sportreisen chinesischer Jugendlicher........160
Abbildung 45 Besuch kostenpflichtiger Veranstaltungen in Sportstadien
oder -hallen chinesischer Jugendlicher..................................160
Abbildung 46 Die soziale Struktur Chinas.....................................................165
Abbildung 47 Die Häufigkeit des Sporttreibens, Geschlechtern, Alters-
stufen und der Einfluss auf das generelle Selbstkonzept.......188
Abbildung 48 Die Häufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf das
generelle Selbstkonzept im Verlauf des jugendlichen
Entwicklungsprozesses...........................................................189
Abbildung 49 Die Häufigkeit des Sporttreibens, Geschlechtern, Altersstufen
und der Einfluss auf die sozialen Kontakte zu
Gleichaltrigen............................................................................191
Abbildung 50 Die Häufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf die
sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen im Verlauf des
jugendlichen Entwicklungsprozesses.......................................192
Abbildung 51 Die Häufigkeit des Sporttreibens, Altersstufen und
Geschlechter und der Einfluss auf die sozialen Kontakte
zu den Eltern...........................................................................194
Abbildung 52 Die Häufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf die
sozialen Kontakte zu den Eltern im Verlauf des
jugendlichen Entwicklungsprozesses.....................................195
Abbildung 53 Die Häufigkeit des Sporttreibens, Altersstufen und
Geschlechter und der Einfluss auf das rperkonzept...........196
Abbildung 54 Die Häufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf das
rperkonzept im Verlauf des jugendlichen
Entwicklungsprozesses...........................................................197
IX
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Verteilung der Stichproben nach Schulform und
Klassenstufen............................................................................... 59
Tabelle 2 Verteilung der Stichproben nach dem Datencleaning....................59
Tabelle 3 Die Gliederung des Fragebogens..................................................61
Tabelle 4 Mittelwertunterschiede für die Items der Freizeitskala von
beiden ndern.............................................................................71
Tabelle 5 Die Mittelwerte der zehn wichtigsten Freizeitaktivitäten im
Vergleich........................................................................................89
Tabelle 6 Der Mittelwertevergleich der Wichtigkeit der Freizeitaktivitäten
zwischen China und Deutschland..................................................92
Tabelle 7 Gruppeneinteilung nach der subjektiven Wichtigkeit vom
Sport bei deutschen und chinesischen Jugendlichen....................93
Tabelle 8 Die Mittelwerte der Wichtigkeit vom Sporttreiben von
Geschlecht und Altersstufe im Vergleich.......................................90
Tabelle 9 Korrelation zwischen Häufigkeit der Mediennutzung und der
Sportbeteiligung bei den chinesischen Jugendlichen..................98
Tabelle 10 Top Ten der Sportaktivitäten der jugendlichen Freizeit beider
nder nach den Geschlechtern..................................................102
Tabelle 11 Erwünschte Sportarten von ostdeutschen Jugendlichen.............111
Tabelle 12 Kovarianzanalyse ausgewählter Items zum Sportverständnis.....121
Tabelle 13 Zuordnung chinesischer Jugendlicher zu den Clustern...............127
Tabelle 14 Zuordnung deutscher Jugendlicher zu den Clustern...................128
Tabelle 15 Vergleich der Hinderungsgründe des Sporttreibens zwischen
beiden ndern..........................................................................128
Tabelle 16 Die Mittelwerte der Beliebtheit der Schulsportreformen
chinesischer Schüler………………………………………………..142
X
Tabelle 17 Die Mittelwerte der Unzufriedenheit des Schulsports bei
chinesischen Schülern................................................................143
Tabelle 18 Die Hinderungsgründe des Sportkonsums bei den chinesischen
Jugendlichen…….…………...…………………..………………….162
Tabelle 19 Sportkonsum chinesischer Jugendlicher nach dem Stellenwert
des Sports und der ufigkeit des Sporttreibens........................163
Tabelle 20 Sportkonsum der chinesischen Jugendlichen bezüglich der
Sozialschicht und Schulbildung der Eltern..................................167
Tabelle 21 Sporttreiben und Stellenwert des Sports chinesischer Jugendlicher,
differenziert nach Ausbildung und Sozialschicht der Eltern.........171
Tabelle 22 ufigkeit des Sporttreibens und Stellenwert des Sports der
chinesischen Jugendlichen und Bildungsniveau ihrer Eltern......174
Tabelle 23 ufigkeit des Sporttreibens und Stellenwert des Sports für die
chinesischen Jugendlichen und Sozialschicht ihrer Eltern........175
Tabelle 24 Zusammenhang der Häufigkeit des Sporttreibens und des
Stellenwerts des Sports für die chinesischen Jugendlichen
mit dem Sporttreiben der Eltern...............................................176
Tabelle 25 Prädiktoren des Sporttreibens der chinesischen Jugendlichen
Vierstufiges Regressionsmodell................................................177
Tabelle 26 Reliabilität des SDQ II bei chinesischen Jugendlichen...............186
Tabelle 27 Kovarianzanalyse des Selbstkonzepts bei den chinesischen
Jugendlichen............................................................................ 187
XI
Danksagung
Zunächst chte ich meinen herzlichsten Dank meinem Doktorvater Professor
Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider aussprechen. Von Beginn an betreute und unter-
stützte er diese Studie. Mit seinem fachlichen Wissen und seinem helfenden Rat
stand er mir jeder Zeit zur Seite und motivierte mich stets, wenn ich vor Schwie-
rigkeiten stand. Ohne seine Geduld und sein Verständnis, tte diese Arbeit nicht
gelingen können.
Weiterhin danke ich den fleißigen Helfern Christian Dobroschke, Christian Faust,
Kristina Goldberg, Tillmann Lewien und Martin Wünnemann, sowie den Kollegen
aus dem Department Sport & Gesundheit der Universität Paderborn, die mich bei
der Ausarbeitung tatkräftig unterstützten.
Zu guter Letzt, aber nicht weniger wichtig, gilt mein Dank meinem Freund Dr.
Gang Zhao, der für einen reibungslosen Ablauf der Studie in Peking sorgte. Und
selbstverständlich allen Pekinger Schulen und Pekinger Schülern, die sich die
Zeit für die Studie genommen haben.
XII
1
1 Einleitung
Das Phänomen „Globalisierung“, welches im ausgehenden 20sten Jahrhundert
begonnen hat die Wirtschaft und Kultur der meisten nder auf diesem Globus
nachhaltig zu verändern, hat auch nicht vor dem bevölkerungsreichsten und bis-
her von westlichen Einflüssen weitgehend isoliert lebenden Land der Erde halt
gemacht: China.
Durch die Globalisierung, aber auch gleichzeitig durch die Wirtschaftsreformen
und Öffnung Chinas der Welt gegenüber, die Anfang der achtziger Jahre durch
den damaligen Ministerpräsident Xiaoping Deng initiiert wurde, verursachte ei-
nen Zusammenprall der westlichen und der traditionellen chinesischen Kultur.
Dies hat nicht nur Konflikte, sondern auch die Integration kultureller westlicher
Bestandteile bewirkt. Dadurch wurde eine Veränderung der Gesellschaftsstruk-
tur und des alltäglichen Lebens in China hervorgerufen.
Zum einen verbesserte sich aufgrund des rasanten wirtschaftlichen Wachstums
der allgemeine Lebensstandard und zum anderen veränderte sich die Gesell-
schaftsstruktur in China. Durch die Wirtschaftsreformen und die Globalisierung
hat die chinesische Bevölkerung eine neue Stufe der Veränderung von einer
traditionellen Kultur hin zu einer modernen Gesellschaft erklommen. Deshalb
zeigt sich auch zunehmend der Drang nach einer neuen Definition des kultu-
rellen Lebens. Dies spiegelt sich zum Beispiel in dem wachsenden Interesse
verschiedener Gruppen und der Gesellschaft an einer sportiven Gestaltung des
Lebens.
Im Zuge der Veränderung der Gesellschaftsstruktur sind die Einkommen und
damit die Konsumhigkeit der chinesischen Bevölkerungen rapide gewachsen,
der technische Fortschritt ist beschleunigt worden und der Anteil der Freizeit am
Leben jedes Einzelnen ist gestiegen. Nach einer Studie des japanischen Innen-
2
ministeriums 1997 beträgt der durchschnittliche stündliche Anteil von Freizeit am
Tag in China mittlerweile 5,3 Stunden und ist damit sogar höher als der Anteil in
manchen westlichen Nationen. In den USA beträgt der Anteil z. B. nur 5,1
Stunden, in Großbritannien sogar nur 4,9 Stunden (vgl. Weltstatistik, 1996).
Dieser Vorgang hat die Lebensweisen, die Wertorientierung und den Lebensstil
der Bevölkerungen deutlich geändert und gleichzeitig eine neue Gesundheits-
orientierung der chinesischen Bevölkerungen hervorgerufen. Sport ist die erste
Wahl in der Freizeitgestaltung und mittlerweile zu einem Grundbedürfnis ge-
worden.
Im 21sten Jahrhundert zeigt der chinesische Breitensport neue Merkmale, der
Slogan „Gesundheit ist Alles“ ist tief im Herzen der Menschen verwurzelt, die
Sportbevölkerung chst stabil: 35,4% der über 16-jährigen (dabei wurden
Schüler und Soldaten nicht berücksichtigt) treiben mindestes einmal chent-
lich Sport in China, 24,98% mindestens zweimal und 17,37% dreimal in der
Woche (vgl. Chinesisches Nationales Sportkomitee, 1996). Dabei ist auffallend,
dass der Anteil der sportlich aktiven Bevölkerung bei Jugendlichen und älteren
Menschen besonders hoch ist und dann bei Chinesen mittleren Alters stark ab-
llt.
Es ist jetzt schon vorhersehbar, dass mit der Entwicklung der chinesischen Wirt-
schaft und der Beschleunigung der Modernisierung sowie der weiteren Verbe-
sserung des Lebensstandards bald ein immer größerer Teil der chinesischen
Bevölkerung aktiv Sport treiben wird, und zudem Sport als einen der wichtigsten
Bestandteile ihres Lebens ansehen wird.
Deutschland ist eine wohlhabende Industrienation, dessen Sportsystem das
Vorbild für die europäische „Sport für Alle“-Politik zu sein scheint. Das Sportinte-
resse wird über den Sportumfang der Bevölkerung und über die Teilnahme an
sportbezogenen Gesellschaftsformen operationalisiert.
3
Der Sport hat sich dabei im Laufe der Zeit zu einem der bedeutendsten gesell-
schaftlichen Phänomene mit globaler Wirkung in den westlichen ndern ent-
faltet. Der Sport ist heute ein fester Bestandteil der Alltagskultur, er ist zu einem
Element des modernen Lebensstils geworden, mit dem sich nicht nur das r-
perliche Wohlbefinden steigern sst, sondern mit dem sich auch Zeichen im
Rennen um gesellschaftliche Anerkennung setzen lassen (vgl. Lamprecht &
Stamm, 2002).
Untersuchungen über Sport konzentrieren sich schon lange nicht mehr nur auf
die Erwachsenenwelt. Forschungen über Jugendliche cken immer mehr in das
Interesse der Öffentlichkeit. Es mangelt nicht an wissenschaftlichen Untersu-
chungen zu den Themen „Jugend“ und „Sport“ in Deutschland, es fehlt aber der
Vergleich zur ältesten Kultur Asiens. Die verschiedenen Gesellschaftsstrukturen
(1), Ideologien, Ökonomiestandards, Kulturhintergründe (2) und Globalisie-
rungsprozesse in China und Deutschland hren dazu, dass es Differenzen
zwischen den Jugendlichen beider nder gibt: „In der Welt nach dem Kalten
Krieg sind die wichtigsten Unterscheidungen zwischen lkern nicht mehr ide-
ologischer, politischer oder ökonomischer Art. Sie sind kultureller Art“ (Hunting-
ton, 1996, S. 21).
(1): Während in Deutschland die Mittelschicht den größten Teil der Gesellschaft einnimmt, hat die
Gesellschaftsstruktur in China die Form einer Pyramide, d.h. im Vergleich zu der Ober- und
Mittelschicht nimmt die Unterschicht den mit Abstand größten Teil der Bevölkerung ein.
(2): Huntington meint, es gibt folgende Kulturen in der Welt: die sinische, die japanische, die
hinduistische, die westliche, die islamische, die lateinamerikanische und die afrikanische
Kultur (vgl. Huntington, 1996). Der chinesische Wissenschaftler Ji meint, es gibt vier grund-
legende Kulturen: die chinesische, die indische, die islamische und die europäisch- nord-
amerikanische Kultur (vgl. Ji, 1991).
4
Die kulturvergleichenden Theorien bieten eine Gelegenheit, Sport in verschie-
denen Kulturen aus interkulturell vergleichender Perspektive vergleichbar zu
machen. Diesem Aspekt widmet sich die vorliegende Arbeit und stellt einen Zu-
sammenhang zwischen Jugend, Sport und Lebensstil in der Bundesrepublik
Deutschland und der Volksrepublik China her. Dieser basiert auf den Theorien
Bourdieus zum (sportiven) Lebensstil.
Die vorliegende Arbeit- eine interkulturelle Untersuchung des sportiven Lebens-
stils in den reichen Städten Chinas im Vergleich zu Deutschland- soll Folgendes
zeigen:
- den Zustand der jugendlichen chinesischen Generation in einer wohlhaben-
den Stadt Chinas.
- einen interkulturellen Vergleich zwischen den deutschen und chinesischen
Kulturen.
Die vorliegende Arbeit wird einen Fokus auf folgende Inhalte legen: Teil zwei
beschäftigt sich mit allgemeinen Aspekten der Jugend, des Sports und des Le-
bensstils. Wie ist der jugendliche Lebensstil gekennzeichnet und was spielt Sport
r eine Rolle dabei? Diese Fragen werden beide in Kapitel zwei geklärt werden.
Dabei wird immer der Vergleich zwischen den beiden ndern Deutschland und
China gezogen. Außerdem wird in diesem Kapitel geklärt werden, inwiefern der
Lebensstil in beiden Ländern einem zeitlichen Wandel unterliegt.
Teil drei setzt sich mit Theorien des Kulturvergleichs auseinander. Es wird auf-
geführt, welche kulturvergleichenden Methodiken es überhaupt gibt. Anschlie-
ßend folgt ein Unterkapitel über die glichkeiten eines Kulturvergleichs im Be-
reich der Sportwissenschaft. Anliegen und Ziele der kulturvergleichenden Theo-
rien sowie die Methodik der Forschung spielen hier eine zentrale Rolle.
In Teil vier wird auf eine Lebensstiltheorie im Besonderen eingegangen. Es ist
Bourdieus Lebensstiltheorie, die hier her betrachtet werden soll und auch un-
5
ter Berücksichtigung anderer bereits existierender Theorien über den sportiven
Lebensstil kritisiert wird. Sie wird in den Kontext Sport gesetzt und ermöglicht es
ckschlüsse auf Jugendliche und Sport als Lebensstil zu ziehen.
Der nfte Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen des For-
schungsteils. Die Rahmenbedingungen der empirischen Untersuchung werden
geklärt, es wird aufgezeigt, wo die Untersuchung angesetzt wurde und was ge-
nau der Untersuchungsgegenstand ist.
Inhalt des sechsten Teils sind die empirischen Befunde der Untersuchung. Die
Ergebnisse aus beiden ndern werden detailliert dar und einander gegenüber
gestellt. Dabei wird insbesondere die Rolle der Medien erläutert und erste Inter-
pretationen der Mediennutzung werden vollzogen. Des Weiteren wird hier versu-
cht, die Verbindung von Jugendlichen, Sport und Lebensstil darzustellen, natür-
lich immer im Vergleich der beiden untersuchten nder China und Deutsch-
land.
Im siebten Teil werden die Ergebnisse der Untersuchungen evaluiert und es wird
ein allumfassendes Fazit gezogen. Eine Übersicht über die verwendete Literatur
befindet sich in der Bibliografie.
6
7
2 Jugend, Sport und Lebensstil im 21sten Jahrhundert
Jugend und Jugendliche wurden im 20sten Jahrhundert sowohl in Deutschland
als auch in China intensiv diskutiert, thematisiert und erforscht. Die Jugendlichen
beider nder leben in einer globalisierten Welt und auch auf die Jugendkulturen
hat dies entscheidenden Einfluss. Die Entwicklung der Wirtschaft und der So-
zialstruktur sowie der Einfluss der Globalisierung haben zu einer Veränderung
des jugendlichen Lebensstils geführt. In beiden ndern gibt es Gemeinsam-
keiten und Unterschiede in der jugendlichen Kultur. Mit der Verbesserung der
chinesischen Wirtschaft und der Verwestlichung der traditionellen chinesischen
Kultur verläuft die Ausrichtung der jugendlichen Kulturen in beiden ndern recht
ähnlich. Arbeit, Unterricht und Leibübungen gelten r die Jugendlichen in den
beiden ndern als sinnvolle Beschäftigungen in der Freizeit. In diesem Kapitel
wird die vorhandene Untersuchung über Jugend, Sport und Lebensstile im
21sten Jahrhundert in beiden Länder zusammengefasst.
2.1 Jugendlicher Lebensstil im 21sten Jahrhundert
Im Folgenden wird ein allumfassender Überblick über den jugendlichen Lebens-
stil im 21sten Jahrhundert gegeben. Gegenstand dieses Überblicks sind die Ein-
stellung zur eigenen Ausbildung, das Verhältnis zu den Eltern und zu anderen
Autoritäten, wie z. B. zu Politikern oder Vorbildern aus der Musikbranche. Wei-
tere Aussagen werden zu der Bedeutung von Freundschaften und kulturellen
Traditionen und zu der Einstellung gegenüber der Zukunft getroffen.
8
2.1.1 Deutscher jugendlicher Lebensstil im 21sten Jahrhundert
Zunächst ist festzustellen, dass sich die deutschen Jugendlichen in einem öko-
nomischen, sozialen, politischen und kulturellen Wandlungsprozess befinden.
Auch ihre Lebensbedingungen, Lebenslagen und Lebenswelten haben sich ver-
ändert. Trotzdem hat dies keine drastischen Auswirkungen auf ihren Lebensstil
(vgl. Shell Jugendstudie 2000, 2002, 2006). Seit den 50er Jahren ist der Mythos
Amerika mit Vehemenz in die Alltagskultur der Bundesrepublik Deutschland ein-
gedrungen. Vor allem das Jugendleben öffnete sich r den amerikanischen
Lebensstil (vgl. Brandl-Bredenbeck, 1999).
Daraus sst sich folgern, dass die moderne Industriegesellschaft einem perma-
nenten Wandel unterliegt, der in einem komplexen Feld von Modernisierung und
Globalisierungsprozessen zu einem allumfassenden Wertewandel in den letzten
20 bis 30 Jahren geführt hat. Werte wie Disziplin, Fleiß und Gehorsam haben an
Bedeutung verloren (vgl. Shell Jugendstudie, 2002).
Die erste Windows-Generation (vgl. Schwab & Stegmann, 1999) der deutschen
Jugendlichen hat das 21ste Jahrhundert betreten. Die Ergebnisse der Studien
über deutsche Jugendliche haben folgende Merkmale gezeigt: Sie sehen die
persönliche Zukunft optimistisch und positiv und suchen ihre eigenen sungen
r den Lebensweg (vgl. Langness, Leven & Hurrelmann, 2002; Zinnecker,
2002).
Das Ergebnis der Shell Jugendstudie 2002 zeigt, dass 53% der deutschen Ju-
gendlichen durchaus zuversichtliche Zukunftsperspektiven haben. Bezüglich des
Ausbildungsniveaus sst sich folgende Feststellung konstatieren: Je her der
Schulabschluss ist, desto positivere Zukunftserwartungen haben die Jugendli-
chen. Wenn man diese Aussage mit den Ergebnissen von 1996 und 1999 ver-
gleicht, ist zu erkennen, dass das positive Verhältnis der optimistischen Zukunft
9
gestiegen ist (vgl. Langness, Leven & Hurrelmann, 2002). Jedoch sehen sie die
gesellschaftliche Zukunft nicht vollkommen optimistisch. Ihr Motto lautet: „Man
sollte sein Leben leben und froh sein, wenn man nicht von außen belästigt
wird“ (Zinnecker, 2002, S. 10).
Die deutschen Heranwachsenden sind bildungsehrgeizig und versuchen in der
Schule Erfolg zu haben, da das Bildungsniveau in Deutschland von wichtiger
Bedeutung r die gesellschaftlichen Chancen ist (vgl. Langness, Leven & Hur-
relmann, 2002; Zinnecker, 2002). Langness, Leven und Hurrelmann stellen auch
Folgendes fest: Mit 48% besucht die Mehrheit der Jugendlichen im Alter zwi-
schen 12 und 25 Jahren noch eine allgemein bildende Schule. 17% sind in be-
ruflicher Ausbildung und weitere 12% studieren“ (Langness, Leven & Hurrel-
mann, 2002, S. 17).
Grundlegend positiv sehen die deutschen Jugendlichen die Beziehung zu den
Eltern. Langness, Leven und Hurrelmann berichten, dass fast 90% der deu-
tschen Jugendlichen mit ihren Eltern gut klarkommen. Gleichzeitig sind die Eltern
Idole r sie und bewerten den Erziehungsstil als liberal. Sie chten ihre Kinder
später ebenso erziehen und sie engagieren sich vor allem für die eigene Familie
(vgl. Langness, Leven & Hurrelmann, 2002; Zinnecker, 2002). Die deutschen
Jugendlichen sind sehr kommunikationsfreudig und in vielfältige soziale Bezie-
hungen integriert. Die sozialen Netzwerke enthalten den Umgang mit Geschwi-
stern, Großeltern und weiteren Verwandten, aber auch Nichtverwandten, wie z. B.
beste Freunde und Gruppen von Gleichaltrigen (vgl. Zinnecker, 2002).
Bei Langness, Leven und Hurrelmann sind die zwei wichtigsten Sozialkommuni-
kationen deutscher Jugendlichen im Laufe einer Woche Folgende: An erster
Stelle steht das Treffen mit Leuten, dies macht 67% bei den nnlichen und 57%
bei den weiblichen Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren aus. Unter-
nehmungen mit der Familie sind ebenfalls von großer Bedeutung. 21% der
10
nnlichen und 11% der weiblichen Jugendlichen geben an, mit der Familie re-
gelmäßige Aktivitäten auszuführen (vgl. Langness, Leven & Hurrelmann, 2002).
60% der 10- bis 18-jährigen deutschen Jugendlichen haben ein Vorbild. Sie
akzeptieren erwachsene Vorbilder, wie beispielsweise Sportler, die Eltern oder
Popstars. Sie vertrauen besonders Ärzten und Polizisten (vgl. Zinnecker, 2002).
Die Stars der Unterhaltungsindustrie, insbesondere in der Musikbranche und im
Profi-Sport, sind die Idole der deutschen Jugendlichen und sie träumen eben-
falls von einer prominenten, beruflichen Zukunft (vgl. Zinnecker, 2002). Zinne-
cker zeigt weitere charakteristische Merkmale der deutschen Jugendlichen: „Sie
zeigen Sinn r Tradition, Rituale, Inszenierungen ihres Lebens ebenso wie sie
soziale Events und Erlebnis-Kicks aller Art schätzen, die über den Alltag hin-
ausweisen“ (Zinnecker, 2002, S. 11).
Allerdings zeigten die Untersuchungen der deutschen Jugendlichen im diesem
Jahrhundert auch Schattenseiten: Obwohl sie r die private Zukunft optimisti-
sch sind, haben sie auch Ängste vor der globalen Zukunft und der Arbeitslosig-
keit. Der Optimismus bezüglich der persönlichen Zukunft ist von 56% in 2002 auf
50% im Jahr 2006 gefallen (vgl. Langness, Leven & Hurrelmann, 2002, 2006).
Die deutschen Jugendlichen sehen die Probleme der Arbeitslosigkeit, der Um-
weltverschmutzung und des Friedens als unlösbar an. Sie sehen die eigene Zu-
kunft widersprüchlich und reduzieren ihre Erwartungen (vgl. Langness, Leven &
Hurrelmann, 2002; Zinnecker, 2002).
Die deutschen Jugendlichen orientieren sich weitestgehend stark auf Ausbil-
dungs- und Bildungsabschlüsse. Die Bildungschancen stehen im engen Zusa-
mmenhang mit der sozialen Herkunft. Während fast die lfte der unterschicht-
angehörigen Jugendlichen niedrige Schulformen besuchen, beträgt der Anteil
der Heranwachsenden, die aus der Ober- oder oberen Mittelschicht stammen
und eine Hauptschule besuchen, weniger als 10%. Im Gegensatz dazu kommen
11
mehr als 50% der Schüler aus der Ober- und oberen Mittelschicht von Gymna-
sien, und „nur ein marginaler Anteil kommt aus der Unterschicht“ (vgl. Langness,
Leven & Hurrelmann, 2002). Es fehlen ihnen jedoch die Kenntnisse und hig-
keiten hinsichtlich ihres gewünschten Bildungsziels. Die Zahl der Jugendlichen,
die eine Klasse wiederholen ssen, ist von 15% in 2002 auf 17% in 2006 ge-
stiegen (vgl. Langness, Leven & Hurrelmann, 2002, 2006).
Lernfreude und Lernkultur sind unterentwickelt. Nur 31% der 10- bis 18-jährigen
geben an, dass sie mit Freude lernen (vgl. Zinnecker, 2002). Trotzdem akzep-
tieren die deutschen Heranwachsenden erwachsene Vorbilder und Experten.
Allerdings vertrauen sie den Autoritäten der Erwachsenengeneration bzw. Politi-
kern nicht bedingungslos. Die Zahl der Jugendlichen, die an Politikern noch Inte-
resse zeigen, ist von 57% im Jahr 1991 auf 34% in 2002 gesunken (vgl. Shell
Jugendstudie, 1992, 2002). 84% der deutschen Jugendlichen gaben an, dass die
Regierung nicht genügend r die Interessen der Jugendlichen eintritt (vgl.
Zinnecker, 2002).
2.1.2 Chinesischer jugendlicher Lebensstil im 21sten Jahrhundert
Nach der Zusammenfassung des jugendlichen Lebensstils in Deutschland in den
verschiedenen Dimensionen und Reichweiten im neuen Jahrhundert wird die
chinesische Jugendkultur parallel vorgestellt, um so einen Vergleich zwischen
beiden Kulturen ziehen zu können.
Die erste chinesische e-Generation oder E-Mail-Generation ist unter der seit den
siebziger Jahren gültigen Familienplanungspolitik Chinas als Einzelkind geboren
und großgezogen worden. Kinder werden aufgrund ihrer Wichtigkeit r die
Weiterführung des Familiennamens umgangssprachlich auch „kleine Kai-
ser“ genannt, was die Bedeutung der Jugend in der Gesellschaft verdeutlicht.
12
Die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft und der daraus resultie-
renden Öffnung des chinesischen Marktes r ausländische Produkte, aber auch
der Zuwachs an eigenen chinesischen Produkten, bietet der heutigen Jugend
eine Vielzahl an Neuheiten, die für die vorherigen Generationen nicht zugänglich
waren. Die Jugendlichen hlen daher auch zu denen, die am meisten von dem
Wirtschaftswachstum profitieren.
Durch die rapide Popularisierung der Massenmedien in China hat diese Gene-
ration auch größeres Interesse an internationalen Themen und Aspekten des
Lebens und auch einen größeren Drang, sich schneller in den Globalisierungs-
prozess zu integrieren. Dabei prallen nicht selten die Gegensätze der chinesi-
schen traditionellen Kultur und der Drang nach Modernisierung und Wettbe-
werbsfähigkeit aufeinander, was zu Spannungen und Konflikten hrt, aber
manchmal auch zur Verschmelzung der chinesischen und der westlichen Kultur.
Damit werden die Wertorientierung und der Lebensstil der heutigen Jugend
Chinas nachhaltig verändert.
Serienuntersuchungen über die chinesischen Jugendlichen im neuen Jahrhun-
dert haben gezeigt, wie die Unterschiede zwischen den älteren Generationen
und die Konflikte mit der traditionellen Kultur aussehen. Zunächst werden die
Merkmale chinesischer Jugendlicher in Bezug auf Zukunftsperspektive, Bildung,
Familie und Wertorientierung näher beleuchtet.
Eine Untersuchung von Yu hat gezeigt, dass Jugendliche in Peking optimistisch
der Zukunft entgegenblicken und fest davon überzeugt sind, dass sich die Wirt-
schaft Chinas weiter entwickeln und wachsen wird und dabei auch die Frei-
heiten des Einzelnen weiter steigen wird. Diese Generation erlebt zweierlei: Ei-
nerseits die rapide Entwicklung der chinesischen Wirtschaft mit all ihren posi-
tiven Effekten und gleichzeitig die neu auftauchende Probleme, die diese Ent-
wicklung mit sich bringt. Veränderungen der Gesellschaft, Polarisierungen in der
13
Bevölkerung, Konflikte bei der Kulturintegration und Ängste, die chinesische Ju-
gendliche zusammen mit der wachsenden Angst vor Arbeitslosigkeit und dem
damit verbundenem gesellschaftlichen Abstieg verarbeiten ssen (vgl. Yu,
2002).
Die meisten Jugendlichen sind sich der Bedeutung ihrer Ausbildung r ihr wei-
teres Leben bewusst. Eine Untersuchung über Pekinger Jugendliche hat gezeigt,
dass 77,8% der Befragten finden, Ausbildung sei „sehr wichtig“ oder wich-
tig“ (vgl. Ji, 2005). Schon zu Beginn der Grundschule ist r viele klar, dass sie
später an einer Hochschule studieren, um irgendwann in der Zukunft eine gute
Arbeit finden zu können und sich sozialen Aufstieg zu sichern. Sie sind die „Prü-
fungsgeneration“ und belasten damit die großen, und nicht selten weit überzo-
genen Hoffnungen ihrer Eltern (vgl. Wang, 2005). Die Prüfungsgeneration der
chinesischen Jugendlichen muss an zahlreichen Prüfungen teilnehmen. Dies ist
von immenser Wichtigkeit, denn nur durch diese Prüfungen nnen sie in den
Schulen oder Hochschulen weiter lernen oder einen Arbeitplatz finden. Jede
Prüfung kann über ihr Schicksal entscheiden. Deshalb nannte Wang sie die
„Prüfungsgeneration“.
Die Familie ist für Jugendliche in China noch immer sehr bedeutsam. 37,9% der
Pekinger Jugendlichen gaben an, dass die Beziehung zur Familie wichtiger als
alles andere ist. Die meisten Jugendlichen respektieren und vertrauen ihren El-
tern. Neuzeitliche Erscheinungen sind, dass die Jugendlichen denken, die Eltern
ssten sich den Respekt, der ihnen entgegengebracht wird, erst durch richtiges
Verhalten verdienen. In der chinesischen traditionellen Kultur sollen die Kinder
folgsam sein und den Elternmeinungen bedingungslos gehorchen. Dieser Ver-
stoß der neuen Generation gegen die traditionelle Kultur hrt zu einer Erzie-
hungs- bzw. Gesellschaftsverwirrtheit (vgl. Ji, 2005).
14
Aufgrund der “Familienplanungspolitik“ hat ein großer Teil dieser Generation
keine Geschwister und hlt sich im Laufe der Kindheit sehr einsam. Heranwa-
chsende sind auf freundschaftliche Bindungen und auf Kommunikation im Kreis
der Altersgenossen stark angewiesen. Um der Einsamkeit entgegenzuwirken
brauchen sie Bezugspersonen (vgl. Ji, 2005).
Die Konsumorientierung der meisten Jugendlichen Pekings ist entsprechend der
chinesischen Tradition durch Sparsamkeit geprägt. Aber diese Generation wird
auch zunehmend durch wachsendes Konsumverhalten beeinflusst. Aufgrund
ihrer Bedeutung in der Familie sind die in den Städten lebenden Jugendlichen
nicht selten sehr verwöhnt und bekommen ufig jeden Wunsch von ihren Eltern
erfüllt. Dadurch sind sie zu einer der größten Konsumentengruppen in China
geworden. Es hat sich gezeigt, dass die chinesischen Jugendlichen heutzutage
auch unter negativen Konsumformen leiden. Eine dieser Folgen ist der „Über-
konsum“ in Form von Verschuldung und der „Protzkonsum“. Damit ist das zur
Schau stellen des materiellen Wohlstands gemeint. Ein weiteres Merkmal ist der
„Vergleichkonsum“, der das Vergleichen untereinander und das damit verbun-
dene Konkurrieren mit den anderen als Eigenschaft hat. Die Ursachen sind fal-
sche Erziehung in der Familie, mangelnde Schulerziehung, ungenügende h-
rung durch die Gesellschaft und der negative Einfluss der Konsumgesellschaft
(vgl. Yu, 2006).
Ein weiteres Phänomen unter Jugendlichen ist die Suche nach Vorbildern und
Idolen, welche aus vielen Bereichen des Lebens ausgewählt werden nnen. Ju-
gendliche in Peking hlen in der Regel zwischen Popstars, Sportstars, Politi-
kern oder Wissenschaftlern. Nur wenige haben ihre Lehrer und Eltern ausge-
wählt. Jedoch sind die Idole der 50er- oder 60er-Generationen die Wissen-
schaftler oder Dichter. Die Einflussfaktoren dafür sind die Veränderung der chi-
nesischen Marktwirtschaft und die rapide Entwicklung der chinesischen Massen-
medien (vgl. Min, 2003).
15
Die traditionelle Kultur ist eine Kollektivismuskultur und vernachlässigt den per-
nlichen Profit, wenn der Einzelne gegen das Kollektiv handelt. Von großer Be-
deutung ist das Unterordnen der persönlichen Interessen der Gemeinschaft
gegenüber. In den 80er und 90er Jahren betonten die chinesischen Jugendli-
chen ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. Ihr Motto lautete, „ich bin ich“ oder
„Selbstwertgefühl realisieren“ (vgl. Tang, 2007). Diese Änderung des Selbst-
wertgefühls chinesischer Jugendlicher hrte zu Individualismus, was wiederum
mit der chinesischen traditionellen Kultur zusammenstieß.
Patriotismus ist ein Bestandteil chinesischer Kultur, die meisten chinesischen Ju-
gendlichen erhalten diese Tradition noch aufrecht. Jedoch gab es einige Jugend-
liche, die sich um das Schicksal Chinas nicht mmern wollten (vgl. Tang, 2007).
Diese Generation verzweifelt auch an dem Grundsatz „Moral ist das Aller-
chste“ (vgl. Zhang, 2005), eines der wichtigsten Merkmale chinesischer Tradi-
tionen. Weniger als die älteren Generationen glauben sie an die Moralsysteme
Chinas, sondern an das Gesetz, mit dessen Hilfe sie ihren Profit schützen n-
nen. Trotzdem sind solche Verfahren ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft
dazu tendiert, sehr egoistisch zu handeln.
Bis Mitte der 80er Jahre war Verliebtheit in chinesischen Schulen nicht gestattet
und Sexualität war ein Tabu r die Schüler, da die traditionellen Chinesen die
Liebeseinstellung relativ konservativ sahen. Jedoch zeigt eine Untersuchung von
Zhang, dass sich über ein Viertel der chinesischen Jugendlichen einen nor-
malen Ungang bezüglich Liebe und Sexualität wünscht (vgl. Zhang, 2005).
Die Überlastung der Jugendlichen durch die ufig sehr harte Ausbildung und die
überzogenen Erwartungen seitens der Eltern resultiert ufig in einer allge-
meinen Unzufriedenheit mit ihrem Leben und ihrer gesellschaftlichen Stellung
(vgl. Yu, 2002).
16
Offenheit, Modebewusstsein und gestiegenes Konsumverhalten sind die allge-
meinen Merkmale der Wertorientierung der chinesischen Jugendlichen. Indivi-
dualisierung und Pluralisierung sind die Merkmale ihrer Lebensstile. Im 21sten
Jahrhundert hat die neue Generation Chinas mehr Veränderung durchlebt als die
ältere Generation. Sie leben in einer offeneren und reformreichen Zeit und er-
leben, wie die westlichen Kulturen Stück r Stück die Traditionen verdrängen.
Die Jugendlichen Chinas stellen heute eine ganz neue Jugendkultur dar.
2.2 Jugendlicher Sport im 21sten Jahrhundert
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Lebensstil ist die Partizipation am Sport als
Freizeitbeschäftigung und Bestandteil der Kultur. Im weiteren Verlauf dieser
Arbeit soll dargestellt werden, welchen Stellenwert der Sport in Bezug auf den
Lebensstil der Jugendlichen einnimmt und was r eine Rolle er im Zeitalter der
Globalisierung r die Heranwachsenden beider nder spielt. Dem Sport wird
seitens der heutigen Generation von Jugendlichen eine immer größere Rolle zu-
gesprochen. Der Sport in seinen verschiedenen Ausübungsformen ist zu einer
jugendtypischen Freizeitbeschäftigung geworden (vgl. Brettschneider, 2003a).
Immer mehr Jugendliche finden „ihren Weg“ durch Sport, um ihrer Persönlich-
keit oder ihrer Einstellung Ausdruck zu verleihen. Jugend und Sport unterliegen
gesamtgesellschaftlichen Differenzierungs- und Individualisierungsprozessen.
Mit Sport verbinden viele Jugendliche eben einen bestimmten Lifestyle“, wie
beispielweise Skaten, Snowboarden oder Surfen. Um Sportarten entwickelt sich
ein Kult, den die Jugendlichen auch im Musik- oder Kleidungsstil weiterführen.
Sport spielt sowohl r die Protagonisten des Jugendkults, als auch r die
„Trendsetter“, die in den Medien oder in der Wirtschaft von dessen Vermarktung
leben, eine zentrale Rolle (vgl. Große-Klönne, 2000).
17
Es gibt immer einen engen Zusammenhang zwischen dem Sport und Jugend-
lichen und Sport gilt für die Jugendlichen als ein Attribut. Sporttreiben ist sowohl
bei den deutschen Jugendlichen als auch bei den chinesischen Jugendlichen mit
der Freizeit verknüpft. Im 21sten Jahrhundert ist der Sport ein fundamentaler
Bestandteil ihrer Lebensstile. Die jugendlichen Sportkulturen werden auch von
globalisierten Sportarten beeinflusst. Es gibt bei den Sportkulturen der Jugend-
lichen aus beiden Ländern sowohl Unterschiede als auch Ähnlichkeiten.
Da der Sport als eine „jugendspezifische Altersnorm“ bezeichnet wird (vgl. Zin-
necker, 1989) und gerade das Sporttreiben als eine Facette der jugendlichen
Freizeitkultur mit universellem Charakter gilt (vgl. Brettschneider & Brandl-Bre-
denbeck, 1997), ist der sportiven Aktivität eine enorme Bedeutung bei der Kon-
stituierung von Lebensstilen Jugendlicher zuzusprechen (vgl. Brettschneider &
Bräutigam, 1990; Winkler, 1995; Hoffmann, 2003).
Sport kann in seinen unterschiedlichen Facetten durchaus positive Impulse r
Jugendliche haben, wie z. B. in Bezug auf Gesundheit oder Persönlichkeitsent-
wicklung (vgl. Fuchs, 2003; Hoffmann, 2003; Rittner & Breuer, 2000; Sygusch,
Brehm & Ungerer-Röhrich, 2003). Es wird nun ein Überblick über die Sportkultur
gegeben und die Entwicklung in Deutschland der in China gegenübergestellt.
2.2.1 Jugendlicher Sport im 21sten Jahrhundert in Deutschland
Die nordamerikanische Sportkultur hat die deutsche Sportlandschaft seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs beeinflusst. Auch heute ist die deutsche Sport-
kultur von amerikanischen Sportelementen durchzogen. „Sportlichkeit, Jugend-
lichkeit und rperliche Fitness sind im Rahmen dieser Entwicklung in Deutsch-
land zu dominierenden Werten geworden“ (Brandl-Bredenbeck, 1999, S. 27).
rper, Bewegung und Sport sind in den letzten Jahren ein besonderer Bestand-
18
teil jugendlicher Kultur geworden (vgl. Schwier, 1998). Rittner sieht die Wande-
lungen des Lebensgefühls und der Persönlichkeitsideale der Menschen in den
fortgeschrittenen Industriegesellschaften als Ursache r den grundlegenden
Strukturwandel des Sports (vgl. Rittner, 1984).
Ferchhoff hat den Zusammenhang der deutschen Jugendlichen mit dem Sport so
beschrieben:
Sport, Fitness, Gesundheit, Vitalität, Erotik, Kraft, Spaß, Schönheit, Jugendlich-
keit und Körperkapital und vor allem Fun erfahren einen niemals zuvor erlebten
Aufschwung und sind die Metaphern und Themen, die in dieser individualisier-
ten, erlebnisorientierten und erlebnishungrigen Gesellschaft vor dem Hinter-
grund der Versportlichung der Gesellschaft- von der Sportkultur zum Sportkult-
sowie der gleichzeitigen Entgrenzung und „Entsportlichung des konventionellen
Sports‟ Sport- und Jugendkulturen zusammenbringen. (Ferchhoff, 1999, S. 157)
Die deutschen Jugendlichen treiben heute mehr Sport als die Generation ihrer
Eltern. Dabei „kommt es verstärkt zu einer Ausweitung und Differenzierung der
Sportformen. Die Konkurrenzsituation unter den Sportanbietern verschärft sich
zusehends. Eine große Zahl der sporttreibenden Jugendlichen bevorzugt Sport-
situationen, die nicht im Rahmen des Vereins organisiert sind“ (Baur & Brett-
schneider, 1994, S. 16) und „Es kommt zu einem Wandel des Sportverständ-
nisses, das über die institutionelle Sinngebung vom Sport hinausreicht und viel-
fach ein eigenes subjektives Verständnis vom Sport behält“ (Kolb, 1996, S. 415).
r die meisten deutschen Jugendlichen ist sportlich aktiv zu sein eine mehrdi-
mensionale Beschäftigung mit dem rper. Der Sport gehört zu den alltäglichen
Selbstverständlichkeiten und ist eine dominierende Freizeitaktivität r die mei-
sten deutschen Jugendlichen. Diese deutsche Sportkultur hat sich im 21sten
Jahrhundert kaum geändert (vgl. Brettschneider & Bräutigam, 1990; Brett-
schneider & Kleine, 2002; Engel & Hurrelmann, 1989; Kurz, Sack & Brinkhoff,
1996; Schröder, 1991; Zinnecker, 1989). Trotzdem beeinflussen Sportvereine
und die Sportpolitik nach wie vor die Entwicklung der deutschen Heranwachsen-
19
den und knüpfen an das traditionelle Sportverständnis an. Demgegeber steht
das Sportverständnis in China, das eine etwas andere Ausrichtung hat.
2.2.2 Jugendlicher Sport im 21sten Jahrhundert in China
In dem o. g. wurde die bunte Sportkultur der deutschen Jugendlichen dargestellt.
Aufgrund der chinesischen Kultur und dem gegenwärtigen Bildungssystems so-
wie der Politik im neuen Jahrhundert zeigt die jugendliche Sportkultur der chine-
sischen Heranwachsenden deutliche Unterschiede im Vergleich zu den deu-
tschen Jugendlichen. Diese sollen in einem Überblick über den jugendlichen
Sport im 21sten Jahrhundert in China dargestellt werden.
Die Schule ist der traditionelle Ort für chinesische Jugendliche, um Sport zu trei-
ben. Zusätzlich zum Sportunterricht finden in den Schulen verschiedene Sport-,
und Bewegungsformen sowie Entspannungsübungen in den Pausen statt. So
entwickelte sich über die Jahre eine regelrechte „Schulsport-Kultur“ in China.
Schulsport ist in China nicht nur der wichtigste Einflussfaktor für „lebenslangen
Sport“, sondern wird auch als wichtiges Instrument zur Erziehung der chinesi-
schen Jugend angesehen (vgl. Jiang, 2005).
Die Entwicklung des chinesischen Schulsports ngt eng mit der Wirtschaft-
situation zusammen. Bis zum Ende der 70er Jahre waren die Möglichkeiten des
Schulsports nur auf Erholung und Entspannung der Schüler beschränkt. Bis
Ende der 80er Jahre, einhergehend mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum,
erweiterten sich die glichkeiten des Schulsports. Es wurde größerer Wert auf
die Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit gelegt und die
Beherrschung der sportiven higkeiten und Fertigkeiten betont. In der chinesi-
schen Schulsportreform von 2001 wurde gefordert, dass der Schulsport nicht nur
die physische Kondition der Schüler verbessern und die Gesundheit der Schüler
20
rdern soll, sondern auch Wert auf die psychische Entwicklung der Schüler
gelegt werden soll, um die Interessen, Gewohnheiten, Bedürfnisse und hig-
keiten der aktiven Teilnahme am Sport und die Wertorientierung des „lebens-
langen Sports“ zu kultivieren (vgl. Chinesisches Nationales Bildungskomitee,
2001).
Mit der Entwicklung der Wirtschaft und der Massenmedien in China bzw. TV- und
Internetpopularisierung ändert sich die Sportwertvorstellung der Jugendlichen
sehr stark. Sie treiben aktiv Sport in ihrer begrenzten Freizeit. Sie sind Vorreiter
und Hauptkonsumenten auf dem Sportmarkt. Sie beschränken sie sich nicht auf
traditionelle Sportarten, wie z. B. Fußball, Basketball, Badminton, Tischtennis
und Wushu, sondern haben auch sogenannte „globalisierte Funsportarten“, wie
Inlineskating, Skateboarding, Streetball etc. r sich entdeckt. Sport formt somit
ihren Lebensstil (vgl. Chen, 1996). Durch diese neuen Einflüsse ändern sich
auch die Inhalte des Schulsports langsam. Die traditionellen Bewegungsinhalte
in den Schulen und die zahlreichen Auswahlglichkeiten von Sportarten wei-
sen auf eine voranschreitende Pluralisierung und Individualisierung hin. Somit
bricht das traditionelle Sportverständnis auf und öffnet sich dem modernen Sport-
markt.
21
3 Die Methodik des Kulturvergleichs
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, im Rahmen der theoretischen Annäh-
rungen den sportiven Lebensstil der Jugendlichen in Deutschland und China
aufzuzeigen und gegebenenfalls Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten aufzu-
decken. Diese theoretischen Annährungen enthalten die Theorie des Kulturver-
gleichs und des Lebensstils. In diesem Kapitel wird die Methodik kulturverglei-
chender Untersuchungen thematisiert und anschließend werden die vorhan-
denen interkulturellen Forschungen im Feld der Sportwissenschaft zusammen-
gefasst.
Jede Kultur vereint Eigenschaften, die sie teilweise mit anderen Kulturen teilt und
solche, die r diese eine Kultur spezifisch sind. Die Anfänge des Kulturver-
gleichs gehen bis auf die griechische Antike zurück. Der kulturvergleichende
Ansatz ist seit Beginn der wissenschaftlichen Entwicklung von der Psychologie
und der Soziologie als Methode der Sozialisationsforschung verwendet worden.
Trommsdorff bezeichnet Durkheim als einen der ersten Vertreter, der eine ver-
gleichende Sozialisationsforschung gefordert hat: „Für ihn lag die Bedeutung des
vergleichenden Ansatzes in der Beschreibung und Erklärung kulturinvarianter
und kulturspezifischer Phänomene in verschiedenen Kulturen“ (Trommsdorff,
1989a, S. 10).
Nach Eckensberger ist der Begriff des Kulturvergleichs als „der explizite, syste-
matische Vergleich psychologischer Messungen unter verschiedenen kulture-
llen Bedingungen“ (Eckensberger, 1972, S. 100) zu verstehen. Kulturverglei-
chende Forschungen gehören in den meisten sozialwissenschaftlichen Teilberei-
chen inzwischen zum ngigen Repertoire wissenschaftlicher Analysen (vgl.
Tenbruck, 1992). So gibt es sowohl in der Sozialpsychologie als auch in der So-
zialisationsforschung zahlreiche interkulturell vergleichende Studien.
22
Durch die kulturvergleichenden Untersuchungen nnen die Unterschiede und
Gemeinsamkeiten verschiedener Kulturen aufgezeigt werden. Diese Zielsetzung
gilt als fundamentales Merkmal der kulturvergleichenden Untersuchung (vgl.
Poortinga, 1997; Straub & Thomas, 2003). Eine weitere Zielsetzung von Brandl-
Brendenbeck ist es, den Ethnozentrismus zu überwinden (vgl. Brandl-Brenden-
beck, 1999).
Thomas hebt die Wichtigkeit des Kulturvergleichs hervor. Er betont die Bedeu-
tung der kulturvergleichenden und interkulturellen Psychologie im Zusammen-
hang mit der Internationalisierung und Globalisierung vieler Bereiche des men-
schlichen Lebens, dem eine immer größere Bedeutung zukommt (vgl. Thomas,
2003). Rüsen sieht den Grund für die Wichtigkeit des Kulturvergleichs in der So-
zialwissenschaft in dieser Weise: Um besser zu erklären, wer wir sind (vgl. Rüsen,
1998a).
Wie kann man am effektivsten und zielgerichtetsten kulturelle Vergleiche anste-
llen? Ein Überblick über die Verfahren zur Methodik kulturvergleichender For-
schung wird im Folgenden gegeben.
3.1 Zur Methodik kulturvergleichender Forschungen
In den kulturvergleichenden Untersuchungen besteht immer das Problem der
Vergleichbarkeit. Während einer fehlerfreien und rationellen kulturvergleichen-
den Untersuchung muss die Vergleichbarkeit, also die Äquivalenz, berücksich-
tigt werden. Van de Vijver versteht Äquivalenz als „die Vergleichbarkeit von Er-
gebnissen und das Messniveau in verschiedenen kulturellen Gruppen“ (Van de
Vijver, 2007, S. 341). Solche Äquivalenzen sind die Fundamente einer interkul-
turellen Forschung, um Vorurteile und Ethnozentrismus zu überwinden. Seit den
70er Jahren haben die Wissenschaftler verschiedene Formen von Äquivalenz
formuliert und ausführlich erklärt. Diese sollen hier vorgestellt werden.
23
Die funktionale Äquivalenz
Hui und Triandis gaben an, dass eine funktionale Äquivalenz dann gegeben ist,
wenn „ein zugrunde liegendes psychologisches Konstrukt in den verglichenen
Kulturen gleichwertige Indikatoren aufweisen“ (Hui & Triandis, 1985, S. 134). Bei
den klassischen tekriterien ist die funktionale Äquivalenz die Validität der
Gleichwertigkeit (vgl. Helfrich, 2003). Die funktionale Äquivalenz der Methoden
kann durch sehr gute Kenntnis der jeweiligen Kulturen abgesichert werden:
„diese kann durch Einbeziehung einheimischer Wissenschaftler und ausreichen-
der Vorstudien aufgebaut werden“ (Trommsdorff, 2003, S. 142).
Sport ist eine universale Sprache, die von einer Serienuntersuchung der Sport-
kulturen zwischen verschieden ndern bestätigt wird (wie z. B. Brandl-Breden-
beck, 1999; Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997; Brettschneider, Brandl-
Bredenbeck & Hofmann, 2005; Elbe, 2001). Durch die vorhandenen Untersu-
chungen der chinesischen und deutschen jugendlichen Sportkulturen soll auch
geprüft werden, ob der Sport im jugendlichen Lebensstil von beiden Kulturkrei-
sen mit der funktionalen Äquivalenz als kulturvergleichende Methodik angewen-
det werden kann.
Die konzeptuelle Äquivalenz
Nach Hui/Triandis ist konzeptuelle Äquivalenz dann gegeben, wenn „der Inhalt
des zu untersuchenden Konstruktes in allen untersuchten Kulturen vergleich-
bar“ ist (Hui & Triandis, 1985, S. 133). Berry spricht hier von „dimensionaler
Identität“ (Berry, 1980, S. 8). Die konzeptuelle Äquivalenz bezieht sich auf die
interkulturelle Validität eines Konstruktes und ist mit der funktionalen Äquivalenz
sehr eng verknüpft (vgl. Helfrich, 2003). In der vorliegenden Arbeit soll unter-
sucht werden, ob Freizeit, Freizeitnutzung und der sportive Lebensstil der Ju-
gendlichen aus beiden Ländern der konzeptuellen Äquivalenz unterliegt.
24
Die linguistische Äquivalenz
Die linguistische Äquivalenz wurde schon relativ früh r die kulturvergleichende
Untersuchung angewendet. Berry und Lonner sehen sie gelegentlich als Vari-
ante der konzeptuellen Äquivalenz“. Sie gilt als „die Überprüfung der sprach-
lichen Umsetzung“ (vgl. Berry, 1980; Lonner, 1979). In der klassischen kultur-
vergleichenden psychologischen Forschung ist die linguistische Äquivalenz ein
Kontrollmittel der ckübersetzungsmethode, da diese Form der Äquivalenz-
überprüfung abgesichert werden kann (vgl. Thomas, 2003).
Um die linguistische Äquivalenz sicherzustellen, wird in dieser Arbeit die ck-
übersetzungsmethode angewendet. Nach der Test-Retest-Methode bestätigt
sich, dass der zu untersuchende Fragebogen sowohl für die deutschen Heran-
wachsenden als auch r ihre chinesischen Altersgenossen als geeignet anzu-
sehen ist.
Die metrische Äquivalenz
Die metrische Äquivalenz funktioniert in der kulturvergleichenden Psychologie
als eine „a posteriori-Forderung“ (Trommsdorf, 1989c, S. 100). Oft ist die lingui-
stische Äquivalenz ein Synonym für die metrische Äquivalenz (vgl. Elbe, 2001).
Die Stichprobenäquivalenz
Trommsdorf erklärt das Verfahren der Stichprobenäquivalenz folgendermaßen:
[Es] bezieht sich darauf, dass einerseits solche Gesellschaften zum Vergleich
herangezogen werden sollen, die sich in kulturellen Werten deutlich voneinander
abheben, andererseits aber hinsichtlich soziokultureller und ökonomischer Merk-
male möglichst ähnlich sind (Trommsdorf, 1989c, S. 101).
Um die Stichprobenäquivalenz sicherzustellen, ist die vorliegende Arbeit in Pe-
king, einer der wohlhabendsten Städte in China, durchgeführt werden. Die Erfü-
25
llung der Äquivalenzpostulate verschiedener Äquivalenzen ngt von der Art der
Aussagen als Ergebnis der kulturvergleichenden Forschung ab (vgl. Helfrich,
2007).
Auch in die Sportwissenschaft haben kulturvergleichende Forschungen Einzug
gehalten. In welchen Bereichen der Sportwissenschaft sie relevant werden und
was sie ergeben wird im Folgenden dargestellt.
3.2 Kulturvergleichende Forschung in der Sportwissenschaft
Mit der Globalisierung und Internationalisierung im Feld des Sports ist die kultur-
vergleichende Forschung im Bereich der Sportwissenschaft notwendig gewor-
den (vgl. Brandl-Bredenbeck, 1999). Diese Ziele und Aufgaben können in kultur-
vergleichenden Studien der Sportwissenschaft dazu beitragen, empirische Be-
funde zu erweitern, methodische Erträge zu erzielen und theoretische Erkennt-
nisse weiterzuentwickeln (vgl. Brandl-Bredenbeck, 1999). Brandl-Bredenbeck
betont, dass die kulturvergleichende Untersuchung im Bereich der Sportwissen-
schaft auf den kulturvergleichenden Ansätzen basieren muss (vgl. Brandl-Bre-
denbeck, 1999).
In einem Review haben Si, Li und Liu (2006) die vorliegenden kulturverglei-
chenden Studien in der Sportpsychologie zusammengefasst. Sie zeigen, dass
sich die kulturvergleichende Sportpsychologie bisher hauptsächlich auf den Lei-
stungssport konzentriert hat. Die folgenden drei Abschnitte geben einen Einblick
in diese kulturvergleichenden Studien.
Goal Orientation Theory im Sport
Die kulturvergleichenden Untersuchungen im Bereich der Sportpsychologie exi-
stieren primär bei der Leistungssportmotivation, davon ist die Goal Orientation
26
Theory im Sport besonders attraktiv. Einige kulturvergleichende Untersuchun-
gen haben diese Theorie nicht bestätigt, so dass sie in verschiedenen Kulturkrei-
sen keine Allgemeingültigkeit besitzt. Die Ergebnisse unterscheiden sich nach
den Stichproben hinsichtlich östlichen und westlichen Kulturhintergrunds. Das
bei den westlichen Stichproben existierende Merkmal der „ego orientation“ wird
bei den östlichen Stichproben nicht hinreichend bestätigt; Bei den japanischen,
koreanischen, chinesischen und thailändischen Stichproben korrelieren „ego
orientation“ und „task orientation“ positiv. Dieses Ergebnis unterscheidet sich von
den amerikanischen und deutschen Stichproben. Bei den östlichen Stichproben
korrelieren „ego orientation“ und „innermotivation“ miteinander. Dies unterschei-
det sich ebenfalls von den westlichen Stichproben (vgl. Isogai & Brewer, 2003;
Kim & Gill, 1997, 2003; Si, Pang & Zhang, 1999).
The Coach-Athlete Relationship
Jowett hat eine Theorie über die Beziehung zwischen Trainer und Athlet her-
ausgebracht, die die Kernbegriffe commitment, closeness und complementarity
beinhaltet. Er hat The Coach-Athlete Relationship Questionnaire“ festgelegt, der
auf dieser Theorie basiert. Außerdem hat er die Theorie zwischen Großbritan-
nien und Griechenland interkulturell verglichen. Das Ergebnis bestätigt die funk-
tionale Äquivalenz zwischen beiden Kulturen (vgl. Jowett, 2003, 2004). Wenn
seine Theorie jedoch bei der asiatischen Kultur angewendet wird, ist die funk-
tionale äquivalente Bedeutung zwischen japanischen und kanadischen Kulturen
nicht gleich (vgl. Chelladurai, Imamura & Yamaguchi, 1988).
Transition from Elite Sport
Huang et al. haben „Transition from elite sport“ zwischen Deutschland und China
mit dem kulturvergleichenden Ansatz betrachtet und die folgenden Differenzen
27
gefunden. Zum einen beenden die chinesischen Athleten ihre Karriere im Lei-
stungssport nicht initiativ, dies ist deutlich seltener der Fall als bei den deutschen
Athleten. Zum anderen glauben die chinesischen Athleten generell, dass ihre
Leistungsfähigkeit mit ihrer zukünftigen Karriere korreliert, jedoch meinen nur
sehr wenige deutschen Athleten dasselbe. Ein weiterer Unterschied ist, dass in
China der Trainer eine sehr wichtige Rolle r die sportliche Karriere des Athleten
spielt. In Deutschland kommt dem Trainer eine geringere Bedeutung zu; 92% der
befragten deutschen Athleten sind zufrieden mit ihrer Arbeit, die nach ihrer Kar-
riere im Leistungssport folgt. Bei den chinesischen Athleten sind es nur 8% (vgl.
Huang, Hackfort & Schmidt, 2001).
Die auf den kulturvergleichenden Ansätzen basierenden Untersuchungen im
Feld der Sportpsychologie haben die folgenden Merkmale: Die aus den west-
lichen ndern stammenden Theorien wurden als konzeptuelle und funktionale
Äquivalenz in anderen Kulturen angewendet. Auch wenn hrend der interkultu-
rellen Forschungen die linguistische Äquivalenz und Stichprobenäquivalenz be-
cksichtigt wurden, bestätigten die Ergebnisse, dass solchen Theorien nicht uni-
versal gelten.
Die interkulturellen Untersuchungen wurden nicht nur in der Sportpsychologie
sondern auch in der Sportsozialwissenschaft durchgeführt. Im 21sten Jahrhun-
dert werden solche Untersuchungen nach wie vor favorisiert. Auf der Basis die-
ser Theorierahmenbedingungen verglich Alwasif die körperliche Aktivität, Fit-
ness und Gesundheit zwischen ägyptischen und deutschen Studierenden. Bei
Alwasif sind Sportaktivität, Fitness und Gesundheit die funktionelle und konzep-
tuelle äquivalente Bedeutung zwischen Ägypten und Deutschland. Er hat auch
herausgearbeitet, dass es einen großen Unterschied zwischen den ägyptischen
und deutschen Studenten im Hinblick auf ihre sportliche Aktivit gibt. Die deu-
tschen Studenten zeigen ein vielfältigeres sportliches Interesse als die ägypti-
schen. Die deutschen Studenten verbrauchen deutlich mehr Energie als die
28
ägyptischen Studierenden. Seine Untersuchung zeigt, dass Deutsche und Ägyp-
ter aus unterschiedlichen Motiven Sport treiben: „Für die Ägypter steht Gesund-
heit im Vordergrund, r die Deutschen sich fit zu halten“ (Alwasif, 2001, S. 100).
Gleichzeitig zeigen sich klare Unterschiede beglich des sozialen Motivs „an-
dere Menschen kennen zu lernen“ zwischen den Deutschen und ägyptischen
Studenten. Zudem besitzen die deutschen Studenten im Vergleich zu den Ägyp-
tern eine bessere Fitness. Bei Alwasif sind die Gründe r die Unterschiede
zwischen den beiden Kulturen folgende: Der Stellenwert des Sports sowie öko-
nomische und gesellschaftliche Gründe (vgl. Alwasif, 2001).
Bei der Untersuchung von Brettschneider/Brandl-Bredenbeck (1997) konnte eine
funktionale und konzeptuelle Äquivalenz im Sport bei Jugendlichen in Deu-
tschland und den USA festgestellt werden. Elbe hat diese Befunde für ihren Ver-
gleich zwischen Frauen im Leistungssport in Deutschland und den USA ange-
wendet. Wegen der kulturellen Unterschiede sowie der politischen und gesetzli-
chen Unterstützungen nehmen die amerikanischen Befragten deutlich weniger
Vorurteile bezüglich des Sporttreibens von Frauen wahr als die Deutschen. Die
amerikanischen Leistungssportlerinnen haben eine here Leistungsorientie-
rung als die deutschen Leistungssportlerinnen. Die amerikanischen Schülerin-
nen sind aktiver als die deutschen Schülerinnen. Bei den Studierenden kann das
nicht nachgewiesen werden (vgl. Elbe, 2001).
Brettschneider, Brandl-Bredenbeck und Hofmann haben die Sportpartizipation
und Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen in Deutschland und in Israel unter-
sucht und verglichen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sport und sportliche Aktivi-
t spielen eine wichtige Rolle in den Jugendkulturen Deutschlands und Israels;
eine weitere Gemeinsamkeit zwischen beiden ndern ist, dass das Sportenga-
gement Gewalt und Gewaltbereitschaft weder direkt noch beeinflusst. Ein auffa-
llender Unterschied hinsichtlich der politischen Situation ist, dass rperliche
Gewalt bei den israelischen Jugendlichen, unabhängig vom Geschlecht, srker
29
ausgeprägt ist als bei den deutschen Jugendlichen (vgl. Brettschneider, Brandl-
Bredenbeck & Hofmann, 2005).
30
31
4 Sport und Lebensstil
Die auf den kulturvergleichenden Methodiken basierende vorliegende Arbeit wird
den sportiven Lebensstil von Jugendlichen erforschen und aufarbeiten, wo die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen China und Deutschland liegen. Im
chsten Schritt der Arbeit wird die Rahmenkonzeption des Lebensstils vorge-
stellt. Außerdem soll erklärt werden, warum im Rahmen der Analyse des jugend-
lichen sportiven Lebensstils der Sport mit Bourdieus Lebensstiltheorie verknüpft
werden kann.
Schon in der Einleitung ist festgestellt geworden, dass Sport in der modernen
Gesellschaft eine wichtige Rolle spielt. Er ist ein wichtiger Bestandteil des allg-
lichen Lebens sowohl r die Deutschen als auch r die Chinesen. Jedoch wird
die sportliche Aktivität in der Freizeit von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst.
Die theoretische Annährung der aktuellen Studie basiert auf Bourdieus Lebens-
stil-Theorie, die den Lebensstil mit den klassenspezifischen Gesellschaftschich-
ten verknüpft. Im folgenden Kapitel werden die Rahmenkonzeptionen des Le-
bensstils von Bourdieu ausführlich erläutert, analysiert und kritisiert. Danach wer-
den die vorhandenen Untersuchungen des Sports bezüglich des Lebensstils vor-
gestellt.
4.1 Theorietische Grundannahmen von Lebensstil
4.1.1 Zum Begriff des Lebensstils
Lebensstil ist ein modischer Begriff, der in Tageszeitungen, Szene-Journalen und
im alltäglichen Sprachgebrauch gegenwärtig Konjunktur hat. Lebensstil umfasst
zum einen die Bereiche der individuellen Lebensgestaltung. Zum anderen ist er
32
Ausdruck der kollektiven Schematisierung des menschlichen Zusammenlebens.
Durch Wiederholungstendenzen in der Selektion in bestimmten Bereichen des
Lebens, z. B. Musikhören, Lektüre, Essen, Kleidung, Reisen, Sozialkontakte,
rperbezug oder Wohnen, bilden sich jeweils bestimmte Verhaltens- bzw. Le-
bensmuster, sowohl individuelle als auch kollektive, heraus. Diese aber nnen
bei jedem Einzelnen von sehr unterschiedlicher Wertigkeit sein, da sie durch di-
verse Erfahrungen und von dem diesbezüglichen Aufwand an Zeit, Geld, Energie,
Gesprächen und Gedanken in den unterschiedlichen Bereichen abhängig sind.
Der Begriff Lebensstil findet sich bereits in den 30er Jahren in der sozialwissen-
schaftlichen Forschung, wobei bereits in dieser Frühphase Diskussionen um Ur-
sprünge und Determinanten von Lebensstil als „Lebensauffassung“ und „Le-
benskonzept“ auszumachen sind.
Was Lebensstil tatchlich ist, welche Dimensionen dieser Begriff enthält oder
mit welchen Inhalten er zu füllen ist, ist keineswegs eindeutig geklärt. Jedes For-
schungsvorhaben hat quasi seinen eigenen Lebensstilansatz. Nach Hradil ist ein
Lebensstil ein „regelmäßig wiederkehrender Gesamtzusammenhang von der
Einstellung eines Menschen“ (Hradil, 1999, S. 431). Tokarski beschreibt: „Le-
bensstil ist ein Begriff, der nichts anderes meint als die typische individuelle und/
oder kollektive Form der Lebenslage, der Lebensführung und/ oder der Organi-
sation des Lebens“ (Tokarski, 1993, S. 117). Dagegen definiert Annette Speller-
berg Lebensstil als „gruppenspezifische Formen der Alltagsorganisation und
-gestaltung, die auf der Ebene des kulturellen Geschmacks und der Freizeitak-
tivitäten symbolisch zum Ausdruck kommen“ (Spellerberg, 1996, S. 57). Schließ-
lich heißt es bei Lüdtke: „Lebensstil ist eine typische unverwechselbare Struktur,
von im Alltagsleben sichtbaren Verhaltensweisen, die bei Individuen oder bei so-
zialen Gruppen von Individuen zu beobachten sei“ (Lüdtke, 1989, S. 12).
33
Inwiefern der Lebensstil ein Bestandteil des allglichen Lebens in China ist, und
was man dort unter dem Begriff Lebensstil versteht, wird im Folgenden geklärt.
hrend die Lebensstilforschung besonders nach dem Zweiten Weltkrieg in der
Sozialwissenschaft in Deutschland Gegenstand der Forschung war, fingen sol-
chen Untersuchungen in China erst wesentlich später an. Mit der Rekonstruktion
der Soziologie Ende der 70er Jahre bekam die Lebensstilforschung zum ersten
Mal die Aufmerksamkeit einiger hrender Gelehrten. Danach wurde die Lebens-
stilforschung ein stark beobachtetes Thema in dem Gebiet der Sozialwissen-
schaften.
Die Definition von Lebensstil nach Wang findet in der chinesischen Soziologie
uneingeschränkte Akzeptanz. Er definiert Lebensstil als: „Aktivität und Zuwei-
sung von Stil in welcher die Menschen Gebrauch von materiellen und kulturellen
Mitteln, um ihr eigenes Bedürfnis zum Leben in Einklang mit Kultur zu erfüllen,
machen“ (Wang, 1995, S. 41). Der Diskussion um Lebensstile liegen zahlreiche
Theorien zugrunde. Eine sehr essenzielle Theorie ist die von Bourdieu. Sie wird
im Folgenden dargestellt, da sie auch heutzutage noch von bedeutsamer Wich-
tigkeit ist und daher die theoretische Grundlage für die Arbeit bilden soll.
4.1.2 Bourdieus Theorie vom Lebensstil
Anders als die oben genannten Lebensstilskonzepte hat Bourdieu die Klassen-
theorien mit dem Lebensstil verbunden. Die Bourdieus Theorienansätze haben
die Soziologie nachhaltig beeinflusst. Dabei hrte er seine Lebensstiluntersu-
chung zwischen 1963 und 1968 in mehreren französischen Städten durch. Ne-
ben soziodemografischen Angaben umfasst der Fragebogen bei dieser Unter-
suchung die folgenden Lebensstilbereiche: Er sah als Gegenstand den Einrich-
tungsstil und das Mobiliar, Freizeitaktivitäten, den Kleidungsstil, aber auch Lieb-
lingssänger oder die Art der den sten angebotenen Speisen, sowie die Eigen-
34
schaften von Freunden, bevorzugte Literaturgenres, Präferenzen r Filmgenres,
Radio- und Fernsehsendungen, Präferenz r Musik und Malerei und bevorzugte
Fotomotive (vgl. Bourdieu, 1982, S. 784f.).
Die Lebensstilmerkmale wurden zunächst in „Klassenfraktionen“ eingegliedert,
die auf Kreuztabellen in einem weiteren Schritt auf den Korrespondenzanalysen
basierten. Bourdieu hat in seiner klassenspezifischen Lebensstilperspektive ge-
zeigt, wie die soziale Ungleichheit tiefer analysiert werden kann und welcher Zu-
sammenhang zwischen der sozialen Lage und dem Lebensstil in einer erfolg-
reichen Weise existiert:
Eine soziale Klasse ist definiert weder durch ein Merkmal (nicht einmal das am
stärksten determinierende wie Umfang und Struktur des Kapitals), noch durch
eine Summe von Merkmalen wie (Geschlecht, Alter, soziale und ethnische Her-
kunft- [...] - Einkommen, Ausbildungsniveau, etc.), noch auch durch eine Kette
von Merkmalen, welche von einem Hauptmerkmal (der Stellung innerhalb der
Produktionsverhältnisse) kausal abgeleitet sind. Eine soziale Klasse ist vielmehr
definiert durch die Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merk-
malen, die jeder derselben wie den Wirkungen, welche sie auf die Praxisformen
ausübt, ihren spezifischen Wert verleiht. (Bourdieu, 1982, S. 182)
Die Kernstücke seines Lebensstilansatzes sind unterdessen sozialer Raum, Ge-
schmack, Habitus und Kapitaltheorie. Diese Einzelelemente werden in den ch-
sten Punkten detailliert dargestellt und erläutert.
4.1.2.1 Sozialer Raum
Nachdem Bourdieu die Sozialstruktur der französischen Gesellschaft der 70er
Jahre analysiert hatte, brachte er das Konzept des soziales Raum heraus, das
man auch auf alle modernen, strukturierten Gesellschaften übertragen kann (vgl.
Bourdieu, 1982). Durch den sozialen Raum ist es glich, geschichtete Gesell-
schaften mittels bestimmter Verteilungsprinzipien und den entsprechenden Re-
ssourcen bzw. Kapital in einem Raum mehrdimensional zu erklären (vgl. Bour-
dieu, 1985, S. 9f.; Bourdieu, 1982, S. 12).
35
Bourdieu hat drei Grunddimensionen herausgebildet, damit die sozialen Schi-
chten und die individuellen Positionen dargestellt und analysiert werden können:
„Kapitalvolumen, Kapitalstruktur und zeitliche Entwicklung dieser beiden Größen
(wie potentiellen sozialen Laufbahn)(Bourdieu, 1982, S. 195f.). Er hat die Le-
bensbedingungen verschiedener Klassen durch das die soziale Position bestim-
mende Gesamtvolumen des Kapitals sowie ökonomisches, kulturelles und sozia-
les Kapital auf die vertikale Achse verteilt. Hingegen stellt Bourdieu das ökono-
mische und kulturelle Kapital von der Kapitalstruktur auf der horizontalen Ebene
dar. Die dritte Dimension von Bourdieu zeigt die zeitliche Entwicklung dieser bei-
den Größen oder ob sich die soziale Position einzelner Personen oder einer Gru-
ppe innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Bezug zum Kapitalvolumen und
zur Kapitalstruktur verändern kann (vgl. Bourdieu, 1982).
Bourdieus meint, dass der soziale Raum in einem abstrakten gesellschaftlichen
Raummodell eine wichtige Rolle spielt, und als die Bezeichnung seiner Struktu-
rierung von der ungleichen Verteilung gesellschaftlicher Chancen und Einfluss-
glichkeiten bzw. unterschiedlicher Kapitalsorten gilt. Er hat dabei zusammen-
ngende Mentalitäts- und Lebensstilstrukturen von den sozialen Positionen mit
den alltäglichen kulturellen Orientierungen verglichen (vgl. Bourdieu, 1982, 1985).
Bourdieus Konzept ermöglicht, dass zwischen dem Raum sozialer Ungleiheiten
und dem der symbolischen mpfe um Lebensstile, Mode und Kultur Zusa-
mmenhänge hergestellt werden, und es hilft auf das Problem der sozialen Un-
gleichheit aufmerksam zu machen und dieses differenzierter zu betrachten.
4.1.2.2 Habitus
Im Folgenden soll der Habitus vorgestellt und analysiert werden, da dieser nach
Bourdieu die Klassenzugehörigkeit bestimmt. Er hat Habitus komplex definiert:
36
Die r einen spezifischen Typus von Umgebung konstitutiven Strukturen (etwa
die Klasse charakterisierenden materiellen Existenzbedingungen), die empirisch
unter der Form von mit einer sozial strukturierten Umgebung verbundenen Re-
gelmäßigkeiten gefasst werden können, erzeugen Habitusformen, d.h. Syste-
me dauerhafter Dispositionen, strukturierte Strukturen, die geeignet sind als
strukturierende Strukturen zu wirken, mit anderen Worten: als Erzeugungs- und
Strukturierungsprinzip von Praxisformen und Repsentationen, die objektiv
„geregelt“ und „regelmäßig“ sein können, ohne im geringsten das Resultat einer
gehorsamen Erfüllung von Regeln zu sein; die objektiv ihrem Zweck angepasst
sein nnen, ohne das bewusste Anvisieren der Ziele und Zwecke und die ex-
plizite Beherrschung der zu ihrem Erreichen notwendigen Operationen voraus-
zusetzen, und die, dies alles gesetzt, kollektiv abgestimmt sein nnen, ohne
das Werk der planenden Tätigkeit eines „Dirigenten“ zu sein. (Bourdieu, 1976, S.
164f.)
In der soziokulturellen Klassentheorie Bourdieus spielt der Habitus eine entschei-
dende Rolle: „Er fungiert zwischen Struktur und Praxis als ein System, das die
Denk- und Wahrnehmungsschemata sowie auch die kulturellen und ästhetischen
Beurteilungsmuster prägt und damit systematisch Lebensstile produ-
ziert“ (Bourdieu, 1998, S. 281).
Bourdieu sieht den Habitus als die „Inkorporation der Klassenlage“ (Bourdieu,
1998, S. 175). Durch den Habitus ist es glich, die objektiven Klassen in Er-
scheinung treten zu lassen. Der Klassenhabitus unterscheidet sich durch den
klassenspezifischen Lebensstil von anderen Klassen und Gruppen. Bourdieu
meint:
Der Habitus bewirkt, dass die Gesamtheit der Praxisformen eines Akteurs (oder
einer Gruppe von aus ähnlichen Soziallagen hervorgegangenen Akteuren) als
Produkt der Anwendung identischer (oder wesentlich austauschbarer) Sche-
mata zugleich systematischen Charakter tragen und systematisch unterschie-
den sind von den konstitutiven Praxisformen eines anderen Lebensstils. (Bour-
dieu, 1998, S. 278)
Mittels Habitus wird es glich, die Beziehung zwischen den bereits beschrie-
benen Positionen im sozialen Raum einerseits und den noch zu erläuternden
Positionen im Raum des Lebensstils andererseits aufzuzeigen.
37
4.1.2.3 Der Geschmack
Neben dem Habitus hat Bourdieu auch den Geschmack als offensichtliche Form
gesellschaftlicher Distinktion an der französischen Gesellschaft ausgemacht.
Diese soll nun kurz skizziert werden und ihre Bedeutung analysiert werden. Bour-
dieu versteht den Geschmack als „praktischen Operator“, dies begründet er fol-
gendermaßen:
[...] r die Umwandlung der Dinge in distinkte und distinktive Zeichen [...] ge-
raten die Unterschiede aus der physischen Ordnung der Dinge in die symbo-
lische Ordnung signifikanter Unterscheidungen. Er verwandelt objektiv klassifi-
zierte Praxisformen, worin eine soziale Lage sich (über seine Vermittlung) selbst
Bedeutung gibt, in klassifizierende, d.h. in einen symbolischen Ausdruck der Kla-
ssenstellung dadurch, dass er sie in ihren wechselseitigen Beziehungen und
unter sozialen Klassifikationsschemata sieht. (Bourdieu, 1982, S. 284)
Mittels des Geschmacks kann sowohl die Zugehörigkeit zu einer Klasse als auch
die Distanz zu anderen Klassen positioniert werden. Der Geschmack funktio-
niert nach einem Ausschließungsprinzip, so dass sich der eigene Geschmack
von dem Geschmack anderer unterscheidet:
Über Geschmack streite man nicht- nicht, weil jeder Geschmack natürlich re,
sondern weil jeder sich in der Natur begründet hnt- was er, als Habitus auch
gewissermaßen ist-, mit der Konsequenz, den anderen Geschmack dem Skan-
dal der Gegen-Natur zu überantworten, ihn als abartig zu verwerfen, [...].
(Bourdieu, 1998, S. 105)
Der Geschmack bewirkt allgemein: [...] dass man hat, was man mag, weil man
mag, was man hat, nämlich die Eigenschaften und Merkmale, die einem de facto
zugeteilt und durch Klassifikation de jure zugewiesen werden“ (Bourdieu, 1982, S.
285f.). Um den Geschmack exakter zu definieren, unterscheidet Bourdieu drei
Klassen von Geschmacksdimensionen (Bourdieu, 1982, S. 37f.). Als erstes
nennt er den legitimen Geschmack der herrschenden Klasse. Diesen zeichnet
aus, dass er den „Sinn für Distinktion und Verfeinerung“ kennzeichnet (Bourdieu,
1982, S. 405f.). Als zweites kommt der prätentiöse Geschmack der Mittelklasse
38
bzw. des Kleinbürgertums. Er zeichnet sich durch „das Bemühen, sich die Ge-
genstände und Praktiken der legitimen Kultur anzueignen und sich von der Un-
terschicht zu distanzieren“ aus (Bourdieu, 1982, S. 500f.). An letzter Stelle steht
der populäre Geschmack der Arbeiterklasse. Wesentliches Merkmal ist „ein ille-
gitimer Geschmack, da er von den kulturellen Legitimationsinstanzen nicht
sanktionierte Gegenstände und Praktiken umfasst. Er wird auch als Geschmack
des Notwendigen beschrieben, da aufgrund des Kapitalmangels kaum Optionen
offen stehen“ (Bourdieu, 1982, S. 585 f.).
4.1.2.4 Kapitalstheorien
Bourdieu hat die Kapitaltheorie veröffentlicht, in der der soziale Raum, der Habi-
tus und die Geschmacksantze integriert werden. Er hat den ökonomischen Ka-
pitalbegriff um eine soziale und eine kulturelle Dimension erweitert. Er unter-
scheidet drei Kapitalformen: Das ökonomische, das kulturelle und das soziale
Kapital (vgl. Abbildung 1). Das ökonomische Kapital enthält die unterschiedli-
chen Formen des materiellen Reichtums wie beispielsweise Geld. Bourdieu be-
wies, dass ökonomisches Kapital unmittelbar und direkt in Geld umgewandelt
werden kann und durch das Eigentumsrecht zur Institution gemacht werden kann
(vgl. Bourdieu, 1983, 1985). Das ökonomische Kapital ist ein grundlegendes
Medium und das Mittel zu sozialen Welten und anderen Kapitalarten. Bourdieu
versteht diesen Zusammenhang als „eine tendenzielle Dominanz des ökonomi-
schen Feldes“ (Bourdieu, 1985, S.11).
39
Kapitalvolumen (+)
Kult. Kapital (+) Kult. Kapital (-)
Ökon. Kapital (-) Ökon. Kapital (+)
Kapitalvolumen (-)
Abb. 1: Der Raum der Lebensstile in Abngigkeit von Kapitalvolumen und Kapitalstruktur
(Bourdieu,1982, S. 212-213)
Das kulturelle Kapital wird von Bourdieu wie folgt beschrieben. Es betont die
„sehr enge Beziehung zwischen den kulturellen Praktiken (sowie den entspre-
chenden Meinungen) und dem schulischen oder Bildungskapital (gemessen am
Schul und Hochschulabschluss) sowie sekundär der sozialen Herkunft (erfasst
anhand des Berufs des Vaters)“ (Bourdieu, 1998, S. 34). Er glaubt, dass neben
dem ökonomischen Kapital das kulturelle Kapital bzw. das soziale Kapital eine
wichtige Rolle r die Positionen im sozialen Raum und r die Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Klasse oder Gruppe spielt. Das kulturelle Kapital stellt
das verbürgte Resultat der einerseits durch die Familie, anderseits durch die
Schule gewährleisteten kulturellen Vermittlung und deren sich kumulierenden
Einflüsse dar (wobei der effektive Wirkungsgrad der letztgenannten Instanz wie-
derum von Gewicht und Umfang des unmittelbar von der Familie geerbten kul-
turellen Kapitals anhängt). (Bourdieu, 1998, S. 47f.)
Der Erwerb des kulturellen Kapitals erfolgt durch die familiäre und schulische
Sozialisation und ist mit den kulturellen Praktiken eng verbunden. Bourdieu ver-
steht die kulturelle Kompetenz als „die Fähigkeit der Dechiffrierung oder des De-
codierens eines Kunstwerks“ (Bourdieu, 1998, S. 19). Er glaubt, dass ästheti-
sche Einstellungen klassenspezifisch sind und durch den kulturellen Habitus der
jeweiligen Klasse eingestuft, sie auch durch die Hierarchie in einem gesell-
schaftlichen System bestimmt sind:
40
Die bewusste oder unbewusste Anwendung des Systems der mehr oder minder
expliziten Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata, das künstlerische Bildung
ausmacht, bildet die verborgene Voraussetzung jener elementaren Form von Er-
kenntnis: dem Wieder- Erkennen der eine Epoche, eine Schule oder einen Autor
prägen- den Stile, und allgemeiner der Vertrautheit mit der immanenten Logik der
Werke, die der nstlerische Genuss erheischt. Wem der entsprechende Code
fehlt, der hlt sich angesichts dieses scheinbaren Chaos an nen und Rhyth-
men, Farben und Zeilen ohne Vers und Verstand nur mehr überwältigt und
„verschlungen‟ . (Bourdieu, 1998, S. 19)
Bourdieu hat das kulturelle Kapital in drei Erscheinungsformen unterschieden:
Zuerst sei das inkorporierte Kapital zu nennen, das als dauerhafte Dispositionen
des Organismus gilt. Bourdieu sieht das inkorporierte Kulturkapital als einen
Prozess der Sozialisation in Familie und Bildungsinstitutionen als verinnerlichte
und rpergebundene higkeiten, Fertigkeiten und Wissensformen. Das inkor-
porierte Kapital ist ein fester Bestandteil der Person geworden: „Aus „Haben‟ ist
„Sein‟ geworden“ (Boudieu, 1998, S. 187).
Zudem ist das objektivierte Kapital von Bedeutung, in dem Kulturkapital in Form
von kulturellen Materialien, wie beispielsweise tern, Bildern, chern, Instru-
menten oder Maschinen, zum Ausdruck kommen. Das objektivierte Kulturkapital
ist materiell übertragbar (vgl. Bourdieu, 1983).
Außerdem ist das institutionalisierte Kapital anzuführen. Es wurde vom Bil-
dungssystem bezeichnet (vgl. Bourdieu, 1983). Es wird von den Schul-, Berufs-
und Bildungstiteln des inkorporierten Kulturkapitals objektiviert.
Zuletzt sei das soziale Kapital erwähnt. Bourdieu versteht es als
die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz
eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Bezie-
hungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, an-
ders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörig-
keit zu einer Gruppe beruhen. (Bourdieu, 1983, S. 190 f.).
Bourdieu ist der Überzeugung, dass soziales Kapital bei der Eroberung von öko-
nomischem oder kulturellem Kapital wie ein Multiplikator wirkt. Soziales Kapital
41
kann man nicht direkt in Geld transformieren, daher spielt das kulturelle Kapital
neben dem ökonomischen Kapital noch eine wichtige Rolle. Außerdem meint er,
dass das kulturelle und das soziale Kapital mittels des ökonomischen Kapitals er-
worben werden können (vgl. Bourdieu, 1983).
Nach der Darstellung der Kernstücke von Bourdieus Lebensstil-Theorie werden
diese Rahmenbedingungen im folgenden Kapitel mit dem Sport verknüpft.
4.2 Bourdieus Lebensstilansätze und Sport
Bourdieu hat das Konstrukt der Lebensstile auch auf den Bereich des Sports an-
gewendet, zumal der Sport als Teil von Lebensstilen anzusehen ist. Die auf Kör-
perlichkeit hin ausgerichtete Gesellschaft und Kultur formt die Sozialstruktur auf
der Ebene der Lebensstile und äert sich beispielsweise in der alltäglichen
Sportpraxis und deren Sinnhaftigkeit r den Einzelnen, aber auch in den ver-
schiedenen sozialen Schichten. Nach Bourdieu ist von besonderer Bedeutung,
dass Sport in den unterschiedlichen Klassen der Gesellschaft auch eine ver-
schiedenartige Wertschätzung genit (vgl. Bourdieu, 1986). Das bedeutet, dass
bestimmte Sportarten durch ihr Ansehen und insbesondere durch den materie-
llen und finanziellen Aufwand gewissen gesellschaftlichen Klassen vorbehalten
sind. Hinzu kommt, dass die Ausübung dieser Sportarten mit Prestige verbunden
ist und das persönliche Ansehen gleichermaßen mit dem Betreiben des Sports
wächst (vgl. Bourdieu, 1986).
Die Sportpraxis des Einzelnen und der sozialen Gruppen wird nach der Bour-
dieus Gesellschaftstheorie als ein Lebensstilelement der Alltagskultur verstan-
den. Der Freizeitsport verkörpert in besonderem Maße die klassenspezifischen
Unterschiede. Durch ihn lassen sich auch die schichtspezifischen Wahrneh-
mungs- und Bewertungskriterien erkennen: dass die in der Gesellschaft be-
42
stehenden sozialen Ungleichheiten eine weitere Veräerung durch den Sport
erhalten und diese durch die klassenspezifische Ausübung noch verstärken (vgl.
Bourdieu, 1986).
Nach Bourdieu ist eine bestimmte Sportart vor allem vom ökonomischen Kapital,
aber auch vom kulturellen Kapital sowie von der zur Verfügung stehenden Frei-
zeit abhängig. Er weist darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der
schichtenspezifischen Verteilung von Sportarten und verschiedenen Bewer-
tungen und Kosten von Sportarten gibt. Einige Sportarten wie z. B. Reiten, Golf
und Segeln sichern die Distinktionsprofite wegen der Verknüpfung ihrer Repu-
tation mit der Ausübung verschiedener spezifischer Sozialschichten zu (vgl.
Bourdieu, 1986).
Das Bedürfnis nach bestimmten Sportarten oder nach einem bestimmten reze-
ptiven Sportkonsum ist nach Bourdieu ein Resultat aus den generellen Erzeu-
gungsprinzipien von Lebensstilen: „[...] dem Habitus als Fundament der Lebens-
stile [...](Bourdieu 1986, S. 107). Bourdieu fordert die Distinktionskämpfe auch
im Sport: [...] dass mlich der Sport wie jede andere Praxis auch ein zentrales
Objekt von Auseinandersetzung ebenso zwischen den einzeln Fraktionen der
herrschenden Klasse wie zwischen den sozialen Klassen insgesamt dar-
stellt“ (Bourdieu, 1986, S. 98).
4.2.1 Vor- und Nachteile der Theorie Bourdieus
Bourdieus Lebensstil-Theorie hat die Sozialwissenschaft stark beeinflusst, je-
doch basiert diese Theorie auf Untersuchungen der französischen Gesellschaft
in den sechziger Jahren. r viele der gegenwärtigen Sozialstrukturen ist diese
Theorie nicht mehr anwendbar. Daher sollen im Folgenden die Vor- und Nach-
teile dieser Theorie thematisiert werden.
43
Bourdieus klassentheoretische Ansätze weisen folgende Vorteile auf: Zum einen
nnen einige Theorien hinsichtlich der sozialen Ungleichheit bezüglich des
Lebensstils von einzelnen oder verschiedenen Gruppen tiefer analysiert werden.
Dies gilt besonders r die chinesische Gesellschaft. Durch die Reformen hat die
chinesische Wirtschaft sich rapide entwickelt, aber auch neue Gesellschafts-
konflikte hervorgebracht. Am Ende der 70er Jahren lag der GINI-Index in China
nur bei 0,23, im 2003 lag der 0,454 (vgl. Zhang, 2004). Dies bedeutet, dass der
Unterschied zwischen den reichen und armen Chinesen in den letzten 30 Jahren
sehr stark angewachsen ist. Die Sicherheitslinie von 0,4 wurde bereits über-
schritten. Die Gesellschaftskonflikte können den „Klassenkampf“ anheizen.
Erst Mitte der 90er Jahre schenkte man Bourdieus Theorie Beachtung in China.
Seine Kapitaltheorien werden besonders in dem Feld der Sozial- und Erzie-
hungswissenschaft angewendet. Die Ergebnisse der Untersuchung von Guo/
Min zeigen, dass die Kinder aus der oberen und mittleren Gesellschaftsschicht,
die mehr kulturelles und ökonomisches Kapital besitzt, meistens Hochschulreife
erlangen. Die Generationen aus der unteren sozialen Schicht, mit deutlich kna-
pperem kulturellem und ökonomischem Kapital, erfahren meistens eine primäre
oder mittelstufige Ausbildung. Zudem ist der Einfluss des familiären kulturellen
Kapitals auf die erworbenen Bildungschancen der Kinder deutlich gßer als der
des ökonomischen Kapitals, bei einer mittelstufigen Ausbildung ist der Einfluss
allerdings geringer (vgl. Guo & Min, 2006).
Zha meint, dass das familre soziale, ökonomische und kulturelle Kapital Ein-
fluss auf den Erwerb des kulturellen Kapitals ihrer Kinder aubt. Das familiäre
ökonomische Kapital kann den Erwerb des kulturellen Kapitals des Nach-
wuchses positiv beeinflussen, d.h. die Familien mit größerem ökonomischem
Kapital sind in der Lage ihren Kindern bessere Bildungschancen bieten zu n-
44
nen. Je her das kulturelle Kapital der Eltern ist, desto größer ist die g-
lichkeit ihrer Kinder mehr kulturelles Kapital zu erwerben (vgl. Zha, 2007).
Eine Untersuchung der chinesischen unteren Gesellschaftsschichten und der
Ausbildung ihrer Kinder hat bewiesen, dass das soziale Kapital die glichkeit
dieser Kinder, eine Ausbildung zu beginnen, deutlich beeinflusst. Ein deutlicher
Einfluss des sozialen Kapitals ist bei der Kommunikationsfähigkeit der Kinder aus
unteren Gesellschaftsschichten erkennbar. Die Bildungsqualität dieser Perso-
nengruppe wird durch das soziale Kapital dagegen geringer beeinflusst (vgl.
Chen, Liu & Luo, 2009).
Laut Qin spielt das kulturelle Kapital eine wichtige Rolle in der chinesischen Ge-
sellschaft, jedoch ist die chinesische Ausbildung Anfang des 21sten Jahrhun-
derts popularisiert worden und die Optionen, die aus dem kulturellen Kapital re-
sultieren, sind dadurch im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren schwächer ge-
worden. Die Optionen des kulturellen Kapitals wurden durch das soziale, öko-
nomische Kapital und andere Faktoren beeinflusst. Das soziale Kapital des Indi-
viduums hrt dazu, dass verschiedene Gesellschaftsschichten entstehen (vgl.
Qin, 2007).
Der familiäre Hintergrund spielt eine zentrale Rolle bei den Schulleistungen der
Kinder. Es gibt Unterschiede hinsichtlich des kulturellen Kapitals zwischen Fami-
lien aus der Stadt und Familien vom Dorf, was die Lernleistungen der Kinder in
der Schule beeinflusst (vgl. Yu, 2004).
Auch außerhalb des erziehungswissenschaftlichen Bereichs werden die Bour-
dieus Kapitaltheorien von einigen Wissenschaftlern in dem Feld der Sozialwi-
ssenschaft angewendet. Wegen des fehlenden sozialen Kapitals haben Einwan-
derer zumeist wenig ökonomisches Kapital. Zudem besitzen sie laut Feng/ Chen
aufgrund des fehlenden kulturellen Kapitals auch wenig soziales und ökonimi-
sches Kapital (vgl. Feng & Chen, 2004). Wang hat bewiesen, dass das fehlende
45
kulturelle Kapital der chinesischen Bauern zu einem geringen ökonomischen und
sozialen Kapital führt (vgl. Wang, 2008).
Yi hat die Freizeitaktivitäten der in der Stadt wohnhaften und den auf dem Dorf
wohnhaften chinesischen Frauen bezüglich ihres kulturellen Kapitals verglichen.
Der Vergleich macht deutlich, dass die auf dem Dorf wohnhaften Frauen weniger
kulturelles Kapital besitzen, was sie daran hindert, vornehme und vielseitige Frei-
zeitaktivitäten auszuüben (vgl. Yi, 2008).
Obwohl viele Untersuchungen in China auf Bourdieus Kapitaltheorien beruhen,
haben diese Theorien r die chinesische Gesellschaft im 21sten Jahrhundert
keine vollständige ltigkeit mehr. Der Grund dafür ist, dass die Sozialstruktur
des 21sten Jahrhunderts nicht mehr nur mit der chinesischen Tradition und den
Eigenschaften der Theorien Bourdieus erklärt werden kann (vlg. Yang, 2006).
Bourdieus Lebensstilkonzeption kann das soziale Feld des Sports und die so-
ziale Ungleichheit verbinden. Zudem nnen entscheidende Einflüsse auf den
Stellenwert und die Nutzung des Sports erkannt werden, ebenso wie die sozia-
len Differenzierungen zwischen verschiedenen Sportgruppen gleicher Sportarten
und dem Körpergebrauch.
Die Nachteile der Bourdieus Theorieansätze sollen hier ebenfalls Erwähnung fin-
den. Die Grundlagen und Analysen basieren auf Untersuchungen der französi-
schen Gesellschaft in den 60er Jahren, die heutzutage nicht mehr geltend gema-
cht werden sollten und auf die deutsche Gesellschaft zugeschnitten werden
nnen. Trotzdem wenden zahlreiche deutsche Wissenschaftler seine Ansätze
an, was als kontrovers gesehen wird und nicht mehr angemessen erscheint.
Bourdieus Ansätze betreffen die Erwachsenen mit einem soliden Lebensstil. Die
Anwendung auf die Jugendlichen der gegenwärtigen Gesellschaft in Deutsch-
land ist ziemlich problematisch (vgl. hnke, 1992). Zhen (2007) glaubt aller-
dings, dass das familiäre kulturelle Kapital von Geburt an das Kind prägt. Dem-
46
nach re Bourdieus Lebensstiltheorie anwendbar r die Untersuchung des
Sporttreibens chinesischer Jugendlicher. Fraglich ist jedoch, ob dies auch r
wirtschaftlich weit entwickelte Großstädte wie Peking gilt, da die sich der deu-
tschen Lebensweise immer mehr annähern. Trotz dieses Zweifels wird Bour-
dieus Theorie in der vorliegenden Arbeit zum Einsatz kommen.
4.3 Jugendliche und sportiver Lebensstil
Im 2. Kapitel wurde bereits vorgestellt, wie wichtig der Sport r die jugendliche
Kultur ist. Hier sollen einige Konzeptionen des Sports beglich des Lebensstils
skizziert werden, die ohne und mit Bourdieus Theorie den Sport in der deutschen
und chinesischen Gesellschaft analysieren. Des Weiteren soll geklärt werden,
woher der Begriff des sportiven Lebensstils kommt und was er r eine Bedeu-
tung für die Jugendlichen im 21sten Jahrhundert hat.
Anders als bei der Bourdieus Theorie vom klassenspezifischen Lebensstil und
Sport haben zahlreiche Sozialwissenschaftler Sport als einen Bestandteil des
alltäglichen Lebensstils betrachtet.
Durch das Streben nach Individualität und dem Ausleben des eigenen Lebens-
stils entsteht auch ein neues, differenziertes Körperbewusstsein. Dieses diffe-
renzierte Bewusstsein prägt das Bild und das Verlangen nach selbstbestimmter,
rperlicher Bestätigung und diese wiederum muss so individuell sein, wie der
Mensch selbst. Der Sport hat zunehmend etwas mit Gelegenheiten, schwan-
kenden Situationen und veränderten Zeitstrukturen zu tun. An Sport als spon-
tane Entscheidung, als Erholung, Spontaneität, Empfindlichkeit wird man sich
gewöhnen ssen. Sport hat r die Stilisierung und damit auch als Bestandteil
von Lebensstilen enorm an Bedeutung gewonnen:
Die Erwartung an die innere und äere Machbarkeit einer adäquaten Person in
der postmodernen Kultur erheblich gestiegen ist, von der psychische Identitäts-
47
politik bis zum Bodystyling, der Verhübschung des eigenen rpers, der wie
kaum etwas anderes zum letzten Sinnreservat des modernen Menschen ge-
worden ist. (Neckel, 2000, S. 44)
Sport erfüllt allem Anschein nach eine besondere Aufgabe im Rahmen der Be-
dingungen der modernen Lebensstile. Offenkundig und in variabler Form, teilwei-
se unter Auswechselung der eigenen Identität, hilft der Sport bei der Koordination
neuer Lebensstile und Lebensentwürfe (vgl. Rittner, 1984). Hansen (1985) ver-
steht Sport nicht nur als einen Bestandteil des Lebensstils, sondern „als neuen
Lebensstil“. Während Ritter den Sport als Hilfsmittel sieht, um einen neuen Le-
bensstil zu kreieren und damit der Sport als wichtiger Bestandteil der Lebens-
hrung angesehen wird, sieht Hansen den Sport an sich als neuen Lebensstil,
der nicht nur in das bisherige Leben eingreift, sondern zur Hauptkomponente des
Lebens wird. Hurrelmann (2004) nimmt eine weitere Schlussfolgerung vor. Sport
gilt als Mittel der Stilisierung in der Gesellschaft, was ihm eine große Bedeutung
verleiht.
Einige chinesische Sportwissenschaftler haben ebenfalls eine Verbindung zwi-
schen Sport und Lebensstil hergestellt. Li wies auf Folgendes hin: Sport wird ein
wichtiges Mittel, um die Lebensqualität zu verbessern und des Menschen Be-
rfnis nach physischer Aktivität und Kultureller Teilnahme zu erfüllen. Er wird
außerdem ein unersetzlicher Teil des gesundheitlichen Lebens, sogar die wich-
tigste menschliche Freizeitaktivität (vgl. Li, 1986). Xiong meinte, dass Sport r
alle ein Lebensstil der modernen Gesellschaft, ein unersetzliches Bedürfnis des
modernen Menschen und eine wichtige Komponente des individuellen Lebens-
stils ist (vgl. Xiong, 1987). Hu hrte eine sozialwissenschaftlich orientierte Sicht
an: Sport ist ein wichtiges soziales Phänomen, welches mit dem gesellschaft-
lichen Leben verschmolzen ist. rperliche Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil
des gesellschaftlichen Lebens und des individuellen Lebensstils (vgl. Hu, 1989).
Ren hat die Meinungen zusammengefasst und konstatiert: Der moderne Sport ist
ein gemeinsamer Lebensstil r alle Menschen (vgl. Ren, 1992).
48
Die o. g. Verknüpfung von Sport und Lebensstil berücksichtigt allerdings nicht die
soziale Ungleichheit. Anhand der Theorien Bourdieus haben Winkler, Lam-
precht/Stamm über den Sport und Lebensstil die Situation weiter konkretisiert. In
Anlehnung an Bourdieu sieht Winkler zwei Implikationen des Lebensstikon-
zepts für den Bereich des Sports.
Der Sport kann interpretiert werden als ein mögliches soziales Feld, auf diesem
verflogen mit je spezifischer Praxis die Akteure ihre Interessen, das spezifische
Handeln im Feld Sport ist Teil eines je spezifischen Lebensstils, als Gesamtheit
der Praxisformen. Die Praxis ist mitbestimmt durch das Produkt von Habitus
und Kapital, d.h. nichts anderes als: Wenn ein Akteure aktiv wird im Handlungs-
feld Sport, wird dies mitbestimmt durch seinen Habitus und sein Kapital; der Ha-
bitus bestimmt die Präferenzen, das Kapital die glichkeiten. Er wird nur die
Sportarten präferieren, die seinen Dispositionen entsprechen, in das Konzept
seines übergreifenden Lebensstils und durch objektive soziale Lage realisierbar
sind. (Winkler, 1995, S. 266)
Die Studien von Lamprecht und Stamm (1999) über den Lebensstil und den Sport
haben gezeigt, dass die soziale Position und Herkunft sowie die soziodemogra-
fischen Merkmale das Sporttreiben die Auswahl der Sportart beeinflussen. Dieser
Einfluss kann durch die traditionellen Schichtungskriterien erkannt und mit der
sozialen Herkunft und mit dem verbundenen Habitus interpretiert werden. Im
Folgenden wird der Begriff des sportiven Lebensstils tiefergehend thematisiert.
4.3.1 Sportiver Lebensstil
Die ersten Verknüpfungen von sportivem Lebensstil und jugendlicher Freizeit
nahmen Brettschneider und tten 1989 und 1993 vor. Der Sport ist ein essen-
tieller Aspekt der Gesundheit in Bezug auf den Lebensstil. Jedoch schenkte man
der Lebensstilforschung im Zusammenhang mit Sport wenig Beachtung und sie
stand auch die folgenden Jahre nicht im Mittelpunkt. Im Jahre 2003 sprach Hoff-
49
mann erstmals vom „sportiven Lebensstil“. Eine konkrete Definition blieb aller-
dings aus.
Saeki (1995) schrieb: “Sport ist im 21sten Jahrhundert ein totaler Sport, ein kultu-
reller Lebensstil, genannt „sportiver Lebensstil‟“. Miao definiert den sportiven
Lebensstil folgendermaßen:
In der Sportsoziologie sind Werkzeuge der Menschen, um das wesentliche und
die Regeln sozialer Phänomene und Prozesse zu erklären. Sport, als ein gesell-
schaftliches Phänomen in der modernen Gesellschaft, verschmilz mit verschie-
denen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und zeigt so seine Multifunk-
tionalität und Merkmale. Es sind die äerlichen Umstände, die die Grundlage
zur Gebung und Erkrung der wissenschaftlichen Definitionen solcher Phäno-
menen schaffen. Genauso verhält es sich auch bei dem sportiven Lebensstil.
(Miao, 1997, S. 6)
In seiner Definition ist der sportive Lebensstil ein positiver und gesunder Lebens-
stil, dessen Ziel- den Menschen zu einem guten und regelmäßigen Sportlerleben
anzuleiten- eng mit der physischen und psychologischen Gesundheit des einzel-
nen Individuums verbunden ist. Weiterhin ist der sportive Lebensstil ein kulture-
ller Lebensstil. Er spiegelt wieder, dass heutzutage Sport ein fester Bestandteil
der Kultur und des kulturellen Lebens in der modernen Gesellschaft ist (vgl. Miao,
1997).
Miao et al. (2006) bekräftigen, dass ein sportiver Lebensstil neben der Sozio-
logie auch die Psychologie und den Bereich der Physiologie betrifft. Diese Defi-
nitionen integrieren Sport und soziale Ungleichheit nicht. Zusammengefasst ist
zu sagen, dass die Idee, Sport nge mit dem Lebensstil zusammen, nicht neu
r uns ist. Bis jetzt konnten keine Nachweise darüber erbracht werden, dass so-
ziale Ungleichheit im Sport einen deutlichen Einfluss auf den Lebensstil hat. Die
Definition des sportiven Lebensstils ist bisher noch nicht verwirklicht worden.
Der sportive Lebensstil soll Aktivitätsstil und Verhaltenscharakteristiken des
sportiven Lebens umfassen. Das menschliche Bedürfnis nach Sporttreiben ist
vielseitig und vielschichtig. Der Sport berührt alle Bereiche der Politik, Wirtschaft
50
und die gesamte Kultur, was die Komplexität und Vielschichtigkeit des sportiven
Lebensstils aufzeigt. Der sportive Lebensstil drückt nicht einfach die Verhaltens-
muster des Sporttreibens aus, sondern zeigt, was viel wichtiger ist, mlich die
Grundmerkmale der Aktivitätsstile des Sporttreibens. Ein sportiver Lebensstil soll
als einer der wichtigeren Bestandteile der Freizeit in der modernen Gesellschaft
gelten. Aktiver Sport wird hauptsächlich aufgrund des individuellen Dranges zur
Bedürfnisbefriedigung betrieben. Wichtig ist zu vermerken, dass die Sportartaus-
wahl, der Sportkonsum und die Sportorganisation von der eigenen Sozialsitu-
ation beeinflusst werden.
Sportiver Lebensstil wird auch sehr stark durch die soziale Stellung innerhalb der
Gesellschaft beeinflusst. Verschiedene Sportarten erfordern einen unterschiedli-
chen finanziellen Aufwand, bedingt durch Materialien, Jahreszeiten, geografi-
sche Anforderungen und modische Trends und nnen dadurch auch nur von
gewissen sozialen Schichten ausgeübt werden.
4.3.2 Jugendliche und sportiver Lebensstil
Nach der Vorstellung und Analyse des sportiven Lebensstils wird im folgenden
Kapitel skizziert, welche Rolle der sportive Lebensstil in der jugendlichen Ent-
wicklungsphase spielt. Die vorherrschenden Arbeits- und Lebensbedingungen
sind r die Jugendlichen heute ebenso ausschlaggebend und prägend wie die
dazugehörigen Bedingungen zur Freizeitgestaltung. Dabei orientieren sich junge
Menschen an grundlegenden, gesellschaftlichen Leitlinien, die ebenso einen Ein-
fluss auf die Gestaltung der Lebensentwürfe hat, wie das Treiben von Sport (vgl.
Brettschneider, 2003, S. 57).
Aus sozialgeschichtlicher und sozialisationstheoretischer Perspektive sind Ju-
gend und Sport sehr eng miteinander verknüpft. Jugend bildet heute noch die
ideelle Mitte des Sports. Die wechselseitige Beziehung zwischen Sport und Ju-
51
gend hat sich im Lauf der Zeit zu einer wie selbstverständlich wirkenden, „sozi-
alen Symbiose“ entwickelt (vgl. Zinnecker, 1989).
Das Lebensstilkonzept eröffnet neue Sichtweisen in Bezug auf das sich wandeln-
de Phänomen Sport im Jugendalter. Gluchowski glaubt, dass sportive Praxis und
jugendliche freizeitkulturelle Lebensstile untrennbar miteinander verknüpft sind
(vgl. Gluchowski, 1988). r Hoffmann ist der Lebensstilansatz von zentraler Be-
deutung r den Bereich des Sports. Das Sporttreiben und die sozialspezifische
Sportartendifferenzierung sind in lebensstilspezifischer Hinsicht als Stilisierungs-
formen und Distinktionsmittel Jugendlicher zu verstehen (vgl. Hoffmann, 2003).
4.4 Forschungsfragen
In Kapitel zwei wurde vorgestellt, dass der Sport mit jugendlichen Lebensstilen
fest verknüpft ist und ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensstile im 21sten Jahr-
hundert ist. Diese jugendliche Sportkultur kann man auch als „sportiven Lebens-
stil“ bezeichnen. Zwei wesentliche Ziele der aktuellen Studie sind zum einen, den
Zustand des sportiven Lebensstils chinesischer Jugendlicher vor dem Hinter-
grund der Bourdieus Lebensstil-Theorie zu ermitteln und zum anderen danach
mit Hilfe der kulturvergleichenden Methodik einen Bogen zum sportiven Lebens-
stil deutscher Jugendlicher zu spannen. Aus dem theoretischen Teil ergaben sich
drei zentrale Hypothesen:
1. Bourdieus Theorie aus dem Jahr 1986, die besagt, dass die Auswahl der
Sportarten, bezogen auf Erwachsene, vom ökonomischen und kulturellen Ka-
pital abhängt, greift nicht bei deutschen und chinesischen Jugendlichen des
21sten Jahrhunderts. Die Jugendlichen aus beiden ndern treffen ihre Ent-
scheidungen bezüglich der Auswahl von Sportarten nach ihrem Geschmack.
Es wird ebenfalls geprüft, ob sich die Sportartenauswahl in der Freizeit bei den
52
chinesischen Heranwachsenden und bei ihren deutschen Altergenossen nach
Geschlecht und dem Alter unterscheiden lassen.
2. Der Sportkonsum von chinesischen Jugendlichen wird maßgeblich vom so-
zialen und kulturellen Kapital der Eltern beeinflusst. Da Untersuchungen über
Sportkonsum bei den deutschen Heranwachsenden fehlen, werden in dieser
Untersuchung nur die chinesischen Jugendlichen berücksichtigt. r welche
Konsumgüter im Bereich Sport die jungen Chinesen ihr Geld ausgeben, ob
man den Sportkonsum auch hier zwischen Geschlecht und Alterstufen diffe-
renzieren kann und inwiefern der Sportkonsum mit dem sozialen Raum der El-
tern in Zusammenhang steht, werden Untersuchungspunkte dieser Studie
sein.
3. Die ufigkeit des Sporttreibens bei chinesischen Heranwachsenden ngt
mit der familiären Herkunft, also mit dem sozialen Status der Eltern, sowie ihrer
subjektiven Einstellung gegenüber dem Sport zusammen. Hier wird angenom-
men, dass sich die subjektiven Einflussfaktoren nach dem Geschlecht differen-
zieren. Inwiefern die ufigkeit des Sporttreibens mit verschiedenen Einfluss-
faktoren korreliert, wird in der vorliegenden Arbeit ebenso becksichtigt wie
der kulturelle Vergleich mit deutschen Jugendlichen.
Vor diesen zentralen Annahmen finden noch weitere Vermutungen Berücksich-
tigung. Es wird davon ausgegangen, dass chinesische Jugendliche aufgrund des
andersartigen Bildungssystems und des kulturellen Hintergrunds über weniger
Freizeit verfügen als deutsche Jugendliche und somit die Zeitumfänge r die
Mediennutzung bei jungen Chinesen deutlich geringer ausfallen.
Das Sportengagement von jungen Chinesen differenziert sich deutlich nach Alter
und Geschlecht und hinsichtlich des soziokulturellen Hintergrunds zwischen
Deutschland und China bestehen mehr Unterschiede im sportiven Lebensstil als
Gemeinsamkeiten. Unter Sportengagement wird hier die Wichtigkeit des Sports,
53
die ufigkeit der Sportbeteiligung in der Freizeit, das Sportverständnis, die
Sportorganisation und die Sportartenauswahl verstanden.
Der Themenkomplex Selbstkonzept und Sportengagement kommt ebenso zur
Geltung. Hier wird ein positiver Einfluss der Sportaktivität auf das Selbstkonzept
von chinesischen Heranwachsenden gesehen. Die Ergebnisse aus dem SDQII
werden daneben die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Selbsteinschä-
tzung zwischen den beiden Kulturen sichtbar machen.
54
55
5 Die empirische Untersuchung
Im theoretischen Teil dieser Arbeit wurden ausführlich die Gründe, Voraussetzun-
gen, Grundlagen und der aktuelle Forschungsstand r diese Studie dargelegt.
Eine derartig detaillierte Erhebung, mit kulturellem Vergleich zu Deutschland, hat
es in diesem Umfang in China bislang noch nicht gegeben. Die Querschnittstudie
soll Erkenntnisse über den sportiven Lebensstil chinesischer Jugendlicher her-
vorbringen. Die Ergebnisse nnen dann mit den Daten aus deutschen Unter-
suchungen in Zusammenhang gebracht werden und bieten einen kulturellen Ver-
gleich. Gerade dieser Vergleich der beiden nder mit ihren unterschiedlichen
kulturellen Voraussetzungen sst aufschlussreiche Ergebnisse erwarten. Die Er-
kenntnisse dienen aber auch der tieferen Einsicht in das Freizeitverhalten von
jungen Chinesen. Als Forschungsinstrument wurde ein Fragenbogen aus bereits
vorhandenen Erhebungen zusammengestellt um die Beziehung chinesischer Ju-
gendlicher zu Sport und Freizeit zu ermitteln.
5.1 Stichprobe
Um die Auswahl der Stichprobe zu begründen, wird an dieser Stelle kurz das chi-
nesische Schulsystem vorgestellt, da erhebliche Unterschiede zwischen den Bil-
dungssystemen in Deutschland und China vorliegen.
Am Ende der 80er Jahre ist die Reform des Schulsystems in China auch in den
verschiedenen Provinzen, Autonomiegebieten und Bundesstädten angekommen.
Dies hat das alte Schulsystem, das in den verschiedenen Gebieten sehr stark va-
riierte, sehr verändert. Danach ist es eine zentralstaatliche Verantwortung (vgl.
Abbildung 2).
56
Die Ehepaare, die in den Sdten wohnen, haben meist eine ganztägliche Arbeit.
Um ihre Kinder besser zu betreuen, wurden viele staatliche oder private Ganz-
tagskindergärten eingerichtet. Kinder ab drei Jahren nnen den Kindergarten
besuchen. Die chinesische Bildungspolitik, die sogenannte „neunjährige Erzie-
hungspflicht“ gibt vor, dass die chinesischen Heranwachsenden mindestens bis
zum primären Bildungsabschluss an einer institutionalisierten Bildungseinrich-
tung teilnehmen ssen. Ab sechs Jahren ist der Besuch an einer Grundschule
vorgesehen. Es folgt die Junior-Highschool, die weitere drei Jahre beansprucht.
Hochschulbildung Hochschule Berufliches
College
Aufnahmeprüfung
Mittelstufige Senior-Highschool Berufliche Schule
Ausbildung 10. - 12. Klasse 10. - 12. Klasse
Aufnahmeprüfung
Primäre Junior-Highschool
Ausbildung 7. - 9. Klasse
Geringe Grundschule
Ausbildung 1. - 6. Klasse
Vorschule
Abb.2: Das Schulsystem Chinas
Nach neun Jahren prirer Ausbildung nnen sie die Aufnahmeprüfung r eine
Senior-Highschool oder eine berufliche Schule absolvieren. Mit der bestandenen
Prüfung qualifizieren sie sich r die entsprechende fortführende Schule. Im Be-
reich der Senior-Highschool muss nochmals unterschieden werden: Hat ein Prüf-
ling außergewöhnlich gute Noten, erhält er einen Platz an eine Elite-Senior-
Highschool. Der übrige Teil besucht eine normale Senior-Highschool. Die Schüler,
57
die die Aufnahmeprüfung nicht bestanden haben, nnen die neunte Klasse wie-
derholen und erneut eine Prüfung ablegen. Diejenigen, die kein Interesse an
einer Weiterbildung haben, ssen ihren Weg auf den Arbeitsmarkt finden. Die
schulische Weiterbildung dauert drei Jahre, an den beruflichen Schulen kann sie
bis zu vier Jahre dauern, und man spricht von einer mittelstufigen Ausbildung.
Nach Abschluss der weiterführenden Schule, welcher dem deutschen Abitur bzw.
Fachabitur entspricht, besteht r die Absolventen die glichkeit, sich r eine
Hochschule oder ein berufliches College zu qualifizieren. Auch hier erwartet die
in der Regel 18-jährigen Anwärter eine Aufnahmeprüfung. Um die Stichproben-
äquivalenz sicherzustellen, wird die vorliegende Untersuchung in den 7. und 9.
Klassen der Junior-Highschool, sowie den 12. Klassen der Senior-Highschool
und der beruflichen Schulen durchgeführt. Obwohl es Bedeutungsunterschiede
zwischen den drei Klassen in Deutschland und China gibt, werden diese hier ver-
nachlässigt.
Aufgrund der Sicherstellung der Stichprobenäquivalenz wird die Untersuchung in
Peking durchgeführt. Die Hauptstadt der Volksrepublik China ist sowohl eine
Stadt mit langer historischer Tradition als auch eine moderne Metropole. Außer-
dem gilt sie als eine der wohlhabendsten Sdte im Reich der Mitte. Die Bevöl-
kerung beläuft sich auf 13,82 Millionen Menschen. 2005 waren die Quoten der In-
dustrie, Landwirtschaft und Dienstleistungsgewerbe in der Wirtschaft 1,4%,
30,9% und 67,7% (vgl. Jing, 2007), insofern hert sich die wirtschaftliche
Struktur von Peking der Struktur der westlichen reichen nder. 2006 erreicht das
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Peking 6210 US. Dollar (vgl. Statistikamt Pe-
kings, 2007). Das Einkommen der Einwohner, die im Stadtbereich Pekings leben,
ist deutlich her als das der Landbevölkerung. Die vorliegende Studie bezieht
sich auf die in der Innenstadt wohnenden Jugendlichen. Damit eine gültige Stich-
58
probenäquivalenz sichergestellt werden kann, sollte die Lebenssituation der
chinesischen und deutschen Jugendlichen möglichst ähnlich sein.
Zunächst war vorgesehen, die Untersuchung im Sommersemester des Schul-
jahres 2006/2007 zu initiieren. Jedoch konnte dies wegen der im Juni bzw. Juli
stattfindenden Aufnahmeprüfungen r die 9. und 12. Klassen der chinesischen
Schüler noch nicht geschehen. Der Grund r die Absagen der Schulleitungen r
den Start waren die zeitintensiven Vorbereitungen auf die Prüfungen. Aus diesem
Grund wurde die Befragung Anfang des Schuljahres 2007/2008 im September in
Peking durchgeführt. Dadurch waren nstigere Voraussetzungen zur intensi-
veren Auseinandersetzung mit dem Fragebogen gegeben.
Im Folgenden wird her auf die Rekrutierung der Schulen eingegangen. Die
Schüler aus den zu untersuchenden Schulen wurden aus vier verschiedenen
Distrikten Pekings, und zwar Dongcheng, Xicheng, Congwen und Xuanwu, her-
ausgesucht. Die Distrikte befinden sich alle im Ballungsgebiet von Peking-Stadt.
Grundsätzlich sind die Lebensverhältnisse der Jugendlichen aus den unter-
schiedlichen Distrikten ähnlich. Die Schulen in den jeweiligen Distrikten wurden
zufällig ausgewählt.
Insgesamt haben 1266 Pekinger Schüler aus 37 Klassen an der Befragung teil-
genommen. Der Anteil der weiblichen Schülerinnen (695) war dabei etwas grö-
ßer als der Anteil der männlichen Jugendlichen (571). Der prozentuale Anteil der
Schüler der 9. Klassen ist etwas geringer als der der übrigen Klassen (vgl. Ta-
belle 1). Die Schüler der Senior-Highschools und der beruflichen Schulen sind im
gleichen Alter.
59
Tab. 1: Verteilung der Stichproben nach Schulform und Klassenstufen
Klassenanzahl
nnliche Schüler
Weibliche Schüler
Summe
7. Klasse
11
202
253
455
9. Klasse
9
155
199
354
12. Klasse (S)
9
103
148
251
12. Klasse (B)
8
111
95
206
Summe
37
571
695
1266
Anmerkung: S, Senior-Highschool; B, berufliche Schule
Nach dem Datencleaning kamen noch 1157 Fragegen r die Studie in Frage
(vgl. Tabelle 2). Auffällig re an dieser Stelle anzumerken, dass deutlich mehr
nnliche Schüler aus dem Raster der Studie fielen, so dass sich der Anteil der
weiblichen Schülerinnen abermals vergrößert, jedoch keine weitere Berück-
sichtigung in der Studie findet.
Tab.2: Verteilung der Stichproben nach dem Datencleaning
nnliche Schüler
Weibliche Schüler
Summe
7. Klasse
196
252
448
9. Klasse
102
197
299
12. Klasse (S)
81
144
225
12. Klasse (B)
93
92
185
Summe
472
685
1157
Anmerkung: S, Senior-Highschool; B, berufliche Schule
5.2 Datenerhebung
Um ausreichende und detaillierte Daten über den sportiven Lebensstil von jun-
gen Chinesen zu erhalten, bot sich eine Fragebogenerhebung als Forschungs-
instrument an. Hinzu kommt, dass der kulturelle Vergleich einen Schwerpunkt in
der Studie bildet und somit bereits validierte Untersuchungen aus Deutschland
als Vorbild dienten. Die Forschungsfragen wurden bereits in Kapitel vier disku-
tiert und haben sich aus der Literaturanalyse heraus ergeben. Die meistens
Items wurden von den bereits angewendeten Studien und Forschungen aus
60
Deutschland übernommen. Die Fragen im Bereich jugendliche Freizeit und
Sportbeteiligung wurden in Anlehnung an den Fragebogen von Brettschneider/
Brandl-Bredenbeck (1997) der Studie „Sportkultur und jugendliches Selbst-
konzept“ formuliert. r den Fragenkomplex über die Einflussfaktoren r das
Sportengagement, ließen sich Fragenstellungen anhand der Studie „Jugend-
sport in ländlichen Regionen“ von Baur/Burrmann (2000) finden. Weiterhin wur-
den bei den Fragen zum jugendlichen Selbstkonzept Items aus dem von Marsh
(1990b) entwickelten und international validierten Self-Description Question-
naires (SDQII) ausgewählt. Die Verwendung dieser Fragen ist durch die Unter-
suchung „Sportpartizipation & Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen“ von Brett-
schneider, Brandl-Bredenbeck und Hofmann (2005) bestätigt.
Die Fragen bezüglich des Sportkonsums im 5. Teil wurden vom Autor selbst
entwickelt und nehmen eine zentrale Rolle bei der Untersuchung des sportiven
Lebensstils von chinesischen Jugendlichen ein. Auf diesen Aspekt wird in einem
eigenen Kapitel genauer eingegangen. Die genauen Fragestellungen und der
Aufbau des Fragebogens sind dem Anhang zu entnehmen. Die thematische
Gliederung des Fragebogens wird in sechs Bereiche unterteilt (vgl. Tabelle 3).
61
Tab.3: Die Gliederung des Fragebogens
1. Allgemeininformationen
Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Beruf und Bildungsniveau von den Eltern.
2. Freizeit und deren Nutzung
Zeitbudget, Freizeitaktivität, Mediennutzung.
3. Sportbeteiligung in der Freizeit
Die Wichtigkeit des Sports, ausgeübte Sportarten in der Freizeit, gewünschte Sportarten, die
ufigkeit und der Ort des Sporttreibens, Sportverständnis, Sportorganisationen.
4. Einflussfaktoren auf die Sportbeteiligung
subjektive Einflussfaktoren, Einflussfaktoren der Familie.
5. Sportkonsum
Konsum in den verschiedenen Bereiche: Sportschuhe und -kleidung; Sportgeräte; Sportmagazine
und -zeitung; Eintrittsgeld bei den kommerziellen Sportanbieter; Sporturlaub und -reisen; Eintrittsgeld
r Sportveranstaltungen. sowie der Umfang des Sportkonsums
6. Selbstkonzept
Generelles, soziales, physisches und Körperkonzept
Bei der Formulierung des Fragenbogens muss auf Folgendes hingewiesen wer-
den: Die Fragen mussten auf die chinesische Kultur und Sprache anwendbar und
r die Lebenssituation der chinesischen Heranwachsenden im 21sten Jahrhun-
dert geeignet sein. Das bedeutet, dass die Fragen einfach formuliert sein ssen
und man sich an Ausdcke der Jugendsprache hält, wo es angebracht ist. Wei-
terhin rfen keine Zweideutigkeiten und Missverständnisse auftreten. r alle
Altersklassen und Jahrgangsstufen gab es denselben Fragebogen. Außerdem
ssen die Fragen im Bereich der Sportorganisationen und die unterschiedliche
Situation von jungen Menschen in China und in Deutschland becksichtigt
werden. Der Sportverein spielt in der Freizeit deutscher Jugendlicher eine wich-
tige Rolle und prägt größtenteils ihre Sportkultur. Der chinesische Sport ist kaum
in Vereinen organisiert. Vielmehr ist der Schulsport der fundamentale Bestandteil
r die chinesische Sportkultur. Aus diesem Grund ssen die Formulierungen
der Fragen r die chinesischen Heranwachsenden angepasst sein. Weiterhin
mussten die Fragen r den Themenbereich jugendlicher Sport und Lebensstil
limitiert werden, da die Beantwortung des Fragebogens einschließlich der Er-
62
klärung keine Unterrichtsstunde überschreiten durfte, um die Motivation der
Schüler nicht zu hemmen.
Eine weitere Herausforderung bot sich in der Übersetzung der Fragen, da die
meisten aus dem Deutschen bzw. Englischen übernommen wurden. Um die lin-
guistische Äquivalenz sicherzustellen, d.h. die Sinnhaftigkeit der Formulierung
nicht zu verfälschen, wurde der Fragebogen durch die Methode des Übersetzens
und ckübersetzens überprüft. Das bedeutet, dass zuchst ins Chinesische
übersetzt wird und diese Formulierungen dann wiederum ins Deutsche zurück
übersetzt werden. Mit dieser Methode wird gewährleistet, dass der Sinn der
Fragestellungen nicht verloren geht. Im Ergebnis haben sich keine Missverständ-
nisse ergeben.
Um die Reliabilität dieses Fragenbogens zu sichern, wurde der Fragebogen
durch die Test-Retest Methode in zwei Klassen an insgesamt 60 zufällig ausge-
wählten Schülern der 7. Klassen der Junior-Highschool und der 12. Klassen der
beruflichen Schule Shenyangs in China Anfang 2007 als Pretest erprobt. Hätten
sich dabei sprachliche oder zeitliche Probleme ergeben, hätten diese im Vorfeld
der eigentlichen Untersuchung behoben werden nnen. Wie zu erwarten war,
wiesen die 7. Klassen ein schwächeres Leseverständnis als die älteren Schüler
auf, was jedoch keine Auswirkungen auf den Zeitplan von einer Unterrichts-
stunde hatte. Das Ergebnis des ersten Tests zeigte ebenfalls, dass der Frage-
bogen keine sprachlichen Hindernisse r die chinesischen Heranwachsenden
darstellte. Nach zwei Wochen fand der Retest mit den gleichen Stichproben statt.
Die durch die Test-Retest dargestellte Reliabilität erreicht 0,74, insofern gilt
dieser Fragebogen auch für die chinesischen Heranwachsenden als geeignet.
63
5.2.1 Durchführung der Umfrage
Bei Befragungen mit derartig großen Stichproben, ist eine genaue Planung und
Organisation der einzelnen Schritte erforderlich. Die Durchführung der Befra-
gung gestaltete sich von daher wie folgt: Die Sportlehrer der rekrutierten Schulen
aus den vier Distrikten bildeten das Projektteam. Die Lehrer wurden zunächst
über den Inhalt und die Ziele der Befragung aufgeklärt und über den Ablauf ge-
schult. Sie mussten mit den Inhalten vertraut sein, um aufkommende Fragen zu
beantworten. Grundsätzlich sollte jeder Schüler jedoch die Fragen selbststandig
beantworten. Das Besondere bei der Durchführung war, dass die Befragung
gleichzeitig an allen Schulen durchgeführt wurde, was zeitökonomische Gründe
hatte. Besonderen Wert legte die Untersuchungsleitung auf die Seriosität und die
Sorgfalt beim Ausfüllen der Fragebögen. Enorm wichtig war hierbei, dass kein
Jugendlicher die Antworten eines Mitschülers kopiert. Auch das Unterhalten un-
tereinander sollte vermieden werden, um eine konzentrierte, ernsthafte Umge-
bung zu gewährleisten. Die Befragung hatte von daher einen prüfungsähnlichen
Charakter. Die Klassenraumbefragung erwies sich als Vorteil, da ein gleichzeiti-
ges Befragen unter gleichen Bedingungen sichergestellt werden konnte. Vor-
und Nachteile der Klassenraumbefragung haben Brettschneider et al. (2005) de-
tailliert beschrieben. Um die Validität des Fragebogens sicherzustellen, wurden
die Fragebögen anonym ausgefüllt und die Ziele der Befragung r die Schüler
transparent gemacht. Das Projektteam sammelte die Fragebögen direkt nach
dem Ausfüllen ein und verschickte sie kollektiv an die Sporthochschule von
Shenyang. Nach dem Aufbau einer Datenbank durch die studentischen Mitarbei-
ter der Shenyang Sporthochschule, wurden diese nach Deutschland versandt.
64
5.3 Dateneingabe, Datencleaning und Datenauswertung
Durch die Mithilfe der studentischen Hilfskräfte wurden die Daten in Exceltabe-
llen (für Windows XP, Version 2003) eingetragen und per E-mail nach Deutsch-
land versand. Die weiteren Schritte waren die Dateneingabe und das Daten-
cleaning. Zunächst mussten die empfangenen Daten ins Deutsche übersetzt
werden und es wurden erneut Exceltabellen angelegt. r die Auswertung der
Daten wurde das Statistikprogramm SPSS (für Windows, Version 15.0) verwen-
det. Alle Daten wurden per Hand von der Untersuchungsleitung eingegeben. Der
Eingabe ging ein aufwendiges Datencleaning voraus. Dabei wurden folgende
Gesichtspunkte aus der Auswertung ausgeschlossen:
1. Die nicht ernsthaft ausgefüllten Fragebögen wurden nicht ausgewertet (z. B.
wenn alle Felder ausgefüllt wurden, oder bei allen Skalen r die Wertigkeit
„sehr wichtig“ oder „trifft völlig zu“ markiert wurden).
2. Die widersprüchlich ausgefüllten Fragebögen fanden keine Beachtung. (z. B.
wenn Sport als wichtige Freizeitaktivität angegeben wurde, die persönliche
Einstellung zu Sport im Folgenden aber mit „0“ bewertet wurde)
3. Bei mehr als zehn fehlenden Einträgen fielen die Fragebögen ebenfalls aus
der Wertung.
Nach dem Datencleaning gingen 1157 Fragebögen in die Auswertung ein.
Da sich die Lebensstile deutscher Jugendlicher in den letzten zehn Jahren nicht
dramatisch verändert haben (vgl. Deutsche Shell, 2000; 2002; 2006), sind Freun-
de, Sport und Medien nach wie vor die ulen der Freizeitgestaltung (vgl. Brett-
schneider, 2003a). Aus zeitlichen und ökonomischen Gründen war es nicht g-
lich, die Untersuchung in China und in Deutschland gleichzeitig zu erheben.
Deshalb wurde die Fragebogenerhebung nur in Peking durchgeführt. Die Daten
65
und Ergebnisse der deutschen Jugendlichen wurden dabei aus bereits vorhan-
denen Untersuchungen übernommen.
In dieser Untersuchung wurden verschiedene statistische Verfahren r den Aus-
wertungs- und Interpretationsprozess verwendet.
Durch die deskriptive Analyse werden Informationen über das Freizeitbudget,
dessen Verwendung, sowie die Mediennutzung der chinesischen Heranwa-
chsenden gewonnen. Danach werden die Daten und Ergebnisse der deutschen
Jugendlichen aus der JIM-Studie (2006) und von Brettschneider/Brandl-Breden-
beck (1997) vorgestellt, um anschließend die Gemeinsamkeiten und Unterschie-
de hinsichtlich der soziokulturellen Differenzen zwischen China und Deutschland
aufdecken zu nnen. In diesem Zusammenhang werden mit Hilfe der Mittel-
werte und Mittelwertvergleiche, sowie der Diskriminanzmethode, die Freizeitakti-
vitäten der Jugendlichen untersucht bzw. die Wichtigkeit und ufigkeit des
Sporttreibens der chinesischen und deutschen Jugendlichen verglichen. Dazu
werden, wie oben erwähnt, die Daten und Ergebnisse von Brettschneider/
Brandl-Bredenbeck (1997), verwendet. Durch die Mittelwertvergleiche nnen
die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Wichtigkeit verschiedener Freizeit-
aktivitäten und des Sporttreibens hinsichtlich der kulturellen Differenzen zwi-
schen Deutschland und China ermittelt werden. Ebenso finden hierbei die Unter-
suchungsebenen Alter und Geschlecht Berücksichtigung. Mit Hilfe der Diskrimi-
nanzanalyse nnen Unterschiede zwischen Gruppen auf nominal skaliertem
Niveau bezüglich unabhängiger Merkmalsvariablen analysiert werden. In diesem
Fall wird die subjektive Bedeutung des Sports r die Heranwachsenden aus bei-
den nder (zwei Gruppen) in drei Bereiche, die unabhängigen Variablen, (1=
„sehr wichtig“; 2= „mittelmäßig wichtig“; 3= „nicht wichtig“) eingeteilt.
Ebenso wird der Einfluss der Mediennutzung auf das Sportengagement der chi-
nesischen Schüler in der Freizeit im Fokus stehen. Um diesen Zusammenhang
66
zwischen der Mediennutzung und dem Sporttreiben zu analysieren, wird der Kor-
relationskoeffizient nach Pearson ermittelt, welcher einen Zusammenhang, zwi-
schen zwei Variablen erkennen sst. Diese Variablen sind die ufigkeit der Me-
diennutzung und das Sportengagement junger Chinesen. Hier wird lediglich ein
intrakultureller Vergleich hergestellt. Entstehen dabei hohe Korrelationen darf an-
genommen werden, dass sich die beiden Variablen gegenseitig bedingen. g-
lich re auch, dass weitere Faktoren hinter diesen, sich gegenseitig bedingen-
den Variablen, eine tragende Rolle spielen (vgl. Backhaus et al., 2006).
r die Informationen über die Sportartenauswahl in der Freizeit und den ern-
schten Sportarten der Jugendlichen aus beiden ndern, wird weiterhin die des-
kriptive Methode herangezogen. So nnen Gemeinsamkeiten und Unterschie-
de zwischen den verschiedenen Kulturen aufgezeigt werden. Die entsprechen-
den Daten der deutschen Jugendlichen werden aus den Untersuchungen von
Brettschneider/Kleine (2002) übernommen. Die Ergebnisse über die erwünsch-
ten Sportarten und die Hindernisgründe der Sportbeteiligung wurden hingegen
von Baur/Burrmann (2000) übernommen.
Wichtige Teile des jungendlichen sportiven Lebensstils bilden das Sportver-
ständnis und die Gründe des Sporttreibens. Um die Komponenten her erklä-
ren zu nnen, wird in der vorliegenden Studie ein Zusammenspiel der deskri-
ptiven Methode mit Mittelwertvergleichen, Faktoren- und Kovarianzanalyse und
Clustermethode stattfinden. Das Ziel der Faktorenanalyse ist es, voneinander
unabhängige Faktoren, oder Einflussgrößen, zu ermitteln, die die Zusammen-
nge zwischen den Variablen erklären (vgl. Bortz, 2005). In der aktuellen Studie
werden durch die Faktorenanalyse (Rotationsmethode: Varimax) die unter-
schiedlichen Aussagen vom Sportverständnis extrahiert. Die Kovarianzanalyse
soll die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Sportverständnisses im Kontext
zur Kultur und zum Geschlecht in Deutschland und China beleuchten. Genauer
gesagt soll die Wirkung der unabhängigen Variablen auf das Sportversndnis
67
ermittelt werden. Bei dieser Methode wird die unabhängige Variable vorab stati-
stisch um den Einfluss der Kovariante (Alter) bereinigt. Um hinsichtlich der sub-
jektiven Einflussfaktoren des Sporttreibens bei chinesischen Jugendlichen struk-
turelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszustellen, kommt die Cluster-
analyse als Methode hinzu: „Das Verfahren der Clusteranalyse bildet anhand von
vorgegebenen Variablen Gruppen von llen [...]. Die Mitglieder einer Gruppe
(eines „Clusters“) sollen glichst ähnliche Variablenausprägungen aufweisen,
die Mitglieder verschiedener Gruppen unähnliche“ (Bühl, 2006, S. 521). Da keine
Informationen über die zu erwartende Anzahl von Clustern r chinesische Ju-
gendliche vorliegen, wird eine Two-Step-Clusteranalyse durchgeführt, durch die
die Anzahl der Cluster bestimmt werden kann. Die Subgruppen, die sich heraus-
bilden, werden nach Alter und Geschlecht sortiert.
Mit Hilfe der deskriptiven Methode und den Mittelwertvergleichen kann aufge-
deckt werden, in welchen Sportorganisationen junge Chinesen partizipieren und
welchen Stellenwert der Schulsport in ihrem Leben hat. In einem weiteren Schritt
werden diese Ergebnisse dann mit den Untersuchungen von Brettschneider et al.
(2005), sowie mit Befunden von Tientjens (2001) und Baur/ Burrmann (2000)
über das kommerzielle Sporttreiben verglichen.
Einer der zentralen Aspekte dieser Studie, Daten über den Sportkonsum chinesi-
scher Jugendlicher zu erhalten und darüber hinaus Zusammenhänge beglich
verschiedener Variablen (wie der Einfluss der Familie, deren sozialer Status etc.)
zu erkennen, kommt die deskriptive Methode und der Chi-Quadrat-Einzeltests
ins Spiel. Dieser Test dient der Unterschieds- bzw. Abngigkeitsprüfung zwi-
schen Variablen. Es wird im Detail untersucht, inwieweit der Sportkonsum chine-
sischer Jugendlicher vom Stellenwert des Sports, der ufigkeit des Sporttrei-
bens, sowie dem Sozialstatus der Eltern abhängt. Ein weiterer zentraler Aspekt
des sportiven Lebensstils ist der Einfluss der Familie auf das Sporttreiben der Ju-
gendlichen. Diese Daten werden durch die deskriptive Methode und ebenfalls
68
über den Chi-Quadrat-Einzeltest gewonnen, um diese dann mit den Ergebni-
ssen der deutschen Jugendlichen von Burrmann (2005) vergleichen zu nnen.
Hierbei wird der Bedeutung des sozialen Raums, dem Bildungsniveau, der sozia-
len Schicht und der Sportaktivität der Eltern, für die ufigkeit des Sporttreibens
und den Stellenwert des Sports bei Pekinger Jugendlichen, Aufmerksamkeit
geschenkt.
Die Spearman-Korrelation dient dazu, den Zusammenhang bzw. den Einfluss
des Sportengagements der Eltern hinsichtlich der ufigkeit des Sporttreibens
und des Stellenwerts des Sports nach Geschlechtern zu prüfen. Bei den Korrela-
tionsrechnungen wurden die Srken der Zusammenhänge zwischen den unter-
schiedlichsten Variablen ermittelt. Bei der Regressionsanalyse kann nun die Art
des Zusammenhangs zwischen mehreren unabhängigen Variablen ermittelt
werden. Hierbei fließen nacheinander die Variablen mit dem chsten Korrela-
tionskoeffizienten mit den abhängigen Variablen in die Rechnung ein. r diese
Untersuchung sind dies die Zusammenhänge zwischen der ufigkeit des Sport-
treibens chinesischer Jugendlicher mit der subjektiv empfundenen Wichtigkeit
des Sports und den externen Einflüssen, wie der sozialen Schicht, dem Bildungs-
niveau und der Sportbeteiligung der Eltern.
Das Selbstkonzept stellt den letzten Bestandteil des sportiven Lebensstils der
Heranwachsenden dar. Zunächst wird die interne Qualität der Skalen des redu-
zierten SDQII mit Hilfe des Reliabilitätkoeffizienten Cronbachs alpha ermittelt.
Neben der deskriptiven Methode soll eine weitere Untersuchung mittels Kovari-
anzanalyse folgen. Der Einfluss des Geschlechts und der ufigkeit des Sport-
treibens auf das Selbstkonzept von jungen Chinesen soll hierbei verdeutlicht
werden. r einen Vergleich mit den deutschen Heranwachsenden werden die
Untersuchungen über Sport und das Selbstkonzept von Brettschneider (2003)
herangezogen.
69
6 Ergebnisse
Im vorherigen Kapitel wurde detailliert auf die empirische Untersuchung einge-
gangen. Im Weiteren sollen nun die Ergebnisse beleuchtet und analysiert werden.
Im ersten Teil dieses Kapitels werden die verschiedenen Aspekte der Freizeit-
und Mediennutzung chinesischer Jugendlicher präsentiert. Dabei wird immer der
kulturelle Vergleich zu Deutschland gezogen. Dazu werden im Vorfeld einige r
das Verständnis der chinesischen Kultur wichtige Erläuterungen gegeben, um
die Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Freizeit in China und
Deutschland deutlich zu machen. Der zweite Teil behandelt ausführlich den
Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit: Die Verhältnisse und Zusammenhänge
hinsichtlich Sport und Mediennutzung, immer mit dem Fokus auf dem kulturellen
Vergleich. Dabei werden umfassende Ausführungen zur Situation des Sports bei
Jugendlichen in China gemacht.
6.1 Jugendliche, Freizeit und Mediennutzung im Kontext von Lebensstilen
in Deutschland und China
Heutzutage ist die Freizeit der Jugendlichen in hohem Maße verbunden mit dem
jeweiligen Lebensstil. In ihrer Freizeit nnen sie ihren persönlichen Neigungen
und Interessen nachgehen. Die Freizeit spielt demnach eine zentrale Rolle in
ihrem alltäglichen Leben. Dies gilt sowohl r die deutschen als auch die chine-
sischen Jugendlichen. Aus kulturvergleichender Perspektive gilt es, die funktio-
nale und konzeptuelle Äquivalenz ihrer Freizeit zu vergleichen. In diesem Zusa-
mmenhang spielt die Mediennutzung eine der wichtigsten Rollen in der Freizeit-
gestaltung und im Lebensstil von Heranwachsenden aus beiden Ländern. Bevor
auf den Vergleich der ausgewählten Mediennutzung bei den Jugendlichen zwi-
schen Deutschland und China eingegangen wird, soll zunächst der Freizeit und
ihrer Nutzung Beachtung geschenkt werden. In den folgenden Kapiteln unter-
70
scheidet der Autor nicht zwischen den 12. Klassen der Senior-Highschool und
den beruflichen Schulen, sondern sie werden als Einheit betrachtet, da sich le-
diglich bei einem Item ein Unterschied im Zeitbudget ergeben hat und dieser
nicht ins Gewicht fällt.
Die Tabelle vier verdeutlicht die Unterschiede in der Freizeitgestaltung und
-nutzung von deutschen und chinesischen Jugendlichen. Wegen der enormen
Unterschiede in der Kultur und im Bildungssystem sind die Differenzen zwischen
den Heranwachsenden beider Länder weitaus größer als die Gemeinsamkeiten.
Es besteht kein Unterschied bezüglich der Freizeitnutzung zwischen den Ge-
schlechtern in beiden ndern. r beide nder gilt: „die Jugendlichen (...)
[haben] immer weniger Freizeit mit zunehmenden Alter“ (vgl. Brettschneider &
Brandl-Bredenbeck, 1997, S. 102). Dies konnte auch die vorliegende Unter-
suchung bestätigen. Die Schüler der 12. Klassen haben deutlich weniger Frei-
zeit als die der 7. Klassen.
Dennoch gibt es deutliche Unterschiede im Vergleich zu Deutschland. Chine-
sische Jugendliche haben erheblich weniger Freizeit als deutsche. Aufgrund der
stärkeren gesellschaftlichen Konkurrenz in Bezug auf den Arbeitsmarkt, stehen
junge Chinesen unter dem steten Druck, auch in ihrer Freizeit weiter zu lernen.
Die traditionelle Bildungs- und Erziehungseinstellung sieht vor, durch den Beruf
Prestige und gesellschaftliches Ansehen zu erlangen. Die Bedeutung einer
Hochschulausbildung wird traditionell als sehr hoch in der chinesischen Gesell-
schaft angesehen. Das ist mit einem Grund, warum junge Chinesen wenig Spiel-
raum in ihrer persönlichen Freizeitplanung haben. Allerdings sind ihre Zielvorste-
llungen bezüglich der Verwendung ihrer Freizeit konkreter. Im Vergleich zu ihren
deutschen Altersgenossen spielt Freizeit bei jungen Chinesen eine untergeord-
nete Rolle. Dies lässt sich durch die gesellschaftlichen Gegebenheiten erklären.
71
Tab.4: Mittelwertunterschiede für die Items der Freizeitskala von beiden Ländern
(1= stimme gar nicht zu, 4= stimme llig zu, * p.01; ** p.001; Die Daten der
deutschen Jugendlichen aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997)
China
Deutsch-
land
Signifikanz-
niveau
1. Ich habe genügend Freizeit für meine Hobbys
2. Ich kann meine Freizeit selbst planen und einteilen
3. Neben der Schule bleibt mir kaum Zeit für meine
Freizeitaktivitäten
4. Häufig weiß ich nicht so recht, was ich in meiner
Freizeit tun soll
5. Mein Tag ist so vom Terminkalender verplant, dass ich mir
manchmal mehr freie Zeit wünsche
6. Es bleibt mir genügend Zeit, einfach mal nichts zu tun
2,347
2,380
2,032
1,534
2,105
1,635
3,039
3,442
1,725
2,102
2,095
2,864
**
**
**
**
**
**
Im Folgenden wird her auf die Freizeitgestaltung der Jugendlichen in beiden
ndern eingegangen. Es wird dargestellt, welchen Stellenwert die Medien im
Leben der Jugendlichen einnehmen und exemplarisch anhand der Nutzung von
Computer, Internet, Radio oder Büchern deren Bedeutung erläutert.
Sowohl die deutschen Jugendlichen als auch die chinesischen Jugendlichen le-
ben in einer globalisierten Zeit. Eines der Merkmale dieser Globalisierung ist die
Informationsgesellschaft. Medien beeinflussen und bestimmen weitgehend un-
seren Alltag. Der Umgang und die Auseinandersetzung mit Medien sind zentrale
und beliebte Bestandteile in der Freizeitgestaltung von chinesischen und deu-
tschen Jugendlichen. Der Zeitumfang der Mediennutzung ist eng verknüpft mit
der Freizeit.
Mit der sich rasant entwickelnden Wirtschaft sind auch die Medien in China sch-
nell gewachsen. In China gibt es mehr als 2000 Tages- und Wochenzeitungen,
sowie circa 3000 Rundfunk- und Fernsehstationen. Nicht nur die traditionellen
Medien wie Fernsehen, Radio, Zeitung, Magazine, Video und DVD haben die So-
zialisation chinesischer Jugendlicher stark beeinflusst, sondern auch der Com-
puter und das Internet wurden schnell bei Heranwachsenden akzeptiert und po-
72
pulär. Ihre Lebensstile wurden durch diese modernen Medien ebenfalls stark ge-
prägt.
Die neue chinesische Jugendgeneration wird nicht nur durch Familie, Schule,
und Peergroups- die traditionellen Sozialisationsarten chinesischer Jugendli-
chen- beeinflusst, sondern auch durch die Medien und die öffentliche Meinung
sozialisiert. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass das Zeitbudget chinesi-
scher Kinder und Jugendlicher für die Mediennutzung größer ist als für die Kom-
munikation mit den Peers (vgl. Li, 2006).
Durch Informationen und Kenntnisse über westliche Kulturen und Lebensstile in
den chinesischen Medien wurden die Jugendlichen ebenfalls stark beeinflusst.
Im Allgemeinen spricht man von der Generation der Informationsgesellschaft
(ebd.). r die chinesischen Jugendlichen haben Medien hauptsächlich positive
Vorzüge, wie Entspannung und Spaß, sie dienen als Informationsquellen oder
sind ein einfaches Kommunikationsmittel. Jedoch zeigten viele Untersuchungen
chinesischer Jugendlicher auch die Kehrseite der Medaille und damit die negati-
ven Einflüsse der Mediennutzung, wie z. B. blindes Nachahmen, Sozialkontakt-
störungen, Verhinderung der Moraleinstellungsentwicklung, Verschlechterung
der Kognitionsfähigkeiten und eine eingeschränkte Motorik.
Ebenso sind Medien ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags von deu-
tschen Jugendlichen und bilden eine ule in ihren Freizeitaktivitäten. Schell/
Schorb zeigen die verschieden Funktionen der Medien r deutsche Heranwa-
chsende auf. Zum einen dienen Medien der Unterhaltung und Entspannung.
Weitere wichtige Aspekte sind die Integrations- und Meinungsbildungsfunktion
sowie die simple Zeitfüller-Funktion. Die Qualifikations-Funktion und die Funk-
tion, soziales Prestige herzustellen und zu festigen, sind ebenfalls zu berücksich-
tigen. Außerdem haben Medien die Funktion, interpersonale Kommunikation zu
ersetzen (vgl. Schell & Schorb, 1997).
73
Burrmann konnte bei ostdeutschen Jugendlichen nicht bestätigen, dass sich in-
tensives Sporttreiben und ufige Mediennutzung gänzlich ausschließen, wobei
sich die Mediennutzung auf den Computer beschränkt (vgl. Burrmann, 2005). In
China fehlen gänzlich empirische Studien, die die Mediennutzung und die Sport-
beteiligung von Jugendlichen untersuchen und einen Zusammenhang erkennen
lassen. Die Korrelationen zwischen der Mediennutzung und dem Sporttreiben
der chinesischen Jugendlichen wird in einem anderen Kapitel becksichtigt. Hier
wird im Folgenden geprüft ob die chinesischen Jugendlichen in der globalisier-
ten Mediengesellschaft genauso beeinflusst werden wie gleichaltrige Deutsche.
In der Arbeit ist ebenso nicht berücksichtigt, ob ein Zusammenhang zwischen
Mediennutzung und Familienherkunft besteht, da sowohl in Deutschland als
auch in China Mediengeräte besonders in den Städten Einzug in die Haushalte
gefunden haben (vgl. JIM-Studie, 2006; Zhang, 2006).
Im Folgenden sollen nachstehende Fragen geklärt werden: Gibt es Unterschie-
de bezüglich der Mediennutzung zwischen den Altersstufen und den Geschlech-
tern unter den chinesischen Jugendlichen? Haben chinesische Jugendliche im
Umgang mit den verschiedenen Medienformen die gleichen Erfahrungen wie ihre
deutschen Altersgenossen? Wie unterschiedlich gestaltet sich die zeitliche Nu-
tzung der verschiedenen Medienformen zwischen chinesischen und deutschen
Jugendlichen? Neben den klassischen Medien, wie z. B. Fernsehen, Radio, Bü-
cher, Zeitungen und Zeitschriften, sowie dem neuen Medium Computer und dem
damit verbundenen Internetsurfen, werden hier auch einige neuere Medien, wie
beispielsweise Computerspiele und Spielkonsolen, DVD- und Videonutzung
berücksichtigt.
74
Fernsehen
Ende 2001 besaßen 99,3% der chinesischen Familien einen Fernseher. Durch-
schnittlich verfügen auf 100 Stadtfamilien 140 Fernseher. Somit ist der Fern-
seher das wichtigste Medium in der chinesischen Gesellschaft. Vom Kindergar-
ten bis zum Abschluss der Junior-Highschool verbringen die chinesischen Ju-
gendlichen durchschnittlich 1,43 Stunden am Tag vor dem Fernseher. Dieser
wird daher als das beliebteste Medium unter chinesischen Jugendlichen ange-
sehen (vgl. Xu, 2005). Auch die vorliegende Arbeit bestätigt die große Sympa-
thie der Pekinger Schüler zum TV-Gerät, wie in Abbildung drei deutlich wird.
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.3: Fernsehnutzung von chinesischen Jugendlichen nach Häufigkeit
(Angaben in %, N= 1157)
Ein Merkmal der Fernsehnutzung von chinesischen Jugendlichen ist, dass es
keine deutlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern und/oder dem Alter
gibt. Diese Zusammenhänge sind in Abbildung drei grafisch dargestellt und ver-
deutlichen noch einmal die geringen Differenzen der untersuchten Items.
Ähnlich Ergebnisse ergaben sich bei den deutschen Altersgenossen aus der
JIM-Studie (vgl. JIM-Studie, 2006). Allerdings ist der zeitliche Umfang des Fern-
75
sehkonsums relativ her, als der bei den chinesischen Jugendlichen. Etwa 90%
der befragten deutschen Jugendlichen geben an, dass sie glich oder mehrmals
in der Woche vor dem Fernseher sitzen, bei den chinesischen Heranwachsen-
den sind es nur 60%. Als Grund hierfür kann der geringere Anteil von Freizeit chi-
nesischer Jugendlicher im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen ange-
hrt werden. Fernsehen ist das meistgenutzte Medium r die Jugendlichen in
beiden Kulturen, wenngleich mit unterschiedlichen Anteilen.
Internet- und Computernutzung
Seit Mitte der 90er Jahre boomen der Computer und das Internet in China. In den
Sdten besitzen immer mehr Menschen einen eigenen Computer und haben da-
mit Zugang zum Internet. Dies verändert nicht nur das Alltagsleben und die Frei-
zeitnutzung der Chinesen, sondern auch die traditionelle Kultur. Bis Ende 2006
gab es 137 Millionen chinesische Internetnutzer, davon waren 16,6% Jugendli-
che unter 18 Jahren (vgl. Bericht der Entwicklung des chinesischen Internets,
2007).
Das Internet ändert nicht nur die Freizeitaktivitäten chinesischer Jugendlicher,
sondern auch ihre Lebensstile. Neben den positiven Auswirkungen bei chinesi-
schen Jugendlichen machten viele Untersuchungen auch die negativen Effekte
der Internetnutzung bei chinesischen Jugendlichen deutlich. So stellten sich bei
vielen Untersuchungen auch Nebenwirkungen bei der jugendlichen Internetnu-
tzung heraus, wie z. B. Online-Spielsucht und Kommunikationsstörungen sowie
ein neues chinesisches gesellschaftliches Phänomen- das des „Stubenho-
ckers“ (vgl. Xu, 2005).
Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass 94,6% der Pekinger Jugendlichen Er-
fahrung mit dem Internet haben. Es bestehen keine Unterschiede zwischen den
Geschlechtern bezüglich der Internetnutzung, jedoch geht die ufigkeit der
76
Internetnutzung mit zunehmendem Alter schleichend zurück. Es kann davon
ausgegangen werden, dass die älteren Schüler aufgrund der bevorstehenden
Aufnahmeprüfungen weniger Zeit in das Internetsurfen investieren können.
Insgesamt haben die befragten deutschen Jugendlichen bei der JIM-Studie von
2006 bezüglich ihrer Erfahrungen mit dem Internet ähnlich abgeschnitten (90%).
Genau wie bei ihren chinesischen Altersgenossen gab es zwischen dchen
und Jungen keine nennenswerte Unterschiede. Auffallend ist, dass die ngsten
Chinesen (100%) in der vorliegenden Studie alle Erfahrungen mit dem Internet
angegeben haben. Im deutschen Vergleich liegt der Anteil der 12- bis 13- h-
rigen, die bereits Erfahrungen mit dem Internet haben, bei 77%. Über 90% der
deutschen Jugendlichen ab 14 Jahren nnen Interneterfahrungen vorweisen,
ebenso wie die Chinesen dieser Altersgruppe (vgl. JIM-Studie, 2006).
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.4: Internetsurfen von chinesischen Jugendlichen nach Häufigkeit
(Angaben in %, N= 1157)
98,3% der chinesischen Jugendlichen haben Erfahrung im Bereich der Compu-
ternutzung. Bezüglich der Altersklassen und dem Geschlechter- Vergleich lassen
sich keine Unterschiede feststellen. Die Häufigkeit der Computernutzung, glich
oder mehrmals in der Woche, ist jedoch deutlich weniger als bei den deutschen
77
Altersgenossen. 35,3% der befragten Pekinger Jugendlichen gaben an, dass sie
glich oder mehrmals in der Woche den Computer nutzen. Bei den deutschen
Jugendlichen sind es hingegen 77% (vgl. JIM-Studie, 2006). Jedoch haben 98%
der deutschen Jugendlichen bereits Erfahrungen im Umgang mit dem Computer
sammeln nnen. Die ufigkeit der Computernutzung, glich oder mehrmals in
der Woche, ist bei den Jungen 12% her als bei den dchen. Bei den n-
geren Heranwachsenden (12-13 Jahre) ist dies deutlich stärker ausgeprägt als
bei den älteren. Jedoch nutzen die älteren deutschen Jugendlichen insgesamt
den Computer deutlich mehr als die ngeren (12-13 Jahre) (vgl. JIM-Studie,
2006).
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.5: Computernutzung chinesischer Jugendlichen nach Häufigkeit (Angaben in %, N= 1157)
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es in China altersmäßige Un-
terschiede bei der ufigkeit der Internet- und Computernutzung gibt. Und zwar
sind beide Male die jüngsten, also die Schüler der 7. Klassen, anteilsmäßig häu-
figer vertreten. In Deutschland sitzen die älteren Jugendlichen ufiger vor dem
Computer als die ngeren. Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Vertei-
lung der Geschlechter. In China lassen sich keine nennenswerten Unterschiede
78
zwischen dchen und Jungen feststellen. Deutsche Jungen hingegen haben
einen ausgeprägteren Hang zum Computer als die Mädchen.
cher- und Zeitungslesen
In der aktuellen Studie werden cher- und Zeitungslesen als das Lesen in der
Freizeit definiert. Generell nnen verschiedene Gründe r das Lesen genannt
werden: seine Freizeit verbringen, sich informieren, Spaß haben bzw. Unterhal-
tung, sich künstlerisch bzw. kreativ anregen lassen etc.
Mit der Popularisierung des Fernsehens und besonders des Internets hat sich die
Kultur des cherlesens in China deutlich verändert. Andererseits haben sich die
Kategorien der gelesenen Literatur bei chinesischen Jugendlichen vermehrt:
„Neben der klassischen und traditionellen Literatur liest die heutige Generation
chinesischer Jugendlicher auch Comics, Online-Literaturen, etc.“ (Xia, 2006, S.
25). Xia hat auch herausgefunden, dass die Schüler in Peking das cherlesen
als eine der wichtigsten Freizeitaktivitäten ansehen. Als Merkmale des cherle-
sens Pekinger Schüler nennt Xia: „Es gibt keine klaren Unterschiede bei der Ka-
tegorieauswahl zwischen den ngeren und älteren Schülern, jedoch gibt es klare
Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei den Jungen gehören Detektivro-
mane, sportbezogene und wissenschaftliche cher, sowie berühmte Literatur
zur Lieblingslektüre. Dagegen sind bei den dchen Comics, Liebesromane und
berühmte Literaturen besonders beliebt“ (Xia, 2006, S. 26). 97,5% der befragten
Pekinger Jugendlichen haben im letzten Jahr zumindest einmal in einem Buch
gelesen. Über 60% lesen glich oder mehrmals in der Woche cher oder in
einem Buch. Diese Befunde bestätigen die Ergebnisse von Xia: cherlesen ist
eine der wichtigsten und am ufigsten betriebenen Freizeitaktivitäten der Pe-
kinger Jugendlichen.
Die ufigkeit des cherlesens bei chinesischen Jugendlichen reduziert sich
mit zunehmendem Alter. Dies ist in Deutschland ähnlich, denn „mit zunehmen-
79
dem Alter geht die regelmäßige Buchlektüre zurück“ (JIM-Studie 2006, S. 21).
r die älteren chinesischen Jugendlichen kann angenommen werden, dass sich
mit den bevorstehenden, lernintensiven Prüfungen das Freizeitbudget reduziert
und somit weniger Zeit für die Lektüre bleibt.
Die chinesischen Jungen lesen ufiger cher als Mädchen, wohingegen in
Deutschland die Situation umgekehrt ist. Dort „greifen fast die lfte der deu-
tschen dchen glich oder mehrmals in der Woche zu einem Buch, die Jun-
gen machen dabei nur ein Drittel aus“ (JIM-Studie, 2006, S. 21).
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
Mädchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.6: Bücherlesen der chinesischen Jugendlichen nach Häufigkeit
(Angaben in %, N= 1157)
Ebenso hat Xia das Leseverhalten in Bezug auf Zeitungen und Magazine von Pe-
kinger Schülern untersucht. Die Ergebnisse weisen weder Unterschiede bezüg-
lich des Alters, noch des Geschlecht auf (vgl. Xia, 2006). Zu ähnlichen Ergebni-
ssen kommt diese Studie. Die Schüler der 9. Klassen haben dabei mit etwas über
50% die Nase vorn, zu den anderen Altersstufen zeigen sich jedoch keine gravie-
renden Unterschiede. Etwa die lfte der Befragten (49,7%) lesen glich oder
mehrmals in der Woche Zeitungen oder Magazine. Die JIM-Studie von 2006 zeigt
ähnliche Ergebnisse (vgl. JIM-Studie, 2006).
80
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.7: Zeitungs- und Magazinlesen der chinesischen Jugendlichen nach Häufigkeit
(Angaben in %, N= 1157)
Die bisher vorgestellten Formen der Mediennutzung nnen als die wichtigsten,
bzw. prägendsten Medien im Alltag chinesischer Jugendlicher gesehen werden.
Die folgenden Medienarten nnen in diesem Zusammenhang als zweitrangig
gesehen werden und bilden sozusagen einen zweiten großen Block bei der
Mediennutzung.
Computerspiele und Spielkonsolen
Obwohl mehr als 80% der chinesischen Jugendlichen Erfahrung mit Computer-
spielen bzw. Spielkonsolen haben, geben weniger als 20% an, dass sie glich
oder mehrmals in der Woche spielen. Diese Nutzung unterscheidet sich deutlich
nach Geschlechtern und Altersstufen. Jungen spielen deutlich mehr als d-
chen, ngere Heranwachsende spielen mehr als ältere (vgl. Abbildung 8). Über
20% der weiblichen Chinesinnen gaben beispielsweise an, noch nie gespielt zu
haben. Bei den Jungen liegt dieser Anteil bei nur ca. 10%.
81
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.8: Computerspielen oder Benutzen der Spielkonsole der chinesischen Jugendlichen
nach Häufigkeit (Angaben in %, N= 1157)
Aus der JIM-Studie 2006 geht hervor, dass die deutschen Jungen deutlich mehr
Zeit in Computerspiele und Spielkonsolen investieren als die Mädchen. 57% der
deutschen Jungen geben an, dass sie Computerspiele glich oder mehrmals in
der Woche nutzen, bei den dchen sind es nur 17%. An einer Spielkonsole
„zocken“ 32% der Jungen und nur 6% der Mädchen täglich oder mehrmals in der
Woche (vgl. JIM-Studie, 2006).
Im nderübergreifenden Vergleich kann herausgestellt werden, dass sich in
beiden ndern das Computerspielen oder das Spielen an einer Konsole, deut-
lich nach dem Geschlecht orientiert, genauer gesagt eine bevorzugte Domäne
der nnlichen Jugendlichen ist. Es zeigt sich ebenfalls, dass deutsche Jungen
wesentlich mehr Zeit in Computerspiele etc. investieren als die chinesischen.
Hier kann ebenso vermutet werden, dass aufgrund der mangelnden Freizeit bei
chinesischen Jugendlichen, bzw. bei chinesischen Jungen, weniger Zeit in die
Computerspiele investiert wird. dchen hingegen bevorzugen anscheinend
generell andere Freizeitaktivitäten.
82
Radiohören
Eine weitere untersuchte Form der Mediennutzung ist das Radiohören. In der
heutigen chinesischen Gesellschaft hat das Radio schon seit ngerer Zeit an Be-
deutung verloren. Bei Jugendlichen gilt es schon als ein altmodisches Medium
(vgl. Xu, 2006). Die vorliegende Arbeit bestätigt auch, dass die Pekinger Jugend-
lichen deutlich weniger Interesse am Radio haben als an anderen Medien. Weni-
ger als 20% der Heranwachsenden ren glich oder mehrmals in der Woche
Radio. Jungen hören etwas ufiger Radio als dchen. Dabei haben die Schü-
ler der 7. Klassen weniger Interesse am Radio als die älteren Schüler.
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.9: Radiohören der chinesischen Jugendlichen nach Häufigkeit
(Angaben in %, N= 1157)
Im Gegensatz dazu geht aus der JIM-Studie 2006 hervor, dass das Radio für die
deutschen Jugendlichen nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. 72% der 12- bis
19-jährigen wenden sich glich oder mehrmals in der Woche dem rfunk zu.
Bei dchen (77%) ist das Radio stärker in den Alltag integriert als bei Jungen
(66%). Und auch mit dem Alter der Jugendlichen steigt die Nutzung des Radios
deutlich an (vgl. JIM-Studie, 2006).
83
DVD- und Videonutzung
Trotz weiter Verbreitung von DVD und Video in chinesischen Haushalten inve-
stieren die Jugendlichen wenig Zeit in deren Nutzung. Nur 15,7% der Befragten
gaben an, dass sie täglich oder mehrmals in der Woche DVD oder Video schau-
en. Bei den Jungen ist der Anteil deutlich her als bei den dchen. Es gibt
keine signifikanten Unterschiede zwischen den Altersstufen (vgl. Abbildung 10).
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12.Klasse
9.Klasse
7.Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
täglich oder mehrmals in der Woche
ein mal in der Woche oder zwei Wochen
einmal im Monat
nie
Abb.10: DVD- und Videonutzung chinesischer Jugendlicher nach Häufigkeit
(Angaben in %, N= 1157)
Bei deutschen Jugendlichen sind DVD- und Videonutzung deutlich ufiger ver-
treten als bei den chinesischen Gleichaltrigen. 23% der deutschen Jugendlichen
gaben an, dass sie glich oder mehrmals in der Woche Filme auf DVD an-
schauen. 17% werden davon auf Video angesehen (vgl. JIM-Studie, 2006). Es
gibt keine starken Differenzen zwischen Jungen (25%) und dchen (21%) beim
DVD-Konsum, jedoch schauen die Jungen (21%) mehr Video als die dchen
(13%) (vgl. JIM-Studie, 2006).
84
Fazit
Mediennutzung gehört zum Lebensstil und ist ein Vermittler von Lebensstilent-
würfen der Jugendlichen beider Länder. Die jeweiligen Jugendkulturen sind dur-
ch die Medien stark geprägt und sie unterliegen ihrem glichen Einfluss. Bei der
Mediennutzung der Jugendlichen aus Deutschland und China greift die funk-
tionelle und konzeptionelle Äquivalenz.
Es gibt einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Mediennutzung in bei-
den ndern. Wie Abbildung elf zeigt, investieren die deutschen Jugendlichen
deutlich mehr Zeit in Fernsehen, Computer und Internet als die chinesischen.
Auffallend ist, dass junge Chinesen mehr cher als ihre deutschen Altergeno-
ssen lesen. Da die chinesischen Jugendlichen deutlich mehr Zeit für Lernen und
Vorbereitungen r Prüfungen aufwenden ssen, llt ihre Freizeit entspre-
chend geringer als bei deutschen Heranwachsenden aus, was sich beispielswei-
se auch im Vergleich der ufigkeit vom Computerspielen, Spielen an Spielkon-
solen, Verwendung von DVD und Video deutlich zeigt (vgl. Abbildung 8 und 10).
Bei der Mediennutzung unterscheiden sich die Präferenzen von Jungen und
dchen in beiden ndern zum Teil deutlich. So sind Computerspiele eher eine
Jungendomäne. Im Altersverlauf zeigen sich, je nach Medientätigkeit, unter-
schiedliche Entwicklungen (vgl. JIM-Studie, 2006).
Die verschiedenen kulturellen Hintergründe spielen ebenso eine wichtige Rolle
r die Auswahl der Medien, wie man z. B. an den Unterschieden in der Nutzung
von rfunk und chern erkennt. In Deutschland kommt hinzu, dass sich die
Mediennutzung durch das Bildungsniveau unterscheidet (vgl. JIM-Studie, 2006).
Es ist auch eine Veränderung der Lebensstile bei chinesischen Jugendlichen
durch die Globalisierung erkennbar. Medien kommen in ihrer Freizeit immer u-
figer zum Einsatz. Dies bestätigt die Sinnhaftigkeit dieser vergleichenden Studie
zwischen China und Deutschland.
85
60%
61%
40%
69%
83%
90%
35%
37%
0% 20% 40% 60% 80% 100%
Bücher
Internet
Computer
Fernseher
chinesische Jugendliche deutsche Jugendliche
Abb.11: Vergleich der Medienbeschäftigung in der Freizeit beider nder glich/mehrmals
pro Woche (Angaben in %; Die Daten der deutschen Jugendlichen aus JIM-Studie,
2006)
Im Folgenden soll ein weiterer Einblick in den Bereich der Freizeitgestaltung von
deutschen und chinesischen Jugendlichen gegeben werden. Genauer betrifft
dies den Bereich des Sporttreibens. Es wird dargestellt, inwieweit der Sport den
Lebensstil der Jugendlichen prägt.
6.2 Jugendliche, Sport und Mediennutzung
Die Befunde aus Kapitel 6.1 haben gezeigt, dass enorme Unterschiede aufgrund
der soziokulturellen Differenzen in der Freizeit der Jugendlichen aus Deutsch-
land und China bestehen. Dies spiegelt sich in der sehr unterschiedlichen u-
figkeit der Mediennutzung wider. Die Befunde haben auch verdeutlicht, dass der
Lebensstil der Jugendlichen stark durch die zunehmende Globalisierung beein-
flusst wird. In diesem Kapitel wird verdeutlicht, inwiefern sich der Lebensstil der
Jugendlichen aus beiden ndern hinsichtlich der Globalisierung ähnelt bzw.
unterscheidet. Zunächst soll dazu die Wichtigkeit des Sporttreibens thematisiert
werden.
86
6.2.1 Die Bedeutung vom Sport im Vergleich zwischen Deutschland und China
Aufgrund der hohen Belastung durch Lernaufgaben haben die chinesischen
Heranwachsenden weniger Freizeit als die deutschen Jugendlichen, jedoch nu-
tzen und organisieren sie die begrenzte Freizeit r die Freizeitaktivitäten we-
sentlich effektiver. Schon zu Anfang der 80er Jahre hat Scheuch bestätigt, dass
die Freizeit der Mittelpunkt der deutschen Jugendkultur ist (vgl. Scheuch, 1983).
Zu diesem Ergebnis von Scheuch lassen sich Parallelen mit der vorliegenden
Studie ziehen: Freizeit ist der Mittelpunkt r die chinesische Jugendkultur. Die
Freizeitaktivitäten sind ein fundamentaler Bestandteil des jugendlichen Lebens-
stils im Alltag von Deutschen und Chinesen und ngen mit ihrer Persönlichkeits-
entwicklung eng zusammen. Hauptsächlich dienen sie der Entspannung und der
Pflege der Hobbys.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 1999 über chinesische Jugendliche in zehn
Provinzen stellte heraus, dass Lesen, sich mit Freunden treffen, Fernsehen,
Sporttreiben, Musikhören, sich in sozialen Gruppen engagieren und Spielkon-
solen benutzen die am ufigsten ausgeübten Freizeitaktivitäten sind (vgl. Yue &
Li , 2000). Liu hat eine Untersuchung über die Freizeit der Jugend und deren Akti-
vitäten in der Stadt Xi‟an durchgeführt. Das Ergebnis zeigt die folgende Tenden-
zen: Internetsurfen, Sporttreiben, Fernsehen, Musikhören, Lesen, sich mit Freun-
den treffen, Bummeln, ins Kino gehen, kreative Hobbys etc. belegen die ersten
nge (vgl. Liu, 2006).
Die Ergebnisse von Untersuchungen im chinesischen Raum bestätigen, dass
Sport ein wichtiger Bestandteil ihres Lebensstils ist. Dies gilt auch r die deu-
tschen Jugendlichen (vgl. Große-Klönne, 2000), da „die sportliche Aktivität in
ihren unterschiedlichen Facetten einen breiten Raum in der Freizeitgestaltung
der Jugendlichen einnimmt“ (Tietjens, 2001, S. 116). Die Untersuchungen haben
87
aufgezeigt, dass die 15 Freizeitaktivitäten von Brettschneider/Bräutigam (1990)
r die chinesischen Jugendlichen im 21sten Jahrhundert bedeutsam sind (vgl.
Liu, 2006; Yue & Li, 2000). Yu, Li und Liu haben diese 15 Freizeitaktivitäten über-
nommen und mit Shanghaier und deutschen Jugendlichen in Beziehung gesetzt
(vgl. Yu, Li & Liu, 2004). Diese Untersuchung zeigt unterschiedliche Präferenzen
innerhalb der Gruppe der Freizeitaktivitäten bei beiden Ländern, was mit kulture-
llen Hintergründen erklärt werden kann. In der vorliegenden Arbeit werden diese
15 Freizeitaktivitäten in beiden nder verglichen. Es wird angenommen, dass
Aufgrund der kulturellen Unterschiede die Bewertung der Wichtigkeit der ver-
schiedenen Freizeitaktivitäten bei den deutschen und chinesischen Jugendlichen
unterschiedlich ausfällt. Die deutschen Jugendlichen messen der Sportbeteili-
gung zudem eine größere Bedeutung zu als die chinesischen Heranwachsenden.
Eine weitere Annahme ist die, dass sich die subjektive Wichtigkeit der Sportbetei-
ligung hinsichtlich des Geschlechts und dem Alter sowohl in China als auch in
Deutschland unterscheiden wird.
Eine Befragung über die zehn wichtigsten Freizeitaktivitäten der chinesischen
und deutschen Jugendlichen macht die unterschiedliche Bewertung bezüglich
der Wichtigkeit der Freizeitaktivitäten aus beiden Kulturkreisen deutlich (vgl. Ta-
belle 5). Es scheint keine allzu großen Unterschiede in den Verhaltensmustern
der Jugendlichen beider nder zu geben, da sich acht Nennungen der wichtig-
sten Freizeitaktivitäten gleichen. Jedoch sind trotz der acht gleichen Nennungen,
Unterschiede zwischen den Mittelwerten beglich der Wichtigkeit festzustellen.
Das heißt, dass dieselbe Tätigkeit unterschiedliche Wertigkeit r die Heranwa-
chsenden beider nder haben kann. Wegen der kulturellen Unterschiede pla-
tzieren die chinesischen Heranwachsenden das Lesen auf dem zweiten Rang
in der Liste. Bei den deutschen Jugendlichen steht das Lesen nur an siebter
Stelle. „Freunde treffen“ ist eine der wichtigsten Freizeitaktivitäten in beiden Län-
dern. Während es in Deutschland an erster Stelle steht, liegt diese Freizeitaktivi-
88
t bei chinesischen Jugendlichen auf dem dritten Platz. Ebenfalls ist das Musik-
ren bei den deutschen Jugendlichen die zweite wichtigste Aktivität in der Frei-
zeit. bei den Chinesen ist es nur auf dem fünften Platz angesiedelt.
hrend die chinesischen Jugendlichen kreative Hobbys, auf Feten/Parties
gehen, Kino und Fernsehen eine eher geringere Wichtigkeit zugeordnet ha-
ben, haben ihre deutschen Altersgenossen dies anders beurteilt. Im Folgenden
ist aus der Liste der zehn wichtigsten Freizeitaktivitäten dargestellt. Hinsichtlich
der kulturellen Differenzen zwischen Deutschland und China gibt es zwei Aus-
nahmen in der oben genannten Liste. Dies betrifft die chinesischen Heran-
wachsenden in den Punkten „freiwillige Arbeit für die Schule“ und „sich in sozi-
alen Gruppen engagieren“. Solche kollektiven Freizeitaktivitäten sind ebenfalls
sehr wichtig. Da die chinesischen Schüler weniger Freizeit haben als die Deut-
schen, haben sie auch keine Zeit r das „für sich sein“ und „Bummeln“ im Ge-
gensatz zu den deutschen Schülern.
Interessant ist, dass die Wichtigkeit des Sporttreibens r die chinesischen Ju-
gendlichen auf dem 1. Rang in der Tabelle steht, jedoch r die deutschen Ju-
gendlichen nur an vierter Stelle (vgl. Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997).
Das bedeutet, dass Sporttreiben eine wichtige Rolle in der Freizeit spielt und
auch ein wichtiger Bestandteil ihres Lebensstils ist, sowohl r deutsche Jugend-
liche als auch r chinesische Jugendliche. Insofern hat Sporttreiben in der Frei-
zeit eine funktionale äquivalente Bedeutung in beiden Ländern.
89
Tab.5: Die Mittelwerte der zehn wichtigsten Freizeitaktivitäten im Vergleich
(1=sehr unwichtig, 5=sehr wichtig; Die Daten der deutschen Jugendlichen aus
Brettschneider/Brandl-Bredenbeck,1997)
China (N=1157)
Deutschland (N=2116)
Mittelwerte
Mittelwerte
1. Sport treiben
4,25
1. Freunde treffen
4,55
2. Lesen
4,23
2. Musik hören
4,28
3. Freunde treffen
4,11
3. Für sich sein
3,91
4. freiwillige Arbeit
r die Schule
3,81
4. Sporttreiben
3,87
5. Musik hören
3,67
5. Kino, Theater, Konzert
3,81
6. sich in sozialen
Gruppenengagieren
3,64
6. Auf Feten/ Parties
gehen
3,74
7. Kreative Hobbys
3,58
7. Lesen
3,65
8. Auf Feten/ Parties
gehen
3,53
8. Bummeln gehen
3,55
9. Kino, Theater, Konzert
3,42
9. Fernsehen, Video, DVD
3,44
10. Fernsehen, Video,
DVD
3,27
10. Kreative Hobbys
2,79
Die Mittelwerte des Sporttreibens der chinesischen Jugendlichen (4,25) sind
deutlich her als die der deutschen Jugendlichen (3,87). Hier gibt es eine signifi-
kante Differenz zwischen beiden ndern (p<.001). Es scheint, dass die subjek-
tive Wichtigkeit der Sportbeteiligung bei den chinesischen Heranwachsenden
größer ist, als bei ihren deutschen Altersgenossen. Dies würde die Annahme
über die subjektive Wichtigkeit von den Jugendlichen aus beiden ndern nicht
bestätigen, dass junge Deutsche Sport als wichtiger empfinden, als die Chine-
sen.
Der Mittelwertvergleich bestätigt, dass 14 von den 15 Freizeitaktivitäten signifi-
kante Unterschiede in der Wichtigkeit bei den Jugendlichen in beiden ndern
haben. Das heißt, dass die deutschen und chinesischen Jugendlichen die sub-
jektive Wichtigkeit verschiedener Freizeitaktivitäten unterschiedlich beurteilt ha-
ben. Die Ausnahme bildet der Gebrauch von Computer- und Videospielen, da
sich kein großer Unterschied in der Wichtigkeit dieser Aktivität zwischen den
Chinesen und Deutschen feststellen lässt.
90
Tab.6: Der Mittelwertevergleich der Wichtigkeit der Freizeitaktivitäten zwischen China und
Deutschland (1=sehr unwichtig, 5=sehr wichtig; Die Daten der deutschen Jugend-
lichen aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997)
Freizeitaktivitäten
Signifikanzniveau (p<.001)
Musik hören
**
Fernsehen, Video
**
Sich mit Freunden/innen treffen
**
Etwas Verrücktes machen
**
Computer- und Videospiele
.124
Lesen( Bücher, Zeitung)
**
Sporttreiben
**
Ein Instrument spielen
**
Zusätzliche, freiwillige Arbeite für die Schule
**
Auf Feten/Parties gehen
**
Kreative Hobbys
**
r sich sein
**
Bummeln gehen
**
Kino, Konzert, Theater
**
Sich in sozialen Gruppen engagieren
**
Mit Hilfe der Curry-Skala werden in Abbildung 12 die Mittelwerte der Wichtigkeit
vom Sport chinesischer und deutscher Jugendlicher dargestellt. Die Curry-Skala
wurde von Curry/Weaner im Jahr 1987 r die subjektive Wichtigkeit in Bezug auf
Sport entwickelt. Sie reicht von 0 bis 100. Die 0 bedeutet, dass Sport überhaupt
nicht wichtig ist; die 100 bedeutet, dass Sport am wichtigsten ist (vgl. Curry &
Weaner, 1987). Die Curry-Skala in Form eines Mittelwertvergleichs bestätigt
auch, dass die subjektive Wichtigkeit des Sporttreibens von chinesischen Ju-
gendlichen (Mittelwert: 81) größer ist als die der deutschen Jugendlichen (Mit-
telwert: 69).
91
Die Wichtigkeit des Sports bei deutschen und
chinesischen jugendlichen
69
81
0
20
40
60
80
100
Deutschen Jugendlichen Chinesischen Jugendlichen
Mittelwert
Abb.12: Der Vergleich der Wichtigkeit vom Sport der Jugendlichen beider nder. Auf Cur-
ry-Skala von 0-100. (Die Daten der deutschen Jugendlichen aus Brettschnei-
der/Brandl-Bredenbeck, 1997).
In der vorliegenden Untersuchung werden wegen der subjektiven Wichtigkeit bei
den Jugendlichen aus beiden Ländern drei Gruppen unterteilt. „Sport ist nicht wi-
chtig“, „Sport ist mittelmäßig wichtig“ und „Sport ist sehr wichtig“. Mithilfe der Dis-
kriminanzanalyse mit diesen drei Labeln werden die Schüler nach der genannten,
subjektiven Wichtigkeit einer der drei Gruppen zugeordnet. Es unterscheidet sich
der „cut point“ bei den Heranwachsenden in beiden Ländern deutlich. Die chine-
sischen Heranwachsenden haben sich her eingeschätzt als die Deutschen.
Während sie den Wert bei „Sport ist nicht wichtig“ von 0-75 beurteilen, ist es bei
den Deutschen nur 0-60. Ebenfalls ist der „cut point“ von „Sport ist mittelmäßig
wichtig“ und „Sport ist sehr wichtig“ bei den deutschen Heranwachsenden jeweils
61-82 und 83-100. Die chinesischen Jugendlichen haben die Wichtigkeit her
bewertet; die Werte liegen bei 76-89 und 90-100. Das heißt, die subjektive Wich-
tigkeit des Sporttreibens ist bei den chinesischen Schülern größer als bei den
Deutschen.
92
Tab.7: Gruppeneinteilung nach der subjektiven Wichtigkeit vom Sport bei deutschen und
chinesischen Jugendlichen (Die Daten der deutschen Jugendlichen aus Brett-
schneider/Brandl-Bredenbeck,1997).
Deutschland
China
Sport ist nicht wichtig
0-60
0-75
Sport ist mittelmäßig wichtig
61-82
76-89
Sport ist sehr wichtig
83-100
90-100
Die statistisch signifikanten Unterschiede bestätigen die Annahme, dass sich die
Wichtigkeit des Sporttreibens zwischen den Geschlechtern und Altersstufen der
Jugendlichen beider nder unterscheidet. Wie Tabelle acht zeigt, ist Sporttrei-
ben r die Jungen wichtiger als r die dchen, dies gilt r beide nder. Je-
doch mit zunehmenden Alter reduziert sich die Wichtigkeit des Sporttreibens r
die Jugendlichen sowohl in China als auch in Deutschland (siehe. auch. Brett-
schneider & Brandl-Bredenbeck, 1997, S.110). Deutliche Unterschiede existieren
zwischen den Geschlechtern und in den verschiedenen Altersstufen in beiden
ndern. Deutliche signifikante Unterschiede gibt es bei den Geschlechtern und
den Schülern der 7. und 9. Klassen (p<.001). Weniger Unterschiede gibt es bei
den Jugendlichen der 12. Klasse beider Länder (p<.01).
93
Tab.8: Die Mittelwerte der Wichtigkeit vom Sporttreiben von Geschlecht und Altersstufe im
Vergleich (1= sehr unwichtig, 5= sehr wichtig; Signifikanzniveau * p<.01, ** p<.001;
Die Daten der deutschen Jugendlichen aus Brettschneider/Brandl-Breden-
beck,1997)
China
Deutschland
Signifikanzniveau
Total N=1157
4,25
Total N=2118
3,87
**
nnlich N=472
4,45
nnlich N=1095
3,93
**
weiblich N=685
4,11
weiblich N=1016
3,79
**
7. Klasse N=448
4,56
7. Klasse N=770
4,03
**
9. Klasse N=299
4,19
9. Klasse N=796
3,82
**
12. Klasse N=410
3,95
12. Klasse N=550
3,69
*
Fazit
Die Freizeitaktivitäten der Jugendlichen beider nder unterscheiden sich deut-
lich, was am kulturellen Hintergrund liegen kann. Jede Freizeitaktivität hat einen
unterschiedlichen Stellenwert r die Jugendlichen in beiden ndern. Sporttrei-
ben ist eine der wichtigsten Freizeitaktivitäten in ihrer alltäglichen Jugendkultur.
Sowohl bei den deutschen Jugendlichen als auch bei den chinesischen Jugend-
lichen werden/sind die jeweiligen Lebensstile vom Sport geprägt. Insofern hat die
Sportbeteiligung auch die funktionale äquivalente Bedeutung r die Jugendli-
chen aus den beiden Kulturkreisen. Der subjektive Wert des Sporttreibens r
chinesische Jugendliche ist größer als der ihrer deutschen Altersgenossen. Da-
ber hinaus ist den nnlichen Jugendlichen das Sporttreiben wichtiger als den
weiblichen in beiden ndern. Trotz der unterschiedlichen Erziehungssysteme in
Deutschland und China gibt es Gemeinsamkeiten. Mit zunehmendem Alter redu-
ziert sich die Wichtigkeit vom Sporttreiben r die Jugendlichen, weil die älteren
94
Jugendlichen vermutlich weniger Freizeit zur Verfügung haben als die ngeren
(vgl. Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997).
6.2.1.1 Sporttreiben in der Freizeit chinesischer Jugendlicher
In dem oben angeführten Abschnitt wurde die subjektive Wichtigkeit des Sport-
treibens chinesischer Heranwachsender in ihrer Freizeit dargestellt. Die chinesi-
schen Jugendlichen sehen den Sport als wichtigste Freizeitaktivität an, und de-
ren Mittelwert der Wichtigkeit liegt her als bei den deutschen Jugendlichen.
Jedoch stellt sich die ufigkeit des Sporttreibens in ihrer Freizeit anders dar (vgl.
Abbildung 13): Nur 8,6% der Befragten gaben an, dass Sporttreiben die ufigste
Aktivität in ihrer Freizeit ist; deutlich weniger als Musikhören (27,0%) und Lesen
(21,9%), auch weniger als mit Freunden zusammen sein (9,9%); Fernsehen,
DVD und Videos schauen (9,6%) und Computerspielen und Benutzen von Spiel-
konsolen (9,5%).
Freizeitgestaltung chinesischer Jugendlicher
8,6%
9,5%
9,6%
9,9%
21,9%
27,0%
0% 5% 10% 15% 20% 25% 30%
Sporttreiben
Computerspielen oder Spielkonsolen
Fernsehen etc.
Mit Freunden zusammen sein
Lesen
Musikren
Abb.13: Die sechs häufigsten Freizeitaktivitäten der chinesischen Heranwachsenden
(N=1157, Angaben in %)
Auch hier treten Unterschiede in der ufigkeit des Sporttreibens bei den Ge-
schlechtern und Altersstufen auf. Nur 3,4% der dchen gaben an, dass sie in
95
ihrer Freizeit am ufigsten Sport treiben. Die Jungen sind deutlich aktiver als die
dchen bei ihnen sind es 16,1%. Die Schüler der 12. Klasse (6,1%) sind gene-
rell inaktiver beim Sporttreiben in ihrer Freizeit als die der 7. (9,2%) und der 9.
Klasse (11,0%). Da Sport auch ein Teil der Aufnahmeprüfung r die chinesi-
schen Schüler der 9. Klasse ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Schüler
aktiver Sport treiben als die Schüler in anderen Altersgruppen. Hier zeigt sich ein
recht ambivalenter Befund. Obwohl Sport eine der ufigsten ausgeübten Frei-
zeitaktivität ist, gibt es Differenzen zwischen der subjektiven Bedeutung und der
ufigkeit der Sportbeteiligung bei den Heranwachsenden in der chinesischen
Kultur. Obwohl Sport ein relevanter Bereich der Freizeitgestaltung ist, wird er sel-
tener ausgeübt als andere Aktivitäten.
Im Folgenden wird die ufigkeit der Sportbeteiligung in der Freizeit nach den
Geschlechtern und Altersstufen von den Jugendlichen aus beiden ndern ver-
glichen. r die chinesischen Jugendlichen wird das Sporttreiben in der Freizeit
nur „außerhalb der Schule“ mit einbezogen, weil es in China die Organisation
Sportverein nicht gibt. Da die deutschen Jugendlichen im Verein regelmäßig
Sport treiben nnen, werteten Brettschneider/Kleine (2002) die ufigkeit des
Sporttreibens als „außerhalb von Schule und Sportverein“ aus. Hier kann die
ufigkeit des Sporttreibens und der Zeitumfang der Jugendlichen beider nder,
aufgrund von methodischen Problemen beim Kulturvergleich nicht unmittelbar
verglichen werden. Die Ergebnisse von Brettschneider/ Kleine (2002) werden als
Grundlagen benutzt. Zahlreiche Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass
sich wegen der Überlastung durch das Lernen die ufigkeit des Sporttreibens
von chinesischen Schülern reduziert. Zudem sind die Jungen in ihrer Freizeit
sportlich aktiver als die dchen, und die ngeren Schüler sind aktiver als die äl-
teren. In der vorliegenden Arbeit soll folgende These überprüft werden: Die Häu-
figkeit der Sportbeteiligung unterscheidet sich sowohl in Deutschland als auch in
China nach den Geschlechtern und Altersstufen.
96
Wu hat über die in den Sdten lebenden chinesischen Schüler in der Provinz
Fujian geforscht. Sogar über ein Drittel (38,3%) der befragten Jugendlichen be-
treiben keinen Sport in ihrer Freizeit; fast die lfte (46,8%) gaben an, dass sie
ein oder zweimal in der Woche sportlich aktiv werden; nur 4,3% treiben den Sport
über nf Mal in der Woche (vgl. Wu, 2002). Gemäß der ufigkeit des Sport-
treibens in der Freizeit werden in der vorliegenden Arbeit die chinesischen Ju-
gendlichen in vier Gruppen eingeteilt:
- Totalsportler: treiben täglich Sport
- Sportler: beteiligen sich 3-4 mal wöchentlich am Sport
- Gelegenheitssportler: treiben nur 1-2 mal in der Woche Sport
- Nichtsportler: treiben keinen Sport in der Freizeit.
In Abbildung 14 wird verdeutlicht, dass es Unterschiede in der ufigkeit des
Sporttreibens zwischen den weiblichen und den männlichen Heranwachsenden
gibt.
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
Mädchen
Totalsportler Sportler Gelegenheitsportler Nichtsportler
Abb. 14: Die Häufigkeit des Sporttreibens chinesischer Heranwachsenden
(N=1157, Angaben in %)
Über die lfte der chinesischen Jugendlichen gaben an, dass sie zumindest
mehrmals außerhalb der Schule Sport treiben, bei den dchen sind es unge-
97
hr 40%. Zugleich sind die Verhältnisse der Totalsportler und Sportlerinnen fast
gleich (jeweils 22,7% und 22,1%), jedoch ist es bei den weiblichen Nichtsport-
lern (25,7%) deutlich mehr als bei den nnlichen (15,0%). Insgesamt gesehen
sind die chinesischen Jungen in der Freizeit somit sportlich aktiver als die d-
chen. Fasst man die Ergebnisse zusammen, sind die chinesischen Heranwa-
chsenden umso inaktiver beim Sporttreiben in der Freizeit, desto älter sie sind.
Ebenso kann festgestellt werden, dass mit zunehmendem Alter auch die subjek-
tiv empfundene Wichtigkeit des Sporttreibens abnimmt.
Brettschneider/Kleine halten fest, dass sich die ufigkeit und der Zeitumfang
der Sportbeteiligung bei den deutschen Heranwachsenden nach Geschlechter-
typ und Jahrgangstufen differenzieren sst: 75% der nnlichen Heranwa-
chsenden treiben außerhalb der Schule und im Sportverein mindest zwei bis drei
mal in der Woche oder fast glich Sport; bei den dchen sind es 55%. 40% der
ngeren Kohorte treiben in der Freizeit fast glich Sport; bei den mittleren und
älteren sind es jeweils 32% und 24%. Mit steigendem Alter sinkt die ufigkeit
des Sporttreibens (vgl. Brettschneider & Kleine, 2002).
Die o. g. Befunde haben bestätigt, dass der Sport eine wichtige Komponente der
jugendlichen Kultur ist. Das gilt sowohlr die chinesischen als auch für die deu-
tschen Heranwachsenden, genau wie bei der Mediennutzung. Es wird diskutiert,
ob die Mediennutzung mit dem Sportengagement der Jugendlichen in westlichen
ndern korreliert. Ein Argument ist, dass der erhöhte Medienkonsum auf Kosten
der Sportbeteiligung geht. Gegenseitige Meinungen glauben, dass es aufgrund
der großen Freizeit keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Bereichen
gibt (vgl. Brettschneider, et al., 2006). In der vorliegenden Arbeit wird geprüft, ob
und inwiefern die Mediennutzung der chinesischen Jugendlichen das Sporttrei-
ben in der Freizeit beeinflusst. Dieser Zusammenhang soll durch die Pearson-
Korrelation nach der Prüfung des P-P-Normalverteilungsplots geprüft werden.
98
Tab.9: Korrelation zwischen Häufigkeit der Mediennutzung und der Sportbeteiligung bei den
chinesischen Jugendlichen (Signifikanzniveau: ** p<.01)
Fernsehen Computer Internetsurfen Bücherlesen
Sporttreiben
Korrelation r -.01** .09** .17** .10**
Sig. (2-seitig) .003 .000 .000 .000
Die ermittelten Korrelationen sind eher niedrig (r<.20), jedoch zeigen sich signifi-
kanten Korrelationen zwischen der ufigkeit des Sporttreibens und der Medien-
nutzung. Das heißt, je mehr die chinesischen Jugendlichen die Medien in ihrer
Freizeit nutzen, desto sportlich inaktiver sind sie, da das Volumen ihrer Freizeit
dadurch beschränkt ist.
Fazit
Bei den chinesischen Heranwachsenden hat die die subjektive Wichtigkeit des
Sporttreibens einen sehr hohen Stellenwert, der nicht automatisch eine extrem
hohe ufigkeit der Sportbeteiligung in der Freizeit nach sich zieht. Trotzdem be-
werten sie die subjektive Wichtigkeit her als die deutschen Altersgenossen.
Aufgrund des Mangels an Freizeit investieren die chinesischen Heranwach-
senden weniger Zeit r das Sporttreiben als die deutschen Jugendlichen. In
dieser begrenzten Freizeit beschäftigen sie sich auch mit anderen Freizeitakti-
vitäten, wie beispielsweise der Mediennutzung. Es gibt allerdings auch eine
Gemeinsamkeit in der ufigkeit der Sportbeteiligung bei den Heranwachsenden
aus beiden ndern. Ebenso wie die deutschen Jugendlichen, investieren die
nnlichen und ngeren chinesischen Heranwachsenden mehr Zeit in den
Sport in ihrer Freizeit als die weiblichen und älteren. Im anschließenden Teil wird
auf die Relevanz des Sporttreibens in der Freizeit eingegangen.
99
6.2.2 Sportartenpräferenzen und Sportaktivitäten in Deutschland und China
Wenn man ein Schritt weiter geht, wird automatisch auf die Frage aufgeworfen,
welche konkreten Sportarten denn in den einzelnen ndern ausgeübt werden
und welchen Stellenwert diese im Vergleich zu anderen Sportarten haben. Nach
Bourdieu nnen spezifische Sportarten nur von bestimmten gesellschaftlichen
Klassen ausgeführt werden (vgl. Bourdieu, 1986). Basierend auf Bourdieus Le-
bensstil-Theorie ziehen Lamprecht und Stamm folgende Schlussfolgerung über
den Lebensstil und Sport. Die soziale Position und Herkunft beeinflusst definitiv
die Auswahl der Sportarten (vgl. Lamprecht & Stamm, 1999). Heinemann hat in
seiner Untersuchung über soziale Ungleichheit und Sportarten folgendes Resü-
mee gezogen:
(a) Je neuer eine Sportart, um so her ist die soziale Position, die jene besitzen,
die sie zunächst ausüben; (b) je größer die Bedeutung der individuellen Leistung,
um so höher ist der soziale Status derer, die sich dieser Sportart zuwenden; [...]
(c) je stärker eine Sportart Körperkontakt erfordert, um so niedriger ist die Schi-
chtenzugehörigkeit der Sportler. (Heinemann, 1998, S. 201)
Die aktuelle Untersuchung soll eine der zentralen Hypothesen prüfen, ob die
Sportartenauswahl, von chinesischen und deutschen Jugendlichen in ihrer Frei-
zeit, tatchlich, wie Bourdieus Theorie von 1986 besagt, vom ökonomischen
und kulturellen Kapital abhängt. In der vorliegenden Arbeit wird folgende Annah-
me aufgestellt: Es gibt auf Grund kultureller Differenzen bei den Jugendlichen in
China und Deutschland Unterschiede bezüglich der Sportartenauswahl in ihrer
Freizeit. Weitere Unterschiede zeichnen sich im Bereich der Geschlechter und
den verschiedenen Altersstufen ab.
Die vorhandenen Untersuchungen über die Sportartenauswahl in der Freizeit der
chinesischen Jugendlichen haben den Zusammenhang von Sportarten und so-
zialer Herkunft nicht bestätigt. Jedoch ist die Auswahl der Sportarten mit alterspe-
zifischen Merkmalen verbunden und es gibt Geschlechterdifferenzen. Die chine-
100
sischen Jugendlichen favorisieren die traditionellen Sportarten, wie z. B. Fußball,
Tischtennis, Volleyball, Basketball etc. Die Unterschiede in der Sportartenaus-
wahl sind sehr fein und nicht unbedingt regionsabhängig. Die Untersuchung von
Li zeigt, dass die am ufigsten ausgeübten Sportarten bei den Heranwachsen-
den von einer mittelgroßen Stadt in der Provinz He‟nan folgende sind: Bei den
Jungen liegen Basketball, Joggen, Fußball, Tischtennis, Badminton, Seilspringen,
Volleyball und Schwimmen im Trend. Die dchen zeigen ähnliche Präferenzen.
Zu den Shanghaier Jungen und dchen gibt es kaum abweichende Tendenzen.
Lediglich in der Reihenfolge ergeben sich Nuancen (vgl. Li, 2006). Tennis war
seit Mitte der 90er Jahren eine der populärsten Sportarten bei den/der urbanen
Bevölkerungen in China. Lis Untersuchung zeigt außerdem, dass diese Sportart
in wohlständigen Teilen der Stadt öfter ausgeübt wird als in durchschnittlich wohl-
habenden Gegenden. Zunächst werden hier die Top Ten der ausgeübten Frei-
zeit(sport)aktivitäten der Jugendlichen beider Länder nach Geschlechtern vergli-
chen. Die Daten der deutschen Jugendlichen wurden außerhalb von Schule und
Sportverein erstellt. Dies gilt auch r die Daten von Brettschneider/ Kleine aus
2002.
Die Befunde der Sportartenauswahl bestätigen, dass chinesische Jugendliche
die traditionellen und internationalen Sportarten bevorzugen. Basketball und
Fußball sind die Lieblingssportarten bei den chinesischen Jungen. Diese beiden
Mannschaftssportarten besitzen hohen Wettkampfcharakter und werden bei Li
(2006) als „männliche Sportarten“ bezeichnet, was ein Grund sein könnte, warum
chinesische Jungen diese bevorzugen. Auch die Individualsportarten, wie Bad-
minton und Tischtennis, der typische „Nationalsport“ in China, haben ebenfalls
einen starken Einfluss auf die Jungen. Die Sportarten belegen bei den chinesi-
schen Jungen immerhin den dritten und vierten Rang der am ufigsten ausge-
übten Sportarten (bei den Deutschen ist Badminton auf Platz zehn). Der Chinese
Junhui Ding hat beim Billard in den letzten drei Jahren mehrmals gute Leistungen
101
gezeigt und ist zu einem Idol in der chinesischen Sportwelt aufgestiegen. Viellei-
cht ist das mit einem Grund, warum die Jungen aus Peking Billard zu ihrer Top-
Ten-Liste hlen. Tennis ist ebenfalls eine der Lieblingssportarten der Pekinger
Jungen.
Die traditionellen und internationalen Sportarten dominieren ebenfalls die Sport-
aktivitäten der deutschen Jungen. Mannschaftssportarten wie Fußball und
Basketball, der stereotypische „männliche Sport“, sind auch die beliebtesten
Sportarten der deutschen Jungen in der Freizeit. Der Radsport genießt bei den
deutschen Jungen hohe Attraktivität, er liegt auf dem dritten Rang und hat eben-
falls traditionellen Charakter. Die Trendsportarten, wie z. B. Inlineskating, Skate-
boarden und Rollschuhfahren, sind sehr beliebt bei den deutschen Jugendlichen
und stellen eine sehr wichtige Freizeitbeschäftigung dar. Sie liegen auf dem nf-
ten Rang bei den deutschen nnlichen Heranwachsenden. Diese globalisierten
Sportarten haben die deutschen Jungen stark beeinflusst.
r die chinesischen dchen sind die Mannschaftssportarten scheinbar weni-
ger attraktiv. Auch wenn sich Basketball auf dem vierten Platz in der Liste ein-
reiht, stehen die Individualsportarten Badminton, Joggen und Schwimmen, in
dieser Hierarchie, auf den ersten drei ngen der am ufigsten ausgeübten
Sportarten. Volleyball liegt in der Liste nur auf dem siebten Platz. Individualsport-
arten finden mehr Anklang bei den chinesischen dchen. Ebenso dominieren
die traditionellen und internationalen Sportarten, wie Badminton, Basketball und
Tischtennis die Sportaktivität der chinesischen weiblichen Heranwachsenden.
Radsport und Reiten, zwei traditionelle deutsche Sportarten, finden bei chinesi-
schen Mädchen keinen Einzug in die Top-Ten. Deutschedchen nennen Rad-
sport beispielsweise am ufigsten, Reiten kommt bereits auf Rang vier, gleich
mit Joggen. Die Funsportarten Inlineskating etc. sind r sie noch wichtiger r sie
als r die Jungen. Sie liegen sogar auf dem dritten Rang. Ebenso sind Mann-
102
schaftssportarten nicht besonders attraktiv bei den deutschen dchen. Im
Anschluss sollen nun die Unterschiede der Sportartenauswahl in der Freizeit bei
den Jugendlichen nach Altersstufen in beiden ndern näher betrachtet werden.
Tab.10: Top Ten der Sportaktivitäten der jugendlichen Freizeit beider Länder nach den
Geschlechtern (Angaben in %; Die Daten der deutschen Jugendlichen aus Brett-
schneider/Kleine, 2002)
Chinesische
Jungen
Deutsche
Jungen
Chinesische
dchen
Deutsche
dchen
1. Basketball/
Streetball
20,0
1. Fußball
47,4
1. Badminton
20,2
1. Radsport
16,9
2. Fußball
16,0
2. Basketball/
Streetball
10,2
2. Joggen
18,3
2. Schwimmen
13,9
3. Badminton
15,4
3. Radsport
8,8
3. Schwimmen
13,9
3. Inlineskating/
Skateboarden/
Rollschuhfahren
13,5
4. Tischtennis
11,4
4. Schwimmen
8,3
4. Basketball/
Streetball
8,6
4. Joggen
Reiten
12,0
5. Joggen
10,7
5. Inlineskating/
Skateboarden/
Rollschuhfahren
7,4
5. Tischtennis
6,6
6. Schwimmen
8,2
6. Joggen
5,6
6. Walking
4,3
6. Volleyball/
Beachvolleyball
4,1
7. Tennis
5,2
7. Tischtennis
Kraftsport
2,3
7. Volleyball/
Beachvolleyball
3,7
7. Badminton
3,7
8. Billard
3,6
8. Eislaufen
3,5
8. Tischtennis
3,0
9. Radsport
1,7
9. Volleyball/
Beachvolleyball
1,4
9. Tennis
2,8
9. Basketball/
Streetball
2,6
10. Volleyball/
Beachvolleyball
1,5
10. Badminton
0,9
10. Hacky-sack
2,0
10. Tanzsport
2,2
Differenziert man die chinesischen Jugendlichen nach dem Alter und setzt es in
Relation zu der Sportartenauswahl in der Freizeit, lassen sich folgende Aufllig-
keiten erkennen: In Abbildung 15 ist zu erkennen, dass die Wahl der ausgeübten
Sportarten bei den chinesischen Schülern und Schülerinnen der 7. Klassen ähn-
lich wie bei denen der 9. und 12. Klasse ist. Nur Billard und Fußball spielen die
ngeren deutlich seltener als die älteren Jugendlichen.
103
0% 5% 10% 15% 20%
Walking
Billard
Volleyball
Tennis
Tischtennis
Fußball
Schwimmen
Basketball
Joggen
Badminton
12. Klasse 9. Klasse 7. Klasse
Abb.15: Die Auswahl der Sportarten chinesischer Jugendlicher in ihrer Freizeit nach den
Altersstufen (Angaben in %)
Im Gegensatz dazu spielen die Älteren weniger oft Badminton und Volleyball in
der Freizeit als die Jüngeren. Brettschneider/Kleine haben in ihrer Untersuchung
über die Sportarten und die deutschen Jugendlichen folgendes festgestellt:
In der ngeren Kohorte ist das Spektrum der in der Freizeit betriebenen Sport-
aktivitäten eher begrenzt. Es dominiert die mit Abstand beliebteste Sportart F-
ball. Die Schüler und Schülerinnen der mittleren Kohorte hlen ihre sportlichen
Aktivitäten aus einer erweiterten Palette und in größerer Vielfalt. Die älteren Ju-
gendlichen begrenzen das Spektrum der bevorzugten sportlichen Freizeitaktivi-
ten. Offensichtlich ist der Suchprozess nun abgeschlossen und die älteren Ju-
gendlichen wissen, was sie wollen. (Brettschneider & Kleine, 2002, S. 114)
Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Auswahl der Sportarten der
Jugendlichen in beiden ndern. Die Gemeinsamkeit ist, das bei beiden Jugend-
gruppen die traditionellen und internationalen Sportarten dominieren. Jedoch
sind diese Sportarten r die Jugendlichen aus beiden Kulturkreisen, von der
ufigkeit ihrer Ausübung her betrachtet, unterschiedlich. Insofern gibt es keine
funktionale äquivalente Bedeutung solcher Sportarten für die Heranwachsenden
aus den beiden Kulturen. Die Auswahl der Sportarten ist eng mit der eigenen Kul-
tur verbunden und reflektiert das Niveau des Leistungsports in beiden ndern.
104
Ein Beispiel ist, dass viel mehr chinesischen Jugendlichen Badminton und Tisch-
tennis spielen als die Deutschen. Beide Sportarten wurden von chinesischen
Mannschaften lange Zeit im Hochleistungsbereich dominiert und auch als „natio-
nale Sportarten“ in China stark popularisiert. Mehr als andere Sportarten lieben
die deutschen Jugendlichen das Fußballspielen. Diese Sportart dominiert in Deu-
tschland. Bei den deutschen Heranwachsenden sind Radsport und Reiten nicht
nur traditionelle Sportarten, sondern auch im Leistungssports zu finden.
Die Trendsportarten, wie Inlineskating, Skateboarden und Rollschuhfahren, er-
freuen sich starker Beliebtheit bei deutschen Jugendlichen und stellen eine sehr
wichtige Freizeitbeschäftigung dar. Jedoch gaben nur 1,1% der chinesischen Ju-
gendlichen an, dass sie diese Sportarten in der Freizeit ausüben. Es ist anzuneh-
men, dass durch den Einfluss der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, der
die Öffnung Deutschlands in Richtung USA initialisierte, die deutsche Sportkultur
nachhaltig beeinflusst wurde. Besonders Jugendliche sind r (sportliche) Trends
aus den Vereinigten Staaten offen. China hingegen hat sich erst am Ende der
70er Jahre dieser externen Sportkultur geöffnet. Daher kann man sagen, dass
Funsportarten, die Sportaktivitäten chinesischen Jugendlichen weniger verän-
dert haben als es bei den deutschen Jugendlichen der Fall ist. Allerdings befindet
sich dieser Wandel in China noch in der Anfangsphase.
Auffallend selten nannten die chinesischen Jugendlichen typisch chinesische
Sportarten, wie Wushu oder Taichi. Nur vier Mal wurden diese beiden Sportarten
auf dem Fragebogen angegeben. Vermutlich lassen sich die beiden Kampfkün-
ste nicht mehr mit einem modernen Lebensstil r Jugendliche vereinbaren und
sind deshalb wenig attraktiv. Weiterhin fehlt den beiden Sportarten der Wett-
kampfcharakter und der „Spaßfaktor“ ist nicht besonders hoch (vgl. Li, 2006).
Die Befunde bestätigen, dass die Auswahl der Sportarten sich nicht nur durch
den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund unterscheiden lassen, sondern
105
auch nach Geschlecht und Alter. Was die Geschlechter betrifft, kann man von
einer klaren Differenzierung ausgehen. Im kulturellen Vergleich hlen Basket-
ball und Fußball zu den beliebtesten Sportarten bei den Jungen. Die sportlichen
Präferenzen deutscher Jungen werden vom Fußball (mit ca. 47%) angeführt. Bei
den chinesischen Jungen gibt es keine solchen dominierenden Sportarten, wie
bei den deutschen. Funsportarten wie z. B. Inlineskaten sind sehr häufig ausge-
übte Sportarten bei deutschen Jungen, jedoch stehen sie nicht in der Top Ten Li-
ste der chinesischen Jungen. Es scheint, dass die chinesischen Jungen von die-
sem Trend nicht so stark beeinflusst wurden wie ihre deutschen Altersgenossen.
Ebenso gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Sportartenauswahl
der weiblichen Jugendlichen beidernder. Es gibt keine dominierende Sportart
r die dchen beider Kulturen. Die Auswahl der ausgeübten Sportarten bei den
chinesischen und den deutschen dchen differenzieren sich in den traditione-
llen Sportkulturen. Die typisch weiblichen deutschen Sportarten wie z. B. Reiten
und Tanzsport, sind deren Lieblingssportarten in der Freizeit. Zudem sind die
sportlichen Aktivitäten der deutschen dchen erheblich vielfältiger als die der
deutschen Jungen (vgl. Brettschneider & Kleine, 2002). Funsportarten werden
von deutschen dchen doppelt so ufig (13,5%) als bevorzugte Freizeitakti-
vität genannt, als von den Jungen (7,4%). Dennoch stehen Inlineskating & Co.
auf Platz drei bei den dchen und auf Platz nf bei den Jungen. Die chinesi-
schen dchen im 21sten Jahrhundert werden dagegen noch ufig von der
traditionellen Kultur beeinflusst, d.h. sie betreiben sanftere Sportarten als die
deutschen dchen. Jedoch betreiben sie seltener rperbetonte Sportarten wie
Fußball oder Basketball, sondern lieber Badminton oder Joggen. Ebenso wie ihre
deutschen Altersgenossen treiben die weiblichen chinesischen Heranwachsen-
den gern Individualsportarten in ihrer Freizeit. Die zentrale Annahme, dass die
Sportartenauswahl in der Freizeit bei den Jugendlichen nicht mit ihrer sozialen
Herkunft zusammenhängt wurde von den Befunden dieser Studie bestätigt. Dies
106
gilt sowohl für Deutschland als auch für China. Die traditionellen, internationalen
und populären (z. B. Fußball, etc.) Sportarten können von den chinesischen und
deutschen Jugendlichen in der Freizeit und in der Schule ausgeübt werden. Die
deutschen Heranwachsenden nnen diese Sportarten auch im Sportverein wie-
der finden. Das heißt, der Schulsport und der Sportverein sind für die deutschen
Jugendlichen ein Mittel um soziale Ungleichheiten durch den Sport zu reduzieren,
während es in China nur der Schulsport ist.
Fazit
Die in der Freizeit ausgeübten Sportarten sind ein Bestandteil der jugendlichen
Sportkultur. Bei den sportlichen Präferenzen in der dominieren in beiden n-
dern die internationalen und traditionellen Sportarten. Dabei stehen die traditio-
nellen Sportarten eng mit der jeweiligen Kultur der beiden Länder in Zusammen-
hang. Die am ufigsten ausgeübten Sportarten in der Freizeit unterscheiden
sich nach Geschlechtern, sowohl in Deutschland als auch in China. Mannschafts-
und Wettkampfsportarten sind die Lieblingsbeschäftigungen der Jungen. Die
deutschen und chinesischen Jungen unterscheiden sich darin, dass es bei den
letztgenannten keine dominierenden Sportarten gibt. Die Sportausübungen in der
Freizeit der chinesischendchen werden durch die traditionellen chinesischen
Sportarten und Individualsportarten bestimmt. Die deutsche Sportkultur beein-
flusst die weiblichen deutschen Heranwachsenden in ihre Auswahl der Sportak-
tivitäten. Bevorzugt werden Individualsportarten. Deutsche Jugendliche gewähl-
ten ufigsten so genannte Funsportarten dies gilt sowohl r Jungen als auch r
dchen. Für die chinesischen Jugendlichen spielen diese Sportarten noch kei-
ne wichtige Rolle, der Trend befindet sich in China noch in der Anfangsphase.
Traditionelle chinesische Sportarten wie Wushu und Taichi sind nicht besonders
populär bei den chinesischen Jugendlichen.
107
Bei den deutschen Jugendlichen gibt es außerdem Unterschiede nach Altersstu-
fen. Bezogen auf das Alter gibt es dagegen nur wenige Unterschiede bei den chi-
nesischen Jugendlichen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass die am ufig-
sten gehlten Sportarten in der Freizeit bei den Heranwachsenden nicht mit der
sozialen Herkunft der Sportler in Zusammenhang zu bringen sind. Hier kann
Bourdieus Theorie mit dem jugendlichen sportiven Lebensstil nicht verbunden
werden. Dies gilt sowohl r Deutschland als auch r China. Schulsport und r
die deutschen Jugendlichen zusätzlich auch der Sport im Sportverein, reduzieren
die sozialen Ungleichheit der Jugendlichen.
6.2.2.1 Wunschsportarten von Jugendlichen in Deutschland und China
In dem vorhergehenden Kapitel wurden die am ufigsten ausgeübten Sportar-
ten bei den Jugendlichen in China und Deutschland verglichen. Das Ergebnis
zeigt, dass sich die Lieblingssportarten zwischen den chinesischen und deu-
tschen Heranwachsenden hinsichtlich der kulturellen unterscheiden. Nun soll
ebenfalls geprüft werden, ob es Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede bei
den genschten Sportarten beider Gruppen Jugendlicher gibt. Li hat außerdem
die erwünschten Sportarten bei den chinesischen Jugendlichen zwischen einer
mittelgroßen Stadt und Shanghai verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass es fast
keine Unterschiede zwischen den erwünschten und wirklich ausgeübten Sportar-
ten gibt. Es ist auch geschlechterunabhängig. Nur Tennis wollten die mittelgro-
ßen stadtwohnenden Schüler zusätzlich betreiben, wenn es eine glichkeit
be (vgl. Li, 2006).
Abbildung 16 stellt graphisch die Sportarten dar, die sich chinesische Jugendli-
che nschen auszuüben. Im Vergleich zu den am ufigsten betriebenen Sport-
arten sst sich feststellen, dass es keine klaren Unterschiede zwischen den Nen-
nungen gibt.
108
Nur 2,1% der chinesischen Heranwachsenden gaben an, dass sie Funsportar-
ten ausüben chten. Diese befinden sich auf dem 11. Rang. Es stellt sich die
Frage, ob sich in Zukunft die Funsportarten weiter durchsetzen bei jungen Chine-
sen und wie lange es dauert, bis diese Trendsportarten ebenso eine Popularität
genießen, wie beispielsweise in Deutschland. Auf diese Frage soll hier jedoch
nicht weiter eingegangen werden. An letzter Stelle dieser Darstellung, mit 0,3%,
liegen die traditionellen chinesischen Sportarten Wushu und Taichi. Man nnte
die Vermutung anstellen, dass diese Sportarten, als ein traditionelles Erbe ihrer
Heimat, langsam verloren gehen.
0,3%
2,1%
2,2%
3,2%
4,7%
5,0%
6,4%
6,8%
6,9%
9,8%
12,4%
16,4%
0% 5% 10% 15% 20%
Wushu,Taichi
Inlineskating etc,
Billard
Eislaufen
Volleyball
Tischtennis
Tennis
Joggen
Fußball
Basketball
Schwimmen
Badminton
Abb.16: Erwünschte Sportarten chinesischer Jugendlicher (Angaben in %)
Bei der Befragung über die erwünschten Sportarten der chinesischen Jugendli-
chen wurden klare Unterschiede bezüglich des Alters deutlich (vgl. Abbildung 17).
Das Verlangen nach Fußball und Tischtennis differenziert sich kaum in den ver-
schiedenen Jahrgangsstufen. Die Schüler der 9. Klasse zeigten mehr Interesse
an Joggen und Walking als es bei den ngeren und Älteren der Fall ist. Die chi-
nesischen Jugendlichen haben mit zunehmendem Alter mehr Lust auf Badmin-
109
ton, Basketball, Volleyball und Billard. Dagegen sind Tennis und Schwimmen die
Wunschsportarten der jüngeren Schüler.
0% 5% 10% 15% 20%
Walking
Billard
Volleyball
Tennis
Tischtennis
Fußball
Schwimmen
Basketball
Joggen
Badminton
12. Klasse 9. Klasse 7. Klasse
Abb.17: Erwünschten Sportarten chinesischer Jugendlicher nach Altersstufen
(Angaben in %)
Zugleich unterscheiden sich diese erwünschten Sportarten klar nach Geschlech-
tern. Deutlich mehr Jungen wollen Fußball und Basketball spielen als dchen.
Chinesische Jungen nannten Eiskunstlaufen und Volleyball am wenigsten bei
den erwünschten Sportarten, die dchen Fußball, Inlineskating etc. und Billard.
Deutlich mehr Jungen als dchen chten Funsportarten ausüben. Sie akzep-
tieren neue Dinge offenbar eher als dchen. glicherweise haben die weib-
lichen chinesischen Jugendlichen haben die traditionelle Kultur noch stärker in
sich verankert.
110
0% 5% 10% 15% 20%
Fußball
Inlineskating etc.
Billard
Tischtennis
Volleyball
Eislaufen
Tennis
Joggen
Basketball
Schwimmen
Badminton
Jungen Mädchen
Abb.18: Die erwünschten Sportarten chinesischer Jugendlicher nach Geschlechtern
(Angaben in %)
Baur/Burrmann haben die Wunschsportarten der ostdeutschen Jugendlichen er-
forscht, zudem haben sie auch die Merkmale der erwünschten Sportarten be-
nannt. Die deutschen Jugendlichen nnen ihre ernschten Sportarten in
Sportvereinen oder im informellen Rahmen betreiben. Die Trendsportarten neh-
men eher mittlere Rangplätze ein (Skaten an nfter und Bungeejumping an se-
chster Stelle). Offenbar unterscheiden sich die Wunschsportarten soziodemgrafi-
sch: „Wunschsportarten sind wiederum geschlechtertypisch eingefärbt; unter
einer alterbezogenen Perspektive ist zu erkennen, dass es einerseits Sportarten
gibt, deren Beliebtheit in den heren Klassenstufen ansteigt, andererseits sol-
che, die als Wunschsportarten Präferenzen verlieren“ (Baur & Burrmann, 2000, S.
111).
111
Tab.11: Ernschte Sportarten von ostdeutschen Jugendlichen. (Angaben in %; Daten aus
Baur/Burrmann, 2000)
total
Geschlecht
Klassenstufe
Jungen
dchen
7. Klasse
11. /13. Klasse
2312
1080
1220
848
570
Fußball
22,5
40,4
6,8
29,1
12,3
Volleyball
19,9
10,8
27,7
16,3
22,6
Schwimmen
16,3
7,3
24,2
15,9
19,3
Basketball
13,7
15,8
11,7
14,0
11,3
Skaten
10,4
7,7
12,8
11,3
10,5
Bungeejumping
10,1
9,2
11,1
7,5
10,5
Tischtennis
9,9
10,8
8,3
13,9
5,6
Reiten/Reitsport
9,8
1,7
17,1
10,8
11,1
Tanz/Tanzsport
9,8
1,6
17,1
7,3
14,9
Radsport
9,3
11,5
7,5
12,2
7,7
Tennis
8,2
6,0
10,0
7,1
10,2
Fazit
Es gibt fast keine Unterschiede zwischen den erwünschten und den tatchlich
betriebenen Sportarten bei den chinesischen Jugendlichen. Jedoch unterschei-
den sich diese klar nach den Geschlechtern und dem Alter. Mannschafts- und
Wettkampfsportarten sind die erwünschten Lieblingssportarten chinesischer Jun-
gen. Bei den dchen werden Individualsportarten bevorzugt. Es scheint, dass
die chinesischen dchen auch bei den erwünschten Sportarten konservativer
wählen als die Jungen. Ein Vergleich der chinesischen Jugendlichen mit den
Deutschen zeigt, dass letztere den Trendsportarten stärker unterlegen sind. Zu-
dem unterscheiden sich die ernschten Sportarten bei den deutschen Jugendli-
chen klar nach den Geschlechtern und Altersstufen. Zusammengefasst sst sich
Folgendes festhalten, dass die Wunschsportarten der Jugendlichen beider n-
der ngen eng mit der eigenen Sportkultur zusammen ngen. Dies passt
ebenfalls auf die Ausführungen der Lebensstil-Theorie von Bourdieu.
112
6.2.3 Der Vergleich des Sportverständnisses in Deutschland und China
In diesem Teil wird erläutert, was beide nder unter dem Begriff des Sportver-
ständnisses verstehen und was genau dieses Verständnis ausmacht. Auch hier
wird wieder eine Vergleichbarkeit festgestellt und auf Gemeinsamkeiten und Un-
terschiede eingegangen. Das Sportverständnis ist ein Element des sportiven Le-
bensstils, „da es in erster Linie an Erfahrung gebunden ist“ (Brettschneider &
Brandl-Bredenbeck, 1997, S. 131). hrend die jugendlichen Sportkulturen in
den letzten zehn Jahren intensiv sowohl in Deutschland wie auch in China in der
wissenschaftlichen Literatur thematisiert wurden, wird von dem subjektiven
Sportverständnis in beiden ndern aber nur sehr selten gesprochen. Eine Un-
tersuchung über das Sportverständnis bei den chinesischen Schülern zeigt, dass
sie Sport unter der gesundbezogenen Funktion des Sports einordnen, was primär
Spaß und Leistungssport bedeutet (vgl. Wei, 2007). Burrmann hat die Unter-
suchung über das subjektive Sportverständnis bei den deutschen Jugendlichen
hinsichtlich des verschiedenen Untersuchungsinstruments differenziert: 1. Asso-
ziationsmethode (Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997; Mrazek, 1981,
1982; Sack, 1989); 2. Eine Liste mit vorgegebenen Sport von Sack (1989); 3.
Basierend auf der Assoziationsanalyse entwickelte Polaritätsprofile oder Likert-
Skala von Mrazek (1979; 1980; 1982); 4. Eine Itemliste zum Sportverständnis
von Brettschneider und Bräutigam im 1990 entwickelt (vgl. Burrmann, 2007).
In der vorliegenden Studie werden die Assoziationsanalyse und die Itemliste von
Brettschneider/Bräutigam angewendet, um die folgende Annahme zu bestätigen.
Hinsichtlich der verschiedenen soziokulturellen Rahmen treten bedeutsame Un-
terschiede bezüglich des subjektiven Sportverständnisses bei den Jugendlichen
aus beiden ndern auf; das Sportverständnis unterscheidet sich nach Ge-
schlechtern.
113
Brettschneider/Brandl-Bredenbeck haben die Merkmale des Sportverständni-
sses der deutschen Jugendlichen bezeichnet als „Assoziationen mit einer relativ
großen Zahl von Sportaktivitäten, wobei die institutionalisierten Sportarten domi-
nant im Vordergrund stehen, aber ergänzt werden durch unreglementierte sporti-
ve Aktivitäten. Das Verhältnis zwischen Mannschafts- und Individualsportarten ist
ausgeglichen(Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997, S. 131). Weiterhin als
„Dominanz der positiven Assoziationen hinsichtlich sportbezogener Beweggrün-
de und Erwartungen, mit Sp als ständiger Begleitmusik. Negative Bewertun-
gen sind eher die Ausnahme“ (ebd.). Und drittens als „Dimensionierung der
sportlichen Aktivitäten zwischen rperlicher Anstrengung und Entspannung,
Fitnessförderung und Gesundheitsgefährdung“ (ebd.).
Die Befunde bestätigen, dass im Sportverständnis bei den Jugendlichen auf-
grund der soziokulturellen Differenz zwischen China und Deutschland Diskrepan-
zen entstehen. Hier zeigt sich ebenfalls, dass Sport eine universale Sprache ist.
Wegen der Globalisierung im Feld des Sports kann auch hier auf Gemeinsam-
keiten im subjektiven Sportverständnis bei den chinesischen und deutschen Ju-
gendlichen hingewiesen werden. Die deutschen Jugendlichen denken bei Sport
ufig zuerst an den Mannschaftssport. Dies ist bei den chinesischen Alters-
genossen nicht der Fall, jedoch ist die Differenz bei den Individualsportarten nicht
beträchtlich. Die Jugendlichen beider nder sehen Sport als rperliche Anfor-
derungen. Auch hier gibt es kaum Unterschiede.
Die deutschen Heranwachsenden haben Sport mit seinen positiven Seiten deut-
lich stärker assoziiert als die chinesischen Jugendlichen. Aus beiden Kulturkrei-
sen haben relativ wenig Heranwachsende den Sport negativ beurteilt, daher gibt
es fast keine Unterschiede. Die chinesischen Jugendlichen gewichten den Ge-
sundheits- und Fitnesswert des Sports fast doppelt so hoch wie die Deutschen. In
der traditionellen chinesischen Kultur sieht man den Sport als ein Allheilmittel r
die Gesundheit und Fitness. Insofern hat diese Tradition die chinesischen Ju-
114
gendlichen im 21sten Jahrhundert ihren allglichen Lebensstile tief beeinflusst.
Da die chinesischen Jugendlichen durch die Aufgaben des Lernens überlastet
werden, haben sie keine Freizeit, in der sie vielen verschiedenen Freizeitaktivitä-
ten nachgehen nnen, was dazu hrt, dass sie Sport als ein wichtiges Entspan-
nungsmittel sehen. Daher wird Sport fast viermal so hoch eingestuft wie bei ihren
deutschen Altersgenossen. Ebenfalls verbinden mehr chinesische Jugendliche
den Sport mit Sieg und Wettkampf als deutsche. Das Ergebnis spielt die stärker
Konkurrenz in der heutigen Gesellschaft Chinas wider, und die chinesischen Her-
anwachsenden übertragen dies auf das subjektive Sportverständnis. Bei den
schulbezogenen Assoziationen bzw. Sport und Medien gibt es keine klaren Un-
terschiede zwischen beiden Ländern.
In drei Kategorien des Sportverständnisses unterscheiden sich jedoch die chine-
sischen und die deutschen Jugendlichen voneinander. 2008 fanden die 29.
Olympischen Sommerspiele in Peking statt. Aus diesem Grund verbinden 4,2%
der chinesischen Jugendlichen den Sport mit der Olympiade. Dies ist deutlich
weniger als erwartet. 4,3% der chinesischen Jugendlichen verknüpfen ihre Sport-
idole oder Sportstars mit dem Sport. 4,6% der deutschen Jugendlichen verbinden
Sport, Freizeitaktivitäten und -spiele miteinander, wie z. B. Skifahren, Angeln etc.
Die chinesischen Jugendlichen machen darüber keine Angaben. Dies weist da-
rauf hin, dass das Sportverständnis sehr stark von den geographischen Bedin-
gungen und den kulturellen Gegebenheiten abhängig ist.
Es scheint, dass bei den chinesischen Jugendlichen der Sport enger mit gesund-
heits- und fitnessbezogenen Werten und psychischen Anforderungen zusa-
mmenhängt. Dies sst sich damit erklären, dass sie stark von der Leistungs-
portkultur Chinas geprägt werden. Die deutschen Jugendlichen sehen die positi-
ven Assoziationen deutlich mehr als die chinesischen Jugendlichen.
115
0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 18%
Sportstars und- idole
Olympiade
Freizeitaktiviten und -Spiele
Negative Assoziationen
Positive Assoziationen
Sport und Medien
Sieg
Psychische Anforderungen
Schulbezogene Assoziationen
Gesundheits- und Fitnesswerte
Mannschaftssportarten
Individualsportarten
Körperliche Anforderungen
chinesische Jugendlichen deutsche Jugendlichen
Abb.19: Ergebnisse des Sportverständnisses beider Länder (Angaben in %; Die Daten
der deutschen Jugendlichen aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck,1997).
Im Sportverständnis der deutschen Jugendlichen gibt es nur geringe Unterschie-
de zwischen Jungen und dchen: Lediglich drei Kategorien weichen demnach
voneinander ab. Das Sportverständnis der deutschen dchen ist stärker an der
gesundheits- und fitnessbezogenen Wirkung des Sports und spaßorientierten
Einstellung zum Sport ausgerichtet als das der nnlichen Jugendlichen. Die
deutschen Jungen assoziieren mit Sport ufiger Mannschaftssportarten (Jun-
gen 19,1%, dchen 11,6%) (vgl. Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997).
In Abbildung 20 wird versucht die Unterschiede im Sportverständnis nach Ge-
schlechtern in beiden Ländern darzustellen.
Bezüglich des Sportverständnisses gibt es bei den Jungen beider nder mehr
Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Nur in vier Kategorien gibt es klare Unter-
schiede. Das Verhältnis der Mannschafts- und Individualsportarten bei den Jun-
gen beider nder sind nahezu gleich. Ebenfalls sind die Unterschiede bei den
positiven und negativen Assoziationen vom Sport nicht erheblich. Die Jugendli-
116
chen beurteilten auch Sieg, Sport und Medien bzw. Sport und Schule fast einheit-
lich. Dagegen assoziieren die chinesischen Jungen den Sport teilweise zwei bis
drei Mal ufiger mit Gesundheits- und Fitnesswerte sowie psychischen Anforde-
rungen als die nnlichen deutschen Heranwachsenden. 7,1% der befragten
Pekinger Jungen gaben an, dass sie den Sport mit Stars oder Idolen verbinden.
Bei den deutschen Jungen gibt es in dieser Kategorie keine Nennungen. 4,6%
der deutschen Jungen haben den Sport mit Freizeitaktivitäten und -spielen (wie
z. B. Skifahren, Angeln, etc.) assoziiert. Im Gegensatz dazu machen die chine-
sischen Jungen keine Angaben.
Bei den weiblichen Heranwachsenden aus den verschiedenen Kulturkreisen exi-
stieren in der vorliegenden Untersuchung enorme Differenzen. Lediglich in zwei
Kategorien gibt es keine klaren Unterschiede. Beim Sportverständnis denken die
deutschen dchen gleichermaßen an Individualsportarten und Mannschafts-
sportarten. Die deutschen dchen assoziieren mit Sport doppelt so ufig die
Mannschaftssportarten als die chinesischen dchen. Die Werte liegen bei je-
weils 11% und 5,4%. Die chinesischen dchen üben in der Freizeit gern Indivi-
dualsportarten aus. Sowohl die Gesundheits- und Fitnesswerte als auch die psy-
chischen Anforderungen vom Sport bilden den Grundstein im Sportverständnis
der chinesischen Mädchen. Sie liegen bei jeweils 17,2% und 9,5%, was deutlich
here Zahlen sind als die der deutschen Mädchen (10,6% und 2,6%). Die hau-
ptchlichen Gründe beim Sporttreiben chinesischer dchen sind nach deren
Angaben Gesundheit, Fitness und Entspannung. Erstaunlich ist, dass nur 8,1%
der weiblichen chinesischen Jugendlichen eine positive Assoziation vom Sport
haben. Bei den deutschen dchen sind es 18,3%. Im Gegensatz dazu haben
sie mit 2,9% die negativen Seiten des Sports deutlich höher bewertet als bei den
deutschen weiblichen Jugendlichen. Bei denen liegt der Wert bei 1,3%. Wegen
der niedrigen ufigkeit des Sporttreibens und der Scheu vor der Anstrengung
bei der Sportbeteiligung haben sie vermutlich wenig positive Assoziationen mit
117
dem Sport und diesen mit etwas negativem in Verbindung gebracht. Dem Sieg
haben die chinesischen Mädchen eine fast viermal so hohe Bedeutkeit zugeord-
net, als die deutschen dchen. Die chinesischen dchen sind scheinbar
ebenfalls durch die in der Gesellschaft vorherrschende Konkurrenz geprägt.
Auch die schulbezogenen Assoziationen haben die chinesischen dchen mit
5,2% positiver beurteilt als die deutschen (1,9%). Fast genau wie die deutschen
Jungen (4,6%) sehen 4,5% der dchen den Sport als Freizeitaktivität oder
-spiel. Keine Nennung in dieser Kategorie gibt es bei den chinesischen weibli-
chen Heranwachsenden, da solche Sportarten von den chinesischen dchen in
der Freizeit nicht ausgeübt werden. Auffallend ist, dass die chinesischen Jungen
und Mädchen einige Sportarten nicht als Freizeitaktivitäten und -spiele ansehen.
Die Unterschiede im Sportverständnis gibt es nicht nur zwischen den Jugendli-
chen beider Kulturkreise, sondern auch im Einzelnen zwischen den Geschlech-
tern der chinesischen Jugendlichen (nur in drei Kategorien gibt es keine klaren
Unterschiede). Im Folgenden sind die Merkmale des Sportverständnisses chine-
sischer Jugendlichen aufgeführt:
Bei den Jungen und Mädchen hängt das Sportverständnis eng mit ihrer Sportar-
tenauswahl in der Freizeit zusammen. Chinesische Jungen assoziieren mit Sport
generell Mannschaftssportarten und die Mädchen Individualsportarten.
Die chinesischen Jugendlichen sehen Sport aber auch als ein Entspannungs-
mittel (psychische Anforderung) an. Sie verbinden Sport mit Sieg und vielen posi-
tiven Assoziationen. Die dchen verbinden Sport mehr mit Gesundheit und Fit-
ness, sehen ihn aber auch als körperliche Anforderung. Es scheint, dass sie von
den traditionellen Kulturen noch tief beeinflusst werden. Die Jungen werden stär-
ker durch die Medien geprägt.
118
0% 5% 10% 15% 20%
Sport und Medien
Negative Assoziationen
Schulbezogene Assoziationen
Freizeitaktiviten und -Spiele
Sportstars, und -idole
Sieg
Psychische Anforderungen
Positive Assoziationen
Gesundheits- und Fitnesswerte
Individualsportarten
Mannschaftssportarten
chinesische dchen deutsche Mädchen
chinesische Jungen deutsche Jungen
Abb.20: Die Unterschiede im Sportverständnis chinesischer und deutscher Jugendlicher
nach den Geschlechtern (Angaben in %; Die Daten der deutschen Jugendlichen
aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997)
Um den Sport die funktionale und konzeptuelle äquivalente Bedeutung r die
Heranwachsenden aus beiden Kulturen zu bestätigen und auch, um die Assozia-
tionsmethode zu ernzen, wird in der aktuellen Studie auch die von Brettschnei-
der/Bräutigam im Jahr 1990 entwickelte Itemliste benutzt. Hier stellt sich folgen-
de Annahme dar: Sport ist eine universale Sprache, jedoch wird das Sportver-
ständnis von soziokulturellen Unterschieden und der Soziodemographie beein-
flusst.
Anhand der Faktorenanalyse wird die divergierende Struktur des Sportverständ-
nisses zwischen den Jugendlichen beider nder extrahiert. r die deutschen
Jugendlichen extrahiert die Faktoranalyse zwei Faktoren, die 46,0% die Varianz
aufklären:
119
Faktor I: Sport, der auf Training, Leistung und Wettkampf hin orientiert ist.
(z. B. „Für mich gehört es zum Sport, regelmäßig zu trainieren.“; „Leistungs-
vergleiche gehören für mich in jedem Fall zum Sport.“)
Faktor II: Sport, der alles glich einschließt und vor allem Spaß macht, auch ohne
Wettmpfe.
(z. B. „Unter Sport kann man alles möglich verstehen. Die Hauptsache ist, man
bewegt sich und tut etwas für seinen Körper.“; „Ob man als Sportler erfolgreich
ist oder nicht, ist r mich ziemlich egal. Es kommt vor allem darauf an, dass
man Spaß hat.“)
aufgeklärte Varianz: 46,0%
Anmerkung: (Datenquelle: Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997)
Die Untersuchung von Brettschneider/Brandl-Bredenbeck beweisen, dass r die
deutschen Jugendlichen Training, Leistung und Wettkampf die prägenden Mo-
mente des Sportverständnisses darstellen. [...] Dieser Aspekt des Sportverständ-
nisses rankt sich um die zentrale Kategorie des Spaß-Habens“ (Brettschneider &
Brandl-Bredenbeck, 1997, S.136).
Die Aspekte des Sportverständnisses bei den chinesischen Heranwachsenden
unterscheiden sich ebenfalls von denen ihrer deutschen Altersgenossen. Für die
chinesischen Jugendlichen extrahierte die Faktorenanalyse drei Faktoren, die
53,3% der Varianz aufklären.
Faktor I: Sport mit Training, und Wettkämpfe verbinden.
(z. B. Für mich gehört es zum Sport, regelmäßig zu trainieren.“; „Grundsätzlich
gehört für mich zum Sport, die eigene Leistung ständig zu verbessern.“)
Faktor II: Sport macht vor allem Spaß und schließt alles Mögliche ein.
(z. B. „Ob man als Sportler erfolgreich ist oder nicht, ist für mich ziemlich egal. Es
kommt vor allem darauf an, dass man Spaß hat.“; „Unter Sport kann man alles
glich verstehen. Die Hauptsache ist, man bewegt sich und tut etwas für seinen
rper.“)
Faktor III: Körperbezogene Assoziationen und Leistung beschreibendes Sportverständnis.
(z. B. Wenn man Sport treibt, muss man bereit sein, sich körperlich zu veraus-
gaben.“; „Leistungsvergleiche gehören für mich in jedem Fall zum Sport.“)
aufgeklärte Varianz: 53,3%
120
Nach der Faktorenanalyse des Sportverständnisses gibt es bei den chinesischen
Jugendlichen die drei wichtigen Aspekte: „Trainingsaspekt“, „Spaßaspekt“ und
„Körper- und Leistungsaspekt“. Die Faktorenanalyse weist auf Unterschiede im
Sportverständnis zwischen deutschen und chinesischen Jugendlichen hin. Die
Items des dritten Faktors der chinesischen Jugendlichen laden auf den ersten
Faktor der deutschen Jugendlichen. Das weist darauf hin, dass im Sportver-
ständnis der chinesischen Jugendlichen zwischen rperlicher Leistungshig-
keit und sportlichem Training und Wettkampf unterschieden wird. Dagegen
scheinen für deutsche Jugendliche sportliches Training und sportliche Wettkäm-
pfe eng mit rperlicher Leistungsfähigkeit und rperlicher Anstrengung verknü-
pft zu sein.
Durch eine weitere Kovarianzanalyse ausgewählter Items zeigen sich auch Un-
terschiede und Gemeinsamkeiten beim Sportverständnis der Heranwachsenden
beider nder. Es gibt signifikante Unterschiede sowohl bei den Geschlechtern
als auch vom kulturellen Kontext her betrachtet hinsichtlich des Trainingsaspekts
und des rper-, Leistungsaspekts. Bezüglich des Faktors „Spaß“ gibt es eben-
falls signifikante Unterschiede zwischen nnlichen und weiblichen Heran-
wachsenden aus beiden ndern. Hier zeichnen sich jedoch keine signifikanten
Unterschiede in Bezug auf die kulturellen Differenzen zwischen Deutschland und
China ab.
121
Tab.12: Kovarianzanalyse ausgewählter Items zum Sportverständnis (Signifikanzniveau:
* p<.01, ** p<.001; Die Daten der deutschen Jugendlichen aus Brettschneider/
Brandl-Bredenbeck, 1997)
Items
Kultur
Geschlecht
Ku×Ge
F
Sig.
F
Sig.
F
Sig.
r mich gehört es zum Sport,
regelmäßig zu trainieren
10,6
*
42,5
**
1,4
.24
Es kommt vor allem darauf an, dass man
Spaß hat
.06
.81
20,1
**
.43
.51
Wenn man Sport treibt, muss man bereit
sein, sich körperlich zu verausgaben
1078,0
**
63,4
**
6,0
.014
Im Folgenden werden die drei Sportverständnistypen „Trainings- und Leistungs-
aspekt“, „Spaßaspekt“ und „Körperaspekt“ der Jugendlichen zwischen beiden
ndern, nach Geschlechtern getrennt, verglichen.
Laut Abbildung 21 ist r die deutschen Jugendlichen Training und Leistung signi-
fikant (p<.01) wichtiger als r die chinesischen Jugendlichen. Die vorliegende
Untersuchung bestätigt auch die Ergebnisse von Brettschneider/Bräutigam
(1990), dass sich das Sportverständnis zwischen den Geschlechtern unterschei-
det. Die nnlichen Jugendlichen beider nder orientieren sich beim Sport
deutlicher als die Mädchen an Training und Leistung.
122
r mich gehört es zum Sport, regelmäßig zu trainieren
2,91
3,08
2,97
3,21
2,6
2,8
3
3,2
3,4
dchen Jungen
Mittelwert
chinesische deutsche
Abb.21: Mittelwerteunterschiede zum „ Trainings- und Leistungsaspekt“ nach
Geschlechtern beider Länder (4= trifftllig zu, 1= trifft gar nicht zu; Die Daten der
deutschen Jugendlichen aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997)
Für den „Spaßaspekt“ sieht man in der vorliegenden Studie keine herausragen-
den Unterschiede zwischen den beiden Kulturen (Mittelwert bei den deutschen
Heranwachsenden: 3,59; bei den chinesischen: 3,61. Signifikanzniveau: p. 05).
Jedoch sind die Mittelwerte des Items der dchen her als die der nnli-
chen Heranwachsenden in beiden ndern. Es gibt auch signifikante Unterschie-
de zwischen den Geschlechtern (p<.001). Spaß zu haben ist demnach r d-
chen wichtiger als für die Jungen.
123
Es kommt vor allem darauf an, dass man Sp hat
3,65
3,55
3,66
3,53
3,4
3,5
3,6
3,7
dchen Jungen
Mittelwert
chinesische deutsche
Abb.22: Mittelwerteunterschiede zum „Spaßaspekt“ nach Geschlechtern beider nder
(4= trifft völlig zu, 1= trifft gar nicht zu; Die Daten der deutschen Jugendlichen
aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997).
Obwohl das Sporttreiben für die chinesischen Jugendlichen eine der wichtigsten
Freizeitaktivitäten ist und sie sich am „Körperaspekt“ orientieren, ist der Mittel-
wert des Items „Wenn man Sport treibt, muss man bereit sein, sich körperlich zu
verausgaben“ deutlich niedriger als bei ihren deutschen Altersgenossen (Mittel-
wert bei den deutschen: 3,20; bei den Chinesen: 2,05; p<.001). Dies bestätigt,
dass sie den Sport weniger als Mittel zum Verausgaben des rpers ansehen,
hingegen mehr als ein Entspannungsmittel. Da die Belastungen des Lernens der
chinesischen Jugendlichen bereits anstrengend sind, suchen sie im Sport einen
erholsamen Ausgleich. Die deutschen Heranwachsenden hingegen sind eher
dazu bereit sich r einen fitten rper stärker anzustrengen. Hier existiert auch
ein Unterschied nach Geschlechtern der verschiedenen Kulturen. In beiden n-
dern verbinden die nnlichen Heranwachsenden den Sport enger mit „dem
Austesten der Körperlichen Grenzen“ als die Mädchen.
124
Wenn man Sport treibt, muss man bereit sein, sich
rperlich zu verausgaben
1,91
2,26
3,1
3,29
1,5
2
2,5
3
3,5
Mädchen Jungen
Mittelwert
chinesische deutsche
Abb.23: Mittelwerteunterschiede zum rperaspekt“ nach Geschlechtern beider nder
(4= llig zu, 1= gar nicht zu; Die Daten der deutschen Jugendlichen aus Brett-
schneider/Brandl-Bredenbeck, 1997)
Die Trainingsaspekte und die rperaspekte sindr die deutschen und nnli-
chen Jugendlichen von größerer Bedeutung. Der Spaßaspekt ist in beiden Kultu-
ren wichtig r die weiblichen Jugendlichen. Demnach zeigen sich r chinesi-
sche Jugendliche ähnliche Geschlechtsstereotype wie für deutsche Jugendliche
(vgl. Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997; Brettschneider & Bräutigam,
1990).
Fazit
Die Ergebnisse von der Assoziationsanalyse und der Faktorenanalyse haben be-
glich des Sportverständnis bei den Jugendlichen beider Kulturen Folgendes
bestätigt: es existiert eine funktionale und konzeptuelle äquivalente Bedeutung
r das Sportverständnisses r deutsche und chinesische Heranwachsende.
Man kann sagen, dass Sport eine universale Sprache ist.
Das Sportverständnis der Jugendlichen aus den verschiedenen Kulturkreisen
zeigt einige Gemeinsamkeiten. Spaß ist eine fundamentale Komponente des
125
Sporttreibens für die Jugendlichen beider Länder. Körperliche Anforderung, Indi-
vidualsportarten, Mannschaftsportarten, Gesundheits- und Fitnesswerte, Schul-
bezogenen Assoziationen, Sport und Medien sowie positive und negative Assozi-
ationen sind die Kernstücke im Sportverständnis sowohl bei den deutschen Ju-
gendlichen als auch bei den chinesischen.
Obwohl Sport eine universale Sprache ist, werden die Sportverständnisse der
Heranwachsenden in beiden ndern stark durch die eigene Kultur geprägt. Trai-
ningsorientierung ist den deutschen Jugendlichen wichtiger als den chinesischen
Jugendlichen. Auch der rperaspekt ngt eng mit der eigenen Kultur zusa-
mmen. Die deutschen Jugendlichen verbinden den Sport enger mit dem eigenen
rper als die chinesischen Heranwachsenden. Durch die Assoziationsmethode
konnte gezeigt werden, dass sich das Sportverständnis („Was verstehst du unter
Sport“) im kulturellen Kontext bezüglich verschiedener Aspekte und Nennungen
unterscheidet. Beispielsweise wird „Angeln“ bei chinesischen Jugendlichen gar
nicht genannt.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Geschlechterdifferenz bezüglich des Sport-
verständnisses der Jugendlichen in beiden ndern. Es existieren kaum Unter-
schiede im Sportverständnis beiden chinesischen und den deutschen Jungen.
Jedoch gibt es deutliche Diskrepanzen zwischen den deutschen und chinesi-
schen dchen, wie zum Beispiel bezüglich der Assoziation mit Mannschafts-
sportarten, Gesundheits- und Fitnesswerte, positive und negative Assoziationen,
Sieg, psychische Anforderungen und schulbezogene Assoziationen. Spaß zu ha-
ben ist wichtiger r die dchen aus beiden ndern als r die Jungen. rper-
und Leistungsorientierung sind dagegen wichtiger für Jungen. Im Folgenden soll
besonderes Augenmerk auf die internen Einflussfaktoren der Sportbeteiligung
der Jugendlichen in China und Deutschland gelegt werden. Dabei werden nicht
nur Aspekte thematisiert, die Jugendlichen zum Sporttreiben bewegen es werden
auch mögliche Hinderungsgründe diskutiert.
126
6.2.4 Die subjektiven Einflussfaktoren auf das Sporttreiben der Jugendlichen in
Deutschland und China
Deutschen Sportwissenschaftler haben die subjektiven Gründe für das Sporttrei-
ben deutscher Jugendlicher seit Ende der 60er Jahre erforscht. Baur/Burrmann
haben die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammengefasst und in sechs
Matrixdimensionen eingeteilt: 1. Unter Wellness wurden jene Gründe zusa-
mmengefasst, die auf Wohlfühlen und Wohlbefinden Bezug nehmen. 2. Gesund-
heit/Fitness markiert eine weitere Dimension, der bei der Begründung sportlicher
Aktivität offenbar auch von Jugendlichen eine hohe Bedeutung zugemessen wird.
3. Sporttreiben bietet Anlässe r soziale Kontakte. 4. Mit Sporttreiben nnen
Leistungsorientierungen verknüpft werden. 5. Sport kann ästhetische Erfahrung
vermitteln und über sportliche Bewegung kann man „sich ausdrücken“. 6. Sport
ist durch Spannung etikettiert (vgl. Baur & Burrmann, 2000). Die vorhandenen
Studien zu den Gründen r das Sporttreiben der chinesischen Jugendlichen im
21sten Jahrhundert zeigen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Län-
der auf. Die Gesundheit bzw. Fitness hat in beiden ndern den größten Stellen-
wert. Viele Menschen treiben Sport, um den Stress des Lernens zu reduzieren
und entspannen zu nnen. Ein weiterer Grund ist Knüpfen oder Aufrechter-
halten von sozialen Kontakten durch das Sporttreiben. Außerdem kann man mit
dem Sporttreiben auch das Spaß haben verbinden. Dies stellen die vier hauptsä-
chlichen Gründe für das Sporttreiben dar. Außerhalb dieser vier Kerngründe ver-
knüpfen sie Sport mit Leistungsorientierung, als ästhetische Erfahrung und als
Zeitller (vgl. Huo, 2004; Wang, 2007; Wei, 2007; Yang, 2000; Zhang, 2007;
Zhang & Wang, 2004). Zudem erklärt Wang, dass es klare Unterschiede der
Gründe r das Sporttreiben zwischen den nnlichen und weiblichen Heran-
wachsenden gibt (vgl. Wang, 2007).
Die aktuelle Studie belegt Folgendes: Hinsichtlich der soziokulturellen Differen-
zen zwischen Deutschland und China unterscheiden sich die internen Einfluss-
127
faktoren bezüglich des Sporttreibens bei den Jugendlichen. Mithilfe der Cluster-
analyse werden die Charakter der Subgruppen identifiziert. Gesund und fit sein
sind die wichtigsten Gründe r das Sporttreiben der meisten Jugendlichen aus
China und Deutschland. Diese Gründe wurden in der folgenden Clusteranalyse
nicht berücksichtigt.
Tab.13: Zuordnung chinesischer Jugendlicher zu den Clustern (N= 1156, Angaben in %)
Cluster
Geschlecht
Jahrgangsstufe
Sporttreiben in
Freizeit
dchen
N=684
Jungen
N=472
7. Klasse
N=448
9. Klasse
N=299
12. Klasse
N=409
Ja
N=910
Nein
N=246
1
21,6
39,4
37,5
29,8
18,8
34,9
6,5
2
42,4
32,4
21,9
38,8
56,0
35,3
49,6
3
36,0
28,2
40,6
31,4
25,2
29,8
43,9
Das erste Cluster bei den chinesischen Jugendlichen (N= 334) charakterisiert die
hohen Werte r soziale Kontakte, Leistungsorientierung, rperorientierung und
Entspannung. Diese Gruppe besteht vor allem aus nnlichen Jugendlichen. Sie
haben eine here Motivation bezüglich des Sporttreibens. r die zweite Gru-
ppe (N= 443) ist die Motivation geringer Sport zu treiben. Diese Gruppe enthält
vor allem Schüler der 12. Klasse, die weiblichen Jugendlichen und die, welche
keinen Sport in ihrer Freizeit treiben. Entspannung und rperorientierung sind
r sie die Gründe Sport zu treiben. Die chinesischen Jugendlichen der dritte Gru-
ppe (N= 379) können eher als die „Mittellinie“ verstanden werden, mit Ausnahme
der praktischen Gründe wie z. B. „Geld verdienen“, „schöne Figur“. In diesem
Cluster befinden sich vor allem die ngeren Heranwachsenden als auch die,
welche keinen Sport in ihrer Freizeit treiben. Entspannung und rperorientie-
rung nnen hier ebenfalls als Gründe aufgeführt werden, warum sie Sport
treiben. Diese Gruppe zeigt kaum Unterschiede zu Cluster 2.
128
2
2,5
3
3,5
4
4,5
5
soziale
Kontakt Leistungs-
orientierung Entspannung rper-
orientierung
Mittelwert
cluster1 cluster2 cluster3
Abb.24: Die Gründe des Sporttreibens der chinesischen Jugendlichen
(Mittelwert: 5= stimme völlig zu, 1= stimme gar nicht zu; N= 1156)
r die deutschen Jugendlichen gibt es mehr Cluster bei der statistischen Analy-
se als bei den chinesischen Jugendlichen (Datenquelle: Brettschneider & Brandl-
Bredenbeck, 1997). Jedoch sind Gesundheit und Fitness die wichtigsten Gründe
rs Sport treiben, ebenso wie bei den chinesischen Jugendlichen.
Tab.14: Zuordnung deutscher Jugendlicher zu den Clustern (Angaben in %)
Die Daten aus Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997
Cluster
Geschlecht
Jahrgangsstufe
dchen
Jungen
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
N=992
N=1045
N=733
N=771
N=538
1
13,0
12,2
11,6
13,2
13,0
2
14,7
28,8
26,9
20,4
17,7
3
30,7
18,8
22,9
23,0
29,4
4
23,4
17,4
19,1
21,8
19,9
5
18,2
22,8
19,5
21,6
20,0
Die deutschen Jugendlichen des ersten Clusters (N=257) können bezüglich des
Sporttreibens als die „niedrig Motivierten“ bezeichnet werden, da sie die niedrig-
129
sten Mittelwerte angaben. Es gibt hier die wenigsten Mitglieder und fast keine Di-
fferenz, weder bei den Geschlechtern, noch bei den Altersstufen. Die zweite Gru-
ppe (N=449), die „Hochmotivierten“, ist eher als „Gegenbild“ der ersten Gruppe
anzusehen. Vor allem gehören die Jungen und die ngeren Heranwachsenden
diesem Cluster an. Hauptsächlich die dchen und die deutschen Schüler der
12. Klasse (N= 503) gehören zum dritten Cluster. Sie treiben Sport, um sich zu
entspannen, zu trainieren und um attraktiv zu sein, jedoch haben sie weniger Mo-
tivation r soziale Kontakte und Wettkämpfe. Die chsten Werte im vierten Clu-
ster (N=415) erreichen die dchen und die Schüler der 9. Klasse. Sie haben
eher eine „mittlere Motivation“. 22,8% der Jungen und 21,6% der 9. Klasse Schü-
ler gehören zum 5. Cluster (N=418); man kann diese Gruppe an ihren heren
sozialen Kontakten, ästhetischen Erfahrung und an ihrer Leistungsorientierung
erkennen. Die Verhältnisse differenzieren sich weniger nach den Geschlechtern
und Altersstufen.
1
1,7
2,4
3,1
3,8
4,5
soziale
Kontakt Leistungs-
orientierung Entspannung rper-
orientierung
Mittelwert
Cluster1 Cluster2 Cluster3 Cluster4 Cluster5
Abb.25: Die Gründe des Sporttreibens der deutschen Jugendlichen
(Mittelwerte: 5= stimme llig zu, 1= stimme gar nicht zu; Die Daten aus
Brettschneider/Brandl-Bredenbeck, 1997)
130
Beim Vergleich der Motivation des Sporttreibens beider Jugendgruppen zeigen
sich Gemeinsamkeiten: In beiden ndern ist die Motivation Sport zu treiben vom
Alter und vom Geschlecht abhängig.
Die Untersuchung von Baur/Burrmann hat auch gezeigt, warum die Brandenbur-
ger Jugendlichen außerhalb der Schule und dem Verein kein Sport treiben. Sie
haben vier „Dimensionen“ gegeneinander abgesetzt: 1. Der Sport hat für manche
nur einen geringen Anreiz. 2. Die Verhinderung bei persönlichen Dispositionen
des Sporttreibens. 3. Zeitknappheit. 4. Die Sportinfrastruktur kann r die Sport-
beteiligung hinderlich sein (vgl. Baur & Burrmann, 2000). Als Ergebnis dieser Un-
tersuchung lauten die Gründe der deutschen Heranwachsenden gegen das
Sporttreiben:
Die jugendlichen Nichtsportler beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit anderen
Dingen, die ihnen offensichtlich wichtiger sind als Sportaktivitäten, und sie haben
mit der Schule genug zu tun, so dass keine Zeit r den Sport bleibt. Daneben
spielen persönliche Faktoren eine Rolle: Mangelndes Interesse am Sport oder
Bequemlichkeit werden ebenso thematisiert wie eigene „Unsportlichkeit“. Weni-
ger ufig wird auf ungünstige Rahmenbedingungen [...] verwiesen. (Baur &
Burrmann, 2000, S. 83)
131
Tab.15: Vergleich der Hinderungsgründe des Sporttreibens zwischen beiden Ländern.
(Angaben der positiven Antworten „stimme llig zu“ und „stimme zu in %; Die
deutschen Daten aus Baur/Burrmanns, 2000)
Prozent
Deutschland
China
geringer Anreiz
Beschäftigung lieber mit anderen Dingen
Keine Interesse am Sport
Einfach zu faul
Dispositionen
Halte mich für unsportlich
Gesundheitliche Probleme
Zeitknappheit
Mit der Schule genug zu tun
Einfach keine Zeit
Sportinfrastruktur
Kein geeignetes Angebot gefunden
Keine Angebot in der Nähe meines Wohnortes
80,0
47,4
45,0
47,5
29,3
60,0
43,6
40,0
27,5
85,0
41,6
56,3
43,3
11,8
69,6
50,5
22,5
50,5
Folgende Ergebnisse über die Einflussfaktoren der chinesischen Jugendlichen
bezüglich des Sporttreibens nnen festgehalten werden: Fehlende Freizeit, sich
mit anderen Freizeitaktivitäten beschäftigen und mangelte Sportinfrastruktur ver-
hindert die Sportbeteiligung bei den Jugendlichen (vgl. Wang, 2007). Beim Ver-
gleich der Hinderungsgründe des Sporttreibens der deutschen und chinesischen
Jugendlichen sind einige Gemeinsamkeiten erkennbar. Die beiden Aussagen-
„Beschäftigung lieber mit anderen Dingen in ihrer Freizeit“ (85%) und „mit der
Schule genug zu tun“ (69,6%), sind die beiden am häufigsten genannten Gründe,
sowohl r die chinesischen als auch deutschen Jugendlichen. Neben diesen
Gründen berichteten die chinesischen Jugendlichen, dass sie einfach zu faul
sind, über Zeitknappheit und Mangel an Sportanlagen klagen, die ihr Sporttreiben
beeinflussen. Hier sind Unterschiede zu den deutschen Jugendlichen erkennbar.
132
Fazit
Gesundheit, Fitness und Spaß sind die wichtigsten Gründe für die Jugendlichen
in beiden Ländern um Sport zu treiben. Insofern wird auch bestätigt, dass es bei
der Motivation der Sportbeteiligung bei den Heranwachsenden die funktionale
Äquivalenz gibt. Zudem ist es schwer auszumachen, ob die Motivation zum
Sporttreiben bei den Jugendlichen beider nder durch den geerbten sozialen
Status des Elternhauses beeinflusst wird. In der auf der Bourdieus klassenspezi-
fischen Lebensstiltheorie basierenden Studie konnte dies nicht bewiesen werden.
Jedoch unterscheiden sich die Gründe in der Sportbeteiligung zwischen den Ge-
schlechtern und Jahrgangsstufen. Dies gilt sowohl r die deutschen Heranwa-
chsenden als auch für die chinesischen. Abgesehen von den o. g. Gründen sind
die Motivationen des Trainings, der Leistung und des Wettkampfes bei den
nnlichen Heranwachsenden in beiden ndern her als bei den dchen.
Der Vergleich der Hinderungsgründe des Sporttreibens bei den Jugendlichen
zwischen beiden ndern zeigt ein ambivalentes Ergebnis. Beschäftigung mit
anderen Freizeitaktivitäten und mit der Schule sind die am ufigsten Aussagen,
sowohl in Deutschland als auch in China. Die Sportinfrastruktur verhindert die
Sportbeteiligung chinesischer Jugendlicher öfters als bei den deutschen Alters-
genossen. D.h. die Sportaktivität chinesischer Jugendlicher wird von der Politik in
China eingeschränkt. Es gibt deutlich mehr chinesische Heranwachsende als
deutsche, die wegen Faulheit in der Freizeit keinen Sport betreiben. Nachdem
detailliert auf die internen Einflussfaktoren auf das Sporttreiben beider nder
eingegangen wurde, wird der Sport in einen globaleren Zusammenhang gebracht.
Im Folgenden soll auf die Bedeutung der Sportorganisation in beiden ndern
eingegangen und untersucht werden, inwiefern ein Vergleich zwischen China
und Deutschland dargestellt werden kann.
133
6.2.5 Die Sportorganisation der Jugendlichen in Deutschland und China
Zunächst soll geklärt werden, was genau eine Sportorganisation konstituiert.
Eine übliche Definition von Sportorganisation lautet: „Eine Sportorganisation ist
ein soziales Gebilde, das als Instrument geplant und gestaltet ist, damit Ziele auf-
grund der strukturierten Zusammenarbeit vieler Individuen besser bzw. schneller
erreicht werden nnen, als es dem einzelnen Individuen glich wäre(Hei-
nemann, 2004, S. 13). Die Sportorganisation kann nicht nur die Sportkultur oder
die politischen Unterstützungen widerspiegeln, sondern auch soziale Ungleich-
heit. Da es ein soziales System ist, befindet es sich in einem ständigen Wandel.
hrend die chinesischen Jugendlichen in der Schule, in kommerziellen Einrich-
tungen und privaten Organisationen Sport treiben, üben die deutschen Heranwa-
chsenden Sport zu großen Teilen im Verein aus. An dieser Stelle wird kurz auf die
Sportorganisation in Deutschland eingegangen. Nach Brettschneider/Kleine sind
Sportvereine Organisationen, „deren primäre Aufgabe darin besteht, Sportange-
bote zu machen, die den Bedürfnissen und Interessen ihrer Mitglieder entspre-
chen“ (Brettschneider & Kleine, 2002, S. 20). Die Legitimationsstrategien des
Sportvereins r Jugendliche sind: Entwicklung und rderung jugendliches
Sportengagements und die Unterstützung jugendlicher Entwicklung durch Sport
(ebd.). Aus den Ergebnissen von Brettschneider/Kleine über den Organisations-
grad in Sportverein von den westdeutschen Jugendlichen geht hervor, dass
52,4% der Befragten in einem Verein Sport treiben, 29,3% der befragten Gruppe
haben bereits Erfahrung mit einem Sportverein und nur 18,3% haben nie im Ver-
ein Sport betrieben (ebd.). Bei Baur/Burrmann sind 39% der brandenburgischen
Jugendlichen Mitglied eines Sportvereins (vgl. Baur & Burrmann, 2000). Insofern
ist der Sportverein, deren Beitritt freiwillig ist, der wesentliche Bestandteil r die
Sportkultur deutscher Jugendlicher. Einige wesentliche Merkmale des Sportver-
eins sind: 1. Die Mitgliedschaft hängt vom Geschlecht ab. Der Anteil der nnli-
134
chen jugendlichen Vereinsmitglieder ist deutlich her als der weibliche (59,5%
bzw. 45,0%) (vgl. Brettschneider & Kleine, 2002). Bei ostdeutschen Jugendlichen
ist diese Differenz noch größer (51% der Jungen und 29% der dchen) (vgl.
Baur & Burrmann, 2000). 2. Die Mitgliedschaft im Sportvereins ist abhängig vom
Altersverlauf: Mit zunehmendem Alter gehen auch die Mitgliederzahlen zurück
(vgl. Baur & Burrmann, 2000; Brettschneider & Kleine, 2002). 3. Nach Brett-
schneider/Kleine ist regionale Herkunft ebenfalls ein Einflussfaktor hinsichtlich
der Mitgliedschaft in einem Sportverein (vgl. Brettschneider & Kleine, 2002). 4.
Durch die Befunde von Brettschneider/Kleine, sowie Baur/Burrmann, kann man
noch einen weiteren Einflussfaktor, in Bezug auf die Kapitaltheorie von Bourdieu,
ausmachen: deutsche Jugendliche mit größerem kulturellem Kapital betätigen
sich ufiger im Sportverein als diejenigen mit geringem. Dies wird verdeutlicht
durch die Tatsache, das der Anteil von Gymnasiasten im Sportverein her ist,
als Schüler anderer Schulformen (vgl. Baur & Burrmann, 2000; Brettschneider &
Kleine, 2002). 5. Weiterhin konnten Baur/Burrmann zeigen, dass das Sportenga-
gement im Sportverein vom sozialen Raum und vom kulturellen Kapital der Eltern
abhängig ist. Je mehr kulturelles und soziales Kapital die Eltern besitzen, desto
aktiver ist die jüngere Generation im Sportverein (vgl. Baur & Burrmann, 2005).
hrend der Sportverein in der deutschen jugendlichen Sportkultur eine sehr wi-
chtige Rolle spielt, existiert diese Sportorganisation kaum in China. Aufgrund der
kulturvergleichenden Methodik kann die Sportorganisation bei den Jugendlichen
in der vorliegenden Untersuchung nicht unmittelbar verglichen werden, jedoch
wird sie hier als interkultureller Beobachtungspunkt analysiert.
135
6.2.5.1 Schulsport in beiden Ländern
Das Ziel der Schulbildung Chinas lautet: Die Schüler sollen sich durch Moral, In-
telligenz und Sport in den Schulen allseitig und vielfältig entwickeln. Schulsport
ist eine essentielle Komponente des chinesischen Bildungssystems und hat die
folgenden Funktionen r die Jugendlichen: Gesundheits-, Fitnesssteigerung,
psychologische Entwicklung, Moralerziehung, Sozialisation, Spaß, Leistungs-
orientierung, ästhetische Bildung und Persönlichkeitsentwicklung. Mit der Verbe-
sserung chinesischer Wirtschaft und wegen der neuen Anforderung hat sich der
Schulsport auch reformiert. Im 21sten Jahrhundert ist die Schule nach wie vor
der wichtigste Ort r die chinesischen Jugendlichen, um Sport zu treiben. Die
Einstellung zum „lebenslangen Sport“ ist auch die Basis und der Schwerpunkt
der jugendlichen Sportkultur. Der Schulsport Chinas spielt auch eine wichtige
Rolle r die Entwicklung des Breitensports. Zudem hat der chinesische Schul-
sport geholfen soziale Ungleichheit in der Sportbeteiligung zu minimieren. In die-
ser Studie wird die subjektive Beliebtheit des Schulsports bei den chinesischen
Heranwachsenden überprüft, ob der Schulsport in ihrer allglichen Sportgestal-
tung eine wichtige Rolle spielt.
62,5% der befragten Jugendlichen gaben an, dass der Schulsport „beliebt“ oder
„sehr beliebt“ ist. Es gibt nur geringe Unterschiede in der Beliebtheit des Schul-
sports zwischen den Geschlechtern. Mit zunehmendem Alter sinkt die Beliebtheit
des Schulsports drastisch von 81,2% auf 39,6% ab. Eine Vermutung wäre in die-
sem Zusammenhang, dass sie durch die hohen Anforderungen in der Schule die
Zeit lieber r andere Dinge, wie Lernen, verwenden würden, als r Sport. gli-
ch re auch, dass die Jugendlichen in diesem Alter, aufgrund ihres Entwick-
lungsstands, kein großes Interesse am Sport und an Bewegungsformen hegen.
136
Die Beliebtheit des Schulsports chinesischer Jugendliche
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
Mädchen
sehr beliebt beliebt einigermaßen gefällt nicht gefällt gar nicht
Abb.26: Die Beliebtheit des Schulsports bei chinesischen Schüler (Angaben in %)
Die chinesischen Jugendlichen haben Aussagen über die Beliebtheit des Sport-
unterrichts, der Pausengymnastik, dem Bewegungsunterricht und den Spielen in
der Schule oder zwischen den Schulen gemacht. Die folgenden Abbildungen zei-
gen die Ergebnisse.
6.2.5.1.1 Pausengymnastik
Die Pausengymnastik besteht aus verschiedenen Dehnungs-, Streck- und
Sprungbewegungen. Diese ssen Schüler und Schülerinnen zwischen der 2.
und 3. Unterrichtsstunde vormittags nach Durchsage im Schulhof auben. Ziel
ist Entspannung und Bewegung für die Schüler. Jedoch gefallen sie den chinesi-
schen Schüler wegen der einseitigen Bewegungsformen nicht besonders. Li hat
bei 59,1% der befragten chinesischen Schüler erhoben, dass die Pausengymna-
stik nicht r die Fitness geeignet sei. 71,9% der Schüler sagten aus keinerlei
Interesse diese täglich auszuüben (vgl. Li, 2008).
In der vorliegenden Arbeit bestätigte sich auch, dass Pekinger Schüler im 21sten
Jahrhundert an dieser Bewegungsform wenig Interesse zeigen. Weniger als ein
137
Drittel (31,4%) berichteten, dass diese Übungen bei ihnen beliebt oder sehr be-
liebt sind.
Die Abbildung 27 verdeutlicht, gibt es fast keine Unterschiede in der Unbeliebt-
heit der Pausengymnastik zwischen den Schülern und Schülerinnen gibt. Den-
noch gaben deutlich mehr dchen als Jungen an, dass sie sehr beliebt ist. Es
ist außerdem ersichtlich, dass die Beliebtheit der Pausengymnastik mit zuneh-
mendem Alter deutlich sinkt. Zwischen den Geschlechtern und Altersstufen gibt
es einen signifikanten (p<.001) Unterschied. hrend der Mittelwert bei den
dchen 3,00 ist, liegt er bei den Jungen bei 2,69; der Mittelwert bei den 7., 9.
und 12. Klassen liegt bei 3,53, 2,76 und 2,23.
Die Beliebtheit der Pausengymnastik chinesischer Schüler
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
sehr beliebt beliebt einigermen gefällt nicht gefällt gar nicht
Abb.27: Die Beliebtheit der Pausengymnastik bei chinesischen Sclern
(Angaben in %)
6.2.5.1.2 Sportunterricht
Unter den verschiedenen Schulsportbereichen ist der Sportunterricht das Kern-
stück in China. Die Grundsätzlichen Ziele des Sportunterrichts sind die Moral-
und Intelligenzerziehung Erziehung, um die rperliche und psychologische Viel-
138
seitigkeit der Jugendlichen zu entwickeln. Die Schüler sollen die grundlegenden
Sportkenntnisse, Sportfähigkeiten und -fertigkeiten erlernen und beherrschen.
Chen/Hu belegten, dass das Interesse am Sportunterricht bei den in der Stadt
wohnenden chinesischen Schülern mit zunehmendem Alter deutlich sinkt. Die
Gründe hierfür sind der Stress der Lernaufgaben, einseitige Lehrmethoden und
mangelte Sportinfrastruktur in den Schulen (vgl. Chen & Hu, 2006).
Eine Umfrage zur Beliebtheit des Sportunterrichts der Pekinger Schüler ist in Ab-
bildung 28 zusammengefasst. Insgesamt haben ungefähr zwei Drittel (61,8%)
der Befragten den Sportunterricht positiv bewertet. Dementsprechend zeigt eine
Studie von Zhang und Wang, dass Sportunterricht eine der Lieblingsformen des
Sports in der Schule r chinesischen Heranwachsenden ist. 61,9% der Befrag-
ten gaben an, dass ihnen der Sportunterricht gefällt (vgl. Zhang & Wang, 2004).
Die Befunde schließen sich damit ebenfalls denen von Chen/Hu an. Die Beliebt-
heit des Sportunterrichts bei den Pekinger Heranwachsenden sinkt mit zuneh-
mendem Alter signifikant (p<.001) auf 55,2%. Die Mittelwerte der Beliebtheit bei
den 7., 9. und 12. Klassen sind 4,07, 3,81, 3,30. Hier gibt es fast keine Unter-
schiede in der Beliebtheit zwischen den nnlichen (Mittelwert: 3,79) und weib-
lichen (Mittelwert: 3,68) Jugendlichen.
139
Die Beliebtheit des Sportunterrichts bei
chinesischen Schüler
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
Mädchen
Gesamt
sehr beliebt beliebt einigermaßen gefällt nicht gefällt gar nicht
Abb.28: Die Beliebtheit des Sportunterrichts bei chinesischen Schülern (Angaben in %)
Ähnliches hat eine Untersuchung unter deutschen Jugendlichen, im Vergleich mit
israelischen, ergeben. Mehr als 50% der befragten deutschen Schüler gaben an,
dass Sportunterricht „wichtig“ bzw. total wichtig“ ist. Mit fortschreitender Schul-
laufbahn zeigt sich eine lineare Abnahme dieser Einsctzung. Besonders her-
vorgestochen hat das Ergebnis, „der Verlauf der Bedeutungsabnahme bei Jun-
gen und dchen sehr ähnlich ist und zudem die Unterschiede zwischen den
Geschlechtern numerisch ausgesprochen gering ausfallen“ (Brettscheider,
Brandl-Bredenbeck & Hofmann, 2005, S. 129).
Sportunterricht ist sehr wichtig, sowohlr die chinesischen Schüler als auch r
die Deutschen. Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen den Jugendlichen aus bei-
den ndern. Die subjektive Beliebtheit bzw. Wichtigkeit des Sportunterrichts ist
geschlechterunabhängig. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Jahr-
gangsstufen. Je älter die Jugendlichen sind, desto weniger Interesse zeigen sie
am Sportunterricht.
140
6.2.5.1.3 Bewegungsstunde
Die Bewegungsstunde findet nachmittags in der 8. Unterrichtsstunde und zwei
bis drei Mal in der Woche statt und dauert 45 Minuten. Die Schüler können wäh-
rend der Bewegungsstunde im eigenen Interesse und nach individuellem Belie-
ben ihre Sportarten auswählen. Hier haben sie größere Selbsndigkeit r die
eigene Gestaltung. In der vorliegenden Arbeit wurde herausgefunden, dass die
chinesischen Jugendlichen an der Bewegungsstunde hohes Interesse zeigen.
Über 80% der Befragten gaben an, dass sie die Bewegungsstunde beliebt bzw.
sehr beliebt. Darüber hinaus unterscheidet sich die Beliebtheit der Bewegungs-
stunde signifikant (p<.01) nach Geschlechtern (Mittelwert bei Jungen: 4,43; bei
dchen: 4,29.) Die Unterschiede (p<.001) nach Altersstufen bei den 7., 9., und
12. Klasse sind 4,67, 4,43 und 3,93. Das Interesse an der Bewegungsstunde
sinkt mit zunehmendem Alter deutlich. Dies könnte mit dem erhöhten Lernstress
zusammenhängen.
Abb.29: Die Beliebtheit der Bewegungsstunde bei chinesischen Schülern (Angaben in %)
Die Beliebtheit der Bewegungsstunde bei chinesischen Schülern
0%
20%
40%
60%
80%
100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
sehr beliebt
beliebt
einigermaßen
gefällt nicht
gefällt gar nicht
141
6.2.5.1.4 Schulspiele
Die Wettkampfspiele der verschiedenen Sportarten, insbesondere Leichtathletik
und Mannschaftssportarten in bzw. zwischen den Schulen sind eine Tradition im
chinesischen Schulsportsystem. Durch die Spiele können nicht nur Kollektivden-
ken und der olympische Gedanke der Schüler sondern auch die Talente in den
Schulen gefördert werden. Dies ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der chinesi-
schen Schulsportkultur.
Die Umfrage über die Schulspiele in China stellt fest, dass es einen hohen Be-
liebtheitsgrad der Schulspiele bei den chinesischen Heranwachsenden gibt (vgl.
Abbildung 30). Insgesamt 68,5% der Befragten gaben an, dass ihnen diese Or-
ganisationsform gefallen bzw. sehr gefallen. Jedoch sinkt die Beliebtheit der
Schulspiele mit zunehmendem Alter (Mittelwert bei den 7., 9. und 12. Klasse chi-
nesischen Schüler ist jeweils 4,14, 3,88 und 3,62; p<.001). Wegen der Überlas-
tung der Lernaufgaben und der subjektiven Wichtigkeit des Sporttreibens sinkt
das Interesse an Schulspielen in den heren Jahrgangsstufen. Dagegen gibt es
keine klaren Unterschiede zwischen den nnlichen und weiblichen Jugendli-
chen (Mittelwert bei Jungen ist 3,96; bei Mädchen ist 3,84; p>. 05).
Die Beliebtheit der Schulspiele (etc.) bei chinesischen
Sclern
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Gesamt
sehr beliebt beliebt einigermaßen gefällt nicht gefällt gar nicht
Abb.30: Die Beliebtheit der Schulspiele (etc.) bei chinesischen Schülern (Angaben in %)
142
Zwischenfazit
Der Schulsport spielt eine wichtige Rolle r die chinesischen Jugendlichen. Er ist
vielfältiger und vielseitiger als in Deutschland. Aber die Beliebtheit verschiedener
Bewegungsformen unterscheidet sich nach Altersstufen und Geschlechtern, wo-
bei diese Beliebtheit deutlich mit zunehmendem Alter sinkt.
Tab. 16: Die Mittelwerte der Beliebtheit der Schulsportformen chinesischer Schüler
(1= gefällt überhaupt nicht, 5= sehr beliebt; Signifikanzniveau: * p<.01; ** p<.001)
Items
Pausen-
gymnastik
Sport-
unterricht
Bewegungs-
stunde
Schule-
spiele
Geschlecht
dchen
3,00
3,68
4,29
3,84
Jungen
2,69
3,79
4,43
3,96
Sig.
**
.090
*
.059
Jahrgangs-
stufe
7.Klasse
3,53
4,07
4,67
4,14
9.Klasse
2,76
3,81
4,43
3,88
12.Klasse
2,23
3,30
3,93
3,62
Sig.
**
**
**
**
62,5% der Befragten antworteten, dass sie den Schulsport positiv beurteilen (be-
liebt oder sehr beliebt). Die Gründe dieser Beliebtheit lauten bei den Pekinger
Schülern wie folgt: 87,8% der Jugendlichen gaben an, dass das gemeinsame
Sporttreiben in den Schulen der zentrale Grund r seine Beliebtheit des Sports in
der Schule ist. 83,4% der Befragten antworteten, der Grund der Beliebtheit des
Schulsports sei, dass dort ihre Lieblingssportarten vertreten sind. Ebenso werden
auch Zeitgründen aufgeführt. Jeweils 74,5% und 72,8% der Befragten berichte-
ten, dass „Sport zum richtigen Zeitpunkt kommt“ und sie „genügend Zeit um Sport
zu treiben“ haben. Zusammenfassend sind sozialen Kontakte, die Sportarten und
die Zeiten des Sporttreibens die bevorzugten Gründe der Beliebtheit des Schul-
sports bei den chinesischen Jugendlichen. Hier gibt es ebenfalls signifikante
Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersstufen (p<.001).
143
Tab.17: Die Mittelwerte der Unzufriedenheit des Schulsports bei chinesischen Schülern
(1= stimme überhaupt nicht zu, 5= stimme llig zu; Signifikanzniveau: * p<.01,
** p<.001)
Items
Geschlecht
Jahrgangsstufe
dchen
Jungen
Sig.
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
Sig.
Keine Lieblings-
sportarten
3,18
3,06
.370
2,50
3,26
3,26
**
Schlechte Sportfä-
higkeit
3,45
3,18
.038
3,99
3,30
3,19
**
Fehlende Sportplät-
ze
3,04
3,77
**
2,76
3,24
3,48
**
Obwohl der chinesische Schulsport die wichtigste Sportorganisation r die Ju-
gendlichen ist, und sich seine Ziele und Aufgaben mit der Zeit immer weiter ent-
wickeln, kann er nicht immer die Bedürfnisse chinesischer Jugendlicher im
21sten Jahrhundert befriedigen. 14,5% der Pekinger Schüler antworteten, dass
ihnen der Schulsport nicht oder gar nicht gefällt. 49,0% der negativ Beurteilen-
den berichteten, dass „ihre Sportfähigkeit nicht gut ist“ und ihnen deshalb der
Schulsport nicht oder sogar überhaupt nicht gefällt. Außerdem klagten 42,4% der
nicht zufriedenen Schüler, dass Sportplätze und -geräte fehlen. 41,6% antworte-
ten, dass in den Schulen ihre Lieblingssportarten nicht angeboten werden. Tabe-
lle 17 zeigt die unterschiedlichen Gründe r diese Unzufriedenheit über den
Schulsport der chinesischen Jugendlichen. Mit zunehmendem Alter steigt der
Unzufriedenheitsgrad. Da die bevorzugten Sportarten, wie beispielsweise Billard,
bei den älteren chinesischen Heranwachsenden in den Schulen nicht angebo-
ten werden nnen, haben sie den Wert des Items- „keine Lieblingssportar-
ten“ deutlich höher beurteilt als es bei den ngeren der Fall ist. Die Lieblings-
sportarten, wie Mannschaftssportarten bei den Jungen und Individualsportarten
bei den dchen, nnen die chinesischen Schüler ufiger in den Schulen
ausüben. Deswegen sind die Mittelwerte geschlechterunabhängig. Die chinesi-
144
schen dchen haben die eigene Sportfähigkeit negativer bewertet als die Jun-
gen dieser Unterschied ist jedoch nicht signifikant.
Mit zunehmendem Alter sinken die Mittelwerte dieses Items, und unterscheiden
sich signifikant (p<.001). Die Meinungen fehlender Sportplätze unterscheiden bei
den Jungen und dchen. Die Lieblingssportarten bei den Jungen sind Mann-
schaftssportarten wie Basketball und Fußball. Um diese Sportarten ausüben zu
nnen braucht man große Sportanlagen. Die dchen hingegen, die Individual-
sportarten betreiben, benötigen weniger Plätze und sehen daher keinen Mangel
an Sportplätzen. Jedoch befriedigt die Sportinfrastruktur in chinesischen Schulen
solche Anspche nicht. Dadurch ist glicherweise die Unzufriedenheit bei den
Jungen höher als bei dendchen.
In diesem Zusammenhang scheint es sinnvoll die kommerziellen Sportarten in
den direkten Vergleich von Deutschland und China zu setzten, was nun im Fol-
genden geschehen soll.
6.2.5.2 Der Vergleich der kommerziellen Sportarten der Jugendlichen in
Deutschland und China
Im Juni 1995 gab die Nationalversammlung Chinas das neue „Nationale Fitness
Programm“ bekannt. Ziel ist es bzw. war es die hrlichen Investitionen r den
Breitensport zu erhöhen, um Sporteinrichtungen auszubauen. Der Entwicklungs-
prozess des chinesischen Breitensports steht vor vielen Problemen. Eines davon
von ist der immense Mangel an Sporteinrichtungen. Bis Ende 1995 gab es
615, 693 Sportanlagen in China, die sich auf eine Gesamtfläche von insgesamt
1,07 Milliarden qm² verteilten, pro Kopf waren es aber nur 0,6 qm². 95,78%
davon bezogen sich auf den Außenbereich, nur 4,22% der Gesamtfläche wurde
von Sporthallen eingenommen. Ein Hauptmerkmal der chinesischer Sportanla-
gen ist, dass diese meistens nicht r die allgemeine Bevölkerung gebaut werden,
145
sondern von Behörden, Militär oder Unternehmen r deren Mitarbeiter und sel-
ten auch r den Rest der Bevölkerung geöffnet sind (vgl. Tuo, 2003). Ein weite-
res Problem ist die ungleiche Struktur der Einrichtung. Basketball, Volleyball und
Menqiu (eine beliebte Sportart älterer Chinesen), nehmen 87% ein, hrend r
die Anlagen anderer Sportarten ein eklatanter Mangel besteht. Derzeit nimmt der
Bau von Golfplätzen und Bowlinghallen zu. Der Mangel beschränkt sich also
eher auf Einrichtungen des Breitensports. Die Erschliung und der Bau von
Outdoor Sportplätzen kommt nur langsam voran (vgl. Hao, 2003). Diese Proble-
me wirken sich nachteilig auf die Entwicklung der Breitensportarten in China aus.
Die vorliegende Untersuchung hat bestätigt, dass die chinesischen Jugendlichen
in ihrer Freizeit in keiner Organisation, wie z. B. einem „Sportverein“, wie es in
Deutschland der Fall ist, Sport treiben nnen. Es fehlt auch die Organisation au-
ßerhalb der Schule. Einerseits fehlt die politische Unterstützung, anderseits ha-
pert es an gegend Freizeit. Daher treiben die chinesischen Jugendlichen ihren
Freizeitsport eher in privaten Organisationen.
Die vorhandenen Studien über die chinesischen Jugendlichen bezüglich ihrer
Sportbeteiligung in der Freizeit haben gezeigt, dass der Schulhof, die Wohnsied-
lungen, Parks sowie die kommerziellen Sporthallen und -plätze die Sportstätten
sind, wo die stadtwohnenden Heranwachsenden Sport treiben (vgl. Wang, 2007;
Yang, 2000; Zhang, 2007). Nach Zhang ist die Nutzung der Sportstätten in der
Freizeit in der Stadt Dandong geschlechterspezifisch. Die Mädchen treiben öfter
als die Jungen auf dem Schulhof und beim kommerziellen Anbieter Sport. Der
Park und die Wohnsiedlung werden ufiger von den Jungen genutzt (vgl. Zhang,
2007).
Auskünfte bezüglich der Sportstätten ergaben, dass 36,4% der befragten Pe-
kinger Jugendlichen in der kommerziellen Einrichtung, wie zum Beispiel in Sport-
hallen oder Schwimmhallen, Sport treiben. Nur 5,1% der Befragten gaben an,
146
dass sie kostenlose Sportplätze benutzen. Das bedeutet auch, dass es an Sport-
glichkeiten außerhalb der Schule in China mangelt. Außer den kommerziellen
Sportanbietern sind die Wohnsiedlung (13,4%), Parks (12,8%) und Schulhöfe
(11,5%) die wichtigsten Orte, wo Sport betrieben wird. In Wohnsiedlungen wer-
den teilweise Sportgräte aufgestellt. Im Park nnen Schüler einige Sportarten
wie z. B. Badminton ausüben (vgl. Abbildung 31).
Wo treibst Du Sport in der Freizeit?
3,6%
5,1%
6,0%
11,5%
12,8%
13,4%
36,4%
0% 10% 20% 30% 40%
Parkplatz, Straße
Konstenlos Sportplatz
In der Familie
Schulhof
Park
Wohnsiedlung
Sporthalle,Schwimmhalle,etc
Abb.31: Die Sportstätten der Pekinger Jugendlichen in ihrer Freizeit (Angaben in %)
Anders als nach Zhang (2007) ergaben sich in der Vorliegenden Studie kaum
Unterschiede zwischen nnlichen und weiblichen in der Sportstättenbenutzung.
nur halb so viele dchen wie Jungen treiben auf den kostenlosen Plätzen Sport
zu treiben. Im Gegensatz dazu, bevorzugten die dchen deutlich den Sport auf
den Straßen und Parkplätzen. Es scheint so, dass die dchen in der Freizeit
eher die Individualsportarten auswählen, die sie auf Parkplätzen und Straßen
ausüben nnen. Aber die Jungen bevorzugen Mannschaftssportarten, die sie
auf kostenlosen Sportplätzen betreiben können (vgl. Abbildung 32).
147
0% 10% 20% 30% 40%
Parkplatz, Stre
Konstenlos Sportplatz
In der Familie
Schulhof
Park
Wohnsiedlung
Sporthalle,Schwimmhalle,etc
Jungen Mädchen
Abb.32: Sportstätten chinesischer Jugendlichen in der Freizeit nach den Geschlechtern
(Angaben in %)
Abbildung 33 zeigt fast keine Unterschiede in der Sportstättenbenutzung zwi-
schen den Altersstufen.
0% 10% 20% 30% 40%
Parkplatz, Straße
Konstenlos Sportplatz
In der Familie
Schulhof
Park
Wohnsiedlung
Sporthalle,Schwimmhalle,etc
12. Klasse 9. Klasse 7. Klasse
Abb.33: Sportstätten chinesischer Jugendlichen in der Freizeit nach den Altersstufen
(Angaben in %)
Da in China einerseits die „Vereins-Sportkultur“ fehlt und andererseits die
Sportanlagen r die Jugendlichen, spielen die kommerziellen Sportanbieter eine
148
wichtige Rolle r die Heranwachsenden, die sich in ihrer Freizeit Sport betätigen
wollen. Ein Vergleich mit deutschen Jugendlichen zeigt, dass das Interesse am
kommerziellen Sporttreiben größer ist.
50,5% der befragten chinesischen Jugendlichen gaben an, dass sie im letzten
Jahr an kommerziellen Sportarten teilgenommen haben. Dies ist deutlich mehr
als bei ihren deutschen Altersgenossen. Abbildung 34 stellt des Weiteren dar,
dass es in diesem Punkt keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.
Dieses Ergebnis unterscheidet sich deutlich von den deutschen Jugendlichen.
Die Untersuchungsergebnisse des kommerziellen Sports bei den deutschen Her-
anwachsenden lauten:
Der Organisationsgrad von Jugendlichen liegt in diesen kommerziellen Einrich-
tungen in NRW bei knapp 20% und in Brandenburg bei etwas über 10%. Wäh-
rend in NRW deutlich mehr dchen als Jungen regelmäßig kommerzielle Ein-
richtungen nutzen, zeigt sich diese Geschlechterdifferenz in Brandenburg aller-
dings nicht. (Tietjens, 2001, S. 134)
Bei den kommerziellen Einrichtungen chinesischer Jugendlicher gibt es eine Di-
fferenz bei den Altersstufen. Mit zunehmendem Alter reduziert sich dieses Ver-
ltnis. Die Wichtigkeit des Sporttreibens in kommerziellen Anlagen sinkt mit zu-
nehmendem Alter. Das Ergebnis bei den deutschen Jugendlichen ist umgekehrt:
„Mit dem Alter verschieben sich die Prioritäten in der Nutzung der Sportorte zu-
gunsten der kommerziellen Anbieter. Ältere Jugendliche gaben ufiger an, re-
gelmäßig kommerzielle Angebote zu nutzen“ (Tietjens, 2001, S. 135).
149
Hast Du im letzten Jahr kommerziellen Sport
betrieben?
40,2%
46,5%
62,5%
50,5%
50,4%
50,5%
0% 20% 40% 60% 80%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
dchen
Jungen
Gesamt
Abb.34: Die Verhältnisse des kommerziellen Sporttreibens chinesischer Schüler
(Angaben in %)
Es stellt sich die Frage, warum 49,5% der Pekinger Jugendlichen im letzten Jahr
keinen kommerziellen Sport getrieben haben. Die drei ufigsten Gründe der Be-
fragten lauten: „Finanzprobleme“, „Zeitprobleme“ und „kein Interesse“. Weitere
Gründe sind: „nicht nötig“, „weiß nicht“, „zu weit von meinem Zuhause“.
Trotzdem ist die Anzahl der Sportstätten der kommerziellen Anbieter in den letz-
ten zehn Jahren in China schnell gewachsen. Hohe Eintrittspreise verhindert
ufig die Sportbeteiligung der chinesischen Jugendlichen. Dies unterscheidet
sich kaum bei Geschlechtern und Altersstufen. Obwohl die ngeren chinesi-
schen Heranwachsenden mehr Freizeit haben als die älteren, berichteten sie
auch, dass Zeitprobleme sie hindern kommerzielle Sportarten auszuüben. Der
Anteil ist deutlich höher als bei den Schülern der 9. und 12. Klassen. Es gibt fast
keine Unterschiede bezüglich der Zeitprobleme zwischen nnlichen und weibli-
chen Jugendlichen. Eine Kategorie unterscheidet sich jedoch klar nach den Al-
tersstufen: Mehrere Pekinger Jugendliche der 12. Klasse gaben an, dass sie
keine Lust auf den kommerziellen Sport haben, deutlich mehr als die Schüler der
7. und 9. Klasse. Der Grund dafür sind glicherweise die heren Belastungen
150
der Schulaufgabe im Vergleich zu den ngeren Schülern. Es gibt allerdings
kaum eine Differenz zwischen den Geschlechtern.
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
12. Klasse 9. Klasse 7. Klasse Jungen dchen
Finanzprobleme Zeitprobleme Keine Interessen
Abb.35: Die drei häufigsten Gründe chinesischer Jugendlicher keinen
kommerziellen Sport zu treiben (Angaben in %)
Im Folgenden wird auf die kommerziellen Sportarten in China gesondert einge-
gangen.
6.2.5.2.1 Kommerzielle Sportarten bei den chinesischen Jugendlichen
Die Unterschiede bei den kommerziellen Sportarten der chinesischen Jugendli-
chen differenzieren sich nach Geschlechtern. Es sind kaum Unterschiede zwi-
schen den Altersstufen vorhanden. Die Sportarten, welche die Jugendlichen
nicht in den Schulen betreiben nnen, sind die bevorzugten Sportarten beim
Kommerzsport. Dies gilt besonders r die Pekinger dchen. Schwimmen und
die Benutzung eines Fitnessstudios dominieren deutlich in einem Vergleich der
betriebenen Sportarten in der Freizeit der chinesischen dchen. Die in der kom-
merziellen Einrichtung ausgeübten Sportarten bei den nnlichen Heranwa-
chsenden, sind deutlich vielfältiger als bei den Mädchen. Mannschaftssportarten
151
spielen bei den Jungen eine wichtigere Rolle als bei den dchen. Ebenso ist
Tennis eine der Präferenzen der männlichen Heranwachsenden.
Wo hast du im letzten Jahr kommerziellen Sport
betrieben?
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60%
Fußball
Tennis
Basketball
Eislaufen
Fitnessstudio
Schwimmen
Jungen Mädchen
Abb.36: Kommerzielsportarten chinesischer Jungen und Mädchen (Angaben in %)
Auch bezogen auf die Gesamtheit der Schüler, ist Schwimmen die dominierende
Sportart r die verschiedenen Jahrgangsstufen bei den chinesischen Jugendli-
chen. Das gleiche gilt für die Sportstudios, sie sind auch eine der Lieblingssport-
stätten r die chinesischen Schüler. Basketball ist bei den älteren Schülern be-
liebter als bei den ngeren. Badminton ist eine der Lieblingssportarten der jün-
geren Schüler und ist r die Älteren nicht interessant. Tennis und Tischtennis
sind beliebte Sportarten der chinesischen Heranwachsenden bei kommerziellen
Anbietern. Es gibt hier bei den verschiedenen Altersgruppen fast keine Unter-
schiede. Die Nutzung der ufigsten kommerziellen Sportanbieter bzw. Sportstä-
tten bei den deutschen Heranwachsenden sind: Fitnessstudio, Tanzschule, Ba-
llettschule, Reitstall, Kampfsportschule und Tenniscenter (vgl. Tietjens, 2001).
152
0% 10% 20% 30% 40% 50%
Badminton
Tischtennis
Tennis
Basketball
Sportstudio
Schwimmen
7. Klasse 9. Klasse 12. Klasse
Abb.37: Kommerziellbetriebene Sportarten chinesischer Jugendlicher nach dem Alter
(Angaben in %)
Fazit
Aufgrund der verschiedenen Erziehungssysteme, Wirtschaft und Unterstützung
seitens der Politik unterscheidet sich die Sportgestaltung bei den Jugendlichen.
Ein wesentlicher Teil der deutschen jugendlichen Sportkultur ist der Sportverein.
Die deutschen Jugendlichen nnen außerhalb der Schule im Verein ihren Sport-
aktivitäten nachgehen. Die bisherigen Befunde über deutsche Heranwachsen-
de in Bezug auf Sportverein nnen den Zusammenhang des Sportengagements
mit der sozialen Ungleichheit, bzw. der Kapitaltheorie Bourdieus, bestätigen. In
China gibt es diese Sportorganisation nicht. Aufgrund der ganztägigen Erzie-
hungssysteme spielt der Schulsport eine wichtigere Rolle r die chinesischen
Heranwachsenden als r die Deutschen. Jedoch scheint der chinesische Schul-
sport des 21sten Jahrhunderts nur Wenige der Heranwachsenden zu befriedigen.
Die Beliebtheit des Schulsports unterscheidet sich nicht nach Geschlechtern,
sondern nach Altersstufen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Beliebtheit, da die
Älteren eine here Belastung bedingt durch das Lernen haben als die ngeren.
153
Die Beliebtheit verschiedener Bewegungsform unterscheidet sich nicht nur nach
dem Alter sondern auch nach Geschlechtern.
Es fehlt die Sportorganisation außerhalb der Schule in China, deswegen ist der
Organisationsgrad des kommerziellen Sports bei den deutschen Schülern deut-
lich niedriger als bei den chinesischen. Bei der Sportartauswahl bei den kommer-
ziellen Sportanbietern gibt es keine Unterschiede in den Präferenzen bei den
Jugendlichen beider Länder.
6.2.6 Sportkonsum von den chinesischen Jugendlichen
Im Folgenden wird auf den direkten Zusammenhang zwischen Konsum und
Sport eingegangen. Das Modell des Sportkonsums nach Preuß wird her eru-
tert und untersucht, inwieweit es in China Anwendung findet. Zunächst wird in
dieser Arbeit definiert, was unter dem Begriff Sportkonsum zu verstehen ist.
Preuß definiert den Sportkonsum mit „für den Ge- und Verbrauch von tern und
Dienstleistungen im Zusammenhang mit Sport“ (Preuß, 1987, S. 7). Mit dieser
Definition bezeichnet er den aktiven und passiven Sportkonsum. Unter aktivem
Sportkonsum versteht man z. B. den Einsatz bzw. Erwerb von Sportkleidung die
Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Passiver Sportkonsum bezeichnet bei-
spielsweise das Zuschauen von Sportevents vor dem Fernseher oder im Stadion.
Insofern hängt der Sportkonsum mit „dem nicht oder kaum organisierten Freizeit-
sport“, „Fitnessanstrengungen im kommerziell geführten Studio“ und „dem Zu-
schauer- und Showsport“ zusammen (ebd.).
Im 21sten Jahrhundert sind Sportkonsumuntersuchungen in China ein favorisier-
tes Thema geworden. Der Begriff des Sportkonsums in den vorhandenen chine-
sischen Studien ist ähnlich wie bei Preuß definiert. Die Untersuchung von Shen/
Xiao hat aufgezeigt, dass der Sportkonsum bei den in der Stadt wohnhaften chi-
154
nesischen Erwachsenden von den sozialen Schichten beeinflusst wurde. Je -
her sich der Konsument in der sozialen Schicht befindet, desto aktiver ist er beim
Konsum von Sportartikeln und -dienstleistung. Diese Untersuchung bewies, dass
sich die chinesischen Jugendlichen auf Sportartikel, Sportgeräte und Sportzeit-
schrift konzentrieren. Sie haben wenig Lust auf Zuschauer- oder Showsport (vgl.
Shen & Xiao, 2006).
Bei den chinesischen Jugendlichen ist die Summe des Sportkonsums geschlech-
terunabhängig, jedoch wird sie von den Altersstufen beeinflusst. Aufgrund von
geringerer Freizeit investieren die Älteren weitaus weniger Geld als die ngeren
in den Sportmarkt. Die in den wohlständigen Wirtschaftregionen lebenden Ju-
gendlichen sind beim Sportkonsum aktiver, als die der ckständigen Wirtschaft-
regionen. Die Jugendlichen, die hohes Interesse am Sporttreiben haben, sind
beim Sportkonsum aktiver als die weniger Interessierten (vgl. Chu, 2006; Ni &
Xue, 2008). Bei Liu, Zhao und Liu ist der Sportkonsum eine wichtige Komponen-
te des alltäglichen chinesischen Lebensstils (vgl. Liu, Zhao & Liu, 2008). Auch
nach Bourdieu ist (Sport-)Konsum ein Bestandteil des Lebensstils. Er wird ge-
nauso wie der Sport durch die gesellschaftliche Ungleichheit beeinflusst. In der
vorliegenden Arbeit wird Bourdieus Lebensstil-Theorie im Bereich des Sportkon-
sums erweitert. Die aktuelle Studie basiert auf der Definition des Sportkonsums
von Preuß und nimmt Folgendes an: 1. Der Sportkonsum bei den Pekinger Her-
anwaschenden unterscheiden sich nach Geschlechtern und Alter. 2. Die Summe
des Sportkonsums wird vom Stellenwert des Sports, der ufigkeit der Sportbe-
teiligung, der sozialen Herkunft, der sozialen Schicht sowie dem Bildungsniveau
der Eltern und dem Sportkonsum in Verbindung mit sozialer Ungleichheit beein-
flusst. Der Breitensport und die dazu gehörige Kommerzialisierung hat sich in
China schnell entwickelt (vgl. Lu, 2001). Mit der rasant wachsenden Wirtschaft
und dem zunehmenden Interesse am Sporttreiben ist auch der Sportkonsum in
China gestiegen. Von 1992-1997 hatte die in den Sdten lebende Bevölkerung
155
eine hrliche Zuwachsrate r den Sport(konsum) von 20,2%. Der Anteil des
Sportmarkts an der Gesamtwirtschaft Chinas steigt kontinuierlich. Dabei sind die
Jugendlichen sind die Hauptkonsumenten (vgl. Miao, 1997).
In der vorliegenden Arbeit gaben 95,1% der befragten chinesischen Jugendli-
chen an, dass sie im letzten Jahr Sport konsumiert haben. Die Abbildung 38 zeigt
das Verhaltensmuster des Sportkonsums der chinesischen Jugendlichen. In der
Summe des Sportkonsums im letzten Jahr nnen die chinesischen Jugendli-
chen in vier Kategorien unterteilt werden: 1. Nichtkonsum: Im letzten Jahr haben
4,9% der Befragten im Sportbereich nicht konsumiert. 2. Geringkonsum: 31,8%
der Befragten haben im letzten Jahr Sportbereich für weniger als 400 Yuan (chi-
nesische Währung, entspricht etwa 40 Euro) konsumiert. 3. Normalkonsum:
48,9% der Befragten haben hrend dem letzten Jahr Sportbereich r 401 bis
1000 Yuan (entspricht etwa 41-100 Euro) konsumiert. 4. Hochkonsum: 14,4%
der Befragten haben im letzten Jahr im Sportbereich r über 1000 Yuan (ca. 100
Euro) konsumiert.
Hast Du im letzten Jahr auf den Sportmarkt konsumiert?
4,9%
31,8%
48,9%
14,4%
Nichtkonsum Geringkonsum Normalkonsum Hochkonsum
Abb.38: Verhältnisse des Sportkonsums chinesischer Jugendlicher (N=1156, Angaben in %)
Die Befunde bestätigen, dass der Sportkonsum einen fundamentalen Bestand-
teil des alltäglichen Lebensstils der chinesischen Heranwachsenden darstellt.
Die Abbildung 39 bestätigt die Annahme, dass sich der Sportkonsum nach Ge-
156
schlechtern und Altersstufen unterscheidet. Die älteren chinesischen Jugendli-
chen investieren weniger als die Jüngeren. Der Anteil nicht konsumierender
Schüler der 12. Klasse ist deutlich höher als jener der Schüler der 7. und 9. Kla-
sse. Auch hier nnte als Begründung der Lernstress bei den älteren Schülern
und der damit verbundene Zeitmangel herangezogen werden. Des Weiteren
sinkt die subjektive Wichtigkeit des Sporttreibens mit zunehmendem Alter (vgl.
Ergebnisse in Kapitel 6.2.1). Zugleich sind die nnlichen Jugendlichen nur ge-
ringfügig aktiver beim Gesamtsportkonsum als die Weiblichen. Beim Hochkon-
sum sind es deutlich mehr Jungen als dchen. Die nnte damit zusammen-
ngen, dass die subjektive Wichtigkeit des Sports und die Häufigkeit der Sport-
beteiligung bei den chinesischen Jungen größer ist als bei den dchen (vgl.
dazu Kapitel 6.2.1).
0% 20% 40% 60% 80% 100%
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
dchen
Jungen
Nichtkonsum Geringkonsum Normalkonsum Hochkonsum
Abb.39: Sportkonsum chinesischer Jugendlicher nach Geschlechtern und Altersstufen
(N=1156; Angaben in %)
Basierend auf den Angeboten des chinesischen Sportmarkts wird der Sportkon-
sum nach den folgenden sechs Items kategorisiert: 1. Sportkleidung und -schuhe,
2. Sportgeräte, 3. Eintrittsgeld bei den kommerziellen Sportanbieter, 4. Sportma-
gazine und -zeitungen, 5. Sporturlaub- und reisen sowie 6. Eintrittsgeld r Sport-
veranstaltungen. Diese sechs Sportkonsum-Items der chinesischen Jugendli-
157
chen werden im Folgenden hinsichtlich Geschlecht und Altersstufen analysiert.
In Abbildung 40 ist dargestellt, in welchen Bereichen des Sportmarktes die chi-
nesischen Jugendlichen im letzten Jahr konsumiert haben.
Wofür hast Du Geld von der folgenden Liste
ausgegeben?
7,7%
24,4%
47,2%
50,6%
62,4%
89,8%
0% 20% 40% 60% 80% 100%
Eintrittsgeld für Sportveranstaltungen
Sporturlaub,-reise
Sportmagazin,-zeitung
Eintrittsgeld bei den kommerziellen Sportanbieter
Sportgeräte
Sportkleidung, -schuhe
Abb.40: Sechs Sportkonsum-Items der chinesischen Jugendlichen (Angaben in %)
Sportkleidung und -schuhe sind fundamentale Bedürfnisse r die chinesischen
Jugendlichen. Dies ist nicht nur ein notwendiger Bedarf r die Schule, sondern
auch eine Voraussetzung r das Sporttreiben in der Freizeit. 89,8% der Befrag-
ten gaben an, solche Artikel im letzten Jahr gekauft zu haben. Dies sind daher die
ufigsten Investitionen im Sportmarkt der chinesischen Jugendlichen. Beim
Kauf von Sportkleidung und -schuhen gibt es keine Unterschiede, weder bei den
Geschlechtern noch zwischen den Altersstufen.
158
Verteilung des Konsums nach Geschlecht und
Altersstufen
88,5%
89,3%
91,3%
87,7%
91,2%
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Abb.41: Sportkleidung und -schuhen chinesischer Jugendlicher (Angaben in %)
Bei den Sportgeräten, wie z. B. Schlägern, llen, und Ähnliches. haben über
60% der Pekinger Heranwachsenden geantwortet, dass sie im letzten Jahr dafür
Geld ausgegeben haben. Hier gibt es ebenso kaum Unterschiede zwischen den
Geschlechtern und Altersstufen.
Verteilung des Konsums nach Geschlecht und
Altersstufen
62,0%
60,9%
63,8%
62,7%
62,2%
0% 20% 40% 60% 80% 100%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Abb. 42: Sportgeräte chinesischer Jugendlicher (Angaben in %)
159
Die Abbildung 43 deckt auf, dass die chinesischen Jugendlichen ein größeres In-
teresse an Sportzeitungen und -magazinen haben. In diesem Bereich gibt es fast
keine Unterschiede zwischen den Geschlechter und Altersstufen.
Verteilung des Konsums nach Geschlecht und
Altersstufen
49,3%
45,2%
46,4%
47,2%
47,2%
0% 10% 20% 30% 40% 50%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Abb.43: Konsum der Sportmedien chinesischer Jugendlicher (Angaben in %)
Mit der rasant wachsenden Wirtschaft und dem zunehmenden Interesse am
Sport „boomen“ die Angebote für Sportreisen oder -urlaub auch in China. Jedoch
wird der Konsum scheinbar durch die geografischen und klimatischen Bedingun-
gen und auch durch Zeitknappheit begrenzt. Etwa ein Viertel der Befragten
(24,4%) gaben an im letzten Jahr Sportreisen oder -urlaube konsumiert zu haben.
Hier gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Altersstufen.
Mehr dchen als Jungen haben an einer Sportreise oder einem Sporturlaub
teilgenommen. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Konsum von Sportreisen
oder -urlauben.
160
Verteilung des Konsums nach Geschlecht und
Altersstufen
27,1%
23,4%
22,5%
22,7%
25,5%
0% 5% 10% 15% 20% 25% 30%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Abb.44: Sporturlaub oder Sportreisen chinesischer Jugendlicher (Angaben in %)
Die vorliegende Arbeit zeigt, dass die chinesischen Heranwachsenden schein-
bar wenig Lust auf kostenpflichtige Sportveranstaltungen haben, obwohl in Pe-
king fast alle professionellen chinesischen Wettkämpfe stattfinden. Nur 7,7% der
Befragten antworteten, dass sie im letzten Jahr zumindest einmal in eine Sport-
halle oder ein Stadion gegangen sind. Dabei gibt es kaum Unterschiede bei den
Geschlechtern und den Altersstufen.
Verteilung des Konsums nach Geschlecht und
Altersstufen
7,3%
8,4%
7,6%
6,4%
8,6%
0% 2% 4% 6% 8% 10%
12. Klasse
9. Klasse
7. Klasse
Jungen
dchen
Abb.45: Besuch kostenpflichtiger Veranstaltungen in Sportstadien oder -hallen chine-
sischer Jugendlicher (Angaben in %)
161
Trotzdem haben 95,1% der Pekinger Heranwachsenden im letzten Jahr minde-
stens einmal Sport in einem der oben genannten Bereiche konsumiert. Innerhalb
dieses Sportkonsums gibt es ein starkes Ungleichgewicht zwischen den einzel-
nen Bereichen. Materiellen Dinge wie Sportkleidung und -schuhe sowie Sportge-
te wurden von den chinesischen Jugendlichen aktiver konsumiert. Dies ist eng
mit der alltäglichen Sportbeteiligung verknüpft. Der Konsum der Sportmedien ist
ebenfalls ein bedeutsamer Faktor r die Pekinger Schüler. Sporturlaube oder
-reisen sowie kostenpflichtige Sportveranstaltungen befinden sich nicht im Mittel-
punkt des Sportkonsums der chinesischen Heranwachsenden. Die Gründe dafür,
dass die Jugendlichen in einigen Bereichen nicht konsumieren, sind in Tabelle 18
aufgeführt: Zeitknappheit ist einer der entscheidenden Faktoren, der die chinesi-
schen Jugendlichen in einigen Bereichen des Sportkonsums beeinflusst. Neben
dem Zeitproblem gehören der Preis und mangelnde Sportinfrastrukturen zu den
wichtigsten Gründen dafür, dass die chinesischen Heranwachsenden am Sport
weder aktiv, noch passiv teilnehmen. Jeweils 40,9% und 34,0% der Nicht-Konsu-
mierenden gaben an, dass sie aufgrund fehlender Sportanlagen und ungeeig-
neten Sportarten im letzten Jahr kein Geld in diesen Bereichen ausgegeben ha-
ben. Bezüglich der Barrieren r den Sportkonsum der chinesischen Jugendli-
chen gibt fast keinen signifikante Unterschiede nach den Geschlechtern und
Altersstufen. Nur bei dem Item- „keine geeignete Sportart für mich“ gibt es Unter-
schiede. Die älteren Jugendlichen haben bereits ufiger (p<.01) die r sie ge-
eignete Sportarten gefunden.
162
Tab.18: Die Hinderungsgründe des Sportkonsums bei den chinesischen Jugendlichen.
(Positive Angaben in %: stimme llig zu und stimme zu; Mittelwerte: 5=
stimme völlig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Items
Prozent
Mittelwerte
Ich habe kein Geld (N= 548)
28,3
2,62
Ich habe keine Zeit (N= 549)
58,2
3,36
Die Preise sind zu hochr mich (N= 548)
49,2
3,23
Kein Sportplatz (N= 548)
40,9
2,97
Keine geeignete Sportart für mich (N= 547)
34,0
2,96
Niedriges Niveau der Spiele (N= 548)
25,0
2,65
Im Folgenden wird die Annahme geprüft, ob der Sportkonsum chinesischer Ju-
gendlicher mit ihrem Stellenwert des Sports, der ufigkeit des Sporttreibens und
ihrem Geschlecht zusammenhängt. In der vorliegenden Studie wird der Chi-
Quadrat-Test eingesetzt, um zu untersuchen, ob sich die Summe des Sportkon-
sums (abhängige Variable) in verschiedenen Gruppen der chinesischen Jugend-
lichen unterscheidet.
Die Tabelle 19 verdeutlicht, dass der Sportkonsum bei den chinesischen Heran-
wachsenden vom Stellenwert des Sports (²= 54,7; p<.001; CC=.21) und der
ufigkeit der Sportbeteiligung (²= 145,1; p<.001; CC=.34) beeinflusst wurde.
Die Anteile des Nicht- und Geringkonsums sinken mit dem steigenden Stellen-
wert des Sports. Dementsprechend erhöhen sich die Anteile des Normal- und
Hochkonsums mit zunehmendem Stellenwert des Sports. Die Verteilungen des
Sportkonsums unterscheiden sich in den Gruppen der verschieden häufig sport-
treibenden Jugendlichen. Auffallend ist, dass die Anteile des Nicht- und Gering-
konsums bei den Totalsportlern deutlich höher sind als bei den in der Freizeit in-
aktiven sporttreibenden Jugendlichen. Die Anteile des Normal- und Hochkon-
sums bei den Totalsportlern sind ebenfalls niedriger als bei anderen Konsumen-
tengruppen. Eine glichkeit ist, dass die aktiveren sporttreibenden chinesi-
163
schen Jugendlichen aus den unteren sozialen Schichten stammen (vgl. Kapitel.
6.2.7).
Tab.19: Sportkonsum chinesischer Jugendlicher nach dem Stellenwert des Sports und der
ufigkeit des Sporttreibens (Zeilenprozent) ²-Tests
Sportkonsum
Nie
Gering
Normal
Hoch
Stellenwert des Sports
Unwichtig
9,8
39,7
38,8
11,7
Neutral
6,3
32,5
48,3
12,9
Sehr Wichtig
1,2
27,3
55,7
15,8
N= 1156;²= 54,7; p<.001; CC=.21
ufigkeit des Sporttreibens
Nichtsportler
2,3
27,9
58,9
10,9
Gelegenheitssportler
1,5
33,5
51,9
13,1
Sportler
2,4
28,3
44,5
24,8
Totalsportler
15,2
40,6
42,6
1,6
N= 1156;²= 145,1; p<.001; CC=.34
Nach der Wirtschaftsreform und der Öffnung des Marktes in den letzten 30 Jah-
ren haben sich die chinesischen gesellschaftlichen Strukturen sehr schnell entwi-
ckelt. Die Differenzen zwischen Sdten und rfern, sowie reichen und armen
Bevölkerungsgruppen vergrößerten sich mit der Zeit immer deutlicher. Im Folg-
genden wird eine weitere zentrale Hypothese geprüft, ob die Summe des Sport-
konsums chinesischer Jugendlicher mit dem sozialen Raum der Eltern zusa-
mmenhängt. Zum Verständnis wird jedoch zuvor die chinesische Gesellschafts-
struktur des 21sten Jahrhunderts kurz vorgestellt.
Im Jahr 2005 haben chinesische Sozialwissenschaftler die Gesellschaftsschich-
ten Chinas restrukturiert und in zehn Schichten unterteilt. Diese beruhen auf dem
Beruf, den Machtressourcen, dem ökonomischen und kulturellen Kapital, und auf
der Wichtigkeit der Ressourcen bzw. des Kapitals (vgl. Lu, 2005). Abbildung 46
zeigt, wie die zehn chinesischen sozialen Schichten mit den nf Hierarchien
zusammenhängen. Im Folgenden werden die zehn Schichten erläutert:
164
1. „Verwaltungsschicht“: Diese Gruppe besteht aus mittleren und oberen Be-
amten verschiedener Verwaltungsabteilungen der Regierung. Da sie Macht
und soziale Ressourcen zur Verfügung haben, steht diese Schicht an erster
Stelle.
2. „Managerschicht“: Sie sind die mittleren oder oberen Verwaltungspersonen in
den großen oder mittelgroßen Unternehmen. Diese Gruppe verfügt über das
meiste ökonomisches Kapital.
3. „Direktorenschicht“: Sie sind die Besitzer mittlerer Unternehmen. Sie haben
privates Kapital und eigenes Vermögen.
4. „Fachkraft“: Sie sind die Menschen, die eine hohe (z. B. akademische) Aus-
bildung haben. Sie arbeiten in fachlichen Branchen.
5. Untere Angestelltenschicht“: Sie sind untere Beamte oder Sachbearbeiter in
Unternehmen.
6. „Selbständigenschicht“: Sie haben kleinere Unternehmen und besitzen wenig
Kapital und eigenes Vermögen.
7. „Schicht des Dienstleistungsgewerbes“: Sie haben eine niedrige Ausbildung
sowie wenig Kapital und eigenes Vermögen.
8. „Fabrikarbeiterschicht“: Sie haben eine niedrige Ausbildung und arbeiten in
den Fabriken.
9. „Bauernschicht“: Sie haben eine niedrige Ausbildung sowie wenig Kapital und
arbeiten in der Landwirtschaft.
10. „Schicht der Geringverdiener oder Arbeitslosen“: Sie haben fast kein Ver-
gen.
Gleichzeitig hat diese sozialwissenschaftliche Forschungsgruppe nf soziale
Schichten hierarchisiert: 1. Die obere soziale Schicht; 2. die obere mittlere so-
ziale Schicht; 3. die mittlere soziale Schicht; 4. die untere mittlere soziale Schicht
und 5. die untere soziale Schicht (vgl. Abbildung 46).
165
nf Hierarchien zehn soziale Schichten
obere Verwaltungsschicht
soziale (Machtressourcen)
Schicht
Managerschicht
(Machtressourcen oder
kulturelles Kapital)
obere mittlere Direktorenschicht
soziale konomisches Kapital)
Schicht
Fachkraft
(kulturelles Kapital)
untere Angestelltenschicht
mittlere (weniger Machtressourcen
soziale oder kulturelles Kapital)
Schicht
Selbständigenschicht
(wenigeres ökonomisches Kapital)
Schicht des Dienstleistungsgewerbes
untere mittlere (geringere Ressourcen oder Kapitel)
soziale
Schicht Fabrikarbeiter
(geringere Ressourcen oder Kapitel)
Bauernschicht
untere (geringere Ressourcen oder Kapitel)
soziale
Schicht Geringverdiener oder Arbeitslose
(fast keine Ressourcen oder Kapitel)
Abb.46: Die soziale Struktur Chinas (Nach Lu, 2005)
Die Nennungen einiger sozialer Schichten in dieser Untersuchung ergaben in der
Summe weniger als 30, woraus sich keine repräsentative Bedeutung ergibt. Eini-
ge Beispiele: Nur neun Väter und elf Mütter befinden sich in der „Verwaltungs-
166
schicht“, jeweils 14 Väter und Mütter in der „Direktorenschicht“. Nur ein Vater und
eine Mutter gehören der „Bauernschicht“ an, drei Väter und zehn Mütter sind in
der „Schicht der Geringverdiener oder Arbeitslosen“ angesiedelt. Weiterhin kom-
men 29 Väter aus der „Dienstleistungsgewerbeschicht“ und 13 Mütter sind in der
„Managerschicht“. Diese Daten werden hier nicht ausgewertet. Darüber hinaus
haben zehn ter und 22 tter nur ein geringes Ausbildungsniveau (sechs
Jahre Schulbildung). Diese Gruppe wird ebenso nicht berücksichtigt.
Wie Tabelle 20 zeigt, wurde der Sportkonsum chinesischer Jugendlicher von der
sozialen Schicht der Eltern beeinflusst. Die Anteile des Normal- und Hochkon-
sums der Jugendlichen aus den heren sozialen Schichten sind deutlich her,
als bei denen aus niedrigeren Sozialschichten. Die Anteile des Normal- und
Hochkonsums steigen außerdem mit zunehmender Schulbildung der Eltern. Die
Korrelationskoeffizienten unterscheiden sich bei dem Vater (r=.13) und der
Mutter (r=.12) fast nicht.
Die Selbstständigenschicht scheint einen Sonderfall zu bilden. Bei selbststän-
digen ttern stehen die normal konsumierenden Kinder mit 70,5% mit weitem
Abstand an erster Stelle. Auch Kinder von selbständigen tern sind beim Nor-
malkonsum mit 58,1% stark vertreten und übertreffen die her angesiedelten
Schichten „Fachkraft“ und „untere Angestelltenschicht“. Man kann vorsichtig ver-
muten, dass die Selbstständigen, trotz dass sie sich an sechster Stelle der Be-
rufshierarchie befinden, über vermehrtes ökonomisches Kapital verfügen, auch
wenn das soziale und kulturelle Kapital in dieser Schicht gering erscheint. Das
nnte ein Grund dafür sein, warum die Kinder der Eltern aus der
Selbstständigenschicht konsumfreudiger sind.
167
Tab.20: Sportkonsum der chinesischen Jugendlichen bezüglich der Sozialschicht
und Schulbildung der Eltern (Zeilenprozent) ²-Tests
Sportkonsum
Nie
Gering
Normal
Hoch
Sozialschicht des Vaters
Managerschicht
1,8
20,7
63,1
14,4
Fachkraft
2,2
32,3
51,3
14,2
untere Angestelltenschicht
6,4
28,2
44,8
20,6
Selbständigenschicht
7,0
19,8
58,1
15,1
Fabrikarbeiter
6,6
41,9
43,6
7,9
N=1097; ²=55,7; p<. 001; CC=.22
Soziale Schicht der Mutter
Fachkraft
1,9
20,4
55,8
21,9
untere Angestelltenschicht
5,6
32,0
51,3
11,1
Selbständigenschicht
8,2
13,1
70,5
8,2
Schicht des Dienstleistungsgewerbes
6,5
56,5
25,8
11,2
Fabrikarbeiter
6,2
43,2
39,6
11,0
N=1113; ²=88,4; p<. 001; CC=.27
Schulabschluss des Vaters
Primäre Ausbildung
7,9
38,8
33,2
20,1
Mittelstufige Ausbildung
5,5
36,1
48,7
9,7
Hochschulausbildung
3,4
25,3
54,1
17,2
N=1138; ²=40,6; p<.001; CC=.19
Schulabschluss der Mutter
Primäre Ausbildung
6,8
42,0
34,6
16,6
Mittelstufige Ausbildung
6,2
36,0
44,3
13,5
Hochschulausbildung
3,2
25,8
56,9
14,1
N=1125; ²=34,8; p<.001; CC=.17
Fazit
Der Sportkonsum, ngt eng mit dem Lebensstil der chinesischen Jugendlichen
zusammen und ist auch ein wichtiger Bestandteil ihrer alltäglichen Verhaltens-
muster. Der Fokus des Konsums bei den chinesischen Heranwachsenden liegt
auf der alltäglichen Benutzung, wie z. B. Sportkleidung, Sportgeräte und Sport-
medien. Jungen haben einen geringeren Sportkonsum als dchen. Altersstu-
fen haben wenig Einfluss. Der Stellenwert des Sports entscheidet über die Sum-
168
me des Sportkonsums. Je her die subjektiven Sportwichtigkeit, desto aktiver
sind die Schüler beim Sportkonsum. Dagegen verhindern fehlende Freizeit und
Sportstätten den Sportkonsum der Jugendlichen. Die ufigkeit des Sporttrei-
bens bei den chinesischen Jugendlichen korreliert ebenfalls mit dem Sportkon-
sum. Generell ngt der Sportkonsum chinesischer Heranwachsenden mit der
sozialen Schicht der Eltern zusammen. Je her das Ausbildungsniveau und
das Einkommen, also je her das ökonomische und kulturelle Kapital, der El-
tern, desto aktiver sind deren Kinder im Sportkonsum. Sportkonsum spiegelt die
soziale Ungleichheit wieder. Hier kann die Bourdieus Lebensstil-Theorie bestäti-
gt werden.
6.2.7 Vergleich der familiären Einflussfaktoren auf die Sportbeteiligung der
Jugendlichen in Deutschland und China
Nachdem im Detail auf den Sportkonsum in China eingegangen wurde, wird nun
wieder ein Vergleich zwischen Deutschland und China angestellt. Gegenstand
sind die familiären Einflussfaktoren und ihre Wirksamkeit auf die Sportbeteili-
gung. Nach Bourdieu wird das individuelle Sporttreiben stark durch die jeweilige
soziale Schicht beeinflusst, und die Sportartenauswahl verschiedener sozialer
ume wird Distinktionsmittel. Basierend auf seinen Lebensstilansätzen wurden
zahlreiche schichtspezifische Untersuchungen zum Sportengagement in Deu-
tschland durchgeführt. Bei Weiß ist der physische Habitus die Prägung des Kör-
perbewusstseins nach rperethos, Habitus und Lebensstil (vgl. Weiß, 1999).
Bei Nagel ngt das Sporttreiben mit vertikalen Ungleichheitsdimensionen wie
z. B. Bildung, Beruf und Einkommen zusammen (vgl. Nagel, 2002). Heinemann
hat in seiner Untersuchung zum schichtspezifischen Sportengagement Folgen-
des belegt: „Mitglieder aus mittleren und oberen Sozialschichten treiben häufiger
Sport als Mitglieder aus unteren Sozialschichten“ (Heinemann, 1998, S. 200).
169
Ebenso bestätigt Winkler auch den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleich-
heit und Sportaktivität. Die deutschen Erwachsenden treiben mit steigender Schi-
chtzugehörigkeit mehr Sport (vgl. Winkler, 1998).
Sport spielt r die jugendliche Freizeit eine große Rolle, sowohl in China als
auch in Deutschland. Die vorhandenen Untersuchungen haben bewiesen, dass
die ufigkeit des Sporttreibens und der Stellenwert des Sports bei den deu-
tschen Heranwachsenden von den sozialstrukturellen Merkmalen ihrer Eltern
beeinflusst werden. Dieser Einfluss existiert durch das Geschlecht der Eltern und
der Kinder (vgl. Burrmann, 2005; Hasenberg, 1997). Es sind nur wenige Unter-
suchungen über die chinesischen Jugendlichen und ihr Sportengagement und
soziale Ungleichheit vorhanden. Nur eine Studie bestätigt, dass die Sportaktivität
der stadtbewohnenden chinesischen Kinder von dem Bildungsniveau und dem
Beruf ihrer Eltern deutlich beeinflusst werden. Je höher die soziale Schicht ihrer
Eltern ist, desto aktiver sind die Kinder beim Sporttreiben (vgl. Zhang, 2005). In
dieser Arbeit wurde die Hypothese geprüft, ob die ufigkeit des Sporttreibens
und die Stellenwerte des Sports bei Pekinger Jugendlichen mit dem sozialen
Umfeld korrelieren. Dazu gehört das Bildungsniveau, die soziale Schicht und die
Sportaktivität der Eltern.
Die ufigkeit des Sporttreibens der chinesischen Jugendlichen wird vom Bil-
dungsniveau der tter und der ter zusammengengt und negativ beein-
flusst. Der Anteil der totalen Sportler (täglicher Sport) sind fast gleich und der
Sportlern (3-4 Mal in der Woche Sport) sinkt mit dem Grad der Ausbildung der El-
tern. Im Gegensatz dazu steigt der Anteil der Gelegenheitssportler (1-2 Mal in der
Woche Sport) und Nichtsportler der Jugendlichen mit höherem Ausbildungsgrad
der Eltern. Zugleich wird die ufigkeit des Sporttreibens der chinesischen Her-
anwachsenden von den sozialen Schichten der Eltern negativ beeinflusst. Die
Jugendlichen, deren Mütter in der „Managerschicht“ sind und als „Fach-
kraft“ arbeiten, sind inaktiver beim Sporttreiben als die aus den unteren sozialen
170
Schichten. Ebenso sind die Heranwachsenden, mit tern aus der heren so-
zialen Schichten, in ihrer Freizeit sportlich inaktiver als Jugendliche mit tern
der unteren Schichten.
Die Befunde haben die oben genannte Hypothese also nicht bestätigt: Dass die
ufigkeit des Sporttreibens bei chinesischen Heranwachsenden mit dem kul-
turellen Kapital der Eltern positiv beeinflusst wird. Genauer gesagt beeinflusst
das here kulturelle Kapital der Eltern die sportliche Aktivität ihrer Kinder nega-
tiv. Eine gliche Erklärung dafür re beispielsweise, dass die Kinder von El-
tern aus heren sozialen Schichten, mehr von ihren Eltern zum Lernen und zu
Fleiß gedrängt werden, um später einen ähnlich hohen Lebensstandard zu er-
reichen und dies auf Kosten des Sportreibens geht (vgl. Tabelle 21).
Zwischen dem Stellenwert des Sports der chinesischen Jugendlichen und dem
Ausbildungsniveau der ter besteht ein negativer Zusammenhang. 29,1% der
Kinder, deren ter eine Hochschulausbildung haben, gaben an, dass der Sport
unwichtig sei. Deutlich weniger Schüler (14,3%) von tern, die ein primäres
Ausbildungsniveau besitzen, trafen die Aussage, dass Sport unwichtig sei. Je-
doch wird der Stellenwert des Sports vom Bildungsniveau der tter positiv be-
einflusst. 51,4% der Heranwachsenden, deren tter eine Hochschulausbil-
dung haben, meinen, dass Sport sehr wichtig sei. Dieser Wert ist deutlich höher
als bei denjenigen, deren tter eine niedrigere Ausbildung haben. Der Anteil
der Jugendlichen, die Sport unwichtig finden, sinkt demnach scheinbar mit der
Schulbildung der Mutter. Der Stellenwert des Sports variiert mit der sozialen
Schicht der Eltern. Die Anteile der Jugendlichen aus heren sozialen Schich-
ten der Väter, die den Sport als „mittelmäßig wichtig“ erachten, sind größer als
die aus niedrigen sozialen Schichten. Dennoch sind die Anteile der Jugendlichen,
deren tter sich in den heren sozialen Schichten befinden im Feld Sport ist
„sehr wichtig“, größer als die der Anteil der Jugendlichen, deren Mütter aus unte-
ren Schichten kommen. Das heißt, das soziale Kapital der Eltern beeinflusst die
171
subjektive Wichtigkeit des Sports bei den chinesischen Jugendlichen positiv. Die-
ser Befunde konnten somit die Annahme über das Sportengagement bei chinesi-
schen Jugendlichen im Zusammenhang mit dem soziale Kapital der Eltern be-
stätigt.
Tab.21: Sporttreiben und Stellenwert des Sports chinesischer Jugendlicher, differenziert
nach Ausbildung und Sozialschicht der Eltern (Zeilenprozent) ²-Tests
ufigkeit des Sporttreibens der Jugendlichen
Stellenwert des Sports
glich
3-4 mal in
der Woche
1-2 mal in
der Woche
nie
sehr
wichtig
mittelmäßig
wichtig
nicht
wichtig
Schulabschluss der Väter
Primäre Ausbildung
24,1
26,2
32,4
17,3
44,7
34,0
14,3
Mittelstufige Ausbildung
23,5
24,8
33,0
18,7
46,4
27,7
25,9
Hochschulausbildung
20,3
21,3
32,6
25,8
45,3
25,6
29,1
N=1139; ²=9,2; p>. 05; CC=.12 N=1139; ²=6,1; p>. 05; CC=. 07
Schulabschluss der Mütter
Primäre Ausbildung
22,3
31,9
29,6
16,2
44,5
26,6
28,9
Mittelstufige Ausbildung
23,0
25,5
32,3
19,2
38,3
33,6
28,1
Hochschulausbildung
22,0
16,8
35,4
25,8
51,4
23,1
25,5
N=1126; ²=30,2; p<. 01; CC=.16 N=1126; ²=19,7; p<, 01; CC=.13
Soziale Schicht der Väter
Managerschicht
9,9
26,2
30,6
33,3
37,9
32,4
29,7
Fachkraft
27,2
17,7
31,1
24,0
47,5
28,8
23,7
untere Angestelltenschicht
17,8
21,7
42,7
17,8
40,9
31,7
27,4
Selbständigenschicht
28,4
21,4
30,1
20,1
63,6
15,9
20,5
Fabrikarbeiter
23,2
29,6
27,4
19,8
45,1
23,2
31,7
N=1098; ²=47,4; p<. 001; CC=. 20 N=1098; ²=24.2; p<. 01; CC=.15
Soziale Schicht der Mütter
Fachkraft
17,1
16,0
39,8
27,1
47,4
26,5
26,1
untere Angestelltenschicht
26,4
21,4
30,9
21,3
47,3
25,5
27,2
Selbständigenschicht
35,1
30,1
9,8
25,0
58,4
18,3
23,3
Schicht des Dienstleis-
tungsgewerbes
9,7
40,3
29,0
21,0
29,0
48,4
22,6
Fabrikarbeiter
21,2
28,3
33,4
17,1
42,5
30,3
27,2
N=1114; ²=55,0; p<. 001; CC=. 22 N=1114; ²=20,6; p<. 01; CC=.14
r die deutschen Heranwachsenden scheint dies nicht zu gelten. Burrmann er-
wartet dass die Sportengagements der Jugendlichen in Abhängigkeit von der
Position der Familie im sozialen Raum [...] variieren(Burrmann, 2005, S. 233).
172
Dies wurde von der Brandenburgischen Jugendsportsurvey 2002 wie folgt be-
stätigt: Wenn die Eltern ein niedriges Bildungsniveau haben, sind ihre Kinder in-
aktiv beim Sporttreiben. Im Gegensatz dazu gilt, wenn die Eltern ein hohes Bil-
dungsniveau haben, sind ihre Kinder aktiv bei der Sportbeteiligung. Das Bil-
dungsniveau der Eltern beeinflusst die subjektive Wichtigkeit des Sports von den
deutschen Heranwachsenden positiv. Das Sportengagement ostdeutscher Ju-
gendlicher ngt mit dem Erwerbstatus der Eltern zusammen (vgl. Burrmann,
2005).
Des Weiteren hat Burrmann in der brandenburgischen Jugendsportsurvey be-
legt, dass „die Sportengagements der Heranwachsenden nicht nur von der Po-
sition der Familie im sozialen Raum variieren, sondern offensichtlich auch in
Abhängigkeit vom Geschlecht der Eltern und der Kinder“ stehen (Burrmann,
2005, S. 234). Im Folgenden wird geprüft, ob diese Abhängigkeit auch r die
chinesischen Jugendlichen gilt (vgl. Tabelle 22).
Das Bildungsniveau des Vaters (²=7,7; p>.05; CC=.13) hat wenig Einfluss auf
den Stellenwert des Sports für die männlichen chinesischen Heranwachsenden.
Das Bildungsniveau der Mutter hat hingegen einen starken Einfluss (²=34,5;
p<.001; CC=.26). Der Anteil der Jungen, deren Eltern in der Hochschule ausge-
bildet wurden und angab, dass Sport sehr wichtig sei, ist größer als der Anteil der
Jugendlichen, deren Eltern eine mittelstufige Ausbildung haben. Auffällig ist
dabei, dass die Kinder der Eltern mit primärer Ausbildung anteilsmäßig im glei-
chen Bereich wie die mit Eltern mit Hochschulausbildung liegen.
Die ufigkeit der Sportbeteiligung bei den chinesischen Jungen wurde vom Bil-
dungsniveau des Vaters (²=20,1; p<.01; CC=.20) und der Mutter (²=16,9; p<.05;
CC=.19) negativ beeinflusst. Je her das Bildungsniveau der Eltern ist, desto
inaktiver sind die chinesischen Jungen beim Sporttreiben. Der Anteil der Total-
sportler sinkt und die Anzahl der Nichtsportler steigt mit der heren Bildung der
173
Eltern. Die Jungen, deren Eltern nur eine primäre Ausbildung haben, sind deut-
lich aktiver beim Sporttreiben als die, deren Eltern mittelstufige oder here
Bildung genossen haben. Mit steigendem Bildungsniveau der ter sinkt der
Stellenwert des Sports r chinesische dchen (²=3,7; p>.05; CC=.07), r das
Bildungsniveau der tter gilt der umgekehrte Fall (²=15,1; p<.01; CC=.14).
Die dchen, deren tter einen Hochschulabschluss besitzen, haben den
Sport positiver beurteilt als die, deren tter nur eine primäre oder mittelstufige
Bildung haben. Die Häufigkeit des Sporttreibens bei den chinesischen Mädchen
ist ebenfalls von der Schulbildung der Eltern negativ beeinflusst, jedoch ist dieser
Einfluss der Mutter (²=39,2; p<.001; CC=.24) her als der des Vaters (²=15,4;
p<.05; CC=.15). Der Anteil der Nichtsportlerinnen aus hochschulgebildetem El-
ternhaus ist größer als der aus Familien mit primären Ausbildungsniveaus (vgl.
Tabelle 22).
r Burrmann ist der Stellenwert des Sports bei den deutschen Jungen unab-
ngig von dem Schulabschluss des Vaters, jedoch steigt die Wichtigkeit des
Sports mit zunehmendem Bildungsniveau der Mutter. Das Sportengagement bei
den Jungen ngt nicht mit dem Schulabschluss der Eltern zusammen. Die sub-
jektive Wichtigkeit des Sports und das Sportengagement bei den deutschen
dchen steigen mit zunehmendem Bildungsniveau der Eltern (vgl. Burrmann,
2005).
174
Tab.22: ufigkeit des Sporttreibens und Stellenwert des Sports der chinesischen Ju-
gendlichen und Bildungsniveau ihrer Eltern ²-Tests
Bildungsniveau Mutters
Bildungsniveau Vaters
Primär
Mittelstufe
Hochschule
Primär
Mittelstufe
Hochschule
dchen
Totalsportler
17,4
24,8
24,0
17,9
24,4
22,5
Nichtsportler
17,4
26,7
28,8
20,0
23,5
30,3
Sport ist sehr
wichtig
37,4
34,4
41,3
37,8
44,3
32,0
Jungen
Totalsportler
35,4
20,4
20,7
42,2
21,9
18,9
Nichtsportler
14,6
9,7
20,7
11,9
9,9
19,7
Sport ist sehr
wichtig
64,6
42,2
65,4
60,0
49,0
59,6
Der Stellenwert des Sports bei den chinesischen Jungen wird von der Sozial-
schicht der Mutter (²=30,0; p<.001; CC=.25) stärker beeinflusst als von der des
Vaters (²=11,1; p>.05; CC=.16). Die Jungen mit ttern aus heren Sozial-
schichten haben den Stellenwert des Sports positiver beurteilt als diejeni- gen,
deren tter aus niedrigen Sozialschichten stammen. Die Jungen, deren ter
sich in heren sozialen Schichten befinden, haben den Sport auch positi- ver
eingeschätzt als die Jungen, deren ter einer niedrigen Schicht angehören
(Ausnahme ist Selbstständigschicht). Die ufigkeit der Sportbeteiligung der chi-
nesischen Jungen wird auch von der Sozialschicht des Vaters (²=50,3; p<.001;
CC=.32) stärker negativ beeinflusst als von der Mutter (²=16,2; p>.05; CC=.19).
Die Jungen, deren Eltern Fachkräfte sind, sind inaktiver beim Sporttreiben in der
Freizeit als die, die aus niedrigeren Schichten kommen.
r die chinesischen dchen ngt der Stellenwert des Sports mit der Sozial-
schicht der Mutter (²=32,8; p<.001; CC=.22) und des Vaters (²=21,9; p<.01;
CC=.18) negativ zusammen. Die dchen, die aus niedrigen Sozialschichten
stammen, beurteilen den Sport positiver als die, die aus höheren Sozialschich-
ten. Die ufigkeit des Sporttreibens bei den chinesischen dchen wird von
175
der Sozialschicht (²=55,0; p<.001; CC=.27) der Mutter und der Sozialschicht
des Vaters (²=47,4; p<.001; CC=.30) fast gleichmäßig negativ beeinflusst. Der
Anteil der Nichtsportlerinnen steigt mit Sozialschicht der Mutter und des Vaters
an. Je her die Sozialschichten der Eltern, desto inaktiver sind die Mädchen
beim Sporttreiben.r den Zusammenhang des Sportengagements mit sozialer
Ungleichheit der Eltern sehen die Befunde von Burrmann anders aus. Der Er-
werbstatus der Eltern, insbesondere der ter, beeinflusst demnach das Sport-
treiben der Mädchen und nicht der Jungen (vgl. Burrmann, 2005).
Tab.23: ufigkeit des Sporttreibens und Stellenwert des Sports r die chinesischen
Jugendlichen und Sozialschicht ihrer Eltern ²-Tests
dchen
Jungen
Total-
sportler
Nicht-
sportler
Sport
ist sehr
wichtig
Total-
sportler
Nicht-
sportler
Sport
ist sehr
wichtig
Soziale Schicht der Väter
Managerschicht
9,1
41,8
20,0
10,7
25,0
55,4
Fachkraft
28,8
29,9
39,5
25,9
15,8
58,3
untere Angestellten Schicht
18,8
24,2
35,8
17,8
8,5
49,2
Selbständigenschicht
30,4
25,0
57,1
22,6
12,9
74,2
Fabrikarbeiter
23,2
20,2
42,9
22,2
18,2
49,5
Soziale Schicht der Mütter
Fachkraft
20,7
29,9
38,4
13,3
21,0
61,9
untere Angestellten Schicht
25,1
27,8
36,1
28,2
13,3
60,6
Selbständigenschicht
38,5
26,9
61,5
30,0
20,0
50,0
Dienstleistungsgewerbe Schicht
7,1
26,2
16,7
15,0
10,0
55,0
Fabrikarbeiter
20,6
19,4
42,3
21,2
13,6
42,4
Burrmann hat den Zusammenhang des Sportengagements der deutschen Ju-
gendlichen mit der Sportbeteiligung der Eltern untersucht:
Die Sportbeteiligung der Mutter weist einen stärkeren Zusammenhang zu den
Sportengagements der chter auf, hrend die Sportbeteiligung der ter stär-
ker mit den Sportengagements der hne korreliert. Ferner variieren die Sport-
engagements der Jungen weniger mit den Sportinvolvement der Eltern, als das
bei den Mädchen der Fall ist. (Burrmann, 2005, S. 237)
Um den Zusammenhang der ufigkeit des Sporttreibens und den Stellenwerts
des Sports bei den chinesischen Jugendlichen nach Geschlechtern und der
176
Sportbeteiligung der Eltern zu überprüfen, wird die Rangkorrelation nach Spear-
mann berechnet.
Im Gegensatz zu Burrmann 2005 kommt die vorliegende Untersuchung zu ei-
nem anderen Ergebnis. Die ufigkeit des Sporttreibens bei den chinesischen
dchen wurde von der Sportbeteiligung der Mutter (r=.33) stärker beeinflusst
als vom Vater (r=.18). Außerdem wurde die ufigkeit des Sporttreibens bei den
Jungen von der Sportbeteiligung der Eltern nicht beeinflusst. Der Stellenwert des
Sports r die chinesischen Jugendlichen korreliert negativ mit der Sportbeteili-
gung der Eltern.
Tab.24: Zusammenhang der ufigkeit des Sporttreibens und des Stellenwerts des Sports
r die chinesischen Jugendlichen mit dem Sporttreiben der Eltern
(Spearmann-Korrelationen: ** p<. 01)
Sportbeteiligung
Mutter Vater
dchen
ufigkeit des Sporttreibens .33** .18**
Stellenwert des Sports -.17** -.17**
Jungen
ufigkeit des Sporttreibens .05 -.01
Stellenwert des Sports -.16** -.14**
Da die ufigkeit des Sporttreibens und der Stellenwert des Sports bei den Ju-
gendlichen mit mehreren verschiedenen familiären Einflüssen zusammenn-
gen kann (vgl. Baur, 1982), sind bivariate Methoden nur bedingt geeignet, um die
Zusammenhänge zu beschreiben. Aus diesem Grund werden diese Zusammen-
nge in einem weiteren Schritt anhand eines vierstufigen Regressionsmodells
analysiert. Als abhängige Variable geht die ufigkeit des Sporttreibens in die
Analyse ein. Schrittweise werden die unabhängigen Variablen Stellenwert des
Sports, Sportbeteiligung der Mutter, Bildung der Mutter und der Sozialschicht des
Vaters einbezogen. Dadurch nnen die Anteile der aufgeklärten Varianz der
einzelnen Variablen abgeschätzt werden (vgl. Tabelle 25).
177
Von Bedeutung ist diesbezüglich der Anteil der Varianz (R²), der durch die je-
weilige Regressionsanalyse aufgeklärt wird. Dabei kann der Wert zwischen 0
und 1 liegen. Je her dieser ist, desto besser ist die Modellanpassung zu be-
werten (vgl. Backhaus et al., 2006).
Die aufgeklärte Gesamtvarianz unterscheidet sich in den verschiedenen Mode-
llen kaum (.23 ≤ R² ≤.27). Die Häufigkeit des Sporttreibens der chinesischen Ju-
gendlichen wird demnach am stärksten vom persönlichen Stellenwert des Sports
beeinflusst. Die sportliche Aktivität der Mutter hat, wenn auch nur in geringem
Umfang, von beiden Elternteilen am ehesten eine Auswirkung auf die Sportbetei-
ligung ihrer Sprösslinge. Eine gliche Erklärung dafür re, dass die tter
stärker mit der Erziehung der Kinder beauftragt sind und somit ihr Einfluss, an-
ders gesagt, ihre Vorbildfunktion, stärker ausgeprägt ist. Das Bildungsniveau der
Mutter korreliert, wenn auch sehr gering, negativ mit der Sporthäufigkeit, ebenso
wie die Sozialschicht des Vaters, die fast keinen Einfluss hat. Es stellt sich dadur-
ch heraus, dass die Bourdieus Theorie kaum mit der Sporthäufigkeit junger Chi-
nesen in Beziehung gesetzt werden kann.
Tab.25: Prädiktoren des Sporttreibens der chinesischen Jugendlichen Vierstufiges Reg-
ressionsmodell (Standardisierte Regressionskoeffizienten und aufgeklärte Ge-
samtvarianz R², Signifikanzniveau: ** p<. 001, * p<. 01)
Prädikatoren
abhängige Variable
ufigkeit des Sporttreibens
1
2
3
4
Stellenwert des Sports (1= Sport ist un-
wichtig, 3= Sport ist sehr wichtig)
.48**
.46**
.46**
.46**
Sporttreiben Mutter (0= nein, 1= ja)
.14**
.18**
.18**
Bildung der Mutter (1= Prir,
3= Hochschule)
-.16**
-.13**
Sozialschicht des Vaters
-.08*
korrigiertes R² .23** .25** .27** .27**
178
Fazit
Sportengagement ist ein essentieller Bestandteil im alltäglichen jugendlichen Le-
bensstil. Dies gilt sowohl r die deutschen Heranwachsenden als auch r die
chinesischen. Die auf der Lebensstil-Theorie Bourdieus basierende Untersu-
chungen haben gezeigt, dass die Sportaktivität bei den deutschen Jugendlichen
mit dem sozialen Umfeld der Eltern variiert. Je her das kulturelle Kapital der El-
tern, desto aktiver sind sie beim Sporttreiben. Die Befunde der vorliegenden
Arbeit nnen die Lebensstil-Theorie und Sportaktivität Bourdieus nicht wie bei
ihren deutschen Altersgenossen untermauern. Die Sportbeteiligung der chinesi-
schen Jugendlichen wird von der traditionellen chinesischen Kultur beeinflusst.
Die her ausgebildeten Eltern hoffen, dass ihre Kinder ebenfalls gut ausge-
bildet werden nnen. Mit dem steigenden Bildungsgrad der Eltern steigt auch
die Inaktivität der Jugendlichen. Die Sportbeteiligung der chinesischen Jugend-
lichen wurde ebenfalls von der sozialen Schicht der Eltern negativ beeinflusst.
Auch die subjektive Wichtigkeit des Sporttreibens wird bei den chinesischen Her-
anwachsenden wenig von dem kulturellen und sozialen Kapital der Eltern beein-
flusst.
Es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit bei der jugendlichen Sportaktivität und dem
sozialen Raum zwischen Deutschland und China. Der Stellenwert des Sports
und die ufigkeit des Sporttreibens ngen vom Geschlecht der Eltern und der
Kinder ab. Der Stellenwert des Sports bei den Mädchen und Jungen aus beiden
ndern werden vom kulturellen Kapital der Mutter positiv beeinflusst. Dies be-
deutet, je höher das kulturelle Kapital der Eltern, desto wichtiger schätzen Mäd-
chen und Jungen den Sport ein.
Zudem gibt es zwischen beiden ndern größere Unterschiede zwischen den
Geschlechtern. Der Stellenwert des Sports bei chinesischen Jungen ist von dem
kulturellen Kapital des Vaters positiv beeinflusst. Bei deutschen Jungen ist dies
179
unabhängig vom Bildungsniveau des Vaters. Die Häufigkeit der Sportbeteiligung
bei den deutschen Jungen ist vom Bildungsniveau der Eltern unabngig. Der
Schulabschluss der chinesischen Eltern beeinflusst das Sportengagement ihrer
Jungen negativ. Das Sportengagement bei den deutschen dchen steigt mit
zunehmendem sozialem Kapital der Eltern. r die chinesischen dchen gibt
es einen negativen Zusammenhang zwischen dem Stellenwert des Sports und
die ufigkeit des Sporttreibens in Bezug auf das soziale Kapital der Eltern.
Trotzdem das soziale Kapital der Eltern hat den Stellenwert des Sport bei den
chinesischen Jungen positiv beeinflusst, jedoch gibt es einen negativen Zusa-
mmenhang der ufigkeit des Sporttreibens bei den chinesischen nnlichen
Heranwachsenden bezüglich des sozialen Kapitals der Eltern. Dies ist bei den
deutschen Jugendlichen nicht abhängig. Das kulturelle und soziale Kapital der
deutschen Eltern haben eine positive Auswirkung auf das Sportengagement
ihrer chter, jedoch sst sich in China ein negativer Zusammenhang erkennen.
Hier kann keine Verbindung mit Bourdieus Lebensstil-Theorie bezüglich der
ufigkeit des Sporttreibens bei den chinesischen Jugendlichen geschlossen
werden. Jedoch gilt seine Theorie r den Stellenwert des Sports bei den chine-
sischen Jugendlichen in Bezug auf das kulturelle Kapital der Mutter. Auch zwi-
schen dem Stellenwert des Sports bei Jungen und dem kulturellen Kapital des
Vaters gibt es einen Zusammenhang.
Als weitere Gemeinsamkeit sst sich erkennen, dass Eltern einen immensen
Einfluss auf die Kinder haben. Insbesondere der Einflussfaktor Mutter in Bezug
auf das Sportengagement für die dchen, sei hier genannt. Der Vater spielt in
diesem Zusammenhang scheinbar eine untergeordnete Rolle. Auch das die
Jungen von den Eltern weniger beeinflusst werden gilt sowohl r Deutschland
als auch für China.
Abschließend sst sich festhalten, dass der entscheidende Einflussfaktor des
Sportengagements der chinesischen Jugendlichen der Stellenwert des Sports ist.
180
Die auf Bourdieus Lebensstil-Theorie basierende Studie legt nahe, die u-
figkeit des Sporttreibens in der Freizeit der chinesischen Jugendlichen nicht mit
gesellschaftlicher Ungleichheit in Verbindung zu setzen. Die Gründe r dieses
Phänomen nnten Folgende sein: Zum einen sind die Voraussetzungen im chi-
nesischen Bildungssystem, besonders durch die Aufnahmeprüfungen r die
forthrenden Schulen nach der 9. und 12. Klasse, sehr unterschiedlich zu den
Bedingungen aus der Zeit, in der Bourdieu seine Theorie formuliert hat. Das
heißt, es gibt historische und kulturelle Differenzen in Bezug auf das Bildungs-
system, anders gesagt, auf die Bildungsmentalität zwischen China und Frank-
reich. Außerdem wurde die Theorie bezüglich Erwachsene formuliert. Es scheint,
dass vor allem die Schüler Klassen 9. und 12. ihre Sportaktivität aufgrund dieser
lernintensiven Phase zurückzuschrauben. Zweitens konnten in den Stichproben
der aktuellen Studie nicht alle sozialen Schichten zu gleichen Teilen berück-
sichtigt werden. Die meisten Eltern der befragten Schüler befinden sich in der
mittleren sozialen Schicht. Vielleicht konnten die Befunde der klassenspezifi-
schen Ungleichheitstheorie von Bourdieu deshalb nicht bestätigt werden. Ein
dritter Grund nnte sein, dass durch die Partizipation in einem Sportverein
zumindest die soziale Verteilung der deutschen Jugendlichen aufgedeckt wer-
den konnte. In China fehlt diese Institution, eher nimmt der Schulsport, der r
alle verpflichtend ist, die stärkste Position sportlicher Aktivität r chinesische
Jugendliche ein. Hieraus können keine Schlüsse zur klassenspezifischen Un-
gleichheitstheorie gezogen werden.
Im Folgenden soll her auf das Selbstkonzepts eingegangen werden. Zunächst
wird das Modell des Selbstkonzepts erklärt, um dann im Anschluss auf den Zu-
sammenhang von Sportbeteiligung und verschiedenen Unterarten des Selbst-
konzepts einzugehen.
181
6.2.8 Jugendliche und Selbstkonzept in Deutschland und China
Das Selbstkonzept ist eine naive Theorie einer Person über sich selbst. Die
Selbstkonzeptforschung hat eine lange Tradition und bedient sich verschiedener
Zugänge. Dies erklärt auch, warum sich in der Literatur keine allgemeinltige
Definition finden sst. Moschner beschreibt das Selbstkonzept wie folgt: „Aus
der Gesamtheit der Bewertungen der Merkmale, Eigenschaften und higkei-
ten, die eine Person sich selbst zuschreibt, resultiert das globale Selbstwert-
gefühl“ (Moschner 1998, S. 460). Daraus lassen sich erste Erkenntnisse über
das Selbstkonzept gewinnen. Das Selbstkonzept beinhaltet die Wahrneh-
mungen, Vorstellungen und Bewertungen über die eigene Person.
Seit den 70er Jahren steht das Selbstkonzept im Forschungsfokus und die zahl-
reichen empirischen Untersuchungen nnen nach folgenden drei Aspekten
katalogisiert werden. 1. Während der Persönlichkeitsentwicklung spielt das
Selbstkonzept eine wichtige Rolle und gilt „als Indikator der Persönlichkeits-
entwicklung“ (Gerlach, 2008, S. 63). Die Selbstkonzeptstheorien bieten eine
Chance die Merkmale der Persönlichkeitsentwicklung zu beschreiben und das
stabile Selbstbild zu konstruieren, dennoch sind sie nur „ein oberflächlicher Be-
standteil der Persönlichkeit“ (vgl. Gerlach, 2008). 2. Das Selbstkonzept bezieht
sich auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit über die gesamte Le-
bensspanne, als aktive Auseinandersetzung mit seiner Lebenswelt. r die Ent-
wicklungs- und Persönlichkeitspsychologie ist das Selbstkonzept der Motor der
Persönlichkeitsentwicklung und -stabilisierung. 3. Gerlach nannte das Selbst-
konzept auch eine Basis der Persönlichkeitsentwicklung (vgl. Gerlach, 2008).
Das Selbstkonzept bezieht sich auf eine stabile Persönlichkeitsentwicklung. Von
besonderer Bedeutung ist das Jugendalter. Es stellt einen prägenden Lebens-
abschnitt bezogen auf die Entwicklung des Selbstkonzepts dar, weil: „Im Kon-
text moderner Theorien stellt sich Jugend als Phase im Sozialisationsprozess
182
dar, in der das Individuum in aktiver Auseinandersetzung mit seiner sozialen und
materialen Umwelt zentrale Kompetenzen mit dem Ziel einer sozial handlungs-
higen Persönlichkeit erwirbt“ (Hurrelmann, 1983).
Die Jugendlichen ssen somit bestimmte Entwicklungsaufgaben in der Haupt-
phase der Persönlichkeitsentwicklung bewältigen, was Auswirkungen auf ihr so-
ziales Handeln und damit auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Selbst-
konzepts hat. Die Jugendphase ist in diesem Zusammenhang somit von hoher
Bedeutung.
Das aus der Psychologie stammende Selbstkonzept ist in jüngerer Zeit auch auf
den sportpädagogischen Bereich angewendet worden. Zwei Grundannahmen
nnen in diesem Zusammenhang genannt werden: 1. die Selektionshypothese
geht davon aus, dass das Selbstkonzept die Sportbeteiligung beeinflusst und 2.
vertritt die Sozialisationshypothese den Standpunkt, dass die Sportbeteiligung
das Selbstkonzept beeinflusst (vgl. Conzelmann, 2001). In der vorliegenden
Arbeit wird von der zweiten Hypothese ausgegangen. Der Ausgangspunkt ist der,
dass die physischen, sozialen und emotionalen Erfahrungen im und durch Sport,
seien sie positiv oder negativ, unterstützend bei den Bewältigungsaufgaben der
Persönlichkeitsentwicklung hrend der Jugendphase wirken nnen. Bezogen
auf das Selbstwertgefühl konnte Brettschneider bereits zeigen, dass sportlich
aktive Jugendliche sich positiver einschätzen als sportlich inaktive. Weiterhin
kann ein Zusammenhang zwischen psychischer Labilität und einem negativen
rperbild gesehen werden, wobei sich das emotionale Selbstkonzept kaum
vom Sporttreiben beeinflussen sst (vgl. Brettschneider, 2003b). Insgesamt
muss jedoch festgehalten werden, die die derzeitige Befundlage nicht ausreicht,
um kausale Zusammenhänge zwischen Sportbeteiligung und Selbstkonzept
festmachen zu nnen. Das Selbstkonzept wird hier auch als wichtiger Bestand-
teil des jugendlichen Lebensstils gesehen und soll in dieser Arbeit zusammen mit
dem Sporttreiben chinesischer Jugendlicher betrachtet werden, da, wie bereits
183
erwähnt, der Sport als ein Einflussfaktor auf das Selbstkonzept gesehen wird. In
der sportbezogenen Jugendforschung wird das Selbstkonzept als Ressource im
komplexen Zusammenspiel von sportlicher Aktivität und Alltagsanforderungen
eingeordnet (vgl. Brettschneider & Kleine, 2002). Festgehalten werden kann an
dieser Stelle, dass Sport mit dem Selbstkonzept, dem Selbstbewusstsein und der
Identität von Jugendlichen positiv assoziiert wird (vgl. Kurz, Sack & Brinkhoff,
1996).
Jedoch zeigten die Ergebnisse der vorhandenen Studien auch, dass das Sport-
engagement das Selbstkonzept nur unter bestimmten Voraussetzungen positiv
beeinflussen kann, wie z. B. durch die Intensität und ufigkeit des Sporttrei-
bens. Da keine Untersuchung bislang zeigen konnte, dass das jugendliche Sel-
bstkonzept mit der sozialen Herkunft zusammenhängt, wird es in der vorliegen-
den Arbeit nicht berücksichtigt.
Studien zum Thema Selbstkonzept wurden in China, ebenso wie in den west-
lichen ndern, auf Basis der von dort stammenden Theorienanlagen und Mess-
instrumenten durchgeführt. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass das Selbst-
konzept mit der Sportaktivität der chinesischen Jugendlichen positiv korreliert
(vgl. Ji & Li, 1998; Wang, 2004; Yin & Fu, 2004, etc.). Zur Untersuchung und Fest-
stellung des Selbstkonzepts chinesischer Jugendlicher, wurden verschiedene
Messinstrumente, wie zum Beispiel das MSCS (Multidimensional Self Concept
Scale) von Bracken, herangezogen, sowie die Piers-Harris Children's Self-
Concept Scale, die Tennessee Self Concept Scale von Fitts, das Song-Hatties
Self-Concept Model und weiterhin der PSDQ von Marsh. Jedoch gibt es noch
keine Untersuchung über das Selbstkonzept junger Chinesen mittels SDQII von
Marsh (1990b). Shavelson et al. (1976) haben ein Selbstkonzeptmodell entwi-
ckelt, das insbesondere auf das Jugendalter zugeschnitten ist. Der SDQII (Self
Drescription Questionaire) von Marsh (1990b) basiert auf dem Modell des hierar-
chisch und mehrdimensional gegliederten Selbstkonzepts von Shavelson et al.
184
(1976) und beinhaltet im Original 102 Items. Das Modell kann die verschiede-
nen persönlichkeitsrelevanten Bereiche in alltäglichen Lebenskontexten erfa-
ssen. Das globale Selbstkonzept, oder das Selbstwertgefühl, bildet die Spitze
des SDQII, dort werden die allgemeinen Wahrnehmungen und Bewertungen
eines Individuums hinsichtlich der eigenen Person gebündelt. Es enthält sowohl
deskriptive, als auch evaluative Aspekte. Die chste Stufe beinhaltet drei Berei-
che des akademischen und nf Bereiche des nicht-akademischen Selbstkon-
zepts. Auf der letzten Stufe befindet sich das soziale, das emotionale und physi-
sche Selbstkonzept etc.
Die unterschiedlichen Selbstkonzeptbereiche sind nach ihrem Stabilitätsgrad an-
geordnet, das heißt die Stabilität nimmt von der Spitze angefangen mit jeder
Stufe ab. Das Selbstwertgefühl ist demnach relativ stabil, wogegen eine Verän-
derung der Selbsteinschätzung auf der Verhaltensebene wahrscheinlich ist. Das
Modell kann somit situationsbedingte Veränderungen und die Stabilität der
Selbstkonzeptbereiche beschreiben und bewerten (vgl. Brettschneider, 2003b).
Seit geraumer Zeit haben sich die deutschen Sportwissenschaftler mit Über-
legungen beschäftigt, ob das SDQII optimiert und effizienter gestaltet werden
kann und ob die Sportaktivität die nicht-akademischen Bereiche vom SDQII po-
sitiv beeinflusst. In der vorliegenden Untersuchung gilt er als Messinstrument für
das Selbstkonzept von den chinesischen Jugendlichen, da die Anwendung des
SDQII das Selbstkonzept und die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen
verbinden kann.
Der SDQII eignet sich in dieser Arbeit insofern, als dass man die bisher durch-
geführten Studien, die den Fragenbogen ebenfalls als Messinstrument verwen-
det haben, mit dieser Erhebung vergleichen kann.
Bei Brettschneider/Brandl-Bredenbeck korreliert Sport und Selbstkonzept so-
wohl in Deutschland als auch in den USA positiv, besonders im Bereich des ge-
185
nerellen Selbst und der sozialen Beziehungen zum anderen Geschlecht (vgl.
Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997). Ebenso wie Brettschneider et al.
haben im Vergleich des Selbstkonzepts zwischen deutschen und israelischen
Jugendlichen herausgefunden, dass die Einschätzungen bezüglich des Selbst-
konzepts durch das Geschlecht und das Alter beeinflusst werden. Auffallend ist,
dass das Sportengagement das Selbstkonzept bei israelischen Jugendlichen
weniger positiv beeinflusst als bei deutschen Jugendlichen (vgl. Brettschneider,
Brandl-Bredenbeck & Hofmann, 2005).
Die vorliegende Studie operationalisiert das Sportengagement auf einem ein-
dimensionalen Weg mittels der ufigkeit des Sporttreibens hrend der Frei-
zeit chinesischer Jugendlicher. Danach werden die Ergebnisse mit den vorhan-
denen Untersuchungen aus Deutschland verglichen.
Auf Grund zeitlicher und ökonomischer Gründe wurden 26 Items und drei Be-
reiche vom SDQII übernommen (vgl. Brettschneider, Brandl-Bredenbeck & Hof-
mann, 2005):
1. Generelles Selbstkonzept, acht Items, jeweils vier positive und negative Items.
2. Körperliches Aussehen, fünf Items.
3. Soziales Selbstkonzept zu den Eltern, nf Items, zum eigenen und anderen
Geschlecht jeweils zwei Items.
4. Physische Leistungsfähigkeit, vier Items.
Diese Items beziehen sich auf den nichtakademischen Bereich des Selbstkon-
zepts. Die Überprüfung der internen Konsistenz von der Selbstkonzeptskala der
chinesischen Jugendlichen hat ergaben, dass die Validität der reduzierten Items
nicht verloren gegangen ist.
186
Tab.26: Reliabilität des SDQ II bei chinesischen Jugendlichen - Cronbachs alpha
Itemzahl
Cronbachs alpha
Aussehen
5
0,74
Elternbeziehungen
5
0,82
Generelles Selbstwertgefühl
8
0,50
Physische Leistungsfähigkeit
4
0,67
Peerbeziehungen
4
0,63
In den Bereichen „Generelles Selbstwertgefühl“, „Physische Leistungsfähig-
keit“ und „Peerbeziehungen“ wurden Werte unter 0,7, aber über bzw. gleich 0,5
er- mittelt. Diese Werte werden dennoch als ausreichend betrachtet. Im Fol-
genden werden die Annahmen dieser Erhebung dargestellt: Die chinesischen
sportlich aktiven Jugendlichen haben ein positiveres Selbstkonzept als die sport-
abstinenten Jugendlichen. Hier liegt eine Differenz bezüglich der Geschlechter
und Altersstufen vor. Hinsichtlich der internationalen Anwendbarkeit vom SDQII
gibt es auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Selbsteinschätzung zwi-
schen den verschiedenen Bereichen, in Bezug auf die chinesischen und deut-
schen Jugendlichen.
Mit Hilfe der Kovarianzanalyse werden der Einfluss des Geschlechts und der
ufigkeit des Sporttreibens auf das Selbstkonzept von chinesischen Heran-
wachsenden ermittelt. Tabelle 32 verdeutlicht, dass eine Reihe von statistisch
signifikanten Unterschieden r die beiden Haupteffekte Geschlecht und die
ufigkeit des Sporttreibens vorliegen. Kein Zusammenhang besteht zwischen
Peerbeziehungen und Geschlecht, sowie Aussehen und ufigkeit des Sport-
treibens. Diese Befunde rden die Sozialisationshypothesen untermauern,
dass die Sportaktivität das jugendliche Selbstkonzept beeinflussen kann.
187
Tab.27: Kovarianzanalyse des Selbstkonzepts bei den chinesischen Jugendlichen
(Signifikanzniveau: ** p<.001, * p<.01)
Items
Mittelwerte
F-Werte
Geschlecht
ufigkeit des Sporttreibens
nn-
lich
Weib-
lich
Total-
sportler
Sport-
ler
Gelegenheits-
sportler
Nicht-
sportler
G
H
H
Aus
3,84
3,65
3,93
3,77
3,72
3,47
8,73*
18,38
10,89**
Eltern
4,96
5,05
5,21
5,16
4,98
4,69
9,22*
10,49**
9,52*
Gene
4,35
4,44
4,54
4,53
4,42
4,10
18,24**
19,56**
11,78**
Phys
4,52
4,19
5,04
4,66
4,28
3,29
17,51**
125,25**
12,40**
Peers
4,36
4,41
4,93
4,31
4,24
4,13
3,18
49,39**
13,70**
Anmerkung: Totalsportler- sie treiben glich Sport; Sportler- beteiligen sich 3-4 Mal wö-
chentlich am Sport; Gelegenheitssportler- treiben nur 1-2 Mal in der Woche
Sport; Nichtsportler- treiben keinen Sport in der Freizeit.
Im Anschluss werden mittels deskriptiver Methoden die Zusammenhänge von
Sportengagement und Selbstkonzept in den verschiedenen Altersstufen analy-
siert.
Sportive Aktivität und das generelle Selbstkonzept
Das generelle Selbstkonzept kann auch als Selbstwertgehl beschrieben wer-
den. Es enthält die Wahrnehmungen aus der sozialen Kompetenz, die emo-
tionalen Stabilitäten, die rperlichen higkeit und Attraktivität, und es spiegelt
auch die eigene Person und ihre Leistungen im Ganzen wider (vgl. Brett-
schneider, 2003b). Heim sieht das generelle Konzept als wichtige ule im ju-
gendlichen Entwicklungsprozess und gleichzeitig als Maßstab r die Bewer-
tung der eigenen Person (vgl. Heim, 2000). Die vorhanden Querschnittunter-
suchungen in Deutschland über das jugendliche Selbstwertgefühl und die Sport-
aktivität haben gezeigt: „Je aktiver Jugendliche ihrem Sport nachgehen, desto
positiver nehmen sie sich wahr- und zwar unabhängig von Geschlecht, Alter und
Bildungsniveau (Brettschneider, 2003b, S. 229).
188
Die vorliegende Arbeit macht deutlich, dass die Sportaktivität das generelle Kon-
zept der chinesischen Jugendlichen ebenfalls positiv beeinflusst, wie Abbildung
47 zeigt: Je aktiver sie Sport treiben, desto positiver nehmen sie sich wahr. Die
Werte auf den Subskalen des generellen Selbstkonzepts sind mit der steigen-
den sportlichen Aktivität zu belegen, und es gibt signifikante Unterschiede (Sig-
nifikanzniveau p<.001) zwischen den verschieden sportlich aktiven Gruppen. Die
Selbsteinschätzungen bezüglich des generellen Selbstkonzepts unterscheidet
sich in den verschiedenen Altersklassen der chinesischen Jugendlichen (Signifi-
kanzniveau p<.001). Mit zunehmendem Alter sinken die Werte auf den Subska-
len des Selbstwertgefühls. Zwischen chinesischen Jungen und dchen gibt es
allerdings einen signifikanten Unterschied (Signifikanzniveau: p<.001).
Sportaktivität, Alter und Geschlecht-Interaktionseffekt
4,54
4,53
4,42
4,1
4,59
4,5
4,14
4,35
4,44
3,6
3,8
4
4,2
4,4
4,6
4,8
Totalsportler
Sportler
Gelegenheitssportler
Nichtsportler
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
Jungen
dchen
Mittelwert
Abb.47: Die Häufigkeit des Sporttreibens, Geschlechtern, Altersstufen und der Einfluss
auf das generelle Selbstkonzept
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit haben auch ergeben, dass das genere-
lle Konzept der sportlich aktiven chinesischen Jugendlichen beglich der Ge-
schlechter und Altersstufen unterschiedliche Ausmaße einnimmt. Die Jungen
und Mädchen der 7. Klasse haben in den Subskalen die Selbsteinschätzung am
189
chsten bewertet. Danach sinkt diese Selbsteinschätzung mit zunehmendem
Alter. Jedoch hat die Sportaktivität das generelle Selbstkonzept eher wenig be-
einflusst (Außer bei den dchen der 7. Klasse). Es gibt kaum signifikante Unter-
schiede zwischen den Totalsportlern und den Nichtsportlern (Signifikanzniveau
p>.05). Hier kann nicht bewiesen werden, dass das Sportengagement mit dem
Selbstwertgefühl zusammenhängt. r die 9. und 12. Klasse chinesischer Heran-
wachsender ist Sporttreiben in ihrem Entwicklungsprozess nicht wichtiger, als
das bei den 7. Klassen der Fall ist. Eine gliche Erklärung r diese negative
Entwicklung hinsichtlich der Sportaktivität bei den älteren Schülern wäre darin zu
sehen, dass die wichtigste Aufgabe der 9. und 12. Klassen in der intensiven
Vorbereitung auf die kommenden Aufnahmeprüfungen liegt (vgl. Abbildung 48).
Auswirkung der Sportaktivität auf das generelle
Selbstkonzept
3
3,4
3,8
4,2
4,6
5
7. Klasse
Jungen 9. Klasse
Jungen 12. Klasse
Jungen 7. Klasse
Mädchen 9. Klasse
Mädchen 12. Klasse
Mädchen
Mittelwert
Sportler Nichtsportler
Abb.48: Die ufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf das generelle Selbstkonzept
im Verlauf des jugendlichen Entwicklungsprozesses
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die sportliche Aktivität bei den chinesi-
schen Heranwachsenden mit dem generellen Selbstkonzept assoziiert wird. Die
ufigkeit der Sportbeteiligung korreliert mit ihrer generellen Selbsteinschä-
tzung positiv. Jedoch geht es um das Einflussausmaß von der Sportbeteiligung
190
beglich der Altersstufen. r die deutschen Jugendlichen ngt die sportliche
Aktivität eng mit der Selbsteinschätzung zusammen: „Sportlich aktive Jugend-
liche weisen, geschlechterunabhängig, ein positiveres Selbstwertgefühl als
sportabstinente Heranwachsenden auf“ (Brettschneider, 2003b, S. 231). Inso-
fern sind Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Selbsteinschätzung des generellen
Selbstkonzepts zwischen den chinesischen und deutschen Jugendlichen vorhan-
den. Das generelle Selbstkonzept wird von der Sportaktivität beeinflusst, sowohl
in Deutschland als auch in China.
Sportive Aktivität und das soziale Selbstkonzept
Das soziale Selbstkonzept spielt eine besonders wichtige Rolle r den jugend-
liche Entwicklungsprozess im 21sten Jahrhundert (vgl. Brettschneider, 2003b).
Es umfasst die Einschätzung der Beziehung zu den Gleichaltrigen und zu den
Eltern. Zhou/He gaben an, dass die Selbsteinschätzung des sozialen Konzepts
zu den Gleichaltrigen bei den chinesischen nnlichen Jugendlichen niedriger
ist als bei den dchen, und die 8. Klassen haben diese Einschätzung am
niedrigsten bewertet (vgl. Zhou & He, 1996).
Die Selbsteinschätzung der chinesischen Heranwachsenden in Bezug auf so-
ziale Kontakte zum gleichen und anderen Geschlecht unterscheidet sich nach
den Jahrgangsstufen und der ufigkeit des Sporttreibens (Signifikanzniveau
p<.001). Je aktiver sie Sport treiben, desto besser ist die Beziehung zu den
gleichaltrigen Gruppen. Der Selbsteinschätzungswert von den Jungen (4,36) ist
fast genauso hoch wie der Wert der weiblichen Heranwachsenden (4,41). Es la-
ssen sich keine Gegensätze zwischen den Geschlechtern erkennen (Signifi-
kanzniveau p >.05). Auffallend ist, dass diese Selbsteinschätzung von den Ju-
gendlichen der 9. Klasse her bewertet wird als bei den 7. und 12. Klassen. Bis
zur 9. Klasse steigt der Wert der Selbsteinschätzung noch an, llt dann aber in
191
der 12. Klasse deutlich ab. Dieser deutliche Abfall in der Wichtigkeit der Peers ist
schwierig zu erklären und bildet eine Ausnahme in der altersmäßigen Entwick-
lung im Themenfeld Selbstkonzept (vgl. Abbildung 49).
Sportaktivität, Alter und Geschlecht-Interaktionseffekt
4,93
4,31
4,24
4,13
4,43
4,52
4,25
4,36
4,41
3,5
4
4,5
5
Totalsportler
Sportler
Gelegenheitssportler
Nichtsportler
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
Jungen
dchen
Mittelwert
Abb.49: Die ufigkeit des Sporttreibens, Geschlechtern, Altersstufen und der Einfluss
auf die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
In der vorliegenden Arbeit hat sich bestätigt, dass das Sportengagement kaum
eine Rolle r das soziale Selbstkonzept in den 7. Klassen, sowohl bei den Jun-
gen als auch bei den dchen, spielt. Das gleiche zeigt sich in den 9. und 12.
Klassen bei den Jungen, da die Werte auf den Subskalen von den Nichtsportlern
niedriger sind als die bei den Sportlern. Jedoch gilt für die 12. Klasse der nn-
lichen und weiblichen Heranwachenden, sowie der dchen in der 9. Klasse,
dass die Sportaktivität ein deutlicher positiver Einflussfaktor in ihrem Entwick-
lungsprozess darstellt. Die Selbsteinschätzungswerte von den Sportlern liegen
deutlich her als die Werte der Nichtsportler. Gleichzeitig gibt es signifikante
Unterschiede (p<.001). Es scheint so, dass das Sportengagement diese Bezie-
hung der sozialen Kontakte zum gleichen und anderen Geschlecht nur die älte-
ren Jugendlichen beeinflusst, insbesondere auch dchen der 9. Klassen, da
192
Sporttreiben in dieser Entwicklungsphase der älteren Kohorten eigentlich eine
relativ unbedeutsame Freizeitaktivitäten ist, was natürlich schade ist, denn die
Heranwachsenden der 12. Klasse (doch eher der unteren Klassen, denn bei
denen zeigt sich kein Einfluss von Sportengagement und sozialen Kontakten)
nnten dadurch ein soziales Netzwerk aufbauen. Für die jüngeren Chinesen ist
Sport anscheinend noch kein bedeutsamer Faktor um Beziehungen zu Gleichalt-
rigen herzustellen, da sie über mehr Freizeit verfügen und so eher ihre sozialen
Kontakte pflegen nnen. gilt dies jedoch nicht, weil sie noch mehr Freizeit haben,
und durch vielfältige Kontakte zu gleichaltrigen Gruppen genießen können.
Auswirkung der Sportaktivität auf das soziale
Selbstkonzept zu den Gleichaltrigen
3
3,4
3,8
4,2
4,6
5
7. Klasse
Jungen 9. Klasse
Jungen 12. Klasse
Jungen 7. Klasse
Mädchen 9. Klasse
Mädchen 12. Klasse
Mädchen
Mittelwert
Sportler Nichtsportler
Abb.50: Die ufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf die sozialen Kontakte zu
Gleichaltrigen im Verlauf des jugendlichen Entwicklungsprozesses
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Ein weiterer wichtiger Bestandteil im jugendlichen Entwicklungsprozess im
21sten Jahrhundert in China ist der Einfluss der Familie (vgl. Wang, 2004). Dies
ist auch bei ihren deutschen Altersgenossen der Fall. Brettschneider beschrieb
diese Perspektive mit dem Ausmaß, dass ohne die Unterstützung der Eltern, Ju-
gendliche die Entwicklung des eigenen Lebensstils nicht realisieren nnen (vgl.
Brettschneider, 2003b). Es scheint, dass die Sportbeteiligung und eine positive
193
Beziehung zu den Eltern von den chinesischen Jugendlichen korrelieren. Je in-
aktiver sie in der Freizeit Sporttreiben, desto schlechter ist das selbsteingeschä-
tzte Verhältnis zu den Eltern. Eine klarer signifikanter Unterschied hat dies eben-
so bewiesen (Signifikanzniveau p<.001). Fast keine Unterschiede zwischen den
Mittelwerten der Selbsteinschätzung, die Eltern betreffend, ergeben sich bei den
chinesischen Jugendlichen nach den Altersstufen (Signifikanzniveau p<.05). Die
älteren Gruppen haben die Beziehung zu ihren Eltern niedriger bewert als die
ngeren Gruppen. Dies sst sich wie folgt erklären: Der erhöhte Wert in der
siebten Klasse kann mit dem Eintritt in die Pubertät erklärt werden, wo sie noch
auf die Unterstützung der Eltern angewiesen sind und eine enge Bindung pflegen.
Mit fortschreitendem Alter nimmt diese Bindung ab, was zum Einen an dem
strengen Lernalltag liegen mag, zum anderen aber auch das Ergebnis von zahl-
reichen Meinungsverschiedenheiten im Elternhaus sein kann. Dies rde sich
mit der generellen Entwicklungstendenz von Jugendlichen decken, dass sie sich
mit zunehmendem Alter vom Elterhaus sen und die Beziehungen zu ihren
Peergroups als wichtiger erachten. Allerdings unterscheiden sie sich nach den
Geschlechtern (Signifikanzniveau p<.01). Die dchen haben diese Selbstein-
schätzung zu den Eltern positiver bewertet als die Jungen.
194
Sportaktivität, Alter und Geschlecht-Interaktionseffekt
5,21
5,16
4,98
4,69
5,51
4,96
4,51
4,96
5,05
4
4,5
5
5,5
6
Totalsportler
Sportler
Gelegenheitssportler
Nichtsportler
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
Jungen
dchen
Mittelwert
Abb.51: Die Häufigkeit des Sporttreibens, Altersstufen und Geschlechter und der Einfluss
auf die sozialen Kontakte zu den Eltern
(Mittelwerte: 6= stimme völlig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Jedoch wirkt sich das Sportengagement auf das Verhältnis zu den Eltern im Ver-
lauf des jugendlichen Entwicklungsprozesses unterschiedlich aus. Nur bei der 7.
Klasse der Sportler und der 9. Klasse der Sportlerinnen ist das Verhältnis niedri-
ger bewertet als bei den Nichtsportlern. Im Großen und Ganzen wird das Verhält-
nis zu den Eltern durch das Sportengagement jedoch positiv beeinflusst. Die
sportlichen Aktivitäten entwickeln und beeinflussen die sozialen Kontakte der
chinesischen Jugendlichen insgesamt positiv. Dieses Ergebnis unterscheidet
sich deutlich von den Ergebnissen der vorhandenen Untersuchungen zu deu-
tschen Jugendlichen.
195
Auswirkung der Sportaktivität auf das soziale
Selbstkonzept zu den Eltern
4
4,4
4,8
5,2
5,6
6
7. Klasse
Jungen 9. Klasse
Jungen 12. Klasse
Jungen 7. Klasse
Mädchen 9. Klasse
Mädchen 12. Klasse
Mädchen
Mittelwert
Sportler Nichtsportler
Abb.52: Die ufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf die sozialen Kontakte zu den
Eltern im Verlauf des jugendlichen Entwicklungsprozesses
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Brettschneider hat die Ergebnisse der Untersuchungen über die deutschen Ju-
gendlichen und das soziale Selbstkonzept zusammengefasst:
Inkonsistent sind die Befunde zum Zusammenhang zwischen Sportengagement
und dem sozialen Selbstkonzept. Ein direkter Einfluss sportlicher Aktivität auf
die Einschätzung der Beziehungen zum unmittelbaren sozialen Netzwerk ist
nicht nachweisbar. Gemäß den Selbsteinschätzungen der Jugendlichen bleiben
sowohl die Beziehungen zu den Eltern wie auch der Aufbau von Peer-Netzen
vom sportlichen Engagement unbeeinflusst. (Brettschneider, 2003b, S. 232)
Jedoch spielt das Sportengagement im Verlauf des Entwicklungsprozesses der
chinesischen Jugendlichen eine unterschiedliche Rolle. Die Ergebnisse von den
vorhanden deutschen Untersuchungen gelten auch r die älteren chinesischen
Jugendlichen.
Sportive Aktivität und das Körperkonzept
Das rperkonzept beinhaltet eine rperbezogene Selbsteinschätzung r die
Heranwachsenden. Alfermann et al. (1993) geben an, dass das Sportengage-
gement die Selbsteinschätzung des rperlichen Selbstkonzepts positiv beein-
196
flusst. Der Sport bietet eine ideale hne, um sein rper- bzw. Selbstbild zu ge-
stalten. Im Sport kann der Jugendliche seinen Körper erleben und erfahren. Ren
hat in seiner Untersuchung über das chinesische jugendliche Selbstkonzept in
Junior-Highschools herausgefunden, dass die ufigkeit der Sportbeteiligung
das Körperkonzept positiv beeinflusst, und der Selbsteinschätzungswert bei den
weiblichen Heranwachsenden niedriger ist als bei den Jungen (vgl. Ren, 2008).
Es hat sich ebenfalls bestätigt, dass das rperliche Aussehen mit der ufig-
keit des Sporttreibens eng zusammenhängt. Je aktiver die chinesischen Jugend-
lichen Sport treiben, desto positiver sehen sie ihren rper. Jedoch gibt es keine
signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen sportaktiven Gruppen
(p >.05). Allerdings gibt es eindeutige Unterschiede zwischen den Geschlech-
tern und Altersstufen bei den chinesischen Heranwachsenden (Signifikanzni-
veau p<.01). Der Wert auf den Subskalen des rperkonzepts bei den chine-
sischen dchen ist immerhin niedriger als der bei den Jungen. Auffallend ist
das mit zunehmendem Alter sinkende Selbstwertgefühl.
Sportaktivität, Alter und Geschlecht-Interaktionseffekt
3,93
3,77
3,72
3,47
3,78
3,74
3,65
3,84
3,66
3,2
3,4
3,6
3,8
4
Totalsportler
Sportler
Gelegenheitssportler
Nichtsportler
7. Klasse
9. Klasse
12. Klasse
Jungen
dchen
Mittelwert
Abb.53: Die ufigkeit des Sporttreibens, Altersstufen und Geschlechter und der Einfluss
auf das Körperkonzept
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
197
Im Verlauf des chinesischen jungendlichen Entwicklungsprozesses spielt das
Sportengagement eine unterschiedliche Rolle bei den Geschlechtern und Alters-
stufen. Im Großen und Ganzen lässt sich festhalten, dass die Sportaktivität das
rperkonzept positiv beeinflusst. Die Selbsteinschätzungswerte bei den Sport-
lern sind immer her als die bei den Nichtsportlern. Die dchen betonen mit
zunehmendem Alter die Wichtigkeit von Attraktivität und gutem Aussehen. Durch
das Sporttreiben nnen sie ihren nschen, wie beispielsweise eine schlanke
Figur zu haben, nachkommen, obwohl sie mit zunehmendem Alter dem schu-
lischen Druck stark ausgesetzt sind und wenig Zeit für sportliche Aktivität haben.
Im Gegensatz dazu erreicht die Aufmerksamkeit des rperaussehens die Jun-
gen nur bis zur 9. Klasse. Danach sinkt dieser Wunsch, wahrscheinlich durch die
hohe Lernbelastung.
Auswirkung der Sportaktivität auf das körperliche
Selbstkonzept
2,5
2,8
3,1
3,4
3,7
4
4,3
7. Klasse
Jungen 9. Klasse
Jungen 12. Klasse
Jungen 7. Klasse
Mädchen 9. Klasse
Mädchen 12. Klasse
Mädchen
Mittelwert
Sportler Nichtsportler
Abb.54: Die ufigkeit des Sporttreibens und der Einfluss auf das Körperkonzept im Verlauf
des jugendlichen Entwicklungsprozesses
(Mittelwerte: 6= stimmellig zu, 1= stimme gar nicht zu)
Insgesamt beeinflusst die Sportbeteiligung das rperkonzept bei den chinesi-
schen Jugendlichen positiv, was geschlechterunabhängig ist. Es gilt für die deu-
tschen Heranwachsenden: „Das Körperkonzept ist, bei sportlich aktiven deu-
tschen Jugendlichen geschlechterunabhängig, deutlich positiver ausge-
198
prägt“ (Brettschneider, 2003b, S. 232). Das Sportengagement der chinesischen
Jugendlichen prägt das rperkonzept der Jungen und dchen und in den ver-
schiedenen Altersstufen auf unterschiedliche Weise.
Fazit
Das Selbstkonzept spielt eine zentrale Rolle im Entwicklungsprozess sowohl von
deutschen Jugendlichen als auch von chinesischen Heranwachsenden. Dies ste-
llt eine Gemeinsamkeit zwischen den Jugendlichen aus beiden Kulturen dar. In-
sofern nnen die funktionale und konzeptuelle Äquivalenz des Selbstkonzepts
über die Bedeutung im Entwicklungsprozess von den chinesischen und deu-
tschen Jugendlichen verknüpft werden. Ebenso spielt sportliche Aktivität eine wi-
chtige Rolle r die gesamten psychischen Entwicklungsprozesse der Jugend-
lichen beider Kulturkreise. Die Analyse des Selbstkonzepts, in Abhängigkeit von
der ufigkeit des Sporttreibens, der Altersstufen, der Geschlechter, dem Verlauf
der Entwicklungsphase bei den chinesischen Jugendlichen und die vorhandenen
Zusammenfassungen der Ergebnisse von Studien mit deutschen Heranwa-
chsenden bringen folgende Ergebnisse: Insgesamt wirkt das Sportengagement
im Entwicklungsprozess bei den chinesischen Jugendlichen belebend. Je aktiver
sie Sport in der Freizeit treiben, desto positiver ist die Selbsteinschätzung der
ausgewählten nicht-akademischen Teilbereiche vom SDQII bewertet. Dies gilt
darüber hinaus auch r das generelle und rperliche Konzept bei den deu-
tschen Jugendlichen. Jedoch nimmt die Sportbeteiligung der chinesischen Ju-
gendlichen beim sozialen Selbstkonzept, sowohl zu den Gleichaltrigen als auch
zu den Eltern in den verschiedenen Adoleszenzphasen, unterschiedliche Ein-
flussausmaße an. Teilweise sind solche Selbsteinschätzungswerte von der Über-
lastung der schulischen Aufgaben negativ beeinflusst. Insofern stellt dies ein
Unterschied zwischen den Jugendlichen aus beiden Ländern dar.
199
7 Zusammenfassung und Ausblick
Im Schlussteil dieser Arbeit wird die Quintessenz der wichtigsten empirischen
Befunde präsentiert. Des Weiteren unterzieht sich diese Studie einer Methoden-
kritik und ihre Grenzen werden dargestellt. Im Anschluss daran gibt der Autor
einen Ausblick über die Situation des Sportengagements von Jugendlichen und
welche weiteren Forschungsfragen sich aus dieser Studie ergeben.
7.1 Zusammenfassung
Die vorliegende empirische Studie enthält eine ausführliche Untersuchung über
die Sportkultur chinesischer Jugendlicher und vergleicht die Ergebnisse mit de-
nen ihrer deutschen Altersgenossen aus der wissenschaftlichen Literatur. Zur
Beurteilung der verschiedenen Lebensstile der beiden Kulturkreise wurde ein
Fragebogen konzipiert, dessen Basis die bereits vorhandene Literatur bildet. Der
Fragebogen wurde an mehreren Schulen in Peking in vier verschiedenen Dis-
trikten verteilt und von 1266 Schülern der 7., 9. und 12. Klasse beantwortet.
Davon wurden 1157 Fragebögen als ltig befunden und ausgewertet. Die Un-
tersuchung beinhaltet vielseitige Bereiche des sportiven Lebensstils der Ju-
gendliche, unter anderem auch der Freizeit- und Mediennutzung. Bourdieus
Lebensstil-Theorie (vgl. Bourdieu, 1982, 1983, 1986) bildet die theoretische Ba-
sis der Arbeit. Es wurde versucht, diese Theorie auf die chinesische Gesell-
schaft zu übertragen.
Ziel dieser Arbeit war es erstens, die Lebensstile junger Chinesen einschließlich
ihrer Sportkultur vor dem Hintergrund der Bourdieus Theorie zu untersuchen.
Zweitens wurde ein interkultureller Vergleich zwischen chinesischen und deu-
tschen Jugendlichen hergestellt. In einzelnen Teilen bestätigen die Befunde
200
dieser Arbeit Bourdieus Theorie der Lebensstile r die jugendliche Sportkultur
Chinas. Im folgenden Abschnitt wird noch genauer auf diese und weitere Be-
funde eingegangen.
Empirische Befunde
Der umfangreiche Analyseprozess hat eine Reihe von Ergebnissen zu Tage
gefördert, von denen die wichtigsten nun vorgestellt werden. Die Struktur der
Ergebnispräsentation hält sich an die Organisation des Fragebogens der Studie.
Die Literatur, mit der der Vergleich zwischen China und Deutschland hergestellt
wurde, findet sich am Ende der einzelnen Ergebnispunkte.
Freizeitgestaltung und Mediennutzung im intra- und interkulturellen Vergleich
1. Chinesische Jugendliche haben deutlich weniger Freizeit als ihre deutschen
Altersgenossen.
2. Die Mediennutzung spielt eine zentrale Rolle in der Freizeit Jugendlicher bei-
der Nationen. Deutsche Heranwachsende nutzen Medien im Großen und
Ganzen häufiger, als ihre chinesischen Altersgenossen. Als eine Gemeinsam-
keit konnte festgestellt werden, dass die Medienpräferenzen in beiden n-
dern vom Geschlecht und vom Alter abhängen (vgl. JIM-Studie, 2006).
3. Die Mediennutzung von chinesischen Jugendlichen hat die Sportbeteiligung in
ihrer Freizeit beeinflusst. Je mehr Zeit chinesische Jugendliche in die Medien-
nutzung investieren, desto weniger Sport treiben sie.
Jugendliche und Sportengagement im interkulturellen Vergleich
1. Der Sport besitzt sowohl eine funktionale als auch eine konzeptionelle Bedeu-
tung r die Jugendlichen aus beiden ndern. Sport ist ein fundamentaler
Bestandteil des jugendlichen Lebensstils in China und Deutschland. Zwischen
201
den beiden Nationen überwiegen die Unterschiede hinsichtlich des Sport-
engagements.
2. Durch die deskriptive Methode und die Diskriminanzanalyse wurde ermittelt,
dass chinesische Jugendliche die Wichtigkeit des Sports subjektiv her ein-
schätzen. Beglich des Alters und des Geschlechts treten Gemeinsamkeiten
zwischen den Nationen in der Einschätzung der Wichtigkeit des Sports auf:
ngere bewerten Sport her als die Älteren, die Jungen schätzen Sport als
wichtiger ein, als dies die dchen tun (vgl. Brettschneider & Brandl-
Bredenbeck, 1997).
3. Obwohl die chinesische Jugendliche die Wichtigkeit des Sporttreibens her
einschätzen, treiben junge Deutsche ufiger Sport. Der interkulturelle Ver-
gleich zeigt, dass bezüglich des Alters und des Geschlechts Gemeinsam-
keiten vorliegen. Die Jungen beider Nationen treiben ufiger Sport als die
dchen, die ngeren treiben ufiger Sport als die Älteren (vgl. Brett-
schneider & Kleine, 2002).
4. Mittels deskriptiver Analysen, insbesondere Faktoren- und Kovarianzanalysen
konnten Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den chinesischen und
deutschen Jugendlichen festgestellt werden. Sport ist eine universelle Spra-
che r beide Nationen. Das Sportverständnis ist sowohl in China als auch in
Deutschland geschlechterabhängig. Das Sportverständnis wird jedoch durch
die Kultur geprägt (vgl. Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997).
5. Die Sportartenauswahl beider Jugendgruppen in ihrer Freizeit konnte mit der
sozialen Ungleichheit, in Bezug auf Bourdieus Lebensstil-Theorie, nicht ver-
knüpft werden. Junge Chinesen präferieren traditionelle Sportarten, wie Fuß-
ball, Basketball, Badminton, Tischtennis etc. Funsportarten wie Skateboarden
oder Inlineskaten finden sich bei ihnen, im Gegensatz zu den Deutschen,
kaum (vgl. Brettschneider & Kleine, 2002; Baur & Burrmann 2000).
202
6. Der Schulsport ist in China die wichtigste Plattform r das Sporttreiben der
Jugendlichen. Die Beliebtheit des Schulsports bei chinesischen Jugendlichen
ist alters- und geschlechtsabhängig. Chinesische Jugendliche frequentieren
kommerzielle Sportanbieter ufiger als deutsche, was chstwahrscheinlich
damit zusammenhängt, dass in China die Institution Sportverein fehlt. Be-
trachtet man den Sportverein im deutschen Kulturkreis wird deutlich, dass sich
hier die von Bourdieu bezeichnete soziale Ungleichheit widerspiegelt (vgl.
Brettschneider & Kleine, 2002; Burrmann 2005).
Subjektive und familiäre Einflussfaktoren auf das Sporttreiben im intra- und
interkulturellen Vergleich
1. Die durch Clusteranalyse ermittelten Befunde bestätigen, dass die subjekti-
ven Einflussfaktoren des Sporttreibens bei den Jugendlichen geschlechts- und
altersabhängig sind, was eine weitere Gemeinsamkeit zwischen beiden n-
der darstellt (vgl. Brettschneider & Brandl-Bredenbeck, 1997).
2. Durch den Chi-Quadrat-Test, die Spearmann Korrelation und die multiple
Regressionsmethode kann festgehalten werden: Im Großen und Ganzen wird
der Stellenwert des Sports bei deutschen und chinesischen Jugendlichen vom
kulturellen Kapital der Eltern beeinflusst. Je mehr kulturelles Kapital die Eltern
inne haben, desto positiver wird der Stellenwert des Sports eingesctzt. Das
soziale Kapital hat im Großen und Ganzen einen negativen Einfluss auf den
Stellenwert des Sports und die ufigkeit des Sporttreibens bei chinesischen
Jugendlichen (vgl. Burrmann 2005).
3. Der Stellenwert des Sports und die ufigkeit des Sporttreibens variieren nicht
nur in Zusammenhang mit dem sozialen und kulturellen Kapital der Eltern,
sondern offensichtlich auch in Abhängigkeit vom Geschlecht der Eltern und der
Kinder. Dies gilt sowohl in Deutschland als auch in China (vgl. Burrmann,
2005).
203
4. Durch die Spearmann-Korrelation konnte herausgefunden werden, dass die
ufigkeit des Sporttreibens bei chinesischen Mädchen stärker mit der Sport-
beteiligung der Mutter korreliert, als mit der des Vaters. Bei den Jungen gibt es
(fast) keinen Zusammenhang bezüglich der Sportbeteiligung der Eltern.
5. Die multiple Regressionsanalyse hat gezeigt: Insgesamt korreliert die ufig-
keit des Sportreibens am stärksten mit dem Stellenwert des Sports der chine-
sischen Jugendlichen.
6. Bourdieus Kapitaltheorie gilt nur sehr begrenzt r chinesische Jugendliche,
teilweise zeigen sich gegenläufige Tendenzen. Eher findet die Theorie r deu-
tsche Jugendliche Anwendung (vgl. Burrmann, 2005).
Sportkonsum von chinesischen Jugendlichen
Beim Sportkonsum kann gesagt werden, dass durch die soziale Ungleichheit im
Sinne der Kapitaltheorie von Bourdieu (1982) der jugendlichen Lebensstile der
jungen Chinesen geprägt wird: Je her das kulturelle und soziale Kapital der
chinesischen Eltern, desto aktiver konsumieren deren Kinder Sport. Sportkon-
sum stellt im Leben junger Chinesen einen wesentlichen Bestandteil dar. Dabei
investieren sie in die unterschiedlichen Bereiche unterschiedlich viel Geld. r
Sportbekleidung wird am meisten Geld ausgegeben, r Sportreisen vergleichs-
weise wenig.
Sport und Selbstkonzept von chinesischen und deutschen Jugendlichen
1. Auf der Grundlage dieser Studie konnte, vorsichtig formuliert, gezeigt werden,
dass sich mit steigender Sportbeteiligung die positive Selbsteinschätzung er-
ht. Dieser Befund nnte die Sozialisationshypothese des jugendlichen
Selbstkonzepts bestätigen: dass die Sportbeteiligung das Selbstkonzept be-
einflusst (vgl. Conzelmann, 2001). Der Sport spielt r chinesische Heran-
204
wachsende, in ihrem psychischen Entwicklungsprozess, scheinbar eine wich-
tigere Rolle, als für die deutschen (vgl. Brettschneider, 2003b).
2. r das generelle und rperliche Selbstkonzept zeigen sich Gemeinsam-
keiten zwischen Deutschland und China: sportliche Aktivität beeinflusst das
Selbstkonzept positiv (vgl. Brettschneider, 2003b).
7.2 Methodische Erträge und Grenzen der Arbeit
Nachdem die empirischen Befunde bilanziert wurden, kann auch ein Fazit zur
Methodik gezogen werden. Kulturvergleichende Studien bergen immer auch
Probleme in sich. Einige kritische Fragen sind bereits zu Beginn absehbar, an-
dere zeichnen sich erst bei der Durchführung ab. An dieser Stelle soll die metho-
dische Herangehensweise reflektiert und aufgezeigt werden, welche Grenzen
sich hinsichtlich der Reichweite der Aussagen ergeben.
Methodenkritik
Der Versuch, den sportiven Lebensstil deutscher Jugendlicher mit chinesischen
zu vergleichen und einen Bezug zu Bourdieus Lebensstil- Theorie (vgl. Bourdieu,
1982, 1983, 1986) ist bisher einmalig. Ebenso liegt eine komplexe und detai-
llierte Datenerhebung zur Sportkultur chinesischer Jugendlicher, in dieser Form,
noch nicht vor.
Zur Ermittlung der Daten wurde ein in Deutschland validierten Fragebogen ge-
wählt. Als Herausforderung zeigte sich vor der Durchführung der Erhebung die
Übersetzung des Fragebogens. Hier ging es darum, den Sinn und die Bedeu-
tung der Fragen eins zu eins in Chinesische zu übertragen, um eine glichst
hohe Äquivalenz zu garantieren. Mittels der ckübersetzungsmethode gelang
dieses. Die Fragen wurden von Deutsch ins Chinesische und dann von Chine-
205
sisch ins Deutsche ckübersetzt, um zu ermitteln, welche sprachlichen Diffe-
renzen noch vorlagen. Am Ende konnte die linguistische Äquivalenz des Instru-
mentariums als gesichert angesehen werden. Weiterhin wurde dann ein Test und
Retest des Fragebogens durchgeführt, um seine ltigkeit r die chinesische
Untersuchung zu bestätigen. Dazu wurde das Instrumentarium an sechzig Schü-
lern erprobt, unter anderem auch, um Fragen und Probleme bezüglich der Durch-
hrung im Vorfeld zu klären. Der Fragebogen hat sich in der verwendeten Form
auch r chinesische Jugendliche als geeignetes Instrumentarium herausgestellt.
Die analytischen Verfahren, die in dieser Arbeit zur Untersuchung chinesischer
Jugendlicher verwendet wurden, sind an bewährte Verfahren aus Studien mit
gleichen oder ähnlichen Themeninhalten angelehnt. Das analytische Repertoire
r den Auswertungs- und Interpretationsprozess ist umfangreich, da verschie-
denste Facetten der Sportkultur junger Chinesen mit ihren zahlreichen Ein-
flüssen und Zusammenhängen aufgedeckt werden sollten.
Bei kulturvergleichenden Untersuchungen besteht das generelle Problem der
Vergleichbarkeit, welches als ein zentrales Problem in der interkulturell verglei-
chenden Forschung gesehen wird. Dabei rfen die Beziehungen von Ergebni-
ssen nicht blind generalisiert und in direkte Beziehung zueinander gesetzt wer-
den, auch wenn das ltige Instrumentarium eine gewisse Sicherheit vorgibt. Die
Stichprobenäquivalenz konnte sichergestellt werden. Wie ihre deutschen Alters-
genossen leben die Pekinger Jugendlichen in der Modernität des 21sten Jahr-
hunderts.
Die funktionale Äquivalenz der Methoden kann in der vorliegenden Untersu-
chung durch gute Kenntnisse der jeweiligen Kulturen abgesichert werden: diese
kann durch Einbeziehung einheimischer Wissenschaftler und ausreichender
Vorstudien aufgebaut werden“ (Trommsdorff, 2003, S.142).
206
Grenzen der Arbeit
Sicherlich konnten aus der Studie neue Erkenntnisse über die Sport- und Frei-
zeitkultur chinesischer Jugendlicher gewonnen werden. Zudem wurde mit dem
interkulturellen Vergleich ein erster Versuch gestartet, Jugendliche zweier unter-
schiedlicher Nationen miteinander zu vergleichen. Hierbei stößt die Studie natür-
licherweise an ihre Grenzen, die sich in folgenden Punkten herauskristallisiert
haben.
1. Der Fragebogen als Hauptuntersuchungsinstrument ist die Methode der Wahl,
wenngleich Schwachpunkten existieren. Zunächst wurden die größten Teile im
deutschen Kulturkreis entwickelt und mussten auf chinesische Jugendliche
übertragen werden. Untersuchungsinstrumente von einem Kulturkreis in den
anderen zu übernehmen, ist generell problematisch. Es stellt sich die Frage,
ob es durch die soziokulturellen Unterschiede Verzerrungen bei der Beantwor-
tung der Fragen gegeben hat, was auch mit Verständnisproblemen einher-
gehen kann (z. B. geht der Begriff „Konsum“ über das Geldausgeben hinaus.
Verstehen deutsche und chinesische Jugendliche diesen Begriff in gleicher
Weise?). Mit Srgrößen solcher Art muss man zumindest theoretisch rechnen,
wenngleich mittels Übersetzung und ckübersetzung die identische Bedeu-
tung der Fragen gesichert werden konnte.
2. Ein weiteres Problem r die Aussagekraft der Studie ergibt sich aus dem
Untersuchungsdesign. Die als Querschnittsstudie angelegte Erhebung ist eine
Momentaufnahme aus einem bestimmten Bereich des Lebens chinesischer
Jugendlicher. Es sollten keine definiten Aussagen darüber angestellt werden,
welche Bedeutung Sport, Medien etc. in ihrer Entwicklung hin zum Erwa-
chsenenalter hat, sondern es zeigen sich ihre Neigungen, Affinitäten und Ein-
schätzungen zu einem bestimmten Zeitpunkt, auch wenn hier verschiedene
Altersgruppen berücksichtigt wurden und somit Vermutungen über gliche
207
Entwicklungstendenzen angestellt werden nnen. Im Hinblick auf Entwick-
lungsfragen stellt dieses methodische Verfahren nur eine „Notlösung“ (Hof-
mann, 2008, S. 323) dar. Zudem lassen sich kurzlebige Sporttrends mit einer
Querschnittsstudie kaum erfassen. Nicht zu vernachlässigen ist der Umstand,
dass die vorliegende Studie aus ökonomischen und zeitlichen Gründen in
China und Deutschland nicht zeitgleich durchgeführt wurde. Vergleiche wuden
aus Studien herangezogen, die bereits Jahre zurücklagen.
3. Die Stichprobenauswahl bezieht sich lediglich auf Jugendliche aus dem Stadt-
bereich Peking. Da der interkulturelle Vergleich mit Deutschland im Vorder-
grund stand, mussten Jugendliche aus China ausgewählt werden, die die
Lebensweisen des 21sten Jahrhunderts kennen und verstehen, ähnlich wie
ihre deutschen Pendants. Da in einem riesigen Land wie China, extreme wirt-
schaftliche und auch innerhalb der Landesgrenzen kulturelle Unterschiede
bestehen, sind die befragten Jugendlichen nur r die Population Pekings re-
präsentativ. Wenn also von „den chinesischen Jugendlichen“ die Rede ist, sind
junge Pekinger gemeint.
4. Bei der Auswertung der Daten hat sich ergeben, dass die unteren sozialen
Schichten kaum vertreten sind und sich somit die Frage stellt, in welcher
Spannweite sich der Transfer von Bourdieus Theorie (1982, 1983, 1986) auf
chinesische Jugendliche beziehen lässt.
Weiterhin muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass Bourdieus Lebens-
stil-Theorie in erster Linie r Erwachsene gilt und es in dieser Studie um Jugend-
liche geht. Diese besondere Lebensphase ist an bestimmte Voraussetzungen
und Umbrüche gekoppelt, mit denen Erwachsene sich nicht mehr auseinander-
setzen ssen. Auch hier stellt sich die Frage, in welchem Umfang man die
Theorie auf Jugendliche anwenden kann.
208
7.3 Ausblick
Die Ergebnisse dieser Studie geben ein facettenreiches Bild über den sportiven
Lebensstil von chinesischen Jugendlichen in Peking und lassen durch den inter-
nationalen Vergleich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den deutschen er-
kennen. An dieser Stelle soll nun versucht werden, Perspektiven zu eröffnen, die
sich auf dem Fundament dieser Studie ergeben haben.
Eine gliche Folgeuntersuchung sollen über das Ballungszentrum Peking hin-
aus, auch Jugendliche aus Provinzstädten und ndlicheren Regionen mit ein-
beziehen. Detailliertere Befunde nnten so ein genaueres Bild über das intra-
kulturelle Verhältnis junger Chinesen und ihrem Sport zeichnen. In diesem Zusa-
mmenhang wären ngsschnittstudien nschenswert, durch die die Ent-
wicklung und der Verlauf des sportiven Lebensstils skizziert werden nnten.
Auch in Bezug auf den glichen Einfluss des Sports auf das Selbstkonzept
wären im ngsschnitt angelegte Studien angebracht. Hinsichtlich des Selbst-
konzepts sollten noch weitere Dimensionen (z. B. das akademische Selbst-
konzept) beleuchtet werden. Ein weiterer Schritt re dann, qualitative Unter-
suchungen durchzuführen, die tiefere Einblicke in die Sportkultur junger Chine-
sen zulassen und vor allem deutlichere Zusammenhänge zu ihrem Alltag wie
auch zu Beweggründen und Motivationen zum Sporttreiben erkennen lassen.
Einen zentralen Punkt bildet der kommerzielle Sport. Hier sste der Einfluss
des sozialen Status der Eltern als genau definierte unabhängige Variable Be-
cksichtigung finden, um Verbindungen zu Bourdieus klassenspezifischer Ka-
pitaltheorie zu entdecken.
Wenn die Entwicklung des sportiven Lebensstils weiter im Fokus stehen soll,
wäre r den Autor auch der Einfluss der Globalisierung von tragender Bedeu-
tung. Hier ssten Instrumentarien entwickelt werden, die erkennen lassen, in-
wieweit chinesische Jugendliche unter dem Einfluss der zunehmenden Öffnung
209
Chinas stehen, bzw. wie groß dieser Einfluss ist und in welche Weise er sich auf
ihr sportliches Verhalten und Interesse auswirkt. Fragestellungen ren hier, ob
sich ihre Interessen verlagern, sich ihr Sportverständnis oder ihre subjektive Ein-
stellung zum Sport verändert? Hat die Globalisierung Auswirkung auf ihren
Sportkonsum? Besonders mit Blick auf die Trendsportarten könnte sich in China
ein Markt eröffnen. Mit einem verstärkten Einzug von Trendsportarten rden
wahrscheinlich auch die damit zusammenhängenden, subkulturellen Elemente
(Musikstil- und Kleidungsstilausrichtung) in die Jugendkultur einfließen. Diese
gewagte Vermutung wäre wahrscheinlich eher von sozialwissenschaftlichen Dis-
ziplinen zu untersuchen, nnte aber hinsichtlich des Sports interessante Zusa-
mmenhänge zu Tage rdern, inwieweit auch gewisse Trend- oder Funsport-
arten mit Lebensstilen einhergehen. Einen weiteren Fokus nnten die Peer-
groups und ihr Einfluss auf die Häufigkeit des Sporttreibens darstellen.
Wenn die Basis r weitere Befunde über Jugendliche aus dem chinesischen
Kulturkreis gelegt ist, kann abermals der Versuch eines kulturellen Vergleichs
angestellt werden. Soweit dann die finanziellen Kapazitäten vorhanden sind,
sste der kulturelle Vergleich zwischen China und Deutschland an identischen
Stichprobe zeitgleich stattfinden.
210
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Die erste Jugendgeneration des neuen Jahrhunderts. Ein Selbstbild. Op-
laden: Leske + Budrich.
228
229
Anhang
Fragebogen
Liebe Schülerin, lieber Schüler,
für das Thema „Jugendliche und sportiver Lebensstil“ führen wir eine Unter-
suchung zwischen Deutschland und China durch, wir hoffen, Du kannst den
folgende Fragenbogen vollständig und so genau wie glich ausfüllen, es gibt
keinen „Richtige“ oder „Falsche“ Antworten. Du kannst Deine Meinungen und
Ansichten ganz offen äern. Deine Angaben werden auf jeden Fall vertraulich
behandelt und direkt unsere Ergebnisse beeinflusst.
Herzlichen Dank für Deine Unterstützung.
1. Geschlecht: Weiblich
nnlich
2. Wie alt bist du? ________ Jahre alt
3. Nationalität_________
4. Besuchst Du jetzt:
Junior-Highschool
Senior-Highschool, Berufschule, etc.
Und __________Schuljahr
5. Beruf des Vaters:___________
oder Arbeitlose
6. Bildungsabschluss des Vaters:
Grundschulabschluss
Junior-Highschoolabschluss
Senior-Highschoolabschluss, Berufschulabschluss, etc.
Hochschulabschluss
7. Beruf der Mutter:__________
oder Arbeitlose
230
8. Bildungsabschluss der Mutter:
Grundschulabschluss
Junior-Highschoolabschluss
Senior-Highschoolabschluss, Berufschulabschluss, etc.
Hochschulabschluss
9. Wie, was meinst Du über deine Freizeit:
llig eher eher gar
zu zu nicht zu nicht zu
1) Ich habe genügend freie Zeit für meine Hobbies.
2) Ich kann meine freie Zeit selbst planen und einteilen.
3) Neben der Schule bleibt mir kaum Zeit für
meine Freizeitaktivitäten.
4) ufig weiß ich nicht so recht, was ich in meiner
Freizeit tun soll.
5) Ich wünsche mir manchmal mehr freie Zeit.
6) Es bleibt mir genügend Zeit, einfach mal nicht zu tun.
10. Bitte bewertet die Wichtigkeit der Freizeitaktivitäten in der vorliegenden List:
sehr einiger weder eher sehr
wichtig maßen wichtig unwich- unwich-
wichtig noch tig tig
unwichtig
1) Musik hören
2) Fernsehen, Videofilme, DVD-Filme
3) Sich mit Freunden/innen treffen
4) Etwas verrücktes machen
(Alkohol trinken, klauen)
5) Video Spiele/ Computer
6) Lesen (z. B. Bücher, Zeitung, Comics)
7) Sporttreiben
231
8) Ein Instrument spielen
9) Zusätzliche und freiwillige Arbeit für
die Schule
10) Auf Feten/ Parties gehen
11) Künstlerische Hobbies (Musizieren, Malen,
Schreiben, pfern, Fotografieren , usw.)
12) Für sich sein (z. B. Abschalten, Tumen)
13) Bummeln
14) Kino, Konzerte, Theater
15) Sich in sozialen Gruppen engagieren
(z. B. Rotes Kreuz, Kirche, THW usw.)
16) Verschiedenen Dinge sammeln (z. B.
Schallplatten, Briefmarken)
17) Sonstiges _______________
11. Nenne die nf Dinge von der o. g. Liste, die Du in Deiner Freizeit am u-
figsten tust:
Nr.1_____ Nr.2______ Nr.3______ Nr.4_____ Nr.5_______
12. Wie häufig benutzt Du die folgenden Medien in dem letzten Jahr?
glich oder mehr einmal in der Woche einmal in einem nie
Mals in der Woche oder einmal aller Monat
zwei Wochen
1) Fernsehen
2) Computer
3) Radio
4) Computerspiele, Gameboy
5) Internet surfen
6) Bücher lesen
232
7) Zeitung, Magazin lesen
8) DVD, Videofilm
13. Denke mal kurz nach und schreibe die drei Dinge auf, wenn Du Sport hörst.
Bei Sport denke ich vor allem an... a)__________
b)__________
c)__________
Wie bewertest Du die Wichtigkeit von Sport für Dich persönlich?
Du kannst jede Zahl zwischen 0 und 100 angeben (Beispiel 76 und 77)
nicht kaum einigermaßen recht total
wichtig wichtig wichtig wichtig wichtig
__________________________________________________
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Sport ist für mich so wichtig (von 0 bis 100)______
14. Welches sind Deine drei Lieblingssportarten, die Du am liebsten betreibst?
1)_______________
2)_______________
3)_______________
4) Ich habe keine besondere Lieblingssportart, ich betreibe mehrere gerne
5) Ich bin nicht Sportler/in
15. Nenne bis zu nf Sportarten/Sportaktivitäten, die Du im letzten Jahr re-
gelmäßig betrieben hast:
1)____________
2)____________
3)____________
4)____________
5)____________
233
16. Nenne bis zu nf Sportarten/Sportaktivitäten, die Du gerne betrieben r-
dest, wenn Du die Möglichkeit dazu hättest:
1)____________
2)____________
3)____________
4)____________
5)____________
17. Bitte gib Deine persönliche Meinung zu jeder der folgenden Aussagen
Dieser Aussage stimme ich... llig eher eher gar
zu zu nicht zu nicht zu
1) r mich gehört es zum Sport,
regelmäßig zu trainieren.
2) Im Sport muss man trainieren,
auch wenn man keine Lust hat.
3) Wenn man Sport treibt, muss man bereit
sein, sich körperlich zu verausgaben.
4) Grundsätzlich gehört für mich zum Sport,
die eigene Leistung ständig zu verbessern.
5) Unter Sport kann man alles mögliche verstehen.
Die Hauptsache ist, man bewegt sich und tut
etwas für seinen Körper.
6) Man kann sich auch als Sportler bezeichnen,
ohne gleich an Wettkämpfen teilzunehmen.
7) Ob man als Sportler erfolgreich ist oder
nicht, ist für mich ziemlich egal. Es kommt
vor allem darauf an, dass man Spaß hat.
234
8) Bewegung, ohne sich dabei körperlich allzu sehr
zu verausgaben, ist für mich auch Sport.
9) Leistungsvergleiche gehören r mich in
Jedem Fall zum Sport
18. Warum treibst Du Sport?
Weil... wahr eher weiß eher falsch
wahr nicht falsch
1) ich möchte Profisportler werden
2) ich möchte neue Leute kennen lernen
3) ich möchte etwas Gutes für meinen Körper tun
4) ich möchte viele Wettkampf beim Sport
5) meine Freunde Sport treiben
6) ich möchte körperlich fit sein
7) ich mich dabei entspannen kann
8) ich gerne trainiere
9) ich gerne Mitglied in einer Mannschaft bin
10) meine Familie dies möchte
11) ich möchte eine besser Figur bekommen
12) ich möchte damit Geld verdienen
13) Sport aufregend ist
14) ich attraktiv sein möchte
15) ich die Gesundheit behalten möchte
19. Wie schätzt Du selbst Deine sportlichen Fähigkeiten ein?
Bitte kreuze nur eine der folgenden Aussagen an!
- In einer Sportart bin ich wirklich gut
- In verschiedenen Sportarten bin ich wirklich gut
- Im Sport bin ich einigermaßen gut
235
- Im Sport bin ich nicht gut
- Ich treibe überhaupt keinen Sport
20. Wie gefällt Dir der Schulsport? (z. B. Sportunterricht, Pausegymnastik, Be-
wegungsstunde, Schulespiel, etc.)
1) sehr gut
2) gut
3) mittelmäßig
4) eher schlecht
5) überhaupt nicht
21. Was, wie gefällt Dir die Sportorganisationen in der Schule?
Sehr gut gut mittelmäßig eher schlecht überhaupt nicht
1) Pausengymnastik
2) Sportunterricht
3) Bewegungsstunde
4) Schulespiele
5) Sonstiges________
22. Warum gefällt Dir den Schulsport?
weil... stimme stimme weiß stimme eher stimme
überhaupt
llig zu eher zu nicht nicht zu nicht zu
1) es zum richtigen Zeitpunkt kommt
2) genügend Zeit um Sport zu treiben
3) andere mit mir zusammen Sport zu treiben
4) es meine Lieblingssportart gibt
5) ich kann mein Können zeigen
6) genügende Sportanlage für mich
236
7) genügende Sportgerät für mich
8) ich die Anleitung von Sportlehrer
bekommen kann
9) sonstiges________________
23. Warum gefällt Dir den Schulsport nicht?
weil... stimme stimme weiß stimme stimme
eher überhaupt
llig zu eher zu nicht nicht zu nicht zu
1) es zum richtigen Zeitpunkt nicht kommt
2) keine genügend Zeit um Sport zu treiben
3) fehlende Wettkampf
4) es keine meine Lieblingssportart gibt
5) meine Sportfähigkeit nicht gut ist
6) fehlende Sportanlage für mich
7) fehlende Sportgerät für mich
8) ich die Anleitung von Sportlehrer
nicht bekommen kann
9) sonstiges________________
24. In dem letzten Jahr treibst Du außer Schulsport weiteren Sport in der Frei-
zeit?
Ja (Wenn Ja, weiter 25 und 26. Frage. 27nicht zu antworten)
Nein (Wenn Nein, weiter 27. Frage. 24 und 25 nicht zu antworten)
237
24. Wenn Ja, Wie viele Mals treibst Du Sport in der Freizeit pro Woche in dem
letzten Jahr?
1) täglich 2) 3-4mals in der Woche
3) 2mal in der Woche 4) einmal in der Woche
Wie lange treibst Du Sport pro Mal?
1) unter 30 Minuten 2) 31- 60 Minuten
3) über 60 Minuten 4) keine befestigende Zeit
25. Wo treibst Du Sport in Deiner Freizeit?
1) Hof und Garten 2) Bolzplatz 3) Streetballplatz
4) Öffentlich zugänglicher Sportplatz 5) Hallenbad 6) Freibad
7) Fitnessstudio 8) Kampfsportschule 9) Tenniscenter
10) Tanzschule/Ballettschule 11) Eisfläche 12) Jugendklub/Jugendtreff
13) Parkplatz 14) Natur (Wald, Wiese) 15) Park 16) Schulehof
17) Straßen und Weges 18) Sonstiges ____________
26. Warum betreibst Du keinen Sport in deiner Freizeit?
Weil... stimme stimme stimme stimme stimme
llig zu eher zu teilweise eher überhaupt
zu nicht zu nicht zu
1) ich mich in meiner Freizeit lieber
mit anderen Dingen beschäftigt
2) ich mit der Schule genug zu tun habe
3) ich gesundheitlich dazu nicht
in der Lage bin
4) ich kein Angebot gefunden habe,
das für mich geeignet ist
5) ich mich für unsportlich halte
6) ich einfach zu faul bin
238
7) ich einfach keine Zeit finde
8) ich keine Angebote kenne, die in der Nähe
meines Wohnortes sind
9) ich kein Interesse am Sport habe
10) meine Eltern dagegen sind
11) ich Angst vor der Sportverletzung habe
12) sonstiges_____________________
27. Hast Du bereits bei einem kommerziellen Sportanbieter Sport getrieben?
(z. B. Sportstudio, Tennis-Center)?
Ja (wenn ja, weiter mit Frage.29)
Nein (wenn nein, weiter mit Frage.28)
28. Wenn Nein, warum nicht?
1)____________________
2)____________________
3)____________________
29. Wenn ja, welche Sportart/Sportaktivität betreibst Du?
1)________________
2)________________
3)________________
30. Betreibt Dein Vater Sport ?
Ja Nein
31. Betreibt Deine Mutter Sport?
Ja Nein
239
32. Treiben Deine Freunde Sport?
Ja Nein
33. Auf welche Art und Weise bekommst Du die meiste Anerkennung in Deiner
Freundesgruppe oder von Deinen Schulkameraden?
stimme stimme lehne lehne
voll zu eher zu eher ab voll ab
1) gut auszusehen
2) eine eigene Persönlichkeit zu sein
3) ein gute/r Sportler/in zu sein
4) ein gute/r Schüler/in zu sein
5) gegen den Strom zu schwimmen
6) ein/e Schulsprecher/in zu sein
7) beliebt zu sein
8) durchzukommen, ohne aufzufallen
9) reich zu sein
34. Wofür hast Du Geld von der folgenden Liste ausgegeben?
Ja Nein
1) Sportkleidung, Schuhe
2) Sportgräte (z. B. Ball, Schläger, etc.)
3) Gebühren für Sportstudio/Freibad/Hallenbad
4) Eintritt für Sportstadien (z. B. Fußball Bundesliga Spiele)
5) Sporturlaub, Sportreise
6) Sportzeitung, Sportmagazin etc.
7) Sonstiges______________
240
35. Wie viel Geld hast Du im letzten Jahr r die oben genannten Punkten aus-
gegeben?
Ungefähr ______________Yuan
36. Wenn Du einigen in Fragen 34 genannten Punkten noch nicht ausgegeben,
warum?
stimme stimme stimme stimme stimme
llig zu eher zu teilweise eher überhaupt
zu nicht zu nicht zu
weil...
1) ich kein Geld habe
2) keine Zeit, ich muss noch lernen
3) solche Dinge teure für mich sind
4) keine Sportanlage
5) wenige Sportarten zu treiben
6) niedrige Niveau der Spiele
7) sonstiges__________________
37. Im Folgenden gibt es eine Reihe von Aussage über dich, gib bitte an, in-
wieweit diese Aussagen auf Dich persönlich zutreffen, indem Du jeweils eine
der sechs vorgegebenen Antwortmöglichkeiten ankreuzt.
Die Aussage trifft... überhaupt meist eher eher meist völlig
nicht zu nicht zu nicht zu zu zu zu
1) ich habe ein hübsches Gesicht
2) mit meinen Eltern verstehe ich mich gut
3) ich denke, mein Leben ist nicht sehr nützlich
4) ich treibe gerne Sport
5) das meiste, was ich mache, mache ich auch gut
6) mit Menschen anderen Geschlechtsfreunde ich
mich leicht an
241
7) die meisten meiner Freunde sehen schlechter
aus als ich
8) meine Eltern behandeln mich gerecht
9) im Großen und Ganzen bin ich ein Versager
10) ich bin gut im Sport
11) wenn ich es wirklich versuche, kann ich
fast alles schaffen, was ich gerne möchte
12) bei Menschen gleichen Geschlechts
bin ich sehr beliebt
13) ich habe eine gute Figur
14) mit meinen Eltern habe ich viel Streit
15) ich habe nicht viel , auf das ich stolz sein kann
16) beim Sport bin ich besser als die meisten
meiner Freunde
17) ich kann vieles ebenso gut, wie die meisten
anderen Leute
18) mit Menschen gleichen Geschlechtsfreunde
ich mich leicht an
19) ich mag mein Aussehen
20) meine Eltern haben Verständnis für mich
21) im Großen und Ganzen bin ich
zu nichts zu gebrauchen
22) Insgesamt gesehen , habe ich eine
Menge, auf das ich stolz sein kann
23) bei Menschen anderen Geschlechts
bin ich sehr beliebt
24) andere Leute finden, dass ich gut aussehe
242
25) ich mag meine Eltern nicht besonders
26) ich drücke mich so oft es geht vor
dem Sportunterricht
Geschafft! Vielen Dank für Deine Unterstützung
243
Erklärung
Ich versichere hiermit, dass ich die vorgelegte Arbeit in allen Teilen selbststän-
dig angefertigt und keine anderen als die in der Arbeit angegebenen Hilfsmittel
benutzt habe, ferner, dass ich sie nicht schon als Dokterarbeit an einer anderen
Hochschule eingereicht habe.
Ferner versichere ich, die gelieferten Zeichnungen, Kartenskizzen und bildlichen
Darstellungen selbstständig angefertigt zu haben.
(Datum) (Unterschrift)