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[en] (orig)
Untersuchungen zum Verhalten von
Veterinärpharmaka im Boden
Von der Fakultät für Naturwissenschaften
Department Chemie
der Universität Paderborn
zur Erlangung des Grades eines
Doktors der Naturwissenschaften
Dr. rer. nat.
genehmigte Dissertation
von Diplom-Chemiker
Henning Stevens
Paderborn 2009
Die vorliegende Arbeit basiert auf Untersuchungen, die in der Zeit von Januar 2004 bis
Januar 2007 an der Universität Paderborn im Fach Anorganische und Analytische Chemie
des Departments Chemie der Fakultät für Naturwissenschaften unter der Leitung von Herrn
Prof. Dr. M. Grote durchgeführt worden sind.
Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit:
M. Grote, B. Kuhlmann, G. Preuß, U. Schulte-Ebbert, H. Stevens und N. Zullei-Seibert;
Tierarzneimittel in der Umwelt: Bewertung von Eintrag, Verlagerung und
Resistenzentwicklung unter Gesichtspunkten des Verbraucherschutzes; Dortmunder
Beiträge zur Wasserforschung Nr. 66, 2007
M. Grote, C. Schwake-Anduschus, R. Michel, H. Stevens, W. Heyser, G. Langenkämper, T.
Betsche and M. Freitag; Incorporation of veterinary antibiotics into crops from manured soil;
Landbauforschung Völkenrode - FAL Agricultural Research 57, 2007, 25-32
U. Schulte-Ebbert, N. Büchner, B. Kuhlmann, G. Preuß, N. Zullei-Seibert, H. Stevens, M.
Grote; Partikelmediierte Verlagerung und biologische Auswirkungen von güllebürtigem
Chlortetracyclin und Sulfadiazin im Boden und Sickerwasser; Tagungsband: 72.
Jahrestagung Wasserchemische Gesellschaft, Fachgruppe in der GDCh, 22.-24. Mai 2006,
Celle (S. 86 - 91) (ISBN 3-936028-39-7)
M. Grote, C. Schwake-Anduschus, H. Stevens, R. Michel, T. Betsche, M. Freitag; Antibiotika-
Aufnahme von Nutzpflanzen aus Gülle-gedüngten Böden - Ergebnisse eines
Modellversuchs; Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 1, 2006, 38 – 50
M. Grote, C. Schwake-Anduschus, H. Stevens, R. Michel, H. Korste, W. Heyser, T. Betsche,
M. Freitag; Antibiotikaeinträge aus der Tierhaltung in Boden und Nutzpflanzen - Ergebnisse
eines Modellversuches; VDLUFA-Schriftenreihe, Kongressband 2005, VDLUFA-Verlag,
LUFA Speyer Kreislaufwirtschaft mit der Landwirtschaft– quo vadis? 27. – 30.09.2005, Bonn,
S. 228 – 232 (ISBN 3-922712-92-4)
M. Freitag, H. Stevens, R. Michel, C. Schwake-Anduschus, T. Betsche, M. Grote; Transfer of
Antibiotics Used in Animal Husbandry from Slurry into Food; Vitamine und Zusatzstoffe in der
Ernährung von Mensch und Tier, 10. Symposium 28./29. September 2005, Jena,
Tagungsband: Seite 174
1. Referent: Prof. Dr. M. Grote
2. Referent: Prof. Dr. H. C. Marsmann
Eingereicht am 04.11.2009
Tag der mündlichen Prüfung: 18.12.2009
Danksagung
Herrn Prof. Dr. M. Grote danke ich sehr herzlich für die überaus interessante
Themenstellung dieser Arbeit und seine engagierte Betreuung.
Herrn Prof. Dr. H.C. Marsmann danke ich für die freundliche Übernahme des Koreferats.
Mein weiterer Dank gilt Herrn Dipl.-Geogr. U. Schulte-Ebbert (Institut für Wasserforschung
GmbH), Frau Prof. Dr. M. Freitag (Fachhochschule Südwestfalen), Frau Dipl.-Ing. N. Zullei-
Seibert (Institut für Wasserforschung GmbH) und allen weiteren Mitwirkenden an den beiden
interdisziplinären Forschungsprojekten.
Weiterhin gilt mein besonderer Dank allen jetzigen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern des Arbeitskreises an der Universität Paderborn für ihre kollegiale
Zusammenarbeit und das angenehme Arbeitsklima, insbesondere den Damen und Herren R.
Knaup, Dipl.-Chem.-Ing. D.H. Meriç, Dipl.-Chem.-Ing. R. Michel, Dipl.-Chem.-Ing. H. Korste,
Dr. A. Vockel und Dr. M. Borges. Frau R. Jackisch danke ich darüber hinaus für die
durchgeführten UV/Vis-Messungen.
Ferner möchte ich mich bei meinen Eltern und meiner Freundin Stefanie Blome für ihre
jahrelange Geduld und Unterstützung sehr herzlich bedanken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung.......................................................................................1
2 Zielsetzung..........................................................................................................................4
3 Grundlagen - Stand der Forschung -................................................................................6
3.1 Antimikrobielle Wirkstoffe in Veterinärmedizin und Tierproduktion.......................6
3.1.1 Verwendungspraxis in der Tierproduktion.............................................................6
3.1.2 Einsatz von antimikrobiellen Wirkstoffen als Futtermittelzusatzstoffe...................6
3.1.3 Antibiotikaverbrauch in der Landwirtschaft............................................................8
3.2 Antibiotikaresistenzen und Verbrauchergefährdung..............................................10
3.2.1 Resistenzentwicklung..........................................................................................10
3.2.2 Resistenzproblematik..........................................................................................12
3.2.3 Verbraucherschutz ..............................................................................................14
3.2.4 Risiken durch den Antibiotikaeintrag in Böden....................................................15
3.2.5 Gefährdungspotential resistenter Mikroorganismen............................................17
3.3 Tetracycline und Sulfonamide..................................................................................20
3.3.1 Tetracycline.........................................................................................................20
3.3.2 Sulfonamide.........................................................................................................27
3.3.3 Trimethoprim .......................................................................................................29
3.4 Arzneistoffe im Boden...............................................................................................29
3.4.1 Verhalten von Schadstoffen im Boden................................................................30
3.4.2 Tetracycline und Sulfonamide in der Umwelt – Eintrag, Vorkommen und
Verhalten .............................................................................................................43
3.4.2.1 Tetracycline .............................................................................................43
3.4.2.2 Sulfonamide.............................................................................................49
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im Boden ..................................54
4.1 Bestimmungsmethoden für Tetracycline und Sulfonamide...................................55
4.2 Vorbereitung von Bodenproben ...............................................................................56
4.2.1 Extraktion.............................................................................................................57
4.2.2 Anreicherung der Analyte und Aufreinigung der Bodenextrakte .........................57
5 Ergebnisse und Diskussion............................................................................................59
5.1 Untersuchung auf Antibiotikarückstände in einem gülle-beaufschlagten
Boden ..........................................................................................................................59
5.1.1 Ausgangssituation – Projektverlauf.....................................................................59
5.1.2 Methodenentwicklung zur Bestimmung von CTC, SFD und TMP in
Bodenproben.......................................................................................................60
5.1.2.1 Entwicklung der HPLC-UV-MS/MS-Methode ..........................................60
5.1.2.2 Entwicklung der Probenaufbereitung.......................................................71
5.1.3 Methodenvalidierung...........................................................................................78
5.1.3.1 Externe Kalibrierung................................................................................78
5.1.3.2 Signalsuppression durch Matrixbestandteile...........................................80
5.1.3.3 Wiederfindung..........................................................................................83
5.1.4 Analyse der Bodenproben aus dem „Antiinfektiva-Projekt“.................................84
5.1.5 Diskussion der Ergebnisse..................................................................................86
5.1.6 Schlussfolgerungen.............................................................................................88
5.2 Untersuchungen zum Transportverhalten von Tetracyclin- und
Sulfonamidrückständen im Boden...........................................................................89
5.2.1 Voruntersuchungen zum Sorptionsverhalten und zur Komplexierung ................89
5.2.1.1 Sorption von CTC, iso-CTC und SFD an Modellpartikeln........................90
5.2.1.1.1 Ergebnisse der Sorptionsuntersuchungen.........................................90
5.2.1.2 Untersuchungen zum Komplexierungsverhalten von CTC und
iso-CTC....................................................................................................95
5.2.1.2.1 Eigenschaften von Chlortetracyclinen und
Untersuchungsmethodik ....................................................................95
5.2.1.2.2 Spektrophotometrische Untersuchung der Reaktionen von
Chlortetracyclinen mit Metallionen.....................................................97
5.2.1.2.3 Ergebnisse aus den Untersuchungen zum
Komplexierungsverhalten ..................................................................98
5.2.1.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen aus den
Voruntersuchungen................................................................................106
5.2.2 Modellversuche zum Transportverhalten von SFD, CTC und
iso-CTC im Boden .............................................................................................107
5.2.2.1 Verlagerung von SFD, CTC und iso-CTC in einem sandigen
Ackerboden nach Gülleapplikation ........................................................109
5.2.2.1.1 Versuchsansatz im Labormaßstab..................................................112
5.2.2.1.2 Naturnaher Versuchsansatz im halbtechnischen Maßstab .............117
5.2.2.2 Zusammenfassung: Ergebnisse der Säulenversuche und
Schlussfolgerungen ...............................................................................124
5.2.3 Ergänzende Untersuchungen zur Rückstandsanalytik......................................125
5.2.3.1 Ergebnisse.............................................................................................127
5.2.3.2 Schlussfolgerungen...............................................................................128
5.2.4 Fluoreszenzuntersuchungen an partikelgebundenem CTC und iso-CTC.........132
5.2.4.1 Qualitative Fluoreszenzanalyse.............................................................132
5.2.4.2 Quantitative Fluoreszenzanalyse...........................................................137
5.2.4.3 Diskussion .............................................................................................143
6 Zusammenfassung und Ausblick.................................................................................145
7 Literatur...........................................................................................................................149
A Anhang ............................................................................................................................ A1
Abkürzungsverzeichnis
AMG: Arzneimittelgesetz
CTC: Chlortetracyclin
DAD: Dioden-Array-Detektor
DIN: Deutsches Institut für Normung
DOM: Dissolved Organic Matter
e-CTC: 4-Epichlortetracyclin
e-iso-CTC: 4-Epiisochlortetracyclin
EDTA: Ethylendiamintetraessigsäure
ESI: Electrospray-Ionisation
EU: Europäische Union
FAL: Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
FEDESA: Fédération Européenne de la Santé Animale
FLI: Friedrich-Loeffler-Institut
FMG: Futtermittelgesetz
HPLC: High-Performance-Liquid-Chromatography
(Hochleistungsflüssigkeits-Chromatographie)
iso-CTC: Isochlortetracyclin
IUPAC: International Union of Pure and Applied Chemistry
KD: Verteilungskoeffizient (hier: Boden/Wasser)
KOC: Verteilungskoeffizient organischer Kohlenstoff/Wasser
KOW: Verteilungskoeffizient Oktanol/Wasser
λex: Anregungswellenlänge
λem: Emissionswellenlänge
MRL: Maximum Residue Limit
MS: Massenspektrometrie
MS/MS: Tandem Massenspektrometrie
MUNLV: Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalens
n.n.: nicht nachweisbar
n.b.: nicht bestimmt
N-SFD: N4-Acetylsulfadiazin
p.a.: pro analysi
PAK: Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe
PEC: Predicted Environmental Concentration
pKa: Säuredissoziationskonstante
Rt: Retentionszeit
RFU: Relative Fluorescence Unit
SFD: Sulfadiazin
SOM: Soil Organic Matter
SPE: Solid Phase Extraction (Festphasenextraktion)
SRM: Selective Reaction Monitoring
TIC: Total Ion Current
TM: Trockenmasse
TNT: Trinitrotoluol
1 Einleitung und Problemstellung 1
1 Einleitung und Problemstellung
Antibiotika gehören zu den bedeutendsten und am häufigsten eingesetzten human- und
veterinärmedizinischen Arzneistoffen [1]. Auch wenn aktuelle Daten nicht vorliegen, ist allein
für den Bereich der Nutztierhaltung von einem europaweiten Antibiotikaverbrauch in einer
Größenordnung von mehreren tausend Tonnen pro Jahr auszugehen [2,3,75,78].
Im Gegensatz zur Anwendung bei Heimtieren, wo normalerweise nur einzelne Tiere zu
therapeutischen Zwecken behandelt werden, ist in der Tiermast eine Bestandsbehandlung,
also die Verabreichung von Antibiotika an eine größere Anzahl von Tieren, üblich [4].
Diese Praxis kann zu hohen und ökotoxisch relevanten Rückstandskonzentrationen von
antimikrobiellen Wirkstoffen in Gülle und Mist führen, da die Antibiotika oder deren teilweise
pharmakologisch aktiven Metabolite zum überwiegenden Anteil über Urin und Kot
ausgeschieden werden [5,6]. Organische Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist) können auch noch
nach längerer Lagerung erhebliche Rückstandsmengen enthalten [7].
Mit einer organischen Düngung gelangen so auch Antibiotika sowie deren Metabolite auf
landwirtschaftliche Nutzflächen [8], wo sie Abbau- und Sorptionsvorgängen als
konzentrationsbestimmende Prozesse unterliegen [9]. Von dort aus ist ein Transport der
Antibiotika und ihrer Metabolite in Abhängigkeit von ihren physiko-chemischen
Eigenschaften, den Bodeneigenschaften und den Wetterbedingungen ins Grundwasser und
in Oberflächengewässer möglich [4,9,10]. Über kontaminierte Klärschlämme können
Humanpharmaka-Rückstände ebenfalls auf landwirtschaftliche Nutzflächen ebenfalls
gelangen [4,10].
Gegenwärtig sind allerdings keine gesicherten Aussagen über das Gefährdungspotential
durch Veterinärantibiotika für Mensch und Umwelt möglich, was auch für in die Umwelt
eingetragene Humanantibiotika und für Arzneistoffe im Allgemeinen gilt. Ausreichende
Erkenntnisse über Rückstandsmengen und Verhalten von Antibiotika in der Umwelt fehlen.
Ergebnisse verschiedener Studien sind aufgrund einer hohen Komplexität der
Zusammenhänge z.T. widersprüchlich [351-353]. Von zentraler Bedeutung sind daher
folgende Fragestellungen:
- Welche Antibiotika (und relevante Metabolite) gelangen in welcher Menge auf
landwirtschaftliche Nutzflächen?
- Wie persistent sind die einzelnen Antibiotika in den verschiedenen
Umweltkompartimenten (Boden, Wasser, Sediment)?
- Werden Antibiotikarückstände im Boden von lebensmittel- oder futtermittelliefernde
Pflanzen aufgenommen?
- Wie wirken sich die Rückstände im Boden auf Mikrobiologie und Fauna aus?
1 Einleitung und Problemstellung 2
- Welche Bedeutung kommt dem Pfad Boden-Sickerwasser-Grundwasser oder dem
Eintrag in Oberflächengewässer (Runoff, Abwasserpfad) zu?
- Wie mobil sind verschiedene Antibiotika in Böden (Verlagerungsmöglichkeit)?
- Welche Faktoren beeinflussen die Mobilität?
- Werden Antibiotika, welche im Boden als immobil eingestuft werden, ins
Grundwasser eingetragen?
- Sind Auswirkungen auf die Qualität des Trinkwassers möglich und wie sind diese
einzuschätzen?
- Welchen Einfluss haben Antibiotikarückstände im Boden auf die Bildung und
Verbreitung von antibiotika-resistenten Mikroorganismen (Resistenzproblematik)?
Für ein effektives Risikomanagement ist es daher erforderlich, die u.a. oben genannten
Erkenntnisdefizite zu schließen, um damit zu einer verbesserten Risikoeinschätzung für
Mensch und Umwelt zu gelangen.
Der wissenschaftliche Beirat für Tierarzneimittel (CVMP) der Europäischen
Arzneimittelagentur (EMEA) verabschiedete 1997 einen Leitfaden [11] für die
Umweltbewertung von Tierarzneimitteln. In diesem 2-phasigen Konzept steht in Phase I die
Abschätzung des Umweltgefährdungspotentials eines Arzneistoffes auf Basis seiner
physiko-chemischen Stoffeigenschaften sowie der Anwendungsmengen und
Anwendungsmuster im Vordergrund. Bei Überschreitung bestimmter Schwellen- bzw.
Triggerwerte (PECsoil > 100µg/kg; PECwater > 1µg/L) wird ein Wirkstoff als relevant für eine
mögliche Umweltgefährdung eingestuft [12,13].
Für einen als derartigen Wirkstoff sind in Phase II detaillierte Untersuchungen bezüglich
seines Umweltverhaltens und seiner Umweltauswirkungen vorgeschrieben, um die Risiken
für die Umwelt beurteilen zu können [13,14].
Nach Richtlinie 2004/27/EG [15] ist für die Zulassung von Humanarzneimitteln eine
Umweltprüfung vorgeschrieben. Gleiches gilt nach Richtlinie 2004/28/EG [16] für
Tierarzneimittel. Beide Richtlinien unterscheiden sich aber in einem wesentlichen Punkt,
denn im Gegensatz zu den Humanarzneimitteln kann die Zulassung aufgrund der
Feststellung eines schweren Umweltrisikos nur bei den Tierarzneimitteln versagt werden.
Für die Zulassung von neuen Tierarzneimitteln ist schon seit 1998 eine Umweltbewertung
nach dem EMEA-Konzept erforderlich. Sogenannte „Altstoffe“, also Tierarzneimittel, die vor
1998 zugelassen worden sind, unterlagen somit keiner geregelten ökotoxikologischen
Prüfung [6].
Eine Bewertung der von den „Altstoffen“ ausgehenden Risiken im Sinne von Umwelt- und
Verbraucherschutz ist aber angebracht, da sie noch in beträchtlichen Mengen eingesetzt
werden [17]. Für die Arzneimittelklasse der Antibiotika kommt die damit verbundene
1 Einleitung und Problemstellung 3
Resistenzproblematik noch erschwerend hinzu. Neben den durch „Alt-Antibiotika“-
Rückständen ausgehenden möglichen Gefahren für Mensch und Umwelt, sind wirtschaftliche
Schäden infolge von Störungen im Fermentationsprozess und verminderter Biogasausbeute
im Bereich der zur Energieerzeugung immer wichtiger werdenden Biogasproduktion möglich
[18,19].
Aus diesen Gründen ist es erforderlich, detaillierte Erkenntnisse über Eintragsquellen von
Antibiotika in die Umwelt und deren Verbreitungspfade zu gewinnen.
Diese Arbeit soll dazu beitragen, Erkenntnisse über das Transportverhalten im Boden und
den Transportpfad Gülle-Boden-Sickerwasser-Grundwasser der beiden „Alt-Antibiotika
Chlortetracyclin und Sulfadiazin zu gewinnen, welche in der Veterinärmedizin zu den
einsatzstärksten Antibiotikaklassen der Tetracycline und der Sulfonamide gehören [20].
Diese Erkenntnisse sind dabei unter dem Gesichtspunkt eines nachhaltigen
Verbraucherschutzes von wesentlicher Bedeutung, da gesicherte Risikoabschätzungen nur
durch fundierte Kenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zwischen „Gülledüngung,
Antibiotikaverlagerung und Auswirkungen auf die Ressourcen Boden und Grundwasser“
möglich sind.
2 Zielsetzung 4
2 Zielsetzung
Zu Beginn der experimentellen Untersuchungen zu dieser Arbeit lagen nur wenige Daten
über Einträge und Verhalten von Tetracyclinen und Sulfonamiden in landwirtschaftlich
genutzten Böden vor. Es war unklar, ob bzw. in welchem Umfang die in den Boden über
Güllebeaufschlagung eingetragenen Stoffe in zur Trinkwassergewinnung genutzte Grund-
und Oberflächengewässer eingetragen werden und über die Aufnahme durch Nutzpflanzen
in die Nahrungskette gelangen können. Ferner waren die Auswirkungen (z.B.
Resistenzentstehung und -verbreitung) von Antibiotikarückständen und mit den
Wirtschaftsdüngern in den Boden eingetragene resistente Mikroorganismen auf die
natürliche mikrobielle Besiedlung noch wenig untersucht und daher nicht abschätzbar.
Folglich waren keine gesicherten Aussagen über eine Gefährdung von Mensch und Umwelt
möglich.
Um nähere Kenntnisse über die o.g. Zusammenhänge zu erlangen, wurden die vom MUNLV
(Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW)
geförderten Projekte „Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und
aquatische Kompartimente“ [476] und „Tierarzneimittel in der Umwelt: Bewertung von
Eintrag, Verlagerung und Resistenzentwicklung unter Gesichtspunkten des
Verbraucherschutzes“ [477] durchgeführt. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit, welche mit
den beiden Projekten in Verbindung steht, sollten Antibiotikarückstände (inkl. ausgewählter
Hauptmetabolite und Umwandlungsprodukte) in Böden mittels LC-MS/MS ermittelt und
schwerpunktmäßig Erkenntnisse über deren Abbau- und Transportverhalten gewonnen
werden. Aufgrund der hohen Sorptionsaffinität von Tetracyclinen zur Bodenmatrix war die
Untersuchung des partikelgebundenen Transports, bei dem Metallkomplexbildungs- und
Ionenaustauschreaktionen sowie das Verhalten mobiler Festphasen bei Immobilisierungs-
und Mobilisierungsprozessen relevant sein können, von zentraler Bedeutung. Das Verhalten
der Antibiotika sollte in unterschiedlich dimensionierten Versuchsanlagen (Labor-, Säulen-
und Freilandversuche) untersucht werden.
Aus den Zielen dieser Arbeit ergaben sich im Einzelnen folgende Aufgabenstellungen:
Entwicklung einer LC-MS/MS-basierten Methode zur Bestimmung von
Antibiotikarückständen in Böden,
Identifizierung und Quantifizierung von Chlortetracyclin und Sulfadiazin sowie einiger
ausgewählter Metabolite/Umwandlungsprodukte in Bodenproben anhand der
entwickelten Methode,
2 Zielsetzung 5
Untersuchung der Sorptionsaffinität von Tetracyclinen und Sulfadiazin gegenüber
Böden und ausgewählten Modellpartikeln,
Untersuchung des Einflusses von Metallkationen auf das Sorptionsverhalten von
Tetracyclinen,
Identifizierung und Quantifizierung von Chlortetracyclin und Sulfadiazin in Boden- und
Sickerwasserproben aus Lysimeterversuchen, um das Transportverhalten und einen
möglichen Eintrag ins Grundwasser abschätzen zu können,
Entwicklung einer Fluoreszenz-basierten Methode zur Bestimmung von
partikelgebundenen Tetracyclinen,
Methodische Vorarbeiten zur Überprüfung der Möglichkeit eines
Fluoreszenzscreenings für Tetracycline in Böden.
Detailliertere Angaben zu den Zielen und Aufgabenstellungen der einzelnen Teilbereiche
werden in den entsprechenden Kapiteln gegeben.
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 6
3 Grundlagen - Stand der Forschung -
3.1 Antimikrobielle Wirkstoffe in Veterinärmedizin und
Tierproduktion
3.1.1 Verwendungspraxis in der Tierproduktion
Die Einsatzgebiete antimikrobieller Wirkstoffe in der Veterinärmedizin und der Tierproduktion
lassen sich bezüglich ihres Anwendungszweckes in vier Bereiche unterteilen: Therapie,
Prophylaxe, Metaphylaxe und Leistungsförderung [52,53].
Antimikrobielle Wirkstoffe dienen bei ihrer therapeutischen Anwendung einer gezielten
Behandlung bestehender Infektionskrankheiten, welche durch Bakterien bedingt sind [77].
Bei der prophylaktischen Anwendung erfolgt eine Antibiotikagabe aus medizinisch
notwendigen Gründen im Rahmen einer Einzeltier- oder Tiergruppenbehandlung, ohne dass
irgendwelche klinischen Symptome einer bakteriellen Infektion vorliegen. So werden
Antibiotika bei einer Einzeltierbehandlung z.B. perioperativ oder bei bevorstehenden
Geburten („Trockenstellen“ von Milchkühen vor dem Abkalben) verabreicht. Ein Einsatz von
Antibiotika bei ganzen Tiergruppen findet in Form der „Einstallprophylaxe“ im Rahmen der
Tiermast (z.B. Schweine, Rinder) statt, wo nach dem Zusammenstellen von Ferkeln und
Kälbern aus mehreren kleineren Zuchtbeständen in einen großen Mastbestand die gesamte
Tiergruppe antimikrobiell behandelt wird [77].
Eine metaphylaktische Anwendung von Antibiotika erfolgt im Unterschied zur
prophylaktischen Anwendung an ganzen Tiergruppen, bei denen bereits einzelne Tiere des
Bestandes Krankheitssymptome zeigen und eine Ausbreitung der Erkrankung in Kürze zu
erwarten ist. Durch die Applikation von Antibiotika an alle Tiere des Bestandes sollen sowohl
mögliche nachfolgende Tierverluste vermindert, als auch die zu einen späteren Zeitpunkt
erforderliche Antibiotikamenge und die damit verbundenen Kosten für die Behandlung einer
großen Zahl klinisch erkrankter Tiere reduziert werden [52,53,77].
3.1.2 Einsatz von antimikrobiellen Wirkstoffen als Futtermittelzusatzstoff
In der Tierproduktion werden weltweit verschiedene antimikrobielle Wirkstoffe als
Leistungsförderer eingesetzt. Für eine Anwendung von antibiotischen Substanzen zur
Leistungsförderung bestehen im Gegensatz zu Therapie, Prophylaxe und Metaphylaxe keine
medizinisch notwendigen Gründe. Das Ziel des Einsatzes dieser Stoffe als Leistungsförderer
besteht darin, beim Tier die Nährstoffaufnahme in Pansen oder Darm zu optimieren,
beispielsweise um in der Schweinemast den Futterverbrauch pro Kilogramm
Gewichtszuwachs zu senken. Leistungsförderer mit antibakterieller Wirkung werden ebenso
wie Kokzidiostatika als Futtermittelzusatzstoffe eingesetzt [54].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 7
Trotz ihrer pharmokologischen Wirkung fallen antibiotische Leistungsförderer nicht unter das
Arzneimittelgesetz (§1 Abs. 3 Satz 5 AMG), sondern sind ausschließlich im Futtermittelrecht
geregelt (§ 2 FMG) [55]. Sie bedürfen innerhalb der EU, wie alle anderen
Futtermittelzusatzstoffe auch, der Zulassung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003
über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung, welche die bis dahin gültige
Zusatzstoffrichtlinie 70/524/EWG ablöste [56,57].
Da viele der als Leistungsförderer verwendeten antimikrobiellen Wirkstoffe auch als
Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin eingesetzt werden, wurden aufgrund der sich
daraus ergebenen Resistenzproblematik (siehe Kapitel 2.2.2) immer mehr Wirkstoffe für
diese Anwendung verboten: Als erste Wirkstoffgruppe bereits 1974 in der EU die
Tetracycline [58], welche aber z.B. in den USA immer noch verwendet werden [59]. 1996
erfolgte ein Verbot für Avoparcin als Futtermittelzusatzstoff für die Bundesrepublik
Deutschland [60], welches 1997 auf die ganze Europäische Union ausgeweitet wurde [61].
Mit der Verordnung (EG) Nr.2821/98 folgte das Verbot für die Wirkstoffe Zink-Bacitracin,
Virginiamycin, Tylosin und Spiramycin [62], woraufhin nach einer Studie der FEDESA der
Verbrauch an Leistungsförderern (bezogen auf das Jahr 1997) bis 1999 um 50% zurückging
[63]. Bis 2006 waren noch die antimikrobiellen Wirkstoffe Monensin-Natrium, Salinomycin-
Natrium, Flavophospholipol und Avilamycin zur Verwendung als Leistungsförderer
zugelassen. Durch die Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 gilt seit dem 1/2006 innerhalb der EU
ein generelles Verbot für die Verwendung von antibimikrobiellen Wirkstoffen als
Leistungsförderer. Als Futtermittelzusatzstoffe sind „Antibiotika“ zum Einsatz als
Kokzidiostatika oder Histomonostatika weiterhin erlaubt [56]. Kokzidiostatika und
Histomonostatika sind Stoffe, die zur Abtötung oder Wachstumshemmung von Protozoen
dienen. Kokzidien sind einzellige Parasiten aus der Gruppe der Protozoen, die zu schweren
Darmerkrankungen und hohem (Tier-)Verlustrisiko führen können. Besonders in der
Geflügelhaltung stellen Kokzidien ein Problem dar, und in der Kaninchenhaltung gehört die
Kokzidiose zu den bedeutendsten parasitären Erkrankungen [64].
Von den ehemals als Leistungsförderer zugelassenen antimikrobiellen Wirkstoffen sind
Monensin-Natrium und Salinomycin-Natrium als Kokzidiostatika und damit als
Futtermittelzusatzstoffe weiterhin erlaubt bzw. neu zugelassen worden. Der Einsatz von
Monensin-Natrium als Futtermittelzusatzstoff ist nach der aktuellen Gesetzeslage innerhalb
der EU bei Geflügel zulässig [65,66], ebenso wie die Verwendung von Salinomycin-Natrium
bei Geflügel [67-73] und Kaninchen [70,74]. Sulfonamide werden zwar ebenfalls gegen
Kokzidien eingesetzt, sind aber nicht als Futtermittelzusatzstoffe zugelassen [354].
Antibiotisch wirksame Futtermittelzusatzstoffe (nach FMG) wie Kokzidiostatika sind von
Gesetzes wegen von Fütterungsarzneimitteln (nach AMG) zu unterscheiden [355].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 8
Fütterungsarzneimittel müssen aufgrund der unterschiedlichen Gesetzeszugehörigkeit, im
Gegensatz zu den Futtermittelzusatzstoffen, von einem Tierarzt verschrieben werden,
wodurch ihre Verwendung einer zusätzlichen Kontrolle unterliegt.
3.1.3 Antibiotikaverbrauch in der Landwirtschaft
Da es bezüglich der Produktion oder des Verbrauchs von Veterinärantibiotika in Deutschland
und der Europäischen Union keine Dokumentationspflicht gibt, sind Angaben hierüber nur für
einzelne Jahre in einigen Studien zu finden.
Für das Jahr 1997 veröffentlichte die FEDESA (Federation Européenne de la Santé Animale)
Daten über das europaweite Verkaufsvolumen (EU und Schweiz) von Antibiotika (Abb. 1)
[75,76,77 (korrigierte Daten, ursprünglich Humanmedizin: 5400 t)]. Danach wurden
insgesamt 12752 t Antibiotika eingesetzt, davon entfielen 7659 t (60%) auf den
humanmedizinischen Einsatz, 3494 t (27%) auf die veterinärmedizinische Verwendung und
1599 t (13%) auf den Einsatz als Leistungsförderer (Futtermittelzusatzstoffe).
7659 t 3494 t
1599 t
Antibiotische Leistungsfördere
r
Veterinärmedizin
Humanmedizin
Abb. 1: Verbrauchsmenge von Antibiotika in der EU (inkl. Schweiz) im Jahre 1997
(in Tonnen), FEDESA [75]
Der mit Abstand größte Anteil von den in der Veterinärmedizin eingesetzten Antibiotika
entfällt auf die Tetracycline. Im Bereich der europäischen Union (inkl. Schweiz) betrug im
Jahre 1997 der Anteil der Tetracycline mit 2294 t 66% der Gesamtumsatzmenge für
veterinärmedizinische Antibiotika (Abb. 2) [75-77].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 9
Tetracycline 2294 t
Macrolide 424 t
Penicilline 322 t
A
minoglycoside 154 t
Sulfonamide/Trimethoprim 75 t
Fluorchinolone 43 t
Sonstige 182 t
Abb. 2: Verbrauchsmengen der EU-weit in der Tiermedizin eingesetzten Wirkstoffgruppen
im Jahre 1997 (in Tonnen), FEDESA [75]
Die Einsatzmengen an Veterinärantibiotika für die Bundesrepublik Deutschland, welche auf
einer Schätzung der Verbrauchsmengen des Veterinärpanels der Gesellschaft für
Konsumforschung (GfK) in Nürnberg beruhen, beliefen sich für 2003 auf 724,2 t und für 2005
auf 784,4 t [78]. Insgesamt nahm der Verbrauch von Veterinärantibiotika dabei von 2003 auf
2005 um 8,3% (60,2 t) zu (Tab. 1).
Eine deutliche Änderung ergab sich dabei für die Tetracycline, dessen Verbrauchsmenge um
9,2% (35,5 t) abnahm. Dennoch blieben im Jahr 2005 die Tetracycline mit einem Anteil von
44,6% am Gesamtantibiotikaverbrauch die in der Veterinärmedizin mengenmäßig am
stärksten eingesetzte Antibiotikaklasse. Der Rückgang bei den Tetracyclinen korrelierte
dabei mit dem Auslaufen von Zulassungen von mehreren oralen Tetracyclin-Präparaten im
Niedrigpreissegment. Mit 44 t nahm demgegenüber der Verbrauch an ß-Lactamen im
gleichen Zeitraum stark zu, was wahrscheinlich auf den Preisverfall bei den Amoxicillinen
zurückzuführen ist [78].
Tab. 1: Verbrauchsmengen an Veterinärantibiotika in Deutschland [78]
2003 2005
Veränderungen
2003-2005
t t %
Antibiotika gesamt 724,2 784,4 +8,3
Aminoglycoside 27,3 36,3 +33,0
ß-Lactame 155,2 199,2 +28,4
Chinolone 3,5 3,7 +5,7
Lincosamide 7,5 12,1 +61,3
Makrolide 38,6 52,6 +36,3
Phenicole 4,7 4,8 +2,1
Pleuromutiline 6,8 6,4 -5,9
Polypeptide 23,4 21,8 -6,8
Sulfonamide 71,7 97,5 +36,0
Tetracycline 385,5 350,0 -9,2
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 10
Winckler und Grafe ermittelten anhand einer Datenbasis aus dem Jahr 1997 für die Gruppe
der Tetracycline mit 39,832 t einen ca. 52%igen Anteil an der Gesamtmenge der in sechs
Landkreisen der niedersächsischen Weser-Ems-Region abgesetzten Veterinärarzneimittel,
wovon wiederum Chlortetracyclin mit 24,130 t (ca. 33% der Gesamtmenge) den größten
Anteil ausmachte [79]. Für das Land Brandenburg betrug der Anteil von Tetracyclinen nach
Linke und Gratz 1998/1999 etwa 50% [80].
Nach Erhebungen der FEDESA lagen im Jahr 1997 die Sulfonamide bei einem relativen
Gesamtverkaufsvolumen von 2,1 % (75 t, inkl. Trimethoprim) innerhalb der europäischen
Union (EU) [75]. In wie weit die Erhebungen der FEDESA den wirklichen Verbrauch an
Sulfonamiden innerhalb der Europäischen Union widerspiegeln ist fraglich, da aus anderen
Quellen ermittelte Verkaufszahlen auf einen deutlich höheren Verbrauch zu schließen ist.
Allein in sechs Landkreisen der niedersächsischen Weser-Ems-Region sind 1997 nach
Winkler und Grafe ca. 14 t Sulfonamide verwendet worden, was einem Anteil von 19% (inkl.
Trimethoprim 2%) der dort abgesetzten Veterinärarzneimittel entspricht [79]. Nach Thiele-
Bruhn [81] wurden 2000 allein für Großbritannien 98 t (Anteil: 22%) Sulfonamide verwendet.
Die relativen Verbrauchsmengen für Frankreich, Schweden, Dänemark, Schweiz und
Großbritannien liegen nach dieser Quelle zwischen 11 und 23%.
3.2 Antibiotikaresistenzen und Verbrauchergefährdung
3.2.1 Resistenzentwicklung
Wenn die native Population einer Spezies von Bakterien unempfindlich gegenüber einem
oder mehreren Antibiotika ist, spricht man von natürlicher (synonym: intrinsischer) Resistenz
oder auch primärer Resistenz. Diese Spezies liegen dann außerhalb des
Wirkungsspektrums dieser Antibiotika [181].
Bei erworbenen (synonym: extrinsischen) Resistenzen oder auch sekundären Resistenzen
sind einzelne Stämme von ursprünglich gegenüber einem oder mehreren Antibiotika
empfindlichen Bakterien gegen dieses bzw. diese antibiotischen Wirkstoffe unempfindlich
geworden. Die sekundäre Resistenz entsteht aufgrund der Behandlung mit einem
Antibiotikum, worauf es infolge eines Selektionsdruckes auf die Bakterienspezies durch
spontane Mutation zur Resistenzbildung kommt, oder sie wird durch horizontalen
Gentransfer erworben [181].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 11
Kreuz- und Ko-Resistenz
Unter Kreuzresistenz wird die gleichzeitige Unempfindlichkeit einer Bakterienspezies gegen
zwei oder mehr Antibiotika der gleichen Wirkstofffamilie, also gegen strukturell eng
verwandte Substanzen, verstanden, welche nach der Definition von Shah auf einem
gemeinsamen Resistenzmechanismus basieren [182].
So wird u.a. durch den Einsatz des Glykopeptid-Antibiotikums Avoparcin, welches 1997
europaweit zur Anwendung als Leistungsförderer verboten wurde [61], eine
Vancomycinresistenz bei Enterokokken induziert [158,183]. Eine vollständige Kreuzresistenz
besteht z.B. zwischen den strukturell sehr ähnlichen klassischen Tetracyclinen (Tetracyclin,
Oxytetracyclin, Chlortetracyclin und Demethylchlortetracyclin) [7,122,149,184].
Treten bei einzelnen Bakterienspezies gleichzeitig Resistenzen gegenüber Antibiotika aus
verschiedenen Wirkstofffamilien auf, wird dies als Ko-Resistenz bezeichnet. Im Allgemeinen
bilden Resistenzgene, welche gemeinsam auf der gleichen mobilen genetischen Gruppe
(Transponsons, Plasmide) gelegen sind, die Grundlage der Ko-Resistenz [185,186]. So
ermittelten z.B. Deflaun und Levy bei Pseudomonas spp. ein Plasmid, das die
Resistenzinformationen gegen drei unterschiedliche Antibiotika (Spectinomycin, Tetracyclin,
Chloramphenicol) trägt [187].
Einen Sonderfall der Ko-Resistenz stellen „Multidrug-Transporter“ dar. Efflux-Pumpen sind in
der Lage, unterschiedliche Stoffe wie Antibiotika (z. B. Chloramphenicol, Tetracycline,
Fluorchinolone, Trimethoprim, Fosfomycin), Chemotherapeutika, Antiseptika, Detergentien,
Schwermetalle oder kationische Farbstoffe aus der Bakterienzelle auszuschleusen
[188,189].
Resistenzstrategien von Bakterien am Beispiel der Tetracycline
Tetracycline besitzen eine sehr hohe Affinität zum ribosomalen Protein S7 der 30S-
Untereinheit prokaryontischer Ribosomen. Durch die reversible Bindung von Tetracyclinen in
diesem Bereich des Ribosoms wird die Anlagerung der Aminoacyl-tRNA und damit die
Proteinbiosynthese gehemmt [190,191].
Für die Resistenzbildung wurden unterschiedliche bakterielle Strategien identifiziert, welche
einer antibiotischen Wirkung von Tetracyclinen entgegenwirken [190]:
(1) Schutz der Ribosomen als Angriffsort der Tetracycline
(2) Reduzierung der intrazellulären Tetracyclinkonzentration
(3) Inaktivierung des Antibiotikums durch modifizierte Enzyme
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 12
Im Jahr 2005 waren 38 Tetracyclin-Resistenzgene bekannt, wovon 11 der Strategie (1), 23
der Strategie (2) und 3 der Strategie (3) zuzuordnen sind. Ein Resistenzgen konnte keiner
der aufgeführten Strategien zugeordnet werden [192].
3.2.2 Resistenzproblematik
Antibiotika sind die wichtigsten Medikamente zur Therapie bakterieller Infektionen. Ihre
Wirksamkeit ist heute und in Zukunft durch das zunehmende Vorkommen resistenter und
multiresistenter Erreger stark gefährdet [150, 356, 357]. Durch den Einsatz antimikrobieller
Substanzen in Human- und Veterinärmedizin wird ein hoher Selektionsdruck und die
Möglichkeit zur Bildung von Resistenzreservoirs in therapierten Individuen generiert [151].
So wird für die weite Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien und der daraus
resultierenden Problematik der seit ca. 60 Jahren bestehende Einsatz von Antibiotika zu
therapeutischen und prophylaktischen Zwecken verantwortlich gemacht [152].
Der übermäßige Antibiotika-Einsatz führt dazu, dass immer mehr Bakterienstämme, die bei
Mensch und Tieren zu Infektionen führen, gegen Antibiotika resistent sind. Das könnte im
schlimmsten Fall dazu führen, dass gegen bestimmte Stämme kein Antibiotikum mehr wirkt
und Infektionen nicht mehr effektiv behandelbar sind. Um dieser Entwicklung
entgegenzuwirken gibt es zwei Möglichkeiten:
Zum einen die Entwicklung und Einführung neuer antibiotischer Substanzen [150], was
jedoch in den letzten Jahren kaum noch geschehen ist [153], und zum anderen die
Umsetzung von Maßnahmen und Strategien, um die Verbreitung von Resistenzen zu
minimieren [150], welche auch bei neu zugelassenen Antibiotika anzuwenden wären.
Resistente Mikroorganismen entstehen immer dort, wo antibiotische Wirkstoffe in großen
Mengen eingesetzt werden und die Bakterien somit einem hohen Selektionsdruck
ausgesetzt sind [154-158]. Der Vorgang der Entstehung von Resistenzen ist dabei sowohl
von der Konzentration der Antibiotika, als auch von der Dauer der Einwirkung auf die
Mikroorganismen abhängig [159,160]. Der wichtigste Faktor bei der Entstehung, Selektion
und Verbreitung resistenter Mikroorganismen ist somit der Einsatz von antibiotischen
Substanzen [158,161]. Es werden dadurch nicht nur resistente pathogene Keime sondern
auch antibiotikaresistente Stämme der Standortflora selektiert [162,163], welche ihrerseits
Resistenzeigenschaften an andere Bakterienspezies weitergeben können. Von Relevanz ist
zudem, das auch subinhibitorische Antibiotikakonzentrationen zur Entstehung und Selektion
von Resistenzen beitragen [358,359].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 13
Seit der Entdeckung des Penicillins sind zahlreiche antibiotisch wirksame Substanzen
entwickelt und als Antibiotika auf den Arzneimittelmarkt eingeführt worden. Nach
unterschiedlich langer Zeit des Einsatzes sind aber gegen jeden dieser Wirkstoffe
Resistenzentwicklungen bekannt geworden. Selbst gegen Linezolid, eine Substanz aus der
Stoffgruppe der Oxazolidinone, die seit mehreren Jahrzehnten die erste neue Gruppe von
Antibiotika darstellte, wurde nach kurzer Zeit die Entstehung von Resistenzen beobachtet
[164,165]. Die Einschätzung, dass eine Resistenzentwicklung gegen diesen Wirkstoff,
welcher sehr früh den Prozess der Proteinbiosynthese von Bakterien stört, äußerst
unwahrscheinlich ist, wurde damit widerlegt.
Allgemein kann beobachtet werden, dass die Zunahme der gegenüber einem Antibiotikum
resistenten Bakterien eng mit den Einsatzmengen dieser Substanz korreliert und die
Resistenzraten nach Verminderung des Einsatzes wieder zurückgehen können [166-169].
Die Selektion, Anreicherung und Ausbreitung von resistenten Bakterien erfolgt dabei generell
umso schneller, je öfter ein Antibiotikum in einer Region eingesetzt wird [170]. Im
Unterschied dazu erfolgt ein Rückgang der Resistenzhäufigkeit sehr viel langsamer als die
Resistenzentstehung [171].
Häufig werden in der Veterinärmedizin Bestandsbehandlungen durchgeführt, wobei den
Tieren die Antibiotika mit dem Trinkwasser oder dem Futter verabreicht werden. Diese Praxis
führt zu einer Verabreichung subtherapeutischer Dosen, häufig über lange Zeiträume, und
somit zu einem hohen Selektionsdruck auf die Mikroorganismen [157,173-176].
Eine Verwendung gleicher Antibiotikaklassen in human- und veterinärmedizinischen
Bereichen [177,178] trägt zusätzlich zu der Resistenzproblematik für humanmedizinische
Antibiotika bei, da die Gefahr zur Bildung von Kreuzresistenzen besteht [179]. So wurden in
vielen Untersuchungen die Resistenzen gegenüber Fluorchinolonen dem Selektionsdruck
durch deren veterinärmedizinische Verwendung zugeschrieben [155,166,173]. Die
Verwendung von Avoparcin in der Tiermast wird mit dem Auftreten von Vancomycin-
resistenten Enterokokken (VRE) in Verbindung gebracht [360]. Shea et al. berichten über
eine Zunahme der Tetracyclin-Resistenz von ca. 10% auf 90% bei Bakterien nach einem
Anwendungszeitraum von 2 Wochen, welche von Oxytetracyclin medikamentiertem Geflügel
stammen. Innerhalb von 6 Monaten nahm dabei auch die Tetracyclin-Resistenzrate bei den
von Farmbewohnern stammenden Bakterien signifikant zu [175].
Antibiotika, die sowohl human- als auch in der veterinärmedizinische Verwendung finden,
sind u.a. Aminoglykoside, Cephalosporine, Chloramphenicole, Fluorchinolone, Lincosamide,
Makrolide, Nitrofurane, Nitroimidazole, Penicilline, Polimyxine, Spectinomycin, Sulfonamide,
Tetracycline und Trimethoprim [180].
Der Eintrag von resistenten Bakterien und Antibiotika mit Wirtschaftsdüngern (z.B. Gülle) in
den Boden landwirtschaftlicher Nutzflächen führt zu einer weiteren Verbreitung von
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 14
Resistenzen [361]. Nach Schmitt et al. scheint diesbezüglich der Eintrag von resistenten
Bakterien oder Resistenzgenen mit der Gülle wichtiger zu sein als der Eintrag von
Antibiotikarückständen und einer damit verbundenen Resistenzentwicklung im Boden [362].
Dantas et al. legen nahe, dass Bodenbakterien einen unbeachteten Resistenzpool
darstellen, welcher zur Entstehung höherer Level multi-resistenter pathogener Bakterien
beitragen kann [363].
3.2.3 Verbraucherschutz
Um das Gefährdungspotential für den Menschen durch die in der landwirtschaftlichen
Tierhaltung eingesetzten Antibiotika abschätzen zu können, ist es notwendig, die
verschiedenen Möglichkeiten der Beeinflussung und Interaktion zwischen Mensch, Tier und
Umwelt zu berücksichtigen [7]. Das größte Risiko für den Menschen geht dabei von
resistenten Mikroorganismen aus. Zum einen kann es infolge der Aufnahme von
Antibiotikarückständen beim Menschen zu einer Resistenzbildung kommen, zum anderen
besteht die Möglichkeit einer direkten Übertragung resistenter Mikroorganismen.
Generell birgt jeder Einsatz von antimikrobiellen Wirkstoffen das Risiko einer
Resistenzselektion in sich [193,194]. Das Resistenzrisiko steigt dabei besonders bei
ungezieltem Einsatz, niedriger Dosierung und längerer Anwendungsdauer [194,364].
Ungemach führt als begünstigende Faktoren für die Resistenzentwicklung die Dosishöhe, die
Anzahl der behandelten Individuen, die Behandlungsdauer und die Art des verwendeten
Wirkstoffs an [76]. Als wichtige Faktoren, die zur Selektion und Ausbreitung resistenter
Bakterien im Tier führen, ergeben sich damit:
subtherapeutische Dosierung
subinhibitorische Konzentration im Zielgewebe der Tiere (Infektionsort)
Massenmedikation
lang anhaltende Behandlung
Einsatz von Antibiotika mit breitem Wirkspektrum bzw. ihrer Kombinationen
prophylaktischer und metaphylaktischer Einsatz
Einsatz als Leistungsförderer
Lebensmittelüberwachung - Höchstmenge
Prinzipiell ist eine Aufnahme von Antibiotikarückständen über Nahrungsmittel tierischer und
pflanzlicher Herkunft möglich. Tierische Nahrungsmittel wurden dabei schon vor längerer
Zeit als potentielle Quelle der Einnahme von Antibiotikarückständen in Betracht gezogen
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 15
[195]. Nicht nur die von den Tieren stammenden Fleischprodukte können
Antibiotikarückstände enthalten, sondern auch tierische Produkte wie Milch und Eier.
Zurhelle konnte z.B. bei mit Tetracyclinen medikamentierten Legehennen
Tetracyclinrückstände in den Eiern nachweisen [114].
Neben der Antibiotika-Belastung der Lebensmittel an sich, spielt auch die Temperatur der
Verarbeitung bzw. Zubereitung von Lebensmitteln in Bezug auf die Höhe der aufgenommen
Rückstandsmengen eine Rolle, da Antibiotikarückstände bei ungenügender Erhitzung im
Fleisch erhalten bleiben [7]. Nach Kühne et al. bleiben z.B. noch 50% der Antibiotika
(Tetracycline in Knochen- und Fleischmehl) nach Erhitzung bei 133 °C über einen Zeitraum
von 45 min erhalten, gleichzeitig nehmen die Gehalte an Abbauprodukten zu, die toxischer
sein können als der Ausgangswirkstoff, wie z.B. Anhydro-Tetracycline [196].
Durch die Aufnahme von Lebensmitteln, die mit Antibiotikarückständen belastet sind, besteht
die Gefahr der Resistenzbildung und somit ein Risiko für den Verbraucher. So stellten
Großklaus et al. nach dem Verzehr penicillinhaltiger Milch bei sensibilisierten Personen eine
plasmidbedingte Resistenzbildung fest [197].
Zum Schutz der Verbraucher ist es die Aufgabe des Gesetzgebers und der für die
Lebensmittelüberwachung zuständigen Behörden zu gewährleisten, dass Lebensmittel keine
gesundheitsbeeinträchtigenden Rückstandskonzentrationen enthalten [7,57,198].
Rückstände sind nach § 4 des Fleischhygienegesetzes (FlHG) und Artikel 2 Richtlinie
96/23/EG wie folgt definiert: „Rückstand: Rückstand von pharmakologisch wirkenden Stoffen
und deren Umwandlungsprodukten sowie von anderen Stoffen, die auf tierische Erzeugnisse
übergehen und für den Menschen gesundheitsschädlich sein können“ [199,200].
Die Höchstmengen (Maximum Residue Limits = MRL) für Tierarzneimittelrückstände in
Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs, sofern eine Höchstmenge im Interesse des Schutzes
der öffentlichen Gesundheit notwendig ist, werden im Anhang I der Verordnung (EWG) Nr.
2377/90 festgesetzt [195]. Die MRL-Werte dienen zum einen als Beurteilungsgrenze im
Rahmen der chemisch-analytischen Untersuchung und Rückstandskontrolle von
Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Zum anderen werden in den Zulassungsverfahren für
Tierarzneimittel auf Basis der MRL-Werte „Wartezeiten“ festgelegt, d.h. diejenige Zeitspanne
in der nach Behandlung eines Tieres keine Lebensmittel von diesem Tier gewonnen werden
dürfen.
3.2.4 Risiken durch den Antibiotikaeintrag in Böden
Aufgrund des Eintrages von Antibiotikarückständen in Umweltkompartimente bestehen
neben Nahrungsmitteln tierischer Herkunft weitere Aufnahme- und damit
Gefährdungsquellen für den Menschen.
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 16
Da die in der Tiermast verabreichten Antibiotika über Urin und Faeces wieder ausgeschieden
werden, gelangen die Wirkstoffe und deren Metabolite in den Wirtschaftsdünger Gülle. Durch
den Austrag von Gülle auf landwirtschaftlich genutzte Felder ist so eine Belastung von
aquatischen und terrestrischen Kompartimenten möglich. Ob Antibiotika-Rückstände, wie
z.B. Tetracyclin-Rückstände, im Boden bioverfügbar sind und durch Nutzpflanzen
aufgenommen werden können, war bis vor wenigen Jahren noch unbekannt. Die Aufnahme
von Antibiotika (Chlortetracyclin, Sulfadiazin) über die Wurzel von Winterweizen und
Feldsalat wurde von Grote et al. erst kürzlich nachgewiesen. Die Pflanzen wurden in dieser
Untersuchung auf Felder (Freilandbedingungen) angebaut, welche zuvor mit belasteter Gülle
gedüngt worden waren [96,201]. Kumar et al. berichteten von der Aufnahme von
Chlortetracyclin durch Mais, Kohl und Zwiebeln in einer Gewächshausstudie [202]. In
Screeninguntersuchungen an Getreide, das aus viehstarken Gebieten stammte, wurden von
Freitag et al. ebenfalls Tetracyclin-Rückstände nachgewiesen [203].
Diese Ergebnisse belegen eine Bioverfügbarkeit von Antibiotikarückständen im Boden und
folglich einen Kontaminationspfad für Nutzpflanzen. Letztendlich besteht dadurch die
Möglichkeit eines Eintrags von Antibiotika in die Nahrungskette und somit ein potentielles
Verbraucherrisiko. Eine gesicherte Risikoabschätzung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht
möglich, da erst wenige Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Neben der potentiellen Verbrauchergefährdung durch Resistenzentstehungen bestehen
zudem Risiken durch die Antibiotikarückstände selbst. In erster Linie ist hier das Risiko einer
Auslösung von Allergien zu nennen [204]. Durch eine dauerhafte Aufnahme von
Tetracyclinspuren sind z.B. Allergien, Lichtdermatosen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
und die Unwirksamkeit oraler Kontrazeptiva möglich [7].
Das Verhalten der verschiedenen Antibiotika in der Umwelt ist höchst komplex und hängt
von zahlreichen Faktoren ab, was die Einschätzung eines Gefährdungspotentials durch die
einzelnen Antibiotika in der Umwelt erschwert. So spielen z.B. bei der Verlagerung im Boden
u.a. der vorherrschende pH-Wert, Regenereignisse und die Bodenzusammensetzung eine
Rolle. Zudem sind Vorkommen, Ausbreitung und Abbau der in die Umwelt eingebrachten
Antibiotika von deren chemo-physikalischen Eigenschaften abhängig [172] und damit für die
verschiedenen Antibiotika unterschiedlich. So wurde bei einigen der bisher untersuchten
antibiotischen Wirkstoffe eine biologische Abbaubarkeit bzw. Photodegration beobachtet,
andere Antibiotika scheinen demgegenüber wiederum schwer abbaubar zu sein [205,206].
Schwer abbaubare Antibiotika sind z.B. Tetracyclin, Sulfamethoxazol, Amoxicillin, Cefotiam
und Ciproflaxin [7, 205].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 17
Alexy et al. untersuchten die biologische Abbaubarkeit von 18 verschiedenen Antibiotika
(u.a. Tetracyclin, Chlortetracyclin, Sulfamethoxazol, Trimethoprim) im geschlossenen
Flaschentest (nach OECD 301 D) und konnten keines der Antibiotika als leicht biologisch
abbaubar klassifizieren [207]. Von diesen Antibiotika geht damit die Gefahr einer
Akkumulation in der aquatischen und terrestrischen Umwelt aus. In Anbetracht der hohen
Verbrauchszahlen (Kap. 3.1.3) besteht daher ein potentielles Gefährdungsrisiko für den
Menschen.
3.2.5 Gefährdungspotential resistenter Mikroorganismen
Eine Übertragung von resistenten Mikroorganismen aus der Landwirtschaft auf den
Menschen ist über eine Vielzahl von Wegen möglich. Mögliche Übertragungswege sind
kontaminierte Lebensmittel tierischer Herkunft, der Kontakt mit Nutztieren, der luftgetragene
Transport von Stäuben aus landwirtschaftlichen Betrieben, sowie infolge von
Gülleausbringung und Umwelteintrag belastetes Trinkwasser und pflanzliche Nahrungsmittel
[172,208,209, 361].
Die Übertragung resistenter Bakterien der tierischen Flora auf den Menschen wurde in vielen
Studien belegt. Eine Aufnahmemöglichkeit von resistenten Mikroorganismen besteht hierbei
neben den tierischen Lebensmitteln [156,210-218] auch durch direkten Tierkontakt [156,
216-220]. Insbesondere rohes Fleisch bzw. Fleischerzeugnisse und Rohmilch können von
Tieren stammende resistente Bakterien enthalten [151,221], welche nach oraler Aufnahme
die Magendarmpassage überleben können und im Stuhl der Konsumenten nachweisbar
bleiben [222,223]. Die Gefährdung des Verbrauchers durch Aufnahme resistenter Bakterien
liegt dabei in der Schwierigkeit der Therapierbarkeit der durch ihnen direkt ausgelösten
Infektionen und der Resistenzübertragung an Bakterien der Standortflora oder andere
humanpathogene Bakterien [156,177,213,224]. So berichteten z.B. Teuber et al. über die
Resistenzübertragung Vancomycin-resistenter Enterokokken (VRE) aus Fleisch- und
Käseprodukten, was durch deren genetischer Übereinstimmung mit klinischen Isolaten
gezeigt wurde [217].
Ein Risiko für den Menschen geht insbesondere von Infektionen mit multiresistenten
Erregern, wie z.B. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), aus. MRSA bzw.
ORSA (Oxacillin-resistente Staphylococcus aureus) stellt bei Nosokomialinfektionen weltweit
ein besonderes Problem dar [356,357]. MRSA wird in hospital acquired MRSA (ha-MRSA)
und community acquired MRSA (ca-MRSA) unterschieden, wobei ha-MRSA auf in
Krankenhäuser erworbene klononale Linien von MRSA zurückzuführen ist [527]. Die Daten
mehrerer niederländischer Untersuchungen legen einen Zusammenhang zwischen
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 18
Antibiotikaeinsatz und des damit verbundenen Auftretens von Resistenzen in der Tiermast
(z.B. Schweinemast) mit der Folge einer erhöhten Gefährdung für Kontaktpersonen der Tiere
(z.B. Masttierzüchter, Schlachter) bezüglich einer Infektion mit ca-MRSA nahe [365-368].
Zudem können MRSA-Stämme auch gegenüber weiteren Antibiotikagruppen, wie z.B.
Tetracycline, Glykopeptide (z.B. Vancomicyn) und/oder ß-Lactame resistent sein, was eine
Therapierbarkeit erkrankter Personen erschwert und zu steigender Mortalität führt [369]. Die
Anzahl der durch ca-MRSA (ca-ORSA) verursachten Infektionen nimmt zu und wird mit einer
signifikanten Morbität und Mortalität ansonsten gesunder Individuen assoziiert [356]. Allein in
den USA sterben jährlich mehr als 18.000 Menschen durch MRSA-Infektionen und damit
mehr als durch AIDS [370]. Welchen Anteil ca-MRSA daran besitzt bleibt offen, aber unter
der Berücksichtigung, dass 25 - 39% Prozent amerikanischer Schweine MRSA tragen, ist
von einem ernsthaften Risiko für den Menschen auszugehen. In einer kanadischen
Untersuchung betrug MRSA bei Schweinen ca. 25% und bei Schweinezüchtern 20% [371].
In den Niederlanden wurden MRSA-Raten von 39% bei Schweinen und >20% bei
Schweinezüchtern ermittelt [366, 372]. Ein Risiko, sich mit MRSA infizieren zu können,
besteht neben dem Tierkontakt auch durch Lebensmittel tierischen Ursprungs, da in
Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Käse ebenfalls MRSA nachgewiesen werden konnte
[370, 372-375]. Kluytmans et al. beschrieben die Übertragung von MRSA durch
kontaminierte Lebensmittel [376]. In diesem Fall wurden die Lebensmittel zwar durch einen
mit MRSA-infizierten Menschen kontaminiert, es zeigt aber die grundsätzliche Möglichkeit
einer Übertragung durch kontaminierte Lebensmittel.
Einen zusammenfassenden Überblick über den aktuellen (Daten-)Stand der
Resistenzverbreitung in Human- und Veterinärmedizin in Deutschland liefert der
Resistenzatlas GERMAP 2008 [357].
Da resistente Bakterien tierischer Herkunft über Wirtschaftsdünger auf Anbauflächen für
Gemüse oder Getreide gelangen, ist auf diese Weise eine Kontamination pflanzlicher
Lebensmittel möglich [151,225,226]. Wie hoch die in Wirtschaftsdünger eingetragenen
Resistenzraten von Bakterien mitunter sein können, zeigen die Untersuchungen von Lim et
al. anhand von Escherichia coli –Stämmen, welche aus den Stuhlproben koreanischer
Nutztiere isoliert worden sind. Während die Tetracyclin-Resistenz der aus Rinderkot
isolierten E.coli-Stämme bei 30,5% (102 von 334) lag, ermittelten sie dagegen bei den aus
Kot von Schweinen isolierten Stämmen eine Tetracyclin-Resistenz von 96,3% (395 von 410)
[227].
Der Eintragspfad über Wirtschaftsdünger ist insofern von Bedeutung, da der Verzehr von
unbehandelten pflanzlichen Nahrungsmitteln generell als Quelle von Infektionskrankheiten in
Frage kommt [225,228,229] und somit auf diesem Wege ebenso eine Aufnahme von
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 19
resistenten Bakterien durch den Genuss roher und unbehandelter Lebensmittel wie Gemüse,
Salat oder Obst möglich ist. In Untersuchungen von Boehme et al. an 20 verschiedenen
pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse), welche auf Wochenmärkten und in Supermärkten
gekauft wurden, betrug die Resistenzrate bei den isolierten Bakterienstämmen z.B.
gegenüber Tetracyclin 43% [230].
Auch in aquatischen Systemen konnte ein Vorkommen resistenter Bakterien mehrfach
nachgewiesen werden [231-233]. Zum einen werden Antibiotikarückstände und resistente
Mikroorganismen aus anderen Umweltbereichen wie z.B. der Landwirtschaft eingetragen,
zum anderen kommt es durch den Antibiotikaeinsatz in Aquakulturen zur Resistenzbildung.
In entwickelten Ländern ist eine Aufnahme von resistenten Bakterien aufgrund der
Wasseraufbereitung über das Trinkwasser unwahrscheinlich. Dagegen ist ein Aufnahme von
resistenten Bakterien über nicht aufbereitetes Wasser aus Seen und Flüssen möglich [151].
Eine Resistenzbildung ist nicht allein auf die Entstehungsorte Mensch und Tier beschränkt.
Es besteht zudem die Möglichkeit der Resistenzentstehung und –ausbreitung in den
verschiedenen Umweltkompartimenten allein durch den Selektionsdruck, den
Antibiotikarückstände auf die jeweiligen Bakterienpopulationen ausüben. In der Literatur wird
beispielsweise die Möglichkeit einer in situ-Resistenzentwicklung in aquatischen Systemen
beschrieben [172]. Nach Chander et al. sind auch fest an Bodenpartikel adsorbierte
Tetracycline noch biologisch aktiv und können damit die Selektion Antibiotika-resistenter
Bakterien in der Umwelt beeinflussen [234].
Der Eintrag von resistenten Mikroorganismen aus der Tiermast in die Umwelt kommt als ein
Hauptfaktor der Resistenzverbreitung zusätzlich hinzu. Aus Tests an Boden-, Abwasser und
Gülleproben konnten nach Smalla mobile genetische Elemente isoliert werden, die in der
Lage sind, nicht-selbsttransferable DNA zu übertragen [185]. Diese genmobilisierende
Aktivität war dabei unter Feldbedingungen im begüllten aber nicht im unbegüllten Boden
nachweisbar. Nach Smalla konnten übertragbare Resistenzgene gegen Streptomycin,
Gentamycin und Tetracyclin in Boden, Rhizosphäre (Wurzelbereich von Pflanzen),
Belebtschlamm, Gülle und Meerwasserproben nachgewiesen werden [185]. Untersuchungen
von Pote et al. zeigten, dass ein Transport von biologisch aktiver DNA, welche in der Lage
ist, Resistenzen auf Bakterien zu übertragen, im wassergesättigten Boden und Grundwasser
über beachtliche Distanzen möglich ist [235].
Aufgrund der dargestellten Komplexität und der vielfältigen Risikofaktoren für den
Verbraucher, kann heute noch keine gesicherte Risikoanalyse über die Auswirkungen des
veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Einsatzes von Antibiotika und der damit
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 20
verbundenen Resistenzbildung beim Menschen gemacht werden. Der Erkenntnisstand hat
sich in den letzten Jahren zwar punktuell vertieft, aber viele Zusammenhänge sind immer
noch im Unklaren oder nicht eindeutig nachgewiesen. Das gilt sowohl für die
Resistenzentstehung und -Verbreitung durch Antibiotika-Rückstände in der Umwelt, als auch
für Vorkommen und Verbreitungspfade von Antibiotika in den verschiedenen
Umweltkompartimenten.
3.3 Tetracycline und Sulfonamide
3.3.1 Tetracycline
Benjamin Mingo Duggar entdeckte 1947 in den Lederle Laboratories (Pearl River, USA) eine
von Streptomyces aureofaciens (Strahlenpilz, Bodenbakterie) erzeugte antibiotische
Substanz, die er Aureomycin nannte. Diese Substanz ist heute unter der Bezeichnung
Chlortetracyclin bekannt [108]. In den darauf folgenden Jahren wurden Oxytetracyclin (1949)
und Tetracyclin (1953) entdeckt. Durch chemische Modifikationen der klassischen
Tetracycline, welche ihre pharmakologischen Eigenschaften verbessern, wurden
verschiedene Tetracyclinderivate wie Rolitetracyclin, Doxycyclin und Minocyclin entwickelt
[7].
Tetracyclin wurde zunächst partialsynthetisch durch katalytische Hydrierung von
Chlortetracyclin hergestellt. 1968 gelang Muxfeldt die Synthese von Tetracyclin. 1973
veröffentlichten Muxfeldt et al. die Totalsynthese von Anhydro-Chlortetracyclin. Die
Herstellung von Tetracyclinen durch Totalsynthesen konnte sich aber aufgrund des
vergleichsmäßig hohen Aufwandes in der Industrie nicht durchsetzen. Daher werden die
meisten Tetracyclinderivate partialsynthetisch aus den fermentativ gewonnenen
Tetracyclinen erzeugt [7,109,110].
Das Wirkspektrum der bakteriostatisch wirkenden Tetracycline umfasst den größten Teil der
grampositiven und –negativen Bakterien, sowie Mykobakterien, Mykoplasmen, Chlamydien,
Rickettsien und große Viren [377].
Physikalische und chemische Eigenschaften
Tetracycline sind gelbe, geruchlose und lichtempfindliche Verbindungen, welche im
kristallinen Zustand stabil sind. Sie sind starke Komplexbildner (Chelatbildung mit
mehrwertigen Metallkationen) und besitzen eine hohe Affinität zu Silanolgruppen [59,378].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 21
Die chemische Grundstruktur der Tetracycline besteht aus vier linear kondensierten
Sechserringen, wobei sich die verschiedenen Derivate lediglich in ihren Substituenten
unterscheiden (Tab. 2).
Tab. 2: Struktur von Tetracyclin-Wirkstoffen [7,121,133]
R
1
OH OOH O
OH
OH
R
3
N
R
2
NH
2
O
D C B A
2
3
4
4a
5
5a
1
6
6a
7
8
910 10a 11 11a 12 12a
R
4
CH
3
H
3
C
Substanz Abkürzung R1R2
A-Chromophor
BCD-Chromophor
R3R4
Tetracyclin TC H OH CH3H
Oxytetracyclin OTC H OH CH3OH
Chlortetracyclin CTC Cl OH CH3H
Doxycyclin DC H H CH3OH
Rolitetracyclin RTC H OH CH3
N
N
Minocyclin MC N(CH3)2H H H
Tetracycline besitzen charakteristische UV-Spektren, welche allerdings pH-Wert abhängig
sind. Der A-Chromophor (s. Tab. 2) absorbiert bei 260 nm. Der BCD-Chromophor besitzt
Absorptionsmaxima bei 225, 285, 320 und 360 nm [108,111].
Bei Anhydrotetracyclinen ist die Absorptionsintensität im Wellenlängenbereich von 320-380
nm, aufgrund der durch die Dehydratation hervorgerufenen Veränderung des BCD-
Ringsystems, jedoch deutlich vermindert. Da die Absorptionsprofile der Anhydrotetracycline
von den gewählten Bedingungen abhängig sind, erfolgt eine Quantifizierung mittels UV-
Detektion bei unterschiedlichen Wellenlängen [112-115].
Durch alkalische Behandlung werden viele Tetracycline in iso-Tetracycline umgewandelt. Die
Umwandlung geht dabei mit einer pH-abhängigen Änderung der UV-Absorption bei 320-380
nm einher. Nur im alkalischen Mileu besitzen die iso-Tetracycline eine UV-Absorption im
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 22
Bereich 320-380 nm [116,117]. Die natürliche Fluoreszenz der Tetracycline wird durch die
Isomerisierung deutlich verstärkt, was zur analytischen Bestimmung der Tetracycline
ausgenutzt werden kann [118-120].
Tetracycline bilden mit Säuren und Basen in Wasser lösliche, stabile Salze. Sowohl die
freien Basen, als auch die Hydrochloride sind in Alkoholen gut löslich. In anderen
organischen Lösungsmitteln sind sie hingegen weniger gut löslich [108,111,122]. In
wässriger Lösung (innerhalb des physiologischen pH-Bereichs) besitzen die freien Basen der
Tetracycline mit ca. 1mg/ml lediglich eine geringe Löslichkeit [108,111,121]. Die
Wasserlöslichkeit der Tetracyclin-Hydrochloride ist hingegen größer, so geben Sattelberger
et al. für Tetracyclin-Hydrochlorid eine Löslichkeit von 50-100 mg/ml in wässriger Lösung an
[4].
Während die Tetracycline, insbesondere deren Hydrochloride, im festen Zustand stabil sind,
verlieren sie in wässrigen Lösungen schnell einen Teil oder ihre gesamte antibiotische
Wirksamkeit. Für die einzelnen Tetracycline ist die Stabilität in wässriger Lösung sehr
unterschiedlich und wird zudem durch verschiedene Faktoren wie z.B. Temperatur und pH-
Wert beeinflusst. So sind TC und OTC im sauren bis neutralen pH-Bereich deutlich stabiler
als CTC. Im alkalischen Medium zeigt OTC die höchste Stabilität, während CTC besonders
alkaliempfindlich ist und zum iso-CTC isomerisiert [7,123-126].
Tetracycline besitzen durch ihre sauren Gruppen und den basischen Dimethylamino-Restes
einen amphoteren Charakter. Für Tetracycline sind vier Säurekonstanten bekannt. Sie
reagieren aufgrund der OH-Gruppe an Position C-3 als Säuren mit einem pKa1-Wert von 3,3
[121,127]. An der OH-Gruppe der vinylogen Carbonsäurestruktur (pKa2-Wert = 7,6) an
Position C-12 erfolgt eine zweite Deprotonierung. Die basischen Eigenschaften der
Tetracycline beruhen auf dem Dimethylamino-Rest an Position C-4. Der dritte pKa3-Wert von
9,7 wird dabei dem protonierten Stickstoffatom des Restes zugeordnet [128,129], ein vierter
pKa4-Wert von 12 wird nach Duarte et al. der phenolischen OH-Gruppe an Position C-10
zugeordnet [130].
Tetracycline können in Abhängigkeit von den Substituenten, der Koordinierung von Metall-
Ionen und dem Lösungsmittel, insbesondere dem pH-Wert des Lösungsmittels, in zwei
unterschiedlichen Konformationen vorliegen. Tetracyclin nimmt dabei in sauren und
neutralen Melieu eine „twisted“ Konformation an, bei der die protonierte
Dimethylaminogruppe aus sterischen Gründen oberhalb des BCD-Ringsystems liegt. Im
basischen Medium oder in nichtwäßrigen Lösungsmitteln verschiebt sich das Gleichgewicht
zu einer „extended“ Konformation, wobei die Dimethylaminogruppe unterhalb des planaren
BCD-Ringsystems liegt [131]. Die Konformation der Tetracycline hat möglicherweise einen
Einfluss auf die pharmakokinetischen Eigenschaften [128,132].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 23
Umwandlungs- und Abbaureaktionen
In Abhängigkeit vom Lösungsmittel, von der Temperatur, der Lichteinstrahlung und
insbesondere vom pH-Wert kommt es bei den verschiedenen Tetracyclinen (in Lösung) zu
einer Vielzahl von Umwandlungs- und Abbaureaktionen. Die verschiedenen Tetracycline
zeigen dabei jedoch deutliche Unterschiede in der Art und der Geschwindigkeit dieser
Reaktionen [108,122].
Unter Umwandlungsreaktionen werden in dieser Arbeit Reaktionen verstanden, die zu einer
Konfigurationsänderung bei gleich bleibender Summenformel führen. Der Begriff der
Isomerisierung wird auf die alkalische Umwandlung der Tetracycline in ihre iso-Form
verwendet. Bei den verschiedenen Umwandlungsreaktionen wird dabei in Isomerisierung,
Epimerisierung und Keto-Enol-Tautomerie unterschieden. Die verschiedenen Tetracycline
können zudem einer Dehydratation unterliegen. Die Dehydratation wird dabei aufgrund der
Veränderung der Summenformel als eine Abbaureaktion angesehen.
Epimerisierung
Tetracycline unterliegen in schwach saurer Lösung (pH 2 - 6) einer Konfigurationsänderung
am asymmetrischen C-Atom in Position 4 (Abb. 3).
Cl
Cl
OH OOH O
OH
OH
CH
3
N(CH
3
)
2
CH
3
HO
NH
2
O
H
OH OOH O
OH
OH
N(CH
3
)
2
HO H
NH
2
O
pH 2-6
Chlortetrac
y
clin
(
CTC
)
4-e
p
i-Chlortetrac
y
clin
(
e-CTC
)
O
+
OH
OH
N
NH
2
O
H
CH
3
H
3
C
H
H
O
OH
OH
N
NH
2
O
H
CH
3
H
3
C
H
+
H
O
+
OH
OH
N
NH
2
O
H
CH
3
H
3
C
H
H
+ H+
- H+
Abb. 3: Epimerisierung von Chlortetracyclin in schwach saurer Lösung [7,118]
Diese Epimerisierung, welche nach einer Reaktion 1. Ordnung verläuft, ist reversibel und
wird z.B. durch Harnstoff, Citrat, Phosphat oder mehrwertige Kationen katalysiert [111,116].
Die Reaktionsgeschwindigkeit und die Gleichgewichtslage der Epimerisierung sind im hohen
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 24
Maß vom pH-Wert abhängig. Die Geschwindigkeit der Epimerisierung nimmt mit steigendem
pH-Wert zu, wobei sich je nach den gewählten Bedingungen das Gleichgewicht bei einem
Epimerisierungsgrad von 40-68% einstellt. Unterhalb von pH 1,5 findet jedoch keine
Epimerisierung mehr statt [134-136].
Im Vergleich zu ihren jeweiligen Muttersubstanzen besitzen die epimeren Tetracycline eine
bessere Löslichkeit in den meisten Lösungsmitteln und eine erhöhte Stabilität gegenüber
saurer oder alkalischer Einwirkung [108]. Eine Konfigurationsänderung wie z.B. bei den 4-
Epi-Tetracyclinen wirkt sich zudem auf die antibiotische Aktivität aus. Die antibiotische
Wirksamkeit der Epimere ist nach verschiedenen Autoren gegenüber der Muttersubstanz um
90-100% vermindert. Es ist dabei aber unklar, ob die Epimere überhaupt eine antibiotische
Wirksamkeit besitzen oder da die Epimerisierung reversibel ist, die antibiotische Aktivität
auch auf Rückepimerisierung zurückzuführen ist [7,134].
Isomerisierung
Bei Tetracyclinen mit einer Hydroxygruppe an Position C-6 führt eine alkalische Behandlung
zum Aufbrechen des Ringes C zu den entsprechenden iso-Tetracyclinen (Abb. 4)
[108,111,126]. TC und OTC isomerisieren oberhalb eines pH-wertes von 9-10, CTC
hingegen ist besonders labil und isomerisiert schon ab pH 7 zum iso-CTC.
Analog zu den Tetracyclinen epimerisieren im schwach sauren Bereich (pH 2-6) auch die
iso-Tetracycline zu 4-epi-iso-Tetracyclinen [137]. Im Gegensatz zur Epimerisierung ist die
Isomerisierung der Tetracycline durch alkalische Behandlung eine irreversible Reaktion. Die
in ihre iso-Form umgewandelten Tetracycline besitzen keine oder nur noch sehr geringe
antibiotische Aktivität [7,117,138-140].
Cl N(CH
3
)
2
HO CH
3
H
OH
OH O OH O
OH
NH
2
O
Cl
OH OOH O
OH
OH
N(CH
3
)
2
NH
2
O
H
O
CH
3
p
H > 7
Isochlortetrac
y
clin
(
iso-CTC
Chlortetrac
y
clin
(
CTC
)
Cl
OH OOH
CH
3
OCH
3
Cl
OH O O
CH
3
O
Cl
OH O O
CH
3
O
Cl
OH OOH
CH
3
O
+ OH- - H20
+ H20
- OH-
Abb. 4: Isomerisierung von Chlortetracyclin im alkalischen Milieu [7,118]
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 25
Keto-Enol-Tautomerie
Die unterschiedlichen Tetracycline können in Abhängigkeit von Polarität und pH-Wert des
Lösungsmittels verschiedene tautomere Formen annehmen. Duarte et al. [130] beschreiben
für vollständig protonierte Tetracycline neun verschiedene Tautomere. Die tatsächliche
Struktur des Tetracyclins lässt sich hierbei als Gleichgewicht aus allen möglichen Keto-Enol-
Tautomeren auffassen. In Abhängigkeit vom Dissoziationsgrad der Tetracycline sind unter
Einbeziehung von vier den pKa-Werten entsprechenden Protonierungs- und
Deprotonierungszuständen 64 tautomere Formen möglich [7].
Die chromatographische Trennung von Tautomeren des CTC und DC ist erstmalig Naidong
et al. an Polymerphasen gelungen. Mittels NMR konnte die Keto-Enol-Tautomerie im Bereich
von Position C11, C11a und C12 nachgewiesen werden [141,142].
Das H-Atom an Position C11a kann durch Ausbildung der Ketoform cis- oder transständig
zum H-Atom an Position C5a sein, woraus sich eine cis-Ketoform und eine trans-Ketoform
ableiten lässt. Die Keto-Enol-Tautomerie (Abb. 5) kann grundsätzlich säuren- oder
basenkatalysiert sein. Für CTC ist aufgrund seiner leichten Isomerisierung zum iso-CTC bei
alkalischer Behandlung nur der säurekatalysierte Prozess von Bedeutung, da beim iso-CTC
eine Tautomerie an Position C11, C11a und C12 nicht mehr möglich ist.
Cl N(CH
3
)
2
HO CH
3
H
OH
OH OOH O
OH
NH
2
O
Cl
OH OOO
OH
OH
CH
3
N(CH
3
)
2
HO
NH
2
O
H
H
Enolform von CTC Ketoform von CTC
OOH
CH3
HO
H
+
+
OOH
CH
3
HO
H
+
+ H+
- H+
Carbeniumion
Abb. 5: Keto-Enol-Tautomerie von Chlortetracyclin [7,118]
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 26
Dehydratisierung
Als eine Abbaureaktion (Eliminierungsreaktion) ist bei den Tetracyclinen die
Dehydratisierung von Bedeutung. Unterhalb von pH 1,5 spaltet sich bei Tetracyclinen mit
einer Hydroxygruppe an Position C-6 (z.B. bei CTC) leicht Wasser ab, und es entstehen
unter Aromatisierung vom Ring C die entsprechenden Anhydrotetracycline (Abb. 6).
Bei der Dehydratsierung handelt es sich um eine irreversible Reaktion 2. Ordnung. Die
Eliminierung von Wasser wird hierbei durch die trans-Stellung der tertiären Hydroxylgruppe
an Position C-6 zum H-Atom an C-5a ermöglicht [111,118,126]. Die Anhydrotetracycline
unterliegen ebenfalls der Epimerisierung und der Keto-Enol-Tautomerie. Die Epimerisierung
der Anhydrotetracycline verläuft dabei schneller und die Deydrierung der 4-epi-Tetracycline
langsamer als die entsprechende Reaktion der unveränderten Tetracycline [126]. Die
antibiotische Aktivität ist bei den Anhydrotetracyclinen um ca. 70% gegenüber ihren
Ausgangsverbindungen reduziert und sie besitzen zudem deutlich toxischere Eigenschaften
aufgrund dessen sie keine klinische Anwendung finden. Die Anwendung von
Anhydrotetracyclinen ruft schwere Nebenwirkungen hervor, welche auf ihrer nicht selektiven
Wirkung auf alle Zellmembranen, also auch auf die von eukaryontischen Zellen, beruht [112,
128]. Die toxischen Effekte von Anhydrotetracyclinen werden der relativen Position der
Dimethylamino-Gruppe zugeschrieben [143].
Cl N(CH
3
)
2
Cl CH
3
N(CH
3
)
2
HO CH
3
OH O OH O
OH
OH
NH
2
O
H
H
OH
OH OH O O
OH
NH
2
O
pH < 1,5
- H2O
Chlortetracyclin (CTC) Anhydrochlortetracyclin (Anhydro-CTC)
Cl
OH OOH
CH
3
O
HH +
Cl
OH OOH
+
CH
3
Cl
OH OOH
CH
3
+ H+
- H+
- H2O
Abb. 6: Dehydratisierung von Chlortetracyclin in stark saurem Medium [7,118]
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 27
3.3.2 Sulfonamide
1932 wurde der Azofarbstoff Prontosil (Sulfamidochrysoidin) synthetisiert, welcher 1935
erstmals als Sulfanilamid therapeutisch eingesetzt wurde [144,145]. Das Sulfanilamid
entstand dabei durch die Metabolisierung von Sulfamidochrysoidin durch den Organismus.
Auf der strukturellen Basis des Sulfanilamids (para-Aminobenzolsulfonamid) wurde in den
nachfolgenden Jahren durch Variation der Substituenten eine große Vielzahl von Derivaten
entwickelt (Tab. 3), welche sich in ihren pharmakokinetischen und toxikologischen
Eigenschaften stark unterscheiden. Die größte Wirksamkeit konnte dabei durch Substitution
mit Acylderivaten oder heterocyclischen Derivaten erzielt werden. Die Sulfonamide werden in
der therapeutischen Anwendung häufig in Kombination mit anderen Antibiotika verwendet
[144,146].
Sulfonamide wirken bakteriostatisch, da die kompetitive Hemmung der Dihydropteroinsäure-
Synthetase durch das Sulfonamid zu einer Hemmung der Folsäuresynthese führt [147]. Sie
besitzen eine Breitbandwirksamkeit gegenüber grampositiven und viele gramnegativen
Bakterien, sowie gegen einige Protozoenen (Kokzidien) [377].
Tab. 3: Struktur von Sulfonamid-Wirkstoffen [148]
Grundstruktur
H
2
N S
O
O
N
H
R
Name Struktur R Name Struktur R
Sulfanilamid
H
Sulfamethoxy-pyridazin
NN
OMe
Sulfacetanid
CH
3
O
Sulfadoxin
N
N
OMeMeO
Sulfadiazin
N
N
Sulfamethoxazol
NO
Sulfisomidin
N
N
Sulfisoxazol
N
O
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 28
Sulfamethazin
N
N
Sulfaquinoxalin
N
N
Sulfamerazin
N
N
Sulfadimethoxin
N
N
OMe
OMe
Sulfathiazol
S
N
Sulfaphenazol
N
N
S
N
N
Sulfamethizol
Sulfonamide sind in Wasser relativ schwerlöslich (7,5-1500 mg/l) und verhalten sich
amphoter. Sie reagieren als schwache Säuren und bilden Salze in stark sauren oder
basischen Lösungen. Für Sulfonamide sind zwei Säurekonstanten bekannt, welche bei pKa1=
2-3 und pka2= 4,5-10,6 liegen (Sulfanilamid, Sulfadiazin, Sulfadimidin, Sulfadimethoxin,
Sulfapyridin, Sulfamethoxazol). Der pKa1 wird der Protonierung der Aminogruppe und der
pKa2 der Deprotonierung des R1SO2NHR2-Teils zugeordnet [81]. Sulfonamide können daher
in Lösung abhängig vom pH-Wert als kationische, neutrale bzw. zwitterionische und/oder
anionische Spezies vorliegen [379,380].
Die Sulfonamide werden in der Leber metabolisiert. Durch Acetylierung am primären N4-
Anillinstickstoff bildet sich dabei als wichtiger Metabolit ein N4-Acetyl-Sulfonamid [145].
Wooley et al. ermittelten bei Ratten N4-Acetyl-Sulfadiazin (siehe Abb. 7) und N4-Glucuronid-
Sulfadiazin als Hauptmetaboliten von Sulfadiazin [381].
NHH
3
C
O
S
N
N
O
O
NH
Abb. 7: N4-Acetyl-Sulfadiazin
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 29
2.3.3 Trimethoprim
In der Veterinärmedizin wird oft eine Kombination von Sulfonamiden mit Trimethoprim (TMP)
eingesetzt, wodurch sich ihre Wirkstärke potenziert. Als Monopräparat fand Trimethoprim
jedoch keine wesentliche Anwendung in der Veterinärmedizin.
Trimethoprim, als Vertreter der Antimetaboliten, unterdrückt bakterielle Reduktasen und führt
zu einer zweistufigen Hemmung des Folsäuremetabolismus der Bakterien (Sequentialeffekt)
[146,149].
MeO
MeO
N
NNH
2
NH
2
OMe
Abb. 8: Struktur von Trimethoprim
3.4 Arzneistoffe im Boden
In den letzten 10 Jahren wurden zahlreiche Human- und Veterinärarzneistoffe in Abwässern,
Kläranlagenabflüssen, Oberflächengewässern, Wirtschaftsdüngern und Böden
nachgewiesen [81,351]. Dabei lag der Schwerpunkt der Untersuchungen auf Eintrag und
Vorkommen von Humanarzneimitteln in aquatischen und terrestrischen
Umweltkompartimenten. Demgegenüber waren Tierarzneimittel, obwohl diese in erheblichen
Umfang eingesetzt werden, selten Gegenstand von Untersuchungen. Aus diesem Grund
liegen bis heute nur wenige Ergebnisse zu Vorkommen und Verhalten von Tierarzneistoffen
in der Umwelt vor. Insbesondere bei den Verlagerungswegen/-mechanismen im Boden und
dem damit verbundenen möglichen Eintrag von Tierarzneimittel ins Grundwasser ist der
gegenwärtige Kenntnisstand unzureichend.
Neben den spezifischen physiko-chemischen Eigenschaften der einzelnen Arzneistoffe ist
das Umweltverhalten von dem hoch komplexen System Boden sowie von verschiedenen
Umwelteinflüssen abhängig. Daraus ergibt sich eine unüberschaubare Anzahl von Faktoren,
welche das Umweltverhalten von Arzneistoffen beeinflussen. In den einzelnen
Untersuchungen werden daher nur wenige Faktoren berücksichtigt und letztendlich sind die
Ergebnisse dieser Untersuchungen somit immer nur eingeschränkt untereinander
vergleichbar. Zusätzlich kommt hinzu, dass bei den verschiedenen Untersuchungen in der
Regel nur die aus dem jeweiligen Boden extrahierbaren Arzneimittelrückstände analytisch
ermittelt werden können. Um das Verhalten dieser Umweltschadstoffe [382] im Boden und
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 30
deren Verbreitungstendenz verlässlich einschätzen zu können, sind gesicherte Daten über
deren Vorkommen im Boden, Oberflächen- und Grundwasser nötig. Des Weiteren müssen
die einzelnen Beeinflussungsfaktoren identifiziert und deren Einflussgröße auf das Verhalten
der einzelnen Arzneistoffe im Boden ermittelt werden.
3.4.1 Verhalten von Schadstoffen (Arzneimittelrückständen) im Boden
Für das Verhalten von Arzneistoffen im Boden gelten grundsätzlich die gleichen
Beeinflussungsfaktoren wie für andere Bodenschadstoffe. In wieweit ihr Verhalten
untereinander vergleichbar ist, hängt u.a. vom Übereinstimmungsgrad ihrer physiko-
chemischen Eigenschaften ab.
Die verschiedenen Schadstoffe können dabei vereinfacht in zwei Gruppen eingeteilt werden:
- anorganische Stoffe (z.B. Schwermetalle, Metalloide und Radionuklide)
- organische Schadstoffe (z.B. Chlorkohlenwasserstoffe (CKW), Nitro- und
Aminoaromaten, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK),
Polychlorierte Biphenyle (PCB), Herbizide, Pestizide, Arzneistoffe)
Die Anzahl der möglichen Eintragspfade in Böden ist für die verschiedenen Schadstoffe
vielfältig, daher wird nur auf die im Zusammenhang mit Arzneimitteleinträgen wichtigsten
eingegangen.
Die Belastung von Böden mit den verschiedenen Schadstoffen ist abhängig von ihrer
geographischen Lage (z.B. Nähe zur Schadstoffquelle) und Nutzung. Für Tierarzneimittel
verläuft der wesentliche Eintragspfad, da der Hauptteil an Tierarzneimitteln in der Tiermast
verwendet wird, über die Ausscheidungsprodukte der Tiere. Diese gelangen entweder direkt
beim Weidegang der Tiere oder indirekt in Form von Gülle oder Festmist auf
landwirtschaftliche Nutzflächen (Weide- oder Ackerflächen) [23,24,383].
Für Humanarzneimittel erfolgt dagegen der Haupteintrag über die menschlichen
Ausscheidungen und den Abwasserpfad in die Oberflächengewässer. Die Eintragsmenge
der einzelnen Arzneistoffe in die Oberflachengewässer wird dabei insbesondere durch den
Grad der Elimination (Abbau, Sorption) in den Kläranlagen bestimmt [24]. Durch die
Verwendung von Klärschlamm als Düngemittel ist ebenfalls –neben Gülle- ein Eintrag von
Arzneistoffen in den Boden landwirtschaftlicher Nutzflächen (Ackerflächen) möglich.
Schadstoffe (z.B. Arzneistoffe) unterliegen dabei stark vernetzten Kreisläufen, in denen
natürliche biogeochemische Vorgänge mit anthropogenen Materialflüssen gekoppelt sind (s.
Abb. 9) [384].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 31
photochemischer
Abbau
Eintrag in
Oberflächengewässer
Adsorption an
Bodenmatrix
Aufnahme durch
Pflanzen
Auswaschung/Versickerung
Mineralisation
Oberflächenabfluss
Arzneistoffe
Kontamination von
Grundwasser
Bodenlösung
chemischer und
mikrobieller Abbau
Abb. 9: Potentielles Verhalten in Böden eingetragener Arzneistoffe (geändert nach [384])
Die Verbreitung der Schadstoffe im Boden wird durch ihre physikalisch-chemischen
Eigenschaften, durch Transportprozesse und biogeochemische Mechanismen bestimmt.
Folgende Faktoren stehen dabei im Zusammenhang mit der Konzentration und der
Verbreitung dieser Stoffe in der Umwelt [384]:
• Quellen, Eintragsmenge und –charakteristik
• physikalisch-chemische Stoffeigenschaften (molekulare Struktur, Dampfdruck,
Hydro-/Lipophilie, Adsorptionsfähigkeit, Abbaubarkeit)
• physikalisch-chemische und biologische Eigenschaften (Temperatur, pH-Wert,
Sedimentationsrate, Nährstoffkreisläufe, Redox- und Mischungsverhältnisse)
• Transformationsprozesse (Photolyse, Hydrolyse, Redoxreaktionen und biotischer
Abbau)
Allgemein gelten für alle auf den Boden gelangten organischen Schadstoffe der
biochemische Abbau (Mineralisierung), die Sorption der Substanzen bzw. deren
Abbauprodukte an Bodenbestandteile und der Verbleib in bioverfügbarer Form
(Bodenlösung) als Abhängigkeitsfaktoren für deren Verbreitungsverhalten. Die Sorption an
Bodenbestandteile beinhaltet dabei die beiden Prozesse der Anlagerung (Adsorption) an
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 32
Bodenpartikeln und der Aufnahme (Absorption) in (organische) Bestandteile des Bodens
[385]. Eine isolierte Betrachtung einzelner Bodenbestandteile bezüglich ihres
Sorptionsverhaltens gegenüber einzelnen Schadstoffen kann nicht grundsätzlich auf
natürliche Böden übertragen werden, da Wechselwirkungen der verschiedenen
Bodenbestandteile untereinander in der Lage sind, sich auf das Sorptionsverhalten
auszuwirken. So können bespielsweise überwiegend hydrophobe Huminstoffe an
mineralische Partikel wie Tonminerale adsorbieren und somit zu einer gesteigerten
Hydrophobizität führen [386]. Neben den von Natur aus im Boden vorkommenden
Huminstoffen wirken sich daher auch anthropogene Einflüsse in Form eines Eintrags
huminstoffreicher Düngemittel wie Kompost oder Gülle auf die Hydrophobizität eines Bodens
aus.
Eine Sorption an Bodenbestandteile kann z.B. über Van-der-Waals-Kräfte, Dipol-Dipol-
Wechselwirkungen, hydrophobe Bindung, Wasserstoffbrückenbindung, kovalente Bindung,
koordinative Bindung oder Ionenaustausch erfolgen [387]. Die auf physikalischen Kräften
beruhenden Bindungstypen der Physisorption sind meist schwach und reversibel,
demgegenüber sind die starken chemischen Bindungstypen der Chemisorption teilweise
irreversibel. Für an der Bodenoberfläche befindliche Schadstoffe ist infolge von
Sonneneinstrahlung ein photochemischer Abbau möglich. Durch eindringendes
Regenwasser können die Bodenschadstoffe mit dem Sickerwasser in tiefere Bodenregionen
transportiert werden und bis ins Grundwasser gelangen. Der Transport ist dabei auf zwei
verschiedene Wege möglich. Ein Transport der Schadstoffe ist zum einen in gelöster Form
und zum anderen in an Bodenpartikel sorbierter Form über den partikulären Transport
(mobile Partikel oder Kolloide) im Boden möglich.
Durch Fällungsreaktionen (einschließlich Mitfällung) können gelöste Kontaminanten selbst
Festphasen bilden oder Bestandteil dieser sein. Ein erneuter Übergang von zuvor gefällten
oder sorbierten Stoffen durch Auflösungs- und Desorptionsvorgänge in die Bodenlösung ist
infolge natürlicher oder anthropogener Umwelteinflüsse / Prozesse möglich.
In welcher Form ein Transport in tiefere Bodenschichten möglich ist, hängt zum einen von
den physikalisch-chemischen Eigenschaften der Schadstoffe und zum anderen von der
jeweiligen Umwelt (Bodenzusammensetzung, Korngrößenverteilung, pH-Wert des Bodens,
Redoxpotential u.a.) ab. Der Sorptionsprozess kann dabei für Schadstoffe, welche an der
festen Bodenmatrix sorbiert werden, auch eine Retardation und damit eine zeitweise
Immobilisierung beinhalten. Partikuläre Stoffe können dabei in Abhängigkeit der
Filtereigenschaften des jeweiligen Bodens zurückgehalten werden. Die Stoffmenge, welche
durch den Boden bis ins Grundwasser transportiert werden kann, ist von der Verweilzeit der
Kontaminanten im Boden abhängig, welche durch die Verlagerungsgeschwindigkeit
bestimmt wird [385].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 33
Bei Starkregenfällen ist zudem eine teilweise Ausschwemmung der Schadstoffe mit dem
Oberflächenwasser in angrenzende Gewässer (Entwässerungskanäle, Bäche, Flüsse, Seen)
möglich, wo sie dann weiter abtransportiert oder in Sedimenten abgelagert werden. Über den
Boden können verschiedene Schadstoffe, sofern sie in einer pflanzenverfügbaren Form
vorliegen, zudem durch Pflanzen aufgenommen werden.
Bildung nicht-extrahierbarer Rückstände und Sequestrierung
Untersuchungen aus Feldstudien und Bodensanierungsprojekten zeigen, dass Schadstoffe
in Böden und Sedimenten länger persistieren als anhand ihres physikalischen und
chemischen Verhaltens abgeschätzt werden kann [388,389]. Solche Beobachtungen, welche
sich signifikant von den herkömmlichen Theorien zum Verhalten und Transport von
Kontaminanten im Boden unterscheiden, deuten auf eine Fraktion von Schadstoffen im
Boden hin, welche eine geringere Verfügbarkeit gegenüber mikrobiellem Abbau und
chemischen Reaktionen besitzt [390]. Generell wird angenommen, dass adsorbierte
Schadstoffe zuerst in eine wässrige Phase (Bodenwasser) desorbieren müssen, um
gegenüber biologischem Abbau und chemischen Reaktionen zugänglich zu sein [390]. So
gelten beispielsweise auch Antibiotika, welche durch Wechselwirkungen mit der Bodenmatrix
festgelegt (sequestriert) werden, als nicht mehr verfügbar [391]. Die Entstehung von
gebundenen Rückständen „Bound Residues“ bzw. nicht-extrahierbaren Rückständen ist ein
aus agrarwissenschaftlichen Untersuchungen bekanntes Phänomen [392]. Die Bildung von
nicht-extrahierbaren Rückständen ist ein generelles Phänomen, welches bei
unterschiedlichen Kontaminanten wie z.B. PAK, Trinitrotuluol (TNT) und auch Substanzen
aus der heterogenen Stoffgruppe der Pestizide auftritt. Wechselwirkungen zwischen
Bodenmatrix und Schadstoffen, auf welche eine Bildung von nicht-extrahierbaren
Rückständen beruhen kann, sind:
- sorptive Wechselwirkungen
- kovalente Bindungen
- physikalischer Einschluss (Sequestrierung, Entrapment)
Die einzelnen Bindungsprozesse unterscheiden sich dabei, sowohl hinsichtlich der
benötigten Zeiträume als auch bezüglich des Chemismus, deutlich voneinander.
Unter „Sequestrierung“ sowie „Entrapment“ wird ein unspezifischer Bindungsmechanismus
verstanden, welcher einen über die reine Adsorption hinausgehenden physikalischen
Einschluss von Schadstoffen in Poren oder Hohlräumen von makromolekularen
Huminstoffen darstellt [392]. Des Weiteren wird auch die langsame Diffusion von
Schadstoffen in nicht-zugängliche Mikroporen der Bodenmatrix, in denen diese
zurückgehalten werden, als Sequestrierung beschrieben [393]. Nach Förster et al. ist
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 34
Sequestrierung ein Mechanismus, welcher mit zunehmender Kontaktzeit mit dem Boden, zu
einer abnehmenden bioverfügbaren Konzentration führt [394]. Der zugehörige Prozess,
welcher die biphasische Abnahme der chemischen und biologischen Verfügbarkeit
(organischer) Schadstoffe in Abhängigkeit von der Kontaktzeit mit dem Boden beinhaltet,
wird als „Alterung“ bezeichnet [395]. Die Alterung führt zur Bildung von Schadstoffanteilen im
Boden, welche gar nicht oder nur mit aggressiven Methoden extrahiert werden können.
Ein Nachweis von sequestrierten und kovalent gebundenen Rückständen kann durch
Silylierung des Bodenmaterials erfolgen. Werden die Schadstoffe durch die Silylierung in
gelöster Form freigesetzt, waren sie sequestriert. Demgegenüber erfolgt eine Freisetzung
kovalent gebundener Schadstoffrückstände mit den an ihnen gebundenen Humuspolymer-
Bruchstücken. Zur Unterscheidung von sequestrierten und kovalent gebundenen
Rückständen müssen diese daher identifiziert (Molekulare Masse, Chromatographie) werden
[392].
Begriffsdefinitionen von gebundenen Rückständen und nicht-extrahierbaren Rückständen
Um zwischen extrahierbaren und nicht-extrahierbaren Rückständen zu differenzieren, muss
zuvor definiert werden, was unter gebundenen sowie nicht-extrahierbaren Rückständen
verstanden wird, da sich die Fraktion von nicht-extrahierbaren Rückständen immer auf das
jeweilig angewendete Extraktionsverfahren bezieht. In der Umweltanalytik von Pestiziden
(Pflanzenschutzmittel, Biozide) ist die Bildung von gebundenen Rückständen schon lange
Zeit bekannt [392]. Viele der ursprünglichen Definitionen gehen daher auf diesen Bereich
zurück. Im Laufe der Zeit wurden diese Definitionen mit der Entwicklung neuer
Analyseverfahren und im Rahmen von Begriffs-Harmonisierungen für andere Stoffgruppen
immer wieder geändert/modifiziert und allgemeiner gehalten. Gebundene Rückstände
wurden 1975 auf einem Symposium der American Chemical Society wie folgt definiert:
„Ein bodengebundener Rückstand ist der nicht-extrahierbare und chemisch nicht-
identifizierbare Wirkstoffrückstand, der in Fulvosäuren, Huminsäuren und Huminfraktionen
nach intensiver sequentieller Extraktion mit nicht-polaren organischen und polaren
Lösungsmitteln verbleibt" (Übersetzung durch Eschenbach et al.: [392,396]).
Bereits 1982 wurde diese Definition durch Khan [397] novelliert, da es zwischenzeitlich
gelungen war, einen Teil dieser nicht-extrahierbaren oder gebundenen Rückstände auf
chemischem Wege zu identifizieren. Khan definiert und unterscheidet demgegenüber
zwischen biologisch verfügbaren und biologisch nicht verfügbaren gebundenen
Rückständen. Biologisch verfügbar sind dabei jene Rückstände, welche durch Pflanzen
und/oder Bodentiere aufgenommen werden können.
In einem von der FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations)
koordinierten Forschungsprogramm wurde folgende Definition gegeben: „Nicht-extrahierbare
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 35
(oder gebundene) Rückstände von Xenobiotika werden als aus der Anwendung von
Xenobiotika stammende chemische Spezies definiert, welche nicht durch gebräuchliche
Methoden der Rückstandsanalytik und Metabolismusuntersuchung extrahiert werden
können“ (Übersetzung aus dem Englischen aus: [398]).
Mit der IUPAC-Definition (International Union of Pure and Applied Chemistry) [399,400],
welche den Begriff der nicht-extrahierbaren Rückstände von Pestiziden in Böden und
Pflanzen definiert, wurde die Grundlage für spätere allgemeine Definitionen gelegt. In dieser
(ersten) Definition wurde zudem darauf hingewiesen, dass anstelle des Begriffs der „nicht-
extrahierbaren Rückstände“ manchmal auch die Begriffe „gebundene“ oder „nicht-extrahierte
Rückstände“ verwendet werden. Bei den verwendeten Extraktionsprozeduren, wie z.B.
Solvent-Extraktion oder Destillation, wird dabei vorausgesetzt, dass diese erschöpfend
(exhaustiv) eingesetzt werden. Die IUPAC-Definition wurde z.B. in der Richtlinie
91/414/EWG [401] und in der schweizerischen Pflanzenschutzmittelverordnung [402]
wörtlich bzw. sinngemäß übernommen. In der Richtlinie 91/414/EWG [401] heißt es:
„Unter nicht extrahierbaren Rückständen sind chemische Stoffe zu verstehen, die aus
der Anwendung eines Pflanzenschutzmittels gemäß guter landwirtschaftlicher Praxis
stammen und durch Verfahren, welche die chemische Natur dieser Rückstände nicht
bedeutend verändern, nicht extrahiert werden können. Durch Stoffwechselprozesse
entstandene Bruchstücke, die zu natürlichen Produkten führen, gelten nicht als nicht
extrahierbare Rückstände.“
Die IUPAC-Kommission überarbeitete später diese Definition in Hinblick auf eine Definition
für gebundene Rückstände von Xenobiotika in Nahrungsmitteln pflanzlicher und tierischer
Herkunft [398]. Zum einen wurde berücksichtigt, dass beispielsweise Enzymsysteme durch
eine Auflösung der umgebenen Matrix Xenobiotika freisetzen können und zum anderen,
dass die Begriffe „nicht-extrahierbare“ und „gebundene Rückstände“ keine gänzlich
synonyme (übereinstimmende) Bedeutung besitzen. Nach dieser Definition ist der
„gebundene Rückstand“ eines Xenobiotikums ein Rückstand, welcher mit einer oder
mehreren Klassen von endogenen Makromolekülen verbunden ist. Dieser Rückstand kann
nicht vom natürlichen Makromolekül unter Verwendung einer vollständigen (exhaustiven)
Extraktion oder Verdauung getrennt werden, ohne die Beschaffenheit (Struktur) des
Xenobiotikums oder der damit verbundenen endogenen Makromoleküle wesentlich zu
verändern. Wo die Rückstände nicht im vollen Umfang als „gebunden“ bestimmt werden
können, sollen sie als „nicht-extrahierbar“ bezeichnet und das Extraktionsverfahren genannt
werden. Die Bezeichnung eines Rückstandes als „gebunden“ soll dabei nur aus
Untersuchungen mit radiomarkierten Stoffen abgeleitet werden.
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 36
Die überarbeitete IUPAC-Definition wurde z.B. vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
[403] und W. Bodenschatz [404] übernommen. Weiterhin wird in diesen Literaturstellen der
Begriff „bioverfügbarer Rückstand“ definiert. Diese Definition lautet [403,404]:
„Ein bioverfügbarer Rückstand: z.B. ein Konjugat eines Wirkstoffes oder Metaboliten
oder ein anderer gebundener Rückstand, der durch die im Magen vorhandene Säure
gespalten werden kann, so dass Wirkstoff oder Metabolit freigesetzt und für den
Organismus verfügbar werden.“
Unter Konjugate wird dabei verstanden:
Konjugate: z.B. Verbindungen des Wirkstoffes oder von Metaboliten mit
Zuckern/Kohlenhydraten, die in der Pflanze oder im Tier gebildet wurden und in der Regel
extrahierbar sind (extrahierbare "gebundene" Rückstände).“
Modifizierte Definitionen auf Grundlage der überarbeiteten IUPAC-Definition, welche
untereinander nahezu identisch sind, finden sich bei Führ et. al [404] und in der Verordnung
(EG) Nr. 440/2008 [406]. In der Verordnung (EG) Nr. 440/2008, welche sich u.a. mit der
Festlegung von Prüfmethoden zur Bewertung chemischer Stoffe befasst, heißt es [406]:
Gebundene Rückstände: „Gebundene Rückstände“ sind Verbindungen in Boden,
Pflanzen oder Tieren, die nach einer Extraktion in der Matrix in Form der
Ausgangssubstanz oder deren Metaboliten/Transformationsprodukte(n) verbleiben. Die
Extraktionsmethode darf die Verbindungen selbst oder die Matrixstruktur nicht wesentlich
verändern. Durch matrixverändernde Extraktionsmethoden und hochentwickelte
Analysenverfahren kann die Art der Bindung zum Teil geklärt werden. Bislang werden z.B.
kovalente Ionen- und Sorptionsbindungen sowie Einschlüsse auf diese Weise
nachgewiesen. In aller Regel bedeutet die Bildung von gebundenen Rückständen eine
deutliche Verminderung der Bioverfügbarkeit.“
Für Transformationsprodukte gilt in dieser Definition:
Transformationsprodukte: alle Substanzen, die durch biotische oder abiotische
Transformationsreaktionen der Testsubstanz entstehen, einschließlich CO2 und
Reaktionsprodukte in gebundenen Rückständen.
Transport von Schadstoffen im Boden
Der Boden bildet aufgrund der Vielzahl an seinem Aufbau beteiligten anorganischen und
organischen Komponenten ein hochkomplexes heterogenes System. In welchem Umfang
und über welche Transferprozesse Umweltschadstoffe im Boden transportiert werden, ist
von dem jeweiligen Boden und den vorherrschenden Umweltbedingungen abhängig. Durch
chemische und biologische Transformationsprozesse kann es zudem zu einer Änderung der
Struktur der Schadstoffe und damit zu einem anderen Transportverhalten kommen.
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 37
In Bezug auf die möglichen Stofftransportprozesse ist zwischen der „gesättigten“ und
„ungesättigten Bodenzone“ zu unterscheiden. Im Regelfall erfolgt der Stofftransport in der
ungesättigten Zone des Bodens durch die gravitativ bedingte vertikale Bewegung des
Sickerwassers [407].
Im Unterschied zur ungesättigten Bodenzone ist in der gesättigten Bodenzone, wie sie ab
der Tiefe des Grundwasserstandes anzutreffen ist, die Bodenluft in den Hohlräumen des
Bodens bzw. der einzelnen Bodenpartikel vollständig durch Wasser verdrängt. Dies hat für
die ungesättigte Bodenzone zur Folge, dass die Durchlässigkeit des Bodens nicht wie bei
der gesättigten Bodenzone konstant, sondern von der variablen Wassersättigung in der
Sickerstrecke abhängig ist [26].
Der Wassergehalt und die Sickerwasserrate ändern sich in der Realität in Abhängigkeit der
Witterungsbedingungen („Instationarität“), also im ständigen Wechsel zwischen
Niederschlagsereignissen und Trockenphasen. Aufgrund dieser Witterungseinflüsse
unterliegt die Sickerwassergeschwindigkeit und infolge dessen auch die advektive
Transportgeschwindigkeit von Schadstoffen ständigen Veränderungen. In welchem Umfang
sich dann das in den Boden eingedrungene Regenwasser frei als Sickerwasser in den
Porenräumen bewegen kann oder an der Bodenmatrix adsorbiert wird, hängt von dem dort
vorherrschenden Wassergehalt und den jeweiligen Bodeneigenschaften ab.
Zur Beurteilung der Verlagerung von Schadstoffen mit dem Sickerwasser sind folgende
Prozesse von Relevanz [407]:
- Advektion (Transport mit der Sickerwasserströmung)
- Dispersion (Vermischung im Porenraum infolge unterschiedlicher
Fließgeschwindigkeiten)
- Diffusion (Ausgleichprozess von Konzentrationsunterschieden durch
Konzentrationsgradienten)
Eine Verzögerung oder Verminderung des Stofftransports und damit der transportierten
Menge von Schadstoffen ist dabei durch folgende Prozesse möglich:
- Sorption (Ad-, Ab- und Desorptionsverhalten) / Ionenaustausch / Komplexierung
- Abbau / Umbau
- Übergang in die Gasphase (und Vermischung mit der Bodenluft)
Der klassische Ansatz zum Transport von Schadstoffen setzt sich aus einer konvektiven und
einer diffusiv-dispersiven Komponente zusammen und geht davon aus, dass das gesamte
Wasser im Boden homogen verteilt und am Transport beteiligt ist [408].
Eine alleinige Betrachtung eines homogenen Wasser- und Substanzflusses durch den
Boden (Matrixfluss) führt nach heutigen Erkenntnissen allerdings zu falschen Prognosen bei
der Einschätzung der Verlagerung von Schadstoffen, da der klassische Ansatz einen
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 38
schnellen Transport über präferenzielle Fließwege, welche in der heterogenen Porenstruktur
von natürlichem Boden begründet sind, nicht berücksichtigt. Beim präferenziellen Transport
wird ein Teil des Gesamtporenvolumens eines Bodens über bevorzugte Leitungsbahnen mit
Wasser durchströmt, woraus ein Wasserfluss resultiert, welcher der Wasserbewegung in der
(feinporigeren) Matrix vorauseilt [409].
Durch präferenzielle Transportwege können daher auch Bodenschadstoffe in gelöster oder
partikulärer Form wesentlich schneller in tiefere Bodenschichten oder das Grundwasser
verlagert werden [385,407-410]. Nach Lennartz liegt in Böden unter Wasserteilsättigung
praktisch immer ein beschleunigter Stofftransport vor [408]. Die bedeutendsten
Einflussfaktoren zur Initialisierung von präferentiellem Stofftransport sind
Niederschlagsintensität, Infiltrationskapazität, Bodenwassergehalt, Hydrophobizität
(hydrophobe Bereiche im Boden), Porenstruktur und relevante Stoffcharakteristika [409].
Im Wesentlichen lassen sich die Mechanismen präferenziellen Fließens anhand
verschiedener Entstehungsursachen in Fingerfluss („Fingering“), Trichterfluss („Funneling“)
und Makroporenfluss unterteilen [385,408,409].
Fingerfluss:
Ein Fingerfluss entsteht durch Instabilitäten in der Befeuchtungsfront bei denen sich ein
fingerförmiger Wasserfluss ausbildet. Als Ursache für die Instabilitäten kommen
Hydrophobizitätsunterschiede im Boden in Betracht, welche zu einer schlechteren
Benetzbarkeit/Wasserdurchlässigkeit einzelner Bereiche und damit zu einem heterogenen
Wasserfluss führen. Eine weitere Ursache für eine fingerförmige Versickerung sind abrupte
Texturwechsel im Boden bei denen feinkörnigeres Material über grobkörnigerem Material
liegt.
Trichterfluss:
Der Trichterfluss beruht auf einer Kapillarsperre, welche durch geneigte Einlagerungen oder
Verdichtungen hervorgerufen wird. So wird z.B. durch Steine oder Tonlinsen die vertikale
Bewegung des Wassers eingeschränkt, infolge dessen der Wasserabfluss trichterförmig
entlang der eingebetteten Grenzflächen verläuft.
Makroporenfluss:
Der Makroporenfluss ist auf zwei in ihrer Porosität unterschiedlichen Porensystemen (dual-
poröses Medium), welche im Boden einerseits von Makroporen und andererseits von
feinporigerer Matrix gebildet werden, zurückzuführen. Die Bildung von Makroporensystemen
kann verschiedene Ursachen haben [407-409,411]. Quell- und Schrumpfprozesse im Boden
führen zum einen zur Bildung von Bodenaggregaten, wobei das Makroporensystem als
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 39
Nebenprodukt entsteht, und zum anderen zur Entstehung von Rissen und Spalten. Eine
Riss- und Spaltenbildung kann aber auch durch andere Prozesse wie Kryoturbation oder
Verwitterung hervorgerufen werden. Des Weiteren können Makroporensysteme durch
biologische Aktivität von Bodenflora und -fauna z.B. in Form von Wurzelkanälen oder
Regenwurmgrabröhren gebildet werden.
Für eine Beurteilung des Verhaltens von Umweltschadstoffen auf Ackerböden kommt noch
die Art der Bodenbearbeitung als ein entscheidender Einflussfaktor, welcher hier nur kurz
dargestellt wird, hinzu. Die verschiedenen Bodenbearbeitsungsverfahren haben zum einen
Einfluss auf die Bodenstruktur (Gefüge und Porensysteme), aber auch auf andere
Bodeneigenschaften wie Biosystem oder Gehalt und Verteilung von organischem Material
[409]. Durch das Pflügen von Ackerböden werden einerseits die (biogenen)
Makroporensysteme (Wurmgänge, Wurzelkanäle) zerstört bzw. unterbrochen, andererseits
wird der Boden bei diesem Verfahren aber aufgelockert. So weisen pfluglose
Bearbeitungsverfahren wie Direktsaat oder Mulchsaat einen etwa 2,5 höheren Durchsatz an
(biogenen) Makroporen im Boden auf [411]. Bei einem gepflügten Boden setzt die
Oberflächenverschlämmung schneller ein, was insbesondere bei Starkregenfällen zu einer
geringeren Wasserinfiltration und einem damit verbundenen stärkeren Oberflächenabfluss
führt. Durch einen erhöhten Oberflächenabfluss können daher auch Schadstoffe verstärkt
über diesen Pfad transportiert werden. Ein mit Makroporen gut durchsetzter Boden führt aber
nicht zwangsläufig zu einer verstärkten Verlagerung von Schadstoffen mit dem
Sickerwasserstrom. Makroporen stellen so genannte biologische „hot-spots“ dar, wobei der
Boden der Makroporenwände durch im Vergleich zur „normalen“ Bodenmatrix höhere
Gehalte an organischen und mikrobiell gebundenen Kohlenstoff, sowie eine hohe mikrobielle
Aktivität und Diversität charakterisiert ist [411]. Über den mikrobiologisch bedingten Abbau
von organischen Schadstoffen in Makroporen ist noch wenig bekannt, dennoch zeigen
Untersuchungen, dass organische Schadstoffe in den Makroporen beschleunigt abgebaut
bzw. mineralisiert werden können [411]. Zudem werden die Makroporenoberflächen und der
angrenzende Boden im Laufe der Zeit mit Humus und Tonmineralien angereichert, wodurch
sich ihre chemische Reaktivität und ihr Sorptionsverhalten gegenüber Schadstoffen
verändern können. Die Wände der Mikroporen können beispielsweise durch die Bildung von
biologischen Mikrofilmen oder durch Absonderung von Schleimsekreten einen hydrophoben
Charakter besitzen, was sich auf ebenfalls auf die Sorptionseigenschaften der
Makroporenwände gegenüber Schadstoffen auswirken und zu einer geringeren Schadstoff-
Diffusion in die Bodenmatrix führen kann [409,411].
Eine detailliertere Darstellung der Zusammenhänge zwischen Bodenbearbeitung und
Stofftransport wird beispielsweise bei Machulla et al. [411] und A. Michels [409] gegeben.
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 40
Partikulärer Transport
Die Pfade des Lösungstransports, des Transports von Schadstoffen in Festphase und der
diffusiven Ausbreitung von leichtflüchtigen Schadstoffen in der Bodenluft, sowohl in der
gesättigten, als auch in der ungesättigten Bodenzone sind meist gut untersucht.
Dem gegenüber wird die potenzielle Verlagerung von an mobilen Partikeln gebundenen
Schadstoffen im Sickerwasser oft vernachlässigt, obwohl zahlreiche anorganische und
organische Schadstoffe sowohl gegenüber der immobilen Bodenmatrix als auch gegenüber
mobilen Partikeln im Sickerwasser, eine starke Sorptionstendenz aufweisen [27]. Diese
Transportsituation wird nicht von 2-phasigen Transportmodellen, welche traditionell von einer
mobilen flüssigen Phase und einer immobilen festen Phase ausgehen, beschrieben. Der
Boden sollte daher als 3-phasiges (dual-)poröses Medium mit zwei festen Phasen, also einer
mobilen partikulären Phase und einer stationären festen Phase, aufgefasst werden [412].
Der Einfluss von Partikeln auf den Schadstoffstransport aus dem Bereich des Grundwassers,
also der gesättigten Bodenzone, ist in zahlreichen Studien untersucht worden [28-32]. Die
Prozesse im Bereich des partikelgebundenen Schadstofftransports in der ungesättigten
Bodenzone sind der gegenwärtigen Kenntnislage nach jedoch unzureichend erforscht, was
insbesondere für den Bereich der Arzneistoffe gilt.
Um zwischen gelösten und partikulären Transport von Schadstoffen unterscheiden zu
können, ist zuvor zu definieren, was unter Partikel und partikulärem Transport zu verstehen
ist. In der Literatur findet sich hierzu keine einheitliche Definition. Kolloidale Teilchen sind
nach Definition von Sposito Feststoffteilchen mit einer sehr geringen Wasserlöslichkeit und
einem Durchmesser von 0,01 - 10 µm [33]. Kolloide sind demgegenüber nach Stumm und
Morgan kleine Partikel in einer Größenordnung von 1 nm bis 1 µm [25]. Der Begriff „Kolloid“
wird von der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) für Feststoffteilchen
verwendet, bei denen mindestens eine Dimension im Bereich von 1 nm bis 1 µm liegt [34].
Sigg und Stumm nehmen eine Unterteilung nach Teilchengröße vor und unterscheiden
zwischen kleineren Kolloiden (1 – 1000 nm) und größeren suspendierten Partikeln (1 – 5µm)
[35].
In der Wasserchemie wird klassisch eine Trenngrenze bei 0,45 μm zwischen gelöstem und
partikulärem Zustand festgelegt, wobei die so definierte Trenngrenze mitten durch den
Größenbereich der Kolloide (siehe Abb. 10) schneidet [36].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 41
Abb. 10: Größenverteilung von Bodenbestandteilen (geändert nach [36])
In dieser Arbeit werden unter dem partikulären Transportweg mit dem Sickerwasser
transportierte Feststoffphasen in der Größenordnung von wenigen Nanometern bis mehreren
Mikrometern verstanden. Transportierte Schadstoffe können dabei an Feststoffphasen
gebunden (sorbiert/sequestriert) oder selbst die transportierten Partikel sein.
Partikel besitzen aufgrund ihrer großen spezifischen Oberfläche gegenüber Schadstoffen
eine hohe Sorptionskapazität [37,38]. Hierbei kann der Anteil der Intrapartikeloberfläche an
der Gesamtoberfläche deutlich höher als der Anteil der äußeren Partikeloberfläche sein. So
beträgt z.B. bei quellfähigen Tonmineralien der intrapartikuläre Anteil an der
Gesamtoberfläche 90% [26]. Über den partikulären Transportweg können daher Schadstoffe,
die aufgrund ihres starken Sorptionsverhaltens gegenüber der Bodenmatrix als immobil
eingeschätzt werden, in tiefere Bodenschichten gelangen und bis ins Grundwasser
transportiert werden [27]. Neben den verschiedenen anorganischen Partikeln und gelösten
Stoffen wird mit dem Sickerwasser auch organisches Material (Huminstoffe) transportiert.
Diese Stoffe können entweder gelöst (Dissolved Organic Matter = DOM) oder partikulär
weitertransportiert werden. Huminstoffe werden in Huminsäuren, Fulvosäuren und Humine
unterteilt, welche bei Abbauprozessen (Humifizierung) organischen Materials im Boden
entstehen. Der Einfluss von organischem Material auf den Transport von Schadstoffen
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 42
wurde in zahlreichen Untersuchungen dargelegt [31,39-41]. Untersuchungen von Schulte-
Ebbert et al. und Johnson et al. zeigten einen verstärkten Transport von polyzyklischen
aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) durch den Einfluss von organischem Material
[44,45]. Im Gegensatz dazu ist nach Fetter der Anteil von an reinen Mineraloberflächen
sorbierten organischen Schadstoffen eher gering [46]. Gerade für den Transport von
hydrophoben Schadstoffen ist der Gehalt an organischem Material im Boden von großer
Bedeutung. So hängt u.a. die Sorption/Sequestration dieser Schadstoffe an innere und
äußere Partikeloberflächen vom Gehalt des organischen Materials in der Bodenmatrix und
der Partikel ab. McCarthy et al. und Georgi untersuchten den Einfluss von (gelösten)
Huminstoffen auf die Sorption von hydrophoben Schadstoffen [42,43].
Die Migration von Partikel-sorbierten bzw. sequestrierten Schadstoffen oder partikulären
Schadstoffen hängt von der Partikelmobilität im Boden ab. Diese wird in der ungesättigten
Bodenzone, welche durch ein hohes Maß an Instationarität gekennzeichnet ist, von
verschiedenen hydraulischen und hydrochemischen Parametern gesteuert. Gerade durch
eine Änderung des Wassergehaltes in der Bodenzone variierten diese Parameter, welche
auf die Partikel im Sickerwasser einwirken, zeitlich sehr stark [27,47-49]. Eine Änderung des
Wassergehaltes im Boden wird dabei insbesondere durch Regenereignisse hervorgerufen.
Zuvor festgelegte Partikel können durch diese instationären Verhältnisse mobilisiert und mit
dem Sickerwasser in tiefere Bodenschichten bis hin zum Grundwasser transportiert werden.
Über diesen Transportpfad können die an diesen mobilen Partikeln sorbierten Schadstoffe
mit verlagert werden. Es ist dabei davon auszugehen, dass dieser Transportweg mit
steigender Sorptionstendenz der Schadstoffe an Bodenpartikel einen zunehmenden Anteil
an der transportierten Gesamtmasse besitzt. In Hinblick auf einen partikulären Ko-Transport
von Umweltschadstoffen im Boden ist zudem der Faktor Gülleausbringung von Bedeutung.
So muss aufgrund einer im Vergleich zu Boden- und Regenwasser höheren Ionenstärke von
Wirtschaftsdüngern mit einer erhöhten Verlagerungswahrscheinlichkeit für Partikel und
Mikroorganismen gerechnet werden [409].
Sprague et al. konnten in Lysimeter-Versuchen einen mit durchschnittlich 15% der
transportierten Gesamtmasse stark von Partikeln beeinflussten Transport von Atrazin
nachweisen [50]. Die Anwesenheit von Betonitpartikeln erhöhte nach Untersuchungen von
Möri et al. den Anteil von transportiertem Americium und Plutonium von 20-30% (in
Abwesenheit von Partikeln) auf 60-80%. Neben dem favorisierten Transportweg über
Bentonit-Trägerpartikel wurde dabei auch der Transport dieser Radionuklide über partikuläre
Feststoffphasen nachgewiesen [51]. Inwieweit ein partikulärer Stofftransport in Böden
eingetragener Arzneistoffe zu ihrer Verbreitung in terrestrischen (und aquatischen)
Umweltkompartimenten beträgt, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher abgeschätzt
werden, da die Transportpfade bzw. das Umweltverhalten für Arzneimittel unzureichend
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 43
untersucht sind. In Anbetracht der Zusammenhänge zwischen Antibiotikaeinsatz in der
Landwirtschaft und einer damit zusammenhängenden Resistenzentwicklung (s. Kap. 3.2)
besteht gerade für diese Arzneimittelgruppe ein dringender Forschungsbedarf bezüglich
ihres Verhaltens im Boden und der weiteren Verbreitung in andere Umweltkompartimente.
3.4.2 Tetracycline und Sulfonamide in aquatischen und terrestrischen
Kompartimenten – Eintrag, Vorkommen und Verhalten
3.4.2.1 Tetracycline
Der Haupteintragsweg für Tetracycline in die Umwelt resultiert aus der Aufbringung von
kontaminierten Wirtschaftsdüngern (Gülle, Mist) auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Bis 80%
der verabreichten Tetracyclinmenge werden nach Kroker über den Kot wieder
ausgeschieden [82]. Nach Vockel [7] wurde eine vergleichbare relative
Ausscheidungsmenge für Chlortetracyclin bei Schweinen ermittelt. Diese betrug hier 1-4%
über Urin und 55-83% über Kot. Winckler und Grafe geben bei Schweinen für Tetracyclin
eine Ausscheidungsgrad von bis zu 72% über Urin und Faeces an [83].
Über diesen Weg gelangen die Tetracycline schließlich in Wirtschaftsdünger wie Gülle oder
Mist. Insbesondere in Wirtschaftdüngern aus der Schweine- und Geflügelproduktion, wo die
dortigen Tierbestände mit Tetracyclinen behandelt worden sind, wurden mit bis zu 203,3
mg/kg Chlortetracyclin erhebliche Rückstandsmengen festgestellt [4,84]. Nach Hamscher et
al. können nach Modellrechnungen bei Bestandsbehandlungen von 10 Tagen Tetracyclin-
Rückstände von maximal 52 g/m3 für Schweinegülle und bis zu 878 g/t für Putenmist erreicht
werden [85]. Durch Ausbringung belasteter Wirtschaftsdünger auf landwirtschaftliche
Nutzflächen gelangen die Tetracycline in den Boden, wo Gehalte bis zu 810 µg/kg
(Chlortetracyclin) nachgewiesen wurden [4,86,87]. In an der Bodenoberfläche getrockneten
Güllekruste wurde von Hamscher et al. ein Chlortetracyclingehalt von 1,435 mg/kg ermittelt
[92]. Tetracycline wurden im Boden bis zu einer Tiefe von 40 cm nachgewiesen [413,414].
Durch Ausschwämmungen (Oberflächenabfluss/Runoff) kontaminierter Böden können
Tetracyclinrückstände ins Oberflächenwasser und in Kläranlagen gelangen [341]. So stellten
Kay et al. Oxytetracyclin-Rückstände im Drainagewasser landwirtschaftlicher Flächen fest
[88]. Heberer und Stan konnten in Oberflächengewässern maximale Tetracyclin-
Konzentrationen von 1 μg/l nachweisen [89]. Tetracyclinkonzentrationen von max. 0,26 µg/L
wurden von Yang et al. in deutschen und von max. 0,977 µg/L von Göbel in kanadischen
Kläranlagenab- bzw. zuläufen nachgewiesen [90,91]. Batt et al. fanden in den Abläufen
verschiedener amerikanischer Kläranlagen Tetracyclinkonzentrationen von 0,061-1,1 µg/L
[415].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 44
Eine Eliminierung der Tetracycline in Kläranlagen erfolgt im Wesentlichen durch die Sorption
an Klärschlamm oder sich im Wasser befindlicher Partikel (Biomasse, anorganische und
organische Stoffe) [332].
Tetracycline adsorbieren stark an der Bodenmatrix (Tonminerale, organische Bestandteile)
und werden daher in Böden als immobil eingestuft [416]. Nach einer Untersuchung von
Hamscher et al. sind Tetracycline unter Feldbedingungen als persistent zu klassifizieren und
neigen in Böden zur Akkumulation [92]. Untersuchungen zum Sorptionsverhalten von
Chlortetracyclin von Sassman et al. und Allaire et al. zeigten eine schnelle Sorption an der
Bodenmatrix, mehr als 95% wurden innerhalb der ersten 10 min adsorbiert [94,95]. Der
Adsorptionsgrad war dabei mit steigendem pH-Wert geringer. Tolls weist auf die Möglichkeit
der Verlagerung von Tetracyclinen durch dispersiven als auch konvektiven Fluss (inkl.
Makroporenfluss) im Boden hin [95]. Die Tetracycline könnten dabei durch gelöste
organische Substanz, wie sie z.B. dem Boden über Gülle zugeführt wird, mit verlagert
werden. Thiele-Bruhn vermutet, dass ein signifikanter Transport von Tetracyclinen auf
schnelle präferenzielle Fließwege und Makroporenfluss, sowie Ko-Transport mit mobilen
Kolloiden (z.B. DOM) begrenzt ist [81]. Nach Henkelmann et al. kann es für CTC lediglich
durch Makroporenfluss oder Dränagen zu einem schnellen Eintrag in oberflächennahes
Grundwasser kommen [417,418]. Untersuchungen von Aust et al. ergaben Hinweise auf eine
horizontale Verlagerung („Runoff“) von CTC infolge von Makroporenfluss und partikulärem
Ko-Transport im Boden [419]. Ein Eintrag von Tetracyclinen in Oberflächen- und
Grundwasser ist diesen Autoren zufolge möglich, allerdings wären noch weitere
Untersuchungen erforderlich.
Nach neueren Untersuchungen können Tetracyclinrückstände über güllebeaufschlagte
Böden auch bis ins Grundwasser gelangen. So wiesen Hamscher et al. nach einem fast 4-
jährigen Untersuchungszeitraum Tetracyclinkonzentrationen von max. 0,13 µg/L in
oberflächennahen Grundwasserproben (Proben-Tiefe: 1,4 m) nach [85]. Über den
Transportweg bzw. die beteiligten Transportprozesse gibt es keine Erkenntnisse. Den
Autoren zufolge ist ein Eintrag von Tetracyclinen durch Runoff (Oberflächenabfluss) in
Oberflächengewässer aber wahrscheinlicher als ein Eintrag ins Grundwasser. Für das
Trinkwasser sind jedoch keine positiven Tetracyclinbefunde bekannt.
Neben ihrer Verwendung in der (Land-)Tierzucht werden Tetracycline auch in Aquakulturen,
also bei der Fisch- und sonstigen Meeresfrüchteproduktion, eingesetzt [97]. Tetracycline
wurden in hohen Konzentrationen in Sedimenten unterhalb von Fischfarmen nachgewiesen
[98,99].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 45
Transfer Boden-Pflanze
Im Sinne des Verbraucherschutzes ist die Aufnahme der im Boden eingetragenen
Tetracycline durch Nutzpflanzen (Winterweizen, Feldsalat) von großer Relevanz. Grote et al.
stellten diesbezüglich erstmalig die Aufnahme von Chlortetracyclin durch Nutzpflanzen unter
Freilandbedingungen fest [96].
Pflanzen ihrerseits können nach Farkas et al. mit einer signifikant erhöhten Aktivität
pflanzlicher Stressproteine wie Glutathion-S-Transferase und Peroxidase reagieren, wenn
sie auf CTC-behandelte Böden wachsen. Infolge enzymatischer Reaktionen werden dadurch
Chlortetracyclin-Glutathion-Konjugate gebildet. Dieses Verhalten ist aber von der Pflanzenart
abhängig. So zeigte Mais ein solches Verhalten, Pintobohnen aber nicht [420].
Mobilität von Tetracyclinen im Boden
Als Kenndaten zur Beurteilung der Mobilität von Schadstoffen im Boden dienen
verschiedene Verteilungs-/Sorptionskoeffizienten wie KOW (Verteilungskoeffizient
Oktanol/Wasser), KOC (Sorptionskoeffizient Organischer Kohlenstoff) und KD
(Verteilungskoeffizient Boden/Wasser). Die aus der Literatur bekannten Koeffizienten für
Tetracycline sind in Tabelle 4 aufgeführt.
Tab. 4: Verteilungs- und Sorptionkoeffizienten von Tetracyclinen
Log KOW KOC
[L/kg]
KD
[L/kg]
Literatur
Tetracyclin -1,19 4206-6059
1) 12,8-312447
1140-1620 2)
[2 I 93 I 421]
Chlortetracyclin -0,41 - 17,1-352911 [93 I 421]
Oxytetracyclin -1,22 27790-93320 417-1026 [2 I 81 I 93 I 421]
13,5-269097
1) Adsorption an gelöstem organischen Kohlenstoff
2) Adsorption an Torf
Es ist aber zu beachten, dass zum einen der KOW kein verlässlicher Parameter für die
Einschätzung der Mobilität von Tetracyclinen in Böden ist [259,421,422] und zum anderen
das KOC-Konzept auf polare Arzneistoffe nicht anwendbar ist [59,423], da diese nicht die
Wechselwirkungen mit dem anorganischen Bodenmaterial berücksichtigen. Wie an den
Sorptionskoeffizienten ( KD ) der Tetracycline an Böden zu sehen ist (Tab. 4), umfassen die
ermittelten KD-Werte einen Bereich von mehr als vier Dekaden, was u.a. auf die
Abhängigkeit der Tetracyclin-Sorption von der Bodenzusammensetzung und dem
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 46
vorliegenden pH-Wert zurückzuführen ist. So zeigt z.B. eine Untersuchung von Allaire et al.,
dass an ein schwerer Tonboden etwa die doppelte Menge an Chlortetracyclin im Vergleich
zu einem sandigen Lehmboden sorbiert [94]. Die Sorption von Tetracyclinen an die
Bodenmatrix ist abhängig von der Spezies (kationisch, zwitterionisch, anionisch), in welcher
das Tetracyclin vorliegt. So ermittelten Laak et al. unterschiedliche KD-Werte für die
verschiedenen Spezies [424]. In dieser Untersuchung mit verschiedenen Böden war der
Sorptiongrad an die Bodenmatrix für die kationischen und zwitterionischen Tetracylinspezies
höher als für die anionischen Spezies. Weiterhin ist zu beachten, dass sich die Adsorption
der Metabolite und Abbauprodukte von der des ursprünglichen Tetracyclins unterscheiden
kann [81].
Die Sorption von Tetracyclinen an die hochkomplexe Boden-Matrix und damit die Mobilität in
Böden ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Die Sorption der Tetracycline an Böden
bzw. Bodenbestandteilen wird u.a. durch den pH-Wert, die Ionenstärke, der
Kationenaustauschkapazität und den Gehalt an multivalenten Metallkationen beeinflusst
[93,81,421,425-429]. Turku et al. ermittelten zudem einen (geringen) Einfluss der
Temperatur auf die Sorption von Tetracyclin an mesoporösem Siliziumdioxid [430].
Böden können in ihrer Zusammensetzung stark variieren, wobei die Anteile an den
verschiedenen Bodenbestandteile wie Tonminerale, organischem Material (z.B. Huminstoffe,
DOM (Dissolved Organic Matter)) und Metalloxide wesentliche Einflussfaktoren für das
Sorptions-Verhalten von Tetracyclinen darstellen [81,426,427,429,431-436]. Die einzelnen
Einflussfaktoren können zur Charakterisierung des Sorptions-Verhaltens von Tetracyclinen
im Boden nicht isoliert betrachtet werden, da untereinander Abhängigkeiten bestehen,
welche die einzelnen Faktoren selbst beeinflussen. So ist beispielsweise die Sorption von
Tetracyclinen sowohl an organischem Material als auch an Tonmineralen vom Gehalt an
Metallkationen abhängig [426,437]. Wang et al. zeigten einen durch die Gegenwart von
Cu(II)-Ionen stark erhöhten Freundlich-Sorptionskoeffizienten (Kf) für die
Absorptionsisotherme von Tetracyclin an dem Tonmineral Montmorillonit. Der Kf-Wert
erhöhte sich in der Gegenwart von Cu(II)-Ionen (0,25 mmol/L) von 5230 auf 36200 [437].
Andererseits vermindert gelöstes organisches Material (DOM) die Sorption von Tetracyclinen
an Tonmineralien. DOM könnte somit nach Kulshresta et al. zu einer erhöhten Mobilität von
Tetracyclinen in natürlichen Umgebungen führen [427], wohingegen nach MacKay et al. die
gemeinsame Gegenwart von polyvalenten Metallkationen (Al, Fe(III)) und organischen
Bodenmaterial eine verringerte Mobilität bewirken kann [426].
Die Sorption von Tetracyclinen an Boden kann durch zwei Prozesse unterschiedlicher
Kinetik charakterisiert werden. Nach einer anfänglich schnellen Sorption an äußere
Oberflächen folgt eine Einlagerung in die Zwischenschichten von Tonmineralien und
Mikroporen [81].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 47
Neben dem Anteil an einzelnen Bodenbestandteilen spielen auch dessen Eigenschaften eine
Rolle. So müssen die Abstände der Tonmineralzwischenschichten und Mikroporen über
ausreichend räumliche Abmessungen verfügen um ein Eindringen der Tetracycline
zuzulassen. Ein Tetracyclin-Molekül besitzt im vollständig protonierten Zustand eine
Abmessung von 12,9Ǻ (Länge), 6,2Ǻ (Höhe) und 7,5Ǻ (Breite) [438]. Für Tonminerale mit
entsprechend großen räumlichen Abmessungen der Zwischenschichten, wie z.B.
Montmorillonit (Struktur siehe Abb. 11) wurde die Einlagerung von Tetracyclin nachgewiesen
[440-443].
Abb. 11: Struktureller Aufbau von Montmorillonit [439]
Für Tonminerale, welche die räumliche Vorraussetzungen nicht besitzen, ist nur die Sorption
an den äußeren Oberflächen von Bedeutung. Laborversuche von Henkelmann et al.
machten deutlich, dass die Sorption der Tetracycline im Boden vorwiegend an Tonminerale
und Ton-Humuskomplexe erfolgt [417]. Auch nach Pils et al. werden Tetracycline in Böden
bevorzugt an Tonmineralien gebunden, wobei Huminstoffe die Sorptionsplätze der
Tonoberflächen maskieren oder die Diffusion von Tetracyclin in die Zwischenschichten
behindern [440]. In der Untersuchung von Pils et al. nahm der Sorptionsgrad von
Tetracyclinen (TC, CTC) in folgender Reihenfolge ab: Tonmineralien > Huminstoffe > Ton-
Humin-Komplexe.
Als weitere Faktoren, welche die Verlagerbarkeit (Mobilität) von Tetracyclinen in Böden
beeinflussen, wurden die Bodentextur und der anthropogene Prozess der Bodenbearbeitung
(z.B. Pflügen) ermittelt [2,88,340-342,428]. Welche Auswirkungen die Bodenbearbeitung auf
die Verlagerbarkeit von Tetracyclinen im Boden hat, bleibt allerdings unklar. Nach Kay et al.
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 48
wird das Auswaschen von Oxytetracyclin durch die Bodenbearbeitung vor dem OTC-Eintrag
mit Gülle vermindert, was auf die Zerstörung von Makroporen zurückgeführt wurde [340].
Winckler et al. konnten in Lysimeterversuchen mit Bodenbearbeitung vereinzelt Tetracyclin-
Spuren in den Sickerwasserproben detektieren [2]. In den Sickerwasserproben von
Lysimetern ohne Bodenbearbeitung konnte kein Tetracyclin nachgewiesen werden. Die
Bodenbearbeitung wurde in dieser Studie durch das Ziehen von Furchen mit einem
Pikierstab vor der Gülleaufbringung simuliert.
Abbau von Tetracyclinen in Böden
In den verschiedenen Umweltkompartimenten vorkommende Tetracycline unterliegen
biotischen und abiotischen Abbauprozessen, welche deren Gehalt bzw. Konzentration im
Laufe der Zeit vermindern.
Biotischer Abbau:
Tetracycline werden zwar biologisch abgebaut [444,445], doch sind sie nach Alexy et al.
(geschlossener Flaschentest, OECD 301 D) als nicht leicht biologisch abbaubar einzustufen
[207].
Abiotischer Abbau:
Verschiedene Untersuchungen zeigen einen Abbau bzw. eine Umwandlung von
Tetracyclinen durch chemische Reaktionen [446-448]. Es wurde gezeigt, dass natürlich im
Boden vorkommende Oxidantien wie z.B. Mangan(IV)oxid in der Lage sind, Tetracycline
abzubauen [446,447]. In welchem Umfang Tetracycline durch chemische Reaktionen
abgebaut werden, ist noch nicht untersucht worden.
Da Tetracycline insbesondere in Lösungen Photoabbau zeigen ist dieser Abbaupfad für
Oberflächengewässer von Relevanz. An der direkten Bodenoberfläche findet zwar ein
Photoabbau statt [382], doch sobald die Tetracycline in den Boden (z.B. durch Regen oder
mit Gülle) gelangen, kann das Sonnenlicht sie nicht mehr erreichen. Dem Photoabbau ist
daher keine große Bedeutung zuzumessen.
In welchem Umfang Tetracycline im Boden (biotisch und abiotisch) abgebaut werden können
ist anhand der Literatur nicht eindeutig abzuschätzen. Thiele-Bruhn gibt in einer
Übersichtsarbeit u.a. zwei Literaturstellen an in denen nach 180 Tagen noch kein Abbau von
Tetracyclinen (Oxytetracyclin, Chlortetracyclin, Tetracyclin) im Boden festgestellt wurde [81].
Demgegenüber geben Kay et al. für Oxytetracyclin eine Halbwertszeit von 18,2 Tagen im
Boden an [88]. Halling-Sørensen et al. ermittelten Halbwertszeiten von 20 bis 42 Tagen für
Chlortetracyclin in Böden [449].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 49
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Verhalten von Tetracyclinen in
Böden von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Der gegenwärtige Kenntnisstand ist dabei
noch unzureichend. Insbesondere fehlen Untersuchungen und Erkenntnisse über die
Verlagerung von Tetracyclinen und relevanter Metabolite ins Grundwasser. Dies betrifft
sowohl die möglichen Verlagerungswege (partikulärer Ko-Transport, präferenzieller Fluss
usw.) im Boden, als auch eine Einschätzung über die Menge der ins Grundwasser
verlagerbaren Tetracycline.
3.4.2.2 Sulfonamide
Der Haupteintragsweg für Sulfonamide in die Umwelt ist wie bei den Tetracyclinen der
Eintrag über belastete Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist).
Sulfonamide werden überwiegend mit dem Harn ausgeschieden. Die Ausscheidungsrate
von Sulfonamiden beträgt bis zu 90% [100]. Für das Sulfonamid Sulfadiazin liegt die
Ausscheidungsrate nach Halling-Sörensen et al. bei Schweinen und Rindern ebenfalls bei
90% (inkl. Metaboliten) [101]. Neben Sulfadiazin werden nach Lamshöft et al. 4-Acetyl- und
4-Hydroxysulfadiazin als Hauptmetabolite ausgeschieden [450], wobei das Acetylsulfadiazin
während der Güllelagerung wieder mit der Zeit deacetyliert wird und es so zu einer Zunahme
der Sulfadiazinkonzentration kommt [294]. Für die Ausscheidung (Harn) von nicht-
metabolisierten Sulfadiazin ermittelten Sattelberger et al. eine Rate von 50% [4].
Sulfonamid-Rückstände wurden in verschiedenen Untersuchungen mit einem Gehalt von bis
zu 40 mg/kg FS in Wirtschaftsdüngern nachgewiesen [84,102], z.B. Sulfadiazin mehr als 10
mg/kg [4,84]. Martinez-Carballo et al. konnten maximale Gehalte von 91 mg/kg für
Sulfadiazin und 17 mg/kg für den Synergisten Trimethoprim in Geflügelmist nachweisen
[103]. In Geflügelmist-gedüngten Feldern wurde kein Sulfadiazin und Trimethoprim nur
zweimal unterhalb der Bestimmungsgrenze (0,1 mg/kg) nachgewiesen. Nach Höper et al.
wurden in Ackerböden mit regelmäßiger Gülledüngung nur Sulfonamidgehalte im unteren
µg/kg-Bereich gefunden [104]. In einem mit kontaminierter Gülle beaufschlagten Boden
konnten Stoob et al. nach 3 Monaten noch Sulfonamidkonzentrationen von über 100 µg/kg
nachweisen [451]. Nach Danisch EPA wurden für Sulfadiazin allerdings auch in Oberböden
Konzentrationen von etwa 9,5 mg/kg gemessen, wobei der Zeitpunkt der Probennahme aber
unmittelbar nach der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern lag [105].
Über die belasten Böden können die Sulfonamide durch horizontale und vertikale
Transportvorgänge weiter ins Oberflächen- und ins Grundwasser transportiert werden
[9,10,312,414,452,453]. Durch Abfluss aus drainierten landwirtschaftlichen Nutzflächen und
durch Oberflächenabfluss an geneigten Flächen wird dabei das Kontaminationsrisiko von
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 50
Oberflachengewässern mit Sulfonamiden erhöht [341,454]. In Oberflächengewässern
wurden Sulfonamidkonzentrationen von max. 0,22 µg/L und in Kläranlagenzu- und abläufen
von max. 0,68 µg/L ermittelt [90,106]. Sulfadiazin wurde in Kläranlagenabläufen in
Konzentrationen von bis zu 0,019 µg/L gefunden [91], in Grundwasserproben Sulfonamid-
Rückstände von maximal 0,47 µg/L [106,107].
Ebenso wie die Tetracycline können auch Sulfonamide durch Pflanzen aufgenommen
werden, wie Untersuchungen in Hydrokultur und unter Freilandbedingungen zeigen
[201,455,456].
Das Verhalten der Sulfonamide in den verschiedenen Umweltkompartimenten ist von einer
Vielzahl von Einflussfaktoren abhängig, bei denen es sich in der Regel um die gleichen
Faktoren handelt, welche bei den Tetracyclinen genannt wurden. Die physiko-chemischen
Eigenschaften der Sulfonamide unterscheiden sich aber von denen der Tetracycline und
daher wirken sich die einzelnen Faktoren in Bezug auf ihre Einflussgröße bzw. das Verhalten
auch unterschiedlich aus. Über das Umweltverhalten von Sulfonamiden liegen in der
Literatur nur wenige Informationen vor, welche im Folgenden dargelegt werden.
Sulfonamide besitzen gegenüber der Bodenmatrix eine geringe Sorptionsaffinität (s. Tab. 5)
und gelten daher im Boden als sehr mobil, weshalb sie in hören Maße als Tetracycline ins
Grundwasser ausgewaschen zu werden können [451,457-461].
Tab. 5: Verteilungs- und Sorptionkoeffizienten von Sulfonamiden
Log KOW KOC
[L/kg]
KD
[L/kg]
Literatur
Sulfonamide -0,1-1,7 48-323 0,9-10 [81]
Sulfadiazin -0,1 18,9-837,9
1301,9-4698,41)
0,1-24,3
6,9-40,21)
[453 I 462 I463]
N4-Acetylsulfadiazin 0,5 [462 I 463]
1) in zusätzlicher Gegenwart von Gülle
Ebenso wie für die Tetracycline ist das KOC-Konzept basierend auf linearen
Sorptionsisothermen zur Beurteilung der Sorption und Mobilität von Sulfonamiden in Böden
ungeeignet [423,464,465]. Für die Sulfonamidmetabolite können die Mobilitäten im Boden
abweichen. So besitzen beispielsweise die Acetylsulfonamide höhere KOW-Werte als ihre
Ausgangswirkstoffe [462,463].
Das Sorptionsverhalten und damit auch das Transportverhalten von Sulfonamiden in Böden
hängen stark vom pH-Wert und der Bodenzusammensetzung ab. Ter Laak et al. ermittelten
eine mit zunehmendem pH-Wert abnehmende Sorption von Sulfachloropyridazin an
verschiedene Böden [425]. Für die Sorption von Sulfonamiden an Tonmineralien und
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 51
organischem Material (Huminsäure, Kompost, Gülle) kamen Gao et al. [466] bzw. Kahle et
al. [467] zu der gleichen Abhängigkeit. In beiden Untersuchungen wurde folgende
Affinitätsreihe für die Sulfonamitspezies gegenüber den Sorbentien ermittelt: kationisches
Sulfonamid >> neutrales Sulfonamid > anionisches Sulfonamid.
Die Sorption der kationischen Sulfonamidspezies folgte in beiden Fällen der
Kationenaustauschkapazität der anorganischen und organischen Sorbentien. Im Gegensatz
zu Ter Laak et al. stellten diese aber auch eine Abhängigkeit der Sorption von der
Ionenstärke fest. Für natürliche Böden wird nahegelegt, dass die kationische
Sulfonamidspezies an organisches Bodenmaterial sorbiert [467], während die Sorption der
anionischen Sulfonamidspezies überwiegend an die positiv geladenen Oberflächen
pedogener Oxide stattfindet [423].
Die Sorption von Sulfonamiden an anorganische Sorbentien (Tonminerale, pedogene Oxide)
ist nach Kahle et al. -unabhängig vom pH-Wert- mehr als eine Größenordnung geringer als
an organische Sorbentien, was den Autoren zufolge eine geringere Einflussgröße für
anorganische Bodenbestandteile (Sorbentien) impliziert [468].
Die Sorption von Sulfonamiden an Böden wird nicht nur vom Gehalt an organischem Material
beeinflusst, sondern hängt auch von dessen Qualität (z.B. Art und Anzahl funktioneller
Gruppen) ab [423,469].
In Batchversuchen wurde gezeigt, dass die Wiederfindung von Sulfonamiden in Böden mit
der Kontaktzeit abnimmt [414,462]. Gleiches Verhalten wurde sowohl für organisches
Material wie Kompost und Huminsäure [467] als auch für anorganisches Material wie
Tonminerale und Eisenhydroxide (pedogene Oxide) nachgewiesen [468].
Ein zeitabhängiger Rückgang der Wiederfindung bzw. des extrahierbaren Anteils von
Sulfonamiden in Böden ist von folgenden Faktoren abhängig [9,10,452,470]:
- Abbau der Wirkstoffe
- Transformation bzw. Metabolitenbildung
- Zunahme des Anteils nicht extrahierbarer Sulfonamidrückstände
Die einzelnen Faktoren sind allerdings nicht einzeln voneinander abgrenzbar, da jeder
Abbau Transformationsprozesse beinhaltet und der Anteil nicht extrahierbarer Rückstände
entstandene Transformationsprodukte teilweise mit einschließt.
Nicht extrahierbare Rückstände von Sulfonamiden werden z.B. durch kovalente Bindung an
organisches Bodenmaterial gebildet. Eine Bildung dieser nicht extrahierbaren
Transformationsprodukte ist durch mikrobiologische, enzymatische oder rein chemische
Prozesse möglich [471-473].
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 52
Kreuzig et al. konnten in Untersuchungen mit verschiedenen radiomarkierten Sulfonamiden
(14C-Sulfonamide) eine nach dem Eintrag in Böden sofortige Bildung nicht zu extrahierender
Rückstände feststellen [9,10,452,470,474]. Die Extrahierbarkeit (mit Ethylacetat) der
Sulfonamide aus den beregneten Versuchsböden nahm mit zunehmender Kontaktzeit
schnell ab. Unter Freilandbedingungen waren bereits nach 28 Tagen keine Sulfonamide
(Sulfadiazin, Sulfaimidin, Sulfamethoxazol) oberhalb der Bestimmungsgrenze nachweisbar.
Kreuzig et al. schlossen auf eine schnelle Bildung nicht extrahierbarer Rückstände
(duchschnittlich 96% der applizierten Radioaktivität), da die Mineralisationsrate
vernachlässigbar war und keine oder nur ein geringer Teil der applizierten Sulfonamide
(keine Verlagerung im Freilandversuch; im Lysimeterversuch ca. 5% der Radioaktivität im
Perkolat) mit dem Sickerwasser transportiert wurden. Da es sich bei der Extraktion mittels
Ethylacetat aber nicht um eine erschöpfende (exhaustive) Extraktionsmethode handelt
können die ermittelten Rückstandswerte nicht eindeutig bzw. vollständig den „nicht
extrahierbaren Rückständen“ im Sinne der IUPAC-Definition (siehe Kapitel 3.4.1) zugeordnet
werden. Durch weitere Behandlung mit saurem Methanol und Silylierung mit
Chlortrimethylsilan konnten Kreuzig et al. bis zu 30% der applizierten Radioaktivität
extrahieren, wobei der Anteil des unveränderten Sulfonamids (Sulfadiazin) lediglich bis zu
3% betrug [9]. Um welche Art von Rückständen es sich bei der verbleibenden extrahierten
Radioaktivität handelt blieb unklar. Wahrscheinlich handelt es sich dabei teilweise um
verschiedene Transformationsprodukte/Metabolite, da in den Bodenproben auch N4-Acetyl-
Sulfonamide und weitere nicht identifizierte Transformationsprodukte nachgewiesen werden
konnten. Nach Kreuzig et al. ist davon auszugehen, dass die nach der Silylierung nicht
freigesetzen Sulfonamide kovalent an die Bodenmatrix gebunden sind. Es ist ergänzend
anzumerken, dass es sich aber bei der nicht zugeordneten extrahierten Radioaktivität
(teilweise) auch um an Humuspolymer-Brüchstücke kovalent gebundene
Sulfonamidrückstände handeln kann (siehe Kap. 3.4.1).
Neueste Untersuchungen von Förster et al. zeigten dagegen, dass Sulfonamide (Sulfadiazin)
im Boden zu einem großen Teil sequestriert vorliegen [353]. In diesen Untersuchungen
wurde ein exhaustives Extraktionsverfahren durch sequentielle Extraktion mit CaCl2-Lösung,
Methanol und Acetonitril/Wasser (mit Mikrowellenunterstützung, Temperatur: 150°C)
verwendet. Während die Extrahierbarkeit mit CaCl2-Lösung und Methanol in
Übereinstimmung mit den Ergebnissen von Kreuzig et al. schnell abnahm und sehr gering
wurde, konnten aus den Bodenproben durch die mikrowellenunterstützte Extraktion mit
Acetonitril/Wasser auch noch nach über 200 Tagen mit ca. 45% noch bedeutende Anteile
von Sulfonamiden (Summe: Sulfadiazin und N4-OH-Sulfadiazin) extrahiert werden. Der
Anteil der durch Acetonitril/Wasser extrahierbaren Sulfonamide nahm mit der Zeit ab, wobei
der Rückgang in der Extrahierbarkeit zum Großteil innerhalb der ersten Tage stattfand und
3 Grundlagen - Stand der Forschung - 53
sich danach langsam ein annähernd konstantes Extraktionsniveau einstellte. Anhand dieser
und weiterer Daten der Untersuchungen ist abzuschätzen, dass Sulfonamide über Jahre in
Böden persistieren und auch die Möglichkeit einer langsamen Freisetzung von
sequestrierten Sulfonamiden besteht.
Alexy et al. stuften das Sulfonamid Sulfamethoxazol als nicht leicht biologisch abbaubar ein
[207] und Kreuzig et al. ermittelten für Sulfonamide (Sulfamethoxazol, Sulfadiazin) für einen
Zeitraum von 102 Tagen eine vernachlässigbare Mineralisationsrate von 2% [9,10,470]. Ein
Photoabbau ist für Sulfonamide zwar möglich, wobei dieser aber nur an der direkten
Bodenoberfläche bzw. bei der Gülleausbringung von Relevanz ist [382,475].
In welchem Umfang Sulfonamide im Boden tatsächlich abgebaut werden geht aus der
Literatur nicht eindeutig hervor. Blackwell et al. ermittelten Halbwertszeiten von 2,8 Tage und
3,5 Tage für das Sulfonamid Sulfachloropyridazin in einem sandigen Lehmboden bzw. einem
lehmigen Tonboden [343]. Für Sulfadiazin im Boden ermittelten Kreuzig et al. eine
Halbwertszeit von 3 Tagen [474]. Demgegenüber wurden nach Thiele-Bruhn für Sulfaimidin
(lehmiger Sand- und toniger Schluffboden) Abbauraten von nur 0,2-0,7% innerhalb von 64
Tagen ermittelt [81]. Diese großen Unterschiede in den Abbauraten der Sulfonamide in
Böden sind auch durch weitere Untersuchungen belegt [81,351]. Eine Erklärung für diese
deutlichen Unterschiede in den Abbauraten liefern die Untersuchungen Förster et al., welche
für Sulfadiazin in verschiedenen Böden Halbwertszeiten zwischen 10 und 490 Tagen
ermittelten [353]. Die Unterschiede in den Halbwertszeiten sind dabei maßgeblich auf das
verwendete Extraktionsverfahren zurückzuführen. Bei milden Extraktionsverfahren betrugen
die ermittelten Halbwertszeiten 10-24 Tage, während sie bei der mikrowellenunterstützten
Extraktion mit Acetonitril/Wasser zwischen 290 und 490 Tagen lagen.
Werden sequestrierte Sulfonamide analytisch nicht mit erfasst, wie es bei milden
Extraktionsverfahren z.B. bei Blackwell et al. und Kreuzig et al. der Fall ist, können
zwangsläufig nur niedrige Halbwertszeiten ermittelt werden. Diese Halbwertzeiten sind daher
nicht mit einem Abbau gleichzusetzen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in Böden eingetragene Sulfonamide zwar in
Oberflächengewässer und ins Grundwasser verlagert werden, aber es bezüglich ihres
Abbau-Verhaltens in der Literatur keine einheitliche Auffassung/Datenlage gibt. Da die
Extrahierbarkeit von Sulfonamiden (und ihrer Metabolite) von dem eingesetzten
Extraktionsverfahren abhängig ist und ältere Untersuchungen in der Regel auf milden
Extraktionsverfahren beruhen, sind keine gesicherten Aussagen über das mengenmäßige
Vorkommen von Sulfonamiden in Böden möglich. Es ist davon auszugehen, dass der Gehalt
von Sulfonamiden (und ihrer Metabolite) in der Vergangenheit unterschätzt wurde.
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im Boden 54
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im
Boden
Zum Nachweis und zur Bestimmung von Tetracyclinen und Sulfonamiden existieren eine
Vielzahl von Methoden und Verfahren. Für die Bestimmung dieser Antibiotika in
Umweltmatrices sind im Gegensatz zur Analytik von Lebensmitteln nur wenige
leistungsfähige Analysemethoden beschrieben worden [81,482]. Dies gilt insbesondere für
komplexere Matrices wie Boden und Gülle, welche im Vergleich zu wässrigen Matrices meist
einer aufwendigeren Probenvorbereitung und LC/MS-Analytik bedürfen. Grote et al.
entwickelten diesbezüglich schon eine auf LC-MS/MS basierende Methode zur Bestimmung
von Chlortetracyclin und Sulfadiazin in Gülle [478].
Ein wesentlicher Punkt für die Effektivität und Effizienz der einzelnen Methoden und
Verfahren in Bezug auf einen bestimmten Analyten liegt darin begründet, ob nur ein Analyt
oder gleichzeitig mehrere z.T. völlig verschiedene Analyte nachgewiesen bzw. quantifiziert
werden sollen. Tetracycline und Sulfonamide unterscheiden sich in ihren physiko-
chemischen Eigenschaften, so dass bei einer gleichzeitigen Bestimmung von Analyten aus
diesen beiden Gruppen die Optimierung der Methoden und Verfahren für alle Einzelanalyte
einen Kompromiss darstellt. Gleiches gilt, zwar in geringerem Ausmaß, für die Methoden und
Verfahren zur gleichzeitigen Bestimmung von verschiedenen Tetracyclinen bzw.
Sulfonamiden. Der Vorteil einer Methode bzw. Verfahrens für Einzelanalyte liegt damit bei
der Möglichkeit der maximalen Optimierung von Nachweisfähigkeit und Wiederfindung dieser
in einer bestimmten Matrix. Demgegenüber bieten Multimethoden bzw. –verfahren den
Vorteil einer Zeit- und Kostenersparnis durch ganz oder zumindest teilweise gleichzeitige
Arbeitsschritte für die zu untersuchenden Analyte und führen damit zu einem höheren
Probendurchsatz bei gleicher Zeit. Des Weiteren müssen die Probenvorbereitung
(Extraktion, Anreicherung, Aufreinigung) und die Bestimmungsmethode auf die Matrix, in der
die Analyte vorliegen, abgestimmt werden.
Im Folgenden werden einzelne Bestimmungsmethoden für die Tetracyclin- und
Sulfonamidanalytik aufgeführt und im Anschluss wird eine Übersicht der angewendeten
Probenvorbereitung zur Spurenanalyse dieser Antibiotika im Boden gegeben.
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im Boden 55
4.1 Bestimmungsmethoden für Tetracycline und Sulfonamide
Die überwiegende Anzahl der Bestimmungsmethoden für Tetracycline und Sulfonamide
beruht auf einer chromatographischen Trennung mit anschließender Detektion, da auf diese
Weise in einem Analysengang mehrere Analyte bestimmt werden können. Die am häufigsten
in der Tetracyclin- und Sulfonamidanalytik eingesetzte chromatographische Methode ist die
Hochleistungs-Flüssigchromatographie (HPLC), welche mit einer Vielzahl von Detektoren
koppelbar ist. Die Trennleistung der HPLC wird dabei von den instrumentellen Einstellungen
(z.B. Flussrate) und der Wahl der HPLC-Säule (Material, Durchmesser, Länge,
Partikelgröße) beeinflusst. Für die Analytik dieser Antibiotikagruppen sind mit der HPLC
gekoppelte optische Detektoren (UV, UV/vis, DAD) weit verbreitet [137,236-259]. Als
Bestimmungsmethode werden diese HPLC-Systeme für Messproben, welche aus
verschiedenen Matrices wie z.B. Blutplasma [248], Knochen [249], Fleisch [250], Milch
[251], Shrimps [251], Fisch [252,253], Honig [254-256], Abwasser [257] oder Gülle/Mist
[258,259] stammen, eingesetzt.
Aufgrund der Fluoreszenzeigenschaften der Tetracycline wird bei der Tetracyclinanalytik
auch der Fluoreszenzdetektor (FLD) eingesetzt, da die Eigenfluoreszenz der Tetracycline
allerdings nur schwach ist, erfolgt eine Nachsäulenderivatisierung zu den iso-Tetracyclinen
oder zu stark fluoreszierenden Tetracyclin-Metall-Komplexen [119,143,260-266].
Sulfonamide werden durch entsprechende Nachsäulenderivatisierung ebenfalls mittels FLD
bestimmt [267-269]. Für die Bestimmung von Tetracyclinen sind neben der nach Anregung
mittels elektromagnetischer Strahlung (im UV-Bereich) ermittelten Fluoreszenz auch
Verfahren bekannt, die auf Chemilumineszenzmethoden aufbauen [270-273]. Des Weiteren
werden elektrochemische Detektoren zur Tetracyclin- und Sulfonamidanalytik verwendet
[274-278].
Neben der HPLC finden noch Kapillarelektrophorese (CE) [314-320],
Dünnschichtchromatographie (TLC) [321,322] und Gaschromatographie (GC) [323-326] als
weitere Trenntechniken in der Tetracyclin- und Sulfonamidanalytik Anwendung. Für eine
Bestimmung mittels Gaschromatographie ist allerdings eine Derivatisierung der Analyte
nötig. Eine Derivatisierung der Tetracycline zu den Trimethylsilyl-Derivaten ist zwar möglich,
hat aber wegen der hohen Siedepunkte dieser Derivate im Unterschied zu den Sulfonamiden
keine praktische Bedeutung [327]. Tetracycline und Sulfonamide können zudem durch
mikrobiologische Tests wie Eclipse 100® [328] oder Rezeptortests wie Tetrasensor® [329]
nachgewiesen werden. Auch immumologische Verfahren wie ELISA (Enzyme Linked
Immunosorbent Assay) [258,330-335] werden aufgrund ihrer einfachen und schnellen
Durchführbarkeit zunehmend als Screening-Tests eingesetzt. Die Kopplung von HPLC mit
einem mikrobiologischen Assay stellt ein besonders selektives Verfahren dar, welches zur
Identifizierung von aktiven Metaboliten geeignet ist [336].
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im Boden 56
Im zunehmenden Umfang werden Massenspektrometrische Detektoren (MS, MS/MS)
eingesetzt [279-311], da bei diesen Methoden, dies gilt insbesondere für Tandem-Systeme,
eine große Selektivität und Empfindlichkeit bei gleichzeitiger Möglichkeit einer
Strukturabsicherung erreicht werden kann. Da insbesondere bei der Extraktion von
Bodenproben oftmals hohe Anteile von störenden Matrix-Komponenten ko-extrahiert werden,
sind hier vor allem HPLC-MS/MS-Methoden im Einsatz.
HPLC-MS-Methoden werden ebenso wie die zuvor genannten HPLC-UV (-UV/vis, -DAD)-
Methoden für die Tetracyclin- und Sulfonamid-Bestimmung in einer großen Anzahl
verschiedener Matrices wie Wasser (Ab-, Oberflächen- und Grundwasser) [279-289], Urin
[290-291], Gülle [292-294], Boden [295-296], tierisches Gewebe [297-299], Pflanzen
[96,201,203] und Nahrungsmittel tierischen Ursprungs (Eier [138,300], Milch [301-303],
Fleisch [304-306], Shrimps [307], Fisch [308], Honig [309-311]) angewendet.
Die HPLC bietet neben einer großen Auswahl der verschiedenen mit ihr gekoppelten
Detektionsmethoden auch die Möglichkeit, eine online-SPE für die Sulfonamid- und
Tetracyclinanalytik zu integrieren [312,313]. Durch den Einsatz einer mit einem HPLC-
System gekoppelten online-SPE kann im Vergleich zu einer herkömmlichen (manuellen bzw.
externen) SPE die Reproduzierbarkeit erhöht, die Wiederfindung verbessert und Analysezeit
eingespart werden [313].
Im Rahmen dieser Arbeit wird daher die LC-MS/MS zur Bestimmung von
Arzneimittelrückständen in Böden eingesetzt.
4.2 Vorbereitung von Bodenproben
Die bekannten leistungsfähigen Analyseverfahren für die Bestimmung von Tetracyclinen und
Sulfonamiden in Böden beinhalten einen Extraktionsschritt, die Reinigung und
Aufkonzentrierung der Extrakte mittels SPE (Solid Phase Extraction) und eine
Bestimmungsmethode für die Analyte. Für die Bestimmung von Rückstandsspuren dieser
Arzneistoffe im Boden sind HPLC-MS/MS-Verfahren [103,296,337-339] oder nach
entsprechender Probenreinigung (Cleanup) auch HPLC-UV-Verfahren [340-344] im Einsatz.
Raich-Montiu et al. bestimmten Spurenkonzentrationen von Sulfonamiden mittels HPLC-FLD
unter Verwendung einer Nachsäulenderivation mittels Fluorescamin [479].
Für die Probenvorbereitung sind vor allem die physiko-chemischen Eigenschaften der
unterschiedlichen Tetracycline und Sulfonamide zu berücksichtigen (s. Kap. 3.3).
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im Boden 57
4.2.1 Extraktion
Aufgrund der physiko-chemischen Eigenschaften der Analyte werden meist schwach saure
Puffer in Kombination mit einem organischen Lösungsmittel eingesetzt. Eine Komplexbildung
soll dabei durch eine Zugabe von Agenzien wie EDTA, Citrat oder Oxalsäure unterbunden
werden. Zur Extraktion von Tetracyclinen und Sulfonamiden wurde hauptsächlich die
Flüssig-Flüssig-Extraktion (LLE) eingesetzt. Lösungsgemische, die zur Extraktion von
Tetracyclinen und Sulfonamiden aus Bodenproben mittels LLE eingesetzt wurden, sind
Gemische aus Zitronensäure/Aceton/Ameisensäure [331], Methanol/McIlvaine-Puffer [345],
Methanol/EDTA/McIlvaine-Puffer [103,344], Citrat-Puffer/Ethylacetat [92], Methanol/Citrat-
Puffer [339], EDTA/Zitronensäure/Phosphat-Puffer [340] und NaCl/Oxalsäure/Wasser [93].
In einigen Fällen wurde auch eine Pressurized Liquid Extraktion (PLE) [337,339,346,462],
eine Soxhlet-Extraktion (mit Methanol) [338] oder eine Mikrowellen-unterstützte Extraktion
(mit Acetonitril) [479] für Tetracyclin- und/oder Sulfonamid-Antibiotika verwendet. Durch
sequentielle Extraktion, wie z.B. mit CaCl2-Lösung, Methanol und Acetonitril/Wasser (mit
Mikrowellenunterstützung, Temperatur: 150°C), ist eine bewertende Einteilung in eine (bio-
)verfügbare, potentiell bioverfügbare und eine nicht verfügbare Rückstandsfraktion von
Sulfonamiden möglich [353,480].
4.2.2 Anreicherung der Analyte und Aufreinigung der Bodenextrakte
Nach der Extraktion erfolgten eine Anreicherung der Analyte und eine Aufreinigung (Clean-
Up) der extrahierten Lösungen mittels Festphasenextraktion (SPE). Als Sorbens werden
dabei häufig relativ unspezifische Polymerphasen wie z.B. bei der Oasis-HLB (Hydrophilic–
Lipophilic-Balanced) [331,338-344,347,348] eingesetzt, aber auch für die jeweiligen
Antibiotika finden spezifische Sorbensmaterialien Anwendung. Dazu zählt für Tetracycline
die Metall-Chelat-Affinitäts-Chromatographie (MCAC), welche die Komplexbildungs-
eigenschaften der Tetracycline ausnutzt [345]. Für Sulfonamide ist die Aminopropyl-SPE
eine geeignete Methode [349].
Um Huminstoffe, welche Matrixbestandteile der Bodenextrakte sind, besser entfernen zu
können, werden Polymerphasen wie die HLB auch mit Anionenaustauscherharzen (SAX)
gekoppelt [331,339-344].
Erst durch eine Kopplung von HLB- und SAX-SPE-Kartuschen ist es Blackwell et al. möglich
gewesen, die HPLC-UV als leistungsfähige Bestimmungsmethode von Antibiotikaspuren in
komplexen Umweltmatrices wie Gülle und Boden einzusetzen [344].
4 Stand der Analytik zur Bestimmung von Antibiotika im Boden 58
Auch spezielle Methoden wie die Solid-Phase-Immuno-Extraction (SPIE) wurden schon
durch Grant et al. für die weitere Aufreinigung von Sulfamethazine and N4-
Acetylsulfamethazine aus Bodenextrakten eingesetzt. Bei dieser Methode wurde eine
herkömmliche HLB-SPE mit einer Immuno-Affinitäts-Chromatography (IAC) gekoppelt [350].
5 Ergebnisse und Diskussion 59
5 Ergebnisse und Diskussion
5.1 Untersuchung auf Antibiotikarückstände in einem gülle-
beaufschlagten Boden
Zum Zeitpunkt des Projektbeginns war keine sichere Aussage über Vorkommen und
Verhalten von Antibiotika in den Böden landwirtschaftlicher Nutzflächen, sowie ihrer
Exposition in andere Umweltkompartimente wie Oberflächen- und Grundwasser, möglich.
Als Konsequenz konnten auch keine Prognosen über den denkbaren Transfer Boden –
Pflanze und einer davon abhängigen Risikoeinschätzung für den Menschen gemacht
werden. Das Projekt „Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und
aquatische Kompartimente“ [476] (kurz: „Antiinfektiva-Projekt“) sollte daher einen Beitrag zur
Aufklärung dieser Zusammenhänge und zur Abschätzung der Umweltbelastung liefern.
Um realistische Aussagen über den Verbleib der durch organische Düngung in den Boden
eingetragenen Antibiotika treffen zu können, wurden unter praxisnahen landwirtschaftlichen
Bedingungen arzneimittelfrei aufgezogene Ferkel mit Sulfadiazin (SFD), Trimethoprim (TMP)
und Chlortetracyclin (CTC) kontrolliert medikamentiert, die erhaltene Arzneistoff-belastete
Schweinegülle (nach 8-monatiger Lagerung) auf Versuchsparzellen ausgebracht,
Nutzpflanzen (Feldsalat und Winterweizen) ausgesät und beerntet.
Diese Arbeit befasst sich im Rahmen des oben geschilderten Projektes nur mit dem Bereich
des Rückstands- und Transportverhaltens der Arzneistoffe bzw. ihrer Metabolite und
Umwandlungsprodukte im Gülle-beaufschlagten Boden.
Zu Beginn dieser Arbeit waren schon Teilbereiche des Projekts abgeschlossen, deren
Ergebnisse für die Interpretation und Schlussfolgerungen in dieser Arbeit von wesentlicher
Bedeutung sind. Daher soll der damit im Zusammenhang stehende Projektverlauf mit den
dazu nötigen Teilergebnissen in einer Beschreibung der Ausgangssituation im Vorfeld
dargestellt werden.
5.1.1 Ausgangssituation - Projektverlauf
Zu Beginn des Projektes war Arzneistoff-belastete Gülle aus einer Ferkelaufzucht unter
kontrollierter Fütterung und Medikation (CTC, SFD, TMP) an der FAL Braunschweig (heute:
FLI Braunschweig) gewonnen worden. Diese wurde über einen Zeitraum von 7-8 Monaten
entsprechend landwirtschaftlich üblicher Praxis gelagert und monatlich beprobt (FH
Südwestfalen, Abteilung Soest). Während der 8-monatigen Lagerung wurden in der Gülle
CTC und SFD nur bis zu 50 - 60 % abgebaut, TMP war dagegen schon nach 1-monatiger
Lagerung nicht mehr nachweisbar. Nach 8-monatiger Lagerung enthielt die Gülle noch hohe
Rückstandsmengen der eingesetzten Antibiotika von 181,3 mg/kg für SFD und 16,2 mg/kg
5 Ergebnisse und Diskussion 60
CTC (inkl. e-CTC). Als Metaboliten bzw. Umwandlungsprodukte waren noch 10,9 mg/kg N4-
SFD, 39,8 mg/kg iso-CTC (inkl. e-iso-CTC) und 1,4 mg/kg anhydro-CTC in der Gülle
enthalten [476].
Diese Gülle wurde zur organischen Düngung von Versuchsfeldern ausgebracht. Mit der
Gülle wurden auch erhebliche Antibiotikafrachten in den Boden eingetragen. Die
Untersuchung der Bodenproben, welche über einen mehrmonatigen Zeitraum von diesen
Feldern aus unterschiedlichen Bodentiefen genommen wurden, stand noch aus. Erste
Versuche zur Bestimmung der Rückstandskonzentrationen in den Bodenproben waren zu
Beginn dieser Arbeit schon unternommen worden.
5.1.2 Methodenentwicklung zur Bestimmung von CTC, SFD und TMP in
Bodenproben
5.1.2.1 Entwicklung der HPLC-UV-MS/MS-Methode
Außer e-iso-CTC und N4-SFD waren alle zur Methodenentwicklung eingesetzten
Standardsubstanzen kommerziell erhältlich. N4-SFD wurde im Arbeitskreis durch
Acetylierung von SFD an N-4 und e-iso-CTC durch Epimerisierung von iso-CTC in schwach
saurer Lösung hergestellt (siehe Anhang A.1.3.4).
Die nachfolgend aufgeführten Untersuchungen wurden im Rahmen der
Methodenentwicklung durchgeführt:
- Entwicklung der MS/MS-Detektion durch Aufnahme von Vorläufer- und Produkt-
Ionen-Scans aller Substanzen
- Optimierung der Trennleistung des chromatographischen Systems
- Optimierung der UV-Detektion
- Anwendbarkeit der UV- und MS/MS-Detektion auf Bodenproben
Entwicklung der MS/MS-Detektion
Zur Entwicklung der MS/MS-Detektion mittels Ion-Trap-Massenspektometer wurden die
Fragmentierungsmuster aller Substanzen (ß=10 mg/L, in Laufmittel A) im positiven ESI-
Modus (ESI+) ermittelt und die sich daraus ergebenen (Fragment-)Ionen anhand des
gemessenen Masse/Ladungs-Verhältnisses einzelnen Vorläufer- und Produkt-Ionen
zugeordnet. Die in Tab. 6 aufgeführte Zuordnung der Fragment-Ionen aufgrund ihres m/z-
Verhältnisses wurde anhand der Literaturdaten von Hirsch et al. [481], Hamscher et al. [482],
Zhu et al. [483], Sacher et al. [484], Hartig et al. [485], A. Vockel [7], Petrovic et al. [486] und
Eichhorn et al. [487] erstellt.
5 Ergebnisse und Diskussion 61
Tab. 6: MS/MS-Detektion, Fragmentierung der Analyte
Analyt Vorläufer-Ion
[m/z]
Produkt-Ion 1
[m/z]
Produkt-Ion 2
[m/z]
Produkt-Ion 3
[m/z]
SFD 251
[M+H]+
156
[H2NPhSO2]+
174
[H2NPhSO2NH+H]+
-
N4-SFD 293
[M+H]+
198
[CH3COHNPhSO2]+
136
[CH3COHNPh+H]+
227
-
TMP 291
[M+H]+
123
[M-C6H3-3CH3O+H]+
230
[M+H-CH2O-CH3O]+
258
[M+H-CH3O-3H]+
iso-CTC 479
[M+H]+
462
[M-NH3+H]+
- -
CTC 479
[M+H]+
462
[M-NH3+H]+
444
[M-H2O-NH3+H]+
-
anhydro-
CTC
461
[M+H]+
444
[M-NH3+H]+
- -
Durch Änderung der Stoßenergien für die einzelnen Analyte im Ion-Trap-
Massenspektrometer wurden gegenüber der ursprünglichen Methode intensitätsstärkere MS-
Signale erhalten. Anhand der ermittelten Fragmentierungsmuster, insbesondere unter
Einbeziehung der relativen Intensitäten der Fragmentionen, wurden in den Messproben die
einzelnen Substanzen im SRM-Modus (Selected Reaction Monitoring) des Ion-Trap-
Massenspektrometers identifiziert und quantifiziert (Tab. 7).
5 Ergebnisse und Diskussion 62
Tab. 7: Kenndaten der Analyte für die MS/MS-Detektion
Analyt Mr
[g/mol]
Vorläufer-Ion
[m/z]
Stoßenergie
[%]
Produkt-Ionen
[m/z]
Peakintensitäten
[%]
SFD 251,06 251 38 156
173
80-100
80-100
N4-SFD 292,31 293 38
136
198
227
60-85
100
20-50
TMP 290,32 291 45
123
230
258
40-70
100
40-70
e-iso-CTC 478,89 479 28 462 100
iso-CTC 478,89 479 28 462 100
e-CTC 478,89 479 28 444
462
40-70
100
CTC 478,89 479 28 444
462
40-70
100
e-anhydro-
CTC 460,87 461 35 444 100
anhydro-CTC 460,87 461 35 444 100
Trennleistung des chromatographischen Systems
Für die chromatographische Trennung der Analyte aus den Güllemessproben wurde eine
YMC-Säule (ODS-AM, 150 x 3,0 mm, 5µm) eingesetzt [7].
Wie in Abb. 12 zu sehen ist, sind alle Substanzen mit Ausnahme von SFD und TMP im
chromatographischen Lauf getrennt worden.
5 Ergebnisse und Diskussion 63
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
70000
80000
Intensität [µAU]
Zeit [min]
1/2
3
4
5
6
7
8
9
Abb. 12: Trennung der Arzneistoffe im Laufmittelgradienten (s. Anhang A.1.2.1), UV-
Detektion (HPLC-DAD-MS/MS, YMC, Total Scan: 190-800 nm)
1: SFD, 2: TMP, 3: N4-SFD, 4: e-iso-CTC, 5: iso-CTC, 6: e-CTC, 7: CTC, 8: e-anhydro-CTC,
9: anhydro-CTC (ß=10 mg/L)
Die Retentionszeiten (Rt) für SFD und TMP lagen lediglich 4 Sekunden (MS/MS-Detektion,
Abb. 13) auseinander, daher war nur ein gemeinsamer Peak der beiden Analyten im HPLC-
DAD-Chromatogramm zu erkennen. Da bei SFD und TMP das UV-Maximum bei 268 nm
liegt, war eine Unterscheidung durch UV-Detektion nicht möglich. SFD und TMP
unterscheiden sich aber in ihrer Molekülmasse bzw. in ihren m/z-Verhältnissen, und somit
kann auch bei nicht getrennten Peaks eine Bestimmung beider Substanzen mittels LC-MS
erfolgen. Die chromatographische Trennung von e-iso-CTC, iso-CTC, e-CTC und CTC bleibt
sehr wichtig, da diese Substanzen alle die gleiche Molekülmasse (Vorläufer-Ionen) besitzen.
Die dafür erforderliche Trennleistung gewährleistet das chromatographische Verfahren.
Entsprechendes gilt für die Trennung von e-anhydro-CTC und anhydro-CTC. Um aber alle
Analyte mittels HPLC-UV bestimmen zu können, musste die Trennleistung des
chromatographischen Systems weiter optimiert werden.
5 Ergebnisse und Diskussion 64
02468101214
0
20
40
60
80
100
relative Intensität [%]
Zeit [min]
Abb. 13: Chromatogramme von SFD (schwarz) und TMP (rot), HPLC-MS/MS (YMC, TIC-
SRM MS2, ß=10 mg/L)
Optimierung der HPLC-Methode
Die Trennung der Analyte mittels HPLC ist zum einen von der Laufmittelzusammensetzung
und zum anderen von der HPLC-Säule abhängig. Eine Verbesserung der Trennung (Abb.
14) von SFD und TMP bei gleicher Trennleistung für die übrigen Substanzen brachte die
Verwendung einer Phenomenex-Säule (Synergi 4µ Hydro-RP, 250 x 2,00 mm). Somit war
eine Bestimmung dieser beiden Komponenten auch mittels UV-Detektion möglich. Um die
analytische Säule vor Verunreinigungen durch Matrixbestandteile der Bodenproben zu
schützen, wurde dieser eine Vorsäule (Phenomenex C18-ODS, 4 x 2 mm) vorgeschaltet.
Ein weiterer Peak (Abb. 14; 6a) konnte neben e-CTC (Enolstruktur) dem durch Keto-Enol-
Tautomerie gebildeten e-CTC (Ketostruktur) mittels Spektrenvergleich zugeordnet werden.
Die ermittelten Retentionszeiten der einzelnen Substanzen, welche als Merkmal zur
Identifizierung dienen, sind in Tab. 8 aufgeführt.
5 Ergebnisse und Diskussion 65
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
0
10000
20000
7
6b
5
6a
4
3
2
Intensität [µAU]
Zeit [min]
1
Abb. 14:Trennung der Analyte, UV-Detektion (HPLC-DAD-MS/MS, Phenomenex, Total
Scan: 190-800 nm)
1: SFD, 2: TMP, 3: N4-SFD, 4: e-iso-CTC, 5: iso-CTC, 6a: e-CTC (Keto), 6b: e-CTC
(Enol), 7: CTC (ß=2 mg/L)
Entwicklung der UV-Detektion
Zur Entwicklung der UV-Detektion mittels Dioden-Array-Detektor wurden die UV/vis-Spektren
(Abb. 15) während des chromatographischen Laufes aufgenommen und die
Messwellenlängen anhand der Absorptionsmaxima ermittelt. Das Absorptionsmaximum bei
232 nm stammt dabei vom chromatographischen Laufmittel
(Acetonitril/Wasser/Ameisensäure). Die Absorptionsmaxima der einzelnen Analyte und ihre
Retentionszeiten sind in Tabelle 8 aufgeführt.
5 Ergebnisse und Diskussion 66
SFD, N4-SFD
200 250 300 350 400 450 500
0
50000
100000
150000
200000
250000
300000 SFD
N4-SFD
Intensität [µAU]
Wellenlänge [nm]
TMP
200 250 300 350 400 450 500
0
50000
100000
150000
200000
250000
300000
350000
Intensität [µAU]
Wellenlänge [nm]
TMP
e-iso-CTC, iso-CTC
200 250 300 350 400 450 500
0
50000
100000
150000
Intensität [µAU]
Wellenlänge [nm]
e-iso-CTC
iso-CTC
e-CTC (Enol), CTC
200 250 300 350 400 450 500
0
50000
100000
150000
200000
250000 e-CTC (Enol)
CTC
Intensität [µAU]
Wellenlänge [nm]
e-CTC (Keto)
200 250 300 350 400 450 500
0
25000
50000
75000
100000 e-CTC (Keto)
Intensität [µAU]
Wellenlänge [nm]
e-anhydro-CTC, anhydro-CTC
200 250 300 350 400 450 500
0
50000
100000
150000
200000
250000
Intensität [µAU]
Wellenlänge [nm]
e-anhydro-CTC
anhydro-CTC
A Aus dem chromatographischen Lauf ermittelte UV/vis-Spektren (HPLC-DAD- bb. 15: nm, ß = 10 mg/L, Laufmittelgradient:
Acetonitril/Wasser/Ameisensäure)
MS/MS, Phenomenex, Total Scan: 190-800
5 Ergebnisse und Diskussion 67
Tab. 8: UV-Absorptionsmaxima und Retentionszeiten der einzelnen Analyte (HPLC-DAD-
MS/MS, Phenomenex, Total Scan: 190-800 nm, ß = 10 mg/L, Laufmittelgradient:
Acetonitril/Wasser/Ameisensäure)
Substanz Rt
[min]
Absorptionsmaximum
[nm]
SFD 5,1 266
N4-SFD 5,9 263
TMP 6,4 270
e-iso-CTC 7,1 270
308
iso-CTC 8,6 270
308
e-CTC (Keto) 7,3 265
357
e-CTC (Enol) 9,2 265
370
CTC 11,1 265
370
e-anhydro-CTC 17,9 273
444
anhydro-CTC 19,7 273
444
Zur Quantifizierung wurden anhand der ermittelten Absorptionsmaxima die Wellenlängen
270 nm und 370 nm als Messwellenlängen festgelegt.
Die Bestimmung von e-CTC (Keto), e-CTC (Enol) und CTC mittels UV-Detektion erfolgte bei
370 nm, da hier die iso-CTC´s keine UV-Adsorption zeigten (Abb. 16). Alle übrigen
Substanzen sollten bei 270 nm bestimmt werden.
5 Ergebnisse und Diskussion 68
6 7 8 9 10 11 12
0
20000
40000
60000
80000
5
4
3
2
Intensität [µAU]
Zeit [min]
270nm
370nm
1
Abb. 16: Identifizierung der CTC’s durch Variation der Messwellenlänge, UV-Detektion bei
270 und 370 nm (HPLC-DAD-MS/MS, Phenomenex, Total Scan: 190-800 nm, ß =
10 mg/L, Laufmittelgradient: Acetonitril/Wasser/Ameisensäure), 1: e-iso-CTC,
2: e-CTC (Keto), 3: iso-CTC, 4: e-CTC (Enol), 5: CTC
Überprüfung der Anwendbarkeit von UV- und MS/MS-Detektion bei Bodenproben
Matrixkomponenten dürfen die Bestimmungsverfahren nur bis zu einem gewissen Grad
störend beeinflussen [81]. Es war daher zu überprüfen, in welchem Maße ko-extrahierte
Matrixbestandteile der Bodenproben die Bestimmungsverfahren mit UV- und MS/MS-
Detektion beeinflussen. Zu diesem Zeitpunkt waren Verfahren zur Extraktion und SPE
entwickelt bzw. überprüft worden (s. Kap. 5.1.2.2), so dass zwei aufgearbeitete unbelastete
Bodenproben („Nullprobe“, Anhang A.1.4.2) zur Verfügung standen.
Der Vergleich der Chromatogramme bei UV-Detektion (270 und 370 nm) zwischen der
aufgearbeiteten Bodenprobe und dem reinen Laufmittel zeigt, dass Matrixbestandteile in
diesen Messbereichen Absorption zeigen (Abb.17). Die Intensität der Peaks der
Bodenextrakte liegt dabei um ein Vielfaches über der des Laufmittels, was einen hohen
Anteil mitextrahierter Bodenmatrix anzeigt. Zusätzlich fallen die Retentionszeiten einiger
Peaks im Chromatogramm der extrahierten Bodenmatrix mit denen der zu detektierenden
Substanzen zusammen. Eine Bodenmatrixlösung mit je 250 µg/L SFD, e-iso-CTC, iso-CTC,
e-CTC und CTC zeigte keine erkennbaren Peaks im Chromatogramm, da die Bodenmatrix
hier die entsprechenden Peaks überlagerte (Abb. 18).
5 Ergebnisse und Diskussion 69
A
0 5 10 15 20 25 30 35
0
5000
10000
15000
20000
270nm
370nm
Intensität [µAU]
Zeit [min]
B
0 5 10 15 20 25 30 35
0
200000
400000
600000
800000
1000000
1200000
1400000 270nm
370nm
Intensität [µAU]
Zeit [min]
Abb. 17: Einfluss der Bodenmatrix auf die UV-Detektion, HPLC-UV (Wellenlänge: 270 und
370 nm) A: Laufmittel, B: Bodenmatrix
4 6 8 10 12 14
0
200000
400000
600000
800000
Intensität [µAU]
Zeit [min]
Abb. 18: Vergleich HPLC-UV (270 nm) zwischen extrahierter Bodenmatrix (rot) und SFD,
e-iso-CTC, iso-CTC, e-CTC, CTC (ß= 250 µg/L, in Bodenmatrix, schwarz)
Eine quantitative Bestimmung der Substanzen im Boden mittels UV-Detektion war somit bei
niedriger Analytkonzentration nicht möglich gewesen.
Bei der MS/MS-Detektion war hingegen das Rauschen in dem Chromatogramm der
aufgearbeiteten Bodenprobe, welche mit einer Kalibrierlösung einer Konzentration von 250
µg/L aufgenommen wurde, gering. Die maximale Intensität des Rauschens sowohl für SFD
(Abb. 19), als auch die CTC’s (e-iso-CTC, iso-CTC, e-CTC, CTC, (Abb. 20)) lagen jeweils
unter 10% (relative Intensität) bzw. es lag ein Signal/Rausch Verhältnis von größer 10:1 vor.
Die MS/MS-Detektion wurde daher zur quantitativen Analyse der güllebeaufschlagten
Bodenproben eingesetzt.
5 Ergebnisse und Diskussion 70
0 5 10 15 20 25 30 35
0
20
40
60
80
100
relative Intensität [%]
Zeit [min]
Abb. 19: HPLC-ESI-MS/MS-Chromatogramm, SFD (m/z 251 > 156, 174; TIC-SRM MS2,
ß=250 µg/L in (Boden-)Matrix)
0 5 10 15 20 25 30 35
0
20
40
60
80
100
relative Intensität [%]
Zeit [min]
12
34
Abb. 20: HPLC-ESI-MS/MS-Chromatogramm (m/z 479 > 462, 444; TIC-SRM MS2,
ß=250 µg/L in (Boden-)Matrix) 1: e-iso-CTC, 2: iso-CTC, 3: e-CTC, 4: CTC
Die Fragmentierungsmuster und relativen Peakintensitäten der Analyte in Matrix
entsprachen dabei denen in Laufmittel A. Das war insofern von Bedeutung, da nur bei
Übereinstimmung der Fragmentierungsmuster und zugehörigen prozentualen Intensitäten,
das größte Signal oder der Mittelwert aus allen Signalen quantitativ ausgewertet werden darf
[488,489].
Die Quantifizierung erfolgte über den Totalionenstrom (TIC) der einzelnen Fragmentionen
(MS2), da dieser eine höhere Intensität aufwies.
5 Ergebnisse und Diskussion 71
5.1.2.2 Entwicklung der Probenaufbereitung
Ausgangs-Problematik des Analyseverfahrens für die Bodenproben
Ein im Arbeitskreis entwickeltes Verfahren (Extraktion, SPE, HPLC-UV-MS/MS) zur
Bestimmung von SFD, N4-SFD, CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, anhydro-CTC und TMP
in Gülle [478] sollte auf die Analyse von Bodenproben übertragen werden.
Zur Extraktion der Analyte wurde ein wässriger McIlvain-Puffer (0,1 mol/L EDTA, pH 4)
eingesetzt. In den aus den Bodenextrakten gewonnen Messproben ließen sich damit aber
aufgrund zu geringer Konzentrationen keine Analytspuren quantifizieren. Auch andere
Extraktionsmittel/-methoden wurden daraufhin erfolglos erprobt:
Citratpuffer verschiedener pH-Werte; ohne und mit EDTA-Zusatz, ohne und mit
Mikrowellenunterstützung,
verdünnte Salzsäure (10-3 – 1,0 mol/L HCl), mit und ohne Methanolzusatz, bei
Raumtemperatur und unter Erwärmen,
Essigsäureethylester zur ergänzenden Solventextraktion organisch gebundener
Tetracycline.
Die abgeschätzten Konzentrationen für die daraus gewonnenen Messproben hätten mit der
verwendeten HPLC-UV-MS/MS-Methode jedenfalls sicher zu erfassen sein sollen. Darauf
folgende Sorptionsuntersuchungen (s. Abb. 21) kamen zu dem Ergebnis, dass SFD und N4-
SFD nur geringfügig vom Boden sorbiert werden, die anderen dotierten Komponenten, TMP
und die Tetracyclinderivate (CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC), aber in hohem Maße. Fast
unmittelbar nach Vereinigung von Bodenphase und Arzneistofflösung stellten sich die
Sorptionsgleichgewichte ein. Die Auswaschbarkeit (simulierter Regen) der Adsorbate verhielt
sich dabei erwartungsgemäß reziprok zum Sorptionsgrad [476].
Aufgrund dieser Ergebnisse war zu erwarten, dass die in der Gülle vorliegenden
Chlortetracyclin-Komponenten und Trimethoprim nach der Güllebeaufschlagung in den
oberen Bodenhorizonten angereichert wurden. Dagegen könnten die Sulfonamid-Einträge,
obwohl diese in erheblich höherer Konzentration in vorlagen, durch Starkregen, der nach
Gülleausbringung aufgetreten ist, in tiefere Bodenschichten verlagert worden sein.
5 Ergebnisse und Diskussion 72
020406080100120
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0 SFD
N4-SFD
TMP
iso-CTC
CTC
anhydro-CTC
sgra
Adsorption d
t [min]
Abb. 21: Sorption von Antibiotika (Wirkstoffe/Metabolite) an Boden (Batch-Versuche: 5 g
Boden, 20 mL wässrige Lösung (CTC, iso-CTC, anhydro-CTC, SFD, N4-SFD,
TMP; ß= 10 mol/L)) [476]
In Wiederfindungsstudien wurden danach die verschiedenen Extraktionsmittel auf ihr
Extraktionsvermögen bezüglich der Analyte in diesem Boden untersucht. Es zeigte sich
dabei, dass die verwendeten Extraktionsmittel nur ein sehr geringes Extraktionsvermögen
aufwiesen (Tab. 9).
Tab. 9: Wiederfindung (%) von Antibiotika aus dotiertem Boden (CTC, SFD und TMP; ß =
10 mg/L; Einwaage Boden = 5 g, Einwirkzeit = 30 min, Mittelwerte N=2)
Extraktionsmittel SFD TMP CTC
Citrat-Puffer pH 4,7 6 ~ 0 ~ 0
Methanol / Eisessig 5 % (v/v) /
pH 1,8 14 ~ 0 ~ 0
McIlvain-Puffer / 0,1 moL/L EDTA,
pH 4 ~ 0 ~ 0 7
Salzsäure (1 mol/L HCl) ~ 0 ~ 0 6
Methanol / Citrat-Puffer pH 4,7
(20/80, v/v) 38 ~0 ~ 0
Zweistufige Extraktion
1.) Methanol / Eisessig
5 % (v/v) /, pH 1,8
2.) Citrat-Puffer pH 4,7/
0,1 mol/L EDTA (20/80, v/v)
40
3
~0
5 Ergebnisse und Diskussion 73
Entwicklung der Probenaufbereitung
Ziel der Probenvorbereitung war, eine Extraktionsmethode zu entwickeln, die einen
möglichst hohen Anteil der Tetracyclin- und Sulfonamid-Analyten aus der Bodenmatrix zu
extrahieren, damit dieser auch quantitativ bestimmbar ist.
Aus der Literatur war die unbefriedigende Situation der Tetracyclinbestimmung in
Bodenproben bekannt [81,482]. Die Problematik basiert auf der schwierigen Extrahierbarkeit
dieses Antibiotikums einschließlich seiner Derivate und Metabolite. Teilweise
koordinationschemisch begründbar, resultieren daraus – in Abhängigkeit von der jeweiligen
Bodenzusammensetzung – sehr niedrige Wiederfindungswerte (teilweise << 30 %) [81,482].
Die bei den Wiederfindungsstudien (s. Ausgangsproblematik) eingesetzten Extraktionsmittel
enthielten Reagenzien, die bei der Analyse von Pharmakarückständen im Boden vielfach
eingesetzt wurden, wie Zitronensäure, Salzsäure und EDTA [81]. In diesen Untersuchungen
wurde der pH-Wert variiert, Methanol zugesetzt und auch zweistufig mit verschiedenen
Mitteln extrahiert. Ausgehend von komplexchemischen Überlegungen wurde daraufhin
erstmalig ein ammoniakalischer EDTA-haltiger Extraktand (pH 10) eingesetzt (siehe Anhang
Experimentelles), um Chlortetracylin-Derivate effektiver von Bodenpartikeln zu desorbieren,
an denen sie u.a. über Koordinination von Metallionen (z.B. Ca2+, Mg 2+, Fe 3+) und an
Humusfraktionen gebunden sein können.
Zur Überprüfung der Wirksamkeit wurde der ammoniakalische EDTA-haltige Extraktand in
einen ersten Extraktionsversuch an einer dotierten Bodenprobe (SFD, TMP, CTC)
eingesetzt. Die nach der SPE erhaltene Messprobe zeigte deutliche Analytsignale (Abb. 22).
5 Ergebnisse und Diskussion 74
RT: 0,00 - 34,99
0 5 10 15 20 25 30
Time (min)
0
20
40
60
80
100
0
20
40
60
80
100
Relative Abundance
0
20
40
60
80
100 4,22
4,66
5,74 6,66 9,03 12,95 16,42 29,3725,453,77 18,33 33,5721,80
4,32
4,86 5,76 12,60 15,25 17,07 32,6729,0225,7423,462,23
7,44
5,98
7,90 10,18 20,39 24,5918,4816,014,89
NL: 7,15E5
TIC F: + c ESI SRM ms2
251,10@38,00 [
155,00-157,00;
172,90-174,90] MS
120104-5b
SFD
NL: 9,13E5
TIC F: + c ESI SRM ms2
291,10@45,00 [
122,00-124,00;
229,10-231,10;
257,00-259,00] MS
120104-5b
TMP
NL: 8,24E5
TIC F: + c ESI SRM ms2
479,10@28,00 [
443,00-445,00;
460,90-462,90] MS
120104-5b
e-iso-CTC
iso-CTC
Abb. 22: HPLC-MS/MS mit YMC-Säule, dotierte Bodenproben (500 µL SFD, TMP, CTC in
Methanol (ß=10 mg/L); Bodeneinwaage: 5 g)
schwarz: SFD, rot: TMP, grün: CTC
Im nächsten Schritt wurde die Extraktionsmethode an einer aus dem MUNLV-Projekt
stammenden Bodenprobe angewendet, um die Anwendbarkeit der NH3/NH4Cl/EDTA-
Mischung auf die Bodenproben zu überprüfen und einen ersten Eindruck von der
Bodenbelastung zu bekommen. In der gewonnen Messproben konnten dann SFD (Abb. 23),
sowie e-iso-CTC (Abb. 24) und iso-CTC (Abb. 25) nachgewiesen werden. TMP, N-4-SFD,
sowie die anhydro-CTC’s konnten nicht nachgewiesen werden, wobei dies für TMP auch zu
erwarten war, da es schon in der eingesetzten Gülle nicht mehr nachgewiesen werden
konnte. Eventuell vorhandenes CTC und e-CTC werden bei der ammoniakalischen
Extraktion zu iso-CTC und e-iso-CTC umgewandelt.
5 Ergebnisse und Diskussion 75
RT: 0,00 - 35,02
0246810 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34
Time (min)
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Relative Abundance
5,14
5,59
9,42 9,61 33,78
7,14 14,44 30,68
1,58 17,27
8,60
NL: 1,36E4
TIC F: + c ESI SRM
ms2 251,10@38,00
[ 155,00-157,00;
172,90-174,90] MS
200404-3-02
SFD 251 > 156, 174
200404-3-02 #277 RT: 5,04 AV: 1NL: 1,50E3
F: + c ESI SRM ms2 251,10@38,00 [ 155,00-157,00; 172,90-174,90]
Abb. 23: HPLC-MS/MS (TIC-SRM MS2, Fragmentierung von SFD (m/z 251) > 156, 174;
Bodenprobe: W2-1-25)
Abb. 24: HPLC-MS/MS (TIC-SRM MS2, Fragmentierung von e-iso-CTC (m/z 479) > 462;
Bodenprobe: W2-1-25)
156 158 160 162 164 166 168 170 172 174
m/z
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Relative Abundance
156 174
RT: 0,00 - 35,02
0246810 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34
Time (min)
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Relative Abundance
9,57
7,84
10,21 12,22
4,92
4,46 12,67 21,06
3,27 5,74 14,95 16,50 24,26 28,27
NL: 9,25E4
TIC F: + c ESI SRM
ms2 479,10@28,00
[ 443,00-445,00;
460,90-462,90] MS
200404-3-02
200404-3-02 #430 RT: 7,84 AV: 1NL: 3,90E4
F: + c ESI SRM ms2 479,10@28,00 [ 443,00-445,00; 460,90-462,90]
444 446 448 450 452 454 456 458 460 462
m/z
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Relative Abundance
462,0
e-iso-CTC 479 > 462
5 Ergebnisse und Diskussion 76
RT: 0,00 - 35,02
0246810 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34
Time (min)
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Relative Abundance
9,57
7,84
10,21 12,22
4,92
4,46 12,67 21,06
3,27 5,74 14,95 16,50 24,26 28,27
NL: 9,25E4
TIC F: + c ESI SRM
ms2 479,10@28,00
[ 443,00-445,00;
460,90-462,90] MS
200404-3-02
200404-3-02 #525 RT: 9,57 AV: 1NL: 9,25E4
F: + c ESI SRM ms2 479,10@28,00 [ 443,00-445,00; 460,90-462,90]
Abb. 25: HPLC-MS/MS (TIC-SRM MS2, Fragmentierung von iso-CTC (m/z 479) > 462;
Bodenprobe: W2-1-25)
Um die Leistungsfähigkeit der entwickelten Probenvorbereitung zu ermitteln wurde eine
Wiederfindungsstudie (für SFD, TMP, CTC) durchgeführt, welche gleichzeitig dazu dienen
sollte, den Arbeitschritt der zur Probenaufreinigung und –aufkonzentration eingesetzten
SPE-Methode mittels dotiertem Extraktionsmittel zu überprüfen (Tab. 10).
Tab. 10: Wiederfindung (%) von Arzneistoffen aus dotiertem Boden (5 g Boden, 500 µL
Mischstandardlösung (SFD, TMP, CTC; ß=10 mg/L; Lösungsmittel: Methanol);
suspensiert; Einwirkzeit: 30min)
EDTA/Ammoniak-
Puffer, pH 10 SFD TMP
*e-iso-
CTC *iso-
CTC *e-
CTC CTC Summe
CTC
dotierte Bodenprobe
(N=6) 59±7% 41±4% 24±3% 47±4% ~0 ~0 71±7%
dotiertes
Extraktionsmittel (N=10) 91±10% 81±9% 34±5% 75±7% ~0 ~0 109±12%
(* bezogen auf dotiertes CTC )
Die Ergebnisse der Wiederfindungsuntersuchung zeigen, dass Sulfadiazin und TMP nur in
mäßigen Ausbeuten von 59% bzw. 41% von dem dotierten Boden extrahierbar war.
Erwartungsgemäß wird das CTC bei der Extraktion im alkalischen Mileu vollständig
444 446 448 450 452 454 456 458 460 462
m/z
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Relative Abundance
462,0
iso-CTC 479 > 462
5 Ergebnisse und Diskussion 77
isomerisiert [487], so dass das gebildete Epimerenpaar iso-CTC und e-iso-CTC als CTC-
Summenparameter quantifizierbar ist. Eine Erfassung der orginären Konzentration war daher
mit dieser Extraktionsmethode nicht möglich.
Besonders bemerkenswert waren die Ergebnisse für das dotierte CTC, denn im alkalischen
Milieu (pH 10) wird eine relativ hohe Wiederfindung erreicht (Summe CTC 71%).
Möglicherweise wird unter diesen Bedingungen das Komplexierungsvermögen der EDTA
gesteigert, so dass im Kontakt mit der Bodenphase partikelgebundene Chlortetracyclin-
Komponenten leichter desorbiert werden. Zusätzlich kommt hinzu, dass die Sorption von
Anionen aufgrund der überwiegend negativen Oberflächenladung im Boden wesentlich
geringer und stärker vom pH-Wert abhängig ist, als die Kationensorption [490]. Bei pH 10
liegen die CTC’s bzw. iso-CTC’s fast ausschließlich anionisch vor (s. Kap. 5.2.1.1, Abb. 33,
34 und 38).
Nach Parolo et al. [441] erreicht Tetracyclin unterhalb von pH 4, also wenn es in seiner
kationischen Form vorliegt (Ladungszustand: + 0 0), nahezu die Kationenaustauschkapazität
von Montmorillonit. In dieser Form ist die Affinität von Tetracyclin gegenüber diesem
Tonmineral viel größer als die von Natriumionen. Die Adsorptionskapazität ist aber auch im
pH-Bereich 5-7 hoch. Für pH 11 wird dagegen nur noch eine geringfügige Absorption von
Tetracyclin erwartet. Diese Untersuchung liefert damit einen weiteren Anhaltspunkt für die
relativ hohe Wiederfindung von CTC im Boden mittels der NH3/NH4Cl-EDTA-Mischung und
Erklärungsansätze für die sehr niedrige Wiederfindung der übrigen für diesen Boden
ausprobierten Extraktionsmittel. Denn nach Pils et al. scheinen Tonminerale in Hinblick auf
die Sorption von Tetracyclinen der dominierende Bodenbestandteil zu sein [440]. Aber auch
andere Bodensubstanzen wie Huminstoffe, Eisen- und Aluminiumoxide besitzen im
alkalischen Milieu (pH 10) nur noch eine geringe Adsorptionsaffinität für Tetracycline [429,
435]. Eigene Untersuchungen (siehe Kapitel 5.2.1.1) zeigten für iso-CTC schon bei pH 9,5
einen im Gegensatz zu CTC sehr geringen Adsorptionsgrad an Montmorillonit. Vor dem
Hindergrund, dass CTC unter den verwendeten Extraktionsbedingungen vollständig in iso-
CTC umgewandelt wird, erklärt sich u.a. daraus die relativ gute Wiederfindungsrate für die
CTC-Bestimmung nach der NH3/NH4Cl-EDTA-Methode.
Ein Vergleich mit den Wiederfindungen anderer publizierter Extraktionsmethoden gestaltet
sich schwierig, da diese von der jeweiligen Bodenzusammensetzung abhängig sind. So
ermittelten beispielsweise Blackwell et al. für Oxytetracyclin eine Wiederfindung von 65±7%
für einem sandigen Lehmboden und 38±4% für einen tonigen Lehmboden. Für das ebenfalls
untersuchte Sulfonamid Sulfachloropyridazin betrug die Wiederfindung 80±1% im sandigen
und 68±10% im tonigen Lehmboden [343].
5 Ergebnisse und Diskussion 78
Die Bodenkenndaten werden aber oftmals nur unvollständig angegeben, so dass ein direkter
Vergleich der Wiederfindung nicht möglich ist. Hamscher et al. geben 57-76% für die
Wiederfindung von CTC in einem Sandboden an [482].
Nach der NH3/NH4Cl/EDTA-Methode ist der Extrakt vor der Festphasenextraktion mit
Salzsäure auf pH 4 einzustellen. Die bei dem dotierten Extraktionsmittel erreichten
Wiederfindungen (Tab. 10) lassen weiteren Optimierungsbedarf für SFD und insbesondere
für TMP in diesem Teilschritt erkennen.
Die relativen Standardabweichungen aller Analyten für das dotierte Extraktionsmittel
(gesamte Probenvorbereitung) liegen um 10% und sind damit deutlich über den relativen
Standardabweichungen der jeweiligen Messmethode (siehe Kapitel 5.1.3.1; Anhang A.2).
Eine Verbesserung der Präzision könnte hier z.B. durch eine automatisierte SPE erfolgen.
Eine online-SPE könnte demgegenüber noch zu einer besseren Wiederfindung führen, da
Analytverluste durch Transferprozesse zwischen SPE und Messung reduziert würden [491].
Diese stand für die geplanten Untersuchungen aber nicht zu Verfügung.
Zur weiteren Methodenvalidierung (Kapitel 5.1.3) wurden der Einfluss der Matrix auf das
Messverfahren und die Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung, als Einflussgrößen
für die Methodenpräzision, Richtigkeit und Robustheit, untersucht. Ohne Zweifel stellte aber
die ammoniakalische Extraktion die bisher effektivste Methode für CTC in diesem Boden dar.
Daher wurde Sie auf die Analysen der Bodenkerne aus den güllebeaufschlagten
Versuchsparzellen angewendet.
5.1.3 Methodenvalidierung
5.1.3.1 Externe Kalibrierung
Anhand der mittels HPLC-MS2 erhaltenen Peakflächen verschieden konzentrierter
Kalibrierlösungen von SFD, e-iso-CTC und iso-CTC (Konzentrationsbereiche von 0,05 bis 10
mg/L; siehe Anhang A.2) wurden Kalibriergeraden erstellt. Die linearen Kalibrationsbereiche
(Linearitätstest nach Mandel) wurden dabei nach DIN 38402-Teil 51 [520] ermittelt und zur
Minimierung der Varianzinhomogenität eingeschränkt (siehe Anhang A.2.5). Als
Verfahrenskenndaten für die einzelnen Messbereiche wurden die
Verfahrensstandardabweichung sx0 und relative Verfahrenstandardabweichung Vx0
berechnet (Tab. 11).
5 Ergebnisse und Diskussion 79
Tab. 11: Funktioneller Zusammenhang zwischen Messsignal (y: Mittelwert der Peakflächen)
und Analytkonzentration (x) sowie Angabe von Verfahrenskenndaten
(Verfahrensstandardabweichung sx0 und rel. Verfahrenstandardabweichung Vx0 )
Lineare Kalibration xbay
+
=
Analyt Konzentrations-
Bereich
[µg/L]
a b Reststandard-
abweichung
1
y
s
Bestimmtheits-
maß
R2
sx0
[µg/L]
Vx0
[%]
SFD 100-1000 142868 4585 73730 0,9986 16,08 3,15
e-iso-
CTC 100-1000 224387 11575 167486 0,9988 14,47 2,83
e-iso-
CTC 1000-10000 175032 12952 1400178 0,9994 108,11 2,12
iso-
CTC 78-1170 306225 16651 208044 0,9994 12,49 2,50
iso-
CTC 1170-11707 -4368538 20984 1406152 0,9998 67,01 1,32
Die nach DIN 32645 [521] ermittelten Nachweis- (xNG), Erfassungs- (xEG) und
Bestimmungsgrenzen (xBG) für die externe Kalibrierung sind in Tabelle 12 aufgeführt.
Tab. 12: Nachweis- (xNG), Erfassungs- (xEG) und Bestimmungsgrenzen (xBG) für die externe
Kalibrierung
Analyt Arbeitsbereich
[µg/L]
xNG
[µg/L]
xEG
[µg/L]
xBG
[µg/L]
SFD 100-1000 48,81 97,62 184,00
e-iso-CTC 100-1000 43,92 87,84 166,68
iso-CTC 78-1170 35,90 71,79 140,10
Unter der Voraussetzung einer Wiederfindung von 100% und keiner Beeinflussung der
Signalintensitäten der Messproben durch koeluierte Matrixbestandteile, ergeben sich bei
aufgearbeiteten Bodenproben für SFD eine Nachweisgrenze von 4,88 µg/kg und eine
Bestimmungsgrenze von 18,4 µg/kg. Für CTC (als Summenwert von e-iso-CTC und iso-
CTC) in Bodenproben beträgt die Nachweisgrenze 7,98 µg/kg und die Bestimmungrenze
30,7 µg/kg.
5 Ergebnisse und Diskussion 80
5.1.3.2 Signalsuppression durch Matrixbestandteile
Koeluierte Matrixbestandteile, insbesondere aus Umweltproben, können die Ergebnisse
einer quantitativen Bestimmung mittels LC-ESI-MS verfälschen, da es zu einer
Beeinflussung der Ionisierung in der ESI-Quelle kommen kann. Matrixbestandteile können
dabei zu einer Signalsuppression oder einer Erhöhung der Signalflächen führen
[285,486,522-524] . Müller et al. [312] ermittelten eine Signalsuppression von 20% für SFD
durch Flusswasser. Schwake-Anduschuss [455] beobachtete eine Signalsupression für SFD
sowie für höhere iso-CTC-Konzentrationen ( 5 mg/L) durch Pflanzenmatrix. Da diese
Effekte bei einer externen Kalibrierung nicht mit erfasst werden, wurde der Einfluss der
koeluierten Bodenmatrix auf das entwickelte LC-ESI-MS/MS-Verfahren überprüft. Hierzu
wurden unbelastete Bodenproben (Nullprobe) aufgearbeitet, um die koeluierenden
Matrixbestandteile zu erhalten. Der Einfluss der Matrixbestandteile auf die Bestimmung von
SFD, e-iso-CTC und iso-CTC wurde durch Vergleich der Signalflächen von Kalibrierlösungen
mit Bodenmatrix und ohne (reines Lösemittel) ermittelt.
Für SFD ist eine deutliche Suppression des Signals durch Matrixbestandteile über den
gesamten Kalibrationsbereich festzustellen (Abb. 26). Folglich liefern die durch externe
Kalibrierung ermittelten Messwerte der Bodenproben einen kalibrierungsbedingten
Minderfund.
0 1000 2000 3000 4000 5000
0
5,0x106
1,0x107
1,5x107
2,0x107
Kalibrationslösung
Kalibrationslösung + extrahierte Matrix
Signalfläche [willk. Einh.]
Konzentration von SFD [µg/L]
Abb. 26: Matrixeinflüsse für SFD, Vergleich der Signalflächen der SFD-Peaks (SRM-Modus),
3 Wiederholproben für Kalibrierlösungen mit Bodenmatrix und ohne (reines
Lösungsmittel), je dargestellten Messpunkt Mittelwert (N=2) der Signalflächen
5 Ergebnisse und Diskussion 81
Für e-iso-CTC scheint es eine geringe Erhöhung (Abb. 27) und für iso-CTC eine sehr leichte
Suppression des Messsignals durch Matrixbestandteile (Abb. 28) zu geben. Allerdings ist
auch eine Verschiebung des Epimerisierungsgleichgewichts zwischen e-iso-CTC und iso-
CTC durch Matrixbestandteile möglich.
0 1000 2000 3000 4000 5000
0
1,0x107
2,0x107
3,0x107
4,0x107
5,0x107
6,0x107
7,0x107
8,0x107
Signalfläche [willk. Einh.]
Konzentration von e-iso-CTC [µg/L]
Kalibrationslösung
Kalibrationslösung + extrahierte Matrix
Abb. 27: Matrixeinflüsse für e-iso-CTC, Vergleich der Signalflächen der e-iso-CTC-Peaks
(SRM-Modus), 3 Wiederholproben für Kalibrierlösungen mit Bodenmatrix und ohne
(reines Lösungsmittel), je dargestellten Messpunkt Mittelwert (N=2) der
Signalflächen
0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000 8000
0
2,0x107
4,0x107
6,0x107
8,0x107
1,0x108
1,2x108
1,4x108
1,6x108
1,8x108
Signalfläche [willk. Einh.]
Konzentration von iso-CTC [µg/L]
Kalibrationslösung
Kalibrationslösung + extrahierte Matrix
Abb. 28: Matrixeinflüsse für iso-CTC, Vergleich der Signalflächen der iso-CTC-Peaks (SRM-
Modus), 3 Wiederholproben für Kalibrierlösungen mit Bodenmatrix und ohne (reines
Lösungsmittel), je dargestellten Messpunkt Mittelwert (N=2) der Signalflächen
5 Ergebnisse und Diskussion 82
Setzt man eine durch Matrixbestandteile verursachte Verschiebung im
Epimerisierungsgleichgewicht von e-iso-CTC und iso-CTC voraus, liefert eine
Summenbestimmung beider Signale, unter der Annahme eines annähernd identischen
Ionisierungsverhaltens der beiden Epimere, den besseren Bezug, da hier eventuelle
Gleichgewichtsverschiebungen der beiden Epimere durch Matrixbestandteile mit
berücksichtigt werden. Ein Einfluss der Matrix auf die Bestimmung von e-iso-CTC und iso-
CTC als Summengehalt ist nicht erkennbar und somit vernachlässigbar (Abb. 29). Die
externe Kalibrierung ist daher für die Bestimmung von CTC als Summengehalt von e-iso-
CTC und iso-CTC eine akzeptable Methode. Eine Signalsupression bei der höchsten
Konzentration ist zwar erkennbar, allerdings liegt dieser Kalibrationswert nicht mehr im
Konzentrationsbereich, der für Bodenproben relevant ist.
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000
0
5,0x107
1,0x108
1,5x108
2,0x108
2,5x108
Signalfläche [willk. Einh.]
Konzentration von CTC (Σ e-iso-CTC + iso-CTC) [µg/L]
Kalibrationslösung
Kalibrationslösung + extrahierte Matrix
Abb. 29: Matrixeinflüsse auf die Summenbestimmung von CTC (Σ e-iso-CTC + iso-CTC),
Vergleich der Signalflächen der e-iso-CTC + iso-CTC-Peaks (SRM-Modus),
3 Wiederholproben für Kalibrierlösungen mit Bodenmatrix und ohne (reines
Lösungsmittel), je dargestellten Messpunkt Mittelwert (N=2) der Signalflächen
Fazit: Die externe Kalibrierung ist für die Bestimmung von CTC im Boden eine geeignete
Methode. Für die Bestimmung von SFD liefert sie aber Minderbefunde, so dass hier die
Verwendung eines internen Standards oder die Bestimmung mittels Standardaddition
angebracht wäre. Da diese aber wesentlich zeit- und kostenintensiver sind, wurden die
Gehalte der Bodenproben mittels externer Kalibrierung bestimmt.
Das Verfahren der Standardaddition nach DIN 32633 [525] hätte im vorliegenden Fall
(Anwendung auf Bodenproben) für SFD und CTC auch nur unter Vorbehalt angewendet
werden dürfen. So heißt es in der DIN 32633:
5 Ergebnisse und Diskussion 83
„Die Empfindlichkeit der Analysenmethode (Steigung b der Kalibriergeraden) muss
unabhängig sein von der Bindungsform des Analyten und des Standardzusatzes und darf
nicht durch sonstige Einflüsse (z.B. Absorption) gestört werden.“
5.1.3.3 Wiederfindung
Zu 5 g unbelasteter Bodenprobe (Nullprobe) wurden definierte Mengen an CTC und SFD
zugegeben und suspensiert. Nach einer Einwirkzeit von 15 Minuten erfolgten die Extraktion
nach der entwickelten Probenaufbereitungsvorschrift und die Bestimmung des Gehaltes an
CTC und SFD. Die ermittelten konzentrationsabhängigen Wiederfindungen sind für SFD und
für CTC (als Summe von e-iso-CTC und iso-CTC; Einzelergebnisse siehe Anhang A.4.1) in
Tabelle 13 aufgeführt.
Tab. 13: Wiederfindung aus Bodenproben (Für CTC Summenbestimmung aus e-iso-CTC
und iso-CTC)
Analyt Anzahl der
Wiederholproben zugesetzte
Menge [µg/5g] gefundene
Menge [µg/5g] Wiederfindung
[%]
SFD 4 5,000 2,525±0,421 51±8
SFD 4 0,500 0,196±0,069 39±14
SFD 4 0,125 0,035±0,004 28±3
CTC 4 5,000 2,954±0,515 59±10
CTC 4 0,500 0,312±0,052 62±10
CTC 4 0,125 0,095±0,002 76±2
Die Wiederfindungen für CTC in Bodenproben liegen mit 59-76% im akzeptablen Bereich für
den gesamten Konzentrationsbereich. Demgegenüber wird SFD in Bodenproben schon nach
kurzer Kontaktzeit mit dem Boden nur zu 28-51% wiedergefunden. Eine Ursache für die
vergleichsweise niedrige Wiederfindung für SFD sind die in Kap. 5.1.3.2 gezeigten
Suppressionseffekte durch Matrixbestandteile bei der massenspektrometrischen
Bestimmung. Aber auch eine schnelle Bildung von nicht-extrahierbaren bzw. nicht zu
extrahierenden Anteilen kann zu einer insgesamt geringeren Wiederfindung beigetragen
haben [492]. Dies gilt sowohl für SFD als auch für CTC.
5 Ergebnisse und Diskussion 84
5.1.4 Analyse der Bodenproben aus dem „Antiinfektiva-Projekt“
Bodencharakterisierung
Die Freilandversuche wurden in der Soester Börde (Niederbörde) Flurstück 27, Bezeichnung
Tünnerkamp bei einer Höhenlage von ca. 80 m über NN in Merklingsen durchgeführt. Die
Bodenentwicklung wurde durch stark schwankenden Grundwasserstand (Pseudogley-
Parabraunerde) mit einem Humusgehalt meist unter 2% beeinflusst. Die Wasserkapazität
des Bodens ist hoch. Weitere Daten von Bodenuntersuchungen liegen vor (siehe Anhang
A.3.1).
Von den entnommenen Bodenproben wurde nach DIN ISO 11465 der Trockenrückstand
bzw. Wassergehalt bestimmt (siehe Anhang A.3.1). Die Wassergehalte der feldfeuchten
Proben lagen nach der Güllebeaufschlagung jeweils zwischen ~15 % (Bodenhorizonte 25 –
50 cm) und maximal 25 % (Horizonte 0 – 25 cm). Die pH-Werte liegen im Bereich zwischen
6,5 und 7,0.
Gülleausbringung und Probennahmen
Die Beaufschlagung von Versuchsparzellen mit Antibiotika-belasteter Gülle, welche nach 8-
monatiger Lagerung noch erhebliche Rückstandskonzentrationen aufwies, war mit der
Aussaat von Feldsalat und Winterweizen zu koordinieren. Daraus resultierte der zeitliche
Ablauf zur Entnahme von Bodenproben (siehe [96,476]).
Ergebnisse der Rückstandsuntersuchung der Bodenproben
Zur Ermittlung der Bodenbelastung wurden exemplarisch die Bodenprobenreihen von 2
Versuchsparzellen, auf denen Winterweizen angebaut worden war, nach der
NH3/NH4Cl/EDTA-Methode und anschließender SPE (Probenaufbereitung s. Anhang
A.1.5.2) mittels LC-MS/MS untersucht. Um die Auswirkungen auf den Rückstandsgehalt
infolge einer wiederholten Düngung abschätzen zu können wurden Versuchsparzellen 1
(zweimalige Düngung mit Antibiotika-belasteter Gülle) und 4 (einmalige Düngung mit
Antibiotika-belasteter Gülle, zweite Düngung mit Mineraldünger) ausgewählt. Zusätzlich
wurden die Bodenmischproben der feiner unterteilten Bodenhorizonte aus Versuchsparzelle
1, auf der Feldsalat angebaut worden war, untersucht, da dadurch ein detailierterer Einblick
in die Verlagerungstendenz der Rückstände in tiefere Bodenschichten erwartet wurde.
Aus jeder Bodenmischprobe wurden zwei Stichproben (Doppelbestimmung) genommen und
pro Stichprobe der Gehalt von SFD, iso-CTC und e-iso-CTC dreimal mittels HPLC-MS/MS
bestimmt. Korrekturfaktoren (z.B. auf Grundlage der Wiederfindung oder Signalsuppression)
wurden nicht verwendet.
5 Ergebnisse und Diskussion 85
Die im Anhang A.4.2 (Tabellen A21-A28) zusammengefassten und beispielhaft graphisch
ausgewerteten Analysendaten (Abb. 30 und 31) lassen folgende Erkenntnisse zu:
SFD und CTC (quantifiziert als Summenparameter iso-CTC/e-iso-CTC) wurden in
den oberen Bodenschichten (0 – 10 cm bzw. 0 – 25 cm (Pflugbereich)) eindeutig
identifiziert und quantitativ bestimmt.
Die Massenkonzentrationen sind für CTC deutlich höher (maximal bis zu 240 μg/kg
Trockenmasse, TM) als für SFD (maximal 90 μg/kg TM). Dabei treten die höchsten
Werte jeweils nach der 2. Begüllung auf (Aufstockeffekt), wie in Abb. 30A und 31A
gezeigt.
Innerhalb von 3 Monaten nach der 2. Gülleaufbringung nehmen die Konzentrationen
der (extrahierbaren) Arzneistoffrückstände deutlich bis in den Bereich der Nachweis-
bzw. Bestimmungsgrenzen ab.
Der Aufstockeffekt tritt nicht ein, wenn die 2. Düngung mineralisch ist (Abb. 30B und
31B).
In den tieferen Bodenschichten konnten SFD und CTC nicht nachgewiesen werden.
Trimethoprim und der N4-Acetyl-Metabolit des Sulfadiazins waren in keiner
Bodenprobe nachweisbar.
0 20 40 60 80 100 120 140 160 180
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
1. Gülleaufbringung (Tag 1)
2. Gülleaufbringung (Tag 35)
Konzentration [µg/kg]
im Boden (Trockenmasse)
Zeit [Tage]
0 20 40 60 80 100 120 140 160 180
0
10
20
30
40
50
1. Gülleaufbringung (Tag 1)
2. Aufbringung von Mineraldünger
(Tag 35)
Konzentration [µg/kg]
im Boden (Trockenmasse)
Zeit [Tage]
A) B)
Abb. 30: SFD-Gehalte in Bodenproben („Winterweizen“, Bodentiefe 0 cm – 25 cm),
A: Parzelle 1, B: Parzelle 4, pro dargestellten Messpunkt eine Bodenprobe (N=3),
zwei Probenaufarbeitungen pro Bodenmischprobe (schwarz, rot)
5 Ergebnisse und Diskussion 86
0 20 40 60 80 100 120 140 160 180
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
220
240
260
1. Gülleaufbringung (Tag 1)
2. Gülleaufbringung (Tag 35)
Konzentration [µg/kg]
im Boden (Trockenmasse)
Zeit [Tage]
0 20 40 60 80 100 120 140 160 180
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
1. Gülleaufbringung (Tag 1)
2. Aufbringung von Mineraldünger
(Tag 35)
Konzentration [µg/kg]
im Boden (Trockenmasse)
Zeit [Tage]
A) B)
Abb. 31: CTC-Gehalte (Summe iso-CTC/e-iso-CTC) in Bodenproben („Winterweizen“,
Bodentiefe 0 cm – 25 cm), A: Parzelle 1, B: Parzelle 4, pro dargestellten Messpunkt
eine Bodenprobe (N=3), zwei Probenaufarbeitungen pro Bodenmischprobe
(schwarz, rot)
5.1.5 Diskussion der Ergebnisse
Die gefundenen unterschiedlichen Bodenbelastungen sind u.a. durch die unterschiedliche
Adsorbierbarkeit von CTC (hoch) und SFD / N4-SFD (gering) plausibel und stimmen
tendenziell mit publizierten Ergebnissen vergleichbarer Bodenuntersuchungen überein [81].
Hamscher et al. untersuchten mit belasteter Gülle gedüngten Boden und fanden ebenfalls
nur in einer Bodentiefe von 0 cm – 30 cm (Pflugtiefe) Tetracycline, in tieferen
Bodenschichten und im Grundwasser aber nicht [482]. Anhand der sehr starken Adsorption
der CTC’s an die Matrix „Boden“ ist ein Transport über die flüssige Phase in tiefere
Bodenschichten sehr unwahrscheinlich - abgesehen vom partikelgebundenen Transport, der
speziell im Rahmen des MUNLV-Projekts „Tierarzneimittel in der Umwelt: Bewertung von
Eintrag, Verlagerung und Resistenzentwicklung unter Gesichtspunkten des
Verbraucherschutzes“ [477] untersucht wurde (siehe Kap. 5.2). Zu berücksichtigen ist
weiterhin, dass Tetracycline überwiegend partikelgebunden mit Kotbestandteilen der Gülle
auf den Boden gelangen. Entsprechend wurden Tetracycline hauptsächlich an der
Bodenoberfläche in getrockneter Gülle gefunden [482].
Der im Boden wiedergefundene Gehalt an Sulfadiazin ist verglichen mit dem sehr hohen
Gehalt in der Gülle, wo es überwiegend in der flüssigen Phase vorliegt, relativ gering.
Offensichtlich ist nur ein geringer Anteil des SFD nach der Gülleausbringung vom Boden
adsorbiert worden und unmittelbar ins Bodenwasser (Porenwasser) gelangt. Aus den
vorliegenden Wetterdaten [476] geht hervor, dass es während und nach der
5 Ergebnisse und Diskussion 87
Gülleausbringung starke Niederschläge gab, wodurch vermutlich ein Teil des SFD in
Bodenschichten unterhalb der Beprobungstiefe und dadurch Richtung Grundwassersohle
ausgetragen wurde. Aquifier-Experimente im Rahmen des o.a. Projektes sollten hierüber zu
genaueren Aussagen über Verlagerungstendenzen führen.
Jedenfalls ist ein sehr schneller bzw. vollständiger (mikrobiologischer) Abbau von SFD
während der Bodenpassage unwahrscheinlich, und auch andere Austragspfade (z.B.
(Überland-)Abschwemmungen mit Regenwasser, Luftverwehungen) können sich nicht so
stark auswirken. Allgemein ist die Mobilität von Sulfonamiden im Boden durch andere
Studien belegt und eine Ursache für das Auftreten in Oberflächen- und Grundwässern
[107,457]. Demgegenüber kommen Martinez-Carballo et al. zu dem Schluss, dass SFD
schon während der Lagerung von Geflügelmist schnell abgebaut wird, da sie trotz
erheblicher Rückstande von SFD (max. 91 mg/kg) in Bodenproben mit Geflügelmist
gedüngten Feldern kein SFD nachweisen konnten [103]. Als eine weitere Ursache für die im
Verhältnis zur Gülle geringen wiedergefundenen Gehalte an SFD im Boden kommt auch
eine Bildung von sequestrierten und nicht-extrahierbaren SFD-Anteilen in Betracht, welche
mit dem angewendeten Extraktionsverfahren analytisch nicht erfassbar sind. Kreuzig et al.
ermittelten für SFD (14C-Radiotracer) bei einem güllebeaufschlagten Boden innerhalb eines
Zeitraums von 3 Tagen einen schnellen Transfer vom extrahierbaren zum nicht-
extrahierbaren SFD-Anteil (93%), während bei der untersuchten Rindergülle der
extrahierbare Anteil überwiegte [492]. Wogegen beim Boden ohne Güllezusatz der nicht-
extrahierbare Anteil erst nach 28 Tagen 90% betrug. Nach Untersuchungen von Bialk et al.
kann eine chemische Bindung (kovalente Bindung) von Sulfonamiden an organisches
Bodenmaterial der Grund für die Bildung nicht-extrahierbarer Anteile im Boden sein [473].
Die 2009 veröffentlichten Ergebnisse von Förster et al. [353] lassen darauf schließen, dass
auch die Bildung von sequestrierten SFD-Anteilen zu den verhältnismäßig niedrigen
nachgewiesenen SFD-Befunden beigetragen hat. Auch besteht die Möglichkeit, dass sich
weitere Metabolite (z.B. 4-OH-SFD) und Abbauprodukte gebildet haben [353], welche bei der
Analytik nicht berücksichtigt wurden.
Den beobachteten Effekt der Akkumulation von Antibiotika im Boden infolge einer
wiederholten Düngung mit Antibiotika-belasteter Gülle, sowie die Abnahme der
Konzentration durch Regenereignisse, zeigten ebenfalls Untersuchungsergebnisse von
Stoob et al. für das Sulfonamid Sulfamethazin [493].
5 Ergebnisse und Diskussion 88
5.1.6 Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse belegen, dass bereits eine einmalige Düngung eines unbelasteten Bodens
mit Antibiotika-haltiger Gülle zu einer mehrmonatig nachweisbaren Kontamination der oberen
Bodenschichten führt. Daraus kann u.a. eine signifikante Zunahme Tetracyclin-resistenter
Bodenbakterien resultieren [494]. Die Verwendung (stark) Antibiotika belasteter Gülle als
Wirtschaftsdünger birgt also ein zusätzliches Risiko zur Verbreitung von Resistenzen in
terrestrischen Kompartimenten.
Von besonderer Relevanz für den Verbraucherschutz ist dabei, dass durch Grote et al. in
Kornproben des auf diesen Feldern gewachsenen Winterweizens CTC nachgewiesen
werden konnten [96]. Die Aufnahme von Sulfonamiden und Tetracyclinen durch
Nutzpflanzen bestätigten Grote et al. durch Versuche in Hydrokultur mit 3H-Sulfamethazin
und 3H-Tetracyclin [495].
Dies zeigt, dass CTC-Rückstände im Boden pflanzenverfügbar sind und damit auch ein
Transportpfad in die Nahrungskette besteht. Um eine Belastung von pflanzlichen Nahrungs-
und Futtermitteln abschätzen zu können, sind daher ausreichende Erkenntnisse über das
Vorkommen von Antibiotikarückständen im Boden und die möglichen Verlagerungspfade
nötig.
5 Ergebnisse und Diskussion 89
5.2 Untersuchungen zum Transportverhalten von Tetracyclin- und
Sulfonamidrückständen im Boden
Nach der Untersuchung der Bodenproben aus den Freilandversuchen blieb die Frage einer
möglichen Verlagerung von Antibiotikarückständen mit dem Sickerwasser ungeklärt, da
diese in tieferen Bodenschichten nicht nachgewiesen werden konnten. Die ermittelten
Abnahmen der Rückstände mit der Verweildauer im Boden konnten weder einer Verlagerung
noch einem Abbau eindeutig zugeordnet werden. Durch Starkregenereignisse unmittelbar
nach der Güllung könnten insbesondere Anteile der als im Boden mobil eingeschätzten
Sulfonamide mit dem Sickerwasser verlagert worden sein. Vor dem Hintergrund, dass
sowohl Sulfonamide als auch die im Boden als immobil eingeschätzten Tetracycline im
Grundwasser nachgewiesen wurden (s. Kap. 3.4), stellte sich generell die Frage nach deren
Transport-Verhalten und ihres Eintrags ins Grundwasser. Über das Transport-Verhalten von
Tetracyclin- und Sulfonamidrückständen im Boden waren zu Beginn der Untersuchungen
keine gesicherten Aussagen möglich. Da in Böden eine Verlagerung von eingetragenen
Arzneistoffen gelöst oder an Partikel gebunden stattfinden kann, sollten beide
Transportmöglichkeiten in den Untersuchungen berücksichtigt werden. Ziel war es dabei,
Aussagen über das Transport- und Abbauverhalten von Tetracyclin- und
Sulfonamidrückständen im System Boden-Wasser zu treffen und Aufschluss über die
Bedeutung des partikulären Transports und der Verlagerungsprozesse mit mobilen
Festphasen (Modellpartikel) zu gewinnen. Die durchgeführten Untersuchungen waren
Bestandteil des MUNLV-Projekts „Tierarzneimittel in der Umwelt: Bewertung von Eintrag,
Verlagerung und Resistenzentwicklung unter Gesichtspunkten des Verbraucherschutzes
[477].
5.2.1 Voruntersuchungen zum Sorptionsverhalten und zur Komplexierung
Da organische Komponenten (Xenobiotika) sowohl in der Bodenlösung in freier oder
Metallionen-gebundener, komplexierter Form, als auch in partikulär gebundener Form
transportiert werden können, wurden mit ausgewählten Arzneistoffen exemplarische
Untersuchungen zum Sorptionsverhalten und zur Komplexierung durchgeführt. Die
Ergebnisse waren Grundlage für die Methodik der Säulenexperimente und dienten zur
Interpretation der Schlussfolgerungen, die aus diesen Versuchen abgeleitet wurden. Ferner
waren die Sorptionsuntersuchungen die Grundlage zur Charakterisierung der
Fluoreszenzeigenschaften CTC- und iso-CTC-beladener Partikel (Kap. 5.2.4).
5 Ergebnisse und Diskussion 90
5.2.1.1 Sorption von CTC, iso-CTC und SFD an Modellpartikel
Unter statischen Bedingungen wurden als Modellpartikel verschiedene Adsorbentien mit
zunehmender Komplexität der sorptionsaktiven Gruppen und Sorptionsmechanismen. Hierzu
wurden Kieselgel, Sand (Quarz- und Rheinsand), Aluminiumoxide, Tonminerale
(Montmorillonit (Bentonit) und Kaolinit (Ton1550)), und Ackerboden mit Lösungen, die
verschiedene Tetracycline oder Sulfadiazin enthielten, äquilibriert (Durchführung und
Kenndaten der Adsorbentien s. Anhang A.1.5.5).
5.2.1.1.1 Ergebnisse der Sorptionsuntersuchungen
In allen Versuchen war das Sorptionsgleichgewicht zwischen den Antibiotika und den
Modellpartikeln spätestens nach 3 Stunden erreicht, in einigen Fällen bereits nach wenigen
Minuten. Dabei spielen für die Kinetik zwei Vorgänge eine wesentliche Rolle:
zum einen die schnelle Sorption an der äußeren Oberfläche der Partikel, die z.B. bei
Kieselgel dominiert,
und zum anderen die langsamere Diffusion in Makroporen und Zwischenschichten
von Tonmineralien, die den verzögerten Verlauf der Sorption an die Partikel des
Oberbodens erklären können.
Tetracycline
In Abb. 32 ist der nach 3-stündiger Beladungszeit erreichte Sorptionsgrad [%] von CTC- und
iso-CTC-beladenen Modellpartikeln graphisch dargestellt. Tabelle 14 zeigt die den
Sorptionsgraden entsprechenden Beladungskapazitäten für CTC- und iso-CTC. Wie
erkennbar ist, liegen die Werte für die eingesetzten Modellpartikel zwischen 0,6 (Quarz) und
19 µmol/g (Aluminiumoxid).
5 Ergebnisse und Diskussion 91
Abb. 32: Sorptionsgrade von CTC und iso-CTC an Modellpartikel (Alox = Aluminiumoxid)
Tab. 14: Beladungskapazität der Modellpartikel für CTC und iso-CTC
CTC iso-CTC
Modellpartikel [mg/g] [µmol/g] [mg/g] [µmol/g]
Aluminiumoxid
(basisch) 9,7 18,8 9,1 17,7
Aluminiumoxid
(sauer) 9,8 19,0 9,8 19,0
Bentonit 9,7 18,8 1,5 2,9
Kieselgel 6,5 12,6 8,2 15,9
Oberboden 6,8 13,2 7,7 14,9
Quarz 0,6 1,2 2,2 4,3
Rheinsand 3,4 6,6 4,8 9,3
Ton 1550 7,3 14,2 7,9 15,3
Aus diesen Ergebnissen ergeben sich folgende Affinitätsreihen:
CTC:
Aluminiumoxid (sauer) Aluminiumoxid (basisch) Bentonit > Ton 1550 > Oberboden >
Kieselgel >> Rheinsand >> Quarz.
iso-CTC:
Aluminiumoxid (sauer) > Aluminiumoxid (basisch) > Kieselgel Ton 1550 Oberboden >>
Rheinsand >> Quarz Bentonit.
5 Ergebnisse und Diskussion 92
Neben strukturellen bzw. morphologischen Unterschieden der Partikel (z.B. spezifische
Oberfläche, funktionelle Gruppen, Poren etc.) spielt der pH-Wert der Umgebung eine
wichtige Rolle für die Sorption. Mit der Änderung des Milieus ändert sich der
Protolysezustand des Arzneistoffes (protoniert, deprotoniert) und auch der Protolysezustand
funktioneller, sorptionsaktiver Gruppen an der Oberfläche der Modellpartikel. Die Struktur der
protonierten Chlortetracycline ist in Abb. 33 und 34 dargestellt. Die angegebenen
Säurekonstanten (pka-Werte) geben Aufschluss über den Protonierungsgrad bei
verschiedenen pH-Werten. So liegt iso-CTC bei pH 9,5 fast ausschließlich anionisch vor, ein
Teil des CTC aber in einer nach außen elektrisch neutralen (zwitterionischen) Form, was u.a.
die großen Unterschiede der Sorptionsgrade an Bentonitpartikel erklärt (Abb. 32).
Abb. 33: Struktur von protonierten CTC und pKa-Werte [496] (Zuordnung der pKa-Werte s.
Kap. 3.3.1)
Abb. 34: Struktur von protonierten iso-CTC und pKa-Werte [496]
Da die Oberflächen des Bentonits negativ teilgeladen sind, wirkt sich die elektrostatische
Abstoßung infolge der unterschiedlichen Coulombschen Wechselwirkungen zwischen
Bentonit und dem Ladungszustand der verschiedenen Chlortetracycline unterschiedlich aus.
Dieses Verhalten zeigen tendenziell auch die verschiedenen Aluminiumoxide
(unterschiedlicher pH-Wert). Da bei einem pH-Wert von 8,0 aber nur ein kleinerer Teil des
iso-CTC negativ geladen vorliegt, ist der Effekt hier gering.
Solvent pKa1
pKa2
pKa3
Cl
OH OOH O
OH
OH
CH
3
N
HO H
H
3
CCH
3
NH
2
O
Wasser
3,33
±0,30
7,55
±0,02
9,33
±0,30
Wasser:Methanol
50 : 50 (w/w)
4,26
7,61
9,36
Solvent
pKa1
pKa2
pKa3
Cl
OH OOH O
OH
OH
N H
H
3
CCH
3
NH
2
O
O
CH
3
Wasser:Methanol
50 : 50 (w/w)
4,19
7,23
7,83
5 Ergebnisse und Diskussion 93
Wie in Tab. 15 zu sehen ist, zeigen die anderen eingesetzten Tetracycline gegenüber
Kieselgel ein sehr ähnliches Sorptionsverhalten, was auch anhand ihrer fast identischen
Struktur und den damit fast gleichen pka-Werten zu erwarten ist. Einzig iso-CTC weist einen
signifikant höheren Beladungsgrad auf. Dieser könnte in einer größeren räumlichen
Strukturflexibilität des nicht-planaren Ringsystems im Gegensatz zu den anderen
Tetracyclinen begründet sein, die es ermöglicht, eine größere Anzahl von verfügbaren
Sorptionsplätzen zu erreichen. Iso-CTC (Abb. 34) besitzt nicht das relativ unflexible
strukturtypische Tetracyclin-Vierring-System ABCD (s. Abb. 37) und es kann sich daher der
D-Ring (zumindest teilweise) um das AB-Ringsystem drehen.
Tab. 15: Beladungsgrad verschiedener Tetracycline an Kieselgel (ßTetacyclin=100 mg/L,
Volumen der Lösung: 100 mL (bidest. Wasser), Menge an Kieselgel: 1 g, pH=3,
Zeit:3h)
Tetracyclin-Derivat Beladungsgrad nach
3h [%]
CTC 65
e-CTC 64
anhydro-CTC 66
TC 65
OTC 66
DoxyC 63
DemecloC 67
iso-CTC 82
Sulfadiazin
Für SFD sind die Sorptionsgrade (Abb. 35) und Beladungskapazitäten (Tab. 16) im Vergleich
zu den Chlortetracyclinen relativ gering, was den Ergebnissen des „Antiinfektiva-Projekts“
[476] entspricht.
Folgende Affinitätsreihenfolge wurde für SFD ermittelt:
Oberboden > Aluminiumoxid > Ton 1550 Kieselgel Glaspartikel (Trisopor micro) >
Rheinsand Bentonit.
5 Ergebnisse und Diskussion 94
Abb. 35: Sorptionsgrade von Sulfadiazin an Modellpartikel
Tab. 16: Beladungskapazität der Modellpartikel für SFD
Modellpartikel [mg/g] [µmol/g]
Aluminiumoxid 2,2 8,6
Bentonit 0,1 0,4
Glaspartikel 0,9 3,8
Kieselgel 1,1 4,5
Oberboden 2,7 10,8
Rheinsand 0,1 0,4
Ton 1550 1,1 4,5
Abb. 36 zeigt die Struktur und die pka-Werte von SFD. Der pKa1 korrespondiert mit der
Protonierung der basischen Aminogruppe (-NH2) und der pka2 mit der Deprotonierung der
relativ sauren Amidgruppe (-NH-). Bei einem pH-Wert oberhalb des pka2-Wertes liegt das
Sulfadiazin also in einem überwiegend negativ geladenen Protolysezustand vor. Da die
Modellpartikel - abhängig vom pH-Wert - an ihren Oberflächen negative Teilladungen tragen,
ist die schlechtere Sorbierbarkeit unter den Versuchsbedingungen im Vergleich zu den
Chlortetracyclinen erklärbar. So zeigt SFD an Bentonit eine geringe Sorptionskapazität, die
mit der des iso-CTC an Bentonit vergleichbar ist, da es bei pH 9,5 ebenfalls anionisch
vorliegt. Die unterschiedlichen Affinitätsreihen lassen sich somit überwiegend auf die
unterschiedlichen pKa-Werte zurückführen.
5 Ergebnisse und Diskussion 95
S N
Abb. 36: Struktur von SFD und pKa-Werte [497]
5.2.1.2 Untersuchungen zum Komplexierungsverhalten von CTC und iso-CTC
Im Vorfeld der Transportuntersuchungen mit freien und partikelgebundenen Arzneistoffen in
Laborsäulen wurde das koordinationschemische Verhalten der Chlortetracyclin-
Komponenten CTC und iso-CTC gegenüber ausgewählten bodentypischen Metallionen (z.B.
Fe3+, Al3+, Ca2+) in Lösung UV-Vis-spektrophotometrisch charakterisiert. Die bekannte
ausgeprägte Tendenz der Tetracycline, Metallionen zu koordinieren [7], könnte bei den
beabsichtigten Transportuntersuchungen zu analytisch „maskierten“
Verlagerungsmöglichkeiten führen. Ein gelöster Transport wäre durch die Bildung von CTC-
bzw. iso-CTC-Komplexen, z.B. in Form von Huminsäure-Metallkation-Tetracyclin-Komplexen
[429], durchaus möglich. Zudem ist die Metallkomplexbildung von Tetracyclinen als
Sorptionsmechanismus von Bedeutung (siehe Kapitel 3.4). Daher ist mit einer Beeinflussung
der aus der Analyse von ammoniakalischen Bodenextrakten gewonnenen
Bilanzierungsdaten (s. Kap. 5.2.2: Ermittlung gelöster und partikulärer Anteile) durch
Sorptionseffekte an oxidisch/hydroxidischen Bodenkomponenten (z.B. pedogene
Metalloxide) zu rechnen.
Die folgenden Versuche sollten eine Einschätzung der zu erwartenden Effekte erlauben.
5.2.1.2.1 Eigenschaften von Chlortetracyclinen und Untersuchungsmethodik
Der Chlortetracyclinstruktur in Abb. 37 sind die möglichen Koordinationsstellen des CTC für
Metallkationen zu entnehmen. Die Koordinationstendenz der einzelnen Donoratome ist
abhängig vom Metallkation, Lösungsmittel und pH-Wert. Nach Sharma findet die
Chelatbildung von Tetracyclinen mit Metallkationen im Bereich O10 bis O12 statt [498], was
in Abb. 37 den Positionen I und II entspricht. Bei höheren Metallkonzentrationen ist eine
gleichzeitige Koordinierung mehrer Kationen an verschiedenen Positionen möglich.
Solvent
pKa1
pKa2
Wasser
2,10
6,28
H
2
N
O
O H
N
N
5 Ergebnisse und Diskussion 96
Cl
OH OOH O
OH
OH
CH3N
HO H
H3CCH3
NH2
O
V
VI
II-A/II-B IV-A
III-A/III-B
D C B A
I II III IV
VII
2
3
4
4a
5
5a
1
6
6a
7
8
910
10a 11 11a 12 12a
Abb. 37: Koordinationsstellen für Metallkationen an CTC (Unterscheidung der
Koordinationsstellen durch römische Ziffern nach Dos Santos [499])
In wässrigen Lösungen ist z.B. für Fe3+, Al3+ und Mg2+ das ß-Diketonsystem in Position II
eine bevorzugte Koordinationsstelle. Dos Santos [499] zeigte dies am Beispiel der Reaktion
von Al3+ mit Anhydro-Tetracyclin und Schneider [500] für Mg2+ mit Tetracyclin.
Für divalente 1:1 Tetracyclin-Metallkomplexe wurde die folgende Rangfolge nach der Größe
ihrer Stabilitätskonstanten aufgestellt:
Cd2+ < Mn2+ < Pb2+ < Zn2+ < Fe2+ < Co2+ < Ni2+ < Ca2+ < Cu2+ < Mg2+
Die Komplexbildungskonstanten für CTC-Metallkomplexe können recht hoch sein, was ein
Vergleich mit Komplexbildungskonstanten anderer organischer und anorganischer Liganden
verdeutlicht (Tab. 17).
Tab. 17: Komplexbildungskonstanten (log K) nach Gu [435]
Metallkomplex log K
Fe(III)-CTC 12,5
Al-CTC 13,4
Al-EDTA 19,07
Fe(III)-EDTA 25
Fe(III)-Zitronensäure 11,4
[Cu(NH3)4]2+ 13,3
Infolge der pH-Abhängigkeit der Metallkomplexbildung des Chlortetracyclins waren bei den
durchgeführten Messreihen die Versuchslösungen entsprechend zu konditionieren. So
5 Ergebnisse und Diskussion 97
wurden die pH-Werte 3, 5,5 und 8,7 ausgewählt, um in Lösung jeweils einen möglichst
einheitlichen Ladungszustand zu gewährleisten Bei pH 3 liegen Tetracycline (s. Abb. 38)
überwiegend als protonierte kationische Spezies und ein größerer zwitterionischer Anteil vor.
Ein niedrigerer pH-Wert wurde nicht gewählt, da dann mit einer Umwandlung in anhydro-
CTC zu rechnen wäre. Bei pH 5,5 bildet CTC fast ausschließlich ein ladungsneutrales
Zwitterion und bei pH 8,7 überwiegend eine anionische Spezies mit einer positiven und zwei
negativen Ladungen.
Ab pH>7 ist aber mit der Bildung von iso-CTC zu rechnen, was bei der Interpretation der
UV/vis-Spektren der Metall-Ligandgemische mit zu berücksichtigen ist (s.u.).
Abb. 38: Protolysegleichgewichte von Tetracyclin-Spezies in Abhängigkeit vom
pH-Wert nach Sassman [93] mit:
+: positive Ladung (protonierte funktionelle Gruppe)
0: keine Ladung (nicht protonierte und nicht deprotonierte funktionelle Gruppe)
-: negative Ladung (deprotonierte funktionelle Gruppe)
Bsp.: + 0 - bedeutet protonierte Dimethylamingruppe (C4), keine Ladung im
ß-Diketonsystem (C10-C12) und negative Ladung im Tricarbonylsystem (C1-C3)
(s. Abb. 37)
5.2.1.2.2 Spektrophotometrische Untersuchung der Reaktionen von Chlortetracyclinen
mit Metallionen
Zur Durchführung der Versuche wurden Aliquote einer CTC- bzw. iso-CTC Stammlösung
(0,1 mmol/L) mit verd. Salzsäure oder Ammoniakpuffer auf die pH-Werte 3, 5,5 oder 8,7
eingestellt und mit Metallsalzlösung versetzt, so dass definierte Metall-Ligand-Verhältnisse
vorlagen. Diese Lösungen wurden nach der Vereinigung entweder unmittelbar oder nach
Zeitintervallen (mit und ohne Einfluss von Tageslicht) gegen entsprechende
5 Ergebnisse und Diskussion 98
Referenzlösungen spektrophotometrisch vermessen. Die allgemeine Vorgehensweise ist in
Anhang A.1.5.6 näher beschrieben.
Nach dieser Versuchsdurchführung konnten neben Hinweisen auf die Bildung von
Metallkomplexen und der Isomerisierung des CTC auch Erkenntnisse über die Sorbierbarkeit
der Arzneistoffe an frisch gefällte, kolloidale Metallhydroxide gewonnen werden.
5.2.1.2.3 Ergebnisse aus den Untersuchungen zum Komplexierungsverhalten
Alterungseffekte metallfreier CTC-Lösungen
Der Einfluss von pH, Tageslicht und Lagerungszeit auf CTC- und iso-CTC-Lösungen wird
aus den Spektrenprofilen in Abb. 39 erkennbar. Bei pH 3 und pH 5,5 können nur geringe
Veränderungen der Spektren unter dem Einfluss von Zeit und Licht festgestellt werden. Eine
deutliche Veränderung zeigt sich nach 4 Tagen bei pH 8,7, was auf die Bildung von iso-CTC
zurückgeführt werden kann. Indizien für die Isomerisierung sind die Verschiebung des
Maximums von 277 nm (CTC-typisch) nach 290 nm (iso-CTC-typisch) und die leichte
Verschiebung des Maximums bei 369 nm (CTC-typisch) sowie die Abnahme der
Intensitäten.
250 275 300 325 350 375 400 425 450 475 500
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
-frisch -pH3
-frisch -pH5,5
-frisch -pH8,7
-4d -dunkel -pH3
-4d -hell -pH3
-4d -dunkel -pH5,5
-4d -hell -pH5,5
-4d -dunkel -pH8,7
-4d -hell -pH8,7
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 39: Alterungseffekte von CTC (ß=0,1 mmol/L) bei verschiedenen pH-Werten mit und
ohne Einfluss von Tageslicht
Um die Unterschiede genauer zu erkennen, wurden in Abb. 40 die Spektren einer
alkalischen Lösung von iso-CTC und CTC dargestellt.
5 Ergebnisse und Diskussion 99
250 275 300 325 350 375 400 425 450
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
CTC -frisch
CTC -dunkel -4d
CTC -hell -4d
iso-CTC -dunkel -4d
iso-CTC -hell -4d
iso-CTC -frisch
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 40: Vergleich der Alterung von CTC und iso-CTC (jeweils ß= 0,1 mmol/L) mit und
ohne Einfluss von Tageslicht bei pH 8,7
Das Absorptionsprofil der frischen CTC-Lösung zeigt additiv die Spektren von CTC mit
partiellen Anteilen des unter den alkalischen Bedingungen zu erwartenden
Umwandlungsprodukts iso-CTC.
Nach vier Tagen gleicht das Spektrum des dunkel gelagerten CTC dem der frischen und der
vier Tage alten, dunkel gelagerten iso-CTC-Lösung. Das bei Tageslicht gelagerte CTC hat
sich aber vollständig in eine spektrenidentische Spezies umgewandelt, die iso-CTC unter
Lichteinwirkung bildet. Das ursprüngliche Maximum bei 348 nm ist völlig eliminiert.
Offensichtlich hat eine Umwandlung zu einem oder mehreren Photo(oxidations)produkten
stattgefunden. Nach D.L.J. Clive bildet sich Anhydro-Tetracycline durch Einwirkung von
Sauerstoff und Licht aus der Hydroxygruppe an C6 ein Hydroperoxid [501].
Die Spektren einer iso-CTC-Lösung zeigten bei pH 3 und pH 5,5 nur geringfügige
Abweichungen durch Alterung und Lichteinwirkung (ohne Abb.), im alkalischen Milieu führt
aber Lichteinwirkung ebenfalls zu den bereits erwähnten Photo(oxidations)produkten.
Die nähere Betrachtung des Mechanismus der Isomerisierung von CTC zum iso-CTC (Abb.
41) lässt eine Beeinflussung dieser Reaktion durch Metallionen erwarten:
Im ersten Schritt erfolgt eine Deprotonierung der Hydroxygruppe an C6 und eine
anschließenden –C-O-C- Brückenbildung zwischen C6 und C11. Im zweiten Schritt wird die
C-C-Bindung zwischen C11 und C11a gespalten, wobei das bindende Elektronenpaar eine
C=C-Doppelbindung zwischen C11a und C12 bildet. Der zweite Schritt ist dabei irreversibel.
5 Ergebnisse und Diskussion 100
Cl
OH OOH O
OH
OH
CH
3
N
OH
H
3
CCH
3
NH
2
O
H
OH
Cl
OH OOO
OH
OH
N H
H
3
CCH
3
NH
2
O
CH
3
O
H
Cl
OH OOH O
OH
OH
N H
H
3
CCH
3
NH
2
O
O
CH
3
Abb. 41: Isomerisierungsmechanismus von CTC zu iso-CTC nach D.L.J. Clive [501]
Die Koordination von Metallkationen an Position II führt nun zu einer Stabilisierung des CTC
bzw. seines reversiblen Produktes aus Reaktionsschritt 1, da sie sich auf die elektronischen
Eigenschaften des ß-Diketonsystems auswirken und somit den Bindungsbruch zwischen
C11 und C11a entgegen wirken. Bei der Komplexbildung handelt es sich jedoch um einen
reversiblen Prozess, wobei die Konzentration der gebildeten Metallkomplexe im zeitlichen
Mittel u.a. von der Konzentration an Metallkationen abhängt. Dies hat zur Folge, dass die
Isomerisierung durch Komplexbildung nicht völlig verhindert wird, sondern dass die
Isomerisierungsgeschwindigkeit mit steigender Metallkationenkonzentration abnimmt.
Einige der im Folgenden beschriebenen Untersuchungsergebnisse lassen auf derartige
Effekte schließen.
Reaktionen von CTC und iso-CTC mit Fe3+-Ionen
Bei diesen spektrophotometrischen Untersuchungen wurde die jeweilige „Reaktionslösung“
(Metallsalz- und CTC-/iso-CTC-Lösung, pH-konditioniert) gegen eine „Blindlösung“
(Metallsalzlösung, pH-konditioniert) gemessen.
Blind- und Reaktionslösungen, bei denen Fällungen erkennbar waren, wurden entweder
nach Homogenisierung durch Schütteln, direkt oder nach Zentrifugation photometriert.
5 Ergebnisse und Diskussion 101
Reaktion mit Fe3+
Bei Zugabe von gelöstem CTC zu einer Fe3+ Lösung tritt sofort eine intensive Farbvertiefung
der zunächst hellgelben Lösung auf, die sich mit steigendem pH-Wert vertieft.
Im schwach sauren Milieu (pH=3) sind die Maxima der 3:1 (Ligand:Metall-Verhältnis) und
2:1- Ansätze nur geringfügig vom Maximum des CTC-Spektrums bei 372 nm verschoben.
Die Lösungen mit höherer Metallkonzentration lassen, weitgehend lage- und Intensitäts-
konstant ein Maximum bei 378 nm erkennen (Abb. 42). Dies lässt darauf schließen, dass
sich nach Erreichung eines 1:1-Ligand-Verhältnisses die Komplexstöchiometrie nicht mehr
nachweisbar ändert.
225 250 275 300 325 350 375 400 425 450 475 500 525 550
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
CTC
CTC:Fe (mol. Verhältnis)
1:3
1:2
1:1
2:1
3:1
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 42: Veränderung der Spektrenprofile frischer CTC-Fe-Lösungen (CTC; ß=0,1 mmol/L)
bei pH 3 in Abhängigkeit vom molaren Ligand-Metall-Verhältnis
Der Fällungsbeginn für Eisen(III)oxid-Hydrate liegt – je nach Bedingungen - bei pH 2,2 bis
7,0 [502]. Erwartungsgemäß traten in der Blindlösung bei pH=5,5 Eisenhydroxidfällungen
auf.
In den frischen, noch klaren (bei 3:1, und 2:1 CTC-Fe-Verhältnis) bis leicht getrübten (bei
1:3, und 1:2-Verhältnis) „Blindlösungen“ (reine Eisenlösung, pH-konditioniert) und (bei 1:10
Verhältnis) „Messlösung“ (Eisen- und CTC-Lösung, pH-konditioniert) hatte sich nach 24
Stunden ein Eisenhydroxid-Niederschlag gebildet. Die Spektren der frischen, zentrifugierten
Messlösungen (ohne Abb.) weisen allgemein eine geringere Absorptionsintensität auf als
nach 24 h Standzeit (s. Abb. 43). Mit zunehmender Eisen-Konzentration zeigten die
Spektren der zentrifugierten CTC-Fe-Lösungen eine höher werdende Absorptionsintensität,
weil Eisenhydroxid in Form größerer kolloidaler, aggregierbarer Partikel aus den zugehörigen
5 Ergebnisse und Diskussion 102
Blindlösungen abgeschieden und der partikuläre Streulichtanteil bei der Differenzbildung
zwischen Blind- und Messlösung nicht mit erfasst wurde.
275 300 325 350 375 400 425 450 475 500 525
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
CTC
CTC:Fe (mol. Verhältnis)
3:1
1:1
1:1-zentrifugiert
1:3
1:3-zentrifugiert
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 43: Veränderung der Spektrenprofile von CTC-Fe-Lösungen (CTC; ß=0,1 mmol/L)
nach 24 h bei pH 5,5 nach Zentrifugation
Auffällige Änderungen des Absorptionsverlaufes in diesen Spektren – im Vergleich zum CTC
– sind ebenfalls auf Streueffekte zurückzuführen, wobei nicht-zentrifugierbare kolloidale
Anteile des in der Lösungsphase verbliebenen Eisenhydroxids adsorptiv CTC bzw. CTC-Fe-
Komplexe gebunden haben können (Abb. 44).
Abb. 44: Zentrifugierte Blind- (links, ohne CTC) und Messlösung (rechts, mit CTC (ß= 0,1
mmol/L)) der CTC-Fe Reihe bei pH 5,5; mol. CTC-Fe-Verhältnis: 1:10
Im alkalischen Milieu der bei pH 8,7 aufgenommenen Spektren sind durch die Bildung von
Fe-CTC-Komplexen und den oben beschriebenen Streueffekten geprägt, aber zusätzlich
durch die Bildung von iso-CTC (Abb. 45). CTC hat sich nach 7 Tagen nahezu vollständig in
iso-CTC umgewandelt.
5 Ergebnisse und Diskussion 103
250 275 300 325 350 375 400 425 450 475 500
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
CTC -fr.
CTC:Fe (mol. Verhältnis)
1:3 -fr.
1:3 -fr. -zentrifugiert
CTC -24h
1:3 -24h -zentrifugiert
1:3 -24h
CTC -7d
1:3 -7d -zentrifugiert
1:3 -7d
iso-CTC
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 45: Veränderung des CTC-Spektrenprofils (CTC; ß=0,1 mmol/L) in Abhängigkeit von
der Zeit (fr.: frisch, 24h: 24 Stunden, 7d: 7 Tage) und der Fe-Konzentration bei pH
8,7; schnelle Sorption an Eisenhydroxid (zentrifugierte Lösungen)
Vergleicht man die Spektren zentrifugierter CTC-Fe- und iso-CTC-Fe–Lösungen bei pH 8,7
nach einer Alterungszeit von 7 Tagen (ohne Abbildung), so finden sich spektrale Hinweise
(UV-Banden im Bereich von 306 – 500 nm) auf die Bildung von Fe-Komplexen des CTC, die
zumindest über diesen Zeitraum stabil sind. Tetracyclinkomplexe mit Metallkationen zeigen
charakteristische UV-Spektren mit Maxima bei 275 nm und - in Abhängigkeit von der
Konzentration und Spezies des Metallkations - zwischen 370-390 nm [7,128].
In den Zentrifugaten scheint nur noch ein geringer Teil des CTC bzw. iso-CTC verblieben zu
sein, da die Absorptionsintensität der Spektren stark abnahm. Offensichtlich werden
merkliche Anteile der Arzneistoffe vom Eisenhydroxid gebunden. Durch die
Untersuchungsreihen ergaben sich somit im pH-Bereich von 3 - 8,7 spektrometrische
Befunde für die Bildung von CTC-Fe-Komplexen und im Alkalischen von iso-CTC. Auch die
Verhinderung der Fällung von Eisenhydroxid bei pH 5,5 in Gegenwart des Antibiotikums
kann auf die Bildung von löslichen CTC-Fe-Komplexen zurückgeführt werden. CTC wird bei
pH 8,7 an ausgefälltem Eisenhydroxid effektiv sorbiert, iso-CTC zu einem geringeren Anteil
(Abb. 46).
5 Ergebnisse und Diskussion 104
275 300 325 350 375 400 425 450 475
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
1:3 CTC:Fe
1:3 CTC:Fe - zentrifugiert
1:3 iso-CTC:Fe
1:3 iso-CTC:Fe - zentrifugiert
Abb. 46: Vergleich der Spektrenprofile von iso-CTC- und CTC-Fe(III)-Lösungen (iso-CTC
bzw. CTC mit ß=0,1 mmol/L) bei pH 8,7 nach Zentrifugation frischer Fällungen;
unterschiedliches Sorptionsverhalten der CTC´s
Hier spielen die unterschiedlichen Protolyseeigenschaften und damit der Ladungszustand
der im alkalischen Bereich dominierenden CTC- und iso-CTC-Spezies eine entscheidende
Rolle (siehe auch Kapitel 5.2.1.1). Entsprechend wird bei pH 8,7 durch die negative
Oberflächenladung des Eisenhydroxids bevorzugt CTC sorbiert.
Die Deutung der Messergebnisse korreliert mit Literaturdaten: Gu et al. fanden, dass die
Sorbierbarkeit von Tetracyclin an Eisenhydroxid bis pH 6 steigt, dann aber sinkt, wobei
gleichzeitig die Konzentration an gelöstem Eisen zunimmt [435]. Als plausible Ursache für
diesen Effekt wäre die Bildung von löslichen CTC-Fe-Komplexen anzunehmen.
Oxytetracyclin wird bei pH 8 von verschiedenen Eisenoxiden maximal sorbiert, wie Figueroa
et al. herausfanden [436].
Somit bieten die koordinativen Eigenschaften der Tetracycline Voraussetzungen, die im
Boden sowohl einen Transport in fluider Phase als auch partikulär prinzipiell ermöglichen.
Reaktionen mit weiteren Metallionen
Die Untersuchungen wurden ihn analoger Art und Weise wie mit Eisen-(III)-Salzen zusätzlich
mit anderen Schwermetall-, bzw. Übergangsmetall- und Erdalkalimetallionen durchgeführt.
Dazu zählen Al3+, Ca2+, Cu2+, Fe2+, Mg2+, Ni2+, Pb2+ und Zn2+.
Da sich die erzielten Ergebnisse und Beobachtungen im Vergleich zu den Versuchsreihen
mit Fe3+ recht ähneln, werden im Folgenden nur Auffälligkeiten bzw. Besonderheiten
angeführt.
5 Ergebnisse und Diskussion 105
Auch in Gegenwart anderer Metallionen verläuft die Isomerisierung des CTC zum iso-CTC
bei pH 8,7 verlangsamt. Die Geschwindigkeit der Isomerisierung nimmt dabei mit steigender
Metallionenkonzentration ab. Dies ist in Abb. 47 am Beispiel des Einflusses von Al3+ deutlich
zu erkennen.
275 300 325 350 375 400 425 450
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
CTC -fr.
CTC:Al (mol. Verhältnis)
1:3 -fr.
1:1 -fr.
3:1 -fr.
CTC -24h
1:3 -24h
1:1 -24h
3:1 -24h
CTC -7d
1:3 -7d
1:1 -7d
3:1 -7d
Absorption [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 47: Einfluss von Al3+ auf die Isomerisierung des CTC (CTC; ß=0,1 mmol/L) bei pH 8,7
in Abhängigkeit von der Zeit (fr.: frisch, 24h: 24 Stunden, 7d: 7 Tage) und dem
CTC:Metallverhältnis
Infolge der teilweise hohen Stabilitätskonstanten von CTC-Metallkomplexen (s. Tab. 17),
kann die Fällung von Schwermetallhydroxiden unterdrückt werden [477], aber auch die
Bildung konkurrierender Komplexe, wie es am Beispiel des Kupfers beobachtet wurde (Abb.
48). So kann die als qualitative Nachweisreaktion bekannte Bildung des tiefblauen
[Cu(NH3)4]2+-Komplexes durch den Zusatz von CTC ebenfalls unterdrückt werden. Auch die
Bildung des bläulich- bräunlichen Niederschlags aus Kupferhydroxid und Kupferoxid, der
sich bei pH 8,7 in der Kupferlösung (ohne CTC) bildet, zeigt einen anderen Verlauf durch
den Einfluss des Arzneistoffes.
Abb. 48: Einfluss von CTC auf die [Cu(NH3)4]2+-Komplexbildung
links: mit NH3 versetzte Cu-Lösung links: suspendierte CTC-Cu-Fällung
(ohne CTC) versetzt mit Überschuss NH3
rechts: Fällung in der Cu-Lösung rechts: gelb-grün-bräunliche Fällung in
(ohne CTC) der CTC-Cu-Lösung
5 Ergebnisse und Diskussion 106
5.2.1.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen aus den Voruntersuchungen
Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Die unter Batchbedingungen ermittelten Sorptionsdaten stimmen tendenziell mit den
bekannten Literaturdaten überein [427,431,432,435,436,441]. Sowohl CTC als auch iso-CTC
zeigten eine hohe Sorptionsaffinität gegenüber anorganischem Material (Partikel oder
Metallhydroxidfällungen). Die unterschiedlichen CTC-Isomere zeigten dabei ein vom pH-
Wert abhängiges unterschiedliches Sorptionsverhalten. Insbesondere ein alkalisches Mileu
führte bei iso-CTC zu einer geringeren Sorption. Es konnte gezeigt werden, dass CTC und
iso-CTC in Metallhydroxidlösungen mitgefällt werden und auch als CTC-Metallkomplexe in
Lösung bleiben können.
Konkurrenzeffekte zwischen natürlich vorkommenden Komplexbildnern,
koordinationsfähigen Arzneistoffen (bzw. Antibiotikaeinträgen und Metallionen) können im
Boden bei Transportvorgängen eine Rolle spielen, wie auch in dem 2009 veröffentlichten
Review von Pan et al. deutlich wird [503]. Aber auch in der Aufbereitung von Bodenproben
sind derartige Reaktionen von Bedeutung, da an Bodenpartikel adsorbierte
Antibiotikarückstände mit starken Metallkomplexbildnern extrahiert werden, wie z.B. das in
dieser Arbeit verwendete Gemisch aus NH3/NH4Cl-Puffer und EDTA (s. Kap. 5.2.2).
Die spektrophotometrisch erhaltenen Ergebnisse bieten zusätzliche Informationen, um
Analysendaten der Säulenversuche („Bilanzierungsversuche“) kritisch zu interpretieren (Kap.
5.2.2/5.2.3).
Anhand der Sorptionsdaten wurden schließlich Montmorillonit, Kaolinit, Aluminiumoxid sowie
ein Montmorillonit-Huminsäurekomplex im zugrunde liegenden Projekt für den Einsatz in
Laborsäulen ausgewählt (Modellversuche zum partikelgebundenen Transport [477]). Die
Verlagerung in Form von Metallkomplexen bleibt dabei vorerst unberücksichtigt.
Über die Fluoreszenzeigenschaften Tetracyclin-beladener Modellpartikel wird in Kap. 5.2.4
berichtet.
5 Ergebnisse und Diskussion 107
5.2.2 Modellversuche zum Transportverhalten von SFD, CTC und
iso-CTC im Boden
Ein Ziel des Projektes „Tierarzneimittel in der Umwelt: Bewertung von Eintrag, Verlagerung
und Resistenzentwicklung unter Gesichtspunkten des Verbraucherschutzes“ [477] war
Erkenntnisse über das Transportverhalten von Arzneistoffen am Beispiel von SFD und CTC
(inkl. iso-CTC) im Boden zu gewinnen. Hierzu wurden u.a. auf Grundlage der Ergebnisse der
vorherigen Kapitel vom Institut für Wasserforschung (IfW, Dortmund) Versuche mit
unterschiedlichen Säulensystemen durchgeführt. Dabei sollte aufgrund der starken Sorption
von CTC´s an mineralische Partikel (Kap. 5.2.1.1) insbesondere die Rolle einer
Verlagerungsmöglichkeit durch partikelgebundenen Transport untersucht werden.
Die bei diesen Versuchen anfallenden Säuleneluate (Sickerwasserproben), sowie Boden-
und Gülle-Extrakte wurden an der Universität Paderborn auf ihre Antibiotika-Gehalte
analysiert.
Vom IfW zuvor durchgeführte Modellversuche mit Laborsäulen (Modellfilterkörper:
Glasperlen, Quarzsand, sandiger Ackerboden; Modellpartikel (als Suspension im „Regen“):
Aluminiumoxid, Kaolinit, Montmorillonit, Montmorillonit-Huminsäure-Komplex;
Randbedingung: starke Beregnung) zeigten, dass sowohl CTC als auch SFD
partikelgebunden und „gelöst“ (gelöst: freie Arzneistoffe, nicht sorbierte Arzneistoff-
Komplexe, nicht durch Zentrifugation abtrennbare partikelgebundene Arzneistoffe) mit dem
Sickerwasser verlagert werden können [477]. Da diese Säulenversuche eine wichtige
Grundlage zur Ergebnisinterpretation darstellen, sollen die wichtigsten Ergebnisse hier kurz
dargelegt werden.
SFD und CTC zeigten, wie zu erwarten war (siehe Kapitel 5.1 und 5.2.1.1), ein
unterschiedliches Transportverhalten. SFD wurde in Gegenwart rein anorganischer Partikel
(Aluminiumoxid, Kaolinit, Montmorillonit) nur „gelöst“ transportiert, aber bei den Versuchen
mit Montmorillonit-Huminsäure-Komplex-Partikeln wurden auch signifikante Anteile (11-33%)
des SFD partikelgebunden verlagert [477]. Der partikelgebundene Anteil vom verlagerten
CTC betrug bis zu 100% (Modellfilterkörper: sandiger Ackerboden). Auffällig war allerdings,
dass bei Verwendung von Montmorillonit-Huminsäure-Komplexen als Trägerpartikel in den
Versuchssäulen mit den „einfachen“ Filtermaterialen Glas und Quarzsand CTC zu 99% bzw.
100% gelöst mit den Sickerwasser ausgetragen wurde, während beim „komplexen“
Filtermaterial Ackerboden CTC zu 100% partikelgebunden eluiert wurden. Dem damaligen
Kenntnisstand nach, waren die bei diesen Versuchen gemachten Beobachtungen nur zum
Teil erklärbar. Neuere Erkenntnisse liefern aber weitere Erklärungsansätze für die
geschilderten Beobachtungen. Der beobachtete partikelgebundene Anteil am Transport von
SFD in Gegenwart von Montmorillonit-Huminsäure-Komplexen als Trägerpartikel ist vor dem
5 Ergebnisse und Diskussion 108
Hintergrund, dass Sulfonamide weitaus stärker an organischem als an anorganischem
(Boden-)Material sorbieren, plausibel [468].
Die Beobachtung, dass CTC bei den Filtermaterialien Glas und Quarz nur bis zu max. 8%
partikelgebunden ko-eluiert wurde, ist aufgrund der geringeren Sorption von CTC´s an
mineralische Partikel in alkalischer Umgebung (pH-Werte der Eluate: 8-9) erklärbar (siehe
Kapitel 5.2.1). Eine zumindest teilweise Umwandlung von CTC in das unter diesen
Bedingungen schlechter sorbierende iso-CTC hat sicherlich auch dazu beigetragen. Ein
wesentlich geringerer partikulärer Transportanteil (max. 1%) bei den Ton-Huminsäure-
Komplexen ist auf die Sorption von Huminsäuren an die mineralischen Partikel
zurückzuführen [503]. Hierdurch werden die Sorptionsplätze für CTC blockiert, sowie ein
Eindringen in die Zwischenschichten von Montmorillonit verhindert [440]. Im Ackerboden
wurde CTC dagegen bis zu 100% partikelgebunden transportiert. Ausschlaggebend hierfür
sind vermutlich die niedrigeren pH-Werte (pH=6,5-7,2) und ein dadurch bedingter höherer
Sorptionsgrad von gelösten CTC´s an die immobile Bodenmatrix und mobile Bodenpartikel.
Die Versuche zeigten für CTC einen von den Filtereigenschaften der Bodenkörper
(spezifische Oberfläche, Korngrößenverteilung, Sorption an die immobile Filtermatrix)
abhängigen Rückhalt in den Modellfilterkörpern. SFD wurde demgegenüber von den rein
anorganischen Filtermaterialen (Glas, Quarz; pH=8-9) nur gering bis gar nicht
zurückgehalten. Einzig im Ackerboden erfolgte ein etwa 30-40%iger Rückhalt von SFD,
welcher auf die Sorption an die (organische) Bodenmatrix (pH=6,6-7,4) zurückzuführen ist.
Versuche zur Remobilisierung von CTC durch simulierten Regen zeigten, dass CTC´s
infolge von Niederschlagsereignissen remobilisiert werden und sowohl gelöst als auch
partikelgebunden mit dem Sickerwasser transportiert werden.
Um Erkenntnisse über das Transportverhalten von Arzneistoffen in (natürlichen) Böden unter
natur- und praxisnahen Bedingungen (Niederschlagsbedingungen, Eintrag mit Gülle) zu
erlangen, wurden vom IfW Versuche mit zwei unterschiedlichen Säulensystemen
durchgeführt. Die bei diesen Versuchen anfallenden Messproben (Boden, Eluate, Gülle)
wurden im Rahmen dieser Arbeit mittels LC-MS untersucht und hinsichtlich der in Tabelle 18
aufgeführten Fragestellungen bewertet. Für eine Beurteilung des Verhaltens der Arzneistoffe
im Boden wurden vom IfW ermittelte bedeutsame Parameter wie pH-Wert, Leitfähigkeit (als
Summenparameter für den Gehalt an gelösten Ionen), Partikelkonzentration, gelöstes Eisen
(Fe2+) und mikrobielle Aktivität (Esterase) in die Ergebnisdarstellung und –Diskussion mit
einbezogen (Messung und Einzelheiten siehe [477]).
5 Ergebnisse und Diskussion 109
Tab. 18: Zusammenfassung der Versuchsansätze des IfW zur Untersuchung des Transports
von CTC, iso-CTC und SFD im Boden
Säulensystem Untersuchungsansatz Fragestellungen
Säule im Labormaßstab starke Beregnung
Ackerboden
Gülle + CTC+ iso-CTC +
SFD
unter Gesichtspunkten des
Labormaßstabs und extremer
Randbedingungen:
Verlagerung der Antibiotika-
Wirkstoffe mit dem
Sickerwasser
Rolle des partikelgebundenen
Transports von Antibiotika-
Wirkstoffen
Matrixeinfluss von Boden und
Gülle
Bilanzierung des Verbleibs
der Antibiotika-Wirkstoffe
Säule im halbtechnischen
Maßstab naturnahe Beregnung
Ackerboden
Gülle + CTC + iso-CTC +
SFD
Wie im Labormaßstab jedoch
unter Gesichtspunkten des
halbtechnischen Versuchs
und naturnaher
Randbedingungen
5.2.2.1 Verlagerung von SFD, CTC und iso-CTC in einem sandigen Ackerboden
nach Gülleapplikation
Die Verlagerung von SFD, CTC und iso-CTC wurde mit zwei Säulensystemen in
unterschiedlichen Maßstäben untersucht. Der Versuch im Labormaßstab erfolgte unter
extremen Niederschlagsbedingungen, um eine schnelle Sickerwasserströmung und hohe
Mobilisierung von Partikeln zu erreichen. Um das Verhalten der Arzneistoffe unter
realitätsnahen Bedingungen untersuchen zu können, wurden bei der Konzeption und
Durchführung des Versuchs im halbtechnischen Maßstab die Randbedingungen den
natürlichen Bedingungen auf dem Feld so weit wie möglich angepasst. Die wichtigsten
Randbedingungen der beiden Säulensysteme sind in Tabelle 19 gegenübergestellt.
5 Ergebnisse und Diskussion 110
Tab. 19: Kenngrößen der vom IfW eingesetzten Säulensysteme
Labormaßstab halbtechnischer
Maßstab
Säulenmaterial Borosilikatglas Borosilikatglas
Durchmesser der Säule 16 cm 45 cm
Mächtigkeit der
Ackerbodenschicht
12 cm 60 cm
Applizierte Güllemenge flächenbezogen
landwirtschaftsüblich
flächenbezogen
landwirtschaftsüblich
Einarbeitungstiefe der Gülle 2 cm 30 cm (Pflugtiefe)
Mit der Gülle applizierte
Arzneistoffe
CTC, iso-CTC, SFD CTC, iso-CTC, SFD
Strömungsverhältnisse in der
Säule
ungesättigt + transient ungesättigt + transient
Druckverhältnisse am
Säulenauslauf
max. 10 hPa Unterdruck offener Abfluss
Art der Beregnung Abfolge von extremen
Niederschlagsereignissen
gleicher Intensität und
Dauer
Abfolge naturnaher
Niederschlagsereignisse
unterschiedlicher
Intensität und Dauer
Versuchsdauer 42 Tage 98 Tage
Untersuchungsmethodik
Um zwischen partikelgebundenen und gelöstem CTC- und SFD-Anteil unterscheiden zu
können, wurde vom IfW die für die Analyse von Bodenproben entwickelte
Probenaufbereitung (Anhang A.1.5.2) für die wässrigen Proben der Säuleneluate modifiziert
(s. Abb. 49).
Hierzu wurde ein Probenaliquot des Säuleneluates vor der Extraktion mit EDTA-Ammoniak-
Puffer zentrifugiert, um Partikel und die daran gebundenen Arzneistoffe abzutrennen. Aus
der im Idealfall nahezu partikelfreien Lösung wurde die Konzentration von CTC und SFD
bestimmt. Ein zweites Probenaliquot wurde vor der Extraktion nicht zentrifugiert und enthielt
daher sowohl die „gelösten“ als auch partikelgebunden SFD- und CTC-Anteile. Durch diese
5 Ergebnisse und Diskussion 111
Vorgehensweise ergibt sich eine „Gesamtkonzentration“ und eine „gelöste Konzentration“,
sowie durch Differenzbildung der partikelgebundene Anteil.
Säuleneluat
Probenaliquot Probenaliquot
"gelöste Konzentration"
"Gesamtkonzentration"
Abb. 49: Probenaufbereitung zur Ermittlung gelöster und partikelgebundener CTC- und SFD-
Anteile [nach 477]
Aufgrund der eingesetzten Probenvorbereitung und der sich dadurch einstellenden pH-Werte
konnten in den aufbereiteten Proben überwiegend nur iso-CTC und e-iso-CTC vorliegen. Alle
Angaben zu CTC-Konzentrationen sind als Summe aller in der Originalprobe vorliegenden
Isomere und Epimere des CTC zu verstehen [477].
Die besondere Problematik bei der Bewertung der Modellversuche
Eine quantitativ-analytische Erfassung Festphasen (Partikel-) gebundenen CTC und SFD ist
nicht ohne weiteres möglich. Deshalb wurde vom IfW mit Hilfe des EDTA-Ammoniak-Puffers
eine Verdrängung der Antibiotika von den Festphasen-Oberflächen vorgenommen. Alle
bekannten leistungsfähigen Verfahren zur Bestimmung von Arzneistoffen in Böden beruhen
auf einer vorherigen Extraktion der Analyte (s. Kap. 4). Direkte Bestimmungsmethoden (für
Zugabe von EDTA-
Ammoniakpuffe
r
Zentrifugation und
Dekantieren des Überstands
Zentrifugation und
Dekantieren des Überstands
Zugabe von EDTA-
A
mmoniakpuffe
r
SPE, HPLC, LC-MS/MS SPE, HPLC, LC-MS/MS
5 Ergebnisse und Diskussion 112
nicht radioaktiv markierte Analyte) sind diesbezüglich nicht bekannt und konnten auch im
Rahmen dieser Arbeit nicht erfolgreich entwickelt werden (siehe Kap. 5.2.4). Jedenfalls kam
es, insbesondere in der „Gesamtprobe“, zu erheblichen Minderbefunden, die u.a. mit den in
Kapitel 5.2.3 beschriebenen Gründen erklärbar sind. Da dadurch eine Berechnung der
partikelgebundenen Anteile nicht möglich war, werden die Ergebnisse der Analysen der
jeweiligen Probenaliquote angegeben („vor-Probe“ = Pufferzugabe vor der Zentrifugation =
„Gesamtkonzentration“; „nach-Probe“ = Pufferzugabe nach der Zentrifugation = „gelöste
Probe“). Bei der Interpretation der dargestellten Daten ist zu berücksichtigen, dass es sich
bei der genutzten Trenngrenze zwischen gelösten und partikelgebundenen CTC sowie SFD
um eine operationelle Grenze handelt. Die „gelöste“ Fraktion („nach-Probe“) enthält noch
Partikel mit gegebenenfalls anhaftendem CTC und SFD. Dies gilt insbesondere für Partikel <
100 nm und Partikel mit spezifischen Gewichten nahe 1 g/cm3 (z.B. organische Stoffe) [477].
Ferner werden bei der Abtrennung komplexiertes CTC und SFD (z.B. Huminstoff- oder
Metall-Komplexe) zur gelösten Fraktion gerechnet. Weiterhin ist zu keinem Zeitpunkt eine
analytische Unterscheidung zwischen CTC und iso-CTC möglich. Aufgrund des in Kap. 5.2.1
beschriebenem teilweise sehr unterschiedlichen Sorptionsverhaltens (pH- und
Sorbensabhängig) der CTC-Isomere und der Komplexität der beteiligen Faktoren im Boden,
sind keine differenzierenden Aussagen bezüglich des Verhaltens der jeweils dotierten CTC-
Verbindungen möglich. Es könnte, wenn auch unwahrscheinlich, sowohl nur CTC als auch
nur iso-CTC verlagert worden sein.
Faktoren die sich auf die Sorptions- und Desorptionsprozesse auswirken, z.B. Ionenstärke
und pH-Wert, könnten sich im Sickerwasser (während des Transports) und im Eluat (im
Probensammelgefäß, nach Bodenpassage) unterschieden haben. Eine Bildung von Partikeln
(z.B. Eisenhydroxid) war daher auch im Eluat möglich. Der Nachweis von
partikelgebundenen CTC- bzw. SFD-Anteilen in den Eluatproben ist somit nicht
gleichbedeutend mit den tatsächlich mit der Sickerwasserströmung transportierten
partikelgebundenen Anteilen.
Alle Proben wurden zudem auf N4-SFD als mögliches Metabolisierungsprodukt von SFD hin
untersucht, welches aber in keiner der Proben nachweisbar war.
5.2.2.1.1 Versuchsansatz im Labormaßstab
Versuchsaufbau und Durchführung
Für die Untersuchung im Labormaßstab wurde der in Abbildung 50 dargestellte
Versuchsaufbau (Dimensionen: siehe Tabelle 19) mit einem seit mehr als 10 Jahre
5 Ergebnisse und Diskussion 113
brachliegenden stark humosen Ackerboden verwendet. Der Boden ist ein feinsandiger
Podsol mit einem hohen Schluffanteil (genauere Charakterisierung siehe Anhang A.3.2), in
welchem keine SFD- und CTC-Rückstände nachgewiesen werden konnten. Es wurden 65 ml
Gülle (siehe [477]), welche 17 Tage zuvor mit 6,51 mg CTC, 6,50 mg iso-CTC und 6,51 mg
SFD dotiert wurde, in die oberen 2 cm der Säulenfüllung eingearbeitet. In einen Zeitraum
von 42 Tagen wurden 13 Beregnungsereignisse (B1-B13) durchgeführt, welche sich aus
einer 10-stündigen Abfolge von 14 Beregnungen mit jeweils 170 ml künstlichem Regen
(siehe [477]) in 15 Minuten und 30 Minuten Trockenheit zusammensetzten. Die Abstände
zwischen den Beregnungsereignissen lagen zwischen 1 und 6 Tagen, wobei die zeitlichen
Abstände zum Ende hin zunahmen. Auf der Seite des Eluataustritts aus der Versuchssäule
wurde ein Unterdruck von maximal 10 hPa angelegt, um eine ausreichende Belüftung des
Bodens zur Verhinderung anaerober Milieubedingungen zu erreichen.
Das gesamte Säuleneluat aus je einem Beregnungsereignis ergab eine Sammelprobe,
wovon jeweils ein Probenaliquot zur Ermittlung der „Gesamtkonzentration“ und „gelösten
Konzentration“ entnommen wurde.
10 cm
Beregnungsanlage
sandiger Ackerboden (h = 12 cm)
Stützschicht (h = 3,5 cm)
Stützschicht (h = 1 cm)
Perkolat
Peristaltik-
Pumpe
Überlauf-
behälter Unterdruck-
apparatur
künstliches
Regenwasser
Kolben-
pumpe
Abb. 50: Schematischer Aufbau des Laborsäulensystems mit Ackerboden und Gülle nach
IfW [477]
Partikelkonzentration
Voraussetzung für die Untersuchung eines partikelgebundenen Transports der Arzneistoffe
ist, dass ausreichend Partikel mit dem Sickerwasser während des Säulenversuchs
transportiert werden. Weiterhin müssen die transportierten Partikel nahezu vollständig vom
den Säuleneluaten abtrennbar sein, um die Bedeutung des partikelgebundenen
Transportweges für die Arzneistoffe einschätzen zu können. Die Bestimmung der
5 Ergebnisse und Diskussion 114
Partikelkonzentration in den Säuleneluaten (unzentrifugiert/zentrifugiert) lieferte die in
Abbildung 51 dargestellten Ergebnisse [477].
0,001
0,010
0,100
1,000
10,000
100,000
B1 B2 B3 B4 B5 B6 B7 B8 B9 B10 B11 B12 B13
Beregnung
[mg/L]
Partikelkonzentration vor
Zentrifugation [mg/L]
Partikelkonzentration nach
Zentrifugation [mg/L]
Abb. 51: Entwicklung der Partikelkonzentration im Eluat des Laborsäulensystems [IfW, 477]
Die Partikelkonzentration fiel im Eluat der einzelnen Beregnungsereignisse von anfänglich
1,94 mg/L kontinuierlich ab und stagnierte schließlich bei etwa 0,3 mg/L. Somit stand bis
zum Versuchende ein Partikelkollektiv für einen partikelgebundenen Transport der
Arzneistoffe zur Verfügung. In den einzelnen Bodeneluaten konnten ca. 99% der
Partikelmasse durch Zentrifugation abgetrennt werden.
Ergebnisse des Versuchs im Labormaßstab
Bereits in den Eluaten der ersten drei Beregnungen erfolgte ein Durchbruch von CTC (Abb.
52) und SFD (Abb. 53). Die höchsten Konzentrationen von CTC (660 ng/L) und SFD (2100
ng/L) wurden im Eluat der zweiten Beregnung (Probe B2) ermittelt. Diese hohen
Konzentrationen gingen mit einem erheblichen Anstieg des pH-Wertes um 1 Einheit einher,
welcher auf einen niedrigeren pH-Wert des „Regenwassers“ von B1 zurückzuführen ist.
Beim Regenwasser des Regenereignisses B1 betrug bei pH-Wert 5,81. Bei alle anderen
Regenereignisse lag dieser um pH = 6,5.
Im Rahmen mikrobiologischer Untersuchungen des IfW wurde zudem eine Zunahme der
Esterase-Aktivitäten beobachtet, welches auf einen vermehrten Stoffwechsel der
Mikroorganismen im begüllten Bereich des Ackerbodens hindeutet [477].
In den darauffolgenden vier Eluaten konnte bei (leicht) fallender Tendenz der pH-Werte und
gleich bleibender Leitfähigkeit weder CTC noch SFD nachgewiesen werden. Mit den Eluaten
der Proben B8 und B9 erfolgte ein zweiter Durchbruch von CTC mit einer Konzentration von
bis 450 ng/L. Dieser Durchbruch ging einher mit einer nahezu doppelt so hohen Leitfähigkeit
der Eluate wie in den Proben zuvor. Mit Probe B10 ging die Leitfähigkeit wieder auf das
vorherige Niveau zurück und bis Versuchsende konnte in den Eluaten kein CTC
nachgewiesen werden. Für SFD konnte kein zweiter Durchbruch festgestellt werden. Eine
5 Ergebnisse und Diskussion 115
Berechnung des partikelgebundenen transportierten Anteils der Arzneistoffe war nicht
möglich, dennoch kann die höhere Konzentration von CTC in der „vor-Probe“
(Gesamtkonzentration) der Eluate B1 und B8 auf einen partikelgebundenen Ko-Transport
von CTC hindeuten. Gleiches gilt für SFD in der Probe B1, allerdings in einem geringeren
Ausmaß. Allerdings könnten auch organische Bestandteile, insbesondere aus der Gülle,
welche mit ins Sammelgefäß gelangt waren, zu einer erhöhten Sorption von SFD geführt
haben.
0
100
200
300
400
500
600
700
B1 B2 B3 B4 B5 B6 B7 B8 B9 B10 B11 B12 B13
Beregnung
CTC-Konzentration [ng/L]
Leitfähigkeit [µS/cm]
5,4
5,6
5,8
6
6,2
6,4
6,6
6,8
7
pH-Wert
nach-Probe [ng/L]
vor-Probe [ng/L]
Leitfähigkeit [µS/cm]
pH-Wert
Abb. 52: CTC-Konzentrationen, pH-Werte und Leitfähigkeiten im Eluat des
Laborsäulensystems (geändert nach [477])
0
500
1000
1500
2000
2500
B1 B2 B3 B4 B5 B6 B7 B8 B9 B10 B11 B12 B13
Beregnung
SFD-Konzentration [ng/L]
Leitfähigkeit [µS/cm]
5,4
5,6
5,8
6
6,2
6,4
6,6
6,8
7
pH-Wert
nach-Probe [ng/L]
vor-Probe [ng/L]
Leitfähigkeit [µS/cm]
pH-Wert
Abb. 53: SFD-Konzentrationen, pH-Werte und Leitfähigkeiten im Eluat des
Laborsäulensystems (geändert nach [477])
5 Ergebnisse und Diskussion 116
Nach Beendigung des Versuchs wurden Bodenproben als tiefengestufte Mischproben aus
der Säule entnommen. In der begüllten Bodenschicht (0-2 cm) wurden höhere Gehalte an
CTC gefunden als in der darunter liegenden unbegüllten Bodenschicht (Tab. 20). In
geringem Umfang fand mit dem Sickerwasser eine Verlagerung von CTC in tiefere
Bodenschichten statt, was auf einen retardierten Transport und/oder partikulären Ko-
Transport von CTC hinweist. SFD konnte in den Bodenproben nicht nachgewiesen werden.
Tab. 20: Antibiotika-Wirkstoffe im Boden am Ende des Säulenversuchs im Labormaßstab
Gehalt [µg/kg TM] Probe aus Bodentiefe [cm]
Summe CTC SFD
0-2 78,38 n.n.
2-10 23,52 n.n.
Auf Grundlage der in den Messproben ermittelten CTC- und SFD-Konzentrationen ist in
Tabelle 21 eine vom IfW erstellte Bilanz der wiedergefundenen Gehalte bzw.
Konzentrationen von CTC- und SFD zusammengefasst. Von den dotierten CTC-
Verbindungen konnten nur 0,01 % im Sickerwasser gefunden werden. Auch im Boden waren
die wiedergefundenen CTC-Gehalte mit 0,7 % sehr niedrig. SFD war im Sickerwasser nur zu
0,06 % der dotierten Menge nachweisbar und konnte im Boden nicht nachgewiesen werden.
In der Gülle wurden 35 Tage nach der Dotierung nur 3,67 % der dotierten CTC-
Verbindungen und 1,62 % des dotierten SFD wiedergefunden.
Tab. 21: Wiederfindung der Antibiotika-Wirkstoffe im Versuch in der Säule im Labormaßstab
Dotierte Wirkstoffmenge = 100%
(bezogen auf dotierte Gülle)
Summe CTC
[%]
SFD
[%]
im Boden 0,70 0
im Eluat 0,01 0,06
Wiederfindung
der dotierten
Wirkstoffmengen im Boden + Eluat 0,71 0,06
Alle Messproben (Eluate, Boden, Gülle) wurden zudem auf den SFD-Metaboliten N4-Acetyl-
SFD untersucht, welcher aber in keiner der Proben nachweisbar war.
Eine Zusammenstellung der Messwerte des Versuchs im Laborsäulensystem befindet sich in
Anhang A.4.3.
5 Ergebnisse und Diskussion 117
5.2.2.1.2 Naturnaher Versuchsansatz im halbtechnischen Maßstab
Versuchsaufbau und Durchführung
Für das Säulensystem im halbtechnischen Maßstab wurde vom IfW eine 1 m lange Säule mit
einem Innendurchmesser von 45 cm eingesetzt. Der Versuchsaufbau ist in den Abbildungen
54 und 55 dargestellt. Die Unterschiede zum Versuch im Labormaßstab sind in Tabelle 19
zusammengefasst.
Über einer Filterstützschicht wurde ein sandiger Ackerboden mit 60 cm Mächtigkeit gestört
und trocken eingebaut. Als Ackerboden wurde ein humoser Sandboden mit über 70 %
Feinsand eingesetzt. Er wurde einem Acker entnommen, der seit mehr als 10 Jahren brach
lag und nur sporadisch als Kuhweide genutzt wurde. Es konnten weder CTC noch SFD
nachgewiesen werden. In die oberen 30 cm des Bodens wurde, in Anlehnung an den
Pflughorizont eines Ackers, Gülle eingearbeitet. Entsprechend der landwirtschaftlichen
Praxis wurde mit 500 ml Gülle die Güllemenge eingearbeitet, die der maximal zulässigen
jährlichen Nährstoffzufuhr entspricht. 9 Tage vor der Einarbeitung wurden zu der
ursprünglich unbelasteten Gülle 49,98 mg CTC, 48,25 mg iso-CTC und 50,25 mg SFD
dotiert [477].
Onlinemessung
Trübung
Durchfluss
Leitfähigkeit
Sauerstoff
Filterstützschicht
aus Kies und Glaskugeln
Probensammelgefäß
Vorratsgefäß
Peristaltik-Pumpe
Beregnungseinheit
Steuer-PC
Datenerfassungs-PC
0
0,5
1
1,5
2
2,5
020 40 60 80 100 120 140 160 180 200 220
Zeit [mi n]
mm*m i n
-
1
Sommer-Starkregen
46 mm in 24 8 Min uten
Niederschlagsdaten
Glassäule 1 m x 0,45 m
mit humosem
Sandboden
Abb. 54: Bodensäule des
halbtechnischen Säulenversuchs
(für das Foto wurde die
Lichtschutzverkleidung
abgenommen) [IfW, 477]
Abb. 55: Schematischer Aufbau des halbtechnischen
Säulenversuchs [IfW, 477]
5 Ergebnisse und Diskussion 118
Die Beregnung erfolgte über eine PC-gesteuerte Beregnungsanlage. Verschiedene
naturnahe Beregnungsszenarien mit Trockenphasen zwischen den
Niederschlagsereignissen wurden nachgefahren (Abb. 56). Für eine naturnahe Beregnung
wurden typische Regenereignisse von einer realen Niederschlagsmessreihe abgeleitet [477]:
- Landregen: 27 mm Niederschlagshöhe in einem Zeitraum von 80h (ca. 4 L auf der
Säule)
- Starkregen: 46 mm Niederschlagshöhe in einem Zeitraum von 248 Minuten (ca. 7 L
auf der Säule)
- Platzregen: 16 mm Niederschlaghöhe in einem Zeitraum von 16 Minuten (ca. 2 L auf
der Säule)
Vom IfW wurden im Ablauf der Säule Durchfluss, Trübung (zur Berechnung der
Partikelkonzentration), elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und Temperatur
kontinuierlich aufgenommen. Teilweise erfolgte zudem in den Eluaten eine Bestimmung der
Eisen(II)-Konzentration und des Gehalts an organischen Material (Summenparameter: SAK-
254 nm). Die vom IfW ermittelten Versuchsparameter werden, sofern ihnen eine relevante
Bedeutung zukommt, in die Ergebnisdarstellung und Diskussion mit einbezogen. Für nähere
Erläuterungen zu den Niederschlagsereignissen und den ermittelten Versuchsparametern
sei auf den Projektbericht [477] verwiesen.
Das Sickerwasser wurde in einem Glasbehälter als Sammelprobe für jedes
Beregnungsszenario aufgefangen und zur Analyse von CTC und SFD aufbereitet.
Abb. 56: Abfolge und Dauer der Beregnungs- und Trockenphasen des naturnahen
Konditionierung
11 d
Trocken-
phase
11 d
Eintrag de
r
CTC/SFD-belasteten
Gülle
Landregen 1
80 h
Trocken-
phase
3,5 d
Starkregen 1
248 min
Trocken-
phase
2 d
Platzregen 1
16 min
Trocken-
phase
5 d
Landregen 2
80 h
Trocken-
phase
3,5 d
Starkregen 2
248 min
Trocken-
phase
2 d
Platzregen 2
16 min
Trocken-
phase
5 d
Landregen 3
80 h
Trocken-
phase
3,5 d
Starkregen 3
248 min
Trocken-
phase
2 d
Platzregen 3
16 min
Trocken-
phase
5 d
Landregen 4
80 h
Trocken-
phase
3,5 d
Starkregen 4
248 min
Trocken-
phase
2 d
Platzregen 4
16 min
Trocken-
phase
5 d
Ausbau des Bodens
Trockenphase
10 d
Versuchsansatzes im halbtechnischen Maßstab [IfW, 477]
5 Ergebnisse und Diskussion 119
Partikelkonzentration
Durch eine hohe Aufzeichnungsdichte der am Säulenauslauf erfassten Daten (publiziert in
[477]) war es möglich, sehr detaillierte Informationen über das zeitliche Auftreten von
Sickerwasser und die Elution von Partikeln zu erhalten. Mit dem Sickerwasser wurden dabei
kontinuierlich Partikel transportiert, wobei deren Konzentration auch bei niedrigen
Sickerwasserabflüssen nicht unter 2 mg/L gefallen ist. Bei hohen Sickerwasserabflüssen
traten häufig Spitzenkonzentrationen von über 50 mg/L auf. Mit einem erhöhten
Sickerwasserabfluss wurde auch eine erhöhte Partikelkonzentration eluiert. Nach
Berechnungen des IfW stand bis zum Versuchende ein Partikelkollektiv für einen
partikelgebundenen Transport von Stoffen zur Verfügung. Die vom IfW ermittelten Daten zu
Partikelfracht und -Konzentration sind in Tabelle 22 zusammengefasst. Wie bei den Eluaten
aus der Säule im Labormaßstab, konnte durch Zentrifugation der größte Teil der
Partikelmasse abgetrennt werden.
Tab. 22: Partikelfracht und Partikelkonzentration im Eluat der im halbtechnischen Maßstab
durchgeführten Säulenversuche (erstellt nach [477])
Eluat
Regenereignis Partikelfracht [mg]
Partikelkonzentration
vor Zentrifugation
[mg/L]
Partikelkonzentration
nach Zentrifugation
[mg/L]
Landregen 1 7,1 2,4 0,5
Starkregen 1 29,9 4,7 2,2
Platzregen 1 40,2 5,9 6,4
Landregen 2 20,0 28,5 3,5
Starkregen 2 20,8 660,5 5,5
Platzregen 2 59,5 279,3 3,1
Landregen 3 111,4 43,2 1,9
Starkregen 3 39,6 1219,2 40,3
Platzregen 3 15,5 1219,2 3,3
Landregen 4 32,7 1219,2 4,4
Starkregen 4 23,0 1219,2 5,5
Platzregen 4 8,3 438,8 7,5
5 Ergebnisse und Diskussion 120
Besonderheiten während der Versuchsdurchführung
Nach IfW stellten sich zwischen Platzregen 1 und Landregen 2 infolge vermehrter
mikrobieller Aktivitäten und mangelnder Sauerstoffzufuhr über die Bodenluft im Boden
anaerobe hydrochemische Milieubedingungen ein, wodurch erhebliche Mengen von Fe(II)
aus den Mineralien des Bodens gelöst wurden. Dieses führte wahrscheinlich auch zur
Bildung von CTC-Fe-Komplexen (s. Kap. 5.2.1.2). Durch den Zutritt von Sauerstoff im
Probensammelgefäß wurde das gelöste Fe(II) oxidiert und als Eisen(III)-(hydr)oxid gefällt.
Dieser Vorgang hatte einen erheblichen Einfluss auf die Aufbereitung der Proben und die
anschließende analytische Bestimmung der Antibiotikawirkstoffe (siehe auch Kap. 5.2.3).
Ergebnisse des Versuchs im halbtechnischen Maßstab
Das erste Auftreten von CTC im Sickerwasser wurde in den Proben der dritten Beregnung
festgestellt (Abb. 57 und 58). Gleichzeit nahm der pH-Wert der Eluatprobe leicht zu. In dieser
Probe lag trotz der zu erwartenden Minderbefunde durch die Probenaufbereitung mit über
400 ng/L eine deutlich höhere „Gesamtkonzentration“ als die „gelöste“ Konzentration vor.
Dies ist möglicherweise ein Hinweis auf einen partikelgebundenen Transport von CTC zu
diesem Zeitpunkt des Versuchs. In der anschließenden Probe konnte CTC nur noch im
Probenaliquot zur Bestimmung der „gelösten“ Konzentration ermittelt werden.
In den beiden sich weiter anschließenden Eluaten konnte kein CTC nachgewiesen werden.
Ein erneuter CTC-Durchbruch erfolgt mit Landregen 3. In der „gelösten“ Fraktion wurde mit
etwa 580 ng/L die höchste im Eluat der Säule gemessene CTC-Konzentration bestimmt. Das
Auftreten des zweiten CTC-Durchbruchs ging mit einem deutlichen Anstieg in der
Partikelfracht (Tab. 22) einher, gleichzeitig nahm auch der pH-Wert des Säuleneluates
wieder zu. Ein dritter CTC-Durchbruch erfolgte mit Platzregen 3, welcher auch hier wieder
mit einem Anstieg des pH-Wertes einherging. Bereits im Eluat davor war der pH-Wert um
mehr als eine Einheit abgefallen und es pendelte bis Versuchsende ein insgesamt
niedrigeres pH-Niveau ein. Mit dem niedrigen pH-Werten nahm gleichzeitig die
Partikelkonzentration in den Säuleneluaten enorm zu und blieb bis Versuchsende auf einem
sehr hohen Niveau (siehe Tab. 22). Diese Beobachtungen lassen vermuten, dass mit
Starkregen 3 die Pufferkapazität des Versuchsbodens durch die ständige Beregnung
(Regenwasser: ca. pH 6,5) erreicht wurde und es infolge der sich neu eingestellten
niedrigeren pH-Bedindungen zu einem erhöhten Eisenaustrag (insbesondere Fe2+) mit dem
Sickerwasser gekommen. Eine erhöhte mikrobielle Aktivität kommt allerdings auch in
Betracht. Aufgrund der komplexen Vorgänge in Böden lässt sich der Hintergrund anhand der
vorhandenen Daten nicht klären. Jedenfalls wurde das Fe(II) in den Sammelproben durch
5 Ergebnisse und Diskussion 121
den Zutritt von Sauerstoff im Probensammelgefäß oxidiert und als Eisen(hydr)oxid gefällt.
Dies erklärt auch die Beobachtung einer stark erhöhten Partikelkonzentration in
Sammelproben dieser Eluate.
Ein Nachweis von SFD war im Gegensatz zum Versuch im Labormaßstab in keinem der
Eluate nachweisbar. Hier spielt möglicherweise die extreme Beregnung im Versuch des
Labormaßstabes und die damit verbundene relativ schnelle Ausspülung von flüssigen
Güllebestandteilen eine Rolle. Im Versuch des halbtechnischen Maßstabs bestanden
jedenfalls deutlich längere Kontaktzeiten der Antibiotika-Wirkstoffe mit der Bodenmatrix.
0
100
200
300
400
500
600
Landregen 1
Starkregen 1
Platzregen 1
Landregen 2
Starkregen 2
Platzregen 2
Landregen 3
Starkregen 3
Platzregen 3
Landregen 4
Starkregen 4
Platzregen 4
[ng/L]
CTC nach-Probe [ng/L]
CTC vor-Probe [ng/L]
Wechsel zu anaeroben Bedingungen
Abb. 57: CTC-Konzentrationen im Eluat des halbtechnischen Säulensystems (geändert nach
[477])
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
Landregen 1
Starkregen 1
Platzregen 1
Landregen 2
Starkregen 2
Platzregen 2
Landregen 3
Starkregen 3
Platzregen 3
Landregen 4
Starkregen 4
Platzregen 4
CTC [ng/L], Leitfähigkeit [µS/cm]
5,50
6,00
6,50
7,00
7,50
8,00
pH [-]
CTC nach-Probe [ng/L]
CTC vor-Probe [ng/L]
Leitfähigkeit [µS/cm]
pH-Wert
Wechsel zu anaeroben Bedingungen
Abb. 58: CTC-Konzentrationen, pH-Werte und Leitfähigkeiten und pH-Werte im Eluat des
halbtechnischen Säulensystems (geändert nach [477])
5 Ergebnisse und Diskussion 122
Nach Versuchsende wurden Bodenproben als tiefengestufte Mischproben aus der Säule
entnommen. CTC konnte ausschließlich in den begüllten Bodenschichten nachgewiesen
werden (Abb. 59). Innerhalb des begüllten Bodenbereichs steigen die Gehalte mit
zunehmender Bodentiefe an. Unter der Annahme einer gleichmäßigen Einarbeitung der
Gülle betrugen die CTC-Gehalte, bezogen auf die der Gülle zudotierten CTC-Menge, im
begüllten Bodenbereich etwa 1500 µg/kg TM.
Die Gehalte in der untersten begüllten Bodenschicht lagen bei 820 μg/kg TM. In den darüber
liegenden Bodenschichten hatten die CTC-Gehalte dagegen deutlich abgenommen. Als
mögliche Ursachen hierfür kommen sowohl Verlagerungsprozesse als auch eine biotische
oder abiotische Umsetzung von CTC-Verbindungen in Frage. Eine Verlagerung von CTC-
Verbindungen in die Bodenschichten unterhalb des begüllten Bereichs konnte nicht
nachgewiesen werden. Im Sickerwasser konnten nur geringe Anteile der dotierten CTC-
Verbindungen gefunden werden. Vor dem Hintergrund der Entwicklung anaerober
hydrochemischer Milieubedingungen im Boden der Säule war mit zunehmender Bodentiefe
mit abnehmenden Sauerstoffgehalten der Bodenluft zu rechnen. Dies könnte eine Erklärung
für eine geringere Umsetzung von CTC-Verbindungen mit zunehmender Bodentiefe sein.
Auch SFD konnte nur in den begüllten Bodenschichten nachgewiesen werden (Abb. 59).
Mit zunehmender Bodentiefe im begüllten Bereich des Bodens wurden leicht ansteigende
SFD-Gehalte ermittelt. Unter der Annahme einer gleichmäßigen Einarbeitung der Gülle und
auf Basis der zudotierten SFD-Menge betrugen SFD-Gehalte bei Versuchsstart etwa 1500
µg/kg TM.
Die im begüllten Bereich ermittelten SFD-Gehalte lagen weit unter dieser Größe. Es konnten
nur SFD-Gehalte von maximal 43 μg/kg TM nachgewiesen werden. Hierfür kommen
dieselben Ursachen wie für das Verhalten der CTC-Verbindungen in Frage. Teilweise könnte
SFD auch als 4-OH-SFD vorgelegen haben [353]. Dieser Metabolit wurde aber bei der
Analyse nicht mit untersucht.
Insbesondere wird aber vermutet, dass die niedrigen Gehalte von SFD im begüllten
Bodenbereich auf die Bildung von sequestrierten und nicht-extrahierbaren SFD-Anteilen
zurückzuführen sind (siehe Diskussion Kap. 5.1.5). Auch das SFD nicht im Sickerwasser des
halbtechnischen Maßstabes nicht nachgewiesen werden konnte, kann ein Indiz hierfür sein,
da diese Bindungsprozesse mit zunehmender Kontaktzeit ein größeres Gewicht besitzen
[9,10,452,470,474].
5 Ergebnisse und Diskussion 123
100
200
300
400
500
600
700
800
900
0-5 cm 5-10 cm 10-20 cm 20-30 cm 30-40 cm 40-50 cm 50-60 cm
Filterkies
Wirkstoffgehalte im Boden [µg/kg TM]
CTC-Gehalt
SFD-Gehalt
0
Abb. 59: Gehalte von CTC und SFD im Boden des halbtechnischen Säulensystems nach
Abschluss der Beregnung (geändert nach [477])
Eine berechnete Bilanz der wiedergefundenen CTC- und SFD-Gehalte bzw. Konzentrationen
ist in Tabelle 23 zusammengefasst. Es konnten nur 0,002 % der dotierten CTC-
Verbindungen im Sickerwasser gefunden werden. Im Boden (nur begüllter Bereich) betrug
die wiedergefundene Menge an dotierten CTC insgesamt 28 %. SFD war im Sickerwasser
nicht nachweisbar, und im Boden konnten nur 2,9 % des zur Gülle dotierten SFD analytisch
nachgewiesen werden.
In der Gülle wurden 3 Monate nach der Dotierung 28,15 % der zugesetzten CTC-
Verbindungen und nur 0,02 % des SFD wiedergefunden.
Tab. 23: Wiederfindung von CTC und SFD im Versuch des halbtechnischen Maßstabs
Dotierte Wirkstoffmenge = 100%
(bezogen auf dotierte Gülle)
Summe CTC
[%]
SFD
[%]
im Boden 28,0 2,9
im Eluat 0,002 0
Wiederfindung
der dotierten
Wirkstoffmengen im Boden + Eluat 28,0 2,9
Wie es zu den geringen wiedergefundenen Gehalten von SFD und CTC in der Gülle
gekommen ist, kann aufgrund der komplexen Zusammenhänge nicht gesagt werden.
Gleiches gilt im Übrigen auch für die im Labormaßstab eingesetzten Gülle. Hier spielen auch
wieder abiotischer und biotischer Abbau, sowie die Bildung von nicht-extrahierbaren und
sequestrierten Anteilen eine Rolle.
5 Ergebnisse und Diskussion 124
Eine Zusammenstellung der Messwerte der Versuche im halbtechnischen Maßstab befindet
sich in Anhang A.4.3.
5.2.2.2 Zusammenfassung: Ergebnisse der Säulenversuche und
Schlussfolgerungen
Die wichtigsten Ergebnisse aus den Säulenversuchen lassen sich wie folgt zusammenfassen
und interpretieren:
Die Ergebnisse der Sickerwasserproben vom Säulenversuch im halbtechnischen Maßstab
zeigen, dass CTC auch durch Bodenschichten von 60 cm Tiefe verlagert werden kann.
Daher besteht die Möglichkeit einer Verlagerung bis in Grundwasser. Auch SFD kann, wie
der Versuch im Labormaßstab zeigt, bei einem extremen Niederschlagsereignis im Boden
potentiell verlagert werden. Hamscher et al. konnten bei einer Feldstudie nach vier Jahren
ein erstmaliges auftreten von CTC im Grundwasser nachweisen [85]. In Lysimeterversuchen
fanden Henkelmann et al. im Sickerwasser Spuren von CTC und SFD unterhalb einer
Bestimmungsgrenze von 3 µg/L [418]. Boxall et. al wiesen in Lysimeterversuchen einen
Transport des Sulfonamids Sulfachloropyridazine mit dem Sickerwasser auch schon unter
typischen Niederschlagsbedingungen nach [504].
Da der in den Versuchen verwendete Boden vor den Einbau in die Säule manuell zerkleinert
und homogenisiert wurde, ist ein Transport von SFD und CTC auch in Böden ohne
ausgeprägte Makroporensysteme (z.B. Wurmgänge, Wurzelkanäle) möglich.
Auffällig war, dass die CTC-Durchbrüche mit einer steigenden pH-Tendenz oder Leitfähigkeit
in der Sammelprobe einhergingen. Der Einfluss von pH und Ionenstärke auf Sorptions- und
Desorptionsprozesse bei Tetracyclinen ist bekannt (siehe Kap. 3.4), doch wie diese sich auf
den Transportweg ausgewirkt haben, kann anhand der Analysen und der vom IFW
ermittelten Parameter nicht gesagt werden.
Hinsichtlich der Tiefenverlagerung und Immobilisierung der Antibiotika-Wirkstoffe im Boden
ergaben die durchgeführten Versuche unterschiedliche Ergebnisse. So konnte im Boden des
Laborsäulensystems eine Verlagerung von SFD und CTC unterhalb des begüllten Bereichs
festgestellt werden. Im Boden des Säulenversuchs im halbtechnischen Maßstab wurde
dagegen keine Verlagerung über den begüllten Bodenbereich hinaus festgestellt. Ursache
hierfür ist eventuell die starke Beregnung der Säule im Labormaßstab bei einer Bodentiefe
von nur 2 cm für den begüllten Bereich. Möglicherweise spielen hier aber auch die
unterschiedlichen hydrochemischen Randbedingungen (z.B. pH-Wert) in den
Säulensystemen eine Rolle.
Eine Bilanzierung des Verbleibs der mit der Gülle in den Boden eingebrachten Antibiotika-
Wirkstoffe war in keinem der untersuchten Systeme möglich. Es wurde grundsätzlich nur ein
5 Ergebnisse und Diskussion 125
Teil der dotierten Wirkstoffe wiedergefunden. Doch die niedrigen Werte, die von SFD in der
Gülle und Boden wiedergefunden wurden, stimmen tendenziell mit vergleichbaren
Untersuchungen überein. Für Sulfadiazin im Boden ermittelten z.B. Kreuzig et al. eine
Halbwertszeit von 3 Tagen [474].
Der in den Böden wiedergefundene SFD-Gehalt ist im Vergleich zu der dotierten
Güllemenge sehr gering. Demgegenüber ist der wiedergefundene CTC-Gehalt in den Böden
um ein vielfaches höher. Dies stimmt tendenziell mit den Ergebnissen des „Antiinfektiva-
Projekts“ [476] überein (siehe Kap. 5.1).
Es gibt Hinweise auf einen partikulären Transport von CTC, es ist aber nicht abzuschätzen,
in welchem Umfang dieser zum Transport von CTC mit dem Sickerwasser beigetragen hat.
5.2.3 Ergänzende Untersuchungen zur Rückstandsanalytik
„Differenzierung gelöster und partikelgebundener Spezies“
Wie zu Beginn von Kap. 5.2.2 erwähnt, gab es Probleme bei der analytischen
Differenzierung zwischen gelösten (eluierten) und partikelgebundenen (eluierten) Antibiotika-
Wirkstoffen. Durch Analyse zentrifugierter und nicht-zentrifugierter Probenaliquote wurde
eine „Gesamtkonzentration“ und eine „gelöste Konzentration“ erhalten, und durch
Differenzbildung schließlich der „partikelgebundene Anteil“. Da mit der angewandten
rückstandsanalytischen Methode (Desorption, HPLC-UV-MS/MS-Bestimmung) eine direkte
Bestimmung von Festphasen-gebundenem CTC und SFD nicht möglich ist, wurden mit dem
schon erwähnten EDTA-Ammoniak-Puffer die Antibiotika von den Festphasen-Oberflächen
desorbiert. Mit dieser Methode gab es bei „natürlichen“ Ackerboden-Proben – aber nicht bei
den Modellfilterkörpern und Modellpartikeln - erhebliche Minderbefunde, vor allem in der
„Gesamtprobe“. Auffällig war, dass diese Minderbefunde mit ansteigender Eisen-
konzentration korrelieren. Deshalb wurden sowohl Modellversuche auf der Basis der in Kap.
5.2.1.2 beschriebenen Metallkomplexierungsstudien durchgeführt, um die Ursachen der
beschriebenen Effekte aufzuklären, als auch Voruntersuchungen zur Anwendbarkeit einer
alternativer (Screening-) Methoden mit Hilfe der Fluoreszenzspektrometrie (s. Kap. 5.2.4).
Einfluss der Eisen(III)hydroxid-Fällung auf die Wiederfindung
Bei diesen Modellversuchen wurden die experimentellen Bedingungen bei den
entscheidenden (analytischen) Stadien der Laborexperimente näherungsweise simuliert.
Untersuchungsmethodik
In zwei getrennten Ansätzen (Version I und II, s. Abb. 60) wurde aus schwach salzsaurer
FeCl3 –Lösung Eisen(III)-hydroxid mit NH3/NH4Cl-Puffer (pH 10) ausgefällt und dann die
5 Ergebnisse und Diskussion 126
erhaltene Suspension mit Salzsäure auf pH 7 eingestellt. Bei der Version I der
Versuchsdurchführung wurde CTC nach der Fällung der Suspension zudotiert, bei der
Version II vor der Fällung zu der Fe3+- Lösung, wie den Schemata der Abb. 60a und b zu
entnehmen ist. Die erhaltenen Reaktionsgemische wurden jeweils parallel nach zwei
unterschiedlichen Varianten aufgearbeitet, analog zu der Probenvorbereitung der Boden-
und Modellpartikelproben:
- Direkte „Extraktion“ des Hydroxid-sorbierten CTC durch Zusatz von
NH3/NH4Cl/EDTA-Puffer (pH 10), anschließend Zentrifugation und nachfolgend
Analyse des Zentrifugates.
- Sofortige Zentrifugation, anschließende Extraktion des Zentrifugates mit dem Puffer
und nachfolgende Analyse.
Die genaue Versuchsdurchführung ist in Anhang A.1.5.8 beschrieben. Die Analyse der
Extrakt-Proben erfolgte nach SPE-Aufarbeitung mittels HPLC-DAD-MS2.
CTC
(100 µg/L)
Zentrifugation
Extraktion:
Ammoniak-EDTA-Puffer
pH 10
Zentrifugation
Probe A Probe B
SPE und Analyse (HPLC-DAD-MS
2
)
Extraktion:
Ammoniak-EDTA-Puffer
pH 10
Hydroxidfällung
pH = 7
Fe
3
+-Lösung (50 mg/L)
+
NH3/NH4Cl-Puffer, HCl
Abb. 60a: Versuchsschema zur Untersuchung des Einflusses der Eisenhydroxidfällung auf
die Sorption und Extrahierbarkeit von CTC; Version I: CTC-Dotierung nach der
Fällung
5 Ergebnisse und Diskussion 127
Zentrifugation
Probe C
SPE und Analyse (HPLC-DAD-MS
2
)
Zentrifugation
NH3/NH4Cl-Puffer, HCl
pH = 7
Hydroxidfällung
Fe
3
+-Lösung (50 mg/L)
+
CTC
(100 µg/L)
Extraktion:
Ammoniak-EDTA-Puffer
pH 10
Probe D
Extraktion:
Ammoniak-EDTA-Puffer
p
H 10
Abb. 60b: Versuchsschema zur Untersuchung des Einflusses der Eisenhydroxidfällung auf
die Sorption und Extrahierbarkeit von CTC; Version II: CTC-Dotierung vor der
Fällung
Es wurde erwartet, dass nach Version I der Fällungsabläufe das zugegebene CTC bevorzugt
adsorptiv an die Oberflächen des Hydroxidgelkörpers gebunden wird, während nach der
Version II mit Einschluss- bzw. Okklusionseffekten („Mitfällung“ von CTC) zu rechnen wäre.
5.2.3.1 Ergebnisse
Die Ergebnisse dieser Versuche sind in Tabelle 24 aufgeführt. Daraus ergibt sich ein
deutlicher Zusammenhang zwischen der Reihenfolge von Fällung und CTC-Dotierung und
der Extrahierbarkeit bzw. Wiederfindung von CTC (während der Extraktion zum iso-CTC
umgewandelt).
In der Probe B der Versuchversion I (CTC-Dotierung nach der Fällung) ist die Wiederfindung
mit 91,7% CTC am höchsten (Tab. 24), in der analogen Probe der Version II (Dotierung vor
der Fällung) mit 26,3% aber erheblich niedriger. Daraus ist der Schluss zu ziehen, dass die
desorbierende Wirkung des Extraktionspuffers überwiegend auf die zugänglichen äußeren
(und inneren) Oberflächen des Eisenhydroxidgels bzw. Kolloids beschränkt ist, während
mitgefällte, teilweise okkludierte Anteile des Chlortetracyclins nur zu einem geringen Teil
erfassbar sind. Um CTC/iso-CTC vollständig extrahieren zu können, müsste das
Eisenhydroxid vollständig in Lösung gebracht werden.
5 Ergebnisse und Diskussion 128
Wie aus den Ergebnissen der Sorption an Modellpartikeln zu erwarten war, ist der gelöste
Anteil an CTC in den Proben sehr gering. Die Wiederfindungen von Probe A (0,4%) und
die Wiederfindung von CTC
(HPLC-MS/MS, 3-fach Injektion) (s. Schemata in Abb. 60a und b; 100%
Wiederfindung bei 10000 µg/L)
P[µg/L] [µg/L] [%]
Probe C (3,3%) belegen dies eindeutig. In Probe C ist der gelöste Anteil des Antibiotikums
höher als in Probe A. Wahrscheinlich wurde bei der Dotierung vor der Fällung (Version II)
eine relativ höhere Konzentration an gelösten CTC-Fe-Komplexen gebildet als bei der
Versuchsversion I. Diese gelösten Anteile werden offenbar bei der anschließenden
Eisenhydroxidfällung nur teilweise mitgefällt (s. Kap. 5.2.1.2).
Tab. 24: Ergebnisse zum Einfluss der Eisen(III)-Fällung auf
robe e-iso-CTC
[µg/L]
iso-CTC Summe CTC Wiederfindung
Version I llung) (CTC-D achotierung n
A
(Zentrifugat) 0,4±0,1
15±2 29±4 44±6
B
(direkte Extraktion) 2032±117 7141±541 9173±658 91,7±6,6
Version II (CTC-Dotierung vor Fällung)
*C
(Zentrifugat) 155±17 171±23 326±40 3,3±0,4
D
(direkte Extraktion) 17 26 26,3±2,0
837±98 95±102 32±200
*enthält noch Spuren von CTC
aus den Modellversuchen bieten einen Erklärungsansatz für
ie beschriebene Diskrepanz bei den Analysendaten der Proben aus den Bodensäulen
ie Zusammensetzung der einzelnen Proben der Säulenversuche waren höchst
rschiedlichen pH-Werten, Leitfähigkeitswerten und
5.2.3.2 Schlussfolgerungen
Die beschriebenen Ergebnisse
d
zwischen „Gesamtkonzentration“ und „gelöster Konzentration“. Dabei sind jedoch
verschiedene Einflussgrößen zu unterscheiden:
Zusammensetzung der Bodenproben
D
unterschiedlich, was u.a. aus den unte
Partikelkonzentrationen sowie Gehalten an Eisen und anderen Metallionen (nicht bestimmt)
resultiert, die alle einen Einfluss auf das Sorptionsmilieu für die Antibiotika ausüben.
5 Ergebnisse und Diskussion 129
Denkbar ist, dass bei den Säuleneluaten ein Teil der dotierten Antibiotika in dem
Zentrifugationsrückstand als eine Art „bound residue“ vorlag, d.h. durch Okklusion für das
ufgelösten Zentrifugationsrückständen aus "Vor-
Proben" nach Zugabe von EDTA-Ammoniak-Puffer (Mittelwerte aus 3-fach
Injektion; HPLC-MS/MS; Konzentrationen bezogen auf das zentrifugierte
Extraktionsmittel nur schwer zugänglich war. Nach Auflösung des Rückstandes vom
„Landregen 2“ mit Salzsäure und anschließender Extraktion, wurde jedenfalls CTC, bedingt
durch die Extraktionsbedingungen, als iso-CTC und e-iso-CTC, nachgewiesen (siehe Tab.
25). Der Einfluss anderer bodenrelevanter Metallionen, die ebenfalls schwerlösliche
Hydroxide bilden, kann hierbei eine zusätzliche Rolle spielen. Im Rückstand von „Platzregen
3“ konnte kein CTC nachgewiesen werden, daher sind die Minderbefunde nicht allein auf
diesen Zusammenhang zurückzuführen.
Tab. 25: Konzentration in den mit HCl a
Probenvolumen der Säuleneluate)
Probe e-iso-CTC
[ng/L]
iso-CTC
[ng/L]
Summe CTC
[ng/L]
SFD
[ng/L]
Rückstand Landregen 2 115±7 201±4 315±11 n.n
Rückstand Platzregen 3 n.n. n.n. n.n. n.n.
Wie in Kap s ähre che in mikrobieller
ktivität unter anaeroben Bedingungen im Boden zu Eisen(II) reduziert und zusammen mit
nn (nach J. Strähle
[502]) von Eisenhydroxiden
. 5.2.2 berichtet, wurde Ei en(III) w nd der ulenversu folge
A
dem künstlichen Regenwasser und mobilem CTC transportiert. Abgesehen davon, dass
Fe(III)-Hydroxid im Vergleich zu Fe(II)-Hydroxid ein kleineres Löslichkeitsprodukt besitzt und
die Fällung bei einem anderen pH-Wert eintritt (siehe Tab. 26), sind Sorptions- und
Okklusionsmechanismen auch bei der Fällung von Fe(OH)2-Gelen zu erwarten,
entsprechend den Ergebnissen der Modellversuche (siehe Kap. 5.2.1). Der Übergang zu
aeroben Bedingungen führt darüber hinaus zu einer (partiellen) Reoxidation der Fe(II)-
Anteile mit u.U. lokalen pH-Änderungen, so dass während der Säulenversuche kein
homogenes Sorptions- und Desorptionsmilieu vorgelegen haben kann.
Tab. 26: Löslichkeitsprodukte (nach ChemDat© [505]) und Fällungsbegi
Substanz Löslichkeitsprodukt bei 18 °C
[mol/L]
Fällungsbeginn
Fe(II)-Hydroxid 1,64 x 10-14 pH 5,8-8,5
1,10 x 10-36 pH 2,2-7,0 Fe(III)-Hydroxid
Die Komp nge wird du enden, in der Fa eschriebenen
eobachtungen ebenfalls deutlich: Figueroa et al. untersuchten die Sorption von
lexität der Vorgä rch die folg chliteratur b
B
Oxytetracyclin (OTC) an oxidische Eisenerze und eisenreichen Böden und die Wirkung
verschiedener Extraktionsmittel, wie z.B. 0,25 mol/L EDTA bei pH 8,9 [436]. Aus den
5 Ergebnisse und Diskussion 130
oxidischen Eisenerzen konnten damit 36-40% des OTC extrahiert werden, aus den
eisenreichen Böden war aber keine Extraktion nachweisbar. OTC zeigte in den Versuchen
mit oxidischen Eisenerzen ein Sorptionsmaximum bei pH 8. Gu et al. untersuchten die
Interaktion von Tetracyclin mit Eisen(III)- und Aluminiumhydroxid. Sie ermittelten für
Eisenhydroxid eine Abnahme der Sorption ab pH 6 und für Aluminiumhydroxid ein
Sorptionsmaximum bei pH 7 [435].
Aufgrund dieser und der eigenen Untersuchungsergebnisse wird erkennbar, dass die
desorbierende Wirkung von EDTA in (alkalischen/ammoniakalischen) Extraktionsmitteln im
erten (ab pH 4)
ten (SOM) von der Konzentration an Metallkationen
ie Okklusion von CTC in Metallhydroxidfällungen während
ie uneinheitliche Extraktionseffektivität von EDTA-Ammoniak-Puffer in Abhängigkeit der
zung wurde bereits erwähnt. Die daraus resultierende Variationsbreite
hohen Maße von der mineralischen Zusammensetzung der (Boden-) Proben abhängt – aber
auch organische Komponenten können einen markanten Einfluss ausüben:
So zeigen Untersuchungen von Sithole et al. [431,432], dass der Sorptionsgrad von
Tetracyclin an Tonmineralien, Torf und Huminsäuren mit steigenden pH-W
unterschiedlich stark abnimmt und bei allen Sorbentien im alkalischen pH-Bereich ein
annähernd konstantes Minimum erreicht. Neben dem Einfluss des pH-Werts auf die
Sorptionsgrade zeigen diese Untersuchungen auch die Abhängigkeit der Sorption von der
Ionenstärke. Kulshrestha et al. fanden heraus, dass sich durch Gülle und Huminsäuren
(gelöstes organisches Material) die Sorbierbarkeit von Oxytetracyclin an Ton im pH-Bereich
von 1,5 - 11 erheblich verringert [427].
Die Komplexität der Zusammenhänge im Boden wird dadurch deutlich, dass die Sorption von
Arzneistoffen an organische Komponen
abhängt und die Sorption an mineralischen Komponenten vom Gehalt an gelöstem
organischem Material (DOM). Der Einfluss der Bildung von ternären Komplexen (z.B.
Arzneistoff-Metallkation-SOM) auf die Sorption von Arzneistoffen in Böden ist jedoch
unzureichend untersucht [503].
Aufgrund der Komplexen Zusammensetzung der Proben in den Säuleneluaten sind die
Minderbefunde nicht allein auf d
der Probenaufarbeitung zurückzuführen. Denn sonst hätte auch im Rückstand der Probe von
„Platzregen 3“ CTC nachweisbar gewesen sein müssen. In wie weit auch organische
Komponenten oder die Komplexbildung Einfluss auf die Probenaufarbeitung und
Bestimmung von SFD und CTC hatten, bleibt offen.
Analysenmethodik
D
Probenzusammenset
der Extraktzusammensetzung kann ein kritischer Faktor bei der anschließenden
Festphasenextraktion (SPE) sein, zumal bei den Wiederfindungsstudien nicht alle Faktoren
berücksichtigt werden konnten. Dazu zählen sicherlich – neben den „echt“ gelösten
5 Ergebnisse und Diskussion 131
Antibiotikarückständen - die partikelgebundenen Anteile in den unterschiedlichen Extrakten
der Zentrifugate und Rückstände, bzw. den Fraktionen der „gelösten Konzentration“ und der
„Gesamtkonzentration“.
Da durch die Zentrifugation Partikel oberhalb eines bestimmten Dichtebereiches
sedimentieren, blieben neben den „gelösten“ CTC’s auch partikulär gebundene im
uf Antibiotikarückstände analysiert. Besonders bei Sulfonamiden - im
enerell ist der verwendete Ammoniak-EDTA-Extraktionspuffer auf Tetracyclin-beladene
xide und –hydroxide anwendbar, wie die Untersuchungen des Vorgängerprojektes
Zentrifugat zurück. Man kann davon ausgehen, dass in den Messproben der „gelösten
Konzentration“ - also in den Eluaten der Festphasenextraktion - im Vergleich zu den
Messproben der „Gesamtkonzentration“ - eine erheblich geringere Partikelkonzentration
vorlag, aber vermutlich eine ähnliche Konzentration an gelösten organischen Substanzen.
Jedenfalls sind Beeinträchtigungen bei Anwendung der SPE-Methode möglich, die
vermutlich mit dazu beigetragen haben, dass in einigen Proben der „Gesamtkonzentration
kein CTC nachzuweisen war, wohl aber in Proben der „gelösten Konzentration“. Derartige
Effekte sind sowohl bei Bestimmung der Rückstände an Chlortetracyclin als auch an
Sulfadiazin möglich.
Wie beschrieben, wurden die jeweiligen Eluate der Festphasenextraktion als Messprobe mit
dem LC-MS-System a
Unterschied zu Tetracyclinen – können Matrixeffekte zu einer Unterdrückung der MS-Signale
führen. Derartige Suppressionseffekte leisten ebenfalls einen Beitrag zu Minderbefunde, die
mit zusätzlichem Aufwand, z.B. durch das Standardadditionsverfahren, kompensierbar sind,
sofern ausreichend Probenmaterial verfügbar ist (s. Kap. 5.1.3.2).
Eine ausführlichere Untersuchung derartiger Effekte war im Rahmen dieser Arbeit nicht
möglich.
Fazit
G
Metallo
„Antiinfektivaeinträge“ und die Rückstandsuntersuchungen an den Säulenböden zeigen.
Dabei ermöglicht der Puffer die Analyse extrahierbarer Anteile von bestimmten Antibiotika-
Wirkstoffgruppen in Böden, versagt aber - wie andere Puffersysteme – bei der Erfassung
gebundener Anteile („bound residues“). Der im Rahmen des Projekts angestrebten
Bestimmung des partikelgebundenen und gelösten Anteils von CTC und SFD sind daher
Grenzen gesetzt, die chemisch und analytisch- methodisch ansatzweise erklärbar sind.
5 Ergebnisse und Diskussion 132
5.2.4 Fluoreszenzuntersuchungen an partikelgebundenem CTC und iso-CTC
on
rzneistoffrückständen in Bodenproben (partikelgebundene und gelöste Anteile) und die
rschiedliche
methodische Defizit der indirekten
ethode durch Ausnutzung der Fluoreszenzeigenschaften von Tetracyclinen (Abb. 61)
.2.4.1 Qualitative Fluoreszenzanalyse
CTC- und iso-CTC-beladenen Modellpartikeln
urchgeführt, die im Kap. 5.2.1.1 beschrieben sind.
latte (Thermo Microtiter 96-well plate)
ima sehr unterschiedlich sind.
Die in Kap. 5.2.2 beschriebenen Analysenverfahren zur Bestimmung v
A
kritische Ergebnisdiskussion ließen die Grenzen der angewandten indirekten Methode –
Fest-Flüssig-Extraktion, Festphasenextraktion, Eluatanalyse – deutlich werden.
Allgemein sind mit den einsetzbaren Extraktionsmitteln (verschiedene Puffergemische, z.T.
mit Lösemittelzusätzen) in Abhängigkeit von Bodentyp und -beschaffenheit unte
Extraktionsgrade bzw. Wiederfindungen erreichbar, woraus ebenso unterschiedliche Anteile
nicht-extrahierbarer, gebundener Rückstände resultieren.
Alternativ wurde die Möglichkeit in Betracht gezogen, das
M
auszugleichen, indem Rückstände dieser Wirkstoffklasse fluoreszenzspektrometrisch direkt
in fester Phase bestimmt werden, u.U. mit der Erfassung gebundener Rückstände.
Untersuchungen zeigten, dass Tetracycline in Knochen fluoreszenzspektrometrisch
quantifizierbar sind [7,506]. Ob Fluoreszenzmethoden auch bei Bestimmung von
Tetracyclinen in der komplexen Bodenmatrix anwendbar sind, war nicht bekannt. In der
Literatur ist beschrieben, dass fluoreszierende Tracer (z.B. Brilliant Sulfaflavine,
Sulforhodamine B, Oxazine 170) bei der Identifikation von Transportprozessen in Böden
eingesetzt werden [507-510]. Versuche sollten Aufschluss darüber geben, ob prinzipiell
fluorometrische Screeningmethoden LC-UV-MS-Methoden sinnvoll ergänzen oder – je nach
Zielsetzung der geplanten Untersuchungen - sogar ersetzen könnten.
5
Zunächst wurden Vorversuche mit
d
Ein Mikrolöffel der unbeladenen Modell-Partikel, beladenen Partikel (lyophilisiert) und „freien“
Tetracycline (Feststoffe) wurden in eine Mikrotiterp
gegeben. Die Fluoreszenz wurde im Reflexionsmodus (spitzer Winkel) gemessen
(Varioskan, Spektrofluorometer und Spectrophotometer (Thermo Electron), siehe Anhang
A.1.2.3). Die Aluminiumoxidpartikel wurden zusätzlich mit einer UV-Lampe (CAMAG UV-
Lampen und UV-Betrachter) qualitativ untersucht.
Alle eingesetzten Tetracyclin-Derivate zeigen als Feststoff eine deutliche Fluoreszenz (Abb.
61), wobei Lage und Intensität der Fluoreszenzmax
5 Ergebnisse und Diskussion 133
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
Fluoreszenz [RFU]
Wellenlänge [nm]
CTC
iso-CTC
epi-CTC
TC
anhydro-CTC
OTC
DoxyC
DemecloC
Abb. 61: Fluoreszenzspektren der „freien“ Tetracycline (Feststoff; λex= 314 nm)
Die deutliche Fluoreszenz von Aluminiumoxid, das mit Chlortracyclinen beladen wurde, ist
-beladenes
luminiumoxid zeigt gelbe (λmax=520 nm) und iso-CTC-beladenes Aluminiumoxid blaue
bereits mit bloßem Auge unter einer UV-Lampe erkennbar (Abb. 62). CTC
A
Fluoreszenz (λmax=398 nm), so dass auch eine qualitative Unterscheidung möglich ist.
Abb. 62: Fluoreszenz CTC- und iso-CTC-beladener Aluminiumoxide
(von oben nach unten: ohne Anregung, λex = 254 nm, λex = 366 nm)
Die intensivsten Fluoreszenzeffekte wurden beim beladenen Aluminiumoxid (sauer) und
Aluminiumoxid 19 µmol/g CTC 19 µmol/g iso-CTC
unbeladenes Beladung: Beladung:
Alumini mu oxid (basisch) beobachtet (Abb. 63 und 64).
5 Ergebnisse und Diskussion 134
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0
50
100
150
200
250
300
350
400
Fluoreszenz [RFU]
Wellenlänge [nm]
Alox (basisch)
CTC-Alox (basisch)
Alox (sauer)
CTC-Alox (sauer)
Abb. 63: Fluoreszenzspektren CTC-beladener und unbeladener
Aluminiumoxide (λex= 314 nm)
(schwarze und grüne Basislinie: keine Eigenfluoreszenz); Al2O3 sauer 19,0 µmol/g,
Al2O3 basisch 18,8 µmol/g CTC)
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
Fluoreszenz [RFU]
Wellenlänge [nm]
Alox (basisch)
iso-CTC-Alox (basisch)
Alox (sauer)
iso-CTC-Alox (sauer)
Abb. 64: Fluoreszenzspektren iso-CTC-beladener und unbeladener
Aluminiumoxide (λex= 314 nm)
(schwarze und grüne Basislinie: keine Eigenfluoreszenz); Al2O3 sauer: 19,0 µmol/g,
Al2O3 basisch: 17,7 µmol/g CTC)
ur schwache Fluoreszenz (vergl. Abb. 65 und 66).
Hier spie
wischenschichten des Montmorillonits (Bentonit), geringe Sorptionskapazität, pH-
Abhängigkeit der Fluoreszenzintensität u.a. Faktoren eine Rolle.
Die übrigen beladenen Partikel zeigen n
len Quenchingeffekte durch das Sorptionsmittel, Einlagerung der Antibiotika in
Z
5 Ergebnisse und Diskussion 135
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0
2
4
6
8
10
Fluoreszenz [RFU]
Wellenlänge [nm]
Bentonit
CTC-Bentonit
Ton1550
CTC-Ton1550
Abb. 65: Fluoreszenzspektren CTC-beladener und unbeladener Tonminerale
(Bentonit: 18,8 µmol/g, Ton1550: 14,2 µmol/g CTC, λ= 314 nm)
ex
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0
2
4
6
8
10
Fluoreszenz [RFU]
Wellenlänge [nm]
Bentonit
iso-CTC-Bentonit
Ton1550
iso-CTC-Ton1550
Abb. 66: Fluoreszenzspektren iso-CTC-beladener und unbeladener Tonminerale
(Bentonit : 2,9 µmol/g, Ton1550: 15,3 µmol/g, λex= 314 nm)
Die Lage und Intensität der Fluoreszenzmaxima wird in hohem Maße von der Partikelart
bzw. Trägermatrix beeinflusst. Somit wäre eine einfache Kalibrierung des
möglich.
Durch manuelle oder automatisierte Bearbeitung der Spektren kann aber die Lage der
Fluores ti rtikel-Paarezenzspektrometers nur für festgelegte Antibio ka-Modellpa
Fluoreszenzmaxima korrigiert werden, was allerdings die Messung über einen größeren
Wellenlängenbereich voraussetzt.
5 Ergebnisse und Diskussion 136
Die starke Matrix-Abhängigkeit der Fluoreszenz von Chlortetracyclinen wird bei der Messung
an Realproben deutlich. Ein CTC-beladener Oberboden (Nullprobe) zeigte keinen
eindeutigen und auswertbaren Verlauf des Fluoreszenzspektrums (Abb. 67) und der mit iso-
TC beladene Oberboden eine mit 1,3 RFU (Relative Fluorescence Unit) nur relativ niedrige
C
Intensität des Fluoreszenzmaximums (Abb. 68).
0,8
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
Oberboden
CTC-Oberboden
Fluoreszenz [RFU]
Wellenlänge [nm]
Abb. 67: Fluoreszenzspektren von CTC-beladenem (13,2 µmol/g) und unbeladenem
Oberboden (λ= 314 nm)
1,4
ex
350 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
Fluoreszenz [RFU
Wellenlänge [nm]
Oberboden
iso-CTC-Oberboden
]
Abb. 68: Fluoreszenzspektren von iso-CTC-beladenem (14,9 µmol/g) und unbeladenem
Oberboden (λex= 314 nm)
5 Ergebnisse und Diskussion 137
5.2.4.2 Quantitative Fluoreszenzanalyse
Zur Vorbereitung einer quantitativen fluoreszenzspektrometrischen Bestimmung von
partikelgebundenem CTC bzw. iso-CTC wurden Aluminiumoxidpartikel (sauer) bei pH 7 mit
steigenden Mengen an CTC bzw. iso-CTC nach der allgemeinen Sorptionsvorschrift in
Anhang A.1.5.5 belegt. Die sorbierten CTC-Mengen wurden indirekt durch Analyse der
wässrigen Phasen mit HPLC-DAD-MS2 bestimmt.
Die Beladungen mit CTC bzw. iso-CTC betrugen etwa 0,1, 1, 10, 100, 500, 1000 und 2000
µg/g. Die Proben wurden bis zur Analyse bei -30°C gelagert.
Die Analyse der beladenen Partikel erfolgte mittels des „Luminescence spectrometer Perkin-
Elmer LS50B“ in Mikrotiterplatten. Hierzu wurden die Partikel in die Probenbehälter der
Mikrotiterplatte gefüllt und die optimale Anregungswellenlänge ermittelt. Für CTC betrug
diese 410 nm und für iso-CTC 342 nm. Jede Probe wurde dreimal vermessen.
er Zu und Lichtemission (Gleichung 1) ist bei der
luoreszenz aus dem Lambert-Beer‘schen Gesetz ableitbar und gilt streng genommen für
ssung der Fluoreszenz von Festkörpern wird am
nde des Kapitels eingegangen.
alibrierfunktion für CTC-beladenes Aluminumoxid
quantitativen
nalysenmethode treffen zu können, wurde die Intensität beim Maximum der Fluoreszenz
D sammenhang zwischen Konzentration
F
Lösungen [511]; auf Besonderheiten zur Me
E
Gleichung 1:
If = ΦI0(1-10-εcx)
If : Intensität der Fluoreszenz (in [W m-2])
I0 : Intensität der einfallenden Strahlung (in [W m-2])
Φ : Quantenausbeute
ε : Extinktionskoeffizient (in [mol-1 L cm-1])
c : Konzentration (in [mol L-1])
x : optische Weglänge (in [cm])
K
Abb. 69 zeigt die Einzelspektren der mit CTC beladenen Aluminiumoxide bei einer
Anregungswellenlänge von 410 nm. Die Fluoreszenzintensität steigt dabei mit zunehmender
CTC-Konzentration an und die Messungen derselben Probe zeigen keine signifikanten
Abweichungen. Um Aussagen über die Möglichkeit zur Entwicklung einer
A
(490 nm) ausgewählt.
5 Ergebnisse und Diskussion 138
400 450 500 550 600 650 700 750 800 850
0
200
400
600
800
1000
Fluoreszenz [w
Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 69: Fluoreszenzspektren von CTC-beladenen Aluminiumoxidpartikeln (λex= 410 nm):
Steigende Intensität mit steigender Konzentration im Bereich von 0,1-2000 µg/g
Wenn die oben erwähnte Konzentrationsabhängigkeit der Fluoreszenzintensität gilt, wird in
halblogarithmischer Darstellung in einem gewissen Konzentrationsbereich Linearität
vorausgesetzt. Dieser Bereich wird visuell zwischen 100 und 2000 µg/g lokalisiert (Abb. 70).
illk.
0,1 1 10 100 1000
0
200
400
600
800
1000
Fluore z [willk. Einheit]
Konzentration [µg/g]
Abb. 70: Halblogarithmische Darstellung der Fluoreszenzintensität als Funktion der
Konzentration von CTC-beladenen Aluminiumoxidpartikeln (λex= 410 nm,
λem= 490 nm)
Ob eine Exponentialfunktion 1. Ordnung vorliegt, wurde mit dem Programm Origin 7.0
überprüft (Abb. 71). Die Parameter der Exponentialfunktion wurden dabei mittels Levenberg-
szen
5 Ergebnisse und Diskussion 139
Marquardt-Algorithmus ermittelt [512,513]. Der R2-Wert liegt hier bei 0,9858. Die relative
Standardabweichung der Messpunkte liegt zwischen 0,01 und 1,67% was zeigt, dass eine
hohe Präzision des Messverfahrens vorliegt.
0
0 500 1000 1500 2000
200
400
600
800
1000
1200
ExpDec1 fit of Data2_B
Data: Data2_B
Model: ExpDec1
Equation: y = A1*exp(-x/t1) + y0
Weighting:
y No weighting
Chi^2/DoF = 1996.72313
R^2 = 0.98583
y0 890.25092 ±20.94618
A1 -811.15791 ±23.35076
t1 292.7002 ±31.5096
Fluoreszenz [willk. Einheit]
Konzentration [µg/g]
Abb. 71: Funktionaler Zusammenhang zwischen Konzentration und Fluoreszenzintensität bei
Aluminiumoxid-sorbiertem CTC (λex= 410 nm, λem= 490 nm)
Nachdem der funktionelle Zusammenhang zwischen Fluoreszenzintensität und
Konzentration ermittelt worden ist, wurde der Bereich von 100-2000 µg/g hinsichtlich eines
linearen Zusammenhanges überprüft. Besitzt das Lambert-Beer‘sche Gesetz im
vorliegenden Fall Gültigkeit, ist die Fluoreszenz direkt proportional zum Logarithmus der
Fluorophorkonzentration und damit ein linearer Zusammenhang gegeben. Wie in Abb. 72 zu
sehen ist, zeigt sich dieser lineare Zusammenhang im untersuchten Konzentrationsbereich.
Hier ist somit eine lineare Kalibrierung möglich.
5 Ergebnisse und Diskussion 140
2,0 2,2 2,4 2,6 2,8 3,0 3,2 3,4
300
400
500
600
700
800
900
1000
eszenz [willk. Einheit]
Geradengleichung:
axby +
Fluor
log10 (Konzentration [µg/g])
=
a = -472
b = 431
R = 0,9995
sy= 7,35
Abb. 72: Kalibrierfunktion zur fluorometrischen Bestimmung von Alumi
sorbiertem CTC (λex= 410 nm, λem= 490 nm)
Kalibrierfunktion für iso-CTC-beladenes Aluminumoxid
Abb. 73 zeigt die Einzelspektren der mit iso-CTC beladenen Aluminiumoxide bei einer
Anregungswellenlänge von 342 nm. Die Spektren verhalten sich hier analog zu dem CTC-
beladenen Aluminiumoxid. Für die Messung mit iso-CTC mussten allerdings die
tlich höher
iner Überlastung des Detektors, was
uf eine deutlich höhere Quantenausbeute und/oder einen größeren Extinktionskoeffizienten
r iso-CTC hinweist. Das Fluoreszenzmaximum liegt hier bei 410 nm. Die gemessenen
in Abb. 74 dargestellt.
niumoxid-
Geräteeinstellung etwas modifiziert werden, da die Fluoreszenzintensitäten deu
waren. Bei gleicher Geräteeinstellung führte dies zu e
a
Intensitäten sind in Abhängigkeit von der Konzentration
5 Ergebnisse und Diskussion 141
300 400 500 600 700 800
0
200
400
600
800
1000
Fluoreszenz [willk. Einheit]
Wellenlänge [nm]
Abb. 73: Fluoreszenzspektren von iso-CTC-beladenen Aluminiumoxidpartikeln
(λex= 342 nm):
Steigende Intensität bei steigender Konzentration im Bereich von 0,1-2000 µg/g
In halblogarithmischer Darstellung ist ein linearer Bereich im Konzentrationsbereich
zwischen 100 und 2000 µg/g erkennbar (Abb. 74). Die zugehörige Exponentialfunktion 1.
Ordnung, dargestellt in Abb. 75, belegt die Güte der Korrelation mit einem R2-Wert von
0,9983 bei einer relativen Standardabweichung der Messpunkte von 0,05% bis 3,95%.
0,1 1 10 100 1000
0
200
400
600
800
1000
1200
Fluoreszenz [willk. Einheit]
Konzentration [µg/g]
Abb. 74: Halblogarithmische Darstellung der Fluoreszenzintensität als Funktion der
Konzentration von iso-CTC-beladenen Aluminiumoxidpartikeln (λex= 342 nm,
λem= 410 nm)
5 Ergebnisse und Diskussion 142
0 500 1000 1500 2000 2500
0
200
400
600
800
1000
1200
ExpDec1 fit of Data4_B
Data: Data4_B
Model: ExpDec1
Equation: y = A1*exp(-x/t1) + y0
Weighting:
y No weighting
Chi^2/DoF = 281.04426
R^2 = 0.99834
y0 1042.24417 ±11.42661
A1 -987.14969 ±11.76465
t1 530.60638 ±18.35562
Fluoreszenz [willk. Einheit]
Konzentration [µg/g]
Abb. 75: Funktionaler Zusammenhang zwischen Konzentration und Fluoreszenzintensität bei
Aluminiumoxid-sorbiertem iso-CTC (λex= 342 nm, λem= 410 nm)
Wie Abb. 76 zeigt wird, ist im untersuchten Konzentrationsbereich auch für an
Aluminiumoxid-sorbiertes iso-CTC eine lineare Kalibrierung möglich.
2,0 2,2 2,4 2,6 2,8 3,0 3,2 3,4
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
1100
Fluoreszenz [willk. Einheit]
log10 (Konzentration [µg/g])
Geradengleichung:
axby +
=
a = -945
b = 600
R = 0,9965
sy= 26,57
Abb. 76: Kalibrierfunktion zur fluorometrischen Bestimmung von Aluminiumoxid-
sorbiertem iso-CTC (λex= 342 nm, λem= 410 nm)
5 Ergebnisse und Diskussion 143
5.2.4.3 Diskussion
Die fluoreszenzspektrometrischen Messungen an Modellpartikeln – Chlortetracyclin- und iso-
Chlortetracyclin belegtes Aluminiumoxid - zeigen, dass prinzipiell eine direkte, quantitative
Analyse von Partikeln auf Tetracyclinrückstände möglich ist. Aluminiumoxid wurde
ausgewählt, da es die Fluoreszenzintensität von CTC und iso-CTC im Vergleich zum nicht
adsorbierten, d.h. reinem Feststoff noch verstärkt. Hierdurch wären Bestimmungsbereiche
erfassbar, die dem Triggerwert für Boden (100 µg/kg) [12,13] für Tetracycline entsprächen.
Jedoch waren die Messungen von CTC-beladenem Ackerboden durch erhebliche
Quenchingeffekte gekennzeichnet, so dass eine Quantifizierung von
Tetracyclinkonzentrationen im benötigten Konzentrationsbereich nicht möglich war.
Ob zusätzliche Probenvorbereitungstechniken zu einer Empfindlichkeitssteigerung führen
würden, bleibt vorerst offen. Auch die Anwendung chemometrischer Methoden zur optimalen
Ausnutzung geringer Unterschiede in den Spektrenprofilen wäre denkbar. Bei
unterschiedlichen Korngrößenverteilungen von Proben, wie es bei Bodenproben der Fall
wäre, ist die unterschiedliche Lichtstreuung aufgrund sich in der Korngrößenverteilung
unterscheidenden Proben zu berücksichtigen. Dies könnte z.B. durch Anwendung von
chemometrischen Methoden oder der Kubelka-Munk-Funktion [514] erreicht werden. So
konnten z.B. S. Ebel und H. Kußmaul unter Anwendung der Kubelka-Munk-Funktion die
Genauigkeit bei der Auswertung von Dünnschichtchromatogrammen verbessern [515].
Fluoreszenzuntersuchungen von Tetracyclinen in Knochen zeigen, wie stark die Einflüsse
der Lichtstreuung sind und wie diese durch chemometrische Verfahren – bei entsprechend
großer Anzahl von Messdaten - „gefiltert“ werden können [506]. In Knochen sind
Streuungszentren inhomogen verteilt, so dass lokal unterschiedliche Streuerkonzentrationen
auftreten, die eine Korrektur nötig machen. Dies gilt ebenfalls für die komplexe Bodenmatrix.
Auch hier liegt keine homogene Korngrößenverteilung, bedingt durch Sandpartikel,
Tonmineralien etc., vor. Zudem weisen verschiedene Bodenbestandteile unterschiedliche
Sorptionsaffinitäten gegenüber Tetracyclinen auf (Kap. 5.2.1.1), was zwangsläufig zu
inhomogener Fluoreszenzintensität an der Messoberfläche führt.
Weiterführende Untersuchungen sind erforderlich, um die Realisierung fluorometrischer
Screening-Tests für Tetracyclin-belastete Böden weiter zu entwickeln. So könnte z.B. direkt
nach der Extraktion den abgetrennten Extraktionslösungen Aluminiumoxid zugegeben
werden, an welches sich unter den einzustellenden Bedingungen die Tetracycline sorbieren.
Dieses könnte im Anschluss fluorometrisch untersucht werden. Ein solches Verfahren wäre
generell nicht nur auf Bodenproben beschränkt und würde im Rahmen von
Grenzwertkontrollen oder Screenings eine Proben-Selektierung ermöglichen, so dass nur
noch relevante Proben eingehender untersucht werden müssten. Chen et al. entwickelten in
5 Ergebnisse und Diskussion 144
dieser Richtung schon ein Verfahren, in dem Tetracyclin mittels der Sorption an einer C-18
modifizierten Silicagel-Festphase aus dotierter Milch extrahiert wurde und danach
semiquantitativ durch zeitaufgelöste Lumineszenz der Festphase bestimmt wurde [516,517].
Eine Möglichkeit für eine direkte Bestimmung von Tetracyclinen in Böden bietet, in
Anlehnung an Methoden zur direkten Bestimmung von PAH´s in Böden [518,519], eventuell
der Einsatz von Laserinduzierter Fluoreszenz (LIF) in Kombination mit chemometrischen
Methoden.
6 Zusammenfassung und Ausblick 145
6 Zusammenfassung und Ausblick
Veterinärarzneistoffe, vor allem Tetracycline und Sulfonamide, werden über die
Wirtschaftsdünger Gülle und Mist in erheblichen Mengen in die Böden landwirtschaftlicher
Nutzflächen eingetragen, doch ihrem Vorkommen und Verhalten ist in der Vergangenheit
wenig Beachtung geschenkt worden. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Eintrag
von Antibiotika zu, da ein Zusammenhang mit der Verbreitung und dem Erhalt von
Antibiotikaresistenzen nicht ausgeschlossen werden kann. Dies ist insofern besonders
problematisch, da Antibiotikaklassen wie z.B. die Tetracycline und Sulfonamide auch in der
Humanmedizin zur Behandlung von Infektionskrankheiten eingesetzt werden. Der Mangel an
Informationen zum Verhalten von Tetracyclinen und Sulfonamiden in der Umwelt ist vor
allem darauf zurückzuführen, dass erst seit 1998 für neu zugelassene Arzneimittel eine
Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben ist. Für sogenannte „Altpräparate“ wie
Tetracycline und Sulfonamide ist dies nicht der Fall, obwohl diese im großen Umfang in der
Nutztierhaltung eingesetzt werden. So wurden 2005 allein in Deutschland 350 t Tetracycline
und 97,5 t Sulfonamide in der Veterinärmedizin verbraucht.
Ziel dieser Arbeit war es daher, das Verhalten (Persistenz, Mobilität) von
Antibiotikarückständen im Boden am Beispiel von Chlortetracyclin und Sulfadiazin zu
untersuchen. Im ersten Teil dieser Arbeit wurden Bodenprobe von Feldern untersucht,
welche mit Antibiotika-belasteter Gülle beaufschlagt worden waren, um einen Beitrag zur
Abschätzung der möglichen Antibiotikabelastung von Ackerflächen zu leisten. Im zweiten
Teil dieser Arbeit wurde das Transportverhalten von Chlortetracyclin und Sulfadiazin unter
Modellbedingungen in Bodenlysimetern untersucht, um so einen Beitrag zur
Risikoabschätzung einer möglichen Grundwassergefährdung zu leisten.
Zu Beginn der Arbeit wurde eine LC-MS/MS basierte Methode zur Bestimmung von SFD und
CTC sowie ausgewählter Umwandlungsprodukte, in Böden entwickelt. Dabei wurde
erstmalig ein ammoniakalischer Puffer zur Extraktion von Arzneistoffen aus Böden
eingesetzt. Die Probenaufarbeitung basiert dabei auf einer Extraktion mittels
ammoniakalischen EDTA-Puffer mit anschließender Festphasenextraktion (SPE). Der
Nachweis und die quantitative Bestimmung der Antibiotika erfolgten dann mittels LC-MS/MS.
Während der Extraktion werden allerdings CTC und e-CTC vollständig in die Isomere iso-
CTC und e-iso-CTC umgewandelt. So das CTC als Summe aus e-iso-CTC und iso-CTC
bestimmt wird. Die Wiederfindung betrug bei dieser Methode 71±7% für CTC-dotierte
Bodenproben und 59±7% für SFD.
6 Zusammenfassung und Ausblick 146
Das entwickelte Verfahren wurde danach angewandt um Bodenproben aus dem
Forschungsprojekt „Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und
aquatische Kompartimente“ [476] zu untersuchen. Dazu waren Felder nach einmaliger und
zweimaliger Düngung mit Antibiotika-haltiger Gülle beprobt worden. Um eine mögliche
Verlagerung der Antibiotika ermitteln zu können, waren die Proben tiefengestuft entnommen
worden.
Die Analysen der Bodenextrakte belegen, dass bereits eine einmalige Düngung eines
unbelasteten Bodens mit Antibiotika-haltiger Gülle zu einer mehrmonatig nachweisbaren
Kontamination der oberen Bodenschichten führt. Eine wiederholte Düngung führt dabei
insbesondere zur Akkumulation von CTC im Boden, da die Massenkonzentrationen dabei für
CTC deutlich höher (bis zu 240 µg/kg TM) als für SFD (bis zu 90 µg/kg TM) waren. Eine
Verlagerung von CTC oder SFD in tiefere Bodenschichten konnte nicht festgestellt werden.
Die Bodenproben wurden zudem alle auf N4-SFD, einem Hauptmetaboliten des SFD,
untersucht. Dieser konnte aber in keiner Probe nachgewiesen werden.
Da in der eingesetzten Gülle der Gehalt an SFD deutlich über dem von CTC lag wurde eine
Verlagerung von SFD in Bodentiefen unterhalb der Beprobungstiefe angenommen, zumal es
während und nach der Güllung starke Niederschläge gab. SFD gilt im Boden als mobil und
CTC als immobil. Von daher lag dieser Zusammenhang nahe.
Folglich wurde im zweiten Teil dieser Arbeit das Transportverhalten von CTC und SFD
untersucht. Hierbei sollte insbesondere die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass
das wegen seiner starken Sorption an die Bodenmatrix als immobil geltende CTC über den
partikulären Ko-Transport mit dem Sickerwasser verlagert werden könnte. Diese
Untersuchungen wurden im Rahmen des Projekts „Tierarzneimittel in der Umwelt:
Bewertung von Eintrag, Verlagerung und Resistenzentwicklung unter Gesichtspunkten des
Verbraucherschutzes“ [477] durchgeführt.
In Vorversuchen wurden das Sorptionsverhalten von CTC, iso-CTC und SFD gegenüber
mineralischen Partikeln, sowie das koordinationschemische Verhalten von CTC und iso-CTC
gegenüber ausgewählten bodentypischen Metallionen untersucht. Die hierbei in
Batchversuchen unter statischen Bedingungen ermittelten Sorptionskapazitäten zeigen, das
CTC und iso-CTC in hohem Maße an mineralische Partikel sorbieren, während die Sorption
von SFD vergleichsweise gering ist. Ferner werden CTC und iso-CTC bei verschiedenen pH-
Werten in unterschiedlichen Maß an die Partikel sorbiert. Während die Unterschiede im
Sauren noch gering sind, zeigte iso-CTC im Gegensatz zu CTC bei pH 9,5 nur noch eine
sehr geringe Sorption an dem Tonmineral Montmorillonit.
In photometrischen Untersuchungen zum koordinationschemischen Verhalten von CTC und
iso-CTC konnte gezeigt werden, dass die Isomerisierung von CTC im alkalischen Mileu (pH
8,7) durch die die Bildung von CTC-Metallkomplexen verlangsamt abläuft. Weiterhin zeigte
6 Zusammenfassung und Ausblick 147
sich, dass die CTC´s in hohem Maße von frisch gefällten Metallhydroxiden sorbiert bzw.
mitgefällt werden. Dabei gab es auch eindeutige Hinweise, dass ein Teil der CTC´s als
Metallkomplexe in Lösung bleiben. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass beim
Transportverhalten von CTC im Boden nicht nur die Sorption, sondern auch die
Komplexbildung zu berücksichtigen ist, wobei noch der Einfluss von organischen
Bodenkomponenten zu untersuchen bleibt.
Im Rahmen des obigen Projekts wurden vom Institut für Wasserforschung (IfW) zwei
Versuche mit Bodensäulen durchgeführt, die Aufschluss darüber geben sollten ob und in
welchem Umfang durch mit gülle-eingetragenes SFD und CTC im Boden verlagert wird und
ob mit einem Eintrag ins Grundwasser zu rechnen ist. Der eine Säulenversuch mit einer
Bodenhöhe von 10 cm wurde dabei unter extremen Niederschlagsbedingungen und der
andere mit einer Bodenhöhe von 60 cm unter naturnahen Niederschlagsbedingungen
durchgeführt. Die bei diesen Untersuchungen anfallenden Messproben von Gülle, Boden
und Sickerwasser wurden mittels HPLC-MS/MS analysiert.
Die Ergebnisse belegen, dass CTC auch unter naturnahen Niederschlagsbedingungen durch
Bodenschichten von 60 cm Tiefe verlagert werden kann, und somit eine potentielle
Möglichkeit eines Grundwassereintrages besteht. Von der dabei in die Gülle dotierten CTC-
Menge wurden allerdings nur 0,002% mit dem Sickerwasser ausgetragen. Ferner gab es
Hinweise, dass CTC auch partikelgebunden verlagert wird. Unter extremen
Niederschlagsbedingungen (Starkregen) wurde auch SFD in den Sickerwasserproben
nachgewiesen, allerdings nur bei der Säule mit einer Bodenhöhe von 10 cm. In den am Ende
der Versuche entnommen tiefengestuften Bodenproben der Säule mit 60 cm Bodenhöhe war
weder CTC noch SFD unterhalb des begüllten Bereichs nachweisbar. Dagegen waren CTC
und SFD bei der Säule mit 10 cm Bodenhöhe (extreme Beregnung) auch im Boden
unterhalb des begüllten Bereichs nachweisbar. Tendenziell stimmen die Ergebnisse mit
denen aus der Untersuchung im ersten Teil dieser Arbeit („Antiinfektiva-Projekt“ [476])
überein.
Bei den Säulenversuchen kam es infolge sich einstellender anaerober Mileubedingungen
allerdings zu erheblichen Minderbefunden für CTC in den Sickerwasserproben. Als Ursache
wurden dabei hohe Eisen(II)-Konzentrationen in Betracht gezogen, welches durch Einfluss
von Luftsauerstoff zu Fe(III) oxidierte und im Säuleneluat als Hydroxid gefällt wurde. In
diesem Zusammenhang wurden die einzelnen Stufen der Probenaufarbeitung mit
ammoniakalischem Puffer in Modell-Lösungen überprüft. Es zeigte sich dabei, dass CTC
infolge von Okklusioneffekten größtenteils nicht mehr extrahiert werden kann. Der Extraktion
mit ammonikalischem Puffer sind somit von der Probenzusammensetzung abhängige
Grenzen gesetzt, welche zu erheblichen Minderbefunden an CTC führen können. Daher
sollten die Extraktionsbedingungen weiterentwickelt werden (evtl. mehrstufig). Zur Ermittlung
6 Zusammenfassung und Ausblick 148
der tatsächlichen Belastung (alle durch physikalische, chemische und biologische Prozesse
wieder freisetzbaren Antibiotika bzw. deren Metabolite) von landwirtschaftlich genutzten
Böden sollten in weiterführenden Untersuchungen die in die Bodenmatrix eingeschlossenen
CTC-Anteile (Sequestrierung, Entrapment, Okklusion) berücksichtigt werden. Auch in
Hinblick auf eine Risikobewertung von Einträgen ins Grundwasser und Nutzpflanzen und
damit in die Nahrungskette ist das (Langzeit-)Verhalten von eingeschlossenen CTC-Anteilen
zu berücksichtigen.
Um eine direkte Bestimmung von Tetracyclinrückständen im Boden mittels Fluoreszenz zu
ermöglichen, wurden Voruntersuchungen an CTC und iso-CTC beladenen Modellpartikeln
(Aluminiumoxid, Sand, Tonminerale, Boden) durchgeführt. Die Ergebnisse belegen, dass
prinzipiell partikelgebundenes CTC quantifizierbar ist. Ob ein Fluoreszenzscreening auf
Realböden anwendbar sein wird bleibt noch offen, da bei CTC-belasteten Böden nur sehr
geringe, durch Quenchingeffekte bedingte, Fluoreszenzintensitäten auftraten. Weitere
methodische Untersuchungen sind daher notwendig, wobei zur Datenanalyse die
Anwendung chemometrischer Methoden mit einzubeziehen wäre.
7 Literatur 149
7 Literatur
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des Umweltbundesamtes; ISBN 3-85457-510-6, Wien, 1999
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Änderung der Richtlinie 2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel; ABl. L
136 vom 30.4.2004
[16] RICHTLINIE 2004/28/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 31. März 2004 zur
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[55] Futtermittelgesetz in der Fassung vom 16. Juli 1998, BGBl. I S. 1850, 1998
[56] VERORDNUNG (EG) Nr. 1831/2003 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22.
September 2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung; ABl. L 268 vom 18.10.2003
[57] Richtlinie 70/524/EWG des Rates vom 23. November 1970 über Zusatzstoffe in der Tierernährung; Amtsblatt
Nr. L 270 vom 14.12.1970
[58] BGVV – BUNDESINSTITUT FÜR GESUNDHEITLICHEN VERBRAUCHERSCHUTZ UND
VETERINÄRMEDIZIN; BgVV fordert zu zurückhaltendem und sorgsamem Umgang mit Tierarzneimitteln und
Futterzusatzstoffen auf; Pressemitteilung 07/1997 (14.4.1997)
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[60] BGVV – BUNDESINSTITUT FÜR GESUNDHEITLICHEN VERBRAUCHERSCHUTZ UND
VETERINÄRMEDIZIN; Avoparcin als Futterzusatzstoff in der Tierernährung vorläufig verboten; Pressemitteilung
1/1996 (29.01.1996)
[61] BGVV – BUNDESINSTITUT FÜR GESUNDHEITLICHEN VERBRAUCHERSCHUTZ UND
VETERINÄRMEDIZIN; Einsatz des Futtermittelzusatzstoffes Avoparcin wird europaweit verboten;
Pressemitteilung 24/1996 (20.12.1996)
[62] VERORDNUNG (EG) Nr.2821/98 DES RATES vom 17. Dezember 1998 zur Änderung der Richtlinie
70/524/EWG über Zusatzstoffe in der Tierernährung; ABl. L 351 vom 29.12.1998
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[65] Verordnung (EG) Nr. 108/2007 der Kommission vom 5. Februar 2007 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr.
1356/2004 hinsichtlich der Bedingungen für die Zulassung des zur Gruppe Kokzidiostatika und andere
Arzneimittel zählenden Futtermittelzusatzstoffes Elancoban; ABl. L 31 vom 6.2.2007
[66] Verordnung (EG) Nr. 109/2007 der Kommission vom 5. Februar 2007 zur Zulassung von Monensin-Natrium
(Coxidin) als Futtermittelzusatzstoff; ABl. L 31 vom 6.2.2007
[67] Verordnung (EG) Nr. 1852/2003 der Kommission vom 21. Oktober 2003 zur Zulassung eines
Kokzidiostatikums in Futtermitteln für zehn Jahre; ABl. L 271 vom 22.10.2003
[68] Verordnung (EG) Nr. 1463/2004 der Kommission vom 17. August 2004 über die Zulassung des zur Gruppe
der Kokzidiostatika und andere Arzneimittel gehörenden Zusatzstoffes «Sacox 120 microGranulat» in
Futtermitteln für zehn Jahre; ABl. L 270 vom 18.8.2004
[69] Verordnung (EG) Nr. 600/2005 der Kommission vom 18. April 2005 über die Neuzulassung eines
Kokzidiostatikums als Zusatzstoff in Futtermitteln für zehn Jahre, die vorläufige Zulassung eines Zusatzstoffes
und die Zulassung bestimmter Zusatzstoffe in Futtermitteln für unbefristete Zeit; ABl. L 99 vom 19.4.2005
[70] Verordnung (EG) Nr. 249/2006 der Kommission vom 13. Februar 2006 zur Änderung der Verordnungen (EG)
Nr. 2430/1999, (EG) Nr. 937/2001, (EG) Nr. 1852/2003 und (EG) Nr. 1463/2004 hinsichtlich der Bedingungen für
die Zulassung bestimmter Futtermittel-Zusatzstoffe der Gruppe Kokzidiostatika und andere Arzneimittel; ABl. L 42
vom 14.2.2006
[71] Verordnung (EG) Nr. 496/2007 der Kommission vom 4. Mai 2007 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr.
600/2005 hinsichtlich der Einführung eines Rückstandshöchstgehalts für den zur Gruppe Kokzidiostatika und
andere Arzneimittel zählenden Futtermittelzusatzstoff Salinomax 120G; ABl. L 117 vom 5.5.2007
[72] Verordnung (EG) Nr. 500/2007 der Kommission vom 7. Mai 2007 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr.
1463/2004 hinsichtlich der Einführung eines Rückstandshöchstgehalts für den zur Gruppe Kokzidiostatika und
andere Arzneimittel zählenden Futtermittelzusatzstoff Sacox 120 microGranulat; ABl. L 118 vom 8.5.2007
[73] Verordnung (EG) Nr. 167/2008 der Kommission vom 22. Februar 2008 über die Neuzulassung eines
Kokzidiostatikums als Zusatzstoff in Futtermitteln für zehn Jahre; ABl. L 50 vom 23.2.2008
[74] Verordnung (EG) Nr. 937/2001 der Kommission vom 11. Mai 2001 zur Zulassung neuer
Verwendungszwecke für Zusatzstoffe und einer neuen Zusatzstoffzubereitung in der Tierernährung, zur
Verlängerung vorläufiger Zulassungen und zur Zulassung eines Zusatzstoffes für zehn Jahre; ABl. L 130 vom
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Anhang A 1
A Anhang
Inhaltsverzeichnis
A.1 Experimentelles ................................................................................................................4
A.1.1 Chemikalien .............................................................................................................4
A.1.2 Geräte ......................................................................................................................5
A.1.2.1 HPLC-DAD-MS/MS.........................................................................................5
A.1.2.2 HPLC-UV ........................................................................................................6
A.1.2.3 Spektrometer...................................................................................................7
A.1.2.4 UV-Lampe.......................................................................................................7
A.1.2.5 Probenhomogenisierung.................................................................................7
A.1.2.6 Zentrifuge........................................................................................................7
A.1.2.7 SPE-Extraktionseinheit ...................................................................................8
A.1.2.8 Probentrocknung/-einengung..........................................................................8
A.1.2.9 pH-Meter .........................................................................................................8
A.1.3 Lösungen und Reagenzien......................................................................................8
A.1.3.1 Mobile Phasen ................................................................................................8
A.1.3.2 Herstellung des NH3/NH4Cl/EDTA-Extraktanten (pH 10)................................9
A.1.3.3 Antibiotika-Stammlösungen ............................................................................9
A.1.3.4 Herstellung der e-iso-CTC/iso-CTC-Stammlösung.........................................9
A.1.3.5 Kalibrierlösungen ............................................................................................9
A.1.3.6 Mischstandardlösungen ..................................................................................9
A.1.3.7 Antibiotikalösungen für die Sorptionsversuche .............................................10
A.1.3.8 Herstellung des Ammoniak-Puffers...............................................................10
A.1.3.9 Metallstandardlösungen................................................................................10
A.1.4 Proben ...................................................................................................................10
A.1.4.1 Bodenproben des Feldversuchs ...................................................................10
A.1.4.2 Nullprobe.......................................................................................................10
A.1.4.3 Proben der Säulenversuche..........................................................................11
A.1.5 Durchführungen .....................................................................................................11
A.1.5.1 HPLC-DAD-MS2-Methodenentwicklung........................................................11
A.1.5.2 Probenaufarbeitung für Bodenproben...........................................................11
A.1.5.2.1 Extraktionsmethode..............................................................................11
A.1.5.2.2 Festphasenextraktion (SPE) ................................................................12
A.1.5.2.3 Wiederholbarkeit der Probenaufarbeitung............................................12
A.1.5.3 Methodenvalidierung.....................................................................................13
Anhang A 2
A.1.5.3.1 Externe Kalibrierung.............................................................................13
A.1.5.3.2 Signalsuppression durch Matrixbestandteile........................................13
A.1.5.3.3 Wiederfindung ......................................................................................13
A.1.5.4 Rückstandsuntersuchung von Bodenproben ................................................14
A.1.5.5 Sorptionsversuche ........................................................................................14
A.1.5.5.1 Sorptionsbedingungen .........................................................................15
A.1.5.5.2 Herstellung von CTC- und iso-CTC-belandenen
Aluminiumoxidpartikeln........................................................................15
A.1.5.6 Photometrische Untersuchung von Metall-CTC bzw. –iso-CTC-
Komplexen....................................................................................................16
A.1.5.7 Rückstandsuntersuchung aufgearbeiteter Boden-, Gülle- und
Sickerwasserproben der Säulenversuche ....................................................17
A.1.5.8 Versuchsdurchführung zur Extrahierbarkeit von Eisenhydroxid-
gebundenem CTC ........................................................................................17
A.1.5.9 Fluoreszenzuntersuchungen an partikelgebundenem CTC und
iso-CTC.........................................................................................................19
A.1.5.9.1 Qualitative Fluoreszenzuntersuchung..................................................19
A.1.5.9.2 Quantitative Fluoreszenzuntersuchung................................................19
A.2 Validierung......................................................................................................................19
A.2.1 Ausreißertest nach Grubbs ....................................................................................19
A.2.2 Kalibrierdaten.........................................................................................................20
A.2.3 Kalibrierung und Regressionsanalyse....................................................................22
A.2.4 Korrelationskoeffizient............................................................................................26
A.2.5 Überprüfung der Linearität .....................................................................................26
A.2.5.1 Visueller Linearitätstest nach Funk ...............................................................27
A.2.5.2 Anpassungstest nach Mandel.......................................................................28
A.2.5.3 Varianzenhomogenität ..................................................................................29
A.2.5.4 Residualanalyse............................................................................................32
A.2.6 Verfahrenskenndaten.............................................................................................34
A.2.7 Nachweis-, Erfassungs- und Bestimmungsgrenze ................................................35
A.2.7.1 Nachweisgrenze............................................................................................35
A.2.7.2 Erfassungsgrenze .........................................................................................35
A.2.7.3 Bestimmungsgrenze .....................................................................................35
A.2.8 Wiederfindungsrate ...............................................................................................37
A.3 Kennwerte zu den untersuchten Böden..........................................................................38
A.3.1 Boden „Soest“ ........................................................................................................38
A.3.2 Boden „Hamm“.......................................................................................................40
Anhang A 3
A.4 Ergebnisse......................................................................................................................42
A.4.1 Ergebnisse der Wiederfindung...............................................................................42
A.4.2 Ergebnisse der Rückstandsuntersuchung der Bodenproben der Feldversuche....43
A.4.3 Ergebnisse zu den Messproben der Säulenversuche............................................47
A.4.3.1 Gülle..............................................................................................................47
A.4.3.2 Säulenelutate ................................................................................................48
A.4.3.3 Boden............................................................................................................49
Anhang A 4
A.1 Experimentelles
A.1.1 Chemikalien
Acetonitril (HPLC Grade; Merck)
Ameisensäure reinst, 98-100 % (Merck)
Ammoniaklösung, 25% (w/w; p.a.; Merck)
Ammoniumchlorid (NH4Cl p.a.; Merck)
Anhydrochlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Calciumchlorid-Dihydrat (CaCl2 · 2 H2O; p.a.; Merck)
Chlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Demeclocyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Doxycyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Eisen-II-sulfat Heptahydrat (FeSO4 · 7 H2O; p.a.; Merck)
Epichlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Ethylendiamintetraessigsäure Dihydrat Dinatriumsalz, EDTA (Triplex III:
C10H14N2Na2O6*2H2O; p.a.; Merck)
Isochlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Methanol (p.a.; Merck)
N4-Acetylsulfadiazin (im Arbeitskreis hergestellt)
Oxytetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Pufferlösungen, pH 2 und pH 7 (gebrauchsfertig; Merck)
Salzsäure, 25 % (w/w; p.a.; Merck)
Sulfadiazin min. 99 % (Sigma-Aldrich)
Tetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros)
Titrisol- Aluminium-Standard (Merck)
Titrisol- Blei-Standard (Merck)
Titrisol- Eisen(III)-Standard (Merck)
Titrisol- Kupfer-Standard (Merck)
Titrisol- Magnesium-Standard (Merck)
Titrisol- Nickel-Standard (Merck)
Titrisol- Zink-Standard (Merck)
Trimethoprim (Sigma-Aldrich)
Wasser (bidestilliert über Quarzglas mit Destamat Bidest von Heraeus/Hanau)
Anhang A 5
A.1.2 Geräte
A.1.2.1 HPLC-DAD-MS2 (HPLC-MS/MS)
Für die Methodenentwicklung (Kap. 5.1.2), die Analyse der Bodenproben (Kap. 5.1.4), die
Antibiotikabestimmung in den aufgearbeiteten Proben aus den Säulenversuchen (Kap. 5.2.2)
sowie der Untersuchungen zur Extrahierbarkeit von an Eisenhydroxid gebundenem CTC
wurde ein HPLC-Komplettsystem (Thermo Finnigan/Thermo Electron) mit dem
massenselektivem Detektor LCQ-Advantage ESI-Ion Trap verwendet. Die Datenauswertung
erfolgte mit Xcalibur-Software (Version 1.3). Die detektierten Analyten und die zur
massenspektrometrischen Bestimmung erforderlichen Kenngrößen der Analyte sowie deren
Retentionszeiten sind in Kap. 5.1.2 (Tab. 6-8) aufgeführt.
Die aus dem Signal zu Rauschverhältnissen abgeschätzten Nachweisgrenzen (NWG: S/N =
3:1) im Boden liegen für SFD bei 10 µg/kg TM und für CTC bei 10 µg/kg TM. Die
abgeschätzten Bestimmungsgrenzen (BG: S/N = 10:1) im Boden liegen für SFD bei 40 µg/kg
TM und für CTC bei 25 µg/kg TM. Für die Säuleneluate liegen die abgeschätzten
Nachweisgrenzen (NWG: S/N = 3:1) für SFD bei 20 ng/L und für CTC bei 10 ng/L. Die
abgeschätzten Bestimmungsgrenzen (BG: S/N = 10:1) für die Säuleneluate liegen für SFD
bei 50 ng/L und für CTC bei 20 ng/L.
HPLC-System (Spectra): Degasser: SCM 1000 Vakuum Membrane Degasser; Pumpe: P
4000 Gradient Pumpe; Injektionsautomat: AS 3000, Autosampler (gekühlt: 10 ºC) mit
integriertem Säulenofen (temperiert: 30 ºC); UV-Detektor: UV 6000 LP; Messbereich: 190 –
800 nm, Detektionswellenlänge: 267 nm; Injektionsvolumen: 20-40 µL; Fluss: 0,4 mL/min;
Vorsäule: Phenomenex C18-ODS, 4 mm Länge, 2 mm i.D., Analytische Säule: Phenomenex
250 x 2,0 mm, Synergi 4µ Hydro-RP;
Gradientenelution: Laufmittel A: 89,9% bidest. Wasser, 0,1% Ameisensäure,
10% Acetonitril (v/v/v)
Laufmittel B: 39,9% bidest. Wasser, 0,1% Ameisensäure,
60% Acetonitril (v/v/v)
Gradient: ist in Abbildung A1 dargestellt.
Ionisierungsmethode: Electrospray Ionization (ESI), positiv-Mode [M+H]+, MS/MS-
Stoßexperimente (He), Precursor- und Produkt-Ionen.
Tune-Page-Parameter: Mass Range: 80 – 2000 [m/z]; Sheat Gas Flow Rate: 47 [arb];
Auxillary Gas Flow Rate: 0 [arb]; Ion Spray Voltage: 5 kV; Capillary Temperature: 250 ºC;
Capillary Voltage: 9 V; Tube Lens Offset: - 5,0 V; Multipole 1 Offset: - 1,5 V; Lens Voltage: -
32 V; Multipole 2 Offset: - 5,5 V.
Anhang A 6
0 5 10 15 20 25 30 35 40
0
20
40
60
80
100
Laufmittel A
Laufmittel B
Zusammensetzung [%]
Zeit [min]
Gradient
Abb. A1: Gradient der HPLC-DAD-MS2-Bestimmung
A.1.2.2 HPLC-UV
Für die Analyse der Proben aus den Sorptionsexperimenten (Kap. 5.2.1.1) wurde die HPLC-
UV eingesetzt, da hier keine Matrix in den Proben mit Ausnahme des Oberbodens zu
erwarten war, welche die Bestimmung von Tetracyclinen oder SFD mittels UV-Detektion
beeinträchtigte. Für den Oberboden wurden die Proben zusätzlich mit der HPLC-DAD-MS2
analysiert.
HPLC-UV-System
Degasser : Knauer WellChrom Degasser K-5004
Autosampler : Gynkotek GINA 50
HPLC-Säule : Synergi 4µ Hydro-RP, 250 x 2,00 mm (Phenomenex)
HPLC-Pumpe : Gynkotek P580 Pump
Säulenofen : Gynkotek STH Column Oven
Detektor : Gynkotek UVD 340S DAD
Gradientenelution: Laufmittel A: 89,9% bidest. Wasser, 0,1% Ameisensäure,
10% Acetonitril (v/v/v)
Laufmittel B: 39,9% bidest. Wasser, 0,1% Ameisensäure,
60% Acetonitril (v/v/v)
Gradient: siehe Abb. A1
Anhang A 7
A.1.2.3 Spektrometer
UV/VIS:
Für die photometrischen Messungen in Kapitel 5.2.1.2 wurde ein Lambda 11 UV/Vis
Spektrometer von Perkin-Elmer benutzt. Als Strahlungsquelle diente für den UV-Bereich von
200-326 nm eine Deuterium-Gasentladungslampe und für den Vis- und nahen Infrarot-
Bereich von 326-900 nm eine Halogenlampe.
CTC und iso-CTC, sowie die entsprechenden Komplexe absorbieren ab ca. 225 nm bis 600
nm. Es wurde somit ein Messbereich von 200 – 700 nm gewählt ihren gesamten
Absorptionsbereich abzudecken.
Fluoreszenz:
Zur qualitativen Fluoreszenzanalyse Tetracyclin-beladener Partikel (Kap. 5.2.4.1) wurde das
Varioskan (Spectrofluorometer und Spectrophotometer) der Firma Thermo Electron
verwendet. Als Probenbehälter dienten Mikrotiterplatten.
Einstellungen: Anregungswellenlänge (λex): 314 nm; Emissionswellenlänge (λem): 580 nm;
Excitation bandwidth: 5 nm; Step size: 1 nm; Measurement time: 100 ms; Automatische
Mittelung von 10 Einzelspektren (Measurement time: 10ms / Spektrum)
Die quantitative Fluoreszenzanalyse von CTC- und iso-CTC-beladenen
Aluminiumoxidpartikeln (Kap. 5.2.4.2) erfolgte mittels eines Spektrometers der Firma Perkin
Elmer (Luminescence spectrometer LS50B). Für CTC betrug die Anregungswellenlänge 410
nm und für iso-CTC 342 nm. Als Probenbehälter dienten Mikrotiterplatten.
A1.2.4 UV-Lampe
Zur Untersuchung der Fluoreszenz Tetracyclin-beladener Partikel wurde eine UV-Lampe der
Firma Camag (REPROSTAR II) mit zwei wählbaren Wellenlängen (λex = 254 nm, λex = 366
nm) benutzt.
A1.2.5 Probenhomogenisierung
Horizontalschüttler (IKA Labortechnik)
Vortex-Rüttler, IKA Vibrax VXR basic (IKA Labortechnik)
A1.2.6 Zentrifuge
Rotofix 32 (Hettich)
Bei diesem Zentrifugentyp entsprechen 4000 U/min einer RZB (relativen
Zentrifugalbeschleunigung) von 2325 g.
Anhang A 8
A1.2.7 SPE-Extraktionseinheit
Zur Festphasenextraktion wurde eine Absaugeinheit (LiChrolut) der Firma Merck eingesetzt.
Das für die SPE erforderliche Vakuum wurde mittels einer Wasserstrahlpumpe erzeugt und
durch einen Regler an der Absaugeinheit eingestellt. Die Durchflussgeschwindigkeit durch
die SPE-Kartuschen erfolgte objektiv anhand der Tropfenanzahl pro Zeiteinheit und wurde
anhand von zwischen Absaugeinheit und Kartusche liegenden Kunststoffhähnen reguliert.
A.1.2.8 Probentrocknung/-einengung
Bei der Probenaufarbeitung wurde ein Metallblockthermostat mit Vaporisationsvorrichtung
(RSC/Reinhardshagen) zum Abblasen des Lösungsmittels (Methanol) im Druckluftstrom
verwendet.
Zur Trocknung partikulärer Proben wurde eine Gefriertrocknungsanlage der Firma Christ
(Alpha 1-4) eingesetzt.
A.1.2.9 pH-Meter
Zur Bestimmung und Einstellung von pH-Werten wurde ein Digital-Mikroprozessor-pH-Meter
(pH-Meter 766, Calimatic) der Firma Knick verwendet.
Zu Beginn jeder pH-Bestimmung wurde das Gerät mittels gebrauchsfertiger Pufferlösungen
(pH 2 und pH 7) kalibriert.
A.1.3 Lösungen und Reagenzien
A.1.3.1 Mobile Phasen
Laufmittel A: In einem 3000 mL-Becherglas wurden 1800 mL bidest. H2O vorgelegt und 2 mL
konz. Ameisensäure (reinst) sowie 200 mL Acetonitril (HPLC Grade) zugegeben. Die Lösung
wurde durch Rühren (Magnetrührer) gut gemischt und im Anschluss filtriert (Phenomenex
Filter Membranes: Nylon66 0,2μ, 47 mm).
Laufmittel B: In einem 3000 mL-Becherglas wurden 800 mL bidest. H2O vorgelegt und 2 mL
konz. Ameisensäure (reinst) sowie 1200 mL Acetonitril (HPLC Grade) zugegeben. Die
Lösung wurde durch Rühren (Magnetrührer) gut gemischt und im Anschluss filtriert
(Phenomenex Filter Membranes: Nylon66 0,2μ, 47 mm).
Anhang A 9
A.1.3.2 Herstellung des NH3/NH4Cl/EDTA-Extraktanten (pH 10) „Ammoniak-EDTA-
Puffer“
54,0 g Ammoniumchlorid wurden in einen 1000 mL Messkolben eingewogen und in 200 mL
bidest. Wasser gelöst. Danach wurden 37,224 g EDTA Dinatriumsalz und 350 mL konz.
Ammoniaklösung (25% w/w) zugesetzt. Im Anschluss wurde mit bidest. Wasser auf 1000 mL
aufgefüllt. Der pH-Wert des Extraktionspuffers betrug 10,0.
A.1.3.3 Antibiotika-Stammlösungen
Die Stammlösungen aller eingesetzten Analyt-Substanzen (mit Ausnahme von e-iso-CTC)
wurden als Einzellösungen hergestellt. Hiezu wurden 10,0 mg des Feststoffes (Pulver) in
einen 10 mL-Messkolben eingewogen, welcher im Anschluss mit Methanol (p.a.) aufgefüllt
und gut gemischt wurde. Die Stammlösungen (ß=1000 mg/L) wurden danach bei -30°C
gelagert.
A.1.3.4 Herstellung der e-iso-CTC/iso-CTC-Stammlösung
Da e-iso-CTC nicht erhältlich ist wurde eine e-iso-CTC/iso-CTC Mischstammlösung durch
Epimerisierung einer iso-CTC-Stammlösung hergestellt. Dazu wurden in einen 10 mL-
Messkolben 3 mL Methanol mittels einer Eppendorf-Pipette vorgelegt und 2 mL aus einer
iso-CTC-Stammlösung (ß=1000 mg/L) zugegeben. Des Weiteren wurden ca. 4,5 mL
Laufmittel A zugegeben. Die Lösung wurde durch 10maliges Umdrehen des Messkolbens
durchmischt und im Anschluss mit Laufmittel A auf 10 mL Gesamtvolumen aufgefüllt und die
Lösung erneut durchmischt. Der Messkolben wurde im Anschluss für 60min mittels eines
Wasserbades (60°C) erwärmt. Die iso-CTC-Konzentration dieser Lösung wurde mittels
HPLC-UV bestimmt. Die Differenz zur Ausgangskonzentration (200 mg/L) entsprach der e-
iso-Konzentration dieser Lösung. Die so erhaltene Stammlösung wurde bei -30°C gelagert.
A.1.3.5 Kalibrierlösungen
Die Kalbrierlösungen wurden durch Verdünnung der Stammlösungen mit Laufmittel A
hergestellt.
A.1.3.6 Mischstandardlösungen
Die Mischstandardlösung I (CTC, SFD, TMP) wurde bei der Ermittlung der Wiederfindungen
in Kap. 5.1.2.2 eingesetzt und durch Verdünnung der Stammlösungen von CTC, SFD und
TMP mit Methanol hergestellt. Die Mischstandardlösung II (CTC, SFD) wurde bei der
Ermittlung der Wiederfindungen in Kap. 5.1.3.3 eingesetzt und durch Verdünnung der
Stammlösungen von CTC und SFD mit bidest. H2O hergestellt.
Anhang A10
A.1.3.7 Antibiotikalösungen für die Sorptionsversuche
Die Antibiotikalösungen aller in den Sorptionsversuchen (Kap. 5.2.1.1) eingesetzten Analyt-
Substanzen wurden als Einzellösungen hergestellt. Hiezu wurden 100 mg des Feststoffes
(Pulver) in einen 1000 mL-Messkolben eingewogen, welcher im Anschluss mit bidest. H2O
aufgefüllt und gut gemischt wurde.
A.1.3.8 Herstellung des Ammoniak-Puffers
54,0 g Ammoniumchlorid wurden in einen 1000 mL Messkolben eingewogen und in 200 mL
bidest. Wasser gelöst. Danach wurden 350 mL konz. Ammoniaklösung (25% w/w) zugesetzt
und im Anschluss mit bidest. Wasser auf 1000 mL aufgefüllt. Der pH-Wert des
Ammoniakpuffers betrug 10,0.
A.1.3.9 Metallstandardlösungen (Me+-Standardlösungen)
Aus Metallsalzstammlösungen (ß=1000 mg/L; Titrisol- Aluminium-Standard; Titrisol- Blei-
Standard; Titrisol- Eisen(III)-Standard; Titrisol- Kupfer-Standard; Titrisol- Magnesium-
Standard; Titrisol- Nickel-Standard; Titrisol- Zink-Standard; Calcium-Standard (aus
Calciumchlorid-Dihydrat in bidest. H2O) und Eisen(II)-Standard (aus Eisen-II-sulfat
Heptahydrat in bidest. H2O)) wurden durch Verdünnung mit bidest. Wasser Me+-
Standardlösungen der Konzentration 0,01 mol/L hergestellt.
A.1.4 Proben
Die zu untersuchenden Proben wurden im Rahmen der zugrunde liegenden
Forschungsprojekte durch die jeweils beteiligten Kooperationspartner entnommen.
A.1.4.1 Bodenproben des Feldversuchs
Die Güllebeaufschlagungen (Eintrag der Antibiotika in den Boden) und Probennahmen der in
Kapitel 5.1.4 untersuchten Bodenproben wurden vom Fachbereich Agrarwirtschaft der
Fachhochschule Südwestfalen (Abtl. Soest) durchgeführt und im entsprechenden
Projektbericht [476] sowie in Grote et al. [96] beschrieben.
A.1.4.2 Nullprobe
Für alle Versuche (Wiederfindung, Matrixextraktion, Sorption) wurde die Bodenprobe vom
12.03.2002 („Winterweizen“, Probenahme vor der ersten Gülledüngung am 12.03.,
Bodenhorizont: 0-25 cm) als Nullprobe eingesetzt. In dieser Bodenprobe konnten keine
Antibiotikarückstände (SFD, N4-SFD, e-iso-CTC, iso-CTC, e-CTC, CTC, anhydro-CTC,
TMP) nachgewiesen werden.
Anhang A11
A.1.4.3 Proben der Säulenversuche
Die Probennahme und die Probenaufarbeitung von Gülle- und Bodenproben sowie der
Säuleneluate (Kap. 5.2.2) wurden vom Institut für Wasserforschung durchgeführt und im
entsprechenden Projektbericht [477] publiziert.
A.1.5 Durchführungen
A.1.5.1 HPLC-DAD-MS2-Methodenentwicklung
Zur Methodenentwicklung der massenspektrometrischen Detektion wurden die
Fragmentierungsmuster der Antibiotika (Analyte) durch Direktinjektion von Kalibrierlösungen
der einzelnen Antibiotika (ß=20 mg/L) in das Massenspektrometer durch Aufnahme von
Vorläufer- und Produkt-Ionen-Scans ermittelt. Zur weiteren Methodenentwicklung wurden
Misch-Kalibrierlösungen (ohne und mit extrahierter Bodenmatrix) mit verschiedenen
Antibiotikakonzentrationen (ß=0,005 bis 10 mg/L) eingesetzt anhand derer die jeweiligen
Massen- und UV-Spektren aus dem chromatographischen Lauf aufgenommen sowie die
Retentionszeiten ermittelt wurden.
A.1.5.2 Probenaufarbeitung für Bodenproben
Die Probenaufarbeitung für Bodenproben beinhaltete eine fest/flüssig Extraktion mittels
NH3/NH4Cl/EDTA-Puffer (pH 10) und eine anschließende Festphasenextraktion des
Bodenextraktes.
A.1.5.2.1 Extraktionsmethode
Einwaagen von 5,00 g des feuchten Bodens wurden in einem 50 mL Zentrifugenglas
eingewogen, mit 10 mL NH3/NH4Cl/EDTA-Extraktant (pH 10) versetzt und 30 min. auf einem
Horizontalschüttler (275 U/min) äquilibriert und dann bei 4000 U/min für 10 min. zentrifugiert.
Die Überstände wurden in ein weiteres 50 mL Zentrifugenglas überführt. Die Bodenprobe
wurden erneut mit 10 mL NH3/NH4Cl/EDTA-Extraktant versetzt, mit einem Glasstab
aufgeschlämmt und wieder für 30 min geschüttelt. Anschließend wurde 10 min bei 4000
U/min zentrifugiert und der Überstand zur ersten Charge gegeben. Die vereinigte
Extraktionslösung wurde mit Salzsäure (25% (w/w)) auf pH 4,0 eingestellt und ein weiteres
Mal bei 4000 U/min 10 min lang zentrifugiert. Dieser Extrakt wurde zur SPE eingesetzt.
Anhang A12
A.1.5.2.2 Festphasenextraktion (SPE)
Zur Anreicherung und Aufreinigung der Bodenextrakte wurden in der SPE-Extraktionseinheit
Festphasenkartuschen (Waters Oasis® HLB 6cc (200 mg)) nach dem in Abbildung A2
dargestellten Schema eingesetzt. Das Einengen der Extrakte erfolgte mittels eines
Metallblockthermostates (Sauerbrey Chromatographie (RSC)) bei 30°C im Druckluftstrom.
Abb. A2: SPE-Schema zur Bestimmung von CTC und SFD in Bodenproben
Die erhaltenen Messproben wurden bis zur Analyse mittels HPLC-DAD-MS2 bei -30°C
tiefgefroren. Der Umrechnungsfaktor von den in den Messproben ermittelten Antibiotika-
Konzentrationen (µg/L) zum Gehalt in den Bodenproben (µg/kg) beträgt 0,1.
A.1.5.2.3 Wiederholbarkeit der Probenaufarbeitung
Um die Leistungsfähigkeit der entwickelten Probenvorbereitung zu ermitteln wurde eine
Wiederfingsstudie (für SFD, TMP, CTC) durchgeführt, welche gleichzeitig dazu dienen sollte,
den Arbeitschritt der zur Probenaufreinigung und –aufkonzentration eingesetzten SPE-
Methode mittels dotiertem Extraktionsmittel zu überprüfen. Hierzu wurden 6mal je 5,00 g
Boden (Nullprobe) in ein Zentrifugenglas eingewogen, mit 500 µL Mischstandardlösung I
(CTC, SFD und TMP; ß=10 mg/L; Lösungsmittel: Methanol) dotiert und suspensiert sowie
10mal je 10 mL NH3/NH4Cl/EDTA -EDTA-Extraktant. Nach 30 min. Einwirkzeit wurden die
Proben nach der oben beschriebenen Probenaufarbeitung aufgearbeitet und mittels HPLC-
Anhang A13
DAD-MS2 analysiert. CTC wurde dabei als Summe der e-iso-CTC- und iso-CTC-
Konzentration bestimmt.
A.1.5.3 Methodenvalidierung
A.1.5.3.1 Externe Kalibrierung
Zur Validierung der HPLC-MS/MS-Methode wurden Kalibrierlösungen aus SFD, e-iso-CTC
und iso-CTC der Konzentrationen 50 µg/L; 100 µg/L; 200 µg/L; 500 µg/L; 750 µg/L; 1000
µg/L; 2000 µg/L; 5000 µg/L; 7500 µg/L und 10000 µg/L hergestellt und 10fach analysiert.
Aufgrund der Epimerisierung e-iso-CTC/iso-CTC betrug die tatsächliche Konzentration von
e-iso-CTC in den Kalibrierlösungen 50,055 µg/L; 100,11 µg/L; 200,22 µg/L; 500,55 µg/L;
750,825 µg/L; 1001,1 µg/L; 2002,2 µg/L; 5005,5 µg/L; 7508,25 µg/L; 10011 µg/L und die
Konzentrationen von iso-CTC 78,05 µg/L; 156,1 µg/L; 312,2 µg/L; 780,5 µg/L; 1170,75 µg/L;
1561 µg/L; 3122 µg/L; 7805 µg/L; 11707,5 µg/L; 15610 µg/L.
A.1.5.3.2 Signalsuppression durch Matrixbestandteile
Zur Untersuchung von Suppressionseffekten durch koeluierte Matrixbestandteile auf die
massenspektrometrische Detektion wurde aus 5,00 g unbelasteten Boden (Nullboden) nach
der Probenaufarbeitungsvorschrift (Anhang A.1.5.2.1) je eine Matrixprobe (koeluierte
Bodenmatrix) gewonnen. Anstelle mit 500 µL Laufmittel A wurden die extrahierten und nach
der SPE bis zur trockene eingeengten Matrixbestandteile aber mit 500 µL Kalibrierlösungen
aus SFD, e-iso-CTC und iso-CTC aufgenommen. Jeweils drei Matrixproben wurden mit
Kalibrierlösungen (SFD, e-iso-CTC und iso-CTC) der Konzentrationen 100 µg/L; 200 µg/L;
500 µg/L; 750 µg/L; 1000 µg/L; 2000 µg/L und 5000 µg/L (exakte e-iso-CTC und iso-CTC
Konzentration siehe Kap. 8.5.3.1) aufgenommen. Als Vergleichsproben dienten die
jeweiligen Kalibrierungslösungen der jeweiligen Konzentrationen. Jede Probe (mit und ohne
Matrix) wurde zweimal mittels HPLC-MS/MS analysiert und der Mittelwert der erhaltenen
Messsignale (Peakflächen) pro Analyt und Konzentration gebildet.
A.1.5.3.3 Wiederfindung
Zur Untersuchung der konzentrationsabhängigen Wiederfindung wurden 12mal je 5,00 g
Boden (Nullprobe) in ein Zentrifugenglas eingewogen. Je 4 Proben wurden 500 µL
Mischstandardlösung II (CTC, SFD; Lösungsmittel: bidest. H2O) der Konzentrationen 0,25
mg/L; 1 mg/L und 10 mg/L zugegeben und suspensiert (geschüttelt). Nach 15 Minuten
Einwirkzeit wurden die Proben nach der Probenaufarbeitungsvorschrift aufgearbeitet und
mittels HPLC-DAD-MS2 (3-fach Injektion) analysiert. CTC wurde dabei als Summe von e-iso-
CTC und iso-CTC bestimmt. Bei dieser Vorgehensweise entsprechen die Konzentrationen in
Anhang A14
den Messproben bei 100%iger Wiederfindung (und ohne Berücksichtigung von
Suppressionseffekten) den Konzentrationen der zugegebenen Mischstandardlösung.
A.1.5.4 Rückstandsuntersuchung von Bodenproben
Zur Untersuchung der Bodenproben (Kapitel 5.1.4) wurden aus jeder Bodenmischprobe
zwei Stichproben (Doppelbestimmung) von je 5,00 g feuchten Boden entnommen und
separat nach der Aufarbeitungsvorschrift aufgearbeitet. Pro aufgearbeitete Bodenprobe
(Messprobe) wurde der Gehalt von SFD, iso-CTC und e-iso-CTC mittels HPLC-MS/MS (3-
fach Injektion jeder Messprobe) bestimmt. Anhand vorliegender Daten der nach DIN ISO
11465 bestimmten Trockenrückstände bzw. Wassergehalte (siehe Anhang A.3.1) wurden die
Gehalte im Boden auf die Trockenmasse (TM), als aussagekräftigere (konstantere)
Bezugsgröße, umgerechnet. Die Messproben wurden zudem auf Rückstände von N4-SFD,
TMP und anhydro-CTC sowie durch die Probenaufarbeitung möglicherweise nicht-
isomerisiertes e-CTC und CTC untersucht. Zusätzlich wurden bei jeder Doppelbestimmung
zwei Blindproben (leere Zentrifugengläser) aufgearbeitet, um mögliche Kontaminationen bei
der Probenaufarbeitung ausschließen zu können.
A.1.5.5 Sorptionsversuche
Als Modellpartikel (Adsorbentien) wurden eingesetzt:
- Kieselgel 60 0,063-0,200 mm (Merck), säuregewaschen nach Orth
- Aluminiumoxid 90 basisch (Aktivitätsstufe I), 0,063-0,200 mm (Merck)
- Aluminiumoxid 90 sauer (Aktivitätsstufe I), 0,063-0,200 mm (Merck)
- Quarz feinkörnig, gewaschen und geglüht (Merck)
- Oberboden Hamm Kennwerte siehe Tab. A17 Anhang A.3.2
(Tiefe 10-37 cm)
- Rheinsand 0-2mm
- Bentonit mit 75% Montmorillonit (Süd-Chemie)
- Ton 1550 mit ca. 30% Kaolinit (Georg&Schneider GmbH, Siershan)
- Trisopor micro Korngrößenverteilung (d10:2,88 µm, d50:5,92 µm, d97:11,82 µm),
(poröses Glas) Porengröße: 100 nm, Porenvolumen: 841,39 mm3/g,
spezifische Oberfläche: 40,12 m2/g (VitraBio GmbH)
- Trisoperl Partikeldurchmesser: 80 µm, Porengröße: 100,6 nm,
(poröses Glas) Porenvolumen: 1053,09 mm3/g, spezifische Oberfläche:
42,04 m2/g (VitraBio GmbH)
Anhang A15
Folgende Antibiotika (Wirkstoffe und Umwandlungsprodukte) wurden eingesetzt:
Tetracycline: Chlortetracyclin (CTC), Iso-Chlortetracyclin (iso-CTC), 4-Epi-Chlortetracyclin (e-
CTC), Anhydro-Chlortetracyclin (anhydro-CTC), Tetracyclin (TC), Oxytetracyclin (OTC),
Doxycyclin (DoxyC), Demeclocyclin (DemecloC)
Sulfonamid: Sulfadiazin (SFD)
Die Adsorbierbarkeit der Verbindungen CTC, iso-CTC und SFD wurde mit allen
Modellpartikeln getestet, die anderen Tetracycline zu Vergleichszwecken nur mit Kieselgel.
A.1.5.5.1 Sorptionsbedingungen
Jeweils 1 g Sorbens wurden in 100 mL einer Antibiotikalösung (ß=100 mg/L; Lösungsmittel:
bidest. Wasser) unter Rühren (~ 400 U/min) bei Raumtemperatur suspensiert. Nach 5, 10,
15, 30, 45, 60 120 und 180 min wurden 500 µL Aliquot entnommen und in ein 1,5 mL
Eppendorff-Hütchen überführt. Die Feststoffe wurden durch einen Membranfilter
(Phenomenex Filter Membranes: Nylon66 0,2µ; 47 mm) filtriert. Beim Bentonit und Ton1550
war eine vorhergehende Zentrifugation (10 min bei 4000 U/min = 2325 g) erforderlich, da sie
die Durchflussrate des Filters stark einschränkten. Von dem Filtrat wurde ebenfalls eine 500
µL-Probe entnommen und der pH-Wert bestimmt. Der Filterrückstand wurde mit 10 mL
bidest. Wasser gewaschen, das Waschwasser separat aufgefangen und eine 500 µL Probe
entnommen. Die sorbierten CTC-Mengen wurden indirekt durch Analyse der wässrigen
Phasen mit HPLC-UV bestimmt.
Die restfeuchten Antibiotika-beladenen Partikel wurden in ein braunes 10 mL
Rollrandgläschen überführt, mit einer Filtermembran versehen und verschlossen. Die
Lyophilisation der Partikel erfolgte in einer Gefriertrocknungsanlage (Christ Alpha 1-4) über
einen Zeitraum von 8 Stunden (0,220 mbar). Die Antibiotika-beladenen Partikel wurden bis
zur qualitativen Fluoreszenzanalyse (Kap. 5.2.4.1) bei -30°C gelagert.
A.1.5.5.2 Herstellung von CTC- und iso-CTC-belandenen Aluminiumoxidpartikeln
Zur Vorbereitung einer quantitativen fluoreszenzspektrometrischen Bestimmung von
partikelgebundenem CTC bzw. iso-CTC wurden 5,00 g Aluminiumoxidpartikel (sauer) bei pH
7 mit verschiedenen Mengen an CTC bzw. iso-CTC (500 mL Antibiotikalösung (CTC bzw.
iso-CTC): ß= 1 µg/L; 10 µg/L; 100 µg/L; 1000 µg/L; 5000 µg/L; 10000 µg/L; 20000 µg/L;
Lösungsmittel: bidest. Wasser) nach der allgemeinen Sorptionsvorschrift (Anhang A.1.5.5.1)
belegt und lyophilisiert. Die sorbierten CTC-Mengen wurden indirekt durch Analyse der
wässrigen Phasen mit HPLC-DAD-MS2 bestimmt.
Die Beladungen mit CTC bzw. iso-CTC betrugen etwa 0,1, 1, 10, 100, 500, 1000 und 2000
µg/g (99-100% der CTC´s wurden sorbiert). Die Partikelproben wurden bis zur quantitativen
Fluoreszenzanalyse (Kap. 5.2.4.2) bei -30°C gelagert.
Anhang A16
A.1.5.6 Photometrische Untersuchung von Metall-CTC bzw. –iso-CTC-Komplexen
Zur photometrischen Untersuchung von Metall-CTC bzw. –iso-CTC-Komplexen wurden je
eine CTC und iso-CTC-Lösung der Konzentration 1,25 x 10-4 mol/L durch lösen der
Feststoffe in bidest. Wasser hergestellt. Dazu wurde 64,4 mg (1,25 x 10-4 mol) des jeweiligen
Hydrochlorids eingewogen und in je einen 1000 mL Messkolben gegeben. Nach Auffüllen
des Messkolbens mit bidest. Wasser auf 1000 mL wurde die Lösung gut durchmischt. Die
Messlösungen (CTC bzw. iso-CTC; ß= 0,1 mmol/L) mit definierten CTC-Metallverhältnissen
wurden aus den CTC-Lösungen, den jeweiligen Me+-Standardlösungen (ß= 0,01 mol/L) und
bidest. Wasser mit den in Tab. A1 dargestellten Volumenanteilen der Lösungen hergestellt.
Die benötigten Blindlösungen wurden ohne Zugabe von CTC-Lösungen hergestellt.
Tab. A1 Volumenanteile zur Herstellung von Mess- und Blindlösungen
Blindlösung Messlösung
Molares Verhältnis
CTC/iso-CTC-Me+
(CTC/iso-CTC;
ß=0,1 mmol/L)
H2O
[ml]
Metall-
Standardlösung
[µl]
(ß= 0,01mol/L)
CTC/iso-CTC
[ml]
(ß=0,125mmol/L)
H2O
[ml]
Metall-
Standardlösung
[µl]
(ß= 0,01mol/L)
CTC/iso-CTC
(ß=0,1 mmol/L)
20,0 16,0 4,0
1:3 19,4 600 16,0 3,4 600
1:2 19,6 400 16,0 3,6 400
1:1 19,8 200 16,0 3,8 200
2:1 19,9 100 16,0 3,9 100
3:1 29,9 100 24,0 5,9 100
Die pH-Wert Einstellung auf 3, 5,5 und 8,7 erfolgte im Vorfeld der Messung mit Salzsäure
oder Ammoniak-Puffer und wurde mittels einer pH-Elektrode vorgenommen. Der pH-Wert
wurde sowohl für die Blind- als auch für die Messlösung eingestellt.
Die Mess- und Blindlösungen wurden dunkel gelagert (Probengefäße (50 mL Messkolben) in
Aluminiumfolie eingewickelt). Über einen Zeitraum von 7 Tagen wurde täglich ein Aliquot aus
den Lösungen entnommen, in eine UV-Küvette gefüllt und photometrisch vermessen.
Um den Einfluss von Tageslicht auf die Alterung von CTC- und iso-CTC-Lösungen (ß=0,1
mmol/L; ohne Me+-Standardzugabe) zu untersuchen, wurde diese Lösungen zweifach
hergestellt und einmal dunkel und einmal bei Tageslicht (ohne Aluminiumfolie) gelagert.
Anhang A17
Die Mess- und Blindlösungen wurden grundsätzlich jeweils vor der Aliquotentnahme und der
Photometrie geschüttelt, um auch im Fall einer Niederschlagsbildung (Hydroxidfällung)
homogenisiert zu sein.
Proben, die als zentrifugiert gekennzeichnet wurden, sind vor ihrer Messung zusammen mit
ihrer Blindlösung für 10 Minuten bei 4000 U/min zentrifugiert worden. Als Mess- und
Blindlösung diente bei diesen Proben die überstehende Lösung (Zentrifugat).
Die Aufnahme eines UV/Vis-Spektrums mittels der Software UV-WinLab (Perkin – Elmer
Corporation / USA, Version: Nov. 1996) erforderte zwei Schritte.
Zunächst wurde eine Küvette mit einer Vergleichslösung „Blindlösung“ – in diesem Fall
bidest. Wasser und die entsprechende Metallsalzlösung in definierter Konzentration (gleiche
Metallkonzentration und pH-Wert wie die CTC enthaltene Probelösung) spektroskopisch
analysiert. Die Intensität des monochromatischen Lichts wurde in Abhängigkeit von der
Wellenlänge im Absorptionsmodus gemessen und vom Messcomputer gespeichert.
Anschließend wurde eine Messung bei gleichen Geräteeinstellungen mit der Probelösung
(„Messlösung“) durchgeführt. Dabei erfolgte durch die Gerätesoftware automatisch die
Differenzbildung mit dem Spektrum der Blindlösung. Dieser Prozess lieferte die Information
über die Lichtabsorption der Probelösung und damit das Absorptionsspektrum des Analyten
bzw. seiner Metallkomplexe.
A.1.5.7 Rückstandsuntersuchung aufgearbeiteter Boden-, Gülle- und
Sickerwasserproben der Säulenversuche
In den vom Institut für Wasserforschung nach der Ammoniak-EDTA-Methode
aufgearbeiteten Boden-, Gülle- und Sickerwasserproben (Aufarbeitungen siehe [477])
wurden die Gehalte von e-iso-CTC, iso-CTC und SFD jeweils 3mal mittels HPLC-DAD-MS2
bestimmt. Die Messproben wurden zudem auf Rückstände von N4-SFD, e-CTC und CTC
untersucht.
A.1.5.8 Versuchsdurchführung zur Extrahierbarkeit von Eisenhydroxid-gebundenem
CTC
Herstellung der 100 mL gepufferten Fe3+-Lösung (ß=50 mg/L)
5 mL der Eisen(III)-Stammlösung (ß=1000 mg/L) wurde in einen 200 mL-Messzylinder
vorgelegt und 80 mL bidest. Wasser sowie 2 mL Ammoniakpuffer hinzugefügt. Der pH-Wert
wurde anschließend mit Salzsäure auf pH=7 eingestellt. Im Anschluss wurde auf 100 mL mit
bidest. Wasser aufgefüllt.
Herstellung der CTC-Lösung (ß=10 mg/L)
Die CTC-Lösung wurde durch Verdünnung einer CTC-Stammlösung (ß=1000 mg/L; in
Methanol) mit bidest. Wasser hergestellt.
Anhang A18
„Gesamtkonzentration“
100 mL gepufferte Fe3+-Lösung (ß=50 mg/L) wurden mit 1000 µL CTC-Lösung (ß=10 mg/L)
versetzt. Die Lösung wurde anschließend 15 Minuten bei 275 U/min (Horizontalschüttler)
geschüttelt. Danach wurde 20 mL Ammoniak-EDTA-Puffer zugegeben und wiederum 15
Minuten geschüttelt. Im Anschluss wurde 30 min. stehen gelassen damit sich ausgefallenes
Eisenhydroxid absetzten konnte und die Probe bei 4000 U/min (=2325 g) für 10 min.
zentrifugiert. Das Zentrifugat wurde dekantiert und mit 25%iger HCl auf pH=4 gebracht. Der
Rückstand wurde mit etwas Ammoniak-Puffer versetzt und ebenfalls mit HCl auf pH=4
gebracht, dabei sollte sich der Rückstand wieder vollständig lösen. Beide Proben wurden
getrennt mittels SPE (Anhang A.1.5.2.2) aufgearbeitet.
„gelöste Konzentration“
100 mL gepufferte Fe3+-Lösung (ß=50 mg/L) wurde mit 1000 µL CTC-Lösung (ß=10 mg/L)
versetzt. Die Lösung wurde anschließend 15 min. bei 275 U/min (Horizontalschüttler)
geschüttelt und zentrifugiert. Danach wurde 20 mL Ammoniak-EDTA-Puffer zum Zentrifugat
zugegeben und wiederum 15 min. geschüttelt. Im Anschluss wurde 30 min. stehen gelassen
damit sich ausgefallenes Eisenhydroxid absetzten konnte. Die Probe wurde mit 25%iger HCl
auf pH=4 gebracht, dabei sollte sich der Rückstand wieder vollständig lösen. Die Probe
wurde anschließend mittels SPE (Anhang A.1.5.2.2) aufgearbeitet.
Tabelle A.2 zeigt den Versuchsablauf nochmals in komprimierter Form.
Tab. A.2: Kurzubersicht der Vorgehensweise zur Sorption von CTC an Eisenhydroxid
Ablaufreihenfolge Probe B
„Gesamtkonzentration“
Probe A
„gelöste Konzentration“
Fe3+-Lösung (ß=1000 mg/L) 5 mL 5 mL
Ammoniakpuffer 2 mL 2 mL
HCl (25%) auf pH=7, auf 100 mL mit
bidest. Wasser
auf pH=7, auf 100 mL mit
bidest. Wasser
CTC-Lösung (ß=10 mg/L) 1000 µL 1000 µL
Zentrifugation/Trennung nein ja
Ammoniak-EDTA-Puffer 20 mL 20 mL
Zentrifugation/Trennung ja nein
HCl (25%) auf pH=4 auf pH=4
SPE ja ja
Die zu erwartende Gesamtkonzentration für CTC als Summe von iso-CTC und e-iso-CTC
betrug 100 µg/L vor der SPE. Nach der SPE waren bis zu 10 mg/L (Wiederfindung = 100%)
zu erwarten. Die Analyse der Proben erfolgte mittels HPLC-DAD-MS2 (Anhang A.1.2.1). Für
Probe C entsprach die Vorgehensweise der von Probe A und für Probe D der von Probe B
mit dem Unterschied, das in beiden Fällen erst die CTC-Lösung zugegeben wurde und
danach die Einstellung auf pH 7 erfolgte.
Anhang A19
A.1.5.9 Fluoreszenzuntersuchungen an partikelgebundenem CTC und iso-CTC
A.1.5.9.1 Qualitative Fluoreszenzuntersuchung
Ein Mikrolöffel der unbeladenen Modell-Partikel, beladenen Partikel (lyophilisiert) und „freien“
Tetracycline (Feststoffe) wurden in eine Mikrotiterplatte (Thermo Microtiter 96-well plate)
gegeben. Die Fluoreszenz wurde im Reflexionsmodus (spitzer Winkel) gemessen
(Varioskan, Spektrofluorometer und Spectrophotometer (Thermo Electron), siehe Anhang
A.1.2.3). Die Aluminiumoxidpartikel wurden zusätzlich mit einer UV-Lampe bei
Anregungswellenlängen von 254 nm und 366 nm qualitativ auf ihre Fluoreszenz untersucht.
A.1.5.9.2 Quantitative Fluoreszenzuntersuchung
Die Analyse der beladenen Aluminiumoxidpartikel erfolgte mittels des „Luminescence
spectrometer Perkin-Elmer LS50B“ in Mikrotiterplatten. Hierzu wurden die Partikel in die
Probenbehälter der Mikrotiterplatte gefüllt und die optimale Anregungswellenlänge ermittelt.
Für CTC betrug diese 410 nm und für iso-CTC 342 nm. Für die quantitative Analyse war
darauf zu achten, dass die Einfüllhöhe für alle Proben gleich war. Dies wurde dadurch
erreicht, dass die Probenbehälter der Mikrotiterplatte jeweils bis zum Rand mit den Partikeln
aufgefüllt und anschließend die Oberflächen der Füllung glatt gestrichen wurden. Jede Probe
wurde dreimal vermessen.
A.2 Validierung
A.2.1 Ausreißertest nach Grubbs
Durch den Grubbs-Test können Ausreißer, die auf systematische Fehler zurückzuführen
sind, identifiziert werden [7,511,526]. Man berechnet hierzu den Mittelwert x und den
Schätzwert der Standardabweichung s.
Gleichung 1:
=
= n
1i
i
x
n
1
x
Gleichung 2: 1n
)xx(
s
n
1i
2
i
=
=
Ein ausreißerverdächtiger Wert xar, also der Messwert mit der größten Differenz zum
Mittelwert, wird durch die Berechnung des Prüfwertes PW getestet.
Gleichung 3: s
xx
PW ar
=
Anhang A20
Der Prüfwert PW wird mit tabellierten Werten rM für den Grubbs-Test verglichen [7,511,526].
Das Testergebnis ist wie folgt zu bewerten:
PW rM (f, P = 90 %): kein Ausreißer; Mittelung erlaubt
rM (f, P = 90 %) < PW rM (f, P = 95 %): wahrscheinlich Ausreißer; Mittelung noch möglich
PW > rM (f, P = 95 %): Ausreißer; keine Mittelung erlaubt
Sofern der Test einen Ausreißer entdeckt, werden die Daten dieses Messwertes entfernt und
ein neuer Grubbs-Test mit n-1 Daten durchgeführt. Dies geschieht solange, bis mit Hilfe des
Tests keine Ausreißer mehr entdeckt werden.
A.2.2 Kalibrierdaten
Zur Validierung der HPLC-MS/MS-Methode wurden 10 Kalibrierlösungen im
Konzentrationsbereich von 50 µg/L – 10 mg/L für SFD, 55,055 µg/L -10,011 mg/L für e-iso-
CTC und 78,05 µg/L – 15,61 mg/L für iso-CTC hergestellt. Aus diesen Lösungen wurde
10mal pro Konzentration und Analyt die Fläche des MS-Signals im TIC der einzelnen
Fragmentionen mittels HPLC-MS/MS bestimmt. (Die ungeraden Konzentrationen der
Kalibrierlösungen für e-iso-CTC und iso-CTC sind bedingt durch Konzentrationen der
Epimere in der e-iso-CTC/iso-CTC Stammlösung (ß(e-iso-CTC)=100,11 mg/L; ß(iso-
CTC)=156,10 mg/L) aus denen die Kalibrierlösungen hergestellt wurden.)
Die Mittelwerte y der jeweiligen Peakflächen der einzelnen Kalibrierpunkte (Konzentration)
wurden nach Gleichung 4 berechnet. Jeder Kalibrierpunkt wird dabei 10-fach bestimmt
(n=10).
Gleichung 4:
=
= n
1i
i
y
n
1
y
Die Standardabweichung s und die relative Standardabweichung srel für den jeweiligen
Kalibrierpunkt wurden durch die Gleichungen 5 und 6 ermittelt.
Gleichung 5: 1n
)yy(
s
n
1i
2
i
=
=
Gleichung 6: %100
y
s
srel =
Anhang A21
Die relativen Standardabweichungen für die einzelnen Messpunkte sind für die einzelnen
Analyte in Tabelle A3-A5 aufgeführt.
Tab. A3: Kalibrierdaten und relative Standardabweichungen srel für SFD
Konzentration von SFD
[µg/L]
Mittelwert der Peakfläche
y (n=10)
srel
[%]
50 222968 17,5
100 543715 14,2
200 1142795 9,3
500 2380479 6,3
750 3632598 5,2
1000 4705592 1,7
2000 8745652 1,4
5000 17810819 1,8
7500 26567909 0,7
10000 34521104 0,9
Tab. A4: Kalibrierdaten und relative Standardabweichungen srel für e-iso-CTC
Konzentration von e-iso-CTC
[µg/L]
Mittelwert der Peakfläche
y (n=10)
srel
[%]
50,055 512119 14,8
100,11 1235960 10,4
200,22 2766782 10,8
500,55 5960387 3,8
750,825 8840043 3,2
1001,1 11866293 3,4
2002,2 26354558 3,3
5005,5 66758161 2,4
7508,25 97715846 2,1
10011 128818025 1,2
Anhang A22
Tab. A5: Kalibrierdaten und relative Standardabweichungen srel für iso-CTC
Konzentration von iso-CTC
[µg/L]
Mittelwert der Peakfläche
y (n=10)
srel
[%]
78,05 1429455 13,9
156,1 2862747 2,9
312,2 5808802 4,6
780,5 13239156 1,6
1170,75 19779745 4,1
1561 28098668 3,7
3122 62735307 2,1
7805 157800669 3,5
11707,5 242039353 2,0
15610 302460732 2,8
A.2.3 Kalibrierung und Regressionsanalyse
Für die Erstellung und Beurteilung einer Kalibration sind im Vorfeld einige Berechnungen
nötig, deren Grundlagen [511,520,526] kurz dargestellt werden sollen. In der Regel wird
diese Berechnung mittels geeigneter Auswerte- bzw. Statistiksoftware durchgeführt.
Ermittlung der Kalibrierfunktion ersten Grades
Für eine Funktion 1. Grades gilt:
Gleichung 7: xbay
+=
mit: Mittelwert der Konzentrationen
=
= N
1i
i
x
N
1
x
Mittelwert der Peakflächen (Detektorsignal)
=
= N
1i
i
y
N
1
y
Die Steigung b der Kalibriergeraden ist ein Maß für die Empfindlichkeit:
Gleichung 8:
=
=
=N
1i
2
i
N
1i
ii
)xx(
)]yy)(xx[(
b
Anhang A23
Der Ordinatenabschnitt a stellt den errechneten Blindwert dar:
Gleichung 9: xbya
=
Die Präzision der linearen Regression wird durch die Reststandardabweichung
ausgedrückt. Darunter versteht man das Maß für die Streuung der Messwerte y
1
y
si in y-
Richtung um die Regressionsgerade.
Die Reststandardabweichung für die lineare Regression wird wie folgt berechnet:
Gleichung 10: 2N
)y
ˆ
y(
s
N
1i
2
ii
y1
=
=
mit (ermittelte Peakfläche aus der Regressionsfunktion)
ii xbay
ˆ+=
=
i
yMittelwert der experimentell ermittelten Peakfläche
Ermittlung der Kalibrierfunktion zweiten Grades
Für eine Funktion 2. Grades gilt:
Gleichung 11: 2
xcxbay ++=
Für die Berechnung der Funktionskoeffizienten a, b und c der quadratischen Bezugsfunktion
werden zunächst einige Quadratsummen eingeführt:
=
=
=N
x
xQ
2
N
1i
i
N
1i
2
ixx ;
=
==
=N
yx
)yx(Q
N
1i
i
N
1i
i
N
1i
iixy
=
==
=N
xx
xQ
N
1i
2
i
N
1i
i
N
1i
3
i
x3;
=
=
=N
x
xQ
2
N
1i
2
i
N
1i
4
i
x4
=
==
=N
xy
)yx(Q
N
1i
2
i
N
1i
i
N
1i
i
2
i
yx2
Anhang A24
Unter Verwendung dieser Quadratsummen, die lediglich der Vereinfachung der Formeln für
die Funktionskoeffizienten a, b und c dienen, lassen sich die jeweiligen
Funktionskoeffizienten nun wie folgt berechnen [511]:
Gleichung 12: N
xcxby
a
N
1i
N
1i
N
1i
2
iii
=
∑∑∑
===
Gleichung 13:
xx
x
xy
Q
QcQ
b3
=
Gleichung 14:
43
23
x
xx
2
x
xx
yxx
xy
QQQ
QQQQ
c
=
Für die Berechnung der Reststandardabweichung für die quadratische Regression gilt:
2
y
s
Gleichung 15: 3N
)y
ˆ
y(
s
N
1i
2
ii
y2
=
=
mit (ermittelte Peakfläche aus der Regressionsfunktion)
2
iii xcxbay
ˆ++=
=
i
yMittelwert der experimentell ermittelten Peakfläche
Tabelle A6 und A7 zeigen die aus den Kalibrierdaten ermittelten Regressionsfunktionen für
die verschiedenen Kalibrationsbereiche (Arbeitsbereiche).
Anhang A25
Tab. A6: Lineares Kalibrationsmodell
Lineare Kalibration xbay
+
=
Analyt Konzentrations-
Bereich
[µg/L]
a b 1
y
s R R2
SFD 50-10000 772907 3415 592892 0,9989 0,9978
SFD 100-1000 142868 4585 73730 0,9993 0,9986
e-iso-CTC 50,055-10011 -176309 12996 927777 0,9998 0,9996
e-iso-CTC 100,11-1001,1 224387 11575 167486 0,9994 0,9988
e-iso-CTC 1001,1-10011 175032 12952 1400178 0,9997 0,9994
iso-CTC 78,05-15610 -749408 19945 4723354 0,9992 0,9984
iso-CTC 78,05-1170,75 306225 16651 208044 0,9997 0,9994
iso-CTC 1170,75-11707,5 -4368538 20984 1406152 0,9999 0,9998
Tab. A7: Quadratisches Kalibrationsmodell (Nur für Mandel-Test in A.2.5.2 von Bedeutung)
Quadratische Kalibration 2
xcxbay ++=
Analyt Konzentrations-
Bereich
[µg/L]
a b c 2
y
s R2
SFD 50-10000 512750 3796 -0,0413 501316 0,9987
SFD 100-1000 121470 4715 -0,1206 88946 0,9987
e-iso-CTC 50,055-10011 -647271 13685 -0,0745 700559 0,9998
e-iso-CTC 100,11-1001,1 254606 11391 0,1699 203944 0,9989
e-iso-CTC 1001,1-10011 -2047108 14301 -0,1250 568197 0,9999
iso-CTC 78,05-15610 -2983549 22041 -0,1454 3795261 0,9991
iso-CTC 78,05-1170,75 175572 17478 -0,6694 226796 0,9996
iso-CTC 1170,75-11707,5 -3699898 20594 0,0310 1647136 0,9999
Anhang A26
A.2.4 Korrelationskoeffizient
Um die Güte der Anpassung durch die Regressionsgerade zu beurteilen werden häufig der
Korrelationskoeffizient R oder das Bestimmtheitsmaß R2 herangezogen, da diese
Indexzahlen als wichtige Kriterien für Linearität eine hohe Akzeptanz besitzen [526]. Der
Korrelationskoeffizient vergleicht die Streuung der Punkte von der Regressionsgeraden mit
der Gesamtstreuung des Verfahrens. Der Korrelationskoeffizient ist eine Indexzahl, die
angibt, ob und wie ein Variablenpaar (x;y) miteinander verknüpft ist (korreliert). Die Werte
des Korrelationskoeffizienten liegen zwischen –1 und +1 (negatives Vorzeichen für fallende
Gerade, positives Vorzeichen für aufsteigende Gerade). Die Berechnung des
Korrelationskoeffizienten erfolgt gemäß:
Gleichung 16:
[]
∑∑
==
=
=N
1i
N
1i
2
i
2
i
N
1i
ii
)yy()xx(
)yy()xx(
R
Ist der Korrelationskoeffizient in der Nähe von Null, ist ein funktionaler Zusammenhang
zwischen x und y nicht erkennbar. Nimmt der Korrelationskoeffizient Werte in der Nähe von
Eins ein, ist ein linearer Zusammenhang zwischen den Konzentrationswerten x und den
Messwerten y wahrscheinlich. Ein hoher Absolutbetrag für den Korrelationskoeffizienten ist
ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Maß für die Linearität.
Das Quadrat des Korrelationskoeffizienten nennt man Bestimmtheitsmaß R2. Der Vorteil des
Bestimmtheitsmaßes als Indexzahl ist, dass durch eine Quadrierung von R Unterschiede
stärker sichtbar werden, da der Indexwert „schärfer“ wird (z. B. ergibt sich für R=0,99 ein
Wert von R2=0,9801).
Der Korrelationskoeffizient bzw. das Bestimmtheitsmaß sind jedoch nur bedingt tauglich, um
die Güte einer Anpassung zu beurteilen. Es kann aus diesen Indexzahlen z.B. nicht
entnommen werden, ob eine lineare oder eine quadratische Anpassung günstiger wäre. Um
zu entscheiden ob eine lineare oder quadratische Anpassung günstiger ist werden z.B. der
Anpassungstest nach Mandel und die Residualanalyse angewendet.
A.2.5 Überprüfung der Linearität
Zur Überprüfung der Linearität eines Kalibrierfunktionstyps gibt es verschiedene
Möglichkeiten [526]:
- Visueller Linearitätstest nach Funk (A.2.5.1)
- Mandel-Test (A.2.5.2)
- Residualanalyse (A.2.5.4)
Anhang A27
A.2.5.1 Visueller Linearitätstest nach Funk
Eine Überprüfung des Kalibrierfunktionstyps (Abbildung A3-A5) erfolgt im einfachsten Fall
durch eine subjektive Beurteilung der graphischen Darstellung der Kalibrierdaten
(einschließlich der Regressionsgeraden).
0 2000 4000 6000 8000 10000
0
5,0x106
1,0x107
1,5x107
2,0x107
2,5x107
3,0x107
3,5x107
Fläche [I min]
Konzentration [µg/L]
Abb. A3: Visueller Linearitätstest für SFD (Messbereich 50 µg/L – 10 mg/L; N=10)
0 2000 4000 6000 8000 10000
0
2,0x107
4,0x107
6,0x107
8,0x107
1,0x108
1,2x108
1,4x108
Fläche [I min]
Konzentration [µg/L]
Abb. A4: Visueller Linearitätstest für e-iso-CTC (Messbereich 50,055 µg/L –
10,011 mg/L; N=10)
Anhang A28
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000
0
5,0x107
1,0x108
1,5x108
2,0x108
2,5x108
3,0x108
3,5x108
Fläche [I min]
Konzentration [µg/L]
Abb. A5: Visueller Linearitätstest für iso-CTC (Messbereich 78,05 µg/L – 15,61 mg/L; N=10)
A.2.5.2 Anpassungstest nach Mandel
Der Anpassungstest nach Mandel (DIN 38402 Teil 51) wird zur Überprüfung der Linearität
herangezogen [520,526]. Dies geschieht durch einen Vergleich der Reststandard-
abweichungen der Kalibrierfunktionen 1. und 2. Grades (s. Tab. A6 und A7).
Zunächst wird aus den zwei Reststandardabweichungen die Differenz der
Abweichungsvarianzen DS2 berechnet:
Gleichung 17:
2
y
2
y
2
21 s)3N(s)2N(DS =
Für die Berechnung des Prüfwertes PW gilt:
Gleichung 18: 2
y
2
2
s
DS
PW =
Der ermittelte Prüfwert wird dann mit dem Tabellenwert aus der F-Tabelle (f1=1, f2=N-3,
P=99%) verglichen [520,526]. Hierbei gilt:
PW F : Die Kalibrierfunktion ist linear, da durch eine Kalibrierfunktion 2. Grades keine
signifikant bessere Anpassung erreicht wird.
PW>F : Die Kalibrierfunktion ist in diesem Arbeitsbereich nicht linear.
Für den Fall PW>F kann durch wiederholte Durchführung dieses Testverfahrens mit immer
weiter eingeschränktem Arbeitsbereich die obere Arbeitsbereichsgrenze festgestellt werden.
Diese Vorgehensweise ist durch die DIN 38402 Teil 51 vorgeschrieben. Nach DIN 38402 Teil
51 ist es aber auch möglich die Kalibrierfunktion nach einem Regressionsmodell höherer
Anhang A29
Ordnung zu berechnen. Zur Festlegung der oberen Arbeitsgrenze für die quadratische
Regression gibt es allerdings noch keine einheitlichen Grundsätze.
Die Ergebnisse des Linearitätstests nach Mandel in Tabelle A8 zeigen, das die
Kalibrierfunktion im gesamten Arbeitsbereich linear ist. Um die in A.2.5.3 festgestellte
Varianzinhomogenität im gesamten Arbeitsbereicht zu vermindern wurden die
Arbeitsbereiche allerdings verkleinert bzw. aufgeteilt.
Tab. A8: Prüfung auf Linearität mittels Mandel-Test
Analyt Konzentrations-
Bereich
[µg/L]
N PW F-Wert (f1=1,
f2=N-3, P=99%)
SFD 50-10000 10 4,19 12,25
SFD 100-1000 5 0,06 98,50
e-iso-CTC 50,055-10011 10 7,03 12,25
e-iso-CTC 100,11-1001,1 5 0,02 98,50
e-iso-CTC 1001,1-10011 5 16,22 98,50
iso-CTC 78,05-15610 10 5,39 12,25
iso-CTC 78,05-1170,75 5 0,52 98,50
iso-CTC 1170,75-11707,5 5 0,19 98,50
A.2.5.3 Varianzenhomogenität
Ein Analysenverfahren muss für den ganzen gewählten Arbeitsbereich gleich präzise sein,
da die lineare Regressionsrechung von einer konstanten (homogenen) Varianz der
Messwerte (Unpräzision) ausgeht [7,520,526].
Eine Inhomogenität der Varianzen führt über eine höhere Unpräzision hinaus zu einer
möglichen Veränderung der Geradensteigung und damit zu einer höheren Ungenauigkeit.
Es wird dabei zur Absicherung des gewählten Arbeitsbereiches mittels eines F-Testes
geprüft, ob sich die Varianz s1 der Messreihe (Mehrfachbestimmung) mit der niedrigsten
Analyt-Konzentration (i=1) signifikant von der Varianz sN der Messreihe mit der höchsten
Analyt-Konzentration (i=N) unterscheidet.
Anhang A30
Für die Berechnung der Varianzen gilt:
Gleichung 19: 1n
)yy(
s
n
1j
2
ij,i
2
i
=
=
mit: n
y
y
n
1j
j,i
i
=
=
=
i
yMittelwert der Peakflächen (Detektorsignal) der i-ten Messreihe (i=1 bis N)
=
j,i
yermittelte Peakfläche (Detektorsignal) des j-ten Einzelmesswertes (j=1 bis n) der i-
ten Messreihe
=i Laufzahl der Messreihen
=jLaufzahl der Einzelmesswerte innerhalb der Messreihen
=NAnzahl der Konzentrationsstufen (Kalibrierpunkte)
=nAnzahl der Messungen je Konzentrationsstufe
Aus den Varianzen des niedrigsten und des höchsten Kalibrierpunktes wird als Prüfwert PW
ein Quotient gebildet, der größer als eins ist. Der Prüfwert PW wird wie folgt berechnet:
Gleichung 20: 2
N
2
1
s
s
PW = für
2
n
2
1ss >
2
1
2
N
s
s
PW = für
2
n
2
1ss <
Der ermittelte Prüfwert wird mit dem tabellierten F-Wert (f1=n-1, f2=n-1, P=99%) verglichen.
Varianzenhomogenität liegt vor, wenn PW<F. Ist der Prüfwert kleiner als der tabellierte F-
Wert für P=99% besteht kein signifikanter Unterschied zwischen den Varianzen s1 und SN.
Ein signifikanter Unterschied der Varianzen und somit eine Inhomogenität der Varianzen liegt
bei PW>F vor. In diesem Fall ist der Arbeitsbereich soweit einzuschränken bis
Varianzenhomogenität hergestellt ist oder es können gewichtete Regressionsmodelle
angewendet werden.
Für e-iso-CTC und iso-CTC wurde trotz Einschränkung des Arbeitsbereichs eine
Varianzinhomogenität festgestellt (Tab. A9). Durch eine weitere Einschränkung der
gewählten Arbeitsbereiche oder eine Anwendung gewichteter Regressionsmodelle kann
auch hier möglicherweise eine Varianzhomogenität erreicht werden. Diese Möglichkeiten
würden im Rahmen dieser Arbeit aber nicht weiter verfolgt, da die Residualanalyse (siehe
A.2.5.4) das Vorliegen einer Normalverteilung in den eingeschränkten Arbeitsbereichen
Anhang A31
zeigte. Auch in der Routineanalytik wird nach Vockel [7] oft eine Inhomogenität der
Varianzen bei linearem Regressionsansatz in Kauf genommen.
Tab. A9: Test auf Homogenität der Varianzen
Analyt Konzentrations-
Bereich
[µg/L]
n PW F-Wert (f1=n-1,
f2=n-1, P=99%)
SFD 50-10000 10 66,81 5,35
SFD 100-1000 10 1,07 5,35
e-iso-CTC 50,055-10011 10 381,46 5,35
e-iso-CTC 100,11-1001,1 10 9,91 5,35
e-iso-CTC 1001,1-10011 10 13,47 5,35
iso-CTC 78,05-15610 10 1874,09 5,35
iso-CTC 78,05-1170,75 10 16,84 5,35
iso-CTC 1170,75-11707,5 10 36,19 5,35
Anhang A32
A.2.5.4 Residualanalyse
Die Residualanalyse ist eine weitere Möglichkeit, die Qualität des linearen Ansatzes zu
bewerten [7,526].
Unter den Residuen (Restfehler) versteht man die Differenz in vertikaler Richtung zwischen
Messpunkt und zugehörigen Punkt auf der Regressionskurve.
Um normierte Residuen ui zu erhalten dividiert man die Residuen aller Messpunkte durch die
Standardabweichung aller Residuen, also durch sy. Man erhält die normierten Residuen ui
nach:
Gleichung 21:
y
ii
is
y
ˆ
y
u
= für i= 1 bis N
mit = Messwert
i
y
= zu gehöriger Schätzwert aus der Regressfunktion
i
y
ˆi
y
( für lineares Modell)
ii xbay
ˆ+=
Ist der gewählte Modellansatz richtig, dann müssen die normierten Größen ui normalverteilt
sein und es ergibt sich eine Gleichverteilung unter- und oberhalb der Nulllinie.
Ist jedoch ein Trend festzustellen, so ist der zugrunde gelegte Regressionsansatz zu
überprüfen und gegebenenfalls der Arbeitsbereich einzuschränken, ein anderes
Regressionsmodell zu verwenden oder beim bestehenden Regressionsmodell eine
Gewichtung vorzunehmen [526].
Wie in Abbildung A6 zu sehen ist, zeigen die Residualanalysen der eingeschränkten
Arbeitsbereiche eine Normalverteilung. Daher werden die Arbeitsbereiche für e-iso-CTC und
iso-CTC trotz ermittelter Varianzinhomogenität (A.2.5.3) nicht weiter eingeschränkt.
Anhang A33
SFD
Arbeitsbereich von 100-1000 µg/L
0 200 400 600 800 1000
-1,50
-1,25
-1,00
-0,75
-0,50
-0,25
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
Residuen ui
Konzentration [µg/L]
SFD
e-iso-CTC
Arbeitsbereich von 100,11-1001,1 µg/L
0 200 400 600 800 1000
-1,50
-1,25
-1,00
-0,75
-0,50
-0,25
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
Residuen ui
Konzentration [µg/L]
e-iso-CTC
e-iso-CTC
Arbeitsbereich von 1001,1-10011 µg/L
0 2000 4000 6000 8000 10000
-1,50
-1,25
-1,00
-0,75
-0,50
-0,25
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
Residuen ui
Konzentration [µg/L]
e-iso-CTC
iso-CTC
Arbeitsbereich von 78,05-1170,75 µg/L
0 200 400 600 800 1000 1200
-1,50
-1,25
-1,00
-0,75
-0,50
-0,25
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
Residuen ui
Konzentration [µg/L]
iso-CTC
iso-CTC
Arbeitsbereich von 1170,75-11707,5 µg/L
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000
-1,50
-1,25
-1,00
-0,75
-0,50
-0,25
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
Residuen ui
Konzentration [µg/L]
iso-CTC
Abb. A6: Residualanalysen der eingeschränkten Arbeitsbereiche
Anhang A34
A.2.6 Verfahrenskenndaten
Ein Maß für die Empfindlichkeit der linearen Kalibrierfunktion ist die Steigung b der
Regressionsgeraden und die Reststandardabweichung stellt ein Präzisionsmaß für die
Messung dar (siehe Anhang A.2.3) [7,511,520,526].
1
y
s
Durch Division der Reststandardabweichung mit der Geradensteigung b wird diese auf die
Mitte des Arbeitsbereichs normiert und man erhält die Verfahrensstandardabweichung sx0,
welche ein Maß für die Leistungsfähigkeit einer Methode ist.
Gleichung 22: b
s
s1
y
0x =
Durch Division der Verfahrensstandardabweichung durch die Konzentration in der Mitte des
Konzentrationsbereichs ( xc) und anschließender Multiplikation mit 100 erhält man als
weitere Normierungsgröße die relative Verfahrenstandardabweichung Vx0.
Gleichung 23: 100%
x
s
=V
c
x0
x0
Mit Hilfe der relativen Verfahrensstandardabweichung können unterschiedliche Verfahren
unter der Voraussetzung, dass die Messwerte sich auf gleiche Konzentrationen beziehen,
miteinander verglichen werden. Tabelle A10 zeigt die Verfahrenskenndaten der in dieser
Arbeit zur Bestimmung von SFD, e-iso-CTC und iso-CTC eingesetzten HPLC-MS/MS-
Methode.
Tab. A10: Übersicht der Verfahrenskenndaten der einzelnen Arbeitsbereiche
Analyt Arbeitsbereich
[µg/L]
sx0
[µg/L]
Vx0
[%]
SFD 100-1000 16,08 3,15
e-iso-CTC 100,11-1001,1 14,47 2,83
e-iso-CTC 1001,1-10011 108,11 2,12
iso-CTC 78,05-1170,75 12,49 2,50
iso-CTC 1170,75-11707,5 67,01 1,32
Anhang A35
A.2.7 Nachweis-, Erfassungs- und Bestimmungsgrenze
A.2.7.1 Nachweisgrenze
Die Nachweisgrenze xNG ist nach DIN 32645 eine Entscheidungsgrenze. Sie gibt diejenige
Analytkonzentration an, bei welcher der Analyt mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 50%
vorhanden ist [521,526].
Gleichung 24:
=
α
++= n
1i
2
i
2
;f0xNG
)xx(
x
n
1
m
1
tsx
=
α;f
tQuantil der t-Verteilung (einseitiges Prognoseintervall)
2n
f
= (mit f = Anzahl der Freiheitsgrade)
m = Anzahl der Messungen an der Analysenprobe
n = Anzahl der Proben
=α Signifikanzniveau (Wahrscheinlichkeit für den Fehler 1. Art)
A.2.7.2 Erfassungsgrenze
Die Erfassungsgrenze xEG ist der kleinste Gehalt eines Analyten in einer Probe, bei dem mit
einer Wahrscheinlichkeit 1- ein Nachweis möglich ist [521,526].
β
Gleichung 25:
=
β
+++= n
1i
2
i
2
;f0xNGEG
)xx(
x
n
1
m
1
tsxx
=
β;f
tQuantil der t-Verteilung (einseitiges Prognoseintervall)
=β Wahrscheinlichkeit für den Fehler 2. Art
Der Wert für die Nachweisgrenze wird im Falle
β
=
α
mit dem Faktor 2 multipliziert.
Gleichung 26: NGEG x2x
=
A.2.7.3 Bestimmungsgrenze
Die Bestimmungsgrenze xBG ist eine quantitative Grenze. Sie ist jene Analytmenge die mit
einer vorgegebenen Richtigkeit und Präzision quantifiziert werden kann [521,526]. Da ein
Analyt nur bestimmt werden kann, wenn er auch nachweisbar ist (Analytkonzentration xA
xEG), muss die Bestimmungsgrenze größer als die Erfassungsgrenze sein. Die Parameter
(α,1/k) zur Berechnung der Bestimmungsgrenze sind deshalb so zu wählen, dass xBG>xEG
gilt.
Das Prognoseintervall wird bestimmt nach:
Anhang A36
Gleichung 27:
=
α
++=Δ n
1i
2
i
2
;f0xBG
)xx(
)xx(
n
1
m
1
tsx
=
α;f
tQuantil der t-Verteilung (zweiseitiges Prognoseintervall)
Aus der Definition für die Bestimmungsgrenze ergibt sich:
Gleichung 28: BGBG xkx Δ
=
Man erhält eine gute Näherung für die Bestimmungsgrenze durch xBG k · xNG. Mit x = xBG
kann die die Bestimmungsgrenze nun wie folgt berechnet werden:
Gleichung 29:
=
α
++= n
1i
2
i
2
NG
;f0xBG
)xx(
)xxk(
n
1
m
1
tskx
Bei der Bestimmung eines Analyten (Analytkonzentration xA) in einer Probe mit sehr
geringem Gehalt, gibt es nach DIN 32645 (β=0,05) sechs Grenzfälle:
- xA < xNG Nachweis in weniger als 50% der Fälle erfolgreich*).
- xA xNG Nachweis in 50% der Fälle erfolgreich*).
- xNG <xA < xEG Nachweis in 50% bis 95% der Fälle erfolgreich*).
- xA xEG Nachweis in 95% der Fälle erfolgreich*).
- xEG <xA < xBG Nachweis erfolgreich*), Quantifizierung mit der notwendigen
statistischen Sicherheit P ist unsicher.
- xA xBG Nachweis erfolgreich*), Quantifizierung mit der notwendigen
statistischen Sicherheit P ist möglich. Die Ergebnisunsicherheit
wurde hier mit k = 3 festgelegt.
*)erfolgreicher Nachweis: Die getroffenen Aussage z.B. Analyt vorhanden, ist wahr
Tabelle A11 zeigt die ermittelten Nachweis-, Erfassungs- und Bestimmungsgrenzen der
HPLC-MS/MS-Methode.
Tab. A11: Nachweis-, Erfassungs- und Bestimmungsgrenzen der unteren Arbeitsbereiche
Anhang A37
der HPLC-MS/MS-Methode (externe Kalibrierung)
Analyt Arbeitsbereich
[µg/L]
xNG
[µg/L]
xEG
[µg/L]
xBG
[µg/L]
SFD 100-1000 48,81 97,62 184,00
e-iso-CTC 100,11-1001,1 43,92 87,84 166,68
iso-CTC 78,05-1170,75 35,90 71,79 140,10
A.2.8 Wiederfindungsrate
Die Wiederfindungsrate (WFR) ist ein Beurteilungskriterium von Analysenverfahren. Beträgt
die Wiederfindungsrate 100% ist die Selektivität, Richtigkeit und Robustheit eines Verfahrens
bewiesen [526].
Die Wiederfindungsrate ist das Verhältnis des unter Wiederholbedingungen gemessenen
Mittelwertes zum richtigen Wert des Analyten in der Probe und lässt sich nach folgender
Formel berechnen:
Gleichung 30: %100
x
x
WFR
R
=
mit =xgemessener Mittelwert
=
R
x richtiger Wert, entspricht der zugesetzten Konzentration/Menge
Anhang A38
A.3 Kenngrößen der untersuchten Böden
A.3.1 Boden „Soest“
Zu den Versuchsparzellen, die im „Antiinfektiva-Projekt“ für Feldversuche eingesetzt wurden
(Versuchsgut des Fachbereichs 9 - Landbau – Abt. Soest, FH Südwestfalen, in Welver-
Merklingsen), liegen folgende Bodendaten vor [476]:
Standort: Naturraum: Soester Börde (Niederbörde)
Höhenlage: ca. 80 m über NN
Klima: ca. 750 mm Niederschlag, durchschnittliche Jahrestemperatur: 9,0 °C
Bonität: überwiegend 70-75 BP, Zustandstufe: L4 Lö
Bodentyp: Bodenentwicklung durch stark schwankenden Grundwasserstand
beeinflusst, (Pseudogley-Parabraunerde), Humusgehalte meist
unter 2%
Bodenart: uL / sL, Schluffanteil ca. 70%
Eigenschaften: druckempfindlich, verschlämmungsgefährdet
Wasserspeicherkapazität hoch
Erosionsgefährdung gering bis mittel, bei schwacher Hangneigung mittel bis
stark, in windoffenen Lagen gefährdet durch Winderosion
Tab. A12: Profilaufbau [476]
Bodenzone
[cm] Beschreibung
Ap0-30 braungrauer, mittel toniger Schluff, schwach humos,
Subpolyedergefüge
Als 30-42 ockerbrauner, mittel toniger Schluff, schwach humos,
Subpolyedergefüge, mit leichten Staunässeerscheinungen
BBtSw42-78 rötlich brauner, stark toniger Schluff, Polyedergefüge, Rostflecken,
einige Bleichflecken
BBtSd78-135 rötlich brauner, stark toniger Schluff, Prismen- und Polyedergefüge,
dicht und wasserstauend, Lößverwitterung
Anhang A39
Tab. A13: Allgemeine bodenchemische und –physikalische Bodeneigenschaften [476]
C/N-Verhältnis
Gesamt-N (0-30)
13/1 – 15/1
0,98 – 1,61
%
Luft- und Wasserdurchlässigkeit
Gesamtporenvolumen
„Luftporen“ (Grobporen)
Rohdichte
mittel – gering
43 – 46
9 – 12
1,4 – 1,6
Vol. %
Vol. %
g/cm3
nutzbare Feldkapazität (0-100cm)
Totwasser, pf>4,2 (0-100cm)
Feldkapazität (0-100cm)
220
95
315
mm
mm
mm
Tab. A14: Nährstoffe nach VDLUFA [476]
Nährstoff Gehalt
[mg/100g Boden]
Bestimmung nach
VDLUFA Methodenbuch I
P2O512,1 A 6.2.1.1
K2O 24,4 A 6.2.1.1
Mg 11,2 A 6.2.4.1
Tab. A15: Schwermetalle (DIN 38406) und adsorbierbare organisch gebundene Halogene
(AOX, DIN 38414-18) aus Königswasseraufschluss (DIN 38414-7) [476]
Gehalt [mg/kg Boden]
Blei 33,4
Cadmium 0,42
Chrom 33,9
Kupfer 6,96
Nickel 11,7
Quecksilber 0,09
Zink 57,0
AOX 31,8
Anhang A40
Tab. A16: Trockenrückstand und des Wassergehalt auf Grundlage der Masse (DIN ISO
11465) der Bodenproben (Probenbezeichnung siehe Anhang A.3.2)
Probenbezeichnung Trockenrückstand
(wdm) [%] Wassergehalt (wH2O)
[%]
W1-1-25 81,2 23,2
W2-1-25 79,9 25,2
W3-1-25 83,3 20,2
W4-1-25 81,5 22,8
W5-1-25 81,2 23,2
W6-1-25 81,9 22,1
W7-1-25 82,4 21,4
W8-1-25 82,4 21,4
W1-4-25 80,8 23,8
W2-4-25 80,5 24,3
W3-4-25 83,0 20,5
W4-4-25 81,5 22,8
W5-4-25 81,5 22,8
W6-4-25 82,5 21,3
W7-4-25 83,1 20,4
W8-4-25 82,2 21,8
A.3.2 Boden „Hamm“
Der für die Säulenversuche (Kapitel 5.2.2) verwendete sandige Ackerboden wurde von einer
landwirtschaftlichen Fläche aus der Nähe von Hamm bezogen [477]. Die seit mehr als zehn
Jahren brachliegende Fläche wurde nur sporadisch als Kuhweide genutzt. In Abbildung A7
ist das Profil des Bodens bis zu einer Tiefe von 50 cm zu sehen. In den Versuchen wurde
nur der Oberboden (10 bis 40 cm Tiefe) eingesetzt. Der Boden ist ein Feinsand mit hohem
Schluffanteil und sehr stark humos. Im Bereich von 10-40 cm ist er teilweise durchwurzelt.
Dieser Boden ist ein Podsol. Der pH-Wert des Bodens betrug 6,5. In den Versuchen wurde
nur der Oberboden (10 bis 40 cm Tiefe) eingesetzt. Tabelle A17 und A18 zeigen die
Charakteristika des Oberbodens. In diesem Boden konnten keine Antibiotikarückstände
(SFD, N4-SFD, e-iso-CTC, iso-CTC, e-CTC, CTC, anhydro-CTC) nachgewiesen werden.
Der Boden wurde vor dem Einbau in die Säulen manuell zerkleinert und an der Luft
getrocknet [477]. Um Wurzelreste im Boden hatten sich deutliche Eisenkonkretionen
gebildet.
Nach dem Trocknen wurde der Boden homogenisiert und trocken in die Säule eingebaut.
Eine Schichtung war nach dem Einbau nicht erkennbar. Neben sehr fein zerkleinerten Teilen
waren zum Teil einige Millimeter große Konglomerate zu erkennen.
Anhang A41
Oberboden für
Säulenversuch
Abb. A7: Profil des verwendeten Ackerbodens [477]
Tab. A17: Kennwerte des Ackerbodens [477]
Kenngröße/ Charakterisierung Abkürzung
und Einheit Wert
Massenanteil Tonfraktion [%] 7
Massenanteil Schlufffraktion [%] 12
Massenanteil Sandfraktion [%] 81
Massenanteil Kiesfraktion [%] 0
Korngröße bei 10 % Siebdurchgang d10 [mm] 0,0075
Korngröße bei 60 % Siebdurchgang d60 [mm] 0,18
Ungleichförmigkeitsgrad U [-] 24
Durchlässigkeitsbeiwert nach Beyer kf [m/s] 3,4E-07
Durchlässigkeitsbeiwert aus
Permeabilitätstest kf [m/s] 9,6E-06
Anhang A42
Tab. A18: Schwermetallgehalte des Ackerbodens [477]
Element Konzentration bei
Elution nach DIN 38414-4
[µg/l]
Gehalte bei Elution nach
DIN ISO 11466
[µg/kg TM]
Aluminium 196 4751
Blei 2 33,2
Cadmium < 0,3 0,35
Chrom < 2 17,6
Kupfer 14 12,4
Eisen 212 6664
Mangan 12 217
Nickel 3 5,6
Zink 34 53,8
A.4 Ergebnisse
A.4.1 Ergebnisse der Wiederfindung
Tab. A19: Daten zur Wiederfindung von SFD in Bodenproben (dotierter Nullboden;
Wiederfindung = 100% bei zudotierter Konzentration = wiedergefundener
Konzentration)
Analyt zudotierte
Konzentration
[µg/L]
zugesetzte Menge
[µg/5g] wiedergefundene Konzentration
[µg/L]
(Mittelwerte aus 3 Messinjektionen)
SFD 250 0,125 69±14
SFD 250 0,125 74±9
SFD 250 0,125 77±6
SFD 250 0,125 59±15
SFD 1000 0,500 330±24
SFD 1000 0,500 233±9
SFD 1000 0,500 548±20
SFD 1000 0,500 455±33
SFD 10000 5,000 4472±192
SFD 10000 5,000 4192±133
SFD 10000 5,000 5880±313
SFD 10000 5,000 5656±111
Anhang A43
Tab. A20: Daten zur Wiederfindung von CTC in Bodenproben (dotierter Nullboden;
Wiederfindung = 100% bei zudotierter Konzentration = wiedergefundener
Summenkonzentration)
wiedergefundene Konzentration [µg/L]
(Mittelwerte aus 3 Messinjektionen)
Analyt zudotierte
Konzentration
[µg/L]
zugesetzte
Menge
[µg/5g] *e-iso-CTC *iso-CTC *e-CTC *CTC Summe
CTC
CTC 250 0,125 66±14 123±10 ~0 ~0 189±24
CTC 250 0,125 69±12 118±15 ~0 ~0 187±27
CTC 250 0,125 75±16 121±19 ~0 ~0 196±35
CTC 250 0,125 70±2 117±4 ~0 ~0 187±6
CTC 1000 0,500 185±7 368±21 ~0 ~0 553±28
CTC 1000 0,500 177±1 340±9 ~0 ~0 517±10
CTC 1000 0,500 254±2 477±28 ~0 ~0 731±30
CTC 1000 0,500 267±6 431±22 ~0 ~0 698±28
CTC 10000 5,000 1495±36 3417±109 ~0 ~0 4912±145
CTC 10000 5,000 1580±56 3545±55 ~0 ~0 5425±111
CTC 10000 5,000 2138±24 4603±72 ~0 ~0 6741±96
CTC 10000 5,000 2151±12 4700±252 ~0 ~0 6851±264
(* bezogen auf dotiertes CTC )
A.4.2 Ergebnisse der Rückstandsuntersuchung der Bodenproben der
Feldversuche
Bei allen genannten Gehalten handelt es sich um Mittelwerte (N=3; 3-fach Injektion einer
Messprobe) der Gehaltsbestimmung mittels HPLC-MS/MS. Aus jeder Bodenmischprobe
(Probennahme und Details siehe [476]) wurden 2 Stichproben separat aufgearbeitet
(Doppelbestimmung).
Erklärung der Probenbezeichnung:
Wx-x-xx gibt an das Winterweizen auf dem Feld angepflanzt worden ist, ein „F“ steht für
Feldsalat.
x1-x-xx gibt die laufende Probenahmenummer (zeitliche Probennahmenfolge) an.
xx-1-xx gibt an von welcher Parzelle die Probe stammt.
xx-x-25 gibt das Bodensegment an aus der die Probe entnommen worden ist:
10 = 0cm - 10cm; 20 = 10cm - 20cm; 25 = 0cm - 25cm; 30 = 20cm - 30cm; 50 = 25cm -
50cm; 60 = 30cm - 60cm
Anhang A44
Tab. A21: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Winterweizen, Parzelle 1, Bodentiefe 0 cm – 25 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD TM
[µg/kg] Summengehalt CTC’s*
TM
[µg/kg]
12.03. W1-1-25 n.n. n.n.
12.03. W1-1-25 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
19.03. W2-1-25 30,6±2,5 59,6±3,1
19.03. W2-1-25 43,6±3,3 138,8±4,4
15.04. W3-1-25 13,6±0,4 68,8±3,3
15.04. W3-1-25 14,4±4,2 93,9±5,9
2. Gülleaufbringung
22.04. W4-1-25 87,7±9,0 172,7±8,9
22.04. W4-1-25 65,0±6,9 241,0±6,0
15.05. W5-1-25 28,5±3,2 145,0±0,1
15.05. W5-1-25 32,2±1,9 193,7±2,6
17.06. W6-1-25 17,5±0,3 78,7±2,7
17.06. W6-1-25 20,3±1,1 55,3±4,1
17.07. W7-1-25 12,4±2,3 22,2±1,5
17.07. W7-1-25 3,8±2,8 25,7±2,0
20.08. W8-1-25 14,3±1,8 27,0±0,5
20.08. W8-1-25 12,9±0,6 21,5±0,6
* Summe von iso-CTC und e-iso-CTC
n.n. = nicht nachweisbar
TM = bezogen auf Trockenmasse (Boden)
Tab. A22: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Winterweizen, Parzelle 1, Bodentiefe 25 cm – 50 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD TM
[µg/kg] Summengehalt CTC’s*
TM
[µg/kg]
12.03. W1-1-50 n.n. n.n.
12.03. W1-1-50 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
19.03. W2-1-50 n.n. n.n.
19.03. W2-1-50 n.n. n.n.
15.04. W3-1-50 n.n. n.n.
15.04. W3-1-50 n.n. n.n.
2. Gülleaufbringung
22.04. W4-1-50 n.n. n.n.
22.04. W4-1-50 n.n. n.n.
15.05. W5-1-50 n.n. n.n.
15.05. W5-1-50 n.n. n.n.
17.06. W6-1-50 n.n. n.n.
17.06. W6-1-50 n.n. n.n.
17.07. W7-1-50 n.n. n.n.
17.07. W7-1-50 n.n. n.n.
20.08. W8-1-50 n.n. n.n.
20.08. W8-1-50 n.n. n.n.
Anhang A45
Tab. A23: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Winterweizen, Parzelle 4, Bodentiefe 0 cm – 25 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD TM
[µg/kg] Summengehalt CTC’s*
TM
[µg/kg]
12.03. W1-4-25 n.n. n.n.
12.03. W1-4-25 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
19.03. W2-4-25 14,4±5,9 171,4±5,5
19.03. W2-4-25 32,4±3,0 161,9±4,6
15.04. W3-4-25 17,6±1,2 106,8±3,7
15.04. W3-4-25 17,5±1,9 66,3±5,1
2. Aufbringung von
Mineraldünger
22.04. W4-4-25 39,8±2,4 141,6±0,9
22.04. W4-4-25 15,7±6,4 87,5±2,6
15.05. W5-4-25 10,9±4,3 45,8±1,1
15.05. W5-4-25 4,2±1,8 48,5±3,5
17.06. W6-4-25 0,9±1,6 44,4±2,3
17.06. W6-4-25 20,2±2,8 36,1±0,8
17.07. W7-4-25 2,9±2,6 32,4±1,9
17.07. W7-4-25 8,8±3,9 42,6±2,0
20.08. W8-4-25 6,0±0,9 31,3±0,6
20.08. W8-4-25 10,6±3,1 28,0±1,4
Tab. A24: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Winterweizen, Parzelle 4, Bodentiefe 25 cm – 50 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD TM
[µg/kg] Summengehalt CTC’s*
TM
[µg/kg]
12.03. W1-4-50 n.n. n.n.
12.03. W1-4-50 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
19.03. W2-4-50 n.n. n.n.
19.03. W2-4-50 n.n. n.n.
15.04. W3-4-50 n.n. n.n.
15.04. W3-4-50 n.n. n.n.
2. Aufbringung von
Mineraldünger
22.04. W4-4-50 n.n. n.n.
22.04. W4-4-50 n.n. n.n.
15.05. W5-4-50 n.n. n.n.
15.05. W5-4-50 n.n. n.n.
17.06. W6-4-50 n.n. n.n.
17.06. W6-4-50 n.n. n.n.
17.07. W7-4-50 n.n. n.n.
17.07. W7-4-50 n.n. n.n.
20.08. W8-4-50 n.n. n.n.
20.08. W8-4-50 n.n. n.n.
Anhang A46
Tab. A25: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Feldsalat, Parzelle 1, Bodentiefe 0 cm – 10 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD FM
[µg/kg] Summengehalt
CTC’s* FM
[µg/kg]
05.10. F1-1-10 n.n. n.n.
05.10. F1-1-10 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
09.10. F2-1-10 35,3±3,8 230,3±3,5
09.10. F2-1-10 1,1±0,7 41,8±1,9
20.11. F3-1-10 17,6±1,9 95,2±2,4
20.11. F3-1-10 9,2±2,8 69,4±5,7
2. Gülleaufbringung
05.12. F4-1-10 15,3±3,8 133,4±5,3
05.12. F4-1-10 19,2±7,5 81,2±6,2
FM = bezogen auf Feuchtmasse (Boden)
Tab. A26: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Feldsalat, Parzelle 1, Bodentiefe 10 cm – 20 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD FM
[µg/kg] Summengehalt
CTC’s* FM
[µg/kg]
05.10. F1-1-20 n.n. n.n.
05.10. F1-1-10 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
09.10. F2-1-20 n.n. n.n.
09.10. F2-1-20 n.n. n.n.
20.11. F3-1-20 n.n. n.n.
20.11. F3-1-20 n.n. n.n.
2. Gülleaufbringung
05.12. F4-1-20 n.n. n.n.
05.12. F4-1-20 n.n. n.n.
Tab. A27: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Feldsalat, Parzelle 1, Bodentiefe 20 cm – 30 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD FM
[µg/kg] Summengehalt
CTC’s* FM
[µg/kg]
05.10. F1-1-30 n.n. n.n.
05.10. F1-1-30 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
09.10. F2-1-30 n.n. n.n.
09.10. F2-1-30 n.n. n.n.
20.11. F3-1-30 n.n. n.n.
20.11. F3-1-30 n.n. n.n.
2. Gülleaufbringung
05.12. F4-1-30 n.n. n.n.
05.12. F4-1-30 n.n. n.n.
Anhang A47
Tab. A28: Gehalt an SFD und CTC in den Bodenproben
„Feldsalat, Parzelle 1, Bodentiefe 30 cm – 60 cm“
Datum der
Probennahme Probenbezeichnung Gehalt SFD FM
[µg/kg] Summengehalt
CTC’s* FM
[µg/kg]
05.10. F1-1-60 n.n. n.n.
05.10. F1-1-60 n.n. n.n.
1. Gülleaufbringung
09.10. F2-1-60 n.n. n.n.
09.10. F2-1-60 n.n. n.n.
20.11. F3-1-60 n.n. n.n.
20.11. F3-1-60 n.n. n.n.
2. Gülleaufbringung
05.12. F4-1-60 n.n. n.n.
05.12. F4-1-60 n.n. n.n.
Weitere Antibiotika und Metaboliten:
Sowohl TMP, als auch der SFD-Metabolit N4-SFD sowie Anhydro-CTC konnten in keiner
Bodenprobe nachgewiesen werden.
A.4.3 Ergebnisse zu den Messproben der Säulenversuche
A.4.3.1 Gülle
In die oberen 2 cm des Bodens des Säulenversuchs im Labormaßstab und in die oberen 30
cm des Bodens des Säulenversuchs im halbtechnischen Maßstab wurde mit SFD, iso-CTC
und CTC dotierte Gülle eingearbeitet (Tabelle A29).
Tab. A29: Gehalt an CTC, iso-CTC und SFD der in den Versuchen eingesetzten dotierten
Gülle
Versuchsmaßstab Labormaßstab halbtechnischer Maßstab
Eingesetzte Güllemenge [mL] 65 650
zudotierte Menge an CTC [mg] 6,51 49,98
zudotierte Menge iso-CTC [mg] 6,50 48,25
zudotierte Menge an SFD [mg] 6,51 50,23
Tab. A30: Gehalt an CTC und SFD in gelagerter Gülle (Mittelwerte aus 3-fach Injektion;
HPLC-MS/MS)
Versuchsmaßstab Lagerungszeit
nach Dotierung
[Wochen]
e-iso-CTC
[mg/L]
iso-CTC
[mg/L]
Summe
CTC
[mg/L]
SFD
[mg/L]
Labormaßstab 4 1,88±0,13 1,79±0,08 3,67±0,21 0,81±0,03
halbtechnischer
Maßstab 12 12,02±0,31 16,13±0,53 28,15±0,84 0,02±0,002
Anhang A48
A.4.3.2 Säulenelutate
Tab. A31: Konzentrationen von SFD und CTC im Eluat der Säule im Labormaßstab
(Mittelwerte aus 3-fach Injektion; HPLC-MS/MS)
Konzentration [ng/L]
Probenbezeichnung SFD e-iso-CTC iso-CTC Summe
CTC
B1-nach 322±21 8±4 33±6 41±10
B1-vor 348±17 18±3 57±4 75±7
B2-nach 2104±48 290±7 371±10 661±17
B2-vor n.n. 85±1 155±11 240±12
B3-nach 1614±35 110±16 152±1 262±17
B3-vor n.n. 26±6 53±6 79±12
B4-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B4-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B5-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B5-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B6-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B6-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B7-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B7-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B8-nach n.n. 267±9 168±13 435±22
B8-vor n.n. 265±14 190±12 455±26
B9-nach n.n. 120±5 134±11 254±16
B9-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B10-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B10-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B11-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B11-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B12-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B12-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
B13-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
B13-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
n.n. = nicht nachweisbar
nach = Pufferzugabe nach der Zentrifugation
vor = Pufferzugabe vor der Zentrifugation
Anhang A49
Tab. A32: Konzentrationen von SFD und CTC im Eluat der Säule im halbtechnischen
Maßstab (Mittelwerte aus 3-fach Injektion; HPLC-MS/MS)
Konzentration [ng/L]
Probenbezeichnung SFD e-iso-CTC iso-CTC Summe
CTC
Landregen1-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Landregen1-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen1-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen1-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen1-nach n.n. 54±1 100±4 154±5
Platzregen1-vor n.n. 170±20 246±12 416±32
Landregen2-nach n.n. 62±13 93±1 155±14
Landregen2-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen2-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen2-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen2-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen2-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Landregen3-nach n.n. 231±23 352±11 583±34
Landregen3-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen3-nach n.n. 47±3 54±5 101±8
Starkregen3-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen3-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen3-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Landregen4-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Landregen4-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen4-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Starkregen4-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen4-nach n.n. n.n. n.n. n.n.
Platzregen4-vor n.n. n.n. n.n. n.n.
Tab. A33: Konzentration in den mit HCl aufgelösten Zentrifugenrückständen aus
zentrifugierten "vor-Proben" nach Zugabe von EDTA-Ammoniak-Puffer / bezogen
auf das zentrifugierte Probenvolumen (Mittelwerte aus 3-fach Injektion; HPLC-
MS/MS)
Probe e-iso-CTC
[ng/L]
iso-CTC
[ng/L]
Summe CTC
[ng/L]
SFD
[ng/L]
Rückstand Landregen 2 115±7 201±4 315±11 n.n
Rückstand Platzregen 3 n.n. n.n. n.n. n.n.
A.4.3.3 Boden
Tab. A34: Gehalt von SFD und CTC im Boden des Versuchs im Labormaßstab (Mittelwerte
aus 3-fach Injektion; HPLC-MS/MS)
Gehalt [µg/kg TM]
Probe aus Bodentiefe Summe CTC SFD
0-2 cm 78±3 n.n.
2-10 cm 24±2 n.n.
Dotierte Wirkstoffmenge = 100%
(bezogen auf dotierte Gülle) Summe CTC
[%] SFD
[%]
im Boden 0,70 0
im Eluat 0,01 0,06
Wiederfindung der
dotierten Wirkstoffmengen im Boden + Eluat 0,71 0,06
Anhang A50
Tab. A35: Gehalt von SFD und CTC im Boden des Versuchs im halbtechnischen Maßstab
(Mittelwerte aus 3-fach Injektion; HPLC-MS/MS)
Gehalt [µg/kg TM]
Probe aus Bodentiefe Summe CTC SFD
0-5 cm 127±3 n.n.
5-10 cm 396±22 10±1
10-20 cm 195±3 13±6
20-30 cm 824±4 48±5
30-40 cm n.n. n.n.
40-50 cm n.n. n.n.
50-60 cm n.n. n.n.
Filterkies n.n. n.n.
Dotierte Wirkstoffmenge = 100%
(bezogen auf dotierte Gülle) Summe CTC
[%] SFD
[%]
im Boden 28,0 2,9
im Eluat 0,002 0
Wiederfindung der
dotierten Wirkstoffmengen im Boden + Eluat 28,0 2,9