scieee Science in your language
[en] (orig)
Verfahren zur Optimierten Steuerung und
Bewertung von Thermischen und Elektromobilen
Verbrauchern im Intelligenten Netz
vorgelegt von
Dipl.-Ing.
Felix Klein
geb. in Berlin
von der Fakult¨
at IV Elektrotechnik und Informatik
der Technischen Universit¨
at Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
- Dr.-Ing. -
genehmigte Dissertation
Promotionausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr. Ronald Plath
Gutachter: Prof. Dr. Kai Strunz
Gutachter: Prof. Dr. Peter Palensky
Gutachter: Prof. Dr. Istvan Ehrlich
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 24. Januar 2017
Berlin 2017
ii
Erkl¨
arung
Hiermit erkl¨
are ich, dass ich meine Doktorarbeit selbst¨
andig und nur mit den ange-
gebenen Hilfsmitteln verfasst habe. Des Weiteren erkl¨
are ich hiermit, dass ich alle
f¨
ur die Doktorarbeit verwendeten Quellen angegeben sowie alle Stellen, die w¨
ort-
lich oder sinngem¨
aus Quellen entnommen wurden, als solche gekennzeichnet
habe.
Berlin, den 18.12.2015
iii
iv
Ich widme meine Dissertation meiner Frau Annett und meiner Mutter die mich
immer unterst¨
utzt haben, sowie meinen Kindern Alina und Elisa, die genau bei
der H¨
alfte der Arbeit in mein Leben gekrabbelt kamen.
v
vi
Danksagung
Ich danke Herrn Professor Strunz f¨
ur die M¨
oglichkeit, diese Dissertation am Fach-
gebiet Energieversorgungsnetze und Integration Erneuerbarer Energien anzuferti-
gen und f¨
ur seine Orientierungshilfe und Hinweise. Des Weiteren danke ich meinen
Kollegen f¨
ur das gute Arbeitsklima und f¨
ur die Hinweise in Meetings, die diese
Dissertation maßgebend gepr¨
agt haben. Ebenfalls Danken m¨
ochte ich den Studie-
renden der TU Berlin, deren Studien-, Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten ich
betreut habe und die mit ihrer Arbeit einen guten Beitrag geleistet haben, na-
mentlich Peter Teske, Ramin Ghanipanah, Andreas Floss, Daniel Maron, Antonio
Pavic, Marcel Couve, Bj¨
orn Claas, Caroline M¨
oller, Juri Steblau und Christoph
Jachmann.
vii
viii
Abstract
Demand response can play an important role integrating renewable energy into
the energy system and reducing CO2-emissions that are emitted from electric en-
ergy generation. Intelligent control of shiftable loads is a key necessity for energy
system benefits. This work identifies potentially shiftable loads, creates models for
their operation in a future energy system and optimizes their behaviour towards
energy system needs. Based on locational marginal prices as result from optimal
power flow calculation, intelligent control of shiftable load is carried out with a de-
centralized approach, taking into account line congestion with accordingly altered
prices. Developed models are formulated as a multivariable nonlinear optimization
problem that shifts demand and reduces energy costs and CO2-emissions and inte-
grates renewables without violating boundary conditions that reflect the original
purpose, i.e. mobility, heat or cooling. To get robust results, each load is optimized
daily within an energy system for one year with hourly timesteps.
The mentioned three results are then quantified for each type of load and com-
pared with others. Influence on results by overall energy demand in the system
and seasonal aspects are highlighted by simulation of two demand scenarios. Cost
and CO2-emission reduction and integration of renewable energy achieved by shift-
ing thermal loads reaches around ten to twenty percent of their respective non-
optimized costs, CO2-emissions and demand. Optimized control of Electric vehicle
is very effective and results from eighty to one hundred percent can be calculated,
thus reducing CO2-emissions and integrating renewable energy to the equal value
as the CO2-emissions and demand for mobility. Combined heat power plants have
different characteristics and their results range between one and seven percent,
but uniquely they can improve results under a higher demand scenario. In a use
case focusing on the city of Berlin in the year 2040, a share of 20 % from Berlin s
demand consists of shiftable loads. By their optimized operation, share of renew-
ables of the energy-mix was increased by nearly 6 %, while CO2-emission dropped
by more than 10 %.
ix
Zusammenfassung
Demand Response kann einen wichtigen Beitrag leisten, erneuerbare Energie in das
Energieversorgungssystem zu integrieren und die mit der Bereitstellung der elek-
trischen Energie verbundenen CO2-Emissionen zu senken. Daf¨
ur bedarf es einer
intelligenten Ansteuerung, die die Nachfrage dieser Verbraucher zu Gunsten der
Bed¨
urfnisse des Energieversorgungsnetzes verschiebt. In der vorliegenden Arbeit
wird eine Auswahl potentiell verschiebbarer Verbraucher identifiziert, modelliert
und deren Betrieb in einem zuk¨
unftigen Energieversorgungsnetz optimiert und
simuliert. Daf¨
ur wird auf Grundlage von Nodalpreisen, die Ergebnis einer opti-
mierten Leistungsflussberechnung sind und ¨
Uberlastungen der Betriebsmittel im
Netz erkennen und einpreisen, eine Ansteuerung der Verbraucher auf dezentraler
Ebene vorgeschlagen. Die Modelle garantieren die Einhaltung der urspr¨
unglichen
Aufgabe der Verbraucher, und f¨
uhren in Form einer multivariablen, nichtlinearen
Optimierung eine Nachfrageverschiebung durch, die die Energiebezugskosten der
Verbraucher und die CO2-Emissionen senkt und den Anteil erneuerbarer Energien
im Netz erh¨
oht. Um solide Aussagen treffen zu k¨
onnen wird jeder Verbraucher in
einem Beispielenergiesystem f¨
ur den Zeitraum eines Jahres mit st¨
undlicher Aufl¨
o-
sung tageweise optimiert.
Die Ergebnisse zu Kosten, Emissionen und Integration werden f¨
ur jeden Verbrau-
chertyp quantifiziert und die Typen miteinander verglichen. Dabei werden die Aus-
wirkungen von zwei verschiedenen Gesamtnachfrageszenarien sowie saisonale Ein-
fl¨
usse beleuchtet. Kosteneinsparungen, Integration Erneuerbarer und CO2-Emis-
sionsreduktion bei Kraft-W¨
arme-Maschinen f¨
ur W¨
arme oder K¨
altebereitstellung
liegen zwischen 10 und 20 Prozent ihrer nichtoptimierten Kosten, Energienachfra-
ge und CO2-Emissionen. Elektrofahrzeuge erreichen hier Werte von 80 bzw. 100
Prozent und sind damit als sehr effektiv anzusehen. Sie reduzieren die CO2-Emis-
sionen in selbem Maße, wie sie f¨
ur ihre Mobilit¨
at emittieren und integrieren Er-
neuerbare in H¨
ohe ihrer eigenen Energienachfrage. Blockheizkraftwerke haben eine
andere Charakteristik und erreichen nur niedrige einstellige Prozentwerte, k¨
onnen
aber im Gegensatz zu allen anderen im h¨
oheren Gesamtnachfrageszenario ihre Er-
gebnisse steigern.
In einem Anwendungsfall werden alle Verbraucher im Kontext der Stadt Berlin
im Jahr 2040 eingesetzt. Mit einem Anteil von 20 % an der Jahresenergienach-
frage k¨
onnen sie durch die optimierte Betriebsweise den Anteil Erneuerbarer am
Energiemix um fast 6 % steigern und die CO2-Emissionen um ¨
uber 10 % senken.
x
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einf¨
uhrung 1
2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung 5
2.1. Energieversorgungssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.1.1. Knoten und Leitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.1.2. Konventionelle Kraftwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.1.3. Erneuerbare Kraftwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.1.4. Verbraucher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.1.5. Beispielsystem als Grundlage der Speicherbetrachtung . . . . 14
2.1.6. Energiemarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.1.7. Optimale Leistungsflussberechnung . . . . . . . . . . . . . . 16
2.2. Verbrauchersteuerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.2.1. Preisoptimierte Betriebsweise . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.2.2. Definiertes Leistungsband als Zusatz der Preisoptimierung . 20
3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund 25
3.1. Potential von Elektrofahrzeugen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
3.2. Modellerstellung eines Elektrofahrzeugverbunds . . . . . . . . . . . 28
3.2.1. Fahrprofile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.2.2. Anwesenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.2.3. Energieverbrauch und Wirkungsgrad . . . . . . . . . . . . . 31
3.2.4. Anschlussleistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.2.5. Batterieladezustand im Verbund . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.3. Optimierte Lade- und Entladesteuerung . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.3.1. Zeithorizont und Zielfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.3.2. Lineare Randbedingungen - Maximal zul¨
assige Leistung . . . 37
3.3.3. Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen - Ladezustand . . . . 38
3.3.4. Nichtlineare Gleichheitsbedingungen - Ladezustand . . . . . 39
3.4. Simulation................................ 40
3.4.1. Simulationsparameter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.4.2. Ablauf zur Ergebnisberechnung . . . . . . . . . . . . . . . . 42
3.5. Ergebnisse................................ 44
3.5.1. Leistungsaustausch optimierter Elektrofahrzeuge mit dem
Energieversorgungsnetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
xi
Inhaltsverzeichnis
3.5.2. Kostenreduktion bei Elektrofahrzeugen . . . . . . . . . . . . 49
3.5.3. Integration erneuerbarer Energien durch Elektrofahrzeuge . 52
3.5.4. CO2-Emissionsreduzierung durch Elektrofahrzeuge . . . . . . 57
4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher 63
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme-
und K¨
altebedarf............................. 64
4.1.1. Warmwasserbedarf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
4.1.2. Interne W¨
armegewinne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
4.1.3. L¨
uftungsw¨
armefl¨
usse ...................... 68
4.1.4. Transmissionsw¨
armefl¨
usse und solare W¨
armegewinne . . . . 69
4.1.5. Transmissionsw¨
armefl¨
usse ................... 71
4.1.6. Kapazit¨
at des Geb¨
audes .................... 74
4.2. W¨
armepumpen ............................. 75
4.2.1. Modellerstellung eines W¨
armepumpenverbunds . . . . . . . 76
4.2.2. Optimierte Verbrauchssteuerung . . . . . . . . . . . . . . . . 78
4.2.3. Simulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
4.2.4. Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
4.3. Blockheizkraftwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
4.3.1. Modellerstellung eines Typvertreters Blockheizkraftwerk . . 100
4.3.2. Optimierte W¨
armebereitstellungssteuerung . . . . . . . . . . 101
4.3.3. Simulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
4.3.4. Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
4.4. K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate........................123
4.4.1. Modellerstellung von K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
aten im Verbund 123
4.4.2. Optimierte K¨
altebereitstellungssteuerung von K¨
uhlger¨
aten . 128
4.5. Klimager¨
ate...............................131
4.5.1. Modellerstellung von Klimager¨
aten im Verbund . . . . . . . 131
4.5.2. Optimierte K¨
altebereitstellungssteuerung von Klimager¨
aten 141
4.5.3. Simulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144
4.5.4. Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145
4.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der thermischen Speicher . . . . . 160
5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und Ausblick
ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin 163
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher . . . . . . 163
5.1.1. Ergebnis niedriger Lastfall: Kosteneinsparungen der Spei-
cher im Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
5.1.2. Ergebnis niedriger Lastfall: Integration erneuerbarer Energi-
en der Speicher im Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167
xii
Inhaltsverzeichnis
5.1.3. Ergebnis niedriger Lastfall: CO2-Emissionsreduktion der Spei-
cher im Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
5.1.4. Ergebnis hoher Lastfall: Kosteneinsparungen der Speicher
imVergleich...........................171
5.1.5. Ergebnis hoher Lastfall: Integration erneuerbarer Energien
der Speicher im Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
5.1.6. Ergebnis hoher Lastfall: CO2-Emissionsreduktion der Spei-
cher im Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175
5.1.7. Auswertung aller Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177
5.2. Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin . . . . . . . . . . . . . . 178
5.2.1. Eingangsgr¨
oßen.........................178
5.2.2. Ansatz der Gesamtoptimierung . . . . . . . . . . . . . . . . 181
5.2.3. Integration Erneuerbarer Energie in Berlin . . . . . . . . . . 181
5.2.4. CO2-Emissionsreduktion in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . 183
6. Zusammenfassung und Ausblick 187
6.1. Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
6.2. Ausblick.................................189
A. Anhang 191
A.1. Kapitel 3: Energiesystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191
A.1.1. Kraftwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191
A.1.2. Berechnung der spezifischen Grenzkosten und CO2-Emissionen191
A.2. Kapitel 4: Elektrofahrzeuge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194
A.2.1. Fahrprofile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
A.3.1. Geb¨
audedaten des Einfamilienhauses MIWE E121 . . . . . . 197
A.3.2. Geb¨
audedaten des B¨
urogeb¨
audes in Berlin-Adlershof . . . . 205
A.3.3. Datenbl¨
atter K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlschrank . . . . . . . . . . . 215
xiii
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
2.1. Netzwerktopologie der neuen Bundesl¨
ander nach UCTE . . . . . . . 6
2.2. H¨
ochstspannungsmast mit zwei Dreiphasensystemen (Aluminium/Stahl
4er-B¨
undel)[2]. ............................. 7
2.3. π-Ersatzschaltbild einer Freileitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.4. Minimalbeispielnetz mit vier Knoten . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.5. Konventionelle Kraftwerke mit Standort in den neuen Bundesl¨
andern 9
2.6. Statistisches Windfeldmodell f¨
ur die Windkraftnutzungseignung nach
EEG................................... 12
2.7. St¨
undliche Energieeinspeisung aus Windkraftanlagen des Jahres 2040 12
2.8. St¨
undliche photovoltaische Energieeinspeisung des Jahres 2040 . . . 13
2.9. St¨
undliche Energienachfrage des Jahres 2040 im Trendszenario (ho-
herLastfall)............................... 14
2.10. Minimalbeispielnetz mit vier Knoten . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.11. Minimalbeispielnetz mit geografischer Lage in der 50Hertz-Regelzone 16
2.12. Merit Order des Tages 161 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.13. Merit Order des Tages 161 mit Leistungsband der Strategie M¨
og-
liche Abschaltung ohne Zuschaltung konventioneller Kraftwerke . . 23
3.1. Zur¨
uckgelegte Wegstrecke und durchgef¨
uhrte Fahrten in Prozent der
Fahrzeuggesamtanzahl am Montag . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.2. Schematischer Ablauf der Simulation . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
3.3. Ungesteuertes und optimiertes Elektrofahrzeugverhalten an Tag 267 47
3.4. Ungesteuertes und optimiertes Elektrofahrzeugverhalten an Tag 343 48
3.5. Schematischer Ablauf der Ergebnisberechnung der Kosten . . . . . 49
3.6. Kosteneinsparungen eines Jahres f¨
ur hohen und niedrigen Lastfall . 51
3.7. Schematischer Ablauf der Ergebnisberechnung der Integration Er-
neuerbarer................................ 53
3.8. Integrierte Erzeugung aus Erneuerbaren in Prozent zum Jahresver-
brauch eines Elektrofahrzeugs im hohen Lastfall. . . . . . . . . . . . 55
3.9. Integrierte Erzeugung aus Erneuerbaren in Prozent zum Jahresver-
brauch eines Elektrofahrzeugs im niedrigen Lastfall. . . . . . . . . . 56
3.10. Schematischer Ablauf der Ergebnisberechnung der CO2-Emissions-
reduzierung ............................... 58
xv
Abbildungsverzeichnis
3.11. CO2-Emissionen und -Einsparung eines Elektrofahrzeugs im hohen
Lastfall. ................................. 61
3.12. CO2-Emissionen und -Einsparung eines Elektrofahrzeugs im niedri-
genLastfall................................ 62
4.1. Thermische Leistungsnachfrage zur Warmwasserbereitstellung . . . 67
4.2. Thermischer Leistungseintrag durch interne Quellen . . . . . . . . . 68
4.3. L¨
uftungsw¨
armefl¨
usse am ersten Januar (oben) und am ersten Juli
(unten)2009............................... 69
4.4. St¨
undliche Außentemperatur in Berlin 2009 . . . . . . . . . . . . . 72
4.5. Transmissionsw¨
armefl¨
usse am ersten Januar (oben) und am ersten
Juli(unten)2009 ............................ 72
4.6. Solare W¨
armegewinne am ersten Januar (oben) und am ersten Juli
(unten)2009............................... 74
4.7. Thermischer Leistungsfluss und Innentemperatur am ersten Januar
(oben) und am ersten Juni (unten) 2009 . . . . . . . . . . . . . . . 75
4.8. Ablauf der Ergebnisberechnung der W¨
armepumpen . . . . . . . . . 85
4.9. Ungesteuertes und optimiertes W¨
armepumpen-Nachfrageprofil mit
Randbedingungen - Typ 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.10. Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der W¨
armepumpenty-
pen1und4............................... 89
4.11. Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der W¨
armepumpenty-
pen2und3............................... 91
4.12. Detaillierte Betrachtung des W¨
armepumpentyps 3 . . . . . . . . . . 93
4.13. Integrierte erneuerbare Energie durch optimierte W¨
armepumpen . . 95
4.14. Einsparungen der CO2-Emissionen durch optimierte W¨
armepumpen 97
4.15. Ablauf der Ergebnisberechnung der BHKW . . . . . . . . . . . . . 106
4.16. Ungesteuertes und optimiertes BHKW-Einspeiseprofil mit Randbe-
dingungen - Typ 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
4.17. Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der BHKW Typen 1
und3...................................109
4.18. Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der BHKW-Typen 2
und4...................................111
4.19. Detaillierte Betrachtung des BHKW Typs 4 . . . . . . . . . . . . . 113
4.20. Integrierte Erneuerbare Energie durch optimierte BHKW . . . . . . 114
4.21. Detailanalyse: Integrierte erneuerbare Energie durch optimierten
BHKW Betrieb Typ 3 - NLF .....................118
4.22. Detailanalyse: Integrierte erneuerbare Energie durch optimierten
BHKW Betrieb Typ 3 - HLF .....................119
4.23. CO2-Emissionsreduktion durch optimierte BHKW . . . . . . . . . . 120
4.24. Wandaufbau K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlschrank . . . . . . . . . . . . . . . 124
xvi
Abbildungsverzeichnis
4.25. Thermische Leistungsfl¨
usse und Kapazit¨
aten im B¨
urogeb¨
aude . . . 134
4.26. Wandaufbau des B¨
urogeb¨
audes ....................136
4.27. Ablauf der Ergebnisberechnung der K¨
alteanlagen . . . . . . . . . . 146
4.28. Ungesteuertes und optimiertes Nachfrageprofil des K¨
uhlschrankmo-
dells mit Latentw¨
armespeicher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
4.29. Ungesteuertes und optimiertes Nachfrageprofil des Einfamilienhaus-
Modells .................................150
4.30. Ungesteuertes und optimiertes Nachfrageprofil des B¨
urogeb¨
aude-
Modells .................................151
4.31. Ergebnis Kosteneinsparungen der K¨
uhlger¨
ate.............152
4.32. Ergebnis Kosteneinsparungen der Klimager¨
ate............154
4.33. Ergebnis Integrierte erneuerbare Energie durch K¨
alteanlagen . . . . 156
4.34. Ergebnis CO2-Emissionsreduktion durch K¨
alteanlagen . . . . . . . . 158
5.1. Vergleich der Kosteneinsparungen aller Speicher im niedrigen Lastfall165
5.2. Vergleich der integrierten Erneuerbaren Energie aller Speicher im
niedrigen Lastfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167
5.3. Vergleich der CO2-Emissionsreduktion aller Speicher im niedrigen
Lastfall..................................169
5.4. Vergleich der Kosteneinsparungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
5.5. Vergleich der integrierten Erneuerbaren Energie . . . . . . . . . . . 174
5.6. Vergleich der CO2-Emissionsreduktion . . . . . . . . . . . . . . . . 176
5.7. Nachfrageverteilung der einzelnen Speichertypen in Berlin . . . . . 180
5.8. Integration Erneuerbarer Energie in Berlin . . . . . . . . . . . . . . 182
5.9. Integration Erneuerbarer Energie in Berlin im Detail . . . . . . . . 183
5.10. CO2-Emissionen Berlins und CO2-Emissionsreduktion . . . . . . . . 184
5.11. CO2-Emissionsreduktion in Berlin im Detail . . . . . . . . . . . . . 185
A.1. Aussenansicht des MIWE E121 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
A.2. Grundriss Erdgeschoss des MIWE E121 . . . . . . . . . . . . . . . . 198
A.3. Grundriss Dachgeschoss des MIWE E121 . . . . . . . . . . . . . . . 199
A.4. Datenblatt des Fensters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
A.5. Grundriss des B¨
urogeb¨
audes - Erdgeschoss . . . . . . . . . . . . . . 206
A.6. Grundriss des B¨
urogeb¨
audes - Ober- und Dachgeschoss . . . . . . . 207
A.7. Dachaufbau des B¨
urogeb¨
audes.....................210
A.8. Datenblatt des Haushaltsk¨
uhlschranks . . . . . . . . . . . . . . . . 217
A.9. Datenblatt des Haushaltsgefrierschranks . . . . . . . . . . . . . . . 218
xvii
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
2.1. Installierte Windkraftanlagenleistungen Ende 2009 . . . . . . . . . . 11
2.2. Kraftwerksangebotspreise nach kurzfristigen Grenzkosten (außer Er-
neuerbare ................................ 17
3.1. Anfang 2014 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge in Serienproduktion 26
3.2. Beispielberechnung des Ladezustands . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3.3. Fahrzeugparameter basierend auf den Spezifikationen des E-mini . . 41
3.4. Simulationsparameter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.5. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen Elektrofahrzeuge . . . . . 52
3.6. ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch Elektrofahr-
zeuge................................... 57
3.7. Spezifische CO2-Emissionen in Abh¨
angigkeit des Kraftwerktyps . . 57
3.8. ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch optimierte K¨
altean-
lagen................................... 62
4.1. Kenngr¨
oßen und Einflussparameter auf den W¨
armeenergiebedarf . . 66
4.2. Fl¨
achen des Einfamilienhauses MIWE E121 . . . . . . . . . . . . . 70
4.3. W¨
armedurchgangskoeffizienten des Einfamilienhauses MIWE E121 . 71
4.4. Unterschiedene W¨
armepumpen-Heizk¨
orper-Paarungen . . . . . . . . 79
4.5. Unterschiedene W¨
armepumpen-Heizk¨
orper-Paarungen . . . . . . . . 84
4.6. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen bei W¨
armepumpen . . . . 92
4.7. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen bei W¨
armepumpen: De-
tailbetrachtung Typ 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
4.8. ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch optimierte W¨
ar-
mepumpen................................ 96
4.9. ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch optimierte W¨
arme-
pumpen ................................. 98
4.10. Ergebnisvergleich der untersuchten W¨
armepumpentypen . . . . . . 99
4.11. Unterschiedene Blockheizkraftwerke mit Wasserspeichergr¨
oße . . . . 105
4.12. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen der BHKW . . . . . . . . 112
4.13. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen: Detailbetrachtung BH-
KWTyp4................................114
4.14. ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch BHKW . . . . 117
4.15. ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch BHKW . . . . . . . 122
xix
Tabellenverzeichnis
4.16. Ergebnisvergleich der untersuchten Blockheizkraftwerke . . . . . . . 123
4.17. Fl¨
achenbezogener Mindestluftvolumenstrom [49] . . . . . . . . . . . 138
4.18. Fl¨
achenbezogene interne W¨
armegewinne [49] . . . . . . . . . . . . . 139
4.19. Detaillierte thermische Untersuchung des EFH und des BG . . . . . 141
4.20. Modelle der K¨
alteger¨
ate ........................145
4.21. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen . . . . . . . . . . . . . . . 155
4.22. ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch optimierte K¨
al-
teanlagen ................................157
4.23. ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch optimierte K¨
altean-
lagen...................................159
4.24. Ergebnisvergleich der untersuchten K¨
uhl- und Klimager¨
ate . . . . . 160
5.1. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen aller Speicher im niedrigen
Lastfall..................................166
5.2. ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer aller Speicher im
niedrigen Lastfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
5.3. ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen aller Speicher im niedrigen
Lastfall..................................171
5.4. ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen aller Speicher im hohen
Lastfall..................................173
5.5. ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer aller Speicher im ho-
henLastfall ...............................175
5.6. ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen aller Speicher im hohen
Lastfall..................................177
5.7. Ergebnisvergleich aller untersuchten Speicher . . . . . . . . . . . . . 178
5.8. Berlinspezifische Daten zum betrachteten Zeithorizont 2040 . . . . . 179
5.9. Speicherspezifische Daten in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
A.1. Parameter der Kraftwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192
A.2. Daten zur Berechnung der Grenzkosten . . . . . . . . . . . . . . . . 193
A.3. Baustoffe und W¨
armeleitf¨
ahigkeiten des Einfamilienhauses . . . . . 201
A.4. Konventionelle W¨
arme¨
ubergangswiderst¨
ande [47] . . . . . . . . . . 201
A.5. Spezifische W¨
armekapazit¨
aten und Dichten der Baustoffe . . . . . . 205
A.6. Baustoffe und W¨
armeleitf¨
ahigkeiten des B¨
urogeb¨
audes . . . . . . . 210
A.7. Spezifische W¨
armekapazit¨
aten und Dichten der Baustoffe . . . . . . 216
A.8. Lebensmittel im Modellk¨
uhlschrank . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
A.9. Lebensmittel im Modellgefrierschrank . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
xx
Tabellenverzeichnis
xxi
Kapitel 1. Einf¨
uhrung
1. Einf¨
uhrung
Mit wachsender installierter Leistung von Windkraft- und PV-Anlagen steigt der
Anteil regenerativ erzeugter Energie bei der Versorgung der elektrischen Nachfrage
weiter an. Dieser bisher lineare Anstieg beginnt bereits bei den heutigen Durchdrin-
gungsraten an erneuerbarer Erzeugung zunehmend flacher zu verlaufen. Ein Trend
der sich in Zukunft weiter versch¨
arfen wird, da zu Zeiten einen hohen Angebots an
Wind und Sonne mehr Energie in das Energieversorgungsnetz eingespeist werden
kann, als im selben Zeitraum an Nachfrage vorhanden ist. In der Folge wird die
Erzeugung aus Erneuerbaren gedrosselt, um die Systemstabilit¨
at und die Sicher-
heit der Betriebsmittel nicht zu gef¨
ahrden. Je h¨
oher die installierten Leistungen
steigen, desto schlechter wird das Verh¨
altnis aus dieser Leistung zur tats¨
achlich
eingespeisten Energie. Abhilfe k¨
onnen Speicher schaffen, die selbst Nachfrage dar-
stellen wenn Wind und Sonne in hohem Maß verf¨
ugbar sind. Wenn Wind und
Sonne nur in geringem Maß rar sind k¨
onnen sie die gespeicherte Energie einset-
zen, um selbst Nachfrage zu versorgen. W¨
ahrend Pumpspeicherkraftwerke diese
Aufgabe wirtschaftlich erf¨
ullen, reichen ihre Kapazit¨
aten nicht aus. Der weitere
Ausbau ist Aufgrund der geografischen Anforderungen in Deutschland im ben¨
o-
tigten Umfang nicht mehr m¨
oglich. Andere Speicher wie Druckluftkavernen oder
Batteriespeicher, aber auch die Wasserstoffelektrolyse und dessen Speicherung und
Nutzung wie Erdgas sind entweder sehr teuer oder haben einen schlechten Wir-
kungsgrad oder beides.
Um in Zukunft ¨
uber ein großes Portfolio an Speicherm¨
oglichkeiten zu verf¨
ugen wird
neben den teuren Langzeitspeichern auch die M¨
oglichkeit der Einbeziehung der
Nachfrageseite erforscht und getestet. Der Oberbegriff f¨
ur eine gesteuerte Nachfra-
ge wird in der Literatur unter dem angels¨
achsischen Begriff Demand Response
zusammengefasst, was mit Nachfrage-oder Lastverschiebung ¨
ubersetzt werden
kann. Bei dieser in der Regel kurzzeitigen Form der Speicherung werden inh¨
aren-
te Speicher bei den Verbraucher selbst nutzbar gemacht. Verbraucher, die selbst
mit einer Batterie ausgestattet sind, k¨
onnen den Bezug eines Teils der zur Aufla-
dung ben¨
otigten Energie zeitlich so verschieben, dass die Aufnahme zu einer Zeit,
in der die Erneuerbaren verst¨
arkt einspeisen, stattfindet. Elektrische Verbraucher,
die thermischen Energie in Form von W¨
arme oder K¨
alte bereitstellen, k¨
onnen die
Tr¨
agheit des thermischen Systems ebenfalls nutzen, um ihren Bezug von elektri-
scher Energie zeitlich zu verschieben. Sogenannte Nachtspeicherheizungen nutzen
1
diese M¨
oglichkeit seit vielen Jahren, beziehen ihre Energie dabei allerdings sehr
starr einfach in den Nachtstunden - ein Verhalten mit dem man den heutigen Her-
ausforderungen nicht gerecht werden kann.
Modernes Demand Response erfordert die intelligente Steuerung der verschiebba-
ren Verbraucher mittels Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (IKT),
um auf die großen Schwankungen der Einspeisung aus erneuerbaren Energien rea-
gieren zu k¨
onnen. Dazu hat die Bundesregierung ein 140 Millionen Euro umfassen-
des F¨
orderprogramm unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums f¨
ur Wirt-
schaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums f¨
ur Umwelt und Na-
turschutz und Reaktorsicherheit (BMU) namens E-Energy aufgelegt. Dieses als
nationales Leuchtturmprojekt bezeichnete Vorhaben soll unter Einbindung von
IKT Verbraucher und volatile Erzeuger im Netz intelligent miteinander verkn¨
up-
fen, insbesondere die Elektromobilit¨
at. Es gibt des Weiteren eine Vielzahl abge-
schlossener,laufender und geplanter Projekte zu diesem Thema, von denen hier
exemplarisch ein paar genannt werden sollen. Zum Beispiel FINSENY (Future In-
ternet for Smart Energy), ein EU Projekt mit 35 Partnern aus 12 L¨
andern [1],
indem die Notwendigkeit der Kommunikation der Hoch-, Mittel- und Niederspan-
nungsebenen untereinander, die bisher kaum vorhanden ist, untersucht wird. Als
Empfehlung werden in der Niederspannungsebene UMTS- und LTE-Plattformen,
sowie das moderne Internetprotokoll IPv6 genannt. Das in Zukunft entstehende
Smart Grid mit intelligenten Messger¨
aten, vernetzter Kommunikation und intelli-
gente Ansteuerung der Verbraucher soll dazu beitragen, die erneuerbaren Energien
besser zu integrieren und somit ihren weiteren Ausbau zu erm¨
oglichen. Im Projekt
IRENE (Integration Regenerativer Energien und Elektromobilit¨
at), durchgef¨
uhrt
von Siemens, RWTH Aachen und der Hochschule Kempten wird ein solches Smart
Grid im gr¨
oßeren Maßstab mit 200 Messger¨
aten bereits getestet.
Noch ist jedoch nicht klar, wie die Regelung der Verbraucher stattfinden soll, mit
welchen Algorithmen, wie welche Signale gesendet werden, ob die Regelung de-
zentral oder zentral erfolgen soll, wie die Verg¨
utung geregelt und der Datenschutz
ber¨
ucksichtigt wird und nicht zuletzt wie ein solches System vor schadhaften Zu-
griffen gesch¨
utzt werden kann. Es gibt bereits Potenzialanalysen und die in Frage
kommenden Verbraucher sind bekannt, Uneinigkeit besteht aber weiter darin, wel-
cher Anwendungsm¨
oglichkeit der Vorzug gegeben werden soll. Es gibt Studien die
die Verbraucher ansteuern um den Autarkiegrad im Netzabschnitt zu erh¨
ohen, die
Nachfrage zu vergleichm¨
aßigen, den Ausbau des Verteilnetzes zu verz¨
ogern und so-
gar um die Phasenbalance im dreiphasigen System wiederherzustellen. Weiter ist
nicht bekannt, in welchem Maße Demand Response geeignet ist um erneuerbare
Energien im Netz zu integrieren. Ein Vergleich der verschiedenen verschiebbaren
Verbraucher untereinander und damit die Klassifizierung des m¨
oglichen Nutzens
ist zum heutigen Zeitpunkt nicht verf¨
ugbar.
2
Kapitel 1. Einf¨
uhrung
Die vorliegende Arbeit setzt an den genannten Problemen an und stellt eine m¨
og-
liche Ansteuerung der Speicher vor. Dabei wird von einem preisoptimierten dezen-
tralen Ansatz ausgegangen und die Speicher hinsichtlich ihrer Kosteneinsparung,
ihrer F¨
ahigkeit erneuerbare Energie zu integrieren und die H¨
ohe dabei erreichbaren
CO2-Emissionsreduzierung untersucht. Zus¨
atzlich werden die verschiedenen Spei-
cher untereinander verglichen, ihre Wirkungspotentiale erfasst und weitere Ein-
flussfaktoren sichtbar gemacht.
Kapitel 2 befasst sich mit der Erstellung des der Untersuchung zu Grunde liegenden
Energieversorgungssystems und mit Strategien zur Verbesserung der Beherrsch-
barkeit von Netzr¨
uckwirkungen bei Ansteuerung großer Mengen verschiebbarer
Verbraucher. In Kapitel 3 werden Elektrofahrzeuge modelliert, f¨
ur eine Optimie-
rungsfunktion formuliert und im Energieversorgungsnetz simuliert. Die Ergebnisse
werden f¨
ur zwei verschiedene Lastszenarien diskutiert. Kapitel 4 befasst sich mit
der Modellierung thermischer Speicher sowohl f¨
ur K¨
alte- als auch W¨
arme, de-
ren Optimierung und Simulation im Energieversorgungsnetz um Aussagen bez¨
ug-
lich ihrer Ergebnisse treffen zu k¨
onnen. Kapitel 5 vergleicht alle Speicher aus den
vorangegangenen Kapiteln miteinander und behandelt ihren Einsatz in einem An-
wendungsfall. Eine Zusammenfassung der gefundenen Ergebnisse und ein Ausblick
wird in Kapitel 6 durchgef¨
uhrt.
3
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
2. Energiesystem 2040 und
Verbrauchersteuerung
In diesem Kapitel wird der Aufbau des Energiesystems, das den sp¨
ater vorgestell-
ten Betrachtungen zu Grunde liegt, behandelt. Es umfasst Knoten, Leitungen,
konventionelle Kraftwerke, erneuerbare Kraftwerke und Verbraucher, sowie einen
Energiemarkt. Im zweiten Abschnitt wird eine Verbrauchersteuerung vorgestellt,
welche f¨
ur große Mengen preisgesteuerter, flexibler Verbraucher ben¨
otigt wird. Sie
soll verhindern, dass bei niedrigen Preisen die Menge an Nachfrage flexibler Ver-
braucher so gesteigert wird, dass zus¨
atzlich Kraftwerke eingesetzt werden m¨
ussen
um diese zu decken. Analog dazu soll bei hohen Preisen verhindert werden, dass
die Nachfrage in einem Maße absinkt, die die Drosselung erneuerbarer Erzeugung
n¨
otig macht.
2.1. Energieversorgungssystem
Das in diesem Abschnitt aufgebaute Energiesystem liefert alle ben¨
otigten Informa-
tionen f¨
ur eine optimale Leistungsflussberechnung. R¨
aumlich umfasst es die neuen
deutschen Bundesl¨
ander Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sach-
sen, Sachsen-Anhalt und Th¨
uringen. Das Gebiet zuz¨
uglich Hamburg wurde bis
Ende 2009 vom ¨
Ubertragungsbetreiber Vattenfall Europe Transmission verwaltet.
Anfang 2010 wurde die Betreibergesellschaft in 50Hertz Transmission GmbH um-
firmiert und versorgt ohne Hamburg rund 16 Millionen Menschen mit elektrischer
Energie. Der Zeithorizont der Simulationen erstreckt sich auf das Jahr 2040, basie-
rend auf einer prognosengest¨
utzten Hochskalierung realer, frei verf¨
ugbarer Daten
des Jahres 2009. Im folgenden werden die Knoten und Leitungen eingef¨
uhrt, die
konventionellen und erneuerbaren Kraftwerke angeschlossen und die Energienach-
frage in das Modell integriert.
2.1.1. Knoten und Leitungen
Das vorgestellte System basiert auf dem real existierenden Energie¨
ubertragungs-
system der neuen Bundesl¨
ander, wie es in der Karte Interconnected Network of
UCTE mit Herausgabedatum 01.07.2007 ver¨
offentlicht ist.
5
2.1. Energieversorgungssystem
Abbildung 2.1.: Netzwerktopologie der neuen Bundesl¨
ander nach UCTE
Die UCTE - Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity - war ein
Zusammenschluss von 34 Netzbetreibern aus 22 L¨
andern, die das europ¨
aische Ver-
bundnetz koordiniert haben. Seit dem 1. Juli 2009 werden die Aufgaben der UCTE
vom ¨
ubergeordneten Verband Europ¨
aischer ¨
Ubertragungsnetzbetreiber (ENTSO-
E, European Network of Transmission System Operators for Electricity) wahrge-
nommen. Der Ausschnitt des ostdeutschen Versorgungsgebiets ist in Abbildung 2.1
gegeben. Die roten Linien repr¨
asentieren die 380 kV-Verbindungen, die gr¨
unen die
220 kV-Verbindungen. Schwarze K¨
asten stehen f¨
ur Kraftwerke, blaue speziell f¨
ur
Wasserkraftwerke. Schwarze Punkte stellen Verbraucher dar. Eine einfache Linie
stellt ein 1-fach-System dar, eine Linie mit einseitigen Querstrichen ein 2-fach-
System wie in Abbildung 2.2 und eine Linie mit beidseitigen Querstrichen ein 3-
oder 4-fach-System.
6
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
Aus der Karte geht nicht hervor, ob es sich bei den Leitungen um Freileitungen
Abbildung 2.2.: H¨
ochstspannungsmast mit zwei Dreiphasensystemen (Alumini-
um/Stahl 4er-B¨
undel) [2].
oder Hochspannungskabel handelt. Gleichfalls nicht angeben ist, ob es sich um
einen Einzelleiter, 2er-, 3er- oder 4er-B¨
undel handelt. Aus diesem Grund wird im
folgenden davon ausgegangen, dass alle 220 kV - Leitungen als 2er-B¨
undel und
alle 380 kV - Leitungen als 4er-B¨
undel ausgef¨
uhrt sind. Werden 220 kV Kabel
verwendet, betr¨
agt ihr Leiterquerschnitt 1600 mm2, bei 380 kV - Kabeln sind es
2500 mm2.
Die verwendeten Parameter der Leitungen stammen aus [3] f¨
ur das π-Ersatz-schalt-
bild einer Freileitung aus Abbildung 2.3.
R
C
2
L
C
2
Abbildung 2.3.: π-Ersatzschaltbild einer Freileitung
W¨
ahrend das Netz vollst¨
andig mit s¨
amtlichen Leitungen aufgestellt wurde, kommt
bei den sp¨
ateren Simulationen ein Minimalnetz zur Abhandlung der Grundstruk-
turen zum Einsatz. F¨
ur die Simulation in einem umfassenden ¨
Ubertragungsnetz
wird auf den Ausblick verwiesen. Das deutlich reduziertes Beispielnetz ist ein Mi-
nimalnetz, bestehend aus vier Knoten, von denen drei vermascht und einer ¨
uber
eine Stichleitung angebunden ist, wie in Abbildung 2.4 zu sehen ist.
7
2.1. Energieversorgungssystem
4
1
2
3
Abbildung 2.4.: Minimalbeispielnetz mit vier Knoten
2.1.2. Konventionelle Kraftwerke
Zu den konventionellen Kraftwerken geh¨
oren alle mit fossilen Brennstoffen befeu-
erten Dampfkraftwerke, Kernkraftwerke und Gasturbinenkraftwerke. Auch Was-
serkraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke geh¨
oren trotz ihres Energiebezugs aus
erneuerbaren Quellen im Kontext dieser Arbeit zu den konventionellen Kraftwer-
ken, da sie gut in den Netzbetrieb integriert sind und ihre Volatilit¨
at sehr geringen
ist. Eine Liste aller Kraftwerke ¨
uber 100 MW Nennleistung [4] wird vom Umwelt-
bundesamt ver¨
offentlicht und dient als Ausgangsbasis f¨
ur den Kraftwerkspark. Die
wesentlich genauere Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur [5] beinhaltet Kraft-
werke ¨
uber 10 MW Nennleistung. Ein Vergleich der beiden Listen ergaben 18.566
MW installierte Leistung in 38 Kraftwerken gegen¨
uber 20.075 MW in 173 Kraft-
werken. Da 22 % der Kraftwerke zu 92,5 % der installierten Leistung beitragen,
findet die Liste des Umweltbundesamts zu Gunsten der Simulationsberechnungs-
dauer Verwendung. W¨
ahrend die maximale Leistung als elektrische Bruttoleistung
bereits angegeben ist, m¨
ussen f¨
ur die minimal m¨
oglichen Leistungen Annahmen
getroffen werden. Grundlastkraftwerke k¨
onnen aufgrund des Dampfkreislaufes und
den Komponenten minimal 40 % ihrer Nennleistung liefern. Die minimale Leistung
aller anderen Kraftwerke wird pauschal zu 0 % gesetzt, da ein Kraftwerkseinsatz-
Algorithmus zwar implementiert aber sehr zeitaufwendig ist und die Ergebnisvali-
dit¨
at kaum beeinflusst.
Gem¨
den Netzanschlussregeln f¨
ur Hoch- und H¨
ochstspannung sind die Kraftwer-
ke unter anderem zur Blindleistungsbereitstellung verpflichtet. Mit dem angefor-
derten Bereich der Leistungsfaktoren [6] und Berechnungen aus [7] folgt, dass die
minimale Kraftwerksblindleistung Qmin =0,41 ·Pmax und die maximale Kraft-
werksblindleistung Qmax = 0,33 ·Pmax betragen muss.
8
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
Der Kraftwerkspark des Jahres 2040 in den neuen Bundesl¨
andern ist im Anhang
in Tabelle A.1 angegeben. Es wurden Stilllegungen und Kraftwerksneubauten be-
r¨
ucksichtigt, sowie die Umr¨
ustung mancher Gasturbinenkraftwerke in Gas- und
Dampfkraftwerke betrachtet.
1
2
4
3
Abbildung 2.5.: Konventionelle Kraftwerke mit Standort in den neuen Bundesl¨
an-
dern
Abbildung 2.5 zeigt die Umrisse der Regelzone der 50Hertz Transmission GmbH
mit einem Kreuz an jedem Punkt, an dem sich ein Kraftwerk aus Tabelle A.1
befindet. Grau hinterlegt sind bereite vier Bereiche markiert, die sich auf das Mi-
nimalsystem aus Abbildung 2.4 beziehen und mit Leitungen verbunden sein sollen.
2.1.3. Erneuerbare Kraftwerke
Dieser Abschnitt befasst sich mit der Modellierung von Windkraft- und PV-
Anlagen im Energieversorgungssystem des Jahres 2040. Wasserkraft-, Biomasse-
und andere erneuerbare Kraftwerke wurden wegen ihres flachen Bedeutungsgra-
dienten nicht betrachtet. Sowohl Windkraft- als auch PV-Anlagen werden an je-
dem Knoten als je ein Kraftwerk modelliert, dessen Nennleistung sich st¨
undlich
mit ihrem wetterabh¨
angigen Potential ¨
andert. Da der Zeithorizont recht weit in
die Zukunft reicht, sind die prognostizierten installierten Leistungen recht vage,
haben gleichwohl trotzdem einen großen Einfluss auf die Ergebnisse. Der entschei-
dende Faktor ist die Notwendigkeit, erneuerbare Erzeuger abzuschalten, wenn die
Nachfrage nicht ausreichend vorhanden ist.
9
2.1. Energieversorgungssystem
Windkraftanlagen
Als Datenausgangsbasis dienen die von 50Hertz-Transmission GmbH ver¨
offentlich-
ten Einspeiseprofile aller Windkraftanlagen [8] in der Regelzone der neuen Bundes-
l¨
ander des Jahres 2009. Die ins Netz eingespeiste Leistung der Windkraftanlagen
mit einer gesamten installierten Leistung von 10862 MW Ende 2009 sind in Viertel-
stundenwerten gegeben, welche f¨
ur das Modell zu Stundenwerten gemittelt wurden.
Die Prognose f¨
ur das Jahr 2040 wurde erstellt durch die Auswertung von zwei Stu-
dien, eine vom BMWi [9] von 2005 bzw. [10] 2009 und eine vom BMU/DLR [11]
von 2004. Demnach ist mit einer Steigerung der onshore installierten Leistung um
40 % auszugehen, sowie ein Zubau der offshore Windkraftanlagen in der Ostsee in
H¨
ohe von 4200 MW. Im Jahr 2040 werden mit den vorangegangenen ¨
Uberlegungen
19.5 GW Nennleistung installiert sein.
Betrachtet man die von der 50Hertz GmbH ver¨
offentlichten Windenergieeinspeise-
werte des Jahres 2009 mit der installierten Leistung, stehen 15,4 TWh eingespeis-
ter Energie 10.862 MW installierter Leistung gegen¨
uber. Die daraus berechenbare
Volllaststundenzahl betr¨
agt 1415,2 Stunden. In der Literatur werden f¨
ur Wind-
kraftanlagen onshore 2000 und offshore 3500 Volllaststunden angegeben [12]. Die
verringerten Volllaststunden der ver¨
offentlichten Daten konnten nicht von offiziel-
ler Seite erkl¨
art werden, es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die zur Erkl¨
arung
beitragen:
- Anlagen, die w¨
ahrend des Jahres errichtet werden, z¨
ahlen zur installierte
Leistung am Ende des Jahres, erzeugen aber nur Energie in den Tagen zwi-
schen Inbetriebnahme bis Jahresende
- In Revision befindliche und defekte Anlagen
- Drosselung der Windenergieeinspeisung nach Paragraph 13.1 und 13.2 des
EEG
- Eventuell Anlagen, deren viertelst¨
undliche Momentanleistung nicht erfasst
wird
Um die installierte Leistung des Jahres 2040 und die literatur¨
ublichen und erh¨
oh-
ten Volllaststunden der offshore Erzeugung zu erreichen, werden die historischen
Einspeisewerte mit dem Faktor 2,395 multipliziert. Die so angenommenen Vollast-
stunden entsprechen dem Mix von on- und offshore Anlagen, wie er im Testsystem
prognostiziert wird. Das Einspeiseprofil von offshore Windkraftanlagen unterschei-
det sich von den historischen Daten, die auf onshore Anlagen beruhen, dies wird
jedoch nicht ber¨
ucksichtigt.
Bei der Verteilung der Windkraftanlagen auf die einzelnen Netzknoten wurden
gr¨
oßere Windparks und alle offshore Windkraftanlagen direkt ber¨
ucksichtigt. F¨
ur
10
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
die verbleibenden Anlagen wurden die in Abbildung 2.6 visualisierten statistische
Windfeldmodelle in 80 m H¨
ohe, die f¨
ur die Windkraftnutzungseignung gem¨
Refe-
renzertragskriterium nach EEG vom Deutschen Wetterdienst angefertigt wurden,
sowie die installierten Leistungen der Bundesl¨
ander aus Tabelle 2.1 herangezogen.
W¨
ahrend die roten Bereiche der Windfeldkarte einen Ertrag unter 60 % des EEG-
Referenzertrags von 4319 kWh/m2in f¨
unf Jahren aufweisen und Windkraftanla-
gen dort somit nicht gef¨
ordert werden, liegen die Ertr¨
age in den gelben Bereichen
zwischen 60 % und 100 %. Die installierte Leistung jedes Bundeslands wird et-
wa zu 1/3 zu den gelben und zu 2/3 zu den gr¨
unen Bereichen gez¨
ahlt, in denen
¨
uber 100% des Referenzertrags erzielt werden. Ein noch feinere Zuteilung zu den
einzelnen Knoten wurde nach einer Karte mit durchschnittlichen Windgeschwin-
digkeiten durchgef¨
uhrt [13]. Zu einem sp¨
ateren Zeitpunkt wurden anlagenscharfe
Detailinformationen inklusive Standort von der 50Hertz GmbH zur Verf¨
ugung ge-
stellt, die f¨
ur die Verteilung herangezogen werden k¨
onnen. Da die Auswirkungen
auf die Simulationsergebnisse praktisch vernachl¨
assigbar sein d¨
urften, wurde dar-
auf verzichtet die Verteilung anzupassen. In Abbildung 2.7 ist die Einspeisung aus
Windkraftanlagen mit den hochskalierten Werten des Jahres 2009 grafisch darge-
stellt.
Tabelle 2.1.: Installierte Windkraftanlagenleistungen Ende 2009
Bundesland Installierte Nennleistung in MW
Berlin 2
Brandenburg 3767
Mecklenburg-Vorpommern 1431
Sachsen-Anhalt 3014
Sachsen 851
Th¨
uringen 692
11
2.1. Energieversorgungssystem
Abbildung 2.6.: Statistisches Windfeldmodell f¨
ur die Windkraftnutzungseignung
nach EEG
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
0
10
20
30
Stunden
Eingespeiste Leistung in GW
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Angenommene Windeinspeisung
Abbildung 2.7.: St¨
undliche Energieeinspeisung aus Windkraftanlagen des Jahres
2040
Photovoltaikanlagen
Die 50Hertz GmbH ver¨
offentlicht auch die eingespeiste Energie aus PV-Anlagen im
Viertelstundentakt und stellt historische Werte zur Verf¨
ugung [14]. Gest¨
utzt auf
die bei der Windkraftanlagen verwendeten Studien wurde die installierte Photovol-
taikleistung von 954 MW Ende 2009 auf 8000 MW hochskaliert. Die Berechnung
der Volllaststunden aus eingespeister Energie zu installierter Leistung ergab auch
hier einen niedrigen Wert von 544 kWh/kWp pro Jahr, welcher mit Hilfe des Fak-
tors 1,8323 an den in der Literatur ¨
ublichen Wert von etwa 1000 kWh/kWp pro
Jahr angepasst wurde. Die Verteilung auf die einzelnen Knoten wurde hier mit den
von der 50Hertz GmbH ver¨
offentlichten Einzelanlagendaten vorgenommen, die die
Postleitzahl als Anlagenstandort beinhalten [15]. Die grafische Darstellung der f¨
ur
12
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
alle Simulationen verwendeten Einspeisung aus PV-Anlagen ist in Abbildung 2.8
gegeben.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
0
2000
4000
6000
8000
Stunden
Eingespeiste Leistung in MW
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Angenommene photovoltaische Einspeisung
Abbildung 2.8.: St¨
undliche photovoltaische Energieeinspeisung des Jahres 2040
2.1.4. Verbraucher
Der in der Regelzone anfallende Verbrauch wird im ersten Schritt in zwei Szenarien
angenommen:
1. Das Effizienzszenario: Durch effektivere Nutzung elektrischer Energie liegt
die Nachfrage im Jahr 2040 bei 90 % der Nachfrage des Jahres 2009 - bei 83
TWh.
2. Das Trendszenario: Bei fortlaufender heutiger Tendenz liegt die Nachfrage
2040 um 18 % h¨
oher als im Jahr 2009 - bei 106 TWh.
Da die Nachfrage in Zukunft auch die Elektromobilit¨
at versorgt, wird ihr heutiger
Verlauf modifiziert. Ausgangspunkt f¨
ur die Modifikation ist die Studie Mobilit¨
at
in Deutschland“, die deutschlandweite Mobilit¨
atsprofile enth¨
alt. In Kapitel 3 wird
das angewandte Verfahren beschrieben. Zusammengefasst werden die Uhrzeit und
die Entfernung aller Fahrten mit Elektrofahrzeugen erfasst und der daf¨
ur ben¨
otige
elektrische Energiebedarf ermittelt. Nach Beendigung der Fahrt werden die Elek-
trofahrzeuge mit dem Netz verbunden und geladen, wodurch in der entsprechenden
Stunde nach der Fahrt eine bestimmte Energienachfrage herrscht. Die Summe der
Jahresenergienachfrage der Elektrofahrzeuge wurde vorher vom heutigen Lastprofil
gleichm¨
aßig abgezogen und nach Variation anhand des Fahrprofils wieder addiert.
Die Lastverteilung auf die Knoten des ¨
Ubertragungsnetzes aus Abbildung 2.1 wird
anhand von Bev¨
olkerungsdichten und Angaben zur Industrie durchgef¨
uhrt. Das
jeweilige Einzugsgebiet um einen runden schwarzen Kreis in der Karte wird von
einem Verteilnetz erschlossen. Mit Hilfe der Bev¨
olkerungsdichte und Industrieanga-
ben des Jahres 2007 in diesem Gebiet wird dem Knoten ein prozentualer Wert der
13
2.1. Energieversorgungssystem
Gesamtnachfrage zugeteilt. Dort wo keine Industrieangaben zur Verf¨
ugung standen
wurde die Korrelation zwischen Industrie und Brutto-Inlands-Produkt ausgenutzt
und das BIP f¨
ur die Aufteilung verwendet. F¨
ur das vier Knoten Beispielsystem
wurden die schwarzen Punkte aus der UCTE-Karte wiederum zusammengefasst
und dem entsprechenden ¨
Aquivalenzknoten zugeordnet. Der Blindleistungsbedarf
der Lasten wird an der ¨
Ubergabestelle zwischen Verteil- und ¨
Ubertragungsnetz
jeweils lokal kompensiert, so dass nur der Blindleistungsbedarf der Leitungen Ein-
fluss auf die Leistungsflussberechnung hat. Abbildung 2.9 zeigt die Jahresnachfrage
im hohen Lastfall mit in Summe 106 TWh.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
8
10
12
14
16
Stunden
Nachgefragte Leistung in GW
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Angenommene Nachfrage
Abbildung 2.9.: St¨
undliche Energienachfrage des Jahres 2040 im Trendszenario
(hoher Lastfall)
2.1.5. Beispielsystem als Grundlage der Speicherbetrachtung
Mit den erarbeiteten Daten f¨
ur Kraftwerke, Erneuerbare, Verbraucher und Topo-
logie kann das Minimalbeispielnetz aufgestellt werden. Abbildung 2.10 zeigt das
Beispielnetz mit seinen 4 Knoten, allen an jedem Knoten angeschlossenen Kraft-
werken nach Windkraftanlagen, PV-Anlagen, sowie Grund-, Mittel- und Spitzen-
lastkraftwerke. Desweiteren sind die prozentualen Lastaufteilungen an den Knoten
nach der Bev¨
olkerungsdichte zu sehen.
Dieses Beispielsystem soll die Regelzone der 50Hertz-Transmission GmbH nachbil-
den, ohne dabei zu viel Schwerpunkt und Rechenleistung auf die Leistungsfl¨
usse
der einzelnen Leitungen zu legen. Abbildung 2.11 zeigt die geografische Einbettung
des Beispielsystems in die Regelzone.
2.1.6. Energiemarkt
Die Angebotspreise der elektrischen Energie entstehen in einem sogenannten Day-
Ahead“-Markt einen Tag vor der Energielieferung anhand von Prognosewerte f¨
ur
14
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
4
1
2
3
WKA: 9800 MW
Nachfrage: 10.09 %
Grundl.KW: 0 MW
Spitzenl.KW: 301 MW
Mittell.KW : 644 MW
PVA: 744 MW
Nachfrage: 30.74 %
WKA: 1245 MW
Grundl.KW: 188 MW
Spitzenl.KW: 1716 MW
Mittell.KW : 1511 MW
PVA: 1995 MW
Nachfrage: 21.66 %
WKA: 5710 MW
Grundl.KW: 3438 MW
Spitzenl.KW: 2675 MW
Mittell.KW : 752 MW
PVA.: 2844 MW
Nachf.: 11.79 %
Grundl.KW: 6717 MW
Spitzenl.KW: 354 MW
Mittell.KW : 270 MW
WKA: 3195 MW
PVA: 2418 MW
Abbildung 2.10.: Minimalbeispielnetz mit vier Knoten
die Nachfrage und die Erzeugung aus erneuerbaren Energien. Am Tag der Ener-
gielieferung wird in einem sogenannten Real-Time“-Markt Prognoseabweichun-
gen und unvorhergesehene ¨
Anderungen der Erzeugung-Nachfrage-Balance ausge-
glichen. Der Real-Time“-Markt ist jedoch nicht Bestandteil der vorliegenden Ar-
beit. Im Resultat entstehen einen Tag im voraus 24 Preise f¨
ur die Energielieferung
jeder Stunde, welche als Eingangsgr¨
oße der Verbrauchersteuerung dienen. Sie wer-
den daher im Folgenden vorl¨
aufige Day-Ahead“-Preise genannt, da sie durch die
vorgeschlagenen Verbrauchersteuerung im Gegensatz zur Gegenwart zwei mal be-
rechnet werden m¨
ussen. Dabei f¨
uhrt die erste, herk¨
ommliche Berechnung zu den
vorl¨
aufigen Preisen welche den Speichern zur Verf¨
ugung gestellt werden. Die Op-
timierung der Speicher erfolgt dezentral nach mathematischen Methoden, die wie-
derum in eine zweite Prognose des n¨
achsten Tages einfließen und damit eine zweite
Leistungsflussberechnung n¨
otig machen, die dann die tats¨
achlichen Day-Ahead“-
15
2.1. Energieversorgungssystem
1
2
4
3
4
1
2
3
Abbildung 2.11.: Minimalbeispielnetz mit geografischer Lage in der 50Hertz-
Regelzone
Preise erzeugt.
Die Angebotspreise der Kraftwerke richten sich nach ihren kurzfristigen Grenzkos-
ten, was in einem ideal funktionierenden Energiemarkt der Fall ist. Diese Ange-
botspreise richten sich nach den Brennstoffkosten, den CO2-Emissionskosten bei
einem Zertifikatspreis von 25 Euro/MWh, und dem elektrischen Wirkungsgrad des
Kraftwerks. Es wurde vereinfachend die Annahme getroffen, dass die Angebots-
kurve eines Kraftwerks zwischen minimaler und maximaler Erzeugung linear ist.
Da Erneuerbare keine kurzfristigen Grenzkosten haben, wurde ihr Angebotspreis
nach einer Vollkostenrechnung mit prognostizierter Preisentwicklung und Abnah-
megarantie zu 10 Euro pro Megawattstunde angenommen. Eine ¨
Ubersicht ¨
uber die
Angebotspreise der einzelnen Kraftwerkstypen verschafft Tabelle 2.2.
2.1.7. Optimale Leistungsflussberechnung
Die Ermittlung der Energiepreise anhand der Kraftwerksangebotspreise erfolgt mit
Hilfe einer optimalen Leistungsberechnung. Daf¨
ur wird ein f¨
ur die Programmier-
16
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
Tabelle 2.2.: Kraftwerksangebotspreise nach kurzfristigen Grenzkosten (außer Er-
neuerbare
Typ Angebotspreis Spezifische CO2-Emissionen
Windkraft- und PV-Anlagen 10 e/MWh 0 kg
MW h
Braunkohlekraftwerk 36,7 e/MWh 1010 kg
MW h
Steinkohlekraftwerk 43,7 e/MWh 820 kg
MW h
Gas- und Dampfkraftwerk 49,8 e/MWh 370 kg
MW h
Gasturbinenkraftwerk 89 e/MWh 600 kg
MW h
Pumpspeicherkraftwerk 90 e/MWh 0 kg
MW h
software Matlab geschriebenes Programm namens MATPOWER verwendet [16].
Der Leistungsfluss kann dabei mit Wechselgr¨
oßen durchgef¨
uhrt werden, eine ver-
einfachte Berechnung mit Gleichgr¨
oßen ist jedoch doppelt so schnell und die Er-
gebnisse weichen nur 0,8 bis 1,8 % von denen der Berechnung mit Wechselgr¨
oßen
ab.
Die Kraftwerke werden nach ihren Angebotspreisen in einer Merit-Order sortiert
und eingesetzt, bis die zu erwartende Nachfrage gedeckt ist. Kommt es dabei zu
einer Verletzung der Randbedingungen, zum Beispiel eine ¨
Uberschreitung der Leis-
tungsgrenze einer Leitung, wird der Kraftwerkseinsatz solange angepasst, bis die
¨
okonomischste Kombination ohne Verletzung einer Randbedingung gefunden ist.
Dies f¨
uhrt zur Angabe von Nodalpreisen (2.1), also Preisen an jedem Knoten, die
bei Leitungsbeschr¨
ankungen unterschiedlich ausfallen.
LMPj=λs
K
X
k=1
µkϑk,j (2.1)
Der Nodalpreis LMPjberechnet sich nach dem Grenzpreis f¨
ur Energie am Re-
ferenzknoten sabz¨
uglich der Summe aus Opportunit¨
atskosten der Leitungsbe-
schr¨
ankungen µkund den Injektions-Verschiebungsfaktoren ϑk,j. Letztere beziffern
die Leistungsfluss¨
anderung ¨
uber der Leitung kbei Einspeisung einer bestimmten
Leistung an Knoten jund gleichzeiter Entnahme dieser Leistung am Referenzkno-
ten. Weitere Informationen zur Nodalpreisberechnung finden sich in [17]
2.2. Verbrauchersteuerung
Die intelligente Steuerung flexibler Verbraucher ist das Kernthema dieser Disser-
tation. In der Literatur gibt es zahlreiche Artikel zur Steuerung von flexiblen Ver-
brauchern unter der Bezeichnung Demand Response [18]. Die verfolgten Ziele
variieren von Regelleistungsbereitstellung [19] ¨
uber Spannungshaltung bis hin zu
17
2.2. Verbrauchersteuerung
Arbitrage, also der Ausnutzung von Preisdifferenzen am Energiemarkt. Letzteres
soll die Zielsetzung der hier betrachteten Speicher sein, da die anderen Anwen-
dungen schnell eine S¨
attigung bei steigenden Teilnehmeranzahlen erfahren [20].
Durchgesetzt hat sich dabei die Steuerung der Verbraucher anhand von dynami-
schen Preissignalen. Die Verbraucher werden f¨
ur jeden Typ aggregiert betrachtet,
was ihre Vorhersagbarkeit stark erh¨
oht [59]. Außerdem findet keine bidirektio-
nale Kommunikation wie bei transaktiven Steuerungsstrategien wie z.B. in [21]
statt, sondern die Verbraucher erhalten lediglich Preissignale und optimieren sich
selbst [22]. Das Verhalten der optimierten Verbraucher wird durch die Aggregation
und bekannte Einflussgr¨
oßen prognostizierbar. Im Gegensatz zu [23] wird in dieser
Arbeit nicht der Stromanbieter seine Preise an die Vertragskunden schicken und
die Prognose am Energiemarkt anbieten, sondern die erzielbaren Resultate durch
Lastverschiebung sollen so effizient wie m¨
oglich dem ganzen Energiesystem zu Gu-
te kommen. Daher wird ein an Demand-Response angepasster Day-Ahead-Markt
vorgeschlagen, welcher mit vorl¨
aufigen und abschließenden Preisen arbeitet.
W¨
ahrend es gemeinhin ¨
ublich ist, die Preissignale als Eingangsgr¨
oße zu betrachten
und zum Beispiel B¨
orsenenergiepreise der EEX zu verwenden, werden in dieser Ar-
beit die Preise anhand von Angebot und Nachfrage berechnet. Bei der Berechnung
wird auf die fortschrittlichste Methode zur¨
uckgegriffen, die derzeit bei der Berech-
nung von Energiepreisen verwendet wird, die Nodalpreisberechnung aus Kapitel
2.1.7. So ist es nicht nur m¨
oglich, die Preissignale bei Leitungs¨
uberlastung opti-
mal auf die Erfordernisse anzupassen, es kann außerdem ein Problem quantifiziert
werden, welches bei importierten Preisen nicht untersucht werden kann. Eine de-
taillierte Ausf¨
uhrung dazu gibt es in Abschnitt 2.2.1. F¨
ur ein besseres Verst¨
andnis
werden Leitungs¨
uberlastungen vorerst ausgeklammert. Der Preis berechnet sich
dann im Wesentlichen aus der Merit Order. Abbildung 2.12 zeigt die Merit Order
f¨
ur den Tag 161 mit Windkraft- und PV-Anlagen als g¨
unstigste Kraftwerke f¨
ur
einen Tag. Die H¨
ohe der Kurven entsprechen den potentiell lieferbaren Leistungen
der jeweiligen Kraftwerkstypen. Die eingezeichnete Linie steht f¨
ur die st¨
undliche
Energienachfrage. In Stunde 1 bis 8 und 18 bis 24 befindet sich die Linie der
Energienachfrage unter der Kurve der Braunkohlekraftwerke, weshalb diese das
Grenzkraftwerk stellen und der Preis 36,69 Euro/MWh betr¨
agt. In den Stunden
9 bis 17 sind Windkraftanlagen ausreichend, um den Bedarf zu decken, der Preis
berechnet sich daher zu 10 Euro/MWh.
2.2.1. Preisoptimierte Betriebsweise
F¨
ur eine preisoptimierte Betriebsweise sprechen mehrere Faktoren:
- Der Nutzen der Optimierung kann direkt monet¨
ar angegeben werden und
schafft so einen Anreiz zur Beteiligung der Besitzer der flexiblen Verbraucher.
18
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
Abbildung 2.12.: Merit Order des Tages 161
- In den Energiepreisen spiegeln sich die Erfordernisse des Netzes - sind sie
hoch speisen die meisten Kraftwerke ein und es gibt wenig Reserven, sind sie
niedrig laufen die Grundlastkraftwerke an ihrer unteren Grenze und versu-
chen, eine Abschaltung zu verhindern.
- Die Preise gelten f¨
ur jede Stunde des Tages, so wird immer dann verscho-
ben, wenn es lohnenswert ist und nicht nur, wenn beispielsweise Erneuerbare
abgeschaltet werden m¨
ussen.
- Die optimierte Preisberechnung erm¨
oglicht es den flexiblen Verbrauchern, bei
Leitungs¨
uberlastungen ad¨
aquat zu reagieren und der ¨
Uberlastung entgegen
zu wirken.
Durch die Berechnung der Preise kann ein Problem untersucht werden, welches in
vielen Ver¨
offentlichungen unerw¨
ahnt bleibt: Der Faktor der Gleichzeitigkeit bei ho-
hen Anzahlen gesteuerter Verbraucher. Steigt die verschobene Energiemenge, wird
dadurch der Kraftwerkseinsatz beeinflusst. Die flexiblen Verbraucher verschieben
sich in eine Stunde mit niedrigem Energiepreis mit einer so großen Energiemen-
ge, dass in dieser Stunde die eventuell abgeschalteten Erneuerbaren vollst¨
andig
integriert werden und dar¨
uber hinaus noch konventionelle Kraftwerke hochgefah-
ren werden m¨
ussen, um den hohen Bedarf zu decken. Dieser Mechanismus ist f¨
ur
die Erreichung hoher Ergebniswerte bei Kostenreduktion, Integration Erneuerba-
19
2.2. Verbrauchersteuerung
rer und CO2-Emissionsreduktion kontraproduktiv und kann den positiven Effekt
der Lastverschiebung sogar ins Negative umkehren.
2.2.2. Definiertes Leistungsband als Zusatz der
Preisoptimierung
Dem negativen Effekt der rein preisgef¨
uhrten Verbraucher kann dadurch entgegen
gewirkt werden, dass eine zus¨
atzliche Randbedingung in die Speicheroptimierung
aufgenommen wird. Es werden im Folgenden drei Strategien vorgestellt, die dar-
auf beruhen, den Verbrauchern ein definiertes Leistungsband vorzugeben, welches
sie bei der Optimierung nicht verlassen d¨
urfen. Im Energiesystem der Zukunft
wird das hier vorgestellte Leistungsband den flexiblen Verbrauchern neben dem
Preis vom ¨
Ubertragungsnetzbetreiber mitgeteilt. Es wird den einzelnen Verbrau-
chertypen nacheinander ¨
ubermittelt und bei jedem Typwechsel aktualisiert. Die
Beschr¨
ankung gilt dann f¨
ur alle einzelnen Verbraucher eines Typs in gleichem Ma-
ße.
Steuerungsstrategie: Preisstabilit¨
at
Um Preisstabilit¨
at gew¨
ahrleisten zu k¨
onnen, muss die optimierte Nachfrage im
Leistungsbereich des Kraftwerkstyps bleiben, in dem sich auch die ungesteuerte
Nachfrage befunden hat.
Das Leistungsband befindet sich zwischen der maximal aufnehmbaren Leistung
(2.2) und der maximal abgebbaren Leistung (2.3) zu jeder Stunde.
Pmaxsys,h =Pmax,GKW PGKW,h +PL,ungest (2.2)
Pminsys,h =PGKW,h PL,ungest Pmin,GKW (2.3)
mit:
-Pmaxsys,h - Maximal zul¨
assige Leistungsaufnahme aus dem Energienetz in
Stunde h in kW
-Pminsys,h - Maximal zul¨
assige Leistungseinspeisung in das Energienetz in
Stunde h in kW
-PGKW,h - Aktuelle Leistungsabgabe des Grenzkraftwerks in Stunde h in kW
-PL,ungest - Leistungsaufnahme des ungesteuerten flexiblen Verbrauchers in
Stunde h in kW
-Pmax,GKW - Maximale Leistungsabgabe des Grenzkraftwerks in kW
20
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
-Pmin,GKW - Minimale Leistungsabgabe des Grenzkraftwerks in kW
Kraftwerke eines Typs bzw. eines Prim¨
arenergietr¨
agertyps haben in der Regel un-
terschiedliche Angebotspreise, bedingt durch Wirkungsgrad und Baujahre. Soll
der Preis absolut stabil bleiben, nimmt man f¨
ur die Leistungen Pmax,GKW,h und
Pmin,GKW,h tats¨
achlich nur die Werte des einen Grenzkraftwerks. Soll der Preis nur
ann¨
ahernd stabil bleiben, k¨
onnen die summierten Leistungswerte aller Kraftwerke
des gleichen Prim¨
arenergietyps genommen werden. Im letzteren Fall ist das Leis-
tungsband erheblich breiter, was den flexiblen Verbrauchern mehr Spielraum f¨
ur
die Verschiebung l¨
asst.
Steuerungsstrategie: Integration Erneuerbarer Energien
Eine weitere, nicht so stark auf den Preis fixierte Strategie besteht darin, die vor-
zeitige oder verz¨
ogerte Energieaufnahme der flexiblen Verbraucher nur in Stunden
stattfinden zu lassen, in denen Windkraft- oder PV-Anlagen abgeschaltet werden
m¨
ussten. Diese Strategie impliziert, dass an einem Tag, an dem keine Erneuerbaren
abgeschaltet werden m¨
ussen, auch keine flexible Verbrauchersteuerung stattfindet.
Die maximale aufnehmbare Leistung berechnet sich durch die Addition der im un-
gesteuerten Fall aufgenommen Leistung und der angeschalteten Leistung aus er-
neuerbaren Quellen (2.4). Die maximale Leistungseinspeisung ist durch den Faktor
begrenzt, dass keine Erneuerbaren abgeschaltet werden d¨
urfen (2.5).
Pmaxsys,h = (Pmax,Wind,h +Pmax,PV,h +PL,ungest)(PWind,h +PPV,h) (2.4)
Pminsys,h =PGes,h Pmin,GrundlastKW Pmax,PV,h Pmax,Wind,h PL,ungest (2.5)
mit:
-Pmaxsys,h - Maximal zul¨
assige Leistungsaufnahme aus dem Energienetz in
Stunde h in kW
-Pminsys,h - Maximal zul¨
assige Leistungseinspeisung in das Energienetz in
Stunde h in kW
-Pmax,Wind,h - Maximal m¨
ogliche Erzeugung aus Windkraftanlagen in Stunde
h in kW
-Pmax,PV,h - Maximal m¨
ogliche Erzeugung aus Photovoltaikanlagen in Stunde
h in kW
-PL,ungest - Leistungsaufnahme des ungesteuerten flexiblen Verbrauchers in
Stunde h in kW
21
2.2. Verbrauchersteuerung
-PWind,h - Tats¨
achliche Erzeugung aus Windkraftanlagen in Stunde h in kW
-PPV,h - Tats¨
achliche Erzeugung aus Photovoltaikanlagen in Stunde h in kW
-PGes,h - Gesamte Energienachfrage in Stunde h in kW
-Pmin,GrundlastKW - Mindesterzeugung der Grundlastkraftwerke in kW
M¨
ogliche Abschaltung ohne Zuschaltung konventioneller Kraftwerke
Eine weitere vorgestellte Strategie soll einen Nachteil der vorangegangen (2.2.2)
umgehen. Anstatt ausschließlich verst¨
arkte Energieaufnahme zuzulassen, wenn Er-
neuerbare gedrosselt werden m¨
ussen, setzt diese Strategie darauf, lediglich keine
neuen Kraftwerke einschalten zu m¨
ussen - ¨
ahnlich der ersten vorgestellten Strate-
gie (2.2.2). Im Gegensatz zur Ersten ist es aber durchaus m¨
oglich, konventionelle
Kraftwerke nach der Optimierung wieder aus der Einsatzplanung heraus zu neh-
men, solange dabei keine Erneuerbaren zus¨
atzlich gedrosselt werden m¨
ussen. Die
Grenzkraftwerke werden bei dieser Strategie tendenziell ¨
ofter in der N¨
ahe ihrer
Nennleistung gefahren, was ihren Wirkungs- und Ausnutzungsgrad erh¨
oht.
Grafisch veranschaulicht Abbildung 2.13 die Strategie. Die Grenzen des Leistungs-
bands berechnen sich ¨
uber (2.6) und (2.7). Man beachte, dass die Windkraftan-
lagen als ein Kraftwerk simuliert sind, w¨
ahrend sich die Braunkohlekraftwerke in
der Abbildung aus mehreren Einzelkraftwerken zusammensetzen, welche auch in
der Simulation voneinander getrennt eingesetzt werden. Daher reichen die einge-
zeichneten Balken in den Morgen -und Abendstunden nicht immer hoch bis zum
Kurvenverlauf der Braunkohlekraftwerke. Diese Strategie wird f¨
ur alle in dieser
Arbeit durchgef¨
uhrten Simulationen verwendet.
Pmaxsys,h =Pmax,GKW,h PGKW,h +PL,ungest (2.6)
Pminsys,h =PGes,h Pmin,GrundlastkW Pmax,PV,h Pmax,Wind,h PL,ungest (2.7)
22
Kapitel 2. Energiesystem 2040 und Verbrauchersteuerung
Abbildung 2.13.: Merit Order des Tages 161 mit Leistungsband der Strategie
M¨
ogliche Abschaltung ohne Zuschaltung konventioneller Kraft-
werke
23
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
3. Lade- und Entladesteuerung von
Elektrofahrzeugen im Verbund
Nach weit mehr als 100 Jahren Entwicklungsgeschichte des Verbrennungsmotors
im Straßenverkehr deutet sich mit der Elektromobilit¨
at eine technologische Zei-
tenwende im Verkehrsbereich an. Die Elektrifizierung der Antriebe ist eine ganz
wesentliche Stellschraube f¨
ur eine zukunftsf¨
ahige Mobilit¨
at. Sie bietet die Chan-
ce, die Abh¨
angigkeit vom ¨
Ol zu reduzieren, die Emissionen zu minimieren und
die Fahrzeuge besser in ein multimodales Verkehrssystem zu integrieren. [24] Mit
diesen Worten beginnt der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilit¨
at der Bun-
desregierung aus dem Jahr 2009. Die Herausforderungen und Chancen speziell f¨
ur
das elektrische Energieversorgungssystem sind in diesem Zitat nicht explizit er-
w¨
ahnt, stecken aber in dem Bestreben, die Emissionen zu minimieren“. Und um
die Emissionen real zu reduzieren, bedarf es der Meisterung von mehr Herausfor-
derungen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Denn wird ein Elektrofahrzeug
mit dem heutigen, deutschen Energiemix geladen, liegen die Emissionen im selben
Bereich, wenn nicht sogar ¨
uber denen der konventionell mit Ottomotor betriebe-
nen Fahrzeuge. Die Aussage, Elektrofahrzeuge k¨
onnten mit Hilfe von zertifiziertem
¨
Okostrom vollst¨
andig emissionsfrei geladen werden ist missverst¨
andlich, da sich die
Gesamtemissionen der Elektrizit¨
atsbereitstellung dabei nicht ¨
andern. W¨
urde also
den Elektrofahrzeugen Emissionsfreiheit zugesprochen, stiegen die Emissionen der
¨
ubrigen Verbraucher im selben Maß. Mit Hilfe von Elektrofahrzeugen k¨
onnen, im
Gegensatz zu den konventionellen Fahrzeugen, jedoch tats¨
achlich Emissionen ein-
gespart werden. Dies w¨
are der Fall, wenn sie das Energieversorgungssystem aktiv
dabei unterst¨
utzen, Emissionen durch den verst¨
arkten Einsatz erneuerbarer Ener-
gien zu senken. In diesem Kontext k¨
onnen Elektrofahrzeuge unter bestimmten Vor-
aussetzungen tats¨
achlich als Null-Emissions-Fahrzeuge bezeichnet werden, was
sich auf die mit ihrer Antriebsenergie verbundenen Emissionen bezieht.
Beispiele von in Serie gefertigten Elektrofahrzeugen finden sich in Tabelle 3.1 [25].
Die Idee, mit deren Umsetzung sich dieses Kapitel besch¨
aftigt, liegt in der Sekun-
d¨
arnutzung der Batteriespeicher der Elektrofahrzeuge f¨
ur das Energieversorgungs-
system. Dies wird mit dem angels¨
achsischen Begriff vehicle-to-grid bezeichnet,
25
3.1. Potential von Elektrofahrzeugen
Tabelle 3.1.: Anfang 2014 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge in Serienproduktion
Modell Reichwei-
te
(km)
Vmax
(km/h)
Verbrauch je 100
km (kWh)
Kapazit¨
at
(kWh)
Ford Focus
Electric
162 137 14,4 23
Nissan Leaf 199 150 15,0 24
Renault
Fluence Z.E.
185 135 14,0 22
Tesla Model
S
480 200 18,1 85
wenn neben gesteuertem Laden auch gesteuertes Entladen m¨
oglich ist, der Ener-
giefluss zwischen Netz und Fahrzeug also bidirektional erfolgen kann. Die daf¨
ur
n¨
otige Kommunikationsinfrastruktur wird in diesem Kapitel als gegeben ange-
nommen. Der hier behandelte Ansatz ist dezentral, das heißt jedes Einzelfahr-
zeug entscheidet lokal ¨
uber die Energieflusssteuerung. Folgende Fragestellungen
sind Bestandteil des Kapitels: Welche Information muss wann wo zur Verf¨
ugung
gestellt werden, wie verhalten sich die Elektrofahrzeuge, was bringt das f¨
ur das
Energiesystem und welchen Anreiz haben Elektrofahrzeugbesitzer, am vehicle-
to-grid“-Betrieb teilzunehmen. Dazu wird ein Modell erstellt, welches das Ver-
halten einer großen Menge von Elektrofahrzeugen von der Netzseite her ad¨
aquat
widerspiegelt. Dieses Modell wird als Optimierungsproblem formuliert und eine
auf Energiepreisen beruhenden Zielfunktion minimiert. Die Energiepreise, die aus
der optimalen Leistungsflussberechnung aus Kapitel 2.1.6 stammen, bilden den
Zustand des Energieversorgungssystems ab und geben somit die richtigen Anreize
f¨
ur die Energiespeicher. Die Zielfunktion zu minimieren bedeutet Energiekosten zu
senken und stellt daher einen Anreiz f¨
ur Fahrzeugbesitzer zur Partizipation dar. Im
Anschluss an die Simulation des Modells in einem Energieversorgungsnetz erfolgt
die Auswertung der Ergebnisse mit Hinblick auf Kosten- und Emissionsreduktion
sowie auf die F¨
ahigkeit, erneuerbare Energien zu integrieren.
3.1. Potential von Elektrofahrzeugen
Der Einfluss eines Elektrofahrzeugs auf das Energieversorgungsnetz scheint auf
den ersten Blick begrenzt, da es sich um einen Verbraucher im Kilowatt-Bereich
handelt, w¨
ahrend im Netz Megawatt oder Gigawatt die gebr¨
auchlichen Einheiten
sind. Das Potential der Elektrofahrzeuge wird in Zukunft in ihrer Anzahl liegen.
26
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Im Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilit¨
at der Bundesregierung ist vorge-
geben, eine Million zugelassene Elektrofahrzeuge bis zum Jahr 2020 in Deutschland
zu etablieren. Unterst¨
utzt wird sie dabei von der Nationalen Plattform Elektro-
mobilit¨
at e.V., welche als Beratungsgremium fungiert und 2010 gegr¨
undet wurde.
J¨
ungste Entwicklungen zeigen auf, wie schwierig es ist, die zuk¨
unftigen Durch-
dringungsraten von Elektrofahrzeugen vorherzusagen. Ein Blick auf den heuti-
gen Fahrzeugbestand zeigt das m¨
ogliche Potential der Personenkraftwagen auf:
Im Januar 2013 betrug die Anzahl zugelassener Personenkraftwagen in Deutsch-
land 43,3 Millionen St¨
uck [26]. Eine Auswertung der vom Kraftfahrt-Bundesamt
zur Verf¨
ugung gestellten Daten bez¨
uglich der Antriebsleistung der zugelassenen
PKW erlaubt eine grobe Absch¨
atzung der installierten Leistung“. So ergibt die
Summe erstaunliche 3.590 GW, welcher einer installierten Leistung in der Energie-
versorgung von 183 GW inklusive Erneuerbarer gegen¨
ubersteht [27]. Die f¨
ur das
Energieversorgungsnetz relevante Leistung der Elektrofahrzeuge ist jedoch nicht
¨
uber deren Antriebsleistung, sondern ¨
uber die Anschlussleistung definiert. Bei ei-
ner Durchdringungsrate von 100 % Elektro-PKW mit einphasiger Ladung an einer
Haushaltssteckdose reduziert sich die Leistung, die aus dem Netz gleichzeitig aufge-
nommen oder abgegeben werden k¨
onnte, theoretisch auf 160 GW. Bei dreiphasiger
Ladung, umgangssprachlich Starkstrom oder Drehstrom genannt, ergeben sich 480
GW. Bei Schnellladung, wie sie im Chevrolet Spark EV bereits heute zur Verf¨
u-
gung steht, ergeben sich 2080 GW. Diese ¨
Uberlegungen zeigen, dass die intelligente
Ansteuerung von Elektrofahrzeugen ausreichend Leistung f¨
ur das Energiesystem
der Zukunft liefern kann.
Neben den verf¨
ugbaren Leistungen spielen auch die nutzbaren Kapazit¨
aten eine
wichtige Rolle. Die Batteriekapazit¨
at heutiger Elektrofahrzeuge rangiert im Be-
reich von circa 20 kWh, beispielsweise der BMW i3, Renault ZOE, Nissan Leaf
und VW E!up. Einzig das Oberklassemodell Tesla Model S wird mit einer 60
kWh fassenden Batterie ausgeliefert. Insbesondere die Batteriekapazit¨
at wird als
gr¨
oßter Schwachpunkt der heutigen Elektrofahrzeuge gesehen, weshalb in diesem
Bereich in der Zukunft mit erheblichen Verbesserungen zu rechnen ist. Am 26. Ok-
tober 2010 fand in diesem Zusammenhang eine Unternehmung mit Leuchtturm-
Charakter statt. Ein umgebauter Audi A2 legte die 605 Kilometer von M¨
unchen
nach Berlin ohne Zwischenstopp zur¨
uck. Zum Einsatz kam ein Kolibri-Akkusystem
auf Lithium-Metall-Polymer-Basis mit einer Kapazit¨
at von rund 100 kWh, wel-
ches von der Firma DBM-Energy entwickelt wurde. Nimmt man als konservative
Absch¨
atzung die heutigen 20 kWh ergibt sich bei 100 % Durchdringungsrate von
Elektrofahrzeugen eine Gesamtkapazit¨
at von 870 GWh. Da die Hauptaufgabe ei-
ner Elektrofahrzeugbatterie jedoch in der Mobilit¨
at liegt, sind diese Kapazit¨
aten
gr¨
oßtenteils nicht nutzbar f¨
ur die Energieversorgung. Setzt man einen entsprechen-
den Partizipationsanreiz voraus, ist es denkbar, etwa 30 % der Batteriekapazit¨
at
27
3.2. Modellerstellung eines Elektrofahrzeugverbunds
f¨
ur Energiedienstleistungen zu nutzen. Somit ergeben sich 260 GWh Speicher-
verm¨
ogen, welche den 600 GWh aus heutigen Pumpspeicherkraftwerkkapazit¨
aten
gegen¨
uber stehen. Im Gegensatz zu den Leistungen sind die Kapazit¨
aten aus Elek-
trofahrzeugen recht gering und die alleinige intelligente Ansteuerung von Elektro-
fahrzeugen wird nicht ausreichen, um das Energiesystem der Zukunft sicher und
zuverl¨
assig zu betreiben.
Betrachtet man die M¨
oglichkeit, Energie aus dem Batteriespeicher der Fahrzeuge
in das Energieversorgungsnetz zur¨
uck zu speisen, kann das Potential der Elektro-
fahrzeuge um ein Vielfaches angehoben werden. Dies wird in der Literatur unter
dem Schlagwort vehicle-to-grid [28] zusammengefasst. Im Grunde wird dabei der
Fahrzeugspeicher ¨
ahnlich verwendet wie eine station¨
are Batterie oder gar ein kon-
ventionelles Pumpspeicherkraftwerk. Der Hauptunterschied liegt darin, dass die
verf¨
ugbaren Speicherkapazit¨
aten um ein vielfaches kleiner sind. Aus diesem Grund
gibt es Ans¨
atze mit sogenannten Aggregatoren, welche die Speicher mehrerer Elek-
trofahrzeuge unter Vertrag haben und mit diesen am Energiemarkt als eine Einheit
auftreten. Bei einem Ansatz ohne Aggregatoren m¨
ussen die Elektrofahrzeuge ein-
zeln am Markt teilnehmen, was derzeit in Deutschland, im Gegensatz zu den USA
[29], Aufgrund der Minimalmengenvorgaben nicht m¨
oglich ist. Um das vehicle-to-
grid Konzept anwenden zu k¨
onnen bedarf es einer Kommunikationsinfrastruktur
bis zu den Endkunden, die aktuell in dieser Form noch nicht vorliegt.
3.2. Modellerstellung eines Elektrofahrzeugverbunds
In den meisten Studien werden einzelne Fahrprofile erzeugt, welche dann mit ei-
nem Faktor multipliziert die Gesamtheit der Fahrzeuge abbilden sollen [30],[31].
Betrachtet man den Speicher aus Netzsicht, ist es von Vorteil, die an einem Netz-
knoten angeschlossenen Fahrzeuge als Verbund zu betrachten [32]. ¨
Ahnlich wie der
Lastgang der elektrischen Verbraucher in Summe sehr gut vorhersagbar ist, verh¨
alt
es sich auch mit den angeschlossenen Elektrofahrzeugen. Da der Batteriespeicher
eines Elektrofahrzeugs besonderen Randbedingungen unterliegt, m¨
ussen verschie-
dene Aspekte in der Modellerstellung ber¨
ucksichtigt werden. Ein sich ver¨
andernder
Teil der Fahrzeuge ist nicht an das Netz angeschlossen, daher m¨
ussen die poten-
tiellen Lade- und Entladeleistungen sowie die verf¨
ugbare Kapazit¨
at entsprechend
angepasst werden. Außerdem muss die Entladung w¨
ahrend des Fahrens und der
Wirkungsgrad ber¨
ucksichtigt werden.
3.2.1. Fahrprofile
F¨
ur die Erstellung eines Elektrofahrzeugmodells werden die Daten der Studie Mo-
bilit¨
at in Deutschland 2008 [33] ausgewertet. Aus Sicht des Energieversorgungs-
28
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
netzes ist ein Elektrofahrzeug (EV - Electric Vehicle) beschr¨
ankt auf die Kapazit¨
at
des Energiespeichers und die maximale Leistung, mit der Energie in oder aus dem
Energiespeicher ge- bzw. entladen werden kann. Der Energiespeicher eines EV-
Verbunds weicht jedoch in zwei Punkten von dem einer station¨
aren Batterie ab:
Der Wert der Kapazit¨
at als Summe der Kapazit¨
aten der Einzelfahrzeuge schwankt
mit der Anwesenheit der Fahrzeuge: sind viele EVs mit dem Netz verbunden, ist
der Kapazit¨
atswert hoch, sind viele EVs unterwegs, ist er niedrig. Die Anwesen-
heit wird aus der Studie anhand der Anzahl der Wege w¨
ahrend eines Zeitraums
ermittelt und hat Auswirkungen auf die verf¨
ugbare Kapazit¨
at. Ein zweiter Un-
terscheidungspunkt ist die Verwendung der Energie aus dem Speicher f¨
ur Mobili-
t¨
atszwecke. Dies f¨
uhrt zu einer Entladung des Speichers, ohne dass dabei Energie
in das Netz gespeist wird. Dieser Umstand wird mit den Daten ¨
uber gefahrene
Kilometer in der Studie quantifiziert. ¨
Uber sie l¨
asst sich die Energie bestimmen,
die w¨
ahrend eines Zeitraums aus dem Speicher f¨
ur die Fortbewegung entnommen
wird.
Beispielhaft wird das Fahrverhalten der Berliner Fahrzeuge unter der Annahme
ausgewertet, dass Elektrofahrzeuge im urbanen Raum fr¨
uhzeitig Akzeptanz erfah-
ren, da dort die begrenzten Reichweiten weniger kritisch sind. Die Mobilit¨
atsstudie
wurde vom Bundesministerium f¨
ur Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
in Auftrag gegeben und von infas - Institut f¨
ur angewandte Sozialwissenschaft
GmbH und dem Institut f¨
ur Verkehrsforschung des DLR f¨
ur den Erhebungszeit-
raum von Januar 2008 bis April 2009 erstellt. Basierend auf einer Stichtagerhe-
bung wurden die Fragen personenbezogen, zur Erstellung eines Personen-, Wege-
und Reisedatensatzes, sowie haushaltsbezogen zur Erstellung eines Haushalts- und
Wegesatzes beantwortet. Die Studie umfasst 25.922 Haushalte, 60.713 Personen,
193.290 Wege und 34.601 Autos. Die Extraktion der Fahrprofile aus der Studie wird
knapp erl¨
autert, w¨
ahrend f¨
ur zus¨
atzliche Informationen wie das Erhebungsdesign,
Details der Datenerhebung und Interpretation der Ergebnisse auf das Benutzer-
handbuch [34] der Studie verwiesen wird.
Zun¨
achst wurden Fahrten, die eine Wegstrecke ¨
uber 150 km (<3 %) aufwiesen
herausgefiltert, um die eingeschr¨
ankten Reichweiten von Elektrofahrzeugen zu be-
r¨
ucksichtigen. Desweiteren wurden nur Fahrten ber¨
ucksichtigt, die mit dem PKW
im Bundesland Berlin zur¨
uckgelegt wurden. Da die Leistungsflussberechnung in
st¨
undlicher Aufl¨
osung erfolgt, wurden Start- und Endzeitpunkt der Wege des Da-
tensatzes so korrigiert, dass sie in das st¨
undliche Raster passen. So wird beispiels-
weise eine Fahrt, die von 8:45 Uhr bis 9:20 Uhr stattgefunden hat, dem Zeitab-
schnitt 9:00 Uhr bis 10:00 Uhr zugeordnet. Die Kapazit¨
at des gefahrenen Fahrzeugs
wird demnach ab 10:00 Uhr wieder an das Energieversorgungsnetz angeschlossen.
Dabei ist der Ladezustand des gefahrenen Fahrzeugs um die Antriebsenergie f¨
ur
die gefahrenen Kilometer vermindert. Diese Prozedur wird f¨
ur den Zeitraum ei-
29
3.2. Modellerstellung eines Elektrofahrzeugverbunds
ner Woche durchgef¨
uhrt, um die starken Schwankungen des Verkehrsaufkommens
w¨
ahrend der Wochentage zu ber¨
ucksichtigen. Eine saisonale Betrachtung findet
hingegen nicht statt, ihr Einfluss auf die Fahrzeugspeicher am Energieversorgungs-
netz wird vernachl¨
assigt.
Um aus den personen- und haushaltsbezogenen Daten ein Fahrprofil f¨
ur alle am
Verkehr teilnehmenden Fahrzeuge zu erhalten, muss mit Hochrechnungs- und Ge-
wichtungsfaktoren gearbeitet werden, welche in der Studie zur Verf¨
ugung stehen.
Die Auswahl wurde per Ziehung aus allen Personen ab 14 Jahren aus dem Ein-
wohnermelderegister vorgenommen, und dann jeweils der gesamte Haushalt nach
seinem Mobilit¨
atsverhalten befragt, wodurch Haushalte mit wenigen Personen sta-
tistisch unterrepr¨
asentiert sind. Dies wird durch den Gewichtungsfaktor wgew aus-
geglichen. Mit Hilfe des Hochrechnungsfaktors whochkm wurde die Gesamtverkehrs-
leistung eines Tages in Kilometern bestimmt. Die Anzahl aller Wege wurde mit
dem zweiten Hochrechnungsfaktor whoch ermittelt. Der dritte ben¨
otigte Hochrech-
nungsfaktor ahoch stammt aus dem Autodatensatz und wird zur Hochrechnung
auf die rund 1,2 Millionen Fahrzeuge Berlins herangezogen. Die Normierung der
resultierenden Anzahl Wege in Prozent und der Bezug der gefahrenen Kilometer
jeder Stunde auf ein einzelnes Fahrzeug ergibt ein skalierbares Fahrprofil, welches
ein Typvertreter aller Berliner Fahrzeuge ist. Die Skalierung mit 1,2 Millionen er-
gibt wieder das urspr¨
ungliche Fahrprofil und somit die h¨
ochste Genauigkeit. Das
normierte Fahrprofil der Wege und der gefahrenen Kilometer eines Montags ist
in Abbildung 3.1 dargestellt. Die Darstellung aller Wochentage befindet sich im
Anhang A.2.1. Die Fahrleistung eines Jahres betr¨
agt 9040 km.
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Abbildung 3.1.: Zur¨
uckgelegte Wegstrecke und durchgef¨
uhrte Fahrten in Prozent
der Fahrzeuggesamtanzahl am Montag
3.2.2. Anwesenheit
Aus dem Fahrprofil l¨
asst sich ein st¨
undlicher Anwesenheitsfaktor pEVanw,h der Fahr-
zeuge am Netz ableiten. Dazu wird die Anzahl der st¨
undlich durchgef¨
uhrten Wege
nWege,h durch die Gesamtanzahl der betrachteten Fahrzeuge der Mobilit¨
atsstudie
nFZ geteilt. F¨
ur Gleichung (3.1) wurde die Annahme getroffen, dass nach jeder
30
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Fahrt eine Verbindung mit dem Energienetz hergestellt wird, was die Nutzerbe-
reitschaft und die Ladeinfrastruktur voraussetzt. ¨
Uber eine manuelle Anpassung
des Anwesenheitsfaktors ließen sich Annahmen umsetzen, wie zum Beispiel, dass
bei 25 % der Berufst¨
atigen keine Ladem¨
oglichkeit am Arbeitsplatz besteht, darauf
wird jedoch verzichtet.
pEVanw,h = (1 nWege,h
nFZ
) (3.1)
Der Anwesenheitsfaktor wird ben¨
otigt, um die sich ¨
andernden Leistungs- und Ka-
pazit¨
atswerte des an das Netz angeschlossenen Speichers korrekt berechnen zu
k¨
onnen. Eine Analyse der Fahrprofile kommt zu dem Ergebnis, dass der geringste
Anwesenheitsfaktor der in Berlin zugelassenen Fahrzeuge 0,635, also 63,5 % be-
tr¨
agt. Dies bedeutet, dass maximal 36,5 % der Fahrzeuge gleichzeitig eine Fahrt
ausf¨
uhren. Der reale Wert der Studie liegt darunter, jedoch tritt durch die st¨
und-
liche Zuordnung der Fahrten eine H¨
aufung auf, die im urspr¨
unglichen Datensatz
weniger ausgepr¨
agt war.
3.2.3. Energieverbrauch und Wirkungsgrad
Ein wesentlicher Unterschied zwischen einer station¨
aren Batterie und dem Energie-
speicher eines Elektrofahrzeugs besteht in der Tatsache, dass der Fahrzeugspeicher
w¨
ahrend der Fahrt entladen wird und dann mit einem niedrigeren Ladezustand
wieder mit dem Energiesystem verbunden wird. Die Menge der f¨
ur die Mobili-
t¨
at aufgewendeten Energie l¨
asst sich aus den Fahrprofilen ¨
uber die zur¨
uckgelegten
Kilometer bestimmen. Die Angabe der Energieverbr¨
auche heutiger Elektrofahrzeu-
ge, die in Serie gefertigt werden, sind zwischen 0,12 kW h
km und 0,17 kW h
km angegeben.
¨
Ahnlich wie bei den Kraftstoffverbrauchsangaben handelt es sich hierbei vermut-
lich um Werte, die in der Praxis ¨
außerst selten erreicht werden k¨
onnen. Praxistests
mit dem Mini E von BMW haben einen realistischen Alltagsverbrauchswert beff von
0,21 kW h/km ergeben [35]. Sobald die Fahrzeuge ihre Fahrt beendet haben, werden
sie in der darauffolgenden Stunde wieder mit dem Netz verbunden. Der st¨
undli-
che Energieverbrauch EV,h f¨
ur die Mobilit¨
at der im Untersuchungsfall betrachteten
Elektrofahrzeuge nEV,Fall berechnet sich nach Formel (3.2). Dabei werden die ge-
fahrenen Kilometer der vorherigen Stunde sges,h1durch die Zahl aller in der Mo-
bilit¨
atsstudie betrachteten Elektrofahrzeuge nFZ geteilt, da der Energieverbrauch
erst verrechnet wird, wenn das fahrende Fahrzeug wieder an das Energieversor-
gungsnetz angeschlossen ist.
EV,h =nEV,Fall beff ·sges,h1
nFZ (3.2)
Der Speicherf¨
ullstand der ans Netz angeschlossenen Batterie wird jede Stunde um
31
3.2. Modellerstellung eines Elektrofahrzeugverbunds
die berechnete Energiemenge EV,h reduziert, zus¨
atzlich zu den F¨
ullstandsver¨
ande-
rungen, die durch Interaktion mit dem Netz hinzukommen.
Sowohl beim Laden als auch beim Entladen der Fahrzeugspeicher treten chemi-
sche und thermische Verluste auf, die die nutzbare Energie reduzieren. H¨
aufig
wird in der Literatur nur ein Gesamtwirkungsgrad angegeben, der beide Ein-
zelwirkungsgrade vereint. Er liegt f¨
ur Elektrofahrzeuge typische Lithium-Ionen-
Akkumulatoren bei rund 90 %. Die Entladeverluste sind in der Verbrauchsberech-
nung f¨
ur die Mobilit¨
at bereits im Faktor beff enthalten, beim vehicle-to-grid Be-
trieb jedoch noch nicht. Daher werden beide Einzelwirkungsgrade in die Speicher-
f¨
ullstandsberechnung mit aufgenommen und finden sich in Formel (3.6) wieder.
3.2.4. Anschlussleistungen
Wie in Abschnitt 3.1 aufgezeigt, sind die installierten Leistungen im Verkehrssek-
tor erheblich. F¨
ur den vehicle-to-grid Betrieb sind jedoch die Anschlussleistungen
der Fahrzeuge relevant, nicht die Maximalleistung des Antriebs. Es m¨
ussen immer
alle beteiligten Komponenten f¨
ur die entsprechende Leistung ausgelegt sein, vom
elektrischen Anschluss (Steckdose“) ¨
uber die Zuleitung zum Fahrzeug, den Wech-
selrichter und die Batterie. An einer konventionellen Steckdose mit 230 V und einer
Absicherung bei 16 A sind 3,86 kW Ladeleistung m¨
oglich. Bei dreiphasiger Ladung
erh¨
ohen sie sich auf 11,1 kW. Im November 2009 wurde ein neuartiger Stecker der
Firma Mennekes mit der deutschen Norm VDE-AR-E 2623-2-2 standardisiert, wel-
cher bereits ¨
uber eine Datenanbindung f¨
ur vehicle-to-grid verf¨
ugt und bis 43 kW
belastbar ist. Zukunftsszenarien besch¨
aftigen sich mit Ladeleistungen im Bereich
von 250 kW, mit denen eine Ladung unter 10 Minuten erreicht werden soll [36].
Die Anschlussleistung Pmax,an ist jedoch im Modell des Fahrzeugverbunds nur einer
von zwei Faktoren, die die maximale Ladeleistung bestimmen. Zus¨
atzlich h¨
angt die
Ladeleistung von der st¨
undlichen Anwesenheit pEVanw,h der betrachteten Fahrzeu-
ge nEV,Fall ab. In (3.3) und (3.4) sind die st¨
undlichen Lade- und Entladeleistung
Pmax,L,h und Pmax,E,h angegeben.
Pmax,L,h =Pmax,an ·pEVanw,h ·nEV,Fall (3.3)
Pmax,E,h =Pmax,L,h (3.4)
3.2.5. Batterieladezustand im Verbund
Die Berechnung des Batterieladezustands der Fahrzeugbatterien wird ben¨
otigt,
um zwei Randbedingungen einzuhalten. Erstens darf nicht mehr Energie aus dem
Netz aufgenommen, also geladen werden, als die Batterien an Kapazit¨
at haben.
Zweitens darf aus den Batterien nicht so viel Leistung entnommen werden, dass
32
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
sie ihrer prim¨
aren Aufgabe, der Mobilit¨
at, nicht mehr gerecht werden k¨
onnen. Ein
denkbares Szenario in diesem Zusammenhang w¨
are, dass ein Fahrzeugbesitzer bei
entsprechendem Anreiz gewillt ist, 30 % seiner Batteriekapazit¨
at f¨
ur das Energie-
netz bereitzustellen. In diesem Fall muss ¨
uber die Berechnung des Ladezustands
sichergestellt sein, dass unterhalb von 70 % kein vehicle-to-grid Betrieb mehr aus-
gef¨
uhrt wird. Die Berechnung des Ladezustands ¨
uber 24 Stunden beinhaltet vier
Abh¨
angigkeiten:
- Lade- bzw. Entladeleistungen der vorherigen Stunden
- Anwesenheit der Elektrofahrzeuge
- Entladung der Batterien durch Mobilit¨
atsenergiebereitstellung
- Separate Lade- und Entladewirkungsgrade
Im Laufe eines Tages werden insgesamt 25 Ladezust¨
ande angenommen. Es gibt
einen Initialladezustand, aus dem die weiteren Zust¨
ande berechnet werden. W¨
ah-
rend die Lade- und Entladeleistungen immer innerhalb einer Stunde fließen, be-
stimmen sich die Ladezust¨
ande immer am Ende dieser Stunde. Der jeweils erste
Ladezustand des Tages SOC0,d wird zu pini = 0,8, also 80 %, bei theoretisch 100 %
Anwesenheit vorgegeben. Der verf¨
ugbare Ladezustand am Anfang eines Tages be-
rechnet sich nach (3.5) und h¨
angt von dem maximalen Ladezustand SOCmax, der
Anwesenheit der Fahrzeuge in der ersten Stunde des Tages pEVanw,d,1und der An-
zahl der im Untersuchungsfall betrachteten Fahrzeuge nEV,Fall ab.
SOC0,d =pini ·SOCmax ·pEVanw,d,1·nEV,Fall (3.5)
Die weiteren Ladezust¨
ande haben eine feste Abh¨
angigkeit von der Anwesenheit
der Fahrzeuge und dem Energieaufwand f¨
ur die gefahrenen Kilometer. Des Wei-
teren haben sie noch eine flexible Abh¨
angigkeit der Lade- und Entladeleistungen
gekoppelt mit den entsprechenden Wirkungsgraden, welche im Optimierungspro-
zess berechnet werden. Sie werden nach Formel (3.6) berechnet, welche f¨
ur die
Optimierungsfunktion eine stetige Differenzierbarkeit aufweisen muss und deshalb
den Tangens Hyperbolicus anstatt der Sprungfunktion verwendet.
SOCh=SOCh1
pEVanw,h1
+
τ xhtanh(106·xh)1
2·ηE
+ηL·tanh(106·xh) + 1
2!
EV,h ·pEVanw,h
(3.6)
mit:
33
3.2. Modellerstellung eines Elektrofahrzeugverbunds
-SOCh- Ladezustand am Ende von Stunde hin kWh
-SOCh1- Ladezustand am Ende von Stunde h1 in kWh
-pEVanw,h1- Anwesenheitsfaktor mit Werten zwischen 0 und 1 in Stunde h1
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
-xh- Leistung zu den Fahrzeugen in Stunde hin kW (positiv laden, negativ
entladen)
-ηE- Entladewirkungsgrad, z.B. 0,83
-ηL- Ladewirkungsgrad, z.B. 0,9
-EV,h - Energieverbrauch in kWh pro km in Stunde h
Im Folgenden soll die Funktionsweise der Ladezustandsberechnung an einem Bei-
spiel mit fiktiven Werten erl¨
autert werden. In Tabelle 3.2 sind die f¨
ur das Beispiel
relevanten Werte f¨
ur einen Zeitraum von vier Stunden dargestellt.
Tabelle 3.2.: Beispielberechnung des Ladezustands
Feste
Para-
meter
Fahrzeuge (EV): 10 Kapazit¨
at
eines EVs:
30 kWh
Gesamtka-
pazit¨
at: 300
kWh
Initialladezu-
stand:
80 %
Theoretischer An-
fangsladezustand:
240 kWh
Ladewir-
kungsgrad:
0,98
Entladewir-
kungsgrad:
0,96
Stunde Verf¨
ugbare
Kapazit¨
at (kWh)
Anwesen-
heitsfaktor
Ladeleis-
tung
(kW)
Mobilit¨
ats-
energieeinsatz
(kWh)
1 192 0,8 4,082 1
2 243 1 0 3
3 120 0.5 -3 1
4 235,875 1 6,25 2
(5) 240 - - -
Geht man, wie im oben genannten Beispiel von 80 % Ladung in den Batterien aus,
ergibt sich ein Anfangsladezustand von 240 kWh. Der erste Ladezustand des Tages
wird jedoch noch mit der Anwesenheit der ersten Stunde verrechnet, daher ergibt
sich eine f¨
ur das Netz verf¨
ugbare Kapazit¨
at von nur 192 kWh. Mit dieser Kapazit¨
at
wird die erste Stunde berechnet. Die Ladeleistung wird von der Optimierung nach
34
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Netzgegebenheiten berechnet, in diesem Beispiel betr¨
agt die aus dem Netz aufge-
nommene Leistung in der ersten Stunde 4,082 kW und der Energieaufwand f¨
ur die
Mobilit¨
at 1 kWh. Der Ladezustand am Anfang der zweiten Stunde berechnet sich
nach Formel (3.6) zu 243 kWh. Durch die Teilung des Ladezustands in Stunde 1
durch die Anwesenheit in Stunde 1 ergibt sich 192
0,8= 240. Der Term tanh(106·xh)1
2·ηE
wird f¨
ur positive x, also Leistungsaufnahme aus dem Netz, zu Null. Der Term
tanh(106·xh)+1
2hingegen zu 1. Die in Stunde 1 positive Ladeleistung xwird mit dem
Ladewirkungsgrad ηLund der Zeitkonstante τ(hier: eine Stunde) multipliziert und
zum Ladezustand addiert. Die aus dem Netz aufgenommene Leistung f¨
uhrt nach ei-
ner Stunde zu einer Erh¨
ohung der Energie im Speicher um 4,082 kW·0,98 = 4 kW.
Nun wird der Energieeinsatz f¨
ur Mobilit¨
at in Stunde 1 von 1 kWh abgezogen. Ab-
schließend werden die nun errechneten 243 kWh mit der Anwesenheit in Stunde 2
multipliziert, die in diesem Beispiel 1, also 100 % ist. Da in Stunde 2 keine Ladung
stattgefunden hat, jedoch eine Stunde lang 3 kW entladen wurden, betr¨
agt der
Ladezustand am Anfang von Stunde 3 nur noch 240 kWh. Dieser Wert wird mit
der Anwesenheit pEVanw,h multipliziert, welcher 0,5 betr¨
agt. Dies bedeutet, dass nur
die H¨
alfte der Fahrzeuge anwesend sind, w¨
ahrend die andere H¨
alfte unterwegs ist.
Im Ergebnis betr¨
agt die verf¨
ugbare Kapazit¨
at f¨
ur das Netz am Anfang von Stunde
3 nur noch 120 kWh. Der Ladezustand in Stunde 4 weist zwei interessante Details
auf. Obwohl in Stunde 3 eine Entladung ins Netz in H¨
ohe von 3 kW und 1 kWh
Energieaufwand f¨
ur Mobilit¨
at stattgefunden hat, ist die verf¨
ugbare Kapazit¨
at am
Anfang von Stunde 4 h¨
oher als am Anfang von Stunde 3, da sich die Anwesenheit
wieder auf 1 erh¨
oht hat. Zweitens berechnet sich die verf¨
ugbare Kapazit¨
at, die von
240 kWh eine Entladung von 3 kW in Stunde 3 und einen Mobilit¨
atsenergieauf-
wand von 1 kWh erf¨
ahrt, nicht zu 236 kWh, sondern nur 235,875 kWh. Da die
Ladeleistung in Stunde 3 negativ ist, fließt sie aus dem Speicher in das Netz. Hier
ist nun der Term tanh(106·xh)1
2·gleich Eins und tanh(106·xh)+1
2gleich Null. Dies f¨
uhrt
dazu, dass die negative Leistung xnoch mit 1
ηEund τmultipliziert wird. Bei einer
Abgabe von 3 kW in das Netz w¨
ahrend einer Stunde verliert der Speicher also
3
0,96 = 3,125 kWh an Ladung. Am Ende des Beispielbetrachtungszeitraums soll
der Speicher wieder den gleichen Ladezustand aufweisen wie am Anfang, also 240
kWh. Die Ladeleistung der letzten Stunde muss also die fehlenden 4,125 kWh plus
2 kWh Mobilit¨
atsenergieaufwand ausgleichen. Mit dem Ladewirkungsgrad ergibt
sich die aus dem Netz aufgenommene Leistung zu 4,125+2
0,98 = 6,25 kW. Ebenfalls gut
erkennbar ist, dass es einen Eintrag mehr f¨
ur den Ladezustand gibt als f¨
ur die La-
deleistung. Im Modell mit der tageweisen Betrachtung bei st¨
undlicher Aufl¨
osung
ergeben sich daher 25 Werte f¨
ur den Ladezustand und 24 Werte f¨
ur die Leistung.
35
3.3. Optimierte Lade- und Entladesteuerung
3.3. Optimierte Lade- und Entladesteuerung
Die Modellerstellung des Elektrofahrzeugverbunds aus Abschnitt 3.2 ist bereits mit
Hinblick auf die Optimierung formuliert worden. Die Optimierung erfolgt durch die
Minimierung einer Zielfunktion mit Randbedingungen. Die Zielfunktion umfasst
den Zustand und damit die Bed¨
urfnisse des Energiesystems sowie einen Anreiz
f¨
ur Elektrofahrzeugbesitzer, ihre EV mit dem Energieversorgungsnetz interagieren
zu lassen. Die Randbedingungen stellen sicher, dass die Systeminteraktionen nur
innerhalb des physikalisch M¨
oglichen geleistet werden. Außerdem stellen sie sicher,
dass die Mobilit¨
at des Elektrofahrzeugs nur in benutzerdefinierten Ausmaßen ein-
geschr¨
ankt wird. Zur Optimierung selbst kommt die MATLAB-Funktion fmincon
(3.7) zum Einsatz, welche aus der Optimization Toolbox unter Nonlinear Program-
ming zu finden ist. Sie kann verwendet werden, um eine multivariable, nichtlineare
Funktion mit Randbedingungen zu minimieren.
x= fmincon (fun, x0,[] ,[] ,[] ,[] , lb, ub, nonlcon) (3.7)
In diesem Abschnitt werden die Zielfunktion und im Anschluss die verschiedenen
Randbedingungen diskutiert.
3.3.1. Zeithorizont und Zielfunktion
Die Optimierung wird f¨
ur einen Zeitraum von 24 Stunden, also von Anfang bis
Ende eines Tages, durchgef¨
uhrt. Eingangsgr¨
oße der Zielfunktion sind dabei die
Energiepreise jeder Stunde des Tages, wie sie auch in der Energieversorgung im
Spotmarkt, im englischsprachigen Raum mit Day-Ahead-Market bezeichnet, pro-
gnostiziert werden. Die Berechnung der Preise erfolgt wie in Kapitel 2.1.6 beschrie-
ben mit der optimalen Leistungsflussberechnung. Die Preise spiegeln somit kno-
tengenau die Verh¨
altnisse im Energieversorgungssystem wider. Bei starker Nach-
frage und knappem Angebot sind sie hoch, bei schwacher Nachfrage und hohem
Angebot sind sie niedrig. Durch Minimierung der Kostenfunktion ergeben sich als
Ausgangsgr¨
oße Ladeleistungen f¨
ur jede Stunde, welche positiv einen Leistungsfluss
in den Speicher hinein und negativ aus dem Speicher heraus darstellen und allen
Randbedingungen gerecht werden. Die Zielfunktion sorgt f¨
ur ein kostenoptimales
Ergebnis. Die Verfolgung mehrerer Ziele gleichzeitig, wie zum Beispiel Optimierung
auf Kosten und CO2-Emissionen wie in [37] sind weniger vorteilhaft, da hier wider-
spr¨
uchliche Ziele erreicht werden sollen, was im kostenorientierten Energiesystem
zu suboptimalen Ergebnissen f¨
uhrt. So haben Mittel- oder Spitzenlastkraftwer-
ke niedrigere CO2-Emissionen als Grundlastkraftwerke, was zu niedrigeren CO2-
Emissionen pro erzeugter MWh in Spitzenlastzeiten f¨
uhren kann. Die Nachfrage
sollte jedoch immer weg von den Spitzen- hin zu den Schwachlastzeiten verscho-
ben werden. Eine Emissionsreduktion durch Verschiebung der Angebotspreise der
36
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Kraftwerkstypen und damit der Merit-Order ist ineffizient, da zum Beispiel CO2-
emissionsarme Gaskraftwerke technisch und ¨
okonomisch nicht zum Grundlastbe-
trieb ausgelegt sind. Die in dieser Arbeit betrachtete CO2-Emissionensreduktion
wird durch Integration abgeschalteter Erneuerbarer angestrebt.
Die Kostenfunktion (3.8) f(x) ist die Summe der st¨
undlichen Energiepreise LMPh
mit den st¨
undlichen Lade- bzw. Entladeleistungen xh.
min "f(x) =
24
X
h=1
xh·LMPh#(3.8)
3.3.2. Lineare Randbedingungen - Maximal zul¨
assige Leistung
Da die Zielfunktion als Ergebnis die kostenoptimale Ladeleistung jeder Stunde be-
rechnet, m¨
ussen auch s¨
amtliche Randbedingungen in Form von Leistung formuliert
werden. Im Falle der durch die Anschlussleistung beschr¨
ankten zul¨
assigen Lade-
oder Entladeleistung der Fahrzeuge ist dies durch eine lineare Abh¨
angigkeit gege-
ben. In einem Optimierungsproblem werden lineare Randbedingungen oftmals als
obere (ub - upper bound) und untere (lb - lower bound) Grenze bezeichnet (3.9).
Die Leistung xwird dabei von der maximalen Anschlussleistung pro Fahrzeug Pmax
mal der Gesamtanzahl der im Untersuchungsfall betrachteten Fahrzeuge nEV,Fall
und dem Anwesenheitsfaktor pEVanw,1-24 nach oben begrenzt. Die Begrenzung nach
unten w¨
are bei gesteuertem Laden Null, mit vehicle-to-grid Betrieb ist sie bis
auf das Vorzeichen identisch mit der oberen Grenze.
lb xub (3.9)
Pmax ·pEVanw,1-24 ·nEV,Fall x124 Pmax ·pEVanw,1-24 ·nEV,Fall (3.10)
Neben der Beschr¨
ankung der maximalen Lade-und Entladeleistung in Abh¨
angig-
keit der Anschlussleistung und der Anzahl der anwesenden Fahrzeuge erfolgt ein
Abgleich mit dem Leistungssignal (2.6)(2.7) aus Kapitel 2.2. Dadurch wird die
Lade- und Entladeleistung gegebenenfalls weiter eingeschr¨
ankt, wenn dies f¨
ur die
Beherrschung der Netzr¨
uckwirkungen erforderlich ist. Die untere Grenze (lb) wird
zeilenweise mit den Werten von Pminsys,h verglichen. Ist die untere Grenze der h-
ten Zeile kleiner als Pminsys,h, so wird die untere Grenze auf den Wert von Pminsys,h
gesetzt. Ist sie gr¨
oßer oder gleich wird sie nicht ver¨
andert. Die obere Grenze (ub)
wird zeilenweise mit den Werten von Pmaxsys,h verglichen. Ist sie gr¨
oßer als Pmaxsys,h,
so wird die obere Grenze auf den Wert von Pmaxsys,h gesetzt. Ist sie kleiner oder
gleich wird keine Anpassung vorgenommen. Durch diese weitere Anpassung des
Leistungsaustausches kann zum Beispiel vermieden werden, dass der Fahrzeugver-
bund seine Leistung in so großem Umfang ¨
andert, dass konventionelle Kraftwerke
37
3.3. Optimierte Lade- und Entladesteuerung
zus¨
atzlich hochgefahren oder Erneuerbare zus¨
atzlich gedrosselt werden m¨
ussen.
Um den Effekt dieses Abgleichs zu verdeutlichen, wird beispielhaft eine Stunde
betrachtet, in der Windkraftanlagen um 150 MW gedrosselt werden m¨
ussen, da
f¨
ur diese Leistung keine Nachfrage vorhanden ist. Der Energiepreis ist in dieser
Stunde niedrig. Da das n¨
achste Megawatt aus Windkraftanlagen geliefert werden
kann, bestimmen diese auch den Preis. Bei 125.000 Elektrofahrzeugen an normalen
Steckdosen (230 V, 16 A) betr¨
agt die Anschlussleistung und damit die obere Grenze
230 V·16 A·125.000 = 460 MW. Handelt es sich um die preislich g¨
unstigste Stunde
des Tages, w¨
urden die Fahrzeuge voraussichtlich mit ihrer maximalen Anschluss-
leistung laden und somit die Nachfrage um 460 MW erh¨
ohen. Dies f¨
uhrt dazu,
dass nicht nur die Windabschaltung komplett verhindert werden kann, sondern
dass auch konventionelle Kraftwerke um 310 MW hochgefahren werden m¨
ussen,
was den Preis und die Emissionen erh¨
oht. M¨
ochte man nur zus¨
atzliche Ladung
aus Erneuerbaren realisieren, l¨
asst sich der Wert f¨
ur Pmaxsys,h auf 150 MW setzen.
Der Vergleich mit der oberen Grenze ergibt nun, dass sie gr¨
oßer ist als Pmaxsys,h,
weshalb sie angepasst wird und nun den Wert 150 MW zugewiesen bekommt. Die
Optimierung berechnet noch immer eine Energieaufnahme aus dem Netz, da der
Preis niedrig ist, jedoch nicht mehr als 150 MW, da dies die Randbedingung ver-
letzen w¨
urde.
3.3.3. Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen - Ladezustand
Der Ladezustand des Fahrzeugverbunds wird in Formel (3.6) in Abh¨
angigkeit der
Leistung und weiterer, gegebener Faktoren berechnet. Diese Berechnung dient der
Optimierung als Randbedingung mit nichtlinearer Abh¨
angigkeit von der Optimie-
rungsvariablen x. Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen haben eine Charakteris-
tik wie in Formel (3.11) dargestellt und sorgen daf¨
ur, dass der Wert der Optimie-
rungsvariablen xinnerhalb einer definierten Bandbreite bleibt, die vom Ladezu-
stand vorgegeben wird. Von den 25 Ladezust¨
anden eines Tages sind 23 als nicht-
lineare Ungleichheitsbedingung formuliert. Der erste Ladezustand ist vorgegeben
und der letzte wird ¨
uber eine nichtlineare Gleichheitsbedingung berechnet.
c(x)0 (3.11)
Der Vektor chat somit 46 Eintr¨
age, wovon 23 ein ¨
Uberladen der Batterie ver-
hindern und 23 daf¨
ur sorgen, dass der Ladezustand nicht unter eine benutzerde-
finierte Grenze f¨
allt. Um ein ¨
Uberladen der Batterie zu verhindern, muss der von
der Anwesenheit pEVanw,h abh¨
angige maximale Ladezustand SOCmax,h nach Formel
(3.12)ermittelt werden. Dazu wird der maximale Ladezustand des Einzelfahrzeugs
SOCmax mit den im Untersuchungsfall betrachteten Fahrzeugen nEV,Fall und der
38
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Anwesenheit multipliziert.
SOCmax,h =SOCmax ·pEVanw,h ·nEV,Fall (3.12)
Zur Feststellung der unteren Ladezustandsgrenze MSOChwird Formel (3.13) be-
n¨
otigt. Sie ist analog zu (3.12) aufgebaut, multipliziert hier aber zum maximal
verf¨
ugbaren Ladezustand noch den Faktor des benutzerdefinierten Mindestladezu-
stands pSOC,min.
MSOCh=pSOC,min ·SOCmax ·pEVanw,h ·nEV,Fall (3.13)
Mit den sich st¨
undlich ¨
andernden maximalen und minimalen Ladezust¨
anden lassen
sich die nichtlinearen Ungleichheitsbedingungen berechnen. Die ersten 23 Eintr¨
age
des c-Vektors sorgen nach Formel (3.14) daf¨
ur, dass die Batterie nicht ¨
uber ihre
maximale Kapazit¨
at geladen wird. Hierbei ist zu beachten, dass nur die Ladezu-
st¨
ande der Stunden 2 bis 23 ber¨
ucksichtigt werden, da der Ladezustand der ersten
und letzten Stunde vorgegeben bzw. anders berechnet wird. Als Beispiel soll in
Stunde 4 die Batterie bereits voll geladen sein. Ist die Ladeleistung xder vierten
Stunde h¨
oher als die Verluste in Stunde 4, so berechnet sich der Ladezustand von
Stunde 5 h¨
oher als der maximale Ladezustand. Die Differenz aus Formel (3.14)
w¨
are positiv, was die Bedingung, dass alle Eintr¨
age im c-Vektor kleiner als Null
sein m¨
ussen, verletzen w¨
urde. Analog dazu werden die Eintr¨
age 24-45 im c-Vektor
mit Formel (3.15) berechnet und sorgen f¨
ur eine Einhaltung der Speichermindest-
f¨
ullstandsanforderung.
c122 =SOC223 SOCmax,223 (3.14)
c2345 =MSOC223 SOC223 (3.15)
3.3.4. Nichtlineare Gleichheitsbedingungen - Ladezustand
Eine Minimierung der Kosten f¨
uhrt am Ende des Betrachtungszeitraums immer
zu einer maximalen Entladung der Batterie. Da bei einer tageweisen Optimie-
rung eines Jahres der letzte Ladezustand eines Tages dem ersten Ladezustand des
n¨
achsten Tages entspricht, ist eine vollst¨
andige Entladung nicht w¨
unschenswert.
Daher l¨
asst sich eine weitere Randbedingung formulieren, welche dieses Verhal-
ten verhindert. Diese nichtlineare Gleichheitsrandbedingung ist in der Form (3.16)
ausgedr¨
uckt.
ceq(x) = 0 (3.16)
39
3.4. Simulation
Sie sorgt im Fall von (3.17) daf¨
ur, dass die Summe aus Ladeleistung korreliert mit
Lade- bzw. Entladewirkungsgraden in einer Stunde abz¨
uglich des Energieaufwands
f¨
ur Mobilit¨
at gleich Null sein muss. Dies f¨
uhrt dazu, dass der Ladezustand am Ende
des Tages dem am Anfang entspricht.
0 =
24
X
h=1 xh·tanh(106·xh)1
2·ηE
+ηL·tanh(106·xh) + 1
2!·τ
24
X
h=1
EV,h
(3.17)
mit:
-xh- Leistung zu den Fahrzeugen in Stunde h in kW (positiv laden, negativ
entladen)
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
-ηE- Entladewirkungsgrad, z.B. 0,83
-ηL- Ladewirkungsgrad, z.B. 0,9
-EV,h - Energieverbrauch in kWh pro km in Stunde h
F¨
ur die Berechnung des letzten Ladezustand des Tages wird die Anwesenheit in der
ersten Stunde des n¨
achsten Tages herangezogen. Auf diese Weise ist die verf¨
ugbare
Kapazit¨
at um 24:00 Uhr des einen Tages gleich der verf¨
ugbaren Kapazit¨
at um
0:00 Uhr des n¨
achsten Tages. Der absolute Ladezustand ist dank der nichtlinearen
Gleichheitsbedingung am Anfang und am Ende eines Tages gleich, unabh¨
angig von
der Anwesenheit.
3.4. Simulation
Das in Abschnitt 3.2 entwickelte Elektrofahrzeugmodell wird in einem Energie-
versorgungsnetz hinsichtlich seiner Effekte untersucht. Dazu wird das Energiever-
sorgungsnetz aus Kapitel 2 herangezogen. Eine Betrachtung ¨
uber den Zeitraum
von einem Jahr soll die Abh¨
angigkeit des Ergebnisses von zuf¨
alligen Verbrauchs-
und Erzeugungspaaren verringern. Die Optimierung wird 365 mal mit verschie-
denen realen Verbrauchs- und Wind/PV-Profilen durchgef¨
uhrt. Um die wichtige
Einflussgr¨
oße der Energienachfrage im Ergebnis zu ber¨
ucksichtigen, werden zwei
Szenarien mit Jahresverbr¨
auchen von 83 TWh und 106 TWh simuliert.
40
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
3.4.1. Simulationsparameter
Die Parameter der Elektrofahrzeuge sind nach Vorbild des E-mini [35] ausgew¨
ahlt
und in Tabelle 3.3 dargestellt. Dieser konservative Ansatz mit einem bereits verf¨
ug-
baren Elektrofahrzeug geht nicht auf die Entwicklung der zuk¨
unftigen Fahrzeuge
ein. Im vorliegenden Ansatz wird Leistung und Kapazit¨
at betrachtet, beide stei-
gen mit technischem Fortschritt sowie mit erh¨
ohter Anzahl an Fahrzeugen. Da
die Prognose der Fahrzeugzahlen schwierig ist, k¨
onnen die Fahrzeugspezifikatio-
nen so realistisch wie m¨
oglich gew¨
ahlt werden. Reichweite und Energieverbrauch
sind unter realistischen Normalbedingungen angegeben. Da der Lade- und Entlade-
wirkungsgrad stark temperaturabh¨
angig ist [38], wurde f¨
ur den Ladewirkungsgrad
90 % und f¨
ur den Entladewirkungsgrad 83 % angenommen.
Tabelle 3.3.: Fahrzeugparameter basierend auf den Spezifikationen des E-mini
Gr¨
oße Einheit Wert
Kapazit¨
at kWh 35
Reichweite unter Normalbedingungen km 168
Energieverbrauch unter Normalbedingungen kWh/km 0,21
Ladeleistung kW 3,68
Mit den Fahrzeugdaten des E-Mini und einigen willk¨
urlich festgesetzten Werten
ergeben sich die Parameter der Optimierung aus Tabelle 3.4. Bei der Anzahl der
Fahrzeuge wurde gem¨
den Prognosen der Nationalen Plattform Elektromobili-
t¨
at davon ausgegangen, dass im betrachteten Jahr 2040 ein Drittel der Berliner
Fahrzeuge rein elektrisch angetrieben werden.
Tabelle 3.4.: Simulationsparameter
Technische Daten:
acon 0,21 kW h/km
ηL0,9
ηE0,83
Pmax 3,68 kW
SOCmax 35 kWh
Simulationsspezifische Daten:
nEV,Fall 420 000 St¨
uck
pini 80 %
pSOC,min 70 %
Die Parameter des Energieversorgungsnetzes sind in Kapitel 2 angegeben. Bei der
erweiterten Leistungsregelung der Fahrzeuge wurde die Simulation mit der Stra-
41
3.4. Simulation
tegie aus Abschnitt 2.2.2 durchgef¨
uhrt. Bei dieser Strategie darf die Absenkung
der Nachfrage zur Abschaltung konventioneller Kraftwerke f¨
uhren, bei Erh¨
ohung
der Nachfrage d¨
urfen jedoch keine neuen konventionellen Kraftwerke zum Einsatz
kommen, sondern das Grenzkraftwerk muss den erh¨
ohten Bedarf selbst abdecken
k¨
onnen.
3.4.2. Ablauf zur Ergebnisberechnung
Damit Aussagen ¨
uber die Integration Erneuerbarer und die Reduktion von CO2-
Emissionen getroffen werden k¨
onnen, reicht es nicht aus, f¨
ur die Preisoptimierung
auf B¨
orsenpreise zur¨
uckzugreifen, wie es normalerweise ¨
ublich ist. Damit fundier-
te Aussagen getroffen werden k¨
onnen, wird das Energieversorgungssystem in die
Simulation mit einbezogen. Die Simulation besteht daher aus drei aufeinanderfol-
genden Optimierungen.
- Schritt 1: Optimale Leistungsflussberechnung des Energiesystems mit Pro-
gnosewerten f¨
ur den n¨
achsten Tag
- Schritt 2: Preisoptimierung der Elektrofahrzeuge mit den vorl¨
aufigen Preisen
aus Schritt 1
- Schritt 3: Erneute optimale Leistungsflussberechnung des Energiesystems mit
den ge¨
anderten Fahrzeugprofilen
Das Ablaufdiagramm in Abbildung 3.2 veranschaulicht die Eingangs-, Zwischen-
und Ergebnisgr¨
oßen und ihre Verarbeitung w¨
ahrend der Simulation. Zu den Ein-
gangsgr¨
oßen auf der linken Seite geh¨
oren Daten zur Energieerzeugung und der
Energienachfrage. Das Nachfrageprofil der ungesteuert ladenden Elektrofahrzeuge
stammt aus den Fahrprofilen aus Abschnitt 3.2.1 und wird tageweise in st¨
und-
licher Aufl¨
osung f¨
ur ein Jahr zur Verf¨
ugung gestellt. Nachfrage der Verbraucher
sowie Einspeiseprofile f¨
ur Photovoltaik- und Windkraftanlagen liegen st¨
undlich f¨
ur
ein Jahr vor. Die Kraftwerksdaten umfassen Angebotspreise, minimale und maxi-
male Leistungsbereitstellung sowie Informationen zur Topologie. Sie sind statisch,
werden aber f¨
ur die Simulation st¨
undlich bereitgestellt, was zum Beispiel die Ab-
schaltung von in Revision befindlichen Kraftwerken erlauben w¨
urde. Photovoltaik-
und Windkraftanlagen sind knotengenau kumuliert als je ein Generator mit varia-
bler maximaler Leistungsbereitstellung modelliert. Die st¨
undlichen Eingangsdaten
werden zusammen mit der statischen Topologie und den Leitungsdaten an die op-
timierte Leistungsflussberechnung ¨
ubergeben. F¨
ur jede Stunde wird eine vorl¨
aufige
optimierte Leistungsflussberechnung nach dem Prinzip der Locational Marginal
Prices“, kurz: LMP, durchgef¨
uhrt. Vorl¨
aufig deshalb, weil die Ergebnisse dieser
42
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Optimierung, anders als derzeit ¨
ublich, nicht die tats¨
achlichen Preise des folgen-
den Tages darstellen. Auf einen vorgeschalteten Kraftwerkseinsatz-Algorithmus,
bei dem Kraftwerke stundenweise An- bzw. Abgefahren werden, wird in der vor-
liegenden Arbeit verzichtet. Stattdessen wurden allen Kraftwerken mit Ausnahme
der Grundlastkraftwerke die minimale Leistungsbereitstellung von 0 MW zuge-
wiesen. Die Auswirkungen auf die Ergebnisse sind praktisch nicht vorhanden, die
Simulationszeit wird jedoch erheblich reduziert. Die Leistungsflussberechnung er-
gibt st¨
undliche Energiepreise sowie die Ausgangsleistungen aller Generatoren, ein-
schließlich der aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Die Energiepreise sind
in der Simulation nur vorl¨
aufig und sollen als Referenz dienen. Die Eingangsgr¨
o-
ßen beruhen auf historischen Daten, welche f¨
ur den Zeitraum eines Jahres zur
Verf¨
ugung stehen. In der Praxis k¨
onnte nur auf die Prognosewerte der n¨
achsten
24 Stunden zur¨
uckgegriffen werden, den sogenannten Day-Ahead“-Werten. F¨
ur
die Fahrzeugoptimierung werden die 24 Referenzpreise aus der vorl¨
aufigen Leis-
tungsoptimierung herangezogen. F¨
ur die neben der Anschlussleistung zus¨
atzliche
Leistungsbeschr¨
ankung als lineare Randbedingung aus Abschnitt 2.2.2 wird au-
ßerdem die Leistungsabgabe der Generatoren ben¨
otigt. Die Optimierung wird f¨
ur
einen Zeitraum von 24 Stunden mit st¨
undlicher Aufl¨
osung ausgef¨
uhrt. Ergebnis-
se sind die ver¨
anderten Lade-/Entladeprofile der Elektrofahrzeuge. Mit der um
die ver¨
anderten Fahrzeugprofile angepassten Nachfrage wird erneut eine Optimale
Leistungsberechnung durchgef¨
uhrt. Die Ergebnisse sind wieder st¨
undliche Ener-
giepreise sowie die Ausgangsleistungen aller Generatoren. Die Energiepreise w¨
aren
im Anwendungsfall nun die tats¨
achlichen Day-Ahead Nodalpreise.
43
3.5. Ergebnisse
optimale Leistungs-
Optimierung
Elektrofahrzeuge
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der Elektrofahrzeuge
Fahrzeug-Profil
Nodalpreise
Nodalpreise
Fahrzeug-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
Abbildung 3.2.: Schematischer Ablauf der Simulation
3.5. Ergebnisse
Alle Ergebnisse beruhen auf dem Unterschied der ungesteuert geladenen zu den op-
timierten Elektrofahrzeugen. Um den Einfluss des gesamten Energieverbrauchs im
Netz deutlich zu machen, werden die Ergebnisse beider Lastszenarien dargestellt.
Der Einfluss der Optimierung der Elektrofahrzeuge soll unter drei Gesichtspunkten
erfolgen:
- 1) Kosten des Energiebezugs
- 2) Integration erneuerbarer Energien
- 3) CO2-Emissionsreduktion
Als Ausgangspunkt f¨
ur den Vergleich werden die Ergebnisse der vorl¨
aufigen Leis-
tungsflussberechnung herangezogen, die unter der Annahme der ungesteuert la-
denden Elektrofahrzeuge durchgef¨
uhrt wurde. Geringe Anzahlen haben auf das
Energieversorgungssystem eine sehr geringe Wirkung, da die Fahrzeugenergienach-
frage relativ niedrig ist. So hat ein einzelnes Elektrofahrzeug nach dem verwen-
deten Fahrzeugprofil einen Jahresenergiebedarf von 2,115 MWh gegen¨
uber einer
44
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Gesamtnachfrage im Trendszenario von 106.000.000 MWh im Energienetz. Um
den Einfluss beliebiger Anzahlen Elektrofahrzeuge kenntlich machen zu k¨
onnen,
werden alle Ergebnisse jeweils in Relation zu den Einzelfahrzeugen dargestellt. Die
Kosten werden f¨
ur ein einzelnes Fahrzeug angegeben, die Integration Erneuerba-
rer und die CO2-Emissionsreduktion in Relation zum Jahresverbrauch und den
Jahres-CO2-Emissionen des Einzelfahrzeugs.
3.5.1. Leistungsaustausch optimierter Elektrofahrzeuge mit
dem Energieversorgungsnetz
Eine anschauliche Darstellung des Leistungsaustauschs der Elektrofahrzeuge mit
dem Energieversorgungsnetz ist in Abbildung 3.3 und 3.4 gegeben. Der oberste
Verlauf zeigt die ungesteuerte Leistungsaufnahme des Elektrofahrzeugverbunds ei-
nes bestimmten Tages. Dabei ist zum Beispiel die Leistung von Stunde eins durch
einen Balken zwischen dem x-Achsenabschnitt Null und eins repr¨
asentiert, was zu
24 Leistungsbalken eines Tages f¨
uhrt. Im Verlauf darunter befindet sich die Dar-
stellung des Ladezustands. Der Ladezustand wird von einer Linie repr¨
asentiert,
die vor einer grauen Fl¨
ache liegt. Die obere Grenze der Fl¨
ache wird durch die
maximal verf¨
ugbare Kapazit¨
at gezogen, die untere Grenze durch den gew¨
unschten
Mindestladezustand, hier 70 % der maximalen Kapazit¨
at. Die Punkte auf der Linie
verdeutlichen die Existenz von 25 Ladezustandswerten eines Tages, die jeweils zum
Anfang beziehungsweise Ende der vollen Stunden ermittelt werden. Die Abh¨
angig-
keit der verf¨
ugbaren Kapazit¨
at von der Anwesenheit der Fahrzeuge zeigt sich in
der Absenkung der Fl¨
ache tags¨
uber mit Minima um 9:00, 16:00 und 18:00 Uhr
in Abbildung 3.3 die einen Donnerstag darstellt, sowie um 7:00 und 15:00 Uhr in
Abbildung 3.4 f¨
ur einen Freitag. Die relative Position innerhalb der grauen Fl¨
ache
wird im ungesteuerten Fall kaum ver¨
andert, da die Ladung jeweils in der Stunde
nach der Fahrt stattfindet, der Energieaufwand f¨
ur Mobilit¨
at also zeitnah kom-
pensiert wird. Außerdem ist die Leistungsentnahme f¨
ur Mobilit¨
at in einer Stunde
gemessen an der Kapazit¨
at des Elektrofahrzeugverbunds sehr gering.
Der dritte Verlauf in Abbildung 3.3 beschreibt die Nodalpreise des Tages 267. An
diesem Tag sind in den Stunden 1-5 und 13-16 Wind- oder Photovoltaikanlagen
die Grenzkraftwerke, weshalb der Preis bei 10 Euro liegt. In diesen Stunden wird
ein Teil der m¨
oglichen Erzeugung aus Erneuerbaren nicht genutzt. Die anderen
Stunden des Tages betr¨
agt der Preis 36 Euro, dem Angebotspreis zu kurzfristi-
gen Grenzkosten von Braunkohlekraftwerken. Das Ergebnis der Optimierung aus
Abschnitt 3.3 ist im vierten Verlauf abgebildet. An Tag 267 wird durch die opti-
mierte Betriebsweise die h¨
ochste Einsparung, Emissionsreduktion und Integration
von Erneuerbaren erreicht. Eine Analyse des Tages ergibt, dass in zwei verschie-
denen Zeitr¨
aumen Erneuerbare mehrere Stunden lang gedrosselt werden m¨
ussen.
45
3.5. Ergebnisse
Durch die Optimierung wird in Stunden mit gedrosselten Erneuerbaren verst¨
arkt
geladen, so dass neben dem Energieaufwand f¨
ur Mobilit¨
at auch noch Energie ins
Netz abgegeben werden kann, und zwar in Stunden in denen Braunkohlekraftwerke
zur Deckung der Nachfrage ben¨
otigt werden, welche in der Folge gedrosselt wer-
den k¨
onnen. Im f¨
unften Verlauf ist analog zum zweiten Verlauf der Ladezustand
des Elektrofahrzeugverbunds im optimierten Fall abgebildet. Es ist gut erkennbar,
dass die Grenzen der maximalen und minimalen verf¨
ugbaren Kapazit¨
at eingehalten
werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass in Stunde 5 mehr Leistung aus
dem Netz aufgenommen werden k¨
onnte, wenn der Ladezustand nicht bereits sein
Maximum erreicht h¨
atte. Dass nicht bis zur unteren Kapazit¨
atsgrenze ins Netz ein-
gespeist wird kann zwei Ursachen haben. Entweder f¨
uhrt eine zu hohe Einspeisung
wieder zur Drosselung erneuerbarer Energien, oder eine Ladung von kleinstem zu
gr¨
oßtem Ladezustand in Stunde 13-15 h¨
atte die zus¨
atzliche Leistungserh¨
ohung von
Braunkohlekraftwerken zur Folge.
Zum besseren Verst¨
andnis sind in Abbildung 3.4 die Ergebnisse an Tag 343 gege-
ben. Im Verlauf der vorl¨
aufigen Day-Ahead Nodalpreise zeigt sich, dass an diesem
Tag keine Erneuerbaren abgeschaltet werden, weil die Einspeisung aus Wind und
PV unterhalb der Energienachfrage liegt. Die Grenzkraftwerke an diesem Tag set-
zen sich aus Braun- und Steinkohlekraftwerken zusammen. Die Integration von
Erneuerbaren ist demzufolge Null. Die Preisoptimierung ist an diesem Tag recht
erfolgreich, da alle Leistungsentnahmen in den Stunden mit niedrigsten Preisen
stattfinden, w¨
ahrend in den h¨
oherpreisigen Stunden 16-18 Leistung in das Netz zu-
r¨
uckfließt. Die Emissionsreduktion ist an diesem Tag allerdings negativ, das heißt
nach der Optimierung wird mehr CO2emittiert als bei ungesteuertem Laden.
Betrachtet man die Ladeleistung der optimierten Fahrzeuge wird deutlich, dass
Nachfrage von den Stunden 16-18, in denen ein Gas- und Dampfkraftwerk den
Angebotspreis bestimmt, in die ersten und letzten Stunden des Tages verschoben
wird, wo Braunkohlekraftwerke die Leistung bereitstellen. Die spezifischen Emissio-
nen eines Gas- und Dampfkraftwerks liegen bei 370 kg
MWh bei einem Angebotspreis
von 49,76 Euro, die eines Braunkohlekraftwerks bei 1010 kg
MWh bei einem Ange-
botspreis von 36,69 Euro. Jede MWh, die von einem GuD-Kraftwerk zu einem
Braunkohlekraftwerk verschoben wird, spart 13,07 Euro, f¨
uhrt aber gleichzeitig zu
640 kg mehr CO2-Emissionen.
46
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Abbildung 3.3.: Ungesteuertes und optimiertes Elektrofahrzeugverhalten an Tag
267
47
3.5. Ergebnisse
Abbildung 3.4.: Ungesteuertes und optimiertes Elektrofahrzeugverhalten an Tag
343
48
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
3.5.2. Kostenreduktion bei Elektrofahrzeugen
Als Verbraucher haben Elektrofahrzeuge Kosten f¨
ur ihre Energiebeschaffung. Durch
ihren Speicher haben sie grunds¨
atzlich die M¨
oglichkeit, mit Arbitrage-T¨
atigkeiten,
also kaufen bei niedrigen Preisen und verkaufen bei hohen Preisen, diese Kosten
zu senken. Das Ziel der Optimierung ist es, so viel Energie zu niedrigen Preisen zu
kaufen und zu hohen Preisen zu verkaufen wie m¨
oglich. Das Ergebnis wird f¨
ur ein
einzelnes Elektrofahrzeug dargestellt. Der Kostenvergleich wird wie in Abbildung
3.5 dargestellt mit den ungesteuerten Profilen und den vorl¨
aufigen Nodalpreisen,
sowie den optimierten Profilen und den endg¨
ultigen Nodalpreisen durchgef¨
uhrt.
optimale Leistungs-
Optimierung
Elektrofahrzeuge
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der Elektrofahrzeuge
Fahrzeug-Profil
Nodalpreise
Nodalpreise
Fahrzeug-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
Abbildung 3.5.: Schematischer Ablauf der Ergebnisberechnung der Kosten
Die Kosten f¨
ur den ungesteuerten und den optimierten Fall berechnen sich nach
(3.18), jeweils mit den assoziierten Preisen und Leistungen. Die Nodalpreise ent-
sprechen den kurzfristigen Grenzkosten der Erzeugung und betragen nur einen
Bruchteil der Endverbraucherpreise. W¨
ahrend die absoluten Ergebniswerte nicht
f¨
ur Endverbraucher gelten, sollen die prozentualen Angaben das Potential kennt-
lich machen. Nach heutiger Strompreiszusammensetzung f¨
ur Endverbraucher w¨
a-
ren die tats¨
achlich erreichbaren Kostenreduktionen geringer. Die Ergebnisse der
49
3.5. Ergebnisse
Leistungsflussberechnung mit ungesteuertem Laden dienen als Referenz und wer-
den daher zu 100 % angesetzt.
cEF =
8760
X
h=1
LMPh·xh·1
nEV,Fall
(3.18)
-cEF - Kosten f¨
ur ein Elektrofahrzeug in Euro pro Tag
-LMPh- Nodalpreis der Stunde hin Euro/MWh
-xh- Leistung zu den Fahrzeugen in Stunde h in kW
-nEV,Fall - Anzahl der Fahrzeuge des jeweiligen Untersuchungsfalls
Die Ergebnisse der Kosteneinsparung ¨
uber das betrachtete Jahr sind f¨
ur den hohen
und niedrigen Lastfall in Abbildung 3.6 dargestellt. Die Kosteneinsparungen sind
in kumulierter Form gegeben, so dass der 8760igste Wert die gesamte Kostenein-
sparung des Jahres angibt.
Eine Betrachtung der Kosten der ungesteuerten Elektrofahrzeuge im hohen (Trends-
zenario) wie im niedrigen (Effizienzszenario) Lastfall zeigt in beiden F¨
allen einen
ann¨
ahernd linearen Verlauf mit etwas st¨
arkerer Steigung in den Wintermonaten,
wo die Preise tendenziell h¨
oher sind, da relativ geringe Energiemengen aus PV-
Anlagen auf generell h¨
ohere Nachfrage treffen. Die Kosten der ungesteuerten Leis-
tungsaufnahme im NLF werden auf 100 % gesetzt und alle anderen Kosten auf
diese Basis bezogen. Dank dieser Darstellung sind Ergebnisse besser untereinander
vergleichbar und ¨
ubersichtlich in einem Diagramm darstellbar. Im hohen Lastfall
(HLF) betragen die Kosten knapp 130 % vom niedrigen Lastfall (NLF), da bei
geringerer Nachfrage h¨
aufiger g¨
unstigere Kraftwerke den Angebotspreis festsetzen.
Die optimierten Kosten, die in Tabelle 3.5 in Bezug zu den ungesteuerten Kosten
im HLF gesetzt sind, belaufen sich auf 65 %, also nur noch rund die H¨
alfte. Im
NLF ergeben sich Kosten im optimierten Betrieb von etwa 33 %, sie betragen also
nur noch ein Drittel der Kosten des ungesteuerten Betriebs.
Der saisonale Einfluss auf die Kostenentwicklung des optimierten Betriebs ist im
NLF gut erkennbar. Die Kurve steigt von Januar bis April an und verl¨
auft bis
Oktober sehr flach. Die ausgepr¨
agten Einsparungen im Sommer sind auf das cha-
rakteristische Profil der PV-Anlagen zur¨
uckzuf¨
uhren. W¨
ahrend nachts keine PV
zur Verf¨
ugung steht sind die Preise hoch, die Fahrzeuge stellen ihren Energiebe-
zug, wenn m¨
oglich, ein. Mittags, wenn große Mengen an PV-Energie eingespeist
werden, sinkt der Preis und die Fahrzeuge laden verst¨
arkt. Die Kosten werden
durch den vehicle-to-grid Betrieb im Sommer zus¨
atzlich dadurch gesenkt, dass
in den Nachtstunden die Fahrzeuge Energie ins Netz einspeisen und tags¨
uber, in
50
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
120
140
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Basis (100%): Niedriger Lastfall ungesteuert
Niedriger Lastfall optimiert
Hoher Lastfall ungesteuert
Hoher Lastfall optimiert
Abbildung 3.6.: Kosteneinsparungen eines Jahres f¨
ur hohen und niedrigen Lastfall
den Stunden mit viel PV-Einspeisung, aus dem Netz aufnehmen.
Sowohl die Kosten als auch die Einsparungen sind im NLF geringer als im HLF. Der
Kurvenlauf der optimierten Kosten im HLF steigt insgesamt gleichm¨
aßiger an und
weist im Sommer kaum eine Abflachung auf, da erneuerbare in kleinerem Umfang
abgeschaltet wurden und das Integrationspotential der 420.000 Elektrofahrzeuge
nicht ausgesch¨
opft werden kann. Tabelle 3.5 beinhaltet auch den Mehrverbrauch
der entsteht, wenn im optimierten Betrieb Energie aus den Batterien der Fahr-
zeuge in das Netz eingespeist wird. Diese Energie muss durch Ladung zu anderen
Zeiten aus dem Netz ausgeglichen werden, wobei der kombinierte Wirkungsgrad
(90 % laden, 83 % entladen) von 74,4 % die aufgenommene Jahresenergiemenge ge-
gen¨
uber dem ungesteuerten Betrieb erh¨
oht. Der Mehrverbrauch im HLF ist ein
Indikator f¨
ur erh¨
ohte Arbitrage-T¨
atigkeit. Da die Kostenreduktion im HLF jedoch
nicht so ausgepr¨
agt wie im NLF ist, war die erh¨
ohte Arbitrage-T¨
atigkeit weni-
ger lukrativ. Die Ursache liegt im Preisgef¨
uge der anbietenden Kraftwerke. Der
51
3.5. Ergebnisse
Unterschied vom Grenzpreis aus Erneuerbaren zum n¨
achsth¨
oheren Kraftwerkstyp
auf der Merit-Order, den Braunkohlekraftwerken, betr¨
agt 20 Euro pro Megawatt-
stunde. Die n¨
achsten Stufen sind plus 7 e
MWh Steinkohlekraftwerke, dann plus 6
e
MWh Gas-und Dampfkraftwerke und abschließend plus 39 e
MWh zu Heiz¨
ol-, Gas-
und Pumpspeicherkraftwerken. Es wird deutlich, dass die Arbitrage-Gewinne am
unteren und am oberen Ende der Merit-Order besonders hoch ausfallen. W¨
ahrend
im NLF der Grenzpreis h¨
aufig von Erneuerbaren und Braunkohlekraftwerken ge-
setzt wird, verschiebt er sich im HLF h¨
aufiger in die Mitte der Merit-Order, wo
die Gewinne geringer ausfallen. Das Ende der Merit-Order wird in beiden F¨
allen
nur selten erreicht.
Tabelle 3.5.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen Elektrofahrzeuge
Lastfall Kosten optimiert Einsparungen Mehrverbrauch
hoch 49,53 % 50,47 % 13,44 %
niedrig 33,78 % 66,22 % 11,85 %
3.5.3. Integration erneuerbarer Energien durch
Elektrofahrzeuge
Die Integration erneuerbarer Energiequellen ist nur m¨
oglich wenn sie gedrosselt
werden m¨
ussen, was zum Beispiel der Fall ist wenn ihrer potentiellen Erzeugung
nicht ausreichend Nachfrage gegen¨
ubersteht oder Netzengp¨
asse die vollst¨
andige
Einspeisung aus Sicherheitsgr¨
unden verhindern. Die Summe der integrierten Er-
neuerbaren, also Erzeugung aus Windkraft und Photovoltaik, wird ¨
uber einen Ver-
gleich der Leistungsflussergebnisse des Energieversorgungsnetzes mit ungesteuer-
tem und optimiertem Betrieb der Elektrofahrzeuge nach Abbildung 3.7 und Formel
(3.19) bestimmt.
Eint =
8760
X
h=1
(xwind,opt,h +xPV,opt,h)τ
8760
X
h=1
(xwind,ung,h +xPV,ung,h)τ(3.19)
-Eint - Integrierte Energie aus Erneuerbaren in kWh
-xwind,opt,h - Leistungsabgabe der Windkraftanlagen im optimierten Fall in
Stunde hin kWh
-xPV,opt,h - Leistungsabgabe der Photovoltaikanlagen im optimierten Fall in
Stunde hin kWh
52
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
optimale Leistungs-
Optimierung
Elektrofahrzeuge
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der Elektrofahrzeuge
Fahrzeug-Profil
Nodalpreise
Nodalpreise
Fahrzeug-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
Abbildung 3.7.: Schematischer Ablauf der Ergebnisberechnung der Integration Er-
neuerbarer
-xwind,ung,h - Leistungsabgabe der Windkraftanlagen im ungesteuerten Fall in
Stunde hin kWh
-xPV,ung,h - Leistungsabgabe der Photovoltaikanlagen im ungesteuerten Fall
in Stunde hin kWh
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Die Summe der integrierten Erzeugung aus Erneuerbaren wird mit Formel (3.20)
in Prozent des Jahresverbrauchs der Elektrofahrzeuge umgerechnet. Der Residual-
verbrauch der Fahrzeuge errechnet sich nach Formel (3.21).
Eint,% =
8760
P
h=1
Eint,h
8760
P
h=1
EEV,opt,h
(3.20)
53
3.5. Ergebnisse
Eres,% =
8760
P
h=1
EEV,opt,h
8760
P
h=1
Eint,h
8760
P
h=1
EEV,ung,h
(3.21)
-Eint,% - Integrierte Energie aus Erneuerbaren in Prozent
-Eint,h - Integrierte Energie aus Erneuerbaren in kWh in Stunde h
-EEV,opt,h - Energienachfrage der optimierten Elektrofahrzeuge in Stunde hin
kWh
-Eres,% - Residualnachfrage der Elektrofahrzeuge nach Energie, die aus dem
Energiemix beliefert wird in kWh
Abbildung 3.8 illustriert die Ergebnisse f¨
ur den hohen Lastfall (HLF). Die blaue
Linie gibt die kumulierte Energieaufnahme der ungesteuert ladenden Elektrofahr-
zeuge wieder. Es ist keine saisonale Ver¨
anderung sichtbar, da im Fahrprofil eine
Woche ausgewertet und auf die anderen Wochen des Jahres kopiert wurde. Es er-
gibt sich ein Jahresverbrauch von 2115 kWh, welcher als Referenz zu 100 % gesetzt
wird. Im optimierten Fall ist der Jahresenergieverbrauch um 13,4 % h¨
oher, was be-
reits in vorherigen Abschnitt und in Tabelle 3.5 diskutiert wurde. Die rote Linie
gibt die integrierte erneuerbare Energie in Prozent zum optimierten Jahresver-
brauch an (3.20), sie betr¨
agt 1281 kWh oder 60,6 % des Jahresverbrauchs im op-
timierten Fall. Ein Vergleich mit dem Jahresverbrauch des ungesteuerten Betriebs
w¨
are irref¨
uhrend, da der optimierte Jahresverbrauch zu dieser Integration f¨
uhrt.
Um eine Aussage in Bezug zum ungesteuerten Betrieb t¨
atigen zu k¨
onnen, wird mit
der gestrichelten roten Linie ein Residual-Jahresverbrauch (3.21) beschrieben, der
angibt, welcher Anteil des ungesteuerten Jahresverbrauchs mit dem Energiemix
des Netzes versorgt werden muss. Er wird gebildet, indem die integrierte erneu-
erbare Energie vom Jahresverbrauch des optimierten Falls abgezogen wird. F¨
ur
den Residual-Jahresverbrauch ergeben sich 1118 kWh oder 52,9 %, die die Fahr-
zeuge mit dem Energiemix geladen werden m¨
ussen. Am Verlauf wird deutlich,
dass die Integration Erneuerbarer w¨
ahrend des Jahres nicht gleichm¨
aßig erfolgt.
Am Verlauf des Residualverbrauchs ist abzulesen, dass von Fr¨
uhling bis Herbst
mehr Erneuerbare integriert werden k¨
onnen als w¨
ahrend der Wintermonate. Dies
ist auf geringere Einspeisung aus PV und einer generell h¨
oheren Energienachfrage
zur¨
uckzuf¨
uhren. Es kann ausgehend von den Ergebnissen formuliert werden, dass
sich optimierte Fahrzeuge zu 47,1 % aus erneuerbaren Energien laden, ohne dass
andere Verbraucher dadurch in ihrem Energiemix beeintr¨
achtigt werden, wie es
bei der Argumentation nach dem Renewable Energy Certificate System (RECS)
54
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
oder dem neueren EECS-GoO-System der Fall ist. Dagegen werden physikalisch
betrachtet die Elektrofahrzeuge vollst¨
andig mit dem Energiemix geladen, welcher
nach der Optimierung f¨
ur alle Energieverbraucher einen h¨
oheren Anteil erneuer-
barer Energien enth¨
alt.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
115
Stunden
Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Energienachfrage ungesteuert
Energienachfrage optimiert
Integrierte Erneuerbare Energie
Residuale Energienachfrage
Abbildung 3.8.: Integrierte Erzeugung aus Erneuerbaren in Prozent zum Jahres-
verbrauch eines Elektrofahrzeugs im hohen Lastfall.
Der Aufbau in Abbildung 3.9 f¨
ur die Ergebnisse des niedrigen Lastfalls (NLF)
ist identisch mit dem in Abbildung 3.8. Der ungesteuerte Jahresverbrauch liegt
unver¨
andert bei 2115 kWh, da das selbe Fahrprofil zu Grunde liegt. Der opti-
mierte Verbrauch ist mit 2366 kWh um 34 kWh geringer, woraus abgelesen wer-
den kann, dass etwas 100 kWh weniger Energie in das Netz eingespeist wurde
(100
0,830,9= 133,8). Mit 1546 kWh oder 64,4 % des optimierten Jahresbedarfs wur-
den 11 % mehr Erneuerbare integriert als im HLF. Dies ist auf die h¨
aufigere Dros-
selung von Wind- und Photovoltaikanlagen im NLF zur¨
uckzuf¨
uhren (26,2 TWh
gegen¨
uber 15,6 TWh). Die Residualnachfrage sinkt auf 820 kW h oder 38,7 % des
55
3.5. Ergebnisse
Jahresverbrauchs im ungesteuerten Betrieb. Im NLF werden die Fahrzeuge zu
61,3 % gegen¨
uber 47,1 % im HLF aus erneuerbaren Energien geladen.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
115
Stunden
Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Energienachfrage ungesteuert
Energienachfrage optimiert
Integrierte Erneuerbare Energie
Residuale Energienachfrage
Abbildung 3.9.: Integrierte Erzeugung aus Erneuerbaren in Prozent zum Jahres-
verbrauch eines Elektrofahrzeugs im niedrigen Lastfall.
56
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
Tabelle 3.6.: ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch Elektrofahrzeu-
ge
Lastfall Jahresener-
gienachfr.
ungest.
Int.
Erneuer-
barer
Int.
Erneuerbarer
absolut
Residual-
nachfrage
hoch 2115 kWh 60,6 % 1281 kWh 1118,3 kWh
niedrig 2115 kWh 73,1 % 1546 kWh 819,6 kWh
3.5.4. CO2-Emissionsreduzierung durch Elektrofahrzeuge
Gem¨
Abbildung 3.10 werden die Emissionen des ungesteuerten und des opti-
mierten Simulationsfalls gegen¨
ubergestellt.
Als Ergebnis der optimalen Leistungsflussberechnung sind die Ausgangsleistungen
aller Kraftwerke zu jeder Stunde des Jahres bekannt. Eine Multiplikation mit den
spezifischen CO2-Emissionen, angegeben in Tabelle 3.7, ergibt die Emission jedes
Kraftwerks zu jeder Stunde. F¨
ur die Berechnungen wurden jedem Kraftwerkstyp
eine spezifische CO2-Emission zugeordnet, ohne auf die verschiedenen Wirkungs-
grade unterschiedlicher Kraftwerke gleichen Typs einzugehen. Die detaillierte Be-
rechnung befindet sich im Anhang in Abschnitt A.1.2.
Tabelle 3.7.: Spezifische CO2-Emissionen in Abh¨
angigkeit des Kraftwerktyps
Kraftwerkstyp Spezifische CO2-Emissionen in
Tonnen/MWh
Windkraft-, und
Photovoltaikanlagen
0
Braunkohlekraftwerke 1.01
Steinkohlekraftwerke 0.82
Gas- und Dampfkraftwerke 0.37
Gasturbinekraftwerke 0.6
Um den Elektrofahrzeugen eine CO2-Emission zuweisen zu k¨
onnen, werden f¨
ur je-
de Stunde des Jahres die CO2-Emissionen pro Megawattstunde nach Formel (3.22)
berechnet. Dies geschieht einmal f¨
ur den ungesteuerten und einmal f¨
ur den opti-
mierten Fall.
emh=
48
P
j=1
emges,j,h
48
P
j=1
(Pout,j,h ·τ)
(3.22)
57
3.5. Ergebnisse
optimale Leistungs-
Optimierung
Elektrofahrzeuge
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der Elektrofahrzeuge
Fahrzeug-Profil
Nodalpreise
Nodalpreise
Fahrzeug-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
Abbildung 3.10.: Schematischer Ablauf der Ergebnisberechnung der CO2-Emissi-
onsreduzierung
-emh- Emissionsfaktor in Stunde hin Tonne pro MWh
-emges,j,h - Gesamte CO2-Emissionen des Kraftwerks jin Stunde hin Tonnen
-Pout,j,h - Erzeugungsleistung von Kraftwerk jin Stunde hin MW
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Anschließend wird die Jahresemission eines Elektrofahrzeugs mit Hilfe von Formel
(3.23) f¨
ur beide Lastf¨
alle bestimmt.
emEF,ges =
8760
X
h=1
(xh·τ)·emh(3.23)
-emEF,ges - CO2-Emissionen eines Elektrofahrzeugs im Jahr in Tonnen
-xh- Leistungsaustausch eines Elektrofahrzeugs in Stunde hin MW
58
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
-emh- Emissionsfaktor in Stunde hin Tonne pro MWh
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
F¨
ur einen weiteren Vergleich werden die Gesamtemissionen im Energieversorgungs-
netz eines Jahres f¨
ur beide Lastf¨
alle nach Formel (3.24) bestimmt.
emges =
8760
X
h=1
48
X
j=1
(Pout,j,h ·τ)·emges,j,h (3.24)
-emges - Gesamtemissionen eines Jahres in Tonnen
-Pout,j,h - Erzeugungsleistung von Kraftwerk jin Stunde hin MW
-emges,j,h - Gesamte CO2-Emissionen des Kraftwerks jin Stunde hin Tonnen
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
In den Abbildungen 3.11 (HLF) und 3.12 (NLF) werden die Ergebnisse bez¨
uglich
der CO2-Emissionen grafisch dargestellt. Die blaue Linie bildet die Jahresemis-
sionen eines Elektrofahrzeugs bei ungesteuertem Laden ab. Sie belaufen sich im
HLF auf 1184,4 kg, was analog zu den Ergebnissen aus den vorangegangenen Ab-
schnitten auf 100 % gesetzt wird. Die gestrichelte blaue Linie des optimierten Be-
triebs kommt auf Emissionen von 950 kg, also nur 80,2 % des ungesteuerten Falls.
Daf¨
ur verantwortlich ist die Verschiebung der Ladung in Stunden mit geringe-
rem CO2-pro-MWh-Faktor. Dieser Effekt ¨
uberkompensiert die zus¨
atzlichen CO2-
Emissionen, die durch den zus¨
atzlichen Verbrauch von 285 kWh, die die Einspei-
sung ins Netz im HLF an Verlusten mit sich bringt und die zus¨
atzlichen Emissionen
bei Ladung aus Braunkohlekraftwerksenergie, wie am Tag 343 in Abbildung 3.4
aus Abschnitt 3.5.1 beschrieben. Eine weitere Betrachtung gilt der Gesamtemissi-
onsreduzierung im Energieversorgungsnetz, sie durch die rote Linie gekennzeichnet
und betr¨
agt f¨
ur ein einzelnes Fahrzeug 839 kg f¨
ur das Beispieljahr. Der Emissions-
faktor liegt zwischen 320 kg
MWh und 980 kg
MWh und im Durchschnitt bei 573 kg
MWh .
Bilden konventionelle Kraftwerke im Preisbereich oberhalb von Braunkohle die
Grenzkraftwerke, wirkt die Preisoptimierung den CO2-Emissionsreduktionszielen
entgegen. Die Einsparpotentiale f¨
ur das gesamte Energienetz sind daher direkt
mit der Integration Erneuerbarer verbunden. Wie im vorherigen Abschnitt be-
handelt und in Tabelle 3.8 angegeben betr¨
agt die Integration 1118 kWh. Hieraus
folgt, dass die Verschiebung der Nachfrage im Durchschnitt aus Stunden mit ei-
nem Emissionsfaktor von 750 kg
MWh stattfindet. Der tats¨
achliche Wert liegt sogar
noch dar¨
uber, wegen der erw¨
ahnten Emissionserh¨
ohung bei hohen Preisniveaus.
Zieht man die Gesamtemissionsreduzierung von den Emissionen der Fahrzeuge im
59
3.5. Ergebnisse
ungesteuerten Fall ab, erh¨
alt man ¨
ahnlich zur Integration Erneuerbarer eine Art
Residual-Emission der Fahrzeuge. Bei dieser Art der Berechnung wird der Effekt
der Emissionsreduzierung durch Verschiebung in emissions¨
armere Stunden jedoch
ausgeblendet, was sinnvoll ist, da er systemweit betrachtet keine Auswirkung auf
die Emissionen der Energieversorgung hat. Im vorliegenden Fall betr¨
agt die auf
diese Weise gebildete Residual-Emission eines Elektrofahrzeugs 345 kg oder 29,1 %
des ungesteuerten Falls. Zieht man dagegen die systemweite Emissionsreduzierung
von den Fahrzeugemissionen im optimierten Fall ab, bewertet man die Emissions-
reduzierung leicht ¨
uber, da die systemweite Reduzierung bereits in die st¨
undlichen
Faktoren des optimierten Falls mit eingeflossen ist. Die Residual- CO2- Emissio-
nen betragen im zweiten Berechnungsfall 111 kg oder 9,4 % des ungesteuerten
Falls. M¨
ochte man den Effekt der Verschiebung in emissions¨
armere Stunden mit
aufnehmen, die Emissionsreduzierung aber nicht ¨
uberbewerten, lassen sich die La-
deleistungen des optimierten Falls mit den Emissionsfaktoren des ungesteuerten
Falls multiplizieren und aufsummieren. Von dieser Summe wird die Summe der
systemweiten Reduktion abgezogen und man erh¨
alt den Verlauf der gestrichelten
roten Linie in Abbildung 3.11 mit 116 kg beziehungsweise 9,8 % des ungesteuerten
Betriebs.
Die Ergebnisse des NLFs sind in Abbildung 3.12 angegeben. Im ungesteuerten
Betrieb liegen sie mit 1186 kg 1,1 kg ¨
uber dem Wert des HLFs . Dies ist darauf
zur¨
uckzuf¨
uhren, dass die CO2-Emissionen pro Megawattstunde im NLF insgesamt
etwas h¨
oher sind, sie betragen im Durchschnitt 575 kg
MWh . Die Ursache liegt in der
insgesamt niedrigeren Last und dem damit gr¨
oßeren Anteil der Minimalabgabe-
leistung der Grundlastkraftwerke. Ein Rechenbeispiel soll dies verdeutlichen: Die
Grundlastkraftwerke liefern im Minimalbetrieb immer 100 MW Leistung mit 1010
kg
MWh CO2und die maximal m¨
ogliche Einspeisung der Windkraftanlagen in einer
Stunde liegt bei 300 MW ohne Emissionen. Im HLF werden 350 MW nachgefragt,
im niedrigen 250 MW. Die Emissionsfaktoren ergeben sich zu 101
350 = 289 kg
MWh und
101
250 = 404 kg
MWh . Bei optimierter Ladung betragen die Jahres-CO2-Emissionen 982
kg oder 82,9 % des ungesteuerten Betriebs. Bei der CO2-Emissionsreduktion, dar-
gestellt durch die rote Linie, werden im NLF 1294 kg erreicht und damit mehr als
die CO2-Emissionen bei ungesteuertem Laden. Da die integrierten erneuerbaren
Energien im niedrigen Lastfall 1546 MWh betragen, findet die Verschiebung der
Nachfrage im Durchschnitt aus Stunden mit einem Emissionsfaktor von 0,837 Ton-
nen pro MWh statt. Dieser Wert ist h¨
oher als im hohen Lastfall, da im niedrigen
Lastfall deutlich ¨
ofter Nachfrage von Braunkohlekraftwerken zu erneuerbaren Ener-
gien verschoben wird. Zus¨
atzlich findet weniger Nachfrageverschiebung von h¨
oher-
preisigen zu niederpreisigen konventionellen Kraftwerken - und damit verbunden
eine CO2-Emissionserh¨
ohung, statt. Es entsteht die interessante Situation, dass
die Elektrofahrzeuge, obwohl sie nicht zu 100 % mit erneuerbaren Energie geladen
60
Kapitel 3. Lade- und Entladesteuerung von Elektrofahrzeugen im Verbund
werden, trotzdem rechnerisch keine CO2-Emissionen verursachen, beziehungswei-
se sogar mehr CO2-Emissionen einsparen als sie emittieren. Die strichpunktierte
rote Linie gibt die Residual-CO2-Emissionen mit den ungesteuerten spezifischen
CO2-Emissionsfaktoren an und liegt bei -286 kg beziehungsweise 24,1 % des un-
gesteuerten Falls.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Stunden
CO2−Emissionen in Prozent des ungesteuerten Falls
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
CO2−Emissionen ungesteuert − 100%
CO2−Emissionen optimiert − 80,2%
CO2−Emissionsreduktion optimiert
Residuale CO2−Emissionen optimiert
Abbildung 3.11.: CO2-Emissionen und -Einsparung eines Elektrofahrzeugs im ho-
hen Lastfall.
In der vorliegenden Betrachtung wurde der Umstand nicht ber¨
ucksichtigt, dass
bei angenommenem CO2-Emissionsfaktor von 81 g/km ein betrachtetes Fahrzeug
mit Ottomotor 815,9 kg CO2emittiert h¨
atte. Diese zus¨
atzliche Reduktion k¨
onnte
man zu den bisherigen Reduktions-Ergebnissen addieren, wenn im Vergleich ein
Elektrofahrzeug ein konventionell Angetriebenes ersetzen soll.
61
3.5. Ergebnisse
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
−20
0
20
40
60
80
100
Stunden
CO2−Emissionen in Prozent des ungesteuerten Falls
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
CO2−Emissionen ungesteuert − 100%
CO2−Emissionen optimiert − 82,9%
CO2−Emissionsreduktion optimiert
Residuale CO2−Emissionen optimiert
Abbildung 3.12.: CO2-Emissionen und -Einsparung eines Elektrofahrzeugs im
niedrigen Lastfall.
Tabelle 3.8.: ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch optimierte K¨
alteanla-
gen
Lastfall CO2-
Einspa-
rungen
Jahres-
em.
ungest.
Jahres-
em.
opt.
Residual-
CO2-
Emissionen
zu ungest.
Residual-
CO2-
Emissionen
zu opt.
hoch 839,1 kg 1184,4 kg 950,2 kg 345,3 kg 111,1 kg
niedrig 1294,5 kg 1185,5 kg 982,3 kg -109 kg -312,2 kg
62
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung
als flexible Verbraucher
Wird elektrische Energie eingesetzt, um thermische Energie zu erhalten, kann
grunds¨
atzlich die Tr¨
agheit auf der thermischen Seite genutzt werden, um den Be-
darf an elektrischer Energie zeitlich zu verschieben. Diese Verschiebung so zu ge-
stalten, dass sie Vorteile f¨
ur das Energieversorgungsnetz in Bezug zur Integration
erneuerbarer Energiequellen und Reduktion der CO2-Emissionen bringt, ist Inhalt
dieses Kapitels. Die hier behandelten Verbraucher, die elektrische in thermische
Energie umwandeln sind:
- W¨
armepumpen
- Blockheizkraftwerke
- K¨
uhlschr¨
anke
- Gefrierschr¨
anke
- Klimaanlagen in Einfamilienh¨
ausern
- Klimaanlagen in B¨
urogeb¨
auden
Eine Ausnahme in dieser Auflistung stellen die Blockheizkraftwerke dar, die che-
mische in thermische und elektrische Energie umwandeln.
Von der Netzseite her betrachtet verh¨
alt sich ein thermischer Speicher, also die
thermische Tr¨
agheit, ¨
ahnlich wie ein Batteriespeicher. Dies kann an einem klei-
nen Beispiel verdeutlicht werden: Angenommen an einem Knoten herrscht eine
Nachfrage von 105 MW - Ist der Batteriespeicher voll, kann er Energie ins Netz
abgeben, zum Beispiel 5 MW. Das Netz versorgt am Knoten dann nur noch 100
MW Bedarf. Analog dazu wird ein Teil der 105 MW f¨
ur die K¨
uhlung eines großen
B¨
urogeb¨
audes verwendet. Wenn das Geb¨
aude bereits stark gek¨
uhlt, der Speicher
also voll ist, kann die Klimaanlage f¨
ur eine Weile abgeschaltet bzw. um 5 MW
gedrosselt werden, ohne dass eine ¨
uberh¨
ohte Innentemperatur zu bef¨
urchten ist.
Das Netz versorgt auch in diesem Fall nur noch 100 MW Bedarf.
In diesem Kapitel sollen die thermischen Lasten anhand der Day-Ahead Strom-
preise so gesteuert werden, dass sie in Niedriglastzeiten die thermische Energie
63
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme- und
K¨
altebedarf
bereitstellen, ihren Speicher also f¨
ullen, und in Hochlastzeiten den Betrieb vor-
¨
ubergehend einstellen ohne ihre Prim¨
araufgabe, die Schaffung eines gew¨
unschten
Temperaturniveaus, zu vernachl¨
assigen. Die Leistungsaufnahmevariation bei K¨
uhl-
und Klimager¨
aten sowie W¨
armepumpen kann zum einen durch Ein- und Aus-
schaltintervallen pro Zeiteinheit erfolgen, was jedoch eine erh¨
ohte Belastung der
Betriebsmittel mit sich f¨
uhrt. Zum anderen kann mit Hilfe von leistungselektro-
nisch geregelten, drehzahlgesteuerten Elektromotoren die Aufnahmeleistung netz-
und betriebsmittelschonend variiert werden [39].
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters
f¨
ur den W¨
arme- und K¨
altebedarf
F¨
ur die Betrachtung von W¨
armepumpen, Blockheizkraftwerken und Geb¨
audekli-
matisierung wird ein Typvertreter eines Einfamilienhauses ben¨
otigt [52]. Dieser
bestimmt den sich st¨
undlich ¨
andernden W¨
arme- bzw. K¨
uhlungsbedarf. F¨
ur die
Berechnungen wurde das MIWE-Massivhaus Einfamilienhaus E-121 herangezo-
gen. Die Grundrisse befinden sich im Anhang in Abschnitt A.3.1. Es wurden Erd-
geschoss und Dachgeschoss betrachtet, die Ausrichtung des Hauses orientiert den
Haupteingang nach Norden und den Gartenausgang nach S¨
uden. Das hier behan-
delte Modell soll in der Lage sein, st¨
undlich einen Temperaturwert berechnen zu
k¨
onnen, welcher Aufschluss ¨
uber die ben¨
otige W¨
armemenge gibt. Als herangehens-
weise wurden W¨
armeleistungen gew¨
ahlt, die mit der Kapazit¨
at einen Temperatur-
wert ergeben. Die W¨
armeleistungen, die von der Temperaturdifferenz abh¨
angig
sind, wurde zuerst als spezifischer W¨
armeflusskoeffizient ausgedr¨
uckt und mit der
entsprechenden Temperaturdifferenz multipliziert, um eine Leistung zu erhalten.
Unter Einbeziehung der Transmissionsw¨
armefl¨
usse durch die Geb¨
audeh¨
ulle sowie
durch L¨
uftung, die internen und solaren W¨
armeeintr¨
age, des Wirkungsgrades der
W¨
armeerzeugung und der spezifischen W¨
armekapazit¨
at der Geb¨
audemasse berech-
net sich die Innentemperatur nach Formel (4.1).
Tin,h+1 =Tin,h+
xh·ε+ (Htrans +Hluft)(Tau,h Tin,h) + ˙
Qintern +˙
Qsolar,h!τ
CGeb
(4.1)
-Tin,h - Innentemperatur des Hauses in Stunde hin C
-Tau,h - Außentemperatur in Stunde hin C
-xh- Elektrische Leistung der thermischen Maschine in Stunde hin W
64
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
-ε- Thermischer Wirkungsgrad/ Leistungszahl der thermischen Maschine
-Htrans - Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-Hluft - Spezifischer L¨
uftungsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-˙
Qintern - W¨
armeleistung der internen W¨
armegewinne in W
-˙
Qsolar,h - W¨
armeleistung der solaren W¨
armegewinne in Stunde hin W
-CGeb - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Hauses in Wh
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Die folgenden Abschnitte befassen sich mit der Bestimmung der in Formel (4.1) an-
gegebenen Gr¨
oßen. F¨
ur die W¨
armebereitstellung durch W¨
armepumpen oder BH-
KW wird noch der Warmwasserbedarf hinzugerechnet. F¨
ur die K¨
altebereitstellung
wird das Haus getrennt in Erdgeschoss und Dachgeschoss berechnet, die jeweils
separat gek¨
uhlt werden. Die Transmissionsw¨
armeflussberechnung erweitert sich in
diesem Fall um die Geschosszwischendecke mit der Temperaturdifferenz zwischen
den beiden Geschossen. Tabelle 4.1 gibt einen ¨
Uberblick ¨
uber die ben¨
otigten Gr¨
o-
ßen und ihre jeweiligen Abh¨
angigkeiten.
Eine Heizungsanlage muss also die Transmissionsw¨
armeverluste durch Fenster, T¨
u-
ren und W¨
ande, die L¨
uftungsverluste und die Warmwasserverluste ausgleichen.
Dabei kommen ihr W¨
armeeintr¨
age der solaren Einstrahlung und sogenannte inter-
ne W¨
armegewinne, verursacht von Personen und Ger¨
aten, zu Gute. Im Folgenden
werden diese Einflussgr¨
oßen auf die Innentemperatur des Hauses E-121 behandelt.
65
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme- und
K¨
altebedarf
Tabelle 4.1.: Kenngr¨
oßen und Einflussparameter auf den W¨
armeenergiebedarf
Kenngr¨
oße Formel-
zeichen
Einheit Einflussgr¨
oßen
Elektrische
Aufnahmeleistung
xW Installierte Leistung
Leistungszahl εkeine Unteres und oberes
Temperaturniveau
Spezifischer
Transmissionsw¨
ar-
meflusskoeffizient
Htrans W
KDicke, Aufbau und Material von
W¨
anden, Fenstern und T¨
uren
Spezifischer
L¨
uftungsw¨
arme-
flusskoeffizient
Hluft W
KLuftwechselrate,
Nettoraumvolumen, Dichte der
Luft
Interne
W¨
armegewinne
˙
Qintern W Personen, Ger¨
ate
Solare
W¨
armegewinne
˙
Qsolar,h W Dicke, Aufbau und Material von
W¨
anden, Fenstern und T¨
uren
sowie deren Ausrichtung
Brauchwasserer-
w¨
armung
˙
Qww,h W Personen
Spezifische
W¨
armekapazit¨
at
Geb¨
aude
CGeb Wh
KDicke, Aufbau und Material von
(Innen-)W¨
anden, Fenstern und
T¨
uren, M¨
obel
4.1.1. Warmwasserbedarf
Die Anzahl der Bewohner hat einen wesentlichen Einfluss auf den Warmwasserbe-
darf, welcher bei circa 30 bis 60 Litern pro Person und Tag liegt. Pro Person wird
ein Tagesbedarf von 50 Litern Warmwasser angenommen, welcher f¨
ur die Simula-
tion ¨
uber den Tag aufgeteilt wird. Analog einer wasserwirtschaftlichen Sch¨
atzung
entfallen auf das Duschen 30 Liter, die zu 20 Liter um 8:00 und 10 Liter um 19:00
Uhr aufgeteilt werden. 15 Liter sind f¨
ur Hygiene veranschlagt, die zu 1 Liter pro
Stunde zwischen 7:00 und 21:00 Uhr nachgefragt werden. Die restlichen 5 Liter
verteilen sich auf Putzen und Geschirrsp¨
ulen, welches mit je 1 Liter pro Stunde
zwischen 9:00 und 14:00 Uhr angesetzt ist. Der Warmwasserbedarf unterliegt nur
verh¨
altnism¨
aßig geringen saisonalen Schwankungen, welche daher vernachl¨
assigt
werden. Mit Hilfe der spezifischen W¨
armekapazit¨
at von Wasser, der Temperatur-
differenz und der Wassermenge l¨
asst sich die ben¨
otigte W¨
armemenge pro Stunde
66
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
wie folgt berechnen:
˙
Qww,h =VW,h ·cp,W ·Tdiff (4.2)
mit:
-˙
Qww,h - Ben¨
otige W¨
armeleistung zur Brauchwassererw¨
armung in Stunde h
in W
-VW,h - Volumen des zu erhitzenden Wassers in Stunde hin Litern
-cp,W - Spezifische W¨
armekapazit¨
at von Wasser, 4182 J
l·K.
-Tdiff - Temperaturdifferenz zwischen kaltem und warmem Wasser, hier 20 K
In Abbildung 4.1 wird die t¨
agliche thermische Leistungsnachfrage zur Bereitstel-
lung von Warmwasser dargestellt.
4 8 12 16 20 24
−2000
−1500
−1000
−500
0
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
Abbildung 4.1.: Thermische Leistungsnachfrage zur Warmwasserbereitstellung
4.1.2. Interne W¨
armegewinne
Interne W¨
armegewinne entstehen zum Beispiel durch Abw¨
arme von betriebenen
Ger¨
aten, Abw¨
arme von Abwasser und Abgabe von K¨
orperw¨
arme. Gem¨
EnEV
2002, Anhang 1, Tabelle 2 werden als Richtwert 5 W
m2angenommen. Die Grundfl¨
a-
che des Einfamilienhauses betr¨
agt 87 m2. Daraus ergeben sich interne W¨
armege-
winne in H¨
ohe von 435 Wh pro Stunde und Stockwerk.
˙
Qintern = 5 ·AEG +ADG = 5 W
m2·(87m2+ 87m2) = 870W (4.3)
Abbildung 4.2 stellt die internen W¨
armegewinne als Leistungseintr¨
age in das Ein-
familienhaus dar.
67
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme- und
K¨
altebedarf
Abbildung 4.2.: Thermischer Leistungseintrag durch interne Quellen
4.1.3. L¨
uftungsw¨
armefl¨
usse
Die L¨
uftungsw¨
armefl¨
usse werden f¨
ur die freie L¨
uftung, im Gegensatz zur An-
wendung raumlufttechnischer Ger¨
ate, bestimmt. F¨
ur die Berechnung wird die
Standard-Luftwechselrate n= 0,71
hDIN 4108-6 verwendet. F¨
ur das Raumvolumen
muss zwischen Brutto- und Nettovolumen unterschieden werden. Das Bruttovolu-
men (VB) kann leicht ¨
uber die Abmessungen der Geb¨
audeaußenh¨
ulle berechnet
werden. Das Nettovolumen (VN), welches um die Außen- und Innenwandst¨
arken
sowie M¨
obel und andere im Haus befindliche Gegenst¨
ande kleiner ist, wird bei
bis zu dreigeschossigen Bauten gem¨
Din 277 mit dem Faktor 0,76 berechnet:
VN= 0,76 ·VB.¨
Uber die Dichte und die spezifische W¨
armekapazit¨
at der Luft be-
rechnet sich der spezifische L¨
uftungsw¨
armeflusskoeffizient, welcher zusammen mit
der Temperaturdifferenz zwischen Außen- und Innentemperatur die st¨
undlichen
W¨
armefl¨
usse der L¨
uftung ergibt, nach Formel (4.4).
Hluft =n·VN·ρL·cp,Luft (4.4)
˙
Qluft,h =Hluft ·(Tau,h Tin,h)
(4.5)
mit:
-Hluft - Spezifischer L¨
uftungsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-n- Standard-Luftwechselrate, hier 0,71
h
-VN- Nettovolumen des Geb¨
audes in m3
-ρL- Dichte der Luft in kg
m3
68
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
-cp,Luft - Spezifische W¨
armekapazit¨
at der Luft in Wh
kg·K
-˙
Qluft,h - W¨
armeleistungsfluss durch L¨
uftung in W
-Tin,h - Innentemperatur des Hauses in Stunde hin C
-Tau,h - Außentemperatur in Stunde hin C
Der Faktor Hluft ergibt sich f¨
ur das Erdgeschoss zu 42,6 W
Kund f¨
ur das Dachge-
schoss zu 40,8 W
K. Die L¨
uftungsw¨
armefl¨
usse h¨
angen von den Temperaturdifferenzen
zwischen Innen- und Außentemperatur ab. In Abbildung 4.3 werden sie beispielhaft
f¨
ur den ersten Januar und den ersten Juli des Jahres 2009 bei konstant minimaler
Innentemperatur gezeigt.
4 8 12 16 20 24
−1500
−1000
−500
0
Stunden
Therm. Leistungsfluss W
EG
DG
4 8 12 16 20 24
−500
0
500
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
EG
DG
Abbildung 4.3.: L¨
uftungsw¨
armefl¨
usse am ersten Januar (oben) und am ersten Juli
(unten) 2009
4.1.4. Transmissionsw¨
armefl¨
usse und solare W¨
armegewinne
Einstrahlungsgewinne sowie W¨
armefl¨
usse h¨
angen von den Fl¨
achen, ihren Durch-
gangskoeffizienten, ihrer Ausrichtung sowie der Außentemperatur ab. Aus diesem
69
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme- und
K¨
altebedarf
Grund werden in diesem Abschnitt zuerst die Fl¨
achen inklusive Ausrichtung des
Geb¨
audes bestimmt und die W¨
armewiderst¨
ande bzw. die W¨
armedurchgangskoef-
fizienten angegeben, bevor auf die Transmissionsw¨
armefl¨
usse und die solaren W¨
ar-
megewinne eingegangen wird.
Fl¨
achen des Geb¨
audes
Alle Fl¨
achen wurden sowohl f¨
ur das Erdgeschoss (EG) als auch f¨
ur das Dachge-
schoss (DG) getrennt ermittelt und befinden sich im Anhang unter A.3.1. F¨
ur die
solare Einstrahlung ist zudem die Orientierung der Fl¨
achen entscheidend, welche
ebenfalls im Anhang ber¨
ucksichtigt ist. Als Zusammenfassung werden hier nur die
Summen der Fl¨
achen genannt, wobei f¨
ur die Unterscheidung zwischen Erd- und
Dachgeschoss auf den Anhang verwiesen wird.
Es ergeben sich folgende Fl¨
achen:
Tabelle 4.2.: Fl¨
achen des Einfamilienhauses MIWE E121
Fl¨
ache Wert in m2
Fenster 33
T¨
uren 3,4
W¨
ande 143
Dach 120
Boden 87
Innenfl¨
achen f¨
ur Kapazit¨
at Wert in m2
Zwischendecke 87
Trennw¨
ande 92
Tragende W¨
ande 40
W¨
armedurchgangskoeffizienten
Die W¨
armedurchgangskoeffizienten werden ben¨
otigt, um zusammen mit den Fl¨
a-
chen die Transmissionsw¨
armefl¨
usse zu berechnen. Sie werden f¨
ur Bauteile entwe-
der direkt angegeben oder m¨
ussen mit Hilfe der W¨
armewiderst¨
ande nach folgender
Formel berechnet werden:
Uk=1
Rse +PlRl+Rsi
(4.6)
Die W¨
armewiderst¨
ande Rlh¨
angen ab von der Dicke dlund der W¨
armeleitf¨
ahigkeit
λl, welche im Anhang unter A.3.1 tabellarisch aufgef¨
uhrt sind. F¨
ur den W¨
armewi-
70
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
derstand an der Außenseite Rse und den W¨
armewiderstand an der Innenseite Rsi
sind im Anhang ebenfalls Werte in Tabelle A.4 gegeben.
Rl=dl
λl
(4.7)
Die W¨
armedurchgangskoeffizienten f¨
ur die einzelnen Fl¨
achen sind in Tabelle 4.3
angegeben. Der W¨
armedurchgangskoeffizient der Bodenplatte wurde gem¨
der
Norm mit dem charakteristischen Maß und der wirksamen Dicke der Bodenplatte
berechnet.
Tabelle 4.3.: W¨
armedurchgangskoeffizienten des Einfamilienhauses MIWE E121
Bauteil W¨
armedurchgangskoeffizient in K
m2·W
Fenster 0,6
W¨
ande 0,2125
Dach 0,1822
Boden 0,2359
Zwischendecke 0,477
Trennw¨
ande 92
Tragende W¨
ande 40
4.1.5. Transmissionsw¨
armefl¨
usse
Die Berechnung des Transmissionsw¨
armefl¨
usse mit verschiedenen Temperaturdif-
ferenzen zwischen Innen- und Außentemperatur motivieren die Einf¨
uhrung eines
spezifischen Transmissionskoeffizienten Htrans.
Htrans =X
k
[(Ak,a ·Uk,a) + (Ak,a ·UWB)] (4.8)
Die W¨
armebr¨
uckenkoeffizienten werden pauschal zu 0,05 K
m2·Wnach DIN V 4108-
6 angenommen. Die Fl¨
achen und W¨
armedurchgangskoeffizienten wurden in Ab-
schnitt 4.1.4 ermittelt. Die Transmissionsw¨
armefl¨
usse berechnen sich mit Hilfe des
Transmissionskoeffizienten und der Temperaturdifferenz.
˙
Qtrans,h =X
a
Htrans ·(Tau,h Tin,h) (4.9)
mit:
-˙
Qtrans,h - Transmissionsw¨
armefluss in Stunde hin W
71
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme- und
K¨
altebedarf
-Htrans - Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-Tau,h - Außentemperatur in Stunde hin C
-Tin,h - Innentemperatur in Stunde hin C
F¨
ur die Außenw¨
ande und das Dach wird die Differenz von Innentemperatur zu
Außentemperatur herangezogen. F¨
ur die Zwischendecke werden die Temperaturen
der Geschosse als Differenz ausgedr¨
uckt und f¨
ur die Bodenplatte wird die Tem-
peratur des Erdreichs der Innentemperatur gegen¨
ubergestellt. Wie auch Wind-,
Photovoltaik- und Lastprofile, so wird auch die Außentemperatur des Jahres 2009
in Berlin verwendet, welche vom Deutschen Wetterdienst zur Verf¨
ugung gestellt
wird und in Abbildung 4.4 dargestellt ist.
0
−20
0
20
40
Temperatur in °C
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Abbildung 4.4.: St¨
undliche Außentemperatur in Berlin 2009
4 8 12 16 20 24
−3000
−2000
−1000
0
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
EG
DG
4 8 12 16 20 24
−500
0
500
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
EG
DG
Abbildung 4.5.: Transmissionsw¨
armefl¨
usse am ersten Januar (oben) und am ersten
Juli (unten) 2009
72
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Solare W¨
armegewinne
Solare W¨
armegewinne enstehen durch Sonneneinstrahlung auf das Geb¨
aude und
werden sowohl durch transparente (Fenster) als auch durch opake (W¨
ande, Dach
und T¨
uren) Geb¨
audefl¨
achen erzielt.
˙
Qsolar =˙
Qsolar,transparent +˙
Qsolar,opak (4.10)
Die Einstrahlungswerte werden aus verf¨
ugbaren historischen Daten extrahiert. Es
handelt sich dabei um monatsgemittelte, st¨
undliche Sonneneinstrahlungswerte in
W
m2f¨
ur Berlin f¨
ur alle vier Himmelsrichtungen und die Neigungen 45und 90[84].
Die Gewinne durch transparente Geb¨
audefl¨
achen berechnen sich nach Formel
(4.11).
˙
Qsolar,transparent,h =X
o
Io,h ·X
k
AS,k,o (4.11)
mit:
-˙
Qsolar,transparent,h - Solare W¨
armegewinne in Stunde hin W
-Io,h - Sonneneinstrahlung in Stunde hmit Orientierung o(Nord, Ost, S¨
ud,
West) und Neigung (4 x 90im EG, 2 x 90und 2x 45im DG)
-AS,k,o - Effektive Kollektorfl¨
ache in m2, mit k=1-8 (4xEG und 4xDG) und
Orientierung und Neigung o
Der Index osteht f¨
ur die Orientierung und Neigung des Bauteils und besteht beim
betrachteten Einfamilienhaus im EG aus den vier Himmelsrichtungen mit jeweils
dem Neigungswinkel 90(Bsp.: EG,Nord,90), sowie im DG Ost/West 90und
Nord/S¨
ud 45.
ASgibt die effektive Kollektorfl¨
ache an, die sich aus der Brutto-Fensterfl¨
ache, dem
Abminderungsfaktor f¨
ur Verschattung FS, dem Abminderungsfaktor f¨
ur Sonnen-
schutzvorrichtungen FC, dem Abminderungsfaktor f¨
ur den Rahmenanteil FFund
dem wirksamen Gesamtenergiedurchlassgrad gerrechnet. Die so errechneten ef-
fektiven Kollektorfl¨
achen finden sich im Anhang unter A.3.1.
AS=A·FS·FC·FF·g(4.12)
Alle opaken Fl¨
achen sind durch einen materialabh¨
angigen Absorptionskoeffizien-
ten f¨
ur Solarstrahlung αcharakterisiert. Dieser bestimmt bei Sonneneinstrahlung
die Erw¨
armung der Fl¨
ache. Nach Abzug der W¨
armeverluste nach außen mittels
Formfaktor zwischen Fl¨
ache und Himmel Ft,¨
außerer Abstrahlungskoeffizient hr
und Differenz zwischen Umgebungstemperatur und scheinbarer Temperatur des
73
4.1. Modellerstellung eines Einfamilienhausvertreters f¨
ur den W¨
arme- und
K¨
altebedarf
Himmels θer, findet ein Transmissionsw¨
armefluss ins Innere des Hauses statt,
welcher mit den schon bekannten Methoden bestimmt wird. Es werden jedoch nur
die positiven W¨
armefl¨
usse ins Innere des Hauses ber¨
ucksichtigt, da die negativen
W¨
armefl¨
usse bereits bei den Transmissionsw¨
armefl¨
ussen ber¨
ucksichtigt sind. Die
ausf¨
uhrliche Berechnung befindet sich im Anhang in Abschnitt A.3.1.
4 8 12 16 20 24
0
500
1000
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
EG
DG
4 8 12 16 20 24
0
500
1000
1500
2000
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
EG
DG
Abbildung 4.6.: Solare W¨
armegewinne am ersten Januar (oben) und am ersten Juli
(unten) 2009
4.1.6. Kapazit¨
at des Geb¨
audes
Bei der Berechnung der Kapazit¨
at werden alle Bauteile des Hauses sowie die Luft
in den Innenr¨
aumen ber¨
ucksichtigt. Jedem Bauteil wird eine wirksame Kapazit¨
at
zugeordnet. Diese ist abh¨
angig von der spezifischen Kapazit¨
at des Materials, der
Masse des Bauteils sowie der wirksamen Eindringtiefe von einseitig bis zu 100 mm
oder bis zur ersten W¨
armed¨
ammschicht mit λ0,1 W/mK) [55]. Die Masse wird
¨
uber die Dichte berechnet, welche zusammen mit den spezifischen Kapazit¨
aten im
Anhang in Abschnitt A.3.1 in der Tabelle angegeben ist.
Die Berechnung erfolgt nach Formel (4.13) f¨
ur Erd- und Dachgeschoss getrennt.
Cges =X
x
ρx·VBauteil,x ·cp,x (4.13)
Die addierten Einzelkapazit¨
atswerte ergeben sich f¨
ur das gesamte Einfamilienhaus
74
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
zu:
CEG = 41,164 kJ
K= 11,434 kW h
K(4.14)
CDG = 15,806 kJ
K= 4,391 kW h
K(4.15)
0 4 8 12 16 20 24
−3000
−2000
−1000
0
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
12
14
16
18
20
Innentemperatur in °C
EG
DG
EG
DG
0 4 8 12 16 20 24
0
1000
2000
3000
Stunden
Therm. Leistungsfluss in W
20
22
24
26
28
Innentemperatur in °C
EG
DG
EG
DG
Abbildung 4.7.: Thermischer Leistungsfluss und Innentemperatur am ersten Janu-
ar (oben) und am ersten Juni (unten) 2009
Wie Abbildung 4.7 entnommen werden kann, sinkt die Temperatur durch die ther-
mischen Leistungsfl¨
usse mit Einfluss der Geb¨
audekapazit¨
at am Beispieltag im Ja-
nuar kontinuierlich ab, was durch die Heizungsanlage aufgefangen werden muss.
Am Beispieltag im Juni hingegen steigt die Innentemperatur an, was durch den
Betrieb einer Klimaanlage begrenzt werden kann.
4.2. W¨
armepumpen
W¨
armepumpen transportieren thermische Energie von einem niedrigen auf ein h¨
o-
heres Niveau. Daf¨
ur ben¨
otigen sie mechanische Energie, welche in der Regel aus
elektrischer Energie bereitgestellt wird. Allgemein spricht man daher von einer
Kraftw¨
armemaschine, die das Gegenteil zur W¨
armekraftmaschine darstellt, wel-
che zum Beispiel in einem Kraftwerk aus W¨
arme mechanische Energie gewinnt.
W¨
armepumpen nutzen in einem T-S-Diagramm einen Kreisprozess, der gegen den
Uhrzeigersinn verl¨
auft. In der vorliegenden Arbeit wird unterschieden zwischen
75
4.2. W¨
armepumpen
Luft- und Erdw¨
armepumpen sowie zwischen Radiatoren- und Fußbodenheizung.
Im Folgenden wird das f¨
ur das Netz relevante Verhalten der W¨
armepumpen ermit-
telt, als ein Optimierungsproblem ausgedr¨
uckt und schließlich in einem Beispielnetz
simuliert.
4.2.1. Modellerstellung eines W¨
armepumpenverbunds
Die Grundlage des Modells ist das Einfamilienhaus E-121, welches in Abschnitt
4.1 ausf¨
uhrlich behandelt wurde. Die W¨
armepumpe stellt als alleinige W¨
armequelle
s¨
amtliche Wohnraum- und Warmwasserw¨
arme zur Verf¨
ugung, was einer monova-
lenten Betriebsweise entspricht. Die W¨
armepumpe ist so ausgelegt, dass sie eine
Deckungsrate von 100% erreicht, d.h. nicht von Zusatzheizungen an besonders
kalten Tagen unterst¨
utzt werden muss. Zur Pufferung steht der Anlage ein 1000-
Liter-Wassertank zur Verf¨
ugung. Die Einbringung der W¨
arme in den Wohnraum
erfolgt ¨
uber Radiatoren oder Fußbodenheizung, wobei innerhalb der st¨
undlichen
Rasterung keine zus¨
atzliche Tr¨
agheit an diesem W¨
arme¨
ubergang betrachtet wird.
Ferner wurde die M¨
oglichkeit vorgesehen, nachts ein abgesenktes Temperaturni-
veau einstellen zu k¨
onnen, wie bei konventionellen Heizungsanlagen ¨
ublich.
Leistungszahl
Die Leistungszahl, h¨
aufig mit εabgek¨
urzt, beschreibt das Verh¨
altnis von abgegebe-
ner Heizleistung zu aufgewendeter Antriebsleistung [40]. F¨
ur die Untersuchungen
wird die st¨
undlich aktuelle Leistungszahl ben¨
otigt. Im Gegensatz dazu wird f¨
ur
W¨
armepumpen oft eine Jahresleistungszahl angegeben, die als durchschnittliche
Leistungszahl zu verstehen ist. F¨
ur effiziente W¨
armepumpen liegt diese zwischen 3
und 3,5 [41]. Die Berechnung der idealen Leistungszahl nach dem Carnot-Prozess,
welcher einen idealen Kreisprozess beschreibt, erfolgt ¨
uber die Temperaturdifferenz
zwischen Verdampfer und Verfl¨
ussiger. In der Praxis verringert sich die Leistungs-
zahl durch elektrische, mechanische und thermische Verluste und liegt bei etwa der
H¨
alfte der idealen Leistungszahl [42] und [43].
ε= 0,5·εc= 0,5·T
T
mit:
-ε- Reale Leistungszahl
-εc- Ideale Leistungszahl nach dem Carnot-Prozess
-T- Temperatur des oberen Temperaturniveaus
76
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
- T- Temperaturdifferenz zwischen Verfl¨
ussiger (hohes Niveau) und Ver-
dampfer (niedriges Niveau)
Je nach W¨
armequellen ergeben sich unterschiedliche Leistungszahlen. Als W¨
arme-
quellen kommen grunds¨
atzlich in Frage:
- Grundwasser
- Erdw¨
arme
- Luft
Ist die Nutzung des Grundwassers von der Wasserbeh¨
orde abgesegnet, lassen sich
mit dem saisonal konstant 8-12 C warmen Grundwasser die h¨
ochsten Leistungs-
zahlen erreichen. Die gleichen Vorteile bietet die Nutzung von Erdw¨
arme mittels
eines Erdsonde, welche jedoch deutlich tiefer, ¨
uber 15m, eingebracht werden muss.
Auch hier ist eine entsprechende Genehmigung erforderlich. Werden Erdkollektoren
verwendet betr¨
agt die Tiefe nur 1,20-1,40 m jedoch schwankt auch die Temperatur
mit der Jahreszeit, so dass lediglich Frostfreiheit garantiert werden kann. Der deut-
lich geringere Aufwand und insbesondere die leichte Nachr¨
ustbarkeit im Bestand
sprechen f¨
ur die Nutzung der Umgebungsluft. Der Nachteil besteht bei dieser Vari-
ante in der schwankenden Leistungszahl mit dem Nachteil, dass die Temperaturdif-
ferenz am gr¨
oßten und die Leistungszahl damit am kleinsten wird, wenn auch die
h¨
ochste Nachfrage herrscht. Wird der gesamte Heizenergiebedarf von einer W¨
ar-
mepumpe gedeckt spricht man von monovalenter Betriebsweise, wird nur ein Teil
abgedeckt von monoenergetischer Betriebsweise. H¨
aufig wird eine W¨
armepumpe
mit einer Zusatzheizung f¨
ur einen sehr seltenen, besonders hohen Heizw¨
armebedarf
ausgestattet, man spricht dann von bivalenter Betriebsweise.
Innentemperatur
Die Temperatur im Inneren des Hauses berechnet sich st¨
undlich nach der Formel:
Tin,h+1 =Tin,h+
xh·ε+ (Htrans +Hluft)(Tau,h Tin,h) + ˙
Qintern +˙
Qsolar,h ˙
Qww,h!τ
CGeb
(4.16)
wobei εnach folgender Formel berechnet wird:
ε=Tin,h + 273
2·(Tin,h Tqu)(4.17)
mit:
77
4.2. W¨
armepumpen
-Tin,h+1 - Innentemperatur des Hauses in Stunde h+ 1 in C
-Tin,h - Innentemperatur des Hauses in Stunde hin C
-xh- Elektrische Leistungsaufnahme der W¨
armepumpe in Stunde hin W
-Tqu - Temperatur der W¨
armequelle in C
-Htrans - Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-Hluft Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient f¨
ur die L¨
uftung in W
K
-Tau,h - Außentemperatur in Stunde hin C
-˙
Qintern - W¨
armeleistung der internen W¨
armegewinne in W
-˙
Qsolar,h - W¨
armeleistung der solaren W¨
armegewinne in Stunde hin W
-˙
Qww,h - W¨
armeleistung f¨
ur Warmwasser in Stunde hin W
-CGeb - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Hauses in Wh
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
4.2.2. Optimierte Verbrauchssteuerung
Die optimierte Verbrauchssteuerung des W¨
armepumpenverbunds wird analog zu
Abschnitt 3.3 mit der MATLAB Funktion fmincon durchgef¨
uhrt. Dabei wird die
thermische Kapazit¨
at des Hauses und des Warmwasserspeichers als Puffer f¨
ur die
Energieaufnahme der W¨
armepumpe genutzt. Die Optimierung minimiert die Ener-
giekosten jedes Tages anhand von vorhergesagten Preissignalen, die ¨
ahnlich einem
Day-Ahead“-Markt als Nodalpreise berechnet werden. Gleichzeitig werden Rand-
bedingungen definiert, die die prim¨
are Aufgabe der W¨
armepumpen, Schaffung von
Komfort und Behaglichkeit, also eines gew¨
unschten Temperaturniveaus, gew¨
ahr-
leisten. Die zu minimierende Zielfunktion (4.18) lautet:
min "f(x) =
24
X
h=1
xh·LMPh#(4.18)
mit:
-f(x) - Zu minimierende Kostenfunktion
-xh- Leistung zu den W¨
armepumpen in Stunde h in kW
-LMPh- Energiepreis am betrachteten Knoten in Stunde h in Euro/kWh
78
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Lineare Randbedingungen - Maximal zul¨
assige Leistung bei W¨
armepumpen
Die Anlagengr¨
oße bestimmt die maximal zul¨
assige Leistung einer W¨
armepumpe.
Sie wird vor der Installation in ein Geb¨
aude nach DIN EN 12831 berechnet [44]. Bei
Ein- und Zweifamilienh¨
ausern bietet die Norm die M¨
oglichkeit eines vereinfachten
Berechnungsverfahrens. Die im vorliegenden Beispieljahr niedrigste Temperatur
von 19C liegt deutlich unter der Norm-Außentemperatur von 14C, welche
zur Bestimmung der Heizlast herangezogen wird. Dies und der Umstand, dass die
W¨
armepumpen f¨
ur monovalenten Betrieb ausgelegt werden sollen, machen eine
alternative Bestimmung der Anlagengr¨
oße erforderlich. Da ein vollst¨
andiges Com-
putermodell des Einfamilienhauses vorhanden ist, l¨
asst sich die maximale Ener-
gieaufnahme der W¨
armepumpe im ungesteuerten Fall berechnen. Dieser Wert soll
auch als Anlagengr¨
oße dienen. So ist ein monovalenter Betrieb f¨
ur das Beispieljahr
gew¨
ahrleistet. Im ungesteuerten Fall werden alle R¨
aume des Hauses tags¨
uber auf
20C und nachts auf 19C gehalten. Die Berechnung erfolgt stundenweise f¨
ur das
Beispieljahr:
- Alle Verluste und Gewinne werden mit der Innenraumtemperatur verrechnet.
- Bei zu geringer Innenraumtemperatur wird die erforderliche Energie aus dem
Wasserspeicher entnommen.
- Bei zu geringer Wassertemperatur wird der Wasserspeicher auf sein minima-
les Temperaturniveau aufgeheizt.
Die Anlagengr¨
oße entspricht dem Maximalwert der elektrischen Leistung, welcher
im Beispieljahr aufgetreten ist. W¨
ahrend die ben¨
otigte thermische Leistung f¨
ur das
EFH Modell stets die selbe ist, ergeben sich f¨
ur die W¨
armepumpentypen je nach ε-
Wert unterschiedliche elektrische Leistungen. Diese sind in Tabelle 4.4 angegeben.
Tabelle 4.4.: Unterschiedene W¨
armepumpen-Heizk¨
orper-Paarungen
W¨
armepumpentyp Heizungstyp Anlagenleistung
Grundwasser Radiator 3200 W
Grundwasser Fußboden 1700 W
Luft Fußboden 4100 W
Die Anlagenleistung wird in der optimierten Betriebsweise als lineare Randbedin-
gung wie in (4.19) geschrieben:
lb xub (4.19)
0x124 Pmax ·nFall (4.20)
79
4.2. W¨
armepumpen
mit:
-x- Zeilenvektor der Ergebnis-Variablen der Optimierung
-lb - Untere Grenze (hier: 24x1) der Variablen x(englisch: lower bound)
-ub - Obere Grenze (hier: 24x1) der Variablen x(englisch: upper bound)
-Pmax - Maximale Anlagenleistung in kW
-x124 - Leistungsaufnahme der W¨
armepumpen von Stunde 1 bis 24
-nFall - Anzahl der W¨
armepumpen im untersuchten Fall
Durch diese Definition stellt die Optimierung sicher, dass zu keiner Stunde die tat-
s¨
achlich aufgenommene Leistung der W¨
armepumpen ¨
uber den Anlagenleistungen
liegt.
Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen - Ladezustand des W¨
armespeichers
bei W¨
armepumpen
Die W¨
armebereitstellung zur Schaffung von Behaglichkeit ist die prim¨
are Aufgabe
von W¨
armepumpen. Um im optimierten Betrieb die Prim¨
araufgabe nicht zu ver-
letzen, werden Randbedingungen definiert. Die W¨
armepumpe arbeitet nicht direkt
mit der Innentemperatur der R¨
aume, sondern mit einem Wasserspeicher, welcher
an das Heizungssystem angeschlossen ist. Die Randbedingung wird mit zwei Tem-
peraturbereichen definiert: Einer f¨
ur den Wasserspeicher und einer f¨
ur die Innen-
temperatur. F¨
ur jede Stunde werden daher drei Randbedingungen formuliert, um
jeweils die Unter- und ¨
Uberschreitung der Wasser- und der Innentemperatur zu
verhindern, wobei eine ¨
Uberschreitung der Innentemperatur f¨
ur die tageweise Be-
trachtung nicht notwendig ist. Der Austausch von W¨
arme zwischen Wasserspeicher
und Innenr¨
aumen erfolgt ¨
uber die Heizfl¨
achen, die in diesem Modell nicht explizit
implementiert wurden. Die Optimierung entscheidet ¨
uber die W¨
armemenge, die
vom Wasser an die Innenr¨
aume abgegeben wird, wobei hier keine Grenzen beach-
tet werden m¨
ussen. Dies setzt zum Einen voraus, dass die Heizfl¨
achen ausreichend
dimensioniert sind und zum Anderen, dass die Heizungsanlage die Temperaturreg-
ler an den Heizfl¨
achen steuern kann. Die W¨
armeverluste des Warmwasserspeichers
sind als vernachl¨
assigbar gering anzusehen [45] und tauchen daher nicht in Formel
(4.21) auf, welche f¨
ur die Berechnung der Temperaturwerte f¨
ur den Wasserspeicher
verwendet wird.
80
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tws,h+1 =Tws,h+
xh·Tws,h+273
2·(Tws,hTqu)˙
Qww,h ˙
Qex,h!τ
Cws
(4.21)
mit:
-Tws,h+1 - Temperatur des Wasserspeichers in Stunde h+ 1 in C
-Tws,h - Temperatur des Wasserspeichers in Stunde hin C
-xh- Elektrische Leistungsaufnahme der W¨
armepumpe in Stunde hin W
-Tqu - Temperatur der W¨
armequelle der W¨
armepumpe in C
-˙
Qex,h - Austauschw¨
armeleistung Wasser/Innenr¨
aume in Stunde hin W
-˙
Qww,h - W¨
armeleistung f¨
ur Warmwasser in Stunde hin W
-Cws - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Wasserspeichers in Wh
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Mit Formel (4.22) kann die Innentemperatur berechnet werden:
Tin,h+1 =Tin,h+
˙
Qex,h + (Htrans +Hluft)(Tau,h Tin,h) + ˙
Qintern +˙
Qsolar,h!τ
CGeb
(4.22)
mit:
-Tin,h+1 - Innentemperatur des Hauses in Stunde h+ 1 in C
-Tin,h - Innentemperatur des Hauses in Stunde hin C
-˙
Qex,h - Austauschw¨
armeleistung Wasser/Innenr¨
aume in Stunde hin W
-Htrans - Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-Hluft Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient f¨
ur die L¨
uftung in W
K
-Tau,h - Außentemperatur in Stunde hin C
81
4.2. W¨
armepumpen
-˙
Qintern - W¨
armeleistung der internen W¨
armegewinne in W
-˙
Qsolar,h - W¨
armeleistung der solaren W¨
armegewinne in Stunde hin W
-CGeb - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Hauses in W·h
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Die Austauschw¨
armemenge ˙
Qex,h ist in beiden Formeln (4.21 und 4.22) identisch
und somit der verbindende Faktor. Die Optimierung ermittelt Qex,h zusammen
mit xhund erzeugt so einen 48-zeiligen Vektor. Die ersten 24 Eintr¨
age kennzeich-
nen die Energieaufnahme aus dem Energieversorgungsnetz und die letzten 24 den
W¨
arme¨
ubergang vom Wasserspeicher in die Innenr¨
aume.
Die Unterscheidung auf zwei verschiedene Temperaturwerte f¨
ur Wasserspeicher
und Innenr¨
aume hat eine Reihe von Vorteilen:
- Korrekte Berechnung der Leistungszahl εbei gleichzeitig korrekter Berech-
nung der W¨
armeverluste ¨
uber L¨
uftung und Transmission.
- M¨
oglichkeit der Untersuchung unterschiedlicher Wasserspeichergr¨
oßen.
- M¨
oglichkeit der Nachfrageverschiebung ohne Temperatur¨
anderung der In-
nenr¨
aume.
Die Nachteile auf der anderen Seite liegen darin, dass die Heizungsanlage in der
Lage sein muss, die Temperaturregler an den Heizfl¨
achen anzusteuern. Die Rand-
bedingungen selbst sind in der Form c0 als 75-zeiliger Vektor wie folgt definiert:
c125 =Tws,min Tws,125 (4.23)
c2650 =Tws,125 Tws,max (4.24)
c5175 =Tin,min Tin,125 (4.25)
mit:
-Tws,min - Minimale Temperatur des Wasserspeichers in C
-Tws,125 - Wassertemperatur Anfang Stunde 1 bis Ende Stunde 24 in C
-Tws,max - Maximale Temperatur des Wasserspeichers in C
-Tin,min - Minimal zul¨
assige Innentemperatur in C
-Tin,125 - Innentemperatur am Anfang Stunde 1 bis Ende Stunde 24 in C
82
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Somit stellt die Optimierung sicher, dass die Temperatur im Wasserspeicher nicht
zu kalt (4.23) und nicht zu warm (4.24) wird. Zus¨
atzlich wird gew¨
ahrleistet, dass
die Innentemperatur der R¨
aume nicht zu kalt (4.25) wird. Die minimalen und ma-
ximalen Temperaturniveaus werden je nach Stunde auf ihren korrespondierenden
Tages- oder Nachtwert gesetzt. F¨
ur das Verlassen der Nachtabsenkung und da-
mit die Aufheizung des Hauses in den Morgenstunden wird ein Zeitraum von drei
Stunden einger¨
aumt, um die Leistungsnachfragespitze zu verkleinern. Auf die For-
mulierung einer Randbedingung f¨
ur eine maximale Innentemperatur kann verzich-
tet werden, da die h¨
oheren Verluste ein zu starkes Aufheizen ohnehin unrentabel
machen.
4.2.3. Simulation
Das in Abschnitt 4.2 entwickelte Modell von W¨
armepumpen im Verbund wird
im Energieversorgungsnetz aus Abschnitt 2 hinsichtlich seiner Effekte untersucht.
Der Simulationszeitraum umfasst ein Jahr mit st¨
undlichen Zeitschritten, wobei die
Optimierung tageweise erfolgt. Die sich ergebenden Ergebnisse werden hinsichtlich
der Energiekosten, integrierter erneuerbarer Energiequellen und vermiedenen CO2-
Emissionen untersucht. Sie werden f¨
ur zwei verschiedene Gesamtnachfrageszenari-
en berechnet, einmal mit 83 TWh im Effizienzszenario und ein weiteres mal mit
106 TWh im Trendszenario.
Simulationsparameter
Die Leistungszahl εeiner W¨
armepumpe h¨
angt von der Temperaturdifferenz zwi-
schen unterem und oberem Temperaturniveau ab. Aus diesem Grund sollen in
dieser Arbeit vier Paarungen
W¨
armepumpe-Heizk¨
orper“, wie in Tabelle 4.5 dar-
gestellt, untersucht werden. Zus¨
atzlich zu den unterschiedlichen Leistungszahlen
soll auch der Einfluß der Anlagenleistung untersucht werden, weshalb Typ 3 eine
um den Faktor drei vergr¨
oßerte Anlagenleistung besitzt. F¨
ur eine Angabe des ma-
ximal M¨
oglichen gibt es noch einen rein fiktiven Typ 5, welcher auf Basis von Typ
3¨
uber das Zehnfache dessen Anlagenleistung und Speicherkapazit¨
at verf¨
ugt.
Da die Grundwasserw¨
armepumpe wie alle Erdw¨
armepumpen ihre W¨
arme von ei-
nem konstanten Temperaturniveau bezieht, ließen sich durch Variation dieses Tem-
peraturwertes im Modell alle Erdw¨
armepumpenarten abdecken, egal ob Erdw¨
ar-
mekollektoren, Spiralkollektoren, Erdw¨
armek¨
orbe, Grundwasser oder Bohrungen
zum Einsatz kommen.
F¨
ur die Simulation wird die Stadt Berlin im Jahr 2040 als Modellregion fokussiert.
Von den rund 142.000 Ein- und Zweifamilienh¨
ausern in Berlin sollen die H¨
alfte mit
W¨
armepumpen ausgestattet sein. Die Simulation wird f¨
ur jeden W¨
armepumpentyp
jeweils f¨
ur zwei Szenarien mit Jahresverbr¨
auchen von 83 TWh und 106 TWh, im
83
4.2. W¨
armepumpen
Tabelle 4.5.: Unterschiedene W¨
armepumpen-Heizk¨
orper-Paarungen
Typ W¨
arme-
pumpe
Pmax Wasser-
speicher
Temp.
unteres
Niveau
Heiz-
k¨
or-
per
Temp.
oberes
Niveau
1 Grundw.
WP
3200
W
1000 l 10C Radia-
tor
5055
2 Grundw.
WP
1700
W
1000 l 10C Fußbo-
den
3035
3 Grundw.
WP
5100
W
1000 l 10C Fußbo-
den
3035
4 Luftw¨
ar-
mepumpe
4100
W
1000 l 1918C Fußbo-
den
3035
5 Grundw.
WP
51000
W
10000 l 10C Fußbo-
den
3035
Folgenden niedriger und hoher Lastfall genannt, durchgef¨
uhrt.
84
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
4.2.4. Ergebnisse
Der Ablauf zur Ergebnisberechnung ist identisch mit dem der Elektrofahrzeuge
aus Abschnitt 3.4.2. In einem vorl¨
aufigen Day-Ahead“-Markt werden Nachfrage
und angebotene Erzeugungsleistung mit einer optimalen Leistungsflussberechnung
zu vorl¨
aufigen Day-Ahead“-Preisen verrechnet. Die W¨
armepumpen sind unter der
Annahme des konventionellen, ungesteuerten Betriebs bereits in der Nachfrage ent-
halten. Die vorl¨
aufigen Day-Ahead“-Preise werden den W¨
armepumpen zur Ver-
f¨
ugung gestellt, welche ihren Tageseinsatz nach den Energiekosten optimieren. Die
Nachfrage wird um die Differenz zwischen ungesteuerter und optimierter Betriebs-
weise der W¨
armepumpen angepasst und erneut eine optimale Leistungsflussbe-
rechnung durchgef¨
uhrt. Die Aspekte Energiekosten, Anteil erneuerbarer Energien
und CO2-Emissionen werden zwischen den vorl¨
aufigen und den finalen Leistungs-
flussergebnissen verglichen, siehe Abbildung (4.8).
optimale Leistungs-
Optimierung
W¨
armepumpen
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der W¨
armepumpen
Nodalpreise
Nodalpreise
W¨
armepumpen-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
W¨
armepumpen-Profil
Abbildung 4.8.: Ablauf der Ergebnisberechnung der W¨
armepumpen
85
4.2. W¨
armepumpen
Optimiertes W¨
armepumpen-Nachfrageprofil
Der Vergleich zwischen ungesteuertem und optimiertem W¨
armepumpen-Nachfra-
geprofil ist in Abbildung 4.9 f¨
ur den Tag mit den h¨
ochsten Kosteneinsparungen des
vielversprechendsten W¨
armepumpentyps dargestellt. Es handelt sich um Typ 3, ei-
ne Grundwasserw¨
armepumpe gekoppelt an eine Fußbodenheizung mit dreifacher
und damit ¨
uberdimensionierter Anlagenleistung. Die Anzahl der Anlagen betr¨
agt
71.000, was der H¨
alfte der Berliner Ein- und Zweifamilienh¨
auser entspricht, und
es wurde der niedrige Lastfall simuliert.
Im obersten Diagramm von Abbildung 4.9 befindet sich die Ladeleistung aller An-
lagen im ungesteuerten Fall. Die blauen breiten Balken stehen f¨
ur die st¨
undliche
elektrische Leistungsaufnahme aus dem Energieversorgungsnetz. Die roten schma-
len Balken stehen f¨
ur den st¨
undlichen thermischen Leistungsfluss aus dem Was-
serspeicher ¨
uber die Heizung in die Innenr¨
aume. Im Diagramm darunter befinden
sich die st¨
undlichen Temperaturen im Wasserspeicher (oben, blau) und in den In-
nenr¨
aumen (unten, rot). Im ungesteuerten Fall wird der Wasserspeicher immer an
seinem unteren Temperaturband gehalten, um die h¨
ochstm¨
ogliche Leistungszahl zu
erreichen. Ebenfalls wird die Innentemperatur immer auf ihrem Minimalwert ge-
halten, um die Transmissionsverluste so gering wie m¨
oglich zu halten. Im dritten
Diagramm sind die vorl¨
aufigen Day-Ahead“-Preise zu sehen, die die Eingangs-
gr¨
oße der Optimierung darstellen. An diesem Tag liegen sie bis 10:00 Uhr beim
Angebotspreis f¨
ur Erneuerbare, ab 11 Uhr beim Angebotspreis f¨
ur Energie aus
Braunkohle und von 16:00 bis 23:00 Uhr ist ein Steinkohlekraftwerk das Grenz-
kraftwerk. Das vierte Diagramm zeigt die optimierte elektrische Leistungsaufnah-
me aus dem Energieversorgungsnetz (blaue, breite Balken) und die thermische
Leistung vom Wasserspeicher in die Innenr¨
aume (rote, schmale Balken). Bis 3:00
Uhr morgens wird keine Leistung aus dem Netz bezogen, da die Innentemperatur
noch hoch genug ist, um die Mindesttemperaturgrenze der Nachtabsenkung nicht
zu unterschreiten. Zwischen 3:00 und 9:00 Uhr wird Leistung aus dem Netz be-
zogen um die Mindesttemperatur zu erreichen. Da der Wasserspeicher im Modell
nicht verlustbehaftet ist, macht sich die Erh¨
ohung der Wassertemperatur um 6:00
Uhr nicht nachteilig bemerkbar. Erst zwischen 6:00 und 7:00 Uhr w¨
urde die Leis-
tungszahl durch die h¨
ohere Temperatur geringer sein, in diesem Zeitraum wird
jedoch keine Energie aus dem Netz bezogen. Ein gleichm¨
aßiger Leistungsbezug
¨
uber die Stunden 3:00 bis 9:00 w¨
are in der Praxis w¨
unschenswerter, hat aber kei-
ne Auswirkung auf das Ergebnis der Optimierung. Von 9:00 bis 10:00 Uhr laufen
alle Anlagen mit ihrer maximalen Leistung, da alle darauf folgenden Stunden mit
einem h¨
oheren Energiebezugspreis einhergehen. Gleichzeitig fließen in dieser Stun-
de erhebliche thermische Leistungen in die Innenr¨
aume und heizen diese auf. Den
Rest des Tages kommt die W¨
armepumpe ohne elektrischen Leistungsbezug aus,
lediglich von 18:00 bis 20:00 Uhr fließt noch einmal thermische Leistung aus dem
86
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Wasserspeicher, um die Innenr¨
aume kurz vor der Nachtabsenkung auf ihrer Tages-
Mindesttemperatur zu halten. Im untersten Diagramm sind die Temperaturen in
den Innenr¨
aumen und dem Warmwasserspeicher sowie ihre Grenzen dargestellt.
W¨
ahrend das Haus bis 9:00 Uhr immer an der unteren Temperaturgrenze gefahren
wird um Transmissionsverluste zu minimieren, gibt es im Wasserspeicher einen in
der Praxis unerw¨
unschten Ausschlag um 6:00 Uhr. Die hohe Leistungsaufnahme
von 9:00 bis 10:00 Uhr f¨
ullt den Wasserspeicher vollst¨
andig, da die Optimierung je-
doch noch weiteren Speicherbedarf sieht, werden auch die Innenr¨
aume aufgeheizt,
auch wenn dadurch ein Mehrbedarf wegen h¨
oherer Transmissionsverluste entsteht.
Der Temperaturabfall im Wasserspeicher zwischen 10:00 und 18:00 Uhr liegt an
der Entnahme von W¨
arme f¨
ur das Brauchwasser, welches direkt aus dem Wasser-
speicher versorgt wird. Der Temperaturabfall in den Innenr¨
aumen in dieser Zeit
geht auf die Transmissionsverluste durch W¨
ande und durch L¨
uftung zur¨
uck. Von
18:00 bis 20:00 Uhr versorgt der Wasserspeicher die Innenr¨
aume mit W¨
arme und
entl¨
adt sich dabei auf sein Minimum, w¨
ahrend ab 20:00 Uhr die Nachtabsenkung
der Temperatur der Innenr¨
aume beginnt und diese sich daher weiter abk¨
uhlen
k¨
onnen.
87
4.2. W¨
armepumpen
Abbildung 4.9.: Ungesteuertes und optimiertes W¨
armepumpen-Nachfrageprofil
mit Randbedingungen - Typ 3
88
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Kostenreduktion bei W¨
armepumpen
Da die Zielfunktion der Optimierung eine Kostenfunktion ist, gibt die Betrachtung
der Kosten einen Aufschluss dar¨
uber, wie erfolgreich die Optimierung gewesen ist.
Abbildung 4.10 zeigt die Kosten der W¨
armepumpentypen 1 und 4 f¨
ur den niedrigen
Lastfall, je f¨
ur den ungesteuerten und den optimierten Betrieb, sowie f¨
ur den ho-
hen Lastfall des optimierten Typs 1. Auf einen weitergehenden Vergleich zwischen
den Ergebnissen des HLFs und des NLFs wird hier zugunsten der verschiedenen
W¨
armepumpentypen verzichtet und auf die Ergebnisse der Elektrofahrzeuge in
Abschnitt 3.5 verwiesen. Da die Kosten in der vorliegenden Simulation auf kurz-
fristigen Kraftwerksgrenzpreisen beruhen, die den W¨
armepumpen in der Praxis
nicht zur Verf¨
ugung stehen, wird die Effektivit¨
at der Optimierung mittels eines
prozentualen Wertes in Bezug zu den Energiekosten des ungesteuerten Betriebs
aufgezeigt.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
120
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Basis (100%): Typ 1 (Wasser/Radiator) − ungesteuert
Typ 1 (Wasser/Radiator) − optimiert
Typ 1 (Wasser/Radiator) − optimiert hoher Lastfall
Typ 4 (Luft/Fussboden) − ungesteuert
Typ 4 (Luft/Fussboden) − optimiert
Typ 1 − Kostenentwicklung unterjährig
Typ 4 − Kostenentwicklung unterjährig
Abbildung 4.10.: Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der W¨
armepumpen-
typen 1 und 4
In Abbildung 4.10 dargestellt sind die kumulativen Kosten jeder Stunde ¨
uber den
Zeitraum des Simulationsjahres hinweg. Bei allen Graphen l¨
asst sich von April bis
Oktober ein flacher Verlauf beobachten. Dieser beruht auf dem Ausbleiben des
Bedarfs an Raumw¨
arme und bildet den Betrieb f¨
ur die aussschließliche Warmwas-
serbereitung ab. Alle Angaben sind auf den ungesteuerten Betrieb von Typ 1 im
89
4.2. W¨
armepumpen
NLF normiert, dieser erreicht am Ende des Jahres exakt 100 %. Der nicht abge-
bildete ungesteuerte Betrieb des W¨
armepumpentyps 1 im HLF ergibt 131 % der
Kosten des NLFs, was an dem insgesamt h¨
oheren Preisniveaus liegt. Bei Typ 1
betragen die Kosten des optimierten Betriebs 87,7 %, was einer Reduktion von
12,34 % entspricht. Der optimierte Betrieb von Typ 1 im hohen Lastfall, der in
Abbildung 4.10 zu sehen ist, liegt mit 117 % um ein F¨
unftel ¨
uber dem Preisniveau,
welches dieser Typ im ungesteuerten Betrieb im niedrigen Lastfall an Kosten ver-
ursacht. Der Einfluß der im System vorherrschenden DayAheadPreise ver¨
andert
die Kosten signifikant. Die relativen Einsparungen von im hohen Lastfall liegen
mit 11,4 % jedoch in einer ¨
ahnlichen Gr¨
oßenordnung, auch wenn sie geringer sind.
Die Kosten des Typs 4 liegen im ungesteuerten Fall mit 77,75 % unter denen des
optimierten Betriebs von Typ 1. Dies liegt an der deutlich besseren Leistungszahl
des Typs 4, obwohl es sich um eine Luftw¨
armepumpe handelt. Durch das k¨
altere
Zieltemperaturniveau von 3035statt 5055ergeben sich, abh¨
angig von
der Außentemperatur, Leistungszahlen zwischen 3,11 und 15, w¨
ahrend Typ 1 nur
konstant 4,04 erreicht. Der optimierte Betrieb der Luftw¨
armepumpe f¨
uhrt zu einer
Reduktion der Kosten auf 67,25 %. Die Reduktion bei Bezug auf den ungesteu-
erten Fall Typ 4 als Basis ergibt sich zu 12,29 % Einsparung, also praktisch im
selben Bereich wie bei Typ 1. Man h¨
atte erwarten k¨
onnen, dass die Einsparun-
gen h¨
oher liegen, da Typ 4 eine h¨
ohere Flexibilit¨
at bei der Leistung aufweist, da
die Anlage auf ihre h¨
ochste Last dimensioniert ist. Diese h¨
ochste Last f¨
allt bei
der Luftw¨
armepumpe mit der niedrigsten Leistungszahl zusammen, weshalb im
Teillastbereich mehr Anlagenleistungsreserven vorhanden sind als bei den anderen
Typen. Stattdessen liegen die Einsparungen um 0,05 % unter denen des Typs 1.
Der Mehrverbrauch, der sich durch h¨
ohere Transmissionsverluste bei einer h¨
ohe-
ren als der Mindestinnenraumtemperatur einstellt, betr¨
agt bei Typ 1 0,8 % und
bei Typ 4 nur 0,23 %. Der geringere Mehrverbrauch bei Typ 4 ist entstanden, da
die Optimierung bei einer Luftw¨
armepumpe den Betrieb in Stunden mit besserer
Leistungszahl verschieben kann. Dieser Effekt konnte jedoch nur selten ausgenutzt
werden, da der Hauptw¨
armebedarf in den fr¨
uhen Stunden des Tages liegt, an denen
die Außentemperaturen noch gering sind. Daher und durch die erh¨
ohten Transmis-
sionsverluste beim Vorheizen ist der Unterschied im Mehrverbrauch zwischen Typ
1 und Typ 4 nur marginal. Um die Ursache f¨
ur die geringere Einsparung des Typs
4 zu erkl¨
aren, wurden zwei weitere Graphen in das Diagramm in Abbildung 4.10
aufgenommen. Sie zeigen die Kostenentwicklung beider Typen unterj¨
ahrig in Pro-
zent zu den bis zu dieser Stunde kumulierten Kosten im ungesteuerten Betrieb. Die
Detailbetrachtung beider Verl¨
aufe ergibt bis zum Dezember h¨
ohere Einsparungen
bei Typ 4, welche sich jedoch im Dezember st¨
arker verringern als die des Typs 1.
Im Dezember des Beispieljahres gab es eine l¨
anger andauernde Periode mit sehr
tiefen Temperaturen zwischen -10 C und -15 C, in der Typ 4 einen ¨
uberpropor-
90
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
tional großen Teil seiner Energienachfrage hat. Gleichzeitig kann w¨
ahrend dieser
Periode kaum Energie verschoben werden, was die prozentualen Einsparungen des
Gesamtjahres belastet. Abschließend kann festgehalten werden, dass eine Luftw¨
ar-
mepumpe einer W¨
armepumpe mit fester Temperaturquelle im optimierten Betrieb
unterlegen ist, wenn die Außentemperaturen f¨
ur l¨
angere Zeit sehr niedrige Werte
annehmen.
In einer zweiten Abbildung 4.11 werden die Ergebnisse bez¨
uglich der Kosten der
Typen 2 und 3 dargestellt. Es handelt sich bei beiden Typen um Grundwasserw¨
ar-
mepumpen, die eine Fußbodenheizung speisen, nur hat Typ 3 eine um den Faktor
drei erh¨
ohte Anlagenleistung.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Basis (100%): Typ 2 und 3 − ungesteuert
Typ 2 (Wasser/Radiator) − optimiert
Typ 3 (Wasser/Radiator, 3 P) − optimiert
Abbildung 4.11.: Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der W¨
armepumpen-
typen 2 und 3
Der optimierte Betrieb des W¨
armepumpentyps 2 verursacht Energiekosten in H¨
o-
he von 87,59% des ungesteuerten Falls. Die Einsparungen im optimierten Betrieb
bewegen sich mit 12,41 % sehr nah an denen der anderen Typen. Die leicht h¨
o-
heren Einsparungen gegen¨
uber Typ 1 und Typ 4 liegen in der Interaktion mit
dem Energiesystem begr¨
undet. Da die Simulation mit der H¨
alfte aller Berliner
Ein- und Zweifamilienh¨
auser, genauer 71.000 St¨
uck, durchgef¨
uhrt wurde, ist eine
R¨
uckwirkung auf das Energieversorgungsnetz sp¨
urbar. Die Leistungsbegrenzung
aus Abschnitt 2.2.2 begrenzt das Verschiebepotential des W¨
armepumpenverbunds,
91
4.2. W¨
armepumpen
wenn dadurch Erneuerbare ab oder konventionelle Kraftwerke zugeschaltet werden
m¨
ussten. Da Typ 2 und 3 nur rund die H¨
alfte der Jahresenergienachfrage des Typs
1 haben, werden die verschiebbaren Leistungen seltener beschr¨
ankt und f¨
uhren so
zu leicht h¨
oheren Einsparungen.
Um den Einfluss der Anlagenleistung auf das Simulationsergebnis sichtbar zu ma-
chen, wurde Typ 3 aufgenommen. Wie im Diagramm in Abbildung 4.11 ersichtlich,
ist der Einfluss einer dreimal h¨
oheren Anlagenleistung in geringem Maße ersicht-
lich. In Zahlen betr¨
agt die Einsparung 13,63 % und damit 1,22 % mehr als bei Typ
2.
Tabelle 4.6 fasst die gefundenen Ergebnisse zusammen. Der Mehrverbrauch ent-
steht, wenn das Haus ¨
uber die Mindestinnentemperatur hinaus aufgeheizt wird.
Daf¨
ur muss der Wasserspeicher seine Maximaltemperatur erreicht haben und die
Optimierung die Aussch¨
opfung weiterer, verlustbehafteter Speicherkapazit¨
at als
profitabel identifizieren. Die Kosten bei ungesteuerten Betrieb der einzelnen Typen
variieren aufgrund des unterschiedlichen Jahresenergiebedarfs der W¨
armepumpen-
typen. Dies l¨
asst den Schluss zu, dass Grundwasserw¨
armepumpen mit Fußboden-
heizung effizienter sind als Luftw¨
armepumpen mit Fußbodenheizung, welche wie-
derum effizienter sind als Grundwasserw¨
armepumpen mit Radiatorenheizung. Die
Einsparungen sowie der Mehrverbrauch sind jeweils auf die ungesteuerten Kosten
bzw. Energienachfrage des jeweiligen W¨
armepumpentyps bezogen.
Tabelle 4.6.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen bei W¨
armepumpen
Typ Anmerkung Kosten ungesteuert
(Basis: Typ 1)
Einsparun-
gen
opt.
Mehrver-
brauch
1 Grundw. /
Radiator
100 % 12,34 % 0,796 %
2 Grundw. /
Fußboden
53,3 % 12,41 % 0,779 %
3 Grundw. /
Fußboden
53,3 % 13,63 % 0,880 %
4 Luft /
Fußboden
77,75 % 12,29 % 0,226 %
1 hoher Lastfall 130,6 % 9,2 % 1,067 %
Da in der vorangegangenen Analyse der Einfluss der Netzr¨
uckwirkung aufgetaucht
ist, stellt sich die Frage, welches Potential W¨
armepumpen entkoppelt von die-
sem Ph¨
anomen entfalten k¨
onnen. Zu diesem Zweck wird der vielversprechendste
W¨
armepumpentyp 3 detaillierter simuliert. Ein weiterer Punkt der dabei unter-
sucht werden soll, ist der Einfluss einer gr¨
oßeren Flexibilit¨
at durch Verzicht auf
92
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
die Nachtabsenkung. Betrachtet man den Tagesverlauf der W¨
armepumpen aus
Abbildung 4.9 f¨
allt auf, dass aufgrund der Nachtabsenkung keine Leistung mehr
nach 20:00 Uhr bezogen werden muss, w¨
ahrend von 3:00 bis 6:00 Uhr generell eine
hohe Leistungsnachfrage in den kalten Monaten besteht. Beide Effekte verringern
die Flexibilit¨
at des Systems und sollen daher durch eine konstante Mindestinnen-
temperatur außer Kraft gesetzt werden. Die Ergebnisse finden sich in Abbildung
4.12. Da die Verl¨
aufe in der Darstellung des ganzen Jahres nicht mehr voneinander
unterschieden werden k¨
onnen, wurde ein Ausschnitt aus Dezember fokussiert.
8500 8630 8760
85
90
95
100
105
110
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Basis (100%): Typ 3 (Wasser/Fussboden, 3 P) − ungesteuert
Typ 3 − optimiert
Typ 3 − Einzelanlage
Typ 3 − Einzelanlage ohne Nachtabsenkung
Abbildung 4.12.: Detaillierte Betrachtung des W¨
armepumpentyps 3
Der Verlauf der Einzelanlage, die praktisch keine R¨
uckwirkung auf die Preise im
Energieversorgungssystem hat, ist im optimierten Betrieb mit einem Plus von
0,187 % bei den Einsparungen im Vergleich zu den Ergebnissen mit 71.000 Anlagen
verbunden. Dieser geringe Wert spiegelt den kleinen Anteil an der Nachfrage von
71.000 W¨
armepumpen gegen¨
uber der Gesamtenergienachfrage wider. Bei 470.000
Anlagen betr¨
agt das Plus der Einzelanlage zum W¨
armepumpenverbund bereits
1,25 %. Die Einzelanlage ohne Nachtabsenkung kann die Einsparungen gegen¨
uber
der Einzelanlage mit Nachtabsenkung um weitere 0,24 % steigern. Tabelle 4.7 gibt
die Werte der verschiedenen Simulationsf¨
alle an.
93
4.2. W¨
armepumpen
Tabelle 4.7.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen bei W¨
armepumpen: Detail-
betrachtung Typ 3
Anmerkung Kosten optimiert (Basis: Typ 3
ungesteuert)
Einspa-
rungen
71.000 St¨
uck 86,37 % 13,63 %
Einzelanlage 86,18 % 13,81 %
Einzelanlage ohne
Nachtabsenkung
85,95 % 14,05 %
Integration erneuerbarer Energie durch W¨
armepumpen
Durch einen Vergleich des Kraftwerkseinsatzes der Energiesysteme mit ungesteuer-
ten und optimierten W¨
armepumpen l¨
asst sich eine Aussage zur Integration erneu-
erbarer Energien durch die optimierte Betriebsweise treffen. Erneuerbare Energien
w¨
urden in einem freien Markt die niedrigsten kurzfristigen Grenzkosten aufweisen,
da sie keine Brennstoffkosten haben. Daher f¨
uhrt eine Kostenoptimierung auto-
matisch zur verst¨
arkten Nutzung der Energie aus erneuerbaren Quellen. Im Ener-
giesystem mit optimierten W¨
armepumpen werden also weniger Windkraft- und
PV-Anlagen abgeschaltet. Die Menge ergibt sich durch die Differenz der Einspei-
seleistungen aus Wind- und PV-Anlagen des Energiesystems mit ungesteuertem
und optimiertem W¨
armepumpennachfrageprofil. Da W¨
armepumpen nur f¨
ur einen
geringen Teil der Energienachfrage verantwortlich sind, wird die integrierte erneu-
erbare Energie auf die Jahresenergienachfrage der W¨
armepumpen normiert. Die
Ergebnisse f¨
ur alle Typen im niedrigen und zus¨
atzlich f¨
ur Typ 3 im hohen Lastfall
sind in Abbildung 4.13 dargestellt.
Die Form der Verl¨
aufe von Typ 1, 2 und 3 sind sehr ¨
ahnlich, was der Modellierung
geschuldet ist. Auch wenn Typ 1 den h¨
ochsten absoluten Wert an Erneuerbaren
integriert, erreicht er durch einen hohen Jahresenergieverbrauch prozentual den
niedrigsten Wert der drei Typen, n¨
amlich 11,52 %. Typ 2 kommt prozentual zur
eigenen Jahresenergienachfrage auf 11,63 %, welchen sein ¨
Aquivalent mit dreifacher
Anlagenleistung, n¨
amlich Typ 3, mit 12,75 % noch ¨
ubersteigt. Die h¨
ohere Flexibi-
lit¨
at von Typ 3 bei der Verschiebung macht sich auch hier bemerkbar. Typ 4 weist
einen anderen Verlauf auf, da dieser Typ eine variable Leistungszahl hat. Dies f¨
uhrt
zu einer sehr geringen Energienachfrage im Sommer, wo die anderen W¨
armepum-
pentypen kontinuierlich ihre Integrationsrate durch ihre gute Leistungsflexibilit¨
at
steigern k¨
onnen. Die Luftw¨
armepumpe nimmt in dieser Zeit nur sehr geringe Ener-
giemengen auf und kann deshalb auch kaum Wind- und PV-Energie integrieren.
Nach Parit¨
at mit Typ 2 Anfang April schließt Typ 4 am Ende des Jahres mit
10,90 % unterhalb der anderen Typen ab. Der Umstand, dass Typ 4 in der zwei-
94
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
2
4
6
8
10
11
12
13
Stunden
Integrierte erneuerbare Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 1 (Wasser/Radiator)
Typ 2 (Wasser/Fussboden)
Typ 3 (Wasser/Fussboden, 3 P)
Typ 3 hoher Lastfall
Typ 4 (Luft/Fussboden)
Abbildung 4.13.: Integrierte erneuerbare Energie durch optimierte W¨
armepumpen
ten Jahresh¨
alfte seine Integrationsrate zu den anderen W¨
armepumpen nicht mehr
steigern kann, ist den tendenziell h¨
oheren Temperaturen in dieser Zeit geschuldet.
Die ausgepr¨
agte K¨
alteperiode im Dezember f¨
uhrt zu einem Aufholen zu den ande-
ren Typen, reicht aber nicht aus um den Ranglistenplatz zu verbessern. Die gr¨
oßte
Nachfrage besteht bei Typ 4 von Januar bis April, da dort der h¨
ochste Heizenergie-
bedarf mit den schlechteren Leistungszahlen zusammenf¨
allt. Daher findet in dieser
Zeit auch der Großteil der Integration statt. Betrachtet man die Integration statt
in Prozent zum Eigenenergiebedarf in absoluten Zahlen, ¨
andert sich die Rangfolge
der Typen beginnend mit den meisten integrierten Kilowattstunden zu 1, 4, 3 und
2. Abschließend soll noch der Einfluss des hohen und niedrigen Lastfalls auf die
Integration kenntlich gemacht werden. Der W¨
armepumpentyp 3, der prozentual
die h¨
ochste Integrationsrate aufweist, kommt im HLF nur auf 10,24 %, erreicht
also 2,5 % weniger als im NLF. Die Sensitivit¨
at bei der Integration bez¨
uglich des
Lastfalls ist deutlich h¨
oher als bei den Kosteneinsparungen welche sich zwischen
den Lastf¨
allen nur um weniger als ein Prozent verringern.
Tabelle 4.8 stellt die Ergebnisse der Integration Erneuerbarer f¨
ur jeden Typ in
Prozent und absolut pro W¨
armepumpe dar.
95
4.2. W¨
armepumpen
Tabelle 4.8.: ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch optimierte
W¨
armepumpen
Typ Anmer-
kung
Int. Er-
neuerbarer
Jahresener-
gienachfr.
ungest.
Int.
Erneuerbarer
absolut
1 Grundw. /
Radiator
11,52 % 2740,7 kWh 315,7 kWh
2 Grundw. /
Fußboden
10,63 % 1460,8 kWh 169,9 kWh
3 Grundw. /
Fußboden
12,75 % 1460,8 kWh 186,2 kWh
4 Luft /
Fußboden
10,90 % 2092,4 kWh 228,1 kWh
3 Hoher
Lastfall
10,24 % 1460,8 kWh 149,5 kWh
CO2-Emissionsreduzierung durch optimierte W¨
armepumpen
Durch den optimierten Betrieb der W¨
armepumpen lassen sich grunds¨
atzlich die
CO2-Emissionen des Energiesystems reduzieren. Dieser Aspekt wird jedoch nicht
direkt durch die Kostenoptimierung beg¨
unstigt, sondern durch die Integration er-
neuerbarer Energiequellen. Ein Vergleich der Gesamtemissionen mit ungesteuerten
und optimierten W¨
armepumpen gibt Aufschluss ¨
uber die Einsparungen, die durch
die optimierten W¨
armepumpen m¨
oglich sind. Abbildung 4.14 zeigt die Ergebnisse
f¨
ur alle vier Typen sowie f¨
ur den ausgew¨
ahlten Typ 3 im hohen Lastfall.
Die Verteilung der Verl¨
aufe ¨
ahnelt denen der Integration, auch die Rangfolge ist
identisch. Lediglich die prozentualen Werte sind h¨
oher, was an einer spezifischen
CO2-Emission pro Megawattstunde kleiner als Eins liegt. Im Jahresdurchschnitt
des gesamten Energiesystems wurden f¨
ur jede Megawattstunde 578,7 kg CO2-
Emissionen ausgestoßen. Der Jahresdurchschnitt der W¨
armepumpen liegt bei 616
kg, also leicht dar¨
uber. Dies liegt an der ¨
uberwiegenden Energieaufnahme im Win-
ter, wo der Anteil der Erneuerbaren am Energiemix durch niedrige Einspeisewerte
der Photovoltaik und generell h¨
oherer Nachfrage geringer ist. F¨
ur jede integrier-
te Megawattstunde aus erneuerbaren Quellen kann ein konventionelles Kraftwerk
um eine Megawattstunde gedrosselt werden. Dies geschieht ¨
uberwiegend bei den
g¨
unstigen konventionellen Braunkohlekraftwerken mit einer spezifischen Emission
von 1010 kg CO2pro Megawattstunde, da diese in der Merit-Order direkt nach
den Erneuerbaren kommen und in der Regelzone der ostdeutschen Bundesl¨
an-
der stark vertreten sind. Ein Vergleich bei Typ 1 ergibt, dass bei 263,1 kWh zu-
96
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
2
4
6
8
10
12
14
16
17
18
19
Stunden
CO2−Emissionsreduktion in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 1 (Wasser/Radiator)
Typ 2 (Wasser/Fussboden)
Typ 3 (Wasser/Fussboden, 3 P)
Typ 3 hoher Lastfall
Typ 4 (Luft/Fussboden)
Abbildung 4.14.: Einsparungen der CO2-Emissionen durch optimierte W¨
armepum-
pen
s¨
atzlich ins Energiesystem integrierter erneuerbarer Energie gleichzeitig 234,3 kg
CO2-Emissionen eingespart wurden. Dies entspricht 890,5 kg vermiedenen CO2-
Emissionen pro integrierter Megawattstunde. Bei ausschließlicher Drosselung von
Braunkohlekraftwerken l¨
age der theoretische Maximalwert bei 1010 kg pro MWh.
Der tats¨
achliche Wert liegt darunter, da nicht immer Braunkohlekraftwerke ge-
drosselt wurden. Hinzu kommen noch Situationen, in denen z.B. ein Gas- und
Dampfkraftwerk gedrosselt und daf¨
ur die Erzeugung eines Braunkohlekraftwerks
erh¨
oht wurde. Dieser Vorgang ist mit einer Zunahme der CO2-Emissionen ver-
bunden. Die N¨
ahe von 890,5 kg zu 1010 kg zeigt jedoch, dass dies seltener der
Fall war. Interessant ist der Verlauf aller Typen in den Stunden 8300 bis 8650.
In diesen Stunden nimmt die kumulierte CO2-Einsparung wieder ab. Vergleicht
man diesen Ausschnitt mit der Integration Erneuerbarer ist festzustellen, dass in
diesem Zeitraum keine Integration stattgefunden hat. Eine genaue Untersuchung
dieser Stunden kam zu dem Ergebnis, dass ¨
uber einen Zeitraum von einer Woche
keine Erneuerbaren abgeschaltet wurden und die Grenzpreise immer von Braun-
kohle, Steinkohle oder Gas- und Dampfkraftwerken gestellt wurden. In diesem
Zeitraum wirkt die Kostenoptimierung dem Ziel der CO2-Einsparungen entgegen
und es werden im optimierten Fall mehr Emissionen ausgestoßen als im ungesteu-
erten Betrieb. Ein weiterer wichtiger Aspekt wird durch den Verlauf des Typs 3 im
97
4.2. W¨
armepumpen
hohen Lastfall gezeigt. Die CO2-Einsparungen reagieren sensitiver auf den Lastfall.
Die Beg¨
unstigung der Einsparungen durch Integration Erneuerbarer ist im HLF
kleiner, w¨
ahrend der verschlechternde Effekt der Bevorzugung emissionsintensi-
ver Kraftwerke gr¨
oßer ist. Tabelle 4.9 gibt die Zahlenwerte der einzelnen Typen
an. Bei den absoluten Einsparungen ergibt sich die gleiche Rangfolge wie bei der
Integration.
Tabelle 4.9.: ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch optimierte W¨
arme-
pumpen
Typ Anmerkung CO2-Einspa-
rungen
Jahresem.
ungest.
CO2-
Einsparungen
absolut
1 Grundw. /
Radiator
16,66 % 1687,7 kg 281,1 kg
2 Grundw. /
Fußboden
16,86 % 899,6 kg 151,7 kg
3 Grund. /
Fußboden
18,37 % 899,6 kg 165,2 kg
4 Luft /
Fußboden
16,40 % 1304,8 kg 214,0 kg
3 Hoher Lastfall 6,17 % 891,2 kg 55,0 kg
Vergleich der Ergebnisse der untersuchten W¨
armepumpentypen
In Tabelle 4.10 werden die Ergebnisse der untersuchten W¨
armepumpentypen f¨
ur
den hohen und den niedrigen Lastfall gegen¨
uber gestellt. Die Angaben in kWh und
kg beziehen sich dabei auf die kumulierten Jahreswerte, die Angaben in Prozent
setzen die absoluten Werte in Bezug zu denen der ungesteuerten Betriebsweise.
98
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.10.: Ergebnisvergleich der untersuchten W¨
armepumpentypen
W¨
arme-
pumpen
Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4
Lastfall nied-
rig
hoch nied-
rig
hoch nied-
rig
hoch nied-
rig
hoch
Kostenred.
in %
12,34 11,44 12,41 11,67 13,63 13,51 12,29 12,51
Integrierte
EE in kWh
315,7 226,5 169,9 124,6 186,2 149,5 228,1 170,0
Integrierte
EE in %
11,52 8,27 11,63 8,53 12,75 10,24 10,90 8,12
CO2-Red.
in kg
281,1 86,7 151,7 47,8 165,2 55,0 214,0 71,2
CO2-Red.
in %
16,7 5,2 16,9 5,4 18,4 6,2 16,40 5,49
4.3. Blockheizkraftwerke
Blockheizkraftwerke (BHKW) nutzen die M¨
oglichkeit, aus W¨
arme mechanische
Energie zu gewinnen, welche bei konventionellen Heizungsanlagen ignoriert wird.
Da Blockheizkraftwerke prim¨
ar zum Heizen eingesetzt werden, ist die von ihnen
produzierte elektrische Energie ein Nebenprodukt, welches in das Stromnetz ein-
gespeist und verg¨
utet wird. Durch diese Kopplung erreichen BHKW im Gegensatz
zu reinen stromerzeugenden Anlagen einen hohen Wirkungsgrad [62]. Dabei wird
im Wesentlichen zwischen den Betriebsarten w¨
armegef¨
uhrt und stromgef¨
uhrt
unterschieden [61]. Der flexiblen Ansteuerung der BHKW liegt der Gedanke ei-
ner Vermischung beider Betriebsarten zu Grunde [60]. Das Verhalten von BHKW
im Kontext der flexiblen Verbraucher bzw. in diesem Fall Erzeuger, ist invers zu
den W¨
armepumpen. Zu Hochlastzeiten sollte der thermische Speicher geladen und
die dabei anfallende elektrische Energie ins Netz eingespeist werden. Zu Schwach-
lastzeiten sollte es wenn m¨
oglich vermieden werden, zus¨
atzliche Energie ins Netz
einzuspeisen. Statt des Betriebs des BHKWs sollte die erforderliche W¨
armeenergie
besser aus dem Speicher entnommen werden. F¨
ur die hier vorgenommene Betrach-
tung des Interaktionsverhaltens mit dem Netz ist es unerheblich, ob das BHKW
mit einem Verbrennungsmotor auf Diesel-, ¨
Ol- oder Gasbasis, einer Gasturbine, ei-
ner Brennstoffzelle oder einem Stirlingmotor angetrieben wird [58]. Jedoch haben
Brennstoffzellen generell eine h¨
ohere elektrische Effizienz im Vergleich zu den ande-
ren Antriebstechnologien [57], welcher in diesem Kapitel mit einem hocheffizienten
Typvertreter Rechnung getragen wird. Im Folgenden wird das f¨
ur das Netz rele-
99
4.3. Blockheizkraftwerke
vante Verhalten der Blockheizkraftwerke ermittelt, als ein Optimierungsproblem
ausgedr¨
uckt und schließlich in einem Beispielnetz simuliert.
4.3.1. Modellerstellung eines Typvertreters Blockheizkraftwerk
Das Modell des Blockheizkraftwerks (BHKW) befasst sich prim¨
ar mit dem Einsatz
zur W¨
armebereitstellung und ist technisch auf die Interaktion mit dem Energiever-
sorgungsnetz reduziert. Das Modell-BHKW stellt die W¨
armeversorgung des Ein-
familienhauses E-121 aus Abschnitt 4.1 als alleinige Anlage mit einem Wasserspei-
cher zur Pufferung sicher. In solchen F¨
allen spricht man von einem Mikro-BHKW
[56] im w¨
armegef¨
uhrten Betrieb. Dabei speist das BHKW einen Wasserkreislauf,
welcher ¨
uber Heizfl¨
achen die Innenr¨
aume des Hauses mit thermischer Energie belie-
fert. Die gew¨
unschte Innentemperatur kann f¨
ur das gesamte Haus gew¨
ahlt werden,
eine Nachtabsenkung der Temperatur ist implementiert. Im Betrieb stellt das Mo-
dell thermische und elektrische Leistung mit einem festen Proportionalit¨
atsfaktor,
dem elektrischen Wirkungsgrad der Anlage, zur Verf¨
ugung.
Der Leistungsaustausch mit dem Energieversorgungsnetz und die Innentemperatur
des Hauses ist gem¨
Formel (4.26) verkn¨
upft. Die Werte f¨
ur x(h) sind analog
zu anderen Modellen in dieser Arbeit als Leistungsaufnahme zu interpretieren,
weshalb sie im Fall der BHKW generell negativ sind.
Tin,h+1 =Tin,h+
xh·1ηel
ηel + (Htrans +Hluft)(Tau,h Tin,h) + ˙
Qintern +˙
Qsolar,h ˙
Qww,h!·τ
CGeb
(4.26)
mit:
-Tin,h+1 - Innentemperatur des Hauses in Stunde h+ 1 in C
-Tin,h - Innentemperatur des Hauses in Stunde hin C
-xh- Elektrische Leistungsaufnahme des BHKW in Stunde hin W
-ηel - Elektrischer Wirkungsgrad des BHKW
-Htrans - Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-Hluft Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient f¨
ur die L¨
uftung in W
K
-Tau,h - Aussentemperatur in Stunde hin C
100
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
-˙
Qintern - W¨
armeleistung der internen W¨
armegewinne in W
-˙
Qsolar,h - W¨
armeleistung der solaren W¨
armegewinne in Stunde hin W
-˙
Qww,h - W¨
armeleistung der Warmwasserbereitung in Stunde hin W
-CGeb - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Hauses in Wh
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Der Term xh·1ηel
ηel beschreibt das BHKW mit elektrischer Einspeisung in das
Energieversorgungsnetz und W¨
armebereitstellung f¨
ur das Heizungssystem. Alles
weitere beschreibt die Zu- und Abfl¨
usse der W¨
arme im Geb¨
aude. Durch Division
der Geb¨
audekapazit¨
at werden die W¨
armemengen als Temperatur ausgedr¨
uckt.
4.3.2. Optimierte W¨
armebereitstellungssteuerung
Die optimierte Verbrauchssteuerung des BHKW wird analog zu Abschnitt 3.3 mit
der MATLAB Funktion fmincon durchgef¨
uhrt. Als Puffer zur Verschiebung des
BHKW-Betriebs dient die thermische Tr¨
agheit des Geb¨
audes und des Warmwas-
serspeichers. Die Optimierung minimiert die Energiekosten jedes Tages anhand
von vorhergesagten Preissignalen, die ¨
ahnlich einem Day-Ahead“-Markt berech-
net werden. Mit Hilfe von Randbedingungen wird die Prim¨
araufgabe der W¨
arme-
bereitstellung gew¨
ahrleistet. Die zu minimierende Zielfunktion (4.27) lautet:
min "f(x) =
24
X
h=1
(xh·τ)·(LMPhch
ηel +ηth
)#(4.27)
mit:
-f(x) - Zu minimierende Kostenfunktion
-xh- Leistungsaufnahme BHKW (xhimmer negativ) in Stunde h in kW
-LMPh- Energiepreis am betrachteten Knoten in Stunde h in Euro/kWh
-ch- Brennstoffpreis des BHKW in Stunde h in Euro/kWh (hier: Preis f¨
ur
Gasturbinen: 0,09 Euro/kWh)
-ηel +ηth - Gesamtwirkungsgrad des BHKWs (hier: 0,9)
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
101
4.3. Blockheizkraftwerke
Ein Unterschied zu den Zielfunktionen der anderen in dieser Arbeit behandelten
Speichertypen liegt in der Subtraktion der BHKW-Brennstoffkosten. Hier wird
davon ausgegangen, dass das BHKW mit Erdgas betrieben wird. Der Preis wird
mit 0,09 Euro/kWh leicht ¨
uber den Angebotspreis der Gasturbinen gesetzt, welche
die teuersten Kraftwerke am Markt sind. Daher ist der Betrieb des BHKW immer
mit Kosten verbunden. Ansonsten w¨
are es - ¨
ahnlich einem Kraftwerk unterhalb
des Merit-Order-Grenzpreises - lukrativ, das BHKW mit Maximalleistung ins Netz
einspeisen zu lassen, nur dass die dabei anfallende W¨
arme nicht in einen K¨
uhlturm
oder Fluss, sondern ins Haus geleitet w¨
urde. Dieses Verhalten w¨
are theoretisch
m¨
oglich und mit einer weiteren Randbedingung auch beherrschbar, jedoch m¨
ussten
dazu die Brennstoffkosten eines BHKWs g¨
unstiger sein als die des Grenzkraftwerks.
Lineare Randbedingungen - Maximal zul¨
assige Leistung bei
Blockheizkraftwerken
Die linearen Randbedingungen stellen sicher, dass das Modell-BHKW maximal mit
der Nennleistung der Anlage betrieben wird. Die Auslegung der Anlage richtet sich
nach der tats¨
achlich auftretenden, thermischen Maximallast. Die Gesamtleistung
des BHKWs liegt um ihren elektrischen Anteil dar¨
uber und berechnet sich nach
Formel (4.28).
Pinst =Pth,max ·(ηel
1ηel
+ 1) (4.28)
mit:
-Pinst - Installierte Leistung der Anlage in kW
-Pth,max - Maximale thermische Leistungsnachfrage in kW
-ηel - Elektrischer Wirkungsgrad des BHKW
Die lineare Randbedingung f¨
ur die Optimierungsfunktion wird analog zu (4.19)
mit Formel (4.29) definiert. Sie behandelt die Einspeisung in das Energieversor-
gungsnetz, wobei xals Leistungsnachfrage zu interpretieren und daher negativ
oder maximal Null ist.
Pinst ·ηel ·nFall x124 0 (4.29)
mit:
-Pinst - Maximale Anlagenleistung in kW
-ηel - Elektrischer Wirkungsgrad des BHKW
102
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
-x124 - Leistungsaufnahme des BHKW von Stunde 1 bis 24
-nFall - Anzahl der BHKWs im untersuchten Fall
Die lineare Randbedingung stellt sicher, dass der BHKW-Betrieb nur zwischen
ausgeschaltet und Maximalleistung liegt.
Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen - Ladezustand des W¨
armespeichers
bei Blockheizkraftwerken
Die nichtlinearen Randbedingungen gew¨
ahrleisten die Einhaltung der Temperatur-
grenzen im Wasserspeicher und im Geb¨
aude. Die Temperaturwerte f¨
ur den Was-
serspeicher werden nach Formel (4.30) berechnet. Die Berechnung der Innentem-
peratur und der Randbedingungen in der Form c0 ist identisch mit der des
W¨
armepumpenmodells nach Formel (4.22),(4.23), (4.24) und (4.25).
Tws,h+1 =Tws,h+
xh·1ηel
ηel ˙
Qww,h ˙
Qex,h!τ
Cws
(4.30)
mit:
-Tws,h+1 - Temperatur des Wasserspeichers in Stunde h+ 1 in C
-Tws,h - Temperatur des Wasserspeichers in Stunde hin C
-xh- Elektrische Leistungsaufnahme des BHKW in Stunde hin W
-ηel - Elektrischer Wirkungsgrad des BHKW
-˙
Qex,h - Austauschw¨
armeleistung zwischen Wasser und Innenr¨
aumen in Stun-
de hin W
-˙
Qww,h - W¨
armeleistung der Warmwasserbereitung in Stunde hin W
-Cws - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Wasserspeichers in Wh
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Die Austauschw¨
armemenge ˙
Qex,h beschreibt den W¨
armefluss vom Wasserspeicher
in die Innenr¨
aume, wobei dieser von der Heizungsanlage steuerbar sein muss. Eine
Randbedingung f¨
ur eine Maximaltemperatur der Innenr¨
aume ist nicht erforder-
lich. Die minimalen und maximalen Temperaturwerte werden st¨
undlich definiert
und enthalten auch hier eine Nachtabsenkung, die morgens mit einem 3-st¨
undigen
¨
Ubergang beendet wird.
103
4.3. Blockheizkraftwerke
4.3.3. Simulation
Das entwickelte BHKW-Modell wird analog zu den anderen Speichertypen auf t¨
ag-
licher Basis mit st¨
undlicher Aufl¨
osung f¨
ur ein Jahr im Beispielenergiesystem op-
timiert. Die Ergebnisse werden ebenfalls nach Kosten, integrierten Erneuerbaren
Energien und CO2-Emissionen bewertet und entstehen durch Vergleich der unge-
steuerten mit den optimierten BHKWs. Am Markt sind eine Vielzahl verschiedener
BHKWs mit unterschiedlichen Leistungswerten, Parametern und Techniken ver-
f¨
ugbar. Der Fokus liegt jedoch auf dem Verhalten aus Netzsicht und unterscheidet
sich von daher nur in installierter Anlagenleistung und elektrischem Wirkungsgrad.
Simulationsparameter
F¨
ur die Simulation werden drei verschiedene BHKW-Typen simuliert. Die techni-
schen Details r¨
ucken bei der Betrachtung in den Hintergrund und nur die f¨
ur das
Energieversorgungsnetz relevanten Aspekte werden modelliert. Je nach Anlagen-
gr¨
oße und eingesetzter Technik sind elektrische Wirkungsgrade von 26 % bis zu
43 % realisierbar. Die Simulation wird daher f¨
ur drei BHKWs mit verschiedenen
Wirkungsgraden durchgef¨
uhrt. Je h¨
oher der elektrische, desto geringer ist der ther-
mische Wirkungsgrad, wobei der Gesamtwirkungsgrad der BHKW einheitlich bei
90 % liegen soll. In der Praxis variiert er zwar zwischen 86 % und 91 %, die Ergeb-
nisse sollen jedoch m¨
oglichst vergleichbar sein. F¨
ur die Einsatzkosten und die spezi-
fischen CO2-Emissionen wird angenommen, dass die BHKWs mit Erdgas befeuert
werden und ¨
ahnliche Kosten und CO2-Emissionen wie Gasturbinenkraftwerke ha-
ben, also 90 Euro und 600 kg pro MWh. Die installierte Anlagenleistung richtet
sich, um die Anlagen untereinander vergleichbar zu machen, nach der thermischen
Last des Einfamilienhauses MIWE E121. Dies f¨
uhrt dazu, dass das effiziente BH-
KW mit 43 % elektrischem Wirkungsgrad die h¨
ochste Anlagenleistung hat. Da bei
den W¨
armepumpen bereits der Einfluss der dreifachen Anlagenleistung ermittelt
wurde, wird bei den BHKW der Einsatz eines zehnfachen Wasserspeichers in ei-
nem vierten BHKW-Typ untersucht. Die Anzahl der optimierten BHKW richtet
sich wieder nach der Stadt Berlin im Jahr 2040 als Modellregion. Es sollen 20 %
von den rund 142.000 Ein- und Zweifamilienh¨
ausern in Berlin mit ansteuerbaren
BHKWs ausgestattet sein. Ebenfalls werden wieder zwei Szenarien mit Jahresver-
br¨
auchen von 83 TWh und 106 TWh, im Folgenden niedriger und hoher Lastfall
genannt, simuliert.
104
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.11.: Unterschiedene Blockheizkraftwerke mit Wasserspeichergr¨
oße
Typ BHKW ηel ηges Pmax elektrisch
in kW
Wasserspei-
cher in
l
1 Uneff. BHKW 0,26 0,9 20 1000
2 Regul¨
ares BHKW 0,35 0,9 23,2 1000
3 Effizientes BHKW 0,43 0,9 27,2 1000
4 Regul¨
ares BHKW mit
großem Speicher
0,33 0,9 23,2 10000
4.3.4. Ergebnisse
Die Ergebnisberechnung verl¨
auft ¨
aquivalent wie bei Elektrofahrzeugen und W¨
ar-
mepumpen aus den vorangegangenen Abschnitten 3.4.2 und 4.2.4 ab. Anhand von
vorl¨
aufigen Day-Ahead“-Nodalpreisen einer optimalen Leistungsflussberechnung
optimieren die BHKW ihr Einspeiseprofil. Die abschließende optimierte Leistungs-
berechnung wird mit der vorherigen verglichen und es werden Aussagen zu Kosten,
integrierten Erneuerbaren Energien und CO2-Emissionen getroffen. Abbildung 4.15
verdeutlicht den Ablauf.
105
4.3. Blockheizkraftwerke
optimale Leistungs-
Optimierung
Blockheizkraftwerke
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der BHKW
BHKW-Profil
Nodalpreise
Nodalpreise
BHKW-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
Abbildung 4.15.: Ablauf der Ergebnisberechnung der BHKW
Optimiertes Blockheizkraftwerk-Erzeugungsprofil
In Abbildung 4.16 sind die Leistungen und Speicherzust¨
ande der BHKW des Typs
1 am Tag mit den h¨
ochsten Kosteneinsparungen dargestellt. Im obersten Verlauf ist
die Leistungsaufnahme aus dem Netz mit dicken blauen und die Leistungsabgabe
aus dem Wasserspeicher in die Innenr¨
aume mit d¨
unnen roten Balken dargestellt.
Da die BHKW elektrische Leistung in das Netz einspeisen, ist ihre Leistungsauf-
nahme aus dem Netz per Definition negativ. An den konstant hohen Leistungen
erkennt man, dass es sich um einen kalten Tag handelt. Besonders ausgepr¨
agt sind
die drei Stunden von 3:00 bis 6:00 Uhr, in denen die Innentemperatur aus der
Nachtabsenkung auf die Tagesmindesttemperatur gesteigert wird. Der Zeitraum
zum Verlassen der Nachtabsenkung wurde zu drei Stunden gew¨
ahlt, damit die
Leistungsspitze geringer ist und so die installierte thermische Leistung der BHKW
geringer ausgef¨
uhrt werden kann, was sich n¨
aher an der Praxis orientiert. Eine Auf-
heizung um 1 C innerhalb einer Stunde w¨
urde Aufgrund der hohen Kapazit¨
at des
Geb¨
audes eine sehr hohe und damit im konventionellen Betrieb unwirtschaftliche
Anlagenleistung der BHKW erfordern. Ab 20:00 Uhr beginnt die Nachtabsenkung
und das BHKW kann den Betrieb einstellen. Die Zeitspanne, in der das Haus
106
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
ohne BHKW-Betrieb auskommt, h¨
angt von der Außentemperatur, der gew¨
ahlten
Nachtmindesttemperatur sowie der Kapazit¨
at des Geb¨
audes ab.
Im Verlauf unter den ungesteuerten Leistungen sind die Temperaturen in den
Innenr¨
aumen und dem Wasserspeicher mit ihren Grenzen angegeben. Die obere
Grenze der Innentemperatur ist, im Gegensatz zu den sp¨
ater behandelten Kli-
mager¨
aten, bei der BHKW-Betrachtung jedoch nicht aktiv und kann an warmen
Sommertagen ¨
uberschritten werden. Der ungesteuerte Betrieb h¨
alt beide Grenzen
an ihrer unteren Schwelle ein und reduziert somit die Transmissionsverluste auf
ein Minimum.
Im dritten Verlauf sind die vorl¨
aufigen Day-Ahead Spot-Preise zu sehen, wie sie
im Energiesystem mit den ungesteuerten BHKW berechnet wurden. Bis 14:00 Uhr
setzen Braunkohlekraftwerke den Grenzpreis, w¨
ahrend von 14:00 bis 21:00 Uhr
Windkraftanlagen wegen Nachfragemangel gedrosselt werden m¨
ussen und so das
Grenzkraftwerk darstellen.
Die optimierten elektrischen Leistungsfl¨
usse zwischen BHKW und Netz in blau
und die thermischen Leistungsfl¨
usse zwischen Wasserspeicher und Innenr¨
aumen in
rot sind im vierten Diagramm zu sehen. Die Leistungsabgabe in das Netz findet
ausschließlich in Stunden mit hohen Preisen statt. Von 14:00 bis 21:00 Uhr, also
in den Stunden, in denen Windkraftanlagen gedrosselt werden m¨
ussen, speisen die
BHKW nicht in das Netz ein. Die kalten Außentemperaturen machen einen erneu-
ten Betrieb in den letzten beiden Stunden des Tages erforderlich.
Im untersten Verlauf sind die Temperaturen in den Innenr¨
aumen und dem Was-
serspeicher bei optimierter Betriebsweise zu sehen. In den ersten zwei Stunden
wird der Wasserspeicher auf seine Maximaltemperatur aufgeheizt. Von 8:00 Uhr
bis 14:00 Uhr wird zus¨
atzlich die Innentemperatur erh¨
oht, um die dortige Spei-
cherkapazit¨
at zu nutzen. Die maximale Innentemperatur um 14:00 Uhr reicht aus,
um in den n¨
achsten acht Stunden den BHKW-Betrieb einzustellen. Dabei sinkt die
Innentemperatur Aufgrund von Transmissions- und L¨
uftungsw¨
armeverlusten und
gleichzeitig die Wassertemperatur durch die Entnahme von warmem Brauchwasser.
Um 19:00 Uhr wird die sich im Wasserspeicher befindliche W¨
arme auf die Innen-
r¨
aume ¨
ubertragen, was um 20:00 Uhr zum Erreichen der Mindestinnentemperatur
notwendig ist. Ab 20:00 Uhr beginnt die Nachtabsenkung und die Innentemperatur
kann weiter absinken ohne die Temperaturgrenzen zu verletzen.
107
4.3. Blockheizkraftwerke
Abbildung 4.16.: Ungesteuertes und optimiertes BHKW-Einspeiseprofil mit Rand-
bedingungen - Typ 1
108
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Kostenreduktion bei Blockheizkraftwerken
In Abbildung 4.17 sind die ungesteuerten und optimierten Kosten der BHKW-
Typen 1 und 3 kumulativ ¨
uber das Jahr aufgezeichnet. Die prozentualen Angaben
sind auf die ungesteuerten Kosten des Typ 1 normiert. Zus¨
atzlich ist f¨
ur Typ 1
noch der hohe Lastfall abgebildet, um dessen Einfluss aufzuzeigen.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
25
50
75
100
150
200
225
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Basis (100%): Typ 1 − ungesteuert
Typ 1 (0,26/0,64) − optimiert
Typ 1 − optimiert hoher Lastfall
Typ 3 (0,43/0,47) − ungesteuert
Typ 3 (0,43/0,47) − optimiert
Abbildung 4.17.: Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der BHKW Typen 1
und 3
Ausgehend vom ungesteuerten Verlauf des Typs 1, der bei 100 % am Ende des
Jahres liegt, erkennt man den optimierten Verlauf direkt darunter nur schwer.
Gleiches gilt f¨
ur den ungesteuerten und optimierten Verlauf von Typ 3, die zwar
mit 225,2 % sehr deutlich ¨
uber Typ 1 liegen, sich untereinander aber kaum un-
terscheiden. Tats¨
achlich sind die Kosteneinsparungen bei Typ 1 mit 1,54 % und
Typ 3 mit 1,23 % minimal. Dieser Umstand ist den relativ hohen Brennstoffkosten
der BHKW geschuldet. Bei einem mit Erdgas oder Heiz¨
ol befeuertem BHKW mit
einem Gesamtwirkungsgrad von 90 % liegen die Kosten pro erzeugter elektrischer
Kilowattstunde bei 10 Cent. Im Energiesystem der Zukunft werden h¨
aufig Erneu-
erbare Kraftwerke, die g¨
unstiger als Braunkohlekraftwerke anbieten, den Grenz-
preis bestimmen. Die Erzeugungskosten f¨
ur eine elektrische Kilowattstunde liegen
dann oft unterhalb von 3,6 Cent, in dieser Arbeit wird f¨
ur Erneuerbare 1 Cent
pro kWh angenommen. Der von den BHKWs eingespeiste Strom ist wirtschaftlich
109
4.3. Blockheizkraftwerke
nicht konkurrenzf¨
ahig. Daher ist der Preis von Typ 3 beim 2,25-fachen des Typs
1, da der elektrische Wirkungsgrad mit 0,43 fast doppelt so hoch ist. Der Grund
f¨
ur die geringen Einsparungen liegt an der viel kleineren Preisdifferenz, die die
Optimierung nutzen kann. Verschiebt sich eine Last von einer Stunde mit Braun-
kohlegrenzpreis (3,6 Cent) in eine Stunde mit Wind- oder Photovoltaikgrenzpreis
(1 Cent), k¨
onnen die Kosten in dieser Stunde um 72,2 % gesenkt werden. Wird die
Einspeisung eines BHKW von einer Stunde mit einem Grenzpreis von einem Cent
in eine Stunde mit 3,6 Cent Grenzpreis verschoben, betr¨
agt die Kosteneinsparung
nur 28,9 %. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Eine W¨
armepumpe, die 3 kWh
verschieben kann, hat 5 kWh Nachfrage in Stunde 1 und in Stunde 2. Der Preis
in Stunde 1 wird von Erneuerbaren zu 10 Cent pro Kilowattstunde gesetzt, in
Stunde 2 bildet ein Braunkohlekraftwerk mit 35 Cent/kWh das Grenzkraftwerk.
Die W¨
armepumpe verschiebt die 3 kWh aus Stunde 2 in Stunde 1, heizt also vor
und zahlt f¨
ur die aufgenommenen 10 kWh 1,50 e, 8 kWh zu 10 Cent und 2 kWh
zu 35 Cent. Die Einsparung betr¨
agt 2,25 e1,50 e= 75 Cent, was 33,3 % der
ungesteuerten Kosten ausmacht. Das BHKW hingegen speist in jeder Stunde un-
gesteuert 5 kWh ein, was mit Betriebskosten von 90 Cent pro kWh verbunden ist,
denn es wird prim¨
ar die thermische Energie ben¨
otigt. Es verschiebt die 3 kWh nun
von Stunde 1 in Stunde 2, da dort der Verdienst h¨
oher ausf¨
allt, dazu muss das
Geb¨
aude nat¨
urlich in Stunde 1 ausreichend aufgeheizt sein, um auf einen Teil des
Betriebs des BHKWs verzichten zu k¨
onnen. Die Energiekosten im ungesteuerten
Fall betragen: 5 ·(90 e10 e) + 5 ·(90e35 e) = 6,75 e. Im optimierten Fall:
2·(90 e10 e)+8·(90 e35 e) = 6e. Die Einsparungen betragen beim BHKW
damit 75 Cent oder 11,1 % der Kosten des ungesteuerten Falls. W¨
aren die Kosten
im Energiesystem insgesamt hoch, w¨
urden sich die Ergebnisse umkehren und das
BHKW h¨
atte die h¨
oheren Einsparungen.
Der Verlauf des Typ 1 im hohen Lastfall zeigt, dass die Kosten geringer werden je
h¨
oher die Preise im Energiesystem sind. Die Einsparungen zu den Kosten des un-
gesteuerten Betriebs sind in Abbildung 4.17 jedoch nicht ersichtlich, da die Kosten
des optimierten Typ 1 im HLF auf die ungesteuerten des NLFs normiert wurden.
Sie liegen mit 2,46 % deutlich ¨
uber denen des NLF. Da auch der Mehrverbrauch
fast beim Doppelten des NLF liegt, kann davon ausgegangen werden, dass die
BHKW im HLF deutlich ¨
ofter ihre Einspeisung verschieben. Es gab also h¨
aufiger
lohnende Preisdifferenzen. W¨
ahrend im NLF an Tagen mit hoher Einspeisung aus
Erneuerbaren wenn ¨
uberhaupt nur wenige Stunden konventionelle Kraftwerke mit
geringen Leistungen ben¨
otigt werden, ist dies im HLF h¨
aufiger der Fall. Die BH-
KW verschieben bei diesen Gegebenheiten gr¨
oSSere Mengen ihrer Einspeisung in
die Stunden, in denen konventionelle Kraftwerke den Grenzpreis setzen.
Die Kostenverl¨
aufe der Typen 2 und 4, die sich nur durch den Wasserinhalt des
Speichers unterscheiden, werden in Abbildung 4.18 gezeigt.
110
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Basis (100%): Typ 2 und 4 − ungesteuert
Typ 2 (0,35/0,55) − optimiert
Typ 4 (0,35/0,55 10000 l) − optimiert
Abbildung 4.18.: Ungesteuerte und optimierte Energiekosten der BHKW-Typen 2
und 4
Die optimierten Verl¨
aufe der Typen 2 und 4 sind optisch kaum voneinander zu
unterscheiden. Einsparungen von 1,41 % beim Typ 2 stehen Einsparungen von
1,62 % beim Typ 4 gegen¨
uber. Die Verzehnfachung des Wasserspeichers von 1000
auf 10000 Liter hat die Einsparungen nur um 0,21 % erh¨
oht.
In Tabelle 4.12 finden sich die Werte der Kosteneinsparungsergebnisse f¨
ur jeden
Typ. Zus¨
atzlich ist der Mehrverbrauch jedes optimierten Typs in Prozent zu sei-
nem ungesteuerten Verbrauch enthalten. Er entsteht, wenn die Optimierung die
Innentemperatur ¨
uber ihren Minimalwert anhebt, um die Speicherkapazit¨
at des
Geb¨
audes zu nutzen. W¨
ahrend er bei Typ 1, 2 und 3 ungef¨
ahr gleich ist, hat Typ
4¨
uberhaupt keinen Mehrverbrauch. Dies liegt an der hohen Speicherkapazit¨
at
des Wasserspeichers, welche immer ausgereicht hat, die zu verschiebende Energie-
menge zu speichern ohne auf die verlustbehaftete Speicherkapazit¨
at des Geb¨
audes
zur¨
uckgreifen zu m¨
ussen. Dies l¨
asst auch den Schluss zu, dass ein um 9000 Liter
gr¨
oßerer Wasserspeicher ohne Ver¨
anderung der Anlagenleistung ¨
uberdimensioniert
ist und nicht ausgenutzt wird. Wie wenig Vorteile er bringt ist aus dem Zugewinn
der Kosteneinsparungen von nur 0,21 % zum BHKW mit 1000 Liter Wasserspei-
cher zu sehen. Im HLF zeigt Tabelle 4.12, dass die Einsparungen gegen¨
uber des
ungesteuerten Betriebs h¨
oher sind als im NLF,w¨
ahrend der fast doppelte Mehr-
111
4.3. Blockheizkraftwerke
verbrauch darauf schließen l¨
asst, dass mehr Verschiebung stattgefunden hat. Dies
liegt wie bereits erw¨
ahnt an Situationen, in denen konventionelle Kraftwerke weni-
ge Stunden am Tag ben¨
otigt werden, was im HLF h¨
aufiger auftritt. Im NLF gibt
es dagegen h¨
aufiger Tage, an denen die Erneuerbaren den ganzen Tag ¨
uber die
ben¨
otigte Leistung bereitstellen k¨
onnen.
Tabelle 4.12.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen der BHKW
Typ Anmerkung Kosten
ungesteuert
(Basis: Typ 1)
Einsparun-
gen
optimiert
Mehr-
ver-
brauch
1ηel = 0,26,
ηth = 0,64
100 % 1,54 % 0,173 %
2ηel = 0,35,
ηth = 0,55
156,6 % 1,41 % 0,172 %
3ηel = 0,43,
ηth = 0,47
225,2 % 1,23 % 0,167 %
4ηel = 0,35,
ηth = 0,55 und
10000 l
156,6 % 1,62 % 0 %
1 hoher Lastfall 90 % 2,46 % 0,308 %
Die geringen Einsparpotentiale bei Verschiebung der elektrischen Einspeisung aus
Blockheizkraftwerken machen deutlich, dass zur Anreizsetzung eine andere Ver-
fahrensweise als bei thermischen Anlagen, die im Netz als Verbraucher auftreten,
ben¨
otigt wird.
Um den Umstand der Preisr¨
uckwirkung vieler optimierter Anlagen aus den Ergeb-
nis herauszunehmen, soll in einer Detailuntersuchung das Energiesystem mit nur
einem BHKW optimiert werden, wobei dabei keine Preisr¨
uckwirkung zu erwarten
ist. Ein weiterer Aspekt, der mit in die Untersuchung aufgenommen werden soll,
ist der Verzicht auf die Nachtabsenkung, da es durch diese zu einer Einschr¨
ankung
der Flexibilit¨
at des BHKWs kommt. So f¨
uhrt die Nachtabsenkung dazu, das die
BHKW in den Morgenstunden eine hohe Einspeisung leisten m¨
ussen, um das Ge-
b¨
aude auszuheizen, w¨
ahrend sie in den Abendstunden nicht mehr Einspeisen, da
sich das Geb¨
aude abk¨
uhlt. Abbildung 4.19 zeigt die Ergebnisse der Detailuntersu-
chung, wobei durch die geringen Unterschiede der Werte der Ausschnitt der letzten
260 Stunden des Jahres gew¨
ahlt wurde.
Die Verkleinerung des Ausschnitts von 8760 auf 260 Stunden l¨
asst die Beobachtung
der Nachtabsenkung in den Verl¨
aufen zu. Die Optimierung der Einzelanlage f¨
uhrt
zu etwa 25 % h¨
oheren Einsparungen im Vergleich zur Optimierung mit 28.400
112
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
8500 8760
90
95
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Basis (100%): Typ 4 (0,35/0,55 10000l) − ungesteuert
Typ 4 − optimiert
Typ 4 − Einzelanlage
Typ 4 − Einzelanlage ohne Nachtabsenkung
Abbildung 4.19.: Detaillierte Betrachtung des BHKW Typs 4
Anlagen. Der Verzicht auf die Nachtabsenkung hat einen negativen Effekt, anders
als bei der Detailuntersuchung der W¨
armepumpen. Die h¨
oheren Transmissions-
verluste w¨
ahrend der Nachtstunden k¨
onnen nicht durch den Flexibilit¨
atsgewinn
ausgeglichen werden. W¨
urden sich die Einsparungen beim Simulationsfall ohne
Nachtabsenkung auf die eigenen Kosten im ungesteuerten Fall beziehen, erreichen
die Einsparungen 2,99 %, eine Verbesserung durch den Flexibilit¨
atsgewinn ist al-
so durchaus vorhanden. Jedoch liegen die ungesteuerten Kosten h¨
oher, da durch
den Verzicht auf Nachtabsenkung auch h¨
oheren Transmissionsverluste einherge-
hen, die das BHKW bedienen muss. Aus diesem Grund sind die Einsparungen auf
die Kosten des ungesteuerten Falls der Einzelanlagenuntersuchung mit Nachtab-
senkung bezogen. Es zeigt sich, dass sich die Einsparung um 0,35 Prozentpunk-
te verschlechtert, weshalb festgehalten werden kann, dass der Flexibilit¨
atsgewinn
durch die insgesamt h¨
oheren Kosten mehr als kompensiert wird. Dieser Effekt wird
sich bei Erh¨
ohung der Anlagenleistung ver¨
andern, da die Erh¨
ohung mit einer Stei-
gerung der Flexibilit¨
at einhergeht. Die Kostenbetrachtung in Tabelle 4.13 stellt
abschließend die Werte der detaillierten Untersuchung dar.
113
4.3. Blockheizkraftwerke
Tabelle 4.13.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen: Detailbetrachtung BHKW
Typ 4
Anmerkung Kosten optimiert (Basis: Typ 4
ungesteuert)
Einspa-
rungen
28.400 St¨
uck 98,38 % 1,6216 %
Einzelanlage 98,02 % 1,9765 %
Einzelanlage ohne
Nachtabsenkung
98,38 % 1,6221 %
Integration Erneuerbarer Energie durch Blockheizkraftwerke
Integration Erneuerbarer Energie findet immer dann statt, wenn durch die Ver-
schiebung Nachfrage in Stunden geschaffen werden kann, in denen die Erneuer-
baren gedrosselt werden m¨
ussen. Im Beispiel der BHKW bedeutet dies, dass sie
in diesen Stunden m¨
oglichst nicht in Betrieb sind und ihren thermischen Speicher
vorher gef¨
ullt haben sollten. Abbildung 4.20 zeigt die Verl¨
aufe der integrierten Er-
neuerbaren durch die Einspeiseverschiebung aller vier behandelten Typen sowie
f¨
ur Typ 3 im HLF.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
.5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
5
5,5
Stunden
Integrierte erneuerbare Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 1 (0,26/0,64)
Typ 2 (0,35/0,55)
Typ 3 (0,43/0,47)
Typ 3 hoher Lastfall
Typ 4 (0,35/0,55 10000l)
Abbildung 4.20.: Integrierte Erneuerbare Energie durch optimierte BHKW
Das Profil aller Typen hat eine ¨
ahnliche Form, unterscheidet sich aber von dem
114
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
der W¨
armepumpen, da die BHKW genau in den entgegengesetzten Verh¨
altnissen
Erneuerbare integrieren. Werden in den ersten Stunden des Tages Erneuerbare
abgeschaltet, laufen die W¨
armepumpen mit voller Leistung, um die Anhebung
aus der Nachtabsenkung schon fr¨
uher zu bewerkstelligen, w¨
ahrend die BHKW ih-
ren Betrieb einstellen sollten, was jedoch durch die hohe thermische Nachfrage in
dieser Zeit ihre Randbedingungen verletzten w¨
urde. M¨
ussen die Erneuerbaren im
Gegensatz dazu in den Abendstunden gedrosselt werden, k¨
onnen die BHKW ihre
Speicher vorher f¨
ullen und den Betrieb fr¨
uhzeitig einstellen, w¨
ahrend der Betrieb
der W¨
armepumpen gerade dort stattfinden sollte, dies aber Aufgrund der geringen
thermischen Nachfrage nicht im gew¨
unschten Umfang m¨
oglich ist.
Der Typ 1 mit dem geringsten elektrischen Wirkungsgrad integriert, bezogen auf
die w¨
ahrend des Jahres eingespeiste Energie, am meisten Erneuerbare. Danach
kommt Typ 4 mit dem mittleren elektrischen Wirkungsgrad und dem großen Was-
serspeicher, gefolgt von seinem ¨
Aquivalent mit normalem Wasserspeicher, Typ 2.
Typ 3 integriert im HLF mehr Erneuerbare als im NLF, was weder bei W¨
armepum-
pen noch bei Elektrofahrzeugen der Fall war. Eine Analyse erfolgt im ¨
ubern¨
achsten
Absatz. Die absoluten Zahlen, die in Tabelle 4.16 angegeben werden, drehen den
ersten und den letzten Platz, wie schon bei den W¨
armepumpen, um. Da die elektri-
sche Leistung des Typs 3 sehr hoch ist, integriert er auch die meiste erneuerbaren
Energie. In Jahressumme entspricht die eingespeiste elektrische Energie des Typs
1 nur 60 % der des Typs 4. Entsprechend gering f¨
allt auch die absolute Zahl inte-
grierter Megawattstunden aus Erneuerbaren aus.
Insgesamt werden weniger Erneuerbare integriert als bei den W¨
armepumpen. Die
Ursache daf¨
ur ist dem Umstand der Einspeisung geschuldet. W¨
ahrend W¨
armepum-
pen ihren Betrieb in niedrigpreisigen Stunden signifikant erh¨
ohen k¨
onnen, haben
BHKW diese M¨
oglichkeit nicht. Sie k¨
onnen lediglich ihre Einspeisung verhindern,
die sie im ungesteuerten Betrieb geleistet h¨
atten, um Erneuerbare zu integrieren.
Eine Betrachtung der zehn Tage mit den h¨
ochsten Integrationswerten zeigt, dass
diese alle die gleiche Charakteristik aufweisen: Die ersten drei bis f¨
unf Stunden
des Tages haben ein Braunkohlekraftwerk, das den Grenzpreis setzt und in den
restlichen Stunden m¨
ussen Erneuerbare gedrosselt werden. Dies ist eher eine Som-
mercharakteristik, wo die thermische Nachfrage sehr gering ist. Bei den erw¨
ahnten
Tagen handelt es sich ausschließlich um Wintertage, die diese im Winter seltene
Charakteristik erf¨
ullen.
Im Sommer k¨
onnen BHKWs mit ihrer speziellen Charakteristik im Verh¨
altnis zum
Winter mehr integrieren als W¨
armepumpen. Beide haben in dieser Zeit nur einen
geringen thermischen Bedarf, gleichzeitig werden sehr h¨
aufig Erneuerbare gedros-
selt, insbesondere zur Mittagszeit, da viel Energie aus Photovoltaikanlagen zur
Verf¨
ugung steht. In den fr¨
uhen Stunden des Tages gibt es h¨
aufiger konventionelle
115
4.3. Blockheizkraftwerke
Grenzkraftwerke. Die W¨
armepumpen m¨
ussen die Warmwasserspitze zum morgend-
lichen Duschen versorgen und k¨
onnen ihre Nachfrage nicht in eine sp¨
atere Stunde
verschieben. Die BHKWs hingegen f¨
ullen am Anfang des Tages ihren Warmwasser-
speicher und entlasten dabei die Braunkohlekraftwerke. In den restlichen Stunden
k¨
onnen Sie ihren Betrieb einstellen und die Erneuerbaren m¨
ussen weniger stark ge-
drosselt werden. Ein zweiter Aspekt in der Sommerperiode sind die Tage, an denen
nur an wenigen Stunden keine Drosselung Erneuerbarer stattfindet. Die W¨
arme-
pumpen k¨
onnen dann nur sehr geringe Mengen integrieren, n¨
amlich nur so viel
wie sie in diesen wenigen Stunden im ungesteuerten Fall aufgenommen h¨
atten.
Die BHKWs hingegen k¨
onnen ihren Tagesbedarf an thermischer Energie gezielt in
den wenigen Stunden mit Braunkohlegrenzkraftwerken in den Speicher laden und
durch ihre Einspeisung diese entlasten bzw. ersetzen. Im Winter ist es genau um-
gekehrt: Da die Erneuerbaren vornehmlich in den Nachtstunden gedrosselt werden
m¨
ussen, k¨
onnen die W¨
armepumpen ihre Speicher in den fr¨
uhen Stunden des Tages
mit voller Leistung f¨
ullen. Der Betrieb der BHKW hingegen sollte besser verscho-
ben werden, was Aufgrund des hohen thermischen Bedarfs in den Morgenstunden
(Verlassen der Nachtabsenkung, Warmwasser f¨
ur das morgendliche Duschen) nicht
m¨
oglich ist.
Ein Vergleich des hohen mit dem niedrigen Lastfall offenbart eine weitere Beson-
derheit der BHKW. W¨
ahrend bei den W¨
armepumpen die Integration Erneuerbarer
im HLF geringer ist als im NLF, k¨
onnen die BHKW im HLF sogar mehr Erneu-
erbare integrieren. Eine detaillierte Analyse der Simulationsergebnisse des HLFs
zeigt den Grund daf¨
ur auf. Untersucht man die drei Tage, in denen die Differenz aus
Integration im HLF und Integration im NLF am h¨
ochsten ist, ergibt sich in allen
F¨
allen die gleiche Charakteristik. Abbildung 4.21 zeigt den Verlauf im NLF. Wie
bereits erw¨
ahnt sind die Sommertage f¨
ur die Verschiebung mit BHKW insgesamt
g¨
unstig, es gibt aber insbesondere im NLF h¨
aufiger Tage, in denen die Erneuerba-
ren den ganzen Tag ¨
uber gedrosselt werden m¨
ussen. Nachts ist mehr Windenergie
im Netz vorhanden als die ohnehin schon geringe Nachfrage, und tags¨
uber steigt
zwar die Nachfrage, gleichzeitig herrscht aber ein ¨
Uberangebot aus PV-Anlagen.
Im HLF kommt es hingegen seltener zu den ganzt¨
agig gleichen Grenzpreisen, da
hier die Nachfrage insgesamt h¨
oher ist, so dass zumindest nachts die Nachfrage die
Windenergieeinspeisung ¨
ubersteigt. Das sich im HLF dann einstellende Profil ist
f¨
ur die BHKW, wie bereits dargelegt, g¨
unstig.
Tabelle 4.14 gibt die Integrationswerte erneuerbarer Energie und die Summe der
w¨
ahrend des Jahres eingespeisten Energie an.
116
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.14.: ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch BHKW
Typ Anmerkung Int.
Erneuer-
barer
Jahresener-
gienachfr.
ungest.
Int.
Erneuerbarer
absolut
1ηel = 0,26,
ηth = 0,64
5,03 % -4495,4 kWh 226,1 kWh
2ηel = 0,35,
ηth = 0,55
4,93 % -7041,7 kWh 347,0 kWh
3ηel = 0,43,
ηth = 0,47
4,77 % -10123,8 kWh 482,7 kWh
4ηel = 0,35,
ηth = 0,55 und
10000 l
4,84 % -7041,7 kWh 340,5 kWh
1 hoher Lastfall 5,36 % -4495,4 kWh 240,9 kWh
117
4.3. Blockheizkraftwerke
Abbildung 4.21.: Detailanalyse: Integrierte erneuerbare Energie durch optimierten
BHKW Betrieb Typ 3 - NLF
118
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Abbildung 4.22.: Detailanalyse: Integrierte erneuerbare Energie durch optimierten
BHKW Betrieb Typ 3 - HLF
119
4.3. Blockheizkraftwerke
CO2-Emissionsreduzierung durch Blockheizkraftwerke
Um den Betrieb der BHKW abzusch¨
atzen, wurde bereits die Annahme getroffen,
dass es sich beim Brennstoff um Erdgas handelt. Die Gewinnung einer thermi-
schen Megawattstunde aus Erdgas ist mit 220 kg CO2-Emissionen verbunden. Der
elektrische Wirkungsgrad beschreibt, wie viel von dieser thermischen Energie in
elektrische Energie umgewandelt werden kann. Bei der Einspeisung einer elektri-
schen Megawattstunde emittierten die BHKW demnach 220
ηel kg CO2. Dies f¨
uhrt bei
Typ 1 zu 777 kg, bei Typ 2 und 4 zu 577 kg und bei Typ 3 zu 470 kg spezifischen
Emissionen pro eingespeister Megawattstunde. Durch die Einspeiseverschiebung
im optimierten Fall ver¨
andern sich die geplanten Kraftwerkseins¨
atze und f¨
uhren
zu anderen CO2-Emissionen als bei ungesteuertem Betrieb. In Abbildung 4.23 wer-
den diese Einsparungen in Prozent bezogen auf die von den BHKW emittierten
CO2-Emissionen dargestellt.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Stunden
CO2−Reduktion in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 1 (0,26/0,64)
Typ 2 (0,35/0,55)
Typ 3 (0,43/0,47)
Typ 3 hoher Lastfall
Typ 4 (0,35/0,55 10000l)
Abbildung 4.23.: CO2-Emissionsreduktion durch optimierte BHKW
Die Verl¨
aufe bewegen sich f¨
ur alle Typen im NLF im Bereich von 5,8 bis 10,2 Pro-
zent. Die Emissionsreduktion ist die Differenz zwischen st¨
undlichen CO2-Emissionen
des Energiesystems mit ungesteuertem Betrieb der BHKW und den CO2-Emissionen
des Energiesystems mit optimiertem Betrieb der BHKW. Die ausgepr¨
agten Spit-
zen entstehen, wenn hohe Leistungen im optimierten Fall in einzelnen Stunden
eingespeist werden und die thermischen Speicher laden. Durch die Substitution
120
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
der konventionellen Kraftwerke in diesen Stunden ergibt sich eine hohe Redukti-
on, die aber in den folgenden Stunden gleich wieder abgebaut wird, da dort dann
kein BHKW-Betrieb mehr stattfindet. Die Spitzen treten bei allen Typen auf, am
ausgepr¨
agtesten bei Typ 3, da hier durch den geringsten thermischen Wirkungs-
grad hohe elektrische Leistungen mit dem Netz ausgetauscht werden. Im Sommer,
wenn die thermische Nachfrage gering ist, sind die Spitzen bei allen Typen we-
niger ausgepr¨
agt. Die geringsten Einsparungen im NLF von 6,44 % ergeben sich
bei Typ 1, da hier recht hohen CO2-Emissionen wenig elektrische Leistung und
damit Verschiebungspotential gegen¨
ubersteht. Typ 2 hat mit 8,55 % h¨
ohere Ein-
sparungen, wobei der ¨
aquivalente Typ 4 mit großem Wasserspeicher mit einer
Reduktion um 8,06 % leicht darunter liegt. Dieser Effekt ist dem verlustlosen Spei-
chern im großen Wasserspeicher geschuldet. Der Preisunterschied zwischen Braun-
und Steinkohlekraftwerken ist sehr gering. Daher lohnt es sich f¨
ur die anderen BH-
KW Typen aufgrund der h¨
oheren Transmissionsverluste nicht, das Haus in den
Stunden, in denen Steinkohlekraftwerke den Grenzpreis bilden, ¨
uber das Mini-
mum aufzuheizen. Typ 4 kann den Betrieb in diesen Stunden jedoch maximieren
und nur den verlustlosen Wasserspeicher f¨
ullen. Die eingespeisten kWh ersetzen
dann die im Vergleich zur Braunkohle mit niedrigeren spezifischen Emissionen ver-
bundenen Steinkohlekraftwerke. Daher werden weniger Emissionen eingespart, als
wenn Braunkohlekraftwerke substituiert werden. Typ 3 mit seinem hohen elektri-
schen Wirkungsgrad hat die h¨
ochsten Einsparungen von 10,20 %. Die absoluten
CO2-Emissionsreduktionen haben bei den BHKW die selbe Rangfolge wie die pro-
zentualen, im Gegensatz zur Integration Erneuerbarer. Die Ursache liegt in den
unterschiedlichen spezifischen CO2-Emissionen. W¨
ahrend bei der Integration Typ
1 absolut gesehen nur wenig Erneuerbare integriert hat, war der prozentuale Anteil
am h¨
ochsten, da nur wenig Energie insgesamt ins Netz eingespeist wurde. Bei den
CO2-Emissionen hat Typ 1 den h¨
ochsten Wert von 777 kg pro Megawattstunde. Es
k¨
onnen durch die geringeren elektrischen Energieeinspeisungen ins Netz nur wenig
CO2-Emissionen reduziert werden, die Ungesteuerten sind hier aber gr¨
oßer als bei
den anderen Typen.
Die h¨
ochste CO2-Emissionsreduktionen erreicht Typ 3 im HLF, was wie bei der
Integration Erneuerbarer an den g¨
unstigeren Preisprofilen liegt. Der gr¨
oßere Effekt
bei den CO2-Emissionen im Vergleich zur Integration kommt bei Typ 3 durch die
geringen Eigenemissionen dank des hohen elektrischen Wirkungsgrades. Tabelle
4.15 listet die Ergebnisse auf.
121
4.3. Blockheizkraftwerke
Tabelle 4.15.: ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch BHKW
Typ Anmerkung CO2-Ein-
sparungen
Jahresem.
ungest.
CO2-
Einsparungen
absolut
1ηel = 0,26,
ηth = 0,64
6,44 % 3492,6 kg 224,9 kg
2ηel = 0,35,
ηth = 0,55
8,55 % 4064,1 kg 347,5 kg
3ηel = 0,43,
ηth = 0,47
10,2 % 4755,8 kg 485,1 kg
4ηel = 0,35,
ηth = 0,55 und
10000 l
8,06 % 4064,1 kg 327,5 kg
1 hoher Lastfall 5,84 % 3492,6 kg 204,0 kg
Vergleich der Ergebnisse der untersuchten Blockheizkraftwerke
Tabelle 4.16 enth¨
alt alle Ergebnisse sowohl f¨
ur den hohen als auch f¨
ur den niedrigen
Lastfall.
122
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.16.: Ergebnisvergleich der untersuchten Blockheizkraftwerke
BHKW-
Typen
Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4
Lastfall nied-
rig
hoch nied-
rig
hoch nied-
rig
hoch nied-
rig
hoch
Kostenred.
in %
1,54 2,46 1,41 2,10 1,23 1,81 1,62 2,51
Int. EE in
kWh
226,1 240,9 347,0 364,2 482,7 509,5 340,5 363,4
Integrierte
EE in %
5,03 5,36 4,93 5,17 4,77 5,03 4,84 5,16
CO2-Red.
in kg
224,9 204,0 347,5 311,2 485,1 435,9 363,4 284,5
CO2-Red.
in %
6,44 5,84 8,55 7,66 10,2 9,2 8,06 7,00
4.4. K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate
4.4.1. Modellerstellung von K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
aten im
Verbund
F¨
ur die Untersuchung des Verschiebungspotentials von K¨
uhl- und Gefrierschr¨
an-
ken wird jeweils ein Typvertreter modelliert. Als Vorbild f¨
ur das Modell eines
K¨
uhlschranks dient der
VS 108.1 Vollraumk¨
uhlschrank“, f¨
ur das Modell eines Tief-
k¨
uhlschranks der GS 165.1 *(***) Gefrierschrank“. Die technischen Datenbl¨
atter
befinden sich im Anhang A.3.3. Die thermische Modellierung f¨
ur beide Ger¨
ate teilt
sich auf in die Bestimmung der W¨
armefl¨
usse durch Transmission und T¨
ur¨
offnun-
gen auf der einen Seite und die thermische Kapazit¨
at, welche haupts¨
achlich durch
die enthaltenen Lebensmittel bereitgestellt wird, auf der anderen Seite.
Thermische Energiefl¨
usse bei K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
aten
Die thermischen Energiefl¨
usse teilen sich auf in Transmissionsw¨
armefl¨
usse und
sonstige W¨
armefl¨
usse. Die Transmissionsw¨
armefl¨
usse finden ¨
uber die Außenh¨
ul-
le des Ger¨
ates statt. Aus den gegebenen Abmessungen beider Ger¨
ate lassen sich
die Fl¨
achen der vier Seiten sowie Ober- und Unterseite bestimmen. Beim K¨
uhl-
schrank (KS) mit h= 0,845 m, b= 0,545 m und t= 0,57 m ergeben sich die
123
4.4. K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate
Fl¨
achen zu:
AKS,Seiten = 1,88 m2
AKS,Oben =AKS,Unten = 0,31 m2
Beim Tiefk¨
uhlschrank (TKS) mit h= 0,84 m, b= 0,494 m und t= 0,494 m zu:
ATKS ,Seiten = 1,66 m2
ATKS,Oben =ATKS,Unten = 0,24 m2
F¨
ur die Bestimmung der Transmissionsw¨
armefl¨
usse wird wie folgt vorgegangen:
Der Wandaufbau besteht f¨
ur moderne K¨
uhlschr¨
anke aus einer 50mm und f¨
ur Tief-
k¨
uhlschr¨
anke aus einer 70mm starken Polyurethanschicht [46], die zwischen zwei
2mm dicken Kunststoffschalen eingebettet ist (siehe Abbildung: 4.24).
1 2 3
-140
-120
-100
-80
-60
-40
-20
0
0 1 2 3 4 5
[cm]
Außen
Innen www.u-wert.net
Abbildung 4.24.: Wandaufbau K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlschrank
Mit den W¨
armeleitf¨
ahigkeiten f¨
ur Polyurethan und die Kunststoffschicht von
λPUR = 0,019 W
mK und λKS = 0,023 W
mK berechnet sich der W¨
armedurchlasswi-
derstand Rlder Wand nach Formel (4.31).
Rl=dl
λl
(4.31)
RKS,l = 2,6490 m2K
W
RTKS,l = 3,7016 m2K
W
Die Berechnung des W¨
armedurchgangskoeffizienten Ukerfolgt, in dem f¨
ur die W¨
ar-
me¨
ubergangswiderst¨
ande an der Innenseite Rsi und an der Außenseite Rse Werte
124
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
aus der DIN EN ISO 6946 herangezogen werden. Zu ber¨
ucksichtigen ist, dass Rsi
von der Richtung des W¨
armestroms abh¨
angt, w¨
ahrend f¨
ur die Außenseiten stets
Rse = 0,04 gilt. Die Seitenw¨
ande mit horizontalem W¨
armestrom haben einen
W¨
arme¨
ubergangswiderstand Rsi von 0,13, die Oberseite mit abw¨
arts gerichtetem
W¨
armestrom von 0,17 und die Unterseite mit aufw¨
arts gerichtetem W¨
armestrom
von 0,1. Daraus ergeben sich die drei W¨
armedurchgangskoeffizienten nach Formel
(4.32) zu:
Uk=1
Rse +PlRl+Rsi
(4.32)
UKS,Seite = 0,3547 W
m2K
UKS,Oben = 0,3498 W
m2K
UKS,Unten = 0,3586 W
m2K
UTKS,Seite = 0,2583 W
m2K
UTKS,Oben = 0,2556 W
m2K
UTKS,Unten = 0,2603 W
m2K
Die Transmissionsw¨
armefl¨
usse ergeben sich nach Formel (4.33) mit den berechne-
ten Fl¨
achen, W¨
armedurchgangskoeffizienten Uk[47] und W¨
armebr¨
uckenkoeffizien-
ten von pauschal 0,05 W
m2Knach DIN V 4108-6 zu:
˙
Qtrans,h =X
k
[(Ak·Uk) + (Ak·UWB,k)] ·T(4.33)
˙
QKS,trans,h = 1,014 W
K·T
˙
QTKS,trans,h = 0,662 W
K·T
Das Tbezieht sich auf den Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außen-
temperatur. F¨
ur die Innentemperatur werden im K¨
uhlschrank bei konventionellem
Betrieb konstant 7 C und im Tiefk¨
uhlschrank konstant -18 C angenommen. F¨
ur
die Außentemperatur, die außerhalb des K¨
uhlger¨
ats herrscht, wird f¨
ur beide eine
Wohnraumtemperatur von 21 C gew¨
ahlt.
125
4.4. K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate
Die sonstigen W¨
armefl¨
usse entstehen durch T¨
ur¨
offnungen mit Warmlufteintr¨
agen
und Erw¨
armung durch Beleuchtung sowie durch die Einlagerung von Lebensmit-
teln mit einer h¨
oheren Temperatur als der Sollinnentemperatur. Die Berechnung
dieser Vorg¨
ange erfolgt in Summe mit Hilfe des im Datenblatt angegebenen Jah-
resenergieverbrauchs und den zuvor bestimmten Transmissionsw¨
armefl¨
ussen. Da
der Jahresenergieverbrauch elektrisch, die Transmissionsw¨
armefl¨
usse aber ther-
misch angegeben sind, muss zuerst die Leistungszahl der K¨
uhlger¨
ate bestimmt
werden. Diese h¨
angt von der Innentemperatur, der maximalen Außentemperatur
nach eingeteilter Klimaklasse, sowie einem Aufschlag von 10 K zwischen Innen-
und Verdampfer-, bzw. Außen- und Verfl¨
ussigertemperatur f¨
ur den W¨
armeaus-
tausch ab. Der Modellk¨
uhlschrank hat eine w¨
armste Innentemperatur von 7 C
und ist f¨
ur die Klimaklasse N, also 32 C Außentemperatur, ausgelegt. Der Mo-
delltiefk¨
uhlschrank hat eine w¨
armste Innentemperatur von -18 C und ist f¨
ur die
Klimaklasse N und ST, also 38 C Außentemperatur, ausgelegt. Die Leistungszah-
len berechnen sich nach Formel (4.34) zu:
ε=Tinnen 10 K
2·(Taussen + 10 K) (Tinnen 10 K)) (4.34)
εKS =273 K + 7 K 10 K
2·((32 +10 K) (7 K 10 K)) =270 K
2·45 K = 3,0
εTKS =273 K 18 K 10 K
2·((38 +10 K) (18 K 10 K)) =245 K
2·76 K = 1,612
Durch die ermittelte Leistungszahl l¨
asst sich der elektrische in einen thermischen
Jahresenergiebedarf umrechnen. Bei einem f¨
ur den Modellk¨
uhlschrank angege-
benen Jahresenergieverbrauch von WKS,Jahr = 120 kWh ergibt sich ein thermi-
scher Energiebedarf von QKS,Jahr = 360 kWh. Beim Modelltiefk¨
uhlschrank mit
einem Jahresenergieverbrauch von WTKS,Jahr = 174 kWh ergeben sich thermisch
QTKS,Jahr = 280,46 kWh. Um diese thermische Energienachfrage in Bezug zu den
Transmissionsw¨
armefl¨
ussen bringen zu k¨
onnen, werden sie in der Einheit W
Kdar-
gestellt. Dazu wird die st¨
undliche thermische Leistungsnachfrage bestimmt:
˙
QKS =360 kWh
8760 h = 41,1 W
˙
QTKS =280,46 kWh
8760 h = 32,0 W
Dieser Bedarf wird nun auf den Temperaturunterschied zwischen Innen- und Au-
ßentemperatur normiert und so als ein spezifischer W¨
armeflusskoeffizient ausge-
dr¨
uckt (4.35).
126
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Hges =˙
Q
T(4.35)
HKS,ges =41,1 W
21 C7C= 2,9W
K
HTKS,ges =32,0 W
21 C 18 C= 0,8W
K
Nun kann der Energiebedarf der Transmissionsw¨
armefl¨
usse abgezogen werden, um
den ¨
ubrigen Verbrauch zu bestimmen (4.36).
Hsonstige =Hges Htrans (4.36)
Hsonstige,KS = 2,94 W
K1,01 W
K= 1,94 W
K
Hsonstige,TKS = 0,82 W
K0,66 W
K= 0,16 W
K
Die sonstigen W¨
armefl¨
usse durch T¨
ur¨
offnungen, Beleuchtung, und Lebensmitte-
leintrag h¨
oherer Temperatur werden auf die Stunden des Tages aufgeteilt. Dabei
wird unterschieden zwischen Tag und Nacht, wobei diese W¨
armefl¨
usse in den bei-
den Modellk¨
uhlger¨
aten stellvertretend f¨
ur eine große Anzahl K¨
uhlger¨
ate im Ver-
bund sind, welchen sie sp¨
ater abbilden. Der Annahme nach treten beim K¨
uhl-
schrank nur 20 % (pnacht = 0,2)und beim Tiefk¨
uhlschrank nur 10 % des sonstigen
Bedarfs in den Nachtstunden hnacht von 22 bis 6 Uhr auf. Der sonstige Bedarf in
den Tagstunden von 6 bis 22 Uhr ist um den Anteil des Mehrbedarfs, der in der
Nacht nicht auftritt, erh¨
oht. Eine detailliertere Aufteilung w¨
urde einer nicht ver-
f¨
ugbaren Datengrundlage bed¨
urfen, der Einfluss auf die hier gezeigten Ergebnisse
w¨
are jedoch sehr gering. In Formel (4.37) wird der st¨
undliche thermische Energie-
bedarf durch Transmission und Sonstige, aufgeteilt in Tages- und Nachtstunden
angegeben. Dazu wurde der sonstige Bedarf in den acht Nachtstunden um 80 %
bzw. 90 % reduziert und den 16 Tagstunden hinzugerechnet.
Hnacht =Htrans +pnacht ·Hsonstige
Htag =Htrans + (1 + (1 pnacht)·hnacht
24 hnacht
)·Hsonstige (4.37)
127
4.4. K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate
HKS,nacht = 1,01 W
K+ 0,2·1,92 W
K= 1,34 W
K
HKS,tag = 1,01 W
K+ (1 + 0,8·8
16 )·1,92 W
K= 3,70 W
K
HTKS,nacht = 0,66 W
K+ 0,1·0,16 W
K= 0,68 W
K
HTKS,tag = 0,66 W
K+ (1 + 0,9·8
16 )·0,16 W
K= 0,89 W
K
Thermische Speicherkapazit¨
at von K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
aten
Die Speicherkapazit¨
at eines K¨
uhlger¨
ates bestimmt sich haupts¨
achlich ¨
uber die ge-
lagerten Lebensmittel, da die im K¨
uhlraum befindliche Luft eine sehr geringe W¨
ar-
mekapazit¨
at hat. Eine Auflistung der gelagerten Lebensmittel des Modell-KS und
des Modell-TKS ist im Anhang in Abschnitt A.3.3 nach [48] gegeben. Wie in (4.38)
ergibt sich die K¨
altespeicherkapazit¨
at des K¨
uhlger¨
ates als Summation ¨
uber die
Masse der gelagerten Lebensmittel multipliziert mit ihrer jeweiligen spezifischen
W¨
armekapazit¨
at.
Cges =X
x
mx·cp,x (4.38)
F¨
ur die Simulation wird der ¨
ublicherweise in 1 kJ
Kangegebene Wert in 1 W h
Kumge-
rechnet(eine Wattstunde entspricht 3,6 Kilojoule).
Cges, KS = 54,18 kJ
K= 15,05 W h
K
Cges, TKS = 22,90 kJ
K= 6,36 W h
K
4.4.2. Optimierte K¨
altebereitstellungssteuerung von
K¨
uhlger¨
aten
Da K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate elektrische Energieverbraucher sind, wird die opti-
mierte Betriebsweise des K¨
uhlger¨
ateverbunds vom Ergebnis einer Kostenoptimie-
rung mit der MATLAB Funktion fmincon bestimmt. Die Aufnahme der elektri-
schen Leistung eines Tages wird mit vorl¨
aufigen Day-Ahead“-Preisen stundenwei-
se verrechnet und die Summe der 24 Produkte minimiert (4.39). Die Kapazit¨
at
der K¨
uhlger¨
ate wird dabei f¨
ur die Einhaltung des definierten Temperaturbandes
w¨
ahrend der zeitlich verschobenen Leistungsaufnahme genutzt.
128
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
min "f(x) =
24
X
h=1
(xh·τ)·LMPh#(4.39)
mit:
-f(x) - Zu minimierende Kostenfunktion
-xh- Leistung zu den K¨
uhlger¨
aten in Stunde h in kW
-LMPh- Energiepreis am betrachteten Knoten in Stunde h in Euro/kWh
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Lineare Randbedingungen - Maximal zul¨
assige Leistung der K¨
uhlger¨
ate
Dem Modell der K¨
uhlger¨
ate liegt der am Markt verf¨
ugbare K¨
uhlschrank
VS 108.1“,
sowie der Tiefk¨
uhlschrank GS165.1 zu Grunde, da bei beiden ein detailliertes
Datenblatt zur Verf¨
ugung steht und sie bez¨
uglich ihrer Abmessungen und Werte
durchschnittlich sind. Im Datenblatt zu den K¨
uhlger¨
aten ist die Anschlussleis-
tung mit 80 W und 90 W angegeben. Im Modell betr¨
agt die maximale elektrische
Leistungsaufnahme jedoch nur rund 20 W und 22 W. Dies ist gr¨
oßtenteils dem
Umstand geschuldet, dass im Modell die K¨
uhllast sehr gleichm¨
aßig angenommen
werden musste, da es sich um einen Typvertreter handeln soll. Extremf¨
alle, wie
die Beladung des K¨
uhlschranks mit warmen Getr¨
anken als Vorbereitung auf eine
Feier, m¨
ussen vom Einzelk¨
uhlschrank nat¨
urlich bedient werden k¨
onnen. Bei einer
Vielzahl von K¨
uhlschr¨
anken im Netz machen sich diese Extremf¨
alle in der Summe
jedoch kaum bemerkbar, da sie nur selten und vereinzelt auftreten. Obwohl die An-
lagenleistung der anderen thermischen Lasten bisher immer am maximalen Bedarf
ausgerichtet war, wird beim Modell der K¨
uhlger¨
ate darauf verzichtet und die An-
schlussleistung aus dem Datenblatt A.3.3 verwendet. Der Einfluss einer gr¨
oßeren
Anlagenleistung wurde bei den W¨
armepumpen in Abschnitt 4.2.4 untersucht und
f¨
uhrt zu einer Verbesserung der betrachteten Ergebnisse. Die K¨
uhlger¨
ate sind in
dieser Simulation mit einer viermal gr¨
oßeren Anlagenleistung ausgelegt, als sie mi-
nimal ben¨
otigen, was ihnen zus¨
atzliche Flexibilit¨
at in Bezug auf die Verschiebung
ihrer elektrischen Nachfrage verschafft.
Die lineare Randbedingung, ausgedr¨
uckt als untere lb und obere ub Grenze, wird
nach (4.40) mit der Anschlussleistung Pmax und der Anzahl der in der Simulation
betrachteten Einzelk¨
uhlger¨
ate nFall definiert zu:
lb xub (4.40)
129
4.4. K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlger¨
ate
0x124 Pmax ·nFall
Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen - Ladezustand des K¨
altespeichers
bei K¨
uhlger¨
aten
Die nichtlinearen Ungleichheitsbedingungen beschreiben die Randbedingungen, in
diesem Fall die Einhaltung des Temperaturbandes im inneren der K¨
uhlger¨
ate. Die
Innentemperatur eines Tages wird mit 25 Werten beschrieben, von denen der erste
Wert vorgegeben ist. Die 24 weiteren Temperaturwerte berechnen sich nach (4.41)
TKS/TKS,h+1 =TKS/TKS,h+
xh·εKS,TKS + (HKS/TKS,trans +HKS/TKS,sonstige)·(Tau TKS/T KS,h)!·τ
CKS/TKS
(4.41)
mit:
-TKS/TKS,h+1 - Innentemperatur des K¨
uhlger¨
ates in Stunde h+ 1 in C
-TKS/TKS,h - Innentemperatur des K¨
uhlger¨
ates in Stunde hin C
-xh- Elektrische Leistungsaufnahme der K¨
uhlger¨
ate in Stunde hin W
-εKS,TKS - Leistungszahl der K¨
uhlger¨
ate
-HKS/TKS,trans - Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-HKS/TKS,sonstige - Spezifischer W¨
armeflusskoeffizient f¨
ur sonstiges W¨
armefl¨
us-
se in W
K
-Tau - Temperatur außerhalb des K¨
uhlraums in C
-CKS/TKS - Spezifische W¨
armekapazit¨
at der K¨
uhlger¨
ate in Wh
K
-τ- Zeitkonstante, hier: 1 Stunde
Mit Hilfe der berechneten Innentemperatur werden die nichtlinearen Randbedin-
gungen der Form c0 formuliert zu (4.42):
130
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
c125 =TKS/TKS,min TKS/TKS,125 (4.42)
c2650 =TKKS/TKS,125 TKS/TKS,max (4.43)
Die Simulation und die Ergebnisse werden zusammen mit den Klimager¨
aten dis-
kutiert.
4.5. Klimager¨
ate
Der Einsatz von Klimager¨
aten, umgangssprachlich Klimaanlagen genannt, soll in
zwei Bereichen untersucht werden: In Einfamilienh¨
ausern und in B¨
urogeb¨
auden.
Dazu wird das in Abschnitt 4.1 vorgestellte Modell eines Einfamilienhausvertreters
erweitert. Im Fall der Geb¨
audek¨
uhlung ist es nicht ausreichend, das Geb¨
aude als
eine Temperaturzone zu betrachten, da es zwischen Dachgeschoss und Erdgeschoss
zu erheblichen Temperaturunterschieden aufgrund unterschiedlicher Kapazit¨
aten
und solaren Einstrahlungen kommt. Zus¨
atzlich ist bei Klimaanlagen eine etagen-
weise K¨
uhlung meist mittels getrennt voneinander betriebener Einzelger¨
ate ver-
breitet. Daher werden f¨
ur das Einfamilienhaus die Temperaturzonen Erdgeschoss
(EG) und Dachgeschoss (DG) eingef¨
uhrt und f¨
ur das f¨
unfst¨
ockige B¨
urogeb¨
aude
die Zonen Erdgeschoss (EG), ein drei Etagen großes Obergeschoss (OG) und
Dachgeschoss (DG).
4.5.1. Modellerstellung von Klimager¨
aten im Verbund
Die Klimager¨
ate werden analog zu den W¨
armepumpen und Blockheizkraftwerken
aus allgemein verf¨
ugbaren Anlagen ausgew¨
ahlt und im jeweiligen Modellgeb¨
aude
eingesetzt. Die Simulationen des Energiesystems finden dann jeweils mit einem
Vielfachen des Typvertreters statt, welcher f¨
ur eine gew¨
ahlte Anzahl real vorkom-
mender Geb¨
aude ¨
ahnlichen Typs (z.B. Einfamilienh¨
auser) steht. Effekte wie ver-
schattete H¨
auser oder H¨
auser anderer Gr¨
oße werden dabei nicht mit einbezogen.
Auch das Nutzerverhalten kann sehr unterschiedlich ausfallen, manche k¨
uhlen erst
am Abend f¨
ur besseren Schlaf, andere haben voneinander abweichende Behaglich-
keitstemperaturgrenzen, wieder andere sind im Urlaub. Der Einfluss dieser Para-
meter ist jedoch verschwindend gering im Vergleich zu s¨
amtlichen Prognosewerten
des Energiesystem der Zukunft, beispielsweise der Anzahl der installierten Klima-
ger¨
ate, Windkraft- und Photovoltaikanlagen.
Als Klimager¨
ate kommen im Einfamilienhaus zwei gut regelbare
Vitoclima 300-S
Typ OT307H von Viessmann zum Einsatz, je eine im EG und eine im DG. Mit
diesem Multi-Split-Ger¨
at, welches aus einem Außenger¨
at und drei Innenger¨
aten
besteht, werden im DG die drei Wohnr¨
aume und im EG das G¨
astezimmer sowie
131
4.5. Klimager¨
ate
das große Wohnzimmer an zwei Stellen gek¨
uhlt. Die maximale K¨
uhlleistung ei-
ner Vitoclima ist mit 9 kW angegeben und damit sehr großz¨
ugig dimensioniert.
Ohne K¨
uhlung wird das DG im Maximum auf 35,8C aufgeheizt. Legt man eine
gew¨
unschte maximale Temperatur von 25 C fest, betr¨
agt der h¨
ochste auftretende
K¨
uhlleistungsbedarf im betrachteten Jahr bei 3 kW im EG und 2,6 kW im DG.
Im B¨
urogeb¨
aude wird mit einer zentralen Klimaanlage gearbeitet, die ¨
uber ge-
k¨
uhltes Wasser, welches durch die Geschossdecken geleitet wird, jedes Geschoss
separat unter einer gew¨
unschten Maximaltemperatur halten kann. Ohne K¨
uhlung
erw¨
armt sich das DG in der Spitze auf 32,42 C, setzt man als Maximaltemperatur
26 C an, wird diese an 1534 Stunden im Jahr ¨
uberschritten. Die Summe aller drei
Zonen ergibt einen maximalen K¨
uhlleistungsbedarf von 95 kW. Daher wird als
K¨
alteanlage das Modell CGAM 26 der Serie AquaStream 3G der Firma Trane
ausgew¨
ahlt. Mit einer Mindestk¨
alteleistung von 103 kW ist diese Anlage gerade
ausreichend dimensioniert.
Analog zum bisherigen Vorgehen in diesem Kapitel beschr¨
ankt sich das Modell der
Klimaanlagen auf ihre elektrische Interaktion mit dem Netz. Zus¨
atzlich wird die
thermische Leistung der Klimaanlage berechnet und ihr Effekt auf die Innentem-
peratur des Geb¨
audes berechnet (4.45). Die Formel f¨
ur das Einfamilienhaus ist von
der Bezeichnung der Variablen praktisch identisch, es fehlt nur die Temperaturzone
Obergeschoss.
εEG/OG/DG,h =(TEG/OG/DG,h 10) + 273
(TEG/OG/DG,h 10) (Tau,h+10)
(4.44)
TEG,h+1 =TEG,h +xEG,h ·εEG,h + (Htrans,EG +Hluft,EG)(Tau,h TEG,h)
CEG
+˙
Qintern,EG +˙
Qsolar,EG +Htrans,zw ·(TOG,h TEG,h)
CEG
TOG,h+1 =TOG,h +xOG,h ·εOG,h + (Htrans,OG +Hluft,OG)(Tau,h TOG,h)
COG
+˙
Qintern,OG +˙
Qsolar,OG +Htrans,zw ·(TEG,h TOG,h) + Htrans,zw ·(TDG,h TOG,h)
COG
TDG,h+1 =TDG,h +xDG,h ·εDG,h + (Htrans,DG +Hluft,DG)(Tau,h TDG,h)
CDG
+˙
Qintern,DG +˙
Qsolar,DG +Htrans,zw ·(TOG,h TDG,h)
CDG
(4.45)
mit:
132
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
- EG/OG/DG - Geschossspezifische Angabe - Werte unterscheiden sich in je-
dem Geschoss
-TEG/OG/DG,h+1 - Innentemperatur in Stunde h+ 1 in C
-TEG/OG/DG,h - Innentemperatur in Stunde hin C
-xEG/OG/DG,h - Elektr. Leistungsaufn. des Klimager¨
ats in Stunde hin W
-Tau,h - Außentemperatur in Stunde hin C
-Htrans,EG/OG/DG - Spezif. Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-Hluft,EG/OG/DG Spezif. L¨
uftungsw¨
armeflusskoeffizient in W
K
-˙
Qintern,EG/OG/DG - W¨
armeleistung der internen W¨
armegewinne in W
-˙
Qsolar,EG/OG/DG,h - W¨
armeleistung der solaren Einstrahlung. in Std. hin W
-Htrans,zw Spezifischer Transmissionsw¨
armeflusskoeffizient zwischen Tempera-
turzonen in W
K
-CEG/OG/DG - Spezifische W¨
armekapazit¨
at des Geschosses in Wh
K
Zur Veranschaulichung von Formel (4.45) dient Abbildung 4.25, welche die thermi-
schen Leistungsfl¨
usse in den drei Zonen EG, OG und DG darstellt. W¨
armeeintr¨
age
durch Sonne und interne Quellen sind mit einem Pfeil gekennzeichnet. Der W¨
ar-
meaustrag durch die Klimaanlage ist mit einem Pfeil in entgegengesetzte Richtung
markiert. S¨
amtliche Transmissionsfl¨
usse, ob nach Außen oder zwischen den Zonen,
sind mit Doppelpfeilen gekennzeichnet, da der W¨
armetransport in beide Richtun-
gen erfolgen kann, je nach Temperaturniveau. Zus¨
atzlich sind die Bereiche der
Zonen in abgestuften Graut¨
onen markiert, die zur Kapazit¨
at der Zone beitragen.
W¨
armebedarf des B¨
urogeb¨
audes
Das B¨
urohaus am Oktogon in Berlin-Adlershof dient als Vorbild f¨
ur das Modell
des Typvertreters f¨
ur B¨
urogeb¨
aude. Die Vorgehensweise ist entsprechend der in
Abschnitt 4.1 f¨
ur das Einfamilienhaus, allerdings werden, neben weiteren kleineren
¨
Anderungen, nun drei Temperaturzonen unterschieden.
133
4.5. Klimager¨
ate
DG
OG
EG
(Htrans,zw)·TDG/OG
(Htrans,zw)·TEG/OG
(Htrans,zw)·TOG/DG
(Htrans,zw)·TOG/EG
˙
Qsolar,DG,h
˙
Qsolar,EG,h
˙
Qsolar,OG,h
˙
Qintern,OG
(Htrans,EG +...
Hluft,EG)·Tau/EG
˙
Qintern,DG
xDG,h ·εDG,h
xOG,h ·εOG,h
OG
(Htrans,OG +...
Hluft,OG)·Tau/OG
(Htrans,DG +...
Hluft,DG)·Tau/DG
xEG,h ·εEG,h ˙
Qintern,EG
CDG
COG
CEG
OG
Abbildung 4.25.: Thermische Leistungsfl¨
usse und Kapazit¨
aten im B¨
urogeb¨
aude
Fl¨
achen des B¨
urogeb¨
audes Das f¨
unfst¨
ockige Geb¨
aude ist 17,5 m hoch und ver-
f¨
ugt ¨
uber ein Flachdach. Die Fl¨
achen werden f¨
ur die Bestimmung der Transmis-
sionsw¨
armefl¨
usse und der solaren W¨
armegewinne ben¨
otigt. Auszugsweise werden
hier die ermittelten summierten Fl¨
achen angegeben. Eine detailliertere Betrach-
tung ist im Anhang in Abschnitt A.3.2 zu finden. Dort werden die einzelnen Fl¨
a-
chen getrennt voneinander und mit ihrer Orientierung nach Himmelsrichtungen
angegeben, wie sie f¨
ur die Berechnung der solaren Einstrahlung erforderlich ist.
Die Fenster- und Wandfl¨
achen f¨
ur die Transmissionsenergiefl¨
usse k¨
onnen ohne Ori-
entierung angegeben werden:
AFenster,EG = 91,7 m2
AFenster,OG = 284,4 m2
AFenster,DG = 94,8 m2
134
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
AWand,EG = 225,9 m2
AWand,OG = 677,9 m2
AWand,DG = 226,0 m2
Die Fl¨
ache der Bodenplatte, der Zwischendecke und des Dachs entsprechen der
Grundfl¨
ache:
ABoden =AZwischendecke =ADach = 493,1 m2
Innenwandfl¨
ache f¨
ur die Berechnung der Speicherkapazit¨
at des Geb¨
audes, aufge-
teilt in zwei Wandst¨
arken:
AInnenwand,d¨
unn,EG = 402,3 m2
AInnenwand,dick,EG = 127,6 m2
AInnenwand,d¨
unn,OG = 1319,4 m2
AInnenwand,dick,OG = 289,6 m2
AInnenwand,d¨
unn,DG = 439,8 m2
AInnenwand,dick,DG = 96,5 m2
Die Fl¨
achen werden f¨
ur die Bestimmung der W¨
armedurchgangskoeffizienten f¨
ur die
Transmissionsw¨
armefl¨
usse sowie f¨
ur die Bestimmung der solaren W¨
armegewinne
ben¨
otigt.
W¨
armedurchgangskoeffizienten des B¨
urogeb¨
audes
Die W¨
armedurchgangskoeffizienten sind entweder direkt angegeben oder m¨
ussen
¨
uber den W¨
armedurchlasswiderstand nach (4.31) und (4.32) berechnet werden. Die
im B¨
urogeb¨
aude verwendeten Baustoffe mit ihren jeweiligen W¨
armeleitf¨
ahigkeiten
wurden im Anhang unter A.3.2 tabellarisch dargestellt. Der W¨
armedurchgangsko-
effizient der Fenster ist mit UFenster = 1,6W
m2Kangegeben. Der Außenwandaufbau
ist in Abbildung 4.26 dargestellt.
Ein 160 mm dicker Kern aus Stahlbeton (3) ist auf der Innenseite mit einer 40 mm
dicken Innend¨
ammschicht (2) und einer 15 mm dicken Gipsputzschicht (1) ver-
sehen. Auf der Außenseite ist eine 95 mm dicke Außend¨
ammung (4) unter einer
15 mm Leichtd¨
ammschicht (5) angebracht. Der W¨
armedurchlasswiderstand und
der -koeffizient der Wand lassen sich mit den W¨
armeleitwerten aus Tabelle A.6 im
Anhang bestimmen:
RWand,k = 3,7m2K
W
UWand = 0,3W
m2K
135
4.5. Klimager¨
ate
1 2 3 4 5
-140
-120
-100
-80
-60
-40
-20
0
20
0 5 10 15 20 25 30 35
[cm]
Außen
Innen www.u-wert.net
Abbildung 4.26.: Wandaufbau des B¨
urogeb¨
audes
Im Dachaufbau wurde der Stahlbeton durch eine 300 mm starke Leichtbetonplatte
zugunsten h¨
oherer W¨
armewiderst¨
ande ersetzt. Als weitere ¨
Anderung zum Wand-
aufbau wurde hier auf der Außend¨
ammschicht eine 0,5 mm dicke, wasserdichte
Dampfsperrschicht und eine 35 mm dicke Kiesschicht aufgetragen. Der W¨
arme-
durchgangswiderstand und -koeffizient des Daches sind damit:
RDach,k = 3,4m2K
W
UDach = 0,3W
m2K
Die Bodenplatte des Erdgeschosses besteht aus einer 300 mm dicken Schicht Stahl-
beton mit einer 3 mm dicken Bitumendickbeschichtung. Die dar¨
uberliegende Iso-
lierschicht besteht aus 80 mm Styropor. Abschließend folgt eine 60 mm dicke Estrich-
schicht zum Nivellieren, mit einer 10 mm dicken Schicht des Bodenbelages. Damit
berechnet sich der W¨
armedurchgangswiderstand des Bodens zu:
RBoden,k= 2,2m2K
W(4.46)
F¨
ur den W¨
armedurchgangskoeffizienten des Bodens muss die Betrachtung analog
zum Einfamilienhaus wieder mit dem Maß der Bodenplatte und der wirksamen
Dicke bearbeitet werden. Mit der detaillierten Betrachtung im Anhang ergibt sich:
UBoden =2·2W
m K
π·10,7608 m + 5,0 m ·ln π·10,7608 m
5,0212 m + 1= 0,2W
m2K
Die der Bodenplatte ¨
ahnliche Zwischendecke besteht aus einer 200 mm dicken
Stahlbetonplatte mit einer 50 mm dicken Styroporschicht und einer 65 mm di-
cken Zementestrichschicht, auf der der 10 mm dicke Bodenbelag angebracht ist.
136
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Die W¨
armedurchgangswiderst¨
ande und -koeffizienten der Zwischendecken ergeben
sich damit zu:
RZwischendecke,k = 1,4m2K
W
UZwischendecke = 0,6W
m2K
Transmissionsw¨
armefl¨
usse des B¨
urogeb¨
audes
Mit Hilfe der Fl¨
achen und der W¨
armedurchgangskoeffizienten werden die Trans-
missionsw¨
armefl¨
usse des B¨
urogeb¨
audes in drei Temperaturzonen (EG/OG/DG)
berechnet. Da die Innentemperaturen w¨
ahrend der optimierten Ansteuerung in
einem definierten Temperaturband variabel sein sollen, werden auch wieder die
spezifischen Transmissionskoeffizienten berechnet.
Htrans,EG = 359,1W
K
Htrans,OG = 677,0W
K
Htrans,DG = 387,0W
K
Htrans,zw = 334,8W
K
Die H-Werte werden jeweils pro Temperaturzone mit der Temperaturdifferenz nach
außen (EG/OG/DG) sowie zweimal mit der Temperaturdifferenz zwischen den
Temperaturzonen (EGOG/DGOG) zu einer thermischen Leistung verrechnet.
L¨
uftungsenergiefl¨
usse des B¨
urogeb¨
audes
In dem betrachteten B¨
urogeb¨
aude befindet sich eine RLT-Anlage. F¨
ur den Luftvo-
lumenstrom ˙
Vfwerden f¨
ur jede Etage die Mindestluftvolumenstr¨
ome der einzelnen
R¨
aume berechnet. Tabelle 4.17 gibt den fl¨
achenbezogenen Mindestluftvolumen-
strom an.
Die Mindestluftvolumenstr¨
ome der einzelnen R¨
aume werden mit der Fl¨
ache des
jeweiligen Raumtyps multipliziert, f¨
ur jede Temperaturzone als mittlerer Volumen-
strom ˙
Vfzusammengefasst und von der L¨
uftungsanlage bereitgestellt. Dieser Wert
wird durch einen nach DIN EN 832 berechenbaren (siehe Abschnitt A.10), zus¨
atz-
lichen Volumenstrom ˙
Vxdurch eine undichte Geb¨
audeh¨
ulle erh¨
oht. Dieser f¨
uhrt
¨
uberschl¨
agig zum 1,07-fachen des mittleren Volumenstroms. Um die Luftwechsel-
rate pro Stunde zu erhalten, wird der Gesamtluftstrom auf das Nettoluftvolumen
137
4.5. Klimager¨
ate
Tabelle 4.17.: Fl¨
achenbezogener Mindestluftvolumenstrom [49]
Raumtyp Mindestluftvolumenstrom
in m3
h m2
B¨
uroraum 4
Besprechungsraum 15
WC 15
Serverraum 4
Kopierraum 4
Aufenthaltsraum 7
Flur & Foyer 0,15
Lagerraum 0,15
bezogen. Dazu wird mit den Abmessungen des B¨
urogeb¨
audes das Bruttoluftvo-
lumen berechnet und mit dem Faktor 0,8 in das Nettoluftvolumen umgerechnet.
Die Zwischenergebnisse dieser Rechnung finden sich im Anhang unter A.3.2. Die
Luftwechselraten ergeben sich zu:
nEG = 1,7 h1
nOG = 1,8 h1
nDG = 1,8 h1
Damit berechnen sich die spezifischen L¨
uftungsenergiefl¨
usse nach Gleichung (4.4):
Hluft,EG = 793,7W
K
Hluft,OG = 2586,0W
K
Hluft,DG = 862,0W
K
Interne W¨
armegewinne des B¨
urogeb¨
audes
Die internen W¨
armegewinne werden als Summenwert der einzelnen R¨
aume be-
trachtet. Die mittleren fl¨
achenbezogenen Eintr¨
age f¨
ur den jeweiligen Raumtyp sind
in Tabelle 4.18 angegeben.
Die W¨
armegewinne f¨
ur jeden Raum einer Zone werden zusammengefasst und f¨
ur
138
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.18.: Fl¨
achenbezogene interne W¨
armegewinne [49]
Raumtyp mittlere W¨
armegewinne
in W
m2
B¨
uroraum 12
Besprechungsraum 26
WC 0
Serverraum 152,5
Kopierraum 26
Aufenthaltsraum 25
Flur & Foyer 0
Lagerraum 0
die Simulation auf die Fl¨
ache normiert.
˙
Qintern,EG = 11,9W
m2
˙
Qintern,OG = 16,6W
m2
˙
Qintern,DG = 16,6W
m2
Solare Einstrahlung auf die effektive Kollektorfl¨
ache des B¨
urogeb¨
audes
F¨
ur die solaren W¨
armegewinne wird die effektive Kollektorfl¨
ache des Geb¨
audes
ben¨
otigt. Dazu werden die Geb¨
audefl¨
achen, die sich aus den Abmaßen ergeben, um
verschiedene Verschattungsfaktoren reduziert. Die effektive Kollektorfl¨
ache wird
f¨
ur jede Temperaturzone gesondert ermittelt und berechnet sich nach (4.47).
AS=A·FS·FC·FF·g(4.47)
Da in West- Ostausrichtung weitere B¨
urogeb¨
aude im Abstand von 15 m stehen,
ergibt sich hier, im Gegensatz zur freien Nord-S¨
udausrichtung, ein Abminderungs-
faktor f¨
ur die Verschattung FS. Dieser wird nach DIN V 4108-6 in Abh¨
angigkeit
vom Horizontwinkel (siehe A.3.2) bestimmt. Der Abminderungsfaktor f¨
ur den Son-
nenschutz FCwird auf 0,9 gesetzt, da es keinen permanenten Schutz unabh¨
angig
von der Sonneneinstrahlung gibt, der Wert 1 aber durch Verschmutzung der Fens-
ter nicht erreicht wird. Der Abminderungsfaktor f¨
ur den Rahmenanteil FFwird,
wie schon beim Einfamilienhaus, auf 0,7 gesetzt. Der Gesamtenergiedurchlassgrad
wird mit 0,6 nach EnEV2009 angenommen. Durch Multiplikation der effektiven
Kollektorfl¨
ache mit der solaren Einstrahlung ¨
uber alle vier Orientierungen hinweg
139
4.5. Klimager¨
ate
ergeben sich die solaren W¨
armegewinne durch transparente Bauteile nach (4.11).
Die ¨
ubrigen Fl¨
achen des B¨
urogeb¨
audes sind opak und erw¨
armen sich ¨
uber ihren Ab-
sorptionskoeffizienten. Dieser betr¨
agt f¨
ur die Wand mit Formfaktor 0,5 αWand = 0,4
und f¨
ur die Kiesschicht auf dem Dach mit Formfaktor 1,0 αDach = 0,6 . Die be-
rechneten Werte sind im Anhang unter A.3.2 angegeben. Die Summe aus solaren
W¨
armegewinnen von transparenten und opaken Fl¨
achen liegt in einer 24x365 Ma-
trix f¨
ur die Simulation vor.
W¨
armekapazit¨
at des B¨
urogeb¨
audes
Die W¨
armekapazit¨
at des B¨
urogeb¨
audes bestimmt sich durch die wirksame Ka-
pazit¨
at der Bauteile und in geringem Maße auch durch die enthaltene Luft. Die
W¨
armekapazit¨
at der Luft betr¨
agt.
Cluft,EG = 469,4W h
K
Cluft,OG = 1408,2W h
K
Cluft,DG = 469,4W h
K
Die W¨
armekapazit¨
at der Bauteile wird ¨
uber ihr wirksames Volumen und ihre
spezifischen W¨
armekapazit¨
aten bestimmt. Die wirksame Kapazit¨
at beinhaltet nur
die Bauteilmassen bis zu 100 mm Eindringtiefe oder bis zur ersten W¨
armed¨
amm-
schicht. In jeder Temperaturzone wird von den dicken Innenw¨
anden nur die 15 mm
dicke Innenputzschicht genommen, da dahinter die W¨
armed¨
ammschicht folgt. Hin-
zu kommt von den Trennw¨
anden die 15 mm Gipskartonplatte. Im Erdgeschoss wird
der Boden mit 10 mm Bodenbelag und 65 mm Estrich und die Decke mit 160 mm
Beton, von denen aber nur 100 mm wirksam sind, hinzuaddiert. Im Dachgeschoss
ebenfalls 10 mm Bodenbelag und 65 mm Estrich sowie von der Decke nur die 15 mm
Gipskartonplatte. F¨
ur das Obergeschoss kommen dreimal 10 mm Bodenbelag und
65 mm und dreimal 100 mm Betondecke hinzu. Eine Tabelle der spezifischen Kapa-
zit¨
aten der einzelnen Baustoffe ist im Anhang unter A.3.2 zu finden. Damit l¨
asst
sich die W¨
armekapazit¨
at der Bauteile bestimmen und zusammen mit der Luft
ergibt sich die gesamte W¨
armekapazit¨
at in jeder Temperaturzone zu:
140
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
CEG = 200 161,6kJ
K= 55 600,3W h
K
COG = 642 010,1kJ
K= 178 336,1W h
K
CDG = 102 325,6kJ
K= 28 423,8W h
K
4.5.2. Optimierte K¨
altebereitstellungssteuerung von
Klimager¨
aten
F¨
ur die Berechnung der optimierten Betriebsweise der Klimager¨
ate wird die gleiche
Kostenfunktion wie bei den Elektrofahrzeugen und den W¨
armepumpen minimiert.
Lineare Randbedingungen - Maximal zul¨
assige Leistung der Klimager¨
ate
Die Anlagenleistung der Klimager¨
ate soll sich, analog zu den W¨
armepumpen und
Blockheizkraftwerken, am h¨
ochsten Bedarf des Beispieljahres orientieren. Durch
die verschiedenen Temperaturzonen innerhalb der Geb¨
aude, die f¨
ur die K¨
uhlung
angenommen werden, muss die maximale thermische K¨
altelast f¨
ur jede Zone er-
mittelt werden. Dazu wird eine Untersuchung der thermischen Lasten der beiden
Geb¨
aude ausgef¨
uhrt und die Ergebnisse werden in Tabelle 4.19 festgehalten.
Tabelle 4.19.: Detaillierte thermische Untersuchung des EFH und des BG
Zone Pth,max
in W
Zeit-
punkt
(h/d)
Pel,max
in W
Zeit-
punkt
(h/d)
Pth,sum Pel,sum
EFH EG 3061 (13/228) 749 (14/228) 1 195
100
239 880
EFH DG 2616 (14/228) 642 (14/228) 1 874
800
369 520
BG EG 16477 (15/232) 3999 (15/232) 1 575
600
327 410
BG OG 67204 (6/229) 13948 (15/232) 11 270
000
2 294
100
BG DG 21194 (15/232) 5144 (15/232) 4 123
200
840 690
Beim EFH im EG ist der thermische Bedarf in Stunde 13 an Tag 228 am h¨
ochsten,
die elektrische Last aber eine Stunde sp¨
ater. Dies liegt daran, dass die Leistungs-
141
4.5. Klimager¨
ate
zahl schlechter ist (εvon Stunde 14 ist nur 98,55 % von Stunde 13, die thermische
Last ist zwar niedriger, aber immer noch 99,72 % der Last von Stunde 13). Die
thermische Summenlast betr¨
agt im DG das 1,57-fache des EGs, w¨
ahrend die elek-
trische Summenlast das 1,54-fache des EGs ausmacht. Im DG wurde also effizien-
ter gek¨
uhlt, was nur an einer besseren εliegen kann. Also wurde im DG mehr bei
niedrigeren Außentemperaturen gek¨
uhlt. Die Summenlast im DG ist gr¨
oßer, weil
das DG weniger Kapazit¨
at besitzt und daher ¨
ofter gek¨
uhlt werden muss als das
EG. Demgegen¨
uber hat das EG die h¨
ochste Spitzenlast, was daran liegt, dass die
solaren Gewinne im EG h¨
oher liegen als im DG, da es mehr Fenster gibt.
Die K¨
altelast im B¨
urogeb¨
aude ist im EG am geringsten, da dort aufgrund des
Foyers am wenigsten interne Gewinne verbucht werden, welche in hohem Maße f¨
ur
den thermischen Energieeintrag in das B¨
urogeb¨
aude verantwortlich sind. W¨
ahrend
der Tag der h¨
ochsten elektrischen und f¨
ur das EG und DG auch thermischen Last
auf den 232igsten Tag des Jahres f¨
allt, hat das OG an Tag 229 seine h¨
ochste ther-
mische Energienachfrage. Eine Analyse der Daten zeigt, dass es sich an den Tagen
227 und 228 um ein sehr warmes Wochenende handelt, an dem die Temperaturen
in allen Zonen sehr hohe Werte annehmen. Das OG w¨
armt sich mit seiner dreifa-
chen Kapazit¨
at zwar nur langsam auf, kommt aber nach zwei Tagen auf ¨
ahnliche
Temperaturen wie die beiden anderen Zonen. An Tag 229, ein Montag, um sechs
Uhr wird die Klimaanlage wieder eingeschaltet und muss nun ¨
uberall f¨
ur maximal
26 Grad Celsius sorgen und im OG eine thermische Energiemenge von fast 70 kW
abtransportieren. Die Leistungszahl ist, da es fr¨
uh am Morgen und damit noch ver-
h¨
altnism¨
aßig k¨
uhl ist, noch sehr hoch. Daher erfolgt in dieser Stunde auch nicht die
maximale Aufnahme von elektrischer Energie. Diese erfolgt aber nicht am w¨
arms-
ten Tag des Jahres (228), da dieser ein Sonntag ist, sondern am zweitw¨
armsten
Tag 232.
Mit den in Tabelle 4.19 gegebenen Gr¨
oßen ermittelt sich die installierte Anlagen-
leistung der Klimager¨
ate zu 800 W im Erdgeschoss und 700 W im Dachgeschoss
im Einfamilienhaus und zu 4 kW im Erdgeschoss, 14 kW im Obergeschoss und 5,5
kW im Dachgeschoss im B¨
urogeb¨
aude. Die linearen Randbedingungen werden f¨
ur
jede Temperaturzone (4.48) formuliert, wobei beim EFH die Formel der dritten
Spalte entf¨
allt und stattdessen in der zweiten Spalte statt OG das DG steht.
lb xub (4.48)
0x124 PEG,max ·nFall
0x2548 POG,max ·nFall
0x4972 PDG,max ·nFall
(4.49)
Eine weitere Anpassung der maximalen Leistung erfolgt ¨
uber das Leistungssignal,
142
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
welches den K¨
alteger¨
aten zus¨
atzlich zum Energiepreis zur Verf¨
ugung gestellt wird,
um Netzr¨
uckwirkungen zu kontrollieren (siehe Abschnitt 2.2.2). Die Summe der
oberen Grenzen aller Stockwerke aus Formel (4.48) wird st¨
undlich mit dem Leis-
tungssignal verglichen. Ist das Leistungssignal gr¨
oßer, verbleibt die obere Grenze
ohne ¨
Anderung, ist es kleiner, wird die Summe der oberen Grenzen f¨
ur jedes Stock-
werk auf den Wert des Leistungssignals gesetzt. Da eine Verteilung der zur Ver-
f¨
ugung stehenden Leistung gem¨
des Leistungssignals nicht starr erfolgen kann,
wird hierf¨
ur eine weitere Randbedingung eingef¨
uhrt. Diese neue Randbedingung
stellt sicher, dass die st¨
undliche Summenleistung aller Stockwerke nicht den Wert
des Leistungssignals ¨
ubersteigt.
Nichtlineare Ungleichheitsbedingungen - Ladezustand des K¨
altespeichers
bei Klimager¨
aten
F¨
ur die nichtlinearen Randbedingungen werden auch bei den Klimager¨
aten die
Temperaturen berechnet und dann f¨
ur die Formulierung der c-Werte herangezo-
gen. Formel (4.51) berechnet f¨
ur jede Zone die st¨
undliche Temperatur. Daf¨
ur wird
aufbauend auf der Temperatur der vorherigen Stunde die elektrische Leistung x
mit der Leistungszahl multipliziert, was dem ¨
Aquivalent einer thermischen Leis-
tung entspricht. Die Leistungszahl berechnet sich st¨
undlich nach (4.44) und nimmt
bei h¨
oheren Außen- als Innentemperaturen negative Werte an. Um die Berechnung
der Leistungszahl so gut wie m¨
oglich am realen Verlauf zu orientieren, betr¨
agt die
Innentemperatur 18 C und die Außentemperatur 25 C oder h¨
oher.
Zu dieser, bei positiven x-Werten negativen thermischen Leistung werden wei-
tere thermische Leistungen hinzuaddiert: Zum einen das Produkt aus den spe-
zifischen Transmissionsw¨
armefl¨
ussen von Transmission Htrans und L¨
uftung Hluft
mit der Temperaturdifferenz von Außen- zu Innentemperatur, zum anderen direkt
die W¨
armegewinne durch interne Ger¨
ate und Personen ˙
Qintern sowie durch solare
Einstrahlung ˙
Qsolar. Außerdem werden die Transmissionsw¨
armefl¨
usse zwischen den
Stockwerken mittels Hzw-Wert und der jeweiligen Temperaturdifferenz ber¨
ucksich-
tigt. Alle thermischen Leistungen werden abschließend durch die Geb¨
audekapazit¨
at
Cdividiert, um direkt einen Temperaturwert zu erhalten, der zum Temperaturwert
der letzten Stunde addiert wird. Beim EFH entf¨
allt die Temperaturberechnung f¨
ur
das Obergeschoss.
εEG/OG/DG,h =(TEG/OG/DG,h 10) + 273
(TEG/OG/DG,h 10) (Tau,h+10)
(4.50)
143
4.5. Klimager¨
ate
TEG,h+1 =TEG,h +xEG,h ·εEG,h + (Htrans,EG +Hluft,EG)(Tau,h TEG,h)
CEG
+˙
Qintern,EG +˙
Qsolar,EG +Htrans,zw ·(TOG,h TEG,h)
CEG
TOG,h+1 =TOG,h +xOG,h ·εOG,h + (Htrans,OG +Hluft,OG)(Tau,h TOG,h)
COG
+˙
Qintern,OG +˙
Qsolar,OG +Htrans,zw ·(TEG,h TOG,h) + Htrans,zw ·(TDG,h TOG,h)
COG
TDG,h+1 =TDG,h +xDG,h ·εDG,h + (Htrans,DG +Hluft,DG)(Tau,h TDG,h)
CDG
+˙
Qintern,DG +˙
Qsolar,DG +Htrans,zw ·(TOG,h TDG,h)
CDG
(4.51)
Die c-Werte der Optimierung, die c0 erf¨
ullen m¨
ussen, werden nach (4.52) auf-
gestellt. Beim EFH entfallen c5175 und c2650 wird mit den Werten f¨
ur das Dach-
geschoss belegt.
c125 =TEG,1-25 Tmax,EG (4.52)
c2650 =TOG,1-25 Tmax,OG (4.53)
c5175 =TDG,1-25 Tmax,DG
4.5.3. Simulation
Die Simulation erfolgt jeweils f¨
ur jeden Tag eines Jahres mit st¨
undlicher Aufl¨
osung.
Simulationsparameter
Die Simulation wird im Kontext der Stadt Berlin im Jahr 2040 durchgef¨
uhrt. Es
wird f¨
ur jede der 1,882 Millionen Wohneinheiten ein K¨
uhlschrank und ein Tief-
k¨
uhlschrank angenommen, sowie jedes der 141705 Ein- und Zweifamilienh¨
auser
mit einer Klimaanlage ausgestattet. Abschließend sollen alle 155100 B¨
urogeb¨
aude
Berlins klimatisiert werden. Die in den vorangegangenen Abschnitten beschrie-
benen K¨
alteanlagenmodelle werden in Tabelle 4.20 mit ihren f¨
ur die Simulation
relevanten Gr¨
oßen aufgelistet. Zus¨
atzlich zu den vier Modellen wurde noch ein
f¨
unfter Typ nach Vorbild des K¨
uhlschranks aufgenommen, um die Auswirkung
144
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
dessen geringer Kapazit¨
at auf das Ergebnis sichtbar zu machen.
Da das K¨
uhlschrankmodell nur eine Kapazit¨
at von 15 W h
Kbei einem maximalen
Temperaturhub von 4 Celsius hat, ist es nur in der Lage maximal 60 W h an ther-
mischer Energie zu speichern. Der st¨
undliche thermische Energiebedarf betr¨
agt bei
der untersten K¨
uhlraumtemperatur von 3 Celsius tags¨
uber 73,6 W h, weshalb es
der Modellk¨
uhlschrank nicht schafft, eine Stunde ohne Leistungsaufnahme zu ¨
uber-
br¨
ucken. Die thermische Kapazit¨
at als kritische Gr¨
oße des K¨
uhlschranks k¨
onnte in
Zukunft durch die Anwendung von phase changing material (PCM), auch Lat-
entw¨
armespeicher genannt, entsch¨
arft werden. PCM haben in etwa die vier- bis
f¨
unffache Kapazit¨
at von Wasser und k¨
onnen so platzsparend und in einem engen
Temperaturbereich thermische Energie speichern.
Um mit der thermischen Kapazit¨
at vier Betriebsstunden ohne Leistungsaufnah-
me ¨
uberbr¨
ucken zu k¨
onnen, m¨
ussten ein F¨
unftel der W¨
armeisolierung durch einen
Latentw¨
armespeicher mit geeigneter Phasen¨
ubergangstemperatur ersetzt werden.
Ein solcher PCM-K¨
uhlschrank wird als zus¨
atzliches Modell in die Simulationen
aufgenommen.
Tabelle 4.20.: Modelle der K¨
alteger¨
ate
Typ K¨
alteger¨
at Pmax Kapazit¨
at
Cth
Temperaturbe-
reich
Anzahl
1 K¨
uhlschrank 80 W 15 W h
K3C bis 7C 1,882
Mio.
2 Gefrierschrank 90 W 6,4W h
K26C bis 18
C
1,882
Mio.
3 Klimager¨
at
EFH
1,5
kW
16 kW h
K25C 141.705
4 Klimager¨
at BG 23,5
kW
262 kW h
K26C 155.100
5 K¨
uhlschrank x5
Cth
80 W 75 W h
K3C bis 7C 1,882
Mio.
4.5.4. Ergebnisse
Die K¨
altelasten werden in der Simulation zuerst mit ihrer ungesteuerten Betriebs-
weise betrachtet. Mit Hilfe dieser Ergebnisse, die Teil der prognostizierten Nachfra-
ge sind, wird mit Hilfe einer optimalen Leistungsflussberechnung das Energiesys-
tem im herk¨
ommlichen Day-Ahead“-Verfahren geplant, wobei vorl¨
aufige Day-
Ahead“-Preise berechnet werden. Diese vorl¨
aufigen Preise werden den K¨
altelas-
ten zur Verf¨
ugung gestellt, welche daraufhin ihren Tagesbedarf optimieren. Die
145
4.5. Klimager¨
ate
Ergebnisse der Optimierung fließen als Nachfragedifferenz zwischen ungesteuerter
und optimierter K¨
altelast in eine zweite optimale Leistungsflussberechnung ein.
Durch Vergleich der ersten mit den zweiten Leistungsflussberechnungsergebnis-
sen werden die Aussagen bez¨
uglich Kostenreduktion, integrierte Erneuerbare und
CO2-Emissionsreduktion getroffen, wie Abbildung 4.27 veranschaulicht.
optimale Leistungs-
Optimierung
K¨
alteanlagen
Windkraftanlagen
Photovoltaik
Nachfrage
Kraftwerks-
Kraftwerks-
leistungen
daten
Einspeiseprofil
Einspeiseprofil
CO2- Emissions-
berechnung
flussberechnung
Optimiertes
Ergebnis: Kosten
Ergebnis: Integrierte
erneuerbare Energie
Ergebnis: Reduzierte
CO2- Emissionen
Vorl¨
aufige
Referenz-
Day-Ahead
optimale Leistungs-
flussberechnung
Abschließende
der K¨
alteanlagen
Nodalpreise
Nodalpreise
K¨
alteanlagen-Profil
Ungesteuertes
Kraftwerks-
leistungen
K¨
alteanlagen-Profil
Abbildung 4.27.: Ablauf der Ergebnisberechnung der K¨
alteanlagen
Optimiertes K¨
alteger¨
ate-Nachfrageprofil
Im Gegensatz zu den W¨
armepumpen und BHKWs, deren modellierte Typen sich
nur leicht voneinander unterschieden haben, weichen die optimierten Tagesverl¨
aufe
der K¨
alteanlagen stark unter den betrachteten Typen ab. Eine Ausnahme bilden
Typ 1 und Typ 2, die sich bis auf einen anderen Temperaturbereich sehr ¨
ahn-
lich sind. Um die unterschiedlichen Gegebenheiten zwischen ungesteuertem und
optimiertem Betrieb aufzuzeigen, werden in diesem Abschnitt drei Tagesverl¨
aufe
abgebildet: K¨
uhlschrank, Einfamilienhaus und B¨
urogeb¨
aude. Da das konventionel-
le K¨
uhlschrankmodell eine sehr geringe Verschiebung aufweist, wird stattdessen in
Abbildung 4.28 der K¨
uhlschrank mit Latentw¨
armespeicher dargestellt.
146
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Im obersten Verlauf von Abbildung 4.28 sind die Leistungsaufnahmen des K¨
uhl-
schrankverbunds im ungesteuerten Betrieb aufgetragen. Diese weisen gem¨
der
Modellierung einen Unterschied zwischen tags¨
uber und nachts auf. Im Feld darun-
ter ist die K¨
uhlschrankinnentemperatur mit einer blauen Linie dargestellt. Außer-
dem ist der erlaubte Temperaturbereich grau hinterlegt. Der ungesteuerte Bereich
bleibt an der obersten Temperaturgrenze, da hier die Transmissionsverluste am ge-
ringsten sind. Darunter sind die vorl¨
aufigen Day-Ahead Spot-Preise angegeben,
die in den ersten f¨
unf Stunden des Tages von einem Kraftwerk der Erneuerbaren
als Grenzkraftwerk bestimmt werden und den Rest des Tages von Braunkohlekraft-
werken. Die Angabe der optimierten Leistungsaufnahme befindet sich im vierten
Diagrammbereich. In den ersten drei Stunden des Tages h¨
alt die Optimierung das
Temperaturlevel am Maximum, was die geringsten Verluste hervorruft. In Stunde
vier beginnt die verst¨
arkte K¨
uhlung und in Stunde 5 k¨
uhlen die K¨
uhlschr¨
anke mit
Latentw¨
armespeicher mit ihrer maximalen Leistung (1,882 Mio. K¨
uhlschr¨
anke zu
je 80 W = 150,56 MW). Es folgen vier Stunden, in denen nicht gek¨
uhlt wird, der
Rest des Tages verl¨
auft analog zum ungesteuerten Betriebsfall, da sich die Preise
nicht mehr ¨
andern. Im letzten Diagrammbereich ist die Innentemperatur verzeich-
net. Am Anfang von Stunde 4 betr¨
agt sie noch den erlaubten H¨
ochstwert von 7
C, am Ende ist sie durch die st¨
arkere K¨
uhlung in Stunde 4 bereits um unter 6
C abgesunken. Der Gradient der Temperatur steigt bis zum Ende von Stunde
f¨
unf stark an, da hier mit der maximalen Leistung gek¨
uhlt wurde, und erreicht die
tiefste erlaubte Innentemperatur von 3 C. In den n¨
achsten vier Stunden erw¨
armt
sich die Innentemperatur schrittweise zur¨
uck auf 7 C, wo sie f¨
ur den Rest des
Tages bleibt.
Abbildung 4.29 zeigt das Verhalten des Einfamilienhaus-Modells. Der Aufbau ist
identisch, nur das sich hier der Temperaturbereich von 19 C w¨
ahrend der Nacht
bzw. 20 C w¨
ahrend des Tages bis 25 C erstreckt. Ein weiterer Unterschied ist
die Aufteilung der K¨
altelast der einzelnen Stunden auf Erdgeschoss (blau) und
Dachgeschoss (rot). Die grauen Balken zeigen die gesamte Nachfrage nach elektri-
scher Energie als Summe von Erdgeschoss und Dachgeschoss. Beim betrachteten
Tag handelt es sich um einen warmen Tag, an dem auch in der Nacht die Innen-
temperatur des EFH kaum unter 25 C sinkt. Dementsprechend fr¨
uh muss ab
4:00 Uhr mit der Geb¨
audek¨
uhlung begonnen werden. Ab 15:00 Uhr bis 22:00 Uhr
erh¨
ohen sich die Preise. W¨
ahrend die Geb¨
audek¨
uhlung den Preisfall in Stunde 23
und 24 nicht nutzen kann, da dort kein Bedarf mehr herrscht, kann sie im opti-
mierten Fall die K¨
uhlleistung bis zum Preisanstieg erh¨
ohen und so w¨
ahrend der
h¨
oheren Preisperiode den Betrieb einstellen. Die Innentemperaturen sinken beim
optimierten Betrieb w¨
ahrend der verst¨
arkten K¨
uhlung unter 24 C. Das Dachge-
schoss muss st¨
arker heruntergek¨
uhlt werden, obwohl die ben¨
otigte K¨
uhlleistung,
wie im ungesteuerten Fall ersichtlich, kaum h¨
oher als f¨
ur das Erdgeschoss ist. Der
147
4.5. Klimager¨
ate
Grund daf¨
ur liegt in der geringeren Kapazit¨
at, welche zu einem steileren Tem-
peraturanstieg bei ausbleiben des Klimaanlagenbetriebs f¨
uhrt. Der Optimierung
gelingt es, den Tagesbedarf vollst¨
andig in den niedrigpreisigen Stunden zu decken.
Da hier Erneuerbare das Grenzkraftwerk gestellt haben, konnte jede verschobene
Kilowattstunde aus Erneuerbaren gedeckt werden, die sonst wegen Nachfrageman-
gel gedrosselt worden w¨
aren.
Als letzte Betrachtung wird in Abbildung 4.30 der Tagesbetrieb der Klimaanlage
im B¨
urogeb¨
aude analysiert. Außerhalb der Gesch¨
aftszeiten, bis 6:00 Uhr morgens
und ab 20:00 Uhr abends, ist der zul¨
assige Innentemperaturbereich praktisch be-
liebig. Lediglich nach unten ist er auf 16 C begrenzt, was f¨
ur die Klimaanlage
aber praktisch keine Rolle spielt. Außerdem werden hier drei Temperaturzonen
unterschieden, Erdgeschoss (blau), Obergeschoss (gelb) und Dachgeschoss (rot).
Im ungesteuerten Betrieb wird von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr gek¨
uhlt, was auf einen
warmen Tag schließen l¨
asst. Das Obergeschoss ben¨
otigt, da es sich ¨
uber drei Stock-
werke erstreckt, die meiste elektrische Energie f¨
ur die K¨
uhlung, ersichtlich am ho-
hen gelben Balken in der Mitte der grauen Summenbalken. An diesem Tag stellen
Braunkohlekraftwerke den Grenzpreis, mit Ausnahme der Stunden 11 bis 15, wo
Erneuerbare gedrosselt werden m¨
ussen und daher den Preis setzen. Die Optimie-
rung erh¨
oht in diesen f¨
unf Stunden die Energieaufnahme aus dem Netz, kann den
Speicher jedoch nicht ausreichend f¨
ullen, d.h. herunterk¨
uhlen, um in Stunde 16
bis 20 den Betrieb einstellen zu k¨
onnen. Dies liegt nicht an der Anlagenleistung,
sondern am Umfang, in dem Erneuerbare in diesen Stunden gedrosselt werden
m¨
ussen, denn sonst w¨
aren die grauen Balken in diesen Stunden alle gleich hoch.
Der Preisfall in den Mittagsstunden ist ein typisches Muster f¨
ur Sommertage, wenn
im Netz hohe Mengen an PV-Anlagen installiert sind. W¨
urden die B¨
urogeb¨
aude
in diesen f¨
unf Stunden mit voller Anlagenleistung k¨
uhlen, w¨
are die Nachfrage in
diesen Stunden so stark erh¨
oht, dass s¨
amtliche Erneuerbare integriert w¨
urden und
Braunkohlekraftwerke zus¨
atzlich Energie bereitstellen m¨
ussten, um die zus¨
atzliche
Nachfrage zu bedienen. Dieses Verhalten wird mit dem zus¨
atzlichen Leistungssi-
gnal unterbunden und der optimierte Betrieb verschiebt nur solche Mengen an
Energie, die h¨
ochstens die Erneuerbaren vollst¨
andig integrieren, nicht aber kon-
ventionelle Kraftwerksleistung zus¨
atzlich erfordern. Dies l¨
asst sich am gew¨
ahlten
Beispiel gut erkennen. Die Energieaufnahme in den f¨
unf niedrigpreisigen Stunden
hat ihr Maximum genau mittags von 12:00 bis 13:00 Uhr und flacht davor und
dahinter ab. Diese Verlaufsform ist genau dem Einspeiseverlauf der PV-Anlagen
angepasst, die mittags ihr Maximum erreichen. Bei den Innentemperaturen im op-
timierten Betrieb im Diagramm darunter, ist das Obergeschoss durch seine hohe
Kapazit¨
at am wenigsten von Schwankungen betroffen.
148
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Abbildung 4.28.: Ungesteuertes und optimiertes Nachfrageprofil des K¨
uhlschrank-
modells mit Latentw¨
armespeicher
149
4.5. Klimager¨
ate
Abbildung 4.29.: Ungesteuertes und optimiertes Nachfrageprofil des
Einfamilienhaus-Modells
150
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Abbildung 4.30.: Ungesteuertes und optimiertes Nachfrageprofil des B¨
urogeb¨
aude-
Modells
151
4.5. Klimager¨
ate
Kostenreduktion bei K¨
uhl- und Klimager¨
aten
Durch die Verschiebung der Nachfrage aus Stunden mit hohem in Stunden mit
niedrigem Energiepreis lassen sich die Energiebezugskosten senken. Die erzielte
Reduktion der Energiekosten wird in Abbildung 4.31 in Prozent zu den Energie-
kosten des Modellk¨
uhlschrankverbunds im ungesteuerten Betrieb dargestellt. Um
die Darstellung zu verbessern, werden die Energiekosten des Tiefk¨
uhlschrankver-
bunds zur selben Basis dargestellt. Die in Tabelle 4.24 dargestellten Werte beziehen
sich dagegen f¨
ur jeden Typ auf die Basis der jeweiligen ungesteuerten Energiekos-
ten. Die Kosten werden kumuliert f¨
ur jede Stunde des Jahres dargestellt, der letzte
Wert beziffert die Jahresenergiekosten.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
120
140
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Basis (100%): Typ 1 − ungesteuert
Typ 1 (KS) − optimiert
Typ 1 − optimiert hoher Lastfall
Typ 2 (TKS) − ungesteuert
Typ 2 (TKS) − optimiert
Typ 5 (KS, 5x Kapazität) − optimiert
Abbildung 4.31.: Ergebnis Kosteneinsparungen der K¨
uhlger¨
ate
Die Energiekosten des K¨
uhlschrankverbunds im ungesteuerten Betrieb sind in der
blauen, durchgezogenen Linie dargestellt. Der Verlauf ist kontinuierlich und weist
kaum eine saisonale Schwankung auf. Der Bedarf an Energie besteht im K¨
uhl-
schrankmodell haupts¨
achlich tags¨
uber mit weniger Nachfrage nachts, ist ansons-
ten aber an allen Tagen identisch. Dieser Unterschied w¨
ahrend des Tages ist in
der Welligkeit der Kurve beobachtbar, st¨
arkere Steigungen wie zum Beispiel im
Dezember sind auf Phasen mit erh¨
ohten Energiepreisen zur¨
uckzuf¨
uhren. Im op-
timierten Betrieb der K¨
uhlschr¨
anke ist zu sehen, dass die Energiekosten nahezu
identisch sind, durch Verschiebung der Nachfrage also kaum Kosteneinsparungen
realisiert werden k¨
onnen. Die Ursache daf¨
ur liegt in der geringen Kapazit¨
at des
152
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
K¨
uhlschrankmodells, welches tags¨
uber maximal die Verschiebung von rund 80 %
der Nachfrage in einer Stunde zul¨
asst. Somit ergeben sich lediglich Einsparungen
in H¨
ohe von 2,07 % der Kosten im ungesteuerten Betrieb. Die Kosten des Tief-
k¨
uhlschrankverbunds finden sich im Verlauf von Typ 2. Die ungesteuerten Kosten
liegen bei knapp ¨
uber 140 %, da sie auf die Energiekosten des Typs 1 normiert
sind und das TKS-Modell 170 kWh Jahresenergienachfrage gegen¨
uber 120 kWh
des KS-Modells hat. Die Einsparungen sind auch hier mit 2,2 % bezogen auf die
ungesteuerten Kosten von Typ 2 nicht sehr hoch. Durch den h¨
oheren Temperatur-
hub von 8 C gegen¨
uber 3 C beim KS ist tags¨
uber der Verzicht auf Nachfrage
aus dem Netz f¨
ur anderthalb Stunden m¨
oglich.
Um den Einfluss der Gesamtenergienachfrage kenntlich zu machen, ist in Abbil-
dung 4.31 auch der optimierte Kostenverlauf des KS-Verbunds bei insgesamt hoher
Energienachfrage im Netz eingezeichnet. Er liegt bei fast 130 % der Kosten des
niedrigen, ungesteuerten Lastfalls und zeigt damit eine starke Abh¨
angigkeit des zu
Grunde liegenden Energiesystems.
Abschließend ist ein KS mit Latentw¨
armespeicher als Typ 5 mit f¨
unffacher Ka-
pazit¨
at des Typs 1 dargestellt. Er erlaubt die Verschiebung der Nachfrage f¨
ur 4
Stunden und kann somit eine Kostenersparnis von fast 13 % erreichen.
Die Kostenentwicklung der Klimager¨
ate ist in Abbildung 4.32 zu sehen. Da die
Kosten des B¨
urogeb¨
audes um das achtfache ¨
uber den Kosten des Einfamilien-
hauses liegen, war eine Darstellung beider Verl¨
aufe analog zu den K¨
uhlger¨
aten
normiert auf den ungesteuerten Betrieb nur eines Typs nicht sinnvoll. Daher sind
beide Verl¨
aufe auf ihren jeweiligen ungesteuerten Betrieb normiert. Der saisonale
Charakter der Geb¨
audeklimatisierung wird sehr deutlich. Beim Einfamilienhaus
steigt die Kostenkurve erstmals Ende April an und erreicht Mitte September ihren
Endzustand. Bis Juni und ab Mitte August ist die Steigung der Kostenkurve flach,
da der Bedarf an Raumklimatisierung gering ist. In diesen Zeiten wird im EFH nur
das Dachgeschoss gek¨
uhlt, welches sich wegen seiner geringeren Kapazit¨
at schnel-
ler aufheizt. Die durch die Verschiebung erzielbaren Einsparungen liegen bei 9,4 %.
Der Kostenverlauf des B¨
urogeb¨
audes ist zur Basis des ungesteuerten Betriebs nor-
miert und erreicht damit ebenfalls 100 %. Die Nachfrage beginnt deutlich sp¨
ater im
Jahr Ende Juni, da das Dachgeschoss sich mit seiner viel gr¨
oßeren Kapazit¨
at nicht
so schnell aufheizt. Ein zweiter Grund ist die um ein Grad erh¨
ohte Maximaltem-
peratur von 26 C, wie sie in den Verordnungen f¨
ur Arbeitsst¨
atten vorgeschlagen
wird. Der Anstieg der Energiekosten ist deutlich steiler, da die K¨
uhlperiode von
Ende Juni bis Ende August viel k¨
urzer ist. Ein weiteres Unterscheidungsmerk-
mal zum EFH ist zum Beispiel Anfang Juli zu sehen. Beide Modelle verzeichnen
einen steilen Anstieg, wobei dieser im B¨
urogeb¨
aude kurz unterbrochen ist. Dies ist
der Einfluss eines warmen Wochenendes, bei dem im B¨
urogeb¨
aude nicht gek¨
uhlt
153
4.5. Klimager¨
ate
wird. Die Einsparungen liegen mit 3,33 % deutlich unter denen des EFH, was an
zwei Faktoren liegt. Erstens ist die Betriebsperiode im Jahr mit 2 Monaten sehr
kurz. Abgezogen werden m¨
ussen 17 % dieser Zeit, da an Wochenenden nicht ge-
k¨
uhlt wird. Zweitens wurde die Klimaanlage nur zur Gesch¨
aftszeit zwischen 7 und
21 Uhr eingeschaltet. Dadurch k¨
onnen niedrige Preise in den Morgenstunden zum
Vork¨
uhlen nicht genutzt werden. Außerdem ist die Leistungszahl in den Randstun-
den des Tages besser, was bei Verschiebung in Stunden mit h¨
oherer Effizienz die
Gesamtenergienachfrage und damit die Kosten reduzieren kann.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 3 (EFH) − ungesteuert
Typ 3 (EFH) − optimiert
Typ 4 (BG) − ungesteuert
Typ 4 (BG) − optimiert
Abbildung 4.32.: Ergebnis Kosteneinsparungen der Klimager¨
ate
Tabelle 4.21 listet die Ergebnisse f¨
ur alle untersuchten Typen auf. Zus¨
atzlich zu den
Einsparungen ist noch der Mehrverbrauch gegen¨
uber dem ungesteuerten Betrieb
aufgef¨
uhrt. Dieser ergibt sich, wenn durch Vork¨
uhlen die Innentemperatur gesenkt
wird, was zu h¨
oheren Transmissionsverlusten f¨
uhrt. Am besten schneidet Typ 5
ab, das K¨
uhlschrankmodell mit f¨
unffacher Kapazit¨
at durch die Anwendung eines
Latentw¨
armespeichers (PCM). Neben der hohen Kapazit¨
at, die ausreicht um die
Nachfrage vier Stunden zu verschieben, ist der K¨
uhlschrank auch mit einer recht
hohen Leistungsreserve ausgestattet. Bei im ungesteuerten Fall Spitzenlasten von
rund 20 W ist der Kompressor auf eine maximale K¨
uhlleistung von 80 W ausgelegt.
Beides erkl¨
art die hohen Einsparungen und den h¨
oheren Mehrverbrauch gegen¨
uber
den anderen Typen.
154
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.21.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen
Typ Anmerkung Einsparungen
optimiert
Mehrverbrauch (Basis:
ungesteuert)
1 K¨
uhlschrank 2,07 % 0,775 %
1 Hoher Lastfall 1,73 % 0,690 %
2 Tiefk¨
uhlschrank 2,20 % 0,607 %
3 Einfamilienhaus 9,35 % 0,584 %
4 B¨
urogeb¨
aude 3,33 % 0,614 %
5 K¨
uhlschrank x5
Kapazit¨
at
12,97 % 2,093 %
Integration erneuerbarer Energie durch K¨
alteger¨
ate
Durch Verschiebung ihrer Nachfrage in Stunden mit niedrigem Bedarf bzw. hoher
Erzeugung aus Erneuerbaren k¨
onnen die K¨
alteger¨
ate den Anteil an Erneuerbaren
im Energiemix durch Integration steigern. F¨
ur eine Quantifizierung dieses Effekts
werden die berechneten Kraftwerkserzeugungsleistungen (inklusive Wind- und PV-
Anlagen) des Energiesystems mit ungesteuerten K¨
alteanlagen mit denen des Ener-
giesystems mit optimierten K¨
alteanlagen verglichen. Um die erzielbaren Ergebnisse
mit anderen Speicherarten vergleichbar zu machen, werden sie ins Verh¨
altnis zur
ungesteuerten Energienachfrage der K¨
alteanlagen gesetzt. Die st¨
undlichen prozen-
tualen Werte f¨
ur das betrachtete Jahr werden in Abbildung 4.33 kumuliert darge-
stellt.
Die Verl¨
aufe von Typ 1 und Typ 2, dem KS und dem TKS, sind praktisch identisch
mit einer Integration Erneuerbarer im Umfang von rund 3,1 % ihres jeweiligen Jah-
resenergiebedarfs. Im Vergleich dazu f¨
allt das Integrationsverm¨
ogen des Typ 1 im
hohen Lastfall mit 2,5 % geringer aus, da dort insgesamt weniger Erneuerbare inte-
griert werden k¨
onnen. Beim Einfamilienhaus ergeben sich mit fast 8 % die h¨
ochsten
Einsparm¨
oglichkeiten der nicht modifizierten Verbraucher. Der Verlauf beginnt ab
Mai flach, ist von Juli bis August steil und flacht dann wieder bis Ende September
ab, wo er aufgrund ausbleibenden Betriebs horizontal verl¨
auft. ¨
Ahnlich wie bei
der Diskussion des Kostenverlaufs ist auch hier das Dachgeschoss f¨
ur die flachen
Anstiege im Mai/Juni und im September verantwortlich, da es sich wegen geringer
Kapazit¨
at schnell aufheizt und mit wenig Energienachfrage k¨
uhlen l¨
asst. Der nur
zwei Monate w¨
ahrende Betrieb der Klimaanlage im B¨
urogeb¨
aude ist auch bei der
Integrationsf¨
ahigkeit gut zu erkennen. Der Anstieg verl¨
auft hier recht gleichm¨
aßig.
An moderat warmen Tagen ist eine hohe Reserveleistung der Anlage vorhanden,
wodurch mehr Energie verschoben werden kann. An sehr warmen Tagen arbeitet
die Klimaanlage in der N¨
ahe ihrer Anlagenleistung und ist daher in geringerem
155
4.5. Klimager¨
ate
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
0
2
4
6
8
10
12
14
Stunden
Integrierte erneuerbare Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 1 (KS)
Typ 1 hoher Lastfall
Typ 2 (TKS)
Typ 3 (EFH)
Typ 4 (BG)
Typ 5 (KS, 5x Kapazität)
Abbildung 4.33.: Ergebnis Integrierte erneuerbare Energie durch K¨
alteanlagen
Maße zur Lastverschiebung f¨
ahig. Die meiste Energie im Verh¨
altnis zum Eigen-
verbrauch integriert der K¨
uhlschrank mit Latentw¨
armespeicher. Der Verlauf weist
eine st¨
arkere Steigung im Herbst auf, da dort vermehrt Erneuerbare wiederholt
w¨
ahrend des Tages abgeschaltet werden mussten. Die h¨
ohere Steigung ist auch bei
Typ 1 und 2 erkennbar, jedoch ist sie dort nicht so ausgepr¨
agt.
Tabelle 4.22 fasst alle Ergebnisse aus den Abbildungen zusammen und erg¨
anzt
diese um die absoluten Zahlenwerte der integrierten Erneuerbaren. Hier ist das
B¨
urogeb¨
aude mit einem h¨
oheren Wert vertreten als alle anderen Typen zusam-
men, was an dem hohen Energiebedarf liegt.
156
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.22.: ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer durch optimierte
K¨
alteanlagen
Typ Anmerkung Integration
Erneuerbarer
Jahresenergienach-
frage
ungesteuert
Integration
Erneuerbarer
absolut
1 K¨
uhlschrank 3,10 % 120 kWh 3,7 kWh
2 Tiefk¨
uhl-
schrank
3,07 % 170 kWh 5,3 kWh
3 Einfamilien-
haus
7,76 % 609 kWh 47,3 kWh
4 B¨
urogeb¨
aude 3,97 % 3526 kWh 140,0 kWh
1 Hoher Lastfall 2,53 % 120 kWh 3,0 kWh
5 K¨
uhlschrank
x5 Kapazit¨
at
13,64 % 120 kWh 16,4 kWh
CO2-Emissionsreduzierung durch Klimager¨
ate
Die CO2-Emissionsreduktionen entstehen, wenn Kraftwerke mit hohen spezifischen
Emissionen gedrosselt werden k¨
onnen. Dies erfordert die Erh¨
ohung der Leistung
eines anderen Kraftwerks in einer anderen Stunde, da die Klimager¨
ate ihre Nach-
frage nur verschieben, aber nicht vermeiden k¨
onnen. Betrifft die Leistungserh¨
o-
hung ein Wind- oder PV-Kraftwerk, welches im Betrieb keine Emissionen verur-
sacht, wurden die CO2-Emissionen erfolgreich reduziert. In Abbildung 4.34 sind
die CO2-Emissionsreduktionen der K¨
alteanlagen in Prozent zu ihren Jahres-CO2-
Emissionen dargestellt.
Der Verlauf von Typ 1 und Typ 2 ist fast identisch, mit leicht h¨
oheren Wer-
ten bei Typ 2. Das Einfamilienhaus und damit Typ 3 hat die h¨
ochste CO2-
Emissionsreduktion der unver¨
anderten K¨
alteanlagentypen. Hier konnte der Ab-
stand zu den Typen 1,2 und 4 im Vergleich zur Integration Erneuerbarer wei-
ter gesteigert werden. W¨
ahrend die Typen 1 und 2 bei der Emissionsreduktion
den Prozentsatz im Vergleich zur Integration Erneuerbarer um ein Drittel stei-
gern konnten, betr¨
agt das Plus bei Typ 3 etwas 85 %. Der Grund daf¨
ur erschließt
sich bei der Analyse der spezifischen CO2-Emissionen in Tonnen pro MWh der
einzelnen Stunden. Diese schwanken zwischen 330 kg CO2pro MWh und 970 kg
CO2pro MWh, im Jahresdurchschnitt betragen sie 578,7 kg pro MWh. Gerade in
den Sommermonaten findet sich oft das gleiche Muster: Nachts ohne Photovoltaik
und mit wenig Wind werden die Emissionen vorrangig von Braunkohlekraftwerken
verursacht und haben einen hohen spezifischen Wert. In den Mittagsstunden mit
generell viel Energie aus PV sinken die spezifischen Emissionen stark, um abends
157
4.5. Klimager¨
ate
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
Stunden
CO2−Emissionsreduktion in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Typ 1 (KS)
Typ 2 (TKS)
Typ 3 (EFH)
Typ 4 (BG)
Typ 5 (KS, 5x Kapazität)
Abbildung 4.34.: Ergebnis CO2-Emissionsreduktion durch K¨
alteanlagen
wieder anzusteigen. Da im Sommer in den Morgen- und Abendstunden tendenziell
wenig Erneuerbare verf¨
ugbar sind, steigen dort auch die Preise. Die Verschiebung
findet bei der Geb¨
audeklimatisierung vorrangig von diesen Randstunden mit kaum
Erneuerbaren und damit besonders hohen Emissionen hin zu Stunden mit viel Son-
ne statt. Dieser Effekt kann auch bei Typ 4 beobachtet werden, er ist dort jedoch
nicht so ausgepr¨
agt. Der K¨
uhlschrank mit Latentw¨
armespeicher hat, gemessen an
seinen eigenen Jahres-CO2-Emissionen, die h¨
ochste Reduktion von knapp ¨
uber
20 %.
Tabelle 4.23 zeigt die CO2-Einsparungen aller Typen, sowie deren Jahresemissionen
und ihre absoluten CO2-Einsparungen. Wie bei der Integration Erneuerbarer spart
der optimierte Betrieb der B¨
urogeb¨
audek¨
uhlung die meisten CO2-Emissionen ein.
158
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
Tabelle 4.23.: ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen durch optimierte K¨
altean-
lagen
Typ Anmerkung CO2- Ein-
sparungen
Jahresemissionen pro
K¨
alteger¨
at ungesteuert
CO2-
Einsparungen
absolut
1 K¨
uhlschrank 4,1 % 67,9 kg 2,8 kg
2 Tiefk¨
uhl-
schrank
4,2 % 100,0 kg 4,2 kg
3 Einfamilien-
haus
14,6 % 301,5 kg 44,1 kg
4 B¨
urogeb¨
aude 6,5 % 1842 kg 119,4 kg
1 Hoher Lastfall 3,5 % 67,6 kg 2,3 kg
5 K¨
uhlschrank
x5 Kapazit¨
at
20,3 % 67,9 kg 13,8 kg
Vergleich der Ergebnisse der untersuchten Klimager¨
ate im Einfamilienhaus
und B¨
urogeb¨
aude
Als abschließende Betrachtung der K¨
alteanlagen listet Tabelle 4.24 die Ergebnis-
se aller Typen sowohl f¨
ur den niedrigen als auch f¨
ur den hohen Lastfall auf. Alle
untersuchten Ergebnisse fallen im HLF geringer aus. Das im Vergleich zur Integra-
tion Erneuerbarer hohe CO2-Emissionsreduktionspotential der Geb¨
audek¨
uhlung
bleibt im HLF erhalten und steigert sich sogar leicht. Dies liegt daran, dass im
HLF die Randstunden der Sommertage h¨
aufiger einen hohen spezifischen CO2-
Emissionswert aufweisen.
159
4.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der thermischen Speicher
Tabelle 4.24.: Ergebnisvergleich der untersuchten K¨
uhl- und Klimager¨
ate
Typ Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4 Typ 5
Last-
fall
NLF HLF NLF HLF NLF HLF NLF HLF NLF HLF
Kost.
%
2,1 1,7 2,2 2,1 9,3 5,6 3,3 2,1 13,0 8,8
Int.
kWh
3,7 3,1 5,3 4,4 47,3 38,0 140,0 104,7 16,4 12,2
Int.
%
3,1 2,6 3,1 2,5 7,8 6,2 4,0 3,0 13,6 10,2
CO2
kg
2,8 2,4 4,2 2,7 44,1 36,1 119,4 86,3 13,8 7,9
CO2
%
4,1 3,6 4,2 2,7 14,6 11,9 6,5 4,4 20,3 11,7
4.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der
thermischen Speicher
Um die in diesem Kapitel gewonnen Erkenntnisse ¨
ubersichtlich festzuhalten, folgt
eine Auflistung.
- W¨
armepumpen
- Die Kosteneinsparungen liegen bei allen W¨
armepumpentypen um die
12 % mit nur plus-minus 0,7 %
- Die Integration Erneuerbarer liegt bei allen W¨
armepumpentypen um
die 10 % mit nur plus-minus 1 %
- Der Einsatz von 470500 W¨
armepumpen in der 50 Hertz-Regelzone ver-
schlechtert die Kosteneinsparung um 1,25 % wegen R¨
uckwirkungen auf
die Angebotspreise
- Bei einer Anlage mit der dreifachen Anlagenleistung erh¨
oht der Verzicht
auf eine Nachtabsenkung die Kosteneinsparung um 0,6 % durch gr¨
oßere
Flexibilit¨
at
- Bei der Integration erh¨
oht eine dreifache Anlagenleistung den Anteil um
nur 0,5 %
- Eine Luftw¨
armepumpe ist bei Kosteneinsparungen, Integration und
Emissionen einer Grundwasserw¨
armepumpe unterlegen. Eine Grund-
160
Kapitel 4. W¨
arme- und K¨
altebereitstellung als flexible Verbraucher
wasserpumpe mit Radiatoren ist einer Grundwasserpumpe mit Fußbo-
denheizung unterlegen.
- Bei der Emissionsreduktion spielt der Lastfall eine sehr große Rolle. Die
Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine Kostenoptimierung anfangs
zu h¨
oheren Emissionen im Energiesystem f¨
uhren wird, bis der Anteil an
Erneuerbaren einen Schwellwert ¨
uberschritten hat.
- Blockheizkraftwerke:
- Kosteneinsparungen sind ¨
außerst gering, daher ist eine separate Anreiz-
regulierung bei Einspeisern erforderlich
- Die Verzehnfachung des Wasserspeichers hat fast keine Auswirkungen,
die Anlagenleistung ist der wichtigere Faktor, nicht zuletzt durch die
nutzbare, wenn auch verlustbehaftete Kapazit¨
at des Geb¨
audes
- Verzicht auf Nachtabsenkung erh¨
oht die Kosten durch h¨
ohere Trans-
missionsverluste, die erh¨
ohte Flexibilit¨
at kann die Verluste nicht aus-
gleichen, da die Anlage nicht genug Leistungsreserven hat.
- Die Integrationsf¨
ahigkeit von BHKWs ist im Sommer h¨
oher als von
W¨
armepumpen, da sie ihre ganze Einspeisung in die wenigen Stunden
verschieben k¨
onnen, in denen die Erneuerbaren nicht abgeschaltet wer-
den.
- Außerdem k¨
onnen BHKW die vor der mitt¨
aglichen PV-Einspeisung
herrschende Braunkohlestunden zur Ladung des Wasserspeichers nutzen
und den Rest des Tages, wenn Erneuerbare gedrosselt werden m¨
ussen,
weniger Energie einzuspeisen.
- Im Winter ist es umgedreht, durch Wind findet Erneuerbaren-Abschal-
tung eher nachts statt, und BHKW m¨
ussen laufen um Nachtabsenkung
zu verlassen. Hier sind Verbraucher wie W¨
armepumpen im Vorteil, die
den Nachtstrom nutzen k¨
onnen.
- Im hohen Lastfall sind BHKW beim Integrieren effektiver, was ein ein-
zigartiges Verhalten zu den anderen betrachteten Speichern ist. Grund:
Im Sommer gibt es mehr einzelne Stunden in denen Braunkohle-Prei-
se herrschen, in die die BHKW ihren Betrieb verschieben k¨
onnen, im
niedrigen Lastfall sind ¨
ofter nur Erneuerbaren-Preise den ganzen Tag.
- Zweitens sind, wenn Erneuerbare nachts nicht abgeschaltet werden m¨
us-
sen, die morgendlichen Braunkohle-Preise im NLF mit geringeren Leis-
tungsreserven vertreten als im HLF. Wenn Erneuerbare tags¨
uber ge-
drosselt werden m¨
ussen, k¨
onnen die BHKW im HLF in den Morgen-
161
4.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der thermischen Speicher
stunden ihren thermischen Speicher mit h¨
oheren Leistungen aufladen,
bevor dadurch Erneuerbare zus¨
atzlich abgeschaltet werden m¨
ussten.
- Bei den CO2-Emissionen sind die Einsparungen im HLF sogar deutlich
h¨
oher als im NLF, da der positive Effekt bei der Integration durch die
geringeren Eigenemissionen noch verst¨
arkt wird.
- K¨
alteanlagen:
- K¨
uhlschr¨
anke und Tiefk¨
uhlschr¨
anke sowie B¨
urogeb¨
aude k¨
onnen kaum
Kosten einsparen, daf¨
ur etwas mehr Erneuerbare und Emissionen.
- EFH k¨
onnen gut Kosten einsparen, moderat Integrieren aber die CO2-
Emissionen besonders stark reduzieren, da in den Sommertagen gute
Bedingungen f¨
ur Emissionsreduktion herrschen. Die Braunkohlepreis-
Randstunden haben einen hohen spezifischen CO2-Emissionswert, und
gerade in diesen Randstunden findet Verschiebung statt.
- B¨
urogeb¨
aude bleiben hinter ihren M¨
oglichkeiten zur¨
uck, da nur zu Ge-
sch¨
aftszeiten gek¨
uhlt wird. Durch den Verzicht auf K¨
uhlung am Wo-
chenende kann zwar der Jahresenergieverbrauch reduziert werden, die
Verschiebung ist jedoch auch weniger effektiv.
- Ein K¨
uhlschrank mit Latentw¨
armespeicher ist besonders effizient in der
Nachfrageverschiebung. Die Kosteneinsparungen steigen von einer Stun-
de (Tiefk¨
uhlschrank) Verschiebbarkeit zu vier Stunden (KS mit Latent-
w¨
armespeicher) stark von 2,2 % auf 13 % an.
162
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
5. Vergleich der Elektrofahrzeuge
und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die
Stadt Berlin
Die in dieser Arbeit behandelten Speichertypen mit ihrer optimierten Nachfrage-
verschiebung werden in diesem Kapitel miteinander verglichen und ihre Auswir-
kung auf die Stadt Berlin dargestellt.
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen
Speicher
Die Betrachtungen der Speicher in den vorangegangenen Kapiteln erfolgte im Hin-
blick auf einen Anwendungsfall mit einer großen Anzahl der jeweiligen Speicher.
Die Vergleichbarkeit ist in dieser Darstellung ¨
uberschattet von den Netzr¨
uckwir-
kungen. Diese treten insbesondere bei Speichern mit großer Nachfrage bereits fr¨
uh
bei steigenden St¨
uckzahlen auf. Durch eine zus¨
atzliche Leistungsgrenze werden
zwar die negativen Effekte von unkontrollierter R¨
uckwirkung verhindert, die Nach-
frageverschiebungsm¨
oglichkeiten und damit das Potential des Speichers wird je-
doch eingeschr¨
ankt. F¨
ur einen Vergleich der Speicher untereinander werden die
Simulationen ¨
aquivalent zum bereits beschriebenen Ablauf erneut durchgef¨
uhrt,
dieses mal jedoch mit nur einem einzigen Speicher jedes Typs. So k¨
onnen Netz-
r¨
uckwirkungen praktisch ausgeschlossen werden, w¨
ahrend die Aussagekraft durch
Normierung auf speichertypische Gr¨
oßen wie Kosten im ungesteuerten Betrieb,
Jahresenergienachfrage und Jahres-CO2-Emissionen erhalten bleibt. Der Vergleich
der Speicher erfolgt sowohl f¨
ur den niedrigen Lastfall mit 83 TWh elektrischer
Energienachfrage im Beispieljahr, als auch f¨
ur den hohen Lastfall mit 106 TWh.
Der Vergleich wird f¨
ur die Kosteneinsparungen, die Integration Erneuerbarer Ener-
gien und die Reduktion von CO2-Emissionen durchgef¨
uhrt. Zum Vergleich werden
folgende Speicher herangezogen:
- Elektrofahrzeugverbund
163
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
- W¨
armepumpentyp 3 mit Grundwasserw¨
armepumpe und Fußbodenheizung
sowie dreifach erh¨
ohter Leistung
- BHKW mit mittlerem Wirkungsgrad (ηel = 0,35 und ηth = 0,55) und 10000
Liter Wasserspeicher
- K¨
uhlschrank mit Latentw¨
armespeicher mit f¨
unffacher Kapazit¨
at gegen¨
uber
dem Standardk¨
uhlschrank
- K¨
alteanlage Typ 3, Klimaanlage im Einfamilienhaus
5.1.1. Ergebnis niedriger Lastfall: Kosteneinsparungen der
Speicher im Vergleich
Abbildung 5.1 zeigt die Kosteneinsparungen der betrachteten Speichertypen. Alle
Verl¨
aufe stellen die Kosten im optimierten Betrieb, bezogen auf die Kosten im un-
gesteuerten Betrieb des jeweiligen Speichertyps in Prozent dar. Im ungesteuerten
Betrieb erf¨
ullen die hier vorgestellten Verbraucher lediglich ihre Prim¨
araufgabe
(Mobilit¨
at, Bereitstellung von thermischer Energie). Im optimierten Betrieb ver-
suchen die Verbraucher Nachfrage in Schwachlastzeiten und keine Nachfrage in
Spitzenlastzeiten darzustellen.
-Elektrofahrzeugverbund - Mit Einsparungen von 86,7 % mit Abstand der
flexibelste Speicher. Von Juli bis Mitte Oktober sinken die kumulierten Kos-
ten sogar, in diesem Zeitraum kann das Elektrofahrzeug mit seiner Arbitrage-
T¨
atigkeit mehr verdienen, als es im gleichen Zeitraum f¨
ur Mobilit¨
at ausgeben
muss. Da f¨
ur das Fahrprofil keine saisonale Unterscheidung implementiert
wurde, liegt die Ursache in den h¨
oheren Kosten des Energiesystems. Der
Zuwachs der Kosteneinsparungen im Vergleich zu den Ergebnissen in Ab-
schnitt 3.5.2 betr¨
agt ¨
uber 20 %. Der gestiegene Mehrverbrauch von 11,5 %
auf 17,5 % zeigt deutlich mehr Nachfrageverschiebung, welche vorher wegen
negativer Netzr¨
uckwirkungen unterbunden wurde. Mit hoher Jahresnachfra-
ge von 2115 kWh und der M¨
oglichkeit von R¨
uckspeisung in das Netz haben
Elektrofahrzeuge ein hohes Potential und ihr Einfluss wird mit steigenden
St¨
uckzahlen schnell sichtbar.
-W¨
armepumpe Grundwasser/Fußbodenheizung dreifache Leistung
- Zweith¨
ochste Kosteneinsparung mit 13,8 %. Verlauf und Einsparungen ¨
an-
dern sich im Gegensatz zu den Ergebnissen mit 71.000 W¨
armepumpen aus
Abschnitt 4.2.4 mit plus 0,2 % praktisch kaum, auch der Mehrverbrauch ist
ann¨
ahernd gleich. Die Erh¨
ohung der Anlagenzahl auf 71.000 (Jahresnachfrage
164
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Elektrofahrzeugverbund
WP Typ 3 (Grundw./Fußb., 3P)
BHKW Typ 4 (0,35/0,55 − 10000l)
KS Typ 5 (5xKapazität)
Klimaanlage Typ 3 (EFH)
Klimaanlage Typ 4 (BG)
Abbildung 5.1.: Vergleich der Kosteneinsparungen aller Speicher im niedrigen
Lastfall
1461 kWh pro Anlage) f¨
uhrt kaum zu Einschr¨
ankungen bei der Nachfrage-
verschiebung. Dies l¨
asst den Schluss zu, dass die Verschiebung von Leistung
haupts¨
achlich stattgefunden hat, wenn erhebliche Mengen an Erneuerbaren
abgeschaltet wurden.
-BHKW mit ηel = 0,35 und ηth = 0,55, sowie 10000 Liter Wasser-
speicher - Die Kosteneinsparungen sind mit 2,0 % etwa 0,4 % h¨
oher als bei
Simulation mit 28.400 BHKWs im Netz, jedoch immer noch sehr gering. Die
Ursache daf¨
ur liegt an der Einspeisung von Energie im Gegensatz zu den an-
deren Speichern, die Energie aufnehmen. Mit einer hohen Jahreseinspeisung
von 7041,7 kWh sind die R¨
uckwirkungen auf das Netz erheblich, im Vergleich
zu den W¨
armepumpen um den Faktor 5. Bei der Simulation im vorangegan-
genen Kapitel wurden 2,5 mal so viele W¨
armepumpen untersucht. Das die
165
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
Einsparung bei der BHKW Einzelanlage doppelt so hoch ist wie bei der W¨
ar-
mepumpen Einzelanlage liegt an der doppelten Energiemenge, die die 28.400
BHKWs eingespeist haben.
-K¨
uhlschrank mit f¨
unffacher Kapazit¨
at - Mit Einsparungen von 13,1 %
liegt er in einem guten Bereich. Erwartungsgem¨
gibt es wegen der geringen
Jahresnachfrage von 120 kWh keine großen Unterschiede bei Einsparungen
und Mehrverbrauch zwischen Einzelanlage und Simulationsfall mit K¨
uhl-
schrank in allen Berliner Haushalten.
-Klimaanlage im Einfamilienhaus - Die Einsparungen liegen mit 9,5 % nur
sehr knapp ¨
uber dem Simulationsfall mit 140000 EFH. Die Energienachfrage
im ungesteuerten Betrieb ist mit 609 kWh nicht sehr hoch, konzentriert sich
aber auf nur vier Monate. Der Betrieb in den Sommermonaten, wo viel Ener-
gie aus PV-Anlagen eingespeist wird, verringert das Einsparpotential durch
eine homogene Preisstruktur und reagiert gleichzeitig wenig sensitiv auf stei-
gende St¨
uckzahlen an Klimaanlagen, was auf großen Leistungsreserven der
Grenzkraftwerke schließen l¨
asst. Zu beachten ist hier, dass die stochastische
Streuung viel geringer ist, da deutlich weniger Tage in die Optimierung ein-
geflossen sind als bei ganzj¨
ahrig betriebenen Speichern.
Tabelle 5.1.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen aller Speicher im niedrigen
Lastfall
Typ Anmerkung Einsparungen
zu Kosten
Mehrver-
brauch
Elektrofahr-
zeug vehicle-to-grid 86,7 % 17,5 %
W¨
armepum-
pe Typ
3
Wasser/Fußb. 3 ·Pmax 13,8 % 0,8 %
K¨
uhlschrank
Typ 1
5-fache Kapazit¨
at 13,1 % 2,1 %
Klimaanlage
Typ 3
Einfamilienhaus 9,5 % 0,8 %
Blockheiz-
kraftwerk
Typ 4 (ηel/th = 0,35/0,55 und
10000 l Speicher)
2,0 % 0,0 %
166
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
5.1.2. Ergebnis niedriger Lastfall: Integration erneuerbarer
Energien der Speicher im Vergleich
Abbildung 5.2 enth¨
alt die Verl¨
aufe der Integration Erneuerbarer Energie aller Ty-
pen. Die Werte sind kumuliert ¨
uber das Jahr in Prozent zur Eigenenergienachfrage
aufgetragen, beim BHKW wurde f¨
ur bessere Vergleichbarkeit das Vorzeichen des
Leistungsaustausches mit dem Netz gewechselt.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
5
10
15
20
25
80
85
Stunden
Integrierte Erneuerbare Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Elektrofahrzeugverbund
WP Typ 3 (Grundw./Fußb., 3P)
BHKW Typ 4 (0,35/0,55 − 10000l)
KS Typ 5 (5xKapazität)
Klimaanlage Typ 3 (EFH)
Klimaanlage Typ 4 (BG)
Abbildung 5.2.: Vergleich der integrierten Erneuerbaren Energie aller Speicher im
niedrigen Lastfall
Tabelle 5.2 enth¨
alt alle Integrationswerte in Prozent zur Jahresenergienachfrage
des jeweiligen Speichertyps und auch die absoluten Werte.
-Elektrofahrzeugverbund - Die Simulation mit dem Einzelfahrzeug er-
reicht 98,4 % und integriert damit fast so viele Erneuerbare Energie wie die
eigene Nachfrage ¨
uber das Jahr ist. Auch hier ist ein deutlicher Zuwachs von
167
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
rund einem Drittel im Gegensatz zur Simulation mit vielen Fahrzeugen zu
beobachten.
-W¨
armepumpe Grundwasser/Fußbodenheizung dreifache Leistung
- Der Zuwachs bei der Integration Erneuerbarer entspricht mit plus 0,2 %
ungef¨
ahr dem des Zuwachses bei den Kosteneinsparungen.
-BHKW mit ηel = 0,35 und ηth = 0,55, sowie 10000 Liter Wasser-
speicher - Wie bei den Kosteneinsparungen ist auch bei der Integration
mit 5,6 % ein um 0,8 % besseres Ergebnis erzielt worden, jedoch liegt die-
ser Wert im Vergleich mit den anderen Speicher im unteren Bereich. Durch
die Nachteile bei der Kostenreduktion Aufgrund von hohen Kosten bei der
Energiebereitstellung und niedrigen Erl¨
osen beim Verkauf der elektrischen
Energie ¨
ubersteigt die Integration den Wert der Kosteneinsparungen, wie es
sonst nur noch bei den Elektrofahrzeugen der Fall ist.
-K¨
uhlschrank mit f¨
unffacher Kapazit¨
at - Erwartungsgem¨
kaum ein
Unterschied zum Anwendungsfall mit 1,8 Mio. K¨
uhlschr¨
anken, da die Nach-
frage systemweit betrachtet gering ist.
-Klimaanlage im Einfamilienhaus - Die Integrationswerte sind geringf¨
ugig
h¨
oher als im Anwendungsfall, wie bereits bei den Kosteneinsparungen.
Tabelle 5.2.: ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer aller Speicher im nied-
rigen Lastfall
Typ Anmerkung Integration
zu Last
Integration
absolut
Elektrofahr-
zeug vehicle-to-grid 98,4 % 2081,5 kWh
W¨
armepum-
pe Typ
3
Wasser/Fußb. 3 ·Pmax 12,9 % 187,9 kWh
K¨
uhlschrank
Typ 1
5-fache Kapazit¨
at 13,7 % 6,5 kWh
Klimaanlage
Typ 3
Einfamilienhaus 8,1 % 49,6 kWh
Blockheiz-
kraftwerk
Typ 4 (ηel/th = 0,35/0,55 und
10000 l Speicher)
5,6 % 391,7 kWh
168
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
5.1.3. Ergebnis niedriger Lastfall: CO2-Emissionsreduktion der
Speicher im Vergleich
Abbildung 5.3 enth¨
alt die Verl¨
aufe der CO2-Emissionsreduktionen aller Typen.
Die Werte sind kumuliert ¨
uber das Jahr in Prozent zu den CO2-Emissionen der
einzelnen Speichertypen dargestellt.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
0
20
40
60
80
100
120
140
Stunden
CO2−Emissionsreduktion in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Elektrofahrzeugverbund
WP Typ 3 (Grundw./Fußb., 3P)
BHKW Typ 4 (0,35/0,55 − 10000l)
KS Typ 5 (5xKapazität)
Klimaanlage Typ 3 (EFH)
Klimaanlage Typ 4 (BG)
Abbildung 5.3.: Vergleich der CO2-Emissionsreduktion aller Speicher im niedrigen
Lastfall
Tabelle 5.3 enth¨
alt alle Werte zur CO2-Emissionsreduktion in Prozent zu den Jah-
resemissionen des jeweiligen Speichertyps und auch die absoluten Werte in kg.
-Elektrofahrzeugverbund - Die CO2-Emissionsreduktion steigt um ein
Drittel auf 143,9 % an, so dass das einzelne Elektrofahrzeug mehr CO2ein-
spart, als mit der Erzeugung der elektrischen Energie f¨
ur die Mobilit¨
at emit-
tiert wird.
169
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
-W¨
armepumpe Grundwasser/Fußbodenheizung dreifache Leistung
- Die CO2-Emissionsreduktion ist um fast die H¨
alfte h¨
oher als die Integration
Erneuerbarer. Ein ¨
ahnliches Verhalten weisen auch die Elektrofahrzeuge und
die K¨
uhlschr¨
anke auf.
-BHKW mit ηel = 0,35 und ηth = 0,55, sowie 10000 Liter Wasser-
speicher - Das BHKW hat, wie die Geb¨
audek¨
uhlung auch, eine um fast
das Doppelte h¨
ohere CO2-Emissionsreduktion im Vergleich zur Kostenein-
sparung oder Integrationsf¨
ahigkeit.
-K¨
uhlschrank mit f¨
unffacher Kapazit¨
at - Auch hier nur ein geringer
Zuwachs zum Anwendungsfall. Hinter den Elektrofahrzeugen der potenteste
Speichertyp, wenn es um CO2-Emissionsreduktion oder Integration Erneu-
erbarer geht.
-Klimaanlage im Einfamilienhaus - Die CO2-Emissionsreduktion in H¨
ohe
von 15,0 % kommt sehr nahe an die der W¨
armepumpe heran. Die CO2-Emis-
sionsreduktion wurde ausschließlich im Sommer und liegen deutlich n¨
aher am
Ergebnis der W¨
armepumpen als die Kosteneinsparung oder die Integration.
Es kann also festgehalten werden, dass sich Lastverschiebung im Sommer auf
die CO2-Emissionsreduktion deutlich st¨
arker auswirkt als im Winter.
170
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.3.: ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen aller Speicher im niedrigen
Lastfall
Typ Anmerkung Einsparungen
zu Emissionen
Einsparun-
gen
absolut
Elektro-
fahrzeug vehicle-to-grid 143,9 % 1707,7 kg
W¨
arme-
pumpe Typ
3
Wasser/Fußb. 3 ·Pmax 18,7 % 168,0 kg
K¨
uhl-
schrank
Typ 1
5-fache Kapazit¨
at 20,6 % 14,0 kg
Klimaanla-
ge Typ
3
Einfamilienhaus 15,0 % 45,2 kg
Blockheiz-
kraftwerk
Typ 4 (ηel/th = 0,35/0,55
und 10000 l Speicher)
9,2 % 373,6 kg
5.1.4. Ergebnis hoher Lastfall: Kosteneinsparungen der
Speicher im Vergleich
Die Ergebnisse f¨
ur die Kosten im hohen Lastfall sind in Abbildung 5.4 und Tabelle
5.4 dargestellt.
Die Kosteneinsparungen der Speicher sind geringer als im NLF. Eine Ausnahme
bilden das BHKW-Modell mit eine Steigerung der Einsparung um 0,5 % auf 2,5 %.
Die Erkl¨
arung liegt an den f¨
ur BHKW g¨
unstigen Preisverl¨
aufen, die im Netz mit
hoher Nachfrage h¨
aufiger auftreten. Ein weiterer Beitrag liefern die h¨
oheren Preise,
die insgesamt zu niedrigeren BHKW-Betriebskosten f¨
uhren und somit die Basis,
auf die die prozentuale Einsparung bezogen ist, absenken. Die Klimager¨
ate im
Einfamilienhaus und im B¨
urogeb¨
aude verlieren beide deutlich an Einsparpotenti-
al, w¨
ahrend gerade bei der W¨
armepumpe die Einsparungen kaum abnehmen. Die
Auswirkungen einer h¨
oheren Gesamtenergienachfrage sind im Winter nicht so aus-
gepr¨
agt, da dort in beiden Lastf¨
allen Braunkohlekraftwerke, welche im modellierten
Energiesystem eine große Leistungsspanne haben, h¨
aufig den Grenzpreis setzen. Im
Sommer hingegen ist der Unterschied zwischen den Ergebnissen stark ausgepr¨
agt,
da hier im HLF Erneuerbare viel seltener gedrosselt werden und so Einsparpoten-
tial verloren geht. Der K¨
uhlschrank als ganzj¨
ahriger Verbraucher liegt mit seinen
Einsparungseinbußen genau im Mittelfeld.
171
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
20
40
60
80
100
Stunden
Kumulative Kosten in Prozent pro Jahr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Elektrofahrzeugverbund
WP Typ 3 (Grundw./Fußb., 3P)
BHKW Typ 4 (0,35/0,55 − 10000l)
KS Typ 5 (5xKapazität)
Klimaanlage Typ 3 (EFH)
Klimaanlage Typ 4 (BG)
Abbildung 5.4.: Vergleich der Kosteneinsparungen
172
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.4.: ¨
Ubersichtstabelle der Kostenreduktionen aller Speicher im hohen
Lastfall
Typ Anmerkung Einsparungen
zu Kosten
Mehrver-
brauch
Elektrofahr-
zeug vehicle-to-grid 62,8 % 18,0 %
W¨
armepum-
pe Typ
3
Wasser/Fußb. 3 ·Pmax 13,7 % 1,3 %
K¨
uhlschrank
Typ 1
5-fache Kapazit¨
at 9,1 % 2,2 %
Klimaanlage
Typ 3
Einfamilienhaus 5,6 % 0,4 %
Blockheiz-
kraftwerk
Typ 4 (ηel/th = 0,35/0,55 und
10000 l Speicher)
2,5 % 0,0 %
173
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
5.1.5. Ergebnis hoher Lastfall: Integration erneuerbarer
Energien der Speicher im Vergleich
Die Verl¨
aufe in Abbildung 5.5 und die Werte in Tabelle 5.5 repr¨
asentieren die
Integration Erneuerbarer Energien im hohen Lastfall.
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
5
10
60
65
Stunden
Integrierte Erneuerbare Energie in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Elektrofahrzeugverbund
WP Typ 3 (Grundw./Fußb., 3P)
BHKW Typ 4 (0,35/0,55 − 10000l)
KS Typ 5 (5xKapazität)
Klimaanlage Typ 3 (EFH)
Klimaanlage Typ 4 (BG)
Abbildung 5.5.: Vergleich der integrierten Erneuerbaren Energie
Bei allen Speichern kommt es im hohen Lastfall zu geringerer Integration Erneu-
erbarer. Da die Abnahme der Integration bei allen Speicher etwa ein Viertel be-
tr¨
agt, sind die saisonalen Auswirkungen des Lastfalls auf das Integrationspotential
gering. Die einzige Ausnahme bildet das BHKW, welches nur 7 % weniger Erneu-
erbare integriert als im niedrigen Lastfall. Dieses Ergebnis verfestigt die Aussage,
das BHKW in einem Energieversorgungssystem mit hohen Anteilen Erneuerbarer
effizienter in ihrem optimierten Betrieb sind als in einem System mit sehr hohen
Anteilen Erneuerbarer.
174
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.5.: ¨
Ubersichtstabelle der Integration Erneuerbarer aller Speicher im ho-
hen Lastfall
Typ Anmerkung Integration
zu Last
Integration
absolut
Elektrofahr-
zeug vehicle-to-grid 75,8 % 1603,1 kWh
W¨
armepum-
pe Typ
3
Wasser/Fußb. 3 ·Pmax 10,2 % 149,4 kWh
K¨
uhlschrank
Typ 1
5-fache Kapazit¨
at 10,4 % 12,4 kWh
Klimaanlage
Typ 3
Einfamilienhaus 6,3 % 38,6 kWh
Blockheiz-
kraftwerk
Typ 4 (ηel/th = 0,35/0,55 und
10000 l Speicher)
5,2 % 363,4 kWh
5.1.6. Ergebnis hoher Lastfall: CO2-Emissionsreduktion der
Speicher im Vergleich
Als letztes Ergebnis im Vergleich werden die CO2-Emissionsreduktion in Abbildung
5.6 und Tabelle 5.6 behandelt.
Die Situation bei den CO2-Emissionen im hohen Lastfall unterscheidet sich deutlich
von den Werten der Integration.
-Elektrofahrzeugverbund - Verliert ¨
uber ein Drittel im Gegensatz zum
NLF. Die Einsparungen im HLF reichen mit 84,4 % nicht aus, um die eigenen
Emissionen zu kompensieren. Das Potential des Elektrofahrzeugverbunds ist
trotzdem unver¨
andert hoch.
-W¨
armepumpe Grundwasser/Fußbodenheizung dreifache Leistung
- Verlieren am deutlichsten mit zwei Drittel auf nur noch 5,8 %. Bei der Emis-
sionsreduktion belegen sie im hohen Lastfall den letzten Platz. Der Grund
ist der hohe Betrieb im Winter, wo die Emissionsreduktion im hohen Last-
fall nur in geringerem Maße m¨
oglich ist. Hinzu kommt, dass gerade im HLF
im Winter h¨
aufiger konventionelle Kraftwerke den Preis setzen und hier die
Optimierung Steinkohle- oder GuD-Kraftwerke zugunsten von Braunkohle-
kraftwerken drosselt. Da diese jedoch hohe Emissionen haben, kommt es ins-
gesamt zu einem Anstieg durch die Optimierung, der der Reduktion durch
Integration Erneuerbarer entgegenwirkt.
-BHKW mit ηel = 0,35 und ηth = 0,55, sowie 10000 Liter Wasser-
175
5.1. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher
0 730 1460 2190 2920 3650 4380 5110 5840 6570 7300 8030 8760
5
10
15
20
80
85
Stunden
CO2−Emissionsreduktion in Prozent
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Elektrofahrzeugverbund
WP Typ 3 (Grundw./Fußb., 3P)
BHKW Typ 4 (0,35/0,55 − 10000l)
KS Typ 5 (5xKapazität)
Klimaanlage Typ 3 (EFH)
Klimaanlage Typ 4 (BG)
Abbildung 5.6.: Vergleich der CO2-Emissionsreduktion
speicher - Das BHKW verliert nur moderat etwa ein F¨
unftel des Redukti-
onspotentials. Das schlechte Abschneiden der W¨
armepumpen im Winter, die
ja Verbraucher sind, wird hier gerade umgekehrt, da BHKW einspeisen. Je
h¨
oher die Emissionen im Netz, desto geringer werden die eigenen Emissionen
der BHKW und damit sinkt auch die Basis, auf die die Integration bezogen
wird.
-K¨
uhlschrank mit f¨
unffacher Kapazit¨
at - Kann nur noch etwas mehr
als die H¨
alfte der CO2-Emissionen reduzieren wie im NLF. Als ganzj¨
ahriger
Verbraucher liegt er bei den Einbußen im Mittelfeld.
-Klimaanlage im Einfamilienhaus - Die Reduktion betr¨
agt noch etwa vier
F¨
unftel der des NLF und verringert sich damit weniger als bei den optimier-
ten W¨
armepumpen oder K¨
uhlschr¨
anken, die verst¨
arkt im Winter bzw. ganz-
j¨
ahrig operieren. Das Ergebnis unterst¨
utzt damit die Aussage, dass die CO2-
176
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Emissionsreduktion im Sommer in geringerem Maße vom Lastfall abh¨
angen
als im Winter.
Tabelle 5.6.: ¨
Ubersichtstabelle der CO2-Einsparungen aller Speicher im hohen
Lastfall
Typ Anmerkung Einsparungen zu
Emissionen %
Einsparun-
gen
absolut
Elektro-
fahrzeug vehicle-to-grid 84,4 % 998,9 kg
W¨
arme-
pumpe Typ
3
Wasser/Fußb. 3 ·Pmax 5,8 % 51,7 kg
K¨
uhl-
schrank
Typ 1
5-fache Kapazit¨
at 11,7 % 7,9 kg
Klimaanla-
ge Typ
3
Einfamilienhaus 11,9 % 36,2 kg
Blockheiz-
kraftwerk
Typ 4 (ηel/th = 0,35/0,55
und 10000 l Speicher)
7,0 % 284,5 kg
5.1.7. Auswertung aller Ergebnisse
Um den Vergleich der Speicher in einer Art Zusammenfassung ¨
ubersichtlich zu
machen, wurden in Tabelle 5.7 s¨
amtliche Speicher mit Bezug zu den drei herausge-
arbeiteten Ergebnissen aufgenommen. Dabei wurde f¨
ur jedes Ergebnis und jeden
Lastfall getrennt eine Rangliste erstellt. In jeder Spalte sind die Pl¨
atze 1 bis 5 auf
Grundlage der in diesem Kapitel angegebenen Prozentwerte der Ergebnisse relativ
zu den ungesteuerten Werten der einzelnen Speichertypen vergeben. Zur schnelle-
ren Einordnung sind die Zellen farbig hinterlegt: Platz 1 gr¨
un, Platz 2 hellgr¨
un, 3
gelb, Platz 4 orange und Platz 5 rot.
177
5.2. Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.7.: Ergebnisvergleich aller untersuchten Speicher
Ergebnis Kostenred. Integration CO2-Red.
Lastfall niedrig hoch niedrig hoch niedrig hoch
Elektrofahrzeug 1 1 1 1 1 1
W¨
armepumpe Typ 3 2 2 2 3 3 5
BHKW Typ 4 5 5 5 5 5 4
K¨
uhlschrank Typ 5 3 3 3 2 2 3
Klimaanl. EFH 4 4 4 4 4 2
5.2. Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Nachdem die Modelle der verschiedenen Speicher untersucht und miteinander ver-
glichen wurden, soll nun ihr Einfluss auf ein bestehendes Energieversorgungsnetz
aufgezeigt werden. Das entsprechende Energiesystem mit Kraftwerken, Verbrau-
chern und Erneuerbaren wurde in Abschnitt 2 beschrieben. Es umfasst die neuen
Bundesl¨
ander und damit die Regelzone der 50Hertz Transmission GmbH. F¨
ur die
Untersuchung soll die Stadt Berlin, als gr¨
oßter Verbraucher in dieser Zone, einen
Teil ihrer Nachfrage mit Hilfe der optimierten Betriebsweise verschieben. W¨
ahrend
die Kosteneinsparungen in diesem Szenario unbeachtet bleiben, wird die Integra-
tion Erneuerbarer anhand der Ver¨
anderung des Energiemixes der Stadt, sowie die
CO2-Emissionen betrachtet.
5.2.1. Eingangsgr¨
oßen
Tabelle 5.8 enth¨
alt die f¨
ur Berlin und die Regelzone prognostizierten Werte f¨
ur das
Jahr 2040, f¨
ur welches die Berechnungen durchgef¨
uhrt werden. Die verwendeten
Werte werden in Kapitel 2 detailliert prognostiziert.
F¨
ur den Anwendungsfall werden die in dieser Arbeit modellierten Speicher mit
unterschiedlichen St¨
uckzahlen eingesetzt. Sie stellen so einen Teil der Last Berlins
dar. Da es sich bei BHKWs um verschiebbare Erzeuger und nicht Verbraucher
handelt, werden sie mit umgekehrtem Vorzeichen zur Last Berlins gez¨
ahlt. Auf
diese Weise l¨
asst sich ein prozentualer Anteil der Berliner Last als verschiebbar
angeben, ohne auf die Unterschiede zwischen Erzeugung und Verbrauch eingehen
zu m¨
ussen. Da sie nur 0,24 % der Last ausmachen, ist der systematische Fehler als
sehr klein zu bewerten.
In der Untersuchung werden rund 17 % der Nachfrage Berlins im Jahr 2040 als
verschiebbar angenommen (siehe Tabelle 5.9). Die Aufteilung der Anteile der ein-
zelnen Speichertypen sind Tabelle 5.9 und Abbildung 5.7a zu entnehmen. Bei W¨
ar-
178
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.8.: Berlinspezifische Daten zum betrachteten Zeithorizont 2040
Regelzone
Installierte Leistung Windkraftanlagen 18.900 MW
Installierte Leistung Photovoltaikanlagen 8.000 MW
Jahresenergienachfrage 82.797.000 MWh
CO2-Jahresemissionen 47.590.000 Tonnen
Durchschnittliche CO2-Emissionen pro MWh 575 kg/MWh
Einspeisung aus Erneuerbaren 35.660.000 MWh
Anteil Erneuerbarer am Energiemix 43,1 %
Berlin
Jahresenergienachfrage 12.863.120 MWh
CO2-Jahresemissionen 7.396.294 Tonnen
Anzahl PKW 1.260.000
Anzahl Haushalte 1.882.000
Anzahl EFH/ZFH 141.705
Anzahl B¨
uro-/Verwaltungsgeb¨
aude 155.100
mepumpen wird ausschließlich der Typ 3, die Grundwasserw¨
armepumpe gekoppelt
mit Fußbodenheizung und dreifacher Anlagenleistung genommen. Bei BHKW soll
nur der Typ 4, das BHKW mit mittlerem elektrischen Wirkungsgrad und 10000 l
großem Wasserspeicher zum Einsatz kommen. Die K¨
uhlschr¨
anke der Betrachtung
bestehen aus den K¨
uhlschr¨
anken mit Latentw¨
armespeicher. Die Ergebnisse aus den
vorangegangenen Kapiteln werden f¨
ur die Untersuchung herangezogen. Die erreich-
baren Werte bei Integration und CO2-Reduktion sind durch die gew¨
ahlte Methode
etwas besser als bei Simulation aller Speicher hintereinander bei entsprechender
Anpassung der zus¨
atzlichen Leistungsbeschr¨
ankung.
Um den Einfluss des bei den Elektrofahrzeugen vorhandenen großen Potentials in
den Ergebnisse aufzuzeigen, gibt es die Untersuchung zus¨
atzlich mit der doppel-
ten Anzahl an Elektrofahrzeugen. Dies entspricht 840.000 St¨
uck, beziehungswei-
se zwei Drittel der in Berlin angemeldeten Fahrzeuge. Sollte die Reichweite von
Elektrofahrzeugen durch einen technologischen Durchbruch bei niedrigeren Kosten
deutlich gesteigert werden k¨
onnen, w¨
aren auch h¨
ohere Durchdringungsraten denk-
bar. In Abbildung 5.7a ist die Nachfragezusammensetzung der einzelnen Speicher
dargestellt, in Abbildung 5.7b mit der doppelten Anzahl an Elektrofahrzeugen.
179
5.2. Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.9.: Speicherspezifische Daten in Berlin
Typ Last Ein-
zelanlage
Anzahl Anmerkung Jahreslast
in MWh
Anteil Last
Berlins
Elektro-
fahrzeuge
2115 kWh 420000 33,3 % der
Fahrzeuge
888.300 6,91 %
W¨
arme-
pumpen
1460,8 kWh 71000 50 % der
EFH/ZFH
103.500 0,80 %
BHKW 7041,7 kWh 28400 20 % der
EFH/ZFH
-200.000 0,24 %
K¨
uhl-
schr¨
anke
120 kWh 1882000 100 % der
Haushalte
226.000 1,76 %
Tiefk¨
uhl-
schr¨
anke
174 kWh 1882000 100 % der
Haushalte
320.000 2,49 %
Klima
EFH
609,4 kWh 141705 100 % der
EFH/ZFH
86.400 0,67 %
Klima BG 3462,2 kWh 155100 100 % der
B-/V.-Geb.
537.000 4,17 %
Summenwerte (BHKW positiv enthalten) 2.361.200 17,04 %
(a) 420.000 EV (b) 840.000 EV
Abbildung 5.7.: Nachfrageverteilung der einzelnen Speichertypen in Berlin
180
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
5.2.2. Ansatz der Gesamtoptimierung
Werden verschiedene Speichertypen gleichzeitig im Netz optimiert, gibt es zwei
m¨
ogliche Verfahrensweisen, die unerw¨
unschten Netzr¨
uckwirkungen einzud¨
ammen.
Zum einen k¨
onnte die in jeder Zeiteinheit r¨
uckwirkungsfreie Leistung (positiv und
negativ) auf die einzelnen Speichertypen verteilt werden. Dies h¨
atte den Vorteil
einer schnelleren Berechnung und das vorl¨
aufige Preissignal w¨
urde nur einmal an
alle Speicher gesendet. Problematisch jedoch ist die H¨
ohe des Anteils, der jedem
Speicher zugesprochen wird. Ist er zu hoch, wird Potential verschenkt, das ande-
re Speichertypen h¨
atten nutzen k¨
onnen. Ist er zu niedrig, kann der Speichertyp
sein eigenes Potential nicht aussch¨
opfen. Um den Nachteil abzumildern, w¨
are es
m¨
oglich, eine Prognose f¨
ur jeden Speicher einzeln zu ermitteln und auf Grund-
lage dieser die Zuteilung zu regeln. Dies w¨
urde den Rechenaufwand jedoch er-
h¨
ohen. Eine zweite M¨
oglichkeit best¨
unde darin, die Speichertypen nacheinander
mit vorl¨
aufigen Preissignalen zu versorgen und nach jeder Anpassung eine neue
optimierte Leistungsflussberechnung durchzuf¨
uhren, welche wiederum neue Preise
f¨
ur den n¨
achsten Speichertyp bereitstellt. Auf diese Weise k¨
onnen nachfolgende
Speichertypen immer wieder ein Optimum der angepassten Verh¨
altnisse erzielen.
Der Nachteil dieser Methode liegt in der Bestimmung der Reihenfolge der Spei-
chertypen und einem h¨
oherem Steueraufwand, da mehrere Preissignale an jeweils
nur bestimmte Speicher verschickt werden. Durch eingehende Analyse kann bei
der Reihenfolge der Speicher f¨
ur jeden Tag ebenfalls ein Optimum ermittelt wer-
den. Jedoch muss auch gekl¨
art werden, wie den sp¨
ater optimierenden Speichern
ihre verminderten Einsparpotentiale insbesondere bei der Kostenreduktion, die als
Anreiz gilt, verg¨
utet wird. Bei Betrachtung bisheriger und der im Folgenden dar-
gestellten Ergebnisse wird deutlich, dass Elektrofahrzeuge stark dominieren. Aus
diesem Grund wird, mit geringem Fehler, die Gesamtoptimierung nicht wie hier
vorgeschlagen durchgef¨
uhrt, sondern vereinfachend die Ergebnisse der Vorunter-
suchungen herangezogen und addiert. Der dabei entstehende Fehler ist als klein
einzustufen, da selbst eine leicht verringerte Performance der anderen Speicherty-
pen neben den Elektrofahrzeugen kaum ins Gewicht f¨
allt.
5.2.3. Integration Erneuerbarer Energie in Berlin
Die innerhalb Berlins nachgefragte Energie wird zu einem geringen Teil auch inner-
halb der Stadtgrenzen erzeugt, gr¨
oßtenteils aber aus dem umliegenden Netzgebiet
importiert. Da in Berlin nur ein vernachl¨
assigbar kleiner Anteil an Energie rege-
nerativ erzeugt wird, bestimmt sich der Energiemix f¨
ur die Untersuchung ¨
uber
die gesamte Regelzone. Die in Berlin im Jahr 2040 nachgefragte Energie wird also
bereits zu einem Prozentsatz von 43,1 % aus Erneuerbaren zur Verf¨
ugung gestellt.
Um diesen Anteil weiter zu steigern, werden die verschiebbaren Verbraucher aus
181
5.2. Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
Tabelle 5.9 in Berlin mit einer optimierten Ansteuerung betrieben. Die Werte f¨
ur
die zus¨
atzlich in der Regelzone integrierte erneuerbare Energie sind den Einzelun-
tersuchungen der Speicher der Kapitel 4 und 5 entnommen.
Die zus¨
atzliche Einspeisung aus Wind- und PV-Anlagen findet in der gesamten
Regelzone statt, da aber die Speicher innerhalb Berlins f¨
ur diesen Zuwachs ver-
antwortlich sind, wird diese zus¨
atzliche Einspeisung auf den Energiemix der Stadt
bezogen. Die Ver¨
anderung ist damit in Bezug zur Regelzone etwa um den Faktor
sechs erh¨
oht. Abbildung 5.8a zeigt den Energiemix aufgeteilt in aus konventionel-
len Kraftwerken und erneuerbaren Quellen stammend. Durch die optimierte Be-
triebsweise k¨
onnen 5,77 % der Nachfrage zus¨
atzlich aus erneuerbaren Kraftwerken
versorgt werden. Im Vergleich zum ungesteuerten Betrieb k¨
onnen konventionel-
le Kraftwerke um diese 5,77 % gedrosselt werden. Bei Simulation mit doppelter
Anzahl Elektrofahrzeuge erh¨
oht sich der integrierte Anteil auf 8,98 %, wie in Ab-
bildung 5.8b zu sehen ist.
(a) 420.000 EV
(b) 840.000 EV
Abbildung 5.8.: Integration Erneuerbarer Energie in Berlin
Die Abbildungen 5.9a und 5.9b zeigen, wie sich die beiden gelb markierte Berei-
che aus den Abbildungen 5.8a und 5.8b im Detail zusammensetzen. Im Gegensatz
zu den bisherigen Untersuchungen, die sich immer auf den Speichertyp selbst be-
zogen haben, werden hier die absoluten Werte verwendet. Es f¨
allt auf, dass die
Verh¨
altnisse im Anwendungsfall anders liegen, als in den Voruntersuchungen. Die
Elektrofahrzeuge sind, wie aus den bisherigen Ergebnissen bereits absehbar, mit
Abstand f¨
ur die meiste Integration verantwortlich. Dahinter folgen die BHKW,
obwohl diese im Speichervergleich sehr schlecht abgeschnitten haben. Da sie je-
doch f¨
ur eine große Energiemenge verantwortlich sind, k¨
onnen sie absolut gesehen
182
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
auch einen signifikanten Teil zur Integration Erneuerbarer beitragen. Den gerings-
ten Beitrag leisten Klimaanlagen in Einfamilienh¨
ausern. Obwohl diese gemessen
an ihrer eigenen Nachfrage recht gute Integrationseigenschaften haben, sind ihre
St¨
uckzahlen und ihre Jahresenergienachfrage zu gering um den Energiemix der
Stadt Berlin wesentlich zu ver¨
andern. Bei doppelter Anzahl Elektrofahrzeuge ver-
lieren alle anderen Speichertypen weiter stark an Bedeutung und ihr Beitrag l¨
asst
sich nur noch schwer ablesen.
(a) 420.000 EV (b) 840.000 EV
Abbildung 5.9.: Integration Erneuerbarer Energie in Berlin im Detail
5.2.4. CO2-Emissionsreduktion in Berlin
Als weiteren Einfluss des optimierten Speicherbetriebs soll die Reduktion der CO2-
Emissionen in Berlin quantifiziert werden. Es werden die Ergebnisse der Untersu-
chungen der Kapitel 3 und 4 verwendet. Um den Einfluss der Reduktion in Relati-
on zu den Gesamtemissionen beziffern zu k¨
onnen, m¨
ussen diese ermittelt werden.
Daf¨
ur wurde die Nachfrage Berlins in jeder Stunde des Jahres mit dem zugeh¨
ori-
gen spezifischen Emissionswert in Tonnen pro Megawattstunde multipliziert und
das Ergebnis summiert. Demnach wird die Stadt Berlin im Beispieljahr 2040 laut
Prognose 7,358 Millionen Tonnen CO2f¨
ur den elektrischen Energiebedarf emit-
tieren. Wie in Abbildung 5.10a ersichtlich k¨
onnen diese Emissionen um 780.500
Tonnen bzw. 10,6 % gesenkt werden, wenn die in der Stadt vorhandenen Speicher
optimiert angesteuert werden. Bei doppelter Anzahl Elektrofahrzeuge liegt der re-
duzierte Anteil sogar bei 13,4 %, wie in Abbildung 5.10b ersichtlich. Dabei wurde
angenommen, dass sich die Gesamtenergienachfrage und damit auch die Gesamte-
missionen durch die doppelte Anzahl Elektrofahrzeuge nicht ¨
andert, dwas bedeu-
183
5.2. Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
tet, das an anderer Stelle weniger Energie nachfragt wurde. Physikalisch werden
diese Emissionen in der ganzen Regelzone eingespart, da aber die Speicher in Ber-
lin f¨
ur die Reduktion verantwortlich sind, werden sie rechnerisch von den Berliner
Emissionen abgezogen. Bei ungesteuerten Betrieb der Speicher f¨
ullen die Berliner
Emissionen das Kreisdiagramm in Abbildung 5.10a bzw. 5.10b vollst¨
andig aus.
Bei optimiertem Speicherbetrieb kann der gr¨
une Bereich des Kreises eingespart
und damit vermieden werden.
(a) 420.000 EV (b) 840.000 EV
Abbildung 5.10.: CO2-Emissionen Berlins und CO2-Emissionsreduktion
Abbildung 5.11a und 5.11b zeigen die detaillierte Zusammensetzung der CO2-Emis-
sionsreduktion. Auch hier wird der gr¨
oßte Teil durch Elektrofahrzeuge eingespart.
Die anderen Speicher folgen mit ¨
ahnlichen Anteilen wie auch bei der Integration
Erneuerbarer. Und auch hier wird der Einfluss der anderen Speicher bei doppelter
Anzahl Elektrofahrzeuge verschwindend gering.
184
Kapitel 5. Vergleich der Elektrofahrzeuge und thermischen Speicher und
Ausblick ins Jahr 2040 f¨
ur die Stadt Berlin
(a) 420.000 EV (b) 840.000 EV
Abbildung 5.11.: CO2-Emissionsreduktion in Berlin im Detail
185
Kapitel 6. Zusammenfassung und Ausblick
6. Zusammenfassung und Ausblick
6.1. Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurde das Modell eines elektrischen Energieversor-
gungssystems mit Verbrauchern, Leitungen, Generatoren und hohen Anteilen an
Windkraft- und PV-Anlagen sowie einem einfachen Day-Ahead-Markt entwi-
ckelt. Des weiteren wurden flexible Verbraucher identifiziert und modelliert, um
sie in einer Optimierungsumgebung steuern zu k¨
onnen. Die daf¨
ur ben¨
otigte Stra-
tegie wurde umfassend beleuchtet und eingesetzt.
Es konnte gezeigt werden, dass die vorgeschlagene Ansteuerungsmethode der preis-
basierten Optimierung die verschiebbaren Lasten dazu bef¨
ahigt, ihre Kosten zu
senken, erneuerbare Energien in das Netz zu integrieren, CO2-Emissionen im Netz
zu reduzieren und dabei ihre jeweilige Prim¨
araufgabe (Mobilit¨
at, W¨
arme- oder
K¨
altebereitstellung) zu erf¨
ullen. Die eingef¨
uhrte Methode erlaubt einen Vergleich
und eine Bewertung verschiedenster Speichertypen und zeigt deren charakteristi-
sche Merkmale anhand der st¨
undlichen Betrachtung der Ergebnisse eines Jahres.
Der Bezug der Ergebnisse auf die speicherspezifischen Werte l¨
ost die Gr¨
oßenunter-
schiede mit dem umgebenden Energiesystem auf und schafft Vergleichbarkeit. Die
Demonstration des Anwendungsfalls zeigt komplement¨
ar dazu, was der optimierte
Betrieb der Speicher im Netz bewirken kann. Zusammenfassend wurden folgende
Erkenntnisse gewonnen:
Alle Ergebnisse h¨
angen stark vom Lastszenario und damit vom Energiesystem
ab. Je h¨
oher der Anteil an Erneuerbaren, desto besser l¨
asst sich mit flexiblen
Verbrauchern wie Elektrofahrzeugen, W¨
armepumpen und K¨
uhlger¨
aten die Kos-
teneinsparung, Integration und CO2-Emissionsreduktion bewerkstelligen. Letztere
verschlechtert sich deutlich bei geringer werdendem Anteil Erneuerbarer im Netz.
Diese Tendenz kehrt sich bei flexiblen Erzeugern - im Gegensatz zu den Verbrau-
chern - teilweise um. So k¨
onnen BHKW in Szenarien mit hoher allgemeiner Nach-
frage bessere Kosteneinsparungs- und Integrationswerte erreichen als in Szenarien
mit niedriger Nachfrage. Bei den CO2-Emissionsreduktionen unterliegen sie nur
einem geringen Abw¨
artstrend zum niedrigen Lastfall.
Elektrofahrzeuge sind die mit Abstand aktivsten verschiebbaren Lasten wenn
sie mit Netzr¨
uckspeisung angesteuert werden. Sie erreichen in kleinen St¨
uckzah-
187
6.1. Zusammenfassung
len und damit ohne Netzr¨
uckwirkungen Kosteneinsparungen bis zu 87 %, k¨
onnen
zus¨
atzlich erneuerbare Energie in H¨
ohe ihres Eigenverbrauchs ins Netz integrie-
ren und mehr CO2einsparen, als sie ¨
uber ihren elektrischen Energiebezug zur
Emission beitragen. Bei Partizipation mit hohen St¨
uckzahlen werden die Erforder-
nisse des Energienetzes (Energiebedarf, Energie¨
uberschuss) h¨
aufiger mit nur einem
Teil der Leistungsreserven erf¨
ullt. Diese Form der S¨
attigung f¨
uhrt dazu, daß die
einzelnen Fahrzeuge nicht ihr volles Potential aussch¨
opfen k¨
onnen und somit gerin-
gere prozentuale Kosteneinsparungen erzielen. Elektrofahrzeuge sind die einzigen
untersuchten Speicher, die der beschriebenen S¨
attigung in signifikantem Maße un-
terliegen.
Bei W¨
armepumpen in Einfamilienh¨
ausern macht ihre Ausf¨
uhrung, ob Grund-
wasser oder Luftw¨
armepumpe, ob eine Radiatorenheizung oder eine Fußbodenhei-
zung speisend, einen Unterschied in den Ergebnissen von unter einem Prozent aus.
Eine Verdreifachung der Anlagenkleistung erh¨
oht die Einsparungen um 0,6 %, die
Integration Erneuerbarer um 0,5 % und die Emissionsreduktion um 0,7 %. Der Ver-
zicht auf eine Nachtabsenkung der Temperatur kann die Kosten um weitere 0,6 %
reduzieren, dank der gewonnenen Flexibilit¨
at. Dies bezieht sich jedoch nur auf
den Unterschied der ungesteuerten zu den optimierten Kosten. Die Gesamtkosten
ohne Nachtabsenkung liegen demnach h¨
oher als ohne Nachtabsenkung. W¨
arme-
pumpen verschlechtern ihre Emissionsreduktionen bei geringeren Anteilen Erneu-
erbarer deutlich, da ihre Hauptenergienachfrage im Winter liegt.
Blockheizkraftwerke k¨
onnen gemessen an ihrem ungesteuerten Profil nur gerin-
ge Prozentzahl bei ihren Ergebnisse erzielen. Sie reagieren mit einer Steigerung
ihrer Ergebnisse, wenn der Anteil Erneuerbarer im Netz ab oder die Gesamtener-
gienachfrage zunimmt. Sie eignen sich daher besonders gut in Netzen, deren Kraft-
werkspark bei der Transformation zu Erneuerbaren noch am Anfang steht. Ein um
den Faktor zehn vergr¨
oßerter Wasserspeicher hat praktisch keine Auswirkungen auf
das Ergebnis. Je h¨
oher ihr elektrischer Wirkungsgrad, desto schlechter werden die
auf sie selbst bezogenen prozentualen Ergebnisse. Jedoch steigen die absoluten Er-
gebnisse mit steigendem elektrischen Wirkungsgrad an.
Konventionelle K¨
uhlschr¨
anke und Tiefk¨
uhlschr¨
anke erzielen keine nennens-
werten Ergebnisse, da sie zu wenig Verschiebungspotential aufgrund ihrer geringen
Kapazit¨
at haben. Wird ihre Kapazit¨
at um den Faktor f¨
unf mit Hilfe von Latent-
w¨
armespeicher erh¨
oht, erreichen sie 13 % bei Einsparungen und Integration und
20 % bei CO2-Reduktion.
Klimaanlagen in Einfamilienh¨
auser erreichen gute prozentuale Ergebnisse,
188
Kapitel 6. Zusammenfassung und Ausblick
k¨
onnen im Anwendungsfall aber wegen ihrer geringen Jahresenergienachfrage und
ihren geringen St¨
uckzahlen wenig bewirken. Sie verlieren nur wenig CO2-Redukti-
onspotenzial bei geringeren Anteilen Erneuerbarer im Netz, da ihre Nachfrage im
Sommer liegt.
Klimaanlagen in B¨
urogeb¨
auden k¨
onnen prozentual auf die eigenen Werte be-
zogen ¨
ahnlich viel erreichen wie Klimaanlagen in EFH, obwohl ihre Nachfrage nur
an zwei Monaten im Jahr auftritt und sie an Wochenenden und außerhalb der Ge-
sch¨
aftszeiten nicht in Betrieb sind. Ihr Energieverbrauch ist jedoch h¨
oher, so dass
sie im Netz sichtbare Ergebnisse erzielen k¨
onnen.
Im Fazit kann festgehalten werden, dass mit Hilfe von flexiblen Verbrauchern
(Elektrofahrzeuge, W¨
armepumpen und K¨
uhlger¨
aten) und flexiblen Erzeugern (BH-
KW) Erneuerbare in kleinem Umfang in das Netz integriert werden k¨
onnen. Sie
eignen sich zur Unterst¨
utzung von Langzeitspeichern und haben im Vergleich mit
diesen einen sehr hohen Wirkungsgrad. Im Anwendungsfall konnten 17 % der Ge-
samtenergienachfrage als verschiebbare Verbraucher identifiziert werden, die nach
optimierter Ansteuerung den Anteil der Erneuerbaren am Energiemix um 6 % auf
rund 50 % steigern konnten. Dabei konnte rund ein Zehntel der mit der elektrischen
Energieerzeugung verbundenen CO2-Emissionen eingespart werden.
6.2. Ausblick
An die bisher durchgef¨
uhrten Untersuchung lassen sich zahlreiche Erweiterungen
ankn¨
upfen. Das in dieser Arbeit vorgestellte System basiert bereits auf Nodalprei-
sen, die Leitungsbeschr¨
ankungen ad¨
aquat in Preissignale umrechnen. Flexible Ver-
braucher an unterschiedlichen Knoten k¨
onnen daher mit unterschiedlichen Preisen
versorgt werden, welche die Verh¨
altnisse im Netz lokal abbilden. Die Verbraucher
optimieren sich somit in der selben Stunde anders und reagieren auf Leitungsbe-
schr¨
ankungen und Engp¨
asse. Die Berechnungen sorgen daf¨
ur, dass die Beschr¨
an-
kungen durch die flexiblen Verbraucher gelockert oder aufgel¨
ost wird. Die Simu-
lation im Modell des ¨
Ubertragungsnetzes der Regelzone der 50Hertz Transmission
GmbH w¨
are geeignet, um Engp¨
asse sichtbar zu machen, die an Stelle von Netzaus-
bau mit optimierter Betriebsweise flexibler Verbraucher abgefangen werden k¨
on-
nen. Fehlende Potentiale an flexiblen Verbrauchern k¨
onnen lokal durch station¨
are
Batteriespeicher kompensiert werden, welche im Programm bereits implementiert
sind. Um den Einfluss der Wind- und PV-Einspeisung auf das Ergebnis zu erfah-
ren, k¨
onnen die durchgef¨
uhrten Simulationen mit den historischen Last-, Wind-
und PV-Profilen anderer Jahre wiederholt werden. Bei den einzelnen Speichern
kann zum Beispiel bei den Elektrofahrzeugen der Anteil variiert werden, mit wie-
189
6.2. Ausblick
viel Prozent ihrer Batteriekapazit¨
at sie Netzdienstleistungen zur Verf¨
ugung stellen
wollen und welchen Einfluss dies auf die Ergebnisse hat. Auch die Auswirkungen
einer Netzverbindung mit Starkstrom oder einer Schnellladeverbindung kann in
die Simulation einfließen.
Ein weitere Interessanter Aspekt ist der Einfluss des Beginns der 24-Stunden Pe-
riode, in der vorliegenden Arbeit Mitternacht, auf die Ergebnisse. Durch Variati-
on des Startzeitpunkts wird der Einfluss sichtbar und es kann so das Optimum
hinsichtlich der Ergebnisse ermittelt werden. Dies ist nicht nur f¨
ur das Beispiel-
jahr, sondern auch f¨
ur andere Jahre interessant, insbesondere der Frage, ob das
gefundene Verhalten ¨
uber verschiedene Jahre ¨
ahnlich ist. Die Nachfrage der in die-
ser Arbeit untersuchten flexiblen Verbrauchertypen ist tendenziell nur in kurzen
Zeitr¨
aumen verschiebbar. Jedoch besteht gerade bei Elektrofahrzeugen die M¨
og-
lichkeit, Nachfrage ¨
uber einen l¨
angeren Zeitraum zu verschieben. Interessant w¨
are
es zu quantifizieren, wie sich eine ¨
Anderung des Optimierungszeitraums von 24
Stunden auf 48 oder 72 Stunden auf die Ergebnisse auswirkt.
190
Anhang A. Anhang
A. Anhang
A.1. Kapitel 3: Energiesystem
A.1.1. Kraftwerke
A.1.2. Berechnung der spezifischen Grenzkosten und
CO2-Emissionen
Die kurzfristigen Grenzkosten der Stromerzeugung stammen aus [50] und setzen
sich wie folgt zusammen:
GK =BKspez +KIH +KHBR +GKCO2
Die spezifischen Brennstoffkosten sind das Produkt von Nettowirkungsgrad und
allgemeinen Brennstoffkosten.
BKspez =η·BKallg
Die Grenzkosten f¨
ur CO2-Zertifikate berechnen sich nach [51] wie folgt:
GKCO2=pCO2·em
Hier sind em die spezifischen Emissionen der Stromerzeugung, die das Produkt
aus Nettowirkungsgrad und den brennstoffbezogenen Emissionen sind.
em =η·emBS
Als CO2-Zertifikatspreis (pCO2) werden 25 epro Tonne CO2angenommen.
Die Abk¨
urzungen der Kraftwerkstypen stehen f¨
ur:
BK - Braunkohlekraftwerk
SK - Steinkohlekraftwerk
GuD - Gas- und Dampfkraftwerk
GT - Gasturbine
PS - Pumpspeicherkraftwerk
191
A.1. Kapitel 3: Energiesystem
Tabelle A.1.: Parameter der Kraftwerke
Standort/Name Typ Nennleistung
Berlin Klingenberg BKKW 188
Chemnitz BKKW 185
J¨
anschwalde BKKW 3210
Schkopau BKKW 980
Buschhaus BKKW 405
Lippendorf BKKW 1868
Schwarze Pumpe BKKW 1600
Boxberg BKKW 1907
Rostock SKKW 533
Berlin Reuter SKKW 165
Berlin Reuter West SKKW 600
Berlin Moabit SKKW 100
Staßfurt GuDKW 134
Bernburg GuDKW 140
Berlin Mitte GuDKW 468
Kirchm¨
oser(Brandbg a.d. Havel) GuDKW 178
Arneburg GuDKW 100
Rostock Marienehe GuDKW 111
Dresden GuDKW 270
Jena GuDKW 204
Leipzig GuDKW 174
Schwarzheide(Streumen) GTKW 124
Eisenh¨
uttenstadt GTKW 110
Bitterfeld(Marke) GTKW 114
Leuna(Lauchst¨
adt) GTKW 162
Thyrow GTKW 300
Berlin Lichterfelde GTKW 450
Berlin Charlottenburg GTKW 214
Berlin Ahrensfelde GTKW 152
Großkayna(Lauchst¨
adt) GTKW 129
Schwedt HOEKW 301
Berlin Wilmersdorf HOEKW 280
Wendefurth PSKW 80
Niederwartha PSKW 120
Hohenwarte PSKW 320
Markersbach PSKW 1050
Bleiloch PSKW 80
Goldisthal PSKW 1060
192
Anhang A. Anhang
Tabelle A.2.: Daten zur Berechnung der Grenzkosten
Parameter Sym. Einh. BK SK GuD GT PS
Nettowirkungsgrad η% 40,6 41,7 54,2 33,7 -
Brennstoffkosten BKallg
e
MW hth 3,97 9,12 20,01 23,76 -
spez. Brennstoffk. BKspez
e
MW hel 9,76 21,90 36,93 70,60 -
Instandhaltungsk. KIH
e
MW hel - - 3,00 3,00 -
HBS- & Reststoffk. KHBR
e
MW hel 1,65 1,30 0,50 0,50 -
Grenzk. o. CO2 GKe
MW hel 11,41 23,20 40,43 74,10 74,10
Emissionen emBS tCO2
MW hth 0,410 0,342 0,202 0,202 0
spez. Emissionen em tCO2
MW hel 1,011 0,820 0,373 0,599 0
CO2-Preis pCO2
e
tCO225
CO2-Grenzkosten GKCO2
e
MW hel 25,28 20,50 9,33 14,98 0
Grenzk. mit CO2 GK e
MW hel 36,69 43,70 49,76 87,08 87,08
193
A.2. Kapitel 4: Elektrofahrzeuge
A.2. Kapitel 4: Elektrofahrzeuge
A.2.1. Fahrprofile
194
Anhang A. Anhang
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Montag
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Dienstag
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Mittwoch
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Donnerstag
195
A.2. Kapitel 4: Elektrofahrzeuge
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Freitag
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Samstag
5 10 15 20
0
1
2
3
4
5
Wegstrecke in km
Stunden
5 10 15 20
0
10
20
30
40
Wege in Prozent
Stunden
Sonntag
196
Anhang A. Anhang
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Die hier pr¨
asentierten Abbildungen, Tabellen und Werte stammen ¨
uberwiegend
aus [52].
A.3.1. Geb¨
audedaten des Einfamilienhauses MIWE E121
Abbildung A.1.: Aussenansicht des MIWE E121
Fl¨
achen EFH
H¨
ohe Dachgeschoss bei 45Dachneigung, Dach beginnt 0,75m oberhalb des Erd-
geschosses:
hDach = 0,75 m + 8,49 m
2·tan 45 = 4,995 m
Fenster und Gartent¨
ur werden zusammen betrachtet, da sie den gleichen W¨
arme-
durchgangskoeffizienten haben. Dachgeschossfenster sind 1200 mm hoch und wei-
sen eine Neigung von 45auf. Erdgeschossfenster haben eine H¨
ohe von 1400mm
ohne Neigung.
197
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Abbildung A.2.: Grundriss Erdgeschoss des MIWE E121
AWandfenster,EG,nord = 1,4 m ·1,4 m + 0,78 m ·1,4 m + 1,2 m ·1,4 m = 4,7320 m2
AWandfenster,EG,ost = 1,4 m ·1,4 m + 0,90 m ·2,6 m = 4,3000 m2
AWandfenster,EG,sued = 1,4 m ·1,4 m + 0,90 m ·2,6 m + 1,8 m ·2,6 m = 8,9800 m2
AWandfenster,EG,west = 2 ·1,2 m ·1,4 m = 3,3600 m2
ATuer,EG,nord = 1,3 m ·2,6 m = 3,3800 m2
ADachfenster,DG,nord = 0,78 m ·1,2 m = 0,9360 m2
AWandfenster,DG,ost = 2 ·1,5 m ·1,4 m = 4,2000 m2
ADachfenster,DG,sued = 2 ·0,78 m ·1,2 m = 1,8720 m2
AWandfenster,DG,west = 2 ·1,5 m ·1,4 m = 4,2000 m2
Eine Summation ¨
uber die Orientierungen ergibt:
AFenster,EG = 21,3720 m2
ATuer,EG = 3,3800 m2
AFenster,DG = 11,2080 m2
198
Anhang A. Anhang
Abbildung A.3.: Grundriss Dachgeschoss des MIWE E121
Die Fl¨
achen f¨
ur W¨
ande und das Dach berechnen sich aus den Gesamtabmessungen
des Hauses abz¨
uglich der Fenster-, bzw. T¨
urfl¨
ache.
AWand,EG,nord = 10,24 m ·3 m AWandfenster,EG,nord ATuer,EG,nord = 22,6080 m2
AWand,EG,ost = 8,49 m ·3 m AWandfenster,EG,ost = 21,1700 m2
AWand,EG,sued = 10,24 m ·3 m AWandfenster,EG,sued = 21,7400 m2
AWand,EG,west = 8,49 m ·3 m AWandfenster,EG,west = 22,1100 m2
199
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
AWand,DG,nord = 10,24 m ·0,75 m = 7,6800 m2
AWand,DG,ost = 8,49 m ·0,75 m + 8,49 m
22
AWandfenster,DG,ost = 20,1875 m2
AWand,DG,sued = 10,24 m ·0,75 m = 7,6800 m2
AWand,DG,west = 8,49 m ·0,75 m + 8,49 m
22
AWandfenster,DG,west = 20,1875 m2
ADach,DG,nord = 10,24 m ·8,49 m
2·cos 45 ADachfenster,DG,nord = 60,5382 m2
ADach,DG,sued = 10,24 m ·8,49 m
2·cos 45 ADachfenster,DG,sued = 59,6022 m2
Auch hier als Summenwert ¨
uber die Orientierungen:
AWand,EG = 87,6280 m2
AWand,DG = 55,7350 m2
ADach,DG = 120,1403 m2
Berechnung der Bodenplatte:
ABoden = 10,24 m ·8,49 m = 86,9376 m2
F¨
ur die Speicherkapazit¨
at des Hauses werden alle Innenw¨
ande ben¨
otigt, welche
zwei unterschiedliche St¨
arken aufweisen:
AZwischendecke = 10,24 m ·8,49 m
= 86,9376 m2
AInnenwand,EG = 16,75 m ·2,75 m ATuer,Innenwand,EG = 39,666 m2
ATrennwand,EG = 9,25 m ·2,75 m ATuer,Trennwand,EG = 21,381 m2
ATrennwand,DG = 10,24 m ·(0,75 m + 4,245 m)
+ 3 ·4,245 m ·0,75 m + (4,245 m)2
2
ATuer,Trennwand,DG
= 71,002 m2
200
Anhang A. Anhang
Tabelle A.3.: Baustoffe und W¨
armeleitf¨
ahigkeiten des Einfamilienhauses
Material λ
in W/m/K)
Gipsputz 0,350
Ytong Porenbeton Planblock PP2-0,35 0,090
Ytong Porenbeton Planbauplatte PPpl-0,50 0,120
Ytong Porenbeton Jumbo Planblock PPE2-0,40 0,100
Aussenputz 0,056
Bodenbelag 0,230
Estrich 1,400
PUR-Hartschaum 0,030
Bitumendickbeschichtung 0,170
Beton 2,000
Gipskartonplatte 0,210
innere Dampfbremse 0,220
Glaswolle WLG035 0,035
¨
aussere Dampfsperre 0,170
Dachziegel 0,750
Tabelle A.4.: Konventionelle W¨
arme¨
ubergangswiderst¨
ande [47]
W¨
arme¨
ubergangs- Richtung des W¨
armestroms
widerstand Aufw¨
arts Horizontal Abw¨
arts
W
m2K
Rsi 0,10 0,13 0,17
Rse 0,04 0,04 0,04
W¨
armedurchgangskoeffizienten EFH
Die W¨
armedurchgangskoeffizienten werden anhand der W¨
armeleitf¨
ahigkeiten der
Baustoffe des Einfamilienhauses berechnet, welche in Tabelle A.3 angegeben sind.
F¨
ur das r¨
aumliche Verhalten des W¨
armestroms im Erdreich, ist in der Norm das
charakteristische Maß der Bodenplatte Bnotwendig, welches sich mit der Fl¨
ache
Aund dem halben Umfang Pder Bodenplatte berechnet:
B=A
0,5·P.(A.1)
Weiterhin wird die wirksame Dicke dt, also die Dicke des Erdreichs mit identi-
schem W¨
armedurchlasswiderstand“[53], der Bodenplatte ben¨
otigt. Diese berechnet
sich mit der Wanddicke der externen W¨
ande dwsowie mit dem Produkt aus der
201
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
W¨
armeleitf¨
ahigkeit f¨
ur das Erdreich λ= 2 W
m K und der Summe aus dem W¨
arme-
durchlasswiderstand der Bodenplatte Rfund aus den W¨
arme¨
ubergangswiderst¨
an-
den
B=17,27 m ·28,55 m
0,5·(2 ·17,27 m + 2 ·28,55 m) = 10,7608 m (A.2)
dt= 0,0325 m + 2 W
m K ·(0,04 + 2,2081 + 0,10)m2K
W= 5,0212 m (A.3)
Da dt< Bist, handelt es sich um eine nicht sehr gut ged¨
ammte Bodenplatte. Der
W¨
armedurchgangskoeffizient berechnet sich nach Gleichung A.4:
U=2·λ
π·B+dt
·ln π·B
dt
+ 1.(A.4)
UBoden =2·2W
m K
π·10,7608 m + 5,0212 m ·ln π·10,7608 m
5,0212 m + 1= 0,2107 W
m2K
F¨
ur die Bodenplatte muss auch der W¨
armebr¨
uckenkoeffizient neu berechnet wer-
den. Daf¨
ur wurde der l¨
angenbezogener W¨
armedurchgangskoeffizient mit Ψ =
0,65 W
m K angenommen[54]. Dieser muss noch auf die Fl¨
ache der Bodenplatte nor-
miert werden, damit er als UWB in Gleichung A.5 eingesetzt werden kann.
˙
Qtrans,h =X
k
[(Ak·Uk) + (Ak·UWB,k)] ·T(A.5)
UWB =Ψ·P
A(A.6)
UWB =0,65 W
m K ·(2 ·17,27 m + 2 ·28,55 m)
17,27 m ·28,55 m = 0,1208 W
m2K
Solare W¨
armegewinnung ¨
uber transparente Bauteile
AS=A·1·0,71 ·0,7·0,47
Die effektive transparente Kollektorfl¨
ache ASdes Hauses berechnet sich nach Glei-
chung 4.12 durch die summierte Fensterfl¨
ache A, dem Abminderungsfaktor f¨
ur
Verschattung FS, welcher unter der Annahme eines freistehenden Hauses auf 1
202
Anhang A. Anhang
gesetzt wird, dem Abminderungfaktor f¨
ur Sonnenschutz FC= 0,71, dem Abmin-
derungsfaktor f¨
ur den Rahmenanteil FF= 0,7 und dem wirksamen Gesamtener-
giedurchlassgrad g= 0.47 . Der Abminderungfaktor f¨
ur den Sonnenschutz und
den Gesamtenergiedurchlass l¨
asst sich dem Datenblatt f¨
ur den Fenstertyp iplus
3E aus dem Datenblatt A.4entnehmen. Der Abminderungsfaktor f¨
ur den Rah-
menanteil, welcher das Verh¨
altnis der durchsichtigen Fl¨
ache zur gesamten Fl¨
ache
des Bauteils angibt, wird auf FF= 0,7 gesetzt[55].
)
Produkt-
bezeichnung
Aufbau
außen/SZR/innen
Ug-
Nennwert
EN 673
lichttechnische und strahlungs-
physikalische Nennwerte EN 410 Dicke Gewicht
g-Wert Lichtdurch-
lässigkeit
allg. Farbwiedergabe-
Index Durchsicht
mm W/m2K% % -mm kg/m2
iplus 3E4/16/4/16/4 0,6 47 71 95 44 30
iplus 3E4/14/4/14/4 0,6 47 71 95 40 30
iplus 3E4/12/4/12/4 0,7 47 71 95 36 30
iplus 3CE4/12/4/12/4 0,5 47 71 95 36 30
iplus 3CE4/10/4/10/4 0,6 47 71 95 32 30
Abbildung A.4.: Datenblatt des Fensters
Die effektiven Fensterfl¨
achen nach der Himmelsrichtung und der Neigung sortiert
ergeben sich zu:
AS,EG,nord,90 = 1,1053
AS,EG,ost,90 = 1,0044
AS,EG,sued,90 = 2,0976
AS,EG,west,90 = 0,7849
AS,DG,nord,45 = 0,2186
AS,DG,ost,90 = 0,9811
AS,DG,sued,45 = 0,4373
AS,DG,west,90 = 0,9811
Solare W¨
armegewinne ¨
uber opake Bauteile
F¨
ur die opaken Bauteile wird angenommen, dass die Einstrahlung eine Tempe-
raturerh¨
ohung auf der Oberfl¨
ache des Bauteils bewirkt. Die Temperatur auf der
203
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Oberfl¨
ache wird erh¨
oht durch die Sonneneinstrahlung Iund den Absorptionsko-
effizienten des Bauteils f¨
ur Solarstrahlung α. Durch die Abstrahlung von Energie
an die Umgebung sinkt allerdings die Temperatur wieder. F¨
ur das Senken der
Temperatur ist der Formfaktor zwischen Bauteil und Himmel Ft, der ¨
außere Ab-
strahlungskoeffizient hrund die mittlere Differenz zwischen der Temperatur der
Umgebungsluft und der scheinbaren Temperatur des Himmels θer maßgeblich.
Der Temperaturunterschied zwischen der Oberfl¨
ache des Bauteils und der Tem-
peratur des Innenraumes bewirkt einen W¨
armefluss durch das Bauteil, welcher
wieder dem Transmissionsw¨
armefluss entspricht. All diese Effekte werden in der
folgenden Gleichung zusammengefasst:
˙
Qsolar,opak =X
k
Uk·Rse ·X
o
Ak,o ·(αk·IoFt·hr,k ·θer) (A.7)
Dabei ist der ¨
außere W¨
arme¨
ubergangswiderstand Rse = 0,10. Der ¨
außere Abstrah-
lungskoeffizient hrergibt sich in erster N¨
aherung nach:
hr= 5 ·ε·W
m2K.
F¨
ur εkann nach DIN V 4108-6 ein Wert von 0,8 angenommen werden. F¨
ur die
Temperaturdifferenz zwischen Himmel und Umgebungsluft kann f¨
ur Mitteleuropa
10 K benutzt werden. Damit ergeben sich die W¨
armegewinne ¨
uber opake Bauteile
nach:
˙
Qsolar,opak =X
k
Uk·0,1·X
o
Ak,o ·(αk·IoFt·40 W
m2).(A.8)
Von den W¨
armeeintr¨
agen ¨
uber opake Bauteile werden nur die positiven Werte ge-
nommen. Die negativen Werte sind schon durch die Berechnung der Transmissions-
energiefl¨
usse mit einbezogen.
W¨
armekapazit¨
at des EFH
204
Anhang A. Anhang
Tabelle A.5.: Spezifische W¨
armekapazit¨
aten und Dichten der Baustoffe
Material cpρ
in kJ
kg K in kg
m3
Innenputz 1,1 1000
Porenbeton 1,0 500
Bodenbelag 1,5 1500
Estrich 1,0 2000
Beton 1,0 2400
Gipskartonplatte 1,0 900
A.3.2. Geb¨
audedaten des B¨
urogeb¨
audes in Berlin-Adlershof
Es folgen die ermittelten Geb¨
audedaten f¨
ur das B¨
urogeb¨
aude.
Grundriss des B¨
urogeb¨
audes
205
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Abbildung A.5.: Grundriss des B¨
urogeb¨
audes - Erdgeschoss
206
Anhang A. Anhang
Abbildung A.6.: Grundriss des B¨
urogeb¨
audes - Ober- und Dachgeschoss
207
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Fl¨
achen BG
Die Geschossh¨
ohe des Geb¨
audes betr¨
agt 3,50 m. Das Dach ist ein Flachdach und
hat damit weder eine Neigung noch eine Himmelsrichtung. Die H¨
ohe der Fenster
ist 1800 mm. Die T¨
uren und Fenstert¨
uren sind 2600 mm hoch. Auf der Nordseite
des Erdgeschosses gibt es eine T¨
ur und eine Fenstert¨
ur mit jeweils 1200 mm Breite.
Auf der S¨
udseite gibt es eine 1200 mm breite Fenstert¨
ur und eine Doppelt¨
ur, die
insgesamt 1800 mm breit ist. Der Großteil der Fenster hat eine Breite von 2000 mm.
Schmalere Fenster sind nur in den Treppenh¨
ausern mit 1880 mm und an der S¨
ud-
und Westseite ist je ein Fenster mit 900 mm Breite eingebaut. Damit ergeben sich
die Fl¨
achen der Fenster und Fenstert¨
uren zu:
ATuer,EG,nord = 3,120 m2
AFenster,EG,nord = 10,320 m2
AFenster,EG,ost = 36,000 m2
AFenster,EG,sued = 13,020 m2
AFenster,EG,west = 32,400 m2
AFenster,OG,nord = 42,552 m2
AFenster,OG,ost = 97,200 m2
AFenster,OG,sued = 47,412 m2
AFenster,OG,west = 97,200 m2
AFenster,DG,nord = 14,184 m2
AFenster,DG,ost = 32,400 m2
AFenster,DG,sued = 15,804 m2
AFenster,DG,west = 32,400 m2
Die Fensterfl¨
achen f¨
ur die Transmissionsenergiefl¨
usse k¨
onnen ohne Orientierung
angegeben werden:
AFenster,EG = 91,740 m2
AFenster,OG = 284,364 m2
AFenster,DG = 94,788 m2
208
Anhang A. Anhang
Die Wandfl¨
ache f¨
ur jede Orientierung:
AWand,EG,nord = 47,005 m2
AWand,EG,ost = 63,925 m2
AWand,EG,sued = 47,425 m2
AWand,EG,west = 67,525 m2
AWand,OG,nord = 138,783 m2
AWand,OG,ost = 202,575 m2
AWand,OG,sued = 133,923 m2
AWand,OG,west = 202,575 m2
AWand,DG,nord = 46,261 m2
AWand,DG,ost = 67,525 m2
AWand,DG,sued = 44,641 m2
AWand,DG,west = 67,525 m2
Zusammengefasste Wandfl¨
ache f¨
ur die Berechnung der Transmissionsenergiefl¨
usse:
AWand,EG = 225,880 m2
AWand,OG = 677,856 m2
AWand,DG = 225,952 m2
Die Fl¨
ache der Bodenplatte, der Zwischendecke und des Dachs entsprechen der
Grundfl¨
ache:
ABoden = 493,059 m2
AZwischendecke = 493,059 m2
ADach = 493,059 m2
Innenwandfl¨
ache f¨
ur die Berechnung der Speicherkapazit¨
at des Geb¨
audes, aufge-
teilt in zwei Wandst¨
arken:
AInnenwand,duenn,EG = 402,2725 m2
AInnenwand,dick,EG = 127,5750 m2
AInnenwand,duenn,OG = 1319,3780 m2
AInnenwand,dick,OG = 289,5900 m2
AInnenwand,duenn,DG = 439,7925 m2
AInnenwand,dick,DG = 96,5300 m2
209
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
W¨
armedurchgangskoeffizienten BG
Die f¨
ur das Haus verwendeten Baustoffe mit ihren W¨
armeleitf¨
ahigkeiten sind in
Tabelle A.6 angegeben.
Tabelle A.6.: Baustoffe und W¨
armeleitf¨
ahigkeiten des B¨
urogeb¨
audes
Material λ
in W
m K
Kalkgipsputz 0,700
Styropor 0,040
Außenputz 0,056
Bodenbelag 0,230
Estrich 1,400
Bitumendickbeschichtung 0,170
Beton, 2 % armiert 2,500
Leichtbeton 1,300
¨
außere Dampfsperre 0,170
Kiesschicht 2,000
Abbildung A.7 zeigt den Dachaufbau des B¨
urogeb¨
audes. Die innere Schicht ist
wieder eine 15 mm dicke Kalkgipsschicht (1). Dar¨
uber befindet sich eine 30 mm
dicke W¨
armed¨
ammschicht aus Styropor (2). Das tragende Element der Decke ist
eine 300 mm starke Leichtbetonplatte (3). Auf den Stahlbeton wurde aufgrund von
besseren W¨
armewiderst¨
anden verzichtet. Auf der ¨
außeren Seite ist eine weitere
95 mm dicke W¨
armed¨
ammschicht aus Styropor (4) angebracht. Darauf wurde eine
0,5 mm dicke, wasserdichte Dampfsperrschicht (5) aufgetragen. Als Abschluss dient
eine 35 mm dicke Kiesschicht (6).
1
2 3 4 5
6
-140
-120
-100
-80
-60
-40
-20
0
20
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50
[cm]
Außen
Innen www.u-wert.net
Abbildung A.7.: Dachaufbau des B¨
urogeb¨
audes
210
Anhang A. Anhang
Damit l¨
asst sich der W¨
armedurchgangswiderstand und -koeffizient berechnen zu:
RDach,k = 3,3976 m2K
W
UDach = 0,2772 W
m2K
F¨
ur die Bodenplatte des Erdgeschosses wurde eine 300 mm dicke Schicht Stahlbe-
ton verwendet. Diese wird mit einer 3 mm dicken Bitumendickbeschichtung abge-
dichtet. Die dar¨
uberliegende Isolierschicht besteht aus 80 mm Styropor. Abschlie-
ßend wird eine 60 mm dicke Estrichschicht zum Nivellieren verwendet. Zus¨
atzlich
wird noch eine sp¨
ater aufgebrachte Schicht eines Bodenbelages mit 10 mm ange-
nommen.
RBoden,k = 2,2081 m2K
W(A.9)
F¨
ur den W¨
armedurchgangskoeffizienten des Bodens muss die Betrachtung jedoch
wieder bearbeitet werden. Wie f¨
ur das Einfamilienhaus muss zuerst das Maß der
Bodenplatte Bnach Gleichung A.1 und die wirksame Dicke berechnet werden.
B=17,27 m ·28,55 m
0,5·(2 ·17,27 m + 2 ·28,55 m) = 10,7608 m
dt= 0,0325 m + 2 W
m K ·(0,04 + 2,2081 + 0,10)m2K
W= 5,0212 m
Da dt< Bist, handelt es sich um eine nicht sehr gut ged¨
ammte Bodenplatte. Der
W¨
armedurchgangskoeffizient berechnet sich nach Gleichung A.4:
UBoden =2·2W
m K
π·10,7608 m + 5,0212 m ·ln π·10,7608 m
5,0212 m + 1= 0,2107 W
m2K
Der W¨
armebr¨
uckenzuschlag UWB berechnet sich nach Gleichung A.6:
UWB =0,65 W
m K ·(2 ·17,27 m + 2 ·28,55 m)
17,27 m ·28,55 m = 0,1208 W
m2K
Die Zwischendecke ¨
ahnelt auch im B¨
urogeb¨
aude der Bodenplatte. ¨
uber einer
200 mm dicken Stahlbetonplatte wurde eine 50 mm dicke Styroporschicht als Isola-
tion verlegt. Die folgende Zementestrichschicht hat eine Dicke von 65 mm. Sp¨
ater
wurde noch ein Bodenbelag mit einer Dicke von 10 mm hinzugef¨
ugt. Der W¨
ar-
medurchgangswiderstand und -koeffizient der Zwischendecke ergeben sich damit
zu:
RZwischendecke,k = 1,4199 m2K
W
UZwischendecke = 0,6290 W
m2K
211
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
L¨
uftungsenergiefl¨
usse des B¨
urogeb¨
audes
Der zus¨
atzliche Luftvolumenstrom kann n¨
aherungsweise nach DIN EN 832 mit
folgender Gleichung berechnet werden:
˙
Vx=V·n50 ·eWind
1 + fWind
eWind ˙
VS˙
VE
V·n50 2.
In der vorliegenden Arbeit wird der Zuluftvolumenstrom VSund der Abluftvolu-
menstrom VEals gleich groß angenommen, wodurch sich die Gleichung vereinfacht
zu:
˙
Vx=V·n50 ·eWind.
Die Werte f¨
ur den Windschutzkoeffizienten eWind und die Luftdichtheit n50 werden
aus DIN V 4108-6 entnommen. Es gelten:
eWind = 0,07,
n50 = 1 h1.
Damit ergibt sich f¨
ur den zus¨
atzlichen Volumenstrom in Abh¨
angigkeit des Netto-
Luftvolumens des Geb¨
audes:
˙
Vx=V·0,07 ·1 h1.(A.10)
F¨
ur jede Zone werden die Mindestluftvolumenstr¨
ome mit der Fl¨
ache der jeweiligen
Raumtypen multipliziert. Diese Werte werden f¨
ur jede Temperaturzone zusam-
mengefasst:
˙
Vf,EG = 2237,9510 m3
h(A.11)
˙
Vf,OG = 7315,7238 m3
h
˙
Vf,DG = 2438,5746 m3
h(A.12)
F¨
ur die Berechnung des zus¨
atzlichen Volumenstroms ist das Nettoluftvolumen not-
wendig. Daf¨
ur wird zuerst das Bruttoluftvolumen VBf¨
ur die drei Zonen berechnet.
Ve,EG = 17,27 m ·28,55 m ·3,5 m = 1725,7048 m3
Ve,OG = 3 ·17,27 m ·28,55 m ·3,5 m = 5177,1143 m3
Ve,DG = 17,27 m ·28,55 m ·3,5 m = 1725,7048 m3
212
Anhang A. Anhang
Diese Werte in die Gleichung eingesetzt, ergeben das Netto-Luftvolumen f¨
ur jede
Zone:
VEG = 1380,5638 m3
VOG = 4141,6914 m3
VDG = 1380,5638 m3
Der zus¨
atzliche Luftvolumenstrom ist damit:
˙
Vx,EG = 96,6395 m3
h(A.13)
˙
Vx,OG = 289,9184 m3
h
˙
Vx,DG = 96,6395 m3
h(A.14)
Die Summe aus den Luftvolumenstr¨
omen A.11 bis A.12 und den zus¨
atzlichen Luft-
volumenstr¨
omen A.13 bis A.14 ergeben:
˙
VEG = 2334,5905 m3
h
˙
VOG = 7605,6422 m3
h
˙
VDG = 2535,2141 m3
h
F¨
ur die Simulation muss der Luftvolumenstrom noch auf das Netto-Luftvolumen
bezogen werden. Dadurch ergibt sich wieder ein Wert mit der Einheit h1:
nEG = 1,6910 h1
nOG = 1,8364 h1
nDG = 1,8364 h1
Solare Einstrahlung auf die effektive Kollektorfl¨
ache des BG
F¨
ur die einzelnen Etagen ergeben sich folgende Horizontwinkel:
αh,EG = 46
αh,OG = 30
αh,DG = 7
213
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Damit ergeben sich f¨
ur den Standort folgende Teilbestrahlungsfaktoren Fh:
Fh,EG = 0,56
Fh,EG = 0,62
Fh,EG = 0,92
Die effektive Kollektorfl¨
ache nach Gleichung 4.12 f¨
ur die Nordseite gilt auch f¨
ur
die S¨
udseite, die f¨
ur die Ostseite auch f¨
ur die Westseite.
AS,EG,nord = 0,2117 ·A
AS,EG,ost = 0,2117 ·A
AS,OG,nord = 0,2344 ·A
AS,OG,ost = 0,2344 ·A
AS,DG,nord = 0,3478 ·A
AS,DG,ost = 0,3478 ·A
Die effektiven Fensterfl¨
achen nach der Himmelsrichtung k¨
onnen damit berechnet
werden:
AS,EG,nord = 2,185 m2
AS,EG,ost = 13,608 m2
AS,EG,sued = 2,756 m2
AS,EG,west = 12,247 m2
AS,OG,nord = 9,973 m2
AS,OG,ost = 36,742 m2
AS,OG,sued = 11,112 m2
AS,OG,west = 36,742 m2
AS,DG,nord = 4,933 m2
AS,DG,ost = 12,247 m2
AS,DG,sued = 5,496 m2
AS,DG,west = 12,247 m2
Das Produkt aus diesen Fl¨
achen und den Einstrahlungsdaten ergibt die W¨
armege-
winne f¨
ur jede Stunde des Jahres. F¨
ur die Berechnungen werden sie in einer Matrix
gespeichert.
Solare W¨
armegewinne ¨
uber opake Bauteile BG Die solaren W¨
armegewinne
¨
uber opake Bauteile berechnen sich nach Gleichung A.8. Der Absorptionskoeffizient
214
Anhang A. Anhang
der Oberfl¨
ache ist f¨
ur die Wand und das Dach unterschiedlich. F¨
ur den Kies, der
als oberste Dachschicht dient, wird ein Absorptionskoeffizient von 0,6 angegeben.
αWand = 0,4
αDach = 0,6
Auch beim B¨
urogeb¨
aude muss zwischen dem Formfaktor f¨
ur das Dach und der
Wand unterschieden werden.
Ft,Wand = 0,5
Ft,Dach = 1,0
Die Gleichung A.8 vereinfacht sich f¨
ur die einzelnen Fl¨
achen damit zu:
˙
Qsolar,Wand,EG,nord = 0,5763 m2·Inord 28,8141 W
˙
Qsolar,Wand,EG,ost =0,7837 m2·Iost 39,1860 W
˙
Qsolar,Wand,EG,sued = 0,5814 m2·Isued 29,0715 W
˙
Qsolar,Wand,EG,west = 0,8279 m2·Iwest 41,3928 W
˙
Qsolar,Wand,DG,nord = 1,7015 m2·Inord 85,0740 W
˙
Qsolar,Wand,DG,ost =2,4836 m2·Iost 124,1785 W
˙
Qsolar,Wand,DG,sued = 1,6419 m2·Isued 82,0948 W
˙
Qsolar,Wand,DG,west = 2,4836 m2·Iwest 124,1785 W
˙
Qsolar,Wand,DG,nord = 0,5672 m2·Inord 28,3580 W
˙
Qsolar,Wand,DG,ost =0,8279 m2·Iost 41,3928 W
˙
Qsolar,Wand,DG,sued = 0,5473 m2·Isued 27,3649 W
˙
Qsolar,Wand,DG,west = 0,8279 m2·Iwest 41,3928 W
˙
Qsolar,Dach,DG = 9,6797 m2·Iwest 82,7857 W
W¨
armekapazit¨
at des BG
A.3.3. Datenbl¨
atter K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlschrank
Speicherkapazit¨
at ¨
uber enthaltene Lebensmittel K¨
uhl- und Tiefk¨
uhlschrank
215
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
Tabelle A.7.: Spezifische W¨
armekapazit¨
aten und Dichten der Baustoffe
Material cpρ
in kJ
kg K in kg
m3
Innenputz 1,1 1000
Bodenbelag 1,5 1500
Estrich 1,0 2000
Beton 1,0 2400
Gipskartonplatte 1,0 900
Tabelle A.8.: Lebensmittel im Modellk¨
uhlschrank
Produkt Masse spezifische Kapazit¨
at
in kg in kJ
kg K
Gem¨
use 2,0 3,77
Butter 0,5 2,51
Eier 0,06 3,18
Fleisch 1,5 2,60
K¨
ase 1,0 2,68
Milch(-produkte) 3,0 3,89
Wasser 3,0 4,18
alkoholische 1,0 3,77
Getr¨
anke
Glas 11,34 0,8
Restluft 0,312 1,00
Tabelle A.9.: Lebensmittel im Modellgefrierschrank
Produkt Masse spezifische Kapazit¨
at
in kg in kJ
kg K
Gem¨
use 3,5 1,88
Gefl¨
ugel 1,5 1,80
Fleisch 1,5 1,55
Eis 3,5 1,88
Pizza 1,5 1,32
Nudelgerichte 1,5 1,82
216
Anhang A. Anhang
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Abbildung A.8.: Datenblatt des Haushaltsk¨
uhlschranks
217
A.3. Kapitel 5: Thermische Speicher
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Abbildung A.9.: Datenblatt des Haushaltsgefrierschranks
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