scieee Science in your language
[en] (orig)
Nils-Holger Schmidt, Koray Erek, Katja
Kusiak
Green IT bei der Üstra
Hannoversche Verkehrs-
betriebe
Imprint
Technische Universität Berlin
Research Papers in Information Systems Management
Number 10
November 2012
Nils-Holger Schmidt, Koray Erek, Katja Kusiak
Green IT bei der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe
Berlin 2012
Edited by: Prof. Dr. Rüdiger Zarnekow and Dr. Koray Erek
Technische Universität Berlin
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Germany
Publisher: Universitätsverlag der TU Berlin
Universitätsbibliothek
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Fax: +49(0)30-314-76133
Mail: [email protected]-berlin.de
http://www.univerlag.tu-berlin.de
ISBN 978-3-7983-2487-9 (online version)
ISSN 2191-639X
© Chair of Information and Communication Management, Technische Universität Berlin
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Inhaltsverzeichnis
1 Unternehmen .............................................................................................. 1
2 Ausgangssituation ..................................................................................... 3
3 Umsetzung .................................................................................................. 5
3.1. Governance .......................................................................................... 5
3.2. Beschaffung .......................................................................................... 7
3.3. Produktion ............................................................................................. 7
3.4. Vertrieb und Kommunikation .............................................................. 11
4 Erkenntnisse ............................................................................................. 11
1
1 Unternehmen
Die Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe gehört zu den größten deutschen
Nahverkehrsunternehmen. Mit rund 155 Millionen Fahrgästen im Jahr ist sie
der leistungsstärkste Dienstleister für Nahverkehr in Niedersachsen.
Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe
Rechtsform
Aktiengesellschaft
Historie
1892: Gründung der Straßenbahn Hannover AG.
Weitere Informationen hierzu unter www.uestra.de
Firmensitz
Hannover
Branche
Verkehr
Produkte und Dienstleistungen
Nahverkehrsleistungen
Firmenstruktur
Üstragehört
zu 98,38% der Holding Versorgungs- und
Verkehrsgesellschaft Hannover mbH. An dieser sind die Stadt
Hannover zu 80,49% und der Kommunalverband Region
Hannover zu 19,51% beteiligt.
Homepage
http://www.uestra.de
Umsatz (2010)
ca. 159 Mio EUR
Mitarbeiter (2010)
1914
Mitarbeiter im IT
-Bereich
(2010)
ca. 70
Rolle des IT-Bereichs
Cost Center
Anzahl Rechenzentren
2 (1 Primäres und 1 Backup-Rechenzentrum)
Anzahl PC-Arbeitsplätze
800
Tabelle 1: Kurzportrait der Üstra
Herausforderungen im Wettbewerb. Die Herausforderungen der Üstra
resultieren aus den knapper werdenden öffentlichen Finanzierungsmitteln und
der durch die Liberalisierung des Verkehrsmarktes entstehenden
Veränderungen sowie europäischer Vorgaben. Den Auswirkungen der
deutlichen Reduzierung staatlicher Ausgleichsleistungen will das Unternehmen
mittelfristig durch überdurchschnittliche Steigerungsraten bei den
Fahrgasteinnahmen und der Reduzierung der Aufwandsseite durch
Restrukturierungsmaßnahmen begegnen.
Während die Gesamtbevölkerung in Deutschland insgesamt abnimmt, ist
derzeit ein Trend zunehmender Urbanisierung erkennbar. Dieser durch
Migration und demographischen Wandel entstehende Prozess stellt eine
weitere Herausforderung für Üstra dar. In Zukunft sollen größere
Menschenmengen befördert werden, d. h. Verkehrsangebote müssen
ausgeweitet werden, wobei gleichzeitig CO2-Emissionen gesenkt werden
2
sollen. Üstra versucht durch ein breites Angebot möglichst viele Menschen von
der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu überzeugen.
Üstra sieht Nachhaltigkeit und Umweltschutz als Qualitätsmerkmal und
Argument bei der Vergabe von Nahverkehrsleistungen im Wettbewerb auf dem
Nahverkehrsmarkt. Das Unternehmen setzt sich dafür ein, dass Umwelt- und
Qualitätsmanagement eine Standardgröße bei Ausschreibungen für Bus- und
Bahnverkehr werden.
Rolle der Nachhaltigkeit. Als viertgrößter Energieverbraucher Hannovers sieht
sich Üstra dafür verantwortlich, einen möglichst ökonomisch sinnvollen und
umweltbewussten Umgang mit der Ressource Energie sicherzustellen. Durch
die globale Erwärmung, CO2-Emissionen und die öffentliche Diskussion über
Umweltschutz stehen Verkehrsunternehmen aufgrund der Umweltbelastungen
ihrer Dienstleistungen unter einem besonderen Rechtfertigungsdruck. Auf der
anderen Seite bietet der Nahverkehr deutliche Umweltvorteile gegenüber dem
Pkw. Durch eine hohe Auslastung der Stadtbahnen und Busse kann die
Umweltbelastung pro Fahrgast gesenkt werden. Zum Vergleich verbraucht eine
voll besetzte Stadtbahn auf 100 Kilometern 1,2 Liter Treibstoff pro Person,
wohingegen ein Pkw durchschnittlich sechs bis acht Liter verbraucht. Bei der
Stadtbahn entstehen dadurch 75g CO2 pro Kilometer pro Fahrgast, bei einem
Auto sind es durchschnittlich 134,6g pro Kilometer.
Üstra sieht sich als umweltfreundlicher Mobilitätsdienstleister. Die
grundsätzlichen Ziele des Unternehmens sind die Minimierung aller
Emissionen, die bei der Nutzung von Strom, Wasser, Rohstoffen und Abfällen
entstehen sowie die ständige Qualitätsverbesserung der angebotenen
Dienstleistungen.
Ein Vorreiter in Sachen Umweltschutz ist der Betriebshof in Hannover
Leinhausen. Dort werden beispielsweise die Fahrzeugwaschanlagen mit
Regenwasser betrieben, die Abwärme genutzt und die Gleisanlagen begrünt.
Der Betriebshof gilt in Sachen Umweltschutz als Vorbild für Üstra. Für Üstra
gelten Umweltgesetze und Verordnungen, wie beispielsweise die europaweite
Abgasnorm Euro-5 seit dem 1. September 2009. Hieran wird auch die Busflotte
ausgerichtet. Darüber hinaus ist Üstra auch proaktiv im Bereich Nachhaltigkeit
engagiert. Im Jahr 1996 führte Üstra ein Umweltmanagementsystem nach Eco-
Management and Audit Scheme (EMAS) ein. Ein Qualitätsmanagementsystem
3
nach DIN EN ISO 9002:1994 folgte im Jahr 1999. Beide Systeme wurden 2002
zu einem integrierten Managementsystem kombiniert das regelmäßig nach ISO
9001 Norm und ISO 14001 Norm von externen Gutachtern zertifiziert wird.
Um potenzielle Kunden von der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu
überzeugen, müssen Umweltmaßnahmen sichtbar gemacht werden. Dies kann
erreicht werden, indem stellvertretend für das gesamte Unternehmen
beispielsweise das Fahrpersonal eine schonende Fahrweise anwendet.
Ein weiteres Einsatzgebiet der Ressourcenschonung ist die eigene Herstellung
von Ökostrom aus Solarstromanlagen. Üstra betreibt die zwei größten
Photovoltaik-Anlagen Hannovers. Hierbei wird der Solarstrom zum Teil direkt in
die Fahrleitung eingespeist. Des Weiteren verfügt die Stadtbahn über ein
Schwungrad-Energiespeicher, der die beim Bremsen der Stadtbahnen erzeugte
Energie aufnimmt und speichert. Sie kann bei Bedarf mit einem geringen
Verlust in das Netz zurückgespeist werden.
Die Busfahrer durchlaufen seit 2002 softwaregestützte Schulungen zum
energiesparenden Fahren. Sie erlernen in einem praktischen und einem
theoretischen Modul einen Fahrstil, der ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist.
Mit Hilfe der Software können sie Fahrten simulieren und anhand eines
Kraftstoffverbrauchsanzeigers den Spritverbrauch bei unterschiedlichen
Fahrweisen nachvollziehen.
Die seit 2009 durchgeführte Zwangsüberwachung des Reifendrucks stellt
ebenfalls eine emissionsverringernde Handlungsweise dar. Beim Fahren über
eine Bodenwelle wird der Reifendruck mittels stationärer Luftdruckmessanlage
überprüft, im Programm verarbeitet und dokumentiert. Ist der Druck zu niedrig,
wird dies dem Fahrer sofort durch das System signalisiert und kann behoben
werden. Dies trägt zum einen zur Sicherheit der Fahrgäste, als auch zu einem
geringeren Verbrauch bei.
Ein wichtiges Ziel der Üstra ist es, Energie effizient zu nutzen und die
Energiekosten und Emissionen mit Hilfe geeigneter Maßnahmen kontinuierlich
zu senken. Hierbei spielt auch die IT eine wichtige Rolle.
2 Ausgangssituation
Die IT-Organisation. Der Unternehmensbereich Informationstechnik ist mit
seinen rund 70 Mitarbeitern verantwortlich für den Betrieb der gesamten IT der
4
Üstra. Die Aufgaben des IT-Bereichs umfassen klassische Felder wie
Finanzen, Controlling, Buchhaltung, Personalabrechnung sowie Lohn- und
Gehaltsabrechnung. Zum Verantwortungsbereich gehört auch die Betreuung
der 800 PC-Arbeitsplätze an allen Standorten. Hierbei liegt der Schwerpunkt
auf dem kontinuierlichen, störungsfreien Betrieb.
Weiterhin gehören das Gestalten, Optimieren und Entwickeln der Betriebs- und
Managementsysteme zum Arbeitsgebiet. Hinzu kommen spezifische Aufgaben
aus dem Tätigkeitsfeld eines Verkehrsdienstleisters. Dazu zählen die
Werkstätten, die Leitstelle, die Steuerungseinheiten am Fahrerarbeitsplatz, die
Fahrgastanzeigen und Fahrscheindrucker in den Fahrzeugen, die Vernetzung
der Fahrzeuge mit der Leitstelle sowie die Notrufsäulen, Videokameras und
Fahrkartenautomaten an den Haltestellen.
Für die Instandhaltung, die Entstörung und den Aufbau der Anlagen wird
technisches Personal eingesetzt. Externe Anbieter unterstützen den IT-Bereich
in der Forschung und Entwicklung. Beispielsweise forschen an einem aktuellen
Projekt Softwarebetriebe, Hochschulen und weitere Unternehmen gemeinsam
mit der Üstra an einem Konzept zur Vernetzung der Fahrzeuge über Internet
Protocol-Adressen.
Handlungsdruck. Begleitende Umweltmaßnahmen flankieren die Entwicklung
der Üstra als Nahverkehrsdienstleister. Üstra sieht Umweltschutz und
Umweltmanagement als ein Qualitätsmerkmal für gutes Arbeiten. Dieser
Grundgedanke ist tief in der Unternehmensphilosophie verankert und wird
dementsprechend in allen Unternehmensbereichen umgesetzt. Vor allem der
IT-Bereich muss als wesentlicher Energiekonsument mit innovativen Konzepten
und Lösungen zur Senkung des Energieverbrauchs beitragen. Dazu ist es
erforderlich in der gesamte IT-Landschaft Green IT Maßnahmen umzusetzen
und darüber hinaus durch IT-gestützte Innovationen aktiv zur CO2-Strategie
beizutragen. Hierdurch wird gleichzeitig dem allgemeinen Kostensenkungsziel
Rechnung getragen. Die Motivation Green IT kontinuierlich im Unternehmen zu
implementieren, orientiert sich an der Leitidee nach umweltfreundlicher
Mobilität und der Erfüllung der Kundenerwartungen.
5
3 Umsetzung
3.1. Governance
Seit zwei Jahren existiert die Arbeitsgruppe Energie bei der Üstra. Hierzu
treffen sich zweimal jährlich Mitglieder aus allen Abteilungen des
Unternehmens, wie Fachingenieure und Informatiker, die sonst wenige
Schnittstellen im Unternehmen miteinander verbindet. Hierbei werden die
Entwicklungen der einzelnen Bereiche besprochen sowie Kennzahlen ermittelt
und verglichen. Darüber hinaus werden Bereichsinnovationen vorgestellt, die
sich tendenziell auf andere Bereiche übertragen lassen.
Ferner ist Üstra im Energieeffizienz-Netzwerk Hannover engagiert, in dessen
Rahmen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung der
CO2-Emissionen ausgetauscht und diskutiert werden. In der Üstra setzt sich die
IT als Mittler indirekt für den Umweltschutz ein, indem sie umweltrelevante
Kennzahlen erfasst und zur Verfügung stellt. Die hohen Anforderungen, z. B. im
Rahmen des Umweltmanagements nach EG-Öko-Audit-Verordnung, erfordern
IT-Anwendungen, die solche spezifischen Aufgaben unterstützen.
Das Messen des Stromverbrauchs ist bei der Üstra lediglich auf der Ebene
einzelner Liegenschaften möglich. Den Verbrauch ganzer Technologien
transparent zu machen, ist zurzeit noch eine Herausforderung. Üstra plant den
Stromverbrauch auch für einzelne Unternehmensbereiche und -funktionen
ermitteln zu können. Insbesondere in der Verwaltung und Administration soll so
mehr Transparenz entstehen.
Langfristig möchte Üstra ein Kennzahlensystem für Green IT entwickeln, um
den Wert der IT besser messbar zu machen und den Mehrwert, den sie durch
nachhaltiges Informationsmanagement erlangt, transparent aufzuzeigen. Es
sollen Kennzahlen gefunden werden, die beispielsweise belegen, wie hoch der
Stromanteil veralteter, ineffizienter Geräte ist und wie sich dieser durch den
Austausch gegen kleinere, umweltschonendere Geräte verändert. Dazu gehört
auch eine Berücksichtigung von Kennzahlen aus der Entsorgung von
Altgeräten des Unternehmens. Auf dieser Basis sollen dann
Optimierungsansätze entwickelt und umgesetzt werden.
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Abbildung 1: Aufbau der Arbeitsgruppe Energie
Aktuell hat Üstra eine Produkt- und Servicematrix aufgebaut, die
Personalleistungen sowie Kapitalleistungen erfasst und darstellt, um daraus
Kennzahlen zu generieren. Mit Hilfe dieser Kennzahlen ist es der Üstra möglich
die IST-Situation der IT klar darzustellen, mit anderen Marktteilnehmern zu
vergleichen und sich ggf. neu am Markt zu positionieren.
Zum Messen des Stromverbrauchs der IT fehlen der Üstra zurzeit noch
geeignete Kennzahlensysteme, die komplexe Beziehungen innerhalb der
Organisation darstellen und somit ein ressourceneffizientes Management
ermöglichen. Wie viel Leistung ein Server im Rechenzentrum bis hin zum PC
verbraucht ist für Üstra bislang nur grob abschätzbar oder durch aufwendige
Messungen von Studenten und Auszubildenden feststellbar. Ein Zählersystem
mit einem Zähler hinter jeder Station zu schalten wäre sehr kostspielig und
aufwendig.
Hier erarbeitet Üstra derzeit eine Lösung und untersucht entsprechende
Produkte am Markt auf Ihre Eignung.
Verbräuche / Kennzahlen
Strom Fernwärme Gas Diesel/Heizöl
Mitglieder aus den
Bereichen:
Gebäude und
Grundstücke
Stadtbus
U-Bahn/Stadtbahn
AG Energie Aufgaben:
Ideen bewerten
Maßnahmen
verfolgen
Entscheidungen
vorbereiten
Ükologie
Energieaudit
Verbesserungs-
vorschläge Energie
Nach Bereichen
Geude
Fahrzeuge
Verbrauch von:
Strom
Fernwärme
Gas
Heil
Verbrauch von:
Strom
Diesel
Gas
7
3.2. Beschaffung
Ziel der Beschaffungspolitik der Üstra im Bereich IT ist die Minimierung von
Kosten, aber auch die Ökologieorientierung des Unternehmens zu fördern. Ein
zentrales Beschaffungskriterium für IT-Geräte, ist die Höhe des
Stromverbrauchs im Betriebs- und im Standby-Modus.
Als Maßstab für die Beschaffung werden im IT-Bereich Vergleiche durchgeführt
und untersucht, welche Lieferanten qualitativ und quantitativ die besseren
Prozesse bzw. Kennzahlen liefern.
Üstra verfügt über ein Lastenheft, in welchem alle Forderungen an die
Lieferungen und Leistungen für zu beschaffende Geräte festgehalten sind.
Beispielsweise wurde für die Neuausschreibung des Drucker-Mietvertrages, die
alle fünf Jahre durchführt wird, erstmals das Thema Umweltfreundlichkeit mit
ins Lastenheft aufgenommen. Kriterien wie die Höhe des CO2-Ausstoßes bei
der Herstellung, der Stromverbrauch, die Umweltverträglichkeit des Toners, die
Verbrauchsmaterialien bei der Herstellung sowie die Art der Entsorgung der
Altgeräte und des Verbrauchsmaterials wurden entsprechend gewichtet und
spielen neben technischen Anforderungen und kaufmännischen Aspekten beim
Entscheidungsprozess eine Rolle. Beispielsweise werden Kennzahlen über den
Stromverbrauch der Geräte im Standby- und Betriebs-Modus betrachtet und ein
Entsorgungskonzept für Altgeräte und das Verbrauchsmaterial eingefordert.
Die Leitidee der Üstra besteht darin, dass neu beschaffte Geräte vom Design
bis zur Entsorgung über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und
ressourcenschonend sind.
3.3. Produktion
Rechenzentrum. Üstra verfügt über zwei gleichwertige Rechenzentren. Eines
davon wird vorrangig für betriebliche Zwecke genutzt und ist rund um die Uhr in
Betrieb, das andere wird hauptsächlich für betriebswirtschaftliche Zwecke
eingesetzt. Die beiden Rechenzentren ergänzen und unterstützen sich
gegenseitig. Üstra versucht dadurch eine optimale Auslastung zu erreichen.
Virtualisierung im Rechenzentrum gehört zu einer der Green IT Maßnahmen
der Üstra. Schon vor zwei Jahren wurden die Systeme komplett auf Blade-
Technologie umgestellt. Die Software VMware übernimmt die Virtualisierung
und läuft auf den Blade-Servern. Durch die Virtualisierung von Servern konnten
8
alte, stromzehrende Server abgeschaltet werden. Zusätzlich konnte auf die
kostenintensive Beschaffung neuer Server verzichtet werden. Der
Stromverbrauch eines Servers entfällt bei der Üstra zu einem Drittel auf die
Klimatisierung, dementsprechend sind auch in diesem Bereich erhebliche
Einsparungen entstanden.
Die konsequente Einführung virtueller Server führte zu 30% Einsparungen bei
den Energiekosten im Vergleich zu herkömmlichen Servern. Zwischen 2005
und 2009 konnten so im Serverbereich Einsparungen von bis zu 144.058 €
durch den Einsatz von Virtualisierungs- und Blade-Technologie erzielt werden
(s. Tabelle 2).
Stromkosteneinsparungen
Maßnahme
Beschreibung
2005
2006
2007
2008
2009
Virtualisierte
Server
20 Systeme wurden virtualisiert (Hard-
wareersatz)
9.636 € 9.636 € 9.636 € 9.636 € 9.636 €
Virtuelle
Server 25 Systeme wurden neu virtualisiert
(Hardwarealternative) 2005=10, 2006=8,
2007=7,
2008 und 2009 geschätzt je 7
4.818 € 8.672 € 12.045 € 15.418 € 18.790 €
Klima-
anlagenanteil
bei Verbrauch 1 kW Einsparung 0,3 kW 4.336 5.493 € 6.504 7.516 € 8.528
Blade-
Technologie
Einsparung ca. 30% Strom gegenüber
herkömmlichen Servern
1.445 € 1.445 €
Klima-
anlagenanteil
Annahme: Installation von 10 Blade-
Servern pro Jahr
434 € 434 €
Jährliche Einsparung
18.790 €
23.801 €
28.185 €
34.449 €
38.833 €
Einsparung von 2005 bis 2009
144.058 €
Annahmen:
Ein Server verbraucht im Schnitt 0,5 kW.
Um die Abwärme abzuführen, werden hierzu 1/3 Strom für die Klimaanlage benötigt.
Der Kilowattstundenpreis für Strom beträgt für Üstra 11 Cent.
Einführung der Server Blade-Technologie ab 2008.
Tabelle 2: Einsparungen durch Green IT in der Rechenzentrumsumgebung
Durch die Blade-Technologie und virtuelle Server konnte Energie so effizient
gespart werden, dass für 28% der neu angeschafften Geräte die Kosten
gedeckt waren. Außerdem führte Üstra auch die Cluster Technologie im
Unternehmen ein, d. h. durch die Vernetzung von Gruppen eigenständiger
Computer, die wie ein Großrechner arbeiten, können Daten an mehreren
Standorten gleichzeitig verfügbar gemacht werden. Dadurch konnte zusätzlich
mehr Rechenzentrumskapazität geschaffen werden. Darüber hinaus bedeutet
9
der Wegfall an physischen Maschinen auch eine deutliche
Komplexitätsreduzierung, was zur Vereinfachung des Prozessablaufs führte.
Virtualisierung spielt auch in den Notfallkonzepten eine wichtige Rolle. Es
werden virtuelle Maschinen programmiert, die im Falle eines Ausfalls oder
Verlusts sofort einsatzbereit sind und für diese defekte Maschine einspringen.
Das Thema Virtualisierung wird bei der Üstra kontinuierlich ausgebaut, denn
durch eine virtuelle Bereitstellung verschiedenster Software ist man schneller,
flexibler und konkurrenzfähiger als bisher und leistet einen Beitrag zur
umweltschonenden Ressourcennutzung.
Büroumgebung. Auch in der Büroumgebung spielt das Thema Green IT eine
wichtige Rolle. Die durchschnittliche Laufzeit eines PCs im Industriegewerbe
beträgt 6 Jahre. Üstra nutzt jeden PC täglich ca. 8 Stunden an durchschnittlich
220 Tagen im Jahr. Dies entspricht einer Laufzeit von 1760 Stunden pro Jahr.
Hinzu kommen die Standby-Zeiten. Durch den Einsatz neuester PC-Hardware
werden Einsparungen von 165,00 € pro Jahr erzielt.
Von rund 800 PCs der Üstra wurden als erste Charge die 290 ältesten Geräte
und in einem weiteren Prozess 255 Geräte ausgetauscht.
Effekte durch PC Tausch bei der Üstra
PC Modelle
HP EVO DP
500
HP EVO DP
530
HP SLIM
Standby Verbrauch (Wh)
2,3
2,2
0,2
Aktiv-Verbrauch (Wh)
97
52
28
Annahmen:
Angenommene Laufzeit 6 Jahre, Stromkosten 11 Cent / kWh
Angenommene Aktivzeit 220 Tage x 8 Stunden = 1760 Stunden pro Jahr
Angenommene Standby 220 Tage x 16 Stunden + 145 Tage x 24 Stunden = 7000 Stunden pro Jahr
Standby Verbrauch pro Einheit über 6 Jahre (Wh)
96.600
92.400
8.400
Aktiv-Verbrauch pro Einheit über 6 Jahre (Wh)
1.024.320
549.120
295.680
Summe (Wh)
1.120.920
641.520
304.080
Einsparungen (Wh) im Vergleich zum Vorgänger Modell
-479.400
-816.840
Kosten Standby Verbrauch pro Einheit über 6 Jahre
10,63 €
10,16 €
0,92 €
Kosten Aktiv-Verbrauch pro Einheit über 6 Jahre
112,68 €
60,40 €
32,52 €
Summe
123,30 €
70,57 €
33,45 €
Einsparung gegenüber Modell HP EVO DP 500
-52,73 €
-89,85 €
Einsparung gegenüber Modell HP EVO DP 530
-37,12 €
Gesamteinsparung durch Austausch von 160 HP EVO DP 500 mit HP Slim
-14.376,38 €
Austausch von 130 (2008) und 255 (2009) HP EVO DP 530 mit HP Slim
-14.290,58 €
10
Eingesparte Energiekosten durch PC-Tausch in 2008 und 2009
-28.666,97 €
Jährliche Stromkostenersparnis über 6 Jahre
-4.777,83 €
Die Gesamtinvestitionen in 2008 und 2009 betrugen 354.000 Euro. Damit finanzieren die Einsparungen im
Stromverbrauch den PC-Tausch zu 8% selbst.
Tabelle 3: Einsparungen durch PC-Tausch in der Büroumgebung
Ein Vorgehen, das zur Nachhaltigkeit innerhalb der Büroumgebung beiträgt, ist
das Abschalten von ungenutzten Computern, wodurch die Leerlaufzeiten
minimiert werden. Diese Steuerung muss allerdings so definiert sein, dass
Rechner in Anwendung und einige Basisrechner zur Steuerung des Verkehrs
weiterlaufen.
Mittelfristig plant Üstra als weitere Maßnahme sogenannte Thin Clients
einführen und bis 2013 Desktopvirtualisierung einzusetzen.
Durch die Einführung von Thin Clients sollen die Gesamtbetriebskosten der IT
um 70% gesenkt werden. Bei dieser Art von Rechnern, die lediglich mit den
Funktionen Ein- und Ausgabe ausgestattet sind und keine eigene Festplatte
besitzen, ist die Lebenszeit tendenziell deutlich länger als bei gewöhnlichen
PCs. Auch die Desktop-Virtualisierung steht auf dem Handlungsplan der
nächsten Jahre. Durch den Einsatz virtueller Desktops fallen die typischen
Lebenszyklusphasen physischer Maschinen wie die Beschaffung, Backup und
Entsorgung von Desktops komplett weg.
Die Drucker der Üstra werden bereits seit 5 Jahren der Konsolidierung
unterzogen. Die Arbeitsplätze werden nicht mehr mit einzelnen Druckern
ausgestattet, sondern durch Multifunktionsgeräte ersetzt. Drucker, Kopierer,
Scanner und Fax als ein Gerät für viele Anwender, dadurch wurde schon vor 5
Jahren 40% des Maschinenparks reduziert.
Als weitere positive Entwicklung kann man die papierlose Kommunikation im
Unternehmen betrachten. Längst wird diese im Netzwerk integriert, d. h. die
Verteilung von Informationen intern sowie extern erfolgt fast ausschließlich auf
elek-tronischem Wege. Der Empfänger kann selber entscheiden, ob er das
Dokument ausdruckt oder am Bildschirm verarbeitet. Außerdem ist durch die
Zentralisierung der Multifunktionsgeräte ein Soforteffekt bei den Mitarbeitern
messbar, jeder überlegt doppelt, ob der Weg zum Drucker wirklich notwendig
ist.
11
3.4. Vertrieb und Kommunikation
Der Green IT-Gedanke wird bei der Üstra insbesondere nach innen an die
Mitarbeiter kommuniziert. Zum Beispiel wird durch die permanente,
kontinuierliche Schulung des Personals am neuen Betriebssystem
sichergestellt, dass das neue System auch effizient und effektiv genutzt wird.
So wird der grüne Gedanke auch im IT-Umfeld unter den Mitarbeitern
verbreitet. Dies trägt zur Motivation bei, besonders dann wenn sichtbar wird,
dass nachhaltiges, umweltbewusstes Handeln gleichzeitig Kosten spart sowie
die Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit im Unternehmen stärkt.
Um das ökologische Bewusstsein und Verhalten der Mitarbeiter zu stärken, hat
Üstra ein unter dem Namen „Ükologie“ laufendes Anreizsystem entwickelt, das
hohe Motivationswirkung zeigt. Spontane Ideen von Mitarbeitern bezüglich
Prozess-, Energie- und Ressourcenoptimierung werden gefördert. Jährlich
steht dem gesamten Unternehmen ein Budget von 130.000 € zur Verfügung,
um diese Ideen relativ kurzfristig umzusetzen. Die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter freuen sich vor allem über eine schnelle Umsetzung ihrer Ideen.
Monetäre Anreize im klassischen Sinne werden in diesem Projekt nicht
eingesetzt.
Auf diese Weise wird Ideenmanagement betrieben. Ideen werden gefördert,
gesichtet, gebündelt und ggf. im Unternehmen umgesetzt. Der grüne Gedanke
wird auf diese Weise vom Vorstand bis zu den Mitarbeitern unterstützt und
getragen.
4 Erkenntnisse
Die vorliegende Fallstudie beschreibt das Potential eines nachhaltigen
Informationsmanagement für ein Unternehmen der Verkehrsbranche. Der Fall
der Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe weist folgende Besonderheiten auf:
Green IT in der Verkehrsinfrastruktur. Der Einsatz von IT kann
massiv dazu beitragen die Emissionen der Verkehrsinfrastruktur zu
senken. Die bestehenden Ansätze sollten weiter ausgebaut werden.
Zertifizierung. Die Bestätigung des eigenen Engagements durch
externe Zertifizierungen stärkt die Glaubwürdigkeit. Die IT sollte hierbei
12
einerseits die notwendigen Informationen bereitstellen und andererseits
ebenfalls berücksichtigt werden.
Ausrichtung an der Umweltstrategie. Durch die Green IT
Maßnahmen leistet die IT-Organisation ihren Beitrag zur Umsetzung der
Umweltstrategie des Unternehmens.
Die IT kann einerseits Emissionen im Betrieb der Verkehrsinfrastruktur senken.
Beispielsweise können durch eine Vernetzung der Fahrzeuge die Informationen
über Position oder Verspätung ermittelt werden. Dadurch ist es möglich
Verspätungen zu kalkulieren und eine optimale Routendisposition abzuleiten,
um so Ressourcen einzusparen. Software wird dazu eingesetzt, Busfahrer im
energieeffizienten Fahren zu schulen. Unter Mithilfe der IT konnte der CO2-
Ausstoß der Stadtbahnen seit 1990 mehr als halbiert werden und dadurch ein
Beitrag zur CO2-Strategie des gesamten Unternehmens geleistet werden.
Auch das Grundkonzept des vorgestellten Projekts „Ükologie“ scheint
aufzugehen. Mitarbeiter sind motiviert Ideen einzubringen und aktiv zu
partizipieren. Hierdurch wird das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt. Durch die
Kommunikation des Themas wird bei den Mitarbeitern der Üstra ein
Verantwortungsbewusstsein für Umweltschutz gefördert. Trotz fehlender
monetärer Anreize engagieren sich die Mitarbeiter für dieses Thema und tragen
damit zur Weiterentwicklung des Unternehmens bei.
Ein weiterer Erfolgsfaktor der Üstra ist ihr zertifiziertes Managementsystem. Die
Norm EN ISO 9000 beschreibt Anforderungen an ein Management um einem
bestimmten Qualitätsstandard zu entsprechen. Die Umweltnorm EN ISO 14000
bezieht sich auf die Frage des Umweltmanagements in Produktionsprozessen
und Dienstleistungen. Es werden interne Audits durchgeführt die den
kontinuierlichen Verbesserungsprozess darstellen.
Die realisierten Einsparungen verdeutlichen, dass die vorgestellten Ansätze
bereits erheblich dazu beitrugen Effizienzsteigerungen auf operativer und
strategischer Unternehmensebene umzusetzen.
Andererseits wird im Rahmen von Green IT Umweltschutz in der IT umgesetzt.
Dies erfolgt durch die Beschaffungskriterien für IT-Geräte, die Virtualisierung
von Servern und die Einführung der Blade-Technologie im Rechenzentrum.
Gleichzeitig ist in der Büroumgebung eine Reduzierung von Rechnerlaufzeiten,
der Austausch von Desktop-Computern durch Thin Clients und die
13
Reduzierung des Maschinenparks mit Hilfe von Multifunktionsgeräten zu
beobachten.
Green IT im IT-Bereich ist aus Sicht des Umweltschutzes für ein Unternehmen
der Verkehrsbranche eher ein Nischenthema. Dennoch muss im Rahmen einer
konsistenten Umsetzung der Umweltstrategie der IT-Bereich mit berücksichtigt
werden. Die IT-Organisation der Üstra unterstützt die Umweltstrategie durch
eine konsequente und angemessene Durchführung von Green IT Maßnahmen.
Neben einem verbesserten Schutz der Umwelt, senkt die IT-Organisation dabei
gleichzeitig ihre Kosten und leistet dadurch auch einen ökonomischen Beitrag
zum wirtschaftlichen Erfolg der Üstra.
Als wesentlich bedeutsamer kann das Potential durch Green IT im Betrieb der
Verkehrsinfrastruktur eingeschätzt werden. Dort kann die IT durch intelligente
Steuerungs- und Informationssysteme dazu beitragen, Ressourcen noch
effizienter einzusetzen, Umweltemissionen zu reduzieren, Kosten zu senken
und Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Die IT-Organisation sollte sich zukünftig
in diesem Feld als Innovator in die Unternehmensstrategie mit einbringen.
14
Glossar:
EMAS Eco-Management and Audit Scheme
Wh Wattstunde
Quellen:
15
Formerly published
Research Papers in Information Systems Management
Number 1
Zarnekow, Rüdiger; Kolbe, Lutz M.; Erek, Koray; Schmidt, Nils-Holger
Studie: Nachhaltigkeit und Green IT in IT-Organisationen
ISBN (online) 978-3-7983-2263-9
ISSN 2191-639X
Published online 2010
Number 2
Repschläger, Jonas; Zarnekow, Rüdiger
Studie: Cloud Computing in der IKT-Branche
ISBN (online) 978-3-7983-2305-6
ISSN 2191-639X
Published online 2011
Number 3
Zarnekow, Rüdiger; Erek, Koray; Löser, Fabian; Wilkens, Marc
Referenzmodell für ein Nachhaltiges Informationsmanagement
ISBN (online) 978-3-7983-2378-0
ISBN (print) 978-3-7983-2385-8
ISSN 2191-639X
Published 2011
Number 4
Erek, Koray; Schmidt, Nils-Holger; Löser, Fabian; Samulat, Peter
Nachhaltigkeitsmanagement bei der Axel Springer AG
ISBN (online) 978-3-7983-2400-8
ISSN 2191-639X
Published online 2011
Number 5
Erek, Koray; Schmidt, Nils-Holger; Schilling, Thomas:
Green IT bei Bayer Business Services
ISBN (online): 978-3-7983-2401-5
ISSN 2191-639X
Published online 2012
16
Number 6
Erek, Koray; Schmidt, Nils-Holger; Glau, Thomas
Green IT im IT-Dienstleistungszentrum Berlin.
ISBN (online): 978-3-7983-2402-2
ISSN 2191-639X
Published online 2012
Number 7
Erek, Koray ; Schmidt, Nils-Holger ; Löser, Fabian
Nachhaltigkeitsorientiertes IT-Management bei einem internen IT-
Dienstleister
ISBN (online): 978-3-7983-2403-9
ISSN 2191-639X
Published online 2012