Radiometrische Messung thermodynamischer
Temperaturen und Vergleich mit der
Internationalen Temperaturskala (ITS-90) im
Bereich von 419 ◦C bis 660 ◦C
vorgelegt von
Diplom-Physiker
Dieter Richard Taubert
aus Temeschburg
Von der Fakult¨
at II - Mathematik- und Naturwissenschaften
der Technischen Universit¨
at Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
-Dr.-Ing.-
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. J. Sahm
Berichter/Gutachter: Prof. Dr.-Ing. H.-J. Eichler
Berichter/Gutachter: Prof. Dr.-Ing. B. Wende
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 19. August 2003
Berlin 2003
D 83
ii
Meinem Vater gewidmet.
iii
iv
Kurz-Zusammenfassung
Die zur Zeit g¨
ultige Internationale Temperaturskala von 1990 (ITS-90) als eine Approxi-
mation der thermodynamischen Temperaturskala st¨
utzt sich im Hochtemperaturbereich auf
einem Referenzwert bei 730 K. Die thermodynamische Temperatur dieses Referenzwertes wurde
am National Institute of Technology, USA (NIST) mit einem Gasthermometer konstanten
Volumens in zwei Experimenten 1976 und, mit einer geringf¨
ugig modifizierten Apparatur, 1989
bestimmt. Zwischen diesen beiden Messungen besteht ein großer signifikanter Unterschied von 30
mK, da als erweiterte Messunsicherheit (Erweiterungsfaktor k=3, der Wert der Messgr¨
oße liegt
mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % in diesem Intervall) f¨
ur die Messergebnisse jeweils 6 mK
(1976) und 9 mK (1989) angegeben wurde. Das NIST konnte das Problem dieser systematischen
Abweichung nicht l¨
osen. F¨
ur die Konstruktion der ITS-90 wurde, da keine andere unabh¨
angige
prim¨
arthermometrische Methode zur Verf¨
ugung stand, deshalb der Mittelwert der beiden
Messungen f¨
ur den Referenzwert gew¨
ahlt. Weil die Wahl des Mittelwerts als Referenzwert
ohne eine fundierte physikalische Begr¨
undung getroffen wurde, ergibt sich die Notwendigkeit,
die thermodynamische Temperatur des ITS-90-Referenzwertes bei 730 K unabh¨
angig von der
Gasthermometrie zu messen, um so eine Verbesserung der thermodynamischen Basis der ITS-90
und damit einer Verringerung der thermodynamischen Unsicherheit bei der Bestimmung von
Temperaturen im Hochtemperaturbereich zu erreichen.
Ziel der vorliegenden Arbeit war, mit einer von der Gasthermometrie unabh¨
angigen pri-
m¨
arthermometrischen Methode, der spektralradiometrischen Messung thermodynamischer
Temperaturen an einem Schwarzen Strahler, das Problem der großen systematischen Ab-
weichung zwischen den beiden gasthermometrisch am NIST bestimmten Werten f¨
ur die
thermodynamische Temperatur des ITS-90-Referenzwertes zu l¨
osen. Zur Beantwortung dieser
Fragestellung wurden in der vorliegenden Arbeit an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt
(PTB) thermodynamische Temperaturen durch Messung der spektralen Bestrahlungsst¨
arke an
einem Hohlraumstrahler mit absolut kalibrierten Filterradiometern als Detektoren im Bereich
zwischen dem Zink-Fixpunkt (692 K) und dem Aluminium-Fixpunkt (933 K) bestimmt und die
Abweichung zwischen der thermodynamischen und der simultan bestimmten ITS-90-Temperatur
des Hohlraumstrahlers gemessen.
Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit wurde durch eine konsequente Weiterentwicklung
der Pr¨
azisionsradiometrie an Schwarzen Strahlern erreicht. Es konnte mit einer relativen
Unsicherheit von 0,01 % gezeigt werden, dass der Hohlraumstrahler mit einem Emissionsgrad
von 0,9999 f¨
ur den untersuchten Temperaturbereich eine nahezu ideale Realisierung eines
Schwarzen Strahlers darstellt. Durch R¨
uckf¨
uhrung auf ein bei 5 K betriebenes elektrisches
Substitutionsradiometer (Kryoradiometer) als Detektor-Prim¨
arnormal wurden vier verschiedene
Filterradiometer im nahen Infrarot mit relativen Unsicherheiten bis hinab zu 0,03 % bez¨
uglich
der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit kalibriert. Unter diesen Voraussetzungen ist es
erstmals gelungen, absolutradiometrisch thermodynamische Temperaturen mit einer Unsicher-
heit von 15 mK am Referenzwert bei 730 K zu bestimmen. Innerhalb der Standardunsicherheit
(k=1) stimmen die Ergebnisse f¨
ur die thermodynamische Temperatur des Referenzwertes mit
dem durch Edsinger und Schooley am NIST 1989 erhaltenen Ergebnis sehr gut ¨
uberein, die
Resultate von Guildner und Edsinger (1976) weichen signifikant ab. Die vorliegende Arbeit stellt
dadurch, dass ein neuer, absolutradiometrisch gemessener Wert mit einer wohlbegr¨
undeten
Unsicherheit f¨
ur die thermodynamische Temperatur des Referenzwertes bestimmt wurde,
einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der thermodynamischen Basis der ITS-90 im
Hochtemperaturbereich dar.
v
Teile der Dissertation sind ver¨
offentlicht in:
•J. Hartmann, D. Taubert, J. Fischer, Characterization of the Double-
Heatpipe Blackbody LABB for use at Temperatures below 500 ◦C in
Proceedings of TEMPMEKO ’99, The 7th International Symposium on
Temperature and Thermal Measurements in Industry and Science, Ed.
by J.F. Dubbeldam and M. J. de Groot, IMEKO/NMi van Swinden
Laboratorium, Delft, The Netherlands (1999)
•J. Hartmann, D. R. Taubert, J. Fischer, Measurement of T−T90 down
to Zinc Point Temperatures with Absolute Filter Radiometry, in Pro-
ceedings of TEMPMEKO 2001, The 8th International Symposium on
Temperature and Thermal Measurements in Industry and Science, Ed.
by B. Fellmuth, J. Seidel, G. Scholz, VDE VERLAG, Berlin (2002)
•D. R. Taubert, R. Friedrich, J. Hartmann, J. Hollandt, Improved ca-
libration of the spectral responsivity of interference filter radiometers
in the visible and near infrared spectral range at PTB, Metrologia,40,
35-38, (2003)
•D. R. Taubert, J. Hartmann, J. Hollandt, J. Fischer, Investigation of
the Accuracy of the ITS-90 with Reference to Thermodynamic Tem-
perature in the Range from 400 ◦C up to 600 ◦C, in Proccedings of 8th
Symposium on Temperature : Its Measurement and Control in Science
and Industry, American Institute of Physics, im erscheinen
vi
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Konzeption und Grundlagen 5
2.1 Die thermodynamische Temperaturskala . . . . . . . . . . . . 5
2.2 Messung thermodynamischer Temperaturen . . . . . . . . . . 5
2.3 Praktische Temperaturskalen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.4 Strahlungsthermometrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.4.1 Schwarzer Strahler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.5 Radiometrische Basis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.5.1 Anforderungen an die Strahlungsquelle . . . . . . . . . 8
2.5.2 Konzept f¨
ur die spektralradiometrische Temperatur-
messung ......................... 9
2.5.3 Anforderungen an die Detektoren . . . . . . . . . . . . 11
3 Hohlraumstrahler 15
3.1 Die Quelle der spektralen Bestrahlungsst¨
arke ......... 15
3.2 Charakterisierung des Hohlraumstrahlers LABB f¨
ur Tempe-
raturen kleiner als 500 ◦C .................... 18
3.2.1 Bestimmung der Temperaturverteilung . . . . . . . . . 18
3.2.2 Monte-Carlo Methode zur Bestimmung des Emissions-
gradesdesLABB..................... 22
3.2.2.1 Isothermer Hohlraum . . . . . . . . . . . . . 22
3.2.2.2 Nicht-isothermer Hohlraum . . . . . . . . . . 23
3.2.3 Voruntersuchungen mit der Monte-Carlo Simulation . 25
3.2.3.1 Anzahl der Photonen in der Simulation . . . 25
3.2.3.2 Einfluss der k¨
alteren Vorderseite . . . . . . . 26
3.2.3.3 Diffuse und spekulare Reflexion . . . . . . . 26
3.2.4 Emissionsgrad des nichtisothermen LABB . . . . . . 27
3.2.5 Zeitliche Stabilit¨
at des LABB . . . . . . . . . . . . . . 29
4 Detektoren 31
4.1 Prinzip der Absolutkalibrierung von Filterradiometern . . . . 32
4.2 Silizium-Transfernormale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
vii
4.2.1 Interpolation der spektralen Empfindlichkeit . . . . . 34
4.2.2 Nichtlinearit¨
at der Silizium-Trap-Detektoren . . . . . 36
4.3 InGaAs-Transfernormale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
4.3.1 Kalibrierung des InGaAs-Transfernormals am RTCR . 38
4.3.2 Interpolation der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur
InGaAs-Transfernormale . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.3.3 Anpassung der Interpolation an die RTCR-
Absolutmessungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
4.4 Das InGaAs Filterradiometer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
5 Der Spektralkomparator 45
5.1 Experimenteller Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
5.2 Kalibrierung der Filterradiometer . . . . . . . . . . . . . . . . 47
5.2.1 Prinzip und Begriffsbestimmung . . . . . . . . . . . . 47
5.2.2 Durchf¨
uhrung der Messungen . . . . . . . . . . . . . . 48
5.2.3 Auswertung der Messungen . . . . . . . . . . . . . . . 50
5.3 Polarisationseffekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.3.1 Beschreibung der Quelle . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
5.3.2 Polarisation am Monochromatorsystem . . . . . . . . 56
5.3.3 Kalibrierung der Filterradiometer . . . . . . . . . . . . 56
5.4 Streulichteffekte.......................... 58
5.4.1 Voruntersuchungen am Monochromator ZEISS SPM2 58
5.4.2 Theoretisches Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
5.4.3 Der Einfluss des Streulichts bei der Filterradiometer-
kalibrierung........................ 61
5.5 Temperaturkoeffizient . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
5.6 Unsicherheiten der Filterradiometerkalibrierung . . . . . . . . 66
6 Bestrahlungsst¨
arkemessung 71
6.1 Prinzip............................... 71
6.2 Experimenteller Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
6.2.1 Die Pr¨
azisionsblenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
6.3 Bestrahlungsst¨
arkemessungen am LABB . . . . . . . . . . . . 75
6.3.1 Justierung......................... 75
6.3.2 Der Blendenabstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
6.3.3 Durchf¨
uhrung der Messungen . . . . . . . . . . . . . . 78
6.3.3.1 Die Temperatur T90 des LABB . . . . . . . . 78
6.3.3.2 Die Messung des Photostroms . . . . . . . . 79
7 Auswertung der Bestrahlungsst¨
arkemessungen 81
7.1 Die thermodynamische Temperatur Tdes LABB . . . . . . . 81
7.1.1 Korrekturen........................ 81
7.1.1.1 Absorption . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
7.1.1.2 Beugung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
viii
7.1.2 Messergebnisse der einzelnen Filterradiometer . . . . . 87
7.1.2.1 802-nm-Filterradiometer . . . . . . . . . . . 87
7.1.2.2 903-nm-Filterradiometer . . . . . . . . . . . 92
7.1.2.3 1003-nm-Filterradiometer . . . . . . . . . . . 99
7.1.2.4 1595-nm-Filterradiometer . . . . . . . . . . . 103
7.2 Die Temperatur T90 desLABB .................106
7.2.1 Stabilit¨
at der Standard-Platinwiderstandsthermometer 106
7.2.2 Korrekturen und Unsicherheiten der T90-Temperatur . 109
7.3 Die Unsicherheiten der T-T90-Bestimmung . . . . . . . . . . 111
7.4 Abweichung zwischen thermodynamischer und Internationa-
ler Temperaturskala (T−T90)..................117
7.4.1 Die thermodynamische Unsicherheit der ITS-90 . . . . 117
7.4.2 Diskussion der experimentellen Ergebnisse f¨
ur T−T90 118
8 Zusammenfassung 127
ix
x
Kapitel 1
Einleitung
Infolge der wirtschaftlichen Globalisierung und den damit gestiegenen
Anforderungen an die Wettbewerbsf¨
ahigkeit spielt die Optimierung von
technologischen Prozessen in der Produktion eine bedeutende Rolle. Um
einen Produktionsprozess optimal zu steuern, bedarf es der Kenntnis
und Regelung der ihn beeinflussenden Parameter. Einen der h¨
aufigsten
Mess- und Regelparameter stellt die Temperatur dar [68]. Hochgenaue,
reproduzierbare und auf eine weltweit g¨
ultige Temperaturskala r¨
uck-
f¨
uhrbare Temperaturmessungen sind daher eine der Voraussetzungen
f¨
ur eine optimierte Produktivit¨
at und langanhaltende Qualit¨
atssiche-
rung. Von zentraler Bedeutung ist dar¨
uber hinaus die genaue Messung
der Temperatur in der Meteorologie, der Klimaforschung und im Um-
weltschutz [40]. Im Rahmen des Klimaschutzes tragen langfristige
Temperaturmessungen in Verbindung mit anderen Messgr¨
oßen und die
daraus resultierenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu weitreichen-
den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen bei [52]. Um eine
dauerhafte weltweite Vergleichbarkeit der Messergebnisse sicherzustellen,
wurde von der 21. Conference Generale des Poids et Mesures (CGPM)
(Resolution 4, 1999) empfohlen, f¨
ur Temperaturmessungen die thermody-
namische Temperatur zu ermitteln und weiterzugeben.
Die thermodynamische Temperatur l¨
asst sich mit Hilfe von sogenann-
ten Prim¨
arthermometern bestimmen [15, 54, 59, 70, 82, 90]. Der daf¨
ur
notwendige experimentelle und zeitliche Aufwand ist jedoch so hoch, dass
f¨
ur die angewandte Temperaturmessung bereits 1927 eine international
g¨
ultige, praktische Temperaturskala eingef¨
uhrt wurde [4, 5, 66]. Diese kon-
tinuierlich weiterentwickelte Skala besteht aus einem Satz von Fixpunkten
und interpolierenden Messinstrumenten, den Sekund¨
arthermometern. F¨
ur
eine hochgenaue Temperaturmessung ist es wesentlich, dass sowohl die den
Fixpunkten zugeordneten Temperaturwerte als auch die Interpolation die
thermodynamische Temperatur m¨
oglichst gut approximieren.
1
Im Zuge einer kontinuierlichen Verbesserung der praktischen Tempe-
raturskala wurde als Vorbereitung f¨
ur die zur Zeit g¨
ultige Internationale
Temperaturskala von 1990, ITS-90 [66], die Abweichung der thermodyna-
mischen Temperatur Tvon der praktischen Temperatur T68 der damals
g¨
ultigen Temperaturskala IPTS-68 [4] mit Hilfe eines Gasthermometers
konstanten Volumens in zwei getrennten Experimenten 1976 [39] und,
mit einer nur geringf¨
ugig modifizierten Apparatur, 1989 [15] am National
Institute of Standards and Technology (NIST) bestimmt. Am h¨
ochsten
gemeinsamen Wert von 730 K ergab sich ein signifikanter systematischer
Unterschied von 30 mK zwischen den beiden Messungen, dessen Ursache
das NIST nicht ermitteln konnte [15]. Da zum damaligen Zeitpunkt in
diesem Temperaturbereich keine andere, von der Gasthermometrie un-
abh¨
angige, prim¨
arthermometrische Methode zur Verf¨
ugung stand, wurde
vom Consultative Committee for Thermometry (CCT) f¨
ur die ITS-90 als
prim¨
arthermometrischer Referenzwert bei 730 K der Mittelwert der beiden
Messungen, mit einer Unsicherheit der thermodynamischen Temperatur von
15 mK festgelegt [76]. Da im weiteren die thermodynamische Temperatur
aller ITS-90 Hochtemperaturfixpunkte durch Strahlungsthermometrie
relativ zu diesem Referenzwert bei 730 K bestimmt wurden [10, 20, 48, 73],
st¨
utzt sich die gesamte Hochtemperaturskala oberhalb des Zink-Fixpunktes
auf diesen Referenzwert. Durch die quadratische Fehlerfortpflanzung wirkt
sich die Unsicherheit des Referenzwertes bez¨
uglich der thermodynamischen
Temperatur im Hochtemperaturbereich besonders schwerwiegend aus.
Durch die Entwicklung von Hochtemperaturhohlraumstrahlern stehen,
neben den Elektronen-Speicherringen [87], neuartige Prim¨
arnormale f¨
ur
eine quellengest¨
utzte Pr¨
azisionsradiometrie im ultravioletten und im
sichtbaren Spektralbereich zur Verf¨
ugung [77]. Radiometrische Basisgr¨
oßen,
wie die spektrale Strahldichte, lassen sich, wenn die Temperatur und der
Emissionsgrad des Hohlraumstrahlers bekannt sind, mit dem Planckschen
Strahlungsgesetz berechnen. Wird die Temperatur dieser Hohlraumstrahler,
z. B. bei 3200 K, strahlungsthermometrisch gem¨
aß der ITS-90 relativ zu
einem der Hochtemperaturfixpunkte Ag, Au oder Cu bestimmt, betr¨
agt
die Unsicherheit der thermodynamischen Temperatur bereits ca. 300 mK.
Damit ergibt sich am Anfang der Kalibrierkette allein durch die Unsicher-
heit der Temperaturbestimmung eine relative Unsicherheit von 0.2 % bei
200 nm in der Realisierung der spektralen Strahldichte. In der Anwendung
werden jedoch relative Unsicherheiten von 0.1 % gefordert [71]. Es ist davon
auszugehen, dass in Zukunft die Anforderungen bez¨
uglich der Unsicherheit
noch weiter steigen werden und damit das grunds¨
atzliche Problem der
Unsicherheit der thermodynamischen Temperatur des Referenzwertes
immer gravierender wird.
2
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Problem der großen sy-
stematischen Abweichung von 30 mK zwischen den beiden am NIST
gasthermometrisch bestimmten Werten f¨
ur die thermodynamische Tem-
peratur des ITS-90-Referenzwertes bei 730 K zu l¨
osen. Dieses Ziel soll
mit einer von der Gasthermometrie unabh¨
angigen prim¨
arthermometri-
schen Methode erreicht werden, der spektralradiometrischen Messung
thermodynamischer Temperaturen an einem Hohlraumstrahler mit absolut
kalibrierten Detektoren. Die L¨
osung dieses Problems im Rahmen dieser
Arbeit wird ein notwendiger und wichtiger Beitrag zur Verbesserung der
thermodynamischen Basis der ITS-90 oberhalb von 730 K sein und tr¨
agt
damit zu einer Verringerung der Unsicherheit bei der Temperaturbestim-
mung im Hochtemperaturbereich bei.
Die spektralradiometrische Bestimmung von thermodynamischen Tem-
peraturen mit Unsicherheiten kleiner als 30 mK l¨
asst sich nur erreichen
wenn sowohl der Hohlraumstrahler, wie auch die verwendeten Detektoren,
sogenannte Filterradiometer, mit relativen Unsicherheiten von wenigen
10−4charakterisiert bzw. absolut kalibriert werden. Das hohe Niveau der
detektorgest¨
utzten Pr¨
azisionsradiometrie an der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (PTB) er¨
offnete erstmalig, durch R¨
uckf¨
uhrung der Ka-
librierung der Filterradiometer auf ein, bei Temperaturen des fl¨
ussigen
Heliums betriebenen, elektrisches Substitutionsradiometer als Detektor-
Prim¨
arnormal (Kryoradiometer) [69], die M¨
oglichkeit Filterradiometer
bez¨
uglich ihrer Empfindlichkeit so genau zu kalibrieren.
Zus¨
atzlich zu einer hochgenauen Kalibrierung ist es f¨
ur den zu untersu-
chenden Temperaturbereich erforderlich, dass die Schwerpunktwellenl¨
angen
der verwendeten Filterradiometer f¨
ur ein ausreichend gutes Signal-Rausch-
Verh¨
altnis im Spektralbereich des nahen Infrarot liegen m¨
ussen. Es werden
deshalb Filterradiometer mit Silizium-Photodioden und Schwerpunktwellen-
l¨
angen bei 802 nm, 903 nm und 1003 nm verwendet. Diese werden erstmals
absolut bez¨
uglich ihrer spektralen Empfindlichkeit unter Einbeziehung
der k¨
urzlich an der PTB von bisher 799 nm auf 1015 nm erweiterten und
sich auf das Detektor-Prim¨
arnormal Kryoradiometer st¨
utzenden Skala der
spektralen Empfindlichkeit [88] kalibriert.
F¨
ur die Pr¨
azisionsradiometrie oberhalb von 1000 nm haben sich, da
hier die spektrale Empfindlichkeit der Silizium-Photodioden stark abnimmt,
Indium-Gallium-Arsenid(InGaAs)-Photodioden als vielversprechende De-
tektoren herausgestellt [24]. Daher wird in der vorliegenden Arbeit erstmals
auch ein Filterradiometer auf Basis einer InGaAs-Photodiode f¨
ur spektral-
radiometrische Messungen thermodynamischer Temperaturen eingesetzt.
Zugleich wird eine vollst¨
andig neue Skala der spektralen Empfindlichkeit
f¨
ur Transfernormale im InGaAs-Wellenl¨
angenbereich aufgebaut, die den
3
Anforderungen der Pr¨
azisionsradiometrie gen¨
ugt. F¨
ur die Kalibrierung aller
Filterradiometer gegen die Transfernormale mit h¨
ochster Genauigkeit wird
ein Vergleichsmessplatz konzipiert und aufgebaut.
Als Hohlraumstrahler f¨
ur die thermodynamischen Temperaturmessun-
gen wird in dieser Arbeit ein Doppelw¨
armerohrstrahler [83] verwendet.
Dieser wird bis hinab zu Temperaturen von 415 ◦C bez¨
uglich seiner
Isothermie und seiner zeitlichen Stabilit¨
at untersucht. Die erhaltenen expe-
rimentellen Ergebnisse f¨
ur die Temperaturverteilung dienen als Grundlage
f¨
ur die Berechnung des Emissionsgrades. Daf¨
ur wird ein auf Monte-Carlo-
Methoden basierendes Programm zur Berechnung des Emissionsgrades,
sowohl von isothermen wie auch von nichtisothermen Hohlraumstrahlern,
entwickelt.
Die kalibrierten Filterradiometer werden vor dem Hohlraumstrahler
zur Messung der Abweichung zwischen der thermodynamischen Temperatur
Tund der praktischen Temperatur T90 gem¨
aß der ITS-90 verwendet.
Sowohl die Abweichung T−T90 im Temperaturintervall 692 K bis 933 K,
welche als eine Fehlerfortpflanzung eines bei der Konstruktion der ITS-90
zu hoch oder zu niedrig gew¨
ahlten gasthermometrischen Referenzwertes
interpretiert werden kann, wie auch die direkte Messung von T−T90 am
Referenzwert von 730 K werden dann zur Entscheidung f¨
uhren, welcher
der beiden am NIST bestimmten gasthermometrischen Referenzwerte am
besten der thermodynamischen Temperatur entspricht.
4
Kapitel 2
Konzeption und Grundlagen
2.1 Die thermodynamische Temperaturskala
Zur Festlegung einer thermodynamischen Temperaturskala wird neben dem
absoluten Nullpunkt, der durch den II. Hauptsatz der Thermodynamik de-
finiert wird, ein zweiter Fixpunkt ben¨
otigt. Als Fixpunkt wurde auf der
10. Conference Generale des Poids et Mesures (CGPM) (Resolution 3, 1954)
[3] der Tripelpunkt des Wassers gew¨
ahlt, der thermodynamische Zustand
bei dem gasf¨
ormiger, fl¨
ussiger und fester Zustand des Wassers im Gleichge-
wicht sind. Der thermodynamischen Temperatur dieses Fixpunktes wurde
der exakte Zahlenwert von 273,16 K zugeordnet. Die SI-Einheit der thermo-
dynamischen Temperatur, das Kelvin, ist definiert als der 273,16te Teil der
thermodynamischen Temperatur des Tripelpunkts des Wassers (13. CGPM,
Resolution 4, 1967-1968) [3].
2.2 Messung thermodynamischer Temperaturen
Thermodynamische Temperaturen lassen sich absolut durch Methoden
messen, die durch physikalische Gleichungen vom Typ f(T, Ai, αk) = 0
beschrieben werden, wobei Aidie von der Temperatur Tunabh¨
angingen
Meßgr¨
oßen der Methode und αkNaturkonstanten sind [35].
Eine Gruppe von Methoden zur Bestimmung thermodynamischer Tem-
peraturen nutzt die Abh¨
angigkeit der physikalischen Eigenschaften eines
(idealen) Gases von der Temperatur. Zu den wichtigsten Methoden geh¨
oren:
•Das Gasthermometer nach der Methode des konstanten Volumens.
Messungen mit dieser klassischen, durch die ideale Gasgleichung be-
schriebenen, Methode zur Bestimmung thermodynamischer Tempera-
turen, bilden auch die thermodynamische Basis der Internationalen
Temperaturskala von 1990 (ITS-90) im Temperaturbereich bis 730 K
[15, 39].
5
•Das akustische Gasthermometer. Bei dieser Methode wird die Abh¨
an-
gigkeit der Schallgeschwindigkeit in einem Gas von der thermodyna-
mischen Temperatur dieses Gases als prim¨
arthermometrische Methode
genutzt [59, 74].
•Das Dielektrizit¨
atskonstanten-Gasthermometer. Diese bisher nur bei
tiefen Temperaturen (∼4 K - 27 K) angewandte Methode [54], ver-
wendet die Virialentwicklungen der Zustandsgleichung und der Dielek-
trizit¨
atskonstanten eines Gases zur Messung von thermodynamischen
Temperaturen.
Eine zweite, von der idealen Gasgleichung und den physikalischen Eigen-
schaften von Gasen unabh¨
angige Gruppe von Methoden zur Messung ther-
modynamischer Temperaturen sind:
•Das Rauschthermometer. Bei dieser, als ”Johnson-
Rauschthermometrie” bekannten Methode, wird das elektrische
Rauschen eines Widerstands, beschrieben durch die Nyquist-
Gleichung, zur Messung der Temperatur benutzt. Mit dieser Methode
lassen sich Temperaturen von wenigen mK bis ¨
uber 1700 K messen
[90].
•Die Strahlungsgesetze eines Schwarzen Strahlers. Durch Messung
der Gesamtstrahlung eines Schwarzen Strahlers [69, 70], beschrieben
durch das Stefan-Boltzmann Gesetz, oder der spektralen Strahldichte
(bzw. einer daraus abgeleiteten Strahlungsgr¨
oße) [25, 82], beschrieben
durch das Plancksche Strahlungsgesetz, kann dessen thermodynami-
sche Temperatur bestimmt werden.
Die dieser zuletzt genannten strahlungsthermometrischen Methode zugrun-
deliegenden Fundamentalgleichungen und Grundbegriffe, sowie das Konzept
f¨
ur die experimentelle Realisierung dieser Methode in der vorliegenden Ar-
beit soll in den Abschnitten 2.4 und 2.5 n¨
aher erl¨
autert werden.
2.3 Praktische Temperaturskalen
Die Messung der thermodynamischen Temperatur eines Systems kann durch
die im vorangegangen Abschnitt dargestellten prim¨
arthermometrischen Me-
thoden erfolgen. Diese Methoden sind jedoch experimentell sehr aufwendig,
und deshalb f¨
ur den t¨
aglichen Gebrauch weniger geeignet. Daher wurden,
beginnend mit 1927 (ITS-27) [5], sogenannte praktische Temperaturskalen
eingef¨
uhrt, zuletzt durch die Internationale Temperaturskala von 1990
(ITS-90) [66]. Darin werden Verfahren festgelegt, die es erlauben bestimmte
Thermometer an festgelegten Fixpunkten zu kalibrieren, so dass die damit
durchgef¨
uhrten Temperaturmessungen langfristig reproduzierbar sind und
6
gleichzeitig der thermodynamischen Temperatur m¨
oglichst nahekommen.
Die ITS-90 umfasst den Temperaturbereich von 0,65 K bis zu den
h¨
ochsten, mit optischen Pyrometern messbaren Temperaturen. Neben
dem Tripelpunkt des Wassers, sind sechzehn weitere Fixpunkte, darunter
die Erstarrungspunkte von Zink (692,677 K), Aluminium (933,473 K),
Silber (1234,93 K), Gold (1337,33 K) und Kupfer (1357,77 K) definiert.
Beginnend mit der Temperatur von 13,8033 K, dem Tripelpunkt des Was-
serstoffs, bis zum Erstarrungspunkt des Silbers werden als interpolierende
Instrumente sogenannte Platinwiderstandsthermometer (PRT) verwendet.
Dar¨
uber hinausgehende Temperaturen werden unter Verwendung des
Planckschen Strahlungsgesetzes bestimmt. Dazu wird die spektrale Strahl-
dichte des Objekts gemessen, dessen Temperatur bestimmt werden soll.
Unter der Voraussetzung eines bekannten Emissionsgrades des Objekts,
wird dessen Temperatur durch Verh¨
altnisbildung zwischen der gemesse-
nen spektralen Strahldichte des Objekts und der gemessenen spektralen
Strahldichte eines Schwarzen Strahlers bei der Temperatur von einem der
drei Fixpunkte Silber, Gold oder Kupfer (sogenannte ”Fixpunktstrahler”)
berechnet.
2.4 Strahlungsthermometrie
2.4.1 Schwarzer Strahler
Der Begriff Schwarzer Strahler mit seiner fundamentalen Bedeutung f¨
ur die
Physik wurde erstmalig durch Gustav Kirchhoff 1860 eingef¨
uhrt [50]. Danach
gilt f¨
ur einen isothermen, geschlossenen und optisch dichten Hohlraum bei ei-
ner Temperatur T, dass die spektrale Strahldichte der Oberfl¨
ache im inneren
dieses Hohlraums nur von dessen Temperatur bestimmt wird und nicht von
der Form des Hohlraums oder seinen Materialeigenschaften abh¨
angt. Ver-
glichen mit anderen Temperaturstrahlern bei gleicher Temperatur emittiert
ein Schwarzer Strahler die h¨
ochste Strahldichte. Das Verh¨
altnis zwischen der
spektralen Strahldichte eines beliebigen Temperaturstrahlers Lλ(λ, T) und
und der spektralen Strahldichte Lλ,BB(λ, T) eines Schwarzen Strahlers wird
durch den Emissionsgrad ε(λ, T) beschrieben:
ε(λ, T) = Lλ(λ, T)
Lλ,BB(λ, T), ε(λ, T)≤1 (2.1)
Die spektrale Strahldichte Lλ,BB(λ, T) eines Schwarzen Strahlers ist gem¨
aß
dem Planckschen Strahlungsgesetz gleich mit
Lλ,BB(λ, T) = 2πhc2
n2λ5·1
ehc
nλkT −1·1
πΩ0
,Ω0= 1 sr (2.2)
7
wobei hdie Plancksche Konstante, cdie Vakuumlichtgeschwindigkeit, nder
Brechungsindex der Luft, λdie Wellenl¨
ange in Luft und kdie Boltzmannkon-
stante sind. Integriert man das Plancksche Strahlungsgesetz ¨
uber alle Wel-
lenl¨
angen und ¨
uber den Raumwinkel 2πso erh¨
alt man das Stefan-Boltzmann
Gesetz f¨
ur die spezifische Ausstrahlung eines schwarzen K¨
orpers:
M(T) = 2π5k4n2
15h3c2·T4(2.3)
Sowohl das Plancksche Strahlungsgesetz wie auch das Stefan-Boltzmann
Gesetz f¨
ur Gesamtstrahlung enthalten, außer der Temperatur selbst, keine
weiteren temperaturabh¨
angigen Gr¨
oßen.1Daher kann durch Messung der
spektralen Strahldichte oder der Gesamtstrahlung die thermodynamische
Temperatur des Schwarzen Strahlers bestimmt werden. Die Messung von
strahlungsphysikalischen Gr¨
oßen, wie z. B. der spektralen Strahldichte oder
der Gesamtstrahlung eines Schwarzen Strahlers, stellt eine radiometrische
Messaufgabe dar, die sich mit Hilfe eines geeigneten Detektors bekannter
spektraler Empfindlichkeit l¨
osen l¨
asst.
2.5 Radiometrische Basis
2.5.1 Anforderungen an die Strahlungsquelle
Die Messung der spektralen Strahldichte bzw. der Gesamtstrahlung eines
Schwarzen Strahlers mit einem Detektor bekannter Empfindlichkeit erlaubt
es, wenn gleichzeitig dessen Temperatur nach der Internationalen Tempe-
raturskala von 1990 (ITS-90) bestimmt wird, die Abweichung zwischen der
thermodynamischen Temperatur Tund T90 zu messen. In der radiometri-
schen Terminologie stellt der Schwarze Strahler die Quelle des Experiments
dar.
Ein idealer Schwarzer Strahler l¨
asst sich, wie bereits in 2.4.1 beschrieben,
durch einen isothermen geschlossenen Hohlraum darstellen. Da jedoch in
dieser Form die Strahlung des Hohlraums experimentell nicht zug¨
anglich
ist, behilft man sich dadurch, dass man diesen idealen Hohlraum mit einer
im Verh¨
altniss zu dessen inneren Oberfl¨
ache kleinen ¨
Offnung versieht, die
dann als Quelle Schwarzer Strahlung verwendet werden kann. Ein derartiger
Strahler wird als Hohlraumstrahler bezeichnet. Durch das Vorhandensein
dieser ¨
Offnung wird das thermodynamische Gleichgewicht im Hohlraum
1Dies gilt streng betrachtet nur im Vakuum, da der Brechungsindex der Luft, neben Pa-
rametern wie Luftfeuchte und Luftdruck auch von der Temperatur abh¨
angt. (Das Planck-
sche Strahlungsgesetz in der Schreibweise wie in Gl. 2.2 beinhaltet bereits die Annahme,
dass der Brechungsindex nnicht von der Wellenl¨
ange λabh¨
angt.) Die Abh¨
angigkeit des
Brechungsindexes von der Temperatur wird ¨
uber einen Beitrag zur Unsicherheit in der
Bestimmung der thermodynamischen Temperatur (Abschnitt 7.3) ber¨
ucksichtigt.
8
gest¨
ort und der Emissionsgrad wird dadurch geringer. Zus¨
atzlich kommt
es aufgrund von Strahlungsk¨
uhlung durch die strahlende ¨
Offnung zur
Ausbildung einer Nichtisothermie in den Hohlraumw¨
anden.
F¨
ur pr¨
azisionsradiometrische Messungen zur Bestimmung der thermo-
dynamischen Temperatur des Hohlraumstrahlers ist die genaue Kenntnis
seines Emissionsgrades daher zwingend erforderlich. Wesentlicher Bestand-
teil dieser Arbeit ist daher die Charakterisierung des hier verwendeten
Doppelw¨
armerohr-Hohlraumstrahlers LABB2f¨
ur den Temperaturbereich
von 419 ◦C bis 660 ◦C. Das Funktionsprinzip des LABB, die Messung der
Nichtisothermie und die Berechnung des Emissionsgrades mit einer neu
entwickelten Monte-Carlo Methode f¨
ur nichtisotherme Hohlraumstrahler ist
in Kapitel 3 dargestellt.
2.5.2 Konzept f¨
ur die spektralradiometrische Temperatur-
messung
Die spektralradiometrische Messung thermodynamischer Temperaturen
erfordert eine pr¨
azise Charakterisierung des experimentellen Aufbaus, um
alle systematischen Einfl¨
usse auf das Experiment erfassen zu k¨
onnen.
Dies l¨
asst sich am besten erreichen, indem man den experimentellen
Aufbau m¨
oglichst einfach gestaltet. Eine Prinzipdarstellung des gew¨
ahlten
Messaufbaus f¨
ur diese Arbeit zur Bestimmung der Abweichung zwischen
thermodynamischer Temperatur und ITS-90-Temperatur ist in Abb.
2.1 dargestellt. Die detaillierte Beschreibung findet sich in Kap. 6. Die
wesentlichen Elemente dieses Aufbaus sind der Hohlraumstrahler LABB
als Quelle, zwei Pr¨
azisionsblenden mit den Radien r1bzw. r2in einem
genau bekannten Abstand dzur Festlegung des Raumwinkels der erfassten
Strahlung und ein Detektor bekannter Empfindlichkeit (Filterradiometer).
Aufgrund des Strahlungstransports zwischen Quelle und Detektor kann
man zeigen (Kap. 6), dass die spektrale Bestrahlungsst¨
arke Eλ(λ, T ) am
Ort der Blende des Detektors gleich ist mit:
Eλ(λ, T) = G(r1, r2, d)·ε(λ, T)·Lλ,BB(λ, T) (2.4)
wobei G(r1, r2, d) ein von den jeweiligen Blendenradien und dem Blenden-
abstand abh¨
angiger Geometriefaktor ist. Die experimentelle Bestimmung
der in der Berechnung des Geometriefaktors eingehenden geometrischen
Gr¨
oßen r1,r2und dist in den Abschnitten 6.2.1 und 6.3.2 gezeigt.
Detektoren lassen sich im allgemeinen durch zwei Parameter beschrei-
ben: die Detektoreingangsgr¨
oße und die Detektorausgangsgr¨
oße. Das
2Large Area Black Body
9
Platinwiderstands-
thermometer
Quelle: Hohlraumstrahler LABB,
Emissionsgrad
εε((λλ,,
T
))
d
Detektor: Filterradiometer,
spektrale Bestrahlungs-
stärkeempfindlichkeit sE(
λλ
)
r1
r2
T90
spektrale Strahldichte
(
)
(
)
(
)
T
L
d
r
r
G
T
E
,
,
,
,
2
1
λ
λ
λ
λ
⋅
=
Detektoreingangsgröße:
spektrale Bestrahlungsstärke
(
)
(
)
(
)
(
)
(
)
(
)
(
)
λ
λ
λ
λ
ε
λ
λ
λ
λ
λ
d
s
T
L
T
d
r
r
G
d
s
T
E
T
G
I
E
BB
E
photo
∫
∫
⋅
⋅
⋅
=
⋅
=
,
,
,
,
,
,
,
2
1
Detektorausgangsgröße:
Photostrom
(
)
(
)
(
)
T
L
T
T
L
BB
,
,
,
,
λ
λ
ε
λ
λ
λ
⋅
=
Abbildung 2.1: Schematische Darstellung des Messprinzips zur Messung ther-
modynamischer Temperaturen an einem Hohlraumstrahler. Durch die gleichzeitige
R¨
uckf¨
uhrung der Hohlraumstrahlertemperatur auf die Internationale Temperaturs-
kala von 1990 (ITS-90) kann die Abweichung zwischen der thermodynamischen
Temperatur Tund der ITS-90 Temperatur T90 bestimmt werden.
Verh¨
altnis dieser beiden Gr¨
oßen ist die spektrale Empfindlichkeit des
Detektors [17]. Wie man aus Abb. 2.1 und Gl. 2.4 erkennen kann, ist die zu
messende radiometrische Eingangsgr¨
oße des Detektors in der vorliegenden
Arbeit die spektrale Bestrahlungst¨
arke. Durch die Verwendung von Photo-
dioden als Empf¨
anger ist die Ausgangsgr¨
oße des Detektors ein Photostrom.
Der Zusammenhang zwischen dem Photostrom Iphoto,λ(λ, T) und der
spektralen Bestrahlungst¨
arke des Hohlraumstrahlers LABB Eλ(λ, T) ist die
spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit sE(λ):
sE(λ) = Iphoto,λ(λ, T)
Eλ(λ, T)(2.5)
Wie im folgenden Abschnitt noch gezeigt wird, werden als Detektoren Fil-
terradiometer verwendet. Diese Detektoren sind so konzipiert, dass sie nur
in einem eingeschr¨
ankten Wellenl¨
angenbereich, dem sogenannten Bandpass,
empfindlich sind. Unter Verwendung von Gl. 2.4 und Gl. 2.5 erh¨
alt man
durch Integration den vor dem Hohlraumstrahler LABB mit einem Filter-
radiometer gemessene Photostrom:
Iphoto =G(r1, r2, d)·Zε(λ, T)·Lλ,BB(λ, T)·sE(λ)dλ (2.6)
10
Wenn alle anderen Parameter der Gl. 2.6 bekannt sind, kann man durch
Iteration aus dem gemessenen Photostrom die thermodynamische Tempera-
tur des Hohlraumstrahlers LABB berechnen und mit der gleichzeitig gem¨
aß
der Internationalen Temperaturskala von 1990 bestimmten Temperatur T90
des LABB vergleichen. Einen ¨
Uberblick ¨
uber das Verfahren der Absolutbe-
stimmung der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit von Detektoren
gibt der nachfolgende Abschnitt. Eine detaillierte Beschreibung findet sich
in Kap. 4 und in Kap. 5.
2.5.3 Anforderungen an die Detektoren
Die Standard-Unsicherheit des gasthermometrischen Referenzwertes bei
730 K der Internationalen Temperaturskala von 1990 betr¨
agt 15 mK. Eine
Untersuchung der Abweichung der thermodynamischen Temperatur von
der T90-Temperatur durch Messung der spektralen Strahldichte oder einer
abgeleiteten radiometrischen Gr¨
oße (z. B. spektrale Bestrahlungst¨
arke) an
einem Hohlraumstrahler ist nur dann sinnvoll, wenn die in Temperatur
umgerechnete Unsicherheit der bestimmten radiometrischen Gr¨
oße geringer
ist als die Standard-Unsicherheit der untersuchten T90-Temperatur. F¨
ur
das oben genannte Beispiel muss die relative Unsicherheit (k=1) bei der
Messung der spektralen Strahldichte bei 900 nm geringer als 5 ·10−4
sein. Da neben der Unsicherheit der Detektorempfindlichkeit, auch die
Unsicherheiten der Quelle und der Geometrie eingehen, ist es erforderlich,
dass die Unsicherheit bei der Kalibrierung der Detektorempfindlichkeit
kleiner ist als der oben genannte Wert.
Der wesentliche Fortschritt in der detektorgest¨
utzten Radiometrie war
die Entwicklung eines bei sehr tiefen Temperaturen (typ. 3K) betriebenen
elektrischen Substitutionsradiometers im Jahre 1985[69]. Durch Nutzung des
¨
Aquivalenzprinzips zwischen optischer Strahlungsleistung und elektrischer
Leistung stellt dieser thermische Detektor ein Detektor-Prim¨
arnormal3
f¨
ur die optische Strahlungsleistung dar. Mit diesen, als Kryoradiometer
allgemein bezeichneten Detektoren, lassen sich optische Strahlungsfl¨
usse
mit einer relativen Unsicherheit von kleiner als 5 ·10−5messen. Diese Unsi-
cherheiten wurden in einem internationalen Vergleich von Kryoradiometern
best¨
atigt [38]. Eine detaillierte Darstellung des an der PTB f¨
ur diese Arbeit
verwendeten Kryoradiometers RTCR4und seiner Eigenschaften ist in [28]
zu finden.
Kryoradiometer eignen sich aufgrund der kleinen erreichbaren Unsi-
3Prim¨
arnormale sind Normale mit der allgemein anerkannten h¨
ochsten metrologischen
Qualit¨
at die f¨
ur die spezifizierte Messgr¨
osse keinen weiteren Bezug zu einem anderen Nor-
mal der gleichen Messgr¨
osse ben¨
otigen [46]
4Radiation Thermometry Cryogenic Radiometer
11
cherheiten f¨
ur fundamentale Experimente wie der Bestimmung der
Boltzmannkonstante durch Gesamtstrahlungsmessung an einem Hohlraum-
strahler [69] oder zum Aufbau von Skalen der spektralen Empfindlichkeit
als Basis f¨
ur die Messung optischer Strahlungsgr¨
oßen [28, 88, 89].
Ein Hohlraumstrahler emittiert gem¨
aß dem Planckschen Strahlungs-
gesetz ein kontinuierliches Spektrum. Zur Messung einer spektralen
radiometrischen Gr¨
oße (Strahldichte oder Bestrahlungsst¨
arke) muss der
Spektralbereich, in dem der Detektors empfindlich ist, eingeschr¨
ankt werden.
Als Detektoren f¨
ur diese Messaufgabe werden sogenannte Filterradiometer
verwendet, bestehend aus einem wellenl¨
angenselektierenden Element (z.B.
Interferenzfilter) und einem Quantendetektor (Photodiode). Ein detaillierter
¨
Uberblick ¨
uber den Aufbau der in dieser Arbeit verwendeten Filterradiome-
ter ist in Abschnitt 4.4 gegeben. Wie bereits im Abschnitt 2.5.2 dargestellt,
ist f¨
ur die Messung der spektralen Bestrahlungst¨
arke des LABB die Kennt-
nis der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit des Filterradiometers
Voraussetzung. Eine schematische Darstellung der auf das Prim¨
arnormal
Kryoradiometer r¨
uckgef¨
uhrten Kalibrierung der spektralen Bestrahlungs-
st¨
arkeempfindlichkeit von Filterradiometern ist in Abbildung 2.2 zu sehen.
In einem ersten Schritt werden geeignete Transfernormale (Photodioden
bzw. aus mehreren Photodioden aufgebaute, sogenannte Trap-Detektoren)
an diskreten Laserlinien gegen das Kryoradiometer bez¨
uglich ihrer spek-
tralen Empfindlichkeit kalibriert. In einem Zwischenschritt wird die an
diskreten Wellenl¨
angen auf den Transferdetektor abgelegte Skala der spek-
tralen Empfindlichkeit entweder mit einem physikalischen Modell (Abschnitt
4.2.1 f¨
ur Silizium) oder mit Hilfe eines thermischen Detektors (Abschnitte
4.3.2 und 4.3.3 f¨
ur InGaAs) interpoliert. Mit einer Pr¨
azisionsblende genau
bekannter Fl¨
ache (Abschnitt 6.2.1) wird die kontinuierliche spektrale Emp-
findlichkeitsskala in eine spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeitsskala
¨
uberf¨
uhrt. Schließlich werden durch Vergleich mit den Transfernormalen die
Filterradiometer an einem Spektralkomparator bez¨
uglich ihrer spektralen
Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit kalibriert (Kap. 5).
12
Kryoradiometer RTCR
Primärnormal
Optische Strahlungsleistung
Φ
[W]
Silizium-Trapdetektor
Transfernormal
Spektrale Empfindlichkeit s(
λλ
) [A·W-1]
λ
= 400 nm – 1015 nm (14 Laserlinien)
InGaAs-Photodiode
Transfernormal
Spektrale Empfindlichkeit s(
λλ
) [A·W-1]
λ
= 1.1 µm – 1.6 µm (3 Laserlinien)
Kalibrierung an diskreten Laserlinien
Überführung in ein Transfernormal der
spektralen Bestrahlungstärkeempfindlichkeit
mittels Präzisionsblenden bekannter Fläche
Interpolation der spektralen
Empfindlichkeit mit einem
Physikalischen Modell
Interpolation der spektralen
Empfindlichkeit mit einem
Thermischen Detektor
Silizium-Trapdetektor
Transfernormal
Spektrale Bestrahlungsstärke-
empfindlichkeit sE(
λ
) [A·W-1·m2]
λ
= 400 nm – 1015 nm, kontinuierlich
InGaAs-Photodiode
Transfernormal
Spektrale Bestrahlungsstärke-
empfindlichkeit sE(
λ
) [A·W-1·m2]
λ
= 0.95 µm – 1.6 µm, kontinuierlich
Kalibrierung der spektralen
Bestrahlungstärkeempfindlichkeit am
Spektralkomparator
Silizium-Filteradiometer-
Transfernormale
Spektrale Bestrahlungsstärke-
empfindlichkeit sE(
λ
) [A·W-1·m2]
Schwerpunktwellenlängen bei
802 nm, 903 nm, 1003 nm
InGaAs-Filteradiometer-
Transfernormal
Spektrale Bestrahlungsstärke-
empfindlichkeit sE(
λ
) [A·W-1·m2]
Schwerpunktwellenlänge bei
1595 nm
Abbildung 2.2: Schematische Darstellung der Absolutkalibrierung von Fil-
terradiometern in Einheiten der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit
durch R¨
uckf¨
uhrung mittels Transfernormale auf das radiometrische Detektor-
Prim¨
arnormal der PTB dem Kryoradiometer RTCR
13
14
Kapitel 3
Hohlraumstrahler
3.1 Die Quelle der spektralen Bestrahlungsst¨
arke
Als Strahlungsquelle f¨
ur die radiometrische Bestimmung einer m¨
ogli-
chen systematischen Abweichung der ITS-90 von der thermodynamischen
Temperatur im Bereich von 419 ◦C bis 660 ◦C wurde der Doppelw¨
armerohr-
Hohlraumstrahler LABB verwendet. Die Methode der Bestimmung der
thermodynamischen Temperatur Tvon Hohlraumstrahlern durch absolut-
radiometrische Messungen ist in Abschnitt 6 dargestellt, wobei der LABB
als Quellennormal der Bestrahlungst¨
arke dient. Abbildung 3.1 gibt einen
¨
Uberblick ¨
uber den Aufbau und die Dimensionen des Hohlraumstrahlers.
Eine ausf¨
uhrliche Beschreibung von Aufbau und Temperaturregelung des
LABB ist in [82, 83, 84] dargestellt. Durch drei kalibrierte Normal-Platin-
Widerstandsthermometer im Boden des inneren W¨
armerohrs wird die
Temperatur des Hohlraums auf die ITS-90 [66] r¨
uckgef¨
uhrt und erm¨
oglicht
so einen Vergleich zwischen der thermodynamischen Temperatur Tund der
ITS-90-Temperatur T90. Um eine hohe Bestrahlungsst¨
arke zu erreichen,
verf¨
ugt der LABB ¨
uber eine große strahlende ¨
Offnung. Dies hat zur Folge,
dass durch einen gr¨
oßeren Strahlungsverlust die Isothermie des Hohlraums
gest¨
ort wird und damit der Emissionsgrad des Hohlraums verringert wird.
Durch Verwendung von Natrium-W¨
armerohren wird die mit dem Strah-
lungsverlust verbundenene Nichtisothermie weitestgehend kompensiert.
Dies wurde durch Messung der Temperaturverteilung des LABB bei 600 ◦C
und 800 ◦C bereits nachgewiesen [82].
Eine der wichtigsten Vorraussetzungen f¨
ur die Funktion des W¨
arme-
rohrprozesses ist das Vorhandensein eines Temperaturgradienten im
W¨
armerohr. Dadurch ensteht ein Druckgradient, der den Transport der gas-
f¨
ormigen Phase des Arbeitsmittels zu k¨
alteren Stellen des W¨
armerohrs und
Kondensation unter Abgabe von latenter W¨
arme erm¨
oglicht. Bei niedrigen
Temperaturen sinkt der Dampfdruck des Natriums im W¨
armerohr stark
15
ab. Aufgrund der niedrigen Dichte steigt die Str¨
omungsgeschwindigkeit des
gasf¨
ormigen Arbeitsmittels von den Zonen mit W¨
armezufuhr zu den Zonen
der W¨
armeabgabe stark an und kann Schallgeschwindigkeit erreichen,
wodurch der W¨
armefluss begrenzt wird. Man spricht von einer sogenann-
ten ”Schallgrenze des W¨
armetransports” [45]. Deswegen funktioniert der
W¨
armerohrprozess mit abnehmender Temperatur zunehmend schlechter
und kann so, aufgrund der durch die Schallgeschwindigkeit gesetzten
Grenze f¨
ur den W¨
armetransport, die Abk¨
uhlung des W¨
armerohres durch
Strahlungsverlust nicht mehr kompensieren.
Wird der LABB f¨
ur thermodynamische Temperaturmessungen im
Temperaturintervall von 419 ◦C bis 660 ◦C eingesetzt, wird die emp-
fohlene Mindestemperatur f¨
ur W¨
armerohre mit dem Arbeitsmittel Natrium
(600 ◦C) deutlich unterschritten [14]. Dies f¨
uhrt, wie bereits im vorher-
gehenden Abschnitt dargestellt, zu einer zunehmenden Nichtisothermie
des Hohlraumstrahlers und damit zu einer Verringerung seines Emissi-
onsgrades. Deswegen wurde der LABB hinsichtlich Nichtisothermie und
deren Auswirkung auf den Emissionsgrad des Hohlraumstrahlers bis hinab
zu Temperaturen von 415 ◦C charkterisiert, um eine Eignung als Quelle
f¨
ur den angestrebten Temperaturbereich festzustellen und gegebenenfalls
notwendige Korrekturen zu ermitteln.
16
Heizwicklung
äußeres Wärmerohr
Heizwicklung
inneres
Wärmerohr
Isolation
4 Normal-
Pt-Widerstands-
Thermometer
Haltering
(Beton)
Präzisions-
blende
gekühlte Blenden-
halterung (Kupfer)
Al2O3 -
Rohre
äußeres
Wärmerohr
inneres
Wärmerohr
Isolation
731 mm
78 mm
20 mm
28 mm
Abbildung 3.1: Der Doppelw¨
armerohr-Hohlraumstrahler LABB, ein Quellenor-
mal f¨
ur die Bestrahlungsst¨
arke
17
3.2 Charakterisierung des Hohlraumstrahlers
LABB f¨
ur Temperaturen kleiner als 500 ◦C
3.2.1 Bestimmung der Temperaturverteilung
F¨
ur die Berechnung des Emissionsgrades eines nicht isothermen Hohlraum-
strahlers wird die Temperaturverteilung der W¨
ande des Hohlraumstrahlers
ben¨
otigt. Eine Messung der Temperaturverteilung des Hohlraumstrahlers
LABB bei zwei verschiedenen Temperaturen wurde bereits in [82] f¨
ur
600 ◦C und 800 ◦C durchgef¨
uhrt. Der dort gemessene Temperaturgradient
konnte damit erkl¨
art werden, dass der Sensor des benutzten Platin-
Widerstandsthermometers durch Gesamtstrahlung durch die ¨
Offnung des
Hohlraumstrahlers gek¨
uhlt wird [82].
In der vorliegenden Arbeit wurde die Temperaturverteilung f¨
ur die
Hohlraumtemperaturen 480 ◦C und 510 ◦C nach dem gleichen Verfahren
wie in [82] gemessen. Eine schematische Darstellung des Messvor-
gangs ist in Abb. 3.2 zu sehen. Ein speziell angefertigtes 1,2 m langes
Abbildung 3.2: Schematische Darstellung der experimentellen Vorgehensweise zur
Bestimmung der axialen Temperaturverteilung des Hohlraumstrahlers LABB. Die
wahre Temperaturverteilung wird ermittelt unter Ber¨
ucksichtigung der Strahlungs-
k¨
uhlung des Thermometersensors durch die ¨
Offnung des Hohlraumstrahlers. Dieser
Effekt l¨
asst sich anhand der in [82] gezeigten Methode berechnen.
Platin-Widerstandsthermometer (PRT) wird zusammen mit einem Al2O3-
Schutzrohr vollst¨
andig in das innere W¨
armerohr geschoben. Danach wird
zur Messung des Temperaturprofils nur das Thermometer im inneren des
feststehenden Schutzrohres bewegt (Methode (a)). Zus¨
atzlich wurde f¨
ur
die Temperaturen 415 ◦C, 450 ◦C, 480 ◦C und 510 ◦C der Temperatur-
verlauf entlang des inneren W¨
armerohres mit einem zweiten Verfahren
(Methode (b)) gemessen: das Al2O3-Schutzrohr und das PRT wurden
18
gleichzeitig verschoben. W¨
ahrend der gesamten Messphase wurde die
Temperatur im Hohlraumboden mit einem zweiten PRT aufgezeichnet, um
sicherzustellen, dass die als Referenz verwendete Temperatur des Hohlraum-
bodens konstant ist. Die Schwankungen der Temperatur im Hohlraumboden
waren f¨
ur alle Messungen kleiner als 2 mK. Da die Aufnahmebohrungen
des inneren W¨
armerohres im Durchmesser gr¨
oßer sind als der Durchmesser
des PRT-Schutzrohres, ist ein Kippen des Schutzrohres um 0,25◦bis 0,5◦
m¨
oglich. Die sich daraus ergebenden Unsicherheiten der Temperaturbe-
stimmung wurden f¨
ur eine konstante Eintauchtiefe von 500 mm und einer
Hohlraumtemperatur von 415 ◦C untersucht: +9 mK bei Kippen zur
Hohlraumwand hin und -7 mK bei Kippen von der Hohlraumwand weg.
Ein weiterer Positioniereffekt ist die Reproduzierbarkeit der Temperatur
bei gleichen Eintauchtiefen. Dazu wurden verschiedene Eintauchtiefen
zuf¨
allig hintereinander gemessen. Die Reproduzierbarkeit der Temperatur
bei gleicher Eintauchtiefe war besser als 3 mK. Insgesamt ergibt sich f¨
ur die
Isothermiemessung eine Unsicherheit in der Temperaturverteilungsbestim-
mung von 10 mK.
Die Ergebnisse des axialen Temperaturverlaufs sind in den Abbildungen
3.3 und 3.4 dargestellt. Die durchgezogene Linie ist das Ergebnis der Mo-
dellrechnug aus [82] f¨
ur die K¨
uhlung des Platin-Widerstandsthermometers
aufgrund von Strahlungsverlust durch die Hohlraum¨
offnung. Diese Er-
gebnisse k¨
onnen wie folgt interpretiert werden: Bei 510 ◦C (Abb. 3.3(a))
entspricht die experimentell gemessene Temperaturverteilung dem durch
Strahlungsk¨
uhlung des PRT-Sensors erwarteten Verlauf der Temperaturver-
teilung f¨
ur einen isothermen Hohlraum. Dies l¨
asst den Schluss zu, dass bei
Temperaturen ¨
uber 510 ◦C das innere W¨
armerohr als isotherm anzusehen
ist. Ein Hinweis auf den noch ausreichend vorhandenen W¨
armerohrprozess
ist auch die Tatsache, dass es innerhalb der Unsicherheit keinen Unterschied
zwischen den beiden Messmethoden f¨
ur die Temperaturverteilung gibt.
Wird das Schutzrohr mit nach außen verschoben, stellt dies eine gr¨
oßere
W¨
armesenke dar, als wenn nur das Thermometer verschoben wird. Dieser
zus¨
atzliche W¨
armeverlust wird aber durch den W¨
armerohrprozess im Boden
des inneren W¨
armerohres kompensiert. Bei 480◦C (Abb. 3.3(b)) kann man,
wenn die Methode (a) zur Bestimmung der Temperaturverteilung benutzt
wird, von einem, bezogen auf den Emissionsgrad, isothermen Hohlraum
ausgehen. Wird jedoch Methode (b) angewandt, kann man erkennen,
dass der W¨
armeverlust bedingt durch die gr¨
oßere W¨
armesenke schlechter
kompensiert wird als bei 510◦C. Bei 415 ◦C (Abb. 3.4(b)) betr¨
agt der
Unterschied zwischen der Modellrechnung und dem experimentellen Wert
bei einer Eintauchtiefe von 500 mm relativ zum Hohlraumboden mehr als
1 K. Es handelt sich hier um eine echte Nichtisothermie des W¨
armerohres.
Der gemessene Temperaturverlauf kann nicht durch Strahlungsverlust des
Thermometers erkl¨
art werden.
19
-0.120
-0.100
-0.080
-0.060
-0.040
-0.020
0.000
0.020
-100
0
100
200
300
400
500
600
Theorie 510 °C
Experiment 510 °C (a)
Experiment 510 °C (b)
Temperaturdifferenz relativ
zum Hohlraumboden / K
Eintauchtiefe / mm
(a) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 510 ◦C
-0.120
-0.100
-0.080
-0.060
-0.040
-0.020
0.000
0.020
-100
0
100
200
300
400
500
600
Theorie 480 °C
Experiment 480 °C (a)
Experiment 480 °C (b)
Temperaturdifferenz relativ
zum Hohlraumboden / K
Eintauchtiefe / mm
(b) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 480 ◦C
Abbildung 3.3: Axialer Temperaturverlauf im Inneren des LABB, gemessen mit
einem Platin-Widerstandsthermometer als Funktion der Eintauchtiefe, f¨
ur die Hohl-
raumstrahlertemperaturen 480 ◦C und 510 ◦C. Die Bezugstemperatur der Messung
ist die Temperatur des Hohlraumbodens.
20
-0.300
-0.250
-0.200
-0.150
-0.100
-0.050
0.000
0.050
-100
0
100
200
300
400
500
600
Theorie 450 °C
Experiment 450 °C
Temperaturdifferenz relativ
zum Hohlraumboden / K
Eintauchtiefe / mm
(a) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 450 ◦C
-1.800
-1.500
-1.200
-0.900
-0.600
-0.300
0.000
0.300
-100
0
100
200
300
400
500
600
Theorie 415 °C
Experiment 415 °C
Temperaturdifferenz relativ
zum Hohlraumboden / K
Eintauchtiefe / mm
(b) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 415 ◦C
Abbildung 3.4: Axialer Temperaturverlauf im Inneren des LABB, gemessen mit
einem Platin-Widerstandsthermometer als Funktion der Eintauchtiefe, f¨
ur die Hohl-
raumstrahlertemperaturen 415 ◦C und 450 ◦C. Die Bezugstemperatur der Messung
ist die Temperatur des Hohlraumbodens.
21
3.2.2 Monte-Carlo Methode zur Bestimmung des Emissions-
grades des LABB
Der Emissionsgrad εeines idealen Schwarzen Strahlers ist gleich 1. Bei der
Realisierung der Bestrahlungsst¨
arke mit dem LABB als realen Schwarzen
Strahler ist der Emissionsgrad jedoch kleiner 1. Unter der Annahme, dass
der Hohlraum isotherm ist, h¨
angt der Emissionsgrad nur von der Geometrie
des Hohlraumstrahlers und dem lokalen Emissionsgrad des Wandmaterials
ab. Wie im vorangegangen Abschnitt gezeigt wurde, ist die Annahme
eines isothermen Hohlraums f¨
ur den LABB nur f¨
ur Temperaturen gr¨
oßer
als 500 ◦C g¨
ultig. Wird der LABB bei tieferen Temperaturen verwendet,
ist der Emissionsgrad aufgrund der Nichtisothermie eine Funktion sowohl
von der Geometrie als auch von der Temperaturverteilung im Hohlraum
und von der Wellenl¨
ange. F¨
ur die Berechnung des Emissionsgrades gibt
es verschiedene mathematische Modelle. Eine analytische Methode ist die
Anwendung von Strahlungstransportgleichungen. Dies erfordert jedoch die
aufwendige iterative L¨
osung von Mehrfachintegralen bzw. Summen [1].
Eine einfachere Methode zur Bestimmung des Emissionsgrades sowohl von
isothermen als auch von nicht-isothermen Hohlr¨
aumen beliebiger Geometrie
ist die Monte-Carlo Methode (MCM) [63, 67]. Beide Methoden stimmen im
Rahmen der Unsicherheit ¨
uberein [1].
F¨
ur die Simulation unter Ber¨
ucksichtigung der experimentell bestimmten
Nichtisothermie des Hohlraumstrahlers, wurde aufbauend auf einem be-
stehenden FORTRAN-Programm, ein flexibles Simulationswerkzeug zur
Berechnung des Emissionsgrades von isothermen und nicht-isothermen
Hohlraumstrahlern nach der Monte-Carlo Methode entwickelt.
3.2.2.1 Isothermer Hohlraum
Bei der Simulation werden Photonen unter einem zuf¨
alligen Winkel in den
Hohlraum eingestrahlt. Dabei werden nur Winkel innerhalb eines Raumwin-
kels, definiert durch Strahlerblende, Detektorblende und Blendenabstand,
zugelassen. Ausgehend von einem lokalen Emissionsgrad der Hohlraumwand
εW(λ) wird das Photon beim Auftreffen auf die Hohlraumwand mit einer
Wahrscheinlichkeit 1 −εW(λ) diffus reflektiert. Die Trajektorie des Photons
wird mit Hilfe von ray-tracing Methoden solange verfolgt, bis es absorbiert
wird oder aus dem Hohlraum wieder austritt (Abb. 3.5). Das absorbierte
Photon kann gem¨
aß dem Umkehrungsprinzip der Optik als Ausgangspunkt
eines emittierten Photons angesehen werden.
22
0
200
400
600
mm
-40
-20
0
20
40
mm
-40
-20
0
20
40
mm
0
200
400
600
mm
-40
-20
0
20
40
mm
-40
-20
0
20
40
mm
Abbildung 3.5: Monte-Carlo Simulation zur Berechnung des Emissionsgrades ei-
nes Hohlraumstrahlers. Die unter einem zuf¨
alligen, innerhalb der Beobachtungsgeo-
metrie liegenden Winkel, in den Hohlraumstrahler eingestrahlten Photonen werden,
falls sie nicht am Auftreffpunkt absorbiert werden, diffus gestreut und mittels ray-
tracing-Methoden weiterverfolgt. Zur besseren Veranschaulichung wurde in diesem
Beispiel der lokale Emissionsgrad des Hohlraums auf den Wert 0.1 (anstelle von
0.75) gesetzt.
Der auf einen isothermen Hohlraumstrahler bezogene Emissionsgrad εiso ist
gleich dem Verh¨
altnis aus der Anzahl der absorbierten Photonen durch die
Anzahl der eingestrahlten Photonen, und h¨
angt nur von der Geometrie des
Hohlraumes, der Beobachtungsgeometrie und dem lokalen Emissionsgrad des
Wandmaterials ab.
3.2.2.2 Nicht-isothermer Hohlraum
F¨
ur die Berechnung des Emissionsgrades eines nicht-isothermen Hohlraumes
wird jedes absorbierte Photon mit der spektralen Strahldichte nach Planck
entsprechend der Temperatur Tam Ort der Absorption gewichtet. Der Zu-
sammenhang zwischen der dem Photon zugeordneten spektralen Strahldich-
te Lλ(λ, T) und der spektralen Strahldichte eines schwarzen Strahlers bei der
gleichen Temperatur Tist:
Lλ(λ, T) = εW(λ)·Lλ,BB(λ, T) (3.1)
Im Fall eines nicht-isothermen Hohlraums weicht die Temperatur an einer
beliebigen Stelle des Hohlraums von der Bezugstemperatur Tab. Mit Hilfe
23
einer Taylor-Entwicklung l¨
aßt sich Gleichung 3.1 wie folgt schreiben:
Lλ(λ, T −∆T) = εW(λ)·Lλ,BB(λ, T −∆T) =
εW(λ)·Lλ,BB(λ, T)−∂Lλ,BB(λ, T)
∂T ·∆T(3.2)
Mit der Wienschen N¨
aherung des Planckschen Strahlungsgesetzes wird Glei-
chung 3.2 zu
Lλ(λ, T −∆T) = εW(λ)·h1−c2
λT2·∆Ti·Lλ,BB(λ, T) (3.3)
Durch Vergleich der Gleichungen 3.1 und 3.3 kann man eine neue Gr¨
oße
ε∆T,w(λ, ∆T) einf¨
uhren, welche die ¨
Anderung des lokalen Emissionsgrades
aufgrund der Temperatur¨
anderung ∆Tbeschreibt:
Lλ(λ, T −∆T) = εW(λ)·ε∆T,w(λ, ∆T)·Lλ,BB(λ, T) (3.4)
Gleichung 3.4 stellt den Beitrag eines einzelnen Photons zur gesamten
spektralen Strahldichte eines nichtisothermen Hohlraumes dar.
Um die mittlere Strahldichte des Hohlraums zu erhalten, muss man
die Beitr¨
age aus Gleichung 3.4 aller absorbierten Photonen der Simulation
summieren und durch die Anzahl Nder eingestrahlten Photonen teilen:
Lλ,LABB,iso =1
NX
n
F(Ωn)εW(λ)·Lλ,BB(λ, T) (3.5)
Lλ,LABB,noniso =1
NX
n
F(Ωn)εW(λ)·ε∆T,w(λ, ∆Tn)·Lλ,BB(λ, T) (3.6)
Der Faktor F(Ωn) in den Gleichungen 3.5 und 3.6 stellt einen Formfaktor
dar, wie er bei der analytischen Berechnung des Emissionsgrades auftritt.
Bei der MCM wird er implizit in der Simulation ber¨
ucksichtigt. Um den
¨
Ubergang von einem isothermen zu einem nicht isothermen Hohlraum zu
beschreiben, f¨
uhrt man den Faktor ε∆Tein:
ε∆T=Lλ,LABB,noniso
Lλ,LABB,iso
(3.7)
Die spektrale Strahldichte f¨
ur den als isotherm angenommenen LABB ist
gleich:
Lλ,LABB,iso =εiso ·Lλ,BB(λ, T) (3.8)
24
F¨
ur einen nichtisothermen LABB ist unter Verwendung der Gleichungen 3.6,
3.7 und 3.5 :
εnoniso =Lλ,LABB,noniso
Lλ,BB(λ, T)=εiso ·ε∆T=
=1
NX
n
F(Ωn)εW(λ)·ε∆T,w(λ, ∆Tn) =
=1
NX
n
F(Ωn)εW(λ)·(1 −c2
λT2·∆Tn) (3.9)
3.2.3 Voruntersuchungen mit der Monte-Carlo Simulation
3.2.3.1 Anzahl der Photonen in der Simulation
Vor der Anwendung des MCM-Programmes zur Berechnung des Emissions-
grades des LABB unter Einbeziehung der experimentell bestimmten Tem-
peraturverteilung, wurde zun¨
achst eine Simulation mit 200 ·106Photonen
durchgef¨
uhrt, um den Einfluß der Anzahl der Photonen auf den Emissions-
grad des Hohlraumes zu untersuchen. Dabei hat sich gezeigt (Abb. 3.6), dass
0.99985
0.99986
0.99987
0.99988
0.99989
0.99990
0.99991
100 10
3
1 10
6
10 10
6
100 10
6
1 10
9
Emissivität des Hohlraumstrahlers LABB
εε
iso
Anzahl der eingestrahlten Photonen
Abbildung 3.6: Emissionsgrad εiso des isothermen Hohlraumstrahlers LABB be-
rechnet mit der Monte-Carlo-Methode, als Funktion der in den Hohlraum einge-
strahlten Anzahl von Photonen
der Wert des Emissionsgrades bis etwa 2·106Photonen ansteigt und danach
innerhalb eines Intervalls von 10−5um einen konstanten Wert oszilliert. Da-
her wurden f¨
ur die folgenden Berechnungen 2 ·106Photonen verwendet.
25
3.2.3.2 Einfluss der k¨
alteren Vorderseite
Der Aufbau des LABB ist so konzipiert, dass das ¨
außere W¨
armerohr gleich-
zeitig auch die vordere Seite des Hohlraums mit der strahlenden ¨
Offnung
bildet (Abb. 3.1). Die Temperaturregelung des LABB ist so geartet, dass das
¨
außere W¨
armerohr eine um einige K niedrigere Temperatur hat als das innere
W¨
armerohr, das den Boden und den zylindrischen Teil des Hohlraumes bil-
det. Dieser Temperaturunterschied (∆TF S) ist ein Teil der Nichtisothermie
des Hohlraumes und tr¨
agt zu einer Verringerung des Emissionsgrades bei.
Der Effekt der k¨
alteren Vorderseite wurde systematisch mit der MCM bei
drei Temperaturen des LABB und vier Temperaturunterschieden zwischen
inneren und ¨
außeren W¨
armerohr simuliert. Die Ergebnisse dieser Simulation
sind in Tabelle 3.1 dargestellt. Die ¨
Anderung des Emissionsgrades aufgrund
Tabelle 3.1: Emissionsgrad εnoniso des LABB als Funktion der Temperatur-
differenz ∆TF S zwischen Hohlraumboden und Frontseite. Simulationsparameter:
λ= 1000 nm, Blendenabstand = 500 mm, Anzahl der Photonen: 1 ·106,εw=0,75
∆TF S =THohlraumboden −TF rontseite / K ∆εnoniso f¨
ur
tLABB /◦C 0 K 2 K 4 K 6 K ∆TF S = 4 K
415 0,999434 0,999407 0,999381 0,999356 5,3·10−5
450 0,999860 0,999836 0,999812 0,999790 4,8·10−5
480 0,999906 0,999883 0,999862 0,999841 4,4·10−5
der k¨
alteren Frontseite ist im betrachteten Temperaturintervall des LABB
abh¨
angig von der Temperatur des LABB und betr¨
agt f¨
ur ∆TF S = 4 K etwa
5·10−5. Dies entspricht f¨
ur λ= 1000 nm und tLABB = 450 ◦C einer Tempe-
ratur¨
anderung von 2 mK. Nimmt man an, dass die Temperatur des ¨
außeren
W¨
armerohres auf ±1 K bekannt ist, tr¨
agt der Einfluß der k¨
alteren Vorder-
seite mit 2·10−5zur Gesamtunsicherheit der Emissionsgradbestimmung des
LABB bei.
3.2.3.3 Diffuse und spekulare Reflexion
Bei der Berechnung des Emissionsgrades mit der vorliegenden MCM geht
man davon aus, dass das Photon, wenn es am Auftreffpunkt nicht absorbiert
wird, unabh¨
angig vom Auftreffwinkel diffus reflektiert wird. Im Allgemeinen
wird mit einem gr¨
oßer werdenden Einfallswinkel zur Normalen am Auftreff-
punkt die Reflexionscharakteristik zunehmend spekular [67]. Das MCM Pro-
gram wurde dahingehend erweitert, dass auch spekulare Reflexion ber¨
uck-
sichtigt werden kann. Da keine Daten f¨
ur die winkelabh¨
angige Reflektivit¨
at
des Hohlraumwandmaterials (INCONEL R
) vorliegen, wurde eine verglei-
chende Simulation durchgef¨
uhrt, bei der einmal nur diffuse Reflexion und
einmal nur spekulare Reflexion ber¨
ucksichtigt wurde (Tabelle 3.2). Die Un-
26
Tabelle 3.2: Emissionsgrad εiso und εnoniso des LABB f¨
ur ein diffuses/spekulares
Modell f¨
ur die Reflexion der Photonen. Simulationsparameter: λ= 1000 nm, Blen-
denabstand = 500 mm, Anzahl der Photonen: 1 ·106,εw=0,75
diffuse Reflexion spekulare Reflexion
tLABB /◦Cεiso εnoniso εiso εnoniso
415 0,999915 0,999486 0,999829 0,998221
450 0,999916 0,999850 0,999836 0,999686
480 0,999903 0,999872 0,999827 0,999807
terschiede im Gesamtemissionsgrad bei unterschiedlichen Reflexionsmodel-
len lassen sich wie folgt erkl¨
aren: Der isotherme Emissionsgrad nimmt im
Fall eines spekularen Streumodells um 8 ·10−5ab. Durch die Spiegelung am
sehr flachen Boden des inneren W¨
armerohres ist bei spekularer Reflexion die
Wahrscheinlichkeit gr¨
oßer, dass ein Photon durch die ¨
Offnung entkommt, be-
vor es absorbiert wird. Im Fall des nichtisothermen Emissionsgrades ist die
Abnahme von der Temperatur des LABB abh¨
angig und betr¨
agt f¨
ur 415 ◦C
1,3·10−3. Dadurch, dass ein Photon durch spiegelnde Reflexion mit gr¨
oße-
rer Wahrscheinlichkeit in die N¨
ahe der Hohlraum¨
offnung gelangt, wird die
Nichtisothermie durch dieses Reflexionsmodell st¨
arker gewichtet. Im Fall von
diffus streuenden Oberfl¨
achen tritt die spekulare Reflexion nur bei großen
Einfallswinkeln (typ. 60◦) bezogen auf die Normale auf [57]. Deswegen stellt
die in der Simulation angenommene rein spekulare Reflexion eine ¨
Uberbe-
wertung der realen Situation dar. Als Unsicherheitsbeitrag resultierend aus
spekularen Anteilen, die nicht in der MCM Simulation ber¨
ucksichtigt wer-
den, wurde f¨
ur εnoniso ein Wert von 1·10−4f¨
ur tLABB = 415 ◦C und 5·10−5
f¨
ur die anderen Hohlraumtemperaturen (450 ◦C, 480 ◦C und 510 ◦C) ange-
nommen.
3.2.4 Emissionsgrad des nichtisothermen LABB
Bei der Berechnung des nichtisothermen Emissionsgrades des LABB,
wurde der LABB in drei Zonen aufgeteilt: Der als isotherm angenommene
Hohlraumboden, der durch das innere W¨
armerohr gebildete zylindrische
Teil des Hohlraumes und die Frontseite mit der Strahler¨
offnung. F¨
ur die
in Gleichung 3.6 verwendete Referenztemperatur Twurde der Mittelwert
der drei Platin-Widerstandsthermometer im Hohlraumboden verwendet.
F¨
ur die Temperaturverteilung im zylindrischen Teil des Hohlraumes
wurden die mit dem langen Platinwiderstandsthermometer experimentell
gewonnenen Daten aus Abschnitt 3.2.1 bez¨
uglich des Strahlungsverlustes
durch die ¨
Offnung des LABB korrigiert und mit einem Polynom 3. Grades
interpoliert. Durch die begrenzte L¨
ange des PRTs konnte die experimentelle
27
Temperaturverteilung nur bis zu einer Eintauchtiefe von 500 mm bestimmt
werden. Deswegen wurde der weitere Temperaturverlauf bis zur Vorderseite
des LABB extrapoliert. F¨
ur die Frontseite wurde die Temperatur des
¨
außeren W¨
armerohrs angenommen. Die Ergebnisse der Simulation f¨
ur den
Emissionsgrad des LABB (isothermer bzw. nicht-isothermer Fall) sind in
Abbildung 3.7 dargestellt.
0.9992
0.9993
0.9994
0.9995
0.9996
0.9997
0.9998
0.9999
1.0000
400
420
440
460
480
500
520
ε
iso
/
λ
= 1000 nm
ε
noniso
/
λ
= 1000 nm
ε
iso
/
λ
= 1600 nm
ε
noniso
/
λ
= 1600 nm
Emissivität LABB
t
LABB
/ °C
Abbildung 3.7: Einfluss der Nichtisothermie des LABB auf dessen Emissionsgrad,
berechnet mit der MCM-Simulation
Die Unsicherheit der Emissionsgradbestimmung setzt sich aus den
Beitr¨
agen in Tabelle 3.3 zusammen. F¨
ur den Unsicherheitsbeitrag der sich
Tabelle 3.3: Beitr¨
age zur Unsicherheit des mit der MCM berechneten Emissions-
grades εnoniso des nicht-isothermen LABB
Ursache Unsicherheit ×105
statistische Schwankung der MCM-Simulation 1
Einfluss Frontseite LABB 2
lokaler Emissionsgrad 6
spekulare Reflexion (415 ◦C) 5 (10)
quadratische Addition 8 (12)
28
aus dem Wert f¨
ur den lokale Emissionsgrad εW(Variation von 0,65 bis 0,9)
ergibt, wurden die Angaben aus [82] verwendet.
-30
-25
-20
-15
-10
-5
0
400
420
440
460
480
500
520
540
560
T
rad
-T
90
∆
T
noniso
mK
t
LABB
/ °C
Abbildung 3.8: Vergleich der theoretisch bestimmten Emissionsgrad¨
anderung des
nicht-isothermen LABB, umgerechnet in ein Temperatur¨
aquivalent ∆Tnoniso, mit
der Differenz Trad −T90 aus strahlungsthermometrisch bestimmten Temperatur und
Temperaturmessung gem¨
aß ITS-90
Paralell zu den Isothermiemessungen wurde die Strahldichte des Hohlraums
des LABB mit einem kalibrierten und linearen Strahlungsthermometer
[19] gemessen. Die bei den jeweiligen Temperaturen gemessenen Strahl-
dichten wurden mit dem Planckschen Strahlungsgesetz in Temperaturen
umgerechnet. In Abbildung 3.8 sind die Temperaturabweichungen aufgrund
der theoretisch berechneten Emissionsgrad¨
anderung (Wiensche N¨
aherung
mit λ= 1600 nm) und die Abweichung der experimentell bestimmten
Strahlungstemperatur von der im Boden des LABB gem¨
aß der ITS-90
gemessenen Temperatur dargestellt.
3.2.5 Zeitliche Stabilit¨
at des LABB
Um den statistischen Fehler des von den Filterradiometern w¨
ahrend der
spektralradiometrischen Temperaturbestimmung am LABB gemessenen
Photostroms kleiner als 1·10−4zu halten, sind Messzeiten bis zu 12 Stunden
erforderlich. Deswegen ist es wichtig, dass die Temperatur t90 des LABB
29
f¨
ur den Zeitraum der Messung stabil ist. Dies wurde dadurch erreicht,
dass f¨
ur jede Temperatur des LABB die Kenngr¨
oßen der Regelstrecke des
PID-Reglers (Totzeit und Anlaufwert) f¨
ur das innere W¨
armerohr mit dem
Sprungantwort-Verfahren nach [56] neu bestimmt wurden. In Abb. 3.9 ist
457.000
457.001
457.002
457.003
457.004
457.005
457.006
457.007
457.008
419.529
419.530
419.531
419.532
419.533
419.534
419.535
419.536
419.537
0:00:00
4:00:00
8:00:00
12:00:00
16:00:00
t90 / °C
t90 / °C
Zeit / h
1 mK
Abbildung 3.9: Zeitliche Stabilit¨
at der gem¨
aß der ITS-90 gemessenen Tempera-
tur t90 im Boden des LABB f¨
ur zwei verschiedene Hohlraumstrahlertemperaturen:
◦t90 = 457 ◦C, •t90 = 419 ◦C
der zeitliche Verlauf der Temperatur t90 ¨
uber 14 Stunden f¨
ur zwei verschiede-
ne Temperaturen des LABB dargestellt. F¨
ur 419 ◦C betr¨
agt die Schwankung
der Temperatur ±0,5 mK, f¨
ur 457 ◦C±1,5 mK. Die entspricht einer relati-
ven Schwankung der spektralen Strahldichte (λ= 1000 nm) von ±1,5·10−5
bei 419 ◦C und ±4·10−5bei 457 ◦C.
30
Kapitel 4
Detektoren
Bei der Bestimmung thermodynamischer Temperaturen ¨
uber die Messung
der spektrale Bestrahlungsst¨
arke von Hohlraumstrahlern werden in Ein-
heiten der spektralen Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit absolut kalibrierte
Detektoren ben¨
otigt. Die praktische Realisierung solcher Detektoren stellen
Filterradiometer dar. Die wesentlichen Elemente eines Filterradiometers
sind ein Photonen-Detektor und ein wellenl¨
angenselektierendes Element.
F¨
ur radiometrische Temperaturmessungen am Hohlraumstrahler LABB
im Temperaturbereich von 660 ◦C bis 962 ◦C wurden bisher an der PTB
Filterradiometer auf Basis von Silizium-Photodioden verwendet[82, 84]. Als
wellenl¨
angenselektierende Elemente wurden schmalbandige Interferenzfilter
mit einer Halbwertsbreite (FWHM) von 17 nm und den Schwerpunktswel-
lenl¨
angen bei 676 nm und 800 nm eingesetzt. Die Filterradiometer wurden
in einem zweistufigen Verfahren unter Verwendung eines Ar+-Lasers und
und eines Kr+-Lasers gegen das Detektor-Prim¨
arnormal Kryoradiometer
(RTCR 1) kalibriert. Der Spektralbereich der Kalibrierung gegen das RTCR
war am langwelligen Ende durch die langwelligste Laserlinie des Kr+-Lasers
bei 799 nm begrenzt.
Durch den Einsatz eines kontinuierlich durchstimmbaren Ti:Saphir-
Ringlasers (800 nm - 1015 nm) konnte die kryoradiometrisch bestimmte
Skala der spektralen Empfindlichkeit bis auf 1015 nm [88] erweitert
werden und erm¨
oglichte so im Rahmen dieser Arbeit die erstmalige
Absolutkalibrierung von zwei weiteren siliziumbasierten Filterradiome-
tern mit den Schwerpunktwellenl¨
angen bei 903 nm (FWHM: 14 nm) und
1003 nm (FWHM: 16 nm). Dadurch wurde detektorseitig die Voraussetzung
geschaffen, den Bereich der spektralradiometrischen Absolutbestimmung der
thermodynamischen Temperatur des LABB bis zum Zink-Erstarrungspunkt
(419 ◦C) auszudehnen. Gleichzeitig mit der Erweiterung des Kalibrier-
1radiation thermometry cryogenic radiometer
31
bereichs von Silizium-Photodioden wurde, nach dem Konzept einer
nicht abbildenden Absolutradiometrie, ein Filterradiometer mit einer
Indium-Gallium-Arsenid (InGaAs) Photodiode aufgebaut. Die Kalibrierung
dieses Filterradiometers wurde dadurch erm¨
oglicht, dass eine auf das
Kryoradiometer gest¨
utzte Skala der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur den
Wellenl¨
angenbereich von 0,95 µm bis 1,6 µm entwickelt wurde [89] und ge-
eignete InGaAs-Photodioden als Transfernormale und als Detektorelemente
in Filterradiometern verf¨
ugbar wurden.
4.1 Prinzip der Absolutkalibrierung von Filterra-
diometern
Die Absolutkalibrierung der Filterradiometer in Einheiten der spektralen
Bestrahlungsst¨
arkempfindlichkeit sE(λ) wird im Rahmen eines zweistufigen
Verfahrens durchgef¨
uhrt [26, 85].
Der erste Kalibrierschritt ist die Kalibrierung der spektralen Emp-
findlichkeit des Transferdetektors s(λ) an diskreten Laserwellenl¨
angen
gegen das Kryoradiometer RTCR als Detektor-Prim¨
arnormal [28]. F¨
ur
Silizium-Photodioden wird in einem Zwischenschritt die spektrale Emp-
findlichkeit mit Hilfe eines physikalischen Modells zwischen den Laserlinien
interpoliert [88]. F¨
ur InGaAs-Photodioden wird die Interpolation mit einem
thermischen Empf¨
anger an einem Vergleichsmessplatz (Spektralkompara-
tor) durchgef¨
uhrt [89].
Die auf diese Weise auf den Transferdetektor abgelegte kontinuieriche
Skala der spektralen Empfindlichkeit wird durch Kombination des Transfer-
detektors mit einer Pr¨
azisionsblende exakt bekannter Fl¨
ache in eine Skala
der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit ¨
uberf¨
uhrt.
In einem zweiten Schritt wird nun an einem Spektralkomparator die
spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit auf das Filterradiometer
¨
ubertragen. Das Kalibrierverfahren f¨
ur Filterradiometer ist in Abschnitt 5.2
dargestellt.
Die Motivation f¨
ur das gew¨
ahlte Zweischrittverfahren RTCR - Trans-
ferdetektor und Transferdetektor - Filterradiometer ist folgende: Da die
Filterradiometer vor einem Kontinuumsstrahler (Hohlraumstrahler LABB)
f¨
ur Bestrahlungsst¨
arkemessungen verwendet werden, m¨
ussen diese ¨
uber
einen weiten Spektralbereich charakterisiert werden. Durch die Band-
passstruktur des Interferenzfilters ist eine auf physikalischen Parametern
basierende Interpolation der spektralen Empfindlichkeit zwischen den
Werten an den einzelnen Laserlinien nicht m¨
oglich. Dar¨
uber hinaus k¨
onnen
32
durch die Koh¨
arenz der Laserstrahlung innerhalb des Interferenzfilters
auftreten, die zu einer fehlerhaften Kalibrierung f¨
uhren. Zus¨
atzlich st¨
ort die
hohe Reflektivit¨
at des Interferenzfilters die am Kryoradiometer notwendige
hochgenaue Stabilisierung der Laserleistung .
4.2 Silizium-Transfernormale
Als geeignete Transfernormale der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur Wellen-
l¨
angen bis ca. 900 nm haben sich Silizium-Photodioden in einer Anordnung
als Trap-Detektor erwiesen. Dieser besteht, je nach konstruktiver Aus-
f¨
uhrung der Trap-Detektors, aus drei oder mehr Photodioden, die so
angeordnet sind, dass die in den Trap-Detektor eintretende Strahlung
vielfach reflektiert wird, wodurch die Gesamtreflektivit¨
at minimiert wird.
Man unterscheidet dabei zwischen Reflexions-Trap-Detektoren [22, 92] und
Transmissions-Trap-Detektoren [16, 30].
Die wichtigsten Eigenschaften dieser Detektoren sind ein geringer Re-
flexionsgrad, eine hohe Homogenit¨
at und die zeitliche Stabilit¨
at der
spektralen Empfindlichkeit. Durch Verwendung von Silizium-Photodioden
l¨
asst sich die spektrale Empfindlichkeit mit Hilfe eines physikalischen
Modells sehr gut interpolieren [88].
Als Transferdetektor f¨
ur die erstmalige Kalibrierung der Filterradio-
meter bis 1015 nm wurde ein Reflexions-Trap-Detektor verwendet. Dieser
ist aus drei, 18 mm ×18 mm großen fensterlosen Silizium-Photodioden vom
Typ Hamamatsu S3411-02 aufgebaut. Die Kalibrierung des Trap-Detektors
wurde am RTCR bei acht Wellenl¨
angen eines Kr+-Lasers (Vakuumwel-
lenl¨
ange: 406,847 nm, 476,372 nm, 531,008 nm, 586,341 nm, 647,263 nm,
676,625 nm, 752,749 nm, 799,538 nm) und bei sechs Wellenl¨
angen eines
mit einem Ar+-Laser gepumpten durchstimmbaren Ti:Saphir-Lasers
(850 nm, 900 nm, 950 nm, 985 nm, 1000 nm, 1014 nm) nach dem in [27]
beschriebenen Verfahren durchgef¨
uhrt. Die Ergebnisse der Kalibrierung
sind in Abb. 4.1 dargestellt. Die relative Unsicherheit (k=1) der spektralen
Empfindlichkeit an den Laserlinien betr¨
agt f¨
ur Wellenl¨
angen bis 950 nm
1·10−4[88]. Durch die starke Temperaturabh¨
angigkeit der spektralen
Empfindlichkeit von Silizium-Photodioden in der N¨
ahe der Bandkante
[41], steigt die relative Unsicherheit der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur
Wellenl¨
angen gr¨
oßer als 950 nm stark an und betr¨
agt bei 1000 nm 4,4·10−4
[88].
33
0.0
0.1
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1.0
400
500
600
700
800
900
1000
1100
λ
/ nm
sTRAP (
λ
) / A•W-1
0.000
0.001
0.002
0.003
0.004
0.005
0.006
0.007
0.008
0.009
0.010
urel (s TRAP (
λ
))
RTCR, Kr+-Laser
RTCR, Ti:Saphir-Laser
Interpolation
rel. Unsich. d. Interpolation
Abbildung 4.1: Spektrale Empfindlichkeit des in der vorliegenden Arbeit verwen-
deten Trap-Detektors. Linke Skala: •,- spektrale Empfindlichkeit an den Laserli-
nien (Kr+bzw. Ti:Saphir) aus der Kalibrierung gegen das Kryoradiometer und die
mit einem physikalischen Modell interpolierte spektrale Empfindlichkeit (durchge-
zogene Linie). Rechte Skala: relative Standardunsicherheit der interpolierten Skala
der spektralen Empfindlichkeit [49].
4.2.1 Interpolation der spektralen Empfindlichkeit
Die spektrale Empfindlichkeit eines Detektors kann mit:
sT RAP (λ) = [1 −R(λ)] ·ηi(λ)·λne
hc (4.1)
interpoliert werden [33], wobei λdie Luftwellenl¨
ange, nder Brechungsindex
der Luft, edie Elementarladung, hdie Plancksche Konstante und cdie
Lichtgeschwindigkeit sind. R(λ) ist die Reflektivit¨
at und ηi(λ) die interne
Quantenausbeute des Trap-Detektors.
Eine direkte Messung der Reflektivit¨
at des Trap-Detektors ist wegen
des geringen Akzeptanzwinkels von 3◦mit dem in [28] beschriebenen
Reflektometer nicht m¨
oglich. Bezeichnet man die mit linear polarisier-
ter Laserstrahlung gemessenen Reflektivit¨
aten an einer Einzeldiode mit
R(λ, 0◦) (senkrechter Einfall), Rp(λ, 45◦) (45◦-Einfallswinkel, Polarisati-
onsebene parallel zur Einfallsebene) und Rs(λ, 45◦) (45◦-Einfallswinkel,
Polarisationsebene senkrecht zur Einfallsebene), l¨
asst sich die Reflektivit¨
at
34
des Trap-Detektors R(λ) f¨
ur unpolarisierte und senkrecht in den Detektor
einfallende Strahlung berechnen [82]:
R(λ) = R(λ, 0◦)·[Rp(λ, 45◦)Rs(λ, 45◦)]2(4.2)
F¨
ur die Berechnung der Gesamtreflektivit¨
at des Trap-Detektors wurde die
Reflektivit¨
at f¨
ur Einzeldioden gleichen Typs an den Laserlinien f¨
ur Einfalls-
winkel im Bereich von 4◦bis 55◦gemessen. Daraus wurde durch Extrapola-
tion der Wert f¨
ur die Reflektivit¨
at bei senkrechtem Einfall gewonnen. Aus-
gehend von einem Zweischichtmodell der Silizium-Photodiode, einer SiO2
Passivierungsschicht der Dicke dauf einem unendlich dickem Si-Substrat,
wurde in einem weiteren Schritt mit Hilfe der Fresnel-Gleichungen die Re-
flektivit¨
at des Trap-Detektors zwischen den Laserlinien durch Anpassen der
Schichtdicke dinterpoliert. Eine ausf¨
uhrliche Darstellung dieser Methode ist
in [82] dargestellt. In einem ersten Schritt wurde die Reflektivit¨
at explizit
berechnet. Diese Zahlenwerte lassen sich mathematisch mit einer Funktion
vom Typ
R(λ) = a·eb
λ+c·λ+f(4.3)
interpolieren.
Durch die Erweiterung des Kalibrierbereiches von 799 nm auf 1015 nm
musste das bisher benutzte Modell zur physikalischen Interpolation der
internen Quantenausbeute ηi(λ) umfassend erweitert werden [88]. Die
interne Quantenausbeute kann f¨
ur eine Silizium-Photodiode der Dicke hbei
bekanntem Absorbtionskoeffizient α(λ) wie folgt berechnet werden [31]:
ηi(λ) = Zh
0
e−α(λ)·x·α(λ)·P(x)dx (4.4)
Der Faktor P(x) beschreibt den Anteil der Strahlung der Elektron-Loch
Paare in der Diode erzeugt als Funktion der Eindringtiefe x. Verwendet
man das Modell f¨
ur P(x) aus [34] so ist die interne Quantenausbeute:
ηi(λ) = Pf+1−Pf
α(λ)T[1 −e−α(λ)T]−
−1−Pb
α(λ)(D−T)[e−α(λ)T−e−α(λ)D]−
−Pbe−α(λ)h+RbackPbe−α(λ)h
| {z }
Reflexion an der Diodenr¨
uckseite
(4.5)
F¨
ur Wellenl¨
angen gr¨
oßer als 950 nm wird der Absorbtionskoeffizient α(λ)
sehr klein und die Eindringtiefe ist in der Gr¨
oßenordnung der Dicke hder
Diode. Dadurch erh¨
oht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Photonen an der
R¨
uckseite der Diode reflektiert werden. Dies wird bei der Modellierung
35
Tabelle 4.1: Zahlenwerte f¨
ur die Fitparameter aus Gleichung 4.5 bei der Interpo-
lation der spektralen Empfindlichkeit durch anfitten an die am RTCR gemessenen
Werte f¨
ur s(λ)
Fitparameter Zahlenwert
Pf1,012 ±0,025
T,µm 1,23 ±0,33
Pb0,997 ±0,003
D,µm 20,1 ±28,9
h,µm 284,6 ±1,8
Rback 0,499 ±0,002
von ηi(λ) in Gleichung 4.5, durch Einf¨
uhrung eines Faktors Rback f¨
ur die
Reflexion an der Diodenr¨
uckseite, ber¨
ucksichtigt. Als Zahlenwerte f¨
ur α(λ)
wurden die Werte aus [65] und [32] benutzt, die mit einer mathematischen
Funktion interpoliert wurden [88].
Die mit dem Programm DATAFIT durch einen nichtlinearen Fit un-
ter Verwendung der Gleichungen 4.1, 4.3 und 4.5 berechnete Interpolation
der spektralen Empfindlichkeit ist als durchgezogene Linie in Abb. 4.1
gezeigt. Eine Zusammenfassung der Zahlenwerte f¨
ur die Fitparameter aus
Gl. 4.5 ist in Tabelle 4.1 angegeben.
4.2.2 Nichtlinearit¨
at der Silizium-Trap-Detektoren
Die Photostr¨
ome unterscheiden sich bei der Kalibrierung der Transferde-
tektoren am RTCR (350 µA) und bei der Verwendung als Transfernormale
am Spektralkomparator (150 pA - 420 pA) um etwa 6 Gr¨
oßenordnungen.
Deswegen muss sichergestellt sein, dass die spektrale Empfindlichkeit linear
im Leistungsbereichsintervall Kalibrierung - Anwendung ist. Bisherige
Messungen der Nichtlinearit¨
at bis zu einer Wellenl¨
ange von 799 nm haben
gezeigt, dass die spektrale Empfindlichkeit der verwendeten Si-Photodioden
als linear f¨
ur Str¨
ome kleiner als 0,3 mA anzusehen sind [21]. Neuere
Messungen der Nichtlinearit¨
at N(Iphoto) [88] zeigen jedoch, dass die in
den Silizium-Trap-Detektoren verwendeten Photodioden bei 900 nm und
1000 nm supralinear sind.
Bezeichnet man den Photostrom am RTCR mit IRT CR
photo bzw. am Spek-
tralkomparator mit ISP K
photo, l¨
asst sich die Korrektur der Nichtlinearit¨
at
36
berechnen [88]:
s(IRT CR
photo ) = s(IRT CR
photo ·2n)
n
Q
k=1 h1 + NIRT CR
photo ·2ni (4.6)
mit
ISP K
photo =IRT CR
photo ·2−n(4.7)
Die Strahlungsleistung bei der Kalibrierung der Trap-Detektoren am RTCR
betr¨
agt ca. 500 µW. Dies entspricht einem Photostrom von 350 µA. Die am
Spektralkomparator bei der Kalibrierung von Filterradiometern am Trap-
Detektor gemessenen Photostr¨
ome sind 150 pA bei 900 nm und 420 pA bei
1000 nm. Der Zahlenwert f¨
ur den Korrekturfaktor f¨
ur die spektrale Empfind-
lichkeit des Trap-Detektors ist unter Verwendung vom Gl. 4.6 und Gl. 4.7
gleich mit:
-λ= 900 nm
s(IRT CR
photo ) = 0.9993 ·s(ISP K
photo)
-λ= 1000 nm
s(IRT CR
photo ) = 0.9978 ·s(ISP K
photo)
Die rel. Unsicherheit uNder gemessenen Nichlinearit¨
at N(I) betr¨
agt 2·10−5
[88]. Die daraus resultierende Unsicherheit f¨
ur die Korrektur l¨
asst sich nach
[21] mit
ukorr =uN·√n(4.8)
berechnen, f¨
ur n=20 bedeutet dies eine rel. Unsicherheit von 1 ·10−4.
4.3 InGaAs-Transfernormale
Eine Erweiterung der radiometrischen Messung thermodynamischer Tem-
peraturen auf Temperaturen unter 450 ◦C erfordert Filterradiometer mit
Zentralwellenl¨
angen gr¨
oßer als 1 µm. Geeignete Detektoren f¨
ur diesen Spek-
tralbereich sind InGaAs-Photodioden [23, 24]. Entscheidend f¨
ur die ¨
Uber-
f¨
uhrung eines Detektors als Tr¨
ager der spektralen Empfindlichkeit in einen
der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit mittels einer Blende ist
dessen Homogenit¨
at bez¨
uglich der spektralen Empfindlichkeit. Eine verglei-
chende Untersuchung der Homogenit¨
at von Photodioden mit 5 mm Durch-
messer und der typischerweise in einem Trap-Detektor verwendeten Photo-
dioden mit 10 mm Durchmesser hat gezeigt, dass letztere deutlich inhomo-
gener sind (Abb. 4.2). Der sich aus der Inhomogenit¨
at ergebende Beitrag
zur Kalibrierunsicherheit der spektralen Empfindlichkeit bei 1,550 µm im
37
relative spektrale
Empfindlichkeit
relative spektrale
Empfindlichkeit
mm
mm
mm
mm
35PD10M (Ø = 10 mm)
GAP 5000 (Ø = 5 mm)
Abbildung 4.2: Homogenit¨
at der spektralen Empfindlichkeit bei der Wellenl¨
ange
1.55 µm (normiert auf das Maximum) zweier InGaAs-Photodioden, Telcom De-
vices 35PD10M (10 mm Durchmesser) und Germanium Power Devices GAP5000
(5 mm Durchmesser). Die Untersuchung der Homogenit¨
at erfolgte durch abrastern
(0.25 mm Schritte) der Dioden mit einem auf 0.3 mm Durchmesser fokussiertem
Laserstrahl [47].
Fall der gr¨
oßeren InGaAs-Photodioden ist etwa doppelt so groß wie jener
bei den Dioden mit 5 mm Durchmesser (3 ·10−4)[89]. Gleichzeitig haben
InGaAs-Photodioden eine wesentlich geringere Reflektivit¨
at (wenige Pro-
zent) als Silizium-Photodioden (ca. 30 % bei 900 nm). F¨
ur den Fall einer
Trap-Konstruktion mit InGaAs-Dioden w¨
urde nach der ersten Reflexion nur
ein sehr geringer Anteil der Strahlung die zweite Diode erreichen. Deswegen
und aus Gr¨
unden der Homogenit¨
at (f¨
ur Trap-Detektoren werden Dioden mit
10 mm Durchmesser ben¨
otigt) wurde im Gegensatz zu Silizium f¨
ur InGaAs
kein als Trap-Detektor ausgef¨
uhrtes Transfernormal verwendet, sondern eine
einzelne InGaAs-Photodiode.
4.3.1 Kalibrierung des InGaAs-Transfernormals am RTCR
Durch die hohen Anforderungen an die Unsicherheit der Kalibrierung von
Filterradiometern f¨
ur die Pr¨
azisionsradiometrie an Hohlraumstrahlern, ist es
erforderlich, dass auch die auf das InGaAs-Transfernormal abgelegte Skala
der spektralen Empfindlichkeit Unsicherheiten der gleichen Gr¨
oßenordnung
aufweist wie es bei der Absolutkalibrierung der spektralen Empfindlichkeit
38
von Silizium-Transfernormalen der Fall ist. Dies wurde erstmalig durch die
lasergest¨
utzte Absolutkalibrierung des InGaAs-Transfernormals gegen das
Detektor-Prim¨
arnormal RTCR an drei Wellenl¨
angen erreicht: 1,064 µm mit
einem Nd:YAG-Laser, und mit zwei Diodenlaser bei 1,31 µm und 1,55 µm.
Die relative Unsicherheit der spektralen Empfindlichkeit an den Laserlinien
betr¨
agt 5,5·10−4bei 1064 nm, 4,8·10−4bei 1311 nm und 5,5·10−4bei
1550 nm [89].
4.3.2 Interpolation der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur
InGaAs-Transfernormale
Durch den besonderen Aufbau der InGaAs-Photodioden ist eine Inter-
polation der spektralen Empfindlichkeit mit einem physikalischen Modell
zwischen den am RTCR an diskreten Laserlinien bestimmten spektra-
len Empfindlichkeitswerten nicht ohne Kenntnis des Schichtaufbaus der
InGaAs-Photodiode m¨
oglich. Deswegen wurde die Interpolation experi-
mentell mit Hilfe von thermischen Empf¨
angern am Spektralkomparator
durchgef¨
uhrt. Thermische Empf¨
anger weisen Strahlung durch Erw¨
armung
nach und zeichnen sich dadurch aus, dass das Ausgangssignal nur von der
absorbierten Leistung abh¨
angt und nicht von der Energie der eingestrahlten
Photonen. Deswegen ist im Gegensatz zu Quantendetektoren (Photodioden)
die spektrale Empfindlichkeit im Idealfall einer wellenl¨
angenunabh¨
angigen
Absorption keine Funktion der Wellenl¨
ange (sog. ”grauer” Empf¨
anger).
Als thermischer Empf¨
anger wurde eine Thermos¨
aule vom Typ PP1
eingesetzt [60]. Die Thermos¨
aule besteht aus einem fensterlosen Konus
aus elektrolytisch abgeschiedenen Kupfer als Empf¨
anger, dessen Innen-
seite mit einem matt-schwarzen Lack (AK-243) mit einem Emissionsgrad
von ε=0,93±0,02 [51] beschichtet ist. Die Cu-Konstantan-Thermopaare
sind so angeordnet, dass jeweils eine L¨
otstelle thermischen Kontakt mit
der Aussenseite des Konus hat, w¨
ahrend die zweite L¨
otstelle mit dem
Aussengeh¨
ause verbunden ist. Der Gesamtemissionsgrad des Empf¨
angers
wurde aus dem Wert des lokalen Emissionsgrades und den geometrischen
Abmessungen mit Hilfe des in Abschnitt 3.2.2 dargestellten Monte-Carlo
Verfahrens berechnet und betr¨
agt 0,9992±0,0003. Im Hinblick auf einen
eventuellen spektralen Gang der Schwarzschicht wurde f¨
ur die Simulation
der Wert der lokalen Emissivi¨
at von 0,88 bis 0,96 variiert. Dies f¨
uhrt zu
einer ¨
Anderung des Gesamtemissionsgrades von 9·10−4f¨
ur die Thermos¨
aule
PP1. Die Reproduzierbarkeit der Messungen mit dem Konusempf¨
anger
am Spektralkomparator betr¨
agt 1,5·10−3, deswegen kann selbst bei einer
wellenl¨
angenabh¨
angigen Variation des lokalen Emissionsgrades in dem oben
angegebenen Bereich, der Konusempf¨
anger als ein ”grauer” Empf¨
anger
angenommen werden.
39
F¨
ur die relative Kalibrierung der spektralen Empfindlichkeit wurden
die InGaAs-Diode und die Thermos¨
aule so einjustiert, dass die Empf¨
anger
unterstrahlt wurden. Daf¨
ur wurde, im Gegensatz zu den Kalibrierungen
von Filterradiometern an Transfernormalen, nicht mit einem kollimierten
Strahlenb¨
undel gearbeitet, sondern der Austrittsspalt wurde auf den jewei-
ligen Detektor im Maßstab 1:1 abgebildet, die Spaltbreite betrug 1,5 mm,
die Spalth¨
ohe 2 mm. Im Wellenl¨
angenbereich von 900 nm bis 1500 nm
wurde ein Gitter mit 651 Linien/mm, zwischen 1430 nm und 1800 nm ein
Gitter mit 325,5 Linien/mm eingesetzt. Bei einem 1,5 mm breiten Ein-
trittsspalt entspricht dies einer spektralen Bandbreite von 6 nm bzw. 12 nm.
¨
Ahnlich dem in Abschnitt 5.2.2 dargestellten Kalibrierverfahren, wer-
den die Detektoren wechselseitig in den Strahlengang gefahren. Durch
die große Zeitkonstante von 5 Sekunden f¨
ur die Thermos¨
aule, wurde vor
jeder Messung mit der Thermos¨
aule, eine Wartezeit von 30 Sekunden
eingestellt, w¨
ahrend f¨
ur die InGaAs-Diode nur eine Zeit von 2 Sekunden
zur Stabilisierung ben¨
otigt wurde.
4.3.3 Anpassung der Interpolation an die RTCR-
Absolutmessungen
Die zur Interpolation verwendete Thermos¨
aule stellt einen ”grauen” Strah-
lungsempf¨
anger dar. Deswegen l¨
asst sich die am Spektralkomparator durch
Vergleich mit der Thermos¨
aule auf den InGaAs-Transferdetektor abgelegte
relative Skala der spektralen Empfindlichkeit durch Multiplikation mit ei-
nem wellenl¨
angenunabh¨
angigen Faktor in eine absolute Skala der spektralen
Empfindlichkeit ¨
uberf¨
uhren. In Tabelle 4.2 sind die am RTCR gemessen ab-
soluten spektralen Empfindlichkeiten bei den drei Laserwellenl¨
angen (1064
nm, 1311 nm, 1550 nm), die bei diesen Wellenl¨
angen am Spektralkomparator
bestimmten relativen spektralen Empfindlichkeiten sowie die dazugeh¨
oren-
den relativen Unsicherheiten eingetragen. Die letzte Spalte stellt das Verh¨
alt-
nis von absoluter spektraler Empfindlichkeit zu relativer spektraler Empfind-
lichkeit dar. Als Anpassungsfaktor der relativen Skala an die Absolutskala
wurde der Mittelwert von 1,0023 der Verh¨
altnisse gew¨
ahlt. Durch Multiplika-
tion mit dem Anpassungsfaktor betr¨
agt die relative Abweichung f¨
ur die inter-
polierte Skala von der am RTCR an den Laserlinien bestimmten spektralen
Empfindlichkeit maximal 1,3·10−3und liegt damit noch innerhalb der Unsi-
cherheit der relativen Skala (1,6·10−3), was als Nachweis f¨
ur die wellenl¨
ange-
nunempfindlichkeit der Thermos¨
aule angesehen werden kann. Abbildung 4.3
zeigt die am RTCR an den Laserlinien bestimmte absolute spektrale Emp-
findlichkeit des InGaAs-Transfernormals und die angepasste, mit der Ther-
mos¨
aule PP1 am Spektralkomparator bestimmte spektrale Empfindlichkeit.
F¨
ur die Kalibrierung des InGaAs-Filterradiometers in 2 nm-Schritten wur-
de die in 10 nm-Schritten auf das InGaAs-Transfernormal abgelegte Skala
40
Tabelle 4.2: Absolute spektrale Empfindlichkeit (Messung gegen das RTCR) und
relative spektrale Empfindlichkeit (Messung gegen die Thermos¨
aule PP1 am Spek-
tralkomparator) des InGaAs-Transfernormals bei der Wellenl¨
ange der Laserlinien
am RTCR
λ/sRT CR
abs (λ) / u sSP K
rel (λ)u sRT CR
abs (λ) /
nm A·W−1(k= 1) (k= 1) sSP K
rel (λ)
1064 0,835101 5,5·10−40,833296 1,6·10−31,0022
1311 1,045280 4,8·10−41,044054 1,6·10−31,0012
1550 1,177067 5,5·10−41,172896 1,6·10−31,0036
mathematisch interpoliert. Die relative Gesamtunsicherheit der interpolier-
ten Skala der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur das InGaAs-Transfernormal
setzt sich zusammen aus der Unsicherheit der relativen Skala und der Un-
sicherheit der Absolutkalibrierung an den Laserlinien gegen das RTCR und
betr¨
agt 1.7·10−3.
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
1.2
1.4
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
λ
/ nm
sInGaAs (
λ
) / A•W-1
Interpolation mit PP1
RTCR
Abbildung 4.3: Spektrale Empfindlichkeit des InGaAs-Transferdetektors. Darge-
stellt sind die Empfindlichkeitswerte aus der absoluten Kalibrierung an den Laser-
linien gegen das RTCR (•) sowie die mit der Thermos¨
aule PP1 interpolierte und
an die Absolutmessungen angepasste spektrale Empfindlichkeit ().
41
4.4 Das InGaAs Filterradiometer
Eine Schnittzeichnung des Filterradiometers mit einer InGaAs-Photodiode
ist in Abbildung 4.4 dargestellt. Der Aufbau stellt eine modifizerte Ver-
sion der in [82] beschriebenen Filterradiometer mit Si-Photodioden dar.
Das Interferenzfilter hat eine Schwerpunktwellenl¨
ange von 1595 nm und
eine spektrale Bandbreite (FWHM) von 100 nm. Im Gegensatz zu den
10 mm ×10 mm Si-Photodioden (Hamamtsu S1337), haben, wie bereits bei
dem InGaAs-Transfernormal beschrieben, InGaAs-Photodioden ausreichen-
der Homogenit¨
at (Fermionics FD5000W) eine empfindliche Fl¨
ache von nur
5 mm Durchmesser. Um den gesamten Strahlungsfluss innerhalb des durch
BNC-Buchse
thermostatisiertes
Gehäuse (Wasser)
Miniatur x-y
Verschiebeeinheiten,
arretierbar
Pt100
Temperatur-
sensor
Interferenzfilter,
lc=1595 nm,
FWHM = 100 nm
Präzisions-
blende
Æ= 3 mm
InGaAs – Photodiode
FD5000W (Fermionics)
aktive Fläche: Æ= 5 mm
Abbildung 4.4: InGaAs-Filterradiometer
zwei Blenden und deren Abstand definierten Raumwinkels zu erfassen, mus-
ste der Abstand zwischen Blende und Photodiode um 20 mm auf 53 mm
verringert werden. Analog dem Aufbau der Silizium-Filterradiometer, ist
die InGaAs-Diode um 5◦zur optischen Achse geneigt, um Interreflexionen
mit dem Interferenzfilter zu vermeiden. Mit dieser Geometrie sind bei einem
42
Strahlerblendendurchmesser von 20 mm Bestrahlungsst¨
arkemessungen f¨
ur
Abst¨
ande zwischen Filterradiometerblende und Strahlerblende von 750 mm
und gr¨
oßer m¨
oglich. Die verringerte Fl¨
ache des Detektors erfordert eine pr¨
a-
zise Zentrierung der InGaAs-Diode auf der optischen Achse des Filterradio-
meters. Durch die Neigung der Diode und die Keilung des Interferenzfilters
ist ein relativer Versatz des Strahlenb¨
undels zum Detektor m¨
oglich. Vor dem
Zusammenbau des Filterradiometers wurde die Diode mittels zweier fest-
stellbaren Miniaturverschiebetische im Filterradiometer, unter Verwendung
eines parallelen Strahlenb¨
undels am Spektralkomparator, hinter Blende und
Interferenzfilter mittig zur optischen Achse einjustiert.
43
44
Kapitel 5
Der Spektralkomparator
5.1 Experimenteller Aufbau
F¨
ur die Kalibrierung der Filterradiometer wurde auf Basis eines bereits be-
stehenden Messaufbaus ein neuartiger Messplatz entwickelt, der folgende
Anforderungen erf¨
ullen musste:
•Bei der Kalibrierung von schmalbandigen Detektoren z.B. Fil-
terradiometern mit Interferenzfiltern der spektralen Bandbrei-
te von 10 nm - 20 nm gegen breitbandige Transferdetektoren
(Trap-Detektoren oder Einzeldioden) ist eine Streulichtunterdr¨
uckung
von mindestens 2 ·10−6bezogen auf das Nutzsignal erforderlich
(Abschnitt 5.4). Typische Werte f¨
ur Einfachmonochromatoren liegen
in der Gr¨
oßenordnung von 2 ·10−5[75]. Um den geforderten Wert
zu erreichen, wurde in den Aufbau ein Prismenmonochromator
(Fa. LEISS) als Vormonochromator integriert. Die Kombination
Prismenmonochromator-Gittermonochromator hat, gleiche Streu-
lichtunterdr¨
uckung vorrausgesetzt, gegen¨
uber einem Doppelmono-
chromator folgende Vorteile: die Transmission des Gesamtsystems
ist h¨
oher und durch die Verwendung eines Prismenmonochromators
werden Ordnungsfilter nicht mehr ben¨
otigt.
•F¨
ur die Anwendung von Filterradiometern als Detektoren vor einer
Quelle wie dem Hohlraumstrahler LABB, ist es notwendig, dass die-
se Detektoren unter den gleichen Bedingungen kalibriert werden wie
in der Anwendung, d.h. unter Verwendung von unpolarisiertem Licht.
Die von Monochromatoren zur Verf¨
ugung gestellte optische Strahlung
ist jedoch teilweise polarisiert [18, 64]. Aufgrund der Polarisationsemp-
findlichkeit von Filterradiometern und Transferdetektoren [36, 37] ist
diese Problematik eine Quelle von systematischen Fehlern bei der Kali-
brierung von Filterradiometern am Spektralkomparator. Durch Einf¨
u-
gen eines Linearpolarisators in den Strahlengang hinter dem Austritts-
45
spalt des Monochromators wird ein genau definierter Polarisationszu-
stand erreicht. Dadurch l¨
asst sich, unter Verwendung des in Abschnitt
5.3 hergeleiteten Kalibrieralgorithmus, das dargestellte Problem l¨
osen.
Eine schematische Darstellung des Spektralkomparators ist in Abb. 5.1
dargestellt. Als Strahlungsquelle wurde eine 250-W-Wolfram-Halogenlampe
verwendet. Die Quelle wird im Maßstab 1:1 auf den Eintrittsspalt des Vor-
f=450 mm
f=300 mm
f=150 mm
Shutter
Shutter
Halogen-
lampe
Filterrad
für Ordnungsfilter
Monochromator Zeiss
SPM2 (f=400 mm)
Glan-
Thompson
Prisma
Filter-
radiometer
Trap-
Detektor
Verschiebetisch
Lichtdichte Kabine
Leiss Prismen-
monochromator
Spektral-
/Halogenlampe
Spektral-
lampe
Abbildung 5.1: Spektralkomparator
monochromators abgebildet. Der Ausstrittsspalt des Vormonochromators
wird dann ¨
uber einen Hohlspiegel (f=450 mm) auf den Eintrittsspalt des
Gittermonochromators (Fa. Zeiss Typ SPM2, im folgenden als Hauptmo-
nochromator bezeichnet) im Maßstab 1:1 abgebildet. F¨
ur die Kalibrierung
der Filterradiometer mit Siliziumdioden bis zu einer Wellenl¨
ange von
λ=1200 nm wurden im Hauptmonochromator Gitter mit einer Furchen-
dichte von 1200 Linien/mm und 1302 Linien/mm verwendet, ensprechend
einer reziproken Lineardispersion von 2,2 nm/mm und 2 nm/mm. Bei
der Kalibrierung des InGaAs-Filterradiometers wurden Gitter mit
651 Linien/mm (λmax = 1.5 µm) und 325.5 Linien/mm (λmax = 2.9 µm)
benutzt, entsprechend einer reziproken Lineardispersion von 4 nm/mm
bzw. 8 nm/mm. Die Spaltbreite des Vormonochromators wurde so gew¨
ahlt,
dass die spektrale Spaltbreite etwa das zehnfache der spektralen Spaltbreite
des Hauptmonochromators betrug.
46
Beide Monochromatoren werden mit Hilfe von Spektrallampen kali-
briert und mit Schrittmotoren wellenl¨
angensynchron verfahren. Ein
Schritt entspricht f¨
ur die Gitter mit Furchendichten von 1302 Linien/mm,
651 Linien/mm und 325,5 Linien/mm jeweils einer Wellenl¨
angen¨
anderung
6,5 pm, 13 pm und 26 pm.
Der Austrittsspalt des Hauptmonochromators wird ¨
uber eine Spiegel-
optik zu einem homogenen Strahlenb¨
undel kollimiert und durch Einf¨
ugen
eines Glan-Thompson-Polarisationprismas linear polarisiert. Entscheidend
f¨
ur die Homogenit¨
at des Strahlenb¨
undels ist die Begrenzung der H¨
ohe des
Austrittsspaltes auf 2 mm. Um Interreflexionen zwischen den Oberfl¨
achen
des Prismas und den hochreflektierenden Blenden der Detektoren zu
verhindern, wurde das Prisma um 2,5◦zur optischen Achse verkippt.
Durch eine Vorblende werden m¨
ogliche st¨
orende Reflexe unterdr¨
uckt. Mit
einem Durchmesser von 6,5 mm ist diese so gew¨
ahlt, dass die Blenden
der Empf¨
anger, maximaler Durchmesser 5 mm, ¨
uberstrahlt werden. Die
Detektoren sind auf einem Linearverschiebetisch montiert, dessen Repro-
duzierbarkeit f¨
ur die horizontalen Position 10 µm betr¨
agt. Filterradiometer
und Transfernormale werden ¨
uber Thermostate auf (25,00 ±0,05) ◦C tem-
periert. Zus¨
atzlich ist zwischen den Detektoren und dem Verschiebetisch
eine auf 25 ◦C temperierte Bodenplatte angebracht, die eine Erw¨
armung
der Detektoren durch den Schrittmotor des Verschiebetisches verhindert.
5.2 Kalibrierung der Filterradiometer
5.2.1 Prinzip und Begriffsbestimmung
Ziel der Kalibrierung am Spektralkomparator ist die ¨
Ubertragung der
spektralen Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit eines absolut kalibrierten
Transferdetektors (TD) auf die Filterradiometer (FR). Durch Einbau einer
Pr¨
azisionsblende der Fl¨
ache Atransfer vor dem Transferdetektor, wird der in
Einheiten der spektralen Empfindlichkeit s(λ) kalibrierte Transferdetektor,
bei ¨
Uberstrahlung dieser Blende in einem homogenen Strahlungsfeld, in ein
Transfernormal f¨
ur spektrale Bestrahlungst¨
arke sE(λ)¨
uberf¨
uhrt:
sE(λ) = Atransfer ·s(λ).(5.1)
Im Idealfall (Dunkelstrom = 0) ist der in einem Strahlungsfeld der Bestrah-
lungsst¨
arke E(λ) von einem Detektor mit der Bestrahlungst¨
arkeempfindlich-
keit sDet
E(λ) gemessene Photostrom IDet
photo(λ) gleich :
IDet
photo(λ) = E(λ)·sDet
E(λ).(5.2)
Werden beide Detektoren, Transferdetektor und Filterradiometer, in ein
Strahlungsfeld derselben Bestrahlungsst¨
arke gebracht, l¨
asst sich aus der
47
Messung der jeweiligen Photostr¨
ome und der Kenntnis der spektralen Be-
strahlungsst¨
arkeempfindlichkeit des Transferdetektors die spektrale Bestrah-
lungsst¨
arkeempfindlichkeit des Filterradiometers berechnen:
sF R
E(λ) = IF R
photo(λ)
Itransfer
photo (λ)·sT D
E(λ).(5.3)
Geeignete Gr¨
ossen zur Charakterisierung der Filterradiometer sind das In-
tegral der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit IS
Is=
λmax
Z
λmin
sF R
E(λ)dλ (5.4)
und die Schwerpunktswellenl¨
ange λSP
λSP =
λmax
R
λmin
sF R
E(λ)λdλ
λmax
R
λmin
sF R
E(λ)dλ
.(5.5)
Bedingt durch die k¨
urzestm¨
ogliche Wellenl¨
ange der verwendeten Monochro-
matorgitter, betr¨
agt der Wert f¨
ur λmin bei der Kalibrierung aller Filterradio-
meter am Spektralkomparator 420 nm. Es l¨
asst sich zeigen, dass f¨
ur alle Fil-
terradiometer f¨
ur Bestrahlungst¨
arkemessungen an einem Schwarzen Strahler
mit einer Temperatur von 933 K, der Beitrag aus dem Wellenl¨
angenbereich
von 200 nm bis 420 nm zum Gesamtsignal des Filterradiometers kleiner als
5·10−7und somit vernachl¨
assigbar ist. Der Wert f¨
ur λmax ist abh¨
angig von
der Art des Detektors. Bei den Filterradiometern mit Si-Photodioden be-
tr¨
agt er 1500 nm (800-nm-FR: 1200 nm), f¨
ur das InGaAs-Filterradiometer
1820 nm. Oberhalb 1200 nm f¨
ur Silizium bzw. 1800 nm f¨
ur InGaAs nimmt
aufgrund der Bandkante der Absorbtionskoeffizient und damit die spektrale
Empfindlichkeit rapide ab und liefert deswegen keinen Beitrag zum Signal
des Filterradiometers.
5.2.2 Durchf¨
uhrung der Messungen
Vor der Kalibrierung werden die Detektoren mit einem, in der optischen
Achse liegenden Pilotlaserstrahl (Ar+-Laser: 488 nm und He-Ne-Laser:
632,8 nm) mit Hilfe des R¨
uckreflexes der Detektorblenden senkrecht zum
Strahlenb¨
undel ausgerichtet. Mit einem inkrementalen Messtaster werden
Filterradiometer und Transferdetektor in Richtung der optischen Achse so
justiert, dass ihre Blenden in einer gemeinsamen Ebene liegen. Damit wird
sichergestellt, dass bei einer geringen Divergenz des Strahlenb¨
undels beide
Detektoren die gleiche Bestrahlungsst¨
arke messen. Die Genauigkeit der
48
Position in Richtung der optischen Achse betr¨
agt etwa 0,02 mm. Abschlie-
ßend werden die Detektoren in horizontaler und vertikaler Richtung mittig
zum Strahlenb¨
undel ausgerichtet. Beide Detektoren werden wechselseitig
an die gleiche Position innerhalb des homogenen Strahlenb¨
undels gefahren,
dabei werden die Blenden der Detektoren ¨
uberstrahlt. Der Kalibrierzyklus
bei einer Wellenl¨
ange umfaßt f¨
ur beide Detektoren jeweils die Messung der
Photostr¨
ome w¨
ahrend f¨
unf Hell- und f¨
unf Dunkelmessungen (die Quelle
wird durch einen Shutter ausgeblendet). Dieser Zyklus wird typischer-
weise dreimal wiederholt. Der charakteristische Verlauf der spektralen
Empfindlichkeit der in dieser Arbeit verwendeten Filterradiometer ist in
Abbildung 5.2 dargestellt. Man unterscheidet f¨
ur den Kalibrierungsprozess
1.0E-15
1.0E-14
1.0E-13
1.0E-12
1.0E-11
1.0E-10
1.0E-09
1.0E-08
1.0E-07
1.0E-06
1.0E-05
1.0E-04
400
600
800
1000
1200
1400
1600
Wellenlänge / nm
spektrale
Bestrahlungsstärkeempfindlichkeit /
A•W-1•m2
Blockungsbereich
Blockungsbereich
Bandpass
Abbildung 5.2: Typischer Verlauf der spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlich-
keit f¨
ur die in dieser Arbeit verwendeten Filterradiometer, hier das Filterradiometer
mit λSP = 902 nm
zwei Bereiche der spektralen Empfindlichkeit: den Bandpassbereich und
den Blockungsbereich.
Im Bereich des Bandpasses, in dem sich die Empfindlichkeit ¨
uber mehr
als vier Gr¨
oßenordnungen ¨
andert, betr¨
agt die Wellenl¨
angen-Schrittweite
des Monochromators 0.5 nm f¨
ur die Filteradiometer mit Si-Diode und
2 nm f¨
ur das InGaAs-Filterradiometer. Je nach Art des Filterradiome-
ters wird dieser Bereich drei (InGaAs) bis f¨
unf mal (Silizium) bei einer
Kalibrierung gemessen. Die Photostrommessung geschieht ¨
uber einen
49
Strom/Spannungswandler und ein Digitalvoltmeter. Im Bandpass des
Filterradiometers wird f¨
ur beide Detektoren der gleiche R¨
uckkopplungs-
widerstand (typ. 1 GΩ) des Strom/Spannungswandlers verwendet, der
Absolutwert des Widerstands geht daher nicht in die Auswertung ein. Die
Kalibrierung der Detektoren f¨
ur unpolarisierte Strahlung erfordert einen
zweiten Kalibrierschritt (siehe Abschnitt 5.3). Daf¨
ur wird das Filterradio-
meter um 90◦um die optische Achse gedreht (90◦-Stellung), die Position
des Transferdetektors und die Lage der Polarisationsebene, festgelegt durch
das Glan-Thompson-Prisma als Linearpolarisator, bleiben unver¨
andert.
Nach der Neujustage der Detektoren, werden diese in dieser Anordnung
erneut unter den gleichen Messbedingungen wie bei der urspr¨
unglichen
Orientierung des Filterradiometers (0◦-Stellung) kalibriert.
Wegen der starken Blockung der Interferenzfilter im Blockungsbereich
tr¨
agt dieser nur wenig zum Integral der spektralen Empfindlichkeit bei
(≈3·10−4) und wird im Gegensatz zum h¨
aufig kalibrierten Bandpassbe-
reich nur in gr¨
oßeren Zeitabst¨
anden rekalibriert. Die Kalibrierung wird
hier ohne Polarisator durchgef¨
uhrt, weil durch den geringen Beitrag des
Blockungsbereiches zum Integral Polarisationseffekte vernachl¨
assigbar
sind. F¨
ur den Monochromator wurde in diesem Bereich die Schrittweite
f¨
ur die Wellenl¨
ange zu 10 nm, die Spaltbreite des Hauptmonochroma-
tors zu 1,5 mm gew¨
ahlt. Das nominale Widerstandsverh¨
altnis betr¨
agt
1 GΩ : 10 GΩ (Transferdetektor : Filterradiometer), das f¨
ur die Auswer-
tung notwendige absolute Widerstandsverh¨
altnis wurde radiometrisch mit
einem Silizium-Trap-Detektor gemessen. Dazu wurde nacheinander mit
jeweils einem der beiden R¨
uckkopplungswiderst¨
ande (1 GΩ und 10 GΩ)
des Strom/Spannugswandlers eine Photostrommessung am Spektral-
komparator durchgef¨
uhrt und aus dem Verh¨
altnis der Photostr¨
ome das
Widerstandsverh¨
altnis berechnet.
5.2.3 Auswertung der Messungen
F¨
ur die von beiden Detektoren in einer Polarisationsrichtung ge-
messenen Photostr¨
ome IF R,Hell
photo (λ), IF R,Dunkel
photo (λ), Itransfer,Hell
photo (λ) und
Itransfer,Dunkel
photo (λ) gilt:
IF R,corr
photo (λ) = IF R,Hell
photo (λ)−IF R,Dunkel
photo (λ)
=sF R
E(λ)·EMon(λ)(5.6)
Itransfer,corr
photo (λ) = Itransfer,Hell
photo (λ)−Itransfer,Dunkel
photo (λ)
=stransfer
E(λ)·EMon(λ)(5.7)
wobei sF R
E(λ), stransfer
E(λ),die spektrale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeiten
der Detektoren und EMon(λ) die Bestrahlungss¨
arke des Monochromators am
50
Ort der Blende der Detektoren ist. Nach Division der Gleichungen 5.6 durch
5.7 erh¨
alt man durch Umformung die spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfind-
lichkeit des Filterradiometers f¨
ur eine Polarisationsrichtung:
sF R
E(λ) = stransfer
E(λ)·IF R,corr
photo (λ)
Itransfer,corr
photo (λ)(5.8)
Die spektrale Empfindlichkeit der Filterradiometer f¨
ur Messungen an einer
unpolarisierten Quelle (Hohlraumstrahler) ist der arithmetische Mittelwert
aus den beiden Kalibrierungen mit linear polarisiertem Licht (Filterradio-
meter in 0◦-Stellung und 90◦Stellung):
sF R
E,unpol(λ) = 1
2·sF R
E,0◦(λ) + sF R
E,90◦(λ)(5.9)
Der folgenden Abschnitt analysiert den Einfluss der Polarisation bei der
Kalibrierung der Filterradiometer und begr¨
undet auch Gleichung 5.9 f¨
ur
die Auswertung der Kalibrierung. Abbildung 5.3 gibt einen ¨
Uberblick ¨
uber
die spektrale Empfindlichkeit der im Rahmen dieser Arbeit verwendeten
Filterradiometer.
51
VSHNWUDOH%HVWUDKOXQJVVWlUNHHPSILQGOLFKNHLW
$±:±P
:HOOHQOlQJHQP
6L
,Q*D$V
Abbildung 5.3: ¨
Uberblick der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit f¨
ur die im Rahmen dieser Arbeit verwendeten Filterradio-
meter (Silizium- und IndiumGalliumArsenid-Photodioden). Die Markierungen oberhalb der Empfindlichkeitskurven kennzeichnen den
regelm¨
aßig kalibrierten Bandpass-Bereich
52
5.3 Polarisationseffekte
Bei der Verwendung eines Monochromators ist die Strahlung am Aus-
trittsspalt teilweise polarisiert. Der Polarisationszustand ist abh¨
angig
vom verwendeten Gitter und der eingestellten Wellenl¨
ange [18, 64]. An-
dererseits zeigen sowohl Trap-Detektoren wie auch Detektoren auf Basis
von Einzeldioden, z.B. Filterradiometer, eine Abh¨
angigkeit der spektra-
len Empfindlichkeit in Bezug auf die Polarisation der einfallenden Strahlung.
Als Ursache f¨
ur die Polarisationsabh¨
angigkeit bei Trap-Detektoren
wird die nicht perfekte Ausrichtung der einzelnen Dioden angegeben [36, 37]
(z.B. ist die Ebene des Keramiktr¨
agers der Photodiode nicht paralell mit
der Ebene des Photodioden-Chips). Der im Rahmen dieser Arbeit f¨
ur die
Kalibrierung der Filterradiometer verwendete Trap-Detektor wurde mit
linear polarisiertem Laserlicht hinsichtlich der Polarisationsabh¨
angigkeit
der spektralen Empfindlichkeit bei mehreren Wellenl¨
angen untersucht. Die
maximale relative ¨
Anderung der spektralen Empfindlichkeit betrug bei
799 nm 1.5·10−4bei 900 nm 1.2·10−4und bei 1000 nm 1.0·10−3. F¨
ur
die als Transfernormal benutzte InGaAs-Photodiode betr¨
agt die maximale
¨
Anderung der spektralen Empfindlichkeit bei 1550 nm 1.5·10−3[47].
Die spektrale Empfindlichkeit h¨
angt von der Reflektivit¨
at R(λ) der
Diode ab (Gl. 4.1). Ausgehend von den Fresnel-Gleichungen l¨
asst sich
zeigen, dass f¨
ur eine Einzeldiode bei exakt senkrechter Bestrahlung, die
Reflektivit¨
at nicht von der Polarisationsrichtung abh¨
angt [36]. In den
verwendeten Filterradiometern wurde die Diode um 5◦zur optischen Achse
geneigt eingebaut, um Interreflexionen zwischen Interferenzfilter und Diode
zu verhindern. Betrachtet man die Diode als ein Zwei-Schicht-System mit
30 nm SiO2auf einem halbunendlichen Si-Substrat, betr¨
agt der relative
Unterschied der Reflektivit¨
at bei Bestrahlung bei einer Wellenl¨
ange von
λ= 1003 nm jeweils in s- und p-Richtung 8 ·10−3. Eine zus¨
atzliche
Quelle der Polarisationsabh¨
angigkeit ist das auf einem gekeilten Substrat
aufgebrachte Schichtensystem des Interferenzfilters. Selbst f¨
ur den Idealfall
eines polarisationsunempfindlichen Transferdetektors kann es aufgrund
der Polarisationsempfindlichkeit des Filterradiometers und der wellenl¨
an-
genabh¨
angigen, partiell polarisierten Strahlung des Monochromators bei
der ¨
Ubertragung der spektralen Empfindlichkeit vom Transferdetektor auf
das Filterradiometer zu systematischen Fehlern in der Kalibrierung kommen.
In einem Vorversuch wurde ein Filterradiometer ohne die Verwen-
dung eines Polarisators im Strahlengang (λSP = 1003 nm) kalibriert,
dann um 90◦um die optische Achse gedreht und rekalibriert. Der relative
Unterschied im Integral der spektralen Empfindlichkeit zwischen diesen
beiden Orientierungen betrug 3 ·10−3. Dies ist etwa die H¨
alfte des im Falle
53
einer 100%-Polarisation des Monchromators m¨
oglichen Wertes.
Ein L¨
osungsweg f¨
ur dieses Problem soll in den folgenden Abschnitten
unter Verwendung des Formalismus nach Stokes und M¨
uller [11] erl¨
autert
werden.
5.3.1 Beschreibung der Quelle
Der Polarisationszustand einer beliebigen Quelle l¨
asst sich durch einen
Stokes-Vektor beschreiben [11]:
~
S(λ) =
S0(λ)
S1(λ)
S2(λ)
S3(λ)
(5.10)
Die erste Komponente des Stokes-Vektors S0ist gleich der Bestrahlungst¨
arke
der Quelle, w¨
ahrend S1,S2und S3Aussagen ¨
uber den Polarisationszustand
machen.
Die Strahlung eines idealen Hohlraumstrahlers ist unpolarisiert [44].
Um den Einfluss einer eventuellen Polarisation der Hohlraumstrahlung des
LABB zu untersuchen, wurden drei Bestrahlungsst¨
arkemessungen mit dem
1003-nm-Filterradiometer vor dem Hohlraumstrahler bei gleichem Abstand
Strahlerblende-Detektorblende durchgef¨
uhrt. F¨
ur die zweite Messung wurde
das Filterradiometer um die optische Achse um 90◦gedreht. Die dritte
Messung erfolgt dann in der urspr¨
unglichen Orientierung zur ¨
Uberpr¨
ufung
der Reproduzierbarkeit. Innerhalb der Reproduzierbarkeit von 2 ·10−4
konnte kein Unterschied im gemessenen Photostrom festgestellt werden.
Deswegen kann man bei den weiteren Betrachtungen im Falle des Hohl-
raumstrahlers LABB von einer unpolarisierten Quelle ausgehen. Er l¨
aßt sich
damit mathematisch durch einen wellenl¨
angenabh¨
angigen Stokes-Vektor
~
SLABB wie folgt darstellen:
~
S(λ)LABB =
ELABB(λ)
0
0
0
(5.11)
Die erste Komponente des Stokes-Vektors ELABB beschreibt die Bestrah-
lungsst¨
arke des Hohlraumstrahlers am Ort der Filterradiometerblende. Da
die Strahlung unpolarisiert ist, sind die Komponenten S1(λ), S2(λ) und
S3(λ) gleich Null. Das Filterradiometer stellt einen Polarisator dar, der sich
54
allgemein mit einer M¨
uller- Matrix MF R
0◦(λ) charakterisieren l¨
asst 1[11]. Da-
mit werden die polarisierenden Eigenschaften von Interferenzfilter und der
zur optischen Achse geneigten Si-Diode beschrieben:
MF R
0◦(λ) =
=1
2
p2
x(λ) + p2
y(λ)p2
x(λ)−p2
y(λ) 0 0
p2
x(λ)−p2
y(λ)p2
x(λ) + p2
y(λ) 0 0
0 0 2px(λ)py(λ) 0
0 0 0 2px(λ)py(λ)
(5.12)
Der Stokes-Vektor ~
SF R(λ) am Ort des Empf¨
angers ist gleich
~
SF R(λ) = MF R
0◦(λ)·~
SLABB(λ) =
=1
2
ELABB(λ)·p2
x(λ) + p2
y(λ)
ELABB(λ)·p2
x(λ)−p2
y(λ)
0
0
(5.13)
Der vom Filterradiometer gemessene Photostrom IF R
photo ist mit der Bestrah-
lungsst¨
arke ELABB (λ) des LABB ¨
uber die Gleichung
IF R
photo (λ) = sF R
E(λ)·ELABB (λ) (5.14)
verkn¨
upft, wobei sF R
E(λ) die spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit
des Filterradiometers ist. Die Bestrahlungst¨
arke EF R(λ) am Ort der nun
”polarisationsunempfindlichen” Diode ist gleich:
EF R(λ) = 1
2p2
x(λ) + p2
y(λ)·ELABB(λ) (5.15)
Man kann nun der Diode eine ”polarisationsunempfindliche” spektrale Be-
strahlungsst¨
arkeempfindlichkeit sF R
E,Diode(λ) zuordnen. F¨
ur den Photostrom
der Diode l¨
asst sich mit Hilfe von (5.15) nun schreiben:
IF R
photo (λ) = sF R
E,Diode(λ)·EF R(λ) =
=1
2·sF R
E,Diode(λ)·p2
x(λ) + p2
y(λ)·ELABB(λ) (5.16)
Vergleicht man Gl. 5.14 mit Gl. 5.16, erkennt man, dass die ben¨
otigte spek-
trale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit sF R
E(λ) eines polarisationsempfindli-
chen Filterradiometers f¨
ur Messungen an einer unpolarisierten Quelle wie
dem LABB aus zwei Teilen besteht:
sF R
E(λ) = 1
2·sF R
E,Diode(λ)·p2
x(λ) + 1
2·sF R
E,Diode(λ)·p2
y(λ) (5.17)
1Der mechanische Aufbau des Filterradiometers ist so gestaltet, dass zwei orthogonale
Einbaupositionen bez¨
uglich der Drehung um die optische Achse m¨
oglich sind, die willk¨
ur-
lich mit 0◦und 90◦bezeichnet werden
55
Das Messverfahren f¨
ur die beiden Anteile der spektralen Bestrahlungsst¨
ar-
keempfindlichkeit wird im folgenden Abschnitt erl¨
autert.
5.3.2 Polarisation am Monochromatorsystem
Die, je nach verwendetem Gitter und Wellenl¨
ange, teilweise polarisierte
Strahlung am Austrittsspalt des Monochromators, l¨
asst sich durch den
Stokes-Vektor
~
SMo(λ) =
S0,Mo(λ)
S1,Mo(λ)
S2,Mo(λ)
S3,Mo(λ)
(5.18)
beschreiben. F¨
ur einen idealen Linearpolarisator mit der willk¨
urlich gew¨
ahl-
ten Polarisationsebene in x-Richtung, d.h. p2
y(λ) = 0, lautet die M¨
uller-
Matrix:
MLin =1
2·p2
x,Lin(λ)
1 1 0 0
1 1 0 0
0 0 0 0
0 0 0 0
(5.19)
Wird dieser hinter dem Austrittsspalt angeordnet, wird die Strahlung linear
polarisiert. Die mathematische Formulierung dieses Vorgangs lautet:
~
S∗
Mo(λ) = MLin ·~
SMo(λ) =
=1
2·p2
x,Lin(λ)·
S0,Mo(λ) + S1,Mo(λ)
S0,Mo(λ) + S1,Mo(λ)
0
0
=
S∗
0,Mo(λ)
S∗
0,Mo(λ)
0
0
| {z }
”neue Quelle”
(5.20)
Durch die Anordnung eines Linearpolarisators hinter dem Austrittsspalt
wird eine neue, definiert polarisierte Quelle geschaffen und man wird un-
abh¨
angig von den polarisierenden Eigenschaften des Monochromators und
anderen optischen Bauelementen im Strahlengang.
5.3.3 Kalibrierung der Filterradiometer
Bei der Kalibrierung der Filterradiometer wird die spektrale Bestrahlungs-
st¨
arkeempfindlichkeit von einem absolut kalibrierten Transferdetektor auf
das Filterradiometer ¨
ubertragen. F¨
ur einen beliebigen polarisationsemp-
findlichen Detektor (Transfernormal oder Filterradiometer), dessen Pola-
risationseigenschaften durch die M¨
uller-Matrix MDet
0◦(λ) beschrieben wer-
den, l¨
asst sich bei Verwendung am Spektralmeßplatz mit linear polarisierter
56
Strahlung nach Stokes schreiben:
~
SDet(λ) = MDet
0◦(λ)·~
S∗
Mo(λ) (5.21)
beziehungsweise in Einheiten der Bestrahlungsst¨
arke:
EDet(λ) = 1
2p2
x,Det(λ)E∗
Mo(λ) (5.22)
F¨
uhrt man, wie im Abschnitt 5.3.1, eine spektrale Bestrahlungst¨
arkeemp-
findlichkeit sDet,pu
E(λ) f¨
ur einen ”polarisationsunabh¨
angigen” Detektor ein,
ist der gemessene Photostrom gleich mit:
IDet
P hoto(λ) = sDet
E(λ)·E∗
Mo(λ) = 1
2·p2
x,Det(λ)·sDet,pu
E(λ)E∗
Mo(λ) (5.23)
W¨
ahrend der Kalibrierung werden, unter Beibehaltung der Wellenl¨
ange, die
Photostr¨
ome beider Detektoren gemessen und das Verh¨
altnis Q0◦
I(λ) gebil-
det:
Q0◦
I(λ) = IF R,0◦
P hoto (λ)
Itransfer
P hoto (λ)=p2
x,F R(λ)·sF R,Diode
E(λ)
p2
x,transfer(λ)·stransfer,unpol
E(λ)(5.24)
Das Transfernormal (Si-Trap-Detektor oder InGaAs-Einzeldiode) wird bei
der Kalibrierung am Spektralkomparator in der gleichen Orientierung hin-
sichtlich der Polarisationsebene wie bei der Kalibrierung gegen das Kryora-
diometer RTCR einjustiert. Deswegen ist der Nenner aus Gl. 5.24 gleich der
durch die Kalibrierung gegen das RTCR auf den Transferdetektor abgeleg-
ten spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit stransfer
E(λ). Durch Um-
formung der Gl. 5.24 resultiert der erste Anteil f¨
ur die spektrale Bestrah-
lungst¨
arkeempfindlichkeit aus Gl. 5.17:
p2
x,F R(λ)·sF R,Diode
E(λ) = Q0◦
I(λ)·stransfer
E(λ) (5.25)
Im n¨
achsten Kalibierschritt wird das Filterradiometer um 90◦um die opti-
sche Achse gedreht, der Polarisator und der Transferdetektor bleiben dabei
unver¨
andert. Durch die Rotation ver¨
andert sich die M¨
uller-Matrix des Fil-
terradiometers. Die neue M¨
uller-Matrix erh¨
alt man laut [11] mit Hilfe der
Rotationsmatrix MR(2θ), wobei θder Drehwinkel ist:
MR(2θ) =
1 0 0 0
0 cos 2θsin 2θ0
0−sin 2θcos 2θ0
0 0 0 1
(5.26)
57
Die M¨
uller-Matrix des um 90◦rotierten Filteradiometers ist gleich mit:
MF R
90◦(λ) = MR(−180◦)·MF R
0◦(λ)·MR(180◦) =
=1
2
p2
x(λ) + p2
y(λ)p2
y(λ)−p2
x(λ) 0 0
p2
y(λ)−p2
x(λ)p2
x(λ) + p2
y(λ) 0 0
0 0 2px(λ)py(λ) 0
0 0 0 2px(λ)py(λ)
(5.27)
Verwendet man den gleichen Gedankengang wie bei der 0◦-Stellung des Fil-
terradiometers, kann man f¨
ur den Quotienten der gemessen Photostr¨
ome
schreiben:
Q90◦
I(λ) = IF R,90◦
P hoto (λ)
Itransfer
P hoto (λ)=p2
y,F R(λ)·sF R,Diode
E(λ)
stransfer
E(λ)(5.28)
oder
p2
y,F R(λ)·sF R,Diode
E(λ) = Q90◦
I(λ)·stransfer
E(λ).(5.29)
welches dem zweiten Teil aus Gl. 5.17 entspricht. Zusammenfassend l¨
asst
sich sagen, dass man die spektrale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit eines
polarisationsempfindlichen Filterradiometers f¨
ur die Verwendung vor einem
unpolarisierten Hohlraumstrahler durch zwei getrennte Kalibrierungen mit
linear polarisierten Licht erh¨
alt. Dabei wird Polarisationsebene und Einbau-
richtung des Transferdetektors festgehalten, das Filterradiometer wird in
zwei zueinander orthogonalen Stellungen einjustiert. Die spektrale Bestrah-
lungsempfindlichkeit des Filterradiometers ist gleich mit:
sF R
E(λ) = 1
2·stransfer
E(λ)·hQ0◦
I(λ) + Q90◦
I(λ)i(5.30)
5.4 Streulichteffekte
Werden Monochromatoren bei der ¨
Ubertragung der spektralen Bestrah-
lungsst¨
arkeempfindlichkeit von Transferdetektoren auf Filterradiometer be-
nutzt, muss die Tatsache ber¨
ucksichtigt werden, dass auch Strahlungslei-
stung ausserhalb des nominalen spektralen Bandpasses des Monochromators
den Austrittspalt erreicht. Diese Strahlungsleistung wird als ”Streulicht” be-
zeichnet. Als Ursache f¨
ur Streulicht sind in erster Linie das Gitter und das
Geh¨
ause des Monochromators zu nennen [79].
5.4.1 Voruntersuchungen am Monochromator ZEISS SPM2
Um den Einfluß des Streulichts zu untersuchen wurde das 903-nm-
Filterradiometer mit zwei verschiedenen Gittern unter Ber¨
ucksichtigung der
58
Polaristionsabh¨
angigkeit kalibriert. Dabei wurde jeweils die gleiche spektra-
le Bandbreite ∆λ= 0,5 nm verwendet. Die Parameter der Gitter und die
Ergebnisse der Kalibrierung (Is,λSP ) sind in Tabelle 5.1 zusammengestellt.
Man kann erkennen, dass sich, trotz Ber¨
ucksichtigung der Polarisationsemp-
Tabelle 5.1: Integral der spektrale Empfindlichkeit Isund Schwerpunktwellenl¨
an-
ge λSP f¨
ur das 903-nm-Filterradiometer als Funktion des verwendeten Gitters
Gitter Nr. Linien/mm λblaze / nm IsλSP / nm
4 1302 575 3,779802 902,694
9 1200 700 3,770190 902,685
relative ¨
Anderung Is−2,5·103
¨
Anderung λSP −9 pm
findlichkeit der Detektoren, das Integral der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur
das gleiche Filterradiometer bei Verwendung verschiedener Gitter um etwa
2,5·10−3unterscheidet. Dieser Unterschied ist signifikant, weil die Repro-
duzierbarkeit des Integrals der spektralen Empfindlichkeit unter gleichen
Bedingungen bei aufeinanderfolgenden Kalibrierungen weniger als 2 ·10−4
betr¨
agt. Die Ursache f¨
ur diesen Unterschied soll in den n¨
achsten Abschnitten
anhand eines theoretischen Modells und an der experimentellen Absch¨
atzung
des Streulichts gezeigt werden. Der Unterschied in der Schwerpunktwellen-
l¨
ange hingegen ist nicht signifikant und liegt innerhalb der Reproduzierbar-
keit und der Kalibrierunsicherheit der verwendeten Gitter von 10 pm.
5.4.2 Theoretisches Modell
Die spektrale Durchlassfunktion eines idealen Monochromators (nominal
eingestellte Wellenl¨
ange λ0) ist bei Verwendung von Ein- und Austrittspal-
ten gleicher Breite ein Dreieck mit einer Halbwertsbreite, die der spektralen
Bandbreite von ∆λentspricht (Abb. 5.4). Die gesamte Bandbreite ist 2·∆λ.
Bei einem realen Monochromator geht die Strahlungsleistung bei λ0+ ∆λ
bzw. λ0−∆λnicht auf 0 zur¨
uck. Wird ein Detektor mit der Empfindlichkeit
s(λ) in den Strahlengang des Austrittsspaltes eines auf die Wellenl¨
ange λ0
eingestellten Monochromators gebracht, so ist der gemessene Photostrom
Iphoto(λ0) gleich
Iphoto(λ) = Z∞
0
P(λ)M(λ0, λ)s(λ)dλ (5.31)
wobei P(λ) die in den Monochromator eingestrahlte Leistung der Quelle
ist. Betrachtet man die spektrale Durchlassfunktion M(λ0, λ), so l¨
aßt sich
das Photostromintegral in drei Anteile aufspalten: ein Anteil, der sich bei
59
λλ00
λλ
M (
λλ
0,
λλ
)
∆∆λλ
∆∆λλ
∆∆λλ
Mmax
Mmax/2
1
idealer
Monochromator
Streulicht
1
2
2
2
Abbildung 5.4: Schematische Darstellung der spektralen Durchlassfunktion eines
Monochromators bei gleicher Breite des Eintritts- und Austrittsspaltes
Verwendung eines idealen Monochromators ergeben w¨
urde, und zwei zus¨
atz-
lichen Anteilen, deren Ursache das Streulicht des Monochromators ist 2:
Iphoto(λ0) = Zλ0−∆λ
0
P(λ)M(λ0, λ)s(λ)dλ
| {z }
Streulichtanteil
+
+Zλ0+∆λ
λ0−∆λ
P(λ)M(λ0, λ)s(λ)dλ
| {z }
idealer Monochromator
+
+Z∞
λ0+∆λ
P(λ)M(λ0, λ)s(λ)dλ
| {z }
Streulichtanteil
(5.32)
Die zus¨
atzlichen Streulichtanteile werden je nach der Empfindlichkeitscha-
rakteristik der Detektoren unterschiedlich bewertet. Dabei sind zwei F¨
alle
zu unterscheiden:
1. Liegt die am Monochromator eingestellte Wellenl¨
ange λ0innerhalb
des Bandpasses des Filterradiometers, wird das Streulicht vom breit-
bandigen Transfernormal (Trap-Detektor oder Diode) st¨
arker bewer-
tet als vom schmalbandigen Filterradiometer, da das Filterradiometer
im Blockungsbereich f¨
ur das Streulicht unempfindlich ist. Demzufolge
2Auch im Bandpass des Monochromators (λ0−∆λbis λ0+∆λ) ist Streulicht vorhanden,
jedoch ist dieser Anteil im Verh¨
altnis zum Nutzsignal sehr klein und daher vernachl¨
assig-
bar.
60
wird die spektrale Empfindlichkeit des Filterradiometers aufgrund des
Streulichts im Bandpass zu niedrig gemessen.
2. Bei der Messung des Blockungsbereiches des Filterradiometers wird
der relative Anteil des Streulichts am Signal des Filterradiometers
deutlich gr¨
oßer sein als beim Transferdetektor. Die spektrale Emp-
findlichkeit des Filterradiometers wird im Blockungsbereich aufgrund
des Streulichts zu hoch sein.
5.4.3 Der Einfluss des Streulichts bei der Filterradiometer-
kalibrierung
Eine genaue quantitative Messung des Streulichts wird typischerweise so
durchgef¨
uhrt, dass man bei einer festen Wellenl¨
angeneinstellung λ0des zu
untersuchenden Monochromators mit einem zweiten Monochromator den
gesamten Wellenl¨
angenbereich durchf¨
ahrt. Dies erfordert jedoch ein kali-
briertes Monochromator-Detektor-System f¨
ur den gesamten Wellenl¨
angen-
bereich und ist experimentell nur schwer zu realisieren. Deswegen wurde
in dieser Arbeit im Rahmen der Untersuchung des Streulichts des Einfach-
monochromators eine qualitative Absch¨
atzung des Streulichts durchgef¨
uhrt.
Zus¨
atzlich wurde die Auswirkung eines Prismenvormonochromators auf das
Streulichtniveau des Einfachmonochromators analysiert. Daf¨
ur wurden die
drei, auch f¨
ur die Bestrahlungsst¨
arkemessungen am LABB angewendeten,
schmalbandigen Si-Filterradiometer (λSP = 802 nm, 903 nm und 1003 nm)
verwendet. Dabei wird die spektrale Bestrahlungsst¨
arkempfindlichkeit des
jeweiligen Filterradiometers durch folgende Rechteckfunktion approximiert:
sF R
E(λ) =
0λSP −∆λF R
2> λ
sF R
E(λSP )λSP −∆λF R
2≤λ≤λSP +∆λF R
2
0λSP +∆λF R
2< λ
Die Schwerpunktwellenl¨
ange λSP und die spektrale Bestrahlungst¨
arkeemp-
findlichkeit sF R
E(λSP ) werden als bekannt vorausgesetzt. Des weiteren wird
angenommen, dass die Strahlungsleistung der Quelle innerhalb der Band-
breite ∆λF R konstant ist. Die Breite der Rechtecksfunktion ∆λF R ist gleich
der FWHM, wenn das Maximum durch λSP bestimmt wird. Die experimen-
telle Vorgehensweise ist wie folgt: Der Monochromator wird auf die Schwer-
punktwellenl¨
ange (λ0=λSP,F R1) eines der drei Filterradiometer eingestellt.
Danach werden die drei Filterradiometer abwechselnd in den Strahlengang
gebracht. Aus dem Verh¨
altniss der gemessenen Photostr¨
ome l¨
asst sich, die
mit der spektralen Leistungsverteilung der Quelle gewichtete, auf das Maxi-
mum (bei λ0) normierte spektrale Durchlassfunktion des Monochromators
61
bestimmen:
τ(λ0, λ) = P(λ)·M(λ0, λ)
P(λ0)·M(λ0, λ0)=IP hoto(λ)·sF R1
E(λ0)·∆λF R1
IP hoto(λ0)·sF R
E(λ)·∆λF R
(5.33)
Die Ergebnisse der Messung f¨
ur τ(λ0= 903 nm, λ= 802 nm) und
τ(λ0= 903 nm, λ= 1003 nm) sind f¨
ur Messungen mit Kantenfiltern
bzw. Vormonochromator in Tabelle 5.2 dargestellt. Ausgehend von den
Tabelle 5.2: Spektrale Durchlassfunktion τ(λ0, λ) als Funktion des verwendeten
Gitters und Vorselektion (Angaben in 10−7)
τ(903,802) ·10−7τ(903,1003) ·10−7
Vorselektion Gitter A Gitter B Gitter A Gitter B
Kantenfilter RG 665 10 65 29 170
Kantenfilter RG 850 <2<2 29 180
Vormonochromator LEISS <2<2<2 23
Ergebnissen in Tabelle 5.2 kann man folgende Aussagen bez¨
uglich des
Streulichts am Gittermonochromator machen:
Das Streulicht steigt mit zunehmender Wellenl¨
ange unabh¨
angig vom
verwendeten Gitter an. So ist f¨
ur beide Gitter ein Unterschied von etwa
einem Faktor 3 zwischen dem Streulichtanteil bei 802 nm und bei 1003 nm.
Betrachtet man die Wolframhalogenlampe als einen Temperaturstrahler im
Bereich von 2800 K bis 3200 K und das Verh¨
altnis der Emissionsgrade bei
1003 nm und 802 nm als n¨
aherungsweise konstant [8] in diesem Tempera-
turbereich, betr¨
agt das Verh¨
altnis der spektralen Strahldichten bei diesen
Wellenl¨
angen etwa 1. Da man ¨
uber den gesamten Spektralbereich ab der
Kante bei 665 nm des Langpass-Kantenfilters RG 665 (SCHOTT, Mainz)
in den Monochromator Leistung einstrahlt, kann deshalb als Ursache f¨
ur
diesen Anstieg nur die streuende und wellenl¨
angenabh¨
angige Reflexion vom
Geh¨
ause und den sonstigen optischen Komponenten (Gitter, Spiegel) des
Monochromators angesehen werden.
Gleichzeitig ist das Streulicht bei gleicher Wellenl¨
ange eine Funktion
des Gitters. Der Unterschied zwischen Gitter A und B, mit Kantenfilter
RG 665, ist etwa Faktor 6 bei gleicher betrachteter Wellenl¨
ange f¨
ur das
Streulicht. Dieser Unterschied steht im Zusammenhang mit der Vorzugs-
wellenl¨
ange (”blaze”) des Gitters ( Gitter A λblaze = 575 nm, Gitter B
λblaze = 700 nm ), wobei Gitter B eine h¨
ohere Effizenz bei 802 nm und
1003 nm hat als Gitter A. Durch Einf¨
ugen eines Langpass-Kantenfilters
RG 850 (SCHOTT, Mainz) l¨
asst sich das Streulichtniveau bei λ= 802 nm
bei Monochromatoreinstellung λ0= 903 nm bis auf die durch das Rauschen
62
des Detektors bedingte Nachweisgrenze f¨
ur beide Gitter senken. Die
Streulichtleistung wird durch das Kantenfilter RG 850 bei 1003 nm nicht
beinflußt, der Wert bleibt der gleiche wie bei dem Kantenfilter RG 665.
Da es keine geeigneten Kurzpass-Kantenfilter gibt, wurde anstelle von
Kantenfiltern ein Prismen-Vormonochromator bei der Streulichtabsch¨
at-
zung benutzt. Dadurch l¨
asst sich bei Gitter A sowohl bei 802 nm als
auch bei 1003 nm kein Streulicht mehr nachweisen. Im Fall des Gitters
B wird das Streulicht um den Faktor 8,5 bei 1003 nm reduziert. Die
erhaltenen Ergebnisse sprechen daf¨
ur, dass ein Prismen-Vormonochromator
das geeignete Instrument darstellt, um unerw¨
unschtes Streulicht des
Hauptmonochromators zu unterdr¨
ucken. Wie in Abschnitt 5.4.2 gezeigt,
beeinflusst Streulicht die Kalibrierung der schmalbandigen Filterradiometer
sowohl im Blockungsbereich als auch im Bandpass. Die Auswirkung des
Streulichts und die M¨
oglichkeiten zur Vermeidung von Streulichteffekten bei
der Kalibrierung von Filterradiometern soll nun f¨
ur beide Kalibrierbereiche
anhand von experimentellen Ergebnissen erl¨
autert werden.
Zus¨
atzlich zur Kalibrierung im Bandpassbereich mit zwei verschiedenen Git-
tern und einem Langpass-Kantenfilter RG 665 (Ergebnisse aus Tabelle 5.1)
wurde eine gleiche Kalibrierung des Filterradiometers (λSP = 903 nm)
0.996
0.997
0.998
0.999
1.000
1.001
1.002
A
B
A
B
Gitter Monochromator
Integral der spektralen Empfindlichkeit
normiert
Kalibrierung in Stellung 0°
Kalibrierung in Stellung 90°
berechnet für unpolarisierte
Quelle
ohne Vormonochromator
mit Vormonochromator
Abbildung 5.5: Vergleich des Integrals der spektralen Empfindlichkeit f¨
ur zwei
verschiedene Gitter des Monochromators ohne bzw. mit Vormonochromator als
Vorzerleger am Spektralmessplatz
63
mit beiden Gittern A und B und einem Prismenvormonochromator
durchgef¨
uhrt. Die Ergebnisse beider Kalibrierungen sind in Abbildung 5.5
dargestellt. Die Verwendung des Vormonochromators f¨
uhrt dazu, dass es
im Rahmen der Reproduzierbarkeit keinen gitterabh¨
angigen Unterschied
mehr im Integral der spektralen Empfindlichkeit zwischen den beiden
Kalibrierungen gibt. Durch Vergleich der Ergebnisse aus Abbildung 5.5 und
Tabelle 5.2 kann man die Anforderungen an das Monochromatorsystem f¨
ur
die Kalibrierung von schmalbandigen Filterradiometern gegen breitbandige
Transferdetektoren ableiten. Vergleicht man die Ergebnisse der Kalibrie-
rung f¨
ur Gitter A mit Kurzpass-Kantenfilter bzw. Vormonochromator
wird deutlich, dass bereits eine Unterdr¨
uckung des Streulichtanteils auf
2·10−6f¨
ur eine Kalibrierung des Filterradiometers ausreichend ist, da
sich bei Verwendung eines Vormonochromators das Integral der spektralen
Empfindlichkeit nur noch innerhalb der Reproduzierbarkeit ver¨
andert. Die
Messung mit Gitter B verdeutlicht, dass bei einem Streulichtanteil in der
Gr¨
oßenordnung von 2 ·10−5das Integral der spektralen Empfindlichkeit
10
-8
10
-7
10
-6
10
-5
10
-4
10
-3
10
-2
10
-1
10
0
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
spektrale Empfindlichkeit / AW-1
Wellenlänge / nm
Gittermonochromator (Zeiss SPM 2)+
Prismenmonochromator als Vorzerleger
Gittermonochromator (Zeiss SPM 2) +
Kantenfilter als Ordnungsfilter
(
λ λ
= 420 nm - 690 nm: Schott WG 360
λ λ
= 700 nm - 1020 nm: Schott RG 665 )
InGaAs-FR
Abbildung 5.6: Vergleich der spektralen Empfindlichkeit im Blockungsbereich des
InGaAs-Filterradiometers, gemessen mit Kantenfilter bzw. Vormonochromator am
Spektralkomparator
im Bandpass um 2 ·10−3kleiner wird. Der Effekt des Streulichts bei der
Kalibrierung des Blockungsbereiches ist in Abbildung 5.6 dargestellt. Bei
der Kalibrierung des InGaAs-Filterradiometers wurde der Wellenl¨
angenbe-
reich von 420 nm bis 1020 nm mit zwei verschiedenen Methoden gemessen:
64
Einmal mit Kantenfiltern (WG 360 und RG 665, beide SCHOTT) und
einmal mit dem LEISS-Prismenmonochromator als Vorzerleger. Das unter
Verwendung von Kantenfiltern erhaltene Messergebnis f¨
ur die spektrale
Empfindlichkeit im Blockungsbereich des InGaAs-Filteradiometers liegt
um ein bis zwei Gr¨
oßenordnungen h¨
oher als bei Verwendung des Vormono-
chromators. Dies l¨
asst sich darauf zur¨
uckf¨
uhren, dass das Filterradiometer,
trotz Verwendung von Kantenfiltern, das Streulicht aus dem langwelligen
Bandpassbereich integriert und dies zu einem scheinbaren Anstieg der
spektralen Empfindlichkeit f¨
uhrt. Durch Blockung des langwelligen Anteils
der eingestrahlten Leistung durch einen Vormonochromator l¨
asst sich der
Effekt des Streulichts minimieren.
5.5 Temperaturkoeffizient
Die Temperaturabh¨
angigkeit der spektralen Empfindlichkeit steigt f¨
ur
Silizium-Photodioden bei Wellenl¨
angen gr¨
oßer als 950 nm signifikant an.
F¨
ur λ= 1014,5 nm betr¨
agt die relative ¨
Anderung der spektralen Empfind-
lichkeit 4,5×10−3K−1[88]. Die Ursache f¨
ur diesen Effekt sind die starken
Abh¨
angigkeiten des Absorbtionskoeffizienten α(λ) und damit der internen
Quantenausbeute ηi(λ) f¨
ur Photonenenergien in der N¨
ahe der Bandkante bei
Silizium [41]. Ebenso wie Silizium-Photodioden zeigen InGaAs-Photodioden
in der N¨
ahe der Bandkante einen positiven Temperaturkoeffizeinten. Bei der
Schwerpunktwellenl¨
ange des Interferenzfilters des InGaAs-Filterradiometers
(1595 nm) betr¨
agt die relative ¨
Anderung der spektralen Empfindlichkeit
8,5×10−4K−1[89].
Zus¨
atzlich zu den Detektoreffekten, zeigen Interferenzfilter eine Ver-
schiebung der Schwerpunktwellenl¨
ange zu l¨
angeren Wellenl¨
angen mit
steigender Temperatur. Verantwortlich daf¨
ur ist die Vergr¨
oßerung der
optischen Wegl¨
ange der Interferenzfilterschichten durch die Temperaturaus-
dehnung. [7, 91].
Da f¨
ur beide Detektormaterialien der Transmissionsbereich der In-
terferenzfilter in der N¨
ahe der jeweiligen Bandkante liegt, wurde der
Temperaturkoeffizient der Filterradiometer (Interferenzfilter und Detek-
tor als Einheit) gemessen. Dabei wurde jedes Filterradiometer bei drei
verschiedenen Temperaturen kalibriert, w¨
ahrend der Referenzdetektor (Si-
Trap-Detektor bzw. InGaAs-Diode) bei konstanter Temperatur betrieben
wurde. Die relative ¨
Anderung des Integrals der spektralen Empfindlichkeit
und die Verschiebung der Schwerpunktwellenl¨
ange sind in Tabelle 5.3
dargestellt. Alle Filterradiometer mit Silizium-Photodioden zeigen eine Ver-
schiebung der Schwerpunktwellenl¨
ange um etwa 30 pm/K. Im Unterschied
zu den schmalbandigen Interferenzfiltern bei dem Silizium-Filterradiometer,
65
Tabelle 5.3: Temperaturkoeffizient der Filterradiometer und die relative ¨
Anderung
des Photostromintegrals bei ¨
Anderung der Temperatur der Filterradiometer um
50 mK
Detektor λSP ∆Is
Is·1
∆TF R K−1∆λSP
∆TF R /pm·K−1∆Iphoto
Iphoto
×104×104
802 nm -2,8 +33 0,4
Si 903 nm 0,2 +30 0,3
1003 nm 13,5 +35 0,5
InGaAs 1595 nm 9,1 +85 0,3
verschiebt sich bei dem breiten (100 nm FWHM) Interferenzfilter des
InGaAs-Filterradiometers die Schwerpunktwellenl¨
ange um 85 pm/K. Die
¨
Anderungen des Integrals der spektralen Empfindlichkeit sind nur bei
λSP = 1003 nm f¨
ur Silizium und bei dem InGaAs-Filterradiometer signi-
fikant, f¨
ur die Silizium-Filterradiometer mit λSP = 802 nm und 903 nm
liegen sie innerhalb der Reproduzierbarkeit. Mit Hilfe der in Abschnitt
5.6 eingef¨
uhrten N¨
aherung f¨
ur das Photostromintegral Iphoto (Gl. 5.36)
l¨
asst sich der Beitrag des Temperaturkoeffizienten zur Unsicherheit der
Bestrahlungsst¨
arkemessung vor dem Hohlraumstrahler LABB absch¨
atzen.
Die relative ¨
Anderung des Photostromintegrals als Folge des Tempera-
turkoefizienten (Taylor-Reihe und Wiensche N¨
aherung) ist gleich mit:
Iphoto(TF R + ∆TF R)−Iphoto(TF R)
Iphoto(TF R)=
= c2
λ2
SP T−5
λSP ·dλSP
dTF R
+dIs
dTF R ·1
Is·∆TF R
(5.34)
Mit dem Einbau von Pt100 Temperatursensoren kann die Temperatur des
Filterradiometers sowohl w¨
ahrend der Kalibrierung als auch bei den Bestrah-
lungsst¨
arkemessungen am LABB mittels eines Thermostaten innerhalb von
±50 mK kontrolliert werden. Die sich daraus ergebenden Unsicherheitsbei-
tr¨
age zum Photostromintegral sind in der 4. Spalte der Tabelle 5.3 eingetra-
gen.
5.6 Unsicherheiten der Filterradiometerkalibrie-
rung
Die Unsicherheit der Kalibrierung der Filterradiometer geht in die Gesam-
tunsicherheit der radiometrischen Temperaturbestimmungen ¨
uber das Pho-
66
tostromintegral ein:
Iphoto =Zλmax
λmin
sF R
E(λ)·Eλ(λ, T)dλ =
=·G·Zλmax
λmin
sF R
E(λ)·Lλ,BB(λ, T )dλ
(5.35)
F¨
ur die Bestimmung der Unsicherheitsbeitr¨
age der Filterradiometerkalibrie-
rung ist es vorteilhaft obige Gleichung durch eine N¨
ahrung zu ersetzen.
Die spektrale Halbwertsbreite der Filterradiometer betr¨
agt typischerweise
15 nm. Da sich in diesem Intervall die Bestrahlungsst¨
arke bzw. die Strahl-
dichte des Hohlraumstrahlers nur wenig ¨
andert, l¨
asst sich f¨
ur die Unsicher-
heitsbetrachtung in guter N¨
aherung 3:
Iphoto ≈·G·Lλ,BB(λSP , T )·Zλmax
λmin
sF R
E(λ)dλ =
=·G·Lλ,BB(λSP , T )·Is
(5.36)
schreiben, wobei λSP und Isdie im Abschnitt 5.2.1 eingef¨
uhrten Bezeich-
nungen f¨
ur die Schwerpunktwellenl¨
ange und das Integral der spektralen
Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit sind.
Die Unsicherheit der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit des
Transfer-Detektors setzt sich aus der Unsicherheit der spektralen Empfind-
lichkeit und der Fl¨
ache der Blende des Transferdetektors (Si-Trap-Detektor
oder InGaAs-Photodiode) zusammen. F¨
ur die relative Unsicherheit der
spektralen Empfindlichkeit des verwendeten Si-Trap-detektors gelten die
in [88] ermittelten Werte von 1,0·10−4bei 802 nm und 903 nm. Im
Wellenl¨
angenbereich des Bandpasses (985 nm bis 1020 nm) des 1003-nm-
Filterradiometers ist die relative Unsicherheit der spektralen Empfindlichkeit
des Si-Trap-Detektors nicht konstant (siehe Abb. 4.1 S. 34) und steigt
bis auf Werte von 1.4 % bei 1020 nm an [72]. F¨
ur diesen speziellen Fall
der wellenl¨
angenabh¨
angigen Unsicherheit der spektralen Empfindlichkeit
des Transferdetektors wurde eine Monte-Carlo-Methode zur Berechnung
des Unsicherheitsbeitrages angewendet. Eine ausf¨
uhrliche Darstellung
dieser Methode findet sich in [13]. Als Beitrag des Transferdetektors zur
relativen Unsicherheit des Integrals der spektralen Empfindlichkeit des
1003-nm-Filterradiometers ergab die Simulation einen Wert von 12,0·10−4.
F¨
ur das InGaAs Transfernormal betr¨
agt die relative Unsicherheit 17,0·10−4
bei 1595 nm [89].
Bei der Justierung der Detektoren am Spektralkomparatormessplatz
3Die relative Abweichung der N¨
aherung von der exakten L¨
osung f¨
ur das Filterradio-
meter mit λSP = 1003 nm, t= 550 ◦C ist 1,4·10−3
67
betr¨
agt die Unsicherheit bez¨
uglich einer m¨
oglichen Verkippung der Detek-
toren etwa 0,15◦. Dies entspricht einem relativen Fehler der Blendefl¨
ache
von 2 ·10−6und ist vernachl¨
assigbar. Es braucht daher nur die relative
Unsicherheit der Blendenfl¨
ache ber¨
ucksichtigt zu werden. Diese betr¨
agt
relativ 1,7·10−4f¨
ur die 5 mm Blende (Si-Trap-Detektor) [42] und 2,8·10−4
f¨
ur die 3 mm Blende (InGaAs-Photodiode) [43]. Aus den in Tabelle
6.1 dargestellten Ergebnissen der Blendendurchmesserbestimmung kann
man entnehmen, dass sich die Durchmesser der Blenden Nr. 3 und Nr. 5
w¨
ahrend der Dauer der in dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Messungen nur im
Rahmen der Messunsicherheit ver¨
andert haben. Die Blenden sind somit
von ausreichender Langzeitstabilit¨
at und m¨
ogliche Ver¨
anderungen der
Blendendurchmesser sind als Unsicherheitsbeitrag vernachl¨
assigbar.
Das kollimierte Strahlenb¨
undel des Monochromators hat eine Divergenz
von 0,2◦. Diese f¨
uhrt zu einer leichten Abh¨
angigkeit der Bestrahlungst¨
arke
vom Ort auf der optischen Achse. Die Positioniergenauigkeit der Detektoren
in Richtung der optischen Achse zueinander betr¨
agt 0,02 mm. Der daraus
resultierende Beitrag zur relativen Unsicherheit der spektralen Bestrah-
lungsst¨
arkeempfindlichkeit ist 0,2·10−4.
F¨
ur die Korrektur der Nichtlinearit¨
at des Silizium-Trap-Detektors bei
900 nm und 1000 nm betr¨
agt die relative Standardunsicherheit in beiden
F¨
allen 1,0·10−4(Abschnitt 4.2.2).
Ein weiterer Beitrag zur Unsicherheit ist der Temperaturkoeffizient
der Filterradiometer bzw. der Transferdetektoren. Die Bestimmung des
Temperaturkoeffizienten f¨
ur die in dieser Arbeit verwendeten Filterradio-
meter und eine Diskussion der Ergebnisse findet sich in Abschnitt 5.5.
Bei den Messungen am Hohlraumstrahler wurde mittels des integrierten
Pt100-Sensors und eines Thermostaten die Temperatur des Filterradio-
meters mit einer Unsicherheit von ±50 mK auf den gleichen Wert wie
bei der Kalibrierung am Spektralkomparator eingestellt. Die sich daraus
ergebenden Unsicherheiten f¨
ur das Photostromintegral sind in Tabelle
5.3 dargestellt. Die Transferdetektoren (Silizium-Traps oder InGaAs-
Photodiode) wurden mit einem von den Filterradiometern getrennten
K¨
uhlkreislauf thermostatisiert. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Tem-
peratur w¨
ahrend der Kalibrierung konstant blieb, gleichzeitig wurde der
Temperaturverlauf beider Detektoren aufgezeichnet. F¨
ur die Auswertung
wurde die spektrale Empfindlichkeit des Transferdetektors entsprechend
der Temperaturdifferenz zwischen der Kalibrierung am Spektralmessplatz
und am RTCR mit einer Unsicherheit von ±50 mK korrigiert. F¨
ur die
Kalibrierung der Filterradiometer ergeben sich daraus folgende relative
Standardunsicherheiten: 0,1·10−4bei 800 nm und 900 nm und 2,0·10−4bei
1000 nm f¨
ur den Silizium-Trap-Detektor. F¨
ur die InGaAs-Photodiode ist
68
die Unsicherheit bereits in der Unsicherheit der spektralen Empfindlichkeit
enthalten.
Die Homogenit¨
at des kollimierten Strahlenb¨
undels am Spektralkom-
parator wurde mit Hilfe einer CCD-Kamera untersucht. Nach dieser
Untersuchung ist f¨
ur die Homogenit¨
at die Spalth¨
ohe des Austrittsspaltes
des Monochromators entscheidend. Bei 2 mm Spalth¨
ohe ist der Beitrag zur
relativen Standardunsicherheit aufgrund von Inhomogenit¨
aten nicht gr¨
oßer
als 0,2·10−4.
Sowohl an der Transferdetektorblende als auch an der Filterradiometer-
blende tritt Beugung auf. Die Berechnung der entsprechenden Korrekturen
aufgrund von Beugungsverlusten wird in Abschnitt 7.1 durchgef¨
uhrt. Die
relative Standardunsicherheit der Beugungskorrektur an den Blenden der
Transferdetektoren betr¨
agt 0,1·10−4f¨
ur Silizium und 0,4·10−4f¨
ur InGaAs.
Die entsprechenden relativen Standardunsicherheiten der Beugungskorrek-
turen an den Blenden der Filterradiometer sind gleich 0,1·10−4(Silizium)
und 1,6·10−4(InGaAs).
Die Unsicherheit der Schwerpunktwellenl¨
ange wird durch drei Faktoren
bestimmt: dem Temperaturkoeffizienten der Interferenzfilter, der Reprodu-
zierbarkeit der Schwerpunktwellenl¨
ange und der Wellenl¨
angenkalibrierung
des Monochromators. Der Beitrag aufgrund des Temperaturkoeffizienten ist
bereits im experimentell bestimmten Temperaturkoeffizienten des Filterra-
diometers enthalten. Die Reproduzierbarkeit der Schwerpunktwellenl¨
ange
f¨
ur aufeinanderfolgende Messdurchg¨
ange am Spektralkomparator war f¨
ur
die Si-Filterradiometer besser als 2 pm, bei dem InGaAs-Filterradiometer
betrug sie 6 pm. Die Unsicherheit der Wellenl¨
angenkalibrierung des Mono-
chromators (Interpolation anhand von Spektralinien) ist gitterabh¨
angig. Im
Wellenl¨
angenberreich der Silizium-Filterradiometer betr¨
agt die Unsicherheit
10 pm, bei dem f¨
ur das InGaAs-Filterradiometer verwendeten Gitter ist die
Wellenl¨
angenunsicherheit 40 pm.
Einen ¨
Uberblick der bei der Kalibrierung von Filterradiometern am
Spektralkomparator auftretenden einzelnen Unsicherheitsbeitr¨
age und die
Gesamtunsicherheit des Integrals der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeemp-
findlichkeit ISund der Schwerpunktwellenl¨
ange λSP gibt Tabelle 5.4.
69
Tabelle 5.4: Beitr¨
age des Filterradiometers zur relativen Standardunsicherheit
(k=1) bei der Bestimmung der thermodynamischen Temperatur ¨
uber Bestrahlungs-
st¨
arkemessungen am Hohlraumstrahler LABB. (Angaben f¨
ur ISin 10−4, f¨
ur λSP
in pm)
Filterradiometer
802 nm 903 nm 1003 nm 1595 nm
Unsicherheitsbeitr¨
age ∆IS/IS∆IS/IS∆IS/IS∆IS/IS
zum Integral IS×104×104×104×104
spektrale Empfindlichkeit
Transferdetektor 1,0 1,0 12,0 17,0
Blendenfl¨
ache
Transferdetektor 1,6 1,6 1,6 2,7
Beugung an der
Transferdetektorblende 0,1 0,1 0,1 0,4
Beugung an der
Filterraddiometerblende 0,1 0,1 0,1 1,6
Abstand vom Austrittsspalt 0,3 0,3 0,3 0,5
Temperaturkoeffizient
Transferdetektor 0,1 0,1 2,0 -
Temperaturkoeffizient
Filterradiometer 0,4 0,3 0,5 0,3
Homogenit¨
at Strahlungsfeld 0,2 0,2 0,2 0,2
Stabilit¨
at der
Wolfram-Halogenlampe 0,2 0,2 0,2 0,2
Nichtlinearit¨
at Transferdetektor - 1,0 1,0 -
Reproduzierbarkeit 0,5 0,5 0,5 0,5
Gesamtunsicherheit
(quadratische Summe) 2,0 2,3 12,3 17,3
Unsicherheitsbeitr¨
age
zur Schwerpunktwellenl¨
ange pm pm pm pm
Kalibrierung
des Monochromators 10 10 10 40
Reproduzierbarkeit 2 2 2 6
Gesamtunsicherheit
(quadratische Summe) 10 10 10 40
70
Kapitel 6
Bestrahlungsst¨
arkemessung
6.1 Prinzip
Der prinzipielle Aufbau f¨
ur die radiometrische Temperaturbestimmung ¨
uber
die Messung der Bestrahlungsst¨
arke ist in Abb. 6.1 dargestellt. Die Quelle
der Bestrahlungst¨
arke ist der Hohlraumstrahler LABB, der in guter N¨
a-
herung die Realisierung eines Schwarzen Strahlers mit der Temperatur T
darstellt. Die spektrale Strahldichte des LABB ist
Lλ(λ, T) = ε(λ)·Lλ,BB(λ, T) = ε(λ)·2hc2
n2λ5·1
ehc
nλkT −1(6.1)
wobei ε(λ) der Emissionsgrad des LABB und Lλ,BB(λ, T ) die spektrale
Strahldichte eines Schwarzen Strahlers nach dem Planckschen Gesetz sind.
Die Quellenfl¨
ache ist durch die Blende A1mit dem Radius r1festgelegt. Kon-
zentrisch und parallel zur Blende A1befindet sich im Abstand ddie Blende
A2des Detektors mit Radius r2. Der spektrale Strahlungsfluß dΦ1→2,λ(λ, T)
von einem Fl¨
achenelement dA1der Blendenfl¨
ache A1zu einem Fl¨
achenele-
ment dA2der Blendenfl¨
ache A2ist
dΦ1→2,λ(λ, T) = Lλ(λ, T)·dA1cos θ1·dA2cos θ2
d02(6.2)
wobei Lλ(λ, T) die spektrale Strahldichte des LABB, d0der Abstand zwi-
schen den beiden Fl¨
achenelementen und θ1,θ2die Winkel der Normalen der
Fl¨
achenelemente mit dem Abstandsvektor sind. F¨
ur den gesamten Strah-
lungstransport von der Quelle zum Detektor gilt
Φ1→2,λ(λ, T) = Lλ(λ, T)ZA1ZA2
dA1cos θ1·dA2cos θ2
d02(6.3)
71
Hohlraumstrahler
LABB
A1
Photodiode
Interferenzfilter
A2
d
Filterradiometer
r1
r2
Präzisionsblenden
Abbildung 6.1: Prinzipdarstellung des experimentellen Aufbaus f¨
ur radiometri-
sche Temperaturbestimmung mit absolut kalibrierten Filterradiometern am Hohl-
raumstrahler LABB
Das Integral l¨
asst sich f¨
ur den genannten experimentellen Aufbau analytisch
berechnen [57]:
Φ1→2,λ(λ, T) = Lλ(λ, T)2·πr2
1·πr2
2
r2
1+r2
2+d2+qr2
1+r2
2+d22−4r2
1r2
2
(6.4)
Die spektrale Bestrahlungst¨
arke am Ort der Blende des Detektors ist gleich
mit
Eλ(λ, T) = Φ1→2,λ(λ, T)
πr2
2
=
=ε·Lλ,BB(λ, T )2·πr2
1
r2
1+r2
2+d2+qr2
1+r2
2+d22−4r2
1r2
2
| {z }
Geometriefaktor G
.
(6.5)
Der Photostrom des Detektors, hier ein in Einheiten der spektralen Emp-
findlichkeit sF R
E(λ) kalibriertes Filterradiometer, ist f¨
ur den Messaufbau in
72
Abb. 6.1 gleich mit
Iphoto =Zλmax
λmin
sF R
E(λ)·Eλ(λ, T)dλ =ε·G·Zλmax
λmin
sF R
E(λ)·Lλ,BB(λ, T )dλ
(6.6)
wobei Gder Geometriefaktor aus Gleichung 6.5 ist. Die Messung des Photo-
stroms erlaubt bei bekannter spektraler Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit
des Detektors, des Geometriefaktors (Blendendurchmesser r1,r2, Blenden-
abstand d) und des Emissionsgrades εdes LABB, die iterative Berechnung
der thermodynamischen Temperatur Tdes Hohlraumstrahlers.
6.2 Experimenteller Aufbau
Die wesentlichen Elemente des experimentellen Aufbaus sind der LABB als
Quelle, Filterradiometer als Detektoren und der durch die Blendendurch-
messer und deren Abstand bestimmte Raumwinkel. Die Funktionsweise und
die Charakterisierung des LABB ist im Kapitel 3 beschrieben, die Filterra-
diometer und deren Kalibrierung werden in den Kapiteln 4 und 5 behandelt.
Das Filterradiometer mit der Blende A2(Radiometerblende) und die
Strahlerblende A1sind auf einer 2 m langen optischen Bank aus Granit
angeordnet. Die optische Achse zdes Experiments wird durch die Mittel-
punkte der Strahlerblende A1und der Detektorblende A2festgelegt. Die
Strahlerblende ist fest in Richtung der z-Achse mit der optischen Bank
verbunden und bildet die Bezugsebene f¨
ur den Abstand der Blenden. Das
Filterradiometer, die Strahlerblende A1und der LABB k¨
onnen mittels
Justierelemente in x,yund z1-Richtung verschoben bzw. und um die xund
die y-Achse gedreht werden.
Aus der Analyse der Abh¨
angigkeit des Geometriefaktors Gaus Glei-
chung 6.5 von den einzelnen Variablen r1,r2und dwird deutlich, dass
f¨
ur die im Experiment verwendeten Blenden und Blendenabst¨
ande, Gin
erster Ordnung nur von dem Blendenabstand dund dem Durchmesser r1
der Strahlerblende A1abh¨
angt. F¨
ur die Konfiguration d= 500 mm, r1=
10 mm und r2= 2,5 mm f¨
uhrt eine relative Unsicherheit von 5 ·10−5von
dbzw. r1zu einer relativen Unsicherheit von Gvon 1 ·10−4, w¨
ahrend bei
einer hundertprozentigen ¨
Anderung des Blendendurchmessers r2sich der
Geometriefaktor Grelativ nur um 8 ·10−5¨
andern w¨
urde.
6.2.1 Die Pr¨
azisionsblenden
Die in der vorliegenden Arbeit f¨
ur die Messungen am Hohlraumstrahler ein-
gesetzte Strahlerblende bzw. die bei der Kalibrierung der Filterradiometer
1Ausnahme: Strahlerblende A1
73
am Spektralkomparator zu verwendenden Blenden der Transferdetektoren
m¨
ussen hinsichtlich ihrer Blendenfl¨
ache sehr genau charakterisiert werden,
da diese Gr¨
oße direkt in die spektralradiometrischen Messungen eingeht.
Die Blenden sollten dem Ideal einer gegen Null gehenden Kantendicke
m¨
oglichst nahe kommen, um st¨
orende Reflexionen, wie sie bei Blenden
mit endlicher Kantendicke auftreten, zu vermeiden, und um eine genaue
Abstandsbestimmung zwischen Strahlerblende und Filterradiometerblende
zu erm¨
oglichen. Zus¨
atzlich ist eine Langzeitstabilit¨
at bez¨
uglich der Blen-
denfl¨
ache gefordert. Als geeignete Blenden in der Pr¨
azisionsradiometrie
haben sich sogennante ”knife-edge” Blenden erwiesen. Diese bestehen in
der vorliegenden Arbeit aus diamantgedrehtem Aluminium. Durch das
Herstellungsverfahren sind die Kanten dieser Blenden (”land”) sehr d¨
unn
(ca. 15 µm). Der Durchmesser der Strahlerblende A1betr¨
agt 20 mm, f¨
ur die
Filterradiometer mit Silizium-Photodioden und dem Silizium Trap-Detektor
werden Blenden mit jeweils 5 mm Durchmesser verwendet. Die Blenden f¨
ur
das InGaAs-Filterradiometer und das InGaAs-Transfernormal haben einen
Durchmesser von 3 mm. Die Bestimmung des Durchmessers der Blenden ge-
schieht ber¨
uhrungslos mit Hilfe eines senkrecht zur stehenden Laserstrahls
[42]. Die Blende ist so positioniert, dass eine Rotation um eine, senkrecht
zur Blendenoberfl¨
ache stehende, Drehachse durch den Blendenmittelpunkt
m¨
oglich ist. W¨
ahrend der Messung der Blendenfl¨
ache wird die Blende mit
einem interferometrisch gesteuerten Piezo-Motor entlang ihres Durchmes-
sers verfahren. Durch Messung des reflektierten Signals kann die Position
der Kanten festgestellt und der Durchmesser der Blende berechnet werden.
Danach wird die Blende um einen bestimmten Winkelbetrag (∼1◦) um die
Rotationsachse gedreht und der Durchmesser erneut bestimmt. Letzteres
wird so oft wiederholt bis die Ausgangsposition bez¨
uglich der Drehung
wieder erreicht wird. Eine detaillierte Beschreibung des Messverfahrens ist
in [42] dargestellt. Die absolute Standard-Unsicherheit f¨
ur diese Methode f¨
ur
Blenden bis 20 mm Durchmesser betr¨
agt 0,42 µm. Die Blendendurchmesser
der Strahlerblende (Blende Nr. 5) und der Blende f¨
ur den Trap-Detektor
(Blende Nr. 3) wurden vor dem Beginn der Bestrahlungst¨
arkemessungen
und nach dem Ende der Messungen bestimmt. Die Ergebnisse sind in
Tabelle 6.1 eingetragen. Sie zeigen, dass sich die Blenden nur innerhalb
der Messunsicherheit ver¨
andert haben. Um W¨
armeausdehnungseffekte der
Strahlerblende w¨
ahrend der Bestrahlungsst¨
arkemessung zu minimieren, ist
diese auf einer auf (25,0±0,5) ◦C thermostatisierten Kupferplatte montiert
(siehe Abb. 3.1, S. 17).
Das Filterradiometer ist elektrisch isoliert auf eine Anordnug von Ju-
stierelementen geschraubt. Die gesamte Einheit ist auf einem auf der
Granitbank beweglichen Reiter befestigt, welcher zur Grobeinstellung
des Blendenabstands anhand einer Skala auf der Granitbank dient. Die
Feineinstellung des Blendenabstandes geschieht interferometrisch mit Hilfe
74
Tabelle 6.1: Blendendurchmesser und dessen ¨
Anderung f¨
ur den Zeitraum
der radiometrischen Messungen (1998-2001) f¨
ur die Strahlerblende Nr. 5,
Trapblende Nr. 3 und die Blende Nr. IGA II f¨
ur das InGaAs-Transfernormal
Blende Nr. 3 Blende Nr. 5 Blende Nr. IGA II
d(1998)/mm 5,0130 20,0192 -
d(2001)/mm 5,0129 20,0191 3,0200
¨
Anderung / µm 0,1 0,1 -
eines DC-Servomotors und einer Verschiebeeinheit. Nach der Justierung der
Komponenten und der Blendenabstandseinstellung wurden die beiden Blen-
den mit schwarzen Kappen abgedeckt, um Interreflexionen zwischen den
hochreflektierenden Blendenoberfl¨
achen zu verhindern. Die Temperatur des
Filterradiometers wird mittels des eingebauten Pt100-Temperatursensors
und eines Thermostaten mit einer Unsicherheit von ±50 mK auf die gleiche
Temperatur w¨
ahrend der Kalibrierung am Spektralkomparator eingeregelt.
¨
Uber die BNC-Buchse des Filteradiometers wird der Photostrom mit einem
rauscharmen Koaxialkabel einem Strom/Spannungswandler zugef¨
uhrt,
dessen Spannung mit einem kalibrierten Digitalvoltmeter ausgelesen wird.
Zus¨
atzlich werden f¨
ur die Auswertung der Messergebnisse (die Berechnung
des Brechungsindexes und Korrekturen aufgrund von Wasserdampfab-
sorbtion) w¨
ahrend der Bestrahlungsst¨
arkemessungen Raumtemperatur,
Luftdruck und relative Luftfeuchte protokolliert.
Um den Dunkelstrom bei den Bestrahlungsst¨
arkemessungen zu ber¨
ucksich-
tigen, ist zwischen der Strahler¨
offnung und der gek¨
uhlten Blendenhalterung
mit der Strahlerblende ein elektrisch gesteuerter Shutter angebracht.
6.3 Bestrahlungsst¨
arkemessungen am LABB
Der schematische Ablauf der Bestrahlungsst¨
arkemessungen ist in Abbildung
6.2 dargestellt.
6.3.1 Justierung
Vor der Durchf¨
uhrung der Bestrahlungsst¨
arkemessungen wurden die einzel-
nen Komponenten justiert. Als Justierhilfe diente ein Diodenlaser, der mit
Hilfe einer Lochblende parallel zur optischen Bank ausgerichtet wurde. In
einem ersten Schritt wurde der kalte LABB so ausgerichtet, dass der Laser-
strahl durch die Mitte der Hohlraum¨
offnung verl¨
auft und auf die Mitte des
Hohlraumbodens trifft. Danach wurde die Strahlerblende mittels R¨
uckreflex
75
und Lochblende senkrecht zur optischen Achse ausgerichtet. Die maxima-
le Abweichung von der Senkrechten betr¨
agt ±0,3◦. Der sich daraus erge-
bende maximale relative Fl¨
achenfehler der Strahlerblende betr¨
agt 2 ·10−5.
In einem n¨
achsten Schritt wurde das Filterradiometer nach dem gleichen
Prinzip wie die Strahlerblende senkrecht zum Laserstrahl justiert. Die Un-
sicherheit betr¨
agt hier ±0,4◦, der relative Beitrag zum Fl¨
achenfehler der
Filterradiometerblende 2,5·10−5. Abschließend wurden beide Blenden mit
einer Unsicherheit von ±1 mm konzentrisch zum Laserstrahl positioniert.
Der k¨
urzeste Blendenabstand betrug bei den Bestrahlungst¨
arkemessungen
500 mm. Eine Abweichung von der Konzentrizit¨
at der Blenden von 1 mm
tr¨
agt zum relativen Fehler des Blendenabstandes mit 2 ·10−6bei und kann
somit vernachl¨
assigt werden.
6.3.2 Der Blendenabstand
In einem ersten Schritt wird durch manuelles Verschieben des Reiters mit
dem Filterradiometer der Blendenabstand auf ±1 mm eingestellt. Da-
nach wird die Feinpositionierung auf ±1µm interferometrisch durchge-
f¨
uhrt. F¨
ur eine korrekte interferometrische Abstandsmessung ist die Wel-
lenl¨
ange in Luft f¨
ur den He-Ne-Laser des Interferometers notwendig. Vor
jeder Abstandsbestimmung wurde daher der Brechungsindex nin der
Auswerteeinheit des Interferometers aktualisiert. Dieser wurde nach Ed-
len [9] mit den aktuellen Werten f¨
ur Luftdruck, Luftemperatur und rela-
tiver Luftfeuchte berechnet. Zur Translation w¨
ahrend der Feinpositonie-
rung wird das Filterradiometer von einem DC-Servomotor in Richtung
der optischen Achse bewegt. In einem Regelkreis wird die Ist-Position
des Interferometers mit der vorgegebenen Soll-Position verglichen und An-
hand der Abweichnung die Bewegungsrichtung des DC-Servomotors gere-
gelt. Mit einem Interferometer k¨
onnen jedoch nur relative Abst¨
ande gemes-
sen werden. F¨
ur die Messung der absolute Entfernung der beiden Blen-
den A1und A2ist es daher notwendig, dass beide Blenden in der glei-
chen Bezugsebene (Nullpunkt) liegen. Dazu wird die eingebaute Blende
des Filterradiometers (Aussendurchmesser: 18 mm) soweit in die ¨
Offnung
(Innendurchmesser: 20 mm) der Strahlerblende gefahren, bis anhand der
Anzeige eines inkrementalen Messtasters (Aufl¨
osung 0,5 µm) beide Blen-
denoberfl¨
achen in derselben Ebene liegen. Diese Messung kann aber nur dann
durchgef¨
uhrt werden, solange der LABB noch nicht in Betrieb ist. F¨
ur die
Blendenabstandsbestimmung w¨
ahrend der Bestrahlungst¨
arkemessung wird
daher zus¨
atzlich zum Nullpunkt ein zweiter Referenzpunkt bestimmt. Die-
ser Referenzpunkt ist ein ca. 40 mm langer, in die Halterung der Blende
geschraubter Stift, der auch w¨
ahrend der Bestrahlungsst¨
arkemessungen f¨
ur
die Blendenabstandsbestimmung zug¨
anglich ist. Anhand der Anzeige des
inkrementalen Messtasters kann festgestellt werden, wann das Filterradio-
meter den Stift gerade ber¨
uhrt. Mit Hilfe des zuvor bestimmten Abstands
76
Temperierung
Strahlerblende A1: 25,0 °C
Temperierung
Filterradiometer
tFR,LABB =
tFR,Kalibrierung ?
tA1 =
25,0 °C ?
A
Justierung
Strahlerblende A1
Justierung
Filterradiometer
Messreihe mit
neuer T90
Temperatur
des LABB ?
Sollblendenabstand d
einstellen
Sollblendenabstand
d = 750 mm,
Ausrichtung Strahlerblende A1
relativ zur Hohlraumöffnung
Zentrierung
Strahlerblende A1 +
Filteradiometer
Korrektur
Zentrierung
Filterradiometer
IPHOTO (d, T90)
tRaum, rH, p
Messung IPHOTO
Neuer
Blenden-
abstand d ?
Filterradiometer-
wechsel ?
Neue
Temperatur
T90 LABB ?
Setpoint LABB T90
Temperatur
T90 stabil
(±2 mK)?
Regelparameter
LABB anpassen
T90
Auswertung
NEIN
NEIN
NEIN
JA
JA
JA
NEIN
NEIN
NEIN
NEIN
JA
JA
JA
JA
Messung T90
Abbildung 6.2: Schematischer Ablauf der Bestrahlungsst¨
arkemessungen am Hohl-
raumstrahler LABB mit Filterradiometern. Nicht eingezeichnet sind vorbereitende
experimentelle Arbeiten
77
zwischen Nullpunkt und zweitem Referenzpunkt kann der absolute Abstand
zwischen den Blenden berechnet werden.
6.3.3 Durchf¨
uhrung der Messungen
Die Bestimmung der thermodynamischen Temperatur Tdes LABB ¨
uber die
Messung der spektralen Bestrahlungsst¨
arke wurde f¨
ur sechs verschiedene
Temperaturen t90 des LABB durchgef¨
uhrt: 419 ◦C (Zn-Erstarrungspunkt),
457 ◦C (gasthermometrischer Referenzwert), 500 ◦C, 550 ◦C, 600 ◦C und
660 ◦C (Al-Erstarrungspunkt). Als Detektoren wurden drei kalibrierte
Filterradiometer mit Silizium-Photodioden mit den Schwerpunktwellen-
l¨
angen 802 nm, 903 nm und 1003 nm, und ein Filterradiometer mit einer
InGaAs-Photodiode mit λSP = 1595 nm verwendet.
Um zus¨
atzlich systematische Effekte identifizieren zu k¨
onnen (Beugungs-
effekte, Bandpassverschiebung des Interferenzfilters aufgrund divergenter
Strahlung), wurden die radiometrischen Messungen bei verschiedenen
Blendenabst¨
anden ddurchgef¨
uhrt: 500 mm, 750 mm, 1000 mm, 1250 mm,
1500 mm und 1750 mm. Um ein ausreichendes Signal/Rausch-Verh¨
altnis
zu erzielen, war es, abh¨
angig von der Hohlraumstrahlertemperatur, nicht
m¨
oglich mit allen Filterradiometern bei allen genannten Blendenabst¨
anden
zu messen. Die Grenzbedingungen der Messung waren (minimale Tempera-
tur t90 maximaler Blendenabstand d) : FR(λSP = 1003 nm): 419 ◦C und
1250 mm, FR(λSP = 903 nm): 457 ◦C und 1000 mm, FR(λSP = 802 nm):
500 ◦C und 1000 mm. Das InGaAs-Filterradiometer konnte nur f¨
ur Blen-
denabst¨
ande ab 750 mm und gr¨
oßer eingesetzt werden, da kleinere Abst¨
ande
zu einer ¨
Uberstrahlung der verwendeten InGaAs-Diode f¨
uhrten.
6.3.3.1 Die Temperatur T90 des LABB
Um ein Vergleich der spektralradiometrisch bestimmten thermodynami-
schen Temperatur Tmit der Temperatur T90 des LABB durchzuf¨
uh-
ren, wurde simultan zu den radiometrischen Messungen die Temperatur
des Hohlraums mit drei, gem¨
aß der ITS-90 kalibrierten 0,25 Ω Standard-
Platinwiderstandsthermometer gemessen. Daf¨
ur wurde eine Pr¨
azisions-
widerstandsmessbr¨
ucke und ein kalibriertes und auf 20 ◦C temperiertes
1 Ω Widerstandsnormal benutzt. Die Auslesung und Umrechnung der ge-
messenen Widerstandsverh¨
altnisse in T90-Temperaturen geschieht automa-
tisch in einem Rechner, der gleichzeitig (mittels eines vierten Platinwider-
standsthermometers) auch f¨
ur die Feinregelung der Temperatur des LABB
Verwendung findet.
78
6.3.3.2 Die Messung des Photostroms
F¨
ur die Messung des Photostroms der Detektoren, wurde das Signal mit
einem rauscharmen Kabel in einem Strom/Spannungs-Wandler mit schalt-
baren, kalibrierten R¨
uckkopplungswiderst¨
anden geleitet und dessen Span-
nung durch ein kalibriertes Digitalvoltmeter ausgelesen. Der Photostrom
wurde abwechselnd bei ge¨
offnetem Shutter (Hell-Messung) und geschlos-
senem Shutter (Dunkel-Messung, strahlende Hohlraum¨
offnung wird abge-
deckt) gemessen. Sowohl Hell- wie auch Dunkel-Messung beinhalten typi-
scherweise zehn Einzelmessungen des Digitalvoltmeters mit einer Integrati-
onszeit von zwei Sekunden. Je nach Gr¨
osse des Photostroms werden 50 bis
600 Hell/Dunkel-Messungen durchgef¨
uhrt.
79
80
Kapitel 7
Auswertung der Bestrah-
lungsst¨
arkemessungen
7.1 Die thermodynamische Temperatur Tdes
LABB
Die jeweilige thermodynamische Temperatur Tdes Hohlraumstrahlers
wurde iterativ durch numerische Berechnung des Photostromintegrals
(Gleichung 6.6) bestimmt. F¨
ur die Berechnung des Brechungsindexes der
Luft nach Edlen [9] wurden die gemessenen Mittelwerte f¨
ur Lufdruck,
Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit verwendet. Als Zahlenwert
f¨
ur die Boltzmann-Konstante wurde der CODATA(1998)-Wert benutzt:
k= 1,3806503·10−23 J·K−1mit der relativen Unsicherheit 1,7·10−6[58].
7.1.1 Korrekturen
7.1.1.1 Absorption
Durch die Erweiterung des spektralen Bereiches der Filterradiometer in das
nahe Infrarot bis 1595 nm muss bei Absolutmessungen an Hohlraumstrah-
lern die Absorption der Luft ber¨
ucksichtigt werden. Den gr¨
oßten Effekt ha-
ben die Absorptionsbanden des Wassers. F¨
ur die Berechnung der Absorption
wurde das Programm ”AIRSENTRY” verwendet [61]. Die in die Berechnung
eingehenden Parameter sind der Druck, die Temperatur, der Volumenanteil
an Wasserdampf in der Luft sowie die Dicke der durchstrahlten Luftschicht
(Entfernung Filterradiometerblende - Hohlraumboden). Das Filterradiome-
ter wurde als ein Detektor mit einer spektralen Bandbreite von 14 nm ange-
nommen. Durch Faltung des Absorption-Linienspektrums mit der normier-
ten instrumentellen Bandbreite des Detektors, hier dargestellt durch das
Filterradiometer, erh¨
alt man die Absorption als Funktion der Wellenl¨
ange.
Abbildung 7.1 zeigt die berechnete Absorption einer 2 m dicken Luftschicht
81
1.0E-08
1.0E-07
1.0E-06
1.0E-05
1.0E-04
1.0E-03
1.0E-02
1.0E-01
1.0E+00
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
Wellenlänge / nm
Absorbtion
2 m Weglänge, 50% rH, 1013 hPa, 20 °C
802 nm
1003 nm
903 nm
1595 nm
Abbildung 7.1: Absorption einer 2 m dicken Luftschicht als Funktion der Wellen-
l¨
ange
bei 20 ◦C und 50% relativer Luftfeuchte als Funktion der Wellenl¨
ange. Zu-
s¨
atzlich dargestellt sind die Schwerpunktwellenl¨
angen der verwendeten Fil-
terradiometer. Aus der Absorptionskurve kann man entnehmen, dass eine
Korrektur nur bei dem Filterradiometer mit λSP = 903 nm notwendig ist.
F¨
ur die Filterradiometer mit λSP = 802 nm, 1003 nm und 1595 nm spielt
die Absorption der Luft keine Rolle.
7.1.1.2 Beugung
Am Bestrahlungsst¨
arkemessplatz und am Spektralkomparatormessplatz
werden Blenden zur Begrenzung des Strahlungsflusses eingesetzt. Durch
Wechselwirkung der elektromagnetischen Strahlung mit den als Hindernis
aufzufassenden Blendenkanten tritt Beugung auf. Bei radiometrischen Pr¨
a-
zisionsmessungen m¨
ussen diese Beugungsverluste ber¨
ucksichtigt werden [6].
Diese Beugungsverluste k¨
onnen mit Hilfe der Beugungstheorie nach Fresnel
berechnet werden. Dabei ist zwischen den beiden beteiligten Messpl¨
atzen,
Spektralkomparator (SP) und Bestrahlungsst¨
arkemessplatz (LABB) zu
unterscheiden.
Bei der Kalibrierung der Filterradiometer am Spektralkomparator ¨
an-
dert sich durch Beugung die mittlere Bestrahlungsst¨
arke Eλ(λ) an den
82
Blenden der Detektoren gem¨
ass
EDet
λ(λ) = EDet,0
λ(λ)·(1 + ηSP,Det)η < 0 (7.1)
EDet,0
λ(λ) ist die Bestrahlungsst¨
arke ohne Beugung und ηSP,Det der Beu-
gungsverlust. Die spektrale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit des Filterra-
diometers unter Ber¨
ucksichtigung der Beugung ist gleich mit
sF R,korr
E(λ) = sF R
E(λ)(1 −ηSP,F R +ηSP,T D) (7.2)
Am Spektralkomparator ist das benutzte Strahlenb¨
undel kollimiert, jedoch
ist es aufgrund der endlichen Gr¨
oße des Austrittsspalts des Monochroma-
tors und Abbildungsfehlern der Optik mit einer Divergenz von etwa 0.2◦
behaftet. F¨
ur die Berechnung der Beugungsverluste l¨
asst sich daher der For-
malismus nach [6] f¨
ur eine, in diesem Fall virtuelle, Punktquelle anwenden.
Der Detektor ist unterstrahlt. Der Beugungsverlust ηist gleich mit:
ηSP,DET (u, vD) = −
∞
X
s=0
(−1)s
2s+ 1 u
vD2s
·
·
2s
X
m=0
(−1)m[Jm(vD)J2s−m(vD) + Jm+1(vD)J2s−m+1(vD)]
(7.3)
mit
u=2π
λ
a+b
ab R2vD=2π
λ
RrD
b(7.4)
Die in Gleichnung 7.4 verwendeten Abk¨
urzungen sind: aAbstand
Quelle-Blende, bAbstand Blende-Detektor, rDDetektorradius und R
Blendenradius. Jn(vD) sind die Besselfuktionen der ersten Art und n-ter
Ordnung. F¨
ur alle im Experiment verwendeten Detektoren konvergiert die
Summe aus Gl. 7.3 f¨
ur s > 10. Die berechneten Korrekturen aufgrund
von Beugungseffekten am Spektralmessplatz f¨
ur Transferdetektoren und
Filterradiometer sind in Tabelle 7.1 dargestellt.
Tabelle 7.1: Korrekturen f¨
ur Filterradiometer und Transferdetektoren aufgrund
der Beugungsverluste bei der Kalibrierung von Filterradiometern am Spektralkom-
parator, Angaben ×104
Detektortyp Silizium InGaAs
802 nm 903 nm 1003 nm 1595 nm
ηSP,F R -5.3 -6.0 -6.6 -38.5
ηSP,T R -1.3 -1.4 -1.6 -7.9
83
W¨
ahrend der Bestrahlungsst¨
arkemessungen am Hohlraumstrahler LABB
treten Beugungsph¨
anomene sowohl an der Strahlerblende als auch
an der Filterradiometerblende auf. Im Unterschied zur Geometrie am
Spektralkomparator (virtuelle Punktquelle im Unendlichen) ist hier die
Beugungskorrektur f¨
ur einen Fl¨
achenstrahler als Quelle anzuwenden. Da
die betrachteten Beugungseffekte klein sind, lassen sich beide Korrekturen
(Strahlerblende: ηLABB,SB, Filterradiometerblende: ηLABB,F R) getrennt
betrachten. Unter Ber¨
ucksichtigung der Beugungsverluste l¨
asst sich daher
f¨
ur den Strahlungstransport am Bestrahlungst¨
arkemessplatz schreiben:
Φ1→2,λ(λ, T) = Φ0
1→2,λ(λ, T)·(1 + ηLABB,SB +ηLABB,F R) (7.5)
Als Ansatz f¨
ur die Berechnung der Korrektur aufgrund von Beugung an den
Blenden kann man zwei F¨
alle unterscheiden:
1. Beugung an der Filterradiometerblende - die Strahlerblende als Quelle,
und die Photodiode als unterstrahlten Empf¨
anger
2. Beugung an der Strahlerblende - die ¨
Offnung des Hohlraumstrahlers
LABB als Quelle und die Radiometerblende als ¨
uberstrahlten Emp-
f¨
anger
Aufgrund des Helmholtzschen Reziprozit¨
atsprinzips [12] l¨
asst sich die Beu-
gung an der Strahlerblende durch Vertauschen von Quelle und Detektor auf
die gleiche Weise betrachten wie die Beugung an der Filterradiometerblen-
de: die ¨
Offnung des Hohlraumstrahlers LABB stellt dann einen unterstrahl-
ten Detektor dar. Zus¨
atzlich zu den in 7.4 eingef¨
uhrten Abk¨
urzungen, wer-
den zur Vereinfachung der Berechnungen folgende Hilfsvariablen definiert
(rs: Quellenradius):
vS=2π
λ
RrS
av0= Max(vS, vD)σ=Min(vS, vD)
Max(vS, vD)(7.6)
Der Beugungsanteil l¨
asst sich dann mir Hilfe von
η(u, v0, σ) = 1
π
1
Z
−1
p(1 −x2) [(2 + σx)2−σ2]
1 + σx ·
·2v2
0I(u, v0,1 + σx)
u2dx−1
(7.7)
berechnen [80]. F¨
ur die Konfiguration eines unterstrahlten Detektors gilt
stets u<v0(1 −σ). F¨
ur u1 kann man I(u, v0,1 + σx) mit folgender
Gleichung approximieren [80]:
I(u, v0,1 + σx)|1u<v0(1+σx)≈u2
2v2
01−2v0(1 + σx)
π(v2
0(1 + σx)2−u2)+
+cos(2v0(1 + σx))
π(v2
0(1 + σx)2−u2)+···
(7.8)
84
In den benutzten Messgeometrien nimmt die Variable uf¨
ur die zu be-
r¨
ucksichtigenden Beugungskorrekturen an der Strahlerblende bzw. an der
Radiometerblende Werte zwischen 170 und 7800 an. F¨
ur diese Werte ist
die Abweichung der N¨
aherungsl¨
osung von der exakten Berechnung kleiner
als 5 ·10−5[80]. Zur Berechnung der notwendigen Korrekturen, wurde unter
Verwendung von 7.8 das Integral aus Gleichung 7.7 numerisch integriert.
Da die Filterradiometer vor einer breitbandigen Quelle, dem Hohl-
raumstrahler LABB, eingesetzt werden, muss diese Tatsache bei der
Berechnung der Beugungskorrektur ber¨
ucksichtigt werden. F¨
ur einen
Planckschen Hohlraumstrahler mit der spektralen Strahldichte Lλ,BB(λ, T)
l¨
asst sich f¨
ur ein Filterradiometer mit der spektralen Empfindlichkeit s(λ)
folgender Ansatz verwenden
ηBB =R
Bandpass
Lλ,BB(λ, T )s(λ)η(u, v0, σ)dλ
R
Bandpass
Lλ,BB(λ, T )s(λ)dλ(7.9)
Die Bandp¨
asse der betrachteten Filterradiometer haben Bandbreiten
(FWHM) von 15 nm (Silizium) und 100 nm (InGaAs). ¨
Uber den Wellen-
l¨
angenbereich des Bandpasses ist der Beugungsverlust η(u, v0, σ) in sehr
guter N¨
aherung proportional zur Wellenl¨
ange λ. Die Berechnung der Beu-
gungsverluste f¨
ur einen Planckschen Strahler kann deswegen wie f¨
ur mono-
chromatische Strahlung bei der effektiven Wellenl¨
ange λeff des jeweiligen
Filterradiometers vereinfacht durchgef¨
uhrt werden [6]:
λeff =R
Bandpass
Lλ,BB(λ, T )s(λ)λdλ
R
Bandpass
Lλ,BB(λ, T )s(λ)dλ(7.10)
F¨
ur die verwendeten Filterradiometer und den untersuchten Temperaturbe-
reich des Hohlraumstrahlers ist die Variation von λeff mit der Temperatur
maximal 1.5 nm, daher ist der Einfluss der Hohlraumstrahlertemperatur
auf die Beugungskorrektur f¨
ur alle verwendeten Filterradiometer vernach-
l¨
assigbar.
Ber¨
ucksichtigt man die Beugungskorrekturen am Spektralkomparator
und am Bestrahlungsst¨
arkemessplatz, l¨
asst sich f¨
ur die Auswertung der
Bestrahlungsst¨
arkemessung Gl. 6.6 unter Verwendung der Gln. 7.3 und 7.5
wie folgt zusammenfassen
Iphoto =·G·(1 +
ηgesamt
z}| {
ηLABB,SB +ηLABB,F R −ηSP,F R +ηSP,T D)·
·
λmax
Z
λmin
sF R
E(λ)·Lλ,BB(λ, T )dλ
(7.11)
85
-0.006
-0.005
-0.004
-0.003
-0.002
-0.001
0.000
0.001
-0.0006
-0.0005
-0.0004
-0.0003
-0.0002
-0.0001
0.0000
0.0001
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Beugungskorrektur
η
(1595-nm-FR)
Beugungskorrektur
η
(903-nm-FR)
Blendenabstand Messplatz LABB / mm
ηη
gesamt
,1595-nm-FR
ηη
gesamt
,903-nm-FR
η
SP,TR
η
SP,FR
η
LABB,SB
η
LABB,FR
Abbildung 7.2: Einzelne Beitr¨
age und Gesamtbeitrag f¨
ur die Beugungskorrek-
turen f¨
ur das InGaAs-Filterradiometer (linke Skala) und Gesamtbeitrag f¨
ur das
900-nm-Filterradiometer (rechte Skala) f¨
ur die Bestrahlungsst¨
arkemessungen am
Hohlraumstrahler LABB als Funktion des Blendenabstands Quelle-Detektor.
Die Ergebnisse der Berechnung der einzelnen Beitr¨
age sowie des Gesamt-
beitrages der Beugungskorrektur f¨
ur das InGaAs-FR sind in Abb. 7.2
dargestellt. Ebenfalls dargestellt ist der Gesamtbeitrag der Beugungskor-
rektur f¨
ur das 903-nm-FR. Zu erkennen ist, dass der wesentliche Beitrag
zur Beugungskorrektur von den Beugungsverlusten an der Blende des
Filterradiometers stammt. Da sich die Beitr¨
age vom Spektralmessplatz
und vom Bestrahlungsst¨
arkemessplatz kompensieren, verringert sich die
Gesamtkorrektur entsprechend. Der ¨
uberproportionale Anstieg (Faktor 3)
der Korrektur f¨
ur das InGaAs-FR im Vergleich zum 900-nm-FR ist darin
begr¨
undet, dass die verwendete InGaAs-Photodiode im Durchmesser
nur geringf¨
ugig (2 mm) gr¨
oßer als die Blende des Filterradiometers ist,
und deswegen nur einen geringen Anteil des gebeugten Strahlungsflusses
detektieren kann.
Die Standardunsicherheiten (k=1) der gesamten Beugungskorrekturen
betragen f¨
ur die Filterradiometer auf Basis von Siliziumphotodioden
1,6·10−4und f¨
ur das InGaAs-Filterradiometer 3,3·10−4. Sie setzt sich
zusammen aus den Unsicherheiten der Geometrie des Messaufbaus und der
Detektoren sowie aus den N¨
ahrungen und der numerischen Integration bei
86
der Berechnung der Beugungskorrekturen.
7.1.2 Messergebnisse der einzelnen Filterradiometer
In den folgenden Abschnitten ist eine Zusammenstellung der Ergebnisse
der radiometrischen Messungen zur Bestimmung der thermodynamischen
Temperatur Tdes Hohlraumstrahlers LABB bzw. der Abweichung dieser
Temperatur von der simultan gemessenen Temperatur T90 des LABB f¨
ur
die einzelnen Filterradiometer gegeben.
Um die Stabilit¨
at der Filterradiometer w¨
ahrend der radiometrischen
Messungen beurteilen, bzw. um eventuelle Korrekturen aufgrund von In-
stabilit¨
aten durchf¨
uhren zu k¨
onnen, sind auch die Ergebnisse (Integral der
spektralen Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit und Schwerpunktwellenl¨
ange)
der Kalibrierungen der Filterradiometer gezeigt. Die Unsicherheitsbalken
in diesen Diagrammen beziehen sich auf die, aus der Reproduzierbarkeit
resultierenden, Unsicherheit bei der Kalibrierung der Filterradiometer am
Spektralkomparator.
Dargestellt sind auch, zur Identifizerung weiterer systematischer Ef-
fekte w¨
ahrend der radiometrischen Messungen, die normierten Photostr¨
ome
als Funktion des Blendenabstandes f¨
ur das jeweilige Filterradiometer bei
den untersuchten Hohlraumstrahlertemperaturen. Die in diesen Ergebnis-
darstellungen eingezeichneten Unsicherheiten enthalten die Unsicherheit
der Abstandsbestimmung, der Beugungskorrektur und der Absorptionskor-
rektur (903-nmFR).
Die Unsicherheit f¨
ur T−T90 wurde aus den Unsicherheiten der Fil-
terradiometerkalibrierung (Abschnitt 5.6), der Unsicherheit bei der
Messung der thermodynamischen Temperatur T(Abschnitt 7.3) sowie aus
der Unsicherheit bei der Messung von T90 (Abschnitt 7.2.2) berechnet.
7.1.2.1 802-nm-Filterradiometer
Mit dem 802-nm-Filterradiometer sind folgende radiometrische Messungen
am LABB durchgef¨
uhrt worden (Zeitraum und Hohlraumstrahlertempe-
ratur): M¨
arz-April 2000 bei 660 ◦C, Juli-September 2000 bei 660 ◦C -
500 ◦C und Dezember 2000 bei 600 ◦C. Die f¨
ur die Auswertung dieser
Messungen notwendige spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit des
Filterradiometers wurde durch Kalibrierung des Filterradiometers am
Spektralkomparator am 17.01.2000, 23.06.2000 und am 13.12.2000 (nach
Abschluss der radiometrischen Messungen) bestimmt. Abbildung 7.3 stellt
die beiden charakteristischen Gr¨
oßen Integral der spektralen Bestrahlungs-
st¨
arkeempfindlichkeit und Schwerpunktwellenl¨
ange dar. Die eingezeichneten
87
23.06.2000
13.12.2000
17.01.2000
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
28.08.1999
24.02.2000
22.08.2000
18.02.2001
Kalibrierdatum
Integral der spektralen
Bestrahlungsstärkeempfindlichkeit,
normiert
801.880
801.890
801.900
801.910
801.920
801.930
801.940
801.950
Schwerpunktwellenlänge / nm
Abbildung 7.3: Stabilit¨
at des Filterradiometers mit λSP = 802 nm. Dar-
gestellt sind das auf die Kalibrierung vom 17.01.2000 normierte Inte-
gral der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit () und die zugeh¨
orige
Schwerpunktwellenl¨
ange (•).
Fehlerbalken sind die Unsicherheiten der Kalibrierung aus Tabelle 5.4.
Ausgehend von den in Abb. 7.3 gezeigten Ergebnissen der Kalibrierung
kann man folgende Aussagen bez¨
uglich der Stabilit¨
at des Filterradiometers
machen: Das Integral der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit hat
sich unter Ber¨
ucksichtigung der Unsicherheit zwischen Januar 2000 und
Juni 2000 relativ um 2 ·10−4ge¨
andert, danach (Juni 2000 - Dezember
2000) ist das Filterradiometer hinsichtlich des Integrals der spektralen
Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit nahezu stabil geblieben. Die Schwer-
punktwellenl¨
ange zeigt eine lineare Zunahme (zur Verdeutlichung als
gestrichelte Linie eingezeichnet) als Funktion der Zeit um etwa 40 pm
pro Jahr und l¨
asst sich gut in fr¨
uhere Beobachtungen an Interferenzfiltern
einordnen [20, 25]. Eine m¨
ogliche Ursache f¨
ur die Verschiebung der Schwer-
punktwellenl¨
ange ist die Absorption von Wasser in den dielektrischen
Schichten des Interferenzfilters [29]. F¨
ur radiometrische Messungen, die
zwischen den Kalibrierungen des Filterradiometers stattgefunden haben,
wurde die Drift der Schwerpunktwellenl¨
ange durch eine lineare Korrektur
bei der Auswertung ber¨
ucksichtigt.
Die Photostr¨
ome des 802-nm-Filterradiometers als Funktion des Blen-
88
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
500 °C
550 °C
802-nm-FR
Abbildung 7.4: Normierter Photostrom des 802-nm-Filterradiometers als Funk-
tion des Blendanabstands Strahlerblende-Filterradiometerblende f¨
ur die Bestrah-
lungsst¨
arkemessungen bei 500 ◦C und 550 ◦C. Die Abstandsabh¨
angigkeit und die
Beugungskorrektur sind bereits herausgerechnet.
denabstandes, mit Normierung auf den Wert bei 1000 mm, f¨
ur die bei
den verschiedenen Hohlraumstrahlertemperaturen durchgef¨
uhrten Bestrah-
lungst¨
arkemessungen sind in den Abbildungen 7.4 (500 ◦C und 550 ◦C),
7.5(a) (600 ◦C) und 7.5(b) (660 ◦C) dargestellt. Die Abstandsabh¨
angigkeit
und die Beugungskorrektur sind bereits herausgerechnet. Im Rahmen
der Unsicherheit sind keine zus¨
atzlichen systematischen Abstandseffekte
erkennbar. Deshalb wurde f¨
ur die Berechnung von T−T90 der Mittelwert
aller Messungen gebildet. Bei 500 ◦C Hohlraumstrahlertemperatur konnten
wegen des geringen Photostroms nur Messungen bis 1000 mm Blendenab-
stand durchgef¨
uhrt werden.
Die Abweichung der, mit dem 802-nm-Filterradiometer bestimmten,
thermodynamischen Temperatur Tdes Hohlraumstrahlers LABB von der
simultan gem¨
aß der ITS-90 gemessenen Temperatur T90 als Funktion der
t90-Temperatur des LABB ist in Tabelle 7.2 dargestellt. Zwischen den
beiden Messreihen im M¨
arz-April 2000 und Juli 2000 bei einer Hohlraum-
strahlertemperatur von 660 ◦C stimmen die Ergebnisse f¨
ur T−T90 sehr
gut ¨
uberein. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die beobachtete
Instabilit¨
at zwischen den beiden Kalibrierungen 17.01.2000 und 23.06.2000
89
Tabelle 7.2: Abweichung der thermodynamischen Temperatur Tvon der Tempe-
ratur T90, absolutradiometrisch bestimmt mit dem 802-nm-Filterradiometer
t90 500◦C 550◦C 600◦C 600◦C 660◦C 660◦C
(08.2000) (12.2000) (04.2000) (07.2000)
T−T90 29 mK 37 mK 44 mK 59 mK 69 mK 72 mK
u(T−T90) 15 mK 16 mK 18 mK 18 mK 20 mK 20 mK
des 802-nm-FR, erst nach den radiometrischen Messungen eingetreten ist.
Daher wurde hinsichtlich der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit
f¨
ur die Messreihe M¨
arz-April 2000 keine Korrektur durchgef¨
uhrt.
90
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
600 °C (1)
600 °C (2)
802-nm-FR
(a) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 600 ◦C,
Messreihe Aug. 2000 (1) und Dez. 2000 (2)
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
660 °C (1)
660 °C (2)
802-nm-FR
(b) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 660 ◦C,
Messreihe Apr. 2000 (1) und Jul. 2000 (2)
Abbildung 7.5: Normierter Photostrom des 802-nm-Filterradiometers als Funk-
tion des Blendenabstands Strahlerblende-Filterradiometerblende f¨
ur die Bestrah-
lungsst¨
arkemessungen bei 600 ◦C und 660 ◦C. Die Abstandsabh¨
angigkeit und die
Beugungskorrektur sind bereits herausgerechnet.
91
7.1.2.2 903-nm-Filterradiometer
Das 903-nm-Filterradiometer wurde f¨
ur die radiometrischen Messungen
am 17.02.2000, 09.12.2000 und am 25.03.2001 kalibriert. Die charakteristi-
schen Gr¨
oßen der Kalibrierung Integral der spektralen Bestrahlungsst¨
arke-
empfindlichkeit (normiert auf die Messung vom 17.02.2000) und Schwer-
punktwellenl¨
ange sind in Abbildung 7.6 dargestellt. Im Gegensatz zu dem
802-nm-Filterradiometer, zeigt dieses Filterradiometer eine signifikante Ab-
nahme um 9,5·10−4im Integral der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfind-
lichkeit im Zeitraum zwischen den ersten beiden Kalibrierungen. Zwischen
der zweiten und dritten Kalibrierung ist die Ver¨
anderung geringer als die aus
der Reproduzierbarkeit resultierende Unsicherheit der Kalibrierung. Das Fil-
terradiometer kann deswegen zwischen September 2000 und M¨
arz 2001 als
stabil angesehen werden. Unabh¨
angig von den Ver¨
anderungen im Integral,
beobachtet man f¨
ur die Schwerpunktwellenl¨
ange ein lineares Ansteigen von
ca. 40 pm pro Jahr, welches dem Verhalten des 802-nm-Filterradiometer
entspricht. Die radiometrische Bestimmung der thermodynamischen Tem-
09.12.2000
25.03.2001
17.02.2000
0.9988
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
06.12.1999
03.06.2000
30.11.2000
29.05.2001
Kalibrierdatum
Integral der spektralen
Bestrahlungsstärkeempfindlichkeit,
normiert
902.680
902.690
902.700
902.710
902.720
902.730
902.740
902.750
Schwerpunktwellenlänge / nm
9•10-4
Abbildung 7.6: Stabilit¨
at des Filterradiometers mit λSP = 903 nm. Dar-
gestellt sind das auf die Kalibrierung vom 17.02.2000 normierte Inte-
gral der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit () und die zugeh¨
orige
Schwerpunktwellenl¨
ange (•).
peratur des Hohlraumstrahlers LABB mit dem 903-nm-Filterradiometer er-
folgte in zwei Messreihen: M¨
arz 2000 bei tLABB = 660 ◦C und im Juli -
Okt. 2000 bei tLABB = 660 ◦C, 600 ◦C, 550 ◦C, 500 ◦C und 457 ◦C. Auf-
92
grund der bei der Kalibrierung am 9.12.2000 festgestellten Instabilit¨
at des
902-nm-Filterradiometers (Abb. 7.6), wurden die Messungen unmittelbar
nach einer erneuten Kalibrierung am 25.03.2001 bei tLABB = 457 ◦C und
600 ◦C wiederholt. Die vom 903-nm-Filterradiometer gemessenen Photo-
str¨
ome als Funktion des Abstandes Strahlerblende-Filterradiometerblende
f¨
ur die verschiedenen Hohlraumstrahlertemperaturen sind in den Abbildun-
gen 7.7 und 7.8 gezeigt.
93
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
457 °C (1)
457 °C (2)
903-nm-FR
(a) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 457 ◦C,
Messreihe Okt. 2000 (1) und Apr. 2001 (2)
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
1.0012
1.0014
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
500 °C
550 °C
Fit (550 °C)
903-nm-FR
(b) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 500 ◦C und
550 ◦C, Messreihe Sep. 2000. Die eingezeichnete Fitkurve ist im Text
auf Seite 96 erkl¨
art.
Abbildung 7.7: Normierter Photostrom des 903-nm-Filterradiometers als Funk-
tion des Blendenabstands Strahlerblende-Filterradiometerblende f¨
ur die Bestrah-
lungsst¨
arkemessungen bei 457 ◦C, 500 ◦C und 550 ◦C. Abstand, Beugungskorrektur
und Wasserdampfabsorption sind bereits herausgerechnet.
94
0.9982
0.9984
0.9986
0.9988
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
600 °C (1)
600 °C (2)
903-nm-FR
0.9960
0.9968
0.9976
0.9984
0.9992
1.0000
1.0008
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
für die Auswertung
nicht verwendet
(a) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 600 ◦C,
Messreihe Aug. 2000 (1) und Apr. 2001 (2)
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
1.0012
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
660 °C (1)
660 °C (2)
903-nm-FR
(b) Messung bei der Hohlraumstrahlertemperatur tLABB = 660 ◦C,
Messreihe M¨
arz 2000 (1) und Jul. 2000 (2)
Abbildung 7.8: Normierter Photostrom des 903-nm-Filterradiometers als Funk-
tion des Blendenabstands Strahlerblende-Filterradiometerblende f¨
ur die Bestrah-
lungsst¨
arkemessungen bei 600 ◦C und 660 ◦C. Abstand, Beugungskorrektur und
Wasserdampfabsorption sind bereits herausgerechnet.
95
F¨
ur die Messreihen bei tLABB = 457 ◦C , 500 ◦C, 600 ◦C und 660 ◦C sind
keine weiteren systematischen Abstandseffekte innerhalb der Unsicherheit
zu erkennen (Abb. 7.7(a), Abb. 7.7(b) Abb. 7.8(a) und Abb. 7.8(b)) Bei der
Messreihe tLABB = 550 ◦C in der Abbildung 7.7(b) kann man einen signi-
fikanter Anstieg um 8 ·10−4des Photostroms mit abnehmendem Blenden-
abstand beobachten. Mit abnehmendem Blendenabstand wird der mittlere
Einfallswinkel θ(bezogen auf die senkrechte Einfallsrichtung) der auf das
Interferenzfilter des Filterradiometers auftreffenden Strahlung gr¨
osser. Dies
hat zur Folge, dass sich die Schwerpunktwellenl¨
ange λSP des Interferenzfil-
ters gem¨
aß der Gleichung
λSP =λSP,01−θ2
2n2
e(7.12)
zu k¨
urzeren Wellenl¨
angen verschiebt [53]. λSP,0ist die Schwerpunktwel-
lenl¨
ange bei senkrechten Einfall und neder effektive Brechungsindex des
Interferenzfilters des Filterradiometers. F¨
ur einen Planckschen Hohlraum-
strahler bei einer Temperatur von 550 ◦C und einer Wellenl¨
ange von
903 nm w¨
urde eine Wellenl¨
angeverschiebung zu k¨
urzeren Wellenl¨
angen eine
Abnahme der transmittierten Strahlungsleistung bedeuten. Gleichzeitig
nimmt f¨
ur eine Siliziumdiode die spektrale Empfindlichkeit bei 903 nm zu
k¨
urzeren Wellenl¨
angen hin ab. Zusammenfassend kann man sagen, dass
die zunehmende Abweichung vom senkrechten Strahlungseinfall mit abneh-
menden Blendenabstand eine Abnahme des gemessenen Photostroms zur
Folge h¨
atte. Aus diesem Grund k¨
onnen Filtereffekte f¨
ur den beobachteten
Anstieg des Photostroms ausgeschlossen werden.
Eine m¨
ogliche Erkl¨
arung ist ein systematischer Fehler bei der Refe-
renzpunktbestimmung (Abschnitt 6.3.2) zur Abstandsmessung zwischen
der Strahlerblende und der Filterradiometerblende. Diese Referenzpunkt-
bestimmung wurde f¨
ur jede Messreihe separat durchgef¨
uhrt. Nimmt man
einen systematischen Fehler ∆xbei der Referenzpunktbestimmung bei
tLABB = 550 ◦C an, l¨
asst sich der normierte Photostrom Iphoto,norm als
Funktion des Blendenabstandes ddurch folgende Gleichung beschreiben:
Iphoto,norm =d2
(d+ ∆x)2(7.13)
Ein Fit mit Gleichung 7.13 und ∆xals Fitparameter f¨
ur die experi-
mentellen Werte bei 550 ◦C ist in Abbildung 7.7(b) als durchgezogene
Kurve eingezeichnet. F¨
ur den Fitparameter erh¨
alt man als Ergebnis
-0.145 mm ±0.045 mm. Der erhaltene Wert wurde als zus¨
atzlicher Unsi-
cherheitsbeitrag in der Blendenabstandsbestimmung im Unsicherheitbudget
in Tabelle 7.10 ber¨
ucksichtigt.
96
F¨
ur die Auswertung der Messreihe (1) bei tLABB = 600 ◦C aus Abb.
7.8(a) wurden die drei Messpunkte bei 1500 mm und 1750 mm Blenden-
abstand wegen des Ausfalls des zur Abstandsbestimmung verwendeten
Interferometers nicht ber¨
ucksichtigt.
Wegen der festgestellten Instabilit¨
at des 903-nm-Filteradiometers (siehe
Abb. 7.6) wurde f¨
ur die Berechnung der thermodynamischen Temperatur
aus dem jeweiligen Photostrom der Berstrahlungst¨
arkemessung folgender
Ansatz verwendet: F¨
ur die Messungen, die kurz nach der Kalibrierung des
Filterradiometers stattgefunden haben (Messreihe M¨
arz/April 2000 bei
tLABB=660◦C, Kalibrierung vom 17.02.2000 und Messreihe April 2001 bei
tLABB=457◦C und 600◦C, Kalibrierung vom 25.03.2001), wurde die Mess-
ergebnisse ohne Korrektur der spektralen Bestrahlungst¨
arkempfindlichkeit
ausgewertet.
Da keine M¨
oglichkeit besteht die Instabilit¨
at des Filterradiometers als
Funktion der Zeit zu rekonstruieren, m¨
oglich ist eine sprunghafte oder
stetige Ver¨
anderung, wurde die Auswertung der Messdaten aus dem Zeit-
raum Juli 2000 - Oktober 2000 mit beiden Kalibrierungen (17.02.2000 und
9.12.2000) durchgef¨
uhrt und der Mittelwert der so erhaltenen Ergebnisse
gebildet. Die sich daraus ergebende zus¨
atzliche Unsicherheit wurde im
Gesamtunsicherheitsbudget f¨
ur T−T90 unter der Annahme einer Rechteck-
Wahrscheinlichkeitsverteilung ber¨
ucksichtigt.
Die Ergebnisse f¨
ur die mit dem 903-nm-Filterradiometer bestimmten
Abweichungen zwischen thermodynamischer Temperatur und ITS-90-
Temperatur T−T90 sind in Tabelle 7.3 dargestellt.
97
Tabelle 7.3: Abweichung der thermodynamischen Temperatur Tvon der Tempe-
ratur T90, absolutradiometrisch bestimmt mit dem 903-nm-Filterradiometer
Kalibrierung
t90 17.02.2000 9.12.2000 25.03.2001 Mittelwert u(T−T90)
(Messreihe) T−T90 T−T90 T−T90 T−T90 (k=1)
457 ◦C
(Okt.2000) -15 mK 3 mK - -6 mK 16 mK
457 ◦C
(Apr.2001) - - 13 mK 13 mK 15 mK
500 ◦C
(Sept.2000) -17 mK 5 mK - -6 mK 17 mK
550 ◦C
(Sept.2000) -24 mK 2 mK - -11 mK 23 mK
600 ◦C
(Aug.2000) -21 mK 9 mK - -6 mK 22 mK
600 ◦C
(Apr.2001) - - 33 mK 33 mK 20 mK
660 ◦C
(M¨
arz 2000) 21 mK - - 21 mK 22 mK
660 ◦C
(Juli 2000) 25 mK 61 mK - 43 mK 25 mK
98
7.1.2.3 1003-nm-Filterradiometer
Das 1003-nm-Filterradiometer wurde zu Beginn (M¨
arz 2000) und am Ende
(Dezember 2000) der Bestrahlungsst¨
arkemessungen am Spektralkompara-
tor kalibriert. Die Ergebnisse der beiden Kalibrierungen sind in Abb. 7.9
dargestellt. Man kann erkennen, dass das Integral der spektralen Bestrah-
lungst¨
arkempfindlichkeit signifikant um etwa 1,2·10−3abgenommen hat
und die Schwerpunktwellenl¨
ange um ca. 20 pm zugenommen hat. Betrachtet
01.03.2000
03.12.2000
0.9980
0.9984
0.9988
0.9992
0.9996
1.0000
1.0004
1.0008
1.0012
06.12.1999
03.06.2000
30.11.2000
Kalibrierdatum
Integral der spektralen
Bestrahlungsstärkeempfindlichkeit,
normiert
1003.075
1003.080
1003.085
1003.090
1003.095
1003.100
1003.105
1003.110
1003.115
Schwerpunktwellenlänge / nm
1.2•10-3
Abbildung 7.9: Stabilit¨
at des 1003-nm-Filterradiometers. Dargestellt sind das auf
die Kalibrierung vom 01.03.2000 normierte Integral der spektralen Bestrahlungs-
st¨
arkeempfindlichkeit () und die zugeh¨
orige Schwerpunktwellenl¨
ange (•). Das In-
tegral weisst eine signifikante ¨
Anderung um 1,2·10−3auf, die Schwerpunktwel-
lenl¨
ange nimmt um ca. 20 pm im Zeitraum zwischen den beiden Kalibrierungen
zu.
man die in Abbildung 7.10 aufgetragenen, bei Hohlraumstrahlertempera-
turen von 419 ◦C bis 660 ◦C mit dem 1003-nm-Filterradiometer im Rah-
men der thermodynamischen Temperaturbestimmung gemessenen, normier-
ten Photostr¨
ome als Funktion des einggestellten Blendenabstands, die Ab-
standsabh¨
angigkeit und die Beugungsverluste sind bereits herausgerechnet,
ist innerhalb der Unsicherheiten, bei allen untersuchten Hohlraumstrahler-
temperaturen kein weiterer systematischer Abstandseffekt zu beobachten.
99
F¨
ur die Berechnung der thermodynamischen Temperatur wurde, analog
zur Vorgehensweise beim 903-nm-Filterradiometer, das Photostromintegral
f¨
ur Messungen, die nicht unmittelbar im Anschluss an die Kalibrierung
(660 ◦C, April 2000 und 660◦C, Dezember 2000) stattgefunden haben, mit
beiden Kalibrierungen ausgewertet und f¨
ur das Endergebnis der Mittelwert
gebildet. Die aus der Instabilit¨
at des Filterradiometers resultierende zus¨
atzli-
che Unsicherheit, eine Rechteck-Wahrscheinlichkeitsverteilung angenommen,
ist im Unsicherheitsbudget ber¨
ucksichtigt. Die Ergebnisse der Auswertung
der T−T90 Messung mit dem 1003-nm-Filterradiometer, zusammen mit den
zugeh¨
origen Unsicherheiten, sind in Tabelle 7.4 zusammengefasst.
100
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
419 °C
457 °C
1003-nm-FR
(a) Bestrahlungst¨
arkemessungen bei tLABB = 419 ◦C
und tLABB = 457 ◦C
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
500 °C
550 °C
1003-nm-FR
(b) Bestrahlungst¨
arkemessungen bei tLABB = 500 ◦C
und tLABB = 550 ◦C
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
600 °C (1)
600 °C (2)
1003-nm-FR
(c) Bestrahlungst¨
arkemessungen bei tLABB = 600 ◦C,
Messreihe August 2000 (1) und Dezember 2000 (2)
0.9990
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
660 °C (1)
660 °C (2)
1003-nm-FR
(d) Bestrahlungst¨
arkemessungen bei tLABB = 660 ◦C,
Messreihe April 2000 (1) und Juli 2000 (2)
Abbildung 7.10: Photostrom des 1003-nm-Filterradiometers als Funktion des Abstandes Strahler-
blende - Filterradiometerblende, normiert auf den Wert bei 1000 mm Blendenabstand, f¨
ur die Hohl-
raumstrahlertemperaturen 419 ◦C 457 ◦C, 500 ◦C 600 ◦C und 660 ◦C. Die Abstandsabh¨
angigkeit und
die Beugungskorrekturen sind bereits herausgerechnet. Die eingezeichneten Unsicherheitsbalken (k=1)
setzen sich aus den Unsicherheiten der Blendenabstandsbestimmung, der Photostrommessung und der
Unsicherheit der Beugungskorrekturen zusammen. Innerhalb der Messunsicherheit kann man keinen
weiteren systematischen Abstandseffekt erkennen.
101
Tabelle 7.4: Abweichung der thermodynamischen Temperatur Tvon der Tempe-
ratur T90, absolutradiometrisch bestimmt mit dem 1003-nm-Filterradiometer
Kalibrierung
t90 01.03.2000 03.12.2000 Mittelwert u(T−T90)
(Messreihe) T−T90 T−T90 T−T90 (k=1)
419 ◦C
(Okt.2000) 26 mK 57 mK 41 mK 44 mK
457 ◦C
(Okt.2000) 37 mK 71 mK 54 mK 49 mK
500 ◦C
(Sept.2000) 44 mK 84 mK 64 mK 55 mK
550 ◦C
(Sept.2000) 60 mK 106 mK 83 mK 62 mK
600 ◦C
(Aug.2000) 68 mK 120 mK 94 mK 69 mK
600 ◦C
(Dez.2000) - 117 mK 117 mK 68 mK
660 ◦C
(Apr.2000) 120 mK - 120 mK 77 mK
660 ◦C
(Juli 2000) 88 mK 149 mK 118 mK 79 mK
102
7.1.2.4 1595-nm-Filterradiometer
Das InGaAs-Filterradiometer wurde zur spektralradiometrischen Abso-
lutbestimmung thermodynamischer Temperaturen bei Hohlraumstrahler-
temperaturen von 419 ◦C, 457 ◦C und 600 ◦C angewandt. Aufgrund des
bereits dargestellten besonderen Aufbaus dieses Filterradiometers, sind
Messungen nur f¨
ur Blendenabst¨
ande gr¨
oßer 750 mm m¨
oglich. Um m¨
ogliche
systematische Effekte identifizieren zu k¨
onnen, wurden auch mit dem
InGaAs-Filterradiometer Bestrahlungsst¨
arkemessungen bei verschiedenen
Blendenabst¨
anden durchgef¨
uhrt. Die normiererten Photostr¨
ome als Funk-
tion des Blendenabstandes und der Hohlraumstrahlertemperatur sind in
Abb. 7.11 dargestellt. Abstand und Beugungskorrektur sind bereits ber¨
uck-
0.9992
0.9994
0.9996
0.9998
1.0000
1.0002
1.0004
1.0006
1.0008
1.0010
1.0012
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
Blendenabstand / mm
normierter Photostrom
419 °C
457 °C
600 °C
1595 nm
Abbildung 7.11: Normierter Photostrom des InGaAs-Filterradiometers
(λSP = 1595 nm) als Funktion des Abstandes Strahlerblende-
Filterradiometerblende f¨
ur die Bestrahlungsst¨
arkemessungen bei 419 ◦C, 457 ◦C
und 600 ◦C. Abstand und Beugungskorrekturen sind bereits herausgerechnet.
sichtigt. Innerhalb der Unsicherheit ist kein systematischer Abstandseffekt
erkennbar, jedoch beobachtet man bei einem Blendenabstand von 750 mm
einen Anstieg des Photostroms. Dieser Anstieg ließe sich, ¨
ahnlich wie bei
dem 903-nm-Filterradiometer (tLABB = 550 ◦C ) auf einen systematischen
Fehler in der Blendenabstandsbestimmung zur¨
uckf¨
uhren. Durch den gerin-
gen Abstand zwischen Photodiode und Interferenzfilter ist jedoch auch die
Annahme von Interreflexionen plausibel. F¨
ur die Auswertung wurden daher
nur die Messungen f¨
ur Blendenabst¨
ande ab 1000 mm ber¨
ucksichtigt.
103
Das InGaAs-Filterradiometer wurde am 29.03.2001 und am 12.08.2001
am Spektralkomparator kalibriert. Das normierte Integral der spektralen
Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit sowie die zugeh¨
orige Schwerpunktwel-
lenl¨
ange sind in Abb. 7.12 gezeigt. Es zeigt sich, dass sich innerhalb eines
Zeitraums von etwa 4 Monaten das Integral der Bestrahlungsst¨
arkeempfind-
lichkeit um ca. 3·10−4ge¨
andert hat und das bei der Schwerpunktwellenl¨
ange,
wie bei allen anderen Filterradiometern eine Zunahme, hier um ca. 54
pm zu beobachten ist. Die radiometrischen Messungen mit dem InGaAs-
Filterradiometer am Hohlraumstrahler LABB fanden unmittelbar nach
der ersten Kalibrierung am Spektralkomparator statt. Geht man von einer
linearen Ver¨
anderung des Integrals der Bestrahlungsst¨
arke Empfindlichkeit
und der Schwerpunktwellenl¨
ange aus, k¨
onnen diese Instabilit¨
aten f¨
ur die
Auswertung vernachl¨
assigt werden, da sie noch innerhalb der Kalibrierun-
sicherheit liegen. Deswegen wurde f¨
ur die Auswertung der radiometrischen
Messungen die Kalibrierung vom M¨
arz 2001 benutzt. Die Abweichung
12.08.2001
29.03.2001
0.9998
0.9999
1.0000
1.0001
1.0002
1.0003
1.0004
1.0005
09.01.2001
09.04.2001
08.07.2001
06.10.2001
Kalibrierdatum
Integral der spektralen
Bestrahlungsstärkeempfindlichkeit,
normiert
1595.230
1595.250
1595.270
1595.290
1595.310
1595.330
1595.350
1595.370
Schwerpunktwellenlänge / nm
Abbildung 7.12: Stabilit¨
at des InGaAs-Filterradiometers (λSP = 1595 nm). Dar-
gestellt sind das auf die Kalibrierung vom 29.03.2001 normierte Integral der spek-
tralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit () und die zugeh¨
orige Schwerpunktwel-
lenl¨
ange (•).
der thermodynamischen Temperatur des Hohlraumstrahlers LABB von
der gem¨
aß der ITS-90 bestimmten Temperatur T−T90, gemessen mit
dem InGaAs-Filterradiometer ist, mit den zugeh¨
origen Unsicherheiten in
104
7.2 Die Temperatur T90 des LABB
Um die Abweichung der gem¨
aß der ITS-90 bestimmten Temperatur T90
des LABB von der wahren, radiometrisch gemessenen thermodynami-
schen Temperatur Tdes Hohlraums zu ermitteln, wurden beide Mes-
sungen simultan durchgef¨
uhrt. Die T90-Temperatur des Hohlraumes wur-
de aus dem Mittelwert der Temperaturen der drei 0,25 Ω Standard-
Platinwiderstandsthermometer f¨
ur den gesamten Zeitraum einer radiome-
trischen Messung bestimmt.
7.2.1 Stabilit¨
at der Standard-Platinwiderstandsthermometer
Die Stabilit¨
at der SPRTs1wurde vor, w¨
ahrend und nach den radiometri-
schen Messungen ¨
uberpr¨
uft. Daf¨
ur wurde der Widerstand der SPRTs am
Tripelpunkt des Wassers mit Hilfe einer Pr¨
azisionswiderstandsmessbr¨
ucke
und eines Widerstandsnormals gemessen. Der Tripelpunkt des Wassers
(H2O-TP) wurde mit Hilfe einer sogenannten Tripelpunktszelle realisiert.
Die in T90-Temperaturen umgerechnete ¨
Anderung der Tripelpunktswider-
0.0
2.0
4.0
6.0
8.0
10.0
12.0
27.04.1999
27.10.1999
06.06.2000
31.10.2000
01.11.2000
02.11.2000
Datum der H
2
O-Tripelpunkt-Messung
relative Änderung des H2O -
Tripelpunktwiderstandes / mK
SPRT 91036
SPRT 93093
SPRT 91037
radiometrische
Messphase II
660°C
→
419°C
Temperung
475 °C 3 h
675 °C 5 h
475 °C 16 h
radiometrische
Messphase I
400 °C, 660 °C
Kalibrierung
Abbildung 7.13: Die ¨
Anderung des Wasser-Tripelpunktswiderstands f¨
ur die zur
Messung der T90-Temperatur des LABB verwendeten SPRTs, relativ zur Kalibrie-
rung am 27.04.1999
st¨
ande der SPRTs relativ zur Kalibrierung vom 27.04.1999 ist in Abb. 7.13
1standard platinum resistance thermometers
106
dargestellt. Tabelle 7.6 zeigt die Verweildauer der SPRTs bei der jeweiligen
Temperatur f¨
ur die zwei radiometrischen Messreihen in chronologischer
Darstellung.
Tabelle 7.6: Verweildauer der SPRTs im Hohlraumboden des LABBs als Funktion
der Hohlraumtemperatur
t90,LABB /◦C Dauer / Tage
Messreihe I 400 4
660 26
Messreihe II 660 31
600 40
550 13
500 15
457 15
419 9
W¨
ahrend der ersten Messreihe, 400 ◦C und 660 ◦C, ist f¨
ur zwei SPRTs
(Nr. 91037 und Nr. 93093) keine Ver¨
anderung, f¨
ur das SPRT Nr. 91036
ein Anstieg des Tripelpunktswiderstandes um 1 mK festzustellen. Nach der
zweiten Messreihe, 660 ◦C bis 419 ◦C betr¨
agt der Anstieg des Widerstandes
f¨
ur das SPRT Nr. 93093 2 mK, f¨
ur die beiden andern SPRTs ist ein signi-
fikanter Anstieg von 9 mK (Nr. 91037) und 11 mK (Nr. 91036) zu erkennen.
Um den Zeitpunkt der Ver¨
anderung der SPRTs einzugrenzen, wurden
s¨
amtliche Messungen von T90 f¨
ur alle radiometrischen Messungen einer
Analyse unterworfen. Da das SPRT Nr. 93093 auch nach der zweiten
Messreihe eine geringe ¨
Anderung des H2O-TP zeigte, wurde es als Referenz
f¨
ur die anderen beiden SPRTs verwendet. F¨
ur die LABB-Temperaturen von
660 ◦C bis 500 ◦C war die Abweichung der T90-Temperaturen der einzelnen
SPRTs untereinander stets innerhalb der Kalibrierunsicherheit.
Abbildung 7.14 zeigt die durch die drei SPRTs im Hohlraumboden
gemessenen Temperaturen f¨
ur die letzten beiden radiometrischen Tempe-
raturbestimmungen bei 457 ◦C und 419 ◦C in der zweiten Messreihe. Die
Fehlerbalken stellen die Standardabweichungen des Mittelwerts f¨
ur T90
w¨
ahrend einer radiometrische Messung dar.
107
456.998
457.000
457.002
457.004
457.006
457.008
457.010
03.10.2000
05.10.2000
07.10.2000
09.10.2000
11.10.2000
13.10.2000
15.10.2000
Datum der Messung
t90 / °C
SPRT 91036
SPRT 93093
SPRT 91037
457 °C
419.530
419.532
419.534
419.536
419.538
419.540
419.542
15.10.2000
16.10.2000
17.10.2000
18.10.2000
19.10.2000
20.10.2000
21.10.2000
Datum der Messung
t90 / °C
SPRT 91036
SPRT 93093
SPRT 91037
419 °C
Abbildung 7.14: Im Hohlraumboden des LABB mittels drei SPRTs gemessene
Temperaturen w¨
ahrend der radiometrischen Messreihen bei bei 457 ◦C und 419 ◦C.
Bei 457 ◦C stimmen die von den drei SPRTs gemessenen Temperaturen innerhalb
der Kalibrierunsicherheit (3 mK) ¨
uberein. Bei 419 ◦C driften die SPRTs Nr. 91036
und Nr. 91037 aufgrund von Instabilit¨
at.
108
Bei 457 ◦C ist die gemessene Temperatur im Hohlraumboden im Rahmen
der Kalibrierunsicherheit von 3 mK am Zn-Fixpunkt (k=1) f¨
ur alle drei
SPRTs gleich. Bei 419 ◦C driften die SPRTs Nr. 91036 und Nr. 91037
zu h¨
oheren Temperaturen. Ein Vertauschen des SPRT Nr. 91036 mit
SPRT Nr. 93093 im Boden des LABB f¨
uhrte zu keiner ¨
Anderung der
Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen SPRTs. Dadurch kann eine
Inhomogenit¨
at im Boden des LABB ausgeschlossen werden und von einer
Ver¨
anderung der SPRTs w¨
ahrend der letzten radiometrischen Messreihe
bei 419 ◦C ausgegangen werden. Dieses Ergebnis best¨
atigt die Messung des
H2O-TP nach der letzten radiometrischen Messreihe.
Bei der Herstellung der SPRTs wird das innere, abgeschlossene Volu-
men des Sensors mit einem Gemisch aus 90% Ar und 10% O2bef¨
ullt [62].
Die Ursache f¨
ur die Ver¨
anderung der SPRTs Nr. 91036 und Nr. 91037 kann
bei Anwendung bei niedrigen Temperaturen (<500 ◦C) auf die Bildung
einer Oxidschicht auf dem Platin-Sensor zur¨
uckgef¨
uhrt werden [2]. Da
diese Oxidschicht im Bereich von 450 ◦C bis 520 ◦C wieder disoziiert,
wurden im Anschluss an die letzte radiometrische Messreihe bei 419
◦C alle SPRTs in vertikaler Stellung bei 675 ◦C in einem W¨
armerohr
mit Temperaturgradient (h¨
ochste Temperatur am Sensor) ¨
uber mehrere
Stunden getempert. Dadurch konnten die SPRTs Nr. 91037 und Nr. 93093
auf die gleichen Widerstandswerte am H2O-TP wie zum Zeitpunkt der
Kalibrierung gebracht werden.
Die ¨
Uberpr¨
ufung der Tripelpunktswiderst¨
ande und die Analyse der
gemessenen T90-Temperaturen bei 457 ◦C und 419 ◦C lassen den Schluss zu,
dass die SPRTs als stabil f¨
ur die T-T90 Messungen im Temperaturintervall
von 660 ◦C bis 457 ◦C zu betrachten sind. F¨
ur die Auswertung der
Messungen bei 419 ◦C wurde nur die T90-Temperatur des SPRT Nr. 93093
herangezogen.
7.2.2 Korrekturen und Unsicherheiten der T90-Temperatur
Da der Boden des LABB aufgrund von Strahlungsverlust durch die Hohl-
raum¨
offnung gek¨
uhlt wird, tritt ein Temperaturgradient ∆TBzwischen der
Hohlraumbodentemperatur und der vom SPRT gemessenen Temperatur
im W¨
armerohr auf. Aus dem Gleichgewicht zwischen W¨
armeverlust durch
Strahlung und W¨
armezufuhr durch W¨
armeleitung l¨
asst sich die Korrektur
∆TBwie folgt berechnen [20]
∆TB≈ε·σ·T4·d
λb·r
l2(7.14)
wobei der lokale Emissionsgrad (0.75), σdie Stefan-Boltzmann
Konstante (5,67·10−8W·m−2·K−4), λbdie W¨
armeleitf¨
ahigkeit von
109
Inconel (15 W·m−1·K−1), ddie Wanddicke (3,35 mm), rden Radius der
Hohlraum¨
offnung (14 mm) und ldie L¨
ange (731 mm) des Hohlraums
dartstellen. Tabelle 7.7 zeigt die anzuwendende Korrektur im Bereich
von 419 ◦C bis 660 ◦C, ausgehend von den in den Klammern stehenden
Zahlenwerten f¨
ur die Variablen aus Gleichung 7.14. Der Messstrom der
Tabelle 7.7: Korrekturwert f¨
ur den Temperaturabfall im Boden des LABB auf-
grund von Strahlungsverlust durch die Hohlraum¨
offnung
t90,LABB /◦C 419 457 500 550 600 660
∆TB/ mK 0,8 0,9 1,2 1,6 2,0 2,5
Messbr¨
ucke von 10 mA f¨
uhrt zu einer Eigenerw¨
armung des Sensors der
Platinwiderst¨
ande in den SPRTs und damit zu einer zu hohen gemesse-
nen T90-Temperatur. Die Eigenerw¨
armung der SPRTs wurde am Zn-FP
und am Al-Fp durch Messung bei 10 mA und 10·√2 mA bestimmt.
Die Korrektur f¨
ur die Eigenerw¨
armung (10 mA) betr¨
agt f¨
ur den Zn-FP
1,6 mK, und dem Al-FP 1,5 mK. Da sich beide Werte nur gering un-
terscheiden wurde f¨
ur die Korrektur des gesamten Temperaturbereichs
von 419 ◦C bis 660 ◦C 1,6 mK mit einer Unsicherheit von 0,5 mK angesetzt.
Die Unsicherheit der Realisierung der ITS-90 mittels SPRTs im Hohl-
raumstrahler LABB setzt sich aus den Beitr¨
agen der Kalibrierung der
SPRTs, entsprechend den Angaben des jeweiligen Kalibrierscheins, der
Unsicherheit der Bestimmung des Widerstandsverh¨
altnisses mit der
Messbr¨
ucke ASL16 und der Unsicherheit des Standardwiderstandes zusam-
men. Die Unsicherheiten betragen am Zn-FP 3,2 mK und am Al-FP 4,9
mK. F¨
ur die anderen Temperaturen zwischen den Fixpunkten wurde die
Unsicherheit linear interpoliert.
Die zeitliche Stabilit¨
at der Temperatur T90 w¨
ahrend der Durchf¨
uh-
rung der radiometrischen Messung am LABB war besser als ±1,5 mK (vgl.
Abschnitt 3.2.5, S. 29).
Aus der im vorangegangen Abschnitt dargestellten Betrachtung zur
Stabilit¨
at der SPRTs, ist zu entnehmen, dass sich die SPRTs w¨
ahrend
der gesamten Messreihen (mit Ausnahme der SPRTs Nr. 91036 und Nr.
91037 bei der letzten radiometrischen Messreihe bei 419 ◦C, die nicht f¨
ur
die Auswertung herangezogen wurden) maximal um 2 mK am H2O-TP
ver¨
andert haben. Da der Zeitpunkt der Ver¨
anderung nicht festgestellt
werden kann, wird diese Ver¨
anderung als Unsicherheit betrachtet. F¨
ur den
Zn-FP betr¨
agt damit die Unsicherheit 5,9 mK und den Al-FP 8,4 mK. Eine
Zusammenstellung f¨
ur die Gesamtunsicherheit und die anzuwendenden Kor-
110
rekturen bei der Bestimmung von T90 f¨
ur den Boden des Hohlraumstrahlers
LABB ist in Tabelle 7.8 aufgef¨
uhrt:
Tabelle 7.8: Messunsicherheiten und Korrekturen bei der Bestimmung der
T90-Temperatur des Hohlraumstrahlers LABB w¨
ahrend der Bestrahlungsst¨
arkemes-
sungen
415 ◦C 660 ◦C
Ursache Korrektur Unsicherheit Korrektur Unsicherheit
Realisierung
ITS-90 - 3,2 mK - 4,9 mK
Gradient
Boden -0,8 mK 0,2 mK -3,2 mK 0,8 mK
Stabilit¨
at
LABB - 1,5 mK - 1,5 mK
Stabilit¨
at
SPRT - 5,9 mK - 8,4 mK
Eigenerw¨
armung
SPRT -1,6 mK 0,5 mK -1,6 mK 0,5 mK
Gesamt (k=1) - 2,4 mK 6,9 mK -4,8 mK 9,9 mK
7.3 Die Unsicherheiten der T-T90-Bestimmung
Ausgangspunkt f¨
ur die Unsicherheitsbetrachtung ist die Gleichung f¨
ur den
Photostrom, unter Ber¨
ucksichtigung der Korrekturen:
Iphoto =ε·G(r1, r2, d)·(1 +
Beugung LABB
z }| {
ηLABB,SB +ηLABB,F R
−ηSP,F R +ηSP,T R
| {z }
Beugung Spektralkomparator
)
·
λmax
Z
λmin
sF R
E(λ)·Lλ,BB(λ, T )dλ
(7.15)
Mit Hilfe der in Abschnitt 5.6 eingef¨
uhrten N¨
aherung f¨
ur das Integral l¨
asst
sich Gleichung 7.15 umformen zu
Lλ,BB(λSP , T ) = Uphoto
RF·G(r1, r2, d)··Is
·1
1 + ηLABB,SB +ηLABB,F R −ηSP,F R +ηSP,T R
(7.16)
111
wobei Uphoto die vom, zur Photostrommessung verwendeten,
Strom/Spannungswandler (R¨
uckkopplungswiderstand RF) gelieferte
Spannung ist.
Der aus der Geometrie des experimentellen Aufbaus resultierende Bei-
trag zur Unsicherheit der Bestrahlungsst¨
arkemessung setzt sich aus den
Unsicherheiten der einzelnen Variablen des in Gl. 6.5 eingef¨
uhrten Geome-
triefaktors G(r1, r2, d) zusammen, wobei in Abschnitt 6.2 gezeigt wurde,
dass f¨
ur die Unsicherheitsbetrachtung in erster Ordnung nur die Fl¨
ache
der Strahlerblende (A1bzw. r1) und der Blendenabstand dber¨
ucksichtigt
werden muss. Der Blendendurchmesser der Strahlerblende wurde mit dem
in Abschnitt 6.2.1 dargestellten Verfahren mit einer absoluten Unsicherheit
von 0.42 µm bestimmt. Dies enspricht bei einem Blendendurchmesser von
20 mm einer relativen Unsicherheit der Blendenfl¨
ache von 0.4·10−4. Zur
Minimierung der Erw¨
armung der Blende durch Absorption von Strah-
lungsleistung aus dem Hohlraumstrahler, ist diese auf einer auf 25.0◦C
thermostatisierten Halterung aus Kupfer befestigt (Abb. 3.1, S. 17). Der
Durchmesser der Bohrung in der Blendenhalterung ist nur geringf¨
ugig
gr¨
oßer als der Blendendurchmesser selbst (24 mm). Dadurch wird einerseits
erreicht, dass ein m¨
oglichst großfl¨
achiger W¨
armekontakt zwischen Blende
und Halterung vorhanden ist und anderseits der Anteil der Blendenfl¨
ache
die direkt der Strahlungsleistung des LABB ausgesetzt ist m¨
oglichst klein
ist. In [82] wurde gezeigt, dass bei einer Hohlraumstrahlertemperatur von
962 ◦C der relative Einfluss auf die Blendenfl¨
ache durch Absorption von
Strahlungsleistung kleiner als 3 ·10−5ist. Die Gesamtstrahlungsleistung
ist proportional zu T4, daher kann in der vorliegenden Arbeit (max. Hohl-
raumstrahlertemperatur 660 ◦C) dieser Effekt vernachl¨
assigt werden. Die
Temperatur der Blende wird nicht direkt, sondern durch einen Temperatur-
sensor (Pt100) in der Blendenhalterung nahe an der Blende gemessen. Daher
wird eine Unsicherheit in der Temperaturbestimmung der Blende von 0.5 ◦C
angenommen. Mit dem thermischen Ausdehnungskoeffizienten von Alumi-
nium (23.8·10−6K−1) entspricht dies einer Fl¨
achenunsicherheit von 3·10−5.
F¨
ur die Berechnung des Beitrags zum Unsicherheitsbudget aus der
Blendenabstandsbestimmung wurde ein mittlerer Blendenabstand von
1000 mm zugrundegelegt. Der Beitrag setzt sich zusammen aus der Unsi-
cherheit der interferometrischen relativen Abstandsbestimmung (1.5 µm),
des zweiten Referenzpunktes (2 µm) und Justageungenauigkeiten (15 µm).
Die im Experiment verwendeten Blenden weisen eine von Null verschie-
dene Kantendicke (”land”) auf, welche als zus¨
atzliche Unsicherheit in der
Abstandsbestimmung interpretiert werden kann. Die Kantendicke wurde
elektronenmikroskopisch bestimmt und betr¨
agt ca. 15 µm f¨
ur die Strahler-
blende und die Filterradiometerblenden mit 5 mm Durchmesser und ca.
60 µm f¨
ur die Blende mit 3 mm Durchmesser. Der zus¨
atzliche Beitrag bei
112
der Messung bei tLABB = 550 ◦C mit dem 903-nm-FR ist in Abschnitt
7.1.2.2 diskutiert. Die Beugungskorrekturen und die damit verbundenen
Unsicherheiten sind in Abschnitt 7.1.1.2 dargestellt.
Die Photostromessung erfolgte indirekt ¨
uber einen Strom-
/Spannungswandler durch Messung einer Spannung Uphoto mittels eines
Digitalvoltmeters (DVM). Die schaltbaren R¨
uckkopplungswiderst¨
ande
RF(1 kΩ - 10 GΩ) des Strom/Spannungswandlers wurden mittels einer
Konstant-Stromquelle und eines kalibrierten 1 kΩ-Standardwiderstands
r¨
uckf¨
uhrbar auf SI-Einheiten durch Verh¨
altnismessung kalibriert. Die
R¨
uckf¨
uhrbarkeit der Spannungsmessungen wurde durch Kalibrierung des
DVMs an einem Kalibrator gew¨
ahrleistet.
W¨
ahrend der Bestrahlungsst¨
arkemessungen wurden der Luftdruck, die
Temperatur der Luft und die relative Luftfeuchte gemessen. Daraus wurde
der jeweils aktuelle Wert f¨
ur den Brechungsindex nmit einer relativen Unsi-
cherheit von 3 ·10−6berechnet. Dies entspricht einer relativen Unsicherheit
der Bestrahlungst¨
arkemessung von 3 ·10−5. Die Berechnung der thermody-
namischen Temperatur aus dem Photostromintegral durch Iteration erfolgte
mit verschiedenen Programmen zur numerischen Integration. Der maximale
Unterschied bei gleichen Ausgangsparametern der Berechnung war kleiner
als 5 ·10−5. Die Unsicherheiten der Emissivit¨
at des LABB sind aus Tabelle
3.3 S. 28 ¨
ubernommen.
Wie bereits bei der Kalibrierung der Filterradiometer in der Unsicher-
heitsbetrachtung dargestellt, tr¨
agt das Filterradiometer bei der Messung
thermodynamischer Temperaturen am LABB durch die Unsicherheits-
komponenten der beiden Gr¨
oßen Integral der spektralen Bestrahlungs-
st¨
arkeempfindlichkeit und Schwerpunktwellenl¨
ange bei. Die ausf¨
uhrliche
Darstellung dieser Beitr¨
age ist in Abschnitt 5.6, Tabelle 5.4 zu finden. Die
Unsicherheit der Schwerpunktwellenl¨
ange (Silizium-Filterradiometer: 10
pm, InGaAs-Filterradiometer: 40 pm) wurde mit
Eλ(λ+ ∆λ, T)−Eλ(λ, T )
Eλ(λ, T)=
Lλ,BB(λ+ ∆λ, T)−Lλ,BB(λ, T)
Lλ,BB(λ, T )=c2
λ2T−5
λ·∆λ
(7.17)
in eine Strahldichte- bzw. Bestrahlungsst¨
arkeunsicherheit umgerechnet.
Eine Zusammenfassung der einzelnen Unsicherheitskomponenten und der
daraus resultierenden Gesamtunsicherheit bei der spektralradiometrischen
Bestimmung der thermodynamischen Temperatur Tdes Hohlraumstrahlers
LABB f¨
ur alle im Rahmen dieser Arbeit untersuchten Hohlraumstrahlertem-
peraturen ist in Tabelle 7.10 f¨
ur das 802-nm- und 903-nm-Filterradiometer
113
und Tabelle 7.11 f¨
ur das 1003-nm- und InGaAs-Filteradiometer gezeigt.
Die relative Unsicherheit der Bestrahlungsst¨
arkemessung wurde mit
Eλ(λ, T + ∆T)−Eλ(λ, T)
Eλ(λ, T)=
Lλ,BB(λ, T + ∆T)−Lλ,BB(λ, T)
Lλ,BB(λ, T )=c2
λT2·∆T
(7.18)
in ein Temperaturequivalent umgerechnet.
Aus der Gesamtunsicherheit f¨
ur die Messung der thermodynamischen
Temperatur Tund der in Tabelle 7.8 gezeigten Unsicherheiten f¨
ur die
Messung Temperatur T90, resultieren die in Tabelle 7.9 angegebenen
Unsicherheiten f¨
ur T−T90.
Tabelle 7.9: Unsicherheit u(T−T90) (k=1)der gemessenen Abweichung zwischen
der thermodynamischen Temperatur Tund der ITS-90-Temperatur T90 als Funk-
tion der untersuchten Hohlraumstrahlertemperatur und des daf¨
ur verwendeten Fil-
terradiometers
t90,LABB
419 ◦C 457 ◦C 500 ◦C 550 ◦C 600 ◦C 660 ◦C
802-nm-FR - - 15 mK 16 mK 18 mK 20 mK
903-nm-FR - 16 mK 17 mK 23 mK 22 mK 25 mK
1003-nm-FR 44 mK 49 mK 55 mK 62 mK 69 mK 79 mK
InGaAs-FR 94 mK 105 mK - - 150 mK -
114
Tabelle 7.10: Beitr¨
age zur Standardunsicherheit (k=1) bei der Bestimmung der thermodynamischen Temperatur durch Bestrahlungs-
st¨
arkemessungen mit dem 802-nm-Filterradiometer (802-nm-FR) und dem 903-nm-Filterradiometer (903-nm-FR) am Hohlraumstrahler
LABB. Alle Angaben in 10−4.
802-nm-FR 903-nm-FR
t90,LABB/◦Ct90,LABB/◦C
500 550 600 660 457 500 550 600 660
Geometrie
Blendenfl¨
ache der Strahlerblende 0.4
Temperatur der Strahlerblende 0.3
Beugungskorrektur an der Strahlerblende 1.6 1.8
Blendenabstand 0.5
Blendenabstandsfehler 902-nm-FR, t90,LABB = 550◦C 3.0
Messung von T
Statistische Schwankung Photostrom 0.5
Kalibrierung Strom/Spannungswandler 1.0
Kalibrierung DVM 0.2
numerische Integration Photostromintegral 0.5
Brechungsindex Luft, n0.3
Boltzmannkonstante, k(CODATA 1998) 0.4 0.4 0.4 0.3 0.4 0.4 0.4 0.3 0.3
Emissivit¨
at LABB 0.8
Kalibrierung Filterradiometer
spektrale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit 2.0 2.3
Schwerpunktwellenl¨
ange (10 pm) 2.3 2.1 1.9 1.8 1.9 1.7 1.6 1.5 1.3
Beugungskorrektur an der Filterradiometerblende 0.5
Gesamtunsicherheit(quadratische Addition) 3.9 3.8 3.7 3.6 3.9 3.8 4.8 3.7 3.7
Temperatur¨
aquivalent (mK) 13 14 15 17 13 14 20 18 20
115
Tabelle 7.11: Beitr¨
age zur Standardunsicherheit (k=1) bei der Bestimmung der thermodynamischen Temperatur durch Bestrahlungsst¨
ar-
kemessungen mit dem 1003-nm-Filterradiometer (1003-nm-FR) und dem 1595-nm-Filterradiometer (InGaAs-FR) am Hohlraumstrahler
LABB. Alle Angaben in 10−4.
1003-nm-FR InGaAs-FR
t90,LABB/◦Ct90,LABB/◦C
419 457 500 550 600 660 419 457 600
Geometrie
Blendenfl¨
ache der Strahlerblende 0.4
Temperatur der Strahlerblende 0.3
Beugungskorrektur an der Strahlerblende 2.0 2.3
Blendenabstand 0.5 1.3
Messung von T
Statistische Schwankung Photostrom 0.5
Kalibrierung Strom/Spannungswandler 1.0
Kalibrierung DVM 0.2
numerische Integration Photostromintegral 0.5
Brechungsindex Luft, n0.3
Boltzmannkonstante, k(CODATA 1998) 0.4 0.3 0.3 0.3 0.3 0.3 0.2 0.2 0.2
Emissivit¨
at LABB 1.2 0.8 1.2 0.8
Kalibrierung Filterradiometer
spektrale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit 12.3 17.3
Schwerpunktwellenl¨
ange (10 pm, InGaAs: 40 pm) 1.7 1.6 1.5 1.4 1.3 1.1 2.0 1.8 1.3
Beugungskorrektur an der Filterradiometerblende 0.5
Gesamtunsicherheit(quadratische Addition) 12.7 12.7 12.7 12.7 12.7 12.6 17.8 17.7 17.7
Temperatur¨
aquivalent (mK) 42 47 53 60 67 76 94 105 150
116
7.4 Abweichung zwischen thermodynamischer
und Internationaler Temperaturskala (T−T90)
7.4.1 Die thermodynamische Unsicherheit der ITS-90
Wie bereits in der Einleitung der vorliegenden Arbeit dargestellt, beruhen
die Zahlenwerte f¨
ur die Hochtemperaturfixpunkte der ITS-90 Aluminium,
Silber, Gold und Kupfer auf Verh¨
altnismessungen der Strahldichte zwischen
einem Referenz-Hohlraumstrahler (variabler Temperatur) bei einer Tempe-
ratur von ca. 730 K und den jeweiligen Fixpunkt-Hohlraumstrahlern.
Die Referenztemperatur von 730 K hat ihren Ursprung in den vorbe-
reitenden prim¨
arthermometrischen Messungen zur Einf¨
uhrung einer neuen
und verbesserten Temperaturskala als Nachfolgeskala f¨
ur die IPTS-68 von
1968. In zwei Experimenten zur Bestimmung der Abweichung zwischen
der thermodynamischen Temperatur Tund der praktischen Temperatur
T68, wurde T−T68 zuerst 1976 mit einem Gasthermometer konstanten
Volumens im Temperaturbereich von 273,16 K bis 730 K und sp¨
ater 1989
mit einer modifizerten Aparatur im Temperaturbereich von 503 K bis
933 K gemessen. Der Unterschied zwischen den beiden T−T68 Messungen
bei der h¨
ochsten gemeinsamen Temperatur von 730 K betrug 30 mK.
Mangels anderer verf¨
ugbarer prim¨
arthermometrischer Messdaten, wurde
vom CCT als thermodynamische Basis f¨
ur die neue Temperaturskala
ITS-90 ab 730 K, der Mittelwert zwischen den beiden Messungen mit einer
thermodynamischen Unsicherheit von 15 mK gew¨
ahlt.
Diese thermodynamische Unsicherheit ∆Tref des Referenzwertes pflanzt
sich bei verh¨
altnispyrometrischen Temperaturmessungen wie sie f¨
ur die
Zahlenwertbestimmung der Temperatur der Fixpunkte Al, Ag, Au und Cu
durchgef¨
uhrt wurden, gem¨
aß der Gleichung
∆T(T) = T
Tref 2
∆Tref (7.19)
fort [76]. Dadurch hat z.B. der Zahlenwert des Silber-Fixpunktes eine ther-
modynamische Unsicherheit von 40 mK. Die in der vorliegenden Arbeit er-
zielten Ergebnisse f¨
ur T−T90 k¨
onnen, da sie unabh¨
angig von einer Re-
ferenztemperatur sind, zu einer m¨
oglichen Identifikation des thermodyna-
misch richtigen Wertes der beiden zur Konstruktion der ITS-90 verwende-
ten gasthermometrischen Referenzwerte benutzt werden. Dies kann entweder
durch Anpassen von Gl. 7.19 mit ∆Tref als Fitparameter an die erhaltenen
Ergebnisse f¨
ur T−T90 oder erstmalig auch durch das Ergebnis der direkten
Messung von ∆Tref bei der Referenztemperatur von 730 K geschehen.
117
7.4.2 Diskussion der experimentellen Ergebnisse f¨
ur T−T90
Die Resultate der absolutradiometrischen Bestimmung der Abweichung
zwischen der thermodynamischen Temperaturskala und der ITS-90, T−T90,
am Hohlraumstrahler LABB, zusammenfassend f¨
ur alle angewendeten Fil-
terradiometer, ist in Abb. 7.15 gezeigt.
118
-50
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
550
600
650
700
802-nm-FR
903-nm-FR
1003-nm-FR
InGaAs-FR
T-T90 / mK
t
90
/ °C
Abbildung 7.15: Experimentell bestimmte Abweichung zwischen der thermodynamischen Temperaturskala und der Internationalen
Temperaturskala von 1990 (ITS-90), T−T90, im Temperaturbereich 419 ◦C (Zink-Fixpunkt) - 660 ◦C (Aluminium-Fixpunkt). Gezeigt sind
die Resultate der absolutradiometrischen Messungen am Hohlraumstrahler LABB mit drei Filterradiometern mit Silizium-Photodioden
(802-nm-FR, 903-nm-FR, 1003-nm-FR) und einem Filterradiometer mit einer IndiumGalliumArsenid-Photodiode(InGaAs-FR). Die ein-
gezeichneten Fehlerbalken entsprechen der Standardunsicherheit (k= 1).
119
Innerhalb der Standardunsicherheit (k=1) stimmen die Werte f¨
ur T−T90
f¨
ur alle Filterradiometer und alle untersuchten Hohlraumstrahlertem-
peraturen gut ¨
uberein. Deutlich zu erkennen ist die wesentlich gr¨
oßere
Unsicherheit der Messung f¨
ur T−T90 f¨
ur das 1003-nm-Filterradiometer
und das InGaAs-Filterradiometer. Dies beruht wesentlich auf der Tatsache,
dass die Unsicherheit der auf den Transferdetektoren abgelegten Skala der
spektralen Empfindlichkeit in den Wellenl¨
angenbereichen der Bandp¨
asse
dieser beiden Filterradiometer um den Faktor 12 (1003-nm-FR) bzw.
Faktor 17 (InGaAs-FR) gr¨
osser ist als bei dem 802-nm-Filterradiometer
und dem 903-nm-Filterradiometer. Bei der Umrechnung der Unsicherheit
der Bestrahlungsst¨
arkemessung in ein Temperatur¨
aquivalent skaliert die
Unsicherheit f¨
ur das InGaAs-Filterradiometer im Vergleich zu dem 1003-
nm-Filterradiometer noch einmal um den Faktor 1.6. Da die Unsicherheit
der mit dem InGaAs-Filterradiometer gemessenen Werte f¨
ur T−T90 um
den Faktor 7 gr¨
oßer ist als die Unsicherheit der ITS-90 und nur drei
Messwerte f¨
ur T−T90 vorliegen, sind diese Resultate zur Untersuchung der
thermodynamischen Basis der ITS-90 vorerst nicht geeignet.
Um eine Aussage bez¨
uglich des bei der Aufstellung der ITS-90 ge-
w¨
ahlten gasthermometrischen Referenztemperatur treffen zu k¨
onnen, wurde
die Gleichung 7.19 mit ∆Tref als Fitparameter an die Messergebnisse f¨
ur
T−T90 des 802-nm-FRs, des 903-nm-FRs und des 1003-nm-FRs angefittet.
Die Ergebnisse des Fits sind in Tabelle 7.12 gezeigt, die zugeh¨
origen
Parabeln der Fitfunktion zusammen mit den Resultaten f¨
ur T−T90 in den
Abbildungen 7.16 und 7.17 dargestellt. Wie in den Abschnitten 7.1.2.2 und
Tabelle 7.12: Ergebnisse f¨
ur die Abweichung ∆Tref zwischen der durch die
ITS-90 festgelegten Referenztemperatur und der thermodynamischen Temperatur
bei T90 = 730 K, berechnet durch Anfitten der Gl. 7.12 an die experimentellen Er-
gebnisse f¨
ur T−T90 der einzelnen Filterradiometer
Filterradiometer ∆Tref u(∆Tref ), k=1
802-nm-FR 35.9 mK 5.3 mK
903-nm-FR, (a) 16.4 mK 8.1 mK
903-nm-FR, (a) und (b) 7.7 mK 5.3 mK
1003-nm-FR 64.3 mK 17.2 mK
7.1.2.3 dargestellt, waren das 903-nm-FR und das 1003-nm-FR w¨
ahrend
der radiometrischen Messungen bez¨
uglich ihrer spektralen Bestrahlungs-
st¨
arkeempfindlichkeit zum Teil instabil. F¨
ur das 903-nm-FR wurden daher
zwei Fits berechnet. F¨
ur den ersten Fit wurden nur die Messergebnisse
ber¨
ucksichtigt f¨
ur welche das 903-nm-FR als stabil angesehen werden
kann, d. h. die unmittelbar nach der Kalibrierung des FRs erhalten
120
-0.04
-0.02
0.00
0.02
0.04
0.06
0.08
700
750
800
850
900
950
1000
903-nm-FR (a)
903-nm-FR (b)
u (ITS-90)
Fit 903-nm-FR, (a)
Fit 903-nm-FR, (a) und (b)
T-T90 / K
T
90
/ K
Abbildung 7.16: Abweichung zwischen der thermodynamischen Temperatur T
und ITS-90-Temperatur T90,T−T90, gemessen mit dem 903-nm-Filterradiometer.
Die als dicke Linien eingezeichenten Kurven wurden durch Anfitten von Gl.7.19
an die Messergebnisse erhalten (siehe Text und Tab. 7.12). Die thermodynamische
Unsicherheit der ITS-90 ist als gepunktete Linie dargestellt.
wurden (Apr. 2001, 457 ◦C; Apr.2001, 600 ◦C; M¨
arz 2000, 660 ◦C, (a) in
Abb. 7.16). F¨
ur den zweiten Fit wurden zus¨
atzlich auch die Resultate f¨
ur
T−T90 des 903-nm-FRs ber¨
ucksichtigt, bei welchen sich das FR als instabil
betreffend der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit gezeigt hat
((b) in Abb. 7.16). Da bei dem 1003-nm-FR nur zwei Messwerte f¨
ur T−T90
unmittelbar nach der Kalibrierung vorlagen, konnte hier nur ein Fit ¨
uber
alle Messwerte berechnet werden.
Ber¨
ucksichtigt man nur die Resultate, f¨
ur welche das 903-nm-FR als
stabil hinsichtlich der Kalibrierung der spektralen Bestrahlungsst¨
arke
angesehen werden kann ((a) in Abb. 7.16), liegen diese am oberen Rand
des Unsicherheitsintervalls der ITS-90, bei 730 K und 933 K schließen
die Fehlerbalken T90 noch mit ein. Das Ergebnis f¨
ur ∆Tref des Fits (a)
f¨
ur das 903-nm-FR stimmt mit 16.4 mK sehr gut mit den erhaltenen
Werten aus fr¨
uheren Untersuchungen von T−T90 mit spektralradiome-
trischen Methoden ¨
uberein [82]. Mit zwei Filterradiometern wurde in [82]
T−T90 vom Al-Fixpunkt (660 ◦C) zum Ag-Fixpunkt (962 ◦C) gemessen.
Durch Anfitten an die Messergebnisse wurden hier Werte f¨
ur ∆Tref
121
-0.05
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
650
700
750
800
850
900
950
1000
802-nm-FR
1003-nm-FR
u (ITS-90)
Fit 802-nm-FR
Fit 1003-nm-FR
T-T90 / K
T
90
/ K
Abbildung 7.17: Die Abweichung T−T90 zwischen der thermodynamischen Tem-
peratur und der ITS-90-Temperatur, gemessen mit zwei verschiedenen Filterradio-
metern (802-nm-FR und 1003-nm-FR) und Fit (siehe Text und Tab. 7.12) von
Gl. 7.19 an die Messergebnisse. Als d¨
unne, gepunktete Line ist die thermodynami-
sche Unsicherheit der ITS-90 eingezeichnet.
von 15 mK ±8 mK (676-nm-FR) und 16,5 mK ±6 mK (801-nm-FR)
angegeben. Somit best¨
atigen die in der vorliegenden Arbeit erhaltenen
Ergebnisse mit dem 903-nm-FR die Vermutung, dass bei der Wahl des
gasthermometrischen Referenzwerts bei 730 K [76], dieser um 15 mK zu
niedrig gew¨
ahlt wurde und sind ein Indiz daf¨
ur, dass der gasthermome-
trische Wert aus [15] von (1989) als thermodynamische Basis der ITS-90
oberhalb von 730 K der physikalisch plausiblere gewesen w¨
are. Erstmalig
wurde T−T90 am Referenzwert auch direkt gemessen. F¨
ur das 903-nm-FR
(Messung April 2001) ist T−T90(730 K) gleich mit 13 mK ±15 mK.
Anhand von Abb. 7.16 kann man erkennen, dass der Fit ¨
uber die stabilen
Werte (a) die instabilen Werte (b) (mit Ausnahme des Wertes bei 933 K)
nur sehr schlecht beschreibt. Dies l¨
asst den Schluß zu, dass die in Abschnitt
7.1.2.2 angenommene Rechteckverteilung als Methode zur Korrektur der
Instabilit¨
at des Filterradiometers nicht verwendet werden kann und damit
diese Ergebnisse aufgrund von fehlenden Korrekturm¨
oglichkeiten f¨
ur eine
Untersuchung von T−T90 nicht weiter verwendet werden k¨
onnen.
122
Innerhalb der erweiterten Unsicherheit (k=2) sind die Ergebnisse des
Fits f¨
ur ∆Tref des 802-nm-FRs und des 1003-nm-FRs konsistent mit dem
Resultat des Fits f¨
ur das 903-nm-FR, innerhalb der Standardunsicherheit
(k=1) jedoch ist ein signifikanter Unterschied festzustellen (Tab. 7.12).
M¨
ogliche Ursachen f¨
ur diese systematische Abweichung sollen im folgenden
Abschnitt diskutiert werden.
Systematische Fehler aus der Geometrie des Experiments k¨
onnen ih-
ren Ursprung sowohl in der Fl¨
ache der Strahlerblende als auch im
Blendenabstand Strahler-Detektor haben. W¨
are die Strahlerblende in
der Auswertung als zu klein angenommen worden, m¨
usste sich dies auch
in den Ergebnissen des 903-nm-Filterradiometers bemerkbar machen,
ebenso wie ein systematischer Fehler bei der Emissivit¨
atsbestimmung
des Hohlraumstrahlers LABB oder bei der Photostrommessung. Wie
bereits in den Abschnitten 7.1.2.1 und 7.1.2.3 gezeigt, waren auch keine
systematischen Abstandseffekte w¨
ahrend der radiometrischen Messungen
bei beiden Filterradiometern zu erkennen. Eine potentielle Ursache kann ein
systematischer Fehler im Photostromintegral bzw. in der Kalibrierung der
Filterradiometer sein. Als Ansatz f¨
ur die Absch¨
atzung einer systematisch
um ∆T∗zu hoch bestimmten thermodynamischen Temperatur Tkann
man, unter Verwendung der in Abschnitt 5.6 eingef¨
uhrten N¨
aherung, f¨
ur
das Produkt Lλ(λSP , T)·Isschreiben
Lλ(λSP +∆λSP , T + ∆T∗)·(Is+ ∆Is) =
Lλ(λSP , T) + ∂L
∂λ ·∆λSP +∂L
∂T ·∆T∗·(Is+ ∆Is)(7.20)
wobei λSP die Schwerpunktwellenl¨
ange und Isdas Integral der spektralen
Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit des Filterradiometers sind. Mit der Wien-
schen N¨
aherung ist:
∂L
∂T =L·c2
λT2(7.21)
∂L
∂λ =L·c2
λ2T−5
λ(7.22)
Unter der Annahme, dass die beobachtete systematische Abweichung ∆T
ihre Ursache in einem systematichen Fehler des Integrals der spektralen Be-
strahlungst¨
arke Isund der Schwerpunktwellenl¨
ange λSP hat, erh¨
alt man
nach Umformung:
∆T∗=−
∆Is
Is
1 + ∆Is
Is·λSP T2
c2−c2
λ2
SP T−5
λSP ·λSP T2
c2·∆λSP (7.23)
Gleichung 7.19 wurde nun dahingehend modifiziert, dass f¨
ur ∆Tref , ausge-
hend von den Messergebnissen des 903-nm-FRs und fr¨
uherer spektralradio-
metrisch ermittelter Werte in [82], ein fester Wert von 0.015 K angenommen
123
wurde und zus¨
atzlich die den systematischen Effekt beschreibende Gr¨
oße
∆T∗addiert wurde:
∆Tmod(T) = T
Tref 2
∆Tref + ∆T∗(7.24)
Der Absolutwert der Wellenl¨
angenskala der spektralen Empfindlichkeit des
Filterradiometers wird bei der Kalibrierung am Spektralkomparator auf die
Wellenl¨
angenkalibrierung des jeweils verwendeten Gitters zur¨
uckgef¨
uhrt.
Die im Rahmen dieser Arbeit angewendeten Gitter wurden an ca. vierzig
bis sechzig Spektrallinien kalibriert, die Interpolation erfolgte durch ein
Polynom neunter Ordnung, die gr¨
oßte Abweichung des Polynoms an
den Spektrallinen war etwa eineinhalb Schritte des Schrittmotorantriebs
des Monochromators, wobei ein Schritt einer Wellenl¨
angen¨
anderung von
etwa 6.5 pm entspricht. Vor jedem Kalibriervorgang wurde das Gitter
an einer Spektrallinie initialisiert. Daher sind, selbst bei ung¨
unstigsten
Voraussetzungen, maximale systematische Wellenl¨
angenfehler von drei
Schritten m¨
oglich. Gleichung 7.24 wurde nun, mit ∆Is/Isals Fitparameter
und ∆λSP gleich ±20 pm, an die Messergebnisse des 802-nm-FRs und des
1003-nm-FRs angefittet, die Resultate des Fits sind in Tabelle 7.13 darge-
stellt. Unabh¨
angig vom angenommenen systematischen Wellenl¨
angenfehler
Tabelle 7.13: Ergebnisse des Fits an die Messdaten des 802-nm-FRs und des
1003-nm-FRs zur Absch¨
atzung von systematischen Fehlern aus der Kalibrierung
der Filterradiometer.
Filterradiometer ∆Is
Is, ∆λSP =-20 pm ∆Is
Is, ∆λSP =+20 pm
802-nm-FR -3.1·10−4-1.1·10−3
1003-nm-FR -1.1·10−3-1.6·10−3
∆λSP , sind alle erhaltenen Werte f¨
ur ∆Is/Isnegativ. Dies bedeutet, dass
die spektrale Bestrahlungst¨
arkeempfindlichkeit der diskutierten Filterradio-
meter in der Auswertung der Messungen zu klein angenommen wurde. Der
Grund f¨
ur eine zu geringe spektrale Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit des
Filterradiometers kann im Kalibrierverfahren selbst oder in der auf dem
Transferdetektor abgelegten Empfindlichkeitsskala (Gl. 5.3) liegen.
Die interpolierte spektrale Empfindlichkeit des Silizium-basierten Trap-
Detektors ist im Wellenl¨
angenbereich von 400 nm bis 900 nm in sehr
guter N¨
aherung eine lineare Funktion. Die Abweichung zwischen der am
RTCR an diskreten Laserlinien bestimmten spektralen Empfindlichkeit des
Trap-Detektors und der Interpolation an diesen Laserlinien ist von der
Gr¨
oßenordnung 1 ·10−4. Deswegen k¨
onnen Skaleneffekte als Ursache f¨
ur die
beobachteten systematischen Effekte von der Gr¨
oße wie sie in Tabelle 7.13
124
f¨
ur das 802-nm-FR angegeben werden nicht in Betracht gezogen werden.
Der Temperaturkoeffizient und die Nichtlinearit¨
at der Si-Photodioden
ist bei 800 nm vernachl¨
assigbar klein. Daher erscheint es sinnvoll, Rest-
Streulichteffekte (Abschnitt 5.4) in Kombination mit einem systematischen
Wellenl¨
angenfehler bei der Kalibrierung am Spektralkomparator als Ursa-
che f¨
ur eine zu hoch gemessene thermodynamische Temperatur anzunehmen.
Im Wellenl¨
angenbereich von 950 nm bis 1015 nm nimmt die spektrale
Empfindlichkeit des Trap-Detektors wegen der Bandkante des Siliziums ab
(Abb. 4.1) und hat gleichzeitig einen nichtlinearen Verlauf. Bei der Reali-
sierung einer, durch Interpolation gewonnenen, kontinuierlichen Skala der
spektralen Empfindlichkeit in diesem Bereich gibt es mehrere Faktoren, die
Quellen systematischer Effekte sein k¨
onnen. Der Temperaturkoeffizient der
Silizium-Photodioden betr¨
agt z.B. bei 1015 nm ca. 4.5·10−3K−1, so dass
bereits eine Temperatur¨
anderung von 100 mK des Detektors zu signifikan-
ten ¨
Anderungen der spektralen Empfindlichkeit f¨
uhren kann. Gleichzeitig
ist eine erh¨
ohte Nichtlinearit¨
at der Detektoren durch Korrekturfaktoren
(typ. 2 ·10−3) zu ber¨
ucksichtigen. Durch den nichtlinearen Verlauf der
spektralen Empfindlichkeit, kann es bei einer zu kleinen Anzahl direkt an
Laserlinien durchgef¨
uhrter Kalibrierungen zu Interpolationsfehlern kom-
men. Zusammenfassend kann man sagen, dass im Fall des 1003-nm-FRs,
die Ursachen f¨
ur die zu hoch bestimmte thermodynamische Temperatur
Tihren Ursprung sowohl in der auf den Trap-Detektor abgelegten Skala
der spektralen Empfindlichkeit, wie auch in den Effekten, wie sie bei dem
802-nm-FR beschrieben wurden, haben k¨
onnen.
Abbildung 7.18 gibt einen ¨
Uberblick ¨
uber die Einordnung der im Rahmen
dieser Arbeit mit drei Filterradiometern (802-nm-FR, 903-nm-FR und
1003-nm-FR) erhaltenen Ergebnisse f¨
ur T−T90 in die bisherigen spektral-
radiometrischen Messungen der Abweichung zwischen thermodynamischer
Temperatur und T90-Temperatur. Gezeigt sind die Ergebnisse f¨
ur T−T90 im
Bereich vom Al-Fixpunkt bis zum Ag-Fixpunkt aus [82] sowie die Ergebnisse
der spektralradiometrischen Messungen am Al-Fixpunkt, Ag-Fixpunkt und
Au-Fixpunkt aus [25]. Gleichzeitig dargestellt sind auch die Resultate der
beiden gasthermometrischen Messungen [39][15], die als thermodynamische
Grundlage f¨
ur die ITS-90 bis 730 K verwendet wurden. Die Resultate des
802-nm-FRs und des 903-nm-FRs dieser Arbeit best¨
atigen im Rahmen der
Unsicherheit den Trend der spektralradiometrischen Messungen aus [82]
und [25] (Al-Fixpunkt und Ag-Fixpunkt) und stimmen sehr gut mit den
gasthermometrischen Messungen aus [15] ¨
uberein.
125
-0.080
-0.040
0.000
0.040
0.080
0.120
0.160
0.200
200
400
600
800
1000
1200
1400
802-nm-FR
903-nm-FR
1003-nm-FR
676-nm-FR, Stock (1995)[82]
801-nm-FR, Stock (1995)[82]
Fox et al. (1991)[25]
Edsinger et al. (1989)[15]
Guildner et al. (1976)[39]
T-T90 / K
T
90
/ K
Abbildung 7.18: Einordnung der Resultate f¨
ur T−T90 des 802-nm-FRs, des 903-nm-FRs und des 1003-nm-FRs dieser Arbeit in
bisherige Messungen der Abweichung zwischen thermodynamischer Temperatur und ITS-90-Temperatur. Dargestellt sind jeweils die
spektralradiometrischen Ergebnisse aus [82] (Hohlraumstrahler variabler Temperatur, Temperaturbereich Erstarrungspunkt Aluminium -
Erstarrungspunkt Silber) sowie aus [25] (Fixpunkt-Hohlraumstrahler: Aluminium, Silber und Gold). Ebenfalls eingezeichnet die Ergebnisse
der Gasthermometrie [15, 39]. Die eingezeichneten Fehlerbalken entsprechen der einfachen Messunsicherheit (k= 1).
126
Kapitel 8
Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurden durch Messung der spektralen Bestrah-
lungsst¨
arke eines Hohlraumstrahlers mit absolut kalibrierten Filterradiome-
tern (FR) thermodynamische Temperaturen im Bereich vom Zink-Fixpunkt
(419 ◦C) bis zum Aluminium-Fixpunkt (660 ◦C) bestimmt. Dabei wurde
die Abweichung zwischen der thermodynamischen Temperatur und der
simultan gem¨
aß der Internationalen Temperaturskala von 1990 gemessenen
Temperatur T90 des Hohlraumstrahlers in diesem Temperaturintervall
gemessen.
Als Quelle der spektralen Bestrahlungsst¨
arke wurde ein Natrium-
Doppelw¨
armerohrstrahler verwendet. Die Isothermie des Hohlraumstrahlers
wurde durch Messung des axialen Temperaturprofils bis hinab zu 415 ◦C
untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass der Hohlraumstrahler bis 480 ◦C
nahezu ideal isotherm ist, in einem Abstand von 500 mm zum Hohlraum-
boden betr¨
agt der Temperaturabfall nur 3 mK. Erst bei Temperaturen
unterhalb 450 ◦C war eine zunehmende Nichtisothermie zu beobachten. Im
gleichen Abstand vom Boden wurde bei 415 ◦C ein Temperaturabfall von
etwa 1.2 K gemessen.
Der Einfluss der zunehmenden Nichtisothermie auf den Emissionsgrad
des Hohlraumstrahlers f¨
ur Temperaturen kleiner als 450 ◦C wurde durch
Entwicklung eines neuen Berechnungsverfahrens f¨
ur den Emissionsgrad
ber¨
ucksichtigt. Basierend auf der Monte-Carlo Methode erlaubt dieses
flexible Simulationswerkzeug die Berechnung des Emissionsgrades sowohl
von isothermen wie auch von nichtisothermen Hohlraumstrahlern mit
einer Unsicherheit kleiner als 0.01 %. Unter Verwendung der experimentell
gewonnenen Daten f¨
ur die Nichtisothermie ergab die Berechnung, dass
bis 450 ◦C der Emissionsgrad des Hohlraumstrahlers 0.9999 betr¨
agt. Im
Bereich des Zink-Fixpunktes bei 415 ◦C sinkt dieser Wert auf 0.9994
(λ= 1000 nm). Insgesamt wurde damit der Nachweis erbracht, dass der
127
Doppelw¨
armerohrstrahler auch f¨
ur Temperaturen unter 600 ◦C bis hinab
zu 450 ◦C einen nahezu idealen Hohlraumstrahler variabler Temperatur
darstellt und damit als radiometrische Quelle zur Untersuchung der Ab-
weichung zwischen der thermodynamischen und der ITS-90-Temperatur
geeignet ist.
Als Detektoren zur Messung der Bestrahlungsst¨
arke des Hohlraumstrahlers
bis hinab zu 419 ◦C wurden Filterradiometer mit Silizium-Photodioden
verwendet, deren Schwerpunktwellenl¨
ange f¨
ur ein ausreichend gutes Signal-
Rausch-Verh¨
altnis im nahen Infrarot liegen musste. Daher wurden, neben
einem Filterradiometer mit einer Schwerpunktwellenl¨
ange bei 802 nm, zwei
weitere, erstmalig absolut kalibrierte, Filterradiometer mit Schwerpunkt-
wellenl¨
angen bei 902 nm und 1003 nm eingesetzt. Diese Detektoren wurden
gegen ein Transfernormal, einen Trap-Detektor als Tr¨
ager einer bis auf
1020 nm erweiterten Skala der spektralen Empfindlichkeit, r¨
uckf¨
uhrbar auf
das Detektor-Prim¨
arnormal der PTB, das Kryoradiometer RTCR, kalibriert.
F¨
ur die Kalibrierung der Filterradiometer gegen Transfernormale wurde
ein neuartiger Pr¨
azisions-Vergleichsmessplatz, ein Spektralkomparator,
aufgebaut. In Voruntersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass
Polarisations- und Streulichteffekte bei der Kalibrierung systematische
Fehler in der Gr¨
oßenordnung von mehr als 0.2 % verursachen k¨
onnen.
Durch Integration eines Vormonochromators in den optischen Aufbau des
Spektralkomparators wurden das Streulicht bis an die Nachweisgrenze redu-
ziert und damit streulichtbedingte systematische Fehler minimiert. F¨
ur die
Kalibrierung von Filterradiometern in der Anwendung vor einem unpolari-
sierten Hohlraumstrahler wurde ein Kalibrieralgorythmus aufgestellt. Dieses
Konzept wurde dann im experimentellen Aufbau des Spektralkomparators
umgesetzt. Dadurch ist eine vollst¨
andige Unabh¨
angigkeit der Kalibrierung
sowohl vom Polarisationszustand des Monochromators als auch eventueller
Polarisationsempfindlichkeiten der Detektoren gew¨
ahrleistet.
Mit diesen notwendigen Vorarbeiten ist es gelungen die relative Unsi-
cherheit im Integral der spektralen Bestrahlungsst¨
arkeempfindlichkeit bei
der Kalibrierung des 802-nm-FRs auf 0.02 % zu senken, dies entspricht einer
Verringerung zum Beitrag des Filterradiometers bei der Messung thermo-
dynamischer Temperaturen auf 10 mK bei 933 K (Al-FP). Die erreichten
relativen Unsicherheiten bei der erstmaligen Absolutkalibrierung der Fil-
terradiometer mit den Schwerpunktwellenl¨
angen bei 903 nm und 1003 nm
betragen 0.03 % bzw. 0.12 %, umgerechnet in eine Temperaturunsicherheit
am gasthermometrischen Referenzwert bei 730 K bedeutet dies eine Unsi-
cherheit von 10 mK f¨
ur das 903-nm-FR und von 44 mK f¨
ur das 1003-nm-FR.
Zus¨
atzlich zu den Filterradiometern mit Silizium-Photodioden wurde
128
auch ein neu entwickeltes Filterradiometer mit einer Indium-Gallium-
Arsenid-Photodiode als Detektor und einer Schwerpunktwellenl¨
ange bei
1595 nm eingesetzt. F¨
ur die Kalibrierung dieses InGaAs-Filterradiometers
wurde, mittels eines Nd:YAG-Lasers bei 1.064 µm und zweier Dioden-Laser
bei 1.31 µm und 1.55 µm und dem Kryoradiometer RTCR als Detektor-
Prim¨
arnormal zum ersten Mal eine hochwertige Skala der spektralen
Empfindlichkeit im nahen Infrarot aufgebaut, deren relative Unsicherheit
an den Laserlinien kleiner als 0.06 % ist. Durch die Interpolation mit
einem thermischen Empf¨
anger am Spektralkomparator konnte eine auf
einer InGaAs-Photodiode abgelegte kontinuierliche Skala der spektralen
Empfindlichkeit f¨
ur den Wellenl¨
angenbereich von 0.960 µm bis 1.820 µm
mit einer relativen Unsicherheit von 0.17 % realisiert werden. Aufgrund
des dominierenden Beitrags der Skalenunsicherheit, ist die erreichte relative
Unsicherheit im Integral der spektralen Empfindlichkeit bei der Kalibrie-
rung des InGaAs-FRs ebenfalls 0.17 %.
Im untersuchten Temperaturbereich zwischen dem Zink- und Aluminium-
Fixpunkt war die absolutradiometrisch bestimmte thermodynamische
Temperatur Tdes Hohlraumstrahlers f¨
ur alle Filterradiometer h¨
oher als
seine ITS-90-Temperatur T90. Innerhalb der Standardunsicherheit stimmen
die Resultate f¨
ur die gemessene Abweichung zwischen thermodynamischer
und praktischer Temperatur T−T90 f¨
ur alle vier Filterradiometer sehr
gut ¨
uberein. Trotz der im internationalen Vergleich kleinsten erreichten
Unsicherheiten bei der Kalibrierung von Filterradiometern, sind die Unsi-
cherheiten des 1003-nm-FRs (44 mK) und des InGaAs-FRs (100 mK) f¨
ur
die Untersuchung der aus der Gasthermometrie stammenden systematischen
Abweichung von der Gr¨
oßenordnung 30 mK in der thermodynamischen
Basis der ITS-90 noch zu groß. Deswegen wurden nur die Messergebnisse
zweier Filterradiometer (802-nm-FR, 903-nm-FR) zur Identifikation der
systematischen Abweichung zwischen der ITS-90-Temperatur und thermo-
dynamischer Temperatur herangezogen. Ein Fit an die Messergebnisse des
802-nm-FR ergab als Abweichung zwischen Tund T90 am Referenzwert
bei 730 K 36 mK ±5 mK (k=1). Die erstmalige direkte Messung von
T−T90 am Referenzwert mit dem 903-nm-FR ergab eine Abweichung von
13 mK ±15 mK (k=1).
Innerhalb der Standardunsicherheit (k=1) stimmt das in dieser Arbeit er-
haltene Ergebnis f¨
ur die thermodynamische Temperatur des Referenzwertes
mit dem von Edsinger und Schooley 1989 am NIST erzielten Resultat sehr
gut ¨
uberein. Das Ergebnis von Guildner und Edsinger (1976, NIST) weicht
signifikant davon ab. Mit einer von der Gasthermometrie unabh¨
angigen
Methode ist es somit erstmals gelungen nachzuweisen, dass bei der Kon-
struktion der ITS-90 der Referenzwert zu niedrig gew¨
ahlt wurde. Somit
stellt die vorliegende Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung
der thermodynamischen Basis der ITS-90 dar.
129
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137
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Danksagung
Die vorliegende Arbeit entstand w¨
ahrend meiner T¨
atigkeit als
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor f¨
ur Temperaturstrahlung der
Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Berlin. An erster Stelle
m¨
ochte ich mich bei Herrn Prof. Dr. B. Wende f¨
ur die M¨
oglichkeit
der Durchf¨
uhrung meiner Arbeit auf dem interessanten Arbeitsgebiet
der Radiometrie sowie f¨
ur die wertvollen gef¨
uhrten Diskussionen
bedanken.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. J. Fischer als Leiter des
Labors f¨
ur Temperaturstrahlung f¨
ur seine fachliche Unterst¨
utzung
und seine engagierte und stets motivierende Begleitung, die wesent-
lich zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen hat. Gleichermaßen
m¨
ochte ich mich bei Herrn Dr. J. Seidel und Herrn Dr. J. Hollandt
f¨
ur die zahlreichen anregenden und hilfreichen Diskussionen bedanken.
Allen Mitarbeitern des Labors f¨
ur Temperaturstrahlung sei f¨
ur
ihre Hilfsbereitschaft, ihre Unterst¨
utzung und die gute Teamarbeit ge-
dankt. Besonders hervorheben m¨
ochte ich Herrn Dr. R. Friedrich, der
mir mit seiner großen Erfahrung und seiner steten Gespr¨
achsbereit-
schaft bei vielen theoretischen und experimentellen Fragestellungen
beratend zur Seite stand. Herrn Dr. J. Hartmann m¨
ochte ich f¨
ur seine
vielf¨
altige Unterst¨
utzung und f¨
ur das sehr aufmerksame Korrekturle-
sen und der durchwegs konstruktiven Kritik an meiner Arbeit danken.
Herrn Dr. H. Nubbemeyer und Herrn Dipl. Ing. B. Gutschwager
danke ich f¨
ur die Unterst¨
utzung bei der Kalibrierung der Platinwider-
standsthermometer. Der mechanischen Werkstatt, namentlich Herrn
T. Sch¨
onebeck, sei hier ebenfalls gedankt.
Ebenfalls bedanken m¨
ochte ich mich bei Herrn Dr. L. Werner,
Herrn Dr. A. Steiger und Herrn Dipl.-Ing. (FH) U. Johannsen aus
den Projektgruppen ”Detektor-/Quellengest¨
utzte Radiometrie” f¨
ur
die zur Verf¨
ugung gestellten Detektoren sowie f¨
ur die h¨
aufigen
anregenden Diskussionen auf diesem Arbeitsgebiet.
Zum Schluß m¨
ochte ich mich bei meiner ganzen Familie f¨
ur ihre
Hilfe und ihre Geduld die sie mir w¨
ahrend der gesamten Zeit
entgegengebracht haben, bedanken. Danke.
139
140
Lebenslauf
08.12.1967 geboren in Temeschburg / Rum¨
anien
1974-1982 Grundschule Temeschburg
1982-1984 Nikolaus Lenau Gymnasium Temeschburg
1984-1987 Grimmelshausen Gymnasium Gelnhausen
1987 Abitur
1987-1988 Grundwehrdienst
1988-1996 Physikstudium, Studienrichtung Technische Physik
an der Technischen Universit¨
at M¨
unchen
1996 Diplompr¨
ufung, Diplomarbeit mit dem Thema:
’Str¨
omungsprofilanalyse von Fl¨
ussigkeiten
mit der Laser-Doppler-Methode’
1996-1997 Aufbaustudium General and Business English
an der Ludwig-Maximilians-Universit¨
at M¨
unchen
Seit 1998 wissenschaftlicher Angestellter im Labor
’Temperaturstrahlung’ der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (PTB), Institut Berlin
Berlin im August 2003 Dieter Richard Taubert
141