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[de] (orig)
D
er neue Bio- und Medizintech-
nologie-Campus von Charité
und TU Berlin in Berlin-Wed-
ding nimmt langsam Gestalt an. Im
Süden an der Seestraße von einem
Gebäude des Robert Koch-Instituts
begrenzt, hat er nun im Norden an der
Amrumer Straße sein Eingangsportal
bekommen. Jedenfalls im Rohbau: Am
23. Mai wurde Richtfest gefeiert für
das Forschungszentrum „Der Simulierte
Mensch“ (Si-M). Zahlreiche Gäste
wohnten dem Ereignis bei, darunter
die Regierende Bürgermeisterin Fran-
ziska Giffey, Wissenschaftssenatorin
Ulrike Gote sowie Finanzsenator Da-
niel Wesener.
Das Forschungsgebäude Si-M entsteht
im Rahmen der strategischen Part-
nerschaft von Charité und TU Berlin.
Bereits heute arbeiten in dem Projekt
Wissenschaftler*innen beider Einrich-
tungen zusammen. Sie erforschen die
Simulation menschlicher Organfunkti-
onen – ohne den Einsatz von Tierver-
suchen. So sollen das Verständnis von
Krankheiten verbessert und neue the-
rapeutische Ansätze ermöglicht werden.
„Die TU Berlin freut sich sehr, dass
die besonders enge und gute Zusam-
menarbeit mit der Charité durch das
Richtfest des Si-M-Gebäudes nun auch
sichtbar wird. Das auf das Lösen von
Problemen ausgerichtete Denken un-
serer Ingenieur*innen trifft bei dem
Vorhaben ‚Der Simulierte Mensch‘
auf das biologische und therapeutische
Know-how der Mediziner*innen. Die-
se ungewöhnliche Kombination entfal-
tet eine wissenschaftliche Kreativität,
die den Standort Berlin sowohl für die
Medizin und als auch für die Ingeni-
eurswissenschaften prägen und weiter
stärken wird“, sagte TU-Präsidentin
Geraldine Rauch, die zusammen mit
Kanzler Lars Oeverdieck zum Richtfest
gekommen war. Für die vielfältigen
Aktivitäten, die die Forschenden des
Si-M-Projektes auch bei der Kommu-
nikation mit der Öffentlichkeit planen,
stehe sinnbildlich das sogenannte The-
atron: „Dieser runde Vortragsraum,
der besonders für den Austausch der
Teilnehmenden untereinander geeig-
net ist, wird zusammen mit dem für
ein Forschungsgebäude sehr offenen
Entwurf den Si-M-Bau zu einem ar-
chitektonischen Highlight für unsere
Universität machen.“
Das „Theatron“ ist das
architektonische Highlight
Der Bau ist in drei Labor-Ebenen so-
wie zwei öffentlich zugängliche Etagen
unterteilt. Auf mehr als 3.150 Quad-
ratmetern Nutzungsfläche werden
rund 140 Wissenschaftler*innen von
Charité und TU Berlin in interdiszi-
plinären Arbeitsgruppen forschen.
Prof. Dr. Roland Lauster, ehemaliger
Leiter des Fachgebiets Medizinische
Biotechnologie und der Initiator des
Si-M auf Seiten der TU Berlin, beton-
te: „Die Simulation humaner Gewebe
eröffnet besonders im Bereich neuer
Krebstherapien und Infektionen völlig
neue Forschungsansätze, die eine hohe
klinische Relevanz aufweisen.“
Direkt neben dem Si-M-Gebäude ent-
steht das „Berlin Center for Advanced
Therapies“ (BeCAT) der Charité, für
das am selben Tag Richtfest gefeiert
wurde. Hier wollen Forscher*innen
innovative zellbasierte Arzneimittel
entwickeln. Die beiden Gebäude wer-
den mit Landes- und Bundesmitteln in
Höhe von insgesamt knapp 68 Millio-
nen Euro finanziert. „Sie werden dazu
beitragen, dass wissenschaftliche Er-
kenntnisse aus der Spitzenforschung
schnell in die medizinische Versorgung
überführt werden und damit den Pati-
entinnen und Patienten zu Gute kom-
men“, freute sich die Regierende Bür-
germeisterin Franziska Giffey.
Wolfgang Richter
www.si-m.org/ (Projekt)
www.tu.berlin/go33844/
(Interview mit dem Architekten)
Richtfest an der Seestraße
Auf dem neuen Forschungscampus nimmt das Gebäude
„Der Simulierte Mensch“ Gestalt an
Lasst uns
zusammenstehen!
pp „Berlin legt dieses Haus ver-
trauensvoll in Ihre Hände!“ Mit
diesen Worten übergab Ulrike
Gote, Berlins Senatorin für Wis-
senschaft, Gesundheit, Pflege
und Gleichstellung, am 6. Mai
2022 im Audimax den präsidialen
Hochschulstab an die kürzlich ge-
wählte TU-Präsidentin Geraldine
Rauch. In ihrer Festrede wies
sie darauf hin, dass das neue
Präsidium der TU Berlin in eine
Zeit voller Unsicherheiten star
-
te. Krieg, Pandemie, Klimawan-
del und demografischer Wan
-
del würden die nächsten Jahre
auch die Hochschulpolitik prä
-
gen. „Lasst uns zusammenste
-
hen!“, rief dann die neue Präsi-
dentin als Motto für die nächste
Legislatur aus.
33.631 – diese Zahl zog sich
durch die bemerkenswerte Rede
der Maschinenbaustudentin Pia
Kausch. Die Zahl stand für die
Studierenden der Universität, die
sich als wichtige TU-Mitglieder
und zahlenmäßig größte Status-
gruppe die besondere Aufmerk-
samkeit der Präsidentin für ihre
Anliegen wünschen. Zugeschal-
tet aus Hannover war Steffen
Krach, bis 2021 Wissenschafts-
Staatssekretär in Berlin. Er ließ
die vergangenen erfolgreichen
Jahre für die Wissensstadt Ber-
lin Revue passieren und hob die
großen Verdienste der TU Berlin
und ihres Präsidenten Christian
Thomsen am Aufblühen des
Wissenschaftsstandortes und
am Zustandekommen des Exzel-
lenzverbundes Berlin University
Alliance hervor. Alle Reden und
ein Mitschnitt der Veranstaltung:
www.tu.berlin/go52645/
© Charité / Wiebke Peitz
Lehren aus der Flut
Die Hochwasserkatastrophe
2021 hat endlich Konsequenzen
SEITE 3
Forschen und Staunen
Programm der Langen Nacht
der Wissenschaften am
2. Juli an der TU Berlin
SEITEN 4 + 5
Modell für neues Bauen
Partnerschaftsmodell
Schiene: Schnell, effizient,
kostensparend und
umweltschonend
SEITE 6
100 Jahre Einsatz
DIe Gesellschaft von Freunden
der TU Berlin feiert ihr
Jubiläum
SEITE 8
Die Zukunft der Pflege
„Showroom Pflege 4.0“ zeigt Chancen digitaler Pflegetechnologien – schnelle Hilfe bei Feuer, Stürzen oder Krankheit
So lange wie möglich selbstbestimmt
in den eigenen vier Wänden leben.
Wie das aussehen kann, lässt sich
jetzt im „Showroom Pflege 4.0“
besichtigen, der am 18. Mai 2022
im Beisein der Senatorin für Wis-
senschaft, Gesundheit, Pflege und
Gleichstellung, Ulrike Gote, an der
TU Berlin eröffnet wurde. Der
„Showroom“ präsentiert die vielfäl-
tigen Chancen digitaler Pflegetech-
nologien in einer vernetzten Woh-
nung. Die Assistenzsysteme erhöhen
die Selbstständigkeit und entlasten
die häusliche Pflege für pflegebe-
dürftige Menschen und pflegende
Angehörige.
So zeigt der Showroom für die Kü-
che unter anderem einen Herd mit
einer Sensorik zur Überwachung der
Kochplatten. Bei nicht ausgeschalte-
tem Herd wird akustisch und optisch
gewarnt. Eine intelligente Sturzerken-
nung registriert Stürze und leitet eine
Benachrichtigungskette ein. Vernetz-
te Gesundheitsgeräte wie eine Waage
oder eine Blutdruckmanschette sam-
meln Vitaldaten, um das Fachperso-
nal in Echtzeit über den aktuellen
Gesundheitszustand zu informieren.
Aktivitäts- und Luftqualitätssenso-
ren, smarte Spiegel und vernetzte
Leuchten erhöhen die Sicherheit
oder kompensieren persönliche Ein-
schränkungen. Das von der Gesund-
heits-Senatsverwaltung geförderte
„Kompetenzzentrum Pflege 4.0 –
LEBEN – PFLEGE – DIGITAL“ wird
vom DAI-Labor der TU Berlin unter
Leitung von Prof. Dr.-Ing. Sahin Al-
bayrak in Kooperation mit dem sozia-
len Träger Albatros gGmbH betrieben.
Es ging aus der Initiative „Pflege 4.0
– Made in Berlin“ hervor, das 2018
von der damaligen Gesundheitssena-
torin Dilek Kalayci gegründet wurde.
Die interessierte Öffentlichkeit kann
den Showroom im TU-Hochhaus am
Ernst-Reuter-Platz besuchen und Füh-
rungen buchen.
Bettina Klotz
www.tu.berlin/go53167/
INHALT
Offener Entwurf: Die freischwebenden, geschwungenen Treppen führen bis unter
ein ovales Glasdach.
© HDR Germany / Imagina Visual Collaboration
Rohbau des Forschungsgebäudes Si-M von Charité und TU Berlin auf dem Gelände des Virchow-Klinikums in Berlin-Wedding
© Christian Kielmann
GROSSER MEDIENPREIS
Besondere Ehrung
für Bénédicte Savoy
pp Eine bedeutende internationale
Ehrung erhält die Kunsthistorikerin
und TU-Professorin Bénédicte Savoy
am 6. Juli 2022 in Paris: Sie wird mit
dem Großen Deutsch-Französischen
Medienpreis 2022 für ihre weltweit
beachtete Forschungsarbeit und ihr
Engagement für die Rückgabe von
erbeuteten Kunstwerken an die ehe-
maligen Kolonien, vor allem in Afri-
ka, ausgezeichnet. Große Namen
wie Helmut Schmidt, Valéry Giscard
d’Estaing oder Jürgen Habermas
sind mit dem Preis verbunden, der
alljährlich an Persönlichkeiten und
Organisationen vergeben wird, die
sich in besonderer Weise um die
europäische Verständigung verdient
gemacht haben. Mit Bénédicte Savoy
zusammen wird Anselm Kiefer aus-
gezeichnet, den die Jury als einen der
wichtigsten Künstler der Gegenwart
ehrt. Die Veranstaltung wird online
gestreamt und aufgezeichnet.
www.tu.berlin/go58127
Der Hochschulstab in neuen
Händen: Geraldine Rauch
© Christian Kielmann
Überwachung der Gesundheit:
Gesundheitssenatorin Ulrike Gote
(hinten Mitte) beobachtet die Prä-
sentation der vernetzten Blutdruck-
manschette.
HOCHSCHULZEITUNG
DER TECHNISCHEN
UNIVERSITÄT BERLIN
Ausgabe Nr. 3
Juni 2022
37. Jahrgang
Helmut Schwarz ist ein vehementer Kämpfer für die Freiheit der Wissenschaft – das bewies er auch mit seiner Festrede.
INNENANSICHTEN
T
raumatisierte Kinder, vergewaltig-
te Frauen, Kriegskrüppel und Tote
zuhauf, circa 70 Millionen Men-
schen weltweit auf der Flucht, Elend
und Not, wo auch immer man hin-
schaut. Angesichts dieser bedrückenden
Zustände fällt es nicht leicht, an einem
9. Mai bei einer akademischen Festver-
anstaltung über Grundlagenforschung
zu sprechen. Ich will aber trotzdem ver-
suchen, mit Ihnen einige Gedanken zu
teilen, die ich mir in den vergangenen
Monaten zu diesem Thema notiert habe.
Verehrte Frau Präsidentin,
liebe Frau Rauch,
sehr geehrter Alt-Präsident Thomsen,
lieber Dekan Etienne Emmrich,
lieber Christoph, lieber Martin,
meine Damen und Herren,
in seiner Autobiografie „A Mathe-
matician’s Apology“ skizzierte der eng-
lische Zahlentheoretiker Godfrey H.
Hardy seine – nicht gerade geringen –
Beiträge zur Wissenschaft im typischen
Oxbridge Understatement, indem er
festhielt: „Ich habe als Mathematiker
nie etwas getan, was als nützlich ange-
sehen werden könnte, für das Wohlbe-
finden der Gesellschaft und unter nur
praktischen Gesichtspunkten sind mei-
ne Arbeiten und mein Leben ohne jede
Bedeutung, wenn nicht trivial. Dem Ur-
teil vollkommener Trivialität könnte ich
nur entgehen, wenn man mir zubilligte,
etwas geschaffen zu haben, was sich zu
schaffen lohnte. Dass ich etwas geschaf-
fen habe, ist offenkundig – die Frage ist
nur, ob es etwas wert ist.“
Glaubt man, was gelegentlich behaup-
tet wird, dann habe auch ich in mei-
nem 56-jährigen Universitätsleben et-
was geschaffen, möglicherweise sogar
etwas, das zu erwähnen wert ist – und
daran mit einem Kolloquium zu erin-
nern, sind wir von der Präsidentin der
Technischen Universität Berlin einge-
laden worden.
Aber in meiner Dankesrede möchte
ich zunächst fragen, warum eine Uni-
versität überhaupt noch ein Individu-
um ehrt, statt – dem Zeitgeist folgend –
Netzwerke, Teams, Koordinatoren usw.
auszuzeichnen? Ich vermute, dass die
Überlegung eine Rolle gespielt haben
könnte, einmal den einzelnen Men-
schen zu würdigen, ohne deshalb zu
vergessen, dass auch er auf den Schul-
tern anderer steht, gemäß Goethes Be-
merkung, dass „mein [Goethes] Werk
das eines Kollektivwesens ist, das nur
den Namen Goethe trägt.“
Zur Erinnerung, und machen wir uns
nichts vor: Ohne Goethe gäbe es we-
der die „Wahlverwandtschaften“ noch
den Zauber seiner Gedichte; ohne
Shakespeare wüssten wir nichts von
der Gewalt und Zärtlichkeit seiner
Dramen, und wie viel ausdrucksärmer
wäre die Weltliteratur ohne die Sprach-
akrobatik eines James Joyce oder die
Schilderung von Seelenlandschaften in
den Essays einer Virginia Woolf, einer
Katherine Mansfield; wie viel weniger
wüssten wir von den menschlichen
Abgründen ohne die Stimme eines
Paul Celan oder die Jahrhundertro-
mane eines Lew Tolstoi, eines Marcel
Proust; was fehlte nicht alles der Mu-
sik und wie leer wäre das Leben ohne
Mozarts Opern oder das Theater ohne
die Handschrift einer Andrea Breth, ei-
nes Luc Bondy; auch hätten wir keine
Ahnung von Thomas Manns grandi-
osem „Zauberberg“ oder von Kants
Schrift „Zum ewigen Frieden“. Und
den bedrückenden Roman „Ist das
ein Mensch?“ über den Terror in den
Nazi-Vernichtungslagern Auschwitz-
Birkenau gäbe es nicht ohne Primo
Levis erschütterndes Zeugnis; weder
Picassos „Guernica“ noch Leonar-
do da Vincis anatomische Studien,
Herlinde Koelbls Bildband „Jüdische
Portraits“ oder Michael Hanekes fil-
misches Meisterwerk existierten ohne
diese Ausnahmekünstler; auch hätten
wir keine „David-Skulptur“ zu be-
wundern, wäre diese nicht von Mi-
chelangelo aus einem Marmorblock
herausgemeißelt worden, gar nicht zu
reden von den einzigartigen Kunst-
werken außereuropäischer Kulturen,
geschaffen von meistens namenlos ge-
bliebenen Menschen – und schließlich:
Ohne Watson und Crick existierte jene
„Nature“-Veröffentlichung nicht, die
zur Ikone der Lebenswissenschaft ge-
worden ist, und auch die Revolutionen
im Kommunikationswesen wären ohne
die Erfindung des Buchdrucks bzw. des
world wide web ausgeblieben. Sicher-
lich, Namen sind Schall und Rauch
– erinnert sei nur an einen, John
Keats zugeschriebenen Grabspruch
in Rom, in dem es heißt: „His name
was written on water“ –, und es trifft
vermutlich zu, dass die bahnbrechen-
den Erfindungen irgendwann einmal
gemacht und die Kunstwerke geschaf-
fen worden wären, so, wie auch die
Entdeckungen stattgefunden hätten.
Aber auch dann wären es immer Indi-
viduen gewesen, die die entscheidende
Idee gehabt und nach Laotses Maxime
kühn-entschlossen gehandelt hätten,
nämlich dass, „wer zur Quelle gelan-
gen will, gegen den Strom schwimmen
muss. Nur tote Fische schwimmen mit
dem Strom.“
Meine Damen und Herren, wer mich
kennt, weiß, dass ich solche Gedan-
ken nicht grundlos äußere. Sie sind
einer jahrelangen Beobachtung der
deutschen Universitätsszene geschul-
det, deren Entwicklung nicht wenige
besorgt verfolgen. Aber warum nur
diesen skeptischen Blick, könnte man
fragen, denn schließlich sind einige der
Universitäten erst vor wenigen Jahren
mit einem Exzellenzsiegel geadelt wor-
den, und nach dem Academic Freedom
Index erfreuen sich Deutschlands Wis-
senschaftler eines Spitzenplatzes in der
Weltliga. Also: Wo brennt’s?
Steht die Verwertungsfrage
im Vordergrund, droht
der Universität ein
Kollateralschaden
Mir scheint, dass unsere Universitäten
und ihre institutionellen Zuwendungs-
geber der Rolle und dem Rang des ein-
zelnen Lehrers und Forschers immer
weniger Gewicht beimessen und man-
che ihrer Repräsentanten, fast gebets-
mühlenartig, ein seltsam-irritierendes
Bild von Sinn und Zweck universitärer
Forschung kultivieren. Natürlich gilt
auch heute, was das Weimarer Genie
einmal notierte, „dass es nicht genug
ist, zu wissen, man will auch anwenden;
dass es nicht genug ist, zu wollen, man
muss auch tun“. Aber bei aller Zustim-
mung: Ich selber huldige mehr der Idee
des großen Max Planck, der 1919, also
in einer Zeit größter materieller Not,
anlässlich der Bekanntgabe des No-
belpreises für Fritz Haber, bemerkte,
dass „dem Anwenden das Erkennen
vorausgehen muss“, ein Ausspruch,
der Deutschlands erfolgreichster For-
schungsinstitution, der Max-Planck-
Gesellschaft, seit Jahrzehnten als Motto
dient – und deshalb einige Gedanken-
splitter zu der Frage, warum und wozu
auch an einer Universität Grundlagen-
forschung betrieben werden muss.
Universitäten waren in ihrer langen
Geschichte fast immer Orte, wo alle
Anstrengung primär dem Erkennt-
nisgewinn schlechthin galt. Heute je-
doch ist – neben einer permanenten,
gewaltigen Unterfinanzierung von
Hochschulen, ihrer Überfrachtung
mit wissenschaftsfernen Aufgaben
und ihrer Gefährdung durch politisch
motivierte Aktionen – heute ist die
Gefahr einer übertriebenen Ökono-
misierung nicht mehr zu übersehen.
Die Haltung in der Forschung, Pro-
jekte mit knappen Zeitskalen und
potenziellem Vermarktungserfolg
per se zu favorisieren, greift wie eine
ansteckende Krankheit um sich, statt
neugiergetriebene, risikoreiche und auf
längere Perioden angelegte Grundlagen-
forschung in das Zentrum intellektueller
Aktivität und praktischer Anstrengung
zu stellen und sich dabei an Kants Prin-
zip zu orientieren, dass „Nützlichkeits-
erwägungen zunächst nur ein Moment
von zweitem Range sind“.
Um nicht missverstanden zu werden:
Nichts, überhaupt nichts gegen eine
Zusammenarbeit von Wirtschaft und
Universität; ganz im Gegenteil: Uni-
versitäten können als Inkubatoren für
die Ausgründung von Firmen dienen,
und Universitäten müssen für Anwen-
dungsbezüge und Partnerschaften
selbstverständlich offen bleiben, die,
wie es der frühere Vorsitzende des Ku-
ratoriums des Fonds der Chemischen
Industrie, Heribert Offermanns, einmal
formulierte, je nach Fach „unerheblich,
erwünscht, erforderlich oder unerläss-
lich sind“. Wenn allerdings Forscher an
Hochschulen von Anfang an mit einer
Nützlichkeits- oder Anwendungser-
wartung konfrontiert werden und
bereits auf der Ebene der Forschungs
-
skizzierung die Verwertungsfrage im
Vordergrund steht, dann droht einer
Universität, die eben nicht mit einem
Wirtschaftsunternehmen verwechselt
werden darf und die primär auch nicht
einer direkten Wirtschaftsförderung zu
dienen hat, ein Kollateralschaden. Ob in
Peking oder Brüssel, ob in Berlin oder
Washington, weltweit hoffen Regierun-
gen immer wieder, dass eine enge Zu-
sammenarbeit von Universitäten und
Wirtschaft automatisch mehr Innovation,
Wachstum, Wohlstand und Drittmittel
liefert – und nicht wenige Universitäten
akzeptieren ungeprüft diese Prämis-
se. Liest man jedoch die Analysen des
früheren Stanford-Präsidenten Gerhard
Casper, dann erfährt man, wie wenig
zutreffend diese Annahme ist, denn der
mit Abstand erfolgreichste Technologie-
transfer gelingt durch eine anspruchs-
volle, forschungsorientierte Ausbildung
erstklassiger Studenten. Stanfords un-
glaubliche Erfolgsgeschichte, nämlich
in weniger als 50 Jahren von einer pro-
vinziellen landwirtschaftlichen Fakultät
zu einer der besten Universitäten des
Landes aufzusteigen, seine [Stanfords]
Beziehung zum Silicon Valley oder auch
die singuläre Rolle des Israel Institute of
Technology (Haifa) in Israels Transforma
-
tion zu einem führenden Hightech-Land
der Welt mögen als Beispiele dienen.
Und deshalb dürfen Universitätsreprä-
sentanten auch bei uns nicht nachlassen
in dem Bemühen, die Gesellschaft im-
mer wieder daran zu erinnern und sie
davon zu überzeugen, dass jede Gesell-
schaft ohne eine kontinuierliche Investi-
tion in Talente und in jene Institutionen,
die eine rigorose Wahrheitssuche mit der
Freude über Zufallsentdeckungen ver-
binden, ärmer wird.
Denn vergessen wir nicht: Auf nahe-
zu allen Gebieten verdanken wir die
entscheidenden Durchbrüche einer
individuell variablen Kombination von
Ausdauer, Intelligenz, Kreativität, Neu-
gierde und Zufall. Das erlösende „Heu-
reka“ ist in der Grundlagenforschung
prinzipiell weder planbar noch kann
es eingeklagt werden; es erscheint auch
nicht auf Befehl, sondern tritt – eher
wie Puck in Shakespeares „Sommer-
nachtstraum“ – an völlig unerwarteten
Stellen auf. Ferner, hinter den großen
Entdeckungen, den Revolutionen und
Paradigmenwechseln, steht meistens
die Leidenschaft einzelner Personen,
die – Verliebten nicht unähnlich –
kaum in der Lage sind, ihre Passion
Dritten überzeugend zu erklären, die
zwar für ihre Sache brennen, aber auch
mit in sich versunkenen Blicken durch
die Korridore ihrer Institute huschen,
mitten in der Nacht aus ihrem Bett
springen mögen, um einen Gedanken
niederzuschreiben, eine Nachricht zu
versenden oder, dem Zauberklang ei-
ner Cecilia Bartoli-Arie nachhängend,
ganz einfach in den Nachthimmel star-
ren: träumend, sinnierend und dabei
vielleicht einer Spur zu folgen schei-
nen, an deren Route es keine Schilder
gibt, die einem den sicheren Weg zum
Erkenntnisgipfel oder weg von der Ab-
sturzkante weisen.
Wissenschaft soll Schneisen
in wirklich unbekanntes
Terrain schlagen.
Auch diesen, manchmal nervenden
Individualisten, nach Hans Mayer die
„schöpferischen Außenseiter einer Ge-
sellschaft“, einen angemessenen Platz
in der Universität zu sichern, ihnen
eine ihrem Denken freundlich geson-
nene Atmosphäre zu bieten, sodass
sie als Lehrer ihren Schülern Grund-
lagenforschung als einen Beitrag zur
Weltkultur vermitteln können, und
sicherzustellen, dass diesen Eigen-
brötlern mit Empathie begegnet wird,
wenn sie einmal so reagieren sollten,
wie es Michael Faraday tat, als er vom
Premierminister seiner Majestät auf
den Sinn und Nutzen seiner teuren,
schließlich aus Steuern finanzierten
Forschung zu Magnetismus und Elek-
trizität angesprochen, schlicht repli-
zierte: „My Lord, one day you will tax
it“. Wie recht Faraday doch hatte, denn
nahezu nichts von dem, was uns heute
im Alltagsleben als selbstverständlich
erscheint, wäre ohne Grundlagenfor-
schung ermöglicht worden. Hierzu ei-
nige Beispiele: Nach Schätzungen der
Weltbank liegt der „return on invest-
ments in research“ bei 30 bis 50 Pro-
zent. Oder: Knapp ein Viertel der gesam-
ten Weltökonomie kann auf Anwendun-
gen der Schrödinger-Gleichung, einer
rein theoretischen Übung zur mathe-
matischen Beschreibung der Wellenna-
tur des Elektrons, zurückgeführt werden.
Es gilt, was der Präsident der American
Academy of Arts and Sciences bei einer
Kongressanhörung in Washington (DC)
bündig konstatierte: „No basic research?
Well: no iPhone“. Dann, zur Erinnerung:
Kein GPS ohne Einsteins, unter prakti-
schen Gesichtspunkten völlig irrelevante
Allgemeine Relativitätstheorie; ferner, in
der Krebsfrüherkennung gäbe es keine
Positron-Emissions-Tomographie (PET),
tte der blutjunge mathematische Phy
-
siker Paul Dirac – ebenfalls ein Nerd –
die Existenz des Positrons nicht kühn
postuliert und vier Jahre später Carl
Anderson das Elementarteilchen nicht
identifiziert; dann: Der Laser wurde
von seinem Erfinder Theodore Maiman
und seinen Kollegen zunächst als ein
Spielzeug ohne praktische Anwendung
angesehen, und das lebensrettende
Penicillin verdankt die Menschheit Sir
Alexander Flemings mühseligem Stu-
dium eines langweiligen Bakteriums;
auch die spektakulären Erfolge in der
Bekämpfung der COVID-19-Pandemie
sind der vor circa 30 Jahren begonne-
nen, zunächst ziemlich erfolglosen und
heute weltweit gefeierten Forschung
zur mRNA-Technologie und der un-
ermüdlichen Anstrengung der großen
und zugleich bescheidenen ungarischen
Biochemikerin Katalin Karikó geschul-
det. Die Liste mit Beispielen über den
praktischen und ökonomischen Nutzen
einer oft als esoterisch angesehenen
Grundlagenforschung ist lang. Schon
deshalb sollte keine Mühe gescheut
werden, in Universitäten jenen Humus-
boden wieder bereitzustellen, auf dem
das scheinbar Nutzlose gedeihen möge,
ihren Wissenschaftlern zu ermöglichen,
Schneisen in wirklich unbekanntes Ter-
rain zu schlagen, ihnen generell mehr
individuelle Freiräume und größeres
Vertrauen zu schenken, statt eine auf
Misstrauen gegründete Kontrollmanie
zu praktizieren.
(Fortsetzung auf Seite 3)
Grundlagenforschung an der
Universität – warum und wozu?
Was Helmut Schwarz der Academia zum Abschied
mit auf den Weg gibt
© Christian Kielmann
Auch Christoph Markschies, Präsident
der BBAW, plädierte in seinem Beitrag
für den Blick über den Tellerrand.
© Christian Kielmann
pp Mit einem Festkolloquium und einem Empfang verabschiedete die TU Ber-
lin am 9. Mai 2022 Prof. Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, einen hervorragenden
Forscher und Wissenschaftsmanager. Der vielfach mit internationalen Preisen
und Ehrendoktorwürden ausgezeichnete Chemiker, Bundesverdienstkreuzträger
und langjähriger Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung verließ nach
56 Jahren Zugehörigkeit seine Alma Mater. Neben Musik sowie Grußworten
und Laudationes des TU-Präsidiums hielten Professor Christoph Markschies,
Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und
Professor Martin Quack von der ETH Zürich Festvorträge. Im Zentrum stand
jedoch die Festrede von Helmut Schwarz selbst, die „TU intern“ hier abdruckt.
TU intern | Nr. 3/Juni 2022
2 |
TU intern | Nr. 3/Juni 2022
N
ach Hochwasserkatastrophen er-
fasste Deutschland in den ver-
gangenen Jahren häufig eine Art
Demenz. Nach ein paar Monaten war
vieles vergessen, was unmittelbar wäh-
rend der Katastrophe noch als notwen-
dige Konsequenz formuliert worden
war. Die verheerenden Sturzfluten in
Nordrhein-Westfalen und Rheinland-
Pfalz im Juli 2021 haben das geändert“,
sagt Prof. Dr. Reinhard Hinkelmann,
Leiter des Fachgebietes Wasserwirt-
schaft und Hydrosystemmodellierung,
„und Nordrhein-Westfalen nimmt bei
der Umsetzung der richtigen Schluss-
folgerungen eine Vorreiterrolle ein.“
So steht seit Kurzem eine Starkregen-
gefahrenkarte für ganz Nordrhein-West-
falen zur Verfügung. Diese gibt für die
circa 500 hydrologischen Teileinzugsge-
biete, also die Abflussgebiete von Fließ-
gewässern, hochaufgelöst (1 × 1 Meter)
Auskunft über die Wasserstände, die
Fließwege, Abflussgeschwindigkeiten
und Überflutungsflächen für zwei ext-
reme Starkregenereignisse. Dem Com-
putermodell wurden ein statistisch alle
100 Jahre wiederkehrendes Starkrege-
nereignis zugrunde gelegt und ein noch
extremeres Ereignis mit 90 Litern pro
Quadratmeter in einer Stunde. „Diese
Starkregengefahrenkarte ist eine gute
Grundlage für eine vorausschauende
Planung von Verwaltung und Politik
hinsichtlich des Überflutungsschutzes
vor Sturzfluten. Die angesetzte Nieder
-
schlagsmenge von 90 Litern pro Quad-
ratmeter in der Stunde für ein Extre-
mereignis ist allerdings zu diskutieren,
angesichts der Mengen von bis zu 180
Litern, die während des Tiefs Bernd im
vergangenen Jahr niedergingen. Letzt-
lich müssen die Kommunen entschei-
den, welche Niederschlagsmengen als
Berechnungsgrundlage für sie sinnvoll
sind. Und sie müssen die Karte an ihre
lokalen Gegebenheiten anpassen und
verfeinern. Denn kleinräumige Fließ-
hindernisse wie niedrige Mauern oder
Bordsteine konnten nicht berücksichtigt
werden. Sie liegen unterhalb der Auf-
lösung von einem Meter“, so Reinhard
Hinkelmann.
Eine zweite konkrete Maßnahme ist,
dass Risikoberechnungen vorgenom-
men werden. Dabei werden die In-
formationen über die Überflutungs-
flächen mit der jeweiligen Flächen-
nutzung verknüpft, also ist die Über-
flutungsfläche ein Acker, eine bewohn-
te Fläche mit 50 oder 200 Einwohnern
pro Quadratmeter oder befindet sich
dort eine Industrieanlage, kritische In-
frastruktur oder ein Denkmal. Daraus
wird das Schadenspotenzial errechnet
und damit das Risiko definiert. „Die
europäische Hochwasserrisikomanage-
ment-Richtlinie fordert das schon seit
2007. Für Flusshochwasser mit gro-
ßen Einzugsgebieten wie bei Rhein,
Elbe und Donau wurde das auch vor
einigen Jahren umgesetzt – und nach
der Sturzflut 2021 nun auch für die
Einzugsgebiete kleiner Flüsse und
Bäche. Das ist neu, sei aber zwingend
notwendig. Die letzten Jahre haben ge-
zeigt, dass die zerstörerische Kraft von
Sturzfluten, sogenannten Flash Floods,
in den Einzugsgebieten kleiner Flüsse
und Bäche fundamental unterschätzt
wurde – mit verheerenden Folgen. Der
Hochwasserschutz in Deutschland war
in den letzten Jahren auf die großen
Flüsse und die Küste fokussiert“, ur-
teilt Hinkelmann.
Eine dritte unmittelbare Maßnahme
aus den Flutereignissen in NRW und
Rheinland-Pfalz sei die Überarbeitung
der Warnsysteme. Nicht nur, dass lan-
desweit die Sirenen wieder aktiviert
würden, auch arbeite man an der Ent-
wicklung schneller computerbasierter
Vorhersagewerkzeuge und nutze dafür
auch das maschinelle Lernen. Und
viertens, so Reinhard Hinkelmann,
werde der Wiederaufbau in den von der
Sturzflut betroffenen Regionen durch
ein wissenschaftliches Projekt des Bun-
desministeriums für Bildung und For-
schung begleitet, unter dem Aspekt der
Resilienz und Klimaanpassung.
All diese Maßnahmen sowie die Bau-
vorgaben beim Wiederaufbau von
Wohnhäusern sind nach Meinung des
Wasserwirtschaftlers positiv zu bewer-
ten. Häuser sollen ohne Keller gebaut
und die Hauptwohnfläche aus dem Erd-
geschoss in das erste Geschoss verlegt
werden. Bislang, so kritisiert er, würden
jedoch andere hochwirksame Schutz-
maßnahmen zu wenig in der Hochwas-
serschutzplanung berücksichtigt – wie
der Bau großer Ableitsysteme vor Sied-
lungen, in die Landschaft eingepasste
Dämme oder versenkbare Mauern und
Geschiebesperren am Ober- und Mittel
-
lauf der Bäche, um Bäume und Geröll-
massen zurückzuhalten. „Solche Maß-
nahmen sind zwar kostenintensiv, aber
bautechnisch nicht sehr komplex, und
sie können Wassermassen wie sie das
Tief Bernd brachte, von den Ortschaf-
ten fernhalten“, resümiert Hinkelmann.
Auch beurteilt er die Ausweisung einer
Fläche an der Ahr als besondere Ge-
fahrenzone – dort dürfen 34 Häuser
definitiv nicht mehr aufgebaut werden
– als „mutig“, denn sie sei zu klein.
Aber Reinhard Hinkelmann räumt ein,
dass es auch zukünftig keinen hundert-
prozentigen Hochwasserschutz geben
wird – in solch engen Tälern wie dem
Ahrtal ohnehin nicht.
Sybille Nitsche
UNIVERSITÄT UND GESELLSCHAFT
Sollten solche Vorschläge nicht selbst-
redend ins Pflichtenheft jeder for-
schungsorientierten Universität ge-
hören, und müssten wir uns nicht
häufiger selbstkritisch fragen, ob bei-
spielsweise mehrfache Nobellaurea-
ten – wie eine Marie Curie, ein John
Bardeen, ein Linus Pauling oder ein
Fred Sanger – in der gegenwärtigen
Universitätslandschaft mit ihrem über-
bordenden Berichtswesen und einer
maßlos übertriebenen Gremienarbeit
überhaupt willkommen geheißen und
wissenschaftlich überleben würden?
Aber stattdessen herrscht vielerorts die
Haltung vor, den Wert von Forschung
zunächst einmal nach ihrer Nützlich-
keit zu bemessen und die materielle
Förderung eines Antrages davon ab-
hängig zu machen, ob das Projekt ein
gesellschaftlich relevantes Problem ad-
ressiert; oder jene Forschungsantrags-
prosa wird favorisiert, in der – wie in
einer „Märchenstunde der Moderne“
(W. Frühwald) – vollmundig verspro-
chen wird, in überschaubar kurzer
Zeit ein markttaugliches Produkt zu
liefern, die Klimakrise in den Griff zu
bekommen, die Energieversorgung
sicherzustellen, die Menschheit von
ihren Plagen zu erlösen usw., und –
kaum zu glauben – versucht wird, den
Rang von Wissenschaftlern wie auch
die Güte und Qualität ihrer Arbeit
anhand bibliometrischer Kennzahlen
festzulegen. Was für ein Unsinn!
Universitäten wären gut beraten, sich
stattdessen an der Förderphilosophie
des Weizmann Institute of Science
(WIS) in Israel zu orientieren. „Weiz-
mann“ gehört nach allen relevanten
Bewertungskriterien weltweit zu den
bedeutendsten akademischen Institu-
tionen und stellt gleichzeitig ein wirt-
schaftlich höchst erfolgreiches Zentrum
für die ökonomische Nutzung der an
ihm betriebenen Grundlagenforschung
dar. Am Eingangstor zum Campus in
Rehovot heißt es: „What awaits us sci-
entists in these unknown territories and
places, one may ask. No one has the
answer to this question. But one thing
is certain: the journey in pursuit of cu-
riosity will lead us to a better future.“
Kein Zweifel, Universitäten müssen auch
bei uns der Ort bleiben, an dem neues
Wissen kontinuierlich geschaffen wird,
wo altbekannte Trivialitäten nicht müh-
sam reanimiert werden, wo das Wieder-
käuen von Vorgekautem keine Konjunk-
tur hat, wo in den Lehrveranstaltungen
strittige Themen nicht ausgeblendet und
wo unbequeme Referenten aus identi-
tspolitisch motivierten Gründen nicht
ausgeladen werden, wo man Kontro-
versen weder ignoriert noch sie bana-
lisiert, sondern die Fakultätsmitglieder
sich ihnen – ernsthaft streitend – stellen.
Universitäten müssen jene Institutionen
bleiben, in denen das Abenteuer, in die
Terra incognita aufzubrechen, honoriert
wird und in denen jene Fragen gestellt
werden, von denen man vielleicht erst in
Jahrzehnten wissen wird, ob die Fragen
selbst und die von der Wissenschaft ge-
lieferten Antworten für die Gesellschaft
nützlich waren.
„Die Neugier auf die Ent-
deckung des Unbekannten“
Dieser – bei weitem nicht vollständige –
Katalog sollte, so denke ich, neben, einer
den Namen verdienenden, ausschließ-
lich an Qualität orientierten, adäquaten
Förderung des akademischen Nach-
wuchses zum Minimalprogramm einer
jeden Exzellenzuniversität gehören.
Kommen wir zum Schluss, denn auch
ich sollte Edgar Heilbronners Rat an
den jungen, viel zu lange redenden
Dozenten Helmut Schwarz endlich
beherzigen, dass „das Hirn eines Zu-
hörers nur aufnimmt, was der Hintern
aushält“. Also: 1946 veröffentlichte
der Wissenschaftsberater der ameri-
kanischen Regierung, Vannevar Bush,
eine Denkschrift mit dem Titel „Sci-
ence – The Endless Frontier“. Diese
Studie initiierte die Gründung der US
National Science Foundation, die ihrer-
seits durch eine großzügige, hoch kom-
petitive, öffentliche Finanzierung von
Grundlagenforschung die intellektuelle
und institutionelle Grundlage für das
beispiellose, ökonomische Wunder in
den USA nach dem Zweiten Weltkrieg
schuf. In der Denkschrift heißt es: „Sci
-
entific progress on a broad front results
from the free interplay of intellectuals
working on subjects of their own choice
in the manner dictated by their curiosi-
ty for the exploration of the unknown,
… and many of the most important
discoveries have come as a result of
experiments undertaken with different
purposes in mind“. Selbst nach 76 Jah-
ren haben Bushs Überlegungen nichts
an Wert verloren, genauso wenig wie
Abraham Flexners glühendes Plädoyer
für eine freie Grundlagenforschung in
seinem 1939 in Harpers Magazin ver-
öffentlichten Essay „The Usefulness of
Useless Knowledge“.
„Das Außergewöhnliche
gibt der Welt ihren Wert“
Eingangs zitierte ich Hardys Über-
legungen über den Zusammenhang
von Wissenschaft und Gesellschaft,
über das Bemühen, etwas zu schaffen,
was sich zu schaffen lohne. Schließen
möchte ich mit einer Oscar Wilde zuge-
schriebenen Bemerkung: „Das Durch-
schnittliche garantiert der Welt ihren
Bestand; aber erst das Außergewöhn-
liche gibt ihr ihren Wert.“
Meine Damen und Herren, Ihnen dan-
ke ich für Ihre Geduld, den Freunden
Christoph Markschies und Martin
Quack gebührt Dank für ihre gewichti-
gen Festreden, und ein uneingeschränk-
tes Dankeschön – Frau Präsidentin – gilt
meiner Alma Mater, der alten Dame
TUB, die mich – beginnend mit dem
Wintersemester 1966 – ausgebildet, ge-
fördert, mich ge- und ertragen hat und
die mir das Privileg gewährte, mir selbst
gegenüber skeptisch zu bleiben.
Merci vielmals!
Die Rede sowie einen Mitschnitt des
Festkolloquiums finden Sie unter:
www.tu.berlin/go58905
Der Wasser-
wirtschaftler
Reinhard
Hinkelmann
© Dominic Simon
Der städtische Ort
pp
Pandemiebedingt war die Ausstel-
lung „O.M. Ungers: Die Konstruktion
des städtischen Ortes“ monatelang
verschoben worden: die letzte von
drei Ausstellungen, die das Architek-
turmuseum der TU Berlin in Zusam-
menarbeit mit den Archivi Storici des
Politecnico di Milano und dem Ungers
Archiv für Architekturwissenschaft
Köln (UAA) in den letzten Jahren dem
architektonischen Werk von O.M.
Ungers gewidmet hat. Nun können
noch bis zum 14. Juli 2022 Zeichnun-
gen und Modelle, die drei Schlüssel-
werke O.M. Ungers, von zentraler
städtebaulicher Bedeutung gezeigt
werden: das Architekturmuseum
Frankfurt, die Messe Frankfurt und die
Badische Landesbibliothek Karlsruhe.
Montag bis Donnerstag 12 16 Uhr.
https://architekturmuseum.ub.tu-
berlin.de/
Requiem für Charkiw
pp
Kaum ein*e Passant*in wird beim
Passieren des blauen BH-Gebäudes
der TU Berlin am Ernst-Reuter-Platz
unbeeindruckt bleiben. In den rund
130 Fenstern des Erdgeschosses
blickt man auf großflächige Fotos
der von russischem Bombardement
zerstörten Baudenkmäler der ost-uk-
rainischen Stadt Charkiw. Aufgenom-
men hat sie der ukrainische Fotograf
und Professor der Staatlichen Kultur-
akademie Charkiw Stanislav Ostrous.
Zusammen mit TU-Vizepräsident
Christian Schröder und dem Leiter
des TU-Architekturmuseums Hans-
Dieter Nägelke eröffnete Stanislav
Ostrous die ungewöhnliche Ausstel-
lung „Kharkiv – Requiem“ am 20.
Juni 2022. Sie wird dort rund sechs
Wochen zu sehen sein – umsonst
und draußen.
https://architekturmuseum.ub.tu-
berlin.de/
SCHAU AN, SCHAU AN!
© Anja Sieber-Albers/UAA
© Christian Kielmann
Der Ort Altenburg (Altenahr) am 15. Juli 2021. Durch die Sturzflut im Juli 2021 kamen in Deutschland 186 Menschen ums Leben.
Die überwundene „Hochwasserdemenz“
Wasserwirtschaftler Reinhard Hinkelmann über die Lehren aus der Sturzflutkatastrophe 2021
© Wikimedia/Martin Seifert
Helmut Schwarz: Grundlagenforschung an der Universität (Fortsetzung von Seite 2)
| 3
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In 24 Wissenschaftshäusern präsentiert die
TU Berlin ein vielfältiges Programm für Gr
und Klein mit Experimenten und Mitmach-
aktionen. Kindercampus, Nachhaltigkeitsmarkt
oder Science Slam – für jede*n ist was dabei.
Ermäßigte Tickets für TU-Mitarbeiter*innen,
Freund*innen und Alumni.
E
in Pavillon aus Pilzen – Sie winken ab und den-
ken, was für ein Quatsch. Tun Sie es nicht. Denn
es gibt den Pavillon und Sie können ihn zur
„Langen Nacht“ bestaunen und begehen – und mit
den TU-Entwicklerinnen und -Entwicklern über Bau-
materialien aus Pilzen wie den Zunderschwamm dis-
kutieren. Um gedruckte Organmodelle, die helfen,
neue Medikamente gegen Virusinfektionen und Krebs
zu entwickeln und Tierversuche zu ersetzen, um im
Labor gezüchtetes Fleisch und um Sexroboter geht es
in der Talkrunde „Rendezvous mit der Zukunft“. Wie
eine ausgefeilte Lüftung im OP dazu beiträgt, die Ge-
fahr tödlicher Krankenhauskeime zu vermeiden, wird
im Forschungsoperationslabor demonstriert. Außer-
dem bietet die „Lange Nacht“ Gelegenheit, eine Welt-
neuheit zu besichtigen: Um die ELEKTRA – das erste
emissionsfreie Schubboot zu erleben, muss man sich
in den Berliner Westhafen begeben. Festes Schuhwerk
erforderlich! SimRa macht den Radverkehr sicherer.
Probieren Sie die Smartphone-App aus und lassen Sie
sich als Tester*in registrieren. Auch wieder mit dabei
ist der beliebte „Escape Room“. Wer verschiedene
tsel aus der theoretischen Informatik löst, dem wird
es gelingen, der verschlossenen Kammer zu entkom-
men. Neu dagegen ist die Speakers Corner. In den
Vorträgen dort geht es um Künstliche Intelligenz, Was-
serwiedernutzung in Gebäuden, Landwirtschaft und
Lebensmittelverschwendung.
Sybille Nitsche
WORKOUT
FÜR DEINE
GEHIRN
ZELLEN
go.tu.berlin/lndw lndw22 TUBerlin
KINDER- UND TEENIECAMPUS · SCIENCE SLAM ·
ESCAPE THE ROOM · NACHHALTIGKEITSMARKT
Tickets: www.langenachtderwissenschaften.de
# #
Lange Nacht der Wissenschaften
2. Juli 2022 ab 17 Uhr
V.i.S.d.P.: Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
2. Juli 2022: Eine Nacht lang Wissen sammeln
Endlich wieder eine „Lange Nacht“ zum Forschen und Staunen – Ticketverkauf hat begonnen
© Felix Noak
Abenteuer für Kinder und Teenies
ehr
Sich auf dem Kindercampus in der Universitätsbibliothek wie eine Giraffe
schminken lassen und die Giraffen-Kinderuni besuchen: Kurator Florian Sicks
weiß alles über die schönen Tiere. Danach warten Clownin Nathalie mit ihren
Luftballontieren auf die Kleinen, ein cooles Polizeimotorrad und vieles andere.
Die Kids können lernen, Marionettenroboter zu bauen, mit magischen Federn
zu schreiben und erleben das Abenteuer Schreibmaschine.
Auf etwas Ältere wartet der Teenie-Campus im Haus des Lernens mit den
Fragen: Bist du ein*e Forscher*in? Probiere es aus! Oder eher ein*e Elektro-
techniker*in, der/die einen Motor aus fünf Teilen zusammenbaut. Im Haupt-
gebäude lädt die 2. Kinderuni zu Mathematik und Fußball ein; bei einem
Mathe-Quiz gibt es coole Preise von Hertha BSC zu gewinnen. Fans vom 1.
FC Union begeben sich auf die Nord- oder Südsee-Tour: Wie kann man ohne
Streichhölzer Feuer machen, aus Müll schöne Dinge basteln oder Kunstwerke
aus Seifenblasen schaffen. Wie sind Wald und die Stadt miteinander verbunden?
Teenies erfahren alles, was sie schon immer über Technikgeschichte wissen
wollten, können eine Maschine in ihre Einzelteile zerlegen, ein Computerspiel
per Handschrift steuern oder geheimnisvolle Gärten auf dem Uni-Campus
besuchen! An jeder Station der Nord- oder Südsee-Tour ist eine Aufgabe zu
erfüllen. Wer mindestens drei Stempel gesammelt hat, hat sich schon die „Mini-
Master“-Urkunde verdient!
Von Mobilität, Künstlicher Intelligenz,
Klimaschutz: Die TU Berlin gibt viele
Einblicke in ihre Forschung.
Clownin, Tiere, Fußball: Wissen mit Spaß für Kleine und Größere
www.tu.berlin/go51902/
www.ticketmaster.de/
© Felix Noak
© pixabay/AnnRos
© Tierpark Berlin
Von Bauten aus Pilzen, der Weltneuheit
ELEKTRA und gedruckten Organmodellen
Nächtlicher Streifzug durch die TU-Forschung
TU intern | Nr. 3/Juni 2022
4 |LANGE NACHT DER WISSENSCHAFTEN
TU intern | Nr. 3/Juni 2022
© MY-CO X, Wolfgang Günzel, tinyBE
© Anna Groh
Der Erde zuliebe
Der Nachhaltigkeitsmarkt steht im Zeichen
eines ressourcenschonenden Lebensstils
Einmal Okono-
miyaki bitte
Essen, Spaß und Musik rund um
die TU Berlin
sn
Ob smarte „TUmaten“, Kleidertausch, die Pflege der Berliner Stadtbäume,
die Herstellung neuer Gegenstände aus Abfällen oder Verpackungsvermeidung –
die studentischen Projektwerkstätten der TU Berlin widmen sich ganz dem The-
ma der Nachhaltigkeit und präsentieren sich währen der „Langen Nacht“ auf
dem Nachhaltigkeitsmarkt. Das Projekt „CrushUp“ zum Beispiel möchte aus
dem Abfall des Fachgebietes Modellbau einen Pavillon bauen. Dass Klamotten
aus recyceltem Material nicht „oll“ und hausbacken aussehen müssen, sondern
durchaus cool daherkommen, zeigen TU-Studierende bei einer Modenschau.
Ganz ohne Holz oder Kunststoff kommt der „Basurman“ aus, ein ökologischer
Designlautsprecher. Seine einzigartige Konstruktion fasziniert genauso wie sein
bewundernswerter Klang.
Die Projektwerkstatt „WannSea“ stellt ihr Boot vor, das zu 100 Prozent erneu-
erbare Energien als Antriebsquelle nutzt und aus recyclebarem Material besteht.
Im Sommer soll es an einer Regatta in Monaco teilnehmen.
Wer sich für Berlins Bäume engagieren und wissen möchte, wie er einen Baum adop-
tieren kann, der sollte beim Projekt „Gieß den Kiez“ vorbeischauen. Und warum die
„TUmate“ smart ist, das erfahren Interessierte am Stand „Samen als Gemeingut“.
ehr
Statt japanischer Küche doch lieber einen mexikanischen
Burrito oder eine bretonische Galette mit einem leckeren
Café au lait? Ob eine gefüllte Tortilla aus Weizenmehl oder
ein Buchweizenpfannkuchen – die Lange Nacht der Wis-
senschaften an der TU Berlin lässt auch kulinarisch keine
Wünsche offen. Besuchen Sie unsere Food Trucks vor der
Universitätsbibliothek, vor dem Haus der Ideen oder auf
dem Südcampus. Die Kleinen können sich auf ein beson-
deres Angebot von Nudeln über Pommes bis zu Donuts im
Café Nero freuen. Und wer es ganz bodenständig mag –
auch Spätzle, Pommes und Burger sind im Angebot.
Wer zu viel gegessen hat: Vielleicht ist die „Aktive Pause
mit der SportBox“ eine gute Idee – werfen und spielen statt
sitzen und gucken. Der Hochschulsport der TU Berlin lädt
zum Bewegen ein. Jonglieren, Ballspiel und mehr ergänzen
den Weg über den Südcampus. Einfach vorbeikommen und
ausprobieren.
Nehmen Sie Platz in einem der Liegestühle! Träumen Sie
sich nicht an einen sonnigen Sandstrand unter Palmen, son-
dern genießen Sie die mitreißenden Rhythmen von Calypso,
Soca oder Reggae direkt auf dem Uni-Campus und spüren
Sie pures Sommergefühl ab 19.30 Uhr bei Steelband-Klän-
gen. Erleben Sie ein Stück Karibik mit der Tin Pan Alley
Steelband! Es darf auch getanzt werden.
Wer dann Durst hat: Vielleicht möchten Sie das erste nach-
haltige Tequila-Bier im Haus der Erfindungen testen. Oder
wie wäre es mit einem Schluck klaren Wassers? Das bieten
die Berliner Wasserbetriebe kostenfrei vor dem Haus der
Ideen an.
© Dominic Simon
© Felix Noack
Viele TUler besitzen schon eine: mit der „TUmate“ nachhaltig gärtnern.
Ein Krebsmodell wird
am Fluoreszenzmikro-
skop untersucht. Vom
Krebsmedikament
abgetötete Zellen in Rot,
die lebenden, gesunden
Zellen in Grün.
Großer Science Slam
@TU Berlin
sn
Seit 2006 in Darmstadt der
erste Science Slam stattfand, ist
er seit vielen Jahren auch bei der
Langen Nacht an der TU Berlin
nicht mehr wegzudenken. Des-
halb heißt es ab 22.00 Uhr im Au
-
dimax: Auf in den Wettstreit! Jun-
ge Forscher*innen verpacken ihre
wissenschaftlichen Erkenntnisse in
anschauliche Sprache. Um das Au-
ditorium zu begeistern, haben die
Science Slammer*innen jeweils
zehn Minuten Zeit. Alle Hilfsmittel
sind erlaubt: ob Live-Experiment
oder Requisite. Wer den Pokal be-
kommt, entscheidet das Publikum.
Auch mit Late-Night-Ticket.
© Dominic Simon
Immer gut gefüllt: Das Audimax
der TU Berlin beim nächtlichen
Science Slam
© Tin Pan Alley Steelband
Für temperamentvolle Unterhaltung sorgt die Tin Pan Alley Steelband.
Der Forschungs-OP am
Hermann-Rietschel-
Institut ist so clean, dass
man in ihm operieren
könnte.
Begucken, bestaunen, begehen – der Pilzpavillon, von TU-Wissenschaftlern entwickelt,
erwartet zur Langen Nacht der Wissenschaften neugierige Besucher.
| 5
LANGE NACHT DER WISSENSCHAFTEN
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Neues Bauen – schnell und effizient
Der Baubeginn des „Neuen Werks Cottbus“ ist ein Meilenstein für das an der TU Berlin
entwickelte „Partnerschaftsmodell Schiene“ und für die Deutsche Bahn. Sie nutzt es für die
Realisierung des Mega-Projekts
D
eutschland will die Verkehrswen-
de – dazu gehört es auch, den
Güterverkehr von der Straße
auf die Schiene und auf das Wasser zu
verlagern. Doch insbesondere das
Schienennetz muss dafür künftig er-
heblich ausgebaut werden. Derzeit sind
rund 100 ICE 4 in Deutschland unter-
wegs. Bis zum Jahr 2024 will die Deut-
sche Bahn diese Flotte auf 137 Züge
erweitern – und für deren aufwendige
Instandhaltung werden dringend wei-
tere Kapazitäten benötigt. Neue Werks-
hallen müssen gebaut und ausgebaut
werden. „Überlange Projektlaufzeiten
und erhebliche Kostensteigerungen
insbesondere sind bei solchen komple-
xen Großprojekten symptomatisch“,
sagt Prof. Dr.-Ing. Matthias Sundermei-
er. Sein Fachgebiet Bauwirtschaft und
Baubetrieb der TU Berlin hat zusam-
men mit Wirtschaftspartnern das „Part-
nerschaftsmodell Schiene“ entwickelt,
um komplexe Bauvorhaben termin-
und kostensicher umzusetzen. Bundes-
weit erstmalig angewendet wurde das
Modell für den Bau des modernsten
Instandhaltungswerks der Deutschen
Bahn, das „Neue Werk Cottbus“
(NWC), ein mehrjähriges Großprojekt.
Zum ersten Spatenstich am 10. Mai
2022 waren auch Bundeskanzler Olaf
Scholz und der brandenburgische Mi-
nisterpräsident Dietmar Woidke er-
schienen, was von der nationalen
Wichtigkeit dieses Projekts zeugte.
Projektallianz auf Augen-
höhe: Bauherrin, Planer und
Bauunternehmen arbeiten
in engem Austausch
Als Symbol für die ersten 500 neuen
Industriearbeits- und Ausbildungsplät-
ze kennzeichneten 500 rote Luftbal-
lons den Grundriss auf der Baustelle in
Cottbus, wo 2024 bereits eine von zwei
großen Werkhallen stehen soll. Dort sol-
len künftig die 400 Meter langen ICE
4-Züge instandgehalten werden.
Es sei ein Leuchtturmprojekt für den
Strukturwandel in der Kohleregion
Lausitz hin zu einer Modellregion für
Klimaschutz und Wirtschaftswachstum,
so Dietmar Woidke. Die Schaffung gu-
ter und zukunftsfähiger Arbeitsplätze
durch ein solches Innovationsprojekt
hob auch Bundeskanzler Olaf Scholz
in seiner Rede hervor. „Der Bau des
neuen Bahnwerks in Cottbus zeigt,
wie Strukturwandel gelingen kann.“
Die Schiene sichert in Deutschland
mehr als eine halbe Million Arbeits-
plätze. „Gleichzeitig“, so Professor
Matthias Sundermeier, „wird mit der
Anwendung des ‚Partnerschaftsmo-
dells Schiene‘ auf dieses Bauprojekt,
ein Paradigmenwechsel in der Reali-
sierung komplexer Großbauvorhaben
eingeleitet.“
Kern des Modells ist die ganzheitliche
Betrachtung sämtlicher Prozesse im
Projekt, so dass der gesamte Ablauf
fortlaufend optimiert werden kann.
Es enthält verschiedene Varianten
für die Gestaltung von Bau- und Pla-
nungsverträgen und betrachtet die
Aspekte der Auftragsvergabe, des
Projektmanagements sowie des allge-
meinen Ablaufs von Planungs- und
Bauprozessen der Schieneninfra-
struktur.
Innovative Wege zu einer
umwelt- und klimaschonen-
den Verkehrsinfrastruktur
Alle Projektentscheidungen träfen
Bauherrin, Planer und Bauunterneh-
men als Wertschöpfungspartner auf
Augenhöhe und gemeinsam nach dem
Grundsatz „Best for Project“. „Am
wirtschaftlichen Erfolg des Projekts
partizipieren alle Partner. Das Mo-
dell sichert damit nicht allein eine
kostenstabile und qualitätsgerechte
Fertigstellung von Großbauvorha-
ben wie dem NWC im Rekordtempo,
sondern ist auch ein Motor ingeni-
eurtechnischer Innovationen für ei-
nen nachhaltigen und digitalisierten
Werkebetrieb“, so Sundermeier. Das
NWC habe damit Pilotcharakter für
ein wirklich „neues Bauen“ und es
eröffne neue Wege für die Schaffung
einer umwelt- und klimaschonenden
Verkehrsinfrastruktur.
Patricia Pätzold
www.tu.berlin/go59918
Erster Spatenstich mit Bundeskanzler für das Großprojekt: 500 rote Luftballons markierten die neu entstehenden Arbeitsplätze.
(v. l.: Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg; Richard Lutz, Vorstand DB AG; Olaf Scholz, Bundeskanzler; Daniela Gerd
tom Markotten, Vorstand DB AG)
pp Das Climate Change Center
Berlin Brandenburg (CCC) hat einen
YouTube-Kanal aufgebaut, um in
spannenden Videos zu den Themen
Klimawandel, Klimaschutz, Klimaan-
passung zu informieren.
Unter anderem kann man sich dort
den Climate Talk zur Science Week
mit Professor Elke Weber noch ein-
mal anschauen, die den Zusam
-
menhang zwischen Verhaltensfor
-
schung und Klimaschutz herstellt.
Ebenso die drei Veranstaltungen der
„Climate:Lab“-Serie: „#1: Der Klima-
schutz und unsere Freiheit(en)“, „#2:
Klimafreundlich unterwegs – So ge-
lingt die Verkehrswende in Berlin und
Brandenburg“ und „#3: Kein Schwei-
gen mehr im Walde“.
Das transdisziplinäre Zentrum CCC
unterstützt die Suche nach Klima-
lösungen speziell für Städte. Dazu
bringt es technische und sozialwis
-
senschaftliche Disziplinen zusam
-
men, die ihre Erkenntnisse zur Public
Policy beitragen sollen. Es ist eine
Gemeinschaftsinitiative von TU Ber-
lin, FU Berlin, Charité Universitäts-
medizin Berlin, UdK, der Universität
Potsdam sowie dem PIK Potsdam.
www.climate-change.center/
© Frank Kniestedt
KLIMAFREUNDLICH
Allzeit gute Fahrt!
pp Festlich geschmückt strahlte die
„ELEKTRA, das weltweit erste emis-
sionsfreie, von grünem Wasserstoff
und Akkumulatoren angetriebene
Schubboot im Berliner Westhafen
mit der Sonne um die Wette, als sie
kürzlich im Beisein vieler Gäste aus
Wissenschaft, Politik und Wirtschaft
getauft wurde.
Natürlich durfte der obligatorische
Wunsch „Allzeit gute Fahrt und im-
mer eine Handbreit Wasser unter dem
Kiel“ nicht fehlen, der der „Elektra“ von
Berlins Regierender Bürgermeisterin
Franziska Giffey mit auf den Weg ge-
geben wurde. Der Schutz der Götter
ist dem Schiff künftig ebenfalls sicher:
Neptun persönlich besiegelte ihn mit
der Übergabe einer Taufurkunde. Der
ebenfalls anwesende Bundesminister
für Digitales und Verkehr Dr. Volker
Wissing hob die Bedeutung der Was-
serstoffmobilität für das Erreichen der
Klimaschutzziele der Bundesregierung
hervor und bezeichnete das Schiff als
Leuchtturmprojekt sowie als techni-
sche und regulatorische Pionierleis-
tung. „Das Energiesystem unseres
Schiffes ist so konzipiert, dass es
auf viele Binnenschiffs- und Küsten-
schiffstypen übertragbar ist“, sagte
TU-Professor Dr.-Ing. Gerd Holbach,
in dessen Fachgebiet Entwurf und Be-
trieb Maritimer Systeme das Schiff als
Blaupause für klimaneutrale Mobilität
auf dem Wasser entworfen wurde
und der die Entwicklung und den Bau
auf einer Werft in Sachsen-Anhalt
über Jahre begleitet hat. „Nun erpro-
ben wir die Fahr- und Betriebseigen-
schaften im realen Betrieb, bevor sie
zwischen Hamburg und Berlin Fracht
transportieren soll.
Übrigens: Während der Langen Nacht
der Wissenschaften kann man die
„Elektra“ im Westhafen live erleben.
Mehr Infos und Fotos unter:
www.tu.berlin/go59203
TU-Professor Matthias Sundermeier
bei der Vertragsunterzeichnung zum
Kooperationsprojekt im März 2022.
© Frank Kniestedt
Auf der Baustelle werden bereits erste
Module für das Infozentrum angeliefert.
© Frank Kniestedt
Mit Lasern Mondstaub aufschmelzen
Flug zum Erdtrabanten soll Grundlage für zukünftigen 3D-Druck von Infrastrukturen legen
wrt
Sowohl aus wissenschaftlicher
als auch aus wirtschaftlicher Sicht ist
unser Erdtrabant ein Sehnsuchtsort.
So wollen nicht nur Milliardäre und
gut zahlende Gäste um den Mond flie-
gen, auch die europäische Weltraum-
organisation ESA hat Pläne für ein
„Moon Village“. Denn die stets dunkle
Rückseite des Mondes würde sich für
leistungsstarke Weltraumteleskope
eignen, außerdem machen die gerin-
gere Schwerkraft und das Fehlen einer
Atmosphäre den Mond zu einer ide-
alen Zwischenstation für den Aufbau
von Missionen zu weiter entfernt lie-
genden Zielen im Weltraum. Wie aber
sollen Startrampen, Landeplätze und
Gebäude auf der Mondoberfläche ent-
stehen? „Mit Versandkosten von etwa
einer Million Dollar pro Kilogramm
wäre ein vollständiger Transport des
Materials von der Erde auf den Mond
extrem kostspielig“, erklärt Benedict
Grefen aus der Arbeitsgruppe „Explo-
ration und Antriebe“ im TU-Fachge-
biet Raumfahrttechnik.
Grefen hat sich deshalb mit dem Laser
Zentrum Hannover e.V. (LZH) zusam-
mengetan. Das Ziel der Forschenden:
Häuser aus Mondstaub zu bauen.
Denn pulverisiertes Mondgestein, auch
Regolith genannt, ist auf dem Mond
massenhaft vorhanden und könnte als
Rohmaterial zum 3D-Druck verwendet
werden. Das Team plant nun für das Jahr
2024 einen Flug zum Mond, um dort mit
Laserstrahlen Mondstaub aufzuschmel-
zen. Das Projekt MOONRISE wird
dafür vom Wirtschaftsministerium mit
4,75 Millionen Euro über drei Jahre ge-
fördert.
Die Grundlagen für das Vorhaben
sind bereits gelegt. In dem von der
VolkswagenStiftung unterstützten
Vorgängerprojekt hat das Team einen
kompakten, robusten Laser entwickelt
und im Labor erfolgreich am Robo-
terarm eines Mond-Rovers getestet.
Außerdem gelang es, Regolith im
„Einstein-Elevator“ der Leibniz Uni-
versität Hannover unter Mondgravi-
tation aufzuschmelzen. „Jetzt geht es
darum, den Laser fit für den Mondflug
zu machen“, sagt Grefen.
Unterstützung erhält der Laser von
künstlicher Intelligenz (KI). Eine
Kamera wird auf dem Mond Fotos
machen, die dann auf der Erde mit-
hilfe eines intelligenten Bildverarbei-
tungssystems ausgewertet werden.
Das soll bei der Analyse des aufge-
schmolzenen Mondstaubs helfen und
so eine Prozess- und Qualitätskon-
trolle ermöglichen. Dafür wird an
der TU Berlin eine Mondlandschaft
entstehen, in dem das Regolith unter
Beleuchtungsverhältnissen fotogra-
fiert wird, die denen auf dem Mond
nachempfunden sind. So entsteht ein
Pool an Bildern, mit denen die KI
lernen kann. „Außerdem haben wir
einen Regolithbaukasten entwickelt,
der die verschiedenen Eigenschaften
der möglichen Landestellen präzise
nachstellt“, erklärt Dr. Stefan Linke,
Leiter der Arbeitsgruppe „Explorati-
on und Antriebe“.
www.lzh.de/moonrise
© LZH
Mit der MOONRISE-Technologie soll per Laser auf dem Mond Mondstaub
aufgeschmolzen werden.
© LZH
Erfolgreiche Experimente: Der MOON-
RISE-Laser kann ganze Bahnen aus
künstlichem Regolith aufschmelzen.
Prominenz zum Fest: Franziska Giffey,
Volker Wissing und „Neptun“
© Ole Heinrich
KLIMASCHUTZ
Städte im Fokus
TU intern | Nr. 3/Juni 2022
6 |FORSCHUNG: MOBILITÄT – VERKEHR – RAUMFAHRT
TU intern | Nr. 3/Juni 2022
Grün ist alle Theorie
Maria Andrea Mroginski vom TU-Exzellenzcluster „UniSysCat“
simuliert Katalysatoren für die Energiewende
Virtuell auf dem
Offshore-Windrad
VR-Game hilft Berufsschüler*innen ihre
Fehlerdiagnosekompetenz zu verbessern
Frau Professorin Mroginski, in einer
Ausstellung im Humboldt Forum liegt
ein Ding unter Glas, das aussieht wie
eine verwirrte Portion Spirelli. Was hat
es damit auf sich?
Ich sage immer, es sind Spaghetti
(lacht). Aber Sie haben recht, es sieht
eigentlich eher aus wie Spiralnudeln.
Tatsächlich ist das das Modell eines En-
zyms, einer Hydrogenase. Sie repräsen-
tiert unseren Exzellenzcluster UniSys-
Cat im sogenannten Humboldt Labor.
Was macht die Hydrogenase so beson-
ders, dass sie ausgestellt wird?
Sie kann ein Wasserstoffmolekül in
zwei einzelne, positiv geladene Was-
serstoffionen und zwei Elektronen
spalten. Und sie kann auch die umge-
kehrte Reaktion ermöglichen, also die
Bildung eines Wasserstoffmoleküls. Im
ersten Fall wird Energie in Form von
elektrischem Strom frei, im zweiten
Fall kann ich Strom und damit Energie
in Form von Wasserstoff speichern. Die
Hydrogenase bleibt bei diesen Vorgän-
gen jeweils unverändert, sie wirkt also
als Katalysator.
Die Hydrogenase scheint wie gemacht
für den Einsatz in der Energiewende.
Hat man sie extra dafür designt?
Nein, tatsächlich kommt sie überall im
Boden vor, etwa im Bakterium Ralsto-
nia Eutropha. Sie spaltet auch dort Was-
serstoff auf, was für die Lebensvorgän-
ge des Bakteriums eine entscheidende
Rolle spielt. Wir versuchen nun, die Ef-
fizienz der Hydrogenase zu verbessern
und sie tauglich für den industriellen
Einsatz als Katalysator zu machen.
Mit dem Begriff Katalysator verbindet
man ja nichts Biologisches, sondern
eher Metalle, die im Auto das Abgas
unschädlich machen.
Tatsächlich sind auch Metalle in der
Hydrogenase enthalten! Im sogenann-
ten aktiven Zentrum dieses Riesenmo-
leküls befinden sich Nickel- und Eisen-
atome. Wir wollen herausfinden, wie
die Spaltung beziehungsweise Syn-
these von Wasserstoff dort im Detail
abläuft. Es stimmt aber, in der Kataly-
satorforschung gibt es sowohl die che-
mischen Katalysatoren, wie sie im Auto
verbaut sind, als auch die biologischen,
die Enzyme. Bei denen verstehen wir
die genauen Abläufe häufig noch nicht.
Sie sind Theoretikerin und stehen nicht
im Labor. Was ist ihre Aufgabe?
Wir versuchen, im Computer die Ei-
genschaften der komplexen Biomo-
leküle zu simulieren. Unsere Hydro-
genase zum Beispiel hat rund 5.000
Atome. Indem wir Vorhersagen über
ihr Verhalten machen und diese dann
mit den experimentellen Daten ver-
gleichen, können wir dazulernen. Vor
allem die modernen Grafikkarten hel-
fen uns dabei. Sie können die komple-
xe Reaktionsdynamik in kurzer Zeit
ausrechnen. Und natürlich vereinfach-
ten wir, wo immer es geht. Manchmal
reichen uns klassische mechanische
Gesetze. In anderen Fällen müssen wir
die Quantenmechanik anwenden, die
ja letztlich alle Abläufe im Mikrokos-
mos bestimmt. Exakt lösen können wir
deren Gleichungen aber nur für ganz
kleine Moleküle – es gibt deshalb eine
Vielzahl an Näherungslösungen. Die
hohe Kunst ist zu wissen, wann welche
Näherung angewandt werden kann.
Kann hier auch die künstliche Intelli-
genz hilfreich sein?
Tatsächlich hat ein UniSysCat-Kollege,
Dr. Tobias Gensch, gerade eine große
Datenbank mit Hilfe von maschinel-
lem Lernen aufgebaut. Dabei geht
es um aktive Zentren, die Phosphor
enthalten. Er konnte damit aus 1.500
bekannten Verbindungen die Eigen-
schaften von 300.000 neuen Varianten
solcher aktiven Stellen vorhersagen.
Das erleichtert das Design von maßge-
schneiderten Katalysatoren ungemein.
Was sind Ihre nächsten konkreten Zie-
le bei der Hydrogenase?
Ich arbeite mit mehreren Kolleg*innen
daran, die Hydrogenase mit Enzymen
zu kombinieren, die unter anderem
Kohlendioxid verarbeiten. Zusam-
men mit der Hydrogenase könnten so
nützliche Kohlenwasserstoffe aus CO
2
entstehen. Und wir müssen die Enzy-
me auf die Oberfläche von Elektroden
bekommen. Deren Wechselwirkungen
mit Oberflächen, das ist noch einmal
eine Wissenschaft für sich.
Das Interview führte Wolfgang Richter
S
pielend lernen – mit einem soge-
nannten Serious Game. Dr. Pia
Spangenberger und ihr Team ha
-
ben am Fachgebiet Arbeitslehre/Öko-
nomie und Nachhaltiger Konsum ei-
nes entwickelt. Am 23. Juni 2022
wurde „MARLA – Masters of Mal-
function“ mit der Comenius-EduMe-
dia-Medaille der Gesellschaft für Pä-
dagogik, Information und Medien e.V.
ausgezeichnet. Schon 2021 gab es den
Preis „AVRiL 2021“ in Gold des Stif-
terverbandes für die Deutsche Wissen-
schaft, mit dem wirkungsvolle Lern-
szenarien in Virtual und Augmented
Reality prämiert werden.
Mit MARLA können Auszubildende der
Metall- und Elektrotechnik die Repara-
tur einer Windkraftanlage auf hoher See
unter realistischen Bedingungen üben,
einfach und gefahrlos im Klassenzim-
mer mit einer VR-Brille. Vor allem ihre
Kompetenz in der Fehlerdiagnose soll
erweitert werden. Das Spiel baut auf
den Grundkenntnissen des ersten Aus
-
bildungsjahres auf; Fachwissen über
Windenergie ist nicht nötig. Das VR-
Game wurde von dem Kölner Game
Studio „the Good Evil“ umgesetzt. In
-
teressierte Berufsschulen können es ab
sofort kostenlos herunterladen.
„Untersuchungen zeigen, dass junge
Facharbeiter*innen ein strukturiertes
Vorgehen bei der Fehlerdiagnose häufig
nicht ausreichend beherrschen“, erklärt
Spangenberger. Es fehle ihnen schlicht
an Erfahrung. „Das Problem nehmen
auch Lehrkräfte in den Berufsschulen
wahr und wünschen sich didaktisches
Material mit authentischen Anwen-
dungsszenarien an vollständigen An-
lagen, um die Kompetenz in der Feh-
lerdiagnose bereits in der Ausbildung
besser trainieren zu können.“
Im VR-Game MARLA muss die Ur-
sache für verschiedene komplexe
Fehler im hydraulischen Bremssys-
tem einer Offshore-Windenergie-
anlage aufgespürt werden. Im Ma-
schinenraum oben in der Gondel
ist dabei ein systematisches und lo-
gisches Vorgehen gefragt. Die Berufs-
schüler*innen tauchen in ein virtuel-
les Erlebnis ein: Sie müssen auf dem
Hydraulikplan einen Sensor identifi-
zieren, der einen Fehler gemeldet hat,
ein Steuermodul durchmessen und so
seine Funktionstüchtigkeit prüfen oder
eine undichte Anschlussstelle am Akku-
mulator fixieren.
„Die Auszubildenden sammeln so
‚spielend‘ Erfahrung im strategischen
Vorgehen bei der Fehlerdiagnose und
können sie in ihren Berufsalltag über-
führen“, sagt Pia Spangenberger. Befin-
den sie sich virtuell auf der Offshore-
Anlage, steht ihnen bei Problemen die
virtuelle Kollegin „Alex“ zur Seite.
„Alex erklärt anfangs als pädagogi-
sche Agentin relevante Schritte und
tigkeiten. Im Spielverlauf über-
nehmen die Auszubildenden dann
zunehmend selbst die Initiative“,
sagt Lernpsychologe Dr. Felix Kapp
vom Fachgebiet Mensch-Maschine-
Systeme, der die Evaluation im Vor-
haben verantwortet hat. „Das spie-
len von MARLA motiviert nicht nur
die Auszubildenden. Die Erfahrung
in der VR eignet sich auch hervor-
ragend, um daran im fortführenden
Unterricht anzuknüpfen.“
Wolfgang Richter
https://marla.tech
Neu bewilligt:
Cosmic Sense
wird weiter gefördert
pp Kosmische Strahlung, die täg-
lich die Erde trifft, nutzt die For-
schungsgruppe „Cosmic Sense“ seit
2018, um zerstörungsfrei detaillierten
Aufschluss über die Feuchtigkeit des
Bodens zu erhalten. Nun bewilligte
die Deutsche Forschungsgemein-
schaft eine zweite Phase für das Pro-
jekt. Unter anderem trugen bislang
ein mit CRNS-Sensoren (Cosmic-Ray
Neutron Sensing) bestückter Gelän-
dewagen sowie satelliten- und droh-
nengestützte Fernerkundungsver-
fahren zu erheblichen Fortschritten
bei der Erfassung von Bodenfeuch-
temustern bei. In Phase II sollen so-
wohl hochalpine Flächen als auch
neue Verfahren einbezogen werden.
Zu den leitenden Wissenschaft-
ler*innen (Modul Fernerkundung
Remote Sensing) gehören Prof. Dr.
Birgit Kleinschmit und Dr. Michael
Förster vom Fachgebiet Geoinforma-
tion in der Umweltplanung. Beteiligt
sind neun Institutionen. Sprecher
ist der Umweltwissenschaftler Prof.
Dr. Sascha Oswald (Universität
Potsdam).
www.uni-potsdam.de/de/cos-
micsense/
Elektronen bei der Arbeit filmen
Neues, patentiertes Verfahren zur zeitaufgelösten Aufnahme dynamischer Prozesse
Physiker am Institut für Optik und
Atomare Physik haben ein neues
Verfahren entwickelt, das es ermög-
licht, bewegte Bilder von periodisch
ablaufenden Prozessen im Transmissi-
onselektronenmikroskop (TEM) auf-
zunehmen. Solche Prozesse sind zum
Beispiel Schaltvorgänge in modernen
elektronischen Bauelementen, den so-
genannten Halbleiternanostrukturen.
Bislang waren tiefere „Einblicke“ in
derartige Prozesse nicht möglich.
Das Neue an dem von Dr. Tolga Wag-
ner unter der Leitung von Prof. Dr.
Michael Lehmann entwickelten Ver-
fahren besteht darin, dass es gelang,
eine völlig neuartige mittlerweile pa-
tentierte Shutter- oder Verschlusstech-
nik zu erfinden, um „Dreharbeiten“
im TEM zu ermöglichen oder anders
ausgedrückt, um Elektronen im Inne-
ren einer Probe „bei der Arbeit zu fil-
men“. Dies kommt dem Entschlüsseln
grundlegender physikalischer Prozes-
se wie der Ladungsträgerdynamik in
Halbleiternanostrukturen zugute.
„In der Elektronenmikroskopie wird
versucht, die Messbedingungen so
stabil wie möglich zu halten“, sagt Dr.
Tolga Wagner. Hochauflösende Trans
-
missionselektronenmikroskope sind
sehr anfällig gegenüber äußeren Stö-
rungen wie Vibrationen oder elektro-
magnetischen Feldschwankungen. Das
gilt besonders für die Elektronenho-
lografie. Sie liefert nur Informationen,
zum Beispiel über die Potenzialvertei-
lung innerhalb einer Probe, wenn es
zur Interferenz, also zur Überlagerung
von zwei kohärenten Elektronenwel-
len kommt, sodass ein Interferenzmu-
ster, das Elektronenhologramm, auf-
genommen werden kann. Hierfür ist
die „Stabilität“ der Elektronenwellen
zueinander Voraussetzung.
Das TEM der TU Berlin
wurde für die
Holografie optimiert
Anstatt aber die Messbedingungen
stabil zu halten, stören die TU-Physi-
ker die Messung und lassen die Inter-
ferenz nur für einen kurzen Zeitraum
zu. „Die Grundidee des neuen Verfah-
rens besteht darin, dass wir die Inter-
ferenz durch gezielte Störungen sehr
schnell ein- und ausschalten. Das ist
das Prinzip unserer Verschlusstechnik,
die wir aus diesem Grund Interferenz-
gatter getauft haben“, erklärt Wagner.
Durch die Position und die Breite
des „Gatters“ selbst wird bestimmt,
wann und wie lange Information auf-
genommen wird. Mit diesem Verfah-
ren gelang es, die Zeitauflösung des
Transmissionselektronenmikroskops,
das auf dem TU-Campus in Berlin-
Charlottenburg steht und eigens für
die Forschung an der Elektronenho-
lografie optimiert wurde, vom Sekun-
denbereich auf 25 Nanosekunden
zu erhöhen. Auf diesen Zeitskalen
spielen sich elektronische Prozesse
in Halbleitern ab. „Mit der von uns
entwickelten zeitaufgelösten Elekt-
ronenholografie ist es nun möglich,
Potenzialänderungen aufgrund der
Bewegung der Elektronen auf ihrem
Weg durch Halbleiter, die nur einige
Nanometer klein sind, zu filmen, also
ein paar Millionstel Millimeter“, so
Tolga Wagner.
Sybille Nitsche
https://doi.org/10.1016/j.ultra-
mic.2019.112824
© Ines Häusler
Tolga Wagner und das TEM: Mit
seinem Verfahren sind „Dreharbeiten“
im Nanobereich möglich.
Mit VR-Brille und -Game gefahrlos im Klassenzimmer lernen
© The Good Evil GmbH
Maria Andrea Mroginski hat in Argentinien Physik studiert und in Informatik promoviert. Seit 2009 ist sie Professorin für die
Modellierung biomolekularer Systeme an der TU Berlin.
© Felix Noak
| 7FORSCHUNG: KI UND PHYSIK
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TU intern | Nr. 3/Juni 2022
Prof. Jähnichen, ich würde mich gerne
mit Ihnen über die Geschichte, Gegen-
wart und Zukunft der Gesellschaft von
Freunden der TU Berlin unterhalten.
Erzählen Sie doch bitte – was macht
die Freundesgesellschaft?
Die Gesellschaft unterstützt die TU
Berlin auf ideelle und materielle Weise.
Drei Dinge sind mir dabei besonders
wichtig. Zum einen, dass wir uns ver-
stärkt um die Kontakte und um die Ko-
operation mit der Wirtschaft kümmern.
Zum anderen, dass wir Kontakt zu
unseren Alumni und Alumnae halten.
Und zu guter Letzt, dass wir finanziel-
le Mittel zur Verfügung stellen, um Stu-
dierende, Projekte und Aktivitäten zu
unterstützen, die aus den öffentlichen
Mitteln nicht finanziert werden können.
Welchen Wert haben Freundesgesell-
schaften für Universitäten?
In die Struktur jeder Universität gehört
grundsätzlich eine Freundesgesell-
schaft, weil die öffentlichen Mittel für
Forschung und Bildung nicht ausrei-
chen. Hier kann eine Freundesgesell-
schaft unterstützend eingreifen.
Welchen Wert hat die Freundesgesell-
schaft für die TU Berlin?
Unsere Freundesgesellschaft unter-
stützt die TU Berlin bei ihrer in ihrem
Leitbild festgeschriebenen Aufgabe,
dem Humanismus verpflichtete For-
schung und Lehre umzusetzen. Denn
nach dem Zweiten Weltkrieg stellten
die Alliierten für die Neugründung der
Technischen Hochschule als Technische
Universität die Bedingung, Technik und
Naturwissenschaft mit Humanismus zu
ergänzen. Wissenschaft und Technik
sollten zum Nutzen der Gesellschaft
weiterentwickelt werden. An die Ver-
bindung von Technik und Humanismus
erinnern wir jährlich mit der Höllerer-
Vorlesung.
Die Freundesgesellschaft feiert in die-
sem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum.
Aber – gibt es nicht eigentlich zwei
Gründungsdaten?
Richtig! Die erste Mitgliederversamm-
lung der Freundesgesellschaft fand am
22. Juni 1922 statt. Aber am 11. Mai
1945 gab es eine Neugründung der
Gesellschaft von Freunden. Warum?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden
alle Vereine aufgelöst. Einer Neugrün-
dung ging eine strikte Untersuchung
voraus, inwieweit sich der Verein
und seine Mitglieder von der Nazi-
zeit losgesagt hatten. Dieser Prüfung
musste sich auch die Freundesgesell-
schaft unterziehen. Denn in der NS-
Zeit wurden auch an der Technischen
Hochschule jüdische Menschen aus
dem wissenschaftlichen Leben, der
Freundesgesellschaft und den Gremien
ausgeschlossen. Es war sicherlich die
unrühmlichste Zeit für unseren Verein.
Welche positiven Akzente konnte die
Gesellschaft über die Jahre setzen?
Die für mich wichtigsten Akzente
setzte und setzt sie beim Einsatz für
Bildung und Wissenschaft sowie bei
der Förderung der Ausbildung von
Ingenieur*innen und Naturwissen-
schaftler*innen. Dabei liegt der Fokus
auf der Ausbildung von Expert*innen,
die sich auch ihrer gesellschaftlichen
Verantwortung bewusst sind.
Zurzeit sind die Mitgliederzahlen rück-
läufig. Wie kann die Freundesgesell-
schaft hier gegensteuern?
Wir haben zurzeit 645 Mitglieder, da-
von 44 Firmen. Das könnte durchaus
besser sein. Unser Problem ist die Sicht-
barkeit und die Kommunikation all un-
serer Aktivitäten. Um jüngere Mitglie-
der zu gewinnen, sollte die Gesellschaft
vermehrt auch studentische Initiativen
fördern und dadurch den Ehrgeiz we-
cken, in einer solchen Gesellschaft mit-
arbeiten zu dürfen. Es sollte eine Ehre
sein. Den Alumni und Alumnae sollten
wir attraktive Angebote machen, damit
sie ihrer Universität über den Freundes-
kreis verbunden bleiben. Sie sind ein
Pfund, das die Universität hat. Aber wir
müssen auch wissen, was sie von uns
erwarten. Und dazu müssen wir stärker
den Dialog suchen. Das gleiche gilt, um
Firmen zu gewinnen. Wir müssen wis-
sen, was die Industrie von uns erwartet,
damit sie bereit ist, uns auch zu fördern.
Wir arbeiten jedoch alle ehrenamtlich.
Das hat leider seine Grenzen. Ich setze
mich dafür ein, dass wir professionelle
Mitarbeitende bekommen, die auch be-
zahlt werden.
Auf welchem Gebiet wollen sich die
„Freunde“ künftig engagieren?
Wir sind mit der TU Berlin im Gespräch,
wie wir den Verein besser professiona-
lisieren können, um mehr Aktivitäten
starten zu können. Primär liegt mir am
Herzen, die Sichtbarkeit des Vereins zu
erhöhen, sowohl in die Uni hinein als
auch nach außen. Wir möchten mehr
Professorinnen und Professoren, Alumni
und Alumnae sowie Firmen als Mitglie-
der gewinnen. Auch beim Fundraising
für die TU Berlin wollen wir uns stärker
engagieren – konzeptionell und in der
Umsetzung.
Das Interview führte
Dagmar Trüpschuch.
100 Jahre Einsatz für Bildung und Wissenschaft
Zum Jubiläum: Stefan Jähnichen über die Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin steht
Zur Person
Selbst im Ruhestand bleibt er sei-
ner Universität treu: Seit 2005 ist
Stefan Jähnichen Mitglied in der
Gesellschaft von Freunden, seit
2019 Vorsitzender des Vorstandes.
Er studierte und promovierte an
der TU Berlin. Nach Stationen un-
ter anderem an der University of
Southern California in Los Angeles
und der Universität Karlsruhe leitete
er von 1992 bis 2015 das Fachge-
biet Softwaretechnik der Fakultät
IV Elektrotechnik und Informatik
an der TU Berlin. Der Informatiker
ist einer der führenden deutschen
Wissenschaftler auf dem Gebiet der
Softwaretechnik, der Programmier-
sprachen und des Compilerbaus.
© Patricia Pätzold
Mit ihrer Neugründung im Jahr
1946 sollte an der TU Berlin auch ein
humanistisches Studium etabliert werden, um
die Ingenieur*innen als gesellschaftlich verantwortliche
Persönlichkeiten auszubilden. Unterstützt wurde dieses Anliegen von
der Gesellschaft von Freunden mit der Herausgabe der Zeitschrift „Humanismus und
Technik“. Die erste Ausgabe erschien im April 1953. Bis Anfang der 1960er-Jahre trug sie
den Untertitel „Zeitschrift zur Erforschung und Pflege der Menschlichkeit“. Im Jahr 2000
wurde das Erscheinen der Zeitschrift eingestellt. Abgelöst wurde sie von einem neuen
Publikationsorgan der Freundesgesellschaft – dem jährlich erscheinenden Newsletter.
Walter Höllerer
und sein Hundertster
dt Der Schriftsteller Walter Höl-
lerer war ab 1959 Professor für
Literaturwissenschaft an der
TU Berlin. Er initiierte die Lese-
reihe „Literatur im technischen
Zeitalter. In diesem Jahr wäre
sein 100. Geburtstag. Ihm zu Eh-
ren richtet die Gesellschaft von
Freunden neben der traditionel-
len Höllerer-Vorlesung auch eine
Ausstellung über sein Schaffen
aus.
Am 8. Dezember 2022 hält der
Philosoph Hannes Bajohr von
der Universität Basel einen Vor-
trag zu Fragen der digitalen Li-
teratur. Die von Studierenden
der TU Berlin und der Universi-
tät der Künste entworfene Aus-
stellung wird am 17. November
2022 in der Universitätsbiblio-
thek eröffnet.
Technologieforum:
KI contra Gehirn
dt An ihrem Jubiläumstag
richtete die Freundesgesell-
schaft am 22. Juni das Techno-
logieforum aus. „Im Wettlauf
mit dem Gehirn: Ist künstliche
Intelligenz schon intelligent?“
hieß der Vortrag, mit dem Prof.
Dr. Moritz Helmstaedter vom
Max-Planck-Institut für Hirnfor-
schung sein Publikum in seinen
Bann zog.
Trotz großer Fortschritte ver-
schwende die KI zu viel Ener-
gie und benötige Unmengen
von Belehrungen, sagte er. Das
sei ineffizient. Da jedoch das
Gehirn unübertroffen in seiner
Energieeffizienz und Lernfä-
higkeit sei, könne die Hirnfor-
schung die nächste Generation
der KI inspirieren.
Ein Interview mit Moritz Helm-
staedter finden Sie hier:
www.dasgehirn.info/grundla-
gen/das-konnektom/der-dichtes-
te-dschungel-ein-interview-mit-
moritz-helmstaedter
© Thomas Schultz
Ein kleiner Teil des menschlichen
„Konnektoms“, also der Verdrah-
tung in unserem Gehirn.
© Christian Kielmann
Mit ihrer Neugründung im Jahr
1946 sollte an der TU Berlin auch ein
humanistisches Studium etabliert werden, um
die Ingenieur*innen als gesellschaftlich verantwortliche
„Freunde“-Vorstand Stefan Jähnichen ist seit vielen Jahren als engagierter Netzwerker
für die Gesellschaft aktiv.
Das sind wir!
dt Die Gesellschaft von Freunden wur-
de 1922, vier Jahre nach Ende des Ers-
ten Weltkriegs, gegründet. Deutschland
hatte große wirtschaftliche Probleme,
auch die Hochschulen waren in großer
Not. Der damalige Rektor der König-
lich Technischen Hochschule zu Berlin,
Prof. Dr. Rudolf Rothe, beschloss, die
Wirtschaft mit einzubeziehen, um ge-
meinsam das Thema Bildung und Wis-
senschaft nach vorne zu bringen. Um
diese Kooperation strukturell in Angriff
zu nehmen, gründete er mit einigen
Hochschulmitgliedern die Gesellschaft
von Freunden. In den Gremien saßen
in Folge auch Vertreter großer Firmen.
Aufgabe des Vereins ist bis heute,
Studierende und Nachwuchswissen-
schaftler*innen finanziell und ideell zu
unterstützen, Wirtschaft und Wissen-
schaft zu verbinden und den Dialog
zwischen Universität, Wirtschaft und
Gesellschaft zu fördern. Die „Freunde“
vergeben Preise und Auszeichnungen,
wie den Preis für vorbildliche Lehre,
und richten Veranstaltungen wie das
Technologieforum und die Höllerer-
Vorlesung aus. Wer die Zukunft der TU
Berlin mitgestalten möchte, sollte Mit-
glied werden!
www.tu-berlin.de/?120730
© Patricia Pätzold
Chefredaktion: Stefanie Terp (stt)
Chefi n vom Dienst: Patricia Pätzold-Algner (pp)
Redaktion: Ramona Ehret (ehr), Bettina Klotz
(bk), Patricia Pätzold-Algner (pp),
Sybille Nitsche (sn), Wolfgang Richter (wrt)
Layout: Patricia Pätzold-Algner
WWW-Präsentation: Silvia Dinaro, Imke Schramm
Satz und Layout:
Studio Strahl, Berlin
Erscheinungsweise 2022: 6-mal im Jahr,
37. Jahrgang
Redaktionsschluss: 13. Juni 2022
Namentlich gekennzeichnete Beiträge
müssen nicht unbedingt mit der Meinung der
Redaktion übereinstimmen.
Unverlangt eingesandte Manuskripte und
Leserbriefe können nicht zurückgeschickt
werden. Die Redaktion behält sich vor,
diese zu veröffentlichen und zu kürzen.
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch
auszugsweise, sowie Vervielfältigung u. Ä.
nur mit ausdrücklicher Genehmigung des
Herausgebers.
TU intern“ wird auf überwiegend aus
Altpapier bestehendem und 100 % chlorfrei
gebleichtem Papier gedruckt.
„Preis für das beste deutsche Hochschul-
magazin“, 2005 verliehen von „Die Zeit“ und
der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) für das
Publikationskonzept der TU-Pressestelle.
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Herausgeber: Stabsstelle Kommunikation,
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Impressum
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