Aufarbeitung von Rückbrot unter umweltrelevanten
und wirtschaftlichen Gesichtspunkten
Von der Fakultät III: Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
-Dr.-Ing.-
genehmigte Dissertation
vorgelegt von
Dipl.-Ing. Udo Martens
aus Varel
Promotionsausschuß:
Vorsitzender: Prof. Dr. Dietrich Knorr
1. Berichter: Prof. Dr. Jürgen-Michael Brümmer
2. Berichter: Prof. Dr. Dr. e.h. Friedrich Meuser
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 19.12.2001
Berlin 2001
D83
Ich erkläre an Eides Statt, daß die vorliegende Dissertation in allen Teilen von mir
selbständig angefertigt wurde und die benutzten Hilfsmittel vollständig angegeben
worden sind.
Vorveröffentlichungen von irgendwelchen Teilen der vorliegenden Dissertation sind
von mir nicht vorgenommen worden.
Weiter erkläre ich, daß ich nicht schon anderweitig einmal die Promotionsabsicht
angemeldet oder ein Promotionseröffnungsverfahren beantragt habe.
Berlin, 20.11.2001
Dipl.-Ing. Udo Martens
per aspera ad astra
DANKSAGUNG
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Dr. e.h. Friedrich Meuser, der mir nicht nur
das Thema dieser Arbeit gestellt hat, sondern mich auch in hervorragender Weise
fachlich und menschlich betreut hat.
Der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Fa. Dietrich Reimelt KG und der Fa.
Müller Brot GmbH & Co. KG danke ich für die Bereitstellung der finanziellen Mittel für
die Durchführung dieser Arbeit. Insbesondere danke ich Herrn Dr. Stefan Reimelt,
Herrn Dipl.-Kfm. Hans Müller jun. und Herrn Michael Nüßgen für die gewährte
Unterstützung.
Für die Unterstützung bei der Durchführung der Versuche danke ich Frau Dr.
Annelore Jährig, Frau Dipl.-Ing. Elke Stötzer, Frau Dipl.-Ing. Melanie Braun, Herrn
Dipl.-Ing. Dirk Imhof, Herrn Bäckermeister Gerhard Fischer, Herrn Mühlening.
Heinrich Reimers und ganz besonders Herrn Chem.-techn. Assistent Andreas Lusch.
Schließlich danke ich den Mitarbeitern des Fachgebiets Getreidetechnologie der
Technischen Universität Berlin für die herzliche und hilfsbereite Zusammenarbeit.
INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis
SEITE
1 Einleitung und Problemstellung 1
1.1 Verwertung von Rest- und Rückbrot 3
1.2 Aufgabenstellung für eine neuartige biotechnologische
Aufarbeitung von Rückbrot
5
2 Stand der Technik 6
2.1 Verwertung von Brot in Teigen 6
2.2 Aufarbeitung von Brot durch Kochextrusion 6
2.3 Enzymatische Aufarbeitung von Brot 7
2.4 Aufarbeitung von Brot zu Paniermehl 7
2.5 Verwertung von Brot zur Hefeherstellung 8
2.5.1 Exkurs: Technik der Backhefe- und Ethanolherstellung 9
2.5.1.1 Nährsubstrat für die Backhefeherstellung 9
2.5.1.2 Prozeßtechnik der Backhefeherstellung 10
2.5.1.3 Nährsubstrat und Prozeßtechnik für die Ethanolherstellung 11
2.5.2 Exkurs: Stickstoffquelle im Brot 12
2.5.3 Exkurs: Herstellung eines Flüssigferments 13
3 Ansatz zur Lösung der Aufgabenstellung 15
3.1 Schritte zur Lösung der Aufgabenstellung 17
4 Material und Methoden 20
4.1 Aufbau und Betrieb der Laboranlage 20
4.1.1 Sirupherstellung mit der Laboranlage 21
4.1.2 Versäuerung des Brotsirups und Modellsubstrats 22
4.1.3 Kontinuierliche aerobe und anaerobe Fermentation: Labor-
fermenter
23
4.2 Aufbau und Betrieb der Technikumsanlage 24
4.2.1 Sirupherstellung und –versäuerung mit der Technikumsanlage 26
4.2.2 Kontinuierliche aerobe und anaerobe Fermentation: Technikums-
anlage
27
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
4.2.2.1 Beschreibung der Fermentationsanlage 28
4.2.2.2 Beschreibung des kontinuierlichen Fermenters 28
4.2.2.3 Kontinuierlicher Betrieb des aeroben und anaeroben Fermenters 30
4.2.2.4 Optimierung des Betriebs des kontinuierlichen Fermenters 32
4.3 Aufbau und Betrieb der Pilotanlage 33
4.3.1 Beschreibung der Fermentationsanlage: Pilotanlage 34
4.3.2 Betrieb des Fermenters: Pilotanlage 34
4.4 Backversuche 35
4.4.1 Backversuche in der Institutsbäckerei 35
4.4.2 Backversuche in der Brotfabrik 36
4.5 Aufbereitung des Rohstoffs 37
4.6 Backhefen und Milchsäurebakterien 37
4.7 Analysenmethoden 38
4.7.1 Bestimmung der Zellzahl 38
4.7.2 Nachweis von Fremdhefen 38
4.7.3 Nachweis von Bakterien 39
4.7.4 Bestimmung des α-Amino-Stickstoffes 39
4.7.5 Bestimmung des Proteingehalts 39
4.7.6 Bestimmung des Stärke- und des Glucosegehalts 39
4.7.7 Bestimmung des Gehalts an unlöslichen und löslichen
Ballaststoffen
39
4.7.8 Bestimmung des Mineralstoffgehalts 40
4.7.9 Bestimmung des Rohfettgehalts 40
4.7.10 Bestimmung des Wassergehalts 40
4.7.11 Bestimmung des Gehalts an Ethanol, Milchsäure sowie
Saccharose
40
4.7.12 Bestimmung des Gehalts an Kochsalz 40
4.7.13 Bestimmung der Frischhaltung 40
4.7.14 Bestimmung der Triebkraft der Backhefe 41
4.7.15 Bestimmung der Gehalte Biotin, Pantothensäure, Thiamin und
m-Inosit
41
INHALTSVERZEICHNIS
SEITE
5 Ergebnisse und Diskussion 42
5.1 Herstellung des Fermentationssubstrats aus Rückbrot 42
5.1.1 Zusammensetzung des Rückbrots 44
5.1.2 Hygienischer Zustand des Brotpulvers 46
5.1.3 Amylolytischer Abbau, Versäuerung und Masseverteilung 47
5.1.3.1 Verflüssigung 48
5.1.3.2 Verzuckerung 50
5.1.3.3 Versäuerung 54
5.1.3.4 Aufarbeitung 56
5.1.4 Proteolyse 61
5.2
A
erobe und anaerobe Fermentation des Fermentationssubstrats
und Verwendung der Produkte
63
5.2.1 Nährstoffversorgung bei den Fermentationen 67
5.2.2 Mikronährstoffversorgung für die aerobe Hefevermehrung 75
5.2.3 Verwendung der Flüssighefe, des Flüssigsauers und der
Proteinfraktion
76
5.3 Backhefeherstellung mit der Technikums- sowie der Pilotanlage
und Verwendung der Backhefe
80
5.3.1 Optimierung der aeroben Fermentation mit der
Technikumsanlage
82
5.3.2 Backhefevermehrung mit dem Technikumsfermenter 85
5.3.3 Backhefevermehrung mit der Pilotanlage und Verwendung der
Backhefe
92
5.4 Masseanfall bei der Rückbrotverwertung 98
5.5 Täglicher Masseanfall und Verfahrensablauf bei der
Rückbrotverwertung
103
5.6 Wirtschaftlichkeit des Verfahrens 105
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
6 Zusammenfassung 116
7 Literatur 119
8 Anhang 123
8.1 Funktionsbeschreibung der Anlage für die Flüssighefeherstellung 124
8.2 Zusammenstellung der Anlagenteile 127
8.3 Medienverbrauch und Leistungsangaben 128
TABELLENVERZEICHNIS
Tabellen
Tabelle Titel Seite
1 Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Herstellung eines Futtermittels
aus Rückbrot durch Trocknung
4
2 Reaktionsbedingungen für die Proteolyse von Brotsirup 22
3 Zusammensetzung des aus dem Rückbrot der Brotfabrik
hergestellten Brotpulvers
45
4 Viskosität der Maische und des Brotsirups 49
5 Hydrolysegrad des Brotsirups in Abhängigkeit von den
Reaktionsbedingungen der enzymatischen Hydrolyse mit α-
Amylase und Amyloglucosidase
52
6 Fermentation des Sirups mit Lactobacillus delbrückii 55
7 Einstellung des pH-Werts und Säuregrads des Flüssigsauers 56
8 Frischmasseanfall an Fraktionen bei der Aufarbeitung des
Brotsirups und ihr Gehalt an Trockenmasse, Glucose und Protein
59
9 Prozentuale Verteilung der Trockensubstanz, der Glucose und des
Proteins auf die bei der Aufarbeitung des Brotsirups angefallenen
Fraktionen
59
10 Proteolytischer Abbau von Brotsirup 61
11 Zusammensetzung des Flüssigferments 64
12 Ergebnisse der kontinuierlichen Hefevermehrung mit dem
Modellsubstrat unter anaeroben Bedingungen: Laboranlage
68
13 Ergebnisse der kontinuierlichen Hefevermehrung mit dem Modell-
substrat unter aeroben und anaeroben Bedingungen: Laboranlage
70
14 Ergebnisse der kontinuierlichen Hefevermehrung unter aeroben
und anaeroben Bedingungen mit Brotsirup: Laboranlage
71
15 Ergebnis der kontinuierlichen Hefevermehrung mit Brotsirup unter
sterilen Bedingungen bei einer anfänglichen Hefekonzentration von
150g/L: Laboranlage
72
16 Konzentration an Backhefe und Fremdorganismen sowie Triebkraft
der Backhefe bei der kontinuierlichen Fermentation über einen
Zeitraum von 5 Tagen: Laboranlage
73
17 Weizenbackversuche mit Flüssighefe und Flüssigsauer:
Laboranlage
78
18 Roggenbackversuche mit Proteinfraktion und Flüssigsauer:
Laboranlage
79
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle Titel Seite
19 Kontinuierliche Backhefeproduktion unter unsterilen Bedingungen
auf dem Wege der aeroben Gärung
83
20 Backhefeproduktion unter den Bedingungen der kontinuierlichen
aeroben Fermentationen
87
21 Mittlerer Massestrom: Technikumsanlage 90
22 Backhefeherstellung mit dem Pilotfermenter im Zulaufverfahren und
Hefeverwertung
94
23 Grunddaten für die Massebilanzierung bei der Aufarbeitung eines
Brotsirups aus Rückbrot
99
24 Täglich aus Rückbrot anfallende Produktmassen bei dessen
Gesamt- und Teilverwertung
104
25 Thermischer Energiebedarf bei der Flüssighefeherstellung 107
26
A
bwärmeströme aus Rauchgas und Schwadenabluft im Neufahrner
Betrieb der Müller Brot AG
108
27 Wärmeverbraucher für eine mögliche sowie eine bereits
verwirklichte Nutzung der Abwärmeströme
108
28 Gegenüberstellung des nutzbaren Energieinhalts aus den Brennern
und des Wärmebedarfs bei der Brotsirupbereitung und
-aufarbeitung
109
29 Betriebs- und Hilfsstoffbedarf für die Flüssighefe- und
Ethanolherstellung
110
30 Preise für die Betriebs- und Hilfsstoffe 111
31 Rechnerischer Erlös für die erzeugten Produkte 121
32 Kostendeckungsrechnung für den Betrieb der Rückbrotanlage zur
Gewinnung von 2.620t Backhefe/a (H27) als Flüssighefe (3.930t/a)
aus 3.750t/a Rückbrot bei 312 Betriebstagen – Modell A
113
33 Kostendeckungsrechnung für den Betrieb der Rückbrotanlage zur
Gewinnung von 1.560t Backhefe/a (H27) als Flüssighefe (2.340t/a)
aus 9.360t/a Rückbrot bei 312 Betriebstagen – Modell B
114
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
Abbildungen
Abbildung Titel Seite
1 Vereinfachtes Fließschema der Technikumsanlage. 25
2 Temperaturverlauf bei der Bereitung des Sirups aus Rückbrot. 27
3 Verlauf des Hydrolysegrades in Abhängigkeit von den
Reaktionsbedingungen (Glucoamylasekonzentration a:0,44%,
b:0,22%, c:0,11%).
53
4 Führung der Prozeßströme bei der Bereitung und Aufarbeitung
von Brotsirup aus Rückbrot (Brotpulver)
57
5 Schematischer Aufbau der Laboranlage zur aerob-anaeroben
Backhefeproduktion.
69
6 Verlauf der Konzentration der Backhefe und der wilden Hefen
während der kontinuierlichen Backhefeproduktion unter
unsterilen Bedingungen auf dem Weg der aeroben Gärung:
Versuch Nr. 128.
84
7 Fließbild des Technikumsfermenters. 86
8 Verlauf der Zellzahl über die Zeit (Versuch Nr. 155, 157, 158,
159).
87
9 Verlauf des pH-Wertes, Ethanolgehalts, Füllstands,
Sauerstoffgehalts und der Zellzahl über die Zeit (VP 163).
88
10 Erreichen des Gleichgewichtszustands der Konzentration an
Chloridionen im Technikumsfermenter.
89
11 Darstellung der Temperatur, der Rührerdrehzahl, des
Sauerstoffpartialdrucks, des Zulaufvolumenstroms und des
Gesamtzulaufs über die Fermentationszeit (V205).
95
12 Massebilanz für die Rückbrotverwertung mit
Backhefeherstellung nach dem kontinuierlichen Verfahren und
dem Zulaufverfahren (gestrichelte Linie).
100
13 Massebilanz für die Rückbrotverwertung bei kontinuierlicher
Backhefeherstellung.
102
1 EINLEITUNG 1
1 Einleitung und Problemstellung
Die Ernährungsgewohnheiten zeichnen sich in Europa durch einen hohen
Backwarenkonsum aus. Er ist in Deutschland mit einem Prokopfverbrauch von
80kg/a besonders hoch und wird nur noch vom polnischen übertroffen, der etwa 100
kg/a beträgt (1). Aus diesem hohen Konsum resultiert in Deutschland ein großer
Backwarenmarkt, an dem handwerkliche Produzenten und Betriebe des
sogenannten produzierenden Backgewerbes ohne die Dauerbackwarenindustrie
etwa je zur Hälfte des Gesamtumsatzes beteiligt sind (2). Die Produktionsbetriebe
stehen sowohl bezogen auf die vorgenannte Unterteilung in der Art der Betriebe als
auch untereinander in einem scharfen Konkurrenzkampf. Dieser hat im vergangenen
Jahrzehnt zu einer Restrukturierung des Backgewerbes geführt, die noch immer
nicht abgeschlossen ist.
Die Restrukturierung wird durch die Einführung neuer Techniken sowohl auf der Seite
der Produktion als auch der Seite der Distribution der Backwaren in Gang gehalten.
Auf der Seite der Produktion sind dies insbesondere verschiedene Kühltechniken für
Teige und vorgebackene Produkte sowie dazugehörige Backtechniken, die
insbesondere die Filialisierung von Backbetrieben vorangetrieben hat. Das hat auch
dazu geführt, daß die Konzentrierung der Produktion entweder auf Brot oder
Kleinbackwaren oder Feine Backwaren zunehmend aufgelöst wird. Das bedeutet,
daß es heute kleine und sehr große Backbetriebe gibt, die eine breite Produktpalette
aus allen drei Produktkategorien produzieren. Darunter sind einige Großbetriebe,
deren Produktpalette so breit ist, daß sie in der Branchensprache als
„Vollsortimenter“ bezeichnet werden.
Die Verbreitung der Produktpalette hat zusammen mit dem Einsatz der neuen
Techniken zu einer bedeutenden Ausweitung des Wertschöpfungspotentials für die
Backwarenproduktion geführt. Die Veränderungen der Backwarenmärkte sind
zusätzlich im Zusammenhang mit einer fortschreitenden Veränderung der
Verzehrsgewohnheiten zu sehen. Diese besteht in einer starken Zunahme des
Außer-Haus-Verzehrs, für den Backwaren in Form von belegten Brötchen und
ähnlichen Produkten eine wesentliche Voraussetzung darstellen. Dabei ist es
1 EINLEITUNG 2
hinsichtlich eines jeglichen Verzehrs von Backwaren von ausschlaggebender
Bedeutung, daß das Konsumentenverhalten durch extrem hohe Ansprüche an die
Frische der Backwaren geprägt ist. Diesbezüglich ist es von besonderem Interesse
darauf hinzuweisen, daß für Backwaren der Zeitraum, in dem sie frisch sind, deutlich
kürzer ist als der ihrer Haltbarkeit. Ein großer Teil der Backwaren kann deshalb schon
kurz nach der Auslieferung oder Auslage nicht mehr verkauft werden, obgleich die
Haltbarkeitsgrenze noch lange nicht erreicht ist.
Daraus ergibt sich das Problem der Verwertung von Backwaren, die nicht mehr als
ausreichend frisch empfunden werden, die aber noch zum Verzehr geeignet sind. Die
Menge dieser Backwaren ist in Deutschland auf 8-10% der Produktionsmenge zu
veranschlagen. Das sind nach einer groben Schätzung, die auf dem Mehleinsatz zur
Backwarenherstellung in Deutschland beruht, ca. 600.000 t/a. Diese Menge kann aus
Gründen der Art der Vermarktung von Backwaren sowohl in Bäckerläden als auch
Filialen und Supermärkten nicht unterschritten werden, da eine gewisse Präsenz des
Warensortiments bis zum Ende eines jeden Verkaufstages gewährleistet bleiben
muß, weil sie für die Kaufentscheidung des Kunden maßgeblich ist.
Die in Deutschland nicht verkaufte Backwarenmenge besitzt bei Rohstoffkosten <300
Mio. DM einen Warenwert in der Größenordnung von 3 Mrd. DM. Dem Backgewerbe
erwächst folglich aus dem Nichtverkauf eines Teils seiner Produkte ein
milliardenschwerer Verlust, der letztendlich auch volkswirtschaftlich zu Buche
schlägt. Darüber hinaus ergibt sich zusätzlich das Problem der Verwertung der nicht
verkauften Backwaren. Die Lösung dieser Aufgabe ist in Abhängigkeit von der Art der
Backbetriebe, ihrer Größe und ihrem Sortiment vielschichtig. Besonders
problematisch stellt sie sich für Großbackbetriebe dar, die Supermärkte in Form
eines Frischedienstes beliefern. Sie sind deshalb gezwungen, die Regale in den
Supermärkten zu pflegen. Darunter ist zu verstehen, daß sie die Regale in dem für
ihr Vertriebssystem optimalen Zyklus unter Berücksichtigung des Frischekriteriums
befüllen und die unverkaufte Ware zurücknehmen. Dieses zurückgenommene Brot
wird in der Fachsprache als Rückbrot bezeichnet. Es ist zu unterscheiden von dem
innerhalb der Produktionsstätten beim Schneiden des Brotes anfallenden Resten,
Fehlschnitten und Fehlchargen, die als Restbrot bezeichnet werden.
1 EINLEITUNG 3
1.1 Verwertung von Rest- und Rückbrot
Hinsichtlich der Verwertung sowohl des Rest- als auch des Rückbrotes läßt es die
Lebensmittelgesetzgebung zu, daß diese in gewissen Anteilen bei der
Brotherstellung mitverwendet werden dürfen. Über die Zugabemengen sind Regeln
erlassen, die sich auf die Rohstoffbasis beziehen, aus denen die Brote hergestellt
werden. Für Brote, die überwiegend aus Weizenmahlerzeugnissen hergestellt
werden, darf die auf Frischbrot bezogene Zugabemenge an Restbrot 6% und für
Brote, die überwiegend aus Roggenmahlerzeugnissen hergestellt werden, darf sie
bis zu 20% betragen (3). Für die Zugabe gilt es als entscheidendes Kriterium, daß
das mitverwendete Brot im Enderzeugnis mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen
sein darf.
Aus den vorgenannten Zahlenangaben für die Restbrotzugabe zur Backrezeptur
neuer Brote geht im Zusammenhang mit der Vermahlung von Weizen und Roggen
(ca. 5,4 Mio. t Weizen/a, ca. 1,1 Mio. t Roggen/a) (4) sowie der geschätzten Menge
für unverkauftes Brot hervor, daß eine Mitverwendung des Rückbrotes allein über die
Brotproduktion aus quantitativen Gründen nicht möglich ist. Deshalb werden
unverkaufte, als Rückbrot anfallende Backwaren weit überwiegend als Futtermittel
verwertet und nur Restbrot für die Herstellung von Backwaren eingesetzt.
Wirtschaftlich vorteilhaft für die Restbrotverwertung ist es, daß über die damit in die
Rezeptur eingebrachte Masse wenigstens der anteilige Rohstoffeinstandspreis,
weitestgehend der des Mehles, gewonnen wird. Bei der Verwertung des Rückbrots
als Tierfutter richtet sich der damit von Backwarenproduzenten erzielbare
wirtschaftliche Nutzen, der mit seiner Abgabe entweder zur direkten Verfütterung
oder als Rohstoff für die Futtermittelherstellung verbunden ist, demgegenüber nach
dem Preis für Futtergetreide, das einen zum Rückbrot vergleichbaren Nährwert hat.
Nachteilig für diese Verwertungsform ist es folglich, daß der erzielbare Erlös damit
deutlich unter dem für die vorgenannte Restbrotverwertung indirekt erzielbaren
bleiben muß. Der mögliche Erlös wird zusätzlich dadurch gemindert, daß große
Rückbrotmengen, wie sie bei einigen der Großbackbetriebe anfallen, aus
logistischen Gründen nicht direkt verfüttert werden können, sondern zuvor erst noch
zu einem Futtermittel aufgearbeitet werden müssen. Die Aufarbeitung erstreckt sich
neben der Entpackung insbesondere auf eine Trocknung des Brotes, um es in eine
1 EINLEITUNG 4
mikrobiologisch und hygienisch stabile Form zu überführen. Diese Aufarbeitung ist
erforderlich, um die durch die Futtermittelverordnung gegebenen Anforderungen an
gewisse Grenzwerte, wie etwa für die Aflatoxinkonzentration, erfüllen zu können (5).
Die wirtschaftliche Problematik der Rückbrotverwertung, die Grundlage für
Überlegungen für eine neue Art der Verwertung von Rückbrot geworden ist, wird
nachstehend an einer konkreten, aber aus Gründen der betrieblichen Geheimhaltung
vereinfachten Beispielrechnung (Tab. 1) für die Aufarbeitung von Rückbrot zu einem
Futtermittel unter Zugrundelegen des Preises für Futterweizen als Referenzpreis (6)
dargestellt. Daraus geht hervor, daß Wirtschaftlichkeit in der Rückbrotaufarbeitung zu
einem Futtermittel sowohl aus der Sicht eines abgebenden Großbackbetriebes als
auch eines aufnehmenden Futtermittelwerkes nur in engen Grenzen, die z.T. im
Investment in die Anlage und deren dauerhafter und kontinuierlicher Versorgung mit
Rückbrot begründet liegen, erreicht werden kann. Nach der Rechnung bedeutet das,
daß ein Backbetrieb aus der Abgabe von Rückbrot allenfalls noch einen kleinen Erlös
erzielen kann. Dieser ist weit vom Mehleinstandspreis entfernt. Allerdings stellt der
Rückbrotaufarbeitung zu einem Futtermittel wenigstens z.Z. noch eine
kostenneutrale Verwertungsmöglichkeit dar. Außerdem bildet die Nutzung der
Nahrungsenergie auf der Ebene des Tieres nach ihrer direkten Nutzung zur
menschlichen Ernährung die nächsthöchste Verwertungsstufe.
Tabelle 1:Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Herstellung eines Futtermittels aus
Rückbrot durch Trocknung
Position Betrag (DM/t Produkt)
Erlös* +220
Variable Kosten (Trocknung, Anlagenbetrieb) -80
Fixe Kosten (Personal, Reparaturen, Transport) -40
AfA -20
Ertrag +80 (53**)
* Referenzpreis: Futterweizen (6)
** Ertrag bezogen auf ungetrocknetes Rückbrot.
Ertrag wird zwischen Brotfabrik und Futtermittelfabrik geteilt.
1 EINLEITUNG 5
1.2 Aufgabenstellung für eine neuartige biotechnologische Aufarbeitung von
Rückbrot
Aus dieser Situation wurde die wissenschaftliche Aufgabe zur Entwicklung eines
neuen Wegs zur biotechnologischen Aufarbeitung von unverkauften Backwaren unter
umweltrelevanten und wirtschaftlichen Gesichtspunkten hergeleitet. Besondere
Zielsetzung war es dabei, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem eine vollständige
Verwertung von Rückbrot und anderen, ihm gleichzustellenden Backwaren sowie
auch in Produktionsbetrieben anfallenden nicht verbackenen Teigen und Restbrot im
Sinne eines geschlossenen Stoffkreislaufes zu verwirklichen.
Hinsichtlich des Stoffkreislaufs und der Stoffnutzung ging es darum, beide auf einer
möglichst hohen Verwertungsstufe für die Nutzung der menschlichen
Nahrungsenergiezufuhr anzusiedeln. Außerdem war eine Verlängerung der
Stoffnutzung in Betracht zu ziehen, um dadurch vorhandene, aber bisher nicht
nutzbare Verwertungspotentiale zu erschließen. Davon betroffen sind in Brotfabriken
die ganzjährig anfallenden hohen Abwärmemengen aus den Backöfen. Die
Zielsetzung fügt sich folglich in die für eine nachhaltige industrielle Produktion
gestellte Aufgabe der schonenden Nutzung der Ressourcen an Energie und
Rohstoffen und dem davon abhängigen Umgang mit der Umwelt ein (7). Der Ansatz
für die Lösung der Aufgabe lag in einer ganzheitlichen Betrachtung der
Brotproduktion begründet, welche alle Stoffströme und teilweise die Herstellung von
Rohstoffen einschließt.
Diesbezüglich waren auch die gesetzlich vorgegebenen Randbedingungen zu
beachten, die in einem steten Fluß sind. Darauf sei hier deshalb hingewiesen, weil
sie einen entscheidenden Einfluß auf mögliche alternative Verwertungsformen für
Rückbrot ausüben. Beispielsweise können alternative Verwertungsformen entweder
verboten sein, was für das direkte Verbrennen von Brot mit einem Heizwert von
weniger als 11.000kJ/kg der Fall ist, oder gefördert werden, wie es zur Zeit für die
Verstromung von Biogas aus organischen Resten zutrifft (8).
2 STAND DER TECHNIK 6
2 Stand der Technik
Da aus der Sicht gesetzlicher Regelungen Restbrot und Rückbrot unter den Begriff
Brot fallen, sind sie gleich zu bewerten, so daß Rückbrot ebenso verwertet werden
kann wie Restbrot (3). Für Restbrot gibt es vier Verwertungsmöglichkeiten, denen es
gemeinsam ist, daß sie auf der höchsten Stufe der Nutzung der Nahrungsenergie
stehen, weil sie direkt als Rezepturbestandteil bei der Brotherstellung verwendet
werden. Sie unterscheiden sich aber im Aufwand für die Aufarbeitung des Restbrots
zur Verwertung in der Backrezeptur. Vorteilhaft ist es für alle vier Verwertungsformen,
daß das aufgearbeitete Restbrot in der Backrezeptur als Quellstoff zur
Wassserbindung und als Geschmackstoffträger fungiert. Mit dem aufgearbeiteten
Restbrot können deshalb die sensorischen Qualitätsmerkmale der Backwaren positiv
beeinflußt werden. Darunter kann vor allem ihre Frischhaltung verlängert werden.
2.1 Verwertung von Brot in Teigen
Die einfachste Verwertungsform besteht darin, das Brot zu zerkleinern und
einzuweichen, um es nach ausreichender Einwirkzeit zur Zerstörung der Krumen-
und Krustenstruktur der Rezeptur für neue Backwaren in den eingangs zitierten
Mengenbegrenzungen zusetzen zu können. Technisch etwas aufwendiger kann
Restbrot über das als Isernhäger Brotsauerteigfermentation bekannt gewordene
Verfahren verwertet werden(9). Mit diesem Verfahren werden Mehl, Wasser und
Restbrot mit speziellen Säuerungskulturen zu einem Sauerteig sehr hohen
Säuregrads fermentiert. Dafür wird ein Fermenter eingesetzt, in den Restbrot in
Scheiben und ganzen Laiben eingebracht werden kann. Ein spezielles
Schneidewerkzeug zerkleinert das Restbrot in dem Sauerteig so vollständig, daß es
in diesem für das Auge nicht mehr sichtbar aufgelöst wird. Der fertige Sauerteig wird
wie ein üblicher Sauerteig eingesetzt.
2.2 Aufarbeitung von Brot durch Kochextrusion
Eine technisch aufwendigere Aufarbeitung des Restbrotes besteht in seiner
Trocknung und nachfolgenden Kochextrusion (10). Dadurch wird sein Stärkeanteil
2 STAND DER TECHNIK 7
vollständig verkleistert. Die Extrudate werden vermahlen und in Pulverform der
Backrezeptur zugesetzt. Aufgrund der vollständigen Stärkeverkleisterung erfüllen die
Pulver die Funktion eines Quellmehls .
2.3 Enzymatische Aufarbeitung von Brot
Eine zur Quellmehlherstellung vergleichbar aufwendige Aufarbeitung von Restbrot
besteht in seiner enzymatischen Umwandlung in einen sogenannten Brotsirup (11,
12). Diese Aufarbeitung ist darauf gerichtet, die Stärke im Restbrot mit α-Amylase
und Amyloglukosidase bis zur Glucose abzubauen. Es entsteht dadurch ein
zähflüssiger, süß schmeckender Sirup, dem durch Druckkochung eine braune Farbe
verliehen werden kann. Durch die Mitverwendung dieser Sirupe in der Brotrezeptur
können den Broten besondere geschmackliche Eigenschaften verliehen werden.
Außerdem kann die Brotkrume in ihrer Farbe nuanciert werden (13).
2.4 Aufarbeitung von Brot zu Paniermehl
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß aus Weizen hergestellte Backwaren , die
als Restbrot anfallen, zu Paniermehl aufgearbeitet werden können (14). Dazu wird
das Restbrot getrocknet und anschließend vermahlen. Aus dem Mahlgut wird
Paniermehl abgesiebt. Die nahrungsenergetische Verwertung des Restbrots als
Paniermehl erfolgt auf der gleichen Stufe wie die vorgenannten Formen, weil es
selbst wieder direkt bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet wird.
Aus der Verwertung des Restbrots als Paniermehl geht im übrigen hervor, daß
bereits mit den genannten Arten der Restbrotverwertung die technischen und
gesetzlichen Verwertungsmöglichkeiten für seine Wiederverwertung bei der
Brotherstellung ausgeschöpft sind. Folglich bleibt für die Verwertung des Rückbrots
auf dem gleichen Wege kein quantitativ nennenswertes Potential übrig. Aus diesem
Tatbestand ergab sich der Grund für die Suche nach neuen Wegen für die
Verwertung von Rückbrot unter der vorgenannten Zielsetzung.
2 STAND DER TECHNIK 8
2.5 Verwertung von Brot zur Hefeherstellung
Ein Blick auf die Inhaltsstoffzusammensetzung des Rückbrots läßt nun erkennen,
daß der Schlüssel für eine biotechnologische Aufarbeitung in seinem Stärkegehalt
liegt, weil sie den größten Anteil an der Gesamtmasse ausmacht und weil sie einer
Stoffumwandlung durch enzymatischen Abbau und nachfolgende Fermentation mit
klassischen biotechnologischen Verfahren leicht zugänglich ist. Eine Möglichkeit
dafür bietet die seit 200 Jahren bekannte Verhefung von stärkehaltigen Rohstoffen
nach deren enzymatischer Hydrolyse zu vergärbaren Zuckern (15). Dieser Gedanke
liegt deshalb nahe, weil zur Brotherstellung ohnehin Hefe benötigt wird und die
Verwertung von Kohlenhydraten zur Hefeherstellung aus nahrungsenergetischer
Sicht nur eine Stufe unter der Verwertung von Kohlenhydraten für die menschliche
Ernährung erfolgt; sie liegt damit auf gleicher Höhe wie die für die Tierernährung
gegebene.
Die Verwertung von Rückbrot als Substrat für die Backhefeherstellung ist deshalb
bereits auch patentiert worden (12). Diese Verwertung des Rückbrots hat sich jedoch
wirtschaftlich nicht verwirklichen lassen, weil sie gegenüber dem Einsatz von
Melasse als Nährsubstrat wesentlich teurer ist. Außerdem ist die patentierte
Verwertung des Rückbrots bisher noch nicht verfahrenstechnisch umgesetzt worden
und die Verwertung der nicht fermentierbaren Stoffe aus dem Brot, die etwa 30%
seiner Trockenmasse ausmachen, ist bisher ungelöst geblieben.
Im Zusammenhang mit den nicht verhefbaren Stoffen ist ein weiteres Patent zu
zitieren, das zwar prinzipiell auf die Herstellung eines Brotsirups der bereits
genannten Art gerichtet ist (11), in dem aber zusätzlich ein proteolytischer Abbau der
Proteine der Brotkrume beschrieben ist (16). Daraus ergibt sich ein wesentlicher
Ansatz für die Nutzung der von der Hefe nicht fermentierbaren Restmasse der
Brotkrume. Er besteht darin, die Aminosäuren der Proteine für die Ernährung der
Hefe verfügbar zu machen.
Dieser Ansatz führt zusammen mit dem Hinweis auf die Unwirtschaftlichkeit des
Einsatzes von Rückbrot als Substrat für die Hefevermehrung zu der Überlegung,
Wirtschaftlichkeit für ein Verfahren zur Hefevermehrung dadurch zu erreichen, daß
die Wertschöpfung der Hefefabriken bei der Hefeherstellung aus Melasse in eine in
2 STAND DER TECHNIK 9
den Backprozeß integrierte Hefeherstellung aus verzuckertem Rückbrot zu
verlagern. Damit würde die existierende Arbeitsteilung zwischen Hefefabriken und
Brotfabriken im Teilbereich der Großbackbetriebe aufgelöst werden können.
2.5.1 Exkurs: Technik der Backhefe- und Ethanolherstellung
Die Technik der Backhefe- und Ethanolherstellung beruht auf der Fähigkeit der Hefe,
unter Sauerstoffzusatz die assimilierbare Kohlenhydratquelle (C-Quelle) zu veratmen
und sie unter Abwesenheit von Sauerstoff zu vergären. In beiden Fällen kommt es zu
einer Vermehrung der Hefe, die beim Atmen 7,2 mal größer ist als beim Gären.
Dieser Unterschied ergibt sich aus der Differenz im ATP-Gewinn der Hefezelle
zwischen gären und atmen, der für die Zellsubstanzzunahme entscheidend ist. Aus
der C-Quelle (Glucose) entstehen beim Veratmen 0,54 g und beim Vergären 0,075g
Hefetrockenmasse (15). Die Bildung der Zellmasse und ihre Zusammensetzung wird
durch die zur Verfügung stehende Quelle an resorbierbarem Stickstoff (N-Quelle) und
von Wuchsstoffen (Vitamine, Mineralstoffe) limitiert (vergl. 2.5.2).
2.5.1.1 Nährsubstrat für die Backhefeherstellung
Nährsubstrat für die Backhefeherstellung ist heutzutage praktisch ausschließlich
Melasse. Sie steht in großer Quantität sehr preiswert zur Verfügung. Vorteilhaft für
ihren Einsatz gegenüber stärkehaltigen Rohstoffen ist es, daß der in ihr enthaltene
Zucker von der Hefe direkt als C-Quelle verwertet werden kann, während
stärkehaltige Rohstoffe, wie zum Beispiel Getreide oder Brot, erst durch
enzymatische Hydrolyse zu einem assimilierbare Zucker enthaltenden Substrat
aufgearbeitet werden müssen.
Die Backhefeherstellung erfolgt mit dem Ziel, die Zellmasseausbeute aus der C-
Quelle durch Belüftung des Substrats in ein Maximum zu führen. Da bei aerober
Vermehrung der Hefe mit Melasse als Substrat aus dieser weder nicht resorbierbare
Stickstoffverbindungen noch Wuchsstoffe (Vitamine, Mineralstoffe) in ausreichender
Menge zur Assimilation der C-Quelle zur Verfügung stehen, werden diese
hinzugefügt. Als N-Quelle werden Ammoniumphosphat und –sulfat sowie Ammoniak
2 STAND DER TECHNIK 10
und Harnstoff eingesetzt. Ammoniumphosphat dient gleichzeitig auch als
Phosphorquelle (P-Quelle). Zu ergänzende Wuchsstoffe sind Biotin,
Panthothensäure, Inositol, Thiamin, Pyridoxin und Niacin. Mineralstoffe sind in
Melasse weitgehend ausreichend vorhanden.
2.5.1.2 Prozeßtechnik der Backhefeherstellung
Die Backhefevermehrung erfolgt diskontinuierlich über mehrere Stufen im
Zulaufverfahren (feed batch) in belüft- und sterilisierbaren unterschiedlich großen
Fermentern. Die letzte Stufe der Vermehrung wird als Versandhefestufe bezeichnet
und die vorausgehenden als Stellhefestufen. Prinzipiell ist es zwar auch möglich,
Backhefe kontinuierlich zu vermehren (15), entsprechende Verfahren haben sich
jedoch nicht durchsetzen können, weil das Risiko von Infektionen und der
Veränderung der Qualitätsmerkmale der Hefe über die Zeit im Vergleich zum
Zulaufverfahren größer ist.
Nach Abschluß der Fermentation in der Versandhefestufe wird die Backhefe durch
Zentrifugalabscheidung vom fermentierten Substrat getrennt. Es entsteht dabei ein
Konzentrat, das als Hefemilch bezeichnet wird. Diese Hefe wird durch mehrmaliges
Verdünnen mit Wasser und anschließendes Konzentrieren gereinigt und von aus der
Melasse stammenden Farbstoffen befreit. Die gereinigte Hefemilch wird durch
Zentrifugalabscheidung entweder zu einer versandfertigen Flüssighefe konzentriert
oder durch eine sich der zentrifugalen Aufkonzentrierung anschließenden
Entwässerung mit einem Vakuumdrehfilter auf eine Trockenmasse von 27-30%
eingestellt. Diese Hefe wird über Strangpressen zur Versandhefe ausgeformt. Sie
wird aufgrund ihres Trockenmassegehalts als Backhefe H27 gekennzeichnet.
Die Flüssighefe und die Preßhefe werden nach ihrer Triebkraft und Triebhaltbarkeit
charakterisiert. Beide Qualitätsmerkmale werden durch die Prozeßführung,
insbesondere in der Versandhefestufe festgelegt. Diesbezüglich ist zu erwähnen,
daß die Triebkraft negativ mit der Triebhaltbarkeit korreliert.
2 STAND DER TECHNIK 11
Das von der Hefe befreite fermentierte Substrat wird als Abwasser entsorgt. Die
Entsorgung des Abwassers ist für die Hefefabriken wegen seiner starken Belastung
mit organischen und anorganischen Stoffen sehr kostenintensiv und sie verursacht
auch im Vergleich zur Entsorgung anderer Abwässer aus der Lebensmittelindustrie
bezogen auf die für deren Produkte gegebene Wertschöpfung eine relativ hohe
Umweltbelastung.
2.5.1.3 Nährsubstrat und Prozeßtechnik für die Ethanolherstellung
Die Ethanolherstellung und die Herstellung von Antiklopfmitteln daraus hat im
Rahmen der Treibstoffgewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen weltweit,
darunter aber insbesondere in den USA, eine sehr große Bedeutung erlangt. Als
Rohstoffe dienen zur Zeit insbesondere Mais und Zuckerrohr (17). In Europa
zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab, wobei für die bereits vorhandenen, bzw.
in Bau befindlichen Fabriken Weizen oder Gerste als Rohstoff vorgesehen ist (18).
Die auf den stärkehaltigen Rohstoffen basierenden Prozesse sind aufgrund ihrer
großen Bedeutung für die Umwelt sehr hoch entwickelt. Es gibt inzwischen
vollständig kontinuierliche Prozesse, in denen Zellkonzentrationen von 15-45 g
Hefetrockensubstanz (HTS) erreicht werden. Die Hefe wird zur Aufrechterhaltung der
Geschwindigkeit der Fermentation bei hoher Zelldichte teilweise zurückgeführt. Dazu
kann sie mit Säure gewaschen werden. Dieser Vorgang entspricht dem für die
Backhefeherstellung beschriebenen.
Die Weiterentwicklung der Prozesse zur Ethanolherstellung ist vor allem der
Senkung des energetischen Aufwands zugute gekommen. Praktisch der gesamte
Energieaufwand ist für die Prozeßschritte des Aufschlusses des Rohstoffes (Stärke)
und der Destillation des Ethanols erforderlich. Der energetische Gesamtaufwand
beträgt bei der Anwendung konventioneller Verfahren 19MJ und bei modernen 8MJ
pro Liter reinem Ethanol (15). Der energetische Aufwand konnte beim Aufschluß
durch Einführung kontinuierlicher Verfahren und Anwendung thermostabiler α-
Amylasen gegenüber diskontinuierlichen Verfahren mit klassischen α-Amylasen auf
ein Viertel (2 MJ/lEthanol) gesenkt werden.
2 STAND DER TECHNIK 12
2.5.2 Exkurs: Stickstoffquelle im Brot
Zur Veranschaulichung der Bedeutung und Größe der Stickstoffquelle im Brot, die
gegebenenfalls zur Resorption zur Verfügung gestellt werden kann, sei hier von
Weizenmehl als Vergleichssubstanz ausgegangen. Besäße das Mehl bezogen auf
seine Trockensubstanz einen Stärkegehalt von 78% und einen Proteingehalt von
14% (Nx5,7), so entstünden bei vollständiger enzymatischer Hydrolyse der Stärke zu
Glucose aus 1.000 g der Trockensubstanz aus Mehl 867g Glucose, aus denen bei
aerober Hefebildung 468g Hefetrockensubstanz würden. Das wäre aber deshalb
nicht möglich, weil für die Trockensubstanz der Backhefe, die einen Proteingehalt
von wenigstens 45% haben sollte, 211 g resorbierbare stickstoffhaltige Verbindungen
(N-Verbindungen) notwendig wären. Da aber nur 140 g Protein vorhanden wären,
könnten ohne Zugabe einer anderen N-Quelle in den Fermentationsansatz maximal
nur 311 g Hefetrockensubstanz gebildet und entsprechend 576 g Glucose veratmet
werden. Das setzte voraus, daß der N-Gehalt des Proteins vollständig zur Resorption
zur Verfügung stünde. Es blieben demzufolge 291 g Glucose, die nicht veratmet
werden könnten.
Da die Zellmassebildung bei der Vergärung von Glucose 7,2 mal kleiner als bei der
Atmung ist, könnten aus den verbleibenden 291 g Glucose 22 g Hefetrocken-
substanz entstehen, wenn dafür weitere 10 g resorbierbare N-Verbindungen zur
Verfügung gestellt würden. Das könnte aber auch durch eine Begrenzung der
aeroben Fermentation geschehen. Für diesen Fall wäre es möglich, eine aerobe mit
einer anaeroben Fermentation von Glucose aus einem Mehlhydrolysat so zu
kombinieren, daß sich ein optimales Verhältnis zwischen beiden Fermentationen
ergäbe, bei dem eine maximale Resorption der N-Verbindungen und eine
entsprechend maximale Zellmassebildung an Hefe erfolgte (19).
Diese theoretischen Überlegungen gelten in gleicher Weise für die Verwendung von
Brot oder Produkten vergleichbarer Zusammensetzung für fermentierbare C- und N-
Quellen. Praktisch erfährt die Umsetzung der Kohlenhydrate im Brot, hauptsächlich
der Stärke, in von Hefe veratembare und vergärbare Kohlenhydrate sowie des
Proteins in von ihr resorbierbare N-Verbindungen ihre Begrenzung durch die Art und
2 STAND DER TECHNIK 13
das Ausmaß der Hydrolysen, so daß davon auch die Zellmassebildung an Hefe
beeinflußt wird. Da die kleinste Zellmassebildung bei rein anaerober Fermentation
entsteht und sie zugleich mit der kleinsten Resorption an N-Verbindungen und der
größten Bildung an Ethanol verbunden ist, kann demzufolge die Zellmassebildung
unter Erhalt der vollständigen Umsetzung des Kohlenhydratanteils über die Wahl des
Verhältnisses zwischen aerober und anaerober Fermentation gelenkt werden.
2.5.3 Exkurs: Herstellung eines Flüssigferments
Im Zusammenhang mit der Backhefeherstellung ist ein Blick auf die noch heute in
russischen Brotfabriken geübte Praxis der Herstellung eines aus Backhefe und
Milchsäure bestehenden Flüssigferments von großem Interesse. Das Flüssigferment
besteht aus einer milchsauren Flüssigkeit, in der Milchsäurebakterien aktiv sind und
in der auf anaerobem Wege Hefe vermehrt wurde. Das Flüssigferment wird in einem
zweistufigen Fermentationssystem hergestellt, das vor mehr als 60 Jahren von
Ostrovsky (20) entwickelt wurde.
Das System wird mit einer Maische aus Mehl betrieben, deren Stärkeanteil
enzymatisch mit Malzmehl oder amylolytisch wirkenden Enzymen aus Mikro-
organismen zu Maltose oder Glucose abgebaut wird. Die Maische wird in der ersten
Fermentationsstufe unter selektiven Verfahrensbedingungen durch Milchsäure-
bildung mit Milchsäurebakterien (Lactobacillus delbrueckii) gesäuert. Damit wird über
die dabei erfolgende Absenkung des pH die Voraussetzung dafür geschaffen, daß in
der Maische neben den dominant vorkommenden Milchsäurebakterien keine
anderen Bakterien wachsen können. Die saure Maische ist deshalb stabil, ohne daß
ergänzende Maßnahmen für den Erhalt ihres mikrobiologischen Zustands ergriffen
werden müssen. In ihr werden in der zweiten Fermentationsstufe auf anaerobem
Weg Hefezellen vermehrt. Durch die Anreicherung des milchsauren
Fermentationssubstrats mit Hefezellen entsteht das Flüssigferment, das direkt zur
Teigherstellung verwendet wird.
Das Flüssigferment erfüllt aufgrund der in ihm enthaltenen aktiven Milchsäure-
bakterien und seines Milchsäuregehalts sowie der in ihm homogen verteilten
Hefezellen zugleich die Funktion der Säuerung als auch des Triebs der Teige. Das
2 STAND DER TECHNIK 14
Flüssigferment wird unter den in Rußland üblichen Bedingungen der Teigführung mit
großem Erfolg zur Fermentation von Brotteigen eingesetzt.
Vom Standpunkt einer wirtschaftlichen Herstellung von Backhefe aus betrachtet, muß
die Flüssigfermentherstellung jedoch als völlig unwirtschaftlich angesehen werden,
weil aus der über das Mehl oder ein vergleichbares anderes Fermentations-substrat,
das beispielsweise auch Rückbrot sein könnte, zur Verfügung stehenden Maltose
oder Glucose auf aerobem Weg 7,2 mal mehr Hefe als auf dem beschrittenen
anaeroben gewonnen werden kann. Es kommt hinzu, daß die Fermentationsprodukte
Ethanol und Kohlendioxid bei dem russischen Verfahren verloren gehen, weil sie
beim Fermentieren und Backen an die Umwelt abgegeben werden. Weder das
Ethanol noch das Kohlendioxid werden gewonnen, weil das sich wegen des dafür
erforderlichen technischen Aufwands, der die Abtrennung der Hefe vor der
Destillation des Ethanols erfordert, nicht lohnt. Außerdem besitzt das
Fermentationssystem zwar eine hohe Anpassung an die kontinuierliche Produktion
eines bestimmten in großer Quantität mit Sauerteig herzustellenden Brottyps, es
kann aber nicht für die flexible Produktion eines breiten Brotsortiments, dessen
einzelne Brotsorten mit Hefe und/oder mit Sauerteig hergestellt werden, eingesetzt
werden.
Die Inflexibilität des Systems ergibt sich vor allem auch daraus, daß nicht auf
spezielle Ansprüche bezüglich der Fermentationszeit unterschiedlicher Teige reagiert
werden kann, weil die Hefekonzentration im Flüssigferment praktisch konstant ist. Es
kommt hinzu, daß der nicht fermentierbare Feststoffgehalt des Substrats mit in die
Rezeptur des Brots überführt werden muß. Darin liegt eine zusätzliche Begrenzung
der Verwendung des Flüssigferments für ein breites Brotsortiment begründet.
Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß nur für die anaerobe Fermentation das für die
Hefe verwertbare Stickstoffangebot aus dem Mehl ausreicht, um bei vollständiger
Umsetzung des zu Zucker hydrolysierten Stärkeanteils in Ethanol und Kohlendioxid
die unter anaerober Fermentation mögliche Hefemasse zu bilden.
3 ANSATZ ZUR LÖSUNG DER AUFGABENSTELLUNG 15
Abgesehen davon, daß es sich bei der Hefe im Flüssigferment um eine spezielle der
anaeroben Fermentation im sauren Milieu angepaßte Hefe handelt, die für das
Brotbacken mit langen Gärzeiten geeignet ist, wird für die Einstellung einer
ausreichenden Triebkraft während der anaeroben Fermentation des Substrats eine
zusätzliche Stickstoffquelle zugeführt. Das ist deshalb erforderlich, weil die aus dem
Mehl oder Malz stammenden, resorbierbaren Stickstoffverbindungen nicht
ausreichen, um auf den für eine hohe Triebkraft erforderlichen Proteingehalt zu
kommen. Der Proteingehalt von Backhefen mit hoher Triebkraft liegt im Bereich von
45-55% der Hefetrockenmasse.
Zur Erläuterung des Zusammenhangs zwischen Triebkraft und Gärzeit des Teigs
zeigt eine Beispielrechnung für das Bierbrauen, daß aus dem Maltose- und
Stickstoffangebot aus Malz aus 100g Maltose 7,5 g Hefetrockenmasse entstehen,
die nur einen Proteingehalt von ca. 20-25% besitzen (21). Die Übertragung dieses
Rechenbeispiels auf hydrolysiertes Brot als Fermentationssubstrat für eine anaerobe
Backhefeherstellung würde unter der Annahme eines zum Malz vergleichbaren
resorbierbaren Stickstoffangebots rechnerisch zwar zu einer Ausbeute an Backhefe
führen, die der Ausbeute an Bierhefe beim Vergären der Würze entspräche, deren
Triebkraft wäre jedoch wegen des niedrigen Proteingehalts viel zu klein.
3 Ansatz zur Lösung der Aufgabenstellung
Trotz all dieser Einschränkungen lieferte die Herstellung des Flüssigferments den
grundsätzlichen gedanklichen Ansatz für die Lösung der Aufgabenstellung, weil sie
die Möglichkeit eröffnet, zwei wesentliche Rohstoffe für die Backwarenproduktion,
nämlich Backhefe und Flüssigsauer, produktionsintegriert aus Rückbrot herstellen zu
können. Während nun die Herstellung des Flüssigferments in den russischen
Fabriken auf einfache Weise auf die Produktionskapazität und Produktionsmenge an
Backwaren abgestimmt werden kann, ergibt sich dieser Vorteil für den Einsatz eines
vergleichbaren Verfahrens in deutschen Fabriken für die Verwertung der täglich
insgesamt anfallenden Rückbrotmenge nicht, weil die daraus maximal herstellbare
3 ANSATZ ZUR LÖSUNG DER AUFGABENSTELLUNG 16
Hefemenge viel größer ist als eine beliebige Brotfabrik an Hefe und/oder Sauerteig
benötigt.
Für die als Beispiel für die Verfahrensentwicklung betrachtete Brotfabrik, die bei einer
durchschnittlichen täglichen Produktion von 300t eine Rückbrotmenge von 30t zu
verwerten hat, beträgt der Verbrauch an Backhefe (H27) nur etwa 5 t pro Tag und die
auf den Säuregrad der Sauerteigbackwaren bezogene Säuremenge ist nur 100-150
kg groß. Die betrachtete Brotfabrik ist der in Neufahrn, Bayern, gelegene Betrieb der
Müller-Brot AG.
Aus der Rückbrotmenge könnte nach Hydrolyse ihres Stärkegehalts zu Glucose bei
aerober Fermentation viel mehr Hefe produziert werden als benötigt wird. Zur
Erläuterung sei hier für den rechnerischen Idealfall angenommen, daß die
Trockenmasse des Rückbrots einen Stärkegehalt von 65% besäße und der
Trockenmassegehalt des Rückbrots 60% betrüge. Es entstünden dementsprechend
bei einer vollständigen Hydrolyse der Stärke 13t Glucose und daraus bei der
Hefevermehrung 7t Hefetrockenmasse, bzw. 26t Backhefe (H27).
Würde jedoch die Rückbrotmenge analog zum russischen Verfahren aerob
fermentiert, so würden im rechnerischen Idealfall zwar aus 30t Rückbrot/d ca. 5,1t
Ethanol/d und ca. 4,8 t Kohlendioxid/d neben ca. 3 t Hefe/d anfallen, diese
Hefemasse wäre jedoch deutlich kleiner als es dem Bedarf der Fabrik entspricht. In
dieser Betrachtung bleibt die Qualität der Hefe, die in ihrer Triebkraft zum Ausdruck
kommt, zunächst unberücksichtigt.
Die Lösung der Aufgabenstellung wurde entsprechend dieser Überlegungen in der
Kombination einer aeroben mit einer anaeroben Fermentation des aus Rückbrot
herstellbaren Fermentationssubstrats und der produktionsintegrierten Gewinnung,
Aufarbeitung und Verwertung der dabei anfallenden Nebenprodukte gesucht. Dafür
zeichneten sich zwei Lösungswege ab. Der eine bestand in der Möglichkeit der
Durchführung der sogenannten aeroben Gärung und der andere darin, das Substrat
in zwei Teilströme aufzuteilen und den einen zur aeroben Hefevermehrung und den
anderen zur Ethanol- und Kohlendioxidherstellung einzusetzen.
Für beide Lösungsansätze war aus den vorgenannten Überlegungen abzuleiten, daß
für eine hohe Triebkraft der Backhefe das Angebot an resorbierbarem Stickstoff im
3 ANSATZ ZUR LÖSUNG DER AUFGABENSTELLUNG 17
Substrat gegenüber dem aus dem Rückbrot vorhandenen erhöht werden muß. Dafür
bietet es sich an, entweder eine resorbierbare N-Quelle zuzufügen oder die über den
Proteingehalt des Brotes vorhandene N-Quelle resorbierbar zu machen. Für die
benötigte Backhefemenge (H27) von 5 t/d, die einem Proteingehalt von 45-55% in
der Trockenmasse aufweisen sollte, entspräche das einer Stickstoffmenge von 90-
120 kg Stickstoff/d.
Hinsichtlich der Verwirklichung eines aus aerober und anaerober Fermentation
kombinierten Verfahrens ist es zusätzlich notwendig, die Masseströme so zu lenken,
daß die in der aeroben Stufe erforderliche hohe Verdünnung des Fermentations-
substrats zur Absenkung der Zuckerkonzentration auf die für die aerobe
Fermentation zulässige Höhe möglich wird. Aus dieser Notwendigkeit ergibt es sich,
daß ein beide Fermentationen umfassendes Konzept für die aufeinander
abzustimmenden Masseströme erstellt werden muß. Dieses Konzept muß auf eine
Minimierung des Prozeßwasservolumens und seiner Fracht gerichtet werden, damit
im Verfahren kein Abwasser entsteht. Daraus ergaben sich zwei technische
Fragestellungen. Die eine bezog sich auf die Auswahl der Prozeßtechnik der
Hefevermehrung und die andere auf die produktionsintegrierte Verwertung des
Prozeßwassers über den Gesamtverfahrensablauf der Brot- und Rückbrot-
aufarbeitung.
3.1 Schritte zur Lösung der Aufgabenstellung
Die vorstehend skizzierte Lösung der Aufgabenstellung erfolgte schrittweise mit der
Zielsetzung, eine möglichst einfache und sichere Prozeßtechnik für die in den
Produktionsprozeß von Brotfabriken zu integrierende biotechnologische Aufarbeitung
und Umsetzung des Rückbrots in für die Brotherstellung direkt und indirekt
verwertbare Produkte zu entwickeln. Aus den zur Lösung der Aufgabenstellung
vorgesehenen fermentativen Prozeßschritten, die sich aus der Aufgabe der
vollständigen Verwertung des Rückbrots in einem Produktionsbetrieb ergeben,
zeichnete sich ab, daß dies Backhefe, ein milchsaures Prozeßwasser (Flüssigsauer),
3 ANSATZ ZUR LÖSUNG DER AUFGABENSTELLUNG 18
ein enzymatisch nicht verflüssigbarer Reststoff aus Proteinen und Ballaststoffen
(Proteinfraktion), Ethanol und Kohlendioxid sein würden.
Für die beispielhaft untersuchte Fabrik sind unter „Rückbrot“ verpackte, geschnittene
Brote (Schnittbrot) verschiedener Zusammensetzung, ganze unverpackte Brotlaibe,
Kleingebäck (Brötchen, Brezeln, Plunderstücke) und Kuchen zu verstehen. Dieses
Rückbrot fällt in unterschiedlichen Mengen an, so daß die aufzuarbeitende Masse
eine gewisse Schwankungsbreite in der Inhaltsstoffzusammensetzung aufweist. Das
verpackte Brot muß vor der Aufarbeitung entpackt werden, wofür ein
Aufarbeitungsschritt erforderlich ist, der hier für die Entwicklung des Verfahrens nicht
weiter untersucht wird, weil er zum Stand der Technik gehört. Er wird allerdings in die
Wirtschaftlichkeitsberechnung für das gesamte Verfahren einbezogen.
Die für die Verwertung der aus dem Rückbrot herstellbaren Produkte entscheidenden
Prozeßschritte beginnen erst nach dem Entpacken des Brots. Diese Prozeßschritte
sollen hier einleitend grob gegliedert werden, um dann anhand dieser Gliederung die
für die Entwicklung des Verfahrens erforderlichen Untersuchungen darzustellen. Die
Prozeßschritte bestehen in der
-enzymatischen Aufarbeitung des Rückbrots zu einem Brotsirup,
-Versäuerung des Brotsirups mit Milchsäurebakterien,
-Aufarbeitung des versäuerten Brotsirups zum Fermentationssubstrat,
-Verwertung des Fermentationssubstrats zur Herstellung von Backhefe-,
Ethanol-, Kohlendioxid und Flüssigsauer
-Verwertung der Backhefe als aus dem fermentierten Substrat gewonnenes
Konzentrat (Flüssighefe) zum Brotbacken,
-Verwertung der Proteinfraktion zum Brotbacken,
-Destillation des anaerob fermentierten Substrats,
-Verwertung des vom Ethanol befreiten fermentierten Substrats als Flüssigsauer
zum Brotbacken.
3 ANSATZ ZUR LÖSUNG DER AUFGABENSTELLUNG 19
Der Prozeßschritt der Destillation des anaerob fermentierten Substrats ist nur in
soweit durchgeführt worden, wie er für die Führung des Prozeßwasserstroms des
Flüssigsauers und seiner Verwertung erforderlich war. Dazu wurde ein Aliquot des
milchsauren Substrats anaerob fermentiert, aus ihm die Hefe zentrifugal
abgeschieden und danach das Ethanol durch Erwärmen des Flüssigsauers
ausgetrieben. Die Verfahrensschritte der Destillation des Ethanols und der
Verflüssigung des Kohlendioxids wurden nicht durchgeführt, weil sie zum Stand der
Technik gehören. Sie werden aber in der Wirtschaftlichkeitsberechnung auf der
Grundlage dafür bekannter Zahlen berücksichtigt.
4 MATERIAL UND METHODEN 20
4 Material und Methoden
Für die Durchführung der Entwicklung der Prozeßtechnik waren sowohl Versuche im
Labor- als auch im Technikumsmaßstab erforderlich. Einige Versuche mußten zur
Abschätzung einer Maßstabsvergrößerung auch im Pilotmaßstab durchgeführt
werden. Die Versuchsanordnungen wurden in Abhängigkeit von den jeweils erzielten
Erkenntnissen solange ergänzt und modifiziert, bis sich die Verfahrensschritte als
technisch durchführbar erwiesen. Nachfolgend werden der Entwicklung des
Verfahrens entsprechend zunächst der Aufbau und Betrieb der Anlagen zur
Aufarbeitung des Rückbrots zu Brotsirup, zur Versäuerung des Sirups, zur
Aufarbeitung des versäuerten Sirups zum Fermentationssubstrat und schließlich zur
Verwertung des versäuerten Fermentationssubstrats zur Herstellung von Flüssighefe
und Flüssigsauer beschrieben. Die Inoculi für alle nachfolgend beschriebenen
Fermentationsanlagen wurden in üblicher Weise im mikrobiologischen Labor als
Reinzucht herangeführt. Das galt sowohl für die Backhefen als auch die
Sauerteigbakterien.
Es wurden sich in der Baugröße und im Betrieb unterscheidende Anlagen aufgebaut.
Bezogen auf ihre Funktion werden diese Anlagen im folgenden als Labor-,
Technikums- und Pilotanlage bezeichnet. Die Labor- und Technikumsanlage wurden
sowohl in ihrem konstruktiven Aufbau als auch ihre Betriebsweise vielen
Veränderungen unterworfen, die hier nicht alle geschildert werden können. Es
werden deshalb nur die Bauformen beschrieben, mit denen die für die Auswahl der
Verfahrensschritte und ihre Abstimmung aufeinander wichtigsten Ergebnisse erzielt
worden sind.
4.1 Aufbau und Betrieb der Laboranlage
Die Laboranlage bestand aus einem Sirupkocher, einem Versäuerungsbehälter, zwei
Hefefermentern und zwei Lagerbehältern. Die Bereitung des Brotsirups, seine
Versäuerung und Aufarbeitung zum Fermentationssubstrat erfolgte diskontinuierlich.
4 MATERIAL UND METHODEN 21
Der Sirup wurde entweder aus getrocknetem und pulverisiertem Rückbrot
(Brotpulver) oder aus Rückbrot, wie es von der beispielhaft untersuchten Fabrik aus
dem Handel zurückgenommen wird, bereitet (vgl. 4.5). Das Brotpulver und das aus
dem Handel stammende Rückbrot, das nachfolgend als Brot bezeichnet wird,
entsprachen in ihrer Zusammensetzung über die Zeit der Durchführung der Versuche
jeweils einer Durchschnittsmischung der zuvor genannten Produkte.
Das Fermentationssubstrat wurde kontinuierlich sowohl anaerob als auch
aerob/anaerob und aerob fermentiert. In den Fermentern wurde außerdem ein
Modellsubstrat aerob und anaerob/aerob fermentiert. Das Modellsubstrat wurde aus
Glucose, Kleie und Wasser hergestellt. Es wurde nach der Versäuerung analog zum
Fermentationssubstrat aufbereitet.
4.1.1 Sirupherstellung mit der Laboranlage
Als Sirupkocher wurde ein temperierbarer Doppelmantelbehälter mit Rührwerk
eingesetzt, der ein Füllvolumen von 3,2 l besitzt. Der Sirupkocher wurde über ein
Wasserbad temperiert.
Brotpulver wurde außerhalb des Reaktors mit α-Amylase (L-840, Genencor) zu einer
Maische vermischt. Die Maische wurde in den Sirupkochbehälter gegeben. Der
Sirupkochbehälter wurde für 2 h auf eine Temperatur von 70°C erwärmt, um die
Stärke zu verflüssigen. Anschließend wurde der Sirupkochbehälter auf 60°C
abgekühlt. Bei dieser Temperatur erfolgte die Zugabe von Glucoamylase (L-300,
Genencor), um die verflüssigte Stärke zu Glucose abzubauen.
Nach einem Zeitraum von bis zu 15 h wurde die Temperatur des Brotsirups bei
einigen Versuchen auf die Reaktionstemperatur von proteolytisch wirkenden
Enzymen eingestellt. Die Reaktionszeit der verwendeten Proteasen (Corolase L10,
PN-L, 7089, 7092 und PP, Röhm, Tab. 2) betrug jeweils 16 h. Die Maische wurde vor
der Zugabe der Proteasen auf die vom Enzymhersteller angegebene
Reaktionstemperatur und den angegebenen pH-Wert eingestellt.
4 MATERIAL UND METHODEN 22
Tabelle 2: Reaktionsbedingungen für die Proteolyse von Brotsirup
Enzym1) Reaktionstemperatur
(°C)
pH-Wert Dosierung
(g/kg Protein TS)
Corolase PP 50 (50-60)2) 8,4 (8-9) 1,4 (0,1-5)
Corolase PN-L 48 (30-50) 5,0 (5-8) 2,8 (0,2-10)
Corolase 7089 50 (30-60) 7,1 (7) 1,4 (0,1-5)
Corolase L 10 55 (55-65) 6,1 (5-7) 1,4 (0,1-5)
1) Reaktionszeit betrug für alle Versuche 17 h
2) Werte in Klammern entsprechen Herstellerangaben
Nach Abschluß der enzymatischen Reaktionen wurde der Brotsirup auf 100°C
aufgeheizt, um die Enzyme zu inaktivieren. Diese Temperatur reichte zur
Inaktivierung aus, weil keine thermostabilen α-Amylasen eingesetzt wurden. Der
Einsatz solcher Amylasen verbot sich, weil der Prozeßstrom des Flüssigsauers zum
Brotbacken vorgesehen war. Eine thermostabile α-Amylase würde die Brotkrume
zerstören. Anschließend wurde der Sirup auf die Versäuerungstemperatur von 50°C
abgekühlt.
4.1.2 Versäuerung des Brotsirups und Modellsubstrats
Der Brotsirup wurde in einen verschließbaren Kunststoffbehälter gefüllt und mit einer
vorher auf Brotsirup herangezogenen Kultur mit Lactobacillus delbrueckii (L.
delbrueckii 0597, BFGKF in Detmold und Münster) beimpft. Diese als Anstellsauer
bezeichnete Kultur wurde in einem Verhältnis von 1-2 Teilen Anstellsauer zu 8-9
Teilen Brotsirup zugegeben. Der beimpfte Brotsirup wurde anschließend bei 50 °C im
Wärmeschrank für etwa 24 h inkubiert.
Das Modellsubstrat aus mühlenüblicher Weizenkleie, Glucose und Leitungswasser
wurde entsprechend versäuert. Das Modellsubstrat diente gegenüber dem Brotsirup
als idealisiertes Nährsubstrat. Es enthielt durch die Extraktion der Weizenkleie alle
für die anaerobe Fermentation von Hefe erforderlichen Nähr- und Wuchsstoffe. Das
Modellprozeßwasser wurde im Verhältnis 1:10:89 mit Glucose, Weizenkleie und
4 MATERIAL UND METHODEN 23
Leitungswasser angesetzt. Ein Aliquot das Ansatzes wurde mit L. delbrueckii
versäuert. Dieser versäuerte Teil diente als Anstellsauer für die Versäuerung des
Modellsubstrats.
Die im Brotsirup und Modellsubstrat enthaltenen groben Bestandteile wurden mit
einem Sieb mit der Maschenweite 500µm abgetrennt. Die so vorbereiteten Fluide
wurden anschließend in einer Becherzentrifuge (Varifuge3.2, Heraeus) bei 5000
UPM für 5 min zentrifugiert. Die Überstände dienten als Fermentationssubstrate und
die Rückstände wurden verworfen.
Der Glucosegehalt der Überstände wurde je nach Versuchsanordnung entweder
durch Glucosezugabe oder Verdünnung mit Leitungswasser oder Flüssigsauer für
die Fermentationen eingesetzt.
Die Versäuerung des Brotsirups und des Modellsubstrats wurde generell durch
Messung des pH-Wertes und titrimetrischer Bestimmung des Säuregrads bestimmt.
Die Säuerung wurde in ausgewählten Substraten zusätzlich durch enzymatische
Bestimmung des Milchsäuregehalts festgestellt.
4.1.3 Kontinuierliche aerobe und anaerobe Fermentation: Laborfermenter
Die Fermentationssubstrate wurden aerob in einem doppelwandigen Fermenter aus
Glas, der ein Volumen von 1,5 L besaß, fermentiert. Der Fermenter wurde wahlweise
steril und unsteril betrieben. Das Fermentationssubstrat und die
Verdünnungsflüssigkeit wurden zur Verhinderung unerwünschten
Mikroorganismenwachstums bei 50°C gelagert. Die Nährsubstrate wurden von dort
über zwei Schlauchpumpen in den Fermenter zugeführt. Dem Fermentationssubstrat
aus Brotsirup wurde für einige Versuche zusätzlich eine für das Hefewachstum
erforderliche Nährlösung (N-Quelle, Vitamine, Mineralstoffe) zugesetzt. Die
Nährlösung wurde mit dem Substrat vermischt zugegeben.
Der Fermenter wurde mittels eines Magnetrührers gerührt, die Belüftung erfolge zur
Feinverteilung der Luft über einen am Boden angebrachten Sinterstein. Der
Fermenter wurde über ein Wasserbad auf 30°C temperiert. Der pH-Wert wurde mit
4 MATERIAL UND METHODEN 24
einer im Fermenter befindlichen Elektrode gemessen und mit einem Titrator (Titrino,
Metrohm) durch Zugabe von Lauge (0,1 n NaOH) konstant gehalten. Der Ablauf aus
dem Fermenter wurde mit einer Schlauchpumpe so geregelt, daß der Füllstand
immer konstant blieb. Die Konzentration an Hefezellen im Fermenter wurde über die
pro Zeiteinheit zugegebene Glucosemenge konstant gehalten. Der Ablauf wurde
gesammelt und zur Abscheidung der Hefe mit einer Becherzentrifuge (Varifuge,
Heraeus) zentrifugiert.
Die anaerobe Fermentation erfolgte kontinuierlich in einem mit einem Rührwerk
ausgestatteten Fermenter, der mit einem Wasserbad auf 30°C temperiert wurde. Der
Fermenter hatte ein Volumen von 5 L. Das Substrat wurde aus einem auf 50°C
temperierten Zulaufbehälter mit einer Schlauchpumpe in den Fermenter gefördert.
Das fermentierte Substrat wurde aus dem Fermenter mit einer weiteren
Schlauchpumpe in einen Ablaufbehälter gefördert.
Da die Konzentration an Hefezellen in beiden Fermentern gleich groß sein sollte, die
Umsatzrate unter aeroben Bedingungen aber sehr viel größer als unter anaeroben
ist, wurden zwei Zulaufbehälter mit unterschiedlicher Glucosekonzentration
verwendet, um die Hefekonzentration in beiden Fermentern gleich zu halten. Die
Fermenter wurden kontinuierlich so betrieben, daß es während der Verweilzeit des
Substrats zum vollständigen Abbau der Glucose kam. Der Ablauf des aeroben
Fermenters wurde dann in den anaeroben Fermenter geleitet. Der Ablauf des
anaeroben Fermenters wurde in den Ablaufbehälter geleitet und auf 8°C gekühlt. Zur
Förderung der Volumenströme wurden Schlauchpumpen (Masterflex 1-100 und 6-
600, Cole-Parmer) verwendet.
4.2 Aufbau und Betrieb der Technikumsanlage
Die Technikumsanlage bestand aus dem Anlagenteil zur Bereitung und Aufarbeitung
von Brotsirup und zur Fermentation des aus dem Brotsirup gewonnenen Substrats
(Abb. 1). Die Bereitung des Brotsirups, seine Versäuerung und Aufarbeitung zum
Fermentationssubstrat erfolgte diskontinuierlich. Das Fermentationssubstrat wurde
kontinuierlich sowohl aerob als auch anaerob fermentiert. Das Anlagenteil zur
Sirupherstellung und Aufarbeitung besteht aus einem doppelwandigen Kochbehälter
mit wandschabendem Rührwerk (Volumen: 300 L, 1), der mit Wärmeträgeröl aus
4 MATERIAL UND METHODEN 25
einer Wärmeübertragungsanlage temperiert (STO 1-18-42 D2, Single) wird, einem
Fermenter mit wandschabendem Rührwerk zum Versäuern des Brotsirups (Volumen:
200 L, 2), einem Schwingsieb (600 LS 24S, Sweco, 3), einem Dekanter (CA 150,
Westfalia Separator, 5), einem Tellerseparator (NA7, Westfalia Separator, 6) und
einer Schneckenpresse (P-Spezial, Vetter, 4). Der Dekanter wurde auf der Seite des
Klarlaufs mit einer Tauchscheibe ausgestattet. Diese Scheibe wies einen
Durchmesser von 136 mm auf. Sie diente dazu, die auf der im Dekanter rotierenden
Flüssigkeit aufschwimmende Fettschicht mit in das Sediment zu drücken. Diese
Maßnahme war erforderlich, weil das Rückbrot einen relativ hohen Fettgehalt
aufweist, der nicht mit in das Fermentationssubstrat gelangen sollte. Die einzelnen
Elemente wurden mit Rohrleitungen über Pumpen verbunden. Im Bereich der
Herstellung des Fermentationssubstrats wurden Exzenterschneckenpumpen (2NE20,
Netsch) und im Bereich seiner Fermentation Schlauchpumpen (Masterflex, Cole-
Parmer) eingesetzt.
Abbildung 1: Vereinfachtes Fließschema der Technikumsanlage.
Fermentations-
substrat
Lager-
tank
Hefe
(aerob)
Hefe
(anaerob)
Flüssigsauer
Sirup-
kocher
Fermenter
Lactobacilli
Enzyme
Ethanol
Flüssighefe
Proteinfraktion
Wasse
r
Rückbrot Sieb (3)
Zentrifuge (6)
Zentrifuge (12)
Destillation (13)
Zentrifuge (9)
Flüssigsauer
Futtermittel
Luft
Kohlen-
dioxid
Dekanter (5)
Nähr-
stoffe
Schnecke
n-presse
(4)
1 2
10 11
7 8 14
4 MATERIAL UND METHODEN 26
4.2.1 Sirupherstellung und -versäuerung mit der Technikumsanlage
80kg pulverisiertes Rückbrot wurde mit 100 L Leitungswasser im Sirupkocher zu
einer Maische gemischt. Dem Leitungswasser wurde α-Amylase (Dexlo, Genencor)
zugegeben. Der Mischvorgang dauerte 1 h (Abb. 2). Danach wurde die Maische in
2 h auf 95°C erwärmt. Der pH mußte nicht eingestellt werden, weil der pH der
Maische aufgrund des Säuregehalts im Rückbrot im Wirkungsoptimum der Enzyme
lag. Außerdem brauchten keine Ca-Ionen zur Aktivierung der α-Amylase zugesetzt
werden, weil das Leitungswasser eine ausreichende Ca-Härte besaß. Nach
Erreichen der Temperatur von 95°C wurde die verflüssigte Maische in 1 h auf 60°C
gekühlt und dann mit Amyloglucosidase (Optidex L-300, Genencor) versetzt. Die
Zugabemengen an den Enzymen betrugen für die α-Amylase und für die
Amyloglucosidase je 1 ml pro kg Stärke im Brot. Die spezielle Aktivität der Enzyme
ergibt sich aus der vom Hersteller für die Produktkennzeichnung gegebenen
Spezifikationen.
Nach einer Verzuckerungszeit von 10 h wurde der Sirup zur Inaktivierung der
Enzyme auf 95°C erwärmt. Anschließend wurde der Sirup auf die für seine
Versäuerung mit L. delbrückii erforderliche Temperatur von 50°C abgekühlt. Die
Versäuerung erfolgte in der Weise, daß der Sirup in den Versäuerungsbehälter
gepumpt wurde, in dem sich noch 10% des vorangegangenen Ansatzes befanden.
Die Versäuerung dauerte 20-24 h.
Der versäuerte Sirup wurde zur Trennung von groben Bestandteilen über das
Schwingsieb (Maschenweite: 500 µm) geleitet. Der Oberlauf wurde mit der
Schneckenpresse entwässert. Das Preßwasser wurde als Prozeßwasser in den
Prozeß zurückgeführt. Der Preßrückstand wurde nach Feststellung seiner Masse und
Probenahme zur Bestimmung seiner Zusammensetzung verworfen. Der Unterlauf
wurde zur Abtrennung der in ihm suspendierten Feststoffe in zwei Stufen
zentrifugiert. Dazu wurde der Brotsirup zunächst durch den Dekanter und danach
durch die Entschlammungszentrifuge gefördert. Dadurch entstand als Oberlauf ein
teilgeklärtes Fermentationssubstrat, das in dem temperierbaren Lagerbehälter bei
50°C gelagert wurde.
4 MATERIAL UND METHODEN 27
Der Dekanter wurde bei einer Drehzahl von 6600 Upm, einer Differenzdrehzahl von
30 Upm und einem Zulauf von 300 l/h betrieben. Das Überlaufwehr wurde auf Stufe
14 eingestellt. Der Dekanter besaß eine Fettrückführscheibe im Bereich des
Klarlaufaustrags. Der Tellerseparator wurde bei 8500Upm und einem Zulauf von
300 l/h als Entschlammer betrieben. Die Entschlammung erfolgte etwa alle 4 min für
3 s. Die anfallenden Sedimente wurden in einigen Versuchen mit Leitungswasser
aufgeschlämmt und erneut zentrifugiert, um die in ihnen enthaltene Glucose zu
extrahieren.
Temperatur (° C)
TUB - GV 1371/98
Zeit (h)
02468101214
0
30
60
90
120
150
Amylase Amyloglucosidase
Abbildung 2: Temperaturverlauf bei der Bereitung des Sirups aus Rückbrot.
4.2.2 Kontinuierliche aerobe und anaerobe Fermentation: Technikumsanlage
Die aerobe und anaerobe Fermentation des Substrats bildeten die zentrale Aufgabe
in der Entwicklung des Verfahrens. Da erstrebt wurde, diese bei ausreichender
Betriebssicherheit möglichst einfach zu gestalten, erfolgte die Durchführung dieser
Aufgabenstellung durch schrittweise Anpassung der Ausführung des aeroben
Fermenters an die Mindestanforderungen für einen sicheren Betrieb. Diese
Anforderungen wurden aus den in den Entwicklungsschritten erzielten Ergebnissen
4 MATERIAL UND METHODEN 28
abgeleitet. Nachfolgend wird die Fermentationsanlage, ausgehend von ihrer
einfachsten Bauform, beschrieben.
4.2.2.1 Beschreibung der Fermentationsanlage
Die Fermentationsanlage bestand aus einem temperierbaren Vorratsbehälter für das
Fermentationssubstrat (Volumen: 200 l, 7), einem aeroben Fermenter mit
schnellaufendem Rührwerk (Volumen 70 l, 8), der über eine Sinterplatte mit einem
Kompressor (23 CM, Hydrovane Compressor) belüftet wurde, einem anaeroben
temperierbaren Fermenter mit einem langsam laufendem Rührwerk (Volumen: 200 l,
10), einem temperierbaren Zwischenlagertank für das fermentierte Substrat
(Volumen: 200 l, 11), den Fermentern zugeordnete Tellerseparatoren (NA7, Westfalia
Separator, 9, 12), einer Abdampfanlage (Centri Therm CT 1 B, Alfa Laval, 13) sowie
einem temperierbaren Lagertank für den Flüssigsauer (Volumen: 200 l, 14).
4.2.2.2 Beschreibung des kontinuierlichen Fermenters
Der kontinuierliche Fermenter und seine Steuerung wurden speziell für diesen
Anwendungszweck ausgelegt und konstruiert. Der Fermenter bestand aus einem
doppelwandigen Behälter aus Edelstahl mit einem Füllvolumen von 60l. Die
Innenmaße des Rohrs betrugen D = 250 mm und H = 1250 mm. Der Fermenter
wurde mit einem Rührwerk ausgestattet, welches drei Scheibenrührer mit einem
Durchmesser von 100 mm aufwies. Die maximale Drehzahl des Rührers betrug
700 Upm. Am Rand der Innenwandungen wurden vier Strömungsbrecher
angebracht. Zur Dosierung des Substrats, der Nährlösung und von Lauge wurden
drei Anschlußstutzen in der Deckelplatte angebracht . Ein weiterer Stutzen wurde in
die Deckelplatte eingebaut, um die Abluft über ein abschraubbares Abluftfilter
abführen zu können. Die Zuluft wurde mit einem Wälzkolbengebläse (RV 12H16G,
Bauknecht) über einen Sterilluftfilter (360019P, Satorius) von unten über eine
Edelstahl-Sinterplatte (Porengröße 30µm) in den Fermenter geleitet.
Die in die Bodenplatte über einen Rohrstutzen eingebaute Sinterplatte war nach
unten abgedichtet. Sie befand sich etwa 150mm über der Bodenplatte. Der Abstand
wurde gewählt, damit die in der Bodenplatte befindlichen Meßsensoren,
4 MATERIAL UND METHODEN 29
insbesondere der Sensor für die Sauerstoffmessung, nicht durch den Kontakt mit den
aufsteigenden Luftblasen in ihrer Funktion beeinträchtigt wurden. Der Ablauf des
fermentierten Substrats erfolgte über einen Stutzen in der Bodenplatte.
Die ablaufende Flüssigkeit wurde mit einer frequenzgeregelten Membranpumpe
(ML75, Jesco) in einen Labordekanter (MDZ 003, Lemitec) gefördert. In diesem
wurde die Hefe von der Fermentationsbrühe abgetrennt und gelangte über den
Auswurfschacht in ein Sammelgefäß. Der Klarlauf floß in ein Puffergefäß (Volumen
2 l) ab, von dem es entweder über eine für den Rücklauf vorgesehene
Schlauchpumpe zurück in den Fermenter gefördert wurde oder über eine für den
Klarlauf bestimmte Schlauchpumpe in ein Sammelgefäß gefördert wurde. Zwischen
Ablaufstutzen und Membranpumpe befand sich in der Rohrleitung ein Sensor zur
Trübungsmessung (CSB, Monitec) und ein pH-Sensor (pH 2100, Ingold).
In die Bodenplatte des Fermenters war ein Sensor zur Messung des gelösten
Sauerstoffs (S 1131 Oxiferm, Yokogawa) und ein Sensor zur Messung des Ethanols
eingebaut. Beide Sensoren ragten in den Fermenter hinein. Der Fermenter war auf
einer Grundplatte befestigt, unter der sich eine Wiegezelle (Dosimat E, Schenk)
befand, die auf einem den Fermenter umschließenden Traggerüst lagerte. Im oberen
Teil des Traggerüsts befanden sich Stützrollen aus Teflon, die den Fermenter in
horizontaler Richtung führten und so die Funktion der Wiegezelle gewährleisteten.
Der Fermenter wurde durch Umpumpen von Wasser aus einem Wasserbad durch
den Doppelmantel temperiert.
Die den Meßsensoren jeweils zugehörigen Meßumwandler gaben ein Signal (4-
20mA) an einen Modulträger (ME137, Meilhaus Electronic). Die auf den Modulträger
eingesteckten Module dienten der galvanischen Entkopplung des Meßsignals. Die
Module gaben ein Signal (0-5V) an eine Meßkarte (ME300, Meilhaus Electronic),
welche die eingehenden analogen Signale in digitale umwandelte und an einen
Prozeßrechner (Betriebssystem: Windows 95, Prozessor: Pentium 133 mHz,
Teamhaus) weitergaben (Dateninput). Die Signale wurden mit einer speziellen
Software (HP VEE x.0; Hewlett Packard) zur Regelung der Fermentation verwertet.
Dabei erfolgte der Datenoutput entweder über den Modulträger oder eine optisch
entkoppelte Relaiskarte (ME 131, Meilhaus Electronic).
4 MATERIAL UND METHODEN 30
Das Meßprinzip für die Messung des pH-Wertes des fermentierenden Substrats und
die des Gewichts des befüllten Fermenters mit einer Wiegezelle erfolgte durch
elektronische Meßwertaufnahme. Die Trübung des Substrats wurde über die
Auslöschung des Lichts einer Glühlampe mit einer Photozelle bestimmt. Die
Glühlampe und die Photozelle waren in zwei sich gegenüberliegenden Glaszylindern
angeordnet. Der Spalt zwischen den Glaszylindern bildete den Meßweg, über den
die optische Dichte des Substrats gemessen wurde.
Die Ethanolmessung erfolgte in einem sogenannten CH-Meßmodul. Das Meßmodul
hat über eine semipermeable Sondenmembran Kontakt zum Substrat, das die
flüchtige Kohlenwasserstoffverbindung (CH), in diesem Fall das Ethanol, enthält. Das
Ethanol diffundiert aus dem Substrat über eine Membran in einen Luftstrom aus
synthetischer Luft. Das Ethanol bewirkt an dem im Meßmodul enthaltenen Sensor
eine zu seiner Konzentration (FMG Mini 3.06, Biotechnologie Kempe) proportionale
Widerstandsänderung, die gemessen wird.
Die Sauerstoffmessung erfolgte mit einer Clark-Elektrode im Substrat (SM 31
Yokogawa).
4.2.2.3 Kontinuierlicher Betrieb des aeroben und anaeroben Fermenters
Die Einzelleistungen der Fermenter richteten sich nach den Teilungsverhältnissen
zwischen aerober und anaerober Fermentation. Darüber wurde auch die
Nährstoffversorgung bestimmt, hauptsächlich die mit resorbierbaren stickstoffhaltigen
Substanzen. Daraus ergab sich die Ausbeute an Backhefe und Ethanol sowie das
Volumen für den Flüssigsauer.
Die Abtrennung der Hefe erfolgte anfänglich mit dem im Fließbild eingezeichneten
Tellerseparator. In späteren Versuchen wurde die Hefe mit Hilfe eines
Labordekanters abgetrennt (vgl. 4.2.2.2). Der hefefreie Klarlauf des Separators
wurde in die Abdampfanlage geleitet, um das Ethanol abzudampfen. Der beim
Abdampfen als Sumpf anfallende milchsäurehaltige Flüssigsauer wurde zur
4 MATERIAL UND METHODEN 31
Verdünnung des Zulaufs des aeroben Fermenters verwendet. Außerdem wurde der
Flüssigsauer als Schüttwasser eingesetzt.
Es wurde angestrebt, die Hefekonzentration im aeroben Fermenter konstant zu
halten. Bezogen auf die Trockenmasse der Backhefe sollte die Hefekonzentration im
Bereich von 15-25 g HTS/kg fermentierendes Substrat liegen. Der Volumenstrom für
die Glucosezugabe wurde so eingestellt, daß die Glucosekonzentration in einem
Bereich von 0,5-1,0 g Glucose/kg Substrat lag. Der pH-Wert wurde durch
kontinuierliche Zugabe von Natronlauge aufrecht erhalten. Die dadurch ein-
gebrachten Na-Ionen wurden durch die Verwendung von Ammoniumchlorid als
Stickstoffquelle abgefangen. Das diente dazu, um im Flüssigsauer nur Natriumchlorid
entstehen zu lassen, das bei der Teigherstellung wichtiger Rezepturbestandteil ist.
Die Verdünnung des Zulaufs des Fermenters erfolgte durch Rückführung des
Klarlaufs aus der Abscheidung der Backhefe. Die Steuerung der Fermentation
geschah durch manuelle Einstellung der Pumpleistung über die im Ablauf des
Fermenters in regelmäßigen Abständen durch Auszählen bestimmte Konzentration
an Hefezellen. Die Überwachung der Reinheit der Hefekultur erfolgte durch
Probenahme aus dem Fermenter in regelmäßigen Abständen und Anzüchtung der
Hefezellen auf speziellen Nährböden.
Die aus dem Ablauf des aeroben Fermenters über die Zentrifuge konzentrierte Hefe
wurde hinsichtlich ihrer Triebkraft charakterisiert und für Backversuche sowie für die
anaerobe Fermentation eingesetzt. Der für die anaerobe Fermentation vorgesehene
Teilstrom des Fermentationssubstrats wurde in den anaeroben Fermenter gepumpt.
Der Teilstrom bestand bei diesen Versuchen aus dem von der Proteinfraktion
befreiten verdünnten Brotsirup. Der Ablauf aus dem anaeroben Fermenter wurde in
einen Vorratstank gefördert. Der Inhalt dieses Tanks wurde einmal täglich
aufgearbeitet. Dazu wurde zunächst die Hefe abgeschieden und dann das Ethanol
abgedampft. Der verbleibende Flüssigsauer wurde in einem weiteren Vorratstank bis
zum Verbrauch gelagert. Die Hefe wurde für die anaerobe Fermentation
weiterverwendet.
4 MATERIAL UND METHODEN 32
4.2.2.4 Optimierung des Betriebs des kontinuierlichen Fermenters
Für den Betrieb des kontinuierlichen Fermenters wurden drei Regelkreise zur
Regelung des Prozesses eingerichtet. Einer diente der Regelung des pH-Wertes, ein
zweiter der Regelung des Füllstands und ein dritter der Regelung der
Hefekonzentration.
Die Regelung des pH-Werts wurde durch Zugabe von Lauge vorgenommen. Das
geschah, wenn der Soll-pH-Wert, der auf 3,8 festgelegt war, unterschritten wurde
solange, bis der obere Soll-pH-Wert von 4,2 überschritten wurde. Die Zugabe
erfolgte über die Schaltung der die Lauge fördernden Schlauchpumpe.
Die Regelung des Füllstands erfolgte durch Zugabe von Klarlauf. Dieser wurde dem
Puffergefäß entnommen, das dem Labordekanter nachgeschaltet war. Dazu wurde
nach Unterschreiten des Sollgewichts des Fermenters aus dem Puffergefäß durch
Zuschalten einer Schlauchpumpe solange Klarlauf gefördert, bis das Sollgewicht
überschritten wurde.
Die Regelung der Hefezellkonzentration wurde über die Variation des
Ablaufvolumenstroms vorgenommen. Bezogen auf die Trockenmasse der Backhefe
sollte die Hefekonzentration im Bereich von 15-25 g HTS/kg fermentiertes Substrat
liegen. Dieser Konzentrationsbereich wurde als Vorgabe für die zur technischen
Umsetzung des Verfahrens zu treffenden Überlegungen im Hinblick auf die
erforderlich stabile und sichere Betriebsweise des Fermenters und den Volumen-
anfall des Flüssigsauers gewählt. Dazu wurde proportional zur Trübung des
Substrats der Ablaufvolumenstrom über die frequenzgeregelte Membranpumpe
verändert.
Die Konzentration an Sauerstoff und Ethanol wurden zwar kontinuierlich gemessen,
die Meßwerte wurden aber nicht in einen elektronisch gestützten Regelungsprozeß
eingefügt. Sie dienten lediglich der Überwachung der Fermentation.
4 MATERIAL UND METHODEN 33
4.3 Aufbau und Betrieb der Pilotanlage
Die mit der Technikumsanlage erzielten Ergebnisse mußten zur Schaffung der
Möglichkeit einer Umsetzung der Erkenntnisse auf den betrieblichen Maßstab der
beispielhaft untersuchten Fabrik zunächst auf einen Pilotmaßstab übertragen
werden. Diesbezüglich bildete vor allem die für die backtechnischen Versuche
erforderliche Hefemenge einheitlicher Qualität eine unabdingbare Voraussetzung.
Diesbezüglich war es unerheblich, ob Backhefe aus dem Brotsirup kontinuierlich oder
diskontinuierlich hergestellt wurde. Die Maßstabsvergrößerung des Fermenters
gegenüber dem Fermenter der Technikumsanlage mußte im Bereich eines Faktors
von 10-100 erfolgen.
Da sich im Verlauf der Durchführung der Untersuchungen herausstellte, daß der
Schritt zur Maßstabsvergrößerung, der den Bau und die Inbetriebnahme des
Fermenters in der Brotfabrik vorsah, für den erstrebten Erkenntnisgewinn zu
kostspielig sein würde, wurde entschieden, die Piloteinrichtungen einer Hefefabrik für
die Pilotversuche zu nutzen. Diesbezüglich war die Fa. Agrano, Riegel, bereit, ihre
Piloteinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Die Fa. Agrano stellt sogenannte
biologische Backhefe aus Weizenmehl her, das aus biologischem Anbau stammt.
Das Weizenmehl ist zwar wie das Rückbrot ein stärkehaltiger Rohstoff, seine
Aufarbeitung erfolgt bei der Fa. Agrano jedoch in einem für die Rückbrotaufarbeitung
nicht geeigneten System.
Es erwies sich hinsichtlich der Rückbrotaufarbeitung als vorteilhaft, daß die
Sirupherstellung mit der beschriebenen Technikumsanlage so groß dimensioniert
war, daß mit ihr Fermentationssubstrat im für die Maßstabsvergrößerung
erforderlichen Umfang bereit gestellt werden konnte. Dazu wurde dieser Teil der
Technikumsanlage vom Technikum des Instituts in die Hefefabrik der Fa. Agrano
verlagert. Die Brotsirupherstellung wurde gemäß der Beschreibung nach 4.1.1 bzw.
4.2.1 sowohl mit Brot als auch mit Brotpulver und Teigen aus der Brotfabrik
vorgenommen.
Da die Pilotversuche bei der Fa. Agrano nur im Zulaufverfahren betrieben werden
konnten, war es nicht möglich, Backhefe kontinuierlich herzustellen. Diese
Einschränkung in der Versuchsdurchführung konnte toleriert werden, weil es lediglich
4 MATERIAL UND METHODEN 34
darum ging, Hefe einheitlicher Qualitätsmerkmale für die industriellen Backversuche
zur Verfügung zu stellen. Die Fragestellung bezüglich der Verwendung der anderen
Produkte (Proteinfraktion, Flüssigsauer) aus der Rückbrotverwertung konnten mit der
Technikumsanlage beantwortet werden.
4.3.1 Beschreibung der Fermentationsanlage: Pilotanlage
Die Versuchsanlage der Fa. Agrano besteht aus zwei Fermentern R1 (50l) und R2
(3000l) und einem Vorlagebehälter V2 (800l), der im unteren Teil einen
Propellerrührer aufweist. Beide Fermenter sind mit Scheibenrührern ausgestattet und
werden mit einem mit Bohrungen versehenen Ring belüftet. Im unteren Teil der
Fermenter befinden sich jeweils vier Anschlüsse, an denen sich jeweils ein
Probenahmehahn, ein Temperaturfühler sowie eine pH Elektrode befinden. Am R2
wurde zusätzlich eine Ethanolmeßsonde und eine Sauerstoffmeßsonde eingebaut.
Es handelte sich dabei um die im kontinuierlichen Fermenter der Technikumsanlage
verwendeten Meßeinrichtungen.
Die Fermenter werden über eine Steuereinheit bedient. Die Regelung des pH-Werts
erfolgt mittels eines PC mit eingebauten Meßkarten. Der Substratzulauf für den R1
wurde anhand eines errechneten Zulaufschemas mit einer Schlauchpumpe
durchgeführt. Der Substratzulauf für den R2 erfolgte in der mehrstündigen Startphase
mit einer Schlauchpumpe aus einem auf einer Waage stehenden Vorlagegefäß.
Nach der Startphase wurde der Zulauf gemäß einer im Steuerungs-PC
vorgegebenen Zulaufkurve über den Volumenstrom eines in der Transferleitung
zwischen V2 und R2 eingebauten Durchflußmesser automatisch eingestellt. Die
Substratüberführung durch die Transferleitung erfolgte durch Erzeugung von
Überdruck im V2 über ein steuerbares Absperrventil.
4.3.2 Betrieb des Fermenters: Pilotanlage
Der Fermenter R2 wurde im Zulaufverfahren steril betrieben. Vor Beginn der
Fermentation wurde eine gewisse Menge Wasser (700-1000l) vorgelegt. Das
Zulaufschema wurde zunächst rechnerisch aus der Menge an Inokulum, der
Glucosekonzentration des Substrats, der bekannten stündlichen Zuwachsrate an
Backhefe, der maximalen Fermenterfüllung und der Fermentationszeit ermittelt. Das
4 MATERIAL UND METHODEN 35
rechnerische Zulaufschema wurde anhand der aktuellen Prozeßmeßwerte
angepasst. Die aus den Technikumsversuchen bekannten Zugabemengen an
Nährsalzen wurden entsprechend der zu erwartenden Backhefemenge berechnet.
Die Zugabemengen wurden gemäß den Versuchsergebnissen optimiert. Die
Nährsalze wurden in Wasser aufgelöst und im Fermenter und im Substratlagertank
vorgelegt.
Die Fermentationen erfolgten bei 30°C, einem pH-Wert von 5-6 und einer
Rührerdrehzahl von etwa 100-250. Die Sauerstoffsättigung wurde durch die
Luftzufuhr und Rührerdrehzahl auf mindestens 25% eingestellt. Der Ethanolgehalt
des fermentierenden Substrats wurde durch Anpassung des Zulaufs des
Fermentationssubstrats auf maximal 0,5Vol% eingestellt.
Nach Abschluß der Fermentation wurde der Fermenterinhalt auf etwa 12°C gekühlt
und zentrifugiert (vgl. 4.2.1). Der Zulaufvolumenstrom zur Zentrifuge betrug 900l/h.
Der dabei anfallende Hefeschlamm bildete die Flüssighefe. Sie wurde nicht weiter
aufgereinigt, wie das bei der Herstellung handelsüblicher Backhefe der Fall ist.
4.4 Backversuche
Mit den bei der Rückbrotaufarbeitung anfallenden Produkten Flüssigbackhefe sowie
der daraus hergestellten Resthefe, dem Flüssigsauer und der Proteinfraktion wurden
Backversuche sowohl in der Institutsbäckerei als auch der Brotfabrik durchgeführt.
Die Flüssigbackhefe, der Flüssigsauer und die Proteinfraktion für die Backversuche
in der Institutsbäckerei und der Brotfabrik stammten sowohl aus der
Technikumsanlage als auch der Pilotanlage. Die Backversuche wurden bezüglich der
zu vergleichenden Kriterien in Anlehnung an das DLG-Prüfschema (22) ausgewertet.
Außerdem wurde für einzelne Versuche die Frischhaltung mit einem Penetrometer
und einem Konsistometer nach standardisierten Methoden bestimmt (vgl.4.5).
4.4.1 Backversuche in der Institutsbäckerei
In der Institutsbäckerei wurden Standard-Kastenbackversuche (23) mit
Flüssigbackhefe von der Technikums- und der Pilotanlage in einem Etagenbackofen
(Infra, Wachtel) durchgeführt. Dazu wurde Weizenmehl (Type 550) verwendet. In der
4 MATERIAL UND METHODEN 36
Institutsbäckerei wurden außerdem Standardbackversuche für freigeschobene
Roggenmischbrote (60% Roggenmehl der Type 1150 und 40% Weizenmehl der Type
550) mit dem Flüssigsauer und/oder der Proteinfraktion aus der Technikumsanlage
durchgeführt. Abweichend von den Standardbackversuchen wurde für die
Teigherstellung ein Spiralkneter (SP40D, Diosna) verwendet. Die Versuchsteige
hatten deshalb eine Größe zwischen 10-15 kg. Die Größe der Teige wurde gewählt,
um die Auswertung der Ergebnisse im Vergleich zu den Industriebackversuchen auf
eine sichere Grundlage zu stellen.
4.4.2 Backversuche in der Brotfabrik
In der Brotfabrik wurden mit der Rezeptur für das quantitativ wichtigste Brot
freigeschobenes Weizenmischbrot (70% Weizenmehl der Type 550, 30%
Roggenmehl der Type 997) unter Zugabe von Flüssigbackhefe, Flüssigsauer und
Proteinprodukt Backversuche im Vergleich zur Produktionsrezeptur für dieses
Produkt gemacht. Die Flüssigbackhefe und die Proteinprodukte stammten sowohl
aus den Versuchen mit der Technikums- als auch der Pilotanlage. Der Flüssigsauer
für diese Backversuche wurde nur mit der Technikumsanlage hergestellt.
Die Chargengröße der Teige betrug 240 kg. Die Zugabe der Flüssighefe, des
Flüssigsauers und der Proteinfraktion wurde von Hand vorgenommen. Die Zugabe
von Flüssighefe und des Flüssigsauers geschah im Austausch zur üblicherweise
verwendeten Backhefe bzw. des Teigsäuerungsmittels. Dazu erfolgte eine auf die
Triebkraft der Flüssigbackhefe, bzw. den Säuregrad des Teigsäuerungsmittels
bezogene Umstellung der Rezeptur, von der insbesondere die Schüttwassermenge
betroffen war. Gleiches galt für die Verwendung der Proteinfraktion.
Die Backversuche wurden auf den Produktionsanlagen der Brotfabrik durchgeführt,
die Leistungen von 1.500-2.500 Brotlaiben/h von 1 kg Gewicht haben. Die
Auswertung der Backversuche wurde nach betriebsüblichen Kriterien und in
entsprechender Weise vorgenommen. Die Beurteilung schloß neben der
Bestimmung der Volumenausbeute eine sensorische Bewertung der Brote ein.
4 MATERIAL UND METHODEN 37
4.5 Aufbereitung des Rohstoffs
Als Rohstoff für die Brotsirupbereitung dienten Brotpulver bzw. Rückbrot (vgl. 4.1.)
und Teige. Das Brotpulver stammte aus einer Futtermittelfabrik, welche das Rückbrot
der Brotfabrik zu einem Futtermittel verarbeitet. Dazu wird das aus dem Handel
zurückkommende Brot in seiner jeweiligen Verpackung grob vorzerkleinert. Dadurch
kann das Verpackungsmaterial anschließend durch Absaugen weitestgehend
vollständig vom Brot getrennt werden. Das abgetrennte Brot wird in einem
Trommeltrockner auf einen Restwassergehalt von <10% getrocknet. Die
getrockneten Partikel werden anschließend durch Prallzerkleinerung zu einem Pulver
mit einer Partikelgrößenverteilung von 100-1.000 µm zerkleinert.
Rückbrot und Teige wurden zur Aufbereitung von der Brotfabrik sowohl zum Institut
als auch zur Fa. Agrano geliefert. Dort wurde das Rückbrot, soweit erforderlich,
zunächst von Hand entpackt. Danach wurde das Brot entweder mit einem Kutter
(Krämer & Gräbe) oder mit einem Schneidewerkzeug (Comitrol 1700, Urschel) unter
Zugabe von Wasser zu einer Maische aufgearbeitet. Bei Verwendung des
Schneidewerkzeugs zur Herstellung der Maische wurde das Brot zuvor mit einem
Brotschredder (Rotomat 1000, Hommel) vorzerkleinert. Die Teige wurden direkt
eingemaischt.
4.6. Backhefen und Milchsäurebakterien
Die Versäuerung des Brotsirups wurde mit Lactobacillus delbrueckii vorgenommen.
Dazu wurde eine Reinkultur aus der Sammlung der BFGKF in Detmold und Münster
mit Kennzeichnung 0597 eingesetzt. Diese Reinkultur wurde für die jeweiligen
Versuche in der Laborreinzucht des Instituts herangezogen.
Für einige Fermentationsversuche in der Pilotanlage wurde eine hier nicht weiter zu
spezifierende Mischkultur verwendet, die aus einer Backhefe und
Milchsäurebakterien bestand. Diese Mischkultur wird üblicherweise von der Fa.
Agrano für ihre Backhefeherstellung eingesetzt.
Es wurden drei verschiedene Stämme Saccharomyces cerevisiae aus der
institutseigenen Stammsammlung für die Fermentationsversuche in den drei Anlagen
4 MATERIAL UND METHODEN 38
verwendet. Die Hefestämme tragen die Bezeichnungen H24, H201 und H202. Sie
zeichnen sich durch eine hohe Triebkraft und Vermehrungsfähigkeit aus. Einige
Fermentationsversuche wurden mit handelsüblicher Preßhefe (Lesaffre)
durchgeführt, die sich ebenfalls durch eine hohe Triebkraft und Vermehrungsfähigkeit
auszeichnet. Die Hefestämme H24, H201 und H202 wurden für die
Fermentationsversuche in den Anlagen über die Laborreinzuchten des Instituts und
der Fa. Agrano herangezogen.
4.7 Analysenmethoden
Der Rohstoff wurde mit bekannten standardisierten Methoden analytisch
charakterisiert. Die Auswertung der mit den Anlagen durchgeführten Versuche
erforderte z.T. den Einsatz analytischer Methoden, die überwiegend auf die
Charakterisierung der hergestellten Stoffströme und Produkte gerichtet war.
4.7.1 Bestimmung der Zellzahl
Die Zellzahl wurde durch Zählen der Hefezellen in einer Thomakammer mit einer
Tiefe von 0,1 mm bestimmt. Die Zählung wurde mindestens einmal mit einer neu
gefüllten Kammer wiederholt (24). Aus der Zellzahl wurde die Konzentration der Hefe
in g Hefe/l Flüssigkeit (Fermentationssubstrat, Ablaufvolumenströme, Flüssighefe)
nach Bronn (25) berechnet. Diese Vorgehensweise zur Bestimmung der
Hefekonzentration war erforderlich, weil das Fermentationssubstrat aus Brotsirup
anders als bei der Herstellung von Backhefe mit Melasse nur teilgeklärt wurde.
Deshalb konnte die Trockenmasse (HTS) der Hefe nicht direkt bestimmt werden.
4.7.2 Nachweis von Fremdhefen
Der Nachweis von Fremdhefen erfolgte durch gleichzeitiges Ausstreichen
verschiedener Verdünnungsstufen der Probe auf Lysin-Agar- und Pantothenat-Agar-
Platten. Saccharomyces-Fremdhefen wachsen nur auf Pantothenat-Agar, während
Nicht-Saccharomyces-Fremdhefen sowohl auf Pantothenat-Agar als auch auf Lysin-
Agar wachsen. Die Ansätze wurden 2-4 Tage bei 28°C bebrütet (26).
4 MATERIAL UND METHODEN 39
4.7.3 Nachweis von Bakterien
Der Nachweis von Bakterien im fermentierenden, bzw. fermentierten Substrat
erfolgte durch Ausstreichen und 48-stündige Bebrütung verschiedener
Verdünnungsstufen auf MRS-Agar-Platten mit einem Zusatz von Actidion zur
Unterdrückung des Hefewachstums.
4.7.4 Bestimmung des α-Amino-Stickstoffes
Für die Bestimmung des α-Amino-Stickstoffes wurde die Ninhydrinmethode
verwendet (27). Ninhydrin ergibt mit dem Ammoniak aus desaminierten Aminosäuren
eine blauviolette Färbung, die photometrisch bestimmt werden kann.
4.7.5 Bestimmung des Proteingehalts
Der Proteingehalt wurde nach der Kjeldahl-Methode gemäß AACC-Standard 46-13
bestimmt (28).
4.7.6 Bestimmung des Stärke- und des Glucosegehalts
Der Stärkegehalt wurde enzymatisch gemäß ICC Standard Nr. 128 bestimmt. Dabei
wurde in Abwandlung der ICC-Standard-Methode die gebildete Glucose nicht mit der
GOD-Methode, sondern mit Hexokinase und Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase
über NADPH als Meßgröße bestimmt (29, 30). Der Glucosegehalt des Brotsirups
wurde entsprechend bestimmt.
4.7.7 Bestimmung des Gehalts an unlöslichen und löslichen Ballaststoffen
Der Gehalt an unlöslichen und löslichen Ballaststoffen wurde nach der modifizierten
AOAC-Methode enzymatisch-gravimetrisch bestimmt (31).
4 MATERIAL UND METHODEN 40
4.7.8 Bestimmung des Mineralstoffgehalts
Der Mineralstoffgehalt wurde gemäß dem ICC-Standard Nr. 104 (32) bestimmt.
Dabei wird nach Veraschen des Probenmaterials bei 900°C im Muffelofen der
Glührückstand gravimetrisch bestimmt und als Aschegehalt angegeben.
4.7.9 Bestimmung des Rohfettgehalts
Der Rohfettgehalt wurde nach Weibull-Stoldt (33) bestimmt. Nach dem
Säureaufschluß der Proben wurde das mit Hexan extrahierbare Rohfett bei 105°C im
Trockenschrank getrocknet und anschließend gravimetrisch bestimmt.
4.7.10 Bestimmung des Wassergehalts
Der Wassergehalt wurde für alle Glucose enthaltenden Proben mit der Karl-Fischer-
Methode bestimmt. Dazu wurde die amperometrische Jodtitration auf einen
methanolischen Extrakt des Probenmaterials angewendet (34). Der Wassergehalt
aller anderen Proben wurde mit der Trockenschrankmethode (ICC-Standard
Nr. 110/1) (35) bestimmt.
4.7.11 Bestimmung des Gehalts an Ethanol, Milchsäure sowie Saccharose
Die Gehalte an Ethanol, Milchsäure sowie Saccharose wurden enzymatisch über
NADPH als Meßgröße erfaßt (36, 37, 38).
4.7.12 Bestimmung des Gehalts an Kochsalz
Der Gehalt an Kochsalz wurde mit der Methode nach Votocek und Mohr bestimmt
(39). Dabei wurden die Chloridionen mit Silbernitratlösung unter Verwendung von
Kaliumchromat als Indikator tritriert.
4.7.13 Bestimmung der Frischhaltung
Die Messung der Frischhaltung erfolgte mit einem Penetrometer (Sommer & Runge;
Belastung: 400 g, Einwirkzeit: 10 s, Meßkörper: Kalotte) (40). Die Messung der
4 MATERIAL UND METHODEN 41
Konsistenz erfolgte mit einem Konsistometer (Haake; Belastung: 6000 g, Meßpunkt:
8, Meßkörper: C, Meßstrecke: 20 mm, Kapillare: 5,0 mm) (41).
4.7.14 Bestimmung der Triebkraft der Backhefe
Die Triebkraft der Backhefe wurde mit einer eigens dafür entwickelten Methode
bestimmt. Dazu wird in einer Kneteinrichtung (Farinograf, Brabender) ein Teig aus
Weizenmehl, Wasser, Salz und Hefe bereitet. Ein gewogenes Aliquot dieses Teiges
wird in eine Meßvorrichtung gegeben, die aus einem skalischen Meßbecher
(Höhe x Durchmesser = 12cm x 5cm) besteht. Die durch die Gasbildungs-
geschwindigkeit hervorgerufene Volumenausdehnung des Teiges in der Zeiteinheit ist
das Maß für die Triebkraft.
Die Volumenausdehnung des Teiges wurde nach einer Zeit von 60 min an der Skala
abgelesen. Der sich mit den Flüssigbackhefeproben ergebende Meßwert wurde in
Relation zu dem Meßwert gesetzt, der sich unter den gleichen Versuchsbedingungen
für einen mit einer kommerziellen Backhefe ergab. Versuchsbedingungen für diesen
Vergleich war die Einstellung einer gleichen Hefezellzahl in den Teigen.
4.7.15 Bestimmung der Gehalte Biotin, Pantothensäure, Thiamin und m-Inosit
Die Bestimmung des Gehalts an Biotin, Pantothensäure, Thiamin und m-Inosit
erfolgte nach mikrobiologischen Verfahren, die in der Veröffentlichung (42)
beschrieben sind.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 42
5. Ergebnisse und Diskussion
Nachfolgend werden die im Verlaufe der Durchführung des Vorhabens erzielten
Ergebnisse im einzelnen dargestellt. Die Darstellung erfolgt jedoch nicht
ausschließlich nach dem chronologischen Ablauf der Versuche, sondern nach den
aufzuzeigenden verfahrenstechnischen Zusammenhängen, um Übersichtlichkeit in
die Entwicklung der einzelnen Verfahrensschritte und die aus ihnen für das
Gesamtverfahren gezogenen Schlußfolgerungen zu bringen. Außerdem werden im
Interesse der Übersichtlichkeit der Darstellung des erreichten Entwicklungsstandes
nur Ergebnisse präsentiert, aus denen diese Schlußfolgerungen gezogen werden
konnten. Daraus resultiert hinsichtlich der Beschreibung der Teilschritte der
Entwicklung eine Konzentrierung auf die Lösung des jeweiligen Aufgabenteils.
Versuche, die zwar zur Erreichung der Teillösung auch durchgeführt werden mußten,
deren Ergebnisse dafür aber nicht ausschlaggebend waren, werden nur insoweit
erwähnt, wie das für die Vollständigkeit der Darstellung notwendig ist. Entsprechend
dieser Vorgehensweise werden die Ergebnisse in vier Unterkapiteln abgehandelt und
diskutiert. Diese Unterkapitel beziehen sich auf die
- Herstellung des Fermentationssubstrats aus Rückbrot,
- Verwendung des Fermentationssubstrats zur aeroben und anaeroben
Fermentation,
- Verwendung der Produkte aus der Rückbrotaufarbeitung und
- Betrachtung zur Umsetzung und Wirtschaftlichkeit des Verfahrens.
5.1 Herstellung des Fermentationssubstrats aus Rückbrot
Da für die Herstellung des Fermentationssubstrats sowohl Brotpulver als auch
Rückbrot eingesetzt wurde, bzw. auch für eine mögliche Umsetzung des Verfahrens
in den technischen Maßstab in entsprechender Weise verwendet werden kann, war
es zunächst erforderlich, die durchschnittliche Zusammensetzung und die
enzymatische Abbaubarkeit beider Rohstoffe zu untersuchen.
Hinsichtlich der Verwendung des Brotpulvers als Rohstoff ist darauf zu verweisen,
daß diese für die Entwicklung des Verfahrens deshalb erfolgte, weil es in einer für
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 43
den zeitlichen Ablauf der Versuche ausreichend großer Quantität in einheitlicher und
durchschnittlicher Zusammensetzung aus dem zitierten Prozeß der
Futtermittelherstellung (vgl. 1.1) zur Verfügung gestellt werden konnte. Dieser aus
der Futtermittelfabrik stammende Rohstoff wurde im Gegensatz zu dem aus dem
Handel genommenen Rückbrot aus hygienischen Gründen als kritisch angesehen.
Das Brotpulver wurde deshalb zum Ausschluß hygienischer Bedenklichkeit einer
mikrobiologischen Untersuchung unterzogen, weil mit der vorgesehenen
Verwendung der bei der verfahrensgemäßen Verarbeitung des Rohstoffs anfallenden
Produkte zu verkostende Brote gebacken wurden.
Bezüglich der Entwicklung des Verfahrens war außerdem zu prüfen, wie und in
welcher Form der Rohstoff in den Verfahrensablauf eingeschleust werden sollte.
Diesbezüglich ist es unabdingbar, daß er entpackt und zerkleinert wird, um ihn zum
enzymatischen Abbau einmaischen zu können. Hinsichtlich des enzymatischen
Abbaus muß gewährleistet werden, daß die Enzyme das Substrat durchdringen
können. Diesbezüglich ist eine Zerkleinerung des Rohstoffs zur
Oberflächenvergrößerung vorteilhaft. Dafür eignet sich die Trocknung des Rückbrots
besonders, weil das getrocknete, stückige Rückbrot durch Prallzerkleinerung in ein
feines Pulver vermahlen werden kann. Ein entsprechendes Pulver bietet den
weiteren Vorteil, längerfristig lagerfähig zu sein. Diesen Vorteil besitzt ungetrocknetes
Rückbrot nicht. Es ist aufgrund seines Wassergehalts (aW >80%) leicht verderblich,
vornehmlich durch Schimmelpilzwachstum.
Die Lagerfähigkeit von Brotpulver eröffnet die Möglichkeit, die Leistung einer
Rückbrotverarbeitungsanlage auf konstantem Niveau zu halten und Spitzen im
Rückbrotanfall abzufangen. Die Trocknung ist deshalb im Zusammenhang mit den
Investitionen für die Entpackungseinrichtungen und die gegebenenfalls erforderlichen
Trockner sowie die Kosten für deren Betrieb unter Verwendung der Abwärme der
Backöfen bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit des Verfahrens zu betrachten.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 44
5.1.1 Zusammensetzung des Rückbrots
Da das Rückbrot der als Untersuchungsbeispiel herangezogenen Brotfabrik bislang
von einer Futtermittelfabrik verwertet wird, die es zu Pulver nach dem beschriebenen
Verfahren (vgl. 1.1) aufarbeitet, wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten
Proben gezogen, deren Inhaltsstoffzusammensetzung bestimmt wurde. Dadurch war
es möglich, einen Überblick über die Schwankungsbreite der durchschnittlichen
Zusammensetzung des Rückbrots zu erhalten. Diese Information ist für den täglichen
Betrieb einer Rückbrotverarbeitungsanlage wichtig, weil von ihr abgeleitet werden
kann, welcher Einfluß von der Zusammensetzung auf die Ausbeute an Produkten
ausgeht. Zwar ist für die Auslegung einer solchen Anlage die mittlere
Zusammensetzung des Rückbrots entscheidend, doch gibt diese weder einen
ausreichenden Hinweis auf die Ausbeuterelationen noch den Betrieb einzelner
Anlagenteile. Dafür muß die Schwankungsbreite der Inhaltsstoffzusammensetzung
bekannt sein.
In der Tabelle 3 ist das Ergebnis der Untersuchung der innerhalb von sechs Monaten
zu zufälligen Zeitpunkten gezogenen Proben aufgeführt. Da die Proben aus dem
Volumenstrom des Brotpulvers gezogen wurden, handelt es sich bei dem
angegebenen Mittelwert nicht um einen gewichteten Wert, der die Rückbrotmengen
nach Tag, Produktcharge und relativen Anteil derselben am täglichen Gesamtanfall
an Rückbrot berücksichtigte, sondern um den Mittelwert aus den gezogenen Proben.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 45
Tabelle 3: Zusammensetzung des aus dem Rückbrot der Brotfabrik hergestellten
Brotpulvers
Substanz Anzahl der
Proben
Meßwert (%TS) Mittelwert*
(%TS)
Kleinster Größter
Glucose 9 0,8 1,4 1,0
Protein 10 12,8 15,5 13,4
Fett 9 4,4 6,1 5,4
Ballaststoffe** 3 5,5 14,1 10,5
Saccharose 9 1,1 6,5 1,5
Kochsalz 5 2,4 2,7 2,6
Stärke 11 61,8 71,1 63,7
Summe - - - 98,0
nicht gewichteter Wert, **Gesamtballaststoffe (AOAC)
Der aus der Summe der Mittelwerte für die einzelnen Inhaltsstoffe gebildete Wert
repräsentierte mit 97,5% praktisch die gesamte Trockenmasse des Brotpulvers. Sie
wurde als Grundlage für alle Überlegungen zur Berechnung der Ausbeute an
Produkten herangezogen, von der die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens abhängt.
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens ist der Anteil der aus dem
Rückbrot zur Fermentation bereitstellbaren Kohlenhydrate, hauptsächlich von
Glucose aus dem enzymatischen Abbau der Stärke mit Amyloglucosidase.
Aus dem vollständigen Abbau der Stärke zu Glucose ergäbe sich, bezogen auf den
Mittelwert des Stärkegehalts von 63,7%, ein Massegewinn von 7,1 Teilen, so daß
66,1% der aus dem Rückbrot entstandenen Trockenmasse fermentierbare Glucose
wären. Dazu addierten sich unter Berücksichtigung des Massegewinns bei der
Hydrolyse der Saccharose bei der Fermentation etwa 1,5% Glucose und Fructose,
so daß von der eingesetzten Masse etwas mehr als zwei Drittel für die Fermentation
zur Verfügung stünden. Die Ausnutzung dieses theoretischen Potentials wird jedoch
durch die unter den Verfahrensbedingungen erzielbare Hydrolyse der Stärke zu
fermentierbaren Kohlenhydraten begrenzt.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 46
Der mit 5,4% gegenüber Broten üblicher Zusammensetzung relativ hohe Fettgehalt
ergab sich aus dem Kuchenanteil im Rückbrot. Die gleiche Ursache hatte der
entsprechend hohe Saccharosegehalt, der außerdem, bezogen auf seinen
Masseanteil an der Gesamtmasse des Rückbrots, die größte Schwankungsbreite
unter den Inhaltsstoffen aufwies.
Die Inhaltsstoffzusammensetzung läßt erkennen, daß bei rein amylolytischer
Hydrolyse des Rückbrots knapp ein Drittel seiner Trockenmasse als nicht
verflüssigbarer Feststoff anfallen muß. Die relative Zusammensetzung dieses
Trockenmasseanteils an Protein, Fett und Ballaststoffen kann über die
Verfahrensbedingungen der Abscheidung der Feststoffe in gewissen Grenzen
beeinflußt werden.
5.1.2 Hygienischer Zustand des Brotpulvers
Zur Beurteilung des hygienischen Zustands des Brotpulvers wurde dessen
Kontamination an anaeroben mesophilen Bakterien sowie Hefen und Schimmelpilzen
festgestellt. Die durchschnittliche Koloniezahl an aeroben mesophilen Bakterien
betrug auf Plate-Count-Agar 2,2 x 105 und auf Nähragar 2,9 x 105 koloniebildende
Einheiten (KBE) pro Gramm Brotpulver. Die mikroskopische Untersuchung der
Kolonien zeigte, daß es sich z.T. um bewegliche Stäbchenbakterien handelte. Es
waren Sporenbilder. Das wurde durch Abtötung vegetativer Keime vor der
Kultivierung der Bakterien auf Plate-Count-Agar festgestellt.
Der Nachweis von Hefen und Schimmelpilzen erfolgte auf Hefeextrakt-Glucose-
Chloramphenicol-Agar und auf Sabouraud-Agar. Die durchschnittliche Koloniezahl
auf Sabouraud-Agar betrug 2,9x105KBE/g Probe, während auf Hefeextrakt-Glucose-
Chloramphenicol-Agar wurden 3x104KBE/g gezählt wurden. Da durch den Zusatz
des Antibiotikums Chloramphenicol Bakterienwachstum auf dem Hefeextrakt-
Glucose-Chloramphenicol-Agar unterdrückt wurde, wurden auf Sabouraud-Agar
Kolonien beweglicher Langstäbchen nachgewiesen. Diese wurden als Ursache für
die höhere Koloniezahl auf diesem Nährmedium angesehen. Hefen wurden auf
beiden Nährböden nur vereinzelt beobachtet.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 47
Die Nährböden waren z.T. von einem unseptischen spinnwebenartigen weißgrauen
Pilzmycel überwachsen, an dem kugelrunde weiße bis schwarze Sporangien sichtbar
waren. Daneben traten Schimmelpilze mit einem gelblich-grauen, relativ derben
Mycel auf, aus dem ebenfalls lange Sporangienträger herauswuchsen. Nach dem
mikroskopischen Befund waren die Schimmelpilze den Mucoraceae zuzuordnen.
Die mikrobiologischen Untersuchungsergebnisse ließen die Schlußfolgerung zu, daß
das Brotpulver hygienisch unbedenklich war. Aus seiner Verwendung als Rohstoff für
seine vorgesehene Rückbrotverarbeitung konnte sich weder für die Durchführung
des Prozesses noch den Verzehr der mit den Produkten aus dem Prozeß
hergestellten Brote ein Gefährdungsrisiko ergeben. Abgesehen davon, daß die
Keime ubiquitär vorkommen, konnte von ihnen auch deshalb kein Gefährdungsrisiko
ausgehen, weil die Verfahrensbedingungen eine Vermehrung der Mikroorganismen
nicht zuließen. Unter den genannten Verfahrensbedingungen wäre insbesondere das
Wachstum pathogener Mikroorganismen unterbunden worden.
5.1.3 Amylolytischer Abbau, Versäuerung und Masseverteilung
Die Verfahrenstechnik zum amolytischen Abbau wurde von einer früheren
Verfahrensentwicklung (13) übernommen. Anders als bei diesem Verfahren, das
lediglich auf das Erreichen eines konstanten Hydrolysegrads angelegt ist, war es für
die Auslegung dieses Verfahrensschritts bei der Rückbrotherstellung zusätzlich
erforderlich, einen möglichst hohen, wenn auch nicht maximalen, Hydrolysegrad zu
erzielen. Der Hydrolysegrad ist im Zusammenhang mit der Ausbeute an Fraktionen
aus dem Brotsirup und deren Verwendung mitentscheidend für die Wirtschaftlichkeit
des Verfahrens. Diese Zusammenhänge werden an anderer Stelle abgehandelt
(vgl. 5.5ff).
Erschwerend für die Auslegung des Verfahrensschritts im Vergleich zum bekannten
Stand der Technik, der auch die Glucoseherstellung aus Stärke (43) einbezieht,
wirkte es sich aus, daß als Rohstoff nur Rückbrot eingesetzt werden konnte und alle
Produkte aus dem Rückbrot für die Brotherstellung verwendet werden sollten. Da im
Brot bereits ein großer Anteil der Stärke im verkleisterten Zustand vorliegt, konnte
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 48
deshalb kein Heißmaischverfahren eingesetzt werden, wie das beispielsweise bei der
Stärkeverflüssigung möglich ist, weil beim Einmaischen mit hoher
Feststoffkonzentration durch die Zugabe von Heißwasser oder durch Dampf-
einleitung in die Suspension schlagartig eine so hohe Viskosität entstehen würde,
daß die Maische weder rühr- noch pumpbar wäre. Es konnte für das Brechen der
Viskosität auch keine thermostabile α-Amylase eingesetzt werden, weil diese im
Verfahrensablauf nicht mit Sicherheit vollständig inaktiviert werden kann.
Zwar wäre es möglich, die beim Einmaischen entstehende Viskosität der Maische
durch Wahl einer niedrigen Feststoffkonzentration so einzustellen, daß die genannten
Probleme mit der Rühr- und Pumpbarkeit der Maische nicht aufträten, doch ergäbe
sich daraus der Nachteil eines mit fallendem Feststoffgehalt steigenden
Energieaufwands für das Erwärmen der Maische. Das hätte gleichzeitig zur Folge,
daß die Behältergröße für den Maischeansatz entsprechend dem steigenden
Volumen größer gewählt werden müßte. Das Gleiche träfe für einen kontinuierlichen
Viskositätsabbau mit einer Rohrschlange zu. Der Einsatz eines kontinuierlichen
Verfahrens kam jedoch wegen der hohen Anfangsviskosität bei hoher
Einmaischkonzentration und dem sich daraus ergebenden Problem für den Betrieb
eines entsprechenden Systems nicht in Frage. Deshalb wurde für die verschiedenen
Versuchsanordnungen bei der Entwicklung des Verfahrens auf Behälter mit
Rührwerken zurückgegriffen, um die Anfangsviskosität über ein Kaltmaischverfahren
abzubauen. Der Verfahrensschritt des Viskositätsabbaus wird bei der Verzuckerung
von Stärke zur Herstellung von Glucose als Verflüssigung der Stärke bezeichnet.
Dieser Fachbegriff wird ebenso wie der Fachbegriff Verzuckerung deshalb auch hier
für Brot verwendet.
5.1.3.1 Verflüssigung
Das Einmaischen zur Verflüssigung des Brotpulvers oder von Rückbrot wurde in der
Weise vorgenommen, daß die Behälter (Labor- und Technikumssirupkocher)
allmählich mit der außerhalb der Behälter kontinuierlich zusammen mit dem Enzym
angesetzten Maische befüllt wurden. Während des Befüllens wurde die Maische
gleichzeitig gerührt und erwärmt. Der Vorgang des Befüllens, Rührens und
Erwärmens der Maische wurde so geführt, daß sich die für die Rührerleistung
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 49
zulässige höchste Viskosität am Ende des Befüllens einstellte. Diese Möglichkeit der
Prozeßführung ergab sich dadurch, daß der bei der Temperatur von 20-50°C von der
schnell verquellenden Stärke ausgehende Viskositätsanstieg durch die mit steigender
Temperatur ansteigende Wirkung der α-Amylase aufgefangen wurde. Die für die
vollständige Verkleisterung der Stärke erforderliche weitere Temperatur-erhöhung der
Maische führte oberhalb 50°C dann zu einem schnellen Abfall der Viskosität.
Das Endergebnis der Versuche zur Führung der Verflüssigung und Verzuckerung der
Maische ist bezogen auf den Viskositätsverlauf in der Tabelle 4 dargestellt. Die
Zahlen lassen die Problematik der hohen Anfangsviskosität für die Führung des
Prozesses deutlich erkennen. Die Einmaischkonzentration in dem Technikumssirup-
kocher betrug in diesem Beispiel 40%. Die Durchführung der Versuchsreihen zur
Führung des Kaltmaischverfahrens, die hier nur als Endergebnis dargestellt sind,
dienten vor allem dazu, die Kenngröße für die Auslegung des Rührers und seines
Antriebs zu ermitteln.
Tabelle 4: Viskosität der Maische und des Brotsirups
Produkt dynamische Viskosität η
(Pa s)
Temperatur
(°C)
Maische1 164 50
Maische2 33 90
Maische3 10 60
Brotsirup4 5 60
1) Anfang Verflüssigung; 2) Ende Verflüssigung
3) Anfang Verzuckerung; 4) Ende Verzuckerung
5.1.3.2 Verzuckerung
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 50
Der Viskositätsabbau bei der Erwärmung der Maische geht weitgehend von der
Wirkung der α-Amylase auf den molekularen Abbau der Stärke in der Brotkrume
zurück. Dieser Abbau ist in Verbindung mit der nachfolgenden Verzuckerung der
Abbauprodukte aus der Amylose und dem Amylopektin zu sehen. Diesbezüglich ist
es aus der Verzuckerung von mit α-Amylase hergestellten Sirupen aus reiner Stärke
bekannt, daß die Hydrolysegeschwindigkeit von der Molekülgröße der Abbau-
produkte der α-Amyloyse abhängt. Je kleiner die Moleküle sind, desto langsamer
schreitet die Hydrolyse voran. Deshalb war zu prüfen, wie weit die α-Amylolyse
fortschreiten muß, um sowohl eine schnelle wie auch weitgehend vollständige
Hydrolyse der Abbauprodukte zu von Hefe resorbierbaren Zuckern zu erzielen. Die
Kenntnis darüber ist für die Auslegung der Behälter zur Verflüssigung und
Verzuckerung und die Prozeßführung der Gewinnung des Fermentationssubstrats
notwendig.
Die Prüfung erfolgte im Labormaßstab mit dem Laborsirupkocher über die Variation
der Wirkung der α-Amylase bei konstanter Vorgabe der Reaktionszeit der
Glucoamylase für 3 h und 23 h. Die α-Amylase- und Amyloglucosidase-
Konzentration war für diese Versuche konstant festgelegt. Sie betrug bezogen auf
den Stärkegehalt der Trockenmasse des Brotpulvers für α-Amylase 0,5% (Optiamyl
840, Genencor) und für Amyloglucosidase 0,5% (Optidex, Genencor). Der optimale
pH-Wert für diese Enzympräparate liegt zwischen 5,5 und 6,5 und das
Temperaturoptimum beträgt für das α-Amylase-Präparat 70°C und für das
Amyloglucosidase-Präparat 60°C. Der Ansatz wurde auf diese Temperaturoptima
eingestellt. Der pH-Wert wurde auf dem pH-Wert der Maische von 4,8 belassen. Als
Maß für die Hydrolyse der Stärke im Brot zu von Hefe resorbierbaren Zuckern diente
der Grad der Hydrolyse der Stärke zu Glucose, weil diese von Hefe vollständig
resorbierbar ist. Dabei wurde vernachlässigt, daß bei der enzymatischen Hydrolyse
der Stärke mit Amyloglucosidase in kleinem Umfang auch Maltose und Isomaltose
entstehen, die ebenfalls von Hefe resorbiert werden. Diese Vernachlässigung war
tolerierbar, weil sie die aus dem Ergebnis zu ziehende Schlußfolgerung nicht
beeinflußt.
Aus der Tabelle 5 ist zu erkennen, daß der Hydrolysegrad sowohl von der
Reaktionszeit der α-Amylase als auch insbesondere von der Reaktionszeit der
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 51
Glucoamylase abhing. Da die Anwendungskonzentration der Enzyme
Herstellerangaben entsprach, ergab sich außerdem, daß selbst nach der sehr langen
Reaktionszeit der Amyloglucosidase von 23 h nur ein Hydrolysegrad von ca. 90%
erreicht wurde.
Der Einfluß der Reaktionszeit der α-Amylase ist daran zu erkennen, daß sowohl für
die Reaktionszeit der Amyloglucosidase von 3 h als auch die von 23 h ein Optimum
des Hydrolysegrads für eine Reaktionszeit der α-Amylase von 2 h erreicht wurde.
Das Optimum im Hydrolysegrad und das langsame Fortschreiten des
Hydrolysegrads bis zu seinem Maximalwert ließen vermuten, daß der Molekülabbau
durch die α-Amylase unter den Versuchsbedingungen zu weit fortgeschritten war.
Eine so lange Reaktionszeit der α-Amylase ist aber weder für den Viskositätsabbau
erforderlich, was durch die in der Tabelle 5 dargestellten Ergebnisse belegt ist, noch
für die Prozeßführung wünschenswert. Deshalb wurde in einer weiteren
Versuchsreihe die Verflüssigung der Maische bei sonst konstanten Bedingungen bei
einer α-Amylase-Konzentration von 0,1% über eine Reaktionszeit von nur 1 h und
die Verzuckerung anschließend bei drei verschiedenen Amyloglucosidase-
Konzentrationen (0,11; 0,22 und 0,44%) durchgeführt.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 52
Tabelle 5: Hydrolysegrad des Brotsirups in Abhängigkeit von den
Reaktionsbedingungen der enzymatischen Hydrolyse mit α-Amylase und
Amyloglucosidase
Reaktionszeit (h) Hydrolysegrad
A: α-Amylase B: Glucoamylase A + B (%)
1 3 4 63,1
2 3 5 76,6
3 3 6 73,9
1 23 24 87,8
2 23 25 89,1
3 23 26 87,2
Aus der Abbildung 3 geht hervor, daß trotz einer Einschränkung des molekularen
Abbaus durch Absenkung der α-Amylase-Konzentration in der Verflüssigungsstufe
auf 0,1% die Hydrolysegeschwindigkeit für eine Amyloglucosidase-Konzentration von
ca. 0,5% der des Vergleichsversuchs mit einer α-Amylase-Konzentration von 0,5%
entsprach. Der Hydrolysegrad lag aber mit ca. 93% deutlich über dem des
Vergleichsversuchs und war bereits nach 12 h erreicht. Die Kurven für den
Hydrolysegrad für die Amyloglucosidase-Konzentrationen von 0,11% und 0,22%
belegen zusätzlich, daß es offenbar ein optimales Verhältnis für den molekularen
Abbau durch α-Amylase und Amyloglucosidase gibt, das von dem Verhältnis der
Anwendungskonzentration der Enzyme abhängt. Dieses Verhältnis resultiert jeweils
in einem von der Reaktionszeit der Amyloglucosidase abhängigen Optimum für den
Hydrolysegrad.
Das Optimum für das Verhältnis der Anwendungskonzentration der hier eingesetzten
Enzympräparate lag bei 0,1% α-Amylase zu 0,5% Amyloglucosidase. Für dieses
Verhältnis wurde gegenüber den beiden anderen Verhältnissen der höchste
Hydrolysegrad (93%) erhalten, der zusätzlich in der kürzesten Zeit (<12 h) erreicht
wurde.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 53
Abbildung 3: Verlauf des Hydrolysegrades in Abhängigkeit von den
Reaktionsbedingungen (Glucoamylasekonzentration a:0,44%, b:0,22%, c:0,11%).
Dieses mit dem Laborsirupkocher erzielte Ergebnis konnte auf den
Technikumssirupkocher bis zu der prozeßtechnisch maximalen möglichen
Brotpulverkonzentration von 40% Trockenmasse in der Maische übertragen werden.
Es stellte sich unter dieser Bedingung ein Hydrolysegrad ca. 90% über den
gesamten Zyklus der Sirupbereitung von 12 h ein. Da die Verzuckerung im
Verfahrensablauf die längste Zeit in Anspruch nimmt, wird von ihr die Auslegung der
Sirupanlage entscheidend bestimmt.
3
6
9
12
15
18
0
20
40
60
80
100
c
a 3 6 9 12 15 18
0
20
40
60
80
100
Hydrolysezeit in h
b
3
6
9
12
15
18
0
20
40
60
80
100
Hydrolysegrad (%)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 54
5.1.3.3 Versäuerung
Der Brotsirup wurde in Anlehnung an das beschriebene russische Verfahren zur
Herstellung eines flüssigen Backferments mit Lactobacillus delbrueckii versäuert. Die
Versäuerung ist eine einfache Maßnahme, um den Brotsirup mikrobiologisch zu
stabilisieren. Die Durchführung der Versäuerung wurde als erforderlich angesehen,
weil aufgrund unvermeidlicher Mehlstaubbelastungen in der Brotfabrik
verschiedenartigste mikrobiologische Kontaminationen möglich sind, die bis zum
Verderben des Brotsirups führen können. Das ergibt sich aus der Zusammensetzung
des Brotsirups, der für viele Mikroorganismen ein ideales Nährsubstrat ist. Der
Glucosegehalt des Brotsirups ist nicht groß genug, um aus dem daraus
resultierenden osmotischen Druck Mikroorganismenwachstum unterdrücken zu
können. Besonders anfällig ist der Brotsirup für das Wachstum wilder Hefen, die in
den Arbeitsräumen von Brotfabriken vorkommen. Deren Wachstum kann jedoch nicht
allein durch die mit der Versäuerung einhergehende pH-Wertabsenkung verhindert
werden, weil sie selbst noch bei pH-Werten <4,0 wachsen können, sondern es
müssen dafür durch Anhebung der Temperatur zusätzlich selektive Bedingungen
geschaffen werden. Aus diesem Grunde erfolgte die Versäuerung bei 50°C. Bei
dieser Temperatur können Hefen nicht mehr wachsen. L. delbrueckii ist durch die
Größe des Inokulums der einzige Mikroorganismus, der sich unter diesen selektiven
Bedingungen unter Bildung von Milchsäure im Brotsirup bei ca. 20-25%
Glucosekonzentration vermehrt.
Die Versäuerung erfolgte in der Weise, daß L.delbrückii über eine Reinzucht
herangeführt wurde, mit der ein Aliquot des Brotsirups beimpft wurde. Nach der
Versäuerung dieses Aliquots, das als Anstellsauer bezeichnet wird, wurde die
jeweilige Charge des Brotsirups versäuert. Dabei betrug das Verhältnis von
Anstellgut zu Brotsirup 1:10 in der Technikumsanlage und die Versäuerungszeit war
auf 24 h festgelegt. Diese Fermentationszeit wurde gewählt, um die Versäuerung auf
den auf 24 h bezogenen Rhythmus der Brotsirupherstellung abzustimmen.
Die Versäuerung des Brotsirups erwies sich sowohl aus mikrobiologischer wie auch
aus verfahrenstechnischer Sicht als relativ unproblematisch, weil sie mit großer
Sicherheit immer gleichartig ablief (Tab.6). Allerdings muß ihr in dem
Gesamtverfahrensablauf dennoch große Aufmerksamkeit geschenkt werden, weil die
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 55
gebildete Milchsäure über den im Verfahren entstehenden Flüssigsauer zur
Säuerung des neu zu backenden Brotes eingesetzt werden soll. Dafür ist es aus
backtechnischen Gründen erforderlich, daß die Schwankungsbreite in der
Milchsäurekonzentration im Flüssigsauer nicht allzu groß ist. Schwankungen in der
Milchsäurekonzentration können sich durch Unterschiede in der im Brotpulver für die
Säurebildung vorhandenen Pufferkapazität ergeben, die weitgehend von der Art der
Zusammensetzung des Brotpulvers (Vollkornbrot oder Weißbrot) abhängt. Außerdem
kann sich darauf die Vitalität der Impfkultur auswirken, die von den Einflußgrößen der
Versäuerung abhängt. Darauf soll hier nicht näher eingegangen werden, weil das
zum allgemeinen Kenntnisstand zur Führung von Sauerteigen gehört.
Tabelle 6: Fermentation des Sirups mit Lactobacillus delbrueckii
Parameter Wert
pH-Wert 5,0 ! 3,8
Temperatur 48-52°C
Fermentation Chargenweise,
20-24 h
Anstellmenge 10% der vorherigen
Charge
Glucose 180-240 g/kg Sirup
Milchsäure 10 g/kg Sirup
In der Tabelle 7 sind die Ergebnisse der Versäuerung von acht Brotsirupen
aufgeführt, die aus verschiedenen Brotpulvern hergestellt worden waren. Daraus
ergibt sich, daß die Schwankungsbreite der Säurekonzentration in den Brotsirupen,
die durch den Säuregrad gekennzeichnet ist, beträchtlich war. Der Mittelwert des
Säuregrads von 11,2 führte zu einem pH-Wert des versäuerten Brotsirups von 4,0.
Diese Mittelwerte des Säuregrads und pH-Werts stellen das für den Verfahrensablauf
erstrebenswerte Ergebnis dar. Ein Säuregrad des Brotsirups im Bereich von 12
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 56
entspricht einer Umwandlung von etwa 5% der im Brotsirup vorhandenen Glucose zu
Milchsäure. Im Brotsirup beträgt die Milchsäurekonzentration dann etwa 1%.
Tabelle 7: Einstellung des pH-Werts und Säuregrads des Flüssigsauers
Kriterium Anzahl der
Versuche
Mittelwert kleinster Wert größter Wert
pH-Wert 8 4,0 3,7 4,7
Säuregrad 8 11,2 5,0 15,5
5.1.3.4 Aufarbeitung
Der Brotsirup mußte zur Gewinnung des Fermentationssubstrats, welches das
Hauptprodukt für den weiteren Verfahrensablauf darstellt, aufgearbeitet werden. Das
geschah durch siebtechnische und zentrifugale Abscheidung seines Feststoffanteils.
Es entstanden dabei durch Absieben und Abpressen der Preßkuchen und durch
Zentrifugalabscheidung als Oberlauf das Fermentationssubstrat und als Unterlauf ein
Proteinschlamm. Letzterer wurde durch Auswaschen mit Wasser und nachfolgende
erneute Zentrifugalabscheidung zur Proteinfraktion aufgereinigt. Der Oberlauf aus
der zweiten Zentrifugalabscheidung, der nachfolgend als Extrakt bezeichnet wird,
wurde zum Teil für das Einmaischen von Brotpulver und zum Teil zum Verdünnen des
Brotsirups vor dem Sieben eingesetzt. Die Verdünnung des Brotsirups mit Wasser
oder dem Oberlauf aus der Auswaschung des Proteinschlamms führte dazu, daß die
Glucosekonzentration im Fermentationssubstrat auf 15-18 g Glucose/l
Fermentationssubstrat absank (Abb. 4).
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 57
Abbildung 4: Führung der Prozeßströme bei der Bereitung und Aufarbeitung von
Brotsirup aus Rückbrot (Brotpulver).
Die in diesem Verfahrensschritt durchgeführte Verdünnung des Brotsirups ist
erforderlich, weil der Brotsirup mit der vorliegenden Feststoffkonzentration und der
Dichte seines flüssigen Anteils weder sieb- noch zentrifugierfähig ist. Die breiartige
Viskosität des Brotsirups sowie die annähernd gleiche Dichte der Flüssigkeit und des
Feststoffs erlauben es nicht, den Feststoff von der Flüssigkeit zu trennen. Für die
Sirupbereitung ist aus Gründen des Energieaufwands und eines möglichst kleinen
Behältervolumens jedoch eine möglichst hohe Feststoffkonzentration erstrebenswert.
Ein Feststoffgehalt von 40% in der Maische hat sich aus verfahrenstechnischer Sicht,
die vor allem auf die Auslegung der Rührwerkzeuge gerichtet war, als optimal
erwiesen. Diese Konzentration erwies sich auch für die Sirupaufbereitung mit
Auswaschung des Proteinschlamms für die Durchführung der anaeroben
Fermentation als optimal, weil dafür die Menge an Verdünnungswasser so gewählt
Einmaischen
Sieben/Pressen
Zentrifugieren
Sirupkochen
Zentrifugieren
Extrakt
Proteinfraktion
Preßkuchen
Fermentations-
substrat
Rückbrot
Wasser
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 58
werden konnte, daß die Konzentration des Fermentationssubstrats an Glucose in
einen für die Ethanolgewinnung optimalen Bereich gelangte. Diese Konzentration
pendelte sich in der Vielzahl der durchgeführten Versuche zwischen 15-18 g
Glucose/kg Fermentationssubstrat ein.
Aus den Versuchsergebnissen kann geschlossen werden, daß die Auswaschung des
Proteinschlamms, in die auch eine Auswaschung des Preßkuchens eingeschlossen
werden kann, so gestaltet werden kann, daß die Glucose und die anderen in kleinen
Konzentrationen vorhandenen und von der Hefe resorbierbaren Kohlenhydrate zu
>98% der aeroben und anaeroben Fermentation zugeführt werden können. Das wird
durch das im folgenden beschriebene exemplarische Beispiel belegt, das für die
Ermittlung der Masseverteilung durchgeführt wurde und das für alle anderen im
Verlauf des Vorhabens für die Gewinnung des Fermentationssubstrats
durchgeführten Versuche repräsentativ war, obgleich in diesem Versuch lediglich ein
Hydrolysegrad von 82% erreicht wurde.
Der Versuch ist in den Tabellen 8 und 98 dargestellt. Die Darstellung ist auf den
Einsatz von 100 kg Rückbrot bezogen, um damit Anschaulichkeit in die in dem
Verfahren zu bearbeitenden und zu fördernden Massen und Massenströme zu
bringen. Für das Rückbrot wurde für die Berechnung ein Wassergehalt von 40%
zugrundegelegt. Das eingesetzte Brotpulver besaß einen Stärkegehalt von 63,8%.
In dem Versuch entstanden aus 67 kg Brotpulver (= 100 kg Rückbrot), 150 kg
Brotsirup. Aus diesem entstanden bei der Aufarbeitung die in der Tabelle 7
angegebenen Fraktionen, die unterschiedlich große Anteile der eingesetzten
Trockenmasse repräsentierten und unterschiedliche Frischmassen besaßen. Den
größten Anteil an der Trockenmasse machte das Fermentationssubstrat I mit 165 kg
aus. In der Angabe für die Trockensubstanz des Fermentationssubstrats I und des
Fermentationssubstrats II ist auch der Massegewinn durch die Hydrolyse der Stärke
zu Glucose enthalten, der sich in der Differenz zwischen der eingesetzten
Trockenmasse von 60 kg und der analytisch im Brotsirup ermittelten von 63,7 kg
widerspiegelt.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 59
Tabelle 8: Frischmasseanfall an Fraktionen bei der Aufarbeitung des Brotsirups
und ihr Gehalt an Trockenmasse, Glucose und Protein
Fraktion Frischmasse
(kg)
Trockensubstanz*
(kg)
Glucose
(kg)
Protein
(kg)
Ferm.-Substrat 165 37,6 26,1 1,4
Proteinfraktion 23 6,3 0,3 2,7
Preßkuchen 10 5,0 1,1 1,7
Extrakt 185
14,9 7,2 2,1
Summe 382
63,7 34,7 7,8
* Bezogen auf 100 kg Rückbrot mit einem Stärkegehalt von 63,8% unter
Berücksichtigung des Hydrolysegewinns bei der Stärkehydrolyse: Hydro-
lysegrad 77%.
Tabelle 9: Prozentuale Verteilung der Trockensubstanz, der Glucose und des Pro-
teins auf die bei der Aufarbeitung des Brotsirups angefallenen Fraktionen
Fraktion Trockensubstanz (%) Glucose (%) Protein (%)
Fermentationssubstrat 59,0 75,2 17,4
Proteinfraktion 9,8 0,9 36,4
Preßkuchen 7,8 3,1 21,4
Extrakt 23,4 20,8 26,6
Aus dem Stärkegehalt des Brotpulvers von 63,8% hätten bei vollständiger Hydrolyse
42,4 kg Glucose entstehen müssen. Da der Hydrolysegrad in diesem Fall jedoch mit
nur 82% relativ klein ausgefallen war, waren nur 34,7 kg entstanden. Diese
quantitative Betrachtung der gebildeten Glucosemenge ist jedoch für die Beurteilung
ihrer Verteilung auf die Fraktionen ohne Belang, weil die Verteilungsrelationen bei
höherem Hydrolysegrad gleich geblieben wären. Dies träfe auch deshalb zu, weil
davon auszugehen ist, daß die hydrolysierte Stärke praktisch vollständig in Lösung
vorlag.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 60
In dem dargestellten Experiment ist die Glucose nicht aus dem Preßkuchen
ausgewaschen worden. Ein entsprechender Auswaschschritt könnte jedoch mit der
Auswaschung der Proteinfraktion verbunden werden. Unter dieser Voraussetzung
würden nur 2% der Glucose, respektive aller anderen von Hefe resorbierbaren
Kohlenhydraten über diese Fraktion aus dem Verfahren ausgeschleust werden und
stünden der Fermentation somit nicht zur Verfügung. Anders wäre das für die im
Fermentationssubstrat II Extrakt befindliche Glucose, da diese bei längerfristigem
Produktionsrhythmus, z.B. von mehr als zwei Wochen, ständig im Verfahren
weitergeführt würde und damit in die Fermentationen gelangte. Dort würde sie zu den
vorgesehenen Produkten umgesetzt.
Aus diesen Überlegungen kann auf der Grundlage der in der Tabelle 8 enthaltenen
Zahlen abgeleitet werden, daß mehr als 95% der gebildeten fermentierbaren Zucker
in den Fermentationen umgesetzt werden können.
Die Angabe in der Tabelle 9 über die aus dem eingesetzten Rückbrot entstehende
Proteinfraktion und den Preßkuchen geben einen ersten Hinweis auf die Ausbeute an
Produkten, die bei dem Verfahren entstehen.
Hinsichtlich der aufgezeigten Proteinverteilung ist es von Interesse festzustellen, daß
das im Fermentationssubstrat und im Extrakt vorhandene Protein zum großen Teil in
den Flüssigsauer aber auch in die Flüssighefe gelangt. Bei dem Protein im Extrakt
handelt es sich überwiegend nicht um gelöstes Protein, sondern um kolloidal verteilte
Proteinpartikel, die zentrifugal nicht abgeschieden werden konnten.
Das Beispiel gibt natürlich nur die Masseverteilung wieder, wie sie in dem statisch
durchgeführten Versuch anfiel. In einem realen Prozeß ergäbe sich durch die
Weiterführung des Extrakts in die aerobe oder die anaerobe Fermentation und
dessen dortige Umwandlung zusammen mit dem Fermentationssubstrat in
Flüssighefe, Ethanol, Kohlendioxid und Flüssigsauer eine von dem Beispiel
verschiedene Trockenmassebilanz (vgl. Punkt 5.2.4).
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 61
5.1.4 Proteolyse
Es ist eingangs darauf hingewiesen worden, daß das im Brotsirup vorhandene
Protein gegebenenfalls als Stickstoffquelle für die Hefevermehrung benutzt werden
kann. Dazu muß das Protein aber in von Hefe resorbierbare N-Verbindungen
abgebaut werden. Die Freisetzung von Aminosäuren aus dem Protein durch
enzymatische Hydrolyse stellt dafür einen denkbaren Weg dar. Deshalb wurde
Brotsirup nach Erreichen des gewünschten Hydrolysegrads mit verschiedenen
proteolytisch wirkenden Enzymen behandelt.
Die Tabelle 10 zeigt das Ergebnis des proteolytischen Abbaus. Die Enzyme waren
zwar alle in der Lage, die weit überwiegend unlöslich vorliegenden Proteine in
Lösung zu bringen, die Abbauprodukte waren aber nur zu einem relativ kleinen Anteil
in eine von Hefe resorbierbare Form übergeführt worden. Das geht aus den Angaben
über den FAN (freien Aminostickstoff) hervor, der als Maß für die Resorbierbarkeit
fungiert. Im günstigsten Fall wurde bei fast 90%iger Löslichkeit des Proteins mit
1,19 g/L nur etwa ein Sechstel des Proteins in FAN umgewandelt, im ungünstigsten
Fall waren es mit 0,26 g/L nur ca. 4%.
Tabelle 10: Proteolytischer Abbau von Brotsirup
Enzyme FAN* löslicher N Gesamt-N
g/l g/l g/l
Corolase PP 1,19 5,60 6,40
Corolase PN-L 0,26 2,16 6,40
Corolase 7089 0,33 4,00 6,40
Corolase L10 0,89 4,42 6,40
*Freier Aminostickstoff
Die Übertragung des größten Wertes für den FAN auf einen mit Brotpulver
hergestellten Brotsirup (40% Feststoffgehalt, 63% Stärkegehalt, 90% Hydrolysegrad)
würde es ermöglichen, rund 23 g HTS oder 25 g Frischhefe zu erzeugen. Aus der
Glucosekonzentration in dem Brotsirup könnten jedoch bei ausreichender
Versorgung mit N-Verbindungen 138 g HTS oder 510 g Frischhefe entstehen. Daraus
folgt, daß durch die enzymatische Hydrolyse des Proteins im Brotsirup nur ca. 17%
des N-Bedarfs für die vollständige Verwertung der Glucose zur Hefevermehrung
bereitgestellt werden könnten.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 62
Wird diese Angabe auf den eingangs zitierten Bedarf an Frischhefe bezogen, der mit
5.000 t/a angegeben ist, dann ergibt sich, daß über die enzymatische Hydrolyse des
Proteinanteils im Rückbrot nicht genug Backhefe erzeugt werden könnte, weil dazu
aus der anfallenden Rückbrotmenge nicht genug resorbierbare N-Verbindungen zur
Verfügung gestellt werden könnten. Es käme hinzu, daß für die Ausnutzung der
resorbierbarenen N-Verbindungen bei dem vorhandenen sehr großen
Glucoseüberschuß die gesamte Masse an Brotsirup aerob fermentiert werden
müßte. Sollte die Glucose gleichzeitig mit den resorbierbaren N-Verbindungen
aufgebraucht werden, dann könnte die Fermentation auch nach dem Prinzip der
„aeroben Gärung“ gefahren werden. Diese Möglichkeit konnte jedoch ausge-
schlossen werden, weil im Verzicht auf die Proteolyse und der Aufteilung des
Fermentationssubstrats auf eine aerobe und eine anaerobe Fermentation, die durch
die in den Prozeßstufen entstehenden Masseströme verbunden wurden, eine
einfachere, wenn auch sehr komplexe Lösung für das Problem der Glucose-
umsetzung gefunden wurde.
Der Ausschluß der Anwendung einer Proteolyse erfolgte insbesondere aus der
Überlegung, daß durch sie ein weiterer Verfahrensschritt in das Verfahren eingeführt
werden müßte, der aufgrund der langsamen Hydrolyse die Herstellzeit für den
Brotsirup deutlich verlängern würde. Außerdem wären für die technische
Durchführung Anlagenteile, darunter zusätzliche Behältervolumina, notwendig und es
müßten finanzielle Aufwendungen für die Enzyme gemacht werden. Schließlich ist
auch zu bedenken, daß die Kosten für die aus dem Protein für die Hefevermehrung
bereitstellbaren N-Verbindungen mit den Kosten für entsprechende anorganische N-
Verbindungen in Relation gesetzt werden müssen. Da das Protein aus dem Rückbrot
in den Prozeß der Brotherstellung zurückgeführt werden kann, ist der Mehlpreis der
Referenzpreis für einen solchen Vergleich.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 63
5.2 Aerobe und anaerobe Fermentation des Fermentationssubstrats und
Verwendung der Produkte
Die Gestaltung der Fermentation des aus dem Brotsirup gewonnenen
Fermentationssubstrats stellte die zentrale Problemstellung in der Entwicklung des
Verfahrens dar. Für die Lösung der Aufgabe wurde anfänglich, ausgehend von dem
zitierten russischen Fermentationssystem, versucht, die Fermentationen möglichst
einfach und sicher zu gestalten. Diese Vorgabe ergab sich aus der Überlegung, daß
die Fermentationsanlage genauso wie Sauerteig- und Vorteiganlagen oder die
Anlage zur Herstellung des Flüssigferments unter den in Brotfabriken üblichen
unsterilen Bedingungen zu betreiben sein würden.
Hinsichtlich dieser unsterilen Bedingungen ist darauf hinzuweisen, daß die
genannten Verfahren hauptsächlich durch die während den Fermentationen
entstehende pH-Wert-Absenkung vor Verderb geschützt werden. Dabei wirken die
Verfahrensbedingungen so selektiv, daß sich im wesentlichen nur Mikroorganismen
vermehren können, welche für die Teigeigenschaften entscheidend sind. Das gilt
auch für die Herstellung des Flüssigferments, dessen Besonderheit gegenüber der
Herstellung von Sauerteigen oder mit Hefe geführten Vorteigen darin besteht, daß
zwei Fermentationen hintereinander ablaufen, die je für sich für die Herstellung der
Endprodukte gleichbedeutend sind. Es handelt sich hierbei in der ersten Stufe um die
mit pH-Wert-Absenkung verbundene Milchsäurebildung durch L.delbrueckii und in
der zweiten um die Vermehrung von Backhefe. Die Fermentation mit L.delbrueckii
erfüllt für die Backhefevermehrung die Funktion des Schutzes vor Verderbniserregern
und für die Bildung des Brotteiges die Funktion seiner Säuerung. Die
Backhefevermehrung ist auf die Gasbildung des Brotteiges gerichtet, die als Trieb
bezeichnet wird. Das gesamte Verfahren der Flüssigfermentherstellung verläuft
kontinuierlich und ist in einem kontinuierlichen Prozeß der Brotherstellung im
wöchentlich ablaufenden Rhythmus integriert.
Demgegenüber zielen Sauerteigfermentationen und Vorteigfermentationen mit Hefe
nur auf die Vermehrung einer Mikroorganismenart (Milchsäurebakterien) und/oder
deren Stoffwechselleistung (Backhefe). Die Stoffwechselleistungen der
Mikroorganismen sind dabei mit den im Teig ablaufenden enzymatischen Reaktionen
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 64
verbunden. Die Stoffwechselleistungen und die enzymatischen Reaktionen führen
zusammen zu den funktionellen sowie sensorischen Eigenschaften des Brots und
haben daran quantifizierbare Anteile.
Die Quantifizierbarkeit der Einzelwirkungen an der Gesamtwirkung der
Stoffwechselleistung der Mikroorganismen und der enzymatischen Reaktionen
ergeben sich aus der Art der Teigführung. Erläuternd sei zu diesem Tatbestand
darauf hingewiesen, daß es von der Höhe des Säuregrads im Sauerteig und dem
Anteil des Sauerteigs am Gesamtbrotteig abhängt, wie sauer das Brot schmeckt. Ein
weiteres Beispiel ist die Hefezugabe zum Teig. Je größer diese ist, um so größer ist
die Volumenzunahme pro Zeiteinheit, so daß über die Hefezugabe die
Geschwindigkeit der Teigbereitung und damit die Zeit für die Brotherstellung
gesteuert werden kann.
Bezüglich der Verwendung des Flüssigferments in russischen Brotfabriken war für
die erstrebte Verfahrensentwicklung dessen Gehalt an Hefe und Milchsäure sowie an
Feststoffen aus dem Nährsubstrat für seine Verwendung zum Brotbacken von
großem Interesse. Das auf der Basis von Getreide hergestellte Flüssigferment
enthält pro kg bei optimaler Führung der beiden aufeinander abgestimmten
Fermentationen etwa 10 g Milchsäure, 30-40 g Hefe, 50-60 g Ethanol und ca.
50-60 g aus Protein und Ballastoffen bestehende Feststoffe, die hier aus Gründen
der Verwendung gleicher Fachbegriffe zu dem neu entwickelten Verfahren als
Proteinfraktion bezeichnet wird (Tab.11). Diese Massebilanz wurde teilweise aus der
Literatur übernommen (23) und teilweise aus Sekundärliteratur errechnet (15).
Tabelle 11: Zusammensetzung des Flüssigferments
Flüssigferment Konzentration
(g Stoff/kg Flüssigferment)
Backhefe 30-40
Milchsäure 10
Proteinfraktion 50-60
Ethanol 50-60
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 65
Das Flüssigferment wird, bezogen auf eine Weizenmehlmenge von 1.000 g, in einer
Menge von 150-250 g zum Teigherstellen und Brotbacken verwendet. Das bedeutet,
daß der Teig mit einer auf die Mehlmenge bezogenen Hefezugabe von ca. 1%
fermentiert wird. Gleichzeitig wird dabei der Trockenmasseanteil der Teigrezeptur
durch die Proteinfraktion um ca. 1% vergrößert. Die Proteinfraktion wirkt sich
zusammen mit der Milchsäurezugabe von ca. 0,2%, wiederum bezogen auf die
Mehlmenge, geschmacksbildend aus. Es entstehen mit dieser russischen Rezeptur
wohlschmeckende Weizenbrote mit einem im Vergleich zu deutschen Weizenbroten
gleichen Gewichts deutlich kleinerem Volumen und dichterer Krume.
Das Flüssigferment dieser Zusammensetzung kann nicht dazu verwendet werden,
um die Hefemenge zum Backen zu vergrößern, weil sich damit gleichzeitig die
Zugabemenge an Säure und Proteinfraktion erhöhte. Das hätte sowohl für die
Krumenausbildung als auch den Geschmack des Brotes nachteilige Folgen. Für den
Einsatz des Flüssigferments ist außerdem von Interesse darauf hinzuweisen, daß der
Ethanolgehalt im Teig mit den Backschwaden ausgetrieben wird. Das Ethanol könnte
aufgrund seiner hohen Konzentration im Backschwaden durch dessen Kondensation
und Destillation zurückgewonnen werden. In ähnlicher Weise könnte das zum
Ethanol korrespondierende Kohlendioxid bereits während der anaeroben
Fermentation in der zweiten Fermentationsstufe, in der die Hefevermehrung erfolgt,
durch Verflüssigung gewonnen werden.
Wird nun die Verfahrenstechnik zur Herstellung des Flüssigferments unter dem
Gesichtspunkt der Verwendung von Rückbrot als Rohstoff auf die eingangs genannte
Produktionsmenge der deutschen Brotfabrik in ihren Produktströmen quantifiziert,
dann könnten für die Herstellung des für 300 t Brot aus 200 t Weizenmehl
erforderlichen Flüssigferments von 40 t (Zugabemenge: 200 ml Flüssigferment auf
1.000 g Mehl) 11 t Rückbrot eingesetzt werden. Über die Herstellung und aus dem
Flüssigferment könnten neben der vollständigen Verwertung seines der
Proteinfraktion entsprechenden Feststoffanteils von ca. 2,5 t, seines Hefeanteils von
ca. 1,6 t und seines Säuregehalts von ca. 0,4 t, außerdem ca. 2,2 t Ethanol und ca.
2,0 t Kohlendioxid gewonnen werden. Dieses Beispiel könnte aber nur in einer Fabrik
verwirklicht werden, die nur eine Brotsorte herstellte.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 66
Das Beispiel ist aus verschiedenen Gründen für die beispielhaft betrachtete Fabrik
irreal. Diese produziert aus weit voneinander verschiedenen Rezepturen ein breites
Sortiment an Brot und Kleingebäck. Darunter sind reine Weizenbrote, die ohne
Sauerteig gebacken werden, ebenso wie Mischbrote, die mit Sauerteig gebacken
werden. Allein deshalb würde der Einsatz des milchsauren Flüssigferments nicht für
die Herstellung aller im Sortiment befindlichen Backwaren geeignet sein. Das wäre
nur möglich, wenn aus dem Flüssigferment die Hefe abgetrennt würde, um auf diese
Weise zwei Produkte zu erhalten, die je getrennt für sich eingesetzt werden könnten.
Die Brotfabrik müßte außerdem nicht nur 11 t Rückbrot mit der Fermentationsanlage
zum Flüssigferment verarbeiten, sondern 30 t, die ihrer durchschnittlich täglich
anfallenden Rückbrotmenge entsprechen (vgl. Kap.3). Dadurch würde aber bei
gleicher Prozeßführung, insbesondere gleicher Hefekonzentration im Flüssigferment,
eine ca. 3 mal größere Menge an Flüssigferment anfallen. Es würde dann zwar der
Bedarf der Fabrik an Hefe von ca. 5 t/d gedeckt sein und die Gesamtmenge an
Flüssigferment wäre auch nicht größer als die für die Teigbereitung erforderliche
Wassermenge, doch ergäbe sich selbst dann, wenn die Hefe aus dem
Flüssigferment abgetrennt würde, das Problem, daß die verbleibende
Flüssigfermentmenge zu groß wäre, um auf die Herstellung der Teige verteilt werden
zu können, die gesäuert werden müßten.
Damit verliert das russische Verfahren zur Herstellung des Flüssigferments für
deutsche Brotfabriken aus der Sicht der Verwertung des Rückbrots an Bedeutung,
obgleich es auch dafür einige wesentliche Vorteile aufweist. Diese Vorteile sollen hier
noch einmal explizit erwähnt werden, um an ihnen die schrittweise Vorgehensweise
zur Lösung der Aufgabenstellung im Bereich der Fermentation aufzeigen zu können.
Die Vorteile bestehen darin, daß
- die Fermentationen kontinuierlich ablaufen
- aus den stabilen Fermentationen (Versäuerung und Hefevermehrung) der
Aufbau eines einfachen und sicheren Prozesses und seiner entsprechend
einfachen Kontrolle resultiert.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 67
- unter den weitgehend anaeroben Bedingungen die Hefe relativ stabil vermehrt
werden kann. Der Vorgang ist dem in Brauereien üblichen Gärverfahren
vergleichbar.
- die Gewinnung von Nebenprodukten (Ethanol, Kohlendioxid) einfach wäre.
Die Ethanolgewinnung ließe sich in diesem Fall besonders energieeffizient
gestalten, weil das Ethanol beim Backen in hoher Konzentration in die
Backschwaden gelangte. Der für das Backen erforderliche Energieaufwand
könnte sozusagen in situ für die Destillation des Ethanols mitverwendet
werden.
Stabil läßt sich die Hefe auch bei dem russischen Verfahren allerdings nur unter der
Voraussetzung vermehren, daß gewisse Nährstoffe, darunter N-Verbindungen,
zugeführt werden. Das ist erforderlich, weil das Protein unter den
Verfahrensbedingungen weder aus Getreide (Malz) noch aus Mehl oder für den Fall
des Einsatzes von Rückbrot als Rohstoff für die Hefe in Form von resorbierbaren N-
Verbindungen zur Verfügung steht, um eine Hefekonzentration im Flüssigferment von
40-60g/L zu ermöglichen.
5.2.1 Nährstoffversorgung bei den Fermentationen
Die Nährstoffversorgung wurde zunächst über ein Modellexperiment überprüft. Dazu
wurde das Verfahren zur Flüssigfermentherstellung im Labormaßstab mit einem aus
Glucose und Weizenkleie hergestellten Modellsubstrat nachgestellt. Die Kleiezugabe
erfolgte mit der Absicht, darüber außer der Kohlenstoffquelle alle anderen Nährstoffe,
darunter auch die erforderlichen Mikronährstoffe (Vitamine, Wuchsstoffe), sowohl in
ausreichender Menge als auch in resorbierbarer Form zuzuführen.
Aus der Tabelle 12 geht hervor, daß unter der kontinuierlichen Führung der
anaeroben Fermentation des zuvor mit L. delbrueckii gesäuerten und danach durch
Sieben geklärten Modellsubstrats die Anfangskonzentration der Frischhefe über die
Fermentationszeit nicht aufrecht erhalten werden konnte. Sie war nach 5 Tagen
bereits von 41,7 g/L auf 26,5 g/L abgesunken. Dazu gleichförmig war ihre Triebkraft
zurückgegangen und die Ausbeute an Backhefe aus dem Substrat hatte
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 68
entsprechend abgenommen. Sie lag mit 4,8 g HTS/100g Glucose deutlich unter der
zu erwartenden Hefevermehrung bei anaerober Fermentation, die 7,5 g HTS/100g
Glucose hätte betragen können. Die beobachtete Zunahme des Säuregrads über die
Fermentationszeit war auf das Pufferungsvermögen des Kleieextrakts und die
Vermehrung von L. delbrueckii unter den anaeroben Fermentationsbedingungen
zurückzuführen.
Tabelle 12: Ergebnisse der kontinuierlichen Hefevermehrung mit dem Modellsubstrat
unter anaeroben Bedingungen: Laboranlage
Parameter Zeit (h)
24 48 72 96 120
Frischhefe (g/l) 41,7 39,5 32,3 25,8 26,5
Triebkraft (%) 83,0 64,0 65,0 57,0 45,0
Ausbeute
(g HTS/100g Glucose)
7,2 6,9 5,9 5,3 4,8
pH-Wert/ Säuregrad 3,9/16,6 3,9/17,8 3,9/21,2 3,7/23,6 3,7/28,8
Da aus diesen Versuchen nicht geschlossen werden konnte, ob die Abnahme der
Hefekonzentration und daraus folgend der Ausbeute bei Überschuß der
Kohlenstoffquelle (Glucose) von einer Limitierung des Angebots an den anderen
Nährstoffen, vor allem an N-Verbindungen, oder von den sonstigen anaeroben
Fermentationsbedingungen verursacht worden war, wurde der Verfahrensablauf der
Modellfermentation um eine Fermentationsstufe erweitert. Das geschah, um die
Fermentation auch unter aeroben Bedingungen quasi im Sinne der sogenannten
„aeroben Gärung“ (15) führen zu können (Abb. 5).
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 69
Zulauf
Ablauf
Hefe
(aerob)
Hefe
( anaerob )
Zulauf
Abbildung 5: Schematischer Aufbau der Laboranlage zur aerob-anaeroben
Backhefeproduktion.
Die Ergebnisse zeigen, daß die Nährstoffzufuhr, einschließlich die der
Mikronährstoffe, nicht die Ursache für die Konzentrationsabnahme der Backhefe im
Nährmedium des vorausgegangenen Versuchs gewesen war (Tab. 13), weil die
Hefekonzentration unter den teilweise aeroben Fermentationsbedingungen dieses
Versuchs über die Fermentationszeit von drei Tagen sogar leicht angestiegen war.
Die Hefeausbeute war in diesem Zeitraum gleich geblieben und die Triebkraft hatte
sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Die Triebkraft entsprach praktisch der
Triebkraft der zum Vergleich herangezogenen kommerziellen Frischhefe. Unter
diesen teilweise aeroben Bedingungen blieb der Säuregrad konstant, weil sich die
strikt anaeroben Milchsäurebakterien unter diesen Versuchsbedingungen offenbar
nicht mehr vermehrten. Der Ethanolgehalt korrespondierte mit der Hefeausbeute, die
aufgrund der Sauerstoffzufuhr mit ca. 11g HTS/100g Glucose deutlich über der bei
anaerober Fermentation zu erwartenden lag.
Damit war bewiesen, daß durch die Aufteilung der Fermentation in zwei aufeinander
folgende und über die Verbindung des Ablaufvolumenstroms des ersten Fermenters
mit dem zweiten voneinander abhängige Prozesse, wobei der erste nach dem Prinzip
der aeroben Gärung arbeitete und der zweite eine rein anaerobe Fermentation war,
die gesamte Hefemenge der Fabrik, die 1.350kg HTS/d beträgt (vergl. Kap. 3),
hergestellt werden könnte. Dazu wäre entsprechend der Versuchsbedingungen eine
Aufteilung der Glucose des Brotsirups zu 20% für die Hefevermehrung und zu 80%
für die Ethanol- und Co2-Bildung erforderlich. Die Aufteilung der Fermentation in zwei
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 70
Prozesse ist vor allem für die Gewinnung des CO2 notwendig, weil damit nur ein Teil
des Fermentationssubstrats belüftet werden muß. Die übliche Durchführung der
aeroben Gärung hätte die Belüftung des gesamten Fermentationssubstrats zur
Folge. Dadurch würde das CO2 so stark mit Luft verdünnt, daß seine Gewinnung
unwirtschaftlich wäre. Der Nachteil der Vorgehensweise bestünde aber darin, daß
durch die Verbindung des ersten mit dem zweiten Fermenter und der für den Betrieb
des ersten Fermenters notwendigen Verdünnung des Brotsirups das
Fermentationssubstrat im zweiten Fermenter verdünnt würde.
Tabelle 13: Ergebnisse der kontinuierlichen Hefevermehrung mit dem Modell-
substrat unter aeroben und anaeroben Bedingungen: Laboranlage
Parameter Zeit (h)
24 48 72
Frischhefe (g/l) 29,7 35,0 34,7
Triebkraft (%) 47,0 96,0 91,0
Ausbeute, gesamt
(g HTS/100 g Glucose)
10,6 11,0 11,2
pH-Wert/Säuregrad 4,1/10,8 4,0/12,4 3,9/12,2
Umsatzrate
(g Ethanol/ 100 g Glucose)
n.b.
40,4
41,2
Es mußte nun gezeigt werden, daß mit Brotsirup die gleichen Ergebnisse wie mit
dem Modellsubstrat erzielt werden können. Diesbezüglich geht aus der Tabelle 14
hervor, daß mit Brotsirup über 96h kontinuierliche Fermentation bei annähernd
vergleichbarer Hefekonzentration zwar eine zum Modellsubstrat vergleichbare
Backhefeausbeute erhalten werden konnte, deren Triebkraft war aber deutlich kleiner
als die mit dem Modellsubstrat vermehrte. Für diesen Unterschied kamen drei
Ursachen in Betracht. Sie waren in der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr sowie der
Vermehrung von Fremdorganismen, vor allem Fremdhefen, zu suchen.
Zur Feststellung der Ursachen wurde ein Fermentationsversuch durchgeführt, bei
dem die Nährstoffzufuhr durch den Zusatz von Nährsalzen und Mikronährstoffen so
dosiert wurde, daß sie für eine Hefekonzentration von 150g/L ausreichend war. Die
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 71
Sauerstoffzufuhr entsprach der des vorausgegangenen Versuchs. Außerdem wurde
der Versuch unter sterilen Bedingungen durchgeführt.
Tabelle 14: Ergebnisse der kontinuierlichen Hefevermehrung unter aeroben und an-
aeroben Bedingungen mit Brotsirup: Laboranlage
Parameter Zeit (h)
24 48 72 96
Frischhefe (g/l) 38,1 32,8 30,0 27,4
Triebkraft (%) 78,0 75,0 71,0 67,0
Ausbeute, gesamt
(g HTS/100g Glucose)
13,6 12,2 11,6 9,8
pH-Wert/Säuregrad:
Substrat, aerob
Substrat, anaerob
3,6/8,7
3,6/14,0
3,6/8,8
3,6/14,6
3,8/9,4
3,6/16,6
3,4/14,6
3,5/16,8
Umsatzrate
(g Ethanol/100 g Glucose)
39,8
34,3
41,3
41,0
Über die Versuchszeit der kontinuierlichen Fermentation von 14 Tagen kam es zu
keiner Vermehrung von Fremdorganismen und die Triebkraft blieb auf dem Niveau
der zum Vergleich eingesetzten kommerziellen Backhefe (Frischhefe) (Tab. 15). Die
anfängliche Hefekonzentration von 150g/L ging in den ersten 6 Tagen jedoch schnell
zurück und stabilisierte sich dann bei etwa 40g/L. Diese Hefekonzentration entsprach
der bei den vorausgegangenen Versuchen gemessenen. Durch die Abnahme der
anfänglichen Hefekonzentration um den Faktor 3-4 stand folglich ein entsprechend
größeres Nährstoffangebot für die Vermehrung der Backhefe bei der niedrigen
Hefekonzentration zur Verfügung. Damit ist belegt, daß die Ursache für die im
vorangegangenen Versuch beobachtete Abnahme der Hefekonzentration
hauptsächlich auf die Sauerstoffversorgung zurückzuführen war. Es hat sich ferner
erwiesen, daß eine optimale Nährstoffzufuhr unter sterilen Bedingungen zu einer
optimalen Triebkraft der Backhefe führte. Das Überangebot an Glucose wurde unter
den Versuchsbedingungen zu Ethanol und CO2 (aerobe Gärung) umgesetzt.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 72
Tabelle 15: Ergebnis der kontinuierlichen Hefevermehrung mit Brotsirup unter
sterilen Bedingungen bei einer anfänglichen Hefekonzentration von 150g/L:
Laboranlage
Tage Zellkonzentration
(g Frischhefe/L)
Anzahl an
Fremdorganismen
Triebkraft ( % )
1 152 0 112
2 143 0 104
3 143 0 109
4 120 0 115
5 86 0 98
6 38 0 85
7 40 0 110
8 43 0 102
9 42 0 86
10 38 0 89
11 35 0 97
12 36 0 105
13 42 0 96
14 36 0 85
Zur Bestätigung des Versuchsergebnisses wurde unter gleichen Bedingungen ein
weiterer Versuch durchgeführt, bei dem die anfängliche Hefekonzentration auf 40g/L
eingestellt wurde und die Nährstoffzufuhr, einschließlich der C-Quelle auf den
stabilen Erhalt dieser Konzentration eingestellt wurde (aerobe Hefevermehrung). Die
über 5 Tage durchgeführte Fermentation verlief unter Erhalt der Hefekonzentration,
der Triebkraft und ohne Vermehrung von Fremdorganismen (Tab. 16).
Aus den Versuchsergebnissen konnte geschlossen werden, daß es für die
Verwendung des Fermentationssubstrats aus Brotsirup zur Vermehrung von
Backhefe erforderlich ist, den für die Hefevermehrung vorgesehenen Teilstrom zu
belüften. Damit wird die Voraussetzung dafür geschaffen, daß sich bei ausreichender
Nährstoffzufuhr eine stabile und hohe Triebkraft einstellt. Dies galt unabhängig
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 73
davon, ob die Hefevermehrung auf dem Weg der aeroben Gärung oder aerob
erfolgte.
Tabelle 16: Konzentration an Backhefe und Fremdorganismen sowie Triebkraft der
Backhefe bei der kontinuierlichen Fermentation über einen Zeitraum von 5 Tagen:
Laboranlage
Tage Hefekonzentration
(g Frischhefe/l)
Anzahl an
Fremdorganismen
Triebkraft ( % )
1 40 0 130
2 45 0 102
3 48 0 115
4 39 0 98
5 44 0 105
Da jedoch aus dem prozeßtechnischen Grund der CO2-Gewinnung die
Hefevermehrung auf einen Teilstrom des Fermentationssubstrats begrenzt werden
muß, liegt es nahe, die Hefevermehrung vollständig aerob durchzuführen. Es kann
dann der Vorteil genutzt werden, bei hoher Hefekonzentration im Fermentervolumen
arbeiten zu können.
Gleichzeitig kann damit dann der vom Fermentationssubstrat abzunehmende
Volumenstrom auf ein Fünftel seines Gesamtvolumens begrenzt werden.
Entsprechend stünde auch nur ein Fünftel der Glucose nicht für die bei der
anaeroben Umsetzung der Glucose zu Ethanol und CO2 für die CO2 Gewinnung zur
Verfügung. Demgegenüber hinge die Größe dieses Volumenanteils bei der aeroben
Gärung von der Sauerstoffzufuhr ab und wäre entsprechend der Ethanolbildung
größer als bei rein aerober Hefevermehrung.
Der weitere Vorteil der aeroben Hefevermehrung aus einem Teil des
Fermentationssubstrats besteht darin, daß der verbleibende Teil mit seiner bei der
Herstellung anfallenden Glucosekonzentration direkt zur Ethanol- und CO2-
Herstellung verwendet werden kann. Beide Stoffe fallen dadurch in einer für ihre
Gewinnung durch Destillation und Verflüssigung vorteilhaften Konzentration an. Das
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 74
ist für die Führung der Prozeßströme von ausschlaggebender Bedeutung, weil das in
den Prozeß eingetragene Frischwasser über das Fermentationssubstrat und nach
dessen Verwertung zur Milchsäurebildung und Hefevermehrung sowie Ethanol- und
CO2-Gewinnung als mit löslichen und teilweise suspendierten Stoffen aus dem
Rückbrot beladenes Prozeßwasser als Schüttwasser und Teigsäuerungsmittel in den
Prozeß der Brotherstellung eingeführt werden soll (vergl. Abb. 1, 4).
Es zeichnete sich folglich ab, daß die wichtigste Aufgabe für die Maßstab-
vergrößerung von der Laboranlage zur Technikumsanlage darin zu sehen war, die
aerobe Fermentation im Hinblick auf einen möglichst kleinen Ablaufvolumenstrom zu
optimieren, weil von ihm der Anfall an Flüssigsauer, respektive Schüttwasser
entscheidend beeinflußt wird. Zur Erläuterung dieser Abhängigkeit sei darauf
hingewiesen, daß der Ablaufvolumenstrom aus dem aeroben Fermenter um so
kleiner ist, je höher die Hefekonzentration im Fermenter ist. Die Ablau-
volumenströme aus dem aeroben und dem anaeroben Fermenter dürfen nicht größer
werden als es dem Bedarf der Brotfabrik an milchsaurem Teigsäuerungsmittel bzw.
Schüttwasser entspricht, um das Verfahren der Rückbrotverwertung ohne
Abwasseranfall durchführen zu können.
Aus dieser Problematik erklärt sich auch, weshalb die Entscheidung ganz
unabhängig von dem russischen Verfahren der Flüssigfermentherstellung für eine
kontinuierliche aerobe Hefevermehrung fiel. Der Grund dafür lag darin, daß bezogen
auf die produzierte Hefemenge der Ablaufvolumenstrom eines kontinuierlich
arbeitenden Fermenters kleiner ausfallen kann als es dem Füllvolumen eines
Fermenters entspricht, der nach dem Zulaufverfahren betrieben wird.
Diese Überlegungen lassen erkennen, daß das russische Fermentationssystem nicht
an die besonderen Bedingungen der Verwertung des Rückbrots in der deutschen
Brotfabrik adaptiert werden kann. Dem stünde allein schon die für die Einstellung der
Triebkraft erforderliche Einführung der aeroben Gärung entgegen, weil diese mit der
CO2-Gewinnung verbunden werden müßte.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 75
5.2.2 Mikronährstoffversorgung für die aerobe Hefevermehrung
Die Abtrennung der Hefevermehrung von der Ethanol- und CO2 -Gewinnung warf die
Frage nach der Mikronährstoffversorgung der Hefe über das Fermentationssubstrat
auf. Die Hefe würde bei einer aeroben Gärung für ihre Vermehrung unter dem
vorgegebenen Teilungsverhältnis für die Glucoseverwertung der gesamte Gehalt des
Fermentationssubstrats an Vitaminen und Wuchsstoffen zur Verfügung stehen, im
Falle der rein aeroben Hefevermehrung wäre es aber nur ein Fünftel davon. Deshalb
wurde untersucht, welchen Beitrag die über die Stufen der Rückbrotaufarbeitung in
das Fermentationssubstrat gelangten Vitamine Biotin, Pantothensäure und Thiamin
sowie der Wuchsstoff m-Inosit zur Hefevermehrung leisten konnten. Da die
Ergebnisse dieser Untersuchung bereits publiziert sind (42), sollen hier nur die
wichtigsten daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen zitiert werden.
Die Ergebnisse haben gezeigt, daß bezogen auf die im Fermentationssubstrat
enthaltene Glucose eine ausreichende Versorgung der Hefe mit Vitaminen und
Wuchsstoffen nicht gegeben war. Nur der Wuchsstoff Inosit lag in dafür
ausreichender Menge vor. Der Vitaminmangel im Fermentationssubstrat führte zu
einem Vitamingehalt in der Backhefe, der erheblich niedriger war als der aus der
Literatur für Backhefe bekannte. Die Triebkraft der ohne Vitamin- und
Wuchsstoffsupplementierung hergestellten Backhefe fiel deutlich niedriger aus als
die in der Backhefe, die bei der Vermehrung optimal mit diesen Mikronährstoffen
versorgt wurde. Das Fermentationssubstrat mußte deshalb für die aerobe
Hefevermehrung zur Einstellung einer hohen Triebkraft mit Biotin, Pantothensäure
und Thiamin supplementiert werden. Die Supplementierung betrug bezogen auf 100g
im Fermentationssubstrat enthaltener Glucose 80-90% des Bedarfs. Aus dieser
Aufgabe geht auch hervor, daß selbst wenn die Hefevermehrung für ein Fünftel des
Glucoseangebots durch aerobe Gärung ohne CO2-Gewinnung durchgeführt würde,
die Versorgung mit diesen Vitaminen aus der Gesamtmasse des
Fermentationssubstrats im Bereich der Unterversorgung läge.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 76
5.2.3 Verwendung der Flüssighefe, des Flüssigsauers und der Proteinfraktion
Die Verwendung der verfahrenskonform hergestellten Backhefe und des
Flüssigsauers stellte für die Maßstabvergrößerung von der Labor- zur
Technikumsanlage einen entscheidenden Meilenstein dar, weil davon die
Umsetzbarkeit des Verfahrens abhängt. Diesbezüglich wurde erstrebt, die aus dem
aeroben Fermenter kontinuierlich abzuscheidende Backhefe ohne die bei der
technischen Herstellung von Frischhefe übliche und notwendige Aufreinigung direkt
für die Brotherstellung einzusetzen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht in
einer beträchtlichen Einsparung von Prozeßschritten, die entsprechend mit Kosten
verbunden sind. Gleichzeitig bringt die Verwendung der dabei flüssig anfallenden
Backhefe den weiteren Vorteil, daß damit ein Teil des Prozeßwassers direkt in der
Brotherstellung aufgeht. Die Konzentration der Backhefe in diesem Backhefestrom
läßt sich in weiten Grenzen variabel gestalten. Sie findet ihre Begrenzung
ausschließlich in ihrer Wirkung auf die Qualitätsmerkmale des Brotes. Die im
Prozeßwasser durch Zentrifugalabscheidung konzentrierte Hefe wird im Kontext
dieser Arbeit als Flüssighefe bezeichnet.
Für die Verwendung des Flüssigsauers zur Brotherstellung war ebenfalls dessen
Einfluß auf die Qualitätsmerkmale des Brotes entscheidend. Diesbezüglich wurde
insbesondere der Einfluß der einzelnen Verfahrensschritte des gesamten Verfahrens
auf die sensorischen Merkmale des erst nach der anaeroben Fermentation
anfallenden Flüssigsauers als kritisch angesehen. Ähnliche Überlegungen waren für
die Verwendung der Proteinfraktion zu treffen.
Zur Feststellung der vorgesehenen Anwendung der drei im Prozeß anfallenden
Produkte wurden diese mit der Laboranlage gemäß der im Kapitel Material und
Methoden gegebenen Angaben in für Laborversuche ausreichender Menge
hergestellt. Die Produkte wurden dann in Rezepturen für Standardbackversuche
eingearbeitet und es wurden mit den so hergestellten Teigen die entsprechenden
Brote gebacken. Da sich geschmackliche Veränderungen beim Einsatz der
Flüssighefe und des Flüssigsauers am ehesten in Weizenbroten bemerkbar machen
würden, wurden mit den Produkten Weizenkastenbackversuche durchgeführt.
Darüber hinaus wurde der Flüssigsauer auch für die Herstellung eines Mischbrots
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 77
aus je 50% Weizen- und Roggenmehl eingesetzt. Die Proteinfraktion wurde nur in
Mischbrotrezepturen eingearbeitet. Die mit der jeweiligen Standardrezeptur
hergestellten Brote dienten als Vergleich für die mit den drei Produkten gebackenen
Brote.
Aus den in den Tabellen 17 und 18 beispielhaft dargestellten Ergebnissen geht
hervor, daß der Einsatz der Produkte sich für die Brotherstellung als unproblematisch
erwies und die Qualitätsmerkmale der Brote in der für die gewählten Brottypen
üblichen Schwankungsbreite lag. Damit war der für die Fortsetzung der
Verfahrensentwicklung besonders wichtige Meilenstein erfolgreich erreicht. Es konnte
nun unter Verwendung der Erkenntnisse zur Gestaltung des Verfahrensablaufs daran
gegangen werden, die Technikumsanlage aufzubauen, um Details zur
Verfahrensführung zu erarbeiten.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 78
Tabelle 17: Weizenbackversuche mit Flüssighefe und Flüssigsauer: Laboranlage
Rezeptur/Ergebnis Backversuch
Vergleich Flüssighefe Flüssigsauer
Mehl
Weizen (T 550) (g)
500
500
500
Hefe
handelsübliche Hefe (g)
Flüssighefe (g)
20
-
-
35
5
-
Flüssigsauer (g) - - 100
Wasser (g) 300 279 200
Salz (g) 10 10 10
Knetdauer (g) 5 5 5
Teiggewicht (g) 817 827 820
Teigbeschaffenheit normal normal normal
Teigausbeute 163 165 164
Teiggare (min) 20 20 20
Teigeinlage (g) 600 600 600
Stückgare (min) 50 80 50
Backzeit (min) 30 30 30
Gebäckgewicht (g) 514 533 536
Gebäckvolumen (ml) 1650 1420 1640
Porenbild 7 7 7
Eingesetzte Mehlmenge (g) 367 363 366
Brotausbeute (g) 140 147 147
Backverlust (5) 14 11 11
Volumenausbeute (ml) 449 391 448
Volumenfaktor 125 92 124
Porenfaktor 90 90 90
Backzahl 112 82 112
Form noch normal normal normal
Bräunung kräftig kräftig normal
Lockerung 20 20 20
Gleichmäßigkeit 0 0 5
Elastizität 0 0 0
Wertzahl 132 102 137
Geschmack normal normal aromatisch
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 79
Tabelle 18: Roggenbackversuche mit Proteinfraktion und Flüssigsauer: Laboranlage
Rezeptur/Ergebnis Backversuch
Vergleich Protein-
fraktion
Flüssigsauer
Mehl
Weizen ((T 550) (g)
Roggen (T 997) (g)
500
500
500
500
500
500
Hefe
handelsübliche Hefe (g)
20
20
20
Trockensauerteig (g) 8 8 -
Proteinfraktion (g) - 200 -
Flüssigsauer (g) - - 680
Wasser (g) 680 680 -
Salz (g) 20 20 20
Teiggewicht/-einlage (g) 1700 1889 1737
Teigbeschaffenheit normal etwas feucht normal
Teigausbeute 170 189 174
Teiggare (min) 20 20 20
Stückgare (min) 50 50 50
Backzeit (min) 60 60 60
Brotgewicht (g) 1492 1687 1557
Brotvolumen (ml) 3620 3840 3150
Brotausbeute (g) 149 169 156
Ausbackverlust (%) 12 11 10
Volumenausbeute (ml) 362 384 315
pH-Wert 5,15 4,54 4,31
Säuregrad 4,9 6,2 7,3
Wölbung gut etwas flach etwas rund
Bräunung normal kräftig normal
Krumenlockerung gut gut gut
Porengleichmäßigkeit gleichmäßig gleichmäßig gleichmäßig
Krumenelastizität gut gut gut
Kaufähigkeit gut gut gut
Geschmack mild einwandfrei aromatisch
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 80
5.3 Backhefeherstellung mit der Technikums- sowie der Pilotanlage und
Verwendung der Backhefe
Da aus den mit der Laboranlage erhaltenen Ergebnissen hervorging, daß die aerobe
und die anaerobe Fermentation voneinander getrennt betrieben und der
Ablaufvolumenstrom aus beiden Fermentationen im Hinblick auf einen
kleinstmöglichen Anfall optimiert werden sollte, um den nach den Fermentationen
verbleibenden Volumenstrom als Flüssigsauer in Form von Schüttwasser bei der
Brotherstellung verwenden zu können, wurde der Stand der Technik für die
Ethanolherstellung aus stärkehaltigen Substraten zusammen mit dem Teilungs-
verhältnis der für die Backhefe- und Ethanolherstellung erforderlichen Glucose aus
dem Brotsirup für ein Konzept der Führung der Stoffströme herangezogen.
Dem Stand der Technik entsprechend sollte die Glucosekonzentration des für die
Ethanolherstellung vorgesehenen Teilstroms zwischen 15-18% betragen. Eine
höhere Glucosekonzentration kann nicht gewählt werden, weil die Hefe durch
Ethanolkonzentrationen oberhalb 7% stark in ihrer Stoffwechselaktivität beeinträchtigt
wird. Eine Glucosekonzentration in dem genannten Bereich kann aus dem Brotsirup
leicht hergestellt werden, weil aus energiewirtschaftlichen Gründen die
Einmaischkonzentration auf einen Feststoffgehalt von ca. 40% eingestellt wird.
Daraus resultiert für einen durchschnittlichen Stärkegehalt im Rückbrot von 63,8% in
der Trockenmasse (vgl. Tab. 3) und einen in der Sirupbereitungsstufe erreichbaren
Hydrolysegrad der Stärke zu Glucose von 90% (vgl. Abb. 3) eine Glucose-
konzentration im gesäuerten Brotsirup von ca. 22%.
Für die Ethanolherstellung und die damit verbundene Kohlendioxidherstellung
braucht der Brotsirup nur auf die vorgenannte Konzentration verdünnt zu werden.
Dieser Verdünnungsschritt kann für die zusätzlich vorgesehene Backhefeerstellung
dazu verwendet werden, um die dafür erforderliche Glucosemenge von einem Fünftel
der Gesamtmenge in einem entsprechend großen Teilstrom abzuzweigen. Das kann,
wie bereits gezeigt (vgl. 5.1.3.4), durch Zentrifugalabscheidung des aus dem
verdünnten Brotsirup sedimentierbaren Feststoffanteils geschehen. Diesbezüglich ist
es im Hinblick auf die direkte Verwertung der Backhefe in der Brotfabrik in Form von
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 81
Flüssighefe als vorteilhaft anzusehen, daß mit der Zentrifugalabscheidung nur eine
Teilklärung des entstehenden Oberlaufs erforderlich ist.
Die verbleibenden vier Fünftel des verdünnten aber nicht geklärten Brotsirups, der
zuvor zusätzlich zur Abscheidung von grobkörnigen Bestandteilen und Fremdstoffen
durch Sieben gereinigt werden sollte, können direkt als Fermentationssubstrat für die
Ethanol- und Kohlendioxidherstellung eingesetzt werden. Nach Abschluß der
Fermentation kann das Ethanol gemäß dem Stand der Technik durch Destillation aus
dem Fermentationssumpf ausgetrieben werden. Aus dem vom Ethanol befreiten
Sumpf können dann durch Zentrifugalabscheidung die Proteinfraktion und der
Flüssigsauer gewonnen werden.
Nach diesem Konzept der Führung der Stoffströme bildet der aus dem anaeroben
Fermenter anfallende Flüssigsauer einen nicht weiter reduzierbaren Volumenstrom.
Demzufolge kann der entstehende Gesamtvolumenstrom an Flüssigsauer nur über
die Führung des für die aerobe Fermentation vorgesehenen Teilstroms beeinflußt
werden. Diesbezüglich war zu prüfen, welches Potential sich dafür aus der
kontinuierlichen Backhefevermehrung gegenüber der Backhefevermehrung im
Zulaufverfahren erschließen läßt. Dabei ging es nicht allein um eine Minimierung des
Volumenstroms, sondern auch um die damit verbundene Konzentrierung der Säure.
Das ist für die Verwendung des Flüssigsauers zur Herstellung des Brotsortiments der
Fabrik wesentlich, das aus gesäuerten und ungesäuerten Backwaren besteht.
Dieses Konzept der Führung der Stoffströme weist im Hinblick auf die
Produktherstellung den besonderen Vorteil auf, daß diese stark zugunsten der
Backhefeherstellung ausgeweitet werden kann, wenn dafür die Fermenterkapazität
entsprechend ausgelegt wird und eine entsprechende Abnahme für das Produkt
vorhanden ist. Gemäß der in der Tabelle 8 dargestellten Masseverteilung können bis
zu vier Fünftel der Glucose für die Backhefeherstellung über den vorgesehenen
Verdünnungsschritt des Brotsirups mit einer Glucosekonzentration von 15% zur
Verfügung gestellt werden.
Nur für den Fall, daß annähernd die gesamte Glucosemenge im Brotsirup zur
Backhefeherstellung eingesetzt werden sollte, womit die Ethanol- und
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 82
Kohlendioxidherstellung entfiele, müßte aus dem Brotsirup die Glucose praktisch
vollständig extrahiert werden. Das gälte insbesondere dann, wenn nur eine
Teilmasse des Rückbrots verwertet werden sollte, beispielsweise zur
schwerpunktmäßigen Herstellung der Backhefe. Einen Hinweis darauf gibt das in der
Tabelle 8 und 9 aufgeführte Verteilungsschema für die Extraktion des Brotsirups über
eine zusätzlich eingeführte Extraktionsstufe. Darauf soll später im Zusammenhang
mit der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für die Anwendung des Verfahrens gezielt
eingegangen werden.
5.3.1 Optimierung der aeroben Fermentation mit der Technikumsanlage
Gemäß der schrittweisen Vorgehensweise zur Lösung der Aufgabenstellung, war
vorgesehen, die Fermentationen für die Herstellung der Produkte in Anlehnung an
das russische Verfahren so einfach wie möglich zu gestalten (vgl. 5.2). Darüber ist
bereits über die mit der Laboranlage erhaltenen Ergebnisse im vorausgegangenen
Kapitel berichtet worden. Aus diesen Ergebnisse war bereits zu erkennen, daß die
aerobe Stufe der Fermentation unter sterilen Bedingungen betrieben werden muß,
um die erforderliche Triebkraft der Backhefe erreichen zu können.
Aus der Bedingung der Sterilhaltung würde aber ein erheblicher technischer Aufwand
für den Betrieb einer technischen Anlage für die vorgesehene Rückbrotverwertung
entstehen. Deshalb wurde zunächst noch einmal mit der Technikumsanlage
überprüft, ob die aerobe Gärung unter unsterilen Bedingungen nicht doch so geführt
werden kann, daß sich unter stabiler Backhefevermehrung bei hoher Ausbeute und
relativ hoher Zellkonzentration eine ausreichende Triebstärke der Backhefe ergeben
kann. Ansatz für diese Überlegung war es, daß die Backhefevermehrung auf dem
Wege der aeroben Gärung gegenüber der rein aeroben Vermehrung den Vorteil der
schnelleren Vermehrung mit sich bringt. Es war zu prüfen, ob sich dies als
Selektionsvorteil gegenüber dem Wachstum von Wildhefen ausnutzen ließe.
Wildhefen kommen in Brotfabriken überall vor, so daß Kontaminationen der
Fermentationen mit diesen unausweichlich sind. Die Ausbreitung von Wildhefen im
Fermenter war deshalb besonders zu untersuchen, weil sich die vorgesehene
Rückführung eines Teils des nicht vollständig von Hefezellen freien
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 83
Ablaufvolumenstroms in den Fermenter darauf unterstützend auswirken kann. In
dieser Rückführung besteht der wesentliche Vorteil der kontinuierlichen Fermentation
gegenüber der Hefevermehrung im Zulaufverfahren, weil damit der Ablaufvolumen-
strom zur Verdünnung des konzentrierten Substrats vorgenommen werden kann und
so der Ablaufvolumenstrom insgesamt minimiert werden kann. Auf die Rückführung
des von der Hefe befreiten Ablaufvolumenstroms kann deshalb nicht verzichtet
werden.
Alle zur Backhefevermehrung durch aeorbe Gärung durchgeführten Versuche haben
jedoch gezeigt, daß das erstrebte Ziel unter keiner der angewendeten
Versuchsbedingungen erreicht werden konnte. Es wurden lediglich die mit dem
Laborfermenter erzielten Ergebnisse bestätigt. Auszugsweise sind in Tabelle 19
Versuche dargestellt, welche die Aussage belegen.
Tabelle 19: Kontinuierliche Backhefeproduktion unter unsterilen Be-
dingungen auf dem Wege der aeroben Gärung
Versuchsbedingungen/ Versuchsnummer
Versuchsergebnisse 119 126 128
Versäuerung ja ja nein
Nährstoffzugabe nein ja ja
Fermentationszeit (h) 24 26 60
Backhefe (g/l): Start 20 37 102
Backhefe (g/l): Ende n.b 12 38 (≈70)*
Ausbeute 6,6 11,9 9,8 (≈18)*
(g HTS/100 g Glucose)
Mittlere Durchflußrate (h-1)
n.b.
0,41
0,25
Triebkraft (%): Start 100 100 100
Ende n.b. n.b. < 60
n.b. = nicht bestimmt
* bezogen auf die Summe aus Backhefe und Wildhefe
Unter konstanter Belüftung blieb die Backhefeausbeute selbst bei kleiner
anfänglicher Backhefekonzentration klein. Zwar konnte durch Nährstoffzugabe und
einer im Vergleich zum zitierten Versuch höherer Backhefekonzentration die
Ausbeute deutlich gesteigert werden, doch wurde die Backhefekonzentration durch
die gewählten Versuchsbedingungen, die bei hoher Zuwachsrate von H = 1,41 an
sich eine Ausbeute von 0,22 g HTS/g Glucose hätte erbringen können, schnell von
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 84
anfänglich 37 g Backhefe/l auf gegen Ende des Versuchs 12 g Backhefe/l abgesenkt.
Mit dieser Ausbeute hätten 50% der im Brotsirup vorhandenen Glucose der aeroben
Gärung zugeführt werden müssen, um den Backhefebedarf der Fabrik zu decken.
Die Anpassung der Durchflußrate an die Wachstumsrate führte dann zwar zu einer
relativ stabilen Hefevermehrung, so daß sich die Hefekonzentration über die
Fermentationszeit auf einem annähernd konstanten und hohen Niveau (ca. 70 g
Hefe/l) einpendelte, doch sank die Triebkraft der gebildeten Flüssighefe deutlich, was
auf die starke Vermehrung von Wildhefen zurückgeführt werden konnte (Abb. 6). Der
Rückgang in der Triebkraft folgte dabei dem Wachstum der Wildhefen, die sich in
dem für diesen Versuch eingesetzten Fermentationssubstrat aus nicht versäuertem
Brotsirup trotz der Führung der Fermentation bei einem pH-Wert von 4,0 vermehrten.
Dieser pH-Wert entspricht dem des versäuerten Sirups.
Abbildung 6: Verlauf der Konzentration der Backhefe und der wilden Hefen während
der kontinuierlichen Backhefeproduktion unter unsterilen Bedingungen auf dem Weg
der aeroben Gärung: Versuch Nr. 128.
0
100
010 20 30 40 50 60 70
100
200
Backhefe
Wildhefen
Fermentationszeit (h)
Hefekonzentration (g Hefe/l)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 85
Damit ist bewiesen, daß mit der Versäuerung des Brotsirups zwar Verderbniserreger
unterdrückt werden können, nicht jedoch Wildhefen. Diese Erkenntnis ist für die
Auslegung für das Gesamtverfahren bedeutsam. Es bleibt außerdem festzuhalten,
daß sich die beiden anderen Vorteile der hier gewählten Führung der aeroben
Gärung, nämlich die Ausnutzung einer gegenüber der rein aeroben Fermentation
schnelleren Hefevermehrung und die Rückführung des von Hefe weitgehend
befreiten Ablaufvolumenstroms zur Verdünnung des Fermentationssubstrats nicht
verwirklichen haben lassen.
Es stand folglich fest, daß für die weitere Entwicklung des Verfahrensschrittes der
Backhefevermehrung sterile Betriebsweise des Fermenters gewählt werden muß.
Daraus folgt zwangsläufig auch, daß die rein aerobe Hefevermehrung der durch
aerobe Gärung möglichen vorzuziehen ist, weil sie den Vorteil der optimalen Nutzung
der Glucose zur Herstellung von Backhefe, Ethanol und Kohlendioxid unter der
Vorgabe des betriebsbedingten Backhefebedarfs aufweist. Damit ist dann auch die
Voraussetzung für eine zugehörige optimale Führung der Volumenströme
geschaffen, von denen der Ablaufvolumenstrom des Backhefefermenters das für die
Minimierung des Schüttwassers, respektive Flüssigsauers entscheidende Potential
besitzt.
5.3.2 Backhefevermehrung mit dem Technikumsfermenter
Die für die aerobe Backhefevermehrung mit dem Technikumsfermenter gestellte
Aufgabe wurde durch technische Maßnahmen bei der Konstruktion und Steuerung
des Fermenters gelöst, die in der Gewährleistung des Sterilbetriebs, eines
ausreichenden Sauerstoffeintrags und der Entwicklung der Regelkreise bestanden
(Abb. 7). Die Durchführung dieser Maßnahmen führte zu einer schrittweisen
Optimierung der Backhefevermehrung. Das Ergebnis der Optimierung ist in der
Tabelle 20 und Abbildung 8 anhand wesentlicher Teilergebnisse exemplarisch
dargestellt.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 86
Abbildung 7: Fließbild des Technikumsfermenters.
Wesentliche Erkenntnis aus den Versuchen 155 und 157 war es, daß die
Backhefekonzentration über den Versuchszeitraum von 91 h (Nr. 155) und 53 h
(Nr. 157) in gewissen Grenzen (Tab. 20) und Schwankungsbreiten (Abb. 7) stabil
gehalten werden konnte. Die Triebkraft änderte sich über den gesamten
Versuchszeitraum nicht und entsprach der Triebkraft der zum Vergleich
herangezogenen handelsüblichen Backhefe (Preßhefe). Allerdings war bei gleicher
Durchflußrate die Ausbeute deutlich kleiner als die angestrebte maximal mögliche
von 54 g HTS/100 g Glucose. Der Grund dafür lag in dem unzureichenden
Sauerstoffeintrag in das Fermentationssubstrat durch das eingesetzte
Propellerrührwerk. Dieses Rührwerk wurde deshalb durch ein effektiveres Rührwerk
mit Rührscheiben anstelle der Propeller ersetzt.
Substrat
Temperatur
Nährlösung
Lauge
Flüssighefe
Schüttwasser
Luft
Sauerstoff
Füllmasse
Trübung pH
PC-Regelung
Ethanol
Dekanter
Pufferbehälter
Rücklauf
Abluft
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 87
Tabelle 20: Backhefeproduktion unter den Bedingungen der konti-
nuierlichen aeroben Fermentationen
Versuchsbedingungen/ Versuchsnummer
Versuchsergebnisse Propellerrührer Scheibenrührer
155 157 158 163
Fermentationszeit (h) 91 53 116 96
Backhefe (g/l): Start 60 50 50 55
Backhefe (g/l): Ende 30 60 40 70
Ausbeute
(g HTS/100g Glucose)
22,2 27,2 44,9 52,0
Mittlere Durchflußrate (h-1) 0,13 0,13 0,12 0,15
Triebkraft (%) (Start/Ende) 100 100 100 100
0 102030405060708090
0
100
200
Zeit (h)
Backhefekonzentration (g/l)
Nr. 155
Nr. 158
Nr. 157
Nr. 159
Abbildung 8: Verlauf der Backhefekonzentration während der kontinuierlichen
aeroben Fermentation.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 88
Die Optimierung des Scheibenrührwerks durch Einstellung der Rührelemente führte
schließlich zu dem gewünschten Ergebnis. Das ist durch die Versuche Nr. 158 und
Nr. 163 belegt. Die Regelung der Fermentation führte in allen Versuchen zu einer
stabilen Betriebsweise des Fermenters. Die festgestellte Schwankungsbreite der
Backhefekonzentration (Abb. 8) korrespondierte mit der entsprechenden
Schwankungsbreite der Regelung der Betriebsparameter (Abb. 9). Die
Schwankungsbreiten sind bezogen auf das Betriebsergebnis als sehr klein zu
bezeichnen, so daß das Ergebnis für eine Modellrechnung für den Massestrom des
Betriebs einer für die Fabrik erforderlichen Anlage verwendet werden konnte.
Abb. 9. Verlauf der Backhefekonzentration in Abhängigkeit von den Regelgrößen der
kontinuierlichen Fermentation: Versuch Nr. 163.
Aus der Abbildung 9 geht für die Modellrechnung hervor, daß durch Belüftung die
Backhefeausbeute nicht weiter hätte optimiert werden können. Das ergibt sich aus
dem Sauerstoffeintrag, der über die ganze Fermentationszeit von 85 h durch die
Belüftung so groß gewählt worden war, daß er die Backhefevermehrung nicht
limitierte. Deshalb konnte die Backhefevermehrung über die Verwertung des
zugeführten Fermentationssubstrats in das technische Optimum geführt werden. Die
kleine Ethanolbildung beweist das Erreichen des Ziels. Die Backhefeausbeute wich
-10
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
0 20406080100
Zeit (h)
pH
Ethanol (g/l)
Füllstand (kg)
Sauerstoff (mg/l)
Zellzahl (g/l)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 89
über die Fermentationszeit weniger als 3% vom theoretischen Optimum ab. Da die
Glucosekonzentration im Fermentationssubstrat aus dem verfahrenstechnischen
Grund seiner Aufbereitung aus dem Brotsirup auf 15% festgelegt war, ergab sich
daraus zugleich die optimal erreichbare Backhefekonzentration im Fermenter und
davon abhängig ergaben sich die optimalen Ablaufmasseströme.
Der Sauerstoffeintrag wurde auch deshalb so groß gewählt, weil es in der
Anfahrphase des Fermenters durch die Rücklaufführung eines Teils des
Fermenterablaufs zu einer Konzentrierung nicht fermentierbarer organischer und
anorganischer Stoffe kommt, die einen erheblichen Einfluß auf die
Sauerstofflöslichkeit ausüben. Es sollte vermieden werden, dadurch die
Backhefevermehrung zu beeinträchtigen.
Abbildung 10: Erreichen des Gleichgewichtszustands der Konzentration an
Chloridionen im Technikumsfermenter.
Die Abbildung 10 zeigt, daß nach ca. 15 h unter den gewählten Betriebsbedingungen
ein Gleichgewichtszustand der Konzentration zwischen den zu- und abgeführten
Stoffen eintrat. Der Gleichgewichtszustand wurde über die Chloridionenkonzentration
berechnet, die exemplarisch für alle anderen nicht fermentierbaren Stoffe dazu
ausgewählt wurde. Die Betrachtung des Gleichgewichtszustands und seines Niveaus
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
35,0
0 5 10 15 20 25
Fermentationszeit (h)
Konzentration (g/l)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 90
gibt wichtige Hinweise auf die Abscheidecharakteristik der Backhefe durch
Zentrifugalabscheidung. Auf diese wirkt sich nämlich sowohl die Dichte des
Fermenterablaufs als auch seine Viskosität aus. Aus beidem ergibt sich eine weitere
begrenzende Größe für das Niveau des Gleichgewichtszustands.
Zur Vorbereitung auf die Modellrechnung wurden die in der Abbildung 9 dargestellten
Ergebnisse auf die mittleren stündlichen einzelnen Masseströme umgerechnet.
Damit waren diese für den Fermenter und unter den für seinen Betrieb gültigen
Randbedingungen der Verfahrensgestaltung explizit dargestellt. Die in der Tabelle 21
angegebenen Werte für den Massestrom des Fermentationssubstrats von 1,86 kg/h,
den Dekanterzulauf von 7,5 kg/h und den Rücklauf von 5,3 kg/h können damit als
Schlüsselgrößen für die Maßstabsvergrößerung einer solchen Anlage in der Fabrik
und die mit ihr zu erstellenden Leistung an Endprodukten gemäß der vorkommenden
Rückbrotmenge verwendet werden.
Tabelle 21: Mittlerer Massestrom: Technikumsanlage
Stoffstrom Massestrom (kg/h)
Fermentationssubstrat 1,86
Nährsalzlösung 0,27
Lauge 0,05
Dekanterzulauf 7,5
Flüssighefeablauf (20%TS) 0,77
= (Backhefe 27%TS) (0,53)
= (Hefe TS) (0,14)
Schüttwasser 1,41
Rücklauf 5,3
Unter der optimalen Betriebsweise des kontinuierlichen Fermenters fielen bei einer
Betriebszeit von sechs Tagen, die dem Produktionsrhythmus der Fabrik entsprechen,
unter Berücksichtigung des Abfahrmassestroms des Fermenters auf 1 kg Flüssighefe
(20% TS), die 0,67 kg Frischhefe entsprächen, 2,1 kg Schüttwasser an. Dieser Wert
ist mit dem Abfahrmassestrom eines nach dem Zulaufverfahren betriebenen
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 91
Fermenters zu vergleichen. Gemäß dem Stand der Technik kann unter der Annahme
einer Backhefekonzentration von 180 g/l (15) in einem solchen Fermenter und der
Abnahme einer zum kontinuierlichen Fermenter gleichen Flüssighefemenge davon
ausgegangen werden, daß aus diesem auf 1 kg Flüssighefe 2,7 kg „Schüttwasser“
anfielen.
Aus diesem Vergleich geht hervor, daß der Vorteil der kontinuierlichen Fermentation
gegenüber der Fermentation im Zulaufverfahren bezogen auf den als Schüttwasser
bei der Brotherstellung verwertbaren Ablaufvolumenstrom nicht allzu groß wäre.
Deshalb sind für die Auslegung des Verfahrens hinsichtlich der Backhefevermehrung
grundsätzlich beide Möglichkeiten gegeben. Eine Entscheidung über den Einsatz des
einen oder anderen Fermenters wird deshalb weniger vom Schüttwasseranfall als
vielmehr von anderen Kriterien, wie der Sicherheit seines Betriebs und den für seine
Beschaffung erforderlichen Investitionskosten abhängen.
Diese Erkenntnis hatte für die weitere Durchführung des Vorhabens eine wichtige
Konsequenz. An sich wäre es bei Erreichen dieses Ergebnisses erforderlich
geworden, die Untersuchung durch Bau einer Pilotanlage mit kontinuierlichem
Fermenter in der Fabrik fortzuführen. Dem stand jedoch eine unverhältnismäßig
große Investitionssumme für den Bau eines steril zu haltenden Fermenters entgegen.
Da es in dieser Phase der Untersuchung aber nur noch darum ging, genügend
Backhefe aus dem Brotsirup zu produzieren, wurde vom Bau einer Pilotanlage
abgesehen. Die Versuche zur Backhefevermehrung wurden dafür in einer
angemieteten Pilotanlage für die Backhefeherstellung durchgeführt. Diese
Pilotanlage wurde mit den notwendigen Ausrüstungen für die Aufbereitung des
Rückbrots zu Brotsirup ergänzt (vergl. Kap. 4.3).
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 92
5.3.3 Backhefevermehrung mit der Pilotanlage und Verwendung der Backhefe
Für den Einsatz des Pilotfermenters war es erforderlich, die technischen
Möglichkeiten zur Fermentationssubstratherstellung und seiner Verwertung zur
Herstellung von Flüssighefe auf den Einsatz in der Brotfabrik abzustimmen. Es
gelang, diese Vorgabe auf einen Arbeitsablauf im wöchentlich Rhythmus
einzustellen. Diese Einstellung orientierte sich pro Versuch an einer Backhefemenge
(H 27) von 80-100 kg, die groß genug war, um in den normalen Produktionsbetrieb
eines Betriebstags der Brotfabrik eingeschleust werden zu können. Da die
Substratherstellung auf die Produktion dieser Backhefemenge limitiert war, mußte
versucht werden, die Backhefevermehrung strikt aerob durchzuführen, um eine
möglichst hohe Substratausbeute in Form von Backhefe zu erzielen.
Hinsichtlich des Einsatzes der Flüssighefe ist auszuführen, daß die Teigchargen in
der Brotfabrik etwa 250 kg groß sind und die Backhefezugabe bezogen auf die
Mehlmenge je nach Teig zwischen 2-5% beträgt. Im Mittel konnten mit der auf H 27
bezogenen Flüssighefe etwa 4 t Mehl zu 25 Teigchargen verarbeitet werden. Die aus
diesen Teigen gebackenen Brote wurden sowohl als Ganzbrot wie auch als
Schnittbrot über die übliche tägliche Qualitätssicherung blind verkostet. Außerdem
wurden Gegenkontrollen durch Standardbackversuche vorgenommen. Dabei war
allerdings die Probenzahl der Versuchsbrote gegenüber den Normalbroten aufgrund
des kleinen Anteils der Versuchsbrote an der täglich produzierten Brotmenge
wesentlich größer.
Die Aufgabenstellung der Backhefeherstellung mit dem Pilotfermenter erforderte eine
besonders sorgfältige Planung der Versuche, weil ihre Durchführung mit erheblichen
Kosten verbunden war. Deshalb mußte der Pilotfermenter im Hinblick auf einen
sicheren Ablauf der Fermentation gefahren werden. Damit dies erreicht werden
konnte, wurde darauf verzichtet, den Stand der Technik hinsichtlich der
Backhefekonzentration im Fermenter und der technisch optimal erreichbaren
Substratausbeute zu reproduzieren.
Die Backhefevermehrung wurde auf die Einstellung der Triebkraft und
Geschmacksneutralität der Flüssighefe gerichtet. Da die Triebkraft im wesentlichen
vom Proteingehalt der Backhefe abhing, mußte vor allem die N-Versorgung in ein
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 93
Optimum gebracht werden. Dabei stellte sich im Hinblick auf die
Geschmacksneutralität heraus, daß die N-Versorgung gegen Ende der
Backhefevermehrung von der Glucoseversorgung abgekoppelt werden mußte, um
den beobachteten ammoniakalischen Geschmack und Geruch des Fermenterablaufs
und der Flüssighefe zu beseitigen. Dazu wurde 120 min vor Ende der Fermentation
die N-Versorgung gestoppt. Die Glucoseversorgung wurde dagegen noch 90 min
weitergeführt.
Dieses Problem der geschmacklichen Beeinträchtigung der beiden Masseströme war
bei der kontinuierlichen Backhefevermehrung nicht aufgetreten, weil die
Backhefevermehrung unter diesen Bedingungen stets in der exponentiellen
Wachstumsphase erfolgte, so daß das Gleichgewicht zwischen Nährstoffangebot und
-aufnahme aufgrund der hohen Zuwachsrate ganz auf die Seite der
Nährstoffaufnahme gelegt werden konnte. Deshalb brauchten keine prophylaktischen
Maßnahmen für eine Stabilisierung des Geruchs und Geschmacks der Flüssighefe
und des Schüttwassers ergriffen zu werden.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 94
Tabelle 22: Backhefeherstellung mit dem Pilotfermenter im Zulaufverfahren und
Hefeverwertung
Versuchsbedindungen/ Versuchsnummer
Versuchsergebnisse 202 203 204 205 206 207 225* 229*
Fermentationszeit (h)
Frischhefevorlage (kg) 3,2 4,5 4,5 4,5 4,5 3,0 4,5 4,5
Wasservorlage (kg) 450 450 1000 1000 1000 1000 700 700
Substratzulauf (kg) 600 600 530 500 570 550 520 300
Glucose (kg) 36 36 68 65 67 47 74 48
Optimierung N-Versorgung ja ja ja
• • • • •
Frischhefeendkonzentration (g/l) 67 70 65 82 73 44 93 85
Frischhefeertrag (H 27) (kg) 71 73 99 123 117 65 109 85
Ausbeute (g HTS/100 g Glucose) 55 55 39 51 51 38 42 48
Backversuche zur Hefeverwertung
Gebäckvolumen (Triebkraft) + + + (+)** (+)** + + +
Geruch - - +/- + + + + +
* Verwendung von Teig an Stelle von Rückbrot
** Einschränkung war nur durch Versuchsanordnung begründet
Die Abbildung 11 zeigt eine exemplarische Fermentation, bei der die Backhefe-
vermehrung mit 51% Ausbeute in der Nähe des theoretischen Optimums ablief
(Tab.22). Bei diesem Versuch wurde aus einer Substratmenge von 500 l, die aus ca.
300 kg Rückbrot stammten, 200 kg Flüssighefe (= 127 kg H 27) hergestellt. Die
Ergebnisse der anderen in der Tabelle 22 dargestellten Versuche lassen die
Schwankungsbreite in der Ausbeute erkennen, die unter Berücksichtigung der
Meßgenauigkeit <20% war. Darin kommt zum Ausdruck, daß ein rein aerober Ablauf
der Backhefevermehrung nicht in allen Experimenten aufrecht erhalten werden
konnte. Daraus resultierte jedoch kein Nachteil für die Triebkraft der Flüssighefen, die
bei diesen Versuchen über die Volumenausbildung der Brote ermittelt wurde. Die
Triebkraft der Flüssighefe wurde jedoch in zwei Fällen der Brotherstellung im Bereich
des Ofenbetriebs leicht eingeschränkt. Das war jedoch nicht auf die Flüssighefe
selbst, sondern auf die Änderung einer Verfahrensbedingung zurückzuführen, welche
die Herstellung des Fermentationssubstrats betraf.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 95
Abbildung 11: Darstellung der Temperatur, der Rührerdrehzahl, des
Sauerstoffpartialdrucks, des Zulaufvolumenstroms und des Gesamtzulaufs über die
Fermentationszeit (V205).
Die Änderung der Verfahrensbedingung bestand darin, daß der Brotsirup nach
Absieben von Feststoffteilen direkt als Fermentationssubstrat eingesetzt wurde. Die
Begründung für diesen Schritt ergab sich für die Versuche ab der Versuchs-Nr. 202
aus der Überlegung, daß bezogen auf die Trockenmasse der Anteil der aus dem
Brotsirup herstellbaren Backhefe dem Anteil aller übrigen Stoffe entspricht, die nicht
in Backhefe umwandelbar sind. Folglich wäre selbst für den Fall, daß alle diese
Substanzen bei der Zentrifugalabscheidung in die Flüssighefe gelangten, die
Belastung des Teiges nur sehr klein. Sie sollte für die Volumenausbildung all der
Brote keine große Rolle spielen, die aus dunklen Mehltypen oder unter
Mitverwendung von Schroten hergestellt werden. Das gilt für einen großen Anteil des
Brotsortiments der Brotfabrik.
Diese Überlegung wurde durch Backversuche mit entsprechenden Rezepturen
bestätigt.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
0 200 400 600 800 1000 1200 1400
Fermentationszeit (min)
Volumenstrom/Temperatur/
Sauerstoff/pH
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
0,3
0,35
Ethanol
Volumenstrom (l/h) Sauerstoffsättigung (%) Temperatur (°C) pH EtOH (Vol%)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 96
Die Backversuchsergebnisse belegen, daß nach der Geruchs- und
Geschmacksjustierung mit der aus Rückbrot und Teigen hergestellten Flüssighefe
Brote gebacken werden konnten, die der üblichen täglich in der Brotfabrik erzielten
Brotqualität entsprachen. Die Beobachtung des leichten Rückgangs im Brotvolumen,
der auf einem Rückgang im Ofentrieb beruhte und auf die Mitverwendung der
Proteinfraktion in der Flüssighefe zurückzuführen war, konnte toleriert werden, weil er
sich in der üblichen Schwankungsbreite der Volumenausbildung der einzelnen
Backwaren des Brotsortiments der Brotfabrik bewegte. Allerdings müßte für die
ausschließliche Verwendung einer so zusammengesetzten Flüssighefe doch von
einer begrenzten Absenkung des üblicherweise erreichten Niveaus des
Backvolumens ausgegangen werden. Dem kann aber dadurch begegnet werden,
daß die Proteinfraktion entsprechend der verfahrenskonformen Vorgehensweise aus
dem Brotsirup zentrifugal abgeschieden wird. Die Proteinfraktion kann dann, wie
bereits beschrieben, für die Brotsorten eingesetzt werden, für die ein kleines
Backvolumen und eine dichte, dunkle Krume charakteristisch sind.
Die Verwendung der so hergestellten Backhefe als Flüssighefe brächte für die
Brotfabrik den zusätzlichen Vorteil ihrer direkten Dosierbarkeit mit Dosierpumpen
über die vorhandene Ringleitung. Bei der Verwendung von Preßhefe muß diese vor
der Dosierung erst in einem zusätzlichen Verfahrensschritt verflüssigt werden.
Heutzutage gehen Hefefabriken jedoch mehr und mehr dazu über, Brotfabriken
anstelle von Preßhefe mit Heferahm zu beliefern, ohne diesen zu Preßhefe
weiterzuverarbeiten. Dieser Heferahm, der auch als Flüssighefe bezeichnet wird, ist
eine gereinigte Backhefe. Ihre Verwendung erfordert in Brotfabriken den Einbau
eines gekühlten Tanklagers.
Für den Einsatz von Flüssighefe ist es nun von Interesse, daß die durch den deutlich
höheren Wassergehalt des Heferahms verursachten höheren Transportkosten durch
den Verzicht auf die Preßhefestufe bei der Hefeherstellung und die Handhabung der
Preßhefe auf der Seite der Hefefabrik mehr als aufgewogen werden. Die Brotfabriken
können deshalb bezogen auf die gleiche Triebleistung den Heferahm billiger als die
Preßhefe beziehen. Diesem Vorteil stehen auf der Seite der Brotfabrik die Kosten für
die Handhabung der Preßhefe und die Investition in die Tankanlage und deren
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 97
Betrieb gegenüber. Die sich ergebenden Differenzkosten müssen bei der Kalkulation
des Referenzpreises für die verfahrenskonform hergestellte Flüssighefe, die eine
nicht gereinigte Backhefe ist, berücksichtigt werden, für deren Einsatz ein gekühltes
Tanklager ohnehin erforderlich ist.
Die Pilotversuche zur Backhefeherstellung führten in zwei Fällen zur Ausbeute des
Substrats im theoretischen Optimum von 54%. Gemessen wurden einschließlich des
Meßwertfehlers 55%. In zwei weiteren Fällen wurde das für Backhefeanlagen übliche
technische Optimum von 51% erreicht. Die weiteren aufgezeigten
Versuchsergebnisse weisen von diesen Optima zum Teil deutliche Unterschiede auf.
Da der Pilotfermenter jedoch auf sicheren Betrieb und nicht auf höchste Leistung und
Substratausbeute gefahren werden mußte, um das Hauptziel zu erreichen, das in der
Herstellung einer ausreichenden Menge Backhefe mit zu konventionell hergestellter
vergleichbar großer Triebleistung bestand, wurde darauf verzichtet, Sicherheit in der
Reproduzierbarkeit der Ergebnisse zu erlangen. Dies war für die Pilotversuche
ohnehin ohne Belang, weil von ihnen keine Schlußfolgerungen auf Großversuche
gezogen hätten werden können, mit denen die gesamte täglich verbrauchte
Hefemenge der Brotfabrik hergestellt werden müßte.
Daraus könnte nun geschlossen werden, die Pilotversuche ließen sich nicht auf den
für die Brotfabrik zu fordernden technischen Maßstab übertragen. Das ist jedoch
nicht der Fall, weil es einen sicheren Beleg dafür gibt, daß Backhefe in genau dieser
Größenordnung im täglichen Produktionsrhythmus mit hoher Sicherheit hergestellt
werden kann. Der Beleg besteht in der Produktion einer Spezialbackhefe, den die Fa.
Agrano aus Getreide herstellt, einem zum Rückbrot direkt vergleichbaren Substrat.
Dazu betreibt sie den bereits zitierten Zulauffermenter mit einer Leistung von bis zu
5 t Backhefe (HTS) seit einigen Jahren bezüglich Substratausbeute und Leistung
erfolgreich. Es kommen dabei aufgrund der sorgfältigen Herstellung des Anstellguts
und des Betriebs des Fermenters keine Fehlchargen vor (44).
Dieser Hinweis ist für eine mögliche Umsetzung des Verfahrens zusammen mit dem
Hinweis auf die Notwendigkeit der Installation eines kühlbaren Tanklagers für die
Flüssighefe von großer Bedeutung. In der Brotfabrik geht es darum, täglich die
notwendige Backhefemenge zur Verfügung zu haben. Die Erfüllung dieser Forderung
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 98
stellt für die Brotfabrik bisher kein Problem dar, weil sie mit Backhefe beliefert wird.
Das Risiko der Bereitstellung von Backhefe wird ihr dadurch von der Hefefabrik
vollständig abgenommen. Für den Fall, daß die Brotfabrik zum Hersteller ihres
eigenen Backhefebedarfs wird, liegt dagegen das ganze Risiko der
Backhefebereitstellung bei ihr. Die Brotfabrik braucht deshalb eine sehr hohe
Betriebssicherheit für den täglichen Betrieb des Fermenters, weil dessen Leistung
aus technischen und ökonomischen Gründen nicht für eine größere Vorratshaltung
von Backhefe ausgelegt werden kann.
Zu erwähnen bleibt, daß die Versuche mit dem Pilotfermenter nichts zur
Entscheidungsfindung über die Backhefeerstellung im kontinuierlichen Verfahren
oder im Zulaufverfahren hat beitragen können. Für beide Verfahren gibt es Vor- und
Nachteile, die bei einer möglichen Umsetzung der Ergebnisse in den Bau einer
entsprechenden Anlage zur Rückbrotverwertung zur Entscheidungsfindung für das
eine oder andere Verfahren gegeneinander abgewogen werden müssen.
5.4 Masseanfall bei der Rückbrotverwertung
Aus den vorzitierten Angaben über die Verwertung von Rückbrot zur Herstellung von
Flüssighefe, Schüttwasser (Flüssigsauer), Proteinfraktion, Ethanol und Kohlendioxid
aus Brotsirup, bzw. dem aus diesem gewonnenen Fermentationssubstrat, kann die
Massebilanz für die Durchführung des Verfahrens aufgestellt werden. Ausgehend
von einem Hydrolysegrad von 90% der Stärke im Rückbrot, der auf der Grundlage
der Versuchsergebnisse im nicht gewichteten Mittel hier zu 63,8% angenommen sei,
und einer Fraktionierung des entstehenden Brotsirups gemäß der in den Tabellen 8
und 9 gegebenen Verteilung sind dazu in der Tabelle 23 die Basisdaten für die auf
100 kg Rückbrot bezogene Verteilungsbilanz des Brotsirups dargestellt. Für diese ist
angenommen, daß der Stärkegehalt im Rückbrot zu 90% hydrolysiert worden sei, so
daß in 66,5 kg der Trockenmasse des Brotsirups 40,6 kg Glucose vorkommen. Nach
den Prozeßschritten Versäuern, Sieben/Pressen und Zentrifugieren werden 8,8 kg
Glucose der aeroben Hefevermehrung zugeführt, der Rest steht der anaeroben
Fermentation zur Verfügung.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 99
Tabelle 23: Grunddaten für die Massebilanzierung bei der Aufarbeitung eines
Brotsirups aus Rückbrot
Fraktion Frischmasse (kg) TS (kg)* Glucose (kg) Protein (kg)
Fermentations-Substrat 165 39,2 30,5 1,4
Proteinfraktion 23 6,6 0,4 2,7
Preßkuchen 10 5,2 1,3 1,1
Extrakt 185 15,5 8,4 2,1
Summe 382 66,5 40,6 7,8
* Bezogen auf 100 kg Rückbrot mit einem Stärkegehalt von 63,8% unter
Berücksichtigung des Hydrolysegewinns bei der Stärkehydrolyse: Hydrolysegrad =
90%
Unter Berücksichtigung des Verfahrensablaufs, der die Nutzung von ca. einem
Fünftel der im Brotsirup vorhandenen Glucose für die aerobe Hefevermehrung
vorsieht, ergibt sich bezogen auf 100 kg Rückbrot die in der Abbildung 12
dargestellte Massebilanz für die Rückbrotverwertung. In dieser Massebilanz ist die
Backhefeherstellung nach dem kontinuierlichen Verfahren und dem Zulaufverfahren
berücksichtigt. Die dieser Massebilanz zugrunde zu legende Führung der
Masseströme zeichnet sich insbesondere durch die Aufteilung des verdünnten und
gesiebten Brotsirups in ein teilgeklärtes und ein nicht geklärtes
Fermentationssubstrat aus. Das teilgeklärte Fermentationssubstrat mit einer
Glucosekonzentration von 15,0% wird für die Herstellung der Flüssighefe und
letzteres für die Herstellung und Gewinnung von Ethanol, Kohlendioxid und der
Proteinfraktion eingesetzt. Aus beiden Fermentationssubstraten wird darüber hinaus
Schüttwasser (Flüssigsauer) gewonnen.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 100
Abbildung 12: Massebilanz für die Rückbrotverwertung mit Backhefeherstellung nach
dem kontinuierlichen Verfahren und dem Zulaufverfahren (gestrichelte Linie).
Rückbrot
100 k
g
Einmaischen
150 k
g
Sirupkochen
150 k
g
Versäuern
150 k
g
Sieben und
Pressen
267 k
g
Wasser
117 k
g
Presskuchen
10 k
g
Zentrifugieren
257 k
g
Fermentations-
substrat I
59 k
g
Fermentations-
substrat II
198 kg
Anaerob
198 k
g
Aerob
69 k
g
Schüttwasser
139 k
g
Destillieren
185 k
g
Zentrifugieren
172 k
g
Schüttwasser
44 k
g
Proteinfraktion
33 k
g
Ethanol
13 k
g
Flüssighefe
25 k
g
Nährlösung
10 k
g
Kohlendioxid
13 k
g
Schüttwasser
50 k
g
Angaben beziehen sich auf:
Trockenmasse: 63,7 kg
Stärke: 40,6 kg
H
y
drol
y
se
g
rad: 90 %
Schüttwasser
68 kg
Vorlagewasser
14 k
g
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 101
Die beiden das Schüttwasser bildenden Massen können zu einer Gesamtmasse
vereinigt werden. Danach fallen bei kontinuierlicher Backhefeherstellung 191 kg
Schüttwasser/100 kg Rückbrot und beim Zulaufverfahren 207 kg Schütt-
wasser/100 kg Rückbrot an. Der kleine Unterschied von etwa 17 kg Schütt-
wasser/100 kg Rückbrot zugunsten der kontinuierlichen Hefeherstellung ergibt sich
daraus, daß die Schüttwasserrückführung über 6 Betriebstage des kontinuierlichen
Fermenters zu einem entsprechend kleinerem Schüttwassermassestrom gegenüber
dem Schüttwassermassestrom beim Zulaufverfahren führt. Die Differenz beruht im
wesentlichen auf der Zellkonzentration in beiden Fermentern, die beim
kontinuierlichen Fermenter 70 g Backhefe/l nicht übersteigen kann und beim
Zulauffermenter dem Stand der Technik entsprechend 180 g Backhefe/l betragen
kann.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß das Rückbrot gegebenenfalls
schwerpunktmäßig zur Herstellung von Backhefe verwendet wird. Für diesen Fall
muß aus dem Brotsirup die Glucose möglichst vollständig extrahiert werden, weil die
Brotsirupherstellung ein wesentlicher, kostenbestimmender Faktor für die
Backhefeherstellung ist. Dabei muß aber wegen der Einbindung der
Backhefeherstellung in die Brotproduktion darauf geachtet werden, daß die
Glucosekonzentration im Fermentationssubstrat nicht zu klein wird, weil dadurch
unter den gegebenen Fermentationsbedingungen im kontinuierlichen Fermenter
(Zellkonzentration: 70 g/l) der Ablaufvolumenstrom an Schüttwasser zu groß würde.
Ein Kompromiß aus beiden Forderungen ist in der Abbildung 13 dargestellt, der sich
ebenfalls auf die in der Tabelle 23 aufgezeigten Grunddaten bezieht. Danach
verbleiben von der vorhandenen Glucosemenge 0,4 kg in der Proteinfraktion, die
folglich nicht der Hefevermehrung zur Verfügung stehen. Es entstehen jedoch keine
weiteren Abgänge an Glucose gegenüber dem vorzitierten Beispiel. Danach gelingt
es, den Glucosegehalt des Brotsirups bei vertretbarer Verdünnung des Substrats auf
eine Glucosekonzentration von 10,7% bei einem Anfall der Glucose von 1% ihrer
Gesamtmasse im Preßkuchen annähernd vollständig der Hefevermehrung
zuzuführen.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 102
Abbildung 13: Massebilanz für die Rückbrotverwertung bei kontinuierlicher
Backhefeherstellung.
Rückbrot
100 kg
Einmaischen
150 kg
Schüttwasser
50 kg
Sirupkochen
150 kg
Versäuern
150 kg
Sieben und
Pressen
267 kg
Frischwasser
117 kg Presskuchen
10 kg
Zentrifugieren
257 kg
Zentrifugieren
92 kg
Frischwasser
116 kg
Fermentations-
substrat I
165 kg
Proteinfraktion
23 kg
Fermentations-
substrat II
185 kg
Aerob
393 kg
Flüssighefe
103 kg
Schüttwasser
290 kg
Angaben beziehen sich auf:
Trockenmasse: 63,7 kg
Stärke: 40,6 kg
Hydrolysegrad: 90 %
Schüttwasser = Flüssigsauer
Nährlösung
43 kg
Schüttwasser
240 kg
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 103
Die Nutzung der gesamten Glucose des Brotsirups für die Hefevermehrung führt zu
einem Flüssighefeanfall von 103 kg aus 37,3 kg Glucose. Der Schüttwasseranfall
beträgt dabei 290 kg. Davon stehen 240 kg Schüttwasser (Flüssigsauer) für die
Brotherstellung nach Abzug des Rücklaufs zum Einmaischen von 50 kg zur
Verfügung. Die zugehörige Vergleichszahl aus der aerob-anaeroben Verwertung der
Glucose beträgt 123 kg. Werden beide Werte auf die produzierte Flüssighefemenge
bezogen, so ergibt sich für die ausschließlich aerobe Fermentation des
Fermentationssubstrats aus dem Brotsirup ein Faktor von 2,3 (F1) und für dessen
aerob-anaerobe Fermentation ein Faktor von 5,3 (F2). Das Verhältnis dieser Faktoren
beträgt 2,3 (F2/F1) und drückt aus, daß das Schüttwasservolumen bei der aerob-
aneroben Fermentation 2,3 mal größer als bei aeroben Fermentation ist, obgleich für
letzteres eine stärkere Verdünnung des Fermentationssubstrats als bei der aeroben
Hefevermehrung der aeroben-anaeroben Fermentation vorgenommen wird.
5.5 Täglicher Masseanfall und Verfahrensablauf bei der Rückbrotverwertung
Auf der Grundlage der dargestellten Massen können die im Verfahrensablauf
anfallenden Masseströme aufgestellt werden, nach denen die maschinentechnische
Auslegung der Anlage zu erfolgen hat. Aus dieser Auslegung ergibt sich aus der Art
der Verarbeitung der Masseströme der zugehörige Medienbedarf für die Herstellung
der einzelnen Produkte. Aus der maschinentechnischen Auslegung und dem
Medienbedarf können die Kosten für die Investition und die Kosten für den Betrieb
der Anlage berechnet werden. Diese Berechnung bildet die Grundlage für die
Wirtschaftlichkeitsberechnung, die hier im Sinne einer Kosten-Erlös-Rechnung
aufgestellt wird.
Zur Herleitung der Masseströme im Verfahrensablauf sind nachstehend mit Blick auf
eine mögliche Umsetzung der Ergebnisse in eine technische Anlage die täglich
anfallenden Produktmassen für das Beispiel der aerob-anaeroben Aufarbeitung der
Gesamtrückbrotmenge und der aeroben Aufarbeitung eines Teils davon aufgeführt.
Darin stellt der Hefebedarf der Fabrik von 5.000 kg Backhefe/h 27 die Bezugsgröße
dar (Tab. 24)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 104
Tabelle 24: Täglich aus Rückbrot anfallende Produktmassen bei dessen
Gesamt- und Teilverwertung
Produkt Produktanfall (kg/d)
Rückbrot-
Gesamtverwertung
Rückbrot-
Teilverwertung
Rückbrot 30.000 7.300
Brotsirup 45.000 11.000
Flüssighefe 7.500 7.500
Schüttwasser 39.900 17.500
Proteinfraktion 9.900 1.700
Preßkuchen 3.000 700
Ethanol 3.900 -
Kohlendioxid 3.900 -
Der Verfahrensablauf läßt sich in diskontinuierliche und kontinuierliche Teilschritte
unterteilen. Das ist sowohl für den Betrieb der einzelnen Anlageteile als auch die
Umsetzung des Verfahrens aus wirtschaftlicher Sicht von großen Interesse.
Grundsätzlich kann das Verfahren in die Blöcke Brotsirupbereitung,
Brotsirupaufarbeitung, Backhefeherstellung sowie Gärung mit Ethanol- und
Kohlendioxidgewinnung untergliedert werden. Diese Verfahrensblöcke werden im
Verfahrensablauf durch Pufferbehälter voneinander getrennt, so daß sie quasi
unabhängig voneinander betrieben werden können. Das ist für den Betrieb der
gesamten Anlage deshalb vorteilhaft, weil dadurch Teilausfälle oder vollständige
Stillsetzungen der einzelnen Blöcke nicht zur Stillegung des Gesamtverfahrens
führen. Damit ist eine hohe Betriebssicherheit gegeben.
Kennzeichnend für die Blöcke Brotsirupherstellung und Aufarbeitung ist es, daß diese
diskontinuierlich betrieben werden. Die Hefevermehrung kann sowohl kontinuierlich
als auch diskontinuierlich vorgenommen werden. Die Gärung sollte wegen der doch
nur kleinen Leistung des Blocks „Gärung“ vorzugsweise chargen-weise quasi
kontinuierlich erfolgen. Für die Kohlendioxid- und Ethanolgewinnung aus dem
vergorenen Fermentationssubstrat bietet sich eine auf die Brotproduktion bezogene
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 105
kontinuierliche Betriebsweise an, weil damit für die Ethanoldestillation die Abwärme
der Backöfen genutzt werden kann.
In der Nutzung der Abwärme der Backöfen liegt ein besonderer wirtschaftlicher
Vorteil für das Gesamtverfahren. Dieser Vorteil ist jedoch mit Bezug auf die
Wirtschaftlichkeit des Gesamtverfahrens zu betrachten. Diesbezüglich ist
festzustellen, daß gegenüber den anderen Produkten die größte Wertschöpfung aus
dem Rückbrot in dessen Einsatz für die Backhefeherstellung liegt. Sie findet
allerdings ihre Begrenzung im Backhefebedarf der Brotfabrik.
5.6 Wirtschaftlichkeit des Verfahrens
Die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens wird entscheidend von den Kosten für Energie
und für Hilfsmittel für seine Durchführung, den Abschreibungskosten für die
Investitionen in die Anlagenteile und den Personalkosten für den Betrieb der Anlage
bestimmt. Die Kosten für den Rohstoff, der bei vergleichbaren Verfahren, wie der
Ethanolherstellung aus Getreide oder der Backhefeherstellung aus Melasse, von
wesentlicher Bedeutung sind, fallen bei dem Verfahren kaum noch ins Gewicht, weil
der Erlös für Rückbrot, das als Futtermittel eingesetzt wird, bei der als Beispiel
herangezogenen Brotfabrik auf 30 DM/t zurückgegangen ist. Dem steht ein
Referenzpreis für Futtergetreide von 220DM/t gegenüber.
Auf die Trockenmasse bezogen ist das Futtergetreide fünfmal teurer als das
Rückbrot. Vergleichbar teurer ist Melasse für die Backhefeherstellung. Der Preis für
Melasse beträgt z.Z. etwa 260 DM/t (45). Da aus 100kg Melasse 100kg Backhefe
(H27) und demgegenüber aus 100kg Rückbrot 70 kg Backhefe (H27) hergestellt
werden können, ist Melasse als Rohstoff für die Backhefeherstellung sogar sechsmal
teurer als Rückbrot. Ein ähnliches Verhältnis ergibt sich für die Verwendung von
Melasse und Rückbrot zur Ethanolherstellung. Das Verhältnis von Melasse- zu
Rückbrotkosten beträgt bei einer Ausbeute von 25,2 kg Ethanol aus 100kg Melasse
und 19,2kg Ethanol aus 100kg Rückbrot 6,5. Diese jeweiligen Relationen werden
allerdings sowohl für die Backhefe als auch die Ethanolherstellung dadurch
verringert, daß die Kosten für die Aufarbeitung des Rückbrots zum
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 106
Fermentationssubstat in die Kalkulation für den Rohstoff einbezogen werden
müssen.
Grundsätzlich lassen diese Überlegungen erkennen, daß die Basis für einen
wirtschaftlichen Einsatz des Rückbrots als Rohstoff für die Backhefe- und
Ethanolherstellung gegeben ist. Dem kann allerdings entgegenstehen, daß die
Wirtschaftlichkeit für den Einsatz des einen oder anderen Rohstoffs für die Backhefe-
oder Ethanolherstellung nur erreicht wird, wenn eine bestimmte Anlagengröße nicht
unterschritten wird. Das ist letztlich der Grund dafür, daß nur große Hefe- und
Ethanolfabriken wirtschaftlich betrieben werden können. Es müssen deshalb von
vornherein besondere Vorteile gegeben sein, wenn kleine Anlagen wirtschaftlich
betreibbar sein sollen. Solche Vorteile bestehen beispielsweise für das beschriebene
Verfahren der Produktgewinnung aus Rückbrot darin, daß
-die Verfahrensschritte zur Aufarbeitung der aus dem Fermenter abgezogenen
Flüssighefe zu Backhefe (H27) entfallen können,
-kein Abwasser anfällt,
-die nicht fermentierbaren Begleitstoffe direkt in die Backrezeptur eingearbeitet
werden können und
-die Abwärme aus den Brennern als Energiequelle für die
Verfahrensdurchführung verwendet werden können.
In der Tabelle 25 ist einleitend zur Wirtschaftlichkeitsberechnung des Verfahrens,
bzw. seiner beiden darzustellenden Versionen (Modell A und B) für die
Flüssighefeherstellung (Modell A) bis zur Lagerung der Flüssighefe darstellt. Daraus
geht hervor, daß der Energiebedarf für die Brotsirupbereitung bis zur Kühlung des in
den Fermenter übergebenen Substrats 37% des Gesamtenergiebedarfs ausmacht.
Noch größer ist mit 60% vom Gesamtenergiebedarf allerdings der allein für die
Kühlung des Fermenters erforderliche Energiebedarf.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 107
Tabelle 25: Thermischer Energiebedarf bei der Flüssighefeherstellung
Aufheizen Energiebedarf*
Kühlen (kJ/100 kg Rückbrot) (kWh/100 kg Rückbrot)
Brotsirupbereitung 50.000 13,8
Heißextraktion 59.000 16,4
Pasteurisieren 44.000 12,2
Summe Aufheizen 153.000 42,4
Brotsirupbereitung 25.000 6,9
Substratkühlung 59.000 16,4
Aerobe Fermentation 380.000 106,0
Flüssighefekühlung 20.000 5,6
Summe Kühlen 484.000 134,9
Gesamt 637.000 177,3
* Ohne Berücksichtigung möglicher Energierückgewinnungen
Im Hinblick auf die Nutzung der Abwärme aus den Öfen der Brotfabrik ist es
nachteilig, daß der Energiebedarf zum Aufheizen bei der Brotsirupherstellung nur
24% des thermischen Energiebedarfs ausmacht. Diesbezüglich geht aus einer
Energienutzungsstudie (46) für die Brotfabrik hervor, daß der Energieinhalt der
nutzbaren Abwärmeströme aus Rauchgas und Schwadenabluft insgesamt 9.867
MWh/a beträgt (Tab. 26). Davon werden bisher weniger als 1.500 MWh/a genutzt
(Tab. 27).
Tabelle 26: Abwärmeströme aus Rauchgas und Schwadenabluft in der Brotfabrik
Ofenlinien Energieinhalt der nutzbaren
Abwärmeströme* (kWh/a)
Brenner 6.160.677
Schwaden 3.699.586
Gesamt 9.860.263
*l.c. A. Penschke (2000)
Aus den dargestellten Möglichkeiten der Verwendung des Energieinhalts der
Abwärmeströme in einzelnen Abteilungen des Betriebs geht hervor, daß davon
knapp 60% nutzbar gemacht werden könnten. Die restlichen 40% stünden dann
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 108
beispielsweise für das Verfahren zur Rückbrotverwertung zur Verfügung.
Diesbezüglich ist für die Nutzung des Energieinhalts die Lenkung der
Abwärmeströme nach den betrieblichen Nutzungen als Heißwasser oder Dampf zu
berücksichtigen. Für das Verfahren ist der Abwärmestom aus den Brennern
besonders relevant, weil mit ihm Dampf erzeugt werden kann, der als Energieträger
sowohl für die Brotsirupherstellung als auch zum Sterilisieren und Destillieren des
Ethanols (Modell B) eingesetzt werden kann.
Tabelle 27: Wärmeverbraucher für eine mögliche sowie eine bereits verwirklichte
Nutzung der Abwärmeströme
Wärmeverbraucher Notwendige
Temperatur
(°C)
Wärme-
leistung
(kW)
Wärme-
verbrauch
(kWh/a)
Derzeitige
Energieträger
Verladehalle (Heizung) 50-60 140 873.600 Abwärme Rauch-
gase Linie 1-3
Brauchwarmwasser 50-60 93 637.120 Abwärme Kon-
densat Fernwärme
(+ND-Dampf 1,4bar)
Versandhalle (Heizung) 50-60 - 407.808 Fernwärmedampf
4bar
LKW-Waschanlage 40 - 209.260 Heizöl
Kastenwaschanlage >100 140 894.566 Fernwärmedampf
4bar
Backblechwaschanlage (60-80) - - ND-Dampf 1,4 bar
Heizung und Lüftung 50-60 - 1.223.423 ND-Dampf 1,4 bar
Pasteur >100 272 1.414.400 Erdgas
*l.c. A. Penschke (2000)
Im Falle der Durchführung des Modells A würden nur weitere 1.600 MWh/a benötigt,
um die Flüssighefe herzustellen. Damit würden dann 74% der nutzbaren Abwärme
genutzt sein. Zwar beträgt der Wert dieses Wärmebedarfs 77.000DM/a (Tab. 28),
doch kann dieser bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nicht in voller Höhe zur
Reduzierung der Energiekosten geltend gemacht werden, weil davon die
Investitionen für die Wärmerückgewinnung abgezogen werden müssen. Eine
überschlägige Berechnung auf der Grundlage der in der Energienutzungsstudie
gegebenen Hinweise für die Amortisation hat ergeben, daß über einen Zeitraum der
ersten 10 Betriebsjahre einer entsprechenden Rückbrotverwertungsanlage zwei
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 109
Drittel des Energierückgewinns kostenmäßig angerechnet werden können. Das
bedeutet auf die vorgegebene Zahl von 77.000 DM/a einen geldwerten Rückgewinn
von 50.000 DM/a für den Wärmebedarf von 1.600 MWh/a für das Modell A.
Für die Durchführung des Modells B ist aus den Zahlen in der Tabelle 28 zu
erkennen, daß mit 7.100 MWh/a mehr thermische Energie, und zwar in Form von
Dampf, benötigt wird, als an für die Dampfherstellung nutzbare Energie aus dem
Abwärmestrom der Brenner anfällt. Deshalb lassen sich für diesen Bedarf aus dem
Abwärmestrom der Brenner von 6.161 MWh/a unter Berücksichtigung der
vorgenannten Berechnung für den Wert des Energierückgewinns nur 200.000 DM/a
realisieren.
Das Modell B besitzt folglich den Vorteil zusammen mit den anderen in der Tabelle 27
gezeigten Möglichkeiten der Abwärmenutzung alle nutzbaren Abwärmeströme
vollständig und vor allem kontinuierlich nutzen zu können. Der Gesamtwert dieser
Rückgewinnung würde 316.000 DM/a betragen. Darüberhinaus besteht dann noch
weiterer Bedarf für Wärmeenergie. Hier soll unberücksichtigt bleiben, daß natürlich
auch noch Abwärme aus dem Verfahrensablauf nach den Modellen A und B
gewonnen werden könnte, beispielsweise für den Betrieb einer Anlage zur
Kältegewinnung durch Ammoniakverdampfung.
Tabelle 28: Gegenüberstellung des nutzbaren Energieinhalts aus den Brennern und
des Wärmebedarfs bei der Brotsirupbereitung und -aufarbeitung
Energieinhalt
(MWh/a)
Wert (DM/a)
Nutzbarer Energieinhalt aus den Brennern (kWh/a) 6.161* 296.000
Wärmebedarf für die Brotsirupbereitstellung und
–aufarbeitung** - Modell A **
1.600 77.000
Wärmebedarf für die Brotsirupbereitung und
–aufarbeitung sowie die Ethanolherstellung Modell B***
7.100 341.000
* l.c. A. Penschke (2000)
** bezogen auf 12t Rückbrotverwertung/d x 6d pro Woche für 52 Jahreswochen
*** bezogen auf 30t Rückbrotverwertung/d x 6d pro Woche für 52 Jahreswochen
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 110
Damit nun unter Einbeziehen dieser Betrachtung des Gesamtenergiekonzepts des
Betriebs eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Durchführung der Modelle A und
B erfolgen kann, muß der Bedarf an Betriebs- und Hilfsstoffen für die Herstellung der
Produkte ermittelt werden. Diesbezüglich sind nur die Betriebs- und Hilfsstoffe für die
Flüssighefe-, Ethanol- und Kohlendioxidherstellung von Interesse, weil die beiden
anderen Produkte, das Schüttwasser und die Proteinfraktion sozusagen als
Folgeprodukte in den Prozeß der Brotherstellung überführt werden. Der Betriebs-
und Hilfsstoffbedarf ist in Tabelle 29 für die Flüssighefe- und Ethanolherstellung auf
der Grundlage der erzielten Versuchsergebnisse für das in der Anlage beigefügte
Fließbild für die Flüssighefeherstellung (Modell A) errechnet worden. Die
Zahlenangaben für die Ethanolherstellung wurden der Literatur (47) entnommen. Die
Auslegung und Berechnung der Kosten für diesen Anlagenteil ist bewußt nicht auf
heutige moderne Großanlagen (18) bezogen, sondern auf Kleinanlagen, die nach
herkömmlichen Verfahren arbeiten. Gleiches erfolgte für die Berechnung der Kosten
für die Kohlendioxidgewinnung, für die direkt die in der Literatur (46, 47)
veröffentlichten Werte für die Gewinnungskosten herangezogen werden, wie sie bei
Anlagen der hier vorgesehenen Größe anfallen.
Die Preise für die Betriebs- und Hilfsstoffe entsprechen außer für die Enzyme und
Nährstoffe Angaben der Brotfabrik. Die Preise für die Enzyme entspricht den
Angaben eines großen Enzymherstellers und die Preise für die Nährstoffe den
Angaben eines großen Hefeherstellers.
Tabelle 29: Betriebs- und Hilfsstoffbedarf für die Flüssighefe- und Ethanolherstellung
Betriebs/Hilfsstoff Flüssighefeherstellung Ethanolherstellung*
Dampf 408 kWh/t 5.075 kWh/t
Strom 630 kWh/t 20 kWh/t
Reinigungswasser 1,6 m3/t 3,0 m3/t
Kühlwasser 2,8 m3/t 0,5 m3/t
Prozeßluft 4.700 m3/t -
Preßluft 58 m3/t -
*errechnet aus l.c. H. Kreipe (1972)
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 111
Da die Wirtschaftlichkeitsberechnung als Kostendeckungsrechnung durchgeführt ist,
mußten die rechnerischen Erlöse für die im Verfahren anfallenden Produkte ermittelt
werden, dazu wurden derzeitig übliche Marktpreise angesetzt. Diese Preise wurden
auf die erzeugten Produkte umgerechnet. Diesbezüglich wurde für die Proteinfraktion
der Mehlwert und für die Futtermittelfraktion der Futterkleiepreis zugrunde gelegt. Es
sei diesbezüglich erwähnt, daß aufgrund der Inhaltsstoffzusammensetzung der
Protein– und der Futtermittelfraktion leicht höhere Erlöse erzielt werden könnten,
wenn diese als eine Fraktion als Futtermittel abgegeben würden. Der erzielbare Erlös
richtete sich in diesem Fall nach dem Sojaschrotpreis als Referenzpreis. Ergänzend
sei darauf hingewiesen, daß für Ethanol- und Kohlendioxid die z.Z. unteren
Marktpreise eingesetzt wurden.
Tabelle 30: Preise für die Betriebs- und Hilfsstoffe
Betriebs- und Hilfsstoff Preis
Fernwärmedampf (DM/MWh) 48,00
Strom (DM/MWh) 80,00
Leitungswasser (DM/m3) 2,50
Abwasser /DM/m3) 2,50
Preßluft (DM/m3) 0,008
Prozeßluft (DM/m3) 0,016
Enzyme (DM/100 kg Rückbrot) 1,00
Nährstoffe (DM/100 kg Backhefe) 5,00
Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung wird davon ausgegangen, daß für den Betrieb
der Anlage nach Modell A 500.000 DM/a und nach Modell B 900.000 DM/a
Personalkosten anfallen. Dies bedeutet die Beschäftigung von 7 Mitarbeitern im
Modell A und von 13 Mitarbeitern im Modell B.
Die Personalkosten werden als Fixkosten behandelt, weil hier in einem ersten Ansatz
für die Kostendeckungsrechnung von einer 100%igen Auslastung der Anlage
ausgegangen wird. Diese Annahme ist deshalb berechtigt, weil der Hefeverbrauch
der Brotfabrik seit langem stabil ist. Saisonale Schwankungen fallen bei dieser
Betrachtung nicht ins Gewicht.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 112
Weitere fixe Kosten sind die Kosten für die Investition in die Anlage und die Kosten
für deren Wartung. Aus den Kosten für die Investition ergeben sich die Kosten für
den Kapitaldienst. Diesbezüglich wird für beide Modelle eine zehnjährige
Abschreibung bei einem linearen Zinssatz von 5%/a vorgegeben. Die hier
angenommenen Investitionskosten für beide Modelle wurden in Zusammenarbeit mit
der Fa. Reimelt ermittelt.
Tabelle 31: Rechnerischer Erlös für die erzeugten Produkte
Produkt Referenzprodukt Referenzpreis
(DM/kg)
Rechnerischer
Erlös (DM/kg)
Flüssighefe (18%TS) Backhefe (27%TS) 1,20 0,80
Proteinfraktion (27%TS) Mehl (86%TS) 0,40 0,13
Ethanol (100%) Ethanol (96%TS) 0,88 0,91
Kohlendioxid (100%) Kohlendioxid (99,9%) 0,30 0,30
Futtermittel (50%TS) Futterkleie (85%) 0,13 0,15
Aus der Tabelle 32 geht hervor, daß sich in der Abschreibungszeit von 10 Jahren
eine Rendite von 4,1% ergibt. Diese Rendite würde sich bei Nutzung der Abwärme
aus den Brennern auf 5,1%/a erhöhen, weil das Ergebnis dadurch um den Geldwert
der Abwärmenutzung größer ausfiele.
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 113
Tabelle 32: Kostendeckungsrechnung für den Betrieb der Rückbrotanlage zur
Gewinnung von 1.560t Backhefe/a (H27) als Flüssighefe (2.340t/a) aus 2.280t/a
Rückbrot bei 312 Betriebstagen – Modell A
Summe (DM/Jahr)
Erlöse
Flüssighefe 1.872.000
Proteinfraktion 69.000
Futtermittel 33.000
Summe Erlöse 1.974.000
Variable Kosten
Strom -118.000
Dampf -46.000
Enzyme -23.000
Nährstoffe -78.000
Prozeßluft -175.000
Preßluft -1.000
Reinigungswasser (Zu- und Abwasser) -19.000
Kühlwasser (Zuwasser) -16.000
Mindererlös Rückbrot -68.000
Summe Variable Kosten -545.000
Fixe Kosten
Wartung** -100.000
Personal -500.000
Kapitaldienst* -625.000
Summe Fixe Kosten -1.125.000
Ergebnis +203.000
Rendite +4,1%
Annahme : * 5,0 Mio. DM Investitionskosten,
Abschreibung in 10 Jahren linear bei 5 % Zins/Jahr
** 2% der Investitionssumme
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 114
Tabelle 33: Kostendeckungsrechnung für den Betrieb der Rückbrotanlage zur
Gewinnung von 1.560t Backhefe/a (H27) als Flüssighefe (2.340t/a) aus 9.360t/a
Rückbrot bei 312 Betriebstagen – Modell B
Summe (DM/Jahr)
Erlöse
Flüssighefe 1.872.000
Proteinfraktion 402.000
Ethanol 1.107.000
Kohlendioxid 365.000
Futtermittel 140.000
Summe Erlöse 3.886.000
Variable Kosten
Strom -122.000
Dampf -342.000
Enzyme -94.000
Nährstoffe -78.000
Prozeßluft -176.000
Preßluft -1.000
Reinigungswasser (Zu- und Abwasser) -54.000
Kühlwasser (Zuwasser) -19.000
Mindererlös Rückbrot -281.000
Kohlendioxidgewinnung -207.000
Summe Variable Kosten -1.374.000
Fixe Kosten
Wartung** -180.000
Personal -900.000
Kapitaldienst* -1.125.000
Summe Fixe Kosten -2.205.000
Ergebnis +307.000
Rendite +3,4%
Annahme : * 9,0 Mio. DM Investitionskosten,
Abschreibung in 10 Jahren linear bei 5 % Zins/Jahr
** 2% der Investitionssumme
5 ERGEBNISSE UND DISKUSSION 115
Diesbezüglich zeigt die Kostendeckungsrechnung für das Modell B, daß bei einer
10jährigen Abschreibung mit einem linearen Zins von 5%/a sich eine Rendite von
3,4%/a ergibt. Da für dieses Modell die Wärmerückgewinnung einen Beitrag von
200.000 DM/a leisten kann, erhöht sich die Rendite auf 5,6%/a. Der Vorteil des
Modells B gegenüber dem Modell A besteht insbesondere darin, daß für dieses
angenommen ist, die ganze anfallende Rückbrotmenge der Brotfabrik würde
verfahrensgemäß verwertet.
Aus der Gegenüberstellung beider Kostendeckungsrechnungen kann abgeleitet
werden, daß die Rendite für die verfahrensgemäße Rückbrotverwertung in
Abhängigkeit von der Finanzierungsgestaltung eine flexible Größe ist, die zwischen
den durch die Modellrechnung belegten Eckwerten variiert werden kann. Die Rendite
wird darüber hinaus entscheidend auch von den Investitionskosten und dem
Marktpreis für Backhefe bestimmt. Deshalb ist die Umsetzung des Verfahrens zur
Rückbrotverwertung, trotz der günstigen Aussicht auf Rendite, mit einem Risiko
behaftet. Deshalb bietet es sich gegebenenfalls auch an, nur Teilschritte des
Verfahrens umzusetzen oder Teilschritte wegzulassen.
Letzteres ist in den Modellen für die Durchführung des Verfahrens für die
verfahrensgemäß vorgesehene Milchsäurebildung im Schüttwasser geschehen.
Dieser Verfahrensschritt war ursprünglich aus dem Grund, das
Fermentationssubstrat mikrobiologisch stabilisieren zu müssen, für notwendig
erachtet worden. Es konnte jedoch im Zuge der schrittweisen Erhöhung der
Sterilbedingungen im Gesamtverfahrensablauf auf ihn verzichtet werden. Dadurch
kann der Gesamtverfahrensablauf ohne Einschränkung der Nutzung des
Schüttwassers sowohl verkürzt als auch vereinfacht werden.
Desweiteren muß darauf hingewiesen werden, daß zu der direkten Rendite für diese
Art der Rückbrotverwertung auch eine „Umweltrendite“ gerechnet werden muß. Sie
besteht darin, daß die Umweltbelastung durch das Brotbacken und die derzeitige
Rückbrotverwertung vermindert werden kann. Diese Verminderung ergibt sich durch
die produktionsintegrierte Primär- und Sekundärnutzung unabdingbarer
Energieträger und Rohstoffe.
6 ZUSAMMENFASSUNG 116
6 Zusammenfassung
In Deutschland werden Backwaren, die nicht mehr als ausreichend frisch empfunden
werden, die aber noch zum Verzehr geeignet sind, aus dem Warenverkehr
genommen. Die Menge dieser Backwaren ist auf 8-10% der Produktionsmenge zu
veranschlagen. Aus dieser Situation ergab sich die Aufgabenstellung für diese Arbeit,
dessen Gegenstand es war, einen neuen Weg zur biotechnologischen Aufarbeitung
von unverkauften Backwaren unter umweltrelevanten und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten aufzuzeigen. Besondere Zielsetzung war es dabei, eine
vollständige Verwertung von Rückbrot im Sinne eines geschlossenen Stoffkreislaufs
zu verwirklichen.
Die vorstehend skizzierte Aufgabenstellung wurde schrittweise mit der Zielsetzung
gelöst, eine möglichst einfache und sichere Prozeßtechnik für die in den
Produktionsprozeß einer Brotfabrik zu integrierende biotechnologische Aufarbeitung
und Umsetzung des Rückbrots in für die Brotherstellung direkt und indirekt
verwertbare Produkte zu entwickeln. Aus den zur Lösung der Aufgabenstellung
vorgesehenen fermentativen Prozeßschritten, die sich aus der Aufgabe der
vollständigen Verwertung des Rückbrots im Produktionsbetrieb ergaben, zeichnete
sich ab, daß dies Backhefe, ein milchsaures Prozeßwasser (Flüssigsauer), ein
enzymatisch nicht verflüssigbarer Reststoff aus Proteinen und Ballaststoffen
(Proteinfraktion), Ethanol und Kohlendioxid sein würden. Die Prozeßschritte
bestanden folglich in der enzymatischen Aufarbeitung des Rückbrots zu einem
Brotsirup, der Versäuerung des Brotsirups mit Milchsäurebakterien, der Aufarbeitung
des versäuerten Brotsirups zum Fermentationssubstrat, der Verwertung des
Fermentationssubstrats zur Herstellung von Backhefe-, Ethanol-, Kohlendioxid und
Flüssigsauer, der Verwertung der Backhefe als aus dem fermentierten Substrat
gewonnenes Konzentrat (Flüssighefe) zum Brotbacken, der Verwertung der
Proteinfraktion zum Brotbacken, der Destillation des anaerob fermentierten
Substrats, der Verwertung des vom Ethanol befreiten fermentierten Substrats als
Flüssigsauer zum Brotbacken.
Der Prozeßschritt der Destillation des anaerob fermentierten Substrats ist nur in
soweit durchgeführt worden, wie er für die Führung des Prozeßwasserstroms des
6 ZUSAMMENFASSUNG 117
Flüssigsauers und seiner Verwertung erforderlich war. Die Verfahrensschritte der
Destillation des Ethanols und der Verflüssigung des Kohlendioxids wurden nicht
durchgeführt, weil sie zum Stand der Technik gehören. Sie wurden aber in der
Wirtschaftlichkeitsberechnung auf der Grundlage dafür bekannter Zahlen
berücksichtigt.
Die enzymatische Aufarbeitung des Rückbrots zum Brotsirup und seine Versäuerung
gelang auf der Grundlage bekannter Verfahren ohne Probleme. Auch die
Aufarbeitung des versäuerten Brotsirups zum Fermentationssubstrat ließ sich in einer
Weise verwirklichen, daß das Fermentationssubstrat sowohl für die aerobe als aber
insbesondere für die anaerobe Fermentation in geeigneter Konzentration anfiel.
Diesbezüglich war es für die anaerobe Fermentation wichtig, eine
Glucosekonzentration von 15% im Fermentationssubstrat nicht zu unterschreiten,
damit die Ethanolherstellung und Kohlendioxidgewinnung auf dem Stand der Technik
erfolgen konnten. Es gelang mit einem einzigen Verdünnungsschritt, den nicht
fermentierbaren Feststoffgehalt aus dem Brotsirup, der einen Feststoffgehalt von
mehr als 40% aufwies, zentrifugal abzuscheiden. Damit war zugleich eine
energetisch günstige Brotsirupherstellung und –aufarbeitung gewährleistet. Der
abgeschiedene Feststoff ließ sich über eine Auswaschung praktisch vollständig von
seinem Glucosegehalt trennen. Dabei wurde das Ziel erreicht, das Substratvolumen
für den späteren Anfall an Schüttwasser so klein zu halten, daß das
Schüttwasservolumen wesentlich kleiner blieb als das für die Brotherstellung der
Brotfabrik erforderliche Schüttwasservolumen. Gleichzeitig fiel eine Proteinfraktion
mit einem Proteingehalt von 40% an. Außerdem fiel bei der Brotsirupaufbereitung
durch Sieben ein Preßkuchen an, in den alle für die Verwertung der Proteinfraktion
und das Fermentationssubstrat nicht erwünschten Feststoffe übergingen. Der
Preßkuchen hatte einen Getreideschroten vergleichbaren Futterwert. Das trübe
Fermentationssubstrat konnte zur aeroben Hefevermehrung eingesetzt werden, die
kontinuierlich erfolgte, ohne es weiter klären zu müssen.
Es konnte mit Pilotversuchen gezeigt werden, daß eine auf den wöchentlichen
Produktionsrhythmus der Brotfabrik abgestimmte Hefeproduktion bei Einhaltung von
in Brotfabriken verwirklichbaren Sterilbedingungen möglich ist. Die im Prozeß
anfallende Flüssighefe, die Proteinfraktion und das Schüttwasser wurden ohne
6 ZUSAMMENFASSUNG 118
jedwede Beeinträchtigung der Gebäckqualität in großtechnischen Backversuchen in
der Brotfabrik eingesetzt. Damit kann es als bewiesen gelten, daß das Verfahren
durchführbar ist. Die Herstellung von Ethanol und die Gewinnung von Kohlendioxid
aus Getreidemaischen vergleichbarer Zusammensetzung zum Fermentations-
substrat aus Brotsirup gehört ohnehin zum Stand der Technik. Sie brauchte deshalb
nicht experimentell überprüft zu werden.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse zur Verfahrensentwicklung wurden
Kostendeckungsrechnungen für zwei Modelle der Anwendung des Verfahrens
durchgeführt. Das eine Modell bezieht sich auf die ausschließliche Herstellung von
Flüssighefe aus einem Teil des täglich anfallenden Rückbrots einer Brotfabrik. Das
andere Modell sieht die ausschließliche Verwertung des gesamten Rückbrots einer
Brotfabrik vor, wobei deren Hefebedarf die Leitgröße darstellte.
Es konnte gezeigt werden, daß beide Modelle unter den gewählten
Randbedingungen wirtschaftlich umgesetzt werden können. In dem Modell der
ausschließlichen Flüssighefeherstellung ergab sich bei einer Amortisation des dafür
eingesetzten Kapitals von 10 Jahren unter Nutzung der Abwärme aus den Backöfen
eine Rendite von 5,1%, in dem anderen Modell unter den gleichen Bedingungen bei
einer Amortisation des eingesetzten Kapitals von 10 Jahren von 5,6%.
Es ist zusätzlich darauf hinzuweisen, daß zu der direkten Rendite für das
Unternehmen auch die indirekte Rendite für die Umweltentlastung durch das
Verfahren zu rechnen ist. Diese Entlastung ergibt sich durch die
produktionsintegrierte Primär- und Sekundärnutzung unabdingbarer Energieträger
und Rohstoffe.
7 LITERATUR 119
7 Literatur
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10 Elsner,G. und K. Seiler: Die Bedeutung der Extrudiertechnologie für den
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11 Lieken-Batscheider Mühlen- und Backbetriebe GmbH: Verfahren zum
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12 Müller Brot Neufahrn GmbH & Co. KG: Verfahren zur Herstellung eines
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13 Schäfer, R. and F. Meuser: Developments in the Production of High Quality
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14 Autorenkollektiv: Lebensmittellexikon, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1981.
15 Dellweg, H.: Biotechnologie, Grundlagen und Verfahren, VCH Weinheim,
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16 B. Wendeln jr. GmbH. Verfahren zum enzymatischen Abbau von Restbrot
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24 Baumgart, J.: Mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln. Behr‘s
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schrankverfahren. Deutsches Institut für Normung.
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Lebensmittelanalytik, Bestimmung des Ethanolgehalts. Mannheim, 1989.
37 Boehringer Mannheim GmbH: Methoden der biochemischen Analytik und
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Lebensmittelanalytik, Bestimmung des Saccharosegehalts. Mannheim, 1989.
39 Arbeitsgemeinschaft für Getreideforschung e.V.: Standard-Methoden für
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42 Jährig, A., Martens, U und Meuser, F. Untersuchung über den Gehalt
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43 Tegge, G.: Stärke und Stärkederivate. Verzuckerung von Stärke, pp 219-295.
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49 Crommentuyn, L. und J. Sloesen: Neues Rückgewinnungskonzept, mehr
CO2 mit höherer Qualität. Brauindustrie (1998) 6, 380-382.
8 ANHANG 123
8 Anhang - Beispielhafte Auslegung einer Anlage zur Aufarbeitung von
Rückbrot zur Flüssighefeherstellung
Die nachstehend beschriebene Anlage sieht die Durchführung des aus mehreren
Teilen bestehenden Verfahrens zur Rückbrotverwertung unter Schwerpunktsetzung
auf die Herstellung des Fermentationssubstrats und die ihr folgende Herstellung
einer Flüssigbackhefe ohne Berücksichtigung der möglichen Herstellung von
Flüssigsauer vor. Es handelt sich bei dieser Schwerpunktsetzung um den technisch
anspruchsvollsten, zugleich aber in seiner Wertschöpfung interessantesten Teil des
gesamten Verfahrens. Die sich aus der Schwerpunktsetzung ergebende Anlage ist
Teil einer modular aufgebauten Gesamtanlage. Dieser Aufbau der Gesamtanlage
erlaubt die stufenweise Umsetzung des gesamten Verfahrens in den
Produktionsablauf der Brotfabrik. Er bietet den zusätzlichen Vorteil der Begrenzung
der anfänglichen Investition auf den Teil der größten Wertschöpfung.
Der besondere technische Anspruch der Anlage besteht in der vorgesehenen
kontinuierlichen Herstellung der Flüssighefe. Daraus ergibt sich im Hinblick auf die
Integration des Verfahrens in die kontinuierliche Backwarenherstellung der Vorteil
eines gegenüber dem Zulaufverfahren kleineren Fermentervolumens und
insbesondere der Vorteil kontinuierlicher Volumenströme der Prozeßwässer. Der
modulare Aufbau der Anlage erlaubt jedoch auch den Bau einer Anlage für eine
herkömmliche Hefeherstellung im Zulaufverfahren und eine entsprechende Führung
der Prozeßwasserströme.
8 ANHANG 124
8.1 Funktionsbeschreibung der Anlage für die Flüssighefeherstellung
Die Anlage zur biotechnologischen Aufarbeitung des Rückbrots (Backwaren und
Teige) ist auf einen Durchsatz von täglich 12 t ausgelegt, die ca. 7,2 t Trockenmasse
entsprechen. Die zur Aufarbeitung vorgesehenen Partien an Rohstoffen werden in
Rollwagen (Pos. 1) zwischengelagert. Die befüllten Rollwagen werden dann zur
Aufbereitungsanlage (Pos. 2) geschoben.
Das aufzubereitende Rückbrot wird täglich in drei Chargen über eine Kippstation
(Pos. 1) in einen Vorzerkleinerer (Kutter, Pos. 2) gefördert, in dem es unter Zugabe
von warmem Einmaischwasser (Pos. 3) und α-Amylase intensiv zu einer Maische
zerkleinert und vermischt wird. Das Einmaischwasser ist anfänglich Frischwasser
und nach dem Anfahren und Einlaufen des Prozesses ist es Prozesswasser, das
gemäß der für den Gesamtprozeß gewählten Definition als Schüttwasser bezeichnet
wird.
Die Menge an Schüttwasser wird so bemessen, daß die Maische einen
Trockensubstanzgehalt von ca. 40% aufweist. Der Maische wird zur Verflüssigung
der Stärke mit einer Exzenterschneckenpumpe, die mit einer speziellen
Zuführvorrichtung (Pos. 2) für hochviskose Medien ausgestattet ist, in einen
druckfesten, doppelwandigen und mit einem wandschabenden Rührwerk
ausgestatteten Behälter (Verflüssigungsbehälter) (Pos. 5) gefördert.
Der Verfahrensablauf von der Kippstation bis zur Befüllung des
Verflüssigungsbehälters erfolgt in Teilschritten zu 2.250kg/h Maische in 2h 40min. Die
Befüllung des Verflüssigungsbebälters dauert 3 h. Bereits während der Befüllung wird
die Maische auf 70°C aufgeheizt. Nach Beendigung der Befüllung wird noch 1 h
aufgeheizt. Dabei wird eine Temperatur von 95°C erreicht, so dass die α-Amylase
inaktiviert wird. Danach wird die verflüssigte Maische zur Verzuckerung der Stärke in
2 h mittels einer Pumpe über einen Wärmeaustauscher (Pos. 7), mit dem sie auf
60°C abgekühlt wird, in einen von zwei doppelwandigen , mit einem
8 ANHANG 125
wandschabenden Rührwerk ausgestatteten (Verzuckerungsbehälter) (Pos. 6),
gefördert.
Der gesamte Vorgang vom Beginn des Einmaischens bis zur Beendigung der
Verflüssigung, die mit der Entleerung des Verflüssigungsbehälters und der Befüllung
des einen Verzuckerungsbehälters abgeschlossen ist, dauert 6 h. Während der
Befüllung des Verzuckerungsbehälters erfolgt die Zugabe des Enzyms
Glucoamylase, das bei 60°C ihr Temperaturoptimum hat. Der befüllte Behälter wird
7 h bei 60°C gehalten und danach in 3 h entleert. Die verzuckerte Maische wird als
Brotsirup bezeichnet.
Der Brotsirup wird mit einer Pumpe (Pos. 8) auf ein Schwingsieb (Pos. 9) gefördert.
Dabei wird der Brotsirup mit Frischwasser (Pos. 4) auf einen Trockensubstanzgehalt
von 26% verdünnt, um die groben Bestandteile, insbesondere Ölsaaten und
Gewürze sowie Fremdstoffe, absieben zu können. Der Siebübergang (Pos. 9) wird
mittels einer Schneckenpresse (Pos. 10) zu einem Preßkuchen entwässert. Der
Preßkuchen wird als Futtermittel verwendet. Das abgepreßte Wasser (Pos. 10) wird
wieder auf das Sieb zurückgegeben.
Der Siebdurchgang (Pos. 9) wird mit einem Dekanter (Pos. 11) zentrifugiert. Der
Oberlauf (Klarlauf) wird mit einem Wärmeaustauscher (Pos. 13) thermisch behandelt.
Die Einlauftemperatur beträgt ca. 50°C und die Auslauftemperatur 70°C. Der
thermisch behandelte Klarlauf wird in einen von zwei einwandigen, isolierten
Lagerbehältern (Pos. 13) gefördert. Dieser Oberlauf bildet ein Teil des Substrats für
die Backhefeherstellung. Das beim Zentrifugieren anfallende Sediment wird in einem
weiteren Pufferbehälter (Pos. 12) gesammelt.
Das Sediment wird zur Extraktion seines Glucosegehaltes mit Frischwasser
(Pos. 4/12) vermischt und erneut mit dem Dekanter (Pos. 11) zentrifugiert. Der
Oberlauf (Klarlauf) bildet den zweiten Teil des Substrats (Pos. 11/12), der nach
thermischer Behandlung (Pos. 13) auf 70°C in zwei Vorratsbehältern für das Substrat
gelagert wird. Das Sediment fällt in einen Rollwagen (Pos. 12) und kann als protein-
und ballaststoffreiche Backzutat verwendet werden. Der Vorgang vom Sieben des
Brotsirups bis zur Extraktion des Sediments dauert 3h.
8 ANHANG 126
Das in den Vorratsbehältern gelagerte Substrat (Pos. 13) wird im 24 h Takt
kontinuierlich in den sterilisierbaren, mit einem Rührwerk ausgestatteten,
doppelwandigen aeroben Fermenter (Pos. 13) gepumpt und dabei über einen
Wärmeaustauscher (Pos. 13) auf 30°C abgekühlt.
Aus weiteren Vorratsbehältern (Pos. 16) werden außerdem kontinuierlich Lauge und
Nährlösung in den Fermenter gepumpt. Im Fermenter wird bei einer Temperatur von
30°C und einem pH-Wert von etwa 4 kontinuierlich unter sterilen Bedingungen bei
kräftiger Belüftung Backhefe vermehrt. Die Temperatur, der pH-Wert und die
Belüftungsrate werden über entsprechende Meßgeräte geregelt. Der
Fermenterablauf wird mit einem sterilisierbaren Tellerseparator (Pos. 17)
zentrifugiert. Die dabei anfallende Flüssighefe wird in vier gekühlte Vorratsbehälter
(Pos. 21) gefördert. Die Flüssighefe wird von 30°C auf etwa 6°C abgekühlt. Die
Entnahme der Flüssighefe zur Backwarenproduktion erfolgt mit einer Pumpe über
eine zu den Abnahmestationen geführte Ringleitung.
Ein Teil des im Tellerseparator als Oberlauf anfallenden Schüttwassers fließt zurück
in den Fermenter, der andere Teil gelangt in einen Pufferbehälter (Pos. 19). Die
Regelung dieser Volumenströme, respektive der Konzentration an Hefezellen im
Fermenter, erfolgt im Hinblick auf eine konstante Zellzahldichte über die Messung der
Zellzahldichte im Fermenterablauf und der Ethanolkonzentration im Fermenter-inhalt.
Die Produktion an Flüssighefe wird über ein in einem Reinzuchtfermenter (Pos. 15)
vermehrtes Inokulum gestartet. Die Standzeit der kontinuierlichen Flüssighefe-
produktion beträgt 6 Tage. Anschließend wird der Fermenter gereinigt, sterilisiert und
neu angefahren (Pos. 23).
8 ANHANG 127
8.2 Zusammenstellung der Anlagenteile
1 Entpackungs- und Sichtungsanlage
(nicht gezeigt)
2 Rückbrotaufbereitungsanlage
Aufgabebehälter RH01
mit Brotzerkleinerung KU01
mit Maische-Förderung P01 in T01
3 Brotsirupbereitungsanlage
Behälter für Enzyme BD01 und BD02
mit Dosierung in KU01 sowie in TO2.1 und TO2.2
Wasserdosierung von T03.1 in KU01
mit Wassermisch- und Dosiereinheit WMU01
Kochbehälter für Verflüssigung T01
Behälter für Verzuckerung T02.1 und T02.2
Wärmeaustauscher HE01
4. Brotsirupaufbereitungsanlage
Schwingsieb SW01
Schneckenpresse SP01
Dekanter DE01
Pufferbehälter für Extraktion T03.2
Pufferbehälter für Frischwasser T03.1
5 Zulauffermenter für Hefezucht
Fermenter F01 mit Mess- und Regeltechnik sowie Dosierbehältern
6 Kontinuierlicher aerober Fermenter
Vorratsbehälter für Fermentationssubstrat T04.1, T04.2
Wärmeaustauscher HE02 und HE03
Pufferbehälter für Schüttwasser T07
Aerober Fermenter mit Meß- und Regeltechnik sowie Dosierbehältern
Tellerseparator SE02
7 Vorratsbehälter für Flüssighefe
Vorratsbehälter T08.1 bis T08.4
8 Halbautomatische CIP-Anlage
9 Elektrische Steuer- und Schaltanlage
8 ANHANG 128
8.3 Medienverbrauch und Leistungsangaben
Medium Verbraucher Leistung
Elektrische Energie
1 Motor Kutter (KU01)
1 Motor Rührwerk (RH01)
1 Förderschnecke (RH01)
2 Pumpen P01, P02
1 Rührwerk T01
2 Rührwerke T02.1, T02.2
1 Schwingsieb SW01
1 Dekanter DE01
1 Tellerseparator SE02
1 Schneckenpresse SP01
1 Rührwerk F01
1 Rührwerk F02
10 Rührwerke
13 Pumpen
Summe 370 kW
Sicherheit 80 kW
Gesamtanschlußwert
450 kW
Preßluft (6 bar)
öl- und wasserfrei
Pneumatische Scheibenventile 18 Nm³/h
Ausblasen Rohrleitung 6 Nm³/h
Summe 24 Nm³/h
Sicherheit 6 Nm³/h
Gesamtpreßluftverbrauch
30 Nm³/h
Prozeßluft
Fermenter (F01, F02)
Prozeßluft 40 Nm³/min
Dampf Sattdampf 2,1 bar
-Produktion ca. 1675 kg/d
-Sterilhaltung ca. 500 kg/d
Sterilisieren (1x wöchendlich) ca. 1.000 kg
Kälte Kühlturm
Anschlußleistung 15 kW
Verdunstung ca. 35 m³/d
Kälteleistung 520 kW
Kältemaschine
Anschlußleistung 20 kW
Kälteleistung 30 kW
Wasser Prozesswasser
(je Betriebstag): ca.
35 m³/d
Reinigung
(bei täglicher Reinigung): ca.
20 m³/d
LEBENSLAUF
Lebenslauf
Udo Martens
Geburtsdatum: 11.05.1967
Geburtsort: Norden, Ostfriesland
Familienstand: verheiratet mit Dipl.-Volkswirtin Ursula Martens
14.02.1996 Geburt von Sohn Tyll Marten Martens
26.02.1998 Geburt von Sohn Sören Conrad Martens
Schulzeit:
Aug. 1973 - Jul. 1977 Grundschule am Schloßplatz, Varel
Aug. 1977 - Jul. 1979 Schulzentrum Arngaster Straße, Varel
Aug. 1979 - Jun. 1986 Lothar-Meyer-Gymnasium, Varel
Bundeswehr:
Jul. 1986 – Jun. 1988 Flugabwehrraketenbatallion 26, Wangerland
jetziger Dienstgrad: Oberleutnant der Reserve
Studium:
Okt. 1988 – Dez. 1993 Studium der Lebensmitteltechnologie mit Schwerpunkt
Getreidetechnologie an der Technischen Universität Berlin
mit Abschluß als Diplom-Ingenieur
Beruflicher Werdegang:
Jan. 1994 - Jul. 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Lebensmittel-
technologie II, Fachgebiet Getreidetechnologie, der
Technischen Universität Berlin
Aug. 1999 - Jan. 2000 Assistent der Geschäftsleitung bei
Müller-Brot GmbH & Co KG, Neufahrn
Jan. 2000-Jul. 2001 Stv. Betriebsleiter bei Ankerbrot AG, Wien, Österreich
Seit Aug. 2001 Stv. Betriebsleiter bei Müller-Brot GmbH & Co KG,
Neufahrn
Neufahrn, 26.11.01