scieee Science in your language
[en] (orig)
Experimentelle Analyse und Modellierung
des Stofftransportes durch
Kohlenstoffmembranen bei der
Hochdruckgastrennung
vorgelegt von
M.Eng.
Nicolas Kruse
geb. in Bergisch Gladbach
von der Fakultät III – Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
Dr.-Ing.
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Harald Kruggel-Emden
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Jens-Uwe Repke
Prof. Dr.-Ing. Gerd Braun
Prof. Dr.-Ing. Tobias Fieback
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 20. August 2018
Berlin 2018
Vorwort
Diese Arbeit entstand während meiner Tätigkeit an der TH Köln in
der Arbeitsgruppe von Herrn Professor Dr.-Ing. Gerd Braun. Die
kooperative Promotion wurde von Herrn Professor Dr.-Ing. Jens-
Uwe Repke und Herrn Professor Dr.-Ing. Gerd Braun betreut.
Ganz besonderen Dank möchte ich Herrn Professor Dr.-Ing.
Gerd Braun aussprechen, für die außergewöhnliche Zusammenar-
beit, seinen besonderen Einsatz und die Schaffung der erforderlichen
Rahmenbedingungen für diese Arbeit. Ebenso gilt mein ganz beson-
derer Dank Herrn Professor Dr.-Ing. Jens-Uwe Repke, der sich unge-
achtet der räumlichen Distanz zwischen Köln und Berlin für die
Betreuung der Dissertation eingesetzt und mit seinen Einschätzun-
gen und Anmerkungen dazu beigetragen hat, meine Leidenschaft für
Naturwissenschaften und technische Herausforderungen um einen
Blick für wissenschaftliche Fragestellungen zu erweitern.
Mein herzlicher Dank gilt auch Herrn Dr. Ingolf Voigt für die
gute, langjährige Zusammenarbeit, die einen wichtigen Baustein
dieser Arbeit darstellt. Vielen Dank auch an Frau Susanne Kämnitz,
Herrn Dr.-Ing. Norman Reger-Wagner und Herrn Dr.-Ing. Hannes
Richter für ihre Unterstützung dieser Arbeit. Darüber hinaus möchte
ich Herrn Professor Dr.-Ing. Tobias Fieback für seine Einschätzungen
und Anregungen zu Fragen der Hochdruckadsorption danken.
Ich danke auch meiner lieben Kollegin Jolanthe Jaworski und
meinen Bürokollegen und Freunden Christine Kleffner und Paul
Steinle für die außergewöhnliche Arbeitsatmosphäre und die viel
geschätzten, inspirierenden Diskussionen sowie meiner Schwester
Sanja und meinen Eltern Elisabeth und Gerd für ihre Unterstützung
und unmittelbare Einsatzbereitschaft.
Diese Publikation widme ich meiner großartigen Frau Julia und
meinen wundervollen Töchtern Rosa und Jella.
1
Zusammenfassung
Obwohl die Gastrennung mit Kohlenstoffmembranen mittlerweile
ein etabliertes Gebiet der Membranforschung darstellt und Kohlen-
stoffmembranen generell geeignet für den Einsatz unter Hochdruck-
bedingungen sind, liegen bisher nur wenige Veröffentlichungen zur
Untersuchung ihres Trennverhaltens oberhalb von 2 MPa vor. Auch
die etablierten Stofftransportmodelle zur Beschreibung von porösen
Membranen bilden die bisher publizierten Messergebnisse für hohe
Drücke nicht zufriedenstellend ab. Die Erforschung der Hochdruck-
gastrennung mit Kohlenstoffmembranen zielt mittelfristig auf den
industriellen Einsatz dieser Membranen ab. Hierfür muss eine fun-
dierte wissenschaftliche Basis geschaffen werden. Die Einführung
von Membranen für die Trennung von Gemischen unter extremen
Prozessbedingungen würde insbesondere in der chemischen Indus-
trie neue effiziente Prozesse ermöglichen.
Diese Arbeit betrachtet das Trennverhalten von Kohlenstoff-
membranen bei hohen Drücken und Temperaturen bis zu 450 K. Mit
einer im Rahmen dieser Arbeit entwickelten Versuchsanlage wurden
CO2-Mischungen und Einzelgasflüsse unterschiedlicher Gase und
die Selektivität für verschiedene CO2-Gasgemische bei Feeddrücken
bis 20 MPa und Transmembrandrücken bis 7 MPa vermessen. Das
Adsorptionsgleichgewicht der untersuchten Gase auf dem Memb-
ranmaterial wurde bis zu einem Druck von 10 MPa gravimetrisch
und volumetrisch ermittelt. r die Beschreibung des Stofftranspor-
tes durch die Membran wurde ein neuer Ansatz auf Basis der Max-
well-Stefan-Diffusion entwickelt, der den Stofftransport bei Hoch-
druckbedingungen für die untersuchten Membranen und Gase bzw.
Gasmischungen beschreiben kann. Auf Basis der experimentellen
Ergebnisse aus Permeations- und Adsorptionsmessungen wurden
die Modellparameter ermittelt, die die vorhandenen Wechselwir-
2
kungen zwischen dem Fluid und der Membran sowie zwischen den
Gemischkomponenten beschreiben.
Darüber hinaus wurde eine weitere Apparatur entwickelt, die es
ermöglicht, die Quellung des Kohlenstoffmembranmaterials bei
hohen Drücken zu vermessen. Die Ergebnisse der Quellungsmes-
sung zeigen für Sauerstoff eine Volumenzunahme von bis zu 0,2 %
des Kohlenstoffmaterials. Eine Abschätzung zur Änderung der Po-
rengröße legt nahe, dass die Quellung für die Permeanz bei hohen
Drücken nicht vernachlässigt werden kann. Dieser Einfluss wird
auch durch die experimentellen Ergebnisse für den Stofftransport
durch die Membran bestätigt.
Generell kann gezeigt werden, dass Kohlenstoffmembranen für
die Gastrennung bei hohen Drücken und Temperaturen geeignet
sind. Damit der Trennfaktor nicht durch das treibende Potential
limitiert wird, ist es aber essentiell, den Prozess bei hohen Trans-
membrandrücken zu betreiben. Daher ist eine hohe mechanische
Festigkeit der Membranen erforderlich. Die in dieser Arbeit unter-
suchten, als Kompositmembranen ausgeführten, Kohlenstoffmemb-
ranen, wie auch die meisten in Publikationen erwähnten asymmetri-
schen Hohlfasermembranen, weisen die aktive Schicht auf der In-
nenseite des Rohres bzw. der Hohlfaser auf. Der Druckbereich bei
dem diese Membranen eingesetzt werden können, wird bei einer
Druckbeaufschlagung auf der Innenseite durch die Festigkeit dieser
Membranen erheblich limitiert. Eine außenseitige Trennschicht wür-
de diese Problematik beseitigen, da die keramischen Werkstoffe eine
vielfache Druckfestigkeit gegenüber ihrer Zugfestigkeit aufweisen.
3
Abstract
Gas separation with carbon membranes has become well-established
in the field of membrane research. Although carbon membranes are
excellently suited for operation at high pressure, little research has
been published on the separation characteristics at 2 MPa and above.
Furthermore, the established transport models for porous mem-
branes are inadequate to describe mass transport at high pressure in
carbon membranes. In the medium term, the research aims at intro-
ducing carbon membranes for high pressure separation in industrial
applications. Therefore, a profound scientific basis has to be estab-
lished. The introduction of membrane separation for high pressure
and high temperature application would lead to new efficient pro-
cesses, especially in the chemical industry.
This work investigates the selective transport behaviour in car-
bon membranes at high pressure and temperature of up to 450 K. For
this purpose, a membrane test plant was developed to conduct sepa-
ration experiments. Different CO2 containing gas mixtures at feed
pressure up to 20 MPa and transmembrane pressures up to 7 MPa
have been experimentally investigated. The adsorption equilibrium
of the mixture components were obtained for a pressure of up to
10 MPa by gravimetric and volumetric measurement. A new ap-
proach based on the MaxwellStefan diffusion was developed to
model high pressure mass transfer for the investigated gases and
mixtures in carbon membranes. Model parameters to describe the
fluid-fluid as well as the fluid-membrane interactions were obtained,
based on the results from the permeation and adsorption experi-
ments.
In order to allow measuring the swelling of the carbon mem-
brane material at up to 20 MPa a novel apparatus was developed
und used to obtain measurements. The results show for a high pres-
sure oxygen atmosphere a swelling of up to 0.2 %. An estimation of
4
the pore size change indicates that the swelling is not negligible for
transport properties of the membrane at high pressure. This influ-
ence of the swelling effect is supported by the results of the permea-
tion experiments as well.
In general, it can be shown that carbon membranes are suitable
for high pressure and high temperature gas separation. To avoid a
limitation of the separation factor by the driving potential, it is essen-
tial to operate the separation process at a high transmembrane pres-
sure. Therefore, a high mechanical strength of the membrane is re-
quired. The composite membranes, investigated in this work, as well
as most asymmetric hollow fibre carbon membranes have the separa-
tion layer on the inside. The pressure range for these membranes is
considerably reduced compared to membranes with an outside sepa-
ration layer because of the material properties of carbon and ce-
ramics.
5
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Zielsetzung ............................................................ 13
2. Theoretische Grundlagen und Stand der Wissenschaft ................ 19
2.1 Membrantrennung ..................................................................... 19
2.2 Fluide ........................................................................................... 21
2.2.1 Chemisches Potential und Fugazität ................................ 24
2.2.2 Zustandsgleichungen ......................................................... 25
2.2.3 Wärmeleitfähigkeit von Mischungen ............................... 27
2.3 Membrantypen ........................................................................... 29
2.3.1 Dichte Membranen ............................................................. 29
2.3.2 Poröse Membranen ............................................................. 30
2.3.3 Kohlenstoffmembranen ...................................................... 31
2.4 Adsorption .................................................................................. 35
2.5 Stofftransport in Membranen ................................................... 37
2.5.1 Viskoser Fluss ...................................................................... 38
2.5.2 Knudsen-Diffusion ............................................................. 39
2.5.3 Oberflächendiffusion .......................................................... 41
2.5.4 Aktivierte Diffusion ............................................................ 43
2.5.5 Lösungs-Diffusions-Modell ............................................... 45
2.5.6 MaxwellStefan–Diffusion................................................. 48
2.5.7 Thermodynamische Betrachtung ...................................... 50
2.6 Kohlenstoff Quellung ................................................................. 53
3. Experimentelles und Methoden ....................................................... 56
3.1 Fluidsysteme ............................................................................... 56
3.2 Membranen und Probenmaterial ............................................. 57
3.3 Versuchsbedingungen ............................................................... 60
3.4 Membrantestzelle ....................................................................... 62
3.5 Membran-Versuchsanlage ........................................................ 64
3.5.1 Anlagensteuerung ............................................................... 66
3.5.2 Mess- und Regelungstechnik ............................................ 67
3.5.3 Onlineanalytik ..................................................................... 69
6
3.5.4 Gemischerzeugung ............................................................. 70
3.5.5 Stoffbilanzierung ................................................................. 70
3.6 Adsorptionsmessungen ............................................................. 71
3.6.1 Gravimetrische Einzelgasmessung ................................... 71
3.6.2 Volumetrische Gemischmessung ...................................... 73
3.7 Versuchsaufbau Quellungsmessung ....................................... 74
3.8 Dichtemessung des Kohlenstoffmaterials ............................... 78
3.9 Modellierung des Stofftransportes ........................................... 79
3.9.1 Implementierung des Modells .......................................... 81
4. Ergebnisse und Diskussion ............................................................... 84
4.1 Adsorption .................................................................................. 84
4.2 Einzelgas-Permeationsmessungen ........................................... 87
4.3 Gemisch-Permeationsmessungen ............................................ 91
4.4 Modellierung ............................................................................... 96
4.5 Temperaturabhängigkeit ......................................................... 103
4.6 Quellung .................................................................................... 105
5. Fazit und Ausblick ........................................................................... 115
6. Literatur ............................................................................................ 118
7. Anhang .............................................................................................. 128
7
Formelzeichen
Operatoren
Symbol Beschreibung
Nabla-Operator
Laplace-Operator
d
Differentialoperator
Lateinische Symbole
Symbol Einheit Beschreibung
𝑎𝑎𝑖𝑖
- Aktivität
𝐴𝐴
Membranfläche
𝑏𝑏𝑖𝑖
- Modelparameter des BET-Modells
𝑐𝑐
mol/m³ Summenkonzentration bzw. Kehrwert des
molaren Volumens
𝑐𝑐𝑖𝑖
mol/m³ Stoffmengenkonzentration
𝑑𝑑𝑘𝑘𝑖𝑖𝑘𝑘
nm Kinetischer Durchmesser
𝑑𝑑𝑝𝑝
nm Porengröße
𝑑𝑑𝑝𝑝,0
nm Ausgangsporengröße von nichtbeladenem
Material
𝐷𝐷,𝐷𝐷𝑖𝑖, 𝐷𝐷𝑗𝑗,𝐷𝐷𝑖𝑖𝑗𝑗
m²/s Maxwell-Stefan-Diffusionskoeffizient
𝐷𝐷𝑖𝑖,𝑀𝑀
m²/s Fick'scher Diffusionskoeffizient
𝐷𝐷0,𝑖𝑖
m²/s Modellkonstante
𝑒𝑒
- Eulersche Zahl
𝐸𝐸𝐴𝐴
J/mol Aktivierungsenergie
𝑓𝑓𝑖𝑖
Pa Fugazität
𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖
Pa Modelparameter des BET-Modells
8
J/mol Molare Enthalpie
𝚥𝚥,𝑗𝑗
mol/s/ Fluss (Fluidstromdichte)
𝚥𝚥𝑖𝑖, 𝑗𝑗𝑖𝑖
mol/s/ Fluss der Komponente i in einem Gemisch
𝑗𝑗0
mol/s/ Koeffizient für Referenzfluss
𝑘𝑘𝐵𝐵
J/K Boltzmann-Konstante
𝑘𝑘𝑞𝑞
GPa–1 Quellungskoeffizient
𝑘𝑘1,𝑘𝑘2
- Modelparameter für Quellungseinfluss
𝑙𝑙
m Länge/Dicke
𝑚𝑚𝑘𝑘
kg Probenmasse
𝑀𝑀𝑖𝑖, 𝑀𝑀𝑗𝑗
kg/mol Molare Masse
𝑛𝑛󰇗𝐹𝐹
mol/s Feedstrom
𝑛𝑛󰇗𝑃𝑃
mol/s Permeatstrom
𝑛𝑛󰇗𝐾𝐾
mol/s Konzentratstrom
𝑝𝑝
Pa Druck
𝑝𝑝𝑖𝑖
Pa Partialdruck
𝑝𝑝F
Pa Feedseitiger Druck
𝑝𝑝F
Pa Permeatseitiger Druck
𝑝𝑝𝑘𝑘𝑘𝑘𝑖𝑖𝑘𝑘
Pa Kritischer Druck
𝑃𝑃
mol/s/m/Pa Permeabilität eines Werkstoffes
𝑃𝑃𝑖𝑖
mol/s/m/Pa Permeabilität eine Werkstoffes für Fluid i
𝑞𝑞,𝑞𝑞𝑖𝑖
mol/kg Adsorptive Beladung
𝑞𝑞𝑠𝑠,𝑖𝑖
mol/kg Modelparameter des BET-Modells
𝑅𝑅
J/mol/K Allgemeine Gaskonstante
𝑠𝑠𝑖𝑖
J/mol/K Partielle molare Entropie
9
𝑆𝑆𝑖𝑖𝑗𝑗
- Trennfaktor der Komponente i gegenüber der
Komponente j
𝑇𝑇
K Temperatur
𝑇𝑇𝑘𝑘𝑘𝑘𝑖𝑖𝑘𝑘
K Kritische Temperatur
𝒯𝒯
s Zeitkonstante
𝑢𝑢
m/s Geschwindigkeit
𝑢𝑢
𝑖𝑖, 𝑢𝑢
𝑗𝑗
m/s Geschwindigkeit der Komponente i bzw. j in
einem Gemisch
𝑣𝑣
m³/mol Molares Volumen
𝑣𝑣𝑖𝑖
m³/mol Partielles molares Volumen
𝑤𝑤𝑘𝑘
J/mol Technische Arbeit
𝑥𝑥𝑖𝑖
- Stoffmengenanteil
𝑥𝑥𝑖𝑖,𝐹𝐹
- Stoffmengenanteil einer Komponente im Feed
𝑥𝑥𝑖𝑖,𝑃𝑃
- Stoffmengenanteil einer Komponente im
Permeat
𝑧𝑧
m Abstand zur feedseitiger Oberfläche der
Trennschicht
10
Griechische Symbole
Symbol Einheit Beschreibung
𝛼𝛼
- Selektivität
𝛼𝛼𝑖𝑖𝑗𝑗
- Selektivität von Komponente i gegenüber Kompo-
nente j
𝜀𝜀
- Dehnung/Quellung
𝜇𝜇𝑖𝑖
J/mol Chemisches Potential
𝜇𝜇𝑖𝑖,𝐹𝐹
J/mol Chemisches Potential einer Komponente im Feed
𝜇𝜇𝑖𝑖,𝑃𝑃
J/mol Chemisches Potential einer Komponente im Permeat
𝜆𝜆
W/m/K Wärmeleitfähigkeit
𝜆𝜆𝑖𝑖
W/m/K Wärmeleitfähigkeit einer Komponente
𝜆𝜆𝑚𝑚
nm Mittlere freie Weglänge
𝛷𝛷𝑖𝑖𝑗𝑗
- Wechselwirkungskoeffizient
Φ
- Porosität
𝜂𝜂
Pa s Dynamische Viskosität
𝜂𝜂𝑖𝑖, 𝜂𝜂𝑗𝑗
Pa s Dynamische Viskosität einer Gemischkomponente
𝜏𝜏
- Tortuosität
𝜋𝜋
- Kreiszahl
𝜌𝜌
kg/m³ Rohdichte der Membrantrennschicht
𝜌𝜌𝑔𝑔
kg/m³ Dichte von monokristallinem Graphit
𝜌𝜌𝑘𝑘
kg/m³ Rohdichte der Kohlenstoffprobe
𝜌𝜌𝑤𝑤
kg/m³ Dichte von Wasser
11
Abkürzungen
Symbol Beschreibung
BET Modell von Brunauer, Emmett und Teller zur Beschrei-
bung mehrschichtiger Adsorption
IAST Ideal Adsorbed Solution Theory - Modell zur Beschrei-
bung der Adsorption von Gasgemischen
IGCC Integrated Gasification Combined Cycle - Kombi-Prozess
zur Umwandlung von Primärenergieträgern in Syntese-
gas und thermische Energie
MF Mikrofiltration
NDIR Nondispersive infrared (sensor) - Messverfahren basie-
rend auf wellenlängenspezifischer Absorption im Infra-
rotbereich
NIST National Institute of Standards and Technology - US-
Bundesbehörde mit der Zuständigkeit für Standards und
Technologie
PI(D)-Regler Proportional-, Integral- (und Differential-) Regler
PIM Polymers of intrinsic microporosity - Polymere mit intrin-
sischer Mikroporosität
REM Rasterelektronenmikroskop
SPS Speicherprogrammierbare Steuerung - digital program-
miertes Gerät zur Steuerung/Regelung von Maschi-
nen/Anlagen
SQL Verbreitete, standardisiert Datenbanksprache
TCP/IP Transmission Control Protocol/Internet Protocol ver-
bindungsorientiertes Netzwerkprotokoll
UF Ultrafiltration
12
13
1. Einführung und Zielsetzung
Die Gastrennung mit Kohlenstoffmembranen ist mittlerweile ein
etabliertes Gebiet der Membranforschung. Überall dort wo Gasgemi-
sche mit niedrigem Energieaufwand, geringem apparativem Auf-
wand und niedrigem Platzbedarf getrennt werden sollen, bietet sich
der Einsatz von Membranverfahren an. Während Anwendungen wie
z. B. die dezentrale Stickstoffgewinnung aus Luft mit Polymermemb-
ranen ein etabliertes Verfahren ist, lassen sich andere Trennaufgaben
mit diesen Membranen aufgrund von zu geringer Selektivität oder
mangelnder Beständigkeit nicht ohne weiteres realisieren. Daher ist
ein Grund für das Interesse an Kohlenstoffmembranen und anderen
anorganischen Membranen für die Gastrennung ihre herausragende
Selektivität bei gleichzeitig hoher Permeanz im Vergleich zu klassi-
schen Polymermembranen [1]. Eine der Herausforderungen für den
Einsatz von Kohlenstoffmembranen stellt die Konstruktion und die
Fertigung von fehlerfreien und robusten Membranelementen und
Membranmodulen dar [2]. Zwar hat das Kohlenstoffmaterial eine
deutlich höhere Festigkeit als das für die Herstellung verwendete
Polymer, aber die hohe Steifigkeit und die geringe Bruchdehnung
erschweren die Handhabung des Materials erheblich [3]. Die mit
diesen Herausforderungen verbundenen deutlich höheren Kosten in
Bezug auf die Membranfläche, aber auch auf die Permeatleistung,
haben bisher eine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Polymermembra-
nen verhindert.
Das Unternehmen Air Products and Chemicals veröffentlichte
1999 Ergebnisse zu Versuchen im Pilotmaßstab zur Alkan- und Was-
serstofftrennung mit selbst entwickelten Rohrmembranen [4]. Eine
Fortsetzung dieser Entwicklung ist jedoch nicht bekannt. Kohlen-
stoffbasierte Kapillarmembranen wurden in den 90er Jahren kom-
merziell vom Hersteller Carbon Membranes Ltd. angeboten. Der
Vertrieb wurde 2001 eingestellt. Im Jahr 2010 wurde das Spin-off
14
MemfoACT der Norwegian University of Science and Technology
(NTNU) mit dem Ziel gegründet, kommerzielle kohlenstoffbasierte
Kapillarmembranen für die Aufbereitung von Biogas für die Einspei-
sung in Erdgasnetze anzubieten. Auch dieser Hersteller ist nicht
mehr aktiv.
Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Kohlenstoff- und an-
deren anorganischen Membranen ist ihre hohe Druck- und Tempera-
turstabilität, die damit auch die vergleichsweise hohen Kosten recht-
fertigen kann. Selbst der Einsatz bei Drücken jenseits von 10 MPa
und Temperaturen von über 450 K lassen sich mit Kohlenstoffmemb-
ranen realisieren. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, Gemisch-
komponenten unter extremen Prozessbedingungen direkt abtrennen
zu können. Dies ist zum einen bei Anwendungen von Interesse, bei
denen Komponenten aus Gasströmen bei hohem Druck und hoher
Temperatur wiedergewonnen bzw. entfernt werden sollen. Bei der
Erdgasgewinnung ist dies z. B. häufig der Fall, da das Methan bei
etwa 7 MPa von Begleitkomponenten befreit werden muss. Zum
anderen würde die Verfügbarkeit einer solchen Technologie ganz
neue Prozesse überall dort ermöglichen, wo Gleichgewichtsreaktio-
nen bei hohen Drücken und Temperaturen ablaufen. Eine geeignete
Membran würde eine Abtrennung der Produkte und damit eine
Verschiebung des Gleichgewichts hin zur Produktseite unter Reakti-
onsbedingungen ermöglichen. Dies wäre z. B. bei Dehydrierungsre-
aktionen sowie der Dampfreformierung und der Wassergas-Shift-
Reaktion von großem Interesse. Möglich ist auch die Integration von
Reaktions- und Trennschritt in Membranreaktoren, bei denen die
Reaktion in oder um Rohrmembranen stattfindet, die mit Katalysator
beschichtet oder mit Katalysatorschüttung gefüllt bzw. umgeben
sind. Beispielhaft ist hier die Arbeit von Itoh und Haraya zu nennen,
die eine Dehydrierungsreaktion in einem solchen Membranreaktor
experimentell untersucht haben [5]. Einen umfassenden Überblick zu
dem potentiellen Einsatz von Kohlenstoffmembranen im Membran-
15
reaktoren geben Llosa und Pacheco [6]. Ein weiterer Beispielprozess
für den Einsatz von Kohlenstoffmembranen für die CO2-Abtrennung
bei bis zu 30 MPa ist der IGCC (Integrated Gasification Combined
Cycle) [7].
Zwar wurden auch bereits mit Polymermembranen erfolgreiche
Permeationsversuche bei Drücken bis zu 38 MPa beschrieben [8],
dennoch führt eine hohe Fugazität bei Fluiden, die sich gut im
Membranmaterial lösen, zur Plastifizierung der Polymere und damit
zur drastischen Verringerung der mechanischen Festigkeit [9]. Diese
Festigkeit ist aber insbesondere bei der Hochdruckgastrennung eine
grundlegende Voraussetzung für den Einsatz der Membran, da bei
einem hohen Feeddruck auch ein hoher Transmembrandruck erfor-
derlich ist, um das treibende Potential für die besser permeierende
Komponente ohne den Einsatz eines Sweepgases aufrecht zu erhal-
ten.
Obwohl Kohlenstoffmembranen die erforderlichen Eigenschaf-
ten für den Einsatz unter Hochdruckbedingungen aufweisen, wur-
den bisher nur wenige Publikationen zur Untersuchung des Trenn-
verhaltens von Kohlenstoffmembranen bei 2 MPa und darüber hin-
aus veröffentlicht. Insbesondere zur Vermessung von Gemischen
liegen nur sehr wenige Ergebnisse vor. Tabelle 1-1 gibt eine chrono-
logische Übersicht zu den veröffentlichen Versuchen mit Kohlen-
stoffmembranen bei einem Druck von mindestens 2 MPa.
Die in Tabelle 1-1 aufgeführten Arbeiten mit Untersuchungen bei
hohen Drücken gehen großteils auf die wichtigen Membraneigen-
schaften wie z. B. Porenverteilung und Adsorptionsgleichgewichte
ein. Sie zeigen aber allenfalls qualitativ Zusammenhänge einzelner
Eigenschaften zum Transportverhalten auf.
16
Tabelle 1-1
Publizierte Hochdruckversuche mit Kohlenstoffmembranen
Jahr pmax / MPa
Experiment Fluide Arbeitsgruppe
1997 5,8 Einzelgas CO2 Katsaros et al. [10]
2002 7,0 Mischung CO2/CH4 Vu et al. [11]
2007 5,5 Einzelgas CO2 Katsaros et al. [12]
2007 2,6 Einzelgas CO2 Wang et al. [13]
2011 2,4 Mischung C2H4/C2H6 Xu et al. [14]
2012 3,0 Mischung CO2/CH4 Swaidan et al. [1]
2014 5,5 Einzelgas CO2 Favvas et al. [15]
2014 5,6 Einzelgas CO2 Favvas et al. [16]
2014 5,5 Mischung CO2/CH4 Bhuwania et al. [17]
2016 20,0 Mischung CO2/(N2,He,O2) Kruse et al. [18]
2017 2,0 Mischung C2H4/C2H6 Salinas et al. [19]
2017 20,0 Mischung CO2/N2 Kruse et al. [20]
2018 7,0 Einzelgase N2, CO2 Haider et al. [21]
Für die qualitative Beschreibung des Gastransportes durch Kohlen-
stoffmembranen wurde in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl
von Transportmodellen vorgeschlagen. Die wesentlichen Ansätze
werden ausführlich in Kapitel 2.5 diskutiert. Zusammenfassend sind
zwei Mechanismen für den selektiven Transport in Kohlenstoff-
membranen maßgeblich. Zum einen spielt der Größenausschluss
(Molsieb) eine wesentliche Rolle und zum anderen tragen molekül-
spezifische Adsorptionseffekte zu unterschiedlicher Mobilität der
Spezies und damit zur Selektivität bei.
Für niedrige Drücke liegen Veröffentlichungen mit Modellvor-
schlägen vor, die eine gute Abbildung der dortigen experimentellen
Daten an mikroporösen Membranen ermöglichen. Hier sind insbe-
17
sondere die Arbeiten von Krishna et al. für Zeolithmembranen [22–
24] und die Arbeiten von Rungta et al. [25,26] für Kohlenstoffmem-
branen hervorzuheben. Eine ausführlichere Übersicht der Publikati-
onen anderer Arbeitsgruppen ist in Tabelle 1-2 dargestellt. Die Liste
umfasst Arbeiten, die sowohl Messungen als auch Modellansätze für
die Beschreibung des Stofftransportes in Kohlenstoffmembranen
behandeln. Die getroffenen Annahmen und Vereinfachungen, die bei
diesen Veröffentlichungen zur Anwendung kommen, beschränken
die Anwendbarkeit der Modelle allerdings auf einen kleinen Druck-
bereich.
Ziel dieser Arbeit ist es die wesentlichen Zusammenhänge für
eine Beschreibung des Stofftransports durch Kohlenstoffmembranen,
die für hohe Drücke und einen großen Druckbereich relevant sind,
zu ermitteln und miteinander zu verknüpfen. Wesentliche Aspekte
sind z. B. der Zusammenhang von Adsorptionsdaten und Stofftrans-
port sowie der Einfluss der Materialquellung. Die Arbeit soll dazu
beitragen, das Potential der Hochdruckgastrennung technisch nutz-
bar zu machen. Dazu sind bessere Kenntnisse der Transportvorgänge
in Kohlenstoffmembranen notwendig. Um dieses Ziel zu erreichen,
ist ein zentraler Punkt dieser Arbeit, den durch die wenigen bereits
vorliegenden Messergebnisse abgedeckten Bereich durch neue Mes-
sungen von Gemischen deutlich und systematisch zu erweitern.
Darüber hinaus steht die Entwicklung eines Modells, welches in der
Lage ist die Messergebnisse über den gesamten untersuchten Druck-
bereich abzubilden, im Mittelpunkt der Arbeit.
18
Tabelle 1-2
Publikationen mit Modellansätzen für die Beschreibung des Stofftransportes
in Kohlenstoffmembranen
Jahr Modell Arbeitsgruppe
1993 Fick'sche Diffusion Rao und Sircar [27]
1996 Knudsen-Diffusion Roa und Sircar [28]
2004 Erweiterte Fick'sche Diffusion,
Langmuir-Isotherme
Lagorsse et al. [29]
2005 Erweiterte Fick'sche Diffusion,
Langmuir-Isotherme
Steel und Koros [30]
2007 Erweiterte Fick'sche Diffusion,
Toth-Isotherme
Wang et al. [13]
2013 Erweiterte Fick'sche Diffusion Ma et al. [31]
2014 Erweiterte Fick'sche Diffusion,
Langmuir Isotherme
Ning und Koros [32]
2015 MaxwellStefan-Diffusion,
Langmuir Isotherme
Rungta et al. [26]
2015 Dusty gas model Al-Rabiah et al. [33]
2017 Maxwell-Stefan-Diffusion,
Langmuir Isotherme
Rungta et al. [25]
2017 Erweiterte Fick'sche Diffusion,
Langmuir-Isotherme
Fu et al. [34]
2017 Erweiterte Fick'sche Diffusion,
Langmuir-Isotherme
Salinas et al. [19]
19
2. Theoretische Grundlagen und Stand der Wis-
senschaft
Dieses Kapitel geht auf die Grundlagen und bisher publizierten Er-
kenntnisse ein, auf denen diese Arbeit aufbaut und die für das Ver-
ständnis der Abläufe bei der Hochdruckgastrennung mit Kohlen-
stoffmembranen erforderlich sind.
2.1 Membrantrennung
Bei der Trennung von Gasgemischen mit Membranen werden ver-
schiedene Größen für die Beschreibung und die Bewertung der Leis-
tungsfähigkeit der Membranen und Membranmaterialien herange-
zogen. Die wichtigsten Größen für die Charakterisierung des selek-
tiven Stofftransportes durch Membranmaterialien sind im allgemein
die Permeabilität und die Selektivität. Die Permeabilität 𝑃𝑃𝑖𝑖 beschreibt
den Fluss 𝚥𝚥𝑖𝑖 (flächenspezifischer Stoffstrom) der Komponente i in
Abhängigkeit ihres Partialdruckgradienten durch die Membran (Gl.
2-1). Sie quantifiziert damit die Durchlässigkeit der Membran für
einen Stoff. Die Selektivität 𝛼𝛼12 quantifiziert den bevorzugten Trans-
port einer Komponente 1 gegenüber einer anderen Komponente 2.
Sie kann als Quotient der Permeabilitäten der beiden Gemischkom-
ponenten formuliert werden (Gl. 2-2).
2-1
2-2
Die von Robson eingeführte Korrelation der Selektivität gegenüber
der Permeanz, der besser permeierenden Komponente, ist ein gängi-
ges Werkzeug zur Einordnung und Beurteilung neuer Membranma-
terialien. Robson zeigt in seiner Arbeit, dass die Permeabilität von
20
Polymermembranen in der Regel für die meisten Gase nahezu
druckunabhängig ist [35].
Für die Bewertung einer Membran bzw. eines Membranmodules
im Crossflow-Betrieb, entsprechend Abbildung 2-1, wird häufig der
Trennfaktor 𝑆𝑆 anstelle der Selektivität 𝛼𝛼 angeführt. Der Trennfaktor
ergibt sich, wie Gl. 2-3 zeigt, aus den messtechnisch zugänglichen
Zusammensetzungen des Feed- und Permeatstroms. Die Größen 𝑥𝑥1,𝑃𝑃
und 𝑥𝑥2,𝑃𝑃 geben den Stoffmengenanteil der Komponete 1 bzw. 2 im
Permeat an. Mit 𝑥𝑥1,𝐹𝐹 und 𝑥𝑥2,𝐹𝐹 werden die Stoffmengenanteile der
beiden Komponenten im Feed beschrieben.
Abbildung 2-1: Ströme am Membranmodul im Crossflow-Betrieb
𝑆𝑆12= 𝑥𝑥1,𝑃𝑃 𝑥𝑥2,𝐹𝐹
𝑥𝑥1,𝐹𝐹𝑥𝑥2,𝑃𝑃
2-3
Für den bei Polymermembranen häufig zutreffenden Fall von parti-
aldruckunabhängigen Permeabilitäten entspricht der Trennfaktor
unter bestimmten Randbedingungen der Selektivität. Diese Randbe-
dingungen sind gegeben, wenn die Feedzusammensetzung an der
Membran unabhängig vom Ort ist und die permeatseitigen Partial-
drücke gegenüber der Feedseite vernachlässigbar klein sind. Da
diese Bedingungen bei der Vermessung von Membranmaterialien im
Labor häufig zutreffen, werden die beiden Größen Trennfaktor und
Selektivität in der Literatur teilweise nicht klar unterschieden und
die Begriffe nicht einheitlich verwendet.
Für den Einsatz von Membranen in technischen Anwendungen
ist es wichtig zu beachten, dass sich Trennfaktor und Selektivität bei
diesen Bedingungen deutlich unterscheiden. Bei anorganischen
Konzentrat
Permeat
Feed Komponente 1
Komponente 2
21
Membranen kommt hinzu, dass sich die Permeabilitäten mit Druck
und Zusammensetzung des Gemisches drastisch ändern können [26].
Daraus resultiert, dass Angaben von Permeabilitäten und Selektivitä-
ten für diese Membranmaterialien nur von begrenztem Nutzen sind.
Bei der Auftragung nach Robson ist für anorganische Membranen zu
beachten, dass die Positionierung im Gegensatz zu den klassischen
Polymermaterialien im Wesentlichen durch die Messbedingungen
bestimmt wird.
2.2 Fluide
Auch wenn die vorliegende Arbeit dem Titel nach von Gasen spricht,
liegen genau genommen viele der untersuchten „Gase“, wie in Ab-
bildung 2-2 zu sehen, bereits bei 10 MPa als überkritische Fluide vor.
Dennoch ist die Bezeichnung Gasauch bei diesen Bedingungen für
viele Fluide wie z. B. N2 oder O2 gängige Praxis. Das liegt insbeson-
dere daran, dass die in Abbildung 2-2 gezeigten Fluide, mit Aus-
nahme von CO2, bei den üblichen technischen Einsatzbedingungen
im Wesentlichen gastypische Eigenschaften aufweisen. Während
formal überkritische Bedingungen vorliegen, wenn Druck und Tem-
peratur jenseits des kritischen Punktes liegen, ist insbesondere dann
von überkritischen Fluiden die Rede, wenn das Fluid sowohl gasty-
pische Eigenschaften (geringe Viskosität, hohe Diffusionskoeffizien-
ten) als auch flüssigkeitstypische Eigenschaften (hohe Dichte) ver-
eint.
Tabelle 2-1 zeigt eine Übersicht der kritischen Daten, der Mole-
kularmassen, der kinetischen Durchmesser und den relativen
Knudsen-Diffusionskoeffizienten gegenüber H2, dem Gas mit der
kleinsten Molekularmasse. Wie zu sehen ist, unterscheiden sich die
Abmessungen der Moleküle nur gering und liegen unterhalb eines
halben Nanometers. Dabei ist zu beachten, dass der kinetische
Durchmesser nur ein grobes Maß für die relevanten Abmessungen
des Moleküls für den Stofftransport durch Membranen ist. Neben
22
der Molekülform merkt Krishna ausgehend von molekulardynami-
schen Simulationen an, dass auch die Verformbarkeit des Moleküls
eine Rolle spielt [24].
Abbildung 2-2: Kritische Temperatur und kritischer Druck der untersuch-
ten Gase mit gekennzeichnetem Messbereich
Bei einem Druck von 20 MPa zeigen die meisten der untersuchten
Gase eine gravierende Abweichung vom Idealgasverhalten. Die
Abweichung betrifft sowohl das Verhalten der Einzelgase als auch
das Verhalten in der Mischung mit anderen Gasen. Abbildung 2-3
zeigt die molare Dichte der untersuchten Gase sowie eines idealen
Gases in Abhängigkeit des Drucks bei einer Temperatur von 300 K.
0
4
8
12
16
20
0100 200 300 400
Druck / MPa
Temperatur / K
He
H
2
N
2
Ar O
2
CH
4
CO
2
23
Tabelle 2-1
Basisdaten der untersuchen Gase und der relative Knudsen-
Diffusionskoeffizient gegenüber H2
Gas pkrit / MPa Tkrit / K M / g/mol dkin / nm
𝑀𝑀𝑖𝑖𝑀𝑀𝐻𝐻2
H2 1,29 a 33,0 a 2 0,29 a 1,00
He 0,23 a 5,2 a 4 0,26 a 0,71
CH4 4,60 a 190,0 a 16 0,38 a 0,35
N2 3,39 a 126,2 a 28 0,36 a 0,27
O2 5,04 a 154,6 a 32 0,35 a 0,25
Ar 4,90 b 150,9 b 40 0,35 c 0,22
CO2 7,39 a 304,1 a 44 0,33 a 0,21
a Matteucci et al. [36], b Angus et al. [37], c Breck et al. [38]
Abbildung 2-3: Abweichung der untersuchten Gase vom Idealgasverhalten
bei 300 K berechnet aus Zustandsgleichungen [39–46]
0
2
4
6
8
0 5 10 15 20
Molare Dichte / kmol/m³
Druck / MPa
He
H
2
N
2
Ar
O
2
CH
4
CO
2
Ideales Gas
24
2.2.1 Chemisches Potential und Fugazität
Das treibende Potential für den Stofftransport von Gasen durch die
Membran kann unabhängig vom Transportmechanismus durch den
Gradienten des chemischen Potentials ∇𝜇𝜇𝑖𝑖 beschrieben werden. Auch
ohne weiteres Wissen über die Vorgänge in der Membran können
damit direkt Aussagen über die maximal mögliche Trennleistung
bzw. die minimal erforderliche Energie für den Trennvorgang getrof-
fen werden. Generell gilt für das chemische Potential die in Gl. 2-4
gezeigte Druck- und Temperaturabhängigkeit, wobei das chemische
Potential die partielle molare Gibbs-Energie beschreibt.
d𝜇𝜇=−𝑠𝑠d𝑇𝑇+𝑣𝑣d𝑝𝑝
2-4
Durch den Joule-Thomson-Effekt kann es je nach Gasmischung bei
hohen Druckquotienten zwischen Feed- und Konzentratseite zu
einer deutlichen Temperaturabnahme an der Membran kommen.
Der Temperaturgradient tritt in der Fluidphase auf der Feedseite der
Membran auf. In der Membran selbst tritt aufgrund des üblichen
Verhältnisses von Wärmeleitfähigkeit des Trennschichtmaterials 𝜆𝜆 zu
Permeabilität 𝑃𝑃 praktisch kein Temperaturgradient auf. Für die un-
tersuchte Membran liegt das Verhältnis bei einem Wert von weniger
als 10-14 K·mol/J/Pa. Damit ergibt sich für CO2 selbst bei einem voll-
ständigen Phasenübergang von flüssig zu gasförmig mit 21=
107 J/mol nach Gl. 2-5 eine vernachlässigbare Temperaturabnahme in
der Membran von unter 0,1 K/MPa.
2-5
Daher kann der Transport durch die Membrantrennschicht als iso-
therm betrachtet werden, sodass der Term −𝑠𝑠d𝑇𝑇 in Gl. 2-4 entfallen
kann.
25
r Mischungen idealer Gase kann das chemische Potential einer
Komponente durch Einsetzen der idealen Gasgleichung mit dem
Partialdruck ausgedrückt werden, sodass sich Gl. 2-6 ergibt. Das
treibende Potential lässt sich also direkt durch dem Partialdruck
beschreiben.
d𝜇𝜇𝑖𝑖=𝑅𝑅𝑇𝑇dln(𝑝𝑝𝑖𝑖)
2-6
Für reale Mischungen realer Gase bietet es sich an, den Druck durch
die Fugazität zu ersetzen, womit das chemische Potential auch für
Komponenten solcher Mischungen wieder einfach ausgedrückt wer-
den kann:
d𝜇𝜇𝑖𝑖=𝑅𝑅𝑇𝑇dln(𝑓𝑓𝑖𝑖)
2-7
Zu beachten ist, dass die Fugazität eine abstrakte thermodynamische
Größe ist, die anders als der Druck weder direkt messbar, noch auf
molekularer Ebene trivial zu erklären ist. Die Fugazität entspricht
dem Druck, den ein ideales Gas mit dem gleichen chemischen Poten-
tial aufweisen würde.
2.2.2 Zustandsgleichungen
Wie vorab beschrieben, ist das chemische Potential bzw. die Fugazi-
tät maßgeblich für den Transport durch die Membran. Daher müssen
diese Zustandsgrößen aus den messbaren Zustandsgrößen (in die-
sem Fall Druck und Temperatur) bestimmt werden. Die Abweichung
vom Idealgasverhalten ist für einige Komponenten und ihre Gemi-
sche bei Drücken über 10 MPa gravierend, daher kann die ideale
Gasgleichung nicht verwendet werden. Zur Berechnung bieten sich
Zustandsgleichungen in Form der Fundamentalgleichung der freien
Energie an. Dabei wird die freie Energie in einen idealen Anteil so-
wie einen Anteil mit zusätzlichen teilempirischen Wechselwirkungen
aufgeteilt. Die Parameter für den teilempirischen Anteil werden
26
durch Regressionsanalyse anhand von Messdaten ermittelt [42]. Laut
NIST bieten diese Zustandsgleichungen in Verbindung mit den
publizierten Modellparametern die derzeit höchste verfügbare Ge-
nauigkeit [47]. Diese Zustandsgleichungen und ihre Parameter sind
für einen großen Druck- und Temperaturbereich, weit über 20 MPa
und 450 K gültig. Die für diese Arbeit genutzten Zustandsgleichun-
gen umfassen die Veröffentlichungen von Wagner, Span und weite-
ren Autoren [39–46]. Nach Angabe der Autoren liegen die Ungenau-
igkeiten der Modellvorhersage für den Zusammenhang zwischen
Druck, Volumen und Temperatur bei deutlich unter 0,1 %.
Für die Beschreibung von binären Mischungen lassen sich Mi-
schungsregeln nach Kunz und Wagner anwenden [48]. Laut der
Autoren sind hier Ungenauigkeiten der Vorhersage bei den für die
Hochdruckmembrantrennung relevanten Bedingungen von deutlich
weniger als 1 % zu erwarten. Abbildung 2-4 zeigt beispielhaft die
berechneten Fugazitäten für eine äquimolare N2/CO2-Mischung.
Andere CO2-Mischungen zeigen einen qualitativ ähnlichen Verlauf.
Wie erwartet ist die Abweichung vom Idealgasverhalten für CO2
gravierend. Aber auch N2 zeigt in der Mischung eine Abweichung
von 20 %. Als Einzelgas liegt die Fugazität von N2 bei diesen Bedin-
gungen niedriger als das Produkt aus Stoffmengenanteil und Ge-
samtdruck.
Bei einem Druck von 20 MPa zeigen die meisten der untersuch-
ten Gase eine gravierende Abweichung vom Idealgasverhalten. Die
Abweichung betrifft sowohl das Verhalten der Einzelgase als auch
das Verhalten in der Mischung mit anderen Gasen. Abbildung 2-3
zeigt die molare Dichte der untersuchten Gase sowie eines idealen
Gases in Abhängigkeit des Drucks bei einer Temperatur von 300 K.
27
Abbildung 2-4: Berechnete Fugazitäten für eine äquimolare Mischung aus
N2 und CO2 mit Zustandsgleichungen [42,45] und Mischungsregeln [48]
gegenüber dem idealen Fall bei 300 K
2.2.3 Wärmeleitfähigkeit von Mischungen
Für die Erfassung der Zusammensetzung von unterschiedlichen
binären Gemischen eignet sich die Vermessung von Mischungsei-
genschaften, sofern sich die Messgröße mit der Zusammensetzung
stark ändert. Der Vorteil besteht darin, dass die Messung von Mi-
schungseigenschaften im Gegensatz zu stoffspezifischer-Analytik für
mehrere Komponenten in der Regel schneller, genauer und technisch
deutlich einfacher ist.
Für die Erfassung der Zusammensetzung von binären Gasgemi-
schen bietet sich z. B. die Messung der Wärmeleitfähigkeit an. Der
Zusammenhang zwischen Wärmeleitfähigkeit und Zusammenset-
zung kann nach Wassiljewa, Mason und Saxena hergestellt werden
[49]. Für eine binäre Mischung ergibt sich der Zusammenhang zwi-
schen den Molanteilen 𝑥𝑥1 bzw. 𝑥𝑥2 und der Wärmeleitfähigkeit der
0
2
4
6
8
10
12
0 5 10 15 20
Fugazität / MPa
Druck / MPa
N2
CO2
Ideales Gas
28
Mischung 𝜆𝜆 aus den Wärmeleitfähigkeiten der Reinstoffe 𝜆𝜆1und 𝜆𝜆2
wie folgt:
𝜆𝜆=𝑥𝑥1𝜆𝜆1
𝑥𝑥1𝛷𝛷11+𝑥𝑥2𝛷𝛷12+𝑥𝑥2𝜆𝜆2
𝑥𝑥1𝛷𝛷21+𝑥𝑥2𝛷𝛷22
2-8
Die Koeffizienten 𝛷𝛷11und 𝛷𝛷22 für die beiden Reinstoffe sowie die
Mischungskoeffizienten 𝛷𝛷11und 𝛷𝛷22 ergeben sich nach Gl. 2-9 aus
den molaren Massen 𝑀𝑀 und den dynamischen Viskositäten 𝜂𝜂 der
Reinstoffe.
𝛷𝛷
𝑖𝑖𝑗𝑗
=1
221 + 𝑀𝑀𝑖𝑖
𝑀𝑀
𝑗𝑗
1
21 + 𝜂𝜂𝑖𝑖
𝜂𝜂
𝑗𝑗
𝑀𝑀𝑗𝑗
𝑀𝑀
𝑖𝑖
1
42
2-9
Der Zusammenhang ist für alle Gemische stetig und damit immer
eindeutig. Wie in Abbildung 2-5 exemplarisch für eine Mischung aus
He und CO2 gezeigt, steigt die Wärmeleitfähigkeit mit zunehmenden
Anteil der besser wärmeleitenden Komponente überproportional an.
Damit hängt die Messgenauigkeit für die Zusammensetzung vom
jeweiligen Messbereich ab.
29
Abbildung 2-5: Aus Reinstoffdaten [50] berechnete Wärmeleitfähigkeit für
ein Gemisch aus He und CO2 bei 300 K
2.3 Membrantypen
Technische semipermeable Membranen lassen sich in verschiedene
Kategorien einteilen. Die mikroskopische Struktur, die häufig für die
Kategorisierung herangezogen wird, ist auch verantwortlich für die
Mechanismen, die maßgeblich für den Stofftransport durch die
Membran sind. Vor der Beschreibung von Kohlenstoffmembranen,
die einen zentralen Aspekt der Arbeit ausmachen, wird in den fol-
genden zwei Kapiteln für die bessere Einordbarkeit dieser Membra-
nen auf dichte Membranen und poröse Membranen im Allgemeinen
eingegangen.
2.3.1 Dichte Membranen
Abgesehen von ionen- oder protonenleitfähigen Membranen aus
Metallen oder Metalloxyden, auf die aufgrund ihrer Sonderstellung
hier nicht weiter eingegangen wird, werden mit dichten Membranen
in aller Regel Polymermembranen bezeichnet. Der Transport lässt
0
20
40
60
80
100
120
140
160
00,2 0,4 0,6 0,8 1
Wärmeleitfähigkeit / mW/m/K
Stoffmengenanteil von He in CO
2
30
sich für die meisten Membranmaterialien und Trennaufgaben mit
dem Lösungs-Diffusions-Modell gut abbilden (Kapitel 2.5.5). Dabei
wird die Membran und das durch die Membran permeierende Fluid
als eine gemeinsame Phase angesehen. Die Membran selbst verhält
sich dabei vergleichbar mit einem ruhenden Fluid. Das trifft insbe-
sondere auf Elastomere bzw. Membranmaterialien zu, die oberhalb
ihrer Glasübergangstemperatur eingesetzt werden, da ihre Polymer-
ketten eine hohe Beweglichkeit aufweisen. Die Selektivität solcher
Membranen ist hauptsächlich in der unterschiedlichen Löslichkeit
der Komponenten begründet. Für Komponenten mit ähnlicher Lös-
lichkeit weisen solche Membranen eine eher niedrige Selektivität auf
[2]. Diese Betrachtungsweise als ruhendendes Fluids führt auch zu
dem Ergebnis, dass die Trennschicht keine Schubspannungen auf-
nehmen kann und damit, wie in Abbildung 2-13 gezeigt, keine
Druckgradienten im Membranmaterial vorliegen. Ausgenommen ist
die Grenzschicht zum porösen Trägermaterial.
Polymerbasierende Membranmaterialien, die von dieser Vorstel-
lung stark abweichen, weisen sehr steife Polymerketten und ein
hohes freies Volumen auf. Darunter fallen z. B. die PIMs (polymers
of intrinsic microporosity) [51] und die thermisch umgelagerten
Polybenzoxazole [52]. Diese Polymermembranen weisen molekular-
siebende Eigenschaften auf (Kapitel 2.5.4) und stellen damit einen
fließenden Übergang zwischen dichten und mikroporösen Membra-
nen her.
2.3.2 Poröse Membranen
Poröse Membranen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie eine starre
Struktur mit Poren aufweisen, durch die das Fluid transportiert wird.
Zu den Vertretern der porösen Membranen zählen insbesondere
poröse Polymermembranen für UF- und MF-Anwendungen sowie
poröse anorganische Membranen. Für die Trennung von Gasen und
anderen kleinen Molekülen mit mikroporösen Membranen stehen
31
insbesondere Kohlenstoff- und Zeolithmembranen im Mittelpunkt
der Forschung.
Der Transport von kleinen Molekülen kann in porösen Membra-
nen durch verschiedene Mechanismen erfolgen. Der dabei maßgebli-
che Transportmechanismus hängt im Wesentlichen von der Poren-
größe sowie Druck und Temperatur ab. Bei hohem Druck und gro-
ßen Poren, deren Durchmesser ein Vielfaches des Moleküldurchmes-
sers ausmacht, tritt ausschließlich viskoser Fluss auf, der keine Selek-
tivität für eine Komponente aufweist (Kapitel 2.5.1). Bei geringerem
Druck, bei dem die mittlere freie Weglänge in der Größenordnung
des Porendurchmessers liegt, spielt auch die Knudsen-Diffusion eine
Rolle. Sie weist eine moderate Selektivität für die Komponente mit
der geringeren Molekularmasse auf (Kapitel 2.5.2). Bei Membranen
mit sehr kleinen Poren, deren Abmessung nicht weit über der der
Moleküle liegt, kommt es durch Oberflächendiffusion und aktivierter
Diffusion zu einem selektiven Transport durch die Membran (Kapi-
tel 2.5.3, 2.5.4). Diese Membranen gehören zu den mikroporösen
Membranen, deren Porendurchmesser maximal wenige Nanometer
beträgt, bzw. im Fall der aktivierten Diffusion in der Größenordnung
der Molekülabmessung liegt.
2.3.3 Kohlenstoffmembranen
Die aktive Trennschicht von Kohlenstoffmembranen besteht in erster
Linie aus elementarem Kohlenstoff. Sie enthält in Abhängigkeit des
Herstellungsprozesses aber noch weitere Elemente, die aus dem
Ausgangsmaterial oder der Gasatmosphäre während der Herstel-
lung stammen. Die Trennschicht wird in aller Regel aus einem Poly-
mer, in diesem Zusammenhang Precursor genannt, durch eine ther-
mische Behandlung, der Pyrolyse, erzeugt. Vorrausetzung für die
Einsetzbarkeit eines Polymers als Precursor ist, dass keine starke
Erweichung vor Erreichen der Pyrolysetemperatur auftritt, die zum
Fließen des Polymers führt. Daher kommen als Precursor insbeson-
32
dere duroplastische Polymere zum Einsatz. Eine weitere Anforde-
rung an das Ausgangsmaterial ist, dass während der Pyrolyse keine
Makroporen oder Risse entstehen. Verwendung als Precursor finden
z. B. Polyacrylnitril (PAN), Polyimide, Phenolharze, Furfurylalkohol
(PFA) oder Celluloseacetat (CA). Um eine mechanisch stabile Mem-
bran mit dünner Trennschicht zu erhalten, wird der Precursor vor
der Pyrolyse meistens entweder auf einen porösen keramischen
Träger aufgetragen oder zu einer asymmetrischen Hohlfaser ver-
sponnen. Saufi und Ismail haben in Ihrer Veröffentlichung [53] einen
umfassenden Überblick zu dem Herstellungsprozess von Kohlen-
stoffmembranen zusammengetragen.
In Hinblick auf ihren Ursprung besteht also eine Verwandtschaft
zwischen Kohlenstoffmembranen und dichten Polymermembranen.
Dennoch werden Kohlenstoffmembranen in aller Regel zu den porö-
sen Membranen gezählt. Dies liegt daran, dass bei der thermischen
Umwandlung des Polymers in ein Kohlenstoffgerüst sehr steife,
unbewegliche Strukturen entstehen. Gleichzeitig steigt das freie
Volumen stark an, da flüchtige Pyrolyseprodukte entweichen.
Die Art der Strukturen, die sich bei dem Pyrolysevorgang aus-
bilden, hängen stark von der Prozessführung sowie vom Ausgangs-
material ab. Generell lässt sich sagen, dass Graphenschichtsegmente
entstehen. Diese lagern sich, anders als bei einem nicht permeablen
Graphitkristall, teilweise ungeordnet aneinander. Diese Anordnung
wird auch als turbostratisch bezeichnet und ist durch zufällige Struk-
turen und größere Zwischenräume gekennzeichnet [54]. Abbildung
2-6 vermittelt einen visuellen Eindruck des prinzipiellen Aufbaus.
33
Abbildung 2-6: Schematische Darstellung der Kohlenstoffstruktur der
Membran
Eine Charakterisierung dieser Struktur ist aufgrund der geringen
Abmessung vielen Einschränkungen unterworfen. Eine ortsauflö-
sende Abbildung in dieser Größenordnung ist mittels Rastertunnel-
mikroskopie prinzipiell möglich. Sie liefert für planbare Graphen-
strukturen, wie z. B. Schröder et al. zeigen, detaillierte Informationen
über die Positionierung der einzelnen Kohlenstoffatome [55]. Publi-
zierte Abbildungsversuche von Kohlenstoffmembranmaterial [28]
hingegen lassen kaum Schlüsse auf die Struktur zu. Die Aussage
solcher Abbildungen unterliegt in einem hohen Maße der Interpreta-
tion.
Eine andere Gruppe von gängigen Charakterisierungsmethoden
nutzt Beugungseffekte, um Aussagen über die untersuchte Struktur
zu erlangen. Hierbei hat vor allem die Röntgenbeugung eine weite
Verbreitung gefunden. Die Anwendung dieses Verfahren für Koh-
lenstoffmaterialien wurde bereits von Kercher und Nagle ausführlich
diskutiert [56]. Das Verfahren liefert, vereinfacht dargestellt, eine
Verteilung der Abstände zwischen den Positionen der Kohlenstoff-
atome. Eine weitere Methode nutzt die Transmissionselektronenmi-
kroskopie. Die Auflösung reicht dabei nicht aus, um die Strukturen
34
direkt abzubilden, aber die erfassten Beugungsmuster können durch
eine Fourier-Transformation in ein Beugungsspektrum überführt
werden. Diese Methode kam z. B. in Arbeiten von Wollbrink zum
Einsatz [57,58]. Anders als bei kristallinen Materialien, wie z. B. Zeo-
lithen, ist die Aussage dieser beiden Analysemethoden aufgrund der
geringen, bzw. fehlenden Ortsauflösung, begrenzt. Es lassen sich
lediglich statistische Größen zu den Atomabständen ermitteln, die
nur bedingt Rückschlüsse auf die eigentliche Struktur des Kohlen-
stoffes ermöglichen.
Weitere Methoden basieren auf dem Einsatz von Testmolekülen,
deren Adsorption oder Permeation im Membranmaterial erfasst
wird. So lassen sich durch Permeationsexperimente mit Testmolekü-
len verschiedener Größe Aussagen über die Porenverteilung der für
den Transport relevanten Engpässe gewinnen. Dieses Verfahren
liefert weniger Informationen über den Aufbau der Kohlen-
stofftrennschicht, dafür aber über die resultierende Wirkung auf den
Stofftransport, die in aller Regel von zentralem Interesse ist. Daher
findet sie häufig Anwendung zur Membrancharakterisierung
[13,29,59–61]. Abbildung 2-12 in Kapitel 2.5.4 stellt exemplarisch die
Ergebnisse einer solchen Messung dar. Eine detaillierte Auseinan-
dersetzung zu der Thematik wurde 2015 von Rungta et al. vorgelegt
[26].
Durch eine gezielte Adsorption von Testmolekülen können
ebenfalls Informationen über das Membranmaterial gewonnen wer-
den. Durch Anwendung der Permporometrie einer Kombination aus
Permeationsmessung und Adsorption, bzw. Kapillarkondensation,
kann die Porengrößenverteilung der für die Permeation relevanten
Poren im Membranmaterial ermittelt werden. Der Zusammenhang
zwischen Porengröße und Einsetzen der Kapillarkondensation ist
allerdings nur für größere Poren vorhersagbar und messbar. Für die
hier behandelten Kohlenstoffmembranen sind die für die Selektivität
verantwortlichen Poren mit einem Durchmesser von unter einem
35
Nanometer zu klein, damit die Methode aussagekräftigen Hinweise
über die Porengeometrie geben kann [62].
2.4 Adsorption
Für den Transportprozess in Kohlenstoffmembranen spielt die Ad-
sorption eine wesentliche Rolle. Adsorption zeichnet sich dadurch
aus, dass es aufgrund von anziehenden Wechselwirkungen zwischen
Fluid und Feststoff, z. B. der Porenwand, zu einer begrenzten Mobili-
tät der betroffenen Moleküle kommt. Bei gasförmigen Fluiden zeich-
net sich diese immobilisierte Molekularschicht in der Regel durch
eine höhere Dichte gegenüber dem Bulkfluid aus.
Bei einer geringen Beladung der Oberfläche und damit großen
Abständen zwischen den adsorbierten Molekülen ergibt sich ein
linearer Zusammenhang zwischen Druck und Beladung, vergleich-
bar mit dem Henry-Gesetz. Wird der Druck und damit die Beladung
erhöht, tritt ein Sättigungseffekt ein, da die zur Verfügung stehende
Oberfläche begrenzt ist. Eine weitere Druckerhöhung führt daher nur
noch zu einer Annäherung an eine Sättigungsbeladung. Dieser Effekt
kann mit der Langmuir-Isotherme beschrieben werden und ist für
den Druckbereich bis etwa 1 MPa für viele Gase in Verbindung mit
porösen Kohlenstoffmaterialien zutreffend [59,63].
Eine Erweiterung der Langmuir-Isotherme ist das BET-Modell.
Es beschreibt die Beladung (𝑞𝑞𝑖𝑖) auch bei höheren Drücken bzw.
Fugazitäten (𝑓𝑓𝑖𝑖), bei denen mehrschichtige Adsorption auftritt:
𝑞𝑞𝑖𝑖= 𝑏𝑏𝑖𝑖 𝑞𝑞𝑠𝑠,𝑖𝑖 𝑓𝑓𝑖𝑖
(𝑓𝑓
𝑠𝑠,𝑖𝑖
𝑓𝑓
𝑖𝑖
)1 + (𝑏𝑏
𝑖𝑖
1)𝑓𝑓
𝑖𝑖
𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖
2-10
Das Modell sieht vor, dass bei hohen Beladungen weitere, weniger
dichte adsorbierte Molekularschichten entstehen. Für kondensierbare
Fluide ergibt sich dem Modell nach ein fließender Übergang bis hin
zur Kapillarkondensation und damit zur Füllung der gesamten Pore
36
mit Flüssigkeit. Der Modellparameter 𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖 beschreibt in diesem Fall
den Sättigungsdampfdruck des Fluids. Die Größe 𝑞𝑞𝑠𝑠,𝑖𝑖 gibt die Sätti-
gungsbeladung für die erste Moleküllage an und 𝑏𝑏𝑖𝑖 beschreibt die
Proportionalität von Druck bzw. Fugazität und Beladung bei gerin-
gen Beladungen. Abbildung 2-7 zeigt den prinzipiellen Verlauf einer
solchen Isotherme.
Abbildung 2-7: Qualitativer Verlauf einer BET-Adsorptionsisotherme
In Verbindung mit Kohlenstoffmembranmaterial muss allerdings bei
der Interpretation der Adsorptionsisotherme beachtet werden, dass
in den für den selektiven Stofftransport verantwortlichen Poren
aufgrund ihrer geringen Größe eine Mehrschichtadsorption entspre-
chend dem BET-Modell nicht möglich ist. Die doppelte Molekülgrö-
ße liegt bereits jenseits der Abmessung dieser Poren [64].
Bei der Betrachtung der Adsorption von mehreren Komponen-
ten kann es zu einer signifikanten gegenseitigen Beeinflussung der
Spezies kommen. In Anlehnung an das Raoult´sche Gesetz haben
Beladung
Fugazität
𝑏𝑏
𝐾𝐾
𝑞𝑞
𝑠𝑠,𝐾𝐾
𝑓𝑓
𝐾𝐾
𝑓𝑓
𝑠𝑠,𝐾𝐾
𝑞𝑞
𝑠𝑠,𝐾𝐾
𝑓𝑓
𝑠𝑠,𝐾𝐾
37
Myers und Prausnitz die Ideal Adsorbed Solution Theory (IAST)
formuliert [65]. In einer umfangreichen Untersuchung kommen Rot-
her und Fieback allerdings zu dem Schluss, dass bereits bei einem
moderaten Druck von etwa 1 MPa nur sehr niedrige Vorhersagege-
nauigkeiten für Kohlenstoffmaterialien durch die Theorie erreicht
werden [66]. Auch Buss führt an, dass die IAST nur bei niedrigen
Beladungen eine gute Abbildung der Adsorption von Gemischen
ermöglicht [67].
2.5 Stofftransport in Membranen
Die folgenden Kapitel erläutern eine Reihe von Stofftransportmodel-
len, die für den Transport von Fluiden, insbesondere im Rahmen der
Gastrennung, relevant sind. Alle diese Modelle lassen sich im Grun-
de mehr oder weniger direkt auf die folgende, sehr allgemeine Pro-
portionalität zurückführen:
𝐹𝐹𝑙𝑙𝑢𝑢𝑠𝑠𝑠𝑠=𝐾𝐾𝐾𝐾𝑛𝑛𝑧𝑧𝑒𝑒𝑛𝑛𝐾𝐾𝐾𝐾𝑎𝑎𝐾𝐾𝐾𝐾𝐾𝐾𝑛𝑛 𝐵𝐵𝑒𝑒𝑤𝑤𝑒𝑒𝐵𝐵𝑙𝑙𝐾𝐾𝑐𝑐ℎ𝑘𝑘𝑒𝑒𝐾𝐾𝐾𝐾𝑇𝑇𝐾𝐾𝑒𝑒𝐾𝐾𝑏𝑏𝑒𝑒𝑛𝑛𝑑𝑑𝑒𝑒𝑠𝑠 𝑃𝑃𝐾𝐾𝐾𝐾𝑒𝑒𝑛𝑛𝐾𝐾𝐾𝐾𝑎𝑎𝑙𝑙
2-11
Eine Trennung von Gemischkomponenten kann dann erzielt werden,
wenn sich die Sorptionskoeffizienten (und damit die Konzentration
in der Membran) oder die Beweglichkeit der Komponenten unter-
scheiden. Allerdings ist zusätzlich zu beachten, dass es zu Wechsel-
wirkungen zwischen den Komponenten kommen kann, die diese
Selektivität wieder reduzieren.
Die folgenden Kapitel beschreiben nur eine Auswahl von gängi-
gen Modellvorstellungen, wie der Transport durch Membranen
beschrieben werden kann. Darüber hinaus gibt es weitere Modelle,
die sich allerdings mehr oder weniger mit den vorgestellten Model-
len überschneiden. Daher wird auf diese Modelle nicht weiter einge-
gangen.
38
2.5.1 Viskoser Fluss
Viskoser Fluss beschreibt die häufigste Form des Stofftransportes
durch poröse Medien. Er tritt üblicherweise bei Porengrößen von
>>1 nm auf. Bei sehr großen Poren geht die Fluidströmung in Ab-
hängigkeit des Flusses und der Fluideigenschaften in turbulente
Strömung über.
Im Regime des viskosen Flusses treten deutlich mehr intermole-
kulare Stöße als Molekül-Wand-Stöße auf. Dadurch gleichen die
Moleküle der Komponenten einer Mischung ihre Nettogeschwindig-
keit in Flussrichtung untereinander an und es kommt zu keinem
selektiven Transport. Der viskose Fluss kann mit Gl. 2-12 beschrieben
werden, sofern keine maßgeblichen Volumenkräfte auf das Fluid
wirken.
∇𝑝𝑝=𝜂𝜂∆𝑢𝑢
2-12
Daher kann der Zusammenhang von Druckgradient (∇𝑝𝑝) und volu-
metrischem Fluss (Produkt aus molarem Fluss 𝚥𝚥 und molarem Volu-
men 𝑣𝑣) ausschließlich durch die Fluideigenschaft dynamische Visko-
sität (𝜂𝜂) und der Geometrie des porösen Mediums beschrieben wer-
den. Die Geometrie wird häufig vereinfacht mit einem Porendurch-
messer (𝑑𝑑p) und einer Porosität (Φ) spezifiziert, wobei von zylindri-
schen Poren mit einer in Flussrichtung ausgerichteter Symmetrieach-
se ausgegangen wird (Gl. 2-13). Die Abweichung zwischen dieser
Modellvorstellung und tatsächlichen porösen Medien kann durch die
Tortuosität 𝜏𝜏 ausgedrückt werden. Bei dieser, auch als „Umwegfak-
tor“ bezeichneten Größe, handelt es sich in der Regel um einen empi-
risch ermittelten Parameter.
∇𝑝𝑝=𝚥𝚥 𝑣𝑣 𝜂𝜂𝜏𝜏
Φ 32
𝑑𝑑𝑝𝑝
2
2-13
39
In der Membrantechnik ist der viskose Fluss maßgeblich für den
Fluidtransport durch Membranen für die Mikrofiltration (MF) und
Ultrafiltration (UF). Darüber hinaus beschreibt er den Transport
durch die Stützschichten von Umkehrosmose- und meistens auch
Gastrennungsmembranen. Bei der Auslegung von Membranen wird
angestrebt, dass das aufzuwendende treibende Potential für den
Transport durch die Stützschicht vernachlässigbar klein gegenüber
dem Potential für den Transport durch die Trennschicht zu halten.
2.5.2 Knudsen-Diffusion
Knudsen-Diffusion ist dadurch charakterisiert, dass es deutlich häu-
figer zu Wand-Molekül- als Intermolekül-Stößen kommt. Der Zu-
stand kann durch die Knudsen-Zahl 𝐾𝐾𝑛𝑛 charakterisiert werden, die
die mittlere freie Weglänge 𝜆𝜆𝑚𝑚 in das Verhältnis zum Porendurch-
messer 𝑑𝑑𝑝𝑝 setzt:
𝐾𝐾𝑛𝑛=𝜆𝜆𝑚𝑚
𝑑𝑑𝑝𝑝
2-14
Die mittlere freie Weglänge beschreibt die im Mittel zurückgelegte
Strecke der Moleküle zwischen zwei Molekül-Molekül-
Zusammenstößen. Sofern die Grundannahmen der kinetischen Gas-
theorie ausreichend erfüllt sind, lässt sich die mittlere freie Weglänge
wie in Gl. 2-15 gezeigt berechnen.
𝜆𝜆𝑚𝑚=𝑘𝑘𝐵𝐵𝑇𝑇
2𝜋𝜋𝑑𝑑𝑘𝑘𝑖𝑖𝑘𝑘2𝑝𝑝
2-15
Abbildung 2-8 stellt die so berechnete mittlere freie Weglänge für
verschiedene Gase bis 20 MPa dar. Das Diagramm zeigt, dass die
mittlere freie Weglänge bei hohen Drücken in der Größenordnung
der Molekülabmessungen liegt (Tabelle 2-1).
40
Abbildung 2-8: Berechnete mittlere freie Weglänge für He, N2 und O2 bei
300 K (-) und die ungefähre Porenabmessung der untersuchten Kohlen-
stoffmembranen (- -)
Beim Stofftransport durch freie Molekularströmung (𝐾𝐾𝑛𝑛 > 10) [68]
tauschen die Moleküle fast ausschließlich Impuls mit der Poren-
wand, nicht aber untereinander aus. Somit findet der Transport ver-
schiedener Gemischkomponenten unabhängig voneinander statt. Die
Permeanz der einzelnen Komponente ist lediglich von der Porenge-
ometrie und der Molekularmasse abhängig, sodass die Selektivität
für eine Trennung durch Knudsen-Diffusion ausschließlich vom
Verhältnis der molaren Massen abhängig ist:
𝑆𝑆
𝑖𝑖𝑗𝑗
=𝑀𝑀𝑖𝑖
𝑀𝑀𝑗𝑗
2-16
Da sich die Molekularmassen der Mischungskomponenten im Be-
reich der Gastrennung nur moderat unterschieden, sind die
Knudsen-Selektivitäten (Tabelle 2-1) meistens zu gering für techni-
sche Anwendungen. Die Selektivitäten, die dichte Polymermembra-
0,1
1
10
100
0 5 10 15 20
λ / nm
Druck / MPa
He
N
2
O
2
41
nen oder Zeolith- und Kohlenstoffmembranen erreichen, liegen in
der Regel erheblich höher. Bei Poren, die kaum größer als die Mole-
küle sind, treten zusätzlich Effekte auf, die gegenüber der Knudsen-
Diffusion maßgeblich werden.
2.5.3 Oberflächendiffusion
In dem Fall, dass die Poren so klein sind, dass die adsorbierte Stoff-
menge an den Porenwänden gegenüber der Stoffmenge im Bulk
überwiegt, kann der Transport in der Adsorbatphase nicht mehr
vernachlässigt werden oder ist sogar maßgeblich für den Stofftrans-
port durch die Pore. Neben der Porengröße ist hierfür das Dichte-
verhältnis von Adsorbat und Bulk wichtig. Für hohe Drücke ist die
Oberflächendiffusion also erst für kleinere Poren relevant, da sich
Bulk- und Adsorbatdichte weniger stark unterscheiden.
Der Stofftransport wird durch die anziehenden Wechselwirkun-
gen zwischen Porenwand und Fluidmolekül dominiert. Da die
Wechselwirkungen spezifisch für jede Mischungskomponente sind,
findet der Stofftransport selektiv statt. Abbildung 2-9 skizziert den
Bindungsenergieverlauf zwischen Fluidmolekül und Wand für eine
Porengröße bei der Oberflächendiffusion maßgeblich sein kann.
Neben der Beweglichkeit der Moleküle in der Adsorbatphase ist
vor allem das Adsorptionsgleichgewicht für die Selektivität ein wich-
tiger Parameter. Dieses kann durch Adsorptionsisothermen be-
schrieben werden. Es ist allerdings zu beachten, dass Reinstoffad-
sorptionsisothermen die Adsorption von Mischungen eventuell nicht
ausreichend genau beschreiben können.
Für kleinere Poren, deren Durchmesser in der Größenordnung
von ein bis zwei Moleküldurchmessern liegt, überlagern sich die
Bindungsenergien zwischen Fluidmolekül und dem gesamten Po-
renumfang. In dem Fall lässt sich Bulk und Adsorbat nicht mehr klar
voneinander trennen. Die Überlagerung der Bindungsenergien resul-
tiert in einem stark von der Molekülgröße abhängigen Summenver-
42
lauf der Bindungsenergien, (Abbildung 2-10) was in der Regel zu
einer erhöhten Selektivität führt.
Abbildung 2-9: Schematische Darstellung der Bindungsenergie zwischen
Wand und Fluidmolekül bei klassischer Adsorption
Abbildung 2-10: Schematische Darstellung der Bindungsenergie zwischen
Wand und Fluidmolekül in kleinen Poren
Bindungsenergie
Ort
Porenwand
Bindungsenergie zwischen
Fluidmolekül und Wand
Bindungsenergie
Ort
Porenwand
Bindungsenergie zwischen
Fluidmolekül und Wand
Summe der
Bindungsenergie
43
2.5.4 Aktivierte Diffusion
Für Poren, bei denen sich die abstoßenden Kraftfelder zwischen
Gasmolekül und Wand überlagern, die Poren also kaum größer als
die Moleküle sind, tritt ein Effekt auf, der als aktivierte Diffusion
oder konfigurelle Diffusion bezeichnet wird. In diesem Zusammen-
hang ist auch von Molekularsiebung die Rede, da die Abmessung
der Moleküle maßgeblich für den Transport durch diese Poren ist. In
Abbildung 2-11 wird gezeigt, wie sich die Fluidmolekül-Wand-
Energiepotentiale überlagern, wobei die Bindungsenergie das Weg-
integral der Abstoßungskräfte darstellt.
Abbildung 2-11: Schematische Darstellung der Bindungsenergie zwischen
Wand und Fluidmolekül in sehr kleinen Poren
Die Höhe der Bindungsenergie in der Pore hängt von der elektri-
schen Ladung und Ladungsverteilung von Fluidmolekül und Po-
renwand ab, wobei allerdings der Größenunterschied von Pore zu
Molekül den gravierendsten Einfluss hat, da sein Kehrwert in etwa
mit der 12. Potenz eingeht [69]. Der räumliche Bindungsenergiever-
lauf lässt sich auch quantitativ für modellierte Poren berechnen.
Allerdings unterscheiden sich die publizierten Ergebnisse grundle-
gend je nach gewähltem Porenmodell [70–72].
Bindungsenergie
Ort
Porenwand
Summe der
Bindungsenergie
Bindungsenergie
zwischen
Fluidmolekül und
Wand
44
Der starke Einfluss des Größenunterschiedes zwischen Pore und
Molekül kann beispielsweise durch Permeationsmessungen mit
Molekülen verschiedener Größe gezeigt werden. Abbildung 2-12
stellt die Ergebnisse einer solchen Messung von Richter et al. [58]
dar. Die Untersuchungen anderer Autoren kommen zu vergleichba-
ren Ergebnissen [26,73].
Abbildung 2-12: Beispielhafte Korrelation von Molekülgröße und Permeanz
für eine molsiebende Membrangemessen von Richter et al. [58]
Damit die Moleküle in die Poren gelangen können, muss im Fall von
Gasen die kinetische Energie der Moleküle entsprechend hoch sein.
Da die kinetische Energie proportional zum Quadrat der Temperatur
ist, ergibt sich für den Stofftransport, entsprechend der Maxwell-
Boltzmann-Verteilung, eine Temperaturabhängigkeit des Stofftrans-
ports in Form der Arrhenius-Gleichung:
𝑗𝑗=𝑗𝑗0e𝐸𝐸𝐴𝐴
𝑅𝑅𝑅𝑅
2-17
0,001
0,01
0,1
1
10
100
0,25 0,3 0,35 0,4 0,45
Permeanz · 107/ mol/m²/s/Pa
Kinetischer Moleküldurchmesser / nm
H
2
N
2
C
3
H
8
O
2
CH
4
CO
2
45
Die Aktivierungsenergie 𝐸𝐸𝐴𝐴 entspricht der Bindungsenergie zwi-
schen Fluidmolekül und Wand. Sie ist somit spezifisch für die Po-
renmaterial-Fluid-Paarung. Wobei nicht nur die Moleküleigenschaf-
ten des Porenwandmaterials relevant sind, sondern vor allem die
geometrische Anordnung der Wandmoleküle, da die Interaktion mit
mehreren Wandmolekülen gleichzeitig stattfindet.
2.5.5 Lösungs-Diffusions-Modell
Das Lösungs-Diffusions-Modell betrachtet die Membran als eine
Phase, die auf der Feed- und der Permeat-Seite an der Phasengrenze
jeweils mit dem permeierenden Fluid im Gleichgewicht steht. Im Fall
von dichten Polymermembranen wird in der Regel angenommen,
dass die Trennschicht selber keinen Druckgradienten aufweist
(Abbildung 2-13, links). Der Gradient des chemischen Potentials
wird daher alleine durch den Konzentrationsgradienten bestimmt.
Diese Auffassung wird z. B. von Wijmans und Baker [74] vertreten.
Die Abwesenheit eines Druckgradienten in der Trennschicht führt in
der Modellvorstellung zwangsläufig zu einem örtlichen Druck-
sprung beim Übergang von der dichten Trennschicht zum porösen
Träger, um der Impulserhaltung und der Kontinuität des chemischen
Potentials Rechnung zu tragen.
Bei porösen Membranen kann die Trennschicht Schubspannun-
gen aufnehmen, sodass von einem Druckgradienten der Fluidphase
über die Membrandicke ausgegangen werden kann (Abbildung 2-13,
rechts). Aber auch ohne die Festlegung auf ein Modell zur Beschrei-
bung des Druckverlaufs über die Membran kann das treibende Po-
tential allgemein, wie in Gl. 2-18 gezeigt, durch das chemische Poten-
tial beschrieben werden.
46
Abbildung 2-13: Verlauf von Druck, Normalspannung orthogonal zur
Membranfläche und chemischen Potential für dichte Membranen (links)
und poröse Membranen (rechts)
𝚥𝚥𝑖𝑖=−𝑐𝑐𝑖𝑖𝐷𝐷𝑖𝑖
𝑅𝑅𝑇𝑇𝜇𝜇𝑖𝑖
2-18
Drückt man nun die lokale Konzentration in der Membrantrenn-
schicht 𝑐𝑐𝑖𝑖 durch einen Sorptionskoeffizienten aus (Gl. 2-19), erhält
man für den eindimensionalen Fall die Gl. 2-21. Wobei das treibende
Potential hier für den isothermen Fall entsprechend Gl. 2-20 durch
die Fugazität ausgedrückt wird. Für die Beschreibung von Poly-
mermembranen kann 𝑓𝑓𝑖𝑖 als Gleichgewichtsfugazität aufgefasst wer-
den, die nach Gl. 2-22 mit der lokalen Aktivität zusammenhängt. Das
Produkt aus Sorptions- und Diffusionskoeffizient entspricht der
Permeabilität Pi.
𝑐𝑐𝑖𝑖=𝑆𝑆𝑖𝑖𝑓𝑓𝑖𝑖
2-19
d𝜇𝜇𝑖𝑖=𝑅𝑅𝑇𝑇dln 𝑓𝑓𝑖𝑖
2-20
𝑗𝑗𝑖𝑖=−𝑆𝑆𝑖𝑖𝐷𝐷𝑖𝑖d𝑓𝑓𝑖𝑖
d𝑧𝑧
2-21
p
σ
µ
Trennschicht
Stützschicht
p
σ
µ
47
dln 𝑓𝑓𝑖𝑖=dln 𝑎𝑎𝑖𝑖
2-22
Sofern der Sorptionskoeffizient unabhängig von der Fugazität ist,
entspricht die Gleichung der Fick‘schen Diffusion (Gl. 2-23). Für
kleine Konzentrationen trifft das in der Regel zu. Bei hohen Drücken
oder Fluiden, die sich gut im Membranmaterial lösen, kann aller-
dings nicht mehr von einem linearen Zusammenhang zwischen
Fugazität und Konzentration ausgegangen werden. Kommt es zum
Quellen und damit zu einer Änderung der Polymermatrix, muss
zudem der Diffusionskoeffizient in Abhängigkeit von der Fugazität
betrachtet werden.
𝑗𝑗𝑖𝑖=−𝐷𝐷𝑖𝑖,𝑀𝑀d𝑐𝑐𝑖𝑖
d𝑧𝑧
2-23
Auch für mikroporöse Membranen lässt sich der Transport äquiva-
lent zu Gl. 2-21 beschreiben, wie z. B. von Koresh und Soffer [75]
gezeigt werden konnte. Da die adsorptive Beladung allerdings schon
bei moderatem Druck nicht mehr linear vom Druck bzw. der Fugazi-
tät abhängt, bietet sich folgende allgemeinere Schreibweise an:
𝑗𝑗𝑖𝑖=−𝜌𝜌𝑞𝑞𝑖𝑖𝐷𝐷𝑖𝑖,𝑀𝑀1
𝑓𝑓𝑖𝑖d𝑓𝑓𝑖𝑖
d𝑧𝑧
2-24
Dieses Modell eignet sich in Verbindung mit Reinstoffadsorptions-
isothermen zur Abbildung des Stofftransportes von mehreren Kom-
ponenten bei geringen Beladungen oder dem Transport einer einzel-
nen Komponente, wie ausführlich von Benes und Verweij beschrie-
ben wurde [76]. Für höhere Beladungen muss bei Mehrkomponen-
tentransport zusätzlich beachtet werden, dass die Komponenten
miteinander interagieren. In diesem Fall ist es erforderlich zu beach-
ten, dass treibendes Potential auch dazu aufgewendet werden muss,
um die Komponenten relativ zu einander zu bewegen. Auch sollte
beachtet werden, dass die Reinstoffadsorptionsisothermen das Ad-
48
sorptionsgleichgewicht für die Mischung eventuell nicht mehr akku-
rat beschreiben können.
2.5.6 Maxwell–Stefan–Diffusion
Das Modell der MaxwellStefan–Diffusion geht davon aus, dass ein
Gradient an chemischem Potential für die Bewegung einer Kompo-
nente relativ zu einer anderen Komponente erforderlich ist. Der
Höhe des Gradienten ist dem Modell nach proportional zur Diffe-
renz der Geschwindigkeiten zwischen den Komponenten.
Die genaue Formulierung des Modells variiert in der Literatur
aufgrund verschiedener Herleitungen und Annahmen im Detail.
Eine Reihe von Varianten für die Beschreibung des Stofftransportes
in porösen Materialien werden von Benes und Verweij diskutiert
[76], unter anderem die wohl erste publizierte Formulierung der
MaxwellStefan–Diffusion für den Transport durch mikroporöse
Materialien von Krishna [23]. Während Krishnas Arbeiten den
Schwerpunkt auf die Untersuchung an Zeolithen legen, haben Rung-
ta et al. die Maxwell–Stefan–Diffusion auch erfolgreich für die Be-
schreibung von Kohlenstoffmembranen herangezogen [25,26].
Sehr allgemein, angelehnt an eine Formulierung von Krishna
[77], kann das Modell, wie in Gl. 2-25 gezeigt, beschrieben werden.
Hier steht 𝑢𝑢
für die Geschwindigkeiten der Komponenten relativ
zum Koordinatensystem und 𝑥𝑥 für den Stoffmengenanteil.
∇𝜇𝜇𝑖𝑖
𝑅𝑅𝑇𝑇=𝑥𝑥𝑗𝑗
𝐷𝐷𝑖𝑖𝑗𝑗�𝑢𝑢
𝑖𝑖𝑢𝑢
𝑗𝑗
𝑘𝑘
𝑗𝑗=1
2-25
Zur Veranschaulichung kann der Zusammenhang auch als Impulsbi-
lanz formuliert werden. Für ideale Gase gilt, dass der Partialdruck-
gradient ∇𝑝𝑝𝑖𝑖 proportional zur Stoßhäufigkeit und Höhe des Impuls-
austausches per Stoß ist (Gl. 2-26). Die Stoßhäufigkeit von Molekülen
der Komponente i mit Molekülen der Komponente j ist proportional
49
zur Konzentration beider Komponenten. Die Höhe des Impulsaus-
tausches in Flussrichtung hängt proportional von der Geschwindig-
keitsdifferenz ab. Mit 𝑐𝑐 wird hier die Summenkonzentration aller
Komponenten bezeichnet.
−∇𝑝𝑝𝑖𝑖=𝑐𝑐 𝑥𝑥𝑖𝑖𝑥𝑥𝑗𝑗
𝐷𝐷
𝑖𝑖𝑗𝑗
�𝑢𝑢
𝑖𝑖𝑢𝑢
𝑗𝑗
𝑘𝑘
𝑗𝑗=1
2-26
Die Membran selbst kann ebenfalls als Komponente aufgefasst wer-
den, die sich relativ zum Koordinatensystem nicht bewegt, also eine
Geschwindigkeit von null aufweist. Dabei kann der Koeffizient 𝐷𝐷𝑖𝑖,
der die Wechselwirkungen zwischen Komponente i und der Memb-
ran beschreibt, entsprechend Gl. 2-27 definiert werden. Die Definiti-
on ist äquivalent zu den Interfluid-Koeffizienten 𝐷𝐷𝑖𝑖𝑗𝑗 mit der Aus-
nahme, dass der Stoffmengenanteil der Komponente „Membran“
entfällt.
∇𝜇𝜇𝑖𝑖
𝑅𝑅𝑇𝑇=𝑥𝑥𝑗𝑗
𝐷𝐷𝑖𝑖𝑗𝑗�𝑢𝑢
𝑖𝑖𝑢𝑢
𝑗𝑗 + 1
𝐷𝐷𝑖𝑖(𝑢𝑢
𝑖𝑖0)
𝑘𝑘
𝑗𝑗=1
2-27
Für eine Komponente, die alleine durch die Membran permeiert, fällt
in Gl. 2-27 der erste Summand weg, da er einen Wert von null auf-
weist. Durch Ersetzen der Geschwindigkeit mit der Stoffstromdichte
(Gl. 2-28) erhält man die bereits beschriebene Gl. 2-18. Daher lässt
sich auch die Fick‘sche Diffusion (Gl. 2-23) aus der Maxwell-Stefan-
Diffusion ableiten.
𝑢𝑢
𝑖𝑖=𝚥𝚥𝑖𝑖
𝑐𝑐𝑖𝑖=𝚥𝚥𝑖𝑖
𝑥𝑥𝑖𝑖𝑐𝑐
2-28
Für den Transport der Komponente 1 in einem binären Gemisch
durch die Membran ergibt sich Gl. 2-29. Durch Ersetzen der Ge-
schwindigkeit mit der Stoffstromdichte erhält man Gl. 2-30 und ana-
log für Komponente 2 die Gl. 2-31.
50
∇𝜇𝜇1
𝑅𝑅𝑇𝑇 = 𝑥𝑥2𝑢𝑢
1𝑢𝑢
2
𝐷𝐷12 +𝑢𝑢
1
𝐷𝐷1
2-29
−𝑐𝑐1∇𝜇𝜇1
𝑅𝑅𝑇𝑇=𝑥𝑥2𝚥𝚥1𝑥𝑥1𝚥𝚥2
𝐷𝐷12 +𝚥𝚥1
𝐷𝐷1
2-30
−𝑐𝑐2∇𝜇𝜇2
𝑅𝑅𝑇𝑇=𝑥𝑥1𝚥𝚥2𝑥𝑥2𝚥𝚥1
𝐷𝐷12 +𝚥𝚥2
𝐷𝐷2
2-31
Mit den drei Parametern 𝐷𝐷1, 𝐷𝐷2 und 𝐷𝐷12 sowie einer Zustandsglei-
chung für die Beschreibung der Konzentration 𝑐𝑐1 und 𝑐𝑐2 lässt sich
eine allgemeine Beschreibung für den Transport von binären Mi-
schungen durch eine Membran darstellen.
2.5.7 Thermodynamische Betrachtung
Unabhängig von der Membran und den Mechanismen, die für den
Stofftransport durch die Membran verantwortlich sind, gilt, dass die
freie Enthalpie durch den Transportvorgang nur abnehmen, nicht
aber zunehmen kann. Das gilt in gleicher Weise auch für die partielle
freie Enthalpie der einzelnen permeierenden Komponenten das
chemische Potential. Drückt man das chemische Potential durch die
Fugazität aus (Gl. 2-20) wird ersichtlich, dass auch die Fugazität aller
Komponenten in Flussrichtung nicht steigen kann. Für gasförmige
Fluide gilt dies in aller Regel auch für das Produkt aus Gesamtdruck
und Stoffmengenanteil der jeweiligen Komponente.
Aus dieser Erkenntnis heraus ergibt sich eine Limitierung des
Trennfaktors in Abhängigkeit des Feed- und Permeatdrucks. Bei
idealen Gasen gilt für die besser permeierende Komponente, wie in
Abbildung 2-14 dargestellt, dass ihr permeatseitiger Partialdruck
nicht über dem feedseitigen Partialdruck liegen kann.
51
Abbildung 2-14: Durch Druckbedingungen limitierter Trennfaktor für eine
Membran mit unendlicher Selektivität für Komponente 1
Für den Fall, dass der Stoffmengenanteil der besser permeierenden
Komponente im Feed kleiner als das Druckverhältnis zwischen Per-
meat- und Feedseite ist, gilt die Ungleichung 2-32. Dieser maximal
erreichbare Trennfaktor kann unabhängig von der Selektivität der
Membran nicht überschritten werden.
𝑆𝑆12< 1 𝑥𝑥1,𝐹𝐹
𝑝𝑝𝑃𝑃
𝑝𝑝𝐹𝐹𝑥𝑥
1,𝐹𝐹
2-32
Aber auch bei einem größeren Druckverhältnis wird der erreichbare
Trennfaktor durch die Druckverhältnisse vermindert. Der Zusam-
menhang kann durch Gl. 2-33 beschrieben werden, die sich aus der
Definition von Selektivität (Gl. 2-1) und Permeanz (Gl. 2-2) ergibt.
Abbildung 2-15 stellt diesen Zusammenhang grafisch dar. Gezeigt
sind die Ergebnisse einer Beispielrechnung für eine O2- Gewinnung
aus Luft bei verschiedenen Membranselektivitäten. Bei kleinem
Feeddruck dominiert die Limitierung des Trennfaktors durch die
p
1
p
1
p
+2
Ort
Partialdruck
52
Druckbedingungen und bei hohem Feeddruck durch die Memb-
ranselektivität.
𝛼𝛼12=𝑥𝑥1,𝑃𝑃
𝑥𝑥2,𝑃𝑃𝑝𝑝𝐹𝐹𝑥𝑥2,𝐹𝐹𝑝𝑝𝑃𝑃𝑥𝑥2,𝑃𝑃
𝑝𝑝𝐹𝐹𝑥𝑥1,𝐹𝐹𝑝𝑝𝑃𝑃𝑥𝑥1,𝑃𝑃
2-33
Huang, Merkel und Baker haben dieser Thematik mit dem Schwer-
punkt auf praktische Anwendungen für die Gastrennung einen aus-
führlichen Artikel gewidmet [78]. Die Autoren gehen davon aus,
dass beim überwiegenden Teil der kommerziellen Gastrennungs-
Membranprozesse der Trennfaktor durch die Druckbedingungen
limitiert ist und sich daher für den Einsatz von Membranen mit hö-
herer Selektivität kaum Vorteile ergeben.
Abbildung 2-15: Maximal erreichbarer Trennfaktor am Beispiel der O2-
Gewinnung aus Luft bei einem permeatseitigen Druck von 0,1 MPa
Auch die minimale Trennarbeit kann unabhängig von den Details
der Stofftransportmechanismen betrachtet werden. Die minimale
Trennarbeit ist die Arbeit, die für den Stofftransport durch die
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
00,2 0,4 0,6 0,8 1
Stoffmengenanteil O
2
im Permeat
Feeddruck / MPa
α=10
α=30
α=∞
53
Membran aufgebracht werden müsste, wenn die Permeabilität für
die besser permeierende Komponente 1 gegen unendlich geht, also
kein Gradient des chemischen Potentials für den Transport dieser
Komponente durch die Membran erforderlich ist.
Für ideale Gase ergibt sich aus dem Zusammenhang von Fugazi-
tät und chemischem Potential (Gl. 2-20), durch Gleichsetzen von
Fugazität und Partialdruck, Gl. 2-34. Nach ersetzen der Arbeit ent-
sprechend Gl. 2-35 und anschließender Integration, erhält man Gl.
2-36 zur Beschreibung der Trennarbeit. Wird Differenz 𝜇𝜇1,𝐹𝐹𝜇𝜇1,P
gleich null gesetzt, erhält man die minimale Trennarbeit.
d𝜇𝜇𝑖𝑖=𝑅𝑅𝑇𝑇dln 𝑥𝑥𝑖𝑖+𝑅𝑅𝑇𝑇 dln 𝑝𝑝
2-34
d𝑤𝑤𝑘𝑘=𝑣𝑣 d𝑝𝑝=𝑅𝑅𝑇𝑇 dln 𝑝𝑝
2-35
𝑤𝑤𝑘𝑘=𝑅𝑅𝑇𝑇ln 𝑥𝑥1,𝑃𝑃
𝑥𝑥1,𝐹𝐹+�𝜇𝜇1,𝐹𝐹𝜇𝜇1,𝑃𝑃
2-36
Der Zusammenhang gilt unabhängig vom Transport der anderen
Komponente durch die Membran und bezieht sich auf den Stoff-
strom, der durch die Membran permeiert, also den Permeatstrom.
Allerdings ist zu beachten, dass für die Beurteilung eines technisch
realisierten Trennschritts oft der Feedstrom betrachtet werden muss,
da häufig eine irreversible isenthalpe Entspannung des Konzentrat-
stroms realisiert wird.
Die Betrachtung der Trennarbeit macht auch ersichtlich, dass der
Energieaufwand nicht generell davon abhängt, ob die Trennung bei
einem hohen oder niedrigen Druck durchgeführt wird. Die eigentli-
che Gastrennung bei hohem Druck erfordert im Allgemeinen keinen
höheren Energieaufwand.
2.6 Kohlenstoff Quellung
Für Aktivkohle und Kohlenstofffasern ist bekannt, dass eine durch
Adsorption verursachte Quellung auftritt [79–82]. Der Quellungsko-
54
effizient 𝑘𝑘𝑞𝑞 (Gl. 2-37) liegt in der Größenordnung von 5 [80] bis
15 GPa–1 [79] für CO2 bei 293 K. Dabei hängt der Quellungskoeffi-
zient stark von dem untersuchten Material ab. Aber auch die Tempe-
ratur und der untersuchte Druckbereich haben einen erheblichen
Einfluss.
𝑘𝑘𝑞𝑞=d𝜀𝜀
d𝑝𝑝=1
𝑙𝑙d𝑙𝑙
d𝑝𝑝
2-37
Gegenüber der Quellung von Polymeren ist die Ausdehnung bei den
Kohlenstoffmaterialien geringer. Für Polyimidmembranen mit CO2
Beaufschlagung bei 295 K werden Werte von über 20 GPa–1 angege-
ben [83]. Für andere Polymere werden ähnliche Daten angegeben
[84]. Anders als bei Polymermaterialien führt die Quellung nicht zu
einer signifikanten Reduzierung der Festigkeit des Kohlenstoffmate-
rials. Daher stellt die Quellung bei hohem Druck, anders als bei vie-
len Polymermaterialien, keine Einschränkung für den Einsatz als
Membran dar.
Für die Beschreibung des Stofftransportes kann die Ausdehnung
des Materials und die damit einhergehende Vergrößerung der Poren
allerdings sehr wohl eine Rolle spielen. Schon sehr geringe Ände-
rungen des (sehr kleinen) Größenunterschieds von Molekül und Pore
führen zu deutlichen Änderungen der Permeanz. Schon eine Vergrö-
ßerung von nur 50 pm kann, wie in Abbildung 2-12 (Kapitel 2.5.4)
gezeigt, die Permeanz um mehr als eine Größenordnung erhöhen.
Die Mindeständerung der Porengröße kann aus der äußeren Vo-
lumenänderung des Kohlenstoffmaterials abgeschätzt werden. Dafür
wird davon ausgegangen, dass die äußere Volumenänderung eine
Folge der Änderung des Porenvolumens ist und das Kohlenstoffge-
rüst ein gleichbleibendes Volumen einnimmt. Damit ergibt sich über
die Porosität Φ ein Zusammenhang zwischen der Quellung 𝜀𝜀 und
der relativen Änderung der Porengröße (Gl. 2-38).
55
𝜀𝜀=𝑑𝑑𝑝𝑝𝑑𝑑𝑝𝑝,0
𝑑𝑑𝑝𝑝,0 Φ=𝑑𝑑𝑝𝑝𝑑𝑑𝑝𝑝,0
𝑑𝑑𝑝𝑝,0𝜌𝜌𝑘𝑘
𝜌𝜌𝑔𝑔
2-38
Ein oberes Limit für die Porosität kann aus dem Verhältnis von ge-
messener Rohdichte 𝜌𝜌𝑘𝑘 zu der Dichte von idealem Graphit 𝜌𝜌𝑔𝑔 abge-
leitet werden.
56
3. Experimentelles und Methoden
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die experimentellen Untersuchun-
gen des Kohlenstoffmembranmaterials sowie die Modellierung des
Transportverhaltens. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit den
Versuchsbedingungen und den Versuchsaufbauten. Dies umfasst
unter anderem die Erläuterung der speziell für diese Arbeit entwi-
ckelten Apparaturen. Darüber hinaus wird auf die Methodik der
Lösung des mathematischen Modells eingegangen.
3.1 Fluidsysteme
In Rahmen dieser Arbeit stehen die Gase Wasserstoff, Helium, Ar-
gon, Stickstoff, Sauerstoff, Methan und Kohlendioxid im Mittelpunkt
der Betrachtung. Die Auswahl ergibt sich aus der technischen Bedeu-
tung dieser Gase bzw. Gasgemische sowie ihren spezifischen Eigen-
schaften für die Charakterisierung der Membran.
Es wurden im Rahmen der Arbeit Versuche mit Einzelgasen und
binären Gemischen durchgeführt, wobei es sich hier primär um CO2-
Gemische handelt. Untersucht wurden ausschließlich einphasige
Systeme, da sich für die Membrantrennung von zweiphasigen, binä-
ren Gemischen in der Regel eine Trennung der Phasen aufgrund
ihrer unterschiedlichen Grenzflächenspannungen anbietet. Hierfür
kommen andere Membrantypen in Betracht, deren Porengrößen über
1 nm liegen.
Die Zustandsgrößen Fugazität und chemisches Potential für die
Einzelkomponenten und Mischungen wurde mit der Software Ref-
prop (Version 9.1) berechnet. Die Software verwendet dazu die in
Kapitel 2.2.2 genannten Zustandsgleichungen und Mischungsregeln.
Herausgeber der Software ist das NIST.
57
3.2 Membranen und Probenmaterial
Bei den untersuchten Kohlenstoffmembranen handelt es sich um
Kompositmembranen, die vom Fraunhofer IKTS/Hermsdorf entwi-
ckelt und gefertigt wurden. Die Kohlenstofftrennschicht mit einer
Stärke von etwa 2 µm ist auf der Innenseite einer keramischen
asymmetrischen Rohrmembran aufgetragen (Abbildung 7-5 im An-
hang). Dieses Trägerrohr aus Aluminiumoxid hat eine Länge von
250 mm, einen Außendurchmesser von 10 mm und einen Innen-
durchmesser von 7 mm (Abbildung 3-1). Vor dem Auftragen des
Precursors, aus dem durch die spätere Pyrolysebehandlung die Koh-
lenstofftrennschicht entsteht, werden die beiden Enden des porösen
Trägerohres durch eine Verglasung versiegelt. Die verglaste Länge
beträgt an jedem Ende ca. 13 mm. Somit kann außen gegenüber des
Membranmoduls bzw. der Membrantestzelle abgedichtet werden,
ohne dass das Fluid auf der Stirnseite in das Trägerrohr strömt.
Abbildung 3-1: Darstellung der Rohrmembran mit Kohlenstofftrennschicht
auf der Innenseite
Poröses
Trägerrohr
Zwischenschichten
Kohlenstoff-
trennschicht
58
Eine Dichtung auf der Innenseite, direkt auf der Kohlenstofftrenn-
schicht, ist problematisch, da die dünne Schicht mechanisch relativ
empfindlich ist. Die aktive Membranfläche beträgt ca. 5,3·10-3 m².
Während das eigentliche Trägerrohr eine Porengröße von > 1 µm
aufweist, gewährleisten mehrere, in der Porengröße abgestufte Zwi-
schenschichten, eine Oberfläche mit sehr geringer Rauigkeit. Diese ist
eine essentielle Voraussetzung, um eine dünne, fehlerfreie Kohlen-
stofftrennschicht herstellen zu können. Abbildung 3-2 und Abbil-
dung 7-4 (Anhang) zeigen den Aufbau dieses Membrantyps und die
glatte Oberfläche der Kohlenstofftrennschicht.
Abbildung 3-2: REM-Aufnahme des asymmetrischen Membranaufbaus
Um die für Hochdruckversuche essentielle Festigkeit des Trägerroh-
res einzuschätzen, wurde der Berstdruck des Trägerrohres an einer
Membran durch Abdrücken mit Wasser ermittelt. Der ermittelte
Überdruck beträgt 9,2 MPa. Daraus ergibt sich für die Zugfestigkeit
des Trägerrohrmaterials ein Wert von etwa 21,5 MPa. Damit ist die
Membran asymmetrischen Kohlenstoffkapillarmembranen mit glei-
59
chem Verhältnis von Wandstärke zu Durchmesser deutlich überle-
gen. Alexopoulos et al. nennen für die Zugfestigkeit dieser Kapillar-
membranen einen Wert von 10,8 MPa [3]. Es kann davon ausgegan-
gen werden, dass die Zugfestigkeit in radialer und axialer Richtung
nicht wesentlich von einander abweicht.
Aufgrund des Materials muss allerdings berücksichtigt werden,
dass der Wert zwischen baugleichen Membranen deutlich schwan-
ken kann [85]. Darum wurde ein maximaler Überdruck für die Ver-
suche von 7 MPa festgelegt, um eine Zerstörung der Membranen
zuverlässig zu vermeiden.
Für Adsorptions- und Quellungsexperimente wurde vom
Fraunhofer IKTS/Hermsdorf Kohlenstoff-Bulkmaterial ohne Alumi-
niumoxid-Trägerrohr hergestellt. Dazu wurde der Precursor auf ein
Template aus Edelstahl aufgetragen und pyrolysiert. Das fertige,
vom Template gelöste Material weist eine Plättchenform mit einer
Stärke von ca. 100 µm sowie einer Breite und Länge von wenigen
Millimetern auf (Abbildung 3-3).
Abbildung 3-3: REM-Aufnahme des ca. 100 µm dicken Bulkmaterials für
die Quellungs- und Adsorptionsmessungen
60
Das Herstellungsverfahren des Materials entspricht, abgesehen vom
fehlenden porösen Träger und der Schichtdicke, dem der Membran-
trennschicht. Da der Pyrolysevorgang in erster Linie durch geführte
Temperaturrampen und nicht durch Stofftransportvorgänge be-
stimmt wird, sollte die Geometrie für das hergestellte Material kei-
nen wesentlichen Einfluss haben. Die resultierenden Eigenschaften
des Bulkmaterials und der Membrantrennschicht sollten daher ver-
gleichbar sein.
3.3 Versuchsbedingungen
Der in dieser Arbeit behandelte Druckbereich ergibt sich nach unten
aus dem bereits in der Literatur gut erschlossenen Niederdruckun-
tersuchungen und ist nach oben hin durch die Limitierungen hin-
sichtlich der verfügbaren Membranen begrenzt. Der maximale unter-
suchte Transmembrandruck in dieser Arbeit beträgt 7 MPa und
ergibt sich aus der Festigkeit der verwendeten Membran (Kapitel
3.2). Der maximale Feeddruck wurde mit 20 MPa festgelegt. Ein noch
höherer Druck auf der Feedseite in Relation zu dem Transmembran-
druck ermöglicht in der Regel, wie in Kapitel 2.5.7 erläutert, keinen
selektiven Transport und ist damit von geringem Interesse.
Der behandelte Temperaturbereich erstreckt sich von 300 bis
450 K. Die maximale Temperatur ist in erster Linie durch die einge-
setzten Elastomerdichtungen der Membrantestzelle begrenzt. Ande-
re Dichtungssysteme sind nicht ohne weiteres einzusetzen. Das fol-
gende Kapitel erläutert einige technische Details, die beim Betrieb
der Membranen mit hohen Temperaturen maßgeblich sind. Tabelle
3-1 gibt eine Übersicht der in dieser Arbeit gezeigten Messbedingun-
gen für die verschiedenen Gase und Gasgemische.
61
Tabelle 3-1
Untersuchte Fluide und Messbedingungen
Fluid Temperatur Feeddruck Transmembrandruck
He 300 K 1 15 MPa 1 MPa
O2 300 K 7 20 MPa 7 MPa
CO2 300 K, 373 K 8 20 MPa 1 MPa, 7 MPa
CO2/N2 300 - 455 K 7 20 MPa 3 5 MPa
CO2/He 300 K 8 15 MPa 3 MPa
CO2/O2 300 K 7 16 MPa 7 MPa
Der Einfluss der Überströmung der Membran ist nicht von weiterem
Interesse, da die hier relevanten theoretischen Vorgänge der Konvek-
tion und Diffusion allgemein bekannt sind. Um eine räumlich eindi-
mensionale Modellierung zu ermöglichen, müssen aber Konzentrati-
onsgradienten entlang der Rohrmembranachse, wie in Abbildung 3-4
visualisiert, vermieden werden.
Abbildung 3-4: Verlauf des Stoffmengenanteils der besser permeierenden
Komponente auf der Feedseite längs der Membran aufgetragen
Durch ein entsprechend hohes Verhältnis von Feed- bzw. Konzent-
ratstrom zum Permeatstrom kann die Änderung der Zusammenset-
Membran
Feed Konzentrat
Permeat
Stoffmengenanteil
Hoher Feedstrom V
K
>> V
P
Membranlänge
0,0
0,5
Niedriger Feedstrom V
K
< V
P
62
zung entlang der Membran vernachlässigbar gering gehalten wer-
den. Wird der Feedstrom 10-mal größer als der Permeatstrom ge-
wählt, ergibt sich bei einem Trennfaktor von 3 für die Abweichung
zwischen Feedzusammensetzung und mittlerer Zusammensetzung
ein Wert von unter 2 %.
Auch der Einfluss der Konzentrationspolarisation muss bei der
untersuchten Membrangeometrie beachtet werden. Die Überströ-
mungsgeschwindigkeit liegt bei weniger als 1 m/s. Bei dieser Ge-
schwindigkeit kann noch keine turbulente Strömung gewährleistet
werden. Eine höhere Geschwindigkeit wird vermieden, um den
Gasverbrauch zu begrenzen. Versuche mit verschiedenen Überströ-
mungen in diesem Geschwindigkeitsbereich haben keinen messba-
ren Einfluss der Konzentrationspolarisation ergeben.
Alle Messungen wurden bei näherungsweise konstanten Bedin-
gungen durchgeführt. Für Einzelgasmessungen ist ein stabiler Zu-
stand nach einer Druckänderung bereits nach weniger als einer Mi-
nute erreicht, sodass eine schnelle Abfolge von Druckbedingungen
vollautomatisch vermessen werden kann (Beispielmessungen sind in
Abbildung 7-1 und Abbildung 7-2 im Anhang dargestellt). Die
Vermessung von Mischungen dauert deutlich länger, da hier nicht
nur die Drücke erreicht werden müssen, sondern auch die gemesse-
nen Zusammensetzungen einen statischen Zustand erreichen müs-
sen. Dies dauert bei niedrigen Permeatflüssen in Verbindung mit
einem hohen permeatseitigen Druck bis zu 20 Minuten, da das Tot-
volumen der Anlage bei diesen Bedingungen maßgeblich wird.
3.4 Membrantestzelle
Um die Membran bei den gewünschten Bedingungen untersuchen
zu können, wurde eine Membrantestzelle entwickelt und gefertigt.
Abbildung 3-5 zeigt den grundsätzlichen Aufbau der Membrantest-
zelle. Beide Endteile mit den Anschlüssen werden von Gewindestan-
gen über die Flanschblätter zusammengehalten. Die Konstruktion
63
berücksichtigt insbesondere die unterschiedlichen thermischen Aus-
dehnungskoeffizienten von Stahl und Keramik, die geringe Zähigkeit
der Membran und die aufgrund des hohen Drucks wirkenden Kräfte.
Die mechanische Festigkeit der Testzelle ist auf einen Druck von
über 30 MPa bei einer Temperatur von 450 K ausgelegt.
Abbildung 3-5: Schnitt der eingesetzten Membrantestzelle
Um den Anforderungen gerecht zu werden, ist die Testzelle mit
beweglichen Membranaufnahmen ausgestattet. Diese Elemente dich-
ten zur Membran hin und sind beweglich gegenüber der Membran-
testzelle gestaltet. Somit werden axiale Kräfte auf die Membran ver-
mieden. Durch diese Konstruktion sind die Abdichtung zur Mem-
bran und die Kompensation der Längenausdehnung voneinander
getrennt, wie in Abbildung 3-6 dargestellt. Dies ist deshalb von Vor-
teil, da der Membrandurchmesser großen Toleranzen unterliegt und
damit die Kompensationseigenschaften dieser Dichtung (2) weitge-
hend undefiniert sind. Die Dichtung zwischen den Membranauf-
nahmen und der Testzelle (1) hingegen hat definierte Eigenschaften
und kann die axialen Kräfte zuverlässig begrenzen. Bei der Kon-
struktion wurde zudem berücksichtigt, dass der wirkende Trans-
membrandruck keine axialen Kräfte erzeugt, die auf die Membran
einwirken.
Feedanschluss Konzentrat-
anschluss
Permeatanschluss
Rohrmembran
Membranaufnahmen
Druckrohr
Flanschblatt
64
Abbildung 3-6: Detailansicht der Dichtungen an der Membran (1) und
zwischen Membranaufnahme und Testzelle (2)
r Messungen bei niedrigen Flüssen und hohem permeatseitigen
Druck wurde nachträglich ein Verdrängungskörper ergänzt. Er hat
die Form eines Rohres mit großer Wandstärke und füllt den größten
Teil des permeatseitigen Volumens aus. Durch die Reduzierung des
Totvolumens kann unter den beschriebenen Bedingungen eine deut-
liche Verkürzung der erforderlichen Messdauer erzielt werden.
3.5 Membran-Versuchsanlage
Um bei den gewünschten Versuchsbedingungen das Membranver-
halten zu untersuchen, kommt die in Abbildung 3-7 gezeigte, hierfür
entwickelte und gebaute Anlage zum Einsatz. Die beiden Gase für
das binäre Feedgemisch werden aus zwei Gasflaschen (1; 2) bereitge-
stellt. Für CO2, das als siedende Flüssigkeit vorliegt, erfolgt die Do-
sierung mittels einer Peltier-gekühlten Hochdruckpumpe (3) des
Typs SFT-10 von Supercritical Fluid Technologies. Die unterkühlte
Flüssigkeit wird anschließend verdampft (4). Andere Gase werden
65
aus Gasflaschen mit 30 MPa Nenndruck per Proportionalventil (5)
auf den gewünschten Feeddruck gedrosselt. Nach dem Mischen der
beiden Ströme wird das Feedgemisch vortemperiert (6) und auf das
beheizte Membranmodul (7) aufgegeben. Auf der Permeat- und
Konzentratseite wird das Gemisch mit den Ventilen (8; 9) auf Umge-
bungsdruck gedrosselt und anschließend der Massenstrom sowie die
Zusammensetzung erfasst.
Abbildung 3-7: Fließbild der Membran-Versuchsanlage
Der Konzentratstrom wird ggf. vor der Drosselung im Ventil (8)
nochmal aufgeheizt, um die Bildung von festem CO2 bei der Ent-
spannung zu verhindern. Insbesondere bei der Kombination von
hohem Feeddruck und hohem CO2 Anteil ist die Beheizung für den
ordnungsgemäßen Betrieb des Ventils unerlässlich. Für das Permeat-
ventil (9) ist eine Beheizung in der Regel nicht erforderlich, da für
den deutlich geringeren Stoffstrom die benötigte Wärme aus der
Umgebung nachgeliefert werden kann. Eine Übersicht der Betriebs-
bedingungen, bei denen mit der Versuchsanlage gemessen werden
kann, wird in Tabelle 3-2 gegeben.
PI C
101 PI C
102
FIC
101
QI
101
FIC
102
TIC
101
TIC
102
QIC
102
Heizung
Gekühlte Pumpe
Verdampfer
Zellen-Heizung
Konzentrat
Permeat
Konzentrations-
messung
Konzentrations-
messung
1
3
2
5
46
78
9
66
Tabelle 3-2
Bereich der möglichen Betriebsbedingungen der Versuchsanlage
Gas Min. Max.
Feeddruck 0,2 MPa 20 MPa
Feeddruck mit CO2 7 MPa a 20 MPa
Permeatdruck 0,2 MPa b 20 MPa
Transmembrandruck 0 MPa 7 MPa c
Temperatur 300 K 450 K
Feedstrom 0 kg/h 0,9 kg/h
Permeatstrom 0 kg/h 0,1 kg/h
a ergibt sich aus dem Dampfdruck von CO2 in der Flasche; b bei kleinem
Permeatstrom geringer; c durch die Festigkeit der Membran begrenzt
3.5.1 Anlagensteuerung
Die Auswertung der Eingangssignale, die Steuerung der Abläufe
und die Berechnung der Stellgrößen erfolgt mittels einer echtzeitfä-
higen SPS. Als Steuerung wird eine ILC 150 ETH von Phoenix
Contact eingesetzt. Die Steuerung stellt unter anderem sicher, dass
die Solldrücke auf der Feed- und Permeatseite erreicht werden, ohne
dass der maximale Transmembrandruck überschritten wird. Das
Anfahren der Drücke, Flüsse und Temperaturen erfolgt dabei vollau-
tomatisch. Die Regler sind in Software als PI- und PID-Typen ausge-
führt, deren Parameter empirisch ermittelt wurden. Die Berechnung
der Stellgrößen, sowie die Ein- und Ausgabe der Mess- und Stellsig-
nale erfolgt mit einer Frequenz von 50 Hz. Abbildung 3-8 gibt eine
Übersicht der Ein- und Ausgänge der Steuerung. Das Programm für
die Steuerung umfasst etwa 1500 Zeilen Programmcode. Implemen-
tiert ist die Steuerungssoftware vollständig in ST (Structured Text).
67
Abbildung 3-8: Übersicht der Ein- und Ausgänge der Anlagensteuerung
Zur Bedienung der Anlage sowie zur Erfassung und Visualisierung
der Messdaten wird die speziell für diese und einige weitere Ver-
suchsanlagen entwickelte Software WebProcess2.0 eingesetzt. Die
Software läuft auf einem PC und erhält kontinuierlich die aktuellen
Messdaten per TCP/IP über eine Ethernet-Schnittstelle von der SPS.
Die Software auf dem PC legt die Daten in einer SQL-Datenbank ab
und erlaubt das Selektieren, Visualisieren und Exportieren der mo-
mentanen Daten sowie der abgespeicherten Daten über ein Webin-
terface.
3.5.2 Mess- und Regelungstechnik
Die Erfassung der Stoffströme erfolgt auf der Konzentratseite mit
einem Coriolis-Massendurchflussmesser (mini Cori-Flow von Bronk-
horst) und auf der Permeatseite mit einem thermischen Durchfluss-
messer (El-Flow Select von Bronkhorst). In Verbindung mit der ge-
messenen Zusammensetzung in Permeat und Konzentrat lassen sich
aus dem erfassten Massen- und Wärmekapazitätsstrom die jeweili-
gen Stoffströme ermitteln:
𝑛𝑛󰇗𝐾𝐾=𝑚𝑚󰇗𝐾𝐾
𝑥𝑥1,𝐾𝐾𝑀𝑀1+𝑥𝑥2,𝐾𝐾𝑀𝑀2
3-1
V1 V3
V2
DIDIDID
I
IPIPIP
Durchflussmesser F1b
Durchflussmesser F2
Durchflussmesser F1
D
ID
I
4..20 mA 4..20 mA
D
I
Druckmessumformer P2
Druckmessumformer P1
D
I
4..20 mA
SPS
DD
Statusanzeige
DD
Heizungsrelasis
0/24 V
D
I
Notausdetektion
Thermo-
spannung
D
T
Thermoelement T2
Thermoelement T1
D
T
0..10 V
Regelventile
D
U
Verstärker Sensor Q1
0/24 V
DD
Heizungsrelasis
DD
Heizungsrelasis
D
T
Thermoelement T2
D
U
Verstärker Sensor Q2
68
𝑛𝑛󰇗𝑃𝑃=𝐶𝐶󰇗𝑝𝑝
𝑥𝑥1,𝑃𝑃𝑐𝑐𝑝𝑝,1𝑀𝑀1+𝑥𝑥2,𝑃𝑃𝑐𝑐𝑝𝑝,2𝑀𝑀2
3-2
Temperaturen werden mit Thermoelementen des Typs K und J er-
fasst, die elektrische Auswertung der Thermospannung erfolgt mit
15 Bit Eingangsklemmen von Phoenix Contact (IB IL TEMP 2 UTH)
an der SPS. Erfasst werden können die Zellentemperatur, die Tempe-
ratur des Feeds, die Temperatur des Konzentrats und die Tempera-
tur des CO2-Verdampfers.
Die Regelventile V1, V2 und V3 (Abbildung 3-7) sind als pneu-
matische Ventile ausgeführt, da sie eine vergleichsweise niedrige
Hysterese bei gleichzeitig hoher Stellgeschwindigkeit aufweisen.
Diese Eigenschaften sind wichtig, da zum einen ein großer Durch-
fluss- und Differenzdruckbereich abgedeckt werden muss, sowie
andererseits auch kurzfristig der maximal erlaubte Transmembran-
druck nicht überschritten werden darf. Die Ansteuerung der Ventile
erfolgt über Strom-/Druckwandler deren 4 bis 20 mA Strom-
Eingangssignale mit 15 Bit Auflösung von der SPS bereitgestellt
werden. Als maximaler Druck für die Ansteuerung werden, abwei-
chend von den üblichen 0,1 MPa, Steuerdrücke von 0,2 MPa einge-
setzt. Dadurch kann auch ohne Einsatz eines Stellungsreglers die
Beeinflussung der Ventilstellung durch den Druck das Arbeitsmedi-
um reduziert werden.
Für die Beheizung kommen flexible Widerstandsheizbänder mit
Glasfaserummantelung zum Einsatz. Die Ansteuerung erfolgt mittels
elektronischer Relais per Schwingungspaketsteuerung, um die mitt-
lere Heizleistung einzustellen. Die Schaltvorgänge erfolgen daher
strom- und spannungslos im Nulldurchgang. Der Wert für die Heiz-
leistung wird durch einen in Software implementierten PID-Tempe-
raturregler festgelegt.
Die relative Messgenauigkeit für die Messung des Konzentrat-
stroms als Massenstrom liegt für den untersuchten Messbereich bei
besser als +/- 1 %. Für den Stoffmengenstrom muss die Messgenau-
69
igkeit der Konzentrationsmessung mitberücksichtigt werden. Im
ungünstigsten Fall eines Gemisches aus He/CO2 kommt hier ein
relativer Messfehler von etwa +/- 3 % hinzu. Für die Messgenauigkeit
des Permeatstroms ergibt sich im Falle von Reingasen eine relative
Messgenauigkeit von +/- 1 bis +/- 5 % in Abhängigkeit der Höhe des
Wärmekapazitätsstroms. Im Falle von Mischungen ist auch hier der
Fehler der Konzentrationsmessung zu berücksichtigen. Im Bereich
äquimolarer Mischungen liegt hier der zusätzliche Messfehler im
ungünstigsten Fall bei +/- 2 %. Für die Druckmessung kommen Sen-
soren des Typs TST 10 vom Anbieter Tival zum Einsatz. Die Mess-
genauigkeit beträgt +/- 50 kPa.
3.5.3 Onlineanalytik
Die Erfassung der Konzentrat- und Permeatzusammensetzung er-
folgt primär mittels Wärmeleitfähigkeitsmessung. Der Summenpa-
rameter der Wärmeleitfähigkeit kann eindeutig der Zusammenset-
zung der untersuchten binären Gemische zugeordnet werden (Kapi-
tel 2.2.3). Die Zeitkonstante für die Messung liegt bei weniger als
10 s, dadurch lässt sich das Messergebnis für die Regelung der Kon-
zentrat- bzw. Feedzusammensetzung einsetzen. Die eingesetzten
Sensoren sind vom Typ TCS208. Dabei handelt es sich um silizium-
basierte Sensoren, die auf einer photolithographisch hergestellten
Mikrostruktur basieren und ein Messkammerquerschnitt von
< 1 mm² aufweisen. Lieferant der Sensoren sowie der passenden
Messverstärker ist die Firma Gerhard R. Wagner Sensors, Systems &
Services. Die Durchflussmesszelle für die Aufnahme des Sensors
wurde im Rahmen dieser Arbeit mit der Zielsetzung auf eine geringe
Zeitkonstante hin entwickelt.
Die Kalibrierung der Sensoren erfolgt an drei Punkten. Zum ei-
nen mit den beiden Reinkomponenten des zu untersuchenden Gemi-
sches und zusätzlich mit einem Gas oder Gemisch bekannter Zu-
70
sammensetzung, dessen Wärmeleitfähigkeit zwischen den Wärme-
leitfähigkeiten der beiden Gemischkomponenten liegt.
Da eine analytische Berechnung der Zusammensetzung aus der
Wärmeleitfähigkeit des Gemisches (Kapitel 2.2.3) nicht ohne weiteres
möglich ist, erfolgt die Lösung numerisch durch Bisektion in Echtzeit
auf der SPS (Listing 7-1 im Anhang). Der absolute Messfehler, der
mit dem beschriebenen Kalibriervorgang erreicht wird, liegt bei
einem Stoffmengenanteil von etwa +/-3 %. Durch einen Abgleich der
beiden Sensoren für die Feed- und Konzentratzusammensetzung
untereinander kann der effektive Messfehler für die Berechnung des
Trennfaktors auf besser als +/1 % Stoffmengenanteil reduziert wer-
den.
3.5.4 Gemischerzeugung
Für die Herstellung des Feedgemisches werden die Gase, abgesehen
von Kohlendioxid, aus Gasflaschen mit 30 MPa Nenndruck und
einer Reinheit von 5.0 oder besser bereitgestellt. Kohlendioxid wird
aufgrund des niedrigen Dampfdruckes als Flüssigkeit für die Mes-
sungen verwendet. Die Reinheit für das Kohlendioxid beträgt eben-
falls 5.0.
Die Zusammensetzung wird aktiv über die Pumpendrehzahl der
Pumpe P1 geregelt, wobei der Ist-Wert aus der im Konzentrat ge-
messenen Wärmeleitfähigkeit ermittelt wird. Damit lässt sich ein
weiter Bereich an Zusammensetzungen einstellen, wobei die Genau-
igkeit der Zusammensetzung durch die Messgenauigkeit der Wär-
meleitfähigkeits-/Konzentrationsmessung bestimmt wird.
3.5.5 Stoffbilanzierung
Der Zusammenhang von Feed- und Konzentratzusammensetzung
ergibt sich aus der Anlagenbilanz (Gl. 3-3 und 3-4). Die Ströme 𝑛𝑛󰇗𝑃𝑃
und 𝑛𝑛󰇗𝐾𝐾 sowie die Zusammensetzung 𝑥𝑥i,𝑃𝑃 und 𝑥𝑥i,𝐾𝐾 werden messtech-
nisch erfasst. Unter der Berücksichtigung, dass die Summe der bei-
71
den Stoffmengenanteile jeweils 1 ergeben, sind damit alle Größen der
Bilanz bestimmt.
𝑛𝑛󰇗𝐹𝐹𝑥𝑥1,𝐹𝐹=𝑛𝑛󰇗𝑃𝑃𝑥𝑥1,𝑃𝑃+𝑛𝑛󰇗𝐾𝐾𝑥𝑥1,𝐾𝐾
3-3
𝑛𝑛󰇗𝐹𝐹𝑥𝑥2,𝐹𝐹=𝑛𝑛󰇗𝑃𝑃𝑥𝑥2,𝑃𝑃+𝑛𝑛󰇗𝐾𝐾𝑥𝑥2,𝐾𝐾
3-4
Bei dem Betrieb der Anlage ist zu berücksichtigen, dass die Bilanz
den stationären Zustand beschreibt. Änderungen des Drucks führen
zu einer signifikanten Änderung der Stoffmenge in der Testzelle.
Änderungen der Feedzusammensetzungen werden zudem verzögert
erfasst, da die Messungen auf der Niederdruckseite im Konzentrat
und Permeat erfolgen.
3.6 Adsorptionsmessungen
Um den Stofftransport durch die Membran beschreiben zu können,
ist die lokale Konzentration in der Trennschicht eine wesentliche
Größe. Der Zusammenhang von Konzentration der permeierenden
Komponente und ihrer Fugazität wird durch das Adsorptionsgleich-
gewicht beschrieben. Entsprechende Adsorptionsisothermen wurden
bei der Firma RUBOLAB GmbH am hergestellten Bulk-Material für
Fugazitäten bis zu 12 MPa vermessen. Damit sind die Fugazitäten
der Einzelkomponenten, wie in Abbildung 2-4 gezeigt, für äquimola-
re Gemische bis zu einem Druck von 20 MPa weitgehend abgedeckt.
3.6.1 Gravimetrische Einzelgasmessung
Einzelgasadsorptionsisothermen wurden mittels gravimetrischer
Messung bei einer Temperatur von 298 K und einem Druck von
10 kPa bis zu 12 MPa ermittelt. Als Messgerät kam eine Magnet-
schwebewaage des Herstellers Rubotherm GmbH zum Einsatz. Die
Besonderheit der Waage besteht darin, dass die zu erfassende Ge-
wichtskraft durch die Wandung einer abgedichteten Probenkammer
hindurch übertragen wird. Somit kann z. B. bei hohem Druck in der
72
Probenkammer gemessen werden, ohne dass der hohe Druck zu
einer Beeinflussung der Kraftmessung führt, da sie außerhalb der
Probenkammer vorgenommen wird. Die Übertragung der Kraft
erfolgt mit einem Magnetfeld, welches zwischen einem Permanent-
magneten in der Probenkammer und einem Elektromagnet außer-
halb der Probenkammer wirkt. Die Position des Permanentmagneten
und der Probe wird berührungslos erfasst und durch die Steuerung
des Spulenstroms, welcher durch den Elektromagneten fließt, gere-
gelt. Abbildung 3-9 stellt den Aufbau der Messeinrichtung schema-
tisch dar.
Abbildung 3-9: Schematische Darstellung der Magnetschwebewaage
Die durch die Waage bestimmte Kraft 𝐹𝐹𝑚𝑚 pro Erdbeschleunigung
setzt sich entsprechend Gl. 3-5 aus der Probenmasse 𝑚𝑚𝑝𝑝, der adsor-
bierten Fluidmasse 𝑚𝑚𝑎𝑎 sowie der durch die Probe verdrängten Flu-
idmasse (𝑉𝑉𝑝𝑝𝜌𝜌) zusammen.
𝐹𝐹𝑚𝑚
𝐵𝐵=𝑚𝑚𝑝𝑝+𝑚𝑚𝑎𝑎𝑉𝑉𝑝𝑝𝜌𝜌
3-5
Somit kann die Adsorbatmasse aus der gemessenen Kraft bestimmt
werden. Das Probenvolumen, dass hierfür bekannt sein muss, wird
durch eine Vermessung der Probe mit He bei verschiedenen Drücken
ermittelt. Dabei wird angenommen, dass nur eine vernachlässigbar
Probe
Positionssensor
Elektromagnet
Permantentmagnet
Kraftmessung
Probenkammer
73
geringe Menge He adsorbiert oder sich die adsorbierte He-Masse im
betrachteten Druckbereich nicht signifikant ändert. Somit ergibt sich
aus der Steigung des über die Fluiddichte aufgetragenen Quotienten
von gemessener Kraft und Erdbeschleunigung das Probenvolumen.
Das Eigenvolumen des Adsorbats wird dabei vereinfachend nicht
berücksichtigt, da die Erfassung sehr aufwändig [86] und die Zuver-
lässigkeit dieser Ergebnisse umstritten ist [87].
3.6.2 Volumetrische Gemischmessung
Zur Vermessung der Gemischadsorption wurde ein volumetrisches
Messverfahren eingesetzt. Das Messverfahren funktioniert nach
folgendem Prinzip: Zwei Messkammern sind über ein Ventil mitei-
nander verbunden (Abbildung 3-10).
Abbildung 3-10: Schematische Darstellung des Aufbaus zur volumetrischen
Adsorptionsmessung
Kammer 1 ist zu Beginn mit dem Adsorbens gefüllt und Kammer 2
wird mit der zu vermessenden Probe bestückt und evakuiert. Wird
das Ventil nun geöffnet und gewartet, bis sich das Adsorptions-
gleichgewicht eingestellt hat, lässt sich aus den Volumina der beiden
Kammern, sowie den Drücken vor und nach der Ventilöffnung die
adsorbierte Masse nach Gl. 3-6 berechnen. Das Volumen 𝑉𝑉1 und der
Druck 𝑝𝑝1 beziehen sich hier auf die mit Adsorbens gefüllte Kam-
mer 1 vor der Ventilöffnung. 𝑉𝑉2 sowie 𝑝𝑝2 beziehen auf beide Kam-
mern zusammen nach dem Öffnen des Ventils.
Kammer 2
Kammer 1
Probe
74
𝑚𝑚𝑎𝑎=𝑉𝑉1𝜌𝜌(𝑝𝑝1,𝑇𝑇)𝑉𝑉2𝜌𝜌(𝑝𝑝2,𝑇𝑇)
3-6
Um auch das Eigenvolumen der Probe zu berücksichtigen, wird, wie
im Falle der gravimetrischen Bestimmung, das Probenvolumen
durch eine Referenzmessung mit He ermittelt. Die Bestimmung der
Zusammensetzung des Adsorbats erfolgt über die Analyse des Gas-
raumes, z. B. per Gaschromatographie oder NDIR-Sensor. Das Ei-
genvolumen des Adsorbats wird wie bei der gravimetrischen Mes-
sung nicht berücksichtigt.
Eine detaillierte Beschreibung des verwendeten gravimetrischen
und volumetrischen Messverfahrens gibt Rother in seiner Arbeit [87].
3.7 Versuchsaufbau Quellungsmessung
Für die Untersuchung des Quellungsverhaltens des Kohlenstoff-
trennschichtmaterials wurde im Rahmen dieser Arbeit eine Appara-
tur entwickelt und gebaut, die kleine Längenänderungen bei einem
Druck von bis zu 30 MPa erfassen kann. Der Messbereich für die
Längenänderung beträgt ca. 10 µm. Der Aufbau basiert auf einem
Piezoantrieb, der über eine Tunnelstrommessung geregelt wird. Die
Messgenauigkeit wird maßgeblich durch das Hystereseverhalten des
Piezoantriebs bestimmt und liegt bei wenigen Prozent der gemesse-
nen Längenänderung. Das Konzept ist vergleichbar mit dem eines
Rastertunnelmikroskops, wobei lediglich ein einzelner Punkt abge-
bildet wird. Abbildung 3-11 zeigt den prinzipiellen Aufbau der Ap-
paratur.
75
Kohlenstoff-
probe
Sollwert für Tunnelstrom
Messung der Längenproportionalen
Piezospannung
I/U-Wandler für Tunnelstrom
Probenkammer
(bis 20 MPa)
U
I
U
-
+
Regler
Piezoaktor
Abbildung 3-11: Schematische Darstellung des Quellungsmessgerätes
Der mechanische Aufbau ist in Abbildung 3-12 dargestellt. Die Ap-
paratur besteht aus einer zylindrischen Hochdruckzelle (A), die mit
elektrischen Durchführungen (B) und Anschlüssen (C) für die Zuga-
be und Entnahme von Gasen versehen ist. Im Inneren ist die zu ver-
messende Kohlenstoffprobe (D) an einem vorgespannten Piezoan-
trieb (E) der Firma PI Ceramic GmbH befestigt. Der Antrieb kann die
Probe auf eine goldbeschichtete Elektrode (F) zu bzw. von ihr weg
bewegen. Die Elektrode ist auf einem beweglichen Hebel (G) ange-
bracht. Eine Stellschraube (H) erlaubt die manuelle Positionierung
der Elektrode.
Zwischen Probe und Goldelektrode liegt eine Gleichspannung
von ca. 2 V an. Wenn der Abstand klein genug ist, fließt ein Tun-
nelstrom zwischen Probe und Elektrode. Dieser wird mit einem
Transimpedanzverstärker in eine Spannung umgewandelt. Die
Schaltung basiert auf dem rauscharmen Operationsverstärker
OPA140AID von Texas Instruments. Die Schaltung ist direkt im
Deckel der Hochdruckzelle untergebracht, (I) um die Anschlüsse, die
ins Innere der Zelle führen, möglichst kurz zu halten. Dadurch wer-
den RF-Interferenzen vermieden und die Kapazität so gering wie
möglich gehalten.
76
Abbildung 3-12: Querschnitt Hochdruckzelle für Quellungsmessung
Die Ausgangsspannung des Transimpedanzverstärkers wird einem
einstellbaren analogen PI-Regler zugeführt, dessen Ausgangssignal
den Piezoantrieb steuert. Um die Ladeströme für den Piezoantrieb
bereitzustellen, kommt der Leistungs-Operationsverstärker
OPA541AP von Texas Instruments zum Einsatz. Die Schaltung kann
eine Spannung von 0 bis 50 V ausgeben bei einem Strom von bis zu
mehreren Ampere.
Dieser Regelkreis regelt den Tunnelstrom auf einen Sollwert von
ca. 1 nA. Sinkt der Tunnelstrom unter diesen Wert, wird die Span-
nung am Piezoantrieb erhöht und somit Probe und Elektrode einan-
der angenähert. Da der Tunnelstrom stark vom Abstand abhängt,
steigt er durch die Annäherung wieder an. Durch diesen Regelkreis
werden der Tunnelstrom und damit der Abstand zwischen Probe
und Elektrode auf einen konstanten Wert geregelt. Der Abstand
zwischen Probe und Elektrode liegt bei einem Tunnelstrom von 1 nA
bei weniger als 1 nm. Da die Auslenkung des Piezoantriebs proporti-
onal zur anliegenden Spannung ist, kann die Spannung als Maß für
die Längenänderung der Probe ausgewertet werden. Der Schaltplan
A
BC
DF
E
I
G
H
77
für die Elektronik der Apparatur ist im Anhang in Abbildung 7-6 ff.
dargestellt.
Um den Einfluss des Druckes auf die Verformung des Piezoan-
triebs zu berücksichtigen, wurde eine Nullmessung durchgeführt.
Anstelle der Probe wurde hierfür ein Stück Platindraht eingesetzt.
Abbildung 3-13 zeigt die lineare Abhängigkeit des Messsignals vom
Druck. Mittels linearer Regression ergibt sich ein Wert für die Druck-
abhängigkeit des Messsignales von 0,90 V/MPa, was einer Kompres-
sibilität des Piezoantriebes von 0,45 µm/MPa entspricht. Der lineare
Zusammenhang von Auslenkung und Messsignal wurde über zwei
Positionen der Stellschraube unter Einbeziehung der Gewindestei-
gung und der Hebelgeometrie ermittelt. Der gemessene Wert beträgt
7,3 V/µm und entspricht damit in etwa dem vom Hersteller des Pie-
zoantriebes genannten Nennwert von 6,7 V/µm.
Abbildung 3-13: Nullmessung für die Korrektur der Piezo-Kompressibilität
Der Einfluss der Wärmedehnung wird durch den Einsatz der Eisen-
Nickel-Legierung Invar minimiert. Die Legierung hat einen Wär-
0
5
10
15
20
25
30
0246810
Spannung / V
Druck / MPa
78
meausdehnungskoeffizienten von weniger als 2·10-6 K-1 und ist damit
im Rahmen der Anforderungen vernachlässigbar gering. Der Piezo-
antrieb selbst weist jedoch auch eine Wärmedehnung auf, die bei der
Auswertung beachtet werden muss.
3.8 Dichtemessung des Kohlenstoffmaterials
Die Dichte des Kohlenstoffmembranmaterials wurde durch Vermes-
sung des ohne Träger hergestellten Trennschichtmaterials (beschrie-
ben in Kapitel 3.2) bestimmt. Dazu wurde ein Stück dieses Bulkmate-
rials mit einer Masse von 𝑚𝑚𝑘𝑘 = 39,7 mg untersucht. Von der Vermes-
sung einer Schüttung, um eine größere Masse zur Verfügung zu
haben, wurde abgesehen, um die Gefahr von unbemerkten Gasbla-
sen zwischen dem Material zu verhindern. Im ersten Schritt wurde
die Masse der Probe (𝑚𝑚𝐾𝐾) und im zweiten Schritt der Auftrieb in
Wasser mit einer Waage bestimmt (Abbildung 3-14, rechts).
Abbildung 3-14: Darstellung des Versuchsaufbaus für die Dichtebestim-
mung des Membranmaterials
Das Eigenvolumen der Halterung und die Oberflächenspannung, die
an der Eintauchstelle der Halterung wirkt, können durch eine Refe-
F
Blank
F
Probe
79
renzmessung (Abbildung 3-14, links) kompensiert werden. Trotz der
Zugabe von Tensid ist Einfluss der Oberflächenspannung nicht ganz
vernachlässigbar. Die mittels Gl. 3-7 aus den gemessenen Massen
bzw. Kräften ermittelte Dichte (𝜌𝜌𝑘𝑘) bezieht sich auf die Rohdichte des
Kohlenstoffmembranmaterials, da die Messflüssigkeit nicht in die
mikroporöse Porenstruktur eindringt.
𝜌𝜌𝑘𝑘=𝑚𝑚𝑘𝑘 𝜌𝜌𝑤𝑤 𝐵𝐵
𝐹𝐹𝑃𝑃𝑘𝑘𝑃𝑃𝑃𝑃𝑃𝑃𝐹𝐹𝐵𝐵𝐵𝐵𝑎𝑎𝑘𝑘𝑘𝑘
3-7
Für eine hohe Messgenauigkeit (< 2 %) ist es erforderlich, auch die
Verdunstungsrate der Messflüssigkeit zu kompensieren. Sie wurde
vorab bestimmt und wies bei dem Versuchsaufbau einen Wert von
etwa 0,5 mg/min auf.
3.9 Modellierung des Stofftransportes
Mit Permeationsversuchen können Drücke und Zusammensetzun-
gen gemessenen werden, die es erlauben die Fugazitäten auf der
Feed- und Permeatseite zu bestimmen. Auch die Gleichgewichtsbe-
ladungen auf beiden Seiten der Membran kann mit Hilfe von Ad-
sorptionsisothermen dann ermittelt werden. Die Flüsse lassen sich
für den stationären Fall an jeder Stelle in der Trennschicht aus dem
gemessenen Permeatstrom berechnen, da die durchströmte Fläche
und damit der Fluss weitgehend konstant ist.
Im Gegensatz zu diesen Randbedingungen sind die lokalen
Fugazitäten in der Trennschicht messtechnisch nicht zugänglich und
können nur mit Hilfe eines Modells abgebildet werden (Abbildung
3-15). Voraussetzung dafür ist, dass eine homogene und isotrope
Trennschicht vorliegt. Davon wird bei der untersuchten Membran
ausgegangen, da die geringe Schichtdicke hohe Stoff- und Wär-
metransportgeschwindigkeiten während der Synthese gewährleistet
und somit nennenswerte Gradienten verhindert.
80
Abbildung 3-15: Prinzipieller Verlauf der Fugazitäten eines binären Stoff-
gemisches über die Trennschichtdicke
Die Betrachtung eines großen Druckbereiches führt dazu, dass sich
viele der relevante Zusammenhänge für den Stofftransport nicht
linear beschreiben lassen. Diese Tatsache erschwert die explizite
Formulierung der Zusammenhänge erheblich, sodass eine nummeri-
sche Berechnung naheliegend ist.
Zur vollständigen mathematischen Beschreibung des Stofftrans-
portes für ein binäres Gemisch kann das Differentialgleichungssys-
tem entsprechend Gl. 3-8 und 3-9 in Verbindung mit der Gl. 2-10 für
die Adsorptionsgleichgewichte verwendet werden. Beschrieben wird
der isotherme, eindimensionale Stofftransport in z-Richtung durch
die Membran, senkrecht zur Membranoberfläche.
𝜌𝜌𝑞𝑞1
𝑓𝑓1d𝑓𝑓1
d𝑧𝑧 =𝑥𝑥1𝑗𝑗2𝑥𝑥2𝑗𝑗1
𝐷𝐷12 +𝑗𝑗1
𝐷𝐷1
3-8
𝜌𝜌𝑞𝑞2
𝑓𝑓2d𝑓𝑓2
d𝑧𝑧 =𝑥𝑥2𝑗𝑗1𝑥𝑥1𝑗𝑗2
𝐷𝐷12 +𝑗𝑗2
𝐷𝐷2
3-9
Fugazität
Länge
Feedseite Konzentratseite
Bevorzugt
permeierende
Komponente 1
Komponente 2
Messung
Messung
Modell
81
Dieses Differentialgleichungssystem ergibt sich aus dem Modell der
MaxwellStefan–Diffusion (Gl. 2-30 und 2-31) und der Beschreibung
des chemischen Potentials nach Gl. 2-20. Die Konzentration wird
durch das Produkt aus Rohdichte der Membrantrennschicht 𝜌𝜌 und
der Beladung 𝑞𝑞i ausgedrückt. Wobei hier die Annahme getroffen
wird, dass der per Adsorptionsmessung ermittelte Wert die mobile,
für den Stofftransport relevante, Beladung beschreibt. Die Stoffmen-
genanteile ergeben sich nach den Gleichungen 3-10 aus den lokalen
Beladungen.
𝑥𝑥1=𝑞𝑞1
𝑞𝑞1+𝑞𝑞2 𝑥𝑥2=𝑞𝑞2
𝑞𝑞1+𝑞𝑞2
3-10
Nach Festlegung der feed- oder permeatseitigen Randbedingungen,
sowie der Adsorptions- und Diffusionskoeffizienten lässt sich das
Differentialgleichungssystem nummerisch integrieren. Beide Glei-
chungen des Systems müssen gemeinsam integriert werden, da sie
jeweils voneinander abhängig sind.
3.9.1 Implementierung des Modells
Die Implementierung des Modells wurde in Matlab realisiert. Das
Programm umfasst mehrere Prozeduren, die in unterschiedlicher
Zusammenstellung verwendet werden können. Kern der Implemen-
tierung ist das im vorangegangenen Kapitel erläuterte Differential-
gleichungssystem mit Integrator. Hier wird der Matlab-eigene
Ode45-Integrator eingesetzt. Er basiert auf den Dormand-Prince-
Formeln, einem expliziten Runge-Kutta-Verfahren [88].
Zur Ermittlung der Diffusionskoeffizienten wird eine multivaria-
te Regression eingesetzt. Die Regression erfolgt mehrstufig iterativ,
wie im Programmablaufplan in Abbildung 3-16 dargestellt ist. Der
Ablauf der Regression beginnt mit dem Einlesen der Messdaten einer
Versuchsreihe. Der Datensatz umfasst für jeden Messpunkt die Da-
ten Feed- und Permeatfugazität, Flüsse der beiden Komponenten
82
sowie die Feed- und Permeatzusammensetzung. Im nächsten Schritt
werden Startwerte für die Diffusionskoeffizienten gewählt. Diese
können geschätzt oder unter Vernachlässigung der Wechselwirkun-
gen zwischen den Komponenten und der Annahme einer konstanten
mittleren Beladung überschlägig berechnet werden. Anschließend
wird einzeln für jeden Messpunkt iterativ der Permeatfluss gesucht,
der mit den angenommenen Diffusionskoeffizienten die gemessene
permeatseitige Fugazität ergibt. Die Summe der Abstandsquadrate
zwischen den so ermittelten und den gemessenen Permeatflüssen
wird in einer übergeordneten Iteration durch Anpassen der Diffusi-
onskoeffizienten minimiert. Die zusätzliche Iteration der Permeat-
flüsse tgt der höheren Genauigkeit der Druckmessungen gegen-
über der Flussmessungen Rechnung. Durch die zusätzliche Iteration
lässt sich darüber hinaus das Konvergenzverhalten der Regression
deutlich besser beurteilen. Als iteratives Verfahren für die ein- und
mehrdimensionalen Optimierungsprobleme wird das Downhill-
Simplex-Verfahren nach Nelder und Mead [89] eingesetzt. Der Algo-
rithmus verwendet für die Ermittlung der Gradienten lokale Diffe-
renzen, sodass keine analytische Ableitung des Modells vorausge-
setzt wird.
83
Abbildung 3-16: Prinzipieller Ablauf des Regressionsverfahrens zur Ermitt-
lung der Diffusionskoeffizienten
Start
Laden der Messwerte für
Messung i = 1 bis n
Startwert für
Diffusionskoeffizienten
festlegen
Integration des
Differentialgleichungssystems
Lösung des
Integrals ≈ gemessene
Permeatfugazität
Startwert für Stoffströme
j1 und j2 festlegen
Wert für
Stoffströme
anpassen
ja
nein
Diffusionskoeffizienten
anpssen
i > n
i = 1
i = i + 1
Permeatströme
gerechnet ≈
gemessen
ja
nein
nein
ja
Diffusionskoeffizienten
ausgeben
84
4. Ergebnisse und Diskussion
Die Ergebnisse der Adsorptions-, Permeations- und Quellungsmes-
sungen geben Hinweise auf die Mechanismen, die für den
Stofftransport unter Hochdruckbedingungen bis 20 MPa in der Koh-
lenstoffmembran maßgeblich sind. Das entwickelte Modell kann die
verschiedenen Ergebnisse verbinden und trägt damit dazu bei, die
Zusammenhängen zu erklären.
4.1 Adsorption
Die Messergebnisse der Adsorptionsmessungen stellen eine Ver-
knüpfung zwischen der ortsabhängigen Fugazität und Konzentrati-
on in der Membran her. Dieser Zusammenhang ist essentiell für die
Beschreibung des Stofftransportes durch die Membran, wie in Kapi-
tel 2.3 bereits erläutert wurde.
Wie erwartet steigt bei 300 K die Adsorption von CO2 unterhalb
eines Druckes von 0,1 MPa deutlich stärker an als bei den anderen
untersuchten Gasen und flacht bei höherem Druck deutlich ab. Der
maximal vermessene Druck für CO2 beträgt 5,9 MPa, da bei 6,7 MPa
bereits der Dampfdruck erreicht wird. Die Ergebnisse für das Ad-
sorptionsverhalten von N2 und O2 sind, wie in der Literatur aufge-
zeigt [90], bei niedrigem Druck sehr ähnlich. Bei dem untersuchten
Druckbereich bis 12 MPa zeigt sich allerdings ein deutlicher Unter-
schied (Abbildung 4-1). Während die N2-Adsorption mit zunehmen-
dem Druck gegen eine Beladung von etwa 2 mol/kg konvergiert,
zeigt die O2-Adsorption eine fast lineare Zunahme bis jenseits von
7 mol/kg.
Die N2-Adsorption kann mit einer Langmuir-Isotherme über den
gesamten Druckbereich gut abgebildet werden, während dies bei
den anderen untersuchten Gasen nicht möglich ist. Die BET-
Isotherme ermöglicht hingegen eine gute Beschreibung aller Messer-
gebnisse, wie in Abbildung 4-1 ersichtlich ist.
85
Abbildung 4-1: Gemessene Hochdruckadsorption der Einzelgase auf dem
Membranmaterial () sowie die jeweilige Beschreibung durch das BET-
Modell (-) bei 300 K [20]
Wie bereits in Kapitel 2.3 angemerkt, ist der Verlauf der Adsorp-
tionsisothermen kaum auf die durch das BET-Modell postulierte
mehrschichtige Adsorption in den für den selektiven Stofftransport
verantwortlichen Poren zurückzuführen. Eine mögliche Erklärung
ist, dass bei hohem Druck ein signifikanter Anteil der Adsorption auf
größere Poren zurückzuführen ist, die mehrschichtige Adsorption
und Kapillarkondensation zulassen. Auch wenn der Oberflächenan-
teil, den diese Poren ausmachen, gering ist, kann ihr Volumen auf-
grund von Kapillarkondensation für die Beladungssumme relevant
sein.
Unabhängig von der Theorie des BET-Modells, erlaubt das Mo-
dell eine empirische, quantitative Beschreibung der gemessenen
Adsorption. Tabelle 4-1 zeigt die per Regression ermittelten Modell-
0,0
0,4
0,8
1,2
1,6
2,0
0246810 12 14
q
N2
/ mol/kg
f/ MPa
0
1
2
3
4
5
0246810 12
q
CH4
/ mol/kg
f/ MPa
0
2
4
6
8
0246810 12 14
q
O2
/ mol/kg
f/ MPa
0
1
2
3
4
5
012345
q
CO2
/ mol/kg
f/ MPa
86
parameter. Es muss allerdings beachtet werden, dass das in dieser
Arbeit aufgezeigte Transportmodell von einer homogenen Membran
ausgeht und die Verteilung des Adsorbats auf verschiedene Poren-
typen nicht berücksichtigt wird. Da sich in größeren Poren ein deut-
lich geringerer Gradient an chemischem Potential ausbildet, kann
eine Verschiebung der Adsorption hin zu diesen Poren zu fehlerhaf-
ten Aussagen des Modells führen.
Tabelle 4-1
Ermittelte Parameter für das BET-Modell (Gl. 2-10)
Gas
𝑏𝑏𝑖𝑖
𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖
/ MPa
𝑞𝑞𝑠𝑠,𝑖𝑖
/ mol/kg
N2 87,2 73,4 1,54
CO2 105,1 10,6 2,61
O2 9,4 23,8 4,24
CH4 19,2 29,0 3,30
Bei den ermittelten Parametern r die Adsorption ist auch zu beach-
ten, dass ihr Gültigkeitsbereich aufgrund ihres empirischen Charak-
ters auf den vermessenen Bereich beschränkt ist. So kann der Sätti-
gungsdruck 𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖 nach der Theorie des BET-Modells nicht oberhalb des
Dampfdrucks kondensierbarer Gase liegen, da hier ja bereits der
Phasenübergang stattfindet. Der hier ermittelte Wert für 𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖 von
10,6 MPa für CO2 liegt höher als der Dampfdruck (6,7 MPa) bzw. die
Fugazität von siedendem CO2 (4,5 MPa) bei T = 300 K. Somit kann
der Bereich oberhalb der Messwerte, mit der in Abbildung 2-7 quali-
tativ gezeigten Konvergenz gegen 𝑓𝑓𝑠𝑠,𝑖𝑖, nicht abgebildet werden. Den-
noch lässt sich der vermessenen Bereich mit dem ermittelten Parame-
tersatz sehr gut abbilden.
Die Adsorptionsmessung für ein CO2/N2-Gemisch zeigt im
Rahmen der Messgenauigkeit, wie in Abbildung 4-2 zu sehen, keine
gravierende Abweichung zu den Einzelmessungen.
87
Abbildung 4-2: Gemessene Adsorption im äquimolaren Gemisch für CO2
(◊) und N2 () sowie das BET-Modell für die einzeln vermessenen Gase CO2
(- -) und N2 (––) [20]
Aufgrund dieses Resultats und des in Kapitel 2.3 besprochenen
Mangels an deutlich besseren Modellen zur Beschreibung von Mi-
schungsadsorption, wird in dieser Arbeit vereinfachend von einer
unabhängigen Adsorption der Gemischkomponenten ausgegangen.
Für andere Mischungen der untersuchten Gase konnten aufgrund
des jeweiligen Adsorptionsverhaltens mit der verfügbaren Mess-
technik keine Mischungsisothermen erfasst werden.
4.2 Einzelgas-Permeationsmessungen
Bei der Vermessung von Membranen, die zuvor keinem hohen
Druck ausgesetzt wurden, zeigt sich eine deutliche druck- und zeit-
abhängige Reduktion der Permeanz. Die Beaufschlagung mit CO2 bei
0
1
2
3
4
01234
q / mol/kg
f/ MPa
88
20 MPa und einer Temperatur von 373 K führt zu einer Abnahme der
Permeanz von mehr als 90 % (Abbildung 4-3). Auch bei der Beauf-
schlagung mit Helium (15 MPa und 300 K) ist eine Reduktion der
Permeanz zu beobachten, allerding liegt sie hier bei unter 25 %
(Abbildung 4-4).
Abbildung 4-3: Abnahme des CO2-Fluss einer neuen Membran mit Zeit
(Pfeilrichtung) und Druck (); Zeitunabhängiger CO2-Fluss einer konditi-
onierten Membran (); alle Messungen bei 1 MPa Transmembrandruck
und einer Temperatur von 373 K [18]
In den Diagrammen sind in der oberen Kurve die Messungen an
einer neuen Membran, die seit ihrer Herstellung noch keinen hohen
Drücken ausgesetzt wurde, dargestellt, sowie darunter spätere Mes-
sungen an derselben Membran, die nun einem Druck von 20 bzw.
15 MPa ausgesetzt wurden. Die Pfeile geben die zeitliche Reihenfolge
der Messungen wieder. Der zeitliche Abstand zwischen den Mes-
sungen beträgt für die CO2-Messungen jeweils 500 s und bei den He-
Messungen liegt er zwischen 100 und 600 s.
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
510 15 20
Fluss · 10 / mol/s/m²
Feeddruck / MPa
89
Abbildung 4-4: Abnahme des He-Fluss einer neuen Membran mit Zeit
(Pfeilrichtung) und Druck (); Zeitunabhängiger He-Fluss einer konditio-
nierten Membran (); alle Messungen bei 1 MPa Transmembrandruck und
einer Temperatur von 300 K [18]
Die späteren Messungen an den so konditionierten Membranen
weisen über einen Zeitraum von einigen Stunden keine signifikante
Änderung des druckspezifischen Flusses auf.
Die verfügbaren Daten zeigen das typische Verhalten dieser
Membranen, wobei die absoluten Werte variieren. Dennoch sprechen
die Ergebnisse für einen differentiellen Zusammenhang von Fluss,
Druck und Zeit. Die Messergebnisse zeigen, dass der Fluss mit der
Zeit abnimmt, wobei dieser Vorgang bei einem Druck von 1 MPa
kaum feststellbar ist und mit zunehmendem Druck schneller ver-
läuft. Darüber hinaus scheint es einen druckabhängigen Grenzwert
zu geben, gegen den der Fluss mit der Zeit irreversibel konvergiert.
Dieses Verhalten würde zu einer nicht elastischen Kompaktierung
des Membranaufbaus passen, sofern eine Abhängigkeit vom Trans-
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
0 5 10 15
Fluss · 10 / mol/s/m²
Feeddruck / MPa
90
membrandruck vorliegt. Gemessen wurde aber bei einem niedrigen,
konstanten Transmembrandruck von nur 1 MPa.
Auch das unterschiedliche Verhalten bei den Messungen mit He
und CO2 spricht eher für eine molekülspezifische Wechselwirkung.
Allerdings muss hier einschränkend angemerkt werden, dass es sich
um zwei verschiedene Membranproben handelt und die Maximal-
drücke nicht identisch sind. Es scheint sich um ein adsorptionsartiges
Phänomen zu handeln, wobei die Veränderung irreversibel ist und
es sich daher um vergleichsweise hohe Bindungsenergien handeln
muss. Groszek et al. haben in diesem Zusammenhang die Adsorpti-
onswärmen von O2, N2 und He an Kohlenstoffmolsieben untersucht
und kommen zu dem Schluss, dass die Bindungsenergien nicht nur
für O2 in der Größenordnung von Chemiesorption liegen [91]. Be-
gründet werden die hohen Bindungsenergien mit der Porenform, die
das Gasmolekül umschließt. Darüber hinaus stellen die Autoren die
These auf, dass die Sorption auch zu einer strukturellen Verände-
rung der Kohlenstoffstruktur führt. Diese These wurde auch schon in
einer vorausgehenden Arbeit von einem der Mitautoren aufgestellt.
Koresh zeigt in dieser Arbeit Adsorptionsmessungen von CO2 und
N2 an Kohlefasern, die ebenfalls ein irreversibles Adsorptionsverhal-
ten aufweisen [81].
Um diesen Zeitfaktor für andere Untersuchungen zu eliminie-
ren, wird die Membran vorab konditioniert, indem sie für mindes-
tens 30 Minuten mit dem späteren maximalen Messdruck beauf-
schlagt wird. Anschließend sind reproduzierbare Messungen mög-
lich, die diese irreversible zeitliche Änderung der Permeanz nicht
mehr aufweisen. In Abbildung 4-5 ist das reversible Verhalten der
konditionierten Membran ohne weitere Reduktion der Permeanz
dargestellt. Der Permeatfluss zeigt bei konstantem Transmembran-
druck eine leichte Abhängigkeit vom Feeddruck, aber keine Zeitab-
hängigkeit. Diese Konditionierung der Versuchsmembranen wurde
für alle weiteren Einzelgas- und Gemischmessungen angewendet.
91
Abbildung 4-5: Darstellung der Wiederholbarkeit von He-Flussmessungen
() bei verschiedenen Feeddrücken () und einem Transmembrandruck von
1 MPa bei einer Temperatur von 300 K für eine konditionierte Membran
4.3 Gemisch-Permeationsmessungen
Die publizierten Arbeiten anderer Autoren wie z. B. Swaidan et al.
[1] legen nahe, dass die Ergebnisse aus der Vermessung einzelner
Fluide nicht ausreichend sind, um den Stofftransport von Gemischen
in Kohlenstoffmembranen vorherzusagen. Diesen Umstand legen
auch die Messergebnisse dieser Arbeit nahe. Abbildung 4-6 zeigt den
Vergleich von Einzelgas- und Gemischversuchen für CO2 und O2.
Während die Einzelgasmessungen eine stark unterschiedliche Ab-
hängigkeit des Flusses vom Druck aufweisen, scheinen die im Ge-
misch gemessenen Flüsse maßgeblich durch den CO2-Transport
bestimmt zu werden.
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0
2
4
6
8
10
12
00,5 11,5 22,5
Fluss · 10 / mol/s/m²
Druck / MPa
Zeit / h
92
Abbildung 4-6: Einzelgasmessung des Flusses für CO2 () und O2 ()
sowie Gemischmessung für CO2 () und O2 () als äquimolare Mischung
bei 300 K und einem Transmembrandruck von 7 MPa [18]
Während unterhalb von 10 MPa bevorzugt CO2 permeiert, ist die
Membran oberhalb von 10 MPa für O2 selektiv. Dieses Verhalten ist
im Wesentlichen durch das Adsorptionsverhalten von CO2 und O2
bedingt. Während bei einem geringen Druck von 0,1 MPa eine viel-
fache Menge an CO2 verglichen mit O2 adsorbiert, nimmt die adsor-
bierte Stoffmenge für CO2 mit steigendem Druck nur langsam zu.
Für Sauerstoff hingegen steigt sie über den gesamten vermessenen
Druckbereich deutlich an, wie in Abbildung 4-1 dargestellt ist.
Auch bei der Vermessung eines CO2/He-Gemisches (Abbildung
4-7) zeigt sich eine Abweichung zu den gemessenen Flüssen von
reinem He (Abbildung 4-4). Während bei reinem He eine leichte
Zunahme des Flusses mit dem Feeddruck zu beobachten ist, nimmt
bei der Mischungsmessung sowohl der He- wie auch der CO2-Fluss
mit dem Druck tendenziell ab. Zu beachten ist allerdings, dass beide
Messungen bei unterschiedlichen Transmembrandrücken aufge-
0
2
4
6
8
610 14 18 22
Fluss · 10 / mol/s/m²
Feeddruck / MPa
93
nommen wurden, sodass nur eine eingeschränkte Vergleichbarkeit
gegeben ist.
Abbildung 4-7: Flüsse von CO2 () und He () bei einem Transmembrand-
ruck von 3 MPa () sowie einer Temperatur von 300 K
Die Erhöhung des Transmembrandruckes und damit des treibenden
Potentials führt, wie zu erwarten, zu einem deutlichen Anstieg des
Flusses. Auch das Verhältnis zwischen den Flüssen der besser per-
meierenden Komponente und der weniger gut permeierenden Kom-
ponente nimmt bei konstantem Feeddruck mit steigendem Trans-
membrandruck zu. Abbildung 4-8 stellt die Abhängigkeit für eine
äquimolares Gemisch aus CO2 und N2 bei einem konstanten Feed-
druck von 7 MPa dar.
0
1
2
3
4
5
6 8 10 12 14 16
Fluss ·10
2
/ mol/s/m
2
Feeddruck / MPa
94
Abbildung 4-8: Flüsse von CO2 () und N2 () in einem äquimolaren Ge-
misch bei einem Feeddruck von 7 MPa sowie einer Temperatur von 300 K
Die Ergebnisse, dargestellt in Abbildung 4-9 und Abbildung 4-10,
zeigen, dass auch bei hohem Druck noch eine Trennung stattfindet.
Der Trennfaktor nimmt mit zunehmendem Feeddruck allerdings
aufgrund des Feed-/Permeatdruckverhältnisses zwangsläufig ab. Die
in den beiden Diagrammen eingezeichnete Linie zeigt das thermo-
dynamische Maximum für den Trennfaktor bei einem Transmemb-
randruck von 30 MPa. Wie in Kapitel 2.5.7 erläutert, ergibt sich die-
ses Limit aufgrund der Druckbedingungen. Dieser Grenzwert wird
nur von einer Membran mit unendlich hoher Selektivität erreicht,
aber nicht überschritten.
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
23456
Fluss ·10
2
/ mol/s/m
2
Transmembrandruck / MPa
95
Abbildung 4-9: Trennfaktor für ein äquimolares CO2/He-Gemisch () bei
3 MPa Transmembrandruck und einer Temperatur von 300 K [18]
Abbildung 4-10: Trennfaktor für ein äquimolares CO2/N2-Gemisch bei
einem Transmembrandruck von 3 (), 5 (x) und 7 MPa () sowie einer
Temperatur von 300 K [18]
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
6 8 10 12 14 16
Trennfaktor CO2/He
Feed-Druck / MPa
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
610 14 18 22
Trennfaktor CO
2
/N
2
Feeddruck / MPa
96
Die Messungen zeigen, dass Kohlenstoffmembranen für reale Gemi-
sche in einem Druckbereich, der in bisherigen Publikationen nicht
untersucht wurde, eine deutliche Selektivität aufweisen. Klar zu
sehen ist, dass sich das Trennverhalten, wie erwartet, zwischen Ge-
misch- und Einzelgasmessungen stark unterscheidet. Die Tendenz,
dass kleine Moleküle eine höhere Permeanz aufweisen (z. B. He im
Vergleich zu N2), kann bestätigt werden. Allerdings ist auch klar
ersichtlich, dass andere Aspekte (z. B. das Adsorptionsgleichgewicht)
im Hochdruckbereich einen weitaus größeren Einfluss haben.
Da die Messergebnisse für Fluss und Trennfaktor eine nichtline-
are Abhängigkeit sowohl vom Feed- als auch vom Permeatdruck
aufweisen, ist die Darstellung dieses dreidimensionalen Variablen-
raumes in zweidimensionalen Diagrammen nur sehr eingeschränkt
möglich. Selbst wenn nur eine Temperatur und eine Feedzusammen-
setzung betrachtet werden, stoßen die Darstellbarkeit und damit die
Möglichkeit zur Interpretation der Ergebnisse schnell an ihre Gren-
zen.
4.4 Modellierung
Die Messergebnisse der Permeationsversuche zeigen, dass, wie er-
wartet, zum einen die Molekülabmessung des Fluids und zum ande-
ren die Adsorptionsneigung eine wesentliche Rolle für den selek-
tiven Stofftransport in Kohlenstoffmembranen spielt. Darüber hinaus
zeigen die Ergebnisse, dass sich die beiden Komponenten im Hin-
blick auf den Stofftransport gegenseitig stark beeinflussen. Alle diese
Aspekte lassen sich prinzipiell mit dem in Kapitel 3.9 beschriebenen
Modell für die Maxwell-Steffan-Diffusion abbilden.
Entsprechend der in Kapitel 3.9.1 beschriebene Methodik wur-
den aus dem kompletten Messdatensatz für ein äquimolares N2/CO2-
Gemisch die Modellparameter D1, D2 und D12 ermittelt (Tabelle 4-2).
Die einfließenden Daten umfassen Adsorptionsdaten des Membran-
materials für N2 und CO2, insgesamt 22 Konzentrations- und Fluss-
97
messungen auf Konzentrat- und Permeatseite, sowie insgesamt 33
Druckmessungen auf der Feed-, Permeat- und Konzentratseite. Für
die Ermittlung der Modellparameter anderer Gemische ist eine Er-
weiterung der bisherigen Datenlage erforderlich.
Tabelle 4-2
Maxwell-Stefan-Diffusionskoeffizienten
Gas D ∙ 1011 / m²/s Beschreibung
D1 1,86 N2 / Membran
D2 0,73 CO2 / Membran
D12 0,52 N2 / CO2
Das Ergebnis der Regression quantifiziert die zuvor beobachtete
wechselseitige Abhängigkeit der Flüsse der beiden Gemischkompo-
nenten. Da der Wert von D12 nahezu in derselben Größenordnung
liegt wie die Koeffizienten D1 und D2, kann gezeigt werden, dass die
Wechselwirkung zwischen den Fluiden maßgeblich für den Trans-
port und die erreichbaren Trennfaktoren ist. Der höhere Diffusions-
koeffizient D1 gegenüber D2 weist daraufhin, dass N2 eine höhere
Mobilität als CO2 zeigt. Da die Gleichgewichts-Konzentration von
CO2 in der Membran allerdings deutlich höher liegt als die von N2
(Kapitel 4.1), weist die Membran dennoch eine Selektivität für CO2
auf.
Vergleichbare Ergebnisse anderer Autoren für den Diffusionsko-
effizienten D12 sind dem Autor nicht bekannt. Für die Diffusionskoef-
fizienten der Einzelgase hingegen liegen auch Ergebnisse anderer
Autoren für Kohlenstoffmembranen vor. Die Tabelle 4-3 zeigt die
Ergebnisse zweier Publikationen wobei DN2 dem D1 und DCO2 dem D2
dieser Arbeit in etwa entsprechen. Zu sehen ist, dass die Transport-
koeffizienten sehr stark mit der Art der vorliegenden Kohlenstoff-
membran variieren. Die gelisteten Ergebnisse für Membranen mit
98
hoher Permeanz zeigen in etwa vergleichbare Werte wie die Ergeb-
nisse dieser Arbeit.
Tabelle 4-3
Diffusionskoeffizienten anderer Autoren
Arbeitsgruppen DN2 1011 / m²/s DCO2 1011 / m²/s
Rungta et al. [25] - 0,77...1,35
Steel und Koros [30] 0,01…2,7 0,08…13,2
Für eine weitere Beurteilung des Modells können die Modellergeb-
nisse gegenüber den Messergebnissen aufgetragen werden
(Abbildung 4-11). Dabei zeigt sich, dass über den gesamten Druckbe-
reich noch deutliche Abweichungen zwischen Modell und Messung
auftreten. Die dargestellten Abweichungen setzen sich allerdings
nicht nur aus der Differenz von modelliertem und realem Verhalten
zusammen, sondern ebenfalls aus den Messungenauigkeiten der
Fluss-, Druck- und Konzentrationsmessungen. Wobei die in Kapitel
3.5.2 und 3.5.3 diskutierten Messungenauigkeiten den kleineren
Anteil dieser Abweichungen ausmachen.
99
Abbildung 4-11: Vergleich der gemessenen und modellierten Flüsse für N2
() und CO2 (x) in der Mischung bei 300 K sowie die relative Standardab-
weichung (- -) von 0,36
Die ermittelten Diffusionskoeffizienten können verwendet werden,
um mit dem Transportmodell Flüsse und Selektivitäten im unter-
suchten Messbereich und darüber hinaus zu berechnen. Abbildung
4-12 zeigt die mit dem Modell berechneten Flüsse (Summe aus N2-
und CO2-Fluss). Die Vorhersagen des Modells in Bereichen, die nicht
mittels Messungen verifiziert sind, geben dennoch Hinweise auf die
Trennleistungen, die mit Membranen erreicht werden könnten, die
mechanisch für Transmembrandrücke jenseits von 7 MPa geeignet
sind.
0
1
2
3
0123
Permeatfluss Modell · 10²/ mol/s/m²
Permeatfluss gemessen ·10²/ mol/s/m²
100
Abbildung 4-12: Berechneter Fluss für ein N2/CO2-Gemisch bei 298 K mit
Messwerten (о) sowie den Abweichungen zum Modell als vertikale Linien
[20]
In Abbildung 4-13 ist der mit dem Modell berechnete Trennfaktor
dargestellt. Der starke Anstieg der Selektivität für CO2 gegenüber N2
in Richtung kleiner Drücke, ist im Wesentlichen auf die deutlich
stärkere Adsorptionsneigung in diesem Druckbereich zurückzufüh-
ren. Bei 10 kPa ist die Beladung von CO2 etwa 30-mal höher als die
von N2. Mit zunehmendem Druck fällt die Adsorptionsselektivität
auf einen Wert von unter 3 ab. Die Vereinfachung bei der Modellie-
rung der Adsorption, die die gegenseitige Beeinflussung der Ge-
mischkomponenten vernachlässigt (Kapitel 2.3), könnte hier dazu
führen, dass die Selektivität überschätzt wird. Andererseits zeigen
auch die Ergebnisse anderer Autoren wie z. B. Swaiden et al. [1] für
ein CO2/CH4Gemisch diesen starken Anstieg der Selektivität.
101
Abbildung 4-13: Berechneter Trennfaktor für ein CO2/N2-Gemisch bei
298 K mit Messwerten (о) sowie den Abweichungen zum Modell als verti-
kale Linien [20]
Die niedrige Adsorptionsselektivität für CO2/N2-Gemische im unter-
suchten Druckbereich ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass
nur geringe Selektivitäten erreicht werden. Darüber hinaus ähneln
sich Form und Abmessung der CO2- und N2-Moleküle, sodass auch
die Molekularsiebung keinen gravierenden Beitrag zur Membranse-
lektivität leistet. Durch Anpassung der Membranporen auf das spezi-
fische Trennproblem kann der Einfluss der Molsiebung sicherlich
dennoch gesteigert werden.
Da das Modell auch den örtlichen Zustand berücksichtigt, er-
möglicht es die Betrachtung des Verlaufs der lokalen Beladungen
über die Trennschichtdicke Größen die messtechnisch praktisch
unzugänglich sind. Ebenfalls kann über das Adsorptionsgleichge-
wicht die lokale Fugazität dargestellt werden. In Abbildung 4-14 ist
102
der Verlauf für ein äquimolares Gemisch aus N2 und CO2 bei einem
Feeddruck von 7 MPa und einem permeatseitigen Druck von 3 MPa
exemplarisch dargestellt.
Abbildung 4-14: Modellierter Verlauf der Fugazitäten und Beladungen über
die Membrandicke sowie der Messwerte auf Feed- und Permeatseite () bei
7 MPa Feed-, 3 MPa Permeatdruck und T = 300 K [20]
Das Beispiel zeigt, dass die in der Trennschicht vorliegenden Gradi-
enten teilweise eine deutliche Ortsabhängigkeit aufweisen, die nicht
ohne weiteres vernachlässigt werden kann. Eine starke Änderung
der Gradienten über die Membran tritt insbesondere bei einem gro-
ßen Verhältnis zwischen Feed- und Permeatdruck auf, da in diesem
Fall von einer lokal stark unterschiedlichen Beladung ausgegangen
werden kann. In Abbildung 4-15 ist das modellierte Ergebnis eines
solchen Falls dargestellt. Der betrachtete Feeddruck beträgt ebenfalls
7 MPa, der permeatseitige Druck aber nur 0,1 MPa.
0
1
2
3
0
1
2
3
4
00,5 11,5 2
Beladung / mol/kg
Fugazität / MPa
Trennschichtdicke / µm
Feedseite Permeatseite
CO
2
-Beladung
N
2
-Fugazität
CO
2
-Fugazität
N
2
-Beladung
103
Abbildung 4-15: Modellierter Verlauf über die Membrandicke für 7 MPa
Feeddruck und 0,1 MPa permeatseitigen Druck bei T = 300 K
Das Modells zeigt klar, dass die Annahme einer gemittelten konstan-
ten Beladung über die Trennschichtdicke in diesen Fällen zu gravie-
renden Abweichungen führt. Darüber hinaus verdeutlicht die Abbil-
dung noch einmal, wie sich das Verhältnis der Beladungen für CO2
gegenüber N2 zu kleinen Drücken hin vervielfacht.
4.5 Temperaturabhängigkeit
Für die Untersuchung der praktischen Einsetzbarkeit von Kohlen-
stoffmembranen bei hohen Temperaturen wurden Permeationsver-
suche über einen großen Temperaturbereich von 300 bis 455 K
durchgeführt. Darüber hinaus gibt die Temperaturabhängigkeit des
Stofftransportes Hinweise auf die wirksamen Transportmechanis-
men in der Membran. Im Bereich der aktivierten Diffusion kann die
Temperaturabhängigkeit, wie in Kapitel 2.5.4 erläutert, mit einem
Arrhenius-Ansatz beschrieben werden. Untersucht wurde ein äqui-
0
1
2
3
4
0
1
2
3
4
00,5 11,5 2
Beladung / mol/kg
Fugazität / MPa
Trennschichtdicke / µm
Feedseite Permeatseite
CO2-Beladung
N2-Fugazität
CO2-Fugazität
N2-Beladung
104
molares Gemisch aus CO2 und N2 bei einem Feeddruck von 7 MPa
und einem permeatseitigen Druck von 0,1 MPa.
In Abbildung 4-16 ist das experimentell ermittelte Transportver-
halten durch die Membran in Abhängigkeit der Temperatur darge-
stellt. Die gestrichelten Linien stellen einen Arrhenius-Ansatz in der
Form von Gl. 2-17 dar, dessen Parameter durch Regression der eben-
falls im Diagramm gezeigten Messdaten ermittelt wurden. Sowohl
der CO2-Fluss als auch der N2-Fluss lassen sich im untersuchten
Temperaturbereich durch diesen Ansatz abbilden.
Abbildung 4-16: Temperaturabhängigkeit des Trennfaktors (Δ) und der
Flüsse für ein äquimolares Gemisch aus CO2 () und N2 () bei 7 MPa feed-
und 0,1 MPa permeatseitigem Druck [18]
In Tabelle 4-4 sind die ermittelten Aktivierungsenergien aus dieser
Arbeit und der Arbeiten anderer Autoren aufgelistet. Generell ist zu
sehen, dass sich die Ergebnisse der verschiedenen Autoren stark
voneinander unterscheiden. Dabei ist zu beachten, dass sich die
1
1,4
1,8
2,2
0
3
6
9
12
300 340 380 420 460
Selektivität CO2/N2
Fluss ∙102/ mol/s/m²
Temperatur / K
105
Arbeiten mit unterschiedlichen Kohlenstoffmembranmaterialien
beschäftigen und sich die untersuchten Temperaturbereiche sowie
Drücke unterscheiden. Als Tendenz ist allerdings zu beobachten,
dass die Aktivierungsenergie von N2 bei kleinen Drücken höher als
die von CO2 ist. Für hohe Drücke hingegen scheint sich dies umzu-
kehren, die Permeanz von CO2 weist dann eine stärkere Temperatur-
abhängigkeit als die von N2 auf.
Tabelle 4-4
Aktivierungsenergie
EA
(kJ/mol) für verschiedene Drücke
p / MPa CO2 N2
7,0 10,7 8,2 Diese Arbeit
0,2 2,4 6,8 [92]
0,1 -4,4 -4,5 [73]
< 0,1 9,2 18,3 [93]
- 0,0 9,8 [94]
Die Messergebnisse zeigen klar, dass der Stofftransport im Wesentli-
chen durch Poren erfolgt, die so klein sind, dass Abstoßungskräfte
zwischen Molekül und Porenwänden auftreten, die für den Trans-
port überwunden werden müssen. Bei der Einordnung der ermittel-
ten Aktivierungsenergien ist zu beachten, dass die Poren in Form
und Größe einer Verteilung unterliegen. Auch sind diese Wechsel-
wirkungen von den in Kapitel 4.2 diskutierten, irreversiblen Bindun-
gen zwischen Molekül und Wand zu unterscheiden, da diese Wech-
selwirkungen nicht zum Transport durch die Membran beitragen
und daher hier nicht erfasst werden.
4.6 Quellung
Um zu untersuchen, ob das Kohlenstoffmembranmaterial der Trenn-
schicht ein Quellungsverhalten aufweist, wie es für Aktivkohle be-
106
kannt ist, wurden Quellungsmessungen bei einem Druck zwischen
0,1 und 10,5 MPa sowie einer Temperatur von 294 K durchgeführt.
Die Messung wurde mit O2 durchgeführt, da O2 eine hohe Beladung
für das Kohlenstoffmaterial aufweist, aber auch bei hohem Druck
nicht kondensiert. Die Messergebnisse zeigen, wie in Abbildung 4-17
dargestellt, dass die Beaufschlagung mit O2 zu einer deutlichen Quel-
lung des Kohlenstoffmaterials führt.
Abbildung 4-17: Druck (-) und Zeitabhängigkeit der Längenänderung ()
des Kohlenstoffmaterials [20]
Die kurzen, nach unten gerichteten Ausschläge des Längenmesswer-
tes bei der Erhöhung des Gasdrucks kommen durch das zuströmen-
de, aufgrund der Drosslung abgekühlte, Gas zustande. Dabei handelt
es sich nur um ein temporäres Messartefakt, da die Wärmekapazität
des Gases gegenüber dem der Zelle vernachlässigbar gering ist.
Die Einstellung des Gleichgewichts erfordert mehrere Stunden,
was auf die langen Diffusionswege durch das relativ dicke Proben-
0
2
4
6
8
10
12
14
16
-0,10
-0,05
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0246810
Druck / MPa
Längenänderung / %
Zeit / h
107
material zurückzuführen ist. Eine überschlägige Berechnung der
Zeitkonstante lässt sich, wie in Gl. 4-1 gezeigt vornehmen, sofern ein
lineares Adsorptionsgleichgewicht angenommen wird. Die Zeitkon-
stante kann als Quotient der flächen- und druckspezifischen Bela-
dung sowie der Permeabilität per Schichtdicke (Permeanz) ausge-
drückt werden. Der Faktor 4 ergibt sich aus der plattenförmigen
Probengeometrie, die beidseitig am Gasaustausch teilnimmt.
𝒯𝒯=
d𝑞𝑞𝐴𝐴
d𝑝𝑝
4 𝑃𝑃𝑙𝑙 𝑙𝑙𝜌𝜌𝑞𝑞
𝑝𝑝
4𝐷𝐷𝜌𝜌𝑞𝑞
𝑝𝑝𝑙𝑙
=𝑙𝑙2
4𝐷𝐷
4-1
Die resultierende Zeitkonstante 𝒯𝒯 = 340 s trifft für die in Abbildung
4-17 gezeigten Messwerte bei hohen Drücken in etwa zu. Bei kleinem
Druck liegt die Zeitkonstante bei einem deutlich größeren Wert.
Diese Druckabhängigkeit ist maßgeblich durch den hier vernachläs-
sigten degressiven Verlauf der Adsorptionsisotherme bei niedrigem
Druck zu erklären. Darüber hinaus weist diese Tendenz aber auch
auf eine mögliche Vergrößerung des Diffusionskoeffizienten durch
die Quellung des Materials hin.
Der mittlere Wert für den Quellungskoeffizient (Gl. 2-37) bis
5 MPa beträgt etwa 0,33 GPa-1. Der Wert ist im Vergleich zu publi-
zierten Daten für Aktivkohle relativ niedrig. Perrier et al. geben
5 GPa-1 für CO2 und 1,7 GPa-1 für CH4 auf Aktivkohle an [80]. Der
deutliche Unterschied ist vermutlich auf die Steifigkeit der jeweiligen
Materialien zurückzuführen. Das Membranmaterial weist keine
Makroporosität auf und seine vermessene Rohdichte liegt bei 𝜌𝜌𝑘𝑘 =
1,37 kg/dm³. Aktivkohle hingegen hat, aufgrund der zusätzlichen
großen Poren und der vergleichsweise hohen Porosität, ein deutlich
weniger steifes Kohlenstoffskelett. Seine Rohdichte liegt typischer-
weise deutlich unter 1 kg/dm³. Mikroskopisch betrachtet ist der Koh-
lenstoff anisotrop. Die in ihrem Abstand variablen Graphenschichten
108
wechseln sich mit orthogonal ausgerichteten Schichten ab, die einer
Quellung entgegenwirken.
Wie bereits in Kapitel 2.5.4 erläutert, haben schon minimale Än-
derungen der Differenz von Porengröße zu Molekülgröße eine gra-
vierende Auswirkung auf den Stofftransport. Die in Abbildung 2-12
gezeigten Ergebnisse von Richter et al. [58] zeigen einen exponentiel-
len Zusammenhang von etwa 6,7 % Permeanzänderung per Pikome-
ter. Eine Abschätzung der minimalen Porengrößenänderung nach
Gleichung 2-38 mit einer eingesetzten relativen Längenänderung von
ε = 0,22 % ergibt einen Wert von etwa 16 pm für das untersuchte
Membranmaterial. Daraus resultiert eine mögliche Permeanzände-
rung um einen Faktor von 2,8. Hierbei handelt es sich zwar nur um
eine grobe Überschlagsrechnung, die aber dennoch deutlich macht,
dass die durchaus gering erscheinende gemessene Quellung nicht
generell vernachlässigt werden kann.
In Abbildung 4-18 ist die Längenänderung über den Druck auf-
getragen, wobei für die beiden Messpunkte unterhalb von 5 MPa zu
beachten ist, dass die tatsächlichen Gleichgewichtswerte wohlmög-
lich noch etwas höher liegen. Der Messwertverlauf in Abbildung 4-17
lässt für die beiden Messwerte nicht klar erkennen, ob das Gleichge-
wicht bereits erreicht ist. Unabhängig von den genauen Werten der
beiden Messpunkte zeigen die Ergebnisse einen klar degressiven
Verlauf der Längenänderung. Im Gegensatz dazu weist die ebenfalls
in Abbildung 4-18 aufgetragene Adsorptionsisotherme ab etwa
5 MPa einen linearen bzw. leicht progressiven Anstieg auf. Bei gerin-
gen Beladungen kann angenommen werden, dass die auf die Poren-
wände wirkende Kraft in etwa proportional zur Anzahl der gegen-
wärtigen Fluidmoleküle ist. Führt diese Kraft allerdings, wie in den
Messergebnissen zu sehen ist, zu einer Verformung des Kohlen-
stoffmaterials und damit zu einer Vergrößerung der Poren, nimmt
die spezifische Krafteinwirkung pro Molekül aufgrund des vergrö-
ßerten Wand-/Molekülabstandes gleichzeitig ab.
109
Abbildung 4-18: Zusammenhang von Druck und Längenänderung ()
sowie die Adsorptionsisotherme für O2 (- -)
Der Zusammenhang von Porengrößenänderung und Permeanz so-
wie der Zusammenhang von Beladung und Porengrößenänderung
lassen sich auch mit dem Modell prinzipiell abbilden. Um den Ein-
fluss der Quellung auf den Transport am Modell untersuchen zu
können, muss die Beschreibung des Modells (Gl. 3-8; 3-9) um bela-
dungsabhängige Diffusionskoeffizienten erweitert werden. Gl. 4-2
und 4-3 stellen einen teilempirischen Ansatz für die Beschreibung
der Diffusionskoeffizienten in Abhängigkeit der Beladungen q1 und
q2 dar. Abgebildet werden der zuvor in diesem Kapitel diskutierte
exponentielle Zusammenhang von Porengröße und Permeanz sowie
der vereinfachend linear angenommene Zusammenhang von Quel-
lung und Porengröße aus Abbildung 2-1. 𝐷𝐷0,1 und 𝐷𝐷0,2 stellen hier die
Diffusionskoeffizienten ohne Quellung, also bei geringer Beladung,
dar. Die Koeffizienten 𝑘𝑘1 und 𝑘𝑘2 beschreiben den Einfluss der jewei-
ligen Komponente auf die Quellung und den Einfluss der Porengrö-
ßenänderung auf den Fluss. Eine Trennung der beiden Aspekte ist
0
1
2
3
4
5
6
7
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0 5 10 15
Beladung / mol/kg
Längenänderung / %
Druck / MPa
110
nach jetzigem Stand nicht ohne weiteres möglich, darum werden mit
𝑘𝑘1 und 𝑘𝑘2 die Produkte der Einflussfaktoren beschrieben.
𝐷𝐷1=𝐷𝐷0,1· e𝑞𝑞1 ·𝑘𝑘1+𝑞𝑞2 ·𝑘𝑘2
4-2
𝐷𝐷2=𝐷𝐷0,2· e𝑞𝑞1 ·𝑘𝑘1+𝑞𝑞2 ·𝑘𝑘2
4-3
Die Zuordnung des Einflusses durch das einzelne Fluid ist für den
vermessenen Bereich nicht möglich, da hier nur ein äquimolares
Feedgemisch untersucht wurde und deshalb das Verhältnis der Be-
ladungen nur wenig variiert. Es kann in diesem Fall aber angenom-
men werden, dass der Einfluss des CO2 (Fluid 2) maßgeblich ist, da
die CO2-Beladung deutlich höher liegt als die von N2 (Fluid 1). Die
durch die CO2 Beladung q1 hervorgerufene Quellung wirkt sich auf
den Transport beider Komponenten aus. Damit vereinfacht sich die
Beschreibung der quellungsabhängigen Diffusionskoeffizienten zu:
𝐷𝐷1=𝐷𝐷0,1·𝑒𝑒𝑞𝑞2 ·𝑘𝑘2
4-4
𝐷𝐷2=𝐷𝐷0,2·𝑒𝑒𝑞𝑞2 ·𝑘𝑘2
4-5
Die resultierenden drei Parameter 𝐷𝐷0,1, 𝐷𝐷0,2 und 𝑘𝑘2 lassen sich an
Stelle der beiden, vorher als Konstanten angenommenen, Diffusions-
koeffizienten 𝐷𝐷1 und 𝐷𝐷2 durch multivariate Regression ermitteln. Für
die Beschreibung der Interfluidwechselwirkungen mit 𝐷𝐷12 wird
weiterhin von einem quellungsunabhängigen Wert ausgegangen, da
die Auswirkung einer Porengrößenänderung hier deutlich geringer
ausfallen sollte. Dieser Wert lässt sich ebenfalls im Rahmen der Re-
gression ermitteln.
Zu beachten ist, dass die zugrunde gelegten Zusammenhänge,
wie vorab diskutiert, allenfalls eine Abschätzung ermöglichen und
keine quantitativ belastbaren Aussagen erlauben. Dennoch liefert die
Regression für die beladungsabhängigen Diffusionskoeffizienten
interessante Ergebnisse (Tabelle 4-5).
111
Tabelle 4-5
Werte der ermittelten Modellkoeffizienten
Gas D ∙ 1011 / m²/s Beschreibung
D0,1 1011 / m²/s 0,060 N2 / Membran
D0,2 1011 / m²/s 0,064 CO2 / Membran
D12 1011 / m²/s 2,17 N2 / CO2
k2 0,83 Quellungseinfluss
Das Modell konvergiert hin zu deutlich druckabhängigen Diffusi-
onskoeffizienten, die allerdings für beide Gemischkomponenten
kaum voneinander abweichen. Abbildung 4-19 zeigt die Diffusions-
koeffizienten in Abhängigkeit des Druckes für ein äquimolares Ge-
misch. Dieses Ergebnis weist darauf hin, dass die Membranselektivi-
tät fast ausschließlich durch die selektive Adsorption der Komponen-
ten bestimmt wird (Abbildung 7-3 im Anhang).
Abbildung 4-19: Diffusionskoeffizienten für eine äquimolare Mischung aus
CO2 und N2 bei 300 K über den Gesamtdruck aufgetragen
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
0 5 10 15 20
Diffusionskoeffizient · 10
11
/ m²/s
Druck / MPa
N
2
CO
2
112
Schreibt man die Beladungsabhängigkeit der Diffusionskoeffizienten
alleine der Quellung zu, so ergibt sich mit diesem Ansatz ein ähnli-
cher Einfluss der Quellung auf den Stofftransport, wie durch die
Überschlagsrechnung zu Beginn des Kapitels beschrieben wurde.
Die Modellvariante aus Kapitel 4.4 mit quellungsunabhängigen
Diffusionskoeffizienten bildet die Tendenzen bereits gut ab, zeigt
aber eine relativ große Abweichung von Modellergebnissen und
Messungen (Abbildung 4-11). Diese Modellvariante mit dem zusätz-
lichen Parameter für den Einfluss der Quellung erlaubt eine deutlich
bessere Abbildung der Messergebnisse, wie in der Auftragung in
Abbildung 4-20 zu sehen ist. Der deutliche Unterschied der beiden
Regressionsergebnisse für 𝐷𝐷12 ist vermutlich auf die begrenzte Ab-
bildungsfähigkeit der ersten Modellvariante zurückzuführen.
Abbildung 4-20: Vergleich der gemessenen und modellierten Flüsse für N2
() und CO2 (x) bei 300 K mit beladungsabhängigen Diffusionskoeffizienten
sowie die relative Standardabweichung (- -) von 0,15
0
1
2
3
0123
Permeatfluss Modell · 10²/ mol/s/m²
Permeatfluss gemessen ·10²/ mol/s/m²
113
Auch mit den Diffusionskoeffizienten dieser Modellvariante können
Flüsse und Selektivitäten im untersuchten Messbereich und darüber
hinaus berechnet werden. Die Ergebnisse für Drücke oberhalb der
Messwerte sind unter dem Vorbehalt zu interpretieren, dass die
getroffenen Annahmen auch hier zutreffend sind. Abbildung 4-21
zeigt die Ergebnisse der Modellierung. Qualitativ sind auf den ersten
Blick keine gravierenden Unterschiede zwischen den Varianten zu
sehen. Bei hohen Feeddrücken zeigt sich aber eine deutlich bessere
Wiedergabe der gemessenen Flüsse, die mit konstanten Diffusions-
koeffizienten systematisch zu gering vorhergesagt werden.
Abbildung 4-21: Berechneter Fluss für ein N2/CO2-Gemisch bei 298 K mit
eingezeichneten Messwerten (о) sowie den Abweichungen zum Modell als
vertikale Linien
In Abbildung 4-22 ist der mit dem Modell berechnete Trennfaktor
dargestellt. Bei der Modellierung des Trennfaktors zeigen sich größe-
114
re Unterschiede zwischen den Modellvarianten. Insbesondere im
Bereich hoher Feed- und niedriger Permeatdrücke ergeben sich deut-
lich höhere Selektivitäten. Diese entziehen sich allerdings ohnehin,
mangels Membranen mit geeigneter Festigkeit, der Überprüfbarkeit.
Abbildung 4-22: Berechneter Trennfaktor für ein N2/CO2-Gemisch bei
298 K mit eingezeichneten Messwerten (о) sowie den Abweichungen zum
Modell als vertikale Linien
Dass sich das Transportverhalten mit den beladungsabhängigen
Diffusionskoeffizienten beschreiben lässt, ist ein deutliches Indiz
dafür, dass die stattfindende Quellung einen wesentlichen Einfluss
auf den Stofftransport hat. Andererseits basiert der dafür zugrunde
gelegte Modellansatz auf einer Reihe von Annahmen, deren genaue
Überprüfung Gegenstand zukünftiger Forschung bleibt.
115
5. Fazit und Ausblick
Im Rahmen dieser Arbeit sind zur Untersuchung des Transportver-
haltens von Kohlenstoffmembranen bei hohen Drücken Adsorpti-
ons-, Permeations- und Quellungsexperimente durchgeführt wor-
den. Der untersuchte Druckbereich erstreckt sich bis 20 MPa bei
Temperaturen zwischen 300 und 455 K. Für die Beschreibung der
Ergebnisse und die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen
Fluiden und Membran wurde ein Modell auf Basis der Maxwell-
Stefan-Diffusion entwickelt und implementiert.
Die Ergebnisse der Adsorptionsuntersuchungen zeigen, dass ei-
ne Abbildung des Gleichgewichts durch eine Langmuir-Isotherme
nicht möglich ist. Das BET-Modell hingegen erlaubt eine gute Wie-
dergabe der Messungen für die untersuchten Gase N2, CO2, O2 und
CH4 über den gesamten Druckbereich. Die Ursache für den Verlauf
der Isotherme nach dem BET-Modell bedarf allerdings weiterer Klä-
rung, da eine dem BET-Modell entsprechende mehrschichtige Ad-
sorption in den selektiven Poren der Membran aufgrund ihrer Größe
praktisch ausgeschlossen ist. Eine mögliche Erklärung wäre die Ad-
sorption in größeren Poren, die für die Selektivität nicht relevant
sind. Dies würde allerdings bedeuten, dass die mit den bisherigen
Methoden ermittelte Beladung nur bedingt für die Beschreibung der
lokalen, für den Transport relevanten Stoffkonzentration geeignet ist.
Vorstellbar ist auch, dass die durch die Adsorption bewirkte Quel-
lung des Membranmaterials wiederum Einfluss auf den Verlauf der
Isotherme hat.
Für die Vermessung von Permeanzen in dem bisher kaum unter-
suchten Druckbereich jenseits von 2 MPa, wurde eine neue hochau-
tomatisierte Versuchsanlage entwickelt und aufgebaut. Untersucht
wurde der Transport von Einzelgasen als auch binären Gemischen.
Durch Kombination dieser Permeationsergebnisse mit den vermes-
senen Adsorptionsisothermen lassen sich die Transportkoeffizienten
116
für das entwickelte Stofftransportmodell bestimmen. Die ermittelten
Diffusionskoeffizienten bilden die Wechselwirkungen zwischen
Fluid und Membran, bzw. zwischen Fluid und Fluid ab. Es wird
deutlich, dass in einem N2/CO2-Gemisch der Transport des CO2
maßgeblich durch die Interaktion mit der Membran bestimmt wird,
während der N2-Transport auch durch den CO2-Fluss erheblich be-
einflusst wird. Darüber hinaus gibt das Modell einen Überblick über
die erreichbaren Flüsse und Selektivitäten in einem großen Feed-
und Permeatdruckbereich. Das Modell ermöglicht auch die Abschät-
zung von Daten für Transmembrandrücke, die aufgrund der limitier-
ten Festigkeit verfügbarer Membranen bisher nicht erreicht werden
können.
Zur Untersuchung der Quellung von Kohlenstoffmembranen
wurde eine neuartige Apparatur entwickelt, die sehr kleine Län-
genänderungen einer Probe bei hohem Umgebungsdruck erfassen
kann. Die Messungen zeigen eine klare Volumenzunahme des
Membranmaterials mit zunehmendem Druck. Eine grobe Abschät-
zung des Einflusses der Quellung auf die Permeanz des Membran-
materials ergibt einen Faktor von fast 3 für einen Druck von 10 MPa.
Es ist also anzunehmen, dass die Quellung für den Stofftransport
nicht ohne weiteres vernachlässigt werden darf. Darauf weisen auch
die Modell-Ergebnisse auf Basis von quellungsabhängigen Diffusi-
onskonstanten hin.
Während der Zusammenhang von adsorbierter Stoffmenge und
Volumenzunahme qualitativ diskutiert wird, steht eine quantitative
Modellierung des Zusammenhanges aus. Möglicherweise ist hier die
Verknüpfung von mechanischem Elastizitätsmodul des Membran-
materials und Aktivierungsenergie zielführend, da die Aktivierungs-
energie, die für den Eintritt in die Pore aufgewendet werden muss,
im Grunde der Kraft, mit der das Fluidmolekül gegen die Poren-
wände drückt, entspricht.
117
Generell zeigt die Arbeit, dass Kohlenstoffmembranen für die
Gastrennung bei hohen Drücken und Temperaturen geeignet sind
und dabei Flüsse von über 0,1 mol/s/m² erreicht werden. Damit der
erreichbare Trennfaktor nicht durch das zur Verfügung stehende
treibende Potential limitiert wird, ist es aber essentiell den Prozess
bei hohen Transmembrandrücken zu betreiben. Die in dieser Arbeit
untersuchten Kompositmembranen, wie auch die meisten in Publika-
tionen erwähnten asymmetrischen Hohlfasermembranen, weisen die
aktive Schicht auf der Innenseite auf. Die Festigkeit dieser Membra-
nen ist bei einer Druckbeaufschlagung auf der Innenseite nicht aus-
reichend. Eine außenseitige Trennschicht würde diese Problematik
beseitigen, da die keramischen Werkstoffe eine vielfache Druckfes-
tigkeit, verglichen mit ihrer Zugfestigkeit aufweisen.
118
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128
7. Anhang
Tabelle 7-1
Im Rahmen dieser Arbeit veröffentlichte Artikel in wissenschaftlichen Zeit-
schriften
Jahr Veröffentlichung
2016 N. Kruse, Y. Schießer, S. Kämnitz, H. Richter, I. Voigt, G. Braun,
J.-U. Repke, Carbon membrane gas separation of binary CO2
mixtures at high pressure, Sep. Purif. Technol. 164 (2016) 132
137.
2017 N. Kruse, Y. Schießer, N. Reger-Wagner, H. Richter, I. Voigt, G.
Braun, J.-U. Repke, High pressure adsorption, permeation and
swelling of carbon membranes Measurements and modelling
at up to 20 MPa, J. Memb. Sci. 544 (2017) 1217.
Abbildung 7-1: Beispielmesswerte aus Versuchsanlage für Feedstrom ()
und Permeatstrom (- -) bei einer Einzelgasmessung im Dead-End-Betrieb
55
56
57
58
59
60
61
62
050 100 150 200 250 300 350 400
Druck / bar
Zeit / s
129
Abbildung 7-2: Beispielmesswerte aus Versuchsanlage für Feedstrom ()
und Permeatstrom (- -) bei einer Einzelgasmessung im Dead-End-Betrieb
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
050 100 150 200 250 300 350 400
Stoffstrom / mmol/s
Zeit / s
130
Abbildung 7-3: Gleichgewichtsbeladungen aus Einzelgasmessungen für
CO2 (- -) und N2 () sowie deren Quotient (∙ ) für eine äquimolares Ge-
misch aus CO2 und N2 bei 300 K
Q1x := 50.0;
i := 100.0;
WHILE i > 0.001 DO
LamdaQ1_temp := (Q1x*Lamda1)/(Q1x+(100.0-Q1x)*Tet12) +
((100.0-Q1x)*Lamda2) /(Q1x*Tet21+(100.0-Q1x));
i := i * 0.5;
if (LamdaQ1_temp > LamdaQ1) = (Lamda1 > Lamda2) then
Q1x := Q1x - i;
else
Q1x := Q1x + i;
end_if;
END_WHILE;
Listing 7-1: Quelltextausschnitt zur nummerischen Berechnung der mola-
ren Konzentration (Q1x) in Prozent mittels Bisektion
1
2
3
4
5
6
7
0
1
2
3
4
0 5 10 15 20
Adsorptionsselektivität
Beladung / mol/kg
Druck / MPa
N
2
CO
2
131
Abbildung 7-4: Abbildung der porösen Zwischenschichten der Kohlenstoff-
membran
Abbildung 7-5: Abbildung der Kohlenstofftrennschicht mit einer Stärke von
ca. 2 µm
132
Abbildung 7-6: Lineare Spannungsversorgung für den Vorverstärker und
Regler der Quellungsmessapparatur
Abbildung 7-7: Vorverstärker für den Tunnelstrom (Transimpedanzver-
stärker) der Quellungsmessapparatur
+70 V
TL783
TL783
C1
100µ
C2
100µ
D1
GND
IC1
GND
IN OUT
+30 V
Vcc for IC4B
R1
10k
R2
10k
R3
10k
13
2
R4
10k
R5
100k
X1
X2
OPA140AID
Pro be g ap
Tunnel voltage
C7
1µ
IC 5
R19
2G
R20
50 k
R21
220 k
R22
100k
X10
to X3
X11
to X4
X12
to X5
X13
X14
C8
100n
133
Abbildung 7-8: PI-Regler mit Piezo-Leistungstreiber der Quellungsmessap-
paratur
Linear gain
Integral gain
OPA453
LT1490
LT1490
Piezo
Preamp
Multimeter
C3
440µ
C4
440µ
C5
100p
C6
100p
D2 D3
D4
D5
GND
3
2
1
IC2A 5
6
7
IC3B
5
6
7
IC4B
+30 V
Q1
2N4416
R6
100k
R7
100k
R8
100k
R9
100k
R10
220k
R11
1k
13
2
R12
10k
R13
10k
13
2
R14
5
R15
10k
R16
100k
R17
33k
R18
5.5k
X3
X4
X5
X6
X7
X8
X9