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© Neue Universitätsbiblio-
thek
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Berlin -
G emeinschaftsproj ekt
der TU Berlin und
Universität der Künste
Berlin
Ein Bericht aus der Perspektive der TU von Dr. Wolfgang Zick
und Andreas Richter
Die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin erhält erstmalig in ihrer über
120jährigen Geschichte ein ausschließlichr ihre Zwecke errichtetes, funktionsgerechtes
Gebäude. Damit wird die Bibliothekr die Anforderungen des digitalen Medienzeitalters
gerüstet und in die Lage versetzt, ihren Kundinnen und Kunden sowie den Beschäftigten zeit-
gemäße Arbeitsbedingungen und ein verbessertes Dienstleistungsspektrum in einer adäqua-
ten räumlichen Umgebung bieten zu können. Dazu musste eine Reihe organisatorischer wie
finanzieller Schwierigkeiten überwunden und ein Partner in Gestalt der Universitätsbiblio-
thek der Universität der Künste gefunden werden. In dem fünfgeschossigen Gebäude werden
drei Millionen Medien Platz finden. Es verfügt über eine Reihe, zum Teil sehr innovativer
technischer Lösungen, die sowohl in der Bibliotheksfach- als auch in der Haustechnik zum
Einsatz kommen.
For the first time in its history of 120 years the university library of the
Technische Universität
Berlin" will receive a new building which will both be functional and purpose built. The libra-
ry will now be able to serve the needs of the digital age as well as provide up to date working
conditions and improved services for its users and staff in new appropriate surroundings. To
achieve this aim organisational and financial problems had to be overcome and a partner like
the university library of the Universität der Künste " had to be found. More than three million
items will be housed in this five storied building, ft will also possess some very innovative
solutions for library and domestic techniques.
1 Die (Vor-)Ceschichte
Diskussionen über die Notwendigkeit eines
Neubausr die Universitätsbibliothek der
Technischen Universität Berlin (TU) begleiten
die Einrichtung beinah seit Beginn ihres Be-
stehens. Aber Bauplanungen, besonders die
der öffentlichen Hand, brauchen oft lange bis
zu ihrer Verwirklichung. Nach mehrfach ge-
scheiterten Anläufen sprach der damalige
Bibliotheksdirektor Helmut Sontag bereits
1988 von einem „unendliche(n) Traum" [1]
und hoffte dennoch auf einen „baldigen Bau-
beginn". 25 Jahre nach Beginn konkreterer
Planungen konnten 2002 die Bauarbeiten end-
lich beginnen. Dazu mussten allerdings zahl-
reiche organisatorische und finanzielle Hür-
den genommen werden:
Ein Antrag auf HBFG-Förderung allein durch
die TU wurde nicht als aussichtsreich ange-
sehen. So musste ein Partner gefunden wer-
den. Durch die räumliche Nähe bot sich die
Universität der Künste Berlin (UdK) [2] an. Bei-
de Seiten erkannten schnell die Vorteile eines
neuen, gemeinsamen Bibliotheksgebäudes,
z.B. Synergieeffekte beim Personaleinsatz.
Nachdem das Antrags- und Planungsverfah-
ren abgeschlossen war, stellte sich heraus,
dass das Land Berlin aufgrund der angespann-
ten Haushaltslage den Landesanteil der
HBFG-Förderung nicht aufbringen konnte.
Hier sprang die TU in die Bresche und erklär-
te sich bereit, zur Baufinanzierung einen Kre-
dit aufzunehmen, der aus eigenen Mitteln und
über die mittelfristige Aufgabe von angemie-
teten Räumen finanziert wird. Es blieb jedoch
ein Loch im Finanzierungsplan, das auf Initia-
tive des inzwischen verstorbenen Präsidenten
der TU, Herrn Prof. Dr. Jürgen Ewers, mithil-
fe einer Spende der VOLKSWAGEN AG in
282 ABI-Technik 23, Heft 4/2003
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Höhe von 5,1 Millionen Euro [3] in einer ein-
maligen „Public Private Partnership "-Aktion
geschlossen werden konnte. Das Gebäude
wird deswegen den Namen
„VOLKSWAGEN
Universitätsbibliothek
Technische Universität und Universität
der Künste Berlin"
tragen.
Juristische Auseinandersetzungen im Verga-
beverfahren und finanzielle Schwierigkeiten
des Landes Berlin verzögerten den Baube-
ginn über Jahre. Durch den langen Zeitraum,
der zwischen der Erstellung der ersten Ent-
wurfsplanung des Architekten Lothar Jero-
min und dem Start der konkreten Bauvorbe-
reitungen lag, wurde eine Optimierungspla-
nung notwendig, die den inzwischen
veränderten technischen Bedingungen und
auch den Sparvorgaben Rechnung trug. Prof.
Walter A. Noebel wurde als neuer Architekt
mit dieser Aufgabe betraut (Abb. 1). Im Au-
gust 2002 wurde mit der Errichtung des Ge-
bäudes begonnen. Zum Beginn des Winter-
semesters 2004/2005 wird das Gebäuder
die Benutzung eröffnet.
2 Das Gebäude
Der Standort der neuen Bibliothek hätte nicht
günstiger gewählt werden können: Er befin-
det sich am südlichen Rand des TU-Campus
in unmittelbarer Nähe des Fernbahnhofs
„Berlin - Zoologischer Garten" an der Fasa-
nenstraße/Ecke Hertzallee. Der Bahnhof bil-
det nicht nur einen Knotenpunktr den über-
regionalen Bahnverkehr, sondern auchr
den regionalen öffentlichen Personennahver-
kehr. Die City-West mit der Einkaufsmeile
Kurfürstendamm schließt sich östlich an den
Bahnhof an.
2.1 Allgemeine Baubeschreibung
Das in Nord-Süd-Richtung ausgerichtete Ge-
bäude mit einem rechteckigen Grundriss
misst oberirdisch 120 Meter in der Länge, 45
Meter in der Breite sowie 23 Meter in der-
he. Das etwas größere Untergeschoss misst
70 Meter in der Breite. Die Gesamtfläche be-
trägt ca. 30.000 m2. Das Gebäude entsteht in
Rasterbauweise. Die Fassade ist mit dunkel-
rotem Klinker im wilden oder amerikanischen
Verbund verkleidet, die Fenster- sowie Tür-
konstruktionen sind aus Aluminium-Natur.
Im Gebäudeinneren dominieren Sichtbeton-
flächen und die unter den Geschossdecken
angebrachten Installationenr Haus- und
Datentechnik. Auf Verkleidungen im De-
ckenbereich wurde verzichtet, was dem Cha-
rakter einer technischen Universität optisch
entgegenkommt (Abb. 2). Die Fußbodenbe-
läge sind in einem grünen Farbton gehalten.
In jedem oberirdisch gelegenen Geschoss ste-
hen ca. 800 m2 der Fläche auf der Ostseiter
die Bibliotheksverwaltung zur Verfügung.
Insgesamt werden in dem Gebäude ca. 180
Beschäftigte tätig sein. Der übrige Bereich ist
als Freihandbereich gestaltet. Drei gleich gro-
ße, vom Parterre bis in das vierte Geschoss
reichende Lichthöfe versorgen über eine
Shed-Konstruktion auf dem Dach die Benut-
zungsbereiche zusätzlich zu den drei Fens-
terfronten mit natürlichem Licht und unter-
teilen die Räume in zwei Hälften. Zwischen
den Lufträumen sind die beiden Haupttrep-
penhäuser des Benutzungsbereichs angeord-
net. Statt eines zentralen Lesesaals werden
die Geschosse in Arbeits- und Medienberei-
Abb. 1: Compu
tergrafik des
Neubaus von
Prof. Walter A.
Noebel
2.2 Untergeschoss
Im Untergeschoss sind die Haustechnik und
die Sortierstation der Buchförderanlage (s.a.
3.1) untergebracht, die zusammen ca. 1.200
m2 der zur Verfügung stehenden Fläche bele-
gen. Außerdem befinden sich hier ein Rara-
und Tresorraum, die Tape-Library sowie di-
verse Lagerräume der Bibliothek, die eben-
falls ca. 1.200 m2 der Fläche beanspruchen.
Die verbleibende Fläche von ca. 6.000 m2 tei-
len sich im Verhältnis 1/3 zu 2/3 das Zeitschrif-
ten-Freihandmagazin und das geschlossene
che eingeteilt. In jedem der vier Oberge-
schosse befinden sich eine zentral gelegene
Informationstheke sowie Gruppenarbeitsräu-
me. Im gesamten Gebäude stehen 650 Ar-
beitsplätze zur Verfügung. Insgesamt wer-
den ca. drei Millionen Medieneinheiten Platz
finden.
Abb. 2:
Deckeninstalla-
tion im Frei-
handbereich,
fotografiert im
September
2003, Andreas
Richter
ABI-Technik 23, Heft 4/2003 283
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Abb. 3: Grundriss Erdge-
schoss (mit Möblierung im
Freihandbereich), Prof. Wal-
ter A. Noebel
Abb. 4: Grundriss erstes
Obergeschoss (mit Möblie-
rung im Freihandbereich),
Prof. Walter A. Noebel
Magazin. Das Zeitschriften-Freihandmagazin
wird die überwiegende Zahl der Zeitschriften-
bestände der UB aufnehmen, insbesondere
die laufend gehaltenen Titel, wobei sich die
Jahrgänge der letzten fünf bis zehn Jahre in
den Freihandbereichen der Obergeschosse
befinden. Eine Ausleihe der Zeitschriften ist
nicht vorgesehen, so dass im Zeitschriften-
Freihandmagazin auch Arbeitsplätze und ei-
ne Kopierstation angeboten werden.
2.3 Erdgeschoss (Abb. 3)
Über den Haupteingang erreichen die Besu-
cherinnen und Besucher das Foyer mit einer
Pförtnerloge, der Garderobe, einem kleinen
PC-Pool zur Katalogrecherche und dem ein-
zigen öffentlichen Zugang zur Bibliothek. Ne-
ben den zwei Schulungsräumen der Biblio-
thek gibt es zwei Hörsäler 60 beziehungs-
weise 80 Personen mit multimedialer
Ausstattung und eine Cafeteria. Gleich hin-
ter dem Eingang zum Bibliotheksbereich ist
die zentrale Leihstelle untergebracht, an der
auch erste Informationen eingeholt werden
können. Hier finden sich weitere Plätzer
die Katalogrecherche, mehrere Selbstverbu-
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284 ABI-Technik 23, Heft 4/2003
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chungsstationen sowie die Lehrbuchsamm-
lung der TU.
2.4 Erstes Obergeschoss (Abb. 4)
Das Informationszentrum der Bibliothek und
zwei PC-Poolsr die Nutzung des elektroni-
schen Medienangebots mit jeweils 36 Arbeits-
plätzen dienen der qualitativ hochwertigen
und schnellen Informationsversorgung. In
räumlich vom übrigen Benutzungsbereich ab-
getrennten Bereichen befinden sich die wert-
vollen Bestände des Vereins der Deutschen
Gartenbaubücherei e.V. und ein Teil des
Hochschularchivs. In diesem Geschoss be-
ginnt außerdem die Aufstellung der Bestände
der TU aus den Fachgebieten Allgemeines,
Recht, Wirtschaft und ein Teil der technisch-
naturwissenschaftlichen Fächer. Der Medi-
enbestand teilt sich in diesem und den Ge-
schossen zwei und drei in einen Zeitschriften-
und einen Monografienbereich, vermischt mit
zum Teil stillen Arbeitszonen. Die ausleihba-
ren Medien und Präsenzbestände sind in ei-
ner Ordnung nach der Regensburger Ver-
bundklassifikation aufgestellt.
2.5 Zweites und Drittes Obergeschoss
Im zweiten Obergeschoss setzt sich der Be-
stand mit der Aufstellung technisch-naturwis-
senschaftlicher Fächer fort. Im dritten Ober-
geschoss sind geisteswissenschaftliche Fächer
untergebracht.
In beiden Geschossen stehen je ein PC-Pool
mit 36 Arbeitsplätzen sowie jeweils zehn Car-
rels [4] zur Verfügung.
2.6 Viertes Obergeschoss (Abb. 5)
Die gesamte Etage umfasst die Bestände und
Verwaltungsräume der UdK mit einer zentra-
len Information.r die Nutzung audio-visu-
eller Medien und Multimedia-Anwendungen
steht ein räumlich getrennter Bereich zur Ver-
fügung.
3 Die Technik
Das Gebäude verfügt über eine Reihe, zum Teil
sehr innovativer technischer Lösungen, die so-
wohl in der Bibliotheksfach- als auch in der
Haustechnik zum Einsatz kommen.
3.1 Buchförderanlage und Magazin
Die Buchförderanlage verbindet die einzelnen
Etagen und den Benutzungs- bzw. Verwal-
tungsbereich. Das System besteht aus vier
Aufzügen, die vom Untergeschoss bis in das
vierte Obergeschoss reichen sowie einem
Förderbandring mit einem integrierten Bahn-
hofr Leerbehälter, der die vier Aufzüge ver-
bindet und unter der Decke des Untergeschosses
verläuft. An diesen Ring ist ein weiterer Aufzug
angeschlossen, der die zentrale Leihstelle im
Erdgeschoss mit der im Untergeschoss ange-
ordneten Sortierstation verbindet. Hier laufen
alle Behälter mit Rückgaben aus der Leihstel-
le auf. Die Medien werden nach Standorten
sortiert, um dann weiter versandt zu werden.
Insgesamt gibt es 64 Zielstationen im System.
Ein Behälter wirdr die Überwindung der
größtmöglichen Distanz zwischen Sende- und
Empfangsstation bei voller Auslastung nicht
mehr als zwei Minuten benötigen. Im Gegen-
satz zu anderen Anlagen dieser Art wirdr
die Adressierung der Transportbehälter kein
Zielleistensystem mit Schiebereglern einge-
setzt, sondern ein transponderbasiertes Sys-
tem. Die Codierung (Adressierung) der Behäl-
ter erfolgt bei der Absendung des Behälters
über die Eingabe von zwei Ziffern auf einem
Touchscreen. Dadurch entfällt ein Vorsortie-
ren der Kistenr den Stoßbetrieb. Außerdem
reduzieren sich die Kostenr den Ersatz von
Transportbehältern, da nur der Behälter zu er-
setzen ist und der Transponder einer defekten
Kister die Neue wieder verwendbar ist. Das
Magazin wird zunächst in einem kleinen Be-
reich mit einer bereits vorhandenen Kompakt-
Abb. 5: Grundriss viertes
Obergeschoss (mit Möblie-
rung im Freihandbereich),
Prof. Walter A. Noebel
ABI-Technik 23, Heft 4/2003 285
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® Neue Universitäts-
bibliothekr Berlin -
Gemeinschaftsprojekt
der TU Berlin und
Universität der Künste
Berlin
regalanlage, in den übrigen Bereichen mit ei-
ner Standregalanlage ausgestattet werden.r
die künftige, vollständige Kompaktierung sind
bereits im gesamten Magazin Schienen im Est-
rich verlegt, die bis zu ihrer Verwendung ab-
gedeckt und so geschützt sind. Die Standregal-
anlage können später auf Wagen montiert wer-
den, was Beschaffungskosten reduziert, da
weniger mit Regalaufbauten versehene Wagen
benötigt werden. Die Planung der Zuwachs-
flächen stammt aus einer Zeit, wo an elektro-
nische Publikationen noch nicht zu denken
war. Aus heutiger Sicht erweist sich dies als
Glücksfall, da vorübergehend elektronische
Medien eine Verringerung der Zuwachsflä-
chen bei der Planung von Bibliotheksneubau-
ten zu erzwingen schienen. Inzwischen hat sich
aber gezeigt, dass die „neuen Medien" das Pa-
pier nicht - oder zumindest nicht so schnell - er-
setzen können und werden.
3.2 Buchsicherung und Selbstverbuchung
Der frei zugängliche Medienbestand wird mit
einer Buchsicherung ausgestattet, die Buchsi-
cherungsanlage am Haupteingang der Biblio-
thek installiert.
Weiter werden im Erdgeschoss sieben Selbst-
verbuchungsanlagen zur Verfügung stehen.
Dort kann der gesamte frei zugängliche Bestand
von den Kunden der Bibliothek selbst verbucht
und ausgeliehen werden. Vier Geräte werdenr
die Barcodeerkennung und dreir die „tag"-
gesteuerte RFID-Technologie [5j ausgerüstet.
Zurzeit wird das System der transpondergesteu-
erten Selbstverbuchung in der Lehrbuchsamm-
lung der TU getestet. Schon jetzt zeigt sich, dass
diese Technik von den Studierenden sehr gut
angenommen wird. Langfristig sollen alle frei
zugänglichen Medien mit „Tags" ausgerüstet
werden und die Selbstverbuchung ausschließ-
lich mit diesem System erfolgen.
3.3 EDV und sonstige Technik
Das Gebäude verfügt über ein leistungsfähiges
Informations- und Kommunikationsnetzwerk,
alle 650 Arbeitsplätze werden im Benutzungs-
bereich mit einem EDV-Anschluss versehen
sein. Die Leitung der Kabel erfolgt über Trassen,
die sichtbar unter den Geschossdecken ange-
bracht sind und sich von ihren Verlaufswegen
am Raster des Gebäudes orientieren. Der ur-
sprünglich im Benutzungsbereich vorgesehe-
ne doppelte Boden wurde eingespart. Auf den
Einsatz von WLAN-Technologie [6J wird be-
wusst verzichtet, da alle Arbeitsplätze an das
EDV-Netzwerk angeschlossen werden und das
WLAN demgegenüber keine Vorteile bietet. Im
Gegenteil: Die Einrichtung stiller Arbeitsplätze
ließe sich ungleich schwieriger gestalten, da ei-
ne räumliche Abtrennung nicht möglich wäre.
Es ist denkbar, zu einem späteren Zeitpunktr
Teilbereiche ein überlagerndes WLAN nach-
träglich zu installieren.r Benutzerarbeits-
plätze, die mit einem Endgerät ausgestattet
werden sollen, ist eine Client-Lösung geplant.
In den Geschossen eins bis vier befindet sich je
ein zentraler Druck- und Kopierraum. Die an den
Geräten der PC-Pools erarbeiteten Ergebnisse
können dann auf Datenträgern gespeichert oder
auf Ausgabegeräten gedruckt werden, auch ein
Versand an die eigene Email-Adresse wird mög-
lich sein. Außerdem ist der Einsatz von Buchko-
pierern (Buchscannern) vorgesehen. Gegenwär-
tig wird untersucht, ob dieser Dienstleistungsbe-
reich an eine Fremdfirma vergeben werden kann.
3.4 Raumklima
Von dem ursprünglich vorgesehenen, integra-
len Energiekonzept kann aufgrund der not-
wendigen Einsparungen nur die Betonkern-
aktivierung realisiert werden. Dabei handelt
es sich um ein in die Geschossdecken eingebet-
tetes Rohrleitungssystem, das je nach Jahres-
zeit mit Kühl- beziehungsweise Heizwasser
durchströmt wird. Dieses Prinzip beruht auf
Nutzung der Speichermassen von Bauteilen.
Die Betonkernaktivierung war zum einen erfor-
derlich, da die Beheizung der ca. 3.000 m2 gro-
ßen Freihandbereiche pro Etage mit herkömm-
lichen Plattenheizkörpern zu aufwändig ge-
wesen wäre. Zum anderen wird damit die
natürliche Speicherkapazität des Mauerwerks
ausgenutzt, was zu einem niedrigeren Ener-
gieverbrauch und einem positiven Energiebi-
lanzwert führen soll. Durch die „sanfte" Küh-
lung werden Zuglufterscheinungen, wie die-
se etwa bei Klimaanlagen auftreten, vermieden
und das so genannte „Sick-Building-Syndrom"
tritt nicht auf. Ergänzt wird das System durch
einen außen liegenden Sonnenschutz in Form
von Markisoletten sowie eine Sonnen- und
Wärmeschutzverglasung. Auf der Nordseite
des Gebäudes wurde darauf verzichtet; hier
gibt es nur einen innen liegenden Blendschutz.
Die Belüftung des Gebäudes erfolgt über ein
System, das an definierten Punkten im Benut-
zungsbereich die Geschosse auf Bodenhöhe
mit Frischluft versorgt. Die verbrauchte Luft
wird über ein entsprechendes System unter
den Decken abgeführt.
3.5 Brand- und Lärmschutz
Das Bibliotheksgebäude ist mit einer Sprinkler-
anlage vom Untergeschoss bis in das vierte
Obergeschoss sowohl im Freihand- als auch
im Verwaltungsbereich ausgestattet. Die-
sung, im Brandfall mit Wasser zu löschen, wur-
de allein aufgrund der Kostenersparnis ge-
wählt. Ausgenommen hiervon sind die Server-
Räume im dritten Obergeschoss sowie die
Tape-Library, der Tresor- und der Rara-Raum
im Untergeschoss. Hier kommt eine Argon-
Löschanlage zum Einsatz. Zur Entrauchung
des Untergeschosses sind Nachströmöffnun-
gen angelegt, die im Ernstfall den Rauchab-
zug gewährleisten.
Das Gebäude liegt im Lärmpegelbereich der
Stufe IV beziehungsweise der Schallschutz-
klasse 3. Dementsprechend erfolgt die Schall-
dämmung der Außenbauteile einschließlich
der Fenster. Im Inneren des Gebäudes wird der
Lärmschutz insbesondere im Benutzungsbe-
286 ABI-Technik 23, Heft 4/2003
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reich durch den Einsatz eines Kautschukbela-
ges zur Trittschalldämmung und mit Akustik-
putz erreicht. Auf den Geschossen kommen im
Thekenbereich Akustiksegel an der Decke
zum Einsatz. Über den Arbeitsplätzen werden
von der Decke Akustikbaffelr eine zusätzli-
che Schalldämmung sorgen. Die Aufteilung
der Benutzungsbereiche in Arbeitsplätze und
Regalstellflächen trägt ebenfalls zum Lärm-
schutz bei.r den Verwaltungsbereich erfolgt
die Schalldämmung nach denr Büroräume
üblichen Standards; hier wird ein Teppichbo-
den verlegt.
stand einheitlich präsentiert und die Dubletten
zusammengeführt an einer Stelle im Regal an-
geboten werden. Als verbindliche Aufstellungs-
systematik ist die Regensburger Verbundklas-
sifikation ausgewählt worden. Zurzeit werden
ca. 350.000 Medieneinheiten umgearbeitet.
Die Zusammenarbeit mit der Universitätsbib-
liothek der UdK wird sich über die bereits ver-
wirklichte Kooperation in der Administration
Neue Universitäts-
bibliothekr Berlin -
Gemeinschaftsprojekt
der TU Berlin und
Universität der Künste
Berlin
Θ
4 Heute und Morgen
Das neue Gebäude (Abb. 6) wird erhebliche
Auswirkungen auf das Bibliothekssystem der
TU und die Organisationsstruktur der Univer-
sitätsbibliothek haben.
Das zweischichtige Bibliothekssystem der TU
gliedert sich einerseits in die Universitätsbib-
liothek mit ihrer Hauptbibliothek und 17 Ab-
teilungsbibliotheken, sowie andererseits in vier
Fach- und zahlreiche Institutsbibliotheken, die
nicht von der UB betrieben werden. Mit Fer-
tigstellung des neuen Gebäudes werden die
Hauptbibliothek und sieben Abteilungsbiblio-
theken in die neue Zentralbibliothek einzie-
hen. Daneben werden sechs Bereichsbiblio-
theken sowie zwei Fach- und die Institutsbib-
liotheken erhalten bleiben. Das gesamte
Bibliothekssystem wird also deutlich ver-
schlankt und räumlich konzentriert.
Mit der neuen Zentralbibliothek erhält die Uni-
versitätsbibliothek erstmalig in ihrer Geschich-
te ein ausschließlichr ihre Zwecke errichte-
tes, funktionsgerechtes Gebäude, das den An-
forderungen des digitalen Medienzeitalters
genügt. Der Neubau bietet den Kundinnen und
Kunden sowie den Beschäftigten zeitgemäße
Arbeitsbedingungen und ein verbessertes
Dienstleistungsspektrum in einer adäguaten
räumlichen Umgebung.
Auchr die Beschäftigten wird sich einiges
verändern. Während in den Abteilungsbiblio-
theken überwiegend Mischarbeitsplätze [7]
eingerichtet sind, ist die Hauptbibliothek tra-
ditionell sehr stark arbeitsteilig organisiert. Hier
gilt es, eine neue Organisationsstruktur zu
schaffen, die den Anforderungen an eine mo-
derne Universitätsbibliothek gerecht wird und
dabei die unterschiedlichen Interessen und
Qualifikationen der Beschäftigten ausreichend
berücksichtigt. Die Überlegungen dazu wer-
den im Moment diskutiert und sollen dem-
nächst abgeschlossen werden.
Hinzu kommen umfangreiche vorbereitende
Arbeiten am Bestand. Hauptbibliothek und Ab-
teilungsbibliotheken bieten ihren Präsenzbe-
stand nach jeweils individuellen Aufstellungs-
systematiken an. Es gibt etliche Titel, die mehr-
fach vorhanden sind, die je nach Bibliothek
fachlich unterschiedlich aufgestellt
sind.
Im Neu-
bau sollen der Freihand- und der Präsenzbe-
des lokalen integrierten Bibliothekssystems
Aleph 500" und der Fernleihe auf weitere Be-
reiche ausweiten. Im neuen Gebäude werden
Funktionsbereiche wie Leihstelle und Maga-
zin gemeinsam organisiert. Auch bei der Ent-
wicklung und dem Angebot verschiedener
Dienstleistungen (z.B. im Bereich audio-visu-
eller Medien) wird auf eine enge Zusammen-
arbeit gesetzt. Die Strukturen hierfür befinden
sich noch in der Planungs- und Abstimmungs-
phase. Eine differenzierte Darstellung der or-
ganisatorischen Veränderungen und der Zu-
sammenarbeit zwischen TU und UdK soll des-
halb zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich
vorgestellt werden.
5 Literatur
[i]
[2]
[3]
[4]
[5]
[6]
[7]
Abb. 6: Neubau aus Blick-
richtung Fernbahnhof, foto-
grafiert im Oktober 2003,
Dr. Wolfgang Ζ ick
Der unendliche Traum - Bau einer Hauptbiblio-
thekr die UBTU Berlin von Helmut Sontag
in: Berliner Bibliotheken 1988. Herausg. v. DBV
Landesverband Berlin. Berlin: Lange & Springer,
1988.
Damals noch unter dem Namen „Hochschule der
Künste"
damals 10 Mio. DM
Einzelarbeitskabinen
RFID = Radio Frequency Identification
WLAN = Wireless Local Area Network
Mischarbeitsplatz in diesem Sinne meint, dass
dieser Beschäftigte mit unterschiedlichen Zeitan-
teilen sowohl in der Medienbearbeitung (Ge-
schäftsgang! als auch in der Benutzung tätig ist.
Anschrift der Autoren:
Dr. Wolfgang Zick
(Ltd. Bibl.-Dir.)
Andreas Richter
(Stv. Bibl.-Dir.)
Technische Universität Berlin
Universitätsbibliothek
Straße des
17.
Juni 135
D-10623 Berlin
Tel.: ++49 (030) 314
-22611, -22539
ABI-Technik 23, Heft 4/2003 287
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