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Josephine Barbe
Dos Ciudades - una Colección
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This version is available at http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5675.
Suggested Citation
Barbe, Josephine: Dos Ciudades - una Colección : interkultureller Austausch am Beispiel nachhaltiges
Modedesign Berlin/Havanna. - In: Mahrin, Bernd (Ed.): Wertschätzung – Kommunikation –
Kooperation : Perspektiven von Professionalität in Lehrkräftebildung, Berufsbildung und Erwerbsarbeit;
Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Johannes Meyser. - Berlin: Universitätsverlag der TU
Berlin, 2016. - ISBN: 978-3-7983-2820-4 (print), 978-3-7983-2821-1 (online). - pp. 246253. -
DOI: 10.14279/depositonce-5004.
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Foto: zweifrauwerk
interkultureller Austausch am Beispiel nachhaltiges
Modedesign Berlin/Havanna
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Josephine Barbe
DOS CIUDADES – UNA COLECCIÓN
Interkultureller Austausch am Beispiel nachhaltiges Modedesign Berlin/Havanna
Alle Fotos: Josephine Barbe
1 Einleitung
Der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Kuba hat eine lange Tradi-
tion. Die bedeutungsvollen Aufenthalte von Alexander von Humboldt in Kuba
legten bereits 1801 den Grundstein dafür. Während seiner ‚Reise in die Aequinoc-
tial-Gegenden des neuen Continents’ (Humboldt, A. von, 1815 1832, in Beck (Hrsg.)
1992) erforschte er das Land Kuba, die Bevölkerung, das Klima, die Landwirtschaft1
und den Handelsverkehr.
Eine besondere Verbindung bestand später zwischen den beiden sozialistischen
Ländern Kuba und der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR).
Die DDR intensivierte in den 1960er Jahren die kulturellen Beziehungen, indem
sie Ausstellungen wie beispielsweise ‚Dekorative Kunst der Gegenwart’ nach
Havanna entsandte, um das Bild des deutschen Sozialismus in Kuba zu zeigen,
verschiedene Ausstellungen folgten2. Im Austausch wurden auch kubanische
Ausstellungen in der DDR präsentiert (Kenzler 2010, 141)3. Die Kooperation wurde
auf die Bereiche Bühne, Musik und Literatur ausgeweitet und mit kulturellen
Institutionen und Universitäten geschlossen, die gegenseitige Dienstreisen und
Studienaufenthalte mit dem Ziel unterstützten, künstlerische, wissenschaftliche
und bildungspolitische Fragen zu bearbeiten.
Ein 2003 vereinbartes Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und Kuba konnte bisher leider noch nicht realisiert werden, obwohl
sich bereits ein reger bilateraler Kulturaustausch in verschiedenen Einrichtungen
entwickelt hat (Ausrtiges Amt 2016). So ist die Frankfurter Buchmesse mit
Lesungen deutscher Autorinnen und Autoren4 an der großen internationalen
Buchmesse Havanna vertreten. Die seit 1990 bestehende DAAD-Repräsentanz, die
sich bisher mit der Kooperation von 50 deutschen und kubanischen Hochschulen
befasst, wird in Kuba weiter ausgebaut und auch das Goethe-Institut unterlt ein
Verbindungsbüro und baut in Havannas Stadtteil Vedado eine neue Einrichtung.
Deutsche Vortragsreihen, Film- und Theaterwochen und kooperative Operninsze-
nierungen5 werden ausgerichtet, deutsche Kunstschafende sind auf der bienal de la
habana6 vertreten. Doch auch die Kubaner und Kubanerinnen sind an einem kul-
1 über Zucker, Kafee, Tabak und Wachs
2 Kämpfende Kunst’ (1969), ‚Der Arbeiter in der Bildenden Kunst’
3 Kubanische Graik aus dem 19. Jahrhundert’
4 z. B. Svenja Leiber im Frühjahr 2016
5 z. B. inszenierte Andreas Baesler im März 2016 Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ in Havanna.
6 Die 1984 gegründete Kunst-Großausstellung Havanna Biennale vertritt unter Künstlern aus 44
Ländern auch die junge deutsche Kunst. Vertreter waren auf der 12. Biennale unter anderem Anri
Sala und Carsten Nicolai
247Dos Ciudades – una Colección
turellen Austausch mit Deutschland interessiert. Sie nehmen an Hospitanzen und
Praktika teil oder arbeiten als Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler
an den Kooperationsuniversitäten. Denn auch in Wissenschaft und Forschung gibt
es einen regen Austausch zwischen den deutschen und kubanischen Instituten,
Hochschulen und Universitäten (Deutsche Botschaft Havanna 2016). Im Zuge
dessen wurde 2014 eine Kooperationsvereinbarung im Bereich ‚Nachhaltiges
Modedesign’ zwischen dem Instituto Superior de Diseño (ISDI) und dem Fachge-
biet ‚Ökonomie und Nachhaltiger Konsum’ im Institut für Beruliche Bildung und
Arbeitslehre (IBBA) der Technischen Universität Berlin geschlossen.
2 Der Studiengang Modedesign
Absolvieren allein an Berliner Hochschulen und Universitäten jedes Jahr circa
500 bis 600 Studierende den Studiengang Modedesigns, so sind es in ganz Kuba
jährlich nur zwei bis drei Graduadas/Graduados, die ihr Studium mit dem Schwer-
punkt Diseño de Moda abschließen. Dieses Fachgebiet wird nur an einem einzigen
Institut in ganz Kuba, dem ISDI unterrichtet. Auch wenn einige Studierende des
ISDI lieber Modedesign studieren würden, vertrauen die meisten doch auf bessere
Berufsperspektiven beim Diseño Industrial. Diese Ablehnung ist aus verschiedenen
Gründen bedauerlich. Die Menschen in Kuba legen zum einen großen Wert auf
ihr Äußeres. Kleidung und Accessoires sollten vor allem sexy und individuell,
aber auch bezahlbar sein. Diese Kombination stellt große Herausforderungen an
mögliche Modedesigns und birgt ein beträchtliches Arbeitsfeld.
Da es zurzeit den selbstsndig arbeitenden Kleidungsverkäufern und -ver-
käuferinnen untersagt ist, importierte Ware zu verkaufen und sich der Handel
ausschließlich auf national produzierte Ware beschnkt wäre auch das ein Vorteil
für den lokalen Produktionssektor und somit auch für die Studierenden des
Modedesigns.
Ein weiterer wesentlicher Anreiz Modedesign zu studieren liegt in einer mögli-
chen Trabajo a Cuenta Propria, der Selbstständigkeit. Die derzeitige Lockerung der
Planwirtschaft in Kuba legitimiert die Arbeit auf eigene Rechnung auch im Beklei-
dungssektor. Ein Ladengeschäft zu gründen ist der Wunschtraum kubanischer
Modedesign-Studierender und auch der der Dozentinnen/Dozenten. Mädchen
und junge Frauen könnten dort als Näherinnen angelernt oder ihnen könnte eine
Beruliche Ausbildung ermöglicht werden, um ihnen ein sicheres Einkommen zu
ermöglichen. Nur an Mut und der Realisierung scheint es noch zu mangeln. Denn
neben kreativem Erindungsgeist muss auch inanzielle Verantwortung übernom-
men werden.
Vielleicht gibt es deshalb derzeit in Kuba in erster Linie Cuentopropistas,
Selbstständige, die sich in kleinen Dienstleistungsbetrieben, wie im Taxigewerbe,
im Obst- und Gemüseverkauf oder bei der privaten Zimmervermietung, den Casas
Particular betätigen. Diese einfachen Betriebe beschnken sich auf den lokalen
Markt und kommen ohne große Investitionen aus.
3 Incubator
Um auch höher qualiizierten Jungunternehmern und -unternehmerinnen
eine wirtschaftliche Chance zu ermöglichen, bietet die Universität Havanna in
248 Josephine Barbe
Kooperation mit der Humboldt-Universität Berlin unter der Frage: ¿Tienes una
idea innovatora?
7 Existenzgründungsszenarien für ein Entrepreneurship an –
INCUBA-UHHU. Innerhalb von 120 Tagen werden im sogenannten Incubator
ausgewählte technisch orientierte Unternehmensgründungen in Marketing und
Buchhaltung aber auch in Finanzierungsfragen, Investitionen, Akquise und
Werbung an der Universität Havanna beraten. Eine Ausweitung des Angebotes
auf den Kleidungs- und Modebereich des ISDI wäre wünschenswert. In diesem
Zusammenhang ließe sich besonders über die Gründung von Upcyclestores
nach Berliner Vorbild nachdenken: Ein ansprechend gestalteter Laden, in dem
gebrauchte Kleidungsstücke in einer integrierten Werkstatt auf Kundenwunsch
redesignt, das heißt modisch aufgearbeitet werden. Mode aus Altkleidern erfor-
dert zwar nur einen geringen zusätzlichen Materialaufwand, dafür aber jede
Menge materialspeziisches Wissen und handwerkliches Können. Denn um in
Fachrichtungen mit höheren technologischen Anforderungen wie eben auch
dem Modedesign erfolgreich sein zu können, ist neben dem wirtschaftlichen ein
grundlegendes Fachwissen erforderlich.
4 Die Kooperation
Um das nötige Fachwissen für eine nachhaltige Kleidungsproduktion in Kuba zu
entwickeln und zu vermitteln gab es 2014 erste Kooperationsgespräche zwischen
den beiden Instituten. Im Frühjahr 2015 habe ich als ALÖNK-Mitarbeiterin erste
Seminare zu folgenden Themen in Havanna angeboten:
\ Tendenzen der Mode,
\ das Formen der Mode,
\ Nachhaltigkeit von Kleidung und
\ Techniken der Mode.
Die Lehrtätigkeit umfasste sowohl Theorie als auch Praxis. Der praxisorientierte
Teil der Veranstaltung warf ungeahnte Probleme auf, da es in der Textilwerkstatt
weder Stofe, noch Kurzwaren wie Garne, Reißverschlüsse oder Nadeln gab. Die
wenigen vorhandenen und schwer zu ersetzenden Nähmaschinennadeln mussten
ständig mit Sandpapier nachgespitzt werden und aus Angst vor möglichem
Nadelbruch nähte ausschließlich die Werkstattmeisterin auf Anweisungen der
Studierenden an der Maschine. Wegen dieser Misslichkeiten war der Praxisteil
nicht von handwerklicher sondern eher von kreativ-konzipierender Arbeit geprägt.
Das Finden oder eher Erinden von Lösungen gehört auf Kuba zum Alltag.
Die Studierenden des ISDI sind so kreativ, um aus jeglichen Resten fantasievolle
Kostüme zu fertigen, die dem Seminar-Thema entsprechend einen Bezug zur
Modegeschichte haben sollten. Wegen des Materialmangels wurden Kostüme
mit Korsagen und Krinolinen, Accessoires wie Hüte, Taschen, Schmuck und
Schuhwerk aus Überresten, wie gelochtenen Schnüren von Tüten (gelb), alten
Filmrollen, Absperrband, Tabletten-Blisterausstanzungen (silber) und Plastiktüten
(schwarz) hergestellt. Künstlerisch exzellente Designs, doch leider materialtech-
nisch untragbar (Abb. 1 und 2). Was für Kleidung würden diese Studierenden mit
textilen Materialien herstellen können?
7 Hast du eine innovative Idee?
249Dos Ciudades – una Colección
Zero Waste
Der gemeinschaftlichen Arbeit beider Institute fehlte ein prägnanter Name. Man
einigte sich auf Dos Ciudades – una Colección. Für ein erstes gemeinsames Projekt
wurde das nachhaltige Pre-Konsumenten-Thema ‚Zero Waste’8 gewählt. Studie-
rende beider Fachgebiete (Textil und Mode’, ALÖNK in Berlin und ,Diseño de la
Moda, ISDI in Havanna) bekamen im Sommersemester 2015 die Projektaufgabe,
ein Kleidungsstück aus einem rechteckigen oder quadratischen Stück Stof ohne
Reststof zuzuschneiden und zu verarbeiten (Abb. 3, Kuba und 4, Berlin). E-Mail
und ausgetauschte Arbeitsfotos ermöglichten die parallele Betreuung beider
Studierendengruppen durch beide Fachgebiete. Drapierten die Studierenden in
Havanna ihr Stofstück und schnitten außer Halsausschnitten nur minimal zu, so
waren die Kleidungsstücke der Berliner Studierenden vor allem von der Verwer-
tung der abfallenden Stofreste geprägt, die als Taschen, Kapuzen oder gelochtene
Trotteln angenäht oder appliziert wurden.
Upcycling Mode
Ein zweites gemeinsames Seminar von ‚Dos Ciudades – una Colección’ lief im
Wintersemester 2015/16 mit folgenden Schwerpunkten und Zielen:
\ die Textile Kette unter nachhaltiger Perspektive,
\ Nachhaltigkeitsaspekte in Bezug auf die Vermeidung von Kleidermüllbergen,
\ textile Materialanalyse und
\ Einsatz, Verbesserung und Weiterentwicklung textiler Techniken unter
Einbeziehung regionaler Traditionen.
Im Berliner Studien-Modul ‚Textil und Mode’ wurde mit 16 Studierenden begon-
nen Upcyclemode zu erarbeiten. Das nötige Material ist in Berlin im Überluss
vorhanden. Durch die hiesige Massen-Kleiderkonsumhaltung kamen auch
neuwertige Kleidungsstücke zum Einsatz und hochwertige Stofe konnten, wenn
nötig, günstig in großer Auswahl zusätzlich gekauft werden.
Nach einer inspirierenden Upcycle-Tour durch Berlins nachhaltig arbeitende
Läden entstanden bereits ab Mitte Oktober 2015 neue Kreationen aus langweiliger,
untragbar oder unmodern gewordener Kleidung. Immense Berge von Altkleidern
türmten sich auf den Zuschneidetischen und sorgten für eine große Materialviel-
falt. So wurde eine zerschlissene Jeans beispielsweise kopfüber zum Trägerkleid
transformiert – der Hosenbund bildete nun den Rocksaum – die Hosenbeine
wurden zu breiten Schulterträgern – der Hosenreißverschluss zum hinteren Rock-
schlitz. Das Ganze wurde durch einen vorderen Reißverschluss auf Figur gebracht
(Abb. 5). Die Studierenden kreierten, zerschnitten, applizierten und kombinierten
engagiert neue Kleidungsstücke und Taschen. Die Psentation der entstandenen
Kreationen fand mit Modenschau, Vortrag und kubanischer Salsa Musik als
Upcycle-Event im neuen Oxfam9-Shop in Berlin statt.
Anders sah die Materialsituation bei dem Upcycle-Seminar in Havanna aus. Sie
war von Mangel, Deizit und Knappheit gepgt. Neue Stofe sind vor Ort nicht zu
8 Zuschnitt ohne Reststof
9 Entwicklungshilfeorganisation, die mit Hilfe von Spenden und ehrenamtlichen Tätigkeiten Second-
Hand Läden betreibt.
250 Josephine Barbe
Abb. 1 a, b: Accessoires aus gelben Schnüren von 15 cm Länge gefertigt.
Abb. 2: Kleidung und Accessoires aus Ausstanzungen von Blistern und Plastiktüten
Abb. 3: Zero Waste Ergebnis
Havanna
Abb. 4: Zero Waste Ergebnis
Berlin
251Dos Ciudades – una Colección
Abb. 5: Aus einer Jeans wurde ein Kleid, Berlin Abb. 6: Einblicke in die Pakete
Abb. 7: Studierende bei der Arbeit, Havanna
Abb. 10 a, b: Das Hochzeitskleid – Skizze und Ergebnis
Abb. 8: Rippshirt mit Applikationen
Abb. 9: Aus einer Hose wurde
ein Kleid, Havanna
252 Josephine Barbe
bekommen, denn diese lassen sich auf Kuba nur mit Devisen erwerben. Da textile
Materialien und die Kenntnis von deren Verarbeitung und Eigenschaften für die
Ausbildung essentiell notwendig sind, wurde im Januar 2016 ein Spendenaufruf
im netzwerk mode textil e.V.10 gestartet, um dringend benötigte Materialien zu
sammeln. Viele Pakete mit unterschiedlichen Stofen, wie Jerseys oder Jacquard-
geweben, Kurzwaren und Scheren erreichten die TU Berlin pünktlich vor Ablug.
Einen herzlichen Dank an alle Spenderinnen! Anfang Februar logen dann die
vielen verschiedenen Stofe, Spitzen, Borten, Bänder, Schnallen, Nadeln, Garne
und eine große Portion Enthusiasmus zusammengepresst in einem von Air Berlin
gesponserten 32 kg Zusatzgepäck von Berlin nach Havanna (Abb. 6).
Im ISDI angekommen zeigte sich die oben beschriebene viel zu geringe Zahl
der Studierenden. Lediglich zwei Modedesign-Studierende und nur acht Seminar-
termine waren trotz monatelanger Vorarbeit vorgesehen. Eine spontane Improvi-
sationslösung im ,Kuba-Stil‘ brachte zusätzliche 14 Studierende aus dem Industrial
Design, die sich für das gemeinsame Upcycle-Seminar einschrieben und täglich
zum Seminar erschienen.
Viele individuelle Lösungen mussten erdacht werden, um in diesem Seminar
die mitgebrachte gebrauchte oder unmodern gewordene Kleidung, meist Chi-
na-Importe, mit den europäischen Stofspenden zu kombinieren. Ein vollkommen
abgetragenes und verblichenes Baumwoll-Ripphemdchen beispielsweise, mit losen
Einfassbändchen am Ausschnitt, bekam ein Design aus Spitzenblumen, die aus
einer edlen Baumwollspitze herausgeschnitten und geschickt über den kleinen
Löchern und Flecken appliziert wurden (Abb. 8). Eine nicht mehr passende Hose
verwandelte sich zu einem körperbetonten Minikleid mit tiefem Dekolleté und
ndern an den Seiten, die direkt auf der nackten Haut geschnürt wurden (Abb. 9).
Aus einem ehemals roten Etuikleid wurde mit viel Ehrgeiz und meterweise weißer
Spitze ein Hochzeitskleid (Abb. 10 a + b).
Zum Abschluss des vierwöchigen Seminars präsentierten mehr als 40 Models
alle entstandenen Kreationen in einer choreograierten Modenschau im Theater
des ISDI. Unter lautstarkem Beifall im übervollen Saal wurde als krönendes Finale
das Hochzeitskleid präsentiert.
5 Fazit und Ausblick
Entsprungen aus unterschiedlichen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen
Motiven, aus Kapitalismus und Sozialismus, aus einer Überluss- und einer
Mangelgesellschaft wurde das kooperative Projekt Dos Ciudades – una Colección
konstituiert. Lehrende und Studierende in Berlin und Havanna hatten trotz grund-
verschiedener Ausgangsbedingungen gleiche Ideen, gleiche nachhaltige Herange-
hensweisen, gleiche Ziele, Wünsche und sogar adäquate Ergebnisse.
Mit den erfolgreichen Ergebnissen der bisherigen Zusammenarbeit besteht
als zukünftige Perspektive für eine weitere interkulturelle Kooperation zwischen
ALÖNK und dem ISDI der Vorschlag, dass Studierende beider Institute eine
typisch kubanische Modelinie entwickeln, die aus traditionellen afrikanischen
10 Interessenvertretung der kulturwissenschaftlichen Textil-, Kleider- und Modeforschung e. V.
Ein Zusammenschluss von Wissenschaftler/innen, Praktiker/innen und Kreativen, Lehrenden und
Lernenden im deutschsprachigen Raum zwecks interdisziplirer Vernetzung.
http://www.netzwerk-mode-textil.de (12.07.2016)
253Dos Ciudades – una Colección
und spanischen Einlüssen, aber auch aus der kubanischen Vorliebe für Orienta-
lisches schöpfen könnte. Unter Verwendung traditioneller Handwerkstechniken,
wie den typischen weißen Häkelkleidungsstücken oder den Lochstickereien der
weißen oder schwarzen Guayaberas11, ließe sich mit modernen westlichen Materi-
alien, Farben und Designs eine individuelle, repräsentative und attraktive Mode
kreieren, die die Angebotsvielfalt erhöht und dem Mangel an modischer Kleidung
für die Bevölkerung entgegenwirkt. Eine kubanische Modelinie stärkt die nationa-
le Identität und macht die Kubaner und Kubanerinnen damit weniger anfällig für
den ‚westlichen Imperialismus.
Für dieses Folgeprojekt warten noch einige Reste der gespendeten textilen
Materialien in den Lagern von TUB und ISDI auf ihren Einsatz im nächsten
Wintersemester.
Ich habe noch einen Kofer in Havanna ...
6 Literatur
Auswärtiges Amt – Kultur und Bildung. Online: http://www.auswaertiges-amt.
de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kuba/Kultur-Bildung_node.html
(28.03.2016)
Deutsche Botschaft Havanna – Deutsch-Kubanische Kulturbeziehungen.
Online: http://www.havanna.diplo.de/Vertretung/havanna/de/06/Deutsch__
kubanische__Kulturbeziehungen/Deutsch__kubanische__Kulturbeziehungen.
html (28.03.2016)
Humbold, A. (1815, 1832): Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents
in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1804. In: Beck, H. (Hrsg.) (1992) Cuba-
Werk, Darmstadt
Kenzler, M. (2010): Der Blick in die andere Welt. Einlüsse Lateinamerikas auf die
Bildende Kunst der DDR. Teilband 1, Hildesheim, Univ. Diss.
11 Die Guayabera ist ein von Männern in Mittelamerika und Karibik getragenes Leinenhemd.