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[en] (orig)
4
Neue
BAUAKADEMIE
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN
2
12
16
19 22
26 28
29
30
32
Unsere Neue Bauakademie
Von Christian Thomsen
6
Ein Gemeinschaftswerk von Land und Bund
Von Michael Müller
9
Wild und einladend – ein Ort der Innovation und der Kreativität
Bénédicte Savoy im Interview
Mehr als Architektur – anders als ein Museum
Von Dieter Nägelke
Die Neue Bauakademie global denken
Von Klaus-Dieter Lehmann
Think-Tank Neue Bauakademie
Von Friederike Fless
Ein Roter Kasten in Berlins Mitte
Von Harald Bodenschatz
Geschichte bauend aneignen
Von Jörg H. Gleiter
Reko ist nicht Retro
Von Tobias fer
Plädoyer für eine „kritische Rekonstruktion
Von Adrian von Buttlar
Die Baukunst ist unteilbar
Fragen an Christian Müller und Volker Schmid
Ein unvergessener Wettbewerb
Von Dieter Nägelke
Schinkel erhebt sich aus seinem Schrein
Beitrag von Roland Bauer im ZEIT-Wettbewerb 1995
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16
19 22
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Unsere Neue Bauakademie
Von Christian Thomsen
6
Ein Gemeinschaftswerk von Land und Bund
Von Michael Müller und Christian Thomsen
9
Wild und einladend – ein Ort der Innovation und der Kreativität
Bénédicte Savoy im Interview
Mehr als Architektur – anders als ein Museum
Von Dieter Nägelke
Die Neue Bauakademie global denken
Von Klaus-Dieter Lehmann
Think-Tank Neue Bauakademie
Von Friederike Fless
Ein Roter Kasten in Berlins Mitte
Von Harald Bodenschatz
Geschichte bauend aneignen
Von Jörg H. Gleiter
Reko ist nicht Retro
Von Tobias fer
Plädoyer für eine „kritische Rekonstruktion
Von Adrian von Buttlar
Die Baukunst ist unteilbar
Fragen an Christian Müller und Volker Schmid
Ein unvergessener Wettbewerb
Von Dieter Nägelke
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16
19 22
26 28
29
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Unsere Neue Bauakademie
Von Christian Thomsen
6
Ein Gemeinschaftswerk von Land und Bund
Von Michael Müller und Christian Thomsen
9
Wild und einladend – ein Ort der Innovation und der Kreativität
Bénédicte Savoy im Interview
Mehr als Architektur – anders als ein Museum
Von Dieter Nägelke
Die Neue Bauakademie global denken
Von Klaus-Dieter Lehmann
Think-Tank Neue Bauakademie
Von Friederike Fless
Ein Roter Kasten in Berlins Mitte
Von Harald Bodenschatz
Geschichte bauend aneignen
Von Jörg H. Gleiter
Reko ist nicht Retro
Von Tobias Nöfer
Plädoyer für eine „kritische Rekonstruktion
Von Adrian von Buttlar
Die Baukunst ist unteilbar
Fragen an Christian Müller und Volker Schmid
Ein unvergessener Wettbewerb
Von Dieter Nägelke
1879
wurde die Technische Hochschule
Berlin aus der Bauakademie ge-
gründet. Sie ist unser Ursprung
und unsere Matrix. Schon fünf Jahre später mussten
wir das zu klein gewordene Haus verlassen, um an
unseren heutigen Standort nach Charlottenburg zu
ziehen. Aus der Bauakademie haben wir zusammen
mit Instrumenten, Büchern und wissenschaftlichen
Sammlungen den Auftrag mitgenommen, akademi-
sche Bildung mit dem Geist von Kreativität, Innovati-
on und technologischem Pragmatismus zu betreiben.
Bis heute pgt dieser Geist unsere genetische Signatur.
Wenn bald der Wiederaufbau der Schinkelschen Bau-
akademie beginnt, möchten wir etwas davon zurück-
geben. Wir wollen die Erinnerung an unsere Herkunft
und die Psenz der technischen Künste in der Berli-
ner Mitte als unseren Beitrag zu der von Bundesbau-
ministerin Barbara Hendricks skizzierten „Agora der
Architektur wieder aufleben lassen.
Unsere alte Bauakademie Schinkels steht für die ver-
lorene Einheit aller Aspekte des Bauens unter einem
Dach. Diese Übersichtlichkeit des Bauens ist seit Schin-
kel durch exponentiell wachsende Komplexität ersetzt
worden. Technologische und ökonomische Bedingun-
gen, eine Pluralität der Ideen und vor allem seine Ver-
gemeinschaftung haben dazu beigetragen. Bauen ist
wie keine andere kulturelle Ausdrucksform öffentlich,
zugleich aber in seinen Prozessen so vielschichtig ge-
worden, dass es kaum mehr verstanden wird. Exper-
ten beklagen die Beschneidung ihrer Kompetenz durch
andere Experten und ein immer enger werdendes Netz
von Ansprüchen und Regelwerken. Die Öffentlichkeit
mutmaßt Unfähigkeit, Kungelei und Ignoranz, wenn
Großprojekte mal wieder aus dem Ruder laufen oder
Wettbewerbe wahlweise nicht oder zu sehr im Main-
stream münden. Nahtlos fügen sich Wahrnehmung
und Selbstwahrnehmung von Bau und Städtebau in
den allgegenrtigen Universalverdruss.
Die Technische Universität Berlin ist eine offene Univer-
sität mit viel Raum für unterschiedlichste Ideen und Me-
thoden. Für uns liegt deshalb die wichtigste Bestimmung
der Neuen Bauakademie in ihrer Fähigkeit zum Dialog
zwischen Geschichte und Zukunft, zwischen den Diszi-
plinen, zwischen den Generationen, zwischen Fachwelt,
Politik und Öffentlichkeit, mit Querdenkern und quer
zu bestehenden Strukturen und Institutionen, mit denen
sie nicht konkurriert, sondern die sie ergänzt, bereichert
und unterstützt. Sie muss ein Ort der Widersprüche sein
– frei und poetisch im Sinne Schinkels, der ein visionä-
rer Pragmatiker war. Ihr Fokus ist die Zukunft. Sie mit
kompetenten Partnern zu gestalten und zu betreiben,
steht die Technische Universität Berlin bereit: als Aus-
stellungsforum, Forschungs- und Diskussionsplattform
und als Ort der internationalen Begegnung.
Unsere
Neue Bauakademie
Die Technische Universität Berlin
übernimmt Verantwortung
für ihr altes Haus
Von Christian Thomsen
3
2
1879
wurde die Technische Hochschule
Berlin aus der Bauakademie ge-
gründet. Sie ist unser Ursprung
und unsere Matrix. Schon fünf Jahre später mussten
wir das zu klein gewordene Haus verlassen, um an
unseren heutigen Standort nach Charlottenburg zu
ziehen. Aus der Bauakademie haben wir zusammen
mit Instrumenten, Büchern und wissenschaftlichen
Sammlungen den Auftrag mitgenommen, akademi-
sche Bildung mit dem Geist von Kreativität, Innovati-
on und technologischem Pragmatismus zu betreiben.
Bis heute prägt dieser Geist unsere genetische Signatur.
Wenn bald der Wiederaufbau der Schinkelschen Bau-
akademie beginnt, möchten wir etwas davon zurück-
geben. Wir wollen die Erinnerung an unsere Herkunft
und die Präsenz der technischen Künste in der Berli-
ner Mitte als unseren Beitrag zu der von Bundesbau-
ministerin Barbara Hendricks skizzierten „Agora der
Architektur“ wieder aufleben lassen.
Unsere alte Bauakademie Schinkels steht für die ver-
lorene Einheit aller Aspekte des Bauens unter einem
Dach. Diese Übersichtlichkeit des Bauens ist seit Schin-
kel durch exponentiell wachsende Komplexität ersetzt
worden. Technologische und ökonomische Bedingun-
gen, eine Pluralität der Ideen und vor allem seine Ver-
gemeinschaftung haben dazu beigetragen. Bauen ist
wie keine andere kulturelle Ausdrucksform öffentlich,
zugleich aber in seinen Prozessen so vielschichtig ge-
worden, dass es kaum mehr verstanden wird. Exper-
ten beklagen die Beschneidung ihrer Kompetenz durch
andere Experten und ein immer enger werdendes Netz
von Ansprüchen und Regelwerken. Die Öffentlichkeit
mutmaßt Unfähigkeit, Kungelei und Ignoranz, wenn
Großprojekte mal wieder aus dem Ruder laufen oder
Wettbewerbe wahlweise nicht oder zu sehr im Main-
stream münden. Nahtlos fügen sich Wahrnehmung
und Selbstwahrnehmung von Bau und Städtebau in
den allgegenwärtigen Universalverdruss.
Die Technische Universität Berlin ist eine offene Univer-
sität mit viel Raum für unterschiedlichste Ideen und Me-
thoden. Für uns liegt deshalb die wichtigste Bestimmung
der Neuen Bauakademie in ihrer Fähigkeit zum Dialog –
zwischen Geschichte und Zukunft, zwischen den Diszi-
plinen, zwischen den Generationen, zwischen Fachwelt,
Politik und Öffentlichkeit, mit Querdenkern und quer
zu bestehenden Strukturen und Institutionen, mit denen
sie nicht konkurriert, sondern die sie ergänzt, bereichert
und unterstützt. Sie muss ein Ort der Widersprüche sein
– frei und poetisch im Sinne Schinkels, der ein visionä-
rer Pragmatiker war. Ihr Fokus ist die Zukunft. Sie mit
kompetenten Partnern zu gestalten und zu betreiben,
steht die Technische Universität Berlin bereit: als Aus-
stellungsforum, Forschungs- und Diskussionsplattform
und als Ort der internationalen Begegnung.
Unsere
Neue Bauakademie
Die Technische Universität Berlin
übernimmt Verantwortung
für ihr altes Haus
Von Christian Thomsen
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5
Bauen braucht Anschauung, doch soll die Neue
Bauakademie kein herkömmliches Museum sein.
Wir verstehen sie als ein modernes Schaufenster,
das mit authentischen Objekten, Modellen und
digitalen Präsentationen einen niedrigschwelligen
Zugang zu allen Aspekten des Bauens öffnet: tech-
nisch, ästhetisch, historisch, sozial. Es soll Neugier-
de wecken und Verständnis schaffen. Dauerhaft
füllt es eine Lücke in der Berliner Ausstellungs- und
Bildungslandschaft und bedient gleichermaßen lo-
kale wie touristische Interessen. Daneben sollen
Wechselausstellungen die Programmschwerpunkte
der Neuen Bauakademie formulieren und beglei-
ten. Partner sind die Berliner Architektursamm-
lungen von den Staatlichen Museen bis zur Ber-
linischen Galerie, genauso aber die Verbände, die
Bauverwaltungen, die Bauindustrie oder das Hand-
werk. Für diese erste Säule sind wir bereit, unser
aus der Bauakademie stammendes Architekturmu-
seum dahin zurückzubringen. Mit seinen reichen,
vollständig digitalisierten Sammlungen gibt es dem
Haus auch ohne ausgreifende Magazinräume grö-
ßeres Gewicht und dem kontinuierlichen Betrieb
eine koordinierende Basis, sei es mit Eigenproduk-
tionen, Kooperationen oder Gastspielen aus dem
In- und Ausland.
Bauen braucht Rede und Gegenrede, doch darf
die Neue Bauakademie kein „Irgendwas mit Ar-
chitektur“ werden. Ihr Nutzen bemisst sich nach
ihrer Fähigkeit zum Transfer – komplexe Zu-
sammenhänge unvoreingenommen zu sichten,
aus der Diskussion zwischen Fachleuten, Politik
und Öffentlichkeit gangbare Zukunftsperspekti-
ven zu entwickeln und diese nachhaltig weiterzu-
tragen. Wir denken uns die Neue Bauakademie
mit Räumen für Veranstaltungen vielfältiger Part-
ner: Verbände und Vereine, Hochschulen, Stiftun-
gen, Bautger, Politik, bürgerschaftliche Initiati-
ven, europäische Institutionen, Bundesministerien
und Senatsverwaltung. Diese Vielfalt darf freilich
weder beliebig noch insular sein, sondern muss
sich gemeinsam mit den Ausstellungen und For-
schungsprojekten in ein klar konturiertes Gesamt-
programm fügen. Es geht nicht um die affirmative
Darstellung des Bekannten, sondern um Zukunfts-
felder und ihre Betrachtung aus ungewohnten Per-
spektiven: je unbequemer, desto besser. Es geht um
Streit und um die Pflege von Streitkultur. Berliner
Themen werden dabei besondere Bedeutung ha-
ben, doch weniger aus lokalem Interesse, denn in
ihrer paradigmatischen Wahrnehmung gehen sie
weit über die Stadt hinaus. Die forthrende Refle-
xion der Grundlagen des Bauens zählt dazu, ebenso
sehr aber die Relativierung des vermeintlich Unver-
rückbaren durch einen Blick jenseits des Tellerran-
des. Für diese zweite Säule wünschen wir uns die
Bundesstiftung Baukultur in der Neuen Bauakade-
mie – mit ihrem Netzwerk und ihrer Expertise ist
sie eine ideale Partnerin und Koordinatorin eines
offenen Hauses.
Bauen braucht Nachwuchs, und Bauen ist inter-
national, doch soll die Neue Bauakademie keine
Schule werden. Berlin war und ist ein Laboratori-
um für Architektur und Städtebau – bunt, vielfältig,
widersprüchlich und von internationaler Strahl-
kraft. Für junge Menschen ist Berlin ein kreativer
Hotspot und spannend in seiner Diversität für Ent-
werferinnen und Entwerfer aus der ganzen Welt.
Für die Neue Bauakademie ist das eine Chance, zu
einem lebendigen Ort internationaler Begegnung
zu werden.
Wir sind bereit, dafür einen internationalen Mas-
ter-Studiengang mit hineinzugeben – für uns als
Reminiszenz an unseren Ursprung, für das Haus
als Basis einer internationalen Denkfabrik und
Forschungsplattform. Fellows als Akademiemit-
glieder und höchstqualifizierte Postgraduierte
als Stipendiaten aus der ganzen Welt sollen sich
Schwerpunktthemen widmen, die wiederum eng
an das Programm von Ausstellungen und Veran-
staltungen rückgekoppelt sind – gemeinsam in
Forschung und Entwurf, aber auch gemeinsam im
engen persönlichen Kontakt in einer weltoffenen
Bauakademie, die dafür Wohnungen bereithält.
Für diese dritte Säule wünschen wir uns interna-
tional aufgestellte Partner wie das Goethe-Institut
für themengebundene Residenzprogramme und
das Deutsche Archäologische Institut, mit dem wir
von der historischen Bauforschung bis zu aktuellen
Maßnahmen zur Rettung und Pflege des Weltkul-
turerbes ohnehin eng verbunden sind.
Es ist gut, dass sich der Deutsche Bundestag der
Bauakademie angenommen hat. Es zeigt, wie wich-
tig sie als Schaufenster, als Denkfabrik und als in-
ternationale Plattform sein kann. Aber Demokratie
verteilt keine Geschenke, sondern Aufgaben. Wir
nehmen sie an.
Prof. Dr. Christian Thomsen
ist Präsident der Technischen Universität Berlin.
TU Berlin –
renommiert, traditionsreich, einzigartig
Die TU Berlin zählt zu den großen, international renommierten und traditions-
reichen technischen Universitäten in Deutschland. Die Wurzeln der TU Berlin
reichen bis in die Zeit Friedrichs II. zurück. Dazu gehören so bedeutende Ausbil-
dungsstätten wie die Königliche Bergakademie zu Berlin, die Königliche Bauaka-
demie zu Berlin, die Königliche Gewerbeakademie zu Berlin sowie die Königlich
Technische Hochschule. Das Leistungsspektrum ihrer sieben Fakul täten steht
für eine einzigartige Verbindung von Natur- und Technikwissenschaften mit Pla-
nungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften an einer technischen
Universität. In der Hauptstadtregion ist die TU Berlin die einzige Universität, an
der man ingenieurwissenschaftliche Fächer studieren kann.
Die Universität in Zahlen
34 500 Studierende, davon rund 21 Prozent ausländische Studierende
1080 Bachelor- und Master-Studierende im Fach Architektur
920 Bachelor- und Master-Studierende im Fach Bauingenieurwesen
7 Fakultäten
46/72 Bachelor-/Master-Studiengänge stehen zurzeit zur Wahl
339 Professuren (inkl. 20 Juniorprofessuren)
2634 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
2135 Beschäftigte in der Verwaltung, in den Bibliotheken,
Werkstätten und in den Zentraleinrichtungen
20 Habilitationen in den Jahren 2015/2016
504 Promotionen im Jahr 2016
321,2 Millionen Euro Landeszuschuss im Jahr 2017
175,5 Millionen Euro Drittmittel im Jahr 2016
Rund 600 000 Quadratmeter beträgt die Grundfläche der TU Berlin
an mehreren Standorten in Berlin und im ägyptischen El Gouna
132 internationale Kooperationsverträge
Ausstellung Barrierefreiheit und Denkmalschutz
im Architekturgebäude der TU Berlin (2015)
5
Bauen braucht Anschauung, doch soll die Neue
Bauakademie kein herkömmliches Museum sein.
Wir verstehen sie als ein modernes Schaufenster,
das mit authentischen Objekten, Modellen und
digitalen Präsentationen einen niedrigschwelligen
Zugang zu allen Aspekten des Bauens öffnet: tech-
nisch, ästhetisch, historisch, sozial. Es soll Neugier-
de wecken und Verständnis schaffen. Dauerhaft
füllt es eine Lücke in der Berliner Ausstellungs- und
Bildungslandschaft und bedient gleichermaßen lo-
kale wie touristische Interessen. Daneben sollen
Wechselausstellungen die Programmschwerpunkte
der Neuen Bauakademie formulieren und beglei-
ten. Partner sind die Berliner Architektursamm-
lungen von den Staatlichen Museen bis zur Ber-
linischen Galerie, genauso aber die Verbände, die
Bauverwaltungen, die Bauindustrie oder das Hand-
werk. Für diese erste Säule sind wir bereit, unser
aus der Bauakademie stammendes Architekturmu-
seum dahin zurückzubringen. Mit seinen reichen,
vollständig digitalisierten Sammlungen gibt es dem
Haus auch ohne ausgreifende Magazinräume grö-
ßeres Gewicht und dem kontinuierlichen Betrieb
eine koordinierende Basis, sei es mit Eigenproduk-
tionen, Kooperationen oder Gastspielen aus dem
In- und Ausland.
Bauen braucht Rede und Gegenrede, doch darf
die Neue Bauakademie kein „Irgendwas mit Ar-
chitektur“ werden. Ihr Nutzen bemisst sich nach
ihrer Fähigkeit zum Transfer – komplexe Zu-
sammenhänge unvoreingenommen zu sichten,
aus der Diskussion zwischen Fachleuten, Politik
und Öffentlichkeit gangbare Zukunftsperspekti-
ven zu entwickeln und diese nachhaltig weiterzu-
tragen. Wir denken uns die Neue Bauakademie
mit Räumen für Veranstaltungen vielfältiger Part-
ner: Verbände und Vereine, Hochschulen, Stiftun-
gen, Bauträger, Politik, bürgerschaftliche Initiati-
ven, europäische Institutionen, Bundesministerien
und Senatsverwaltung. Diese Vielfalt darf freilich
weder beliebig noch insular sein, sondern muss
sich gemeinsam mit den Ausstellungen und For-
schungsprojekten in ein klar konturiertes Gesamt-
programm fügen. Es geht nicht um die affirmative
Darstellung des Bekannten, sondern um Zukunfts-
felder und ihre Betrachtung aus ungewohnten Per-
spektiven: je unbequemer, desto besser. Es geht um
Streit und um die Pflege von Streitkultur. Berliner
Themen werden dabei besondere Bedeutung ha-
ben, doch weniger aus lokalem Interesse, denn in
ihrer paradigmatischen Wahrnehmung gehen sie
weit über die Stadt hinaus. Die fortwährende Refle-
xion der Grundlagen des Bauens zählt dazu, ebenso
sehr aber die Relativierung des vermeintlich Unver-
rückbaren durch einen Blick jenseits des Tellerran-
des. Für diese zweite Säule wünschen wir uns die
Bundesstiftung Baukultur in der Neuen Bauakade-
mie – mit ihrem Netzwerk und ihrer Expertise ist
sie eine ideale Partnerin und Koordinatorin eines
offenen Hauses.
Bauen braucht Nachwuchs, und Bauen ist inter-
national, doch soll die Neue Bauakademie keine
Schule werden. Berlin war und ist ein Laboratori-
um für Architektur und Städtebau – bunt, vielfältig,
widersprüchlich und von internationaler Strahl-
kraft. Für junge Menschen ist Berlin ein kreativer
Hotspot und spannend in seiner Diversität für Ent-
werferinnen und Entwerfer aus der ganzen Welt.
Für die Neue Bauakademie ist das eine Chance, zu
einem lebendigen Ort internationaler Begegnung
zu werden.
Wir sind bereit, dafür einen internationalen Mas-
ter-Studiengang mit hineinzugeben – für uns als
Reminiszenz an unseren Ursprung, für das Haus
als Basis einer internationalen Denkfabrik und
Forschungsplattform. Fellows als Akademiemit-
glieder und höchstqualifizierte Postgraduierte
als Stipendiaten aus der ganzen Welt sollen sich
Schwerpunktthemen widmen, die wiederum eng
an das Programm von Ausstellungen und Veran-
staltungen rückgekoppelt sind – gemeinsam in
Forschung und Entwurf, aber auch gemeinsam im
engen persönlichen Kontakt in einer weltoffenen
Bauakademie, die dafür Wohnungen bereithält.
Für diese dritte Säule wünschen wir uns interna-
tional aufgestellte Partner wie das Goethe-Institut
für themengebundene Residenzprogramme und
das Deutsche Archäologische Institut, mit dem wir
von der historischen Bauforschung bis zu aktuellen
Maßnahmen zur Rettung und Pflege des Weltkul-
turerbes ohnehin eng verbunden sind.
Es ist gut, dass sich der Deutsche Bundestag der
Bauakademie angenommen hat. Es zeigt, wie wich-
tig sie als Schaufenster, als Denkfabrik und als in-
ternationale Plattform sein kann. Aber Demokratie
verteilt keine Geschenke, sondern Aufgaben. Wir
nehmen sie an.
Prof. Dr. Christian Thomsen
ist Präsident der Technischen Universität Berlin.
TU Berlin –
renommiert, traditionsreich, einzigartig
Die TU Berlin zählt zu den großen, international renommierten und traditions-
reichen technischen Universitäten in Deutschland. Die Wurzeln der TU Berlin
reichen bis in die Zeit Friedrichs II. zurück. Dazu gehören so bedeutende Ausbil-
dungsstätten wie die Königliche Bergakademie zu Berlin, die Königliche Bauaka-
demie zu Berlin, die Königliche Gewerbeakademie zu Berlin sowie die Königlich
Technische Hochschule. Das Leistungsspektrum ihrer sieben Fakul täten steht
für eine einzigartige Verbindung von Natur- und Technikwissenschaften mit Pla-
nungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften an einer technischen
Universität. In der Hauptstadtregion ist die TU Berlin die einzige Universität, an
der man ingenieurwissenschaftliche Fächer studieren kann.
Die Universität in Zahlen
34 500 Studierende, davon rund 21 Prozent ausländische Studierende
1080 Bachelor- und Master-Studierende im Fach Architektur
920 Bachelor- und Master-Studierende im Fach Bauingenieurwesen
7 Fakultäten
46/72 Bachelor-/Master-Studiengänge stehen zurzeit zur Wahl
339 Professuren (inkl. 20 Juniorprofessuren)
2634 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
2135 Beschäftigte in der Verwaltung, in den Bibliotheken,
Werkstätten und in den Zentraleinrichtungen
20 Habilitationen in den Jahren 2015/2016
504 Promotionen im Jahr 2016
321,2 Millionen Euro Landeszuschuss im Jahr 2017
175,5 Millionen Euro Drittmittel im Jahr 2016
Rund 600 000 Quadratmeter beträgt die Grundfläche der TU Berlin
an mehreren Standorten in Berlin und im ägyptischen El Gouna
132 internationale Kooperationsverträge
Ausstellung Barrierefreiheit und Denkmalschutz
im Architekturgebäude der TU Berlin (2015)
6
S
chinkels Bauakademie war in vielerlei Hinsicht
einzigartig. Zeitgenossen rühmten sie für ihre
kompromisslose Architektur als fortdauern-
den Denkstein, für ihre selbstbewusste Lage neben
dem königlichen Schloss als bürgerlichen Eckstein
und für ihren institutionellen Aufbruch in ein po-
lytechnisches Zeitalter als Grundstein der Zukunft.
Bis 1884, als die heutige Technische Universität ihre
zu klein gewordene Stammzelle verlassen musste,
war die Bauakademie die zentrale Instanz, in der
Bau und Städtebau erforscht und gelehrt, verhandelt
und beschlossen wurden. Ohne sie ist das Gesicht
unserer Stadt nicht vorstellbar und ihre Wirkung
reichte weit über Berlin und Preußen hinaus.
Es gehört zu unserer demokratischen und födera-
len Planungskultur, dass bauliche Entwurfs- und
Entscheidungsprozesse heute auf viele Schultern
verteilt sind. Das ist oft mühsam und bisweilen
so unübersichtlich, dass es das Verständnis von
Fachleuten, Politik und Öffentlichkeit auf harte
Proben stellt. Und es wird nicht einfacher werden:
Globalisierung und Digitalisierung nehmen schon
jetzt großen Einfluss auf die Zukunft aller Städte,
insbesondere aber der Metropolen. Wir können
uns ihnen nicht entziehen, sondern müssen alles
daransetzen, sie aktiv zu gestalten, damit sich das
wachsende Berlin auch weiterhin als soziale und
gerechte, attraktive und lebenswerte, weltoffene
und sichere Stadt entwickeln kann.
Umso wichtiger ist ein Ort der Verständigung, der
die Komplexität von Architektur sichtbar macht
und sie immer wieder aufs Neue hinterfragt. Die
Bauakademie in Berlin kann und soll künftig wie-
der ein Ort sein, in dem Entwicklungen der Met-
ropolen im 21. Jahrhundert erdacht, erforscht und
diskutiert werden. Unsere Vorstellung lautet, dass
hier die Gedanken für eine sozial und wirtschaftlich
integrierte Stadt der Zukunft – eine Europäische
Stadt 4.0 – reifen. Breit aufgestellt, kann die Bau-
akademie ein diskursiver Ort sein, an dem Stadt-
entwicklung und Leben, Arbeiten und Wohnen für
die Stadt der Zukunft miteinander verhandelt wer-
den und eine positive Symbiose bilden. Eine Stadt,
in der der Mensch im Mittelpunkt einer architekto-
nisch und technologisch intelligenten, sozialen und
nachhaltigen Stadtentwicklung steht.
Viele Hauptstädte und Metropolen haben längst
Architekturzentren oder -museen, die einerseits der
öffentlichen Vermittlung durch Ausstellungs- und
Veranstaltungsprogramme dienen, zum anderen
aber dem unabhängigen Dialog von Expertinnen
und Experten unterschiedlichster Profession und
6
S
chinkels Bauakademie war in vielerlei Hinsicht
einzigartig. Zeitgenossen rühmten sie für ihre
kompromisslose Architektur als fortdauern-
den Denkstein, für ihre selbstbewusste Lage neben
dem königlichen Schloss als bürgerlichen Eckstein
und für ihren institutionellen Aufbruch in ein po-
lytechnisches Zeitalter als Grundstein der Zukunft.
Bis 1884, als die heutige Technische Universität ihre
zu klein gewordene Stammzelle verlassen musste,
war die Bauakademie die zentrale Instanz, in der
Bau und Städtebau erforscht und gelehrt, verhandelt
und beschlossen wurden. Ohne sie ist das Gesicht
unserer Stadt nicht vorstellbar und ihre Wirkung
reichte weit über Berlin und Preußen hinaus.
Es gehört zu unserer demokratischen und födera-
len Planungskultur, dass bauliche Entwurfs- und
Entscheidungsprozesse heute auf viele Schultern
verteilt sind. Das ist oft mühsam und bisweilen
so unübersichtlich, dass es das Verständnis von
Fachleuten, Politik und Öffentlichkeit auf harte
Proben stellt. Und es wird nicht einfacher werden:
Globalisierung und Digitalisierung nehmen schon
jetzt großen Einfluss auf die Zukunft aller Städte,
insbesondere aber der Metropolen. Wir können
uns ihnen nicht entziehen, sondern müssen alles
daransetzen, sie aktiv zu gestalten, damit sich das
wachsende Berlin auch weiterhin als soziale und
gerechte, attraktive und lebenswerte, weltoffene
und sichere Stadt entwickeln kann.
Umso wichtiger ist ein Ort der Verständigung, der
die Komplexität von Architektur sichtbar macht
und sie immer wieder aufs Neue hinterfragt. Die
Bauakademie in Berlin kann und soll künftig wie-
der ein Ort sein, in dem Entwicklungen der Met-
ropolen im 21. Jahrhundert erdacht, erforscht und
diskutiert werden. Unsere Vorstellung lautet, dass
hier die Gedanken für eine sozial und wirtschaftlich
integrierte Stadt der Zukunft – eine Europäische
Stadt 4.0 – reifen. Breit aufgestellt, kann die Bau-
akademie ein diskursiver Ort sein, an dem Stadt-
entwicklung und Leben, Arbeiten und Wohnen für
die Stadt der Zukunft miteinander verhandelt wer-
den und eine positive Symbiose bilden. Eine Stadt,
in der der Mensch im Mittelpunkt einer architekto-
nisch und technologisch intelligenten, sozialen und
nachhaltigen Stadtentwicklung steht.
Viele Hauptstädte und Metropolen haben längst
Architekturzentren oder -museen, die einerseits der
öffentlichen Vermittlung durch Ausstellungs- und
Veranstaltungsprogramme dienen, zum anderen
aber dem unabhängigen Dialog von Expertinnen
und Experten unterschiedlichster Profession und
7
Ein Gemeinschaftswerk
von Land
und Bund
Von Michael Müller und
Christian Thomsen
8
Herkunft gewidmet sind. Im Zentrum Berlins und
als Ikone der Baukultur kann die wiedererrichtete
Bauakademie beides leisten. Als Eckstein zu Hum-
boldt Forum und Museumsinsel wird sie ein Magnet
für das Berliner und das touristische Publikum sein,
das sie mit intelligenten und modernen Präsentati-
onen jenseits musealer Behäbigkeit in die Grundla-
gen des Bauens, seine Geschichte und seine Zukunft
einführt. Zugleich kann sie ein weithin sichtba-
res Schaufenster für aktuelle Projekte aus Land
und Bund sowie ein offenes Diskussionsforum für
grundsätzliche Fragen der Baukultur sein. Zu Recht
gelten Stadt und Hauptstadt Berlin als Experimen-
tierfeld neuer Ideen und innovativer Lösungen. So
stehen wir beispielsweise vor einer neuen Gründer-
zeit des Wohnungsbaus, welche die Grundlage für
solidarische statt ausgrenzende Städte sein sollte.
Wie eine solche Zukunftsidee intelligent umgesetzt
werden kann, mit allen architektonischen, „smar-
ten“ oder soziokulturellen Notwendigkeiten – für
diese Auseinandersetzungen braucht es einen zent-
ralen Ort in Berlin. Die wiedererrichtete Bauakade-
mie bietet die einmalige Gelegenheit, vieles davon
zu bündeln. Sie kann Gastgeberin für Fachleute und
junge Menschen aus aller Welt sein, kreative und
wissenschaftliche Potenziale zusammenführen und
zum Nutzen aller fruchtbar machen.
Wiedererrichtung und Betrieb der Bauakademie
nnen so eine Gemeinschaftsleistung von Land
und Bund werden. Die TU hat schon jetzt ein so-
lides Konzept zur Beteiligung des Landes Berlins
an Planung und Betrieb für die Bauakademie erar-
beitet. Sie kann neben ihrem aus der Bauakademie
stammenden Architekturmuseum als Träger des
Ausstellungsbetriebes nicht nur ein ganzes Bündel
wissenschaftlicher Kompetenzen aus Architektur,
Städtebau und Ingenieurwesen mit einbringen,
sondern auch jenes weltweite Netzwerk, dessen
eine erfolgreiche Bauakademie bedarf. In einem
gemeinschaftlichen Betreibermodell kann sie ei-
nen Anteil der laufenden Betriebskosten und den
Ausstellungsbetrieb tragen – eine Vereinbarung zur
Deckung dieser Kosten haben wir bereits im gerade
ausgehandelten Entwurf der neuen Hochschulver-
träge berücksichtigt.
Seit über zwanzig Jahren ist die Bauakademie ein
Thema, um das mit Höhen und Tiefen, mal leiser,
mal lauter gestritten wurde. Viele private und öf-
fentliche Akteure haben sich mit großer Kraft en-
gagiert. Ihre Ideen, Visionen und Entwürfe bilden
ein breites Fundament, auf dem nun endlich gebaut
werden kann. Berlin steht gemeinsam mit der TU
bereit, sich an diesem neuen Zentrum der Bau- und
Städtekultur zu beteiligen.
Michael Müller ist Regierender Bürgermeister von Berlin.
Prof. Dr. Christian Thomsen ist Präsident der Technischen
Universität Berlin.
8 9
Viele Hauptstädte und Metropolen haben längst
Architekturzentren oder -museen, die einerseits
der öffentlichen Vermittlung durch Ausstellungs-
und Veranstaltungsprogramme dienen, zum ande-
ren aber dem unabhängigen Dialog von Expertin-
nen und Experten unterschiedlichster Profession
und Herkunft gewidmet sind. Im Zentrum Berlins
und als Ikone der Baukultur kann die wiedererrich-
tete Bauakademie beides leisten. Als Eckstein zu
Humboldt Forum und Museumsinsel wird sie ein
Magnet für das Berliner und das touristische Pub-
likum sein, das sie mit intelligenten und modernen
Psentationen jenseits musealer Behäbigkeit in die
Grundlagen des Bauens, seine Geschichte und sei-
ne Zukunft einführt. Zugleich kann sie ein weithin
sichtbares Schaufenster für aktuelle Projekte aus
Land und Bund sowie ein offenes Diskussionsfo-
rum für grundsätzliche Fragen der Baukultur sein.
Ihre besondere Qualität sehen wir in ihrer Fähigkeit
zur internationalen Vernetzung. Zu Recht gelten
Stadt und Hauptstadt Berlin als Experimentierfeld
neuer Ideen und innovativer Lösungen. Die wie-
dererrichtete Bauakademie bietet die einmalige Ge-
legenheit, vieles davon zu bündeln. Sie kann Gast-
geberin für Fachleute und junge Menschen aus aller
Welt sein, kreative und wissenschaftliche Potenziale
zusammenführen und zum Nutzen aller fruchtbar
machen. Dass das Goethe-Institut und das Deut-
sche Archäologische Institut dafür schon ihre Be-
reitschaft signalisiert haben, ist ein hoffnungsvoller
Anfang. Eine Beteiligung der Bundesstiftung Bau-
kultur halten wir für richtig und sinnvoll.
Wiedererrichtung und Betrieb der Bauakademie
können so eine Gemeinschaftsleistung von Land
und Bund werden. Mitgift des Landes sind das
Grundstück und ein solides Konzept unserer Tech-
nischen Universität. Sie kann neben ihrem aus der
Bauakademie stammenden Architekturmuseum
als Tger des Ausstellungsbetriebes nicht nur ein
ganzes Bündel wissenschaftlicher Kompetenzen
aus Architektur, Städtebau und Ingenieurwesen mit
einbringen, sondern auch jenes weltweite Netzwerk,
dessen eine erfolgreiche Bauakademie bedarf. In ei-
nem gemeinschaftlichen Betreibermodell kann sie
einen Anteil der laufenden Betriebskosten und den
Ausstellungsbetrieb tragen – eine Vereinbarung zur
Deckung dieser Kosten haben wir bereits im gerade
ausgehandelten Entwurf der neuen Hochschulver-
träge berücksichtigt.
Seit über zwanzig Jahren ist die Bauakademie ein
Thema, um das mit Höhen und Tiefen, mal leiser,
mal lauter gestritten wurde. Viele private und öf-
fentliche Akteure haben sich mit großer Kraft en-
gagiert. Ihre Ideen, Visionen und Entwürfe bilden
ein breites Fundament, auf dem nun endlich gebaut
werden kann.
Michael Müller ist Regierender Bürgermeister von Berlin.
Die DNA der Bauakademie
lebt in der Technischen Universität weiter.
Die Institutionen sind eng miteinander verwoben
Leibniz-Preisträgerin Bénédicte Savoy im Interview
Wild und einladend –
ein Ort der Innovation
und der Kreativität
8
Herkunft gewidmet sind. Im Zentrum Berlins und
als Ikone der Baukultur kann die wiedererrichtete
Bauakademie beides leisten. Als Eckstein zu Hum-
boldt Forum und Museumsinsel wird sie ein Magnet
für das Berliner und das touristische Publikum sein,
das sie mit intelligenten und modernen Psentati-
onen jenseits musealer Behäbigkeit in die Grundla-
gen des Bauens, seine Geschichte und seine Zukunft
einführt. Zugleich kann sie ein weithin sichtba-
res Schaufenster für aktuelle Projekte aus Land
und Bund sowie ein offenes Diskussionsforum für
grundsätzliche Fragen der Baukultur sein. Zu Recht
gelten Stadt und Hauptstadt Berlin als Experimen-
tierfeld neuer Ideen und innovativer Lösungen. So
stehen wir beispielsweise vor einer neuen Gründer-
zeit des Wohnungsbaus, welche die Grundlage für
solidarische statt ausgrenzende Städte sein sollte.
Wie eine solche Zukunftsidee intelligent umgesetzt
werden kann, mit allen architektonischen,smar-
ten“ oder soziokulturellen Notwendigkeiten – für
diese Auseinandersetzungen braucht es einen zent-
ralen Ort in Berlin. Die wiedererrichtete Bauakade-
mie bietet die einmalige Gelegenheit, vieles davon
zu bündeln. Sie kann Gastgeberin für Fachleute und
junge Menschen aus aller Welt sein, kreative und
wissenschaftliche Potenziale zusammenführen und
zum Nutzen aller fruchtbar machen.
Wiedererrichtung und Betrieb der Bauakademie
können so eine Gemeinschaftsleistung von Land
und Bund werden. Die TU hat schon jetzt ein so-
lides Konzept zur Beteiligung des Landes Berlins
an Planung und Betrieb für die Bauakademie erar-
beitet. Sie kann neben ihrem aus der Bauakademie
stammenden Architekturmuseum als Tger des
Ausstellungsbetriebes nicht nur ein ganzes Bündel
wissenschaftlicher Kompetenzen aus Architektur,
Städtebau und Ingenieurwesen mit einbringen,
sondern auch jenes weltweite Netzwerk, dessen
eine erfolgreiche Bauakademie bedarf. In einem
gemeinschaftlichen Betreibermodell kann sie ei-
nen Anteil der laufenden Betriebskosten und den
Ausstellungsbetrieb tragen – eine Vereinbarung zur
Deckung dieser Kosten haben wir bereits im gerade
ausgehandelten Entwurf der neuen Hochschulver-
träge berücksichtigt.
Seit über zwanzig Jahren ist die Bauakademie ein
Thema, um das mit Höhen und Tiefen, mal leiser,
mal lauter gestritten wurde. Viele private und öf-
fentliche Akteure haben sich mit großer Kraft en-
gagiert. Ihre Ideen, Visionen und Entwürfe bilden
ein breites Fundament, auf dem nun endlich gebaut
werden kann. Berlin steht gemeinsam mit der TU
bereit, sich an diesem neuen Zentrum der Bau- und
Städtekultur zu beteiligen.
Michael Müller ist Regierender Bürgermeister von Berlin.
Prof. Dr. Christian Thomsen ist Präsident der Technischen
Universität Berlin.
11
10
Frau Professor Savoy, die TU Berlin ist sehr eng
mit der Bauakademie verbunden. Sie haben sie
als „Mutterleib“ der Technischen Universität
Berlin bezeichnet. Wie meinen Sie das?
Unsere Universität ist ja aus der Bauakademie er-
wachsen. 1836 war das neue Akademiegebäude in
Mitte fertig: quadratisch, praktisch, gut, aus heimi-
schem Backstein errichtet, in unmittelbarer Nähe
zum Schloss und zur Friedrichswerderschen Kir-
che. Es gab Läden im Untergeschoss und darüber
Zeichensäle, Hör- und Arbeitssäle für Forschung
und Lehre, für die Ausbildung von Architekten,
von allen Kategorien von Baubediensteten. Die
Oberbaudeputation, deren Direktor Karl Friedrich
Schinkel war, war darin untergebracht mit Büro-
umen und Plankammern sowie nicht zuletzt auch
eine größere Wohnfläche für Schinkel und seine Fa-
milie selbst. Aber für das wachsende Berlin wurde
der große „ROTE KASTEN“ sehr schnell zu klein.
Schon 1884, nachdem mehrere Erweiterungspläne
gescheitert waren, ging die Bauakademie als voll-
ständige Institution in die Technische Hochschule
Charlottenburg über. Lehre und Forschung wurden
hier weitergeführt. So wie ein Baby dem Mutterleib
entwächst, so sind Geist und Körper der Bauakade-
mie dem Gebäude in Mitte entwachsen, ihre DNA
lebt bis heute am Ernst-Reuter-Platz fort.
Was macht die Identität eines Stadtraumes, einer
Institution aus?
In einer historisch gewachsenen Stadt, nicht zer-
stört vom Krieg und nicht geteilt, gibt es eine große
Kontinuität zwischen Urgebäude und „End“-Ge-
bäude. Die Hochschule, in der ich in Paris studiert
habe, befindet sich zum Beispiel seit 1794 am sel-
ben Ort. Der Ort als identitätsstiftende Gße ist in
solchen Städten selbstverständlich und wird nicht
diskutiert. Hier in Berlin ist das natürlich ganz
anders. Es ist sogar schon ein Problem, die Dinge
zu benennen. Das prominenteste Beispiel ist der
Reichstag. Er heißt nicht mehr „Reichstag, son-
dernBundestag im Reichstagsgebäude. Hier hat
eine Trennung zwischen dem Ort und dem Geist
stattgefunden. Der Reichstag ist tot, hat sich gewan-
delt und kommt an seinen ursprünglichen Ort als
Bundestag zurück. Die Geschichte der Bauakade-
mie ist ähnlich – nur ist sie nicht tot, sie ist aus-
gezogen mit ihrem Geist der Innovation – schlicht
gesagt, weil das Gebäude zu klein geworden war.
Kann man also sagen, die Bauakademie war in
diesem Sinne identitsstiftend für die Techni-
sche Universit Berlin?
Natürlich. Die beiden Institutionen sind mitein-
ander verwoben und verschnkt wie die Stnge
einer DNA: nicht nur durch die Übernahme der
gesamten Sammlungen, der Gete, der Ideen und
des Personals der Bauakademie, als sie nach Char-
lottenburg zog, sondern auch durch die inhaltliche
Verschnkung zwischen Ingenieurwissenschaf-
ten und Architektur, wie sie schon der Architekt
und Leiter der Oberbaudeputation Karl Friedrich
Schinkel und sein Freund, der Ingenieur Chris tian
Peter Beuth, der als Leiter des Gewerbeinstituts
die Direktorenstelle an der Bauakademie erhielt,
gelebt haben. Diese beiden haben zusammen die
Bauakademie aus der Taufe gehoben, haben um
das Grundstück beim König gekämpft, ebenso wie
um die Inhalte. In Forschung und Lehre sind sie
eine interessante Symbiose eingegangen, wie sie
noch heute in der Fächerstruktur der TU Berlin
sichtbar ist. In unserer Universität lebt diese DNA
also weiter.
Über die Jahre haben sich bereits verschiedene
Initiativen um die „Wiederauferstehung“ von
Schinkels Bauakademie bemüht. Die TU Berlin
war dabei keineswegs untig …
Allerdings, die Bauakademie lebt jetzt schon. Wir
haben sie im sogenannten Musterraum bereits viel-
fach wieder mit Leben erfüllt, mit Leben, das in
die Zukunft weist. Großen Erfolg hatten wir zum
Beispiel 2011 mit der Ausstellung „125 Jahre Archi-
tekturmuseum der TU Berlin, 2015 hatten wir mit
der großen Ausstellung „Museumsvisionen, die
wir zusammen mit Studierenden im Rahmen des
Exzellenzclusters „TOPOI“ konzipiert hatten, Ge-
legenheit, die umfangreichen Sammlungen des Ar-
chitekturmuseums der TU Berlin zu öffnen und die
wertvollen Pläne zum Wettbewerb zur Erweiterung
der Museumsinsel 1883/84 zu zeigen, oder Ende
2016, als wir die internationale Fachwelt und die
Öffentlichkeit zu der Konferenz „All the Beauty of
the World. The Western Market for non-European
Artefacts“ eingeladen hatten, die die Handelswege
nichteuropäischer Kunst diskutierte. Das alles fand
im Musterraum der Bauakademie statt.
Unsere Gäste, ob aus Deutschland, aus Frankreich,
aus den USA oder anderswoher, haben sich wohl-
gefühlt, die Atmosphäre gespürt, die Aura, die von
den Backsteinen, von den Holzfußböden ausgeht,
die den Hauch der Geschichte atmen, aber auch
Kreativität einfordern, Ideen für die Zukunft. Sie
waren fasziniert von dem „Dschungel, als der sich
der Ort darstellt. Das ist überhaupt sehr wesentlich.
Es soll hier nicht darum gehen, ein historisches
Gebäude als bloßes Museumsstück wiedererstehen
zu lassen, rückrtsgewandt und mit der Aura des
Vergangenen. Vielmehr soll es vor Vitalität sprü-
hen, wild und einladend daherkommen und zu
einer Art Think-Tank für die Zukunft der Archi-
tektur in unserer Stadt und darüber hinaus werden.
Das ist unser Anspruch und unsere Verpflichtung.
Der Geist von Pragmatismus und Innovation der
Bauakademie, das ist unsere Matrix, unsere gene-
tische Signatur.
Das Interview führte Patricia Pätzold.
Prof. Dr. Bénédicte Savoy ist Kunsthistorikerin und leitet das
Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin. 2016
wurde ihr der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm
Leibniz-Preis verliehen. 2016 wurde sie ins Collège de France auf-
genommen, die Institution mit dem höchsten wissenschaftlichen
Prestige Frankreichs.
Ausstellung Museumsvisionen
im Musterraum der Bauakademie (2015)
11
10
Frau Professor Savoy, die TU Berlin ist sehr eng
mit der Bauakademie verbunden. Sie haben sie
als „Mutterleib“ der Technischen Universität
Berlin bezeichnet. Wie meinen Sie das?
Unsere Universität ist ja aus der Bauakademie er-
wachsen. 1836 war das neue Akademiegebäude in
Mitte fertig: quadratisch, praktisch, gut, aus heimi-
schem Backstein errichtet, in unmittelbarer Nähe
zum Schloss und zur Friedrichswerderschen Kir-
che. Es gab Läden im Untergeschoss und darüber
Zeichensäle, Hör- und Arbeitssäle für Forschung
und Lehre, für die Ausbildung von Architekten,
von allen Kategorien von Baubediensteten. Die
Oberbaudeputation, deren Direktor Karl Friedrich
Schinkel war, war darin untergebracht mit Büro-
umen und Plankammern sowie nicht zuletzt auch
eine größere Wohnfläche für Schinkel und seine Fa-
milie selbst. Aber für das wachsende Berlin wurde
der große „ROTE KASTEN“ sehr schnell zu klein.
Schon 1884, nachdem mehrere Erweiterungspläne
gescheitert waren, ging die Bauakademie als voll-
ständige Institution in die Technische Hochschule
Charlottenburg über. Lehre und Forschung wurden
hier weitergeführt. So wie ein Baby dem Mutterleib
entwächst, so sind Geist und Körper der Bauakade-
mie dem Gebäude in Mitte entwachsen, ihre DNA
lebt bis heute am Ernst-Reuter-Platz fort.
Was macht die Identität eines Stadtraumes, einer
Institution aus?
In einer historisch gewachsenen Stadt, nicht zer-
stört vom Krieg und nicht geteilt, gibt es eine große
Kontinuität zwischen Urgebäude und „End“-Ge-
bäude. Die Hochschule, in der ich in Paris studiert
habe, befindet sich zum Beispiel seit 1794 am sel-
ben Ort. Der Ort als identitätsstiftende Gße ist in
solchen Städten selbstverständlich und wird nicht
diskutiert. Hier in Berlin ist das natürlich ganz
anders. Es ist sogar schon ein Problem, die Dinge
zu benennen. Das prominenteste Beispiel ist der
Reichstag. Er heißt nicht mehr „Reichstag“, son-
dern „Bundestag im Reichstagsgebäude. Hier hat
eine Trennung zwischen dem Ort und dem Geist
stattgefunden. Der Reichstag ist tot, hat sich gewan-
delt und kommt an seinen ursprünglichen Ort als
Bundestag zurück. Die Geschichte der Bauakade-
mie ist ähnlich – nur ist sie nicht tot, sie ist aus-
gezogen mit ihrem Geist der Innovation – schlicht
gesagt, weil das Gebäude zu klein geworden war.
Kann man also sagen, die Bauakademie war in
diesem Sinne identitätsstiftend für die Techni-
sche Universität Berlin?
Natürlich. Die beiden Institutionen sind mitein-
ander verwoben und verschränkt wie die Stränge
einer DNA: nicht nur durch die Übernahme der
gesamten Sammlungen, der Geräte, der Ideen und
des Personals der Bauakademie, als sie nach Char-
lottenburg zog, sondern auch durch die inhaltliche
Verschränkung zwischen Ingenieurwissenschaf-
ten und Architektur, wie sie schon der Architekt
und Leiter der Oberbaudeputation Karl Friedrich
Schinkel und sein Freund, der Ingenieur Chris tian
Peter Beuth, der als Leiter des Gewerbeinstituts
die Direktorenstelle an der Bauakademie erhielt,
gelebt haben. Diese beiden haben zusammen die
Bauakademie aus der Taufe gehoben, haben um
das Grundstück beim König gekämpft, ebenso wie
um die Inhalte. In Forschung und Lehre sind sie
eine interessante Symbiose eingegangen, wie sie
noch heute in der Fächerstruktur der TU Berlin
sichtbar ist. In unserer Universität lebt diese DNA
also weiter.
Über die Jahre haben sich bereits verschiedene
Initiativen um die „Wiederauferstehung“ von
Schinkels Bauakademie bemüht. Die TU Berlin
war dabei keineswegs untätig …
Allerdings, die Bauakademie lebt jetzt schon. Wir
haben sie im sogenannten Musterraum bereits viel-
fach wieder mit Leben erfüllt, mit Leben, das in
die Zukunft weist. Großen Erfolg hatten wir zum
Beispiel 2011 mit der Ausstellung „125 Jahre Archi-
tekturmuseum der TU Berlin, 2015 hatten wir mit
der großen Ausstellung „Museumsvisionen, die
wir zusammen mit Studierenden im Rahmen des
Exzellenzclusters „TOPOI“ konzipiert hatten, Ge-
legenheit, die umfangreichen Sammlungen des Ar-
chitekturmuseums der TU Berlin zu öffnen und die
wertvollen Pläne zum Wettbewerb zur Erweiterung
der Museumsinsel 1883/84 zu zeigen, oder Ende
2016, als wir die internationale Fachwelt und die
Öffentlichkeit zu der Konferenz „All the Beauty of
the World. The Western Market for non-European
Artefacts“ eingeladen hatten, die die Handelswege
nichteuropäischer Kunst diskutierte. Das alles fand
im Musterraum der Bauakademie statt.
Unsere Gäste, ob aus Deutschland, aus Frankreich,
aus den USA oder anderswoher, haben sich wohl-
gefühlt, die Atmosphäre gespürt, die Aura, die von
den Backsteinen, von den Holzfußböden ausgeht,
die den Hauch der Geschichte atmen, aber auch
Kreativität einfordern, Ideen für die Zukunft. Sie
waren fasziniert von dem „Dschungel, als der sich
der Ort darstellt. Das ist überhaupt sehr wesentlich.
Es soll hier nicht darum gehen, ein historisches
Gebäude als bloßes Museumsstück wiedererstehen
zu lassen, rückwärtsgewandt und mit der Aura des
Vergangenen. Vielmehr soll es vor Vitalität sprü-
hen, wild und einladend daherkommen und zu
einer Art Think-Tank für die Zukunft der Archi-
tektur in unserer Stadt und darüber hinaus werden.
Das ist unser Anspruch und unsere Verpflichtung.
Der Geist von Pragmatismus und Innovation der
Bauakademie, das ist unsere Matrix, unsere gene-
tische Signatur.
Das Interview führte Patricia Pätzold.
Prof. Dr. Bénédicte Savoy ist Kunsthistorikerin und leitet das
Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin. 2016
wurde ihr der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm
Leibniz-Preis verliehen. 2016 wurde sie ins Collège de France auf-
genommen, die Institution mit dem höchsten wissenschaftlichen
Prestige Frankreichs.
Ausstellung Museumsvisionen
im Musterraum der Bauakademie (2015)
13
Mehr als Architektur –
anders als ein Museum
Ausstellen in der Neuen Bauakademie
Von Dieter Nägelke
Kein Archiv! Kein Museum! Wenigstens darü-
ber herrschte Einigkeit unter den Gästen des 2.
Dialogforums zur Bauakademie. Offensichtlich
macht der seit vielen Jahren durch die Debatten geis-
ternde Begriff „Architekturmuseum“ Bauchschmerzen
– zu schwerfällig kommt er daher, rückrtsgewandt
und mit erhobenem Zeigefinger. Das ist nicht neu.
Schon TH-Entwurfsprofessor und Dombaumeister Ju-
lius Raschdorff fremdelte damit, als er 1886 das erste
deutsche Architekturmuseum an der neuen Techni-
schen Hochschule Berlin gründete. Lieber sprach er
von „Baugeschichte der Jetztzeit“ – Sammlung und
Ausstellung sollten aus der Geschichte die Gegenwart
erklären und in die Zukunft wirken. Nicht anders
ging es Heinrich Klotz, als er den Begriff fast einhun-
dert Jahre später zum zweiten Mal, nämlich für das
Deutsche Architekturmuseum der Stadt Frankfurt, in
Umlauf brachte. Ihm galt „Museum“ als „Hilfsbegriff,
der nur andeutet, was ein solcher Ort sein kann: Um-
schlagplatz von Ideen, von Programmen, von Kritik
und Bestätigung. Kürzer lassen sich auch die Ziele der
Neuen Bauakademie nicht fassen. Welche Rolle spielen
Ausstellungen darin? Welchen Beitrag kann das Archi-
tekturmuseum der TU Berlin dazu leisten?
13
Mehr als Architektur –
anders als ein Museum
Ausstellen in der Neuen Bauakademie
Von Dieter Nägelke
Kein Archiv! Kein Museum! Wenigstens darü-
ber herrschte Einigkeit unter den Gästen des 2.
Dialogforums zur Bauakademie. Offensichtlich
macht der seit vielen Jahren durch die Debatten geis-
ternde Begriff „Architekturmuseum“ Bauchschmerzen
– zu schwerfällig kommt er daher, rückwärtsgewandt
und mit erhobenem Zeigefinger. Das ist nicht neu.
Schon TH-Entwurfsprofessor und Dombaumeister Ju-
lius Raschdorff fremdelte damit, als er 1886 das erste
deutsche Architekturmuseum an der neuen Techni-
schen Hochschule Berlin gründete. Lieber sprach er
von „Baugeschichte der Jetztzeit“ – Sammlung und
Ausstellung sollten aus der Geschichte die Gegenwart
erklären und in die Zukunft wirken. Nicht anders
ging es Heinrich Klotz, als er den Begriff fast einhun-
dert Jahre später zum zweiten Mal, nämlich für das
Deutsche Architekturmuseum der Stadt Frankfurt, in
Umlauf brachte. Ihm galt „Museum“ als „Hilfsbegriff,
der nur andeutet, was ein solcher Ort sein kann: Um-
schlagplatz von Ideen, von Programmen, von Kritik
und Bestätigung“. Kürzer lassen sich auch die Ziele der
Neuen Bauakademie nicht fassen. Welche Rolle spielen
Ausstellungen darin? Welchen Beitrag kann das Archi-
tekturmuseum der TU Berlin dazu leisten?
15
Bauen ist mehr als Architektur. Bauen formt Le-
bensräume: überall. Die Ingenieurleistungen von
der Tragwerks- bis zur Verkehrs- und Umwelt-
planung gehören ebenso dazu wie Städtebau und
Landschaftsgestaltung. In Häusern und Städten
wird Bauen sichtbar. Bauen auszustellen, heißt
auch, das Unsichtbare anschaulich zu machen: sei-
ne historischen, theoretischen, technologischen,
soziologischen, ökonomischen, ästhetischen und
individuellen Grundlagen, seine Erfolge, sein Miss-
lingen und seine Visionen.
Allein schon wegen ihrer Lage wird die Neue Bau-
akademie ein Publikumsmagnet sein. Über ihre
Funktion als Expertenforum hinaus muss sie des-
halb einen für alle offenen Einstieg bieten, der die
Grundlagen von Bau und Städtebau sichtbar macht
und Angebote zur Vertiefung gibt. Ein moderner
Showroom des Bauens braucht weniger historische
Originale, als dass er auf eine prägnante, präzise
und provokante Vermittlung gerichtet sein muss.
Am besten gleich im Erdgeschoss. Mit freiem Ein-
tritt und kombiniert mit einem Café kann es zu ei-
nem lebendigen Treffpunkt werden, der zwischen
Bistro-Tischen und Sitzecken von Modellen, Ab-
güssen und Spolien, faksimilierten Zeichnungen
und interaktiven, digitalen Formaten bevölkert
wird. Aktuelle Projekte können hier wechselnd ei-
nen Platz finden. Schwerpunkte dürfen Berlin und
die Gegenwart sein. Auch Schinkel. Vor allem aber
geht es darum, Bauen aus seinen gemeinsamen eu-
ropäischen Wurzeln und in seinen internationalen
Verflechtungen darzustellen. Bauen verbindet. Wa-
rum also nicht neben einem Modell von Mies van
der Rohes Barcelona-Pavillon eine Crema catalana
genießen? Und dabei mit spanischen Stipendiaten
über Smart Cities ins Gespräch kommen?
Zusammen mit anderen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern der TU Berlin können wir ebenso
die didaktische Aufbereitung leisten, wie die Tech-
nische Universität mit digitaler Architekturdarstel-
lung, Modellbau oder 3D-Labor das Know-how für
modernste Präsentationen bereithält und forschend
weiterentwickelt. Die stetig wachsende Sammlung
des Architekturmuseums bietet von der Antike bis
in die Gegenwart reiches Material für diesen Show-
room. Nach zehn Jahren erfolgreicher Digitalisie-
rung braucht sich niemand mehr vor wachsenden
Lagerflächen zu fürchten: Fast alle unserer 180 000
Objekte liegen heute als hochauflösende Bilddaten
für jede weitere Nutzung bereit.
Sammlung, Wissen und Netzwerk des TU-Archi-
tekturmuseums bilden auch die Basis für den größe-
ren Bereich der Wechselausstellungen. Wir können
dafür das logistische Rückgrat sichern, aber alleine
bespielen wollen wir sie nicht. Vor 15 Jahren wur-
de im Verein Internationale Bauakademie zwischen
allen Berliner Architektursammlungen von Staat-
lichen Museen bis Bauhaus-Archiv verabredet, die
Neue Bauakademie als gemeinsames Ausstellungs-
haus zu betreiben. Unter den geänderten Vorzei-
chen sehe ich dort neben klassischen Themenaus-
stellungen musealer Sammlungen genauso Platz für
Schaufenster- und Projektpräsentationen der Bau-
verwaltungen von Land und Bund, für Vereine und
Verbände vom Architekten- und Ingenieur-Verein
bis zum Deutschen Architektur Zentrum, für priva-
te Akteure wie Aedes oder die Architektur Galerie
Berlin oder für Gastspiele ausrtiger Partner. Um
es an aktuellen Beispielen zu konkretisieren: Würde
es die Bauakademie schon geben, könnte ich mir
die Münchner Ausstellung zu Francis Kéré – einem
Alumnus der TU Berlin! – dort vorstellen, ebenso
Making Heimat“ aus Frankfurt oder „Denken in
Modellen“ aus Karlsruhe. Nur beliebig darf es nicht
werden: Grundlage des Ausstellungskalenders ist
die Programmarbeit der Neuen Bauakademie, das
heißt die inhaltliche, auf aktuelle Schwerpunktthe-
men gerichtete Abstimmung der drei Säulen Forum
– Ausstellung – Akademie.
Die Neue Bauakademie braucht keine Intendanz,
sondern Moderation. Neben vielfältigen Themen,
die wie unsere Ausstellungen zu Alfred Messel, zu
Stadtvisionen 1910|2010. Berlin – Paris – London
– Chicago“ oder zur Bebauung der Berliner Muse-
umsinsel als Kooperationen, aus klassischen For-
schungsprojekten oder als forschendes Lernen aus
der Universität entstanden sind, bringt das TU-
Architekturmuseum vor allem dies mit: den Mut,
neue Wege zu gehen, und den Wunsch, dies mit an-
deren gemeinsam zu tun.
Dr. Hans-Dieter Nägelke ist Architekturhistoriker und Leiter
des Architektur museums der Technischen Universität Berlin.
Als Kurator zahlreicher Ausstellungen forscht und lehrt er zur
Baukunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Er ist Beauftragter des
Präsidenten für die Neue Bauakademie.
CityVisions 1910|2010 in London (2011)
Architekturbilder im Musterraum der Bauakademie (2011)
Deutsche Werkbund Ausstellung this is modern in Venedig (2014)
O. M. Ungers in der Galerie des Architekturmuseums (2016)
14
ANALOG & DIGITAL
Vier Fragen an Dieter Nägelke
Das Architekturmuseum ist ein
Vorreiter der Digitalisierung – ist
es inzwischen ein museo digitale?
Bloß nicht! Die klassischen Aufgaben
eines Museums sind das Bewah-
ren, Erforschen und Präsentieren.
Auch für uns. Was Generationen
seit Gründung der Bauakademie
gesammelt haben, das geben wir
weiter. Langhans, Schinkel und die
Schinkelschule, Messel, Poelzig oder
die Nachkriegsmoderne: Das alles
ist ein großer Schatz und der Schutz
dieses physischen Erbes unsere
Verpflichtung. Digitalisierung ist ein
Hilfsmittel dafür.
Digitalisieren hat also nur die foto-
grafische Dokumentation ersetzt?
Anfangs war das eine Idee. Aber ein
digitales Bild bietet viel mehr. Es
trägt Informationen über die Größe
eines Objekts in sich, über Farbe,
Papier und Zustand. Da stehen wir
noch am Anfang, aber mit Hilfe von
künstlicher Intelligenz werden wir
bald ganz andere taxonomische
Möglichkeiten haben, die dann der
Forschung und der Bestandspflege
helfen. Und: Zusammen mit unserer
Datenbank machen die digitalen
Bilder unsere Sammlung weltweit on-
line verfügbar. Noch vor zehn Jahren
war sie ein großes Geheimnis. Heute
kann sie jeder von überall schneller
und bequemer einsehen als bei uns
im Studiensaal. Und schrankenlos
nutzen: Ohne Wenn und Aber stehen
wir für Open Access, also freien Zu-
gang, soweit es das Recht erlaubt.
Und wer nutzt Ihr Angebot?
Nicht nur die Wissenschaft, sondern
viele, viele Menschen, die etwas über
ihr Haus, ihre Stadt erfahren wollen.
Unsere Sammlung spiegelt eine
europäische Geschichte, die weit
über die heutigen Grenzen Deutsch-
lands hinausreicht. Es berührt mich
sehr, wenn Menschen z. B. aus dem
heutigen Kaliningrad oder Strasbourg
bei uns Dinge suchen und finden, die
ihre persönliche Identität prägen,
weil sie die Identität ihrer Städte
prägen. Architektur verwurzelt, weil
sie einen Ort hat.
Ist Identität ein Thema für die
Bauakademie?
Unbedingt. Vieles, was dort gezeigt
und diskutiert werden wird, weist
in die Zukunft. Doch es gibt keine
Zukunft ohne Vergangenheit! Dazu
gehört auch das Erlebnis des histo-
rischen Originals. Aber wir dürfen
nicht vergessen, dass auch die noch so
schöne Zeichnung nur ein Abbild des-
sen ist, worum es eigentlich geht: die
gebaute Welt, in der wir leben. Sie mit
allen analogen und digitalen Mitteln
anschaulich zu machen, unterstützt
die An-Eignung. Und die ist die Grund-
lage für Identität oder, das mag jetzt
etwas altmodisch klingen: Heimat.
Das Interview führte Patricia Pätzold.
15
Bauen ist mehr als Architektur. Bauen formt Le-
bensräume: überall. Die Ingenieurleistungen von
der Tragwerks- bis zur Verkehrs- und Umwelt-
planung gehören ebenso dazu wie Städtebau und
Landschaftsgestaltung. In Häusern und Städten
wird Bauen sichtbar. Bauen auszustellen, heißt
auch, das Unsichtbare anschaulich zu machen: sei-
ne historischen, theoretischen, technologischen,
soziologischen, ökonomischen, ästhetischen und
individuellen Grundlagen, seine Erfolge, sein Miss-
lingen und seine Visionen.
Allein schon wegen ihrer Lage wird die Neue Bau-
akademie ein Publikumsmagnet sein. Über ihre
Funktion als Expertenforum hinaus muss sie des-
halb einen für alle offenen Einstieg bieten, der die
Grundlagen von Bau und Städtebau sichtbar macht
und Angebote zur Vertiefung gibt. Ein moderner
Showroom des Bauens braucht weniger historische
Originale, als dass er auf eine prägnante, präzise
und provokante Vermittlung gerichtet sein muss.
Am besten gleich im Erdgeschoss. Mit freiem Ein-
tritt und kombiniert mit einem Café kann es zu ei-
nem lebendigen Treffpunkt werden, der zwischen
Bistro-Tischen und Sitzecken von Modellen, Ab-
güssen und Spolien, faksimilierten Zeichnungen
und interaktiven, digitalen Formaten bevölkert
wird. Aktuelle Projekte können hier wechselnd ei-
nen Platz finden. Schwerpunkte dürfen Berlin und
die Gegenwart sein. Auch Schinkel. Vor allem aber
geht es darum, Bauen aus seinen gemeinsamen eu-
ropäischen Wurzeln und in seinen internationalen
Verflechtungen darzustellen. Bauen verbindet. Wa-
rum also nicht neben einem Modell von Mies van
der Rohes Barcelona-Pavillon eine Crema catalana
genießen? Und dabei mit spanischen Stipendiaten
über Smart Cities ins Gespräch kommen?
Zusammen mit anderen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern der TU Berlin können wir ebenso
die didaktische Aufbereitung leisten, wie die Tech-
nische Universität mit digitaler Architekturdarstel-
lung, Modellbau oder 3D-Labor das Know-how für
modernste Präsentationen bereithält und forschend
weiterentwickelt. Die stetig wachsende Sammlung
des Architekturmuseums bietet von der Antike bis
in die Gegenwart reiches Material für diesen Show-
room. Nach zehn Jahren erfolgreicher Digitalisie-
rung braucht sich niemand mehr vor wachsenden
Lagerflächen zu fürchten: Fast alle unserer 180 000
Objekte liegen heute als hochauflösende Bilddaten
für jede weitere Nutzung bereit.
Sammlung, Wissen und Netzwerk des TU-Archi-
tekturmuseums bilden auch die Basis für den größe-
ren Bereich der Wechselausstellungen. Wir können
dafür das logistische Rückgrat sichern, aber alleine
bespielen wollen wir sie nicht. Vor 15 Jahren wur-
de im Verein Internationale Bauakademie zwischen
allen Berliner Architektursammlungen von Staat-
lichen Museen bis Bauhaus-Archiv verabredet, die
Neue Bauakademie als gemeinsames Ausstellungs-
haus zu betreiben. Unter den geänderten Vorzei-
chen sehe ich dort neben klassischen Themenaus-
stellungen musealer Sammlungen genauso Platz für
Schaufenster- und Projektpräsentationen der Bau-
verwaltungen von Land und Bund, für Vereine und
Verbände vom Architekten- und Ingenieur-Verein
bis zum Deutschen Architektur Zentrum, für priva-
te Akteure wie Aedes oder die Architektur Galerie
Berlin oder für Gastspiele auswärtiger Partner. Um
es an aktuellen Beispielen zu konkretisieren: Würde
es die Bauakademie schon geben, könnte ich mir
die Münchner Ausstellung zu Francis Kéré – einem
Alumnus der TU Berlin! – dort vorstellen, ebenso
Making Heimat“ aus Frankfurt oder „Denken in
Modellen“ aus Karlsruhe. Nur beliebig darf es nicht
werden: Grundlage des Ausstellungskalenders ist
die Programmarbeit der Neuen Bauakademie, das
heißt die inhaltliche, auf aktuelle Schwerpunktthe-
men gerichtete Abstimmung der drei Säulen Forum
– Ausstellung – Akademie.
Die Neue Bauakademie braucht keine Intendanz,
sondern Moderation. Neben vielfältigen Themen,
die wie unsere Ausstellungen zu Alfred Messel, zu
„Stadtvisionen 1910|2010. Berlin – Paris – London
– Chicago“ oder zur Bebauung der Berliner Muse-
umsinsel als Kooperationen, aus klassischen For-
schungsprojekten oder als forschendes Lernen aus
der Universität entstanden sind, bringt das TU-
Architekturmuseum vor allem dies mit: den Mut,
neue Wege zu gehen, und den Wunsch, dies mit an-
deren gemeinsam zu tun.
Dr. Hans-Dieter Nägelke ist Architekturhistoriker und Leiter
des Architektur museums der Technischen Universität Berlin.
Als Kurator zahlreicher Ausstellungen forscht und lehrt er zur
Baukunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Er ist Beauftragter des
Präsidenten für die Neue Bauakademie.
CityVisions 1910|2010 in London (2011)
Architekturbilder im Musterraum der Bauakademie (2011)
Deutsche Werkbund Ausstellung this is modern in Venedig (2014)
O. M. Ungers in der Galerie des Architekturmuseums (2016)
14
ANALOG & DIGITAL
Vier Fragen an Dieter Nägelke
Das Architekturmuseum ist ein
Vorreiter der Digitalisierung – ist
es inzwischen ein museo digitale?
Bloß nicht! Die klassischen Aufgaben
eines Museums sind das Bewah-
ren, Erforschen und Präsentieren.
Auch für uns. Was Generationen
seit Gründung der Bauakademie
gesammelt haben, das geben wir
weiter. Langhans, Schinkel und die
Schinkelschule, Messel, Poelzig oder
die Nachkriegsmoderne: Das alles
ist ein großer Schatz und der Schutz
dieses physischen Erbes unsere
Verpflichtung. Digitalisierung ist ein
Hilfsmittel dafür.
Digitalisieren hat also nur die foto-
grafische Dokumentation ersetzt?
Anfangs war das eine Idee. Aber ein
digitales Bild bietet viel mehr. Es
trägt Informationen über die Größe
eines Objekts in sich, über Farbe,
Papier und Zustand. Da stehen wir
noch am Anfang, aber mit Hilfe von
künstlicher Intelligenz werden wir
bald ganz andere taxonomische
Möglichkeiten haben, die dann der
Forschung und der Bestandspflege
helfen. Und: Zusammen mit unserer
Datenbank machen die digitalen
Bilder unsere Sammlung weltweit on-
line verfügbar. Noch vor zehn Jahren
war sie ein großes Geheimnis. Heute
kann sie jeder von überall schneller
und bequemer einsehen als bei uns
im Studiensaal. Und schrankenlos
nutzen: Ohne Wenn und Aber stehen
wir für Open Access, also freien Zu-
gang, soweit es das Recht erlaubt.
Und wer nutzt Ihr Angebot?
Nicht nur die Wissenschaft, sondern
viele, viele Menschen, die etwas über
ihr Haus, ihre Stadt erfahren wollen.
Unsere Sammlung spiegelt eine
europäische Geschichte, die weit
über die heutigen Grenzen Deutsch-
lands hinausreicht. Es berührt mich
sehr, wenn Menschen z. B. aus dem
heutigen Kaliningrad oder Strasbourg
bei uns Dinge suchen und finden, die
ihre persönliche Identität prägen,
weil sie die Identität ihrer Städte
prägen. Architektur verwurzelt, weil
sie einen Ort hat.
Ist Identität ein Thema für die
Bauakademie?
Unbedingt. Vieles, was dort gezeigt
und diskutiert werden wird, weist
in die Zukunft. Doch es gibt keine
Zukunft ohne Vergangenheit! Dazu
gehört auch das Erlebnis des histo-
rischen Originals. Aber wir dürfen
nicht vergessen, dass auch die noch so
schöne Zeichnung nur ein Abbild des-
sen ist, worum es eigentlich geht: die
gebaute Welt, in der wir leben. Sie mit
allen analogen und digitalen Mitteln
anschaulich zu machen, unterstützt
die An-Eignung. Und die ist die Grund-
lage für Identität oder, das mag jetzt
etwas altmodisch klingen: Heimat.
Das Interview führte Patricia Pätzold.
17
Die Neue Bauakademie
global denken
Von Klaus-Dieter Lehmann
Der Diskurs zur Architektur als kultureller
Disziplin hat in Deutschland einen hohen
Stellenwert. Aber es fehlt ein zentraler Ort
in Berlin, der neben den hier angesiedelten Museen
(Museumsinsel und Humboldt Forum) sowie den
wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen
mit unangefochtener internationaler Bedeutung für
die globale und interdisziplinäre Vernetzung, Ver-
mittlung und Psentation von Ideen und Akteuren
auf dem Gebiet der Architektur steht.
Der Wiederaufbau der Bauakademie bietet einen
einmaligen Anknüpfungspunkt für ein solches
Vorhaben. Karl Friedrich Schinkel schuf damals auf
dem kenntnisreichen Fundament des Vorhandenen
etwas Gewagtes und Neues, um einen wichtigen
Beitrag zu einer sich wandelnden Gesellschaft zu
leisten. Sein Denken gegen enge Grenzen, statische
Abgeschlossenheit und systematische Verfestigung
und für Dynamik, Imagination und praktisches
Handeln kann heute wiederum Leitmotiv sein.
Eine Neue Bauakademie an diesem hochwertigen
Ort muss sich diesen Maßstab setzen: Keinesfalls
soll sie bestehende Einrichtungen doppeln. Viel-
mehr muss sie sich den veränderten globalen Kon-
texten öffnen und neue Perspektiven bieten. Der
sozialen Dimension des Bauens kommt eine zuneh-
mende gesellschaftliche Bedeutung zu. Es ist der
raumpgende und identitätsstiftende Charakter
der Architektur, der ihr beispielsweise Antworten
zur Gestaltung inklusiver Stadtume und den pro-
aktiven Umgang mit Prozessen der beschleunigten
Urbanisierung abverlangt.
Im besten Sinn operiert die Neue Bauakademie als
Plattform für Kreativität und Wissenstransfer, die
eine führende und gestaltende Rolle für die Zukunft
einnimmt. Sie gibt ebenso Raum für die Weiterent-
wicklung des Kulturerhalt-Gedankens wie für die
Architekturvermittlung, ist Forschungsstätte und
Ort des Dialogs zwischen Experten, Kulturen und
Generationen und gestaltet auch die digitalen Mög-
lichkeiten entscheidend mit.
Warum engagiert sich das Goethe-Institut für eine
Neue Bauakademie?
Das Goethe-Institut ist mit seinen 160 Instituten
in knapp 100 Ländern mit den weltweiten Ent-
wicklungen vertraut und engagiert sich partner-
schaftlich besonders in den Bereichen Bildung und
Kultur. Dabei spielen insbesondere das starke An-
wachsen der Stadtbevölkerung, die aktuellen Mi-
grations- und Flüchtlingsströme, die unterschied-
lichen demografischen und zivilgesellschaftlichen
Entwicklungen sowie die Tendenzen gegenseitiger
Abschottung einerseits und globaler Vernetzung
andererseits eine Rolle.
Unser menschliches Zusammenleben ist in erster
Linie eine kulturelle Leistung. Dazu bedarf es geeig-
neter Voraussetzungen, die dieses Zusammenleben
ermöglichen. Architektur hat, angefangen bei ihren
Entwurfs- und Bauprozessen über die Realisierung
bis hin zur Stadtplanung mit öffentlichen Räumen,
eine langfristige und tiefgreifende Auswirkung. Ar-
chitektur hat somit mehr denn je eine soziale Ver-
antwortung und ist für die Zukunftsfähigkeit der
Gesellschaft entscheidend. Den großen Städten
kommt immer mehr die Aufgabe zu, die mit der
Urbanisierung verbundenen Entwicklungen in ih-
rer gesellschaftlichen Verantwortung zu reflektieren
und zu gestalten. Diese Rolle muss einerseits nach
dem lokalen und sozialen Kontext fragen und sich
andererseits an globalen Fragestellungen ausrichten.
Dazu bedarf es ganz im Sinn von Schinkels Motiven
nicht unbedingt einer ausgreifenden Programma-
tik, sondern eher eines schlüssigen Pragmatismus.
Den gewinnt man aus einem intensiven Austausch
von Architekten, Stadtplanern, Wissenschaftlern
verschiedener Disziplinen (Sozialwissenschaften,
Philosophie, Kunstwissenschaften, Geschichtswis-
senschaft usw.), Künstlern, Bürgerinitiativen.
Das Goethe-Institut hat seit einigen Jahren mit sei-
nem Schwerpunkt „Architektur und Stadtentwick-
lung“ Ausstellungen, Publikationen, Konferenzen
und Kooperationen ermöglicht, in Zusammen-
arbeit mit Universitäten und Architekturmuseen
(Think Global, Build Social – Actopolis – Afritec-
ture – All Change usw.).
Das Goethe-Institut versteht sich im Verbund mit
der TU Berlin und dem Deutschen Archäologi-
schen Institut als komplementärer Partner, der
zu deren Wissen, Diskursen und Kompetenzen
aktuelle kulturelle Perspektiven aus ganz unter-
schiedlichen Teilen der Welt beisteuert und wissen-
schaftliche Themen durch kreative Ansätze aus ver-
schiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen
Disziplinen bereichert.
Das Goethe-Institut kann einerseits das Potenzial
des Netzwerks der 160 Institute für die Bauakade-
mie öffnen und damit einen immer aktuellen Dis-
kussionsstand verfügbar machen, andererseits die
Arbeitsergebnisse der Bauakademie in die Welt ver-
mitteln. Dieser Austausch macht die Bauakademie
zu einem ehrgeizigen Ort, der Zukunft schafft. Er
wird dann besonders effektiv wirken, wenn er über
ein eigenes Residenzprogramm zusätzlich gestärkt
wird, das den Aufenthalt von Expertinnen und Ex-
Zentrales Element des Deutschlandjahres zwischen Deutschland und Indien war die „Indo-German Urban Mela“ in New Delhi ein Ensemble moderner Multifunktions-
Pavillons, die von dem deutschen Künstler Markus Heinsdorff entworfen wurden. Die Pavillons kombinierten hochmoderne Stahl- und Textiltechnologien beider Länder.
17
Die Neue Bauakademie
global denken
Von Klaus-Dieter Lehmann
Der Diskurs zur Architektur als kultureller
Disziplin hat in Deutschland einen hohen
Stellenwert. Aber es fehlt ein zentraler Ort
in Berlin, der neben den hier angesiedelten Museen
(Museumsinsel und Humboldt Forum) sowie den
wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen
mit unangefochtener internationaler Bedeutung für
die globale und interdisziplinäre Vernetzung, Ver-
mittlung und Präsentation von Ideen und Akteuren
auf dem Gebiet der Architektur steht.
Der Wiederaufbau der Bauakademie bietet einen
einmaligen Anknüpfungspunkt für ein solches
Vorhaben. Karl Friedrich Schinkel schuf damals auf
dem kenntnisreichen Fundament des Vorhandenen
etwas Gewagtes und Neues, um einen wichtigen
Beitrag zu einer sich wandelnden Gesellschaft zu
leisten. Sein Denken gegen enge Grenzen, statische
Abgeschlossenheit und systematische Verfestigung
und für Dynamik, Imagination und praktisches
Handeln kann heute wiederum Leitmotiv sein.
Eine Neue Bauakademie an diesem hochwertigen
Ort muss sich diesen Maßstab setzen: Keinesfalls
soll sie bestehende Einrichtungen doppeln. Viel-
mehr muss sie sich den veränderten globalen Kon-
texten öffnen und neue Perspektiven bieten. Der
sozialen Dimension des Bauens kommt eine zuneh-
mende gesellschaftliche Bedeutung zu. Es ist der
raumprägende und identitätsstiftende Charakter
der Architektur, der ihr beispielsweise Antworten
zur Gestaltung inklusiver Stadträume und den pro-
aktiven Umgang mit Prozessen der beschleunigten
Urbanisierung abverlangt.
Im besten Sinn operiert die Neue Bauakademie als
Plattform für Kreativität und Wissenstransfer, die
eine führende und gestaltende Rolle für die Zukunft
einnimmt. Sie gibt ebenso Raum für die Weiterent-
wicklung des Kulturerhalt-Gedankens wie für die
Architekturvermittlung, ist Forschungsstätte und
Ort des Dialogs zwischen Experten, Kulturen und
Generationen und gestaltet auch die digitalen Mög-
lichkeiten entscheidend mit.
Warum engagiert sich das Goethe-Institut für eine
Neue Bauakademie?
Das Goethe-Institut ist mit seinen 160 Instituten
in knapp 100 Ländern mit den weltweiten Ent-
wicklungen vertraut und engagiert sich partner-
schaftlich besonders in den Bereichen Bildung und
Kultur. Dabei spielen insbesondere das starke An-
wachsen der Stadtbevölkerung, die aktuellen Mi-
grations- und Flüchtlingsströme, die unterschied-
lichen demografischen und zivilgesellschaftlichen
Entwicklungen sowie die Tendenzen gegenseitiger
Abschottung einerseits und globaler Vernetzung
andererseits eine Rolle.
Unser menschliches Zusammenleben ist in erster
Linie eine kulturelle Leistung. Dazu bedarf es geeig-
neter Voraussetzungen, die dieses Zusammenleben
ermöglichen. Architektur hat, angefangen bei ihren
Entwurfs- und Bauprozessen über die Realisierung
bis hin zur Stadtplanung mit öffentlichen Räumen,
eine langfristige und tiefgreifende Auswirkung. Ar-
chitektur hat somit mehr denn je eine soziale Ver-
antwortung und ist für die Zukunftsfähigkeit der
Gesellschaft entscheidend. Den großen Städten
kommt immer mehr die Aufgabe zu, die mit der
Urbanisierung verbundenen Entwicklungen in ih-
rer gesellschaftlichen Verantwortung zu reflektieren
und zu gestalten. Diese Rolle muss einerseits nach
dem lokalen und sozialen Kontext fragen und sich
andererseits an globalen Fragestellungen ausrichten.
Dazu bedarf es ganz im Sinn von Schinkels Motiven
nicht unbedingt einer ausgreifenden Programma-
tik, sondern eher eines schlüssigen Pragmatismus.
Den gewinnt man aus einem intensiven Austausch
von Architekten, Stadtplanern, Wissenschaftlern
verschiedener Disziplinen (Sozialwissenschaften,
Philosophie, Kunstwissenschaften, Geschichtswis-
senschaft usw.), Künstlern, Bürgerinitiativen.
Das Goethe-Institut hat seit einigen Jahren mit sei-
nem Schwerpunkt „Architektur und Stadtentwick-
lung“ Ausstellungen, Publikationen, Konferenzen
und Kooperationen ermöglicht, in Zusammen-
arbeit mit Universitäten und Architekturmuseen
(Think Global, Build Social – Actopolis – Afritec-
ture – All Change usw.).
Das Goethe-Institut versteht sich im Verbund mit
der TU Berlin und dem Deutschen Archäologi-
schen Institut als komplementärer Partner, der
zu deren Wissen, Diskursen und Kompetenzen
aktuelle kulturelle Perspektiven aus ganz unter-
schiedlichen Teilen der Welt beisteuert und wissen-
schaftliche Themen durch kreative Ansätze aus ver-
schiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen
Disziplinen bereichert.
Das Goethe-Institut kann einerseits das Potenzial
des Netzwerks der 160 Institute für die Bauakade-
mie öffnen und damit einen immer aktuellen Dis-
kussionsstand verfügbar machen, andererseits die
Arbeitsergebnisse der Bauakademie in die Welt ver-
mitteln. Dieser Austausch macht die Bauakademie
zu einem ehrgeizigen Ort, der Zukunft schafft. Er
wird dann besonders effektiv wirken, wenn er über
ein eigenes Residenzprogramm zusätzlich gestärkt
wird, das den Aufenthalt von Expertinnen und Ex-
Zentrales Element des Deutschlandjahres zwischen Deutschland und Indien war die „Indo-German Urban Mela“ in New Delhi ein Ensemble moderner Multifunktions-
Pavillons, die von dem deutschen Künstler Markus Heinsdorff entworfen wurden. Die Pavillons kombinierten hochmoderne Stahl- und Textiltechnologien beider Länder.
18
perten der verschiedenen Disziplinen in der Bau-
akademie ermöglicht. Das Residenzprogramm ist
ein Basislager für Künstler und Intellektuelle. Da-
mit lässt sich auch nachhaltig das Veranstaltungs-
und Ausstellungsprogramm profilieren. Durch
diese Vernetzung können ungewöhnliche Perspek-
tivwechsel ermöglicht werden und Impulse sowohl
in Deutschland als auch in den Herkunftsländern
ausgelöst werden.
Gemeinsam mit den Partnern der TU Berlin und
dem Deutschen Archäologischen Institut wird das
Goethe-Institut das Ziel verfolgen, in engem Aus-
tausch zu den international relevanten Instituti-
onen und Szenen die globale Relevanz der Neuen
Bauakademie als zentraler Ort des Architekturdis-
kurses in Deutschland zu sichern. Dabei muss die
Bauakademie ein Konzept vertreten, das am An-
fang des 21. Jahrhunderts nicht auf Entwicklungen
reagiert, sondern innovativ neue Sichten eröffnet.
Was Karl Friedrich Schinkel als Kern der Kunst sei-
ner Zeit begriff, nämlich, dass sie „nichts ist, wenn
nicht neu, soll auch hier gelten.
Wie sehen Stadtgesellschaften heute aus – und in welchen Städten wollen wir in Zukunft leben? Das Projekt „Urban Places – Public
Spaces“ untersuchte die Stadtgesellschaften der Gegenwart und Zukunft verschiedener Metropolen.
Prof. Dr. h. c. Klaus-Dieter Lehmann
ist Präsident des Goethe-Instituts.
Think-Tank
Neue Bauakademie
Integrierte Ansätze für Kulturerhalt, Forschung und Lehre
Von Friederike Fless
Für Karl Friedrich Schinkel war die Bauaka-
demie das, was man heute einen Think-Tank
nennen würde. Hier wurden Fragen der Bau-
und Denkmalkultur, innovative Ideen für die Ar-
chitektur, die Architekturförderung und den Erhalt
von Baudenkmälern in Kreisen ausgewiesener Ex-
perten diskutiert. Darüber hinaus war die Bauaka-
demie ein Wissensspeicher mit einer Bibliothek und
Archiven als Grundlage der Forschung und Lehre.
An alles dies sollte die wiederaufgebaute Bauaka-
demie anknüpfen und sich von einem Verständnis
unserer global verwobenen Vergangenheiten aus
den Herausforderungen unserer Zeit widmen.
19
Schutzbau für die Royal Baths in Meroë/Sudan
Zur Ausführung empfohlener Entwurf von
Kéré Architecture, Berlin (2015)
18
perten der verschiedenen Disziplinen in der Bau-
akademie ermöglicht. Das Residenzprogramm ist
ein Basislager für Künstler und Intellektuelle. Da-
mit lässt sich auch nachhaltig das Veranstaltungs-
und Ausstellungsprogramm profilieren. Durch
diese Vernetzung können ungewöhnliche Perspek-
tivwechsel ermöglicht werden und Impulse sowohl
in Deutschland als auch in den Herkunftsländern
ausgelöst werden.
Gemeinsam mit den Partnern der TU Berlin und
dem Deutschen Archäologischen Institut wird das
Goethe-Institut das Ziel verfolgen, in engem Aus-
tausch zu den international relevanten Instituti-
onen und Szenen die globale Relevanz der Neuen
Bauakademie als zentraler Ort des Architekturdis-
kurses in Deutschland zu sichern. Dabei muss die
Bauakademie ein Konzept vertreten, das am An-
fang des 21. Jahrhunderts nicht auf Entwicklungen
reagiert, sondern innovativ neue Sichten eröffnet.
Was Karl Friedrich Schinkel als Kern der Kunst sei-
ner Zeit begriff, nämlich, dass sie „nichts ist, wenn
nicht neu, soll auch hier gelten.
Wie sehen Stadtgesellschaften heute aus – und in welchen Städten wollen wir in Zukunft leben? Das Projekt „Urban Places – Public
Spaces“ untersuchte die Stadtgesellschaften der Gegenwart und Zukunft verschiedener Metropolen.
Prof. Dr. h. c. Klaus-Dieter Lehmann
ist Präsident des Goethe-Instituts.
Think-Tank
Neue Bauakademie
Integrierte Ansätze für Kulturerhalt, Forschung und Lehre
Von Friederike Fless
Für Karl Friedrich Schinkel war die Bauaka-
demie das, was man heute einen Think-Tank
nennen würde. Hier wurden Fragen der Bau-
und Denkmalkultur, innovative Ideen für die Ar-
chitektur, die Architekturförderung und den Erhalt
von Baudenkmälern in Kreisen ausgewiesener Ex-
perten diskutiert. Darüber hinaus war die Bauaka-
demie ein Wissensspeicher mit einer Bibliothek und
Archiven als Grundlage der Forschung und Lehre.
An alles dies sollte die wiederaufgebaute Bauaka-
demie anknüpfen und sich von einem Verständnis
unserer global verwobenen Vergangenheiten aus
den Herausforderungen unserer Zeit widmen.
19
Schutzbau für die Royal Baths in Meroë/Sudan
Zur Ausführung empfohlener Entwurf von
Kéré Architecture, Berlin (2015)
20
21
Eine der großen Herausforderungen heute sind
Megacities. Das stete Wachsen einiger Städte und
die Entvölkerung ehemaliger Industriestädte ma-
chen die Stadt zu einem Ort, an dem in großer Dy-
namik soziale und kulturelle Veränderungen wirk-
sam werden. An der Technischen Universität Berlin
reagierte man mit dem „Center for Metropolitan
Studies“ auf diese Herausforderungen. Das Goethe-
Institut setzt sich weltweit mit Fragen der Urbani-
sierung auseinander. Das Deutsche Archäologische
Institut hat sich international zu Fragen des Um-
gangs mit den vielen Schichten der Vergangenheit
vernetzt. Bei allen diesen Ansätzen wird eines deut-
lich: Die wachsenden Städte erfordern ein tieferes
Verständnis auch des Wachsens ihrer Strukturen.
Urbane Veränderungen lassen sich nur verstehen,
wenn man auch die Geschichte der Veränderung
urbaner Strukturen mit ihren jeweiligen Folgen
begreift. Ein Verständnis der historischen Entwick-
lung ist die Grundlage dafür, Fragen von Mobilität
und Stadtumbau, von kulturellen Ökonomien und
sozialen Veränderungen zu beantworten und neue
Lösungen für die drängenden Probleme unserer
Zeit zu finden. Die Zerstörung von Städten in den
aktuellen Krisenregionen zeigt, wie mit der Zerstö-
rung von Denkmälern und Stadtstrukturen auch
eine vollständige soziale, kulturelle und religiöse
Neuformatierung der urbanen Räume einhergeht
und nicht selten sogar beabsichtigt ist. Das komple-
xe Gebilde „Stadt“ kann somit nur aus der Kenntnis
seiner Entwicklung heraus verstanden und weiter-
entwickelt werden. Dazu braucht es Denkräume,
um die nicht selten separat agierenden Disziplinen
und Experten zusammenzubringen. Die Komple-
xität der Herausforderung bedarf letztlich auch ei-
ner Komplexität der Analyse, des Dialogs und der
Koproduktion – in einer globalen Perspektive aber
auch eines internationalen Ortes der Reflexion.
Will man innovative und partizipative Forschungs-
formate entwickeln, Wissen gemeinsam erarbeiten
und psentieren, werden Kommunikationsume
und Experimentier-Plattformen gebraucht. Das
gilt umso mehr für Formate, die sich im Sinne der
New Urban Agenda inhaltlich der Entwicklung
von Städten und dem Lebensraum von Menschen
widmen, da sie einen Ort brauchen, an dem die
Zusammenführung von Theorie und Praxis ganz
konkret stattfinden kann. Eine moderne Bauakade-
mie muss dies gezielt in den Dialog mit all jenen
Disziplinen einbinden, die sich mit Stadtentwick-
lung, nachhaltigem Bauen und neuen Visionen
architektonischer Entwicklung beschäftigen. Kul-
turerhalt ist nur wirksam, wenn er die Zukunft mit-
denkt und bewusst Teil der Entwicklung urbaner
Strukturen und architektonischer Lösungen wird.
Dabei braucht es visionäre Lösungen in Gestaltung
und Design für die Psentation und Integration
des kulturellen Erbes in den urbanen Raum. Das
2016 gegründete und vom Deutschen Archäologi-
schen Institut koordinierte Archaeological Heri tage
Network ist ein erster Schritt in diese Richtung, in-
dem es zahlreiche Institutionen und Disziplinen
miteinander verbindet. Eine moderne Bauakade-
mie kann ein Ort sein für gemeinsame Forschung,
für Aus- und Weiterbildung im internationalen
Dialog zu den drängenden Fragen des Erhalts der
kulturellen Vielfalt, des Kulturerhalts, der digitalen
Sicherung und so Zugänglichmachung von Kul-
turerbe. Als Think-Tank kann sie ein Ort sein für
internationale Kooperationen wie die gemeinsame
Arbeit mit syrischen oder irakischen Experten für
den Wiederaufbau ihrer Städte, die Restaurierung
der Welterbestätten und Denkmäler in ihren Län-
dern. Sie könnte Nachwuchswissenschaftler, Ar-
chitekten, Städteplaner und Spezialisten für den
Erhalt des Erbes der Menschheit aus aller Welt zur
gemeinsamen Erforschung der drängenden The-
men einladen oder ihnen einen Ort für die prak-
tische Weiterbildung bieten, seien es Angebote
in der archäologischen und historischen Baufor-
schung, in der Grabungstechnik, im Bereich der
Restaurierung sowie in der touristischen Erschlie-
ßung von Kulturgütern. Als gemeinsame Plattform
kann sie die Initiativen der deutschen Hochschulen
und Forschungseinrichtungen mit ihrer Fülle von
Kompetenzen im Bereich des Kulturerhalts so-
wie ihren einschlägigen Studiengängen – z. B. Ar-
chäologie, Architektur, historische Bauforschung,
Denkmalpflege, Heritage Studies bündeln und
in internatio nalem Austausch ausbauen. Das mul-
tidisziplinäre wissenschaftliche Angebot, das The-
orie und Praxis miteinander verbindet, besitzt eine
große internationale Ausstrahlung und zieht daher
zahlreiche Studierwillige, aber auch Gastforscher
aus allen Ländern der Welt an. Die Bauakademie
könnte ein Ort werden, an dem traditionelle Gren-
zen durch einen holistischen Ansatz überwunden
werden. Der internationale Blick sollte auch die
Aus- und Weiterbildungsperspektiven und Sti-
pendienprogramme pgen. Der Blick nach innen
sollte sich hier mit dem nach außen verbinden.
Bibliotheken und andere Wissensspeicher können
darüber hinaus attraktive Anziehungspunkte sein,
die von Orten niedrigschwelliger Vermittlung flan-
kiert werden, denn Partizipation und Public Enga-
gement sind zentrale Themen unserer Zeit.
Prof. Dr. Friederike Fless
ist Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts.
Hellenistische Stadtmauer der Palastanlage von Karasiz/Osttürkei
Bauaufnahme als Basis von Konservierung und Präsentation
20
21
Eine der großen Herausforderungen heute sind
Megacities. Das stete Wachsen einiger Städte und
die Entvölkerung ehemaliger Industriestädte ma-
chen die Stadt zu einem Ort, an dem in großer Dy-
namik soziale und kulturelle Venderungen wirk-
sam werden. An der Technischen Universität Berlin
reagierte man mit dem „Center for Metropolitan
Studies“ auf diese Herausforderungen. Das Goethe-
Institut setzt sich weltweit mit Fragen der Urbani-
sierung auseinander. Das Deutsche Archäologische
Institut hat sich international zu Fragen des Um-
gangs mit den vielen Schichten der Vergangenheit
vernetzt. Bei allen diesen Ansätzen wird eines deut-
lich: Die wachsenden Städte erfordern ein tieferes
Verständnis auch des Wachsens ihrer Strukturen.
Urbane Venderungen lassen sich nur verstehen,
wenn man auch die Geschichte der Veränderung
urbaner Strukturen mit ihren jeweiligen Folgen
begreift. Ein Verständnis der historischen Entwick-
lung ist die Grundlage dafür, Fragen von Mobilität
und Stadtumbau, von kulturellen Ökonomien und
sozialen Venderungen zu beantworten und neue
Lösungen für die drängenden Probleme unserer
Zeit zu finden. Die Zerstörung von Städten in den
aktuellen Krisenregionen zeigt, wie mit der Zerstö-
rung von Denkmälern und Stadtstrukturen auch
eine vollständige soziale, kulturelle und religiöse
Neuformatierung der urbanen Räume einhergeht
und nicht selten sogar beabsichtigt ist. Das komple-
xe Gebilde „Stadt“ kann somit nur aus der Kenntnis
seiner Entwicklung heraus verstanden und weiter-
entwickelt werden. Dazu braucht es Denkume,
um die nicht selten separat agierenden Disziplinen
und Experten zusammenzubringen. Die Komple-
xität der Herausforderung bedarf letztlich auch ei-
ner Komplexität der Analyse, des Dialogs und der
Koproduktion – in einer globalen Perspektive aber
auch eines internationalen Ortes der Reflexion.
Will man innovative und partizipative Forschungs-
formate entwickeln, Wissen gemeinsam erarbeiten
und präsentieren, werden Kommunikationsräume
und Experimentier-Plattformen gebraucht. Das
gilt umso mehr für Formate, die sich im Sinne der
New Urban Agenda inhaltlich der Entwicklung
von Städten und dem Lebensraum von Menschen
widmen, da sie einen Ort brauchen, an dem die
Zusammenführung von Theorie und Praxis ganz
konkret stattfinden kann. Eine moderne Bauakade-
mie muss dies gezielt in den Dialog mit all jenen
Disziplinen einbinden, die sich mit Stadtentwick-
lung, nachhaltigem Bauen und neuen Visionen
architektonischer Entwicklung beschäftigen. Kul-
turerhalt ist nur wirksam, wenn er die Zukunft mit-
denkt und bewusst Teil der Entwicklung urbaner
Strukturen und architektonischer Lösungen wird.
Dabei braucht es visionäre Lösungen in Gestaltung
und Design für die Präsentation und Integration
des kulturellen Erbes in den urbanen Raum. Das
2016 gegründete und vom Deutschen Archäologi-
schen Institut koordinierte Archaeological Heri tage
Network ist ein erster Schritt in diese Richtung, in-
dem es zahlreiche Institutionen und Disziplinen
miteinander verbindet. Eine moderne Bauakade-
mie kann ein Ort sein für gemeinsame Forschung,
r Aus- und Weiterbildung im internationalen
Dialog zu den drängenden Fragen des Erhalts der
kulturellen Vielfalt, des Kulturerhalts, der digitalen
Sicherung und so Zugänglichmachung von Kul-
turerbe. Als Think-Tank kann sie ein Ort sein für
internationale Kooperationen wie die gemeinsame
Arbeit mit syrischen oder irakischen Experten für
den Wiederaufbau ihrer Städte, die Restaurierung
der Welterbestätten und Denkmäler in ihren Län-
dern. Sie könnte Nachwuchswissenschaftler, Ar-
chitekten, Städteplaner und Spezialisten für den
Erhalt des Erbes der Menschheit aus aller Welt zur
gemeinsamen Erforschung der drängenden The-
men einladen oder ihnen einen Ort für die prak-
tische Weiterbildung bieten, seien es Angebote
in der archäologischen und historischen Baufor-
schung, in der Grabungstechnik, im Bereich der
Restaurierung sowie in der touristischen Erschlie-
ßung von Kulturgütern. Als gemeinsame Plattform
kann sie die Initiativen der deutschen Hochschulen
und Forschungseinrichtungen mit ihrer Fülle von
Kompetenzen im Bereich des Kulturerhalts so-
wie ihren einschlägigen Studiengängen – z. B. Ar-
chäologie, Architektur, historische Bauforschung,
Denkmalpflege, Heritage Studies – bündeln und
in internatio nalem Austausch ausbauen. Das mul-
tidisziplinäre wissenschaftliche Angebot, das The-
orie und Praxis miteinander verbindet, besitzt eine
große internationale Ausstrahlung und zieht daher
zahlreiche Studierwillige, aber auch Gastforscher
aus allen Ländern der Welt an. Die Bauakademie
nnte ein Ort werden, an dem traditionelle Gren-
zen durch einen holistischen Ansatz überwunden
werden. Der internationale Blick sollte auch die
Aus- und Weiterbildungsperspektiven und Sti-
pendienprogramme prägen. Der Blick nach innen
sollte sich hier mit dem nach außen verbinden.
Bibliotheken und andere Wissensspeicher können
darüber hinaus attraktive Anziehungspunkte sein,
die von Orten niedrigschwelliger Vermittlung flan-
kiert werden, denn Partizipation und Public Enga-
gement sind zentrale Themen unserer Zeit.
Prof. Dr. Friederike Fless
ist Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts.
Hellenistische Stadtmauer der Palastanlage von Karasiz/Osttürkei
Bauaufnahme als Basis von Konservierung und Präsentation
22
Es gibt keinen Ort in Berlin, der so fordernd
für Baukultur stand wie der geschundene
Rote Kasten Karl Friedrich Schinkels. Das
Gebäude Bauakademie hat Kultstatus, es verband
allerfeinste architektonische Bescheidenheit mit
atemberaubender städtebaulicher Qualität. Es fand
Bewunderung bei Generationen von Architektin-
nen und Architekten ganz unterschiedlicher Ori-
entierung. Die Bauakademie war aber nicht nur
ein Gebäude, sondern auch eine Institution, eine
bereits 1799 gegründete Bildungseinrichtung zur
Förderung der staatlichen Baukultur, der älteste
Nukleus der heutigen Technischen Universität Ber-
lin. Zudem beherbergte die Bauakademie die Ober-
Ein Roter Kasten
in Berlins Mitte
Von Harald Bodenschatz
baudeputation, sozusagen die oberste Baubehörde,
Kontrollinstanz der gesamten staatlichen Bautätig-
keit in Preußen.
Das Gebäude Bauakademie verdeutlichte diese
Doppelinstitution. Nach den Reformen des preußi-
schen Staates zu Beginn des 19. Jahrhunderts war
es nicht mehr nur oder ausschließlich der absolute
Herrscher, dessen Willen zum Maßstab der Baukul-
tur gerann, sondern der vom Willen des Herrschers
sich zunehmend emanzipierende Staatsapparat,
der das Ringen um Baukultur institutionalisierte.
Die Bauakademie unterwarf sich nicht mehr dem
Schloss, und ihr Skulpturenprogramm bezog sich
nicht mehr auf Krone und Kreuz. Ihre Botschaft
23
22
Es gibt keinen Ort in Berlin, der so fordernd
für Baukultur stand wie der geschundene
Rote Kasten Karl Friedrich Schinkels. Das
Gebäude Bauakademie hat Kultstatus, es verband
allerfeinste architektonische Bescheidenheit mit
atemberaubender städtebaulicher Qualität. Es fand
Bewunderung bei Generationen von Architektin-
nen und Architekten ganz unterschiedlicher Ori-
entierung. Die Bauakademie war aber nicht nur
ein Gebäude, sondern auch eine Institution, eine
bereits 1799 gegründete Bildungseinrichtung zur
Förderung der staatlichen Baukultur, der älteste
Nukleus der heutigen Technischen Universität Ber-
lin. Zudem beherbergte die Bauakademie die Ober-
Ein Roter Kasten
in Berlins Mitte
Von Harald Bodenschatz
baudeputation, sozusagen die oberste Baubehörde,
Kontrollinstanz der gesamten staatlichen Bautätig-
keit in Preußen.
Das Gebäude Bauakademie verdeutlichte diese
Doppelinstitution. Nach den Reformen des preußi-
schen Staates zu Beginn des 19. Jahrhunderts war
es nicht mehr nur oder ausschließlich der absolute
Herrscher, dessen Willen zum Maßstab der Baukul-
tur gerann, sondern der vom Willen des Herrschers
sich zunehmend emanzipierende Staatsapparat,
der das Ringen um Baukultur institutionalisierte.
Die Bauakademie unterwarf sich nicht mehr dem
Schloss, und ihr Skulpturenprogramm bezog sich
nicht mehr auf Krone und Kreuz. Ihre Botschaft
23
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war: Sparsamkeit, Schönheit und Zweckmäßigkeit.
Die Bauakademie war ein Versprechen nachhalti-
ger Baukultur.
Karl Friedrich Schinkel war der Institution und
dem Gebäude Bauakademie mehrfach verbun-
den. Er war Schüler an der Bauakademie, seine
Karriere vollzog sich in der Oberbaudeputation,
deren Direktor er 1830 wurde. Als Direktor der
Oberbaudeputation entwarf er den Neubau der
Bauakademie. Als Mitglied der Oberbaudeputa-
tion konnte er auch als Prüfer an der Bauakade-
mie tätig werden. Und er wohnte als preußischer
Baubeamter bis zu seinem Tode im Jahre 1841 in
diesem Gebäude.
Die Institution Bauakademie residierte seit 1836 im
Gebäude Bauakademie. Im Jahre 1884 zog sie in das
neue Hauptgebäude der Technischen Hochschule
in Charlottenburg. Damit war die Existenz einer
eigenständigen Institution Bauakademie beendet.
Seither erlebte das Gebäude Bauakademie eine be-
wegte, deutsche Geschichte. Es war Heimstatt der
1920 gegründeten renommierten Deutschen Hoch-
schule für Politik, aber auch Sitz einer Parteischule
der NSDAP. Es wurde durch einen Bombenangriff
am 3. Februar 1945 teilzerstört. Sein Wiederaufbau
unter der Leitung von Richard Paulick begann in
den 1950er-Jahren. 1961 wurde es abgebrochen,
um dem Außenministerium der DDR Platz zu ma-
chen. Legitimiert wurde der Abbruch damals mit
dem Versprechen eines baldigen Wiederaufbaus
an anderer Stelle, der 1965 beginnen sollte. 1995
wurde das Außenministerium der DDR schließlich
abgebrochen, um den Wiederaufbau der Schin-
kelschen Bauakademie vorzubereiten. Doch auch
dieses Versprechen wurde – wie jenes der DDR –
nicht gehalten.
Inzwischen hat das Projekt des Wiederaufbaus der
Bauakademie schon wieder eine eigene Geschichte.
So diskutierte ein Symposium in Hannover bereits
1992 die Sinnhaftigkeit einer neuen Bauakademie:
„Die alte Bauakademie Schinkelscher Prägung
besteht nicht mehr. Sie muß […] neu begründet
werden, um die 300jährige Tradition nicht abrei-
ßen zu lassen und auf die Gestaltung der Zukunft
Einfluß nehmen zu können“ (Pro Bauakademie
1992). Im Jahre 1995 verdichtete sich die Suche
nach dem Programm für eine wiederaufgebau-
te Bauakademie. „Es ist der Wille des Senats, so
der damalige Bausenator Nagel 1995, „an diesem
Standort wieder die Bauakademie entstehen zu
lassen, eine unabhängige wissenschaftliche Lehr-
und Forschungsstätte für Fragen der deutschen
und europäischen Stadtentwicklung, für Architek-
tur, Städtebau, Stadterneuerung, Stadtplanung und
Stadtbaugeschichte, kurzum ein lebendiger Ort
öffentlicher Diskussion mit überregionaler Aus-
strahlung.“ Die geplante Institution wurde „Neue
Bauakademie genannt. Doch der scheinbar greif-
bar nahe Wiederaufbau der Bauakademie versan-
dete.
20 Jahre später ist es wieder so weit: Der Wieder-
aufbau steht erneut bevor. Doch das Wissen um
die Bauakademie und die Geschichte ihres ver-
sprochenen Wiederaufbaus ist verblasst, und die
Ansprüche sind größer, anmaßender geworden,
oft ohne Rücksicht auf die Besonderheiten die-
ses Kastens. Die Bauakademie war ein Gebäude
und eine Institution, in dieser Doppelung ein Ma-
nifest der Baukultur unabhängig vom jeweiligen
Herrscher, einer Baukultur, die nicht nur archi-
tektonisch inszeniert, sondern um die in diesem
Gebäude auch gerungen wurde. Sie ähnelt damit
dem fast 100 Jahre später errichteten Bauhaus in
Dessau, dem zweiten Bauwerk in Deutschland,
das zu einem Kultort des Bauens geworden ist.
Dieser Tradition muss sich die Diskussion um
einen Wiederaufbau heute stellen, will sie nicht
in einer banalen Verkürzung enden. Eine Neue
Bauakademie muss wieder ein Ort von internati-
onalem Interesse sein, ein Ort, an dem Deutsch-
land selbstbewusst selbstkritisch sein Bauen p-
sentiert und das Bauen anderswo zur Kenntnis
nimmt, mit Blick auf Ökonomie, Ökologie und
soziale Gerechtigkeit. Beteiligt sind selbstver-
ständlich auch die Hauptstadt und ihr Spross, die
TU Berlin. Die Senatorin für Stadtentwicklung
und Wohnen hat für dieses Projekt eine überzeu-
gende Orientierung formuliert:so viel Schinkel
wie möglich. Das gilt für das Gebäude wie die
Nutzung. Die Tradition des Ortes begründet den
besonderen Anspruch, in der wiederaufgebauten
Bauakademie mit Blick auf Sparsamkeit, Schön-
heit und Zweckmäßigkeit um die Zukunft von Ar-
chitektur und Stadt zu ringen.
Harald Bodenschatz war bis 2011 Professor für Planungs- und
Architektursoziologie an der TU Berlin. Von ihm erschien 1995 das
Buch: „,DER ROTE KASTEN. Zu Bedeutung, Wirkung und Zukunft
von Schinkels Bauakademie“. Er begleitet die Aktivitäten der
TU Berlin zur Vorbereitung der Neuen Bauakademie.
Bauakademie 1888 und Mitte der 1950er Jahre
24
25
war: Sparsamkeit, Schönheit und Zweckmäßigkeit.
Die Bauakademie war ein Versprechen nachhalti-
ger Baukultur.
Karl Friedrich Schinkel war der Institution und
dem Gebäude Bauakademie mehrfach verbun-
den. Er war Schüler an der Bauakademie, seine
Karriere vollzog sich in der Oberbaudeputation,
deren Direktor er 1830 wurde. Als Direktor der
Oberbaudeputation entwarf er den Neubau der
Bauakademie. Als Mitglied der Oberbaudeputa-
tion konnte er auch als Prüfer an der Bauakade-
mie tätig werden. Und er wohnte als preußischer
Baubeamter bis zu seinem Tode im Jahre 1841 in
diesem Gebäude.
Die Institution Bauakademie residierte seit 1836 im
Gebäude Bauakademie. Im Jahre 1884 zog sie in das
neue Hauptgebäude der Technischen Hochschule
in Charlottenburg. Damit war die Existenz einer
eigenständigen Institution Bauakademie beendet.
Seither erlebte das Gebäude Bauakademie eine be-
wegte, deutsche Geschichte. Es war Heimstatt der
1920 gegründeten renommierten Deutschen Hoch-
schule für Politik, aber auch Sitz einer Parteischule
der NSDAP. Es wurde durch einen Bombenangriff
am 3. Februar 1945 teilzerstört. Sein Wiederaufbau
unter der Leitung von Richard Paulick begann in
den 1950er-Jahren. 1961 wurde es abgebrochen,
um dem Außenministerium der DDR Platz zu ma-
chen. Legitimiert wurde der Abbruch damals mit
dem Versprechen eines baldigen Wiederaufbaus
an anderer Stelle, der 1965 beginnen sollte. 1995
wurde das Außenministerium der DDR schließlich
abgebrochen, um den Wiederaufbau der Schin-
kelschen Bauakademie vorzubereiten. Doch auch
dieses Versprechen wurde – wie jenes der DDR –
nicht gehalten.
Inzwischen hat das Projekt des Wiederaufbaus der
Bauakademie schon wieder eine eigene Geschichte.
So diskutierte ein Symposium in Hannover bereits
1992 die Sinnhaftigkeit einer neuen Bauakademie:
„Die alte Bauakademie Schinkelscher Prägung
besteht nicht mehr. Sie muß […] neu begründet
werden, um die 300jährige Tradition nicht abrei-
ßen zu lassen und auf die Gestaltung der Zukunft
Einfluß nehmen zu können“ (Pro Bauakademie
1992). Im Jahre 1995 verdichtete sich die Suche
nach dem Programm für eine wiederaufgebau-
te Bauakademie. „Es ist der Wille des Senats, so
der damalige Bausenator Nagel 1995, „an diesem
Standort wieder die Bauakademie entstehen zu
lassen, eine unabhängige wissenschaftliche Lehr-
und Forschungsstätte für Fragen der deutschen
und europäischen Stadtentwicklung, für Architek-
tur, Städtebau, Stadterneuerung, Stadtplanung und
Stadtbaugeschichte, kurzum ein lebendiger Ort
öffentlicher Diskussion mit überregionaler Aus-
strahlung.“ Die geplante Institution wurde „Neue
Bauakademie“ genannt. Doch der scheinbar greif-
bar nahe Wiederaufbau der Bauakademie versan-
dete.
20 Jahre später ist es wieder so weit: Der Wieder-
aufbau steht erneut bevor. Doch das Wissen um
die Bauakademie und die Geschichte ihres ver-
sprochenen Wiederaufbaus ist verblasst, und die
Ansprüche sind größer, anmaßender geworden,
oft ohne Rücksicht auf die Besonderheiten die-
ses Kastens. Die Bauakademie war ein Gebäude
und eine Institution, in dieser Doppelung ein Ma-
nifest der Baukultur unabhängig vom jeweiligen
Herrscher, einer Baukultur, die nicht nur archi-
tektonisch inszeniert, sondern um die in diesem
Gebäude auch gerungen wurde. Sie ähnelt damit
dem fast 100 Jahre später errichteten Bauhaus in
Dessau, dem zweiten Bauwerk in Deutschland,
das zu einem Kultort des Bauens geworden ist.
Dieser Tradition muss sich die Diskussion um
einen Wiederaufbau heute stellen, will sie nicht
in einer banalen Verkürzung enden. Eine Neue
Bauakademie muss wieder ein Ort von internati-
onalem Interesse sein, ein Ort, an dem Deutsch-
land selbstbewusst selbstkritisch sein Bauen p-
sentiert und das Bauen anderswo zur Kenntnis
nimmt, mit Blick auf Ökonomie, Ökologie und
soziale Gerechtigkeit. Beteiligt sind selbstver-
ständlich auch die Hauptstadt und ihr Spross, die
TU Berlin. Die Senatorin für Stadtentwicklung
und Wohnen hat für dieses Projekt eine überzeu-
gende Orientierung formuliert: „so viel Schinkel
wie möglich. Das gilt für das Gebäude wie die
Nutzung. Die Tradition des Ortes begründet den
besonderen Anspruch, in der wiederaufgebauten
Bauakademie mit Blick auf Sparsamkeit, Schön-
heit und Zweckmäßigkeit um die Zukunft von Ar-
chitektur und Stadt zu ringen.
Harald Bodenschatz war bis 2011 Professor für Planungs- und
Architektursoziologie an der TU Berlin. Von ihm erschien 1995 das
Buch: „,DER ROTE KASTEN. Zu Bedeutung, Wirkung und Zukunft
von Schinkels Bauakademie“. Er begleitet die Aktivitäten der
TU Berlin zur Vorbereitung der Neuen Bauakademie.
Bauakademie 1888 und Mitte der 1950er Jahre
26
Schinkels Berliner Bauakademie löst immer
wieder einen kleinen Schock aus. Es ist aber
beileibe nicht der Kasten aus roten Klinkern,
nein, es ist dessen Modernität, die in der äußeren
Erscheinung zur Sichtbarkeit und Erkennbarkeit
kommt. Und echte Erkenntnis lässt nie unbeteiligt.
Ist das nicht total modern?, rief Bruno Taut vor
gut 80 Jahren bei seinem Besuch von Katsura-rik
in Kyoto aus. Dabei handelt es sich um einen Prin-
zenpalast aus dem 17. Jahrhundert, der erst dank
Taut restauriert und ein Nationaldenkmal wurde.
Aber das braucht kein Widerspruch zu sein! Zeit-
genossenschaft – das bedeutet „Modernität“ im ei-
gentlichen Sinne – ist keine Sache nur von Gegen-
rtigkeit oder aktueller Praxis.
Die Herausforderung, vor die uns Schinkels Bau-
akademie stellt, ist die Frage nach dem Modell
der Geschichte, mit dem wir uns in den Lauf der
Zeit einbinden und unsere Werturteile begründen.
Ohne ein Modell der Geschichte lässt sich die ak-
tuelle Praxis nicht hinreichend verstehen. Wir sind
immer historisch Gewordene, was nicht nur für
das Denken, sondern auch für die Emotionalität
gilt. So pgt uns auch der materiell, räumlich und
symbolisch verdichtete Raum von Architektur und
Stadt in emotionaler Hinsicht. Die Mitte Berlins im
Allgemeinen, Schinkels Architekturen nach 1815
und das Gebäude der Bauakademie im Besonderen
ragen hier in besonderer Weise heraus, weil in ih-
nen die bis heute noch pgenden Werte mittels Ar-
chitektur hypostasiert, das heißt verumlicht und
verkörpert und im Alltag psent sind.
Aus der Gegenwart heraus bauend sich die Ge-
schichte aneignen, das war eines der zentralen An-
liegen Schinkels nach den Befreiungskriegen 1815.
Schinkel war sich bewusst, dass die Geschichte nicht
einfach so auf die jeweilige Gegenwart kommt. Es
ist ein moderner Irrtum, dass Traditionen nur eine
Richtung kennten und nur aus der Geschichte in die
jeweiligen Gegenwarten wirkten. Im Gegenteil, jede
Generation muss sich aus der eigenen Perspektive
eine Spur aus der Vergangenheit zur eigenen Zeit
und damit zu sich selbst bahnen. Indem die Gegen-
wart das aktuell Neueste im Alten erkennt, schafft
sie erst die Traditionslinie, die bedeutungsvoll hin
zur eigenen Gegenwart führt. Traditionen sind eben
immer ein von Jetztzeit infiziertes Historisches.
Und Schinkels Berliner Bauakademie ist ein sol-
ches von Jetztzeit infiziertes Historisches. Es ist ihre
zweihundertjährige Modernität, die immer wieder
kleine Schocks auslöst, besonders für diejenigen
Zeitgenossen, die glauben, alleine an der Spitze des
Fortschritts zu schreiten. Sie ist es aber nicht nur
der Idee nach, sondern hält auch materialiter die
Durchdringung mit Jetztzeit aus. Mit der Gleichzei-
tigkeit des Ungleichzeitigen ist sie zeitgenössisch.
Prof. Dr.-Ing. Jörg H. Gleiter lehrt an der TU Berlin Architek-
turtheorie. Er ist geschäftsführender Direktor des Instituts für
Architektur.
Geschichte bauend aneignen
Geschichtsphilosophische
Betrachtungen zu Schinkels
Berliner Bauakademie
Von Jörg H. Gleiter
DES PUDELS KERN
Von Kurt W. Forster
Schinkels Bauakademie war von Anfang an kontrovers und bot
Anlass zu grundsätzlichen Auseinandersetzungen. Die Meinungen,
die sich herausbildeten, fanden ihre Extreme in der Auffassung des
Dresdener Architekten Ernst Kopp, dem das Gebäude als typologi-
scher „Bastard“ ein Dorn im Auge war.
Den eigentlichen Befreiungsschlag führte Schinkel selber. Aber erst
sein Baukondukteur Emil Flaminius fertigte technische Zeichnungen
an, die des Pudels technischen Kern hervorheben: einen auf Pfeilern
abgestützten, durch Anker- und Zugstangen zusammengehaltenen
strukturellen Käfig. Er ging dabei auf die geologisch ungünstigen
Voraussetzungen ein, die als früheres Strombett“ aus Sandstein-
schichten keine Grundmauern erlaubten, sondern nur durch 79
einzelne Pfeilerbasen einen Bau tragen sollten, der dann innen von
Eisenstangen zusammengehalten und von oben nach unten mit den
Außenwänden eingekleidet und ausgefacht werden sollte.
Es handelt sich um ein revolutionäres Konzept. Eine Probe aufs
Exempel der Richtigkeit von Schinkels spekulativem Konzept
liefert die Tatsache, dass der Bau in struktiver Hinsicht selbst die
Bombardierung Berlins überstand und tte repariert werden
können. Ihn heute nachzubauen kann nur dadurch sinnvoll sein,
dass man sein Strukturkonzept haargenau nachbildet und ihn
damit zu einem Gegenstand der Berliner Baugeschichte Eisen
und Backstein macht und nicht zu einem bloßen Versatzstück
im Stadtbild.
Prof. Dr. Kurt W. Forster lehrte und lehrt Architekturtheorie in
Stanford, Zürich, Weimar, am MIT und in Yale. Er zählt zu den welt-
weit renommiertesten Schinkelforschern.
27
26
Schinkels Berliner Bauakademie löst immer
wieder einen kleinen Schock aus. Es ist aber
beileibe nicht der Kasten aus roten Klinkern,
nein, es ist dessen Modernität, die in der äußeren
Erscheinung zur Sichtbarkeit und Erkennbarkeit
kommt. Und echte Erkenntnis lässt nie unbeteiligt.
„Ist das nicht total modern?“, rief Bruno Taut vor
gut 80 Jahren bei seinem Besuch von Katsura-rikyū
in Kyoto aus. Dabei handelt es sich um einen Prin-
zenpalast aus dem 17. Jahrhundert, der erst dank
Taut restauriert und ein Nationaldenkmal wurde.
Aber das braucht kein Widerspruch zu sein! Zeit-
genossenschaft – das bedeutet „Modernität“ im ei-
gentlichen Sinne – ist keine Sache nur von Gegen-
wärtigkeit oder aktueller Praxis.
Die Herausforderung, vor die uns Schinkels Bau-
akademie stellt, ist die Frage nach dem Modell
der Geschichte, mit dem wir uns in den Lauf der
Zeit einbinden und unsere Werturteile begründen.
Ohne ein Modell der Geschichte lässt sich die ak-
tuelle Praxis nicht hinreichend verstehen. Wir sind
immer historisch Gewordene, was nicht nur für
das Denken, sondern auch für die Emotionalität
gilt. So prägt uns auch der materiell, räumlich und
symbolisch verdichtete Raum von Architektur und
Stadt in emotionaler Hinsicht. Die Mitte Berlins im
Allgemeinen, Schinkels Architekturen nach 1815
und das Gebäude der Bauakademie im Besonderen
ragen hier in besonderer Weise heraus, weil in ih-
nen die bis heute noch prägenden Werte mittels Ar-
chitektur hypostasiert, das heißt verräumlicht und
verkörpert und im Alltag präsent sind.
Aus der Gegenwart heraus bauend sich die Ge-
schichte aneignen, das war eines der zentralen An-
liegen Schinkels nach den Befreiungskriegen 1815.
Schinkel war sich bewusst, dass die Geschichte nicht
einfach so auf die jeweilige Gegenwart kommt. Es
ist ein moderner Irrtum, dass Traditionen nur eine
Richtung kennten und nur aus der Geschichte in die
jeweiligen Gegenwarten wirkten. Im Gegenteil, jede
Generation muss sich aus der eigenen Perspektive
eine Spur aus der Vergangenheit zur eigenen Zeit
und damit zu sich selbst bahnen. Indem die Gegen-
wart das aktuell Neueste im Alten erkennt, schafft
sie erst die Traditionslinie, die bedeutungsvoll hin
zur eigenen Gegenwart führt. Traditionen sind eben
immer ein von Jetztzeit infiziertes Historisches.
Und Schinkels Berliner Bauakademie ist ein sol-
ches von Jetztzeit infiziertes Historisches. Es ist ihre
zweihundertjährige Modernität, die immer wieder
kleine Schocks auslöst, besonders für diejenigen
Zeitgenossen, die glauben, alleine an der Spitze des
Fortschritts zu schreiten. Sie ist es aber nicht nur
der Idee nach, sondern hält auch materialiter die
Durchdringung mit Jetztzeit aus. Mit der Gleichzei-
tigkeit des Ungleichzeitigen ist sie zeitgenössisch.
Prof. Dr.-Ing. Jörg H. Gleiter lehrt an der TU Berlin Architek-
turtheorie. Er ist geschäftsführender Direktor des Instituts für
Architektur.
Geschichte bauend aneignen
Geschichtsphilosophische
Betrachtungen zu Schinkels
Berliner Bauakademie
Von Jörg H. Gleiter
DES PUDELS KERN
Von Kurt W. Forster
Schinkels Bauakademie war von Anfang an kontrovers und bot
Anlass zu grundsätzlichen Auseinandersetzungen. Die Meinungen,
die sich herausbildeten, fanden ihre Extreme in der Auffassung des
Dresdener Architekten Ernst Kopp, dem das Gebäude als typologi-
scher „Bastard“ ein Dorn im Auge war.
Den eigentlichen Befreiungsschlag führte Schinkel selber. Aber erst
sein Baukondukteur Emil Flaminius fertigte technische Zeichnungen
an, die des Pudels technischen Kern hervorheben: einen auf Pfeilern
abgestützten, durch Anker- und Zugstangen zusammengehaltenen
strukturellen Käfig. Er ging dabei auf die geologisch ungünstigen
Voraussetzungen ein, die als „früheres Strombett“ aus Sandstein-
schichten keine Grundmauern erlaubten, sondern nur durch 79
einzelne Pfeilerbasen einen Bau tragen sollten, der dann innen von
Eisenstangen zusammengehalten und von oben nach unten mit den
Außenwänden eingekleidet und ausgefacht werden sollte.
Es handelt sich um ein revolutionäres Konzept. Eine Probe aufs
Exempel der Richtigkeit von Schinkels spekulativem Konzept
liefert die Tatsache, dass der Bau in struktiver Hinsicht selbst die
Bombardierung Berlins überstand und hätte repariert werden
können. Ihn heute nachzubauen kann nur dadurch sinnvoll sein,
dass man sein Strukturkonzept haargenau nachbildet und ihn
damit zu einem Gegenstand der Berliner Baugeschichte – Eisen
und Backstein – macht und nicht zu einem bloßen Versatzstück
im Stadtbild.
Prof. Dr. Kurt W. Forster lehrte und lehrt Architekturtheorie in
Stanford, Zürich, Weimar, am MIT und in Yale. Er zählt zu den welt-
weit renommiertesten Schinkelforschern.
27
Reko ist
nicht Retro
Von Tobias Nöfer
Architektur zeichnet aus, dass sie auf selbstver-
ständliche Weise Anforderungen nicht nur er-
füllt, sondern sie zur Kunstform steigert. Das gilt
für die Bauakademie ganz besonders. Aus der
Aufgabe, ein multifunktionales, brandsicheres
und zugleich städtebaulich wirksames Gebäude
zu errichten, hat Schinkel ein einzigartiges Mo-
nument geschaffen. Kein Einzelaspekt dominiert
hierbei den anderen. Die Bauakademie ist Städ-
tebau und Architektur, Skelettbau und Massiv-
bau, italienische Klassik und Industriearchitek-
tur, einfach und hochkomplex. Das Äußere ist
nicht ohne das Innere zu denken, da sich die aus
allen Einzelaspekten entwickelte Konstruktion
nach außen abbildet. Gleichzeitig konstituiert
die gleichförmige Fassade die räumliche Struktur
im Inneren. Eine Bauakademie ohne ihre innere
Konstruktion wäre wie ein Auto ohne Motor.
Mehr als jedes andere Gebäude der Baugeschich-
te verbindet die Bauakademie alle Einzelaspekte
zu einem Ganzen. Sie ist heute und in Zukunft
so beispielgebend wie im 19. Jahrhundert. Es gibt
keine moralische oder sonstige Veranlassung, sie
nicht wiederherstellen zu dürfen. Es geht um die
Idee und die Umsetzung. Schinkel sollte nicht
durch einen neuen Schinkel ersetzt werden. So
sinnlos es ist, sich zu fragen, was Schinkel heute
machen würde, so sinnlos ist es, eine Bauakade-
mie ohne Bauakademie zu bauen. Ich plädiere
deshalb für eine Wiederherstellung als Ganzes,
und das am besten als Gemeinschaftswerk un-
serer Generation. Es sollte keinen neuen Autor
außer Schinkel geben. Alle Experten, die sich in
den letzten 25 Jahren auf höchstem Niveau mit
der Bauakademie beschäftigt haben, sollten ihre
Expertise mit einbringen. Selbst dann ist der
Wiederaufbau eine Herausforderung, die nicht
leicht zu meistern sein wird.
Tobias Nöfer ist freischaffender Architekt in Berlin. Seit
vielen Jahren engagiert er sich für die Wiedererrichtung
der Bauakademie, deren temporärer Musterraum nach
seinen Plänen errichtet wurde.
Plädoyer für eine
„kritische“ Rekonstruktion
Von Adrian von Buttlar
Großartig, dass der Bund die Mittel für den Wie-
deraufbau der Bauakademie bereitstellt! Aber
nur eine „kritische“ Rekonstruktion kann Schin-
kels Genius und neuen Nutzungen gerecht wer-
den: An diesem historisch bedeutsamen städte-
baulichen Ort ist zwar einerseits keine Willkür
erlaubt – es gilt authentische Spuren zu erhalten,
das verlorene Meisterwerk ins kollektive Ge-
dächtnis zurückzurufen und für seine Relikte ei-
nen angemessenen Schauort zu finden. Anderer-
seits würde Schinkel mit einer „originalgetreu
rekonstruierten Attrappe geradezu ad absurdum
geführt.
Seine künstlerischen Ambitionen waren (in
Kenntniß des ganzen historisch-Vorhande-
nen“) stets auf die Erfüllung neuer funktionaler,
konstruktiver und ästhetischer Ansprüche – auf
zeitgemäße Authentizität – ausgerichtet: „Es
folgt hieraus schon von selbst, daß das Streben
nach dem Ideal sich in jeder Zeit nach den neu
eintretenden Anforderungen richten wird […],
daß auch neue Erfindungen nothwendig werden
[…] und daß, um ein wahrhaft historisches Werk
hervorzubringen, nicht abgeschlossenes Histori-
sches zu wiederholen ist“ (1833).
Auch heute wieder die Brücke zwischen Rück-
und Vorausschau zu schlagen, erfordert Freihei-
ten in Konzeption und Gestaltung der Aufgaben,
denen das Gebäude dienen soll: Zuerst müssen
wir uns also einigen, „welche Erfordernisse“ die
Neue Bauakademie als Lehr- und Veranstal-
tungsort, Ausstellungshalle, Museum, internati-
onales Forum und urbaner Hotspot zu erfüllen
hat; dann versuchen, unter Rücksichtnahme auf
den Genius Loci dafür ein adäquates Gehäuse
des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Zwischen
den Herausforderungen des historischen Erin-
nerungspotenzials und den Visionen eines le-
bendigen Ortes zukunftsfähiger Baukultur liegt
ein weites Feld, das einen offenen Wettbewerb
und eine besonders sorgfältige Diskussion sei-
ner Resultate erfordert: eine Chance für ein pro-
grammatisches Kunststück unserer Zeit – weni-
ger im Stile als im Geiste Schinkels.
Prof. Dr. Adrian von Buttlar war langjähriger Vorsitzen-
der des Berliner Landesdenkmalrates, lehrte bis 2013 Kunst-
geschichte an der TU. Er setzt sich seit Langem mit dem
Phänomen der Architekturrekonstruktion auseinander.
28 29
Reko ist
nicht Retro
Von Tobias Nöfer
Architektur zeichnet aus, dass sie auf selbstver-
ständliche Weise Anforderungen nicht nur er-
füllt, sondern sie zur Kunstform steigert. Das gilt
für die Bauakademie ganz besonders. Aus der
Aufgabe, ein multifunktionales, brandsicheres
und zugleich städtebaulich wirksames Gebäude
zu errichten, hat Schinkel ein einzigartiges Mo-
nument geschaffen. Kein Einzelaspekt dominiert
hierbei den anderen. Die Bauakademie ist Städ-
tebau und Architektur, Skelettbau und Massiv-
bau, italienische Klassik und Industriearchitek-
tur, einfach und hochkomplex. Das Äußere ist
nicht ohne das Innere zu denken, da sich die aus
allen Einzelaspekten entwickelte Konstruktion
nach außen abbildet. Gleichzeitig konstituiert
die gleichförmige Fassade die räumliche Struktur
im Inneren. Eine Bauakademie ohne ihre innere
Konstruktion wäre wie ein Auto ohne Motor.
Mehr als jedes andere Gebäude der Baugeschich-
te verbindet die Bauakademie alle Einzelaspekte
zu einem Ganzen. Sie ist heute und in Zukunft
so beispielgebend wie im 19. Jahrhundert. Es gibt
keine moralische oder sonstige Veranlassung, sie
nicht wiederherstellen zu dürfen. Es geht um die
Idee und die Umsetzung. Schinkel sollte nicht
durch einen neuen Schinkel ersetzt werden. So
sinnlos es ist, sich zu fragen, was Schinkel heute
machen würde, so sinnlos ist es, eine Bauakade-
mie ohne Bauakademie zu bauen. Ich plädiere
deshalb für eine Wiederherstellung als Ganzes,
und das am besten als Gemeinschaftswerk un-
serer Generation. Es sollte keinen neuen Autor
außer Schinkel geben. Alle Experten, die sich in
den letzten 25 Jahren auf höchstem Niveau mit
der Bauakademie beschäftigt haben, sollten ihre
Expertise mit einbringen. Selbst dann ist der
Wiederaufbau eine Herausforderung, die nicht
leicht zu meistern sein wird.
Tobias Nöfer ist freischaffender Architekt in Berlin. Seit
vielen Jahren engagiert er sich für die Wiedererrichtung
der Bauakademie, deren temporärer Musterraum nach
seinen Plänen errichtet wurde.
Plädoyer für eine
„kritische“ Rekonstruktion
Von Adrian von Buttlar
Großartig, dass der Bund die Mittel für den Wie-
deraufbau der Bauakademie bereitstellt! Aber
nur eine „kritische“ Rekonstruktion kann Schin-
kels Genius und neuen Nutzungen gerecht wer-
den: An diesem historisch bedeutsamen städte-
baulichen Ort ist zwar einerseits keine Willkür
erlaubt – es gilt authentische Spuren zu erhalten,
das verlorene Meisterwerk ins kollektive Ge-
dächtnis zurückzurufen und für seine Relikte ei-
nen angemessenen Schauort zu finden. Anderer-
seits würde Schinkel mit einer „originalgetreu
rekonstruierten Attrappe geradezu ad absurdum
geführt.
Seine künstlerischen Ambitionen waren (in
Kenntniß des ganzen historisch-Vorhande-
nen“) stets auf die Erfüllung neuer funktionaler,
konstruktiver und ästhetischer Ansprüche – auf
zeitgemäße Authentizität – ausgerichtet: „Es
folgt hieraus schon von selbst, daß das Streben
nach dem Ideal sich in jeder Zeit nach den neu
eintretenden Anforderungen richten wird […],
daß auch neue Erfindungen nothwendig werden
[…] und daß, um ein wahrhaft historisches Werk
hervorzubringen, nicht abgeschlossenes Histori-
sches zu wiederholen ist“ (1833).
Auch heute wieder die Brücke zwischen Rück-
und Vorausschau zu schlagen, erfordert Freihei-
ten in Konzeption und Gestaltung der Aufgaben,
denen das Gebäude dienen soll: Zuerst müssen
wir uns also einigen, „welche Erfordernisse“ die
Neue Bauakademie als Lehr- und Veranstal-
tungsort, Ausstellungshalle, Museum, internati-
onales Forum und urbaner Hotspot zu erfüllen
hat; dann versuchen, unter Rücksichtnahme auf
den Genius Loci dafür ein adäquates Gehäuse
des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Zwischen
den Herausforderungen des historischen Erin-
nerungspotenzials und den Visionen eines le-
bendigen Ortes zukunftsfähiger Baukultur liegt
ein weites Feld, das einen offenen Wettbewerb
und eine besonders sorgfältige Diskussion sei-
ner Resultate erfordert: eine Chance für ein pro-
grammatisches Kunststück unserer Zeit – weni-
ger im Stile als im Geiste Schinkels.
Prof. Dr. Adrian von Buttlar war langjähriger Vorsitzen-
der des Berliner Landesdenkmalrates, lehrte bis 2013 Kunst-
geschichte an der TU. Er setzt sich seit Langem mit dem
Phänomen der Architekturrekonstruktion auseinander.
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30
Der Architekt der Bauakademie war Karl Fried-
rich Schinkel. Hinter der Idee und der Instituti-
on stand aber ebenso Christian Peter Wilhelm
Beuth. Was war sein Anteil?
V. S.: Es war Beuth, der in seiner Rolle als preußi-
scher „Gewerbeförderer“ Schinkel 1826 zusammen
mit preußischen Technikern mit auf seine Reise
nach England und Schottland nahm. Die Reise-
gruppe hatte zuvorderst die Aufgabe, die neuesten
technischen Errungenschaften zu erkunden, mo-
dernste Maschinen zu studieren und (nicht immer
ganz legal) zu erwerben und sich einen Einblick in
die fortschrittlichste Industriegesellschaft der Welt
zu verschaffen. Der Baumeister Schinkel erkunde-
te auf dieser Reise nicht nur die formalen Aspek-
te der englischen Architektur, sondern studierte
selbstverständlich ebenso die Tragwerke der neuen
Gebäudetypen, der riesigen Fabriken oder extrem
schlanken Eisen-Glas-Konstruktionen und skiz-
zierte deren konstruktive Details.
C. M.: Schinkel als Leiter der Oberbaudeputation
und Beuth als Direktor der Bauakademie arbeiteten
bei der Planung zum Neubau des „Hauses für die
allgemeine Bauschule in Berlin“ zusammen. In die-
ser, später in Bauakademie umbenannten, Schule
wurde damals noch das gesamte gestalterische und
konstruktive Wissen vermittelt, das zum Entwurf,
zur Planung, zur Konstruktion und zum Bau von
Hochbauten notwendig war.
Was waren denn die Gründe für das Auseinan-
derdriften von Architekten und Ingenieuren?
Wie gehen wir heute mit dieser Trennung um?
V. S.:
Die ersten Bauingenieure – wir würden sie
heute Tiefbauingenieure nennen – wurden schon
1747 mit der Gründung der École des Ponts et
Chaussées in Paris ausgebildet. Hochbauten wurden
zu Schinkels Zeiten aber nach wie vor von Architek-
ten, das heißt von Baumeistern, entworfen, konstru-
iert und gebaut. Erst die zunehmende Komplexität
der Hochbauten, die Einführung neuer „ingeniöser
Materialien wie Eisen, Stahl, Glas und Beton und der
damit verbundene Zuwachs an Fachwissen führten
dann unvermeidlich zur Spezialisierung und damit
zur Trennung des Baumeisterberufs in die Berufe
Bauingenieur und Architekt. Und weitere Spezialis-
ten entstehen im Bauwesen, beispielsweise Ingeni-
eure für die Technische Gebäudeausrüstung, Brand-
schutzspezialisten, Akustiker, Lichtplaner etc. – und
alle verfolgen ihre eigenen Ausbildungswege.
C. M.: Dem ganzheitlich denkenden Baumeister
aus Schinkelscher Zeit entspricht heute das Pla-
nungsteam. In funktionierenden Teams herrscht
eine enge und intensive Zusammenarbeit zwischen
Architekten und Ingenieuren. In der getrennten
Ausbildung von Architekten und Ingenieuren wird
dieses integrale Planen aber nicht ausreichend ge-
lehrt und praktiziert. Deshalb benötigen wir einen
Ort des gemeinsamen Austausches und inspirati-
ven Lernens. Nirgends könnte dieser Ort idealer als
in der neuen Schinkelschen Bauakademie verwirk-
licht und gelebt werden.
Heute erleben wir doch im Gegenteil, wie die
disziplinären Grenzen fließend werden. Gerade
Digitalisierung ist ein Prozess, der in alle Fach-
gebiete eingreift und Kirchturmdenken verbietet.
Welche Konsequenzen hat das für Entwurf und
Planung?
C. M.: Die Digitalisierung bringt uns nicht den
Baumeister zurück. Aber sie kann natürlich bei
der Arbeit im Projektteam helfen, indem sie sämt-
liche Information zentral sammelt und für alle
auf dem aktuellen Stand – hoffentlich intelligent
gefiltert – verfügbar macht. Damit hat sich zum
Beispiel die Arbeit in internationalen, gleichzei-
tig arbeitenden Projektteams deutlich vereinfacht.
Ein anderer Aspekt der Digitalisierung ist ihre
großartige Möglichkeit zur Visualisierung komple-
xer Sachverhalte. Das betrifft die räumliche Geo-
metrie des Baukörpers selbst, Kfte im Tragwerk,
Schwingungen, die Brandausbreitung, Lichtkon-
zepte, Personenströme usw. Diese visualisierten In-
formationen werden auch von den Nichtspezialis-
ten im Team verstanden. Alle können dann zu einer
ganzheitlich informierten Entscheidung beitragen.
V. S.: Die wiedererrichtete Bauakademie sollte ein
vitaler, vibrierender Treffpunkt sein, an dem ge-
meinsam Prozesse und Instrumente entwickelt
werden, die moderne Projektteams ähnlich erfolg-
reich wie den ganzheitlich planenden und entschei-
denden Baumeister machen.
Das schaut in die Zukunft. Braucht es dafür denn
überhaupt Geschichte? Der Gedanke eines his-
torischen Museums in der Bauakademie hat nur
wenige Befürworter, aber viele Kritiker …
C. M.: Natürlich wird die Bauakademie zunächst
als zukunftsorientierte Denkfabrik und Experi-
mentierwerkstatt für Architekten und Ingenieure
gebraucht. Aber das Gestalten der Zukunft basiert
doch auch auf der Inspiration und dem Wissen um
unsere Geschichte. Ein Baukunstmuseum für Ar-
chitekten und Ingenieure könnte eine Auswahl an
großartigen Projekten und Persönlichkeiten p-
sentieren und die Auswirkungen ihrer Visionen
auf unsere gebaute Umwelt darstellen. Gerade die
Ingenieure kennen ihre eigene Geschichte kaum.
V. S.: In Wechselausstellungen könnten Entwick-
lungsgeschichten zu den unterschiedlichsten The-
men, von architekturphilosophischen Ideen bis
zur Materialtechnologie, thematisiert werden. Ein
lebendiges Museum benötigt Raum für Ausstel-
lungen zum zeitgenössischen Baugeschehen und
für Zukunftsvisionen. Anhand dieser wechselnden
Themen können immer wieder neue, sich ändernde
Bezüge zur Geschichte sichtbar gemacht werden.
C. M.: Und eine lebendige Bauakademie wäre nicht
komplett, würden dort nicht auch aktuelle oder ge-
plante Bau- und Infrastrukturprojekte dargestellt,
kontrovers diskutiert und weiterentwickelt werden.
Die Fragen stellte Patricia Pätzold.
Dr.-Ing. Christian Müller leitet das Ingenieurbüro für Trag-
werksplanung Dr.-Ing. Christian Müller GmbH und ist im Beirat des
Ingenieur Baukunst e. V.
Prof. Dr.-Ing. Volker Schmid leitet das Fachgebiet Entwerfen
und Konstruieren Verbundstrukturen am Institut für Bauingeni-
eurwesen der TU Berlin und ist stellvertretender Vorsitzender des
Ingenieur Baukunst e. V.
Die Baukunst ist unteilbar
Fragen an Christian Müller und
Volker Schmid zur Bedeutung
des Ingenieurwesens in der
Neuen Bauakademie
Interdisziplinäre Forschung und Lehre an der
TU-Berlin: Entwurf, Planung, Konstruktion und Bau
eines Forschungspavillons aus Upcycling-Purenit,
Holz und PUR durch Bauingenieur- und Architek-
turstudierende der TU Berlin.
Förderung: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
(DBU), Sponsoren, TU Berlin
Seifenbläserin auf Pegasus (Karl Friedrich Schinkel, 1837)
Eine grimmige Industriestadt inmitten einer arkadischen Landschaft, ein
Blick ins Arbeitszimmer seines Ingenieurfreundes Beuth und darüber
das geflügelte Pferd Pegasus als Sinnbild menschlicher Schöpfungs-
kraft – geritten von einer Seifenbläserin, die ein bisschen auch an Beuth
erinnert: Vieles brachte Schinkel in dieser Zeichnung zusammen, was
Fortschritt zugleich verlockend und erschreckend machte.
31
30
Der Architekt der Bauakademie war Karl Fried-
rich Schinkel. Hinter der Idee und der Instituti-
on stand aber ebenso Christian Peter Wilhelm
Beuth. Was war sein Anteil?
V. S.: Es war Beuth, der in seiner Rolle als preußi-
scher „Gewerbeförderer“ Schinkel 1826 zusammen
mit preußischen Technikern mit auf seine Reise
nach England und Schottland nahm. Die Reise-
gruppe hatte zuvorderst die Aufgabe, die neuesten
technischen Errungenschaften zu erkunden, mo-
dernste Maschinen zu studieren und (nicht immer
ganz legal) zu erwerben und sich einen Einblick in
die fortschrittlichste Industriegesellschaft der Welt
zu verschaffen. Der Baumeister Schinkel erkunde-
te auf dieser Reise nicht nur die formalen Aspek-
te der englischen Architektur, sondern studierte
selbstverständlich ebenso die Tragwerke der neuen
Gebäudetypen, der riesigen Fabriken oder extrem
schlanken Eisen-Glas-Konstruktionen und skiz-
zierte deren konstruktive Details.
C. M.: Schinkel als Leiter der Oberbaudeputation
und Beuth als Direktor der Bauakademie arbeiteten
bei der Planung zum Neubau des „Hauses für die
allgemeine Bauschule in Berlin“ zusammen. In die-
ser, später in Bauakademie umbenannten, Schule
wurde damals noch das gesamte gestalterische und
konstruktive Wissen vermittelt, das zum Entwurf,
zur Planung, zur Konstruktion und zum Bau von
Hochbauten notwendig war.
Was waren denn die Gründe für das Auseinan-
derdriften von Architekten und Ingenieuren?
Wie gehen wir heute mit dieser Trennung um?
V. S.:
Die ersten Bauingenieure – wir würden sie
heute Tiefbauingenieure nennen – wurden schon
1747 mit der Gründung der École des Ponts et
Chaussées in Paris ausgebildet. Hochbauten wurden
zu Schinkels Zeiten aber nach wie vor von Architek-
ten, das heißt von Baumeistern, entworfen, konstru-
iert und gebaut. Erst die zunehmende Komplexität
der Hochbauten, die Einführung neuer „ingeniöser
Materialien wie Eisen, Stahl, Glas und Beton und der
damit verbundene Zuwachs an Fachwissen führten
dann unvermeidlich zur Spezialisierung und damit
zur Trennung des Baumeisterberufs in die Berufe
Bauingenieur und Architekt. Und weitere Spezialis-
ten entstehen im Bauwesen, beispielsweise Ingeni-
eure für die Technische Gebäudeausrüstung, Brand-
schutzspezialisten, Akustiker, Lichtplaner etc. – und
alle verfolgen ihre eigenen Ausbildungswege.
C. M.: Dem ganzheitlich denkenden Baumeister
aus Schinkelscher Zeit entspricht heute das Pla-
nungsteam. In funktionierenden Teams herrscht
eine enge und intensive Zusammenarbeit zwischen
Architekten und Ingenieuren. In der getrennten
Ausbildung von Architekten und Ingenieuren wird
dieses integrale Planen aber nicht ausreichend ge-
lehrt und praktiziert. Deshalb benötigen wir einen
Ort des gemeinsamen Austausches und inspirati-
ven Lernens. Nirgends könnte dieser Ort idealer als
in der neuen Schinkelschen Bauakademie verwirk-
licht und gelebt werden.
Heute erleben wir doch im Gegenteil, wie die
disziplinären Grenzen fließend werden. Gerade
Digitalisierung ist ein Prozess, der in alle Fach-
gebiete eingreift und Kirchturmdenken verbietet.
Welche Konsequenzen hat das für Entwurf und
Planung?
C. M.: Die Digitalisierung bringt uns nicht den
Baumeister zurück. Aber sie kann natürlich bei
der Arbeit im Projektteam helfen, indem sie sämt-
liche Information zentral sammelt und für alle
auf dem aktuellen Stand – hoffentlich intelligent
gefiltert – verfügbar macht. Damit hat sich zum
Beispiel die Arbeit in internationalen, gleichzei-
tig arbeitenden Projektteams deutlich vereinfacht.
Ein anderer Aspekt der Digitalisierung ist ihre
großartige Möglichkeit zur Visualisierung komple-
xer Sachverhalte. Das betrifft die räumliche Geo-
metrie des Baukörpers selbst, Kräfte im Tragwerk,
Schwingungen, die Brandausbreitung, Lichtkon-
zepte, Personenströme usw. Diese visualisierten In-
formationen werden auch von den Nichtspezialis-
ten im Team verstanden. Alle können dann zu einer
ganzheitlich informierten Entscheidung beitragen.
V. S.: Die wiedererrichtete Bauakademie sollte ein
vitaler, vibrierender Treffpunkt sein, an dem ge-
meinsam Prozesse und Instrumente entwickelt
werden, die moderne Projektteams ähnlich erfolg-
reich wie den ganzheitlich planenden und entschei-
denden Baumeister machen.
Das schaut in die Zukunft. Braucht es dafür denn
überhaupt Geschichte? Der Gedanke eines his-
torischen Museums in der Bauakademie hat nur
wenige Befürworter, aber viele Kritiker …
C. M.: Natürlich wird die Bauakademie zunächst
als zukunftsorientierte Denkfabrik und Experi-
mentierwerkstatt für Architekten und Ingenieure
gebraucht. Aber das Gestalten der Zukunft basiert
doch auch auf der Inspiration und dem Wissen um
unsere Geschichte. Ein Baukunstmuseum für Ar-
chitekten und Ingenieure könnte eine Auswahl an
großartigen Projekten und Persönlichkeiten prä-
sentieren und die Auswirkungen ihrer Visionen
auf unsere gebaute Umwelt darstellen. Gerade die
Ingenieure kennen ihre eigene Geschichte kaum.
V. S.: In Wechselausstellungen könnten Entwick-
lungsgeschichten zu den unterschiedlichsten The-
men, von architekturphilosophischen Ideen bis
zur Materialtechnologie, thematisiert werden. Ein
lebendiges Museum benötigt Raum für Ausstel-
lungen zum zeitgenössischen Baugeschehen und
für Zukunftsvisionen. Anhand dieser wechselnden
Themen können immer wieder neue, sich ändernde
Bezüge zur Geschichte sichtbar gemacht werden.
C. M.: Und eine lebendige Bauakademie wäre nicht
komplett, würden dort nicht auch aktuelle oder ge-
plante Bau- und Infrastrukturprojekte dargestellt,
kontrovers diskutiert und weiterentwickelt werden.
Die Fragen stellte Patricia Pätzold.
Dr.-Ing. Christian Müller leitet das Ingenieurbüro für Trag-
werksplanung Dr.-Ing. Christian Müller GmbH und ist im Beirat des
Ingenieur Baukunst e. V.
Prof. Dr.-Ing. Volker Schmid leitet das Fachgebiet Entwerfen
und Konstruieren – Verbundstrukturen am Institut für Bauingeni-
eurwesen der TU Berlin und ist stellvertretender Vorsitzender des
Ingenieur Baukunst e. V.
Die Baukunst ist unteilbar
Fragen an Christian Müller und
Volker Schmid zur Bedeutung
des Ingenieurwesens in der
Neuen Bauakademie
Interdisziplinäre Forschung und Lehre an der
TU-Berlin: Entwurf, Planung, Konstruktion und Bau
eines Forschungspavillons aus Upcycling-Purenit,
Holz und PUR durch Bauingenieur- und Architek-
turstudierende der TU Berlin.
Förderung: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
(DBU), Sponsoren, TU Berlin
Seifenbläserin auf Pegasus (Karl Friedrich Schinkel, 1837)
Eine grimmige Industriestadt inmitten einer arkadischen Landschaft, ein
Blick ins Arbeitszimmer seines Ingenieurfreundes Beuth und darüber
das geflügelte Pferd Pegasus als Sinnbild menschlicher Schöpfungs-
kraft – geritten von einer Seifenbläserin, die ein bisschen auch an Beuth
erinnert: Vieles brachte Schinkel in dieser Zeichnung zusammen, was
Fortschritt zugleich verlockend und erschreckend machte.
32
Wo ist nur die ZEIT geblieben? Nicht alle
Kollegen und Freunde, die für mich das
magazin 48/1995 in Kellern und auf
Dachböden gesucht haben, wurden fündig – aber
jede und jeder konnte sich erinnern. Der Wettbe-
werb „Vorschläge für einen leeren Ort“ hatte damals
einen Nerv getroffen. Die unverdaute Postmoder-
ne rumorte im behäbigen Bauch Berlins, das sich
zwischen Spreebogen und Potsdamer Platz daran-
machte, widersprüchlich weltläufig zu werden.
Architektur war die Leitkultur der Neunziger. Fast
täglich stoben Schockwellen durch die Feuilletons.
Es waren die goldenen Jahre des Architekturstreits
– wenn die Bauakademie schon seit 1990 diskutiert
worden war, dann auch aus Sehnsucht nach einer
zentralen Bühne dafür. Solange sie ein Wunschbild
war, stand ihre Rekonstruktion kaum in Frage: So
soll es sein, so wird es sein! Doch als es nach dem
Abriss des DDR-Außenministeriums ernst wurde,
wendete sich das Blatt. Die kritische Rekonstruk-
tion des Stadtgrundrisses hatte ein breites intellek-
tuelles Fundament. Dass sich nun jedoch ganz und
gar unkritische Klone darin einnisten könnten, er-
hielt 1993/94 mit Schlossattrappe und Pariser Platz
eine verstörende Realität. Über das Adlon moch-
te man noch sauertöpfisch hinweglächeln, doch
Schinkel wog schwerer. Sollte tatsächlich die heilige
Bauakademie der Auftakt sein für „dauerhaften Be-
trug“ (Ulrich Conrads)? Die Lager formierten sich,
und das Feuilleton schoss sich ein: Stadtreparatur
oder Geschichtsklitterung? Das Besondere der Bau-
akademie versank im Grundsatzstreit.
Initiator des ZEIT-Wettbewerbs um die Bauakade-
mie war der Doyen der deutschen Architekturkritik
Manfred Sack (1928–2004), dem die „Einfallslosig-
keit“, Schinkel aus „Verlegenheit“ zu rekonstruie-
ren, mächtig aufstieß. Listig packte er „Architekten
und Architekturstudenten“ bei ihrer „Courage, es
mit Schinkel aufzunehmen“: eine Bauakademie „in
,Schinkels Geist‘ zu entwerfen, sich zugleich jedoch
von ihm frei zu machen und nach Kräften etwas
Neues zu finden, das die Gegenwart ausdrückt und
in die Zukunft weist“. Von der Resonanz war er
überltigt: „Über 700 Architekten erbaten sich die
kargen Plan-Unterlagen, berichtete Sack gerührt,
„225 haben einen Entwurf eingesandt.“ Zehn Ent-
würfe wurden von der prominenten Jury gekürt
und zusammen mit einigen weiteren Ende 1995 im
Staatsratsgebäude präsentiert.
Das Ergebnis war so bunt wie vorhersehbar: Ironie
und schwere Symbolik, Zeitgeistiges und Zeitloses,
Mahnungen, innezuhalten, und Aufforderungen,
noch tiefer zu denken. Der Fantasie waren keine
Grenzen gesetzt und sicherlich würde heute das
Feld noch einmal anders, noch einmal weiter wer-
den. Das Grundsätzliche aber ist längst gedacht: Es
lohnt, genau hinzuschauen.
Die Erhebung Schinkels aus seinem Schrein
Der ZEIT-Wettbewerb zur Bauakademie 1995
Ausstellung in der Galerie des Architekturmuseums
der Technischen Universität Berlin
Straße des 17. Juni 152, 15. 5.–15. 6. 2017, Mo–Do 12–16 Uhr
Eröffnung am 11. 5. 2017 um 19 Uhr
www.architekturmuseum-berlin.de
Ein
unvergessener
Wettbewerb
Von Dieter Nägelke
IMPRESSUM
Herausgeber
Technische Universität Berlin, Stabsstelle
Presse, Öffent lichkeitsarbeit und Alumni
der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135,
10623 Berlin
Redaktion
Dr. Hans-Dieter Nägelke (V. i. S. d. P.),
Prof. Dr. Bénédicte Savoy, Stefanie Terp,
Patricia Pätzold-Algner, Sybille Nitsche,
Susanne Cholodnicki
Gestaltung
Architekturmuseum der TU Berlin
Gesamtherstellung
omnisatz GmbH, Berlin
Vertrieb
Ramona Ehret, Silvia Dinaro
pressestelle@tu-berlin.de
Auflage
2000 Stück
Redaktionsschluss
21. 4. 2017
Die Broschüre im Internet:
www.tu-berlin.de/?184617
Bildnachweis
Umschlagseite 2: Roland Bauer, Paderborn
S. 23: Prof. Sven Pfeiffer, TU Berlin/DAP
Digitale Architekturproduktion
S. 4: TU Berlin/Modell+Design
S. 5: David Ausserhofer
S. 6–7: bpk/Nationalgalerie, SMB/
Jörg P. Anders
S. 8: SPD Berlin, Fotograf: Joachim Gern
S. 9: TU Berlin, Merten Lagatz
S. 10: Bernd Wannenmacher
S. 11: TU Berlin, Markus Hilbich
S. 12–13: Prof. Sven Pfeiffer, TU Berlin/DAP
Digitale Architekturproduktion
S. 14: TU Berlin/Pressestelle, Ulrich Dahl
S. 15, v. o.: Cordelia Polinna; Andrew Alberts;
Astrid May; Andrew Alberts
S. 16: Tapan Pandit
S. 18, v. o.: Arthur Pequin; Loredana La Rocca
S. 19: DAI, Projekt Meroe Royal Baths
(Kéré Architecture, Berlin)
S. 20: DAI Istanbul
S. 21: DAI, Irmgard Wagner
S. 2223: TU Berlin/Architekturmuseum,
Inv. Nr. 15440
S. 2425: TU Berlin, Universitätsarchiv
S. 26: TU Berlin/Architektur museum,
Inv. Nr. 8046
S. 2829: Stefan Müller
S. 30: bpk/Kupferstichkabinett, SMB/
Dietmar Katz
S. 31: TU Berlin/FG Entwerfen und
Konstruieren
S. 32: DIE ZEIT
Umschlagseite 3, v. o.: Georg Windeck;
Bruno Stagno; Beatrix Baltabol/Maren
Klapp; Jochen Eisentraut
Georg Windeck
Jochen Eisentraut
Bruno Stagno
Beatrix Baltabol
Maren Klapp
32
Wo ist nur die ZEIT geblieben? Nicht alle
Kollegen und Freunde, die für mich das
magazin 48/1995 in Kellern und auf
Dachböden gesucht haben, wurden fündig – aber
jede und jeder konnte sich erinnern. Der Wettbe-
werb „Vorschläge für einen leeren Ort“ hatte damals
einen Nerv getroffen. Die unverdaute Postmoder-
ne rumorte im behäbigen Bauch Berlins, das sich
zwischen Spreebogen und Potsdamer Platz daran-
machte, widersprüchlich weltläufig zu werden.
Architektur war die Leitkultur der Neunziger. Fast
täglich stoben Schockwellen durch die Feuilletons.
Es waren die goldenen Jahre des Architekturstreits
– wenn die Bauakademie schon seit 1990 diskutiert
worden war, dann auch aus Sehnsucht nach einer
zentralen Bühne dafür. Solange sie ein Wunschbild
war, stand ihre Rekonstruktion kaum in Frage: So
soll es sein, so wird es sein! Doch als es nach dem
Abriss des DDR-Außenministeriums ernst wurde,
wendete sich das Blatt. Die kritische Rekonstruk-
tion des Stadtgrundrisses hatte ein breites intellek-
tuelles Fundament. Dass sich nun jedoch ganz und
gar unkritische Klone darin einnisten könnten, er-
hielt 1993/94 mit Schlossattrappe und Pariser Platz
eine verstörende Realität. Über das Adlon moch-
te man noch sauertöpfisch hinweglächeln, doch
Schinkel wog schwerer. Sollte tatsächlich die heilige
Bauakademie der Auftakt sein fürdauerhaften Be-
trug“ (Ulrich Conrads)? Die Lager formierten sich,
und das Feuilleton schoss sich ein: Stadtreparatur
oder Geschichtsklitterung? Das Besondere der Bau-
akademie versank im Grundsatzstreit.
Initiator des ZEIT-Wettbewerbs um die Bauakade-
mie war der Doyen der deutschen Architekturkritik
Manfred Sack (1928–2004), dem die „Einfallslosig-
keit, Schinkel aus „Verlegenheit“ zu rekonstruie-
ren, mächtig aufstieß. Listig packte er „Architekten
und Architekturstudenten“ bei ihrer „Courage, es
mit Schinkel aufzunehmen“: eine Bauakademie „in
,Schinkels Geist‘ zu entwerfen, sich zugleich jedoch
von ihm frei zu machen und nach Kften etwas
Neues zu finden, das die Gegenwart ausdrückt und
in die Zukunft weist. Von der Resonanz war er
überltigt: „Über 700 Architekten erbaten sich die
kargen Plan-Unterlagen, berichtete Sack gerührt,
„225 haben einen Entwurf eingesandt.“ Zehn Ent-
würfe wurden von der prominenten Jury gekürt
und zusammen mit einigen weiteren Ende 1995 im
Staatsratsgebäude psentiert.
Das Ergebnis war so bunt wie vorhersehbar: Ironie
und schwere Symbolik, Zeitgeistiges und Zeitloses,
Mahnungen, innezuhalten, und Aufforderungen,
noch tiefer zu denken. Der Fantasie waren keine
Grenzen gesetzt und sicherlich würde heute das
Feld noch einmal anders, noch einmal weiter wer-
den. Das Grundsätzliche aber ist längst gedacht: Es
lohnt, genau hinzuschauen.
Die Erhebung Schinkels aus seinem Schrein
Der ZEIT-Wettbewerb zur Bauakademie 1995
Ausstellung in der Galerie des Architekturmuseums
der Technischen Universität Berlin
Straße des 17. Juni 152, 15. 5.–15. 6. 2017, Mo–Do 12–16 Uhr
Eröffnung am 11. 5. 2017 um 19 Uhr
www.architekturmuseum-berlin.de
Ein
unvergessener
Wettbewerb
Von Dieter Nägelke
IMPRESSUM
Herausgeber
Technische Universität Berlin, Stabsstelle
Presse, Öffent lichkeitsarbeit und Alumni
der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135,
10623 Berlin
Redaktion
Dr. Hans-Dieter Nägelke (V. i. S. d. P.),
Prof. Dr. Bénédicte Savoy, Stefanie Terp,
Patricia Pätzold-Algner, Sybille Nitsche,
Susanne Cholodnicki
Gestaltung
Architekturmuseum der TU Berlin
Gesamtherstellung
omnisatz GmbH, Berlin
Vertrieb
Ramona Ehret, Silvia Dinaro
Auflage
2000 Stück
Redaktionsschluss
21. 4. 2017
Die Broschüre im Internet:
www.tu-berlin.de/?184617
Bildnachweis
Umschlagseite 2: Roland Bauer, Paderborn
S. 23: Prof. Sven Pfeiffer, TU Berlin/DAP –
Digitale Architekturproduktion
S. 4: TU Berlin/Modell+Design
S. 5: David Ausserhofer
S. 6–7: bpk/Nationalgalerie, SMB/
Jörg P. Anders
S. 8: SPD Berlin, Fotograf: Joachim Gern
S. 9: TU Berlin, Merten Lagatz
S. 10: Bernd Wannenmacher
S. 11: TU Berlin, Markus Hilbich
S. 12–13: Prof. Sven Pfeiffer, TU Berlin/DAP –
Digitale Architekturproduktion
S. 14: TU Berlin/Pressestelle, Ulrich Dahl
S. 15, v. o.: Cordelia Polinna; Andrew Alberts;
Astrid May; Andrew Alberts
S. 16: Tapan Pandit
S. 18, v. o.: Arthur Pequin; Loredana La Rocca
S. 19: DAI, Projekt Meroe Royal Baths
(Kéré Architecture, Berlin)
S. 20: DAI Istanbul
S. 21: DAI, Irmgard Wagner
S. 2223: TU Berlin/Architekturmuseum,
Inv. Nr. 15440
S. 2425: TU Berlin, Universitätsarchiv
S. 26: TU Berlin/Architektur museum,
Inv. Nr. 8046
S. 28–29: Stefan Müller
S. 30: bpk/Kupferstichkabinett, SMB/
Dietmar Katz
S. 31: TU Berlin/FG Entwerfen und
Konstruieren
S. 32: DIE ZEIT
Umschlagseite 3, v. o.: Georg Windeck;
Bruno Stagno; Beatrix Baltabol/Maren
Klapp; Jochen Eisentraut
Georg Windeck
Jochen Eisentraut
Bruno Stagno
Beatrix Baltabol
Maren Klapp
4
Neue
BAUAKADEMIE
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN