scieee Science in your language
[en] (orig)
Entwicklung neuer transparent-leitfähiger Oxidschichten
durch serielles Co-Sputtern und deren Integration in
hocheffiziente CIGS-Solarzellen
vorgelegt von
M. Sc.
Stefan Körner
an der Fakultät IV - Elektrotechnik und Informatik
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
- Dr.-Ing. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzende: Prof. Dr. Julia Kowal
Gutachter: Prof. Dr. Bernd Szyszka
Gutachter: Prof. Dr. Rutger Schlatmann
Gutachter: Prof. Dr. Günter Bräuer
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 26. Juli 2023
Berlin 2024
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis v
Abbildungsverzeichnis ix
Tabellenverzeichnis xi
Abstract xiii
Zusammenfassung xv
1. Einleitung 1
2. Grundlagen 5
2.1. Die Kathodenzerstäubung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.1.1. Plasma und Niederdruck-Glimmentladung . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.1.2. ProzesseamTarget ............................ 8
2.1.3. Prozesse am Substrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.1.4. Sputterarten ................................ 11
2.1.5. Serielles Co-Sputtern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.2. Transparente leitfähige Oxide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.2.1. Dotierung von TCOs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.2.2. Elektronischer Transport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
2.2.3. Optische Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
2.3. Strukturzonenmodell ............................... 31
2.4. Solarzellen...................................... 32
2.4.1. Aufbau einer CIGS-Dünnschichtsolarzelle . . . . . . . . . . . . . . . . 34
2.4.2. Charakteristische Kennwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3. Experimentelle Methoden 41
3.1. Charakterisierungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.1.1. Dünnschicht-Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.1.2. Solarzellen-Charakterisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
3.2. Simulations-Tool .................................. 45
3.3. Herstellung der CIGS-Solarzellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
3.4. Experimenteller Aufbau der Sputteranlagen zur Herstellung co-dotierter Schich-
ten.......................................... 50
3.4.1. Experimenteller Aufbau der Sputteranlage A600V7 . . . . . . . . . . 51
iii
Inhaltsverzeichnis
3.4.2. Experimenteller Aufbau der Sputteranlage ZVL1000 . . . . . . . . . . 55
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion 57
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
4.1.1. Untersuchung des seriellen Co-Sputter-Prozesses . . . . . . . . . . . . 58
4.1.2. Einfluss des Reaktivgases auf den seriellen Co-Sputter-Prozess . . . . 60
4.1.3. Einfluss des Reaktivgases auf das ZnO:Al-Schichtsystem . . . . . . . . 65
4.1.4. Einfluss der Leistung des Sekundärtargets auf AZO-Schichten . . . . . 74
4.1.5. Einfluss der Schichtdicke auf co-dotierte AZO-Schichten . . . . . . . . 81
4.1.6. Kapitelzusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.2.1. Grundidee und Wirkprinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.2.2. Modellbasierte Auslegung der Spaltgeometrie mit Gasraumtrennung . 96
4.2.3. Umsetzung des Prototyps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
4.2.4. Inbetriebnahme und Anpassungen der Anlagenbauteile . . . . . . . . . 107
4.2.5. Einfluss der Prozessparameter auf den Co-Sputterprozess . . . . . . . 110
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs . . . . . . . . . . . . . 114
4.3.1. Magnesium–dotiertes ZnO:Al . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.3.2. Reaktives serielles Co-Sputtern von Indium-Zink-Oxid . . . . . . . . . 123
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
4.4.1. ZnO:Al-Frontkontaktsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
4.4.2. ZnMgO:Al-Frontkontaktsyteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
4.4.3. IZO-Frontkontaktsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
5. Zusammenfassung und Ausblick 167
Literaturverzeichnis 173
Veröffentlichungen 196
Danksagung 197
A. Anhang 201
A.1. Parameterbestimmung für die DSMC-Rechnungen . . . . . . . . . . . . . . . 201
A.2. REM-Aufnahmen einer CIGS-Solarzelle im Querschnitt . . . . . . . . . . . . 202
A.3.Berg-Modell..................................... 203
A.4. Einfluss thermischer Nachbehandlung auf co-dotierte AZO-Schichten . . . . . 205
iv
Abkürzungsverzeichnis
αAbsorptionskoeffizient
αssticking coefficent
0elektrische Feldkonstante
rstatischen dielektrischen Konstante
ηWirkungsgrad
ηdot Dotiereffizienz
γSekundärelektronen-Koeffizient
λWellenlänge
λmfw mittlere freie Weglänge
λpPlasmawellenlänge
µElektronenbeweglichkeit
µeff effektive Mobilität
µGB grain boundary scattering mobility
µII ionized impurity scattering mobility
µointragrain-Mobilität
νFrequenz
ωpPlasmafrequenz
jStromdichte
vDriftgeschwindigkeit
Eelektrisches Feld
ρspezifischer Widerstand
σLeitfähigkeit
σnWirkungsquerschnitt der Elektronen
σpWirkungsquerschnitt der cher
τmittlere zwischen Stößen
τ0minimale Ladungsträgerlebensdauer
τeff eff. Ladungsträgerlebensdauer
θAnteil an Targetoberfläche
ΦAustrittsarbeit
AAbsorption
AFläche
APaschen-Koeffizient
addynamsiche Abscheiderate
AFM atomic force measurement
AM Air mass
AMg1.5globales Solarspektrum bei 1.5 AM
AZMO Magnesium-dotiertes AZO
AZO Aluminium-dotiertes Zinkoxid
BPaschen-Koeffizient
BEM boundary element method
BL Baseline
cDotierstoffkonzentration
cLichtgeschwindigkeit
CBM Leitungsbandminimum
dAbstand
dhhydraulische Durchmesser
dST Target-Substrat-Abstand
v
Abkürzungsverzeichnis
dsSchichtdicke
DS dislocation scattering
DSMC Direct-Simulation-Monte-Carlo-
Methode
EEnergie
EbEnergiebarriere
Eg,0ursprünglichen Bandlücke
EgEnergiebandlücke
EiFermi-Energie eines intrinsischen
Halbleiters
ELB Energie der Leitungsbandkante
ETEnergie der Traps states
EPMA Elektronenstrahlmikroanalyse
EQE externe Quantenausbeute
FKraft
FMaterialfluss
fFrequenz
fpPumpflächentransmissionsfaktor
FCA freie Ladungsträgerabsorption
FF Füllfaktor
FOM Figure of Merit
GEinstrahlungswert
gGenerationsrate
GBS grain boundary scattering
hPlanck‘sches Wirkungsquantum
HRL high resistive layer
I0Anfangsintensität des einfallenden
Lichts
IAbsorber den Absorber erreichendes Licht
IIS ionized impurity scattering
IQE interne Quanteneffizienz
IZO Indium-Zink-Oxid
j0Sperrsättigungsstromdichte
Jgain Stromgewinnfaktoren
jmax maximale Stromdichte
jph Photostromdichte
kExtinktionskoeffizient
kbBoltzmankonstante
Ldurschnittliche Korngröße
LRL low resistive layer
m0Masse eines Elektrons
m
eeffektive Elektronenmasse
MFC mass flow controler
MOCV D Metall organic chemical vapor de-
position
MPP Maximum Power Point
nbBrechnungsindex
NeLadungsträgerkonzentration der Elek-
tronen
neElektronendichte
NiLadungsträgerdichte
Nsub Anzahl an substituierten Wirtsgittera-
tomen
NZAnzahl der Trap states
NIR near infrared
NIS neutral impurity scattering
PDurchlaufwahrscheinlichkeit
PLeistung
pDruck
vi
PIC MC Particel-in-cell-Monte-Carlo
PS phonon scattering
PT Primärtarget
PV D Physical vapor deposition
QMenge an Gasen
qElementarladung
qGasströme
QAM1.5gPhotonenstromdichte
QtMenge an Defekten
RReflexion
rRegenerationsrate
Rsh Schichtwiderstand
RdSputtererosionsrate
RFSumme der Reflexion vor dem Absor-
ber
RpParallelwiderstand
RsSerienwiderstand
REM Rasterelektronenmikroskopie
RFMS Radio-Frequenz-Magnetron-Sputtern
RTP Rapid thermal processing
SSaugvermögen
sccm Standard cubic centimeter per minute
SCS Seriell Co-Sputtering
SRH Schockley-Read-Hall
ST Sekundärtarget
STC Standard Test Bedingungen
SZM Strukturzonenmodell
TTemperatur
TTransmission
tpPulspausenzeit
TCO Transparent conductive oxide
TMP Turbomolekularpumpe
USpannung
UsOberflächenbindungsenergie
UPS Ultraviolett-Photoelektronen-Spektroskopie
vcVorschubgeschwindigkeit Carrier
Voc offene Klemmspannung
VOVakanzen an Sauerstoff
vth thermische Geschwindigkeit
VZn Vakanzen an Zink
XRD Röntgendiffraktometrie
YSputterausbeute
ZLadungszahl der Störstelle
vii
viii
Abbildungsverzeichnis
2.1. Prinzipieller Aufbau einer Sputterkammer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.2. Schematischer Ablauf eines Sputterprozesses. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.3. ProzesseamSubstrat. ............................... 11
2.4. Räumlicher Potentialverlauf bei einem DC-Sputterprozess. . . . . . . . . . . . 12
2.5. Querschnitt des Sputtering-Systems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.6. Schematische Darstellung der seriellen Co-Sputter-Anlagen. . . . . . . . . . . 17
2.7. Transmission, Reflexion und Absorption einer abgeschiedenen AZO-Schicht. . 29
2.8. Strukturzonenmodell nach Thornton . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.9. Spektrum der globalen Sonneneinstrahlung und integrale Stromdichte. . . . . 33
2.10. Schematische Darstellung einer CIGS-Solarzelle. . . . . . . . . . . . . . . . . 34
2.11. Schematische Darstellung unterschiedlicher Schichtaufbauten. . . . . . . . . . 35
2.12. Kennlinien und Leistung einer beleuchteten Solarzelle. . . . . . . . . . . . . . 37
2.13. Schematische Darstellung der Rekombination im Halbleiter. . . . . . . . . . . 39
3.1. Schematische Darstellung der Beschichtungsanlage A600V7. . . . . . . . . . . 51
3.2. Fotos der Trennwand in der Co-Sputteranlage. . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3.3. Schema der modifizierten in-line Sputter-Anlage mit Gasraumtrennung. . . . 55
4.1. Targetspannung am Aluminium-Target bei unterschiedlicher Sauerstoffzufuhr. 61
4.2. Aluminiumgehalt und Schichtdicke der AZO-Schichten in Abhängigkeit von
qAr,O2........................................ 66
4.3. Röntgendiffraktogramme der AZO-Schichten mit Sauerstoffanteil im Prozessgas. 67
4.4. Hall-Werte der AZO-Schichten mit unterschiedlichem Sauerstoffanteil. . . . . 68
4.5. Transmissionsspektren der AZO Schichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
4.6. wA1.5güber Rsh in Abhängigkeit von qO2..................... 72
4.7. XRD-Daten der AZO-Schichten mit unterschiedlichem Al-Gehalt auf Glas. . . 75
4.8. REM-Aufnahmen AZO-Schichten mit einem Anstellwinkel von 30°....... 75
4.9. Hall-Daten in Abhängigkeit der Sekundärtargetleistung. . . . . . . . . . . . . 76
4.10. Transparenz- und Absorptionspektren der co-dotierten Schichten. . . . . . . . 78
4.11. wT vs. Rshder co-dotierten AZO-Schichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
4.12. Hall Daten der Schichtdicke für 3 Dotierungserien . . . . . . . . . . . . . . . . 82
4.13. Solargewichtete Absorption (320 bis 1250 nm) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
4.14. Hall-Daten aus den drei Versuchsserien ohne Gasraumtrennung . . . . . . . . 86
4.15. Prinzipieller Aufbau der seriellen Co-Sputter-Einheit. . . . . . . . . . . . . . . 89
4.16. Vereinfachtes Schema der Spaltgeometrie an der Primärkathode. . . . . . . . 96
ix
Abbildungsverzeichnis
4.17. Effekt symmetrischer Spaltgeometrien auf Gastrennfaktoren . . . . . . . . . . 97
4.18. Errechnete Leitwerte und Saugvermögen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
4.19. Saugvermögen der Pumpen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
4.20. Geometrisches Modell für modellgestützte Simulationen der Gasflüsse. . . . . 103
4.21. Simulationsergebnisse an einem 3D-Modell im Schnitt. . . . . . . . . . . . . . 105
4.22. Die in-line Sputteranlage mit fertig montierter Modultür. . . . . . . . . . . . 106
4.23. Schematische Darstellung eines ideal und verkippt eingebauten Trägerrohrs. . 108
4.24. Druck bei eingelassener Spülgasmenge in den Kammern. . . . . . . . . . . . . 111
4.25. Gesamtdruck und Lambdasonden-Spannungswerte in Abhängigkeit des zuge-
führten Sauerstoffflusses. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
4.26. AFM-Bilder von AZMO-Schichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
4.27. BB-XRD Diffraktogramme von AZMO-Schichten . . . . . . . . . . . . . . . . 117
4.28. Hall-Daten AZMO-Schichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
4.29. Absorption der AZMO-Schichten in Abhängigkeit der Wellenlänge. . . . . . . 119
4.30. Bandlücke von ZnO in Abhängigkeit des Magnesiumgehaltes. . . . . . . . . . 120
4.31. p(O2)-Verhalten vs. q(O2) für Indiumrohr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
4.32. Sauerstoffpartialdruck und Leistung vs. Prozesszeit. . . . . . . . . . . . . . . 128
4.33. Vergleich Sauerstoffpartialdruck und Leistung vs. Zeit. . . . . . . . . . . . . . 129
4.34. Zn/Indium-Verhältnis in den IZO-Schichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
4.35. Ladungsträgerkonzentration und -beweglichkeit in Abhängigkeit der Sekun-
därtargetleistung für die IZO-Proben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
4.36. Transmission und Absorption über Wellenlänge von IZO-Schichten. . . . . . . 132
4.37. SOSIM-Ergebnisse für Solarzellen mit unterschiedlichen AZOs. . . . . . . . . 136
4.38. IQE und Reflexion der Solarzellen mit unterschiedlichen TCOs. . . . . . . . . 137
4.39. EQE und IQE einer Solarzelle sowie 1-A einer AZO-Schicht auf Glas. . . . . . 138
4.40. Querschnitt einer CIGS-Solarzelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
4.41. UVVIS-Spektren für i-ZnO, eine co-dotierte AZO-Schicht und zwei Bilayer. . 145
4.42. Charakteristische Werte der Solarzellen mit den zwei unterschiedlichen AZOs. 146
4.43. EQE und IQE der besten Solarzellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
4.44. Solarzellen-Schichtstapel für CIGS-Solarzellen mit ZnMgO:Al. . . . . . . . . . 150
4.45. Zellen-Ergebnisse für AZMO-Serie A, B. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151
4.46. IV(T)-Messungen der Serie A . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
4.47. SOSIM, jV -Kennlinien und EQE für IZO-Zellen. . . . . . . . . . . . . . . . . 161
4.48. Vergleich der Solarzelleigenschaften mit IZO und AZO (Bl). . . . . . . . . . . 163
5.1. Zusammenfassung der Entwicklungschritte in dieser Arbeit. . . . . . . . . . . 168
A.1. Querschnitt einer CIGS-Solarzelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
A.2. Schematische Darstellung des oxidierten Target (ohne Maßstab). . . . . . . . 203
A.3. Aluminiumgehalt in Abhängigkeit von PAl und O2............... 206
A.4. µevs. nefür getemperte und ungetemperte AZO-Schichten. . . . . . . . . . . 208
A.5. nevs. cAl für getemperte und ungetemperte AZO-Schichten. . . . . . . . . . . 209
x
Tabellenverzeichnis
2.1. Numerische Abschätzung der Zelldimensionen. . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.2. Sekundär-Elektronen-Emissions-Ausbeute γfür Al und Mg und ihre Oxide. . 10
2.3. Aufzählung der bekannten seriellen Co-Sputter-Anlagen. . . . . . . . . . . . . 16
2.4. Eigenschaften von Zinkoxid und Indiumoxid. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.5. Hall-Daten für unterschiedlich dotierte ZnO Schichten. . . . . . . . . . . . . . 21
2.6. Umrechnungen von Targetdotierungen in Aluminium-Konzentration. . . . . . 22
2.7. Unterschiedliche Ansätze mit dem Wirkungsgrad. . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.1. Depositionsparameter für Abscheidung von AZO-Schichten. . . . . . . . . . . 52
3.2. Prozessparameter für AZO-Schichten, SCS-qAr,O2-Serie und SCS-PSK-Serie. . 53
4.1. Eigenschaften der AZO-Schichten und die Depositionsrate. . . . . . . . . . . . 74
4.2. Elektrische und optische Eigenschaften der AZO-Schichten. . . . . . . . . . . 77
4.3. Drei Typen der Gasflüsse mit verschiedenen Knudsenzahlen und Vakuumbe-
reichen. ....................................... 90
4.4. Berechnung der Leitwerte und für a = 350 mm und l = 65 oder 72 mm. . . . 99
4.5. Erste Simulationen zur Abschätzung von Seff und GTF. . . . . . . . . . . . . 101
4.6. Pumpenleistungen der Gase für die Modellierung . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4.7. GTF bei = qAr =100 und qO2= 20 sccm ohne TMPSekund¨ar. ......... 113
4.8. Prozessparameter für serielles Co-Sputtern bei AZO-Schichten mit Mg co-
Dotierung....................................... 115
4.9. Ergebnisse aus EPMA-Messungen für ZnMgO:Al- Schichten . . . . . . . . . . 115
4.10. Elektrische Eigenschaften für unterschiedliche AZMO-Schichten. . . . . . . . 117
4.11. Abscheidebedingungen für IZO-Schichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
4.12. Charackteristische Werte der Solarzellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
4.13. Übersicht: Absorption der Einzelschichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
4.14. Widerstandswerte für TCOs der besten Zellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . 145
4.15. Prozessparameter für das serielle Co-Sputtern Serie A. . . . . . . . . . . . . . 152
4.16. SOSIM-Ergebnisse für Solarzellen mit verschiedenem IZO und PDT. . . . . . 162
A.1. Parameter für die numerische Abschätzung der Zelldimensionen. . . . . . . . 202
A.2. Numerische Abschätzung der Zelldimensionen. . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
A.3. Depositionsbedingungen für ungeheizt abgeschiedene ZnO:Al-Schichten vom
AZO-undAl-Target................................. 205
xi
xii
Abstract
The performance of CIGS thin film solar cells suffers from the limitations of the TCO depo-
sition process by ceramic target magnetron sputtering in terms of absorption of light within
the TCO films and in terms of plasma damage from negative ions generated by ceramic target
sputtering. Thus, this thesis focusses on a novel approach to overcome these limitations with
a flexible technology feasible for large area in-line sputtering: For the 1st time a serial co-
sputtering module has been realized by model-based development using industrial standard
process components, e. g. industrial standard rotatable and planar magnetron sputter sources
as primary and secondary sputter sources, respectively, where the composition of primary tar-
get is altered with alloying or doping by coating the primary target with the secondary target.
This thesis focuses on the development of a serial co-sputter deposition prozess to modify
and tune the properties of transparent conducting oxides. Particular attention is given to
examine the modification of aluminum doped zinc oxide (AZO), magnesium co-doped AZO
(AZMO) and indium zinc oxide (IZO). A relationship between the power on the secondary
target and the oxygen in the process showed the need of gas separation. A secondary device
was developed to install an advanced serial co-sputter process using a purging gas system.
The development was supported by simulations of the gas flow in the new system. Gas se-
paration in the two chambers are mainly affected by the gap size. The gap size has to be as
thin as possible but is limited by the production accuracy and out of plane in the rotation of
the target.
In a first step aluminium concentration of AZO was manipulated by use of rotary targets
aluminium and AZO. By increasing the Aluminium concentration in the AZO, free carrier
concentration in the films were increased. The doping efficiency saturate as the aluminium
concentration overcomes 4 at%. In a second step magnesium doped AZO and indium zinc
oxide were deposited in the advanced sputter system. With increasing magnesium content, the
bandgap in the films increase by band gap widening. At same time the carrier concentration
and mobility decrease lineary. In a third step a reactivly process for sputtered indium zinc
oxide was developed.
A subset of these TCOs are then used as window electrode in CIGS thin film solar cells.
For aluminium enhanced AZO films, transparent thin films of 100 nm showed sheet resistance
of 100 @.This solarcells showed efficiencies of over 17%. Co-doped AZMO films of 500 nm
show a high absorption in the blue and near infrared region of the light spectra. Increased
conversion efficiencies by increased bandgap was not detected. IZO films were deposited
reactivly, but show no hysteris due to the new geometry. IZO films with high carrier mobility
of 43 cm2V1s1were produced on glas. First results on CIGS solar cells without i-ZnO
showed best cells efficiencies of 18.4%.
xiii
xiv
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Chancen und Limitierungen des seriellen Co-Sputterns
zur Abscheidung von transparenten leitfähigen Oxiden (TCOs) für Cu(In,Ga)Se2-Solarzellen
(CIGS). Die Leistung von CIGS-Dünnschichtsolarzellen leidet unter den Beschränkungen des
TCO-Abscheideverfahrens. Beim Sputtern von keramischen Targets wird die Leitfähigkeit
und Lichtabsorption der TCO-Schichten durch die Dotierung bestimmt. Plasmaschäden durch
negative Ionen, die durch das Sputtern von Keramiktargets erzeugt werden, haben einen
limitierenden Einfluss auf diese Eigenschaften, daher konzentriert sich diese Arbeit auf einen
neuartigen Ansatz, um diese Einschränkungen mit einer für das großflächige Inline-Sputtern
praktikablen und flexiblen Technologie zu überwinden.
Im Rahmen dieser Arbeit wurde das serielle Co-Sputtern mit industriellen Standardprozess-
komponenten realisiert. Es sind drehbare und planare Magnetron-Sputterquellen industriellen
Standards als primäre beziehungsweise sekundäre Sputterquellen eingesetzt worden. Dabei
ist zur Realisierung des Prozessmoduls auf eine modellbasierte Entwicklung zurückgegriffen
worden.
Diese Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung eines seriellen Co-Sputter-
Depositionsprozesses zur Modifizierung und Abstimmung der Eigenschaften von transparen-
ten leitfähigen Oxiden. Besondere Aufmerksamkeit wird der Untersuchung der Modifikati-
on von Aluminium-dotiertem Zinkoxid (AZO), Magnesium-co-dotiertem AZO (AZMO) und
Indium-Zinkoxid (IZO) gewidmet.
In einer ersten inline-Sputter-Anlage ist ein serieller Co-Sputter-Prozess umgesetzt und
analysiert worden. Eine Beziehung zwischen den Prozessparametern „Leistung auf der Se-
kundärkathode“ und „Sauerstofffluss“ zeigte die Notwendigkeit einer Gastrennung. Ein neu-
es Prozessmodul wurde entwickelt, um einen fortschrittlicheren seriellen Co-Sputter-Prozess
unter Verwendung eines Spülgassystems in einer zweiten Anlage zu installieren. Unterstützt
wurde diese Entwicklung durch Simulationen der Gasströmung im neuen System. Die Gast-
rennung in den beiden Kammern wird hauptsächlich durch die Spaltgröße der untersuchten
Gastrenneinheit beeinflusst. Die Spaltbreite muss so klein wie möglich sein, ist jedoch durch
die Fertigungsgenauigkeit und die Rotation des Targets außerhalb der Ebene begrenzt.
In einem ersten Schritt wurde die Aluminiumkonzentration von AZO-Schichten durch die
Verwendung von rotierenden Aluminium- und AZO-Rohrtargets manipuliert. Durch die Er-
höhung der Aluminiumkonzentration in den AZO-Schichten wurde die Konzentration freier
Ladungsträger in den Schichten erhöht. Mit einer Aluminiumkonzentration von ca. 2 bis 4at
in den Schichten wird das Maximum der Dotierungseffizienz erreicht. Eine weitere Erhöhung
hat keinen weiteren positiven Einfluss auf die Dotiereffizienz.
xv
Zusammenfassung
In einem zweiten Schritt wurden Magnesium-dotiertes AZO und Indium-Zink-Oxid in der
Sputteranlage abgeschieden. Mit steigendem Magnesiumgehalt nimmt die Bandlücke in den
AZMO-Schichten durch eine Bandlückenerweiterung zu. Gleichzeitig nehmen die Ladungsträ-
gerkonzentration und -beweglichkeit linear ab. In einem dritten Schritt wurde ein reaktiver
Prozess für gesputtertes Indium-Zink-Oxid (IZO) entwickelt.
Eine Teilmenge dieser TCOs wurde dann als Fensterelektrode in CIGS-
Dünnschichtsolarzellen verwendet. Aluminium-co-dotierte AZO-Schichten mit einer
Schichtdicke von 100 nm zeigten einen Schichtwiderstand von ca. 100 @. Solarzellen
mit diesem Front-TCO zeigten Wirkungsgrade von über 17%.
Co-dotierte AZMO-Schichten von 500 nm Schichtdicken zeigten eine hohe Absorption im
blauen und nahen Infrarotbereich des Lichtspektrums. Erhöhte Umwandlungseffizienzen in
den Solarzellen durch eine erhöhte Bandlücke wurden nicht festgestellt.
IZO-Schichten wurden reaktiv abgeschieden. Für diesen reaktiven Abscheideprozess wur-
den nahezu keine Hystereseeffekte beobachtet. Auf Glas wurden IZO-Schichten mit einer
hohen Ladungsträgerbeweglichkeit von 43cm2V1s1hergestellt. Erste Ergebnisse mit CIGS-
Solarzellen ohne i-ZnO zeigten Zellwirkungsgrade von 18.4%.
xvi
1. Einleitung
Um die fortschreitende Erderwärmung zu reduzieren, ist die Bündelung weitreichender Maß-
nahmen im Bereich der Stromerzeugung und -speicherung nötig. Vor allem bei der Erzeugung
von Strom wird global der Bereich der erneuerbaren Energien stark forciert. Besonders der
Windkraft und Photovoltaik wird ein hohes Potential an Stromerzeugungskraft zugetraut,
um Technologien auf Basis von fossilen Brennstoffen zu verdrängen. Weltweit wächst der Be-
darf an immer leistungsfähigeren Solarzellen. Einer der größten Vorteile von Solarzellen als
modernes opto-elektronisches Bauelement ist die Möglichkeit, aus der frei verfügbaren Son-
nenenergie direkt elektrischen Strom zu erzeugen. Aus der Vielzahl an Solarzellentypen haben
vor allem Silizium- und Dünnschichtsolarzellen ein großes Potential für nachhaltige und kos-
tengünstige Stromerzeugung. Unter den verschiedenen Dünnschichtsolarzellen erreichen Zel-
len mit Verbindungshalbleitern auf Basis von Cu(In, Ga)(S, Se)2(CIGS) Wirkungsgrade von
über 20 [1–3]. Der chste Wirkungsgrad liegt derzeit bei 23.35% [4]. Die CIGS-Technologie
bietet darüber hinaus die Möglichkeit der Fertigung in einem Rolle-zu-Rolle-Prozess für leich-
te und kostengünstige Solarzellen [3, 5].
Transparente Leiter sind für den effizienten Betrieb solcher Solarzellen unabdingbar. Diese
Materialien haben die Aufgabe, den erzeugten Strom zu den Kontakten zu führen und gleich-
zeitig das zu absorbierende Licht durchzulassen. Die transparenten Leiter erfordern daher eine
sehr hohe Leitfähigkeit und Transparenz. Diese beiden Anforderungen sind aufgrund physi-
kalischer Gesetze nur schwer gleichzeitig in einem Material zu vereinen. Eine Materialklasse,
die diese Anforderungen bedienen kann, sind einige Metalloxide. Die am häufigsten verwende-
ten TCOs (transparent conductive oxides, TCOs) basieren auf den Oxiden von Zink (ZnO),
Indium (In2O3)und Zinn (SnO2). Aufgrund seiner geringen Materialkosten und guten opto-
elektronischen Eigenschaften hat sich unterschiedlich dotiertes Zinkoxid in der großflächigen
Herstellung von elektronischen Bauteilen wie Solarzellen [6] oder Gassensoren [7, 8] verbreitet.
Um die Leistungsfähigkeit der meisten opto-elektrischen Anwendungen zu steigern, ist es
nötig, eine optimale Kombination aus Ladungsträgerkonzentration und -beweglichkeit der
TCOs zu finden, um dadurch eine hohe Leitfähigkeit und Transparenz zu erreichen [9]. Die
Eigenschaften von TCOs können durch das gezielte Einbringen von Dotierstoffen manipuliert
werden. Beispielsweise wird ZnO mit Aluminium dotiert, um die Leitfähigkeit der Schich-
ten zu erhöhen. Amorph gewachsene TCOs auf Basis von Indiumoxid, wie hydrogenisiertes
Indiumoxid (IOH) oder mit Zink dotiertes Indiumoxid (IZO), weisen eine hohe Ladungsträ-
gerbeweglichkeit auf [10, 11]. Das macht sie besonders interessant für die CIGS-Technolgie
oder Mehrfachsolarzellen.
Das Aufbringen solcher TCOs auf CIGS-Solarzellen erfolgt heute hauptsächlich mittels
der Kathodenzerstäubung (Sputtering) und der metallorganischen chemischen Gasphasenab-
1
1. Einleitung
scheidung (MOCVD). Aufgrund des hohen Interesses an günstigen Herstellungsprozessen, die
aufskaliert und auf die jeweilige Anwendung angepasst werden können, ist die Erforschung
und Weiterentwicklung von Sputterprozessen nötig. Heute gibt es bereits eine Reihe von
unterschiedlichen Sputtermethoden, die für unterschiedliche Anwendungen optimiert sind.
Die Kathodenzerstäubung von Metalloxiden vom keramischen Target ist heutzutage gut be-
herrscht und bereits technisch weit entwickelt. Dennoch gibt es Anforderungen an TCOs, bei
denen das Target mit seinen fixen Grundeigenschaften nicht ausreichend ist. Somit entwickel-
te sich der Wunsch nach einer flexibleren Beschichtungstechnologie, bei der die Eigenschaften
des Targets noch während des Prozesses verändert werden können.
Eine technische Lösung für dieses Problem wurde mit dem seriellen Co-Sputtern (engl. se-
rial co-sputtering) erreicht. Die ersten Untersuchungen zum seriellen Co-Sputtern wurden in
den frühen 90er Jahren von Belkind veröffentlicht [12–15]. Das serielle Co-Sputtern stellt eine
Erweiterung des üblichen Sputterprozesses dar, ist jedoch bis heute noch nicht ausreichend
untersucht, um TCOs für Solarzellen optimieren zu können. Besonders die Abscheidung von
TCOs auf Basis von Aluminium-dotierten Zinkoxid (AZO) oder Zink-dotierten Indiumoxid
(IZO) könnte durch die Verwendung des seriellen Co-Sputterns zu Kostensenkungen oder
Effizienzsteigerungen der CIGS-Solarzellentechnologie führen. Das Grundprinzip eröffnet ei-
nige innovative und wissenschaftlich interessante Möglichkeiten, um die Eigenschaften der
abgeschiedenen Schichten in-situ zu manipulieren. Vor allem die Möglichkeit, während der
Abscheidung die Dotierstoffkonzentration an der Targetoberfläche zu variieren, eröffnet neue
chst interessante Wege für neue TCO-Beschichtungen.
Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt in der Entwicklung und Untersuchung des seriellen
Co-Sputterprozesses als innovative Beschichtungstechnologie zur Verbesserung von CIGS-
Solarzellen durch Abscheidung co-dotierter TCOs auf Solarzellen. Dabei wurde ein in dieser
Arbeit entwickeltes neues Prozessmodul durch Simulationsrechnungen optimiert. So wird die
Wirkung von Bauteilgeometrien auf Gasströmungen in der Prozesskammer untersucht, um
mit diesen Ergebnissen eine größtmögliche Reaktivgastrennung zu erreichen.
Die in dieser Arbeit untersuchten TCOs aus hochdotiertem AZO, Magnesium-dotiertem
AZO (AZMO oder MAZO) und reaktiv abgeschiedenem Zink-dotierten Indiumoxid (IZO)
werden mittels seriellem Co-Sputtern auf Testgläsern abgeschieden und bewertet. Ausge-
wählte Schichten werden in CIGS-Solarzellen integriert.
Die hier vorgestellten Arbeiten wurden im Verbundprojekt TCO4CIGS (BMWi-
Förderkennzeichen 0325762I) in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Dünnschicht-
und Nanotechnologie für Photovoltaik in Berlin (PVcomB), der Firma Solayer, dem
Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST (Fraunhofer IST) und der Tech-
nischen Universität Berlin (TU Berlin) durchgeführt.
Ziel dieser Arbeit ist die Weiterentwicklung des seriellen Co-Sputter-Prozesses als Beschich-
tungstechnologie, um angepasste TCOs für die Anwendung in der CIGS-Technologie herzu-
stellen. Hierbei wird die Sekundärtargetleistung als ein eigener Prozessparameter eingeführt.
Die Hauptansätze, welche dafür untersucht werden, können wie folgt zusammengefasst
werden:
2
Entwicklung eines neuen Beschichtungsprozesses zur einstellbaren Dotie-
rung von neuen TCOs für die Großflächenabscheidung in der Industrie. Die
Abscheidung von TCOs in der CIGS-Technologie benötigt einen Abscheideprozess, der
großflächig angewendet werden kann. Dafür ist die Kathodenzerstäubung bestens geeig-
net, aber mit Limitierungen bei der Herstellung und Dotierung von Targets konfrontiert.
Durch das serielle Co-Sputtern wird dieses Problem gelöst, da die Dotierung in-situ ge-
ändert werden kann. Dennoch wurde dieses Verfahren noch nicht in die Großflächenserie
überführt, was daran liegen könnte, dass durch die Verwendung von zwei Kathoden ein
neuer Prozessparameter eingeführt wird: die Sekundärtargetleistung zur Einstellung der
TCO-Dotierung. Dieser erhöht die Komplexität des Prozesses und macht den Sauer-
stoffpartialdruck zu einem noch kritischeren Prozessparameter.
Entwicklung einer Spülgaseinheit zur Prozessraumtrennung. Die Verwendung
von Sauerstoff im Prozessgas führt zur Oxidierung metallischer Oberflächen von Targets
mit der Folge von Prozessinstabilitäten. Um dessen Wirkung zu minimieren, wurde ein
Zweikammersystem aus Primär- und Sekundärkammer entwickelt, welche durch eine
Spülgaseinheit separiert werden. Durch die Umsetzung und Untersuchung des Wirk-
prinzips der Mantelrohrgeometrie mit Prozessgaseinlass im Spalt soll die Oxidierung
von Targets stark reduziert und so ein stabiler Prozess etabliert werden.
Modellbasierte Auslegung der Spaltgeometrie mit Gastrennung. Um die Wir-
kung der Spülgaseinheit schon vor dem Fertigen zu verstehen und zu optimieren,
werden mit Hilfe einer Simulationssoftware des Fraunhofer IST Direct-Monte-Carlo-
Simulationen (DSMC) durchgeführt, deren Ergebnisse bei der Auslegung eines neuen
Prozessmoduls einfließen.
Integration von co-dotierten TCOs als Frontkontakt in CIGS-Solarzellen.
CIGS-Solarzellen benötigen individuell angepasste TCOs für chste Wirkungsgrade.
Mithilfe des seriellen Co-Sputterprozesses wird der Einfluss der TCO-Dotierung auf die
Eigenschaften von CIGS-Solarzellen untersucht. Dafür werden die Prozesseigenschaften
und relevanten Materialeigenschaften der ausgewählten Materialsysteme AZO, AZMO
und IZO auf Glas und in CIGS Zellen untersucht. Dabei stehen die für Solarzellen
relevanten optischen und elektrischen Eigenschaften im Fokus.
Umsetzung eines kontrollierbaren reaktiven seriellen Co-Sputterprozesses.
Um die Relevanz für die industrienahe Produktion zu erhöhen, wird der Ansatz eines
reaktiven seriellen Co-Sputterprozesses entwickelt. Die Spülgaseinheit führt zu einem
kontrollierbaren Abscheideprozess von In2O3von einem metallischen Rohrtarget. Als
Testschicht wurde IZO ausgewählt, welches durch Co-Dotierung von Indium durch Zink
seriell abgeschieden worden ist.
3
1. Einleitung
Gliederung der Arbeit
Die gesamte Arbeit gliedert sich in folgende Abschnitte:
Im Kapitel 2 wird kurz auf die benötigten theoretischen Grundlagen zur Kathodenzerstäu-
bung, zu Transparenten Leitfähigen Oxiden (TCO), sowie zu Solarzellen eingegangen.
Die experimentellen Methoden zur Solarzellenfertigung und TCO-Abscheidung sowie die
Charakterisierungsmethoden, welche für die Untersuchung der TCOs verwendet werden, sind
in Kapitel 3 vorgestellt und beschrieben.
Im Kapitel 4 werden die Ergebnisse der Arbeit vorgestellt und diskutiert. Als erstes wird auf
das serielle Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung eingegangen. Die Modifizierung der Anlage
sowie die Auswirkungen auf den Sputterprozess werden gezeigt und diskutiert. Dabei wird
auf die Eigenschaften der abgeschiedenen AZO-Schichten eingegangen.
Anschließend wird der serielle Co-Sputterprozess mit Gasraumtrennung vorgestellt. Be-
sondere Beachtung findet das Wirkprinzip, welches durch modellgestützte Simulationen op-
timiert wurde. Dabei wird auf die Herstellung von TCO-Schichtsystemen der Materialien
ZnMgO :Al und In2O3:Zn eingegangen und deren manipulierte Eigenschaften näher auf-
gezeigt.
Die entwickelten TCO-Schichtsysteme wurden auf CIGS-Absorbern abgeschieden und de-
ren Einfluss auf die charakteristischen Werte der Solarzellen untersucht. Die Ergebnisse wer-
den in Kapitel 4.4 gesondert vorgestellt und diskutiert.
Die abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick zum seriellen Co-
Sputtern werden in Kapitel 5 gegeben.
4
2. Grundlagen
In diesem Kapitel wird ein kurzer Überblick über die physikalischen und technologischen
Grundlagen der Kathodenzerstäubung, der transparenten leitfähigen Metalloxidschichten
(TCO) und deren Anwendung in der CIGS-Technologie gegeben. Zunächst werden die we-
sentlichen Grundlagen der Kathodenzerstäubung (engl. Sputtering) in Abschnitt 2.1 erör-
tert, anschließend wird in Abschnitt 2.2 auf die Eigenschaften von TCOs eingegangen. Dazu
werden Abschätzungen zur Dotierbarkeit gegeben und Limitierungen aufgrund von Streume-
chanismen in TCOs erklärt. Das Strukturzonen-Modell zum Einfluss der Sputterparameter
auf die Schichtstruktur wird in Abschnitt 2.3 erläutert. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels
wird auf den Aufbau und die Funktionsweise von CIGS- Dünnschichtsolarzellen und die An-
forderungen an TCOs als deren Frontkontakte eingegangen (Abschnitt 2.4). Es werden die
charakteristischen Solarzellenparameter vorgestellt und der Einfluss von Rekombination und
Widerständen auf die Solarzellen beschrieben.
2.1. Die Kathodenzerstäubung
Die Kathodenzerstäubung (engl. „Sputtering“, kurz “Sputtern”) ist ein industriell etabliertes
Niederdruck-Beschichtungsverfahren der Dünnschichttechnologie. Es ermöglicht die kosten-
günstige Herstellung von Dünnschichtsystemen auf der Basis von Metalloxiden, wie TCOs.
Die Kathodenzerstäubung gehört zur Verfahrensgruppe der physikalischen Gasphasenabschei-
dung (engl. „physical vapour deposition“, PVD). Mit dem PVD-Verfahren bezeichnet man
das Überführen eines Festkörpers in die Gasphase mit Hilfe physikalischer Einwirkung und
anschließender Kondensation auf einem Substrat. Das Sputtern gehört in die Kategorie der
Plasma-gestützten PVD-Verfahren. Beim Sputtern werden in einer Vakuumkammer positiv
geladene Argonionen auf ein zu zerstäubendes Material, die Target-Kathode, beschleunigt.
Dabei werden über Stoßkaskaden nahe der Oberfläche Atome oder Moleküle aus der Material-
oberfläche herausgeschlagen. Die Atome werden von der festen Phase direkt in die Gasphase
sublimiert. Im Gegensatz zu Aufdampfanlagen ist der Vorteil des Sputterprozesses die Fä-
higkeit, Materialien in die Gasphase zu überführen, ohne die chemische Komposition des
Materials zu verändern. Aufgrund der Plasmaunterstützung ist es möglich, Materialien schon
bei Raumtemperatur durch Sublimation abzuscheiden, was vor allem bei der Verwendung
temperaturempfindlicher Substrate1von Vorteil ist. Die Sputtertechnologie hat sich in den
letzten Jahrzehnten stets weiterentwickelt. Das Magnetronsputtern wird unter anderem in
der Beschichtung von Architekturglas, der Beschichtung von Werkzeugen oder der Abschei-
dung von transparenten Elektroden in Displays, OLEDs oder Solarzellen eingesetzt. Mehrere
1Dies können zum Beispiel Folien aus Polimid sein.
5
2. Grundlagen
Übersichtsartikel haben den Verlauf der Technolgieentwicklung dokumentiert [16–20]. Im Fol-
genden wird auf die nötigen Komponenten und die unterschiedlichen Arten kurz eingegangen.
Das Sputtern findet im Vakuum (verdünnten Gasen) statt. Mit Hilfe von Pumpen wird
im Prozessraum ein Druck von ca. 106mbar erreicht und dadurch unerwünschte Bestand-
teile der Atmosphäre auf ein Minimum reduziert. Anschließend wird ein inertes Prozessgas
(zumeist das Edelgas Argon) in die Anlage eingelassen.
Beim Sputtern liegen die üblichen Prozessdrücke weit unter Atmosphärendruck im Bereich
des Feinvakuums von 0.1-100 Pa. Für typische Sputterdrücke von 103101mbar und
Temperaturen von 300 K liegt die Teilchendichte für Argon bei etwa 2.4×1013 1016 cm3.
Eine wichtige Größe beim Sputttern ist die mittlere freie Weglänge (λmfW ) . Sie ist definiert
als die Wegstrecke eines Teilchens zwischen zwei Stößen und berechnet sich nach2:
λmfW =kBT
2πd2p.(2.1)
Dabei bezeichnen dden Durchmesser des Gasteilchens, kbdie Boltzmann-Konstante, T die
Temperatur und p den Druck. Für ein Gasteilchen ist die mittlere freie Weglänge umgekehrt
proportional zum Druck. Je länger die mittlere freie Weglänge, desto mehr Energie haben die
gesputterten Teilchen beim Auftreffen auf das Substrat. In Tabelle 2.1 sind die mittleren freien
Weglängen für Argon und Sauerstoff in Abhängigkeit eines üblichen Prozessdruckbereichs
gezeigt.
Tabelle 2.1.: Mittlere freie Weglänge λfür Argon und Sauerstoff bei 300 K in Abhängigkeit vom Druck.
Druck Druck λArgon λO2
(Pa) ×103mbar mm mm
0.1 1 63.4 64.1
0.5 5 12.68 12.82
1 10 6.34 6.41
5 50 1.27 1.28
10 100 0.63 0.64
Die beiden in dieser Arbeit verwendeten Beschichtungsanlagen bestehen aus mehreren Pro-
zesskammern. In den Vakuumprozesskammern werden die Sputterprozesse durchgeführt. Der
Aufbau der jeweiligen Kammern wird in den Kapiteln 3.4.1 und 3.4.2 näher beschrieben. Eine
Skizze einer Sputterkammer und der beim Sputtern vorhandenen Teilchen sind in Abbildung
2.1 gezeigt.
2.1.1. Plasma und Niederdruck-Glimmentladung
Für den Prozess der Kathodenzerstäubung wird ein Plasma benötigt, welches die Ionen liefert,
die zur Kathode beschleunigt werden. Ein Plasma ist ein Gemisch aus Ionen, freien Elektro-
nen und Neutralteilchen. Somit besitzt ein Plasma aufgrund freier Ladungsträger eine elek-
trische Leitfähigkeit. Das Verhältnis von Ionen zu Neutralteilchen ist der Ionisierungsgrad.
Beim Gleichstrom-Magnetron-Sputtern (direct current, dc-MS) liegt der Ionisierungsgrad im
2unter Annahme der Maxwellschen Geschwindigkeitsverteilung
6
2.1. Die Kathodenzerstäubung
Abbildung 2.1.: Prinzipieller Aufbau einer Sputterkammer: Das Target (grau schraffiert) fungiert als Ka-
thode der Glimmentladung. Die Gase werden in den Prozessraum eingelassen und eine Pumpe wird für das
Evakuieren der Kammer und die Einstellung des Prozessdruckes benötigt. Durch eine Leistungsversorgung
(Generator) wir das Plasma gezündet und eine Glimmentladung aufrecht erhalten. Das gesputterte Katho-
denmaterial M kann neutral, angeregt oder ionisiert sein. Daneben können von oxidierten Bereichen des Targets
Metalloxide (MO) und Sauerstoff (auch O) abgetragen werden. Durch ein Magnetfeld können Elektronen
nahe der Kathode fokussiert werden. In einigen wenigen Zentimetern Abstand zur Kathode ist das Substrat
positioniert, auf der die Schicht aus gesputterten Material aufwächst.
Bereich von weniger als 1% [21, 22]. Durch eine lokale Erhöhung der Elektronendichte (in Ma-
gnetfeldern oder durch zusätzliche Ionenquellen) kann der Ionisierungsgrad gesteigert werden.
Die Eigenschaften des Plasmas hängen vor allem von der Art und Menge der vorhandenen
Elektronen, positiv oder negativ geladenen Ionen und neutralen Atomen ab. Nach außen hin
ist das Plasma quasi-neutral. Beim Sputtern hängen die Eigenschaften eines Plasmas außer-
dem von der Geometrie der Elektroden, dem Targetmaterial, dem Prozess, der Temperatur
sowie magnetischer und elektrischer Felder ab.
Für eine Niederdruck-Glimmentladung wird über einen Generator zwischen der Katho-
de und der Anode eine hohe Spannung angelegt, welche die Glimmentladung erzeugt. Der
Verlauf einer Glimmentladung kann über eine Strom-Spannungs-Kurve einer Leistungsver-
sorgung genauer erläutert werden3. Der Verlauf der I-U-Kennlinie einer Glimmentladung ist
abhängig von der Geometrie der Kathoden, der Anoden, der Kammer, den Prozessgasen und
dem Targetmaterial. Die I-U-Kennline lässt sich in drei Bereiche unterteilen: der Bereich der
Dunkelentladung, der Glimmentladung und der Lichtbogenentladung (Arcing). Beim Sput-
tern ist der Bereich der Glimmentladung der Arbeitsbereich.
Bei einem ausreichend hohen elektrischen Feld kommt es zum Spannungsdurchbruch
(Breakdown voltage), wenn aus dem Target zusätzlich Sekundär-Elektronen emittiert werden,
die zu einer weiteren Ionisierung führen. Die Spannung sinkt ab und durch die zusätzlichen
3Bei der Inbetriebnahme der neuen Sputterkammer kam es zu einer Reihe von Prozessanomalien, die durch
Beobachtung der Prozesspunkte beseitigt werden konnten - beispielsweise Arcing, Kugelblitze, Ausbleiben
der Zündung des Plasmas am Sekundärtarget.
7
2. Grundlagen
Ladungsträger ist die Glimmentladung selbsterhaltend. Die Durchbruchspannung ist vom
Gas, dem Targetmaterial, dem Druck und dem Abstand zwischen den Elektroden abhängig.
F. Paschen erkannte in seinen Studien diesen Zusammenhang [23] und das Gesetz von Pa-
schen gibt den empirischen Zusammenhang für den Selbsterhalt einer Entladungsspannung
wieder:
U=B·p·d
ln(A·p·d) + ln hln 1
γ+ 1i.(2.2)
Diese Formel besagt, dass die elektrische Spannung abhängig von dem Produkt aus Druck p
und Elektrodenabstand d und dem Sekundärelektronen-Emission-Koeffizienten γdes Targets
ist, sowie von den gasartabhängigen Konstanten A und B.
Bei einem kleinen Produkt p·dwird eine sehr hohe Entladungsspannung benötigt. Da
λmfw 1
pgilt, ist bei niedrigen Drücken die freie Weglänge der Elektronen groß und es
kommt kaum zu Stoßereignissen auf dem kurzen Weg zur Elektrode. Damit ist die Ioni-
sierungswahrscheinlichkeit stark reduziert. Mit zunehmendem Druck erhöht sich die Wahr-
scheinlichkeit zwischen zwei Stößen und es kommt zu einer Absenkung der Entladespannung.
Es kommt zu einer Reduzierung der Entladungsspannung bis auf ein Minimum. Bei weiterer
Druckerhöhung steigt auch die Entladespannung wieder an, da die Stoßwahrscheinlichkeit
steigt und die Elektronen zwischen zwei Stößen nicht genügend kinetische Energie aufneh-
men können, um neutrale Prozessgasteilchen zu ionisieren. Gleiches gilt für die Änderung des
Elektrodenabstandes bei konstantem Druck4.
2.1.2. Prozesse am Target
Die durch das Plasma erzeugten Ionen treffen auf das Target und es werden verschiedene
Prozesse in Gang gesetzt. Die wichtigsten Prozesse sind in Abbildung 2.2 aufgezeigt. Ein
Argon-Ion wird durch das elektrische Feld in Richtung Target beschleunigt. Beim Einschlag
auf der Targetoberfläche kann es zu unterschiedlichen Prozessen kommen. Zum einen kann
das Argon-Ion reflektiert werden und es bewegt sich zurück in den Prozessraum. Zum anderen
kann es in die Targetoberfläche eindringen und dort entweder implementiert werden oder eine
Stoßkaskade der Targetatome in Gang setzen. Wenn sich die Stoßkaskade im Targetmaterial
fortsetzen kann bis sie wieder zur Oberfläche dringt, wird ein Targetatom (oder auch Cluster)
aus der Oberfläche herausgelöst (Erosion). Neben dem gesputterten Atom kommt es auch
zu einer Emission von Sekundärelektronen, die zum Aufrechterhalten der Glimmentladung
notwendig sind. Je nach Druck bewegen sich die gesputterten Atome vom Target weg. Bei
sehr hohen Drücken kann es auch dazu kommen, dass das gesputterte Atom wieder auf der
Targetoberfläche landet.
Die Erosionsrate am Target wird auch als Sputterausbeute (engl. sputter yield) Y be-
zeichnet. Diese gibt das Verhältnis zwischen abgetragenen zu eintreffenden Partikeln an. Sie
ist abhängig von der Ionenenergie E, der Schwellspannung USdes Materials und dem Mas-
4Dies wird zur örtlich gezielten Zündung des Plasmas in der Anlage genutzt (Dunkelraumabschirmung)
und wurde bei der Auslegung der Gausraumtrennung berücksichtigt, um Teile der Anlage gezielt vor
ungewollten Plasmazündungen zu schützen.
8
2.1. Die Kathodenzerstäubung
Abbildung 2.2.: Schematischer Ablauf eines Sputterprozesses und der Stoß-Kaskade an der Targetoberfläche
(nach [24]).
severhältnis von Ion M1und Targetmaterial M2. Mehrere Autoren, wie etwa P. Sigmund
haben eine Formel angegeben, um den Sputteryield als Funktion der Ionenenergie (für di-
verse Stoßpartner) anzugeben [25, 26]. Nach Sigmund berechnet sich der Sputteryield für
niedrige Ionenenergien (was für herkömmliche Sputterprozesse gilt, E < 400 eV ) [25]:
Y=3
4π2α4M1M2
(M1+M2)2
E
Us
(2.3)
mit der Energie der Ionen E, der Oberflächenbindungsenergie Us, einem dimensionslosen
Parameter αund den Massen von Ionen und den Targetatomen (in amu). Hier wird deutlich,
dass inerte Gase hoher Masse den Sputteryield erhöhen. Üblicherweise wird aus Kostengrün-
den Argon verwendet.
Um ein Atom aus dem Target zu sputtern, muss die Energie der die Stoßkaskade auslö-
senden Ionen größer sein als die Oberflächenenergie Us. Es wird deutlich, dass die Sputter-
ausbeute linear mit der Energie E ansteigt. Die Energie der Ionen ist in erster Abschätzung
mit dem Produkt der Spannung am Target und der elementaren Ladung ermittelbar (e·V).
Neben dem Sputteryield ist es ebenso wichtig zu wissen, mit welcher Energieverteilung die
gesputterten Partikel verteilt sind. Nach Thompson [27] kann die Energieverteilung nach
folgender Formel abgeschätzt werden:
dY
dE E
(E+Us)3(2.4)
Die Verteilung der Energie hat sein Maximum bei Us/2. Die Energie der emittierten Partikel
liegt im Bereich einiger Elektronenvolt und ist damit höher als bei Verdampfungsprozessen.
Diese Energien begünstigen eine gute Haftung der Materialien auf dem Substrat, was einer
der Vorteile des Sputterns ist.
9
2. Grundlagen
Neben dem Sputteryield ist auch die Sekundärelektronenausbeute (engl. ion induced se-
condary electron emission coefficient, ISEE, oder secondary electron emission yield, SEEY)
von Bedeutung. Der Sekundärelektronenyield γ(SEEY) ist ein wesentlicher Faktor für die
Spannung am Sputtertarget (vgl. Formel 2.2) und ist vor allem vom Oberflächenmaterial des
Targets abhängig. So konnten Depla et al. in Studien zeigen, dass der SEEY für Metalle und
ihre Oxide oder Nitride unterschiedlich ist [28]. Die Untersuchungen für die Sekundärelektro-
nenausbeute zeigten für die untersuchten Metalle und ihre Oxide zwei Klassen von Metallen
auf. Für Al, Mg, Ce, Pb und Y stieg der SEEY für die Oxide teilweise stark an. Für andere
untersuchte Metalle hingegen sank der SEEY der Oxide gegenüber den Metallen ab. In der
hier vorliegenden Arbeit wurden unter anderem metallische Sekundärtargets aus Aluminium
und Magnesium verwendet. Dies führt zu einer Beeinflussung des Sputterprozesses. SEEY-
Werte für den metallischen und oxidierten Zustand dieser Metalle, die in einer Studie von
Depla et al. [28] herausgearbeitet und veröffentlicht wurden, sind zur Orientierung in Tabelle
2.2 angegeben.
Tabelle 2.2.: Sekundär-Elektronen-Emissions-Ausbeute γfür Al und Mg und ihre Oxide (nach [28]). Der Fehler
wird auf 10% geschätzt. Dazu den gemessenen Targetspannungen U in deren Setup (0.3 Pa Ar, 0.2 A.).
Metall Oxid Veränderung UmUox
γmγc(γcγm)
/γm(V) (V)
Al 0.091 0.198 110% 376.4 259.1
Mg 0.13 0.409 200% 330 156.3
Neben dem Sekundärelektronenyield ist der Druck eine weitere wichtige Größe. Bei einem
hohen Druck ist die Ionisierungswahrscheinlichkeit der Argonteilchen erhöht, da genügend
Gasatome zur Verfügung stehen. Wenn der Druck jedoch reduziert wird, werden immer mehr
Elektronen u.a. auch vom Target eingefangen und die Ionisierungswahrscheinlichkeit sinkt.
Folglich steigt die Spannung an. Bei einem zu geringen Druck erlischt jedoch das Plasma, da
zu wenig Argonteilchen vorhanden sind, die ionisiert werden können.
2.1.3. Prozesse am Substrat
Nachdem die gesputterten Teilchen ihren Weg zum Substrat gefunden haben, können an der
Oberfläche vom Substrat verschiedene Prozesse stattfinden. Neben den gesputterten Teilchen
können auch energetische Teilchen am Substrat auftreffen. Die einzelnen Phänomene sind in
Abbildung 2.3 gezeigt.
Nachdem das gesputterte Teilchen durch die Gasphase zum Substrat gelangt ist, trifft es
mit einer kinetischen Energie auf der Oberfläche auf. Dort kann es unter anderem direkt ein-
dringen, anhaften, diffundieren, desorbieren oder andere Teilchen rücksputtern. Dabei kann
es an der Oberfläche mit reaktiven Teilchen reagieren und wird schließlich adsorbiert. Für
das Wachstum der aufwachsenden Schicht sind das gesputterte Material selbst und das dar-
unter befindliche Material entscheidend. Eine stark zerklüftete Oberfläche wie bei manchen
CIGS-Oberflächen oder pyramidenförmigen Silizium-Wafern führt zu einem unterschiedlichen
Aufwachsen von TCOs. Wenn die Energie der ankommenden und anhaftenden Teilchen (Ada-
tome) am Substrat zu gering ist, können diese zu einer Abschattung der darunter liegenden
10
2.1. Die Kathodenzerstäubung
Abbildung 2.3.: Prozesse am Substrat bei eintreffendem gesputterten Targetatom. Das Targetatom erreicht
die Substratoberfläche mit einer Restenergie und kann dort absorbiert oder rückgesputtert werden. Je nach
Energie kann das Adatom dann auf der Oberfläche anhaften oder sich bewegen. So können die Teilchen an
der Oberfläche diffundieren bis sie endgültig gebunden werden. Je nach vorhandenen Spezies kann dort auch
eine Reaktion mit Reaktivgas stattfinden.
Bereiche führen. Die Energie wird unter anderem von der vorhandenen kinetischen Energie
der Teilchen und der zugeführten Energie (z.B. Substrattemperatur oder Ionenstrahlenergie)
beeinflusst. Bei ausreichend hoher Energie kann sich das angehaftete Teilchen durch Ober-
flächendiffusion zu energetisch günstigeren Stellen bewegen. Dort kann es zur Bindung mit
der Oberfläche kommen. Bei noch höheren Energien kann es zu einer Volumendiffusion kom-
men. Der Einfluss der wichtigen Parameter Druck und Temperatur wurde unter anderem von
Thornton in einem Modell zusammengefasst (vgl. Kapitel 2.3).
2.1.4. Sputterarten
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Entwicklung eines seriellen Co-
Sputterprozesses. Zur Auslegung der Anlagenkomponenten ist es nötig, Kenntnis über die
Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Sputterverfahren zu haben, um die für diese Ar-
beit idealen Voraussetzungen zur Umsetzung eines flexiblen seriellen Co-Sputterprozesses zu
schaffen.
Gleichstrom-Diodensputtern
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Glimmentladungsplasma anzuregen. Die einfachste
ist die des Direktstrom-Sputterns (DC). Es wird am Target eine konstante negative Spannung
angelegt. Dadurch ergibt sich ein Potentialverlauf wie in Abbildung 2.4 gezeigt.
Meist dient die Kammerwand als Anode. Wenn das Substrat (und der tragende Carrier)
elektrisch isoliert sind5, dann befindet sich das Substrat auf dem Floating-Potential. Das
Plasmapotential (Vpp) ist leicht positiv. Die Argon-Ionen werden über den gesamten Katho-
denfall beschleunigt. Am Target werden die Argon-Ionen reflektiert oder geben ihre Energie
5Dies war in den hier gezeigten Sputteranlagen der Fall.
11
2. Grundlagen
Abbildung 2.4.: Räumlicher Potentialverlauf bei einem DC-Sputterprozess mit floatendem Substrat (hier
nicht gezeigt). Referenz-Potential (V0), Plasma-Potential (Vpp), Floating-Potential (Vfl), angelegtes Potential
(Vp).
als Stoßkaskade an die Targetoberfläche weiter. Nur ein kleiner Teil der herausgeschlagenen
Teilchen ist ionisiert.
Um die Sputterrate (Sputteryield) in einem einfachen Diodensystem zu erhöhen, muss das
Potential oder der Druck erhöht werden. Eine erhöhte (negative) Spannung führt zu einem
erhöhten Beschleunigen der Elektronen, die dann auch weiter vom Target entfernt Ionen
erzeugen können. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass ein erhöhter Elektronenstrom in Rich-
tung der Anode zu einer Erwärmung dieser führt. Ein erhöhter Druck (geringe freie Weglänge)
führt zu einer raschen Energieabnahme der gesputterten Teilchen auf dem Weg zum Substrat
(Thermalisierung). Ein hoher Druck führt auch dazu, dass die gesputterten Teilchen wieder
zum Target zurück reflektiert werden. Wegen dieser Nachteile des einfachen DC-Sputterns
hat sich das Magnetfeld-unterstützte Sputtern (oder auch Magnetron-Sputtern) erfolgreich
durchgesetzt, welches im Folgenden kurz beschrieben wird.
Magnetronsputtern
Beim soeben beschriebenen Diodensputtern ist die Bewegungsrichtung der Elektronen durch
die Anode und Kathode definiert. Durch das Anbringen von Magneten hinter dem Target
kann ein Magnetfeld
Bvor der Targetoberfläche quasi parallel zu dieser erzeugt werden. Die
Elektronen werden zwar durch das elektrische Feld
Eüber den Kathodendunkelraum be-
schleunigt, können aber die Magnetfeldlinien nicht gleich durchdringen. Die Elektronen wer-
den durch
E×
Bzu einer Hallbewegung gezwungen. In der Summe wandern die Elektronen,
gefangen durch das magnetische und elektrische Feld, entlang des Targets auf spiralförmigen
Bahnen (Zykloiden) und können damit in diesem Bereich aufgrund ihrer relativ hohen ki-
netischen Energie eine größere Anzahl von Argon-Atomen ionisieren. Die Elektronenbahnen
können durch die Lorentz-Formel beschrieben werden:
F=q(
E+
ve×
B)(2.5)
mit der negativen Ladung q und der Geschwindigkeit der Elektronen
ve. Aufgrund der erhöh-
ten Plasmadichte in diesem Bereich kommt es zu einer Reduzierung der Entladungsspannung
und der Prozessdruck kann reduziert werden. Dies führt dazu, dass die gesputterten Partikel
mit weniger Kollisionen (und somit mit mehr Energie) das Substrat erreichen. Durch die
12
2.1. Die Kathodenzerstäubung
erhöhte Plasmadichte steigt auch die Sputterrate stark an, was den Durchsatz der Substrate
erhöht und zu Kosteneinsparungen bei der Beschichtung führt.
Magnetrons können auf unterschiedliche Weise betrieben/angesteuert werden. Neben dem
Gleichstrom (dc) kann der Prozess auch mit gepulstem Modus (p-dc, 5350 kHz), Ra-
diofrequenz (rf, 13.56 MHz) oder hochenergetischen Pulsen (high power impulse magnetron
sputtering, HIPIMS) angesteuert werden [29–32].
Das dc-Magnetron-Sputtern ist die einfachste Form des Sputterns und nutzt einen dc-
Generator. Hierbei können nur leitfähige Materialien gesputtert werden.
Aufgrund von oxidischen Ablagerungen auf der Targetoberfläche werden lokal Bereiche mit
erhöhter Elektronenkonzentraion gebildet, die im ungünstigsten Fall durch eine Lichtbogen-
entladung (Arc) abgebaut werden. Um das zu verhindern, kann der Moment mit einer nied-
rigen Spannung und hohem Stromfluss detektiert und durch den Generator gegengesteuert
werden (Arc-Handling). Oft wird dabei die Stromzufuhr unterbrochen, damit sich die Elek-
tronendichte abbauen kann. Um eine Aufladung und potentielles Arcing zu verhindern, kann
die Spannung gepulst zugeführt werden. Am häufigsten wird ein bipolares Pulsen genutzt,
bei dem zwischen der negativen Spannung ein kurzer positiver Spannungszyklus angelegt
wird. So können Aufladungen effektiv abgebaut werden, aber die Vorteile der dc-Spannung
erhalten bleibt. Die Pulsfrequenz liegt meist in einen im Bereich zwischen 5 und 350kHz. Im
Rahmen dieser Arbeit wurden alle keramischen Targets gepulst betrieben, da diese Targets
im dc-Modus zu Arcing neigten.
Bei isolierenden, nicht-leitfähigen Materialien ist ein Zünden des Plasmas fast unmöglich
und deshalb wird in solchen Fällen das Hochfrequenzsputtern (radio frequency, rf) verwendet.
Durch das sich schnell wechselnde elektrische Feld werden die Elektronen kurzzeitig stark
in eine Richtung beschleunigt und dann wieder in umgekehrter Richtung. Dadurch stoßen
sie vermehrt auf die Argonteilchen, die dem Feld nicht so schnell folgen können und die
Ionisierung des Gases steigt stark an. Aufgrund der positiven und negativen Spannung werden
die Ionen weniger stark zum Target beschleunigt und folglich sinkt die Sputterrate deutlich.
Aufgrund der geringeren Plasmaimpendanz sinkt auch die Targetspannung gegenüber dem
dc-Sputtern. Cebulla et al. zeigten in ihren Experimenten mit dc- überlagerten rf-MS, dass
die Sputterrate und die Teilchenenergie am Substrat beeinflusst werden können, wenn der
dc-Anteil erhöht wird [33]. Jäger et al. haben den Unterschied zwischen rf- und dc-Sputtern
untersucht [34].
Reaktives Sputtern
Im Rahmen dieser Arbeit wurde mithilfe von metallischen Targets Dotiermaterial auf ein
keramisches AZO-Target oder Zink auf ein Indium-Target mittels Sputtertechnologie aufge-
bracht. Da keramische AZO-Targets leicht unter-stöchiometrisch gefertigt werden und Sauer-
stoff im Sputterprozess verloren gehen kann, benötigt es einer gewissen Menge an Sauerstoff
zusätzlich zum Argon als Prozessgas. Je nach Targettyp und Temperatur liegt der benötigte
Sauerstoffanteil bei ca. 0 bis 50%. Da ein Einbringen von Sauerstoff in den Prozess dazu führt,
dass die metallische Targetoberfläche oxidiert, bilden sich hochohmige Metalloxidschichten
13
2. Grundlagen
auf der Targetoberfläche, die den Sputterprozess beeinträchtigen [35]. Diese Oxidierung wird
auch Targetvergiftung (target poisoning) genannt und führt zu einer Reduzierung der Sput-
terrate. Es wurde beobachtet, dass der Übergang vom metallischen Modus zum oxidischen
Modus sprunghaft ist. So wird bei einer stetigen Sauerstoffzufuhr der Sauerstoffpartialdruck
ab einer kritischen Menge stark ansteigen. Bei nun folgender Reduzierung des zugeführten
Sauerstoffs sinkt der Sauerstoffpartialdruck nicht bei dem zuvor gemessenen Sauerstofffluss
ab. Es bildet sich eine Hysterese aus, die den Prozess komplizierter in der Steuerung macht.
Da beim seriellen Co-Sputtern eine Targetvergiftung durch eine entwickelte Gastrenneinheit
verhindert werden soll, sind Kenntnisse über die physikalischen Phänomene am Target wich-
tig, um die Auslegung der Anlage zu optimieren. Ein Modell zur Beschreibung liefert das
„Bergmodell“ und auf dieses wird in Abschnitt A.3 gesondert eingegangen.
Typen von Targets
Es existieren im wesentlichen zwei Arten von Targets. Zum einen gibt es planare Targets
und zum anderen zylindrische Targets. Die planaren Targets haben eine rechteckige oder
runde Form und werden auf eine „Bonding“-Platte (meist Kupfer) gelötet. Dahinter befindet
sich der Kühlkreislauf sowie die Magneten des Magnetrons. Die flachen runden Magnetrons
mit Durchmessern von nur 1 bis 3 Zoll findet man vorwiegend in Forschungslaboren für
kleinflächige Abscheidungen. In der Industrie werden Targets dagegen mit Längen von über
einem Meter verwendet6.
Ein Problem der planaren Targets ist die lokale Erhöhung der Plasmadichte durch die Ma-
gnetfeldlinien. Die Elektronen wandern nahe der Targetoberfläche entlang der Magnetfelder
und es wird dort mehr Material abgesputtert als beim restlichen Teil des Targets. Dieser
als „racetrack“ der Elektronen bekannte Effekt führt dazu, dass ein Großteil des Materials
am Rest des Targets nicht abgetragen wird. Folglich haben planare Targets einen Nutzungs-
grad von nur etwa 30%. Es wurden Konzepte entwickelt, bei denen der Bereich der chsten
Ionendichte nicht stationär auf der Targetoberfläche verbleibt. Eine marktdurchdringende
Entwicklung war die Verwendung von Targets in hohler Zylinderform, die auf ein Trägerrohr
aus Edelstahl gebondet werden. Hierbei dreht sich das zylindrische Target um den Magnetsatz
samt Kühlleitung. Diese Bauweise bewirkt eine permanente Bewegung der Targetoberfläche.
Dadurch ist die homogene Abtragung des Targets möglich und die Ausbeuten steigen auf
über 70%. Nur an den Wendepunkten entsteht ein höherer Abtrag. Einige Übersichten sind
in der Literatur gegeben [36–38].
Genau diese Form ist für Primärtargets beim seriellen Co-Sputtern von hoher Bedeutung.
Bei der Auslegung und Entwicklung des seriellen Co-Sputtern samt Mantelrohr sind Zylin-
derrohrkathoden als Primärkathoden verwendet worden.
14
2.1. Die Kathodenzerstäubung
Abbildung 2.5.: Schematischer Querschnitt des Sputtering-Systems mit zwei zylindrischen Rohrkathoden
(Material B) als Primärtarget und einem planaren Sekundärtarget (Material A) und Substrat S (aus [12]).
2.1.5. Serielles Co-Sputtern
Die Beschichtungstechnik des seriellen Co-Sputterns wurde erstmals in den frühen neunziger
Jahren in einer einfachen Version von Belkind und Carlsson vorgestellt [12, 14]. Diese Technik
stellt eine vielversprechende Erweiterung der herkömmlichen Sputtertechnologie dar, welche
einige Probleme überwindet. Das serielle Co-Sputtern bietet eine Reihe von Vorteilen, die
mit der herkömmlichen Technologie nicht gegeben sind [39]:
die Dotierung in den Schichten kann während der Abscheidung verändert werden,
die Dotierung des Primärtargets ist nachträglich durch die Leistung am Generator än-
derbar, ohne Targets wechseln zu müssen,
durch geeignete Paarung von Targets kann die Abscheiderate erhöht werden („sputter
yield amplification effect“, SYA),
die Sekundärkathode kann mit jedem (herstellbaren) Material bestückt werden, was
einen hohen Grad an Materialkombinationen ermöglicht,
durch Trennung der Prozessräume können günstigere metallische Targets verwendet
werden,
der Prozess ist relativ einfach in bestehenden Anlagen nachrüstbar.
Ein Nachteil ist die Kostenerhöhung durch den Einsatz eines zweiten Magnetrons, welches
nicht direkt der Abscheidung dient.
Die von Belkind et al. vorgestellte Grundidee des seriellen Co-Sputterns ist in Abbildung
2.5 gezeigt. Benötigt werden mindestens zwei Sputtertargets. In einem sequenziellen Prozess
6Alle Anlagen, die in dieser Arbeit verwendet worden sind, sind in-line-Anlagen, welche die Abscheidung auf
größeren Substraten (>10 x10 cm2) erlauben und damit industrienäher ausgelegt sind.
15
2. Grundlagen
wird zuerst von einem Hilfstarget (Sekundärtarget) ein Dotierstoff (Material A) auf die Ober-
fläche eines Haupt-Targets (Primärtarget, Material B) gesputtert und dann in einem zweiten
Schritt wird die Materialkombination A+B auf ein Substrat abgeschieden. Vor allem ist da-
durch eine Modifizierung des Haupttargets (Primärtargets) möglich und die Dotierung kann
im Prozess geändert werden. So können unterschiedliche Materialkombinationen abgeschie-
den werden. Die Autoren konnten Metalloxide durch die Verwendung von metallischen Zylin-
derrohrtargets und Reaktivgasen abscheiden [13]. Einen weiteren Vorteil dieser Technologie
bietet der „sputter yield amplification effect“ (SYA). Das heißt, dass durch die Verwendung
von schweren Atomen wie Wolfram von der Sekundärkathode, die Sputterausbeute an der
Primärkathode erheblich gesteigert werden konnte.
Die Experimente der Gruppe zu dieser Technologie wurden allerdings nicht weiter fortge-
führt und erst in den Nullerjahren haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und
Oberflächentechnik IST die Idee des seriellen Co-Sputterns wieder aufgenommen [40]. Mit Hil-
fe eines Dual-Magnetrons und der Implementierung einer Gasraumtrennung zwischen zwei
Prozesskammern wurde dieses Verfahren verbessert7. Das sogenannte “Megatron” arbeitet
mit 2 planaren Hilfstargets, die jeweils ein Material auf Rohrtargets abscheiden können [39].
Die Entwicklung wurde durch Modellierungen unterstützt und eine Spülgastrennung entwi-
ckelt, die sich jedoch nicht als ausreichend erwies und dies war Startpunkt der Überlegungen
dieser Arbeit.
Nahezu zeitgleich wurde eine weitere Labor-Anlage an der RTWH Aachen von Austgen ent-
wickelt (COSMOS) und die Prozesscharakteristik untersucht [41, 42]. Weitere Untersuchun-
gen erfolgten von Schmidt, welcher unter anderem die Sputterratenerhöhung wissenschaftlich
untersuchte [43, 44]. Es konnte gezeigt werden, dass durch die Co-Dotierung von schweren
Dotanden wie Platin oder Wolfram eine Sputterratenerhöhung erzielt werden konnte, welche
den Abscheide-Ertrag um über 100% steigerte.
Nach heutigem Stand der Technik sind dem Autor nur eine Hand voll an seriell co-
sputterfähigen Anlagen bekannt. Dementsprechend ist die Entwicklung und Marktreife dieser
Technologie noch nicht vollständig abgeschlossen. Insgesamt sind drei Prozesse auf Anlagen
ausgemacht worden und zwei weitere wurden in dieser Arbeit entwickelt. In Abb. 2.6 und
Tab. 2.3 sind diese 5 Versionen zusammengestellt. a) Belkind, b) das COSMOS“ der RTWH
Tabelle 2.3.: Aufzählung der bekannten seriellen Co-Sputter-Anlagen.
Autor Ort Jahr der ersten Veröffentlichung
a) Belkind BOC Group Technical Center 1993
b) Austgen RTWH Aachen 2011
c) Körner Fraunhofer IST 2021
d) Szyszka Fraunhofer IST 2011
e) Körner PVcomB 2017
Aachen von Austgen et al., c) das neue Modell am Fraunhofer IST (und Teil dieser Arbeit), d)
der Aufbau des „Megatrons“ am Fraunhofer IST und e) die Doppel-Rohrversion am PvcomB
(ebenfalls Teil dieser Arbeit).
7Patent DE102009015737A12010.10.07
16
2.1. Die Kathodenzerstäubung
Abbildung 2.6.: Schematische Darstellung der unterschiedlichen seriellen Co-Sputter-Anlagen mit angedeu-
teten Pumpen. Durchgezogene Pfeile repräsentieren Material der Sekundärkathode und gestrichelte Pfeile
Material der Primärkathode.
Mit der in den letzten Jahren eingesetzten Verbesserung der CIGS-Technologie und
der Entwicklung von PVD und MOCVD-Verfahren hin zu einem Standardverfahren für
Frontkontakt-Schichten auf industriellen Solarzellen gewann die Frage nach Sputtertechnolo-
gien mit hohen Abscheideraten und guter Skalierbarkeit zunehmende Bedeutung. In diesem
Zusammenhang wurden vor allem Aluminium- oder Bor-dotiertes Zinkoxid (AZO und BZO)
als Frontkontakte für CIGS-Solarzellen etabliert. Dabei ist die Dotierung ein entscheidender
Faktor für die Eigenschaften der TCOs8.
8Nach Wissen des Autors sind zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit keine veröffentlichten Experimente
mit seriell co-gesputterten TCOs für CIGS-Solarzellen bekannt.
17
2. Grundlagen
2.2. Transparente leitfähige Oxide
Als Frontelektrode in Solarzellen eignen sich TCOs, metallische Nanodrähte (nano wires)
oder sogenannte 2D-Materialien wie Graphen [45]. Die Entwicklung transparenter und leit-
fähiger Schichten in dieser Arbeit wurde vor allem anhand von n-leitenden Metalloxiden
durchgeführt. Die am häufigsten verwendeten TCOs basieren auf Verbindungen von Zinnoxid
(SnO2), Indiumoxid (In2O3) und Zinkoxid (ZnO) [46]. Durch die Dotierung mit Fremda-
tomen können sowohl die strukturellen, optischen als auch elektronischen Eigenschaften der
TCOs manipuliert werden. Aluminium-dotiertes Zinkoxid (ZnO:Al, AZO, ZAO) ist neben
dem Zinn-dotierten Indiumoxid (ITO) [47] und dem Fluor-dotierten Zinnoxid (FTO) [48]
eines der am meisten verbreiteten TCOs in der Industrie, FTO ist eines der an Atmosphäre
stabilsten TCOs, ITO lässt sich mit den niedrigsten spezifischen Widerständen herstellen und
AZO ist eines der günstigsten TCOs [49].
Als einsetzbare Materialien in Solarzellen müssen TCOs einige Grundvoraussetzungen er-
füllen. Sie sollten eine ausreichend hohe Leitfähigkeit, Transparenz und ausreichend große
Energiebandlücke (Eg)aufweisen. Mit üblichen Ladungsträgerkonzentrationen (Ne)von
1×1019 bis 1×1021 cm3und Ladungsträgerbeweglichkeiten (µ) von 1 bis 150 cm2V1s1
können spezifische Widerstände (ρ)im Bereich von bis zu 1×104cm erzielt werden.
Für solare Anwendungen sollten TCOs eine Bandlücke größer 3eV (ca. 410 nm) besitzen,
um nicht zu viel hochenergetische Photonen zu absorbieren und so viel Energie des solaren
Spektrums zum Absorber gelangen zu lassen.
Aus einer Vielzahl an TCOs wurde sich in dieser Arbeit auf Aluminium-dotiertes Zink-
oxid (AZO) und mit Magnesium co-dotiertes AZO (AMZO), sowie Indium-Zink-Oxid (IZO)
beschränkt. Übersichtsartikel zu TCOs sind u.a. in der Literatur [9, 50–53] zu finden. Literatu-
rübersichten zu Zinkoxid-basierten TCOs sind unter anderem in diversen Veröfffentlichungen
[54],[51], [55], [56],[53], [57] gezeigt.
Einige grundlegende Eigenschaften von Zinkoxid sind in Tabelle 2.4 aufgeführt. Für diese
Arbeit sind insbesondere die Kristallstruktur, das Wachstum der Schichten, die Dotierung
und die elektrischen und optischen Eigenschaften von ZnO und In2O3von Bedeutung. Aus
diesem Grund wird im Folgenden darauf eingegangen.
Tabelle 2.4.: Eigenschaften von Zinkoxid und Indiumoxid. [21]..
Eigenschaft ZnO In2O3Literatur
Kristallstruktur hexagonal, Wurtzit kubisch, Bixbyit
[53, 57]
Gitterkonstanten (nm) a= 0.325 , c= 0.5207 a=1.1012
Dichte (g/cm3) 5.67 7.12
Molekülmasse (g·mol1)81.39 277.64
Schmelzpunkt Oxid (°C) 1969 2000
Schmelzpunkt des Metalls (°C) ~420 ~160
Austrittsarbeit 3.1 - 4.5 eV 3.5-5 [58]
st. dielektrische Funktion r8.79 [57]
18
2.2. Transparente leitfähige Oxide
Zinkoxid
Zinkoxid bildet unter normalen Abscheidebedingungen Kristalle in der hexagonalen Wurt-
zitstruktur aus. Die Zn-Atome werden tetraedisch von vier Sauerstoffatomen umgeben und
umgekehrt. Entlang der c-Achse stapeln sich Doppelebenen von Zink- und Sauerstoffatomen.
Die Vorzugsrichtung beim Wachstum von gesputtertem Zinkoxid ist (002). Die Bandlücke
von Zinkoxid liegt bei 3.3eV [21].
Zinkoxid-basierte TCOs können durch eine Vielzahl von Abscheidemethoden hergestellt
werden. Aufgrund seiner hohen Verfügbarkeit und Nicht-Toxizität ist ZnO eines der best-
untersuchten TCOs. Zinkoxid kann auf unterschiedlichste Weise abgeschieden werden. Zu
den verwendeten Abscheideverfahren zählen unter anderem die Sol-Gel-Abscheidung [59], die
Atomlagenabscheidung (atomic layer deposition, ALD) [60, 61], die Arc-Plasma-Abscheidung
[62], die pulsed laser deposition (PLD) [63, 64] und die Chemische Gasphasenabscheidung
(CVD) [65]. Zu den schnellen und großflächig anwendbaren Abscheidemethoden zählen die
metallorganische chemische Gasphasenabscheidung (metal organic chemical-vapor depositi-
on, MOCVD) [66] und die Kathodenzerstäubung von Zinkoxid [21]. Auf die Dotierung von
Zinkoxid wird am Abschnitt 2.2.1 eingegangen.
Indiumoxid
Reines In2O3kristallisiert in der komplexen kubischen raumzentrierten Bixbyitstruktur [67]
aus. Die Einheitszelle besteht aus 80 Einheiten. Es existieren 32 Kationen mit zwei nicht
äquivalenten kationischen Gitterplätzen pro Bixbyit-Elementarzelle. Auf beiden Plätzen hat
Indium sechs Sauerstoffatome als nächste Nachbarn. Undotiertes In2O3ist auf Grund dieser
Sauerstoffleerstellen n-leitend. Direkte Band-Übergänge finden bei einer Energie von 3.75 eV
statt und es existiert ein indirekter Band-Übergang bei einer Energie von 2.62 eV [68, 69].
Um die elektrische Gleichstromleitfähigkeit zu erhöhen, werden die In2O3-Schichten do-
tiert. Besonders mit Zinn dotiertes Indiumoxid, kurz In2O3:Sn (ITO), stellte lange Zeit
für die Flachbildschirm- und Solarzellenindustrie eines der wichtigsten TCOs dar. Es wurde
festgestellt, dass durch Dotierung Indium-basierte „high-mobility“ TCOs hergestellt werden
können. Ein high-mobility TCO auf der Basis von Indiumoxid ist Molybdän-dotiertes Indiu-
moxid, kurz In2O3:Mo (IMO). Gesputterte IMO-Schichten zeigen u.a. eine hohe Elektro-
nenbeweglichkeit bis 80 cm2v1s1bei einer Ladungsträgerkonzentration von 3×1020 cm3
[70]. Ein weiteres TCO dieser Klasse ist Wasserstoff-dotiertes Indiumoxid (In2O3:H, IOH).
Koida et al. konnten IOH amorph abscheiden und durch eine thermische Nachbehandlung
Elektronenbeweglichkeiten bis zu 130 cm2v1s1erreichen [10].
2.2.1. Dotierung von TCOs
Transparente leitfähige Oxide werden in Solarzellen vor allem als transparentes Elektroden-
material verwendet. Dafür müssen sie einerseits transparent und andererseits gut leitfähig
sein. Um einen niedrigen spezifischen Widerstand zu erreichen, muss auch die Anzahl an La-
dungsträgern erhöht werden. Die meisten TCOs weisen eine natürliche n-Leitfähigkeit auf.
19
2. Grundlagen
Die elektronische Struktur von TCOs ist auch über Defekte im Kristall bestimmt. Die Art
wie auch die energetische Lage des Defektes haben einen Einfluss auf die TCO-Materialien
und damit auch auf die Solarzellen.
Es kann zwischen intrinsischen und extrinsischen Defekten unterschieden werden. Intrin-
sische Defekte entstehen durch Defekte im Kristallgitter. Als extrinsisch werden Defekte be-
zeichnet, die durch das Einbringen von Fremdatomen in das Kristallgitter entstehen. Auf
beide wird nachfolgend kurz eingegangen.
Intrinsische Defekte
Intrinsische Defekte entstehen durch Gitterfehler. Das können zum Beispiel Leerstellen (engl.
vacancies, V), Zwischengitteratome (engl. interstistals) oder auch Substitutionsatome (engl.
antisides) sein. Nicht abgesättigte Bindungen werden auch als „dangling bonds“ bezeichnet.
In ZnO sind das beispielsweise die Leerstellen von Zink und Sauerstoff (VZn und VO), die
Zwischengitteratome Zniund Oisowie die Substitutionsatome ZnOund OZn (für In2O3
äquivalent). Ein Metalloxid ist je nach Herstellungsverfahren unterschiedlich leitend herstell-
bar. Die meisten Schichten weisen eine n-Leitfähigkeit auf. Diese kann durch leicht unterstö-
chiometrisches Wachstum erreicht werden. Bei starker intrinsischer Defektdichte (beispiels-
weise durch Sauerstoffmangel bei der Deposition) werden Ladungsträgerdichten von über
1020 cm3erreicht. Jedoch weisen diese Schichten aufgrund des Überschusses an Metallato-
men eine gräuliche Erscheinung auf. Look et al. zeigten, dass Zniein natürlicher flacher Donor
(Ec30 meV ) ist [71]. Zhang, Wei und Zunger veröffentlichten eine Studie zu den Bildungs-
enthalpien von intrinsischen Defekten in ZnO [72]. Sie identifizierten Znials flachen Donator
für eine zinkreiche Abscheidung. Die Sauerstoffleerstelle VOkann ebenfalls als Donator für
Elektronen fungieren. Theoretisch kann sie zwei freie Elektronen im Gitter erzeugen. Zhang
et al. kalkulierten eine Energie von 0.6 eV unter dem Leitungsbandminimum (CBM). Damit
ist VOeine tiefe Störstelle, welche zu einer Absorption im sichtbaren Sepktrum führt [72].
Janotti und van-der-Walle stellten hingegen fest, dass Sauerstoff-Vakanzen in etwa 1 eV unter
dem Leitungsband liegen können und daher bei Raumtemperatur nicht zur n-Leitfähigkeit
beitragen können [73]. Oba et al. berechneten mittels First-principles-Berechnungen, dass in
purem ZnO donatorartige Defekte wie Hiund HOflache Donatoren sind. Wassermoleküle
lassen sich in Vakuumanlagen kaum verhindern und sind immer als möglicher Dotierstoff in
ZnO vorhanden [74–76]. Unter sauerstoffarmen Abscheidebedingungen werden vor allem VO,
Hiund HOgebildet und kaum Zink-Vakanzen. Dagegen bildet sich unter sauerstoffreichen
Abscheidebedingungen akzeptorartige Zinkleerstellen (VZn, p-leitend). Diese führen zu einer
Reduzierung der Elektronenkonzentration und n-Leitfähigkeit.
Extrinsische Defekte
Die Verwendung von TCOs als leitende Frontelektroden in Solarzellen bedarf einer ausrei-
chend hohen Leitfähigkeit. Es ist bekannt, dass der elektrische Widerstand von Zinkoxid
reduziert werden kann, wenn es mit trivalenten Atomen wie B (ZnO:B, BZO) , Al (ZnO:Al,
AZO), Ga oder In dotiert wird (siehe Tabelle 2.5). Umgekehrt kann durch eine Dotierung mit
20
2.2. Transparente leitfähige Oxide
Tabelle 2.5.: Auflistung von Hall-Daten für unterschiedlich dotierte ZnO Schichten. Spezifische Widerstän-
de (ρ), Ladungsträgerkonzentrationen (ne) und -beweglichkeit (µ)für ZnO Schichten mit unterschiedlichen
Elementen.
Dotant ρ neµLiteratur
(×104cm) (×1020 cm3) (cm2V1s1)
Bor 12 2 23 [80]
Al 2.53 8.64 28.53 [81]
Ga 7.9 4.23 18.7 [82]
In 9 2 15 [83]
Si,Al 5 3 20 [84]
Sc 3.1 6.9 29 [85]
F 5.27 5 23.72 [48]
V,Al 2.4 8 35 [86]
Y,Al,H 6.88 3.4 26 [75]
monovalenten Atomen wie Li, Na oder Cu der Widerstand erhöht und sogar eine p-Leitung
erzeugt werden [45]. Dagegen wirkt sich die Dotierung mit bivalenten Atomen wie Magnesium
auf die Bandstruktur und damit auf die Bandlücke der ZnO-basierten Materialien aus. Bei-
spielsweise steigt die Bandlücke bei Dotierung mit Mg und reduziert sich bei der Dotierung
von Cd [77].
Für Indiumoxid ist Sn das am häufigsten verwendete Dotiermaterial [50]. Dadurch wird
vor allem die Elektronendichte erhöht.
McCluskey und Jokela machten eine umfangreiche Aufstellung von Defekten durch Dona-
toren in ZnO [78]. ZnO lässt sich leicht n-leitend aber nur schwer p-leitend herstellen. Eine
Übersicht für die p-Leitfähigkeit von ZnO durch Dotierung mit Li, Na, K und N ist möglich,
aber nur schwer umzusetzen [79].
Die n-Dotierbarkeit in ZnO ist jedoch limitiert [87]. So führt eine Erhöhung des Sauer-
stoffpartialdruckes bei der Abscheidung zu einer erhöhten Anzahl an Zink-Vakanzen, welche
die Elektronenkonzentration kompensieren. Die chste veröffentlichte Ladungsträgerdichte
von AZO liegt im Bereich von 1.5×1021 cm3[88, 89]. Das entspräche einer idealen elek-
trisch aktiven Dotierstoffkonzentration von ca. 3.6 at.% Al im ZnO. Der niedrigste spezifische
Widerstand wurde von Agura et al. mit 8.43 ×105cm publiziert.
Zur Vertiefung des Themas „Dotierte ZnO-Schichten“ werden folgende Review-Paper emp-
fohlen [54, 78, 88, 90–93].
Dotiereffizienz
Um eine hohe Ladungsträgerkonzentration zu erreichen, kann ZnO mit Elementen der Gruppe
III dotiert werden, welche Zn-Plätze substituieren. Bei moderaten Dotierungen sollte eine
möglichst hohe Dotiereffizienz der Dotierstoffe dazu beitragen eine hohe Leitfähigkeit zu
erreichen.
Das Verhältnis ηdot =Ne
Nsub kann dann als Hilfe genommen werden, um dies abzuschät-
zen. Bei einer angenommen idealen Dichte von 100% hat ZnO eine Moleküldichte von
4.2×1022 cm3.
21
2. Grundlagen
In der Literatur wurde gezeigt, dass die elektrischen Eigenschaften von hochdotiertem (ent-
artetem) Zinkoxid von der Streuung an ionisierten Störstellen limitiert (IIS) sind, wenn die La-
dungsträgerdichten Neauf über 1×1020 cm3steigen [88, 89]. In Aluminium-dotiertem Zink-
oxid ist die Hauptursache für die Erhöhung der Ladungsträgerdichten das Al+, welches auf
den Kation-Gitterplätzen eingebaut wird. Daneben sind Zink-Zwischengitter-Atome und Sau-
erstoffleerstellen ebenfalls denkbar. Eine erfolgreiche effektive Aktivierung dieser Aluminium-
Atome kann mithilfe der Dotiereffizienz abgeschätzt werden. Bei der Umrechnung diverser
Targetdotierungen keramischer AZO-Targets kann man folgende Werte erwarten, welche in
Tabelle 2.6 gezeigt sind.
Tabelle 2.6.: Umrechnungen von Targetdotierungen in Aluminium-Konzentrationen und Elektronenkonzentra-
tion in einer resultierenden Schicht bei stöchiometrischen Schichten bei Verwendung eines keramischen Targets
[ZnO :Al2O3](ohne Abdampfen von Atomen).
Konzentration Elektronenkonzentration
Al2O3im Target [wt.%] Al in der Schicht [at.%] Nein der Schicht [×1020 cm3]
1 0.79 3.32
2 1.57 6.59
Aluminium-dotiertes ZnO (AZO)
Von allen Dotierstoffen ist Aluminium der am meisten verwendete für Zinkoxid. Aluminium-
Ionen sind kleiner als die Zinkionen und können deshalb relativ einfach im ZnO-Kristall wan-
dern. Wenn Al einem Zn-Gitterplatz besetzt (AlZn), kann dort eine freies Elektron erzeugt
werden. Die Löslichkeit von Aluminium in ZnO ist limitiert und hängt vom Herstellungspro-
zess ab. Schon für 1 mol% Al in ZnO konnte gezeigt werden, dass nicht alle Aluminium-Ionen
im Kristall gelöst werden und überschüssiges Aluminium mit ZnO reagiert und ZnAl2O4-
Phasen ausbildet [94, 95]. Tsubota et al. hatte eine Löslichkeitsgrenze von etwa 0.25 at.%
festgestellt [96]. Shirouzu et al. stellten in einer Studie fest, dass sich für gesintertes AZO
eine Löslichkeitsgrenze von 0.3 at% in ZnO-Körnern ergab [97], während Yoshioka et al. die
Löslichkeitsgrenze von Al in keramischen Wurtzite-ZnO-Proben kleiner als 3at.%gemessen
hat [95]. Yim et al. 2017 kalkulierte die Dotierungen von einzelnen Elementen in ZnO bei
0.2at.%[98]. Yoon et al. zeigten, dass die Löslichkeit von Al in ZnO bei etwa 2 mol% [99] liegt
und Zhang et al. kamen auf 0.9at.%[100]. Daran wird ersichtlich, dass eine hohe Dotierung
in keramischen Targets schwierig ist. Durch das serielle Co-Sputtern könnte hier eine höhere
Dotierung ermöglicht werden.
Aluminium- und Magnesium-dotiertes ZnO (AZMO)
Eine Literaturrecherche ergab, dass durch eine Zugabe von Magnesium in Zinkoxid die Band-
lücke aufgeweitet wird [101]. Weil ZnMgO (ZMO) hochohmig ist, kann dessen Leitfähigkeit
durch Dotierung mit Elementen der dritten Hauptgruppe erhöht werden. Beispielsweise ist die
Dotierung von ZnMgO mit Aluminium unter anderem von Lu et al. untersucht worden [102].
Gleichzeitig mit Aluminium und Indium co-dotierte ZnMgO-Schichten wurden durch Cohan
et al. abgeschieden [103]. Eine weitere Vorgehensweise ist es, bereits niederohmiges AZO mit
22
2.2. Transparente leitfähige Oxide
Magnesium zu dotieren9. Dies bietet die Möglichkeit, leitfähige Zinkoxide mit einer erwei-
terten Bandlücke herzustellen. Mit Magnesium co-dotierte ZnO:Al- oder ZnO:Ga-Schichten
wurden unter anderem von Park et al. [104], Wang et al. [105] oder Yang [106] hergestellt.
Ellmer und Vollweiler untersuchten den Effekt von hochdotierten heteroepitaktischen AZMO-
Schichten [107].
Zur Herstellung von AZMO-Schichten wurden bereits diverse Abscheidemethoden verwen-
det. So wurde AZMO durch das Sol-Gel-Verfahren [108–110], RF-Sputtering [111] und PLD
(pulsed laser deposition) [112] hergestellt. Bikowski und Ellmer zeigten, dass die Abscheide-
temperatur beim Sputtern ebenfalls einen Effekt auf die Schichten hat und fanden für AZO
und AZMO bei 300°C die elektrisch besten Schichteigenschaften [93].
Indium-Zink-Oxid (IZO)
Ein potentielles „high-mobility“ TCO (hohe Elektronenbeweglichkeit) ist Zink-dotiertes Indi-
umoxid (IZO). Dieses Material hat eine ausreichend hohe Bandlücke, kann bereits bei Raum-
temperatur amorph abgeschieden werden und wächst sehr glatt auf [113]. Die Bandlücke
und Ladungsträgerbeweglichkeit kann verändert werden, indem das Zink/(Zink+Indium)-
Verhältnisse verändert wird. Für Verhältnisse von 0.5 bis 0.15 weist IZO eine amorphe Struk-
tur und hohe Leitfähigkeit mit besonders hohen Mobilitäten von 50 bis 71 cm2v1s1auf
[114–118]. Mit diesen opto-elektronischen Eigenschaften ist es ein idealer Kandidat für die
CIGS-Technologie. Besonders die Möglichkeit, durch eine Veränderung des Mischungsver-
hältnisses von Zink und Indium eine Anpassung der Eigenschaften von IZO zu erzwingen
[114], macht es zu einem besonders attraktiven Kandidaten für das serielles Co-Sputtern.
Indium hat einen Schmelzpunkt von 159.6 °C, daher muss während des Sputterprozesses auf
ausreichend Kühlung geachtet werden.
Durch die hier entwickelte Beschichtungstechnologie konnten IZO-Schichten reaktiv vom
co-dotierten Indiumrohrtarget abgeschieden werden.
Eine Übersicht weiterer high-mobility TCOs mit dotiertem Indiumoxid ist beispielsweise
in der Publikation von Calnan et al. gegeben [119].
2.2.2. Elektronischer Transport
Für die Anwendung einer TCO-Schicht in einer Solarzelle sind hohe Leitfähigkeiten erforder-
lich. Die hier hergestellten und untersuchten TCOs haben Ladungsträgerdichten von Ne>
1×1019 cm3.
Man kann sie als entartete Halbleiter betrachten, da bei entarteten Halbleitern das
Fermilevel oberhalb der Leitungsbandkante ECliegt. Dadurch ist es nach Drude [120]
möglich, die Elektronen im TCO wie in einem Metall als freies Elektronengas zu betrachten.
In TCOs mit hoher Ladungsträgerdichte werden Elektronen, die durch ein elektrisches Feld
Ebeschleunigt werden, auf dem Weg durch das Material durch unterschiedliche Stoß-
und Streuprozesse abgebremst. Über die Zeit gemittelt wird eine durchschnittliche Drift-
9Dieser Ansatz wurde in der vorliegenden Arbeit verfolgt.
23
2. Grundlagen
geschwindigkeit
vdangegeben. Diese errechnet sich für ein konstantes elektrisches Feld nach:
vd=dx
dt=qτ
m
e
E=µ
E(2.6)
mit qals Elementarladung, τals mittlere Zeit zwischen zwei Stoßevents, m
eals effektive
Elektronenmasse und µals Elektronenbeweglichkeit (im Folgenden als Beweglichkeit oder
Mobilität bezeichnet, wenn nicht anders angegeben). Mit Gleichung 2.6 und Nekann das
Ohmsche Gesetz für die Stromdichte
jberechnet werden:
j=Neq
vd=Neqµ
E=σ
E(2.7)
mit σals Leitfähigkeit. Sie ist der Proportionalitätsfaktor zwischen Stromdichte und elek-
trischen Feld und errechnet sich nach:
σ=Neqµ. (2.8)
Die inverse Größe zur Leitfähigkeit ist der spezifische Widerstand:
ρ=1
σ=1
Neqµ.(2.9)
Besonders zur schnellen Qualifizierung von TCOs wird der Schichtwiderstand zur Be-
schreibung des elektrischen Transportes durch die Schicht verwendet. Wenn man davon
ausgeht, dass die Breite der Probe und der Abstand der Kontakte die gleiche Größe haben,
kann man den Schichtwiderstand oder auch spezifischen Flächenwiderstand nach:
R
@
=ρ
ds
(2.10)
beschreiben. Dabei ist dsdie Schichtdicke. In der Literatur wird für R
@
auch Rsh ver-
wendet. Der Schichtwiderstand ist somit abhängig von der Ladungsträgerkonzentration und
-beweglichkeit, sowie der Schichtdicke. Das serielle Co-Sputtern hat durch gezieltes Einbringen
von Fremdatomen in die aufwachsende Schicht einen wesentlichen Einfluss auf die Struktur
und den spezifischen Widerstand. Die Elektronenbeweglichkeit eines Materials wird limitiert
durch verschiedene Streumechanismen. Diese sollen im Folgenden kurz erklärt werden. Für
polykristallines AZO können dies:
Die Streuung an ionisierten Störstellen (engl. ionized impurity scattering, IIS)
24
2.2. Transparente leitfähige Oxide
Die Streuung an Korngrenzen (engl. grain boundary scattering GBS)
Die Streuung an Phononen (engl. phonon scattering PS).
Die Streuung an neutralen Störstellen (engl. neutral impurity scattering NIS)
Die Streuung an Gitterdefekten (engl. dislocation scattering DS)
sein. Die Streuung an neutralen Störstellen wie Magnesium in Zinkoxid und die Streuung
an Gitterdefekten konnten in dieser Arbeit nicht experimentell nachgewiesen werden. Die
Streuung an Phononen spielt bei hochdotierten TCOs eine untergeordnete Rolle und wird
deshalb nicht diskutiert. Aufgrund des polykristallinen Charakters und der Manipulation der
Fremdstoffkonzentration durch das serielle Co-Sputtern in AZO werden im Folgenden nur die
ersten beiden Streumechanismen näher erläutert.
Wenn die Streuprozesse unabhängig voneinander stattfinden, kann die effektive Beweg-
lichkeit durch die Summe aller Beweglichkeiten nach der Matthiesen’schen Regel bestimmt
werden:
1
µeff
=1
µII
+1
µGB
.(2.11)
Streuung an ionisierten Störstellen Für TCOs mit hoher Dotierung und daraus resultie-
render hoher Anzahl an freien Ladungsträgern im Bereich Ne>1×1020 cm3ist die Streu-
ung an ionisierten Störstellen die am meisten limitierende Streuungsart [51, 87, 88, 121]. Bei
Raumtemperatur sind im Aluminium-dotierten Zinkoxid die Aluminium-Störstellen ionisiert,
nachdem sie ihr überschüssiges Elektron in das Leitungsband abgegeben haben. Der Einfluss
von IIS auf die Ladungsträgerbeweglichkeit wurde in unterschiedlicher Fachliteratur disku-
tiert. Erste Modelle von Brooks, Herring and Dingle [122, 123] und Zawasdski passten nicht zu
den Ergebnissen der Literatur und eigenen Messungen. Pisarkiewicz [124] entwickelte ein an-
gepasstes Modell, welches zu einer besseren Übereinstimmung mit den erzielten Ergebnissen
führte.
Die Berechnung der Mobilität in hochdotierten TCOs limitiert durch IIS nach Pisarkiewicz
µZP
II berechnet sich wie folgt:
µZP
II (ξd, ξnp) = 3(r0)2h3
Z2m2q3
Ne
Ni
1
Fnp
ii (ξd)(2.12)
mit der statischen dielektrischen Konstante r, der elektrischen Feldkonstanten 0, der Ele-
mentarladung q, der Planck‘schen Wirkungsquantum h, der Ladungzahl der Störstelle Zund
der Ladungsträgerdichte Niund der Abschirmungsfunktion (engl. screening function) Fnp
ii ,
die sich wie folgt berechnet:
Fnp
ii =1 + 4ξnp
ξd1ξnp
8·ln (1+ξd)ξd
1 + ξd2ξnp 15ξnp
16 .(2.13)
25
2. Grundlagen
wobei die Parameter ξdund ξnp wiederum durch:
ξd= 3 π21/3r0h2N1/3
e
me2(2.14)
und ξnp = 1 m
0/mbeschrieben werden. ξnp wurde als Faktor für die nicht-Parabolität
des Leitungsbandes eingeführt. Die Parameter m
0und mstehen für die effektiven Massen der
Elektronen im Leitungsband und am Leitungsbandminimum. In AZO fungieren die Rümpfe
des eingebauten Aluminiums als Z= 1 und Ni=Ne. Für hohe Elektronendichten wird die
Elektronenbeweglichkeit durch ionisierte Störstellen reduziert.
Streuung an Korngrenzen AZO, wie auch CIGS, wächst polykristallin auf. Während die
einzelnen Körner eine geringe Anzahl an Defekten aufweisen können, sind die Transportei-
genschaften der Ladungsträger über die gesamte Schicht stark von der Präsenz von Interfaces
und Korngrenzen beeinflusst. Die Ladungsträger müssen sich auf dem Weg zu den Kontak-
ten über mehrere Korngrenzen hinwegbewegen. Ein Modell zur Ladungsträgerstreuung an
Korngrenzen wurde von Seto aufgestellt [125]. In seinem Modell geht er davon aus, dass sich
an den Korngrenzen Defekte ausbilden, die als „Fallen“ (engl. „traps“) für die Majoritäts-
träger fungieren und Potentialbarrieren erzeugen können. Somit können sie die Mobilität der
Ladungsträger limitieren. Treffen zwei unterschiedliche Körner aufeinander, führt dies in der
Regel zu einer Ausbildung von Defekten wie Versetzungen, Leerstellen oder Zwischengittera-
tomen, aber auch abgesättigten Valenzen an der Grenzfläche. Wenn die Materialien wie bei
ZnO:Al extrinsisch dotiert sind, kann es vorkommen, dass die Fremdatome in solchen Defek-
ten an den Korngrenzen agglomerieren. Dort können sie dann Zustände mit Energieniveaus
innerhalb der Energielücke besetzten. Somit können diese Intra-Band-Zustände Ladungsträ-
ger einfangen und dort festhalten. Je nach energetischer Lage nahe den Bändern können sie
Elektronen (wenn Akzeptoren) oder cher (wenn Donatoren) einfangen. Mit den Ladungs-
trägern können sie auch Ladungen speichern und die Potentialverteilung an der Grenzfläche
beeinflussen. AZO ist ein n-leitendes Material und Akzeptor-artige Defekte würden Elektro-
nen einfangen. Folglich erhöht sich die Anzahl an negativen Ladungen an der Grenzfläche und
es kommt zu einer Grenzschicht mit positiver Raumladung auf beiden Seiten der Korngrenze.
Dadurch bildet sich eine Potentialbarriere für die Elektronen, die dem Ladungsträgertrans-
port entgegenwirkt.
Nach dem Seto-Modell weisen die Schichten in Stromflussrichtung eine durchschnittliche
Korngröße Lauf. Zwischen zwei Körnern liegt ein quasi zweidimensionaler Übergang.
Diese Korngrenze beherbergt an dieser Unterbrechung eine Anzahl an Defekten Qtmit
unterschiedlichen Energieniveaus. An diesen Defekten werden dann Ladungsträger an der
Korngrenze eingefangen. Für den n-Leiter AZO würden also Elektronen an Akzeptordefekten
eingefangen werden. Durch das Einfangen der Elektronen an der Korngrenze kommt es zu
einer Ansammlung von Elektronen und es bildet sich eine negative Ladung aus. Gleichzeitig
bildet sich im Bereich nahe der Korngrenze eine Verarmungszone. Als Folge kommt es zu
einer Bandverbiegung und einer Energiebarriere EBfür die Elektronen. Dabei ist die Weite
der Verarmungszone abhängig von der Dotierung und nimmt mit zunehmender Dotierung
26
2.2. Transparente leitfähige Oxide
ab. Nach [88, 126] kann die effektive Mobilität µeff in diesem Modell beschrieben werden
nach:
µeff =µ0exp (Eb/kT)(2.15)
mit der Energiebarriere Eb, der Temperatur T, der Elementarladung e, der Boltzmann-
Konstante kund der intragrain-Beweglichkeit µ0.
Der Vorfaktor µ0ist definiert als:
µ0=qL
2πmkT (2.16)
Die Energiebarriere Ebin Gleichung 2.15 hängt von der Größe der Körner, der Flä-
chenkonzentration der Defekte und der Ladungsträger ab. Für LNe=Qtist die Barriere
maximal. In den anderen beiden Bereichen gilt:
Eb=q2Q2
t
8εε0Ne
f¨ur LNe> Qt(2.17)
und
Eb=q2L2Ne
8εε0
f¨ur LNe< Qt(2.18)
mit der statischen dielektrischen Konstante εε0. Wenn also LNe>Qtist, so sind die Kör-
ner verarmt und die Defekte nur teilweise gefüllt. Dagegen sind für LNe<Qtalle Defekte
gefüllt, aber die Verarmung noch nicht vollständig über das Korn ausgeweitet. Für AZO mit
einer Korngröße von L= 40 nm und Ladungsträgerdichten von Ne1×1020 cm3wäre für
Qt= 4 ×1013 cm2die Barriere maximal. Auch ist zu beachten, dass mfür sehr hohe La-
dungsträgerdichten leicht ansteigt und µeff damit leicht sinkt. Für sehr hohe Dotierungen ist
die Verarmungszone sehr schmal und die Elektronen können durch die Barriere durchtunneln.
Der Transport über die Barriere erfolgt über thermische Anregung.
Gegenüber den kristallinen TCOs basiert der Elektronentransport bei amorphen TCOs,
wie IZO, auf der Interaktion mit Metall-Kationen. Es wird angenommen, dass dies durch
einen direkten und räumlichen Übergang bei den großen ns0- Orbitalen der schweren Metall-
kationen gelingt (mit n4, z.B. Zn2+hat die Konfiguration (Ar)(3d)10(4s)0) [11].
2.2.3. Optische Eigenschaften
Wenn Photonen die Halbleiteroberfläche erreichen und nicht reflektieren, dringen sie in das
Material ein. Wenn die Energie der Photonen größer oder gleich der Bandlückenenergie des
27
2. Grundlagen
Materials ist, kann ein Photon absorbiert werden und ein Elektron aus dem Valenzband in das
Leitungsband angeregt werden. Dabei entstehen sowohl ein Elektron und ein Loch, welches
als Elektronen-Loch-Paar bezeichnet wird. Diese Art der Generierung von Ladungsträgern
ist die Grundfunktion einer photovoltaischen Zelle.
Photonen haben eine Energie von:
EPhoton = =hc
λ(2.19)
mit dem planck´chen Wirkungsquantum h, der Frequenz νund der Lichtgeschwindigkeit
c. Die Absorption von Photonen einer bestimmten Wellenlänge λdurch ein Material
kann in Abhängigkeit vom Absorptionskoeffizienten αund der Schichtdicke dsüber das
Lambert-Beer-Gesetz beschrieben werden [127]:
A=A(d, λ)=1exp(α(λ)ds).(2.20)
Aus der Gleichung 2.20 geht hervor, dass Absorbermaterialien einen möglichst hohen Ab-
sorptionskoeffizienten und eine ausreichende Schichtdicke aufweisen sollten. Für TCOs sollte
es genau umgekehrt sein. Der Absorptionskoeffizient ist stark vom Material abhängig. Bei
einem niedrigen Absorptionskoeffizienten für ein Photon einer bestimmten Energie ist die
Eindringtiefe in das Absorbermaterial größer als bei Materialien mit einem hohen Absorpti-
onskoeffizienten. Der Absorptionskoeffizient beginnt im Bereich der Bandlückenenergie stark
anzusteigen und steigt dann zu höheren Energien weiter an. Nach folgender Formel kann α
berechnet werden:
α=4πk
λ(2.21)
Der Absorptionskoeffizient ist vom Extinktionskoeffizienten k und der Wellenlänge abhän-
gig. Die Eindringtiefe des Photons wird als Inverse von αangegeben und erklärt die Eindring-
tiefe des Lichtes in den Halbleiter bevor es absorbiert wird. Blaues Licht hat eine geringere
Eindringtiefe als Infrarotes Licht. Die Größte Anzahl an Elektronen-Loch-Paaren wird an
der Licht-zugewandten Oberfläche des Materials erzeugt. Damit ist dieser Bereich besonders
sensitiv für Oberflächenrekombination, wie sie zum Beispiel durch Sputterschäden entstehen
können.
In der Solartechnik werden die meisten TCOs als transparente Frontelektrode eingesetzt.
Somit sind die optischen Eigenschaften von hoher Bedeutung. TCOs sollen idealerweise
transparent für die Photonen mit Energien größer oder gleich der Absorberbandlücke
sein. Wenn eintreffende elektromagnetische Strahlung - wie die der Sonne - auf ein Me-
dium trifft, kann diese an der Oberfläche reflektieren oder in das Material eindringen.
Dann kann die Strahlung das Material entweder ungehindert durchdringen oder ein ge-
wisser Anteil wird vom Material absorbiert. Die Phänomene Reflexion R, Transmission
Tund Absorption Asind wellenlängenabhängig. Aufgrund der Energieerhaltung muss gelten:
28
2.2. Transparente leitfähige Oxide
Abbildung 2.7.: Transmission (T), Reflexion (R) und Absorption (A) einer typischen AZO-Schicht (d =
890 nm, ne= 2.8·1020 cm3, µ = 23.3cmV 1s1) abgeschieden auf Glas. Drei spezifische Bereiche sind
sind erkennbar: I) Bereich der Fundamentalabsorption, II) Bereich der Transparenz im sichtbaren Bereich des
Lichts, III) Bereich zunehmender Absorption durch freie Ladungsträger.
1 = T(λ) + R(λ) + A(λ)(2.22)
Photonen, die nicht zum Absorbermaterial gelangen, reduzieren den erreichbaren maxi-
malen Wirkungsgrad der Solarzelle. Aus diesem Grund sind Reflexion und Absorption im
Bereich vor dem Absorbermaterial zu minimieren.
Transparente und leitfähige Oxide weisen eine hohe Transparenz im sichtbaren (380 bis
780 nm) aber auch nahen Infrarotbereich (780 bis 2500 nm) und teilweise im ultravioletten
Bereich des Lichtes auf. Dabei sind die optischen Eigenschaften direkt mit den elektrischen
Eigenschaften korreliert. Zur Bestimmung der optischen Eigenschaften wurden in dieser Ar-
beit die Schichten auf Glas abgeschieden und im Bereich von 280 bis 2450 nm untersucht.
In Abbildung 2.7 sind die Transmission (T), Reflexion (R) und Absorption (A), sowie die 3
Bereiche (I,II,III) einer AZO-Schicht aufgezeigt.
Im Bereich I unter 400 nm erkennt man eine starke Zunahme der Absorption der Schichten.
Dies ist der Bereich der Fundamentalabsorption durch die direkte Anregung eines Elektrons
aus dem Valenzband in das Leitungsband (Interbandabsorption). Dies wird durch die optische
Bandlücke bestimmt, welche materialabhängig ist.
Im Bereich II nimmt die Absorption stark ab und die Schicht wird transparent. Dies bildet
das optische Fenster für die jeweilige Anwendung. Dieser Bereich fällt in den sichtbaren
29
2. Grundlagen
Bereich des Lichtes. Die Absorption kann durch Defekte in den Schichten nicht ganz auf Null
fallen.
Der Dritte Bereich ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Absorption durch freie La-
dungsträger (freie Ladungsträgerabsorption, engl. free carrier absorption: FCA). Diese ist von
der Anzahl an freien Ladungsträgern in den Valenz- oder Leitungsbändern abhängig.
Mit zunehmender Ladungsträgerdichte weitet sich die Bandkante in einem entarteten Halb-
leiter auf (Burstein-Moss-Effekt, [128, 129]). Dadurch wird das Material im niedrigen Wel-
lenlängenbereich transparenter. Dagegen sinkt die Transparenz durch die erhöhte Anzahl an
Ladungsträgern im NIR. Bei der freien Ladungsträgerabsorption muss die Bandlücke nicht
überwunden werden, um optische Anregung zu erfahren, sondern es es kommt zur Schwin-
gungsanregung der Elektronen.
Die Plasmafrequenz ωpdes freien Elektronengases steigt mit der Ladungsträgeranzahl (die
Plasmawellenlänge sinkt). Sie liegt in der Nähe des Absorptionsmaximums und kann nach
folgender Formel berechnet werden:
ω2
p=Ne·q·µ
oτ=q2·Ne
om
e
(2.23)
Die Formelzeichen bezeichnen die Elektronenkonzentration Ne, die Elementarladung q, die
Elektronenbeweglichkeit µ, die Dielektrizitätskonstante im Vakuum 0, die mittleren Zeit
zwischen zwei Stößen τund der effektiven Masse der Elektronen m
e.
Nach dem Drude-Modell lässt sich die Absorption der freien Ladungsträger in einem Me-
tall10 abschätzen [130]:
α=q3
4π20c3·λ2Ne
nbm2
eµ(2.24)
mit der Elementarladung q, der elektrischen Feldkonstante 0, der Lichtgeschwindigkeit c
und der Wellenlänge λ, sowie der Elektronenkonzentration Ne, dem Brechungsindex nb, der
effektiven Masse der Ladungsträger meund der Beweglichkeit der Ladungsträger µ.
Eine hohe Ladungsträgerkonzentration verstärkt die Absorption und kann physikalisch
nicht verhindert werden. Dagegen reduzieren die Beweglichkeit der Ladungsträger und der
Brechungsindex (wellenlängenabhängig) die Absorption. Aus den Gleichungen 2.8 und 2.24
geht hervor, dass für TCOs mit einer hohen Leitfähigkeit und niedrigen Absorption vor allem
die Erhöhung der Beweglichkeit zu bevorzugen ist. Ein Ansatz in dieser Arbeit war auch zu
untersuchen, ob eine Änderung der Dotierung zu einer Erhöhung der Elektronenbeweglichkeit
führen kann. Oftmals weisen ungeheizt abgeschiedene Zinkoxidschichten schlechtere Eigen-
schaften auf als warm abgeschieden Schichten. Ein positiven Effekt der thermischen Nachbe-
handlung (post deposition thermal treatment, PDTT oder annealing) zur Ausheilung von De-
fekten wurde bereits in der Literatur gezeigt [131–134]. Dennoch kann dies zu einer negativen
Beeinflussung der Solarzelleigenschaften führen. Die Ausführungen sind hier nur kurz erklärt
und der interessierte Leser wird auf weitergehende Literatur verwiesen [50, 52, 57, 135, 136].
10In einem entarteten TCO zeigen sich metall-ähnliche Eigenschaften.
30
2.3. Strukturzonenmodell
Abbildung 2.8.: Strukturzonenmodell nach Thornton; a) Modell interpretiert nach Movchan & Demchishin;
b) Modell nach Thornton für gesputterte Metall-Schichten (aus [137]). In Abhängigkeit des Argondrucks und
der auf den Schmelzpunkt normierten Substrattemperatur T/Tmist die Morphologie der Schichten schematisch
dargestellt. Es können 3 unterschiedliche Strukturzonen sowie ein Übergangsbereich (Zone T) identifiziert
werden (siehe Text).
2.3. Strukturzonenmodell
Der Einfluss der Sputterparameter auf die morphologischen und strukturellen Eigenschaften
von abgeschiedenen dünnen Schichten wurde von mehreren Autoren versucht zu beschrei-
ben. Eines der bekanntesten Strukturzonenmodelle (SZM) ist das von Thornton [137, 138].
Er stellt in einem Diagramm die Struktur und Morphologie der Schichten in Abhängigkeit
von nur zwei Depositionsparametern, dem Sputterdruck und der auf die Schmelztemperatur
normalisierten Temperatur T/Tm, dar. Er erkannte bestimmte Bereiche, die er in Zonen ein-
teilte. Das Modell beruht auf der Vorstellung, dass ankommende Teilchen (“Adatoms”) eine
bestimmte Energie besitzen, die ihre Oberflächenmobilität beeinflussen. Abb. 2.8 zeigt eine
Darstellung des Modells.
Beim Sputtern werden die Atome in die Gasphase überführt und kondensieren schließlich
auf den Oberflächen einschließlich des Substrates in der Sputterkammer. Den dann folgenden
Aufwachsprozess kann man grob in drei Stufen einteilen. Erstens treffen die Atome mit kineti-
scher Energie auf die Oberfläche der aufwachsenden Schicht (oder anfangs auf das Substrat).
Dort haften sie dann als „adatoms“ an den Gitteratomen. Als zweites können die Ad-atoms
dann über die Oberfläche entsprechend der mitgeführten und dort vorhandenen Energie (Wär-
me, Strahlung oder Ionenbeschuss) diffundieren. Dabei kommt es zu einem Energieaustausch
mit dem Kristallgitter oder anderen Adatoms, bis sie entweder durch Sputtern oder Ver-
dampfung desorbieren oder auf den niedrigen Energieniveaus des Kristallgitters eingebaut
werden. Schließlich können die Atome bei hinreichender Energie ihre Positionen im Kristall-
gitter durch „Bulk“-Diffusion zu noch günstigeren Energien neu sortieren. Thornton hat vier
Phasen ausgemacht. Das lose Anhaften der ankommenden Atome, die Oberflächendiffusion,
die „bulk“-Diffusion und die Desorption. Diese sind abhängig von der Oberflächenrauigkeit,
der Aktivierungsenergie für die Oberflächen- und Bulkdiffusion und der Sublimationenergie.
Das Modell geht beim Aufwachsen von polykristallinen Materialien von zwei wesentlichen
Prozessparametern beim Sputtern aus. Der eine ist der Prozessdruck und der andere die
31
2. Grundlagen
Temperatur im Verhältnis zur Schmelztemperatur des gesputterten Materials (bei Thornton
waren es Metalle).
Zone 1 (T/Tm<0.3) besteht aus dünnen nadelförmigen Kristallen mit gewölbten Spitzen.
Die Korngrenzen sind dabei nicht sehr dicht und es kann zu Lücken zwischen ihnen kommen.
Auch zeigen diese Strukturen oft Versetzungen im Kristall auf. Diese Kristallstruktur ist
für den lateralen Stromtransport der TCOs zur Oberfläche der Solarzelle ungeeignet, da
Elektronen an den Korngrenzen streuen oder sich gar nicht über die Korngrenze hinweg
bewegen können.
Zone 2 (0.3<T/Tm<0.5) besteht aus kolumnaren Kristallformen, die durch klare und
dichte Korngrenzen abgetrennt sind. Die Oberflächen werden glatter und matter. Laut Thorn-
ton werden die Fehlstellen vorrangig an den Korngrenzen gebildet und weniger in den Körnern.
Die Korngrößen steigen mit höherer Temperatur und/oder ansteigender Schichtdicke.
Zone 3 (T/Tm>0.5) besteht aus eher runden sehr breiten Körnern und die Größe steigt
bei hoher Temperatur. Hier ist vor allem die Bulkdiffusion vorrangig.
Zone T wurde von Thornton separat ausgeführt und stellt den Übergang von Zone 1
zu 2 dar. Dabei stellte er fest, dass die Körner in diesem Prozessfenster eher nadelförmig
mit sehr facettierten Oberflächen aufwachsen. Entscheidend für die Größe der Körner wurde
aber stets die Temperatur ausgemacht und weniger der Druck. Dennoch erkennt man auf
der Abbildung, dass besonders im Bereich sehr niedriger Sputterdrücke die Breite der Zone T
stark ausgeweitet werden kann. Erweiterungen des Modells wurden unter anderem von Kluth
et al. [139] und Anders [140] veröffentlicht. Mirica et al. haben für reaktiv gesputtertes ZnO
das SZM angewendet [141].
2.4. Solarzellen
Die Funktionsweise von Solarzellen beruht auf dem photovoltaischen Effekt. Dieser beschreibt
die Umwandlung von elektromagnetischer Strahlung in elektrische Energie durch Absorpti-
on von Licht in einem Festkörper. Um dies in einer Solarzelle nutzen zu können, muss die
Strahlung das Absorbermaterial erreichen und die Absorption muss zu der Generation von
Elektronen-Loch-Paaren führen. Bei der Absorption eines Photons wird ein Elektron vom
Valenzband (EV) in das Leitungsband (EC) angeregt, an dessen Stelle eine Leerstelle (Loch)
zurückbleibt. Abbildung 2.10 zeigt ein vereinfachtes Banddiagramm einer CIGS-Solarzelle.
Diese Ladungsträger müssen voneinander getrennt werden, bevor sie wieder miteinander
rekombinieren. Dies geschieht durch einen pn-Übergang. Durch den pn-Übergang bildet sich
eine Raumladungzone (RLZ), die quasi frei von Ladungsträgern ist.
Durch die lichtinduzierte Generierung und Trennung von Ladungsträgern wird eine Span-
nung (offene Klemmspannung ohne Kontakt) und ein Photostrom (bei Kurzschluss, Kurz-
schlusstromdichte) erzeugt. Der maximal generierbare Strom durch eine Solarzelle ist durch
das Solarspektrum bestimmt. Durch Integration der Photoneneinstrahlung (Gleichung 2.25)
und deren Energie (für das Solarstrahlungsspektrum AM1.5g) kann die maximal mögliche
Stromdichte einer idealen Solarzelle abgeschätzt werden. Die Absorption hängt in diesem
32
2.4. Solarzellen
Abbildung 2.9.: Spektrum der globalen Sonneneinstrahlung auf der Erde für einen Einstrahlungswinkel von
48.2°(AM1.5g) und maximal erreichbare Kurzschlussstromdichte in Abhängigkeit Wellenlänge und Energie.
idealen Fall nur von der Bandlücke und Dicke des Absorbers ab. Alle Photonen mit einer
Energie größer oder gleich der Bandlücke werden absorbiert und für Photonen mit kleinerer
Energie ist der Absorber transparent. Als Absorbermaterialien kommen deswegen Halbleiter
in Frage, die eine geeignete Bandlücke und einen ausreichend hohen Absorptionskoeffizienten
aufweisen.
Die Leistung der Solarzelle berechnet sich aus dem Produkt von Strom und Spannung. Die
erreichbare Spannung in der Solarzelle ergibt sich aus der Bandlücke (q·U < Eg). Durch eine
niedrigere Bandlücke können mehr Photonen absorbiert werden und der generierbare Strom
steigt. Bei hoher Bandlücke (und höherer Spannung) wird weniger Strom erzeugt. Damit
sind Strom und Spannung von der Bandlücke abhängig. Nach Shockly-Queisser [142] wurden
Bandlücken zwischen ca. 1.0 und 1.7 eV mit einem Optimum bei ca. 1.5 eV errechnet.
CIGS hat eine Bandlücke im Bereich von 1.0 bis 1.7 eV. Diese ist vor allem abhängig vom
Verhältnis [Ga/(Ga+In)]. CIGS-Halbleiter haben eine direkte Bandlücke und einen hohen
Absorptionskoeffizienten von 104cm1bei Wellenlängen kleiner 1200 nm [143]. Aus diesem
Grund reichen bereits Schichtdicken von 1 bis 3 µm, um einen Großteil des Sonnenlichtes zu
absorbieren.
In Abbildung 2.9 wird die globale Sonneneinstrahlung (AM1.5g) und die maximal erreich-
bare Stromdichte (jmax)eines Halbleiters über die Wellenlänge und Energie nach Formel
jmax(Eg,HL) = q
Eg,a
dQAM1.5g
dE dE (2.25)
dargestellt; mit der Bandlücke des Halbleiters (Eg,HL), der Ladung (q) und dem Photo-
nenstrom (QAM1.5g). Der maximal erreichbare Strom liegt bei etwa 48.7 mAcm2. Um den
Strom zu den Kontakten zu führen, werden transparente Leiter benötigt. Diese der Sonne zu-
gewandten Schichten werden auch Fensterschichten genannt. Ein optischer Verlust entsteht
durch die Absorption von Photonen in den Fensterschichten zwischen der Lichtquelle und
dem Absorber. Der Stromverlust durch parasitäre Absorption lässt nach Gleichung 2.25 wie
für den maximalen Strom abschätzen. Somit müssen die Fensterschichten (Puffer, TCO) eine
hohe Bandlücke aufweisen, um möglichst viel Licht zum Absorber durchzulassen. Aus Abbil-
dung 2.9 lässt sich der Stromverlust durch Fensterschichten mit verschiedenen Bandlücken
abschätzen. Der in den Fensterschichten durch Fundamentalabsorption generierte Strom trägt
33
2. Grundlagen
TCO
i-ZnO
CdS Cu(In,Ga)Se2
Ec
EF
EV
Mo
RLZ QNR
x
E
Eg,CIGS
Glas (Substrat)
CIGS (Absorber)
CdS (Puffer)
i-ZnO (HR-TCO)
AZO (TCO)
Mo (Rückkontakt)
Licht
Abbildung 2.10.: links: Schematische Darstellung einer typischen CIGS-Solarzelle im Querschnitt; Rechts:
Ein vereinfachtes Banddiagramm einer CIGS-Solarzelle mit dem Leitungsbandminimum Ec, dem Fermilevel
EF, dem Valenzbandmaximum EV, der Raumladungszone RLZ und der Quasi-neutalen Region QNR. Das
Schema ist nicht maßstabsgetreu.
nicht zum Photostrom bei und stellt einen Verlust für die Solarzelle dar. Aus diesem Grund
sollten die Fensterschichten so dünn wie möglich sein und eine möglichst große Bandlücke
aufweisen.
2.4.1. Aufbau einer CIGS-Dünnschichtsolarzelle
Der prinzipielle Aufbau der CIGS-Solarzelle ist in Abbildung 2.10 schematisch dargestellt.
Außerdem ist ein vereinfachtes Bändermodell für eine typische CIGS-Solarzelle gezeigt.
Als Substrat wird hauptsächlich Kalknatronglas (engl. soda lime glass, SLG) verwendet,
welches als natürliche Na-Quelle fungiert [144]. Molybdän wird als ohmscher Rückkontakt von
0.5 bis 1.0 µm Dicke per Sputterprozess auftragen. Auf dem Rückkontakt wird eine 1-3 µm
dicke CIGS-Absorberschicht aufgewachsen. CIGS-Absorber wachsen polykristallin und sind
p-dotiert. Um einen pn-Übergang zu erreichen, wird ein n-leitendes Halbleitermaterial (idea-
lerweise mit größerer Bandlücke) darauf abgeschieden. Traditionell hat sich eine Dreifach-
Schicht aus einem Puffermaterial, einem hochohmigen TCO und einem leitfähigen TCO als
am wirksamsten herausgestellt. So wird bis heute größtenteils Cadmiumsulfid (CdS) nassche-
misch als Puffer-Material mit einer Schichtdicke von 20-60 nm auf dem Absorber aufgebracht.
Dieses Material als n-Kontakt führt bis heute zu den besten CIGS-Solarzellen-Ergebnissen,
obwohl es aufgrund der hohen Toxizität von Cd substituiert werden soll. Es werden dazu
Ansätze mit alternativen Pufferschichten wie Zn(O,S), InS oder ZnMgO verfolgt. Letzteres
motivierte die Anwendung von ZnMgO:Al (AZMO), durch den seriellen Co-Sputterprozess
für diese Arbeit.
Auf die Pufferschicht wird anschließend eine Doppelschicht aus intrinsischem Zinkoxid (i-
ZnO) und dotiertem Zinkoxid wie ZnO:Al oder ZnO:B abgeschieden. Das i-ZnO ist meist sehr
dünn (30-130 nm), ist lateral sehr hochohmig und wird mittels RFMS abgeschieden. Diese
Schicht dient der Reduzierung von inneren Kurzschlüssen (engl. „shunts“), die aufgrund von
chern in den Absorbern auftreten können. Die TCOs für CIGS müssen eine große Band-
34
2.4. Solarzellen
(Zn,Mg)O
CIGS
Mo
glass
ITO
CdS
CIGS
Mo
glass
i-ZnO
ZnO:Al
or ZnO:B
2)
Zn(O,S)
CIGS
Mo
glass
ITO
(Zn,Mg)O:Al
CIGS
Mo
glass
Zn(O,S):Al
CIGS
Mo
glass
tradional“
(Zn,Mg)O
CIGS
Mo
glass
ITO
(Cd,Zn)S
(Zn,Mg)O
CIGS
Mo
glass
BZO
Zn(O,S)
3) 4) 7)
5) 6)
CIGS
Mo
glass
IZO
1)
i-ZnO
CdS
Abbildung 2.11.: Schematische Darstellung unterschiedlicher Schichtaufbauten von CIGS-Solarzellen in
Substrat-Aufbau. Links: ein state-of-the-Art oder auch traditioneller Aufbau mit CdS als Puffer. (Für die
anderen Aufbauten siehe Text).
lücke aufweisen, sehr transparent sein und einen möglichst niedrigen Widerstand aufweisen.
Ein etabliertes Material ist ZnO. Die n-dotierte ZnO-Schicht hat durch die Dotierung mit
trivalenten Atomen wie Aluminium, Gallium oder Bor einen niedrigen Serienwiderstand, ist
dabei transparent und dient dem lateralen Stromtransport. Als großflächige Abscheidever-
fahren haben sich das Magnetronsputtern von ZnO:Al und das Abscheiden von ZnO:B mit
metallorganischen chemischen Gasphasenabscheidung (MOCVD) durchgesetzt. Das Magne-
tronsputtern bietet eine höhere Abscheiderate der TCOs verglichen mit CVD-Verfahren. Zu
beachten ist, dass beim Sputtern die Energie der Teilchen höher ist, was bei sehr sensitiven
Oberflächen zu Schädigungen führen kann.
Die CIGS-Technologie hat sich in den letzten 20 Jahren stark entwickelt. Ziel dabei ist es,
das toxische Cd zu ersetzen und die parasitäre Absorption in den Fensterschichten zu minimie-
ren sowie Prozessschritte einzusparen. In Abbildung 2.11 sind einige wesentliche Schichtstapel
dargestellt und in Tabelle 2.7 die dazugehörigen Wirkungsgrade gezeigt. Schon 2001 zeigten
Minemoto et al., dass durch die Verwendung von ZnMgO als Puffer das toxische Cd aus der
Technologie verbannt werden kann (1). Genauso zeigte sich gesputtertes Zn(O,S) als poten-
tielles Puffermaterial (2). Auch die Verwendung von Einfachschichten aus ZnMgO: Al und
Zn(O,S):Al wurden untersucht. Okuda et al. (3) und Mizumoto et al. (4) vereinfachten den
Schichtstapel indem nur noch eine Fensterschicht aus co-gesputterten TCOs verwendet wur-
de. Menner et al. zeigten, dass IZO als Frontkontakt mit hoher Ladungsträgerbeweglichkeit zu
hohen Effizienzen führt (5). Chantana et al. verwendeten CdZnS als gitterangepasstes Puffer-
material zum CIGS und konnten den Wirkungsgrad weiter steigern (6). Der derzeitig chste
Wirkungsgrad von 23.35 für CIGS-Solarzellen wurde von Nakamura et al. veröffentlicht (7) .
Die Ansätze von Okuda et al., Menner et al. und Chantana et al. wurden in dieser Arbeit
aufgegriffen und untersucht (siehe Kapitel 4.4).
2.4.2. Charakteristische Kennwerte
Um die Effizienz einer Solarzelle zu bestimmen, wird der Strom über die Spannung gemessen
und in einer Strom-Spannung-Kennlinie aufgezeichnet. Im idealen Fall kann die Dunkelkenn-
35
2. Grundlagen
Tabelle 2.7.: Unterschiedliche Ansätze für CIGS-Solarzellen mit dem Wirkungsgrad und Jahr der Veröffentli-
chung.
Aufbau ηJahr Quelle
1 13.1 % 2001 [145]
2 18 % 2014 [146]
3 5.5 % 2014 [147]
4 11.3 % 2014 [148]
5 21.3 % 2017 [115]
6 19.6 % 2017 [149]
7 23.35 % 2019 [4]
linie einer Solarzelle durch Shockley’s Diodengleichung beschrieben werden [150] und wird
unter Beleuchtung um den von der Bestrahlung abhängigen Photostrom jph verschoben. Der
Strom kann nach der Formel:
j(U) = j0(e
qU
kbT1) jph (2.26)
beschrieben werden. Mit den Einflussfaktoren Spannung U, Elementarladung q, Boltz-
mankonstante kbund der Temperatur T. Der Faktor j0wird als Sperrsättigungsstromdichte
bezeichnet. Bei offenem Stromkreis sammeln sich die durch Beleuchtung generierten Ladungs-
träger an den Enden der Solarzelle und können nicht abfließen. Dadurch bildet sich eine Po-
tentialdifferenz zwischen der p- und n-Seite, welche als offene Klemmspannung (open-circuit
voltage, Voc) bezeichnet wird. Schließt man den Stromkreis kurz, liegt keine Spannung an
und der Strom kann durch den Stromkreislauf fließen. Dieser Kurzschlussstrom (short cur-
rent density, Isc) ist u.a. von der Bestrahlungsstärke der Lichtquelle abhängig. Schließt man
eine Last an, so ergibt sich die maximale Leistung mittels
P=U·I. (2.27)
Der Punkt der maximalen Leistung wird auch maximum power point (MPP) genannt.
Der Füllfaktor FF ergibt sich aus:
FF =IMPP VMPP
IscVoc
(2.28)
mit dem Strom IMP P und der Spannung VMPP beim MPP. Der gesamte Wirkungsgrad der
Solarzelle ist das Verhältnis aus ausgehender elektrischer Leistung zu eingehender Leistung
Pin der Sonneneinstrahlung. Um Zellen verschiedener Labore vergleichen zu können, wird der
Wirkungsgrad üblicherweise unter Standardtestbedingungen (Air Mass 1.5 global) bei einer
konstanten Temperatur von 25°C ermittelt. Somit errechnet sich der Wirkungsgrad nach
η=IscVocFF
Pin
.(2.29)
Dabei ist Pin die eingestrahlte Leistung. Ein Plot der Dunkel- und Hellkennlinien für eine
Solarzelle sowie die markanten Größen sind in Abbildung 2.12 gezeigt. Reale Solarzellen sind
nicht ideal und weisen zusätzliche Verluste auf.
36
2.4. Solarzellen
Abbildung 2.12.: Stromdichte j und Leistung über die Spannung U. Gezeigt sind die Dunkel- und Hellkenn-
linie, die Leistungskurve und wichtige Kenngrößen einer Solarzelle (Erklärung siehe Text).
Eine reale Solarzelle wird durch parasitäre Widerstände beeinflusst, die die Effizienz redu-
zieren. Elektrische Verluste im Device werden im Schaltkreis über den Serienwiderstand Rs
und den Parallelwiderstand Rprepräsentiert, die in Serie oder parallel zur Diode erfolgen.
In einem Solarzellenbauteil werden unter dem Serienwiderstand alle ohmschen Verluste im
Absorber, Puffer, TCO oder Kontakt zusammenfasst. Der Haupteinfluss des Serienwiderstan-
des wirkt auf die Reduzierung des Füllfaktors. Bei sehr hohen Serienwiderständen kann auch
der Kurzschlussstrom reduziert sein. Im Idealfall ist der Serienwiderstand Null. In normalen
Solarzellen sind Werte von 0.3 bis 1 cm2üblich.
Der Parallelwiderstand hat ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf der j-V -
Kurve. Ein kleiner Parallelwiderstand entsteht dort, wo der Strom die gleichrichtende Wir-
kung der Diode der Solarzelle umgehen kann. Dies kann durch eine produktionsbedingte
schlechte Qualität des Absorbermaterials möglich sein, bei dem z.B. „Pinholes“ existieren.
Ebenso kann am Rand des Materials Strom fließen. Ein reduzierter Stromfluss durch die Zelle
führt zu einem reduzierten Strom und einer reduzierten Leerlaufspannung. Im Idealfall ist der
Parallelwiderstand unendlich groß. Solarzellen sollten Werte von über 1 kcm2aufweisen.
Diese zusätzlichen Verluste sind in Gleichung 2.26 für die ideale Diode nicht berücksichtigt.
Kennlinien realer Solarzellen können mit dem Zwei-Dioden-Modell noch besser beschrieben
werden. In diesem Modell setzt sich das Ersatzschaltbild aus der Photo-Stromquelle, zwei
Dioden, dem Serienwiderstand und dem Parallelwiderstand zusammen. Die verschiedenen
Rekombinationsmechanismen (siehe nächster Absatz) werden durch die zwei Diodenfaktoren
A1und A2berücksichtigt. Dadurch erweitert sich die Gleichung 2.26 zu:
37
2. Grundlagen
j(U) = j0,1(e
q(URsj(U))
A1kbT1) + j0,2(e
q(URsj(U))
A2kbT1) + URsj(U)
Rpjph.(2.30)
Mit Gleichung 2.30 kann der Serienwiderstand der CIGS-Solarzellen mit unterschiedlichen
ZnO:Al als Frontkontakt abgeschätzt werden. Aus den bestimmten Werten Serienwiderstand
und Füllfaktor können Rückschlüsse dahingehend gezogen werden, wie stark der Einfluss des
TCOs auf den Serienwiderstand in der Solarzelle ist.
Rekombinationsprozesse spielen eine wesentliche Rolle in einer Solarzelle. Die Rekombinati-
on wird hauptsächlich durch Defekte im Absorber und daher durch die Qualität der Kristall-
struktur bestimmt. Zusätzlich können Oberflächeneffekte zu einer Oberflächenrekombination
führen. Eine hohe Rekombination erzeugter Ladungsträger reduziert die effektive Ladungs-
trägerlebensdauer (τeff). Im Folgenden werden die Hauptrekombinationsmechanismen kurz
eingeführt, da sie einen Einfluss auf die Effizienz der Solarzelle haben.
Wird ein Halbleiter mit Licht ausreichend hoher Energie bestrahlt, werden Elektronen-
Loch-Paare mit einer Generationsrate g erzeugt. Diese Ladungsträger sind bestrebt in den
thermodynamischen Gleichgewichtszustand zu kommen. Dies erfolgt durch Rekombination
und kann als Rekombinationsrate r ausgedrückt werden.
Es gibt intrinsische und extrinsische Rekombinationsmechanismen [151]. Die strahlende wie
auch die Auger-Rekombination sind intrinsisch und nicht vermeidbar, während die Rekombi-
nation über Störstellen (Shockley-Read-Hall Rekombination, SRH) von der Defektverteilung
der Halbleiter abhängt und damit durch den Herstellungsprozess (extrinsisch) beeinflussbar
ist [150, 152].
Nicht-strahlende Rekombinationsprozesse können in Auger-, SRH- und Oberflächen- bzw.
Interfacerekombination unterteilt werden. In CIGS Solarzellen spielen insbesondere die SRH-
und Oberflächenrekombination eine wichtige Rolle. In Abbildung. 2.13 ist die Generation und
die drei relevanten Rekombinationsmechanismen aufgeführt:
Strahlende Rekombination: dabei rekombiniert ein Elektron aus dem Leitungsband mit
einem Loch aus dem Valenzband in einer Band-zu-Band-Rekombination. Dabei wird
ein Photon emittiert, welches die Energie der Bandlücke aufweist. Diese Rekombina-
tion ist das Gegenstück zur Generation von Elektronen-Loch-Paaren mit Hilfe eines
Photons. Dieser Prozess ist vor allem für direkte Halbleiter (wie CIGS) bedeutend. Bei
der Entwicklung von Licht-emittierenden Bauteilen ist dies sogar erwünscht.
Auger Rekombination: dabei wird ein Elektron mit einer Energie Egmit einem
Loch rekombinieren und seinen Energieüberschuss an ein zweites Elektron aus dem
Leitungsband abgeben, welches auf ein höheres Energieniveau angehoben wird. Dieses
zweite Elektron thermalisiert dann unter Dissipation seiner Überschussenergie Eg
an das Leitungsbandminimum (äquivalent für die cher).
SRH Rekombination: wenn in einem Halbleiter in der Bandlücke sogenannte „tiefe“
Defektzustände vorliegen, können die Elektronen und Löcher über diese rekombinieren.
Im CIGS können Fremdatome oder Defekte als Ladungsträgerfallen (engl. trap stats)
38
2.4. Solarzellen
Abbildung 2.13.: Schematische Darstellung der a) Generation, b) strahlender, c) Auger- und d) SRH-
Rekombination in Halbleitern. Die verwendeten Größen ELB, EV B , ETbezeichnen die Energie des Leitungs-
bandminimums, Valenzbandmaximums und der Energie des Defekt-Niveaus.
solche Defektzustände erzeugen. Die SRH-Rekombinationsrate ergibt sich aus dem Ein-
fang und der Emission der jeweiligen Ladungsträger am tiefen Defekt.
Die Rekombinationsrate für die SRH-Rekombination errechnet sich nach:
rSRH =np n2
i
τp0(n+n1) + τn0(p+p1)(2.31)
mit
τn0=1
σnNtvth
τp0=1
σpNtvth
(2.32)
und
n1=ni·exp ETEi
kbTp1=ni·exp ETEi
kbT(2.33)
Dabei sind τn0und τp0die minimalen Lebensdauern der Elektronen und cher im Lei-
tungsband und Valenzband, wenn alle tiefen Defekte unbesetzt sind. Die Lebensdauern sind
abhängig von der Anzahl der tiefen Defekte (Nt), den Einfangquerschnitten σnund σpder
Elektronen und cher, sowie den thermischen Geschwindigkeiten der Ladungsträger. ETund
Eisind die Energie der „Trap stats“ (Rekombinationszentren) und Lage des Ferminiveaus
für den Fall eines intrinsischen Halbleiters.
Somit ist der Abstand zwischen den Bandkanten und dem Defekt entscheidend. Aus der
Formel 2.31 geht hervor, dass es drei Dinge für eine starke Rekombinationsrate benötigt:
Ein Loch, ein Elektron und eine Störstelle mit einem Energieniveau in der Bandlücke. Die
Rekombinationsrate hat ihr Maximum wenn gilt: n=p und ET=Ei.
In CIGS-Solarzellen ist die Rekombination über Defekte der limitierende Rekombinations-
mechanismus ([143] S.45). In einer CIGS-Solarzelle kann die SRH-Rekombination an unter-
schiedlichen Orten erfolgen. Die Rekombination kann an der Oberfläche, in der Quasi-Neutral
Region am Rückkontakt oder in der Raumladungszone erfolgen. Als Kontaktpartner kann
auch in der Pufferschicht ein Rekombinationsweg entstehen.
39
2. Grundlagen
Neben den elektrischen Verlusten reduzieren optische Verluste die Leistungsfähigkeit von
Solarzellen. Optische Verluste reduzieren vor allem den Kurzschlussstrom einer Solarzelle. In
CIGS-Solarzellen sind Quellen optischer Verluste:
1. Verschattung durch ein Metallgitter (oder “dead area” bei der Serienverschaltung von
Modulen),
2. Reflexion an der Oberfläche und Grenzflächen,
3. Absorption in den Fensterschichten.
Diese Verluste gilt es zu minimieren. Alle drei Effekte sind stark von dem verwendeten Schicht-
stapel und den Eigenschaften der einzelnen Schichten und der Oberfläche der Solarzelle ab-
hängig. In einer Solarzelle mit einem typischen Substrataufbau muss das Licht die TCOs und
die Pufferschicht, welche das Licht absorbieren können, durchqueren. An allen Oberflächen
bzw. Grenzflächen kann es zu Reflexionen kommen. Der Anteil an Lichtintensität (I0), der den
Absorber erreicht und in diesen eindringt (IAbsorber)kann nach folgender Formel abgeschätzt
werden:
IAbsorber =I0[1 RF(λ)][1 AT CO(λ)][1 APuffer](2.34)
Mit RFals Summe aller Reflexionen an den unterschiedlichen Ober- und Grenzflächen
und ATCO und AP uffer als Absorption in den jeweiligen Fensterschichten. Die Absorption in
der Fensterschicht nimmt mit der Schichtdicke zu und es ist daher wichtig, einen Kompro-
miss zwischen elektrischen und optischen Eigenschaften der Fensterschichten zu finden (so
dick wie nötig, so dünn wie möglich). Um die Reflexion zu reduzieren, kann eine Antirefle-
xionsschicht (engl. anti reflection coating, ARC) aufgebracht werden. Die Absorption in den
Fensterschichten ist hauptsächlich durch die Fundamentalabsorption und Absorption durch
freie Ladungsträger beeinflusst. Eine gezielte Texturierung der Oberfläche kann den Weg des
Lichtes durch den Absorber verlängern.
40
3. Experimentelle Methoden
In diesem Abschnitt wird kurz auf die verwendeten Charakterisierungsmethoden für Solarzel-
len eingegangen. Anschließend werden die verwendeten Herstellungsverfahren für die Schich-
ten der Solarzellen kurz erläutert. Des Weiteren wird auf die verwendeten Simulationstools
eingegangen.
3.1. Charakterisierungsmethoden
3.1.1. Dünnschicht-Messungen
Besonders die elektrischen, optischen und strukturellen Eigenschaften der abgeschiedenen
TCOs waren von Interesse in dieser Arbeit. In diesem Abschnitt sollen die verwendeten
Charakterisierungsmethoden kurz vorgestellt werden.
Profilometer
Für die Bestimmung der Schichtdicke dünner Schichten (unter 5 µm) wurde das Profilometer
Dektak XT (Fa. Bruker) verwendet. Dazu muss in die Schicht eine Stufe zwischen Oberkante
der Schicht und der Substratoberfläche erzeugt werden. Eine Möglichkeit dafür ist es, vor
der Beschichtung ein Kaptonband aufzukleben oder mittels Stift eine Linie zu ziehen. Nach
erfolgter Abscheidung des TCOs kann dann das Kaptonband entfernt werden oder der Strich
mit ISO-Propanol abgewischt werden. Um Messungenauigkeiten zu reduzieren, sind mehrere
Striche nötig oder ein langer Streifen Kaptonband.
Bei AZO auf Glas kann auch ein Kreis mittels Stift auf die Schicht aufgebracht werden
und dann mit verdünnter Salzsäure die AZO-Schicht weggeätzt werden. An den so erzeugten
Stufen kann dann die Schichtdicke bestimmt werden. Zu berücksichtigen sind Randeffekte
(Glaskanten) und nicht ganz frei geätzte Gebiete. Die Bestimmung der Schichtdicke ist be-
sonders wichtig, da darüber die Ladungsträgerdichte der Schichten, sowie die Abscheiderate
der Sputteranlage bestimmt werden kann.
4-Punkt-Messmethode (4PP)
Mit dieser Methode kann der Schichtwiderstand Rsh einer TCO-Schicht bestimmt werden.
Über 4 Messspitzen im gleichen Abstand zueinander in einer Sichtlinie werden der Strom
und die Spannung über je zwei Spitzen separat gemessen. So kann, wenn die Schichtdicke d
viel kleiner ist als der Abstand zwischen den einzelnen Messnadeln ist, der Schichtwiderstand
Rsh berechnet werden:
41
3. Experimentelle Methoden
Rsh =U
I·π·d
ln(2) (3.1)
Hall-Effekt-Messungen
Zur Bestimmung der Ladungsträgerdichte und -beweglichkeit sowie des spezifischen Wider-
standes in den TCOs wurden in dieser Arbeit Hall-Effekt-Messungen nach der Methode von
van der Pauw durchgeführt. Mithilfe der van der Pauw-Methode können Proben vermessen
werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind [153]:
1. Die Kontaktierung der Probe erfolgt am Rand.
2. Die Messkontakte sind klein gegenüber der Kantenlänge.
3. Die Schichtdicke ist homogen.
4. Die Probe ist geometrisch einfach zusammenhängend.
Alle Bedingungen wurden für Messungen in dieser Arbeit erfüllt. Dafür wurden die Proben
in ca. 10 x 10 mm2Quadrate per Hand geschnitten. Es wurden keine Teile aus den Rändern
der Gläser verwendet. Die Glasquadrate wurden dann auf einem Objektträger positioniert
und an den 4 Ecken jeweils mit vergoldeten Kontaktspitzen per Feder aufgedrückt. Die Mess-
spitzen sind an ein Messgerät (HMS3000 der Firma Ecopia) angeschlossen. Zuerst wird ohne
Magnetfeld die Leitfähigkeit gemessen. Anschließend wird ein Magnetfeld von einem 0.56 T
starken Dauermagneten zur Probe geführt. Dann erfolgt die Hall-Messung, bei der die Hall-
Koeffizienten bestimmt werden. So kann mit der vorher bestimmten Schichtdicke schließlich
die Ladungsträgerdichte errechnet werden. Um Abweichungen am Versuchsaufbau zu erken-
nen, wird vorher mit einer genau bestimmten 100 nm dicken Probe aus ITO das System über-
prüft. Wie bereits erwähnt, sollte die Schichtdicke der Probe vorher genau vermessen werden,
da sonst aufgrund von Folgefehlern in der Berechnung die Ladungsträgeranzahl unter- oder
überschätzt wird. Schichtdicken- sowie die Hall-Effekt-Messungen wurden mehrmals durch-
geführt und der arithmetische Mittelwert angegeben, um Folgefehler so klein wie möglich zu
halten.
Spektralphotometer
Die Messung von Transmissions- und Reflexionsgrad im ultravioletten (UV) und sichtba-
ren (VIS) Bereich sowie im nahen Infrarot-Bereich (NIR) des Spektrums erfolgte mit ei-
nem dual-beam Spektralphotometer Lambda 1050 der Firma Perkin Elmer. Die Messungen
wurden im Bereich von 250 bis 2450 nm in 5 nm Schritten durchgeführt. Es werden zwei
Lichtquellen verwendet. Im UV-Bereich wird eine Deuteriumlampe und für größere Wellen-
längen eine Halogenlampe verwendet. Bei 870 nm erfolgt ein Detektorwechsel. Die Lam-
pen müssen vor der Messung ca. 30 Minuten angeschaltet werden, um eine gleichbleiben-
de Strahlung abzugeben. Es wurde stets die totale Transmission und Reflexion gemessen
42
3.1. Charakterisierungsmethoden
[T, Rtotal(λ) = T, Rspecular(λ) + T, Rdiffus(λ)]. Dafür wurde eine Ulbrichtkugel verwendet. Mit
Hilfe dieser werden die transmittierten und reflektierten Strahlen in der Kugel gefangen“ und
durch einen dort positionierten Photodetektor gemessen. Um auch direkte Strahlen aus dem
Strahlengang detektieren zu können, bevor sie aus der Eintrittsöffnung heraustreten, ist der
Bereich hinter der Ulbrichtkugel um 8°geneigt. Um eine korrekte Messung zu erhalten, wird
vor der Messung eine Korrekturmessung durchgeführt. So kann mit Hilfe des Referenzstrahls
eine genaue Intensität ohne Probe errechnet werden. Nach der Messung kann die Absorpti-
on über A(λ) = 1T(λ)R(λ)berechnet werden. Alle Korrekturmessungen erfolgten ohne
Glas. In der Literatur wird auch mit Glas eine Korrekturmessung durchgeführt und somit die
Absorption des Glases „herausgerechnet“. So kann es sein, dass angegebene Werte für TCOs
an die 100% aufweisen. Das erschwert unter Umständen die Vergleichbarkeit der optischen
Eigenschaften der in dieser Arbeit erzeugten Schichten mit denen aus der Fachliteratur.
Rasterkraftmikroskop (Atomic Force Microscopy, AFM)
Mit der AFM-Methode können Rückschlüsse auf die Topologie der Schichten gezogen werden.
Die Proben werden mit einer sehr dünnen Spitze („tip“), die an einem Cantilever befestigt ist,
gescannt. Ein Laser trifft von hinten auf den Cantilever und wird dort zum Detektor reflek-
tiert. So können schon feinste Änderungen der Oberflächenbeschaffenheit detektiert werden.
Die AFM-Messungen wurden an zwei unterschiedlichen AFM-Plätzen durchgeführt. Zum
einen an einem XE70 (Fa. Park Systems) am PVcomB und zum anderen an einem Messplatz
der TU Berlin.
Röntgendiffraktometrie (XRD)
Mithilfe der Röntgendiffraktometrie können strukturelle Eigenschaften dünner Schichten un-
tersucht werden. Bei der XRD Messung wird die Probe mit Hilfe monochromatischem Lichts
im Röntgenbereich bestrahlt. Der reflektierte oder gebeugte Strahl wird von einem Detektor
im Winkel von 2 Theta aufgenommen. Während der Messung wird der Detektor und/oder
Strahler in feststehendem Abstand zu der Probe bewegt. Dabei scannt der Detektor im ge-
wünschten Intervall die Intensität des von der Probe reflektierten Strahls.
Wenn mehrere Gitterebenen den Strahl im gleichen Winkel reflektieren, kommt es zu kon-
struktiver Interferenz. Dies ist dann als erhöhte Intensität der Reflexion im Diffraktogramm
sichtbar. In dieser Arbeit wurde das D8 (Fa. Bruker) mit CuKα-Strahlung mit der Wellen-
länge von λ= 1.5418˚
Averwendet.
Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF)
Eine zerstörungsfreie Methode zur Analyse der chemischen Elementzusammensetzung einer
Probe ist die Röntgenfluoreszenzanalyse. Die Probe wird dabei durch Röntgenstrahlung an-
geregt und es werden kernnahe Elektronen von inneren Schalen des Atoms herausgeschla-
gen. Fällt ein Elektron von einem höheren Energieniveau auf ein tieferliegendes, so wird die
Energiedifferenz als für das Element charakteristische Röntgenstrahlung emittiert. Zur Be-
43
3. Experimentelle Methoden
stimmung des Aluminiumgehaltes in den AZO-Schichten wurde ein Rigaku WD-XRF ZSX
Primus II am PVcomB verwendet. Der Messspot ist 30 mm 1.
Elektronenstrahlmikroanalyse (EPMA)
Eine Methode zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung ist die Elektronenstrahl-
mikroanalyse (engl. electron probe micro analysis, EPMA). Mit Hilfe dieser zerstörungsfreien
Analysemethode können Elemente auch mit geringer Nachweisgrenze detektiert werden. Bei
der EPMA-Analyse wird die Probe mit einem fein fokussierten Elektronenstrahl zur Emis-
sion von Röntgenstrahlung angeregt, die mit Hilfe von mehreren Wellenlängen-dispersiven
Kristallspektrometern analysiert wird. Aus der Intensität der charakteristischen Röntgen-
strahlung kann die chemische Zusammensetzung bestimmt werden. Die Schichten sollten eine
Schichtdicke von über 500 nm aufweisen. Die EPMA-Messungen wurden mit einem Cameca
SX100 von der Analytikgruppe am Fraunhofer Institut für Schicht- und Oberflächentechnik
durchgeführt.
3.1.2. Solarzellen-Charakterisierung
jV- Messungen
Zur Bestimmung der Hauptparameter der Solarzellen (jsc, Voc, FF und η) wurden die Strom-
Spannungs-Messungen (j-V -Messungen) unter Standard Test Bedingungen (STC) nach dem
internationalen Standard IEC 60904-3 durchgeführt. Dabei wird die Probentemperatur auf
T= 25 °C durch Kühlung gehalten. Die spektrale Einstrahlung mit einer Energie von E=
100 mW/cm2erfolgt nach dem Referenzspektrum (AM1.5g). Das AM1.5g steht dabei für die
globale (diffuse und direkte) Einstrahlung des Sonnenlichtes auf Meeresspiegelhöhe, nachdem
es die anderthalbfache Atmosphäre der Erde durchdrungen hat.
Die Messungen wurden an einem Dual Source Solar Simulator Type WXS -155S -L2
(Fa. Wacom) am PVcomB durchgeführt. Das System arbeitet mit 2 Lichtquellen: einer Xe-
nonlampe für den UV-VIS-Bereich und einer Halogenlampe für den roten und NIR-Bereich
des Lichtes (ca. 750 bis 1200 nm). Zur Messung wurde jede Zelle mit vier Metallfingern kon-
taktiert, um die Einflüsse der Messfehler zu reduzieren. Für die 50 x 50 mm2Substrate gibt
es einen separaten Aufsatz für eine semi-manuelle Messung. Es wurde sowohl die Dunkel- als
auch die Hellkennlinie aufgenommen.
Externe Quanten-Effizienz
Die externe Quanteneffizienz (EQE) gibt in Abhängigkeit von der Photonenenergie an, wie
viele Ladungsträger pro eintreffendem Photon in der Solarzelle generiert werden. Die externe
Quanteneffizienz für Solarzellen errechnet sich nach:
EQE(λ, V, I) = IA(λ)·IQE(λ, V, I)(3.2)
1Bei den Messungen wurden die Proben lokal bräunlich verfärbt. Aus diesem Grund wurden die XRF-
Messungen erst nach den optischen Messungen begonnen.
44
3.2. Simulations-Tool
und ist im Idealfall eins2. Global wirkt die Reflexion, Diffusionsweglänge der Ladungsträger
und die Verschattung durch Metallgitter auf die EQE ein. Diese können die gesamte EQE
reduzieren. Die EQE ist abhängig von der Reflexion der Fensterschichten. Um die Wirkung
unterschiedlicher TCOs auf die Solarzellen noch besser vergleichen zu können, kann die EQE
um die Reflexion reduziert werden. Die so erhaltende interne Quanteneffizienz (IQE) gibt
mehr Aufschluss über die Wirkung der Absorption der Fensterschichten in der Solarzelle.
Wenn dazu noch die Absorption der Fensterschichten ermittelt werden kann, kann die korri-
gierte interne Quanteneffizienz IQEcor der Solarzelle ermittelt werden.
Für die Messungen der externen Quanten-Effizienz (EQE) wurde ein eigens am PVcomB
gebautes Gerät verwendet. In diesem Aufbau wird eine zu analysierende Probe mittels mo-
nochromatischem Lichts auf einer Größe von 2 x 4 mm2beleuchtet. Dazu wird zusätzlich
weißes „bias“ Licht auf einer Fläche von ca. 10 x 10 mm2eingestrahlt. Der von der Solarzelle
erzeugte Photostrom wird dann von 300 bis 1300 nm in 10 nm Intervallen gemessen. Das
schwache Signal wird mit Hilfe eines Choppers und eines Lock-In-Verstärkers aufgezeichnet.
Der Messspot für die Messungen wurde zwischen den Grid-Fingern des Metall-Grid positio-
niert.
Um den Effekt der Absorption der TCOs aufzuzeigen, wurden in den Abbildungen der
EQEs die Absorptionskurven der TCOs zum besseren Vergleich teilweise eingezeichnet. Dazu
wurden die auf Glas gemessenen Absorptionen zuerst auf 1 normiert. Da die ideale EQE/IQE
um die Absorption der TCOs reduziert wird, wurde der wellenlängenabhängige Absorptions-
wert anschließend von 1 abgezogen (1A(λ)). Der so ermittelte Wert für die TCOs wird
in ausgesuchten Graphiken zusätzlich als gestrichelte Linie gezeigt. Äquivalent werden die
gemessene Reflexionen der Solarzellen in den Graphiken der EQE integriert (1R(λ)).
3.2. Simulations-Tool
Da beim Sputterprozess schon kleine Abweichungen der lokalen Prozessgrößen zu einer Ver-
änderung des Prozesses und damit auch der Eigenschaften der aufwachsenden Schicht führen,
ist ein Verständnis der physikalischen und chemischen Vorgänge während der Deposition in
der Sputteranlage von Nöten. Diese Prozessgrößen, wie beispielsweise der Sauerstoffpartial-
druck, können durch eine Veränderung der Anlagengeometrie beeinflusst werden. Die genaue
Messung und Überwachung von Parametern im Depositionsprozess ist zum Teil nur bedingt
möglich und mit sehr hohem Aufwand verbunden. In dieser Arbeit wurde deshalb schon vor
und während der Entwicklung des Sputtermoduls durch Simulationsrechnungen eine Opti-
mierung der Anlagengeometrie durchgeführt.
Um die Strömungen und Plasmen in der Co-Sputter-Anlage schon im Vorfeld begutach-
ten zu können, wurde auf die Simulationssoftware RIG-VM zurückgegriffen. Diese Software
wurde am Fraunhofer IST von Andreas Pflug und seinem Team entwickelt [154–157]. Durch
dieses Programm sind differenzielle Gleichungen lösbar. Für diese Software wurde zum einen
eine FIT-Routine zum fitten der optischen Parameter von dünnen Schichten entwickelt. So
2Sonderfälle, bei denen hochenergetische Photonen in zwei niederenergetische Photonen überführt werden,
sind hier nicht betrachtet.
45
3. Experimentelle Methoden
können Datensätze aus den optischen Messungen dazu genutzt werden, die Schichtdicke und
Brechzahlen zu errechnen. Zum anderen wurden für diese Software Programme geschrieben,
mit denen die Direct-Simulation-Monte-Carlo-Methode (DSMC) und Particel-in-cell (PIC-
MC) Routinen durchgeführt werden können. Aufgrund des Rechenaufwands wurde für die
DSMC und PIC-MC Routinen ein Linux-Cluster-Tool an der TU Berlin verwendet. Dadurch
war es möglich, das Strömungsverhalten von Gasen in der Sputteranlage zu simulieren und
die Anlage im Vorfeld zu optimieren.
Für die DSMC-, PIC-MC- und Magnetfeld (BEM)-Berechnungen sind verschiedene Ar-
beitsschritte nötig.
Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein Computer-Cluster für Simulationsrechnungen des
Fachbereiches Technologie für Dünnschicht-Bauelemente (Thin Film Devices, TFD) der TU
Berlin verwendet. Der Cluster besteht aus insgesamt 96 CPUs, die auf 2 Nodes verteilt sind.
Als Betriebssystem wird Scientific Linux verwendet. Diese Linux-Distribution basiert auf
Redhat-Linux.
Die Benutzer greifen auf den Cluster per VNC3-Viewer über ihren jeweils eigenen VNC-
Server auf ihre Desktopumgebungen zu.
URL: http://cluster.tfd.tu-berlin.de/
IP Adresse: 130.149.110.106
Wiki: http://cluster.tfd.tu-berlin.de/wiki-picmc/doku.php
Lastüberwachung: http://cluster.tfd.tu-berlin.de/ganglia/
Auf dem Cluster läuft die RIG-VM-Software mit einem speziell im Hinblick auf die Simulation
von Vakuumbeschichtungsanlagen entwickelten Simulationsalgorithmus.
DSMC- sowie PICMC-Simulation
Für die DSMC- und PIC-MC-Simulationen sind folgende Arbeitsschritte nötig:
1. Mithilfe der frei erhältlichen Software GMSHroder einem CAD-Tool wird eine Bau-
teilgeometrie erzeugt.
2. Darüber wird mithilfe von GMSHrein virtuelles Gitter (Mesh) gelegt und auf den
Cluster gesendet.
3. Dort wird ein Parameter-File erzeugt, in dem die wichtigsten Parameter für die jeweilige
Simulation eingegeben werden.
4. Danach wird die Simulation gestartet.
5. Während oder nach dem Abschluss der Simulation können die (vorher festgelegten)
ausgegebenen Ergebnisse (Outputs) validiert werden.
3Virtual Network Computing
46
3.3. Herstellung der CIGS-Solarzellen
Jeder dieser Arbeitsschritte birgt eigene Anforderungen an das Verständnis physikalischer
Zusammenhänge, um realitätsnahe, aber dennoch rechenzeitoptimierte Modellierungen vor-
nehmen zu können.
Der Nutzer kann mithilfe einer CAD-Modellsoftware (CATIAr,GMSHr,Solidworksr)
ein CAD-Modell seiner Anlagengeometrie erstellen. Das Modell kann ein „2D“-Modell oder
ein komplexes 3D-Modell sein. Um die Gasflüsse und -verteilungen in der Anlage zu berech-
nen, müssen die Flächen für Gaseinlass (Nozzle) und Gasauslass (Pumpenfläche) definiert
werden. Für die Gasflussberechnungen wird der DSMC-Algorithmus verwendet. Dieser Algo-
rithmus berechnet für jedes Gasteilchen in festgelegten Zeitintervallen die Geschwindigkeit
und die Kollisionen mit anderen Teilchen oder Oberflächen. So erhält man eine Aussage über
die Bewegung der Teilchen im Raum über die Zeit. Für hohe Anzahlen von Teilchen (wie in
der Sputtertechnologie) ergibt sich ein hoher Rechenaufwand, um alle Teilchen zu berechnen.
Aus diesem Grund wird über ein Superpartikel eine Vielzahl an Teilchen zusammengefasst.
Dieser Skalierungsfaktor entspricht einer größeren Anzahl an realen Teilchen. So ist eine Ver-
teilung der Drücke oder der Geschwindigkeiten der Teilchen in überschaubarer Zeit gegeben.
Über die Erzeugung eines Gitters („Meshes“) aus der CAD-Datei wird ein digitales Mo-
dell der Kammer erzeugt, welches auf den Cluster gespielt werden kann. Dort wird über den
Initiierungsprozess eine Parameter-Datei für das Modell erzeugt. Das Hauptinstrument zur
Steuerung eines Simulationsprozesses ist diese Parameterdatei. Diese wird für jede Simula-
tion einzeln verwendet. In dieser Datei können die Parameter für die DSMC oder PIC-MC
verändert werden. Die Parameterdatei hat ein hohes Maß an einstellbaren Parametern und
wichtige Prozessgrößen wie Zeitschritte, verwendete Spezies, Höhe des Skalierungsfaktors oder
Segmentierung können hier definiert werden. In der Simulationsumgebung wird das Modell
in mehrere Segmente unterteilt, welche wiederum in Sub-Zellen unterteilt sind. Die Zellgröße
und der Skalierungsfaktor der Teilchen müssen abhängig vom Gasdruck oder der Plasmadich-
te so gewählt werden, dass mit etwa 20 Teilchen pro Sub-Zelle gerechnet wird. Dies bedeutet,
dass bei höherem Prozessdruck und höherer Plasmadichte auch die Zellauflösung des Modells
erhöht werden muss.
Für DSMC-Berechnungen sind vor allem die Gaseinlässe und -auslässe von Bedeutung. Für
die Simulation eines Plasmaprozesses werden über die Parameterdatei die elektrischen Eigen-
schaften aller Anlagenteile definiert. Zuvor durchgeführte Druck- und BEM-Simulationen
können hierbei eingebunden werden.
3.3. Herstellung der CIGS-Solarzellen
TCOs wurden sowohl auf Glas als auch auf CIGS abgeschieden und untersucht. Im Fal-
le von CIGS-Zellen wurden zwei Absorberherstellungstechnologien verwendet, die den sel-
ben Schichtstapel verwenden, sich aber durch Prozessvariationen unterscheiden. Die CIGS-
Absorber wurden am PVcomB zum einen mithilfe der sequenziellen CIGS-Synthese und zum
anderen mit der Methode der Co-Verdampfung hergestellt. Der generelle Aufbau wurde be-
reits in Abbildung 2.10 vorgestellt. Die CIGS-Absorber-Herstellung war nicht Fokus dieser
47
3. Experimentelle Methoden
Arbeit und so wurde immer auf die jeweiligen Standard-Prozesse und -Materialien („Baseli-
ne“) zurückgegriffen. Durch intensive Forschung und Entwicklung haben sich diese über die
Zeit dieser Arbeit weiterentwickelt und somit ist ein Vergleich der Wirkung der hier betrach-
teten TCOs auf die Solarzellen nur in den jeweiligen Batches möglich.
Das Substrat
Im Fall von CIGS wurden unterschiedliche Glassubstrate verwendet. Im sequenziellen Prozess
wurde etwa 3 mm dickes Kalk-Natron-Glas (Soda-lime-glas, SLG) white diamond“ der Firma
Saint Gobain verwendet. Als Substrat für die Herstellung von ko-verdampften CIGS wurde
2 mm dickes Kalk-Natron-Glas „Planiclear“ verwendet. Es wurden Substratgrößen von 100
x 100 sowie 50 x 50 mm2verwendet. Alle Substrate wurden in einer industriellen Glas-
Reinigungsmaschine (Miele Professional G 7883 CD) gereinigt. Für die TCO-Optimierung
direkt auf Glas, wurden ebenfalls 3 mm dickes white diamond“-Glas (AZO-Schichten) und
1.1 mm dickes Eagle XT (MAZO- und IZO-Schichten) der Firma Corning verwendet.
Rückkontakt
Als Rückkontakt wurde Molybdän per DC-Sputterprozess in der Sputteranlage A600V7 von
Leybold Optics (genannt „LOS2“) aufgetragen. Aufgrund der Eigenschaften wie ther-
mischer Ausdehnungskoeffizient, Haftung, Schmelzpunk, Leitfähigkeit und die Bildung von
MoSe2ist Molybdän bis heute das Material, das als Rückelektrode in der CIGS-Technologie
verwendet wird. Hier können entweder reines Molybdän (99.99%) und Natrium-dotiertes
Molybdän (Mo:Na) von je einem Planartarget abgeschieden werden. Die Molybdänschichten
haben eine Schichtdicke von ca. 800 nm.
CIGS-Herstellung per sequenziellem Prozess
Bei der sequenziellen Abscheidung werden auf das Molybdän-beschichtete Substrat ab-
wechselnd metallische Schichten aus Indium und einer Kupfer-Gallium-Legierung per dc-
Sputtering abgeschieden. Dieser Schichtstapel (Precursor) wird anschließend in einem zweiten
Schritt in einem Selenisierungsofen unter Selen-Atmosphäre schnell aufgeheizt (rapid thermal
processing, RTP) und zu CuInGa(Se)2(CIGS) synthetisiert. Dabei werden typischerweise Se
oder H2Sals reaktive Gase verwendet. Die CIG(S, Se)2-Absorber wurden ebenfalls am PV-
comB in einem Ofen der Firma Smit Thermal Solution (vorher Smit Oven) hergestellt.
Der Prozess am PVcomB wurde unter anderem in den Arbeiten von Sebastian Schmidt [158]
und Humberto Alvarez [159] beschrieben. Diese Methode ist im Vergleich zur thermischen Co-
Verdampfung sehr schnell (unter 60 Minuten) und deshalb für die Herstellung kostengünstiger
und effizienter Solarzellen interessant.
CIGS-Herstellung per Co-Verdampfung
Eine weitere Abscheidungsmethode für CIGS-Absorber ist die Co-Evaporation in einem 3-
Stufen-Prozess in einer Verdampfungsanlage. Dort wurden Cu, In, Ga und Se separat über
48
3.3. Herstellung der CIGS-Solarzellen
Widerstandsheizer in die Gasphase überführt und auf dem Substrat kondensiert. Eine genaue
Beschreibung des Prozesses und der Anlage sind unter anderem in der Arbeit von Marc
Heinemann zu finden [160].
In einer ersten Phase werden Indium, Gallium und Selen bei ca. 330 Cabgeschieden.
In einer zweiten Phase werden Kupfer und Selen bei >500 Caufgedampft (kupferreich).
Zusätzlich kann ein Galliumgradient eingestellt werden, der ein verbessertes Band-lineup
erlaubt. In einer dritten Phase wird dann kupfer-arm gearbeitet.
Fensterschichten
Die Abscheidebedingungen der Fensterschichten (Puffer, hochohmige Schicht, niederohmige
Schicht) werden hier kurz wiedergegeben. Als Puffermaterial sind Cadmiumsulfid (CdS) und
dotiertes Zink-Magnesium-Oxid (ZMO) zur Anwendung gekommen.
CdS wird mittels chemischer Badabscheidung (engl. chemical bath deposition, CBD)
aufgebracht. Beim CBD-Prozess am HZB werden die CIGS Absorber in eine Lösung
aus NH3, Cd-Acetat und Thiourea getaucht und auf Temperaturen zwischen 45 und
65 °C erwärmt. Die resultierende CdS-Schichtdicke beträgt ca. 60 nm.
Als lateral stromführende Frontelektrode wird in der CIGS-Technologie überwiegend eine
Doppelschicht (hochomig und niederohmig) verwendet:
Die hochohmige Schicht (high resistiv layer, HRL) aus intrinsischem Zinkoxid (i-ZnO) hilft
bei der Reduzierung der schädlichen Wirkung von „Pin-holes“ und dem Effekt der schwachen
Dioden [161]. Einige Absorber wurden ohne diese Schicht prozessiert.
Intrinsisches Zinkoxid wurde per Radio-Frequenz-Magnetron-Sputtern (RFMS) an der
Sputteranlage Von Ardenne Analgentechnik VISS300 von einem keramischen
ZnO-Target bei Raumtemperatur abgeschieden. Der Prozessdruck beim RFMS liegt
bei 8 Pa. Es wurde in einer reinen Argon-Atmosphäre gesputtert. Es haben sich für
sequenzielle und evaporierte Absorber Schichtdicken von ca. 130 bzw. 40 nm als erfolg-
reich gezeigt.
Als niederohmige transparente Frontelektrode (low resistive layer, LRL) wurde größtenteils
Aluminium-dotiertes Zinkoxid (AZO) und Indium-Zink-Oxid (IZO) verwendet. AZO wurde
in drei verschiedenen Sputteranlagen abgeschieden:
1. Die Referenz-AZO-Schichten (Baseline, BL) für die Baseline-Prozesse wurden mit Hil-
fe der Von Ardenne Analgentechnik VISS300 von einem planaren AZO-Target
(1.5wt.% Al2O3) per RFMS abgeschieden. Die nominelle Substrattemperatur beträgt
165 °C. Der Prozessdruck liegt bei 1.6 Pa. Die Schichtdicken liegen für Zellen mit
RTP-Absorbern bei Schichtdicken von ca. 330 nm und für Zellen mit co-verdampften
Absorbern bei ca. 150 nm mit Schichtwiderständen von 38 und 85 @.
2. co-dotierte und nicht co-dotierte AZO-Schichten wurden am PvcomB in der Sputter-
anlage A600V7 der Firma Leybold Optics (genannt „LOS1“) abgeschieden. Der Ab-
49
3. Experimentelle Methoden
scheideprozess für das serielle Co-Sputtern wurde auf dieser Anlage entwickelt. Die
Prozessparameter und -entwicklung werden in Kapitel 3.4.1 gesondert behandelt.
3. Magnesium-dotiertes AZO und Indium-Zink-Oxid wurden an der Sputteranlage
ZVL1000 (Fa. Systec) des Institutes für Oberflächentechnik IOT der TU
Braunschweig am Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST abge-
schiedenen. Die Entwicklung des seriellen Co-Sputter-Prozesses an dieser Anlage war
ein Hautbestandteil dieser Arbeit und wird in Kapitel 4.2 gesondert behandelt. 4
Frontmetallgitter
In CIGS-Modulen wird der Strom typischerweise in einer Serienverschaltung über das TCO
zu den Kontakten geführt. Um den erzeugten Strom in Solarzellen besser zu den Kontak-
ten zu bringen und dort zu sammeln, wird auf das TCO noch ein metallisches Gitter aus
Schichten von Nickel und Aluminium per Elektronenstrahlverdampfung aufgebracht. In einer
Creamet 400-Anlage (Fa. Creavac) wurde eine Dreifach-Schicht aus Ni-Al-Ni (150-2700-150
nm) auf das TCO durch Masken hindurch abgeschieden. Das Gitter schattiert etwa 3% der
Solarzellenfläche (gemessene Fläche der Solarzellen 0.97±0.03 cm2, Grid-Fläche 2.998±0.01
mm2) ab. In dieser Arbeit wurde das etablierte Gitter verwendet.
Zellteilung und -strukturierung
Die einzelnen Solarzellen auf jedem Substrat wurden mechanisch per Nadel-Ritz-Gerät am
PVcomB definiert. Auf einem 50 x 50 mm2großen Substrat entstehen so 15 Zellen, sowie
ein zusätzlicher Gitter-freier Bereich zur Reflexionsmessung. Die so entstandenen Solarzellen
haben eine Fläche von 0.97±0.03 cm2. Der Rückkontakt wird außerhalb der Zellen mechanisch
freigekratzt und mit Indium per Lötprozess definiert.
3.4. Experimenteller Aufbau der Sputteranlagen zur Herstellung
co-dotierter Schichten
Die Untersuchung des seriellen Co-Sputterns und die Herstellung der TCO-Schichtsysteme er-
folgte an zwei Beschichtungsanlagen, die im Rahmen dieser Arbeit für das serielle Co-Sputtern
angepasst wurden. Die eine Beschichtungsanlage befindet sich am PVcomB in Berlin und wur-
de ohne Gasraumtrennung (A600V7, Fa. Leybold Optics) betrieben. Die zweite Anlage steht
in Braunschweig und wurde mit einer Gasraumtrennung (ZVL1000, Fa. Systec) betrieben.
Die Erarbeitung, Optimierung und Umsetzung dieser Gasraumtrennung ist Teil dieser Arbeit
und wird gesondert beschrieben.
4Da diese Anlage am Fraunhofer IST in Braunschweig steht, mussten die vorgefertigten Solarzellen ver-
schweißt dorthin transportiert werden und nach erfolgter Abscheidung wieder nach Berlin zur Endfertigung
gebracht werden. Durch diese Prozedur erzeugte Schäden (durch Erschütterungen, Feuchtigkeit, Kratzer,
etc. ) sind nicht gänzlich auszuschließen.
50
3.4. Experimenteller Aufbau der Sputteranlagen zur Herstellung co-dotierter Schichten
Abbildung 3.1.: Schematische Darstellung der in dieser Arbeit verwendeten vertikalen in-line Beschichtungs-
anlage A600V7 für die Abscheidung von ZnO:Al-Schichten. Die Anlage verfügt über 2 Kammern für Magne-
tronprozesse (P1 und P2) und einer Ladekammer (Schleuse, L1). Über das Magazin (M1) können mehrere
Carrier geladen werden und einzeln dem Prozess zugeführt werden. In der P1 wurde das serielle Co-Sputtern
umgesetzt. (B1 und B2 sind prozessnotwendige Kammern für die Pendelbewegung des Carriers).
3.4.1. Experimenteller Aufbau der Sputteranlage A600V7
Für die Untersuchung des seriellen Co-Sputterprozess ohne Gasraumtrennung ist ein Umbau
des Sputtermoduls an der bestehenden vertikalen In-line Sputteranlage A600V7 am PVcomB
in Berlin umgesetzt worden. Eine schematische Darstellung ist in Abbildung 3.1 gezeigt. Die
Anlage kann Substrate der Größe von 300 x 600 mm2auf Carriern beschichten.
Aufbau der Beschichtungsanlage
Die Anlage besitzt ein Carrier-Magazin (M1) für die Aufnahme von bis zu 6 Carriern. So war
es möglich, in einem Prozess TCOs auf Absorber und Zeugengläser5abzuscheiden. Kleine-
re Substrate (Gläser oder Absorber) wurden auf größere Dummy-Gläser per Kapton-Band
geklebt und auf dem Carrier fixiert. Durch eine Schleuse wird das Substrat dann in die La-
dekammer (L1) transportiert. Dort kann das Substrat mit Spiralheizern auf eine Temperatur
von bis zu 300 Caufgeheizt werden. In der L1 wird dann der Druck soweit abgesenkt, dass
dieser im Bereich von 104mbar liegt. Nachdem der Druck und die gewünschte Haltedauer
für das Erwärmen des Substrates erreicht ist, wird das Substrat in die Zwischenkammer B1
transportiert6. Dort kann das Substrat über Widerstandsheizer rückseitig erwärmt werden.
Anschließend kann das Substrat auf dem Carrier in die Prozesskammern 1 oder 2 gefahren
werden. Die Steuerung erfolgt per Prozesssteuerungssoftware von Leybold Optics. Da die
Anlage über einen zweipoligen Generator verfügt, können alle Targets einzeln angesteuert
werden. Für die Leistungsversorgung der Targets stehen als Generatoren ein Advanced Ener-
gy Pinnacle+und ein Advanced Energy Pinnacle zur Verfügung. Der Pinnacle+kann mit
5Zeugengläser werden in nächster Nähe zu den nicht transparenten Substraten positioniert und mitbeschich-
tet. Diese können dann optisch und elektronisch untersucht werden, um mögliche Prozessschwankungen zu
detektieren.
6Innerhalb der Versuche kam heraus, dass die Haltedauer bis zum gewünschten Prozessdruck stark variieren
kann und dadurch bei Aufheizprozessen für CIGS-Solarzellen thermisch induzierte Veränderungen auftreten
können.
51
3. Experimentelle Methoden
einer Frequenz zwischen 10 und 350 kHz bipolar gepulst werden. Die Länge der Pulspausen
tpkann variabel eingestellt werden. In dieser Arbeit wurde das keramische AZO-Rohrtarget
immer gepulsed und das Aluminiumrohrtarget in reinem DC-Modus angesteuert7. Das AZO-
Rohrtarget konnte ab einer Frequenz von 40 kHz und einer Pulszeitpause von 1.2 µs arc-
frei betrieben werden. Die fixen Prozessparameter sind in Tabelle 3.1 zusammengefasst. Die
Tabelle 3.1.: Depositionsparameter für die Untersuchung des seriellen Co-Sputterprozesses von AZO-Schichten
mithilfe eines AZO- und Aluminiumrohres.
Target-Substrat-Abstand dst 90 mm
Targetmaterial Primärtarget (PT) ZnO :Al2O3; 1wt%
Targetmaterial Sekundärtarget (ST) Al; 3N5
dc-Puls-Frqequenz an PT f 40 kHz
Pulszeit tp1.2 µs
Entladeleistung (PT) PAZO 2 kW (3.1 kW/m)
Anlage besitzt zwei Prozesskammern. Die erste Kammer (P1) beinhaltet zwei benachbarte
Magnetrons als ein Doppelrohr-Kathoden-System. Die Rohrtargets haben einen Durchmesser
von etwa 151 mm und eine Länge von 650 mm8. In dieser wurde das neue Co-Sputter-Konzept
umgesetzt. Der Gaseinlass in der Kammer erfolgt an den jeweiligen Außenblechen über mon-
tierte Gaseinlass-Lanzen. Durch diese werden die Prozessgase zusammen eingelassen. Es sind
zum einen reines Argon und ein Argon-Sauerstoff-Mischgas (O2/(O2+Ar)= 1 : 10) über Mass-
Flow-controler (MFC) in den Prozessraum zuführbar. Das Gas wird noch vor dem Einlass
gemischt. Der Druck wird über die eingelassene Gasmenge eingestellt. Die Prozesskammern
und die Ladekammer besitzen jeweils Turbomolekularpumpen (TMP). So wurde ein Basis-
druck von bis 6×107mbar erreicht. Die Deposition der Schichten wurde im in-line Betrieb
durchgeführt.
Während der Abscheidung wurde der Carrier unter dem Target dynamisch vor- und zu-
rückgefahren (oszilliert). Bei der hier verwendeten Anlage werden die Substrate vertikal am
Target vorbeigefahren9. Auf Grund dieser dynamischen Abscheidung der Schichten ist die
Abscheiderate von der Vorschubgeschwindigkeit vcdes Carriers abhängig. Die Schichtdicke
ist umgekehrt proportional zur Geschwindigkeit des Carriers. Man definiert eine dynamische
Abscheiderate ad:
ad=vc·d(3.3)
wobei d die Dicke der resultierenden Schicht ist. Da die Substrate sich mit konstanter Ge-
schwindigkeit an den Targets vorbei bewegen, wird das Substrat entlang des Transportweges
homogen mit einer konstanten Dicke beschichtet. Da die Kathoden in ihrer Breite endlich
sind, muss für dickere Schichten mehrmals an einer Kathode vorbeigefahren werden. Dies
geschah an der A600V7 durch ein Pendeln (Oszillieren) des Carriers vor der Kathode. So
konnte die Schichtdicke mithilfe der Leistung am Target, der Carriergeschwindigkeit sowie
7Das AZO-Target zeigte im DC-Modus sehr starke Tendenzen zum Arcing.
8Dies ergibt eine Mantelfläche von rund 3083 cm2.
9Die Carrier sind leicht nach hinten geneigt, damit die Substrate im Prozess nicht herunterfallen. Trotzdem
wurden alle Substrate zusätzlich per Kapton am Carrier fixiert.
52
3.4. Experimenteller Aufbau der Sputteranlagen zur Herstellung co-dotierter Schichten
Tabelle 3.2.: Prozessparameter für die Versuche an der A600V7 für optimierte AZO-Schichten ohne SCS, die
SCS-Serie mit einer Sauerstoffvariation zur die Ermittlung des kritischen Sauerstoffanteils und eine SCS-Serie
mit einer Leistungsvariation am Sekundärtarget.
Parameter Einheit Referenz SET1 O2V ariation SET2 PSK V ariation
Nennschichtdicke nm 300
Oszillationen - 6
Tdepo °C 165
PPT kW 2.0
pµbar 2.6
qAr+qAr,O2sccm 269
qAr,O2sccm 13 13, 27, 28, 29, 33, 40 28
PSK kW 0.0 0.4 0.0, 0.4, 0.6, 0.8, 1.1
der Anzahl an Oszillationen eingestellt werden. Daneben haben Sauerstoffpartialdruck und
Substrattemperatur einen Einfluss auf die Abscheiderate.
Für das serielle Co-Sputtern musste die Anlage modifiziert werden. Die Ergebnisse der Um-
baumaßnahmen sind im folgenden Abschnitt gezeigt. Die Prozessparameter für die Abschnitte
4.1.2, 4.1.4 und 4.2.5 sind in Tabelle 3.2 angegeben.
Modifizierung der Beschichtungsanlage A600V7
In vorherigen Abschnitt wurde die Grundkonfiguration der Anlage A600V7 beschrieben. Im
Urzustand sind beide Magnetsätze der Rohrkathoden (Aluminium und AZO) so ausgerichtet,
dass das zerstäubte Material senkrecht in Richtung Substrat gelangt. Einen Vorteil der hier
verwendeten Anlage A600V7 stellen die beiden drehbaren Magnetbars der Rohrmagnetrons
dar. So kann die Magnetbar - und damit das Magnetfeld - in Richtung der zweiten Rohr-
kathode gedreht werden. Die Rohraufnahme erlaubt eine Positions-Fixierung bei 0, 120 und
240°mit Untereinstellungen von je 15°in jede Richtung. Es ist keine exakte Drehung um
90°in Richtung des zweiten Haupttargets möglich. Es wurde die nächstmögliche Stellung
von 105°gewählt. Mit dieser Einstellung ist es möglich, das eine zylindrische Target mit
dem gedrehten Magnetsatz als Hilfstarget für das Primärtarget zu nutzen und einen seriellen
Co-Sputter-Prozess zu etablieren. Zum Schutz beider Targets vor zu großer Sekundär- oder
Querkontamination wurde die Idee einer Blende von Belkind [15] aufgegriffen und ein neu-
es Blech als Blende konstruiert und gefertigt. Die neue Blende hat mehrere Funktionen zu
erfüllen:
Schutz der Kammerwände und Substrate vor erhöhter Sekundär- oder Querkontamina-
tion (Partikelablagerung) durch das Hilfstarget
Einstellbare Reduzierung der Partikelmenge, die vom Hilfstarget auf das Haupttarget
trifft (da es eine Mindestleistung für den ordnungsgemäßen Betrieb solcher Targets gibt,
muss eine zu hohe Dotierung des Haupttargets verhindert werden können)
Einen raschen, zerstörungsfreien Rückbau gewährleisten, so dass die Targets wieder
einzeln benutzt werden können.
53
3. Experimentelle Methoden
Abbildung 3.2.: Fotos der Trennwand. Die linke Abbildung zeigt die Blende im Urzustand. Auf der mitt-
leren Abbildung sieht man die aufgeklappte Modultür und die beiden Rohrtargets. Die Blende liegt um das
Sekundärtarget und hat einen geöffneten Shutter. Die Gasverteiler liegen am äußeren Rand der Modultür.
Rechts ist ein Schema des Konzeptes dargestellt.
Die erzielte Lösung ist ein L-förmiger Raumtrenner mit Shutter. Dieser ist in Abbildung 3.2
links einzeln sowie im eingebauten Zustand zu sehen. Der Raumtrenner wurde so konzipiert,
dass er nur an den Aufnahmepunkten der alten Trennwand angebracht werden muss und
an der Wandseite zum Haupttarget hin eine Öffnung aufweist. Diese Öffnung in Kombinati-
on mit einem manuell per Schraubverbindung verstellbaren Trennschieber (Shutter-Blende)
dient zur Reduzierung des Partikelflusses vom Hilfstarget zum Haupttarget. So ist es mög-
lich, die Dotierung des Haupttargets nicht nur durch die Leistung am Hilfstarget zu regeln
sondern auch per Schlitzöffnungsbreite. Als Material wurde 6 mm dickes Aluminium gewählt,
da es leicht, kostengünstig, einfach bearbeitbar, unmagnetisch, hitzebeständig und vakuum-
tauglich ist. Die Abmaße des Öffnungsschlitzes sind 50 x 500 mm2. Das Konzept bedingt,
dass sich das Prozessgas im ganzen Raum ausbreiten kann. Somit ist keine Trennung des
metallischen Targets vom Sauerstoff möglich. Das Konzept ist schematisch in Abbildung 3.2
rechts dargestellt.
Nach der Umsetzung der baulichen Maßnahmen musste die Steuerung adaptiert werden.
Die Software erlaubt eine separate Ansteuerung der einzelnen Targets und so auch die Re-
gelung eines seriellen Co-Sputterprozesses. Als Primärtarget (PT)wurde ein gesintertes ke-
ramisches ZnO :Al2O3-Target (AZO) der Firma GFE verwendet. Die Dotierung wird mit
einem Gewichtsprozent an Al2O3in ZnO angegeben10. Als Hilfstarget oder Sekundärtarget
(ST) wurde das metallische Aluminium-Target verwendet.
Mit dieser so entwickelten Konfiguration ist es möglich, per seriellem Co-Sputterprozess die
Aluminiumdotierung (und potentielle Ladungsträgergenerierung der TCOs) über die Grund-
dotierung des AZO-Targets hinaus zu erhöhen. Es sei zu erwähnen, dass die Ansteuerung nur
leistungsgesteuert und nicht spannungs- oder partialdruckgeführt erfolgen konnte.
10Moderne keramische AZO-Targets von 0.5 Gewichtsprozent Al2O3oder mehr lassen sich aufgrund einer
guten Leitfähigkeit bereits mittels DC-Verfahren sputtern.
54
3.4. Experimenteller Aufbau der Sputteranlagen zur Herstellung co-dotierter Schichten
Abbildung 3.3.: Schema der modifizierten in-line Sputter-Anlage mit Gasraumtrennung.
3.4.2. Experimenteller Aufbau der Sputteranlage ZVL1000
Die Ergebnisse der Untersuchungen an der Beschichtungsanlage ohne Gasraumtrennung führ-
ten zu dem Schluss, dass beim seriellen Co-Sputtern eine Gasraumtrennung von Vorteil ist.
Diese war an der gleichen Anlage nicht umsetzbar und so wurde am Fraunhofer Institut für
Schicht- und Oberflächentechnik an einer zweiten Sputteranlage ein Prozess mit Prozess-
raumtrennung konzeptioniert, eine neue Kammer gefertigt und in Betrieb genommen. Der
Prozess wurde durch Simulationen der Gasverteilungen unterstützt. Nachdem die Modellie-
rung und Fertigung des neuen Co-Sputtermoduls abgeschlossen waren, konnte die Anlage
umgebaut und die ersten Tests durchgeführt werden. Ausgangspunkt in der Konzeption soll-
te die ZVL1000 der Firma Systec sein. Diese ist eine vertikale in-line Sputteranlage mit einer
Schleuse (L1), 2 Beschichtungskammern (Prozesskammer P1 und P2) und einer Haltekammer
(P3) für mögliche Analyseeinbauten. Eine Skizze der Anlage ist in Abbildung 3.3 gezeigt. Die
Schleuse kann getrennt von den anderen Kammern evakuiert oder geflutet werden und dient
der Ein- und Ausschleusung der Substrate. Das Substrat selbst wird mit einem Substrathalter
auf einem Carrier befestigt. Der Carrier kann mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in die
anderen Kammern gefahren werden. An die Schleuse, Prozesskammer 1 und 2 ist jeweils eine
Turbomolekularpumpe angeschlossen. In die Prozesskammer 2 und die Haltekammer wur-
den nachträglich Spiralheizer installiert und diese können das Substrat von der Rückwand
aus auf etwa 250 Caufheizen. Die Ansteuerung erfolgt über einen eigenen Computer samt
Firmensoftware. Es ist jedoch auch möglich, die Generatoren manuell anzusteuern.
Der Pumpstand besteht aus einem Vorpumpenstand und Hochvakuumpumpen. Der Vor-
pumpstand besteht bei der ZVL aus einer Wälzkolbenpumpe und einer Drehschieberpumpe.
Die Hochvakuumpumpen sind 3 TMP 1100C (Fa. Leybold). Eine für die Schleusenkammer
und 2 für die Prozesskammern (je eine in Modul 1 und 2). Für die TMP 1100C gilt für Argon
bei pHV 103mbar ein Saugvermögen von ca. Argon 980 l·s1. Zwischen Rezipient und
Pumpe befinden sich verjüngende Bauteile und Trennschieber, die die effektive Saugleistung
vermindern.
55
3. Experimentelle Methoden
Für die Umsetzung der seriellen Co-Sputter-Einheit wurde die Prozesskammer 2 (Modul)
verwendet. Die vorhandene Modultür mit zusätzlicher Sekundärkathodenaufnahme wurde
durch eine neue eigens entwickelte Modultür ersetzt. Als wesentliches Ergebnis dieser Arbeit
wird auf die Idee, die Simulationsergebnisse und verwendeten Komponenten in Kapitel 4.2
genauer eingegangen.
56
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
In diesem Kapitel werden die Ergebnisse zu den Entwicklungen und Untersuchungen des
seriellen Co-Sputterns dieser Arbeit vorgestellt und diskutiert. Ziel ist es, einen flexiblen
Sputterprozess zu entwickeln, mit dem die Limitierung durch die fixe Dotierung der Targets
behoben werden kann. So sollten TCO-Schichtsysteme weiterentwickelt werden, um diese als
Frontkontakt in CIGS-Solarzellen verwenden zu können. Die Entwicklungen erfolgten in zwei
Schritten:
Der erste Schritt war die Umsetzung eines seriellen Co-Sputterprozesses ohne Gasraum-
trennung an einer in-line Sputteranlage A600V7. In der modifizierten Beschichtungsanlage
wird mittels seriellem Co-Sputtern in Doppelrohr-Konfiguration aus AZO und Aluminium
unterschiedlich stark dotiertes AZO abgeschieden.
Die erkannten Probleme dieses Prozesses an der ersten Anlage führten zur Entwicklung
eines zweiten seriellen Co-Sputter-Prozesses mit Gasraumtrennung an einer zweiten Anlage.
Dabei konnte das Prinzip durch numerische Simulationen verbessert und erkannte Probleme
gelöst werden. Dies ermöglichte Zugang zu weiteren TCOs mit veränderten Dotierstoffen.
Zu Beginn wird serielles Co-Sputtern mit einem AZO- und Mg-Target umgesetzt. Die in
der Anlage hergestellten Magnesium-dotierten AZO-Schichten werden untersucht und die
Ergebnisse werden vorgestellt. Um das Potential der Anlage auszuschöpfen, lag ein weiterer
Fokus auf der Etablierung und Untersuchung eines reaktiven Abscheideprozesses von zwei
metallischen Targets. Indium-Zink-Oxid-Schichten (IZO) wurden mit Hilfe von Indium und
Zink hergestellt.
Um die Wirkung der Prozesse und TCO-Schichtsysteme AZO, MAZO und IZO in der
Solarzelltechnologie zu untersuchen, wurden diese in die CIGS-Technologie überführt. Das
Kapitel setzt sich somit aus vier Abschnitten zusammen: Das serielle Co-Sputtern ohne Gas-
raumtrennung und mit Gasraumtrennung, der Vorstellung von co-dotierten TCOs mit Gas-
raumtrennung sowie die Anwendung der Schichten in der CIGS-Technologie.
57
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Um Zusammenhänge zwischen den Anlagen- und Prozessparametern und dem seriellen Co-
Sputterprozess zu untersuchen, wurde zuerst eine in-line Sputteranlage A600V7 modifiziert.
Die Überlegungen zur Umrüstung werden am Anfang dieses Kapitels in Abschnitt 4.1.1 er-
läutert. Das Hauptziel der Modifizierung ist es, die Möglichkeit zur Veränderung der Kon-
zentration des Dotierstoffs Aluminium in den AZO-Schichten zu schaffen, um diese später
als transparente und leitfähige n-Frontkontakte in der CIGS-Technologie einzusetzen. Ab-
hängig vom Sauerstoffmischgasfluss zeigen sich Prozessinstabilitäten (vgl. Abschnitt 4.1.2),
die anhand der veränderten Targetspannungen aufgezeigt werden. Dies wirkt sich auf die
Eigenschaften der TCOs aus (vgl. Abschnitt 4.1.3).
Die Wirkung des neuen Prozessparameters Leistung an der Sekundärkathode auf die struk-
turellen, elektrischen und optischen Eigenschaften der resultierenden AZO-Schichten wird
untersucht (vgl. Abschnitt 4.1.4).
Danach wird auf den Parameter Schichtdicke der AZO-Schichten eingegangen, um die
Effizienz einer Solarzelle optimieren zu können (vgl. Abschnitt 4.1.5).
Die hier vorgestellten Ergebnisse stellen keine vollständige Untersuchung des komplexen
Parameterraumes beim Sputtern dar.
4.1.1. Untersuchung des seriellen Co-Sputter-Prozesses
Ziel der ersten Untersuchungen war die Auslotung der Grenzen des Systems im seriellen
Co-Sputterprozess. Aufgrund der Erfahrungen des Autors mit der Anlage wurden die Pro-
zessparameter so gewählt, dass als Ausgangswert eine übliche transparente und leitfähige
AZO-Schicht aufwachsen kann. Durch das serielle Co-Sputtern an der modifizierten A600V7
sind die Hauptprozessparameter für die Optimierung von TCOs in Anwendung auf CIGS-
Solarzellen von 4 auf 5 erweitert:
Abscheidetemperatur T
Prozessdruck p
Sauerstoff-Argon-Mischgasfluss qAr,O2
Leistung am Haupttarget PP T und
Leistung am Sekundärtarget PST (neu, Einfluss auf Dotierung)
Weitere (neue) Änderungen im Prozess sind über Variationen der Shuttereinstellung möglich1.
Alle Prozessparameter üben gleichzeitig Einfluss auf den Sputterprozess aus und daher ist
die Optimierung des Prozessfensters sehr komplex. Dennoch haben sich durch Untersuchun-
gen bestimmte Prozesskorridore herausgebildet, bei den TCOs mit für Solarzellen geeigneten
Eigenschaften abgeschieden werden können. Bei CIGS-Absorbern zeigen sich bei Abscheide-
temperaturen von über 200 CDegradationserscheinungen [162]. Aufgrund der thermischen
1Aufgrund einer dafür nötigen Kammeröffnung wird eine Kontamination des Rezipienten verursacht und
daher wurde dies nur sehr selten geändert.
58
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Empfindlichkeit der CIGS-Absorber aus der Baseline wurde die Abscheidetemperatur auf
165±10 °C reduziert2.
Es wurden hauptsächlich zwei Prozessparameter - der Sauerstoff-Argon-Fluss qAr,O2und
die Leistung am Sekundärtarget PST - variiert und deren Einfluss auf die chemischen, struk-
turellen, optischen und elektrischen Eigenschaften der TCOs untersucht. In einer Vorunter-
suchung zur Bestimmung der Homogenität der Schichten entlang der vertikalen Achse auf
300 x 300 mm2Substraten wurde festgestellt, dass das Plasma am AZO-Target im oberen
Bereich besonders stark ausgebildet ist3. Dies wurde auch durch die Schichtdickendifferenz
der abgeschiedenen TCOs bestätigt. Die gemessene Schichtdicke stieg entlang der Vertikalen
nach oben hin um circa 12% an4. Innerhalb der Horizontalen ist keine nennenswerte Abwei-
chung der Schichtdicke oder Aluminiumkonzentration aufgetreten (Abweichung < 1%). Aus
diesem Grund wurden alle folgenden Substrate auf der mittleren Position auf den Carriern
positioniert und als Substratgröße maximal 100 x 100 mm2gewählt.
Für den seriellen Co-Sputter-Prozess wurde am AZO-Primärtarget (PPT )eine Leistung
von 2000 W festgelegt. Diese konservative Parameterauswahl (3.1 kW/m) sollte eine zu starke
Belastung des AZO-Targets verhindern5. Da der co-dotierungsprozess mit der entwickelten
„L-Blende“ noch völlig unbekannt war, wurden die ersten Untersuchungen mit einer niedrigen
Leistung am Sekundärtarget unternommen. Als Anfangsleistung wurde am Al-Target eine
niedrige Leistung (PST ) von 300 W gewählt. Es stellte sich heraus, dass das Plasma bei dieser
Leistung sehr instabil ist und zu einem nicht reproduzierbaren Prozess führte. Dies ist auf eine
unzureichende Erzeugung von Sekundärelektronen zurückzuführen und der selbsterhaltende
Effekt der Glimmentladung ist noch nicht voll ausgebildet. Nachfolgende Versuche zeigten
eine Stabilität des Sputterprozesses ohne Arcs und Plasmaunterbrechungen ab etwa PST =
400 W.
In einer Serie von Voruntersuchungen zeigte sich, dass der Sauerstoffanteil im Prozessgas
einen wesentlichen Einfluss auf den Prozess und die resultierenden Schichteigenschaften hat:
Für niedrige Sauerstoffflüsse wurde kaum ein Einfluss auf den seriellen Co-Sputterprozess
festgestellt und dem Primärtarget konnte der Dotierstoff von einem metallischen Target
zugeführt werden.
Bei sehr hohen Sauerstoffanteilen im Prozessgas zeigten sich jedoch besondere Prozess-
änderungen, die Auswirkungen auf die Dotierung der resultierenden Schichten hatten.
Es war zu vermuten, dass ab einem bestimmten Sauerstoffanteil im Prozessgas das metallische
Aluminiumtarget in den oxidierten Modus übergeht (vergiftet ist) und sich die Sputterbedin-
2Versuche mit 220°C führten zu besseren Eigenschaften der TCOs, jedoch sank die Effizienz der Solarzellen
bei über 160 °C ab.
3Erkennbar durch ein intensiveres Leuchten.
4Der Grund für diese Asymmetrie konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Es zeigte sich ein optisch hel-
leres Leuchten des Plasmas im oberen Bereich der Kammer in der Nähe der Laufrollen des Carrier-
Transportsystems. Auch nach mehrmaliger Reinigung zur Unterdrückung von parasitären Stromflüssen
stellte sich kein verbessernder Effekt ein.
5Bei Zylinderrohren geben die Targethersteller die Leistungsdichte pro Meter Rohrlänge an. In der Industrie
sind bis zu 10 kW/m genutzt
59
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
gungen am Sekundär- und prozessabhängig auch am Primärtarget ändern. Der These wurde
mit dem nachfolgenden Versuch nachgegangen.
4.1.2. Einfluss des Reaktivgases auf den seriellen Co-Sputter-Prozess
In diesem Versuch werden die Leistungen für das AZO-Target (PPT )und Aluminium–Target
(PST )bei 2.0 und 0.4 kW konstant gehalten und das Sauerstoffangebot variiert (Run 1 bis
6). Eine Veränderung der Argon-Mischgas-Durchflussrate qAr,O2führt zu der gewünschten
Variation des Sauerstoffangebotes in der Kammer. Die Prozessparameter sind als „SET1“ in
Tabelle 3.2 in Abschnitt 3.4 aufgelistet.
Mit der Veränderung des Sauerstoffanteils in der Anlage wurde eine Änderung der Tar-
getspannung festgestellt. Da die Ergebnisse auf eine steigende Vergiftung des metallischen
Targets bei zu starker Sauerstoffzufuhr hindeuten, wurden die gemessenen Spannungs-Daten
der Targets an der Anlage zum Vergleich ausgewertet. In Abbildung 4.1 links sind die Target-
spannungen der Primär- und Sekundärkathode während eines Prozesstages gezeigt, bei dem
die Sauerstoffmischgasmenge (qAr,O2in Standardkubikzentimeter angegeben) variiert wurde.
Zuerst wurde der Carrier in die Kammer B1 gefahren. Danach wurde das AZO-Target gezün-
det und ca. 2 Minuten ohne Sauerstoff betrieben. Dann wurde das Al-Target gezündet und
der Sauerstoff zugeführt6. Nach nochmaligen 60 Sekunden Wartezeit wurde der Carrier zur
Beschichtung in Prozesskammer P1 gefahren.
Es zeigt sich eine Abhängigkeit beider Targetspannungen von der zugeführten Menge an
Sauerstoff-Mischgas-Fluss (qAr,O2). Der erste Prozess (Run1) wurde ohne Leistung am Sekun-
därtarget (Aluminium) gesputtert („Einsputtern“ AZO). Die durchschnittliche Brennspan-
nung des AZO-Targets liegt bei circa 350±5V. Für alle Prozesse mit zugeschaltetem Al-
Target reduziert sich die Spannung des Primärtargets nur sehr wenig. Das Aluminiumtarget
weist in dieser Konfiguration bei geringen qAr,O2von 13 und 27 sccm eine Brennspannung von
298 bis 300 V7und bei einer zu hohen Sauerstoffzufuhr (40 sccm) einen deutlich reduzierten
Wert der Brennspannung auf, in dem vorliegenden Fall bei knapp 252 V. Es war zu vermuten,
dass zwischen diesen Werten (13 und 40 sccm) eine starke Änderung im Prozess stattfinden
muss. Daher wurde die Sauerstoffzufuhr anschließend stetig reduziert. Für 33 und 29 sccm
stiegt sie Spannung am Al-Target nur marginal an. Während bei qAr,O2= 29 sccm die Span-
nung noch bei 252 V liegt, ist bei qAr,O2= 28 sccm ein ganz deutlich verzögertes Ansteigen
der Brennspannung auf den Ursprungswert (297 V) zu erkennen. Bei dieser Prozesskonfigura-
tion und Temperatur ist bei den Werten für qAr,O2= 27, 28 und 29 sccm ein Übergangspunkt
beobachtet worden. Zur besseren Vergleichbarkeit sind die Prozess-Spannungen noch einmal
separat in Abbildung 4.1 rechts sekundenabhängig dargestellt.
6Es sei zu erwähnen, dass das Al-Target bei zu hohen Sauerstoffangeboten nicht gezündet werden kann, aber
die hier gezeigte Verfahrensweise erwies sich als reporduzierbar.
7Es ist beim Zündvorgang kurzeitig ein Wert von 250 V zu erkennen
60
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
10:00 12:00 14:00 16:00 18:00
0
100
200
300
400
AZO-Target
Al-Target
Uhrzeit
SpannungAZO / V
0
100
200
300
400
SpannungAl / V
13 sccm
27 sccm
40 sccm
33 sccm
29 sccm
28 sccm
0 50 100 150 200 250 300
220
230
240
250
260
270
280
290
300
SpannungAl-Target / V
Zeit / sek
27 sccm
29 sccm
28 sccm
Run0 Run1 Run2 Run3 Run4 Run5 Run6
Abbildung 4.1.: Targetspannung am AZO- und Aluminium-Target während der Abscheidung von AZO-
Schichten während eines Prozesstages. Rechts: Für drei wesentliche Prozesse (qAr,O2= 27, 28 und 29 sccm) ist
die Prozesszeit auf den Beginn des Zündens des Targets normiert.
Diskussion:
Der Verlauf der Sekundärtargetspannung zeigt eine klare Abhängigkeit vom Sauerstofffluss.
Bei der Erhöhung des qAr,O2sind die folgenden Bereiche zu unterscheiden:
Bereich I (qAr,O2<28 sccm): Der Prozess bleibt stabil und beherrschbar. Die Brennspan-
nungen fallen nur minimal über die Zeit ab. Es ist zu vermuten, dass in diesem Bereich sowohl
am Target, als auch an der Trennwand aus den metallischen Partikeln Suboxide aus Al2O3x
gebildet werden. Aufgrund des geringen Reaktivgasanteils ist die Wachstumsrate von Al2O3
am Sekundärtarget dabei noch klein gegenüber der Abtragerate, so dass die Bereiche mit ho-
her Ionenstromdichte vorwiegend metallisch bleiben. Die bereits oxidierten Targetbereiche auf
dem Zylindertarget bieten gegenüber dem Metall eine erhöhte Sekundärelektronenemission.
Bereich II (qAr,O229 sccm): Es erfolgt der Übergang vom metallischen in den oxidischen
Mode. Eine erhöhte Sekundärelektronenemission führt zu einem Absinken der Entladungs-
spannung von UAl = 300 Vauf UAl = 250 V.
Bereich III (qAr,O229 sccm): Das metallische Sekundärtarget befindet sich im oxidischen
Modus und durch die hohe Sekundärelektronenemission bleibt die Entladungsspannung weit-
gehend konstant. Die Abtragerate bleibt durch die geringe Sputterausbeute des oxidierten
Targets begrenzt. Ohne spezielle Regelungskonzepte können die Beschichtungsprozesse in
diesem Fall nur bis qAr,O2= 28 sccm betrieben werden.
Es ist davon auszugehen, dass das Target im Fall von geringer Targetspannung oxidiert ist
und sich eine Aluminiumoxid-Schicht gebildet hat. Dieser Effekt ist beim reaktiven Sputtern
von metallischen Materialien wie Al oder Zn:Al bereits bekannt und diskutiert worden [34,
38, 163–168].
Für die Weiterentwicklung der Beschichtungstechnologie ist ein Verständnis der Ergebnisse
und ein Lösen der Probleme (Reaktivgas) nötig. Dazu wird eine Modellvorstellung („Berg-
modell“, [169]) für das reaktiven Sputtern herangezogen (siehe Anhang A.3).
Wie aus dem Modell hervorgeht, ist das Hystereseverhalten, und damit der Sputterprozess
von den Material- und Prozessbedingungen abhängig. Die Kenntnis über die Zusammenhänge
sind zur Auslegung des seriellen Co-Sputterprozesses mit metallischen Targets wichtig und
61
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
dienten bei der Entwicklung der Anlage und dessen Gastrenneinheit als Unterstützung. Es
können vier wichtige Einflussgrößen bzw. Materialeigenschaften ausgemacht werden [18]:
Der Haftungskoeffizient α,
den Sputterausbeuten Yc,m,
die Targetfläche Aund
die Pumpleistung S.
Eine Materialeigenschaft ist die Reaktivität der Materialien mit dem reaktiven Gas. Diese
Eigenschaft wird über den Haftungskoeffizienten (engl. Sticking coefficient) αsdargestellt.
Desto höher dieser Wert ist, desto stärker bildet sich die Hysterese aus. Es kann sein, dass
bei bestimmen Material/Gas-Paarungen nahezu kein Hystereseverhalten auftritt. Eine zweite
Materialeigenschaft ist die Sputterausbeute des Materials. So ist die Sputterausbeute für Me-
talle (Ym)oftmals höher, als das des Metalloxides (Yc)und somit ist die Ausbildung der Hys-
terese davon stark abhängig (siehe Tabelle 2.2 in Kapitel 2.2). Ein geringes Yc/Ym-Verhältnis
bedeutet, dass die Sputterausbeuten zwischen dem Metalloxid und dem Metall nahezu gleich
sind. Wenn dies der Fall ist, kommt es zu einer geringeren Hystereseschleife. Damit sind
der Haftungskoeffizient und die Sputterausbeute fundamentale Materialeigenschaften, welche
nicht beeinflussbar bzw. veränderbar sind. Für die Prozessstabilität des Co-Sputterprozess
ist dies ein zu berücksichtigendes Kriterium.
Ein veränderbarer Parameter ist die Targetfläche A. Wenn die Fläche A im Verhältnis
zur Pumpleistung genügend klein gewählt ist, so bildet sich ebenfalls keine Hysterese aus
[170]. Mit einer kleineren Targetgröße kann das Hystereseverhalten nahezu ausgeschaltet
werden. Der Effekt der Targetfläche ist damit zu erklären, dass weniger Targetfläche für die
Sauerstoffatome zu Verfügung steht. Dadurch stehen weniger oxidierte als metallische Flächen
zu Verfügung. Dadurch ergibt sich ein weicherer“ Übergang von metallischen zu oxidischen
Prozessbedingungen8.
Eine weitere Prozessgröße, die bei der Anlagenauslegung angepasst werden kann, ist die
Pumpleistung. Kadlec et al. konnten zeigen, dass sich bei genügend hohem Saugvermögen
(und einem Überschreiten eines kritischen Saugvermögens) der Pumpen die Ausbildung der
Hysterese unterbinden lässt [166]. Aufgrund der hohen Pumpleistung bleibt für die Oxidation
des Targets nicht genügend Restsauerstoff in der Kammer9.
Die soeben beschriebenen Phänomene lassen sich auf die Interaktionen von Oberflächen
mit Partikeln zurückführen. Die Innenwände der Kammer, die Blenden, die Targetoberflä-
chen und Substratoberflächen bieten beim Sputtern eine Festkörperoberfläche, an denen die
Atome anhaften können. Aus diesem Grund wird im Folgenden auf Adsorptionsprozesse an
der Festkörperoberfläche eingegangen.
8Dieser Effekt wird bei der Gastraumtrennung in dieser Arbeit genutzt. Durch die Spülung wird die für
Sauerstoff “sichtbare” Fläche auf dem Rohrtarget reduziert. (Vgl Kapitel 4.2)
9Dieser Ansatz wurde bei der Auslegung des Sputter-Moduls in dieser Arbeit berücksichtigt. In der Sekun-
därkammer wurde eine Pumpe installiert, welche den durch den Spalt dringenden Sauerstoff abpumpt und
so das metallische Target weniger schnell oxidieren kann.
62
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Die Adatome können als Adsorbat an der Oberfläche zwei Arten von Bindungen einge-
hen: die Physisorption und die Chemisorption [171]. Bei der Physisorption bindet sich das
Adsorbat durch schwache Van-der-Waals-Kräfte an die Oberfläche. Durch die Art der Bin-
dung bleibt das Adatom nur schwach an die Oberfläche gebunden und kann von dort auch
wieder desorbieren. Bei der Chemisorption erfolgt dagegen eine stärkere chemische Bindung
an der Festkörperoberfläche. Es bildet sich dabei eine Atomlage chemischer Moleküle. Be-
trachtet man die Reaktion von Sauerstoff auf der Metalloberfläche, so kommt es zu einem
Transfer von Elektronen. Das Sauerstoffmolekül nimmt bis zu zwei Elektronen auf und redu-
ziert das Metall um diese. Dabei wird das Sauerstoff-Molekül dissoziiert. Dadurch hat sich
an der Oberfläche das Metalloxid vollständig ausgebildet und das verbleibende Sauerstoffra-
dikal sucht sich seinen nächsten Reaktionspartner. Die Geschwindigkeit der Reaktion vom
O2-Molekül hin zum Metalloxid ist von der Änderung der freie Energie Gder Materialien
und äußeren Einflussfaktoren abhängig:
von der Menge an Bindungspartnern
von der Menge an frei zur Verfügung stehenden Besetzungsflächen (Benetzungsgrad)
von der Beschaffenheit der Oberfläche (Rauigkeit, Porosität)
von der zur Verfügung stehenden Energie für die Adsorbate.
Aluminiumoxid weist unter Standardbedingungen eine hohe Bildungsenthalpie (HB) von
1676 kJ/mol auf (ZnO = -348, MgO = -601 kJ/mol )10. Wird die Aluminiumoberfläche Sauer-
stoff ausgesetzt, so bildet sich eine Schutzschicht aus Al2O3, welche das Aluminium vor einer
weiteren Oxidation schützt11.
Beim Sputtern liegt ein Teil des Targets in der Plasmazone mit hohem Ionisierungsgrad
und der Rest außerhalb dessen. Man kann somit zwischen dem Teil der Erosion und dem
Teil der Exposition unterscheiden. Bei Planartargets liegt die Erosionszone üblicherweise im
Bereich der hohen Plasmadichte. Der Rest des Targets wird mangels Materialabtrag durch
Ablagerungen und Gasteilchen beschichtet. Dazwischen gibt es einen Übergangsbereich. Nach
langer Prozessdauer erkennt man die typische Vertiefung im Target („Racetrack“). Bei einem
sich drehenden Zylindertarget hingegen durchläuft die Targetoberfläche den Teil der Erosion
und Exposition abwechselnd (siehe Abbildung A.2), das Wechselspiel wird hierbei durch die
Rotationsgeschwindigkeit bestimmt. Das Verhältnis aus Erosionszone und Expositionszone
ist vom Umfang der Targets und der Magnetkonfiguration (Magnetsatz) abhängig. In Ab-
hängigkeit von der Expositionszeit erreichen die Sauerstoffatome die Targetoberfläche und je
nach Oxidationsstufe des adsorbierten Sauerstoffs hat dies wiederum Einfluss auf den Sput-
terprozess.
Depla et al. untersuchten das Hystereseverhalten an reaktiv gesputtertem Aluminiumoxid
[172]. Sie untersuchten dabei das Hystereseverhalten an einem zylindrischen Aluminiumt-
arget. Durch die Rotation des Targets wird immer ein Teil der Targetoberfläche mit Ionen
10https://www.seilnacht.com/Lexikon/dhtabell.htm, abgerufen am 01.07.2021
11Dadurch ist es auch nötig, das Aluminiumtarget nach langer Exposition an Luft ausreichend lange frei zu
Sputtern. Analoges gilt für Magnesiumtargets.
63
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
bombardiert. Zwischen den beiden Bombardements (eine Rotation) liegt ein Teil des Targets
frei und ist der Gasatmosphäre mit Sauerstoff ausgesetzt. Dort kann der Sauerstoff dann che-
misorbieren oder physisorbieren („gettern“). Dieser Teil ist dann teilweise oder voll oxidiert.
Innerhalb der Plasmazone (Errosionszone) wird ein Teil davon durch den Ionenbeschuss im
Sputterprozess wieder entfernt. Gleichzeitig kommt es zur Sauerstoffimplantation. Es bildet
sich ein Zustand zwischen Oxidation und Materialabtrag aus. Durch höhere Sputterraten
wird der implantierte Anteil bereits abgetragen, bevor eine Reaktion mit dem Targetmateri-
al stattfinden kann. Bei Erhöhung des Sauerstoffflusses erhöht sich die Implantationsdichte
und es findet schließlich die Reaktion mit dem Targetmaterial statt. Je nach Rotationsge-
schwindigkeit des Targets bleibt weniger Zeit zum Materialabtrag und anteilig mehr Zeit zur
Chemisorption von Sauerstoff und umgekehrt. Bei erhöhter Rotationsgeschwindigkeit muss
der Sauerstoffzufluss reduziert werden12.
Der Effekt der Targetvergiftung beim Aluminiumtarget zeigt sich sehr deutlich an der
Veränderung der Brennspannung. Im Fall von Aluminium war die Brennspannung für ein
oxidiertes Target niedriger als für das metallische Target (siehe Abbildung 4.1). Es wurde
festgestellt, dass Aluminiumoxid einen deutlich höheren Sekundärelektronen-Emissionswert
hat als das reine Aluminium [18]. Durch die höhere Elektronenausbeute beim Einschlag des
Argon-Ions auf das Target sind mehr Elektronen am Taget vorhanden und es wird weniger
Brennspannung für den Erhalt der Glimmentladung benötigt.
Eine Besonderheit zeigte sich bei der Verwendung von 28 sccm Sauerstoff-Mischgas in dem
hier gezeigten Prozess. Zuerst war die Spannung im erwarteten Bereich des oxidierten Targets,
doch im Laufe der Zeit stieg die Spannung leicht an. Ab einem bestimmten Punkt stieg sie
dann sehr schnell auf Werte, wie für metallisches Aluminium. Der Grund dafür ist, dass
auf dem Al-Target vom vorherigen Prozess noch eine Oxidschicht auf der Oberfläche liegt.
Diese wird nachfolgend während des Prozesses freigesputtert bis schließlich die Oberfläche im
Plasma einen metallischen Modus erreicht. Durch die Drehung aus der Plasmazone kann die
Oberfläche zwar wieder oxidieren, aber diese Oxidschicht wächst bei 10 rpm nicht so stark
auf, um in einem „oxidized mode“ zu bleiben13.
Zusammenfassung
Der serielle Co-Sputterprozess mit einem metallischen Target zeigt ein sensitives Verhalten in
Abhängigkeit des Sauerstoffangebotes. In dem hier gezeigten Aufbau mit nur einer Prozess-
kammer gibt es einen kritischen Punkt, ab dem die Spannung am metallischen Sekundärtarget
reduziert wird. Ab diesem Sauerstoffanteil bleibt die Spannung am Sekundärtarget reduziert.
Im vorliegenden fällt die Spannung am Aluminium-Target von ca 300 V auf 250 V. Die Span-
nung am keramischen Primärtarget bleibt dagegen nahezu unverändert. Es ist zu vermuten,
dass das metallische Target vom „metallischen“ in den „oxidierten“ Modus wechselt.
12In dieser Arbeit war diese immer bei 10 rpm.
13Den Effekt des Freisputterns sieht man auch an der Kurve des Sputterprozesses mit wenig Sauerstoff. Hier
war vorher ein starker Sauerstoffprozess gefahren worden.
64
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Aufgrund einer fehlenden Sauerstoffpartialdruckmesseinheit, wie einer Lamdasonde, konnte
dies im Prozess selbst nicht genauer untersucht werden. Eine indirekte Möglichkeit ist, den
Aluminiumgehalt in den dabei abgeschiedenen AZO-Schichten zu untersuchen.
4.1.3. Einfluss des Reaktivgases auf das ZnO:Al-Schichtsystem
Im vorherigen Abschnitt 4.1.2 wurde festgestellt, dass der Sputterprozess ab einer kritischen
Menge an Sauerstoff verändert wird. Im Folgenden wird auf die Eigenschaften der AZO-
Schichten eingegangen, die bei fixen Leistungen an beiden Targets, aber unterschiedlichen
Sauerstoffangeboten abgeschieden werden. Ziel ist es, zum einen die Vermutung einer oxi-
dierten Targetoberfläche zu erhärten und zum anderen sollen die co-dotierten AZO-Schichten
für CIGS-Solarzellen optimiert werden.
Als Referenz dienen opto-elektrisch optimierte und nicht co-dotierte AZO-Schichten (im
folgenden „pure AZO“-Schichten genannt) vorheriger Versuche. In dem Referenzprozesspunkt
benötigen diese Schichten einen Sauerstoffmischgasfluss qAr,O2von 13 sccm. Aus der Litera-
tur und eigenen Ergebnissen ist bereits bekannt, dass sich die optischen und elektrischen
Eigenschaften von AZO mit steigender Temperatur [81, 93, 100, 173] teilweise verbessern
lassen. Aber in der hier vorgestellten Arbeit zeigte sich, dass die Substrattemperatur für
die hier verwendeten CIGS-Solarzellen auf maximal 165 °C angepasst werden musste, um
eine Wirkungsgradreduzierung zu vermeiden und so eine Limitierung darstellt. Zur weiteren
Optimierung und Anpassung der TCOs an Solarzellen und -modulen ist die Dotierung der
Fensterschicht ein mögliches Element. (AZO auf CIGS wird in Kapitel 4.1.4 untersucht).
Chemische und strukturelle Eigenschaften der AZO-Schichten
In Abbildung 4.2 sind der Aluminiumgehalt cAl und die Schichtdicke in Abhängigkeit vom
Sauerstoffmischgasfluss für seriell co-dotierte AZO-Schichten gezeigt. Bei qAr,O2=13 sccm14
weisen die co-dotierten AZO-Schichten einen Aluminiumanteil von ca. 1.49 at.% und eine
Schichtdicke von 316.5 nm auf. Bei einer stark erhöhten Sauerstoffzugabe (qAr,O2= 40 sccm)
sinkt die Aluminiumkonzentration in den co-dotierten Schichten sehr stark auf 0.92 at.% ab
und der Wert liegt nahe an dem der Referenzschicht. In einem Prozessfenster dazwischen sinkt
der Aluminiumgehalt in den AZO-Schichten mit zunehmendem Sauerstoff-Mischgasfluss von
qAr,O2= 13 auf 27 sccm von 1.49 auf etwa 1.41 at.% ab. Ein besonders starker Abfall der
Aluminiumkonzentration ist erkennbar, wenn der Mischgasanteil schrittweise von 27 auf 30
sccm erhöht wird. Hier fällt der Al-Anteil auf etwa das Niveau der Referenzschicht. Nach den
Ergebnissen aus Abschnitt 4.1.2 ist zu vermuten, dass das metallische Target oxidiert ist und
so weniger Aluminium in den Prozess eingebracht wird. Die Schichtdicke dagegen steigt an.
Der Effekt ist weniger ausgeprägt (unter 2%), aber dennoch kann dies für die Optimierung
der Schichten auf CIGS-Solarzellen eine Rolle spielen (z.B. eine Antireflexionsschicht).
Die Al-Konzentrationen in den Schichten variieren stark und um den Effekt auf die kris-
talline Struktur der Schichten näher zu untersuchen, wurde eine Röntgendiffraktometrie in
Bragg-Brentano-Geometrie durchgeführt. Es werden die Intensitäten der Reflexe über die
14Optimum der Referenz-AZO-Schichten.
65
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
10 15 20 25 30 35 40
0,8
0,9
1,0
1,1
1,2
1,3
1,4
1,5
qO2,Ar / sccm
cAl / at.%
316
318
320
322
324
d / nm
Ref.
Abbildung 4.2.: Aluminiumgehalt cAl und Schichtdicke der AZO-Schichten in Abhängigkeit des Sauerstotff-
mischgasflusses qAr,O2. Die Referenzschichten (Ref.) weisen einen Aluminiumgehalt von 0.88 at.% auf.
Winkel von 20 bis 80°untersucht. Die Ergebnisse sind in Abbildung 4.3 aufgezeigt. Für alle
Schichten wird ein deutlicher Reflexintensitätsanstieg bei 34.4°beobachtet. Bei diesem han-
delt es sich um den (002)-Reflex des hexagonalen Zinkoxides. Dazu weisen alle Proben noch
eine schwache Intensität beim (004)-Reflex bei 73°auf. Für alle Schichten ist eine polykris-
talline kolumnare Struktur beobachtet worden. Zum Vergleich sind die Diffraktogramme des
puren AZOs ebenfalls gezeigt.
Mit der Variation des Sauerstoffangebotes kommt es zu einer Veränderung der (002)-Reflex-
Intensitäten. Für eine genauere Untersuchung der Ergebnisse ist in Abbildung 4.3 rechts ein
fokussierter Bereich um 34.5°gezeigt. Die Abscheidung von co-dotierten AZO-Schichten bei
qAr,O2= 13sccm führt zu einer Reduktion der Reflexintensität des (002)-Reflexes. Gleichzeitig
wurde eine Verringerung des Winkels beobachtet. Mit zunehmenden Sauerstoffgasanteil bis 29
sccm gewinnt der (002)-Reflex an Intensität, gleichzeitig verschiebt sich das Reflex-Maximum
zu höheren Winkeln (Pfeil in Graphik). Die Positions-Verschiebung wird hier maximal. Für die
Probe mit 40 sccm wurde der größte Intensitätswert gemessen und das Intensitätsmaximum
liegt wieder bei geringeren Winkeln nahe dem von purem AZO.
Elektrische Eigenschaften der AZO-Schichten
Wie aus den chemischen und strukturellen Untersuchungen hervorgeht, wird der Sputter-
prozess ab einem Sauerstoffanteil von über 1% (qO2,Ar =27 sccm) durch diesen stark be-
einflusst. Die Bestimmung von Ladungsträgerdichten und -mobilitäten von AZO-Schichten
mittels Hall-Effekt-Messungen sollte einen besseren Einblick in die elektrischen Eigenschaften
der Schichten geben. In Abbildung 4.4 sind die Messwerte der Hall-Daten für die co-dotierten
Schichten und unterschiedlichen Sauerstoffanteile aufgezeigt. Die Schichten zeigen für den
Sauerstoff-Argon-Mischgasfluss von 13 sccm (0.48% O2) die chste Ladungsträgerdichte
(Ne)von etwa 4.3×1020 cm3und Ladungsträgermobilitäten (µ) von ca. 23 cm2V1s1. Die
resultierenden spezifischen Widerstände (ρ)liegen bei 6×104·cm. Wenn der Sauerstoff-
66
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
20 30 40 50 60 70 33,5 34,0 34,5 35,0 35,5
Intensität / a.u.
2θ / °
PAl = 0.4 kW
13 sccm
27 sccm
28 sccm
29 sccm
40 sccm
pures AZO
2θ / °
Abbildung 4.3.: Röntgendiffraktogramme der AZO-Schichten, die mit unterschiedlichem Sauerstoffanteil im
Prozessgas absgeschieden wurden.
Argon-Mischgasfluss auf 27 sccm erhöht wird, sinkt die Ladungsträgerdichte ab. Die gemesse-
ne Mobilität bleibt in etwa gleich. Bis zu 28 sccm (1.04% O2) ändert sich der spezifische Wi-
derstand kaum. Wird jedoch der Argon-Sauerstoff-Mischgasfluss auf 29 sccm (1.08%) erhöht,
zeigen sich signifikante Unterschiede. Die Ladungsträgerdichte und -beweglichkeit sinken auf
Werte von 1.8×1020 cm3und 18 cm2V1s1. Dadurch steigt der spezifische Widerstand
deutlich auf 1.9×103·cm an. Mit zunehmenden Sauerstoffanteil setzt sich dieser Trend
fort. Schichten, die bei sehr hohem Sauerstoffanteil im Prozessgas abgeschieden worden sind,
weisen die chsten spezifischen Widerstände auf.
Optische Eigenschaften der AZO-Schichten In Abbildung 4.5 sind die Transmissionsspek-
tren von purem AZO (getrichelte Linie) und von seriell co-dotiertem AZO sowie die dazuge-
hörigen Sauerstoff-Mischgasflüsse abgebildet. Die puren optimierten AZO-Schichten weisen
bei q= 13sccm deren beste Kombination aus optischen und elektrischen Schichteigenschaften
auf. Wenn bei diesem Sauerstoffgehalt mit Hilfe des Sekundär-Targets weiteres Aluminium
in den Prozess gebracht wird, werden drei Effekte beobachtet. Im kurzwelligen Bereich des
Spektrums verschiebt sich die Absorptionskante der Fundamentalabsorption zu niedrigeren
Wellenlängen und die Transparenz der Schichten sinkt über das gesamte Spektrum sowie
verstärkt im NIR ab15.
Durch die Erhöhung des Argon-Sauerstoff-Mischgasfluss von 13 auf 27 und 28 sccm in dem
Versuch steigt die gesamte Transparenz und maximale Transparenz im VIS-NIR Bereich deut-
lich von 85 auf bis zu 89%. Bei einer weiteren Erhöhung des Argon-Sauerstoff-Mischgasfluss
auf 29 sccm ändern sich die optischen Eigenschaften deutlich. Die Fundamentalabsorption
verschiebt sich zu höheren Wellenlängen (noch höher als bei der Referenzschicht). Die Trans-
parenzwerte erreichen Maximalwerte von 91 %. Vor allem ist eine sehr deutliche Erhöhung
15Dies geschieht aufgrund erhöhter Absorption (hier nicht gezeigt).
67
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.4.: Ladungsträgerkonzentration (Ne)und -beweglichkeit (µ)und spezifischer Widerstand (ρ)
in Abhängigkeit des Sauerstoff-Argon-Mischgasflusses (qO2,Ar )der AZO-Schichten, die bei einer Sekundärtar-
getleistung von 0.4 kW abgeschieden worden sind.
der Transparenz im NIR zu erkennen (siehe Pfeil in Abbildung 4.5). Die Schichten mit dem
meisten Sauerstoff im Prozess (q= 40 sccm) weisen die chste Transparenz auf.
Diskussion
Durch eine Erhöhung der Leistung am Sekundärtarget wurde die Menge an Aluminium im
Prozess erhöht. Dies hat mehrere Auswirkungen auf den Gesamtprozess und folglich auch auf
die abgeschiedenen AZO-Schichten. Damit spielt beim Co-Dotieren das Sauerstoffangebot ei-
ne entscheidende Rolle. In diesem Versuch wurde zunächst das optimierte Sauerstoffangebot
für pures AZO verwendet und durch die Zugabe der Leistung am metallischen Sekundärtar-
get sind mehr metallische Partikel in den Prozessraum eingeführt worden. Diese bedecken die
Trennwandoberfläche und durch die Shutteröffnung auch einen Teil der Primärtargetober-
fläche. Da das Sauerstoffangebot konstant gehalten wird, gettern die Partikel einen Teil des
Sauerstoffs an den Oberflächen zu AlOxund entziehen den aufwachsenden AZO-Schichten
einen Teil des nötigen Sauerstoffs.
Damit fehlen dem AZO die nötigen Sauerstoff-Ionen zur Ausbildung einer perfekten wurtzite-
Struktur. Dies hat auch Auswirkung auf die Struktur und Dotierung in den AZO-Schichten.
68
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300 1400 1500
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Transparenz / %
Wellenlänge / nm
PAl = 0.4 kW
13 sccm
27 sccm
28 sccm
29 sccm
33 sccm
40 sccm
pures AZO
Abbildung 4.5.: Transmissionsspektren der AZO Schichten, die mit unterschiedlichem Sauerstoffanteil im
Prozessgas absgeschieden wurden. Zum Vergleich eine AZO-Schicht, die ohne eine Co-Dotierung bei gleichem
Einbau abgeschieden wurde.
In einer geringen Menge ist eine Dotierung durch das kleinere Aluminium-Ion in ZnO möglich
[96, 97, 99].
Für die moderat dotierten Schichten wird durch die Substitution von Zn2+-Ionen durch
Al3+-Ionen ein freies Elektron durch elektrisch aktives Aluminium im Kristallgitter erzeugt.
Im hier gezeigten Experiment wird mehr metallisches Aluminium in die Schichten eingebracht
und gleichzeitig nicht mehr Sauerstoff zu Verfügung gestellt. Dadurch ist davon auszugehen,
dass weniger Kationen, wie Zn oder Al, Sauerstoff als Bindungspartner finden. Das hat zur
Folge, dass sowohl eine intrinsische als auch extrinsische Dotierung der AZO-Schichten statt-
findet:
Durch den Mangel an Sauerstoff kann es zu einer Erhöhung der Sauerstoffleerstellen VO
kommen.
Gleichzeitig können Zn-Ionen auf Zwischengitterplätzen Zniim ZnO-Gitter lokalisiert
sein, die keinen Sauerstoff als Bindungspartner finden.
Zusätzlich werden vermehrt Aluminium-Ionen in das Gitter eingebracht.
Die genannten Effekte können zusammen zu einer Erhöhung der freien Ladungsträgerdich-
te führen. Jedoch sind nicht alle Effekte gleichstark wirksam. So ist die Reaktionsenthalpie
von Aluminium mit Sauerstoff höher, als die von Zink. So werden sich möglicherweise AlOx-
Suboxide bilden, die eher zu Zniführen, als zu Al+
Zn. Aufgrund der Abscheidetemperatur
von 165°C kommt noch eine energetische Komponente hinzu, welche es Defektstellen erlaubt
auszuheilen und für Ionen die Möglichkeit erhöht, einen Bindungspartner zu finden. Dazu
kommt eine leicht erhöhte Desorption von überschüssigem Zink. So ist durch einen komple-
xen Aufwachsprozess durch die gleichzeitig auftretenden Effekte von VO,Zni,Al+
Zn, sowie
das Bilden von Metallclustern ein Anstieg der Ladungsträgerdichte denkbar. Die einzelnen
69
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Anteile der Effekte auf die Gesamterhöhung der Ladungsträgerdichte ist in dieser Arbeit nicht
feststellbar gewesen.
Die bei der Diffraktometrie beobachtete Verschiebung der (002)-Peaks zu höheren Winkeln
kann durch eine Stauchung der c-Achse hervorgerufen werden, aber auch durch Schichtspan-
nungen. Da die Aluminium-Ionen kleiner als die Zink-Ionen sind, kann es bei einer Sub-
stitution von Zn2+ (74 ˚
A) durch Al3+
Zn (53˚
A) [174] im ZnO-Gitter zu einer Reduktion des
Atom-Abstandes entlang der c-Achse kommen [175]. Gleichzeitig kann dafür der leicht er-
höhte Einbau von Aluminium in dem ZnO-Kristall zu einer Verbesserung der Kristallqualität
führen, da Defekte wie Zink-Vakanzen durch Aluminium kompensiert werden. Dies kann zu
einer Erhöhung der beobachteten Reflex-Intensität führen.
Die elektrischen Eigenschaften der Schichten werden durch das Einbringen von zusätzlichem
Aluminium verändert. Theoretisch wird durch die Substitution von Zn2+-Ionen durch Al3+-
Ionen ein freies Elektron im ZnO-Kristallgitter erzeugt und die Leitfähigkeit erhöht, da dieses
Elektron nicht für die Bindung benötigt wird.
In dem in dieser Arbeit verwendeten Prozess sind jedoch mehrere Effekte zu berücksich-
tigen. Es wird mehr metallisches Aluminium in die Schichten eingebracht und gleichzeitig
weniger Sauerstoff zu Verfügung gestellt, was bedeutet, dass weniger Sauerstoff als Bindungs-
partner zur Verfügung steht. Das hat zur Folge, dass sowohl eine intrinsische als auch ex-
trinsische Dotierung der AZO-Schichten stattfindet. Zum einen kann es durch den Mangel
an Sauerstoff zu einer Erhöhung der Sauerstoffleerstellen kommen und gleichzeitig können
Zn-Ionen auf Zwischengitterplätzen Zniim ZnO-Gitter lokalisiert sein, die keinen Sauerstoff
als Bindungspartner finden. Zum anderen werden zusätzlich Aluminium-Ionen in das Gitter
eingebracht. Die genannten Defekte wie VO,Zni,Al+
Zn können zu einer Erhöhung der freien
Ladungsträgerdichte in den AZO-Schichten führen, wie in Abbildung 4.4 gezeigt.
Die optischen Eigenschaften der Schichten werden durch das Einbringen von Aluminium
ebenfalls beeinflusst. Bei der Zugabe von metallischen Dotierstoffen über das Sekundärtar-
get, steigt die Absorption der Schichten aufgrund von Sauerstoffmangel in den Schichten. Die
Erhöhung der Ladungsträgerdichte führt zum einen zu einer erhöhten Absorption durch die
freien Ladungsträger im NIR und durch den Burstein-Moss-Shift zu einer Aufweitung der
Bandlücke [128, 129]. Wie aus den Hall und UV-VIS-NIR-Messdaten zu erkennen ist, wird
die Bandlücke vor allem aufgrund der erhöhten Ladungsträgerkonzentration beeinflusst. Die
Schichten mit einer Ladungsträgerkonzentration von über 3×1020 cm3weisen eine höhere
Transparenz im UV-Bereich auf. Dagegen zeigen die Schichten mit weniger als 2×1020 cm3
eine geringere Transparenz. Der Effekt des Aluminiums und oxidierter Suboxide auf die Band-
lücke konnte nicht genauer untersucht werden. Gleichzeitig führen Defekte wie VOzu einer
Absorption im sichtbaren Bereich des Lichtes. Durch die Erhöhung des Argon-Sauerstoff-
Mischgasfluss auf 27 und 28 sccm in dem Versuch, ist davon auszugehen, dass die Anzahl
der Defekte (durch mehr Sauerstoffbindungspartner) und die Ladungsträgeranzahl sinkt. Als
Folge steigt die maximale Transparenz im VIS-NIR Bereich deutlich von 85 auf bis zu 90%.
Gleichzeitig steigt der Schichtwiderstand auf knapp unter 22 @.
70
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Bei einer weiteren Erhöhung des Argon-Sauerstoff-Mischgasfluss auf 29 sccm ändern sich
die optischen Eigenschaften drastisch. Die Fundamentalabsorption verschiebt sich zu höhe-
ren Wellenlängen (noch höher als bei der Referenzschicht). Die Transmissionswerte erreichen
Maximalwerte von 91 %. Auch steigt die gesamte Transparenz deutlich an. Der Schichtwi-
derstand steigt bei 29 sccm auf 55 @. Das ist eine deutliche und sprunghafte Erhöhung
des Schichtwiderstandes um 100% gegenüber den zuvor gezeigten Schichten. Durch eine wei-
tere Erhöhung des Mischgasflusses wird die Transparenz nur marginal verbessert, aber der
Schichtwiderstand steigt sehr stark (bei 40 sccm auf 112 @).
Stark absorbierende Fensterschichten sind für einfache Solarzellen ungeeignet. Durch eine
Erhöhung des Sauerstoffgehaltes während der co-dotierten Abscheidung werden die AZO-
Schichten jedoch immer transparenter. Der Schichtwiderstand steigt dabei zunächst leicht an.
Wenn die Sauerstoff-Mischgaszugabe in diesem Prozessfenster auf 29 sccm oder mehr ansteigt,
sind drei Effekte zu beobachten. Zum ersten erhöht sich die Transparenz im sichtbaren und
nahen Infrarotbereich. Die fundamentale Absorptionskante verschiebt sich wieder zu höheren
Wellenlängen noch über die von puren AZO. Zum dritten steigt der Widerstand weiter stark
an.
Um die manipulierten Schichten als Frontmaterial und Materialsystem für CIGS Solarzellen
bewerten, vergleichen und qualifizieren zu können, ist eine geeignete Figure of Merit (FOM)
zu finden. Eine FOM zum Vergleichen verschiedener Schichten kann auf unterschiedliche Art
und Weise und relativen Gewichtungen der untersuchten Parameter gestaltet sein. Da die
TCOs als Frontmaterial einerseits eine hohe Lichttransparenz aufweisen sollen und anderseits
den elektrischen Strom möglichst verlustfrei lateral über die Solarzelle transportieren müssen,
sind in dieser Arbeit Vergleichswerte auf der Basis von optischen und elektrischen Kriterien
wichtig. Haacke schlug folgende FOM vor [176]:
FOMIntervall =T10
intervall/Rs,(4.1)
die zur Vergleichbarkeit von TCOs oftmals in der Literatur angegeben wird. In Anwen-
dung der TCOs als Fensterschicht für Solarzellen ist dies aber nicht ausreichend. Im Bezug
auf geeignete TCOs für Solarzellen gehen Barnes et al. [177] auf unterschiedliche FOM ein
und es wurde eine abgewandelte FOM, wie sie auch von Menner et al. benutzt wird [178],
vorgeschlagen. Dabei wird der Flächenwiderstand und ein solar-gewichteter optischer Wert
(AM1.5g) verwendet. Der Wellenlängenbereich kann der Bandlücke der Solarzelle angepasst
werden. Die Formel für den gewichteten Absorptionswert (Transmissionswert) dazu lautet16:
Aint,AM1.5g=
b
aT(λ)·GAM1.5g(λ)
b
aGAM1.5g(λ) (4.2)
Um den Trade-off zwischen den optischen und elektrischen Eigenschaften der hier unter-
suchten Schichten für die Solaranwendung besser abwägen zu können, sind die solargewichtete
16Da jeder Absorber durch die Wahl der Puffer, der Bandlücken und Oberflächenreflektion unterschiedlich
ist, sollte ein mit der realen Externen Quanteneffizienz (EQE) gewichteter Wert nicht verwendet werden.
Gerade wenn es um die allgemeine Vergleichbarkeit von TCOs gehen soll. Die Intervallgrenzen a und b
sind denen der Bandlücken der Solarzellen anzupassen.
71
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120
0
2
4
6
8
10
12
13
27
28
29 33 40
Sauerstoff-Serie 0.4 kW (Mischgas in sccm)
gewichtete Absorption320-1250 / %
Rsh / Ω sqr
Gruppe 1
Gruppe 2
„Prozess-gap
Abbildung 4.6.: Solargewichtete Absorption (von 320 bis 1250 nm) über dem Schichtwiderstand (Rsh))
in Abhängigkeit des Sauerstoffmischgasflusses (in sccm) der seriell co-gesputterten AZO-Schichten. (Linien
dienen nur der Führung der Augen)
Absorption und der Schichtwiderstand in Abhängigkeit des Sauerstoffmischgasflusses (folgend
kurz Fluss genannt) in Abbildung 4.6 gegeneinander dargestellt. Es sind zwei Gruppen und
eine dazwischenliegende Lücke („Prozess-gap“) feststellbar. Die Schichten mit zu wenig Sau-
erstoff zeigen eine hohe Absorption mit Werten bis zu 11.9%. Dafür ist der Schichtwiderstand
mit 19.2 @am niedrigsten. Wenn der Sauerstoffanteil erhöht wird, ergeben sich für Werte
bei 27 und 28 sccm eine merkliche Reduzierung der Absorption mit Werten von 8.2 und 8%.
Diese Schichten bilden Gruppe 1. Sobald der Fluss auf 29 sccm erhöht wird, ist ein signifikan-
ter Anstieg des Schichtwiderstandes zu erkennen (auf 55 @) und die gewichtete Absorption
sinkt auf 5.2%. Bei weiterer Erhöhung des Sauerstoffs kommt es zu einer starken Erhöhung
des Schichtwiderstandes und einer leichten Reduktion des Absorptionswert. Diese Schichten
bilden eine zweite Gruppe.
Während bis 28 sccm die Werte durch kleine Änderungen der Gasflussmengen angepasst
werden können, gibt es von 28 auf 29 sccm ein Prozessfenster, bei dem eine kleine Änderung
des Sauerstoffanteils sofort zu einer sprunghaften Änderung der Schichteigenschaften führt.
In diesem gibt es keinen gut kontrollierbaren und einstellbaren Bereich - eine Prozesslücke -,
um stablie Prozesse zu fahren. Bei Werten über 29 sccm ist vor allem der Schichtwiderstand
manipulierbar, aber die gewichteten Transparenzwerte sind dann eher von der Schichtdicke
als vom Sauerstoffgehalt abhängig.
Die Auswertungen der Eigenschaften der AZO-Schichten decken sich mit den Erkennt-
nissen aus der Analyse der Charakteristik des Prozesses. Bei einem ausreichend niedrigen
Sauerstoffanteil im Prozess verbleibt das metallische Aluminiumtarget im „metallic mode“.
Die Sputterrate und damit der Partikelfluss in Richtung Primärtarget ist dem entsprechend
hoch. Dadurch ist die Primärtargetfläche mit Aluminium angereichert. Bei niedrigen Sauer-
stoffanteil oxidiert dieses Aluminium nicht vollständig und folgend kann im Abscheideprozess
von AZO vermehrt Aluminium in die Schichten eingebaut werden. Sobald der Sauerstoffpar-
tialdruck einen kritischen Bereich erreicht, kann die gebildete Oxidschicht an der Oberfläche
72
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
des Aluminiumtargets nicht mehr freigesputtert werden und es kommt zum Sputtern von
Aluminiumoxid im „oxidized mode“. Entsprechend niedrig ist die Sputterrate zum Primär-
target hin und es wird weniger Aluminium in die AZO-Schichten eingebaut. Aufgrund des
Mangels an metallischen Partikeln im Prozess wird gleichzeitig weniger Sauerstoff gegettert
(„verbraucht“). Folglich steigt der Sauerstoffpartialdruck im Prozessraum an und die AZO-
Schichten werden bei einem (zu) hohen Sauerstoffangebot abgeschieden. Das ist gleichbedeu-
tend mit einem AZO-Prozess, bei dem zu viel Sauerstoff abgeschieden wird. Als Folge steigt
die Transparenz und der Widerstand an, da weniger Defekte zur Ladungsträgererzeugung zur
Verfügung stehen. Dies konnte bei den Schichten beobachtet werden.
Zusammenfassung
Aus den Erkenntnissen aus den Abschnitten 4.1.2 und 4.1.3 kann geschlussfolgert werden,
dass der serielle Co-Sputterprozess mit mindestens einem metallischen Target stark von dem
Sauerstoffangebot im Prozessraum abhängig ist. Für die hier untersuchte Prozessparameter-
Kombination aus 2 und 0.4 kW am Primär- und Sekundärtarget bei 165 °C Abscheidetem-
peratur zeigte sich, dass die Menge an Sauerstoff nicht beliebig erhöht werden kann, um
die TCO-Eigenschaften zu manipulieren. Der Prozess kann in Abhängigkeit vom Sauerstoff-
angebot in drei Bereiche unterteilt werden. Für wenig bis moderate Mengen an Sauerstoff
ist der Prozess gut kontrollierbar und es sind Aluminium-angereicherte AZO-Schichten mit
opto-elektronisch guten Eigenschaften abscheidebar. Bei der Erhöhung des Sauerstoffs über
diesen maximalen Punkt hinaus, wird der Prozess instabil. Die Oberfläche des metallischen
Aluminiumtargets oxidiert, die Targetspannung und die Sputterrate sinkt. Die Wirkung der
Co-Dotierung nimmt stark ab und die Materialien des keramischen Primärtarget werden
sauerstoff-gesättigt abgeschieden. Als Folge hrt der hohe Sauerstoffanteil zu Schichten mit
niedriger Leitfähigkeit und hoher Transparenz. Dazwischen bildet sich ein Prozessfenster aus,
in dem keine AZO Schichten mit guten Eigenschaften abgeschieden werden können und in
dem der Prozess nicht kontrolierbar scheint.
73
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
4.1.4. Einfluss der Leistung des Sekundärtargets auf AZO-Schichten
In dem vorherigen Abschnitt wurde dargestellt, dass beim seriellen Co-Sputtern die Sauer-
stoffzugabe bei fixen Leistungen zu einem Prozess-gap führt, welches keine kontinuierliche
Prozessanpassung zulässt. Zur Optimierung von TCOs für Solarzellen muss dieses Problem
behoben oder umgangen werden. Um die Leitfähigkeit der AZO-Schichten weiter erhöhen
zu können, kann dank des seriellen Co-Sputterns die Dotierung im ZnO verändert werden.
Dazu wurde eine Variation der Sekundärleistung bei fixer Sauerstoffzugabe untersucht und
im folgenden Abschnitt erläutert.
Neben den co-dotierten AZO-Schichten wurden als Referenz auch AZO-Schichten in einem
herkömmlichen Sputterverfahren abgeschieden. Der Fluss des Argon-Sauerstoff-Mixgas für
die optimierten Referenz-AZO-Schichten lag bei 13 und für die co-dotierten Schichten bei 28
sccm. Durch eine Variation der Sekundärtargetleistung von 0.4 bis 1.1 kW konnten AZO-
Schichten mit unterschiedlichem Aluminiumgehalt abgeschieden werden. In diesem Versuch
war die Primärkathodenleistung mit 2 kW, der Druck von 0.26 Pa und die Abscheidetempe-
ratur bei etwa 165 °C fix. Die Zielschichtdicke lag im Bereich um 300 nm.
Teile dieses Abschnittes wurden unter [179] bereits veröffentlicht.
Strukturelle Eigenschaften von AZO auf Glas
Die Referenz-AZO-Schichten (PSK = 0.0kW) weisen mit 326 nm die chste Schichtdicke
auf. Gleichzeitig haben sie einen Aluminiumgehalt von 0.88 at.%. Die dynamische Depositi-
onsrate liegt bei 25.1nm ·m/min. Durch die Erhöhung der Leistung am Sekundärtarget von
0.4 auf 1.1 kW wurde zusätzliches Aluminium in die Schichten eingebracht und die Schichtei-
genschaften manipuliert. Der Aluminiumgehalt konnte so von 1.4 bis knapp 3 at% gesteigert
werden. Dagegen sank die Abscheidungsrate von 25.1 auf 22.1nm ·m/min. Als Folge sank
die Schichtdicke auf 282 nm ab. Die Ergebnisse sind in Tabelle 4.1 zusammengefasst.
Tabelle 4.1.: Eigenschaften der AZO-Schichten und die Depositionsrate.
PSK Schichtdicke Al-Gehalt Depo.-Rate (002)-Reflex FWHM
(kW) (nm) (at.%) (nm ·m/min)(°) (°)
0.0 326 0.88 25.1 34.47 0.35
0.4 318 1.40 24.9 34.50 0.36
0.6 312 1.79 24.4 34.48 0.37
0.8 302 2.23 23.6 34.48 0.40
1.1 282 2.98 22.1 34.50 0.43
Die kristallographischen Eigenschaften der Schichten wurden mittels XRD-Messungen in
Bragg-Brentano-Konfiguration untersucht. Die Ergebnisse sind in Abbildung 4.7 für die Schich-
ten mit unterschiedlichen Aluminiumgehalten von 20 bis 80°und fokussiert von 33.5 bis 35.5°
gezeigt. Alle untersuchten Schichten weisen den ZnO (002)-Reflex und auch einen schwachen
ZnO (004)-Reflex auf. Die Position des Maximums des 002-Reflexes liegt für das pure AZO
bei 34.47°. Die Reflexposition verschiebt sich mit einem höheren Aluminiumgehalt zu höheren
Winkeln. Dies suggeriert, dass auch hier die Zn-Ionen vermehrt von den Al-Ionen im Kristall-
gitter subsituiert werden und der Kristall entlang der c-Achse gestaucht wird. Die Intensität
74
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Intensität / a.u.
2 θ / °
2 θ / °
Intensität / a.u.
Abbildung 4.7.: XRD-Daten der AZO-Schichten mit unterschiedlichem Al-Gehalt auf Glas.
der Reflexe sinkt mit der Erhöhung der Leistung am Sekundärtarget. Mit der Erhöhung der
Aluminiummenge von 0.88 auf 2.98 at.% steigt die Halbwertsbreite (FWHM) ebenfalls von
0.35 auf 0.43°. Dies ist ein Indiz dafür, dass eine höhere Dotierung durch Aluminium die
Kristallinität des Zinkoxides stört.
Um dies weiter zu validieren, wurden zur Begutachtung der morphologischen Eigenschaf-
ten der Schichten REM-Untersuchungen durchgeführt. In Abbildung 4.8 sind Bruchkanten-
Ansichten der co-dotierten AZO-Schichten unter einem Anstellwinkel von 30°gezeigt. In
den Schichten mit einer Aluminium-Konzentration von 1.40 at% (a) ist in den ersten 20
nm der Schicht nahe dem Substrat eine fein-kristalliner Bereich beobachtbar. Diesem nano-
kristallinen Bereich folgt ein Bereich, bei dem die Körner allmählich breiter werden. Die
Körner wachsen zur Oberfläche hin immer weiter auf. Nach dem Strukturzonenmodell wäre
dies im Bereich T. Mit einer Erhöhung des Aluminiumgehaltes bilden sich ähnliche An-
wachsbereiche und die Körner wachsen zur Oberfläche weniger breit auf. Die Körner wachsen
vermehrt fein-kristallin auf und die Körner werden kleiner. Die Oberfläche der Schichten zeigt
eine korrelierte Verkleinerung der “Kuppeln” der Körner. Die Form der Körner in den REM-
Aufnahmen deckt sich mit den Ergebnissen aus den XRD-Messungen. Es ist festzustellen,
dass die Erhöhung des Aluminiums einen Effekt auf die strukturellen Eigenschaften ausweist.
Je mehr Aluminium mittels seriellem Co-Sputtern in die AZO-Schichten eingebracht wird,
desto kleiner werden die Körner und weniger kollumnar wachsen die Körner auf (Abb. 4.8
b-d).
Abbildung 4.8.: REM-Aufnahmen für co-dotierte AZO-Schichten mit einem Anstellwinkel von 30°. Die
Al-Kozentrationen: (a) 1.40, (b) 1.79, (c) 2.23 und (d) 2.98 at.%.
75
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
1
2
3
4
5
6
7
15
20
25
30
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2
6
8
10
12
14
Ne / x1020 cm-3
µ / cm2V-1s-1
ρ / x10 -4 Ω cm
LeistungST / kW
Abbildung 4.9.: Ladungsträgerkonzentration (Ne)und -beweglichkeit (µ)und spezifischer Widerstand (ρ)in
Abhängigkeit von der Sekundärtargetleistung für eine Referenz-AZO-Schicht und co-dotierte Schichten. (Die
Referenz-Schicht wurde unter einem anderen Argon-Sauerstoff-Mischgasfluss abgeschieden.)
Elektrische Eigenschaften
Die normalen Referenz-AZO-Schichten sind (Sauerstoff-)optimiert und weisen eine Ladungs-
trägerkonzentration und -beweglichkeit von 2.08 ×1020 cm3und 23.9cm2V1s1auf. Der
resultierende spezifische Widerstand ist 12.9×104·cm. Bei einer Schichtdicke von 326 nm
wurde ein Schichtwiderstand von 36.2 @erreicht. Durch die Zuschaltung der Leistung am
Sekundärtarget war es möglich, den spezifischen Widerstand und den Schichtwiderstand zu
senken. Die Veränderung der Ladungsträgerkonzentration (Ne)und -beweglichkeit (µ)und
des spezifischen Widerstandes (ρ)in Abhängigkeit von der Sekundärtargetleistung sind in
Abbildung 4.9 gezeigt und in Tabelle 4.2 zusammengefasst. Die Auswertung der Daten zeigt,
dass die Ladungsträgerkonzentration co-dotierter Schichten von ca. 3.6 auf 6×1020 cm3er-
höht werden kann. Die Ladungsträgerbeweglichkeit nimmt dafür kontinuierlich von 23.9 auf
18.1 cm2V1s1ab und der spezifische Widerstand sinkt von 740 auf 550 µΩ·cm. Wenn die
Leistung von 0.8 auf 1.1 kW erhöht wird, steigt ρwieder auf 580 µΩ ·cm an. Damit erreicht
der spezifische Widerstand bei einer Sekundärleistung von 0.8 kW ein Minimum. Die Reduzie-
rung des spezifischen Widerstandes erfolgt durch die Erhöhung der Ladungsträgerdichte bis
zu einer Sekundärtargetleistung von 0.8 kW. Bei weiterer Erhöhung des Aluminiumgehalts
steigt die Ladungsträgerkonzentration nicht mehr linear an.
76
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Tabelle 4.2.: Zusammenfassung der elektrischen und optischen Eigenschaften der AZO-Schichten. Aluminium-
gehalt (cAl), Ladungsträgerkonzentration (Ne)und -beweglichkeit (µ), spezifischer Widerstand (ρ), Schicht-
widerstand (Rsh), solargewichtete Absorption (wa,3201250)und Energiebandlücke (Eg)in Abhängigkeit von
der Sekundärtargetleistung (PST ).
PST cAl Neµeρ Rsh wa,3201250 Eg
(kW ) (at.)(cm3) (cm2V1s1) (×104·cm) (@)() (eV )
0.0 0.88 2.08 23.9 12.6 36.2 2.9 3.49
0.4 1.40 3.63 23.4 7.4 21.8 4.6 3.63
0.6 1.79 4.42 22.5 6.3 18.6 5.3 3.72
0.8 2.23 5.35 21.2 5.5 17.4 6.2 3.79
1.1 2.98 6.00 18.1 5.8 19.4 7.1 3.85
Optische Eigenschaften
In Abbildung 4.10 sind die Transmissions- und Absorptionsspektren der AZO-Schichten von
280 bis 1500 nm, sowie Absorptionskurven zur Bestimmung der Bandlücke gezeigt. Die op-
timierten AZO-Schichten ohne zusätzliche Co-Dotierung sind zum Vergleich als Referenz ge-
zeigt. Mit der Zugabe von Aluminium zeigen sich deutliche Unterschiede: Es ist eine deutliche
Verschiebung in der Position und der Höhe der Transparenzmaxima zu erkennen. Die puren
AZO-Schichten haben ihr Maximum bei einer Wellenlänge von etwa 630 nm. Das ist auch der
chste gemessene Maximalwert. Durch die Zugabe von Aluminium (durch die Erhöhung der
Leistung an der Sekundärkathode) verschiebt sich das Maximum zu niedrigeren Wellenlängen.
Für die Schichten, die bei einer Sekundärleistung von 1.1 kW abgeschieden worden sind, liegt
dieses bei 530 nm. Es wird eine Abnahme der Schichtdicke mit steigender Sekundärtarget-
leistung festgestellt. Gleichzeitig sinkt die Transparenz im nahen Infrarot-Bereich signifikant
ab. Im Bereich der Fundamentalabsorption ist eine deutliche Verschiebung zu niedrigeren
Wellenlängen zu erkennen.
Aus den Transmissions- und Reflexionsdaten der AZO-Schichten wurde der Absorptions-
koeffizient der Schichten über folgende Formel berechnet [180]:
α(E) = 1
d·T(E)
1R(E),(4.3)
wobei αden Absorptionskoeffizienten bezeichnet, d die Schichtdicke, T die Transmission
und R die Reflexion. Für die Evaluation der direkten Bandlücken sind die quadrierten Ab-
sorptionskoeffizienten der AZO-Schichten in Abbildung 4.10 als Absorption über die Energie
aufgetragen. Es zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Absorptionskanten zu höheren
Energien, wenn die Aluminiummenge durch die Sekundärleistungserhöhung auf bis zu 1.1
kW erhöht wurde. Die abgelesenen Werte für die Bandlücken (Eg)sind in Tabelle 4.2 zusam-
mengefasst. Die Bandlücken erhöhen sich von 3.49 auf etwa 3.85 eV.
Disskusion
Aus dem vorherigen Versuch wurde bereits deutlich, dass die Menge des Sauerstoffs an die
Menge des zusätzlich eingebrachten Metall im Prozess angepasst werden muss. In Abschnitt
4.1.3 wurde ein optimiertes Sauerstoffangebot für PST = 0.4 kW von qAr,O2=28 sccm
77
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
300 400 500 600 700 800 900 10001100 1200130014001500
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Absorption / %
Transparenz / %
Wellenlänge / nm
0.0 kW
0.4 kW
0.6 kW
0.8 kW
1.1 kW
2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5
0,0
2,0x1010
PAl / kW
0.0
0.4
0.6
0.8
1.1
(αhν)2 / cm -2
E / eV
Abbildung 4.10.: Oben: Transparenz- und Absorptionspektren der AZO-Schichten in Abhängigkeit der
Sekundärtargetleistung. Unten Absorptionskanten der co-dotierten AZO-Schichten.
78
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
festgestellt und in diesem Versuch als Startwert verwendet. Durch die weitere Erhöhung der
Leistung am Sekundärtarget wird die Menge an Aluminium im Prozess weiter erhöht. Dies
hat mehrere Auswirkungen auf den Gesamtprozess und folglich auch auf die abgeschiedenen
AZO-Schichten. Die Diskussion knüpft an der, aus Abschnitt 4.1.3 an.
Mit Erhöhung der Sekundärtargetleistung wird ein weiterer Effekt festgestellt: der Abfall
der Ladungsträgerbeweglichkeit in den Schichten mit Erhöhung der Aluminiumkonzentration.
Dies kann zwei mögliche Ursachen haben. Zum einen wird das Kristallwachstum durch die
Erhöhung der Aluminiumkonzentration gestört. Dies ist durch XRD- und REM-Messungen
gezeigt worden. Folglich werden durch defektreiches Wachstum Störstellen im Korn und an
den Korngrenzen erzeugt, die die Streuung oder das Einfangen von Elektronen erhöht. Dies
führt zu einer Reduzierung der Ladungsträgerbeweglichkeit. Des Weiteren wurden die Körner
kleiner und folglich die Korngrenzendichte höher. Nach dem “Seto-Modell” hat die Anzahl an
Defekten an den Grenzen einen Einfluss auf die Ladungsträgerbeweglichkeit [125]. Je kleiner
die Körner werden, umso mehr Einfluss bekommen diese Korngrenzendefekte.
Zum anderen können durch die erhöhte Menge an Aluminium mehr AlOxgebildet wer-
den, die im Korn oder an der Korngrenze wirksam werden können. AlOxist ein elektrisch
unwirksames Streuzentrum, das an den Korngrenzen segregieren kann. Durch die erhöhte
Temperatur kann sich die Menge an Aluminium durch Diffusion an den Korngrenzen kumu-
lieren. Als Folge erhöht sich die energetische Barriere und Streuung für die Elektronen an
der Korngrenze. Dies führt zu einer Reduzierung der Ladungsträgerbeweglichkeit, wie es in
den Hall-Messungen gezeigt worden ist. Die Effekte an den Korngrenzen konnten hier nicht
quantifiziert werden. Die Größe der Suboxide liegt im röntgenamorphen Bereich und war
allein durch XRD-Messungen nicht feststellbar.
Auf Basis der Ergebnisse kann bei dieser Abscheidetemperatur vermutet werden, dass das
Einbringen von Aluminium in Zinkoxid bis zu einem Löslichkeitslimit von circa 2.2 Atompro-
zent per seriellem Co-Sputtern möglich ist, um die elektrische Leitfähigkeit der Schichten zu
erhöhen. Dies zeigt sich durch eine Reduzierung des spezifischen Widerstands bis zu dieser
Konzentration. Bei einer weiteren Erhöhung steigt der Widerstand wieder an. Dies geschieht
vor allem aufgrund der reduzierten Ladungsträgerbeweglichkeit und kann nicht durch eine
Erhöhung der Ladungsträgerkonzentration kompensiert werden.
Es stellt sich heraus, dass die Transparenz der Schichten vor allem aufgrund der steigenden
Absorption fällt. Dafür wurde die Absorption über das gesamte Spektrum berechnet. Es wird
deutlich, dass durch mehr eingebrachtes Aluminium die Absorption in sichtbaren und nahen
Infrarotbereich des Lichtspektrums deutlich steigt. Die Schichten mit der chsten Dotierung
zeigten auch die chste Absorption. Die Verschiebung der Fundamentalabsorption hin zu
kleineren Wellenlängen bei den höherdotierten Schichten lässt auf eine Vergrößerung der
Bandlücke schließen. Die Vergrößerung kann durch die Burstein-Moss-Verschiebung [128, 129]
verursacht worden sein, da durch das serielle Co-Sputtern die Ladungsträgerdichte erhöht
wird.
Mit der Erhöhung der Ladungsträgeranzahl steigt auch die Absorption im nahen Infra-
rotbereich des Lichts. Die freien Ladungsträger können hier vermehrt absorbieren (Absorp-
79
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
tion der freien Ladungsträger). Dies begründet die fallenden Transmissionswerte der AZO-
Schichten in diesem Bereich. Eine Auffälligkeit ist im sichtbaren Bereich des Lichtspektrums
erkennbar. Hier steigt die Absorption ebenfalls durch die Zugabe von Aluminium bei sonst
konstantem Sauerstoffangebot. Dies begünstigt die Anzahl an Defekten. Es ist bekannt, dass
Sauerstoffleerstellen innerhalb der Bandlücke von Zinkoxid Defektstellen erzeugen können
[72]. Da die Kristallqualität mit immer mehr Aluminium auch immer weiter gestört wird,
ist davon auszugehen, dass die Absorption im sichtbaren Bereich durch solche Defekte er-
zeugt wird. Hinzu kommt, dass ein vermehrter Anteil an metallischen Komponenten in den
Schichten ebenfalls zu einer erhöhten Absorption im sichtbaren Bereich führt. So erschei-
nen beispielsweise sauerstoffarme Schichten graustichig, da sie im sichtbaren Bereich mehr
Photonen absorbieren.
Die erzeugten Schichten weisen aufgrund der verschiedenen Prozessbedingungen unter-
schiedliche optische und elektrische Eigenschaften auf. Um die Schichten für die Anwendung
in der CIGS-Technologie bewerten und vergleichen zu können, wurde der Trade-off zwischen
diesen Eigenschaften mit Hilfe der gewichteten Absorption und dem Schichtwiderstand in ei-
nem Benchmark ausgewertet. Dieser ist in Abbildung 4.11 dargestellt17. Eine optimierte nicht
co-dotierte AZO-Schicht mit einer fixen Targetdotierung von 1wt.% Al2O3weist bei ca. 320
nm Schichtdicke einen Schichtwiderstand von 36 @auf und eine gewichtete Absorption von
2.7%. Durch die Zugabe von Aluminium in den Prozess und die Schichten sank der Schicht-
widertand deutlich auf bis zu 17.4 @, was etwa einer Halbierung des Wertes entspricht. Die
Auswertung des Diagrammes führt zu zwei Erkenntnissen: Erstens kann durch die Zugabe
von Aluminium durch mehr Sekundärtargetleistung bis auf 0.8 kW der Schichtwiderstand re-
duziert werden18. In den Schichten wurde ein Aluminiumanteil von etwa 2.2 at.% gemessen.
Bei einer noch weiteren Erhöhung der Sekundärtargetleistung zeigt sich eine Umkehrung des
Trends. Die Schichten werden wieder hochohmiger. Ein zweiter Effekt, der in diesem Dia-
gramm deutlich wird, ist die Tatsache, dass die solargewichtete Absorption stetig zunimmt,
sobald mehr Aluminium in den Prozess eingebracht wird. So steigt der Absorptionswert der
Schichten von 2.9 auf 4.6, sobald das Aluminiumtarget mit 0.4 kW in dem Prozess zuge-
schaltet wird. Je mehr Leistung nun am Target zugeschaltet wird, desto mehr absorbieren
die Schichten. Wie hieraus ersichtlich ist, wird eine Verbesserung der Leitfähigkeit mit einer
Zunahme der solargewichteten Absorption erkauft.
Zusammenfassung
Der neu eingeführte Prozessparameter „Sekundärtargetleistung“ nimmt Einfluss auf die Dor-
tierstoffkonzentration und Eigenschaften der AZO-Schichten nehmen. Untersuchungen bei
einem fixen Sauerstoffangebot zeigen, dass das Sputtern von zusätzlichem Aluminium im Pro-
zessraum zu höheren Aluminium- und Ladungsträgerkonzentration in den Schichten führt.
Bis zu einer Leistung von PST =0.8 kW wurde der Aluminiumanteil von 0.9 auf 2.2 at.%
erhöht. Die Ladungsträgerkonzentration Newurde gegenüber der Referenzschicht von 2 auf
17Ziel bei der Optimierung ist die linke untere Ecke des Diagramms.
18Unter sonst konstanten Prozessparametern.
80
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
gewichtete AbsorptionAMG1.5g / %
Schichtwiderstand / Ω
nm
Abbildung 4.11.: Solargewichtete Absorption über Schichtwiderstand der co-dotierten AZO-Schichten.
5.4×1020cm3mehr als verdoppelt, während die Ladungsträgerbeweglichkeit nur von 24 auf
21 cm2V1s1reduziert wurde. So konnte der spezifische Widerstand auf 550 µcm redu-
ziert werden. Gleichzeitig führt dies zu einer stärkeren Absorption. Die Dotiereffizienz ist mit
knapp 61% für Schichten mit 1.4 at.% Aluminium (PST =0.4 kW) am chsten und sinkt
danach leicht ab. Als Ergebnis der Untersuchung ergibt sich, dass eine Optimierung der AZO-
Schichten für Solarzellen durch den hier vorgestellten seriellen Co-Sputterprozessparametern
mit einer Sekundärtargetleistung von 0.4 bis 0.8 kW möglich ist.
4.1.5. Einfluss der Schichtdicke auf co-dotierte AZO-Schichten
Die vorherigen Versuchsreihen zur Co-Dotierung von AZO zeigten, dass die Ladungsträger-
konzentration und die Absorption mit dem Aluminium-Anteil in den AZO-Schichten stei-
gen. Der Schichtwiderstand der TCO-Schichten ist neben der Ladungsträgermobilität und
-konzentration auch von der Schichtdicke abhängig (siehe Formel 2.10). In der Dünnschichtso-
lartechnologie werden für Solarmodule mit Serienverschaltung Schichtwiderstände im Bereich
von 10 Ohm oder weniger benötigt, während Metall-Gitter unterstütze Solarzellen mit gerin-
geren Schichtwiderständen auskommen.
Durch das serielle Co-Sputtern kann die Dotierung der AZO-Schichten verändert wer-
den. Im folgenden Versuch wurde untersucht, ob durch den Prozess besonders leitfähige und
transparente Schichten bei unterschiedlichen Schichtdicken abgeschieden werden können. Aus
diesem Grund wurde für normales und co-dotiertes AZO eine Serie von Schichten mit unter-
schiedlicher Schichtdicke bei drei verschiedenen Sekundärtargetleistungen abgeschieden. Die
Leistungen an der Sekundärkathode waren 0.0, 0.4 und 0.8 kW bei einer fixen Primärtarget-
leistung von 2 kW. Die Sauerstoffmischgasflüsse wurden entsprechend der Sekundärtarget-
leistung auf 13, 28 und 56 sccm angepasst. Durch die Erhöhung der Oszillationszahl wurde
die Schichtdicken erhöht.
In Abbildung 4.12 sind die Ladungsträgerbeweglichkeit über die -konzentration für drei
Versuchsserien gezeigt. Die Werte geben die gemessenen Schichtdicken an. Für einfache AZO-
81
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Ladungsträgermobiltät / cm2V-1s-1
Ladungsträgerkonzentration / x1020 cm-3 Schichtdicke / nm
Spezifischer Widerstand / µΩcm
Abbildung 4.12.: Links: Ladungsträgermobilität über -konzentration in Abhängigkeit der Schichtdicke für
3 Leistungsserien (PAl = 0, 0.4, 0.8 kW). Dazu rechtes der spezifische Widerstand über die Schichtdicke für
die drei Serien.
Schichten mit einer Schichtdicke von 100 nm liegt Nebei ca. 2×1020 cm3. Wenn die Schicht-
dicke erhöht wird, steigen sowohl µevon 17 auf 24cm2V1s1als auch Neauf 2.75×1020 cm3.
Als nächstes werden zwei Serien von co-dotierten Schichten vorgestellt.
Durch die Co-Dotierung mit PAl = 0.4kW wird die Ladungsträgerdichte von 2 auf 3.2×
1020 cm3erhöht. Für die TCOs, welche mit einer Sekundärtargetleistung von PAl = 0.4kW
abgeschieden worden sind, steigt die Ladungsträgerkonzentration leicht auf 3.5×1020 cm3
an. Dagegen steigt die Ladungsträgerbeweglichkeit von 17 auf 26 cm2V1s1(+50%) an,
wenn die Schichtdicke von 102 auf 545 nm steigt.
Für TCOs, die mit einer Zusatzleistung von PAl = 0.8kW abgeschieden werden, können
ähnliche Ladungsträgerkonzentrationen gemessen werden, jedoch steigt die Ladungsträger-
beweglichkeit nur auf ca. 23 cm2V1s1an.
Es ist festzustellen, dass mit einer Erhöhung der Schichtdicke die Ladungsträgerbeweg-
lichkeit stark und die Ladungsträgerkonzentration nur geringfügig steigen und damit der
spezifische Widerstand sinkt. Um den Effekt zu verdeutlichen wird in Abbildung 4.12 rechts
der spezifische Widerstand als Funktion der Schichtdicke für die drei Serien aufgetragen.
Während für einfache AZO-Schichten mit einem Schichtdickenanstieg von circa 100 auf 900
nm ein Abfall des spezifischen Widerstands von 1750 auf etwa 950 µcm zu messen ist (Re-
duzierung auf 54%), wird bereits für eine 100 nm dicke Schicht mit einer Co-Dotierung von
PAl = 0.4kW ein spezifischer Widerstand von 1050 µcm erreicht (Reduzierung auf 60%).
Mit einem Anstieg der Schichtdicke der co-dotierten Schicht sinkt ρauf unter 600 µcm.
Des Weiteren wurden Schichten mit einer Sekundärtargetleistung von PAl = 0.8kW abge-
schieden. Der schichtdickenabhängige spezifische Widerstand der Schichten mit PAl = 0.8kW
liegt zwischen den beiden erstgenannten Serien. Damit wurden für die Schichten mit einer
leichten Co-Dotierung die niedrigsten spezifischen Widerstände erreicht.
Für alle Schichten wurden die Transmission und Reflexionen gemessen und die Absorption
kalkuliert. Die dünnsten Schichten weisen die niedrigste Absorption auf und mit steigender
Schichtdicke ist eine deutliche Zunahme der Absorption im UV und NIR Bereich zu beob-
achten (hier nicht gezeigt).
82
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
gewichtete AbsorptionAMG1.5g / %
Schichtwiderstand / Ω
Abbildung 4.13.: Solargewichtete Absorption (320 bis 1250 nm) über den Schichwiderstand für normale
sowie co-dotierte Schichten für unterschiedliche Schichtdicken.
Um die Schichten für die Solartechnologie zu bewerten, wurden die elektrischen und op-
tischen Schichteigenschaften in einem Benchmark verglichen. In Abbildung 4.13 ist die so-
largewichtete Absorption (320 bis 1250 nm) über den Schichtwiderstand für normale sowie
co-dotierte Schichten aufgetragen. Tendenziell weisen die Aluminium-angereicherten Schich-
ten eine geringere Absorption bei gleichem Schichtwiderstand auf. Schon für die dünnen
Schichten (um 100 nm) zeigen die co-dotierten Schichten stark verbesserte Widerstände von
ca. 100 @gegenüber den puren AZO-Schichten mit 165 @.
Diskussion
Basierend auf den Erkenntnissen der vorausgegangenen Untersuchungen wurden Schichten
unterschiedlichen Schichtdicken bei drei unterschiedlichen Sekundärtargetleistungen am Alu-
miniumtarget abgeschieden. Aus der Literatur ist bekannt, dass AZO beim Aufwachsen meh-
rere Phasen durchläuft. Nach van der Drift [181] sind drei Phasen zu unterscheiden. Zu Beginn
kommt es zu einer 5 bis 10 nm dicken Nukleationsphase, geprägt von nanokristallinen Berei-
chen nahe des Substrates. Im Bereich von 100 bis 300 nm kommt es zu einem verstärkten
Wachstum von Körnern und die Korngröße wächst an. Im weiteren Verlauf kommt es in ei-
ner dritten Phase zu einem Wachstum der Kristalle und einem Überwachsen der schneller
wachsenden Körner. Damit nimmt die Korndichte mit aufwachsenden Schichten zu und die
Korngrenzenanzahl ab. So nimmt die Korngrenzenstreuung der Elektronen ab und dies kann
die erhöhte Mobilität der Elektronen erklären.
Es wurde untersucht, ob durch die Aluminium-Anreicherung ein besserer spezifischer Wi-
derstand bei gleichem oder besserem Absorptionsverhalten erreicht werden kann. Die Ergeb-
83
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
nisse zeigen, dass mit Hilfe der Zugabe von Aluminium eine erhöhte Ladungsträgerkonzen-
tration erreicht werden kann und gleichzeitig ähnliche Beweglichkeiten beibehalten werden.
Somit kann der spezifische Widerstand reduziert werden.
Die zusätzlich eingebrachten Al-Atome führen zu einer Steigerung der Ladungsträgerkon-
zentration von etwa 50%. Die Schichten mit PAl = 0.4kW und PAl = 0.8kW weisen fast
die gleiche Ladungsträgerkonzentrationen auf, obwohl unterschiedlich viel Aluminium vom
Sekundärtarget zum Primärtarget geführt wird. Damit ist die beste elektrische Aktivierung
der Aluminiumatome (Dotiereffizienz) bei den Schichten mit PAl = 0.4kW erreicht worden.
Trotz einer erhöhten Zugabe von Aluminium wird keine deutliche Erhöhung der Ladungsträ-
gerkonzentrationen erreicht, da durch das eingebrachte Mischgas mehr Sauerstoff im Prozess
existiert und dieser mit den Aluminiumteilchen oxidieren kann.
Die moderate Anreicherung von Aluminium bei angepasster Sauerstoffzufuhr führt in den
Schichten zu keiner Erhöhung der Absorption gegenüber den einfachen AZO-Schichten. Dies
zeigt sich in der solargewichteten Absorption. Zwar wurde aufgrund der erhöhten Ladungs-
trägeranzahl eine Steigerung der Absorption im NIR induziert (FCA), jedoch konnten im
sichtbaren und UV-VIS-Bereich aufgrund der erhöhten Sauerstoffzufuhr niedrigere Absorp-
tionen erreicht werden. Durch Sauerstofffehlstellen entstehen Defekte im ZnO-Kristallgitter
und dadurch steigt die Absorption im sichtbaren Bereich des Spektrums [72, 79]. Dies führt
zu einer deutlichen Zunahme der Absorption schon im Bereich unter 500 nm. Dies ist bei
erhöhter Sauerstoffzufuhr (von 13 auf 28 sccm) reduziert.
Zusammenfassung
Für die Optimierung von Solarzellen wurde für drei unterschiedliche Dotierstoffkonzentratio-
nen im AZO eine Schichtdickenvariation durchgeführt. Es wird festgestellt, dass eine Erhö-
hung des Aluminiumgehaltes durch das serielle Co-Sputtern für alle Schichtdicken zu einer
Verbesserung der elektrischen Eigenschaften der AZO-Schichten führt, ohne die Absorption
stark zu erhöhen. Eine Auswertung der solargewichteten Absorption über den Schichtwider-
stand zeigt hingegen, dass die Eigenschaften der Schichten mit einer Sekundärtargetleistung
von PAl = 0.4kW und PAl = 0.8kW nahezu gleich sind, da die Dotiereffizienz für eine Sekun-
därtargetleistung von PAl = 0.4kW besser ist. Der spezifische Widerstand in Abhängigkeit
der Schichtdicke ist für die AZO-Schichten mit PAl = 0.4kW am besten. Besonders die Er-
kenntnis, dass sehr dünne Schichten (ca. 100 nm) mit erhöhter Aluminiumdotierung bereits
zu Schichtwiderständen von nur 103 @führen, motiviert diese in CIGS-Solarzellen einzu-
setzen. Die Verwendung hochdotierter dünner AZOs in CIGS-Solarzellen wird in Abschnitt
4.4.1 aufgegriffen.
4.1.6. Kapitelzusammenfassung
Die Beschichtungstechnologie „Serielles Co-Sputtern“ wurde durch die Entwicklung eines neu-
en Raumtrenners in einer in-line Sputteranlage ermöglicht. Mit Hilfe der Anpassung zweier
zylindrischen Targets zu einer Primär- und einer Sekundärkathode konnte eine Aluminium-
Co-Dotierung von AZO-Schichten erfolgen. Erstes Ziel war das Verständnis der Zusammen-
84
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
hänge der Prozessparameter beim seriellen Co-Sputtern, um die Kontrolle über die Dotier-
stoffkonzentration in den Schichten erhalten zu können. Als wesentliche und wichtigste Pro-
zessparameter wurden der Sauerstofffluss und die Sekundärtargetleistung erkannt. Durch den
neu eingeführte Prozessparameter „Sekundärtargetleistung“ PST konnte die Dotierstoffkon-
zentration von AZO von ca. 0.9 auf knapp 3 at.% erhöht werden. Dazu wurde PST von 0.4
bis 1.1kW erhöht. 19 Die AZO-Schichten mit den besten elektrischen Eigenschaften wurden
bei PST = 0.4kW und PST = 0.8kW abgeschieden. Die Absorption der Schichten stieg mit
mehr Aluminium im Prozess an.
Die elektrischen und optischen Eigenschaften der AZO-Schichten können durch den hier
gezeigten seriellen Co-Sputterprozess beeinflusst werden. Für die Optimierung auf Solarzellen
muss ein trade-off aus den elektrischen und optischen Eigenschaften der Schichten gefunden
werden.
Die Untersuchungen des hier vorgestellten Prozesses zeigten einige Limitierungen des seri-
ellen Co-Sputterpozesses:
Die Zünd- und Brennspannung des Sekundärtargets kann nicht beliebig klein gewählt
werden. Dadurch ist die Anpassung der Dotierstoffkonzentration limitiert. Durch die so
nötige Mindestleistung am Sekundärtarget gibt es einen minimalen permanenten Parti-
kelfluss zum Primärtarget. Durch eine in dieser Arbeit selbstentwickelte Blendeneinheit
mit verstellbaren Shutter kann dieser Effekt verringert werden.
Der Sauerstoff spielt in dieser Prozesskonfiguration eine kritische Rolle. Für moderate
Sauerstoffflüsse ist der Prozess stabil und kontrollierbar. Ab einer kritischen Menge an
Sauerstoff ist der Prozess einer starken Änderung ausgesetzt ist. Dadurch oxidiert die
Oberfläche des metallischen Sekundärtargets und die Targetspannung fällt ab. Folg-
lich wird der Partikelstrom an Dotierstoff stark vermindert und eine Aufhebung der
Getterwirkung an Sauerstoff auf den Oberflächen tritt ein. Folglich werden sauerstoff-
übersättigte und dadurch hochohmige und transparente AZO-Schichten abgeschieden.
Besonders die elektrischen Eigenschaften der Schichten werden stark beeinflusst. Um dies
zu verdeutlichen, sind in Abbildung 4.14 Hall-Messdaten von Schichten aus drei unterschied-
lichen Versuchen (1. Variation von PST ,2. Variation von qAr,O2für AZO, 3. Variation von
qAr,O2bei PST =0.4 kW ) aufgelistet. So kann festgehalten werden, dass für eine fixe Tar-
getdotierung die mögliche Erhöhung der Leitfähigkeit stark begrenzt ist. Die Daten für die
Sauerstoffvariation mit reinem AZO-Schichten (rote Sternenform) zeigt eine natürliche Li-
mitierung der Leitfähigkeit aufgrund einer sinkenden Ladungsträgerkonzentrationen und -
beweglichkeit mit zunehmenden Sauerstoff im Prozessgas. Aufgrund der fixen Dotierung sind
nur Ladungsträgerdichten von ca. 13×1020cm3möglich.
Um die Leitfähigkeit weiter zu erhöhen, kann die Aluminiumdotierung im AZO dank der
Co-Dotierung durch ein zweites Target erhöht werden (schwarze Quadrate). Hierdurch wird
vor allem die Ladungsträgerkonzentration erhöht.
19Bei einer noch höheren Leistung wurden keine verbesserten Eigenschaften erzielt.
85
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.14.: Hall-Daten aus den drei Versuchsserien ohne Gasraumtrennung: (1) Variation der Leistung
am Sekundärtarget (P(Al), (2) Variation des Sauerstoffs für pures AZO, (3) Variation des Sauerstoffs für
seriellen Co-Sputterprozess mit einer konstanten Leistung am Sekundärtarget von 0.4 kW. (Eine optimierte
Referenz-AZO-Schicht wurde mit 13 sccm Mischgas im Prozessgas abgeschieden.)
Die Verwendung eines metallischen Targets in einer sauerstoffhaltigen Umgebung stellt
eine besondere Herausforderung an den Prozess dar (blaue Dreiecke). Es zeigt sich, dass sich
der Prozess ab einer bestimmten kritischen Sauerstoffzufuhr sprungartig ändert. Es kommt
zu einer reduzierten Targetspannung und Aluminiumkonzentration in den Schichten. Dieses
Setup zeigt, dass bei 28 sccm Ar/O2Mischgaszufuhr der letztmögliche Prozesspunkt für
elektrisch leitfähigste AZO-Schichten erreicht wird. Bei höheren Zuflüssen „kippt“ der Prozess
aufgrund von Targetvergiftung. Folglich sinkt die Ladungsträgerkonzentration auf die Hälfte,
von etwa 3.6 auf 1.8×1020cm3, ab. Mit einer weiteren Erhöhung des Sauerstoffgehaltes
sanken die Ladungsträgerkonzentration und -beweglichkeit noch weiter auf 1×1020 cm3
und 14.5cm2V1s1ab.
Um die Leitfähigkeit dennoch zu erhöhen, kann eine Steigerung der Leistung am Sekundär-
target bei konstantem Sauerstoffangebot vorgenommen werden. Damit steigt die Ladungs-
trägerkonzentration stark an, gleichzeitg sinkt die Ladungsträgerbeweglichkeit nur leicht.
Die Auswertung der Schichtdickenuntersuchung von co-dotierten AZO-Schichten zeigen,
dass eine Zugabe von Aluminium über das Sekundärtarget (PAl = 0.4kW und PAl = 0.8kW)
zu besseren opto-elektrischen Eigenschaften gegenüber der Referenzschicht führen. Durch die
Aluminium-Anreicherung können bei Schichtdicken zwischen 100 und 300 nm AZO-Schichten
ohne eine nennenswerte Erhöhung der Absorption und mit niedrigen spezifischen Widerstän-
den hergestellt werden. Dadurch kann bei bei gleichem Widerstand die Schichtdicke reduziert
werden.
86
4.1. Serielles Co-Sputtern ohne Gasraumtrennung
Für weiterführende Untersuchungen traten besonders drei anlagenspezifische Probleme auf:
1. Der Sputterprozess ist nur in pulsed-DC oder DC möglich, was niedrig dotierte kera-
mische ZnO-Targets ausschließt.
2. Der Prozess kann nur leistungsgesteuert prozessiert werden.
3. Das Hauptproblem stellt die mangelhafte Reaktivgastrennung dar.
Die Prozessinstabilitäten führten zu der Erkenntnis, dass eine gasspezifische Separation in ei-
ner Sekundär- und Primärkammer von Nöten ist, um das Potential des seriellen Co-Sputterns
voll ausnutzen zu können. Aus diesem Grund wurde eine neue und weiter optimierte Version
des seriellen Co-Sputterns entwickelt, welche in Kapitel 4.2 behandelt wird.
87
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
Für optimale Schichteigenschaften von TCOs wird ein teilreaktiver Sputterprozess benötigt
(siehe Kapitel u.a. 4.1). Die Ergebnisse des vorherigen Kapitels zeigen ein grundlegendes Pro-
blem beim Sputtern von zwei unterschiedlichen Targets in reaktiver Atmosphäre in nur einer
Kammer auf: es fehlt eine Reaktivgasseparation. Die Grundidee der nachfolgenden Entwick-
lung des seriellen Co-Sputterns ist die einer Gasraumtrennung. Ziel der Gasraumtrennung ist
es vorrangig, den Anteil von Sauerstoff im Hilfskathodenraum so gering wie möglich zu hal-
ten. Als Gütefaktor dient der Gas-Trenn-Faktor (GTF) für Sauerstoff zwischen beiden Räu-
men. Dieser errechnet sich aus dem Quotienten des Sauerstoffpartialdrucks der Reaktivgas-
Kammer und der ohne Reaktivgas. Ein möglichst hoher Wert ist dabei anzustreben. Mit Hilfe
einer geeigneten Geometrie kann trotz benötigter Verbindung der beiden Arbeitsräume ein
hoher GTF-Wert erreicht werden.
4.2.1. Grundidee und Wirkprinzip
Für die Gasraumtrennung wurde als Referenz das Konzept des seriellen Co-Sputterns vom
Fraunhofer IST aufgegriffen und verbessert. Die dort umgesetzte Lösung am „Megatron“ ist
ein serielles Co-Sputter-Konzept mit Spaltspülung. Der beste dort real gemessene GTF-Wert
lag bei ca. maximal 15 und ist das Minimalziel für die Auslegung des neuen Co-Sputter-
Moduls für die Sputteranlage. In Abbildung 4.15 ist das Konzept dargestellt. Durch ein
planares Sekundärtarget (ST) wird der Dotierstoff auf das zylindrische Primärtarget (PT)
abgeschieden. Ohne eine geeignete Raumtrennung verteilt sich eingelassenes Reaktivgas in
der kompletten Prozesskammer und die Oberfläche der metallischen Targets wird vergiftet
(Abbildung 4.15 a)).
Das neu entwickelte Konzept nutzt zwei Wirkprinzipien:
Zum einen wird das zylindrische Primärrohr durch eine Mantelschalung (Mantelrohr) um-
geben. Diese ist mit der Prozesskammer verbunden und teilt diese in eine Primärtarget- und
Sekundärtargetkammer. (Abbildung 4.15 b)) Dadurch wird die Verteilung des Reaktivga-
ses verändert. Dieses kann nur durch den sich ergebenen Spalt zwischen Primärtarget und
Mantelrohr aus der Primärkammer in die Sekundärkammer diffundieren.
Zum anderen wird in den Spalt das inerte Prozessgas Argon eingelassen, um das Primär-
target in der Ummantelung zu umspülen („Spülgas“). Aufgrund dieses Argongasflusses wird
es dem Reaktivgas (hier Sauerstoff) weiter erschwert, in die Sekundärkammer zu gelangen
(Roter Kasten in Abbildung 4.15 b) mit Fokus in Abbildung 4.15 c)).
Ziel dieser Arbeit war es, dieses Wirkprinzip der Spülgastrennung weiter zu optimieren. Da-
zu sind Kenntnisse über die physikalischen Zusammenhänge von Gasströmungen im Vakuum
nötig. Der Sputterprozess basiert auf der Verwendung von Gasen wie Argon und Sauerstoff.
Betrachtet man ein ideales Gas, so kann man dies mit der allgemeinen Gasgleichung beschrei-
ben. Diese allgemeine Gasgleichung beschreibt die Abhängigkeiten der Zustandsgrößen des
idealen Gases voneinander. Die ideale Gasgleichung lautet:
88
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
a) b) c)
Abbildung 4.15.: Prinzipieller Aufbau der seriellen Co-Sputter-Einheit mit einem zylindrischen Rohrtarget
als Primärkathode und einem Planartarget als Sekundärkathode: a) ohne Gasraumtennung, b) mit speziell
entwickelter Gasraumtrennung samt Mantelrohrtechnologie, c) Fokus auf Spülgaseinlass im Spalt samt Sperr-
Spülung (Erklärung siehe Text).
p·V=N·kb·T, (4.4)
mit dem Druck (p), dem Volumen (V), der Teilchenanzahl (N), der Boltzmannkonstante
(kb) und der Temperatur (T). Das im Rahmen dieser Arbeit entwickelte Konzept der Gas-
raumtrennung beruht auf der Verwendung von lokalen Druckerhöhungen durch Strömungs-
manipulationen. Je nach vorherrschenden Bedingungen an Druck und Querschnittsausdeh-
nung kann man drei Strömungsformen unterscheiden: die molekulare, die viskose und die
Knudsenströmung.
1. Bei einem genügend kleinen Druck (Hochvakuum, p < 103mbar) ist die mittlere freie
Weglänge (siehe Formel 2.1) der Gasteilchen sehr groß gegenüber der Querausdehnung
der Umgebung (Leitung, Kammer, etc.). Hierbei kommen gegenseitige Teilchenstöße
fast nicht vor. In diesem Bereich spricht man von der molekularen Strömung. Die Bewe-
gung vieler Gasteilchen durch ein Bauteil erfolgt dabei statistisch. Die Annahme, dass
ein Teilchen in einer Eintrittsfläche eintritt und dann nach vielen Stößen an der Aus-
gangsfläche austritt, wird mit der rechnerischen Größe der Durchlaufwahrscheinlichkeit
P dargestellt.
2. Wenn der Druck sehr groß wird, sinkt die mittlere freie Weglänge gegenüber dem Lei-
tungsquerschnitt. Es kommt zu sehr vielen gegenseitigen Stößen der Gasteilchen. Dabei
werden Impuls und Energie ausgetauscht. In diesem Bereich spricht man von der vis-
kosen oder Kontinuumsströmung.
3. Im Übergang von molekularer und viskoser Strömung gibt es sowohl Stöße zwischen
Gasteilchen und Wand als auch unter den Gasteilchen. Es herrscht die Übergangs- oder
Knudsen-Strömung.
89
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Tabelle 4.3.: Drei Typen der Gasflüsse mit verschiedenen Knudsenzahlen und Vakuumbereichen.
Kontinuumsfluss Knudsenfluss Molekularer Fluss
Kn< 0.01 0.01 <Kn < 10 > 10
Druck (mbar) 1<p<103103<p<1<103
Das Verhältnis aus der mittleren freien Weglänge (λmfw)und der geometrischen Ausdehnung
des Querschnitts dhwird als Knudsenzahl (Kn)bezeichnet:
Kn =λmfw
dh
(4.5)
Somit ist eine einheitenlose Größe zur Bestimmung der Strömungsart gegeben, die von
zwei Faktoren abhängig ist: erstens vom Querschnitt dhder Schnittfläche (hier rechteckig,
für andere Geometrien der hydraulische Durchmesser):
dh= 4 ·Querschnittsfl¨ache der Leitung
Umfang der Leitung =2·a·b
(a+b)(4.6)
mit den Längen a und b und zweitens der mittleren freien Weglänge. In Tabelle 4.3 sind
die drei Strömungsarten mit den jeweiligen Druckbereichen aufgeführt.
Beim bisherigen Spülgaskonzept des „Megatron“ des Fraunhofer IST ergaben sich Proble-
me, die eine Überführung in die Großserie verhinderten. Das Hauptproblem war, dass sich
die gewünschte Wirkung des Spülgases nicht bemerkbar machte. Untersuchungen zeigten,
dass das eingelassene „Spülgas“ im Spalt nicht effizient „spülte“. Durch das Absaugen des
Gases im Sekundärraum hätte eine verhältnismäßig große Menge an Argon eingelassen wer-
den müssen, was unter anderem hohe Kosten durch den Gasverbrauch bedeutete. Also war
man dazu übergegangen die Pumpleistung im Sekundärraum aufzugeben und durch lokale
Gaseinlässe den Gesamtdruck in der Sekundärkammer solange zu erhöhen, bis sich dort ein
hoher Druck einstellte (z.B. 2 Pa). Aufgrund der guten Pumpleistung der Pumpe im Rezi-
pienten (Primärkammer) konnte hier ein Druck von 0,5 Pa erreicht werden 20. Damit hatte
sich zwischen Sekundär- und Primärkammer ein Druckunterschied (p) von 1,5 Pa ergeben.
Dadurch veringerte sich der Diffusionsstrom von Sauerstoff in Richtung Sekundärkammer.
Die Grundidee über Spülgas und reduzierte Leitwerte den Gastrennfaktor zu erhöhen, hatte
man ausgehebelt und das Prinzip ähnelt dem der Anlage, die von Austgen an der RTWH
Aachen („COSMOS“) untersucht worden ist [41].
Die erkannten Probleme führten zu den Fragen:
1. Durch welche Parameter und Kriterien lässt sich das Konzept der Gasraumtrennung in
Kombination mit einer Spülgaswirkung verbessern?
2. Wie werden diese Parameter in ein Prozessmodul einer in-line Sputteranlage überführt?
Mit Hilfe von Simulationen und Konstruktionsideen für eine in-line-Sputteranlage entstand als
Ergebnis dieser Arbeit ein zweigeteiltes Prozessmodul, dass den Rezipient in zwei Kammern
separierte, eine Primärkammer und eine Sekundärkammer. Um die Kriterien für einen hohen
20Dieser stellt in dieser Arbeit auch den Referenzdruck dar.
90
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
Gastrennfaktor auszumachen, wird kurz auf die wesentliche Bauteile eingegangen, die zu dem
Konzept gehören:
die Primärkammer für die Substratbeschichtung mit Sauerstoffgas-Einlasslanzen und
einem rückseitigen Heizer
eine Gastrenneinheit mit Zylinderrohraufnahme (Primärtarget), Mantelrohr, Trenn-
blechen (Mittelteil)
ein Spaltbereich zwischen Rohrkathode und Mantelrohr mit Gaseinlass im Mantelrohr
für das Spülgas und diverse Hilfskomponenten
eine Sekundärkammer mit einer planaren Hilfskathode (PK500) als Sekundärkathode
mit Shuttervorrichtung und Aufnahme für eine Turbomolekularpumpe samt Regelventil
(Hilfskathodentür)
Konstruktiv ergibt sich das Konzept wie folgt: Das an die Kammer isoliert befestigte Man-
telrohr bildet mit dem Rohrtarget einen Raumtrenner. Das Mantelrohr muss zu den Plasma-
zonen hin geöffnet sein. Damit ergeben sich um das Rohr zwei Spalte21. Der erste Raum, in
dem sich das Substrat befindet, ähnelt im Aufbau herkömmlicher Sputteranlagen und wird
Primärkammer genannt, die mit Argon und Reaktivgas betrieben wird. Der zweite Raum,
in dem sich das metallische Hilfstarget (Planartarget) befindet, soll nur mit dem Prozessgas
Argon betrieben werden.
Der Spalt neben der Zylinderkathode wird nicht für den seriellen Prozess gebraucht und
kann soweit verengt werden, wie es die Bauteiltoleranzen zulassen. Physikalisch begrenzt
dieser Spalt einen ungehinderten Sauerstofffluss in den Planartargetraum. Da die Prozess-
führung im Bereich von 0.1 - 2 Pa (103bis 2×102mbar) stattfindet, liegen vor allem
Knudsenströmungsverhältnisse vor. In diesem Fall wird unter anderem eine Betrachtung des
Leitwerts für den entstehenden Spalt wichtig, um die Anlage zu optimieren.
Durch tiefer gehende Analysen des Bereichs rund um den Spalt konnten mehrere relevan-
te Einfluss-Parameter ausgemacht werden, die zusammen einen positiven Einfluss auf die
Erhöhung des Gas-Trennfaktors haben. Da der Gasraumtrenner maßgeblich nach den ausge-
machten Kriterien ausgelegt wird, soll im Folgenden auf diese genauer eingegangen werden:
1. Die mittlere freie Weglänge: Eine Betrachtung der mittleren freien Weglänge λmfw
ist für den hier vorliegenden Fall von besonderer Bedeutung. Im Hochvakuum kommt
es zur molekularen Strömungsform. Die Gasteilchen stoßen weniger miteinander zusam-
men, sondern vielmehr mit den Wänden und Oberflächen in der Vakuumkammer. Die
Flugbahn der Teilchen wird von der Geometrie und den Oberflächeneigenschaften der
Kammerwände bestimmt. Den Effekt der Reduzierung der freien Weglänge durch die
lokale Erhöhung des Arbeitsdruckes kann man positiv zur Gasraumtrennung einsetzten.
Dabei ist beim seriellen Co-Sputtern zwischen zwei Bereichen zu unterscheiden: Erstens
ist der Raum zwischen Target und Substrat zu betrachten, in dem das Plasma brennt.
21Zur Vereinfachung wird im Folgenden immer von einem Spalt gesprochen.
91
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Hier können die Arbeitsdrücke in den Prozesskammern nicht beliebig gewählt werden.
Ein hoher Druck führt zu einer geringeren Depositionsrate und mit weiter steigendem
Druck wird die Bewegung der zerstäubten Teilchen in der Kammer zunehmend gestört.
Bei zu hohem Druck ist die gerichtete Bewegung nicht mehr gegeben und Teile des zer-
stäubten Materials kondensieren an der Wand des Rezipienten. Aus diesem Grund ist es
in diesem Prozess wichtig, die Arbeitsdrücke des Prozessgases in den Prozesskammern
bei unter 1 Pa zu halten, um hinreichend gute Ergebnisse beim Sputtern zu erzielen. Der
zweite Bereich ist der Spalt zwischen den Räumen entlang der Zylinderkathode. Dieser
Raum hat für den Sputterprozess an sich nur eine untergeordnete Rolle, aber er bietet
die Möglichkeit der partiellen Druckerhöhung, um vor allem die mittlere freie Weglänge
des Sauerstoffs zu reduzieren. Wenn die freie Weglänge des Sauerstoffs reduziert wird,
dann werden die Teilchen-Wand-Stöße und Teilchen-Teilchen-Stöße stark erhöht. Dies
führt dazu, dass diese Teilchen weniger Potential haben, in den Planarkathodenraum
einzudringen. Der Druck ergibt sich aus der Anzahl der Teilchen (N) pro Volumen (V).
Der Druck ist bei konstantem Volumen maßgeblich abhängig von der Temperatur und
der Anzahl der Teilchen. Vereinfacht ist die Temperatur abhängig von der Heizleistung
der Heizer sowie dem Plasma. Die Wärme wird größtenteils über das Kühlwasser im
Target und den Wänden abtransportiert. Setzt man in der Formel 2.1 die Gasgleichung
für den Druck ein, so erhält man:
λmfw =V
2πd2N(4.7)
Durch das Einlassen des Prozess-Gases im Spalt wird aufgrund der erhöhten Gasmenge
N im kleinen Volumen V eine partielle Druckerhöhung induziert. Dies bedeutet auch
für die Sauerstoffteilchen, dass sie eine partielle Druckerhöhung beim Bewegen durch
den Spalt erfahren. Damit sinkt ihre freie Weglänge und gleichzeitig steigt die Wahr-
scheinlichkeit, dass die Sauerstoffteilchen auf eine Wand oder Argon-Teilchen des Pro-
zessgases treffen. Folglich ist ein hoher Gaseinlass zu bevorzugen. Entscheidend ist nun
die Tatsache, dass durch eine ausreichende hohe Pumpleistung der Druck in den beiden
Prozesskammern optimal für den jeweiligen Sputterprozess eingestellt werden kann,
aber trotzdem eine Reduzierung der Bewegung der Sauerstoffteilchen erlangt wird. Der
Druckgradient zwischen Spalt und Prozesskammer wird vor allem durch die Leistung
der Pumpen begrenzt.
2. Saugvermögen der Pumpe: Um ein gutes Hochvakuum zu erreichen, werden über-
wiegend Hochvakuumpumpen verwendet. Hier werden oftmals Turbomolekularpumpen
(TMP) an die Anlagen angeflanscht. Strömt das pro Zeit abgepumpte Gasvolumen (dV
dt )
durch die Fläche am Saugstutzen, so spricht man vom Saugvermögen Sp(engl. pum-
ping speed; in l·s1) der Pumpe. Das Saugvermögen ist von der Gasart abhängig und
kann aus Datenblättern ausgelesen werden. Die Saugleistung ˙
Qpwird in mbar ·l·s1
angegeben und wird mit Hilfe des Partialdruckes p am Einlass errechnet. Damit gilt:
92
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
˙
Qpump,s =Ss·pshmbar ·l·s1i(4.8)
mit s für die jeweilige Gasspezies. Betrachtet man zwei Leitungsenden einer Leitung
zwischen einem Kessel und einer Pumpe, so herrscht beim Abpumpen in der Leitung
ein Gasstrom zwischen dem Kessel und der Pumpe. Eine Druckdifferenz pzwischen
den beiden Enden ist die antreibende Kraft. Aufgrund des Druckunterschiedes zur Auf-
rechterhaltung des Stromes (und dem wirkenden Strömungsleitwert C) ist das wirksame
Saugvermögen (effektives Saugvermögen Seff ) stets kleiner als das angegebene Saug-
vermögen der Pumpe:
Seff =pA
pE·S < S (4.9)
mit dem Druck am Ausgang (Pumpe) pAund dem Eingang pE(z.B. Kessel). Der
sich einstellende Gesamtdruck hängt vom Gaseinlass (MFCs + Leckagen) und dem
effektiven Saugvermögen der Pumpen ab.
Bei der Konstruktion einer verbesserten Modultür für die Gasraumtrennung war die
Baufläche für Pumpen durch die Verwendung des Hilfsmagnetrons begrenzt. Hierbei
muss ein guter Kompromiss aus Saugvermögen und Bauraum gefunden werden. Kon-
struktive Abwägungen führten zur Verwendung von einem DN160-Flansch (Innendurch-
messer 151 mm) zur Aufnahme der Pumpe.
3. Der Strömungsleitwert: Wie bereits beschrieben, ist im Hochvakuum die mittlere
freie Weglänge der Gasteilchen groß gegenüber der Querausdehnung der Leitung. Da
so die Bewegung der Gasteilchen durch ein Bauteil (Blende, Leitung, Spalt) statis-
tisch erfolgt, wird die Durchlaufwahrscheinlichkeit P benutzt. Sie bezeichnet die Wahr-
scheinlichkeit, dass ein Gasteilchen die Eintrittsfläche eines Bauteils passiert und an der
Austrittsfläche austritt. Für gleiche Temperatur und Gasart in beiden Kammern und
symmetrischen Leitungsverlauf gilt für den Teilchenfluss qpV :
qpV =A·¯c
4·P·(pein paus)(4.10)
mit der mittleren thermischen Geschwindigkeit ¯cund der Querschnittfläche A der
Verbindungsleitung. Um für unterschiedliche Geometrien eine vergleichbare Kenngröße
des Teilchenstromes im Verhältnis zum Druckunterschied ∆p zu erhalten, wird der
Strömungsleitwert C eingeführt und dieser ist definiert als:
C=qpV
∆p =A·¯c
4·P(4.11)
Für einen gegebenen Druckunterschied ∆p geht aus Gleichung 4.11 hervor, dass eine
Reduzierung des Leitwerts zu einer ebenfalls reduzierten Strömung durch das Bau-
teil führt. Der Strömungsleitwert durch eine dünne Blende (Leitungslänge = 0) ist
nur abhängig von der Fläche und der mittleren freien Beweglichkeit des Gases (die
Durchlaufwahrscheinlichkeit ist gleich 1). Dieser von der Form der Öffnung unabhän-
93
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
gige Strömungsleitwert wird auch CBabgekürzt. Die analytische Auswertung zur Be-
stimmung von Strömungsleitwerten und Durchlaufwahrscheinlichkeiten der Bauteile ist
nur nummerisch möglich. Aufgrund der geometrischen Gegebenheiten der Gasraum-
trennung (Spalt) können Daten für Leitungen einfachen Querschnitts bei molekularer
Strömung und der Effekt eines Rohrbogens in die Überlegungen mit einbezogen werden.
Die Durchlaufwahrscheinlichkeit eines engen Spalts (a >> b und l als Länge des Spalts,
Abbildung 4.16 rechts) wurde empirisch untersucht und kann mit einem Fehler unter
1% durch folgende empirische Formel beschrieben ([182] S.120):
PengerSpalt =1 + ln(0.433 ·l
b+ 1)
l
b+ 1 (4.12)
Zusammen mit Gleichung 4.11 ergibt sich für den Strömungsleitwert bei molekularer
Strömung Cmol und rechteckigem Querschnitt:
Cmol =a·b·¯c
4·[1 + ln(0.433 ·l
b+ 1)
l
b+ 1 ]·∆p (4.13)
Aufgrund der Tatsache, dass die rechteckige Fläche A sich aus den Seitenlängen a·b
ergibt, hat diese Spaltein- und Austrittsfläche einen Einfluss auf die Gasverteilung und
ist damit sehr entscheidend. Berechnungen zeigten, dass die Spaltbreite b hier sehr
gering gehalten werden sollte.
Neben dem Gaseinlass und dem Leitwert sind auch die Pumpleistungen von großer
Bedeutung, da sie das Druckverhältnis bestimmen.
4. Verblockung: Durch die Hintereinanderschaltung von mehreren Bauteilen unterschied-
lichen Querschnitts und Längen (Blende, gekrümmtes Rohr, etc.) kann der Gesamtleit-
wert weiter beeinflusst werden. Bei molekularer Strömung kann nicht die Serienschal-
tung der einzelnen Leitwerte additiv berechnet werden. Wenn ein Querschnitt einer
Leitung am Übergangsbereich von einem Bauelement zum nächsten kleiner wird, so
treten Einströmverluste auf, die von der Flächenverkleinerung abhängen. Für den Fall
zweier Bauelemente mit den Querschnitten A1und A2und deren Durchlaufwahrschein-
lichkeiten P1und P2kann bei einer Querschnittverkleinerung folgende Formel benutzt
werden: 1
P12
=1
P1
+A1
A2·1
P21(4.14)
5. Entgegengesetztes Druckverhältnis: Wie aus der Formel 4.10 für qpV -Strom er-
kenntlich ist, wird der Durchfluss vom Druckverhältnis beeinflusst. Ein hohes positives
Druckverhältnis zwischen der reaktiv betriebenen Kammer und der Sekundärkammer
würde ein Sauerstofffluss in Richtung metallisches Target begünstigen und sollte des-
halb vermieden werden. Aus diesem Grund ist bei der Auslegung der Prozesskammern
darauf zu achten, dass das Druckverhältnis für Sauerstoff nicht positiv ist.
94
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
Die fünf ausgemachten Parameter sind zum Teil voneinander abhängig. Aus Gleichung 4.7
wird ersichtlich, dass die Reduzierung der freien Weglänge der Teilchen im Spalt vor allem
durch die Reduzierung des Spalt-Volumens (Geometrie) oder durch die Erhöhung der Partike-
lanzahl (Gaseinlass) erreicht werden kann. Ziel dieser Arbeit ist eine bestmögliche Trennung
des Sauerstoffanteils zwischen zwei Vakuumkammern, die notwendigerweise entlang einer
Rohrkathode verbunden sind. Nach Gleichung 4.11 kann die Reduzierung des Sauerstoffflus-
ses von der einen zur anderen Kammer durch folgende drei Größen beeinflusst werden:
1. der Querschnitt A,
2. die mittlere thermischen Geschwindigkeit ¯coder
3. die Durchlaufwahrscheinlichkeit P.
Die beiden geometrischen stärksten Hebel zur Reduzierung des Leitwerts sind die Reduzie-
rung des Querschnitts (A) und der Durchlaufwahrscheinlichkeit (P). Wie angedeutet, sollte
die Leitung (Spalt), welche die beiden Prozesskammern verbindet, so eng wie möglich aus-
gelegt werden. Mit zunehmender Reduzierung des Spaltquerschnitts werden jedoch die An-
forderungen an die Fertigungstoleranzen größer und dies hat Auswirkungen auf die Kosten
und Realisierbarkeit. Die Reduzierung der Durchlaufwahrscheinlichkeit ist besonders durch
die Geometrie (Leitwerte) beeinflussbar22.
In Abbildung 4.16 ist ein Schema für einen Spalt zwischen den zwei Prozesskammern ge-
zeigt. In den Spalt am Einlass wird die Argon-Gas-Menge Q3eingelassen, welche sich dann in
die Gasmengen Q1und Q2aufteilt. Deren Verteilung ist von den Leitwerten C in den Spalten,
den Drücken, Temperaturen, Volumen und effektiven Saugvermögen der Pumpen abhängig.
Der Druck ist abhängig von den eingelassenen Gasmengen und effektiven Saugvermögen der
Pumpen. Folgende Überlegungen zum Wirkprinzip sollen die Idee veranschaulichen. In der
idealen Anlage teilt sich die eingelassene Gasmenge Q3auf:
Q3=Q1+Q2(4.15)
Der Druck im Bereich um den Sperrgaseinlass ist am chsten (kleines Volumen). Mit Hilfe
der Leitwerte und dem Druckunterschied lässt sich der Partikelstrom durch die Spaltleitung
abschätzen:
Q=C·∆p (4.16)
Für den Fall, dass das effektive Saugvermögen der Pumpe im Hilfskathodenraum gleich null
ist (Seff,2= 0), so wird sich die anteilige Gasmenge Q2reduzieren und sich der Druck in
der Kammer 2 dem Druck im Sperrgaseinlassbereich annähern (p1=p3,p= 0). Folglich
ist der Druck in im Rezipienten (p1)nur noch von dem Verhältnis Q3/Seff,1abhängig. Wird
jedoch eine Pumpe in der Sekundärkammer eingeschaltet, so wird eine Teilmenge des Gases
22Die Gasströme verhalten sich äquivalent zum elektrischen Strom. Der Druckunterschied entspricht dem
Potentialunterschied und die Leitwerte für die Gase den elektrischen Leitwerten. Die beiden Spalte um das
Rohrtarget ensprechen einer Parallelschaltung und somit ergibt sich der Gesamtleitwert zu Cges =C1+C2.
95
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
a
b
l
Rezipient
p1
T1
V1
Hilfskathodenraum
p2
T2
V2
l1
b1
l2
b2
Sperr-
gas-
Einlass
p3
Pumpe
Se,1
Pumpe
Se,2
Q3
Q1Q2
Abbildung 4.16.: Vereinfachtes Schema der Spaltgeometrie und Spülgasströmung an der Primärkathode.
Die eingelassene Spülgasmenge Q3teilt sich entsprechend der geometrisch bedingten Leitwerte und Druckun-
terschiede in Q1und Q2auf (Erklärung siehe Text).
Q3auch in die Sekundärkammer strömen. In diesem Konzept wird in einem Spalt zwischen
Rohrkathode und Mantelrohr ein Spülgas eingelassen. Dadurch soll der Reaktivgasanteil (hier
Sauerstoff), der in den Hilfskathodenraum gelangt, auf ein Minimum reduziert werden.
Die Grundidee führte zu zwei weiteren Fragen,
1. Welche Spaltgeometrie führt zu einen hohem Reaktivgastrennfaktor zwischen den Kam-
mern?
2. Welche Saugvermögen der Pumpen sind nötig, um ein ausreichend guten Prozessdruck
(p0.30.5Pa)zu gewährleisten?
Um ein besseres Verständnis über die Gasverteilungen in einer Vakuumkammer zu erhalten,
wurden dazu Simulationen an Modellen mit unterschiedlichen Spaltgeometrien durchgeführt,
welche im folgenden Kapitel vorgestellt werden. Um ein allgemeingültiges Verständnis zu
erarbeiten, sind einfachere Modelle erstellt worden, anhand derer sich die Wirkungsweise
nachvollziehen lässt.
4.2.2. Modellbasierte Auslegung der Spaltgeometrie mit Gasraumtrennung
Dank der Entwicklung der Simulations-Software RIG-VM am Fraunhofer IST [157] kann auf
die DSMC Methode zurückgegriffen werden, um mit Hilfe dieser Software und dem Linux-
Cluster-Tool an der TU Berlin wurden zur Optimierung des Co-Sputter-Moduls der Anlage
in Braunschweig in einem iterativen Prozess die Gasflüsse simuliert und ausgewertet. Auf
diese Weise konnten im Rahmen dieser Arbeit die Bauteilgeometrien mittels der Software
GMSH [183] in ein 2D-Modell und später in ein 3D-Modell überführt werden. Anhand von
vereinfachten Geometrien konnten die grundlegenden Überlegungen nachgestellt werden und
dies führte zu neuen Erkenntnissen bezüglich der Gasraum-Trennung. Zu Beginn wurde mit
einer symmetrischen und anschließend mit einer asymmetrischen Spaltgeometrie gearbeitet.
Einfluss der symmetrischen Spaltgeometrie auf den Gastrennfaktor
Wie in Abschnitt 4.2.1 herausgearbeitet wurde, ist die Spaltgeometrie eine wichtige Kompo-
nente, um den Spülgasdruck im Spalt zu erhöhen und so einen hohen Gastrennfaktor (GTF)
für das reaktive Gas zwischen den beiden Prozessräumen zu erreichen. Der Sauerstoffgast-
rennfaktor ergibt sich aus dem Verhältnis von Sauerstoff in der Einlasskammer und der über
96
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
30 40 50 60 70 80 90
0
5
10
15
20
25
30
Gastrennfaktor
Spaltlänge
Pumpe1
Spaltbreite
Mie: Einlass Argon
Einlass Sauersto
Pumpe1
Test-Modell
Spaltlänge / mm
Spaltbreite
3 mm
4 mm
5 mm
6 mm
Abbildung 4.17.: Links: einfaches Gitter-Modell mit symmetrischen Spaltgeometrien und Kammergrößen
als Ausgangspunkt für die Simulationen. Der Argongaseinlass ist mittig und die Spaltlänge und -breite wurde
variiert. Rechts: Aus den Simulationen errechnete Gastrennfaktoren für unterschiedliche Spaltlängen und -
breiten.
den Spülgasspalt angebundenen Sekundärkammer. Ziel dieser Simulationen ist es, die Wir-
kung der Spaltbreite und -länge auf den Druck im Spalt und den Sauerstoffgastrennfaktor
GTF zu untersuchen.
Auf Basis der geometrischen Rahmenbedingungen an der verwendeten Anlage kann der
Spalt eine maximale Länge (l) von 90 mm und eine maximale Breite (b) von 6 mm haben23.
Zu Beginn wurde an einem vereinfachten 3-dimensionalen Test-Modell der Gasfluss in einem
Spalt zwischen zwei gleich großen Kammern mit gleichem Saugvermögen der jeweiligen Pum-
pen (0.300 m3/s) simuliert (siehe Abbildung 4.17 links). Das vereinfachte Modell hat zwei
Kammern mit identischen Abmaßen von je 10 ×10 ×40 mm (4×106m3). In einem 1:10-
Modell wurden Spaltbreiten und -längen, sowie Gasflüsse und Pumpleistungen angepasst.
Der Argongas-Einlass wurde mittig im Spalt platziert. Der Sauerstoff wird in der (unteren)
Primärkammer eingelassen, wie es teilweise auch in der realen Anlage vorgesehen war 24.
In den Kammern ergibt sich ein Argon-Partialdruck von etwa 0.33 Pa. Der maximale Druck
im Spalt ist im Bereich des Argongas-Einlasses immer am chsten. Für eine Spaltbreite
von 6 mm und -länge von 30 mm (Verhältnis l/b = 5) stellt sich ein Maximaldruck von
pSpalt = 1.87 Pa ein. Wenn die Spaltlänge auf 90 mm (Verhältnis l/b = 15) erhöht wird,
steigt der Wert bis auf 2.64 Pa (+41%) an. Bei einem Spalt von nur 3 mm Breite und 90 mm
Länge (Verhältnis l/b=30) beträgt der Druck im Spalt bereits 6.3 Pa (+231%). Dies ist, im
Vergleich der Geometrien, der chste erzielte Wert. Aus den Simulationen geht hervor, dass
der Druck im Spalt ansteigt, obwohl der Argonfluss und die Pumpleistung gleichbleiben. Dies
ist damit zu begründen, dass sich das Spaltvolumen reduziert hat.
23Aus den ersten Überlegungen und Erfahrungen mit dem Megatron hat sich ergeben, dass eine noch größere
Spaltbreite in diesem Konzept nicht sinnvoll ist.
24Der Argonfluss wurde in dem Modell entsprechend dem Volumen auf 1sccm angepasst und der Sauerstoffan-
teil auf 1% oder auch 0.01 sccm gesetzt. Durch Variation der linken Gastrennseite wird die Spaltbreite von
0.3 bis 0.6mm und die Gesamtspaltlänge von 3 bis 9mm variiert.
97
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
In Abbildung 4.17 ist rechts der Sauestoffgastrennfaktor GTF als Funktion der Spaltlänge
für zwei Spaltbreiten aufgetragen. Ergänzend dazu wird für eine fixe Spaltlänge von 90 mm
der GTF für 4 unterschiedliche Spaltbreiten gezeigt. In positiver Korrelation mit den Argon-
drücken steigt der GTF mit steigender Spaltlänge und reduzierter Spaltbreite an. Für eine
Spaltbreite von 6 mm steigt der GTF-Wert mit zunehmender Spaltlänge (30 zu 90 mm) von
4.8 auf 9.8 an, das entspricht einer Steigerung um 102%.
Dagegen steigt der GTF für eine kleinere Spaltbreite von 3 mm und nur 30 mm Länge
bereits auf einen Wert von 13.6 (Steigerung um 183%). Mit weiterer Erhöhung der Spaltlänge
steigt der GTF-Wert bis auf 29 an. Der maximale errechnete GTF für die längsten Geometrien
ist für die 3 mm breiten Geometrien um das 3-fache größer. Bei einer gegebenen Spaltlänge
von 90 mm zeigt sich ein schneller Abfall der GTF-Werte, wenn die Spaltbreite von 3 auf 6
mm erhöht wird.
Anhand der Modellierungsergebnisse (Modell 1:10) kann für Spaltbreiten unter 6 mm fest-
gehalten werden:
Eine Reduzierung der Spaltbreite wirkt sich wesentlich stärker auf den Spülgasdruck in
der Gastrennung aus, als eine Erhöhung Spaltlänge.
Der erhöhte Druck korreliert positiv mit dem GTF.
Der Effekt der Spaltbreite wirkt unter 4 mm besonders stark auf den GTF.
Dies ist in einer Auslegung einer Gastrenneinheit zu berücksichtigen. Es bleibt festzuhalten,
das eine Spaltbreite unter 4 mm oder weniger hohe Anforderungen an die Rundlaufgenau-
igkeit und Toleranzen der gefertigten Teile stellt, was in der Simulation (ideale Umgebung)
unberücksichtigt bleibt.
Einfluss der asymmetrischen Spaltgeometrie auf den Gastrennfaktor
Die symmetrische Auslegung der Spaltgeometrie zeigt bei gleich dimensionierten Kammern
und effektiven Saugvermögen für beide Kammern den gleichen Kammerdruck. Das ist in rea-
len Anlagen aber nur selten der Fall, da die baulichen Restriktionen stark variieren können.
Wenn es gelingt den Gasstrom durch die Geometrie zu steuern, um den unterschiedlichen
Kammerspezifikationen zu entsprechen (Kammervolumen, Pumpleistungen, etc.), wäre das
Konzept noch flexibler auf Anlagen anwendbar. Unterschiedliche Kammergrößen und Pump-
leistungen liegen auch an der hier verwendeten Anlage vor. Da in der Versuchsanlage der
Pumpenflansch an der neuen Modultür kleiner ist (und die Pumpengröße begrenzt), als am
Rezipienten, sind die effektiven Saugvermögen in den beiden Kammern unterschiedlich.
Aus diesem Grund soll ein vermehrter Fluss des Argongases in die Primärkammer geleitet
werden, um damit die rückseitige Pumpe zu entlasten. Folglich wird eine asymmetrische
Spaltgeometrie ausgewählt. Im nachfolgenden Versuch soll mit Hilfe von Modellierungen auf
die Wirkung einer asymmetrischen Spaltgeometrie auf die Druckverhältnisse eingegangen
werden und der Bedarf an Saugleistung für eine Pumpe abgeschätzt werden.
Nach Gleichung 4.13 ist zu erwarten, dass aufgrund der asymmetrischen Spaltgeometrie
mehr Gas in eine Kammer strömt. Die neue Gastrenneinheit ist axial zum Rohr etwa 350
98
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
Tabelle 4.4.: Berechnung der Leitwerte CAr und CO2für a = 350 mm und Längen l65 für die Sekundärkammer
SK und l72 für die Primärkammer PK. Die abgeschätzten Mindestbreiten von 3 und 6 mm sind für SK und
PK angegeben. Eine durch Targetabtrag induzierte Spaltbreitenaufweitung um 2 mm ist mit Maximalwerten
ebenfalls berechnet worden.
SKmin SKmax PKmin PKmax
Spaltbreite b mm 3 5 6 8
Leitwert Ar l·s115,41 36,01 45,45 72,21
Leitwert O2l·s118,03 42,11 53,14 84,44
mm lang. Die Spaltlänge zum Rezipienten liegt bei ca. 72 mm und zur Sekundärkammer bei
65 mm. Zum Abschätzen der nötigen Saugvermögen wurden die Leitwerte als Funktion der
Spaltbereite bei den gegebenen Spaltlängen für Argon und Sauerstoff nach Gleichung 4.13
berechnet. Die Berechnung der Leitwerte CAr und CO2für a = 350 mm und Längen l65 für
die Sekundärkammer SK und l72 für die Primärkammer PK sind in Abbildung 4.18 in Ab-
hängigkeit der Spaltbreite dargestellt25. Der Leitwert steigt für alle Längen überproportional
an. Die Leitwerte für Sauerstoff sind leicht größer als die von Argon.
Für die asymmetrische Gasraumtrennung wurden Spaltbreiten von 3 und 6 mm Sekundär-
und Primärkammer gewählt und die Leitwerte sind in Tabelle 4.4 gezeigt.
Ein weiterer wichtiger Fakt bei der Auslegung ist, dass durch die Verwendung des starren
Mantelrohres eine zeitabhängige Veränderung der Gasflüsse zu erwarten ist. Das hat einen
großen Einfluss auf die Auslegung der notwendigen Pumpleistung: Im Betrieb wird zwischen
dem Bereich direkt am Gaseinlass im Spalt und den Prozesskammern eine Druckdifferenz
entstehen. Im Prozessraum wird ein konstanter Druck von etwa 0.5 Pa benötigt, um gute
Schichteigenschaften zu erreichen. Wie vorher gezeigt, wird, um den Druck im Spalt (und
damit den GTF) zu erhöhen, eine gesteigerte Durchflussrate an Argon am MFC benötigt,
was wiederum durch die Pumpen abgepumpt werden muss. Da sich der Radius des Targets
über die Sputterdauer durch Materialabtrag reduziert und das Mantelrohr fix ist, vergrößert
sich dadurch auch die Spaltbreite und damit die Leitwerte, Drücke und Gasflüsse. Um dies zu
berücksichtigen und abzuschätzen, sind die Leitwerte für die Startkonfiguration (min.) und
2 mm Targetmaterialabtrag (max.) berechnet worden, da hier mehr Argon gebraucht wird,
um den gleichen Druck im Spalt zu erzeugen. Die Startwerte von SKmin = 3 und P Kmin =
6 mm und nach 2 mm Abtrag des Targets sind SKmax = 5 und PKmax = 8.
Durch die Veränderung der Leitwerte ändert sich die Druckdifferenz pzwischen Spalt
und Kammern. Für die genannten Geometrien und Kammerdrücke von 0.5 Pa wird mit zu-
nehmender Spaltbreite auch mehr Saugvermögen benötigt. Für gegebene Druckdifferenzen
sind die dazu nötigen effektiven Saugvermögen (Seff )in Abbildung 4.18 rechts gezeigt. Die
Differenz der benötigten Saugvermögen zwischen beiden Kammern steigt mit der Druckdif-
ferenz. Je höher die gewünschte Druckdifferenz, desto mehr Saugvermögen wird benötigt. Es
ist eine Pumpe mit möglichst viel Saugvermögen zu bevorzugen, da so ein hoher Gasstrom in
den Spalt eingelassen werden kann und gleichzeitig niedrige Drücke in den Prozesskammern
erreicht werden können. Bei der hier modifizierten Anlage ist die Pumpengröße und damit das
maximale Saugvermögen begrenzt. Die Erkenntnis über sich ändernde Saugvermögen und die
25Dies ist für einen Spalt gezeigt und muss für die Auslegung der Pumpe verdoppelt werden
99
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0
0
200
400
600
800
1000
Saugvermögen Seff / ls-1
Druckdifferenz Δp / Pa
Saugvermögen
(für Pa = 0.5 Pa)
Seff, SK, 3mm
Seff, SK, 5mm
Seff, PK, 6mm
Seff, PK, 8mm
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
0
20
40
60
80
100
120
Leitwert CAr und CO2 / ls-1
Spaltbreite / mm
Leitwerte (C) für a=350 mm
72 mm 65 mm
CAr,72 CAr,65
CO2,72 CO2,65
Abbildung 4.18.: Links: Errechnete Leitwerte für unterschiedliche Spaltbreiten für einen 350 mm langen
Spalt entlang des Rohres und 2 unterschiedliche Längen zu der Prozesskammer. Rechts: Errechnetes Saugver-
mögen der Pumpen bei zwei Spalten bei verschiedenen Druckdifferenzen zum Erreichen von 0.5 Pa. Die Werte
sind für zwei unterschiedliche Spaltbreiten zur Sekundärkammer (SK) und Primärkammer (PK) errechnet.
Die Konstellation bildet einen Startwert von (3/6) mm und nach 2 mm Abtrag des Targets die Konstellation
(5/8).
begrenzte Regelbarkeit von Pumpen führten zu der Entscheidung, ein Butterfly-Ventil vor
die Turbomolekularpumpe im Sekundärkathodenraum zu integrieren, um einen konstanten
Druck aufrecht erhalten zu können.
Die Auslegung einer geeigneten Pumpe sollte durch Simulationen validiert werden. In einem
Modell (asymmetrischer Spalt) wurde der nötige Argon-Einlass pro Spalt sowie die nötigen
Pumpleistungen abgeschätzt. Dieser liegt bei ca. 72 sccm und die dazu berechneten effek-
tiven Saugvermögen der Pumpen (Seff ) für die Sekundär- und Primärkammer wurden mit
Seff = 182 und 307 l·s1abgeschätzt. Aus den Drücken in den Kammern kann die Argon-
gasverteilung berechnet werden. So ergeben sich Gasströme von 52.8 und 103.4sccm in die
Sekundär- und Primärkammer. Damit fließen 34% der eingelassenen Menge an Argon in die
Sekundärkammer, was durch die Geometrie (3/6 mm) auch zu erwarten ist.
Die in die Primärkammer zugeführte Menge an Sauerstoff wurde zwischen 0 und 3.62sccm
variiert. In Tabelle 4.5 sind die Simulations-Ergebnisse aufgelistet. Als Ergebnis wurden in
beiden Prozesskammern nahezu 0.5 Pa erreicht und der sich im Spalt ergebende Druck liegt
bei ca. 2P a. Der Gastrennfaktor stieg schon für eine Sauerstoffmenge von 0.36 sccm auf
27.5. Der Sauerstoffpartialdruck im Primärraum ändert sich proportional zur Erhöhung der
eingelassenen Sauerstoffmenge von 2.2 auf 21 mPa und die im Sekundärraum abgelesenen
Sauerstoffpartialdrücke steigen von 8×105auf 7×104P a. Mit einer Verzehnfachung der
Sauerstoffmenge von 0.36 auf 3.6sscm stieg der Gastrennfaktor auf 30 an 26.
Die Berechnungen zeigen, dass in der asymmetrischen Auslegung für eine Druckdifferenz
von p= 1.5P a und einen Gastrennfaktor von über 20 ein Saugvermögen von mindestens
182 l·s1benötigt wird. Um andere Drücke und Prozesspunkte erreichen zu können, sollte
eine Turbomekularpumpe mit mehr Saugvermögen verwendet werden.
26Die Druckverteilung in den jeweiligen Kammern ist nicht gleich und durch mögliche Ablesefehler bei der
Auswertung der Simulationsergebnisse könnte die Abweichung der GTFs begründet sein.
100
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
Tabelle 4.5.: Simulationsergebnisse zur Abschätzung des Gastrennfaktors (GTF) an einer asymmetrischen
Geometrie im Spalt. Die nötigen effektiven Saugvermögen (Sef f ) für die Sekundär- und Primärkammer wurden
auf etwa 182 und 307l·s1abgeschätzt. Durch eine Variation der Sauerstoffmenge (qO2) in der Primärkammer
bei fixer Zugabe von Argon pro Spalt (qAr,Spalt) wurde der Sauerstoffpartialdruck (pO2) in den Kammern
verändert.
Inputparameter Simulations-Ergebnisse
Gase Pumpen SK PK
qAr,Spalt qO2Seff,SK Sef f,P K pAr pO2pAr pO2pspalt GTF qSK qP K
sccm sccm l·s1l·s1Pa - sccm sccm
72.34
3.62
182 307 0.57
0.021
0.49
0.0007
2.04
30
52.8 103.4
1.45 0.0085 0.0003 28.3
0.36 0.0022 8×10527.5
00 0 0
Auswahl der Pumpen
Zu Beginn dieser Arbeit war die Auslegung der Pumpe in der Sekundärkammer noch unklar.
Aus den Berechnungen (siehe Abschnitt 4.2.2) geht hervor, dass für besonders hohe Druckun-
terschiede sehr hohe Saugleistungen benötigt werden (siehe Abbildung 4.18 rechts). Um für
die Simulationen realistische Kenngrößen verwenden zu können, sind vor allem Kenntnisse
zu den Pumpleistungen nötig. Aufgrund der Verbindung zur Kammer samt Verjüngungen
und/oder Butterflyventil wird das effektive Saugvermögen als geringer eingeschätzt. Am Re-
zipienten sind eine Turbovac C1100 und an der Sekundärkammer eine Turbovac SL700
der Firma Leybold installiert. In Abbildung 4.19 sind die Datenblätter dieser Pumpen ge-
zeigt. Zur Orientierung sind die relevanten Druckbereich von 0.1 bis 10 Pa bläulich markiert.
Die Saugvermögen der Turbopumpen sind abhängig vom Druck.
Für Drücke unter 0.1 Pa sind die Saugvermögen konstant. Wenn der Druck jedoch steigt,
sinken die Saugvermögen in Abhängigkeit von Druck. Für einen Druck von 0.5 Pa sinken die
Saugvermögen für die SL700 auf 580l·s1. Bei einem Prozessdruck von 2 Pa hingegen, ist das
Saugvermögen nur noch bei (350l·s1). Die Daten müssen in den Simulationen berücksichtigt
werden. Die Umrechnungen für die Pumpen sind in Tabelle 4.6 gezeigt. Die Saugvermögen
sind für die in dieser Arbeit benötigten Gasmengen ausreichend.
Abbildung 4.19.: Saugvermögen der Pumpen: a) SL700 am Sekundärraum und b) die Turbovac C1100 am
Rezipienten. Die prozessrelevanten Bereiche von 102bis 1 mbar sind bläulich markiert.
101
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Tabelle 4.6.: Pumpenleistungen (Ar bei 0.5 Pa) und Pumpen-Transmissionsfaktoren f der Pumpen in der
Primärkammer (Turbovac 1100) und Sekundärkammer (SL700) Gase für die Modellierung für die ZVL1000.
Flansch Saugvermögen Fläche fAr,theo fO2,theo fAr,real fO2,real
-(l·s1) (m2)- - - -
Turbovac 1100 ISO-K 250 800 0.054 0.149 0.133 0.15 0.14
SL700 ISO-K 160 580 0.018 0.323 0.289 0.2 0.19
Simulationen für das realisierte Gastrennungs-Modell
Die Spaltgeometrie wurde aufgrund der Simulationsergebnisse in Kombination mit Konstruk-
tionsüberlegungen schließlich in asymmetrischer Bauweise ausgeführt. In Abbildung 4.20 ist
ein Schnitt in x-Richtung für das Modell des Prozessmoduls als vereinfachtes Gittermodell
für das Simulation in der GMSH-Umgebung gezeigt. Dort sind die Sekundärkammer, die Pri-
märkammer und die dazwischen befindliche Gastrenneinheit gezeigt. Der Rezipient wird nur
grob wiedergegeben, da sich links- und rechtsseitig noch weitere Prozessmodule mit Pumpen
befinden (vgl. Abschnitt 3.4.2) 27.
In einem ersten Schritt können durch Rechnungen und Simulationen die nötige Saugver-
mögen abgeschätzt werden. Später ermittelte Werte aus den realen Prozessen konnten in die
Modellierung überführt und die Modell-Parameter daran angepasst werden, um die gleichen
Werte für die Saugvermögen zu erhalten. So wurden die Werte für die effektiven Pump-
leistungen an die realen Werte angeglichen. In Tabelle 4.6 sind die theoretischen sowie die
ermittelten Werte der Pumpen angegeben.
Zur Ermittlung der Wirkung der Spaltgeometrie wurden zwei Geometrien bei 2 x 50 sccm
Argon und 1 sccm Sauerstoff modelliert (1%). In Abbildung 4.21 sind die Drücke für Argon
und Sauerstoff exemplarisch für zwei Spaltgeometrien mit unterschiedlichen Spaltbreiten ge-
zeigt. Linker Hand sind die Drücke für Argon (a) und Sauersoff (c) für einen symmetrischen
Spalt (bP K = 3 mm und bSK = 3 mm) gezeigt. Zum Vergleich sind rechter Hand die Drücke
Argon (b) und Sauersoff (d) für einen asymmetrischen Spalt (bPK = 6mm und bSK = 3mm)
gezeigt. Der Argoneinlass am Spalt (2 x 50 sccm) führt zu einer lokalen Druckerhöhung, wie
es beabsichtigt ist.
Bei der symmetrischen Geometrie liegt der maximale Druck im Spalt direkt bei den Einlass-
düsen bei ca. 3.7 Pa und fällt zu beiden Kammern stark ab. Der Druck im Plasmazonenraum
zwischen Zylinderrohrkathode und Substrat liegt bei etwa 0.33 Pa. Der Druck in der Sekun-
därkammer liegt bei ca. 0.4 Pa. Der eingelassene Sauerstoff wird durch die Gaslanzen in der
Primärkammer eingelassen und verteilt sich vor allem im Primärkammerraum (Abbildung
4.21 c)). Der Sauerstoffpartialdruck liegt bei etwa 6.4 mPa. Der Druck ist in der Nähe der
Lanze etwas höher. Auf dem Weg zum Sekundärtargetraum nimmt der Partialdruck schnell
ab. Der Druck liegt hier nur noch bei ca. 0.3 mPa. Damit wird ein Gastrennfaktor von etwa
21 erreicht.
Bei der asymmetrischen Geometrie ändern sich die Argon-Drücke im Spalt und den Kam-
mern. Der Argon-Druck im Spalt liegt bei etwa 2 Pa. Die Drücke in der Primär- und Sekun-
27Die Etablierung hätte die Rechenzeit im 3D-Modell erheblich erhöht, ohne einen signifikanten Mehrwert zu
schaffen
102
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
TMP-SKR
SK
Spalt zu SKR
Ar-Einlass Spalt
Spalt zu PKR
O2-Lanze PKR
Substrat
TMP-PKR
Sekundär-
Kathoden-
Raum (SKR)
Primär-
Kathoden-
Raum (PKR)
Gastrenn-
einheit
PK
Abbildung 4.20.: Geometrisches Modell aus der Konstruktionsumgebung GMSH zur Umsetzung der Spalt-
geometrien für modellgestützte Simulationen der Gasflüsse. Im oberen Teil befinden sich der Sekundärkatho-
denraum (SKR) mit der angedeuteten Turbomolekularpumpe (TMP-SKR) und der Sekundärkathode (SK).
Darunter befindet sich die Gastrenneinheit mit der zylindrischen Primärkathode (PK), den Öffnungen und
Spaltwegen zu den Prozesskammern und der Argon-Einlass für das Spülgas. Im unteren Teil ist der Rezipient
als Primärkathodenraum (PKR) angeschlossen. In diesem werden die Sauerstofflanzen, das Substrat und die
Turbomolekularpumpe (TMP-PKR) simuliert.
103
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
därkammer liegen bei 0.5 und 0.22 Pa. Der Sauerstoffpartialdruck in der PK liegt bei etwa
6.3 mPa. Der Druck im Sekundärtargetraum liegt hier nur noch bei ca. 0.4 mPa. Damit wird
ein Gastrennfaktor von etwa 15.7 erreicht, welcher niedriger ist, als bei der ersten Variante.
Die Ergebnisse decken sich mit den Erwartungen an die Gastrenneinheit (Druckunterschied
von Argon zwischen Spalt und Kammern, Sauerstoffdruckunterschied zwischen Primär- und
Sekundärkammer). Aufgrund der engen Spaltgeometrie von 3 mm muss das Argon-Gas in die
Prozesskammern weichen und es kommt aufgrund des geringen Volumens nahe des Einlasses
zu einer Aufstauung der Partikel. Zusammen mit den Pumpen (unterschiedliche Saugkraft),
welche das Gas aus den Kammern führen, sind die Drücke aber ähnlich. Der in die Primär-
kammer eingelassene Sauerstoff diffundiert auch in Richtung Sekundärkammer. Man beachte,
dass der Sauerstoffpartialdruck entlang der Primärkathode nicht gleich ist, sondern ortsab-
hängig variiert.
Dagegen führt die asymmetrische Ausführung der Spaltgeometrie zu einem vermehrten Ar-
gonfluss in Richtung der Primärkammer. Der Maximaldruck von Argon im Spalt ist dadurch
auch geringer (knapp 50%). Dadurch können mehr Sauerstoffteilchen in den Sekundärkam-
merraum gelangen. Das zeigt auch der sich einstellende erhöhte Sauerstoffpartialdruck.
Beide Geometrien zeigen eine Reduzierung des Sauerstoffpartialdrucks in der Sekundär-
kammer. Dieser Effekt kann beim Verwenden eines metallischen Targets zu einer Reduzierung
der Oberflächenoxidation führen. (Vgl. 4.3.2).
Zusammenfassende Erkenntnisse aus den Simulationen
Es wurden 3 Simulationsserien gezeigt. Diese zeigen, dass:
Die Spaltbreite (Abstand zwischen Rohrkathode und Mantelrohr) ist der wichtigste
geometrische Faktor, um die Leitwerte zu reduzieren.
Eine asymmetrische Spaltgeometrie kann unterschiedliche Pumpleistungen in den Kam-
mern ausgleichen.
Der Sauerstoffgastrennfaktor kann auf über 15 gesteigert werden.
Die Ergebnisse helfen dabei, die Spaltgeometrie an die Sputteranlage anzupassen.
104
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
a) b)
c) d)
Abbildung 4.21.: Simulationsergebnisse an einem 3D-Modell im Querschnitt für Spülgaseinlass von 2 x
50 sccm Ar im Spalt und 1 sccm O2durch Lanzen in der Primärkammer. Für einen symmetrischen Spalt
(bP K = 3mm und bSK = 3mm sind die Drücke für Argon (a) und Sauersoff (c), sowie für einen asymmetrischen
Spalt (bP K = 6 mm und bSK = 3 mm) für Argon (b) und Sauersoff (d) gezeigt (Die Skala für die Drücke sind
für eine bessere Übersicht an die jeweiligen Maximalwerte angepasst.).
4.2.3. Umsetzung des Prototyps
Das Konzept zur Erstellung eines Prozessmoduls für eine in-line Sputteranlage zur Beschich-
tung von TCOs im Durchlaufbetrieb wurde im Rahmen dieser Dissertation in Zusammen-
arbeit mit der Firma Solayer, der Firma SPIE und dem Fraunhofer IST entwickelt. Die
technische Entwicklung, die konstruktive Anpassung und Installation erfolgte in enger Zu-
sammenarbeit mit dem Fraunhofer IST im Rahmen dieser Arbeit. Die Arbeiten führten zu
dem in Abbildung 4.22 gezeigten Aufbau des Prozessmoduls.
Die neue Moduldeckeleinheit besteht aus einer Doppeltür. Die erste Tür ist an den Rezipien-
ten angeflanscht und ist für die Aufnahme der beiden möglichen zylindrischen Rohrkathoden
(Version: single-ended), den Gaszuleitungen für die Gastrenneinheit und die Sauerstofflanzen
ausgelegt worden. Für die Aufnahmen der Rohrmagnetrons und der Motoren sind oberhalb
der Tür zwei Flansche installiert. Die Flanschflächen dienen der Aufnahme des Magnetrons
und der Abdichtung. Diese Flächen mussten so plan-parallel wie nur möglich gefertigt wer-
den, denn diese haben einen großen Einfluss auf die Rotationsgenauigkeit des sich drehenden
105
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.22.: Die ZVL1000 mit fertig montierter Modultür auf dem Stützfuß für das serielle Co-Sputtern.
Links: Außenansicht der ZVL1000 mit seriellem Co-Sputter-Modul und Stützfuß. Mitte: Ansicht auf rückwer-
tigen Teil der Gastrenneinheit (GTE) samt Öffnung zum Rohrtarget. Rechts: geöffnete Sekundärkammer
zwischen Zylinderkathodentür (ZKT) und Planarkathodentür. An der ZKT sieht man das Rohrtarget umge-
ben von der GTE. In der offenen Sekundärkammer erkennt man das Butterfly-Ventil vor der Pumpe (TMP),
das planare Magnesiumtarget und den offenen Shutter.
Rohres. Über mehrere Flansche wird die Zuleitung von Prozessgasen gewährleistet (KF16
und KF25).
An der zweiten Tür befindet sich die Aufnahme der Planarkathode, dem Shutter, sowie
der rückseitigen Turbomolekularpumpe. Ein zusätzlicher Flansch dient der Aufnahme eines
Schauglases oder des Lecktesters. Die rechteckigen Grundmaße sind durch die Flanschverbin-
dung vorgegeben. Die Innenmaße sind 500 x 590 mm2. Bei der Innenseite der Kammertüren
wurde auf eine verdichtete (glasperlgestrahlte) Oberfläche geachtet (Verdichtung der Ober-
fläche), um die Desorptionsrate zu reduzieren. Eine 25 mm dicke Wandstärke dient neben der
Erhöhung der Steifigkeit auch zu einer Reduzierung der Permeation von Gasen.
Die Anlage wurde soweit modifiziert, dass:
1. ein Rohrtarget samt Magnetron,
2. ein Planartarget PK500 (mit einem Shutter für das Planartarget),
3. eine Gastrenneinheit mit Spülgaseinlass,
4. mehrere Gaseinlässe und -auslässe,
5. eine Turbomolekularpumpe und
6. ein Heizsystem
installiert werden können. Es werden zwei Targets verwendet. Als Primärtarget wird anfangs
ein gespraytes keramisches Rohrtarget aus Aluminium-dotierten Zinkoxid (ZnO:Al2O3) ver-
106
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
wendet28. Die Dotierung mit Al2O3ist mit einem Gewichtsprozent gewählt worden. Dies war
ein geeigneter Kompromiss aus Leitfähigkeit für den gepulsten dc-Sputterprozess und niedri-
ger Grunddotierung, falls anderen Elemente co-dotiert werden sollten29. Der dafür notwendige
Rohrtargetträger wird von der Firma SCI in Industriestandard-ähnlicher Größe geliefert. Der
besonders starke, eigens dafür entwickelte Magnetsatz für das Rohr-Target, wurde von der
Firma Solayer gefertigt und geliefert. Durch das starke Magnetfeld kann eine höhere Plas-
madichte erreicht und die Sputterraten potentiell erhöht werden. Die Rohrdrehung kann per
Software oder manuell eingestellt werden. Die Standardumdrehung wurde auf 10 rpm festge-
legt.
Die zweite Quelle ist das Sekundärtarget (Hilfskathode). Dieses ist als Planartarget aus-
gelegt und dient als Dotantenlieferant (Targetmaterial A). Dafür werden diverse „PK 500“-
Targets der Firma Leybold AG eingesetzt. Die planare Hilfskathode wird in einem extra dafür
hergestellten (eigens aufklappbaren) Aufbau untergebracht, um bei Targetwechsel nicht das
gesamte System zerlegen zu müssen. Der sich ergebene Raum wird im Folgenden als Hilfs-
kathodenraum bezeichnet. Zur Realisierung der seriellen Co-Sputtereinheit wurde noch ein
zusätzlicher Generator für das Planartarget angeschlossen.
Das Reaktivgas wird über einen geeigneten Einlass in die Beschichtungskammer für das
Substrat eingelassen und sollte sich möglichst homogen verteilen können. Dem Prozessgas Ar-
gon kommen in diesem Konzept gegenüber den herkömmlichen Sputterprozessen zwei wichtige
Aufgaben zu. Die erste Aufgabe ist die für Sputterprozesse bekannte Versorgung des Plasmas
mit Argon-Teilchen. Die zweite Aufgabe ist von entscheidender Bedeutung in diesem Konzept:
Das Prozessgas soll auch als „Spülgas“ im Spalt fungieren und somit mit den beschriebenen
physikalischen Effekten einen positiven Effekt auf den Gastrennfaktor haben.
Die optischen wie auch elektrischen Eigenschaften der TCOs können durch eine erhöhte
Depositionstemperatur positiv beeinflusst werden [21]. Aus diesem Grund wurde geprüft, ob
und wie ein thermischer Eintrag stattfinden kann. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten sind
Heizstrahler hinter dem Substrathalter und der Nebenkammer umgesetzt worden. So können
in der Nebenkammer die Substrate aufgeheizt werden, während das Plasma am Rohrtarget
bereits brennt. Von dort aus kann dann das Substrat an dem Rohrtarget vorbeigefahren
werden, während es auch in dieser Kammer geheizt wird. Die Ansteuerung der Heizer erfolgt
manuell über ein Software-Update.
4.2.4. Inbetriebnahme und Anpassungen der Anlagenbauteile
Die Kammertür wurde als Zweifachtür ausgelegt. Aufgrund des Gewichts des Doppeltür-
Aufbaus wurde ein Stützfuß an die Sekundärkathodentür montiert, um die Hebelkräfte bei
offenen Türen zu reduzieren (Siehe dazu Abbildung 4.22 links). Die Single-ended-Variante
des Magnetrons führte zu einigen Problemen:
28Die Firma Heareus, heute Materion, konnte das Material direkt auf das vorhandene Trägerrohr per Vaku-
umsprayen aufbringen.
29Nach Rücksprache mit einem Lieferanten für gesinterte Targets wären auch Dotierungen von 0.05 wt.%
möglich denkbar, wenn der Aussenrohrduchmesser des Trägerrohr größer gewesen wäre.
107
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Aufnahme
Idealer Einbau verkippter Einbau
Spalt überall gleich
Unterschiedliche Spaltbreiten
Aufnahme
Gastrenneinheit
Abbildung 4.23.: Schematische Darstellung eines ideal und verkippt eingebauten Trägerrohrs (TR) in Re-
lation zu der fixen Gastrenneinheit.
1. Der Rezipient musste für die Rohrkathoden leicht bearbeitet werden, um diese Auf-
nehmen zu können. Dazu kam ein Leck durch mangelnde Dichtigkeit zwischen dem
Kühlwasser und der Kammer. Als Folge floss Kühlwasser, angetrieben durch die Gravi-
tationskraft entlang des Schaftes, der den Magnetsatz und das Trägerrohr aufnehmen
soll. Diese Feuchte überbrückte die elektrische Isolierung zwischen Kammer und Schaft.
So kam es bei erhöhter Spannung zu der Ausbildung von heftigen Arcs und es bildeten
sich weiß glühende Kugelblitze, die quer durch die Kammer wanderten, die das Tar-
get, die Gastrenneinheit und Teile der Blenden angriffen. Dies war deutlich durch Ein-
brennspuren auf den Oberflächen zu erkennen. Dieser Effekt trat erst bei den üblichen
Spannungen am Generator auf und konnte mit einer einfachen Widerstandsmessung
nicht erkannt werden. Ein Ausbau, die Reinigung und Installation neuer Lager (mit
Isolierung) behob das Problem. So soll hier festgehalten werden, dass der Einbau eines
kühlwasserführenden Endblocks, der die Leistung an das Target übergibt, im idealen
Fall unterhalb der Kammer angebracht werden sollte, so dass eine mögliche Undichtig-
keit nicht zu diesem Problem führt.
2. Der Einbau des Trägerrohrs und Magnetsatzes sind sehr kritisch für den Prozess, da
ein nicht ideal axial verlaufender Rundlauf zu Schwankungen der Targetspannung führt.
Es ergibt sich folgendes Problem: Das Target-Rohr hängt „zapfenartig“ und frei von
der Endkopfaufnahme in die Prozesskammer. Beim Einbau muss der schwere Magnet-
satz ins Trägerrohr eingesetzt werden und dabei muss der „Mitnehmer-Draht“ in die
Mitnahme-Naht der Endkopfaufnahme eingesetzt werden, damit die Drehwirkung er-
zielt wird. Dabei muss das Trägerrohr samt Dichtung gleichmäßig auf die Endkopfauf-
nahme angepresst werden und trotz schulterschlüssigen Festziehens der Spannpratzen
kann es zu einem schiefen Einbau des Rohres kommen. Erst danach wird die Gastrenn-
einheit um das Rohr herum eingebaut, welche sich an der Kammerwand und nicht am
Rohrtarget orientiert. Es zeigte sich, dass schon eine Abweichung beim Anpressdruck
108
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
entlang der Dichtung mit den Spannpratzen dazu führte, dass das Rohr nicht axial-
genau drehte (siehe Abbildung 4.23). So ergab sich ein Pendeln während einer Um-
drehung. Dies hatte zur Folge, dass sich der Spalt zwischen der GTE und dem Target
während der Drehbewegung in seiner Geometrie änderte. Eine Spaltbreitenabweichung
von ca. 2 mm führte in dieser Arbeit zu einer alternierenden Targetspannung von ±15
V um einen Mittelwert. Bei der konstanten Leistung ergibt sich so eine oszillierende
Targetspannung, deren Periodizität direkt mit der Drehfrequenz des Rohres korrelierte.
Aus diesem Grund wurde eine Einbauhilfe konstruiert und an der TU-Berlin gefertigt,
die beim Einsetzten des Trägerrohrs dafür sorgt, dass der Druck zwischen Trägerrohr
und Endkopf überall gleich ist. So konnten die Abweichungen auf nur noch wenige Volt
minimiert werden.
3. Ein weiteres Problem, dass kurz nach der Inbetriebnahme auftauchte, waren Kurzschlüs-
se aufgrund von „Flittern“30. Diese sammelten sich am unteren Ende der Gastrennein-
heit am Spalt und schlossen bei ausreichender Größe das System kurz. Im Betrieb sah
man durch ein Schaufenster kleine helle Punkte in dieser Region, die mit der Prozesszeit
zunahmen. Schon nach 6 Versuchen waren keine weiteren Prozesse mehr durchführbar.
Eine Untersuchung des Phänomens ergab folgendes Problem: Vertikal vor der Zylinder-
kathode war eine Schutzblende verbaut. Diese hatte keine passgenaue Aussparung für
die Magnetfelder. So war im oberen Bereich des Targets der „Turning-Point“ des race-
tracks hinter der Gastrenneinheit verlaufen. So wurde dort Material angelagert. Da das
Blech einfaches Edelstahl war, haftete das AZO nur sehr schlecht auf der Oberfläche.
Als Folge blätterten Schicht-“Flitter“ mit einer Länge von 0.1 bis 8 mm ab und vielen
ans untere Ende der GTE. Eine Neujustierung der Magnetsätze und die Erhöhung der
Rauigkeit der Oberfläche durch Sandstrahlen lösten das Problem. Die AZO-Schichten
haften nun länger an den Blechen und die Standzeit wurde stark erhöht.
4. Die Datenerfassung erfolgte größtenteils am PC-Display, dem Generator oder dem
Keithley-Messgerät. Die Daten für den Druck wurden von den Baratrons an die Anla-
gensteuerung übertragen. Die Werte schwankten teilweise um ±0.1µbar. Die Leistung
am Primärtarget wurde am Generator selbst abgelesen. Der innere Fehler konnte nicht
gemessen werden. Die Werte am Keithley schwankten sehr stark und waren zwischen-
zeitlich massiven Sprüngen der Datenkurven ausgesetzt. Es konnte trotz Überprüfung
der Steckverbindungen nicht abgestellt werden. Die hier gezeigten Werte sind über die
Zeit gemittelte Werte, welche die Ausreißer nicht enthalten.
Obwohl die genannten Probleme zwei und vier teilweise gelöst werden konnten, sind Ver-
besserungsvorschläge für diese erarbeitet worden: Bei einer nächsten Weiterentwicklung der
Gastrenneinheit um ein zylindrisches Rohr, muss ein Los-Lager das andere Ende der Rohrka-
thode aufnehmen (Lösung für Problem 2). Dadurch sind die Probleme beim Einbau durch die
30Über die Zeit lagert sich Beschichtungsmaterial an den Oberflächen ab, die durch unterschiedliche Ausdeh-
nungen zwischen Untergrund und Beschichtungsmaterial abplatzen können. Diese teils zentimetergroßen
Stücke werden Flitter genannt.
109
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
richtige Lage des Rohres stark reduziert und ein besserer Rundlauf möglich. Dazu müssten
nur die unteren Schalen der GTE mit der Kammerwand (isoliert) verbunden werden.
Zu Punkt vier: hier kann die Messung in die Anlagensteuerung integriert werden, damit
freiliegende Kabel nicht durch elektromagnetische Impulse oder Berührung die Messungen
stören (Lösung für Problem 4).
4.2.5. Einfluss der Prozessparameter auf den Co-Sputterprozess
Der Parameterraum beim seriellen Co-Sputterprozess wurde durch die Modifizierung der An-
lage und der Etablierung der neuen Modultür erweitert und der Prozess damit komplexer.
Um die realen Bedingungen nach dem Umbau zu untersuchen, wurden einige Druckvariatio-
nen durchgeführt. Zuerst wurde untersucht, welche Drücke sich in den Kammern einstellen,
wenn keine Pumpleistung durch die Turbomolekularpumpe (TMP) in der Sekundärkammer
zugeschaltet wird und danach mit Unterstützung der TMP. Da die Prozesse eine Druckabhän-
gigkeit aufweisen und dies Limitierungen auf den Gastrennfaktor hat, wird auf den Einfluss
des Regel-Ventils im Sekundärkathodenraum eingegangen.
Einfluss der Spülgasmenge und des Regel-Ventils auf die Drücke in beiden
Prozesskammern
Der Prozessdruck in den Kammern hat direkten Einfluss auf die abgeschiedenen Schichten.
Nach dem Umbau sollte geklärt werden:
Welcher Druck wird in den beiden Prozesskammern in Abhängigkeit der eingelassenen
Argon-Gasmenge im Spalt erzielt?
Hierfür wurden nur die beiden Turbomolekularpumpen am Rezipienten aktiv geschaltet und
über die beiden Spalte zwischen Target und Mantelrohr wurde Argon als Sperrgas (von 40
bis 200 sccm) eingelassen. Abbildung 4.24 zeigt die an beiden Druckmesseräten abgelesenen
Drücke der beiden Prozesskammern (PK und SK) für die Summe aus beiden Spaltgasmengen.
Die Summe der beiden Gasmengen, die über die Spalte eingelassen wurden, sind auf der
Ordinate angegeben.
Ohne TMPSK steigt der Druck mit zunehmender Gasmenge in beiden Kammern an. Für
sehr geringe Argongasflüsse (qAr <20 sccm) liegt der Druck in der Primärkammer unter 0.1
Pa und ist für Sputterprozesse nicht verwendbar. Ab 40 sccm wird in der Primärkammer ein
Druck von 0.14 Pa gemessen. Bei einem Gasfluss von 400 sccm lag der Druck bei 0.99 Pa.
Der Druck in der Sekundärkammer stieg von 1.5 auf 10.7 Pa an31. Der Verlauf der beiden
Graphen zeigt, dass die Drücke einen fast linearen Verlauf aufweisen, was der zu erwartenden
Korrelation ∆p ∆N entspricht. Der Druckanstieg für die Sekundär- und Primärkammer
kann interpoliert mit ca. 3×104±0.2und 3×105±0.2mbar pro einem sccm Argon
abgeschätzt werden. Es wurde festgestellt, dass die Druckdifferenz für kleinere Mengen an
31Aufgrund der leichten Trägheit des Systems wurde immer eine Zeit lang gewartet, bis sich ein nahezu
konstanter Druck einstellte.
110
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
QAr / sccm
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
0
1
2
3
4
5
Druck / Pa
Ventilöffnung / %
Druck bei QAr = 100 sccm
mit TMP
Sekundärkammer
Primärkammer
Abbildung 4.24.: Links: Gemessener Druck in den beiden Kammern in Abhängigkeit der eingelassenen
Spülgasmenge Argon ohne eingeschalteter TMP in der Sekundärkammer und rechts: Einfluss des Regelventils
bei eingeschalteter TMP in der Sekundärkammer auf die Drücke in beiden Kammern bei einer Spülgasmenge
von 100 sccm.
zugeführtem Gas größer ist. Der Druck im Sekundärkathodenraum kann nur soweit anstei-
gen, wie es durch den Leitwert und die Druckdifferenz nach Formel 4.13 erlaubt ist. Nachdem
der Druck zwischen dem Spaltbereich am Gaseinlass und der Sekundärkammer ausgeglichen
ist, strömt kein Gas mehr in den Hilfskathodenraum, sondern nur noch in Richtung der des
Primärkathodenraumes. In diesem Zustand wurde die Hilfskammer soweit mit Prozessgas
gefüllt, bis der sich einstellende Druckunterschied ∆p Null ist32. Leichte Abweichungen für
den Druck mit mehr Argongasfluss, lässt sich auf die abnehmende Saugleistung der Turbo-
molekularpumpen in diesem Druckbereich erklären.
Ein beispielhafter Punkt sei bei dem kumulierten Argongasfluss von 100 sccm, da dieser
später auch als Prozesspunkt verwendet wird. Der sich einstellende Druck in der Sekundär-
kammer liegt ohne TMPSK im Bereich von 3.75 Pa. Aus den Ergebnissen lässt sich ebenfalls
das effektive Saugvermögen der Pumpen des Rezipienten ermitteln. Das Saugvermögen der
Pumpen am Rezipienten liegt nach Seff,1=Q3/pbei ca. 568 l·s1. Dies ist weit weniger, als
dem Datenblatt der Pumpen zu entnehmen ist (800 l·s1). Dies ist durch einen komplexen
verjüngenden Aufbau zwischen Rezipient und Pumpenfläche zu erklären.
Ziel bei der Auslegung der Sekundärkammer war die Möglichkeit einer von der Primär-
kammer unabhängigen Druckeinstellung. Dies wurde mit einem regelbaren Butterfly-Ventil
im Hilfskathodenraum vor der Turbomolekularpumpe realisiert. Dadurch konnte der Druck
bei Zugabe des Spülgases in den Spalten und zugeschalteter TMPSK individuell eingestellt
werden33. Dies war wichtig, da die Planarkathode zum einen nur bei höheren Drücken zündete
und zum anderen ein zu hoher Druck die Abscheiderate reduzierte.
Im Folgenden liefen alle Pumpen bei 100%. Auf der rechten Hälfte in Abbildung 4.24
sind die Drücke in beiden Prozesskammern in Abhängigkeit der Ventilstellung des Butterfly-
Ventils aufgetragen. Bei Zugabe des Spülgas-Argonfluss von 2 x 50 sccm und voller Öffnung
32Dies kann später als Abschätzung des Druckes in der Nähe des Gaseinlasses im Spaltrohr genommen werden,
da ein Druckmessgerät im Spalt während den Untersuchungen nicht vorhanden war.
33Die Annahme bestätigte sich auch in der Druckzunahme aus dem ersten Versuch.
111
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
des Ventils (100%) liegen die sich einstellenden Drücke im Rezipienten (PK) und im Planar-
kathodenraum (SK) bei etwa 0.23 und 0.22 Pa.
Wenn die Öffnung des Ventils langsam reduziert wird, können die Drücke verändert werden.
Der Druck in der Primärkammer steigt von 0.23 bis auf 0.32 Pa schwach an, wenn die Öffnung
des Butterfly-Ventils von 100 auf 0% reduziert wird. Der Druck im Sekundärkathodenraum
ändert sich jedoch von 0.22 auf 4.35 Pa. Der Druck steigt dabei nicht linear, da sich der
Leitwert des Ventils nicht-linear ändert. Bei einer schrittweisen Ventil-Schließung steigt der
Druck im Hilfskathodenraum erst leicht an und ab einer Ventil-Schließung von 60 bis 70%
steigt der Druck überproportional immer stärker an. Bei ca. 80% ist der Druck in beiden
Kammern gleich groß.
Die Ergebnisse aus dem Versuch zeigen, dass die vorher geplante Stellgröße Ventilstellung“
erfolgreich umgesetzt wurde. Wenn in der Sekundärkammer ein höherer Druck, als in der
Primärkammer gebraucht wird, ist dies durch die gezielte Reduzierung der Öffnungsfläche des
Butterfly-Ventils möglich. Da sich der Druck im Primärkathodenraum kaum ändert, kann so
die Konditionierung des Prozesses in der Sekundärkammer vorgenommen werden. Besonders
das Zünden eines oxidierten metallischen Targets bedarf eines höheren Druckes. Dies zeigt
sich auch beim Einsputtern des Magnesiumtargets. Dieses konnte erst ab einem Druck von
0.5 Pa erfolgreich gezündet und das Plasma stabil gehalten werden. Bei Versuchen mit der
Targetpaarung AZO/Mg wurde daher eine Ventil-Öffnung von 30% gewählt.
Einfluss der Sauerstofffluss auf die Reaktivgasverteilung
Nachdem ermittelt worden ist, welche Drücke zu erwarten sind, konnte der Einfluss der Gast-
renneinheit auf die Separation von Sauerstoff für beide Prozesskammern untersucht werden.
Dazu wurden Lambdasonden in beiden Prozessräumen angebracht und die gemessenen Span-
nungen extern über ein Labview-Programm ausgewertet. Zuerst wurde über einen längeren
Zeitraum abgepumpt und reines Argongas eingelassen und so die Kammern ausreichend lan-
ge gespült, bis sich die Spannungswerte stabilisiert hatten. Anschließend wurde gezielt Sau-
erstoff über den MFC (max. 20 sccm) in die Sekundärkammer eingelassen. Dabei wurden
Bereiche von 0.6 bis 20 sccm eingelassen und die Lamdasondenspannung sowie die Drücke
gemessen34. Dabei wurde der Argonfluss im Spalt mit 2×50 sccm konstant gehalten und
die TMP im Sekundärraum lief bei 100%. Abbildung 4.25 zeigt die gemessenen Drücke und
Lambdasonden-Spannungswerte in Abhängigkeit des zugeführten Sauerstoffflusses für beide
Prozesskammern35.
Die Ausgangsdrücke lagen für die Primär- und Sekundärkammer bei 2.26 und 2.4µbar.
Durch die schrittweise Zugabe von Sauerstoff wurde der Druck in der Primärkammer stetig
gesteigert und lag für 20 sccm bei 2.72 µbar. Damit ist der Druck um 0.44 µbar gestiegen.
Dagegen steigt der Druck in der Sekundärkammer weniger stark an. Vor allem ist zu
beobachten, dass der Druck schon für leichte Sauerstoffzugabe (0 zu 1 sccm ) von 2.4 auf
34Die Flussregelung unter 0.4 sccm war nicht eindeutig und so wurden erst Messwerte ab 0.4 sccm gewertet.
35Normalerweise kann der Sauerstoffpartialdruck über eine Kallibrierung und linearen Fit über die
Lamdasonden-Werte bestimmt werden. Jedoch zeigt sich erst ab 10 sccm ein linearer Trend und deshalb
wird hier weiter von Spannungswerten gesprochen.
112
4.2. Serielles Co-Sputtern mit Gasraumtrennung
Tabelle 4.7.: Gastrennfaktor (GTF) bei QAr = 2 x 50 sccm und QO2= 20 sccm bei ausgeschalteter TMP im
Sekundärkathodenraum.
pPK pSK GTFO2
0.127 0.012 10.6
2.6µbar steigt. Danach ist ein geringer Anstieg mit zunehmenden qO2festzustellen und der
Druck steigt von 2.60 auf 2.65 µbar. Beim Vergleich der beiden Druckänderungen in den
Prozesskammern wird klar, dass der Hauptteil des Druckanstieges in der Primärkammer
stattfindet. Um einen Eindruck auf die Sauerstoffverteilung in den Kammern zu bekommen,
wurden die Spannungen an den jeweiligen Lambdasonden gemessen.
0 5 10 15 20
2,2
2,3
2,4
2,5
2,6
2,7
2,8
2 x 50 sccm Argon
Sekundärkammer
Primärkammer
Druck / µbar
Q o2 / sccm
0 5 10 15 20
400
500
600
700
800
900
1000
1100
1200
2 x 50 sccm Argon
Sekundärkammer
Primärkammer
SpannungLamdasonde / mV
Q o2 / sccm
Abbildung 4.25.: Gesamtdruck und Lambdasonden-Spannungswerte in Abhängigkeit des zugeführten Sau-
erstoffflusses von (0.4 bis 20 sccm) bei konstanten Argonfluss im Spalt. Die Linien dienen der Führung für die
Augen.
Ohne die Zugabe von Sauerstoff werden an den Lambda-Sonden Spannungswerte von 695
und 1200 mV in der Primär- und Sekundärkammer gemessen. Bei der Zugabe von nur we-
nig Sauerstoff (bis 6 sccm) zeigt sich ein rascher Abfall der Spannungswerte. Wenn weiterer
Sauerstoff eingebracht wird, reduziert sich der Spannungsabfall (erhöht sich der Sauerstoff-
partialdruck). 36 Erst ab etwa 6 sccm ist ein linearer Trend feststellbar. Dieser Trend setzt sich
bis zum maximalen Sauerstofffluss von 20 sccm fort. Dies ist besonders bei reaktiven Prozes-
sen mit mehr Sauerstoffbedarf nutzbar, da hier die Spannungen linear mit der eingelassenen
Menge an Sauerstoff korreliert sind. Der Gastrennfaktor zwischen Primär- und Sekundär-
kammer für den hier maximalen Zufluss von 20 sccm Sauerstoff liegt bei etwa 10.6±20%. Der
Gastrennfaktor ist für Werte unter 10 sccm nicht linear und die Druckschwankungen machten
eine genaue Druckbestimmung nicht möglich. Dies zeigt, dass die Gastrennung (Sauerstoff-
Trennfaktor) nicht konstant ist und vom Sauerstoffeinlass abhängig ist. Für größere Sauer-
stoffflüsse lässt sich ein weiteres leichtes Ansteigen des Sauerstoffpartialdruckes vermuten.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein Einfluss des Spülgases auf die Sauerstoff-Verteilung in den
Kammern vorhanden ist.
36Die Spannungswerte fielen sehr schwankend ab und es wurde gewartet bis sich die Werte stabilisiert hatten.
113
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Nachdem das Prozessmodul in Betrieb genommen werden konnte, sind aus einer Vielzahl
an TCOs zwei Materialpaarungen ausgesucht und untersucht worden, um das Potential der
neuen Anlage auszuloten: Magnesium-dotiertes Zinkoxid (MAZO oder AZMO) und Zink-
dotiertes Indiumoxid (IZO). Wie bereits aufgeführt, werden für die erfolgreiche Implementie-
rung von TCOs in Solarzellen hohe Leitfähigkeiten und Transparenzen gebraucht. Bei AZMO
motiviert vor allem die mögliche Aufweitung der Bandlücke durch Zulegierung von Magnesi-
um. Eine Vergrößerung der Bandlücke der Fensterschicht kann zu mehr Lichteinkopplung in
der Solarzelle führen. Bei IZO ist vor allem die gegenüber AZO-basierten Schichten erhöhte
Beweglichkeit der Elektronen ein Vorteil. Dies kann zu einer erhöhten Transparenz im NIR
führen, was für CIGS-Solarzellen mit niedriger Bandlücke einen erhöhten Photostrom im NIR
zur Folge haben kann. Ein sehr großer Vorteil des in dieser Arbeit entwickelten Prozessmo-
duls ist die Möglichkeit, statt eines teuren zylindrischen keramischen Indiumoxid-Targets ein
wesentlich einfacher und kostengünstiger herstellbares Indium-Rohrtarget zu verwenden, das
mit Zink co-dotiert wird.
4.3.1. Magnesium–dotiertes ZnO:Al
Für die AZMO-Versuche zum seriellen Co-Sputtern an der ZVL wurde in dieser Arbeit ein
AZO-Rohrtarget und ein metallisches planares Magnesiumtarget verwendet. Erste Versuche
zeigten, dass das Magnesiumtarget bei leichter Oxidation der Oberfläche nur schwer zu zün-
den war. Die Oxidation von Magnesium mit Sauerstoff hat eine freie Enthalpie von 596.3
ΔGf°(kJ/mol). Aus diesem Grund ist darauf zu achten, dass der Sauerstoff nicht an das
Magnesium-Target gelangt und um dort die Oberfläche zu vergiftet.
Eine Versuchsreihe zeigte, dass erst ab einem Druck von ca. 0.5 Pa in reinem Argon ein kon-
stant brennendes Plasma am Mg-Target erzeugt werden konnte. Der Druck wurde über das
Butterfly-Ventil eingestellt und alle Versuche des seriellen Co-Sputterns für AZMO wurden
bei einer Ventil-Öffnungs-Stellung von 30% durchgeführt. Zum Zünden des Magnesiumtargets
wurde der Shutter geschlossen gehalten und das AZO-Rohr drehte sich mit 10 Umdrehun-
gen pro Minute (rpm). Nach einer Einsputterzeit von ca. 3-5 Minuten war das Mikroarcing
stark reduziert und der Shutter wurde manuell geöffnet. Für die Untersuchungen wurden
die ZnMgO:Al-Schichten auf gereinigten Glas-Substraten mit einer Größe von 50 x 50 mm2
(Corning Eagle XT) abgeschieden. Die Tabelle 4.8 zählt die wesentlichen Prozessparameter
der Versuchsdurchführung auf.
In dem hier gezeigten Versuch sind 6 Proben mit unterschiedlichem Magnesiumgehalt und
einer Zielschichtdicke von 500 nm abgeschieden und charakterisiert worden. Die Leistung am
AZO-Target wurde auf 1 kW bei einer Frequenz von 350 kHz und einem Duty-cycle von 0.4
festgelegt. Die Leistung am Mg-Target wurde in Schritten von 100 W erhöht. Der zugeführte
Sauerstoff musste angepasst werden, um die Transparenz zu erhalten. Im Folgenden wird
auf die Ergebnisse der strukturellen, elektrischen und optischen Eigenschaften der AZMO-
Schichten eingegangen.
114
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Tabelle 4.8.: Prozessparameter für serielles Co-Sputtern bei AZO-Schichten mit Mg co-Dotierung.
Primärkammer Sekundärkammer
Basisdruck mbar 1x1063x106
QArgon sccm 2 x 50 im Spülkanal
Prozessdruck mbar 5x1035x103
Target AZO (3N) Mg (3N)
Leistung kW 1.0 0.0, 0.1, 0.2, 0.3, 0.4, 0.5
QSauerstoff sccm 0.6, 0.8, 1.3, 1.6, 2.1, 2.7
Temperatur °C ungeheizt
Tabelle 4.9.: Ergebnisse aus EPMA-Messungen für ZnMgO:Al- Schichten, die durch eine Leistungsvariation
am Sekundärtarget einen unterschiedlichen Magnesiumgehalt erhalten haben.
Probe Leistung Element Anteil an Kation
# W (at.%) (%)
Zn O Al Mg Al Mg Zn
AZO 0 49.1 49.6 1.3 0 2.6 0 97.4
AZMO 100 100 46.9 49.7 1.2 2.1 2.4 4.2 93.4
AZMO 200 200 44.9 49.6 1.2 4.3 2.4 8.5 89.1
AZMO 300 300 42.3 49.7 1.1 6.9 2.2 13.7 84.1
AZMO 400 400 40.4 49.8 1.1 8.8 2.2 17.5 80.3
AZMO 500 500 38.1 50 1 11 2 22 76
Chemische und strukturelle Eigenschaften
Zur Quantifizierung der Elementverteilung wurden an den Proben EPMA-Messungen durch-
geführt. Die ermittelten Werte sind in Tabelle 4.9 zusammengefasst.
Pures AZO wies einen Aluminiumanteil von ca. 1.3 at.% auf 37. Wie zu erwarten ist, wird
durch die Leistung am Mg-Target mehr Magnesium in den Prozess gegeben und entsprechend
der Leistung mehr Magnesium in den Schichten gemessen. Wenn am Hilfstarget eine Leis-
tung von PST = 500 Wzugeschaltet wird, werden in den Schichten ca. 11 at.% Magnesium
gemessen. Die Reduzierung bzw. der Anstieg der Konzentration in den Schichten erfolgt na-
hezu linear mit der Leistungsänderung am Target. Wird dem Prozess Magnesium zugegeben,
so sinken sowohl der Zink- als auch der Aluminiumanteil in den resultierenden Schichten. Es
wird festgestellt, dass vor allem das Verhältnis von Zn zu Mg in den Schichten stark verändert
wird. Das Dotierverhältnis kann mit ca. 0.022 ±0.001at.%
Wabgeschätzt werden38.
Für nachfolgende Abscheidungen von anderen Schichten auf AZMO ist die Struktur der
abgeschiedenen AZMOs von Interesse. Zur Untersuchung der Rauigkeit und Struktur der
Oberflächen von verschiedenen AZMO-Schichten wurden Messungen mit dem Rasterkraftmi-
kroskop vorgenommen. Die Bilder werden in Abbildung 4.26 a bis d gezeigt.
Der jeweilige RMS-Wert der Oberflächenrauigkeit liegt bei 2.67, 2.23, 2.03 und 2.15 nm. Die
reinen AZO-Schichten weisen die chste Rauigkeit auf und mit Zugabe von Magnesium sinkt
diese. Tendenziell lässt sich daraus schließen, dass die Schichtoberflächen weniger rau sind
im Vergleich zu den AZO-Schichten. Ein Grund dafür kann eine kleinere Korngröße in den
37Bei ZnO:Al2O3mit einem 1 wt.% im Target würde bei stöchiometrischen Schichten und ohne Abdampfen
von Zink ein Al-Anteil von 0.8 at.% erwartet.
38Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das AZO-Target ab PST = 500 Weine erhöhte Arcrate
aufwies.
115
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.26.: Rasterkraftmikroskopische Bilder von AZMO-Schichten mit unterschiedlichem Magnesium-
Gehalt: a) AZO, b) 2.1 at.%, c) 6.8 at.%, d) 11 at.%. Alle Proben wurden auf Corning-Glas abgeschieden (man
beachte die unterschiedlichen Skalierungen).
Schichten sein. Auch Park et al. stellten eine Tendenz hin zu einer reduzierten Oberflächen-
rauigkeit AZMO-Schichten fest, wenn Mg dazugegeben wurde [104]. Aus den Beobachtungen
lässt sich schließen, dass durch die Zugabe von Mg in die AZO-Schichten das Aufwachsen der
AZMO-Schichten beeinträchtigt wird. Aus diesem Grund wurde die Kristallinität der Schich-
ten untersucht. Es wurden XRD-Messungen im θ2θModus (Bragg-Brentano) durchgeführt.
Abbildung 4.27 zeigt die Diffraktogramme der AZMO-Schichten von 20 bis 80°und in einem
fokussierten Bereich von 33 bis 36°. Sämtliche auftretende Reflexe der AZMO-Schichten las-
sen sich dem ZnO zuordnen. Die 002-Reflexe sind jedoch gegenüber ZnO zu höheren Werten
verschoben, was durch eine Änderung der Gitterkonstante oder Schichtspannungen als Fol-
ge der Mg-Dotierung erklärt werden könnte. Alle Schichten weisen einen starken <002>
(2θ34.4)und schwachen <004> (2θ73)Reflex auf. Der <002>-Reflex ist typisch für
die hexagonale Wurtzite-Strukur von ZnO [54]. Alle Diffraktogramme weisen keine anderen
sichtbaren Peaks anderer Sekundärphasen wie MgO, Al2O3, oder MgAl2O4innerhalb des
Detektionslimits auf.
Die <002>-Reflexintensität für AZO Schichten liegt bei etwa 2000 counts und das Reflex-
Maximum bei einem Winkel etwa 34.3°. Das Maximum der Reflex-Position steigt mit zu-
nehmenden Mg-Anteil von 34.42°(bei 2.1 at.%) auf 34.61°(bei 11 at.%) stetig an. Die
Peak-Intensität steigt mit zunehmenden Mg-Anteil an und sinkt ab einem Mg-Anteil von
6.9 at.%.(PST = 400 W). Dies deutet auf eine zunehmende Reduzierung der Kristallqualität
hin, wenn mehr Mg eingefügt wird.
Elektrische Eigenschaften
Um AZMO als TCO für Solarzellen einsetzen zu können, sind die elektrischen Eigenschaf-
ten von großer Bedeutung. An allen Proben wurden Hall-Messungen durchgeführt. Die La-
116
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Intensität / a.u.
2 θ / ° 2 θ / °
0
Abbildung 4.27.: BB-XRD Diffraktogramme von AZMO-Schichten. links: (gestapelt) im Intervall von 20-80°
und rechts: fokussierter Blick von 33 bis 36°.
Tabelle 4.10.: Elektrische Eigenschaften der AZMO-Schichten für unterschiedliche Leistungen am Magnesium-
Target PMg und angepassten Sauerstoffflüssen qO2(Leistungsparameter für die AZMO-Schichten sind in den
Probennamen aufgeführt).
PMg qO2Mg n µ ρ Rsh
W sccm at% ×1019 cm3cm2V1s1×104cm @
AZMO 000 0 0.6 0 18 18.6 17.5 34
AZMO 100 100 0.8 2.1 13.6 17 27.8 52
AZMO 200 200 1.3 4.3 9.65 14.3 43.0 86
AZMO 300 300 1.6 6.9 7.95 11.1 76.0 139
AZMO 400 400 2.1 8.8 5.6 9.4 109 228
AZMO 500 500 2.7 11 4.13 7.5 200 550
dungsträgerkonzentration (ne), -beweglichkeit (µ) und der spezifische Widerstand (ρ) sind in
Abbildung 4.28 gezeigt.
Für pures AZO liegt die freie Ladungsträgerdichte bei 18×1019 cm3und die Beweglichkeit
bei 18cm2V1s1. Mit der Zugabe von Magnesium sinken sowohl neals auch µkontinuierlich
auf Werte von 4.13 ×1019 cm3und 7.5cm2V1s1ab. Der spezifische Widerstand steigt
dementsprechend von 2×103auf 2×102cm an. Die Ergebnisse decken sich mit den
Beobachtungen von anderen Veröffentlichungen zu AZMO [102, 104, 112]. In Tabelle 4.10
sind die elektrischen Werte für die Schichten aufgelistet.
Optische Eigenschaften
Aus den Vorversuchen39 ist bekannt, dass bei 100 sccm Argon und 0.3% Sauerstoff zu stark
absorbierende AZO-Schichten abgeschieden werden (hier nicht gezeigt). Erst durch die Zu-
gabe von mehr Sauerstoff in den Prozess, steigt die Transparenz, damit jedoch auch der
spezifische Widerstand an. Die Versuche ergaben, dass erst mit der Zugabe von 0.6 sccm
Sauerstoff ausreichend gute Transparenzen in den AZO-Schichten erreicht werden und der
Schichtwiderstand von 27 auf 34 @steigt. Wenn dann über das Sekundärtarget mehr Ma-
gnesium in den Prozess eingebracht wird, werden die Schichten wiederum graustichiger. Somit
39mit dem neuen Prozessmodul
117
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
ne / x1019 cm-3
µ / cm2V-1s-1
ρ / µΩcm
Abbildung 4.28.: Freie Ladungsträgerkonzentration (ne), -beweglichkeit (µ)und spezifischer Widerstand (ρ)
der TCOs in Abhängigkeit der zugeschalteten Leistung an der Sekundärkathode (SK) bei konstanter Leistung
am AZO-Target.
gibt es wieder einen erhöhten Bedarf an Sauerstoff, abhängig davon, wieviel metallisches Ma-
gnesium in den Prozess eingebracht wird. Aufgrund des vermehrten Mg-Anteils muss für jede
Schicht der Sauerstoff nachgeregelt werden, um akzeptable optoelektrische Eigenschaften der
AZMO-Schichten zu erhalten (siehe Tabelle 4.10).
Abbildung 4.29 zeigt die Abhängigkeit der Transparenz vom Mg-Gehalt in den AZMO-
Schichten von 300 bis 1250 nm und im fokussierten Bereich der fundamentalen Absorption
bei Wellenlängen von 300 bis 600 nm. Die puren AZO-Schichten waren sehr absorbierend und
so zeigen sie die niedrigste Transparenz 40. Die Schichten mit mehr Magnesium und Sauer-
stoff weisen eine eine höhere Transparenz auf. Wenn mehr Magnesium (und Sauerstoff) in
die AZMO-Schicht eingebracht wird, verschiebt sich die Fundamentalabsorption der AZMO-
Schichten in Richtung höherer Energien. Die Verschiebung der Fundamentalabsorption ist
in Abbildung 4.29 b) deutlicher zu erkennen. Die Bandlücke wurde mit Hilfe von linearen
Fits von tauc-plots aus UV-VIS-Messungen bestimmt. Alle Schichten weisen eine beginnende
Absorption im Bereich unter 500 nm und einen Gelbstich auf. Die Absorption im sichtbaren
40(Sie weisen eine Absorption von ca. 4% im sichtbaren Bereich auf.)
118
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Transmission / %
Wellenlänge / nm
PSK / W
0
100
200
300
400
500
300 350 400 450 500 550 600
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Transmission / %
Wellenlänge / nm
PSK / W
0
100
200
300
400
500
a) b)
Abbildung 4.29.: Transparenz der AZMO-Schichten in Abhängigkeit der Wellenlänge. Die Targetleistung
an der Hilfskathode (in Watt) sind hinzugefügt. Auf der rechten Seite ist ein fokussierter Bereich im Bereich
der Fundamentalabsorption gezeigt.
Bereich des Spektrums sinkt mit zunehmenden Mg-Anteil und den entsprechenden Sauer-
stoffzugaben und so steigen die Transparenzen auf Werte von knapp 90%. Im NIR sinkt die
Transparenz aufgrund der reduzierten FCA wieder ab. Diese korreliert mit der Reduktion der
freien Ladungsträgerdichte und Schichtdicke. Je weniger Ladungsträger enthalten sind, desto
geringer ist die freie Ladungsträgerabsorption.
Diskussion
Die Zugabe von Mg in den Prozess und in die AZO-Schichten führte zu einer Veränderung
der Schichteigenschaften von AZMO.
Durch die Zugabe von Mg über das Sekundärtarget wurde Mg unter anderem auf die
Oberfläche des Primärtargets abgeschieden. Aufgrund der begrenzten Öffnung zum Sekun-
därprozessraum kann nicht alles Mg vom Target auf das AZO-Target abgeschieden werden.
Der Rest des Mg legt sich auf die Kammerwände und wirkt dort als Pumpe für Sauerstoff,
der durch den Spalt in den Sekundärtargetraum gelangt. Dies wirkt einer Oxidierung des Mg-
Targets entgegen und lässt den Sputterprozess kontrollierbar bleiben. Die Sputterrate von Mg
konnte aufgrund der Konfiguration nicht bestimmt werden. Die Erhöhung der Leistung am
Mg-Target führte primär zu einer Erhöhung des Targetstroms, wodurch der lineare Anstieg
des Mg-Anteils in den AZMO-Schichten zu erklären ist. Aufgrund der Zugabe von Mg wird
in das ZnO:Al-Gitter mehr Mg eingebaut und damit steigt der Mg-Anteil. Dazu sinkt der
Anteil an Zink und Aluminium in den Schichten.
Röntgenbeugungsmessungen ergaben, dass die gemessene <002>-Reflex-Position für die
AZO-Schichten unter dem zu erwartenden Winkel von 34.4°für ZnO liegt. Ein kleinerer
Winkel weist auf eine Streckung entlang der c-Achse hin. Eine mögliche Erklärung dafür ist
eine verspannte Schicht41. Durch die Zugabe von Mg vergößtere sich dagegen der Winkel.
Diese Verschiebung der maximalen Intensität der <002>-Reflex-Position wiederum kann ein
Indikator dafür sein, dass es zu einer Reduktion des Abstandes der Atome entlang der c-
41Die Schicht wies auch ein verstärktes Abplatzen des TCOs auf.
119
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
/ eV
/ x
Abbildung 4.30.: Bandlücke von Zn(1x)MgxOin Abhängigkeit des Magnesiumgehaltes x für verschiede-
ne Veröffentlichungen anderer Forschungsgruppen [101, 184–186]. Die gestrichelte Linie dient der optischen
Orienterung.
Achse kommt (Stauchung). Ein ähnlicher Trend für AZMO-Schichten wurde von Park et al.
beobachtet [104]. Ein möglicher Grund ist der leicht kleinere Ionenradius von Mg+(0.057
nm) im Gegensatz zu dem vom Zn (0.073 nm) [54].
Die stetige Zugabe von Magnesium führte zu einer stetigen Erhöhung des spezifischen Wi-
derstandes aufgrund einer Reduzierung der Ladungsträgerkonzentration und -mobilität. Dies
kann zum einen mit der erhöhten Sauerstoff-Zugabe im Prozessraum zusammenhängen (siehe
4.2.5) und zum anderen mit der Verdrängung (Mg auf Zn Plätzen) und Inaktivierung von
Aluminium im ZnO-Kristall (Oxidation zu Al2O3). Die metallischen Magnesium-Partikel an
der Oberfläche des AZO-Targets könnten bereits zu MgO-Clustern oxidieren und teilweise
in die AZMO-Schicht eingebracht werden. Die Struktur des Zinkoxid-Kristalls wurde gestört
und die verschlechterte Kristallqualität kann zu einer Erhöhung der Streuzentren für Elektro-
nen führen. Wie vorher gezeigt, nimmt der prozentuale Aluminiumanteil mit zunehmenden
Magnesium im ZnO-Krisall ab [(Al/(Gruppe II) sinkt]. Dadurch kommt es zu einer Reduzie-
rung der trivalenten Al-Ionen, welche ein freies Elektron ins Kristallgitter abgegeben können.
Wenn davon auszugehen ist, dass das AZO bei bereits optimierten Prozessbedingungen die
chstmögliche Aktivierung freier Ladungsträger generiert, wird mit zunehmender Verdrän-
gung durch Mg die potentielle Ladungsträgeranzahl reduziert. Dieser Effekt verstärkt sich mit
zunehmenden Mg-Anteil. Des Weiteren kann die Entstehung von Mg-Clustern den Einbau
von Aluminium auf Zn-Gitterplätzen stören. Es kann zu einer Ansammlung von segregiertem
Aluminium und Magnesium an den Korngrenzen kommen. Dadurch werden die Elektronen
als Ladungsträger in ihrer Beweglichkeit über die Korngrenzen hinweg durch Streuzentren
gestört und somit kann das eine Erklärung für die ebenfalls stattfindende Reduzierung der
Mobilität der Elektronen sein.
Die Bandlücken von ZnO und MgO sind 3.3 und 7.7 eV. Ohtomo et al. zeigten in den
späten 1990ern, dass eine Co-Dotierung von Zinkoxid mit Magnesium zu einer Erhöhung der
120
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Bandlücke führt [101]. Bis zu einem Anteil von 33% wurden keine Phasenveränderungen oder
die Ausbildung von MgO (rocksalt)- Phasen gefunden. Bei einer noch höheren Zugabe von
Mg kam es zu einer Phasentrennung. In dieser Arbeit wurden Mg-Anteile bis 11 at.% erreicht
und die XRD-Messungen wiesen bei den abgeschiedenen Schichten nur Wurtzite-Strukturen
aus. Abbildung 4.30 zeigt die Bandlücke von Zn(1x)MgxOin Abhängigkeit des Magnesi-
umgehaltes verschiedener Studien. In dem ternären Mischsystem Zn(1x)MgxO-System mit
x<0.3 wird in der Literatur häufig eine lineare Abhängigkeit von Bandlücke und Komposition
x beobachtet. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Bandlücke von ZnO durch die Zugabe
von Magnesium vergrößert werden kann [101, 107, 112, 184–187]. Je nach Abscheidemethode
und Messergebnissen variiert die Korrelation, aber eine Bandlückenaufweitung in ZnMgO von
etwa 0.1±0.01 eV pro 0.05 % Magnesium ist abschätzbar. Die Bandlücke der in dieser Arbeit
abgeschiedenen AZMO-Schichten steigt mit zugegebenem Magnesium nahezu linear von 3.5
auf etwa 3.7 eV an. Diese Befunde decken sich mit denen aus der Literatur. Aufgrund der
Aluminium-Dotierung ist die Bandlücke des AZOs bereits bei 3.5 eV.
Die AZMO-Schichten zeigten nur bedingt gute Absorptionseigenschaften. Die ungeheizt
abgeschiedenen MAZO-Schichten weisen ein hohe Absorption im sichtbaren Bereich, sowie
einen Gelbstich auf. Ersteres ist mit den Defekten im AZMO-Kristallgitter zu begründen.
Die Adatoms haben nicht genug Energie, um die energetisch günstigen Stellen im Gitter zu
besetzen. Damit bilden sich Fehler aus, die dann zu einer erhöhten Absorption führen. Eine
Erhöhung der Abscheidetemperatur kann zu einer Verbesserung der optischen Eigenschaften
der AZO-Schichten führen, da die Adatoms an der Substratoberfläche mehr Energie zur
Strukturbildung haben [93]. Dies konnte im Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht weiter
untersucht werden.
Der Gelbstich kann durch eine Stickstoffverunreinigung im Prozessgas verursacht werden.
Stickstoff-dotierte ZnO-Schichten (ZnO:N) weisen eine Absorption unter 600 nm auf [188].
Je nach Stickstoffgehalt in ZnO:N verschiebt sich die fundamentale Bandlücke zu höheren
Energien bis 2.3 eV für Zn3N2[189]. Ein weiteres Indiz für die Bildung von Zn3N2ist die
Tatsache, dass beim Öffnen der Schleuse ein beißender Geruch ähnlich dem von Ammoniak
(NH3) wahrnehmbar ist. Es ist bekannt, dass eine Hydrolyse mit Raumluft stattfinden kann
[190]. Diese Reaktion lässt sich mit
Zn3N2+ 6H2O3Zn(OH)3+ 2NH3(4.17)
beschreiben. Eine genauere Untersuchung konnte nicht durchgeführt werden.
Zusammenfassung
Durch serielles Co-Sputtern wurden Mg-dotierte AZO-Schichten abgeschieden, um das Poten-
tial der Anlage zu untersuchen. Es wurde festgestellt, dass die Schichtzusammensetzung von
der Leistung am Sekundärtarget abhängt. Die Magnesiumkonzentration steigt linear mit der
zugeführten Leistung an. Es wurden Schichten mit bis zu 11% Magnesiumanteil abgeschieden.
Während die reinen AZO-Schichten einen Sauerstoffanteil von 0.6% benötigten, musste mit
121
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
steigendem metallischen Magnesium im Prozess der Sauerstoffanteil erhöht werden, um einer
Absorptionserhöhung in den Schichten entgegenzuwirken. Mit steigendem Magnesiumanteil
in den resultierenden Schichten sinkt die Rauigkeit sowie die Ladungsträgerkonzentration
und -beweglichkeit. Alle Schichten wiesen eine Wurtzite-ZnO-Struktur auf. Die Bandlücke
Zn(1x)MgxO:Al-System erhöht sich mit der Zugabe von Magnesium stetig von 3.5 auf 3.7
eV. Mit der Erhöhung der Bandlücke in AZMO könnte dies als TCO in der CIGS-Technologie
die Blauempfindlichkeit in den CIGS-Solarzellen steigern und somit den Wirkungsgrad erhö-
hen.
Die Untersuchung von AZMO-Schichten als potentielles TCO in der CIGS-Technologie
wird in Abschnitt 4.4.2 gezeigt.
122
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
4.3.2. Reaktives serielles Co-Sputtern von Indium-Zink-Oxid
Das in dieser Arbeit entwickelte Konzept zielt auch darauf ab, rein metallische Targets im
gesamten Prozess verwenden zu können. Dies hat mehrere Vorteile. Wie in Abschnitt 2.1 be-
reits angeregt, ist die Herstellung von metallischen Targets um ein Vielfaches günstiger als die
der keramischen Targets. Das Problem durch die Bildung von negativen Sauerstoffionen an
keramischen Targets, die durch das elektrische Feld mit hoher Energie in Richtung Substrat
beschleunigt werden [191–195], ist die Schädigung der Substrate, die durch eine Verwendung
von metallischen Targets reduziert wird. Das macht das reaktive Sputtern von IZO noch
interessanter. Dennoch bleibt die Abscheidung von metallischen Targets in einer reaktiven
Gasatmosphäre kompliziert, da die Prozessführung aufgrund einer Hysterese instabil werden
kann (vgl. Abschnitt 4.1.1). Es bleibt zu überprüfen, ob die Gastrenneinheit zu einer mögli-
chen Reduzierung des Hystereseeffektes sowie einer kontrollierten Prozessführung beitragen
kann.
Die TCOs mit den chsten Elektronenbeweglichkeiten basieren größtenteils auf Indiu-
moxid. Neueste Entwicklungen in der Solar-Technologie verlangen nach TCOs mit hohen
Ladungsträgerbeweglichkeiten, die bei niedrigen Abscheidetemperaturen hergestellt werden
können. Das in dieser Arbeit entwickelte Prozessmodul bietet die reaktive Abscheidung von
co-dotiertem Indiumoxid (InOx:X) von einem metallischen Indium-Rohrtarget. Für diese
Arbeit wurde als Dotant Zink gewählt, um Indium-Zink-Oxid (IZO) mit unterschiedlichem
Zn-Anteil abzuscheiden. Dieses kann je nach Zn-Anteil kristallin und amorph aufgewachsen
werden [114]. IZO ist ein potentielles Front-TCO für Solarzellen. Menner et al. zeigten La-
dungsträgerbeweglichkeiten und -konzentrationen von 50 cm2V1s1und 2×1020 cm3für
optimierte hochtransparente Schichten bei gleichzeitig niedrigen Prozesstemperaturen [115].
Dabei spielten der Indiumanteil sowie der Sauerstoff eine wesentliche Rolle bei der Optimie-
rung der Eigenschaften.
Nachteilig für die gesputterten IZO-Schichten ist der hohe Preis für die oftmals verwendeten
keramischen InOx:ZnO-Targets. Die Fertigung von zylindrische Rohrtargets auf Basis von
Indiumoxid erweist sich als schwierig42. Dazu kommen die niedrige Ausbeute von planaren
Targets und die niedrige Abscheiderate von keramischen Targets.
Einfluss des Sauerstoffs auf den reaktiven Sputterprozess von Indium
Das hier vorgestelte Konzept schafft durch die Verwendung eines Mantelrohres als Gast-
renneinheit und die am Fraunhofer IST entwickelte Lamdasonden-Reaktivgasregelung die
Möglichkeit, Indiumoxid-basierte Schichten in einer reaktiven Atmosphäre von einem Indi-
umtarget (Firma Applied Materials (Rohrtargethersteller damals Meterion))
abzuscheiden.
Um die Wirkung von Sauerstoff auf den reaktiven Sputterprozess am Indiumtarget zu un-
tersuchen, wurde der Sauerstofffluss in der Primärkammer zuerst von 1 sccm auf 100 sccm
erhöht und dann wieder reduziert. In Abbildung 4.31 a) ist der Sauerstoffpartialdruck als
42Anfrage bei Targetherstellern.
123
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
0 20 40 60 80 100
0
50
100
150
200
O2 Partialdruck / mPa
qO2 / sccm
fallend
steigend
qAr = 2 x 50 sccm
p = 0.23 Pa
PZn = 1 kW
0 20 40 60 80 100
0
50
100
150
200
fallend
steigend
O2
qO2 / sccm
qAr = 2 x 50 sccm
p = 0.33 Pa
P = 1 kW
a) b)
O2 Partialdruck / mPa
Abbildung 4.31.: Sauerstoff-Partialdruck als Funktion des O2-Flusses für das reaktive DC-Sputtern von
In2O3mit einem Indium-Rohrtarget. a) mit Gasraumtrennung und b) ohne Gasraumtrennung.
Funktion des O2-Flusses für steigende und dann fallende Sauerstoffflüsse bei einer Sputter-
leistung von 1 kW am ummantelten Indium-Target gezeigt (pAr = 0.23 Pa). Der Sauerstoff-
partialdruck steigt nicht linear mit der zugeführten Sauerstoffmenge. Bei der Erhöhung des
Sauerstoffflusses sind die folgenden Bereiche zu unterscheiden.
Bis ca. qO2= 25sccm wird ein linearer Zusammenhang von pO2und O2-Fluß beobachtet.
Zwischen qO225 und 55 sccm kommt es zu einem überproportionalen Anstieg des
Sauerstoffpartialdrucks.
Bei einer weiteren Zugabe von Sauerstoff flacht der Anstieg von pO2leicht ab, steigt
aber weiter linear mit qO2.
Bei einer schrittweisen Reduzierung der Sauerstoffmenge wird keine Hysterese-Schleife beob-
achtet. Der Verlauf der beiden pO2-Prozesskurven ist sehr ähnlich.
In Abbildung 4.31 b) ist ebenfalls der Sauerstoffpartialdruck als Funktion des O2-Flusses
für steigende und dann fallende Sauerstoffflüsse bei einer Sputterleistung von 1 kW am un-
ummantelten Indium-Target gezeigt (pAr = 0.33 Pa, da ohne TMP). Der Verlauf ist nahzu
identisch, ist aber leicht zu niedrigeren Sauerstoffflüssen verschoben. Dazu ist bei etwa 30
sccm eine leicht stärkere Auswölbung der Prozesskurve zu erkennen.
Diskussion
Es wird Indium von einem metallischen Rohr in einer reaktiven Atmosphäre mit Sauerstoff
gesputtert.
Der gemessene Sauerstoffpartialdruck in Abhängigkeit der zugeführten Sauerstoffmenge
zeigt, dass sich der Sputterprozess von Indium sehr von dem von Aluminium unterscheidet
(vgl. 4.1.2) Für Indium wird eine Hysterese-freie Prozesskurve beobachtet. Wie in Abbildung
4.31 zu sehen, steigt der Sauerstoffpartialdruck nur leicht an. Durch die Bildung von In2O3
wird Sauerstoff verbraucht. Dies erfolgt dabei sowohl am Target, den Kammeroberflächen und
am Substrat. Bei wenig Sauerstoffzufuhr (erster Bereich) wird der größte Teil des zugeführten
Sauerstoffs über die TMPs und den Sputterprozess gegettert.
124
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Aufgrund des geringen Reaktivgaspartialdrucks ist die Wachstumsrate von Indiumoxid am
Target dabei noch klein gegen die Abtragrate in der Erosionszone. So bleiben die gesputterten
Bereiche metallisch und nur wenig Indium wird oxidiert.
Bei weiterer Erhöhung der Sauerstoffzufuhr wird die Getterwirkung aufgrund der Oxidation
des Targets reduziert. Dadurch wird mehr Sauerstoff im Prozessraum gemessen. Hierbei ist
der Anstieg des Partialdrucks mit und ohne Gastrenneinheit unterschiedlich.
Dies ist durch die Manipulation des lokalen Sauerstoffangebotes durch die Mantelgeome-
trie zu erklären. Wie in Kapitel 4.2.1 gezeigt, kommt es durch die lokale Druckerhöhung von
Argon im Spalt zu einer Reduzierung des Sauerstoffpartialdruckes entlang der Targetoberflä-
che (At)von der Primär- zur Sekundärkammer. Ohne Gastrenneinheit wäre der Sauerstoff-
Partialdruck über die gesamte Umdrehung nahezu konstant und die chste Konzentration
an Sauerstoffteilchen an der Targetoberfläche steht zur Physi- und Chemisorption zur Verfü-
gung. Somit kann die Targetoberfläche oxidieren und es kommt zur Hysterese beim Sputtern.
Wird jedoch die in dieser Arbeit entwickelte Mantelrohrgeometrie zusammen mit der Spül-
gasfunktion verwendet, so wird der Sauerstoffpartialdruck positionsabhängig reduziert. Der
größte Sauerstoffpartialdruck liegt in der Primärkammer vor. Wie in den vorangegangenen
Simulationsrechnungen gezeigt, nimmt der Partialdruck und damit die zu Verfügung stehende
Sauerstoffteilchenmenge entlang der Spaltlänge ab. Das Minimum liegt an der Öffnung zur
Sekundärkammer vor. Nach dem Durchlaufen dieser Öffnung tritt die Oberfläche des Targets
wieder in den Spalt ein. Nun nimmt der Sauerstoffpartialdruck wieder geometrieabhängig
zu. Schließlich erreicht die Oberfläche wieder die Primärkammer und der Ausgangswert wird
erreicht. Damit wird im Vergleich zum ungetrennten Verfahren die Anzahl an Sauerstoffteil-
chen zur Oxidierung der Oberfläche des Indiumtargets reduziert. Damit wurde das Verhältnis
Sauerstoffteilchenzahl zu Targetoberfläche verändert. Folglich nimmt die Oxidierungswahr-
scheinlichkeit ab und die Ausprägung der Hysterese nimmt ab. Im Idealfall kommt es zu
gar keiner Hysterese. Der Effekt wurde auch von Nyberg gezeigt [170], dessen Gruppe durch
Berechnungen zeigen konnte, dass die S-Form der Hysteresekurve durch eine Verkleinerung
der Targetfläche elimitiert werden kann. Sie erklären es mit einer erhöhten Erosionszone im
Verhältnis zur Targetgesamtfläche.
Im Bereich höherer Sauerstoffzufuhr flacht die pO2(QO2)-Kurve leicht ab und es ist davon
auszugehen, dass eine komplette Oxidierung der Targetoberfläche stattgefunden hat und der
Oxide-Mode erreicht ist. Der Sauerstoffpartialdruck verhält sich wieder linear zur zugeführten
Sauerstoffmenge, da das Target keinen Sauerstoff mehr gettert.
Auf Grund der hohen Sauerstoffaffinität von Indium könnte ein Hysterese-Verhalten wie
zuvor bei Aluminium erwartet werden. In diesem Versuch wird jedoch beobachtet, dass ein
solches Verhalten ausbleibt. Das kann mehrere Gründe haben. Zum einen sind die Saug-
vermögen der TMP an der Anlage hoch, so dass von einem Hysterese-mindernden Einfluss
ausgegangen werden kann. Das Saugvermögen der Vakuumpumpen hat einen großen Einfluss
auf die Form der Hysteresekurven [196]. Durch eine Erhöhung des Saugvermögens kann die
Breite des Hysteresebereichs verringert und ab einem sehr hohen Wert die Hysterese komplett
eliminiert werden.
125
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Zum zweiten könnte das Ausbleiben der Hystereseschleife durch das Konzept der durchspül-
ten Mantelrohrgeometrie begünstigt sein. Durch die lokale Argon-Druckerhöhung im Spalt
kann weniger Sauerstoff an die Indiumtargetoberfläche gelangen und somit weniger Indiu-
moxid an der Oberfläche gebildet werden. Aber beim Vergleich der beiden Versuche mit und
ohne Gastrenneinheit bei sonst nahezu gleichen Prozessbedingungen43 ist festzustellen, dass
die Verwendung der Gastrenneinheit nahezu keinen Effekt auf den Verlauf des Sauerstoffpar-
tialdruck beim Sputtern von Indium erzielt.
Eine dritte Möglichkeit für das Ausbleiben einer Hysterese ist im Sekundär-Elektronen-
Emmissionsyield zu finden. Untersuchungen von Depla zeigten, dass der relative Unterschied
der relativen Sekundär-Elektronen-Emmissionsyield für Indium und Indiumoxid sehr klein ist
[197]. So ist der relative Unterschied zwischen Indiumoxid zu Indium [(γoxideγMetall)Metall]
bei nur rund -7%. Folglich sind die Targetspannungen ähnlich und bei einer kontanten Leis-
tung der Materialabtrag nur wenig verändert. Damit ist auch der Verlauf der Prozesskurven
in Abhängigkeit der Sauerstoffzuführ zu erklären.
Vergleichend dazu ist nach Depla et al. [197] der Unterschied des Sekundär-Elektronen-
Emmissionsyields zwischen Metall und dessen Oxid bei Indium mit -7% weit weniger als bei
Aluminium (100%) und Magnesium (200%). Mit der nur sehr geringen Prozessveränderung
zwischen metallischer und oxidischer Oberflächenbelegung ist Indium ein guter Kandidat für
reaktive Prozesse im seriellen Co-Sputterprozess.
Zusammenfassung
Es wurde der Sauerstoffpartialdruck in Abhängigkeit der Sauerstoffmenge in einem Indium-
Sputterprozess untersucht. Dabei wurde der Sauerstoffpartialdruck einmal mit und einmal
ohne Gasraumtrennung untersucht.
Es wurde kein deutlicher Unterschied im Prozess mit und ohne Gasraumtrennung fest-
gestellt. Die anfängliche These, dass der Spülgasprozess eine mögliche Hysterese unterbin-
det, hat sich gerade für Indium nicht bestätigt. Für Indium zeigt sich eine nahezu identi-
sche Prozesskurve in Abhängigkeit des Sauerstoffflusses. Der relative geringe Unterschied des
Sekundär-Elektronen-Emmissionsyield zwischen metallischen Indium und Indiumoxid wurde
als Hauptgrund dafür ausgemacht. Damit ist Indium ein sehr gutes Material als Primärtarget
im seriellen Co-Sputterprozess. Das Ausbleiben einer Hystereseschleife macht den Prozess
besonders attraktiv, da so Metalloxide wie dotiertes Indiumoxid mit hoher Abscheiderate
kontrolliert herstellbar sind.
Einfluss des Sauerstoffs auf den reaktiven seriellen Co-Sputterprozess von IZO
Da Indiumoxid nur bedingt leitfähig ist, muss die Ladungsträgeranzahl erhöht werden. Eine
Möglichkeit ist die Zugabe von Zink, um amorphes Indium-Zink-Oxid herzustellen. Damit
wird mit Hilfe von zwei metallischen Targets IZO in einem reaktiven Prozess hergestellt,
welches als transparenter Frontkontakt in CIGS-Solarzellen eingesetzt werden kann.
43Zwischen beiden Versuchen wurden mehrere Indium-Abscheidungen durchgeführt und ein Targetabtrag war
bereits deutlich zu erkennen.
126
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Tabelle 4.11.: Abscheidebedingungen für IZO-Schichten.
Primärkammer Sekundärkammer
Basisdruck mbar 1x1063x106
QArgon sccm 2 x 50 im Spülkanal
Prozessdruck mbar 2.3x1035x103
Target In (4N) Zn (4N)
Targetleistung W 1000 80, 100, 120
QSauerstoff sccm 34
pO2mPa 51, 53, 55
Temperatur °C ca. 50-70
Zur Herstellung von IZO wurde ein metallisches Indium-Rohrtarget der Firma Applied
Materials (ehemals Meterion) und ein planares metallisches Zink-Target (PK 500) ver-
wendet. Dank der selbst entwickelten Geometrie konnte so IZO per seriellem Sputterprozess
abgeschieden werden. Die Menge an eingelassenem Argon und Sauerstoff lag bei 100 und 34
sccm und die Abscheidetemperatur lag bei 50 bis 70 °C. Der Sauerstoff-Partialdruck, der den
Arbeitspunkt des Prozesses definiert, wird mit einer speziellen Lambdasonden-Vorrichtung
gemessen und mittels einer Regelung über die Kathodenleistung stabilisiert 44.
Erste Untersuchungen zeigten, dass die Prozesse eine Anpassung der Partialdrücke an die
Zinkmenge benötigen. Es wurde festgestellt, dass je mehr Zink durch das Sekundärtarget in
den Prozess eingebracht wird, desto mehr Sauerstoff wird benötigt. Dies ist mit der Erhöhung
des metallischen Partikelanteils an der Oberfläche des Primärtargets und der Sekundärkam-
mer zu erklären, da hier eine zusätzliche Getterwirkung des Sauerstoffs erzeugt wird, welche
mit der Partikelanzahl korreliert. Durch die verwendete Regelung konnte der Sauerstoffpar-
tialdruck an die Zinkmenge angepasst werden. In dem hier gezeigten Versuch wurden seriell
co-gesputterte IZO-Schichten mit unterschiedlichem Zinkanteil abgeschieden. Dazu wurde
über die Leistung am Sekundärtarget der Zinkpartikelfluss verändert. Um mögliche Wasser-
moleküle von den Substratoberflächen zu desorbieren, wurden die Proben etwa 30 Minuten
vorgeheizt. Es wurden drei unterschiedliche Arbeitspunkte gewählt. Für die Sekundärleistun-
gen PZn = 80, 100, 120 W lag der optimale Sauerstoffpartialdruck bei 51, 53 und 55 mPa.
Die Prozessparameter sind in Tabelle 4.11 gezeigt.
Zuerst wurden Abscheidungen bei PZn = 100 und 120 Wdurchgeführt. Während der Pro-
zesse wurde eine starke Schwankung der Leistung am Indium-Primärtarget, sowie des Sau-
erstoffpartialdrucks beobachtet. In Abbildung 4.32 sind der Sauerstoffpartialdruck und die
Leistung am Primärtarget als Funktion der Prozesszeit gezeigt. Der anschließende Prozess
mit 80 W wies eine deutliche reduzierte gemittelte Leistung von 800 W auf, was 200 W nied-
riger war, als vorgegeben. Dieser Versuch zeigte eine Prozessanomalie und führte zu einem
Problem bei der Stabilität des Prozesses 45. Der Prozess war nicht kontrollierbar. Um das
Problem zu lösen, wurde ein Cleanrun“ in reiner Argon-Atmosphäre durchgeführt und der
Versuch mit 80 W wiederholt.
44Diese Regelung wurde am Fraunhofer IST entwickelt.Die Abscheidung der IZO-Schichten an der Anlage
sowie erste opto-elektrische Untersuchungen wurden bereits von Sittinger und King gezeigt [198]. Basierend
auf deren Untersuchungen wurde der Regelungs-Prozess an der Anlage umgesetzt.
45Der Prozess wird 80 W (f) genannt.
127
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
0 200 400 600 800 1000 1200
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
pO2 / mPa
Zeit (s)
PZn
80 W (f)
80 W
100 W
120 W
0 200 400 600 800 1000 1200
600
800
1000
1200
1400
1600
PZn
80 W (f)
80 W
100 W
120 W
PRegeln (W)
Zeit (s)
a) b)
Abbildung 4.32.: Sauerstoffpartialdruck (a) und Leistung (b) am Primärtarget im Verlauf der Prozesszeit
im partialdruckgeregelten Betrieb für unterschiedliche Leistungen am Zink-Sekundärtarget.
Wie in Abbildung 4.32 a) zu erkennen ist, wird der Sauerstoffpartialdruck nach Zugabe
des Sauerstoffflusses (konstant 34 sccm) nach etwa 100 Sekunden erreicht. Erst wenn der
Partialdruck erreicht ist und konstant gehalten werden kann, wurde der Prozess gestartet. Als
Leistung am Primärtarget wurden 1000 Wvorgegeben. Beim Betrachten der Leistungskurve
bei den Prozessen PZn = 100 und 120 Werkennt man hingegen, dass diese Leistung erst
viel später erreicht wird (4.32b)). Für die ersten beiden Prozesse wird deutlich, dass durch
die Regelung gesteuert zunächst nur 600 bis 650 W benötigt werden, um den vorgegeben
Sauerstoff-Partialdruck zu erreichen. Durch die Regelung wird dann bei gleichbleibenden
Partialdruck die Leistung auf 1000 Werhöht.
Der Versuch mit 80 W (hier Fehlversuch „80 W (f)“ genannt) zeigte ein deutlich späteres
Erreichen des Sauerstoffpartialdruckes und eine deutliche Reduzierung der Primärtargetleis-
tung auf etwa 790 W, was einen erheblichen Unterschied zu den beiden Versuchen davor
darstellte. Zudem wurde diesem Prozess von der Prozessregelung die zugeführte Leistung
zum Primärtarget zurückgenommen. Darum wurde der Versuch wiederholt. In dem Folgever-
such „80W“ wurde nach einer ausreichend langen Freisputterprozedur ein besseres Verhalten
der Regelung erreicht. Hier war eine Leistung um 850 bis 1000 Wbeobachtet worden.
Diskussion
Die vier Kurven zeigen einen unterschiedlichen Verlauf mit sehr individuellen Regeleingriffen.
Die Ausschläge der Prozesse mit 100 Wweisen höhere Peaks auf, während die Prozesse
mit 80 Wweniger starke Ausschläge aufweisen. Um die Prozesse stabilisieren zu können,
mussten die Ursachen der Schwankungen genauer ergründet werden. In der Regelung wird der
gewünschte Partialdruck vorgegeben und durch eine Erhöhung oder Reduzierung der Leistung
am Primärtarget wird der Partikelstrom gesteuert. Wenn zu wenig Sauerstoff registriert wird,
so wird mehr Leistung abgefragt und umgekehrt. Im Idealfall sind der Partialdruck und die
Leistung über die Prozessdauer konstant. Durch Prozessschwankungen und Reaktionen an
den Oberflächen wird der Prozess jedoch stets aus dem Gleichgewicht gebracht und es wird
nachgeregelt. Es sind deutliche Schwankungen im Sauerstoffpartialdruck zu erkennen und
noch deutlichere Schwankungen der Leistung am Primärtarget (siehe Abbildung 4.32).
128
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Um einen noch besseren Eindruck vom Regelungsprozess zu bekommen, wurde für die
Prozesse mit PZn = 100Wund 80Wein fokussierter Zeitabschnitt (über eine Minute) genauer
analysiert. In Abbildung 4.33 sind der Sauerstoffpartialdruck und die Leistung über den
Verlauf in einem Abschnitt von 300 bis 360 Sekunden (eine Minute) gezeigt. Für den Prozess
mit 100Wwird in diesem Bereich eine schwankende Leistung um etwa 1080 W beobachtet. Die
Ausschläge sind sowohl zu höheren als auch zu niedrigeren Werten gegeben mit maximalen
Werten von 820 und 1200W. Die Ausschläge treten periodisch auf, jedoch in ihrer Ausprägung
verschieden. Das führt zu der Vermutung, dass eine drehwinkelabhängige Ursache, wie ein
defekter Punkt auf der Targetoberfläche oder eine nicht exakte Rohrdrehung, existiert. Die
Targetumdrehung bei den Versuchen lag konstant bei 10 Umdrehungen pro Minute (rpm) oder
auch eine Umdrehung alle 6 Sekunden. Im Verlauf des Prozesses treten Peaks alle 6 Sekunden
auf, was genau mit der Rohrdrehung korreliert. Da ein exakter Rundlauf nicht einstellbar
war, ist wahrscheinlich eine Schwankung der Spaltbreite zwischen Rohr und Mantelblech die
Hauptursache für diese Abweichungen.
300 306 312 318 324 330 336 342 348 354 360
48
50
52
54
56
PZn = 100 W
Zeit / s
pO2 / mPa
800
1000
1200
1400
1600
PIn, Regeln / W
300 306 312 318 324 330 336 342 348 354 360
48
50
52
54
56
PZn = 80 W
Zeit / s
pO2 / mPa
800
1000
1200
1400
1600
PIn, Regeln / W
a) b)
Abbildung 4.33.: Vergleich von Sauerstoffpartialdruck und Leistung am Primärtarget im Verlauf der Pro-
zesszeit über die Dauer von einer Minute für eine Sekundärtargetleistung von PZn = 100 W(a). Dazu ein
Prozess nach dem Freisputtern (1 kWh) bei PZn = 80 W(b).
Für den Prozess mit PZn = 100 Wist eine Korrelation zwischen den Abweichungen beim
Sauerstoffpartialdruck und der Leistungsanpassung zu erkennen (siehe Abbildung 4.33 a).
Somit läuft der Prozess nicht konstant und es treten vermehrt Prozessinstabilitäten auf. Die
Schwankungen der Leistungen sowie das Auftreten der Regelevents korreliert mit der Drehge-
schwindigkeit. Daraus ist ersichtlich, dass es einen rohrtragetabhängigen Auslöser gibt, z.B.
die Drehgenauigkeit und/oder die Oberfläche des Targets. Der Zustand des eingebauten Zy-
linderrohrtargets und/oder die Veränderung der Spaltbreite führen zu einer Schwankung der
Leistung um etwa 70±10 W. Über die Prozesszeit wurde vermehrt Zink auf das Primärtarget
und die Wände abgeschieden. Dies kann dazu führen, dass Zink-Partikel über die Zeit auf dem
Primärtarget haften bleiben und mit Sauerstoff zu hochohmigen ZnO reagieren. Dies kann
ebenfalls zu Schwankungen des Sauerstoffpartialdruckes und der Leistung am Primärtarget
geführt haben. Aus diesem Grund wurde ein Freisputterprozess durchgeführt, um die Targe-
toberfläche von möglichen Oxiden zu befreien. Anschließend wurde der Abscheideprozess bei
80 Wdurchgeführt und der Sauerstoffpartialdruck und die Leistung am Primärtarget sind in
Abbildung 4.33 b) gezeigt. Im Gegensatz zum Prozess mit 100 Wist es zu keiner Änderung
129
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
80 100 120
9
10
11
Zn/(Zn+In)
PZn / W
PIn = 1000 W
In2O3(222)
29 30 31 32 33 34 35 36
Intensität / arb. unit
2 θ / °
80 W
120 W
80 W (f)
100 W
Abbildung 4.34.: Kation-Verhältnis in den IZO-Schichten (links) und Diffraktogramme der IZO-Schichten
(rechts) in Abhängigkeit der Leistung am Sekundärtarget.
des Sauerstoffpartialdruckes gekommen und die Leistung schwankt viel schwächer um einen
Wert von 900 W. Damit musste nur die Leistung, nicht jedoch der Sauerstoffpartialdruck
nachgeregelt werden.
Es ist denkbar, dass eine weiter verbesserte Rundlaufgenauigkeit des Rohrtargets dazu
führen kann, eine noch schwankungsärmere Regelung zu erreichen.
seriell co-gesputterte IZO-Schichten
Im Folgenden wird auf die bei den Prozessen abgeschiedenen IZO-Schichten eingegangen.
Chemische und strukturelle Eigenschaften
Die etwa 100 nm dicken Schichten wurden mit EPMA-Messungen untersucht, um den ele-
mentaren Anteil an Zink zu bestimmen. In Abbildung 4.34 sind das Zn
/(Zn+In)-Verhältnis
und die Diffraktogramme in Abhängigkeit der Leistung am Sekundärtarget (Zink) bei ei-
ner Leistung von 1 kW am Primärtarget gezeigt. Für PZn= 80, 100 und 120 Wliegt der
Zn
/(Zn+In)-Anteil bei 9, 10 und 11 ±1%. Eine XRD-Messung im Bereich von 29 bis 36°zeigt,
dass sich kristalline Phasen von InOxausbilden. Für alle Testschichten ist ein (222)-Reflex
der Bixbyite-Indiumoxid-Phase beobachtet worden. Die Intensität und Position der Reflexe
ist für alle Schichten unterschiedlich. Für eine niedrige Leistung am Zink-Target von 80 Watt
(etwa 9% Zn) ist für den Prozess 80 W(f)eine starke und für den Wiederholungsversuch
(80W) eine leichte Ausprägung der Reflexionsintensität zu erkennen. Mit einer Erhöhung der
Leistung und dem Zinkanteil verschiebt sich die Peakposition zu kleineren Winkeln. Während
die Reflexintensität für Schichten bei PZn = 100 Wam stärksten ausgeprägt ist, sinkt sie bei
Schichten mit PZn = 120 Wab.
Elektrische Eigenschaften
Die Ladungsträgerdichten und -mobilitäten der IZO-Schichten wurden mittels Hall-Effekt-
Messungen untersucht und sind in Abbildung 4.35 für unterschiedliche Leistungen am Sekun-
därtarget gezeigt. Die Ladungsträgerkonzentration ist für geringe Leistungen am Zink-Target
130
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Abbildung 4.35.: Ladungsträgerkonzentration neund -beweglichkeit µefür die IZO-Proben in Abhängigkeit
der Sekundärtargetleistung PZn. (Die offenen Symbole zeigen die AZO-Schichten, nach einer Regenerations-
phase/Freisputterphase in der Kammer.)
am chsten (5.25 oder 3.1×1020 cm3für 80 Wund 80 W(f)). Mit weiterer Zugabe von
Zink sinkt die Ladungsträgerkonzentration auf 2.6×1020 cm3bei PZn = 120 Wab. Genau
umgekehrt verhält sich der Trend für die Ladungsträgermobilitäten. Mit steigender Leistung
von 80 auf 120 Wkann die Mobilität von unter 20 auf bis zu 43 cm2V1s1erhöht werden.
Optische Eigenschaften
Für die Bewertung der optischen Eigenschaften wurden die IZO-Schichten spektral vermessen.
Die Transparenz sowie die errechnete Absorption in Abhängigkeit der Wellenlänge sind in
Abbildung 4.36 von 280 bis 1600 nm gezeigt. Die Fundamentalabsorption aller Schichten ist
nahezu gleich und liegt bei etwa 390 nm (3.2eV ).
Es sind zwei Gruppen zu unterscheiden: Die Schichten mit 80 Wzeigen eine erhöhte Ab-
sorption im sichtbaren sowie nahen Infrarotbereich des Lichtes. So ist auch die Transparenz
der Schichten in diesem Bereich mit knapp 79 bis 82% gering.
Die Schichten mit 100 und 120Whingegen zeigten sehr niedrige Absorptionen im sichtbaren
Bereich und auch geringe Absorptionen im NIR. Die Transparenz lag mit 85 bis 87 % im
sichtbaren Bereich höher als bei den Schichten mit weniger Zink. Die Transparenz im Bereich
um 1240 nm (ca. 1eV ) ist besonders hoch und die Absorption mit knapp 5 bis 6 % sehr
niedrig. Die Schichten mit dem höhsten Zinkgehalt weisen die niedrigste Absorption auf.
Diskussion
Es wurden IZO-Schichten mit drei unterschiedlichen Zink-Anteilen abgeschieden. Aus den
Messungen des Zinkanteils und der Struktur wurde beobachtet, dass die Schichten mit sehr
wenig Zink kristallin aufwachsen. Diese Schichten weisen eine Bixbyte-Struktur auf und der
(222)-Reflex ist deutlich zu erkennen. Mit einer Erhöhung des Zinkanteils sinkt die Intensi-
tät des (222)-Reflexes und die Schichten wachsen amorph auf. Diese Beobachtungen decken
131
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.36.: Transparenz - und Absorptionsspektren (geschlossene und offene Symbole) von IZO-
Schichten.
sich mit den Erkenntnissen aus der Literatur [114, 199]. Die Autoren zeigten für Zn
/(Zn+In)-
Verhältnisse bis 15% ebenfalls teilkristalline Phasen, die ab 15 bis mindestens 45% zu amor-
phen IZO-Schichten übergingen. In diesem Bereich gibt es weder eine ZnO noch eine In2O3-
Struktur. Dies wird damit erklärt, dass das vermehrte Einbringen von Zink in das In2O3-
Kristallgitter zu einer Störung des geordneten Wachstums führt.
Aus den Hall-Messungen ging hervor, dass die Elektronenbeweglichkeit mit mehr Zink in
der In2O3-Schicht zunimmt. Der Anstieg korreliert mit der zunehmend amorphen Struktur
in den Schichten. Kristalline Schichten weisen Korngrenzen und Defekte auf, an denen die
Elektronen streuen können. Dazu haben die Elektronen in Schichten mit höheren Ladungs-
trägerdichten eine höhere Wahrscheinlichkeit der Streuung an den ionisierten Rümpfen der
Dotierstoffe. Für die hier gezeigten Schichten ist zu vermuten, dass es auf Grund des Feh-
lens von Korngrenzen und ionisierten Rümpfen zu weniger Streuungseffekten der Elektronen
kommt und dadurch eine höhere Elektronenbeweglichkeit erreicht wird. Der Anstieg der Be-
weglichkeit zeigt noch keine Sättigung und es ist zu vermuten, dass bei einer weiteren Zugabe
von Zink noch besseren Beweglichkeiten erreicht werden können, ohne dass die Ladungsträ-
gerkonzentration zu stark sinkt.
Aus den optischen Messungen gingen zwei Gruppen von IZO-Schichten hervor. Die erste
Gruppe zeigte eine hohe Absorption. Die vorherigen Untersuchungen zeigten eine kolumna-
re Struktur und eine hohe Ladungsträgerdichte. Die hohe Absorption kann durch einen zu
geringen Sauerstoffanteil in der kristallinen Schicht entstehen, welche eine hohe Defektdichte
aufweist. Ähnlich wie bei den sauerstoffarmen AZO-Schichten aus Kapitel 4.2.5 kommt es
durch den Mangel an Sauerstoff zu Sauerstoffvakanzen, die als Defekte in der In2O3-Schicht
zu einer Absorption im sichtbaren Bereich des Spektrums führen.
132
4.3. Mit Gasraumtrennung abgeschiedene co-dotierte TCOs
Die zweite Gruppe wies eine geringere Absorption im sichtbaren und NIR-Bereich auf.
Zum einen sind diese Schichten weniger kristallin und der Absorptionseffekt durch Defekte
im geordneten Kristallgitter wirkt weniger stark. Zum anderen ist eine reduzierte Absorption
durch freie Ladungsträger denkbar, da die Ladungsträgerkonzentration in den Schichten mit
mehr Zink reduziert ist.
Zusammenfassung
Es wird gezeigt, dass mit der in dieser Arbeit entwickelten Gastrenneinheit ein reaktiv ge-
sputterts Indiumoxid von einem rein metallischen Zylinderrohrtarget kontrolliert und ohne
Hysteresesprung abgeschieden werden kann. Dazu wurden von einem metallischen Indium-
rohrtarget und einem planaren Zinktarget IZO-Schichten mit unterschiedlichem Zinkanteil
hergestellt. Der Zinkanteil wurde durch eine Variation der Sekundärtargetleistung variiert.
Mittels reaktivem seriellem Co-Sputtern wurden dünne IZO-Schichten mit sehr guten elek-
trischen und optischen Eigenschaften hergestellt. Zum einen wurde keine Hysterese am Indi-
umtarget beobachtet, zum anderen wurde festgestellt, dass der optimale Sauerstoffanteil im
Prozessgas mit dem Zinkanteil auf dem Primärtarget zusammenhängt. Eine Erhöhung des
Zinkanteils benötigt eine Erhöhung des Sauerstoffpartialdrucks und führt dann zu transpa-
renten Schichten mit erhöhter Elektronenbeweglichkeit. Zudem muss der Prozess stets dem
Zustand der Kammer und dem Target angepasst werden.
Mit der niedrigen Absorption über ein weites Spektrum des Lichtes sind die IZO-Schichten
sehr gut für Anwendungen im Display- oder Photovoltaik-Bereich anwendbar. IZO als TCO
in CIGS-Solarzellen wird in Kapitel 4.4.3 vorgestellt.
133
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Für hocheffiziente Solarzellen werden TCO-Schichten mit einer hohen Transparenz und Leitfä-
higkeit gebraucht. Die Leitfähigkeit der TCO-Schichten kann durch die Erhöhung der Schicht-
dicke, der Ladungsträgerkonzentration und der Elektronenbeweglichkeit erhöht werden und
hat vor allem einen Einfluss auf den Füllfaktor der Solarzellen. Die Transparenz im UV-
Bereich wird durch die Bandlücke bestimmt. Die Bandlücke der TCOs ist eine Materia-
leigenschaft, die durch die fundamentale Energielücke und die Ladungsträgerkonzentration
bestimmt wird. Die Transmission im NIR-Bereich wird durch die Absorption der freien La-
dungsträger in den Schichten beeinflusst. Die Leitfähigkeit der TCOs hat Einfluss auf den
Füllfaktor der Solarzellen.
Im Folgenden wird auf die Integration der TCOs als Frontkontakte in Solarzellen einge-
gangen. In den Kapiteln 3.4.1, 4.3.1 und 4.3.2 wurde gezeigt, dass mit Hilfe des seriellen
Co-Sputterprozesses die optischen und elektrischen Eigenschaften von AZO-, AZMO- und
IZO-Schichten verändert werden können. Um den Einfluss der TCO-Schichten auf die So-
larzellen zu untersuchen, können Messungen am Sonnensimulator verwendet werden, um die
Kurzschlussstromdichte, offene Klemmspannung, den Füllfaktor und den Wirkungsgrad der
Solarzellen zu bestimmen. Der direkte Einfluss der TCO-Schichten auf die Solarzellen kann
unter anderem durch die externe und interne Quanteneffizienz untersucht werden.
Im ersten Teil diesen Kapitels wird untersucht, welchen Einfluss die variierte Ladungs-
trägerkonzentration des etablierten Frontkontaktsystems AZO auf die unterschiedlichen Ab-
sorber hat. Durch die Anreicherung von Aluminium in den AZO-Schichten ist es möglich,
die Ladungsträgerkonzentration und damit die Leitfähigkeit der Schichten zu erhöhen (siehe
Kapitel 4.1.4). Gleichzeitig ist mit einer erhöhten Absorption zu rechnen. Durch die Unter-
suchungen soll herausgearbeitet werden, ob und wie die Al-Anreicherung in AZO-Schichten
zu erhöhten Wirkungsgraden der Solarzellen führt.
Im zweiten Teil des Kapitels wird die Wirkung von AZMO auf CIGS-Solarzellen vorgestellt.
Durch die Fertigstellung des neuen Prozessmoduls war es möglich, Magnesium-dotiertes AZO
und IZO abzuscheiden. Es wurde untersucht, ob die Puffer-Schicht eingespart und damit
Kosten für die Solarzellenproduktion reduziert werden können.
Durch die Spülgasvorrichtung war es möglich, IZO unter Verwendung eines Indium-Rohr-
Targets in einem reaktiven Sputterprozess abzuscheiden. Im dritten Teil wird gezeigt, ob sich
die erzielten optischen und elektrischen Eigenschaften der IZO-Schichten sowie die niedrigen
Prozesstemperaturen auch auf die Solarzelleigenschaften auswirken und so bessere Wirkungs-
grade erzielt werden können.
Es sei anzumerken, dass alle hier gezeigten Absorber zu verschiedenen Zeitpunkten, mit ver-
schiedenen Herstellungsprozessen und Rezepten hergestellt worden sind. Dadurch weisen alle
Absorber und Zellen unterschiedliche Eigenschaften auf. Für die Versuche mit variierten Ab-
scheideparametern der TCO-Schichten wurde immer eine „batch“ an Absorbern ausgewählt,
um größtmögliche Vergleichbarkeit zu erreichen. Damit sind nur Experimente innerhalb eines
Versuches direkt vergleichbar.
134
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
4.4.1. ZnO:Al-Frontkontaktsysteme
Durch das serielle Co-Sputtern ist es möglich, den Aluminiumgehalt in den AZO-Schichten
über die Grunddotierung hinaus zu erhöhen und so an die Anforderungen unterschiedlicher
CIGS-Zellen anzupassen. Deshalb wurden co-dotierte AZO-Schichten als Frontkontakte in
CIGS-Solarzellen eingesetzt und untersucht.
Zum einen wurden auf CIGS-Absorber aus dem sequenziellen Prozess (vgl. Abschnitt 3.3)
unterschiedlich dotierte AZO-Schichten aufgebracht. Die hier verwendeten CIGS-Absorber
aus dem sequenziellen Prozess weisen eine minimale Bandlücke von etwa 1 eV auf, weshalb
die Transparenz des TCOs im NIR-Bereich von Bedeutung für die Effizienz der Zellen ist.
Diese vergleichsweise geringe Bandlücke führt potenziell zu einer relativ hohen Photostrom-
dichte und deshalb ist es ebenso wichtig einen verlustarmen Stromtransport im TCO zu
gewährleisten.
Zum anderen wurden TCOs auf ko-verdampfte CIGS-Absorber abgeschieden. Diese wiesen
eine geringere Rauigkeit auf und dies führte zu der Frage, ob extra-dünne AZO-Schichten mit
einer erhöhten Ladungsträgerkonzentration zu ebenso guten Wirkungsraden führen.
AZO als Frontkontakt in sequenziell hergestellten CIGS-Solarzellen
Durch die Variation der Leistung am Sekundärtarget wird der Aluminiumanteil in den TCO-
Schichten variiert und in dieser Untersuchung soll geklärt werden, ob sich die auf Glassub-
straten beobachteten Schichteigenschaften der TCO-Schichten auch in sequentiell hergestellte
CIGS-Solarzellen überführen lassen und dadurch höhere Wirkungsgrade erreicht werden kön-
nen. Durch die Variation der Sekundärtargetleistung wurde die Ladungsträgerdichte und
damit auch die Leitfähigkeit und Transparenz der Schichten verändert. Durch Messungen am
Sonnensimulator und Bestimmung der internen Quanteneffizienz wurden Kenntnisse über die
Wirkung der unterschiedlichen TCO-Schichten auf die CIGS-Solarzellen erlangt. Teile dieses
Abschnittes wurden unter bereits publiziert [179].
Die Absorber wurden im sequenziellen Prozess auf 100 x 100 mm2großen Substraten ge-
fertigt. Die Schichtreihenfolge auf Glas war Si(O,N)/Mo:Na/RTP-CIGS/CdS/i-ZnO/AZO.
Die Schichtdicken lagen bei etwa 150/800/2500/50/130/300 nm. Die Dotierung der AZO-
Schichten wurde durch eine Variation der Leistung am Sekundärtarget verändert. (vgl. Ab-
schnitt 4.1.4). Es wurden insgesamt pro Substrat je 60 Zellen von je circa 1 cm2ausgewertet.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der Messungen am Sonnensimulator sind in Abbildung 4.37 in Box-Plot-
Diagrammen aufgezeigt. Die in den Boxen liegende Balken zeigen die Mittelwerte. Die Werte
für die jeweils besten Zellen sind in Tabelle 4.12 zusammengefasst.
Die Veränderung der Kurzschlussstromdichte (Jsc)der Solarzellen zeigt einen klaren Trend
(siehe Abbildung 4.37 oben). Während die Kurzschlussstromdichte für Solarzellen mit einer
herkömmlichen Schicht (AZO 0.0 kW) Mittelwerte um ca. 37.1 mAcm2annimmt, fällt Jsc
mit zunehmendem Aluminiumanteil ab. Sobald die Leistung am Sekundärtarget auf 0.4 kW
135
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
30
32
34
36
38
40
Jsc / mAcm-2
400
450
500
550
Voc / mV
50
55
60
65
70
75
FF / %
0.0 0.4 0.6 0.8 1.1
7
8
9
10
11
12
13
14
η / %
LeistungST / kW
Abbildung 4.37.: BOX-Plot-Diagramm der charakteristischen Werte sequenziell hergestellter CIGS-
Solarzellen in Abhängigkeit der Sputterleistung am Aluminium-Target während der AZO-Deposition.
Tabelle 4.12.: Charakteristische Werte sowie ermittelter Serienwiderstand, Parallelwiderstand, Sperrsätti-
gungsstrom und Diodenfaktor der Solarzellen mit AZO-Fensterschichten, mit einer Sekundärtargetleistung.
PSK Jsc Voc FF η RSRpJ0A
(kW) (mAcm2) (mV ) (%) (%) (·cm2) (·cm2) (x107mAcm2) ()
0.0 37.1 515 64.8 12.3 1.3 963 3.5 1.82
0.4 36.1 515 66.2 12.3 0.62 572 6.7 1.9
0.6 35.4 518 68.2 12.5 0.53 497 2.5 1.75
0.8 35.5 532 69.8 13.2 0.36 657 2 1.76
1.1 34.4 524 68.4 12.3 0.48 697 3.1 1.8
136
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Reflexion / %
IQE / -
Wellenlänge / nm
PAl
0.0 kW
0.4 kW
0.6 kW
0.8 kW
1.1 kW
Abbildung 4.38.: IQE und Reflexion der Solarzellen mit unterschiedlichen TCOs. Die Sekundärtargetleistung
der TCOs ist in der Legende angegeben.
erhöht wird, reduzieren sich die Werte auf 35.4 mAcm2und damit um knapp 1.7 mAcm2.
Die Werte fallen bei einer weiteren Leistungserhöhung bis auf 1.1 kW leicht auf 34.1 mAcm2
ab. Die offene Klemmspannung (Voc)hingegen zeigt keinen klaren Trend. Die Werte streuen
sehr stark und liegen bei etwa 500 ±50 mV. Die Solarzellen mit puren AZO-Schichten weisen
Mittelwerte der Füllfaktoren (FF) um 60% auf. Dagegen steigen die Werte stark mit stei-
gender Leistung am Sekundärtarget (und auch Leitfähigkeit der Schichten, siehe Tabelle 4.2)
auf ca. 64.5, 65 und 67.5 an und fallen dann wieder auf ca. 66% ab. Die Wirkungsgrade (η)
weisen überwiegend Werte zwischen 10 und 13% auf. Bei der Bewertung der Wirkungsgrade
ist kein klarer Trend zu erkennen, da die Werte der Leerlaufspannungen sehr stark schwan-
ken. Es ist aber feststellbar, dass die Schichten mit einem höher dotierten AZO (PSK = 0.8
kW und dementsprechend maximalem Füllfaktor) die besten Wirkungsgrade aufweisen. Dies
zeigt sich auch in den niedrigsten errechneten Sperrsättigungsströmen und Diodenfaktoren.
Für eine vertiefende Bewertung wurden die Quanteneffizienz und Reflexion der besten
Solarzellen untersucht (aus Tabelle 4.12). In Abbildung 4.38 sind die IQE und Reflexionen
der besten Zellen dargestellt. Die IQEs der Zellen weisen im kurzwelligen Bereich unter 350
nm eine geringe Quanteneffizienz auf. Ab 370 nm ist ein starker Anstieg der IQE auf 0.4
zu beobachten. Bis 500 nm flacht der Anstieg ab und nimmt bis ca. 520 nm wieder zu. Die
Ausprägung ist für jede Solarzelle unterschiedlich stark. In diesem Bereich weisen die Zellen
mit AZO ohne Al-Anreicherung die chste IQE auf. Dagegen zeigen die Zellen mit einer
TCO-Schicht, die mit einer Sekundärleistung von 0.6 kW (ca.1.8 at.%) abgeschieden worden
ist, die niedrigsten Werte in diesem Bereich auf.
137
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300
0.0
0.1
0.2
0.3
0.4
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1.0
EQE, IQE, (1-A)
(CdS)
(i-ZnO)
Wellenlänge / nm
EQE
IQE
(1-A) TCO auf Glas
0.4 kW
Abbildung 4.39.: EQE und IQE der Solarzelle mit einer AZO-Schicht mit dem Arbeitspunkt PP K = 2.0kW
und PSK = 0.4kW . Um den Effekt der AZO-Schicht zu verdeutlichen, ist deren Absorption (hier normiert auf
1-Absorption) des TCOs auf Glas (gestrichelte Linie) gezeigt. Dazu sind die Bandlücken der CdS-Pufferschicht
und der i-ZnO-Schicht angedeutet.
Im Bereich über 520 nm werden die chsten Werte für alle IQEs gemessen. Die Maximal-
werte der IQE für die Solarzelle mit einer einfachen AZO-Schicht liegt bei 0.97. Abhängig
von der zugeführten Leistung am Sekundärtarget sinkt die IQE mit der Leistung. Im NIR-
Bereich fällt die IQE immer weiter ab und bei 1220 nm fallen die IQEs sehr stark. Auffällig
ist, dass hierbei für die Zelle mit der einfachen AZO-Schicht eine Verschiebung von ca. 10 nm
zu höheren Wellenlängen auftritt. Besonders im NIR Bereich werden für die Solarzellen mit
der nicht co-dotierten Schicht signifikant höhere IQEs gemessen als bei den Solarzellen mit
co-dotierten AZOs.
Die Reflexionen für alle Zellen liegen im Bereich um 10% und sind durch Interferenzen
dominiert. Die Reflexionen nehmen im Bereich um 1100 nm ihr Minimum an, welches für die
höher-dotierten Schichten den Wert Null erreicht. Die Reflexion für AZO-Schichten nimmt bei
noch höheren Wellenlängen im Messbereich stark zu. Auffällig ist der Reflexionskurvenverlauf
der Solarzellen mit einer TCO-Schicht mit PSK = 0.4kW .
In Abschnitt 4.1.4 wurde gezeigt, dass die Absorption der TCO-Schichten im höherenerge-
tischen Bereich des Spektrums mit dem Aluminiumanteil leicht sinkt und die Absorption im
NIR aufgrund der freien Ladungsträgerabsorption steigt. Um ein besseres Verständnis davon
zu bekommen, welche optischen Verluste auf die Solarzellen wirken, wurden die Absorptions-
kurven der TCOs auf Glas normiert (100% = 1) und mit der IQE zusammen dargestellt und
ausgewertet. In Abbildung 4.39 ist beispielhaft die EQE und IQE einer Solarzelle, die Band-
lücken von CdS und i-ZnO, sowie die Absorption (1-Absorption auf Glas) einer co-dotierten
AZO-Schicht (PSK = 0.4kW)gezeigt. Es werden Reflexions- und Absorptionsverluste beob-
achtet:
Beim Vergleich zwischen EQE und IQE ist zu erkennen, dass zwischen 400 und 515 nm
leichte Reflexionsverluste auftreten. Im Bereich über 515 nm steigen die Reflexionsverluste
138
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Tabelle 4.13.: Ermittelte Werte zu Stromgewinn und -verlust in Bereich A (bis 515 nm) und B (ab 515 nm).
PSK JEQE JIQE Jloss,R Jloss,CdS,iZnO,A Jloss,AZO,all Jloss,AZO,B Jloss,CIGS,B
(kW) (mAcm2)
0.0 38.55 41.2 2.65 3.63 1.72 0.87 3.05
0.4 37.4 39.8 2.42 3.26 3.85 2.91 2.76
0.6 36.7 39.3 2.57 3.64 4.62 3.75 2.09
0.8 36.85 39.0 2.14 3.40 5.34 4.53 1.84
1.1 35.88 38.0 2.1 3.47 6.34 5.5 1.8
stark an. Im Bereich von 1150 nm und mehr, gleichen sich die EQE- und IQE-Kurven an,
was auf eine Reduzierung der Reflexionsverluste hinweist und durch die Reflexionsmessungen
bestätigt wird.
Wie in Abbildung 4.39 zu erkennen ist, weichen die Verläufe der IQE-Kurve und inversen
Absorptionskurve des TCOs teilweise stark ab.
Es zeigt sich, dass die Reduktionen der IQE nicht nur durch die Absorption der Fenster-
Schichten allein verursacht wird. Um die Wirkung der TCOs mit unterschiedlichem Al-Anteil
auf die Zellen zu bewerten, wurden die optischen Verluste in zwei Bereichen berechnet. Einen
Bereich A bis 515 nm und einen Bereich B ab 515 nm. In Tabelle 4.13 sind die Verluste
durch Reflexion und Absorption über die ermittelten Werte von Stromgweinn und -verlusten
wiedergegeben. Für die AZO-Schichten wird zum einen der gesamte Verlust und zum anderen
der Bereich B extra ausgewiesen, da der Bereich A besonders durch CdS und i-ZnO dominiert
wird und durch die AZO-Schichten wenig verändert wird.
Die Zellen mit nicht co-dotiertem AZO (0.0 kW) weisen mit JEQE = 38.55 mAcm2die
chsten Ströme auf. Mit steigendem Aluminiumgehalt im TCO sinkt der Strom kontinu-
ierlich auf JEQE 35.9mAcm2ab. Dieser Trend deckt sich mit den Ergebnissen aus den
Messungen am Sonnensimulator. Die Verluste durch Reflexion und Absorption im AZO sind
vom Aluminiumanteil in den TCOs abhängig. Für nicht co-dodierte Schichten liegt der Strom-
verlust durch Reflexion (Jloss,R) bei etwa 2.6 mAcm2und sinkt dann mit steigender Co-
Dotierung auf 2.1 mAcm2ab. Gleichzeitig steigt für Solarzellen mit mehr Aluminium im
AZO der Stromverlust durch Absorption (Jloss,AZO,all) um 268% von 1.72 auf 6.34 mAcm2.
Das Verhältnis der Verluste aus Reflexion und Absorption ändert sich mit zunehmenden Alu-
miniumanteil. Der Anteil an Absorption nimmt zu, während der Refelxionsanteil abnimmt.
Der Verlust durch die CdS/i-ZnO-Schichten (Jloss,CdS,iZnO,A) liegt mit 3.4 bis 3.65mAcm2
für alle Zellen in etwa auf gleichem Niveau.
Im Bereich über 515 nm sind die Verluste durch das AZO und andere Effekte in der
Solarzelle bestimmt. Die Verluste durch Absorption im TCO (Jloss,AZO,B) sind für die nicht co-
dotierten Schichten mit 0.87 mAcm2am geringsten. Diese steigen dann auf 5.5 mAcm2an,
wenn mehr Aluminium zugeführt wird. Dagegen sinken die errechneten Absorptionsverluste
in den CIGS-Zellen (Jloss,CIGS,B)ab.
139
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Diskussion:
Auf sequentiell hergestellte Absorber wurden AZOs mit unterschiedlichem Aluminiumanteil
aufgebracht. Wie in Abschnitt 4.1.4 gezeigt, verändert sich durch eine Variation der Leistung
am Sekundärtarget die Schichtdicke, der Aluminiumanteil, die Transparenz und Schichtwi-
derstand der resultierenden AZO-Schichten. Die Transparenz hat vor allem Einfluss auf die
Kurzschlussstromdichte und der Schichtwiderstand auf den Füllfaktor. Möglicherweise hat
der unterschiedliche Ladungsträgeranteil einen Einfluss auf die Leerspannung und schließlich
auf den Wirkungsgrad der Solarzellen.
Die Kurzschlussstromdichte ist für die gemessenen Solarzellen unterschiedlich und zeigt eine
Abhängigkeit von den aufgebrachten TCOs. Wie in Abschnitt 4.1.4 gezeigt, weisen die AZO-
Schichten bei zunehmender Sekundärtargetleistung (steigender Aluminiumanteil) auch eine
steigende Absorption auf, was zu Verlusten an Photostrom in den Solarzellen führt. Aufgrund
der erhöhten Absorption der TCO-Schichten gelangt weniger Licht in den Absorber und es
können weniger Ladungsträger generiert werden.
Um die Verluste noch besser quantifizieren zu können, wurden IQE-Messungen durchge-
führt (siehe Abbildung 4.39). Es werden zwei bedeutende Bereiche ausgemacht, in denen
unterschiedliche Effekte einen Einfluss auf die IQE (und damit auf die Kurzschlussstromdich-
te) haben.
Für Wellenlängen unter 520 nm traten die für CdS/i-ZnO typischen Absorptionen auf. Die
Bandlücke von CdS liegt bei ca. 515 nm (2.4 eV). Aufgrund der Absorption des ca. 50 nm
dicken CdS-Puffers sinkt die IQE bei kleineren Wellenlängen (unter 515 nm) ab. Die 130 nm
dicke i-ZnO-Schicht absorbiert bei etwa 375 nm, was etwa der Bandlücke von ZnO entspricht
(Eg= 3.3eV ), und die IQEs fallen unter dieser Wellenlänge noch stärker ab.
Des Weiteren ist auffällig, dass die Aufweitung der Bandlücke der AZO-Schichten keinen
Einfluss auf den Verlauf der IQE im höherenergetischen Bereich aufweist und damit die
Kurzschlussstromdichte nahezu unbeeinflusst bleibt.
Das Maximum der jeweiligen IQE ist abhängig von der aufgebrachten TCO-Schicht (siehe
Abbildung 4.38) und ist durch die Absorption der AZO-Schichten im sichtbaren Bereich des
Lichts bestimmt.
Der Abfall der IQE im höherwelligen Bereich (über 800nm) kann mehrere Ursachen haben:
1. Mit zunehmender Wellenlänge steigt die Absorption (sinkender Wert für 1-A) in den
TCO-Schichten in Abhängigkeit der Sekundärtargetleistung und folglich der Alumini-
umdotierung unterschiedlich stark an (siehe Abbildung 4.10).
2. Inhärente Verluste in den Solarzellen, die nicht vom TCO bestimmt sind, können eben-
falls eine Rolle spielen, da im NIR-Bereich der Verlauf der inversen Absorptionskurve
der TCOs nicht deckungsgleich mit dem der IQEs der Zellen ist. Beispielsweise kann
eine mangelnde Abosorberqualität am Rückontakt zu einer erhöhten Rekombination
der generierten Ladungsträger führen.
3. Im Bereich ab 1200 nm ist ein starkes Abfallen der IQE im Bereich der Bandlücke (ca.
1.05 eV) der CIGS-Absorber zu erkennen.
140
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Glas
Mo
CIGS
Fensterschichten
Lunker
Abbildung 4.40.: REM-Aufname an einer Bruchkante einer RTP-CIGS-Solarzelle. Zu erkennen sind deutliche
Hohlräume (Lunker) zwischen der Molybdänschicht und des CIGS-Absorbermaterials.
Des Weiteren kann durch eine stark zerklüftete Oberfläche der Absorber der Aufwachsprozess
des AZOs gestört sein. Die unterschiedliche Oberflächenstruktur und die daraus entstehenden
Fehler im Aufwachsen der TCOs müssen beim Bewerten der Ergebnisse bedacht werden,
können hier aber nicht genauer verifiziert werden.
Diese Vermutung und die Erkenntnis, dass die Ergebnisse starke Streuungen aufweisen,
veranlassten REM-Aufnahmen der Zellen, um die Struktur auf Defekte zu überprüfen. In
Abbildung 4.40 ist eine Bruchkante an einer RTP-CIGS-Solarzelle gezeigt. Die Absorber
wiesen nahe dem Rückkontakt eine eher feinkristalline Struktur und Lunker auf, was auf eine
schlechte Absorberqualität in diesem Bereich hindeutet. Durch Defekte im Material nahe am
Rückkontakt (z.B. Lunker) können zum einen keine Ladungsträger generiert werden und zum
anderen erzeugte Ladungsträger vor dem Erreichen der Frontkontakte wieder rekombinieren
und dadurch nicht zum Photostrom beitragen46.
An der CIGS-Oberfläche weisen die CIGS-Absorber eine raue, durch die Körner vorgegebe-
ne Struktur auf. Die CIGS-Schichtdicken variieren sehr stark. Der Abstand “Peak-to-valley”
beträgt teilweise 800 nm. Trotz der zerklüfteten Struktur der CIGS-Oberfläche ist eine gu-
te Füllung der Krater und Spitzen durch die TCO-Schichten zu erkennen. Dadurch ist die
optische Schichtdicke des AZOs auf den CIGS-Absorbern größer, da das Licht nicht mehr
senkrecht auf die Oberfläche des Absorbers trifft. Das führt auch zu einer möglichen Er-
höhung der Absorption der TCO-Schichten im NIR. Gleichzeitig führt die raue Oberfläche
der CIGS-Absorber zu einer Reduktion des reflektierten Lichts und zu einem verbesserten
„Light-trapping“-Effekt.
Es wurde kein eindeutiger Einfluss der AZO-Schicht auf die Leerlaufspannung der CIGS-
Solarzellen beobachtet (siehe Abbildung 4.37). Die Leerlaufspannung der Solarzelle ist vor
allem von der Bandlücke des Absorbers und dem pn-Übergang abhängig. Die CdS-Schicht
46Die Ausbildung der Defekte zeigt eindeutige Hohlräume, die nicht allein durch den Bruch und mögliches
Abplatzen von Absorbermaterial verursacht werden können.
141
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
bildet mit CIGS den pn-Übergang und die i-ZnO-Schicht hilft, den Effekt von weak diodes“
abzuschwächen. Die Solarzellen weisen Variationen der Leerlaufspannungen von bis zu 50 mV
auf, die aber keinem Trend folgen. Es ist keine Korrelation zur Leerlaufspannung zur Leistung
am Sekundärtarget und damit dem Aluminiumanteil und der Ladungsträgerkonzentration zu
erkennen.
Es wird davon ausgegangen, dass die Variationen durch Abweichungen in dem davor ge-
schehenen CIGS-Prozess verursacht werden [200]. Prozessschwankungen können zu einer
leicht veränderten CIGS-Oberfläche führen und die Benetzung der CIGS-Oberfläche mit CdS
über die Zellen hinweg nicht homogen werden lassen [201]. Die Abweichungen in der CdS-
Schichtdicke können auch eine Möglichkeit der Änderung des Verlaufs der IQE in Abbildung
4.38 sein. Die Passivierung der Oberfläche sowie der Bandübergang zwischen CIGS und CdS
spielt eine wesentliche Rolle bei der Leerlaufspannung. Dies wurde in dieser Arbeit nicht
weiter untersucht.
Die Füllfaktoren zeigen eine Abhängigkeit vom TCO. Wie bereits in Abschnitt 4.1.4 ge-
zeigt, weisen die Schichten mit AZO ohne Co-Dotierung den chsten Widerstand auf. Dies
führt zu einem erhöhten Serienwiderstand in den Zellen, was den niedrigen Füllfaktor der
damit beschichteten Zellen erklären kann [143]. Durch das serielle Co-Sputtern können die
Schichtwiderstände der TCO-Schichten (bis zu einer Sekundärtargetleistung von 0.8 kW) ver-
ringert werden, bei einer noch höheren Co-Dotierung stiegen sie wieder an. Dieser Trend ist
in den Füllfaktoren der Solarzellen wiederzuerkennen. Es zeigt sich eine starke Abhängigkeit
der Füllfaktoren von den Leitfähigkeiten der AZO-Fensterschichten. Solarzellen mit den nie-
derohmigsten Eigenschaften weisen die höchsten Füllfaktoren auf. Dieses Ergebnis ist in sehr
guter Übereinstimmung mit den Ergebnissen aus Abschnitt 4.1.4.
Neben der Dotierung hat die Schichtdicke und -strukur des TCOs Einfluss auf den Serien-
widerstand. Durch die raue Oberfläche des CIGS-Absorbers sinkt die effektive Schichtdicke
der TCO-Schichten für den lateralen Stromtransport, was zu einer Erhöhung des Serienwi-
derstandes und zu einer Verringerung des Füllfaktors führen kann. Da die Füllfaktoren mit
den Schichtwiderständen der TCO-Schichten auf glatten Glassubstraten korrelieren, ist davon
auszugehen, dass der Oberflächeneffekt für alle Zellen gleich wirkt.
Die zerklüftete Struktur der CIGS-Oberfläche kann zu einer nicht durchgängigen TCO-
Schichtstruktur führen. Damit kann der Stromtransport über die Korngrenzen reduziert sein
und dies hat einen negativen Einfluss auf den lateralen Stromtransport entlang der Ab-
sorberoberfläche zu den Kontakten. Folglich kann eine stark zerklüftete Struktur zu einem
niedrigeren Füllfaktor führen.
Beim Vergleich der Wirkungsgrade der Solarzellen zeigt sich, dass die Verringerung der
Kurzschlussstromdichte durch die erhöhte Absorption im TCO und die Verbesserung des
Füllfaktors durch die Reduzierung des Schichtwiderstandes des TCOs in Abhängigkeit des
Aluminiumanteils in den AZOs in Konkurrenz stehen.
Die TCOs haben keinen erkennbaren Einfluss auf die Leerlaufspannung gezeigt.
Vor allem die starken Abweichungen der Eigenschaften der hier gezeigten Versuchszel-
len machen es schwierig einen eindeutigen Einfluss der TCOs auf die CIGS-Solarzellen zu
142
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
quantifizieren. Bandlückenfluktuation, Schichtdickenabweichungen oder unterschiedlich lan-
ge Exposition an der Atmosphäre können als mögliche Einflussfaktoren und Fehlerquellen bei
der Auswertung der Zellen genannt werden.
Zusammenfassung
Wie sich zeigte, ließen sich die charakteristischen Werte der Solarzellen durch die Verände-
rungen der optischen und elektrischen Eigenschaften der TCO-Schichten beeinflussen. Durch
die Änderung der Sekundärtargetleistung wurde unterschiedlich stark dotiertes AZO auf se-
quenziell hergestellte CIGS-Absorber mit einer CdS/i-ZnO-Doppelschicht aufgetragen. Die
durch die Erhöhung der Sekundärtargetleistung herbeigeführte Anreichung mit Aluminium
in den AZO-Schichten führte zu einer erhöhten Absorption in den AZOs und einer Reduzie-
rung der Kurzschlussstromdichte der Solarzellen. Gleichzeitug wurde durch die Erhöhung des
Aluminiumanteils in den AZO-Schichten der Schichtwiderstand verringert. Dies zeigte sich
in einer negativen Korrelation der Schichtwiderstände der TCOs und den Füllfaktoren der
Solarzellen.
Durch IQE-Messungen wurde erkannt, dass es zwei wesentliche Bereiche im Lichtspektrum
gibt, in denen die Eigenschaften der Solarzellen durch die Frontkontaktschichten bestimmt
werden. Im ersten Bereich unter 515 nm wird die Absorption nicht durch das AZO, son-
dern durch den Doppellayer aus CdS und i-ZnO dominiert, welche eine niedrigere Bandlücke
aufweisen (2.4 und 3.3 eV)47. Damit ist die durch die höhere Dotierung erreichte höhere
Transparenz der TCO-Schichten im UV-Bereich (vgl. Abschnitt 4.1.4) für diesen Zellaufbau
nicht wirksam und es kann daraus kein Stromgewinn erzielt werden. Der mögliche Gewinn
an Photostrom in den Solarzellen durch ein TCO mit höherer Bandlücke in diesem Bereich
nur minimal.
Die Absorption der AZOs dominiert vor allem im VIS- und NIR-Bereich. Schichten mit
hohem Aluminiumanteil und hohen Ladungsträgerdichten zeigen eine starke Absorption der
freien Ladungsträger und dies wirkt sich besonders auf die Quanteneffizienz der Solarzellen
im NIR aus. Die Wirkungsgrade der hier gezeigten Solarzellen sind vor allem durch die
elektrischen Eigenschaften und weniger von den optischen Eigenschaften der TCO-Schichten
dominiert. Obwohl bei einer AZO-Schicht (PSK = 0.8kW) eine hohe Absorption durch freie
Ladungsträger bei Ladungsträgerdichten von Ne= 5.5×1020 cm3nachgewiesen und dadurch
der Kurzschlussstrom in den Zellen reduziert wird, weisen diese Zellen die besten Füllfaktoren
auf. Bei Solarzellen mit dieser AZO-Schicht, die einen Aluminiumanteil von 2.23at. aufweisen,
wird in dieser Untersuchung der chste Wirkungsgrad von 13% erreicht.
Es zeigte sich eine starke Streuung der Eigenschaften sequenziell hergestellter Absorber
und dies macht diese für Untersuchungen mit unterschiedlichen AZOs ungeeignet. Aus diesem
Grund wurden nachfolgende Untersuchungen auf co-verdampften Absorbern durchgeführt.
47Die Absorption des AZOs trägt nur einen geringen Teil zur Absorption bei (unter 1 mAcm2).
143
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
AZO als Frontkontakt auf co-verdampften CIGS-Solarzellen
In Abschnitt 4.1.5 wurde gezeigt, dass der spezifische Widerstand sehr dünner Schichten (ca.
100 nm) durch die Co-Dotierung stark verbessert werden kann. Gleichzeitig zeigen sehr dünne
AZO-Schichten unter 300 nm sehr gute optische Eigenschaften. Aufgrund dieser Erkenntnisse
wurde das sehr dünne hochdotierte AZO mit nur 100 nm Schichtdicke als mögliche Front-
TCO-Alternative für Laborsolarzellen mit Metallgrid ausgemacht. Dies eröffnet die Frage,
ob höherdotiertes hochleitfähiges und transparentes AZO in Kombination mit Metallgrid
zu Solarzellen mit höherem Wirkungsgrad führt. Die co-verdampften CIGS-Absorber der
Baseline mit CdS und einer 40 nm dicken i-ZnO-Schicht und 150 nm dicken AZO-Schicht
(per RFMS) dienen als Referenzzellen.
Zum Vergleich der optischen Eigenschaften der Front-TCOs wurde eine einzelne 40 nm
dicke i-ZnO Schicht, eine 100 nm dünne co-dotierte Schicht mit PAl = 0.4kW und zwei
unterschiedliche Bilayer aus i-ZnO/AZO abgeschieden. Zum einen der als Referenz dienende
Bilayer mit RFMS-AZO der Baseline (BL) und zum anderen ein Bilayer mit einer 100 nm
dünnen co-dotierten Schicht.
Die auf Glas gemessenen Schichtwiderstände von BL-AZO und co-dotierten AZO sind 85
und 100 @(siehe Tabelle 4.14). In Abbildung 4.41 sind die UVVIS-Spektren für eine 40
nm i-ZnO-Schicht, eine 100 nm dünne co-dotierte Schicht und die i-ZnO/AZO Bilayer als
Front-TCO einer Standard-Solarzelle gezeigt. Die Schichtdicken sind in der Graphik angege-
ben. Die Transparenz der 40 nm dünnen i-ZnO-Schicht sinkt im Bereich unter 380 nm. Die
Transparenz ist im VIS und NIR hoch und durch die Reflexion bestimmt (hier nicht gezeigt).
Für beide Bilayer ist zu erkennen, dass diese i-ZnO-Schicht einen leicht limitierenden Faktor
aufweisen. Die reine co-dotierte 100 nm dicke AZO-Schicht weist eine hohe Transparenz im
UV-Bereich auf und die maximale Transparenz liegt bei ca. 88%. Das Maximum der Trans-
parenz verschiebt sich durch die Verwendung von i-ZnO von 420 auf 545 nm. Dagegen ist das
Maximum des Bilayers der Baseline bei 710 nm. Ab 1240 nm (1 eV) sind die Transparenzen
der Bilayer gleich.
Um den Effekt des geänderten Bilayers auf Solarzellen zu untersuchen, wurden zwei Ab-
sorber im ko-verdampften Prozess auf 50 x 50 mm2großen Substraten aus einer Batch ohne
Alkali-Treatment gefertigt. Die Schichtreihenfolge auf Glas war Mo/CIGS/CdS/i-ZnO/AZO.
Die Schichtdicken lagen bei etwa 150/800/2500/50/40/(100 oder 150) nm. Die Solarzellen
wurden am Sonnensimulator vermessen und die Ergebnisse sind vergleichend in Abbildung
4.42 gezeigt.
Die Zellen mit der co-dotieren AZO-Schicht weisen eine höhere Kurzschlussstromdichte (ca.
plus 1 mAcm2) und Leerlaufspannung (ca. plus 10 mV) gegenüber der Referenz auf. Die
Solarzellen mit Baseline-AZO weisen im Mittel mit ca 71.5 % einen etwa um 0.5% größeren
Füllfaktor auf. In der Summe haben die Solarzellen mit der sehr dünnen hochdotierten AZO-
Schicht einen höheren Wirkungsgrad gegenüber denen, mit dem Standard-AZO. Dazu sind
die Werte der besten Zellen in Tabelle 4.14 aufgeführt. Der beste Wirkungsgrad liegt für
co-dotierte Schichten bei 17.24 %.
144
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300 1400 1500
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Transparenz / %
Wellenlänge / nm
40/150 nm i-ZnO/AZO (Bl)
40 nm i-ZnO
40/100 nm i-ZnO/co-doped AZO (0.4 kW)
100 nm co-doped AZO (0.4 kW)
Abbildung 4.41.: UVVIS-Spektren für i-ZnO, eine co-dotierte AZO-Schicht und zwei Bilayer (Schichtdicken
angegeben)
Tabelle 4.14.: Widerstandswerte für TCOs und charakteristische Werte der entsprechenden Solarzellen mit
AZO und co-dotiertem AZO.
AZO (Bl) co-doped AZO
Rsh,glass @85 103
jSoSim mAcm234.92 35.5
jEQE mAcm236.98 37.38
Voc mV 661 672
FF % 71.48 72.26
η% 16.5 17.24
Um den optischen Effekt der Schichtdicke zu bewerten, wurden EQE-Messungen durch-
geführt. Dazu wurden die IQEs errechnet (siehe Abb. 4.43). In den EQEs ist ein deutlicher
Unterschied zwischen den Solarzellen zu erkennen. Die Solarzellen mit co-dotierten AZO
(„co-mono AZO“) haben im blauen sowie im NIR-Bereich des Spektrums eine höhere EQE.
Zwischen 500 und 1100 nm ist ein klarer Einfluss der Schichtdicke zu sehen. Um den Effekt
der Reflexion herauszurechnen und somit ein noch deutlicheres Bild über den Effekt des dün-
nen TCOs auf die Zellen zu bekommen, wurden die IQEs der beiden Zellen berechnet. Ein
Unterschied der IQEs wird im Bereich unter 500 nm erkennbar. Hier korreliert das Ergebnis
mit den Erkenntnissen aus den UVVIS-Messungen (vgl. Abb. 4.41). Eine verringerte IQE im
nahen infraroten Bereich des Spektrums tritt nicht auf. Die Schichten mit BL-AZO weisen
im sichtbaren Bereich des Spektrums ein leicht bessere IQE auf.
145
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
34,0
34,5
35,0
35,5
36,0
Jsc / mAcm-2
620
640
660
680
700
Voc / mV
AZO BL
co-doped AZO
60
65
70
75
80
FF / %
AZO BL
co-doped AZO
12
14
16
18
20
η / %
Abbildung 4.42.: Charakteristische Werte der Solarzellen mit den zwei unterschiedlichen AZOs (Basline und
co-dotiert) als Frontkontakt.
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
EQE
Wellenlänge / nm
EQE Base line
EQE co-mono AZO
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
IQE
Wellenlänge / nm
IQE Base line
IQE SZ mit co-mono AZO
Abbildung 4.43.: EQE und IQE der besten Solarzellen mit Baseline-AZO und co-dotiertem AZO.
Diskussion
In dieser Arbeit wurden keine Versuche zur Optimierung der hochohmigen Schicht des i-ZnO
durchgeführt und auf die sich als erfolgreichste herausgestellte Schichtdicke von 40 nm der
Baseline zurückgegriffen48. In den UVVIS-Messungen ist für diese Schichten bei knapp 380
nm ein starker Abfall der Transparenz zu beobachten. Dies ist mit der Fundamentalabsorption
von ZnO zu begründen. ZnO hat eine Bandlücke von ca. 3.3 eV.
Der Referenz-Bilayer aus i-ZnO und AZO ist auf eine Schichtdicke von 40 und 150 nm für
die CIGS-Baseline optimiert worden und stellt den Benchmark für den Bilayer mit dünner
co-dotierter Schicht (40/100 nm) dar. Wie bereits in Abschnitt 4.1.5 festgestellt, ändert sich
bei sehr dünnen AZO-Schichten mit moderat erhöhter Aluminium-Dotierung die Elektronen-
beweglichkeit gegenüber der reinen AZO-Schicht kaum.
48Die Oberflächen der ko-verdampften CIGS-Solarzellen sind weniger rauh als die des sequenziellen Prozesses.
Dazu ist die Absorberqualität höher und es treten weniger pin-holes auf.
146
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Die co-dotierte Schicht weist eine höhere Ladungsträgerdichte gegenüber der reinen AZO-
Schicht auf. Deshalb konnte die Schichtdicke bei gleichbleibendem Widerstand reduziert und
so der Einfluss der freien Ladungsträgerabsorption verringert werden. Desweiteren weist die
co-dotierte AZO-Schicht eine hohe Transparenz im blauen Spektrum auf. Hier bewirkt die
Erhöhung der Ladungsträgerdichte eine Aufweitung der Bandlücke (Burstein-Moss-Shift).
Beim Vergleich der beiden Solarzellen wird deutlich, dass die mit der co-dotierten Schicht
(dünnere Schichtdicke und die höhere Ladungsträgerdichte) eine höhere Blauempfindlichkeit
aufweist als die Solarzelle mit AZO der Baseline. Die Verschiebung der Transparenzmaxima
basiert auf der unterschiedlichen Schichtdicke.
Die CIGS-Solarzellen weisen unterschiedliche charakteristische Kenngrößen auf. Wie aus
den optischen Messungen der TCOs zu erwarten ist, hängt die Kurzschlussstromdichte von
der unterschiedlichen Absorption und Reflexion der verwendeten TCOs ab. Am auffälligsten
ist die schichtdickenabhängige Verschiebung der Maximalwerte der EQE der gezeigten Solar-
zellen. Der ca. 190 nm dicke Bilayer der Referenz-Solarzellen hat ein EQE-Maximum bei 580
nm. Dagegen weist der ca. 140 nm dicke Bilayer sein Maximum bei etwa 900 nm. Durch die
Verschiebung kann mehr Licht im NIR in die Solarzelle mit co-dotierten AZO eindringen und
dort in Elektronen-Loch-Paare verwandelt werden. Über das Spektrum aufintegriert wird so
eine um 0.4 mAcm2höhere Kurzschlussstromdichte für die Bilayer mit co-dotiertem AZO
erreicht (siehe Tab. 4.14).
Die um die Reflexion bereinigte IQE zeigt, dass die Absorption der TCOs ab 550 nm
nahezu gleich ist. Aber im Bereich unter 550 nm wird ein Unterschied deutlich. Hier ist die
IQE der Solarzellen mit co-dotiertem AZO leicht besser, was unter anderem durch die etwas
höhere Transparenz in diesem Bereich erklärbar ist. Ein weiterer Effekt ist die Schichtdicke
des CdS. Wenn die CdS-Schicht trotz gleicher Charge im Beschichtungsprozess eine dünnere
Schichtdicke aufweist, dann wäre dies auch ein Grund für den beobachteten Effekt.
Bei der Betrachtung der charakteristischen Werte der Solarzellen wurde eine Erhöhung der
Leerlaufspannung beobachtet. Das kann mehrere Ursachen haben. Im Rahmen dieser Arbeit
wurden dahingehend keine Untersuchungen durchgeführt. Möglicherweise ist dies ein Effekt
der Abscheidebedingungen. Die co-dotierten AZO-Schichten werden per dc-Magnetronsputtern
abgeschieden. Diese haben eine höhere Abscheiderate und sind dünner als die der Referenz-
schichten. Dadurch haben die Solarzellen eine kürzere Zeit im Plasma verweilt und schädliche
Diffusionsprozesse zwischen CIGS und CdS waren weniger wirksam. Die temperaturabhän-
gige Degradation der CIGS-Solarzellen mit CdS-Puffer wurde durch Yetkin et al. untersucht
[202].
Der Schichtwiderstand (auf Glas) von BL-AZO liegt bei 85 @und der von co-dotierten
AZO bei etwa 103 @. Damit ist der Schichtwiderstand der co-dotierten Schichten um ca.
21% höher. Somit ist der zu erwartende Serienwiderstand der Solarzellen höher, was sich
wiederum negativ auf den Füllfaktor auswirken würde. Dies geben die gemittelten Werte für
den Füllfaktor der Solarzellen wieder (siehe Abbildung 4.42). Es bleibt festzuhalten, dass die
gemittelten Füllfaktoren nur etwa 1% niedriger sind, als die der Baseline-Solarzellen, obwohl
das TCO einen ca. 20% höheren Schichtwiderstand aufweist. Dies deutet auf weitere inhärente
147
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Effekte in den Solarzellen hin, die nicht vom TCO bestimmt sind. Diese Untersuchungen liegen
nicht im Fokus dieser Arbeit.
Aufgrund der höheren Kurzschlussstromdichte und Leerlaufspannung bei ähnlichen Füll-
faktoren ergeben sich bessere Wirkungsgrade der Solarzellen mit co-dotiertem AZO gegenüber
Solarzellen mit dem Referenz-AZO der Baseline.
Zusammenfassung
In diesem Versuch wurde die Wirkung sehr dünner Aluminium-co-dotierter AZO-Schichten
auf ko-evaporierten CIGS-Solarzellen (ohne PDT) untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass
dies zu besseren CIGS-Solarzellen führt. Mit einem Wirkungsgrad von bis zu 17.24% wei-
sen Solarzellen mit der hier entwickelten dünnen co-dotierten AZO-Schicht einen besseren
Wirkungsgrad auf als Solarzellen mit den bisher verwendeten Referenz-AZO-Schichten. Auf-
grund der höheren Ladungsträgerdichte bei nahezu gleicher Elektronenbeweglichkeit konnte
die Schichtdicke der TCO-Schichten auf 100 nm reduziert werden. Die AZO-Schicht mit ca.
103@führte in Kombination mit dem veränderten Abscheideprozess zu einer erhöhten Kurz-
schlussstromdichte und Leerlaufspannung bei nahezu gleichem Füllfaktor der Solarzellen. Bei
den EQE-Messungen wurde festgestellt, dass die unterschiedliche Schichtdicke zu einer Ver-
änderung der Reflexionsmaxima in den Solarzellen führt. Die IQE-Messungen zeigen, dass
die Absorption der TCOs im NIR nahezu gleich ist und der größte Effekt im Bereich um 500
nm liegt.
Der Versuch mit hochdotierten aber dünneren AZO-Schichten zeigt, dass die Verwendung
von höherdotierten AZO-Schichten vor allem in Anwendung sehr dünner Schichten in Kom-
bination mit einem Metallgrid in CIGS-Solarzellen zu Verbesserungen führen kann. Wenn die
Prozesszeit und Kosten des Materials eine hohe Bedeutung in der Prozesslinie haben, dann
wäre diese Idee des Frontkontaktes eine Alternative zu den bisherigen Prozessen. Damit wäre
33% weniger Materialverbrauch bei gleichzeitig günstigerem Generator-Equipment (p-DC vs.
RF) möglich. Somit gibt es neben einem Kompromiss zwischen optischen und elektrischen
Eigenschaften auch einen zwischen Dotierung und Materialverbrauch, um das am besten
geeignete AZO für die CIGS-Solarzellen zu finden. Das serielle Co-Sputtern bietet die Mög-
lichkeit, die optimale Dotierung zu finden. Durch die Verwendung von Antireflexionsschichten
könnten weitere Verbesserungen der Solarzellen erreicht werden. Dies konnte in dieser Arbeit
nicht weiter untersucht werden.
148
4.4.2. ZnMgO:Al-Frontkontaktsyteme
Wie in Abschnitt 4.3.1 gezeigt, wird durch die Zugabe von Magnesium die Bandlücke von
Zinkoxid und Aluminium-dotiertem Zinkoxid aufgeweitet. Für die Anwendung in der CIGS-
Solarzellentechnologie ist interessant, dass dabei die Valenzbandkante auf nahezu konstantem
Energie-Niveau verweilt und die Leitungsbandkante zu höheren Energien verschoben wird
[145, 186, 203, 204]. Normalerweise entsteht am Interface von CIGS und ZnO ein negativer
Leitungsband-Offset („Cliff“). Um diesen negativen CBO (conduction band offset) zu redu-
zieren oder gar einen positiven zu erzeugen und so den Wirkungsgrad zu erhöhen, braucht es
ein Material wie Zink-Magnesium-Oxid (ZMO). ZnMgO als Schicht in der CIGS-Technologie
wurde bereits von mehreren Autoren angedacht und diskutiert. Minemoto et al. zeigten, dass
sich diese Eigenschaft von ZMO als Fensterschicht in der CIGS-Technologie nutzen lässt [184].
Sie untersuchten die Verwendung von Mg-dotiertem Zinkoxid anstelle von dem üblichen i-
ZnO. Es konnte in Simulationen gezeigt werden, dass durch die Zugabe von Magnesium der
Leitungsbandunterschied zwischen dem CIGS und dem i-ZnO-Layer soweit verändert wird,
dass ein positiver Offset entsteht [145]. Somit sind die zuvor vorherrschenden negativen Ef-
fekte des Cliffs“ reduziert worden [205]. Dies motivierte die Verwendung von Mg-basierten
AZO-Schichten für die CIGS-Technologie.
In Kapitel 4.3.1 konnte gezeigt werden, dass sich die optische Bandlücke von ZnO :Al-
Schichten durch eine Zugabe von Magnesium durch serielles Co-Sputtern erhöhen lässt. Die
Kombination von Mg und Al in ZnO (AZMO) ist ein interessantes Material, welches als
Funktionsschicht in Solarzellen verwendet werden kann. In diesem Abschnitt soll geprüft
werden, ob sich die Ergebnisse für AZMO auch in die CIGS-Technologie überführen lassen.
Okuda et al. zeigten das AZMO per Sputterprozess mit guten opto-elektrischen Eigen-
schaften herzustellen ist und integrierten es als Einzelschicht in CuInS2-Solarzellen [147].
Dadurch motiviert, wird der serielle Co-Sputter-Prozess dazu verwendet, AZMO als Frontkon-
takt direkt auf die CIGS-Oberfläche abzuscheiden. Bei einer erfolgreichen Implementierung
wären so erhebliche Prozesskostensenkungen zu erwarten, da statt einem 3-Schicht-System
mit unterschiedlichen Herstellungsverfahren nur noch ein System verwendet werden kann und
gleichzeitig giftiges Cd ausgeschlossen wird.
Für die Experimente wurden Absorber aus dem Ko-Verdampfungsprozess verwendet. Für
die Herstellung der AZMO-Schichten wurde das Prozessmodul mit Gasraumtrennung verwen-
det. In den folgend beschriebenen Versuchsserien A und B wurde der Einfluss von AZMO-
Fensterschichten auf CIGS-Solarzellen untersucht. Ziel ist es, die AZMO-Technologie in die
Prozesse zu integrieren und zu untersuchen, ob sich verbessernde Eigenschaften der Solar-
zellen generieren lassen oder durch den geänderten Schichtstapel gleiche Wirkungsgrade er-
reichbar sind.
In Abb. 4.44 werden die jeweiligen Zellstrukturen (ohne Maßstab) gezeigt:
In Serie A wird der komplette Fensterschichtstapel aus niederohmigen TCO, hochoh-
migen T(C)O und Puffer durch eine einzige Schicht AZMO (550 nm) ersetzt. (n+
Zn1xMgxO:Al/p Cu(In, Ga)Se2Struktur)
149
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 4.44.: Solarzellen-Strucktur (ohne Skalierung) der unterschiedlichen Schichtstapel für CIGS-
Solarzellen mit ZnMgO:Al - Fensterschichten.
In Serie B wird der Fensterschichtstapel aus niederohmigen TCO und hochohmigen
T(C)O durch AZMO ersetzt. Der CdS-Puffer wird, unter anderem zum Schutz der
Absorberoberfläche, beibehalten. (n+Zn1xMgxO:Al/CdS/p Cu(In, Ga)Se2
Struktur)
Zum Vergleich der Solarzellen mit AZMO-TCO wurden stets auch Referenzzellen in Baseline-
Struktur hergestellt (Ref.).
Für die Vergleichbarkeit der TCO-Abscheidung wurden die Sputterleistung für die Pri-
märkathode und der Argongaszufluss über die beiden Spalte konstant gehalten. Vor jeder
Deposition wurde das Mg-Target fünf Minuten bei geschlossenem Shutter in reinem Argon
eingesputtert, wobei das Primärtarget ebenfalls im Sputtermodus gehalten wurde. Die CIGS-
Absorber aus dem 3-Stufen-Prozess der Ko-Verdampfung wurden unter Vakuum versiegelt
und erst kurz vor der Einschleusung in die Sputteranlage geöffnet. Anschließend wurden sie
mit etwa 550 nm (Serie A und B) dickem AZMO per gepulstem seriellem Co-Sputterprozess
beschichtet. In den Versuchen wurden die Leistungen am Sekundärtarget von 0 bis 300 W
geändert und die Sauerstoffzugabe angepasst. Die Daten sind in Tabelle 4.15 gezeigt. Die
Prozessparameter sind basieren auf den Werten aus Tabelle 4.8 in Kapitel 4.3.1. Es wurde in
diesen Versuchen untersucht, ob die Co-Dotierung von AZO mit unterschiedlichem Magnesi-
umanteil zu einer Erhöhung der Kurzschlussstromdichte und offenen Klemmspannung führen
kann.
In Abbildung 4.45 sind die charakteristischen Werte (a), die j-V -Kurven (b) und die EQE-
Messungen (c) für beide Serien in einer Übersicht dargestellt.
Serie A:
AZMO wurde als Einzelschicht direkt auf den Absorber abgeschieden49.
49Schichten mit mehr als 6.9at.%Magnesium sind zu hochohmig und somit nicht verwendet worden. „AZMO
0“ bedeutet AZO ohne Magnesium vom Sekundärtarget.
150
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
0
10
20
30
Jsc / mAcm-²
0
200
400
600
Voc / mV
20
40
60
80
FF / %
AZMO 0
AZMO 100
AZMO 200
AZMO 300
Serie A
0
5
10
15
η / %
30
31
32
33
34
35
36
Jsc / mAcm-²
600
610
620
630
640
650
Voc / mV
60
65
70
75
80
FF / %
AZMO 0
AZMO 100
AZMO 200
AZMO 300
Serie B
10
12
14
16
18
η / %
0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7
-40
-30
-20
-10
0
10
j / mAcm-2
U / V
Serie A
AZMO 0
AZMO100
AZMO 200
AZMO 300
Ref.
0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7
-40
-30
-20
-10
0
10
j / mAcm-2
U / V
Serie B
AZMO 0
AZMO 100
AZMO 200
AZMO 300
Ref.
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
EQE
Wellenlänge / nm
Serie A
AZMO 0
AZMO 100
AZMO 200
AZMO 300
Ref.
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
EQE
Wellenlänge / nm
Serie B
AZMO 0
AZMO 100
AZMO 200
AZMO 300
REF
a)
b)
c)
Abbildung 4.45.: a) Ergebnisse aus SOSIM-Messungen für je 15 Zellen in BOX-Plot-Darstellung für CIGS-
Solarzellen mit AZO:Mg-Fensterschichten der Serien A (links) und B (rechts). Die Leistungen am Mg-Target
sind hinter dem AZMO-Namen gelistet. In b) sind die jV-Kennlinien der besten Zellen und c) die EQEs der
Solarzellen abgebildet. Ergänzend dazu sind die j-V -Kurven und EQE-Messungen der Referenz-Zellen der
Baseline dargestellt.
151
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Die charakteristischen Werte der Solarzellen zeigen eine zumeist klare Abhängigkeit von den
unterschiedlichen AZMOs. Eine Veränderung des Magnesiumanteils (PST = 0,100,200,300W,
cMg = 0,2.1,4.3,6.9at.%) in den Fensterschichten führt zu Kurzschlussstromdichten von
15 mAcm2für nicht co-dotiertes AZMO (AZMO 0) und 25, 29 und 27 mAcm2für die
Mg-dotierten Schichten.
Dagegen zeigen die Werte für die offenen Klemmspannung keinen klaren Trend. Die Werte
liegen bei 303 bis 370 mV gegenüber denen von Solarzellen mit reinem AZO (AZMO 0,
Voc = 380 mV ). Im Vergleich zu der Referenz (Voc = 630 mV , hier nicht gezeigt) ist eine
deutliche Verringerung der offenen Klemmspannung zu erkennen. Erst wenn die Leistung am
Target auf 300 Wsteigt (und damit der Magnesiumanteil), werden höhere Werte von über
440 mV gemessen.
Einen ähnlichen Verlauf wie bei der offenen Klemmspannungen ist bei der Auswertung der
Füllfaktoren zu beobachten. Die „AZMO 0“-Beschichtung auf den Solarzellen führt zu einem
Füllfaktor von ca. 57%. Dieser fällt mit einem höheren Magnesiumanteil in den Schichten
leicht ab und steigt erst wieder bei PST = 300 W. Die besten Wirkungsgrade der ersten
Versuchszellen liegen im Bereich von 3 bis 8%. Wenn man die Mittelwerte der Wirkungsgrade
vergleicht, steigen die der Solarzellen mit steigendem Magnesiumanteil im AZMO vor allem
aufgrund der höheren Kurzschlussstromdichten leicht an. Im Vergleich zu der Referenzzelle
(ηim Mittel 16%, hier nicht gezeigt) sind die Wirkungsgrade der Puffer-losen Solarzellen um
50% niedriger.
Um einen besseren Eindruck über die Ursache der reduzierten Effizienzen der Zellen zu
bekommen, sind für die besten Zellen in Abbildung 4.45 b) die Strom-Spannungs-Kennlinien
von 0 bis 0.7 V unter Beleuchtung aufgetragen. Es sind keine Anomalien wie „Kinks“ oder
„S-shapes“ zu erkennen, welche Hinweise für die niedrigen Werte für die offenen Klemmspan-
nungen oder Füllfaktoren geben könnten. Für die Zellen mit AZMO 100 zu 300 erkennt man
eine Verschiebung der Kurven zu höheren Stromdichten und Spannungen. Um vor allem die
starken Schwankungen in der Kurzschlussstromdichte sowie der unerwartet geringen offenen
Klemmspannung erklären zu können, wurden externe Quantenausbeuten gemessen. Auf der
linken Seite in 4.45 c) sind die Ergebnisse für die besten Zellen abgebildet. Es sind ausgepräg-
te Interferenz-Maxima und -Minima zu erkennen, die sich unter anderem aus der erhöhten
Schichtdicke gegenüber der Referenz ergeben. Die Solarzellen mit der „AZMO 0“-Schicht di-
Tabelle 4.15.: Prozessparameter für das serielle Co-Sputtern für die Serien A und B. Die Leistungen am Mg-
Target PST sind nochmals hinter dem AZMO-Namen aufgelistet. Die angepassten Sauerstoffflüsse QO2sind
ebenfalls aufgeführt.
Probe Serie A/B
PST QO2cMg
W sccm at.%
AZMO 0 0 0.6 0
AZMO 100 100 0.9 2.1
AZMO 200 200 1.3 4.3
AZMO 300 300 1.6 6.9
152
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
rekt auf dem Absorber zeigen eine deutlich niedrigere EQEs über das gesamte gemessene
Spektrum.
Diskussion
Besonders die starke Absorption der 550 nm dicken AZMO-Schichten führen aufgrund der
Absorption zu einer Reduzierung des Photostromes von über 10% gegenüber der Referenz.
Dies zeigt sich in den Hellkennlinien und EQEs (siehe Abbildung 4.45 b und c links). Bei
der Auswertung der EQEs ist zu erkennen, dass gegenüber der Referenzelle eine deutliche
Reduzierung der Werte stattfindet. Dies ist mit der geringeren Schichtdicke (150 nm) der
Baseline-AZO-Schichten zu begründen, die weniger absorbieren. Die höhere Schichtdicke der
AZMO-Schichten führt zu einer erhöhten Absorption im blauen, sichtbaren aber auch im
NIR-Bereich des Spektrums (siehe Abschnitt 4.3.1), sodass weniger Licht in die Absorber
eindringen und nicht mehr zum Photostrom beitragen kann.
Durch die Aufweitung der Bandlücke von ZnO:Al durch Mg wird eine Erhöhung der Blau-
empfindlichkeit der Solarzellen erwartet, da mehr der höherenergetischen Photonen in den
Absorber eindringen können. Genau dies ist hier aber nicht zu sehen, viel mehr ist eine
reduzierte Blauempflindlichkeit der Zellen ohne Puffer zu beobachten. Eine reduzierte Blau-
empflindlichkeit ist typisch für eine erhöhte Rekombinationsrate am Interface zwischen CIGS
und dem AZMO sowie eine Verschiebung des Gleichgewichtes der cher- und Elektronen-
konzentration (p=n) im oberflächennahen Bereich des Absorbers.
AZMO wurde in diesem Versuch direkt auf die CIGS-Oberfläche gesputtert. Dies führt
mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Sputterschäden [206]. Aufgrund der Schädigung durch ein-
treffende Partikel (wie negative Sauerstoff-Ionen) kommt es zu einer erhöhten Anzahl an
Defekten ( wie „Trap-States“) in der Energielücke an der Oberfläche des Absorbers. Durch
diese kommt es zu einer reduzierten Lebensdauer von Ladungsträgern, die direkt in diesem
Bereich erzeugt werden und daher nicht mehr zum Stromgewinn beitragen. Dies ist beson-
ders bei Ladungsträgern ersichtlich, die durch höherenergetische Photonen (hier λ < 500nm)
erzeugt werden.
Außerdem können durch das Sputtern von AZMO auf die CIGS-Oberfläche Partikel von
Zink, Magnesium und Aluminium mit erhöhter Energie in Richtung der Oberfläche gebracht
werden. Teile dieser Elemente können dann in die oberflächennahe Region im CIGS eindringen
und beispielsweise Kupferleerstellen besetzen [207]. Besonders Mg kann auf Kupferleerstellen
als Donator und auf Indiumleerstellen als Akzeptor fungieren. Die für diese Arbeit herge-
stellten CIGS-Absorber sind nahe der Oberfläche kupferarm aufgewachsen und es ist davon
auszugehen, das Magnesium nahe der Oberfläche eher als Donator wirkt [208]. Dies führt zu
einer Reduzierung der cherkonzentration im CIGS-Absorber. Dadurch wechselt die Ober-
fläche von einem p- zu einem n-Typ. Da das Magnesium über das Sputtering aufgetragen
wird, ist denkbar, dass die Partikel ausreichend Energie besitzen, um in die CIGS-Oberfläche
einzudringen [205]. Als Folge kann ein n-Bereich entstehen, der in der Dotierung variiert
und tief in den Absorber hineinreichen kann („buried junction“). Gleichzeitig verschiebt sich
die Raumladungszone tiefer in den Absorber, was auch zu einer reduzierten Blauempfind-
153
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
lichkeit führen kann, da Elektronen-Loch-Paare über Defekte nahe der Oberfläche stärker
rekombinieren können.
Im Falle einer höheren Ladungsträgerkonzentration ist nahe der Oberfläche ein n-type Be-
reich, der die Ladungen dort fixiert. Zusätzlich werden die im n-Bereich generierten Löcher
(dort Minoritäten) an der (geschädigten) Grenzfläche zum n-type AZMO rekombinieren. Da
in diesem Bereich ein Großteil der höherenergetischen Photonen in Elektronen-Loch-Paare
umgewandelt werden, welche sogleich wieder rekombinieren können, sinkt die Blaumempfind-
lichkeit der Solarzellen.
Die Zellen mit AZO und AZMO direkt auf dem Absorber zeigen deutlich niedrigere EQEs
über das gesamte Spektrum. Das kann ein Hinweis auf eine reduzierte Ladungsträgerlebens-
dauer sein.
Die eingangs vermutete These, dass sich die Solarzellen aufgrund einer Bandanpassung
optimieren lassen oder zumindest gleich gute Ergebnisse liefern, hat sich nicht bestätigt.
Experimentelle Daten zur genauen Lage des Fermi-Niveaus und der Austrittsarbeit des AZ-
MOs konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht bestimmt werden. Daten für ZMO sind in
der Literatur vorhanden. So hat Glatzel in seiner Dissertation mithilfe von Röntgen-Photo-
Spektroskopie (UPS)- und Kelvin-Probe-Force-Messungen die Austrittsarbeit für i-ZnO, aber
auch Zn0.85Mg0.15Ound ZnO:Ga bestimmt [204]. Er zeigte für ZnMgO eine um 0.09 eV gerin-
gere Austrittsarbeit gegenüber dem i-ZnO. Das heißt, dass die Bandverbiegung im Absorber
reduziert und die elektrische Barriere für Elektronen ausgeprägter sein könnte, was eine re-
duzierte Kurzschlussstromdichte zur Folge hätte.
Um die Ursache der niedrigeren Werte der Leerlaufspannungen zu ermitteln, wurden tem-
peraturabhängige j-V -Messungen durchgeführt und die Ergebnisse sind für drei Zellen in Ab-
bildung 4.46 aufgetragen. Der dominierende Rekombinationsmechanismus am AZMO-CIGS-
Übergang kann ermittelt werden, wenn man die gemessene Leerlaufspannung über die Tem-
peratur aufträgt. Die Beziehung zwischen der Temperatur und der offenen Klemmspannung
kann nach folgender Formel ausgedrückt werden [209, 210]:
Voc =Ea
qAkT
q·ln(J00
J)(4.18)
mit der Aktivierungsenergie Ea, dem Diaodenfaktor A, dem Spersättigungstrom J00 und dem
Photostrom J. Durch lineare Extrapolation der Datenpunkte kann Eaals Schnittpunkt bei
TK=0 abgelesen werden.
Die Bandlücke der untersuchten CIGS-Zellen liegt bei etwa 1.08 eV50 und am Interface
zum TCO durch den Galiumgradienten eventuell noch etwas höher. Bei idealen Zellen oh-
ne Rekombination gilt, dass die Aktivierungenergie Eagleich der Energiebandlücke Eaist
(Ea=Eg) [209, 210]. Die Referenzzelle mit einer CdS- und i-ZnO-Schicht weist eine Akti-
vierungsenergie von 1.04 eV auf, was in etwa der Bandlücke der untersuchten CIGS-Zellen
entspricht.
50ermittelt nach: hv ln(1-EQE)2
154
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Abbildung 4.46.: Offene Klemmspannung in Abhängigkeit der Temperatur aus j-V -(T)-Messungen an aus-
gesuchten Solarzellen der Serie A sowie einer Referenzzelle.(gestrichelte Line als Interpolation)
Die Interpolation im Voc(T)Diagramm von Probe „AZMO 0“ zeigt eine Aktivierungs-
energie von ca. 0.71 eV an, während die Werte für „AZMO 200“ 0.82 eV aufweisen. Es ist
zu beobachten, dass hier ein Defizit (Eg
qVoc,K=0)von 0.37 und 0.26 eV errechnet werden
kann. Das bestätigt die These, dass ein Rekombinationsmechanismus nahe der und an der
Grenzfläche eine dominante Rolle spielt, da Ea< Eggemessen wurde. Theoretisch können
zwei Ursachen für die Defekte an der Oberfläche benannt werden. Zum einen werden durch
Partikelbeschuss und Strahlung Sputterschäden verursacht. Zum anderen ist die Gitterkon-
stante von ZnMgO:Al kleiner, als die von CdS. Somit wird die AZMO-Schicht defektreicher
(Fehlstellen oder Gitterversetzungen) aufwachsen und dadurch am Interface zu einer erhöhten
Anzahl an Interface-Defekten führen.
Des Weiteren kann auch ein negativer Leitungsband-Offset vorhanden sein, der mit zuneh-
mendem Magnesiumanteil im ZnO abnimmt. Lee et al. zeigten, dass mit einem Anteil von
20 Prozent Magnesium ein flacher Leitungsbandübergang erreicht wird [211]. Wie in Kapitel
4.3.1 gezeigt, führt eine Leistung von PMg= 200 W zu einem Magnesiumanteil von knapp
4.3%, was die Bandlücke um knapp 0.085 eV erhöht. Dadurch ist auch das reduzierte Defizit
(0.82 071 = 0.11 eV ) der Zellen gegenüber denen mit der puren AZO-Schicht zu erklären.
Durch das direkte Sputtern von AZMO auf CIGS wurde eine unerwünschte schädliche Wir-
kung erzielt (Sputterdamage). Die Grenzflächenrekombinationsrate kann durch diese Schädi-
gung erhöht sein, was zu einer Reduzierung der Effizienz führt [212].
Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Effizienz kann eine nachträgliche thermische Be-
handlung der Zellen sein, um die Schäden teilweise auszuheilen. Diese ist schon an CIGS-
Solarzellen gezeigt worden [213]. Somit ist die Oberfläche des Absorbers eine kritische Ein-
flussgröße, bei direkter Abscheidung von AZO auf CIGS. Durch eine Wiederholung des Ver-
suchs mit unterschiedlichen Absorberdotierungen an der Oberfläche könnte der Effekt der
155
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Dotierstoffänderung genauer untersucht werden. Durch eine sanfte Abscheidemethode (Che-
mical bath deposition, CBD) anstatt der Verwendung des PVD-Prozesses kam es zu Verbes-
serungen in den Solarzellen [6].
Beim Vergleich der offenen Klemmspannungen der Solarzellen mit unterschiedlichem Ma-
gnesiumanteil im AZMO ist zu erkennen, dass eine positive Korrelation zwischen dem Mg-
Anteil und der Voc existiert. Durch die Zugabe von Mg wird die Leitungsbandkante der
AZMO-Schicht erhöht und der CBO zwischen AZMO und CIGS reduziert. Aufgrund der
hohen Widerstände konnten in dieser Arbeit keine TCOs mit sehr hohem Mg-Anteil (PMg =
300 W) verwendet werden, die den Effekt weiter hätte bestätigen können. Hier wäre in An-
schlussarbeiten ein Potential für weitere Untersuchungen.
Schlussfolgerung für Serie A
Es wurden AZMO-Schichten direkt auf die CIGS-Oberfläche abgeschieden, um einen poten-
tiell kosteneffizienten Prozess zu entwickeln und zu untersuchen. In diesem Versuch zeigte
sich, dass eine direkte Abscheidung von AZMO auf die Absorberoberfläche nur zu geringen
Effizienzen der Solarzellen führt. Es wurde keine Verbesserung gegenüber der Referenz er-
zielt. Durch die Zugabe von Magnesium durch das Sekundärtarget sollten die Bandlücken
der AZMO-Schichten vergrößert und dadurch eine erhöhte Blauempfindlichkeit erzielt wer-
den. Dies wurde in dieser Serie A nicht erreicht. Durch das direkte Aufbringen entstehen
Sputterschäden an der Absorberoberfläche und es kann so zu einer stark erhöhten Rekom-
bination über Defekte an der Grenzfläche zwischen TCO und Absorber kommen. Außerdem
ist es möglich, dass Zn, Al oder Mg in die Oberfläche von CIGS implementiert wird und eine
„burried junction“ entsteht. Beide Effekte führen zu einer reduzierten Blauempfindlichkeit
und der Effekt der erweiterten Bandlücke wird nicht beobachtet.
Für alle Zellen mit einer AZMO-Schicht direkt auf dem Absorber waren die Zellparameter
Kurzschlussstromdichte, offene Klemmspannung, Füllfaktor und Wirkungsgrad geringer als
die der Referenz-Zelle aus der Baseline.
Wie sich herausstellte, ist die Idee der Prozesskostenreduzierung durch Verwendung von
nur noch einer bei Raumtemperatur abgeschiedenen Fensterschicht (ohne Puffer und i-ZnO)
möglich, wenngleich noch stark verbesserungswürdig. In dieser Untersuchung sind Effizienzen
von bis zu 8% erreicht worden, die höher sind, als die von Okuda et al. [147]. Aus der Serie
kann die Erkenntnis gewonnen werden, dass die alleinige Abscheidung von AZMO auf die
CIGS-Oberfläche durch Sputterschäden zu niedrigen Wirkungsgraden der CIGS-Solarzellen
führt. Um diesen Effekt zu reduzieren, wird im Folgenden auf eine etablierte dünne Puffer-
Schicht aus CdS zurückgegriffen, welche unter anderem als Schutz für die CIGS-Oberfläche
dient.
Serie B:
In Serie B wurde AZMO als Frontkontakt direkt auf die CdS-beschichteten Absorber aufgetra-
gen. Es sollte der Einfluss des durch serielles Co-Sputtern veränderten Magnesiumgehalts in
den AZMO-Schichten auf die CdS-gepufferten CIGS-Zellen untersucht werden. Es wurden je
156
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
4 Proben mit AZMO-Schichten versehen. Die Prozessparameter für die AZMO-Schichten sind
mit denen aus Serie A identisch. Die Ergebnisse der SOSIM- und Quanteneffizienz-Messungen
sind in Abbildung 4.45 rechts gezeigt.
Eine erste Beobachtung macht deutlich, dass die Verwendung einer Pufferschicht zu bes-
seren und weniger schwankenden Ergebnissen führt. In der Serie B sind die Kurzschluss-
stromdichten der Zellen höher als in Serie A. Die Mittelwerte liegen im Bereich von 31.5 bis
32 mAcm2, sind aber etwas niedriger als die der Referenzzellen (ca. 33 mAcm2, hier nicht
gezeigt). Der Magnesiumanteil in den Schichten hat dabei keinen erkennbaren Einfluss auf die
Stromdichten. Für die offenen Klemmspannungen der Zellen wird ein Einfluss des steigenden
Magnesiumanteils beobachtet. Die Voc für pure AZO-Schichten liegt im Mittel bei 626 mV.
Schichten mit Sekundärtargetleistung von 100 W weisen die chste offene Klemmspannung
auf. Mit steigender Leistung am Sekundärtarget und folglich steigenden Magnesiumanteil in
den Schichten, sinken die Spannungen auf 625 und 621 mV. Für die Füllfaktoren wird ein
ähnlicher Trend beobachtet. Die Füllfaktoren liegen mit 71 bis 74 % deutlich über den Werten
aus der Serie A und nahe an denen der Referenzzellen der Baseline. Die Wirkungsgrade der
Solarzellen sind 14 bis 15 %. Die besten Zellen mit einem Wirkungsgrad von knapp 15% wer-
den bei nur leichter co-Dotierung erzielt (PMg = 100 W). Dabei können ähnlich gute offene
Klemmspannungen und Füllfaktoren, wie bei der Baseline erreicht werden. Die größte Ver-
änderung zeigt sich bei der Kurzschlussstromdichte, die einen signifikant schlechteren Wert
aufweist (über 5% geringer gegenüber der Referenz).
Diskussion:
Der Einfluss der Absorption der 550 nm dicken AZMO-Schichten ist bei den hier untersuchten
Solarzellen ebenfalls zu erkennen, jedoch ist die Reduzierung des Photostromes weniger aus-
geprägt, als bei den Zellen der Serie A. Dies zeigt sich in den Hellkennlinien und EQEs (siehe
Abbildung 4.45 b und c rechts). Bei der Auswertung der EQEs ist zu erkennen, dass gegenüber
der Referenzelle eine Reduzierung der Werte stattfindet. Dies ist wieder mit der geringeren
Schichtdicke (150 nm) der Baseline-AZO-Schichten zu begründen, die weniger absorbieren.
Da die Photoströme bei gleichen AZMO-Schichtdicken gegenüber Serie A höher sind, hat die
Pufferschicht eine schützende Wirkung gegen die Sputterschäden gezeigt und bestätigt die in
der CIGS-Technologie verwendete zusätzliche Pufferschicht zur Effizienzsteigerung.
Die offenen Klemmspannungen der Solarzellen der Serie B liegen mit 620 bis 630 mV in
etwa gleichauf mit denen der Referenzzellen. Damit kann vermutet werden, dass die offene
Klemmspannung durch das CdS-CIGS Interface bestimmt wird und weniger von den AZMO-
Schichten. Die Voc-Werte ändern sich mit variierendem Mg-Anteil in den AZMO-Schichten,
was jedoch auch durch Prozessschwankungen im CdS-Abscheideprozess verursacht worden
sein könnte.
Der Photostrom der Solarzellen aus Serie B kann durch die Absorption in den AZMO-
Schichten reduziert werden, aber dazu kann es im vorliegenden Fall durch die Zugabe von
Magnesium im Prozess zu einer Ausbildung einer hochohmigen Zwischenschicht kommen, die
den Phostostrom je nach Schichtdicke blockt. Ebenfalls ist denkbar, dass sich Teile von Mg
157
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
und Zn mit CdS zu CdZnMgS kombinieren. ZnS und MgS haben eine Bandlücke im Bereich
von 3.8 bzw. 4.18 eV [214], welche damit um etwa 0.5 bis 0.88 eV größer sind als die des ZnO.
Dadurch können sich hohe positive Leistungsbandübergänge zwischen CdZnMgS und AZMO
ausbilden, die eine Barriere für den Photostrom darstellen.
Eine mögliche Begründung für die reduzierten Jsc bei gleichzeitig hoher Voc kann vor allem
durch zwei Effekte gegeben sein [143]:
1. eine Barriere für den Photostrom oder
2. eine hohe Rekombination von Minoritätsladungsträgern an der Grenzfläche51.
Gerade ersteres ist durch einen hohen Serienwiderstand und/oder eine Energiebarriere mit
breiter räumlicher Ausdehnung möglich. Wie sich zeigte, sinkt die Leitfähigkeit in dotiertem
ZnO mit Zugabe von Sauerstoff und Magnesium. Beides ist hier durch die Abscheidebedin-
gungen gegeben und kann den reduzierten Photostrom erklären. Des Weiteren wurde bei den
EQE-Messungen festgestellt, dass die EQE über das gesamte Spektrum reduziert ist, wenn
der Magnesiumanteil erhöht wird. Dies kann wiederum durch:
1. einen hohen Serienwiderstand hervorgerufen werden. Dadurch reduziert sich die Raumla-
dungszone und die Rekombinationsrate an der Grenzfläche steigt an. Folglich werden weniger
Ladungsträger zum Kontakt geführt.
2. eine Reduzierung der Ladungsträgeranzahl im Puffer verursacht werden. Dies konnte
nicht genau bestimmt werden. Weder Zink noch Magnesium würden die Elektronendichte
durch Substitution in CdS reduzieren.
3. eine geringe Ladungsträgerlebensdauer (und damit Diffusionslänge) verursacht werden,
da dies ebenfalls die Photostromdichte reduziert. Besonders die Ladungsträger, die tief im
Absorber nahe dem Rückkontakt gebildet werden, könnten hier eine Rolle spielen. Dies würde
eine reduzierte Rot-Empfindlichkeit aufweisen.
Fleischer et al. untersuchten die Eigenschaften von AZMO und stellten eine Veränderung
der Austrittsarbeit mit zunehmenden Magnesiumanteil fest [215]. Es wurde beobachtet, dass
die effektive Elektronenbindungsenergie von AlZn mit dem Magnesiumgehalt zunimmt (Ab-
nahme der freien Ladungsträger) und die Austrittsarbeit abnimmt. Dies könnte bei einem
positiven CBO zu einer Erhöhung der Barriere zwischen CdS und AZMO führen.
Aus den vorliegenden Untersuchungen wird geschlossen, dass die AZO-Schichten vor allem
durch Sauerstoff- und Magnesiumzugabe hochohmig werden und damit der Serienwiderstand
in den Zellen steigt. Als Folge wird der Photostrom immer stärker geblockt und die Strom-
dichte sinkt. Lee et al. beobachteten einen ähnlichen Effekt für zu dicke i-Layer auf Basis von
ZnMgO. Sie empfahlen eine möglichst geringe Schichtdicke zu verwenden [211].
Eine Reduzierung der Schichtdicke auf 150 nm, wie bei der Baseline, würde die Absorption
reduzieren, jedoch geht dies mit einem stark erhöhten Widerstand einher. Dies würde den
Serienwiderstand in der Zelle erhöhen und zu schlechteren Füllfaktoren führen.
51Wenn die Minoritätsladungsträger durch Inversion am Interface Majoritätsladungsträger sind.
158
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Zusammenfassung
Es wurde die Flexibilität des neuen Beschichtungsmoduls der Anlage genutzt, um AZMO-
Schichten mit unterschiedlichem Magnesiumanteil in CIGS-Solarzellen zu untersuchen. Durch
eine Variation der Leistung am Sekundärtarget wurden die Magnesiumanteile in den Schichten
erhöht. Das AZMO-Schichtsystem wurde als potentielles Frontkontaktsystem in zwei Serien
untersucht.
In Serie A wurde AZMO als Einzelschicht direkt auf den Absorber aufgetragen. Die Unter-
suchungen zeigen, dass durch Sputterschäden nur ungenügende Wirkungsgrade von unter 9%
der Zellen erzielt werden, wenn ohne Pufferschicht gearbeitet wird. Das Einbringen der CdS-
Schicht als Puffer führe zu erheblichen Verbesserungen aller charakteristischen Solarzellen-
Werte. Aufgrund des hohen Widerstandes der AZMO-Schichten mussten diese mit 500 nm
sehr dick sein und dies führt zu sehr hohen Absorptionen in den TCOs. Folglich weisen
die untersuchten Zellen niedrige Kurzschlussströme auf. Die Ergebnisse wiesen eine negative
Korrelation zwischen dem Magnesiumanteil und dem Photostrom auf.
Die durch das eingebrachte Magnesium angestrebte verbesserte Blauempfindlichkeit der
Zellen konnte aufgrund der Verwendung von CdS als Puffer52 nicht erreicht werden, da CdS
eine geringere Bandlücke besitzt.
Ein weiteres hier nicht expliziet gezeigtes Problem war der Gelbstich in den AZO-Schichten,
der auf eine Absorption im Bereich unter 550 nm hinweist (Reduzierung der Bandlücke durch
mögliche Stickstoffeinlagerung in Zinkoxid [188]) und den Effekt der Bandlückenaufweitung
durch Magnesium überlagert. Dieses Problem muss in naher Zukunft weiter untersucht wer-
den.
Haupterkenntnisse dieser Versuche:
Das direkte Abscheiden von AZO und AZMO auf die CIGS-Oberfläche führt zu einer
Schädigung des Absorbers und die Stromdichte sowie die Blauempfindlichkeit nehmen
ab. Die Zugabe von Magnesium im seriellen Co-Sputterprozess führt zu einer Verbes-
serung der Zelleigenschaften, aber erreicht nicht das Niveau der Referenzzellen.
Durch das Einfügen einer Puffer-/Schutzschicht (hier CdS) auf den Absorber steigen die
Wirkungsgrade der Solarzellen und alle charakteristischen Zelleigenschaften verbessern
sich.
Die Absorption der AZMO-Schichten überkompensiert den möglichen erhöhten Photo-
strom durch eine durch Magnesium aufgeweitete Bandlücke.
AZMO-Schichten mit einem zu hohen Sauerstoffanteil führen zu stark hochohmigen
Schichten, die den Serienwiderstand der Solarzellen erhöhen
Magnesium und Zink können mit CdS zu CdZnMgS kombinieren und zu einer Barriere
für den Photostrom führen.
52zum Schutz der Absorber
159
4.4.3. IZO-Frontkontaktsysteme
In Kapitel 4.3.2 wurde IZO als TCO motiviert und am reaktiv gesputterten In(1x)ZnxOy-
Materialsystem gezeigt, dass sich durch das serielle Co-Sputtern die Zusammensetzung der
IZO-Schichten variieren lässt und so auch die optischen und elektrischen Eigenschaften ver-
ändert werden können. Die gezeigten niedrigen Widerstände und hohen Transmissionen der
IZO-Schichten lassen effiziente Solarzellen erwarten, wenn IZO als Frontkontakt für CIGS-
Solarzellen verwendet wird.
Seriell co-dotiert und reaktiv abgeschiedenes IZO auf CIGS-Solarzellen wurde bisher nach
Kenntnis des Autors noch nicht gezeigt. Der folgende Versuch stellt eine Machbarkeitsstudie
dar, der noch nicht endgültig optimiert werden konnte.
Auf ko-verdampfte CIGS-Absorber wurden IZO-Schichten mit zwei unterschiedlichen Sau-
erstoffpartialdrücken abgeschieden. Die zum Zeitpunkt des Versuchs verwendete Absorber des
HZB zeigten durch eine Behandlung mit Rubidiumflourid (RbF-Treatment) verbesserte Leer-
laufspannungen. Es zeigte sich, dass diese Behandlung zu einer Reduzierung von Defekten im
Absorber führen kann [1, 216].
Um diese Überlegung in die Arbeit mit einfließen zu lassen, bekamen die Absorber für
den IZO-Prozess je zur Hälfte ein RbF-Treatment. Alle Zellen bekamen gleichermaßen einen
CdS-Puffer und anschließend wurden sie direkt mit IZO beschichtet (ohne i-ZnO)53. Die
Schichtdicke der IZO-Schichten lag zwischen 90 bis 100 nm. Die Soll-Leistung an der Pri-
märkathode lag bei 1000 W und die an der Sekundärkathode bei 120 W. Die Argon- und
Sauerstoffflüsse lagen bei 100 und 34 sccm. Der Sauerstoffpartialdruck wurde durch eine Re-
gelung leicht variiert. Im Folgenden werden die Schichten mit IZO1 (pO2= 59 mPa) und
IZO2 (pO2= 53 mPa) bezeichnet.
In Abbildung 4.47 sind die charakteristischen Kenngrößen der Solarzellen, die Hellkennli-
nien und EQEs der besten Zellen gezeigt. Zwischen den Solarzellen mit und ohne RbF sind
unabhängig vom IZO Unterschiede der charakteristischen Werte festzustellen. Gleichzeitig
sind auch zwischen den Solarzellen mit verschiedenen IZO-Schichten unterschiedliche Werte
gemessen worden.
Für die Zellen ohne RbF liegt die Kurzschlussstromdichte für Zellen mit der IZO1-Schicht
im Mittel bei 35 bis 36mAcm2, während die Zellen mit der IZO2-Schicht etwas niedriger bei
34.5 bis 35.5mAcm2liegen. Der gleiche Trend ist auch bei der offenen Klemmspannung zu
erkennen (648 zu 662mV ). Die Füllfaktoren liegen im Mittel bei ca. 73%. Die Wirkungsgrade
der Zellen liegen im Mittel bei 17.2%.
Für die Zellen mit einer RbF-Behandlung werden etwas weniger Unterschiede zwischen
den Zellen mit IZO1- und IZO2-Schichten beobachtet. Die Kurzschlussstromdichte liegt bei
35 bis 35.55mAcm2. Die Zellen mit IZO2 zeigen eine höhere Streuung in den Werten für die
Kurzschlussstromdichte gegenüber denen mit IZO1. Die besten offenen Klemmspannungen
liegen für beide Zelltypen bei ca. 680 bis 686 mV. Die Füllfaktoren liegen für die Zellen mit
IZO1 zwischen 70 bis 76% und im Mittelwert bei 73% für Zellen mit IZO2 . Die mittleren
53Die Zellen wurden am HZB nach der CdS-Behandlung unter Vakuum versiegelt und erst vor der IZO-
Beschichtung wieder aus dem Vakuum entnommen.
160
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
34
35
36
37
Jsc / mAcm²
640
660
680
700
Voc / mV
60
65
70
75
80
FF / %
IZO1
IZO2
IZO1
IZO2
no RbF
RbF
14
16
18
20
eta / %
0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8
-40
-35
-30
-25
-20
-15
-10
-5
0
j / mAcm-2
U / V
Probe IZO1 Probe IZO 2
jsc [mA] 35,5 35,1
Voc [mV] 686,5 684,3
FF [%] 75,8 73,7
η [%] 18,4 17,7
RbF
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
EQE / -
Wellenlänge / nm
RbF
IZO1
IZO2
no RbF
IZO1
IZO2
Abbildung 4.47.: Charakteristische Parameter der Solarzellen mit zwei unterschiedlichen IZOs und PDTs.
Wirkungsgrade liegen bei 17.6 und 17.3% für IZO1 und IZO2. Die beste Zelle mit 18.46%
hat eine IZO1-Schicht.
Diskussion:
Beim Vergleich der beiden Serien fällt vor allem der Unterschied zwischen den offenen Klemm-
spannungen der Proben mit und ohne RbF auf. Unabhängig vom IZO werden Unterschiede
von ca. 20 mV erkannt. Somit ist deutlich ersichtlich, dass die IZO-Abscheidung den Effekt
der RbF-Behandlung nicht erkennbar verschlechtert. Die Ergebnisse der besten Zellen sind in
Tabelle 4.16 aufgelistet. Die Solarzellen mit der IZO1-Schicht weisen eine bessere Performance
auf.
Um den Effekt der erhöhten Voc aufgrund unterschiedlicher Bandlücken ausschließen zu
können, werden die externen Quanteneffizienzen der besten Zellen ausgewertet (vgl. Abbil-
dung 4.47). Der Verlauf der EQEs ist nahezu identisch, bis auf die RbF-Probe mit IZO1,
deren Linie im Bereich von 520 bis 650 nm einen höheren Wert aufweist. Dies könnte durch
eine minimal höhere Schichtdicke erklärt werden, obwohl die vermessenen Proben mit der
IZO1-Schicht mit und ohne RbF im gleichen Run abgeschieden worden sind. Für nachfolgende
Arbeiten ist eine Wiederholung der Prozesse zu empfehlen, um Prozessfehler wie abweichende
Schichtdicken auszuschließen.
Die Kurvenverläufe im Bereich von 1100nm zeigen für alle Zellen den gleichen Abfall. Somit
ist eine unterschiedliche Bandlücke zwischen den Absorbern auszuschließen. Der Effekt der
161
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Spannungserhöhung der CIGS-Absorber durch eine RbF-Behandlung ist bekannt und wurde
im Rahmen der Arbeit von Kodalle diskutiert [216].
Tabelle 4.16.: SOSIM-Ergebnisse für Solarzellen mit verschiedenem IZO und PDT.
IZO PDT Jsc Voc FF η JEQE
(mAcm2) (mV ) (%) (%) (mAcm2)
IZO1 RbF 35.5 686.5 75.8 18.4 36.95
IZO2 RbF 35.1 684.3 73.7 17.7 36.92
IZO1 no 35.5 667.6 74.4 17.7 36.98
IZO2 no 35.2 662.4 75.3 17.6 36.65
Vergleich zu einer Solarzelle aus der Baseline
Die IZO-Schichten wurden auf Absorbern mit hoher Qualität abgeschieden. Um den Effekt
des IZOs auf die Solarzellen bewerten zu können, wurden diese mit denen der AZO-Zellen aus
der Baseline verglichen. Die Solarzellen der Baseline haben eine 40/150 nm dicke Schicht aus
i-ZnO und AZO, die anderen nur eine 100 nm dicke IZO-Schicht als TCO (ohne i-ZnO). Die
Ergebnisse aus SoSim- und EQE-Messungen sind in Abbildung 4.48 gezeigt. Die größten Un-
terschiede sind in der Kurzschlussstromdichte und der Leerlaufspannung zu erkennen. Wäh-
rend die Medianwerte der Kurzschlussstromdichte für Solarzellen mit AZO bei 36.3mAcm2
liegen, sind die Werte für die Zellen mit IZO bei nur 35.3mAcm2. Für die besten Zellen
liegt die Kurzschlussstromdichte bei 37 zu 35.5mAcm2. Damit sind gut 1.5mAcm2an Un-
terschied zwischen beiden Zellen festgestellt worden. Dagegen ist die Leerlaufspannung der
Schichten mit der IZO-Schicht im Median mit 685mV um 12mV höher als die Solarzellen mit
den AZO-Schichten (673 mV ). Dies zeigt sich auch beim Vergleich den besten Zellen (siehe
Abb. 4.48 unten links). Die Füllfaktoren liegen bei beiden Typen um ca. 73% im Median.
Auffällig ist die starke Streuung der Füllfaktoren bei den Zellen mit IZO als Frontkontakt.
Der gemittelte Wirkungsgrad beider Typen liegt bei ca. 17.7%.
Um den Unterschied der Jsc und Voc genauer zu ergründen, wurden für die besten Zellen
EQE-Messungen durchgeführt. Abbildung 4.48 zeigt, dass die Absorber mit IZO unter 400
nm eine höhere EQE aufweisen. Des Weiteren zeigen die Kurvenverläufe von Zellen mit IZO
und AZO im Bereich zwischen 500 und 1100 nm drei Bereiche mit deutlichen Differenzen,
beide Kurven zeigen die gleichen Maximalwerte von 0.93 (jedoch bei anderen Wellenlängen)
und ebenso den Abfall der EQE-Kurve bei ca. 1100 nm.
Diskussion
Obwohl die IZO-Schichten dünner und weniger absorbierend sind als die AZO-Schichten der
Baseline (vgl. Abbildung 4.36 und 4.41), waren entgegen der Erwartung die Kurzschlussstrom-
dichte der Solarzellen mit IZO-Schicht niedriger als die der Zellen mit der AZO-Schicht. Dies
kann durch eine etwas höhere Absorberschichtdicke begründet sein54 oder die unterschiedliche
Reflexion der TCO-Schichten, da die Interferenzen aufgrund der Schichtdickenunterschiede
nicht gleich sind. Die AZO-Schichtdicke der Baseline-Zellen ist bereits an das Solarspektrum
54Die hier verglichene Probe mit AZO ist aus dem Mittelteil der Verdampfungsanlage und somit etwas dicker.
162
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
AZO Ref
IZO
RbF
34
35
36
37
38
Jsc / mAcm-2
AZO Ref
IZO
RbF
660
670
680
690
700
Voc / mV
AZO Ref
IZO
RbF
60
65
70
75
80
FF / %
AZO Ref
IZO
RbF
14
16
18
20
η / %
0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8
-40
-35
-30
-25
-20
-15
-10
-5
0
j / mAcm-2
U / V
Ref. IZO
Jsc (mAcm-2) 37.03 35.5
Voc (mV) 673 687
FF (%) 73.3 75.8
η (%) 18.26 18.4
300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
EQE
Wellenlänge / nm
AZO
IZO
Abbildung 4.48.: Vergleich der Solarzelleigenschaften mit IZO und AZO (Bl) als Front-TCO. Es werden die
charakteristischen Werte der Zellen und die Hellkennlinien und EQEs der besten Zellen vergleichend gezeigt.
163
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
optimiert, was für die IZO-Schichtdicken noch nicht der Fall ist. In weiteren Untersuchungen
könnte durch eine AR-Schicht der Effekt der Reflexion beider Typen reduziert und heraus-
gearbeitet werden.
Besonders die im Median etwa um 12 mV höhere Leerlaufspannung ist auffällig. Aus den
EQE geht hervor, dass die Bandlücke der Absorber nicht der Grund für die unterschiedlichen
Leerlaufspannungen sein kann. Das reaktiv abgeschiedene IZO wird bei ca 50-70 °C abge-
schieden, während das RF-AZO bei 150 °C abgeschieden wird. Damit können temperatur-
induzierte Effekte wie Diffusion am CdS/CIGS-Interface eine Rolle spielen, die bei der IZO-
Abscheidung weniger stark auftreten. Außerdem wird durch die Verwendung eines metalli-
schen Targets die Bildung von negativen Sauerstoffionen im Vergleich zum keramischen AZO
reduziert. Es werden weniger Sauerstoffionen durch das elektrische Feld mit hoher Energie in
Richtung Substrat beschleunigt [191–195]. Als Folge werden die Solarzellen weniger geschä-
digt und die Oberflächenrekombination über Defekte reduziert.
Obwohl die IZO-Schichten nur 100nm Schichtdicke und Schichtwiderstände von 6065@
aufweisen, sind die Mittelwerte der Füllfaktoren vergleichbar mit denen der besten Solarzel-
len mit 150 nm AZO (85 @) als TCO. Ein niedriger Schichtwiderstand bei sonst gleichen
Bedingungen würde im Idealfall zu einem reduzierten Serienwiderstand in den Solarzellen
führen und dadurch zu einem verbesserten Füllfaktor. Auffällig ist die hohe Streuung der
Werte. Dies könnte an der fehlenden i-ZnO-Schicht liegen, die den Effekt der weak diodes“
reduziert.
Es ist davon auszugehen, dass der Kontaktwiderstand von AZO zum Metallgrid bei den
CIGS-Solarzellen optimiert ist. Höhere Kontaktwiderstände zwischen IZO und dem Metall-
grid können eine mögliche Ursache für die gleichen Füllfaktoren (trotz niedrigerem Schicht-
widerstand) sein. Dies müsste in weiteren Untersuchungen validiert werden.
Im Mittel lagen die Wirkungsgrade der Solarzellen mit IZO bei 17.7% nur leicht unter
denen mit AZO (ca. 17.8%), obwohl in einem reaktiven Prozess dünnere IZO-Schichten bei
niedrigen Abscheidetemperaturen auf die CIGS-Solarzellen aufgebracht werden. Die optischen
Verluste können durch AR-Schichten verbessert werden, was höhere Wirkungsgrade erwarten
lässt. Ebenso kann das Wiederauftragen der i-ZnO-Schicht sinnvoll sein, um vor allem die
Streuung der Werte zu reduzieren.
Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Solarzellen besser zu verstehen, wurden
für die besten Solarzellen EQE-Messungen durchgeführt. Es konnten mehrere Bereiche mit
Unterschieden ausgemacht werden. Die EQE der Zellen mit IZO weisen im Bereich unter 400
nm eine höhere EQE auf, was durch die fehlenden i-ZnO-Schicht begründet sein kann (Band-
lücke ca. 3.3 eV). In diesem Bereich absorbiert i-ZnO. Dies deckt sich mit den Ergebnissen
von Hultqvist et al., die den Effekt unterschiedlicher i-ZnO-Schichtdicken auf CIGS Zellen
untersuchten [217].
Im Bereich unter 520 nm weisen die EQEs der verglichenen Zellen auf eine Absorption
durch die CdS-Schicht hin.
Zwischen 500 und 1100 nm sind die Verläufe der EQE durch die unterschiedlichen Schicht-
dicken geprägt. Durch unterschiedliche Interferenzen sind die Maxima der EQEs verschoben.
164
4.4. TCO-Frontkontaktsysteme in CIGS-Solarzellen
Ab 1100 nm fällt die EQE beider Zellen gleichermaßen ab. So ist der unterschiedliche Wert
der Leerlaufspannungen nicht durch einen unterschiedlichen Galiumgradienten zu begründen,
was bei unterschiedlichem Absorberaufwachsen möglich gewesen wäre.
Die besten CIGS-Solarzellen mit einem IZO als Frontkontakt wurden nach Wissen des
Autors von Menner et al. [115] veröffentlicht (Jsc=33.3 mAcm2;Voc= 735 mV; FF= 79.6%;
η= 19.5%). Verglichen mit den hier erzeugten Ergebnissen mit 17.7% ist noch ein erhebliches
Optimierungspotential vorhanden.
Zusammenfassung
Es wurden 100 nm dünne IZO-Schichten durch einen reaktiven seriellen Co-Sputterprozess
auf i-ZnO-lose CdS/CIGS-Absorber ohne Erhöhung der Abscheidetemperatur abgeschieden.
Es zeigt sich, dass durch diesen Prozess CIGS-Solarzellen mit Wirkungsgraden von bis zu
18.4% erreicht werden können.
Die erste Serie mit reaktiv gesputtertem IZO als Front-TCO auf CIGS-Solarzellen aus dem
Baseline-Prozess zeigt das Potential von IZO als Front-TCO in der CIGS-Technologie. Es
sind noch weitreichende Optimierungsmöglichkeiten vorhanden. Zum ersten ist die Schicht
mit einer Dicke von nur 90 bis 100 nm gering (sonst 170 ±10 nm) und außerdem ist sie
noch nicht reflexionsoptimiert für CIGS-Solarzellen. In der Regel verringert die Erhöhung
der Schichtdicke den Schichtwiderstand und folglich ist der Serienwiderstand der Solarzellen
reduziert werden. So ist eine Verbesserung des Füllfaktors zu erwarten und eine weitere
Verbesserung der Konversionseffizienzen der Solarzellen. Eine Antireflexionsschicht kann, wie
bei Menner et al. [115], zu einer Erhöhung der Kurzschlussstromdichte von über 3mAcm2
führen und so den Wirkungsgrad steigern.
Die Ergebnisse zeigen, dass in diesem Fall das Weglassen der sonst üblichen i-ZnO-Schicht
zu keiner signifikanten Verschlechterung der Zellen führte, aber die Streuung der Ergebnisse
zunahmen. Es ist zu vermuten, dass die Absorber aufgrund ihrer guten Qualität und Oberflä-
che kaum pinhols aufweisen und der Effekt der Wirkung der i-ZnO-Schicht nicht vollständig
zum Tragen kommt. Dies könnte das Weglassen einer solchen Schicht motivieren. Dadurch
kann ein RF-Sputterprozessschritt eingespart werden und eine Kostensenkung des Herstel-
lungsprozesses für CIGS-Solarzellen erreicht werden.
Vor allem die 1015mV höhere Leerlaufspannung zeigt ein großes Potential für dünne IZO-
Schichten in der CIGS-Technologie. Eine Schichtdickenerhöhung und Sauerstoffanpassung
könnte zu erheblichen Steigerungen der Kurzschlussstromdichte und dem Füllfaktor führen,
da sowohl Reflexionsverluste und Schichtwiderstände reduziert werden könnten.
Haupterkenntnisse dieses Versuchs:
Reaktiv und bei niedrigen Temperaturen abgeschiedenes IZO führt zu CdS-gepufferten
CIGS-Solarzellen mit einer hohen offenen Klemmspannung. Es ist zu vermuten, dass
die sonst durch Wärme induzierten Diffusionsprozesse bei der TCO-Abscheidung aus-
bleiben und so die hohe Leerlaufspannung erhalten bleibt.
165
4. Experimentelle Ergebnisse und Diskussion
Das Weglassen der sonst üblichen i-ZnO-Schicht führt zu einer hohen Streuung der
Ergebnisse.
IZO kann direkt mittels seriellem Co-Sputtern auf die CdS-Schicht abgeschieden wer-
den, ohne starke Schädigungen am Device hervorzurufen.
Zusätzlich ist denkbar, dass IZO in Tandem-Konzepten für noch größere Wirkungsgrade
der Solarzellen etabliert wird. IZO wächst bei moderaten Temperaturen sehr flach auf [113],
was für Tandemsolarzellenkonzepte interessant sein kann, da nachfolgende Abscheideprozesse
begünstigt werden.
166
5. Zusammenfassung und Ausblick
In dieser Arbeit wird das Konzept des seriellen Co-Sputterns als flexible Beschichtungstech-
nologie mit einer variablen Co-Dotierung aufgegriffen und weiterentwickelt. Im Rahmen der
Konzeptentwicklung wurde zuerst eine in-line-Sputteranlage mit zylindrischen Doppelma-
gnetrons modifiziert und ein erster serieller Co-Sputterprozess erfolgreich etabliert. So war
es möglich, erstmals die Verwendung von Rohrkathoden als Primär- und Sekundärsputter-
quellen in einem seriellen Co-Sputter-Prozess ohne Gasraumtrennng zu untersuchen. Zu den
bekannten Sputterprozessparametern wird die Sekundärtargetleistung als neuer einstellbarer
Parameter eingeführt. Es zeigt sich, dass die fehlende Gasraumtrennung bei Verwendung von
Reaktivgas zu einer Oxidation des Sekundärtargets und zu Prozessinstabiltäten führt.
Der Schwerpunkt und das Ziel dieser Arbeit lag daraufhin in der Entwicklung einer Pro-
zessraumtrennung in Kombination mit einem Spülgaskonzept. Mit Hilfe numerischer Simu-
lationen der Gasverteilung in den Abscheidekammern wurden die physikalischen Vorgänge
der Gasbewegungen von reaktiven Gasspezies besser verstanden und Geometrien angepasst.
Basierend auf diesen Ergebnissen wurde erfolgreich ein Kammermodul mit einer verbesserten
Gasraumtrennung in eine zweite in-line-Sputteranlage eingebaut.
An beiden Anlagen wurden Dotierstoff-veränderte transparente leitfähige Oxide (TCO)
hergestellt und hinsichtlich ihrer Anwendung als Frontkontakt in CIGS-Solarzellen unter-
sucht. Die entwickelten Prozesse hrten zur Veränderung der chemischen, elektrischen und
optischen Eigenschaften der TCOs. Optimierte Schichtsysteme und deren Einfluss auf CIGS-
Dünnschichtsolarzellen wurden anschließend untersucht und ausgewertet.
Der Entwicklungsprozess in dieser Arbeit ist in Abbildung 5.1 dargestellt.
In Kapitel 4.1 werden die Ergebnisse der Untersuchungen des seriellen Co-Sputterprozesses
mit nur einem Prozessraum vorgestellt. Ein keramisches AZO-Zylinderrohrtarget und ein
metallisches Al-Zylinderrohrtarget als Primär- und Sekundärtraget wurden zur Abscheidung
Aluminium-angereicherter AZO-Schichten verwendet. Eine selbst entwickelte Blende, sowie
eine Drehung des Magnetfeldes des Sekundärtargets machen den Prozess erst möglich. Durch
die Variation der Leistung am Sekundärtarget kann die fixe Dotierung des AZO-Targets
variiert und höher-dotiertes ZnO :Al2O3abgeschieden werden. Dabei wurde festgestellt, dass
der Sauerstoffgehalt im Prozessgas und die Leistung am Sekundärtarget einen sehr starken
Einfluss auf den Abscheideprozess und die resultierenden Schichteigenschaften haben.
Eine Anpassung des Sauerstoffgehalts zur Optimierung der AZO-Schichteigenschaften ist
nur begrenzt möglich1. Bei zu niedrigem Sauerstoffgehalt ist die Transparenz die AZO-
Schichten zu gering, da die AZO-Schichten einen zu hohen Metallanteil aufweisen. Bei einem
1Durch die Zuführung oder das Abpumpen des Sauerstoffmischgases.
167
5. Zusammenfassung und Ausblick
Probleme:
Leistung nicht beliebig reduzierbar
Nur Leistungssteuerung möglich
Kein Shuer für Schutz der Targets
Vergiung der Sekundärtagets
Prozessinstabilitäten
Lösung:
Erstellung eines Gasraumkonzeptes
Weiterentwicklung des Spülgas-Prinzips
Numerische Simulaon zur Opmierung
Shuer zum Schutz des Targets
P(O2)-Regelung
Einfacher Targetwechsel möglich
1. Schri
Einfaches SCS ohne Gasraumtrennung
erste Prozesse
Doppel-Rohrtarget-Prinzip
Material-Paarung:
AZO / Al
2. Schri
Entwicklung SCS mit Gasraumtrennung
Technologie- Entwicklung
Rohr-Planar-Prinzip
Reaktives Sputtern möglich
Material-Paarung
AZO / Mg (ZnMgO:Al)
In / Zn (InZnO)
Serielles Co-Spuern (SCS)
Probleme: Spuerprozess beherrscht, aber: xe Targetdoerung, Hysterese bei reakven Spuern
Fragestellung: Ist der serielle Co-Spuerprozess verbesserbar? Lassen sich TCOs mit besseren
Eigenschaen per SCS abscheiden und wie wirkt sich dies auf CIGS-Solarzellen aus?
Abbildung 5.1.: Zusammenfassung der Entwicklungschritte in dieser Arbeit.
zu hohen Sauerstoffanteil oxidiert das Aluminiumtarget und die Targetspannung sinkt um et-
wa 50V. Als Folge sinkt der Aluminiumpartikelstrom vom Sekundärtarget zum Primärtarget
und es werden zwei Effekte ausgemacht:
Erstens wird weniger Metall zum Gettern von Sauerstoff erzeugt, was zur Erhöhung des
Sauerstoffpartialdruckes führt. Zweitens wird auf die Oberfläche des Primärtargets weniger
Aluminium aufgebracht und weniger Aluminium in die resultierenden AZO-Schichten ein-
gebracht. Der Übergang von einem zu niedrigen Sauerstoffgehalt zu einem zu hohen Sauer-
stoffgehalt erfolgt sprunghaft. Damit entsteht ein Prozessfenster, in dem keine gemeinsame
Optimierung der optischen und elektrischen AZO-Eigenschaften möglich ist.
Um dem entgegen zu wirken, kann die Sekundärtargetleistung angepasst werden. Abhängig
vom Leistungsverhältnis von Primär- und Sekundärtarget gibt es ein optimales Prozessfens-
ter, in dem optische und elektrische Eigenschaften der AZO-Schichten verbessert werden
können. Die Dichte der Ladungsträger in den Schichten steigt mit zunehmendem PAl bis zu
einem Maximum an und fällt dann ab. Die Dotierung liegt bei gut leitenden Schichten in
der Größenordnung von 25×1020 cm3. Die Mobilitäten der Elektronen liegen für alle
Schichten unterhalb von 30 cm2V1s1. Die geringsten spezifischen Widerstände wurden für
AZOs mit etwa 2 bis 3at. Aluminium ermittelt. Dünne Aluminium-angereicherte Schichten
wiesen dabei gute Transparenzen auf. Die Absorption dickerer Schichten stieg sehr stark an.
Basierend auf den Ergebnissen der Modell-Substrate wurden die optimierten AZO-Schichten
auf CIGS-Solarzellen aufgebracht. Es zeigte sich, dass die Al-Anreicherung der AZO-Schichten
zu verbesserten Solarzelleneigenschaften führt. Die sehr dünnen co-dotierten Schichten er-
zielten einen Schichtwiderstand von etwa 100 @bei einer gleichzeitig hohen gewichteten
168
Transmission von 80% und sind damit für die beabsichtigte Verwendung als Frontkontakt
in CIGS-Solarzellen geeignet. Für co-evaporierte Absorber wurde mit einer nur 100 nm di-
cken TCO-Schicht aus höher dotiertem AZO mit einem Schichtwiderstand von 100 @und
Metall-Grid ein Wirkungsgrad von über 17% erreicht. Dabei waren die Schichtdicken noch
nicht perfekt an das Sonnenspektrum angepasst. Durch die Verwendung einer zusätzlichen
Antireflexionsschicht könnten die Effizienzen der Solarzellen noch deutlich erhöht werden.
In Kapitel 4.2 wird das Konzept der Spülgastrennung aufgezeigt und untersucht, um die Li-
mitierungen des reaktiven Sputterprozesss durch das Reaktivgas zu überwinden. Dazu wurde
ein neues Prozessmodul entwickelt. Dieses besteht aus zwei Sputterräumen, welche über eine
Gastrenneinheit verbunden sind. Kern dieser Gastrenneinheit ist ein zylindrisches Primärtar-
get, dass von einem Mantelrohr umschlossen wird. In den entstehenden Spalt wird Argon als
Spülgas eingelassen. Durch eine lokale Druckerhöhung im Spalt wird die Diffusion von Sauer-
stoff aus der Primärkammer in die Sekundärkammer reduziert. Dieses Konzept zeigte bereits
eine starke Verbesserung des Sauerstoffverhältnisses zwischen Primär- und Sekundärkammer
(Sauerstoffgastrennfaktor) auf über 10. Aus weiterführenden Berechnungen geht hervor, dass
für einen guten Sauerstoffgastrennfakor vor allem die Spaltbreite (Abstand zwischen Rohr-
kathode und Mantelrohr) entscheidend ist. Die Breite sollte so klein wie möglich sein (< 3
mm), wird aber von mehreren Faktoren nach unten hin begrenzt:
1. In der fertigen Prozesskammer und während des Einbaus fiel auf, dass trotz der ei-
gens entwickelten Rohrkathodenaufnahme kein perfekter Rundlauf der freihängenden
Kathode erzielt werden konnte. Dies führt zu einer Drehzahl-abhängigen Änderung der
Spaltbreite und damit der Brennspannung. Dieser Effekt ist durch die Installation eines
zweiten Lagers reduzierbar und wird hier empfohlen. Mit einem konstanten Rundlauf
kann die Spaltbreite weiter reduziert werden, was zu einer noch besseren Gasraumtren-
nung führen kann.
2. Eine zweite Herausforderung stellt der Targetmaterialabtrag selbst dar. Es kommt zur
Ausbildung der typischen „Knochen“-Form des Rohrtargets über die Zeit. So wird bei
einer starren Mantelkonstruktion die Spaltbreite eine Funktion der Zeit, der Spalt wird
größer. Da dieser während des gesamten Prozesses gleichbleibend gering sein muss, ist
über die Prozessdauer eine adaptive Spaltbreitenanpassung seitens der Gastrennteilgeo-
metrie sinnvoll.
Mit dem neuen Prozessmodul wurden zuerst ZnMgO:Al-Schichtsysteme (AZMO) untersucht.
Die Startbestückung der Anlage war ein zylindrisches AZO-Primärtarget, welches mit Magne-
sium eines sekundären Planartarget beschichtet wurde. Der Magnesiumgehalt der ZnMgO:Al-
Schichtsysteme wurde über die Regelung der Leistung am Sekundärtarget eingestellt. Eine
Erhöhung der metallischen Komponente im Prozess führte zu einer Erhöhung der gesamten
Absorption der AZMO-Schichten, was durch die Nachregelung des Sauerstoffpartialdrucks
optimiert werden konnte. Durch eine erhöhte Magnesiumdotierung wird die Ladungsträger-
dichte und -beweglichkeit in AZMO-Schichten reduziert und folglich steigt der spezifische
169
5. Zusammenfassung und Ausblick
Widerstand an. Gleichzeitig steigt die Bandlücke um etwa 0.1±0.01 eV pro 0.05 at. Magne-
sium, was eine höhere Transmission im UV-Bereich zur Folge hat.
Verschiedene AZMO-Schichtsysteme wurden auf co-evaporierten CIGS-Absorbern abge-
schieden. Das direkte Aufbringen von 550 nm dicken AZMO-Schichten führte zu einer Schä-
digung der Absorbergrenzfläche und stark reduzierten Wirkungsgraden. Eine Verwendung
von CdS als Pufferschicht führte zu erheblichen Verbesserungen der offenen Klemmspannung
und des Photostromes der Zellen. AZMO-Schichten als hochdotierte Fensterschicht erwie-
sen sich als potentiell geeignet, aber eine bessere Lichteinkopplung aufgrund der höheren
Bandlücke konnte nicht festgestellt werden.
Als problematisch erwies sich der deutliche Gelbstich der AZMO-Schichten. Hier ist noch
Entwicklungspotential vorhanden, wenn die Gase Sauerstoff und Stickstoff in der Anlage noch
besser gemessen und geregelt werden können.
Das Mantelrohr-Konzept wurde mit dem Ziel ausgelegt, dass auch metallische Rohrtargets
in reaktiven Prozessen zur Herstellung von TCO-Schichtsystemen mit hervorragenden Schich-
teigenschaften verwendet werden können. Dazu wurde ein Indium-Rohrtarget als Primär- und
ein Zink-Planartarget als Sekundärtarget installiert, um Zink-dotiertes Indiumoxid (IZO) her-
zustellen.
Reaktiv abgeschiedene IZO - Schichtsysteme mit einer Abscheidetemperatur von unter
100 Cund Schichtdicken von 90 bis 100 nm weisen Schichtwiderstände von etwa 60 @bei
sehr guter Transparenz auf. Die Ladungsträgerkonzentration lag im Bereich von 2×1020 cm3
und die Mobilitäten der Elektronen lagen bei bis zu 45 cm2V1s1. Damit sind diese Schich-
ten hervorragend für die Verwendung als Frontkontakt in CIGS-Solarzellen geeignet. IZO-
Schichten, die direkt auf CdS/CIGS-Absorber abgeschieden wurden, führten zu Wirkungs-
graden von 18.4%. Vor allem wurde eine um ca. 15 mV erhöhte Leerlaufspannung gegenüber
der Referenzsolarzelle mit einer AZO-Schicht beobachtet.
Ausblick
Es wird gezeigt, dass unterschiedlich dotierte TCOs mit Hilfe der hier weiterentwickelten
Beschichtungstechnologie abgeschiedenen werden können. In dieser Arbeit sind die Material-
paarungen mit nur drei Systemen (AZO, AZMO, IZO) stark eingegrenzt worden. Vor allem
bei unter 100 Creaktiv abgeschiedenes IZO zeigt das große Potential dieser Technologie,
obwohl noch nicht alle Optimierungen im Zuge dieser Arbeit abgeschlossen werden konnten.
So besteht die Möglichkeit TCOs mit einer höheren Ladungsträgermobiltität oder Austritts-
arbeit abzuscheiden und zu untersuchen, welche besonders für die derzeit stark im Fokus
stehenden Tandem-Solarzellen von großem Interesse sind. Besonders die Abstimmung des
Frontkontaktes auf die einzelnen Solarzellen kann im Weiteren noch untersucht werden.
Im Zuge dieser Arbeit sind noch weitere Fragen aufgeworfen worden:
Ist das serielle Co-Sputtern auch für großtechnische Anwendungen aufskalierbar oder
treten neue Hindernisse bezüglich der Anlagengeometrie auf?
170
Was wäre mit einem gesinterten Target mit einer reduzierten Targetdotierung an int-
rinsischen Zwischenschichten in den CIGS-Solarzellen möglich?
Sind hochleitfähige TCOs mit hohen Elektronenbeweglichkeiten wie hydrogenisertes
Indiumoxid (IOH) reaktiv bei hoher Sputterrate abscheidbar?
Sind eventuell neuartige Zwischenschichten mit besonderen Eigenschaften abscheidbar,
die Tandem-Solarzellen verbessern?
Vor allem die fehlende Analytik im Bereich um das Mantelrohr erweist sich als Hindernis für
tiefergehende Untersuchungen im Bereich des Spalteinlasses. Eine PES (Particle Emission
Specostropie) oder Druckmessgeräte im Spalt könnten hier Aufschluss über die abgeschiede-
nen Spezies oder Drücke geben. Diese Fragen müssen in zukünftigen Arbeiten geklärt werden.
Durch das serielle Co-Sputtern ist eine Technologie vorhanden, die es möglich macht, di-
verse TCOs herzustellen. Die in dieser Arbeit gezeigten Möglichkeiten der Manipulation der
morphologischen, elektrischen und optischen Schichteigenschaften könnten in anderen Bautei-
len wie Dünnschicht-Transistoren Lösungen bieten, die bisher nicht betrachtet oder umsetz-
bar waren. Ein sehr interessantes Themenfeld ist die Erforschung der p-leitfähigen TCOs wie
CuAlO oder NiO. Die erfolgreiche Implementierung der p-TCOs könnte in allen Bereichen der
Opto-Elektronik zu neuen Technologiesprüngen führen. Daneben kann mit dieser Technolgie
auch in neue Anwendungsgebiete vorgedrungen werden. So sind Mehrlagen-Beschichtungen
für Kratzschutz oder Antireflexionsscheiben denkbar. Auch ist die Entwicklung neuartiger
oder bisher nicht per Sputtern herstellbarer Katalysator-Schichten wie Metall-dotierte Koh-
lenstoffschichten ein sehr interessantes Themenfeld im Bereich der Wasserstoffherstellung.
171
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195
Veröffentlichungen
Veröffentlichungen in Fachzeitschriften
Erstautor
Stefan Körner, Manuel Hartig, Ruslan Muydinov, Darja Erfurt, Reiner Klenk, Bernd
Szyszka and Rutger Schlatmann, „Serial cosputtering for aluminum doping manipulated
zinc oxide as front contact for Cu(In,Ga)Se 2 solar cells“, Japanese Journal of Applied
Physics, 57 08RC18 doi:10.7567/jjap.57.08rc18
Tagungsbeiträge
S. Körner, M. Hartig, H. Scherg-Kurmes, R.Muydinov , A. Pflug, M. Siemers, U. Brink-
mann, W. Werner, A. Kaiser, S. Ulrich, V. Sittinger, B. Szyszka, „Effects of Al content
of ZnO:Al films prepared by Serial Co-Sputtering (SCS) using a dual cylindrical rota-
table magnetron assembly“, Poster presentation, ICCG11, Braunschwig, Deutschland,
12.06.2016 - 16.06.2016
Stefan Körner, Ruslan Muydinov, Darja Erfurt, Manuel Hartig, Bernd Szyszka, Reiner
Klenk, "Doping manipulated AZO as front TCO by using serial co-sputtering for CIGS
solar cells", Oral presentation, PVSEC27 Otsu, Japan, 12.11.2017 - 17.11.2017
S. Körner, M. Hartig, D. Erfurt, R. Muydinov, B. Szyszka, „Investigation of structural,
electrical and optical properties of aluminum doped zinc oxide fabricated by direct cur-
rent in-line magnetron co-sputtering“, Oral presentation, 7th International Conference
on “Transparent Conductive Materials, IS-TCM 2018”, Chania, Greece, 14.10.2018 -
19.10.2018
Stefan Körner, Bernd Szyszka, „Reaktiv gesputtertes Indium-Zink-Oxid durch serielles
Co-Sputtern“, Oral presentation Inplas- AG »Neuartige Plasmaquellen und prozesse«,
26. Treffen, 18.05.2021
196
Danksagung
Ich chte mich ganz besonders bei Prof. Dr. Bernd Szyszka für die interessante Aufgaben-
stellung, die hervorragende wissenschaftliche Betreuung und die Gelegenheit bedanken, diese
Arbeit an seinem Fachbereich durchzuführen. Prof. Dr. Rutger Schlatmann und Prof. Dr.
Günter Bräuer chte ich für die Übernahme der Begutachtung dieser Arbeit danken.
Ich chte Herrn Dr. Muyinov für die zahlreichen und zielführenden Diskussionen danken.
Ich danke allen Mitarbeitern des HZB und dem PVcomB für die freundliche und kollegiale
Zusammenarbeit sowie für das angenehme Arbeitsklima. Ein besonderen Dank chte ich
an das Sputterteam des HZB um Manuel Hartig, Katja Mayer-Stillrich und Michael Kirsch
richten. Durch sie konnten die neuen Prozesse erst umgesetzt und verbessert werden. Beson-
derer Dank gilt auch Rainer Klenk und Christian Kaufmann für die Möglichkeit der Ver-
wendung von CIGS-Absorbern und die vielen Diskussionen zu den Solarzellenergebnissen.
Für die vielen technischen Unterstützungen chte ich Jakob Lauche, Tobias Hänel, Tim
Münchenberg, Bianka Bunn, Iris Dorbandt, Karolina Mack, Michael Kirsch, Sonja Cinque,
Erik Waack, Carola Klimm und den vielen Studenten danken. Hasan Yetkin danke ich für die
temperaturabhängigen IV-Messungen. Desweiteren chte ich allen Personen am PVcomB
danken, die mir über meine lange Zeit am PVcomB stets hilfreich mit Rat und Tat zur Seite
standen und meine zahlreichen Fragen und „spontanen“ Ideen beantworteten und diskutier-
ten. Besonders Darja Erfurt, Jan-Peter Becker, Natahlie Preissler, Tim Kodalle, Alexandros
Cruz, Hasan Yetkin, Guillermo Farias und Fuxi Bao danke ich für die wunderbare Zeit im
Doktorantenzimmer.
Ich danke allen Mitarbeitern des Faunhofer IST für die freundliche Zusammenarbeit sowie
für das angenehme Arbeitsklima. Vor allem Andre Kaiser, Volker Sittinger, Udo Brinkmann
und Chris Britze für die zahlreichen gemeinsamen Stunden an der Anlage und Messsyste-
men. Der Analytikgruppe um Kirsten Schiffmann danke ich für die EPMA-Messungen. Die
Entwicklung der Geometrie der Anlage ist in enger Zusammenarbeit mit Udo Brinkmann,
sowie Wolfgang Werner, André Kaiser und Andreas Pflug (alle Fraunhofer IST), sowie Bernd
Szyszka und Manuel Hartig entstanden (TUB). Andreas Pflug danke ich für die Bereitstel-
lung der Simulationsoftware sowie die umfangreiche Hilfestellung bei der Entwicklung der
Arbeit. Hunter King danke ich besonders für die Etablierung der Regelung für den reaktiven
IZO-Sputterprozess sowie die Abscheidungen und Diskussionen.
Ich danke den Mitarbeitern der Firma Solayer für die Betreuung in ihrem Konstruktions-
büro.
Ein besonderer Dank gilt meiner Frau Kathrin für die Geduld und die liebevolle Unterstü-
zung durch die lange Zeit mit allen Höhen und Tiefen der Arbeit.
Diese Arbeit entstand im Wesentlichen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) unter 0325762I geförderten Verbund-Projekts ”TCO4CIGS“.
197
Danksagung
198
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich, Stefan Körner, dass ich die vorliegende Arbeit mit dem Titel: „Ent-
wicklung neuer transparent-leitfähiger Oxidscichten durch serielles Co-Sputtern und deren
Integration in hocheffiziente CIGS-Solarzellen“ selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst
und dabei keine anderen als die angegebene Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Alle wört-
lich oder inhaltlich übernommenen Textstellen anderer Werke sowie die Beiträge Dritter habe
ich als solche kenntlich gemacht.
Des Weiteren erkläre ich weder bereits vergebliche Promotionsversuche unternommen zu
haben, noch die vorliegende oder eine andere Arbeit als Dissertation bei einer anderen Fa-
kultät eingereicht zu haben.
Berlin, den 28.12.2022 _______________________
199
Danksagung
200
A. Anhang
A.1. Parameterbestimmung für die DSMC-Rechnungen
Bei der modellbasierten Simulation für die Auslegung der seriellen Co-Sputteranlage sind ei-
nige Umrechnungsfaktoren verwendet worden. Die folgenden Überlegungen stammen von der
Wiki-Webseite: https://simulation.ist.fraunhofer.de/doku.php?id=picmc:units_conversion von
Andreas Pflug und Team.
Die zeitabhängige idelae Gasgleichung kann mit:
d
dtpV =kbTd
dtN(A.1)
beschrieben werden. Die Änderung der Anzahl an Partikeln enspricht dann der Differenz
aus ein- und ausströmenden Teilchen:
d
dtN=0=qin qout =Finqsccm c
4Apfpn(A.2)
mit qin und qout als die einströmenden und ausströhmenden Parikelströme, qsccm als Gas-
fluss in Standardkubikzentimetern, Fin als Einlassgröße, der Pumpenfläche Ap, dem Pump-
flächendurchlassfaktor fpund der Partikeldichte np. Mit Gleichung 4.4 und n=N/Vführt
Gleichung A.1zu: kbTFinqsccm
p=c
4Apfp=Sp(A.3)
Wenn die Abmaße (in m2) und das Saugvermögen (in m3s1) der Pumpe aus Datenblättern
bestimmt werden können, so ist:
p=kbTqsccm ·Fin
Sp
(A.4)
Somit ist der Druck proportional zum Verhältnis aus dem Einlass an Gas und der Pump-
leistung. Ein sccm entspricht in etwa einem Partikelfluss qsccm=4.47796 ·1017Partikel/s.
Ein Ampere enspricht einem Fluss von 1Cs1durch einen Leiterquerschnitt (Plasma, Tar-
get). Daraus folgt: 1A6.24150·1018es1. Für 300 K gilt kbTqsccm = 0.001854 [m3s1]oder 1.854 [l·
s1].
Der Aufwand für die DSMC-Rechnungen ist stark von der zu rechnenden Partikelanzahl
abhängig. In den Rechnungen wird ein Bauteil in mehrere kleinere Würfel gleicher Kanten-
länge geteilt. Für die Abschätzung der Zelldimensionen werden die Parameter in Tabelle A.1
aufgezählt.
201
A. Anhang
Tabelle A.1.: Parameter für die Abschätzung der Simulationen.
a Kantenlänge
VcZellenvolumen
NsAnzahl an simulierten Partikeln
NcAnzahl an physischen Partikeln im Würfel
Nreal Verhältnis Ncund Ns
δt Periode eines Rechnungszyklus
Tabelle A.2.: Mittlere freie Weglänge λfür Argon und Sauerstoff bei 300 K, sowie die numerische Abschätzung
der Zelldimensionen a, Intervalllänge δt und Superteilchenzahl Nreal in Abhängigkeit vom Druck.
Druck Druck λArgon λO2aδt Nreal
(Pa) µbar mm mm mm s für #10/cell
0.1 10 63.4 64.1 50 1043x1014
0.5 50 12.68 12.82 10 5x1051.2x1013
1 100 6.34 6.41 5 1063x1012
5 500 1.27 1.28 1 5x1061.2x1011
10 1000 0.63 0.64 0.5 1073x1010
Die Zelldimension sollte so ausgelegt werden, dass die Kantenlänge kleiner ist als die mitt-
lere freie Weglänge (aλ).) Die Wegstrecke (s) pro Zeitintervall (δt) eines Partikels sollte
ebenfalls so ausgelegt werden, dass sie kleiner ist, als die mittlere freie Weglänge (sλ). Es
ist möglich, die Anzahl an simulierten Partikeln pro Zelle in der Modellierung konstant zu
halten, wenn man Nreal an den Druck anpasst (Nreal p2). Da ap1λgilt, steigt
der Rechenaufwand mit p4. Aus diesem Grund sollten Vereinfachungen bei der Auslegung der
Simulationsdatei berücksichtigt werden. In Tabelle A.2 sind die mittleren freien Weglängen
für die in dieser Arbeit vorkommende Spezies bei 300 K aufgelistet.
.
A.2. REM-Aufnahmen einer CIGS-Solarzelle im Querschnitt
Um einen Eindruck über die Einflüsse der Absorberstruktur auf das Aufwachsen der abge-
schiedenen TCOs auf CIGS sowie den möglichen Einfluss der Absorberqualität auf die externe
Quanteffizienz zu erhalten, wurden REM-Aufnahmen der CIGS-Absorber samt Fensterschicht
durchgeführt. Diese sind in Abbildung A.1 gezeigt.
202
A.3. Berg-Modell
a) b)
Glas
Mo
CIGS
AZO
i-ZnO
CdS
Abbildung A.1.: a) Querschnitt einer CIGS-Solarzelle und b) fokussierter Ausschnitt der Fensterschichten
auf der CIGS-Oberfläche.
A.3. Berg-Modell
Ein Modell zur Erklärung des Phänomene beim reaktiven Sputtern und dem charakteris-
tischen Übergang vom metallischen in den oxidischen Modus wurde unter anderem von S.
Berg entwickelt und ist auch als “Berg-Modell” bekannt [169, 218–220]. Es ist ein einfaches
Modell, welches aber die Phänomene beim reaktiven Sputtern recht gut vorhersagen und
qualitativ erfassen kann. In dem Model wird angenommen, dass ein Anteil der Targetober-
fläche (θt)bereits mit einem Metalloxid belegt ist (Oxidschicht). Das gleiche wird für die
besputterte Seite (Ac)angenommen (Substrat, Kammerwand, etc.). Diese ist ebenfalls mit
einem oxidierten Anteil (θc)belegt. Durch das Sputtern wird in der Erosionszone ein ständi-
ger Metall-Partikelstrom (Fm)erzeugt, der vereinfacht vom metallischen Anteil (1 θt)des
Targets kommt. Gleiches gilt für den nicht-metallischen Anteil (Fc). Der Argon-Ionen-Strom
(J) führt zum Absputtern von der Targetoberfläche, welcher vereinfacht gleichverteilt über
die Targetoberfläche angenommen wird. Zur Erklärung ist in Abbildung A.2 der Oxidierungs-
prozess am Zylindertarget vereinfacht schematisch dargestellt. Die Prozesse am Target sind
von mehreren Parametern in der Sputterkammer und dem Target abhängig:
Abbildung A.2.: Schematische Darstellung des oxidierten Target (ohne Maßstab).
203
A. Anhang
Über die MFCs werden die Prozessgase Argon und Sauerstoff eingelassen. Für das reaktive
Gas (Qo2), welches in die Sputterkammer einströmt, kommen drei mögliche Ereignisse in
Betracht. Die Gas-Moleküle können am Target (Qt)oder am Substrat (Qc)mit Partikeln
reagieren („gettern“) oder durch die Pumpe (Qp)wieder aus der Kammer entweichen. Für
die einfache Beschreibung des Problems kann man die kinetische Gas-Gleichung für den
Partialdruck des Sauerstoffs verwenden. Über die Beziehung:
F=p
2kbTπm (A.5)
mit dem Fluss (F) der Boltzman-Konstante (kb), der Temperatur (T) und der Masse (m) der
Gasatome. Wenn der Prozess ein „Steady-state“ erreicht hat, kann man die Gleichungen für
die Zustände an den Flächen des Targets und der restlichen Oberflächen aufstellen. Während
des Sputterns wird das Target mit dem Argon-Strom (J) beaufschlagt. Im Steady-state exsis-
tiert an der Targetoberfläche ein Ausgleich zwischen dem Entfernen von oxidierten Material
(1 θt)und der Formation von Metalloxiden (θt)durch das reaktive Gas. Dies kann man
über
J
qYcθt=α2F(1 θt)(A.6)
beschreiben. Ycund θtsind der Sputteryield und der Anteil an oxidischem Material am Target.
Auf der linken Seite der Gleichung wird das Absputtern vom oxidierten Material beschrieben.
Auf der rechten Seite wird die Bildung von oxidischem Material am Target beschrieben. 1Die
Wahrscheinlichkeit, dass ein Atom an der Oberfläche anhaftet und zu einer Oxidierung führt,
wird über den “sticking coefficient” oder Anhaftungskoeffizient αsberücksichtigt. Damit gibt
dieser Wert die Reaktivität zwischen Metall und dem Prozessgas an und liegt bei Aluminium
bei etwa 0.1 [172]. Der Materialstrom von Metalloxiden Fcvom Target ist
Fc=J
qYcθtAt.(A.7)
Ein Teil des reaktiven Gases kann mit den metallischen Partikeln auf dem Substrat reagie-
ren (1 θc)Ac. Diese formen dann unter Verbrauch von Sauerstoff ein Metalloxid auf der
Substratoberfläche. Die Rate dafür ist 2·Qcmit:
Qc=αF(1 Θc)Ac.
Die Abtragerate vom metallischen Teil des Targets kann nach
Fm=J
qYm(1 θt)At(A.8)
berechnet werden, wobei Ymder Sputter-yield vom Metall ist. Die Substratoberfläche (oder
auch das Primärtarget) besteht nun aus einem Anteil an metallischen und oxidierten Anteilen
1Da Sauerstoff als Molekül O2vorliegt, wird der Fluss F mit dem Faktor 2 multiplitziert.
204
A.4. Einfluss thermischer Nachbehandlung auf co-dotierte AZO-Schichten
(1 Θ) und Θc. Die Sputter-Erosionsrate der Metallatome Rmist dann:
Rm=J
q[Ym(1 Θt) + YcΘt]At.(A.9)
Depla überführt diese Rate dann in eine zu erwartende Depostionsrate D
D=Rm[c1(1 Θc) + c2Θc],(A.10)
mit den Fitting-Parametern c1 und c2, um auf materialspezifische Eigenschaften der Mate-
rialien Rücksicht zu nehmen [28]. Die Gesamtmenge an Sauerstoff der Reaktionsgasströme
Qtotal teilt sich schlussendlich in drei Ströme auf:
Qtotal =Qt+Qc+Qp(A.11)
Diese lassen sich dann in folgende Größen aufteilen:
Qt=αF(1 Θt)At(A.12)
Qc=αF(1 Θc)Ac(A.13)
Qp=Sp (A.14)
Dabei ist S das Saugvermögen (engl. Pumping speed) der Vakuumpumpe. Qt,Qcund Qp
sind die quantitativen Reaktiv-Gas-”Verbräuche” am Target, der restlichen konsumierenden
Flächen (Kammerwand, Substrat, etc.) und der Pumpe. Im einfachen Fall haben alle Flächen
den gleichen Anhaftungskoeffizienten.
A.4. Einfluss thermischer Nachbehandlung auf co-dotierte
AZO-Schichten
Im Zuge der möglichen Entwicklung des seriellen Co-Sputterprozesss wurde als erstes un-
tersucht, wie sich die Dotierstoffkonzentration cAl und die Schichtdicke dsder abgeschiede-
nen AZO-Schichten in Abhängigkeit von der Leistung am Al-Target und dem Sauerstofffluss
Tabelle A.3.: Depositionsbedingungen für ungeheizt abgeschiedene ZnO:Al-Schichten vom AZO- und Al-
Target.
Leistung PT PAZO 2 kW
Leistung ST PAl 0 - 1100 W
Shutter-Öffnung 50 %
Argonfluss qAr 570 - qO2sccm
Sauerstofffluss qO220, 40, 60 sccm
Prozessdruck p 5.1 µbar
205
A. Anhang
Abbildung A.3.: Mittels XRF ermittelter Aluminiumgehalt der AZO-Schichten in Abhängigkeit von der
Leistung am Hilfstarget bei drei verschiedenen Sauerstoff-Mischgas-Flüssen.
verhalten. Es sollte für den SCS-Prozess herausgearbeitet werden, wie stark der jeweilige
Prozessparameter auf die untersuchten Werte des Flächenwiderstandes und die Transmission
wirkt und ob sich Änderungen zu bekannten vergleichbaren Ergebnissen ergeben. Der an-
fängliche Prozessdruck von 5.1 µbar ist der entwickelte Standardprozessdruck an der Anlage.
Die Leistung am Aluminium-Target wurde von 500 W startend in 300 W Schritten auf 1100
W erhöht. Für die jeweiligen Leistungen wurden Argon-Sauerstoff-Mischgasflüsse2qo2von
20, 40 und 60 sccm mit entsprechenden Sauerstoffanteilen von 0.35, 0.70 und 1.05% gewählt.
Der Gesamtgasfluss betrug 570 sccm.
Die Al-Dotierung in Abhängigkeit der Leistung am Aluminium-Target wird in Abbildung
A.3 für unterschiedliche Sauerstoffanteile gezeigt. Bei einem Druck von 5.1 µbar steigt die
Dotierungskonzentration mit zunehmender Leistung von 0.8 Atomprozent bis auf etwa 1.8
Atomprozent für Schichten mit 0.35% Sauerstoffmischgas im Prozessgas. Mit zunehmendem
Sauerstoff verringert sich der absolute Anteil, jedoch bleibt der Trend gleich. Dies ist mit der
erhöhten Sputterrate des Aluminium-Targets bei steigender Leistung zu erklären, wodurch
mehr Aluminiumpartikel auf das ZnO :Al2O3 Target gelangen können. Tendenziell sinkt
bei einer Erhöhung der Sauerstoffzufuhr die Dotierung leicht. Möglicherweise stehen den Al3+-
Ionen mehr Sauerstoffpartner für die Bildung von Aluminiumoxid zur Verfügung. Die Bildung
von AlOxführt zu einer erhöhten oxidierten Oberfläche des AZO-Targets. Aluminiumoxide
haben eine stark reduzierte Sputterrate. Somit veringert die mit der Leistung ansteigende
Menge an oxidierten Aluminium-Partikeln die Abscheidungsrate von AZO. Mit einer Erhö-
hung des Sauerstoffanteils kommt es ebenso zu einer erhöhten Oxidierung der Aluminium-
Targetoberfläche und weniger Aluminium-Partikel erreichen das AZO-Target. Somit ist die
Al-Konzentration in den resultierenden Schichten geringer. Es ist davon auszugehen, dass
nur noch eine minimale Anzahl an AlOx-Partikeln das AZO-Target ereicht und somit die
Schichtdicke sowie erwartete Al-Konzentration reduzieren.
Thermische Nachbehandlung
Eine Möglichkeit, die Defekte in AZO-Schichten auszuheilen ist die thermische Nachbehand-
lung [132]. Aus diesem Grund wurden die Schichten bei 260°C an Atmosphäre getempert. Für
2[Sauerstoff/(Sauerstoff+Argon) =1:10]
206
A.4. Einfluss thermischer Nachbehandlung auf co-dotierte AZO-Schichten
die sauerstoffarm abgeschiedenen Schichten zeigt sich ein verbessernder Effekt. Die gemesse-
nen Hall-Effekt-Daten sind in Abbildung A.4 gezeigt. So steigen die Ladungsträgerdichten nur
leicht, die Ladungsträgermobilitäten dem gegenüber stärker an. Dies ist vor allem für sehr
stark co-dotierte Schichten zu erkennen. Ein Temperprozess von ungeheizt abgeschiedenen
AZO-Schichten an Luft führt durch Oxidation der Kationen meist zu einer Verschlechterung
der elektrischen Eigenschaften. In diesem Versuch stiegen die Ladungsträgerdichten für leicht
co-dotierte Schichten nur geringfügig, aber für stärker co-dotierte Schichten stark an. Für
eine Zusatzleistung von 0.8 und 1.1 kW wurden die Ladungsträgerdichten auf 5.5 und 5.7
x1020 cm3(plus 28 und 21%) erhöht. Die Ladungsträgermobilitäten hingegen verbesser-
ten sich um etwa 2 cm2V1s1. Hier kann von einer Ausheilung von Defekten im Kristall,
aber auch an den Korngrenzen ausgegangen werden, wie es auch Koida et al. schon gezeigt
haben [133]. Der spezifische Schichtwiderstand konnte ebenfalls reduziert werden. Ein ähnli-
ches Ergebnis (und Trend) wurde auch für die Schichten ermittelt, die bei 40 sccm Argon-
Sauersoffgasgemisch abgeschieden wurden. Dagegen ist der Effekt bei den sehr sauerstoffreich
abgeschiedenen Schichten (60 sccm) verändert. Während die Ladungsträgerdichte noch leicht
gesteigert werden konnte, wiesen die Schichten eine verringerte Ladungsträgerbeweglichkeit
auf. Dies führte zu einem erhöhten spezifischen Widerstand. Nur thermisch nachbehandelte
Schichten, die mit wenig Sauerstoff im Prozessgas und mehr Aluminium abgeschieden wur-
den, konnten spezifische Widerstände unter 1x103cm erreichen. So steigen die Aluminium-
und damit auch Ladungsträgerkonzentrationen mit der Leistung am Hilfstarget an.
Dotiereffizienz getemperter co-dotierter AZO-Schichten
Ein wesentlicher Faktor bei der Dotierung von Aluminium in ZnO ist die Generierung von
Ladungsträgern durch das Metallatom. Es ist naheliegend, dass die Generation von einem
Elektron pro zusätzlichem Aluminiumion im Zinkoxid erfolgen sollte. Das Verhältnis von frei-
em Elektron zu Dotierstoffatom wird auch Dotiereffizienz genannt. In Abbildung A.5 ist die
Ladungsträgerkonzentration in Abhängigkeit der Aluminiumkonzentration der co-dotierten
AZO-Schichten gezeigt (gleiche Schichten wie in Abbildung A.3). Zusätzlich ist eine 100%ige
Dotiereffizienz für perfekt dichte Zinkoxidkristalle skizziert, die durch Substitution der Zn-
Ionen durch Al-Ionen erreicht wird (gestrichelte Linie). Alle Schichten haben einen geringere
Elektronendichte, als man von der Dotierstoffkonzentration erwarten würde. Dies kann meh-
rere Gründe haben. Zum einen ist der Kristall nicht zu 100% perfekt dicht gepackt. Es ist
davon auszugehen, dass ZnO nur knapp 90% der idealen Dichte erreicht. Zum anderen kom-
men Defekte dazu, die freie Ladungsträger generieren, aber auch einfangen und dadurch
inaktivieren können. Zur Vereinfachung sind hier 100% der Dichte von ZnO angenommen.
Die sauerstoffärmsten Schichten weisen die chste Dotiereffizienz auf. Dies kann vor allem
aufgrund einer erhöhten Anzahl an Aluminium erreicht werden. Durch das thermische Nach-
behandeln der Schichten steigt die Dotiereffizienz noch weiter an. Es scheint, dass die durch
Defekte geblockten Atome im Zinkoxidkristall aufgrund der Temperatur genügend Energie
erfahren, um auf energetisch günstigere und Kristallqualität-verbessernde Positionen wandern
zu können und sich möglicherweise Metall-Cluster auflösen.
207
A. Anhang
Abbildung A.4.: Ladungsträgerbeweglichkeit über -konzentration für für getemperte und ungetemperte
AZO-Schichten, die bei unterschiedlichen Leistungen am Sekundärtarget und bei unterschiedlichen Sauer-
stoffmischgaszugaben abgeschieden worden sind. Zusätzlich sind Ergebnisse für AZO-Schichten, die bei einem
reduzierten Druck abgeschieden worden sind, eingefügt.
Mit einem zunehmenden Sauerstoffanteil bei der Abscheidung sinkt die Dotiereffizienz ab.
Die geringste Dotiereffizienz errreichten die Schichten, die bei einer sehr niedrigen Sekundär-
leistung und viel Sauerstoff abgeschieden worden sind.
208
A.4. Einfluss thermischer Nachbehandlung auf co-dotierte AZO-Schichten
Abbildung A.5.: Ladungsträgerkonzentration über Aluminiumkonzentration in den Schichten für getem-
perte und ungetemperte AZO-Schichten. Die Alumniniumkonzentration wurde durch die Leistung am Se-
kundärtarget erhöht (PSt = 0,0.5,0.8,1.1kW) Zum Vergleich ist der ideale Wert für eine elektrische 100%
Dotierstoffaktivierung durch Aluminiumionen im Zinkoxidkristallgitter gezeigt.
209