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Felix Bentlin, Hendrik Jansen, Päivi Kataikko-Grigoleit,
Angela Million, Jose M. Velazco-Londono (Hg.)
Schriftenreihe Städtebau und Kommunikation von Planung
5 – Die postpandemische Stadt
Stadtstrukturen im Stresstest:
Zukunftsbilder einer durch-
mischten und klimagerechten
Stadt nach der Pandemie
Elf Hochschulen
forschen gemeinsam zu
Stadtstrukturen in der
postpandemischen Stadt
In Studienprojekten, Seminaren und Entwurfsstudios beschäftigten
sich Studierende verschiedener Planungsfakultäten im Wintersemes-
ter 2020/21 mit Fragen zur Stadtentwicklung nach den Pandemie-
erfahrungen. In der darauffolgenden gemeinsamen Winterschule wird
in sechs Planungsräumen mit unterschiedlichen Stadtstrukturen aufge-
zeigt, wie beispielgebend Zeilenbausiedlungen, Blockrandbebauungen
oder Großwohnsiedlungen langfristig auf eine veränderte Arbeitswelt
und neue Anforderungen an das Wohnen und dem öffentlichen Zu-
sammenleben nach der Covid-19-Pandemie weiterentwickelt werden.
Home-Offi ce und der Wegfall von Pendelbeziehungen beeinfl ussen
ländliche Räume wie Bödefeld auf andere Weise, als dichte Lagen wie
die nördliche Essener Innenstadt oder das Gründerzeitquartier Mirke
in Wuppertal.
Einerseits nimmt die Wertschätzung für zentrale Orte und die Nähe zur
Natur im täglichen Leben zu. Andererseits steht das Wohnen auf be-
engten Verhältnissen vor Herausforderungen und Neuorganisation. In
allen Stadträumen wird die Umgebung um den eigenen Wohnort (wie-
der-)entdeckt und das Umfeld gewinnt an Bedeutung. Es geht jedoch
nicht nur darum, Wohn- und Arbeitsräume an neue Bedarfe anzupassen
vielmehr ist eine offene Einstellung nötig, um neue Orte des Alltags
wahrzunehmen und mit BewohnerInnen zu gestalten. Wie verändert
sich die stadträumliche Organisation infolge der Pandemie und wie se-
hen die Gestaltungsräume der postpandemischen Stadt aus?
Neubewertung der
stadträumlichen Strukturen
Die aktuellen Entwicklungen in den Stadtkernen und Vororten ermög-
lichen die einmalige Chance der Umstrukturierung und Transformation
von Gebäuden und öffentlichen Räumen. Funktionale Schwerpunkte in
den innerstädtischen Gebieten können auf Bezirke und Vororte verteilt
werden, sodass Quartiere durch neue Arbeits- und Wohnkonzepte be-
lebt werden. Durch die Veränderung der täglichen Mobilitätsziele ndet
eine Neuverknüpfung der Stadt durch ausgebaute Radwege und den
öffentlichen Verkehr statt. Dies führt zu einer Reduzierung des moto-
risierten Verkehrs, einer Stärkung attraktiver Fuß- und Radwegever-
bindungen, einer höheren Nutzungsmischung in der Innenstadt und
den Vororten und neuen grünen und blauen Infrastrukturen. Die Stadt-
Umland-Beziehungen gewinnen an Bedeutung und bieten Chancen für
die dezentrale Entwicklung von Arbeits- und Wohnstandorten.
Fokussierung auf das
Quartiers- und Wohnumfeld
Veränderte Aktionsradien führen zu neuen Begegnungen und einer
stärkeren Gemeinwesensprägung in der Nachbarschaft. Die verstärkte
Remote-Arbeit und dezentrale und de-lokalisierte Einkaufsmöglich-
keiten erzeugen neue, lokale Wege und eine Re-Fokussierung auf das
Wohnumfeld. Die stärkere Bedeutung des Quartiers als tägliche Hand-
lungsebene und als Aktionsraum ermöglicht den lokalen Austausch
durch nachbarschaftliche Zusammenschlüsse, Initiativen und Gemein-
schaftsräume, Selbstversorgung und neue Wohnprojekte. Diese »Quartie-
risierung« stärkt das urbane Gefüge und die fußläufi gen Erreichbarkeiten.
Ausbau und Aufwertung
der öffentlichen Räume
Die Pandemie hat gezeigt, dass wohnungsnahe Frei- und Naturräume
bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit im großen Umfeld von hoher
Bedeutung sind. Das erfordert eine Qualifi zierung von Freiräumen in
Wohnquartieren vom privaten Balkon bis hin zum Stadtpark. Das
soziale Leben verlagert sich stärker aus dem privaten in den öffent-
lichen Raum und erhöht den Bedarf an multicodierten öffentlichen
Grünräumen und einer gerechten Aufteilung der Straße mit neuen
Flächen für Außengastronomie, Sport und Kultur.
Zum Kurzfilm »Die postpandemische Stadt«
Zur Aufzeichnung der Präsentation der
»Postpandemischen Stadt« auf dem Hochschultag
der Nationalen Stadtentwicklungspolitik
Beilage zu ISBN 978-3-7983-3228-7
Universitätsverlag der TU Berlin, 2021
Wie verändern sich Stadtstrukturen in der postpandemischen Stadt?
Und was macht eine globale Pandemie mit der Stadt und ihren Men-
schen? Bis zum Jahr 2020 hat sich vermutlich fast niemand diese
Fragen gestellt. Doch die schlagartigen Veränderungen des öffent-
lichen Lebens mit Abstandsregeln und der Einschränkung der Bewe-
gungsfreiheit haben die Nutzung von städtischen Räumen verändert.
Welche Anforderungen werden nach der Pandemie an städtische
Räume und Strukturen gestellt? Inwiefern wirken sich neue Organisa-
tionsformen des Alltags auf städtische Prozesse aus? Die Ergebnisse
aus der Hochschullehre und einer nationalen Winterschule eröffnen
eine kritische Diskussion zur Stadtplanung während und nach der
Pandemie. Angehende PlanerInnen, ArchitektInnen und GestalterIn-
nen haben ihre Ideen und Forderungen für eine nutzungsgemischte
und klimagerechte Stadt formuliert.