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[en] (orig)
Peter Ullrich
Zwischen Partizipation und Emigration
Zur Lage der Christen in Palästina ; eine kultursoziologische Studie
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This version is available at http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:83-opus4-72791.
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Ullrich, Peter: Zwischen Partizipation und Emigration : zur Lage der Christen in Palästina ; eine
kultursoziologische Studie. - In: Kultursoziologie : Aspekte, Analysen, Argumente. - ISSN: 0941-343X
(print). - 7 (1998), 2. - S. 126–145.
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Kultursoziologie
7(1998)2
Zwischen
Partizipation
und
Emigration.
Zur
Lage
der
Christen
in
Palästina.
Eine
kultursoziologische
Studie
Peter
Ullrich
Einleitung
Christen
und
Palästinenser
-
geht
denn
das?
Viele
werden
sicher
diese
Frage
stellen,
sind
doch
die
arabischen
Christen
im
Heiligen
Land
nur
eine
kleine
Minderheit,
von
deren
Existenz
kaum
jemand
weiß.
Doch
sichern
sie
seit
jeher
die
Kontinuität
christlichen
Lebens
dort,
wo
es
entstand
und
wo
die
größten
Heiligtümer
der
Christenheit
sich
befinden.
Sie
leben
als
Christen
in
einer
Gesellschaft,
die
von
der
islamisch-arabischen
Kultur
geprägt
ist
und
fühlen
sich
doch
nicht
weniger
als
Araber.
Sie
teilen
Gebräuche
und
Sitten
und
sind
dennoch
anders.
Diese
Gemeinsamkeiten
und
Unterschiede
werde
ich
zu
zeigen
versuchen.
Man
wird
bemerken,
daß
es
sich
bei
den
palästinensischen
Christen
zwar
um
eine
quantitative,
aber
mit
Sicherheit
nicht
um
eine
qualitative
Minderheit
handelt.
Trotzdem
fuhren
sie
in
der
Forschung
ein
Schattenda
sein.
In
Deutschland
gibt
es
kaum
Literatur
zu
diesem
Thema
und
zu
Palästina,
weil
eine
eindeutige
Stellungnahme
zum
israelisch-palästinensischen
Konflikt
in
Deutschland
noch
häu
fig
problematisch
scheint,
aber
nicht
zu
vermeiden
ist,
wenn
man
sich
dem
Lande
nähert.
In
allgemeinen
Abhandlungen
über
Palästina/Israel
und
in
Reiseführern
sind
die
Hinweise
auf
die
arabischen
Christen
sehr
spärlich.
Schon
beträchtlich
größer
ist
die
Zahl
der
arabischen
und
englischsprachigen
Veröffentlichungen,
ln
letzter
Zeit
läßt
sich
immer
mehr
im
Internet
finden;
viele
Organisationen
haben
das
world-wide-web
für
sich
entdeckt.
1
So
liegt
ein
Schwerpunkt
dieser
Studie
auf
der
Schilderung
von
aktuellen
Tendenzen
und
Eindrücken,
die
ich
bei
meinen
vielen
Gesprächen
mit
Christen,
Muslimen
und
Juden,
mit
Priestern,
Sheiks,
Rabbinern
und
‘ganz
gewöhnlichen
Menschen’
gewann.
Man
kann
die
heutige
Situation
der
christlichen
Palästinenser
nur
unter
Beachtung
des
historischen
Kontextes
verstehen,
vor
allem
der
israelischen
Besatzung
und
der
Intifada,
der
Vertreibung
und
der
Kriege
-
dessen,
was
Palästinenser
“Al-Nakhba”,
die
Katastrophe,
nennen.
Dies
ist
Gegenstand
der
folgenden
geschichtlichen
Einleitung.
Ebenso
wichtig
und
ausführlich
zu
betrachten
sind
die
kulturellen
Kontexte
der
konfessionellen
Vielfalt
des
Christentums
und
des
Lebens
in
einem
islamischen
Land.
Zur
Geschichte
Das
Jahr
2000,
um
den
2000.
Geburtstag
Jesu,
ist
überall
im
Heiligen
Land
etwas
ganz
besonderes.
Große
Feierlichkeiten
werden
in
Jerusalem
und
Bethlehem
mehr
Christen
als
je
zuvor
vereinen.
Die
palästinensischen
Christen
blicken
auf
dieses
Jubiläum
mit
Stolz,
denn
die
christliche
Gemeinde
Palästinas
sieht
dann
auf
eine
ebenso
lange
Geschichte
zurück.
Die
Ullrich:
Christen
in
Palästina
127
Kultursoziologie
7(1998)2
Christen
Palästinas,
neben
einer
verschwindend
geringen
Anzahl
von
Judenchristen
sämtlich
Araber,
sehen
sich
in
der
direkten
Nachfolge
und
Tradition
der
Urgemeinde.
In
der
Bibel
werden
schon
im
Zusammenhang
mit
dem
Pfingstwunder
die
ersten
arabischen
Christen
erwähnt
(Apg.
2,11).
Seit
der
Vertreibung
der
Juden
und
der
Zerstörung
Jerusalems
unter
Kaiser
Hadrian
im
Jahre
135
wurden
die
Bischöfe
der
Gemeinde
aus
den
Heidenchristen
gewählt,
da
es
Juden
und
Judenchristen
nicht
erlaubt
war,
die
neue
Hauptstadt
Aelia
Capitolina
zu
betreten.
Die
Bezug
nahme
der
heutigen
Palästinenser
auf
ihre
dortigen
Vorfahren
ist
ethnologisch
jedoch
nicht
ganz
eindeutig.
Im
Prozeß
der
Nationwerdung,
der
bei
den
Palästinensern
seit
den
Jahren
der
ersten
Konflikte
mit
jüdischen
Siedlern
und
der
israelischen
Besatzung
deutlich
einsetzte,
suchte
man
nach
gemeinsamen
ethnischen
Wurzeln.
Hierzu
mußten
die
Philister,
auf
welche
auch
die
Bezeichnung
Palästina
zurückgeht,
herhalten,
obwohl
diese
heute
als
aus
der
Weltge
schichte
verschwunden
gelten.
Nichtjüdische
christliche
Familien
waren
aber
immer
im
Lande
präsent.
Es
gab
nie
eine
eigene
Kirche,
immer
gehörten
die
Christen
verschiedenen
orientali
schen
Kirchen
an.
Sie
pflegten
und
bewachten
die
Heiligtümer,
die
während
der
Zeit
des
römischen
Kaiserkultes
nicht
gänzlich
verloren
gingen,
weil
die
Römer
ihre
Heiligtümer
bevor
zugt
auf
Überresten
der
von
ihnen
zerstörten
Kirchen
und
Kapellen
bauten
-
ebenso,
wie
diese
meist
an
Orten
standen
und
stehen,
die
schon
vorher
heidnischen
Kulten
dienten.
Auf
diese
Art
wird
begründet,
daß
man
noch
heute
auf
wenige
Meter
genau
die
Stätten
des
Wirkens
Jesu
oder
der
Patriarchen
angeben
kann.
Das
orientalische
Christentum
ist
eine
der
Hauptquellen
des
Islam,
in
Mohammeds
Umfeld
gab
es
viele
Christen.
Mit
den
islamischen
Heeren,
die
637/38
nach
Palästina
zogen,
kamen
einige
christliche
Stämme
aus
Arabien
ins
Land.
Zwei
davon
ließen
sich
beispielsweise
bei
Bethlehem
nieder
und
bilden
noch
heute
den
Grundstock
der
Bevölkerung
zweier
Bethlehemer
Stadtviertel.
In
der
ersten
Zeit
der
islamischen
Besatzung
gab
es
kaum
Übergriffe
auf
die
Christen,
die
damals
einen
nicht
unbedeutenden
Teil
der
Bevölkerung
stellten;
der
Koran
stellte
sie
als
Angehörige
der
monotheistischen
“Buchreligionen”
unter
seinen
Schutz.
Khalif
Omar
Al-Khattab,
der
Führer
der
islamischen
Invasion,
soll
sogar
in
der
Geburtskirche
gebetet
haben.
Von
der
Grabeskirche
wiederum
heißt
es,
er
habe
bewußt
nicht
dort
gebetet,
um
sie
vor
der
Umwandlung
in
ein
islamisches
Heiligtum
durch
seine
Anhänger
zu
schützen.
Mit
der
Islamisierung
ging
eine
langsame
Entchristlichung
einher,
und
diejenigen
unter
den
Christen,
die
ihrem
Glauben
treu
blieben,
gingen
mehr
und
mehr
in
der
arabischen
Kultur
auf.
Sie
litten
ebenso
wie
die
Muslime
unter
der
Invasion
und
den
Gewalttaten
der
Kreuzritter,
die
nach
Äußerlichkeiten
nicht
zwischen
ihnen
unterscheiden
konnten.
Das
Vertrauen
zwischen
Christen
und
Muslimen
wurde
dadurch
aber
nicht
gestärkt,
vielmehr
hatte
die
östlichen
Chri
sten
unter
dem
religiösen
und
machtpolitischen
Eifer
der
Lateiner
zu
leiden,
die
nun
sogar
eigene
Hierarchien
im
Bereich
der
Orthodoxie
errichteten
und
damit
das
christliche
Schisma
weiter
manifestierten.
Die
Zeit
der
osmanischen
Besatzung
förderte
die
Islamisierung,
gele
gentlich
kam
es
zu
Repressionen;
jedoch
das
Millet-System
gewährte
prinzipiellen
Schutz.
Christen
und
Muslime
lebten
gemeinsam
in
der
islamisch
geprägten
Welt,
ohne
sich
voneinan
der
abzuschotten.
Zu
“Vermischung”
kam
es
kaum,
da
eine
Heirat
die
Konversion
des
Ehepart
ners
vorausgesetzt
hätte,
eine
damals
unübliche
Praxis.
Zu
den
bestehenden
orientalischen,
orthodoxen
und
der
lateinischen
Kirche
kamen
die
Unierten
hinzu;
sie
trugen
im
Osten
nicht
gerade
zum
Religionsfrieden
bei.
Mittlerweile
waren
128
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
also
fast
alle
Kirchen
mit
Klöstern
und
Missionen
im
Lande
vertreten,
die
höchst
wichtige
Funktionen
im
Bildungs-
und
Gesundheitssystem
wahrnahmen.
Die
galt
besonders
im
19.
Jahrhundert
für
protestantische
Kirchen,
die
erstmalig
damit
konfrontiert
wurden,
daß
keine
Heiden
zu
missionieren
waren
2
,
jedoch
mit
der
Mission
in
Palästina
begannen
und
dadurch
eine
verstärkte
katholische
Missionsarbeit
herausforderten.
Es
entstand
eine
christliche
Mittel
schicht
von
Intellektuellen,
Lehrern
und
Medizinern.
Durch
die
rege
Tätigkeit
der
Kirchen,
Klöster
und
Missionsschulen
hatten
und
haben
die
Christen
mehr
Berührung
mit
europäischer
Kultur
und
europäischen
Werten
als
ihre
muslimischen
Landsleute
und
wurden
so
zu
Trägern
des
Fortschritts.
Der
erste
Weltkrieg
beendete
die
türkische
Herrschaft,
Palästina
wurde
britisches
Mandat
und
damit
zum
ersten
Mal
eine
politische
Einheit.
Seine
Bevölkerung
bestand
zum
großen
Teil
aus
Bauern
und
Nomaden.
Zwischen
diesen
und
den
Zionisten
gab
es
ständig
Zusammenstöße;
viele
Einwanderer
glaubten
der
Formel:
“Ein
Land
ohne
Volk
für
ein
Volk
ohne
Land”
und
wunderten
sich,
auf
alteingesessene
Bewohner
zu
stoßen.
Mit
der
Gründung
des
Staates
Israel
war
für
viele
Christen
die
Vertreibung
oder
Flucht
verbunden.
Unter
den
712.000
Palästinen
sern,
die
ihr
Hab
und
Gut
verloren,
waren
50.000
Christen.
In
dieser
Zeit
liegen
die
Wurzeln
des
palästinensischen
Nationalismus,
ungewollte
Folge
und
Gegenwirkung
des
politischen
Zionismus.
Dieses
Nationalgefühl
entstand
unter
dem
Eindruck,
immer
nur
Spielball
Israels
und
der
arabischen
Mächte
zu
sein,
denn
wenn
die
Vernichtung
Israels
in
den
Programmen
der
Nach
barländer
stand,
sollten
damit
nicht
automatisch
Freiheit
und
Selbstbestimmung
für
Palästina
verbunden
sein.
Diejenigen,
die
israelische
Staatsbürger
wurden,
genießen
volle
auch
religiöse
Freiheit
3
,
sind
jedoch
in
der
Klassengesellschaft
Israels
weit
unten
angesiedelt.
Anders
ging
es
arabischen
Christen
in
den
Gebieten,
die
im
Verlauf
des
Sechs-Tage-Krieges
von
Israel
besetzt
wurden.
Wer
während
der
Invasion
nicht
im
Lande
war,
hatte
danach
keine
Chance
mehr,
in
seine
Heimat
zurückkehren
zu
dürfen
und
wurde
zu
einem
der
vielen
Flüchtlinge,
die
seither
die
Lager
in
Jordanien,
Libanon,
der
Westbank
und
anderswo
bevölkern
-
teilweise
seit
1948
und
meist
ohne
die
Hoffnung,
diese
Lager
je
verlassen
zu
können
oder
wenigstens
eine
andere
Staatsbürgerschaft
zu
erlangen.
Diese
christlichen
Palästinenser
leiden
bis
heute
ebenso
wie
ihre
muslimischen
Landsleute
unter
der
Unterdrückung
und
Willkür
der
israelischen
Militärver
waltung
4
Es
lag
immer
im
Interesse
israelischer
Politik,
die
Christen
auf
die
Seite
Israels
zu
ziehen,
bei
ihnen
das
“Christliche”
wichtiger
als
das
“Arabische”
zu
machen.
Dies
gelang
jedoch
nicht.
Trotz
mancher
Probleme
mit
der
muslimischen
Bevölkerungsmehrheit
fühlen
sich
die
Christen
als
Palästinenser
und
Araber.
Heute
stellen
sie
hochrangige
Politiker
der
palästinensischen
Autonomiebehörde
wie
Jassir
Arafats
stark
für
Frauenrechte
engagierte
Ehefrau
Suha
Atawil,
seinen
Hauptberater
Nabil
Abu
Rdeneh,
die
Politikerin
Hanan
Ashrawi,
den
Verantwortlichen
für
die
Vorbereitung
der
Feierlichkeiten
in
Bethlehem
im
Jahre
2000,
Nabil
Khassis,
sowie
Arafats
Bürochefs
in
Jericho
und
Gaza.
Auch
George
Habash,
Vorsitzender
der
Volksfront
für
die
Befreiung
Palästinas
(PFLP),
der
größten
Oppositionspartei
zu
Arafats
Fatah
in
der
PLO
und
einer
der
bedeutendsten
Führer
des
palästinensischen
Widerstandes,
ist
Christ.
Die
Skepsis
gegenüber
der
aufgeblähten
Autonomiebehörde,
die
von
Korruption
und
Vet
ternwirtschaft
geprägt
ist,
scheint
aber
bei
der
christlichen
Bevölkerung
größer
zu
sein.
Ullrich:
Christen
in
Palästina
129
Kultursoziologie
7(1998)2
Demographisches
und
Konfessionen
Statistiken
in
Palästina
sind
ungenau.
Die
israelische
Militärverwaltung
hat
Veröffentlichungen
von
Statistiken
über
die
Bevölkerung,
deren
geographische
und
religiöse
Verteilung,
soweit
überhaupt
vorhanden,
prinzipiell
verboten.
So
bieten
sich
als
Quellen
nur
private
Informationen
und
die
Kirchen
an,
die
ihre
Bücher
nur
ungern
oder
gar
nicht
öffnen.
Das
“Central
Bureau
of
Statistics”
der
PNA
(Palästinensische
Autonomiebehörde)
veröffentlichte
bisher
keine
Zahlen
über
Religionen
und
Konfessionen.
1931
gab
es
laut
einer
Erhebung
der
britischen
Mandats
macht
80.500
Christen
(10
Prozent
der
arabischen
Bevölkerung),
Mitte
der
vierziger
Jahre
waren
es
schon
143.000.
Viele
Christen
waren
vor
dem
ersten
Weltkrieg
ausgewandert
und
wollten
teilweise
zurückkehren,
was
ihnen
jedoch
von
der
Mandatsregierung
nicht
gestattet
wurde.
Die
Zahl
der
Christen
wäre
sonst
noch
bedeutend
stärker
angewachsen.
Viele
sprechen
hier
von
der
palästinensischen
Diaspora.
Die
britische
Regierung
unterstützte
die
Idee
des
(politischen)
Zionismus
(Balfour-Deklaration
vom
2.November
1917)
und
damit
die
verstärkte
Einwanderung
jüdischer
Siedler
in
Palästina.
Mit
den
50.000
während
des
arabisch-israelischen
Krieges
1948
vertriebenen
Christen
sank
ihr
Anteil
um
35
Prozent.
Die
meisten
flohen
in
die
angrenzenden
Länder
Jordanien,
Libanon,
Syrien,
die
Golfstaaten
und
die
Westbank,
die
Zahl
der
Christen
in
israelischen
Städten
sank
rapide,
so
in
Neu-Jerusalem
um
88,
in
Jaffa
um
73
und
in
Haifa
um
52
Prozent.
Die
Zahl
der
Christen
in
der
Westbank
und
Ostjerusalem
wuchs,
im
Gegensatz
dazu
ging
ihr
Anteil
an
der
Bevölkerung
von
2,9
(1949)
auf
2,2
Prozent
(1965)
weiter
zurück;
während
des
Sechs-Tage-
Krieges
sank
er
weiter.
Danach
verlagerte
sich
der
Schwerpunkt
christlichen
Lebens
eindeutig
nach
Israel,
während
in
den
besetzten
Gebieten
die
Emigration
von
immer
größer
werdenden
Teilen
der
christlichen
Population
in
Erwägung
gezogen
oder
ausgeführt
wurde.
Die
Angaben
der
letzten
Jahre
sind
je
nach
Quelle
sehr
verschieden:
So
spricht
der
grie
chisch-katholische
(melkitische)
Erzbischof
Dr.
Lutfi
Laham
1988
von
125.000
Christen
im
Heiligen
Land.
5
Zur
einer
bei
aller
Unzuverlässigkeit
fast
gleichen
Angabe
kommt
1992
Father
Rafiq
Khoury,
Priester
und
Kanzler
im
Lateinischen
Patriarchat
in
Jerusalem,
der
von
128.280
Gläubigen
spricht.
6
Mitri
Raheb
7
geht
von
insgesamt
im
Heiligen
Land
lebenden
etwa
170.000
palästinensischen
Christen
aus,
davon
50.500
in
den
besetzten
Gebieten,
das
wären
2,3
bis
2,5%
der
Bevölke
rung.
Die
Verteilung
ist
danach
folgendermaßen:
Gebiet
Bevölkerung
Christen/Anteil
Westbank
1.000.000
37.000
/
3,7
%
Gaza-Streifen
850.000
2.500
/
0,3
%
Ost-Jerusalem
150.000
11.000/7,3
%
Raheb
verwendet
Statistiken
des
Christlichen
Informationszentrums
in
Jerusalem
und
Studi
en
des
Al-Liqua-Zentrums
8
von
1991,
die
auf
Interviews
und
Schätzungen
basieren.
Aktuellere
Angaben
gibt
es
bis
heute
nicht.
Die
Zentren
christlichen
Lebens
sind
vor
allem
Städte
mit
130
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
Heiligtümern
wie
Jerusalem
(etwa
10-
bis
12.000
Christen),
Bethlehem
einschließlich
Beit
Jalla
und
Beit
Sahur
(21.000)
sowie
Ramallah
(12.000),
in
Israel
sind
es
Nazareth,
Haifa
und
Akko.
Weltweit
liegt
der
Christenanteil
unter
den
Palästinensern
bei
etwa
10
Prozent,
allein
in
Lateinamerika
leben
150.000
Palästinenser
aus
der
Region
Bethlehem.
Jerusalem
ist
der
Dreh-
und
Angelpunkt
christlich-arabischen
Lebens
in
Palästina.
Die
obersten
Repräsentanten
aller
Kirchen
Palästinas
haben
ihren
Sitz
in
Jerusalem,
wo
sich
heute
ca.
100
Kirchen
und
Klöster
befinden,
von
denen
einige,
insbesondere
die
großen
Heiligtümer
wie
die
Grabeskirche,
Angehörigen
mehrerer
Konfessionen
als
Ort
des
Gottesdienstes
und
Gebets
dienen.
Diese
verteilen
sich
auf
die
verschiedenen
Räume
der
oft
mehrschiffigen
und
verwinkelten
Kirchen.
'Jerusalem
hat
für
die
Christen
eine
wichtige
integrative
Funktion,
die
man
nicht
oft
genug
betonen
kann
und
die
seiner
Bedeutung
für
die
Juden
kaum
naohsteht.
Der
palästinensische
Theologe
Rafiq
Khoury
bezeichnet
die
Stadt
als
von
Gott
erwählt
für
den
heiligen
Dialog
mit
der
Menschheit.
5
Ihre
Abriegelung
-
kaum
ein
Palästinenser
aus
der
Westbank
darf
offiziell
nach
Jerusalem,
ohne
die
komplizierte
Beantragung
einer
außerdem
zeitlich
begrenzten
Ausnahmegenehmigung
auf
sich
nehmen
zu
müssen
-
treibt
einen
Keil
zwischen
die
Christen
wie
auch
zwischen
die
Palästinenser.
Die
fortschreitende
Judaisierung
Jerusalems,
vor
allem
des
ehemals
rein
arabischen
Ostens
betrifft
die
Christen
besonders,
ihr
Anteil
an
der
Gesamtbevölkerung
sinkt.
Insgesamt
sind
hier
39
christliche
Konfessionen
vertreten.
Einen
hervorgehobenen
Status
hat
die
griechisch-orthodoxe
Kirche,
die
als
Erbin
der
byzantinischen
Reichskirche
mehr
als
alle
anderen
Kirchen
und
Gemeinden
in
Palästina
etabliert
ist.
So
wird
ihr
Oberhaupt,
der
griechi
sche
Patriarch
von
Jerusalem,
allgemein
als
höchster
christlicher
Würdenträger
anerkannt.
Allerdings
sind
der
Patriarch
wie
der
Klerus,
besonders
der
mönchische,
zum
größten
Teil
griechischer
Abstammung
oder
Nationalität.
Die
Gläubigen
verteilen
sich
wie
folgt
auf
die
verschiedenen
Konfessionen
und
Konfessions
familien,
die
Angaben
über
sie
eignen
sich
jedoch
wegen
der
verschiedenen
Quellen
und
der
allgemeinen
Unzuverlässigkeit
nur
bedingt
zu
Vergleichen:
a)
in
Israel
und
den
besetzten
Gebieten,
ausgehend
von
insgesamt
etwa
125.000
Christen
10
griechisch-orthodox
40.000
orientalisch-orthodox
4.400
davon
syrisch
1.000
armenisch
2.000
koptisch
1:000
äthiopisch
(Die
assyrische
Kirche
des
Ostens
spielt
in
Palästina
keine
nennenswerte
Rolle.)
400
katholisch
Lateiner
25.000
Orthodoxe
(uniert)
46.000
griechisch
45.000
syrisch
350
armenisch
600
koptisch
35
äthiopisch
-
assyrisch
(chaldäisch)
-
protestantisch
3.000
davon
anglikanisch
2.000
luth.-evang.
1.000
Ullrich:
Christen
in
Palästina
131
Kultursoziologie
7(1998)2
b)
in
den
besetzten
Gebieten,
ausgehend
von
einer
Gesamtzahl
von
50.500"
griechisch-orthodox
katholisch
griechisch-katholisch
protestantisch
syrisch
armenisch
koptisch
äthiopisch
Maroniten
26.473
15.168
2.848
2.443
1.498
1.500
250
60
100
(52,4
%)
(30
%)
(5,6
%)
(5,2
%)
(3
%)
(3
%)
(0,5
%)
(0,1%)
(
0,2
%)
Angesichts
dieser
Konfessionsvielfalt
stellt
sich
natürlich
die
Frage
nach
dem
Zustand
der
Ökumene.
Um
diese
ist
es
jedoch
im
Heiligen
Land
nicht
besser
bestellt
als
anderswo,
abgesehen
davon,
daß
man
sich
aufgrund
der
räumlichen
Nähe
wohl
etwas
besser
kennt.
Es
gibt
eher
protokollarische
Höflichkeitsbesuche
zwischen
den
Oberhäuptern
der
Kirchen
zu
großen
christ
lichen
Festen.
Desweiteren
besteht
eine
Versammlung
der
katholischen
Bischöfe
im
Heiligen
Land,
zu
der
alle
Bischöfe
Israels,
der
besetzten
Gebiete
und
Jordaniens
gehören.
Diese
trifft
sich
regelmäßig
zum
Besprechen
gemeinsamer
Probleme
und
zur
Koordinierung
kirchlichen
Lebens.
Außerdem
finden
häufige
Treffen
der
drei
Patriarchen
(griechisch-orthodox,
lateinisch
und
armenisch)
statt.
In
den
letzten
Jahren
entstanden
darauf
basierend
der
Rat
der
Kirchen
des
Mittleren
Ostens,
der
alle
im
Nahen
und
Mittleren
Osten
vertretenen
Konfessionen
einschließt,
und
seit
1990
die
Versammlung
der
sieben
katholischen
Patriarchen
des
Orients.
Die
orthodoxen
Kirchen
streben
die
Überwindung
ihrer
Differenzen
auf
einem
Pan-Orthodoxen
Konzil
an.
Christ
in
einer
muslimischen
Gesellschaft
Die
Zukunft
der
christlichen
Glaubensgemeinschaft
in
Palästina,
sofern
man
überhaupt
von
einer
Gemeinschaft
sprechen
kann,
ist
ungewiß.
Obwohl
das
palästinensische
Volk
eine
der
höchsten
Geburtenraten
in
der
Welt
hat
und
sich
somit
die
Zahl
der
Christen
seit
1948
(der
Gründung
des
Staates
Israel)
zumindest
hätte
verdoppeln
müssen,
stagniert
beziehungsweise
sinkt
sie
teilweise
sogar.
Dies
liegt
nicht
allein
im
palästinensisch-israelischen
Konflikt
begrün
det,
auch
wenn
dieser
für
mehrere
große
Flüchtlingswellen
und
Vertreibungen
verantwortlich
ist,
denn
die
Gesamtzahl
der
Palästinenser
wächst
beständig.
Die
Ursachen
liegen
vielmehr
im
Minderheitencharakter
dieser
Gruppe.
Zwei
wesentliche
Gefahren
oder
Versuchungen
bedro
hen
Minderheiten
in
ihrer
Identität
und
Existenz:
die
Verschmelzung
und
die
Isolation.
Von
Anpassung
als
dritter
Möglichkeit
zu
reden
wäre
in
diesem
Fall
zumindest
prinzipiell
nicht
richtig,
denn
die
Christen
Palästinas
sind
mit
ganzem
Herzen
Kinder
ihres
Landes.
Sie
brauchen
sich
nicht
anzupassen,
denn
die
arabische
Kultur
ist
ebensogut
die
ihre.
Sie
haben
mit
den
Muslimen
-
trotz
vieler
anderer
Verschiedenheiten
-
Sprache,
Kultur,
gesellschaftliche
Traditi
132
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
on
und
Lebensform
gemein.
Der
Koran
betrachtet
die
Christen
und
Juden
als
“Schutzbefohle
ne”
mit
eingeschränkten
Rechten,
volle
Gemeinschaft
mit
ihnen
ist
verboten.
Von
strenger
Isolation
konnte
man
während
der
Zeit
des
Bestehens
der
christlichen
Gemeinde(n)
in
Palästina
aber
auch
nie
sprechen.
Sie
feilschen
auf
dem
selben
Basar,
wie
ihre
muslimischen
Landsleute,
essen
die
gleichen
Gerichte
und
hören
die
selbe
Musik.
Es
ist
für
Ausländer
nicht
möglich,
anhand
von
Äußerlichkeiten
zwischen
Christen
und
Muslimen
zu
unterscheiden.
Ein
junger
Mann
sagte
mir
aber,
daß
er
auf
den
ersten
Blick
die
Zugehörigkeit
zu
den
beiden
Religionen
unterscheiden
kann,
dies
bewußt
und
unbewußt
immer
wieder
tut.
Diese
Haltung
erschien
als
mehr
intuitiv,
scheinbar
von
einer
Art
Grunddistanz
geprägt.
Die
meisten
Palästinenser
betonen
jedoch
die
Einheit
ihres
Volkes,
unabhängig
vom
Glauben.
Was
das
Verhältnis
zueinander
betrifft,
gibt
es
auf
Seiten
der
Muslime
wie
der
Christen
zwei
große
“Parteien”.
Die
einen
neigen
dazu,
das
Verhältnis
zwischen
den
Angehörigen
der
beiden
Religionen
zu
idealisieren,
während
andere
dramatisieren
und
zwischen
beiden
Gruppen
nur
Mißtrauen
bemerken
wollen.
Es
gibt
durchaus
Stimmen,
die
sagen,
daß
ein
gegenseitiges
Verständnis
nicht
existiere
und
besonders
die
Christen
Angst
hätten,
ehrlich
zu
sein.
12
Sie
fühlten
sich
dominiert
von
Menschen,
die
anders
sind.
Etwas
seltener
hört
man
dazwischenste
hende
Ansichten,
die
sowohl
die
Probleme
als
auch
die
Gemeinsamkeiten
sehen
und
keines
überbewerten.
Ein
katholischer
Priester,
der
geäußert
hatte,
daß
es
keine
Probleme
gebe,
erhielt
daraufhin
so
viele
Beschwerden,
daß
er
diese
Äußerung
im
Fernsehen
öffentlich
wider
rief.
In
der
Kommunikation,
die
in
orientalischen
Ländern
auch
zwischen
Fremden
viel
spontaner
als
in
westlichen
Ländern
entsteht,
wird
etwa
beim
Grüßen
deutlich:
Die
Christen
sagen
eher
“Mar'haba”,
die
Muslime
eher
“Salam
(aleikum)”;
trifft
ein
Christ
einen
Muslim,
so
wird
er
wahrscheinlich
“Salam”
sagen.
An
diesem
Beispiel
wird
eines
der
Grundprobleme
der
christli
chen
Palästinenser
deutlich.
Immer
wieder
müssen
sie
ihre
Identität
als
Araber
und
ihre
Loyalität
für
den
Kampf
der
Palästinenser
um
Freiheit
und
Gleichberechtigung
unter
Beweis
stellen.
Wegen
ihrer
Zugehörigkeit
zu
einer
Religionsgemeinschaft,
die
nicht
die
arabische
Quasi-Nationalreligion
ist,
wird
ihnen
von
einigen
ihrer
Landsleute
mißtraut.
Junge
Christen
waren
jedoch
beim
Steinewerfen
während
der
Intifada
nicht
zurückhaltender
als
ihre
muslimi
schen
Kameraden.
Die
Definition
der
spezifisch
christlichen
Rolle
im
Konflikt
mit
Israel
während
der
Intifada
durch
Geistliche
ist
ebensosehr
Ideal
wie
Wirklichkeit:
So
sagte
Erzbischof
Dr.
Lutfi
Lahman
auf
der
KEM
Herbsttagung
12.11.
1988
in
Thun:
“Die
eigentlich
christliche
Rolle
in
dem
Konflikt
ist,
daß
wir
versuchen,
uns
noch
mehr
zu
engagieren
auf
der
Suche
nach
Gerechtigkeit,
Versöhnung
und
Frieden
für
uns
und
unser
Volk
-
und
auch
für
die
anderen.”
13
Diesen
Geist
äußert
auch
die
Erklärung
der
Leiter
der
christlichen
Gemeinschaften
in
Jerusalem.
14
Diese
empfinden
die
Ereignisse
während
der
Aufstandes
im
Westjordanland
als
schmerzlich,
aber
als
Ausdruck
der
Bestrebungen
des
Volkes
nach
Erlangung
seiner
Rechte.
Sie
stellen
sich
auf
die
Seite
der
Leidenden,
der
Unterdrückten,
der
Deportierten.
Sie
rufen
jedoch
“nur”
zu
Fasten
und
Gebet
auf.
Nun
sollen
drei
wesentliche
Probleme
behandelt
werden,
die
für
das
Leben
der
palästinensi
schen
Christen
bestimmend
sind.
Der
erste
ist
der
Fundamentalismus.
Die
Akzeptanz
der
Ullrich:
Christen
in
Palästina
133
Kultursoziologie
7(1998)2
radikalen
Organisationen
Hamas
und
Dschihad
ist
unter
den
Christen
sehr
gering.
Dies
liegt
nicht
nur
in
ihren
islamisch-fundamentalistischen
Intentionen,
sondern
in
deren
Radikalität
und
Militanz
begründet.
Nicht
wenig
verbreitet
ist
die
Angst
der
Christen
vor
dem
Erstarken
dieser
Kräfte.
Nicht
wenige
haben
Angst
vor
einem
palästinensischen
Staat,
in
welchem
diese
an
der
Macht
beteiligt
sein
könnten.
Die
Arafatbehörde
geht
im
allgemeinen
mit
Härte
und
Brutalität
vor
allem
gegen
Hamas
vor.
Die
in
palästinensischen
Gefängnissen
übliche
Folterpraxis
wird
bei
Hamasmitgliedern
und
-Sympathisanten
besonders
intensiv
angewandt.
Erschreckend
ist,
daß
Hamas
ähnlich
wie
christliche
Organisationen
und
Kirchen
Mitglieder
und
Anhänger
durch
Aktivitäten
im
sozialen
Bereich,
vor
allem
im
armen
Gazastreifen
rekrutiert.
Wenn
man
jedoch
von
Fundamentalismus
redet,
schließt
das
auch
christlichen
Fundamentalismus
ein.
Hier
sind
besonders
die
Aktivitäten
der
“Christian
Embassy”
zu
erwähnen,
die
sich
blind
pro-israelisch
und
pro-zionistisch
engagiert.
Gemäßigte
und
auf
christlich-muslimischen
Dialog
bedachte
Christen
sind
auch
beunruhigt
über
die
seit
1997
auftauchenden
riesigen
Neonreklamekreuze
auf
den
Dächern
christlicher
Privathäuser,
deren
Bewohner
mit
allen
Mitteln
ihr
Christsein
nach
außen
darstellen
wollen,
sich
aber
eigentlich
nur
verschüchtert
von
ihrer,
von
einer
Umwelt
zurückziehen,
die
diese
Menschen
durch
ihren
sinkenden
Christenanteil
in
diffuse
Unruhe
versetzt
und
auch
Überreak
tionen
hervorruft,
welche
wiederum
nicht
zu
gegenseitiger
Akzeptanz
beitragen.
Ein
junger
palästinensischer
Christ,
der
in
Deutschland
studiert,
äußerte:
“Die
Intifada
hat
uns
verbunden,
in
der
Zeit
der
Intifada
gab
es
keine
religionsbedingten
Streitigkeiten
zwischen
Christen
und
Muslimen.
Das
mag
sich
jetzt
aber
wieder
etwas
geändert
haben.”
Damit
ist
ein
zweites
Problem
verbunden.
Auffällig
ist,
daß
es
sich
bei
Konflikten
zwischen
Christen
und
Muslimen
größtenteils
nicht
um
wirklich
religiöse,
sondern
um
gewöhnliche
soziale
Probleme
handelt,
die
auf
eine
religiöse
Ebene
gehoben
werden.
In
Bethlehem
hörte
ich
diese
gleichnishafte
Geschichte:
Zwei
Nachbarn,
beide
Muslime,
streiten
sich
um
die
Mauer
zwischen
ihren
Grundstücken.
Man
wird
sagen,
zwei
Leute
streiten
sich
um
eine
Mauer
und
das
Problem
wird
irgendwie
gelöst.
Gehören
die
beiden
aber
unterschiedlichen
Religionen
an,
wird
es
heißen
ein
Christ
und
ein
Moslem
streiten
sich.
Sofort
wird
die
Sache
auf
eine
andere
Ebene
gehoben
und
mit
einer
religiösen
Bedeutung
aufgeladen.
Weiterhinergeben
sich
Probleme
durch
den
Wandel
der
Sozialstruktur,
was
aber
gesondert
zu
untersuchen
wäre.
Traditionell
gehören
Christen
der
(oberen)
Mittelschicht
an.
In
den
vergangenen
fahren
entstand
aber
eine
Schicht
von
neuen
Wohlhabenden,
vornehmlich
Palästi
nenser,
die
in
den
Golfstaaten
arbeiteten
und
Beamte,
die
in
der
palästinensischen
Autonomie
behörde
Karriere
machen.
Sichtbar
wird
dies
unter
anderem
an
den
vielen
neu
entstehenden
Villen,
die
fast
ausschließlich
Muslimen
gehören.
Das
Gefalle
zwischen
Arm
und
Reich
wächst,
die
Gesellschaft
wird
zunehmend
polarisiert.
Das
dritte
große
Problem
ist
das
der
Mischehen
zwischen
muslimischen
Männern
und
christlichen
Frauen
und
die
allgemeine
Lage
der
Frau,
die
dafür
verantwortlich
zeichnet.
In
Israel,
den
besetzten
Gebieten
und
denen,
die
mittlerweile
Autonomiestatus
besitzen,
gibt
es
keine
Möglichkeit
der
zivilen
Eheschließung.
Diese
ist
für
Palästinenser
nur
im
Ausland
möglich.
Die
Dominanz
religiöser
Vorstellungen
und
religiöser
Jurisdiktion
haben
fatale
Aus
wirkungen,
besonders
für
Frauen.
Einige
christliche
Frauen
konvertieren
aus
ganz
handfesten
materiellen
Gründen.
Mit
der
Konversion
ist
eine
Festigung
ihrer
zivilen
Rechte,
so
in
der
Kinderfürsorge
verbunden.
Für
die
meisten
Frauen
gibt
es
jedoch
einen
anderen
Grund.
In
134
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
christlichen
Gemeinden
kommen
auf
einen
Mann
vier
Frauen.
Allerdings
besteht
für
sie
nicht
wirklich
die
Möglichkeit,
sich
für
ein
Singledasein
zu
entscheiden,
ln
der
traditionalen
palästi
nensischen
Gesellschaft,
auch
unter
den
Christen,
ist
das
gesellschaftlich
festgelegte
Lebensziel
für
die
Frau
die
Ehe,
aus
der
möglichst
viele
Söhne
hervorgehen
sollten.
Eine
heiratsfähige,
aber
unverheiratete
Frau
gilt
als
nicht
vollwertig
und
ist
fast
perfekter
Kontrolle
durch
die
Gesellschaft
ausgesetzt.
Sie
muß
bei
ihren
Eltern
leben
und
kommt,
wenn
diese
sterben,
zu
ihrem
älteren
Bruder
oder
zu
ihrem
Onkel,
bei
denen
dann
die
Vormundschaftsrechte
liegen.
Ohne
Ehering
ist
es
nur
sehr
begrenzt
möglich,
am
gesellschaftlichen
Leben
teilzunehmen,
die
Frau
wird
im
wahrsten
Wortsinne
weggeschlossen.
Dem
entgeht
sie,
wenn
sie
wenigstens
die
Ehe
mit
einen
Muslim
schließt,
womit
automatisch
die
Konversion
verbunden
ist.
Aus
Maria
wird
Fatima.
Die
Folgen
für
die
christliche
Gemeinschaft
sind
enorm.
Doch
auch
andere
Gründe
bringen
diese
Frauen
dazu,
zum
Islam
überzutreten.
Das
durch
schnittliche
Heiratsalter
christlicher
Frauen
liegt
bei
18
Jahren.
Fast
alle
männlichen
Christen,
die
zum
großen
Teil
im
Ausland
studierten,
bestehen
darauf,
ein
junges
Mädchen
besitzen
zu
können,
welches
nur
sie
je
berührten
und
berühren
werden,
auch
wenn
sie
selbst
zuvor
im
Ausland
einen
ausschweifenden
Lebensstil
pflegten.
Legt
nun
eine
Frau
Wert
darauf,
zu
studieren,
wird
sie
schließlich
zu
alt
um
noch
einen
Mann
zu
finden.
Den
findet
sie
dann
meist
unter
der
muslimischen
Bevölkerung,
für
deren
Männer
das
Alter
nicht
von
ausschlaggebender
Bedeutung
ist.
Sich
gegen
eine
Ausbildung
und
damit
gegen
mehr
Selbständigkeit
zu
entschei
den,
ist
traditionsbedingt
und
entzieht
sich
somit
auch
einer
wertenden
Beurteilung
von
außen.
Auffällig
ist
jedoch,
wie
besonders
die
Frauen
unter
diesen
Umständen
zu
leiden
haben.
Stirbt
beispielsweise
der
Mann
einer
jungverheirateten
Frau,
gilt
wieder,
was
auch
für
unverheiratete
gilt.
Sie
zieht
zu
ihren
Verwandten,
welche
die
Vormundschaftsrechte
haben
und
wird
zu
einem
schlechtergestellten,
nur
mehr
geduldeten
Familienmitglied.
Aus
dieser
Abhängigkeit
wird
sie
zeitlebens
nicht
entkommen,
eine
weitere
Heirat
ist
ausgeschlossen.
Die
Heiratsentscheidung
ist
oft
eine
der
Familien,
nicht
der
zukünftigen
Gatten.
So
wurde
eine
christliche
Frau,
die
einen
Professor
der
Bethlehemer
Universität
ohne
familiäres
Einverständnis
heiratete,
daraufhin
von
ihrer
Familie
für
vogelfrei
erklärt,
was
bei
einem
Zusammentreffen
tatsächliche
Gewaltanwen
dung
von
Verwandten
ihr
gegenüber
bedeutet
hätte.
Die
Ursache:
der
Professor
war
blind.
Er
entsprach
nicht
den
entsprechenden
Vorstellungen.
Die
Familie
sagte
sich
öffentlich
in
Tages
zeitungen
von
ihrer
Tochter
los,
der
Professor
verlor
seine
Anstellung.
Daß
fast
alle
Frauen,
denen
dies
möglich
ist,
arbeiten,
ist
eine
wirtschaftliche
Notwendigkeit,
kein
Zeichen
von
Emanzipation.
Ebenso
verhält
es
sich
mit
der
Tatsache,
daß
an
der
Universität
Bethlehem
62
Prozent
der
Studierenden
Frauen
sind,
was
oft
lobend
Erwähnung
findet.
Es
ist
nur
Ausdruck
dessen,
daß
alle
palästinensischen
Männer,
die
es
sich
leisten
können,
im
Ausland
lernen
oder
studieren,
aber
kaum
Frauen.
Derzeit
gibt
es
in
Palästina
keine
Frauenbewegung,
auch
wenn
Ansätze
schon
seit
den
20er
Jahren
dieses
Jahrhunderts
existieren,
zu
groß
ist
(wieder)
der
Einfluß
der
Tradition
15
.
Aber
es
gibt
Organisationen
und
Gruppen,
vor
allem
aus
kirchlichen
Kreisen,
die
sich
mit
der
Lage
der
Frauen
beschäftigen,
sich
für
deren
Rechte
einsetzen
und
Frauen
unterstützen,
die
der
Hilfe
bedürfen.
Diese
Engagierten
stehen
immer
wieder
vor
dem
Problem,
beim
Einsatz
für
die
Rechte
der
Frauen
nicht
ungewollt
zu
Pauschal
kritikern
arabischer
Kultur
an
sich
zu
werden
und
zu
einem
dadurch
wiederum
einseitigen
und
Vorurteile
bestätigenden
Bild
der
arabischen
Gesellschaft
im
Ausland
beizutragen.
In
Selbst
darstellungen
gegenüber
Ausländern
werden
deshalb
die
Probleme
in
ihrer
Bedeutung
oft
Ullrich:
Christen
in
Palästina
135
Kultursoziologie
7(1998)2
heruntergespielt,
wollen
doch
die
Christen
nicht
spaltend
wirken,
wo
Einigkeit
als
Grundvor
raussetzung
für
einen
erfolgreichen
Freiheitskampf
gilt.
Vielen
Muslimen
hingegen
sind
diese
Probleme
nicht
bekannt,
da
sie
keinen
Kontakt
zu
Christen
haben.
Ebenso
gibt
es
aber
auch
Freundschaften
und
geschäftliche
Zusammenarbeit.
Abfälligen
Äußerungen
über
Angehörige
der
anderen
Religion
wird
gewöhnlich
hinzugefiigt:
“Das
gilt
aber
nicht
für
meinen
Freund
Jussuf,
meinen
Mitarbeiter
Ahmed
usw.”.
Wichtiger
als
die
Religionszugehörigkeit
ist
in
Palästina
die
Zugehörigkeit
zur
richtigen
Partei.
Viele
Christen
unterstützen
Arafats
Fatah
und
Habashs
Volksfront
(PFLP).
Auch
wenn
die
palästinensischen
Christen
einen
typisch
arabischen
Lebensstil
haben,
sind
sie
in
vielen
Dingen
wenn
nicht
progressiver,
so
doch
europäischer
als
die
Mehrheit
der
Muslime
eingestellt.
Fast
alle
Christen
besuchen
oder
besuchten
von
europäischen
Kirchen
betriebene
oder
unterstützte
Schulen.
Sie
entstammen
zum
größten
Teil
der
gesellschaftlichen
Mittel
schicht.
Die
überkommene
Westbindung
liegt
auch
darin
begründet,
daß
sie
fast
alle
Verwandte
im
Ausland
haben,
palästinensische
Christen,
die
ihr
Heil
woanders
gesucht
haben.
Während
die
Kirche
im
Westen
in
einer
konservativen,
antiaufklärerischen
Tradition
steht,
steht
sie
im
Orient
einer
konservativen
und
auf
Abschottung
bedachten
Tendenz
in
Teilen
der
islamischen
Welt
entgegen
und
trägt
so
erheblich
zur
kulturellen
Vielfalt,
zur
Pluralität
der
Gesellschaft
bei.
Dieser
Widerspruch
zwischen
Öffnung
und
Tradition
kann
sich,
auch
wenn
das
nicht
typisch
ist,
sogar
in
Tätlichkeiten
auswirken.
Ein
Beispiel
ist
der
sich
außerhalb
der
Stadt
befindende
Weinberg
der
christlichen
Bethlehemer
Familie
Nassar.
Nicht
nur
die
israelischen
Soldaten
sorgen
durch
die
oft
wochenlange
Abriegelung
der
besetzten
Gebiete
dafür,
daß
der
Boden
nicht
bearbeitet
werden
kann,
auch
die
Bewohner
eines
nahegelegenen
konservativen
muslimi
schen
Dorfes
provozierten
Streitigkeiten,
bei
denen
Pflanzen
zerstört
und
Zäune
beschädigt
wurden.
So
treffen
religiöse
oder
pseudoreligiöse
soziale
Probleme
mit
dem
Alltag
der
Unterdrük-
kung
und
Besatzung
zusammen,
dem
Wassermangel,
den
Abriegelungen
und
der
täglichen
Willkür
Israels,
die
bei
fast
allen
Palästinensern
den
Glauben
an
einen
gerechten
Frieden
schwinden
lassen.
Immer
mehr
Christen
wollen
auswandern,
vor
allem
in
die
USA
und
nach
Lateinamerika.
Gerade
junge
Leute
sehen
in
den
stagnierenden
Verhältnissen
keine
Zukunft
für
sich,
sie
gehen
lieber
aus
ihrer
Heimat
weg
als
perspektivlos
zu
sein.
Nach
einer
Studie
des
Al-
Liqua
Institutes,
die
1990
unter
550
christlichen
Familien
durchgeführt
wurde,
wollten
fast
ein
Viertel
der
christlichen
Palästinenser
(22,3
Prozent)
in
den
nächsten
fünf
Jahren
auswandem,
weitere
12,9
Prozent
hielten
sich
diese
Option
offen.
Diese
Tendenz
hält
bis
heute
unvermin
dert
an.
Die
Jugendlichen
sind
auch
die
hauptsächlichen
Träger
der
Westorientierung
und
der
Verwestlichung,
stimuliert
durch
Hollywoodfilme,
Reklame,
ausländische
Femseh-
und
Radio
sender.
Für
sie
gibt
es
nichts
besseres,
als
sich
am
Abend
in
einer
Kneipe
zu
treffen,
die
an
westliche
Bistros
und
Schnellrestaurants
mit
einem
Schuß
orientalischem
Flair
erinnert
Dort
trinkt
man
dann
Coca
Cola,
ißt
Burger
und
Sandwiches.
Dies
bedeutet
jedoch
keine
Verneinung
der
arabischen
Identität.
Die
unverzichtbare
Wasserpfeife
findet
sich
genauso
wie
traditionelle
Speisen,
arabischer
Kaffee
und
Arrak,
der
palästinensische
Anisschnaps.
Vermeintlich
westli
che
Werte
stehen
aber
im
Vordergrund,
amerikanische
Musikgruppen
gelten
als
besonders
136
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
“cool”,
man
interessiert
sich
für
europäischen
Fußball
und
amerikanischen
Hardrock.
Dabei
man
nimmt
es
mit
Unterscheidungen
nicht
so
genau
und
zählt
zu
diesem
Genre
auch
Gruppen
aus
dem
Grunge-,
Heavy-Metall-,
Punk-
und
Crossoverbereich
-
ein
Zeichen
dafür,
daß
sich
die
neuen
westlichen
Einflüsse
erst
langsam
gegen
die
alten
durchzusetzen
beginnen,
immer
auch
wieder
begleitet
von
antiamerikanischen
Gegenströmungen,
besonders
seit
dem
Golfkriegsdi
lemma
16
.
Traditonelle
Folklore
ist
weniger
angesehen.
In
diesem
Punkt
unterscheidet
sich
die
christlich-palästinensische
Jugend
jedoch
kaum
von
der
in
anderen
Ländern.
Es
gibt
immer
mehr
arabische
Musiker,
die
sich
an
westlicher
Musik
orientieren,
ihr
aber
ein
arabisches
Flair
geben.
Diese
kommen
jedoch
meist
aus
anderen
arabischen
Staaten,
schaffen
es
aber
durch
ihr
Loslösen
von
der
Traditionalität,
zu
Idolen
auch
der
palästinensischen
Jugend
zu
werden.
Bei
muslimischen
Jugendlichen
ist
der
Einfluß
westlicher
Kultur
nicht
unbedeutend,
aber
etwas
geringer.
Sie
besuchen
meist
staatliche
Schulen
und
besonders
die
Mädchen
werden
noch
strenger
erzogen.
Diese
Beispiele
zeigen,
welchen
Stellenwert
in
Palästina
der
christlich-muslimische
Dialog
hat
und
haben
muß.
Die
gegenwärtigen
Probleme
zwischen
Muslimen
und
Christen
sind
in
Palästina
anders
ausgeprägt
als
in
anderen
Staaten
der
Welt,
da
beide
Religionsgruppen
hier
eine
gemeinsame
Leidensgeschichte
haben.
Man
muß
sich
immer
vor
Augen
halten,
daß
dieser
interreligiöse
Dialog
kein
interkultureller
zwischen
eigentlich
isolierten
Gruppen
ist,
wie
etwa
in
Deutschland.
Während
hier
christliche
Deutsche
mit
muslimischen
Türken
Zusammentreffen
und
jeweils
andere
Kulturen
repräsentieren,
handelt
es
sich
beim
christlich-islamischen
Dialog
in
Palästina
um
ein
alltägliches
Zusammentreffen
von
Menschen
einer
Kultur,
von
Menschen,
die
jeden
Tag
miteinander
zu
tun
haben.
Hier
ist
Palästina
anders
als
die
meisten
arabischen
Staaten,
deren
christliche
Bewohner
sich
bewußt
auch
ethnisch
von
der
anderen
Bevölkerung
zu
unterscheiden
suchen.
17
Während
in
Europa
die
Bedeutung
des
jüdisch-christlichen
Dialogs
unterstrichen
wird,
kommt
dieses
Primat
in
Palästina
dem
islamisch-christlichen
Dialog
zu.
Denn
ebenso
wie
die
Grundlagen
haben
auch
die
Folgewirkungen
des
Christentums,
zu
denen
der
Islam
zweifelsoh
ne
gehört,
eine
theologische
Bedeutung.
Besonders,
wenn
es
ein
Dialog
im
Alltag
der
Beteilig
ten
ist,
nicht
nur
auf
Fachtagungen
und
Konferenzen.
Natürlich
existiert
er
auch
dort,
wofür
beispielsweise
das
schon
erwähnte
Al-Liqua-Institut
steht.
Mehr
und
mehr
wächst
die
Bedeu
tung,
die
einem
trilateralen
Dialog
unter
Einbeziehung
des
Judentums
beigemessen
wird,
der
aber
erst
in
Ansätzen
vorhanden
ist.
Neben
der
gemeinsamen
Leidensgeschichte
der
Palästinenser,
deren
unterschiedliche
Reli
giosität
nie
zwei
uniforme
Blöcke
schaffen
konnte,
ist
der
panarabische
Nationalismus
einer
der
Gründe
für
das
Gemeinschaftsgefühl
von
Christen
und
Muslimen.
In
seiner
Entstehungszeit
im
19.
Jahrhundert
wollte
man
das
Millet-System
überwinden
und
eine
Gesellschaftskonzeption
schaffen,
die
nicht
auf
der
Religion,
sondern
auf
dem
gemeinsamen
Erbe
von
Sprache
und
Kultur
basierte.
Der
christlich-muslimische
Dialog
zeigt
sich
in
Palästina
als
ein
Dialog
des
Lebens,
der
aus
einer
Fülle
von
Begegnungen
schöpft;
er
ist
davon
geprägt,
daß
er
zwischen
Menschen
stattfindet,
die
in
einer
Zeit
der
Unsicherheit
und
des
Wandels,
der
Resignation
und
des
Perspektivenmangels
miteinander
leben.
Die
auftretenden
Probleme
wiederum
liegen
nicht
zuletzt
im
Sinken
des
Stellenwertes
des
arabischen
Nationalismus
und
dem
Zusammenbruch
Ullrich:
Christen
in
Palästina
137
Kultursoziologie
7(1998)2
der
Sowjetunion
begründet.
Einige
Muslime
wenden
sich
in
dieser
Identitätskrise
hin
zur
Marktwirtschaft
und
ihrem
Abgott
Konsum,
andere
aber
zum
islamischen
Fundamentalismus.
Da
in
den
deutschen
Medien
nur
dieser
auftaucht,
wird
ein
Schreckgespenst
Islam
gemalt,
welches
es
nicht
als
denkbar
erscheinen
läßt,
daß
friedliche
Koexistenz,
etwa
in
Palästina
möglich
ist.
Die
gesellschaftliche
Bedeutung
sozialer
und
kultureller
Einrichtungen
der
Christen
Ein
Schwerpunkt
christlicher
Aktivitäten
ist
die
Schule.
Nach
dem
Zusammenbruch
des
vom
türkischen
Sultan
Suliman
eingefuhrten
Schulsystems
im
16.
Jahrhundert
war
die
Lage
des
Bildungswesens
in
Palästina
katastrophal.
Es
gab
nur
noch
jüdische
Thoraschulen,
wo
Allge
meinbildung
nicht
zu
den
Lehrinhalten
zählte,
und
muslimische
Elementarschulen,
die
jedoch
nur
geringe
Grundlagen
in
Schreiben
und
Rechnen
lehrten
und
dies
ausnahmslos
Jungen.
Mädchen
erhielten
zeitlebens
keine
Bildung
Die
protestantischen
Missionare
erkannten
diese
Herausforderung
und
begannen
mit
dem
Aufbau
von
Schulen.
In
diesem
Zusammenhang
sind
besonders
erwähnenswert
Bischof
Samuel
Gobat
(1799
bis
1879)
und
der
Missionar
und
Pädagoge
Ernst
Ludwig
Schneller.
Noch
heute
gibt
es
in
Palästina
und
Jordanien
Schneller-Schulen.
Diese
auch
berufsbildend
tätigen
Schulen
unterrichteten
fast
ausschließlich
christliche
Kinder,
sind
aber
in
Jordanien
heute
per
Gesetz
verpflichtet,
Muslime
aufzunehmen.
Weitere
Verdienste
erwarben
sich
in
diesem
Zusammen
hang
der
Jerusalemverein
und
die
Kaiserswerther
Diakonissen.
Erst
später
begannen
ähnliche
Aktivitäten
der
katholischen
Kirche.
Der
von
Anglikanern
und
der
preußischen
evangelischen
Kirche
eingesetzte
Bischof
Gobat
kam
nach
Jerusalem,
ohne
daß
dort
eine
protestantische
Gemeinde
existierte.
Er
stellte
Bibel
vorleser
ein,
die
an
Versammlungsorten
den
Menschen
Passagen
aus
der
Heiligen
Schrift
vortrugen.
Diese
Glaubensunterweisung
im
lutherischen
Sinn,
nur
auf
Basis
der
Bibel,
stieß
bei
den
Orthodoxen
auf
Mißtrauen,
bei
der
Bevölkerung
jedoch
auf
großes
Interesse.
1847
gründete
Gobat
die
erste
allgemeinbildende,
eine
sogenannte
“Bibelschule”.
Ihr
folgten
bald
Schulen
in
mehreren
Städten.
In
ihnen
wurden
Jungen
und
Mädchen
-
Koedukation
als
konfliktträchtiges
Novum
-
in
allgemeinen
Dingen
und
der
Bibel
unterrichtet.
Dadurch
ange
regt,
begannen
auch
andere,
Schulen
zu
gründen,
so
der
orthodoxe
Patriarch
und
der
österrei
chische
Jude
Ludwig
August
Frankl.
Gobat
bemerkte
1871,
daß
an
jeder
Stelle
einer
Schulgründung
seines
Bistums
immer
schnell
zwei
weitere
entstanden
und
somit
bald
100
christliche
Schulen
existierten.
18
Die
Orthodoxen
und
Lateiner
wollten
so
Christen
von
den
protestantischen
Schulen
fernhalten,
bewirkten
damit
aber
einfach
ein
Wachstum
des
Bildungssystems,
ganz
im
Sinne
Gobats.
Verbunden
mit
seinen
Schulen
war
das
1851
von
Theodor
Fliedner
mit
Kaiserswerther
Diako
nissen
eröffnete
Mädcheninternat
Talitha
Kumi,
welches
nach
der
Jahrhundertwende
noch
um
einen
Kindergarten,
ein
Kindergärtnerinnen-,
ein
Lehrerinnen-,
ein
Hauswirtschaftsseminar
und
eine
Tagesschule
erweitert
wurde.
Die
christlichen
Schulen
waren
somit
ein
Anstoß
für
die
Wiedererschaffung
eines
Schulsystems
in
Palästina.
138
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
Gegenwärtig
gibt
es
in
der
Westbank
noch
55
Schulen,
die
von
christlichen
Organisationen
getragen
werden
und
zwei
im
Gazastreifen.
Sie
sind
heute
zur
Entlastung
der
staatlichen
Schulen
immer
noch
sehr
wichtig.
Finanziert
werden
sie
hauptsächlich
von
den
Kirchen
und
Träger-
sowie
Fördervereinen
im
Ausland.
Viele
verlangen
Schulgeld,
dieses
wird
bei
sozialen
Härtefällen
von
der
Kirche
getragen.
Die
Bezahlung
der
Lehrer
liegt
in
diesen
nichtöffentlichen
Schulen
über
dem
Durchschnitt
der
staatlichen,
ihre
Qualifikation
ist
höher.
Die
privaten
christlichen
Schulen
eröffnen
den
Schülern
durch
ihre
Kontakte
ins
(westliche)
Ausland
die
Möglichkeit
von
Stipendien.
Viele
palästinensische
Christen
können
so
im
Ausland
studieren
Das
wird
möglich,
weil
dem
Fremdsprachenunterricht
in
Privatschulen
viel
mehr
Bedeutung
beigemessen
wird
als
in
den
staatlichen
Schulen.
Junge
Palästinenser
studieren
in
Deutschland,
Österreich
und
in
Ländern
der
ehemaligen
Sowjetunion.
Bestimmend
im
Bildungssystem
ist
das
Nebeneinander
von
Christen
und
Muslimen.
Die
christlichen
(Privat-)Schulen
werden
von
durchschnittlich
20
bis
30,
manche
schon
von
über
80
Prozent
muslimischen
Schülern
besucht.
Fr.
Rafiq
Khoury,
beim
Lateinischen
Patriarchat
Jerusalem
auch
zuständig
für
den
Religionsunterricht,
will
die
Zielrichtung
dieser
interreligiö-
sen
Koedukation
nicht
in
einer
Christianisierung
muslimischer
Kinder
sehen.
Während
früher
vielleicht
oft
das
Schulgeld
muslimischer
Familien
dazu
beigetragen
haben
mag,
daß
deren
Kinder
überhaupt
aufgenommen
wurden,
ist
es
heute
unübersehbar,
daß
viele
Schulen
ohne
nichtchristliche
finanzielle
Unterstützung
kaum
überleben
könnten.
Durch
die
Schulgebühren
sind
nicht
nur
bessere
Unterrichtsmöglichkeiten
gegeben,
mittlerweile
wird
dadurch
auch
der
Anteil
der
Schüler
aus
reichen
Familien
immer
größer.
PNA-Funktionäre
schicken
ihre
Kinder
gern
auf
christliche
Schulen
und
haben
keine
Angst
vor
Christianisierungsversuchen,
wissen
aber
sehr
wohl
die
Bedingungen
zu
schätzen,
die
denen
an
ihren
staatlichen
Schulen
weit
überlegen
sind.
Aufgrund
der
aus
dem
jordanischen
Recht
übernommenen
Schulgesetze
müs
sen
die
muslimischen
Schüler
an
diesen
Bildungsstätten
nicht
einmal
auf
ihren
Religionsunter
richt
verzichten.
Während
in
Jordanien
mittlerweile
auch
für
die
religiöse
Ausbildung
der
christlichen
Minderheit
gesorgt
wird,
gibt
es
an
den
staatlichen
Schulen
Palästinas
nichts
dergleichen,
was
von
Christen
immer
wieder
kritisiert
wird.
Bei
den
vielen
Konfessionen,
die
in
Palästina
vertreten
sind,
dürfte
es
derjenige,
der
versuchen
sollte,
diese
Aufgabe
in
Angriff
zunehmen,
schwer
haben
beziehungsweise
mit
relativer
Sicherheit
scheitern.
Wer
sollte
was
unterrichten?
Der
Streit
zwischen
den
etwa
40
Konfessionen,
die
sich
mit
der
Ökumene
oft
genug
schwer
tun,
wäre
vorprogrammiert.
Die
Organisation
der
Koedukation
an
christlichen
Schulen
funktioniert
und
hat
Vorbildfünktion
für
das
Zusammenleben
der
Erwachsenen.
So
wohl
der
muslimische
Freitag
als
auch
der
christliche
Sonntag
sind
frei,
ebenso
viele
wichtige
Feiertage
beider
Religionen.
Trotzdem
weiß
man
zu
wenig
von
“den
Anderen”,
dessen
Religion
ist
nicht
Lehrinhalt,
wie
die
eigene.
Das
Wissen
über
Angehörige
anderen
Glaubens
bleibt
oberflächlich.
Ein
großer
Teil
der
medizinischen
Einrichtungen
Palästinas
befindet
in
christlicher
Träger
schaft,
es
gibt
jedoch
darüber
nur
ungenaue
Angaben.
Kirchen,
Orden
und
Trägervereine
betreiben
Krankenhäuser,
Christen
haben
Arztpraxen
und
Kliniken.
Besonders
mit
einigen
spezialisierten
Kliniken
füllen
sie
Lücken,
die
sonst
verheerende
Folgen
hätten,
so
mit
der
pädiatrischen
Klinik
und
dem
Rehabilitationszentrum
in
Bethlehem,
den
einzigen
weit
und
breit.
“Das
Krankenhaus
ist
Symbol
der
Identität”
19
,
denn
es
steht
für
die
Bedeutung,
welche
Ullrich:
Christen
in
Palästina
139
Kultursoziologie
7(1998)2
die
christliche
Minorität
in
Palästina
hat;
kulturell
und
materiell
wäre
das
Land
ohne
sie
um
einiges
ärmer.
Ein
weiterer
Schwerpunkt
christlichen
Engagements
ist
die
soziokulturelle
Arbeit.
Die
Kirchen
haben
großen
Einfluß
auf
die
soziale
Integration.
Von
Kindheit
an
bieten
sie
den
Gemeindemitgliedern
gesellschaftlichen
Umgang
und
Gemeinschaft,
Seelsorge,
Bildungsmög
lichkeiten
und
Freizeitgestaltung,
unterscheiden
sich
in
diesem
Punkt
also
nicht
von
den
europäischen.
Diese
karitativen
und
sozialen
Aufgaben
haben
jedoch
eine
ungleich
größere
Bedeutung
als
beispielsweise
in
Deutschland,
da
in
vielen
Bereichen
alternative
Angebote
anderer
Träger
fehlen.
Alle
christlichen
Gemeinden
sorgen
sich
um
das
Wohlergehen
ihrer
Mitglieder
und
der
Gesellschaft,
viele
betreiben
Einrichtungen,
die
diesen
Zwecken
dienen
Dies
darzustellen
gäbe
allein
Stoff
für
umfangreiche
Untersuchungen.
Hier
wird
exemplarisch
das
Internationale
Begegnungszentrum
der
evangelisch-lutherischen
Gemeinde
Bethlehem
behandelt.
Als
Grundlage
der
Arbeit
dieses
“International
Center
of
Bethlehem”
gilt
der
Gedanke,
auf
eine
zivile
Gesellschaft
hinarbeiten
zu
wollen,
auf
eine
stetige
wirtschaftliche
Entwicklung
unter
Einbeziehung
der
palästinensischen
Kultur.
Die
Mitarbeiter
sind
auf
den
verschiedensten
Gebieten
tätig:
-
Internationale
Beziehungen
und
Jugendaustausch.
Im
Gästehaus
sind
ganzjährig
Gruppen
aus
vielen
Ländern
zu
Gast,
besonders
aus
Deutschland
und
Frankreich,
die
in
Bethlehem
Urlaub
machen,
an
gemeinnützigen
Projekten
arbeiten,
Seminare
gestalten
und
Vorträge
hören.
Internationale
Verständigung
soll
durch
Begegnungen
und
gemeinsame
Bearbeitung
von
The
menkreisen
wie
Politik,
Gesellschaft,
Kultur
und
Theologie
gefördert
werden;
natürlich
ist
man
auch
bestrebt,
eine
Lobby
für
Palästina
zu
schaffen.
-
Damit
hängt
das
alternative
Tourismusprogramm
zusammen,
welches
für
Delegationen
und
Reisegruppen
aus
aller
Welt
organisiert,
für
mehr
Verständnis
von
Menschen
und
Kultur
des
Landes
sorgen
will.
Es
stellt
sich
bewußt
gegen
das
bloße
Besuchen
heiliger
Steinhaufen,
wie
es
der
durchschnittliche
Tourist
in
Israel/Palästina
betreibt.
Dazu
finden
im
Center
Ausbildungs
kurse
zum
Reiseführer
statt,
auch
im
Hinblick
auf
den
zu
erwartenden
Besucherstrom
im
Jahre
2000.
-
Das
Studienprogramm
für
Frauen
zielt
darauf,
ihnen
ihre
Bedeutung
für
und
ihre
Rolle
in
der
palästinensischen
Gesellschaft
bewußt
zu
machen,
sowie
sie
zu
motivieren,
am
gesellschaftli
chen
und
politischen
Leben
teilzuhaben.
Es
gibt
eine
Jugendgruppe
sowie
Vorträge,
Lesungen,
Seminare
und
Workshops
zu
frauenspezifischen
Themen.
Die
Mitarbeiterinnen
Rana
Khoury
und
Viola
Raheb
legen
besonderen
Wert
darauf,
Aufklärung
zu
betreiben,
Mut
zu
Selbständig
keit
zu
machen,
ohne
den
kulturellen
Kontext
und
die
gesellschaftliche
Tradition
außer
acht
zu
lassen,
was
sich
allzuoft
als
heikle
Gratwanderung
herausstellt.
-
Das
Reintegrationsprogramm
will
die
Emigration
junger
Palästinenser,
insbesondere
der
Absolventen
ausländischer
Hochschulen
stoppen,
sie
zu
dauerhafter
Rückkehr
und
dazu
moti
vieren,
ihre
Fertigkeiten
in
den
Dienst
der
palästinensischen
Gesellschaft
stellen.
Durch
Bera
tung,
Information
und
kulturelle
Aktivitäten
hilft
das
Center
den
Heimgekommenen
bei
der
beruflichen,
sozialen
und
wirtschaftlichen
Wiedereingliederung.
Trotz
fehlender
Geldmittel
und
Abhängigkeit
von
den
hauptsächlich
deutschen
Förderern
versucht
man,
die
fähigsten
Kräfte
für
sich
zu
gewinnen.
140
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
Jährlich
findet
eine
Sommerakademie
statt,
die
junge
Palästinenser
an
Kunst
heranfuhren
soll;
aktiv
beteiligt
man
sich
an
Renovierungsvorhaben
im
Rahmen
des
Projektes
Bethle
hem
2000.
Weiterhin
fördert
das
Center
einheimisches
Handwerk
und
einheimische
Künstler.
Für
1999
ist
die
Eröffnung
der
Akademie
“Haus
des
Wortes”
geplant.
Mitri
Raheb,
der
Leiter
und
Initiator
des
Projektes
furchtet,
die
Feierlichkeiten
im
Jahre
2000
könnten
das
heilige
Land
zu
einem
christlichen
Disneyland
werden
lassen.
Dagegen
richtet
sich
das
Grundanliegen
der
Akademie:
Theologie,
bildende
Kunst,
Musik,
Kommunikation
und
Multikultur
zu
verbinden,
denn
Vorträge
und
Bücher
reichen
nicht
aus,
das
durch
viele
Faktoren
gefährdete
Christentum
im
heiligen
Land
zu
erhalten.
Im
sozialen
und
kulturellen
Bereich
ist
das
Christentum
nicht
nur
eine
einfache
Bereicherung
für
das
islamisch
geprägte
Palästina;
die
Darstellung
christlicher
Aktivitäten
ließe
sich
fortsetzen.
Verschiedene
Kirchen
und
christliche
Organisationen
betrei
ben
Projekte
von
seelsorgerischer
Betreuung
bis
hin
zum
sozialen
Wohnungsbau.
Das
Gesund
heitssystem
bräche
ohne
diesen
Beitrag
zusammen.
Kontextuelle
Theologie
Immer
öfter
taucht
in
den
letzten
Jahren
der
Begriff
der
kontextuellen
Theologie
auf:
Es
handelt
sich
um
Versuche,
Theologie
bestimmten
sozialen
und
kulturellen
Bedingungen
anzu
passen,
bei
allem
Anspruch
auf
Universalität
den
Gegebenheiten
in
einem
Land
oder
einer
Bevölkerungsgruppe
zu
entsprechen.
In
Palästina
hat
dies
eine
besondere
Bedeutung,
sahen
sich
doch
die
Gläubigen
hier
an
der
Wiege
des
Christentums
bis
vor
kurzem
einer
eurozentristi-
schen
Theologie
gegenüber,
die
weder
lokalen
Besonderheiten
Rechnung
trug,
noch
dies
ernsthaft
versuchte.
In
einem
Land,
in
dem
Krieg
und
latente
Auseinandersetzungen
auf
(Miß-)
Interpretationen
der
Bibel
bauen,
bedarf
es
neuer
Auslegungen,
welche
die
Gültigkeit
der
heiligen
Schrift
auch
für
die
Palästinenser
wieder
deutlich
machen.
Die
“Palestinian
Liberation
Theology”
(Palästinensische
Befreiungstheologie)
genannte
Bewegung
ist
ökumenisch
und
an
der
Basis,
den
Laien,
orientiert.
Den
folgenden
Grundgedanken
enthält
die
Homepage
des
Sabeel
Center
for
Palestinian
Liberation
Theology:
20
“By
learning
from
Jesus
-
his
life
under
occupation
and
his
response
to
injustice
-
this
theology
hopes
to
connect
the
true
meaning
of
Christian
faith
with
the
daily
lives
of
all
those
who
suffer
under
occupation,
violence,
discrimination,
and
human
rights
violations.
Additional
ly,
this
blossoming
theological
effort
promotes
a
more
accurate
international
awareness
of
the
current
political
situation
and
encourages
Christians
from
all
around
the
world
to
work
for
justice
and
to
stand
in
solidarity
with
the
Palestinian
people.”
21
Die
verschiedenen
Ansätze
ausführlich
zu
behandeln,
würde
hier
zu
weit
gehen.
Einige
grundsätzliche
und
exemplarische
Gedankengänge
sollen
aufgezeigt
werden.
Das
wohl
wichtigste
Vorzeichen
einer
kontextuellen
Theologie
der
Palästinenser
ist
die
Tatsache
in
einem
Land,
einem
Kulturkreis
aufzuwachsen,
der
die
Heimat
und
der
Kulturkreis
Jesu
war.
Nur
zu
begreiflich
ist
das
Unverständnis,
welches
palästinensische
Christen
europäi
schen
Jesusbildern
entgegenbringen,
die
-
heute
noch
in
vielen
Kirchen
des
heiligen
Landes
zu
sehen
-
einen
vollbärtigen,
langhaarigen
Blonden
zeigen,
der
eher
an
einen
Germanen
als
an
einen
Orientalen
erinnert.
Und
Jesus
war
Orientale.
Ullrich:
Christen
in
Palästina
141
Kultursoziologie
7(1998)2
Desweiteren
muß
eine
palästinensische
Theologie
eine
Theologie
der
Befreiung
sein.
Sie
muß
den
Palästinensern
Kraft
geben,
sich
ihrer
Lage
zu
stellen
und
aus
ihr
herauszufmden.
Dabei
ist
es
für
die
Palästinenser
sehr
schwer,
in
dieser
so
jüdischen
Bibel
auch
ihre
Heilsge
schichte
zu
sehen.
Besonders
die
Erwählungsproblematik
macht
da
zu
schaffen.
„Palestinian
Christians
believe
and
assert
that
in
Christ
there
is
neither
Jew
nor
gentile.“
22
Außerdem
wird
daraufhingewiesen,
daß
die
Erwählung
ebenso
Pflicht,
wie
auch
Gnade
ist.
Andererseits
ist
es
für
Palästinas
Gemeinde
identiätsstiflend,
daß
die
Bibel
so
oft
ein
Buch
der
Verfolgten
oder
der
Minderheiten
war,
zunächst
der
Juden
und
dann
der
christlichen
Gemein
den
in
einer
römisch-heidnischen
Welt.
Eine
kontextuelle
Theologie
hat
den
Menschen
in
den
Vordergrund
zu
stellen,
nicht
das
Land.
Dennoch
spielt
das
Thema
Land
eine
wichtige
Rolle.
Das
gerechte
Teilen
des
Landes
zwischen
Palästinensern
und
Juden
muß
Ziel
kontextuell
theologischer
Ansätze
sein.
Theologie
in
Palästina
muß
das
Verhältnis
zur
eigenen
Kultur
klären,
einer
arabisch
islamisch
dominierten
und
dabei
erkennen,
wie
verbunden
die
drei
großen
monotheistischen
Religionen
nicht
nur
durch
Abraham
sind,
sondern
durch
theologische
und
historische
Gege
benheiten.
Ein
weiterer
Schwerpunkt
ist
das
soziale
Engagement,
welches
ja
im
Leben
der
dortigen
Kirchen
die
entscheidende
Rolle
spielt.
Für
einige
palästinensische
Theologen
stehen
eindeutig
das
Neue
Testament
und
Jesus
im
Vordergrund
-
ein
Ausdruck
dafür,
daß
der
Gott
des
Alten
Testaments
von
vielen
als
parteiisch
angesehen
wird.
Die
kontextuelle
Theologie
muß
durch
Einbindung
in
die
aktuelle
soziale
und
politische
Situation
den
gesamten
Text
der
Bibel
deutbar
und
dem
Laien
verständlich
machen,
nicht
nur
die
genehmen
Stellen,
auch
die
zweideutigen
und
Paradoxa.
Die
Bibel
wird,
da
die
ehemals
übliche
allegorische
Auslegung
(das
Alte
Testament
als
gesammelte
Vorrausdeutun-
gen
auf
Jesus)
an
Aktualität
verloren
hat,
die
politische
noch
größere
Verwirrung
stiftete
und
einem
Palästinenser
auch
große
Angst
bereiten
muß,
nun
als
Niederschrift
der
Erfahrungen
von
Menschen
mit
Gott,
als
Zeugnis
der
Offenbarung,
als
Gotteswort
im
Menschenwort
gesehen,
jedoch
ohne
objektive
und
abgehobene
Wahrheiten
zu
beinhalten.
Als
Vertreter
wichtiger
kontextuell
-
theologischer
Ansätze
sind
zu
nennen:
Mitri
Raheb,
Naim
Stifan
Ateek
und
Elias
Chacour.
Erste
Bestrebungen
in
dieser
Hinsicht
gingen
auch
vom
Al-Liqua-Zentrum
aus,
welches
1987
eine
Konferenz
zu
diesem
Thema
durchführte
und
ein
kontextuelles
und
ökumenisches
Papier
vorlegte.
Ein
Ausblick
Zusammenfassend
ergibt
sich
beim
Betrachten
der
arabischen
Christen
Palästinas
das
Bild
einer
vielgeteilten
Glaubensgemeinschaft
mit
nationaler
Verwurzelung
in
einer
kontrastären
Kultur,
vielfältige
christliche
Gemeinden
und
Gemeinschaften
in
einer
fast
gänzlich
muslimischen
Gesellschaft.
Doch
trotzdem
ergibt
sich
kein
Bild,
das
von
latenten
Konflikten
dominiert
wird,
sondern
von
Gemeinsamkeiten
und
Spannungen
zwischen
den
Bewohnern
Palästinas,
welcher
Religion
sie
auch
angehören.
142
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
Wir
finden
in
Palästina
eine
Christenheit,
die
sich
ihrer
Nationalität
und
ihres
kulturellen,
also
islamisch-orientalischen
Umfeldes
bewußt
ist.
Wir
finden
eine
Christenheit,
die
integriert
ist
und
sich
auf
ihre
Weise
in
das
gemeinsame
Palästina
einbringt.
Ebenso
wie
die
Moslems
sind
die
Christen
leidtragende
der
israelischen
Besatzung.
So
soll
der
Traum
eines
palästinensischen
Theologen
den
Abschluß
bilden,
der
beispielhaft
für
Palästina
und
die
Palästinenser
sein
könnte:
“Ich
habe
einen
Traum,
daß
ich
eines
Tages
aufwache,
und
in
dem
Land
Palästina
...
zwei
gleichberechtigte
Völker
neben-
beziehungsweise
miteinander
koexistieren
sehe
...
Ich
habe
einen
Traum
von
zwei
Völkern,
die
in
Frieden
miteinander
leben
...
Ich
habe
einen
Traum
von
zwei
Völkern,
die
sichtbar
werden
lassen,
daß
sie
die
Wiege
der
drei
monotheistischen
Religionen
sind
...
Zwei
Völker,
die
die
Glaubens-
und
Meinungsfreiheit
aller
ihrer
Bürger,
Juden,
Christen,
Muslime,
der
Religiösen
wie
der
Atheisten,
der
Liberalen
wie
auch
der
Fundamentalisten
respektieren,
achten
und
schützen
...
Dies
ist
mein
Traum.
Wird
er
geglaubt,
dann
ist
er
keine
Illusion
mehr.
Wird
an
ihm
gearbeitet,
so
ist
seine
Verwirklichung
nicht
mehr
ganz
fern.
Wird
er
aber
verworfen,
dann
verfallen
wir
alle,
wirklich
alle
einem
schrecklichen
Alptraum.
23
Und
gewiß
nicht
nur
ihre
Träume
bringen
die
Christen
ein.
Sie
sind
zwar
eine
quantitative
Minderheit
im
Heiligen
Land,
aber
keine
qualitative.
Sie
haben
eine
hohe
Bedeutung
für
das
soziale,
kulturelle
und
wirtschaftliche
Leben.
Sie
sind
wie
die
Muslime
untrennbar
mit
dem
Land
verbunden
und
eröffnen
ihm
dadurch
auch
vielfältige
Perspektiven,
wenn
die
Emigration
nicht
dafür
sorgt,
daß
es
im
heiligen
Land
bald
keine
lebendige
Gemeinde
mehr
gibt.
Doch
hier
machen
die
vielen
Versuche,
dies
zu
verhindern,
wie
zum
Beispiel
die
Arbeit
des
International
Center
in
Bethlehem,
Mut.
Wer
an
Kontakten
interessiert
sein
sollte,
kann
über
die
Redaktion
mit
dem
Autor
in
Verbindung
treten.
Als
“Innensicht”
sei
für
weitergehend
Interessierte
besonders
das
Buch
von
Mitri
Raheb
“Ich
bin
Christ
und
Palästinenser”
empfohlen.
Anmerkungen
1
Einen
Überblick
bietet
“The
Complete
Guide
To
Palestines
Websites”
der
Universität
Birzeit
unter
http://www.birzeit.edu
2
Erklärtes
Ziel
amerikanischer
Missionare
war
es,
die
Juden
endlich
zu
bekehren
und
den
“armen
und
ungebildeten”
orientalischen
Christen
erst
einmal
etwas
über
die
Bibel
zu
erzählen.
3
Sie
müssen
dort,
wie
in
israelischer
Propaganda
immer
voller
Stolz
angegeben
wird
nicht
zum
Militär,
um
nicht
auf
ihre
Brüder
schießen
zu
müssen.
Verschwiegen
wird
aber,
daß
man
ohne
militärische
Laufbahn
im
traditionsbewußten
Israel
von
einer
wirklichen
Karriere
und
teilweise
vom
Studium
ausgeschlossen
ist.
4
Erwähnt
sei
hier
nur
das
drückende
Wasserproblem.
In
den
besetzten
Gebieten
wie
in
den
autonomen
gibt
es
mittlerweile
nur
etwa
alle
drei
Wochen
Wasser
und
die
Abstände
vergrößern
sich
stetig.
Außerdem
steht
den
Palästinensern
nur
ein
minimaler
Bruchteil
des
Wassers
der
Westbank
zu,
während
die
jüdischen
Siedler
keinen
Mangel
leiden.
Viele
Palästinenser
müssen
zur
Ullrich:
Christen
in
Palästina
143
Kultursoziologie
7(1998)2
Deckung
des
täglichen
Bedarfs
Extrakontingente
zu
horrenden
Preisen
bestehen.
Enteignungen
und
Hauszerstörungen
durch
das
israelische
Militär,
Umzingelungen
arabischer
Städte
mit
jüdi
schen
Siedlungen,
Sperrungen
bestimmter
Straßen
für
Palästinenser,
die
dann
auf
gefährliche
Pisten
ausweichen
müssen,
die
Gültigkeit
von
Gesetzen
aus
der
osmanischen
Zeit
und
aus
der
Zeit
des
Britischen
Mandats,
können
von
der
Militärverwaltung
neben
dem
israelischen
Recht
je
nach
Bedarf
willkürlich
angewandt
werden.
5
Koordinationsstelle
für
Ökumene,
Mission
und
Entwicklungszusammenarbeit:
1988
S.
6
6
Khoury:
1993
S.
17
7
Raheb,
Mitri:
Zur
Demographie
der
Christen
in
Palästina/Israel.
Zahlen
und
Fakten,
in:
Bech-
mann
u.
Raheb,
1995,
S.
28
ff
8
Das
Institut
“Al-Liqua”
entstand
aus
der
“Konferenz
des
arabischen
Erbes
der
Christen
und
Muslime
in
Heiligen
Land”,
die
auf
Initiative
des
Ökumenischen
Instituts
Tantur
seit
1983
jährlich
christliche
und
muslimische
Intellektuelle
zu
Vorträgen
und
Diskussionen
versammelt.
Jedes
Jahr
finden
zwei
Seminare
statt,
die
sich
mit
dem
christlichen
und
muslimischen
Erbe
im
Heiligen
Land,
sowie
christlicher
und
muslimischer
Theologie
befassen.
Ebenso
organisiert
“Al-Liqua”
Treffen
von
Theologen
und
Politikern,
die
sich
mit
der
aktuellen
Lage
beschäftigen
und
eine
gemeinsame
Weihnachtsfeier
für
Christen
und
Muslime
organisieren.)
Für
Muslime
ist
Weihnachten
sonst
praktisch
bedeutungslos,
Jesus
wird
aber
als
Prophet
anerkannt.)
Ein
Rundschreiben
(“Newslet
ter”)
informiert
über
die
Aktivitäten.
9
Ucko:
1994,
S.
9
10
Koordinationsstelle
für
Ökumene,
Mission
und
Entwicklungszusammenarbeit:
1988
S.
9
11
Bechmann/Raheb:
1995
S.
31
12
“Die
Situation
als
Minderheit
blieb
nicht
ohne
starken
psychologischen
Einfluß
auf
diese
Glau
bensgemeinschaft
und
führte
dazu,
daß
sie
sich
gegen
die
Außenwelt
abschloß
und
den
missionari
schen
Atem
verlor,
...zu
Angst
vor
echter
oder
nur
eingebildeter
Verfolgung,
zu
Überheblichkeit
oder
Minderwertigkeitskomplexen,
je
nach
den
Umständen,
zum
Streben
nach
Priviligien.
Diese
Gemeinschaft
tut
sich
anscheinend
schwer
damit,
ihren
Status
als
Minderheit
anzunehmen.”
Khoury:
1993,
S.
9
13
Koordinationsstelle
für
Ökumene,
Mission
und
Entwicklungszusammenarbeit:
1988
S.
6
14
zitiert
nach
Dr.
Lutfi
Laham,
ebd.
S.
6
15
E
gab
vor
der
Intifada
Frauenverbindungen,
die
in
der
Zeit
des
Aufstandes
mit
ihrer
Erfahrung
Wesentliches
zur
Organisation
der
Nachbarschaftskomitees
beitrugen
und
aktiv
den
Kampf
um
Selbstbestimmung
des
palästinenesischen
Volkes
unterstützten.
Nur
wenige
Frauen
haben
nach,
seit
dem
Aufstand
wichtige
Positionen
in
der
PNA-Hierarchie
inne.
16
Das
mühsam
gewonnene
Ansehen
der
Palästinenser
in
der
westlichen
Welt
litt
stark,
als
sie
sich
im
Golfkrieg
auf
die
Seite
Saddams
stellten,
der
weit
und
breit
als
der
einzige
erschien,
der
sich
ernsthaft
auch
für
ihre
Interessen
einsetzen
wollte.
Andererseits
hoffte
man,
daß
die
Welt
nun
nicht
länger
zusehen
könnte,
wie
schon
seit
Jahrzehnten
UNO-Beschlüsse
für
Palästina
und
Israel
ignoriert
werden,
während
es
in
Kuwait
innerhalb
von
sechs
Monaten
zum
Militäreinsatz
kam.
Mittlerweile
mußten
aber
die
Palästinenser
einsehen,
daß
ihr
Land
nur
“heilig,
Kuwait
aber
ölig”
(M.
Raheb)
ist.
17
So
führen
sich
die
Maroniten
auf
die
Phönizier,
die
Kopten
auf
die
Pharaonen
und
die
Jakobiten
auf
die
Assyrer
zurück;
Raheb,
Palästina
Journal
Nr.
27,S.
4
18
Abromeit,
Hans-Jürgen:
Es
war
keine
Schule
irgendwelcher
christlicher
Denomination
in
ganz
Palästina,
in
:Bechmann/Raheb:
1995
S.
197
19
Bechmann
u.
Raheb:
1995,
S.
234
144
Aufsätze
und
Berichte
Kultursoziologie
7(1998)2
20
http://wTVTv.sabeel.org
:
A
Theological
Movement.
Palestinian
Liberation
Theology.
21
„Durch
das
Lernen
von
Jesus
-
seinem
Leben
unter
Okkupation
und
seiner
Antwort
auf
Ungerechtigkeit
-
hofft
diese
Theologie,
die
wahre
Bedeutung
christlichen
Glaubens
mit
den
Leben
all
derer
zu
verbinden,
die
unter
Okkupation,
Gewalt,
Diskriminierung
und
Menschenrechtsverlet
zungen
leiden.
Außerdem
fördert
dieses
erblühende
theologische
Bemühen
eine
akkurateres
inter
nationales
Bewußtsein
über
die
aktuelle
politische
Situation
und
ermutigt
Christen
der
ganzen
Welt
für
Gerechtigkeit
zu
wirken
und
in
Solidarität
zum
palästinensischen
Volk
zu
stehen.“
22
“Palästinensische
Christen
glauben
und
bestehen
darauf,
daß
Jesus
weder
Jude
noch
Nichtjude
ist”;
Sabeel
Center:
A
Theological
Movement.
Palestinian
Liberation
Theology,
http://
www.sabeel.org
23
Raheb:
1994
S.
15
Literatur
Ateek,
Naim
Stifan:
Recht,
nichts
als
Recht.
Entwurf
einer
palästinensisch-christlichen
Theologie,
Fribourg/Brig
1990
Bechmann,
Ulrike;
,
Raheb.
Mitri
(Hrsg.):
Verwurzelt
im
heiligen
Land.
Einführung
in
das
palästinensische
Christentum,
Frankfurt
am
Main
1995
Chacour,
Elias:
Und
dennoch
sind
wir
Brüder!
Frieden
für
Palästina,
Frankfürt
am
Main
1988
Chacour,
Elias:
Auch
uns
gehört
das
Land.
Ein
Palästinenser
kämpft
für
Frieden
und
Gerechtigkeit,
Frankfürt
am
Main
1993
Damm,
Thomas:
Palästinensische
Befreiungstheologie.
Annäherung
und
Würdigung
aus
der
Sicht
eines
deutschen
Theologen,
Hg.:
Kulturverein
AphorismA,
Kleine
Schriftenreihe
Heft
5,
Trier
1993;
nicht
eingesehen,
zit.
n.
Bechmann
u.
Raheb:
1995,
S.86
Ellis,
Marc
H.:
Über
den
jüdisch-christlichen
Dialog
hinaus:
Solidarität
mit
dem
palästinensischen
Volk,
Hg.:
Kulturverein
AphorismA,
Kleine
Schriftenreihe
Heft
4,
Trier
1992
Heidt,
Petra:
Christen
im
Nahostkonflikt,
in:
Deutsches
Pfarrerblatt.
Heft
12
/
1989,
89.
Jahrgang
Khoury.
Rafiq:
Palästinensisches
Christentum
-
Erfahrungen
und
Perspektiven,
Hg.:
Kulturverein
AphorismA,
Kleine
Schriftenreihe
Heft
7,
Trier
1993
Khoury,
Adel
Theodor:
Juden
Christen
Muslime
im
Gespräch,
Leutesdorf
1986
Klein.
Stephanie:
Dokumentation
zum
Weltgebetstag
1994
aus
Palästina,
Hg.:
Deutsches
Weltgebets-
tagskommitee,
Düsseldorf
1995
Koltermann,
Ulrike:
“We
are
all
Palestinians!”
Christlich-muslimische
Koedukation
an
Jerusalemer
Schulen,
in:
Deutsch
Palästinensische
Gesellschaft:
Palästina
Journal
Nr.
30
Konzeimann,
Gerhard:
Jerusalem.
4000
Jahre
Kampf
um
eine
heilige
Stadt,
München
1988
Lichtenstein,
Heiner
u.
Otto
R.
Romberg:
Fünfzig
Jahre
Israel:
Vision
und
Wirklichkeit,
Hg.:
Bundes
zentrale
für
politische
Bildung,
Bonn
1998
Raheb,
Mitri:
Das
reformatorische
Erbe
unter
den
Palästinensern,
Gütersloh
1990
Raheb,
Mitri:
Ich
bin
Christ
und
Palästinenser.
Israel,
seine
Nachbarn
und
die
Bibel,
Gütersloh
1994
Ullrich:
Christen
in
Palästina
145
Kultursoziologie
7(1998)2
Raheb,
Mitri:
Christlich-muslimischer
Dialog
in
Palästina,
in:
Deutsch
Palästinensische
Gesellschaft:
Palästina
Journal
Nr.27
Koordinationsstelle
für
Oekumene,
Mission
und
Entwicklungszusammenarbeit
(Hg.):
Wir
Christen
und
das
heilige
Land,
Bern
1988
The
International
Center
of
Bethlehem:
Annual
report
1996,
Bethlehem
1997
The
International
Center
of
Behtlehem:
Annual
Report
1997,
Bethlehem
1998
(im
Internet:
http://
www.annadwa.org)
Ucko.
Hans:
The
Spiritual
Significance
of
Jerusalem
for
Jews,
Christians
and
Muslims,
Hg.:
World
Council
of
Churches,
Geneva,
Switzerland
1994,
Wolffsohn,
Michael:
Wem
gehört
das
heilige
Land.
Wurzeln
des
Streits
zwischen
Juden
und
Arabern,
München
1992
Wolffsohn,
Michael;
Douglas
Bokovy:
Israel.
Grundwissen:
Geschichte,
Wirtschaft,
Gesellschaft,
Politik;
Opladen
1996