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[en] (orig)
Hydratationsregulierung einer
Suspension aus Hüttensandmehl
vorgelegt von
Dipl.-Ing. Nick Schneider, M.Sc.
geb. in Marburg
von der Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
- Dr.-Ing. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank U. Vogdt
Gutachter: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Dietmar Stephan
Gutachter: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Horst-Michael Ludwig
Gutachter: Dr.-Ing. Andreas Ehrenberg
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 21. Februar 2017
Berlin 2017
Für meine Eltern, Großeltern & Urgroßeltern
iii
Danksagung
Nicht vielen Menschen möchte ich meinen Dank aussprechen. Doch diejenigen, denen ich danken
möchte, haben an dem Gelingen meiner Arbeit maßgeblich mitgewirkt und sind somit ein Teil von
dieser Arbeit. Ihre mir gegenüber gebrachte Unterstützung wurde meinerseits keineswegs als Selbst-
verständlichkeit betrachtet und genießt daher meine volle Anerkennung.
Unter den industriellen Unterstützern und Spendern, der für mich wertvollen Rohstoffe, möchte ich
mich bei Frau Dr.-Ing. Katrin Bollmann (CEMEX OstZement GmbH), Herrn Harald Müller (Dow
Wolff Cellulosics GmbH) und Herrn Dr. rer. nat. Joachim Krakehl (Wöllner GmbH) bedanken.
Für die Unterstützung bei der Durchführung von Versuchen möchte ich gerne meinen ehemaligen
Kollegen Frau Jessica Grewe, Frau Maria Grüneberger, M.Sc., Frau Mona Sando, M.Sc., Herrn Da-
vid Dahncke, Herrn Dipl.-Nano. Sc. Kai Foth, Herrn Dipl.-Nano. Sc. Gerrit Land und Herrn Dr.-Ing.
Christian Lehmann danken. Dankbarkeit war auch immer zugegen, wenn ich die vielen zu korri-
gierenden Prüfungen mit meinen Kollegen teilen konnte. Hier stand mir Frau Sandra Weigel, M.Sc.
immer besonders hilfsbereit zur Seite. Einem weiteren Kollegen, Herrn Kasra Shafiei, M.Sc., danke
ich für die unermüdlichen und freundschaftlichen Dienste um die Korrektur verschiedener Veröf-
fentlichungen.
Mein größter Dank gilt letztlich meiner Familie und Freunden, auf deren Unterstützung ich immer
bauen konnte, deren Türen allzeit offen standen und die auch oft genug die richtigen Worte fanden,
um aufgebrachte Wogen zu glätten. Diesen Menschen kann ich nicht genug danken, da sie für das
sichere Fundament sorgten, worauf ich meine Arbeit aufbaute. Den engsten unter ihnen, Manfred,
Bettina und Isabelle, vielen herzlichen Dank.
iv
Kurzfassung
Die vorliegende Arbeit behandelt eine Bindemittelsuspension aus Hüttensandmehl, die sowohl mit
einem Verzögerer versetzt ist als auch eine Kombination aus Verzögerer und alkalischem Anreger
aufweist. Die Eigenschaft des Verzögerers ist die Verlängerung der dormanten Hydratationsperi-
ode und die Unterdrückung der Ausbildung von Festigkeitsphasen. Obwohl die Bildung von Hy-
dratationsprodukten ausbleibt, gelangen Ionen in Lösung, die bei einer einsetzenden Hydratati-
on bereits für die Phasenbildung bereitstehen. Durch den Einsatz unterschiedlicher Gehalte an D-
Gluconsäure ist die Intensität und die Dauer der Verzögerung genauso steuerbar wie die Entwick-
lung der Druckfestigkeit. Hingegen bewirkt der Anreger bei geeigneter Dosierung die Überwin-
dung der dormanten Periode und überführt die Suspension aus der Plastizität hin zur Lösung des
Bindemittels und der Einleitung der Bildung von festigkeitsgebenden Hydratationsprodukten. Der
Schwerpunkt der Arbeit ist die zielgerichtete Regulierbarkeit der Hydratation auf der Basis von zwei
in Lösung vorliegenden Komponenten. Ein weiterer Fokus liegt in der Erforschung der damit ver-
bundenen Eigenschaften auf den Hydratationsverlauf. Dazu erfolgen im Wesentlichen Elementar-,
Thermogravimetrie- und Phasenanalysen sowie Prüfungen der Konsistenz, der Druckfestigkeit, der
spezifischen Oberfläche und der Ultraschallgeschwindigkeit, aber auch Wärmeflusskalorimetrie und
Rasterelektronenmikroskopie. Die Ergebnisse zeigen, dass mit einer D-Gluconsäure des Gehaltes von
1 Masseprozent eine Verzögerung von mehr als 365 Tagen möglich ist. Eine Reaktivierung kann
hingegen innerhalb von zwei Tagen eintreten, unter Einsatz von Natriumhydroxid mit einem Ge-
halt von 50 Masseprozent. Ebenso sind geringere Gehalte für eine Reaktivierung möglich oder auch
die Verwendung von Natriumsilikat. Dafür sollte jedoch ein geringerer Verzögerergehalt verwendet
werden. Die Ergebnisse zeigen, dass mit Einsatz des höchsten Gehaltes an Verzögerer und Anreger
auch die höchste Druckfestigkeit sowie die größte Masse an Hydratationsprodukten verbunden ist.
Als Hauptprodukte werden vorwiegend Calcium-Silikat-Hydrat-Phasen und Hydrotalcit generiert.
Grundsätzlich zeigt der kombinierte Einsatz von Verzögerer und Anreger ein großes Potential in der
Leistungssteigerung der Hydratation, insbesondere unter der Verwendung von Natriumhydroxid.
Es sind Steigerungen in der Druckfestigkeit von mindestens 70 Prozent nach 90 Tagen Hydratation
möglich.
Schlüsselworte Verzögerung; Anregung; Hydratationsregulierung; D-Gluconsäure; Natrium-
hydroxid; Leistungssteigerung
v
Abstract
The present work deals with a binder suspension of ground granulated blast-furnace slag with a use
of a retarder and also with a combined use of retarder and alkaline activator. The property of the
retarder is extending the dormant hydration period and suppressing the generation of the strength
giving phases. Despite the absence of the hydration products, some ions are detectable in the so-
lution. These ions are generally available at the beginning of the hydration and are responsible for
the generation of the hydration phases. On one hand, different retarder concentrations regulate the
intensity and the period of the retardation and also the characteristics of the strength development.
On the other hand, the activator and its concentration regulates the overcoming of the dormant pe-
riod and transfers the plastic suspension to a binder solution of the slag, where the formation of the
strength giving hydration products begins. The main focus of the work is the purposeful regulation
of the hydration based on two separate liquid components. Another focus lies on the exploration of
the hydration process characteristics. In addition, the following investigations are performed main-
ly: elementary, thermogravimetry and phase analyses and also the tests of the texture, compressive
strength, specific surface area and ultrasonic velocity as well as the heat flow calorimetry and scan-
ning electron microscopy. The results show that the D-gluconic acid with a concentration of 1 weight
percent allows a retardation of more than 365 days. However, a reactivation can occur within two
days by use of sodium hydroxide with a concentration of 50 weight percent. Also lower concentrati-
ons of sodium hydroxide or sodium silicate are possible for the reactivation. Nevertheless, it is better
for these activators to be used with low retarder concentrations. The results show that the highest
concentrations of the retarder and activator generates the highest compressive strength and mass
of hydration products. The generated phases are mainly calcium silicate hydrate and hydrotalcite.
Generally, the combination of retarder and activator shows a high potential in the performance in-
crease of the hydration process. This occur particularly by the use of the sodium hydroxide, where
the compressive strength increases at least 70 percent after 90 days of hydration.
Keywords retardation; activation; hydration study; D-gluconic acid; sodium hydroxide;
performance increase
vi
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich, Nick Schneider, an Eides statt, die vorliegende Dissertation in Eigenleistung und
ohne unzulässige fremde Hilfe verfasst zu haben. Die dabei zur Erstellung verwendete Literatur
wurde bei Zitation, im wörtlichen oder inhaltlichen Sinn, kenntlich gemacht und in einem Verzeich-
nis aufgelistet.
Ich versichere ebenfalls, dass die Dissertation in der vorgelegten oder einer ähnlichen Fassung noch
nicht zu einem früheren Zeitpunkt an der Technischen Universität Berlin oder einer anderen in- oder
ausländischen Hochschule vorgelegt worden ist.
Berlin, den 09. April 2017
vii
Inhaltsverzeichnis
Motivation ix
1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Zement.............................................. 3
2.1.1 Hydratation....................................... 4
2.1.2 ErstarrenundErhärten................................. 6
2.1.3 Phasenmodell...................................... 7
2.2 Hüttensand ........................................... 9
2.2.1 Reaktivität........................................ 9
2.2.2 Hydratation....................................... 12
2.3 Verzögerung........................................... 15
2.3.1 OrganischeVerzögerer................................. 17
2.3.2 Hydratationseinfluss.................................. 20
2.4 AlkalischeAnregung...................................... 24
2.4.1 Wirkungsweise..................................... 26
2.4.2 Hydratation....................................... 28
2.4.3 Phasenbildung ..................................... 29
2.5 Zusammenfassung - Theoretische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3 Ziel 35
4 Experimentelles und Methoden 38
4.1 Wärmeflusskalorimetrie .................................... 38
4.2 Porenlösungsgenerierung ................................... 39
4.3 Elementaranalyse........................................ 41
4.3.1 Organik ......................................... 41
4.3.2 Anorganik........................................ 41
4.4 Trocknung............................................ 42
4.5 Aufmahlung........................................... 43
4.6 Thermik ............................................. 43
4.7 Feinheit.............................................. 44
4.8 Rasterelektronenmikroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.9 Frischleimprüfung ....................................... 45
4.10Festigkeitsprüfung ....................................... 46
4.11Ultraschallprüfung ....................................... 47
4.12 Phasenanalyse mittels Röntgenbeugung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
4.13WeitereMethoden........................................ 49
4.14Statistik.............................................. 49
5 Rohstoffcharakterisierung 52
5.1 Mischung............................................. 52
5.2 Chemische Eigenschaftswerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.2.1 Zusammensetzung................................... 53
5.2.2 Massenanteil ...................................... 54
5.3 Physikalische Eigenschaftswerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.3.1 Partikeloberfläche ................................... 55
5.3.2 Partikelgröße ...................................... 55
5.4 Mineralogie ........................................... 56
6 Vorversuche - Verzögereranalyse 57
Inhaltsverzeichnis viii
7 Ergebnisse und Diskussion 61
7.1 Verzögerung........................................... 61
7.1.1 Elementaranalyse der Organik und Anorganik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
7.1.2 ThermischeAnalyse .................................. 65
7.1.3 Rasterelektronenmikroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
7.1.4 Feinheit ......................................... 71
7.1.5 Festigkeit und Ultraschall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
7.1.6 Zusammenfassung - Verzögerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
7.2 Optimierung vom Frischleim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
7.2.1 Konsistenz........................................ 78
7.2.2 Haptisch-visuelle Studie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
7.2.3 Wärmefluss ....................................... 83
7.2.4 Zusammenfassung - Optimierung vom Frischleim . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
7.3 Anregeranalyse ......................................... 85
7.3.1 Wärmefluss ....................................... 86
7.3.2 Trocknung........................................ 88
7.3.3 ThermischeAnalyse .................................. 90
7.3.4 Zusammenfassung - Anregeranalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
7.4 Anregung ............................................ 93
7.4.1 Konsistenz........................................ 94
7.4.2 Ultraschall........................................ 95
7.4.3 Festigkeit ........................................ 98
7.4.4 ThermischeAnalyse .................................. 102
7.4.5 Feinheit ......................................... 107
7.4.6 Phasenanalyse mittels Röntgenbeugung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
7.4.7 Rasterelektronenmikroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
7.4.8 Elementaranalyse der Organik und Anorganik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
7.4.9 Wasserglasanregung.................................. 126
7.4.10 Zusammenfassung - Anregung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
7.5 Funktionsdarstellung der Hydratationsregulierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
8 Schlussbetrachtung 132
8.1 Zusammenfassung ....................................... 132
8.2 Fazit................................................ 133
8.3 Ausblick ............................................. 134
Literaturverzeichnis 135
Verzeichnis der Abkürzungen und der chemischen Formeln 156
Zementnomenklatur 158
Abbildungsverzeichnis 159
Tabellenverzeichnis 163
A Anhang der Versuchsergebnisse I
A.1 Rohstoffcharakterisierung................................... I
A.2 Ergebnisse-Verzögerung ................................... II
A.3 Ergebnisse - Optimierung vom Frischleim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . III
A.4 Ergebnisse - Anregeranalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV
A.5 Ergebnisse-Anregung..................................... V
B Publikationen X
ix
Motivation
Die Motivation für die Bearbeitung des Themas mit dem Titel Hydratationsregulierung einer Suspen-
sion aus Hüttensandmehl entstand durch den Einfluss eines Forschungsprojektes. Gegenstand dieses
Projektes war die Konzeption eines Baustoffs auf der Basis zweier plastischer mineralischer Suspen-
sionen. Dabei sollten verschiedene alternative Bindemittel, wovon jedes Bindemittel für sich nicht in
der Lage ist in Verbindung mit Wasser zu hydratisieren, auf ihr Festigkeitspotential in verschiedenen
Kombinationen untersucht werden. Eine solche Mischung bestand immer aus zwei Komponenten,
einem variablen alternativen Bindemittel und einem zur Generierung der hydraulischen Fähigkeiten
notwendigen Anreger. Somit steht dieses Bindemittelkonzept für ein Zwei-Komponenten-System.
Daraus leitete sich die Grundidee und das Forschungsinteresse ab, effektive Bindemittelsysteme für
den schnellen und mobilen Einsatz zu untersuchen. Aufgrund der in dem zuvor beschriebenen Pro-
jekt verwendeten reaktionsarmen Bindemittel und dem Erfolg in der Gestaltung eines solchen Sys-
tems, wurde der Anreiz geschaffen ein ähnliches Konzept auf der Basis eines reaktionsfreudigeren
Bindemittels, dem Hüttensandmehl (HSM), zu initiieren und dessen Eigenschaften zu erforschen.
Dabei besteht bei einem HSM beim Kontakt mit Wasser sehr wohl die Gefahr der hydraulischen Re-
aktion, womit der Einsatz von chemischen Additiven in den Kontext der Forschung Einzug erhielt.
Um das HSM ebenso wie ein reaktionsärmeres Bindemittelsystem zum Erfolg zu führen, ergaben
sich zwei wesentliche Arbeitsbereiche. Zum einen die Verzögerung des HSMs mit Hilfe von chemi-
schen Additiven und zum anderen die individuelle aber kontrollierte Rückführung der Hydratation
unter Verwendung von alkalischen Anregern. Mit dem Bestreben eine Kontrolle im Hydratationsab-
lauf herzustellen, wurde ein ambitioniertes Ziel geschaffen und verfolgt. Zumal die Kombination der
Stoffe, die einerseits eine Verzögerung der Hydratation hervorrufen und andererseits eine Anregung
bewirken, als innovativ zu werten ist.
1
Kapitel 1
Einleitung
Die Regulierung der Hydratation eines hydraulisch reagierenden Bindemittels ist immer dann wün-
schenswert, wenn der Zeitpunkt des Einsatzes ungewiss ist. Dies kann beispielsweise bei vorgefer-
tigten Bindemittelsystemen gegeben sein, die sich bereits in Suspension befinden und nur noch auf
eine Anregung zur Einleitung der Hydratation warten. In diesem Zusammenhang ist z. B. an ver-
zögerte mineralische Bindemittelsysteme zu denken, die ihren Einsatz in der Verschließung oder
Abdichtung von Bohrlöchern finden und durch Alkalien oder auch Hitze reaktiviert werden kön-
nen (cf. [26,202]). Gewöhnlicher hingegen erscheint eine zeitliche Verlagerung der Hydratation von
Restbeton auf einen späteren Zeitpunkt, um diesen bei erneutem Gebrauch mittels Zuführung von
Frischbeton zu reaktivieren (cf. [22,234,235,237]). Ein weiteres nahezu alltägliches Beispiel ist der
Einsatz von organischen Klebstoffen auf der Basis von zwei Komponenten. In diesem Fall liegt ei-
ne mechanische Trennung der Stoffe vor, die als Harz und Härter bezeichnet werden. Nur durch
deren Zusammenführung wird die chemische Reaktion ermöglicht, die ohne Bindung von Wasser
erhärtet.
Das im Folgenden behandelte Bindemittelkonzept beinhaltet von allen genannten Beispielen Teilbe-
reiche. Dabei wird sowohl die Verzögerung von HSM als mineralisches Bindemittel fokussiert, als
auch dessen gezielte und kontrollierte Reaktivierung mit einem alkalischen Anreger. Dadurch ergibt
sich ein auf Suspensionen beruhendes Zwei-Komponenten-System, dessen Erhärtung erst durch die
Zusammenführung beider getrennt vorliegender Einzelkomponenten ermöglicht wird. Dieses kann
als Spezialbindemittel eingesetzt werden, z. B. zum Verschließen von Bohrlöchern oder Verankern
von Dübeln bzw. Schrauben. Ein Vorteil ist eine hohe Dauerhaftigkeit, insbesondere bei Einwirkun-
gen durch Hitze oder gar Feuer, verglichen mit organischen Systemen. Durch die bereits gelösten in
Suspension befindlichen Bindemittelkomponenten kann ein schneller und unkomplizierter Einsatz
erfolgen, z. B. durch das Auspressen aus einer Kartusche und das Mischen der Komponenten mittels
vorgesetztem Statikmischer.
Nicht nur aus baupraktischer Sicht ist ein solches Bindemittelsystem interessant, sondern auch aus
wissenschaftlich theoretischen Gesichtspunkten in Bezug auf die bauchemischen Prozesse. Vor allem
der Einsatz von Verzögerern in einem Bindemittel aus reinem HSM stellt eine Neuerung dar, da
Verzögerer vorwiegend in Systemen mit Portlandzement (PZ) eingesetzt werden. Sie bewirken bei
dem PZ meist eine auf Tage oder maximal Wochen begrenzte Unterdrückung der Hydratation. Nach
dem Wiedereinsetzen der Hydratation können jedoch Steigerungen in der Druckfestigkeit erreicht
werden. Mit Rücksicht auf eine entgegengesetzte Wirkungsweise und der möglichen gegenseitigen
Beeinflussung ist auch die kombinierte Verwendung von Verzögerer und alkalischem Anreger zu
untersuchen. So ergeben sich die folgenden Fragen in Zusammenhang mit einem solchen System
und den dabei eingesetzten chemischen Additiven:
Wie lange kann ein Verzögerer die Hydratation einer HSM-Suspension unterdrücken?
Kann ein alkalischer Anreger eine verzögerte HSM-Suspension reaktivieren?
Kann der Verzögerereinsatz tatsächlich eine Steigerung der Druckfestigkeit herbeiführen?
Wie erfolgt der Hydratationsverlauf nach Reaktivierung?
Womit kann eine Regulierung der Verzögerung und der Reaktivierung erfolgen?
Aus den genannten Fragen ergeben sich die Zielsetzungen der Arbeit. Mit dem Einsatz eines Ver-
zögerers soll eine dauerhafte Unterdrückung der Hydratation herbeigeführt werden, welche nach
Möglichkeit in der Länge ihrer Periode regulierbar ist. Außerdem soll die verzögerte Suspension mit
einem alkalischen Anreger in der Hydratation reaktiviert werden können. Darüber hinaus gilt es die
Abläufe und Eigenschaften zu erfassen, die eine Verzögerung bzw. eine Reaktivierung ermöglichen
und die sich durch sie ergeben. Daraus folgt, dass es sich bei der vorliegenden Arbeit im Wesentli-
chen um eine Machbarkeitsstudie eines Bindemittelkonzeptes handelt.
Kapitel 1 Einleitung 2
Die vorliegende Arbeit beginnt mit einer Literaturstudie und den theoretischen Betrachtungen der
genannten Themenbereiche. Im Einzelnen wird dazu die Wirkung des Verzögerers anhand des PZs
als Bindemittel geschildert, um dies auf das calciumärmere HSM übertragen zu können. Abschlie-
ßend werden noch die Einflussfaktoren der Reaktivität des HSMs betrachtet sowie die Möglichkeiten
und Eigenschaften der alkalischen Anregung. Bevor die Ergebnisse geschildert werden, erfolgt die
strukturelle Darlegung und Vorstellung der angewandten Analysen, Prüfungen und Methoden wie
auch deren Eingliederung in den Kontext der Arbeit. Mit der Charakterisierung der Rohstoffe wird
in die praktischen Versuchsergebnisse übergeleitet. Die Ergebnisdarstellung beginnt zunächst mit
einer Analyse zur Auswahl eines geeigneten und wirkungsvollen Verzögerers für das HSM, um die
Machbarkeit des Konzeptes zu gewährleisten. Darauf baut die Charakterisierung der Verzögererwir-
kung und deren Eigenschaften auf sowie die Optimierung der Suspension hinsichtlich einer Lang-
zeitlagerung. Mit der Analyse zur Wahl eines alkalischen Additives zur Reaktivierung einer dauer-
haft verzögerten Suspension wird in den Themenbereich der Anregung übergeleitet. Im letzten Teil
werden die Ergebnisse der kombinierten Anwendung von Verzögerer und Anreger innerhalb eines
Bindemittels geschildert. Letztlich werden die erzielten Ergebnisse bildhaft in einer Funktionsdar-
stellung zur Hydratationsregulierung zusammengefasst. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung
und ein Fazit der wesentlichen Ergebnisse, wobei in einem Ausblick auf weitere Möglichkeiten der
Optimierung hingewiesen wird.
Ergänzt werden die Ausführungen und Interpretationen durch Verweise auf Fußnoten und zusätz-
liche Ergebnisse, die separat in dem Anhang der Arbeit gegliedert sind. Darüber hinaus wird die
Übersichtlichkeit der Arbeit durch verschiedene Verzeichnisse gewährleistet, die am Ende der Ar-
beit stehen und in sich chronologisch bzw. alphabetisch geordnet sind.
3
Kapitel 2
Theoretische Grundlagen
Aus der untersuchten Thematik, der Hydratationsregulierung einer Suspension aus Hüttensand-
mehl (HSM), ergeben sich die zu analysierenden Stadien vor und nach der Erstarrung des Bindemit-
telsystems. Dabei wird der nicht erstarrte Zustand durch das Hinzufügen eines Verzögerers beein-
flusst, um dessen Wirkung dann wieder zielgerichtet durch die Hilfe eines alkalischen Anregers zu
kompensieren.
In den theoretischen Grundlagen wird zunächst die Hydratation von Portlandzement (PZ) erläu-
tert (2.1), um auf dieser Basis die Wirkungsweise und die Eigenschaften von Verzögerern darzulegen
(2.3), die nahezu ausschließlich im PZ-System erforscht sind und dort eingesetzt werden. In weiteren
Erläuterungen findet eine Einführung zu dem Bindemittel HSM statt (2.2), welches in den durchge-
führten Versuchen in reiner Form und nicht als Substitution für PZ eingesetzt wurde. Zum Ende
werden die theoretischen Grundlagen mit den Ausführungen zur alkalischen Anregung (2.4) von
HSM abgeschlossen.
2.1 Zement
Der Einsatz hydraulisch reagierender Bindemittelsysteme geht vorrangig auf die Baukunst der Rö-
mer, noch vor Christi Geburt, zurück. Sie prägten den Begriff des opus caementitium1, der mit römi-
sche Betonbauweise oder auch römischer Beton im Kontext der Thematik übersetzt werden kann. Das
Grundelement dieser Bauweise ist eine Schalenkonstruktion aus Stein oder Holz für den dahinter-
liegenden Mörtel. Auf dieser Basis sind umfangreiche Bauwerke wie z. B. Mauern, Kanalbauten,
Gewölbe oder Kuppeln, wie die des Pantheons in Rom, entstanden. Dabei war die Voraussetzung
des Bindemittelsystems meist eine Mischung aus Kalk und einem Puzzolan, was in Verbindung mit
Wasser ein hydraulisches Bindemittel ergab. Als Puzzolane wurden unter anderem Ziegelmehl und
Trass eingesetzt. Die Erbauer setzten die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften der Mate-
rialien und Bauweisen gezielt mit dem Wissen ein, um sowohl eine hohe mechanische Festigkeit als
auch Dauerhaftigkeit zu erschaffen. [123]
Tabelle 2.1: Beispiel der Oxidzusammensetzung eines PZs (cf. [136,284])
Oxide Anteil [M.-%]
CaO 60,1
SiO219,4
Al2O35,0
SO33,3
MgO 3,2
Fe2O33,1
Die heute eingesetzten Zemente beinhalten zwar ebenfalls Kalk, jedoch besitzen sie zur Ausbildung
der hydraulischen Eigenschaft als weiteren Rohstoff Ton [136]. Gemeinsam werden die Komponen-
ten bis zur Sinterung bei Temperaturen von 1.350 bis 1.500 Cgebrannt, wodurch das Bindemittel
PZ entsteht [136]. Dieser setzt sich chemisch beispielhaft aus den in Tabelle 2.1 stehenden Oxiden
zusammen. Hinzu kommen noch andere Oxide mit einem Anteil <1 Masseprozent (M.-%) und der
Glühverlust mit 5M.-% [51].
Das Patent von Joseph Aspdin aus dem Jahre 1824 begründet den Ursprung des PZs [136,148]. Im
Wesentlichen setzt sich dieser mineralogisch aus den vier in Tabelle 2.2 stehenden Klinkerphasen
1Wortbedeutung von opus caementitium: lat.: opus - Werk, Bauwerk etc.; lat.: caementitium - der behauene Stein, Bruchstein etc.
[123].
2.1 Zement 4
zusammen [136]. Zusätzlich kann noch freies Calciumoxid (CaO) und Magnesiumoxid (MgO) vor-
liegen [136]. Die nach DIN EN 197-1 [61] vorhandenen Zementarten gliedern sich seit dem Jahr 2014
nun in sechs Hauptarten auf. Den fünf Arten, der vorangegangenen Norm aus 2011 [66], wurde
der Hüttensand-Puzzolan-Zement hinzugefügt. Grundsätzlich wird damit die Strategie verfolgt, die
Masse des Portlandzementklinkers innerhalb der Normalzemente durch alternative Bindemittel, wie
die Puzzolane oder das HSM, zu substituieren, um so auch die Leistungsfähigkeit eines Zementes
entsprechend der immer höheren und spezielleren Anforderungen anzuheben sowie die Umwelt
und die Ressourcen zu schonen [148,149,290,310]. Dadurch nahm die Verwendung des PZs in-
nerhalb von 10 Jahren um etwa 50 % ab [147,310]. In der gleichen Periode erhöhte sich der Absatz
an Portlandkompositzementen um mehr als die Hälfte (Portlandhüttenzemente, Portlandschieferze-
mente bzw. Portlandkalksteinzemente) und der von Hochofenzementen verdoppelte sich [310]. Der
ausgeprägte Wandel in dem Einsatz von Normalzementen zeigt die zunehmende Nachfrage nach al-
ternativen Systemen, allerdings weiterhin auf der Basis des immer noch alternativlosen Bindemittels
PZ.
Tabelle 2.2: Die wesentlichen Klinkerphasen von PZ [95,136,311]
Klinkerphase Bezeichnung Chemische Formel Kurzbezeichnung
Tricalciumsilikat Alit 3CaO ·SiO2C3S
Dicalciumsilikat Belit 2CaO ·SiO2C2S
Tricalciumaluminat Aluminat 3CaO ·Al2O3C3A
Calciumaluminatferrit Ferrit 2CaO ·(Al2O3,Fe2O3)C2(A,F)
2.1.1 Hydratation
Die Hauptklinkerphase des PZs, Tricalciumsilikat (C3S), kann nach Henning etal. [95] in der Hy-
dratation auf die in Tabelle 2.3 zu sehenden fünf verschiedenen Perioden aufgeteilt werden. Locher
[136] nimmt für den PZ bzw. das C3Sdie gleiche Einteilung der Phasen vor, aber mit differierenden
Bezeichnungen.2Mitunter wird der Hydratationsverlauf von C3Saber auch nur bis zur Retardati-
onsperiode [35] oder Akzelerationsperiode [71] unterteilt und in den Reaktionen beschrieben. Da-
bei wird der Hydratationsverlauf von PZ maßgeblich von dem Tricalciumaluminat (C3A) und C3S
bestimmt, was auch durch eine höhere Reaktionsenthalpie3der beiden Phasen dargestellt wird, ge-
genüber dem verbleibenden Dicalciumsilikat (C2S) und Calciumaluminatferrit (C2(A,F)) [136,311].
Tabelle 2.3: Die fünf Hydratationsperioden von PZ [95]
Periode Bezeichnung Chemischer Vorgang
I Induktionsperiode Hydrolyse, Ionendissoziation
II dormante Periode Fortsetzung Ionendissoziation
III Akzelerationsperiode Bildungsbeginn Calcium-Silikat-Hydrat (C-S-H)-Phasen
IV Retardationsperiode Fortsetzung C-S-H-Phasenbildung
IV Finalperiode Bildungsabnahme C-S-H-Phasen
Die Auflösung der genauen Hintergründe der einzelnen Hydratationsperioden ist bis heute Gegen-
stand der Forschung. So sind es gerade die wesentlichen Vorgänge vor und nach der dormanten
Periode zu denen verschiedene theoretische Ansätze vorliegen und daher die Fragestellungen auf-
werfen, was genau die weitere Hydratation von C3Snach der Induktionsperiode hemmt und was sie
zur Akzelerationsperiode erneut herbeiführt [10,35,113,136,148,262]. Wenn auch die genauen Hin-
tergründe einzelner Vorgänge unklar sind, so sind doch die hauptsächlich ablaufenden chemischen
Vorgänge der Hydratationsperioden beschreibbar.
2Bezeichnungen nach Locher [136] für die Periode I-V: Prä-Induktionsperiode, Induktionsperiode, Periode beschleunigender
Reaktion, Periode verlangsamender Reaktion, Diffusionsperiode.
3Für das C3Aergibt sich bei Ettringitentwicklung eine Reaktionsenthalpie von 1670 J/gund für das C3Svon 520 J/g[311].
2.1 Zement 5
0,1h 1h 10h
0,0
0,5
1,0
1,5
20
40 V IV
III
II
PZ
HSM
NaOH
Na2SiO3
Spezifischer Wärmefluss [mW/g]
I
Abbildung 2.1: Schematische Darstellung der fünf Hydratationsperioden des PZs und im Vergleich
dazu ein Hydratationsverlauf des HSMs angeregt mit Wasser, Natriumhydroxid
(NaOH) und Natriumsilikat (Na2SiO3)
Die Hydratation der Klinkerphasen, vornehmlich die von C3Aund C3S, beginnt nachdem das Ze-
mentpulver mit Wasser in Kontakt kommt. Unmittelbar danach tritt eine intensive, plötzliche, aber
kurzweilige Reaktion auf, die vorrangig durch den Beginn der Dissoziation4des C3Sgesteuert wird
[10,35,72,95]. Durch die Hydrolyse stellt sich eine messbare exotherme Reaktion mit basischem
pH-Wert ein, wie in Abbildung 2.1 zu sehen ist. In dieser Periode werden vorzugsweise kurze fein-
körnige Ettringitkristalle aus dem in Lösung gegangenen Aluminat und dem im PZ, zum Zweck der
Verzögerung, enthaltenen Calciumsulfat (CaSO4) auf der Oberfläche der Zementkörner gebildet, die
jedoch kein Erstarren des Bindemittels herbeiführen [95,136,137,140,232]. Zu diesem Zeitpunkt ist
ebenfalls in geringen Mengen Calciumhydroxid (Ca(OH)2) vorhanden, welches aus dem Lösungs-
prozess des C3Sentsteht [136,137]. Die anfänglich schnelle Reaktion geht über in die dormante
Periode5, in der via Wärmeflusskalorimetrie nur geringe messbare Reaktionen vorhanden sind, wie
die Abbildung 2.1 zeigt [10,95,201]. Während dieser Periode setzt sich der Prozess der Dissozia-
tion weiter fort. Indes liegt das Bindemittel weiterhin in pastöser Form vor, da ein Erstarren noch
nicht stattgefunden hat [95]. Zum Ende der dormanten Periode und damit zum Anfang der Akzele-
rationsperiode steht der Erstarrungsbeginn - der Zustand, in dem der freie Raum zwischen den Ze-
mentkörnern durch die Rekristallisation, d. h. die Bildung längerer nadelförmiger Ettringitkristalle,
überwunden wurde [95,136]. Die dritte Hydratationsperiode ist im Wesentlichen von dem Keimbil-
dungsprozess der C-S-H-Phasen und der damit verbundenen weiteren Entwicklung von Ca(OH)2
geprägt [35,136,262]. Infolgedessen steigt der Wärmefluss das zweite Mal stark an, wie in Abbildung
2.1 zu sehen ist [35,136,262]. Die entstehenden C-S-H-Phasen wachsen auf den Zementkörnern und
verdichten somit zunehmend den in noch weiten Teilen freiliegenden Raum zwischen den Körnern,
zunächst allerdings eher durch die Ausbildung längerer Phasen [71,136,262]. Noch während der
Akzelerationsperiode setzt das Erstarrungsende ein, d. h. der Prozess der Erhärtung beginnt und
mit ihm die Ausbildung eines festen Gefüges [95,136]. In der Retardationsperiode setzt sich die
Bildung der C-S-H-Phasen weiter fort, wodurch das Gefüge der Hydratationsprodukte auch zu-
nehmend durch kurzfaserige festigkeitsgebende Phasen verdichtet wird, die zur Frühfestigkeit der
Bindemittelmatrix beitragen [95,136]. Ebenfalls setzt in dieser Periode die Hydratation der Klinker-
phase C2Sein, die wie das C3Sdie gleichen Produkte ausbildet, zwar langsamer, jedoch mit einem
wesentlichen Beitrag zur Spätfestigkeit [72,95,136]. Nun besteht die Matrix aus den Phasen der
C-S-H,Ca(OH)2und Ettringit, welches zunehmend durch das entstehende Monosulfat im Hydrata-
tionsverlauf ersetzt wird [135]. Die Tabelle 2.4 zeigt auf, dass zwischen der Masse des Reaktionspart-
4Die Dissoziation ist die Aufspaltung in Ionen von einer Stoffoberfläche in Verbindung mit Wasser [35,260].
5Die Untersuchungen von Pustovgar etal. [201] zeigen, dass die Feinheit eines Bindemittels einen Einfluss auf die Länge der
dormanten Periode und das Maximum der Akzelerationsperiode ausübt.
2.1 Zement 6
ners und der Entwicklung der C-S-H- und Ca(OH)2-Phasen eine Abhängigkeit besteht. Die wei-
terhin einsetzende Hydratation des C2(A,F)sorgt für die langsam entstehende Phasenausbildung
von Aluminat-Ferrit-Trisulfat (AFt) und Aluminat-Ferrit-Monosulfat (AFm)6, die einen weiteren Teil
der hauptsächlichen Hydratationsprodukte des PZs darstellen [72,136]. In der Finalperiode klingt
die exotherm messbare Reaktion und damit die Bildung der Hydratationsphasen ab, dies zeigt die
Abbildung 2.1 [95,136]. Die weitere Ausbildung der Phasen ist von einem ausreichenden Wasser-
vorkommen abhängig [95,136]. Durch einen zu geringen Wassergehalt kommt der weitere Verlauf
im Prozess der Verdichtung der Bindemittelmatrix und des Abbaus des Porenraums zum Erliegen
[95,136].
Tabelle 2.4: Die wesentlichen Hydratationsphasen von PZ [95,136]
Klinker Reaktionspartner Hydratationsphase
3CaO ·SiO2+(3a+b)H2O aCaO ·SiO2·bH2O+ (3a)Ca(OH)2
Alit Wasser C-S-H&Ca(OH)2
2CaO ·SiO2+(2a+b)H2O aCaO ·SiO2·bH2O+ (2a)Ca(OH)2
Belit Wasser C-S-H&Ca(OH)2
3CaO ·Al2O3+3CaSO4+32H2O 3CaO ·Al2O3·3CaSO4·32H2O
Ettringit
+CaSO4+12H2O 3CaO ·Al2O3·3CaSO4·12H2O
Aluminat CaSO4& Wasser Monosulfat
2CaO ·(Al2O3,Fe2O3) +Ca(OH)2+
3CaSO4+31H2O
3CaO ·(Al2O3,Fe2O3)·3CaSO4·32H2O
AFt
+Ca(OH)2+
CaSO4+11H2O
3CaO ·(Al2O3,Fe2O3)·CaSO4·12H2O
Ferrit Ca(OH)2&CaSO4
& Wasser
AFm
2.1.2 Erstarren und Erhärten
Das frühzeitige Erstarren wird durch den Sulfatträger im PZ reguliert, damit als Folge der Hydra-
tation des C3Akein kartenhausähnliches Gefüge, unter der Bildung von hexagonalem Calcium-
Aluminat-Hydrat (C-A-H), entsteht [95,136,259]. Im Normalfall ist der Sulfatträger auf die Re-
aktionsfähigkeit und die Menge an vorliegendem C3Aabgestimmt, sodass durch die Reaktion in
der Induktionsperiode ausschließlich Ettringit auf der Zementkornoberfläche entsteht - durch Um-
kristallisation zeigt sich das Ettringit wie in Abbildung 2.2(a), woraufhin es zum Erstarren kommt
[138,140,325]. Der Einsatz des Sulfatträgers sorgt für eine plastische Konsistenz, also die Verar-
beitbarkeit des Bindemittels, für eine möglichst lange Zeit, in Abhängigkeit von der Feinheit des
Zementes jedoch mindestens 45 min [25,136,141]. Die Konsistenz bzw. die Verarbeitbarkeit wird
hingegen eingeschränkt, wenn z. B. einerseits das Sulfatangebot in der Porenlösung zu gr ist, da
sich hierdurch bei einem hohen Reaktionspotenzial des C3Agroße Mengen Ettringit bilden - ande-
rerseits kommt es bei geringem Reaktionspotenzial zur Bildung von sekundärem Gips, wodurch das
Erstarren sehr zeitnah einsetzt [136,138,243]. Ein weiterer ungünstiger Fall für die Verarbeitbarkeit
eines zementösen Bindemittels ist ein geringes Sulfatangebot bei hoher Reaktionsfähigkeit des C3A
[136,138]. Hierbei ergibt sich durch die frühe Bildung von tafelförmigem Monosulfat und Tetra-
calciumaluminathydrat ebenfalls ein schnelles Erstarren [136,138]. Weitere beeinflussende Faktoren,
insbesondere der Einsatz von Verzögerern, die das Erstarren nachhaltig und andauernd unterbinden
können, werden in Unterkapitel 2.3 auf der Reaktionsbasis des PZs eingehend behandelt.
In Abhängigkeit von der zeitlichen Entstehung der Hydratationsprodukte und deren Reaktionsdy-
namik, unter anderem getrieben von der Schnelligkeit und den Mengen der gelösten Aluminate und
Sulfate, kann die Hydratation des zementösen Bindemittels anhand der Porenlösung und der Kon-
zentrationen der darin im Wesentlichen in Lösung gegangenen Ionen Ca2+,K+,Na+,OHund
6Die Ausbildung dieser aluminathaltigen Phasen äußert sich mit einem leichten Peak innerhalb der vierten Hydratationspe-
riode, wie dem Peak der in Abbildung 2.1 zu sehen ist [262].
2.1 Zement 7
SO2
4charakterisiert werden [136,285]. Die Ionen Al3+und Si4+liegen bei der Zementhydratati-
on eher in sehr geringer Konzentration vor [285,325], dagegen scheint das in Lösung gehen auch
von dem vorliegenden pH-Wert abhängig zu sein [325]. Anhand einer solchen chemischen Betrach-
tung kann durch vorliegende Über- oder Untersättigung einer Konzentration erkannt werden, ob
eine bestimmte Phase aufgrund der Zunahme vorliegender Ionen gebildet werden kann oder ob
sich eine Phase aufgrund einer Konzentrationsabnahme bereits gebildet hat [137,285]. Zu Beginn
der Hydratation steigt die Konzentration von Ca2+,K+,Na+und SO2
4auf ein bestimmtes Ni-
veau an, was dann für die ersten Stunden gleichbleibend ist und besonders durch das in Lösung ge-
hen von Alkalisulfat, Ca(OH)2sowie die anfänglich geringe Bildung von Ettringit verursacht wird
[136,137,285,325]. Der pH-Wert der Porenlösung ist im Hydratationsverlauf stetig steigend, was
zum einen auf der stets vorliegenden gesättigten Ca(OH)2-Lösung beruht und zum anderen auf der
weiteren Lösung von Alkalien aus den Zementkörnern [136,137,139,285]. Nach etwa sechs Stunden
der Hydratation setzt die Zunahme der Alkalien und damit auch die der OH-Konzentration mas-
siv ein, im Gegensatz dazu fallen die Konzentrationen von Ca2+und SO2
4stark ab, was durch die
Bildung von Ettringit und/oder Monosulfat [136,137,139,285,325] sowie weiterer Phasen wie dem
Ca(OH)2begründet werden kann (siehe Abbildung 2.2).
(a)
(b)
3μm 3μm
Abbildung 2.2: Hydratationsprodukte des PZ in (a) Ettringit nach 7 dHydratation und in (b) Calci-
umhydroxid nach 28 dHydratation
Im Teilprozess der Erhärtung geschieht nicht nur die Umwandlung von Phasen, sondern auch eine
stetige Verdichtung der Zementsteinmatrix, durch die Neubildung von Phasen bei weiterhin vorhan-
denem chemisch bindbarem Wasser. Die Gefügeentwicklung und damit die Verringerung des Ge-
samtporengehaltes, besonders der für die Dauerhaftigkeit schädlichen Kapillarporen, ist hauptsäch-
lich von dem vorliegenden Wasserzementwert (w/z-Wert) abhängig [136]. Dabei gilt ein Wert von
ca. 0,4 als optimal, da das gesamte vorliegende Wasser zum Großteil chemisch in den Hydratphasen
gebunden, aber auch physikalisch in die Gelporen eingelagert wird [166]. Bei einem w/z-Wert von
>0,4 bilden sich Kapillarporen und der Raum zwischen den Zementkörnern kann nicht geschlossen
werden [120,166,285]. Hingegen bleibt bei einem Wert von <0,4 überschüssiger, unreagierter Ze-
ment in der Zementsteinmatrix zurück [120,166,285]. Zur Analyse des Hydratationsverlaufs kann
also das in den Kapillar- und Luftporen vorliegende Wasser durch Krafteinwirkung ausgepresst wer-
den [120,285].7
2.1.3 Phasenmodell
Das Hauptprodukt der Reaktion von PZ bzw. dessen silikatische Phasen (C3Sund C2S) mit Was-
ser sind überwiegend die C-S-H-Phasen, die in wechselnden C/S-Verhältnissen8auftreten und sich
über die Dauer der Hydratation strukturell wandeln [109,136,294]. Die Veränderung des C/S-
Verhältnisses dieser festigkeitsgebenden Phasen basiert nach Jennings [109] auf der Menge des CaO
7Das Wasser in den Kapillarporen ist lediglich durch Wasserstoffbrückenbindungen miteinander verbunden und haftet nur
infolge von Kapillarkräften an der Porenwand. Im Unterschied dazu ist das Wasser der Gelporen monomolekular an der
Porenwandung chemisch angelagert, d. h. die Schicht des Wassers besteht nur aus einem Teilchen [260]. [120]
8Das C/S-Verhältnis beschreibt das molare Verhältnis der Oxide des Calciums und Siliciums [85].
2.1 Zement 8
in der Lösung. Sind nur geringe Mengen CaO gelöst, so wie zu Beginn der Hydratation, ergeben sich
C-S-H-Phasen mit einem geringen C/S-Verhältnis zwischen 0,8 und 1,3 [109,136]. Diese Phasen,
die unter anderem auch als C-S-H(I) bezeichnet werden, sind mineralogisch dem Tobermorit ähnlich
[109,294]. Mit zunehmender Hydratation erhöht sich jedoch die Menge an in Lösung gegangenem
CaO und es entsteht eine Sättigung, weswegen sich ebenfalls das C/S-Verhältnis der entstandenen
Phasen erhöht [109,136]. Nach Taylor [294] kann dieses Verhältnis zwischen 1,25 und 2,25 liegen.
Zuzuordnen sind diese C-S-H(II)-Phasen den tobermorit- oder auch jennit-ähnlichen Phasen, die im
fortgeschrittenen Hydratationsalter keineswegs in reiner Form auftreten, sondern eher als imper-
fekte Phase oder auch als Mischung beider Phasen [294,295]. Von der Vorstellung der Entstehung
tobermorit- und jennit-ähnlicher Phasen abweichend, weist Nonat [174] den nach seiner Beschrei-
bung ebenfalls vorhandenen unterschiedlichen C/S-Verhältnissen über die Hydratationszeit nur die
Ähnlichkeit zu Tobermorit zu. Er kategorisiert die Phasen aufsteigend nach dem C/S-Verhältnis in
α(0,66 C/S<1), β(1 <C/S<1,5) und γ(1,5 <C/S<2) [174].
Die ersten Erkenntnisse über zwei vorliegende Typen an C-S-H-Phasen stammen von Richartz u.
Locher [233], dabei werden die Ca-armen Phasen in der Strukturausbildung als folienförmig und die
Ca-reichen als faserförmig beschrieben, mit einer Wandlungsfähigkeit des C/S-Verhältnisses in Ab-
hängigkeit von dem Ca-Gehalt in der Lösung. Die Beschreibung eines C-S-H-Phasenmodells aus
tobermorit- und jennit-ähnlichen Phasen (Tobermorit-Jennit-Modell) baut darauf auf und vereint
die Vorstellung der beiden unterschiedlich entstehenden bzw. vorliegenden Phasentypen während
der Zementhydratation [110,282]. Indes bezeichnet Jennings [110] die von ihm benannten Phasen
nicht als C-S-H(I) und C-S-H(II), sondern, aufgrund der differierenden Dichte, als C-S-H-Phasen
geringer und hoher Dichte.9Die Varianz ihrer Entstehung ist nach Jennings [110] z. B. von dem
w/z-Wert, möglichen vorhandenen Zusätzen im Bindemittelsystem und der Temperatur abhängig.
Daher führt Jennings [109] in einer früheren Veröffentlichung die Umgebungstemperatur der be-
schriebenen C-S-H-Phasen als abhängiges Kriterium der Betrachtung an, wovon Systeme unter Wär-
meeinfluss grundsätzlich von denen bei Raumtemperatur10 zu unterscheiden sind. Einflüsse der
Temperatur oder auch des Drucks führen bei der Bildung der C-S-H-Phasen dazu, dass sich hy-
drothermale Phasen einstellen, die eine erhöhte Kristallinität aufweisen [85,233].11 Die betrachteten
Phasen, bei Entstehung unter Raumtemperatur, zeigen schwach ausgeprägte kristalline aber über-
wiegend amorphe Anteile, was eine Analyse mit Röntgenstrahlung erschwert [109,136,294]. Aller-
dings ist es gerade die Feinheit und die stark ineinander verwachsene dreidimensionale Struktur
der Phasen, die den Bindemitteln oder Baustoffen, die sie enthalten, ihre hohe Festigkeit verleihen
[233,283]. Das Wachstum der C-S-H-Phasen beginnt auf der Kornoberfläche des C3Sin der Akzele-
rationsperiode und verdichtet mit zunehmendem Hydratationsalter (Finalperiode) wie auch zusätz-
lichen Produkten vom C2Sdie Matrix, wodurch sich ein engmaschiges Netz ergibt, von sehr dichten
inneren Phasen sowie eher weniger dichten äußeren Phasen [71,233,262].
In den frühen Analysen zur Veränderung der C-S-H-Phasen infolge des Einsatzes von HSM im PZ
wurde von Smolczyk [275] die Hypothese aufgestellt, dass sich die hohen Aluminiumanteile des
HSM in die Struktur der Phasen einbinden könnten. Mittlerweile ist diese Hypothese durch Er-
gebnisse bestätigt [226,295]. Die Struktur der C-S-H-Phasen erlaubt Erweiterungen bzw. anteili-
ge Substitutionen, beispielsweise kann jedes dritte Si4+-Ion durch Al3+ersetzt werden, wodurch
von Richardson [221] ein flexibleres Phasenmodell geschaffen wurde. Dieses integriert auch die Pha-
senbildung von Calcium-Aluminat-Silikat-Hydrat (C-A-S-H), die bei der Verwendung von Zemen-
ten mit anderen Bindemittelanteilen wie Steinkohlenflugasche (SFA) oder HSM entstehen können
[219,222,224,226,227]. Für Hong u. Glasser [101,102] ist die Bildung solcher Phasen ebenso mög-
lich, jedoch scheint die Einbindung von Aluminium und damit auch die Substitution von Silicium
in Abhängigkeit von vorhandenen Alkalien und einem niedrigen C/S-Verhältnis zu stehen. Nach
Hong u. Glasser [101,102] verändert sich bei der Zementhydratation infolge des steigenden pH-
Wertes, durch die Lösung der Alkalien, die Zusammensetzung der Porenlösung und die Bildung der
calciumhaltigen Phasen. Dabei fällt die Konzentration des Calciums ab, die des Siliciums steigt an
und die Alkalien stehen für Bindungen zur Verfügung [101,102].
Die Einbindung von Aluminium oder Alkalien in die gewöhnliche C-S-H-Phasenstruktur scheint
zunehmend an Bedeutung zu gewinnen, gerade wenn PZ mit hohen Gehalten weiterer alternativer
9Nach Jennings [110]: LD C-S-H (low density) und HD C-S-H (high density).
10Die Raumtemperatur liegt nach Jennings [109] zwischen 10 und 30 C.
11Eine beispielhafte Anwendung zur Generierung hydrothermaler Phasen ist die Verfahrensweise des Autoklavierens von
Baustoffen wie Porenbeton oder Kalksandstein, woraufhin ebenfalls C-S-H-Phasen, unter Einwirkung von Temperaturen
bis 200 Cund Drücken bis 12 bar, schnell unter Lösung der Kieselsäure generiert werden [166,172,282].
2.2 Hüttensand 9
Bindemittelkomponenten hydratisiert. Daher wird die Phasenentwicklung des HSM bei alkalischer
Anregung im Unterkapitel 2.4 eingehender behandelt.
2.2 Hüttensand
Aus der Perspektive der Bindemitteltechnologie stellt der Hüttensand (HS) den reaktiven Anteil der
Hochofenschlacke (HOS) dar, welche als Nebenprodukt in großen Mengen bei der Roheisenherstel-
lung anfällt [73,136]. Die flüssige HOS bildet sich im Hochofen aus Eisenerz, Zuschlagstoffen (Kalk-
stein, Dolomit etc.) und Koks unter Temperaturen bis 1.550 Cund kann, aufgrund ihrer geringe-
ren Dichte gegenüber dem Roheisen, nach dem Abstich abgetrennt werden [73,296]. Angesichts der
Herkunft der HOS ist sie bereits seit Anbeginn der Herstellung von Eisen angefallen, doch wurde ihr
möglicher Nutzen und ihre erste baustoffliche Verwendung, nach anfänglicher anthropogener Lage-
rung, erst im 19. Jahrhundert entdeckt, bevor der Einsatz als Baustein erfolgte [73,303]. Emil Langen
entdeckte im Jahre 1862 die latent hydraulische Eigenschaft von granulierter HOS und wusste die-
se auch gezielt einzusetzen, nachdem diese zuvor wenig Gebrauch fand [73,311]. Dabei nutzte er
die mögliche, aus dem Herstellungsprozess stammende, aktivierbare Energie des Materials zur Ent-
wicklung eines industriell gefertigten Hüttensteins, der auf einer Verbindung von ungemahlenem
HS und Kalk beruht [73,311].
Die anfallenden Mengen an deutscher HOS haben sich im Zuge der Weiterentwicklung des Hoch-
ofenprozesses um 60 bis 75 M.-% reduziert und betragen 180 bis 280 kgHOS/tRE12 [73,74]. Hingegen
hat sich die Qualität der Schlacke stabilisiert, was auf die einheitlichen Rohstoffe in der Herstellung
zurückgeführt werden kann [73,74]. Zu Beginn der anfallend großen Mengen an Schlacke wurde
die Nassgranulation als Möglichkeit der erleichterten Entsorgung eingesetzt [311], bis sie sich als
Standardverfahren etabliert hatte, um möglichst hohe Glasgehalte bei hohem Durchsatz und klei-
ner Partikelgröße herzustellen [73,74]. Alternativverfahren, wie die Luftgranulation, konnten sich
auch aufgrund der ungleichmäßigen Ergebnisse nicht durchsetzen, besitzen aber nicht den Nachteil
der erheblichen Wasserzuführung [73,74,296]. Das schnelle Abschrecken durch Wasser von etwa
1.500 auf unter 840 Clässt die Schlacke schlagartig glasig erstarren, sodass der Energieeintrag aus
der Herstellung teilweise gespeichert wird [73,322]. Grundsätzlich können sich also zwei unter-
schiedliche Baustoffe aus der HOS ergeben, eine gegenüber Wasser reaktive, glasige bzw. amorphe
Struktur und eine weniger bis nicht reaktive, kristalline Struktur [73,127,322]. Die Anwendung
der langsam erstarrten Hochofenstückschlacke reduziert sich vorrangig auf die Herstellung von Ge-
steinskörnung für den Verkehrswegebau [73,77,303]. Im Gegensatz dazu hat sich der Einsatz des
reaktiven Materials zum Ende des 19. bis Beginn des 20. Jahrhunderts derart etabliert, dass mittler-
weile ein überwiegender Anteil des HSs zu Mehl aufgemahlen wurde und in der Verbindung mit
PZ als Eisenportlandzement13 wie dann auch als Hochofenzement Verwendung fand sowie letztlich
auch normativ erfasst wurde und noch bis heute erfolgreiche Anwendung findet [73,299,309,311],
mittlerweile sogar als Betonzusatzstoff [53]. Dabei ist es gerade der ökologische und auch der ökono-
mische Aspekt des wertvollen Nebenprodukts der Roheisenherstellung, wodurch dessen Aktualität
in der Nutzung weiterhin bestehen bleibt, auch im Bereich der Forschung als alleiniges Bindemittel
[73,74]. Die wesentlichen Forschungsschwerpunkte, abgesehen von der Konzeption neuer Bindemit-
teltechnologien auf der Basis von HSM, sind die Aufdeckung der genauen Reaktionsmechanismen
und die Entwicklung einer einheitlichen Art und Weise zur Beschreibung der Reaktionsfähigkeit
eines HSs [73,74,77].
2.2.1 Reaktivität
Die Erfassung der Faktoren der latent hydraulischen Reaktion eines HSs bzw. des HSMs werden von
einer Vielzahl an Parametern beeinflusst. Dabei sind die Wesentlichen nach Schröder [254] auf die
Schlacke als Rohstoff zurückzuführen wie die Temperatur der Schmelze, die Granulationsbedingung
und dem Chemismus. Eine detaillierte Beschreibung dieser Faktoren erfolgt durch Ehrenberg [74],
der auch die Lagerung des HSs betrachtet [76]. All diese Faktoren beschreiben unter anderem die
Verwendbarkeit eines HSs in der Form seiner Reaktivität für den Gebrauch als Substitut für PZ oder
als alleiniges Bindemittel. So fassen Wassing u. Tigges [322] die chemisch notwendige Eigenschaft
12Die Angabe kgHOS/tRE gibt die Masse an HOS pro Tonne Roheisen an.
13Nach DIN EN 197-1 [61] entspricht der Eisenportlandzement dem heutigen Portlandhüttenzement.
2.2 Hüttensand 10
zusammen und beschreiben, dass der HS eine ausreichende Basizität14 besitzen sollte und nicht zu
silikatisch sein darf, damit die basischen Komponenten die silikatischen binden und kein Überschuss
zurückbleibt. Die Erkenntnis über die Basizität lag Tetmajer [299] bereits im Jahre 1886 vor.
Sicherlich bedingt die Zusammensetzung der HOS die Reaktivität des späteren HSs, doch sind auch
einige wichtige Faktoren bei der flüssigen Schlacke zu beachten, vorrangig die Viskosität [74]. Beein-
flusst wird diese wiederum von zwei Faktoren, zum einen von der Schlackentemperatur, bei deren
Anstieg die Viskosität sinkt und ein porenärmerer HS hergestellt werden kann, und zum anderen
von der Schlackenzusammensetzung, bei der kalkreiche Schlacken eher zur Kristallisation und sili-
katreiche eher zur Abnahme der Viskosität neigen [74].15 Der HS erhält eine hohe Homogenität und
einen entsprechend hohen Glasgehalt durch die Granulation mit kaltem, im starkem Überschuss und
hohem Druck aufgebrachten, Wasser, bei nur geringen Temperaturverlusten der Schlacke nach dem
Abstich [73,74,182,299]. Das rasche Abkühlen überführt die Schlacke in einen derartig viskosen
Zustand unterhalb der Transformationstemperatur, dass sich das nun vorliegende Glas im metasta-
bilen thermodynamischen Zustand befindet, in dem kein Kristallwachstum mehr möglich ist [73].
Mit der Nassgranulation, welche meist an den Hochofen angebunden ist, sind Glasgehalte von >95
M.-% erreichbar [73,296], worin von einigen Autoren [41,127,182,254,296] ein wesentlicher ein-
flussnehmender Faktor für ein erhöhtes Erhärtungsvermögen bzw. Reaktivität gesehen wird; jedoch
ohne, dass eine echte Korrelation zwischen Glasgehalt und Festigkeit besteht. Hingegen entdeckte
Lieber [127] eine Korrelation der Wasserbindung von HS zur Festigkeitsentwicklung auf der Basis
der Anregung durch Natriumhydroxid (NaOH).
Tabelle 2.5: Beispiel der Oxidzusammensetzung eines HSMs (cf. [73,136])
Oxide Anteil [M.-%]
CaO 43,0
SiO236,4
Al2O39,5
SO31,2
MgO 7,8
Fe2O30,5
Die Zusammensetzung eines HSs beruht ausschließlich auf der Roheisenherstellung und der dazu
eingesetzten Rohstoffe, daher ist eine Individualisierung bzw. Anpassung nicht möglich. Die Oxid-
zusammensetzung des HSs, wie sie beispielhaft in Tabelle 2.5 dargestellt ist, weicht mehr in den
Massen als in der Art der Oxide von der von PZ ab (vgl. Tabelle 2.1). Vorrangig sind es die Oxi-
de SiO2, Aluminiumoxid (Al2O3) und MgO, die gegenüber der Zusammensetzung des PZs stark
erhöht sind, wobei das CaO vermindert vorliegt. So sind die verringerte Masse an CaO und die er-
höhte Masse an SiO2die Ursache für die gegenüber einem PZ herabgesetzte Reaktivität [74,136,182].
Demnach kann die Reaktivität mit Anstieg des Anteils an CaO und dem Abfall des SiO2gesteigert
werden [74,136,182]. Ein weiterer einflussnehmender Faktor verbirgt sich im Al2O3-Gehalt. Wer-
den die Erkenntnisse einiger Autoren [74,136,182,275,296] zusammengefasst, dann ergibt sich
die einheitliche Aussage, dass ein Anstieg des Al2O3-Gehaltes mehr positive als negative Aspek-
te für den HS und sein Reaktionspotenzial birgt. Pal etal. [182] postulieren bei gleichbleibender
Basizität einen Festigkeitszuwachs mit dem Anstieg an Al2O3, indessen verweisen andere Auto-
ren [74,276,322] gerade auf den Anstieg der frühen nicht aber so sehr der späten Festigkeit, wo-
bei Ehrenberg [74] dies auf einen zusätzlichen Beitrag zur Ettringitbildung zurückführt. Allerdings
können gerade hohe Gehalte an Al2O3, nach den Versuchen von Wassing u. Tigges [322] Gehalte
von >14 M.-%, zur Bildung von Alumosilikaten mit hoher Dichte führen, die die weitere Lösung
der HS-Körner hemmt [74,322]. Grundsätzlich steht die Veränderung des Oxidgehaltes von Al2O3
auch in Abhängigkeit zu der Gesamtzusammensetzung des HSs und ist nicht alleinig zur Steigerung
der Hydratation befähigt, woraufhin sich komplexe Abhängigkeiten ergeben [74,275]. Nach Tay-
lor [296] sind Gehalte von 11 M.-%MgO equivalent zum CaO. Auch Pal etal. [182] weisen dem
MgO eine Ersatzmöglichkeit bei nur geringen CaO-Anteilen des HSs zu. Die Gehalte anderer Oxide
wie dem Eisentrioxid (Fe2O3), Titandioxid (TiO2), Manganmonooxid (MnO) oder auch der Alkali-
en Kaliumoxid (K2O) und Natriumoxid (Na2O) sind für einen HS i. d. R. <1M.-%, wie teilweise
in Tabelle 2.5 dargestellt. Diese Zusammensetzung entspricht dem Mittelwert für einen deutschen
14In einfachster Form ist die Basizität die Division der Massen von CaO und Siliciumdioxid (SiO2) [74,299].
15Kalkreiche Schlacken werden auch als kurze Schlacken und silikatreiche als lange Schlacke bezeichnet [74].
2.2 Hüttensand 11
HS, eingegliedert nach einer umfangreichen Datenanalyse durch Ehrenberg [74]. Daran kann schon
die wahrscheinlich geringe Bedeutung dieser Stoffe 1M.-% bzgl. der Reaktionsfähigkeit des HSs
abgeleitet werden. Hinsichtlich des TiO2-Gehaltes ist indes zu beachten, dass höhere Gehalte als 1
M.-% reaktionsbehindernd wirken können [74,322]. Ebenfalls indirekt negativ wirken erhöhte MnO-
Gehalte, da sie nach Ehrenberg [74] die Schmelztemperatur vermindern, wodurch die Reaktivität des
HSs abnimmt [74,296]. Der Anteil des Schwefels liegt im HS aufgrund der reduzierten Bedingun-
gen innerhalb des Hochofenprozesses überwiegend als Sulfid vor, wird aber oftmals als Sulfat oder
Schwefeltrioxid (SO3) angegeben [136,182].
Oftmals unbeachtet bleibt der Einfluss einer längeren Lagerung des HSs im Freien, also unter Zu-
führung von Feuchtigkeit, bei der starke Verfestigungen auftreten können, die nur schwer zu lö-
sen sind [75,76,124,136]. Ehrenberg [75] hat in seinen Untersuchungen von HS, der mindestens
über eine Dauer von vier Jahren im Freien gelagert wurde, herausgefunden, dass die Produktbil-
dung auf den Oberflächen der Körner ein übliches Resultat der stattfindenden Hydratation ist. Er
analysierte Produkte wie Ettringit und Calcit, bei über die Zeit abfallenden Reindichten und stei-
genden Glühverlusten [75]. Gleichwohl muss dies nicht auch zwangsläufig eine Verringerung der
Reaktionsfähigkeit bzw. eine Verminderung der Festigkeit beim Einsatz im Zement bedeuten [75].
Lang [124] stellte bei ähnlichen Versuchen fest, dass die lediglich oberflächlich stattfindende Hy-
dratation des HSs über die Lagerungsdauer ansteigende Gehalte an Kohlenstoffdioxid (CO2) und
Wasser aufweist. Dies kann dagegen durch eine feinere Aufmahlung ausgeglichen werden, sodass
die Hydraulizität nicht benachteiligt wird [124]. Der Einfluss der Aufmahlung, der meist durch die
Angabe des Blaine-Wertes16 erfolgt, ist oftmals ein erstes aussagekräftiges Indiz für die Reaktivität
bzw. das Potential der Festigkeitsentwicklung eines HSMs in Verbindung mit PZ [76,217,218,299].
Somit ist unter einer Zunahme der Feinheit eine erhöhte Bereitschaft der Festigkeitsentwicklung zu
erwarten [276,299]. Diese Feststellung wurde bereits in der Norm für Eisenportlandzemente [309]
formuliert, begründet mit der Erkenntnis, dass mit einer größeren Anzahl an feinen Anteilen auch
mehr Reaktionen stattfinden. In der heute geltenden Norm DIN EN 15617-1 [54], in der das HSM als
Betonzusatzstoff geregelt ist, wird eine notwendige Mahlfeinheit nach Blaine von mindestens 2.750
cm2/gangegeben. Eine ähnliche Forderung an die Feinheit wird von Ehrenberg etal. [76] getroffen,
mit 2.000 cm2/gnach Blaine, um das latent-hydraulische Potential des Bindemittels auszunut-
zen. Reschke etal. [217,218] bestätigen diese von der Mahlfeinheit abhängige Eigenschaft für eine
Vielzahl weiterer Zusatzstoffe beim Einsatz in Mörtel und Beton, gleichwohl zeigen die Ergebnisse
auch, dass das HSM die größte Festigkeitssteigerung besitzt. Vergleichbar sind diese Feststellungen
zu der schon lange ausgeführten Praxis von der Steuerung der Festigkeiten bei Zementen über die
Mahlfeinheit, mit den bekannten Festigkeitsklassen 32,5, 42,5 und 52,5 [61,311].
CaO
SiO2
>1 "Einfache" Basizität (1886) [299] (2.1)
(CaO +MgO)
(SiO2+Al2O3)1 nach Norm für Eisenportlandzement (1909) [309] (2.2)
(CaO +MgO +Al2O3)
SiO21 nach DIN 1164 (1942) [46] (2.3)
(CaO +MgO)
SiO2
>1 nach DIN EN 15617-1 (2006) [53] (2.4)
Mit der Erfassung der beschriebenen Abhängigkeiten und Einflussfaktoren der chemischen Zusam-
mensetzung von HS wurde schon zur Einführung der ersten Normen [46,309], bei der Verwendung
von HS im Zement, der Versuch unternommen eine einheitliche Vergleichsbasis durch die Bildung
von verschiedenen Quotienten der Hydraulizität zu schaffen [127,276,299]. Smolczyk [276] kommt
in seinen Untersuchungen zu dem Schluss, dass die Reaktionsfähigkeit eines jeden HSs unbekannter
Herkunft hinsichtlich seiner Festigkeitsentwicklung in Zementen nicht gesamtheitlich durch die Be-
rechnung von Hydrauleformeln, nur anhand der chemischen Zusammensetzung, abgebildet werden
kann. Nach den oben genannten Formeln 2.1 bis 2.4, die nur einen Auszug von weiteren zur Verfü-
gung stehenden Summenparametern darstellen17, die die Reaktivität eines HSs beschreiben sollen,
besitzen alle Formeln eine Gemeinsamkeit: Sie begrenzen den Anteil an SiO2und weisen den Anteil
16Der Blaine-Wert gibt die spezifische Oberfläche eines fein aufgemahlenen Stoffs an, der durch ein Vergleichsverfahren auf
der Basis der Luftdurchlässigkeit (Verfahren nach Blaine) bestimmt wird [64,87].
17Weitere Formeln sind in den Veröffentlichungen von Schröder [254] und Ehrenberg [74] übersichtlich dargestellt.
2.2 Hüttensand 12
an CaO als reaktive Komponente aus. Dies geschieht jedoch nur auf der Grundlage der Oxidzusam-
mensetzung und nicht unter der Zuhilfenahme weiterer zuvor beschriebener Einflussfaktoren in der
Herstellung von HS oder der dann folgenden Lagerung oder Aufmahlung.
Der nicht reaktive kristalline Anteil des HSs wird nach DIN EN 15617-1 [54] auf maximal 1/3 be-
grenzt und besteht mineralogisch betrachtet meist aus Melilith18, Merwinit (3CaO ·MgO ·2SiO2)
oder auch Monticellit (CaO ·MgO ·SiO2) [76,136,303]. Locher [136] weist dagegen auch auf das
Vorhandensein weiterer Phasen hin wie β-Dicalciumsilikat19 bei CaO-reichen Schlacken, Pseudo-
wollastonit (α-CaO ·SiO2) bei CaO-ärmeren Schlacken sowie Spinell (MgO ·Al2O3) und Periklas
(MgO) bei erhöhten MgO-Gehalten. Mit dem nach DIN EN 15617-1 [54] festgesetzten Massenanteil
von 2/3 reaktiver bzw. glasiger Schlacke wird an die chemische Zusammensetzung weiterhin die
Forderung gestellt, dass 2/3 CaO +MgO +SiO2sein soll und der restliche Anteil vorzugsweise
aus Al2O3besteht. Die geforderten Anteile sollen die entsprechend hohe Reaktionsfähigkeit des HSs
bei der Hydratation und der damit verbundenen Phasenbildung gewährleisten, woraus möglichst
hohe Druckfestigkeiten enstehen sollen, die in früheren wie heutigen Normen [46,53,309] als der
Maßstab der Reaktivität eines HSs angesehen werden.
2.2.2 Hydratation
(a) (b) (c) (d)
Abbildung 2.3: Erhärtungsmodell unterschiedlich reagierender Stoffe von (a) hydraulisch, (b) latent
hydraulisch, (c) puzzolanisch bis (d) inert (nach [302])
Grundsätzlich ist der Erhärtungsprozess von Stoffen wie PZ,HSM, Puzzolanerde bzw. SFA und
Quarzmehl zu unterscheiden. Bei der Differenzierung nach Abbildung 2.3 kommt es darauf an, ob
diese Stoffe durch die Zugabe von Wasser allein reagieren (hydraulisch), der einmaligen Anregung
bedürfen (latent hydraulisch), der ständige Verbrauch des Anregers gegeben ist (puzzolanisch) oder
ob es inerte Stoffe sind, die nahezu keinen Hydratationsbeitrag leisten [136,143,284,285,302].20
Inerte Stoffe, zu denen diverse Gesteinsmehle wie Quarzmehl zählen, dienen oftmals als Füller-
material nach DIN EN 206 [62], wodurch sich freie Zwischenräume in der Matrix besetzen lassen
[285]. Als Anreger der natürlichen Puzzolane wie Trass oder verschiedene Vulkanerden (Puzzolan-
oder Santorinerde), die schon die Römer zum Bau verwendet haben (siehe Unterkapitel 2.1), und der
künstlichen Puzzolane wie Silicastaub oder SFA dient das bei der Hydratation des PZs frei werdende
Ca(OH)2[136,285,302]. Dabei kann ebenso Kalk als Anreger für die Reaktion dienen, der zusammen
mit dem oftmals hohen reaktiven Gehalt an SiO2die C-S-H-Phasen entstehen lässt [136,285,302]. Be-
sitzen puzzolanische Stoffe meist zwischen 50 und 80 M.-% bzw. nach DIN EN 197-1 [61] mindestens
25 M.-% an reaktivem SiO2und weniger als 10 M.-% an CaO, so ist der Anteil an nicht reaktivem
SiO2bei inerten Stoffen wie dem Quarzmehl bei nahezu 100 % [136,302]. In dieser Hinsicht lässt
sich das latent hydraulische HSM mit seinem kontroversen Verhältnis an SiO2[136,302] und insbe-
sondere dem entscheidend höheren Anteil an CaO, wie dies die beispielhafte Zusammensetzung im
Unterkapitel 2.2.1 aufzeigt, deutlich von den zuvor dargestellten Stoffen abgrenzen. Das HSM kann
auf verschiedenen Wegen zur hydraulischen Erhärtung angeregt werden. Dies geschieht nicht nur
über das Ca(OH)2des PZs, sondern auch durch weitere alkalische Lösungen oder infolge sulfati-
scher Erregung [122,136,284]. Die erste Erkenntnis zur Funktion der Hydratation des HSMs und
18Melilith ist ein Mischkristall aus Gehlenit (2CaO ·Al2O3·SiO2) und Åkermanit (2CaO ·MgO ·2SiO2) [76,136].
19β-Dicalciumsilikat ist eine Klinkerphase des PZs die auch als Belit bezeichnet wird (siehe Tabelle 2.4, Seite 6).
20Zur Erklärung der Herkunft der verschiedenen Begrifflichkeiten: hydraulisch, lat.: hydraulicus - mit Wasser betrieben;
latent, lat.: latens - verborgen, heimlich; puzzolanisch, geht auf den ehemaligen Ort Puteoli das heutige Pozzuoli am Vesuv
zurück; inert, lat.: inertia - Untätigkeit, Trägheit [284,285].
2.2 Hüttensand 13
seiner Überführung in die hydraulische Erhärtung lieferte Michaelis [162] im Jahre 1888. Ihm war
bereits bewusst, dass das durch die Hydratation des PZs frei werdende Ca(OH)2mit dem reaktiven
SiO2des HSMs eine Verbindung eingeht [162]. Zusätzlich ist aber auch eine Hydratation, mit deut-
lich geringeren Festigkeiten als mit einer Anregung durch PZ, mittels einer Anregung durch Wasser
möglich [162].
Zwar wird die Reaktion des HSMs mit Wasser in der Literatur oftmals als schwach bzw. langsam
und in der Bildung der Festigkeitsphasen für technische Zwecke als eher ungeeignet betrachtet
[73,122,204,211], doch wird durch die Bildung von Hydratationsprodukten und der damit einset-
zenden Erstarrung eine weitere Verwendung des Bindemittels unterbunden [299,320]. Als Beispiel
für die geringe Reaktionsfähigkeit eines HSMs unter Anregung von Wasser dient ein Vergleich des
Hydratationsverlaufs mit Blick auf den maximalen Wärmefluss gegenüber einem PZ, dargestellt in
Abbildung 2.1 auf Seite 5. Wenn der Verlauf des HSMs auch zeitlich etwas verschoben auftritt, ließe
sich dennoch, ähnlich zum PZ, eine Unterteilung in Hydratationsperioden vornehmen [266,267]. Die
mineralogische Zusammensetzung eines HSMs differiert gegenüber der eines PZs, da das HSM eher
keine kristallinen Klinkerphasen besitzt [74,136]. Daher sind die C-S-H-Phasen als hauptsächlich
generierte Hydratphasen, die in ihrer Entstehung weitestgehend unabhängig von der Anregerart
(PZ, alkalische Lösung, Wasser etc.) sind, im erhärteten Zustand die gemeinsame Konstante dieser
beiden Bindemittel [77,211,268]. Der wohl größte Unterschied in den Hydratationsprodukten bei
der Reaktion von HSM und PZ mit Wasser zeigt sich bei der Ausbildung von Ca(OH)2, welches bei
der Hydratation des HSMs in der festen Phase nahezu gar nicht entsteht [122,303]. Dadurch ergibt
sich eine feinere und dichtere Mikrostruktur als beim PZ, die beispielhaft links und oberhalb vom
HS-Korn in Abbildung 2.421 dargestellt ist. Dies wird vielfach als Vorteil des HSMs gegenüber dem
PZ betrachtet und trägt dazu bei, dass ein Bindemittel mit HSM-Beteiligung eine geringere Permea-
bilität und demnach eine höhere Dauerhaftigkeit, speziell gegenüber chemisch aggressiven Stoffen,
aufweist [77,220,225,303]. Die ausgebildete Struktur wird auch als gelartig [182], folienartig sowie
fein skaliert und homogen beschrieben [220,225].
(a)
(b)
3μm 1μm
Abbildung 2.4: Hydratphasen des HSMs nach 7 dder Hydratation in (a) und (b) mit unterschiedli-
cher Vergrößerung
Bei der Reaktion des HSMs mit Wasser werden zuerst schwach gebundene netzwerkwandelnde Stof-
fe gelöst, dabei gehen die Ionen Ca2+,Mg2+,Mn2+und die Alkaliionen Na+sowie K+in Lösung
[284,321]. Wassing [320,321] spricht bei diesem Vorgang nicht von einem Hydratationsprozess, son-
dern von einer Glaskorrosion, da die Schlacke bei der Granulation vorzugsweise zu Glas erstarrt und
in Verbindung mit wässrigen Lösungen in ihrer Struktur angegriffen wird. Nach dem anfänglichen
in Lösung gehen kommt die Reaktion des HSMs kurzzeitig zum Erliegen, bis die notwendige Kon-
zentration an Alkalien und Calcium erreicht ist [44,122]. Möglicherweise wird der weitere Bedarf an
Ca2+- und OH-Ionen (Hydroxylionen) auch erst durch eine entsprechende Anregung gedeckt wer-
den können, damit eine weitere Reaktion stattfindet [44,122,284]. Durch die in Lösung befindlichen
Ionen wird das Netzwerk, welches beim HS vorzugsweise aus SiO4-Tetraedern und AlO6-Oktaedern
21Bei der feinen Pigmentierung auf dem HS-Korn handelt es sich um die von der Probenvorbereitung stammende Gold-
schicht.
2.2 Hüttensand 14
besteht, langsam gelöst [76,122,284,298]. Soll eine entsprechende Steigerung der Lösungsgeschwin-
digkeit herbeigeführt werden, kann die OH-Konzentration, beispielsweise durch die Verwendung
von NaOH, angehoben werden [74,77,122,211,298]. Dabei war es Kühl [122], der den Verdacht äu-
ßerte, dass das latent hydraulische HSM zur Einleitung des Erhärtungsprozesses bzw. zur Auslösung
der Hydratation offensichtlich auf einen entsprechenden pH-Wert oder im allgemeinen die Hydro-
xylionen angewiesen ist. Nach der Beschreibung von Kühl [122] entstehen als Folge genügend hoher
in Lösung befindlicher Ca2+-Ionen und in Abhängigkeit von weiteren gelösten Stoffen, bei der Re-
aktion von HSM mit Wasser, den vorliegenden Konzentrationen entsprechende C-S-H- und C-A-H-
Phasen. Wassing [320,321] weist dem Gehalt an Al2O3eine maßgebliche Dominanz in der Bildung
der Hydratationsprodukte zu, wonach dessen Gehalt zuerst die Bildung von hydrotalcit-ähnlichen
Phasen (Mg4Al2(OH)14 ·3H2O) reguliert und bei nicht komplettem Verbrauch weitere kristalline
Produkte unter Beteiligung von Aluminium entstehen lässt, wie C-A-S-H-Phasen und auch Ettringit.
Die festigkeitsgebenden C-S-H-Phasen sind das Hauptprodukt der Hydratation [122,136,298,321].
Sie wachsen auf den Körnern des Bindemittels, wodurch sich die Matrix des Bindemittels zuneh-
mend verdichtet und die Kompaktheit gesteigert wird, aber sich auch eine Unterteilung in innere
und äußere Produkte ergibt [220,225,321].22 Hierbei ist die Entstehung der C-S-H-Phasen im star-
ken Maß von dem zur Verfügung stehenden CaO-Gehalt abhängig, woraufhin sich unterschiedliche
C/S-Verhältnisse in den Hydratphasen einstellen können [122,211,225,295]. Richardson u. Groves
[225] zeigen die Abnahme des C/S-Verhältnisses anhand des zunehmenden Gehaltes an HSM in ei-
nem Mischsystem mit PZ, bis zum vollständigen Ersatz des PZs. Liegt also nicht genügend Calcium
in der Lösung vor, so stellen sich eher kalkärmere Hydratphasen ein [122]. Jedoch ist der in Lösung
vorliegende CaO-Gehalt nicht allein von der Alkalität des HSMs abhängig, sondern auch von dem
in der Porenlösung vorliegenden pH-Wert [136], wobei nach Teoreanu [298] ein Wert oberhalb von
12 förderlich für die Reaktion von HSM und Wasser ist. Nach Bildung der ersten Hydratationspro-
dukte und der eintretenden Erstarrung beginnt die Erhärtung, die beim HSM, bei ausreichend zur
Verfügung stehendem Wasser, erheblich sein kann und auch nach Jahren immer noch ansteigende
Druckfestigkeiten generiert [162,299].
Die Bildung von Ettringit als Hydratationsprodukt der Reaktion von HSM und Wasser ist im We-
sentlichen abhängig von dem Dargebot an Schwefel und seiner vorliegenden Ladung der Ionen, da
eine Phasenbildung zu Ettringit erst der Umwandlung von dem im HSM meist vorliegenden Sulfid-
Ion (S2) zum Sulfat-Ion (SO2
4) bedarf [124,321]. Möglicherweise tritt eine Ettringitbildung auch
erst nach Zuführung von Gips auf, z. B. durch die Anregung des HSMs, der durch seine Lösung das
notwendige Sulfat direkt bereitstellt [284,321]. Weiterhin muss eine ausreichende Konzentration an
Calcium und Aluminium in der Lösung vorhanden sein sowie der angemessene pH-Wert vorliegen
[274,284,305]. Grundsätzlich bedarf es also einiger notwendiger Umstände und Umwandlungen,
dass die Hydratphase Ettringit auftritt, wenn sie aufgrund weiterer entstehender Phasen und Um-
wandlungen nachfolgend auch nicht gänzlich kristallin vorliegt und frei von Beeinträchtigungen
analysiert werden kann [274]. Der Nachweis des Auftretens dieser Produkte wurde sowohl in den
Untersuchungen zur Lagerung von noch nicht aufgemahlenem HS [75,124], als auch bei der kon-
trollierten Reaktion von HS mit Wasser [305,321] durchgeführt. In keinem dieser Fälle hatte der
analysierte HS höhere Gesamtschwefelgehalte als 1,5 M.-%, wovon mindestens 90 % als S2vorla-
gen [75,305,321]. Kühl [122] schließt die Entstehung von Ettringit und damit die Oxidation des S2
zu SO2
4aus und verweist auf eine mögliche Bildung von Calciumaluminatsulfidhydrat, wenn nicht
eine sulfatische Anregung des HSM vorliegt, so wie beim Sulfathüttenzement.
2CaS +2H2OCa(SH)2+Ca(OH)2Calciumhydrosulfid [122,264,284] (2.5)
CaS +3SCaS4Polysulfid [122] (2.6)
Mit dem Dargebot an Schwefelverbindungen im HSM kann sich nicht nur eine Ettringitbildung ein-
stellen, sondern es ergeben sich bei der Hydratation auch weitere Verbindungen, die im erhärtenden
Zustand das Aussehen und den Geruch verändern [299,303,321]. So sind es blau-grünliche Farb-
veränderungen, die den Baustoffen mit HSM-Beteiligung nach dem Entschalen meist ihr charakte-
ristisches Aussehen verleihen, wie sie in Abbildung 2.5 zu sehen sind [216,299,303]. Diese Farbver-
änderungen gehen auf die Reaktion von Calciumsulfid (CaS) mit Wasser zurück, in der Form des
Reaktionsverlaufs von 2.5 [122,284]. Das bei der Hydratation entstehende Ca(OH)2wird in Reak-
22Die inneren Produkte sind die Phasen, die sich direkt auf der Kornoberfläche bilden und die äußeren Produkte die, die in
den mit Wasser gefüllten Raum hineinwachsen [225].
2.3 Verzögerung 15
tionsprodukten gebunden, hingegen wandelt sich der Teil des Calciumhydrosulfids (Ca(SH)2) mit
weiteren Anteilen an Schwefelsulfiden zu Polysulfiden um (siehe Reaktion 2.6) [122,216,284]. In
Verbindung mit den gelösten Metallionen des HSMs, wie die von Eisen und Mangan, ergeben sich
unter nahezu anaeroben Bedingungen Metallsulfide, die je nach Spezifikation des Metalls ein Farb-
spektrum zwischen blau und grün aufweisen [19,216,284]. Dauerhaft ist diese Verbindung nicht,
da unter aeroben Bedingungen die Sulfide zu Sulfaten oxidieren und farblose Metallverbindungen
zurück bleiben [19,216,284]. Wie in Abbildung 2.5 gezeigt, ist die Veränderung zur hellen Farbe ab-
hängig von der Zeit, aber auch von der Permeabilität des Baustoffs [19,216]. Daher kann es sein, dass
eine Rückentwicklung der Farbveränderung bei besonders hoher Gefügedichte auch nach mehreren
Wochen der Hydratation immer noch nicht komplett abgeschlossen ist, wie dies Abbildung 2.5(b)
darstellt [284]. Somit kann die Farbveränderung eine qualitative Aussage darüber treffen, welcher
Hydratationszustand gegeben ist und welche Dauerhaftigkeit vorliegt [216,284]. Mit der Farbver-
änderung geht meist die Geruchsentwicklung einher, aufgrund der nicht kompletten Oxidation des
S2zu SO2
4und der Bindung des SO2
4in Ettringitphasen, doch wahrscheinlich auch als Folge ei-
ner zu geringen zur Verfügung stehenden Menge an Aluminium und Calcium im HSM [321]. Die
Freisetzung des Geruchs in Form von Schwefelwasserstoff aus der Reaktion von S2+2H+H2S
geht jedoch nicht nur auf den Hydratationsprozess des HSMs zurück [264,321], sondern auch auf die
Granulation der Schlacke [74,303].23 Die Freisetzung des Schwefelwasserstoffs kann ebenso durch
die Einwirkung von Kohlensäure erfolgen [122], was in ähnlicher Reaktion von der möglichen Her-
stellung von Schwefelwasserstoff durch die Einwirkung von Salzsäure auf Eisensulfid bekannt ist
[260].24 Der HS ist anfällig gegenüber der Aufnahme von CO2aus der Luft und neigt dazu bereits im
unaufgemahlenen Zustand Calciumcarbonat (CaCO3) bzw. mineralogisch betrachtet Calcit zu bil-
den, was in verschiedenen Untersuchungen [73,75,124] gezeigt wurde. Daher ist die weitere Reak-
tion und das Vorkommen von Kohlensäure, d. h. die Lösung des CO2in Wasser [260], eine mögliche
Reaktion, die im Feststoff aus HSM erfolgen kann [122].
Abbildung 2.5: Farbveränderung des HSMs nach unterschiedlicher Hydratationszeit und Anregung,
in (a) nach 7 dmit Wasserglas und (b) nach 65 dmit Wasser
Die Entstehung von Hydratationsprodukten durch eine alkalische Anregung sowie die dafür in Be-
tracht kommenden Anreger, deren Wirkungsweise und Eigenschaften werden in Unterkapitel 2.4
detaillierter behandelt.
2.3 Verzögerung
Beim Gebrauch von Beton, in der bevorzugten Verwendung mit einem PZ-Klinker-basierten Binde-
mittel, können eine Vielzahl an Zusatzmitteln nach DIN EN 934-2 [67] eingesetzt werden, meist mit
23Als Emissionsparameter gibt Ehrenberg [74] die Schlacke selbst, die Temperatur des Granulationswassers und das Verhält-
nis von Schlacke zu Wasser an.
24Zu bedenken ist die mögliche Korrosionswirkung infolge der Schwefelwasserstoffbildung für Metalle, besonders beim
Einsatz in anorganischen Bindemitteln wie Beton [14,136]. Gleichermaßen können erhöhte Anteile an Eisensulfid, z. B. aus
der Herkunft der im Beton eingesetzten Gesteinskörnung, durch die Oxidation zu Treiberscheinungen und Zerstörung des
Betons beitragen [172,299], daher werden diese nach DIN EN 12620 [59] stark beschränkt.
2.3 Verzögerung 16
dem Ziel, den frischen oder festen Zustand nachhaltig zu beeinflussen [114]. Dabei kann z. B. die
Absicht bestehen, die Mischung zu verflüssigen, mit Hilfe von Betonverflüssiger oder Fließmittel
[67,114]. Hingegen soll durch die Verwendung eines Verzögerers die Mischung länger verarbeit-
bar bleiben, wodurch die Erstarrung und Erhärtung gesteuert wird [67,114].25 Grundsätzlich ist die
Masse der eingesetzten Substanzen, ob als Flüssigkeit oder Pulver, nach DIN EN 206 [62] auf maxi-
mal 5 M.-% vom Zementgehalt (v. Z.) beschränkt. Für den Einsatz eines Verzögerers in einem Bin-
demittelsystem ergeben sich Einflüsse auf die Eigenschaften des Luftgehaltes im frischen Zustand,
die Druckfestigkeit und die Erstarrungszeit [67]. Als positive Wirkung kann die Wasserundurchläs-
sigkeit, die Nacherhärtung und eine Verbesserung der Verarbeitbarkeit eintreten, allerdings können
sich auch negative Wirkungen in Form einer Umkehrreaktion als Folge einer Überdosierung einstel-
len [114,169]. Eine solche Reaktion ist das rasche Abbinden, woraufhin ein Verzögerer, ob auf an-
organischer oder organischer Basis, bei Überdosierung zum unfreiwilligen Beschleuniger wird und
das Bindemittelsystem eventuell schneller erstarrt als ohne Zugabe des Verzögerers [129,230,231].
Besondere Sorgfalt ist bei der Nachbehandlung geboten, da für die Bindemittelsysteme mit Verzö-
gerereinsatz durch äußere Einflüsse und die lange Verarbeitungszeit die Gefahr der Austrocknung
besteht [169,172,257]. Auch im Sinne der Schwindneigung, die bei Verzögerereinsatz durch die län-
gere vorhandene plastische Konsistenz erhöht gegeben ist, sollte die Nachbehandlung ausreichend
vorhanden sein [105], da mit Anstieg der relativen Luftfeuchte die Schwindneigung vermindert wird
[253]. Allgemein betrachtet ist die Wirkungsweise eines Verzögerers nicht nur von der Dosierung der
jeweiligen Art abhängig, sondern auch von den Umgebungsbedingungen, insbesondere der Tempe-
ratur und dem verwendeten Bindemittel [169,172,256].
Nach DIN EN 934-2 [67] ist ein Verzögerer ein Zusatzmittel, welches maßgeblich die Zeit der Ver-
arbeitbarkeit verlängert, also die Plastizität der Mischung weiterhin gewährleistet. Durch diese Ei-
genschaft ergibt sich vorrangig der Einsatz bei einer notwendigen verlängerten Verarbeitung, z. B.
bei der Betonage von größeren Bauteilen ohne Arbeitsfugen oder bei langen Fahrzeiten von Trans-
portbeton [14,114,172,209,256]. Bauteile einer solchen Kategorie sind Bohrpfähle und allgemein
Massenbetone26, bei denen sowohl der Anspruch an eine geringe Hydratationswärmeentwicklung
als auch die lange Verarbeitungszeit besteht [142,256]. Weniger gewöhnlich ist die Verwendung von
Verzögerern in Bindemittelsystemen bei der Bohrtechnik zur Förderung von Öl und Gas, zur Re-
gulierung der Hydratation bis zum gewünschten Einsatz oder bei Umständen, die anregend auf
das Bindemittel wirken, wie Hitze oder der Einwirkung von Alkalien [202,296]. Verzögerer, die eine
andauerndere Wirkung besitzen wie die gewöhnlichen Verzögerer, die nach DIN EN 934-2 [67] maxi-
mal 360 min später erstarren als ihre jeweilige Referenzmischung ohne Verzögerer, können als Lang-
zeitverzögerer oder Recyclinghilfen bezeichnet werden und eignen sich dazu, abhängig von ihrer
Leistungsfähigkeit, das Bindemittel mehrere Tage zu verzögern [114,237,311]. Daher ist deren Ein-
satz für den Transportbeton zur Aufbereitung oder direkten Wiederverwendung des Restwassers,
Waschwassers oder auch des Restbetons geeignet [237,311]. Eine in deutschen Transportbetonwer-
ken gängige Methode ist die Aufbereitung des Restbetons, wonach das Restwasser mit Feinststoffen
und dessen Gesteinskörnung, welche zuvor von der nicht verwendeten Masse abgetrennt wurde,
erneut zur Herstellung von Frischbeton eingesetzt wird [237,311]. Eine ebenso mögliche wie aber
auch logistisch aufwendigere Methode ist die direkte Wiederverwendung des Restbetons nach ver-
schieden möglichen Verzögerungsperioden, d. h. ohne vorherige Abtrennung der Einzelkomponen-
ten, entweder durch die Zuführung von Frischbeton zur Wiederanregung [237,311] oder durch die
Zuführung eines Beschleunigers, beispielsweise eines Calciumsalzes [22]. In zukünftigen Projekten
der computergesteuerten autonomen Bauwerksherstellung könnte der Verzögerer auch zur Vorferti-
gung eines Betons eingesetzt werden, wodurch die Mischung dann nur noch mit der entsprechenden
Anregermenge reaktiviert werden muss, um einen kontinuierlichen Baufortschritt zu gewährleisten
[134].
Die Verzögererwirkung von Bindemittelsystemen auf der Basis von PZ kann sowohl durch anorga-
nische als auch organische Zusatzmittel hervorgerufen werden. Dabei findet durch beide Vorgänge
ein Eingriff in den chemischen Ablauf der Hydratation statt [14,169,311,324], der nach Benedix [14]
durch schwer lösliche Calciumverbindungen, die sich vorzugsweise auf der C3A-Oberfläche des Ze-
25Eine Verzögerungswirkung kann ebenso beim Einsatz von Betonverflüssigern und Fließmitteln auftreten [197,214,279],
daher sind derartige doppelte Eigenschaften nach DIN EN 934-2 [67] mit einer eigenen Bezeichnung gekennzeichnet, wie
Verzögerer/Fließmittel.
26Massenbeton, also Beton für massige Bauteile, betrifft Bauteile deren kleinste Abmessung mindestens 0,80 mbeträgt [45]
und deren aufkommende Hydratationswärme im Betonkern nur vermindert oder gar nicht abfließen kann und somit einer
deutlichen Temperaturerhöhung erlegen ist [323]. Dazu zählen u. a. Dämme und Fundamente von Großkraftwerksbauten
[62,142].
2.3 Verzögerung 17
mentklinkerbestandteils abscheiden und so die Bildung der Hydratphasen behindern, hervorgerufen
wird. Konkret verwies Kühl [122] u. a. auf die verzögernde Wirkung von Zink- & Zinnchlorid sowie
Zucker, mit der Erkenntnis, dass eine Korrelation zwischen deren Einsatz und der Abbindezeit von
PZ besteht. Allgemeiner dagegen ist der Verweis auf die verzögernde Eigenschaft der Rohstoffe Sac-
charose, Gluconate, Phosphate und Ligninsulfonate [240,311]. So gibt die Tabelle 2.6 einen Überblick
über sehr effektive und auch effiziente Verzögerer in PZ-basierten Bindemitteln. Als besonders effek-
tiv hinsichtlich der Länge der Verzögerung und der Höhe der Konzentration bzgl. des Zementgehal-
tes gelten z. B. Phosphate [129], mehr Effizienz, also eine längere Verzögerung bei einer geringeren
Konzentration, zeigt indes das Na-Gluconat [153,164,167,171]. Richartz [230,231] stellt in seinen
Untersuchungen den Zusammenhang der Leistungsfähigkeit von anorganischen und organischen
Verzögerern dar mit Bezug zum Zugabezeitpunkt, der eingesetzten Konzentration und der Zusam-
mensetzung des Zementes, insbesondere der Sulfatkomponente und der Umgebungstemperatur. Er
weist auf die komplexen Zusammenhänge hin, in denen der Verzögerer nicht nur die dormante Pe-
riode zeitlich maßgeblich ausdehnt, sondern auch auf das in Lösung gehen weiterer Komponenten
einwirkt und so das Wachstum von Hydratationsprodukten behindert [230,231]. Die Ergebnisse von
Lieber [129] zeigen auf, dass die verzögernde Wirkung der Phosphate im Wesentlichen die Hydro-
lyse des C3Seinschränken, aber auch die Ettringitbildung beeinflussen und sich somit negativ auf
die kurzfristige Festigkeitsentwicklung auswirken. Er postuliert, dass dieser Einfluss durch unlösli-
che Calciumphosphate auf der Oberfläche der Zementkörner hervorgerufen wird, jedoch kann sich
längerfristig eine erhöhte Festigkeit einstellen [129]. Ähnliche Wirkungen konnten von Lieber [128]
sowie Lieber u. Gebauer [130] bei Zinkoxid und von Ma etal. [153] bei Na-Gluconat, bei der Verwen-
dung von unterschiedlichen Konzentrationen, festgestellt werden. Hingegen vermuten Möschner
etal. [168], als Ergebnis ihrer Experimente mit Citronensäure, weniger eine Komplexbildung, son-
dern eher eine Schutzhülle, die die Zementkörner umgibt und so die weitere Reaktion verhindert.
Bei dem Einsatz von Zucker bzw. Kohlenhydraten gilt es zu differenzieren zwischen Mono- (z. B.
Glucose, Fructose), Di- (z. B. Saccharose, Lactose), Tri- , Oligo- und Polysacchariden (z. B. Cellulose)
[30,312], da nicht jede dieser Saccharide die gleiche verzögernde Wirkung gegenüber der Hydrata-
tion von PZ aufweisen muss [30,209,273,324].
Tabelle 2.6: Auswahl einiger wirkungsvoller anorganischer und organischer Verzögerer beim Einsatz
im PZ mit Vermerken zur Literatur
Anorganische Verzögerer Organische Verzögerer
Phosphate, z. B. K-/Na-Phosphat [129,230,231] Zucker, z. B. Saccharose [21,30,329]
Zink bzw. Zinkoxid [128,286,324] Citronensäure [168,230,231]
Na-Gluconat [153,164,306]
Die besondere Wirkung von Zucker auf die Hydratation des PZs hinsichtlich der Verzögerung des
Erstarrens, einer möglichen nicht vorhandenen Frühfestigkeit und einer verflüssigenden Wirkung,
wurde bereits von Hundeshagen [105] im Jahre 1923 in praktisch bezogenen Abbindeversuchen
nachgestellt und untersucht. Diese Versuche erfolgten aufgrund einer fehlgeschlagenen Betonage
einer Decke in einer Zuckerfabrik, in der selbst nach fünf Wochen kein Abbinden des Betons stattge-
funden hatte [105]. Eine Vielzahl der Wirkungen von organischen Zusatzmitteln und ihrem Einfluss
auf die Hydratation des PZs sind bekannt, trotzdem bleiben als Erklärungen dieser Phänomene meist
nur Annahmen und Thesen, auf die im Weiteren näher eingegangen wird.
2.3.1 Organische Verzögerer
Viele organische Verzögerer besitzen gegenüber den anorganischen Substanzen den Vorteil, dass sie
einfach und mit geringen Kosten herzustellen sind sowie eine hohe Löslichkeit in Wasser aufweisen,
wie viele verschiedene Zuckerarten oder die D-Gluconsäure im Speziellen [40,106]. Im Folgenden
werden die organischen Stoffe, die die Hydratation des PZs beeinflussen können, unter dem Aspekt
ihrer Herkunft und den Einsatzmöglichkeiten vorgestellt.
In Tabelle 2.7 sind verschiedene organische Verzögerer, die ihren Einsatz vorzugsweise in PZ-basierten
Bindemittelsystemen haben, in drei maßgebliche Wirkstoffgruppen unterteilt:27 Die Ligninsulfona-
27Zusätzlich zu den drei hier genannten Gruppen könnte eine weitere vierte Unterteilung vorgesehen werden, zu der nicht
zuordenbare organische Verzögerer gezählt werden, wie z. B. Harnstoff [40,155].
2.3 Verzögerung 18
te, die Kohlenhydrate und die Carbon- bzw. Hydroxycarbonsäuren. Vielfach trifft es auf die Stoffe
der beschriebenen Gruppen zu, dass sie nicht nur verzögernd, sondern auch verflüssigend wirken
können und sich somit auch ein Einsatz als wasserreduzierender Stoff, wie z. B. bei dem Ligninsul-
fonat, ergibt oder gar anbietet [40,240]. Erfolgt ein solcher Einsatz, ist es auch nicht unüblich, die
in dem Fall unerwünschte verzögernde Wirkung durch ein weiteres erstarrungsbeschleunigendes
Additiv, wie z. B. Calciumchlorid, aufzuheben [40,240]. Bei dem Ligninsulfonat, welches aus dem
Lignin des Holzes hergestellt wird, handelt es sich um einen Verflüssiger, der zusätzlich und vor
allem bei erhöhten Konzentrationen verzögernde Eigenschaften besitzt [14,40,240]. Zu den Kohlen-
hydraten zählen diverse Zuckerarten wie das Disaccharid Saccharose oder das Polysaccharid Cel-
lulose, welches ebenfalls aus dem Rohstoff Holz gewonnen werden kann [14,300]. Carbonsäuren
sind vorzugsweise durch ihre Carboxygruppe COOH bzw. CO2Hcharakterisiert (siehe Abbil-
dung 2.6(a)), wie die Essigsäure [14,240,312]. Binden diese Säuren allerdings zusätzlich Hydroxy-
gruppen (OH) strukturell (siehe Abbildung 2.6(b)), handelt es sich um Hydroxycarbonsäuren, wie
die Citronensäure oder die D-Gluconsäure [14,240,312]. Die Strukturformel der D-Gluconsäure28
ist in Abbildung 2.6(d) dargestellt, dabei weist sie fünf Hydroxygruppen und eine Carboxygruppe
auf [106,312]. Demgegenüber besitzt die Citronensäure (siehe Abbildung 2.6(c)) eine Hydroxygrup-
pe und drei Carboxygruppen [240]. Vielfach werden diese Gruppen als die Ursache der Verzöge-
rung dargestellt [30,71,111,185,253,279,324], von der eine Wirkung als Komplexbildner ausgeht
und deren Effektivität sich nach Anzahl und Anordnung der Hydroxy- und Carboxygruppen richtet
[71,171,247,279,324,329] bzw. der Höhe der molaren Masse [190]. Wobei dieser Effekt nicht nur
durch die direkte Zuführung der Säuren hervorgerufen werden kann, sondern auch durch die bei
vorliegendem alkalischen Umfeld möglich stattfindende Umwandlung von einigen nicht alkalisch
stabilen Zuckerarten, die sich in Säuren umformen und dann noch effektivere Verzögerungen als die
ursprüngliche Zusammensetzung aufweisen [30,111,304]. Die Wirkstoffgruppen von reduzierten
Zuckern lassen sich durch den Test der Fehlingschen Lösung nachweisen, bei dem durch Oxidation
eine Säure entsteht, wodurch z. B. Monosaccharide registriert werden können [105,248,260,312].
C
OH
O
(a) Carboxy-
gruppe
O
H
(b) Hydroxy-
gruppe
COOH
CH2
COH COOH
CH2COOH
(c) Citronensäure
CH2OH
HOH
HOH
H
OH
HOH
COOH
(d) D-Gluconsäure
Abbildung 2.6: Charakteristika der Carbonsäuren [312]
Einzelne Inhalte der Literaturstellen, die in der Tabelle 2.7 aufgeführt sind, sollen im Folgenden de-
taillierter behandelt werden, um die Effektivität der Additive auf die Verzögerung des Bindemittels
oder auf dessen einzelne Phasen darzustellen. Bei den Ligninsulfonaten ist grundsätzlich zwischen
den zuckerfreien und den konventionellen, zuckerhaltigen Additiven zu unterscheiden, deren Wir-
kung durch verschiedene vorhandene Zuckerarten (z. B. Glucose und Fructose) herbeigeführt wird
[40,206]. Die Verzögererwirkung der Ligninsulfonate steht im Hinblick zur Effektivität und Effizi-
enz im Kontrast zu einigen Kohlenhydraten und besonders zu den Hydroxycarbonsäuren [40,209].
28Der Vorsatz Dgeht auf die D,L-Nomenklatur von Zucker durch Emil Fischer von 1891 zurück. Der D-Zucker bezeichnet
das Enantiomer (chemische Verbindung gleicher Summenformel, jedoch mit unterschiedlicher Raumanordnung und ei-
nem Verhalten wie Bild und Spiegelbild) des natürlich vorkommenden Glycerinaldehyds (C3H6O3) und der L-Zucker,
das in dreidimensionaler Struktur gespiegelte Gegenstück, welches sich nicht rechts, sondern links um das Zentrum der
Strukturachse dreht. [312]
2.3 Verzögerung 19
Daher gilt das zuckerhaltige Ca-Ligninsulfonat, ein Salz der Ligninsulfonate, als ein eher schwa-
cher Verzögerer [1,206,319], wenn dieser nicht sogar zum früheren Erstarren durch eine mögli-
che Reaktion mit dem Anhydrit des PZs beiträgt [206,319]. Höhere Verzögererwirkungen können
von den zuckerfreien Ca- [206,209] und Na-Ligninsulfonaten [167,206] gegenüber dem PZ,C3S
und C3Aausgehen. Ohne das Eintreten einer frühzeitigen schnellen Erstarrung können, bei Kon-
zentrationen von 0,5 M.-% vom Zement, Verzögerungen bis zu einem Tag erreicht werden, bei de-
nen sowohl die Reaktion des C3Aals auch die des C3Sdurch Komplexbildungen behindert werden
[206]. So stellen Abd El Wahed etal. [1] durch Messungen der elektrischen Leitfähigkeit fest, dass
selbst durch die Steigerung des zuckerhaltigen Ca-Ligninsulfonats von 0,5 auf 1,0 M.-%v. Z. kei-
ne signifikant geringere Lösungsfähigkeit von z. B. Ca2+-Ionen vorkommt. Daher kommen sie zu
dem Schluss, dass die Verzögererwirkung nicht nur auf der Menge, sondern auch auf dem Additiv
selbst beruht [1]. Die Untersuchungen von Juenger u. Jennings [111] sowie weitere Darstellungen
[21,105,209,234,235,304] zeigen, dass mit einer in Wasser gelösten Masse von 1 M.-% Saccharose29
v. Z. sehr lange Verzögerungen möglich sind, bei Juenger u. Jennings [111] von über drei Monaten in
Abhängigkeit von Temperatur und verwendetem Zement. Als wirkungsvoller Langzeitverzögerer
kann die Phosphonsäure, mit der speziellen Bezeichnung 2-Phosphonobutan-1,2,4-tricarbonsäure,
eingesetzt werden [237239]. Diese zeigt nachweislich, bei einer Konzentration von 2 M.-%v. Z.,
selbst nach einer Hydratationszeit von 180 Tag/e/en (d) keine Produkte auf der Oberfläche der C3S-
Klinkerkörner [237239]. Gleichwohl erweisen sich geringere Konzentrationen (0,05 M.-%) als längst
nicht so wirkungsvoll in der Verzögerung des C3S[287]. Ma etal. [152] zeigen auf, dass die Citro-
nensäure den PZ oberhalb einer Konzentration von 0,20 M.-%v. Z. erfolgreich bis zu sieben Tagen
verzögert, dabei jedoch die Hydratation des C3Aunterstützt. Unter Verwendung der Citronensäure
als Additiv zum PZ sind Möschner etal. [168] Verzögerungen von mindestens sechs Tagen gelun-
gen, bei einer Konzentration von 0,5 M.-%v. Z.. Aber nicht nur Citronensäure, sondern auch dessen
Salze wie das Na-Citrat können bei Konzentrationen von 0,60 M.-%v. Z. als wirkungsvolle Verzö-
gerer eingesetzt werden [209]. Ein weiteres Salz, das Na-Gluconat der D-Gluconsäure, kann das C3S,
selbst bei einer geringen Konzentration von 0,05 M.-%v. Z., über eine Dauer von mindestens drei
Tage verzögern [287]. Limitierter fällt wiederum die Wirkung des Verzögerers bei C3A[167] oder bei
PZ aus, bei der die Hydratation mit 0,05 M.-% etwa um einen halben Tag verschoben wird [287].
Hingegen zeigen Ramachandran u. Lowery [209] beim Einsatz von 0,15 M.-% Ca-Gluconat bzgl. des
PZs eine Dauer der dormanten Periode von über zwei Tagen an. Weitere Substanzen, ob in reiner
Form [47,171,187,203] oder in einer Kombination von mehreren Stoffen [125,126], werden ebenfalls
erfolgreich zur Verzögerung von PZ eingesetzt.
Tabelle 2.7: Unterteilung in Wirkstoffgruppen von ausgewählten organischen Verzögerern beim Ein-
satz im PZ bzw. dessen Klinkerphasen mit Vermerken zur Literatur
Ligninsulfonat Kohlenhydrat Carbon-/Hydroxycarbonsäure
Ca-Ligninsulfonat [1,209,319] Saccharose [111,209,304] Phosphonsäure [237239]
Na-Ligninsulfonat [167,206] Glucose [167,209] Citronensäure [152,168]
Ca- [209] & Na-Gluconat [287]
D-Gluconsäure [1]
Die D-Gluconsäure wird in reiner Form nur in wenigen bekannten Fällen als Additiv zur Verzöge-
rung eingesetzt, trotz ihrer nachweislich verzögernden Wirkungsweise gegenüber der Hydratation
von PZ [1] und der ohnehin möglichen Entstehung im alkalischen Umfeld bei Verwendung von z. B.
D-Glucose [133,161,273,312]. Vorrangig werden dagegen die Salze, Ca- [209,297] und Na-Gluconat
[164,171,287], als additive Stoffe zur Verzögerung, Verflüssigung und zur Steigerung der Festigkeit
bei Systemen mit PZ verwendet [40,240], die als Hydroxycarbonsäure eine Wirkung als Komplex-
bildner bzw. Chelator30 bei basischen pH-Werten besitzen [2,106,185,189,205,247,308,324]. Das
Einsatzgebiet der verschiedenen Zuckerarten oder im speziellen der D-Gluconsäure und ihren Salzen
ist keinesfalls auf den Bereich der Regulierung von Bindemitteleigenschaften beschränkt, sondern
29Unter Saccharose ist der gewöhnliche Haushaltszucker zu verstehen, der auch als Rohrzucker, Kristallzucker oder Rüben-
zucker bezeichnet wird [161,312].
30Ein Chelator bzw. Ligand, welcher wenigstens ein freies Elektronenpaar besitzt, nimmt bei seiner Reaktion mit einem meist
zweifach positiv geladenen Metall-Ion oder -Molekül mindestens zwei Bindungsstellen dieses Atoms ein, wodurch dann
ein Chelatkomplex entsteht (Chelate, lat.: chele - Kralle, Krebsschere). Die Stabilität dieses Komplexes bemisst sich anhand
der Bindungsstellen, da bei einer Vielzahl derer eine zangenförmige Umschließung stattfindet. [14,260]
2.3 Verzögerung 20
genießt ein sehr viel breiteres Anwendungsspektrum, z. B. in der pharmazeutischen Industrie31 oder
der Lebensmittelindustrie32 [106,189,205,301,308]. So kann die Säure in der Eigenschaft als Säu-
reregulator allgemein zur Reduzierung des pH-Wertes und somit zur Verlängerung der Haltbarkeit
von Lebensmitteln eingesetzt werden und wirkt zusätzlich als starker Komplexbildner in der Gegen-
wart von z. B. Eisen- und/oder Calciumionen [161,189,248,301,308]. Die D-Gluconsäure kann nicht
nur synthetisch zugesetzt werden, sondern auch auf natürlicher Basis in Produkten wie Wein, Ho-
nig oder Fruchtsäften enthalten sein [106,205,301]. Als ein allgegenwärtiges Produktbeispiel dient
hier die Limonade mit dem Namen Bionader[161]. Durch die komplexbildende Wirkung der D-
Gluconsäure und deren Salze erfolgt ebenso ein Einsatz in calciumreichen Lebensmitteln wie Milch,
Joghurt oder Käse, u. a., um durch die entsprechende Wirkung die Produkte optimal zu gelieren, d.
h. die Konsistenz nach Belieben einzustellen [189,301,308].
Der Einsatz weiterer organischer Stoffe ist sowohl für den Bereich der Lebensmittelchemie als auch
für den der Bindemitteltechnologie üblich. Die Cellulose, die z. B. aus der Verarbeitung von Holz
generiert wird, aber nur eine geringe Löslichkeit in Wasser besitzt, kann als Zusatz zur Verdickung
der Konsistenz zugegeben werden [14,120,260,300] und weist aufgrund seiner Herkunft und der
Zusammensetzung33 ebenso verzögernde Eigenschaften auf [155]. Demgegenüber besitzt die syn-
thetisch hergestellte Methylcellulose (MC) eine höhere Löslichkeit in Wasser und senkt gleichzeitig
dessen Oberflächenspannung, wodurch der Einsatz im Lebensmittel- und Bindemittelbereich weni-
ger eingeschränkt wird, im Vergleich zur natürlichen Cellulose [161,176,300]. Angesichts der hy-
groskopischen Eigenschaft der MC durch ihre OH-Gruppen kann sie beim Einsatz in Suspensionen
Wasserstoffbrückenbindungen aufbauen, woraufhin die Konsistenz bzw. die Textur geliert und so-
mit die Stabilität einer Suspension gesteuert werden kann [14,176,260,300].
2.3.2 Hydratationseinfluss
In diesem Unterkapitel werden die einzelnen Einflüsse der organischen Verzögerer dargestellt, mit
ihrer vorwiegenden Wirkung auf die Hydratation von PZ. Dazu werden zuerst die vorrangig zu
erwartenden Eigenschaften bzgl. des entsprechenden Verzögerers bzw. dessen Wirkstoffgruppe in
Tabelle 2.8 aufgelistet, um in der Folge detaillierter darauf einzugehen.
Tabelle 2.8: Ausgewählte Eigenschaften organischer Verzögerer beim Einsatz im PZ und der Zutei-
lung zu Wirkstoffgruppen mit Vermerken zur Literatur
Wirkstoffgruppe Verzögerer Eigenschaften
Ligninsulfonat Ca-Ligninsulfonat verzögernd [40,167,206], verflüssigend [167,
206], festigkeitssteigernd [256], luftzuführend
[40,256], adsorptiv [240,327]
Kohlenhydrat Saccharose verzögernd [131,150,151,234,235], verflüssi-
gend [150,235], festigkeitssteigernd [131,151,
235], umkehrwirkend [131,234,235,256], Ab-
hängigkeit vom Zugabezeitpunkt [150,235],
komplexbildend [113,150,235]
Hydroxy-
carbonsäure Citronensäure verzögernd [152,168], verflüssigend [152,
256], festigkeitssteigernd [152,256], komplex-
bildend [152,168]
Allen in Tabelle 2.8 aufgeführten organischen Substanzen liegt eine verzögernde Wirkung zugrun-
de, die den Hydratationsablauf des PZs verändert. Durch die eingesetzte Art und die jeweils ver-
wendete Konzentration des Verzögerers wird maßgeblich die dormante Periode auf ein Vielfaches
der Zeit verlängert, im Vergleich zum Einsatz ohne Verzögerer [1,3,125,230,231,296]. Meist er-
folgt die Wirkung über die Reaktion des C3Aund die damit entstehenden Ettringitphasen hinaus
31In der Pharmazie wird z. B. Ca-Gluconat in Gelform zur Behandlung von Flusssäure-Verätzungen eingesetzt, wobei das
Gluconat die Aufnahme des Calciums im Körper unterstützt und so Calciumfluorid entstehen kann, woraufhin das giftige
Fluorid unlöslich gebunden wird [106].
32In der europäischen Lebensmittelindustrie werden die zugelassenen Zusatzstoffe, wie die Säureregulatoren D-Gluconsäure
(E574), Na-Gluconat (E576) und Ca-Gluconat (E578), mit Buchstaben und Nummern gekennzeichnet [161,301].
33Die Cellulose setzt sich u. a. aus Einheiten der verzögernd wirkenden Glucose zusammen [260,312].
2.3 Verzögerung 21
[125,230,231,287] und verzögert ebenso die Hydratation des C3Sbzw. C2Sund somit die Entste-
hung des Ca(OH)2und der festigkeitsgebenden C-S-H-Phasen [21,234,235,287,297]. Von Ludwig
u. Urrutia Silva [150] werden als Einflussfaktoren der Unterbindung der schnell ablaufenden Reak-
tion der aluminatisch-ferritischen Phasen der Gehalt und die Reaktivität des C3A, die Alkalität des
Zementes sowie die Art und Menge des Sulfatträgers genannt. Diese Faktoren wurden in ähnlicher
Weise auch in weiteren Forschungen erkannt [137,138]. Dabei ist die Wirkungsweise der Verzö-
gerer keinesfalls restlos aufgeklärt und kann auch nicht auf einen alleinigen Effekt zurückgeführt
werden, wie den der Komplexbildung34 (vgl. Unterkapitel 2.3.1), also der Reaktion des Verzögerers
mit dem an allen Hydratationsprodukten beteiligten Calcium [111,185,273,296,304,327]. Jedoch
ist diese effektive Wirkung auch im Bereich der Lebensmittelchemie bekannt und genießt häufigen
Einsatz [106,189,247]. Wobei Wilding etal. [324] nicht nur eine Komplexbildung mit dem Calcium,
sondern auch die mit dem Silicium für möglich halten. Weiterhin kann es auch zu dem Effekt der
Adsorption des Verzögerers auf den nichthydratisierten oder hydratisierten Oberflächen der Silikat-
oder Aluminat-Komponenten/Produkten kommen, woraufhin die Hydratation am Fortgang gehin-
dert wird [111,296,306]. Die Adsorption des Verzögerers ruft auf den unreagierten Oberflächen
eine Passivierung der potentiell reagierenden Stoffe hervor, während die Adsorption auf den bereits
reagierten Oberflächen einen weiteren Zutritt des Wassers und damit die fortschreitende Reaktion
verhindert [197,273,296]. Eine weitere diskutierte Wirkungsweise ist die Ausfällung, worunter die
Bildung von schwer löslichen Hydratationsprodukten zu verstehen ist, die barriereartig den Was-
sertransport zu den reaktionsfähigen Stoffen verhindert [40,237,327]. Zusammengefasst reguliert
bzw. verschiebt der Verzögerer den Zeitpunkt des Erstarrens und kann ebenso die Entwicklung bzw.
das Wachstum der Festigkeitsphasen verzögern [21,111,230,231]. Vereint werden alle Effekte darin,
dass die Verzögererwirkung zum einen in der Porenlösung vorliegt (siehe Abbildung 2.7(a)), z. B. in
der Form einer Komplexbildung, und/oder zum anderen auf der Oberfläche einer reaktionsfähigen
Phase (siehe Abbildung 2.7(b)), z. B. durch Adsorption [40,296,327].
(a) (b)
reaktionsfähiges Korn/Phase
z. B. Komplexbildung z. B. Adsorption
Abbildung 2.7: Wirkungsweise eines Verzögerers in der Bindemittelsuspension entweder (a) in der
Lösung, z. B. komplexbildend, und/oder (b) auf der Oberfläche einer reaktionsfähi-
gen Phase, z. B. adsorptiv
Um die auf den Hydratationsverlauf veränderliche Wirkung eines Verzögerers zu erfassen, können
verschiedene Analysemethoden eingesetzt werden. Allen voran ist die Wärmeflusskalorimetrie zu
nennen, die bei einer Vielzahl an Versuchen zur Darlegung des Einflusses eingesetzt wurde [153,187,
209,287,324]. Aber nicht nur diese Methode erfasst die Verlängerung der dormanten Periode und
das Einsetzen einer gewünschten verspäteten Erstarrung eines Bindemittelsystems, sondern auch die
Messung via Ultraschall [90,212,213,242,252,293]. Das Ergebnis eines Bindemittels im verzögerten
Zustand kann sich bei beiden Methoden im unteren Grenzbereich der Erfassung befinden, da durch
die stillstehende Hydratation nur geringe bis keine Veränderungen im Wärmefluss [153,209] und
der Konsistenz vorhanden sind [212,252], wodurch die Analyse erschwert wird.
Meist schließt die Verzögererwirkung eine Veränderung der rheologischen Eigenschaft einer alkali-
schen Bindemittelsuspension mit ein und bewirkt, in Abhängigkeit von der organischen Substanz
34In der zusammenfassenden Darstellung zu den Wirkungsweisen von Verzögerern durch Young [327] wird die Absorption
diskutiert, worunter u. a. die Bildung eines Chelats und somit die Komplexbildung zu verstehen ist. Die Adsorption ist
hingegen ein weiterer Effekt, der vorzugsweise bei Ligninsulfonaten auftritt [327].
2.3 Verzögerung 22
und dessen Konzentration, eine weichere Konsistenz, sodass der Wasserbedarf einer Mischung ge-
senkt werden kann [40,190,240,296]. Diese Eigenschaften zeigen verschiedene Forschungsergebnis-
se bei Verwendung von Ligninsulfonaten [40,240], Saccharose [105,150] und Carbonsäure [234,235]
oder D-Gluconsäure und deren Salze [40,153,240,252] als Vertreter der Hydroxycarbonsäuren. Die
zur Verflüssigung führenden Wirkungsweisen sind vielfältig. Von Collepardi [40] werden sie durch
die Minderung der Grenzflächenspannungen, die Adsorption von organischen Molekülen, die Stei-
gerung des elektrokinetischen Potentials, dem Schutz durch eine anhaftende Umhüllung aus Was-
sermolekülen sowie das Auslösen des in Zementklumpen gebundenen Wassers beschrieben. Diese
Wirkungsweisen besitzen eine Ähnlichkeit zu den Erklärungen der Funktionsweise von Fließmitteln
mit den physikalischen Mechanismen der elektrostatischen und sterischen Abstoßung, bei denen
die Suspension aus Zementpartikeln u. a. durch die Ladungsumkehrung infolge der Adsorption des
Fließmittels am Zementkorn und der räumlichen Ausdehnung wegen der Vielzahl an Seitenketten
eine Verflüssigung erfährt [14,184,197]. Bereits Schwiete etal. [256] vermuten hinter der verflüs-
sigenden Wirkung der Verzögerer die Herabsetzung der Oberflächenspannungen des Wassers und
damit die Reduzierung der Anziehungskräfte der wasserumhüllten Zementkörner. Die Ergebnisse
von Ma etal. [153] zeigen beim Einsatz von Na-Gluconat einen von der Konzentration im Bereich
von 0,01 bis 0,05 M.-% vom PZ nahezu unabhängigen Anstieg in der Verflüssigung von etwa 10
% an, der sich auch über die Dauer der Hydratation in seiner Differenz zur Probe ohne Verzögerer
hält.
Die Wirkung eines Verzögerers ist stark davon abhängig, zu welchem Zeitpunkt dieser der Mischung
zugeführt wird und ob der Stoff dabei in gelöster oder ungelöster Form vorliegt [256]. So ergaben
die Versuche von Rickert [236] eine längere Verzögererwirkung bei einer nachträglichen Zugabe (2
min nach Mischbeginn) von Saccharose in gelöster Form. Dagegen zeigte die sofortige Zugabe in
gelöster Form eine Reaktion mit den Aluminatphasen, woraufhin die Konsistenz ansteifte und sich
große Ettringitkristalle bildeten, die aber nachträglich nicht zu einer höheren Druckfestigkeit führten
[236]. Gleiches konnten Ludwig u. Urrutia Silva [150] in ihren Versuchen feststellen. Hundeshagen
[105] bemerkte bei seinen durchgeführten vergleichenden Untersuchungen von ungelöster und ge-
löster Saccharose keine unterschiedliche Verzögererwirkung, jedoch stellte er eine Umkehrreaktion
bei hohen Saccharosegehalten fest. Häufig werden diese Umkehrreaktionen bei der in Verzögerer-
versuchen oftmals eingesetzten Saccharose beschrieben [131,150,234,235,256], allerdings kann z.
B. auch Triethanolamin [131] oder Na-Gluconat [230,231] die selbe Eigenschaft hervorrufen. In allen
Fällen geht diese Wirkung auf eine Reaktion mit den Aluminatphasen zurück [131,150,234,235],
deren Lösung bzw. Reaktivität durch die Verzögererzugabe auch zusätzlich vorangetrieben wird
[131,150,297]. Daher kann bei der Analyse der Porenlösung, einer mit hohen Saccharosegehalten
versetzten Suspension, des Öfteren ein Anstieg in der Ionenkonzentration von Aluminium und auch
Eisen festgestellt werden [327]. Zusätzlich stellen Thomas u. Birchall [304] noch das erhöhte in Lö-
sung gehen von Silicium fest und bestätigen diesen Effekt gleich für mehrere Zuckerarten. Rickert
[234,235] gibt zusammenfassend als abhängige Einflussfaktoren einer unerwünscht auftretenden
Umkehrreaktion die Klinkerzusammensetzung, die Reaktivität des C3A, die Zugabemenge und den
Zugabezeitpunkt an. Richartz [230,231] fügt noch die Abhängigkeit von der Umgebungstempe-
ratur hinzu. Ein weiterer Effekt, der in Tabelle 2.8 aufgeführt ist, aber bevorzugt bei der Verwen-
dung von Ligninsulfonaten auftritt, ist die Zuführung von Luftblasen in den Baustoff, was hingegen
nicht zwangsläufig nachteilig auf die Festigkeitsentwicklung wirken muss, im Vergleich zu einer
Mischung ohne Verzögerer [40,256,313,314].
Grundsätzlich stellen viele organische Stoffe, die eine starke Verzögererwirkung aufweisen, einen
erheblichen Nachteil für die Festigkeitsentwicklung zum Beginn der Hydratation dar - gleichwohl
muss dies kein dauerhafter Zustand im Hinblick auf die Druckfestigkeit nach 28 dbleiben, wie eine
Vielzahl an Arbeiten nachweist [93,131,150153,228,229,234,235,313,314]. Allerdings muss sich
die mögliche Steigerung der Festigkeit nach 28 dnicht zwangsläufig durch den Einfluss des Verzö-
gerers selbst ergeben, sie kann auch die Folge von einem reduzierten w/z-Wert sein, der durch den
oftmals vorhandenen Verflüssigungseffekt gesenkt wird [150,313,314]. Ma etal. [153] zeigen in ihren
Ergebnissen eine maximale Druckfestigkeitssteigerung von 10 % am 28. dder Hydratation im Ver-
gleich zur Probe ohne Verzögerer an, bei 0,03 M.-% Na-Gluconat beim Einsatz im PZ. Die ebenfalls
zu diesem Hydratationszeitpunkt durchgeführten Messungen der Röntgenbeugung detektieren das
kristalline Ca(OH)2mit einer höheren Wiederfindungsrate und das C3Smit einer geringeren, im
Vergleich zu den Proben mit anderen Verzögererkonzentrationen oder ohne Verzögerer [153]. Eine
Erklärung für die Festigkeitssteigerung liefern die Forscher nicht, allerdings vermuten sie, dass der
Verzögerer infolge der Adsorption die Oberflächenenergie der C-S-H-Phasen ändert und dabei die
2.3 Verzögerung 23
kohäsiven Kräfte der Phasen steigert [153]. Luke u. Luke [151] postulieren, bei der Verwendung von
Saccharose und der ebenfalls festgestellten Festigkeitssteigerung als allgemeine Wirkung, dass der
Verzögerer keimbildend wirkt. Demgegenüber sind die Feststellungen der Versuche von Juenger u.
Jennings [111] weitreichender, da sie der Saccharose eine maßgebliche Veränderungseigenschaft in
der Mikrostruktur der C-S-H-Phasen zuweisen. Die Ergebnisse der durchgeführten Versuche zei-
gen eine Steigerung des Hydratationsgrades mit fortschreitendem Probenalter sowie eine Abnah-
me des Porenvolumens und einen Anstieg der durch die Hydratation generierten Oberflächen an,
vermutlich unterstützt durch den freien Raum in der Bindemittelmatrix und der damit verbunde-
nen freien Entfaltungsmöglichkeiten der Hydratationsprodukte zum Ende der Verzögerung [111].
Richartz [228,229] weist der Festigkeitssteigerung durch Verzögerereinsatz die Ausbildung von län-
geren C-S-H-Phasen als Folge der längeren dormanten Periode zu und vergleicht diesen Effekt mit
der Hydratation bei niedrigen Umgebungstemperaturen. Zusammengefasst ist die Festigkeitsent-
wicklung stark abhängig von der Hydratationsdauer und der eingesetzten Verzögererkonzentration,
wobei hohe Konzentrationen besonders die Endfestigkeit steigern und die Frühfestigkeit hemmen,
während es sich genau umgekehrt für geringe Konzentrationen verhält [131,150,152,234,235].
In einem geringen wissenschaftlichen Umfang wurden die Wirkungen von überwiegend organi-
schen Verzögerern auf die Hydratation des PZs mit HSM-Beteiligung (60 M.-%) untersucht, mit
der allgemeinen Erkenntnis, dass die Wirkung ähnlich zu der des reinen PZs ist [131,257,313,314].
Lieber u. Richartz [131] merken bei ihren Versuchen mit Hochofenzement (75 M.-%HSM) an, dass
die Verzögererwirkung auch im Anschluss an die anfängliche Ettringitbildung des PZs auf die Hy-
dratation des HSs wirkt. Bestätigt wurde dies mit Versuchen unter Verwendung von Sulfathüttenze-
ment und z. B. Saccharose, bei denen eine ausgeprägte Verzögerung vorhanden ist, über die anfäng-
liche Ettringitbildung hinaus [131]. In einem bisher sehr begrenzten Rahmen wurden die Verzögerer-
wirkungen bei alkalisch aktiviertem HSM untersucht [28,197].35 Puertas u. Fernández-Jiménez [197]
studieren in ihren Versuchen den Einfluss von Fließmittel auf der Basis von Vinyl- und Polyacrylat-
Copolymeren bei einer alkalischen Anregung des HSMs durch eine Kombination von Na-Wasserglas
und NaOH. Sie stellen jedoch bei dem Zusatzmittel auf Vinylbasis neben der verflüssigenden auch
eine verzögernde Wirkung fest und vermuten eine Komplexbildung des Polymers mit dem Binde-
mittel bzw. mit dessen gelösten Stoffen [197]. Indes bleibt die nach zwei und 28 danalysierte Druck-
festigkeit hinter den Werten der HSM-Suspension ohne Fließmittel zurück [197]. Brough etal. [28]
aktivierten das von ihnen untersuchte HSM mit Na-Wasserglas und verabreichten als effektiv wir-
kende Verzögererkombination eine Mischung aus Natriumchlorid und Apfelsäure, wodurch die Hy-
dratation über 10 dzum Erliegen kam. Sie stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass der alleinige
Einsatz von Natriumchlorid mit Konzentrationen von 4 M.-% vom HSM beschleunigend wirkt, bei
8M.-% verzögernd und sich die Verzögerung noch einmal mit 13 M.-% steigern lässt - im Gegensatz
dazu war die Verzögererwirkung beim alleinigen Einsatz der Apfelsäure sehr begrenzt [28]. Erklä-
rungen für dieses Verhalten konnten sie dagegen nicht liefern, lediglich die Feststellung, dass das
Natriumchlorid im verzögerten Zustand in gelöster Form vorliegt [28].
In einigen Forschungsarbeiten wird ein Verzögerer auch bewusst dazu verwendet, die Reaktion des
oftmals eingesetzten PZs gezielt, in Kombination mit einem Aktivator, in der Hydratation zu regu-
lieren [3,26,202,214,215]. In beiden von Reiter etal. [214,215] durchgeführten Studien wurde die
Verzögererwirkung, die beim verwendeten PZ durch Fließmittel oder Saccharose hergestellt wurde,
durch adsorptiv auf die Verzögerer wirkenden Stoffe, wie das Tonmineral Bentonit oder Ca(OH)2,
gehemmt. Der gleichzeitige Einsatz von Verzögerer und den unterschiedlichen Gehalten der wir-
kungsreduzierenden Stoffe konnte zeigen, dass eine individuelle Hydratationsregulierung in einem
Zeitfenster von etwa 15 Stunde/n (h) der dormanten Periode möglich ist [214,215]. In einer anderen
Forschungsarbeit wurde das Betonrecycling, ähnlich zu der in Deutschland bekannten Anwendung
[237,311], diskutiert [3]. Die Verzögerung des PZs erfolgte durch unterschiedliche Gehalte an Na-
Gluconat und die gewünschte individuelle Wiederanregung infolge des gezielten Einsatzes eines
Magnesiumnitrats, indessen reguliert die Höhe des Gehaltes die Zeit bis zur Wiederanregung [3].
Die geplante Verzögerung einer Hydratation und die spätere Wiederanregung ist auch Gegenstand
von verschiedenen patentierten Bindemittelsystemen, deren Einsatz in Bohrlöchern erfolgt [26,202].
Wobei hinter der Absicht einer bis zu sechs Monate nicht abbindenden und somit lagerstabilen hy-
draulischen Suspension auch ein logistisches und wirtschaftliches Interesse stehen kann [202]. Nach
35In weiteren Untersuchungen zum Einsatz von Fließmitteln in alkalisch aktiviertem HSM wird zwar die von den Additiven
mögliche Verzögererwirkung nur eingeschränkt untersucht, jedoch wird deren Wirkungsweise und Stabilität bei hohen
pH-Werten unter mechanischen und rheologischen Aspekten beleuchtet. Die Untersuchungen ergaben, dass gerade ho-
he pH-Werte, die durch einen Anreger wie NaOH hervorgerufen werden, den Verflüssigungseffekt der Fließmittel stark
einschränken. [183,184]
2.4 Alkalische Anregung 24
diesem Prinzip können verschiedene hydraulische Bindemittel wie PZ mit unterschiedlichen Verzö-
gerern, z. B. einer Hydroxycarbonsäure, an der Reaktion gehindert und nachfolgend mit einem al-
kalischen Aktivator in der Form des Natriumsilikats in den Prozess der Hydratation zurückgeführt
werden [202].
2.4 Alkalische Anregung
Die alkalische Anregung ist für viele Bindemittel, aufgrund der Alkaliionen und des erhöhten pH-
Wertes, die notwendige Bedingung zur wirkungsvollen Auflösung ihrer oft glasigen silikatischen
Struktur und einer damit möglichen verbundenen schnellen Einleitung der Hydratation [88,121,
122,192].
Rückblickend begann die Entdeckung, Erforschung, Patentierung und dann auch der Einsatz der al-
kalisch aktivierenden Bindemittel36 im frühen 20. Jahrhundert [121]. Dazu wurde der latent hydrau-
lisch reagierende HS durch verschiedene alkalisch wirkende Stoffe angeregt, vorzugsweise jedoch
durch das in Gegenwart der PZ-Hydratation entstehende Ca(OH)2[121]. In weiteren Entdeckun-
gen stand das HSM noch weiter im Vordergrund, so wurde es mehr als alleiniges Bindemittel und
nur in Verbindung mit einem Anreger wie z. B. NaOH oder Kaliumhydroxid (KOH) eingesetzt,
auch um auf dieser Grundlage Mörtel und Beton herzustellen [34,200]. Hingegen ist das HSM nicht
das einzige Bindemittel, welches durch alkalische Anregung zur Hydratation aktiviert werden kann
[88,192]. Provis u. Bernal [192] stellen in diesem Bezug eine tabellarische Auflistung verschiedener
Bindemittel und der zugehörigen möglichen Anreger dar. Als gängige Bindemittel listet sie u. a.
das HSM, die SFA, calcinierte Tone und diverse andere Metallschlacken auf [192]. Glukhovskij etal.
[88] beschreiben die Metallschlacken als Stoffe geringer Qualität, die aber in Verbindung mit einer
alkalischen Anregung ein großes Potential besitzen, gerade bzgl. der Festigkeitsentwicklung. In vie-
lerlei Hinsicht war es für die Wissenschaft von Interesse calciumärmere Materialien als das HSM,
dafür allerdings reicher an Aluminium und Silikat, in Verbindung mit alkalischen Lösungen u. a.
als Bindemittel zu erforschen und damit den gebräuchlichen Einsatz zu fokussieren [42,88]. Zur
Etablierung dieser Alumosilikate37 legte das Patent von Davidovits [42] aus dem Jahre 1982 einen
wesentlichen Grundstein, woraufhin auch der Begriff der sogenannten Geopolymere geprägt wurde
[32,192]. Umfassende Darstellungen zur Geschichte und den möglichen Kombinationen der alka-
lisch aktivierten Materialien sind u. a. in den Arbeiten von Buchwald etal. [34], Pacheco-Torgal etal.
[179,180], Provis etal. [194] und Roy [245] zu finden.
Geopolymere sind Bindemittel, die nach Provis [191] und Provis u. Bernal [192] eine Unterkategorie
der alkalisch aktivierten Materialien darstellen und sich aufgrund ihres sehr geringen Calciumge-
haltes deutlich von einem alkalisch aktivierten HSM abheben. Ihr Name geht zum einen auf die
sich ausbildende polymere Struktur zurück und zum anderen soll die Vorsilbe "Geo" den Bezug zu
natürlichen Mineralien herstellen [31,32,117]. Als Folge der Anregung resultiert bei den Geopoly-
meren durch Polykondensation38 ein amorphes bis in Anteilen kristallines Netzwerk, welches u. a.
von Zeolith-Phasen39 geprägt ist und in der Bindungsfähigkeit durch eine Temperaturanhebung ge-
steigert werden kann [32,42,116,117,272]. Die räumliche Ausbildung geschieht durch Silikat- und
Aluminat-Tetraeder, deren negative Ladung durch die Aufnahme von Alkaliionen in das Netzwerk
ausgeglichen wird [32,117]. Die Basis jedes Geopolymers ist ein Rohstoff mit einem ausreichen-
den Gehalt an SiO2und Al2O3sowie eine notwendige alkalische Lösung [32,42,292]. Verschiedene
Forschungsarbeiten [33,175,181,188,272] zeigen den breiten Ansatz in der Verwendung von Roh-
stoffen, beispielsweise mit Metakaolin als Binder und NaOH als ein alkalischer Anreger.
36Die Bezeichnung alkalisch aktivierte Bindemittel steht als Synonym für die Bezeichnung alkalisch aktivierte Materialien, die von
Provis etal. [194] in dem Buch mit dem Titel Alkali Activated Materials als allgemeine Betitelung verwendet wird. Andere
umfassende bzw. allgemein verwendete Namen, die auch teilweise irreführend sein können, wie alkali activated cement zu
deutsch alkalisch aktivierter Zement [4,245,265] oder slag-alkaline cement mit der deutschen Bedeutung alkalischer Schlacken
Zement [88], werden in dieser Arbeit nicht eingesetzt.
37Alumosilikate gehören mineralogisch betrachtet zur Gruppe der Silikate und zeichnen sich dadurch aus, dass eine Substi-
tution des Si4+durch Al3+in der gewöhnlichen tetraedrischen Silikatstruktur erfolgen kann. Außerdem sind u. a. auch
Substitutionen von Mg2+und Fe2+oder Fe3+möglich. [177]
38Unter der Polykondensation ist die zeitlich fortschreitende, vielfache Verzweigung von gelösten reaktiven Stoffen zu ver-
stehen, wobei Wasser bei dieser Reaktion abgeschieden wird [117].
39Bei den Zeolith-Phasen handelt es sich um kristalline wasserhaltige Alumosilikate, die sowohl synthetisch hergestellt wer-
den können, aber zum Teil auch natürlich vorkommen [14,32,42].
2.4 Alkalische Anregung 25
Die Geopolymere und das System eines alkalisch aktivierten HSMs sind nicht nur hinsichtlich der
unterschiedlichen Calciumgehalte und somit in der Zusammensetzung ihrer Rohstoffe sehr ver-
schieden, sondern auch in den gegensätzlichen Reaktionsprozessen: Der Polykondensation auf der
einen Seite und dem Lösungsprozess und der Generierung von C-S-H-Phasen auf der anderen Seite
[31,32,112,292]. Daher sind diese beiden Bindemittelsysteme klar zu differenzieren. Was sie den-
noch vereint, ist der ökologische Mehrwert, wodurch bei Verwendung von Sekundärrohstoffen an-
stelle eines PZs die Bilanz des Ausstoßes an CO2gemindert wird [32,149,191,196]. Bei der ge-
zielten Herstellung von PZ entstehen, zum einen durch die Entsäuerung des Kalksteins und zum
anderen durch die Aufwendung der notwendig hohen Brenntemperaturen, sehr hohe Mengen CO2
[117,136,196,310].40 Ein Nachteil der sekundären Rohstoffe kann jedoch, neben der enormen Vielfalt
und der damit verbundenen Varianz der Eigenschaften, die Qualität und die generelle bzw. regio-
nal beschränkte Verfügbarkeit sein [32,143,147,196]. Dennoch ist es das grundsätzliche Prinzip
der alkalisch aktivierten Materialien, Stoffe, die aus einem industriellen Herstellungsprozess stam-
men, daraus als Reststoffe hervorgehen und evtl. sogar deponiert werden müssten, als potentielle
Bindemittel einzusetzen [191,196]. Durch diesen Schritt werden sie zu Werkstoffen deklariert und
können einer Verwendung zugeführt werden [191,196]. Die Nutzung der alkalisch aktivierten Ma-
terialien ist sehr vielseitig und grundsätzlich, aufgrund des ökologischen Aspekts, als potentieller
Ersatz bzw. Alternative zu PZ-basierten Bindemitteln gedacht [32,116,117,147,149,196]. Aufgrund
des oftmals schnellen Erhärtungsprozesses und der damit meist verbundenen hohen Festigkeitsent-
wicklung eignen sich diese Bindemittelsysteme sehr gut für Reparaturarbeiten, von z. B. Straßen o.
ä. [192,196], trotzdem gehen diese Eigenschaften oftmals mit einer hohen Schwindneigung einher
[6,20]. Gleichwohl zeigen die zahlreichen Einsätze in unterschiedlichster baupraktischer Hinsicht
[16,34,193] den allgemeinen Anspruch des Bindemittels das Anwendungsspektrum eines gewöhn-
lichen PZs auszufüllen, daher unterliegt der Gebrauch keiner grundsätzlichen Beschränkung. Indes
ist ihre Handhabung unter dem Einsatz der hochalkalischen Anreger nicht immer ganz ungefähr-
lich und wirft daher die problematische Frage nach der praktischen Handhabbarkeit auf, gerade bei
Anwendung auf einer Baustelle und nicht bei Vorfertigung [149,192,196].
Grundsätzlich ist die schnelle Erhärtung und die Ausbildung einer hohen Festigkeit nicht nur von
der Reaktivität des Bindemittels abhängig, sondern auch von dem Anreger und der vorliegenden
Alkalikonzentration [6,31,32,99,112,292]. Kategorisch lässt sich die Anregung des HSMs in die
alkalische und sulfatische Aktivierung unterteilen [122,196]. Kühl [122] beschreibt bei der Anregung
durch hohe Mengen an Gips die Bildung von sulfatreichen Calciumaluminatsulfathydraten wie Ett-
ringit und vergleicht daher die Reaktion mit einem Sulfathüttenzement. Diese Zemente weisen nach
einer anfänglich guten Erhärtung, wenn eine hinreichende Masse an Al2O3vorliegt, ein alkalisches
Milieu auf, wodurch die Hydratation infolge der Lösung des Bindemittels weiter fortgesetzt wird,
wenn auch mit einer geringeren vorliegenden Calciumkonzentration als bei einer alkalischen Anre-
gung [122]. So ist die Möglichkeit aufgezeigt, dass das HSM über zwei nahezu getrennte Wege in
den Zustand der Hydratation überführt werden kann [122,284], dennoch ist die relevantere Form
die alkalische Anregung [122,136,284].
Die Tabelle 2.9 gibt einen groben Überblick zur Vielfalt der wirkungsvollen alkalischen Anreger bei
einer einheitlichen Verwendung von HSM als Bindemittel. Die Einteilung der Anreger erfolgt in die
Gruppen Alkalihydroxid, Alkalisilikat und Alkalicarbonat, in Anlehnung an Provis u. van Deventer
[196]. Ein Grund für diese Einteilung ist, dass diese Stoffgruppen den überwiegenden Anteil der heu-
tigen Forschungsarbeiten, bei alkalisch aktivierten Bindemitteln und insbesondere dem HSM, reprä-
sentieren [196]. Eine andere Gliederung der potentiellen Anreger, die ursprünglich von Glukhovskij
getroffen wurde, stellt Pacheco-Torgal etal. [179,180] vor. Hierbei handelt es sich um insgesamt sechs
Gruppen, unterteilt in Alkalien, schwach und stark saure Salze, Silikate sowie Aluminate und Alu-
mosilikate [179,180]. Nicht innerhalb der Gruppen erfasst sind die im Vergleich schwach wirkenden
Anreger Wasser und Ca(OH)2[41,298], wobei diese Form der Anregung prinzipiell, wenn auch
eher passiv, durch den Einsatz im PZ und dessen Hydratation abgedeckt wird [136,284]. Ebenfalls
nicht aufgeführt sind verschiedene Natriumsalze die Shi u. Day [266] in ihren Kalorimetriestudien
zur Anregerwirkung und dem Einsatz von zusätzlicher Wärme zur Hydratationssteigerung aufzei-
gen. Potentiell wären noch weitere Elemente aus der Gruppe der Alkalimetalle in der Form von
Hydroxiden wie das Lithiumhydroxid (LiOH) [244] dazu in der Lage das HSM anzuregen, jedoch ist
40Beispielhaft gliedert sich die CO2-Emission für die Herstellung einer Tonne Zement in drei Bereiche auf und lag für das
Jahr 2014 in Deutschland bei 0,560 tCO2/tZement. Das generierte CO2durch den Rohstoff stellt mit 0,390 tCO2/tZement den
größten Anteil dar, gefolgt von dem Ausstoß durch thermische Aufwendungen (0,096 tCO2/tZement) und dem für indirekte
elektrische Leistungen (0,074 tCO2/tZement). [310]
2.4 Alkalische Anregung 26
deren Einsatz aufgrund von Kosten, Verfügbarkeit sowie einer teilweise vorliegenden eingeschränk-
ten Löslichkeit in Wasser sehr begrenzt [196]. Diese Gründe sind auch maßgebend dafür, warum bei
den Alkalisilikaten ebenfalls vorzugsweise das Natrium und Kalium verwendet wird [196]. Provis u.
van Deventer [196] zeigen auf, dass das Natriumcarbonat (Na2CO3) nahezu die einzige Spezifikation
darstellt, die aus dem Bereich der Alkalicarbonate in der Verwendung zur alkalischen Aktivierung
eingesetzt wird. Zusätzlich besitzt dieser Stoff in seiner Herstellung eine bessere CO2-Bilanz als die
Stoffe der beiden anderen Gruppen aus der Tabelle 2.9 [32,117,196]. Werden die Resultate einiger
Forschungsarbeiten, die in der Tabelle aufgeführt sind, hinsichtlich der vom Anreger ausgehenden
Festigkeitsentwicklung verglichen, so fällt auf, dass das Wasserglas, ob als Natriumsilikat (Na2SiO3)
oder Kaliumsilikat (K2SiO3), als wirkungsvollster Anreger aus den umfangreichen Studien mit ver-
schiedenen Substanzen und Konzentrationen hervorgeht [288,289,318]. Aber auch ein Gemisch aus
z. B. Na2SiO3und NaOH können Festigkeiten, ähnlich wie das reine Na2SiO3, von bis zu 100 N/mm2
nach 28 dHydratation bewirken, in Abhängigkeit von der Na2O-Konzentration [79,83]. Auch wei-
tere Kombinationen von Anregersystemen sind in der Literatur zu finden [6,78,326]. Fernández-
Jiménez etal. [79] zeigen anhand ihrer Ergebnisse die Einflüsse zur Erlangung einer hohen Festigkeit
auf, wobei die Art des Anregers das signifikanteste Kriterium darstellt, weit vor dessen Konzentra-
tion, der Temperatur während der Erhärtung oder der Feinheit des HSMs.
Tabelle 2.9: Unterteilung in Wirkstoffgruppen von ausgewählten Anregern auf Basis von Alkalime-
tallen beim Einsatz im HSM mit Vermerken zur Literatur
Alkalihydroxid Alkalisilikat Alkalicarbonat
NaOH [79,80,175]Na2SiO3[80,175,318]Na2CO3[79,80,318]
KOH [27,223,244]K2SiO3[288,289,291]
LiOH [244]
2.4.1 Wirkungsweise
In diesem Unterkapitel soll auf die zuvor schon hingewiesenen Einflüsse des Anregers mit Bezug
auf die Erhärtung und die damit verbundene Festigkeitsentwicklung näher eingegangen werden.
Dabei werden vorrangig das NaOH sowie das Wasserglas, in der Form als Na2SiO3, als aktivierende
Anreger des HSMs in den Betrachtungen dargestellt.
Der Anreger und dabei vorrangig dessen pH-Wert besitzt einen Einfluss auf den Erhärtungsverlauf
des HSMs, da dieser die amorphe Struktur des Bindemittelkorns löst und somit die Ionen für mögli-
che neue Phasenbindungen, wie die C-S-H-Phasen, frei gibt [80,83,180,258,266,277,278,288,291,
330]. Shi u. Day [266] zeigen durch ihre umfangreiche Kalorimetriestudie, beim Einsatz verschiede-
ner Anreger für das HSM, auf, dass ein hoher pH-Wert des Anregers maßgeblich für die anfängliche
Lösung der Struktur und der damit frühen Bindung in Beteiligung von Calcium wichtig ist. Obgleich
scheint sie für die weiteren Bindungen weniger entscheidend zu sein, da diese von den Calcium-
komponenten dominiert wird [266]. Dabei ist es die hohe OH-Ionenkonzentration des alkalischen
Anregers, weswegen die Bindungen des CaO,SiO2und Al2O3innerhalb der Kornstruktur gelöst
werden und es zur Bereitstellung der Ca2+-Ionen kommt, welche überwiegend die Grundlage der
sich neu bildenden Phasen darstellen [80,83]. Fernández-Jiménez etal. [83] geben für diesen Ablauf
einen pH-Wert von mindestens 12 an und verweisen auf eine Verzögerung der HSM-Aktivierung un-
terhalb dieses Wertes. Detaillierter verweisen Song u. Jennings [277] und Song etal. [278] auf einen
pH-Wert von 11,5, ab dem die Lösung des SiO2mit dem Zuwachs des pH-Wertes nur noch eine
ansteigende Tendenz besitzt. Diese Versuchsergebnisse mit der alkalischen Anregung durch NaOH
haben aufgezeigt, dass geringere pH-Werte als 11,5 das SiO2nur vermindert lösen können, jedoch
dessen Lösung für die Anregung des HSMs entscheidend ist [277,278]. Hingegen ist eine unter-
schiedliche Löslichkeit der Calcium- und Siliciumionen gegeben, die sich zueinander entgegenge-
setzt verhalten, wonach die Löslichkeit des Calciums bei ansteigendem pH-Wert abnimmt [277,278].
Roy etal. [244] und Song etal. [278] treffen für die Anregung des HSMs die grundsätzliche Aussage,
dass der Hydratationsgrad klar von der Höhe des pH-Wertes abhängig ist. Zudem wird deutlich
herausgestellt, dass mit einer höheren NaOH-Konzentration das Tempo der Hydratation gesteigert
werden kann [277,278]. Daher ergibt sich als einflussreicher Faktor, neben der Art des Anregers
(siehe Unterkapitel 2.4), auch die Konzentration [79,83,145,179,210,267,288,289,318,330], mit de-
ren zielgerichteten Einsatz und entsprechendem Gehalt Hydratationsabläufe kontrollierbar werden
2.4 Alkalische Anregung 27
[82,267]. Die Versuche von Palacios etal. [183] und Palacios u. Puertas [184] haben gezeigt, dass ein
zu hoher pH-Wert ein Fließmittel, welches unter anderem aus Carboxygruppen besteht und dem-
nach auch verzögernd wirkt, in seiner Struktur verändert und so die Adsorption auf der Oberfläche
des Korns behindern kann. Dadurch bleibt die eigentliche verflüssigende Wirkung aus, sowohl beim
Einsatz von NaOH als auch von Na2SiO3[183,184]. Was in diesen Versuchen einem Nachteil ent-
spricht, kann bei anderen Gegebenheiten, z. B. der gewollten Verzögerung eines Betons mit PZ und
dessen erneuten Wiederanregung durch frischen Beton, ein bewusster Einsatz eines erhöhten pH-
Wertes sein. Langenfeld u. Stark [125] beschreiben diese Handlung in ihren Versuchen zum Einsatz
von Verzögerern auf der Basis von Carboxygruppen.
NaOH besitzt bei Raumtemperatur eine sehr gute Löslichkeit in Wasser, sodass gebräuchliche Kon-
zentrationen von 50 M.-%41 umsetzbar sind, aber theoretisch auch eine maximale Löslichkeit von
1.090 g/lmöglich wäre [108,260]. Allerdings kann ein pH-Wert von etwa 14 bereits bei einer Stoff-
menge von lediglich 50 g/lerreicht werden, womit die Charakteristik einer starken Base unterstri-
chen wird [100,108,260]. Im Vergleich dazu bemisst sich die Alkalität eines Wasserglases an der
Masse der gelösten Kieselsäure42, wodurch eine Lösung mit erhöhtem Gehalt an Kieselsäure als alka-
lisch beschrieben wird und eine mit geringem Gehalt als stark alkalisch [100,107,260]. Ausgedrückt
wird dieses Verhältnis zwischen silikatischer und alkalischer Komponente als SiO2/Na2O[107,288].
Neben dem pH-Wert beeinflusst die vorhandene Kieselsäure auch die Löslichkeit des Na2SiO3in
Wasser, die maximal bei 350 g/lliegt [100,107].
Der beschriebene charakteristische Unterschied in der vorhandenen Alkalität beider Anreger stellt
einen wesentlichen Einfluss im Hydratationsprozess des HSMs dar, vom Beginn der Lösung der
Bindemittelkörner, über die Erstarrung bis zur Erhärtung und der damit verbundenen Festigkeits-
entwicklung [78,104,266,267,288,318]. Das NaOH zeichnet sich gegenüber dem Na2SiO3, bei
gleichem Gehalt an Na2O, durch eine schnellere Lösung der Bindemittelkörner aus und bewirkt
durch diese veränderte Kinetik einen schnelleren Reaktionsverlauf, zumindest in den ersten Tagen
der Hydratation [1113]. Daher konnte in den meisten Versuchsergebnissen [12,104,175,288,289]
eine schnellere Erstarrung und eine höhere Frühfestigkeit durch den Einsatz von NaOH festgestellt
werden, als durch den vergleichenden Einsatz von Na2SiO3. Gegenteiliges wurde indes auch nach-
gewiesen, sodass infolge des in Lösung befindlichen SiO2eine schnellere Erstarrung eintritt und
sich bei Abnahme dieses Gehaltes die Erstarrungszeit verlängert [83,330]. Auch von Stephan etal.
[288,289] konnte in Verbindung mit einem erhöhten SiO2-Gehalt bei Na2SiO3eine schnelle Erstar-
rung und damit eine Einschränkung in der Verarbeitungsfähigkeit festgestellt werden, allerdings
nicht in Verbindung mit einer hohen Frühfestigkeit. Diese Festigkeit war bei einem SiO2/Na2O-
Verhältnis von 2,1 bei zwei verschiedenen HSM-Qualitäten nahezu nicht bestimmbar und unterhalb
einer Festigkeit, die bei einem Verhältnis von 0,5 resultierte, zumindest bis zum dritten Tag der Hy-
dratation [288]. Auch bei den Versuchen von Ben Haha etal. [12] zeigten die Proben mit Na2SiO3
keine Festigkeit nach einem Tag der Hydratation, jedoch überstiegen sie die Festigkeiten der ange-
regten NaOH-Proben nach sieben Tagen der Hydratation, jeweils mit gleichem Na2O-Gehalt und
unabhängig von dem eingesetzten HSM. Diese Unterschiede im Hydratationsgrad, in Abhängig-
keit des dargestellten SiO2/Na2O-Verhältnisses und damit auch vom vorhandenen pH-Wert, konnte
ebenfalls durch die Versuche von Huanhai etal. [104] belegt werden. Der Hydratationsgrad erhöhte
sich mit ansteigendem Na2O-Gehalt und damit fallendem SiO2/Na2O-Verhältnis [104]. Bei einem
für die Aktivierung des HSMs ausreichenden Na2O-Gehalt zeigt sich dagegen, dass der SiO2-Gehalt
maßgeblich die frühe Hydratation beeinflusst [104]. Dies belegen auch die Versuche von Wang etal.
[318] und in Anteilen auch die von Burciaga-Díaz u. Escalante-García [36], in denen bei einem an-
steigenden SiO2- und gleichbleibendem Na2O-Gehalt durchweg höhere Festigkeiten erlangt werden
konnten. Somit stellt sich das NaOH mit der vorteilhaften Eigenschaft eines schnellen Keimbildungs-
prozesses dar, allerdings mit dem nachteiligen Effekt einer schwächeren Leistungsfähigkeit bzgl.
der Phasenbindung und der daraus hervorgehenden geringeren Festigkeit im späteren Hydratati-
onsalter, welchen das Na2SiO3nicht aufweist [1113]. Als Zeugnis dieser hohen Leistungsfähigkeit
im Aufbau von Festigkeitsphasen durch die Na2SiO3-Anregung im Vergleich zur NaOH-Anregung
dient die nach 28 dHydratation meist doppelt so hohe oder höhere Druckfestigkeit trotz gleichem
Wasserbindemittelwert (w/b-Wert) und Na2O-Gehalt [1113,36,83,318]. Als Grund für eine höhere
Festigkeit in Verbindung mit dem Einsatz von gelöstem SiO2führt Stephan etal. [288] die geringere
41Bei 20 Cbeträgt die Dichte einer Konzentration von 50 M.-% 1,524 g/cm3, was einer Stoffmenge von etwa 762 g/lent-
spricht. Demgegenüber ist die Dichte des Feststoffs 2,13 g/cm3und die des Lösemittels 0,9982 g/cm3[100,108].
42Die Kieselsäure ist eine schwache Säure, die auch nur bei hoher Verdünnung kurzzeitig stabil ist [14,260] und eine Löslich-
keit in Wasser von 0,12 g/lbesitzt, bei einer Herstellung aus amorphem SiO2[14].
2.4 Alkalische Anregung 28
Porosität und damit die höhere Gefügedichte an. Dies geht auf die unterschiedliche Reaktionskine-
tik der Anreger zurück, wobei das NaOH mehr kristalline Phasen generiert und das Na2SiO3ein
amorphes gelförmiges Produkt hervorbringt (siehe Abbildung 2.8), welches zusätzlich in den Po-
ren und Hohlräumen vorhanden ist [12,36,288]. Aus den Untersuchungen von Burciaga-Díaz u.
Escalante-García [36] geht hervor, dass ein zu hoher Gehalt an Na2Oauch negative Auswirkungen
auf die Festigkeitsentwicklung haben kann, da Calcium in diesem Umfeld vermindert gelöst wird
und somit weniger C-S-H-Phasen entstehen. Als Folge der reduzierten Einbindung des Natriums
und Calciums in die Hydratationsphasen ist das Potential zur Entstehung von Na2CO3und CaCO3
erhöht [36]. Trotzdem zeigen die Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen [78,79,99,210,288], dass
mit der Anhebung der Anregerkonzentration eine Steigerung der Festigkeit und eine erhöhte Um-
setzung des Bindemittels einhergeht.
(a) (b)
HS-Korn
kristalline
Hydratations-
produkte
amorphe
Hydratations-
produkte
innere Hydratationsprodukte
Abbildung 2.8: Ausbildung des Hydratationsgefüges infolge der unterschiedlichen Wirkungsweisen
von (a) NaOH und (b) Na2SiO3
Zusammengefasst hängt die Aktivierung eines HSMs nicht nur von dem Bindemittel selbst ab, son-
dern vor allem von dem Anreger und dessen ausreichender alkalischer Konzentration [79,83,288].
Daher ist mit Na2SiO3sowohl eine schnelle [36,104,318] als auch eine weniger schnelle Aktivierung
möglich [12,104,288]. Was die Ergebnisse der verschiedenen Veröffentlichungen in jedem Fall zeigen
ist, dass die Anregung durch reine NaOH immer zu einer schnellen und wirkungsvollen Anregung
des HSMs führt [11,13,104].
2.4.2 Hydratation
Die Hydratation und damit die aus ihr hervorgehenden Phasen können auf vielfache Weise im Ab-
lauf verändert und beeinflusst werden. Dies zeigen die bisherigen Darlegungen aus diesem Unterka-
pitel zur Wirkung eines Anregers auf die Festigkeit und die aus dem Unterkapitel 2.3 zur Verzögerer-
wirkung. Daher wird nun die Einwirkung eines alkalischen Anregers auf den Hydratationsverlauf
geschildert, und zwar aus dem Blickwinkel der Wärmeflusskalorimetrie.
Die Hydratation des alkalisch aktivierten HSMs kann beim Einsatz von Na2SiO3und auch NaOH
die gleiche Charakteristik im Kurvenverlauf besitzen, wie sie ein PZ aufweist. Dargestellt wird dies
durch die Verläufe einer Wärmeflusskalorimetrie in Abbildung 2.1 auf Seite 5 und die entsprechende
Literatur [15,82,104,266,267]. Jedoch finden innerhalb der einzelnen Perioden andere Abläufe als
beim PZ statt, außerdem ist die Höhe und Länge des Peaks maßgeblich von dem Anreger geprägt
[15,82,104]. Grundsätzlich verweisen Shi u. Day [266] in ihrer Kalorimetriestudie auf drei verschie-
dene Typen der Hydratation, die anhand der Anzahl der Peaks und ihrem Erscheinen zu differen-
zieren sind. Unter dem ersten Typ resultiert ein Peak innerhalb der Induktionsperiode, aber ohne
Erstarrung und weitere Erhärtung des Systems [266]. Sie weisen diesem Typ u. a. die Hydratation
von HSM mit Wasser zu [266]. Hingegen kann diese Form auch mit einer Na2SiO3-Anregung erzielt
werden, bei geringen SiO2/Na2O-Verhältnissen von 0,3 und entsprechend hohen Na2O-Gehalten
[104]. Gleiches konnten Fernández-Jiménez u. Puertas [80], Fernández-Jiménez etal. [83] in ihren Un-
tersuchungen mit einer NaOH-Anregung feststellen. Sie postulieren für diese Form der Anregung,
2.4 Alkalische Anregung 29
dass aufgrund der schnell verlaufenden Hydratation die Peaklage der Akzelerationsperiode in den
Peak der Induktionsperiode integriert ist - trotzdem ist eine Erstarrung und auch eine Erhärtung
gegeben [80]. Der zweite Typ wird durch zwei Peaks charakterisiert, mit dem Ersten innerhalb der
Induktionsperiode und dem Zweiten im Anschluss an die dormante Periode [266]. Dieser Verlauf
der Hydratation wird in der Literatur hauptsächlich der HSM-Anregung durch NaOH zugeschrie-
ben [15,266], kann aber auch bei Na2SiO3vorhanden sein [82,83,104,267]. Die Hydratationsabläufe,
die in Abbildung 2.1 auf Seite 5 zu sehen sind, entsprechen alle denen des zweiten Typs. Der dritte
von Shi u. Day [266] beschriebene Typ integriert in der Induktionsperiode zwei aufeinander folgen-
de Peaks und einen weiteren nach Abschluss der dormanten Periode. Meist wird dieser Typ durch
die Anregung mit Na2SiO3oder auch Na2CO3herbeigeführt [15,266]. Die Beeinflussung des Hy-
dratationsverlaufs hängt nicht nur von der Anregerart und einer möglichen Temperaturanhebung
ab, sondern auch von der Konzentration bzw. dem pH-Wert des Anregers [104,266,267]. Erfährt
die NaOH-Konzentration eine Steigerung, fällt der Peak der Induktionsperiode eher ab, wohinge-
gen sich der Peak der Akzelerationsperiode ansteigend verhält [267]. Wird das HSM mit Na2SiO3
angeregt, zeigen sich die beiden Peaks der Perioden stetig wachsend mit Anhebung der Konzentra-
tion [104,267]. Außerdem verschiebt sich der zweite Peak mit ansteigender Anregerkonzentration
zunehmend in Richtung der Induktionsperiode [104,267], bis zur möglichen Überlagerung beider
Peaks [104]. Dadurch weisen Huanhai etal. [104] bei der Na2SiO3-Anregung eine Abhängigkeit vom
SiO2/Na2O-Verhältnis nach.
In der Induktionsperiode des Hydratationsverlaufs reagiert der alkalische Anreger binnen von Mi-
nuten mit dem HSM, während die Kornstruktur des Bindemittels zum Teil gelöst wird [80,82]. Ge-
schieht eine Anregung mit Na2SiO3und liegen somit Siliciumionen bereits in Lösung vor, können
diese mit den gelösten Calciumionen des HSMs reagieren, wodurch C-S-H-Phasen gebildet wer-
den und es zu einem schnellen Erstarren innerhalb der ersten Hydratationsperiode kommen kann
[83,104]. Damit hängt die Reaktion dieser Periode nicht nur allein von dem pH-Wert des Anregers
ab, sondern auch von dem Gehalt an gelöstem SiO2und damit von dem SiO2/Na2O-Verhältnis [104].
Die anfängliche Reaktion kommt in der dormanten Periode zum Erliegen [82,104], trotzdem hängt
die Dauer der Periode vom Anreger ab und liegt beim Einsatz von NaOH verkürzt vor [82]. Huan-
hai etal. [104] erklären diese vermindert vorliegende Hydratationsenergie mit der Ummantelung
der HSM-Körner durch die sich gebildeten C-S-H-Phasen bei einer Na2SiO3-Anregung. Die Unter-
suchungsergebnisse von Fernández-Jiménez u. Puertas [80], Fernández-Jiménez etal. [83] zeigen auf,
dass der Erstarrungsbeginn und dessen Ende i. d. R. noch vor dem Start der dritten Hydratationspe-
riode liegt, sowohl für eine Na2SiO3- als auch NaOH-Anregung. Die Akzelerationsperiode bricht
erst Stunden nach dem Hydratationsbeginn an und ist von dem zweiten Anstieg des Wärmeflus-
ses geprägt, der die Bildung von Hydratationsprodukten und maßgeblich die der C-S-H-Phasen
kennzeichnet [80,82,104]. Besonders intensiv zeigt sich der Wärmefluss der dritten Periode unter
der Verwendung von NaOH als Anreger [82]. Der Wärmefluss fällt in der anschließenden Retar-
dationsperiode und Finalperiode zunehmend ab, wobei sich das Gefüge der Hydratationsprodukte
zunehmend um die Körner des HSMs verdichtet und dabei das freie vorhandene Wasser in die Mi-
krostruktur aufgenommen wird [104].
Neben der Kalorimetrie bietet es sich auch an, mit einem Ultraschallverfahren den Hydratationsver-
lauf zu erfassen [43,242]. Hierbei wird die Laufzeit des Ultraschalls durch einen Baustoff gemes-
sen, während der sich wandelnden Konsistenz- und Dichteverhältnisse innerhalb der Hydratation
[97,213]. Mit zunehmender Hydratationsdauer und fortschreitender Verfestigung des Bindemittels
sinkt die Laufzeit der Ultraschallwellen, woraufhin der Einfluss eines Additives, z. B. eines Beschleu-
nigers, charakterisierbar werden kann [43,97,98,212,213].
2.4.3 Phasenbildung
Um den Einfluss des alkalischen Anregers umfassender darzustellen wird nachfolgend deren Wir-
kung auf die Phasenbildung charakterisiert. Dazu gilt es insbesondere die mögliche Variabilität in-
nerhalb der Phasen und deren Struktur zu beleuchten.
Die Strukturausbildung der C-S-H-Phasen ist hinsichtlich des alkalischen Anregers genauer zu be-
trachten, da deren Ausbildungsform stark von der vorhandenen Basizität und der Charakteristik
des Anregers abhängig ist [36,81,198,244,278,315]. Kristallinere bzw. strukturiertere Phasen bil-
den sich vermehrt beim Einsatz von NaOH aus und amorphe bzw. unstrukturierte vorzugsweise
bei einer Anregung mit Na2SiO3, wie in Abbildung 2.8 zu sehen [192,198,315,317]. Roy etal. [244]
2.4 Alkalische Anregung 30
zeigten durch ihre Versuche mit Alkalihydroxiden als Anreger, dass mit einem ansteigenden pH-
Wert der Anreger auch eine höhere Kristallinität der Hydratationsprodukte möglich ist. Doch sind
grundsätzlich die C-S-H-Phasen das Hauptprodukt des alkalisch angeregten HSMs [12,39,78,81,
91,127,315]. Trotzdem lässt es sich um verschiedene Elemente erweitern, wie Aluminium und Na-
trium [12,91,198,211]. Puertas etal. [198] stellten fest, dass bei einer NaOH-Anregung vermehrt
Aluminium in die Struktur der C-S-H-Phasen eingebaut wird. Gleiches registrieren Ben Haha etal.
[12], allerdings für Natrium. So besteht die Möglichkeit, dass sich eine Phase der Zusammensetzung
Calcium-Natrium-Silikat-Hydrat (C-N-S-H) bildet [12,211]. Regourd etal. [211] deckten auf, dass die
Anreicherung der Phasen mit Natrium von dem Anreger abhängig ist, da bei einer KOH-Anregung
Kalium eingebunden wird. Diese mögliche Einbindung von Alkalien, in Abhängigkeit von der je-
weiligen Alkalilösung, wird ebenfalls durch die Untersuchungen von Hong u. Glasser [101,102] un-
terstützt. Sie haben den Nachweis dadurch erbracht, dass sie synthetisch hergestellte C-S-H-Phasen
mit alkalischen Lösungen versetzt haben [101,102]. Sie stellten fest, dass die Strukturbindung der
Alkalien steigt, wenn der Aluminiumanteil innerhalb der C-S-H-Phasen zunimmt [101,102]. Die
Erscheinung der C-A-S-H-Phasen treten wahrscheinlich weitestgehend amorph und anregerunab-
hängig auf, wobei die Substitution des Siliciums von der vorliegenden Menge an Aluminium abhän-
gig ist [13,39,91,145,211]. Generell ist die Substitution von Silicium durch Aluminium begrenzt
und unterliegt auch verschiedenen Abhängigkeiten [219,222,226,295,317]. Dabei verweisen Tay-
lor [295] sowie Richardson u. Groves [226] auf den entscheidenden Einfluss des C/S-Verhältnisses.
Nach Taylor [295] steigt die Einbindung des Aluminiums mit sinkendem C/S-Verhältnis an, indes
verweisen Regourd etal. [211] ebenso auf Magnesium und Richardson u. Groves [226] fügen noch
Eisen hinzu, als weiteres Substitut für Silicium. Es wird dagegen angemerkt, dass hauptsächlich Alu-
minium das Silicium substituiert [226,227]. Daher werden größere Gehalte an Magnesium ebenso
wenig eingebunden, sondern verbinden sich vorzugsweise mit Aluminium zu Hydrotalcit43, einer
weiteren Hauptphase der Hydratation von HSM bei NaOH-Anregung [39,99,192,198,315]. Nach
Ben Haha etal. [11,13] ist die Erscheinung dieser Phase von dem MgO-Gehalt und der Hydrata-
tionsdauer abhängig. Mit ansteigendem MgO-Gehalt wird mehr voluminöses und porenfüllendes
Hydrotalcit generiert, weswegen der Aluminiumanteil innerhalb der C-S-H-Phasen sinkt [11]. Trotz
des nachgewiesenen geringeren Porenvolumens konnte von Ben Haha etal. [11] dennoch kein po-
sitiver Einfluss auf die Festigkeit bemerkt werden. Im Gegensatz dazu weisen Lothenbach u. Nonat
[145] auf eine erhöhte Festigkeit hin, als Folge des erhöhten Aufkommens an Hydrotalcit durch die
Steigerung des MgO-Gehaltes. Die Erscheinung des Hydrotalcits in Abhängigkeit des Hydratati-
onsalters greifen Song u. Jennings [277] sowie Song etal. [278] auf. Die Ergebnisse ihrer Versuche
zeigen, dass Hydrotalcit bevorzugt nach 28 dund nicht nach sieben Tagen der Hydratation entsteht
[277,278]. Mitunter wird es bei einer Na2SiO3-Anregung auch gar nicht analysiert [198]. Die Struktur
des Hydrotalcits prägt sich hexagonal und in Form kleiner Plättchen aus, während das kristalline Er-
scheinungsbild von dem Mg/Al-Verhältnis abhängig ist [328], welches aber sehr variabel vorliegen
kann [115,328].
Während sich die C-S-H-Phasen auf der Kornoberfläche des HSMs ausbilden und dann in den Po-
renraum hineinwachsen [12,227,315], befindet sich das plättchenförmige Hydrotalcit zwischen die-
sen kristallinen Phasen [12,13,220,227]. Richardson u. Groves [225,227] weisen der Ausbildung
der C-S-H-Phasen eine innere wie auch äußere Struktur zu.44 Ben Haha etal. [12] beschreiben den
Unterschied in der C-S-H-Phasenbildung mit der zuerst stattfindenden Generierung von dichten
Phasen, worauf weitere Phasen folgen, die im Gegensatz dazu ein poröseres Erscheinungsbild be-
sitzen. Grundsätzlich unterscheiden sich die C-S-H-Phasen eines alkalisch angeregten HSMs gegen-
über denen eines PZs in den geringeren Gehalten an Calcium und damit in einem verminderten
C/S-Verhältnis45 [15,36,192,295,317]. So geben Ben Haha etal. [11,12] ein Verhältnis der relativen
Atommassen von 0,9 für ein angeregtes HSM mit NaOH an und einen niedrigeren Wert für Na2SiO3,
bedingt durch das zusätzlich gelöste SiO2des Anregers. Dieser Unterschied in der Ausbildung des
Verhältnisses wird durch Bernal etal. [15] bestätigt. Wang u. Scrivener [317] demonstrieren eben-
43Hydrotalcit setzt sich chemisch allgemein als Mg6Al2CO3(OH)16 ·4H2Ozusammen [198,315] und gehört mineralogisch
betrachtet zur Gruppe der Carbonate [177]. Hingegen kann Aluminium zum Teil auch durch Eisen ausgetauscht werden,
wodurch eine Variabilität in der Zusammensetzung besteht [246].
44Die Versuche von Richardson [219] und Richardson u. Groves [227] wurden mit einer KOH-Anregung durchgeführt. Die
Ergebnisse von Ben Haha etal. [12] und Regourd etal. [211] mit NaOH als Anreger lassen trotzdem erkennen, dass sich
der strukturelle Aufbau der Phasen im Wesentlichen in der Einbindung der Alkalien unterscheidet. Auch Richardson [220]
selbst unterscheidet nicht in der Strukturausbildung durch die beiden Alkalihydroxide.
45Dieses Verhältnis kann analytisch mit Hilfe der Energy Dispersive X-ray Diffraction, dt.: Energiedispersive Röntgen-
spektroskopie (EDX), erfasst und i. d. R. durch die relativen Atommassen ausgedrückt werden, womit es dann als Ca/Si-
Verhältnis zu bezeichnen ist [86,260,261].
2.4 Alkalische Anregung 31
falls diesen Unterschied und geben ein Ca/Si-Verhältnis von 1,1 für die Aktivierung durch NaOH
an. Allerdings lassen die Ergebnisse auf keine Veränderungen des Verhältnisses über die Hydratati-
onszeit schließen [11,12,317]. Wenn auch nur nach Na2SiO3-Anregung, so stellen Burciaga-Díaz u.
Escalante-García [36] die Veränderung des Verhältnisses über die Hydratationszeit fest. Die Ergeb-
nisse weisen einen klaren Anstieg im Ca/Si-Verhältnis auf, der sowohl in den inneren als auch äuße-
ren Produkten gegeben ist [36]. Burciaga-Díaz u. Escalante-García [36] bilanzieren, dass die inneren
Produkte ein leicht höheres Ca/Si-Verhältnis besitzen als die äußeren Produkte. Gleiches zeigen die
Ergebnisse von Puertas etal. [198], die die Phasen weitestgehend zwischen denen im Porenraum
und denen am Bindemittelkorn unterscheiden. Indes stellen sie bei einer NaOH-Anregung Gegen-
teiliges fest [198]. Das Ca/Si-Verhältnis der Phasen im Porenraum ist leicht erhöht gegenüber denen
am Korn [198]. Wenn auch aus der dargestellten Literatur kein allgemeiner Trend der Veränderung
des Ca/Si-Verhältnisses über die Hydratationszeit zu entnehmen ist, so wird an anderer Stelle den-
noch eine Modifizierung [36,174,198,220] sowie eine Zunahme der Kristallinität der Phasen im
Verlauf der Hydratation prognostiziert [198,244]. Auch aus dem Blickwinkel der Reaktion eines PZs
unterliegen die entstehenden Phasen nicht nur innerhalb der fünf Hydratationsperioden ständigen
Modifikationen, sondern auch während einer möglichen Carbonatisierung im fortschreitenden Pro-
benalter [174,233].
Die Struktur der C-S-H-Phasen bei NaOH-Anregung besitzen eine Ähnlichkeit zum Tobermorit und
werden daher auch als C-S-H(I) bezeichnet [15,220,244,315]. Tobermorit46 kommt als natürliches
Mineral vor, welches in Silikatschichten aufgebaut ist und sich im Schichtabstand unterscheidet, je
nach Dargebot des gebundenen Wassers [14,284]. Dabei kann der Abstand der Silikatschichten zwi-
schen 0,9 und 1,4 nm betragen [14,85,136,284],47 wodurch sich eine Zusammensetzung von C5S6H2
oder C5S6H9ergibt [14,284]. Eine ähnliche Phase ist Jennit, die jedoch ein höheres C/S-Verhältnis
aufweist und sich daher als C9S6H11 zusammensetzt [85,221,284]. Nach Richardson [220,221] und
seinem C-S-H-Phasenmodell ist bei einer alkalischen Aktivierung von HSM eher mit tobermorit-
ähnlichen Phasen zu rechnen. Allerdings werden einzelne jennit-ähnliche Phasenbereiche mit höhe-
ren C/S-Verhältnissen nicht gänzlich ausgeschlossen [220,221]. Prinzipiell können sich komplexe
C-S-H-Phasenstrukturen einstellen, wie z. B. die von Calcium-Natrium-Aluminium-Silikat-Hydrat
(C-N-A-S-H), die in Gegenwart von Na2SiO3analysiert wurden [36,170,192]. Gleichwohl lassen
sich auch tobermorit-ähnliche Phasen bei diesem Anreger nachweisen, die hinsichtlich einer NaOH-
Anregung in der Kettenlänge und der Einbindung der Elemente in die Struktur zu unterscheiden
sind [15,36]. Trotzdem ist die Erfassung kristalliner Phasen bei der Anregung mit Na2SiO3schwer,
daher kann vielfach lediglich eine amorphe und sehr dichte Masse an Hydratationsprodukten zwi-
schen den HSM-Körnern nachgewiesen werden [1113,36]. Auch wenn in Einzelfällen eine Kris-
tallinität festgestellt wurde, die einen Nachweis der entstandenen Phasen mittels X-ray Diffraction,
dt.: Röntgenbeugung (XRD) ermöglicht [91]. Insgesamt sind verschiedene C-S-H-Phasen möglich,
welche in erster Linie um die Elemente Aluminium und/oder Natrium erweiterbar sind und in Ab-
hängigkeit von bestimmten vorliegenden C/S-Verhältnissen bzw. der HSM-Zusammensetzung oder
der Verwendung der Anregerart stehen [36,80,101,102,170,180,198] (siehe Tabelle 2.10).
Tabelle 2.10: Hydratationsphasen des HSMs nach einer Anregung durch NaOH oder Na2SiO3und
zugehöriger Literatur
Anreger Hydratationsphasen Literatur
NaOH kristallines C-S-H [36,277,315]
C-N-S-H [12,211]
Hydrotalcit [12,278,315]
CaCO3[36,81,198]
Na2SiO3amorphes C-S-H [27,78,198]
C-N-A-S-H [36,170,192]
Hydrotalcit [27,91,170]
Bei einer NaOH-Anregung des HSMs stellen sich als maßgebliche Hydratationsprodukte kristalline
C-S-H-Phasen sowie Hydrotalcite ein [180,198,244,268,315], welche durch ausreichende Gehal-
te an Magnesium und Aluminium entstehen [15,175,180]. Vergleichbare Phasen werden bei der
Na2SiO3-Anregung generiert, wenn sich diese auch amorpher ausprägen [27,78,198]. Damit kann
46Tobermorit wurde erstmals in Tobermory auf der Insel Mull in Schottland im Jahre 1880 entdeckt [85].
47Ebenso kann der Abstand in der Längeneinheit Ångström ausgedrückt werden, als 9 bzw. 14 Å [85].
2.4 Alkalische Anregung 32
im Grundsatz eher eine Anregerunabhängigkeit in der Phasenbildung festgestellt werden, da ei-
ne Varianz, wie sie bei der Festigkeitsentwicklung der beiden alkalischen Anreger besteht, nicht
gegeben ist [11,15,146,315] (vgl. Unterkapitel 2.4.1). Die Tabelle 2.10 zeigt hingegen zugehörig
zu den dargestellten Anregern noch weitere Phasen an, die teilweise nur in Abhängigkeit von der
HSM-Zusammensetzung, der Hydratationszeit, den Temperaturbedingungen oder der Eigenschaft
des Anregers entstehen [39,317]. Im Besonderen die Analyse von CaCO3geht nach Ansicht von
Burciaga-Díaz u. Escalante-García [36] auf die verminderte Lösungsfähigkeit von Calcium unter sehr
hohen pH-Werten zurück, wodurch das Calcium nicht in Hydratphasen eingebunden wird und car-
bonatisiert. So kann es zum Teil auch bei einer Na2SiO3-Anregung aufzufinden sein [198]. Das Auf-
treten von AFm-Phasen konnte bei beiden Anregern nur vereinzelt nachgewiesen werden [91,315],
wobei nach Provis u. Bernal [192] die Phasen meist amorph erscheinen und erst im späten Hydrata-
tionsalter kristallin auftreten. Speziell bei hohen Al2O3-Gehalten kann auch Strätlingit entstehen, als
eine Phase mit der Zusammensetzung C2ASH8[11,13,145,146]. Vor allem aus Sicht der thermody-
namischen Modellierung ist diese Phase ein mögliches Hydratationsprodukt eines alkalisch aktivier-
ten HSMs [11,145,146]. Allerdings konnte sie auch bereits mittels XRD detektiert werden, bei einem
Al2O3-Gehalt des HSMs von 9,7 [244] bzw. 16,7 M.-% [13]. In den Modellierungen wird als weitere
mögliche Phase auch Brucit (Mg(OH)2) angegeben, dessen Entstehung bei hohen MgO- und niedri-
gen Al2O3-Gehalten vermutet wird [11,145]. Dementgegen konnte die Phase von Ben Haha etal. [11]
in keinen der Proben festgestellt werden, trotz eines MgO-Gehaltes von bis zu 13,2 M.-%. Vereinzelt
stehen in Zusammenhang mit alkalisch aktiviertem HSM auch Ca(OH)2oder Magnesium-Calcium-
Aluminat-Hydrate als mögliche Hydratationsphasen [244]. Diese können nach Aussage von Wang
etal. [315] mit Verweis auf die Forschungen von Glukhovskij jedoch nicht vorhanden sein. Dement-
gegen sind es eher Zeolithe und andere Phasen [315], die mitunter durch Polymerisation48 entstehen
können. Fernández-Jiménez u. Puertas [81] verweisen auf die schwierig zu erreichenden Bedingun-
gen mit niedrigen Ca/Si- sowie hohen Al/Si-Verhältnissen, die erst eine Entstehung zeolithischer
Phasen ermöglichen. Trotzdem wird in Verbindung mit alkalisch angeregten HSM von Polymerisa-
tionen berichtet [80,99,192,317]. So stellen Hilbig u. Buchwald [99] fest, dass sich mit zunehmender
Anregerkonzentration mehr reaktionsfähiges Material in der Lösung befindet. Dies veranlasst sie,
die alkalisch aktivierte Hydratation mit der Polymerisation zu vergleichen [99]. Einen weitreichen-
den Überblick über die entstehenden Phasen des alkalisch aktivierten HSMs geben die Arbeiten von
Bernal etal. [15], Chen u. Brouwers [39] sowie Pacheco-Torgal etal. [180].
Um die Hydratationsphasen zu analysieren, bieten sich verschiedene gängige Methoden an, wie
Thermogravimetrie (TG) [11,91], Differenzthermoanalyse (DTA) [13,315] oder auch Rasterelektronen-
mikroskopie (REM) [12,244]. Weitere zielführende Methoden zur Verifizierung der komplexen und
sich teilweise verändernden Hydratationsphasen sind Nuclear Magnetic Resonance Spectroscopy,
dt.: Kernresonanzspektroskopie (NMR)49 [99,317], Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (FTIR)50
[80,83], XRD [36,277] sowie Energy Dispersive X-ray Diffraction, dt.: Energiedispersive Röntgen-
spektroskopie (EDX) [13,198]. Indes können die C-S-H-Phasen mit der TG bedingt qualitativ, dafür
jedoch gut quantitativ bestimmt werden [11,91]. Deren vornehmliche Entwässerung liegt im Tempe-
raturbereich zwischen 50 und 200 C[11,91]. Eine qualitativere Aussage können die Ergebnisse der
DTA liefern, da sie die vorhandenen Wärmeströme in endothermen Peaklagen erfassen, was eine ge-
nauere Analyse der Phasen in dem genannten Temperaturbereich ermöglicht [13,315]. Mit der FTIR
kann eine Veränderung der C-S-H-Phasen registriert werden, wenn die Frequenz des detektierbaren
Siliciums ansteigt, wodurch die Abnahme des C/S-Verhältnis angezeigt wird [80,83]. Die NMR-
Methode wird ebenfalls zur Verifizierung des Siliciums sowie des Aluminiums verwendet, um die
Veränderung der Phasenzusammensetzung infolge der Hydratation bzw. des eingesetzten Anregers
zu erfassen, besonders bei vorwiegend amorphen Phasen [99,317]. So gelingt zum einen der Nach-
weis der Aluminiumeinbindung in die C-S-H-Phasen [317] und zum anderen die Feststellung der
zunehmenden Hydrotalcitentstehung mit ansteigendem Anregergehalt [99]. Das Hydrotalcit kann
via TG und DTA erfasst werden, wobei der Masseverlust bzw. Wärmestrom aus Entwässerung und
Decarbonatisierung im Temperaturbereich von etwa 200 bis 400 Cliegt [11,115,159,246]. Hier-
bei ist die Abweichung der Temperaturen auf die jeweilige Zusammensetzung des Hydrotalcits zu
beziehen [115,246]. Um auch eine Aussage über die Mineralogie bzw. die chemische Zusammen-
48Die Polymerisation verläuft als Kettenreaktion, die durch das Aufbringen einer hohen Aktivierungsenergie mit der Bildung
eines instabilen Zwischenproduktes gestartet wird. Nach einer Vielzahl an instabilen Zwischenprodukten (Kettenwachs-
tum) wird das Ende der Reaktion mit dem Kettenabbruch erreicht. [14,95,260]
49Die NMR-Methode dient dazu, die Struktur chemischer Verbindungen aufzudecken. Sie basiert auf einer Absorptionsmes-
sung elektromagnetischer Strahlung. [271]
50Die FTIR-Methode dient zur Erfassung von Infrarotspektren, mit dem Vorteil eines hohen Probendurchsatzes bei einer
guten Reproduzierbarkeit [271].
2.5 Zusammenfassung - Theoretische Grundlagen 33
setzung der Phase treffen zu können, bietet sich die XRD-Methode [36,277] oder auch eine EDX-
Messung [13,198] an, die z. B. an eine REM-Analyse geknüpft ist. Dabei ist die XRD-Analyse auf
eine kristalline Probe angewiesen [271]. Einen Eindruck vom Erscheinungsbild der Phasen können
REM-Bilder liefern [12,244], die mit Hilfe von Secondary Electrons, dt.: Sekundärelektronen (SE),
oder Backscattered Electrons, dt.: Rückstreuelektronen (BSE), aufgenommen werden [271].
2.5 Zusammenfassung - Theoretische Grundlagen
Das Kapitel der Theoretischen Grundlagen behandelt die im Hinblick auf die Ergebnisse der prak-
tischen Ausarbeitungen wesentlichen Schwerpunkte, die für die Darlegung der Ergebnisse und die
darin eingeschlossene Diskussion notwendig sind. Damit wird ein Fundament zur Aufklärung der
aufgetretenen Effekte auf der Basis von Theorie und Forschung geschaffen.
Das Unterkapitel 2.1 Zement (ab Seite 3) stellt sowohl die maßgeblichen Aspekte der geschichtli-
chen Bindemittelentwicklung dar, als auch den PZ - der ein substituierendes, aber immer noch we-
sentliches Bindemittel ist, vor dem Hintergrund der immer wichtiger werdenden alternativen Bau-
stoffe. Die Hydratation von PZ kann in fünf Perioden unterteilt werden, in der sich die zur Erstar-
rung führenden Ettringitphasen zum Ende der dormanten Periode ausbilden und im Wesentlichen
der Keimbildungsprozess der festigkeitsgebenden C-S-H-Phasen die folgende Akzelerationsperiode
prägt. Die Hydratation zu Beginn dieser Periode ist durch die ansteigenden Alkaliionen und den
pH-Wert sowie die zeitgleich fallenden Konzentrationen an Calcium- und Schwefelionen charakteri-
siert. Das Hauptprodukt der PZ-Hydratation, die C-S-H-Phasen, werden durch die Reaktion der
C3S- und C2S-Klinkerphase gebildet und können während der Hydratation in unterschiedlichen
C/S-Verhältnissen und mineralogischer Ausbildung vorliegen. Dabei sind die Phasen mit Tober-
morit oder Jennit vergleichbar. Zudem kann die C-S-H-Struktur um Aluminium erweitert werden,
gerade wenn weitere Bindemittelkomponenten wie HSM vorliegen.
Das HSM und dessen Einzug in die Bindemitteltechnologie wird in Unterkapitel 2.2 Hüttensand (ab
Seite 9) dargestellt. Dabei wird aufgezeigt, dass die Einflussfaktoren der latent hydraulischen Reak-
tionsfähigkeit weniger von der Aufbereitung des HSs zum HSM abhängen, sondern vielmehr von
der Herstellung des HSs. Daher liegen die Faktoren beim Hochofenprozess, der Granulation und
dessen Temperaturverhältnisse sowie dem Chemismus. Die vielfach verzweigten Abhängigkeiten
sind Beleg für die komplexen Zusammenhänge der Reaktionsfähigkeit eines HSs. Somit gelang es
bisher nicht anhand der Zusammensetzung die Reaktivität durch eine Formel auszudrücken. Der
Unterschied eines in den Phasen vorliegenden kristallinen PZs und eines amorphen HSs ist bzgl.
der Oxidzusammensetzung maßgeblich auf die verringerte Masse an CaO und die erhöhte Masse an
SiO2zurückzuführen. Daher sind oftmals alkalische Anreger für die Lösung des Korns notwendig
und Wasser allein ist meist nicht ausreichend. Damit werden festigkeitsgebende C-S-H-Phasen mit
einem variierenden C/S-Verhältnis als Hauptprodukt der Hydratation generiert, ähnlich zum PZ.
Weitere entstehende kristalline Phasen, die gegenüber denen des PZs eine dichtere Matrix aufwei-
sen, integrieren Aluminium, wie das Hydrotalcit.
Im Unterkapitel 2.3 Verzögerung (ab Seite 15) wird dargelegt, dass die Wirkungsweise eines anor-
ganischen oder organischen Verzögerers in einem Bindemittelsystem nicht nur von der Art und
der Dosierung abhängig ist, sondern auch von den Umwelteinflüssen und dem Bindemittel selbst.
Meist sind es komplexe Zusammenhänge in denen der Verzögerer die dormante Periode verlängert,
zusätzlich auf das in Lösung gehen von Ionen einwirkt und weiterhin auch die Ausbildung von
Hydratationsprodukten einschränkt. Die organischen Verzögerer, insbesondere die Hydroxycarbon-
säuren, besitzen im Vergleich zu anorganischen Stoffen eine höhere Löslichkeit in Wasser und sind
kostengünstiger. Ebenso verfügen sie über einen verflüssigenden sowie, im fortgeschrittenen Alter
und in Abhängigkeit von der Verzögererkonzentration, festigkeitssteigernden Einfluss. Einige dieser
Eigenschaften gehen auf die Hydroxy- und Carboxygruppen zurück, u. a. die Komplexbildung mit
z. B. Calcium, wodurch deren Anwendung nicht nur im Bindemittelbereich, sondern auch in der
Lebensmittelchemie gegeben ist. Die Adsorption kann sowohl eine Ursache der Verzögererwirkung
dieser Stoffe sein als auch unterschiedliche Effekte auf Oberflächen hervorrufen, wie die Behinde-
rung des weiteren Wasserzutritts. Grundsätzlich steuert ein Verzögerer nicht nur den Prozess des
Erstarrens und somit auch die Bildung der Hydratationsphasen, sondern auch den der Festigkeits-
entwicklung.
2.5 Zusammenfassung - Theoretische Grundlagen 34
Die Herbeiführung der Hydratation des HSMs wird im Unterkapitel 2.4 Alkalische Anregung (ab Sei-
te 24) demonstriert. Als effektiv wirkende Anreger werden vorrangig Na2CO3,NaOH und Na2SiO3
eingesetzt. Ein wichtiger Faktor der Anreger ist ein notwendig hoher pH-Wert zur Lösung des amor-
phen Bindemittelkorns und der Einleitung der Bildung von Festigkeitsphasen. Der Hydratations-
grad und die Festigkeit können durch eine Steigerung der Anregerkonzentration angehoben werden.
Dagegen lassen sich die höchsten Festigkeiten mit dem Na2SiO3herstellen, durch das zusätzlich
gelöste SiO2. Die NaOH-Anregung zeichnet sich bzgl. ihrer schnellen Lösungsfähigkeit und einer
sicher vorhandenen Frühfestigkeit aus, was mitunter die eigentlich fünf vorhandenen Hydratati-
onsperioden schwer erfassbar macht. Nicht in Abhängigkeit des Anregers stehen die Hydratations-
phasen, die im Wesentlichen auf die C-S-H-Phasen und das Hydrotalcit beschränkt werden können.
Die C-S-H-Phasen sind variabel und vor allem um die Elemente Aluminium und/oder Natrium er-
weiterbar. Die Zusammensetzung der Phasen, d. h. deren C/S-Verhältnis, ist jedoch von der Anreger-
art abhängig. Grundsätzlich stellen sich durch die Anregung mit NaOH eher kristalline Phasen ein
und durch das Na2SiO3eher amorphe. Ein genereller Trend in der Veränderung der C-S-H-Phasen
über die Hydratationszeit ist nicht klar erkennbar, dennoch ist deren Wandel anzunehmen.
35
Kapitel 3
Ziel
In diesem Kapitel wird nun das Ziel der Arbeit und deren Versuchsumfang dargestellt und erläu-
tert. Um den Umfang übersichtlich abzubilden wird nachfolgend eine Grafik zur Struktur und dem
Ablauf der praktischen Versuche aufgezeigt. Weitere Grafiken stellen den übergeordneten zeitlichen
Rahmen der Versuchsdurchführung und die Variation der Additive und Wirkstoffgehalte dar. Das
grundlegende Ziel der praktischen Arbeit war eine Machbarkeitsstudie, d. h. die Überprüfung einer
Versuchsidee hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit. Im Einzelnen handelt es sich um die Reaktivierung
eines zuvor dauerhaft verzögerten Bindemittels und somit um die Kontrolle des Hydratationsab-
laufs. Nach dem Erreichen des Ziels, bzw. auf dem Weg dahin, wurden die Hintergründe und Eigen-
schaften des geschaffenen Bindemittelsystems studiert. Eingeschränkter ist dabei eine Optimierung
durchgeführt worden, d. h. die Findung der Grenze des optimalsten Zustandes unter der Verwen-
dung bestimmter Bedingungen.
Rohstoffcharakterisierung
optisch, chemisch, physikalisch
Verzögerung
Optimierung vom Frischleim
Konsistenz, haptisch-visuelle Studie
Porenlösung Feststoff
Elementar
Organik, Anorganik
Thermik
Porenlösung
Feststoff
Feinheit
Fläche, Dichte
Mikroskopie
Anregeranalyse
Wärmefluss, Trocknung, Thermik
Festigkeit
Ultraschall
Elementar
Organik, Anorganik
Feinheit
Fläche, Dichte
Festigkeit
Ultraschall
Konsistenz
Thermik
Anregung
haptisch-visuelle Studie, Wärmefluss
Vorversuche - Verzögereranalyse
Analyse
Generierung
Generierung
Analyse
Analyse
Analyse
Wärmefluss
Analyse
Phasen
Pulver, in-situ
Mikroskopie
Abbildung 3.1: Struktur und Ablauf der Versuche
Kapitel 3 Ziel 36
In Abbildung 3.1 ist der durchgeführte Versuchsablauf dargestellt. Einige der aufgezeigten Abschnit-
te bedingen einander, d. h. ohne deren erfolgreichen Abschluss können nachfolgende Zustände nicht
erreicht oder Analysen nicht durchgeführt werden. Diese Abhängigkeitsbeziehung ist in der Abbil-
dung mit einem Pfeil () gekennzeichnet. Eine solche Beziehung liegt gleich zu Anfang der Ver-
suche vor. Innerhalb der Vorversuche zur Verzögereranalyse ging es darum, einen geeigneten Ver-
zögerer für das Bindemittel zu finden, der die Hydratation für mindestens 28 dunterdrückt. Unter
Anwendung von haptisch-visuellen Versuchen und den darauf aufbauenden Analysen zum Wär-
mefluss wurde zunächst auf qualitativer Ebene der Phasenübergang vom plastischen zum festen
Zustand beobachtet. Mit der Findung von zumindest einem geeigneten Additiv zur Unterdrückung
der Hydratation konnte der mögliche Zustand der Verzögerung erreicht werden. Vor der Anregung
stand ebenfalls eine ähnliche Sondierung an, nämlich die der Anregeranalyse. Auch mit dieser sollte
ein entsprechendes Additiv gefunden werden, welches den erfolgreich vorliegenden Zustand der
Verzögerung anregen konnte. Die Stadien Verzögerung und Anregung sind rot hinterlegt, um deren
Status als die zwei Hauptsäulen der praktischen Versuche klar zu kennzeichnen. Innerhalb dieser
beiden Stadien sind zur möglichen Analyse der verschiedenen Proben weitere Zustände zu generie-
ren, der der Porenlösung und des Feststoffs. Nach dem Erreichen der Zustände konnten die in der
Abbildung 3.1 aufgelisteten Analysen durchgeführt werden. So sind unter dem Oberbegriff Elemen-
tar beispielsweise zwei Analysen zusammengefasst, nämlich die der Organik und die der Anorganik.
Sind die einzelnen Abschnitte bzw. bevorzugt die Analysen lediglich mit einer einfachen Linie ( )
miteinander verbunden, war der vorherige Abschnitt bzw. die Analyse für den Nachfolgenden nicht
zwingend erforderlich. So erfolgte z. B. die thermische1und mikroskopische Analyse des verzöger-
ten Feststoffs parallel zueinander. Die genaue Durchführung sowie die Aussagekraft der einzelnen
Versuche wird im nachfolgenden Kapitel 4 beschrieben.
Aktivierungszeitpunkt
Verzögerungsperiode
Hydratationsperiode
0d1d3d7d
14d
56d
F7d F28d F365d
F90d
Verzögerungs- & Hydratationsperiode
individuelle Verzögerungs- & Hydratationsperiode bzw. Aktivierungszeitpunkt
individuelle Analyse
Abbildung 3.2: Zeitachse der Verzögerungsperioden, der Aktivierungszeitpunkte und der Hydrata-
tionsperioden
Die Zustände der Verzögerung und der Anregung wurden zeitlich flexibel hergestellt und analysiert.
In Abbildung 3.2 wird für die Verzögerung eine maximale Periodenlänge von 56 ddargestellt, inner-
halb der die Versuche durchgeführt wurden oder nach der eine Aktivierung der verzögerten Hy-
dratation stattfand. Die wiederkehrenden Verzögerungs- bzw. Hydratationsperioden sind mit einer
durchgezogenen Linie gekennzeichnet und die individuell durchgeführten Verzögerungs- und Hy-
dratationsperioden sowie Aktivierungszeitpunkte mit einer gestrichelten Linie. Wurden Analysen
ebenfalls individuell verrichtet, sind diese in der Zeitachse mit einer gepunkteten Linie versehen. So
sind z. B. innerhalb des verzögerten Zustandes zwischen null und einem Tag2nur eine eingeschränk-
te Auswahl an Versuchen durchgeführt worden und nicht alle die in Abbildung 3.1 aufgeführt sind.
Gleiches gilt für den verzögerten Zustand nach Anregerzugabe. Dieses Stadium wird in dem Umfeld
dieser durchgeführten Versuche als Beginn der Hydratationszeit definiert. Es wird also davon ausge-
1Der Begriff Thermik umschreibt Analysen bei denen Wärme zur Durchführung aufgewendet wurde.
2Die Zeitspanne null Tage bedeutet in dem Umfang der Versuche, dass die Probe direkt nach Herstellung analysiert oder
mit dem Anreger versetzt wurde.
Kapitel 3 Ziel 37
gangen, dass eine Hydratation einer verzögerten Suspension nur in Gegenwart eines Anregers in der
Form eines chemischen Additives stattfindet. So sind die überwiegenden Analysen des reaktivierten
Zustandes zu den Hydratationsperioden zwischen sieben und 90 ddurchgeführt worden.3
Abbildung 3.3: Struktur und Einsatz der chemischen Additive
In Abbildung 3.3 wird die Struktur und der Umfang der in den Versuchen eingesetzten Additive
dargestellt. Wie schon zuvor angeführt, erfolgte vor den eigentlichen Analysen in den beiden Zu-
ständen der Verzögerung und Anregung eine Sondierung der wirkungsvollsten Additive (vgl. Ab-
bildung 3.1). Die dabei getesteten Arten werden z. B. mit Typ 1 oder mit Typ X bezeichnet, während
Typ X als Symbol für die Vielzahl an Verzögererarten steht. Der Verzögerer bzw. Anreger, der sich
aus den Analysen als zweckmäßig herausgestellt hat, wurde innerhalb weiterer Versuche in dessen
Massenanteilen variiert. In der Abbildung 3.3 wird auch eine wahrscheinlich grundsätzlich gegebe-
ne Abhängigkeitsbeziehung () zwischen dem Verzögerer und dem Anreger demonstriert. Diese
Beziehung stand in den durchgeführten Versuchen im Mittelpunkt des Interesses, da es nach einer
erfolgreichen Verzögerung nur noch den Zustand beider Additive in einem Bindemittelsystem gab.
Daher war es wichtig, den Zustand der unterschiedlich vorliegenden Massenanteile zu begutachten.
Die dazu umfassenden Ergebnisse werden im Kapitel 7 ab Seite 61 erläutert.
In dem nachfolgenden Kapitel werden nun die experimentell angewendeten Methoden dargestellt.
Dazu werden sowohl die Methoden der Probengenerierung erläutert, als auch die der Analyseme-
thoden.
3Zur besseren Unterscheidung der Verzögerungs- und Hydratationsperioden, werden die Proben mit einem Hydratations-
fortschritt nicht nur mit der Länge in Tagen bezeichnet, sondern auch mit einem vorangestellten F für Festigkeit bzw.
Fortschritt. Diese Abkürzung wird insbesondere bei den Ergebnisdarstellungen im Unterkapitel 7.4 ab Seite 93 verwendet.
38
Kapitel 4
Experimentelles und Methoden
In diesem Kapitel werden die experimentell eingesetzten Methoden und die dazu verwendeten Ana-
lysegeräte vorgestellt. Zudem wird ein Überblick darüber gegeben, zu welchem Zweck die einzelnen
Untersuchungen angewendet wurden und in welchem Zusammenhang sie untereinander stehen.
Darüber hinaus werden auch die möglichen Nachteile einzelner Methoden, sowohl in der prakti-
schen Handhabbarkeit als auch in der theoretischen Aussagefähigkeit, aufgezeigt. Dazu sind die
nachfolgenden Beschreibungen dauerhaft auf die Abbildungen 3.1 bis 3.3 in Kapitel 3 ab Seite 35
zu beziehen, die grafisch die Versuchsstruktur und deren Durchführung darstellen. Abgeschlossen
wird dieses Kapitel mit einem Beitrag zu dem statistischen Hintergrund der Versuche und deren
Ergebnisse.
4.1 Wärmeflusskalorimetrie
Für die isotherme Wärmeflusskalorimetrie besteht seit 2014 mit der DIN CEN/TR 16632 [69]1eine
technische Regel, deren Anwendungsbereich die kontinuierliche Messung der Hydratationswärme
von Zementen und weiteren hydraulischen Bindemitteln einschließt. Dabei bezieht sich die isother-
me Messbedingung auf den kontrolliert gleichbleibenden Temperaturzustand durch die Konfigu-
ration des Messgerätes, sodass eine bewusste Zustandsänderung durch wechselnde Temperaturen
oder die Unterbindung des Wärmeabflusses (adiabatische Messung) nicht Gegenstand dieser Prü-
fungsmethode ist [69,132,311]. Es sind ebenfalls erhöhte Temperaturen von über 25 Cabzugrenzen,
da diese den Hydratationsverlauf nachweislich im maximalen Wärmefluss und in dessen früheren
zeitlichen Erscheinen beeinflussen [208,266,267]. Ausgedrückt wird der Wärmefluss in der Einheit
W/g, mit Bezug zur Masse des Bindemittels [69].
Die Wärmeflusskalorimetrie wurde als quantitative Analysemethode vorzugsweise zur Sondierung
und Auswahl geeigneter Additive, also sowohl im Bereich der Verzögerung als auch in dem der
Anregung, eingesetzt. Das vordergründige Ziel war, die Methode zur Darstellung der ausbleiben-
den Akzelerationsperiode einzusetzen, um so die Wirkung des Verzögerers und das Verweilen der
Hydratation in der dormanten Periode nachzuweisen. Im Falle des Anregers wurde hingegen die
Akzelerationsperiode erwartet, daher ging es hier um den Zeitpunkt und die Intensität der exother-
men Reaktion und die Angabe einer möglichen Steigung. Als zusätzliches Ergebnis kann noch die
Integration der über den Messzeitraum erfassten thermischen Leistung angegeben werden, welche
dann als Wärmemenge bezeichnet wird [69,207]. Als problematisch kann die Erfassung von thermi-
schen Leistungen nahe der Nachweisgrenze des Kalorimeters sein, da hier möglicherweise die von
der Probe abgegebene thermische Leistung nicht das Basislinienrauschen2übersteigt [69].
Die überwiegende Anzahl an Wärmeflussanalysen wurde mit einer Probemasse von 13,5 gmit dem
Gerät MC-CAL/100P der Firma C3 Prozess- und Analysentechnik GmbH (Haar, Deutschland) ver-
richtet. Der Messzeitraum der Analysen des Verzögerers betrug 21 dund der des Anregers drei Tage,
mit einer minütlichen Datenerfassung. Vergleichende bzw. kontrollierende Untersuchungen mit ei-
ner noch längeren Messzeit (mindestens 35 d) und einer größeren Probemasse (150 g) wurden mit
dem Gerät I Cal 2000 HPC der Firma Calmetrix Incorporated (Arlington, USA) durchgeführt. Sie
erfolgten mit der optimiert verzögerten Probemasse. Als inerte Referenz wurde jeweils Quarzsand
1Die Empfehlungen der technischen Regel [69] stammen aus veröffentlichten Forschungsberichten und laborübergreifenden
Vergleichsversuchen. Die Regel enthält sowohl gesicherte Eigenschaften des Verfahrens, als auch solche die es weiterhin
zu studieren gilt, wie u. a. den Messbereich bei geringem Wärmefluss [69].
2Bei dem Basislinienrauschen handelt es sich um die Abweichung vom Ausgangssignal des Kalorimeters, wenn eine inerte
Prüfprobe und Referenz mit gleicher Wärmekapazität (Verhältnis der notwendigen Wärmemenge zur erforderlichen Tem-
peraturanhebung [132]) vorliegen. Eine weitere Abweichung ist der Basisliniendrift, der vom Ausgangssignal über die
Messzeit ansteigt. [69]
4.2 Porenlösungsgenerierung 39
verwendet bei einer einheitlichen Messtemperatur von 20 C. Zur Erfassung der verzögerten Reak-
tionen weichen die sehr langen Messzeiten von den Empfehlungen der technischen Regel [69] ab, die
eine maximale Länge von sieben Tagen angibt. Sonst ist die gewählte Vorbereitung und Durchfüh-
rung den Empfehlungen der DIN CEN/TR 16632 [69] sehr ähnlich. Die Probenvorbereitung geschah
jeweils extern mit einem Vortexer3des Typs Reax top der Firma Heidolph Instruments GmbH &
Co. KG (Schwabach, Deutschland) unter einer vibrierenden und rotierenden Bewegung von 2.500
U/min und den in der Tabelle 4.1 stehenden Angaben. Die Mischzeit verlängerte sich zunehmend
mit der Anzahl der eingesetzten Komponenten. Um den Wärmefluss konzentrierter messen zu kön-
nen, war es nach dem Mischvorgang notwendig, die ausreichend homogenisierte Masse in Richtung
des Kunststoffbehälterbodens und damit so nah wie möglich am Wärmeflusssensor zu positionieren.
Tabelle 4.1: Vorbereitung der Kalorimetrieproben der Verzögereranalyse, nach Optimierung vom
Frischleim und der Anregeranalyse
Analysezustand Vorbereitung
Verzögerung 1 ×1min
Optimierung 3 ×1min (mit 1 min Pause)
Anregung 3 ×1min (mit 1 min Pause) +1×1min (mit Anreger)
4.2 Porenlösungsgenerierung
Die Porenlösung dient zur Analyse der flüssigen Phase des Bindemittelsystems. Somit können mög-
liche Veränderungen in der Konzentration der organischen Additive oder anorganischen Bestand-
teile des Bindemittels festgestellt werden, die als Folge der Hydratation auftreten [136,285,311].
Dabei ist in der Art zu unterscheiden, wie die Porenlösung generiert werden kann. Grundsätzlich
gibt es zwei Zustände aus denen die Porenlösung herstellbar ist: Zum einen aus dem plastischen
Zustand und somit vor dem Erstarren des Bindemittels und zum anderen aus dem festen Zustand
und somit nach dem Erstarren und ggf. Erhärten [7,24]. Die notwendigen Aufwendungen zur Gene-
rierung aus dem plastischen Zustand sind eher gering, da die Bildung von Hydratationsprodukten
und somit die Einlagerung von Wasser zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr weit fortgeschritten
ist [7,285]. Jedoch sind die Analysen zu diesem Zeitpunkt besonders interessant, da die Porenlö-
sung gerade zu Beginn der Hydratation starken Veränderungen unterlegen ist [23,136,311]. Die
Gewinnung der Porenlösung im festen Zustand kann im Wesentlichen über zwei Wege erfolgen:
Zum einen durch die bewusste Überdosierung von Wasser und der somit möglichen Verwendung
der überstehenden Flüssigkeit und zum anderen durch den Einsatz von Druckkraft [7,23,24,285].
Bei der Verwendung von Kraft wird es sich zunutze gemacht, dass physikalisch gebundenes Was-
ser aus den Porenräumen herauspressbar ist, insbesondere aus den Luftporen [14,285]. Allgemein
gilt, dass die Menge der Porenlösung abhängig vom eingesetzten Wassergehalt und der Hydratati-
onszeit ist [7,24]. Daher ist mit zunehmendem Hydratationsalter weniger Porenlösung generierbar.
Zusammenfassend kann der Begriff der Porenlösung als eine Flüssigkeit bezeichnet werden, welche
nach der Zusammenführung von Bindemittel und Wasser vorliegt und in der bereits eine Dissozia-
tion von Ionen stattgefunden hat. Ein einflussreicher Faktor bei der Analyse der Porenlösung kann
dessen Konzentration sein, da sie in Abhängigkeit des jeweiligen Hydratationszeitpunktes und der
generierten Menge variiert [7]. Mögliche Abweichungen aus den verschiedenen Generierungspro-
zessen der Porenlösung sind nach den umfangreichen Analysen von Bollmann [24] hingegen eher
nicht anzunehmen. Auch der Unterschied von variierenden Wassergehalten sollte lediglich höhere
Ionenkonzentrationen bei geringeren Gehalten liefern, aber qualitativ das gleiche Ergebnis [24].
Alle Mischungen aus denen eine Porenlösung gewonnen oder ein Feststoff generiert wurde sowie
eine Optimierung erfolgte, sind nach dem in der Tabelle 4.2 aufgezeigten Mischregime hergestellt
worden. Vor der jeweiligen Zugabe der Verzögerer- oder Anregerlösung wurde die Masse durch
das Mischen zuerst homogenisiert. Die Lagerung der Probemasse erfolgte in luftdicht verschlosse-
nen Kunststoffbehältern bei 20 Cbis zum jeweils vorgesehenen Zeitpunkt der Weiterverarbeitung
bzw. Analyse. Die Generierung der Porenlösung im flüssigen Zustand wurde durch Separation der
3Vortexer sind Geräte zur Durchmischung und werden auch als Reagenzglasschüttler bezeichnet. Sie finden ihren Einsatz i.
d. R. in biologischen und biochemischen Laboren zum Durchmischen von Lösungen.
4.2 Porenlösungsgenerierung 40
Flüssigkeit vom Feststoff durchgeführt. Dazu kam eine Laborzentrifuge des Typs 4-16K der Firma
Sigma Laborzentrifugen GmbH (Osterode, Deutschland) zum Einsatz. Die Bindemittelsuspensionen
der Verzögerung wurden mit einem w/b-Wert von 0,35 hergestellt und die der Anregungen mit 0,37
bzw. 0,40, in Abhängigkeit vom eingesetzten Anreger. Die Probemasse wurden im plastischen Zu-
stand über fünf Minuten bei 4.000 U/min zentrifugiert, um ausreichend Porenlösung zu gewinnen.
In Abhängigkeit vom Voranschreiten der Erstarrung der verzögerten und angeregten Proben wur-
de für die Analyse auf evtl. vorhandene überstehende Flüssigkeit zurückgegriffen. Dabei war die
Erstarrung maßgeblich von dem eingesetzten Massenanteil der Additive abhängig.
Tabelle 4.2: Mischregime der Bindemittelsuspensionen für den Zustand der Verzögerung und Anre-
gung, hergestellt mit einem Mörtelmischer des Typs 205 der Firma TESTING Bluhm &
Feuerherdt GmbH (Berlin, Deutschland) bei 140 U/min
Analysezustand Mischregime
Verzögerung 3 ×1min (mit 1 min Pause)
Anregung 3 ×1min (mit 1 min Pause) +2×1min (mit Anreger)
Da vor allem für die Bindemittelsuspensionen der Anregung eine Generierung der Porenlösung mit-
tels Zentrifugation nicht mehr möglich war, wurde eine Gewinnung durch Druckkraft mittels Aus-
presseinrichtung durchgeführt. Für diese Zwecke wurde von der Firma DMF Werkzeugbau GmbH
(Nohra, Deutschland) eine Auspresseinrichtung hergestellt, die in der Abbildung 4.1 im Quer- und
Längsschnitt dargestellt ist. Nach dem Mischen des Probenmaterials erfolgte die Abfüllung und Auf-
bewahrung der Bindemittelsuspension in 35mm-Filmdosen aus Kunststoff, wovon maximal zwei in
den Probenbereich der Auspresseinrichtung übereinander eingelegt werden konnten. Mit Drücken
von bis zu 350 kN wurde die Porenlösung mittels einer manuell fahrbaren Prüfmaschine der ehe-
maligen Firma Losenhausenwerk AG (Düsseldorf, Deutschland) aus dem Feststoff herausgepresst.
Die Durchführung dieser Methode war besonders problematisch für Proben die bereits erstarrt wa-
ren, doch deren Erhärtung nur wenig fortgeschritten war. Dabei zerstörte der hohe Druck die Probe,
wodurch keine Porenlösung generiert werden konnte, sondern die Probe wieder in einer weichen
Konsistenz vorzufinden war. Daher war die Gewinnung der Porenlösung nur eingeschränkt mög-
lich und nicht von allen Proben machbar.
(a) (b)
Probe
gehärteter
Stahlstempel
Druckplatte
Auffangbereich
Porenlösung
Abbildung 4.1: Auspresseinrichtung zur Generierung von Porenlösung, dargestellt als (a) Quer-
schnitt und (b) Längsschnitt
4.3 Elementaranalyse 41
Nach der Generierung der Porenlösung erfolgte die anschließende Aufbereitung für die Elementar-
analysen der Organik und Anorganik (siehe Unterkapitel 4.3). Mit Cellulosenitrat-Membranfiltern
der Porenweite 0,45 µmerfolgte zuerst eine Filtrierung. Daran angeschlossen war die Herstellung
einer Verdünnung4, die i. d. R. 1 : 50 betrug oder bei besonders wenig Porenlösung bzw. hoher Al-
kalität auch höher ausfiel. Diese wurde mit einer Stammlösung des pH-Wertes zwischen null und
eins hergestellt, bestehend aus Reinstwasser, Salzsäure und Yttrium. Die Säure schützt die Porenlö-
sung vor einem möglichen Ausfällen und überführt sie in den sauren Bereich. Demgegenüber dient
Yttrium als interner Standard für die anorganische Elementaranalyse mittels Inductively-Coupled
Plasma Optical Emission Spectrometry, dt.: optische Emissionsspektrometrie mit induktiv gekop-
peltem Plasma (ICP OES). Proben, die nicht unverzüglich nach der Generierung gemessen werden
konnten, sind entsprechend der DIN EN 1484 [49] kühl oder eingefroren aufbewahrt worden.
4.3 Elementaranalyse
Die Elementaranalyse bestand sowohl aus der Bestimmung der Organik als auch der der Anorganik.
Zur Durchführung der Messung wurde die generierte Porenlösung verwendet, mit der Probenvor-
bereitung wie sie in Unterkapitel 4.2 beschrieben ist.
4.3.1 Organik
Die Organik wird in dieser Arbeit durch die Verwendung von organischen Verzögerern repräsentiert.
Hinsichtlich der verschiedenen eingesetzten Massenanteile eines Verzögerers ist eine quantitative
Analyse des organischen Kohlenstoffgehaltes zielführend. Indirekt kann darüber eine Interpretation
zur Wirkung und des Verbleibs des Verzögerers im Bindemittelsystem erfolgen. Ausgedrückt wer-
den kann die in einem Stoff enthaltene Organik u. a. durch den allgemeinen Summenparameter Total
Organic Carbon, dt.: gesamter organischer Kohlenstoff (TOC), oder Non Purgeable Organic Carbon,
dt.: nicht ausblasbarer organischer Kohlenstoff (NPOC), jeweils in der Einheit mg/l[37,49,269].
Dabei ist NPOC ein resultierender Parameter, der sich als Folge des verwendeten Probenmaterials
und der angewandten Probenvorbereitung ergibt [269]. Dieser stellt sich dadurch ein, dass die Probe
im Wesentlichen organischen und weniger anorganischen Kohlenstoff5besitzt und im Vorfeld der
Messung angesäuert wurde. Komplementiert wird die Bezeichnung NPOC dadurch, dass die Probe,
ebenfalls vor der Messung, mit synthetischer Luft6über zwei Minuten ausgegast wurde, um das
nach der Ansäuerung wahrscheinlich nur noch gelöst vorhandene Kohlenstoffdioxid zu entfernen
[37,269]. Die in der Probenvorbereitung angeführte Filtrierung erfolgte aufgrund der Schwebstof-
fe in der Probe. Genau genommen könnte dadurch ein Anteil der in der Lösung enthaltenen Or-
ganik entfernt werden, woraufhin das resultierende Messergebnis lediglich einem Teil des NPOCs
entspräche und mit dem Begriff des Dissolved Organic Carbon, dt.: gelöster organisch gebundener
Kohlenstoff (DOC), bezeichnet werden müsste [37,49]. Das Filtrat bleibt hingegen unberücksichtigt
und wird keiner weiteren Verifizierung unterzogen, aufgrund der sehr geringen Masse und des da-
mit verbundenen hohen Aufwandes in der Messdurchführung. Allgemein werden in dieser Arbeit
daher die Begriffe TOC und NPOC verwendet.
Zur Durchführung der Messung wird die Probe innerhalb des Messgerätes katalytisch verbrannt und
somit in CO2überführt, in dessen Folge der Kohlenstoffanteil mit einem nichtdispersivem Infrarot-
detektor erkannt wird [37,269]. Diese Methode liegt dem verwendeten Gerät TNM-L des Herstellers
Shimadzu Deutschland GmbH (Duisburg, Deutschland) zu Grunde.
4.3.2 Anorganik
Die Analyse mit der ICP OES wurde zur Bestimmung anorganischer Ionenkonzentrationen von ge-
lösten Elementen eingesetzt, woraus ein quantitatives Ergebnis in mg/lresultiert [70]. Diese Me-
thode steht für ein schnelles Verfahren, welches eine Vielzahl an Elementen gleichzeitig bestimmen
kann [37,173]. Im Vordergrund des Interesses stand jedoch nicht nur die Analyse der in Lösung be-
findlichen Elemente, sondern auch derer, die sich im Umkehrschluss nicht mehr in Lösung befinden.
4Eine Verdünnung von 1 : 50 setzt sich aus einem Teil Probe und 49 Teilen Verdünnungslösung zusammen.
5Zum anorganischen Kohlenstoff zählt z. B. das Kohlenstoffdioxid [37].
6Synthetische Luft besteht zu etwa 20 % aus Sauerstoff und dem Rest aus Stickstoff.
4.4 Trocknung 42
Dieser Aspekt wurde durch die Beobachtung der Dauer der einzelnen Verzögerungsperioden bzw.
Hydratationsperioden abgebildet. Dadurch kann ein Verlauf einer möglichen Zu- und Abnahme der
in Lösung befindlichen Elemente zustande kommen, woraus gedeutet werden kann, dass sich die
nicht gelösten Elemente in festen Bindungen befinden müssen. So sind nicht nur Rückschlüsse auf
die eventuell entstehenden Phasen möglich, sondern auch auf die, die infolge einer Hydratation ent-
standen sind.
Ein weiterer Grund der Filtrierung und der Verdünnung innerhalb der Probenvorbereitung war der
einwandfreie Betrieb der ICP OES. So können inhomogene, hochkonzentrierte oder mit Partikeln
versetzte Probenlösungen die Ansaugung des Gerätes beeinträchtigen und möglicherweise zu einer
ungleichen Zerstäubung oder gar Verstopfung führen [173]. Letztlich kann darunter nicht nur die
Überführung der Probe leiden - die aus dem Probenbehälter, zum Zerstäuber, durch die Zerstäu-
berkammer, in ein Aerosol7umgewandelt wird, welches dann zur Fackel des Gerätes geführt wird
[173,255] - sondern auch die Analyse selbst [173]. Mitunter werden so Messsignale beeinflusst, wor-
aus in der Folge fehlerhafte Analysen resultieren [173]. Neben den nicht-spektralen Störungen kann
ein weiteres Problem dieser Analysemethode die spektrale Störung sein [70,173]. Darunter sind die
Störungen der detektierten Wellenlängen eines Elements durch ein anderes Element zu verstehen,
in deren Folge es zu Ungenauigkeiten in der Bestimmung kommen kann [70,173]. So ist z. B. be-
kannt, dass von Calcium eine Störung auf eine Wellenlänge des Spektrums von Schwefel ausgeht
[70]. Auch bei der verwendeten Salzsäure, zur Ansäuerung der Proben, wurde darauf geachtet, dass
ein möglichst stabiler und langlebiger Betrieb der ICP OES gegeben war. Daher wurden Stoffe wie
die Flusssäure, die das Glas verschiedener Geräteteile angreifen würde oder die viskositätsverän-
dernde Schwefelsäure, nicht zur Ansäuerung oder zum Aufschluss der Proben eingesetzt [173].
Zur Analyse wurde das Gerät Ciros Version der Firma SPECTRO Analytical Instruments GmbH
(Kleve, Deutschland) verwendet. Die Messungen erfolgten mit Argon als Trägergas. Zur Beurteilung
der von der Hydratation maßgeblich betroffenen Elemente wurden vorrangig die Ionenkonzentra-
tionen von Calcium, Silicium, Aluminium, Schwefel, Kalium und Natrium analysiert. Es wurden
dagegen auch mögliche auftretende Effekte bei weiteren Elementen, wie Magnesium und Eisen, kon-
trolliert.
4.4 Trocknung
Das Bindemittelsystem wurde nach den Analysen des plastischen Zustandes ebenso im festen Zu-
stand analysiert. Dazu war es im Vorhinein notwendig, eine fortwährende Hydratation unverzüglich
abzustoppen und eine Massekonstanz des Feststoffs durch Trocknung herzustellen. Dafür wurde auf
das Prinzip der Sublimation zurückgegriffen, d. h. das in einer Probe enthaltene Wasser wird nach
dem Gefrieren direkt vom festen in den gasförmigen Aggregatzustand überführt [132,158]. Durch
diesen Vorgang wird im Wesentlichen das physikalisch gebundene Wasser, welches in den Kapillar-
und Gelporen vorliegt, von dem chemisch gebundenen Wasser abgetrennt [136,311]. Diese Methode
hat den Vorteil, dass weniger bis keine irreversible Veränderung vorhandener Hydratationsprodukte
eintritt, gegenüber einer Trocknung bei 105 C[136]. Daher gilt diese Form der Trocknung als beson-
ders schonend, was sie gerade für den Einsatz bei hitzeempfindlichen Stoffen qualifiziert [132,158].
Trotzdem kann auch bei dieser Methode keine exakte Trennung zwischen dem physikalisch und
chemisch gebundenen Wasser erfolgen, sodass auch ein Teil des Zwischenschichtenwassers aus den
C-S-H-Phasen entweicht [233,311]. Infolge der Trocknung kann also ein Gewichtsverlust erfasst wer-
den, der einen Rückschluss auf den Fortschritt der Hydratation zulässt [157]. Eine solche Aussage
kann sowohl relativ als auch absolut erfolgen. Gerade wenn die Einwaage der genauen Massen vor-
liegt kann ein Rückschluss auf das chemisch gebundene Wasser vorgenommen werden.
Für den zuvor beschriebenen Zweck wurde die Gefriertrocknungsanlage Alpha 1-4 LSC der Firma
Martin Christ Gefriertrocknungsanlagen GmbH (Osterode, Deutschland) eingesetzt und bei einer
Eiskondensationstemperatur von 54 Cund einem Druck von 1,030 mbar betrieben. Meist konnte
eine Massekonstanz der Proben nach einer Trocknungsdauer von sieben Tagen erreicht werden. Die
mit dem Feststoff durchgeführten Analysen der Mikroskopie, Thermik, Feinheit und Phasen erhiel-
ten alle die gleiche Form der Trocknung.
7Ein Aerosol ist eine Dispersion aus festen oder flüssigen Teilchen, welche sich in der Schwebe eines Gases befinden, wie
Nebel oder Staub [260].
4.5 Aufmahlung 43
4.5 Aufmahlung
Die Aufmahlung der im vorhinein getrockneten Proben stellt eine Vorbereitung für verschiedene
Feststoffanalysen dar. Dazu wurde eine einheitliche Aufmahlung für die Analysen der Thermik,
Feinheit und XRD durchgeführt. Um nur geringe Verunreinigungen des Probenmaterials zu bewir-
ken, wurde mit einem Mahlwerkzeug aus Stahl gearbeitet. Mörser aus Achat8bürgen die latente Ge-
fahr der Einbringung von zusätzlichem SiO2, dessen Kristalle via XRD sehr gut nachweisbar sind.
In der Folge können verfälschte Spektren entstehen, wodurch es zu einer fehlerhaften Phasenana-
lyse kommen kann. Eine weitere Beachtung gilt der Thematik, dass bedingt durch den Eintrag von
mechanischer Energie Synthesen stattfinden können [84]. Zu einer solchen Reaktion leisten u. a. die
erhöhte und evtl. auch reaktive Oberfläche einen Beitrag [84].
Die Aufmahlung wurde mit einer Scheibenschwingmühle des Typs MSL2 der ehemaligen Firma
VEB Bergbau- und Hüttenkombinat „Albert Funk“ Freiberg (Freiberg, Deutschland) durchgeführt.
Das Mahlgut erfuhr noch vor der Trocknung eine händische oder maschinelle Vorbrechung, bevor es
dann unter der schlagenden und reibenden Einwirkung der Mühle zerkleinert wurde. Die Mahlung
erfolgte für eine Minute und erreichte eine Feinheit nach Blaine von etwa 6.900 cm2/g.
4.6 Thermik
Thermische Analysen, also Analysen zu deren Durchführung Wärme notwendig ist, wurden maß-
geblich dazu eingesetzt, um eine Quantifizierung der Hydratationsprodukte zu erhalten. Dabei wird
durch die Analyse der TG die Masseänderung in Abhängigkeit von Temperatur oder Zeit erfasst
[94,255,271] und im Ergebnis in M.-% mit Bezug zur eingewogenen Anfangsmasse dargestellt [58].
Es können lediglich die Änderungen flüchtiger Komponenten festgestellt werden, wie der Verlust
von Wasser oder CO2[68,94]. Die Spülung des Ofenraums mit Inertgas kann mögliche Reaktionen
des Probenmaterials verhindern, die unter atmosphärischer Luft möglich sein könnten [58,94,271].
So sollten insbesondere Oxidationen unterbunden werden, die beim HSM vom S2zu SO2
4statt-
finden können [91,320]. Mögliche physikalische Umwandlungen oder chemische Reaktionen, die
durch die Temperatureinwirkung entstünden, sind dagegen erst mit der DTA qualitativ erfassbar
[94,255,271]. Ausgedrückt werden diese dann durch eine endo- oder exotherme Reaktion, die als
Folge der Temperaturdifferenz zwischen der Probe und einer Referenzsubstanz auftritt [94,255,271].
Endotherme Peaks stehen i. d. R. für den Wasserverlust und allgemein für die Phasenumwandlung,
Reduktion und einige Zersetzungsreaktionen [255,271]. Hingegen repräsentiert ein exothermer Peak
primär eine Kristallisation, Oxidation oder Zersetzung [255,271]. Somit war das Ziel der thermischen
Analyse ein Aufschluss der entstandenen Hydratationsprodukte wie C-S-H-Phasen, Hydrotalcit und
möglicher Carbonate (vgl. Unterkapitel 2.4.3 ab Seite 29).
Die durchgeführten TG-Messungen wurden stets mit einer aktuellen Messkurve der Auftriebskor-
rektur9abgeglichen. Zur Auswertung wurden die Messungen nach Erfordernis geglättet, um mit
Hilfe der ersten Ableitung10 die Grenzen der resultierenden Peaks zu ermitteln. Dazu wurde auf die
Software NETZSCH Proteusr- Thermal Analysis Version 6 der Firma NETZSCH-Gerätebau GmbH
(Selb, Deutschland) zurückgegriffen. Neben den einzelnen Masseänderungen wurde zunächst die
Gesamtmasseänderung erfasst, die in der Aussage mit der Analyse des Glühverlustes vergleichbar
ist, die nach DIN EN 196-2 [68] bei einer ähnlichen Maximaltemperatur durchgeführt wird, jedoch
mit einer höheren Probenmasse. Daher kann das Ergebnis des Gesamtmasseverlustes als Äquivalent
zum Glühverlust betrachtet werden. Die Verifizierung der einzelnen Peaks wurde mit der Methode
nach Marsh realisiert [157]. Dies bedeutet, dass anhand der DTG-Kurve die spezifischen Massever-
luste charakterisiert werden, beispielhaft ist dies für den Bereich von Messbeginn bis 250 Cin Ab-
bildung 4.2 getan worden. Durch die Methode nach Marsh sind lineare Verluste, wie die der C-S-H-
Phasen, weitestgehend von den spezifischen Masseänderungen separierbar. Dies ist notwendig, da
die C-S-H-Phasen vordergründig bis zu einer Temperatur von 500 C, aber auch darüber hinaus
bis 1.000 C, einen temperaturunspezifischen Masseverlust aufweisen [157]. Untergliedert ist die-
ser in den des freien Wassers, schwach gebundenen Wassers und Kristallwassers. Bei sehr geringen
Masseverlusten mit nur einer eingeschränkten Ausprägung an Peaks konnte die zuvor beschriebene
8Achat ist eine Varietät des Quarzes [177].
9Die Messkurve der Auftriebskorrektur oder auch Nulllinie genannt kann durch Leermessungen unter sonst gleichen Mess-
bedingungen erfasst werden [50,58].
10Die erste Ableitung der TG-Kurve ist die Differenzierte Thermogravimetrie-Kurve (DTG) [58,94].
4.7 Feinheit 44
Methode der Auswertung nicht angewendet werden. In diesem Fall wurden die Masseänderungen
festen Temperaturbereichen zugeordnet.
100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
spezifische
Masseänderung
Temperatur [°C]
TG [M.-%]
Gesamtmasseänderung
30 bis
250 °C
-0,5
-0,4
-0,3
-0,2
-0,1
0,0
DTG [M.-%/°K]
Abbildung 4.2: Thermische Analyse via TG eines alkalisch aktivierten HSMs mit der Darstellung der
wesentlichen Ergebnisse aus TG- und DTG-Kurve
Die Analysen der TG erfolgten mit einer TG 209 F3 Tarsusrder Firma NETZSCH-Gerätebau GmbH
(Selb, Deutschland). Zur DTA-Bestimmung wurde von der selben Firma das Gerät STA 409 PC/PG
bzw. STA 449 C Jupiterrverwendet. Alle Proben wurden in einem Temperaturbereich von Raum-
temperatur bis 1.000 Cgemessen, mit einer Heizrate von 10 K/min und unter ständiger Stickstoff-
spülung von 20 ml/min. Die Probeneinwaage geschah unkomprimiert mit stets 45,5 ±0,5 mg in
Al2O3-Tiegeln ohne die Verwendung eines Deckels. Dabei gewährleistet die lockere Lagerung der
Probe im Tiegel die störungsfreie Entgasung der flüchtigen Bestandteile [255], wobei die immer glei-
che Einwaage eine Einheitlichkeit in den Messverläufen ähnlicher Probencharakteristika sichert.
4.7 Feinheit
Unter dem Begriff Feinheit ist in dieser Arbeit die quantitative Analyse der spezifischen Oberfläche
nach dem Verfahren von Brunauer, Emmet & Teller (BET) zu verstehen sowie dessen notwendiger
Hilfswert der Reindichte. Es wird angenommen, dass diese Eigenschaftswerte innerhalb einer statt-
findenden Hydratation einem Wandel unterliegen. Dies geht u. a. aus den Ergebnissen von Bellmann
etal. [10], Ehrenberg [75] sowie Juenger u. Jennings [111] hervor, bei denen die Oberfläche eines
Bindemittels mit ansteigendem Hydratationsgrad zunimmt. Dieser Sachverhalt soll in dieser Arbeit
anhand der verwendeten Bindemittelsysteme nachvollzogen werden, um nicht nur den Fortschritt
der Hydratation abzubilden, sondern auch die unterschiedliche Wirkung der eingesetzten Additive
nach Möglichkeit zu erfassen.
Die Reindichtebestimmung erfolgt nach DIN 66137-2 und wird in der Einheit g/cm3angegeben [52].
Dementsprechend wird die Masse eines porösen Pulvers einem bekannten Volumen zugeführt und
durch ein Gas verdrängt - unter den dabei entstehenden Drücken kann das Volumen der Messprobe
berechnet werden [52,163]. Die Bedingung für die Messung ist die Vorlage einer trockenen Probe,
die nach Möglichkeit frei von geschlossenen Poren sein sollte, zur Gewährleistung einer hohen Mess-
genauigkeit [52]. Bei der Bestimmung der spezifischen Oberfläche handelt es sich um ein Verfahren,
welches die Eigenschaft von adsorbierenden Gasen ausnutzt [57,255]. Für eine fehlerfreie Isotherme
und die darauf aufbauende Berechnung des BET-Wertes in m2/gist die einlagige Adsorption des Ga-
ses auf allen zugänglichen inneren wie äußeren Oberflächen eines Feststoffs genauso entscheidend
wie die Desorption des Gases [57]. In den für diese Arbeit durchgeführten Analysen ist im Sinne der
DIN ISO 9277 [57] mit fein verteilten makroporösen Feststoffproben11 zu rechnen.
11Makroporöse Poren sind nach DIN ISO 9277 [57]50 nm.
4.8 Rasterelektronenmikroskopie 45
Die Reindichte wurde mit dem Helium-Pyknometer AccuPycr1330 der Firma Micromeritics Instru-
ment Corporation (Norcross, USA) durchgeführt. Zur Erfassung der spezifischen Oberfläche wurde
das Gerät Sorptomatic 1900 der Firma Carlo Erba Instruments (Rodano, Italien) verwendet. Diese
Messungen erfolgten mit Stickstoff als adsorbierendes Gas und einer Probenmasse zwischen 7 und
10 g, variierend je nach vorhandener Dichte und dem in der Folge einnehmenden Volumen in dem
Probenröhrchen des Messgerätes.
4.8 Rasterelektronenmikroskopie
Die Analyse via REM wurde durchweg als bildgebende Methode eingesetzt, ob bei den Proben des
verzögerten oder angeregten Zustandes. Somit konnte die Morphologie der Oberfläche hinsichtlich
ihrer Veränderung durch den Einsatz von Additiven und bzgl. des Hydratationsfortschritts begut-
achtet und gegenübergestellt werden. Besonders gut lässt sich die Topographie der Probe durch SE
analysieren, da der Signalbereich dieser Elektronen etwa der Fläche des erzeugten Elektronenstrahls
entspricht und damit sehr kompakt vorliegt [103,271]. Infolge des gebündelten Elektronenstrahls
entstehen auf der Probenoberfläche neben den SE ebenfalls BSE und Röntgenstrahlung, woraufhin
sich zum einen ein weiteres morphologisches Bild ergeben kann und zum anderen eine elementare
Analyse möglich wird [103,271]. Dabei sind die Auflösungen bei der Verwendung von BSE jedoch
begrenzter als bei SE aufgrund des sehr viel größeren Volumens aus dem das Messsignal erfasst
wird, wodurch die Rückstreuung der Elektronen zum Detektor eher diffus und nicht kompakt erfolgt
[271]. Trotzdem ist anhand der unterschiedlich resultierenden Helligkeiten, die mit höher werdender
Ordnungszahl der Atome zunimmt, eine Deutung der vorhandenen Phasen möglich [103,261]. So
zeigen sich hydratisierte Bereiche im Kontrast zwischen hell und grau und werden mit Abnahme
des Wassergehaltes heller [261]. Hingegen stellt sich ein unhydratisierter Bereich weitestgehend hell
dar, wenn es sich nicht um Poren handelt, die ebenfalls sehr dunkel erscheinen [261]. Scrivener [261]
fasst die bildhaften Analysen zusammen und beschreibt das Resultat der Analyse mit SE als dreidi-
mensional und das durch BSE erzeugte Bild als zweidimensional. Die chemische Zusammensetzung
kann allerdings lediglich mit Hilfe der Röntgenstrahlung analysiert werden [103,261,271]. Dabei
entspricht die erzeugte charakteristische Röntgenstrahlung dem jeweilig vorliegenden Element, so-
dass eine quantitative Analyse möglich wird, die als Ergebnis in Atom-% ausgegeben werden kann
[103,261].
Alle am REM durchgeführten Analysen wurden bei einer Spannung von 20 kV und einem Druck
von maximal 1 ·106mbar durchgeführt. Die Proben wurden zwischen 500- und teilweise 20.000-
facher Vergrößerung betrachtet und aufgenommen. Dabei kam das mit einer kalten Feldemission
betriebene REM S-4000 der Firma Hitachi Limited Corporation (Tokyo, Japan) zum Einsatz. Die ana-
lysierten Bruchproben wurden aus Feststoffproben generiert und anschließend getrocknet. In einem
weiteren Präparationsschritt wurden die Probenränder mit Leitsilber bestrichen und mit einer 20 bis
30 nm dicken Schicht aus Gold besputtert.12 Diese Art der Probenvorbereitung gewährleistete eine
hohe Leitfähigkeit zur Steigerung der Bildqualität, trotz teilweise hoher Porosität des untersuchten
Probenmaterials. Die Proben, die via EDX auf einer Fläche von etwa 110×90 µm2analysiert wurden,
erhielten nach ihrer Einbettung in Epoxidharz einen Anschliff mit einer nachfolgend feinen Politur.
Anschließend wurden sie wie die Bruchproben präpariert, aber mit einer Goldschicht von lediglich
etwa einem Nanometer. Die Auswertung dieser Analysen, die aus statistischen Gründen an drei Be-
reichen einer Probe ausgeführt wurden, erfolgte in Anlehnung an die Empfehlungen von Scrivener
[261]. Selektiv wurden ebenfalls punktuelle EDX-Messungen zur Verifizierung verschieden vorge-
fundener Morphologien durchgeführt.
4.9 Frischleimprüfung
Die Frischleimprüfung13 galt im Wesentlichen der Konsistenzkontrolle, zum einen hinsichtlich der
Homogenität und Kompaktheit einer Mischung und zum anderen mit Bezug auf das rheologische
Verhalten. Betrachtet wurden diese Eigenschaften unter zeitlicher Veränderung und mechanischer
Beanspruchung. Diese kontrollierende Prüfung war notwendig, da nicht nur die Zusammensetzung
12Die Besputterung mit Gold erfolgte mit dem Gerät SCD 030 der Firma Oerlikon Balzers Coating AG (Balzers, Liechtenstein).
13Unter dem Begriff Frischleim sind im Zusammenhang dieser Arbeit alle Mischungen des verarbeitbaren und nicht erstarr-
ten Zustandes zu verstehen, die aus Bindemittel, Wasser und Additiv zusammengesetzt sind.
4.10 Festigkeitsprüfung 46
einer Mischung einen Einfluss auf die Konsistenz ausübt [169,280,281,284], sondern möglicher-
weise auch deren Verweilzeit im verzögerten Zustand. Die Homogenität und Kompaktheit bzw. der
Zusammenhalt einer Suspension kann entscheidend durch den Einsatz von Zusatzstoffen und Zu-
satzmitteln reguliert werden [169,280,281]. So kann die Fließgrenze einer Suspension angehoben
werden, wenn der Gehalt an Wasser und verflüssigend wirkenden Additiven vermindert wird und
der von feinen Zusatzstoffen mit großer Oberfläche ansteigt [284]. Die Zähflüssigkeit, also die Visko-
sität einer Suspension, kann zumindest über die Wassergehaltsminderung gesteigert werden [284].
Abbildung 4.3: Ausbreitmaß in (a) vor Schlägen und in (b) nach Schlägen einer mit Zusatzstoffen ver-
änderten HSM-Mischung (HSM 1,00%R0,10%MC1 0,30) mit Verzögerer und einem
w/b-Wert von 0,30, geprüft in Anlehnung an DIN EN 1015-3 [63]
Auf der Basis eines wechselnden w/b-Werts sowie unter Einsatz von unterschiedlichen Massenan-
teilen an Verzögerer und Zusatzstoff erfolgten Optimierungen des Frischleims bzgl. der Konsistenz
und der Steigerung des Zusammenhalts einer Mischung. So wurden einerseits über eine Versuchszeit
von über 100 dverschiedene Suspensionen in verschlossenen Kunststoffbeuteln aufbewahrt und in
der Folge auf ihre haptisch wahrnehmbare Verfestigung sowie deren Flüssigkeitsabsonderung quali-
tativ kontrolliert und für weitere Proben auch quantitativ dokumentiert. Darauf aufbauend erfolgten
andererseits Prüfungen des Ausbreitmaßes in Anlehnung an die DIN EN 1015-3 [63] (siehe Abbil-
dung 4.3) sowie Versuche zur Entmischungsstabilität beim Einsatz einer Laborzentrifuge unter Er-
fassung der Flüssigkeitsabsonderung. Abweichend von der DIN EN 1015-3 [63] wurde die Prüfung
des Ausbreitmaßes grundsätzlich einzeln an einer Mischung bestimmt, wobei die Abmessungen vor
und nach den Schlägen wie auch fünf Minuten darauf erfasst wurden. Dies geschah, um die Thi-
xotropie der Mischung abzubilden sowie deren Zusammenhalt und Stabilität zu kontrollieren (vgl.
Abbildung 4.3). Die Zentrifugation wurde bei 2.000 U/min über eine Zeit von zwei Minuten durch-
geführt. Die Erfassung des Verhaltens der Konsistenz und der Rheologie einer Mischung besaß die
Problematik, nicht nur geeignete Versuche zur Beschreibung dieser empirischen Größen zu finden,
sondern auch die Ergebnisse über die zeitlichen Perioden der Verzögererwirkung festzuhalten.
Die Bestimmung des Ausbreitmaßes war die grundlegende Prüfung der Konsistenz des Frischleims
und erfolgte sowohl während der Optimierung, als auch am Ende einer Verzögerungsperiode und
damit vor der Zuführung des Anregers, um so auch den Einfluss der Lagerung zu erfassen. Die Prü-
fungen des Ausbreitmaßes wurden stets bei einem Raumklima von 20 Cund 65 % relative/r Luft-
feuchte (r. F.) an einem automatischen Ausbreittisch der Firma TESTING Bluhm & Feuerherdt GmbH
(Berlin, Deutschland) verrichtet. Dadurch konnten die negativ wirkenden Einflüsse einer manuellen
Durchführung und wechselnder klimatischer Bedingungen reguliert werden. Die verzögerten Sus-
pensionen wurden alle in luftdicht verschlossenen Kunststoffbehältern bei 20 Cgelagert.
4.10 Festigkeitsprüfung
Die Prüfung der Festigkeit war nach den Analysen der Feinheit die Methode, mit der auf physikali-
scher Basis eine mögliche Leistungssteigerung des Verzögerers nachzuweisen ist. Weiterhin können
4.11 Ultraschallprüfung 47
anhand der Ergebnisse Rückschlüsse auf den Hydratationsfortschritt gezogen werden [136,284],
womit sich u. a. die Ergebnisse der Wärmeflusskalorimetrie und weiterer hydratationsabbildender
Analysen komplementieren lassen. Somit kann die Wirksamkeit eines Verzögerers auch qualitativ
durch eine nicht vorhandene Festigkeit ausgedrückt werden.
Die Prüfung der Druckfestigkeit erfolgte in Anlehnung an die DIN EN 196-1 [51]. In Abweichung
von der Norm und mit dem Zweck einer praxisnahen Betrachtung wurde eine kleinere Probenform
(2 ×2×2cm3), eine längere Dauer bis zum Entschalen (3 bis 7 d) und eine andere Art der Lagerung
(20 Cund 100 % r. F.) gewählt sowie keine mechanische Verdichtung angewandt. Dabei richtete sich
die Dauer bis zum Entschalen im Wesentlichen nach den Massenanteilen der eingesetzten Additive.
Die kleinere Probeform gewährleistete einen höheren Durchsatz als die Verwendung von Normpris-
men. Zur Durchführung der Prüfungen wurde eine Maschine mit der Bezeichnung 2060 der Firma
Toni Technik Baustoffprüfsysteme GmbH (Berlin, Deutschland) verwendet, die eine maximale Kraft
von 200 kN aufbringt. Im Vorfeld der Druckfestigkeitsprüfung wurden die Probekörper noch mit-
tels Verwendung eines digitalen Messschiebers und einer Laborwaage in deren Abmessungen und
Gewicht erfasst, um so die Feststoffrohdichte an der Luft nach DIN EN 12390-7 [60] zu prüfen. Mit
Sandpapier wurden vor den Prüfungen unebene Oberflächen korrigiert, wodurch ungewollten Ver-
fälschungen vorgebeugt wurde sowie möglichen Schiefstellungen der Probe während der Druckfes-
tigkeitsprüfung.
Die Auswertung und Darstellung der Ergebnisse erfolgt auf absoluter und relativer Basis. Mit einer
relativen Darstellung des Festigkeitszuwachses kann eine höhere Vergleichbarkeit der unterschied-
lich wirkenden Abhängigkeiten erzielt werden, sodass zielsichere Aussagen über die Einflussfakto-
ren des Verhaltens der Festigkeitssteigerung möglich sind.
4.11 Ultraschallprüfung
Die Ultraschallprüfung ist Gegenstand dieser Arbeit, da mit ihr der Erstarrungs- und Erhärtungs-
prozess qualitativ beobachtet werden kann und somit lange Verzögerungsperioden erfassbar und
charakterisierbar sind [43,98,212,241]. Jedoch ergibt sich mit der Ultraschallgeschwindigkeit auch
ein quantitatives Messergebnis, welches charakteristisch für das jeweilige Bindemittelsystem ist, in
Abhängigkeit vom Hydratationsalter. Die Frequenz der Ultraschallwellen liegt im Bereich zwischen
20 kHz und 1 GHz, dem die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle von ihrer Ausrichtung und dem
jeweiligen Medium, in der sie verläuft, abhängig ist [132]. Dabei breiten sich die Schallwellen in flüs-
sigen oder festen Stoff longitudinal aus und können Geschwindigkeiten im Stahl von 5.000 m/s, in
Wasser bei 25 Cvon 1.498 m/s, in Luft bei 0 Cvon 331,6 m/sund in Gummi von lediglich 54 m/s
erreichen [132]. Durch die dargestellten Beispiele zeigen sich neben dem Hydratationsstadium wei-
tere Einflussparameter der Schallgeschwindigkeit, wie u. a. Umgebungstemperatur, Elastizität und
Dichte des Prüfmediums sowie der w/b-Wert [98,132,241]. So ist es auch nicht verwunderlich, dass
in einem Feststoff eingelagerte Luftblasen eine auf die Schallgeschwindigkeit negative Wirkung aus-
üben und zur Erniedrigung dieser beitragen können [97,241]. Einen weiteren Einfluss bewirkt das
Schwinden, in dessen Folge sich die Messsensoren von der Oberfläche des Bindemittelleims lösen
können (vgl. Abbildung 4.4) und es zur Reflexion der Schallwellen kommt [97,241].
Die Ultraschallmessung stellt u. a. eine Alternative zur Prüfung der Erstarrungszeiten nach DIN EN
196-3 [56] dar, gerade bzgl. schnell reagierender Bindemittel mit Zusatzstoffen und/oder Zusatzmit-
teln [43,90,98]. Weiterhin lassen sich mit diesem Verfahren die Ergebnisse der Wärmeflusskalorime-
trie verifizieren. Bei der Ultraschallprüfung ergibt sich für zementäre Systeme i. d. R. ein charakte-
ristischer S-förmiger Verlauf, mit dem sich die Hydratationsperioden unterscheiden lassen [90,242].
Innerhalb der dormanten Periode zeigen sich nahezu keine Veränderungen in der Ultraschallge-
schwindigkeit [43,242], allerdings steht der erste Anstieg für das Einsetzen der sich bildenden Hy-
dratationsprodukte [242,293]. Zur Auswertung der Messergebnisse können zusätzliche Resultate,
wie ein Temperaturverlauf und die erste Ableitung der Ultraschallgeschwindigkeit14, unterstützend
hinzugezogen werden [307].
Die Prüfungen erfolgten mittels Durchschallung mit dem in Abbildung 4.4 dargestellten Messauf-
bau. Zur Messung wurde das Gerät Ultratest IP-8 der Firma UltraTest GmbH (Achim, Deutschland)
eingesetzt. Nach Mischende wurde das angeregte Bindemittelsystem in zwei Lagen in die Messap-
paratur eingefüllt und pro Lage je eine Minute unter konstantem händischen Klopfen verdichtet, um
14Die erste Ableitung der Geschwindigkeit nach der Zeit ist die Beschleunigung mit der Einheit m/s2[132,307].
4.12 Phasenanalyse mittels Röntgenbeugung 48
die Luftporen weitestgehend zu eliminieren. Die Messungen erfolgten bei einem Raumklima von 20
Cund 65 % r. F. über eine Zeit von sieben Tagen und einer minütlichen Datenerfassung. Um wei-
teren Störquellen vorzubeugen, wurden die Proben zur Vermeidung von Trocknungsschwinden mit
einer Kunststofffolie abgedeckt. Inkorrekte Datenpunkte wurden aus der Betrachtung der Ergebnisse
entfernt.
Ultraschall-
sender
Bindemittelleim
Temperatursensor
Schwingungsdämpfer
Ultraschall-
empfänger
Distanzring
Sensoröffnung
Abbildung 4.4: Ultraschallprüfeinrichtung im Querschnitt
4.12 Phasenanalyse mittels Röntgenbeugung
Die XRD wurde zur qualitativen Phasenanalyse der entstandenen Hydratationsprodukte der un-
terschiedlichen Bindemittelsysteme herangezogen. Dazu wurde die Methode auch maßgeblich zur
Charakterisierung des Hydratationsfortschritts eingesetzt sowie zur Komplementierung und Verifi-
zierung der Ergebnisse von TG,REM und EDX.
Eine grundsätzliche Bedingung für die XRD-Analyse ist, dass die zu messende Probe kristalline
Bestandteile enthält [160,271]. Ist eine Kristallinität nicht gegeben, entsteht keine Beugung der cha-
rakteristischen Röntgenstrahlen auf den Kristallebenen und eine Verifizierung der Reflexintensitäten
je betrachtetem Winkel θist nicht möglich [132,160,271]. Dabei führen lediglich konstruktive Inter-
ferenzen15 zu einer Beugung, die in ihren Intensitäten messbar sind [160,271]. Somit besitzt diese
Methode den Nachteil, dass die Analyse von Proben mit röntgenamorphen Bestandteilen zu einem
erhöhten Untergrundniveau des Messergebnisses beitragen, wodurch die charakteristische Ermitt-
lung von Reflexintensitäten erschwert wird [160].
Zur Durchführung der XRD-Analysen wurde das mit einer Kupferquelle und PIXcel1D Detektor
ausgestattete Gerät Empyrean der Firma PANalytical GmbH (Almelo, Niederlande) eingesetzt. Zur
Ergebnisauswertung kam von der gleichen Firma die Software HighScore Plus mit der Version 4
zum Einsatz. Betrieben wurden die Messungen bei Raumtemperatur, einer Spannung von 40 kV, ei-
ner Stromstärke von 40 mA, bei einer Strahlung von Cu-Kα16 der Wellenlänge Kα1=1,54060 nm und
Kα2=1,54443 nm und einer Schrittweite von 0,013 2θ. Für die Pulverproben ergab sich aus den
gewählten Messbedingungen und dem betrachteten Winkelbereich von 5 bis 65 2θeine Schrittzeit
von 378,42 Sekunde/n (s) bei einem sich drehenden Probentisch und automatischer Divergenzblen-
de sowie einer Messfläche von 1,5 ×1,5 cm2. Die in-situ-Messungen wurden im Vergleich dazu in
einem eingeschränkteren Bereich durchgeführt, von 6 bis 13sowie 27 bis 31 2θ, woraufhin sich ei-
ne Schrittzeit von 189,72 sergab.17 Die bestrahlte Fläche lag indes bei 2 ×2cm2. Die Analyse wurde
15Konstruktive Interferenzen sind Überlagerungen einzelner Wellen in einem verstärkten messbaren Strahl. Hingegen heben
sich gegenphasig verlaufende Wellen auf, womit sie als destruktive Interferenzen bezeichnet werden und nicht gebeugt
werden können. [132,160]
16Die Strahlung von Cu-Kβwurde mit Hilfe einer Nickelfolie gefiltert.
17Zuerst erfolgte die Messung des Bereichs von 6 bis 13 2θund nachfolgend die Messung des Bereichs 27 bis 31 2θ.
4.13 Weitere Methoden 49
über drei Tage durchgeführt und dreimal pro Stunde. So wurde die Entstehung bzw. Veränderung
der in diesen Bereichen zu erwartenden Hydratationsprodukte des Hydrotalcits und der C-S-H-
Phasen erfasst. Während der Messung wurde die Probe vor Austrocknung durch eine Kaptonfolie18
geschützt.
4.13 Weitere Methoden
In Einzelfällen wurden weitere Methoden angewandt, mit der Absicht ein Ergebnis zu verifizieren,
so wie bei der pH-Wert-Messung, oder ein genormtes Prüfverfahren in seiner Brauchbarkeit zu tes-
ten, wie bei der Bestimmung der Erstarrungszeiten.
Die Messung des pH-Wertes kann insbesondere Erkenntnisse über den Ablauf der Hydratation lie-
fern, da mit dem Voranschreiten der Hydratation Ionen in Lösung gehen, die einen Anstieg des pH-
Wertes bewirken [136,285]. Dennoch können sich auch Grenzen in der Erfassung von pH-Werten
ergeben, vor allem, wenn Bindemittelsysteme mit hoch basischen Lösungen wie mit einer NaOH
angereichert sind. So ist im Bereich oberhalb von pH 14 nicht nur die technische Erfassung des pH-
Wertes schwierig, sondern auch die Registrierung der Veränderung, da eine bereits vorhandene Al-
kalität das in Lösung gehen von weiteren Alkalien übertrifft. Die Messungen erfolgten mit dem Gerät
SevenGo Duo proTM der Firma Mettler-Toledo Incorporated (Columbus, USA).
Die Erfassung des Erstarrungsbeginns und -endes ist in DIN EN 196-3 [56] geregelt. Allerdings
werden von der Norm Bindemittelsysteme, die einen sehr raschen Erstarrungsbeginn besitzen, nicht
erfasst [56]. Eine weitere Einschränkung liegt bei der Prüfdauer vor. Hier könnte die Messung von
verzögerten Bindemittelsystemen durch die nur beschränkt zur Verfügung stehende Eindringfläche
der Prüfprobe begrenzt werden. In vielerlei Hinsicht können sich für die zu untersuchenden Syste-
me Schwierigkeiten in der praktischen Handhabung ergeben, trotz dass es sich um eine genormte
Prüfmethode handelt. Als Gerät wurde hier das vollautomatische ToniSET Compact der Firma Toni
Technik Baustoffprüfsysteme GmbH (Berlin, Deutschland) eingesetzt.
4.14 Statistik
Unter der Beachtung der Streuung von Messwerten bzw. Ergebnissen wurde meist eine Mehrfach-
bestimmung19 vorgenommen. Grundlegend ist zwischen der Reproduzierbarkeit, also der Präzision
eines Ergebnisses, und der Messgenauigkeit zu unterscheiden [271]. In dieser Arbeit wurde die Re-
produzierbarkeit auf zwei Wegen überprüft. Zum einen durch Herstellung mehrerer Messreihen
und zum anderen durch die Durchführung mehrerer Analysen bei Herstellung von nur einer Mess-
reihe. Allerdings wurde keinesfalls die selbe Probe mehrmals analysiert, um eine Ergebnisbestäti-
gung zu erhalten. Bei der Messgenauigkeit handelt es sich um die Richtigkeit des Ergebnisses, wo-
bei im Wesentlichen zwei Fehlerquellen zu beachten sind: Die der Systematik und die der Statistik
[255,271]. Systematische Fehler besitzen eine nachweisbare Ursache und können mit der gleichen
Probe reproduziert werden [271]. Somit lassen sie sich in instrumentelle, personenbedingte und me-
thodische Fehler unterteilen [271]. Instrumentelle Fehler können durch entsprechende Wartung und
Pflege der Analysegeräte und eine kontrollierte Kalibrierung weitestgehend festgestellt und einge-
schränkt werden [271]. Personenbedingte Fehler sind z. B. das falsche Ablesen einer Skala oder die
fehlerhafte Herstellung einer Lösung, die jedoch i. d. R. durch einen disziplinierten, strukturierten
und überprüfenden Arbeitsablauf minimiert werden können [271]. Methodische Fehler können sich
u. a. durch verschiedene chemische Reaktionen ergeben und lassen sich nur schwierig nachvollzie-
hen, bestenfalls durch Messungen von standardisierten Zusammensetzungen [271]. Daher erfolgte
bei einer Mehrzahl der chemischen Analysen nicht allein die Messung der Probe, sondern auch die
von Standards sowie Blindwerten und Referenzen, die jeweils auf die Proben abgestimmt waren.
Dadurch ließen sich mögliche Fehler nachvollziehen. Allerdings können systematische Fehler auch
anderweitig aufgedeckt werden, indem z. B. eine Aussage durch verschiedene Analysemethoden
18Die Kaptonfolie wurde nicht nur zum Schutz der Probe vor Austrocknung eingesetzt, sondern auch zur Vermeidung von
unerwünschten Reflexen bei der Detektion der Strahlung, die beim Einsatz gängiger Kunststofffolien auftreten würden.
Allgemein handelt es sich bei dem Begriff Kaptonrum den Handelsnamen einer Polyamidfolie der Firma DuPont Cor-
poration (Wilmington, USA).
19Unter der Mehrfachbestimmung kann sowohl die Herstellung mehrerer Messreihen verstanden werden, als auch die
Durchführung mehrerer Messungen an nur einer hergestellten Messreihe.
4.14 Statistik 50
verifiziert wird [255,271]. In dieser Arbeit geschieht dies für eine Vielzahl der Analysen. Beispiels-
weise wird die Richtigkeit der Ergebnisse der XRD durch einzelne EDX-Messungen überprüft oder
die spezifische Oberfläche einer Probe wird durch Messung der Reindichte kontrolliert. Wiederum
erfährt der Wärmefluss eine Überprüfung durch die Messungen mittels Ultraschall, wodurch die
Aussage über den Hydratationsablauf nachgeprüft wird. Nach diesem System wird die Qualität der
in dieser Arbeit erlangten Ergebnisse abgesichert.
Die statistischen bzw. zufällig aufgetretenen Fehler sind im Vergleich zu den systematischen Fehlern
nicht reproduzierbar. Sie sind in dieser Arbeit durch Fehlerbalken illustriert, wenn genügend Ergeb-
nisse vorlagen. Zu diesem Zweck wird sich der deskriptiven Statistik bedient, unter der Annahme
normalverteilter Ergebnisse. In deren Folge werden die umfangreichen Ergebnisse durch den Mittel-
wert, die Mittelwertabweichung und die empirische Standardabweichung innerhalb von Grafiken
dargestellt (Formel 4.1 bis 4.3).
x=1
n·
n
i=0
xiMittelwert [8,96] (4.1)
σx=1
n·
n
i=0
|xix|Mittelwertabweichung [96] (4.2)
σx=s1
n1·
n
i=0
(xix)2empirische Standardabweichung [8,96] (4.3)
Die Mittelwertabweichung stellt die mittlere absolute Abweichung eines Mittelwertes dar, der durch
die Anzahl der Gesamtheit der vorliegenden Stichprobe (n) dividiert wird und nicht wie die empiri-
sche Standardabweichung durch die Anzahl der Stichprobe weniger eins (n1)[8,96]. Aus diesem
Unterschied wird geschlussfolgert, dass die empirische Standardabweichung das schärfere Kriteri-
um ist. Daher wurde die Abweichung der Ergebnisse mit einem Stichprobenumfang von weniger
oder gleich drei durch die Mittelwertabweichung ausgedrückt. Von den Analysen bei denen ein grö-
ßerer Stichprobenumfang als drei vorlag, wurde die empirische Standardabweichung bestimmt. Die
notwendigen Berechnungen wurden mit Hilfe des Tabellenkalkulationsprogramms Microsoft Excel
2010 der Firma Microsoft Corporation (Redmond, USA) erstellt und dann mittels des Analyse- und
Darstellungsprogramms Origin 9.1 der Firma OriginLab Corporation (Northampton, USA) grafisch
umgesetzt.
Tabelle 4.3: Präzision der maßgeblichen Analysemethoden in Abhängigkeit von dem jeweiligen
Zustand der Probe (R-Verzögerung, Ac-Anregung, Opt-Optimierung), der Anzahl der
Messreihen und der durchgeführten Messungen pro Messreihe sowie der erlaubten Feh-
lertoleranz
Analyse Zustand Messreihen Messungen Fehlertoleranz
Wärmefluss R 1 1 /
Opt 2 1 /
Ac 2 1 /
NPOC R 3 3 n7x ±1 %
Ac 1 3 n7x ±1 %
ICP OES R 3 3 /
Ac 1 3 /
Thermik R 3 1 /
Ac 1 2 /
Festigkeit R, Ac 1 6 x ±10 %
Konsistenz R 2 1 /
Ultraschall R, Ac 1 2 /
Mikroskopie/EDX Ac 1 3 ×20 /
In der Tabelle 4.3 wird die angewendete Präzision der Ergebnisse für die maßgeblichen Analyseme-
thoden aufgezeigt. Die Analysemethoden unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich der Anzahl
der hergestellten Messreihen und der durchgeführten Messungen. Im Wesentlichen richtete sich die
jeweils angewendete Präzision nach der Wichtigkeit der einzelnen Analyse und deren Aussagekraft
sowie nach den notwendigen Aufwendungen. Als aufwendig wurden die Analysen des Feststoffs
4.14 Statistik 51
angesehen und im Besonderen die daraus generierte Porenlösung. Daher ist die Probe in den meis-
ten Fällen lediglich einfach hergestellt und in dem Ergebnis durch Mehrfachmessung einer Messreihe
abgesichert worden. So wurden beispielsweise auch die Ergebnisse der Festigkeitsprüfung lediglich
von einer Messreihe gewonnen, jedoch erfolgte deren Messung an sechs Einzelproben bei einer ma-
ximalen Fehlertoleranz von 10 % vom Mittelwert. Die in der Tabelle 4.3 nicht aufgeführten Analysen,
wie z. B. die Feinheit, wurden in Einfachbestimmungen durchgeführt.
Um die Auswertung der gewonnen Resultate, aber vorwiegend die der Festigkeiten, in den getroffe-
nen Interpretationen und abgeleiteten Schlüssen zweifelsfreier deuten zu können, wurden einzelne
Berechnungen mit der Statistik- und Analysesoftware IBM SPSS Statistics 23 der Firma IBM Cor-
poration (Armonk, USA) vorgenommen. Das vordergründige Ziel war die qualitative Abwägung
einzelner Einflussgrößen, um der Frage nachzugehen, welche die wirkungsvollsten Einflüsse bei der
Festigkeitsentwicklung sind. Die Abwägung ergibt sich zwischen der Verzögerungsdauer bzw. dem
Aktivierungszeitpunkt, dem Anreger, dem Verzögerer und der Hydratationszeit.
52
Kapitel 5
Rohstoffcharakterisierung
In dem Kapitel der Rohstoffcharakterisierung wird das verwendete Bindemittelsystem mit seinen
festen und flüssigen Komponenten vorgestellt. Dazu wird die Mischungszusammensetzung der un-
terschiedlichen Zustände der Versuche (Verzögerung, Optimierung, Anregung) dargelegt und Ab-
kürzungen zur Deklarierung der einzelnen Mischungskomponenten eingeführt. In weiteren Unter-
kapiteln werden die chemischen und physikalischen Eigenschaftswerte der Komponenten vorge-
stellt wie auch die vorliegenden kristallinen Phasen des HSMs.
5.1 Mischung
Die Abbildung 3.1 auf Seite 35 zeigt die Struktur und den Ablauf der Versuche an, mit den drei
wesentlichen Zuständen der Verzögerung, der Optimierung und der Anregung. Innerhalb dieser
Zustände variieren die in dieser Arbeit eingesetzten Mischungen in ihrer Zusammensetzung. Zur
klaren Abgrenzung und Bezeichnung der einzelnen verwendeten festen und flüssigen Stoffe und
deren eingesetzten Massen, wurde eine aus Abkürzungen bestehende Mischungsbezeichnung er-
stellt. Exemplarisch ist eine solche Bezeichnung in der Auflistung (I) dargestellt, gemeinsam mit den
zugehörigen Erklärungen der Abkürzungen in den Unterpunkten (i) bis (vii).
(I) HSM 1,00%R 0,10%MC1 Ac1 0,30 7d F7d
(i) HSM - Gibt das verwendete Bindemittel Hüttensandmehl (HSM)an.
(ii) 1,00%R - Der Retarder, dt.: Verzögerer (R), wurde als Lösung in verschiedenen Mas-
senanteilen eingesetzt, hier ist der Anteil 1,00 M.-% dargestellt mit seinem Gehalt bzgl.
Wasser (H2O).
(iii) 0,10%MC1 - Die Methylcellulose (MC)wurde in drei unterschiedlichen Arten einge-
setzt mit verschiedenen Massenanteilen bzgl. der verzögerten Gesamtmasse. Hier darge-
stellt ist die Methylcellulose MC1 mit einem Anteil von 0,10 M.-%.
(iv) Ac1 - Der Activator, dt.: Anreger (Ac), wurde insgesamt in drei verschiedenen Lösungen
verwendet, alle mit dem selben Anteil bzgl. der angeregten Gesamtmasse. Hier ist der
Anreger Ac1 angegeben, der einen Wirkstoffgehalt von 30 M.-% besitzt.
(v) 0,30 - Die Zahl 0,30 kennzeichnet den w/b-Wert im verzögerten Zustand, der infolge der
Optimierung oder der Ac-Zugabe einer Veränderung unterliegt.
(vi) 7d - Die Angabe 7d steht für eine angewendete Verzögerung der Bindemittelsuspension
von sieben Tagen. Wenn dem verzögerten Bindemittel ein Anreger hinzugefügt wurde,
dann erst nach der angegebenen Verzögerungsdauer.
(vii) F7d - Die Angabe F7d bezeichnet eine Dauer bzw. einen Fortschritt in der Hydratation
von sieben Tagen, nach der z. B. eine Festigkeit geprüft wurde.
Zu Beginn der Versuche, d. h. während der Vorversuche zur Verzögereranalyse und im Zustand
Verzögerung, besteht die Mischung lediglich aus den Komponenten HSM und Verzögererlösung.
Dem Bindemittel wurde zur Optimierung die MC als weitere Komponente hinzugefügt und letztlich
noch um die Anregerlösung im angeregten Zustand ergänzt. Die einheitliche Vergleichsbasis der
Versuche und deren Ergebnisse sind zwei wesentliche Referenzmischungen, zum einen HSM +H2O
im verzögerten Zustand und zum anderen HSM +H2O+MC +Ac im angeregten Zustand. Dazu ist
die genaue prozentuale Zusammensetzung der jeweiligen Bindemittel in der Tabelle 5.1 dargestellt,
5.2 Chemische Eigenschaftswerte 53
zusätzlich mit dem resultierenden w/b-Wert und dem prozentualen Verhältnis von Ac zu HSM1. So
verändert sich die Zusammensetzung der Referenzmischungen lediglich um die Komponente der
Verzögererlösung, die 1 : 1 durch reines H2Oausgetauscht wurde. In der Angabe des w/b-Werts ist
lediglich der hohe Massenanteil an Wirkstoff der Anregerlösung berücksichtigt worden, nicht aber
der sehr geringe Massenanteil des Verzögerers.
Tabelle 5.1: Mischungszusammensetzung im Zustand Verzögerung, Optimierung und Anregung so-
wie Werte verschiedener Verhältnisse
Komponenten Verzögerung Optimierung Anregung
HSM [M.-%] 74,07 76,85 69,28
R[M.-%] 25,93 23,05 20,78
MC [M.-%] / 0,10 0,09
Ac [M.-%] / / 9,85
Verhältnisse Verzögerung Optimierung Ac1 Ac2 Ac3
w/b-Wert [-] 0,35 0,30 0,40 0,37 0,38
Ac/HSM [%] / / 4,27 7,11 6,32 1
1Die Anregermasse setzt sich sowohl aus dem Na2Oals auch dem SiO2zusammen.
5.2 Chemische Eigenschaftswerte
Die chemischen Eigenschaftswerte geben Aufschluss über die Oxidzusammensetzung des verwen-
deten HSMs sowie über die verschiedenen eingesetzten Massenanteile der Additive aus Verzögerer
und Anreger. Dabei konzentriert sich die Vorstellung auf die maßgeblichen verwendeten Additive.
Einen Überblick über die Vielzahl der eingesetzten Verzögerer gibt die Verzögereranalyse im Bereich
der Vorversuche im Kapitel 6.
5.2.1 Zusammensetzung
In der vorliegenden Arbeit wurden insgesamt drei Chargen eines HSMs der Firma CEMEX Ost-
Zement GmbH zur Durchführung aller Versuche verwendet. Dazu wurde der Rohstoff auf dessen
Oxidzusammensetzung via Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) nach DIN EN 196-2 [68] mit dem Ge-
rät PW2400 X-ray Spectrometer der Firma PANalytical GmbH (Almelo, Niederlande) untersucht.2
Die Messungen erfolgten mit hergestellten Presslingen [65,68]. Bei den Messungen der RFA wer-
den, wie bei der REM-Analyse via EDX, die charakteristischen Röntgenstrahlen in Spektren erfasst,
die als Folge der Bestrahlung durch den Übergang der Elektronen von einer äußeren in eine innere
Schale eines Atoms emittiert werden [29,255].
Das zusammengefasste Ergebnis der Rohstoffanalyse via RFA ist für die drei Chargen des HSMs in
dem Minimal- und Maximalwert der maßgeblichen Oxide in Tabelle 5.2 dargestellt. Dabei zeich-
net sich das verwendete HSM in allen Chargen durch eine Basizität oberhalb der Bedingung >1
aus, mit 1,09 CaO
SiO21,20 [299]. Weitere Bedingungen, die von der DIN EN 15167-1 [53] an die
Hauptbestandteile eines HSMs gestellt werden, sind ebenfalls erfüllt durch das Verhältnis 1,31
(CaO+MgO)
SiO21,41 und die Summe 86,8 % CaO +MgO +SiO287,5 %. Das HSM liegt mit
diesen dargelegten Eigenschaftswerten im mittleren bis oberen Bereich eines deutschen HSs, im Ver-
gleich zu der umfangreichen Darstellung von Ehrenberg [74]. Bei Betrachtung der einzelnen Oxide
befinden sich alle oberhalb des von Ehrenberg [74] festgestellten Minimalwertes, bis auf Al2O3, wel-
ches leicht unterhalb dieses Wertes liegt. Hingegen zeigt sich der Anteil an CaO deutlich oberhalb des
Mittelwertes und teilweise oberhalb des Maximalwertes eines deutschen HSs. Die im HSM vorliegen-
den Schwefelverbindungen werden in der Tabelle 5.2 als Summenwert des Oxides SO3ausgedrückt,
1Das Verhältnis der Massen von Ac zu HSM ist das Ergebnis aus der Division des Wirkstoffgehaltes des jeweiligen Anregers
zum HSM-Gehalt.
2Das Gerät stammt ehemals von der Firma Philips. Nach der Übernahme des Geschäftszweiges von Philips Analytical durch
PANalytical werden solche ehemaligen Geräte von PANalytical betreut.
5.2 Chemische Eigenschaftswerte 54
obwohl sie zum Teil auch als S2vorliegen. Die Eisenverbindungen werden ebenfalls als Summen-
wert dargestellt, trotz dass der überwiegende Anteil als FeO vorhanden ist. Das Resultat des vor der
RFA durchgeführten Glühverlustes war bei allen analysierten Stoffen ein negativer Wert. Dadurch
zeigt sich die Oxidation des im HSM maßgeblich vorliegenden S2zu SO2
4[91]. Aus der Sicht der
Oxidzusammensetzung mangelt es dem HSM insgesamt gesehen jedoch nicht an Reaktivität.
Tabelle 5.2: Oxidzusammensetzung des verwendeten HSMs in den Bereichsangaben vom minimalen
zum maximalen Wert (Angaben je Charge siehe Anhang Tabelle A.1, Seite I)
Oxide Anteil [M.-%]
CaO 40,8 - 43,4
SiO236,3 - 37,6
Al2O39,4 - 9,5
SO311,1 - 1,5
MgO 7,8 - 8,4
Fe2O320,3 - 0,5
Na2O0,3 - 0,4
K2O0,5
TiO20,6 - 1,0
1Schwefel wird Gesamt als
SO3angegeben.
2Eisen wird Gesamt als Fe2O3
angegeben.
5.2.2 Massenanteil
Die Verzögerer- und Anregerlösungen wurden in Massenanteilen nach DIN 1310 [55] hergestellt,
wozu als Lösemittel Reinstwasser verwendet wurde. Der Massenanteil (wi) berechnet sich aus der
Masse des Wirkstoffs (mi) dividiert durch die Summe der einzelnen Massen der Lösung (Z
j=1mj),
siehe Formel 5.1 [55].
wi=mi
Z
j=1mj
Massenanteil [55] (5.1)
Eine Vielzahl an Verzögerern wurden im Zustand der Vorversuche zur Sondierung eines für das
Bindemittel geeigneten Additives eingesetzt, wozu Massenanteile von 0,05 bis 5,00 M.-% verwen-
det wurden. Die nachfolgenden Untersuchungen beschränkten sich auf einen Verzögerer, wobei die-
ser oftmals in drei unterschiedlich hohen Massenanteilen (gering, mittel, hoch) verwendet wurde,
dennoch war der höchste Anteil 1,00 M.-% (vgl. Abbildung 3.3, Seite 37). Dieser maßgebliche Ver-
zögerer war die D-Gluconsäure, die als Lösung von der Firma Alfa Aesar GmbH & Co. KG (Karls-
ruhe, Deutschland) bezogen wurde, mit einem Wirkstoffgehalt von 50 M.-%. Die verwendeten An-
reger sind in deren Massenanteilen in Tabelle 5.3 dargestellt. Zur Herstellung der NaOH mit mittle-
rem und hohen Massenanteil wurde auf die NaOH-Plätzchen der Firma VWR International GmbH
(Darmstadt, Deutschland) zurückgegriffen, mit einem Gehalt von 98,5 M.-%. Bei dem ebenfalls
eingesetzten Na2SiO3handelt es sich um das Wasserglas Betolr47 T der Firma Wöllner GmbH &
Co. KG (Ludwigshafen, Deutschland). Der Wirkstoffgehalt des Wasserglases wird als die Summe
von Na2Ound SiO2betrachtet und ergibt somit 44,4 M.-%. Das Wasserglas ist der einzige Anreger,
der mit einem pH-Wert von etwa 12,5 einen geringeren pH-Wert als 14 besitzt.
Tabelle 5.3: Zusammensetzung und Massenanteile der drei verwendeten Anreger
Komponenten Ac1 Ac2 Ac3
Na2O[M.-%] 30,0 50,0 16,9
SiO2[M.-%] / / 27,5
H2O[M.-%] 70,0 50,0 55,6
5.3 Physikalische Eigenschaftswerte 55
5.3 Physikalische Eigenschaftswerte
Die physikalischen Eigenschaftswerte werden in dieser Arbeit in zwei separaten Bereichen darge-
stellt. Die resultierenden Werte sind im Wesentlichen das Ergebnis der vorliegenden Partikeloberflä-
che oder der Partikelgröße.
5.3.1 Partikeloberfläche
Zur Charakterisierung der Oberfläche des HSMs wurden die Eigenschaftswerte der Reindichte nach
DIN 66137-2 [52], der Mahlfeinheit nach Blaine nach DIN EN 196-6 [64], der spezifischen Oberfläche
nach BET nach DIN ISO 9277 [57] und der Wasseranspruch nach Puntke [199] bestimmt. Durch den
Wasseranspruch nach Puntke wird der Wasserbedarf ermittelt, der zur Einstellung der dichtesten
Packung eines feinen Kornhaufwerks erforderlich ist [199]. Die Mahlfeinheit wurde mit einem voll-
automatischen Blaine-Gerät der Firma TESTING Bluhm & Feuerherdt GmbH (Berlin, Deutschland)
ermittelt.
Tabelle 5.4: Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikeloberfläche des verwen-
deten HSMs in den Bereichsangaben vom minimalen zum maximalen Wert (Angaben je
Charge siehe Anhang Tabelle A.2, Seite I)
Reindichte Blaine BET Puntke
[g/cm3] [cm2/g] [m2/g] [M.-%]
2,944 - 3,009 3240 - 3810 0,60 - 0,99 19,5 - 20,7
Die durch die Prüfungen des Rohstoffs erhaltenen Ergebnisse sind in Tabelle 5.4 dargestellt, vom
minimalen zum maximalen Wert. Grundsätzlich zeigt sich mit höherer Mahlfeinheit bzw. spezifi-
scher Oberfläche ein höherer Wasseranspruch. Den geringsten Wasseranspruch und somit auch die
geringste Mahlfeinheit und spezifische Oberfläche wies der HSM der zweiten Charge auf (siehe An-
hang Tabelle A.2, Seite I).
Die MC wird dem Bindemittel zur Regulierung der Konsistenz zugegeben. Bei der Verwendung ei-
nes solchen Stoffs ist die wesentliche charakteristische Kenngröße die maximal erreichbare Viskosität
beim Einsatz in einer Suspension. Daher werden die in dieser Arbeit eingesetzten Stoffe der Firma
Dow Wolff Cellulosics GmbH (Bomlitz, Deutschland) auch nur dahin gehend unterschieden und
staffeln sich in den Viskositäten von 11.200 mPa ·s(MC), über 24.600 mPa ·s(MC1) auf 41.260 mPa ·s
(MC2).
5.3.2 Partikelgröße
Die Partikelgrößen des HSMs wurden mit dem Lasergranulometer Mastersizer 2000 der Firma Mal-
vern Instruments Limited Compony (Malvern, England) erfasst. Dazu wurden die Partikel in Wasser
gegeben und vor der Messung mit Ultraschall3dispergiert und desagglomeriert. Die Messung erfasst
das Lichtstreuungsverhalten der Partikel und kann bei gegebenen Eigenschaftswerten, wie u. a. dem
Brechungsindex, einer jeweiligen Partikelgröße zugeordnet werden, wodurch sich in der Summe ei-
ne Verteilung ergibt [119,156]. Das hier in der Tabelle 5.5 mit Minimal- und Maximalwerten zusam-
mengefasste Ergebnis der Analysen wird zum einen durch die Feinheitsparameter der Verteilung
nach Rosin, Rammler, Sperling & Bennett (RRSB) repräsentiert und zum anderen durch drei Durch-
gangswerte der Partikelverteilungskurve. Dabei steht der Lageparameter d0für die Partikelgröße bei
einem Durchgang von 63,2 Volumenprozent (Vol.-%), womit dieser Wert die Feinheit der Verteilung
angibt [48,217]. Der Steigungsparameter nrepräsentiert hingegen die Breite der Verteilung [48,217].
Somit ergibt sich durch die Parameter die Aussage, dass mit einem ansteigenden d0- und n-Wert der
Rohstoff gröber wird und breiter verteilt ist, woraufhin sich eine Verringerung des Wasseranspruchs
einstellen würde [136,217]. Die Durchgangswerte d10,d50 und d90 werden aus der Verteilungsfunkti-
on abgelesen und geben Aufschluss über die Partikelgröße bei 10, 50 bzw. 90 Vol.-% des Durchgangs
[263]. Konkret trifft z. B. der d90-Wert die Aussage, dass 90 Vol.-% der Partikel kleiner sind als die
3Die Behandlung mit Ultraschall erfolgte mit dem Gerät UP400S der Firma Hielscher Ultrasonics GmbH (Teltow, Deutsch-
land).
5.4 Mineralogie 56
bei dieser Angabe abgelesene Partikelgröße. Damit geben diese Werte ebenfalls eine Auskunft zur
vorliegenden Feinheit eines Stoffs.
Tabelle 5.5: Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikelgröße des verwendeten
HSMs in den Bereichsangaben vom minimalen zum maximalen Wert (Angaben je Charge
siehe Anhang Tabelle A.3, Seite I)
d0n d10 d50 d90
[µm] [] [µm] [µm] [µm]
10,75 - 25,58 1,38 - 1,81 3,422 - 3,654 11,369 - 15,923 27,804 - 48,605
Die Werte in Tabelle 5.5 geben Aufschluss darüber, welch teilweise schwankende Partikelverteilung
im Rohstoff vorlag. Letztlich spiegelt sich dies auch in den physikalischen Eigenschaftswerten der
Partikeloberfläche wider (vgl. mit Tabelle 5.4). So erreicht das sehr feine und auch eng verteile HSM
der ersten und dritten Charge auch den höchsten Wasseranspruch und hebt sich damit von dem der
zweiten Charge ab. Dies trifft auch für die Mahlfeinheit und die spezifische Oberfläche zu.
5.4 Mineralogie
Das Bindemittel wurde ebenfalls via XRD auf die möglichen vorhandenen kristallinen Phasen un-
tersucht. Als Resultat der Messung ergab sich vorwiegend Merwinit als eine typische Phase eines
HSMs. Als weitere Phasen konnten noch Quarz und Calcit festgestellt werden. Calcit könnte das
Produkt einer Reaktion nach der Herstellung des HSMs und einer möglichen daran angeschlosse-
nen Lagerung sein [75]. Verunreinigungen können auch aus dem Prozess der Mahlung stammen, da
in einer Mühle auch noch weitere Rohstoffe aufbereitet werden können, wie z. B. Kalkstein oder an-
dere Gesteine. Hydratationsprodukte wie C-S-H-Phasen, Hydrotalcit oder auch Ettringit, die durch
Analysen an gelagertem HS von Ehrenberg [75] und Wassing [321] festgestellt wurden, konnten bei
dem hier eingesetzten HSM auch nicht via REM nachgewiesen werden. Mikroskopisch stellte sich
der Rohstoff mit glatten und unhydratisierten Oberflächen dar und lediglich vereinzelten Agglome-
raten. Neben den kristallinen Phasen des HSMs zeigte der Rohstoff nach XRD-Analyse einen stark
ausgeprägten röntgenamorphen Bereich im Abschnitt zwischen 21 und 38 2θ.
57
Kapitel 6
Vorversuche - Verzögereranalyse
Die Vorversuche zur Verzögereranalyse waren die ersten Ansätze, um die Machbarkeit der Hydrata-
tionsregulierung des HSMs, auf der Basis von haptisch-visuellen Versuchen, zu testen. Dazu kamen
insgesamt 25 verschiedene Verzögerer zum Einsatz, davon 23 organische und zwei anorganische.
Diese Vielfalt war notwendig, um auf einer sicheren Grundlage die Effektivität der Additive bzgl.
des Bindemittels zu sondieren. Die organischen Verzögerer wurden hinsichtlich ihrer unterschiedli-
chen Wirkstoffe den Gruppen Carbon-/Hydroxycarbonsäure, Kohlenhydrate, Ligninsulfonate und
organische Phosphonate zugeordnet. Die verzögerten Suspensionen wurden mit einem w/b-Wert
von 0,35 hergestellt und in Kunststoffbeuteln aufbewahrt, um die Veränderung bzgl. der Flüssig-
keitsabsonderung und des Erstarrungsverhaltens zu beobachten. Das Ziel dieser Vorversuche war
es, ein oder mehrere Additive zu finden, die das Bindemittel mindestens 28 dverzögern, um dann
das genauere Verhalten durch Analysen des Wärmeflusses zu studieren.
Ref
R
R1
R2
R3
R4
R5
R6
R7
R8
R9
R10
0
10
20
30
40
50
60
28d-Verzögerung
Verzögererauswahl
Verzögerung [d]
Carbon-/Hydroxycarbonsäure 0,05% 0,25% 1,00% 5,00%
Kohlenhydrate 0,05% 0,25% 1,00% 5,00%
Ligninsulfonat 0,05% 0,25% 1,00% 5,00%
Organische Phosphonate 0,05% 0,25% 1,00% 5,00%
Anorganika 0,05% 0,25% 1,00% 5,00%
Abbildung 6.1: Haptisch-visuelle Studie der Verzögererwirkung von 23 organischen Additiven der
Gruppen Carbon-/Hydroxycarbonsäure, Kohlenhydrate, Ligninsulfonate und orga-
nische Phosphonate sowie zwei anorganischen Additiven
Die Abbildung 6.1 zeigt das Ergebnis der verzögert gelagerten Suspensionen bzgl. ihrer haptisch-vi-
suell wahrgenommenen Veränderung des Erstarrungsverhaltens über die Zeit. So wurde das Ende
der Verzögerungsperiode erfasst, wenn sich das Bindemittel haptisch verfestigte bzw. völlig oder
bereichsweise farblich veränderte, von hellgrau zu blau-grün. Eine farbliche Veränderung kann als
klares Indiz der Überwindung des verarbeitungsfähigen Zustandes betrachtet werden (cf. [19,122,
216,284]). In Abhängigkeit von dem jeweiligen eingesetzten Additiv bzw. der Verzögerergruppe
und dem Massenanteil sind unterschiedlich lange Verzögerungsperioden gegeben. Vorwiegend füh-
ren jedoch geringe und hohe Gehalte (0,05 und 5,00 M.-%) nicht zur erwünscht langen Verzögerung.
Kapitel 6 Vorversuche - Verzögereranalyse 58
Dabei verhielt sich der geringe Gehalt bei allen Verzögerern ähnlich zur Referenz und erstarrte unter
farblicher Veränderung bereits nach wenigen Tagen. In weitgehend allen Suspensionen verhielt sich
der höchste eingesetzte Gehalt des Verzögerers umkehrwirkend und verursachte eine schnellere Er-
starrung als mit einem vergleichbar geringeren Gehalt (cf. [114,169]). In wenigen Fällen, wie z. B.
den anorganischen Verzögerern auf Phosphatbasis, führte die Überdosierung fast zum schnelleren
Erstarren als ohne die Zugabe des Additives (cf. [230,231]). In anderen Fällen schien die hohe Dosie-
rung nahezu keinen negativen Einfluss auszuüben, so wie bei dem eingesetzten Ligninsulfonat oder
der D-Gluconsäure als Vertreter der Carbon-/Hydroxycarbonsäuren (Abk. Rin Abbildung 6.1). Die
Gruppe der Kohlenhydrate mit ihren beiden Verzögerern auf der Basis von Saccharose zeigen sich
in den Vorversuchen ähnlich effektiv wie die Verzögerer der Gruppe Carbon-/Hydroxycarbonsäure,
trotzdem sind beide Gruppen nicht so effizient wie die Additive der Gruppe der organischen Phos-
phonate. Diese weisen nahezu alle die höchste Verzögererbereitschaft bei einem Gehalt von nur 0,25
M.-% auf, dennoch lässt sich deren Verzögererwirkung überwiegend nicht durch einen höheren Ge-
halt steigern. Anhand der subjektiv durchgeführten Versuche wurde festgestellt, dass bei einem ent-
sprechenden Massenanteil insgesamt 11 Additive in der Lage waren, das Bindemittel für zumindest
28 dzu verzögern. Deren Auswahl ist in der Abbildung 6.1 dargestellt, mit den jeweilig gewähl-
ten Abkürzungen von Rbis R10. Neben der Verzögererwirkung verursachten die Additive auch
eine Verbesserung der Konsistenz im Vergleich zur Referenz ohne Verzögerer (vgl. Unterkapitel 2.3.2
ab Seite 20). Dies ließ sich insbesondere bei der Herstellung bemerken, woraufhin das Anmischen
leichtgängiger erschien und sich ein besseres Fließverhalten einstellte. Daher konnte auch bei allen
Bindemitteln eine Flüssigkeitsabsonderung festgestellt werden, entweder in klarer Form oder als
Suspension. Dies wird als Indiz für einen zu hohen w/b-Wert beim Einsatz der Verzögerer bewertet
und ließe sich durch eine Verminderung des Wasseranteils und somit durch eine Erniedrigung des
w/b-Werts angleichen.
1h 10h 100h
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
(c)
Ref
0,05%R3 0,05%R4
1,00%R3 5,00%R4
1,00%R1 0,05%R2
5,00%R1 1,00%R2
(b)
Spezifischer Wärmefluss [mW/g]
(a)
0,05%R
1,00%R
Abbildung 6.2: Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von Suspensionen mit ver-
schiedenen Massenanteilen an Verzögerer im Vergleich zur Referenz (Ref) in (a) und
(b) der Gruppe Carbon-/Hydroxycarbonsäuren und in (c) der Gruppe Kohlenhyd-
rate
Kapitel 6 Vorversuche - Verzögereranalyse 59
Durch die haptisch-visuellen Versuche haben sich gleich mehrere Additive für weitere Analysen
via Wärmeflusskalorimetrie qualifiziert. Um den Unterschied der Verzögererwirkungen nachhalti-
ger überblicken zu können, wurden die weiteren Analysen mit verschieden wirkenden Massenan-
teilen durchgeführt und vergleichend gegenübergestellt. Mit dem Wissen aus den vorherigen Ver-
suchen konnten sowohl Additivgehalte mit geringer als auch hoher Verzögererwirkung ausgewählt
werden, um so einen Vergleich gegenüber der Referenz ohne Verzögerer1anzustreben. Die Ergeb-
nisse in Abbildung 6.2 und 6.3 zeigen, dass sich die Additive besonders auf die dormante Periode
auswirken, womit sich die spezifischen Wärmeflüsse der verzögerten Bindemittel deutlich von der
Referenz abheben (cf. [209,234,235,287]). Allerdings wird auch die Akzelerationsperiode beein-
flusst, wenn auch vorrangig nur im Maximum des Peaks und weniger in dessen charakteristischem
Erscheinungsbild (cf. [209]). Dennoch ist zu erkennen, dass einige der untersuchten Additive einen
bis zum Messende verzögerten Zustand einnehmen und sich daher allgemein als Verzögerer für das
HSM eignen.
1h 10h 100h
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
Ref
0,05%R9 0,05%R10
1,00%R9 1,00%R10
(c)
(b)
(a)
0,05%R7 0,05%R8
0,25%R7 1,00%R8
Spezifischer Wärmefluss [mW/g]
0,05%R5 0,05%R6
0,25%R5 0,25%R6
Abbildung 6.3: Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von Suspensionen mit ver-
schiedenen Massenanteilen an Verzögerer im Vergleich zur Referenz (Ref) in (a) und
(b) der Gruppe organischen Phosphonate und in (c) der Anorganik
Die Verzögerer 1,00%R3, 0,25%R6, 1,00%R8, 1,00%R9 und 1,00%R10 zeigen in den Abbildungen
6.2 und 6.3 zusätzlich zu ihrer langen dormanten Periode einen erneuten Anstieg im Wärmefluss,
der als Akzelerationsperiode gewertet werden kann. Eine Folge dieser Periode ist die Erstarrung
und die Bildung von C-S-H-Phasen (cf. [80,82,104]). Es ist anzunehmen, dass bei den Bindemitteln
mit den genannten Additiven und deren Gehalten ein Verzögerungsende noch vor der gewünschten
Periodenlänge von 28 deingetreten ist. Dies stellt einen Gegensatz zu den Ergebnissen der hap-
tisch-visuellen Versuche dar. Jedoch kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es nicht nach dem
Messende des Wärmeflusses noch zu einem weiteren Anstieg kommt, der in der Höhe des Peaks für
eine Akzelerationsperiode repräsentativer ist. Mit einer Ausnahme entspricht die Charakteristik al-
ler Kurven der Abbildungen 6.2 und 6.3, die einen auf die Induktionsperiode folgenden Anstieg im
1Die Referenz wurde zweifach bestimmt, wodurch die Charakteristik des Wärmeflusses und dessen Wärmemenge bestätigt
werden konnte.
Kapitel 6 Vorversuche - Verzögereranalyse 60
Wärmefluss besitzen, dem nach Shi u. Day [266] definierten zweiten Hydratationstyp. Indes weisen
Shi u. Day [266] einer Reaktion von HSM mit Wasser eigentlich den ersten von drei Hydratations-
typen zu, bei dem nach der Induktionsperiode keine weitere Reaktion eintritt und demzufolge kein
Erstarren und Erhärten abläuft. Das verwendete HSM spiegelt die von Shi u. Day [266] beschriebene
Charakteristik dagegen nicht einmal nach Verzögerungen wider. Die erwähnte Ausnahme stellt der
Verlauf des Verzögerers 1,00%R8 in Abbildung 6.3(b) dar, bei dem ein Doppelpeak in der Akzelera-
tionsperiode erscheint. Da dies in keinem der anderen Verläufe vorgefunden wurde, stellt dies ein
Charakteristikum des Verzögerers dar oder ist eine Folge des Messgerätes und der Einfachbestim-
mung.
Die Ergebnisse, die in Abbildungen 6.2 und 6.3 sowie der Tabelle 6.1 dargestellt sind, zeigen deutlich,
dass die Dauer der dormanten Periode von der Verzögererart und dessen Gehalt abhängig ist, wobei
ein Einfluss auf die Induktionsperiode nicht festgestellt werden kann (cf. [209,287,324]). Die Tabel-
le 6.1 präsentiert für eine Auswahl an verzögerten Bindemitteln sowohl die Wärmemenge als auch
die Dauer der dormanten Periode, die aus der jeweiligen Messkurve des Wärmeflusses abgelesen
wurde. Neben der langen Verzögerungsperiode des Additives R von 29 hbei geringstem Verzöge-
rergehalt konnte für die Probe 5,00%R1 kein Ende der dormanten Periode innerhalb der Messzeit
festgestellt werden - was ein überraschendes Ergebnis darstellt aufgrund der wissentlichen Überdo-
sierung und der damit festgestellten verkürzten Verzögerungsdauer im Vergleich zu 1,00%R1 aus
den Ergebnissen der haptisch-visuellen Versuche in Abbildung 6.1. Die Auswirkung des Verzöge-
rers auf die Akzelerationsperiode wird durch die bilanzierten Wärmemengen in Tabelle 6.1 deutlich.
Danach erreicht lediglich die Probe 0,05%R7 eine höhere Wärmemenge als die Referenz.
Tabelle 6.1: Wärmemenge mit Bezug zur aktiven Masse sowie deren Dauer der dormanten Hydra-
tationsperiode von ausgewählten Suspensionen mit verschiedenen Massenanteilen an
Verzögerer und mindestens einem dauerhaft verzögernd wirkenden Anteil im Vergleich
zur Referenz (Ref)
Ref R R1 R2 R4 R5 R7
0, 05%1, 00% 1, 00%5, 00% 0, 05%1, 00% 0, 05%5, 00% 0, 05%0, 25% 0, 05%0, 25%
Wärmemenge nach 504 h[J/g]
141,3 100,1 56,4 78,1 94,5 81,8 20,8 58,5 / 121,4 33,6 200,5 43,9
Dauer dormante Periode [h]
229 504 504 504 10 504 5 504 15 504 16 504
Als wirkungsvollster Verzögerer des HSMs stellte sich der Verzögerer R aus der Gruppe der Carbon-
/Hydroxycarbonsäuren heraus. Hierbei handelt es sich um die D-Gluconsäure, die innerhalb der
haptisch-visuellen Versuche neben der längsten Verzögerungsperiode auch keine merklichen Um-
kehrreaktionen bei einer Überdosierung aufwies. Bei einer Zweifachbestimmung des Wärmeflusses
wies dieser Verzögerer bei einem Gehalt von 1,00 M.-% lediglich eine Induktionsperiode auf und
keine Akzelerationsperiode, wie sie bei dem geringeren Gehalt von 0,05 M.-% vorhanden war. Wei-
terhin besitzt das bis zum Ende der Messzeit verzögerte Bindemittel einen sehr geringen Wärmefluss
nahe der Nachweisgrenze. Die Einbringung einer Säure als Verzögerer bewirkt die Erniedrigung des
pH-Wertes der Porenlösung. Dies könnte präventiv auf die Ausbildung von Hydratationsprodukten
wirken und somit einen zusätzlichen Effekt in der Verzögerung darstellen. Womöglich ergibt sich
auch eine Minimierung der Carbonatisierung des HSMs durch die Verringerung der Aufnahme von
CO2bei einem niedrig vorliegenden pH-Wert.
61
Kapitel 7
Ergebnisse und Diskussion
Das Kapitel der Ergebnisse und Diskussion gliedert sich auf in die einzelnen Bereiche von Verzö-
gerung (7.1), Optimierung vom Frischleim (7.2), Anregeranalyse (7.3), Anregung (7.4) sowie einer
abschließenden Illustration der Hydratationsregulierung, welche die erlangten Erkenntnisse in einer
Funktionsdarstellung zusammenfasst (7.5). Die Ergebnisse werden jeweils grafisch aufgezeigt und
in ihrem Trend beschrieben, um diese dann unter Zuhilfenahme von Literatur zu diskutieren. Wei-
terhin werden vorhandene Korrelationen und Bestätigungen der Ergebnisse aufgegriffen, um diese
in deren übergreifenden Aussagen klarer herauszustellen. Den Abschluss eines jeden Unterkapitels
bildet eine inhaltliche Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und Erkenntnisse.
7.1 Verzögerung
Im Zustand der Verzögerung wurde das HSM mit dem Verzögerer D-Gluconsäure, in den Gehal-
ten von 0,05 und 0,25 sowie 1,00 M.-%, versetzt, um damit die Analysen und Prüfungen, die in
Abbildung 3.1 auf Seite 35 aufgeführt sind, durchzuführen. Der geringste Verzögerergehalt soll die
Eigenschaften aufzeigen, die sich im Übergang von der Verzögerung zur Erstarrung und Erhärtung
ergeben. Dadurch kristallisiert sich eine Abgrenzung zur langanhaltenden Verzögerung heraus, in
dessen Folge der Zustand mit und ohne Verzögerer beschreibbar wird. Die Analysen und Prüfungen
der Verzögerung sollen den grundlegenden Beitrag zur Machbarkeitsstudie der Hydratationsregu-
lierung leisten. Mit dem Verständnis um die Eigenschaften des Verzögerers in Verbindung mit dem
HSM kann mit dem entsprechenden Gehalt die Dauer einer verarbeitungsfähigen Substanz beliebig
eingestellt werden, mit dem Ziel die Verzögerung schnellstmöglich durch die Zugabe eines alkali-
schen Anregers wieder aufzuheben. Dadurch steht das Bindemittelkonzept und dessen Hydratati-
onsverlauf im Vordergrund der Betrachtungen.
7.1.1 Elementaranalyse der Organik und Anorganik
Der organische Summenparameter NPOC zeigt die Veränderung an, die die Bindemittelsuspensio-
nen, bestehend aus HSM und Additivlösung, über die Zeit der Verzögerung erfahren. Dabei steht
die Abnahme des Kohlenstoffgehaltes für die Erniedrigung des Verzögerers in der Porenlösung und
für eine mögliche Adsorption am Bindemittel. Nicht auszuschließen ist natürlich auch die Einbin-
dung des Verzögerers in entstehende Hydratationsprodukte, wodurch ebenfalls eine Erniedrigung
des NPOC-Wertes zu erwarten wäre. Somit bestünde die Möglichkeit einer fehlerhaften Interpretati-
on der Ergebnisse. Dem wirken jedoch weitere Analysen entgegen. Bei einer andauernden Wirkung
des Verzögerers, z. B. durch eine Komplexbildung mit dem schnell in Lösung gehenden Calcium des
Bindemittels, wird angenommen, dass der Kohlenstoffgehalt in der Porenlösung erhalten bleibt und
analytisch eine Konstanz erfassbar wäre. Die drei im folgenden betrachteten Wirkstoffgehalte der
D-Gluconsäure (C6H12O7) sind in Tabelle 7.1 als theoretische maximale Konzentrationen, die in der
reinen Verzögererlösung vorliegen sollten, dargestellt. Im Bindemittelsystem selbst sind geringere
Konzentrationen zu erwarten, aufgrund der beschriebenen Wirkungsmechanismen.
Tabelle 7.1: Theoretischer Kohlenstoffgehalt der D-Gluconsäure in der Verzögererlösung
0,05%R 0,25%R 1,00%R
184 mg/l919 mg/l3674 mg/l
7.1 Verzögerung 62
Abbildung 7.1 zeigt die Abnahme des Kohlenstoffgehaltes über die Verweilzeit des Verzögerers im
Bindemittel. Dabei bildet der erste Wert die reine Verzögererlösung ab, die bei allen Gehalten eher er-
höht vorliegt, im Vergleich zum theoretischen Maximalwert aus Tabelle 7.1. Für die Gehalte 0,25%R
und 1,00%Rergibt sich lediglich eine Überhöhung von maximal 4 %. Im Vergleich dazu sind es 30 %
bei 0,05%R. Eine derartige Abweichung, die bei allen drei Messreihen reproduziert werden konnte,
kann nicht mit der Messungenauigkeit des Analysegerätes begründet werden. Messungen an Stan-
dardlösungen der Konzentration von 100 mg/lhaben durchweg eine maximale Abweichung von 5
% aufgezeigt. Somit liegt der Verdacht nahe, dass aufgrund der geringen Konzentrationen andere
organische Bestandteile als der Verzögerer eine Erhöhung verursachen, wie z. B. Mahlhilfsmittel, die
bei der Aufbereitung des HSs zum HSM eingesetzt werden (cf. [53,136,284,311]).1Ebenfalls nicht
auszuschließen sind fehlerhafte Dosierungen, die sich wegen der sehr hohen Verdünnungen noch
potenzieren. Die überhöhten Konzentrationen sind so lange als nicht nachteilig für die Versuche und
deren Ergebnisinterpretation zu werten, wie die Proben den gewünschten qualitativen Übergang
vom verzögerten zum erhärtenden Zustand repräsentieren.
R 0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
400
800
1200
1600
2000
2400
2800
3200
3600
4000
4400
0,05%R
0,25%R
1,00%R
NPOC [mg/l]
0d 1d 3d 7d 14d
0
60
120
180
240
300
Abbildung 7.1: Organik der Porenlösungen von Suspensionen mit Verzögerungen zwischen 0,05%R
und 1,00%Rder Perioden von 0 bis 56 d
Die Messungen der Proben mit HSM zeigen direkt nach der Herstellung (0. d) bzgl. der reinen Ver-
zögererlösung einen deutlichen Rückgang des Kohlenstoffgehaltes in der Porenlösung an, welcher
bei allen Gehalten in der Steigung ähnlich deutlich ausfällt. Prozentual ist die Reduzierung des Ver-
zögerers in der Porenlösung bei den Gehalten 0,25%Rund 1,00%Rvergleichbar und am 3. dder
Zuführung mit etwa 71 % auch relativ einheitlich.2Gleichwohl unterscheidet sich deren Verhalten
ab diesem Tag, da der Verzögerer der Proben mit 0,25%Rstetig weniger in der Porenlösung analy-
siert werden konnte, hingegen die Proben mit 1,00%Rkeinen weiteren Abbau des Additives fest-
stellen ließen. Somit stellt sich bei den Suspensionen mit 1,00%Rein Stillstand bis zum Messende
nach 56 dein, in dem kein weiterer Verzögerer aus der Porenlösung abgebaut oder am Bindemittel
adsorbiert wird und der Verzögerer mit einer Konzentration von 1000 mg/lim Mittel3vorliegt. Im
Umkehrschluss kann hier von einer Sättigung gesprochen werden, die der Verzögerer offensichtlich
durch seine Adsorption am Bindemittel erreicht zu haben scheint. Die Messwerte lassen zwar keinen
weiteren Rückgang der mit Verzögerer hoch angereicherten Porenlösung vermuten, doch wäre bei
dessen Eintritt genügend Verzögerer für weitere Adsorptionen vorhanden, ähnlich zum Verhalten
der Mischung mit 0,05%R. Die stetige Abnahme des Kohlenstoffs der Gehalte 0,05%Rund 0,25%R
stellt nicht zweifelsfrei ein Nachgeben der Verzögererwirkung dar, doch lässt sich dies aufgrund
1Einen Beitrag zur Aufklärung über die Beeinflussung der analysierten Organik schaffen die Elementaranalysen des Fest-
stoffs in Unterkapitel 7.4.8.
2Der relative Abbau der Verzögererkonzentration ist prozentual für die Gehalte von 0,05%Rbis 1,00%Rim Zeitraum vom
0. bis 14. dim Anhang in Tabelle A.4 auf Seite II dargestellt.
3Der Wert repräsentiert die mittlere Konzentration aller drei Messreihen mit 1,00%Rin der Zeit zwischen 3 und 56 d.
7.1 Verzögerung 63
der geringen feststellbaren Konzentrationen, gerade der Suspension mit 0,05%R, annehmen. Nicht
zuletzt war die Konzentration der tatsächlichen Messwerte dieser 1 : 50 verdünnten Suspension be-
reits ab dem 1. dnach Verzögerung gleich zu denen der zur Verdünnung der Proben eingesetzten
Stammlösung und lagen demnach nahe der Nachweisgrenze. Auch der prozentuale Abbau des Ver-
zögerers in der Porenlösung ist bei 0,05%Rbereits nach 0 dmit 74,6 % so hoch wie bei 0,25%Rnach
7doder bei 1,00%Rnach 14 bzw. 56 d. Trotz des in der Vergrößerung der Abbildung 7.1 ablesba-
ren Abbaus des Verzögerers bei 0,05%Rab dem 1. dnach Zuführung muss aufgrund der Messung
nahe der Nachweisgrenze darauf hingewiesen werden, dass dies eher eine symbolische Darstellung
des Verhaltens ist und weniger die exakte Quantität repräsentiert. Gestützt wird die Vermutung um
den Rückgang der Verzögererwirkung und den damit einsetzenden bzw. ablaufenden Hydratations-
prozess durch den ansteigenden pH-Wert der Porenlösungen mit 0,05%R, aufgezeigt in Tabelle 7.2.
Begründet werden kann ein solcher Anstieg am ehesten durch Auslösungen des Calciums und der
Alkalien, wie Natrium und Kalium (cf. [136,137,139,251,297]). Um dies für das in den Versuchen
verwendete HSM abzusichern und nicht nur auf Literatur des PZs zu verweisen, werden nachfol-
gend die Ionenkonzentrationen der Porenlösungen zur Verifizierung der Ereignisse dargestellt.
Tabelle 7.2: Änderung des pH-Wertes bei einem Verzögerergehalt von 0,05%Rim Hydratationszeit-
raum von 0 bis 14 d- Mittelwert aus drei Messreihen mit Mittelwertabweichung
0d 1d 3d 7d 14d
11,66 ±0,02 12,05 ±0,04 12,18 ±0,02 12,22 ±0,01 12,25 ±0,01
Die in Abbildung 7.2 dargestellten Ionenkonzentrationen der Porenlösungen von 0,05%Rbis 1, 00%R
zeigen ebenso die Unterschiede in der Wirkung der Verzögerergehalte auf, wie es die Ergebnisse der
NPOC-Analyse tun. Grundsätzlich ist jedoch erst einmal zwischen dem gelösten und ungelösten Zu-
stand der Ionen zu unterscheiden. Hohe gelöste Konzentrationen repräsentieren, wie die des Ca2+
in Abbildung 7.2(a), die Bereitschaft für mögliche Bindungen. Allerdings müssen niedrige Konzen-
trationen nicht zwangsläufig für eine bereits vorhandene Bindung stehen, wie sie bei Si4+und Al3+
bei einem Gehalt von 0,05%Rin Abbildung 7.2(b) und (c) vorliegen. Hier besteht eine offensichtliche
Abhängigkeit zwischen dem Verzögerergehalt und dem Lösungsprozess der Silicium- und Alumi-
niumionen. Indes beschränkt sich dieser gleichmäßig vorkommende Zusammenhang nur auf diese
Elemente und konnte bei anderen Ionenkonzentrationen in dieser Form nicht festgestellt werden.
Zur gleichen Auffassung kamen bereits Luke u. Luke [151] in ihren Untersuchungen zum Effekt von
Saccharose auf die Verzögerung von PZ. Doch verknüpften sie die bessere Löslichkeit der besagten
Ionen mit den Klinkerphasen des C3Aund der silikatischen Phasen [151]. Da diese Phasen in dem
verwendeten HSM nicht vorkommen, wird die mit zunehmendem Verzögerergehalt gesteigerte Lös-
lichkeit auf die reinen Elemente des Siliciums und Aluminiums bezogen. Dies ist sicherlich auch dem
geschuldet, dass ein wesentlicher Teil der Phasen des HSMs amorph vorliegen und eine zum PZ ähn-
lich erfolgreiche Charakterisierung nicht durchführbar ist. Die Abhängigkeit des Lösungsprozesses
vom Verzögerergehalt wird besonders deutlich bei der Betrachtung der verhältnismäßigen Unter-
schiede der Konzentrationen der Siliciumionen zwischen 1,00%R, 0,25%Rund 0,05%R. So zeigen
sich am 0. und 1. dder Verzögerung ähnliche faktorielle Verhältnisse zwischen den Ionenkonzentra-
tionen, wie sie bei den Verzögerergehalten auftreten.4Die auch in Abbildung 7.2(b) grafisch sehr gut
ersichtliche Verhältnismäßigkeit ist im Gegensatz dazu bei der Aluminiumionenkonzentration nicht
derart vorhanden. Allerdings hängt die Löslichkeit von Aluminium und Silicium ebenso von dem
vorliegenden pH-Wert der Porenlösung ab, da mit dessen Erhöhung auch eine erhöhte Lösung er-
folgt und keine Abhängigkeit vom Bindemittel oder einem Verzögerer gegeben sein muss, wodurch
allein der Hydratationsprozess beeinflussend wirken kann (cf. [277,325]).
Ein weiterer Trend, der aus Abbildung 7.2 ersichtlich wird, ist die Verringerung nach anfänglich
hoher Ionenkonzentration, wie bei Ca2+oder S2beim Gehalt von 0,05%R, ab dem 1. dder Verzö-
gerung. Ein solcher Abfall zeigt die Entstehung von unlöslichen Komponenten an. Durch die zeit-
gleiche Erhöhung von K+und Na+erhält der Anstieg des pH-Wertes die entsprechende Erklärung.
Somit gilt die Suspension mit 0,05%Rlediglich bis zum 1. dnach Herstellung als verzögert und
4Der faktorielle Unterschied des Verzögerergehaltes beträgt 4 zwischen 1,00%Rund 0,25%R, 20 zwischen 1, 00%Rund
0,05%Rsowie 5 zwischen 0,25%Rund 0,05%R.
7.1 Verzögerung 64
nachfolgend als im Prozess der Hydratation (vgl. Tabelle 7.2).5Qualitativ gleichwertige Ergebnisse
stellten Tenoutasse u. Singh [297] in ihren Versuchen mit verschiedenen Verzögerern im PZ-System
fest. Aufgrund der dargestellten Verringerung der Ionenkonzentrationen sind sulfathaltige Hydra-
tationsprodukte wie Ettringit oder Monosulfat denkbar, obgleich sie nicht zweifelsfrei allein durch
diese Analysemethode nachzuweisen sind. Zudem bedarf es für die Entstehung von Ettringit zuerst
der Umwandlung des vorwiegend im HSM enthaltenen S2zu SO2
4, was nach Kühl [122] eher nicht
gegeben sein dürfte. Hingegen vermutet er, dass Produkte auf der Basis des Sulfids und des Calciums
entstehen, wie ein Komplex aus Tricalciumaluminat und Calciumsulfid [122]. Auszuschließen sind
solche Bindungen ebenso wenig wie C-S-H- oder C-A-H-Phasen, da sich die Konzentrationen von
Si4+und Al3+nach einer anfänglichen Lösung ebenso verringern wie die von Ca2+und S2. Weite-
re Klarheit in der Phasenentwicklung kann durch die Feststoffanalysen via TG und REM gewonnen
werden.
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600 Ca2+ 0,05%R
Ca2+ 0,25%R
Ca2+ 1,00%R
Ca2+ Konzentration [mg/l]
(a)
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
20
40
60
80
100
120
140
160 Si4+ 0,05%R
Si4+ 0,25%R
Si4+ 1,00%R
(b)
Si4+ Konzentration [mg/l]
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
20
40
60
80 Al3+ 0,05%R
Al3+ 0,25%R
Al3+ 1,00%R
(c)
Al3+ Konzentration [mg/l]
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
S2- 0,05%R
S2- 0,25%R
S2- 1,00%R
S2- Konzentration [mg/l]
(d)
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
100
200
300
400
500
600
700
K+ 0,05%R
K+ 0,25%R
K+ 1,00%R
K+ Konzentration [mg/l]
(e)
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
0
50
100
150
200
250
300
350
Na+ 0,05%R
Na+ 0,25%R
Na+ 1,00%R
(f)
Na+ Konzentration [mg/l]
Abbildung 7.2: Anorganik der Porenlösungen mit Normierung auf Yttrium-Standard von Suspen-
sionen mit Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rder Perioden von 0 bis 56
dmit (a) Ca2+, (b) Si4+, (c) Al3+, (d) S2, (e) K+und (f) Na+
Durch die Ergebnisse mittels ICP OES wird die Wirkungsweise eines zu geringen Verzögerergehal-
tes deutlich und kann klar abgetrennt werden von den bis zum Messende verzögert vorliegenden
Suspensionen der Gehalte von 0,25%Rund 1,00%R. Das Verhalten der Suspensionen dieser Gehal-
te kann dahin gehend mit verzögert beurteilt werden, da keine weiteren Ionenkonzentrationen ab-
nehmen und somit keine feste Bindungen eingehen mit Ausnahme des Si4+. Möglicherweise hängt
5Bei der Auslösung der Alkalien ist zu beachten, dass infolge des Hydratationsprozesses zwei Effekte resultieren. Dabei
steigt die Alkalikonzentration in der Porenlösung zum einen durch die Lösung des Bindemittelkorns an (cf. [321]) und
zum anderen durch die Bindung von Wasser in Hydratationsprodukte, womit eine Konzentrationsveränderung der Po-
renlösung verbunden ist. Eine Trennung dieser beiden Effekte ist nicht möglich. Dennoch ist an dieser Stelle auf den
quantitativen Unterschied der Ionenkonzentrationen zu verweisen, der bei einem verzögerten System (z. B. 1,00%R) am
14. dfünf bis sechs Mal geringer ausfällt als bei dem nicht mehr verzögertem System (vgl. Abbildung 7.2). Damit kann
verdeutlicht werden, welche hohe Wasserbindung vorhanden sein müsste, damit der hauptsächliche Effekt des Konzen-
trationsanstiegs der Alkalien durch die Konzentrationsveränderung der Porenlösung resultiert (vgl. Unterkapitel 7.1.2).
7.1 Verzögerung 65
dieser Effekt aber auch mit dem abnehmenden Verzögerergehalt in der Porenlösung und der vorhan-
denen Verzögererwirkung zusammen (vgl. Abbildung 7.1), woraufhin es nicht nur zur Komplexbil-
dung zwischen dem Calcium und dem Verzögerer kommt, sondern auch zu der des Siliciums (cf.
[171,304,324]). Werden jedoch Komplexbildungen vom Calcium und Verzögerer angenommen, die
aufgrund zahlreicher Literatur [71,106,171,189,247,304,324,327] als wahrscheinlich gelten, stellt
sich die Frage, warum bei Si4+und Ca2+nicht ein einheitlicher Trend vorhanden und eine Abnahme
von Si4+gegeben ist. Es ist festzuhalten, dass ein heterogenes Verhalten vorliegt. Vermutlich ist die-
ses bei dem Konzentrationsverlauf des Si4+zu suchen, da hier möglicherweise gegenläufige Effekte
zum Tragen kommen, bestehend aus der erhöhten Lösungsbereitschaft und der zusätzlichen Kom-
plexbildung bei vorhandenem Verzögerer (cf. [171]). Es ist anzunehmen, dass bei einer herrschenden
Komplexbildung eine starke Einschränkung der Lösungsbereitschaft vorliegt, in der nahezu keine
Veränderung erfolgt, wie dies bei Ca2+der Gehalte 0,25%Rund 1,00%Rder Fall ist. Ausgeschlossen
werden kann dagegen, dass sich Hydratationsprodukte auf der Basis von Silicium ohne die Betei-
ligung von Calcium bilden und damit den verzögerten Zustand überwinden, woraufhin die Ver-
arbeitungsfähigkeit der Suspension unterbunden wäre. Das Calcium ist jenes Element, welches an
nahezu allen sich ergebenden Hydratationsprodukten beteiligt ist, wodurch dessen Konzentrations-
erniedrigung als ein klares Indiz für die Überwindung des verzögerten Zustandes zu werten ist. Dies
bedeutet im Umkehrschluss, dass bei gleichbleibend hoher Ionenkonzentration des Calciums eine
Verzögerung vorliegt, wie bei 0,25%Rund 1,00%R. Unter Einbezug des Magnesiums können sich
ebenso Hydratationsprodukte ergeben, sogar unabhängig von einer Calciumbeteiligung (cf. [321]).
Solche Phasen, zu denen unter anderem Hydrotalcit zählt, können aufgrund der Ionenkonzentratio-
nen allerdings nicht verifiziert werden (vgl. Anhang Tabelle A.5, Seite II). Anhand der dargestellten
Ergebnisse in Abbildung 7.2 kann aber auch erkannt werden, dass selbst bei dem hohen eingesetz-
ten Verzögerergehalt von 1,00%Rkeine komplette Unterbindung der in Lösung gehenden Ionen
herbeigeführt wird, sondern ein stetiger Wandel in den Konzentrationen als gegeben hingenommen
werden muss. Somit ist der Verzögerungseffekt zeitlich begrenzt - dieser unterbindet dennoch die
Entstehung jeglicher Hydratationsphasen eines HSMs während der Zeit der Wirkung.
Auch weitere Elemente, die das HSM als Rohstoff beinhaltet, zeigen eine Lösungsbereitschaft, wie z.
B. das Titan und Mangan bei 1,00%R. Gleichwohl ist deren Konzentration über den Untersuchungs-
zeitraum sehr gering und kaum bis gar nicht veränderlich. Dagegen konnten die gleichen Elemente
bei 0,05%Rund 0,25%Rüberhaupt nicht analysiert werden. Vermutlich spielen sie in der Bildung
der Hydratationsprodukte auch eine eher untergeordnete Rolle, wenn es denn bei dem vorhande-
nen Verzögerergehalt überhaupt zur Produktbildung kommt. Erwähnenswerter sind hingegen die
Auslösungen von Fe2+und Mg2+, da sich diese über den Untersuchungszeitraum bei den verzöger-
ten Suspensionen von 0,25%Rund 1,00%Ransteigend verhalten (vgl. Anhang Tabelle A.5, Seite II).
Auch hier ist wieder eine Auffälligkeit des Lösungsprozesses in Verbindung mit dem Verzögererge-
halt zu beobachten. Dies lässt sich jedoch nur vermuten, da weder bei allen Gehalten entsprechende
Ionen analysiert werden konnten, noch deren Verhältnismäßigkeit zum jeweiligen Verzögerergehalt
derartige Einheitlichkeit besitzt, wie sie bei Si4+in Abbildung 7.2 vorliegt.
Insgesamt zeigen die Elementaranalysen, dass ein bis zum Messende verzögerter Zustand bei dem
Gehalt von 1,00%Rund 0,25%Rvorliegt. Die nicht ganz eindeutigen Ergebnisse der NPOC-Analyse
werden durch die Ergebnisse der ICP OES und der Messung des pH-Wertes dahin gehend ergänzt,
dass die Suspension mit 0,05%Rlediglich 1 dverzögert vorliegt. Mit dem Wissen um die Eigenschaf-
ten der Porenlösung und der Verzögerungsdauer gilt es nun darzustellen, welche Effekte im festen
Zustand vorhanden sind und welche Phasen sich eingestellt haben.
7.1.2 Thermische Analyse
Die TG als thermische Analyse gibt Aufschluss über die quantitative Entstehung von Hydratati-
onsprodukten, d. h. deren Masseänderung zeigt bei einem Verlust die Bindungen der Produkte mit
Wasser an und bei einem Zugewinn die zusätzliche Aufnahme von Atomen aus der Atmosphäre,
wie z. B. bei einer Oxidation. Dabei ist die Oxidation in Verbindung mit den im HSM enthaltenen
Sulfiden zu Sulfaten eine normale Reaktion, die sowohl im gebundenen, in der Form der durch
Hydratation entstandenen Metallsulfide, als auch im ungebundenen Zustand auftreten kann (cf.
[19,122,216,251,284]). Die Analysen brachten sowohl einen Verlust als auch ein Zugewinn der
Masse hervor. Daher werden die Ergebnisse in Abbildung 7.3 als Masseänderung bezeichnet. Die
Abbildung zeigt die Veränderungen an, welche die verzögerten Suspensionen mit 0,05%R, 0,25%R
und 1,00%Rsowie deren vergleichende Suspension ohne Verzögerer als Referenz über eine Zeit
7.1 Verzögerung 66
von 0 bis 56 derfahren. Dabei stellt die Abbildung 7.3(a) die Gesamtmasseänderung im Bereich von
Raumtemperatur bis 1000 Cdar und (b) die noch einmal separierte Masseänderung im Bereich von
660 bis 1000 C. Dieser Temperaturbereich hat sich in der Auswertung als repräsentativ für den Zu-
gewinn der Masse infolge der Oxidation herausgestellt.
Die schon aus der Elementaranalyse als bekannt verzögert vorliegenden Suspensionen mit 0,25%R
und 1,00%Rzeigen auch in dieser Analysemethode ein einheitliches Ergebnis. Sie zeichnen sich
durch eine sehr geringe Gesamtmasseänderung aus, die in keinem der in Abbildung 7.3 ausgewerte-
ten Analysen eine Verifizierung eines Hydratationsproduktes zulässt. Auch wenn die Abweichung
der Masseänderung von 0,25%Rin dem Bereich zwischen 660 bis 1000 Cteilweise sehr hoch ist und
somit schon dem Glühverlust des Rohstoffs6mit 1,45 ±0,45 M.-% ähnelt, steht die Änderung den-
noch für die Oxidation des Sulfids zu Sulfat (cf. [91,144]). Diese liegt bei all den Proben vor, die im
verzögerten Zustand verweilen oder bei denen noch keine Einbindung des Schwefels in Hydratati-
onsprodukte stattgefunden hat. Die entstandenen Phasen sind bisher nur zu vermuten, doch müssen
sie den Schwefel in ihre Struktur einbinden. Dies zeigt der dargestellte Unterschied zwischen dem
verzögerten und hydratisierten Proben in Abbildung 7.3(b) auf. Wenn keine Einbindung des Sulfi-
ds oder der oxidierten Form des Sulfats in die entstandenen Hydratationsprodukte erfolgen würde,
so lägen bei den Analyseergebnissen der Referenz und 0,05%Rim hydratisierten Zustand ebenfalls
positive Masseänderungen vor, die analog zu den verzögerten Suspensionen wären.
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
-4,8
-4,4
-4,0
-3,6
-3,2
-2,8
-2,4
-2,0
-1,6
-1,2
-0,8
-0,4
0,0
0,4
0,8
Ref
0,05%R
0,25%R
1,00%R
Gesamtmasseänderung [M.-%]
(a)
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
-0,4
-0,3
-0,2
-0,1
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
Masseänderung 660-1000°C [M.-%]
(b)
Abbildung 7.3: TG-Analyse des Feststoffs mit Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rund der
Referenz (Ref) nach Perioden von 0 bis 56 dmit (a) Gesamtmasseänderung und (b)
Masseänderung zwischen 660 und 1000 C
Ein Unterschied in der Masseänderung wird bei den in Abbildung 7.3 dargestellten Ergebnissen ab
dem 1. ddeutlich. Zu diesem Zeitpunkt haben sich bei der Referenz Hydratationsprodukte gebildet,
gefolgt von der bis zum 1. dverzögerten Suspension mit 0,05%R, die am 3. ddie ersten Wasserbin-
dungen aufweist. Am 7. und 14. dhat sich die Masse der gebildeten Hydratationsprodukte derart
angeglichen, dass Referenz und 0,05%Rim Gesamtverlust gleich auf sind. Anhand dieses Ergebnis-
ses liegt der Verdacht nahe, dass der Verzögerer die Hydratation zwar unterbindet, sich aber nicht
zwangsläufig nachteilig auf die anschließende Hydratation und deren quantitative Produktbildung
auswirkt, wenn die Verzögererwirkung aufgebraucht ist und die Reaktion von HSM und Wasser
6Der Glühverlust des Rohstoffs wurde im Rahmen der Bestimmung der Oxidzusammensetzung via RFA durchgeführt und
ist hier als Mittelwert mit zugehöriger Mittelwertabweichung der drei verwendeten Chargen angegeben.
7.1 Verzögerung 67
erneut einsetzt. Ein gleiches Resultat stellten auch Ludwig u. Urrutia Silva [150] bei ihren Bilanzie-
rungen der Wasserbindung über die Hydratationsdauer fest. Abbildung 7.4 stellt die ab dem 3. d
der Hydratation vergleichbaren Ergebnisse der Referenz und der Verzögerung mit 0,05%Rdar, de-
ren Masseverlust es erlaubte, eine Auswertung nach Marsh durchzuführen (vgl. Unterkapitel 4.6,
Seite 43), um so die Hydratationsphasen differenzierter zu betrachten. Die Entwicklung der Hydra-
tationsphasen ist derart ähnlich, dass sich nicht nur der Gesamtmasseverlust gleicht, sondern auch
die einzelnen Masseverluste in den spezifischen Temperaturbereichen der Phasen. Dabei sind dem
Temperaturbereich von 40 bis 250 C C-S-H-Phasen zuzuordnen, wobei in diesem Bereich auch ein
Masseverlust von Ettringit möglich ist, der allerdings nicht genauer verifiziert werden konnte (cf.
[92,316]). Dem zweiten Temperaturbereich von 250 bis 575 C, der wie der erste über die Hydra-
tationszeit an Massenanteilen hinzugewinnt, kann möglicherweise eine hydrotalcit-ähnlichen Phase
zugeschrieben werden (cf. [92,186]). Obwohl die Entstehung von Hydrotalcit in Gegenwart von
HSM als wahrscheinlich gilt (cf. [321,322]), sind die genauen Peaks dieser Phase mit dem Verlust
des Schichtenwassers bei 230 Cund der Decarbonatisierung bei 330 Cnicht bestätigt worden, die
von Gruskovnjak etal. [92] und Palmer etal. [186] dargelegt werden. Der dritte Temperaturbereich
von 575 bis 775 Ckann keiner Phase zugeordnet werden, jedoch ist dieser über die Hydratations-
zeit auch kaum veränderlich und daher nicht den Hauptphasen zuzuordnen. Ebenso wenig zählt
der Temperaturbereich von 775 bis 950 Czu den Hauptphasen. Hingegen lässt sich diesem Bereich
das Calciumcarbonat und mögliche Alkalicarbonate zuweisen (cf. [73,75,124]). Aufgrund der gerin-
gen Veränderlichkeit dieser Verluste und der Affinität des HSMs mit der Atmosphäre zu reagieren,
könnten die Phasen der letzten beiden Temperaturbereiche auch das Produkt der Lagerung und
Probenvorbereitung sein, bei denen eine Reaktion mit CO2eingetreten ist. Demgegenüber konnten
Phasenanalysen mittels XRD das Ergebnis zu keinem Zeitpunkt der Hydratation bestätigen, da keine
kristallinen Phasen bis auf die des Rohstoffs feststellbar waren. Die bis zum 56. dder Hydratation via
TG begutachtete Phasenentwicklung der Referenz zeigte hauptsächlich eine stetige Massezunahme
an C-S-H- und hydrotalcit-ähnlichen Phasen, weitere Veränderungen in den Hydratationsprodukten
blieben hingegen aus. Dieses Verhalten kann qualitativ durch die chemisch gebundene Wassermasse
bestätigt werden, die im Wesentlichen nur bis zum 28. dder Hydratation zunimmt und anschließend
gleich bleibt (vgl. Anhang Tabelle A.6, Seite II).
3d 7d 14d
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
40-250°C
250-575°C
575-775°C
775-950°C
Gesamtmasse-
verlust [M.-%]
Masseverlust [M.-%]
(a)
3d 7d 14d
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
(b)
Abbildung 7.4: TG-Analyse des Feststoffs mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und
dem Gesamtmasseverlust nach Perioden von 3 bis 14 dmit (a) der Referenz und (b)
einer Verzögerung mit 0,05%R
7.1 Verzögerung 68
Zum Abschluss der thermischen Analysen wurden die mit Verzögerer versetzten Suspensionen noch
einmal nach einer Standzeit von 365 dauf deren Hydratationsfortschritt bzw. vorliegende Verzöge-
rung kontrolliert. Das Ergebnis in Tabelle 7.3 zeigt, dass lediglich die Verzögerung mit 1,00%Rim
Stande ist über diese Dauer die Hydratation vollständig zu unterbinden und zwar mit der glei-
chen Effektivität wie nach einer eintägigen Verzögerungsperiode. Die Hydratationsphasen der nun
nicht mehr verzögert vorliegenden Suspension mit 0,25%Rgleichen denen der Referenz und der mit
0,05%R, bei denen sich auch nach 365 dkeine mit dieser Analysemethode feststellbare Veränderung
in den Hydratationsprodukten ergeben hat. Indes lassen diese Ergebnisse auch das Folgende ver-
muten: Die Verwendung des Verzögerers wirkt nicht nur neutral auf die Phasenbildung nachdem
die verzögernde Wirkung abgeschlossen ist, sondern beeinflusst die Hydratation auch positiv in der
Bildung von mehr Produkten. So zeigt sich die Gesamtmasseänderung von 0,25%Rdeutlich erhöht
gegenüber der von 0,05%R, womit eine Vergleichbarkeit zum Ergebnis der Referenz und 0,05%R
nach 14 dbesteht (siehe Abbildung 7.3).
Tabelle 7.3: TG-Analyse des Feststoffs mit Gesamtmasseänderungen der Verzögerungen zwischen
0,05%Rund 1,00%Rnach einer Periode von 365 d- Mittelwert aus drei Messreihen mit
Mittelwertabweichung
0,05%R [M.-%]0,25%R [M.-%]1,00%R [M.-%]
5,69 ±0,08 7,27 ±0,79 0,52 ±0,02
Es wird resümiert, dass bei verzögert vorliegenden Suspensionen via TG-Analyse die Oxidation von
Sulfid zu Sulfat erkannt werden kann und dies ein Charakteristikum des verzögerten Zustandes
darstellt. Liegt eine Verzögerung nicht mehr vor, werden die schwefelhaltigen Phasen in Hydrata-
tionsprodukte eingebunden. Die erlangten Ergebnisse stehen in Korrelation zu den vorherigen Ele-
mentaranalysen. Dabei zeigt insbesondere 0,05%Rden Übergang des verzögerten Zustandes zum
hydratisierenden ab dem 1. dan. Weiterhin lässt sich bilanzieren, dass sehr viel längere Verzögerun-
gen möglich sind als lediglich 56 d. Um jedoch weiterhin die Abgrenzung zwischen einer verzöger-
ten und einer im Hydratationsprozess befindlichen Suspension darzustellen, wird im Folgenden der
Hydratationsprozess der nur kurzzeitig vorhanden Verzögerung in Bildern dargestellt.
7.1.3 Rasterelektronenmikroskopie
Die Mikroskopie mit den Ergebnissen der REM-Analyse bildet nachfolgend den Hydratationsverlauf
und die Phasenbildung bei 0,05%Rab. Vergleichend dazu wird der verzögerte Zustand bei 0,25%R
aufgezeigt, bei dem zwar eine kürzere Verzögerungsperiode vorliegt als bei 1,00%R, aber die Pe-
riode dennoch um ein Vielfaches länger ist als die von 0,05%R. Die Abbildung 7.5 stellt die frühe
Gefügeentwicklung der Suspension mit 0,05%Rnach den Hydratationsperioden von 0 bis 14 ddar,
in je zwei unterschiedlichen Vergrößerungen pro Periode. Bereits nach 0 dkönnen Hydratations-
produkte auf der Oberfläche des HS-Korns vermutet werden.7Dieser in Abbildung 7.5(a) und (b)
vorliegende Zustand konnte nicht an allen betrachteten Stellen der Probe erkannt werden, dennoch
wird dadurch das Potential zur Reaktion aufgezeigt. Die weitere Entwicklung lässt am 1. ddeutliche
Zusammenschlüsse der einzelnen Körner erkennen, die als Verkittung bezeichnet werden. Die nach
0 und 1 dvorhandenen Hydratationsprodukte und Verkittungen waren aus den Ergebnissen der
vorherigen Analysen nicht in dieser Art anzunehmen. Letztlich haben die schon früh entstandenen
Produkte allerdings auch nicht zu einer Erstarrung der Probe geführt, wodurch nach wie vor eine
Verarbeitungsfähigkeit in einer plastischen Konsistenz vorlag. Korn verbindende und übergreifen-
de Produkte konnten erst am 3. dder Hydratation festgestellt werden, wie die Abbildungen 7.5(e)
und (f) zeigen. Dies steht in Übereinstimmung mit den Analysen der ICP OES und TG. In Abbil-
dung 7.5(f) ist auf allen Kornoberflächen eine gitterartige Struktur zu erkennen, die in ihrem Aufbau
einem Schwamm ähnelt, durchdrungen von stängeligen Produkten, die teilweise nicht größer sind
als wenige µm. In einzelnen Bereichen können auch plättchenförmige Produkte erkannt werden, die
inmitten der gitterartigen Struktur in die Höhe ragen. Trotzdem wirkt das 3 dalte Gefüge noch recht
brüchig, offenporig und sehr heterogen. Gleichwohl währt dieser Zustand lediglich bis zum 7. d. Zu-
nehmend gewinnt das Gefüge an Dichte und die zuvor noch offenporige Struktur scheint mit neuen
7Die Periode von 0 dentspricht genau genommen etwa einer Zeit von einer Stunde, bis der fortschreitende Hydratations-
prozess tatsächlich durch den Effekt der Sublimation mittels Vakuumgefriertrocknung unterbunden wird. Dabei setzt sich
die vergangene Zeit aus der Herstellung und Verarbeitung der Probe zusammen.
7.1 Verzögerung 69
0d
1d
3d
7d
14d
Abbildung 7.5: Hydratationsverlauf in REM-Bildern in zwei Vergrößerungen des Feststoffs einer
Verzögerung von 0,05%Rnach unterschiedlichen Perioden in (a) und (b) 0 d, (c) und
(d) 1 d, (e) und (f) 3 d, (g) und (h) 7 dsowie (i) und (j) 14 d
7.1 Verzögerung 70
Hydratationsprodukten überwachsen zu sein, wodurch die gitterartige Struktur und auch die stän-
gelartigen Gebilde nur noch temporär auftreten, wie in Abbildung 7.5(h) zu sehen. Spätestens am
14. dder Hydratation wirkt das Gefüge relativ kompakt und es sind wenige von den anfänglich be-
schriebenen Strukturen wiederzuerkennen. In Abbildung 7.5(j) fallen lediglich prismatisch geformte
Produkte auf, die sich innerhalb der Zusammenballungen befinden.
(a)
(b) (c)
3μm 3μm 3μm
Abbildung 7.6: Hydratationsverlauf in REM-Bildern des Feststoffs einer Verzögerung von 0,05%R
nach unterschiedlichen Perioden in (a) 0 d, (b) 3 dund (c) 7 d
Die sich ausgebildete gitterartige Struktur ist bereits als Reaktionsprodukt des HSM mit Wasser be-
kannt (vgl. Abbildung 2.4, Seite 13). Sie stellt in der dortigen Matrix das Kerngerüst dar, welches
sich zwischen den HS-Körnern befindet und diese umgibt. In Abhängigkeit vom Hydratationsfort-
schritt ist die Größe der Struktur jedoch variabel: Sie tritt zu Beginn der Hydratation eher grob aber
dennoch homogen in Erscheinung und wird mit zunehmendem Alter feinverteilter. So sind die git-
terartigen Strukturen der Abbildungen 7.5, 7.6 und A.1 (siehe Anhang Seite II) in ihrer Morphologie
alle miteinander vergleichbar und können im Wesentlichen nach dem 3. und 7. dder Hydratation
betrachtet werden. In einzelnen Bereichen sind sie auch schon nach 0 dvorhanden. Aufgrund der
Präsenz und der raumausfüllenden und verbindenden Funktion ist anzunehmen, dass es sich bei
diesen Produkten um die festigkeitsbildenden Phasen handelt. Den Hauptanteil daran werden si-
cherlich die C-S-H-Phasen besitzen, die allerdings auch weitere Einbindungen enthalten können,
wie die von Aluminium. Vergleichbare Strukturen entdeckte Wassing [321] bei seinen Reaktionsver-
suchen von HS mit Wasser. Bei den stängelartigen Produkten handelt es sich wahrscheinlich um
Ettringit. Darauf lässt dessen Habitus, der Entstehungszeitpunkt und dessen Wachstum in den frei-
en Raum schließen (vgl. Abbildung 7.5(f) und (h) sowie 7.6(b) und (c)). Gleichwohl, dass die Aus-
bildung von Ettringit in der Matrix eines Bindemittels aus HSM als eher ungewöhnlich zu werten
ist, aufgrund der notwendigen Umwandlung des Sulfids zu Sulfat, registrieren Ehrenberg [75] und
Wassing [321] die Entstehung dieser Phase. Shi u. Day [268] hingegen stellen dessen Entwicklung
konkret in Abhängigkeit von dem Vorhandensein des Sulfats, knüpfen es also an die Bedingung der
Oxidation des Sulfids oder eines genügend hohen Sulfatgehaltes. Die durch die TG-Analyse vermu-
teten hydrotalcit-ähnlichen Phasen bleiben auch durch die REM-Analyse lediglich eine Vermutung.
Beschreibungen der Literatur [115,328] zu Folge soll sich Hydrotalcit als hexagonale plättchenför-
mige Phase ausbilden. Vereinzelt lassen sich ähnliche Strukturen in den Abbildungen 7.5(f) und (j)
sowie A.1(b) (siehe Anhang Seite II) erkennen. Deren nicht perfekte Ausbildung kann möglicherwei-
se an dem Hydratationsalter oder der unzureichenden Lösungskonzentration der notwendig vor-
liegenden Ionen liegen, da sich mittels Elementaranalyse kein Lösungsprozess des Magnesiums bei
0,05%Rdetektieren ließ (vgl. Anhang Tabelle A.5, Seite II). Anhand weiterer REM-Bilder kann Cal-
cit erkannt werden, womit sich eine Übereinstimmung mit den vorherigen TG-Analysen ergibt (vgl.
Anhang Abbildung A.1(c), Seite II). Die Phase ist in der Abbildung durch eine dem Produkt ange-
näherte Umrandung unterstützend herausgestellt, wodurch noch einmal die typisch prismatische
Form des Calcitkristalls betont wird (cf. [75]).
In Abbildung 7.7 ist der Feststoff der mit 0,25%Rverzögerten Suspensionen nach den Zeitpunk-
ten 0, 7 und 14 ddarstellt. Anhand der einzelnen zeitlich aufsteigenden Verzögerungsperioden ist
klar zu erkennen, dass zu keinem Zeitpunkt Hydratationsprodukte vorhanden sind, die denen von
0,05%Rähneln. Dies zeigen die glatten und teilweise mit Agglomeraten bedeckten Oberflächen der
HS-Körner (vgl. auch Anhang Abbildung A.2(c), Seite III). Bei einer genaueren und vielfach ver-
größerten Darstellung von einzelnen oberflächlichen Bereichen können jedoch ähnliche, wenn nicht
gar gleiche Strukturen entdeckt werden, wie sie schon bei 0,05%Rnach 0 dvorgefunden wurden
(vgl. Anhang Abbildung A.1(a) mit A.2(a) und (b) ab Seite II). Diese Produkte sind kleiner als 1
7.1 Verzögerung 71
µmund erscheinen keineswegs ganzflächig oder homogen verteilt auf den HS-Körnern, dennoch
sind es Hydratationsprodukte, die durch den Verzögerer nicht in ihrer Entstehung verhindert wer-
den konnten. Ebenso wenig treten sie als raumfüllende Phasen auf, womit womöglich Verkittungen
von HS-Körnern zustande kämen, die den Zustand der Verzögerung gefährden würden. Aufgrund
der Gegenüberstellung der REM-Bilder von 0,05%Rund 0,25%Rkann davon ausgegangen werden,
dass die erfassten Produkte zu den ersten entstehenden Hydratphasen zählen, die beim Aufeinan-
dertreffen von HSM und Wasser resultieren. Durch einen Vergleich der Resultate der REM-Analyse
wird deutlich, dass sich die anfänglich entstandenen Hydratationsprodukte von 0,05%Rund 0,25%R
noch sehr ähneln, doch die für Erstarrung und Erhärtung signifikanten Produkte lediglich bei dem
Feststoff mit einem Gehalt von 0,05%Rvorliegen.
(a)
(b)
(c)
30μm 30μm 30μm
Abbildung 7.7: Hydratationsverlauf in REM-Bildern des Feststoffs einer Verzögerung von 0,25%R
nach unterschiedlichen Perioden in (a) 0 d, (b) 7 dund (c) 14 d
Der Verzögerer adsorbiert unabhängig von seinem Gehalt bereits unmittelbar nach dem Hinzufü-
gen zur Suspension am Bindemittel. Seine effektive Wirkung kann das Additiv aber anscheinend
erst zeitlich versetzt entfalten - da ebenfalls unabhängig vom Verzögerergehalt in der ersten Stun-
de nach dem Zusammenfügen von HSM und Verzögererlösung Hydratationsprodukte resultieren.
Die darauf folgende Wirkung ist indes maßgeblich von der Höhe des Verzögerergehaltes abhängig.
Somit unterbindet ein entsprechend hoher Additivgehalt nicht nur die Ausbildung der festigkeits-
bildenden Phasen und hält das Bindemittel somit in der dormanten Hydratationsperiode, sondern
verhindert auch die anfänglich stattfindende Verkittung einzelner HS-Körner und unterdrückt die
folgende Entstehung von Ettringitphasen. Die schnelle Adsorption am Bindemittel spielt vermut-
lich eine entscheidende Rolle sowie der ausreichend in Lösung vorliegende Verzögerer. Durch eine
vom Verzögerer geschaffene Umhüllung des Bindemittelkorns würde ein weiterer Reaktions- und
Lösungsprozess mit dem Wasser verhindert werden (cf. [111,168]). Diese Theorie wird durch die
signifikante Erniedrigung des NPOC-Wertes nach 0 und 1 dund der damit verbundenen Adsorp-
tion am Bindemittel gestützt sowie der über den Untersuchungszeitraum nur gering vorliegenden
Veränderungen der Auslösungen von Ionen. Es spricht auch einiges für eine gleichzeitig vorhande-
ne Komplexbildung von zumindest Calcium mit dem Verzögerer (cf. [171,304]). Zum einen bleibt
die Ionenkonzentration des Calciums über den Untersuchungszeitraum bei den Verzögerergehal-
ten von 0,25%Rund 1,00%Reinheitlich und zum anderen liegt der Verzögerer in einer notwendig
hohen Konzentration gesättigt in der Lösung vor. Die Ergebnisse zeigen, dass wahrscheinlich nicht
nur ein einzelner Effekt zur langanhaltenden Verzögerung des HSMs beiträgt, sondern dass es sich
um mehrere Effekte handelt, die möglicherweise auch parallel voneinander oder in Kombination
miteinander wirken (cf. [111,187,327]).
7.1.4 Feinheit
Nach den vorherigen Analysen scheint das Additiv mehr als nur die Eigenschaft der Verzögerung zu
besitzen. So zeigten die Ergebnisse der TG-Analyse eine neutrale bis positive Eigenschaft, die im An-
schluss an die verzögernde Wirkung für die Entwicklung von mehr Hydratationsprodukten sorgt.
Im Folgenden wird dies aus dem Blickwinkel der generierten Oberflächen und der Dichteverhält-
nisse betrachtet. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass mit zunehmender Hydrata-
tion ein Zuwachs an Hydratationsprodukten erfolgt, wodurch zum einen sehr feine Strukturen und
demnach hohe Oberflächen resultieren können und zum anderen ein Verbrauch des ungebunden
vorliegenden Wassers stattfindet, sodass eine Abnahme der Dichte zu erwarten ist. Gleich mehrere
7.1 Verzögerung 72
Effekte führen dazu, dass sich die Dichte im hydratisierten Zustand gegenüber der des unhydrati-
sierten verringert. Der maßgebliche Einfluss liegt allerdings beim chemischen Schwinden, worun-
ter die Abnahme des Volumens infolge der Einbindung des Wassers in die Hydratationsprodukte
zu verstehen ist [136,311]. Die resultierenden Produkte besitzen eine geringere Dichte als die ent-
sprechenden Ausgangsstoffe der Reaktion, wofür die C-S-H-Phasen ein Beispiel sind (cf. [136,221]).
Doch auch trockene Umgebungsbedingungen während der Hydratation können zu einer Abnahme
der Dichte führen, wodurch es zu Prozessen wie dem Kappilar- oder auch Trocknungsschwinden
kommen kann [136,311]. Was dagegen all diese Effekte vereint, ist, dass sie erst mit dem Einsetzen
der Hydratation stattfinden können. Weitere Auswirkungen sind auf die Verarbeitung der Mischung
und deren Zusammensetzung zu beziehen. So kann insbesondere ein zeitlich lang gewähltes Misch-
regime sowie ein hoher w/b-Wert die Bildung von Poren beeinflussen.
Roh 0d 1d 3d 7d 14d
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0
Roh 0,05%R
Ref 0,25%R
BET [m²/g]
2,70
2,75
2,80
2,85
2,90
2,95
3,00
Reindichte [g/cm³]
Abbildung 7.8: Spezifische Oberfläche nach BET und Reindichte des Feststoffs der Verzögerungen
von 0,05%Rund 0,25%Rsowie der Referenz (Ref) und des Rohstoffs (Roh) nach
Perioden von 0 bis 14 d
In Abbildung 7.8 ist sowohl der Rohstoff als Probe ohne bewusst herbeigeführte Hydratationspro-
dukte dargestellt als auch die Referenz und die mit Verzögerer versetzten Suspensionen von 0,05%R
und 0,25%R. Die Ergebnisse der spezifischen Oberfläche und der Reindichte zeigen die Verände-
rung an, welche innerhalb der dargestellten Verzögerungs- bzw. Hydratationsperioden von 0 bis 14
derfolgen.8Grundlegend bestätigen die Resultate der Referenz und 0,05%Rden allgemeinen Trend,
dass sich mit Fortschritt der Hydratation ein Anstieg des BET-Wertes und ein Abfall der Reindichte
einstellt. Das Ergebnis von 0,05%Rfügt sich in das bestehende Gesamtbild dieser Probe ein, dass aus
den bisherigen Analysen eine bis zum 1. dvorliegende Verzögerung zeigt sowie eine ab dem 3. dvor-
handene Angleichung an die Resultate der Referenz. Stellvertretend für eine andauernde Verzöge-
rung zeigt sich die Suspension mit 0,25%Rmit einem konstant bleibenden BET-Wert und Reindichte
bis zum Messende. Gering vorliegende Schwankungen des BET-Wertes, die einen leichten Anstieg
ab dem 3. dvermuten lassen, sind wahrscheinlich auf den Umstand der Einfachbestimmung zurück-
zuführen. Dies lassen auch die Ergebnisse der Reindichte vermuten, die dem vermeidlichen Trend
nicht folgen. Also bestätigen auch diese Analysemethoden, dass bei 0,25%Rkeinerlei Hydratations-
produkte vorliegen und eine bis zum Messende vorhandene Verzögerung gegeben ist. Gleiches ist
für Suspensionen mit noch höheren Verzögerergehalten anzunehmen. Die Referenz zeigt sich spä-
testens ab dem 1. dim Zustand der Hydratation, was an den zunehmend ansteigenden BET-Werten
und der fallenden Reindichte erkennbar ist. Dies korreliert mit den vorherigen TG-Analysen.
Die gleichen qualitativen Veränderungen des BET-Wertes und/oder der Reindichte als Folge der Hy-
dratation stellte schon Ehrenberg [75] bei seinen Versuchen zur Lagerung von HS und auch Bellmann
8Ein möglicher Einfluss auf die Ergebnisse der Analysen ist die angewandte Aufmahlung der Proben. Somit kann eine
zeitlich lang durchgeführte Aufmahlung zu besonders feinen Partikelgrößen führen, in deren Folge höhere BET-Werte
und Reindichten resultierten, im Vergleich zu einer zeitlich kürzeren Aufmahlung. Die Ergebnisse nach 0 dzeigen indes,
dass die gewählte Aufmahlung in etwa der vorliegenden Feinheit des Rohstoffs entspricht, da sich die Ergebnisse zu
diesem Zeitpunkt alle sehr ähneln. Aus diesem Grund ist aus der Probenvorbereitung kein Einfluss auf die Analysen zu
erwarten, deren Ergebnisse in Abbildung 7.8 dargestellt sind.
7.1 Verzögerung 73
etal. [10] bei ihren Untersuchungen zum Hydratationsprozess des C3Sim Übergang der Induktions-
zur Akzelerationsperiode fest. Dabei identifizieren Bellmann etal. [10] den Anstieg der spezifischen
Oberfläche u. a. als eine mögliche Einflussgröße bei der Entwicklung der Akzelerationsperiode. Die
Auswirkung eines Verzögerers auf die Entwicklung der spezifischen Oberfläche zeigten hingegen
Atarashi etal. [3] in den Versuchen zum Zementrecycling unter Verwendung von Na-Gluconat. In
diesen Versuchen wurde die Bestimmung der spezifischen Oberfläche als Kontrolle des Zustandes
der Verzögerung verwendet. Weitreichender sind dagegen die Feststellungen aus diesen Analysen,
bei denen eine nicht verändernde spezifische Oberfläche zwar auch den Zustand der Verzögerung
charakterisiert, jedoch der Anstieg der Oberfläche und der damit einhergehende Hydratationspro-
zess ebenfalls auf die Verzögererwirkung bezogen wird. Die Eigenschaft des verwendeten Additi-
ves, die Bildung von Hydratationsprodukten voranzutreiben, wenn dessen verzögernde Wirkung
abgeschlossen ist, kann anhand des Ergebnisses der Referenz und 0,05%Rin Abbildung 7.8 nach-
vollzogen werden. Aus denen geht hervor, dass die Probe mit Verzögerer am 7. dder Hydratation
den gleichen BET-Wert aufweist, wie die Probe ohne Verzögerer. Gleiches tritt für die Reindichte
am 14. dnach vorherigem parallelem Ergebnisverlauf ein. Diese Ergebnisverläufe zeigen auf, dass
der Verzögerer nach dem Ende seiner Wirkung im Stande ist, die bis dahin unterbundenen Hydra-
tationsprodukte schnellstmöglich zu generieren, um dann mit größerem Fortschritt zum Hydratati-
onsgrad der Probe ohne Verzögerer aufzuschließen. Nach den bisherigen Ergebnissen ist demnach
eine negative Wirkung des Verzögerers auf den Hydratationsfortschritt nach dem Ende der Verzö-
gererwirkung auszuschließen. Somit gilt es, die neutralen bis positiven Erkenntnisse zu bilanzieren.
Hinsichtlich der sich darstellenden Steigung der Ergebnisverläufe von BET und Reindichte kann
vermutet werden, dass sich zu späteren Hydratationszeitpunkten noch deutlich größere Differenzen
zwischen den Ergebnissen von Referenz und 0,05%Reinstellen können, als es bereits nach 14 dder
Hydratation beim BET-Wert der Fall ist.9Somit kann durchaus ein positiver Einfluss des Verzögerers
angenommen werden, der sich auf die Steigerung des Hydratationsfortschritts und die Generierung
von mehr Produkten auswirkt, im Vergleich zu einer Probe ohne Verzögerer. Die in Verbindung
mit einem Verzögerer stehende Steigerung des Hydratationsgrades stellten auch Juenger u. Jennings
[111] unter der Verwendung von gewöhnlichem Haushaltszucker im PZ fest. Die erklärenden An-
sätze für diese Wirkung gehen auf den Zeitraum der Verzögerung zurück. In diesem Zustand ist die
Bindemittelmatrix frei von jeglichen Hydratationsprodukten, aber viele reaktionsfähige Ionen befin-
den sich in Lösung [111]. Zum Ende der Verzögerung kann unter diesen Umständen eine sofortige
Reaktion erfolgen, bei der die Hydratationsprodukte gebildet werden [111]. Es ist anzunehmen, dass
der Ursprung der unverzüglich und schnell ablaufenden Hydratation nach dem Verzögerungsende
im Lösungsprozess der Ionen verankert ist, der trotz vorliegender Verzögerung stattfindet. Hinweise
darauf geben besonders die hohen Ionenkonzentrationen des Calciums und Schwefels, wie in Abbil-
dung 7.2 dargestellt ist. Allerdings würden nach dieser Theorie längere Verzögerungsperioden und
höhere Verzögerergehalte nicht zwangsläufig auch zu einer Steigerung des Effektes beitragen, da
die Konzentration der genannten Ionen nahezu keine Veränderungen über die einzelnen Perioden
und Gehalte aufzeigen. Den umgekehrten Trend weist lediglich Aluminium auf. Mehr Klarheit kön-
nen in diesem Bezug erst die gezielten Anregungen der verzögerten Mischungen leisten, auf die in
Unterkapitel 7.4 eingegangen wird.
Als Erkenntnis der dargestellten Ergebnisse kann gewonnen werden, dass das eingesetzte Additiv
nicht nur eine verzögernde Wirkung besitzt und diese auch bilanziert vorliegt, sondern auch ein
möglicher positiver Einfluss auf die Hydratation. Dieser kann sowohl durch die Erfassung der spe-
zifischen Oberfläche aufgedeckt werden als auch über die schnelle und einfache Bestimmung der
Reindichte.
7.1.5 Festigkeit und Ultraschall
Die Bestimmung der Druckfestigkeit gibt aus mechanischer Sicht Aufschluss über den weitreichen-
den Einfluss des Verzögerers. So konnten Druckfestigkeiten der Verzögerergehalte von 0,25%Rund
1,00%Raufgrund der andauernden Unterdrückung der festigkeitsbildenden Phasen in dem Unter-
suchungszeitraum von 90 derst gar nicht erzielt werden. Daher sind in Abbildung 7.9 lediglich die
Druckfestigkeiten und Rohdichten der Verzögerung 0,05%Rund der Referenz dargestellt. Wie die
9Die Zeitpunkte der Untersuchung haben sich nach dem Zweck zur Darstellung des Umbruchs, vom verzögerten zum hy-
dratisierenden Zustand, gerichtet. Umso überraschender war es, dass der Verzögerer bereits nach maximal 14 dzum Hy-
dratationsgrad der Referenz aufgeschlossen hat. Umfassendere Ergebnisse sind im Unterkapitel 7.4 zusammengetragen,
in denen die Verzögerung bewusst mit Hilfe eines alkalischen Aktivators herbeigeführt wurde.
7.1 Verzögerung 74
Suspensionen, die zuvor analysiert wurden, besaßen auch hier die verwendeten Mischungen einen
einheitlichen w/b-Wert von 0,35.
F7d F28d F56d F90d
0
10
20
30
40
50
Ref
0,05%R
Druckfestigkeit [N/mm²]
1,94
1,96
1,98
2,00
2,02
2,04
2,06
Rohdichte [g/cm³]
Abbildung 7.9: Druckfestigkeit und Rohdichte des Feststoffs einer Verzögerung von 0,05%Rund der
Referenz (Ref) nach Perioden von 7 bis 90 d
Die Ergebnisse, die in Abbildung 7.9 dargestellt sind, zeigen den Anstieg der Druckfestigkeit über
die Hydratationszeit und eine ebenfalls leicht ansteigende Rohdichte vom 7. auf den 28. bzw. vom
56. auf den 90. d. Auch der Einfluss des Additives wird ersichtlich, mit einer gegenüber der Referenz
leicht geringeren Festigkeit zu Beginn der Untersuchungen und einer leicht erhöhten zum Ende.
Allerdings sind diese Unterschiede derart gering, dass sie auch in die Abweichungen der jeweils an-
deren Messergebnisse hineinragen und somit nur einen möglichen Trend geben können und keine
endgültig eindeutige Aussage zulassen. Doch korreliert dieser Trend mit den vorherigen Ergebnis-
darstellungen der Masseverluste der TG, der spezifischen Oberfläche nach BET und der Reindichte.
Indes zeigt der Verzögerer bei dieser Prüfung erst spät seine positive Auswirkung. Dieser kann bei
der Druckfestigkeit erst nach 56 dwahrgenommen werden und nicht wie bei den Ergebnissen der
anderen Analysen schon nach 14 d. Eine mögliche Begründung ist sicherlich in der Strukturausbil-
dung und der Art der Hydratphasen zu suchen. So lässt sich z. B. durch die Ergebnisse in Abbildung
7.4 kein Zugewinn an festigkeitsgebenden C-S-H-Phasen bilanzieren, insbesondere beim Vergleich
nach 14 dder Hydratation von Referenz und 0,05%R. Somit sollte also zwischen den für eine hö-
here Druckfestigkeit relevanten festigkeitsgebenden Phasen und den weiteren entstehenden Phasen
unterschieden werden. Auch wenn infolge des Verzögerers erhöhte Werte in dem Hydratphasenzu-
wachs und in der spezifischen Oberfläche festzustellen sind, so ist dies nicht zwangsläufig auf die
Druckfestigkeit übertragbar. Bei einem Vergleich der Strukturausbildung des Feststoffs mit Verzöge-
rer (vgl. Abbildung 7.5(g) und (h)) und der Struktur des Feststoffs ohne Verzögerer (vgl. Abbildung
2.4, Unterkapitel 2.2.2 ab Seite 12) fällt auf, dass das Gefüge der Probe ohne Verzögerer subjektiv
wesentlich kompakter vorliegt und sich somit auch zur Aufnahme höherer Kräfte eignet. Aus diesen
Darlegungen lässt sich der zeitliche Unterschied in der Verzögererwirkung zwischen den Ergebnis-
sen der Druckfestigkeit und denen vorheriger Analysen erklären. Dennoch sind die vorliegenden
Festigkeiten als moderat zu bezeichnen. Die Referenz erreicht bereits nach 7 dder Hydratation 51,3
% der Festigkeit vom 28. d.10 Die Probe mit 0,05%Rerreicht lediglich 43,0 % und liegt mit diesem
Wert aufgrund der verspätet einsetzenden Hydratation unterhalb der Referenz. Umgekehrt verhält
es sich für den Festigkeitszuwachs vom 28. dauf den 90. dder Hydratation. In diesem Fall schneidet
0,05%Rmit 68,5 % vor der Referenz mit 58,2 % ab, was ausschließlich auf die Verzögererwirkung
zurückzuführen ist.
10Ein relativer Festigkeitsvergleich der Probe aus HSM mit einem nach DIN EN 197-1 [62] zugelassenen Normalzement der
Festigkeitsklasse 32,5 N zeigt trotz ungleicher Zusammensetzung, w/b-Wert und Probenform das Potential zur Festig-
keitsentwicklung des HSMs an. Die nach 7 dder Hydratation erreichten 51,3 % der Druckfestigkeit nach 28 dübersteigt
die Mindestbedingung nach Norm von 49,2 %. Absolut betrachtet gibt die DIN EN 197-1 [62] eine Festigkeit von 16
N/mm2an, die von der Referenz mit 13,6 N/mm2nicht erreicht wird. Außerdem wurde für die Erreichung der Festigkeit
der HSM-Proben ein w/b-Wert von 0,35 verwendet und nicht wie nach Norm vorgesehen von 0,50.
7.1 Verzögerung 75
Im Laufe der Versuche wurde erkannt, dass die Festigkeiten stark abhängig von der verwendeten
Charge des HSMs sind. So konnten mit der II. Charge höhere Festigkeiten erzielt werden, als mit
dem HSM der III. Charge (vgl. Anhang Tabelle A.7, Seite III). Der Unterschied ist ausschließlich auf
das Bindemittel als Rohstoff zu beziehen, da sonst keine Änderungen an der Mischungszusammen-
setzung erfolgten. Die beiden Chargen unterscheiden sich sowohl in der Oxidzusammensetzung als
auch in den physikalischen Eigenschaftswerten (vgl. Anhang Tabelle A.1 bis A.3, Seite I). Der für die-
ses Resultat offensichtlich einflussnehmende Faktor ist der höhere Massenanteil an CaO des HSMs
der II. Charge, welche mit 2,6 M.-% höher ist als der der III. Charge. Dazu besitzt das HSM der
III. Charge noch leicht höhere Gehalte an SiO2,SO3,MgO und TiO2. Diese Oxide tragen jedoch al-
le nicht zur Erzielung einer höheren Festigkeit bei. Das HSM der III. Charge ist als Rohstoff zwar
deutlich feiner aufbereitet worden, kann aber den Nachteil der ungünstigeren Zusammensetzung
nicht durch seinen höheren Blaine-Wert wettmachen. Die Ergebnisse in Tabelle A.7 (Anhang Seite
III) zeigen, dass die Festigkeiten der II. Charge am 90. dder Hydratation erst nach der doppelten
Hydratationszeit durch die Proben der III. Charge annähernd erreicht werden konnten.
0h 24h 48h 72h 96h 144h
0
800
1600
2400
3200
4000
Ref 0,05%R
0,25%R
1,00%R
Ultraschallgeschwindigkeit [m/s]
0h 6h 12h
1000
1200
1400
1600
Abbildung 7.10: Ultraschallgeschwindigkeit der Suspensionen mit Verzögerungen zwischen 0,05%R
und 1,00%Rsowie der Referenz (Ref) über 168 h
Die Ultraschallanalyse stellt eine weitere Methode zur Charakterisierung des Hydratationsverlaufs
dar, ähnlich der des spezifischen Wärmeflusses via Kalorimetrie. Daher sollten sich die Resultate der
Verzögereranalyse und der folgenden Ergebnisse zumindest qualitativ ähneln. Abbildung 7.10 zeigt
die Ultraschallgeschwindigkeit der Referenz und der Suspensionen mit den Verzögerergehalten von
0,05%Rbis 1,00%R, über eine Messzeit von 7 dbzw. 168 h. Die innerhalb dieser Messzeit hydrati-
sierenden Proben der Referenz und 0,05%Rzeigen einen von Beginn bis zum Ende ansteigenden
Ultraschallverlauf, wodurch auch der Erhärtungsprozess dargestellt wird. Die im Zustand der Ver-
zögerung verweilenden Proben 0,25%Rund 1,00%Rzeigen nach einem anfänglichen Anstieg des
Verlaufs, der den anderen Proben gleicht und binnen weniger Stunden abgeschlossen ist, eine ein-
heitliche Konstanz ohne jedwede weitere Erhöhung. Dieses Resultat korreliert mit allen vorherigen
Messergebnissen. Qualitativ trifft dies zwar auch für die Ergebnisse der Referenz und 0,05%Rzu,
allerdings scheint der Beginn des Wärmeanstiegs via Kalorimetrie zeitlich nicht mit dem zweiten
Anstieg der Ultraschallgeschwindigkeit übereinzustimmen (vgl. Abbildung 6.2(a) auf Seite 58 mit
Abbildung 7.10). Jeweils zu Beginn der Steigung stellt sich die Erstarrung der Probe ein, woraus
für die Referenz ein zeitlicher Zuwachs von etwa 12 hund für 0,05%Retwa 24 habgelesen werden
kann, die die Proben bei der Ultraschallmessung später Erstarren als die bei der Kalorimetrie. Eine
Begründung könnten die unterschiedlich hohen Probemassen der Prüfmethoden sein, die bei der
Ultraschallmessung um mehr als den Faktor 100 über dem der Kalorimetrie liegen. Eine höhere Pro-
benmasse sorgt für eine homogenere und gleichmäßigere Mischung, woraufhin ein einheitlicheres
Prüfergebnis entsteht - damit können mögliche ungenaue Verarbeitungsschritte besser kompensiert
werden, wie bei der kalorimetrischen Probenmasse von nur 13,5 g. Ein weiterer Unterschied der
beiden Methoden lag in der Verwendung verschiedener HSM-Chargen. So wurde zur Kalorimetrie
7.1 Verzögerung 76
das feiner aufbereitete HSM der I. Charge verwendet und bei den Ultraschallmessungen das grö-
bere HSM der II. Charge (vgl. Anhang Tabelle A.2, Seite I). Eine höhere Mahlfeinheit, wie die des
HSMs der I. Charge, kann durchaus zu einer früher einsetzenden Hydratation beitragen. Vor allem
dann, wenn, wie hier, die Oxidzusammensetzung nahezu identisch ist. Ebenso ist die Messanalytik
von Ultraschall und Kalorimetrie zu unterscheiden. Das Kalorimeter erfasst bereits die geringsten
Temperaturschwankungen. Hingegen können via Ultraschall lediglich deutliche strukturelle Verän-
derungen im Gefüge registriert werden. Daraus lässt sich ebenfalls eine zeitlich spätere Erstarrung
via Ultraschall begründen.
Die anfänglich hohe Ultraschallgeschwindigkeit bei allen Proben scheint nicht nur in Zusammen-
hang mit dem Hydratationsfortschritt und dem Verzögerergehalt zu stehen, sondern auch mit dem
der Mischungszusammensetzung, siehe Abbildung 7.10. Unabhängig vom Verzögerereinsatz zeigen
die Ergebnisse einen Anstieg bis etwa 1550 m/s, bei dem sie unterschiedlich lang verharren, abhän-
gig vom Verzögerergehalt. Dieser Wert entspricht nahezu exakt der Schallgeschwindigkeit in Wasser
(cf. [132]). Damit bestätigen sich einmal mehr die vorliegenden Verzögerungen, aber auch die Rich-
tigkeit der Messmethode selbst, womit eine Vergleichbarkeit der Suspension zu Wasser hergestellt
wird. Die Unstetigkeiten im Vorfeld der gemessenen Konstanz von 1550 m/ssind möglicherweise
die Folge von Sedimentationen, die im Zuge eines zu hohen w/b-Werts auftraten. Es ließ sich bei
allen Suspensionen die Bereitschaft zur Entmischung und Abtrennung, der für das Bindemittel im
Überschuss vorhandenen Flüssigkeit, feststellen. Durch die vorhandene Sedimentation scheint eine
Variation der Ultraschallgeschwindigkeit nachvollziehbar, da diese mit Anstieg der Dichte zunimmt.
Mit überhöhten Wassergehalten steigt dagegen nicht nur die Sedimentationsneigung, sondern es
sinkt auch die zu erwartende Dichte des Feststoffs durch Bildung eines porenreicheren Gefüges (cf.
[136,172,285]). Dadurch können bei Minderungen des w/b-Werts Anstiege in der Ultraschallge-
schwindigkeit erwartet werden (cf. [98,212,213]). Mit dem von 0,05%Rgegenüber der Referenz
leicht überhöhtem Endwert lässt sich auch noch einmal die potentielle Steigerung der Hydratati-
on infolge des Verzögerereinsatzes erkennen. Im Zuge der Verzögerung zeigt insbesondere 0,05%R
ein übereinstimmendes Ergebnis zur Elementaranalyse, TG und REM, da dessen einsetzende Hy-
dratation tatsächlich zwischen dem 1. und 3. deintritt. So lässt sich die bisher nur vage getroffene
Verzögerungszeit von 1 dbei 0,05%Rmittels Ultraschallmessung auf etwa genau 2 dpräzisieren.
Eine Bestätigung erfährt dieses Ergebnis auch noch einmal durch eine während der Ultraschallmes-
sung parallel durchgeführte Temperaturbestimmung, die ab dem 2. dvon konstanten 20 auf etwa 21
Cüber eine Zeit von 18 hansteigt.
Zwar war der überhöhte w/b-Wert besonders für die Elementaranalysen praktikabel, doch haben
erst die Ultraschallmessungen aufgezeigt, dass eine Optimierung des Wassergehaltes zur Stabilisie-
rung der Suspension notwendig ist. Das Ziel besteht darin eine verarbeitbare Konsistenz im plastisch
bis weichen Zustand beizubehalten, allerdings ohne Neigungen zur Sedimentation.
7.1.6 Zusammenfassung - Verzögerung
Die Untersuchungen des verzögerten Zustandes haben ergeben, dass mit der Variation des Verzö-
gerergehaltes die Länge der Unterbindung der Hydratation reguliert werden kann. Mit dem Lö-
sungsgehalt von 1,00%Rkonnte ein wirkungsvoller und sehr lang anhaltender Verzögerer für das
HSM gefunden werden, der jegliche Hydratationsprodukte, wie schwefelhaltige Phasen oder C-S-H-
Phasen, in der Entstehung unterbindet. Selbst nach einer Lagerungsdauer von einem Jahr konnten
derartige Phasen nicht nachgewiesen werden. Das lässt darauf schließen, dass noch längere Verzö-
gerungsperioden möglich sind. Geringere Verzögerergehalte wie 0,05%Roder 0,25%Rzeigen längst
nicht derartig lange Verzögerungszeiten, wodurch sie lediglich als alternative Varianten für kürzere
Perioden fungieren.
Die Elementaranalysen haben gezeigt, dass der Verzögerer, charakterisiert durch den Kohlenstoffge-
halt, nach Einbringung in das Bindemittel drastisch in der Porenlösung reduziert wird, unabhängig
von dessen Wirkstoffgehalt. Dabei stellt sich bei 1,00%Rnach 1 deine gleichmäßige Verzögererkon-
zentration ein, die auch bis zum 56. derhalten bleibt. Dies darf als Verzögerung gewertet werden, da
auch die Analyse der Anorganik keine Veränderungen der Ionenkonzentrationen anzeigt, die eine
Bildung von Hydratationsprodukten untermauert. Der Unterschied zwischen dem verzögerten und
nicht verzögerten Zustand wird durch den Gehalt von 0,05%Rdeutlich. Bei diesem ist ein kontinu-
ierlicher Rückgang der Verzögererkonzentration in der Porenlösung gegeben. Außerdem zeigen die
gelösten Konzentrationen des Calciums und Schwefels deutliche Rückgänge nach dem 1. dsowie
7.2 Optimierung vom Frischleim 77
die gleichzeitigen Auslösungen von Alkalien. Insbesondere die Ionenkonzentration des Calciums
stellt den Maßstab für die Erkennung einer Verzögerung dar. So symbolisiert die gleichmäßig hohe
Konzentration die Verzögerung und ein Abfall die Bindung von unlöslichen Produkten.
Die thermischen Analysen haben die Verzögerung der Suspension mit 1,00%Rbestätigt und erken-
nen lassen, dass eine Verzögerung anhand einer Massenzunahme zu charakterisieren ist. Diese Zu-
nahme, die in einem Temperaturbereich von 660 bis 1000 Cdurch die Oxidation von Sulfid zu
Sulfat entsteht, liegt auch bei 0,25%Rbis zum 14. dund bei 0,05%Rbis zum 1. dvor. Lässt die Ver-
zögererwirkung nach, bilden sich unabhängig von der Höhe des Verzögerergehaltes die gleichen
Hydratationsprodukte wie bei einer vergleichenden Suspension ohne Additiv, die maßgeblich auf
C-S-H- und hydrotalcit-ähnliche Phasen beschränkt sind. Die REM-Analysen bestätigen den Pha-
senübergang vom verzögerten zum hydratisierenden Zustand. Dabei bilden sich die zur Erstarrung
führenden und dann im Folgenden auch zur Erhärtung beitragenden Phasen bei 0,05%Rzum frü-
hen Zeitpunkt nach dem 1. daus. Diese in den Raum hineinwachsenden Strukturen liegen jedoch bei
der Suspension mit 0,25%Rzu keinem Zeitpunkt der Betrachtung vor. Als wesentliche Hydratati-
onsprodukte können bei 0,05%Rnach 3 dgitterartige und stängelige Strukturen erkannt werden, die
nach deren Häufigkeit, Funktion und Habitus den C-S-H-Phasen und Ettringit zugeordnet werden
können. Diese Phasen überbrücken das Gefüge und heben somit die Verzögerung des Bindemittels
nach anfänglich vorliegender Verkittung einzelner HS-Körner auf.
Neben der verzögernden Wirkung des Additives ließ sich eine mögliche Steigerung des Hydratati-
onsgrades feststellen, die ebenfalls in Verbindung mit dem Additiv steht. Dies zeigen unter ande-
rem die gegenüber der Referenz ohne Verzögerer vorliegenden erhöhten Werte des Masseverlustes
nach TG, die spezifische Oberfläche nach BET, die Druckfestigkeit sowie die Ultraschallgeschwin-
digkeit. Daraus kann vermutet werden, dass diese Wirkung in Abhängigkeit vom Verzögerergehalt
steht und sich mit zunehmendem Hydratationsalter steigernd ausprägt. Dennoch ließ sich die ver-
zögernde Wirkung in der Form einer sich unveränderten Konstanz des Messwertes über die Zeit der
Betrachtung durch die Messungen der spezifischen Oberfläche, Reindichte und auch mittels Ultra-
schall nachweisen. Besonders die wenig aufwendige Bestimmung der Reindichte ist eine mögliche
Methode, um den Hydratationsfortschritt bzgl. der Phasenbildung bzw. der Verzögererwirkung fest-
zustellen.
Mit dem gefundenen Verzögerergehalt von 1,00%R, der auf das HSM die stärkste Wirkung ausübt,
werden in weiteren Analysen verschiedene alkalische Anreger getestet, hinsichtlich ihrer Fähigkei-
ten die verzögerte Suspension zu reaktivieren. Dabei gilt der verminderte Gehalt von 0,25%Rals
Alternative und kann ebenfalls zur Erlangung einer Langzeitverzögerung von mindestens 56 dver-
wendet werden. Verminderte Verzögerergehalte sollten besonders in Erwägung gezogen werden,
wenn ein alkalischer Anreger nicht in der Lage zu sein scheint, die Reaktivierung hervorzurufen.
7.2 Optimierung vom Frischleim
Der Einsatz einer Verzögererlösung von 1,00%Rin der HSM-Suspension unterdrückt die Ausbil-
dung von jeglichen Hydratationsprodukten für mindestens ein Jahr. Aus diesem Grund rückt umso
mehr die Konsistenz und deren Stabilität in den Vordergrund der Betrachtung, damit über den Pro-
zess der Mischung eine homogene Zusammensetzung erhalten bleibt. Zur Generierung einer dauer-
haft lagerstabilen Suspension auf der Basis der bekannten Verzögerung müssen Absonderungen und
Entmischungen beseitigt werden, wie sie bei einem w/b-Wert von 0,35 noch gegeben sind (vgl. Un-
terkapitel 7.1). Dabei gewährleistet eine homogene Mischung die Gleichverteilung des Verzögerers in
der Suspension und unterbindet somit mögliche Hydratationsprozesse in einzelnen Teilbereichen, in
denen kein Verzögerer zugegen ist. Zudem kann eine homogene Mischung dafür Sorge tragen, dass
am Ende einer Lagerung eine einsatzfähige Mischung bereitsteht, die keine nochmalige Homoge-
nisierung der entmischten Ausgangskomponenten benötigt. Im Hinblick auf die alkalische Aktivie-
rung ist es ohnehin notwendig den w/b-Wert zu verringern, da die Suspension durch die Reaktivie-
rung mit der Anregerlösung einen zusätzlichen Wassereintrag erfährt, wodurch der w/b-Wert ange-
hoben wird. In baupraktischer Hinsicht lässt sich das System also aus einer lagerstabilen verzögerten
Bindemittelkomponente und einer in Lösung befindlichen Anregerkomponente zusammensetzen.
Eine beispielhafte Nutzung eines solchen Systems könnte das Auspressen der einzelnen Komponen-
ten aus Kartuschen sein, deren Zusammenführung mittels Statikmischer erfolgt. Dadurch würde ein
Zwei-Komponenten-Mischsystem entstehen, welches von organischen Klebstoffen bekannt ist. Auf
der Basis eines solchen praktischen Bezugs muss die Bindemittelkomponente allein aus dem Grund
7.2 Optimierung vom Frischleim 78
der Anwendbarkeit in einer für die Verarbeitung notwendigen plastisch-weichen Konsistenz sowie
thixotropen Verhaltens11 vorliegen. Im Zuge der Optimierung des Frischleims wird als Nebeneffekt
eine Festigkeitssteigerung erwartet, infolge der Reduzierung des Wassergehaltes durch die Senkung
des w/b-Werts.
Die Optimierung des Frischleims erfolgte in drei einzelnen Teilen, wie der Abbildung 3.1 auf Sei-
te 35 zu entnehmen ist. Zu Beginn wurde die Konsistenz durch die Reduzierungen des w/b-Werts
eingestellt. Darauf folgten haptisch-visuelle Versuche zur Langzeitwirkung der eingebrachten MC
bzgl. ungewollter Flüssigkeitsabsonderungen und einer abschließenden Wärmeflusskalorimetrie zur
Kontrolle der Verzögererwirkung.
7.2.1 Konsistenz
Die Einstellung der Konsistenz erfolgte in drei einzelnen Schritten. Der Erste sah vor, die Konsistenz
durch die Senkung des w/b-Werts zu stabilisieren, um damit überschüssiges Wasser zu reduzieren.
Aufbauend auf dieser Reduzierung erfolgte im zweiten Schritt der Austausch des reinen Wassers ge-
gen die Verzögererlösung mit 1,00%Rund damit die erneute Betrachtung der Konsistenz unter der
Verwendung des Additives. Im dritten und letzten Schritt wurde MC als Zusatzmittel hinzugefügt.
Diese Maßnahme dient der Retention von weiterhin überschüssigem Wasser, um Absonderungen
nicht aufkommen zu lassen und die gewünschte Konsistenz nachhaltig einzustellen. Als Ziel wurde
eine steif-plastische Konsistenz vor Schlägen fixiert und eine plastisch-weiche nach Schlägen. Dies
entspricht einem thixotropen Verhalten, welches durch ein Ausbreitmaß von etwa 10 bis 13 cm vor
Schlägen und etwa 18 bis 20 cm nach Schlägen erlangt werden kann. Grundsätzlich neigt die Suspen-
sion zum Sedimentieren, da der bisher gewählte w/b-Wert von 0,35 deutlich oberhalb des mittleren
Wasseranspruchs des HSMs von 20,2 M.-% liegt.12 Außerdem sollte durch die Optimierung ein Zu-
stand erlangt werden, in dem jegliches zur Verfügung stehende Wasser physikalisch gebunden13 in
der Matrix vorliegt. Derartige Mischungen zeigen sich in ihrem Erscheinungsbild des Ausbreitmaßes
blass bis matt und weisen demnach keine glänzende Oberfläche auf, die das Resultat von aufstehen-
der Feuchte repräsentieren würde.
Die Abbildung 7.11 zeigt die Veränderung des Ausbreitmaßes in Abhängigkeit vom w/b-Wert. Der
eindeutige Trend dieser Ergebnisse ist, dass sich mit sinkendem w/b-Wert ein geringeres Ausbreit-
maß vor Schlägen als auch danach einstellt - obgleich das Ausbreitmaß nach Schlägen deutlich stär-
ker absinkt als das vor Schlägen. Dabei besaß jede getestete Mischung ein thixotropes Verhalten,
was sich in der Differenz zwischen dem Ausbreitmaß vor Schlägen und dem danach wiederspiegelt.
Diese Differenz verringert sich ebenfalls mit der Reduktion des w/b-Werts. Ab einem Wert von 0,29
wies die Mischung vor Schlägen ein heterogenes Erscheinungsbild auf, was sich unter anderem an
einer steif vorliegenden Konsistenz und einem nur erschwerten Einbringen in den Ausbreitmaßko-
nus feststellen ließ. Hingegen lag die Mischung mit einem w/b-Wert von 0,30 noch homogen vor und
wies ebenfalls eine hohe Grünstandfestigkeit auf (vgl. Abbildung 7.12(a)). Die in Abbildung 7.12 zu
sehenden Wasserabsonderungen zeigten sich bereits kurz nach dem Entfernen vom Ausbreitmaßko-
nus (vgl. Abbildung 7.12(a) und (d)). Sie sorgten auch für Änderungen im Ausbreitmaß nach einer
Standzeit von fünf Minuten und beliefen sich im Mittel auf maximal 0,1 cm, im Vergleich zum Aus-
breitmaß direkt nach den Schlägen. Jedoch konnte subjektiv ein Rückgang in der Wasserabsonderung
festgestellt werden, was sich im Randbereich des Ausbreitmaßes sowie in der Glanzwirkung der Mi-
schung wiederspiegelt und eine Folge der Reduktion des w/b-Werts ist (vgl. Abbildung 7.12(a) bis (c)
mit (d) bis (e)). Der vermindert vorliegende Wassergehalt sorgt für weniger ungebundenes Wasser
in der Matrix, ohne die völlige Benetzung der Bindemittelkörner einzuschränken. Dies führt dazu,
dass sich die Partikel weniger in der Schwebe befinden. Weswegen eine Minderung von mehr als
3cm im Ausbreitmaß nach Schlägen eintritt, beim Vergleich des w/b-Werts von 0,35 zu 0,30. Aus
diesen Ergebnissen und in Anbetracht des heterogenen Erscheinungsbildes bei einem w/b-Wert von
<0,30 erscheint ein Wert von 0,30 als das Maximum der Reduzierung.
11Ein thixotropes Verhalten gewährleistet den verflüssigenden Effekt unter Krafteinwirkung. So ließe sich anhand des voran-
gegangenen beschriebenen Beispiels eine Verflüssigung der Suspension durch die Einwirkung des Auspressens erzielen.
12Der erhöhte w/b-Wert wurde zur vereinfachten Durchführung der Elementaranalysen eingesetzt, damit ausreichend Po-
renlösung generiert werden konnte.
13Wird das zur Verfügung stehende Wasser physikalisch gebunden, sind alle Hohlräume aufgefüllt und die Bereitschaft zur
Sedimentation ist deutlich verringert.
7.2 Optimierung vom Frischleim 79
0,35 0,34 0,33 0,32 0,31 0,30 0,29 0,28 0,27
0
5
10
15
20
25
30
Ausbreitmaß [cm]
w/b-Wert
vor Schlägen nach Schlägen
Abbildung 7.11: Optimierung des w/b-Werts mit Hilfe des Ausbreitmaßes
Abbildung 7.12: Ausbreitmaß der HSM-Suspensionen bei einem w/b-Wert von 0,35 in (a) vor Schlä-
gen, (b) nach Schlägen, (c) fünf Minuten nach Schlägen sowie bei einem w/b-Wert
von 0,30 in (d) vor Schlägen, (e) nach Schlägen, (f) fünf Minuten nach Schlägen
Wird nun das reine Wasser durch die Verzögererlösung mit 1,00%Rausgetauscht, zeigen sich die
Suspensionen in ihrer Konsistenz wesentlich fließfähiger, wodurch sie eine geringere Grünstand-
festigkeit besitzen und folglich eine geringere Fließgrenze (vgl. Abbildung 7.11 und 7.13). Dadurch
resultiert ein um etwa 3 cm erhöhtes Ausbreitmaß nach Schlägen bei einem w/b-Wert von 0,30, wel-
ches allein auf die Wirkung des Verzögerers zurückzuführen ist (cf. [105,126,150,154,235,251,252]).
Der Verzögerer fungiert in der Wirkungsweise eines Fließmittels. Er adsorbiert am Bindemittelkorn
und kehrt die vorliegende positive Ladung in negative um, sodass sich in der Folge die Bindemittel-
körner gegenseitig abstoßen und eine Agglomeration von Partikeln unterbunden wird [14,190,235].
Diese elektrostatische Abstoßung bewirkt ebenfalls, dass zuvor noch am Bindemittelkorn angelager-
tes Wasser nun frei in der Matrix vorliegt, sodass eine zusätzliche Verflüssigung entsteht. Vermutlich
ist diese Wirkung das Resultat der Carboxygruppen des eingesetzten Verzögerers (cf. [154,190]). Im
Zuge der starken verflüssigenden Wirkung zeigt sich das Ausbreitmaß vor Schlägen bereits in einer
plastischen Konsistenz, zumindest bis zu einem w/b-Wert von 0,32. Darunter leidet folglich auch
das thixotrope Verhalten, welches bei den Werten zwischen 0,35 bis 0,33 eher vermindert vorliegt,
im Vergleich zu den Ergebnissen der Werte zwischen 0,32 bis 0,30 (vgl. Abbildung 7.13). Ab einem
w/b-Wert von 0,29 zeigt sich wieder ein heterogenes Erscheinungsbild, trotz vorhandenem Verzöge-
rer. Indes konnten deutliche Absonderungen erst nach einer Standzeit des Ausbreitmaßes von fünf
Minuten erkannt werden.
7.2 Optimierung vom Frischleim 80
0,35 0,34 0,33 0,32 0,31 0,30 0,29 0,28 0,27
0
5
10
15
20
25
30
Ausbreitmaß [cm]
w/b-Wert
vor Schlägen nach Schlägen
Abbildung 7.13: Optimierung des w/b-Werts bei einer Verzögerung von 1,00%Rmit Hilfe des Aus-
breitmaßes
Abbildung 7.14: Ausbreitmaß der HSM-Suspensionen bei einem w/b-Wert von 0,30 mit 1,00%R
in (a) vor Schlägen, (b) nach Schlägen, (c) fünf Minuten nach Schlägen sowie mit
0,25%Rin (d) vor Schlägen, (e) nach Schlägen, (f) fünf Minuten nach Schlägen
Für den letzten Optimierungsschritt war der w/b-Wert von 0,30 weiterhin die Grundlage, da dieser
das optimalste Erscheinungsbild, thixotrope Verhalten und die optimalste Konsistenz generiert. Um
den Einfluss des Additives auf das Ausbreitmaß weitreichender zu untersuchen, wurde der Verzöge-
rer in der Suspension mit den Schrittgrößen von 0,05%Rreduziert, beginnend bei einem maximalen
Gehalt von 1,00%Rbis zu einem minimalen von 0,25%R. Dabei kam es zu keinen Veränderungen im
Ausbreitmaß und somit auch zu keinen in der Konsistenz (vgl. Abbildung 7.14(a) bis (c) mit (d) bis
(f) und Anhang Abbildung A.3, Seite III). Das konstant gleiche Ausbreitmaß resultiert aus der Wir-
kungsweise des Verzögerers in der Suspension. Aus den Ergebnissen der NPOC-Analyse ist bekannt,
dass innerhalb eines Tages eine deutliche Reduktion des Verzögerers in der Porenlösung stattfindet,
die für die Adsorption des Verzögerers am Bindemittel steht (vgl. Abbildung 7.1). Indes adsorbiert
nicht der gesamte vorliegende Verzögerer am Bindemittel, sodass weiterhin ein Teil in der Porenlö-
sung bzw. Matrix vorliegt, weswegen es zu einer Übersättigung des Verzögerers kommt. Dies trifft
für den Gehalt von 1,00%Rund gleichermaßen für 0,25%Rzu (vgl. Abbildung 7.1). Somit zeigt sich
infolge der Ausbreitmaße, dass innerhalb der Verarbeitungszeit die gleiche Adsorption und dem-
nach auch die identische Wirkung des Verzögerers erreicht wird, sowohl durch den maximalen als
auch minimalen Gehalt, und ein Überschuss an Verzögerer keinen Einfluss auf die Konsistenz aus-
übt (vgl. Abbildung 7.14). Folglich kann herausgestellt werden, dass die verflüssigende Wirkung,
verursacht durch elektrostatische Abstoßung, die größtmögliche Wirkung erreicht, wenn der ma-
ximale Gehalt des Verzögerers am Bindemittel adsorbiert ist. Dies ist unabhängig davon, ob noch
7.2 Optimierung vom Frischleim 81
gelöster Verzögerer vorhanden ist. Nach den Ergebnissen der NPOC-Analyse, scheint dies bei der
Betrachtung der Verweilzeit des Verzögerers in der Suspension spätestens nach einem Tag der Fall
zu sein. Daher ist möglicherweise mit einer zusätzlichen Verflüssigung zu rechnen, wenn spätere
Verzögerungszeitpunkte untersucht werden.
Es lässt sich also aus den Ergebnissen unter Verwendung des Verzögerers zusammenfassen, dass die
verflüssigende Wirkung auf den Verzögerer zurückzuführen ist und die Adsorption des Additives
in einer zeitlichen Abhängigkeit steht. Unabhängig davon ist, wie viel überschüssig vorhandener
Verzögerer in der Lösung vorliegt. Die gleichbleibenden Ausbreitmaße bei unterschiedlichen Verzö-
gerergehalten symbolisieren auch die hohe Konstanz der Mischung und die Einheitlichkeit in der
Versuchsdurchführung (Anhang Abbildung A.3, Seite III). So liegt die Standardabweichung der 16
durchgeführten Mischungen bei maximal 0,2 cm, vor und auch nach Schlägen.
0,05%MC
0,10%MC
0,15%MC
0,20%MC
0,05%MC1
0,10%MC1
0,15%MC1
0,20%MC1
0,05%MC2
0,10%MC2
0,15%MC2
0,20%MC2
0
5
10
15
20
25
30
vor Schlägen nach Schlägen
Ausbreitmaß [cm]
-0,5
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
Absonderung [%]
Abbildung 7.15: Optimierung der Suspension durch das Ausbreitmaß und die relative Flüssigkeits-
absonderung unter Zugabe von MC in verschiedenen Gehalten und maximal er-
reichbaren Viskositäten bei gleichem w/b-Wert von 0,30 und einer Verzögerung von
1,00%R
In Abbildung 7.15 sind die Ergebnisse des Ausbreitmaßes und der Absonderung der Flüssigkeit
nach Zentrifugation14 dargestellt. Dabei war die Grundlage für alle Mischungen ein einheitlicher
w/b-Wert von 0,30 und Verzögerergehalt von 1,00%R. Die Veränderungen dieser Mischungen re-
sultieren aus der Art und dem Gehalt der MC. Die Arten der MC unterscheiden sich in der Höhe
der zu erreichenden maximalen Viskosität und wurden pro Art bzgl. der verzögerten Gesamtmas-
se in den Gehalten von 0,05 bis 0,20 M.-% variiert. Den Ergebnissen ist der einheitlich Trend zu
entnehmen, dass mit höher werdendem MC-Gehalt geringere Ausbreitmaße und Absonderungen
resultieren. Der Grund dafür ist die Eigenschaft der MC, die beim Einsatz in einer Flüssigkeit Was-
ser absorbiert und dadurch Wasserstoffbrückenbindungen generiert [14,176,301]. Somit lässt sich
bei entsprechend hohem Gehalt keine Absonderung mehr feststellen - weder im Ausbreitmaß noch
nach einer Zentrifugation von 500 gBindemittel bei 2000 U/min über zwei Minuten.15 Jedoch bin-
den die Gehalte oberhalb von 0,10 M.-%MC derart viel Wasser, dass nicht nur die Konsistenz stei-
fer wird, sondern auch die Thixotropie der Mischung absinkt. Dadurch kommt es bei zunehmen-
dem MC-Gehalt infolge der einwirkenden Energie der Schläge zu keiner weiteren Steigerung des
Ausbreitmaßes, woraufhin die Fließfähigkeit der Mischung stark eingeschränkt wird. Vor diesem
Hintergrund ergibt sich mit 0,10%MC1 das für die HSM-Mischung am optimalsten zu erreichen-
de Ergebnis. Dafür spricht auch die verminderte relative Absonderung von 1,2 M.-%, die bei einer
Mischung ohne MC etwa den dreifachen Wert mit Bezug zur Gesamteinwaage von 500 gaufweist.
Infolge der einzelnen Optimierungsschritte haben sich Änderungen in der Zusammensetzung erge-
ben, die dazu führen, dass die HSM-Suspension nun in einer homogenen und stabilen Form vorliegt.
Dadurch scheint sie in der Lage zu sein, möglichst lange Verzögerungsperioden zu überdauern, oh-
ne jegliche Anzeichen von Absonderungen aufzuweisen (vgl. Abbildung 4.3, Seite 46). Die Tabelle
14Die Absonderung ist eine relative Angabe, die sich auf die innerhalb der Versuche verwendete Gesamteinwaage von 500 g
bezieht. Bei den Betrachtungen wird eine homogene Mischung vorausgesetzt.
15Die Versuche zur Stabilität einer Mischung mittels Zentrifugation ließen sich lediglich bei den mit MC versetzten Sus-
pensionen durchführen. Mischungen ohne MC zeigten starke zeitabhängige Absonderungen, wodurch die Ergebnisse
unbrauchbar wurden und eine mögliche Reproduzierbarkeit nicht gegeben war. Als Resultat stellten sich mit längerer
Standzeit höhere Absonderungen ein. Hingegen zeigten die mit MC versetzten Suspensionen zumindest über den be-
nötigten Zeitraum der Verarbeitung keine zeitabhängigen Eigenschaften in der Wasserrückhaltung. Daher ließ sich die
Absonderung in Abhängigkeit von der aufgebrachten Energie feststellen.
7.2 Optimierung vom Frischleim 82
7.4 trägt die wesentlichen Veränderungen der einzelnen Schritte noch einmal zusammen. Mit ei-
nem Ausbreitmaß von 10,6 cm vor Schlägen und 17,0 cm nach Schlägen stellt sich die Mischung
in anfänglich steifer und dann plastisch-weicher Konsistenz dar. Trotzdem liegt das erreichte Aus-
breitmaß nach Schlägen 1 cm unterhalb der Zielgröße von mindestens 18 cm, allerdings zu Gunsten
der verminderten Absonderung und der Stabilität. Als Folge der Minderung des w/b-Werts hat sich
auch eine Reduzierung des Verzögerergehaltes von 16,7 M.-% mit einem Bezug des Verzögerers zum
HSM eingestellt. Lag bei der abschließenden Mischung der Untersuchungen der Verzögerung (HSM
1,00%R0,35) noch ein Verzögerergehalt von 0,35 M.-% mit Bezug zum HSM vor, besitzt die jetzt
optimierte Mischung (HSM 1,00%R0,10%MC1 0,30) einen Gehalt von 0,30.
Tabelle 7.4: Schritte der Optimierung des Frischleims und die anhand der Ergebnisse getroffene Aus-
wahl mit den zugehörigen Resultaten im Vergleich zur Ausgangsmischung (Ref - HSM
0,35)
Optimierung Ref w/b-Wert w/b-Wert bei 1,00%R MC-Zugabe
Auswahl / 0,30 0,30 0,10%MC1
Ausbreitmaß vor Schlägen [cm] 12,2 10,5 11,2 10,6
Ausbreitmaß nach Schlägen [cm] 21,4 17,8 20,7 17,0
Absonderung ja ja ja nein
7.2.2 Haptisch-visuelle Studie
Um die Absonderung und die Wirkung des Verzögerers auch über einen längeren Zeitraum verifizie-
ren zu können, wurden Versuche über einen Zeitraum von mindestens 100 ddurchgeführt. Die un-
tersuchten Suspensionen besaßen einen einheitlichen w/b-Wert von 0,30 und einen Verzögerergehalt
von 1,00%R. In Abbildung 7.16(a) sind sowohl die Ergebnisse der visuell erfassbaren Absonderung
dargestellt als auch die haptisch wahrnehmbare Verfestigung der Mischungen, jeweils in drei aufein-
ander aufsteigenden subjektiv eingeteilten Klassen. Dazu wurde 100 ghergestellte Probenmasse in
dauerhaft verschlossenen Kunststoffbeuteln aufbewahrt, gleich zu den Vorversuchen der Verzöge-
reranalyse (vgl. Kapitel 6 ab Seite 57). Die Mischungen zeichneten sich durch variierende Arten und
Gehalte der MC aus. In Abbildung 7.16(b) ist hingegen die quantitative Absonderung dargestellt.
Für diese Versuche wurde die Probenmasse jeweils in luftdicht verschlossenen Schraubdeckelge-
fäßen verwahrt, bei denen die abgesonderte Flüssigkeit im Volumen fortlaufend festgehalten wurde.
Der Vergleich sah vor, die Absonderung bei minimalstem Gehalt in Abhängigkeit der verschiede-
nen MC-Arten zu erfassen. Daher kam ein konstanter MC-Gehalt von 0,05 M.-% zum Einsatz. Da
eine sichere Abhängigkeit zwischen dem eingesetzten Gehalt und der Retentionswirkung gegeben
ist, kann bei höheren eingesetzten Gehalten immer von einer intensiveren Wirkung ausgegangen
werden (vgl. Abbildung 7.15).
Die Ergebnisse in Abbildung 7.16(a) zeigen, dass zu keinem Zeitpunkt eine Verfärbung bei den ver-
schiedenen Suspensionen festgestellt werden konnte, die nach den Analysen zur Verzögerung eine
stattfindende Hydratation repräsentiert. Damit kann durch diese Resultate die Verzögererwirkung
erneut bekräftigt werden, sodass die Wirkung des Additives bis mindestens zum 100. dnach Zufüh-
rung gesichert vorliegt, trotz der Reduzierung des Verzögerergehaltes bzgl. des Bindemittels und der
Zuführung der MC. Die übrigen Ergebnisse weisen alle eine Abhängigkeit von der Art und des Ge-
haltes der MC auf, mit Ausnahme weniger Ausreißer. So stellt sich mit zunehmendem Gehalt der MC
eine geringere wahrnehmbare Absonderung ein, die zudem erst zeitlich verzögert in Erscheinung
tritt. Als Folge der Absonderung oder der steifen Konsistenz durch den hohen MC-Gehalt konnte ei-
ne haptisch wahrnehmbare Verfestigung erfasst werden, die sich in aller Regel zuerst teilweise und
dann mit fortschreitender Lagerungsdauer über die halbe Höhe der Probe ausprägte. Lediglich bei
den Suspensionen mit einem MC-Gehalt von 0,40 M.-% war keine Absonderung zu erfassen. Diese
Zusammensetzung dient indes als Extrembeispiel für den maximal verwendbaren MC-Gehalt in der
HSM-Suspension, wegen der dabei äußerst steif vorliegenden Konsistenz. Durch die Betrachtung
der Veränderungen über die Versuchsdauer lässt sich feststellen, dass eine zeitliche Abhängigkeit
bei den Absonderungen gegeben ist. Allerdings tritt diese um mehrere Tage zeitlich versetzt zum
Mischvorgang auf, insbesondere ab einem Gehalt von 0,10 M.-%.
7.2 Optimierung vom Frischleim 83
0d 10d 20d 30d 40d 50d 60d 70d 80d 90d 100d110d120d130d140d
0
2
4
6
8
10
12
14
(b)
Ref MC MC1 MC2
Absonderung [ml]
Ref
0,05%MC
0,10%MC
0,20%MC
0,40%MC
0,05%MC1
0,10%MC1
0,20%MC1
0,40%MC1
0,05%MC2
0,10%MC2
0,20%MC2
0,40%MC2
0d
20d
40d
60d
80d
100d
120d
140d Absonderung: leicht normal stark
Verfestigung: teil halb verfärbt
(a)
Abbildung 7.16: Haptisch-visuelle Studie zum Verhalten der MC bei gleichem w/b-Wert von 0,30
und einer Verzögerung von 1,00%Rin (a) qualitativer Aussage über Absonderung
und Verfestigung und in (b) quantitativer Aussage beim MC-Gehalt von 0,05 M.-%
Die Ergebnisse, die in der Abbildung 7.16(b) aufgezeigt sind, stellen eine abfallende Flüssigkeits-
absonderung mit ansteigender erreichbarer Viskosität der MC bis etwa zum 45. dder Lagerung
dar. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Absonderungen angeglichen. Dies repräsentiert die zeit-
liche Abhängigkeit der Absonderung, wodurch die Eigenschaft der MC ersichtlich wird, nämlich die
Retention einer vorhandenen Flüssigkeit für einen scheinbar begrenzt vorliegenden Zeitraum. Da-
bei bewirkt die Höhe der maximal erreichbaren Viskosität einer MC, die bei MC2 am höchsten ist,
besonders die Retention nach dem Beginn des Mischvorgangs von trockenen und flüssigen Kom-
ponenten. Bei der Betrachtung der relativen Absonderung wird der Unterschied deutlich, der sich
zwischen dem Einsatz einer MC und dem nicht vorhandenen Einsatz in einer Suspension ergibt. Für
die Referenz zeigt sich demnach eine maximale Absonderung von 37 M.-%, demgegenüber bilan-
zieren die Mischungen mit MC eine maximale Absonderung von nur 23 M.-%, mit dem Bezug zur
Gesamtmasse der eingebrachten Flüssigkeit von 30 gauf 100 gProbenmasse. Nicht zuletzt aus die-
sem Grund wird MC sowohl in Baustoffen als auch im Bereich der Lebensmittel zur Absorption von
Flüssigkeiten eingesetzt, um dadurch einer Sedimentation vorzubeugen, die Konsistenz zu stabili-
sieren und eine gewünschte Gelierung mit einer möglichst nachhaltigen Wirkung herbeizuführen
(cf. [176,252,270,301]).
7.2.3 Wärmefluss
Zum Abschluss der Optimierung und den Veränderungen in der Zusammensetzung der HSM-Sus-
pension wurde noch einmal deren Hydratationsverlauf über eine Zeit von 35 dkontrolliert. Das
Ziel war die Feststellung möglicher eintretender Veränderungen in der bisher bekannten Verzöge-
rerwirkung, infolge der Optimierung. Dazu wurden die verzögerten Suspensionen mit den Gehal-
ten von 0,05%Rbis 1,00%Ranalysiert, um den Beginn und die Intensität der möglichen Akzele-
7.2 Optimierung vom Frischleim 84
rationsperiode zu erfassen. Ein Verweilen in der dormanten Periode symbolisiert die vorhandene
Unterdrückung der Bildung von Hydratationsprodukten und eine vorliegende Verzögerung.
1h 10h 100h
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
Ref 0,05%R 0,25%R 1,00%R
Spezifischer
Wärmefluss [mW/g]
Abbildung 7.17: Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse, erfasst mit dem Gerät I
Cal 2000 HPC der Firma Calmetrix Incorporated, von der Referenz (Ref - HSM
0,10%MC1 0,30) und Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rüber 840 h
Der Abbildung 7.17 ist zu entnehmen, dass bei der Referenz und der Verzögerung mit 0,05%Rei-
ne Hydratation erfolgt. Im Vergleich dazu bleiben die Suspensionen mit einem höheren Gehalt als
0,05%Rbis zum Messende verzögert. Daher korrelieren diese Resultate mit denen der Verzögerer-
analyse qualitativ sehr gut (vgl. Kapitel 6 ab Seite 57). Was sie dennoch deutlich von einander unter-
scheidet sind die quantitativen Ausprägungen der hydratisierten Systeme in der Länge der dorman-
ten Periode sowie dem Beginn und der Intensität der Akzelerationsperiode (vgl. Tabelle 6.1, Seite
60 mit Tabelle A.8, Anhang Seite III). Die in Abbildung 7.17 dargestellten Ergebnisse zeigen einen
markant längeren Zeitabschnitt der dormanten Periode sowie einen deutlich geringeren maximalen
spezifischen Wärmefluss als die Ergebnisse in der Verzögereranalyse. Diese Unterschiede können
mehrere Ursachen haben: Zum einen erfolgte im Zuge der Optimierung eine Änderung in der Mi-
schungszusammensetzung und zum anderen differieren die Probemassen sowie die Geräte, die zur
Analyse eingesetzt wurden. Jedoch lassen sich die einzelnen Ursachen anhand der Messergebnisse
nicht separiert betrachten. Es ist bekannt, dass Cellulose, oder im speziellen MC als Polysaccharid,
einen verzögernden Einfluss auf ein Bindemittelsystem haben kann [165,178,270]. Trotzdem ließen
sich derartig starke Wirkungen noch nicht beim Einsatz einer MC feststellen [178]. Ou etal. [178]
erfassten weniger Veränderungen in der Länge der dormanten Periode, als vielmehr geringe Minde-
rungen im maximalen spezifischen Wärmefluss beim Einsatz eines etwa fünffach höheren Gehalts
an MC im PZ-System, als zu dem hier abschließend verwendeten Gehalt von 0,10 M.-%. Offensicht-
lich scheint der Einfluss der Verzögerung aber nicht alleinig auf die Zugabe der MC rückführbar zu
sein. Als möglicher hauptsächlicher Grund für die unterschiedlich erfassten Längen der dormanten
Periode und des maximalen Wärmeflusses kann die Messanalytik ausgemacht werden. In beiden
verwendeten Geräten wird die Veränderung des Wärmeflusses über einen Sensor am Probenbehäl-
terboden erfasst. Dabei wiesen die mit 150 ggefüllten Probenbehälter im Gerät I Cal 2000 HPC eine
vielfach höhere Füllhöhe auf als die Proben im Gerät MC-CAL/100P, die mit 13,5 gsehr niedrig und
bodennah gefüllt waren. Somit konnte bei den Proben, die mit dem Gerät I Cal 2000 HPC analysiert
wurden, in der Summe weniger Wärmemenge bei einem einheitlichen Vergleich der abgegebenen
Wärmemengen nach 504 herfasst werden (vgl. Tabelle 6.1, Seite 60 mit Tabelle A.8, Anhang Seite
III). Ein weiterer Einflussparameter, der zu einer geringen erfassbaren Wärmemenge führen kann,
sind die in dem Gerät I Cal 2000 HPC herrschenden stabileren Bedingungen in der Signalerfassung
gegenüber der inerten Referenz, im Vergleich zu denen des Gerätes MC-CAL/100P. So wurden all-
gemein geringere Drifts festgestellt und auch ein vermindertes Rauschen der Basislinie, weswegen
sich dieses Gerät gerade für Langzeitmessungen als geeigneter erwies. Indizien für diese vorherr-
schenden Eigenschaften des Gerätes I Cal 2000 HPC weisen die Verläufe des Wärmeflusses auf (vgl.
Abbildung 7.17 mit Abbildung 6.2, Seite 58). Sie zeigen einen nahezu exakt verlaufenden Wärme-
fluss der verzögerten Proben bei 0 mW/g, was sich mit den Messungen des Gerätes MC-CAL/100P
nicht derart verifizieren ließ. Messungen von dauerhaft verzögernden Proben weisen bei diesem Ge-
rät oftmals Verläufe ober- oder auch unterhalb 0 mW/gauf, mit einem leichten Drift nach unten oder
oben.
Nichtsdestotrotz würde eine weitere eingebrachte Verzögerung dem Ziel eine dauerhafte Wirkung
herzustellen eher positiv gegenüberstehen. Unter diesem Gesichtspunkt gilt es allerdings, die Reak-
7.3 Anregeranalyse 85
tivierung des Hydratationsprozesses unter der Verwendung eines alkalischen Anregers sicherzustel-
len.
7.2.4 Zusammenfassung - Optimierung vom Frischleim
Durch die Optimierung des Frischleims gelang es, die HSM-Suspension zu stabilisieren und jegli-
che nach dem Mischprozess aufkommende Absonderungen einzudämmen. Das Ausbreitmaß der
Mischung zeigte sich in Abhängigkeit von der Minderung des w/b-Werts. Daher ergab sich mit ei-
nem geringeren Wert von 0,30 ein vermindertes Ausbreitmaß im Vergleich zu 0,35. Die Verwendung
des Verzögerers verursachte einen Anstieg im Ausbreitmaß, in dessen Folge sich wieder eine wei-
che Konsistenz einstellen konnte. Versuche mit Verzögerergehalten zwischen 1,00%Rund 0,25%R
zeigten, dass die Höhe des Gehaltes keinen Einfluss auf die Konsistenz ausübt, da mit jedem der
untersuchten Gehalte genügend Additiv in der Suspension vorliegt, wodurch die Adsorption am
Bindemittel gleich verläuft und sich eine identische Wirkung einstellt. Die weiche Konsistenz wurde
mit dem Zufügen von 0,10%MC1 auf eine plastisch-weiche Konsistenz reduziert und damit auch
jegliche Absonderungen, die zuvor bereits nach dem Mischprozess vorhanden waren. Grundsätz-
lich stellte sich mit höherem MC-Gehalt und dem Anstieg der durch die MC erreichbaren Viskosität
eine Verminderung in der Konsistenz und eine Stabilisierung bzgl. der Absonderung ein. In Beob-
achtungsversuchen über eine Zeit von über 100 dkonnte noch einmal die hohe Retentionswirkung
der MC bei über diesen Untersuchungszeitraum andauernden Verzögerungen bestätigt werden. In
diesem Zug ließ sich auch eine zeitliche Abhängigkeit der Retentionswirkung ausmachen, die beson-
ders nach dem Mischvorgang eine effektive Wirkung zeigt, aber im Verlauf der Lagerung nachlässt
und dies scheinbar unabhängig von der maximal erreichbaren Viskosität der MC. Abschließende
Analysen zum Wärmefluss bestätigen noch einmal die verzögernde Wirkung des Additives beim
Einsatz von 1,00%Rund 0,25%Rim Anschluss an die einzelnen Optimierungsschritte.
7.3 Anregeranalyse
Mit der Anregeranalyse erfolgte der nächste wichtige Schritt auf dem Weg der Verwirklichung der
Machbarkeitsstudie zur Hydratationsregulierung einer Suspension aus HSM. In diesem Unterkapi-
tel wird die Reaktivierung von dauerhaft verzögerten Suspensionen dargestellt. Dazu wurde vor-
wiegend der Verzögerergehalt von 1,00%Reingesetzt, da dieser den längsten und intensivsten Zu-
stand der Verzögerung hervorgerufen hat. Die zur Reaktivierung eingesetzte Anregermasse hat sich
im Wesentlichen nach der Konsistenz, der Praktikabilität und den jeweiligen Wirkstoffgehalten der
Anreger gerichtet. Nach gesammelten Erfahrungswerten in Vorversuchen wurde der Ansatz um die
Verwendung von trockenen alkalischen Anregern nicht weiter verfolgt. Das Kernproblem ist bei
dieser Form der Anregung die nicht garantierte volle Lösbarkeit des Feststoffs und der notwendig
lange Mischprozess bis zur einsetzenden Lösung (cf. [200]).16 Ein anderer Nachteil liegt bei den be-
reits gelösten alkalischen Anregern vor, da mit deren Einsatz immer eine Erhöhung des w/b-Werts
verbunden ist (vgl. Tabelle 5.1, Seite 53). Die Höhe des w/b-Werts steht in Abhängigkeit zum vorlie-
genden Wirkstoffgehalt des Anregers, bei dem mit einem geringeren Gehalt ein höherer w/b-Wert
resultiert und damit auch ein deutlicher Anstieg in der Konsistenz. In einzelnen Vorversuchen mit
Ac1 und unterschiedlich hohen Anregermassen ließ sich ermitteln, dass zur möglichen Reaktivierung
einer in der Masse gleichbleibenden verzögerten Suspension keine geringeren Wirkstoffgehalte der
NaOH-Lösung als 30 M.-% vorliegen sollten, da sonst eine Einleitung des Hydratationsprozesses auf
einen späteren Zeitpunkt als 7 dverschoben wird. Demgegenüber konnte gleichermaßen festgestellt
werden, dass mit höheren Anregermassen eine schnellere Reaktivierung verbunden ist, aber ebenso
ein sehr hoher w/b-Wert und damit extrem fließfähige Konsistenzen, die zur Sedimentation neigen.
Mit einem Anteil von 9,85 M.-% bzgl. der angeregten Suspension konnte eine für die Konsistenz
und Praktikabilität der Mischung sinnvolle Lösung gefunden werden. Der resultierende w/b-Wert
von 0,40 sorgt für eine fließfähige Konsistenz mit einem Ausbreitmaß von noch unter 30 cm. Aus
diesen Erfahrungen der Vorversuche ergab sich, dass die Reaktivierung nicht über die Steigerung
der Masse des Anregers erfolgen sollte, sondern über dessen Wirkstoffgehalt. Dazu wurde der An-
teil des Anregers einheitlich auf 9,85 M.-% begrenzt, bei einem sich maximal ergebenden w/b-Wert
16Purdon [200] zeigt mit seinem Patent jedoch, dass HS mit einem festen Anreger aktiviert werden kann.
7.3 Anregeranalyse 86
von 0,40. Daraus resultiert ein Verhältnis der Massen von 1 : 9,15 bzw. des Volumens17 bei Ac1 von
1 : 6,06 von Anregerlösung zu verzögerter Suspension. Bei der Verwendung von Ac2 und dem da-
mit verbunden höheren Wirkstoffgehalt stellt sich ein Verhältnis des Volumens von 1 : 6,94 ein. Soll
nun das Mischungsverhältnis auf gängigere Größen eines Zwei-Komponenten-Systemes von 1 : 6
bzw. 1 : 7 angeglichen werden, sind nur geringe Veränderungen im Anregeranteil notwendig: Bei
Ac1 eine Erhöhung auf 9,93 M.-% und bei Ac2 einer Erniedrigung auf 9,80 M.-%.
Nachfolgend werden die bereits vorgestellten alkalischen Anreger auf deren Wirkung bzgl. der Fä-
higkeit zur Reaktivierung einer verzögerten Suspension analysiert (vgl. Kapitel 5 ab Seite 52). Dazu
werden Erkenntnisse aus den Ergebnissen des Wärmeflusses via Kalorimetrie, der Wasserbindung
via Trocknung und der Phasenentstehung via TG gewonnen. Den Analysen liegt eine Hydratations-
zeit von 3 dbzw. 72 hzu Grunde. Sie gilt als Maßstab für die Effektivität des Anregers zur Überwin-
dung des verzögerten Zustandes. Um den Einfluss unterschiedlich lang verzögerter Suspensionen
zu prüfen, wurden Perioden zwischen 0 und 56 duntersucht, die der jeweiligen Referenz (ohne Ver-
zögerer) gegenübergestellt sind. Als Ausgangsmischung wurde die optimierte Zusammensetzung
der HSM-Suspension in der Form HSM 0,10%MC1 0,30 verwendet.
7.3.1 Wärmefluss
Die Analysen sollen einen ansteigenden spezifischen Wärmefluss erfassen, der sich im Anschluss an
die Induktionsperiode ergibt. Durch einen solchen Verlauf wird die Reaktivierung der unterschied-
lich lang verzögerten Suspensionen ersichtlich und es kann eine Bewertung des Anregerpotentials
anhand der charakteristischen Kurvenverläufe und den daran ablesbaren Eigenschaftswerten erfol-
gen. Diese sind die Länge der dormanten Periode, der Beginn und die Steigung der Akzelerationspe-
riode, die Höhe und Lage des maximalen Peaks sowie die maximale Wärmemenge zum Ende der
Messung nach 72 h. Auf dieser Basis erfolgt nun die Ergebnisdarstellung und deren Interpretation.
Die Ergebnisse in der Abbildung 7.18 zeigen eine grundsätzlich mögliche Reaktivierung einer verzö-
gerten Suspension an, die jedoch vom Verzögerergehalt abhängt. Indes ist die Reaktivierung mit Ac3
lediglich bei einem Gehalt von 0,25%Rmöglich. Hingegen ergaben Versuche mit 1,00%Rkeine Re-
aktivierung innerhalb von 72 h, daher lag bei diesen Suspensionen weiterhin eine Verzögerung vor.
Somit zeigt sich das Na2SiO3als schwächerer Anreger, der gegenüber den beiden NaOH-Anregern
die Verzögerung nicht derart schnell überwindet und die HS-Körner in den Lösungsprozess über-
führt. Der verminderte Lösungsprozess geht dagegen nicht auf den vorliegenden Verzögerer zu-
rück, sondern maßgeblich auf den Anreger, wie dies an den Verläufen der Referenzen abzulesen ist
(vgl. Abbildung 7.18). Die unverzögerte Referenz von Ac3 weist den Beginn der Akzelerationspe-
riode erst bei etwa 40 hauf und nicht bei etwa 1 hwie die Referenzen mit NaOH. Dies ist zum
einen auf den deutlich verminderten Na2O-Gehalt zurückzuführen (vgl. Tabelle 5.3, Seite 54) und
zum anderen auf die veränderte Reaktionskinetik durch die vorhandene gelöste Kieselsäure (cf. [11
13]). Damit bestätigen die Versuchsergebnisse den meist vorliegenden geringeren Lösungsprozess
in der frühen Phase der Hydratation bei der Verwendung von Na2SiO3als alkalischer Anreger für
HSM (cf. [12,80,82,104,175,288,289]). Um aber Ac3 nicht völlig von den Versuchen der Anreger-
analyse auszuschließen, wurden bei der Reaktivierung mit diesem Anreger dauerhaft verminderte
Verzögerergehalte von 0,25%Reingesetzt. So zeigen sich die Ergebnisse von Ac2 und Ac3 relativ
gleichmäßig. Diesen gelingt es, die Akzelerationsperiode innerhalb von 72 hbei allen vorliegenden
verzögerten Suspensionen herbeizuführen - wie es scheint auch unabhängig von der Länge der Ver-
zögerungsperiode. Einzig Ac1 weist ein ungleichmäßiges Ergebnis auf, bei dem mit zunehmender
Verzögerungsperiode eine Abnahme der Reaktivierbarkeit einhergeht. So zeigte sich eine haptische
Verfestigung und grünliche Verfärbung lediglich bei den Proben bis 3 dVerzögerung. Unabhängig
vom Anreger ergibt sich der Trend, dass eine reaktivierte Suspension immer eine längere dormante
Periode und somit einen verspäteten Peak der Akzelerationsperiode aufweist sowie einen vermin-
derten maximalen spezifischen Wärmefluss im Vergleich zu ihrer Referenz. Weitere Charakteristika
sind eine verminderte maximale Wärmemenge sowie eine geringere Steigung im Anstieg des Ver-
laufs der Akzelerationsperiode (vgl. Anhang Tabelle A.9, Seite IV). Diese Eigenschaften sind das
Resultat der verspätet einsetzenden Hydratation und damit eine Folge der Verzögerung.
Grundsätzlich einen sich alle spezifischen Wärmeflüsse, deren Reaktivierung innerhalb der 72 her-
folgte, darin, dass direkt nach dem Kontakt von Anreger und verzögerter Suspension ein einzelner
17Bei der Berechnung des Verhältnisses des Volumens besitzt die verzögerte Suspension eine Dichte von 2,01 g/cm3und Ac1
von 1,33 g/cm3bzw. Ac2 von 1,53 g/cm3.
7.3 Anregeranalyse 87
Peak der Induktionsperiode einsetzt mit einer darauffolgenden dormanten Periode. Im Anschluss
folgt die Akzelerationsperiode, die zur Erstarrung der Suspension führt und die Erhärtung einleitet.
Bei einer Ac1-Anregung bildet sich diese dagegen gestuft aus, mit einem Plateau von dem aus der
eigentliche Anstieg zum Hauptpeak führt. Im Sinne der Charakterisierung nach Shi u. Day [266],
eines Hydratationsverlaufs von alkalisch aktiviertem HSM, unterliegen alle Hydratationsverläufe
mit Akzelerationsperiode dem zweiten Typ. Die Verläufe ohne Akzelerationsperiode gehören dem-
nach zum ersten Typ [266]. Eine gestufte Akzelerationsperiode wird hingegen von Shi u. Day [266]
nicht verifiziert. Vermutlich ist dies ein Charakteristikum des noch wirkenden Verzögerers, durch
dessen Einfluss eine Behinderung im Lösungsprozess zur Bildung von Hydratationsprodukten ent-
steht, selbst bei schon eingeleiteter Akzelerationsperiode. Dafür spricht die generelle verminderte
Reaktivierbarkeit mit Ac1 im Vergleich zu Ac2. Als Folge des höheren Wirkstoffgehaltes kann mit
Ac2, im Vergleich zu Ac1 oder Ac3, eine zielsichere Reaktivierung erlangt werden (vgl. Abbildung
7.18(b) mit (a) und (c)). Ebenso tritt eine frühere Reaktivierbarkeit ein, mit einem früheren Beginn
der Akzelerationsperiode und deren steileren Steigung, einem höheren spezifischen Wärmefluss
und dessen früherer Ausprägung des maximalen Peaks im Hydratationsverlauf sowie insgesamt
eine höhere maximale Wärmemenge (vgl. Anhang Tabelle A.9, Seite IV). Zu schlussfolgern ist, dass
die Höhe der Alkalität nicht nur die Anregung einer unverzögerten HSM-Suspension steuert (cf.
[104,267,268,277,278]), sondern auch die einer verzögerten. Dadurch ist mit höherem Wirkstoff-
gehalt ein früherer Lösungsprozess der glasigen Struktur des HSMs herbeiführbar (cf. [277,278]).
1h 10h
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5 Ref Ac1
Reaktivierungen: 0d 1d 3d
7d 14d 28d 56d
(b)
(c)
(a)
1h 10h
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5 Ref Ac2
Spezifischer Wärmefluss [mW/g]
1h 10h
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5 Ref Ac3
Abbildung 7.18: Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von alkalisch aktivierten Sus-
pensionen ohne (Ref - Referenz) und mit vorheriger Verzögerungsperiode von 0 bis
56 din (a) 1,00%R und Ac1, (b) 1,00%R und Ac2 sowie (c) 0,25%R und Ac3
Die Minderung des maximalen spezifischen Wärmeflusses, wie sie vorrangig bei den Reaktivierun-
gen mit Ac1 und Ac2 im Vergleich zur Referenz gegeben ist, stammt innerhalb der einzelnen Anre-
7.3 Anregeranalyse 88
gungen allein von der Wirkung des Verzögerers ab (cf. [209,250,251]). Ein weiterer einflussnehmen-
der Parameter ist jedoch die Veränderung des w/b-Werts. Die Systeme mit Ac1 weisen im Vergleich
zu denen von Ac2 einen um 0,03 höheren w/b-Wert auf. Somit könnten die geringeren spezifischen
Wärmeflüsse bei den Systemen von Ac1 nicht nur das Resultat des verminderten Wirkstoffgehaltes
des Anregers sein, sondern auch das Ergebnis des erhöhten w/b-Werts (cf. [268]). Untersuchungen
von Shi u. Day [268] können diesen Einfluss bestätigen. Sie haben festgestellt, dass mit einem An-
stieg des w/b-Werts eine Minderung im maximalen Wärmefluss resultiert, ohne eine Veränderung
des charakteristischen Hydratationsverlaufs zu bewirken und unabhängig davon, ob es sich bei dem
Anreger um NaOH oder Na2SiO3handelt [268]. Verwunderlich ist dagegen, dass die Reaktivierun-
gen mit Ac3 nahezu keine Verminderungen im spezifischen Wärmefluss im Vergleich zur Referenz
ohne Verzögerer zeigen (vgl. Abbildung 7.18(c)). Ein möglicher Grund dafür könnte der insgesamt
spät stattfindende Anstieg der Akzelerationsperiode sein, woraufhin sich die Hydratationsverläu-
fe der unverzögerten Referenz und deren zugehöriger Reaktivierungen sehr ähneln. Die genauen
Umstände, die zu diesem gleichen Verhalten führen, sind unklar. Möglicherweise trägt nicht nur die
verminderte Alkalität des Anregers dazu bei, sondern auch die gelöste Kieselsäure. Aus den bereits
gelöst vorliegenden Siliciumionen sollte der Bedarf zur ersten Bildung von C-S-H-Phasen gedeckt
sein, wodurch lediglich noch Calcium gelöst bzw. aus der wahrscheinlich vorliegenden Komplex-
bildung mit dem Verzögerer befreit werden muss. Es bleibt noch festzustellen, dass die Lösung des
HS-Korns wie auch die Freigabe des Calciums offensichtlich etwa die gleiche Zeit in Anspruch neh-
men, weswegen die Reaktivierung mittels NaOH und Na2SiO3als grundverschieden zu deklarieren
sind.
Um das Erstarrungsverhalten genauer verifizieren zu können, wurde versucht die Erstarrungszeit
der alkalisch aktivierten HSM-Suspensionen nach DIN EN 196-3 [56] zu erfassen. Dies stellte sich
aber als sehr schwierig heraus, da die Erfassung mit dem Nadelgerät nach Vicat der sehr schnellen
und plötzlich eintretenden Erstarrung nur unzureichend gerecht werden konnte. So ließen sich le-
diglich für die Referenzen von Ac1 und Ac2 nachvollziehbare Ergebnisse im Erstarrungsbeginn erzie-
len, die bei 3 und 1,5 hlagen. Für das Erstarrungsende konnte durch die Prüftechnik kein genauerer
Zeitpunkt als der des Beginns festgestellt werden, wodurch die Einschränkung dieser Prüfmethode
dargestellt wird. Weitere Probleme ergaben sich in der Verarbeitung der Proben infolge der flüssigen
Konsistenz und der ausgeprägten Schwindneigung der alkalisch aktivierten Systeme. Das wesentli-
che Problem lag allerdings in der Erfassung reaktivierter Systeme, da bei diesen teilweise erst nach
Tagen die schnell ablaufende Erstarrung eintritt. Die Prüfmethode kommt in diesem Bezug an deren
Grenzen, da die zu prüfende Oberfläche begrenzt ist. Letztlich hat sich diese Prüfmethode nicht zur
Verifizierung des Erstarrungsverhaltens geeignet. Gleichwohl schienen schnell erstarrende Systeme
besser prüfbar zu sein als langsam erstarrende wie die Reaktivierungen.18
7.3.2 Trocknung
Aus den Analysen der Wärmeflusskalorimetrie erweist sich Ac2 als zielsicherste Lösung zur schnells-
ten Reaktivierung von Suspensionen mit einem Verzögerergehalt von 1,00%R. Hingegen stellen sich
die Anreger Ac1 und Ac3 mit deren verminderter Alkalität lediglich als Alternativen heraus, bei
denen eine Regelmäßigkeit in der Reaktivierung offenbar erst mit einer Reduzierung des Verzöge-
rergehaltes möglich erscheint bzw. ist. Da zur Wärmeflusskalorimetrie für alle Systeme einheitliche
und vor allem bekannte Massen verwendet wurden, lassen sich sowohl qualitative als auch quanti-
tative Rückschlüsse auf die Wasserbindungen ziehen. Die erlangten Ergebnisse sind nachfolgend in
Abbildung 7.19 aufgezeigt, im Anteil des chemisch gebundenen Wassers und dem reziproken Anteil
des ungebundenen Wassers. Dabei beziehen sich die jeweiligen Massen, die relativ dargestellt sind,
auf den bekannten Massenanteil des gesamten Wassers, der sich aus den Anteilen der Lösung des
Verzögerers und des Anregers zusammensetzt. Die grundsätzliche Aussage der Wasserbindung ist
der Fortschritt im Prozess der Hydratation. Somit stellt dieser Wert ein direktes Maß für die Masse
an Hydratationsprodukten dar (cf. [127,284]). Hohe Anteile des gebundenen Wassers symbolisieren
vermutlich ebenso hohe Anteile an Hydratationsprodukten. Demgegenüber ist bei niedrigen Antei-
len des gebundenen Wassers bzw. hohen Anteilen des nicht gebundenen Wassers von geringen bis
18Der Anwendungsbereich der DIN EN 196-3 [56] weist für schnell erstarrende Systeme auf die mögliche eingeschränkte
Prüfbarkeit hin, aber nicht auf eine Einschränkung für langsam erstarrende. Es gilt zu beachten, dass für die Prüfung
von flüssigen und nicht normsteifen Systemen die latente Gefahr der Sedimentation besteht. Daher ist es hier ratsam auf
vergleichbare Prüfmethoden auszuweichen, wie die des Ultraschalls (siehe Unterkapitel 7.4.2).
7.3 Anregeranalyse 89
nicht vorhandenen Hydratationsprodukten auszugehen und einem vermutlich vorliegenden verzö-
gerten Zustand.
Ref Ac1 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
4
8
12
16
20 (a)
0
20
40
60
80
100
Ref Ac2 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
4
8
12
16
20
(c)
(b)
H2O gebunden [M.-%]
0
20
40
60
80
100
H2O ungebunden [M.-%]
Ref Ac3 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
4
8
12
16
20
0
20
40
60
80
100
Abbildung 7.19: Gebundenes und ungebundenes Wasser nach Trocknung mit Bezug zur Gesamt-
masse des Wassers von alkalisch aktivierten Suspensionen ohne (Ref - Referenz)
und mit vorheriger Verzögerungsperiode von 0 bis 56 din (a) 1,00%R und Ac1, (b)
1,00%R und Ac2 sowie (c) 0,25%R und Ac3
Anhand der Ergebnisse in Abbildung 7.19 können aus qualitativer Sicht die bereits erlangten Er-
gebnisse der Wärmeflusskalorimetrie bestätigt werden (vgl. Abbildung 7.18). Insbesondere die nicht
reaktivierten Suspensionen mit Ac1 der Verzögerungen vom 7., 28. und 56. dweisen die geringsten
Wasserbindungen auf und korrelieren somit sehr gut mit deren spezifischen Wärmeflüssen. Doch
auch die früheste Reaktivierung, die mit Ac2 nach 14 dder Verzögerung erfasst wurde, zeigt eine
starke Korrelation mit dem höchsten Wert in den Wasserbindungen. Daraus kann geschlussfolgert
werden, dass sich bei dieser Probe vermutlich die meisten Hydratationsprodukte gebildet haben.
Die Ergebnisse spiegeln zwar die Reaktivierbarkeit der verzögerten Suspensionen wieder, zeigen
aber auch auf, dass der frühe Beginn der Akzelerationsperiode zur Bindung des meisten Wassers
führt (vgl. Abbildung 7.19(b) und 7.18(b)). Somit scheint es auf die Reaktivierungen der drei An-
reger zuzutreffen, dass die frühe Reaktivierbarkeit und damit die möglichst frühe Einleitung der
Akzelerationsperiode maßgeblich dazu beiträgt, das in der Suspension enthaltene Wasser zu bin-
den. Nach den Ergebnissen der Wasserbindung ist jedoch zu vermuten, dass die frühe Einleitung
der Bildung von Hydratationsprodukten nicht auch zwangsläufig zur Bildung der größten Masse an
Hydratationsprodukten beiträgt. Dieser Schluss kann aus den Ergebnissen von Ac3 gezogen werden,
da die Wasserbindungen teilweise doppelt so groß sind wie die von Ac2 - trotz etwa gleicher Zeit-
punkte zu denen die Akzelerationsperiode beginnt. Die erhöhten Wasserbindungen liegen dagegen
auch bei den versuchten und fehlgeschlagenen Reaktivierungen mit Ac3 bei einem Verzögererge-
halt von 1,00%Rvor (vgl. Anhang Tabelle A.10, Seite IV). Deren Resultate sind in etwa mit denen
der Reaktivierungen durch Ac2 vergleichbar, obwohl sie die Verzögerungen nicht überwanden, kei-
ne Erstarrungen erfolgten oder gar Akzelerationsperioden erreichten. Anhand des Vergleichs der
Wasserbindungen bei einer Reaktivierung von 0,25%Rund 1,00%Rkann abgeleitet werden, dass es
sich bei der vorliegenden Höhe der Wasserbindungen um eine Eigenschaft des Anregers handelt.
Obgleich, aufgrund der Erhärtung von Wasserglasbindern, die eigentlich unter Abgabe von Wasser
verläuft, geringere Wasserbindungen und höhere Anteile des ungebunden Wassers erwartet wur-
7.3 Anregeranalyse 90
den (cf. [14,172,284]). Diese Polykondensation ist nicht völlig auszuschließen. Indes überwiegen die
Wasserbindungen, aber nicht zwangsläufig jene, die zur Verfestigung des Bindemittels beitragen. Ein
Einfluss des Verzögerers auf die Wasserbindungen ist insoweit auszuschließen, als dass die Referenz
einen ebenso hohen Wert aufweist wie die meisten Reaktivierungen und sich damit ebenso deutlich
von den beiden anderen Referenzen abhebt (vgl. Abbildung 7.19). Mit Blick auf alle angeregten Sys-
teme besteht kein einheitlicher Trend und auch keine Gleichmäßigkeit, in der die Reaktivierungen
höhere Wasserbindungen aufweisen als deren jeweilige Referenz. Doch zeigt eine vorhandene Über-
schreitung auch das mögliche Potential zur Generierung von mehr Hydratationsprodukten, welches
offensichtlich durch den Verzögerer herbeigeführt wird. In einer Dreifachbestimmung wurde we-
gen der kontroversen Ergebnisse von Ac3 die Effektivität der eingesetzten Vakuumgefriertrocknung
überprüft. Dazu wurde versucht, den Feststoffgehalt von Ac3, von 44,4 M.-%, via Vakuumgefrier-
trocknung, Trocknung bei 105 Cund Glühverlust zu verifizieren. Ein großer Einfluss aus den ge-
wählten Trocknungsmethoden kann im Wesentlichen ausgeschlossen werden. So liegt der mittlere
Feststoffgehalt nach Vakuumgefriertrocknung bei 43,7 ±2,7 M.-%, der nach einer Trocknung bei
105 Cbei 43,2 ±2,7 M.-% und den zutreffensten Feststoffgehalt weist der Glühverlust mit 44,2
±0,0 M.-% auf. Aus diesen überprüfenden Versuchen kann der Grund für die übermäßig hohen
Wasserbindungen von Ac3 auf einen Effekt infolge der Reaktion des Anregers mit dem Bindemit-
tel eingegrenzt werden. Es muss also davon ausgegangen werden, dass es sich auch um chemisch
gebundenes Wasser handelt, aber möglicherweise trotzdem noch physikalisch gebundenes Wasser
vorliegt, welches mit der phasenschonenden Vakuumgefriertrocknung nicht abgeschieden werden
konnte. Hierbei könnte es sich z. B. um Wasser innerhalb von gebildeten Metallsilikathydraten han-
deln, die infolge der Wasserglasanregung entstanden sein könnten (cf. [14,284]).
Um die Aussagen zur chemischen Bindung des Wassers weiter zu verifizieren, werden im nachfol-
genden Unterkapitel die Ergebnisse der thermischen Analyse bzgl. der verschiedenen Bindemittel-
systeme dargestellt.
7.3.3 Thermische Analyse
Die Ergebnisse der thermischen Analyse können einerseits als Masseverlust im Stil des Glühverlustes
interpretiert werden und andererseits können ihnen Hydratationsphasen zugewiesen werden, durch
die Auswertung nach Marsh und die separierten Masseverluste in speziellen Temperaturbereichen.
Somit ist in Abbildung 7.20 sowohl der Gesamtmasseverlust im Temperaturbereich von 40 bis 1000
Cdargestellt, als auch die einzelnen Masseverluste der speziellen Temperaturbereiche, die sich bei
Ac1 und Ac2 nur marginal unterscheiden. Hingegen gibt es Unterschiede zu den Temperaturberei-
chen von Ac3, da diese Analysen im Bereich zwischen 550 bis 725 Ckeine Masseverluste ergeben
haben. Ein weiteres zu interpretierendes Ergebnis ist die Differenz zwischen dem Gesamtmassever-
lust und der Summe der einzelnen Masseverluste der speziellen Temperaturbereiche. Eine solche
Differenz spiegelt den Masseverlust der Hydratationsprodukte wieder, deren Entwässerung oder
Zersetzung keiner konkreten Temperatur zugeordnet werden kann, sondern mehr oder minder über
den kompletten analysierten Temperaturbereich schleichend an Masse verliert. Aufgrund des linea-
ren bzw. schleichenden Verlustes können sie mit der Auswertung nach Marsh nicht erfasst werden,
wodurch sie lediglich als Summe ihrer Verluste über den gesamten Temperaturbereich bilanziert
werden können (cf. [157,252]). Die Eigenschaft eines solchen linearen Verlustes weisen vor allem
C-S-H-Phasen auf, daher lassen sich diese Phasen nicht nur speziellen Temperaturen zuordnen, son-
dern vordergründig auch der zuvor beschriebenen Massendifferenz. Insbesondere der Gesamtmas-
severlust sollte nicht nur qualitativ mit den schon bekannten Ergebnissen des chemisch gebundenen
Wassers korrelieren, sondern auch quantitativ. Damit würde die infolge Vakuumgefriertrocknung als
gebundenes Wasser erfasste Masse tatsächlich dem chemisch gebundenem Wasser entsprechen und
die Masse des ungebundenen Wassers dem physikalisch gebundenem Wasser.
Das wohl auffälligste Resultat der thermischen Analysen ist, dass die Gesamtmasseverluste von Ac3
in nur geringem Maß qualitativ und gar nicht quantitativ mit den hohen Wasserbindungen dieser
Anregung korrelieren (vgl. Abbildungen 7.20(c) und 7.19(c)). Dies bedeutet, dass es sich bei den
Wasserbindungen wahrscheinlich nicht um chemisch gebundenes Wasser handelt im Sinne der Ein-
bindung des Wassers in Hydratationsprodukte wie C-S-H-Phasen. Selbst wenn mittels Trocknung
stark physikalisch gebundenes Porenwasser nicht abscheidbar gewesen wäre, wäre dies via TG er-
fasst worden. Auf theoretischen Überlegungen basierend könnte es sich bei den hohen Massen der
7.3 Anregeranalyse 91
Wasserbindungen noch um Phasen handeln, die erst oberhalb von 1000 Ceine thermische Instabili-
tät aufweisen. Eine weitere Möglichkeit wären auch Phasen, deren Verlust innerhalb der Probenvor-
bereitung stattfand, z. B. bei der Aufmahlung der Proben. Mit den erfolgten Analysen, den dazuge-
hörigen Interpretationen der Ergebnisse und den angeschlossenen Vermutungen kann die Herkunft
um die hohen Wasserbindungen und deren Diskrepanz zum Gesamtmasseverlust nach TG lediglich
eingegrenzt, nicht aber zweifelsfrei aufgeklärt werden.
Ref Ac1 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
2
4
6
8
10
(a)
40-225 225-425 375-750 750-950 [°C]
0
3
6
9
12
15
Ref Ac2 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
2
4
6
8
10
(c)
(b)
40-225 225-425 400-725 675-975 [°C]
Masseverlust [M.-%]
0
3
6
9
12
15
Gesamtmasseverlust [M.-%]
Ref Ac3 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
2
4
6
8
10 40-250 250-550 725-950 [°C]
0
3
6
9
12
15
Abbildung 7.20: TG-Analyse des Feststoffs mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und
dem Gesamtmasseverlust von alkalisch aktivierten Suspensionen ohne (Ref - Refe-
renz) und mit vorheriger Verzögerungsperiode von 0 bis 56 din (a) 1,00%R und Ac1,
(b) 1,00%R und Ac2 sowie (c) 0,25%R und Ac3
Anhand Abbildung 7.20 kann für die Anregungen mit Ac1 und Ac2 eine hohe qualitative Überein-
stimmung zu den Ergebnissen des gebundenen Wassers festgestellt werden, wobei eine quantitative
Übereinstimmung des Öfteren nicht gegeben ist - sowohl mit geringeren, als auch höheren Gesamt-
masseverlusten im Vergleich zur Wasserbindung (vgl. Abbildung 7.19). Ein dafür sehr deutliches
Beispiel ist die Reaktivierung nach 7 dmit Ac1, bei der der Gesamtmasseverlust etwa fünf Mal so
gr ist wie die vergleichende Wasserbindung. Dieses Ergebnis stellt in der Höhe einen Einzelfall
dar, an dem jedoch eine grundsätzlich gegebene Abweichung erklärt werden kann, die bei den Er-
gebnissen der beiden Analysemethoden vorliegt. Infolge der Trocknung wird lediglich Wasser entzo-
gen, nicht aber CO2. Allerdings wird bei der Analyse via TG beides ausgetrieben. Somit entsteht eine
Diskrepanz zwischen den beiden Analyseergebnissen, die des Öfteren zu höheren Gesamtmasse-
verlusten führt und weniger zu höheren Wasserbindungen. Die höheren Gesamtmasseverluste sind
dagegen keineswegs allein auf fehlerhafte Probenpräparation zurückzuführen, sondern maßgeblich
auf eine Eigenschaft des NaOHs und deren hohe eingesetzte Gehalte zur Reaktivierung der ver-
zögerten Suspensionen. Damit geht einher, dass besonders bei weiterhin vorliegenden verzögerten
Zuständen und dem damit weitestgehend unverbrauchten Anreger eine Carbonatisierung der vor-
liegenden Komponenten stattfindet. Trotzdem geschieht diese Reaktion nicht allein bei verzögerten
Proben, sondern zum Teil auch bei erfolgreichen Reaktivierungen. Daher liegen die Abweichungen
zwischen dem Gesamtmasseverlust und dem gebundenen Wasser auch nicht einheitlich vor, son-
dern sind sowohl bei Ac1 als auch Ac2 durchweg gegeben. Die Ausführungen können zunächst aber
7.3 Anregeranalyse 92
nur hinsichtlich der erfolgreichen Reaktivierungen bestätigt werden, in denen via TG Masseverlus-
te im Temperaturbereich der Zersetzung von Na2CO3und CaCO3auftreten (cf. [244,260]). Diesen
Carbonaten können die Masseverluste oberhalb von 675 Czugewiesen werden, die meist nur einen
geringen Anteil am Gesamtmasseverlust aufweisen, dafür aber bei allen drei verschiedenen ange-
regten Systemen vorliegen. Haptisch war der überschüssig vorhandene Anreger ebenfalls durch die
Verätzung der Haut und der anschließenden spürbaren Verseifung erfassbar. Übereinstimmend zei-
gen die nicht reaktivierten Proben (Ac1 nach 7, 28 sowie 56 d) nahezu keine Carbonate, deren Masse-
verlust im Temperaturbereich oberhalb von 675 Cliegen. Allerdings weisen sie deutliche Verluste
im Bereich ab 375 bis 750 Cauf.19 Diese stellen möglicherweise ein Zwischenprodukt dar, welches
im verzögerten Zustand entsteht und mit fortschreitender Hydratation bzw. Überwindung des ver-
zögerten Zustandes in eine stabilere Phase überführt wird. Dafür spricht, dass die erfolgreich reakti-
vierten Systeme nicht derartig hohe Masseverluste in diesem Temperaturbereich aufweisen. Ebenso
denkbar ist die Entstehung von Magnesiumcarbonat (MgCO3) infolge der Einwirkung der NaOH.
Für diese Möglichkeit spricht zum einen der Masseverlust bei einer beginnenden Temperatur von
etwa 550 Cund zum anderen die Entstehung der Carbonate CaCO3und MgCO3bei ähnlichen Be-
dingungen, nämlich dem Einsatz einer Seife auf NaOH-Basis in hartem, also kalkreichen, Wasser
(cf. [14,260,312]). Derartige Masseverluste sind durchweg bei den Proben von Ac1 nach Verzöge-
rungsperioden von 7, 28 und 56 dgegeben. Ebenso haben die Ergebnisse der Elementaranalysen
vorhandene Auslösungen an Ca2+und Mg2+aufgezeigt, wodurch mit der ebenfalls vorhandenen
NaOH die Bedingungen für die Carbonatbildung gegeben sind (vgl. Abbildung 7.2 und Anhang
Tabelle A.5, Seite II). Nicht auszuschließen ist auch, dass MgCO3die Phase ist, die mit fortschreiten-
der Hydratation umgewandelt wird. Die Bildung von MgCO3würde die Theorie komplementieren
und bestätigen, in der die Carbonate die Ursache für die wesentlichen Differenzen zwischen den
Ergebnissen des Gesamtmasseverlustes und des gebundenen Wassers sind. Letztlich sind dennoch
nicht nur überhöhte Gesamtmasseverluste im Vergleich zur Wasserbindung gegeben, sondern es re-
sultieren auch geringere Gesamtmasseverluste. Diese lassen sich dadurch erklären, dass durch die
Trocknung keine ganz exakte Trennung des chemisch und physikalisch gebundenen Wassers mög-
lich ist, sodass es in der Folge auch zum Entzug von Schichtenwasser der C-S-H-Phasen kommen
kann und geringere erfassbare Gesamtmasseverluste resultieren (cf. [233,311]).
Die für die Beurteilung des Hydratationsfortschritts wichtigeren Produkte sind hingegen die C-S-H-
Phasen. Deren Masseverlust liegt überwiegend im spezifischen Temperaturbereich von 40 bis 225
bzw. 250 C(cf. [11,91,244,316]). Anhand der Ergebnisse in der Abbildung 7.20 ist zu erkennen,
dass alle mit Anreger versetzten Systeme mehr oder weniger diese Phasen aufweisen. Sehr geringe
Masseverluste konnten bei den nicht reaktivierten Systemen mit Ac1 nach Verzögerungsperioden
von 7, 28 und 56 danalysiert werden. Ebenso geringe Masseverluste sind bei den versuchten und
durchweg missglückten Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rmit Ac3 vorhanden
(vgl. Anhang Tabelle A.11, Seite IV). Zudem weisen sie Massezunahmen oberhalb einer Temperatur
von 660 Cauf, die für eine vorliegende Verzögerung sprechen (vgl. Unterkapitel 7.1.2). Offensicht-
lich haben die geringen Masseverluste der verifizierten Hydratationsprodukte und die ebenfalls nur
geringen vorliegenden linearen Verluste nicht zur Überbrückung der Bindemittelkörner und der da-
mit einleitenden Erstarrung ausgereicht, um so den verzögerten Zustand zu überwinden. Jedoch
zeigt ihr generelles Erscheinen, dass der verzögerte Zustand zwar noch nicht völlig überwunden
ist, sich der Prozess der Hydratation aber in der Entwicklung befindet und dabei nur langsam vor-
ankommt. Damit kann eine Zunahme der C-S-H-Phasen mit fortschreitender Hydratationszeit pro-
gnostiziert werden, woraufhin sich diese Ergebnisse von den völligen Verzögerungen ohne Anreger
deutlich abheben (vgl. Unterkapitel 7.1). Die linearen Verluste zeigen sich besonders gering bei al-
len Ac3-Systemen. Demgegenüber besitzen die Systeme mit Ac1 längst nicht so viele schleichende
Verluste wie die mit Ac2. Die zusätzlichen Phasen - welche sich aufgrund der unspezifischen Tempe-
ratur nicht genau verifizieren lassen, aber vorwiegend durch die C-S-H-Phasen repräsentiert werden
- sind insoweit als positiv zu werten, als dass der erhöhte Massenanteil an Hydratationsprodukten
primär das Potential des Anregers zur Aktivierung und Reaktivierung des Bindemittels anzeigt. Da-
her geht Ac2 auch als der effektivste Aktivator aus der Anregeranalyse hervor, da es mit diesem
gelingt, die Reaktivierung zielsicher, zeitnah, relativ homogen und unter der Bildung der meisten
Hydratationsprodukte zu generieren. Die Reaktivierungen von Ac2 sind auch die Einzigen, die nach
bereits 3 dden potentiellen Einfluss des eingesetzten Verzögerers zeigen, mit dessen Wirkung auf
die Steigerung des Hydratationsgrades. So weisen die Reaktivierungen nach 0 und 14 deinen hö-
19Die nicht erfolgreich reaktivierten Suspensionen besitzen eine Massezunahme oberhalb von 660 C, ebenso wie die dau-
erhaft verzögerten Proben ohne alkalischen Anreger (vgl. Unterkapitel 7.1.2). Demnach kann zumindest keine völlige
Umsetzung des Sulfids erkannt werden, womit von einer vorliegenden Verzögerung auszugehen ist.
7.4 Anregung 93
heren Gesamtmasseverlust auf als deren vergleichende Referenz. Generell besitzen die Referenzen
Masseverluste, die ihren Reaktivierungen sehr ähneln, wodurch sie nahezu nicht voneinander un-
terscheidbar sind. Eine ebenfalls durchaus homogene Erscheinung weisen die Phasen auf, die ihren
Masseverlust in dem Temperaturbereich zwischen 225 bzw. 250 bis 425 bzw. 550 Chaben. Die-
se treffen mit den bilanzierten Masseverlusten sehr exakt auf Hydrotalcit zu, besonders mit dem
Peak der Dehydratation der Brucitstruktur des Hydrotalcits und der Decarbonatisierung bei etwa
330 C(cf. [12,13,38,186]). Durch die Analysen lassen sich also die Ergebnisse der Literatur bestä-
tigen, die Hydrotalcit bzw. eine hydrotalcit-ähnlich Phase als gängiges Hydratationsprodukt eines
alkalisch aktivierten HSMs benennt und neben den C-S-H-Phasen als Hauptprodukt darstellt (cf.
[39,99,192,198,315]). Trotzdem kann mit den derzeitigen Versuchsergebnissen noch keine Abhän-
gigkeit der Entwicklung von der Hydratationsdauer festgestellt werden (cf. [11,13]).
Aufgrund der teilweise heterogenen Ergebnisse und der durchaus verminderten Funktionsweise zur
Reaktivierung verzögerter Suspension mit 1,00%Rwurden weitere Analysen zur Beschreibung der
Funktion und der Eigenschaften von Ac3 in den nachfolgenden Analysen vermindert. Das größere
Potential zur Reaktivierung und Steuerung verzögerter Suspensionen wurde in den Anregern Ac1
und Ac2 gefunden, vor allem wegen des schnelleren Lösungsprozesses der NaOH gegenüber der
Na2SiO3(cf. [80,82]). Daher wurden mit diesen Anregern eingehendere Analysen durchgeführt,
deren Ergebnisse in dem nachfolgenden Unterkapitel dargestellt werden. Vordergründig sollen die
Ergebnisse einen Beitrag dazu leisten, den Effekt der Reaktivierung aufzudecken. Zusätzlich sollen
sie aber auch den Hydratationsprozess dauerhafter beschreiben, um ebenfalls den Einfluss des Ver-
zögerers zu erfassen.
7.3.4 Zusammenfassung - Anregeranalyse
Die Anregeranalyse hat gezeigt, dass die Art und der Wirkstoffgehalt eines alkalischen Anregers
nicht nur die Hydratation einer unverzögerten HSM-Suspension steuert, sondern auch die einer ver-
zögerten Suspension. Somit kann mit einer entsprechend hohen Alkalität, wie sie bei Ac2 gegeben ist,
eine möglichst frühe Überwindung einer Verzögerung herbeigeführt werden, was zur Reaktivierung
führt und im Vergleich zur unverzögerten Referenz immer zeitlich verspätet in den Prozess der Hy-
dratation mündet. Mit einer verminderten Alkalität, wie sie bei Ac1 oder Ac3 gegeben ist, kann eben-
falls eine Reaktivierung erfolgen. Dafür bedarf es eines längeren Zeitraums oder einer Verminderung
des Verzögerergehaltes, um eine ähnlich schnelle Reaktivierung herbeizuführen, wie sie unter Ac2
vorliegt. Die Versuche haben ebenfalls die unterschiedliche Charakteristik der verwendeten Anreger
aufgezeigt, in der eine NaOH den Lösungsprozess maßgeblich in der frühen Phase der Hydratation
besitzt und eine Na2SiO3den Lösungsprozess in einer späteren Phase der Hydratation aufweist.
Mit Hilfe der Wärmeflusskalorimetrie konnten die Einleitung und der Ablauf der Akzelerationspe-
riode als wesentlichstes Indiz ausgemacht werden, um die Überwindung des verzögerten Zustandes
zu erkennen. Mit deren Beginn ereignen sich Wasserbindungen, die massemäßig am größten bei den
Anregungen mit Ac3 ausfallen, jedoch durch die thermische Analyse nicht in dieser Masse bestä-
tigt werden können. Ein einheitliches Gesamtergebnis liegt dagegen bei den Anregungen mit Ac1
und Ac2 vor. So zeigen hohe Wasserbindungen tatsächlich die mit der TG im Wesentlichen analy-
sierten C-S-H-Phasen an. Geringe Masseverluste, die auch eine geringe Wasserbindung aufweisen
und keine Akzelerationsperiode besitzen, stehen hingegen für gering vorliegende C-S-H-Phasen, die
dafür aber einen erhöhten Anteil an Carbonaten aufweisen. So kann ein vorhandener Unterschied
zwischen den Ergebnissen der Wasserbindungen und dem Gesamtmasseverlust der TG auf die Car-
bonatbildung zurückgeführt werden. Neben den C-S-H-Phasen resultiert Hydrotalcit als weiteres
Hauptprodukt der Hydratation.
Als Ergebnis der dreitägigen Anregeranalyse haben sich Ac1 und Ac2 zur intensiveren Analyse qua-
lifiziert, da sie die Reaktivierbarkeit von 1,00%R-Suspensionen ermöglichen.
7.4 Anregung
Bisher gelang es, eine HSM-Suspension über eine Zeit von mindestens einem Jahr in deren Hydratati-
on zu verzögern wie auch deren Phasenausbildung zu unterdrücken. Weiterhin ist es innerhalb eines
7.4 Anregung 94
Zeitraums bis 56 dnach Zuführung des Verzögerers gelungen diese erneut zur Hydratation anzu-
regen. Mit diesen errungenen Ergebnissen ist das Hauptziel, die Machbarkeitsstudie zur Reaktivie-
rung eines zuvor dauerhaft verzögerten Bindemittels und deren Hydratationsregulierung, erreicht.
Jetzt gilt es, die Hintergründe und die Eigenschaften eines derartigen Bindemittelsystems näher zu
beleuchten, mit besonderem Blick auf den Einfluss der eingesetzten Additive und die Phasenausbil-
dung über einen maßgeblichen Zeitraum der Hydratation.
Da aus den Ergebnissen der Anregeranalyse nicht klar hervorgeht, ob der Zeitpunkt der Reaktivie-
rung bzw. die Periode der Verzögerung einen Einfluss auf das Resultat der reaktivierten Mischung
besitzt, wird in einigen der nachfolgenden Ergebnisdarstellungen dieser mögliche Einfluss erneut
aufgegriffen, wieder unter der Verwendung der Verzögerungsperioden von 0 bis 56 d. Um auch die
Eigenschaften des Verzögerers näher zu betrachten, werden dessen Gehalte ebenfalls in ausgewähl-
ten Analysen im Bereich von 0,25%Rbis 1,00%Rvariiert. Ein wesentliches Resultat der vorange-
gangenen Analysen war die Erkennung der Abhängigkeit der Reaktivierung von der Alkalität des
Anregers. Daher steht bei der Verwendung von Ac1 und Ac2 dieser einflussnehmende Faktor auch
weiterhin im Fokus der Analysen. Die Hydratation wurde im Wesentlichen nach den Zeitpunkten
von 7, 28 sowie 90 duntersucht, teilweise wurde dies auch auf 365 dausgeweitet (vgl. Abbildung
3.2, Seite 36). Abschließend erfolgen die Betrachtungen der Ergebnisse zur Reaktivierung mit Ac3,
bei einem Verzögerergehalt von 1,00%R. Damit werden maßgebliche Eigenschaften aufgezeigt, die
mit einer alternativen Anregung des Wasserglases verbunden sind.
Eine Übersicht der angewandten Analysen verschafft die Abbildung 3.1 auf Seite 35. Als Ausgangs-
mischung zu diesen Analysen wurde die optimierte Zusammensetzung der HSM-Suspension ver-
wendet, als HSM 0,10%MC1 0,30 (Ref - Referenz). Auf der Grundlage dieser Mischung sind weitere
Referenzen eingesetzt worden, durch deren Erweiterung um den jeweiligen Anreger (Ref Ac1, Ac2
bzw. Ac3).
7.4.1 Konsistenz
In den Optimierungen des Frischleims konnte die grundsätzlich verflüssigende Wirkung des Verzö-
gerers aufgedeckt werden. Allerdings wurde diese nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet,
sondern nur direkt nach dem Mischprozess. Im Hinblick auf die Ergebnisse via NPOC, zur Adsorp-
tion des Verzögerers am Bindemittel, ließ sich feststellen, dass der Verzögerer über einen längeren
Zeitraum adsorbiert als nur nach dessen direkter Zuführung. So kam es erst nach 1 dzu einer gleich-
mäßigen Konzentration des Verzögerers in der Porenlösung, bei einem Gehalt von 1,00%R. Damit
konnte davon ausgegangen werden, dass diese Eigenschaft ebenso einen Einfluss auf die Verflüssi-
gung hat. Um dies zu verifizieren, wurden die Konsistenzen nach den Verzögerungsperioden und
somit vor der Zuführung des Anregers überprüft.
Ref 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
5
10
15
20
25
30
vor Schlägen nach Schlägen
Ausbreitmaß [cm]
Abbildung 7.21: Ausbreitmaß der Referenz (Ref - HSM 0,10%MC1 0,30) und Suspensionen einer
Verzögerung von 1,00%R nach Perioden von 0 bis 56 d
In Abbildung 7.21 sind die Ausbreitmaße der Referenz und der Suspensionen mit Verzögerer in den
Perioden von 0 bis 56 ddargestellt. Insgesamt zeigen die verzögerten Suspensionen ein einheitliches
Ergebnis. Dieses stellt sich weitestgehend unabhängig von den unterschiedlichen Verzögerungspe-
rioden dar und kann über alle verzögerten Mischungen mit einem Mittelwert und einer Standardab-
7.4 Anregung 95
weichung von 10,6 ±0,1 cm vor Schlägen und 18,6 ±0,4 cm nach Schlägen angegeben werden.20 Bei
genauerer Betrachtung der Ergebnisse könnte ein Anstieg des Ausbreitmaßes nach Schlägen vom 0.
auf den 1. dvermutet werden, was sich auf die zusätzliche Adsorption zurückführen ließe. Auch
wenn dieser nochmalige Anstieg des Ausbreitmaßes sehr gering ist, bleibt festzuhalten, dass in den
folgenden Ausbreitmaßen gleichbleibend hohe Werte vorhandenen sind, die oberhalb des Wertes
vom 1. dliegen. Indes resultiert der wesentliche Verflüssigungseffekt direkt nach der Zuführung des
Verzögerers am 0. d. Dies lässt die vergleichende Referenz ohne Verzögerer mit deren geringeren
Ausbreitmaßen von 9,9 cm vor Schlägen und 16,0 cm nach Schlägen erkennen. Der Unterschied im
Ausbreitmaß nach Schlägen von etwa 3 cm, der verzögerten Suspension zur Unverzögerten, stellt
die Wirkung des Additives dar, der die Umkehrung der elektrischen Ladungen am Bindemittel-
korn bewirkt (cf. [14,190,235]).21 Alle Suspensionen zeigen anhand des geringen Ausbreitmaßes
vor Schlägen eine hohe Grünstandfestigkeit, welche durch Krafteinwirkung in ein thixotropes Ver-
halten gewandelt wird, ob mit oder ohne Additiv. Eine Sedimentation konnte bei keiner der Sus-
pensionen festgestellt werden, weder am Ende der Verzögerungsperiode noch im Anschluss an die
Prüfungen des Ausbreitmaßes. Somit weicht dieses Ergebnis von den haptisch-visuellen Versuchen
ab, in denen Sedimentationen erkannt und erfasst wurden (vgl. Unterkapitel 7.2.2). Dies ist im Sinne
der Konsistenz und der Homogenität der Mischung als positiv zu werten. Der Unterschied in der
Feststellung kann vermutlich auf veränderte Bedingungen zurückgeführt werden, wie das Volumen
des Lagerungsbehälters und der Umfang der Probemasse. So wurde absolut betrachtet durch einen
größeren Behälter mehr Luftvolumen für die anfallende Feuchte bereitgestellt. In Folge stieg die re-
lative Feuchte auf ein Maximum von 100 % an und kondensierte an den Innenflächen des Behälters,
der etwa bis zu einem Drittel seiner Höhe gefüllt war.22 Gleichwohl unterschied sich das Verhältnis
des gegebenen Luftvolumens der Behältnisse, der haptisch-visuellen Versuche zur hier betrachte-
ten Probenlagerung, nur in absoluter Hinsicht nicht aber relativer. Daher müssen weitere Einflüsse
vorherrschen. Weitestgehend auszuschließen sind Verluste und veränderte Lagerungsbedingungen,
da alle Behältnisse luft- wie wasserdicht waren und eine Lagerung bei 20 Cerfolgte. Schließlich
können es nur veränderte Bedingungen in der Probenmasse sein, die zu den unterschiedlichen Re-
sultaten führten. Möglicherweise haben sich die Dichteverhältnisse und/oder die Viskositäten ver-
ändert, mit deren Anstieg eine geringere Sedimentation begründbar wäre (cf. [132]). Letztlich hat
die Kombination aus Lagerung, Einsatz von MC und Reduzierung des w/b-Werts dazu beigetragen,
dass am Ende jeder Verzögerungsperiode eine homogene Suspension vorlag, die oberflächlich keine
Flüssigkeitsabsonderung aufwies.
Die Ausbreitmaße der reaktivierten Suspensionen wurden nicht in Serie geprüft, da sie aufgrund
der Steigerung des w/b-Werts, von 0,30 auf 0,37 bzw. 0,40, in deren Konsistenz anstiegen und in
der Folge sehr fließfähig vorlagen. In einzelnen Prüfungen ließen sich Ausbreitmaße ohne Schläge
zwischen 26 und 30 cm feststellen, die nahezu keine Fließgrenze aufwiesen.
7.4.2 Ultraschall
In den Analysen zur Ultraschallgeschwindigkeit wurde das Verhalten der mit 1,00%Rverzöger-
ten Suspensionen von den Perioden zwischen 0 und 56 dnach deren Reaktivierung mit Ac1 und
Ac2 überwacht. Um den Einfluss des Verzögerers zu überprüfen, sind in Abbildung 7.22 ebenso die
Ergebnisse der Referenzen dargestellt. Sie zeigen in der Abbildung die Hydratationsverläufe über
einen Zeitraum von 7 dbzw. 168 han.
Bei der Betrachtung der Ergebnisse in Abbildung 7.22 fällt auf, dass die Reaktivierungen mit Ac2
alle erfolgreich vorliegen und an den Verlauf ihrer Referenz anknüpfen können, jedoch die Reakti-
vierungen mit Ac1 nicht den verzögerten Zustand überwinden. Dies steht teilweise im Widerspruch
mit den Ergebnissen der Anregeranalyse, in denen es mit den Suspensionen der Verzögerungspe-
rioden von 0, 1, 3 und 14 dnoch gelang eine Reaktivierung herbeizuführen. Dazu können mehrere
Gründe beitragen, wie die Verwendung verschiedener HSM-Chargen, die verwendeten Additive
20Diese Mittelwerte besitzen eine Grundgesamtheit von 14 Prüfungen, bestehend aus den doppelt hergestellten verzögerten
Suspensionen der Perioden zwischen 0 und 56 d, die für die Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 hergestellt wurden. Das
Ausbreitmaß fünf Minuten nach Schlägen lag bei 18,7 ±0,4 cm. Anhand der gegebenen Abweichungen ist das Anwachsen
des Ausbreitmaßes nicht gegeben und es liegt keine offensichtliche Sedimentation vor.
21Ein weiterer Effekt, der zur Steigerung des Ausbreitmaßes führt, sind sterische Abstoßungen, die beim Einsatz von MC
auftreten können [14,312].
22Für die haptisch-visuellen Versuche wurden Behältnisse verwendet, die ein Volumen von etwa 200 cm3besaßen und mit
rund 100 gProbenmasse gefüllt waren. Demgegenüber kamen zur Lagerung der zu reaktivierenden Suspensionen Behält-
nisse mit einem Volumen von 3600 cm3zum Einsatz, die mit rund 2000 gProbenmasse gefüllt waren.
7.4 Anregung 96
und die Durchführung der Analysen mit deren unterschiedlich hohen Probemassen. So wurde das
HSM der I. Charge einheitlich zu den Anregeranalysen verwendet, wobei das HSM der II. Char-
ge in den Versuchen der Anregung zum Einsatz kam (vgl. Anhang Tabelle A.1 bis A.3, Seite I).
Der Unterschied dieser beiden Chargen liegt in der Mahlfeinheit. So weist das HSM der II. Char-
ge einen geringeren Wert auf als das der I. Charge. Dieser Einfluss ist wohl unter der Anwendung
alkalischer Anreger eher weniger ausschlaggebend, da beide Referenzen sehr gut mit den Ergebnis-
sen der Wärmeflusskalorimetrie korrelieren (vgl. Unterkapitel 7.3.1). Indes scheinen die Reaktivie-
rungen unter Hinzunahme des Verzögerers zu heterogenen Ergebnissen zu tendieren, wodurch es
massiv erschwert wird, die genauen Hintergründe und Abhängigkeiten zu differenzieren und zu
erklären. Dabei ist zu beachten, dass die reaktivierten Proben nicht nur aus dem stark unterschied-
lich reagierenden HSM bestehen, sondern noch zusätzlich Additive beinhalten. Diese wirken auf
den Prozess der Hydratation jeweils entgegengesetzt ein, sodass sie einerseits eine dauerhafte Ver-
zögerung hervorrufen und andererseits den Lösungsprozess des Bindemittels maximieren. So ließen
sich die unterschiedlich resultierenden Druckfestigkeiten in Unterkapitel 7.1.5 noch mit Hilfe der
verschiedenen Oxidzusammensetzungen des Rohstoffs erklären. Hingegen scheint der vorliegen-
de Unterschied in der Mahlfeinheit nur noch bedingt einen Einfluss auszuüben (cf. [79]), wenn es
darum geht, dass ein Anstieg der Mahlfeinheit eigentlich die Schnelligkeit im Ablauf der Hydrata-
tion steigert (cf. [54,76,217,218]). Stärkere Veränderungen scheinen durch die Additive und deren
Gehalte hervorgerufen zu werden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass mit steigendem Pro-
benumfang bzw. Masse ein einheitlicheres Ergebnis in den Analysen einkehrt. So sorgt eine geringe
Probemasse für ein größeres Fehlerpotential bei den Vorbereitungen im Abwiegen und dem Misch-
prozess, wie bei den Analysen des Wärmeflusses mit einer Probemasse von 13,5 g. Aus Sicht der
praktischen Umsetzung lässt sich sagen, dass die exaktere Probenverarbeitung mit größeren Mas-
sen möglich war. Für die Ultraschallanalyse war die Grundlage eine Probemasse von über 2000 g.
Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Verwendung von Ac2 stetig zur Reaktivierung der verzögerten
Suspension geführt hat, nahezu unbeeindruckt von der verwendeten Probemasse, einer Verände-
rung der Charge des HSMs oder dem Einfluss des Verzögerers.
0h 24h 48h 72h 96h 120h 144h 168h
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000 Ref Ac2
0d 3d 7d
14d 28d 56d
(b)
Ultraschallgeschwindigkeit [m/s]
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000 Ref Ac1 (a)
Abbildung 7.22: Ultraschallgeschwindigkeit von Referenzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer
Verzögerung von 1,00%Rund Perioden von 0 bis 56 din (a) Ac1 und (b) Ac2
7.4 Anregung 97
Die Ergebnisse in der Abbildung 7.22 lassen die Reaktivierung nach dem 1. dder Verzögerung außen
vor. Wegen eines Fehlers in der Verarbeitung des Bindemittels ergab sich sowohl für die Reaktivie-
rung mit Ac1 als auch Ac2 der gleiche Ultraschallverlauf. Vermutlich sorgte dafür eine Verwechslung
von Anreger und Wasser. Daher lagen diese Suspensionen über einen beobachteten Zeitraum von
über 90 dverzögert vor. Wiederholungsversuche konnten nur noch mit dem HSM der III. Charge
durchgeführt werden, die ebenfalls keine Korrelation mit den vorliegenden Resultaten zuließ.
Die in Abbildung 7.22 dargestellten Referenzen zeigen einen schnellen Hydratationsverlauf nahezu
ohne Ausprägung einer dormanten Periode an. Diese Eigenschaft und der Beginn der Akzelera-
tionsperiode, der wiederum mit dem Erstarrungsbeginn nach Vicat weitestgehend übereinstimmt,
rundet die Korrelation der Ergebnisse von Wärmeflusskalorimetrie und Ultraschallanalyse ab. Ob-
wohl alle Reaktivierung mit Ac1 den verzögerten Zustand nicht völlig überwinden und demnach
auch nicht innerhalb der siebentägigen Messzeit erstarren, unterscheiden sie sich stark von den dau-
erhaft verzögerten Suspensionen ohne Anreger (vgl. Abbildung 7.10). Sie besitzen einen stetigen An-
stieg der Ultraschallgeschwindigkeit und verharren nicht bei einem gleichbleibenden Wert, nachdem
sie durch ihre heterogene Zusammensetzung die Schallgeschwindigkeit von Wasser aufweisen. So-
mit zeigt der Anstieg durch den schleichenden Fortschritt in der Überwindung der Verzögerung hin
zur Akzelerationsperiode eine Veränderung im Gefüge des Bindemittels an. Weil die Reaktivierun-
gen mit Ac1 nicht die Schallgeschwindigkeit von Wasser erreichen und auch keine Unstetigkeiten in
den Verläufen zeigen, scheinen die Suspensionen sehr homogen vorgelegen zu haben, ohne jegliche
Sedimentationen. Die Feststellungen unterstützen die Aussage, dass die Reaktivierungen ihre jewei-
lige Akzelerationsperiode nur nicht innerhalb der Messzeit erreichten, wodurch es sich nicht mehr
um eine Unterbindung der Hydratation handelt, sondern um den eingeleiteten Hydratationsprozess
infolge des Anregereinsatzes.
Im Vergleich zu den Reaktivierungen von Ac1 verhalten sich die Proben mit Ac2 deutlich reakti-
ver. Da sie mit den Verzögerungsperioden von 3 bis 56 dalle in einer Zeit von etwa 33 bis 45 h
erstarren. Dieser Zeitraum beginnt mit der ersten maximalen Krümmung des Ultraschallverlaufs
der Reaktivierung nach 28 dVerzögerung und endet mit dem Wendepunkt des S-förmigen Verlaufs
der Reaktivierung nach 7 dVerzögerung (cf. [212,242]). Dabei haben die Arbeiten von Reinhardt
u. Grosse [212] und Robeyst etal. [242] die entsprechenden Möglichkeiten der Auswertung formu-
liert. Sie stellen in ihren Beschreibungen jedoch keinen exakten Zeitpunkt für den Erstarrungsbeginn
dar, sondern schränken diesen nur auf einen Bereich im Umfeld der charakteristischen Punkte23 des
Kurvenverlaufs ein [212,242]. Daran angelehnt erfolgt ebenfalls die Angabe eines Zeitraums anstelle
eines Zeitpunktes. Dieser wäre mit anderen Analysemethoden auch schwer verifizierbar, da weder
aus der Wärmeflusskalorimetrie ein genauer Zeitpunkt hervorgeht, noch mit der Prüfung nach Vicat
ein solcher resultierte. Dementsprechend besteht eher eine qualitative als eine quantitative Korrela-
tion zwischen der Bestimmung des Erstarrungsbeginns nach Wärmeflusskalorimetrie und der nach
Ultraschallanalyse - zumindest, wenn der Beginn der Akzelerationsperiode in etwa dem Zeitraum
des Erstarrungsbeginns entspricht (vgl. Anhang Tabelle A.9, Seite IV). Aufgrund des schnellen Hy-
dratationsverlaufs vom Erstarrungs- bis zum Erhärtungsbeginn und des damit verbundenen steilen
Kurvenverlaufs ergibt sich der Umstand, dass die Differenz des angegebenen Zeitraums mit 12 h
recht gering ist. Daraus resultiert wiederum eine geringe Abweichung von dem exakten Erstarrungs-
beginn, sodass die getroffene Einschätzung als zielsicher und zutreffend betrachtet werden kann. Für
die Reaktivierung nach 0 dVerzögerung ergibt sich ein Erstarrungsbeginn, der in etwa zwischen 81
und 87 hliegt. Somit bilden die mit Ac2 reaktivierten Systeme unter Verzögererwirkung eine Verlän-
gerung der dormanten Periode aus, bevor sie dann vom Erstarrungsbeginn bis zum Erreichen der
maximalen Ultraschallgeschwindigkeit, unter Ausbildung eines S-förmigen Verlaufs, in die Erhär-
tung übergehen (cf. [43,90,212,242]).
Die Tabelle A.12 im Anhang auf Seite V zeigt die maximalen Ultraschallgeschwindigkeiten der durch
Ac2 reaktivierten Systeme, doch auch die Zeitpunkte zu denen 10, 50 und 90 % des Maximums er-
reicht wurden.24 Die maximalen Geschwindigkeiten der Reaktivierungen stellen sich nach 7 dMess-
zeit einheitlich mit einem Mittelwert von 3315 m/sund einer Standardabweichung von ±31 m/sein.
Aus dieser Darstellung erweist sich die Reaktivierung nach 0 dals der Verlauf mit der größten Träg-
heit. Dies konnte aber in den Anregeranalysen nicht derartig festgestellt werden (vgl. Unterkapitel
23Mit den charakteristischen Punkten sind Krümmungen und Wendepunkte gemeint. Reinhardt u. Grosse [212] beziehen
sich dabei auf die erste maximale Krümmung des Verlaufs der Ultraschallgeschwindigkeit über die Zeit nach einem an-
fänglichen linearen Anstieg. Robeyst etal. [242] bezeichnen den darauffolgenden Wendepunkt des S-förmigen Verlaufs als
charakteristisch für den Erstarrungsbeginn.
24Eine derartige Auswertung erfolgt nur für die Ergebnisse der Ac2-Reaktivierung, da diese die Verzögerung überwinden.
7.4 Anregung 98
7.3). Dennoch wäre eine Blockade der Effekte von Verzögerer und Anreger durch das Hinzufügen
der Additive zum nahezu gleichen Zeitpunkt denkbar. In der Folge würde der Verzögerer am Bin-
demittel und sonstigen Oberflächen adsorbieren, während der Lösungsprozess stattfindet, wodurch
es zu weiteren Adsorption des Verzögerers käme und der Lösungsprozess verlangsamt würde. Im
Abgleich mit der Referenz kann jegliche Verzögerung des Hydratationsablaufs allein auf den Ein-
satz des Verzögerers zurückgeführt werden. Dieser sorgt ebenso dafür, dass die maximalen Ultra-
schallgeschwindigkeiten aller Reaktivierungen oberhalb der Referenz von Ac2 liegen (cf. [252,293]).
Die oberhalb der Referenz liegenden Werte können mit einem mittleren Zuwachs von 7,9 % be-
ziffert werden. Folglich können auch Steigerungen für die Festigkeitsentwicklung erwartet werden
(cf. [228,229,313,314]), die nach den hier dargestellten Ergebnissen schneller im Hydratationspro-
zess wirken könnten, als bisher bei geringen Verzögerergehalten festgestellt wurde (vgl. Unterkapitel
7.1.5). Dennoch vermittelt nicht nur dieser Umstand ein Potential zur Steigerung des Hydratations-
prozesses, sondern auch der Anstieg der gemessenen Ultraschallgeschwindigkeiten unter alkalischer
Anregung, der beim Vergleich der Referenzen ohne und mit alkalischer Anregung festzustellen ist
(vgl. Abbildung 7.10 und 7.22). Diese Steigerung ist zum einen auf die Verminderung des w/b-Werts
zurückzuführen und zum anderen auf die Intensivierung des Hydratationsprozesses durch den Ein-
satz der alkalischen Anreger (cf. [98,212,213]).
7.4.3 Festigkeit
Bisher konnte aus den Ergebnissen verschiedener Analysen lediglich erahnt werden, welche poten-
tielle hydratationsfördernde Wirkung der Einsatz des Verzögerers verspricht (vgl. Unterkapitel 7.1
und 7.3). Jedoch stellen die folgenden Ergebnisse der Druckfestigkeitsprüfungen diesen Effekt dau-
erhafter und weitreichender dar, als es die bisherigen Analysen tun konnten. Dazu wurden längere
Hydratationszeiträume als 14 dbetrachtet und größere Verzögerergehalte als 0,05%Reingesetzt. So
soll unter der Verwendung von Verzögerergehalten zwischen 0,25%Rund 1,00%Rim Verlauf einer
Hydratationszeit von 7 bis 90 dder genannte Effekt nachvollzogen werden. Die Reaktivierung der
verzögerten Suspensionen erfolgte mit den Anregern Ac1 und Ac2 während der Perioden von 0 bis
56 d. Die Ergebnisse in Abbildung 7.23 stellen auch weitere wesentliche Abhängigkeitsbeziehungen
dar, die innerhalb des Bindemittelsystems einen Einfluss auf den Hydratationsprozess besitzen.
Grundsätzlich sind die Ergebnisse der Druckfestigkeiten in Abbildung 7.2325 hinsichtlich der ver-
wendeten Verzögerer- und Anregergehalte nach den unterschiedlichen Hydratationszeitpunkten der
Prüfung zu unterscheiden. Es besteht der allgemeine Zusammenhang, dass mit einem höheren Ver-
zögerergehalt auch eine höhere Endfestigkeit erreicht wird, nicht aber die höchste Frühfestigkeit (cf.
[151,152,252]). Eine weitere Abhängigkeit ergibt, dass mit dem höchsten Anregergehalt auch die
höchste Druckfestigkeit erreicht wird (cf. [252,318]). Dies trifft sowohl auf die Referenzen als auch
auf die Reaktivierungen zu. Somit kann bestätigt werden, dass die Hydratation in ihrem Fortschritt
und Grad über die Höhe des NaOH-Gehaltes regulierbar ist (cf. [99]).
Diese Effekte sind allerdings etwas differenzierter zu betrachten, gerade bzgl. der Frühfestigkeit und
der damit in Verbindung stehenden Überwindung des verzögerten Zustandes nach Reaktivierung.
Die Werte der Abbildung 7.23(a) zeigen, dass mit geringer werdendem Verzögerergehalt bei Ac1
eine höhere Druckfestigkeit am 7. dder Hydratation resultiert. Hingegen wird bei einem zu hohen
Verzögerergehalt von 1,00%Rdas Wachstum der Festigkeitsphasen soweit unterbunden, dass der er-
starrte Zustand und damit die Verkittung der Bindemittelkörner nicht erreicht wird, ähnlich zu den
Resultaten von Ma etal. [152]. Der noch vorliegende verzögerte Zustand muss dagegen nicht von
Dauer sein, da er mit einer Erhöhung des Anregergehaltes regulierbar wird (vgl. Abbildung 7.23(b)).
Dies bedeutet, dass mit zunehmendem Anregergehalt die Überwindung des verzögerten Zustandes
schneller herbeigeführt werden kann. Durch dieses Resultat korrelieren die Ergebnisse der Druck-
festigkeiten mit denen der Anreger- und Ultraschallanalyse (vgl. Unterkapitel 7.3 und 7.4.2). Somit
gilt, dass bei geringem Anregergehalt ein geringer Verzögerergehalt vorhanden sein sollte, um die
Erstarrung schnellst möglich herbeizuführen. Ein weiterer Weg, unter dem das gleiche Ergebnis re-
sultiert, ist die Verwendung des höchsten Anregergehaltes, da in diesem Fall die Verzögerung bei
allen Gehalten im frühen Stadium der Hydratation überwunden wird. Hieraus ergibt sich ebenfalls,
dass ein hoher Anreger- wie auch hoher Verzögerergehalt vorhanden sein sollte, um die höchste
25Den Ergebnissen, die in der Abbildung 7.23 mit einem ?und einem entsprechenden Hydratationszeitpunkt versehen sind,
standen für diesen Zeitpunkt lediglich eine Grundgesamtheit von vier Messwerten für die Berechnung von Mittelwert
und Abweichung zur Verfügung, aufgrund der Streuung der Druckfestigkeiten. Trotz, dass dies von Vorschriften der DIN
EN 196-1 [51] abweicht, fügen sich die Ergebnisse nahezu nahtlos in den Gesamtverlauf ein.
7.4 Anregung 99
Druckfestigkeit herbeizuführen. Unter diesen Voraussetzungen können Faktoren für die Steigerung
der Druckfestigkeit durch den Einsatz eines Verzögerers im Vergleich zur Festigkeit der jeweiligen
Referenz ohne Verzögerer berechnet werden. Diese resultieren aus den gemittelten Druckfestigkei-
ten nach 90 dHydratation über alle Reaktivierungen eines Anregers bei 1,00%R. Somit ergibt sich
für Ac2 ein Faktor von 1,7 und für Ac1 von 2,3.26 Durch das Bindemittelkonzept der Reaktivierung
wird die Druckfestigkeit der Referenz mindestens um 70 % übertroffen.
0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
10
20
30
40
50
60
70
(b)
*F90d
*F7d
*F90d
F90d:
F28d:
F7d:
Druckfestigkeit [N/mm²]
0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0
10
20
30
40
50
60
70
Ref 0,25%R 0,50%R 1,00%R
(a)
*F90d
Abbildung 7.23: Druckfestigkeiten von Referenzen (Ref) und Reaktivierungen nach Verzögerungs-
perioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rbis 1,00%Rin (a) Ac1 sowie (b)
Ac2
Die Druckfestigkeiten der Referenzen ohne Verzögerer zeigen auch, dass mit einem höheren Anre-
gergehalt ebenfalls ein effektiverer Lösungsprozess und damit höhere Festigkeiten verbunden sind
(vgl. Abbildung 7.23). Dieser Zusammenhang ist auf die Art des Anregers und dessen hohe Alka-
lität zurückzuführen (cf. [11,12,104,175,288,289]). Verschiedene Forschungsarbeiten [82,267,278]
haben den schnellen Lösungsprozess und die damit einhergehende hohe Energiefreisetzung aufge-
zeigt, genauso wie es die Wärmeflüsse in Abbildung 7.18 tun. Diese Eigenschaften und Vorteile der
NaOH wurden in diesem Bindemittelsystem gezielt eingesetzt, um die Verzögererwirkung in der
dormanten Hydratationsperiode zu überwinden. Diese besteht wahrscheinlich aus einer Kombina-
tion einer vorliegenden Komplexbildung des Calciums mit dem Verzögerer und einer Adsorption
des Verzögerers am Bindemittelkorn in einer Porenlösung mit geringem pH-Wert infolge des Ein-
satzes der sauren Verzögererlösung. Durch die Adsorption würde eine schützende Umhüllung um
das Bindemittelkorn aufgebaut werden, in deren Folge der Zutritt jeglicher anregender und lösen-
der Stoffe eingeschränkt bzw. verhindert wird. Mit dem Einsatz des alkalischen Anregers war es
das Ziel, den pH-Wert der Porenlösung zu erhöhen, um damit die Grundlage für den Ablauf eines
Hydratationsprozesses herzustellen, mit dem die Verzögerung überwunden werden kann. Damit
wird die Bedingung für Lösungsprozesse bereitgestellt, woraufhin z. B. SiO2aus dem Korn des HSs
26Bei der Betrachtung der absoluten gemittelten Druckfestigkeiten nach 90 dHydratation ergibt sich für die Reaktivierung
von Ac2 ein Wert von 52,89 ±3,23 N/mm2und für Ac1 ein Wert von 34,31 ±1,65 N/mm2.
7.4 Anregung 100
herausgelöst werden kann und es zur Bildung von C-S-H-Phasen kommt, die unter anderem zur
Erstarrung der Suspension beitragen.
Obwohl der alkalische Anreger den Lösungsprozess vorantreibt, hemmt scheinbar der relativ hohe
w/b-Wert von 0,40 bei Ac1 und 0,37 bei Ac2 die Festigkeitsentwicklung. Dies kann aus einem Ver-
gleich mit den Festigkeiten einer Mischung ohne Anreger, einem w/b-Wert von 0,30 und bei gleicher
HSM-Charge (HSM 0,10%MC1 0,30) geschlossen werden (vgl. Anhang Tabelle A.13, Seite V). Wird
indes der Einfluss des w/b-Werts bei reinen HSM-Mischungen betrachtet, in denen keine weiteren
Komponenten vorhanden sind als HSM einer gleichen Charge und Wasser, so relativiert sich der
Eindruck um den Einfluss des w/b-Werts, zumindest bei einem Unterschied im w/b-Wert von 0,05
(vgl. Anhang Tabelle A.13 mit A.7, Seite V und III). Dem Vergleich ist zu entnehmen, dass zu allen
Hydratationszeitpunkten nahezu die selben Festigkeiten vorliegen.27 Weitreichender scheint dage-
gen der Einfluss der MC zu sein, da dieser die Festigkeitsentwicklung und auch die Rohdichte zu
jeder der betrachteten Hydratationszeitpunkte mindert. Anhand des Vergleichs einer Mischung oh-
ne und mit MC bei sonst gleichen Bedingungen wird nach 90 dder Hydratation eine resultierende
mittlere Minderung von rund 13 % ersichtlich (vgl. Anhang Tabelle A.13, Seite V). Der Einfluss der
MC übersteigt den Einfluss des w/b-Werts. Dies zeigt auch der Vergleich der Druckfestigkeiten der
Referenz ohne MC und einem w/b-Wert von 0,35, zur Referenz mit MC und einem w/b-Wert von
0,30 (vgl. Anhang Tabelle A.7 und A.13, Seite III und V). Trotz des um 0,05 geringeren w/b-Werts
zeigt die Referenz mit MC nach 90 dder Hydratation eine mittlere Minderung von rund 18 %. Mögli-
cherweise entzieht die MC den Mischungen das notwendige Wasser für die Hydratation, sodass die
Ausbildung der Hydratphasen gehemmt wird, weswegen auch die Festigkeit Einbußen erleidet.28
Mit dieser Erklärung würde die Festigkeitsreduzierung in Verbindung mit dem Einsatz der MC zu-
nehmend an Einfluss verlieren, wenn ein Anstieg des w/b-Werts erfolgt - mit der Einschränkung,
dass auch bei einer nicht genau verifizierten Höhe des w/b-Werts eine Minderung der Festigkeit
eintritt. Offensichtlich werden die Zusammenhänge und Abhängigkeiten komplexer, vor allem mit
zunehmendem Einsatz von Additiven und deren variierenden Gehalten, trotz einer einheitlich gleich
verwendeten HSM-Charge. Dennoch ist eine Relativierung bzgl. der Ergebnisse in Abbildung 7.23
notwendig, da bei diesen lediglich eine Varianz innerhalb des Verzögerers und des Anregers vorlag
und weitere auf die Hydratation einflussnehmenden Parameter im Wesentlichen gleich waren.
Die in Abbildung 7.23 dargestellten Ergebnisse zeigen, dass der Verzögerer einen maßgeblichen An-
teil an der gegenüber den Referenzen ansteigenden Druckfestigkeit besitzt. Dies kann in Anlehnung
an Juenger u. Jennings [111] sehr wahrscheinlich auf eine gesteigerte Oberfläche zurückgeführt wer-
den, woraufhin bei ablaufender Hydratation mehr Produkte generiert werden können. Ein Anstieg
der spezifischen Oberfläche in Verbindung mit dem Einsatz eines Verzögerers ließ sich bereits mit
den Ergebnissen der Verzögerung bestätigen (vgl. Abbildung 7.8). Dies allein bildet jedoch noch kei-
nen eindeutigen Beweis, dass die Oberfläche tatsächlich der Grund für die Steigerung der Festigkeit
ist. Insbesondere weil anhand des Messwertes lediglich ein Anstieg infolge der Hydratation verifi-
zierbar ist, der auch ohne Verzögerer eintritt. Ein alleiniger Anstieg ohne Hydratationseinfluss kann
indes nicht nachgewiesen werden. Somit bildet die spezifische Oberfläche einen entscheidenden Ei-
genschaftswert, der einen Zugewinn an Oberfläche infolge des Hydratationsfortschritts anzeigen
kann. Außerdem bleibt abzuwarten, welche Entwicklung dieser Wert nimmt, wenn die Anwendung
von Verzögerer und Anreger kombiniert erfolgt und über einen längeren Hydratationszeitraum be-
trachtet wird (siehe Unterkapitel 7.4.5). Ein ähnlicher Erklärungsansatz zur Steigerung der Festigkeit
liegt in einer möglichen keimbildenden Wirkung des Verzögerers, nachdem dieser aus der Porenlö-
sung abgebaut und in Produkte eingebunden wird, zumindest postulieren dies Luke u. Luke [151].
Wie bei den Druckfestigkeiten ergibt sich auch bei den Rohdichten der einheitliche Trend, dass die
Reaktivierungen nahezu alle ihre jeweilige Referenz übersteigen, wofür der Verzögerer mit der Ver-
dichtung des Gefüges sorgt (vgl. Anhang Abbildung A.4, Seite V). Einzelne Abweichungen können
auf die teilweise vorgelegenen Deformierungen zurückgeführt werden, wodurch eine Erfassung der
Maße nicht immer genau gelang. Ein weiterer Trend ist durch die verwendeten Anreger gegeben.
Dabei erreichen alle Suspensionen, die mit Ac2 angeregt wurden, eine höhere Rohdichte als die mit
Ac1. In Verbindung mit dem Anstieg der Verzögerergehalte kann ebenso eine Einheitlichkeit im Ab-
fall der Rohdichten erkannt werden. Allerdings lässt sich keine Eindeutigkeit bei dem Verlauf der
27Auch die Rohdichten dieser Mischungen liegen im Mittel bei 1, 99 ±0,02 g/cm3und sind damit sehr einheitlich.
28Die Ergebnisse der haptisch-visuellen Studie zeigen eine Suspension mit 0,05%MC, der es innerhalb eines Zeitraums von
über 100 dgelingt, von 30 gWasser in 100 gProbenmasse mindestens 4 gWasser dauerhaft zu binden (vgl. Unterkapitel
7.2.2). Dieses Wasser steht möglichen Hydratphasen offensichtlich nicht zur Reaktion bereit. Davon ausgehend, dass die
doppelte Masse MC dauerhaft auch die doppelte Masse Wasser absorbiert, würde der Suspension gerade etwa soviel
Wasser zur Verfügung stehen, um ihren mittleren Wasseranspruch zu decken (vgl. Anhang Tabelle A.2, Seite I).
7.4 Anregung 101
Rohdichten über die Hydratationszeit ausfindig machen. Eigentlich wäre hier eine Reduzierung zu
erwarten, aufgrund der Bildung von Hydratationsprodukten und der möglichen Entstehung von
Poren. Wie schon die Ergebnisse der Druckfestigkeiten zeigen auch die der Rohdichten eine relative
Gleichmäßigkeit über die verschiedenen Zeitpunkte der Verzögerungsperioden von 0 bis 56 d(vgl.
Abbildung 7.23 mit Anhang Abbildung A.4, Seite V). Auch die nur kurz im Zustand der Verzöge-
rung verweilenden Perioden stellen keine Ausnahme dar, sodass diese Ergebnisse keine Korrelation
mit dem abweichenden Ultraschallverlauf nach 0 dVerzögerung aufweisen (vgl. Abbildung 7.22(b)).
Somit werden auch die Ergebnisse der Rohdichte maximal durch die Additive beeinflusst.
30
50
70
Ac1: F7d/F28d F7d/F56d F7d/F90d
(a)
Ac2: F7d/F28d F7d/F56d F7d/F90d
30
50
70 (b)
Relativer Festigkeitszustand [%]
Ref Ac1Ref Ac2 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
30
50
70 (c)
Abbildung 7.24: Relativer Festigkeitszustand am 7. dmit Bezug zum 28., 56. und 90.dder Hydratati-
on, von Referenzen (Ref) und Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach Verzögerungs-
perioden von 0 bis 56 din den Gehalten (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R
Die Länge der Verzögerungsdauer, also die Verweilzeit in der dormanten Periode, ist für die erreichte
Druckfestigkeit von geringer Bedeutung, was die Gleichmäßigkeit der Ergebnisse in Abbildung 7.23
zeigen. Den vorherigen Ausführung ist zu entnehmen, dass auch der w/b-Wert einen eher geringen
Einfluss auf die Druckfestigkeit ausübt, wenn dessen Unterschied gering ist und die sonstige Zu-
sammensetzung gleich bleibt. Dies ermöglicht die Aussage, dass die wesentlichen Einflussfaktoren
auf dem Verzögerer sowie Anreger und dessen Gehalten beruhen. Auf dieser Grundlage soll nun
das relative Verhalten der Druckfestigkeiten vom 7. bis 90. dder Hydratation begutachtet werden.
In Abbildung 7.24 ist der Festigkeitszustand am 7. dgegenüber den erreichten Festigkeiten am 28.,
56. und 90. d, mit den bekannten Variationen im Verzögerer- und Anregergehalt, dargestellt. So lässt
sich aus der Abbildung z. B. die Information entnehmen, dass die Referenz von Ac1 am 7. d70 % der
Druckfestigkeit vom 28. derreicht hat.29 Anhand der Ergebnisse der Abbildung 7.24(a) ist eine nahe-
zu völlige Konstanz innerhalb der unterschiedlich hohen Anregergehalte festzustellen, obwohl die
absoluten Druckfestigkeiten stark voneinander abweichen (vgl. Abbildung 7.23). An den folgenden
Ergebnissen dieser Abbildung lässt sich der Trend ablesen, dass mit ansteigendem Verzögerergehalt
die Differenz im Zuwachs um die relativen Festigkeiten der beiden Anreger zunimmt. Bis zu dem
Extrem, dass bei 1,00%Ram 7. dmit Ac1 keine Festigkeiten vorliegen. Somit minimiert sich der relati-
29Allgemein gilt, dass eine Reduzierung der relativen Festigkeiten mit dem Anstieg der Betrachtungszeitpunkte erfolgt, da
der Bezugspunkt konstant bei 7 dbleibt, die Hydratation aber voranschreitet und mit ihr die Festigkeiten.
7.4 Anregung 102
ve Festigkeitszuwachs bei Ac1 mit zunehmendem Verzögerergehalt. Nahezu unbetroffen sind davon
die Zuwächse unter Ac2. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass der maßgebende Faktor für die
Erzielung einer Druckfestigkeit der Anreger- und weniger der Verzögerergehalt ist, zumal der Ver-
zögerer erst ab einem Gehalt von 0,50%Rdie Entwicklung der Relativwerte nachhaltig beeinflusst.
Unterstützung findet diese Feststellung in den überprüfenden statistischen Berechnungen einer Vari-
anzanalyse30. Als weiteren Einflussfaktor stellt die Analyse die Hydratationszeit heraus. Somit kann
den Ergebnissen in der Abbildung 7.24 ebenfalls entnommen werden, dass der wesentliche Festig-
keitszuwachs bis zum 28. dder Hydratation erfolgt. Die Abbildungen A.5 und A.6 im Anhang auf
Seite VI stellen vergleichende Resultate in einer ähnlichen Auswertung dar. Diese Ergebnisse treffen
eine Aussage über den relativen Festigkeitszuwachs vom 7. bzw. 28. dauf den 28. bzw. 56. oder auch
90. d. Ein Beispiel dafür ist, dass die Referenz von Ac1 einen Festigkeitszuwachs von 30 % vom 7. auf
den 28. dder Hydratation erfährt. Abgesehen davon, dass anhand der Relativwerte ebenfalls die vor-
angegangenen Aussagen abgelesen werden können, zeigen die Abbildungen weitere Eigenschaften
der reaktivierten Bindemittelsysteme auf. Anhand der höheren Zuwächse der reaktivierten Systeme
gegenüber ihren Referenzen ist der Einfluss des Verzögerers nachweisbar (vgl. Anhang Abbildung
A.5, Seite VI). Dieser sorgt dagegen offensichtlich nur bis zum 28. dder Hydratation für einen An-
stieg der Druckfestigkeiten, da sich die Steigerungen der Referenz ab diesem Zeitpunkt etwa gleich
zu den Reaktivierungen verhalten (vgl. Anhang Abbildung A.6, Seite VI). Dieser Zeitpunkt scheint
auch für die Zuwächse unter Einfluss des Anreger- und Verzögerergehaltes entscheidend zu sein, da
ab dem 28. ddie Gehalte für den weiteren Anstieg der relativen Festigkeiten keine Rolle zu spielen
scheinen. Daher fallen die verhältnismäßigen Ergebnisse der Reaktivierungen durch Ac1 und Ac2
bei allen Verzögerergehalten weitestgehend einheitlich aus. Die Ergebnisse ließen auch die Vermu-
tung zu, dass der Anregergehalt lediglich sekundär für die Erzielung höherer Festigkeiten sorgt und
primär die schnelle Überwindung der Verzögerung hervorruft, wodurch ein längerer Zeitraum zur
Bildung von Hydratationsprodukten geschaffen wird. In dieser Hinsicht besitzen die Systeme mit
Ac2 alle einen früheren Reaktivierungszeitpunkt als die mit Ac1.
Resümierend können die bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse der Ultraschall- und Festigkeits-
prüfungen in Abhängigkeitsbeziehungen ausgedrückt werden. Dabei resultieren die auf den Hydra-
tationsprozess und die Entwicklung der Druckfestigkeit festgestellten Einflussparameter maßgeblich
aus den Rohstoffen (siehe Beziehung 7.1), den Gehalten (siehe Beziehung 7.2) und der Zeit (siehe Be-
ziehung 7.3). Die Angabe des HSMs umfasst das komplette Bindemittel und differenziert nicht in
Mahlfeinheit und Oxidzusammensetzung.
Anreger >> Verzögerer >HSM >MC Rohstoffeinfluss (7.1)
Anregergehalt >> Verzögerergehalt >w/b-Wert Gehalteinfluss (7.2)
Hydratationsperiode >> Reaktivierungszeitpunkt >Verzögerungsperiode Zeiteinfluss (7.3)
7.4.4 Thermische Analyse
Die folgenden Ergebnisse in der Abbildung 7.25 und 7.26 bauen auf den schon bekannten Resultaten
des Unterkapitels 7.3.3 auf. Somit folgt auf die bisherige Betrachtung der Phasenbildungen nach 3
dder Hydratation die Betrachtung der Zeitpunkte nach 7, 28, 90 und 365 d. Die Reaktivierungen
erfolgen mit Ac1 und Ac2 nach den Verzögerungsperioden von 0 bis 56 d, die mit den Gehalten von
0,25%Rbis 1,00%Rhergestellt wurden.
Anhand der Ergebnisse in Abbildung 7.25 und 7.26 ergibt sich der Zusammenhang, dass nicht nur
mit ansteigendem Hydratationsfortschritt, sondern auch mit Anstieg des Verzögerer- und Anreger-
gehaltes mehr Hydratationsprodukte gebildet werden. Allumfassend wird dies durch das maßge-
bende Resultat der TG-Analyse ausgedrückt, dem Gesamtmasseverlust. Weiterhin zeigen die Mas-
severluste, dass die Reaktivierungen spätestens am 28. dder Hydratation gleich viel oder mehr
Hydratationsprodukte besitzen, wie ihre jeweilige Referenz ohne Verzögerer. Hingegen übertreffen
die Reaktivierungen mit Ac2 bereits nach 7 ddie Referenz, wie bei den Ergebnissen der Druckfes-
tigkeit (vgl. Abbildung 7.23). Dies unterstreicht den positiven Effekt des Verzögerers, den er auf
den Fortschritt der Hydratation und die damit verbundene Phasenbildung ausübt, hebt aber auch
gleichzeitig die effektivere Anregung durch Ac2 in den Vordergrund. Die Reaktivierungen von Ac1
mit 1,00%Rweisen nach 7 dder Hydratation den geringsten Zuwachs an Hydratationsprodukten
30In der Varianzanalyse wurden die maßgebenden Einflüsse der unabhängig voneinander auf das Ergebnis der Druckfestig-
keit einwirkenden Faktoren der Anreger- und Verzögerergehalte sowie Hydratationszeitpunkte untersucht (cf. [5]).
7.4 Anregung 103
auf und stehen somit in Korrelation zu den Druckfestigkeiten (vgl. Abbildung 7.25(c) und 7.23(a)).
Ebenso korrelieren die übrigen Ergebnisse mit den Druckfestigkeiten. Grundsätzlich zeigt auch diese
Analysemethode das große Potential des Verzögerers, mit dessen Einsatz eine Leistungssteigerung in
der Form von mehr generierten Hydratationsprodukten eintritt. Vergleichbar ist dies mit den Resul-
taten der Druckfestigkeiten, da auch bei ihnen die reaktivierten Systeme die Referenzen spätestens
am 28. dder Hydratation übertreffen. Wenn jedoch aus einer hohen erreichten Druckfestigkeit auf
ebenso hohe Anteile an Hydratationsprodukten geschlossen werden soll, lässt der folgende Vergleich
erkennen, dass dies nicht immer zutreffend ist. Wurde noch bei den Prüfungen der Druckfestigkeit
für die nicht angeregte Mischung (HSM 0,10%MC1 0,30) höhere Festigkeiten festgestellt, so liegen
in der Phasenanalyse deutlich geringere Anteile an gebundenem Wasser vor als für ihre angereg-
ten Referenzen mit Ac1 und Ac2 (vgl. Anhang Tabelle A.14, Seite VII). Dies zeigt, dass trotz dieser
beiden weitreichenden Untersuchungen offene Fragen bleiben, die erst mit einer weiteren Analyse
beantwortet werden können. Eine Lösung könnten die Betrachtungen des Gefüges via REM liefern
(siehe Unterkapitel 7.4.7). So könnte ein sehr dichtes Gefüge der Grund für hohe Druckfestigkeiten
sein und ein vergleichbar weniger dichtes der Grund für geringere Druckfestigkeiten.
Ref 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
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30-250°C 200-775°C 350-700°C 675-1000°C
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Masseverlust [M.-%]
0
3
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15
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(a)
Gesamtmasseverlust [M.-%]
Abbildung 7.25: TG-Analyse des Feststoffs nach 7, 28 und 90 dder Hydratation (von links nach rechts
pro Grafik) mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und dem Gesamt-
masseverlust der Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac1nach Verzögerungs-
perioden von 0 bis 56 din den Gehalten (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R
Die Ergebnisse der einzelnen Zeitpunkte der Reaktivierungen in den Abbildungen 7.25 und 7.26,
zeigen eine geringe Varianz, ähnlich zu den Resultaten der Druckfestigkeiten (vgl. Abbildung 7.23).
Als auffällig stellen sich lediglich die Masseverluste der Verzögerungsperiode von 0 ddar, unab-
hängig vom Verzögerergehalt. Tendenziell betrachtet weisen diese gegenüber den anderen Verzö-
gerungsperioden einen geringeren Gesamtmasseverlust auf, insbesondere nach einer Zeit von 90 d
Hydratation. Sie zeigen zwar meist eine erhöhte Phasenbildung nach 7 d, dagegen bleiben die wei-
teren Entwicklungen hinter den Proben längerer Verzögerungsperioden zurück. Dadurch resultiert
ein flacherer Anstieg im Gesamtmasseverlust und den Masseverlusten der einzelnen Temperaturbe-
reiche. Wie schon bei der Ultraschallanalyse bestehen auch bei der TG-Analyse die Auffälligkeiten
bei der Reaktivierung nach 0 dVerzögerung (vgl. Abbildung 7.22). In dem vorherigen Unterkapitel
7.4 Anregung 104
wurde eine Blockade der beiden Effekte von Verzögerer und Anreger durch die nahezu gleichzeitige
Zugabe vermutet. Dies könnte auch hier den Unterschied der Ergebnisse erklären, der gegenüber
den anderen Reaktivierungen besteht (cf. [183,184]). Es ist zu vermuten, dass die Adsorption des
Verzögerers am unhydratisierten Bindemittel durch die bereits ablaufende Hydratation infolge des
Anregers eingeschränkt wird. Daraus würde nicht grundsätzlich eine Verhinderung der Adsorpti-
on auftreten, sondern vielmehr eine Adsorption an allen vorhandenen Oberflächen u. a. an bereits
entstandenen Hydratationsprodukten, wodurch der Verzögerer nicht nur an der Entfaltung seiner
Wirkung gehindert würde, sondern evtl. sogar in Hydratationsprodukte eingebunden wird.
30-250°C 225-750°C 425-700°C 675-975°C
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Masseverlust [M.-%]
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18
(a)
Gesamtmasseverlust [M.-%]
Abbildung 7.26: TG-Analyse des Feststoffs nach 7, 28 und 90 dder Hydratation (von links nach rechts
pro Grafik) mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und dem Gesamt-
masseverlust der Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac2nach Verzögerungs-
perioden von 0 bis 56 din den Gehalten (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R
Erfolgt die Zugabe des Verzögerers und Anregers nahezu zeitgleich, besitzt der Verzögerer offen-
sichtlich nicht genügend Zeit seine komplette Wirkung zu entfalten, woraufhin er in seinem leis-
tungssteigernden Effekt gehemmt wird. Dieser Prozess scheint irreversibel zu sein - d. h. wird der
Verzögerer zu Beginn in seiner Adsorption am HS-Korn eingeschränkt, bremst dies die Entwick-
lung der Hydratation nachhaltig aus und kann nicht aufgeholt werden. Ein Beispiel dafür ist die
Reaktivierung nach 0 dVerzögerung, bei der ab dem 7. dder Hydratation gegenüber längeren Ver-
zögerungsperioden eine verminderte Phasenentwicklung vorliegt. Somit bedarf es einer gewissen
Verweilzeit des Verzögerers in einem Bindemittelsystem ohne alkalischen Anreger, damit er seine
volle und kontrollierte Wirkung entfalten kann. Dazu gehört die Schaffung von feineren Strukturen
und größeren Oberflächen, die über die fortschreitende Hydratation mehr Produkte entstehen lassen
(cf. [111]). Nach den Ergebnissen der NPOC-Analyse sollte diese Verweilzeit bei 1,00%Rmindestens
1dbetragen, da nach diesem Zeitpunkt keine weitere Adsorption des Verzögerers am Bindemit-
tel stattfindet (vgl. Abbildung 7.1). Es besteht weiterhin die Abhängigkeit, dass mit ansteigendem
Gehalt von Verzögerer und Anreger mehr Hydratationsprodukte gebildet werden. Wahrscheinlich
kann bei der nahezu zeitgleichen Zugabe von Anreger und Verzögerer die Lösung der Bindemittel-
körner unmittelbarer erfolgen, da der Anreger vermutlich nicht eine Komplexbildung des Calciums
mit dem Verzögerer überwinden und die Adsorption des Verzögerers am Bindemittel durchbrechen
7.4 Anregung 105
muss. Als Folge einer schnellen Lösung des Bindemittels durch den Anreger (cf. [82,267,278]) stei-
gen in der Porenlösung die Alkalien an, sodass ein dynamischer Hydratationsprozess entfacht wird
und ebenfalls der pH-Wert ansteigt. Mit der Überleitung in diesen Zustand der Hydratation würden
verbleibende Reste des Verzögerers sicherlich keine weitere einschränkende Wirkung besitzen, die
ein Erstarren bzw. die Einleitung der Hydratation behindern.
Der maßgebliche Einflussfaktor bei der Entstehung der Hydratationsprodukte in den einzelnen Tem-
peraturbereichen ist die Hydratationszeit. Dennoch unterscheiden sich die Masseverluste je nach
Anreger und bei dessen geringeren Gehalten auch innerhalb der Verzögerergehalte. So ergibt sich
gerade bei den Reaktivierungen von 1,00%Rmit Ac1 nach 7 dHydratationszeit nur ein geringer
Massenanteil an C-S-H-Phasen (vgl. Abbildung 7.25(c)). Die Phasen sind hauptsächlich dem Tem-
peraturbereich zwischen 30 und 250 Czuzuweisen (cf. [11,85,91,244,316]). Da sie sich jedoch
auch hinter dem linearen und temperaturunspezifischen Verlust verbergen ist ersichtlich, dass die
Reaktivierung von 1,00%Rmit Ac1 nach 7 dtatsächlich zu den Resultaten zählen, die die geringsten
C-S-H-Phasen aufweisen und auch sonst nur geringe Hydratationsprodukte besitzen. Das Gegen-
teil liegt bei den Reaktivierungen von 1,00%Rmit Ac2 vor. Die Abhängigkeitsbeziehungen, die in
Unterkapitel 7.4.3 aufgestellt wurden, gelten auch für die Ergebnisse der TG-Analyse. Daher weisen
die Reaktivierungen mit Ac2 grundsätzlich höhere Gesamtmasseverluste sowie temperaturspezifi-
sche und temperaturunspezifische Masseverluste auf als die mit Ac1. Dem Temperaturbereich bis
250 Csind ebenfalls die im geringen Umfang wahrscheinlich vorhandenen AFm-Phasen zuweisbar,
die bereits von Gruskovnjak etal. [91] und Wang u. Scrivener [316] bei alkalisch aktiviertem HSM ve-
rifiziert wurden. Deren Vorkommen ist eher unregelmäßig, wodurch eine Beschreibung der genauen
Abhängigkeiten ihrer Erscheinung erschwert wird.
Einheitlich und unabhängig vom Verzögerer und Anreger stellt sich bei allen Proben incl. Referenz
am 7. dder Hydratation im Temperaturbereich zwischen 350 bzw. 425 bis 700 Cein Zwischenpro-
dukt ein. Allerdings ist der Massenanteil vom Hydratationsgrad abhängig, wie den Ergebnissen in
Abbildung 7.25(c) am 7. dder Hydratation zu entnehmen ist. So entsteht ein höherer Anteil dieser
Phasen bei Proben, die den verzögerten Zustand noch nicht überwunden haben, wie schon bei den
Analysen nach 3 dder Hydratation oder den Reaktivierungen mit Ac1 nach 7 dzu entnehmen ist
(vgl. Abbildung 7.20(a)). Dabei kann es sich um MgCO3handeln, wie bereits im Unterkapitel 7.3.3
vermutet wurde. Die entsprechenden Bedingungen für den Erhalt dieser Phase scheinen bis zum 7.
dder Hydratation vorzuliegen, nicht aber darüber hinaus. Die Entstehung des Zwischenproduktes
ist weitestgehend vom Hydratationsgrad abhängig, daher liegen sie lediglich bis zum 7. dder Hy-
dratation vor und weisen bei höheren Verzögerergehalten höhere Masseverluste auf. Spätestens am
28. dder Hydratation gehen diese Zwischenprodukte in den Temperaturbereich von 200 bzw. 225 bis
750 bzw. 775 Cüber. Dieser Bereich ist den magnesium-haltigen Phasen zuzuordnen, speziell dem
Hydrotalcit (cf. [12,144,159,186]). Cavani etal. [38] und auch Palmer etal. [186] zeigen in ihren Ver-
öffentlichungen die vielseitige Zusammensetzung von Hydrotalcit auf und die damit verbundenen
Verluste bei unterschiedlichen Temperaturen. Ein Einflussfaktor nach Palmer etal. [186] ist z. B. die
vorhandene Alkalität der Porenlösung. Nach Cavani etal. [38] sind es die vorhandenen Elemente,
die bei der Phasenbildung zur Verfügung stehen. Diese variierenden Verhältnisse sind aufgrund der
unterschiedlich vorhandenen Anregergehalte durchaus auf die vorliegenden Systeme zu beziehen.
Damit lassen sich die teilweise unterschiedlichen Peaklagen der Dehydratation und Decarbonatisie-
rung von Hydrotalcit erklären. Insbesondere der Peak der verlustreicheren Dehydratation schwankt
in seiner Lage zwischen etwa 330 und 360 C. Der dem Hydrotalcit zugewiesene Temperaturbereich
erfährt vom 7. auf den 28. dder Hydratation einen beträchtlichen Anstieg im Masseverlust, was
einer Erhöhung des Phasenwachstums entspricht. Dies erfolgt unabhängig von jeglichen Hydratati-
onseinflüssen, wie z. B. der Alkalität des Anregers. Song u. Jennings [277] beschreiben in ihren Versu-
chen bereits eine festgestellte Abhängigkeit der Entstehung von Hydrotalcit vom Hydratationsgrad.
Daher konnten sie die Entstehung der Phase erst am 28. dder Hydratation via XRD nachweisen
[277]. Die Erscheinung selbst ist offensichtlich nur bedingt mit dem Hydratationsgrad verbunden,
da Hydrotalcit bereits am 3. dder Hydratation nachweisbar ist (vgl. Abbildung 7.20). Vielmehr ist
die Masse des entstehenden Hydrotalcits von dem Hydratationsgrad abhängig, da mit Fortschritt
der Hydratation ein höherer Massenanteil an Hydrotalcit nachweisbar ist. Zudem scheint Hydro-
talcit eine stabilere Phase zu sein als das MgCO3, da diese Phase ab dem 28. dkeine Verluste mehr
aufweist und in der Folge der Massenanteil des Hydrotalcits deutlich angestiegen ist.
Die nur geringen Verluste im Bereich von 675 bis 975 bzw. 1000 Ckönnen den Carbonaten zugeord-
net werden (cf. [167,244,260]), allen voran dem Na2CO3und CaCO3. Diese Aussage ließ sich noch
7.4 Anregung 106
einmal mit carbonatisierter NaOH via TG für den Nachweis von Na2CO3bestätigen. Die Decarbo-
natisierung dieses Stoffs erfolgte einheitlich in Mehrfachbestimmung ab einer Temperatur von etwa
875 C.31 Tendenziell konnten die Masseverluste der Carbonate eindeutiger bei den Reaktivierungen
mit Ac1 analysiert werden und lagen bei denen mit Ac2 nur sporadisch und diffus vor.
Mit ausgewählten Proben wurde versucht in erster Linie die C-S-H-Phasen bis zu einer Temperatur
von 250 Cqualitativ genauer zu charakterisieren. Dazu wurden Versuche mit der DTA durchge-
führt. Grundsätzlich konnten die Peaklagen der Masseverluste durch endotherme Peaks bestätigt
werden, was sowohl für die Dehydratation als auch Decarbonatisierung steht. Zusätzliche Informa-
tionen bzw. eine genauere Aufschlüsselung der Entwässerungen der C-S-H-Phasen konnten jedoch
nicht erzielt werden. Wenn verschiedene C-S-H-Phasen vorhandenen sein sollten, besteht die Mög-
lichkeit, dass die einzelnen Verluste sehr dicht beieinander liegen und sie so ineinander übergehen.
In der Folge ließe sich keine klare Abgrenzung ausfindig machen und es entstünde ein breiter Ver-
lustpeak, der bei den meisten Analysen vorlag.
Tabelle 7.5: Glühverlust vor und nach Reaktion an der Luft von alkalisch aktivierten HSM mit Ac1
und Ac2 nach 7 und 35 dder Hydratation - Mittelwerte und Mittelwertabweichungen
aus drei Messungen
Anreger Zeit F7d [M.-%]F35d [M.-%]
Ac10h5,25 ±0,12 8,71 ±0,31
24h11,15 ±0,08 13,13 ±0,46
Ac20h8,70 ±0,62 10,21 ±0,94
24h13,79 ±0,24 16,51 ±0,26
Aufgrund der hygroskopischen Eigenschaft der NaOH musste befürchtet werden, dass die Entste-
hung von Na2CO3nur aufgrund der Tatsache auftrat, dass dem Bindemittel ein Überangebot des
alkalischen Anregers zur Verfügung stand. Um über die Herkunft der Carbonatbildung genauere
Aussagen machen zu können, wurden verschiedene Probencharakteristika auf deren Gewichtsver-
änderung an der Luft kontrolliert. Dazu wurden gleiche Massen von 20 mg in Gefäßen einheitlicher
Oberfläche32 eingewogen. Die Versuche erfolgten dreifach über eine Zeit von 24 h, mit einer Bestim-
mung des Glühverlustes zu Beginn und zum Ende der Betrachtungen.33 Die Variation innerhalb der
unverzögerten Proben geschah durch die Verwendung von Ac1 und Ac2. Ebenso wurde die Hydrata-
tionszeit variiert, wonach eine Betrachtung nach 7 und 35 derfolgte. Im Vorfeld der Kontrollen wur-
den die Proben auf Massekonstanz getrocknet und anschließend aufgemahlen (vgl. Unterkapitel 4.4
und 4.5 ab Seite 42). Den Ergebnissen in Tabelle 7.5 ist zu entnehmen, dass die Proben grundsätzlich
dazu neigten, sich mit der Luft auszutauschen und dabei wahrscheinlich carbonatisiert sind. Dies ist
anhand des durchweg höheren Glühverlustes nach 24 him Vergleich zum Verlust nach 0 hzu erken-
nen. Ein einheitlicher Trend bzgl. des Anregers oder auch der Hydratationszeit lässt sich aber nicht
fixieren. Es ließ sich dagegen einheitlich feststellen, dass der wesentliche Teil der Massezunahme in-
nerhalb der ersten 20 Minuten nach Beginn der Versuche erfolgte. Anschließend ereignete sich keine
weitere signifikante Zunahme, daher trat auch keine Stetigkeit auf. Mit Erhöhung der Oberfläche des
Gefäßes veränderte sich der Austausch mit der Luft. Zwar trat weiterhin eine signifikante Massezu-
nahme nach 20 Minuten auf, doch kam es im Anschluss zu einer Stetigkeit. Die Erkenntnis dieser
Versuche ist, dass eine Carbonatisierung der Proben nur mit größtem technischen Aufwand hätte
eingeschränkt werden können. Dazu hätte sowohl die Probenvorbereitung als auch die eigentliche
Analyse unter Inertgasatmosphäre stattfinden müssen. Somit kann durchaus eine Carbonatisierung
der Grund für die Analyse von Na2CO3und CaCO3sein. Indes konnten derart hohe Anteile an Car-
bonaten, wie sie scheinbar innerhalb der 24 hentstanden sind, nicht via TG nachgewiesen werden.
Die Masseverluste nehmen auch über den 90. dhinaus stetig zu, was einem Anstieg der Hydratati-
onsprodukte entspricht. Dies konnte sowohl anhand der Referenzen als auch der Reaktivierungen
nach den Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit den Gehalten von 0,25%Rund 0,50%Rnach 365
dder Hydratation beobachtet werden (vgl. Anhang Tabelle A.15 und A.16, Seite VII). Der Anstieg
31Die Analyse erfolgte mit aufgemahlenen NaOH-Plätzchen, die aufgrund ihrer hygroskopischen Eigenschaft ebenfalls einen
Masseverlust aus Dehydratation bis etwa 300 Caufwiesen.
32Zur Herstellung einer einheitlichen Oberfläche wurden Tiegel der TG verwendet, die einen Durchmesser von 6,7 mm und
eine Höhe von 5 mm besitzen. Damit gelang es auch den realen Zustand der Analyse nachzustellen.
33Die Gewichtsveränderung wurde innerhalb der ersten 4 halle 20 Minuten kontrolliert. Anschließend folgte nur noch die
Endkontrolle nach 24 h.
7.4 Anregung 107
kann besonders anhand der Gesamtmasse erkannt werden sowie an den Zuwächsen im Bereich der
C-S-H-Phasen. Auch die Massenanteile des Hydrotalcits nehmen weiterhin zu, wobei sich die An-
teile der Carbonate sogar weitestgehend zurückentwickeln oder auch gar nicht mehr nachgewiesen
werden können. Auf die Ergebnisse wirken auch wieder die Einflussfaktoren der Hydratationszeit
sowie der Anreger- und Verzögerergehalt ein. Es gilt: Mit längerer Hydratationszeit und ansteigen-
dem Gehalt an Anreger und Verzögerer ergeben sich Anstiege in der Bildung von Hydratationspro-
dukten und somit höhere Masseverluste.
7.4.5 Feinheit
In der folgenden Abbildung 7.27 sind die Ergebnisse der spezifischen Oberfläche und der Reindichte
aufgetragen. Damit werden die Einflüsse des Verzögerers weiter verifiziert und die getroffenen Aus-
sagen von Juenger u. Jennings [111] dahingehen überprüft, ob mit dem Verzögerereinsatz tatsächlich
ein Anstieg in der spezifischen Oberfläche einhergeht. Somit wird an die bereits im Unterkapitel 7.1.4
aufgezeigten Ergebnisse dieser Analysemethode angeknüpft. Bei den dargestellten Ergebnissen die-
ses Unterkapitels steht jedoch nicht die Verzögerung im Vordergrund der Beobachtung, sondern die
Reaktivierung einer zuvor verzögerten Suspension mit 1,00%Rdurch Ac1 und Ac2. Im Zuge des
Phasenzuwachses durch die eingeleitete Hydratation und dem damit verbunden Anstieg der Ober-
fläche wird der Fortschritt nach den Perioden von 7 und 28 düberprüft.
Roh
Ref Ac1
Ac1 7d
Ac1 56d
Ref Ac2
Ac2 7d
Ac2 56d
Roh: F7d:
F28d:
BET [m²/g]
2,0
2,2
2,4
2,6
2,8
3,0
3,2
Reindichte [g/cm³]
0
2
4
6
8
10
12
Abbildung 7.27: Spezifische Oberfläche nach BET und Reindichte des Feststoffs der Reaktivierungen
von 1,00%Rnach Verzögerungen von 7 und 56 dsowie der Referenzen (Ref) und
des Rohstoffs (Roh) nach Hydratationsperioden von 7 und 28 d
Die Ergebnisse in Abbildung 7.27 zeigen in Abhängigkeit von der Hydratationszeit und dem Einsatz
des Verzögerers grundsätzlich einen Anstieg der spezifischen Oberfläche und im Gegenzug einen
Abfall der Reindichte. Der Anregergehalt hat lediglich eine Einwirkung auf das Resultat am 7. dder
Hydratation. Die Alkalität von Ac1 genügt nicht, um die mit 1,00%Rhergestellte Verzögerung zu
überwinden. Daher gleicht dieses Resultat dem unhydratisierten Rohstoff, sowohl nach einer Verzö-
gerungsperiode von 7 dals auch von 56 d, in dem Ergebnis der Oberfläche und der Reindichte. Dies
konnte erwartet werden, da die Probe bereits in den vorherigen Analysen durch einen unterdurch-
schnittlichen Hydratationsfortschritt am 7. daufgefallen ist. Daher war der Zustand, der als verzö-
gert zu interpretieren ist, prognostiziert worden. Hingegen wurde die vorliegende Klarheit in der
Unabhängigkeit vom Anregergehalt nicht in dieser Form erwartet, obwohl derartige Vermutungen
schon aus den Ergebnissen der Druckfestigkeiten resultierten (vgl. Unterkapitel 7.4.3). Allerdings
suggerierten die Resultate erst ab dem 28. dder Hydratation einen vom Anregergehalt unabhängi-
gen relativen Festigkeitszuwachs (vgl. Anhang Abbildung A.6, Seite VI). Dagegen zeigen die Ergeb-
nisse der Oberfläche und Reindichte einen nahezu exakt gleichen Wert nach 28 d, auch in absoluter
7.4 Anregung 108
Betrachtung. Ebenfalls ein Effekt, der bei beiden Anregern vorliegt, ist die geringere Oberfläche bei
den Reaktivierungen nach 56 dder Verzögerung im Vergleich zu denen nach 7 d. Entsprechend der
Massen an Phasenzuwächsen nach TG konnte dies in der Form nicht erwartet werden. Auch andere
Analysen deckten einen derartigen Unterschied zwischen den Verzögerungsperioden von 7 zu 56 d
bisher noch nicht auf. In Erscheinung trat seither nur die Verzögerungsperiode am 0. d.
Die Ergebnisse bestätigen also die von Juenger u. Jennings [111] bereits erkannten Zuwächse der
spezifischen Oberfläche durch den Einsatz eines Verzögerers. Dennoch erfolgt grundsätzlich eine Er-
höhung der Oberfläche mit fortschreitender Hydratation (cf. [3,10,75]). Es ist also zu bedenken, dass
der BET-Wert lediglich die vorhandene Oberfläche repräsentiert, die infolge der Hydratation unter
der Wirkung von Additiven entsteht. In dieser Folge können Hydratationsprodukte, die besonders
hohe Oberflächen erreichen und nicht ebenfalls im Wachstum durch den Verzögerer gesteigert wer-
den, das Ergebnis um die potentielle Wirkung des Verzögerers verzerren. Ein solches Hydratations-
produkt ist z. B. Hydrotalcit in Abhängigkeit vom vorhandenen Mg/Al-Verhältnis. Bei diesem Pro-
dukt sind mit höherem Verhältnis zunehmend höhere Oberflächen zu erwarten [328].34 Somit könnte
zumindest der Wert der Oberfläche und Reindichte nach 28 dder Hydratation von der vom 7. auf
den 28. ddeutlich ansteigenden Hydrotalcitentwicklung beeinflusst worden sein. Weniger davon
beeinflusst ist der Wert der Oberfläche nach 7 dder Hydratation, da zu diesem Zeitpunkt die Hy-
drotalcitentwicklung vermindert vorliegt, aber ebenso die Reaktivierungen mit Ac2 die zugehörige
Referenz ohne Verzögerer übersteigen. Der Grund für derartige Erhöhungen im Phasenwachstum,
die dann nachfolgend durch die spezifische Oberfläche repräsentiert werden können, sind mögli-
cherweise in der durch das Additiv herbeigeführten Verzögerung der Hydratation zu suchen. Durch
das Additiv wird nahezu jegliche Bildung von Hydratationsprodukten unterdrückt (vgl. Unterka-
pitel 7.1). Dadurch entsteht keine durch alkalische Anreger schnell herbeigeführte Reaktion und die
damit verbundene unkontrollierte Phasenbildung, sondern eine geordnete Struktur mit teilweise in
Lösung befindlichen Ionen (cf. [111]). Kommt es nun zur alkalischen Anregung und zur Überwin-
dung der Verzögerung, können sich die bereits gelösten Ionen zu festen Phasen in dem freien Raum
der Matrix zusammenschließen. Dies erklärt auch den sprunghaften Anstieg des BET-Wertes vom 7.
auf den 28. dder Hydratation bei den Reaktivierungen mit Ac1.
Letztlich bleibt festzustellen, dass der Verzögerereinsatz auf verschiedene Bereiche der Hydratation
einen leistungssteigernden Effekt aufweist. Zum einen hebt der Einsatz die Druckfestigkeiten deut-
lich an und zum anderen wird die Bildung von Hydratationsprodukten unterstützt, wodurch die
Eigenschaftswerte des BET ansteigen und die der Reindichte abfallen. Somit kann gesagt werden,
dass durch den Einsatz des Verzögerers zweifelsfrei ein Fortschritt der Hydratation bewirkt werden
kann, der u. a. mit einer weniger aufwendigen Analyse der Reindichte ebenso nachweisbar ist.
7.4.6 Phasenanalyse mittels Röntgenbeugung
Die folgenden Ergebnisse bauen auf den bereits durch die TG-Analyse erhaltenen Resultaten auf.
Dadurch sollen die bisher charakterisierten Hydratationsprodukte der C-S-H-Phasen, des Hydrotal-
cits und der Carbonate weiter verifiziert werden. Die Entwicklung der kristallinen Phasen wird über
einen Zeitraum von bis zu 365 düberwacht. Auf diesem Weg soll insbesondere die frühe Entste-
hung der C-S-H-Phasen und des Hydrotalcits analysiert werden wie auch deren mögliche Phasen-
umwandlung zu einem späteren Zeitpunkt. In Abbildung 7.28 bis 7.31 werden die Ergebnisse der
Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach einer vorherigen Verzögerung von 0 und 7 dmit 1,00%Rmit
deren zugehörigen Referenzen dargestellt. Ergänzt werden diese Resultate noch durch weitere Be-
trachtungen zur Analyse der schnellst möglichen Reaktivierung und deren Phasenausbildung. Aus
vorherigen Analysen ist bekannt, dass sich diese bei der Verwendung von Ac2 und einem Verzö-
gerergehalt von 0,25%Reinstellt. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die präsentierten Phasenanalysen
in ihrer Qualität beispielhaft für die Ergebnisse der Reaktivierungen anderer untersuchter Verzöge-
rungsperioden und Verzögerergehalte stehen.
Die XRD-Analyse der nicht angeregten Referenzen (HSM 0,30 und HSM 0,10%MC1 0,30) zeigen bis
zum 28. dder Hydratation lediglich die kristallinen Phasen des Rohstoffs auf (vgl. Unterkapitel 5.4,
Seite 56). Dies bedeutet, dass der charakterisierte röntgenamorphe Bereich von 21 bis 38 2θnahezu
gar nicht innerhalb der stattgefundenen Hydratation verändert wurde bzw. dass dieser Bereich die
Peaklagen der kristallinen Phasen überdeckt. Daher konnten via TG bereits nach 7 dder Hydratation
die Produkte der C-S-H-Phasen und des Hydrotalcits analysiert werden (vgl. Anhang Tabelle A.14,
34Hydrotalcit weist wegen der erhöhten Oberfläche katalytische Eigenschaften auf [328].
7.4 Anregung 109
Seite VII). Die Ergebnisse dieser beiden Analysemethoden korrelieren insoweit miteinander, als dass
die nur geringen Massen der Hydratationsphasen via TG den Zustand des geringen Abbaus des
amorphen Bereichs repräsentieren. Entgegen dieser Feststellung zeigt sich beim Einsatz des alkali-
schen Anregers in den Referenzen von Ac1 und Ac2 ein deutlicher Abbau des amorphen Bereichs
und ein Zugewinn an kristallinen Phasen - insbesondere der C-S-H-Phasen, des Hydrotalcits und
des Natrits35 (vgl. Abbildung 7.28(c) und 7.29(c)). Die C-S-H-Phasen werden in ihren festgestellten
Peaklagen am ehesten durch Tobermorit und Jennit repräsentiert. Hingegen handelt es sich bei dem
Natrit um kein Hydratationsprodukt, sondern vorwiegend um das Resultat der Probenvorbereitung
und der damit einhergehenden Carbonatisierung verbleibender Überreste des Anregers (cf. [17,18]).
Durch die Charakterisierung dieser Phasen werden im Wesentlichen die Ergebnisse der TG-Analyse
bestätigt, besonders zur Herkunft der Carbonate36 (vgl. Unterkapitel 7.4.4). Größere Unterschiede in
den hauptsächlichen Hydratationsprodukten sind nicht offensichtlich erkennbar zwischen den ver-
zögerten und nicht verzögerten Systemen. Indes weisen die Systeme mit Ac2 gegenüber denen mit
Ac1 einen qualitativen Fortschritt im Hydratationsgrad auf (cf. [99]), charakterisierbar anhand des
deutlich geringeren Anteils an amorphen Phasen und des deutlich höheren an kristallinen Phasen
zu jedem Hydratationszeitpunkt (vgl. Anhang Abbildung A.7, Seite VIII).
5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65
*
x
#
x
5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65
F7d F28d F365d
2Theta [°]
(a)
(b)
(c)
x
*
*
*
!
+
*
!
!+
!
!
!*
+
+*
!
*
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+
!
!
+
!
!*
+
+*
!
!
*
!
!+
+
!
!
*
+
Hydrotalcit Tobermorit
Natrit Erionit Heulandit
#
x*
!
-
Quarz Merwinit
Calcit
+
+#
*+
x
*
!
-
+
x
#
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+
x
x
*
!
-
+
-
+
---
+
x
#
-+
#
-
#--
+
----
+
+
x
-+
--
+
---
+
Abbildung 7.28: Phasenanalyse nach 7, 28 und 365 dder Hydratation des Bereichs 5 bis 65 2θmit
Ac1in (a) Reaktivierung nach 7 d1,00%R, (b) Reaktivierung nach 0 d1,00%Rsowie
(c) der Referenz
35Bei Natrit handelt es sich um die mineralogische Bezeichnung für Natriumcarbonat (Na2CO3).
36Genauso könnte die Herkunft der Carbonate durch den organischen Verzögerer verursacht oder unterstützt worden sein,
wobei die Referenzen ebenfalls Natrit aufweisen.
7.4 Anregung 110
Qualitativ stimmen die Ergebnisse der Analysen aus TG und XRD auch gesamtheitlich mit Bezug
zu den Reaktivierungen überein. Mit beiden Methoden lassen sich die Hydratationsprodukte der
C-S-H-Phasen und des Hydrotalcits feststellen sowie die Carbonate, die dem Natrit und dem Calcit
zugeordnet werden können. Der Zuwachs an kristallinen Phasen und die damit verbundene Verrin-
gerung des röntgenamorphen Bereichs kann in besonderer Weise bei der Reaktivierung mit Ac1 bei
1.00%Rin Abbildung 7.28(a) und (b) betrachtet werden. Zusätzlich zu den kristallinen Phasen des
Rohstoffs kann nach 7 dHydratation nur das Natrit festgestellt werden. Die weiteren mit der TG ana-
lysierbaren Phasen werden vermutlich von dem amorphen Bereich innerhalb des Diffraktogramms
abgedeckt (vgl. Abbildung 7.25(c)). Mit Abbau dieses Bereichs treten am 28. dder Hydratation die
kristallinen Phasen in Erscheinung. Damit zeigt sich, dass die Analyse von kristallinen Phasen in
diesem Bindemittelsystem abhängig vom Hydratationsgrad und damit von der Verringerung des
amorphen Bereichs ist (cf. [249,277]). Gerade das Verdecken der nur in geringen Intensitäten aus-
geprägten C-S-H-Phasen durch den amorphen Glasbuckel des HSMs und deren Unterentwicklung
durch die vorliegende Verzögerung zu Beginn der Hydratation unterbindet die Charakterisierung
der Phasen im Bereich zwischen 28 und 32 2θ(cf. [9]). Der wesentliche Einflussfaktor zur Steigerung
und Charakterisierung der kristallinen Phasen ist der Anreger und dessen Gehalt (vgl. Abbildung
7.28 und 7.29). Mit der Überwindung des verzögerten Zustandes steigt der Zuwachs der Hydratati-
onsprodukte mit höherem Anregergehalt schneller an, d. h. mit Ac2 und dessen höherer vorhandener
Alkalität löst sich die amorphe Struktur schneller und effektiver auf.
5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65
x
x
5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65
*
F7d F28d F365d
2Theta [°]
(a)
(b)
(c)
x
*
*
*
Hydrotalcit Tobermorit Jennit
Natrit Erionit Heulandit
#
!
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!
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+
*
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*
*
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+*
*
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+
+*
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x*
!
-
Quarz Merwinit
Calcit
+
+#
*!
+
x
*
#
x
-
--
++
---
+
-+
*
x
*
#--
+
---
+
*
x
-+
-
x
x
-
+
---
+
Abbildung 7.29: Phasenanalyse nach 7, 28 und 365 dder Hydratation des Bereichs 5 bis 65 2θmit
Ac2in (a) Reaktivierung nach 7 d1,00%R, (b) Reaktivierung nach 0 d1,00%Rsowie
(c) der Referenz
7.4 Anregung 111
Die sich entwickelnden C-S-H-Phasen können in ihrer Struktur tobermorit- oder jennit-ähnlichen
Phasen zugeordnet werden, die sich im Wesentlichen durch ihr unterschiedlich hohes Ca/Si-Ver-
hältnis unterscheiden. Darin weist Jennit das höhere Verhältnis auf, d. h. die Phase ist reicher an
Calcium und ärmer an Silicium. Die XRD-Ergebnisse in Abbildung 7.29 zeigen, dass die C-S-H-
Phasen unter der Anregung von Ac2 über die Hydratationszeit von 365 dveränderlich sind und
damit auch ihr Ca/Si-Verhältnis. Diese Veränderung wird in dem Strukturmodell von Richardson
[220,221] zur C-S-H-Phasenentwicklung in PZ beschrieben. Jedoch geht er bei der alkalischen Akti-
vierung von HSM eher davon aus, dass als C-S-H-Phase nur Tobermorit und kein zusätzliches Jen-
nit entsteht [220]. Zuvor wurde die Verschiedenheit des Ca/Si-Verhältnisses bei PZ-Systemen von
Richartz u. Locher [233] unter wechselnden Ca-Gehalten dargestellt. Nonat [174] greift die Erkennt-
nisse von Taylor und Richardson auf, wonach eine variable C-S-H-Struktur ähnlich den Phasen von
Tobermorit und Jennit möglich ist. Aus den Erkenntnissen zur Aktivierung von HSM von Song u.
Jennings [277] sowie Song etal. [278] ist das entstehende Hydratationsprodukt vom vorhandenen
pH-Wert der Porenlösung abhängig, da sich bei pH-Werten <11,5 nur wenig Silicium löst und ei-
ne Hydratation erschwert wird. Geringere pH-Werte als 9,5 lassen eine Hydratation auch völlig ins
Stocken geraten [89,278], was auch bei den verzögerten Suspensionen ein Grund der dauerhaften
Unterbindung der Hydratation darstellt. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass als Folge des hohen
Anregergehaltes die Lösung von Silicium zu Beginn der Hydratation bevorzugt erfolgt, weswegen
sich niedrige Ca/Si-Verhältnisse und somit tobermorit-ähnliche Phasen einstellen würden. Es ist
sehr wahrscheinlich, dass sich mit Fortschritt der Hydratation der pH-Wert beider Anregersysteme
erniedrigt, woraufhin sich vor allem die Lösung von Silicium verringert und womöglich die von
Calcium ansteigt (cf.[277]). Durch die geringere Lösung von Silicium und die gleichbleibende oder
ansteigende Lösung von Calcium erhöht sich das Ca/Si-Verhältnis, wodurch jennit-ähnliche Phasen
entstehen können. Dieser Wandel in den C-S-H-Phasen ist aber offensichtlich bevorzugt bei der An-
regung mit der höheren Alkalität von Ac2 gegeben (vgl. Abbildung 7.29 sowie Anhang Abbildung
A.7, Seite VIII). Allerdings wird die beschriebene These von den mit Ac2 angeregten Systemen nicht
immer ganz einheitlich erfüllt. So treten die jennit-ähnlichen Phasen bei der Reaktivierung nach 56
dVerzögerung schon nach 7 dder Hydratation auf (vgl. Anhang Abbildung A.7, Seite VIII). Bei-
spielhaft zeigt die Vergrößerung der Diffraktogramme im Winkelbereich von 5 bis 10 2θ, dass die
Reaktivierung mit Ac2 vom 7. über den 28. zum 365. dder Hydratation zu einer Verschiebung der
Peaklagen von 8,3 über 8,7 hin zu 7,8 2θführt. Im Sinne der Phasenanalyse würde dies bedeuten,
dass bis zum 28. dder Hydratation jennit-ähnliche Phasen vorliegen und zur Analyse nach 365 d
eine Umwandlung zu tobermorit-ähnlichen Phasen stattgefunden hat. Ein über alle Reaktivierun-
gen gültige Einheitlichkeit der Phasenentwicklung stellt sich bei den Ac2 angeregten Systemen nur
bedingt ein. Vorzugsweise liegen am 7. dder Hydratation eher tobermorit-ähnliche Phasen vor, die
sich bis zum 28. din jennit-ähnliche umwandeln, wobei am 365. dder Hydratation bevorzugt wieder
tobermorit-ähnliche Phasen vorliegen. Hingegen herrscht bei den Reaktivierungen mit Ac1 eine recht
große Einheitlichkeit, in der vorwiegend zu allen analysierten Hydratationszeitpunkten zwischen 7
und 365 dtobermorit-ähnliche Phasen erkannt wurden (vgl. Abbildung 7.28 sowie Anhang Abbil-
dung A.7(a), Seite VIII). Resümierend kann festgestellt werden, dass die vorangegangene These zur
Phasenentwicklung nur bedingt zutrifft. Nicht immer stellen sich die siliciumreicheren Phasen zu
Beginn der Hydratation ein und die calciumreicheren im Verlauf der Hydratation. Letztlich würde
die These am ehesten auf Ac2 zutreffen und damit auf die Anregung mit dem höheren Gehalt. Of-
fensichtlich scheint trotz der beiden hohen Anregergehalte noch immer eine Unterscheidung bzgl.
der Alkalität zu bestehen. Hinzu kommt, dass die Reaktivierungen mit Ac1 infolge der Verzögerer-
wirkung einen verminderten Hydratationsgrad aufweisen. Außerdem ist es möglich, dass die Um-
wandlung der C-S-H-Phasen unter Ac1 innerhalb der untersuchten Hydratationszeitpunkten nicht
erfasst wurde.
Der Winkelbereich von 29 bis 29,5 2θkann sowohl dem Calcit als auch den C-S-H-Phasen zugewie-
sen werden (cf. [9,17,275]). Die Intensitäten der Reflexe zeigen den Wirkungsunterschied der beiden
Anregergehalte deutlich an. Möglicherweise ist damit auf den Festigkeitsunterschied zu schließen,
der evtl. auf eine Korrelation zwischen der Druckfestigkeit und der Reflexionsintensität oder Kristal-
linität zurückführt. Mit der Feststellung von mehr kristallinen Phasen resultiert eine höhere Druck-
festigkeit (vgl. Abbildung 7.23 mit 7.28 und 7.29). In Abbildung 7.30 kann innerhalb der ersten 72
hnach Zuführung des Anregers der Abbau des röntgenamorphen Bereichs und die damit stattfin-
dende Bildung der C-S-H-Phasen besser betrachtet werden. Beide Referenzen verhalten sich gleich
und zeigen nach einer Zeit von 2 hdie ersten Phasenentwicklungen. Lediglich die Reflexintensitäten
scheinen bei Ac2 höher zu sein als bei Ac1. Dagegen zeigen die Reaktivierungen deutliche zeitliche
Verschiebungen in der Entwicklung der C-S-H-Phasen (vgl. Abbildung 7.30(b), (d) und (e)). Wie zu
7.4 Anregung 112
erwarten war, tritt der Abbau des amorphen Bereichs mit Ac2 früher ein, so erfolgt dies bei 0,25%R
bereits nach 8 hund bei 1,00%Rerst nach 32 h.
28 30
(a)
28 30
(b)
28 30
(c)
2Theta [°]
28 30
(d)
72h
64h
56h
48h
40h
32h
24h
16h
8h
4h
2h
1h
0h
Ac2 0d
1,00%R
Ac2 0d
0,25%R
Ref Ac2Ac1 0d
1,00%R
Ref Ac1
28 30
(e)
Abbildung 7.30: Phasenanalyse zwischen 0 und 72 hder Hydratation des Bereichs 27 bis 31 2θmit
(a) Referenz Ac1, (b) Ac1 0 d1,00%R, (c) Referenz Ac2, (d) Ac2 0 d0,25%Rund (e)
Ac2 0 d1,00%R
Was den XRD-Ergebnissen allerdings grundsätzlich nicht zu entnehmen ist, sind die möglichen
AFm-Phasen (cf. [91,316]), wie auch die teilweise postulierten Phasen des Brucits oder auch des
Portlandits (cf. [244]). Weitere C-S-H-Phasen, die durch Natrium und/oder Aluminium modifiziert
sind (cf. [1113,36]), konnten nur sporadisch und teilweise temporär festgestellt werden. Vermutlich
aufgrund ihrer in Teilen vorliegenden röntgenamorphen Struktur und der daraus folgenden nicht
Detektierbarkeit via XRD sowie möglicher Phasenumwandlungen. Meist erst im fortgeschritten Hy-
dratationsalter von 365 dließen sich derartig modifizierte C-S-H-Phasen analysieren. Dazu erschien
neben dem Hauptpeak des Hydrotalcits bei 10,8 2θein weiterer Reflex (vgl. Abbildung 7.28 und
7.29 jeweils in (a)). Aufgrund der Bildungsbedingungen und der Ähnlichkeit zur Peaklage lässt sich
der Reflex dem Heulandit zuweisen.37 Aufgrund der Zusammensetzung zählt Heulandit zu den Si-
likaten bzw. Alumosilikaten. Im Bereich des alkalisch aktivierten HSMs wird diese Phase als Zeolith
bzw. C-A-S-H-Phase bezeichnet. Auch wenn die Peaklage dieser Phase nicht ganz zutreffend ist, ist
deren Bildung im vorliegenden Bindemittelsystem sehr wahrscheinlich (cf. [17,18]). Die nicht ganz
zutreffende Peaklage kann jedoch auch das Resultat einer veränderten Struktur der Phase sein, z. B.
durch die Einbindung fremder Elemente wie Calcium, Kalium oder Natrium. Die Eigenschaft die-
ser Phase scheint es jedenfalls zu sein, dass sie vorwiegend bei den reaktivierten Proben entsteht
und erst im fortgeschrittenen Hydratationsalter intensiv in Erscheinung tritt. Erionit tritt als weite-
re Zeolith-Phase ebenfalls erst nach 365 dHydratationszeit in Erscheinung, aber nicht zwangsläufig
in Abhängigkeit vom Verzögerer oder Anreger (vgl. Abbildung 7.28 und 7.29 jeweils in (b)). Daher
konnte sie nach der gleichen Hydratationszeit bei den nicht alkalisch angeregten Referenzen als eine
der wenigen kristallinen Phasen die detektiert wurden nachgewiesen werden. Durch die Einbindung
von Elementen wie Natrium wäre auch die Bildung von C-N-A-S-H-Phasen möglich. Ein Indiz für
den Einbau von Natrium ist die geringe Nachweisbarkeit von Natrit nach 365 dder Hydratation.
So zeigen sich die Reflexe dieser Phase bei allen Diffraktogrammen vermindert (vgl. Abbildung 7.28
und 7.29). Geringere Massen des Natrits konnten auch schon durch die TG-Analyse nachgewiesen
werden (vgl. Anhang Tabelle A.15 und A.16, Seite VII). Es kann also davon ausgegangen werden,
dass Natrium in Hydratationsprodukte eingebaut wird.
37Mit dem Bezug zur Peaklage und dem vorliegenden Chemismus würde Glaukophan als Phase ebenfalls zutreffend sein, der
den Silikaten zugeordnet ist. Dementgegen weist das Bindemittelsystem nicht die zur Bildung notwendigen Bedingungen
auf - hohe Drücke und niedrige Temperaturen - die eine derartige Phase zur Entstehung berechtigt [177].
7.4 Anregung 113
6 8 10 12
Ac1 0d
1,00%R
Ref Ac1
72h
64h
56h
48h
40h
32h
24h
16h
8h
4h
2h
1h
0h
(a)
6 8 10 12
(b)
6 8 10 12
Ac2 0d
1,00%R
Ac2 0d
0,25%R
Ref Ac2 (c)
2Theta [°]
6 8 10 12
(d)
6 8 10 12
(e)
Abbildung 7.31: Phasenanalyse zwischen 0 und 72 hder Hydratation des Bereichs 6 bis 13 2θmit
(a) Referenz Ac1, (b) Ac1 0 d1,00%R, (c) Referenz Ac2, (d) Ac2 0 d0,25%Rund (e)
Ac2 0 d1,00%R
Vom 7. auf den 28. dder Hydratation resultiert ein Phasenzuwachs an Hydrotalcit, der sowohl den
TG-Ergebnissen (vgl. Abbildung 7.25 und 7.26) als auch den XRD-Ergebnissen (vgl. Abbildung 7.28
und 7.29) zu entnehmen ist. In besonderer Weise kann dieser Zuwachs am Reflex bei etwa 11,5 2θ
betrachtet werden, z. B. bei einem Verzögerergehalt von 1,00%Rin Abbildung 7.28(a) und (b). Doch
nicht nur in diesem Winkelbereich ist der Zuwachs von Hydrotalcit intensiver nachweisbar, sondern
auch bei dem Reflex bei etwa 23,0 2θ(cf. [115,246,316,328]). In diesem Bereich wird der Peak über
die Dauer der Hydratation schmaler, was für eine bessere Kristallisation spricht (Abbildung 7.28(a)
und (b)). Zu der zunächst vorhandenen Breite dieses Peaks tragen neben der erst wenig geordneten
kristallinen Struktur auch Calcit und Merwinit bei. Die Feststellung zur Intensivierung des Peaks
ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Weiterentwicklung bzw. der Zuwachs von Hydrotalcit vom
Hydratationsgrad abhängig ist (cf. [277]). Die Entwicklung dieser Phase beginnt jedoch viel früher
als bislang in vorherigen Versuchen analysiert werden konnte (vgl. Unterkapitel 7.3.3 und 7.4.4).
Das erste Hydrotalcit mit Unterstützung des Verzögerers kann nach einer Hydratationszeit von 16
hdeutlich nachgewiesen werden (siehe Abbildung 7.31(d)). Der Abbildung 7.31 ist zu entnehmen,
dass der Verzögerer die Entwicklung von Hydrotalcit unterstützt, da beide Referenzen und somit un-
abhängig vom Anregergehalt lediglich diffuse Reflexe aufweisen. Hydrotalcit ist also ebenso von der
Steigerung des Phasenzuwachses in Verbindung mit dem Einsatz des Verzögerers betroffen, wie die
C-S-H-Phasen. Eine deutlichere Ausprägung des Hydrotalcit-Peaks geschieht wiederum mit höhe-
rem Anregergehalt und daher mit Ac2 (vgl. Abbildung 7.31(b) und (e)). Eine ähnliche Abhängigkeit
stellten bereits Burciaga-Díaz u. Escalante-García [36] fest. Ein weiterer Einflussfaktor der Hydrotal-
citentwicklung ist die Zusammensetzung des HSMs mit den vorhandenen Mengen an Magnesium
und Aluminium, die allerdings bei diesen Untersuchungen gleichbleibend ist [12,36,144]. Ben Haha
etal. [12] vermuten, dass bei zu geringen Mengen dieser Elemente eher Strätlingit auftritt und bei zu
hohen Mengen Brucit. Beide Phasen ließen sich aber nicht verifizieren. Durch die Ergebnisse der in-
situ-Messungen kann eine weitere Information zur Phasenentstehung gewonnen werden. Abbildung
7.31 zeigt bei gering oder gar nicht vorhandenem Verzögerergehalt eine weitere Phasenentwicklung
bei etwa 6,5 2θ. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine weitere vorhandene Zeolith-Phase,
die dem Faujasit zuweisbar ist und sich als C-N-A-S-H-Phase ausprägen kann (cf. [191,195]). Es
handelt sich lediglich um eine Vermutung, da die Phase zu keinem anderen Zeitpunkt der Hydrata-
tion nachweisbar war. Allerdings würde die Entstehung zu den vermuteten Bedingungen des Bin-
demittelsystems passen, der bevorzugten anfänglichen Auslösung des Siliciums infolge der hohen
Alkalität der Anreger und den ebenfalls hohen gelöst vorliegenden Natriumionen [191,195]. Dies
würde auch begründen, warum diese Phase nur anfänglich festzustellen ist.
7.4 Anregung 114
Die Hydratationsprodukte, die sich gebildet haben, sind für alkalisch aktiviertes HSM üblich und
wurden bereits in zahlreichen Forschungsarbeiten charakterisiert [11,17,36,78,195,220,277,316].
Es ist also anhand der vorliegenden Ergebnisse nicht davon auszugehen, dass der Verzögerereinsatz
grundsätzlich die Art der Phasen beeinflusst hat. Eine Verstärkung in der Ausbildung der Phasen
konnte wiederum nachgewiesen werden.
7.4.7 Rasterelektronenmikroskopie
Die Abbildungen 7.32 bis 7.36 stellen die wesentlichen Gefügestrukturen der hydratisierten bzw.
reaktivierten Proben dar. Die Aussagen der Bilder können die zuvor bereits dargestellten Ergeb-
nisse und deren Interpretationen verstärken. Den Ausgangspunkt bilden die Gefügestrukturen der
Referenzen bei einer einheitlichen Vergrößerung (vgl. Abbildung 7.32). Die folgenden REM-Bilder
variieren in den Vergrößerungen und zeigen die nach unterschiedlichen Verzögerungsperioden und
Gehalten erfassten Strukturen, entweder in der Reaktivierung durch Ac1 (vgl. Abbildung 7.33 und
7.34) oder in der Reaktivierung durch Ac2 (vgl. Abbildung 7.35 und 7.36). Dabei wird innerhalb der
Darstellungen stets der Kontrast zwischen den Veränderungen der Gefügestruktur nach unterschied-
lichen Hydratationszeitpunkten von 7 und 28 dangestrebt. Ebenso wird ein Vergleich zwischen den
Strukturen geschaffen, die sich in der gefügedichten Matrix und in dem freien Raum der Pore ent-
wickelt haben. Dieser Vergleich wird herbeigeführt, da anhand der sich in den Poren ausgebildeten
Strukturen der Hydratationsfortschritt oftmals zielsicherer beurteilt werden kann. Ein Grund dafür
ist, dass innerhalb eines freien Raums die gesättigte Porenlösung in voller Gänze mit den in ihr ge-
lösten und für Bindungen bereiten Ionen vorliegt. Demgegenüber wird in der gefügedichten Matrix
das Wachstum der potentiell entstehenden Strukturen oftmals aufgrund des eingeschränkten Raum-
angebots und der möglicherweise gering vorliegenden Porenlösung gehemmt. Daraus geht hervor,
dass sich die Hydratationsprodukte je nach Ort an dem sie entstehen in der Zusammensetzung und
der ausgebildeten Struktur unterscheiden können, nicht aber zwangsläufig müssen. Für die präsen-
tierten Gefügestrukturen der Reaktivierungen gilt, dass sie beispielhaft für die Resultate weiterer
untersuchter Verzögerungsperioden und Verzögerergehalte stehen. Die Abbildungen 7.37 und 7.38
zeigen die Ergebnisse ausgewählter EDX-Messungen der Ac2-Proben.
In Abbildung 7.32(a) und (b) ist die Referenz des HSMs dargestellt, welche lediglich mit Wasser zur
Hydratation angeregt wurde und einen w/b-Wert von 0,30 besitzt. Im Vergleich zu den Gefügestruk-
turen der aktivierten Referenzen mit Ac1 und Ac2 liegt zu beiden Zeitpunkten der Hydratation ein
dichteres und kompakteres Gefüge vor (vgl. Abbildung 7.32(c), (d), (g) und (h)). Was die Systeme
ebenfalls unterscheidet, sind die ausgebildeten Strukturen. Die Referenzen mit Ac1 und Ac2 zeigen
deutlich erkennbare Hydratationsprodukte in Form von gitterartigen und plättchenförmigen Struk-
turen, die auf den HS-Körnern aufgewachsen sind. Hingegen zeigt die Referenz des HSMs keine in
einer Struktur erkennbaren Hydratationsprodukte an, aber eine volle Einbettung der Körner in die
Matrix. Letztlich kann dadurch auch die hohe Druckfestigkeit erklärt werden, die die Referenz des
HSMs gegenüber den aktivierten Referenzen erreicht hat (vgl. Unterkapitel 7.4.3 und Anhang Ta-
belle A.13, Seite V). Die Ausbildung der Gefügestruktur der Referenz des HSMs ist in dieser Form
für die durchgeführten Versuche einzigartig. Da alle anderen Systeme durch die Verwendung des
hochalkalischen Anregers einem stärkeren Lösungsprozess unterzogen sind, wodurch die Bildung
der Hydratationsphasen sehr viel intensiver und schneller erfolgt. Es lassen sich jedoch auch Paralle-
len zwischen den Hydratationsprodukten nach alkalischer Anregung und der Anregung mit Wasser
ziehen. So scheinen die gitterartigen Strukturen eine typische Ausbildungsform zu sein, die bei der
Hydratation von HSM auftritt (vgl. Abbildung 7.5(f) und 7.6(b)).
Beim Vergleich der Mikrostrukturen, die durch Ac1 (vgl. Abbildung 7.32(c) bis (f) sowie 7.33 und
7.34) und Ac2 (vgl. Abbildung 7.32(g) bis (j) sowie 7.35 und 7.36) entstanden sind, ist generell in der
Porosität und damit im Hydratationsgrad zu differenzieren. Die mit Ac2 angeregten Systeme stellen
sich von der Referenz ohne Verzögerer bis zu den Reaktivierungen in einem dichteren Hydratations-
gefüge gegenüber den Systemen mit Ac1 dar. Diese Eigenschaft von Ac2 zeigt sich deutlich bei dem
Vergleich der oftmals vollständig überwachsenen und damit geschlossenen Porenwandungen (vgl.
Abbildung 7.35 und 7.36, jeweils von (e) bis (h)). Die Mikrostrukturen der Proben mit Ac1 zeigen
bei gleicher Hydratationszeit und gleichem Verzögerergehalt ein wesentlich früheres Stadium der
Hydratation an (vgl. Abbildung 7.34). In diesem Stadium weisen die Phasen nicht die Kompaktheit
auf, den Raum zwischen den Bindemittelkörnern völlig zu füllen sowie die in den Poren vorhan-
denen Produkte zu überwachsen. Dies beweist, dass der Unterschied im Hydratationsgrad maßgeb-
7.4 Anregung 115
(a)
(b)
(c)
(d)
(e)
(f)
(g)
(h)
(i)
(j)
HSM
Ac1
Ac1
in der
Pore
Ac2
Ac2
in der
Pore
F28dF7d
7μm 7μm
7μm 7μm
7μm 7μm
7μm 7μm
7μm 7μm
Abbildung 7.32: REM-Bilder verschiedener Referenzen und Hydratationszeitpunkte in (a) F7dund
(b) F28dvon HSM, (c) F7dund (d) F28dvon Ac1, (e) F7dund (f) F28dvon Ac1 in der
Pore, (g) F7dund (h) F28dvon Ac2 sowie (i) F7dund (j) F28dvon Ac2 in der Pore
7.4 Anregung 116
lich durch den Anregergehalt resultiert, woraufhin eine Regulierbarkeit der Hydratation entsteht (cf.
[99,277]).
(a)
(b)
(c)
(d)
(e)
(f)
(g)
(h)
F7d
0,25%R
F28d
0,25%R
F7d
1,00%R
F28d
1,00%R
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
Abbildung 7.33: REM-Bilder der Reaktivierung Ac1 nach einer Verzögerung von 7 dmit verschiede-
nen Vergrößerungen, Zeitpunkten der Hydratation und Verzögerergehalten in (a)
und (b) F7d0,25%R, (c) und (d) F28d0,25%R, (e) und (f) F7d1,00%Rsowie (g) und
(h) F28d1,00%R
Bedingt kann auch die Verringerung des Verzögerergehaltes zu einem höheren Hydratationsgrad
beitragen, jedoch wohl eher aufgrund der früheren Überwindung des verzögerten Zustandes (vgl.
Abbildung 7.34(a) bis (d) mit (e) bis (h)). Dabei zeigen die Proben mit 1,00%Rund der Reaktivie-
rung durch Ac1 lediglich eine oberflächliche Verkittung der Bindemittelkörner und keine sichtbaren
Hydratationsprodukte am 7. dder Hydratation an (vgl. Abbildung 7.33(e) und (f)). Dieses Resultat
korreliert mit allen vorherigen Ergebnissen und zeigt den noch vorliegenden verzögerten Zustand
7.4 Anregung 117
mit der nur langsam beginnenden Hydratation. Anhand der sichtbaren Unterschiede im Hydratati-
onsgrad lassen sich insbesondere die Differenzen in der Druckfestigkeit und in der Masse an Hydra-
tationsprodukten erklären, die von den beiden Anregergehalten resultieren. Bei einem Vergleich der
Reaktivierungen mit deren Referenzen kann auch der auf die Hydratation positiv wirkende Einfluss
des Verzögerers betrachtet werden, spätestens nach einer Hydratationszeit von 28 d(vgl. Abbildung
7.36(a) bis (d) und 7.33(c), (d), (g), (h) mit 7.32(d) und (h)). Wie schon aus den Ergebnissen der Druck-
festigkeit, TG und der spezifischen Oberfläche geschlossen wurde, stellen sich die Reaktivierungen
nach der Überwindung des verzögerten Zustandes in einem dichteren Hydratationsgefüge dar (cf.
[111]).
F7d
0,25%R
F28d
0,25%R
F7d
1,00%R
F28d
1,00%R
(a)
(b)
(c)
(d)
(e)
(f)
(g)
(h)
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
Abbildung 7.34: REM-Bilder der Reaktivierung Ac1 in der Pore nach einer Verzögerung von 14 dmit
verschiedenen Vergrößerungen, Hydratationszeitpunkten und Verzögerergehalten
in (a) und (b) F7d0,25%R, (c) und (d) F28d0,25%R, (e) und (f) F7d1,00%Rsowie
(g) und (h) F28d1,00%R
7.4 Anregung 118
0,25%R
1,00%R
0,25%R
in der
Pore
1,00%R
in der
Pore
(a)
(b)
(c)
(d)
(e)
(f)
(g)
(h)
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
Abbildung 7.35: REM-Bilder der Reaktivierung Ac2 nach einer Verzögerung von 28 dund einer Hy-
dratationszeit von 7 dmit verschiedenen Vergrößerungen und Verzögerergehalten
in (a) und (b) 0,25%R, (c) und (d) 1,00%R, (e) und (f) 0,25%Rin der Pore sowie (g)
und (h) 1,00%Rin der Pore
Die Mikrostruktur der alkalisch aktivierten Systeme zeigt im erhärteten Zustand im Bereich zwi-
schen den Bindemittelkörnern eine dreidimensionale Verkettung der C-S-H-Phasen an, die als äu-
ßere Produkte deklariert werden können (cf. [221,233]). Dadurch entsteht ein ineinander verwach-
senes festigkeitsspendendes Phasennetz. Bei der Betrachtung von Abbildung 7.34(c) und (d) sowie
(g) stellen sich die folienartigen Strukturen dar, die unter anderem Richardson [220] zur Beschrei-
bung der äußeren Produkte eines alkalisch aktivierten HSMs dienen. Seinen Erkenntnissen zufolge
weisen Bindemittel mit HSM eine Mikrostruktur auf, die grundsätzlich feinverteilt und folienförmig
vorliegt und niedrige oder hohe Ca/Si-Verhältnisse besitzen [220]. Diese Aussage trifft auf die darge-
stellten Ergebnisse zu. Anhand der Abbildung 7.37(a) und (b) kann sowohl für die Referenz von Ac2
7.4 Anregung 119
als auch deren Reaktivierung nach 7 dVerzögerung mit 1,00%Rein durchweg hohes vorliegendes
Ca/Si-Verhältnis abgelesen werden. Eine Verringerung dieses Verhältnisses tritt erst mit zunehmen-
dem Hydratationsalter und ansteigendem Al/Si-Verhältnis auf. Mit diesem Ergebnis wird die Pha-
senanalyse via XRD bestätigt (vgl. Unterkapitel 7.4.6). Dies geschieht sowohl für das Potential der
Phasenumwandlung über die Hydratationszeit als auch für die Einbindung von z. B. Aluminium
in die Struktur der C-S-H-Phasen und den daraus hervorgehenden Zeolithen. Es kann also davon
ausgegangen werden, dass eine Phasenumwandlung von jennit- zu tobermorit-ähnlichen Phasen bis
zum 365. dder Hydratation stattfindet, besonders für die Probe der Reaktivierung mit Ac2 nach 7 d
Verzögerung mit 1,00%R(vgl. Abbildung 7.29(a)).
0,25%R
1,00%R
0,25%R
in der
Pore
1,00%R
in der
Pore
(a)
(b)
(c)
(d)
(e)
(f)
(g)
(h)
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
20μm 6μm
Abbildung 7.36: REM-Bilder der Reaktivierung Ac2 nach einer Verzögerung von 56 dund einer Hy-
dratationszeit von 28 dmit verschiedenen Vergrößerungen und Verzögerergehalten
in (a) und (b) 0,25%R, (c) und (d) 1,00%R, (e) und (f) 0,25%Rin der Pore sowie (g)
und (h) 1,00%Rin der Pore
7.4 Anregung 120
Eingebettet in das Netz der C-S-H-Phasen gleichen die weiteren Hydratationsprodukte hexagonalen
Plättchen (cf. [220,328]). Einige Beispiele dieser auf nahezu allen REM-Bildern ersichtlichen Struktur
können in Abbildung 7.32(c) und (g) oder auch in Abbildung 7.34(g) und (h) betrachtet werden. Die
teilweise vielfältige Morphologie, in der die nicht immer ganz hexagonalen Plättchen erscheinen, ist
zu entnehmen, dass deren Entwicklung unabhängig vom Verzögerer, den dargestellten Hydratati-
onszeitpunkten und dem Anregergehalt ist. Daher sind die Phasen ebenfalls in der Pore vorhanden,
wodurch es auch zu sichtbaren Überwachsungen vom 7. bis 28. dder Hydratation kommen kann,
wie in Abbildung 7.32(i) und (j) zu sehen ist. Aufgrund der Präsens der plättchenförmigen Produkte
und deren Erscheinungsbild können sie dem Hydrotalcit zugeordnet werden (cf. [328]). Cavani etal.
[38] beschreiben das natürliche Hydrotalcit als blättrige Struktur, welche im Erscheinungsbild als
verdrehte Blättchen und/oder faserförmig auftreten kann. Diese Beschreibung ähnelt sehr den z. B.
in Abbildung 7.32(e) oder 7.34(a) und (g) zu sehenden aufragenden Strukturen. Der Gesamteindruck
zur Phasenentstehung kann auch durch die Ergebnisse der exemplarischen EDX-Messung bestätigt
werden: An einer Reaktivierung und deren Referenz von Ac2 (vgl. Abbildung 7.37(c) und (d) oder
7.38(a) und (b)). Den Ergebnissen ist zu entnehmen, dass Hydrotalcit sowohl nach 7 als auch 28 dder
Hydratation vorhanden ist (cf. [1113]). Eine Veränderung in der Struktur oder der Elementzusam-
mensetzung scheint über die Hydratationszeit eher nicht gegeben zu sein, was die Ergebnisse der
TG- und XRD-Analyse ebenfalls darstellen.38
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18 (a)
Al/Si
Ref F7d
Ac2 7d F7d
Tobermorit
Jennit
Ca/Si
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18 (b)
Al/Si
Ref F28d
Ac2 7d F28d
Tobermorit
Jennit
Ca/Si
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8 Ref F7d
Ac2 7d F7d
Mg/Si
Al/Si
(c)
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8 Ref F28d
Ac2 7d F28d
(d)
Mg/Si
Al/Si
Abbildung 7.37: EDX-Messung mit verschiedenen Elementverhältnissen und Hydratationsperioden
von Ac2 als Referenz und mit einer Verzögerung von 7 dmit 1,00%Rin (a) Ca/Si zu
Al/Si F7d, (b) Ca/Si zu Al/Si F28d, (c) Mg/Si zu Al/Si F7dsowie (d) Mg/Si zu
Al/Si F28d
38Die Massezunahme, die Hydrotalcit vom 7. auf den 28. dder Hydratation erfährt und die via TG erfasst werden konnte,
kann mit der Messung via EDX in dieser Weise nicht erfasst werden (vgl. Abbildung 7.25 und 7.26). Möglicherweise reprä-
sentiert der in Abbildung 7.37(d) und 7.38(b) sichtbare kompakte Verlauf mit den deutlich gering vorliegenden Ausreißern
die Massenzunahme des Hydrotalcits am 28. d.
7.4 Anregung 121
Im Widerspruch zu den bisher zugewiesenen Strukturen der REM-Bilder stehen die Erkenntnisse
von Roy etal. [244]. Sie weisen den in Abbildung 7.32(e) und (i) hexagonal aufragenden Kristallen
Calciumhydroxid oder auch Magnesium-Calcium Aluminat Hydrat zu [244,316]. Diesen Zuweisun-
gen wird jedoch durch die Veröffentlichung von Wang u. Scrivener [316] widersprochen, mit dem
Hinweis auf die Hauptprodukte eines alkalisch aktivierten HSMs von C-S-H-Phasen und Hydrotal-
cit. Die ebenfalls konstant in den vorherigen Analysen festgestellten Carbonate konnten auf keinem
der REM-Bilder erfasst und zweifelsfrei zugeordnet werden. Dennoch ließen sich Natrit und auch
Calcit in den exemplarisch durchgeführten EDX-Messungen nachweisen (vgl. Abbildung 7.38(c) und
(d)). Am 7. dder Hydratation kann noch davon ausgegangen werden, dass sowohl die unverzögerte
Referenz als auch die Reaktivierung beide Carbonate enthalten. Am 28. dder Hydratation tritt ei-
ne Separation auf. Tendenziell weist die Referenz eher Calcit auf und die mit Verzögerer versetzte
Reaktivierung eher Natrit. Auf der Basis dieses Ergebnisses kann vermutet werden, dass der Ver-
zögerereinsatz nicht nur die Bildung der C-S-H-Phasen und des Hydrotalcits unterstützt, sondern
auch die des Natrits.
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55
-0,4
0,0
0,4
0,8
1,2
1,6
2,0
2,4
2,8
3,2
3,6
(a)
Si/Al
Ref F7d
Ac2 7d F7d
Hydrotalcit
Mg/Al
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55
-0,4
0,0
0,4
0,8
1,2
1,6
2,0
2,4
2,8
3,2
3,6
(b)
Si/Al
Ref F28d
Ac2 7d F28d
Hydrotalcit
Mg/Al
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5
-2
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
Ref F7d
Ac2 7d F7d
Natrit
Calcit
Na/C
Ca/C
(c)
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5
-2
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
Ref F28d
Ac2 7d F28d
Natrit
Calcit
(d)
Na/C
Ca/C
Abbildung 7.38: EDX-Messung mit verschiedenen Elementverhältnissen und Hydratationsperioden
von Ac2 als Referenz und mit einer Verzögerung von 7 dmit 1,00%Rin (a) Mg/Al
zu Si/Al nach F7d, (b) Mg/Al zu Si/Al F28d, (c) Na/Czu Ca/C F7dsowie (d)
Na/Czu Ca/C F28d
Resümierend steht die geschlossene und feinverteilte Mikrostruktur also für einen entsprechend ho-
hen Hydratationsgrad. Diese Aussage trifft gerade für den Vergleich der Reaktivierungen durch Ac1
nach einer Verzögerung mit 0,25%Rund 1,00%Rzu (vgl. Abbildung 7.33(a) bis (d) mit (e) bis (h)) -
mit dem Bezug zu den Ergebnissen der Druckfestigkeit, TG, spezifischen Oberfläche und XRD. Da-
bei zeigt die Mikrostruktur der Reaktivierungen durch Ac2 ein bereits nach 7 dder Hydratation und
unabhängig vom Verzögerergehalt recht einheitliches Erscheinungsbild. Dies korreliert ebenfalls mit
den Ergebnissen der vorherigen Analysen. Mit zunehmendem Hydratationsalter erscheinen die Sys-
teme von Ac1 und Ac2 in ihren Mikrostrukturen noch kompakter und dichter vernetzt. Dadurch
7.4 Anregung 122
wird ein Unterschied im Phasenwachstum zwischen den Referenzen und den Reaktivierungen er-
sichtlich. Der Unterschied im Phasenzuwachs über die Hydratationszeit in Abhängigkeit vom Ver-
zögerer kann in besonderer Deutlichkeit auch bei einem Vergleich von REM-Bildern im BSE-Modus
betrachtet werden (vgl. Anhang Abbildung A.8, Seite VIII). Die Kompaktheit und Dichte einer Matrix
ist durch die unterschiedlichen Kontrastbereiche differenzierbar, die innerhalb des REM-Bildes vor-
liegen (vgl. Unterkapitel 4.8, Seite 45). Somit zeigen dunkle bis schwarze Bereiche Poren an und die
grauen und teilweise geschlossen vorliegenden Bereiche die Hydratationsprodukte. Die Produkte
füllen den Raum zwischen den recht hell und kantig vorliegenden HS-Körnern aus. Dieser Beschrei-
bung zufolge liegt bei der Reaktivierung nach einer Hydratationszeit von 28 ddie kompakteste und
dichteste Gefügestruktur vor.
Auch aus diesen Analysen ist zu schließen, dass der Verzögerer maßgeblich zum Phasenzuwachs
beiträgt. Allerdings muss zuerst ein notwendig hoher Anregergehalt vorliegen, damit die Effektivität
des Additives zur Geltung kommen kann. Dabei gilt: Je früher die Erstarrung und damit die Bildung
der festigkeitsgebenden Phasen stattfindet, umso länger liegt eine Periode der Hydratation vor.
7.4.8 Elementaranalyse der Organik und Anorganik
Die nun folgenden Ergebnisse knüpfen an die Analysen des Unterkapitels 7.1.1 an, d. h. im Vor-
dergrund der Betrachtung steht die Untersuchung der Porenlösung. Dazu erfolgt die Darstellung
der Ergebnisse aus den Analysen des pH-Wertes, der Organik via NPOC und der Anorganik via
ICP OES. In diesem Zusammenhang werden Resultate verschiedener Referenzen mit und ohne Ver-
zögerer bzw. Anreger diskutiert sowie Reaktivierungen zweier unterschiedlich langer Verzögerungs-
perioden mit einem Gehalt von 1,00%R. Je nach Zustand der Probe wurde die Porenlösung durch
Zentrifugation oder Auspressen gewonnen (vgl. Unterkapitel 4.2, Seite 39). Teilweise wiesen die Pro-
ben ein Stadium zwischen flüssig und fest auf, in dem es nicht gelang Lösung zu generieren, da
diese offensichtlich noch in der Matrix gebunden vorlag und sich noch nicht in Poren gesammelt
bzw. abgesetzt hat. Dieses Stadium war unabhängig von der Probe und bestand meist direkt nach
der Erstarrung, von wo ab es sich in einigen Fällen über bis zu zwei Wochen in Abhängigkeit vom
Anreger und dem Verzögerereinsatz erstreckte. Besonders lang währte dieser Zustand bei den Re-
aktivierungen mit Ac1 und einer vorangegangenen Verzögerung. Dagegen lag er zeitlich verkürzt
bei den Referenzen mit alkalischer Aktivierung vor, jedoch betraf es genau den Untersuchungszeit-
raum von 4 bis 24 h. Somit ließ sich aus Gründen des Erhärtungsverlaufs nicht von allen Proben
eine Porenlösung gewinnen und folglich keine Analysen durchführen. Das gleiche Problem bestand
für alle Proben bei fortgeschrittener Hydratation, z. B. nach 28 oder 90 d. Aufgrund der Einbindung
der Porenlösung in Hydratationsprodukte konnten keine oder nur noch geringe Volumina gene-
riert werden, mit denen teilweise nicht mehr jede Analyse durchgeführt werden konnte. Aus diesem
veränderlichen Angebot an Porenlösung können unterschiedliche Verhältnisse resultieren, wodurch
sich wiederum Schwankungen sowohl in den organischen als auch anorganischen Konzentrationen
ergeben können.39 In der Folge würden z. B. Zu- oder Abnahmen an Ionen registriert werden kön-
nen, die eine Fehlinterpretation zuließen.
Die Abbildung 7.39 zeigt die Entwicklung des pH-Wertes über die Zeit an. Mit Ausnahme der Refe-
renz des HSMs zeigen die verbleibenden Proben alle einen gleichbleibend konstanten Verlauf. Dazu
weisen alle mit alkalischem Anreger versetzten Proben einen pH-Wert nahe 14 auf, von dem aus ins-
besondere die Lösung des Siliciums und Aluminiums stattfindet (cf. [118,277,278]) (vgl. Abbildung
7.41(b) und (c)). Hingegen zeigt sich das konstant bleibende Resultat der mit 1,00%Rverzögerten
HSM-Suspension in einem Bereich des pH-Wertes, bei dem nur geringe Lösungen zu erwarten sind
und vor allem die von Calcium (cf. [89,277,278]) (vgl. Abbildung 7.41 und 7.2). Indes ist der pH-Wert
nicht <9,5, von dem aus wahrscheinlich keine C-S-H-Phasen gebildet werden können (cf. [89,278]).
Durch den Verlauf und den Anstieg des pH-Wertes der HSM-Referenz wird die ablaufende Hydra-
tation sichtbar. Daher kann innerhalb dieses Zeitraums auch ein leichter Abfall des Calciums und ein
leichter Anstieg des Kaliums registriert werden (vgl. Abbildung 7.41(a) und (e)).
In Abbildung 7.40 ist der Abbau der mit organischem Verzögerer versetzten Reaktivierungen dar-
gestellt. Vergleichend dazu ist ebenfalls der Verzögerer als Rohstoff aufgetragen, in einem Gehalt
von 1,00%R. In weiteren Verläufen sind die Referenzen ohne bewusste Zuführung von organischen
39Eine weitere Möglichkeit des Verlustes der Porenlösung und dessen Konzentrationsveränderung läge in der Sorption und
Diffusion während der Lagerung. Dies ist wohl eher eine theoretische Möglichkeit, die von Faktoren wie der Dauer der
Lagerung und dem Material des Lagerungsbehälters abhängig ist.
7.4 Anregung 123
F1h F4h F8h F1d F28d
0
2
4
6
8
10
12
14
Roh 1,00%R
Ref HSM
Ref HSM 1,00%R
Ref Ac1
Ref Ac2
Ac1 0d 1,00%R
Ac2 0d 1,00%R
Ac1 7d 1,00%R
Ac2 7d 1,00%R
pH-Wert
Abbildung 7.39: pH-Werte der Verzögererlösung (Roh) sowie der Porenlösungen verschiedener Re-
ferenzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rund Peri-
oden von 0 und 7 dunter Verwendung von Ac1 und Ac2
Materialien aufgezeigt, daher weisen sie auch sehr viel geringere Werte auf, als die vergleichenden
Proben mit Verzögerer. Die dennoch analysierten organischen Bestandteile können von Mahlhilfs-
mitteln stammen [53,136,284,311], welche nach DIN EN 15167-1 [53] 0,2 M.-% des HSMs betragen
dürfen. Die vorhandenen Anstiege der NPOC-Werte wären dann mit dem stattfindenden Lösungs-
prozess der HS-Körner zu erklären, wodurch das organische Hilfsmittel ebenfalls in Lösung geht.
Grundsätzlich verhalten sich alle mit Verzögerer versetzen Proben qualitativ gleich. Jedoch kann
deren zunehmende Verringerung des organischen Verzögerers unterschiedlich interpretiert werden.
Auf der Grundlage der korrelierenden Ergebnisse der Verzögerung handelt es sich bei der verzöger-
ten Referenz lediglich um eine Adsorption am Bindemittel (vgl. Unterkapitel 7.1.1). Gleiches kann
bei den Reaktivierungen vorliegen. Zudem ist es jedoch möglich, dass die entstehenden Hydratati-
onsprodukte den vorliegenden Verzögerer einbinden, der gelöst oder adsorbiert vorliegt. Somit ist
anhand der Verringerung der organischen Bestandteile in der Porenlösung keine eindeutige Schluss-
folgerung zum Verbleib des Verzögerers zu ziehen. Beim genaueren Vergleich der Ergebnisse fällt
auf, dass der Abbau der Organik bei den Reaktivierungen mit Ac1 scheinbar schneller und inten-
siver erfolgt als der vergleichbarer Reaktivierungen mit Ac2. Daher wurde mit weiteren Analysen
überprüft, ob etwaige Beeinflussungen im Zugabezeitpunkt vorliegen oder ob durch die Zugabe des
Anregers der Verzögerer vermindert wird. Dazu wurde das Verhalten der beiden unterschiedlichen
Anregergehalte in reiner Verzögererlösung kontrolliert. Somit wurde also die Reaktivierung simu-
liert, zum einen mit der Zuführung durch Wasser und zum anderen durch Ac1 sowie Ac2, bei einem
Verzögerergehalt von 1,00%R.40 Das Resultat war, dass weder der Anreger an sich, noch dessen Ge-
halt die in Lösung befindliche Organik mindern oder erhöhen (vgl. Anhang Tabelle A.17, Seite IX).
Dadurch kann geschlussfolgert werden, dass keine Zersetzung der Organik infolge des starken alka-
lischen Anregers auftritt. Dies konnte an den drei unterschiedlichen Lösungen mit der Analyse der
TOC-Werte festgestellt werden. Es ist also davon auszugehen, dass die deutlich vorhandene Min-
derung des organischen Anteils in der Porenlösung der Reaktivierungen mit Ac1 nicht unmittelbar
durch den Anreger verursacht wird. Liegen jedoch beide auf die Hydratation Einfluss nehmenden
Stoffe im Bindemittel vor, scheint es offensichtlich eine Reaktion zu geben, in der der Verzögerer
in der Porenlösung reduziert wird. Was die beiden Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 maßgeblich
unterscheidet, ist der Hydratationsgrad. So liegen die Reaktivierungen mit Ac1 mindestens bis zum
7. dnach Zuführung des Anregers verzögert und noch nicht erstarrt vor, während die Reaktivie-
rungen mit Ac2 bereits erhärten (vgl. Abbildung 7.22). Durch die TG-Analysen konnte insbesondere
für Reaktivierungen mit Ac1 große Massen an Carbonaten nachgewiesen werden, die dem MgCO3
40Die Verhältnisse der eingesetzten Massen waren die Gleichen, wie sie in den tatsächlich reaktivierten Bindemittelsystemen
eingesetzt wurden (vgl. Tabelle 5.1, Seite 53).
7.4 Anregung 124
zugeschrieben werden (vgl. Unterkapitel 7.3.3 und 7.4.4). Die grundsätzliche Bildung von Carbona-
ten konnte auch via XRD- und EDX-Messung bestätigt werden. Es lässt sich schlussfolgern, dass
der Kohlenstoff des Verzögerers die Bildung der Carbonate unterstützt. In der Folge reduzieren sich
die NPOC-Werte von Ac1 stärker als die der Reaktivierung mit Ac2, zumindest in der Zeit bis zum
Eintritt der Erstarrung. Unterstützung erfährt die These darin, dass auch die Konzentrationen der
potentiell carbonatbildenden Ionen Ca2+,Mg2+und Na+abnehmen (vgl. Abbildung 7.41). Hinge-
gen lassen die Analyseergebnisse keine neuen Erkenntnisse bzgl. des Verhaltens bei einer gleichzei-
tigen Zugabe von Verzögerer und Anreger aufkommen (vgl. Unterkapitel 7.4.2). In dieser Hinsicht
kann daher nur von einem temporären Ereignis gesprochen werden, wenn die Reaktivierung zum
Zeitpunkt 0 dvermindert gegenüber Suspensionen die nach einer längeren Verzögerungsperiode als
0dzeitnah und weitestgehend einheitlich reaktiviert werden können vorliegt. Daher kann auf die
Versuchsergebnisse von Palacios etal. [183] und Palacios u. Puertas [184] nur insoweit eingegangen
werden, als dass der alkalische Anreger die Verzögererwirkung behindert, nicht aber völlig in der
Wirkung der Adsorption am Bindemittel blockiert.
F1h F4h F8h F1d F28d
0
400
800
1200
1600
2000
2400
2800
3200
3600
4000
4400
Ac1 0d 1,00%R
Ac2 0d 1,00%R
Ac1 7d 1,00%R
Ac2 7d 1,00%R
Roh 1,00%R Ref HSM Ref HSM 1,00%R
Ref Ac1 Ref Ac2
NPOC [mg/l]
Abbildung 7.40: Organik der Verzögererlösung (Roh) sowie der Porenlösungen verschiedener Refe-
renzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rnach Peri-
oden von 0 und 7 dunter Verwendung von Ac1 und Ac2
In Abbildung 7.41 sind die Ergebnisse der anorganischen Analyse dargestellt. In der Betrachtung al-
ler Ionenkonzentrationen gilt, dass die Porenlösung der Proben mit Verzögerer tendenziell eine hö-
here Bereitschaft besitzen Ionen auszulösen. Dies trifft sowohl auf die hohen Konzentrationen von
Ca2+zu als auch auf Al3+und Mg2+. Damit kann die Vermutung zur getroffenen Abhängigkeit der
Auslösung vom Verzögerer bestätigt werden (vgl. Unterkapitel 7.1.1). Dochnicht nur dies stimmt mit
den bereits dargestellten Ergebnissen überein, sondern auch die qualitativ wie auch in weiten Teilen
quantitativ gleichen Verläufe der verzögerten HSM-Suspension (vgl. Abbildung 7.2). Die alkalisch
aktivierten Referenzen zeigen ebenfalls einen auffälligen Trend. Sie weisen die geringsten Auslösun-
gen an Ca2+und die höchsten Auslösungen an Si4+sowie K+auf.41 Diese Prozesse sind ausschließ-
lich auf die Höhe des Anregergehaltes zurückzuführen, der sich gerade bei den Konzentrationen
von Si4+,Al3+,K+und Na+differenzieren lässt, wobei Ac1 immer die geringsten Auslösungen
erreicht. Darin liegt wieder eine Bestätigung, dass der Anregergehalt den Grad der Hydratation re-
guliert (cf. [99,118]). In besonderer Weise ist die Konzentration von K+ein Indiz dafür, dass deren
rapide ansteigender Verlauf den fortschreitenden Hydratationsprozess repräsentiert. Gleiches wäre
bei Na+zu erwarten, wenn nicht NaOH als Anreger verwendet worden wäre, wodurch die hohen
Ionenkonzentrationen vorliegen.42 Mit den durchweg hohen in Lösung vorliegenden Ionenkonzen-
41Die Ionenkonzentration von Si4+liegt für Ref Ac2 nach 1 hbei 1074,2 mg/l. Aufgrund des sehr hohen Wertes ist dieser
nicht innerhalb der Grafik ersichtlich.
42Die Ionenkonzentration von Na+liegt für Ref HSM nach 28 dbei 801,7 mg/l. Daher ist auch diese Ionenkonzentration ein
Indiz für die stattfindende Hydratation.
7.4 Anregung 125
trationen zeigen die Reaktivierungen alle das Potential, die Hauptphasen der Hydratation des HSMs
zu bilden. Aber nicht nur die C-S-H-Phasen und das Hydrotalcit gehen aus den gelösten Ionen her-
vor, sondern auch die Bildung der teilweise verifizierten C-A-S-H- und C-N-A-S-H-Phasen scheinen
möglich zu sein (vgl. Unterkapitel 7.4.6). Selbst die Bildung der jennit-ähnlichen Phasen ist bei den
hohen vorliegenden Ca2+- und moderaten Si4+-Konzentrationen für die Reaktivierungen mit Ac2
anzunehmen (vgl. Abbildung 7.29). Ebenfalls ist von der Umwandlung der C-S-H-Phasen über die
Hydratation auszugehen, da die Ionenkonzentrationen von Ca2+steiler und schneller abfallen als
die von Si4+. Gerade der zum 28. dder Hydratation deutliche und einheitliche Abbau des Mg2+
aus der Porenlösung zeigt die Bildung des Hydrotalcits an. Auch mit diesem Ergebnis stellt sich eine
Korrelation zu den vorherigen Ergebnissen der TG- und XRD-Analyse ein (vgl. Abbildung 7.25, 7.26,
7.28 und 7.29). Letztlich kann auch die Bereitschaft und die Bildung von Na2CO3bestätigt werden,
da auf extrem hohe gelöste Na+-Konzentrationen auch deutliche Reduzierungen in der Porenlösung
folgen.43
F1h F4h F8h F1d F28d
0
400
800
1200
1600
2000
2400
2800
3200
3600
4000
Ref HSM Ref HSM 1,00%R Ref Ac1 Ref Ac2
Ac1 0d 1,00%R Ac2 0d 1,00%R Ac1 7d 1,00%R Ac2 7d 1,00%R
Ca2+ Konzentration [mg/l]
(a)
F1h F4h F8h F1d F28d
0
80
160
240
320
400
480
560
640
720
800
Si4+ Konzentration [mg/l]
(b)
F1h F4h F8h F1d F28d
0
80
160
240
320
400
480
560
640
720
800
Al3+ Konzentration [mg/l]
(c)
F1h F4h F8h F1d F28d
0
60
120
180
240
300
360
420
480
540
600
Mg2+ Konzentration [mg/l]
(d)
F1h F4h F8h F1d F28d
0
80
160
240
320
1k
2k
3k
4k
5k
6k
K+ Konzentration [mg/l]
(e)
F1h F4h F8h F1d F28d
0
160
320
480
640
20k
40k
60k
80k
100k
120k
Na+ Konzentration [mg/l]
(f)
Abbildung 7.41: Anorganik der Porenlösungen mit Normierung auf Yttrium-Standard verschiedener
Referenzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rnach
Perioden von 0 und 7 dunter Verwendung von Ac1 und Ac2 mit (a) Ca2+, (b) Si4+,
(c) Al3+, (d) Mg2+, (e) K+und (f) Na+
Im Verborgenen bleiben weitestgehend die Ionenkonzentrationen des alkalisch angeregten HSMs
und deren Analyse der frühen Hydratationsperiode. Trotzdem gelingt durch die Ergebnisse eine
überwiegende Korrelation der bereits erlangten Resultate. Ebenso wird bestätigt, dass mit Einsatz
des Verzögerers insbesondere die Lösung der für die Bindung der Hauptphasen wichtigen Ionen
Ca2+,Si4+,Al3+und Mg2+intensiviert werden (cf. [171]), was in der Folge zu mehr Hydratations-
produkten führt und zu einer höheren Gefügedichte beiträgt.
43Die hoch alkalischen Porenlösungen benötigten eine starke Säure zur Herstellung geeigneter Bedingungen für die Ele-
mentaranalyse. Durch deren Eintrag wurde Schwefelwasserstoff ausgelöst, woraufhin die Bestimmung von S2verzerrt
wurde und nicht für eine Auswertung herangezogen werden kann.
7.4 Anregung 126
7.4.9 Wasserglasanregung
Die Reaktivierung mit Wasserglas kann vor allem dann zielführend sein, wenn für die Verzögerung
einer Suspension nur ein geringer Additivgehalt verwendet wird, der auch eine deutliche Begren-
zung in der Länge der Verzögerungsperiode aufweist. Dies trifft insbesondere auf Verzögerergehalte
zu, die geringer als 1,00%Rsind. Die Anregeranalyse hat ergeben, dass eine Reaktivierung mit Ac3
nur innerhalb von 3 din den Zustand der Hydratation überführt werden kann, wenn ein Verzö-
gerergehalt von 0,25%Rvorliegt (vgl. Unterkapitel 7.3). So soll in den folgenden Darstellungen ein
detailliertes Bild erstellt werden, mit welchen Eigenschaften eine Reaktivierung nach einer vorheri-
gen Verzögerung von 0,25%Rmit Ac3 verbunden ist und inwieweit sich diese von der Anregung mit
NaOH unterscheiden.
Unter der eingesetzten Masse an Anreger zeigte Ac3 bereits kurze Zeit nach Zugabe zum Bindemittel
oder zur verzögerten Suspension ein visuell und haptisch wahrnehmbares dauerhaftes Ansteifen der
Konsistenz, jedoch vorerst ohne eine relevante Druckfestigkeit (cf. [288,289]). Dies tritt ebenfalls im
Verlauf der Ultraschallgeschwindigkeit in Erscheinung (vgl. Anhang Abbildung A.9, Seite IX). Nach
einer anfänglichen Steigung, die durch die Konsistenzveränderung verursacht wird, bildet sich ein
konstanter Verlauf mit leichtem Anstieg der Ultraschallgeschwindigkeit aus. Dieser mündet dann
in den eigentlichen S-förmigen Verlauf, der die Erstarrung der Suspensionen repräsentiert. Damit
liegt die Erstarrung der reaktivierten Suspensionen in etwa in einem Bereich von 50 bis 64 hnach
Zuführung des Anregers. Hingegen ist sie für die Referenz geringfügig früher und kann in etwa mit
einem Bereich von 44 bis 54 hangegeben werden. Mit diesem Ergebnis zeigt sich eine Korrelation
zu den Resultaten der Wärmeflusskalorimetrie (vgl. Abbildung 7.18(c)). Es wird vermutet, dass der
Grund für das relativ gleiche Verhalten aller Mischungen das in Lösung vorliegende SiO2ist. So
könnte z. B. ebenfalls eine Komplexbildung des Verzögerers mit dem SiO2auftreten (cf. [304,324]),
wodurch in der Folge vermutlich eine bessere und schnellere Lösung des Bindemittelkorns erfolgen
könnte, da eine weitere Adsorption des Verzögerers vermindert würde.
F3d F7d F28d F90d
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
Ref Ac3
0d
7d
14d
Druckfestigkeit [N/mm²]
1,70
1,75
1,80
1,85
1,90
1,95
2,00
2,05
2,10
2,15
Rohdichte [g/cm³]
Abbildung 7.42: Druckfestigkeiten und Rohdichten von Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac3
nach einer Verzögerung von 0,25%Rund Perioden von 0, 7 und 14 d
Mit den Ergebnissen der Ultraschallmessungen bestätigt sich, dass der Verzögerer bei dieser Form
der Anregung keinen signifikanten Einfluss zu haben scheint, nachdem die Reaktivierung erfolg-
te. Dies ist daraus zu schlussfolgern, dass die Referenz ohne Verzögerer nahezu die gleiche Zeit
zur Einleitung der Erstarrung benötigt wie die vergleichenden Reaktivierungen mit Verzögerer (vgl.
Unterkapitel 7.3.1). Außerdem zeigen die Ultraschallgeschwindigkeiten keine Erhöhung der Wer-
te zum Messende nach 168 han, wie sie bei den Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 gegeben sind.
Der durch die Messungen der Ultraschallgeschwindigkeit gewonnene Eindruck setzt sich in den er-
fassten Druckfestigkeiten zu allen betrachteten Hydratationszeitpunkten fort (vgl. Abbildung 7.42).
Nach 3 dHydratation liegt noch eine leichte Verminderung der Druckfestigkeit durch die Verzöge-
rung vor, doch bereits am 7. dgleichen die Ergebnisse der Reaktivierungen denen der Referenz bis
7.4 Anregung 127
zum 90. d.44 Möglicherweise ist auch der Verzögerergehalt für die Kombination mit der Anregung
durch Na2SiO3nicht ausreichend, sodass in der Folge keine Leistungssteigerung der Hydratation
auftritt, welche sich in höheren Ultraschallgeschwindigkeiten und Druckfestigkeiten niederschlägt
(vgl. Unterkapitel 7.4.2 und 7.4.3). Begründbar wäre dies z. B. damit, dass der Verzögerer durch
seinen Einsatz keine zusätzlichen Hydratationsprodukte bildet, woraufhin eine Erhöhung in der Ge-
fügedichte zu erwarten wäre. Aus verschiedenen Veröffentlichungen ist bekannt, dass die Anregung
durch Na2SiO3zu enorm hohen Druckfestigkeiten im Vergleich zu der durch NaOH-Anregung führt
[1113,36,83,318]. So ergibt sich wegen der gelösten Kieselsäure eine Reaktionskinetik, die insbe-
sondere nach dem Lösen der Calciumionen unmittelbar amorphe C-S-H-Phasen bildet, welche ein
sehr dichtes Gefüge hervorrufen.
0,0
1,7
3,4
5,1
6,8
8,5
10,2
30-250°C 250-750°C 750-950°C
Masseverlust [M.-%]
0
3
6
9
12
15
18
Gesamtmasse-
verlust [M.-%]
Ref Ac3 0d 7d 14d
Abbildung 7.43: TG-Analyse des Feststoffs nach 3, 7, 28 und 90 dder Hydratation (von links nach
rechts pro Grafik) mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und dem
Gesamtmasseverlust der Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac3 nach Verzö-
gerungsperioden von 0, 7 und 14 dmit dem Gehalt 0,25%R
Der Abbildung 7.43 können die Ergebnisse der TG-Analyse entnommen werden. Die Resultate zei-
gen, dass der Verzögerer erst zum 90. dder Hydratation einen verminderten Einfluss auf die zusätz-
liche Phasenbildung besitzt. Hingegen bewirkt weder der Verzögerereinsatz, noch die Länge der Ver-
zögerungsperiode eine Veränderung der qualitativen Phasenentwicklung. Die Hydratationsproduk-
te, die den Temperaturbereichen der Masseverluste zugewiesen werden können, sind die Gleichen
wie die bei einer Ac1- oder Ac2-Anregung und unabhängig von den dargestellten Hydratationszeit-
punkten (vgl. Abbildung 7.25 und 7.26).45 Die via TG verifizierten C-S-H-Phasen, das Hydrotalcit
und die Carbonate, konnten aufgrund der überwiegend amorphen Ausbildung und des zusätzlich
amorph vorliegenden HSMs nicht durch XRD-Analysen bestätigt werden. Die einzig verifizierten
kristallinen Phasen stammen aus dem Rohstoff und waren Merwinit, Calcit und Quarz (vgl. Unter-
kapitel 5.4, Seite 56). Selbst nach einer Hydratationsperiode von 28 dkonnte an diesem Zustand kei-
ne Veränderung festgestellt werden, die eine Charakterisierung weiterer kristalliner Phasen zuließ.
Vermutlich wegen des verminderten Anregergehaltes und der damit einhergehenden geringeren Lö-
sungsfähigkeit bei der Verwendung von Ac3. Die Abbildungen 7.44 und 7.45 zeigen das sich ausge-
bildete Gefüge der unverzögerten Referenz und einer Reaktivierung nach Einsatz von Ac3, sowohl
nach 7 als auch nach 28 dder Hydratation. Die REM-Bilder weisen zu beiden Hydratationszeitpunk-
ten und unabhängig vom Verzögerereinsatz ein Gefüge der gleichen Dichte und Struktur auf. Dabei
kann weder der gefügedichten Matrix noch den Poren eine Struktur der Phasen entnommen wer-
den, die mit den Resultaten der NaOH-Anregung vergleichbar wären (vgl. Unterkapitel 7.4.7). Mit
diesem Erscheinungsbild des Gefüges kann die These insoweit bestätigt werden, dass die Dichte des
vorliegenden Gefüges nahezu nicht steigerbar ist. Selbst der geringfügige Anstieg der Hydratations-
produkte am 90. dder Hydratation hat keine Steigerung der Druckfestigkeit bewirkt.
Es kann resümiert werden, dass die Anregung mit Ac3 extrem hohe und konstante Druckfestigkeiten
generiert. Im Gegensatz dazu bleibt eine zusätzliche und leistungssteigernde Wirkung des Verzöge-
rers bzgl. der Hydratation aus. Dies resultiert daraus, dass sich mit einer Na2SiO3-Anregung ein
bereits sehr dichtes Gefüge in den Hydratationsprodukten ausbildet, was durch den Einsatz des Ver-
zögerers nicht zusätzlich zu steigern ist. Ein Nachteil für die Reaktivierung ist aber die verminderte
44Den Ergebnissen der Rohdichte kann indes kein einheitlicher Trend entnommen werden, u. a. wegen der erhöhten vorlie-
genden Abweichungen.
45Mit den Ergebnissen nach 3 dHydratation können auch die Resultate der Anregeranalyse von Ac3 bestätigt werden, quali-
tativ wie quantitativ (vgl. Abbildung 7.43 und 7.20(c)).
7.4 Anregung 128
Lösungsfähigkeit aufgrund der geringeren Alkalität gegenüber einer NaOH. Daraus ergibt sich eine
konsequent verminderte Regulierbarkeit mit Bezug auf eine frühe Reaktivierung einer verzögerten
Suspension.
(a)
(b) (c)
(d)
(e) (f)
20μm 6μm 20μm
20μm 6μm 20μm
Abbildung 7.44: REM-Bilder verschiedener Vergrößerungen des Feststoffs mit Ac3 nach 7 dHydra-
tation: Der Referenz in (a) bis (c) mit der gefügedichten Matrix in (a) und (b) sowie
mit der Pore in (c), der Reaktivierung nach einer 7 dVerzögerung mit 0,25%Rin (d)
bis (f) mit der gefügedichten Matrix in (d) und (e) sowie mit der Pore in (f)
(a)
(b) (c)
(d)
(e) (f)
20μm 6μm 20μm
20μm 6μm 20μm
Abbildung 7.45: REM-Bilder verschiedener Vergrößerungen des Feststoffs mit Ac3 nach 28 dHydra-
tation: Der Referenz in (a) bis (c) mit der gefügedichten Matrix in (a) und (b) sowie
mit der Pore in (c), der Reaktivierung nach einer 7 dVerzögerung mit 0,25%Rin (d)
bis (f) mit der gefügedichten Matrix in (d) und (e) sowie mit der Pore in (f)
7.4 Anregung 129
7.4.10 Zusammenfassung - Anregung
Zusammengefasst stellt sich die kombinierte Anwendung von Verzögerer und alkalischem Anreger
beim Einsatz im HSM als komplexes Bindemittelsystem dar. Der Hydratationsprozess kann durch
die unterschiedlichen Verzögerer- und Anregergehalte über eine Periode von bis zu 56 dauf der Basis
einer homogen vorliegenden Suspension reguliert werden. Außerdem ist der Effekt der Leistungs-
steigerung durch den Einsatz des Verzögerers gegeben, allerdings vorwiegend bei einer alkalischen
Anregung mit NaOH. Diese wirkt sich maßgeblich auf eine Steigerung der Druckfestigkeit von min-
destens 70 % nach 90 dder Hydratation aus. Die Ergebnisse der Druckfestigkeit haben gezeigt, dass
mit geringer werdendem Verzögerergehalt der Einfluss in der Höhe des Anregergehaltes bzgl. des
relativen Festigkeitszustandes bzw. Festigkeitszuwachses vermindert wird. Daher ist mit zunehmen-
dem Hydratationsalter der relative Festigkeitszuwachs unabhängig von dem Gehalt des Anregers
und des Verzögerers. Grundsätzlich ist für dieses Zwei-Komponenten-System die Art sowie der Ge-
halt und damit die Alkalität des Anregers für die schnelle Überwindung des verzögerten Zustandes
hin zur Lösung der Bindemittelkörner entscheidend. Mit der höchsten Alkalität ist die schnellste
Überwindung der Verzögerung verbunden, wodurch die längste Hydratationszeit erreicht wird und
die meisten Hydratationsprodukte generiert werden können.
Es resultiert ein Bindemittelsystem, das nur aus fließfähigen Bestandteilen besteht und welches zu
jeder Zeit einfach und schnell verwendet werden kann. Dabei ist der Zeitpunkt der Reaktivierung
weitestgehend unabhängig, indessen benötigt der Verzögerer mindestens eine Zeit von 1 dum voll-
ständig am Bindemittel zu adsorbieren und dadurch seine volle Wirkung einzubringen. Die Ergeb-
nisse zeigen, dass nicht nur die Überwindung des verzögerten Zustandes von einem höheren Mas-
senanteil des Anregers einen Nutzen trägt, sondern auch der Abbau des amorphen Bereichs des
HSMs und damit die Generierung von kristallinen Phasen. Die Hauptprodukte der Hydratation
sind im Wesentlichen C-S-H-Phasen und Hydrotalcit. Temporär treten jedoch auch C-A-S-H- und
C-N-A-S-H-Phasen auf. Es konnte nachgewiesen werden, dass die C-S-H-Phasen in Verbindung mit
ihrem Ca/Si-Verhältnis in Abhängigkeit vom Hydratationsgrad und damit von dem Anregergehalt
variieren. Vorwiegend entstehen so bei den Systemen mit höherem Anregergehalt am 7. dder Hy-
dratation tobermorit-ähnliche Phasen, die spätestens am 28. dals calciumreichere jennit-ähnliche
Phasen vorliegen und sich nachfolgend bis zum 365. dwieder zu tobermorit-ähnlichen Phasen um-
wandeln. Weiterhin konnte bei allen Systemen und damit unabhängig vom Anreger- oder Verzöge-
rergehalt ein Zuwachs des Hydrotalcits vom 7. auf den 28. dder Hydratation festgestellt werden.
Der früheste mögliche Nachweis des Hydrotalcits erfolgte bereits nach 16 hHydratationszeit, wobei
diese Entwicklung durch den Verzögerer und dessen höheren Gehalt beeinflussbar ist. Die über-
durchschnittliche Entwicklung an Carbonaten wurde besonders bei den Systemen erkannt, die nicht
binnen 7 dreaktiviert werden konnten. Doch nicht nur dort liegt der alkalische Anreger, der zur Car-
bonatisierung neigt, ungebunden vor, sondern auch bei allen anderen Systemen. Daher ist Natrit, im
Wesentlichen das Resultat der Probenverarbeitung.
Als maßgebende Einflussfaktoren zur Erzielung hoher Festigkeiten, hoher Anteile an kristallinen
Hydratationsprodukten und einer dichten Mikrostruktur steht an erster Stelle der Anregergehalt,
gefolgt von der Hydratationsdauer und dem Verzögerergehalt. Dabei unterstützt der Verzögerer die
Bildung zusätzlicher Hydratationsprodukte, sodass sich die Mikrostruktur verdichtet. Dies gelingt,
da während der Verzögerung keine Hydratationsprodukte gebildet werden, aber trotzdem Ionen
in Lösung gehen. Mit der einsetzenden Hydratation durch den Anreger stehen für die Phasenbin-
dungen hohe in Lösung vorliegende Ionenkonzentrationen zur Verfügung und ein freier Raum in
der Bindemittelmatrix, in den sie hineinwachsen können. Durch den Verzögerer wird bevorzugt die
Lösung der Ionen Ca2+,Si4+,Al3+und Mg2+intensiviert. Ein Nachweis der durch den Verzöge-
rer zusätzlich gebildeten Hydratationsprodukte kann mit der Bestimmung der TG, der spezifischen
Oberfläche und der Reindichte erfolgen. Grundsätzlich ist aber die Art der entstehenden Hydrata-
tionsphasen unabhängig vom Verzögerereinsatz. Neben den überwiegend positiven Eigenschaften,
u. a. eine vollständige Verzögerung der Hydratation bei der Verwendung von Gehalten zwischen
0,25%Rbis 1,00%R, ist der negative Aspekt die Verlängerung des Zeitpunktes der Erstarrung nach
Reaktivierung. Die effektivste Kombination aus langer Verzögerung, schneller Erstarrung nach Re-
aktivierung und Steigerung des Hydratationsgrades zeigt sich in der Kombination von 0,25%Rund
Ac2.
Eine von der NaOH-Anregung veränderte Reaktivierung stellt sich bei der Verwendung von Na2SiO3
ein. Hier besitzt der Verzögerer bei einem Gehalt von 0,25%Rnahezu keinen Einfluss auf den Zeit-
punkt der Reaktivierung. Es ergeben sich die gleichen Hydratationsprodukte wie beim Einsatz ei-
7.4 Anregung 130
ner NaOH, jedoch in röntgenamorpher Struktur. Diese verdichten das Gefüge derart, dass keine
Leistungssteigerung durch den Verzögerer eintritt. Die Ergebnisse der Ac3-Anregung verdeutlichen,
dass Na2SiO3ein höheres Potential zur Phasenbildung besitzt und lediglich ein vermindertes Poten-
tial zur frühen Einleitung der Keimbildung. Genau umgekehrt verhält es sich bei NaOH.
7.5 Funktionsdarstellung der Hydratationsregulierung 131
7.5 Funktionsdarstellung der Hydratationsregulierung
Aus den Ergebnissen der Prüfungen und Analysen und den darauf basierenden Interpretationen
der verzögerten und reaktivierten Systeme wurde eine grafische Zusammenfassung der Hydrata-
tionsregulierung entwickelt, die in Abbildung 7.46 dargestellt ist. Unterteilt ist diese Abbildung in
den Zustand der Verzögerung und den der Reaktivierung, mit den Hydratationszeitpunkten von 1,
7 und 28 dnach Anregerzugabe. Die Verzögerung bei Ac1 und Ac2 basiert auf einem Gehalt von
1,00%Rund bei Ac3 auf 0,25%R.
Ac1 Ac2 Ac3
Anregung
Verzögerung
Komplex-
bildung Adsorption
1d
7d
28d
HS-Korn
Carbonat
Innere
Produkte
C-S-H-Phasen
(Äußere Produkte)
Hydrotalcit
Amorphe
Produkte
Abbildung 7.46: Funktionsdarstellung der Hydratationsregulierung mit der Verzögerung und An-
regung nach den Hydratationszeitpunkten von 1, 7 und 28 dmit den Anregungen
30 M.-%NaOH (Ac1) und 50 M.-%NaOH (Ac2) nach einer Verzögerung von 1,00
M.-%D-Gluconsäure sowie einer dazu vergleichbaren Dauer der Reaktivierung mit
44 M.-%Na2SiO3(Ac3) nach einer Verzögerung von 0,25 M.-%D-Gluconsäure
132
Kapitel 8
Schlussbetrachtung
8.1 Zusammenfassung
In den theoretischen Grundlagen wurde vorwiegend die Einwirkung von organischen Verzögerern
auf die Hydratation von Portlandzement beschrieben. Dies verfolgte den Zweck, die Eigenschaften
dieses Additives auf das calciumärmere Hüttensandmehl (HSM) übertragen zu können. Verzöge-
rer auf der Basis von Hydroxy- und Carboxygruppen besitzen die Eigenschaft, die dormante Hy-
dratationsperiode zu verlängern, wobei sie am Bindemittel adsorbieren und zudem Komplexe mit
Calcium bilden. Im Weiteren wurde der Hydratationsverlauf von HSM dargestellt sowie die Abhän-
gigkeiten der Reaktivität dieses Bindemittels. Abschließend erfolgten Ausführungen zur alkalischen
Anregung, um diese gezielt zur Reaktivierung einer verzögerten HSM-Suspension einzusetzen.
Mit einer Vielzahl an Verzögerern unterschiedlicher Gehalte konnte die D-Gluconsäure als wirkungs-
vollster Verzögerer für das HSM ermittelt werden. Dabei zeigte der spezifische Wärmefluss einen
Verlauf ohne jeglichen Anstieg, wodurch bei dem verwendeten Gehalt von 1,00 Masseprozent (M.-%)
eine Verzögerung von mindestens 21 Tag/e/en (d) vorlag. In weiteren Versuchen zeigte sich, dass
der Verzögerergehalt die Hydratation und die Bildung von festigkeitsgebenden Phasen bis zu 365
dunterbindet. Dazu war mit geringeren Gehalten eine Regulierung der Verzögerung möglich. Die
Elementaranalysen haben erkennen lassen, dass der Verzögerer am Bindemittel adsorbiert und vor-
wiegend auf die Auslösung von Si4+,Al3+und Mg2+einwirkt. Unabhängig von der Höhe des
Additivgehaltes löste sich Ca2+innerhalb der Dauer der Verzögerung aus. Ebenfalls zeigte sich eine
Verzögerung dadurch, dass während der thermischen Analyse das ungebundene Sulfid zu Sulfat
oxidierte. Ließ die Verzögererwirkung nach, fielen die Ionenkonzentrationen von Ca2+und S2ab.
Zeitgleich stiegen die der Alkalien zusammen mit dem pH-Wert an. In der Folge wurde aufoxidiertes
Sulfat eingebunden, woraufhin Ettringit, Calcium-Silikat-Hydrat (C-S-H)- und hydrotalcit-ähnliche
Phasen entstanden. Mit einem Verzögerergehalt von 0,05 M.-% konnte nach anfänglicher Unter-
drückung der Hydratation auch eine Steigerung der Druckfestigkeit, der Ultraschallgeschwindigkeit
und der spezifischen Oberfläche festgestellt werden, allein durch den Einsatz des Additives.
Mit der Minderung vom Wasserbindemittelwert und der Hinzunahme von Methylcellulose (MC) ge-
lang eine Stabilisierung der Suspension, die zuvor noch zu Flüssigkeitsabsonderungen neigte. Au-
ßerdem wurde mit der Höhe des Gehaltes der MC nicht nur die Absonderung reguliert, sondern
auch die Konsistenz und die Thixotropie der Mischung. Der Einsatz des Verzögerers trug zur Ver-
flüssigung des Bindemittelsystems bei und das weitestgehend unabhängig von dessen Gehalt.
Die Analyse verschiedener Anreger und deren Gehalte haben gezeigt, dass die Reaktivierung einer
verzögerten Suspension möglich ist. Dabei war die Effektivität maßgeblich von der Alkalität des An-
regers und dem vorliegenden Verzögerergehalt abhängig. Eine Reaktivierung binnen 3 dgelang bei
einem Verzögerergehalt von 1,00 M.-% zielsicher und unabhängig von der Länge der Verzögerungs-
periode nur durch Natriumhydroxid (NaOH) mit einem Gehalt von 50 M.-%. Das NaOH mit 30
M.-% sowie das Natriumsilikat (Na2SiO3) waren Alternativen für die Anregung, allerdings erst bei
geringeren Verzögerergehalten bzw. längeren Perioden der Reaktivierung. Letztlich wurde der alka-
lische Anreger verwendet, um schnellstens die dormante Hydratationsperiode zu überwinden und
die Akzeleration einzuleiten, mit der die Erstarrung und die Bildung der Hydratphasen einsetzt.
Zielsicher ergaben sich leistungssteigernde Effekte durch den Einsatz des Verzögerers. So ließen sich
Steigerungen in der Druckfestigkeit von mindestens 70 % nach 90 dHydratation beim Einsatz von
NaOH erzielen. Dies zeigte sich im Vergleich zu Proben ohne Verzögerer ebenfalls in der Ultra-
schallgeschwindigkeit, der spezifischen Oberfläche und der Masse an Hydratationsprodukten. Um
diesen mit dem Verzögerer verbundenen Effekt jedoch erreichen zu können, benötigte die Mischung
eine schnelle Reaktivierung und somit die Einleitung zur Hydratation. Als maßgebende Einfluss-
faktoren ergaben sich der Anregergehalt, die Hydratationszeit und der Verzögerergehalt. Mit Be-
ginn der Lösung der Bindemittelkörner wurden im Wesentlichen C-S-H-Phasen und Hydrotalcit
8.2 Fazit 133
analysiert. Grundsätzlich ließ sich mit fortschreitender Hydratation ein stetiger Wandel der Pha-
sen nachweisen. Innerhalb der C-S-H-Phasen wurde zu Beginn der Hydratation eine Zunahme des
Ca/Si-Verhältnisses festgestellt, welches im Verlauf wieder abnahm. Dagegen zeigte das Hydrotal-
cit während der Hydratationszeit zwischen 7 und 28 deine Massezunahme, die unabhängig vom
Verzögerer- oder NaOH-Gehalt war. Die Bildung von Carbonaten trat bei allen Proben auf. Gleich-
wohl war ihr Massenanteil bei denen, die nicht binnen 7 dreaktiviert wurden, höher. Die Bildung
der Hydratationsphasen war qualitativ betrachtet unabhängig sowohl vom Verzögerer als auch vom
Anreger, daher ergaben sich auch unter Na2SiO3die gleichen Produkte, aber in amorpher Struk-
tur. Doch besaß der Verzögerer auf die Proben mit Na2SiO3-Anregung keinen leistungssteigernden
Effekt. Die Anreger unterschieden sich nicht nur hinsichtlich der generierten Gefügestrukturen, son-
dern auch bzgl. des Hydratationsablaufs, den sie hervorriefen. Eine NaOH-Lösung sorgte für ein
überwiegend kristallines Gefüge und bewirkte eine frühe Keimbildung, sodass eine schnelle Erstar-
rung eintrat. Indes generierte eine Na2SiO3-Lösung ein weitestgehend amorphes Gefüge und besaß
ein erhöhtes Potential zur Phasenbildung, weswegen eine schnelle Erstarrung ausblieb.
8.2 Fazit
Das Ziel war es, ein mineralisches und dauerhaft pastöses Bindemittelsystem zu entwickeln, welches
unter dem Einsatz von chemischen Additiven in dessen Hydratation reguliert werden kann. Dazu
ergaben sich zwei wesentliche Arbeitsbereiche: Der der Verzögerung zur Unterbindung der Hydrata-
tion des Bindemittels und der der alkalischen Aktivierung zur gezielten Einleitung der verzögerten
Hydratation der HSM-Suspension. Ein weiteres Ziel war es, den Hydratationsablauf während der
Verzögerung und ebenso während der Reaktivierung in dessen Hintergründen und Eigenschaften
zu erfassen.
Es gelang ein Bindemittel zu formulieren, welches den Zielsetzungen und Erwartungen der Motiva-
tion gerecht wurde. Ebenfalls ließen sich wesentliche Hintergründe und Eigenschaften eines solchen
Bindemittels durch die Analysen und Prüfungen aufzeigen. Nachfolgend werden die bedeutendsten
Erkenntnisse mit deren zugehörigen Erklärungen dargestellt.
Die HSM-Suspension kann über 365 d verzögert werden.
Die D-Gluconsäure adsorbiert unabhängig von deren Gehalt am Bindemittelkorn. Dabei kommt
die Adsorption bei einem Gehalt von 1,00 M.-% nach 1 dzum Erliegen, wohingegen sie bei
<0,25 M.-% stetig erfolgt. Zudem bilden sich zumindest mit dem in Lösung gehenden Calci-
um Komplexe aus. Ein weiterer verzögernder Effekt ist die Senkung des pH-Wertes der Poren-
lösung durch den Einsatz der organischen Säure. Durch die Adsorption bildet der Verzögerer
u. a. eine Schutzschicht und verhindert die Lösung der amorphen Struktur des Bindemittel-
korns. Ebenso senkt er den pH-Wert auf eine Schwelle, von der aus vorwiegend Calcium gelöst
werden kann. Überschüssiger, in der Lösung befindlicher Verzögerer gewährleistet die Kom-
plexbildung des Calciums und kann zu jeder Zeit erneut adsorbieren oder komplexieren.
Die Reaktivierung einer verzögerten HSM-Suspension gelingt durch einen alkalischen Anreger.
Die Zugabe des alkalischen Anregers sorgt für die Anhebung des pH-Werts, woraufhin es ver-
mutlich zur Schwächung und der Auflösung der mit dem Verzögerer vorhandenen Komplexe
und Adsorptionen kommt. Folglich befindet sich das Calcium ungebunden in Lösung und
die amorphe Struktur des Bindemittelkorns wird gelöst, woraufhin Hydratphasen entstehen.
Insbesondere die Höhe der Alkalität sorgt für die Schnelligkeit in der die Überwindung des
verzögerten Zustandes erfolgt, sodass eine Individualität in der Regulierung möglich ist.
Der Einsatz des Verzögerers bewirkt eine Leistungssteigerung der Hydratation.
Die Leistungssteigerung zeigt sich in erhöhten Druckfestigkeiten und höheren Massenantei-
len an Hydratationsprodukten. Dies gelingt, da innerhalb der Verzögerung bevorzugt Calcium
ausgelöst wird, jedoch keine Hydratationsprodukte gebildet werden. Zudem unterstützt der
Verzögerer die Auslösung von Silicium, Aluminium und Magnesium. Kommt es in der Folge
des Anregereinsatzes zur Reaktivierung der Hydratation, steht den Phasenbindungen bereits
eine mit gelösten Ionen versetzte Porenlösung zur Verfügung. Durch das übermäßige Angebot
an gelösten Ionen kann ein Phasenwachstum in den freien Raum der Bindemittelmatrix er-
folgen. Dadurch entsteht ein geordneteres und gefügedichteres Phasennetz mit einer höheren
spezifischen Oberfläche. Hingegen kommt es bei einer schnellen Auslösung der Ionen und der
folgenden schnellen Erstarrung zu einem unkontrollierten Phasenwachstum.
8.3 Ausblick 134
Mit dem Hydratationsfortschritt resultiert eine Phasenumwandlung.
Bevorzugt kommt es unter Einsatz von NaOH mit 50 M.-% zur Umwandlung der C-S-H-
Phasen und deren Ca/Si-Verhältnis. Durch die hohe zu Beginn der Hydratation herrschende
Alkalität wird maßgeblich Silicium gelöst, wodurch es eher zur Bildung siliciumreicher und da-
her zu tobermorit-ähnlichen C-S-H-Phasen kommt. Mit Abbau der Alkalität lässt die Lösung
des Siliciums nach und die von Calcium nimmt zu. In der Folge entstehen vermehrt calcium-
reichere und daher jennit-ähnliche C-S-H-Phasen.
Der Verzögerer ermöglicht keine Leistungssteigerung bei einer Reaktivierung mit Wasserglas.
Eine Leistungssteigerung des Verzögerers bleibt im Besonderen bei den Druckfestigkeiten aus.
Infolge des bereits in Lösung befindlichen Siliciums wird zwar die Alkalität des Anregers ge-
mindert, dagegen sein Potential zur Phasenbildung erhöht. Dadurch entsteht nach weiteren
Auslösungen von Ionen ein sehr dichtes und hochfestes sowie amorphes Phasennetzwerk. Der
Verzögerer bewirkt zwar einen geringen Zuwachs der Masse an Hydratationsprodukten, trotz-
dem gelingt es diesen nicht, das Gefüge weiter zu verdichten.
8.3 Ausblick
Mit der vorliegenden Arbeit konnten alle gesteckten Ziele erreicht werden. Dennoch bleibt es of-
fen, eine Optimierung für eine zeitnahe Reaktivierung durchzuführen, in der es gelingt, einen noch
schnelleren Hydratationsablauf und eine schnellere Erstarrung herbeizuführen. Dies würde das al-
ternative Bindemittelsystem komplementieren und endgültig für den baupraktischen Einsatz quali-
fizieren, z. B. für die schnelle und unkomplizierte Nutzung als flüssiges Zwei-Komponenten-Misch-
system zur Verschließung von Bohrlöchern und Verankerungen von Befestigungssystemen.
Die Erstarrung trat nach vorheriger Verzögerung zwar zielsicher ein, aber benötigte mit 50 M.-%
NaOH trotzdem etwa 48 Stunde/n (h). Die Reaktivierung kann um etwa 40 hfrüher eingeleitet wer-
den, wenn eine Anregerkombination aus gleichen Massenanteilen von 50 M.-%NaOH und Na2SiO3
verwendet wird (vgl. Abbildung 8.1). Dabei kombiniert der Anreger die Eigenschaften der NaOH
und der Na2SiO3, weswegen eine hohe Alkalität sowie ein früher Keimbildungsprozess und eine
frühe Phasenbildung vorliegen. Eine weitere effektive Lösung schafft die Anregerkombination aus
30 M.-%NaOH und Na2SiO3.
0,1h 1h 10h
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
20
40 Ref Ac4 Ac4 7d
Ref Ac5 Ac5 7d
Ref Ac6 Ac6 7d
Spezifischer Wärmefluss [mW/g]
Abbildung 8.1: Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von drei verschiedenen Anre-
gerkombinationen ohne Verzögerer (Referenz) und der Reaktivierungen mit vorheri-
ger siebentägiger Verzögerung mit 1,00 M.-%D-Gluconsäure in den Anregerzusam-
mensetzungen gleicher Massenanteile von Ac4 = 50 M.-%NaOH +Na2SiO3,Ac5 =
50 M.-%NaOH +Ca(OH)2sowie Ac6 = 30 M.-%NaOH +Na2SiO3- Mittelwerte aus
zwei Messreihen
135
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156
Verzeichnis der Abkürzungen und der chemischen Formeln
Ac Activator,dt.:Anreger.............................................................52
AFm Aluminat-Ferrit-Monosulfat.........................................................6
AFt Aluminat-Ferrit-Trisulfat............................................................6
Al2O3Aluminiumoxid....................................................................10
BET Brunauer,Emmet&Teller..........................................................44
BSE Backscattered Electrons, dt.: Rückstreuelektronen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
C3ATricalciumaluminat.................................................................4
CaCO3Calciumcarbonat...................................................................15
C2(A,F)Calciumaluminatferrit...............................................................4
C-A-H Calcium-Aluminat-Hydrat..........................................................6
CaO Calciumoxid........................................................................4
Ca(OH)2Calciumhydroxid...................................................................5
CaS Calciumsulfid......................................................................14
C-A-S-H Calcium-Aluminat-Silikat-Hydrat...................................................8
CaSO4Calciumsulfat.......................................................................5
C-N-A-S-H Calcium-Natrium-Aluminium-Silikat-Hydrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
C-N-S-H Calcium-Natrium-Silikat-Hydrat...................................................30
CO2Kohlenstoffdioxid..................................................................11
C2SDicalciumsilikat.....................................................................4
C3STricalciumsilikat....................................................................4
C-S-H Calcium-Silikat-Hydrat.............................................................4
dTag/e/en..........................................................................19
DOC Dissolved Organic Carbon, dt.: gelöster organisch gebundener Kohlenstoff . . . . . . . . . 41
DTA Differenzthermoanalyse............................................................32
DTG DifferenzierteThermogravimetrie-Kurve...........................................43
EDX Energy Dispersive X-ray Diffraction, dt.: Energiedispersive Röntgenspektroskopie. .30
Fe2O3Eisentrioxid........................................................................10
FTIR Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
hStunde/n..........................................................................23
H2OWasser.............................................................................52
HOS Hochofenschlacke...................................................................9
HS Hüttensand.........................................................................9
HSM Hüttensandmehl...................................................................ix
ICP OES Inductively-Coupled Plasma Optical Emission Spectrometry, dt.: optische
Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
K2OKaliumoxid........................................................................10
KOH Kaliumhydroxid...................................................................24
K2SiO3Kaliumsilikat......................................................................26
LiOH Lithiumhydroxid..................................................................25
M.-%Masseprozent.......................................................................3
MC Methylcellulose....................................................................20
MgCO3Magnesiumcarbonat...............................................................92
MgO Magnesiumoxid.....................................................................4
MnO Manganmonooxid.................................................................10
Na2CO3Natriumcarbonat..................................................................26
Na2ONatriumoxid.......................................................................10
NaOH Natriumhydroxid..................................................................10
Na2SiO3Natriumsilikat.....................................................................26
NMR Nuclear Magnetic Resonance Spectroscopy, dt.: Kernresonanzspektroskopie . . . . . . . . 32
NPOC Non Purgeable Organic Carbon, dt.: nicht ausblasbarer organischer Kohlenstoff . . .. 41
PZ Portlandzement.....................................................................1
RRetarder,dt.:Verzögerer...........................................................52
REM Rasterelektronenmikroskopie......................................................32
Literaturverzeichnis 157
r. F. relative/rLuftfeuchte..............................................................46
RFA Röntgenfluoreszenzanalyse........................................................53
RRSB Rosin,Rammler,Sperling&Bennett................................................55
sSekunde/n.........................................................................48
S2Sulfid-Ion..........................................................................14
SE Secondary Electrons, dt.: Sekundärelektronen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
SFA Steinkohlenflugasche................................................................8
SiO2Siliciumdioxid.....................................................................10
SO3Schwefeltrioxid....................................................................11
SO2
4Sulfat-Ion..........................................................................14
TG Thermogravimetrie................................................................32
TiO2Titandioxid........................................................................10
TOC Total Organic Carbon, dt.: gesamter organischer Kohlenstoff. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .41
Vol.-%Volumenprozent...................................................................55
v. Z. vomZementgehalt.................................................................16
w/b-Wert Wasserbindemittelwert.............................................................27
w/z-Wert Wasserzementwert..................................................................7
XRD X-rayDiffraction,dt.:Röntgenbeugung............................................31
158
Zementnomenklatur
AAl2O3
CCaO
CCO2
FFe2O3
HH2O
KK2O
MMgO
NNa2O
SSiO2
SSO3
159
Abbildungsverzeichnis
2.1 Schematische Darstellung der fünf Hydratationsperioden des PZs und im Vergleich
dazu ein Hydratationsverlauf des HSMs angeregt mit Wasser, Natriumhydroxid (NaOH)
und Natriumsilikat (Na2SiO3)................................. 5
2.2 Hydratationsprodukte des PZ in (a) Ettringit nach 7 dHydratation und in (b) Calci-
umhydroxid nach 28 dHydratation.............................. 7
2.3 Erhärtungsmodell unterschiedlich reagierender Stoffe von (a) hydraulisch, (b) latent
hydraulisch, (c) puzzolanisch bis (d) inert (nach [302])................... 12
2.4 Hydratphasen des HSMs nach 7 dder Hydratation in (a) und (b) mit unterschiedlicher
Vergrößerung .......................................... 13
2.5 Farbveränderung des HSMs nach unterschiedlicher Hydratationszeit und Anregung,
in (a) nach 7 dmit Wasserglas und (b) nach 65 dmitWasser................ 15
2.6 Charakteristika der Carbonsäuren [312] ........................... 18
2.7 Wirkungsweise eines Verzögerers in der Bindemittelsuspension entweder (a) in der
Lösung, z. B. komplexbildend, und/oder (b) auf der Oberfläche einer reaktionsfähigen
Phase,z.B.adsorptiv...................................... 21
2.8 Ausbildung des Hydratationsgefüges infolge der unterschiedlichen Wirkungsweisen
von (a) NaOH und (b) Na2SiO3................................ 28
3.1 Struktur und Ablauf der Versuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.2 Zeitachse der Verzögerungsperioden, der Aktivierungszeitpunkte und der Hydratati-
onsperioden........................................... 36
3.3 Struktur und Einsatz der chemischen Additive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
4.1 Auspresseinrichtung zur Generierung von Porenlösung, dargestellt als (a) Querschnitt
und(b)Längsschnitt ...................................... 40
4.2 Thermische Analyse via TG eines alkalisch aktivierten HSMs mit der Darstellung der
wesentlichen Ergebnisse aus TG- und DTG-Kurve ..................... 44
4.3 Ausbreitmaß in (a) vor Schlägen und in (b) nach Schlägen einer mit Zusatzstoffen ver-
änderten HSM-Mischung (HSM 1,00%R0,10%MC1 0,30) mit Verzögerer und einem
w/b-Wert von 0,30, geprüft in Anlehnung an DIN EN 1015-3 [63] ............ 46
4.4 Ultraschallprüfeinrichtung im Querschnitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
6.1 Haptisch-visuelle Studie der Verzögererwirkung von 23 organischen Additiven der
Gruppen Carbon-/Hydroxycarbonsäure, Kohlenhydrate, Ligninsulfonate und orga-
nische Phosphonate sowie zwei anorganischen Additiven . . . . . . . . . . . . . . . . 57
6.2 Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von Suspensionen mit verschie-
denen Massenanteilen an Verzögerer im Vergleich zur Referenz (Ref) in (a) und (b) der
Gruppe Carbon-/Hydroxycarbonsäuren und in (c) der Gruppe Kohlenhydrate . . . . 58
6.3 Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von Suspensionen mit verschie-
denen Massenanteilen an Verzögerer im Vergleich zur Referenz (Ref) in (a) und (b) der
Gruppe organischen Phosphonate und in (c) der Anorganik . . . . . . . . . . . . . . . 59
7.1 Organik der Porenlösungen von Suspensionen mit Verzögerungen zwischen 0,05%R
und 1,00%Rder Perioden von 0 bis 56 d........................... 62
7.2 Anorganik der Porenlösungen mit Normierung auf Yttrium-Standard von Suspensio-
nen mit Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rder Perioden von 0 bis 56 dmit
(a) Ca2+, (b) Si4+, (c) Al3+, (d) S2, (e) K+und (f) Na+.................. 64
7.3 TG-Analyse des Feststoffs mit Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rund der
Referenz (Ref) nach Perioden von 0 bis 56 dmit (a) Gesamtmasseänderung und (b)
Masseänderung zwischen 660 und 1000 C......................... 66
7.4 TG-Analyse des Feststoffs mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und
dem Gesamtmasseverlust nach Perioden von 3 bis 14 dmit (a) der Referenz und (b)
einer Verzögerung mit 0,05%R................................ 67
Abbildungsverzeichnis 160
7.5 Hydratationsverlauf in REM-Bildern in zwei Vergrößerungen des Feststoffs einer Ver-
zögerung von 0,05%Rnach unterschiedlichen Perioden in (a) und (b) 0 d, (c) und (d)
1d, (e) und (f) 3 d, (g) und (h) 7 dsowie (i) und (j) 14 d................... 69
7.6 Hydratationsverlauf in REM-Bildern des Feststoffs einer Verzögerung von 0,05%R
nach unterschiedlichen Perioden in (a) 0 d, (b) 3 dund (c) 7 d............... 70
7.7 Hydratationsverlauf in REM-Bildern des Feststoffs einer Verzögerung von 0,25%R
nach unterschiedlichen Perioden in (a) 0 d, (b) 7 dund (c) 14 d.............. 71
7.8 Spezifische Oberfläche nach BET und Reindichte des Feststoffs der Verzögerungen von
0,05%Rund 0,25%Rsowie der Referenz (Ref) und des Rohstoffs (Roh) nach Perioden
von 0 bis 14 d.......................................... 72
7.9 Druckfestigkeit und Rohdichte des Feststoffs einer Verzögerung von 0,05%Rund der
Referenz (Ref) nach Perioden von 7 bis 90 d......................... 74
7.10 Ultraschallgeschwindigkeit der Suspensionen mit Verzögerungen zwischen 0,05%R
und 1,00%Rsowie der Referenz (Ref) über 168 h...................... 75
7.11 Optimierung des w/b-Werts mit Hilfe des Ausbreitmaßes . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
7.12 Ausbreitmaß der HSM-Suspensionen bei einem w/b-Wert von 0,35 in (a) vor Schlägen,
(b) nach Schlägen, (c) fünf Minuten nach Schlägen sowie bei einem w/b-Wert von 0,30
in (d) vor Schlägen, (e) nach Schlägen, (f) fünf Minuten nach Schlägen . . . . . . . . . 79
7.13 Optimierung des w/b-Werts bei einer Verzögerung von 1,00%Rmit Hilfe des Aus-
breitmaßes............................................ 80
7.14 Ausbreitmaß der HSM-Suspensionen bei einem w/b-Wert von 0,30 mit 1,00%Rin (a)
vor Schlägen, (b) nach Schlägen, (c) fünf Minuten nach Schlägen sowie mit 0,25%Rin
(d) vor Schlägen, (e) nach Schlägen, (f) fünf Minuten nach Schlägen . . . . . . . . . . . 80
7.15 Optimierung der Suspension durch das Ausbreitmaß und die relative Flüssigkeitsab-
sonderung unter Zugabe von MC in verschiedenen Gehalten und maximal erreichba-
ren Viskositäten bei gleichem w/b-Wert von 0,30 und einer Verzögerung von 1,00%R81
7.16 Haptisch-visuelle Studie zum Verhalten der MC bei gleichem w/b-Wert von 0,30 und
einer Verzögerung von 1,00%Rin (a) qualitativer Aussage über Absonderung und
Verfestigung und in (b) quantitativer Aussage beim MC-Gehalt von 0,05 M.-% . . . . 83
7.17 Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse, erfasst mit dem Gerät I Cal
2000 HPC der Firma Calmetrix Incorporated, von der Referenz (Ref - HSM 0,10%MC1
0,30) und Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rüber 840 h........... 84
7.18 Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von alkalisch aktivierten Sus-
pensionen ohne (Ref - Referenz) und mit vorheriger Verzögerungsperiode von 0 bis 56
din (a) 1,00%R und Ac1, (b) 1,00%R und Ac2 sowie (c) 0,25%R und Ac3 ........ 87
7.19 Gebundenes und ungebundenes Wasser nach Trocknung mit Bezug zur Gesamtmasse
des Wassers von alkalisch aktivierten Suspensionen ohne (Ref - Referenz) und mit
vorheriger Verzögerungsperiode von 0 bis 56 din (a) 1,00%R und Ac1, (b) 1,00%R
und Ac2 sowie (c) 0,25%R und Ac3.............................. 89
7.20 TG-Analyse des Feststoffs mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und
dem Gesamtmasseverlust von alkalisch aktivierten Suspensionen ohne (Ref - Refe-
renz) und mit vorheriger Verzögerungsperiode von 0 bis 56 din (a) 1,00%R und Ac1,
(b) 1,00%R und Ac2 sowie (c) 0,25%R und Ac3....................... 91
7.21 Ausbreitmaß der Referenz (Ref - HSM 0,10%MC1 0,30) und Suspensionen einer Ver-
zögerung von 1,00%R nach Perioden von 0 bis 56 d.................... 94
7.22 Ultraschallgeschwindigkeit von Referenzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Ver-
zögerung von 1,00%Rund Perioden von 0 bis 56 din (a) Ac1 und (b) Ac2........ 96
7.23 Druckfestigkeiten von Referenzen (Ref) und Reaktivierungen nach Verzögerungsperi-
oden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rbis 1,00%Rin (a) Ac1 sowie (b) Ac2 . . . 99
7.24 Relativer Festigkeitszustand am 7. dmit Bezug zum 28., 56. und 90.dder Hydratation,
von Referenzen (Ref) und Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach Verzögerungsperi-
oden von 0 bis 56 din den Gehalten (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R. . . . . 101
7.25 TG-Analyse des Feststoffs nach 7, 28 und 90 dder Hydratation (von links nach rechts
pro Grafik) mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und dem Gesamt-
masseverlust der Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac1nach Verzögerungspe-
rioden von 0 bis 56 din den Gehalten (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R. . . . 103
Abbildungsverzeichnis 161
7.26 TG-Analyse des Feststoffs nach 7, 28 und 90 dder Hydratation (von links nach rechts
pro Grafik) mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und dem Gesamt-
masseverlust der Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac2nach Verzögerungspe-
rioden von 0 bis 56 din den Gehalten (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R. . . . 104
7.27 Spezifische Oberfläche nach BET und Reindichte des Feststoffs der Reaktivierungen
von 1,00%Rnach Verzögerungen von 7 und 56 dsowie der Referenzen (Ref) und des
Rohstoffs (Roh) nach Hydratationsperioden von 7 und 28 d................ 107
7.28 Phasenanalyse nach 7, 28 und 365 dder Hydratation des Bereichs 5 bis 65 2θmit Ac1
in (a) Reaktivierung nach 7 d1,00%R, (b) Reaktivierung nach 0 d1,00%Rsowie (c) der
Referenz ............................................. 109
7.29 Phasenanalyse nach 7, 28 und 365 dder Hydratation des Bereichs 5 bis 65 2θmit Ac2
in (a) Reaktivierung nach 7 d1,00%R, (b) Reaktivierung nach 0 d1,00%Rsowie (c) der
Referenz ............................................. 110
7.30 Phasenanalyse zwischen 0 und 72 hder Hydratation des Bereichs 27 bis 31 2θmit (a)
Referenz Ac1, (b) Ac1 0 d1,00%R, (c) Referenz Ac2, (d) Ac2 0 d0,25%Rund (e) Ac2 0 d
1,00%R.............................................. 112
7.31 Phasenanalyse zwischen 0 und 72 hder Hydratation des Bereichs 6 bis 13 2θmit (a)
Referenz Ac1, (b) Ac1 0 d1,00%R, (c) Referenz Ac2, (d) Ac2 0 d0,25%Rund (e) Ac2 0 d
1,00%R.............................................. 113
7.32 REM-Bilder verschiedener Referenzen und Hydratationszeitpunkte in (a) F7dund (b)
F28dvon HSM, (c) F7dund (d) F28dvon Ac1, (e) F7dund (f) F28dvon Ac1 in der Pore,
(g) F7dund (h) F28dvon Ac2 sowie (i) F7dund (j) F28dvon Ac2 in der Pore . . . . . . 115
7.33 REM-Bilder der Reaktivierung Ac1 nach einer Verzögerung von 7 dmit verschiedenen
Vergrößerungen, Zeitpunkten der Hydratation und Verzögerergehalten in (a) und (b)
F7d0,25%R, (c) und (d) F28d0,25%R, (e) und (f) F7d1,00%Rsowie (g) und (h) F28d
1,00%R.............................................. 116
7.34 REM-Bilder der Reaktivierung Ac1 in der Pore nach einer Verzögerung von 14 dmit
verschiedenen Vergrößerungen, Hydratationszeitpunkten und Verzögerergehalten in
(a) und (b) F7d0,25%R, (c) und (d) F28d0,25%R, (e) und (f) F7d1,00%Rsowie (g) und
(h) F28d1,00%R......................................... 117
7.35 REM-Bilder der Reaktivierung Ac2 nach einer Verzögerung von 28 dund einer Hydra-
tationszeit von 7 dmit verschiedenen Vergrößerungen und Verzögerergehalten in (a)
und (b) 0,25%R, (c) und (d) 1,00%R, (e) und (f) 0,25%Rin der Pore sowie (g) und (h)
1,00%RinderPore....................................... 118
7.36 REM-Bilder der Reaktivierung Ac2 nach einer Verzögerung von 56 dund einer Hydra-
tationszeit von 28 dmit verschiedenen Vergrößerungen und Verzögerergehalten in (a)
und (b) 0,25%R, (c) und (d) 1,00%R, (e) und (f) 0,25%Rin der Pore sowie (g) und (h)
1,00%RinderPore....................................... 119
7.37 EDX-Messung mit verschiedenen Elementverhältnissen und Hydratationsperioden
von Ac2 als Referenz und mit einer Verzögerung von 7 dmit 1,00%Rin (a) Ca/Si
zu Al/Si F7d, (b) Ca/Si zu Al/Si F28d, (c) Mg/Si zu Al/Si F7dsowie (d) Mg/Si zu
Al/Si F28d............................................ 120
7.38 EDX-Messung mit verschiedenen Elementverhältnissen und Hydratationsperioden
von Ac2 als Referenz und mit einer Verzögerung von 7 dmit 1,00%Rin (a) Mg/Al
zu Si/Al nach F7d, (b) Mg/Al zu Si/Al F28d, (c) Na/Czu Ca/C F7dsowie (d) Na/C
zu Ca/C F28d.......................................... 121
7.39 pH-Werte der Verzögererlösung (Roh) sowie der Porenlösungen verschiedener Refe-
renzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rund Perioden
von 0 und 7 dunter Verwendung von Ac1 und Ac2..................... 123
7.40 Organik der Verzögererlösung (Roh) sowie der Porenlösungen verschiedener Refe-
renzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rnach Perioden
von 0 und 7 dunter Verwendung von Ac1 und Ac2..................... 124
7.41 Anorganik der Porenlösungen mit Normierung auf Yttrium-Standard verschiedener
Referenzen (Ref) und Reaktivierungen nach einer Verzögerung von 1,00%Rnach Pe-
rioden von 0 und 7 dunter Verwendung von Ac1 und Ac2 mit (a) Ca2+, (b) Si4+, (c)
Al3+, (d) Mg2+, (e) K+und (f) Na+............................. 125
7.42 Druckfestigkeiten und Rohdichten von Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac3
nach einer Verzögerung von 0,25%Rund Perioden von 0, 7 und 14 d.......... 126
Abbildungsverzeichnis 162
7.43 TG-Analyse des Feststoffs nach 3, 7, 28 und 90 dder Hydratation (von links nach rechts
pro Grafik) mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und dem Gesamt-
masseverlust der Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac3 nach Verzögerungspe-
rioden von 0, 7 und 14 dmit dem Gehalt 0,25%R...................... 127
7.44 REM-Bilder verschiedener Vergrößerungen des Feststoffs mit Ac3 nach 7 dHydratati-
on: Der Referenz in (a) bis (c) mit der gefügedichten Matrix in (a) und (b) sowie mit
der Pore in (c), der Reaktivierung nach einer 7 dVerzögerung mit 0,25%Rin (d) bis (f)
mit der gefügedichten Matrix in (d) und (e) sowie mit der Pore in (f) . . . . . . . . . . 128
7.45 REM-Bilder verschiedener Vergrößerungen des Feststoffs mit Ac3 nach 28 dHydrata-
tion: Der Referenz in (a) bis (c) mit der gefügedichten Matrix in (a) und (b) sowie mit
der Pore in (c), der Reaktivierung nach einer 7 dVerzögerung mit 0,25%Rin (d) bis (f)
mit der gefügedichten Matrix in (d) und (e) sowie mit der Pore in (f) . . . . . . . . . . 128
7.46 Funktionsdarstellung der Hydratationsregulierung mit der Verzögerung und Anre-
gung nach den Hydratationszeitpunkten von 1, 7 und 28 dmit den Anregungen 30
M.-%NaOH (Ac1) und 50 M.-%NaOH (Ac2) nach einer Verzögerung von 1,00 M.-%
D-Gluconsäure sowie einer dazu vergleichbaren Dauer der Reaktivierung mit 44
M.-%Na2SiO3(Ac3) nach einer Verzögerung von 0,25 M.-%D-Gluconsäure . . . . . . 131
8.1 Spezifischer Wärmefluss mit Bezug zur aktiven Masse von drei verschiedenen Anre-
gerkombinationen ohne Verzögerer (Referenz) und der Reaktivierungen mit vorheri-
ger siebentägiger Verzögerung mit 1,00 M.-%D-Gluconsäure in den Anregerzusam-
mensetzungen gleicher Massenanteile von Ac4 = 50 M.-%NaOH +Na2SiO3,Ac5 =
50 M.-%NaOH +Ca(OH)2sowie Ac6 = 30 M.-%NaOH +Na2SiO3- Mittelwerte aus
zweiMessreihen......................................... 134
A.1 REM-Bilder im Detail einer Verzögerung von 0,05%Rnach unterschiedlichen Peri-
oden in (a) 0 d, (b) 3 dund (c) 14 d.............................. II
A.2 REM-Bilder im Detail einer Verzögerung von 0,25%Rmit verschiedenen Vergrößerun-
gen nach unterschiedlichen Perioden in (a) 0 d, (b) 7 dund (c) 14 d............ III
A.3 Ausbreitmaß einer HSM-Suspension bei einem w/b-Wert von 0,30 und wechselnden
Verzögerergehalten von 1,00%Rbis 0,25%R......................... III
A.4 Rohdichte von Referenzen (Ref) sowie Reaktivierungen vom 7., 28. und 90. dder Hy-
dratation nach Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rbis
1,00%Rin (a) Ac1 sowie (b) Ac2 - Mittelwerte und Standardabweichungen aus sechs
Messungen............................................ V
A.5 Relativer Festigkeitszuwachs vom 7. dauf den 28., 56. und 90. dder Hydratation, der
Referenzen und der Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach Verzögerungsperioden
von 0 bis 56 dund Verzögerungsgehalte in (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R. VI
A.6 Relativer Festigkeitszuwachs vom 28. dauf den 56. und 90. dder Hydratation, der
Referenzen und der Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach Verzögerungsperioden
von 0 bis 56 dund Verzögerungsgehalte in (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R. VI
A.7 Phasenanalyse und deren Wandel über die Hydratationszeit von 7, 28 bis 365 ddes
Bereichs 5 bis 65 2θder Reaktivierungen nach 0,25%Rin (a) Ac1 nach einer Verzöge-
rungsperiode von 7 dsowie (b) Ac2 nach einer Verzögerungsperiode von 56 d. . . . . VIII
A.8 REM-Bilder mit BSE von Ac2 mit verschiedenen Hydratationsperioden in (a) F7d&
(b) F28dder Referenz sowie (c) F7d& (d) F28dder Reaktivierung nach 7 d1,00%R. . VIII
A.9 Ultraschallgeschwindigkeit von Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac3 nach ei-
ner Verzögerung von 0,25%Rund Perioden von 0, 7 und 14 d.............. IX
163
Tabellenverzeichnis
2.1 Beispiel der Oxidzusammensetzung eines PZs (cf. [136,284])............... 3
2.2 Die wesentlichen Klinkerphasen von PZ [95,136,311]................... 4
2.3 Die fünf Hydratationsperioden von PZ [95]......................... 4
2.4 Die wesentlichen Hydratationsphasen von PZ [95,136].................. 6
2.5 Beispiel der Oxidzusammensetzung eines HSMs (cf. [73,136]) .............. 10
2.6 Auswahl einiger wirkungsvoller anorganischer und organischer Verzögerer beim Ein-
satz im PZ mit Vermerken zur Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.7 Unterteilung in Wirkstoffgruppen von ausgewählten organischen Verzögerern beim
Einsatz im PZ bzw. dessen Klinkerphasen mit Vermerken zur Literatur . . . . . . . . . 19
2.8 Ausgewählte Eigenschaften organischer Verzögerer beim Einsatz im PZ und der Zu-
teilung zu Wirkstoffgruppen mit Vermerken zur Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.9 Unterteilung in Wirkstoffgruppen von ausgewählten Anregern auf Basis von Alkali-
metallen beim Einsatz im HSM mit Vermerken zur Literatur . . . . . . . . . . . . . . . 26
2.10 Hydratationsphasen des HSMs nach einer Anregung durch NaOH oder Na2SiO3und
zugehörigerLiteratur...................................... 31
4.1 Vorbereitung der Kalorimetrieproben der Verzögereranalyse, nach Optimierung vom
Frischleim und der Anregeranalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.2 Mischregime der Bindemittelsuspensionen für den Zustand der Verzögerung und An-
regung, hergestellt mit einem Mörtelmischer des Typs 205 der Firma TESTING Bluhm
& Feuerherdt GmbH (Berlin, Deutschland) bei 140 U/min ................ 40
4.3 Präzision der maßgeblichen Analysemethoden in Abhängigkeit von dem jeweiligen
Zustand der Probe (R-Verzögerung, Ac-Anregung, Opt-Optimierung), der Anzahl der
Messreihen und der durchgeführten Messungen pro Messreihe sowie der erlaubten
Fehlertoleranz.......................................... 50
5.1 Mischungszusammensetzung im Zustand Verzögerung, Optimierung und Anregung
sowie Werte verschiedener Verhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.2 Oxidzusammensetzung des verwendeten HSMs in den Bereichsangaben vom mini-
malen zum maximalen Wert (Angaben je Charge siehe Anhang Tabelle A.1, Seite I) . . 54
5.3 Zusammensetzung und Massenanteile der drei verwendeten Anreger . . . . . . . . . 54
5.4 Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikeloberfläche des ver-
wendeten HSMs in den Bereichsangaben vom minimalen zum maximalen Wert (An-
gaben je Charge siehe Anhang Tabelle A.2, Seite I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.5 Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikelgröße des verwende-
ten HSMs in den Bereichsangaben vom minimalen zum maximalen Wert (Angaben je
Charge siehe Anhang Tabelle A.3, Seite I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
6.1 Wärmemenge mit Bezug zur aktiven Masse sowie deren Dauer der dormanten Hy-
dratationsperiode von ausgewählten Suspensionen mit verschiedenen Massenantei-
len an Verzögerer und mindestens einem dauerhaft verzögernd wirkenden Anteil im
VergleichzurReferenz(Ref).................................. 60
7.1 Theoretischer Kohlenstoffgehalt der D-Gluconsäure in der Verzögererlösung . . . . . . 61
7.2 Änderung des pH-Wertes bei einem Verzögerergehalt von 0,05%Rim Hydratations-
zeitraum von 0 bis 14 d- Mittelwert aus drei Messreihen mit Mittelwertabweichung . 63
7.3 TG-Analyse des Feststoffs mit Gesamtmasseänderungen der Verzögerungen zwischen
0,05%Rund 1,00%Rnach einer Periode von 365 d- Mittelwert aus drei Messreihen mit
Mittelwertabweichung..................................... 68
7.4 Schritte der Optimierung des Frischleims und die anhand der Ergebnisse getroffene
Auswahl mit den zugehörigen Resultaten im Vergleich zur Ausgangsmischung (Ref -
HSM 0,35)............................................ 82
Tabellenverzeichnis 164
7.5 Glühverlust vor und nach Reaktion an der Luft von alkalisch aktivierten HSM mit Ac1
und Ac2 nach 7 und 35 dder Hydratation - Mittelwerte und Mittelwertabweichungen
ausdreiMessungen....................................... 106
A.1 Oxidzusammensetzung des verwendeten HSMs mit den unterschiedlichen Chargen I
bisIII............................................... I
A.2 Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikeloberfläche des ver-
wendeten HSMs der unterschiedlichen Chargen I bis III . . . . . . . . . . . . . . . . . . I
A.3 Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikelgröße des verwende-
ten HSMs der unterschiedlichen Chargen I bis III . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I
A.4 Relativer mittlerer Abbau der Verzögererkonzentration mit Bezug zur reinen Verzö-
gererlösung im Zeitraum von 0 bis 14 d........................... II
A.5 Anorganik der Porenlösungen mit Normierung auf Yttrium-Standard von Suspensio-
nen mit Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rder Perioden von 0 bis 56 dvon
Fe2+und Mg2+- Mittelwerte und Mittelwertabweichungen aus drei Messreihen . . . II
A.6 Gebundenes Wasser nach Trocknung mit Bezug zur Gesamtmasse des Wassers einer
Suspension bestehend aus HSM und Wasser der Perioden von 0 bis 56 d- Mittelwerte
und Mittelwertabweichungen aus drei Messreihen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . II
A.7 Druckfestigkeit der Referenz (Ref) und einer Verzögerung von 0,05%Rnach Hydrata-
tionsperioden von 7 bis 180 dim Vergleich des HSMs der Chargen II und III bei einem
einheitlichen w/b-Wert von 0,35 - Mittelwerte und Standardabweichungen aus sechs
Messungen............................................ III
A.8 Wärmemenge mit Bezug zur aktiven Masse sowie der Dauer der dormanten Hydra-
tationsperiode von Referenz (Ref - HSM 0,10%MC1 0,30) und Verzögerungen mit
0,05%Rbis 1,00%R, erfasst mit dem Gerät I Cal 2000 HPC der Firma Calmetrix In-
corporated............................................ III
A.9 Charakteristische Eigenschaftswerte der Verläufe des spezifischen Wärmeflusses von
Referenzen und Reaktivierungen mit Ac1 (1,00%R), Ac2 (1,00%R) und Ac3 (0,25%R) -
Mittelwerte aus zwei Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV
A.10 Gebundenes und ungebundenes Wasser nach Trocknung mit Bezug zur Gesamtmasse
des Wassers von alkalisch aktivierten Suspensionen mit vorheriger Verzögerungsperi-
ode von 0 bis 7 dmit 1,00%R Ac3 - Mittelwerte aus zwei Messungen . . . . . . . . . . IV
A.11 TG-Analyse des Feststoffs mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und
Gesamtmasseverluste von alkalisch aktivierten Suspensionen mit vorheriger Verzöge-
rungsperiode von 0 bis 7 dmit 1,00%R Ac3 - Mittelwerte aus zwei Messungen . . . . IV
A.12 Maximale Ultraschallgeschwindigkeit nach 168 hund deren Zeitpunkte nach 10, 50
und 90 % des Maximalwertes, der Referenz und reaktivierter Suspensionen nach einer
Verzögerung von 1,00%Rund Perioden von 0 bis 56 dmit Ac2 - Mittelwerte aus zwei
Messungen............................................ V
A.13 Rohdichte und Druckfestigkeit der Referenzen vom 7., 28. und 90. dder Hydratati-
on mit und ohne MC, jedoch einheitlich ohne Verzögerer und alkalische Anreger mit
einem w/b-Wert von 0,30 und gleicher HSM-Charge - Mittelwerte und Standardab-
weichungen aus sechs Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V
A.14 TG-Analyse des Feststoffs nach 7, 28 und 90 dder Hydratation mit Masseverlusten
spezifischer Temperaturbereiche und Gesamtmasseverluste der Referenz (HSM 0,10%
MC1 0,30) - Mittelwerte aus zwei Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII
A.15 TG-Analyse des Feststoffs nach 365 dder Hydratation mit Gesamtmasseverlust und
Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche von Referenzen und Reaktivierun-
gen mit Ac1nach Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rund
0,50%R- Mittelwerte aus zwei Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII
A.16 TG-Analyse des Feststoffs nach 365 dder Hydratation mit Gesamtmasseverlust und
Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche von Referenzen und Reaktivierun-
gen mit Ac2nach Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rund
0,50%R- Mittelwerte aus zwei Messungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII
A.17 Organik nach Simulation der Anregerzugabe zur Verzögerung mit 1,00%Rim theore-
tischen Sollwert der nachträglichen Verdünnung und nach den Zugaben von Wasser,
Ac1 und Ac2 - Mittelwerte und Mittelwertabweichungen aus drei Messreihen . . . . . IX
I
Anhang A
Anhang der Versuchsergebnisse
Im Anhang der Unterkapitel A.1 bis A.5 werden weitere bzw. ausführlichere Ergebnisse zu den Ka-
piteln 5 und 7 gegeben. Dabei beziehen sich die wesentlichen Erweiterungen der Ergebnisse auf das
Kapitel 7 mit den Bereichen des verzögerten und angeregten Zustandes.
A.1 Rohstoffcharakterisierung
Tabelle A.1: Oxidzusammensetzung des verwendeten HSMs mit den unterschiedlichen Chargen I
bis III
Oxide I [M.-%]II [M.-%]III [M.-%]x[M.-%]σx
CaO 43,0 43,4 40,8 42,4 1,1
SiO236,4 36,3 37,6 36,8 0,6
Al2O39,5 9,5 9,4 9,5 0,1
SO311,2 1,1 1,5 1,3 0,2
MgO 7,8 7,8 8,4 8,0 0,2
Fe2O320,5 0,4 0,3 0,4 0,0
Na2O0,4 0,4 0,3 0,4 0,0
K2O0,5 0,5 0,5 0,5 0,0
TiO20,6 0,6 1,0 0,8 0,2
1Schwefel wird Gesamt als SO3angegeben.
2Eisen wird Gesamt als Fe2O3angegeben.
Tabelle A.2: Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikeloberfläche des verwen-
deten HSMs der unterschiedlichen Chargen I bis III
Charge Reindichte Blaine BET Puntke
[g/cm3] [cm2/g] [m2/g] [M.-%]
I 2,974 3810 0,99 20,7
II 3,009 3240 0,60 19,5
III 2,944 3630 0,72 20,4
x2,959 3560 0,77 20,2
σx0,015 213 0,15 0,5
Tabelle A.3: Physikalische Eigenschaftswerte in Verbindung mit der Partikelgröße des verwendeten
HSMs der unterschiedlichen Chargen I bis III
Charge d0n d10 d50 d90
[µm] [] [µm] [µm] [µm]
I 24,17 1,53 3,654 15,923 48,605
II 25,58 1,38 3,476 14,048 39,007
III 10,75 1,81 3,422 11,369 27,804
x20,17 1,57 3,517 13,780 38,472
σx6,28 0,16 0,091 1,607 7,112
A.2 Ergebnisse - Verzögerung II
A.2 Ergebnisse - Verzögerung
Tabelle A.4: Relativer mittlerer Abbau der Verzögererkonzentration mit Bezug zur reinen Verzö-
gererlösung im Zeitraum von 0 bis 14 d
Zeitpunkt 0,05%R [%]0,25%R [%]1,00%R [%]
0d74,6 44,3 41,1
1d82,1 57,3 72,9
3d85,8 70,5 71,5
7d87,4 73,4 71,0
14d88,4 78,8 73,3
Tabelle A.5: Anorganik der Porenlösungen mit Normierung auf Yttrium-Standard von Suspensionen
mit Verzögerungen zwischen 0,05%Rund 1,00%Rder Perioden von 0 bis 56 dvon Fe2+
und Mg2+- Mittelwerte und Mittelwertabweichungen aus drei Messreihen
Ionen R 0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
[M.-%][mg/l]
Fe2+
0,05 0 0 0 11,7
±15,6 0////
0,25 0 0,1
±0,1 000////
1,00 5,8
±0,9 7,1
±2,7 5,9
±0,8 7,8
±2,1 7,5
±1,9 6,9
±1,1 8,3
±1,2 8,6
±1,6 9,5
±0,7
Mg2+
0,0500000////
0,25 10,1
±0,6 12,0
±2,2 9,5
±1,2 7,4
±1,2 11,1
±0,3 ////
1,00 33,2
±3,9 33,6
±2,5 37,5
±1,4 37,9
±0,9 38,1
±0,8 39,8
±2,3 40,1
±1,2 43,2
±1,0 50,4
±4,1
Tabelle A.6: Gebundenes Wasser nach Trocknung mit Bezug zur Gesamtmasse des Wassers einer Sus-
pension bestehend aus HSM und Wasser der Perioden von 0 bis 56 d- Mittelwerte und
Mittelwertabweichungen aus drei Messreihen
0d 1d 3d 7d 14d 21d 28d 42d 56d
[M.-%]
1,50
±0,75 2,72
±0,47 5,05
±0,31 7,16
±0,33 8,91
±0,95 9,20
±0,11 10,29
±0,44 9,69
±0,45 10,50
±0,42
1μm 1μm 3μm
(a)
(b) (c)
Abbildung A.1: REM-Bilder im Detail einer Verzögerung von 0,05%Rnach unterschiedlichen Peri-
oden in (a) 0 d, (b) 3 dund (c) 14 d
A.3 Ergebnisse - Optimierung vom Frischleim III
1μm 1μm 1μm
(a)
(b) (c)
Abbildung A.2: REM-Bilder im Detail einer Verzögerung von 0,25%Rmit verschiedenen Vergröße-
rungen nach unterschiedlichen Perioden in (a) 0 d, (b) 7 dund (c) 14 d
Tabelle A.7: Druckfestigkeit der Referenz (Ref) und einer Verzögerung von 0,05%Rnach Hydrata-
tionsperioden von 7 bis 180 dim Vergleich des HSMs der Chargen II und III bei einem
einheitlichen w/b-Wert von 0,35 - Mittelwerte und Standardabweichungen aus sechs
Messungen
Zeitpunkt Charge II Charge III
Ref 0,05%R Ref 0,05%R
7d13,59 ±0,33 11,44 ±0,61 7,38 ±0,51 6,00 ±0,20
28d26,50 ±1,36 26,51 ±1,68 19,55 ±0,71 21,01 ±1,84
56d33,97 ±1,12 35,85 ±1,19 28,53 ±1,23 27,80 ±2,23
90d41,91 ±2,48 44,67 ±1,08 / /
180d/ / 43,14 ±2,69 43,84 ±3,40
A.3 Ergebnisse - Optimierung vom Frischleim
1,00%R
0,95%R
0,90%R
0,85%R
0,80%R
0,75%R
0,70%R
0,65%R
0,60%R
0,55%R
0,50%R
0,45%R
0,40%R
0,35%R
0,30%R
0,25%R
0
5
10
15
20
25
30
Ausbreitmaß [cm]
vor Schlägen nach Schlägen
Abbildung A.3: Ausbreitmaß einer HSM-Suspension bei einem w/b-Wert von 0,30 und wechselnden
Verzögerergehalten von 1,00%Rbis 0,25%R
Tabelle A.8: Wärmemenge mit Bezug zur aktiven Masse sowie der Dauer der dormanten Hydratati-
onsperiode von Referenz (Ref - HSM 0,10%MC1 0,30) und Verzögerungen mit 0,05%R
bis 1,00%R, erfasst mit dem Gerät I Cal 2000 HPC der Firma Calmetrix Incorporated
Suspensionen Ref 0,05%R 0,25%R 1,00%R
Wärmemenge nach 504 h[J/g] / 47,5 11,3 20,7
Wärmemenge nach 840 h[J/g] 44,6 159,5 10,6 26,4
Dauer dormante Periode [h] 35 70 840 840
1Das Messende war nach 360 h.
A.4 Ergebnisse - Anregeranalyse IV
A.4 Ergebnisse - Anregeranalyse
Tabelle A.9: Charakteristische Eigenschaftswerte der Verläufe des spezifischen Wärmeflusses von
Referenzen und Reaktivierungen mit Ac1 (1,00%R), Ac2 (1,00%R) und Ac3 (0,25%R)
- Mittelwerte aus zwei Messungen
Probe Dauer
dormante
Akzelerationsperiode Max. Peak Max. Wär-
memenge
Periode [h] Beginn [h] Steigung [] Höhe [mW/g] Lage [h] [J/g]
Ac1
Ref <1 1,1 22,3 1,2 3,5 119,7
0d35 47,5 14,1 0,8 56,5 98,4
1d40 50,8 13,3 0,7 61,0 87,0
3d40 53,0 13,0 0,8 65,5 77,8
7d>72 / / 0,1 / 42,4
14d40 55,5 12,8 0,5 68,0 66,7
28d>72 / 0,2 0,1 / 37,5
56d>72 / 0,2 0,1 / 36,0
Ac2
Ref <1 1,1 32,9 2,4 2,8 154,7
0d45 45,0 8,6 1,3 57,5 118,2
1d55 54,5 6,1 0,9 68,0 87,7
3d60 57,0 6,5 1,2 69,3 79,6
7d42 42,5 6,5 1,2 52,8 120,0
14d40 38,5 6,7 1,3 48,3 129,4
28d40 44,3 25,6 1,2 54,5 112,7
56d55 53,0 7,4 1,1 65,0 89,6
Ac3
Ref 40 35,5 5,8 0,7 54,3 106,3
0d50 49,0 3,7 0,4 61,0 38,5 3
1d50 47,0 4,7 0,7 62,5 88,0
3d50 46,0 5,2 0,7 63,7 83,6
7d60 56,0 4,1 0,6 >72 64,5
14d45 41,5 5,3 0,8 60,3 110,6
28d50 47,0 4,9 0,7 60,0 95,4
56d45 40,5 5,1 0,7 55,5 99,7
1Ausbildung einer gestuften Akzelerationsperiode mit Plateau, daher entspricht das Ende der dormanten Periode nicht
dem Beginn des Anstiegs der Akzelerationsperiode, deren Hauptpeak zur Auswertung verwendet wurde.
2Die Akzelerationsperiode prägt sich in einem Doppelpeak aus.
3Verminderte maximale Wärmemenge durch einen Verlauf unterhalb von 0 mW/g.
Tabelle A.10: Gebundenes und ungebundenes Wasser nach Trocknung mit Bezug zur Gesamtmasse
des Wassers von alkalisch aktivierten Suspensionen mit vorheriger Verzögerungsperi-
ode von 0 bis 7 dmit 1,00%R Ac3 - Mittelwerte aus zwei Messungen
Zeitpunkt 0d 1d 3d 7d
H2Ogebunden [M.-%] 9,1 7,4 5,2 8,9
H2Oungebunden [M.-%] 90,9 92,6 94,8 91,1
Tabelle A.11: TG-Analyse des Feststoffs mit Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche und
Gesamtmasseverluste von alkalisch aktivierten Suspensionen mit vorheriger Verzöge-
rungsperiode von 0 bis 7 dmit 1,00%R Ac3 - Mittelwerte aus zwei Messungen
Zeitpunkt 0d 1d 3d 7d
Gesamtmasseverlust [M.-%] 3,03 3,03 3,04 2,87
Masseverlust 40-225 C[M.-%] 1,14 1,18 1,22 1,15
Masseverlust 225-500 C[M.-%] 0,46 0,46 0,45 0,45
A.5 Ergebnisse - Anregung V
A.5 Ergebnisse - Anregung
Tabelle A.12: Maximale Ultraschallgeschwindigkeit nach 168 hund deren Zeitpunkte nach 10, 50
und 90 % des Maximalwertes, der Referenz und reaktivierter Suspensionen nach einer
Verzögerung von 1,00%Rund Perioden von 0 bis 56 dmit Ac2 - Mittelwerte aus zwei
Messungen
Ultraschallgeschwindigkeit Ref Ac2 0d 13d 7d 14d 28d 56d
Maximum nach 168 h[m/s] 3071 3278 3292 3299 3313 3340 3369
10 % vom Maximum zur Zeit ... [h] 0,90 50,18 30,45 33,58 30,78 29,20 29,75
50 % vom Maximum zur Zeit ... [h] 2,50 87,16 44,48 47,50 42,48 40,15 42,99
90 % vom Maximum zur Zeit ... [h] 26,65 119,12 72,52 71,76 71,28 67,45 70,40
1Aufgrund einer fehlerhaften Reaktivierung liegen keine Werte für die Verzögerungsperiode von 1 dvor.
Tabelle A.13: Rohdichte und Druckfestigkeit der Referenzen vom 7., 28. und 90. dder Hydratation
mit und ohne MC, jedoch einheitlich ohne Verzögerer und alkalische Anreger mit einem
w/b-Wert von 0,30 und gleicher HSM-Charge - Mittelwerte und Standardabweichun-
gen aus sechs Messungen
Referenz Prüfung F7d F28d F90d
HSM 0,10%MC1 0,30 Rohdichte [g/cm3] 1,81 ±0,03 1,80 ±0,03 1,77 ±0,02
Druckfestigkeit [N/mm2] 11,54 ±0,46 21,45 ±1,01 34,45 ±1,40
HSM 0,30 Rohdichte [g/cm3] 2,00 ±0,01 2,02 ±0,01 2,01 ±0,02
Druckfestigkeit [N/mm2] 13,93 ±0,24 27,23 ±0,56 39,78 ±0,76
0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
1,70
1,75
1,80
1,85
1,90
1,95
2,00
2,05
2,10
(a)
(b)
Rohdichte [g/cm³]
F90d:
F28d:
F7d:
0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
1,70
1,75
1,80
1,85
1,90
1,95
2,00
2,05
2,10
Ref 0,25%R 0,50%R 1,00%R
*F90d
Abbildung A.4: Rohdichte von Referenzen (Ref) sowie Reaktivierungen vom 7., 28. und 90. dder
Hydratation nach Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%R
bis 1,00%Rin (a) Ac1 sowie (b) Ac2 - Mittelwerte und Standardabweichungen aus
sechs Messungen
A.5 Ergebnisse - Anregung VI
30
50
70
Ac1: F7d-F28d F7d-F56d F7d-F90d
(a)
Ac2: F7d-F28d F7d-F56d F7d-F90d
30
50
70 (b)
Relativer Festigkeitszuwachs [%]
Ref Ac1Ref Ac2 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
30
50
70 (c)
Abbildung A.5: Relativer Festigkeitszuwachs vom 7. dauf den 28., 56. und 90. dder Hydratation, der
Referenzen und der Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach Verzögerungsperioden
von 0 bis 56 dund Verzögerungsgehalte in (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R
10
30
50 (a)
Ac1: F28d-F56d F28d-F90d
Ac2: F28d-F56d F28d-F90d
10
30
50 (b)
Relativer Festigkeitszuwachs [%]
Ref Ac1Ref Ac2 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
10
30
50 (c)
Abbildung A.6: Relativer Festigkeitszuwachs vom 28. dauf den 56. und 90. dder Hydratation, der
Referenzen und der Reaktivierungen mit Ac1 und Ac2 nach Verzögerungsperioden
von 0 bis 56 dund Verzögerungsgehalte in (a) 0,25%R, (b) 0,50%Rsowie (c) 1,00%R
A.5 Ergebnisse - Anregung VII
Tabelle A.14: TG-Analyse des Feststoffs nach 7, 28 und 90 dder Hydratation mit Masseverlusten
spezifischer Temperaturbereiche und Gesamtmasseverluste der Referenz (HSM 0,10%
MC1 0,30) - Mittelwerte aus zwei Messungen
Masseverlust F7d F28d F90d
Gesamt [M.-%] 3,32 3,86 5,56
30-250 C[M.-%] 1,09 1,19 1,76
250-675 C[M.-%] 0,34 0,31 10,53 2
750-950 C[M.-%] 0,15 0,18 0,19
1Der Masseverlust ist eine Addition aus zwei ein-
zelnen Verlusten. Im Temperaturbereich von 250
bis 575 Cliegt ein Verlust von 0,26 M.-% vor und
bei 575 bis 675 Cvon 0,05 M.-%.
2Der Masseverlust ist eine Addition aus zwei ein-
zelnen Verlusten. Im Temperaturbereich von 250
bis 600 Cliegt ein Verlust von 0,48 M.-% vor und
bei 600 bis 675 Cvon 0,05 M.-%.
Tabelle A.15: TG-Analyse des Feststoffs nach 365 dder Hydratation mit Gesamtmasseverlust und
Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche von Referenzen und Reaktivierungen
mit Ac1nach Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rund
0,50%R- Mittelwerte aus zwei Messungen
Probe Masseverlust Ref 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0,25%R
Gesamt [M.-%] 12,48 12,02 12,29 13,21 12,93 12,76 13,23 /
30-250 C[M.-%] 4,47 4,42 4,46 5,01 4,49 4,87 5,12 /
200-775 C[M.-%] 2,09 1,82 1,93 1,77 1,95 1,90 1,74 /
675-1000 C[M.-%] 0,08 0,07 0,08 0,14 0,04 0,09 0,10 /
0,50%R
Gesamt [M.-%] 12,48 13,56 12,54 / 13,96 15,09 13,25 12,85
30-250 C[M.-%] 4,47 4,71 4,50 / 5,10 5,47 4,90 4,66
200-775 C[M.-%] 2,09 2,04 2,09 / 1,88 2,38 1,85 1,82
675-1000 C[M.-%] 0,08 0,22 0,09 / / 0,07 0,11 0,20
Tabelle A.16: TG-Analyse des Feststoffs nach 365 dder Hydratation mit Gesamtmasseverlust und
Masseverlusten spezifischer Temperaturbereiche von Referenzen und Reaktivierungen
mit Ac2nach Verzögerungsperioden von 0 bis 56 dmit Gehalten von 0,25%Rund
0,50%R- Mittelwerte aus zwei Messungen
Probe Masseverlust Ref 0d 1d 3d 7d 14d 28d 56d
0,25%R
Gesamt [M.-%] 15,11 14,68 15,85 / 16,36 16,95 16,27 15,66
30-250 C[M.-%] 5,19 4,96 5,46 / 5,38 5,88 5,96 5,57
200-775 C[M.-%] 2,29 2,16 2,42 / 2,34 2,53 2,45 2,32
675-1000 C[M.-%] 0,04 / / / / / 0,07 0,06
0,50%R
Gesamt [M.-%] 15,11 16,02 15,57 16,76 17,07 17,87 16,93 15,79
30-250 C[M.-%] 5,19 5,51 5,33 6,05 5,90 6,10 6,00 5,50
200-775 C[M.-%] 2,29 2,51 2,41 2,48 2,38 2,68 2,42 2,53
675-1000 C[M.-%] 0,04 / / 0,10 / / / 0,07
A.5 Ergebnisse - Anregung VIII
5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65
0
10k
20k
30k
40k
50k
Intensität [counts]
5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65
0
10k
20k
30k
40k
50k F7d F28d F365d
2Theta [°]
(a)
(b)
5 6 7 8 9 10
0,00
1,25k
2,50k
3,75k
5,00k
5 6 7 8 9 10
0,00
1,25k
2,50k
3,75k
5,00k
Abbildung A.7: Phasenanalyse und deren Wandel über die Hydratationszeit von 7, 28 bis 365 ddes
Bereichs 5 bis 65 2θder Reaktivierungen nach 0,25%Rin (a) Ac1 nach einer Verzö-
gerungsperiode von 7 dsowie (b) Ac2 nach einer Verzögerungsperiode von 56 d
(d)
(c)
(b)
(a)
20μm20μm
20μm20μm
Abbildung A.8: REM-Bilder mit BSE von Ac2 mit verschiedenen Hydratationsperioden in (a) F7d&
(b) F28dder Referenz sowie (c) F7d& (d) F28dder Reaktivierung nach 7 d1,00%R
A.5 Ergebnisse - Anregung IX
Tabelle A.17: Organik nach Simulation der Anregerzugabe zur Verzögerung mit 1,00%Rim theore-
tischen Sollwert der nachträglichen Verdünnung und nach den Zugaben von Wasser,
Ac1 und Ac2 - Mittelwerte und Mittelwertabweichungen aus drei Messreihen
Sollwert 1,00%R 1,00%R + H2O1,00%R + Ac1 1,00%R + Ac2
2402,5 mg/l2374,8 ±26,0 mg/l2419,0 ±28,0 mg/l2431,2 ±25,4 mg/l
0h 24h 48h 72h 96h 120h 144h 168h
0
800
1600
2400
3200
4000
Ref Ac3 0d 7d 14d
Ultraschall-
geschwindigkeit [m/s]
Abbildung A.9: Ultraschallgeschwindigkeit von Referenz (Ref) und Reaktivierungen mit Ac3 nach
einer Verzögerung von 0,25%Rund Perioden von 0, 7 und 14 d
X
Anhang B
Publikationen
1
SCHNEIDER, Nick ; STEPHAN, Dietmar: Langzeitverzögerung von Hüttensandmehl und des-
sen Wiederanregung. In: F.A. FINGER-INSTITUT FÜR BAUSTOFFKUNDE PROF. DR.-ING.
H.-M. LUDWIG (Hrsg.): 19. Internationale Baustofftagung Bd. 1. Weimar, 2015. - ISBN 978-3-00-
050225-5, S. 875-882
2
SCHNEIDER, Nick ; STEPHAN, Dietmar: Reactivation of a retarded suspension of ground gra-
nulated blast-furnace slag. In: Materials 9 (2016), Nr. 3, S. 174.
http://dx.doi.org/10.3390/
ma9030174
. - DOI 10.3390/ma9030174. - ISSN 1996-1944
3
SCHNEIDER, Nick ; STEPHAN, Dietmar: The effect of d-gluconic acid as a retarder of ground
granulated blast-furnace slag pastes. In: Construction and Building Materials 123 (2016), S. 99-
105.
http://dx.doi.org/10.1016/j.conbuildmat.2016.06.127
. - DOI 10.1016/j.conbuildmat.
2016.06.127. - ISSN 09500618
4
SCHNEIDER, Nick ; STEPHAN, Dietmar: Studying the hydration of a retarded suspension of
ground granulated blast-furnace slag after reactivation. In: Materials 9 (2016), Nr. 11, S. 933.
http://dx.doi.org/10.3390/ma9110933
. - DOI 10.3390/ma9110933. - ISSN 1996-1944
5
SCHNEIDER, Nick ; STEPHAN, Dietmar: Performance increase by a combination of retarder
and activator in a suspension of ground granulated blast-furnace slag. In: PLANK, JOHANN;
LEI, LEI; ECHT, TIMO (Hrsg.): 2nd International Conference on the Chemistry of Construction Mate-
rials. Frankfurt am Main: Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V., 2016. ISBN 978-3-936028-96-6,
S. 256-259