scieee Science in your language
[en] (orig)
Universität Ulm | 89069 Ulm | Germany Fakultät für
Ingenieurwissenschaften
und Informatik
Institut für Datenbanken
und Informationssysteme
Eine vergleichende Betrachtung
verschiedener Ansätze zur Modellierung
von Prozessvarianten
Bachelorarbeit an der Universität Ulm
Vorgelegt von:
Gözde Ipekbayrak
goezde.ipekba[email protected]
Gutachter:
Manfred Reichert
Betreuer:
Andreas Lanz
2014
Fassung 17. Dezember 2014
c
2014 Gözde Ipekbayrak
This work is licensed under the Creative Commons. Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0
License. To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
or send a letter to Creative Commons, 543 Howard Street, 5th Floor, San Francisco, California,
94105, USA.
Satz: PDF-L
A
TEX2ε
Kurzfassung
Die Modellierung von Geschäftsprozessen spielt eine wichtige Rolle bei der Realisierung
von Anforderungen in Unternehmen. Bei der Geschäftsprozessmodellierung wird die
Funktionalität und Struktur der Unternehmensprozesse in Form von Prozessmodel-
len dargestellt. In der Praxis existieren dabei häufig unterschiedliche Varianten eines
Prozesses. Die adäquate Modellierung solcher Prozessvarianten ist mit heutigen Ge-
schäftsprozessmodellierungssprachen jedoch nicht möglich. Insbesondere können in
diesen Sprachen entweder alle Prozessvarianten in separaten Prozessmodellen oder
mittels bedingten Verzweigungen in einem gemeinsamen Prozessmodell abgebildet wer-
den. Beide Möglichkeiten verursachen jedoch erhebliche Nachteile, wie einen erhöhten
Wartungsaufwand oder mögliche Inkonsistenzen, die unerwünscht sind.
Um Prozessvarianten umfassend abbilden zu können, wurden in den vergangenen
Jahren verschiedene Ansätze entwickelt. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den vier
Ansätzen C-EPC, C-YAWL, PESOA und Provop. Zunächst werden die Eigenschaften
jedes Ansatzes erklärt. Im Anschluss daran, werden diese Ansätze mittels ausgewählter
Beispiele miteinander verglichen und kritisch betrachtet. Anschließend werden die Vor-
und Nachteile der verschiedenen Ansätze diskutiert.
iii
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Motivation.................................... 1
1.2 Zielsetzung ................................... 2
1.3 AufbauderArbeit................................ 2
2 Grundlagen 5
2.1 Geschäftsprozess ............................... 5
2.2 Geschäftsprozessmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.3.1 EPC................................... 8
2.3.2 YAWL .................................. 11
2.3.3 BPMN.................................. 14
2.4 Prozessvarianten................................ 19
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten 21
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.1.1 C-EPC.................................. 23
3.1.2 C-YAWL................................. 26
3.1.3 PESOA ................................. 29
3.2 Strukturbasierter Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.2.1 Provop ................................. 32
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse 37
4.1 Prozessbeispiel1................................ 38
v
Inhaltsverzeichnis
4.2 Prozessbeispiel2................................ 46
4.3 Prozessbeispiel3................................ 55
4.4 Zusammenfassung der drei Prozessbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . 67
5 Zusammenfassung 71
vi
1
Einleitung
1.1 Motivation
Die Arbeitsabläufe in Unternehmen werden oftmals in Prozessmodellen dokumentiert.
Ein einzelnes Prozessmodell beschreibt üblicherweise einen bestimmten Ablauftyp und
legt u.a. die durchzuführenden Aktivitäten, deren Ausführungsreihenfolge sowie die zu
ihrer Ausführung erforderlichen Ressourcen fest [
HBR08a
]. In der Praxis existieren dabei
häufig unterschiedliche Varianten eines Prozessmodells, die jeweils in einem bestimmten
Szenario gültig sind. Daher wird die Verwaltung dieser Prozessvarianten in der Praxis
immer wichtiger. Um Prozesse zu modellieren, gibt es im Allgemeinen verschiedene Mo-
dellierungssprachen wie beispielsweise BPMN, EPC und YAWL. Mithilfe dieser Sprachen
können jedoch entweder alle Prozessvarianten in separaten Prozessmodellen, oder
mittels bedingten Verzweigungen, in einem gemeinsamen Prozessmodell abgebildet
1
1 Einleitung
werden. Beide Möglichkeiten verursachen allerdings erhebliche Nachteile wie einen
erhöhten Wartungsaufwand oder mögliche Inkonsistenzen, die unerwünscht sind.
Um diese Nachteile zu überwinden und Prozessvarianten abbilden zu können, wurden in
den vergangenen Jahren verschiedene Ansätze vorgeschlagen. Diese können entweder
als verhaltensbasierter oder strukturbasierter Ansatz klassifiziert werden. Verhaltens-
basierte Ansätze repräsentieren eine Obermenge der Prozessvarianten innerhalb des
gleichen Modells. Es gibt hierbei zwei Möglichkeiten der Variationsdarstellung, das
Blockieren/Verbergen-Konzept und die Konfiguration von Variationspunkten. Als Bei-
spiele für diesen Ansatz können C-EPC, C-YAWL und PESOA genannt werden. Im
Gegensatz dazu verwenden strukturbasierte Ansätze wie Provop eine Basisvariante
des Prozesses sowie Änderungsoperationen wie Einfügen, Löschen, Modifizieren oder
Verschieben von Aktivitäten, um Prozessvarianten abzuleiten.
1.2 Zielsetzung
In der Praxis existieren häufig unterschiedliche Varianten derselben Prozesse. Während
der Modellierung dieser Prozessvarianten treten erhebliche Probleme auf. Im Rahmen
dieser Arbeit wird betrachtet, wie sich diese „Varianten-Problematik“ in realen Prozessen
widerspiegelt. Anschließend wird untersucht und kritisch betrachtet, wie gut sich solche
Varianten durch die aktuellen Ansätze C-EPC, C-YAWL, PESOA und Provop abbilden
lassen. Dazu werden die Eigenschaften der einzelnen Ansätze erklärt und anhand aus-
gewählter Beispiele miteinander verglichen. Hierbei wird aufgezeigt, welche Probleme
die einzelnen Ansätze lösen können und wo die Grenzen der Ansätze liegen.
1.3 Aufbau der Arbeit
In Kapitel 2 werden die wichtigsten Grundlagen und Begriffe wie Geschäftsprozess,
Modellierungssprachen und Prozessvarianten vorgestellt und eingeführt. In Kapitel 3
werden die Eigenschaften der verschiedenen Ansätze zur Modellierung von Prozess-
varianten erklärt. Der Hauptteil dieser Arbeit bildet Kapitel 4. In diesem Kapitel werden
2
1.3 Aufbau der Arbeit
ausgewählte Beispielprozesse aus dem Umfeld der Studierendenverwaltung der Univer-
sität Ulm für die verschiedene Variante existieren, mit Hilfe der vier betrachteten Ansätze
umgesetzt. Anschließend werden die entstandenen Prozessmodelle und Ergebnisse
miteinander verglichen und die resultierenden Vor- und Nachteile analysiert und erläutert.
Abschließend werden in Kapitel 5 alle Erkenntnisse zusammengefasst und in einen
Gesamtzusammenhang gestellt.
3
2
Grundlagen
2.1 Geschäftsprozess
Nach ISO 9000 ist ein Prozess ein System von in Wechselbeziehung oder Wech-
selwirkung stehenden Tätigkeiten, das Eingaben mit Hilfe von Mitteln in Ergebnisse
umwandelt [
ISO
]. Einfacher gesagt, ist ein Prozess eine Abfolge von Aktivitäten, die in ei-
nem Beziehungszusammenhang stehen und aus einer Eingabe eine Ausgabe erzeugen.
Prozesse sagen nichts darüber aus, wie umfangreich sie sind und welche Begrenzungen,
Strukturen und Inhalte sie besitzen.
Ein Geschäftsprozess ist eine spezielle Art von Prozess. Er erzeugt Produkte oder
Dienstleistungen für Kunden und bestimmt den betriebswirtschaftlichen sowie den finan-
ziellen Erfolg eines Unternehmens.
Es existieren zahlreiche Interpretationen des Begriffs Geschäftsprozess. Hammer/ Cham-
py definieren einen Geschäftsprozess als eine Menge von Aktivitäten, für die ein oder
5
2 Grundlagen
mehrere unterschiedliche Eingaben benötigt werden und die, für die Kunden, ein Ergeb-
nis von Wert erzeugen [HC95].
Nach Schmelzer/Sesselmann bestehen Geschäftsprozesse aus Aktivitäten, verantwortli-
chen und beteiligten Stellen sowie Organisationseinheiten [
SS08
]. Durch Geschäftspro-
zesse wird es Unternehmen ermöglicht, ihre Aktivität darauf auszurichten, Kundenanfor-
derungen zu erfüllen und Geschäftsziele zu erreichen. Ein Geschäftsprozess setzt sich
aus einzelnen Komponenten zusammen. Dazu gehören die Anforderungen der Kunden,
Eingaben, Wertschöpfung, Ergebnisse, Geschäftsprozessverantwortliche als auch Ziel-
und Messgrößen, um die Prozessleistung zu messen [SS08].
Laut Gierhake sind Geschäftsprozesse betriebliche Abläufe, die sich entlang einer Wert-
schöpfungskette identifizieren lassen [
Gie98
]. Außerdem sind sie unmittelbar auf den
Erfolg eines Unternehmens am Markt ausgerichtet und sind durch eine messbare Einga-
be, eine Wertschöpfung und eine messbare Ausgabe gekennzeichnet [Gie98].
Nach Allweyer ist ein Geschäftsprozess eine Folge von sequentiell oder parallel ablau-
fenden Funktionen, die das Ziel haben, eine betriebliche Aufgabe zu erfüllen [
All05
]. Die
erzielte Leistung ist die Erbringung von Informations- und/oder Materialtransformation.
Anhand dieser Interpretationen können die Eigenschaften von Geschäftsprozessen
folgendermaßen zusammengefasst werden.
Ein Geschäftsprozess besteht aus einer Menge von Aktivitäten, die in einem
logischen Zusammenhang stehen.
Ein Geschäftsprozess ist strukturiert. Er besitzt eine logische und eine zeitliche
Anordnung.
Ein Geschäftsprozess ist kundenorientiert. Die Kundenanforderungen werden
immer berücksichtigt.
Ein Geschäftsprozess schöpft Werte und besitzt immer eine messbare Eingabe
sowie eine messbare Ausgabe.
Ein Geschäftsprozess besitzt einen Verantwortlichen.
6
2.2 Geschäftsprozessmanagement
2.2 Geschäftsprozessmanagement
Im Geschäftsleben existieren in einem Unternehmen zahlreiche Geschäftsprozesse. Die
erfolgreiche Ausführung dieser Prozesse beeinflussen den Erfolg des Unternehmens
direkt. Um die Geschäftsziele zu erreichen, Kundenanforderungen zu erfüllen und um
sich gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können, müssen die Geschäftsprozesse in
einem Unternehmen verwaltet werden. Dies bezeichnet man als Geschäftsprozessma-
nagement. Das Geschäftsprozessmanagement hat dementsprechend in den letzten
Jahren an Bedeutung gewonnen.
Das auch englisch als Business Process Management (BPM) bezeichnete Geschäftspro-
zessmanagement wird in der Literatur unterschiedlich definiert.
Die European Association of BPM (EABPM) definiert Geschäftsprozessmanagement
als einen systematischen Ansatz der das Ziel hat sowohl automatisierte als auch nicht
automatisierte Prozesse zu erfassen, zu gestalten, auszuführen, zu dokumentieren, zu
messen, zu überwachen und zu steuern [
FR10
]. Damit sollen die mit der Unternehmens-
strategie abgestimmten Ziele erreicht werden.
Nach Sesselmann und Schmelzer ist „Geschäftsprozessmanagement ein integriertes
System aus Führung, Organisation und Kontrolle, das eine zielgerichtete Steuerung der
Geschäftsprozesse ermöglicht. Es ist auf die Erfüllung der Bedürfnisse der Kunden und
anderer Interessengruppen ausgerichtet und trägt wesentlich dazu bei, die strategischen
und operativen Ziele des Unternehmens zu erreichen“ [SS08] .
Zusammenfassend stellt das Geschäftsprozessmanagement sicher, dass die Geschäfts-
prozesse eines Unternehmens sowohl die strategischen Ziele als auch die Kundenziele
erfüllen [SS08].
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen
Modellierungssprachen sind der Ausgangspunkt zur Visualisierung betrieblicher Struktu-
ren und Abläufe in Unternehmen. Sie bilden damit die Basis für die Beschreibung von
Prozess- und Datenmodellen, die grundlegend für die Entwicklung von Informationssys-
temen sind [
HN09
]. Jede Modellierungssprache verfügt über eine festgelegte Syntax,
7
2 Grundlagen
die über eine Grammatik oder ein Metamodell beschrieben werden kann [
HM08
]. Es
existieren zahlreiche Modellierungssprachen. Jedoch wird in diesem Abschnitt nur auf
die Eigenschaften der drei Sprachen EPC, YAWL und BPMN eingegangen, da sie für
diese Arbeit relevant sind.
2.3.1 EPC
EPC (Event-based Process Chain, Ereignisgesteuerte Prozessketten) ist eine grafische
Modellierungssprache zur Darstellung von Geschäftsprozessen, die 1992 in einem For-
schungsprojekt mit SAP am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Saarland
entwickelt wurde [
tHvdAD05
]. Sie ist zentraler Bestandteil der SAP-Referenzmodelle
sowie der ARIS-Konzepte und bildet somit Grundlage für eine ganze Reihe modellgetrie-
bener Ansätze für ein durchgängiges und werkzeuggestütztes Geschäftsprozessmana-
gement [NR02].
Die wesentlichen Grundelemente der EPC sind Ereignisse, Funktionen und Konnektoren
(Verknüpfungsoperatoren), wie sie in Abbildung 2.1 dargestellt werden.
XOR V
V
Ereignisse
Funktionen Konnektoren
Abbildung 2.1: EPC Basiselemeneten [HKS93]
Funktionen beschreiben die Durchführung von Transformationsprozessen eine Eingabe
hin zu einer Ausgabe zur Erreichung der Unternehmensziele. Sie werden als Rechteck
mit abgerundeten Ecken dargestellt. Die Bezeichnung sollte immer das Objekt der Bear-
beitung und ein Verb zur Kennzeichnung der Tätigkeit enthalten. Zwei Beispiele dafür
sind „Kundenauftrag prüfen“ und „Fertigungsauftrag freigeben“ [HKS93].
Ereignisse lösen Funktionen aus und sind wieder um das Ergebnis von Funktionen. Sie
werden durch ein Sechseck dargestellt. Die logische Verbindung zwischen Ereignissen
8
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen
und Funktionen werden dabei durch Pfeile dargestellt. Ereignisse repräsentieren die
Ergebnisse der Zustandsänderung von Informationsobjekten, auf die mit Funktionen
reagiert werden muss. Beispiel für Ereignisse sind „Kundenauftrag ist eingetroffen“ oder
„Lieferantenangebot ist geprüft“ [HKS93].
Da innerhalb eines Prozesses auch Entscheidungen auf Basis von Bedingungen und
Regeln getroffen werden müssen, existieren in der EPC Konnektoren. Diese können
XOR (Entweder-oder), OR (oder) und AND (und) sein [
SM97
]. Dabei entspricht der
AND-Operator einer Parallelisierung des Ablaufs, während der XOR-Operator zur Mo-
dellierung von Alternativen im Prozessablauf verwendet wird. Der OR-Operator lässt
sowohl einen parallelen Ablauf des Prozesses als auch eine Entscheidung für einen der
Pfade zu [KNS92].
Demnach kann eine EPC als gerichteter, zusammenhängender Graph mit einer Multipli-
zität von Eins aufgefasst werden, für den u. a. folgende Regeln gelten [KKS04]:
Jede EPC beginnt und endet mit mindestens einem Ereignis.
Funktionen besitzen genau eine eingehende und eine ausgehende Kante.
Ereignisse haben genau eine eingehende und/oder genau eine ausgehende Kante.
Funktionen und Ereignisse wechseln sich gegenseitig ab.
Ereignisse können keine Entscheidungen treffen, das übernehmen die Funktionen.
Konnektoren können mehrere eingehende Kanten und eine ausgehende Kante
haben, oder sie können mehrere ausgehende Kanten und eine eingehende Kante
haben.
Konnektoren dürfen mit Konnektoren verbunden werden.
Eine Verzweigung wird ggf. mit demselben Verknüpfungsoperator geschlossen,
mit dem sie geöffnet wurde.
Einem Ereignis darf kein öffnendes OR und XOR folgen.
Abbildung 2.2 zeigt einen Beispielprozess zur Anwendung der EPC. Dieser Prozess
beschreibt den Ablauf einer Schadensdatenbearbeitung einer Versicherung. Zunächst
meldet sich ein Kunde bei der Versicherung, um einen Schaden zu melden und ggf.
9
2 Grundlagen
Schaden
gemeldet
Vertrag
suchen
XOR
Kein Vertrag
gefunden
Vertrag
gefunden
Kundendaten
prüfen
XOR
Kundendaten
aktuell
Kundendaten
nicht aktuell
Kundendaten
aktualisieren
Kundendaten
aktuell
XOR
Schadendaten
erfassen
Schadendaten
erfasst
Schaden
überprüfen
XOR
Total-
schaden
Teil-
schaden
Abbildung 2.2: EPC Beispielprozess - Schadensdatenbearbeitung [Wie]
10
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen
Leistungen der Versicherung in Anspruch zu nehmen. Die Versicherung überprüft, ob
dieser Kunde überhaupt versichert bei ihr ist. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt
ist, wird fortgefahren. Vor der Erfassung der Schadensdaten werden die Kundendaten
aktualisiert, falls diese nicht mehr aktuell sind. Dann werden die Schadensdaten erfasst
und anhand dieser Daten wird der Schaden überprüft. Schließlich wird eine Entscheidung
getroffen, ob es sich um einen Totalschaden oder Teilschaden handelt.
Dieser Prozess besteht aus neun Ereignissen, fünf Funktionen und vier XOR-Knoten. Der
Prozess fängt mit einem Ereignis an und kann mit einem von drei möglichen Ereignissen
beendet werden. Wie in der Abbildung veranschaulicht ist, wechseln sich Funktionen und
Ereignisse ab. Die Funktionen besitzen genau eine eingehende und eine ausgehende
Kante. Ereignisse besitzen genau eine eingehende und/oder genau ausgehende Kante.
Somit werden die oben genannten Regeln der EPC erfüllt.
2.3.2 YAWL
Yet Another Workflow Language (YAWL) wurde an der technische Universität Eindho-
ven entwickelt [
tHvdA05
]. Die Darstellung von YAWL basiert im Wesentlichen auf den
mathematischen Grundlagen von Petri-Netze, die in den 1960er Jahren von Adam Petri
entwickelt wurden [
Pet62
]. Petri-Netze sind ein universelles Werkzeug zur Analyse und
Modellierung von dynamischen Abläufen. Sie sind besonders geeignet für nebenläufige
Vorgänge, Kommunikationsprotokolle sowie Synchronisationsalgorithmen [Bau90].
Ein Workflow in YAWL wird mit „Workflow Netzen“ beschrieben. Diese basieren direkt
auf Petri Netzen. Der wesentliche Unterschied ist, dass Workflow Netze immer einen
Startpunkt und einen Endpunkt haben [
tHvdA05
]. YAWL erweitert Workflow-Netze um
Mehrfach-Instanzen, zusammengefasste Aufgaben, OR-Joins, die Entfernung von To-
kens und direkt verbundene Transitionen [
tHvdA05
]. Abbildung 2.3 zeigt die wichtigsten
Modellierungselementen von YAWL [tHvdA05].
Die mittels YAWL beschriebene Prozessmodelle bestehen aus einer Reihe von Condi-
tions und Tasks. Eine Condition ist eine Bedingung und speichert das Ergebnis einer
Aufgabe. Sie wird normalerweise zwischen zwei Aufgaben verwendet. Zwei Aufgaben
können jedoch auch direkt verbunden werden. In diesem Fall ist es so, als wäre zwi-
11
2 Grundlagen
schen diesen beiden Aufgaben eine „unsichtbare“ Condition eingebunden [
tHvdA05
].
Jedes Prozessmodell besitzt nur eine Input- und eine Output Condition, die jeweils den
Start- bzw. Endpunkt definiert [
tHvdA05
]. Tasks in YAWL sind entweder „atomic“ oder
„composite“. Während ein Atomic Task die einfachste Art einer Aufgabe definiert, stellt
ein Composite Task eine Zusammensetzung von mehreren Teilaufgaben dar, welche
in einem separaten Prozessmodell beschrieben ist. Beide Taskarten können mehrere
Instanzen haben. Somit kann ein Geschäftsvorgang zur gleichen Zeit mehr als einmal
durchlaufen werden. YAWL bietet eigenständige Modellierungselemente für AND-, XOR-
und OR- Verzweigungen bzw. deren Zusammenführungen an. Das letzte Modellierungs-
element remove Tokens ermöglicht es, alle Marken aus dem umrandeten Bereich zu
löschen. Dies ist unabhängig von der Anzahl der Tokens. Die Löschung findet statt,
sobald der zugehörige Task ausgeführt wurde [tHvdA05].
Condition
Input Condition
Output Condition
Atomic Task
Composite Task
Multiple instances of an
atomic task
Multiple instances of a
composite task
AND-Split-task
XOR-Split-task
OR-Split-task
AND-Join-task
XOR-Join-task
OR-Join-task
. . . remove tokens
Abbildung 2.3: Modellierungselemente von YAWL [tHvdA05]
Abbildung 2.4 veranschaulicht die Eigenschaften von YAWL anhand eines Kreditantrags-
prozess [
YAWb
]. Das Kreditantragsverfahren beginnt, sobald ein Antragsteller einen
12
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen
Anmeldung
empfangen
C1
C2
Auf
Vollständigkeit
überprüfen
Mehr
Informationen
erhalten
C3
Kreditbetrag
prüfen
C7 C5
Kontrolle für
großen Betrag
ausführen
Kontrolle für
kleinen Betrag
ausführen
C8 C6
C10 C9
Über Ablehnung
benachrichtigen
C4
Zulassung
starten
C12 C11
Zulassung
benachrichtigen
C14 C13
Kreditkarte
senden
Zulassung
beenden
Entscheidung
treffen
Abbildung 2.4: Kreditantragsprozess mit YAWL [YAWb]
13
2 Grundlagen
Antrag mit einer vorgeschlagenen Höhe einreicht. Bei Eingang eines Antrags prüft ein
Kreditsachbearbeiter, ob diese vollständig ist. Wenn nicht, fordert der Sachbearbeiter
zusätzliche Informationen an. Sobald er diese Informationen erhalten hat, kann er fortfah-
ren. Für eine komplette Anmeldung führt der Sachbearbeiter weitere Prüfungen durch,
um die Kredithöhe anhand des Einkommens und der Kredit-Geschichte des Antragstel-
lers abzuwägen. Der gültige Antrag wird dann zu einem Manager weitergeleitet, der
entscheidet, ob dieser akzeptiert oder abgelehnt wird. Im Falle der Annahme wird der
Antragssteller darüber informiert und erhält anschließend eine Kreditkarte. Wird der
Antrag abgelehnt, so wird der Antragssteller ebenfalls über die Entscheidung informiert
und der Prozess endet.
2.3.3 BPMN
Die Business Process Modelling Notation (BPMN) wurde in der ersten Fassung 2004
von der Business Process Management Initiative (BPMI) veröffentlicht [
FR10
]. Als vor-
rangige Ziel der BPMN wird genannt, dass Prozessmodelle von den unterschiedlichsten
Stakeholdern im Prozessmanagement problemlos verstanden und akzeptiert werden
sollen [
Whi04
]. Von Anfang an war die Zielsetzung, eine standardisierte, grafische Pro-
zessnotation bereitzustellen, die auch für die Prozessautomatisierung verwendet werden
kann. 2005 übernahm die Object Management Group (OMG) die BPMI und somit auch
die weitere Entwicklung der BPMN [
FR10
]. Mit der Übernahme durch die OMG begann
auch der weltweite Siegeszug der BPMN, da schon allein die Standardisierung für viele
Unternehmen einen großen Anreiz für den Umstieg darstellte. 2011 wurde die Version
2.0 durch die OMG veröffentlicht [OMGa].
Abbildung 2.5 stellt die verwendeten Symbole in BPMN dar. Diese werden den fünf Kate-
gorien Flussobjekte, verbindende Objekte, Artefakte, Teilnehmer und Daten zugeordnet.
Zu den Flussobjekte gehören Aktivitäten, Ereignisse und Gateways, mit denen das
Verhalten von Geschäftsprozessen beschrieben wird. Aktivitäten geben an, was erle-
digt werden muss, damit der Prozess die gewünschte Leistung erbringen kann [
FR10
].
Sie werden als Rechtecke mit abgerundeten Kanten dargestellt. Eine weitere Art von
Aktivitäten sind Sub-Prozesse. Ein Sub-Prozess wird durch ein kleines Plus-Zeichen in
14
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen
der unteren Mitte des Rechtecks unterschieden [
OMGa
]. Subprozesse sind Aktivitäten,
die ganze Prozesse kapseln. Die dahinterliegenden Prozesse können an anderer Stelle
definiert werden. Auf diese Weise können Abstraktionen geschaffen sowie die Übersicht-
lichkeit von Modellen verbessert werden [FR10].
Flussobjekte Verbindende Objekte Artefakte
Aktivität
Ereignis
Gateway
Sequenzfluss
Nachrichtenfluss
Assoziation
Anmerkung
Gruppierung
Teilnehmer Daten
Text
Pool
LaneLane
Datenobjekt
Datenspeicher
Dateninput
Datenoutput
Abbildung 2.5: BPMN Basiselementen [FR10]
Ereignisse werden durch einen Kreis dargestellt und zeigen, ob vor, während oder am
Ende des Prozesses etwas Beachtenswertes passiert. Sie beeinflussen den Ablauf des
Prozesses und haben üblicherweise eine Ursache sowie ein Ergebnis [
Whi04
,
FR10
].
Prinzipiell gibt es drei Arten von Ereignissen: Startereignis, Zwischenereignis und Ender-
eignis. Von diesen Ereignistypen existieren noch diverse Spezialisierungen, welche die
Aussagekraft verstärken oder Voraussetzung für die Verwendung an einer bestimmten
Stelle in einem Prozess sind [
FR10
]. Abbildung 2.6 zeigt diese wichtigsten Ereignistypen.
Ein Gateway wird durch ein Diamantensymbol dargestellt und wird verwendet, um die
Divergenz und Konvergenz des Sequenzflusses zu steuern. Somit können Entschei-
dungen sowie die Gabelungen, Zusammenführungen und Synchronisation von Pfaden
beschrieben werden. Das Symbol innerhalb des Gateways gibt die Art des Gateways
an [Whi04]. Abbildung 2.7 stellt die meist verwendeten Gateways dar.
15
2 Grundlagen
Startereignisse
Nachrichten
Zeit
Fehler
Terminierung
Abbruch
Zwischenereignisse Endereignisse
Abbildung 2.6: BPMN Ereignisse [OMGa]
Exklusives Gateway Paralleles Gateway Inklusives Gateway
Abbildung 2.7: BPMN Gateways [OMGa]
Die Flussobjekte werden in einem Diagramm miteinander verbunden, um das Grundge-
rüst eines Geschäftsprozesses zu beschreiben. Hinzu werden die verbindenden Objekte
verwendet. Hierzu gehören der Sequenzfluss, Nachrichtenfluss und Assoziation [
Whi04
].
Ein Sequenzfluss wird durch eine durchgezogene Linie mit einer geschlossenen Pfeilspit-
ze dargestellt. Er wird verwendet, um zu zeigen, in welcher Reihenfolge die Aktivitäten
in einem Prozess ausgeführt werden sollen. Ein Nachrichtenfluss wird durch eine ge-
strichelte Linie mit einer offenen Pfeilspitze dargestellt und wird verwendet, um einen
Nachrichtenaustausch zwischen zwei separaten Teilnehmern an zu zeigen [
Whi04
]. Eine
Assoziation wird durch eine gestrichelte Linie dargestellt. Sie wird verwendet, um sowohl
die Eingabe- und Ausgabedaten von Aktivitäten zu beschreiben, als auch um Daten,
Texte und andere Artefakte mit Flussobjekten zu verknüpfen [
Whi04
]. Datenobjekte
16
2.3 Geschäftsprozessmodellierungssprachen
werden im Rahmen der Prozessausführung benötigt, um Informationen erzeugen, verar-
beiten und ablegen zu können. Weiterhin gibt es Artefakte (wie z.B. Gruppierungen und
Anmerkungen), die zusätzliche Informationen zum Prozess liefern, aber keinen direkten
Einfluss auf die Ausführungsreihenfolge der Flussobjekte haben [FR10].
Um in einem Prozessmodell erkennbar zu machen, wer für die Ausführung von Aktivitä-
ten verantwortlich ist, bietet BPMN die Modellierungselemente Pool und Lane. Ein Pool
stellt einen Prozessbeteiligten dar. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Pools zu strukturie-
ren und weiter zu untergliedern, wofür Lanes verwendet werden. So kann zum Beispiel
ein Unternehmen als Pool und seine Abteilungen als Lanes dargestellt werden [
Whi04
].
In Abbildung 2.8 zeigt einen in BPMN modellierten Beispielprozess. Das Prozessmodell
stellt den Versandprozess von einem Hardware-Händler dar. In diesem Beispiel wird
der Hardware-Händler durch einen Pool und die drei Rollen für Lagerarbeitskraft, Sach-
bearbeiter und Logistikmanager durch entsprechende Lanes dargestellt. Das einfache
Startereignis „Waren zu verschicken“ zeigt an, dass Waren versendet werden müssen.
Gleich nach der Instanziierung des Prozesses, gibt es zwei Schritte, die parallel ausge-
führt werden. Dazu wird ein Parallel-Gateway verwendet. Während der Sachbearbeiter
sich entscheiden muss, ob es sich um eine normale Post oder spezielle Sendung han-
delt, kann der Lagerbearbeiter bereits mit dem Verpacken der Waren beginnen. Für die
Auswahl der Versandart wird das exklusive Gateway verwendet. Wenn eine spezielle
Sendungsart benötigt wird, dann holt sich der Sachbearbeiter Angebote bei verschiede-
nen Transportunternehmen ein. Sobald er ein Transportunternehmen ausgewählt hat,
gibt er diesem den Auftrag und füllt die Frachtpapiere aus. Falls jedoch die Ware mit der
Post zu versenden ist, so prüft der Sachbearbeiter, ob eine zusätzliche Versicherung
erforderlich ist und wenn ja, dann muss diese vom Logistikmanager abgeschlossen
werden. Auf jeden Fall muss der Sachbearbeiter ein Frachtpapier bzw. ein Postetikett
ausfüllen. Entsprechend wurde hier das inklusive Gateway verwendet. Somit wird ein
Zweig immer ausgeführt, und falls es erforderlich ist, kann der zweite Zweig parallel
dazu ebenfalls auch ausgeführt werden. Vor der Ausführung der letzten Aufgabe muss
das parallele Gateway synchronisiert werden. Dann kann die Lagerarbeitskraft die not-
wendige Papiere dieses zum Paket hinzufügen und zum Abholungsbereich senden. Mit
dem Endereignis „Ware ist abholbereit“ wird der Prozess beendet.
17
2 Grundlagen
Hardware Händler
Logistik ManagerSachbearbeiter
Lagerarbeitskraft
Entscheiden, ob es
sich um ein
Postpaket, oder
einen speziellen
Versand handelt
Prüfen, ob
extra
Versicherung
benötigt wird
Angebote von
Transport-
unternehmen
anfragen
Waren
verpacken
Versand-
papiere
erstellen
Zusätzliche
Versicherung
abschließen
Auftrag
vergeben
und Papiere
vorbereiten
Papier hinzufügen
und Paket zum
Abholungsbereich
senden
Normale
Post
spezieller Versand
Versicherung ist
in Transport
inbegriffen
Extra
Versicherung
gewünscht
Immer
Ware ist
abholbereit
Waren zu
verschicken
Versandart
Abbildung 2.8: BPMN Beispielprozess [OMGb]
18
2.4 Prozessvarianten
2.4 Prozessvarianten
In der Praxis hat sich gezeigt, dass Geschäftsprozesse je nach ihrem Anwendungs-
kontext häufig in unterschiedlichen Varianten auftreten. Diese Prozessvarianten verfol-
gen alle das gleiche oder ein ähnliches Geschäftsziel, unterscheiden sich aber durch
verschiedene Rahmenbedingungen, wie Vorschriften in verschiedenen Ländern oder
Regionen, Kundenkategorien, oder strategischen Ausrichtungen [Hal09, HBR08a].
Zur Darstellung vom Prozessvarianten existieren zwei grundsätzliche Ansätze: den
Single-Modell Ansatz und Multi-Modell Ansatz [HBR10].
Beim Multi-Modell Ansatz werden alle Varianten in separaten Prozessmodellen realisiert.
Somit existiert für jede Variante ein Prozessmodell. Jedoch gibt es keinen Hinweis
darauf, ob die einzelnen Modellteile variantenspezifisch oder für alle Modelle gemeinsam
sind. Wenn die meisten Modellteile der verschiedenen Prozessvarianten identisch oder
ähnlich sind, verursacht dies hochredundante Modelle [HBR10].
In der Praxis ist die Anzahl der Prozessvarianten häufig sehr groß. Diese große Zahl
der Varianten erschwert die Modellierung und erhöht den Wartungsaufwand erheblich.
Insbesondere verursachen die Änderungen an gemeinsamen Teilen hohe Aufwände,
weil Basisprozessänderungen für jede Variante separat durchgeführt werden müssen.
Das ist sowohl zeitaufwendig als auch fehleranfällig [HBR10].
Der Multi-Modell Ansatz macht es für Prozessdesigner zusätzlich schwierig, die Modelle
der Prozessvarianten zu analysieren, zu vergleichen, zu vereinheitlichen und die vielfälti-
gen Varianten innerhalb eines gemeinsamen IT-Systems zu implementieren. Folglich
stellt es für sinnvolles Variantenmanagement keine adäquate Lösung dar, alle Prozess-
varianten in separaten Modellen darzustellen [HBR10].
Im Gegensatz dazu fasst der Single-Modell Ansatz mehrere Varianten eines Prozesses
mittels bedingter Verzweigung in einem einzigen Modell zusammen. Die unterschiedli-
chen Ausführungspfade im Modell stellen dabei die unterschiedlichen eine besondere
Variante dar. In diesem Fall ist es aber schwer in einem großen Prozessmodell die einzel-
nen Varianten zu begreifen und es ist teuer das Modell auszuführen. Zusätzlich kann der
Benutzer normale und variantenspezifische Verzweigungen nicht mehr unterscheiden.
Deswegen sollten in diesem Fall die Verzweigungen entsprechend markiert werden,
19
2 Grundlagen
je nachdem, ob es sich um eine normale oder eine variantenspezifische Verzweigung
handelt. Die Varianten sind zudem weder transparent noch explizit definiert. Als Folge
sind die Varianten den IT-Systemen unbekannt und alle Verzweigung werden im Single-
Ansatz folglich als „normalen Verzweigung“ behandelt [HBR10].
Zusammenfassend ist weder der Multi-Modell Ansatz noch der Single-Modell Ansatz
geeignet, um Prozessvarianten einwandfrei darstellen zu können.
20
3
Ansätze zur Abbildung von
Prozessvarianten
Um die vorhandene Variabilität in einem Geschäftsprozessmodell richtig darstellen
zu können, sollte definiert werden, welche Teile des Modells nach einem bestimm-
ten Kontext variieren können, welche Alternativen für diese Teile existieren, und nach
welchen Bedingungen diese Alternativen gewählt werden können [
TZW+12
]. Heutige
Geschäftsprozessmodellierungssprachen sind nicht ausreichend, um diese Fragen zu
behandeln und um Prozessvarianten umfassend zu verwalten. Deswegen wurden in den
letzten Jahren verschiedene Ansätze zur Modellierung Varianten behaftete Prozesse
vorgeschlagen. Diese können entweder den verhaltensbasierten oder strukturellen An-
sätze zugeordnet werden. In diesem Kapitel werden diese Ansätze und die Vorschläge,
die nach diesen Ansätzen entwickelt wurden, näher definiert und erläutert.
21
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz
Der verhaltensbasierte Ansatz repräsentiert eine Obermenge der Prozessvarianten in
einem sogenannten Referenzprozessmodell. Dieses Modell erfasst sowohl die Gemein-
samkeiten als auch die Unterschiede der möglichen Varianten. In dieser Arbeit werden
drei grundsätzliche Ansätze betrachtet, wie ein Referenzprozessmodell gestaltet werden
können.
Als erste Möglichkeit werden konfigurierbare Knoten zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe
dieser Knoten können Variationspunkte des Referenzprozessmodells und mögliche
Konfigurationsalternativen dargestellt werden. Darüber hinaus können diesen konfigu-
rierbaren Knoten Konfigurationseinschränkungen hinzugefügt werden, um mögliche,
unerwünschte Kombinationen von Prozessvariationen zu vermeiden [
RW12
]. Als Bei-
spiel für diesen Ansatz wird in Abschnitt 3.1.1 die Modellierungssprache C-EPC erklärt.
Die zweite Möglichkeit ist das Blockieren oder Verstecken der Kontrollknoten und der
ausführbaren Pfade, die nicht zur aktuell gewählten Variante gehören. Bei der Blo-
ckierung wird die Ausführung einer Aktivität gesperrt und somit kann der Knoten nicht
ausgeführt werden. Nachfolgeknoten von blockierten Knoten können nur dann ausge-
führt werden, wenn ein anderer oder direkter Pfad vom Startknoten aus zu diesem
Nachfolgeknoten existiert. Wiederum ermöglicht das Verstecken eine Abstraktion des
Referenzprozessmodells, d.h. bei der Ausführung wird eine versteckte Aktivität nicht
berücksichtigt und übersprungen [
RW12
]. Allerdings bleibt der entsprechende Pfad
insgesamt ausführbar. Die Modellierungssprache C-YAWL basiert auf diesem Ansatz
und wird im Abschnitt 3.1.2 erklärt.
Die letzte Möglichkeit ist der annotationsbasierte Ansatz. Diese Vorgehensweise bietet
keine Sprache zur Darstellung und Konfiguration der Referenzprozessmodelle, sondern
verbessert die Anpassung der Variationen an den Prozess. Die Orte, in einem Prozess-
modell, an denen Variabilitäten auftreten können, werden als Variationspunkte markiert
und mögliche Variationen im Prozessmodell zusätzlich gezeigt [
LRDtH08
]. PESOA ist
eine Modellierungssprache, die auf diesem Ansatz basiert und wird in Abschnitt 3.1.3
erklärt.
22
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz
3.1.1 C-EPC
C-EPC [
RvdA07
] ist eine Erweiterung der Modellierungssprache EPC, die in Abschnitt
2.3.1 erläutert wurde. Sie ermöglicht mit ihren neuen Konstrukten mehrere Prozessva-
rianten innerhalb eines einzigen Prozessmodells darzustellen. Diese Darstellung wird
durch die Konfiguration der Funktionen und Konnektoren realisiert. Im Modell werden
die konfigurierbaren Funktionen und Konnektoren dabei mit einem dickeren Rahmen
hervorgehoben [RvdA07].
Konfigurierbare Funktionen werden als ON, OFF oder OPT konfiguriert werden. Ist eine
Funktion als ON konfiguriert, so wird diese in den entsprechenden Variante ausgeführt.
Ist eine Funktion als OFF konfiguriert, wird diese in der entsprechende Variante versteckt
und diese Aufgabe bei der Ausführung übersprungen. Die Konfiguration OPT ist eine
Kombination der beiden vorherigen Optionen. Hier wird während der Laufzeit entschie-
den, ob die Aufgabe ausgeführt oder übersprungen werden soll [
LR09
]. Abbildung 3.1
veranschaulicht, wie aus diesen Optionen die entsprechenden Varianten abgeleitet
werden können.
Abbildung 3.1: Konfigurationen einer Funktion [RvdA07]
23
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
Im Gegensatz der konfigurierbare Funktionen lassen sich konfigurierbare Konnektoren
auf gleichen oder weniger ausdruckskräftige Konnektortypen abbilden. Folglich kann ein
konfigurierbares OR auf ein reguläres OR, XOR, AND oder einen seiner abgehenden /
ankommenden Sequenzflüsse SEQn abgebildet werden. Wenn der Konnektor vom Typ
Split ist, gibt SEQn eine seiner ausgehenden Kanten an. Falls der Konnektor vom Typ
Join ist, gibt SEQn eine der eingehenden Kanten an. Ein konfigurierbarer XOR kann zu
einem regulären XOR oder einem seiner ausgehenden/ankommenden Sequenzflüsse
gesetzt werden. Ein konfigurierbarer AND-Konnektor kann nur zu einem regulärem
AND-Konnektor mit einer reduzierten Auswahl an Pfaden abgebildet werden. Tabelle 3.1
zeigt die genauen Beschränkungen für die Konfiguration der Konnektoren [RvdA07].
Konfigurationsknoten
Abbildung OR XOR AND SEQ
OR X X X X
XOR X X
AND X
Tabelle 3.1: Beschränkungen für die Konfiguration der Konnektoren
Um die Konfigurationen im Prozess besser zu regeln, werden sogenannte Requirements
(Anforderungen) und Guidelines (Richtlinien) verwendet. Sie werden durch Marker
dargestellt, die an beteiligten Knoten befestigt werden. Requirements formalisieren
die Beschränkungen zwischen den Alternativen von konfigurierbaren Knoten. Guide-
lines bieten Vorschläge an, mit denen Konfigurationen besser unterstützt werden sol-
len [LRDtH08, LR09].
Abbildung 3.2 zeigt einen mit C-EPC modellierten Prozess vor und nach der Konfi-
guration. Der Prozess beschreibt eine Reisebuchung. Er besitzt zwei konfigurierbare
OR-Knoten und vier Requirements. Bei Requirement 1 wird Pfad SEQ1a ausgeführt
und nur ein Flug gebucht. Wenn nur ein Hotel gebucht werden soll, wird SEQ1b nach
Requirement 2 ausgeführt. Das Requirement 3 wandelt den OR-Knoten durch eine Kon-
figuration in einen AND-Knoten um. Somit werden Flug und Hotel zusammen gebucht.
Im Beispiel wird nach der Konfiguration Requirement 3 dargestellt. Um einen fehlerfreien
Prozess realisieren zu können, muss darauf geachtet werden, dass die Art des ersten
24
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz
und zweiten OR-Knoten nach Konfigurationen immer gleich bleibt. Dies wird hier durch
Requirement 4 sicher gestellt.
Reisewunsch
Reiseziel &
Datum
eingeben
Abflugflughafen
auswählen
Abflugflughafen
ist ausgewählt
Flug suchen
und
auswählen
Flug ist
gesucht und
ausgewählt
Hotel
suchen und
auswählen
Hotel ist
gesucht und
ausgewählt
V
V
Reise ist
gebucht
Buchen
Requirement 1
Requirement 2
Requirement 3
Requirement 4
Auswahl =Flug
OR = SEQ1a
Auswahl = Hotel
OR = SEQ1b
Auswahl = Hotel &Flug
OR = AND
OR1 = OR2
2
1
Reiseziel und
Datum
eingegeben
Reiseziel und
Datum
eingegeben
SEQ1a SEQ1b
Auswahl
Hotel&Flug
Reiseziel &
Datum
eingeben
Abflugflughafen
auswählen
Abflugflughafen
ist ausgewählt
Flug suchen
und
auswählen
Flug ist
gesucht und
ausgewählt
Hotel
suchen und
auswählen
Hotel ist
gesucht und
ausgewählt
Reise ist
gebucht
Buchen
Reiseziel und
Datum
eingegeben
Reiseziel und
Datum
eingegeben
V
V
Abbildung 3.2: C-EPC Prozess vor und nach der Konfiguration
25
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
3.1.2 C-YAWL
C-YAWL (Configurable YAWL) [
tHvdAAR09
] ist eine Erweiterung der Prozessmodellie-
rungssprache YAWL, die bereits in Abschnitt 2.3.2 erklärt wurde. C-YAWL erweitert YAWL
um sogenannte Ports, die als Variationspunkte benutzt werden [
LRDtH08
,
LRGDvdA08
].
Mit Hilfe des Versteckungs- und Blockierungskonzeptes werden damit die Prozessvari-
anten realisiert.
In C-YAWL werden der Eingangs- und der Ausgangsport zur Konfiguration verwendet.
Ein Eingangs-Port kann als aktiviert, blockiert oder versteckt konfiguriert werden. Wenn
dieser Port aktiviert ist, wird die Aufgabe ausgeführt. Wenn er blockiert ist, wird das Aus-
lösen dieser Aufgabe verhindert. Falls er versteckt ist, wird die Ausführung der Aufgabe
übersprungen, aber der nachfolgende Pfad bleibt immer noch ausführbar. Ein Ausgangs-
Port kann mit genau dem selben Prinzip aktiviert oder blockiert werden [LRDtH08].
BCF
AB
C
DE
F
Blockiert
Versteckt
Aktiviert
Abbildung 3.3: Konfiguration durch Blockieren und Verstecken [YAWa]
Abbildung 3.3 zeigt, wie Konfigurationen durch das Verstecken und Blockieren funktio-
niert. Wenn keine Konfigurationen für diesen Prozess vorhanden sind, können entweder
die Aufgaben (A, B, C, F) oder (A, B, D, E, F) ausgeführt werden. Abbildung 3.3 sind der
Eingangsport von Aufgabe A als versteckt und ein Ausgangsport des XOR-Split B als
blockiert markiert. Das heißt, zuerst wird Aufgabe A ohne Ausführung einfach übersprun-
26
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz
gen. Jedoch beeinflusst dies nicht die Ausführung der anderen Aufgaben. Danach wird
einer der Ausgangsports von B blockiert. Somit ist der einkommende Pfad der Aufgabe
D nicht ausführbar. Deswegen können Aufgabe D und Aufgabe E nicht mehr bearbeitet
werden. Zum Schluss bleiben nur die Aufgaben (B, C, F) nach den Konfigurationen
ausführbar. Die entsprechende Variante ist im unteren Teil von Abbildung 3.3.
Je nach Typ des Konnektors und Anzahl der ein- bzw. ausgehenden Pfade ändert sich
die Anzahl der Eingangs- bzw. Ausgangsports [
tHvdAAR09
]. Tabelle 3.2 zeigt die konfi-
gurierbaren Konnektoren, Anzahl der Ports und Konfigurationsoptionen. „n“ steht für die
Anzahl der ein- bzw. ausgehenden Pfade für jeden Konnektor.
Konfigurierbare Element Anzahl der Ports Konfigurationsoptionen
AND-join 1 aktiviert, blockiert, versteckt
XOR-join n aktiviert, blockiert, versteckt
OR-join 1 aktiviert, blockiert, versteckt
AND-split 1 aktiviert, blockiert
XOR-split n aktiviert, blockiert
OR-split 2n
1aktiviert, blockiert
Tabelle 3.2:
Konfigurationsoptionen für einen Konnektor mit n eingehenden/ausgehen-
den Pfaden [tHvdAAR09]
Abbildung 3.4 zeigt einen Beispielprozess aus dem Gesundheitsbereich [
ATP11
,
WSR09
].
Der Prozess wird durch die Aufnahme des Patienten gestartet. Dann wird die Anamnese
und die klinische Untersuchung des Patienten durchgeführt. Nach dieser Untersuchung
werden verschiedene Tests (Röntgen, MRT und Sonographie) in beliebiger Reihenfolge
bearbeitet. Hierbei existieren folgende Varianten: Wenn der Patient an einem Kreuz-
bandriss leidet, werden die Aktivitäten „initiale Behandlung & Operation Planung“ und
„operative Behandlung“ durchgeführt. Wenn der Patient einen Herzschrittmacher trägt,
muss die Aktivität „MRT-Untersuchung“ übersprungen werden. Falls der Patient an einem
Erguss in seinem Knie leidet, muss eine Punktion gemacht werden. Wenn es aufgrund
gesetzlicher Bestimmungen notwendig ist, wird der Patient über die Behandlung infor-
miert. Ansonsten wird diese Aufgabe übersprungen. Die rechte Seite von Abbildung 3.4
zeigt die entsprechende Variante für den Fall.
27
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
Patient
aufnehmen
Anamnese und
klinische
Untersuchung
Initiale
Behandlung
& Operation
Planung
Patient
informieren
Therapie
ohne
Operation
Operative
Behandlung
Patient
entlassen
Sonographie RöntgenMRT
Therapie
ohne
Operation
Punktion
Punktion
Punktion
Punktion
Patient
aufnehmen
Anamnese und
klinische
Untersuchung
Initiale
Behandlung
& Operation
Planung
Therapie
ohne
Operation
Operative
Behandlung
Patient
entlassen
Sonographie Röntgen
Punktion
Punktion
Punktion
Punktion
Abbildung 3.4: Beispielprozess mit C-YAWL [ATP11, WSR09]
28
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz
3.1.3 PESOA
PESOA ist ein Kooperationsprojekt, das von einer Gruppe aus Unternehmen (Daimler-
chrysler AG, Delta Software Technology GmbH, ehotel AG und das Fraunhofer IESE),
Wissenschaftlern des Hasso-Plattner-Instituts und der Universität Leipzig durchgeführt
wird [ATP11].
Das Ziel dieses Projektes ist es nicht, eine Sprache für die Darstellung und Konfiguration
von Prozessmodellen zu schaffen, sondern die Anpassung von prozessorientierten
Softwaresystemen zu verbessern [LR09].
PESOA besitzt verschiedene Variabilitätsmechanismen wie Parametrisierung, Vererbung,
Design Pattern und Datenkapselung verbergen. Diese Mechanismen wurden im Rah-
men des Projekts in verschiedene Modellierungssprachen wie UML-Aktivitätsdiagramme,
UML State Machines, BPMN und Matlab/Simulink übertragen [
PSWW05
]. Diese Arbeit
beschränkt sich jedoch darauf, wie diese Mechanismen in BPMN umgesetzt werden und
zur Modellierung von Prozessvarianten benutzt werden können.
Um ein sogenanntes „variantenreiches Geschäftsprozessdiagramm“ zu realisieren, sind
nach [
PSWW05
] drei Ergänzungen zu den Standard-Geschäftsprozessdiagrammen
notwendig. Die erste Ergänzung ist eine Kennzeichnung der Stellen, an welchen Variabi-
lität auftritt. Zweitens sollten mögliche Lösungen in der Darstellung aufgezeigt werden.
Drittens sollte der vorhandene Variabilitätsmechanismus verwendet werden, um Lösung
für die mögliche Variation abzuleiten [PSWW05].
Mittels dem aus UML bekannten Stereotypenkonzept können in BPMN Variationspunk-
ten identifiziert werden. Die Orte, bei welchen eine Prozessmodellvariabilität auftreten
kann, werden mit dem Stereotyp Variationspunkte markiert [
LR09
,
PSWW05
]. Der Name
des Stereotyps wird in kursiver Schrift, zwischen zwei spitzigen auf jeder Seite platzierten
Klammern geschrieben. Zur Erfüllung des Ziels von variantenreichen Prozessdiagram-
men ist es ausreichend, den Variationspunkt als Stereotype «VarPoint» zu deklarieren.
Dieser Stereotyp kann auch grafisch durch einen Marker in Form eines Puzzle-Stücks
an der Unterseite einer Aktivität ausgedrückt werden. Wenn diese grafische Darstellung
verwendet wird, kann die textuelle Bezeichnung weggelassen werden [PSWW05].
Für bessere Verständlichkeit werden die Stereotypen mit Eigenschaftswerten darge-
29
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
stellt. Ein Eigenschaftswert wird unter einem Stereotyp in geschweiften Klammern als
Schlüssel-Wert Paar geschrieben werden. Der Stereotyp VarPoint hat zwei vordefinierte
Eigenschaftswerte, Funktion und Typ. Der Wert der Typ-Eigenschaft kann „optional“, „ab-
strakt“, „null“ und „default“ sein [
PSWW05
]. Anstatt der Typ-Eigenschaft kann «VarPoint»
auch als «Optional», «Abstract», «Null» und «Default» spezialisiert werden. In dem Fall
wird der zusätzliche Eigenschaftswert nicht mehr benötigt [PSWW05].
Wie die Variationsmechanismen genutzt werden können, wird anhand des in Abbildung
3.5 dargestellten Beispiels erklärt.
Produkte
erhalten
<<Abstract>>
Summe
berechnen
<<VarPoint>>
Belastung der
Kreditkarte
Summe
berechnen
<<Default>>
Summe
berechnen
{feature: Persönlichen Warenkorb}
Rabatt
berechnen
<<Inheritance>>
<<Implementation>> <<Implementation>>
{feature:Rechnung}
<<Inheritance>>
Belastung der
Kreditkarte
Rechnung
erstellen
Discount=3%
Discount= 5%
<<Parameterization>>
Kasse
Abbildung 3.5: Bespielprozess mit PESOA [PSWW05]
Eine der Variabilitätsmechanismen bei PESOA ist die Verkapselung von Teilprozessen.
Ein BPMN Teilprozess kann sich hinter einer invarianten Schnittstelle als alternativer Teil-
prozess verstecken. Dadurch wird mit eine Schnittstelle wie eine Menge von Eingangs-
und Ausgangsereignissen definiert. Diese Schnittstellenaktivität wird dem Stereotyp
«Abstract» markiert [
PSWW05
]. In Abbildung 3.5 besitzt die Aktivität „Summe berechnen“
den Stereotype «Abstract». Hier gibt es zwei verschieden Varianten. Entweder wird
der Sub-Prozess mit «Default»-Wert gewählt und nur die Summe berechnet oder der
Sub-Prozess mit dem Eigenschaftswert „persönliches Warenkorb“ wird gewählt und die
30
3.1 Verhaltensbasierter Ansatz
Summe sowie der Rabatt berechnet.
Ein anderer Variabilitätsmechanismus ist die Parametrisierung. Jedes BPMN-Attribut
kann parametrisiert werden, um Variationen abzubilden. Für eine graphische Darstellung
wird das Attribut neben das Element geschrieben und von einer Gruppierungsbox umge-
ben. Wenn die Verbindung zwischen dem Attribut und dem Element falsch interpretiert
werden kann, sollte zusätzlich eine Assoziation verwendet werden. Die Assoziation wird
mit dem Stereotyp «Parametrisierung» markiert [
PSWW05
]. Im Beispielprozess kann
der Rabatt, je nach Entscheidung des Verkäufers, von 3% auf 5% erhöht werden.
Die nächste Variabilitätsmethode ist die Vererbung (Inheritance). Sie verändert einen
vorhandenen Teilprozess durch das Hinzufügen oder Entfernen von Elementen unter
Beziehung bestimmter Regeln. Eine Assoziation von der Kind- Aktivität bzw. Kind-
Subprozess zu der Vater-Aktivität wird hierzu mit dem Stereotyp «Inheritance» markiert
[
PSWW05
]. Im Beispiel in Abbildung 3.5 ist die Vererbungsbeziehung zwischen den Ak-
tivitäten veranschaulicht. Die Aktivität „Belastung der Kreditkarte“ ist als Variationspunkt
markiert. Mit der Vererbung wird ein neuer Subprozess als Erweiterung der Standar-
daktivität angeboten. Somit werden zwei Varianten dargestellt, um die Rechnung zu
bezahlen.
Zur Verwendung der Verkapselung- und Vererbungkonzepte können die sogenannten
Design Pattern implementiert werden. Somit wird hier keine neue Notation benötigt. In
Abbildung 3.5 wird die zusätzliche Vererbungsbeziehung zwischen „Summe und Rabatt
berechnen“ und „Summe berechnen“ zur bereits erwähnten Verkapselungseigenschaft
der Aktivität „Summe Berechnen“ hinzugefügt. Somit wird das Design Pattern erhalten.
Mit Hilfe vom Erweiterungspunkten können optionale Variationspunkte realisiert werden.
Dazu sind die Verkapselung mit einem Null-Teilprozess kombiniert. Eine Aktivität wird
mit dem Stereotyp «Null» markiert und optionale Implementierungen werden mit als
«Extension» markierten Assoziationen verbunden. Gibt es nur eine optionale Variante,
wird diese Aktivität mit einem Stereotyp «Optional» markiert. Damit bietet PESOA eine
flexible Prozessmodellierungsmöglichkeit.
31
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
3.2 Strukturbasierter Ansatz
Der strukturbasierte Ansatz verwendet eine Basisvariante der unterschiedlichen Pro-
zessvarianten, sowie Änderungsoperationen wie Einfügen, Löschen oder Verschieben,
um die einzelnen Prozessvarianten daraus abzuleiten. Um die Basisvariante an die
möglichen Prozessvarianten anpassen zu können, werden Variationspunkte aufgesetzt.
Die notwendigen Änderungen für die einzelnen Varianten werden auf Basis dieser Va-
riationspunkten mit Hilfe von Änderungsoperationen realisiert [
RW12
]. Im folgenden
Abschnitt wird PROVOP als Vertreter für den strukturellen Ansatz präsentiert.
3.2.1 Provop
Provop (PROzessVarianten mittels OPtionen) ist ein operativer Ansatz, der an der
Uni Ulm entwickelt wurde [
Hal09
]. Er ermöglicht die Variantenvielfalt von Prozessen in
einem gemeinsamen Prozessmodell abzubilden. Als Ausgangspunkt wird ein festge-
legter Prozess verwendet. Von diesem Prozess können die Varianten auf Basis von
Variationspunkten und mittels der variantenspezifischen Abweichungen modelliert wer-
den [HBR08b].
Als Ausgang wird ein Basisprozess festgelegt, von dem unterschiedliche Prozessva-
rianten, durch Konfiguration, abgeleitet werden. Es gibt verschiedene Strategien, die
bei der Auswahl des Basisprozesses helfen. Beispielsweise kann als Basisprozess
ein domänenspezifischer Standard- oder Referenzprozess verwendet werden. Oder,
wenn eine Prozessvariante häufiger verwendet wird als eine andere, kann diese als
Basisprozess ausgewählt werden. Als andere Möglichkeit kann aus der Schnittmenge
der Prozessvarianten ein Basisprozess gebildet werden. Welche Strategie ausgewählt
wird, um einen Basisprozess zu definieren, ist abhängig von der Modellierung und vom
Szenario der vorliegenden Prozessumgebung [Hal09, HBR10].
Nach der Auswahl des Basisprozesses werden sogenannte Aufsetzpunkte definiert,
die im Basisprozess die Variationspunkte anzeigen. Sie werden als schwarze Rau-
ten mit einem Bezeichner dargestellt und können von Änderungsoperationen referen-
ziert werden [
Hal09
]. Aufsetzpunkte können sowohl beim Ursprung bzw. beim Ziel
32
3.2 Strukturbasierter Ansatz
einer Kontrollfluss-Kante als auch an Ein- und Ausgängen von Knoten positioniert wer-
den [Hal09].
Änderungsoperationen werden dazu verwendet, ausgehend vom Basisprozessmodell
die einzelnen Prozessvariante abzuleiten. Die wichtigsten Änderungsoperationen sind
INSERT, DELETE und MOVE von Prozessfragmenten sowie MODIFY von Attribut-
werten einzelner Prozesselemente [
Hal09
,
RW12
]. Abbildung 3.6 zeigt die Symbole
dieser Änderungsoperationen. Während Insert-Operationen es ermöglichen, dass ein
Prozessfragment einem Basisprozess hinzugefügt wird, entfernen Delete-Operationen
Prozessfragmente aus dem Basisprozessen. Move-Operationen ändern die Ausfüh-
rungsreihenfolge der Prozessfragmente, und die Attribute der Prozesselemente werden
mit Hilfe der Modify-Operationen geändert. Durch die Kombination mehrerer Änderungs-
operationen sind zudem komplexe Anpassungen des Basisprozesses möglich [
Hal09
].
INSERT DELETE MODIFYMOVE
Abbildung 3.6: Symbole der Änderungsoperationen [Hal09]
Die erforderliche Anzahl der nötigen Änderungsoperationen, um Prozessvarianten von
einem Basisprozess ableiten zu können, können sehr groß werden. Provop erlaubt das
Gruppieren der Änderungsoperationen in sogenannte Änderungsoptionen. Dies ist zum
Beispiel nützlich, wenn bestimmte Änderungsoperationen bei der Ableitung bestimmte
Varianten immer zusammen auftreten [RW12].
Um die gewünschte Prozessvariante abzuleiten, können mehrere Änderungsoptionen
auf ein Basisprozessmodell angewendet werden. Dies muss jedoch nicht bedeuten,
dass beliebige Kombinationen der Änderungsoptionen zugelassen werden. Zum Bei-
spiel können zwei Änderungsoptionen sich gegenseitig ausschließen, während manche
Optionen andere Änderungsoptionen implizieren, um die syntaktische und semantische
Richtigkeit der Prozessvariante sicherzustellen. Provop ermöglicht es diese seman-
tischen und syntaktischen Beziehungen zwischen Änderungsoperationen explizit zu
33
3 Ansätze zur Abbildung von Prozessvarianten
erfassen. Beispiele für solche Einschränkungen der Optionen sind Implikationen, der
wechselseitige Ausschluss und die Hierarchie. Wenn die Verwendung einer bestimmten
Änderungsoption die gleichzeitige Anwendung einer anderen Änderungsoption erfor-
dert, werden Implikationseinschränkungen definiert. Beim wechselseitigen Ausschluss
darf eine Änderungsoption X nicht in Verbindung mit einer Änderungsoption Y (und
umgekehrt) angewendet werden. Hierarchien ermöglichen Vererbung zwischen den
Optionen [
RW12
]. Darüber hinaus erlaubt Provop kontextsensitive Prozesskonfiguratio-
nen. Das heißt, Provop ermöglicht die Konfiguration einer Prozessvariante nur durch
die Anwendung der im aktuellen Kontext relevanten Optionen. Dies erfordert wiederum
ein Modell, welches den Prozesskontext beschreibt. Bei Provop besteht ein solches
Kontextmodell aus einer Reihe von Kontextvariablen. Jede Kontextvariable repräsentiert
eine bestimmte Dimension des Prozesskontextes und wird durch einen Namen und
einen Wertebereich definiert [
Hal09
,
HBR10
]. Um zahlreiche Wertekombinationen zu
beurteilen, bietet Provop explizite Kontextregeln für jede Option an. Diese werden als
einfache Wenn-Dann-Formeln spezifiziert [
Hal09
]. Der in Abbildung 3.7 dargestellte
Beispielprozess zeigt, wie die Möglichkeiten des Provop-Ansatzes für die Modellierung
von Prozessvarianten verwendet werden können. Im gezeigten Beispiel geht es um
einen Prozess für ein Darlehen. Im Basisprozess stellt der Kunde zunächst einen Darle-
hensantrag. Der Bankangestellte überprüft, ob der Antragsteller Schulden hat. Wenn er
Schulden hat, wird das Darlehen abgelehnt. Im anderen Fall bekommt der Antragsteller
das Darlehen. Je nach Zweck des Darlehens ändert sich jedoch der Prozessablauf.
Wenn das Darlehen, beispielsweise für des Bau eines Hauses beantragt wurde, muss
zusätzlich die finanzielle Haftung des Antragsstellers überprüft werden. Dazu wird Op-
tion 1 angewendet. Mit der Insert-Operation wird hier die zusätzliche Aufgabe zum
Basisprozess hinzugefügt. Wenn der Antrag jedoch wegen des Studiums gestellt wird
und der Antragsteller Schulden hat, dann bekommt er ein beschränktes Darlehen. Dazu
wird Option 2 verwendet. Mit der Delete-Option wird die Aktivität „Darlehen genehmi-
gen“ aus dem Basisprozess entfernt und stattdessen mit der Insert-Operationen die
Aktivität „beschränktes Darlehen genehmigen“ hinzugefügt. Beide Optionen besitzen
dabei voneinander unabhängige Kontextregeln (CTXT RULE). Das heißt, es gibt keinen
semantischen Zusammenhang zwischen diesen Optionen. Kontext-Regeln und Opti-
34
3.2 Strukturbasierter Ansatz
onsbedingungen sind größtenteils unabhängig. Da die gleichzeitige Anwendung der
beiden Optionen jedoch nicht möglich ist, werden diese über der Optionsbedingungen
als „wechselseitige Ausschluss“gekennzeichnet.
AB
CD
Darlehen
beantragen
Schulden
überprüfen
Darlehen
genehmigen
Basis Prozess
Änderungsoptionen
Option 1
A
B
X
Z
CTXT RULE
IF Darlehen Typ = ´Hausbau`
INSERT
XOR
V
V
Haftpflicht
überprüfen
AB
Z
X
Option 2
CTXT RULE
IF Darlehen Typ =(´Studium` ´Schulden vorhanden`)
˄
DELETE
INSERT Beschränktes
Darlehen
genehmigen
CD
Darlehen
genehmigen
CD
XOR XOR
Darlehen
ablehnen
Option1
Option 2
Optionsbedingungen
Wechselseitiger
Ausschluss
Abbildung 3.7: Beispielprozess mit Provop [Wor]
35
4
Vergleich der Ansätze zur Modellierung
variantenreicher Prozesse
Wie im vorherigen Kapitel erläutert wurde, bieten die Ansätze C-EPC, C-YAWL, PESOA
und Provop die Möglichkeit, Prozessvarianten zu realisieren. In diesem Kapitel werden
diese Ansätze anhand von drei Beispielprozessen der Universität Ulm miteinander ver-
glichen und ihre Vor- sowie Nachteile diskutiert.
37
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
4.1 Prozessbeispiel 1
Im ersten Beispiel geht es um die Zeit- und Raumplanung an der Universität Ulm. In die-
sem Prozess gibt es drei Beteiligte, den Lehrveranstaltungskoordinator (LV-Koordinator),
den dezentralen Raumverwalter und den zentralen Raumverwalter.
Die Raum- bzw. Zeitanfrage wird von einem LV-Koordinator gestellt. Falls diese Anfrage
konkret ist und der Anfragende selbst Raumverwalter ist, so kann er die Raumverfügbar-
keit selbst überprüfen. Sollte der Raum verfügbar sein, wird dieser direkt zugewiesen.
Für unkonkrete Anfragen muss der zentrale Raumverwalter, unter Berücksichtigung des
erforderlichen Konfliktmanagement, einen geeigneten Raum suchen und dessen Verfüg-
barkeit überprüfen. Wenn der Raum verfügbar ist, belegt der zentrale Raumverwalter den
Raum, bestätigt dessen Belegung und sendet die Bestätigung an den LV-Koordinator.
Wenn die Raum-/Zeitanfrage unkonkret ist und der Anfragende nicht selbst der Raum-
verwalter ist, muss die Anfrage für diesen Raum an den zuständigen Raumverwalter
weitergeleitet werden. Falls hierfür der dezentrale Raumverwalter zuständig ist, muss er
sich um die Überprüfung der Raumverfügbarkeit kümmern. Sofern der Raum verfügbar
ist, belegt der dezentrale Raumverwalter den Raum, bestätigt die Belegung und sendet
die Bestätigung zum Koordinator.
Der zentrale Raumverwalter führt die gleichen Aufgaben wie der dezentrale Raumverwal-
ter aus. In allen Fällen wird die Anfrage wiederholt oder die Raumplanung abgebrochen,
falls der Raum nicht verfügbar ist.
Abbildung 4.1 stellt das in BPMN modellierte originale Prozessmodell dar. In diesem
Prozess existieren zwei Variationspunkte. Der erste Punkt entscheidet ob der Anfra-
gende selbst ein Raumverwalter ist oder nicht. Der zweite Punkt entscheidet welcher
Raumverwalter für den angefragten Raum zuständig ist. Anhand dieser Variationspunkte
wird versucht die Prozessvarianten in den vier zuvor beschriebenen Ansätze zu modellie-
ren. In der Abbildung 4.2 ist das C-EPC Prozessmodell dargestellt. Das Prozessmodell
besteht aus einem konfigurierbaren XOR-Knoten und einem Requirement. Mit Hilfe
dieses Requirements und des XOR-Knotens wird der erste Prozessvariationspunkt „Ist
Anfragender Raumverwalter„ realisiert. Damit wird der Pfad SEQ1a ausgeführt, wenn
der Anfragende selbst der Raumverwalter ist, andernfalls wird Pfad SEQ1b ausgeführt.
38
4.1 Prozessbeispiel 1

Process documentation
University of Ulm 4|Signavio GmbH

26.4 Zeit- und Raumplanung
Universität Ulm
LV- Koordinator
LV- Koordinator
Anfrage stellen
konkrete
Raumanfrage?
Ist Anfragender
Raumverwalter?
Termin
und/ oder
Raum ändern?
Raum- / Zeitanfrage
CMS
Raum direkt
zuweisen CMS
auf
zuständigen R
aumverwalter
verteilen
Dezentraler
Raumverwalter
zuständig?
Raumplanung
beendet
Eingabe von
Zeit- und
Raumwunsch
möglich
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Raum
verfügbar?
Planung erfogreich
Bestätigung
empfangen
Bestätigung
empfangen
Dezentraler Raumverwalter
Dezentraler Raumverwalter
Raum belegen
Raum
verfügbar?
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Raumbelegung
bestätigen
CMS
Bestätigung
senden
Zentraler Raumverwalter
Zentraler Raumverwalter
Raum belegen
geeigneten Raum
suchen
CMS
Raum
verfügbar?
Konfliktmanagement
erforderlich
(Raum- , Zeit- , Personen- ,
Curriculakonflikte)
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Raumbelegung
bestätigen
CMS
Bestätigung
senden
Nein
Nein
Nein
Ja
Ja
Ja
Nein
Nein
Ja
Nein
Ja
Ja
Ja
Nein
Abbildung 4.1: Zeit- und Raumplanung
39
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Beim zweiten Variationspunkt sollte die Anfrage zum richtigen Raumverwalter verteilt
und weitere Aufgaben vom dementsprechenden Raumverwalter ausgeführt werden,
wenn der Anfragende kein Raumverwalter ist. Der zentrale und dezentrale Raumverwal-
ter führen genau dieselben Aufgaben aus. Deswegen sind zusätzliche konfigurierbare
XOR-Knoten und Requirements an dieser Stelle überflüssig. Insbesondere ist es in
C-EPC schwierig, die eine Aktivität ausführende Rolle entsprechend der gewählten
Variante zu konfigurieren.
Abbildung 4.3 stellt die Modellierung des Prozesses mit C-YAWL dar. Beim XOR-Split
„Anfragender Raumverwalter?“ existieren zwei Ports. Der erste Port ermöglicht es C5 zu
aktivieren und C6 zu blockieren. Umgekehrt ermöglicht es der zweite Port C5 zu blockie-
ren und C6 zu aktivieren. Das heißt, wenn der Anfragende Raumverwalter ist, wird C5
aktiviert und C6 blockiert, ansonsten wird C5 blockiert und C6 aktiviert. Somit kann der
erste Variationspunkt des Prozesses realisiert werden. Um des zweiten Variationspunkt
realisieren zu können, könnte ein konfigurierbares XOR-Split „ist dezentraler Raumver-
walter zuständig“ nach dem Task „auf zuständigen Raumverwalter verteilen?“ in den
Prozess eingefügt werden. Dadurch wäre es möglich durch Blockieren und Aktivieren
der Ports, diese Variation darzustellen. Dies ist jedoch wenig sinnvoll,da an diese Stelle
lediglich die gleiche Aufgaben von verschiedenen Personen ausgeführt werden sollen.
Daher ist der zweite Variationspunkt bei C-YAWL ebenfalls nicht darstellbar.
Abbildung 4.4 zeigt, wie dieser Prozess mit den Möglichkeiten der PESOA realisiert
werden kann. Normalerweise besteht dieser Prozess aus drei Beteiligten, nämlich aus
dem Lehrveranstaltungskoordinator, dem zentralen Raumverwalter und dem dezentralen
Raumverwalter. Um mit den Möglichkeiten der PESOA richtig umgehen zu können,
werden der zentrale und der dezentrale Raumverwalter zu einer Rolle Raumverwalter
zusammengefügt, da es mit PESOA schwierig ist, Lane-übergreifende Prozessteile in
einer Prozessvariante zusammen darzustellen. In dem Prozess existieren zwei Variati-
onspunkte, die mit dem Stereotyp «Abstract» markiert sind. Der erste Variationspunkt
ist „Raum auf Verfügbarkeit prüfen“ und der zweite Variationspunkt ist „Raum belegen“.
Diese Variationspunkte werden, je nach Kontext, mit Hilfe der entsprechenden Implemen-
tierung erweitert. Mittels dieser Features können die gewünschten Prozessvariationen
dargestellt werden. PESOA bietet für dieses Beispiel eine kompakte Darstellung.
40
4.1 Prozessbeispiel 1
Abbildung 4.5 stellt den Prozess mit Hilfe des Provop-Ansatzes dar. Es gibt einen Ba-
sisprozess, zwei Optionen mit entsprechenden Kontextregeln und sowie Abhängigkeiten
zwischen den Optionen. Als Basisprozess wird die Prozessvariante ausgewählt, bei
der die Raumanfrage konkret und der Raumanfragende der Raumverwalter ist. Der
Basisprozess besitzt zwei Aufsetzpunkte, die als A und B markiert sind. Sie zeigen die
möglichen Konfigurationspunkte in dem Prozess. Mit Hilfe der Optionen, und je nach
Kontextregel, werden die Variationen realisiert. Wenn die Raumanfrage konkret und der
Anfragende kein Raumverwalter ist, wird Option 1 ausgeführt. D.h. die zwischen den
Aufsetzpunkten A und B stehenden Aufgaben werden gelöscht und an diese Stelle neue
Aufgaben hinzugefügt. Option 2 bietet mit der Änderungsfunktion Modify die Möglichkeit
an, die gleiche Aufgabe für unterschiedliche Personen zu spezifizieren. Somit kann
festgestellt werden, wer für die Ausführung dieser Aufgaben zuständig ist. Mit dieser
Eigenschaft bietet Provop im Vergleich zu den anderen drei Ansätzen die beste Lösung,
um eine zu realisieren.
41
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Raum-/
Zeitanfrage
stellen
XOR
Geeigneten
Raum
suchen
XOR
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Auf
zuständigen
Raumverwalter
verteilen
Auf zuständigen
Raumverwalter ist
verteilt
XOR
Raum direkt
zuweisen
XOR
XOR
Raumplanung
beenden
Raumplanung
ist beendet
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Raum
belegen
Raum ist
belegt
Raumbelegung
bestätigen
Raumbelegung
ist bestätigt
XOR
Bestätigung
senden
Bestätigung
ist gesendet
Bestätigung
empfangen
Planung
erfolgreich
XOR
1
Keine
Konkrete
Raumanfrage
Raum ist
verfügbar
Raum ist
nicht
verfügbar
Requirement 1
Raumverwalter = 'On'
XOR1 = SEQ1a
Raum ist
nicht
verfügbar
Raum ist
verfügbar
Termin und/
oder Raum
ändern
Termin und/
oder Raum ist
geändert
Termin und/
oder Raum ist
nicht geändert
Konkrete
Raumanfrage
Raum-/und
Zeitanfrage
Überprüfen,
ob Anfragender
Raumverwalter
ist
Anfragender ist
Raumverwalter
Anfragender ist
kein
Raumverwalter
SEQ1a SEQ1b
Abbildung 4.2: Zeit- und Raumplanung mit C-EPC
42
4.1 Prozessbeispiel 1
C1
Anfrage
stellen
Konkrete
Raumanfrage
C4 C3
Geeignete
Raum suchen
Anfragender
Raum-
verwalter?
C6
C5
Auf zuständige
Raumverwalter
verteilen
C9
C2
Raum direkt
zuweisen
Planung
erfolgreich
beenden
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
C8
C7
Termin und/
oder Raum
ändern?
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Raum
belegen
C8
C7
Termin und/
oder Raum
ändern?
Planung
beenden
Raum-
belegung
bestätigen
C9
C10
C5 C6 C6
C5
Ja Nein
verfügbarnicht verfügbar
verfügbar nicht verfügbar
Ja Nein
Abbildung 4.3: Zeit- und Raumplanung mit C-YAWL
43
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Universität Ulm
RaumverwalterLV-Koordinator
Anfrage
stellen
<<Abstract>>
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Termin und/
oder Raum
ändern?
Ja
Nein
Planung
erfolgreich
Raumplanung
beendet
Nicht
verfügbar
<<Implementation>>
<<Implementation>>
<<Implementation>>
<<Abstract>>
Raum belegen
<<Implementation>>
<<Implementation>>
{feature: konkrete Raumanfrage & Anfragender
ist keine Raumverwalter}
LV-Koordinator
Auf
zuständigen
Raumverwalter
verteilen
Raumverwalter
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Raum
belegen Raumbelegung
bestätigen
{feature: konkrete Raumanfrage & zentrale
oder dezentrale Raumverwalter}
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
{feature: konkrete Raumanfrage &
Anfragender ist Raumverwalter}
Raum direkt
zuweisen
{feature: konkrete Raumanfrage &
Anfragender ist Raumverwalter}
Geeignete
Raum suchen
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
{feature: keine konkrete Raumanfrage &
zentrale Raumverwalter}
Abbildung 4.4: Zeit- und Raumplanung mit PESOA
44
4.1 Prozessbeispiel 1
Basisprozess
Anfrage
stellen
Termin ändern
XOR XOR
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
AB
XOR
Raum direkt
zuweisen
XOR
XOR XOR
Geeigneten
Raum
suchen
XOR
Raum
belegen
XOR
Bestätigen
XOR
Termin
ändern
XOR
Option 1
DELETE
INSERT
CTXT RULE
IF Anfrage =(Konkrete Raumanfrage ˄Anfragender ist kein Raumverwalter )
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
AB
XOR
Raum
direkt
zuweisen XOR
Auf
zuständigen
Raumverwalter
verteilen
AB
XOR
Raum
belegen
XOR
Raumbelegung
bestätigen
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Option 2
MODIFY Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Dezentrale
Raumverwalter
CTXT RULE
IF Zentrale Raumverwalter zuständig
MODIFY
MODIFY
Raum auf
Verfügbarkeit
prüfen
Zentrale
Raumverwalter
Raum
belegen
Dezentrale
Raumverwalter
Raum
belegen
Zentrale
Raumverwalter
Raumbelegung
bestätigen
Dezentrale
Raumverwalter
Raumbelegung
bestätigen
Zentrale
Raumverwalter
Dezentrale
Raumverwalter
Dezentrale
Raumverwalter
Dezentrale
Raumverwalter
Option 2 Option 1
Optionsbedingungen
Implikation
Änderungsoptionen
Abbildung 4.5: Zeit- und Raumplanung mit Provop
45
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
4.2 Prozessbeispiel 2
Der zweite betrachtete Prozess beschreibt, wie Prüfungen an der Universität Ulm durch-
geführt werden. Ein Student kann sich nur zu einer Prüfung anmelden, bei der er auch
für die entsprechende Lehrveranstaltung angemeldet ist. Ist er für Prüfung angemeldet,
kann er diese mitschreiben. Es gibt jedoch auch Prüfungen, bei denen der Student
zunächst eine Vorleistung erbringen muss, um an der Prüfung teilnehmen zu dürfen. Für
solche Situationen muss der Student sich zuerst für die Vorleistung und dann erst für
die Prüfung anmelden. Danach kontrolliert der Prüfer, ob die notwendige Vorleistungen
erbracht wurden. Wenn ja, wird die Vorleistung von ihm als erbracht verbucht, ansonsten
wird die Prüfungsanmeldung deaktiviert. Wenn der Student die Vorleistungsunterlagen
nachreicht, wird die Vorleistung dennoch als erbracht angesehen und die Prüfungs-
anmeldung wird wieder aktiviert. Im anderen Fall darf der Student die Prüfung nicht
mitschreiben. Nach der Prüfung wird die Note veröffentlicht. Bei einer nicht bestandenen
Prüfung gibt es zwei Möglichkeiten, entweder der Student hat Anspruch auf eine Prü-
fungswiederholung, die er auch absolviert oder der Student hat bereits Wiederholt und
keinen weiteren Versuch mehr und er bekommt einen Exmatrikulationsbescheid. Wenn
er die Prüfung bestanden hat und ein Freiversuch für diese Prüfung möglich ist, kann er
die Prüfung ebenfalls wiederholen. Bei der Prüfungswiederholung soll der Student je
nach Prüfungsordnung die Anmeldung erneuern, um an der Wiederholung teilnehmen
zu können. Abbildung 4.6 stellt das in BPMN modellierte originale Prozessmodell dar.
Das beschriebene Beispiel beinhaltet vier Prozessvarianten. Die erste Variante ist eine
Prüfung ohne Vorleistung und ohne Freiversuchsmöglichkeit. Die zweite Variante ist
zwar mit Vorleistungsanmeldung aber ohne Freiversuchsmöglichkeit. Die dritte Variante
ist mit Vorleistungsanmeldung und Freiversuchsmöglichkeit. Die letzte Variante ist ohne
Vorleistungsanmeldung und mit Freiversuchsmöglichkeiten. Die folgenden Abbildungen
stellen dar, wie dieser variantenreiche Prozess mit Hilfe der vier Ansätze realisiert wer-
den kann, und welche Probleme dabei auftreten können.
Abbildung 4.8 zeigt die Darstellung mit C-EPC. Der Prozess besitzt vier konfigurierbare
XOR-Knoten und vier Requirements. Requirement 1 bestimmt welcher Pfad ausgeführt
wird, wenn eine Vorleistungsanmeldung erforderlich ist. Mit Hilfe des Requirements 2 wird
46
4.2 Prozessbeispiel 2

Process documentation
University of Ulm 5|Signavio GmbH

36.5 Anmeldung zur Lehrveranstaltung
Universität Ulm
LV- Koordinator
LV- Koordinator
Anmeldung erhalten
Absage
senden
CMS
Wird bisher in Med/ Psy mit
CORONA durchgeführt (sollte
als Unterprozess modelliert
werden)
evtl.
gebührenpflichtig?
Mindest-
teilnehmerzahl
erreicht?
Lehrveranstaltung
Anmeldeverfahren und
Frist zuweisen
CMS
Weiterer
Anmeldezyklus
notwendig?
Lehr-
veranstaltung
absagen
Zusage senden
findet
Lehrveranstaltung
statt?
von
Lehrveranstal-
tung abmelden
Abmeldung erhalten
CMS
Prüfungsabmeldung
erhalten
von Prüfung
abmelden
Abbruch: abgemeldet
Teilnehmerliste soll für LV-
Koordinator/ Lehrende als
pdf generierbar sein
6.7
Durchführung
der Vergabe
ggf. mit Ranking
Abmeldung erhalten
CMS
Modulkoordinator
Modulkoordinator
Beginn der LV- Anmeldung
und LV soll angeboten werden
1.3
Module
verwalten
Extern
Studierender
Studierender
Start der Anmeldung
(Fristbeginn)
zur Lehr-
veranstaltung
anmelden
Fristende
Frist ist an LV bzw. LV-
Gruppen gekoppelt
(Indiv.)
incl. Angabe von:
- persönliche Priorität der Anmeldung
Anmeldung gesendet
Absage erhalten
CMS
Zusage erhalten
nimmt nicht an
Lehrveranstaltung teil
Prüfungsanmeldung
notwendig?
Veranstaltungs-
kriterien erfüllt?
von Lehr-
veranstaltung
abmelden
Abmeldung senden
an
Lehrveranstaltung
teilnehmen?
Prüfungsabmeldung
erwünscht?
von Prüfung
abmelden
an Lehrveranstaltung
teilgenommen
Prüfungsabmeldung
senden
8.2
Durchführung vo
n Prüfungen
(studierendenbe
zogen,
BaMa/ Lehramt)
Voranmeldung
zur
Veranstaltung
notwendig?
Abmeldung senden
Lehr-
veranstaltung
besuchen
Start des
An- / Abmelde-
zeitraums
für Prüfungen
Innerhalb der
Abmeldefrist?
Nein
Nein
Nein
Ja
ja
ja
nein
nein
ja
Ja
nein
nein
nein
Ja
ja
ja
nein
Abbildung 4.6: Durchführung von Prüfungen
47
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
der erste und zweite XOR-Knoten nach der Konfiguration zur gleichen Art. Requirement
1 und Requirement 3 sind voneinander abhängig aufgrund der Vorleistungsanmeldung.
Wenn bei Requirement1 der Pfad SEQ1b gewählt wurde, muss bei Requirement 3
SEQ3a ausgeführt werden. Als letztes bestimmt Requirement 4, welcher Pfad ausge-
führt wird, wenn ein Freiversuch möglich ist. In dem Fall wird SEQ4a ausgeführt.
In diesem Prozess existieren Abhängigkeiten zwischen den Aufgaben. C-EPC bietet
eine gute Nachvollziehbarkeit dieser Abhängigkeiten mit Hilfe der Requirements an.
Wiederholungen, Sprüngen und Abbrüche sind leicht realisierbar. Weiterhin sind alle
möglichen Varianten auf einen Blick sichtbar, was jedoch nicht immer vorteilhaft ist.
Denn, je größer der Prozess ist, desto größer ist die Anzahl der verwendeten Elemente.
Somit wird der Prozess komplexer und belastet den Benutzer. Mit einer Konfigurationsta-
belle zu arbeiten, wäre an dieser Stelle für den Benutzer hilfreich, denn damit kann er
feststellen, für welche Variante er welche Pfade ausführen muss. Tabelle 4.1 stellt die
möglichen Variante und die dazu gehörigen Pfade dar.
XOR1 XOR2 XOR3 XOR4
ohne Vorleistung, ohne Freiversuch SEQ1a SEQ1a SEQ3b SEQ4b
Vorleistung, ohne Freiversuch SEQ1b SEQ1b SEQ3a SEQ4b
Vorleistung mit Freiversuch SEQ1b SEQ1b SEQ3a SEQ4a
ohne Vorleistung mit Freiversuch SEQ1a SEQ1a SEQ3b SEQ4a
Tabelle 4.1: Konfigurationstabelle für Prozessbeispiel 2
Abbildung 4.9 zeigt, wie dieser Prozess mit C-YAWL realisiert wird. Um die Varianten zu
realisieren, werden Ports verwendet, die, je nach Prozessvariante, entweder aktiviert
oder blockiert werden. Der XOR-Split „Vorleistung ist notwendig“ besitzt zwei Ports. Ist
eine Vorleistung notwendig, wird C2 aktiviert und C3 blockiert. Damit wird die Aufgabe
„Zur Vorleistung anmelden“ ausgeführt. Anderenfalls wird C2 blockiert und C3 aktiviert.
Beide Pfade führen zur vorläufigen Prüfungsanmeldung.
Der XOR-Split “Vorleistungen erbracht besitzt einen Eingangsport. Die Ausführung
dieses Eingangsports ist abhängig von dem vorherigen XOR-Split. Wenn keine Vorleis-
tung erforderlich ist, wird dieser Port blockiert, und der Prozess wird über C4 zu C9
geleitet. Ansonsten wird dieser Port aktiviert und weitere Prozessentscheidungen je
48
4.2 Prozessbeispiel 2
Nein: C2 C3 C4
Ja : C2 C3 C4
F1: Ist Vorleistung erforderlich?
Nein: C14 C15
Ja : C14 C15
F2: Ist Freiversuch möglich?
Abbildung 4.7: Fragebogen für Prozessbeispiel2
nach der Situation ausgeführt. Als Letztes besitzt der XOR-Split „Freiversuch möglich“
zwei Ausgangsports. Ist ein Freiversuch möglich, wird C14 aktiviert und nach diesem
Fall weitere Aufgaben ausgeführt und C15 blockiert. Sonst wird C15 aktiviert und C14
blockiert.
Bei C-YAWL existiert keine richtige Unterstützung, um die Abhängigkeiten der Ports
zu spezifizieren. Diese Situation verursacht Schwierigkeiten während der Realisierung
der Prozessvarianten. Die für C-YAWL vorgesehene Lösung ist, mit einem Fragebogen
zu arbeiten. Mittels dieses Fragebogens können die Abhängigkeiten der Fragen und
die Zustände der Ports je nach Variante dargestellt werden. Abbildung 4.7 zeigt den
möglichen Fragebogen für dieses Beispiel.
Abbildung 4.10 stellt den Prozess in PESOA dar. Der erste Variationspunkt der Prü-
fungsanmeldung kann mit Hilfe der Vererbungseigenschaft erweitert werden. Wenn eine
Vorleistungsanmeldung erforderlich ist, wird der erweiterte Prozess ausgeführt, sonst
ignoriert. Die Vorleistungsüberprüfung ist in einen Subprozess ausgegliedert und mit
dem Stereotyp «Optional» markiert. Wenn die Vorleistungsanmeldung erforderlich ist,
wird dieser Subprozess ausgeführt, sonst übersprungen. Diese optionale Aufgabe bietet
eine kompakte Darstellung an. Jedoch verursacht die erhöhte Anzahl Subprozessen
eine Erhöhung der Wartungskosten sowie der Komplexität des Prozesses.
Weiterhin bietet PESOA keine Möglichkeiten, um die Entscheidungsknoten zu konfigu-
rieren. Somit ist es schwierig, den Knoten „Freiversuch durchführen als Variationspunkt
49
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
darzustellen. Es könnte versucht werden, „Freiversuch durchführen als optionale Aufga-
be zu wählen und dazu „Freiversuch möglich“ als Feature zu markieren. Jedoch hat jede
Aufgabe einen einkommenden und einen ausgehenden Pfad, wodurch es nötig wäre,
dass Entscheidungsknoten eingebaut werden, die zu prüfen, ob die Aufgabe ausgeführt
wurde oder nicht. Diese Aufgabe als optional zu kennzeichnen wäre sinnlos, da diese so
oder so ausgeführt werden muss.
Abbildung 4.11 stellt dar, wie die verschiedenen Varianten dieses Prozesses mit Provop
modelliert werden können. Als Basisprozess wird gewählt, dass für die Prüfungsan-
meldung keine Vorleistung benötigt wird und nach dem Bestehen der Prüfung keine
Freiversuche möglich sind. Es gibt somit zwei Optionen, die durch Aufsetzpunkte die
Änderungen des Basisprozesses bewirken. Option 1 wird ausgeführt, wenn eine Vor-
leistung notwendig ist. Dazu wird die Aktivität „zur Prüfung anmelden“ gelöscht und
durch die Aktivitäten „zur Vorleistung anmelden“ und „Vorläufig zur Prüfung anmelden“
ersetzt. Zusätzlich muss auch der zweite XOR-Block hinzugefügt werden, der mehrere
XOR-Knoten beinhaltet. Damit wird, wenn der Student die Vorleistung nicht erbracht
hat, die Vorleistung als nicht erbracht verbucht und die Prüfungsanmeldung deaktiviert.
Sollte der Student die Vorleistung nachreichen, wird vom letzten XOR-Knoten zum
ersten XOR-Knoten gesprungen, die Vorleistung wird als erbracht verbucht und die
Prüfungsanmeldung aktiviert. Der Fall, dass ein Student die Vorleistung nicht nachreicht
und die Prüfungsanmeldung abgebrochen werden muss, ist aufgrund der notwendi-
gen Blockstruktur problematisch darzustellen. Um dies zu ermöglichen müssen vor der
Prüfung und ganz am Ende zwei XOR-Knoten eingefügt werden, die es erlauben den
Prozess sofort zu beenden. Diese kann jedoch für den Benutzer verwirrend sein.
50
4.2 Prozessbeispiel 2
Anmeldung zur
Lehrveranstaltung
ist erfolgt
XOR
Zur
Vorleistung
anmelden
Vorleistung
ist
angemeldet
zur Prüfung
anmelden
Ist vorläufig
für die Prüfung
angemeldet
XOR
XOR
XOR
Vorleistung ist
als nicht
erbracht
verbucht
Prüfungs-
anmeldung
deaktivieren
XOR
Anmeldung
beenden
Beendet
Vorleistung ist
als erbracht
verbucht
XOR
XOR
Prüfungs-
anmeldung
aktivieren
Prüfungs-
anmeldung
ist aktiviert
XOR
XOR
Prüfung
schreiben
nicht
bestanden
XOR
XOR XOR
Bescheid und
Exma erstellen
und versenden
Bescheid und
Exma ist erstellt
und versendet
Beenden
Beendet
XOR
Beenden
Beendet
XOR
XOR
XOR
XOR
Studierender
meldet sich zur
WH-Prüfung an
Studierende ist
zur WH-Prüfung
angemeldet
XOR
Beenden
Beendet
Requirement 3
XOR1=SEQ1b
XOR3 = SEQ3a
1
2
XOR
3
Requirement 1
Vorleistung notwendig = ON
XOR1 = SEQ1b
Requirement 2
XOR1 = XOR2
Requirement 4
Freiversuch möglich = ON
XOR4 = SEQ4a
4
SEQ 1bSEQ 1a
SEQ 3a SEQ 3b
Prüfung ist
angemeldet
Vorleistung
überprüfen
Überprüfen, ob
Aktivierung der
Prüfungs-
anmeldung
erforderlich ist
Aktivierung
ist
erforderlich
Aktivierung
ist nicht
erforderlich
Prüfungsanmeldung
deaktiviert und der
Studierende hat keine
Unterlagen
nachgereicht
Prüfungsanmeldung
deaktiviert, aber der
Studierende hat die
Unterlagen
nachgereicht
bestanden
Überprüfen,
ob endgültig
nicht bestanden
wurde
endgültig
nicht
bestanden
nur nicht
bestanden
Prüfung
wiederholen
Prüfung wird
nicht
wiederholt
Prüfung wird
wiederholt
Überprüfen, ob
erneuerte
Anmeldung laut
PO notwendig ist
Erneuerte
Anmeldung
notwendig
Erneuerte
Anmeldung
nicht
notwendig
Überprüfen, ob
Anmeldung laut
PO möglich ist
Anmeldung
nicht
möglich
Anmeldung
ist möglich
Überprüfen, ob
Freiversuch
möglich ist
Freiversuch
nicht
möglich
SEQ 4b
Prüfung
erfolgreich
beenden
Prüfung
erfolgreich
beendet
Freiversuch
nicht
gewünscht
Freiversuch
möglich
SEQ 4a
Entscheiden,
ob Freiversuch
ausgeführt
wird
Freiversuch
gewünscht XOR
Abbildung 4.8: Durchführung von Prüfungen mit C-EPC
51
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Anmeldung zu
Lehr-
veranstaltungen
Vorleistung ist
notwendig
Ja
Nein
Vorleistungen
erbracht
Nein Ja
Zur
Vorleistung
anmelden
Vorläufig zur
Prüfung
anmelden
Vorleistung
als nicht
erbracht
verbuchen
Prüfungs-
anmeldung
deaktivieren
Vorleistung
als erbracht
verbuchen
Prüfungs-
anmeldung
aktivieren
Prüfung
Prüfung
bestanden?
Nein
Ja
Freiversuch
möglich?
Ja
Nein
Endgültig nicht
bestanden?
JaNein
Freiversuch
durchführen?
NeinJa
Bescheid und
Exma erstellen
und versenden
C2 C3
C4
C5 C6
C7
C9
Studierender
reicht
Unterlagen nach
C10 C11
C12 C13
C14 C15
C16 C17
Prüfung
wiederholen
Nein
Prüfung
erfolgreich
durchgeführt
Studierender
meldet sich
zur WH-
Prüfung an
Prüfungs-
Anmeldung
aktivieren ist nötig
Erneute
Anwendung
notwendig ?
Anmeldung
möglich?
C1
C3 C2C3C2
C15C14 C14C15
Nein Ja
Nein
Ja
Ja
Ja Nein
Nein
Ja
Abbildung 4.9: Durchführung von Prüfungen mit C-YAWL
52
4.2 Prozessbeispiel 2
Universität Ulm
Abt.II-2 StudiensekrtariatPrüferStudierender
Anmeldung zu
Lehrveranstaltungen
<<VarPoint>>
Vorläufig zur
Prüfung
anmelden
Prüfung
Prüfung
bestanden?
Freiversuch
möglich ?
Nein
Ja
Nein
Ja
Nein
Ja
Studierender
meldet sich zur
WH-Prüfung an
Ja
Ja
Anmeldung laut
PO möglich ?
Nein
Erneute Anmeldung zur
LV laut PO notwendig ?
Nein
Freiversuch
durchführen ?
Bescheid und
Exma erstellen
und versenden
Ja
Nein
Endgültig nicht
bestanden?
Ja
Nein
Prüfung
wiederholen?
Prüfung erfolgreich
durchgeführt
Ende/Exma
Ende/Exma
Zur
Veranstaltunge
n meden
Vorläufig zur
Prüfung
anmelden
{feature: Vorleistung notwendig}
<<Inheritance>>
<<Optional>>
{feature: Vorleistung notwendig}
Vorleistung überprüfen
Anmeldung zu Lehrveranstaltung ist erfolgt
Abbildung 4.10: Durchführung von Prüfungen mit PESOA
53
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Anmeldung zur
Veranstaltung
zur
Prüfung
anmelden XOR Prüfung XOR
bestanden
XOR
Bescheid und
Exma erstellen
und versenden
XOR
XOR XOR
ABC
D
XOR XOR
Studierender
meldet sich zur
WH-Prüfung an
E
Option 1
DELETE INSERT
CTXT RULE
IF Anfrage =(Vorleistung notwendig )
ABAB
Vorläufig
zur Prüfung
anmelden
Zur Prüfung
anmelden
Zur
Vorleistung
anmelden
INSERT
INSERT
DE
Freiversuch
durchführen XOR XOR
Studierender
meldet sich zur
WH-Prüfung an
Option 2
CTXT RULE
IF Anfrage =(Freiversuch möglich und gewünscht )
Basisprozess
Änderungsoptionen
XOR
Vorleistung als
nicht erbracht
verbucht
Prüfungs-
anmeldung
deaktivieren
Vorleistung als
erbracht
verbucht
XOR
Prüfungs-
anmeldung
aktivieren
XOR
XOR XOR
XOR
BC
INSERT
XOR XOR
C
F
X
Z
CF
Z
X
Unterlagen nicht nachgereicht
F
Abbildung 4.11: Durchführung von Prüfungen mit Provop
54
4.3 Prozessbeispiel 3
4.3 Prozessbeispiel 3
Im dritten Beispielprozess geht es darum, wie eine Abschlussarbeit an der Universi-
tät Ulm erfasst wird. Zuerst muss der Student sich für die Abschlussarbeit anmelden.
Abschlussarbeiten werden von Dozenten geprüft und begutachtet. Je nach Art der
Abschlussarbeit und Studiengang variiert sich die Anzahl der Prüfer. Die Begutachtung
kann dabei jeweils von einem internen und/oder externen Prüfer ausgeführt werden.
Wenn die Begutachtung von einem internen Prüfer ausgeführt wird, reicht eine Bestäti-
gung von ihm aus. Dies gilt auch für den zweiten internen Prüfer. Wenn die Begutachtung
jedoch von einem externen Prüfer ausgeführt wird, muss dieser die Anmeldung der
Abschlussarbeit schriftlich bestätigen und die Bestätigung muss vom Studiensekretariat
erfasst werden. Die gleiche Arbeitsfolge gilt auch für einen zweiten externen Prüfer.
Anschließend erfasst das Studiensekretariat die Anmeldung formal und versendet eine
Bestätigung mit dem Abgabedatum an den Student. Der Studierende muss die Ab-
schlussarbeit bis zum Abgabedatum bearbeiten und vollständig abgeben. Wenn er bis
zu diesem Datum seine Arbeit nicht zu Ende bringen kann, kann er beim PA-Vorsitzenden
einen Antrag für eine Fristverlängerung stellen. Sollte die Fristverlängerung genehmigt
werden, wird das Abgabedatum vom Studiensekretariat geändert und dem Studenten
wird das neue Abgabedatum mitgeteilt. Sonst muss der Student zum vorher festgelegtem
Abgabedatum seine Arbeit abgeben. Falls die Abschlussarbeit bis Ende des Abgabeda-
tums nicht im Studiensekretariat abgegeben wurde, wird sie als nicht bestanden gebucht.
Nachdem der Student seine Arbeit rechtzeitig im Studiensekretariat abgegeben und als
PDF-Datei ins Computersystem hochgeladen hat, wird die Abschlussarbeit vom Stu-
diensekretariat an den oder die Prüfer weitergegeben. Wenn das Gutachten von einem
externen Prüfer erstellt wird, muss dieser sein Gutachten erstellen und schriftlich an
das Studiensekretariat weiterreichen. Dann wird die Note vom Sekretariat eingetragen.
Analog gilt dies auch für den zweiten externen Prüfer. Bei einem internen Prüfer erstellt
diese das Gutachten und gibt die Note selbst in das Computersystem ein. Ebenso der
zweite interne Prüfer. Sollten die Noten von den beiden Prüfern zu weit auseinander
liegen, so muss die Arbeit von einem weiteren Prüfer begutachtet werden. Die Endnote
wird vom Studiensekretariat ins System eingetragen und der Student wird benachrichtigt,
55
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse

Process documentation
University of Ulm 9|Signavio GmbH

78.3 Bachelor- und Masterarbeit erfassen
(Bonierung)
Universität Ulm
Abt. II- 2 Studiensekretariat
Abt. II- 2 StudiensekretariatAbt. II- 2 Studiensekretariat
Anmeldung
formal erfassen
und Bestätigung
mit
Abgabedatum v
ersenden
CMS
Abgabedatum
ändern und
Bestätigung
verschicken
CMS
Abschlussarbeit
an Prüfer
weitergeben
Abgabedatum
in CMS
eingeben
CMS
frist-
gerecht?
bei externem
Prüfer Note
eintragen
bei externem
Prüfer Note
eintragen
ob Noten
mehr als xx
auseinander-
liegen prüfen
Liegen Noten
mehr als xx
auseinander?
Endnote der
Abschluss-
arbeit
eintragen
bestanden?
CMS
Abbruch: NB verbucht
Abbruch: über WH informiert
Bestätigung
erfassen
CMS
Bestätigung
erfassen
CMS
CMS
CMS
NB verbucht
Bonierung
bestätigen
Studierenden
über WH-
Modalitäten
informieren
Daten für Bonierung werden
Dez. IV als Stichtagsbericht
zur Verfügung gestellt
Prüfer
PrüferPfer
CMS
Gutachten
erstellen, in
CMS hochladen
und Note
eintragen
CMS
Externer
Prüfer?
Prüfer 1
schriftlich
bestätigen
Prüfer 1
bestätigen
Zweiter
Prüfer
notwendig
externer
Prüfer?
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weiterreichen
PA- Vorsitzender
PA- VorsitzenderPA- Vorsitzender
Fristver-
längerung
genehmigt?
Antrag auf
Frist-
verlängerung
überprüfen
Studierender
StudierenderStudierender
Studierender
findet Thema
für Abschluss-
arbeit
anmelden
an Abschluss-
arbeit
arbeiten
Fristver-
längerung
benötigt?
Antrag beim
PA- Vor-
sitzenden
stellen
Abschlussarbeit im
Studiensekretariat
abgeben und als
PDF in CMS
hochladen
CMS
Studierender
ist über Bewertung
informiert,
Abschlussarbeit bestanden
CMS
Studierende
gibt Thema,
Prüfer und
Beginn in CMS
ein
CMS
Arbeit
abgeben?
Prüfer2
Prüfer2Prüfer2
CMS
Gutachten
erstellen, in
CMS hochladen
und Note
eintragen
CMS
Prüfer 2
bestätigen
Zweiter
Prüfer
notewendig?
Externer
Prüfer?
Prüfer 2
schriftlich
bestätigen
externer
Prüfer?
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weiterreichen
Prüfer3
Prüfer3Prüfer3
Gutachten
erstellen, in
CMS hochladen
CMS
Nein
Ja
Ja
Nein
Nein
ja
nein
ja
nein
nein
ja
Ja
ja
Nein
nein
nein
nein
ja
ja
ja
Ja
nein
nein
Abbildung 4.12: Bachelor- und Masterarbeit erfassen
56
4.3 Prozessbeispiel 3
ob er die Abschlussarbeit bestanden hat oder sie wiederholen muss. Abbildung 4.12
stellt das in BPMN modellierte originale Prozessmodell dar.
Der erste Variationspunkt in diesem Prozess ist, ob ein Prüfer intern oder extern ist. Der
Nächste entscheidet die Notwendigkeit eines zweiten Prüfers und wenn ja, ob dieser
zweite Prüfer wiederum extern oder intern ist. Die Bewertung der Abschlussarbeit ist ab-
hängig davon welcher Prüfer diese betreut hat. Deswegen muss dieser Variationspunkte
beim Gutachten berücksichtigt und Prozessvarianten anhand dieser Angaben realisiert
werden.
Der mittels C-EPC modellierte Prozess ist in den Abbildungen 4.14 sowie 4.15 zugese-
hen. Um den Prozess aufzuteilen, werden die sogenannten Prozesswegweiser „Prozess
Teil 1“ und „Prozess Teil 2“ verwendet. Ein Prozesswegweiser ist ein Element von EPC
und hilft die Prozessschnittstellen darzustellen.
Der in den Abbildungen 4.14 und 4.15 dargestellte Prozess zeigt, wie die Prozessvarian-
ten für diesen Prozess in C-EPC dargestellt werden können. Er besitzt 11 konfigurierbare
XOR-Knoten und 11 Requirements. Mit Hilfe der Requirements sind die Abhängigkeiten
der Aufgaben leicht zu implementieren. Hat sich der Studierende beispielsweise mit
einem internen Prüfer angemeldet, wird Requirement 1 ausgeführt. Abhängig davon
muss Requirement 6 beim Gutachten ausgeführt werden. Die gleiche Abhängigkeiten
gelten zwischen Requirement 2 und Requirement 7 bzw. zwischen Requirement 3 und
Requirement 8. Trotz aller Variationen bzw. obwohl die Abhängigkeiten der Aufgaben
gut realisierbar sind, besitzt dieser Prozess sehr viele Elemente. Je mehr Elemente der
Prozess beinhaltet, desto schwieriger ist die Nachvollziehbarkeit. Deswegen sollte hier,
gleich wie in dem vorherigen Beispiel, mit einer Konfigurationsliste gearbeitet werden.
Somit kann der Benutzer die Abhängigkeiten, sowie die dazugehörige Varianten, besser
nachvollziehen und mögliche Fehler können vermieden werden. Tabelle 4.2 zeigt die
möglichen Prozessvarianten und die dazugehörige Pfade.
Abbildungen 4.16 und 4.17 zeigen, wie dieser Prozess in C-YAWL modelliert werden
kann. Zur Darstellung der Varianten werden wieder Ports verwendet. Abhängig von
der Art des Prüfers werden diese entweder blockiert oder aktiviert. Die möglichen
Ports-Blockierungen und –Aktivierungen sind in den Abbildungen 4.16 und 4.17 ver-
57
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
XOR1 XOR2 XOR3 XOR6 XOR7 XOR8
Prüfer 1 intern SEQ1b SEQ2b -SEQ6b SEQ7a -
Prüfer 1 extern SEQ1a SEQ2b -SEQ6a SEQ7a -
Prüfer 1 intern Prüfer 2 intern SEQ1b SEQ2a SEQ3b SEQ6b SEQ7b SEQ8b
Prüfer 1 intern Prüfer 2 extern SEQ1b SEQ2a SEQ3a SEQ6b SEQ7b SEQ8a
Prüfer 1 extern Prüfer 2 extern SEQ1a SEQ2a SEQ3a SEQ6a SEQ7b SEQ8a
Prüfer 1 extern Prüfer 2 intern SEQ1a SEQ2a SEQ3b SEQ6a SEQ7b SEQ8b
Tabelle 4.2: Konfigurationstabelle für Prozessbeispiel 3
anschaulicht. Zum Beispiel besitzt der XOR- Split „Externer Prüfer“ zwei Ports. Wenn
der erste Prüfer extern ist, wird Port C1 aktiviert und C2 blockiert. Im anderen Fall wird
C2 aktiviert und C1 blockiert. Genau dieselben Prinzipien gelten für den zweiten Prüfer.
Der XOR-Split „zweiter Prüfer notwendig“ besitzt ebenfalls zwei Ports. Wenn der zweite
Prüfer nicht benötigt wird, wird C4 aktiviert. Dann springt der Prozess von C4 zu C7.
Sonst wird der erste Port ausgeführt, C4 blockiert und C3 aktiviert. Ein davon abhängige
Variationspunkt ist, ob der zweite Prüfer extern oder intern ist. Wenn er extern ist, wird
C5 aktiviert und C6 blockiert, sonst wird C6 aktiviert und C5 blockiert.
Im Anschluss müssen weitere Prozessteile an diese Angaben angepasst werden. Das
bedeutet beispielsweise, dass der Prüfer, der die Abschlussarbeit betreut hat, sie auch
begutachtet. Wie in der Abbildung veranschaulicht ist, werden die Ports C17 und C18
dementsprechend entweder aktiviert oder blockiert.
In diesem Prozess treten ähnliche Probleme wie bei Prozessbeispiel 2 auf. Insbeson-
dere bietet C-YAWL keine durchgängige Möglichkeit, um die Abhängigkeiten zwischen
den Ports zu realisieren. Hier sollte der Benutzer wieder durch einen entsprechenden
Fragebogen unterstützt werden,um diese Abhängigkeiten zusätzlich realisieren. Die
Abbildung 4.13 stellt den möglichen Fragebogen dar.
Abbildung 4.18 zeigt die Darstellung des Prozesses mit PESOA. Um die Prozessvari-
anten darstellen zu können, werden hier die Erweiterungseigenschaften und optionale
Aktivitäten verwendet. Die Aktivität „Prüfer 1 bestätigen“ ist mit dem Stereotyp «Abstract»
markiert. Ist der Prüfer extern, wird diese Aktivität erweitert und die Aktivität „Prüfer 1
schriftlich bestätigen“ ausgeführt. Die Aktivität „Prüfer 2 bestätigen“ wird zusätzlich als
«Optional» markiert. Wenn der zweite Prüfer erforderlich ist, wird die Aktivität ausgeführt,
ansonsten wird sie übersprungen. Falls Prüfer 2 extern ist, wird die Aktivität zusätzlich
58
4.3 Prozessbeispiel 3
Nein: C1 C2 C17 C18
Ja : C1 C2 C17 C18
F1: Ist Prüfer 1 extern?
Nein: C3 C4 C19 C20
Ja : C3 C4 C19 C20
Ja : C5 C6 C21 C22
Nein: C5 C6 C21 C22
F3: Ist Prüfer 2 extern?
F2: Ist Prüfer 2 benötigt?
xy
xy
x ist teilweise abhängig von y
x ist abhängig von y
Abbildung 4.13: Fragebogen für Prozessbeispiel 3
erweitert und Aktivität „Prüfer 2 schriftlich bestätigen“ ausgeführt. Genau dieselben
Prinzipien gelten beim Gutachten der Abschlussarbeit auch. Der Prüfer, der diese Ar-
beit betreut hat, führt auch das Gutachten aus. Die Aktivitäten „Gutachten ausführen“
und 2. Gutachten ausführen“ sind als «Abstract» markiert. Diese Aktivitäten werden
abhängig davon erweitert, ob der Prüfer extern oder intern ist. PESOA bietet für diese
Prozessvarianten eine gute Struktur. Insbesondere können unnötige XOR-Gateways
eingespart werden. Die Entscheidungen werden mittels der Features und Erweiterungen
realisiert. Optionale Aufgaben ermöglichen eine hohe Flexibilität.
In der Abbildung 4.19 wird die Modellierung des Prozesses mit dem Provop-Ansatz
dargestellt. Als Basisprozess wurde die Variante gewählt, bei der ein interner Prüfer
ausreichend ist. Weitere Prozessvarianten werden mittels Optionen dargestellt. Dazu
gibt es sechs Optionen. Die Änderungen werden über die Aufsetzpunkte durchgeführt,
die als A, B, C, D, E markiert sind. Je nach Kontextregel werden Aktivitäten entweder
vom Prozess gelöscht oder zum Prozess hinzugefügt. Zum Beispiel, falls der Prüfer 1
extern ist, wird Option 1 angewendet und die Aktivität „Prüfer 1 bestätigen“ gelöscht
59
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
und stattdessen werden die Aktivitäten „Prüfer 1 schriftlich bestätigen“ und „Bestätigung
erfassen“ hinzugefügt. Ebenfalls wird Aktivität „Gutachten erstellen, in CMS hochladen
und Note eintragen“ gelöscht, stattdessen werden die Aktivitäten „Gutachten erstellen
und schriftlich weiterreichen“ und Bei externem Prüfer Note eintragen hinzugefügt. Die
Optionsbedingungen zeigen, welche Optionen voneinander abhängig sind und welche
nicht zusammen ausgeführt werden können. Beispielsweise sind hier die Option 2 und
Option 3 als wechselseitiger Ausschluss markiert. Das heißt, wenn Option 2 ausgeführt
wird, darf Option 3 nicht ausgeführt werden. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen
Kontextregeln. Genauer gesagt, dass Option 2 gilt, wenn der zweite Prüfer notwendig
und intern ist, aber Option 3 gilt, wenn der zweite Prüfer notwendig und extern ist. Es ist
unmöglich, beide zusammen auszuführen.
Mit den Kontextregeln und Optionsbedingungen lassen sich mit dem Provop-Ansatz die
Prozessvarianten einfach und fehlerfrei abbilden. Provop ermöglicht mit seiner struktu-
rierten Art eine gute Nachvollziehbarkeit und eine kompakte Darstellung.
60
4.3 Prozessbeispiel 3
Studierende
hat Thema
gefunden
Für Abschluss-
arbeit
anmelden
Für Abschluss-
arbeit hat
angemeldet
Prüfer 1
bestätigen
Prüfer 1 ist
schriftlich
bestätigt
Prüfer 2
bestätigen
Prüfer 2
schriftlich
bestätigen
XOR
Betätigung
erfassen
Bestätigung
ist erfasst
Bestätigung
erfassen
Bestätigung
ist erfasst
Prüfer 2 ist
schriftlich
bestätigt
V
XOR
XOR
Anmeldung formal
erfassen und
Bestätigung mit
Abgabedatum
versenden
Anmeldung ist
formal erfasst und
Bestätigung mit
Abgabedatum
versendet
XOR
An
Abschlussarb
eit arbeiten
Frist-
verlängerung
benötigt
XOR
Antrag beim PA
Vorsitzenden
stellen
Antrag beim PA
Vorsitzenden ist
gestellt
Antrag auf
Frist-
verlängerung
überprüfen
Frist-
verlängerung
genehmigt
XOR
Abgabedatum
ändern und
Bestätigung
schicken
Abgabedatum ist
geändert und
Bestätigung
geschickt
XOR
XOR
XOR
Abschlussarbeit
ist im
Studiensekretariat
abgegeben und als PDF
in CMS hochgeladen
Abgabe in
CMS
eingeben
Abgabe ist
fristgerecht
XOR
Abschlussarbeit
an Prüfer
weitergeben
1
V
XOR
2
3
4
XOR
XOR
Requirement 2
2. Prüfer notwendig =ON
XOR2 = SEQ2a
Requirement 3
Prüfer2 extern = ON
XOR3 = SEQ3a
Requirement 4
XOR3 = XOR5
5
Requirement 1
Prüfer1 extern = ON
XOR1 =´SEQ1a´
Requirement 5
XOR1 = XOR4
Abschlussarbeit
ist an Prüfer
weitergegeben
Frist-
verlängerung
nicht benötigt
Prüfer 1 ist
bestätigt
Prozess
Teil2
Frist-
verlängerung
nicht
genehmigt
Arbeit ist
nicht
abgegeben
Abgabe ist
nicht
fristgerecht
Als Nicht
Bestanden(NB)
verbuchen
Als NB
verbucht
Arbeit
abgeben
SEQ1a SEQ1b SEQ2bSEQ2a
SEQ3a SEQ3b
Prüfer 1
schriftlich
bestätigen
Abbildung 4.14: C-EPC Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 1
61
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Abschlussarbeit
ist an Prüfer
weitergegeben
V
XOR
XOR
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weiterreichen
Gutachten ist
erstellt und
schriftlich
weitergereicht
Bei externem
Prüfer Note
eintragen
Bei externem
Prüfer ist Note
eingetragen
Gutachten
erstellen, in CMS
hochladen und
Note eintragen
Gutachten ist
erstellt, in CMS
hochgeladen und
Note eingetragen
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weitergereicht
Gutachten ist
erstellt und
schriftlich
weitergereicht
Bei externem
Prüfer Note
eintragen
Bei externem
Prüfer ist Note
eingetragen
Gutachten
erstellen, in CMS
hochladen und
Note eintragen
Gutachten ist
erstellt, in CMS
hochgeladen und
Note ein
Bonierung
bestätigen
Bonierung
ist bestätigt
V
XOR
Ob Noten mehr
als xx ausein-
anderliegen
prüfen
Noten liegen
mehr als xx
auseinander
XOR
Gutachten
erstellen, in
CMS hochladen
Gutachten ist
erstellt, in CMS
hochgeladen
XOR
Endnote von
Abschlussarbeit
eintragen
XOR
Studierender ist
über Bewertung
informiert
Abschlussarbeit
bestanden
Studierenden
über WH-
Modalität
informieren
Studierenden
über WH-
Modalität ist
informiert
XOR
XOR
XOR
Requirement 6
XOR1 = SEQ1a
XOR6 = SEQ6a
Requirement 9
XOR6 = XOR11
6
7
8
11
9
10
Requirement 7
XOR2 = SEQ2a
XOR7 = SEQ7b
Requirement 10
XOR8 = XOR9
Requirement 11
XOR7 = XOR10
Requirement 8
XOR3 = SEQ3a
XOR8 = SEQ8a
Prozess
Teil1
Bestanden Nicht
bestanden
Studierender
über Bewertung
informieren
Noten liegen
nicht mehr
als xx
auseinander
SEQ6a SEQ6b
SEQ7a SEQ7b
SEQ8a SEQ8b
Abbildung 4.15: C-EPC Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 2
62
4.3 Prozessbeispiel 3
Für
Abschlussarbeit
anmelden
Externer
Prüfer
Prüfer1
bestätigen
Prüfer1
schriftlich
bestätigen
C2C1
Bestätigung
erfassen
Ja Nein
Prüfer2
bestätigen
Prüfer2
Schriftlich
bestätigen
C6
C5
Bestätigung
erfassen
Zweiter Prüfer
notwendig?
Ja Nein
C4
C7
Anmeldung
formal erfassen
und Bestätigung
mit Abgabedatum
erfassen
An
Abschlussarbeit
arbeiten
C8
Fristverlängerung
benötigt?
C10C9
Antrag beim
PA-
Vorsitzenden
stellen
Nein Ja
Fristverlängerung
genehmigt
Abgabedatum
ändern und
Bestätigung
schicken
C11 C12
Arbeit
abgeben
Nein
Ja
Abschlussarbeit im
Studiensekretariat
abgeben als PDF in
CMS hochladen
Abgabedatum
im CMS
eingeben
Fristgerecht
C13 C14
Externer
Prüfer
C3
Antrag auf
Fristverlängerung
überprüfen
C2
C1 C4
C3
C1
C2 C3C4
C6
C5 C5
C6
1
2
Ja Nein
Nein
Ja
Abbildung 4.16: C-YAWL Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 1
63
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Nein
Ja
Fristgerecht
C15 C16
Abschlussarbeit
an Prüfer
weitergeben
NB
verbucht
Bonierung
bestätigen
Ob Noten mehr
als xx
auseinander
liegen prüfen
Liegen Noten
mehr als xx
auseinander
Ja Nein
C25
C24
Gutachten
erstellen,
in CMS
hochladen
Endnote der
Abschlussarb
eit eintragen
Bestanden?
Ja Nein
C27
C26
Studierende
über
Bewertung
informieren
Studierende
über WH
Modalitäten
informieren
Externer
Prüfer
Gutachten
erstellen, in
CMS hochladen
und Note
eintragen
Gutachter
erstellen und
schriftlich
weiterleiten
C18C17
Bei
externem
Prüfer Note
eintragen
Ja Nein
Gutachten
erstellen, in CMS
hochladen und
Note eintragen
C22
C21
Zweiter Prüfer
notwendig?
Ja Nein
C20
C23
Externer
Prüfer
C19
Gutachter
erstellen und
schriftlich
weiterleiten
Bei externem
Prüfer Note
eintragen
C18
C17 C17
C18 C20
C19 C19
C20
C22
C21 C21
C22
C14
1
2
NeinJa
Abbildung 4.17: C-YAWL Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 2
64
4.3 Prozessbeispiel 3
Universität Ulm
Studierender Abt. II-2 Studiensekretariat Prüfer 1 Prüfer 3 PA-VorsitzenderPrüfer 2
für Abschluss-
arbeit anmelden
<<Abstract>>
Prüfer 1
bestätigen
Bestätigung
erfassen
<<Optional>>
Prüfer 2
bestätigen
Anmeldung
formal erfassen
und Bestätigung
mit Abgabedatum
versenden
Abgabedatum
ändern und
Bestätigung
verschicken
An
Anschlussarbeit
arbeiten
Antrag beim PA-
Vorsitzenden
stellen
Antrag auf
Fristverlängerung
überprüfen
NB
verbucht
Abgabedatum
in CMS
eingeben
Abschlussarbeit im
Studiensekretariat
abgeben und als
PDF in CMS
hochladen
Abschlussarbeit
an Prüfer
weitergeben
<<Abstract>>
Gutachten
erstellen
Bonierung
bestätigen
Ob Noten mehr
als xx
auseinander-
liegen prüfen
Endnote der
Abschlussarbeit
eintragen
Gutachten
erstellen, in
CMS hochladen
Studierenden
über WH-
Modalitäten
informieren
<<Optional>>
2. Gutachten
erstellen
Fristverlängerun
g benötigt? Ja
Nein
Arbeit
abgeben? Nein
Ja
Abbruch: NB verbucht
Fristgerecht
Nein
Ja
Liegen Noten
mehr als xx
auseinander?
Ja
Nein
Bestanden?
Nein
Ja
<<Implementation>>
<<Implementation>>
<<Implementation>>
<<Implementation>>
<<Implementation>>
<<Implementation>>
Studierender
findet Thema
{feature: Externer Prüfer}
Prüfer 1
schriftlich
bestätigen
{feature: Externer Prüfer}
Prüfer2
schriftlich
bestätigen
Note
eintragen
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weiterreichen
{feature: externer
Prüfer}
Gutachten
erstellen in CMS
hochladen und
Note eintragen
{feature: interner Prüfer}
Studierende ist über Bewertung
informiert. Abschlussarbeit
bestanden
Abbruch:Über
wiederholung informiert
Abbildung 4.18: Bachelor- und Masterarbeit erfassen mit PESOA
65
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Für
Abschlussarbeit
anmelden
Prüfer1
bestätigen
Anmeldung
formal erfassen
und Bestätigung
mit Abgabedatum
versenden
an
Abschlussarbei
t arbeiten
Abschlussarbeit
im Studien-
sekretariat
abgeben
Abgabedatu
m in CMS
eingeben
Abschlussarbeit
an Prüfer
Weitergeben
Gutachten
erstellen, in CMS
hochladen und
Note eintragen
Bonierung
bestätigen
Ob Noten mehr
als xxx
auseinander-
liegen prüfen
XOR
Gutachten
erstellen, in CMS
hochladen
XOR
Endnote der
Abschlussarbeit
eintragen
XOR
Studierenden
über WH-
Modalität
informieren
XOR
AB
C
D
E
Option 1
DELETE
INSERT
Prüfer1
bestätigen
AB
Prüfer1
schriftlich
bestätigen
A B
Bestätigung
erfassen
CTXT RULE
IF Prüfer Typ = Prüfer 1 extern
Option 2
INSERT
A
B
X
Z
V
V
Prüfer 2
bestätigen
ABZ
X
XOR
CTXT RULE
IF Prüfer Typ = Zweiter Prüfer notwendig und nicht extern
Option 3
INSERT
A
B
X
Z
V
V
Prüfer 2
schriftlich
bestätigen
ABZ
X
XOR
CTXT RULE
IF Prüfer Typ = Zweiter Prüfer notwendig und extern
Bestätigung
erfassen
DELETE
INSERT
Gutachten
erstellen,
in CMS
hochladen und
Note eintragen
CD
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weiterreichen
CD
Bei externem
Prüfer Note
eintragen
INSERT
C
E
X
Z
V
V
Gutachten
erstellen und
schriftlich
weiterreichen
CEZ
X
XOR
Bei externem
Prüfer Note
eintragen
INSERT
C
E
X
Z
V
V
Gutachten erstellen,
in CMS hochladen
und Note eintragen
CEZ
X
XOR
XOR
Antrag beim
PA-
Vorsitzenden
stellen
XOR
Antrag auf
Fristverlängerung
überprüfen
XOR
Abgabedatum
ändern und
Bestätigung
verschicken
XOR
XOR XOR
Fristverlängerung genehmigt
Bestanden
Basisfunktion
Änderungsoperationen
Option 2 Option 3
wechselseitiger
Ausschluss
Optionsbedingungen
X
X
Abbildung 4.19: Bachelor- und Masterarbeit erfassen mit Provop
66
4.4 Zusammenfassung der drei Prozessbeispiele
4.4 Zusammenfassung der drei Prozessbeispiele
In diesem Kapitel wurden die Eigenschaften der verschiedenen Ansätze zur Model-
lierung variantenreiche Prozesse anhand von drei Beispielen untersucht. Die daraus
resultierenden Ergebnisse werden nun in diesem Abschnitt zusammengefasst.
C-EPC ermöglicht es mit konfigurierbaren Konnektoren die Variationspunkte festzulegen
und Prozessvariante zu modellieren. Dabei helfen die Requirements die Beschränkun-
gen zwischen den Alternativen von konfigurierbaren Knoten zu beschreiben. Zusätzlich
bieten Requirements die Möglichkeit Abhängigkeiten zwischen den Prozessteilen zu
beschreiben. Aber je nach Prozessumfang werden die mittels C-EPC modellierten Pro-
zesse schnell sehr groß. Beispielsweise besitzen Prozessbeispiel 2 und 3 sehr viele
Elemente, Beispiel 3 musste zur sinnvoller Darstellung sogar in zwei Teile geteilt werden.
In diesem Fall es ist für den Benutzer schwierig, den gesamten Prozess nachzuvollzie-
hen. Deswegen wurde in diesen zwei Beispielen mit Konfigurationstabellen gearbeitet,
damit die Benutzer unterstützt werden können. Ein weiteres Problem ist, dass C-EPC
keine Unterstützung dafür bietet, um variable Rollenzuteilungen für Aufgaben zu reali-
sieren. Ein Problem, welches beispielsweise Beispielprozess 1 aufgetaucht ist. Der für
die Zeit- und Raumplanung zuständige Raumverwalter ist, ist hier ein Variationspunkt.
Der Prozess muss somit entsprechend dem zuständigen Raumverwalter konfiguriert
werden. Aber an dieser Stelle führen der zentrale Raumverwalter und der dezentrale
Raumverwalter die gleichen Aufgaben aus. Dies kann mit C-EPC nicht adäquat abgebil-
det werden.Zusätzliche konfigurierbare Knoten in den Prozess einzufügen und gleiche
Aufgaben als Variation zweimal zu zeigen macht hier wenig Sinn.
Ähnlichen Probleme treten auch bei C-YAWL auf. C-YAWL bietet keine Möglichkeit,
die gleichen Aktivitäten für unterschiedliche Personen zu zuweisen. C-YAWL benötigt
weniger Modellierungselemente als C-EPC, allerdings wird das Prozessmodell dennoch
schnell groß. Ferner bietet C-YAWL keine Möglichkeit, um Abhängigkeiten zwischen
Prozessteilen und Prozessvarianten darzustellen. Aus diesen Grund wurden bei den
Prozessbeispielen 2 und 3 mit Fragebögen bearbeitet, umso die Abhängigkeiten zwi-
schen den Fragen sowie den Prozessteilen darzustellen.
PESOA bietet verschiedene Möglichkeiten wie Vererbung und Erweiterung an, um
67
4 Vergleich der Ansätze zur Modellierung variantenreicher Prozesse
Prozessvarianten zu modellieren. Die Variationspunkte sind mit Stereotypen markiert
und je nach Kontext werden die möglichen Vererbung oder Erweiterungen von mar-
kierten Aufgaben ausgeführt. Kontextregeln werden als Features an die Aktivitäten
bzw. Subprozesse angeheftet. Im Prozessbeispiel 1 sollten der zentrale und dezentra-
le Raumverwalter zusammengefasst und als Raumverwalter in einer Lane dargestellt
werden. Wenn sich die Prozessteile, die bei der Variationsdarstellung notwendig sind,
in mehreren Lanes befinden, ist es bei PESOA schwierig eine semantisch korrekte
Modellierung zu schaffen. Mittels Features könnten teilweise die gleichen Aufgaben
von unterschiedlichen Personen ausgeführt werden. Aber trotzdem ist es an manchen
Stellen immer noch nicht ganz klar, wer welche Aufgabe ausführen soll. Darüber hinaus
bietet PESOA keine Möglichkeit Konnektoren zu konfigurieren. Obwohl der Knoten
„Freiversuch möglich“ in Prozessbeispiel 2 ein Variationspunkt ist, konnte diese Variation
nicht dargestellt werden. Der Stereotyp «Optional » bietet eine flexible Darstellung. Bei-
spielsweise konnte die Teilaufgabe „Vorleistung notwendig in Prozessbeispiel 2, die von
einem Prüfer ausgeführt wird, in einen Subprozess gepackt und als «Optional» markiert
werden. Diese Art der Modellierung bietet eine kompakte Darstellung,sie erhöht aber die
Anzahl der Prozesse. Infolge dessen treten erhöhte Wartungskosten der Prozesse als
Nachteil auf. Die Erweiterungs- und Vererbungseigenschaften ermöglichen es wiederum
XOR-Konnektoren einzusparen, wie im Prozessbeispiel 3, veranschaulicht wurde. Ein
Hauptproblem bei PESOA ist, aber dass es keine vorgegebene Regeln bietet, wie die
Variationspunkte gestaltet werden sollen. Jeder Benutzer muss je nach seiner Vorstel-
lung mit diesem Ansatz arbeiten. Führt in die Praxis dazu, dass keine einheitlichen
Prozessdarstellungen erfolgt.
Anders als die vorherigen Ansätze bietet Provop eine Reihe von Änderungsoperatio-
nen. Mit diesen Operationen können die erforderlichen Änderungen im Basisprozess
ausgeführt werden. Für jedes Beispiel wurde ein Basisprozess als eine mögliche Pro-
zessvariante als Basisprozess ausgewählt. Die Verwendung der Kontextregeln, und
der Abhängigkeiten zwischen den Optionen, helfen dabei eine saubere und fehlerfreie
Darstellung der Prozessvarianten zu erreichen und ermöglichen eine bessere Nachvoll-
ziehbarkeit des Prozesses. Um die kontextbezogene Rollenzuweisung für eine Aktivität
darzustellen, bietet Provop die Änderungsoperation MODIFY. Damit werden die Aufga-
68
4.4 Zusammenfassung der drei Prozessbeispiele
ben je nach zuständiger Person markiert bzw. modifiziert. Dies ist in Prozessbeispiel 1
sichtbar. Im Gegensatz dazu ist es schwierig, mögliche Abbrüche des Prozesses darzu-
stellen. Dies ist insbesondere dann der Fall dieser Abbruch innerhalb einer bestimmten
Variante erfolgt. Beispielsweise ist dieses Problem bei Prozessbeispiel 2 sichtbar. Um
hier einen Abbruch zu realisieren, mussten zusätzliche XOR-Konnektoren mittels Insert-
Operation in den Prozess eingefügt werden.Es ist für den Benutzer aber nicht eindeutig
ersichtlich, welche Bedeutung diese XOR-Knoten haben soll.
Zum Schluss kann gesagt werden, dass jeder Ansatz je nach dem Prozessumfang
unterschiedliche Vor- und Nachteile hat. Deswegen muss jedes Unternehmen selbst
entscheiden, welcher Ansatz seiner Anforderungen entspricht.
69
5
Zusammenfassung
Im Rahmen dieser Arbeit wurden verschiedener Ansätze zur Modellierung varianten-
reicher Prozesse vergleichend betrachtet. Dieses Kapitel befasst sich mit den in dieser
Arbeit behandelten Themen und stellt sie in einen Gesamtzusammenhang.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass Geschäftsprozesse häufig, je nach dem Anwendungs-
kontext, unterschiedliche Varianten besitzen. Mittels klassischer Modellierungssprachen
wie EPC, BPMN oder YAWL können diese Prozessvarianten lediglich entweder in einem
Single–Modell oder in einem Multi-Modell Ansatz dargestellt werden. Beiden Ansätze
verursachen jedoch erhebliche Nachteile wie hohe Redundanz und Wartungskosten.
Um diese Nachteile zu überwinden und mögliche Prozessvarianten darzustellen, wurden
in den letzten Jahren der verhaltensbasierte Ansatz und der strukturbasierte Ansatz vor-
geschlagen. Der verhaltensbasierte Ansatz repräsentiert eine Obermenge der Prozess-
varianten in einem Referenzmodell. Dieses Modell erfasst sowohl die Gemeinsamkeiten
als auch die Unterschiede der möglichen Varianten. Im Gegensatz dazu verwendet der
71
5 Zusammenfassung
strukturbasierte Ansatz eine Basisvariante, sowie Änderungsoperationen wie Einfügen,
Löschen oder Verschieben, um Prozessvarianten abzuleiten. C-EPC, C-YAWL und PE-
SOA sind verhaltensbasierte Ansätze. Provop ist strukturbasiert.
C-EPC ist eine Erweiterung der Modellierungssprache EPC. Mit Hilfe konfigurierbare
Funktionen und Konnektoren werden die möglichen Varianten realisiert. Requirements
sind an konfigurierbare Knoten gebunden und stellen die Einschränkungen dar.
C-YAWL ist ebenfalls eine Spracherweiterung. Sie ist von der Modellierungssprache
YAWL abgeleitet. Bei C-YAWL werden die Konfigurationen mittels der sogenannten Ports
dargestellt. Durch das Verstecken und Blockieren dieser Ports werden die möglichen
Prozessvarianten realisiert.
PESOA bietet verschiedene Möglichkeiten wie Vererbung, Erweiterung und Parametrisie-
rung an, um Prozessvarianten zu modellieren. Variationspunkte werden mit Stereotypen
markiert. Je nach Kontextregel werden diese Variationspunkte erweitert und Prozessva-
rianten realisiert.
Provop ist ein strukturbasierter Ansatz. Er bietet eine Reihe von Änderungsoperationen
wie INSERT, DELETE, MODIFY und MOVE. Bei Provop wird zuerst einen Basisprozess
festgestellt und mögliche Variationspunkte in diesem Prozess markiert. Optionen kom-
binieren verschiedene Änderungsoperationen je nach Kontext. Mittels dieser Optionen
und den Variationspunkten werden die Prozessvarianten dargestellt.
In dieser Arbeit wurden diese Ansätze anhand von drei Beispielen miteinander vergli-
chen und es wurde festgestellt, dass jeder Ansatz, je nach zu modellierenden Prozess,
unterschiedliche Vor- und Nachteile besitzt. Obwohl C–EPC mittels konfigurierbaren
Konnektoren und Requirements eine leichte Variantensdarstellungen ermöglicht, bietet
es keine Möglichkeit, die gleichen Aktivitäten kontextbezogene unterschiedlichen Perso-
nen zuzuweisen. Darüber hinaus werden Prozesse, die mittels C-EPC modelliert sind,
schnell sehr groß. Die Requirements reichen nicht immer aus, um die Abhängigkeiten
zwischen den Prozessteilen vollständig nachvollziehen zu können. In diesem Fall sollte
mit Konfigurationstabellen gearbeitet werden. Ähnliche Probleme treten beim C-YAWL
auf. C-YAWL bietet ebenfalls keine Möglichkeit, die kontextbezogenen Bearbeiterzu-
weisungen sowie Abhängigkeiten zwischen den Prozessteilen darzustellen. Um die
Nachvollziehbarkeit zu erhöhen, sollte daher mit Fragebögen gearbeitet werden. Damit
72
können die Prozessvarianten anhand dieser Fragebögen modelliert werden. PESOA
ermöglicht mit seinen Eigenschaften ein flexible und kompakte Darstellungen varian-
tenreicher Prozesse. Es ist aber schwierig Lane übergreifende Prozessteilen in einer
Prozessvariante zusammen darzustellen. Mittels Vererbungs- und Erweiterungseigen-
schaften können XOR-Knoten eingespart werden. Als Nachteil kann erwähnt werden,
dass PESOA keine Möglichkeit anbietet Konnektoren zu konfigurieren. Es gibt auch keine
eindeutigen Regeln, wie die von PESOA angebotenen Möglichkeiten verwendet werden
können. Jeder Benutzer muss daher, je nach seiner Vorstellung, selbst entscheiden.
Provop bietet eine saubere und kompakte Darstellung. Die Abhängigkeiten zwischen
den Prozessteilen können mittels Optionen und Optionsbedingungen einfach dargestellt
werden. Die Änderungsoperation MODIFY ermöglicht es eine kontextbezogene Bearbei-
terzuordnung zu realisieren. Als ein Nachteil von Provop kann erwähnt werden, dass
er schwierig sein kann Abbrüche darzustellen, die innerhalb eine bestimmte Variante
auftreten.
Diese Arbeit hat gezeigt, dass jeder der untersuchten Ansätze unterschiedliche Vor- und
Nachteile hat. Je nach Prozess und vorhandenen Anforderungen muss einer von diesen
Ansätzen ausgewählt werden, um die Prozessvarianten zu modellieren. In Zukunft
werden weitere Ansätze entwickelt, welche die in dieser Arbeit erwähnten Nachteile zu
überwinden helfen.
73
Abbildungsverzeichnis
2.1 EPC Basiselemeneten [HKS93] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.2 EPC Beispielprozess - Schadensdatenbearbeitung [Wie] . . . . . . . . . 10
2.3 Modellierungselemente von YAWL [tHvdA05] . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.4 Kreditantragsprozess mit YAWL [YAWb] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.5 BPMN Basiselementen [FR10] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.6 BPMN Ereignisse [OMGa] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.7 BPMN Gateways [OMGa] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.8 BPMN Beispielprozess [OMGb] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
3.1 Konfigurationen einer Funktion [RvdA07] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.2 C-EPC Prozess vor und nach der Konfiguration . . . . . . . . . . . . . . . 25
3.3 Konfiguration durch Blockieren und Verstecken [YAWa] . . . . . . . . . . . 26
3.4 Beispielprozess mit C-YAWL [ATP11, WSR09] . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.5 Bespielprozess mit PESOA [PSWW05] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.6 Symbole der Änderungsoperationen [Hal09] . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.7 Beispielprozess mit Provop [Wor] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
4.1 Zeit- und Raumplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.2 Zeit- und Raumplanung mit C-EPC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4.3 Zeit- und Raumplanung mit C-YAWL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4.4 Zeit- und Raumplanung mit PESOA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
4.5 Zeit- und Raumplanung mit Provop . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.6 Durchführung von Prüfungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
75
Abbildungsverzeichnis
4.7 Fragebogen für Prozessbeispiel2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
4.8 Durchführung von Prüfungen mit C-EPC . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
4.9 Durchführung von Prüfungen mit C-YAWL . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
4.10 Durchführung von Prüfungen mit PESOA . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
4.11 Durchführung von Prüfungen mit Provop . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
4.12 Bachelor- und Masterarbeit erfassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
4.13 Fragebogen für Prozessbeispiel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
4.14 C-EPC Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 1 . . . . . . . . . . . . . 61
4.15 C-EPC Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 2 . . . . . . . . . . . . . 62
4.16 C-YAWL Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 1 . . . . . . . . . . . . 63
4.17 C-YAWL Bachelor- und Masterarbeit erfassen Teil 2 . . . . . . . . . . . . 64
4.18 Bachelor- und Masterarbeit erfassen mit PESOA . . . . . . . . . . . . . . 65
4.19 Bachelor- und Masterarbeit erfassen mit Provop . . . . . . . . . . . . . . 66
76
Tabellenverzeichnis
3.1 Beschränkungen für die Konfiguration der Konnektoren . . . . . . . . . . 24
3.2
Konfigurationsoptionen für einen Konnektor mit n eingehenden/ausge-
henden Pfaden [tHvdAAR09] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
4.1 Konfigurationstabelle für Prozessbeispiel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
4.2 Konfigurationstabelle für Prozessbeispiel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
77
Literaturverzeichnis
[All05]
T. Allweyer.
Geschäftsprozessmanagement Strategie, Entwurf, Imple-
mentierung, Controlling. Hanser-Verlag, 2005.
[ATP11]
C. Ayora, V. Torres, and V. Pelechano. BP Variability Case Studies
Development using different Modeling Approaches. Tech.Rep. ProS-TR-
2011-03, Universidad Politécnica de Valencia, 2011.
[ATW+14]
C. Ayora, V. Torres, B. Weber, M. Reichert, and V. Pelechano. VIVACE: A
framework for the systematic evaluation of variability support in process-
aware information systems, Information and Software Technology.
Infor-
mation and Software Technology, 57:248–276, Mai 2014.
[Bau90]
B. Baumgarten.
Petri-Netze: Grundlagen und Anwendungen
. BI-
Wissenschafts-Verlag, 1990.
[Com]
BPMN Community. BPMN-Community Tutorial.
http://de.bpmn-
community.org/tutorials/26/ (letzter Zugriff 13. 11.2014).
[FR10] J. Freund and B. Rücker. Praxishandbuch BPMN2.0. Hanser, 2010.
[Gie98]
O. Gierhake.
Integriertes Geschäftsprozessmanagement
. Vieweg-
Verlag, 1998.
[Hal09]
A. Hallerbach.
Management von Prozessvarianten
. PhD thesis, Fakultät
für Ingenieurwissenschaften und Informatik der Universität Ulm, 2009.
[HBR08a]
A. Hallerbach, T. Bauer, and M. Reichert. Anforderungen an die Mo-
dellierung und Ausführung von Prozessvarianten.
Datenbank Spektrum
,
24:48–58, February 2008.
79
Literaturverzeichnis
[HBR08b]
A. Hallerbach, T. Bauer, and M. Reichert. Modellierung und Darstellung
von Prozessvarianten in Provop. In
Modellierung’08 Conference, S.41–
56. Koellen-Verlag, March 2008.
[HBR10]
A. Hallerbach, T. Bauer, and M. Reichert. Configuration and Management
of Process Variants. In
International Handbook on Business Process
Management. Springer, S.237–255, August 2010.
[HC95]
M Hammer and J. Champy.
Business Reengineering
. Campus-Verlag,
1995.
[HKS93]
W. Hoffmann, J. Kirsch, and A.-W. Scheer.
Modellierung mit Er-
eignisgesteuerten Prozessketten
. Veröffentlichungen des Instituts für
Wirtschaftsinformatik-Heft 101, Universität des Saarlandes, Januar 1993.
[HM08]
W. Hesse and H. C. Mayr. Modellierung in der Softwaretechnik: eine
Bestandsaufnahme. Informatik-Spektrum, 31(5):377–393, 2008.
[HN09]
F. Hogrebe and M. Nüttgens. Rahmenkonzept zur Messung und Bewer-
tung der Gebrauchstauglichkeit von Modellierungssprachen. Arbeitsbe-
richte zur Wirtschaftsinformatik Nr.7, Universität Hamburg, April 2009.
[ISO]
Prozessmanagement / Qualitätsmanagement DIN EN ISO 9000 /
9001:2008.
http://www.qmti.de/prozm/prozessmanagement_
e.htm (letzter Zugriff 08. 12.2014).
[Kö12]
O. Königs.
Open Source und Workflow im Unternehmen: Eine Unter-
suchung von Processmaker, Joget, Bonita Open Solution, uEngine und
Activiti. Diplomica Verlag, 2012.
[KKS04]
R. Klein, F. Kupsch, and A.-W. Scheer.
Modellierung inter-
organisationaler Prozesse mit Ereignisgesteuerten Prozessketten
. Ver-
öffentlichungen des Instituts für Wirtschaftsinformatik-Heft 178, Universi-
tät des Saarlandes, November 2004.
[KNS92]
G. Keller, M. Nüttgens, and A.-W. Scheer.
Semantische Prozessmodel-
lierung auf der Grundlage “Ereignisgesteuerter Prozessketten (EPK)“
.
80
Literaturverzeichnis
Veröffentlichungen des Instituts für Wirtschaftsinformatik-Heft 89, Univer-
sität des Saarlandes, Januar 1992.
[LR09]
M. La Rosa.
Managing Variability in Process-Aware Information Sys-
tems
. PhD thesis, Faculty of Science and Technology Queensland Uni-
versity of Technology Brisbane, Australia, 2009.
[LRDtH08]
M. La Rosa, M. Dumas, and A. ter Hofstede. Modelling business process
variability. Technical Report 13358, Queensland University of Technology,
2008.
[LRGDvdA08]
M. La Rosa, F. Gottschalk, M. Dumas, and W. M. van der Aalst. Linking
domain models and process models for reference model configuration.
In
Business Process Management Workshops, 4928:417-430
. Springer,
2008.
[NR02]
M. Nüttgens and F. J. Rump. Syntax und Semantik Ereignisgesteuerter
Prozessketten (EPK). In Promise, 2:64-77 , 2002.
[OMGa]
Business Process Model and Notation (BPMN) Version 2.0 Janu-
ar 2011.
http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/
(letzter Zugriff
02.12.2014).
[OMGb]
OMG. BPMN 2.0 by Example.
http://www.omg.org/spec/BPMN/
20100601/10-06-02.pdf (letzter Zugriff 26. 10. 2014).
[Pet62]
C. A. Petri.
Kommunikation mit Automaten
. PhD thesis, Technische
Universität Darmstadt, 1962.
[PSWW05]
F. Puhlmann, A. Schnieders, J. Weiland, and M. Weske. Variability
mechanisms for process models. PESOA-Report, TR 17, BMBF-Project,
Hasso Plattner Institut, Postdam, Germany, 2005.
[RvdA07]
M. Rosemann and W. M. van der Aalst. A configurable reference model-
ling language. Information Systems, 32(1):1–23, 2007.
[RW12]
M. Reichert and B. Weber.
Enabling flexibility in process-aware informa-
tion systems: challenges, methods, technologies. Springer, 2012.
81
Literaturverzeichnis
[SM97]
A.-W. Scheer and Nüttgens M.
Objektorientierte Ereignisgesteuerte Pro-
zesskette (oEPK)- Methode und Anwendung
. Veröffentlichungen des
Instituts für Wirtschaftsinformatik-Heft 141, Universität des Saarlandes,
Mai 1997.
[SS08]
H. Schmelzer and W. Sesselmann.
Geschäftsprozessmanagement in
der Praxis- Kunden zufrieden stellen, Produktivität steigern, Wert erhö-
hen. Hanser-Verlag, 2008.
[tHvdA05]
A. H. ter Hofstede and W. M. van der Aalst. YAWL: yet another workflow
language. Information Systems, 30(4):245–275, 2005.
[tHvdAAR09]
A. H. ter Hofstede, W. M. van der Aalst, M. Adams, and N. Russell.
Mo-
dern Business Process Automation: YAWL and its support environment
.
Springer-Verlag, 2009.
[tHvdAD05]
A. H. ter Hofstede, W. M. van der Aalst, and M. Dumas.
Process-Aware
Information Systems. Wiley-Interscience, 2005.
[TZW+12]
V. Torres, S. Zugal, B. Weber, M. Reichert, C. Ayora, and V. Pelechano.
A qualitative comparison of appraches supporting business process
variability. In
3rd International Workshop on Reuse in Business Process
Management, 2012.
[Whi04] S. A. White. Introduction to BPMN. IBM Cooperation 2.0, 2004.
[Wie]
M. Wieczorek. Konzeption eines softwaregestützten Managements
flexibler Prozesse des Versicherungswesens auf Basis von BPMN .
http://www.wieczorekit.de/2012/09/konzeption-eines-
softwaregestutzten-managements-flexibler-prozesse-
des-versicherungswesens-auf-basis-von-bpmn/
(letzter
Zugriff 26. 10.2014).
[Wor]
Managing Process Model Complexity via Abstract Syntax Mo-
difications.
http://www.workflowpatterns.com/patterns/
presentation/abstractsyntax/images/fig6.jpg
(letzter Zu-
griff 08. 12.2014).
82
Literatur
[WSR09]
B. Weber, S. Sadiq, and M. Reichert. Beyond rigidity dynamic pro-
cess lifecycle support.
Computer Science-Research and Development
,
23(2):47–65, 2009.
[YAWa]
YAWL Foundation. YAWL Foundation Downloads.
http://www.
yawlfoundation.org/yawlbook/slides/chapter18.ppt
(letz-
ter Zugriff 04. 11.2014).
[YAWb]
YAWL Foundation. YAWL Tutorial.
http://www.yawlfoundation.
org/pages/resources/creditcardexample.html
(letzter Zugriff
26.10.2014).
83
Name: Gözde Ipekbayrak Matrikelnummer: 726218
Erklärung
Ich erkläre, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angege-
benen Quellen und Hilfsmittel verwendet habe.
Ulm,den .............................................................................
Gözde Ipekbayrak