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[en] (orig)
Fakultät für
Ingenieurwissenschaften
und Informatik
Institut für Datenbanken und
Informationssysteme
Erweiterung von BPMN um kontextuelle
Einflüsse auf Prozesse abzubilden
Masterarbeit an der Universität Ulm
Vorgelegt von:
Andreas Eichwald
Andreas.Eichw[email protected]
Gutachter:
Prof. Dr. Manfred Reichert
Dr. Vera Künzle
Betreuer:
Gregor Grambow
2014
Fassung 18. September 2014
c
2014 Andreas Eichwald
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 License.
To view a copy of this license, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/ or send a letter to
Creative Commons, 543 Howard Street, 5th Floor, San Francisco, California, 94105, USA.
Satz: PDF-L
A
TEX2ε
Abstract
Die Welt in der wir leben unterliegt einem stetigem Wandel, welcher vor keinem Bereich halt
macht. Die Notwendigkeit auf diesen Wandel adäquat und schnell zu reagieren ist nicht neu.
Ebenso bekannt ist das Konzept des Prozessmanagements. Auch hier ist die Notwendigkeit auf
Veränderungen zu reagieren gegeben. Sie wird durch Schlagworte wie Flexibilität und Exception-
Handling gut beschrieben und auch abgedeckt. Ein Einfluss welcher sich stets ändern kann ist
der Kontext. Gemeint ist hier nicht zwangsläufig die Umgebung des Prozesses sondern weitaus
mehr. Die Nutzung dieses Einflusses zur Verfeinerung oder automatisierten Generierung von
Prozessen ist ein Thema mit hoher Aktualität.
Ebenso aktuell ist der Siegeszug der BPMN als Prozessmodellierungs- und auch Prozessaus-
führungssprache. Wie stellt man jedoch Kontext, kontextuelle Einflüsse und die Auswirkungen
dieser dar?
In der vorliegenden Arbeit wurden Prozesse aus den Anwendungsdomänen Medizin und Soft-
ware Engineering betrachtet und analysiert. Aus den Schlüssen die daraus gezogen werden
konnten, wurde ein Konzept entwickelt, welche die bereits erwähnte Darstellung mittels BPMN
ermöglicht.
5
6
Danksagung
Prof. Dr. Manfred Reichert für seine hilfreiche und zielführende Kritik. Des weiteren auch dafür,
dass Prof. Reichert mich zum Fachbereich Medizin gebracht hat und mir somit eine unglaublich
vielfältige und interessante Welt eröffnet hat.
Prof. Dr. Peter Dadam dessen Vorlesung meine Begeisterung für das Thema Prozess-management
geweckt hat und somit mein Studium auf ein Ziel ausgerichtet hat.
M. Sc. Gregor Grambow für seine Korrekturen, seine Tipps und auch dafür, dass ein Termin
auch sehr kurzfristig vereinbart oder abgesagt werden konnte.
B. Sc. Sabine Wieluch für die grafische Umsetzung der Idee für das Symbollogo.
B. Sc. Jonathan Sondershaus für seine Mithilfe bei der Erstellung des Titelbildes.
Melanie Herz für die Korrektur der teils äußerst diffusen Sätze und der kreativen Kommaset-
zung. Und auch dafür, dass sie stets ein offenes Ohr hatte, wenn ich meine Gedanken mit
jemanden teilen musste, um sie zu sortieren.
Meiner Familie für den Rückhalt und Beistand während meines Studiums.
Den Fachanwendern aus den Betrachteten Domänen dafür, dass sie eine Fülle von Fragen
beantwortet haben und Inspirationen für kontextuelle Einflüsse geliefert haben. Außerdem dafür,
dass ich sie bei ihrer täglichen Arbeit begleiten durfte. Ohne ihre Mithilfe wäre diese Arbeit weit
weniger fundiert ausgefallen.
7
8
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Motivation......................................... 1
1.2 Aufgabenstellung..................................... 2
1.3 AufbauderArbeit..................................... 3
2 Grundlagen 5
2.1 WasistBPMN ...................................... 5
2.1.1 Entwicklung.................................... 5
2.1.2 ElementederBPMN............................... 6
2.1.3 Gründe für die Verwendung von BPMN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.2 Kontext .......................................... 12
3 Anforderung an die Modellierung 15
3.1 Allgemeine Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.2 Anforderungen an die Erweiterung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
4 Methodik und Vorgehensweise 19
5 Erweiterung der BPMN 21
5.1 ProzesseinderMedizin................................. 21
5.1.1 Modellierung ohne Kontextabhängigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Narkoseeinleitung (Prä-operative Phase) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Intraoperative Phase und postoperative Phase . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Analyse...................................... 34
5.2 Prozesse im Software Engineering . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.2.1 Modellierung ohne Kontextabhängigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
DerOpenUnifiedProcess............................ 37
DerScrum-Prozess ............................... 39
5.3 Diskussion möglicher Alternativen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
9
Inhaltsverzeichnis
5.3.1 Datenobjekte und Datenfluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.3.2 ExklusiveGateways ............................... 45
5.3.3 InklusiveGateways................................ 45
5.3.4 KomplexeGateways............................... 46
5.3.5 Ereignisbasierte Gateways . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
5.3.6 angeheftete Ereignisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.3.7 benutzerdefinierte Artefakte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.3.8 Kombinationen aus verschieden Alternativen . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.4 Vorschlag für neue Symbole . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
5.5.1 Medizin ...................................... 62
Narkoseeinleitung (Präoperative Phase) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Intra- und Postoperative Phase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
5.5.2 Software Engineering . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
OpenUnifiedProcess.............................. 70
Scrum....................................... 72
6 Validierung 75
7 Verwandte Arbeiten 77
8 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick 79
8.1 Zusammenfassung und Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
8.2 Ausblick.......................................... 80
Literaturverzeichnis 83
10
1
Einleitung
Seit die BPMN 2013 zum internationalen Standard erhoben wurde befindet sie sich in allen
Fachbereichen auf dem Siegeszug. Die Möglichkeit Prozesse für alle Fachbereiche eines Un-
ternehmens anwendergerecht darzustellen und diese auch automatisiert ausführen zu können
hebt die BPMN ab von reinen Modellierungssprachen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass
die BPMN für beinahe jede Facette eines Prozesses ein Symbol oder eine Kombination dieser
besitzt. Antrieb für die Entwicklung der Sprache ist hier, wie auch bei anderen, die Anforderung
durch die Anwender.
Eine Facette von Prozessen ist der Kontext und sein Einfluss auf den Prozessverlauf. Seine Be-
deutung ist sowohl Fachanwendern als auch Forschern nicht neu. Gerade in der Informatik sind
Anwendungen mit Kontextbezug zu finden. Auch gibt es bereits Verknüpfungen von Kontext und
Prozessmanagement [GOR10]. Die Kombination aus BPMN und Kontext ist jedoch noch offen.
1.1 Motivation
Die BPMN ist eine Prozessmodellierungssprache mit eine Vielzahl an Möglichkeiten und einer
umfangreichen Symbolpalette. Auch existiert eine hohe Dicht an unterschiedlichen Designpa-
tern für die meisten Aspekte eines Geschäftsprozesses. Ein Aspekt, dessen Modellierung bis-
her nicht ohne weiteres möglich ist, ist der Kontext. Das dies allerdings von Interesse ist, lässt
sich gut mittels eines Beispiels herleiten. Gut geeignet hierfür ist etwas bekanntes, womit jeder
bereits zu tun hatte. Die Diagnoseerstellung durch einen Arzt.
Um eine gute und genaue Diagnose erstellen zu können, muss der Arzt alle Faktoren berück-
sichtigen, welche Einfluss darauf haben. Eine Auswahl ist in Abbildung 1.1 zu finden. Für eine
bessere Übersichtlichkeit der Darstellung wurden die Einflussfaktoren in drei Kategorien geglie-
dert, wobei jede Kategorie eine Quelle der Einflüsse darstellt.
Eine Modellierung dieses Beispiels in BPMN würde zu einem unübersichtlichen Prozess führen,
da neben den Aufgezeigten Einflüssen weitere Faktoren eine Rolle spielen könnten. Würde man
alle modellieren wollen, wäre der resultierende Prozess für einen Menschen nicht ohne lange
1
1 Einleitung
Sichtbare
Symptome
Tagesform
Scheinsymptome
Beschriebene
Symptome
Krankengeschichte
Tagesform
Erfahrung
Dringlichkeit
Zweite
Meinung
Medizinische
Literatur
Kontext
Abbildung 1.1: Kontexteinfluss bei Diagnoseerstellung, Quelle: National Cancer Institute und ei-
gene Bearbeitung
Einarbeitungszeit oder hohes Fachwissen verständlich. Solche Prozessmodelle sollen jedoch
häufig auch für Fachfremde zugänglich und verständlich sein, um diesem damit komplexe Sach-
verhalte und Abläufe näher zu bringen und zu erläutern. Gerade dies ist eine Stärke der BPMN,
welche auch für die Modellierung von Kontext eine solche bleiben soll.
1.2 Aufgabenstellung
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchen wie Kontext in Prozessen mithilfe der BPMN
modelliert werden kann. Hierfür werden Prozesse auf zwei unterschiedlichen Fachbereichen
aufgenommen, modelliert und anschließend auf ihre kontextuellen Einflüsse analysiert. Des wei-
teren muss untersucht werden ob es Möglich ist Kontext mit den Symbolen der BPMN darzu-
stellen ohne die Modelle stark zu verkomplizieren. Sollte dies nicht möglich sein, müssen die
Gründe hierfür beschrieben und erläutert werden. Zudem soll ein Vorschlag für die Erweiterung
der BPMN gemacht werden, welcher die Modellierung von Kontext möglich macht. Sofern ein
solcher Vorschlag gemacht wird, muss dieser beschrieben und die Verwendung anhand von Bei-
2
1.3 Aufbau der Arbeit
spielen erklärt werden. Des weiteren müssen die Prozesse, welche zuvor aufgenommen wurden
unter Verwendung dieses Vorschlags neu modelliert werden.
Abschließend muss der Vorschlag, sowohl gegen die Aufgabenstellung als auch gegen zuvor
festgelegte Anforderungen validiert werden. Sollte eine Anforderung oder ein Punkt der Aufga-
benstellung nicht erfüllbar sein, so ist dies zu begründen und zu beschreiben.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Den Anfang macht das Kapitel zwei, wo die für die Ar-
beit benötigten Grundlagen erläutert werden. Hierbei wird zuerst auf das Thema BPMN und
ausgewählte Elemente der Sprache eingegangen und im Anschluss der Kontextbegriff erläutert.
Mittels dieser Erläuterungen wird eine mögliche Definition für Kontext im Prozessmanagement
aufgebaut. Das darauf folgende Kapitel 3 befasst sich mit den Anforderungen an die in der Arbeit
verwendete Modellierung. Diese werden in zwei Teile unterteilt, wobei der erste Teil die allge-
meinem Anforderungen an die Modellierung beschreibt, während der Zweite die Anforderungen
an eine mögliche Erweiterung zusammenfasst. Als letztes konzeptionelles Kapitel (Kapitel 4) vor
dem Kernteil der Arbeit wird die Methodik und Vorgehensweise der Arbeit umrissen.
Im Kernteil, zu finden in Kapitel 5, sind Beschreibungen zu den betrachteten Anwendungsdomä-
nen und die dazugehörenden Prozesse samt Analysen zu finden. Auf diese folgt die Diskussion
möglicher alternativer Modellierungen unter Verwendung BPMN eigener Mittel. Nach Abschluss
dieser erfolgt die Beschreibung des Vorschlags für neue Symbole mitsamt zugehöriger Beispie-
le.
Die zuvor genannten Schritte waren die Hinführung und Beschreibung eines Vorschlags zur Er-
weiterung der BPMN. Dieser Vorschlag wird in dem darauf folgenden Bereich auf seine Praxis-
tauglichkeit hin geprüft, indem die zuvor beschriebenen Prozesse neu modelliert werden. Diese
Modellierungen werden darauffolgend ebenfalls analysiert, was zudem den Schluss des Kern-
teils bildet.
Den Abschluss der vorliegenden Arbeit, zu finden in Kapitel 6, bilden eine kurze Zusammenfas-
sung sowie ein Ausblick und das Fazit.
3
1 Einleitung
4
2
Grundlagen
Im Folgenden Kapitel wird auf die für die vorliegende Arbeit notwendigen Grundlagen einge-
gangen. Begonnen wird mit einer allgemeinen Einführung in das Konzept d sogenannten BPMN
und der Beschreibung der im Folgenden verwendeten Symbole. Im weiteren Verlauf wird der
Kontextbegriff eingeführt und erläutert. Mittels dieser Erläuterung und Beispielen für die Ver-
wendung von Kontext in der Informatik werden angepasste Definitionen abgeleitet. Diese bilden
den Grundstein für die Analysen in den darauf folgenden Kapiteln.
2.1 Was ist BPMN
BPMN wurde 2004, maßgeblich von IBM, entwickelt. Die Abkürzung bedeutete in der damaligen
Revision Business Process Modeling Notation und stand stellvertretend für eine Menge von
Symbole und deren Verknüpfungsregeln.
2.1.1 Entwicklung
Die Urform von BPMN eignete sich lediglich zur visuellen Darstellung von Prozessmodellen.
Diese konnten anschließend, zum Beispiel in einer Präsentation, verwendet werden oder zu Do-
kumentationszwecken von Prozessen genutzt werden. Hier liegt auch einer der entscheidenden
Vorteile von BPMN: die damit erstellten Prozessmodelle können von jedem intuitiv gelesen und
verstanden werden.
Im Jahr 2005 wurde die BPMN von der Object Management Group (OMG), siehe hierzu [OMG],
übernommen und weiterentwickelt. Eine der wichtigsten Neuerungen war die automatisierte Pro-
zessausführung. Diese Möglichkeit existiert erst seit der 2011 verabschiedeten Version 2.0. Im
Zuge dieser neuen Revision wurde auch der Name, welcher sich hinter dem Kürzel verbirgt, in
Business Process Model and Notation geändert. Die neue Revision erhöhte die Mächtigkeit von
BPMN durch Einführung neuer Konzepte wie die Ausführungssemantik, die Beschreibung von
Prozessanwendern und der Möglichkeit die BPMN zu erweitern.
5
2 Grundlagen
2.1.2 Elemente der BPMN
Der Sprachumfang von BPMN lässt sich prinzipiell in fünf Gruppen einteilen, diese werden Ba-
siselemente genannt. Jede von ihnen beschreibt eine Menge von Elementartypen. Im Folgenden
werden diese Basiselemente benannt und kurz beschrieben. Auf Elemente, welche im Verlauf
der Arbeit Verwendung finden, wird genauer eingegangen. Eine detaillierte Beschreibung aller
BPMN Elemente ist bei [OMG11] zu finden.
Flussobjekte
In diesem Basiselement sind die Aktivitäten, die Gateways und die Ereignisse beschrie-
ben. Wobei Aktivitäten die auszuführenden Prozessschritte definieren, welche durch die
Gateways verknüpft sind und zu Ereignissen führen. Abbildung 2.1 zeigt ein einfaches Bei-
spiel für die Verwendung von Flussobjekten.
Aktivität 1
Aktivität 2
Aktivität 3
Aktivität 4
Abbildung 2.1: Beispiel für Flussobjekte und Verbindende Objekte
Die erste Untergruppe, welche hier beschrieben wird, sind die Gateways. In der vorliegen-
den Arbeit werden mehrere Gateway-Arten verwendet, diese sind:
datenbasierte Gateways (exklusiv und parallel)
Ereignis-basierte Gateways (exklusiv, parallel, „normal“)
inklusive Gateways
komplexe Gateways
Eine anschauliche Möglichkeit die Funktion eines bestimmten Gateway zu erklären ist das
Token Prinzip, welches hier exemplarisch anhand von Abbildung 2.1 erläutert wird.
Das Token wird am Startereignis erschaffen, dies ist das am weitesten links stehende Flus-
sobjekt. Es wird automatisch an Aktivität 1 weitergereicht und löst die Ausführung dieser
aus. Nach Abschluss der Aktivität wandert das Token zu dem rot markierten Gateway. Die-
ses ist ein paralleles Gateway, was bedeutet, dass das Token geklont wird und beide Pfade
gleichzeitig abläuft. Die Pfade eines parallelen Gateways müssen nicht beschriftet werden.
6
2.1 Was ist BPMN
Auf dem oberen Pfad trifft das Token auf ein exklusives Gateway (gelbe Markierung). Im
Gegensatz zu dem parallelen Gateway kann hier nur eine der beiden Aktivitäten (2 oder 3)
ausgeführt werden, da nur einer der möglichen Pfade durchlaufen werden kann. Dies ist
auch der wichtigste Unterschied zwischen diesen beiden Gateway-Typen.
Die zwei zuvor beschriebenen Elemente gehören zu den datenbasierten Gateways. Sie
werden durch Daten des Prozesses gesteuert. Diese Daten werden vom Gateway ausge-
wertet. Abhängig von Typ des Gateways werden eine, bei einem exklusiven Gateway, oder
mehrere, bei parallelen oder inklusiven Gateways, Aktivitäten ausgeführt.
Eine etwas andere Ausführungssemantik haben die Ereignis-basierten Gateways. Sie wer-
ten Ereignisse aus, welche dem Gateway nachgeschaltet sind. Sobald eines der Ereignis-
se eingetreten ist, werden alle anderen Prozesspfade gesperrt.
Einschub: Gateway-Bezeichnungen
Gateways werden im meist als Paar verwendet, diese werden als Split und Join bezeich-
net. Als Split bezeichnet man ein Gateway, an welchem der Prozessfluss in mehrere
Pfade aufgeteilt wird. Auf ein Split-Gateway folgt in den meisten Fällen das korrespon-
dierende Join-Gateway. An diesem werden die zuvor aufgeteilten Prozesspfade wieder
zusammengeführt. Je nach Modellierungssprache ist ein solcher Join verpflichtend oder
optional. In der BPMN ist ein Join-Gateway optional.
Das letzte Gateway, welches hier beschrieben wird, ist das sogenannte komplexe Gate-
way. Es steht für die Vereinigungs- (Join) und Verzweigungsverhalten (Split), welche nicht
von den anderen Gateways ausgeführt werden können. In der vorliegenden Arbeit wird
es lediglich als Join-Gateway verwendet. Es ermöglicht unter anderem die Auswahl von N
Prozesspfaden aus Mmöglichen.
Ein weiteres Flussobjekt, das in der vorliegenden Arbeit Verwendung findet, ist das Zwi-
schenereignis. Dieses kommt sowohl angeheftet an eine Aktivität als auch als alleinste-
hendes Flussobjekt vor. Bei den angehefteten Zwischenereignissen unterscheidet man
zwischen den unterbrechenden und den nicht unterbrechenden Ereignissen, ein generi-
sches Beispiel ist in Abbildung 2.2 dargestellt. Der Unterschied liegt, wie der Name bereits
vermuten lässt, in der Ausführung der Aktivität, an welche das Ereignis angeheftet wurde.
Bei einem unterbrechenden angehefteten Ereignis wird die Ausführung der Aktivität, an
welche das Ereignis angeheftet ist, unterbrochen und der durch das Ereignis eingeleitete
Pfad wird ausgeführt. Bei einen nicht unterbrechenden Ereignis wird die Bearbeitung der
Trägeraktivität nicht unterbrochen. Der durch das Ereignis eingeleitete Pfad wird parallel
aktiviert und durchlaufen.
In der vorliegenden Arbeit werden beinahe alle in der BPMN definierten Ereignisse ver-
wendet. Im einzelnen währen dies:
Nachricht
Zeit
7
2 Grundlagen
Aktivität 1 Aktivität 2
Aktivität 3
wird nicht
unterbrochen wird ausgeführt
wird ausgeführt
Aktivität 1 Aktivität 2
Aktivität 3
wird unterbrochen kommt nicht mehr
zur Ausführung
Wird ausgeführt
Abbildung 2.2: Beispiel für unterbrechende (links) und nicht unterbrechende Ereignisse (rechts)
Bedingung
Signal
Eskalation
Mehrfach
Den Anfang macht das Nachrichtenereignis. Eine Nachricht in BPMN ist immer an einen
bestimmten Adressaten gerichtet und muss nicht zwangsläufig eine mail, ein Anruf oder
ein Brief. Die Aufteilung in unterbrechend und nicht unterberechend ist identisch zu der
generischen Beschreibung.
Das Zeit Ereignis existiert sowohl als unterbrechendes als auch als nicht unterbrechendes
angehängtes Ereignis. Im unterbrechenden Fall wird die Aktivität, an welche das Ereignis
angehängt ist, nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne unterbrochen und der auf das
Ereignis folgende Prozesspfad wird weiter verfolgt. Beim nicht unterbrechenden Fall kann
ein Zeitpunkt vor Abschluss der Aktivität angegeben werden. Auf diese Art können, zum
Beispiel vorbereitend Arbeiten für die Nachfolgenden Aktivitäten beschrieben werden.
Die wichtigste Eigenschaft des Bedingungsereignisses ist, dass die Bedingung außerhalb
des Prozesses erfüllt werden muss. Auch dieses Ereignis existiert als unterbrechendes
und als nicht unterbrechendes Ereignis. Wie auch beim Nachrichtenereignis ist die Auftei-
lung identisch zur generischen Beschreibung.
Das Signal, in der BPMN, ist bis auf einen Unterschied identisch zur Nachricht, dieser ist
der Adressat. Während die Nachricht immer zwingend einen Adressaten braucht, geht das
Signal prinzipiell an alle. Als Adressat kann die Person gesehen werden, welche als erste
auf das Signal reagiert.
Das nächste Ereignis auf der Liste ist die Eskalation. Dieses dient der Kommunikation zwi-
schen Oberprozess und Subprozess.
Das letzte angehängte Ereignis, das in der Arbeit Verwendung findet, ist das Mehrfacher-
eignis. Es kann genutzt werden um mehrere mögliche Ereignisse in einem Symbol zusam-
menzufassen.
Zusätzlich zu den bereits erwähnten Ereignissen wurde für die Modellierung der vorliegen-
8
2.1 Was ist BPMN
den Prozesse das Link-Ereignis genutzt. Dieses existiert ausschließlich als ausgelöstes
und als eingetretenes Ereignis. Es dient rein der Strukturierung großer Prozesse und zur
Aufteilung dieser in mehrere Teile. Ein Beispiel für die Verwendung dieses Ereignisses ist
in Abbildung 2.3 zu sehen.
Aktivität n Aktivität n+1Aktivität n-1 Aktivität n+2... ...
Abbildung 2.3: Beispiel für Link Ereignisse
Man kann sich das Beispiel aus der Abbildung als Ausschnitt aus einem größeren Gesamt-
prozess vorstellen. In diesem Fall würden die ersten n Aktivitäten auf einer Seite und die
Aktivitäten ab Nummer n+1 auf der nächsten Seite stehen. Die Link-Ereignisse verbinden
den Prozess logisch, sa dass man ihn auf mehrere Teile aufsplitten kann.
Verbindende Objekte
Diese Objekte definieren den „Prozessfluss“. Sie bestimmen die Reihenfolge der Aktivitä-
ten oder Gateways. Ebenso zeigen Verbindende Objekte den Nachrichtenfluss zwischen
den Prozessinstanzen. Flussobjekte werden mit einem durchgezogenen Pfeil verbunden,
wobei die Pfeilrichtung die Richtung des Prozessflusses definiert. Beim Prozessfluss gibt
es eine Besonderheit, den Standardpfad. Dieser wird durch einen kleinen Querstrich am
Anfang des Pfeils gekennzeichnet. Der Standardfluss wird durchlaufen, wenn alle anderen
Bedingungen nicht zutreffen. Ebenso existieren Verbindende Objekte für den Nachrich-
tenfluss, diese werden durch einen gestrichelten Pfeil dargestellt. Wobei am Ausgang des
Pfeils, welcher beim Absender angehängt ist, ein leerer kleiner Kreis befindet. Wie auch
beim Prozessfluss definiert die Richtung des Pfeils die der Kommunikation. Die letzte Art
der Verbindenden Objekte sind die Assoziationen, dargestellt als gepunktete Linie. Diese
gibt es als ungerichtete und als gerichtete Variante. Die Erste wird verwendet um ande-
re Objekte mit einem Kommentar zu versehen (siehe Abbildung 2.4 für ein Beispiel). Die
Zweite verbindet Aktivitäten oder Gateways mit Datenobjekten. Gerichtete Assoziationen
werden zusätzlich mit einer Pfeilspitze versehen, bei welcher die Linien nach innen abge-
rundet sind. Wie auch bei den zuvor beschriebenen Objekten, definiert die Pfeilrichtung
die Flussrichtung.
Artefakte
Diese Basiselemente dienen der Strukturierung, mittels Gruppen, und Erläuterung inner-
halb des Modells durch Anmerkungen. Des Weiteren erlaubt der Standard hier das Hin-
zufügen eigener Elemente. Ein Beispiel für die Artefakte Gruppe und Anmerkung ist in
Abbildung 2.4 zu finden.
Teilnehmer
Die Teilnehmer eines Prozesses, sprich diejenigen, welche Prozessschritte ausführen,
werden in der BPMN-Standard als Swimlanes dargestellt. Diese Lanes werden in einem
9
2 Grundlagen
Aktivität 1 Aktivität 2 Aktivität 3
Kommentar zur
Gruppe
Abbildung 2.4: Beispiel für Artefakte
Pool zusammengefasst, welcher das Bezugssystem darstellt, in welchem die Teilnehmer
agieren. Ein Beispiel hierfür ist in Abbildung 2.5 zu sehen.
Bäckerei
BäckerKunde
Gebe
Bestellung auf
nehme
Bestellung auf
Stelle
Bestellung
zusammen
Übergebe an
Kunde
Nehme Waren
entgegen bezahle
nehme
Bezahlung
entgegen
Abbildung 2.5: Beispiel für Teilnehmer
Daten
Ein integraler Bestandteil eines Prozesses ist der Datenfluss. Der BPMN Standard defi-
niert mehrere unterschiedliche Datenelemente, von denen jedoch nur eines in der Arbeit
Verwendung findet. Ein Beispiel für die Nutzung dieser Elemente wird in Abbildung 2.6
gegeben.
Dieser Abschnitt lieferte eine kleine Übersicht über die vom Standard definierten Symbole, wei-
tere Informationen über diese und ihre Verwendung sind bei [FR12], [All09] und [Sil09] zu finden.
2.1.3 Gründe für die Verwendung von BPMN
Es gibt viele Gründe die für die Verwendung von BPMN zur Prozessmodellierung sprechen.
Allen voran die Tatsache, dass BPMN ein anerkannter und weit verbreiteter Standard ist und
somit in vielen Unternehmen eingesetzt wird. Der Symbolsatz ist intuitiv verständlich und leicht
zu erlernen, beschränkt man sich auf die Basiselemente. Man kann damit bereits einfache Ge-
10
2.1 Was ist BPMN
mache Teig
Mehl
backe
Brötchen
Brötchen
Abbildung 2.6: Beispiel für Datenobjekte
schäftsprozesse schnell modellieren, ein Beispiel hierfür ist in Abbildung 2.7 zu sehen. Dort wird
ein einfaches Beispiel aus der Anwendungsdomäne Logistik aufgezeigt. Der Prozess beginnt
mit dem Entgegennehmen einer Lieferung und anschließender Prüfung auf Vollständigkeit. Die
Aktivität nehme Lieferung entgegen wird von einem Mitarbeiter des Lagers ausgeführt. Dieser
benachrichtigt bei Erhalt der Lieferung einen Mitarbeiter aus der Buchhaltung, so dass dieser die
Rechnung prüfen kann. Zeitgleich prüft der Lagermitarbeiter die Lieferung auf Vollständigkeit.
Falls diese vollständig ist, wird wiederum die Buchhaltung benachrichtigt, damit die Rechnung
beglichen werden kann. Sollte jedoch etwas fehlen wird eine Meldung an den Lieferanten ge-
macht. Unabhängig davon ob die Lieferung vollständig war oder nicht wird diese in das Lager
einsortiert und der Prozess des Lagers endet damit. Ähnlich verhält es sich für die Buchhaltung.
Nach Begleichen der Rechnung wird die ebenfalls einsortiert und der Prozess endet. Bei diesem
Prozess handelt es sich um ein Minimalbeispiel, welches keinen Anspruch auf Vollständigkeit er-
hebt.
Der zuvor beschriebene Prozess wurde mit einem Minimum an Symbolen erstellt. Da das Bei-
spiel sehr einfach gehalten ist war diese Minimalauswahl ausreichend. Auch komplexere und
größere Prozesse lassen sich auf diese Art darstellen. Jedoch ist es gerade bei komplexeren
Prozessen häufig hilfreich mehr Symbole zu verwenden, da diese oft eine kompaktere Modellie-
rung ermöglichen. Ein weiterer Grund der für die Verwendung von BPMN spricht, ist die Vielzahl
von Editoren. Es gibt sowohl kostenpflichtige als auch kostenlose Varianten, so dass jeder den
für sich passenden finden kann. Eine Übersicht über verfügbare Tools ist unter [Too] zu finden.
Die hier verwendeten Prozesse wurden mit Microsoft Visio 2010 erstellt.
Der letzte hier zu nennende Vorteil von BPMN ist die Möglichkeit den selben Prozess in unter-
schiedlicher Granularität schnell und mit dem gleichen Tool zu erstellen. Dies ist gerade in denn
Fällen von Bedeutung, wenn der Prozess für mehrere Personen in unterschiedlichen Positio-
nen dargestellt werden soll. Für das Management ist das letzte Ausführungsdetail weniger von
Bedeutung als zum Beispiel für die IT, welche den Prozess technisch umsetzen soll.
11
2 Grundlagen
LagerBuchhaltung
nehme
Lieferung
entgegen prüfe Lieferung
melde an
Lieferant
neinnein
veranlasse
Zahlung
jaja
Lieferung
vollständig?
sortiere
Lieferung in
Lager
Prüfe
Rechnung Begleiche
Rechnung Sortiere
Rechnung ein
Abbildung 2.7: Einfaches Lagerbeispiel
2.2 Kontext
Um kontextuellen Einfluss auf Prozesse zu erkennen und eine adäquate Modellierung anzubie-
ten, muss man verstehen was Kontext genau bedeutet. Der Duden definiert Kontext folgender-
maßen (Definition 2.1):
Definition 2.1 Kontext
1. umgebender Text einer sprachlichen Einheit
2. (relativ selbstständiges) Text- oder Redestück
3. inhaltlicher Gedanken-, Sinnzusammenhang, in dem eine Äußerung steht, und Sach- und
Situationszusammenhang, aus dem heraus sie verstanden werden muss
4. Zusammenhang
Betrachtet man diese Definition stellt man fest, dass die meisten Aussagen sich auf die ge-
sprochene oder geschriebene Sprache beziehen. Einzig der letzte Punkt eröffnet Interpretati-
onsspielraum. Sieht man den Kontext als Zusammenhang zwischen möglichen bzw. erfolgten
Aktionen und dem Bezugsrahmen, in welchem diese erfolgen, ist es möglich eine Brücke zu
informatiklastigen Themen zu schlagen und den Begriff Kontext sinnvoll zu verwenden.
In der Informatik ist Kontext vor allem im Ubiquitous Computing unter dem Schlagwort Context
Aware Computing zu finden (siehe hierfür [ADB+99]). Dies bedeutet das Anpassen der konkre-
ten Nutzung einer allgemeinen Anwendung an die jeweilige lokale Situation. Hierfür wird eine
12
2.2 Kontext
Anwendung um den Kontextbezug erweitert. Die Erweiterung umfasst hierbei zwei Aufgaben-
stellungen:
1. Das System erhält die Fähigkeit Aspekte seiner Umwelt zu erfassen.
2. Die Fähigkeit auf diese zu reagieren.
Ein Beispiel für Context Aware Computing ist die Nutzung von Ortsinformationen zur Darstellung
passender Informationen. Es ist jedoch genauso möglich den gesundheitlichen Zustand des
Nutzers als Kontext zu nutzen, um beispielsweise automatisch den Arzt zu verständigen, wenn
der Puls des Nutzers unter einen vorher definierten Grenzwert fällt.
Wendet man diese Erkenntnisse auf das Prozessmanagement an sieht man schnell, dass hier
die selbe Erweiterung der Modellierung nötig ist wie beim Context Aware Computing. Fasst man
das bisher Genannte zusammen und kombiniert es mit 2.1 lässt sich daraus eine Definition des
Begriffs Kontext im Rahmen des Prozessmanagement formulieren. Eine solche finden sie in
Definition 2.2.
Definition 2.2 Kontext im Prozessmanagement
ist die Gesamtheit der für den Prozess relevanten Umgebungsvariablen und -ereignisse, deren
Änderung bzw. Eintreten oder Ausbleiben den Prozessablauf beeinflussen/ verändern können.
Für eine detailliertere Modellierung von kontextuellen Einflüssen ist es hilfreich zwei zusätzliche
Begriffe einzuführen. Diese erlauben eine feingranulare Abstimmung von Modell und Realität.
Dies wäre zum einen der Begriff kontextsensitiv und zum anderen kontextabhängig. Um eine
formalere Definition zu finden, bietet der Duden eine solide Basis. Dieser definiert den Begriff
wie folgt:
Definition 2.3 kontextsensitiv nach Duden
(in Bezug auf das Vorkommen eine sprachlichen Einheit) vom Kontext abhängig, auf einen Kon-
text beschränkt
Diese rein linguistische Definition lässt sich allerdings nicht ohne weiteres auf Prozessmana-
gement anwenden. Zudem geht aus der Definition hervor, dass die Beriffe kontextsensitiv und
kontextabhängig Synonyme sind. Das selbe Ergebnis liefert eine Kontrollabfrage bei openThe-
saurus.org. Aus diesen Gründen muss auch hier, wie bereits zuvor beim Kontext allgemein, eine
angepasste Definition erstellt werden.
Definition 2.4 kontextsensitiv (in Bezug auf Prozesse):
Eine Prozessaktivität ist kontextsensitiv, wenn diese auf sich verändernden Kontext reagiert.
Hierfür muss die Aktivität nicht abgebrochen werden.
Wie man an Definition 2.4 erkennen kann, baut diese auf der des Dudens (Definition 2.3) auf.
Ebenso verhält es sich mit der nachfolgenden Definition für Kontextabhängigkeit, allerdings spielt
bei dieser auch die Beschreibung des Context Aware Coputing eine wichtige Rolle.
13
2 Grundlagen
Definition 2.5 kontextabhängig (in Bezug auf Prozesse):
Eine Prozessaktivität ist kontextabhängig, wenn die Aktivität durch sich ändernden Kontext ge-
startet, gestoppt oder in ihrer Ausführung verändert wird.
Im Folgenden werden diese Definitionen genutzt, um eine Erweiterung der BPMN zur Modellie-
rung der Kontextabhängigkeit zu erarbeiten. Auf den folgenden Seiten werden die Anforderun-
gen an solch eine Modellierung diskutiert und die Vorgehensweise bei der Erarbeitung beschrie-
ben.
14
3
Anforderung an die Modellierung
Die Anforderung an die Modellierung wird in zwei Bereiche unterteilt. Der Erste umfasst die
allgemeinen Anforderungen an die Modellierung der untersuchten Prozesse und der Beispiele,
während der Zweite sich den Anforderungen an die für den Kontexteinfluss verwendeten Sym-
bolen und den daraus resultierenden Modellen ergibt und als Erweiterung des Ersten gesehen
werden kann.
3.1 Allgemeine Anforderungen
Eine der wichtigsten Anforderungen ist die Vollständigkeit. Bei der Modellierung ist zu beachten,
dass die Prozessmodelle ausreichend Informationen beinhalten um den dem Modell zugrun-
deliegenden Vorgang vollständig zu dokumentieren. Demnach muss zunächst geklärt werden,
ob jeder notwendige Aspekt mittels des Symbolsatzes der BPMN modelliert werden kann. Zur
Modellierung können alle Elemente der BPMN verwendet werden, mit Ausnahme der eigenen
Artefakte. Grund hierfür ist, dass diese nicht in allen BPMN Modellierungswerkzeugen verwen-
det werden können.
Ein ebenso wichtiges Kriterium für die Modellierung ist die Korrektheit. Hierbei muss allerdings
zwischen syntaktischer und semantischer Korrektheit unterschieden werden. Die syntaktische
Korrektheit fordert, dass die Prozessmodelle nicht gegen die Regeln der BPMN 2.0 Syntax ver-
stoßen. Diese sind unter [OMG11] nachzulesen.
Die semantische Korrektheit hingegen fordert, dass die Modelle die Realität korrekt widerspie-
geln und in sich geschlossen sind. Dies ist notwendig um Widersprüche oder Unklarheiten in
den Modellen zu vermeiden.
Des weiteren besteht die Anforderung an die Verständlichkeit der Prozessmodelle. Die Prozes-
se sind stets so zu modellieren, dass diese von einem menschlichen Benutzer gelesen und
verstanden werden können. Hierfür muss der Detailgrad des Modells korrekt gewählt werden.
Das Modell muss ausreichend detailliert sein um den Prozess zu verstehen, jedoch nicht so
detailliert um diesen zu überladen und damit die Lesbarkeit und Verständlichkeit zu reduzieren.
15
3 Anforderung an die Modellierung
Der Prozess soll so gestaltet sein, dass sowohl ein Fachanwender als auch jemand der sich
nicht im Fachbereich auskennt, diesen verstehen kann. Die Fachanwender sollen den, dem Mo-
dell zugrunde liegenden, Prozess identifizieren und validieren können. Anwender, welche sich
nicht im Fachbereich auskennen, sollen ohne lange Einarbeitungszeit den Prozess verstehen
und zusammenfassen können.
Die zuvor genannten Anforderungen basieren auf den Grundsätzen ordnungsgemäßer Model-
lierung nach [Rei13]. Diese sind:
Vergleichbarkeit
Systematischer Aufbau
Richtigkeit (Syntax und Semantik)
Relevanz
Wirtschaftlichkeit
Klarheit
3.2 Anforderungen an die Erweiterung
Wie zu Beginn erwähnt, handelt es sich bei diesen Anforderungen um eine Erweiterung der
allgemeinen Anforderungen. Diese sind notwendig um eine sinnvolle und nutzbare Erweiterung
der BPMN erstellen zu können.
Die Erweiterung der BPMN muss syntaktisch widerspruchsfrei sein. Dies soll heißen, dass sie
nicht der Anforderung A2 (siehe Tabelle 3.1) widerspricht. Des weiteren muss die Erweiterung
sich in die bestehende Struktur der BPMN einordnen lassen.
Ebenso muss die Erweiterung syntaktisch neuartig sein. Die veränderte Verwendung bereits
bestehender Symbole gilt nicht als Erweiterung und erfüllt somit nicht die Zielsetzung der Ar-
beit. Eine Überschneidung in der Semantik zwischen der Erweiterung und den Bestehenden
Symbolen ist erlaubt.
Zudem muss die Erweiterung die Modellierung kontextueller Einflüsse auf Prozesse darstellbar
machen. Es muss sowohl die der Einfluss als auch seine Auswirkung modellierbar sein. Das
Modell darf dabei nicht unnötig verkompliziert werden.
Die letzte Anforderung bezieht sich auf die Vergleichbarkeit von Modellen. Ein Prozessmodell,
welcher mittels der bestehenden BPMN Syntax erstellt wurde, muss semantisch mit einem Pro-
zessmodell, welches mittels erweiterter Syntax erstellt wurde, übereinstimmen. Vorausgesetzt,
dass der zugrundeliegende Prozess der gleiche ist. Abweichungen, welche sich auf Grund d
Kontextbetrachtung ergeben, sind erlaubt.
Die folgende Tabelle fasst die zuvor beschriebenen Anforderungen zusammen und versieht die-
se mit einem Kürzel. Dieses dient der späteren Referenzierung der Anforderungen. Wobei die
16
3.2 Anforderungen an die Erweiterung
Kürzel A1 bis A4 die allgemeinen Anforderungen und E1 bis E4 die Anforderung an die Erweite-
rung referenzieren.
Kürzel Anforderung
A1 Vollständigkeit
A2 syntaktische Korrektheit
A3 semantische Korrektheit
A4 Verständlichkeit
E1 syntaktische Widerspruchsfreiheit
E2 syntaktische Neuartigkeit
E3 Kontextmodellierung
E4 Vergleichbarkeit
Tabelle 3.1: Anforderungen, Quelle: eigene Darstellung
17
3 Anforderung an die Modellierung
18
4
Methodik und Vorgehensweise
Die Prozesse in der vorliegenden Arbeit wurden, im Rahmen von mehreren kleineren Fallstudi-
en aufgenommen oder aus Vorgehensmodellen extrahiert. Diese beschränkten sich auf Beob-
achtung der Abläufe und Unterhaltungen mit Fachanwendern, um zusätzliche Details über die
Prozesse zu erfahren. Für die Fallstudien in der Medizin wurden mehrere Kliniken besucht. Um
möglichst viele Aspekte der Prozesse betrachten zu können, wurden hierfür mehrere Fachan-
wender begleitet. Die Prozesse im Software Engineering konnten nicht im Rahmen einer Fall-
studie erfasst werden, da dies den Zeitrahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. Die grafischen
Repräsentationen wurden den genannten Quellen entnommen und überarbeitet. Der fachliche
Hintergrund für die Prozesse stammt aus Literatur und Gesprächen mit Fachanwendern.
Ähnlich verhält es sich mit den kontextuellen Einflüssen. Die Einflüsse auf die medizinischen
Prozesse konnten zum Teil während der Prozessaufnahme beobachtet werden. Weitere Ein-
flüsse stammen von bereits erwähnten Fachanwendern. Beim Software Engineering wurden die
Einflüsse zum größten Teil von Fachanwendern benannt.
Die Prozesse wurden auf ihre kontextuellen Einflüsse hin untersucht. Basis hierfür waren die
in Kapitel 2 vorgestellten Definitionen. Diese Erkenntnisse flossen im Anschluss darauf in die
Betrachtung der alternativen Modellierungen, zu finden im Kapitel 5.3, und in den Vorschlag für
eine Erweiterung der BPMN.
Diese entstanden in mehreren Iterationen. Die ersten Fallstudien zeichneten das grobe Konzept,
welches jedoch viele redundante oder unnötige Symbole enthielt. Nach weiteren zwei Iteratio-
nen war das Konzept, wie es in dieser Arbeit vorgestellt wird, entstanden. Dieses Konzept wird
an mehreren Beispielen veranschaulicht und auf die analysierten Prozesse angewendet. Diese
Modelle werden ebenfalls beschrieben, wobei hier besonders auf die Änderungen gegenüber
der vorherigen Modellierung eingegangen wird. Zudem wird argumentiert, weshalb die entspre-
chenden Konzepte verwendet wurden und ob es gegebenenfalls Alternativen gibt. Auch auf die
Besonderheiten der einzelnen Modelle wird speziell eingegangen, um diese nochmals hervor-
zuheben.
Die Prozessmodelle, sowie die vorgeschlagene Erweiterung müssen noch gegen die in Tabel-
19
4 Methodik und Vorgehensweise
le 3.1 genannten Anforderungen validiert werden. Hierfür werden die einzelnen Anforderungen
nochmals betrachtet und geprüft, ob sie erfüllt wurden.
20
5
Erweiterung der BPMN
In diesem Kapitel wird die Notwendigkeit einer Notation zur Darstellung von Kontextabhängig-
keit anhand von Beispielen aus zwei unterschiedlichen Domänen aufgezeigt. Bei letzteren han-
delt es sich zum einen um die Medizin und zum anderen um das Software Engineering. Zwei
Domänen, welche auf den ersten Blick keinerlei Gemeinsamkeiten haben. Dass diese jedoch
vorhanden sind, wird am Ende des Kapitels aufgezeigt. Ein wichtiger Teil dieses Kapitels ist die
Betrachtung und Diskussion alternativer Möglichkeiten der Modellierung von Kontext mit BPMN
eigenen Mitteln. Im Anschluss an die Betrachtung der Prozesse innerhalb der Domänen und der
Alternativen wird ein Vorschlag für neue BPMN-Symbole aufgezeigt und erläutert. Diese dienen
der Modellierung von Kontexteinflüssen auf Prozesse. Um die Praxistauglichkeit der Symbole
aufzuzeigen, werden die Prozessmodelle aus den Beispielen mit den neuen Symbolen noch-
mals modelliert. Hierbei wird auch ein weiteres Mal auf die Kontextabhängigkeiten der einzelnen
Modelle eingegangen. Besonderer Augenmerk liegt bei dieser Betrachtung auf der Lösung even-
tueller Probleme durch den Vorschlag.
5.1 Prozesse in der Medizin
Die Anwendungsdomäne Medizin umfasst eine Vielzahl von Prozessen aus den unterschied-
lichsten Subdomänen. Die meisten von ihnen sind direkt an die wichtigste Ressource der Do-
mäne gebunden - den Patienten. Dieser ist Dreh- und Angelpunkt, wichtigster kontextueller und
teils auch limitierender Faktor dieser Prozesse. Beispiele für Subdomänen, welche direkt mit
dem Patienten interagieren, sind die Chirurgie, die hausärztliche Versorgung und auch Teilbe-
reiche der Pathologie. Subdomänen, welche keinen direkten Zugang zu dem Patienten haben,
wären unter anderem die Krankenhauslogistik, die Verwaltung oder die Labormedizin. In der
vorliegenden Arbeit wurde die Subdomäne Anästhesie gewählt.
Der, bereits erwähnte, Faktor Patient ändert sich nicht nur von Instanz zu Instanz, sondern auch
im Laufe dieser. Gerade bei invasiven Therapie- oder Untersuchungsformen kann dieser Fak-
tor erheblichen Einfluss auf den Prozessverlauf nehmen. Er ist jedoch nicht der einzige Faktor,
21
5 Erweiterung der BPMN
welcher betrachtet werden muss. Auch der Arzt kann ein solcher Faktor sein. Je nach seiner
Erfahrung und seinen Kenntnisstand verändert sich seine Vorgehensweise und damit unter Um-
ständen auch der Kontext.
5.1.1 Modellierung ohne Kontextabhängigkeit
Im Folgenden werden Prozesse aus dem Bereich Medizin betrachtet. Hierfür werden die Pro-
zesse in BPMN modelliert und textuell beschrieben. Im Anschluss erfolgt eine Analyse der Pro-
zesse auf Kontextsensibilität und eventuelle Engstellen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und
zum besseren 66 Verständnis, sind die kontextabhängigen Prozessschritte rot ausgefüllt und mit
einem unbeschrifteten Datenelement versehen. Dieses soll den Kontexteinfluss symbolisieren,
Resultate, welche aus sich veränderndem Kontext hervorgehen, wurden, sofern nicht explizit
erwähnt, nicht in den modellierten Prozess aufgenommen.
Narkoseeinleitung (Prä-operative Phase)
Der hier analysierte Prozess spiegelt die Vorgehensweise der Narkoseeinleitung bei der neuro-
chirurgischen Anästhesie wider. Zur Verbesserung der Übersichtlichkeit wurde der Prozessgraph
in mehrere Teile aufgesplittet, die einzelnen Prozessteile sind in den Abbildungen 5.1 bis 5.7 zu
finden.
Die Narkoseeinleitung kann in drei Phasen gegliedert werden, wobei jede Phase Arbeitsschritte
oder Orte zusammenfasst. In den zuvor genannten Abbildungen sind diese Phasen farbig von-
einander getrennt (Phase 1 gelb, Phase 2 orange, Phase 3 rot). Die textuelle Beschreibung des
Prozesses wird ebenfalls in die bereits erwähnten Phasen gegliedert.
Phase 1
Die erste Phase der Narkoseeinleitung umfasst Arbeitsschritte, um den Patienten auf die
Narkose vorzubereiten und markiert zudem den Beginn des Prozesses. Dieser startet da-
mit, dass der Anästhesist den Einleitungsraum betritt. Er erkundigt sich nach dem Wohlbe-
finden des Patienten und vergleicht in dieser Zeit die Patientendaten. Diese Schritte sind
nötig, um eine eventuelle Verwechslung ausschließen zu können. Da der Patientenname
allein durchaus mehrmals vorkommen kann, wird zur bereits erwähnten Absicherung das
Geburtsdatum des Patienten mit der Akte verglichen. Da es vorkommen kann, dass die
Angaben in der Akte unvollständig oder nicht zu 100% aktuell sein können, wird an dieser
Stelle zudem nach bekannten Allergien gefragt und ebenfalls mit der Akte abgeglichen.
Zudem ist es wichtig, den Zahnstatus des Patienten zu überprüfen. Sollte der Patient über
Zahnprothesen verfügen, so müssen diese nun eingesetzt werden. Als letzte Absicherung
wird der Patient nochmals gefragt, ob er nüchtern ist. Die zuvor beschriebenen Schritte
erfolgen parallel zu einem kleinen Small Talk, um den Patienten zu beruhigen.
Nachdem die Identität des Patienten gesichert wurde, kann der Patient auf die Aufnahme
22
5.1 Prozesse in der Medizin
und Überwachung seiner Vitalparameter vorbereitet werden. Im Konkreten bedeutet dies
das Anbringen von selbstklebenden EKG-Elektroden, das Anlegen einer Blutdruckman-
schette und eines Fingerclips zur Überwachung der Sauerstoffsättigung im Blut. Diese
Schritte bilden zudem den Abschluss der ersten Phase. Die erste Gruppierung zu finden
in Abbildung 5.1 zeigt den beschriebenen Ablauf. Diese Phase orientiert sich an der WHO
Surgical Safety Checklist. Siehe hierzu [WHO].
Einleitungs-
raum betreten EKG Aufkleber
anbringen
Blutdruck-
manschette
anlegen
Sättigungsclip
anlegen
Small Talk
Pat. Name
abgleichen Geburtsdatum
abgleichen Allergien
abgleichen Nüchternheit
abfragen
Zahnstatus
prüfen
Zahnstatus
nicht
vorhanden
nicht
vorhanden Zähne
einsetzen
vorhandenvorhanden
Abbildung 5.1: Narkoseeinleitung (Teil 1 von 6)
Phase 2
Die zweite Phase des Narkoseeinleitungsprozesses ist, ausgehend von der Anzahl der
23
5 Erweiterung der BPMN
Arbeitsschritte, die längste der drei Phasen und wurde deswegen auf drei Abbildungen
aufgeteilt, welche jeweils zu Beginn der Analyse referenziert werden. Die nachfolgenden
Schritte sind in Abbildung 5.3 zu finden.
Nachdem in der ersten Phase die Identität des Patienten geprüft wurde und der Patient auf
die Überwachung seiner Vitalparameter vorbereitet wurde, wird der erste Zugang gelegt
und gesichert. Dieser wird benötigt um dem Patienten Medikamente intravenös zu verab-
reichen. Wenn der Zugang liegt, wird dem Patienten eine Atemmaske auf Mund und Nase
gehalten und der Patient wird angewiesen mehrmals tief ein- und auszuatmen. Die Maske
liefert ein Gemisch aus Sauerstoff und Inhalationsanästhetikum. Der nächste Schritt um-
fasst einen eigenen Subprozess und beschreibt die eigentliche Narkoseeinleitung. Dazu
werden dem Patienten über den zuvor gelegten Zugang drei Medikamente gegeben. Als
erstes wird ein Opiat intravenös verabreicht. Dieses stellt das Schmerzempfinden des Pa-
tienten ab und gewährleistet, dass dieser während der OP nicht auf Grund von Schmerz
aufwacht. Das zweite ist ein Hypnotikum, welches den Patienten binnen Sekunden ein-
schlafen lässt. Zuletzt erhält der Patient ein Muskelrelaxans. Dieses entspannt die Mus-
kulatur des Patienten, wodurch der darauffolgende Schritt durchgeführt werden kann, wel-
cher wiederum ein Subprozess ist.
Die endotracheale Intubation, zu finden auf den Abbildungen 5.4 und 5.5, beginnt damit,
dass der Patient in die sogenannte Jackson-Position gebracht wird. Hierfür wird der Kopf
des Patienten hochgelegt und sein Nacken leicht überstreckt. Daraufhin wird der Kiefer des
Patienten geöffnet und das Laryngoskop (siehe [LAR])eingeführt. Mittels diesem wird die
Epiglottis (Kehldeckel)gehoben, dies ermöglicht den Anästhesisten die Speiseröhre und
die Trachea (Luftröhre)anzusehen und zu entscheiden, ob er eine Einführhilfe verwenden
möchte oder nicht. Bei angehobener Epiglottis kann nun die Magensonde eingeführt wer-
den, über welche überflüssiger Magensaft abgeführt wird. Sobald die Magensonde gelegt
ist, wird der Endotrachealtubus (Abbildung 5.2)eingeführt. Liegt dieser in der gewünschten
Position kann der, an der Tubusspitze angebrachte, Cuff mittels einer Spritze aufgeblasen
werden und der Cuffdruck mit Hilfe des Cuffdruckmessers geprüft und angepasst werden.
Diese Aktion ist die letzte im Subprozess endothracheale Intubation. Im Anschluss dar-
an werden der Tubus und die Magensonde mit Leukoplast fixiert. Zum Schutz der Augen
des Patienten wird ein Augengel auf die Netzhaut aufgetragen, bevor die Augen abgeklebt
werden. Falls die OP-Dauer zwei Stunden überschreitet, wird an dieser Stelle ein Blasen-
katheter gelegt. Ab hier beginnt eine engmaschige Kontrolle der Vitalparameter des Pati-
enten. Sobald der OP-Saal bereit ist, werden die Blutdruckmanschette, das EKG und die
Beatmung vom Patienten getrennt und der Patient wird aus dem Einleitungsraum hinaus
geschoben.
Phase 3
Den Beginn der dritten Phase markiert der Transport des Patienten in den OP-Saal, wo
als erstes der Patient an ein Narkosegerät angeschlossen wird. Dieses Gerät dient der
Überwachung der Vitalparameter und der Beatmung des Patienten mittels mit Narkosegas
24
5.1 Prozesse in der Medizin
Abbildung 5.2: Endotrachealtubus vom Typ Magill-Tubus
Zugang legen Maske auf
Mund und
Nase halten
Narkosegas
Opiat
verabreichen Hypnotikum
verabreichen
Muskel-
relaxans
verabreichen
Narkoseeinleitung
Abbildung 5.3: Narkoseeinleitung (Teil 2 von 6)
angereichertem Sauerstoff. Als nächstes wird der Patient an ein Blutdruckmessgerät sowie
an die benötigte Medikation angeschlossen. Um alle Vitalparameter erfassen zu können,
wird der Patient nun noch an die bereits vorhandenen EKG-Aufkleber angeschlossen und
es wird ein Clip zu Blutgasmessung angelegt. Nun ist es möglich die Vitalparameter des
Patienten abzulesen und zu dokumentieren. Ein Punkt, welcher ebenfalls dokumentiert
werden muss, ist die Narkose an sich. Das bedeutet konkret die Dokumentation der Men-
ge sowie Bezeichnung der verwendeten Medikamente. Dieser Schritt umfasst zudem die
Dokumentation des OP-Teams und der Narkoseeinleitungszeiten. Sobald alle benötigten
Daten dokumentiert wurden, unterstützt das Anästhesieteam den Rest des OP-Teams bei
der Lagerung des Patienten, was soviel bedeutet wie den Patienten in eine Position zu brin-
gen und, sofern nötig, zu fixieren. Die Lage des Patienten ist hierbei abhängig von der OP
und der Position der Operateure. Sobald der Patient in die festgelegte Position gebracht
wurde, können die Stellen, an welchen ein Schnitt gesetzt werden soll, steril abgewaschen
werden. Im Anschluss daran wird der Rest des Patienten steril abgedeckt. Sofern die OP
länger als zwei Stunden dauert, wird der Patient zusätzlich noch mit einer Decke zuge-
deckt, welche mit warmer Luft gefüllt wird und den Patienten wärmt. Der letzte Schritt der
25
5 Erweiterung der BPMN
endotrachealen Intubation
Pat. Kiefer
öffnen Laryngoskop
einführen Epiglottis
heben
Pat.-Kopf
hochlegen Nacken leicht
überstrecken
Jackson-Position
nein Einführhilfe
verwenden
ja
Trachea gut
zugänglich
Magensonde
legen
Abbildung 5.4: Narkoseeinleitung (Teil 3 von 6)
Narkoseeinleitung, beziehungsweise der präoperativen Phase, ist die Dokumentation der
Uhrzeit des ersten Schnittes.
Die Prozessschritte der Phase 3 sind in den Abbildungen 5.6, 5.7 modelliert und durch die
rote Gruppierung zusammengefasst.
Allgemeines
Bei der Modellierung und Beschreibung des Prozesses wurde nicht darauf eingegangen,
dass ein Anästhesie Team nicht nur aus einer Person besteht. Dieser Aspekt wurde her-
ausgenommen, da die zusätzlichen Personen lediglich die Dauer des Prozesses redu-
zieren und keine bis kaum Auswirkungen auf den Prozessablauf haben. Personen deren
Anwesenheit und Mitarbeit den Prozess verändern kann, werden im hierauf folgenden Ana-
lyseabschnitt betrachtet.
26
5.1 Prozesse in der Medizin
Tubus und
Magensonde
befestigen
Augengel
auftragen Augen
abkleben
Endotracheal-
tubus
einführen
Spritze an
Cuffleitung
anschließen Cuff aufblasen Cuffdruck
prüfen
Abbildung 5.5: Narkoseeinleitung (Teil 4 von 6)
Nachdem nun ein Überblick über den Prozess geschaffen wurde, ist es möglich diesen zu analy-
sieren. Wie eingangs bereits erwähnt sind die Aktivitäten, die besonders kontextsensitiv sind, rot
hinterlegt. Zudem werden in diesem Abschnitt Aspekte des Prozesses mitaufgenommen, wel-
che nicht modellierbar waren ohne den Prozess unnötig zu verkomplizieren (siehe hierzu 5.3).
Die Analyse wird wie bereits die Beschreibung und die Modellierung in drei Phasen unterteilt.
Phase 1
Die erste Phase des Prozesses erscheint auf den ersten Blick sehr geradlinig und frei
von kontextuellen Einflüssen und wurde auch entsprechend modelliert. Dieser Eindruck
täuscht jedoch. Genau wie der Rest des Prozesses hängt auch diese Phase stark von
Kontext ab, wenn auch hier die Modellierung zum größten Teil gut möglich ist. Die Pro-
zessschritte, auf welche hier besonders eingegangen wird, sind in Abbildung 5.8 nochmals
aufgezeigt.
Betrachtet man den Prozess nochmals etwas genauer, erkennt man, dass bei den Pro-
zessschritten Pat. Name abgleichen,Geburtsdatum abgleichen und Allergien abgleichen
keine Aussage darüber getroffen wird, was geschehen soll, falls einer der abzugleichenden
Daten nicht mit der Akte übereinstimmt. Es ist eindeutig, dass der Prozess nicht weiterge-
führt werden darf, solange der Missstand nicht aufgeklärt wurde. Doch muss der Prozess
gleich komplett abgebrochen werden? Die Möglichkeiten für die Differenz sind vielfältig
und hängen vom Schritt ab, in dem der Missstand auftritt. Falls der Patient einen häufig
vorkommenden Namen hat (z. B. Peter Müller) oder es mehrere phonetisch identische
Schreibweisen für den Namen gibt (Maier oder Meier oder Mayer) ist eine Verwechslung
der Akte möglich. In diesem Fall würde es ausreichen den Prozess zu stoppen und die Ak-
te gegen die korrekte zu tauschen. Die Fehlerquellen hierfür sind mannigfaltig. Zum Einen
kann es an einem vollen Tag durchaus vorkommen, dass bei zwei Patienten gleichen Na-
mens eine Verwechslung auftritt und zum anderen ist es gerade bei phonetisch gleichen
Namen möglich, dass bereits bei der Aufnahme des Patienten ein Fehler geschehen ist,
27
5 Erweiterung der BPMN
OP-Dauer > 2h
ja Blasenkatheter
legen
nein
Blutdruck-
manschette
abnehmen EKG trennen Beatmung
abnehmen Pat. in OP-
Saal schieben Beatmung
anschließen
Blutdruck-
messgerät
anschließen
Narkosegas
engmaschige
Kontrolle der
Vitalparameter
Abbildung 5.6: Narkoseeinleitung (Teil 5 von 6)
welcher sich erst jetzt durch eine Verwechslung bemerkbar macht.
Die Wahrscheinlichkeit zwei Patienten gleichen Namens zu haben ist durchaus hoch, dass
beide Patienten am selben Tag geboren wurden ist dagegen relativ unwahrscheinlich. Da-
her ist auch der zweite Abgleich mit der Patientenakte ein kontextsensitiver Schritt. Hierfür
gilt die selbe Vorgehensweise wie beim Schritt zuvor. Ebenso wichtig und kontextabhängig
ist die letzte Aktivität der Identitätskontrolle, der Abgleich der Allergien. Hierbei ist beson-
ders bei älteren Patienten Aufmerksamkeit höchstes Gebot, da sich Allergien erst später
entwickeln können und die Patientenakte eventuell diesbezüglich nicht aktualisiert wurde.
Sollte der Patient eine Allergie gegen ein zu verwendendes Medikament haben, kann dies
unter Umständen lebensgefährlich werden. All diese Abhängigkeiten sind im Prozessgraph
modelliert, was jedoch immer noch fehlt sind die Kompensationsschritte. Gründe hierfür
sind im Kapitel 5.3 aufgeführt und werden dort ausführlich diskutiert.
Nicht alle kontextuellen Einflüsse sind gar nicht oder nur schwer modellierbar. Ein Beispiel,
28
5.1 Prozesse in der Medizin
Medikation
anschließen EKG
anschließen Narkose
dokumentieren Vitaldaten
dokumentieren Patienten
lagern Patienten steril
abwaschen Patienten steril
abdecken Uhrzeit Schnitt
dokumentieren
Wärme
Abbildung 5.7: Narkoseeinleitung (Teil 6 von 6)
bei welchen es sehr gut funktioniert, ist ebenfalls in Abbildung 5.8 zu finden, die Aktivität
Zahnstatus prüfen. Hier sieht man direkt die Auswirkung von Kontext auf den Prozessab-
lauf. Die Aktivität Zahnstatus prüfen erzeugt und schreibt das Datenelement Zahnstatus.
Dieses Element ist zugleich auch der lokale Kontext für die Aktivität (vergleiche mit De-
finition 2.2). Die Auswirkung zeigt sich an dem parallel abgefragten exklusiven Gateway,
sollte der Patient keine Zahnprothese tragen (Zahnstatus =eigene Zähne) so müssen die-
se nicht eingesetzt werden. Selbiges gilt falls der Patient die Prothese zuvor selbstständig
eingesetzt hat (Zahnstatus =Prothese eingesetzt) oder diese nicht vorhanden ist und aus
diesem Grund nicht eingesetzt werden kann (Zahnstatus =Prothese nicht vorhanden).
Sollte keiner der zuvor beschrieben Zustände zutreffen, kann die Aktivität Zähne einset-
zen ausgeführt werden.
Die restlichen Aktivitäten dieser Phase haben keine nennenswerten kontextuellen Abhän-
gigkeiten. Sie werden erst interessant wenn der Prozess mit maximaler Granularität dar-
29
5 Erweiterung der BPMN
Smal Talk
Pat. Name
abgleichen Geburtsdatum
abgleichen Allergien
abgleichen Nüchternheit
abfragen
Zahnstatus
Prüfen
Zahstatus
nicht
vorhanden
nicht
vorhanden Zähne
einsetzen
vorhandenvorhanden
Abbildung 5.8: Narkoseeinleitung (Teil 1 von 6) Ausschnitt 1
gestellt werden soll. In einem solchen Fall wäre es ratsam, diese Bereiche des Prozesses
textuell zu beschreiben. Ein weiterer Kontext, welcher hier von Interesse sein könnte, ist
die vorhandene Materialart. Dies muss jedoch nicht explizit modelliert werden, da dieser
Kontext durch den Anwender des Prozesses implizit gesetzt und unter Umständen verän-
dert wird.
Phase 2
Die zweite Phase beginnt direkt mit einer kontextabhängigen Aktivität, dem Legen ei-
nes Zugangs. Klassischerweise wird der Zugang am Handrücken gelegt, wie in Abbil-
dung 5.9 exemplarisch dargestellt. Die gewünschte Vene ist allerdings nicht immer zu-
gänglich. Gründe hierfür können Tätowierungen, sogenannte Rollvenen oder allgemein
schlecht zugängliche Venen sein. Auch ist es möglich, dass beim Einführen der Kanüle ein
Nerv getroffen wird, weswegen ein neuer Zugang gelegt werden muss. Zudem müssen
in bestimmten Fällen weitere Zugänge gelegt werden. Beispiele für diese Fälle sind eine
lange OP-Dauer oder die Lagerung des Patienten während der OP. Diese Umstände und
vor allem die Kombination aus diesen sind jedoch nur schwer bis gar nicht modellierbar.
Nachdem die Zugänge gelegt worden sind, folgen zuerst einige kontextuell wenig bis gar
nicht beeinflusste Aktivitäten. Die aus kontextueller Sicht interessanteste von ihnen ist der
Subprozess der Narkoseeinleitung. Hier kann es, trotz zuvor erfolgtem Abgleich, zu einer
Unverträglichkeitsreaktion des Patienten kommen.
Einen Gegensatz zum bereits beschriebenen stellt der Subprozess endotracheale Intu-
bation dar. Dieser ist stark kontextabhängig, was sich vor allem in den darin enthaltenen
Aktivitäten widerspiegelt. Betrachtet man diese, zeigt sich zu Beginn ein eher weniger
kontextabhängiges Bild. Das Bringen des Patienten in die Jackson-Position ist nicht von
äußeren Faktoren beeinträchtigt. Dies würde bei einer Notoperation eventuell anders aus-
sehen, da bei einem Patienten mit Verletzungen im Hals-Nacken-Bereich das Überdehnen
30
5.1 Prozesse in der Medizin
Abbildung 5.9: Intravenöser Zugang zu einer Handvene, mit Dreiweghahn (Quelle: com-
mons.wikimedia.org)
des selbigen zu weiteren Schädigungen führen könnte. Der hier betrachtete Prozess geht
jedoch von einer planmäßigen Operation ohne solche Beeinträchtigungen des Patienten
aus. Auch das Öffnen des Patientenkiefers ist, mit ein wenig Übung, bei einer narkotisier-
ten Person gut durchführbar. Interessanter wird es beim Einführen des Laryngoskops. Zum
Einen muss hier vom Anästhesisten die passende Größe gewählt werden und zum Ande-
ren wird der Kontext für die darauf folgenden Schritte erst jetzt erkennbar und auswertbar.
Ein Umstand, welcher bei klassischer Modellierung Probleme bereitet. Unter Zuhilfenahme
des zuvor genannten Werkzeugs kann der Arzt nun die Epiglottis heben, um die Verände-
rungen des lokalen Kontext zu betrachten. Dieser ist die Trachea des Patienten und die
Zugänglichkeit dieser. Diese Information wird verwendet um eine Entscheidung bezüglich
der Verwendung einer Einführhilfe zu treffen. Der visuelle Eindruck der Epiglottis mag den
Arzt zu der Entscheidung führen keine Einführhilfe zu verwenden, führt beim Versuch die
Magensonde einzuführen allerdings zu Problemen, weil eine eventuelle Verengung nicht
sichtbar war. Auch die Art der Einführhilfe hängt von den Vorlieben des Arztes und der
gegeben Möglichkeiten ab. Die Darstellung aller möglicher Kombinationen ist weder emp-
fehlenswert noch hilfreich, Begründungen hierfür sind im Kapitel 5.3.2 aufgeführt.
Der nächste Schritt mit hohem Kontextanteil ist das Legen der Magensonde. Im optimalen
Fall lässt sich diese am Laryngoskop entlang, die Speiseröhre herab bis zum Magen füh-
ren. Nun kann es allerdings passieren, dass sich die Sonde im Rachenraum oder in der
Speiseröhre verkanntet und sich so ein "Knoten" bildet. Um die Verletzungsgefahr des Pa-
tienten zu verringern, greift der Arzt in solchen Fällen zu einer sogenannten Magill-Zange.
Damit lässt sich die Sonde greifen und vorsichtig entnehmen. Zudem lässt sich mittels der
bereits genannten Zange die Sonde relativ tief in die Speiseröhre einführen. Liegt die Ma-
gensonde in der gewünschten Lage, lässt sich unter Beachtung selbiger Problematik der
endotracheale Tubus einführen. Auch hier muss die Entscheidung über die Verwendung
und Art der Einführhilfe vom Arzt getroffen werden. Der Tubus wird in die Luftröhre ge-
legt und dort fixiert. Das Fixieren der zuvor gelegten Hilfsmittel am Patient ist nur soweit
kontextabhängig, dass die Beschaffenheit und Form der Gesichts von Patient zu Patient
abweicht. Ebenso verhält es sich für die nachfolgenden Schritte, dem Auftragen von Au-
gengel und dem Abkleben der Augen. Interessanter wird es in den nächsten Schritten. Wie
31
5 Erweiterung der BPMN
bereits zuvor erwähnt, ist es möglich, dass bei einer OP-Dauer länger als zwei Stunden
Aktivitäten durchgeführt werden müssen, welche ansonsten nicht nötig gewesen wären.
Eine dieser Aktivitäten ist das Legen eines Blasenkatheters. Die Aktivität markiert auch
den Abschluss der vorbereitenden Tätigkeiten und den Beginn einer kontextuell höchst
brisanten Aktivität, der engmaschigen Kontrolle der Vitalparameter. Dieser Prozessschritt
ist besonders bei kritischen Patienten wichtig und erstreckt sich über den Rest des Prozes-
ses und in die darauf folgenden Prozesse mit hinein. Sollten die Vitalparameter sich zum
Nachteil des Patienten ändern, so muss sofort reagiert werden. Dadurch ist es möglich,
dass die gesamte Prozessausführung sich ändert oder dass ad-hoc-Aktivitäten temporär
eingefügt werden. Die restlichen Aktivitäten dieser Phase unterliegen nur soweit kontextu-
ellem Einfluss, dass sie mit den korrespondierenden Aktivitäten zu Beginn dieser Phase
zusammenhängen.
Phase 3
Wie bereits beschrieben, beginnt diese Phase mit einem Ortswechsel. Der Patient wird
vom Einleitungsraum in den OP-Saal gebracht und wie gehabt an die mit Narkosegas an-
gereicherte Beatmung angeschlossen. Der kontextuell interessante Arbeitsschritt folgt auf
das bereits geschehene. Nun muss der Patient an ein Blutdruckmessgerät angeschlos-
sen werden, die Art der Blutdruckmessung hängt nun wiederum von unterschiedlichen
Faktoren ab. Einer dieser Faktoren ist die Lagerung des Patienten. Nachdem der Pati-
ent an die Blutdruckmessung angeschlossen wurde, muss die Medikation bestimmt und
ebenfalls verbunden werden. Hier gilt wiederum Menge, Art und Verabreichungsgeschwin-
digkeit hängen von der OP-Art und -Dauer ab, weswegen die Modellierung dieser nicht
empfehlenswert ist (vergleiche hierzu Kapitel 5.3.2). Die erste näher betrachtete Aktivität
in dieser Phase, ist die Lagerung des Patienten. Der Kontext dieser ergibt sich wieder-
um aus mehreren Quellen. Zum Einen ist die zu operierende Stelle ausschlaggebend und
zum anderen der Operateur und die Position, an welcher er stehen möchte, um die OP
möglichst gut durchführen zu können. Es muss jedoch auch betrachtet werden, ob weite-
re Schnitte gesetzt werden müssen. Auch ist bei einer OP meist nicht nur ein Operateur
zugegen, daher müssen die Positionen dieser Operateure, wenn möglich, ebenfalls mit in
die Betrachtung einfließen. Wenn der Patient in entsprechender Position liegt und steril
abgewaschen wurde, erfolgt der nächste kontextabhängige Schritt: Das sterile Abdecken
des Patienten. Auch hier muss abermals Rücksprache mit den Operateuren gehalten wer-
den, um ihnen die Arbeit nicht unnötig zu erschweren. Zudem wirkt sich auch hier die
OP-Dauer aus. Sollte die OP länger als zwei Stunden dauern, muss der Patient mit einer
Wärmedecke zugedeckt werden. Dieser Umstand ist jedoch zu OP-Beginn unter Umstän-
den nicht ersichtlich. In einem solchen Fall muss dies während der Operation geschehen.
Immer voraussetzt, dass die Lagerung des Patienten und der zu operierende Bereich dies
zulassen.
32
5.1 Prozesse in der Medizin
Intraoperative Phase und postoperative Phase
Als zweiter medizinischer Prozess wurden die logischen Folgeprozesse des zuvor betrachteten
Narkoseeinleitung Prozesses gewählt. Es handelt sich hierbei um die Prozesse der intraope-
rativen Phase sowie der postoperativen Phase. Die intraoperative Phase beschreibt die Zeit
zwischen Hautschnitt und Naht und die postoperative Phase die Zeit zwischen Naht und Verle-
gung auf Station. Wie beim zuvor beschriebenen Prozess wurde auch hier die Anästhesie-Seite
betrachtet.
Der nachfolgende Prozess ist in Abbildung 5.10 in BPMN modelliert. Es handelt sich dabei um
die Intraoperative Phase. Die Hauptaufgabe der Anästhesie während einer laufenden OP um-
fasst vor allem die Kontrolle der Vitalparameter des Patienten und der Narkose. Es bestehen
jedoch auch zusätzliche Dokumentationsschritte, welche hier erledigt werden müssen. Falls be-
reits entschieden wurde, ob der Patient nach der OP auf die Intensivstation verlegt werden soll,
wird vom Anästhesisten ein Plan für die Weiterbehandlung des Patienten seitens der Intensiv-
medizin geschrieben. Sofern der Patient nach der OP auf eine Normalstation gebracht wird,
entfällt dieser Schritt und der Arzt fährt mit der Bearbeitung der nächsten Aktivität fort, der Do-
kumentation des OP-Teams. Das Ende dieser Phase wird durch das Setzen der Naht markiert,
auch dieser Zeitpunkt muss auf dem OP-Protokoll notiert werden.
Da der zuvor beschriebene Prozess verhältnismäßig kurz ausfällt, wurde die nachfolgende OP
Phase ebenfalls in die Betrachtung miteinbezogen. Es handelt sich dabei um die postoperative
Phase. Sie ist in den Abbildungen 5.11 und 5.12 zu finden. Nachdem die Chirurgie ihre Arbeit
abgeschlossen hat, kann der Patient für den Aufwachraum vorbereitet werden. Hierfür werden
zunächst die sterilen Decken entfernt, um ihn anschließend von der Beatmung trennen zu kön-
nen. Auch kann der Patient vom EKG getrennt werden. Sollte er eine Blutdruckmanschette ge-
tragen haben, wird diese nun abgenommen, ebenso der zuvor angebrachte Schutz der Augen.
Sobald der Patient von den Geräten getrennt wurde, kann er auf ein Bett verlagert und in den
Aufwachraum gebracht werden, wo er an bereits erwähnte Messgeräte angeschlossen wird.
Hier wird zunächst der OP-Bericht eingescannt und abgespeichert. In dieser Zeit sollte auch die
Wirkung des Hypnotikums nachlassen und der Patient langsam erwachen. In diesem Fall kann
nun die Magensonde gezogen und der Tubus entfernt werden, da der Patient nun auch eigen-
ständig atmen kann. Zur Unterstützung wird ihm nun einige Minuten reiner Sauerstoff gegeben.
Während der gesamten Prozedur müssen auch hier die Vitalparameter überwacht werden. So-
bald der Patient ansprechbar ist, wird dieser nach seinem Befinden gefragt. Falls der er keine
Beschwerden hat wird er über den OP Verlauf informiert. Sobald der Patient stabil, ist kann er
auf die zuvor festgelegte Station verlegt werden.
33
5 Erweiterung der BPMN
Narkose
dokumentieren Vitaldaten
dokumentieren
Notfall
jaja
neinnein
Notfall eingetreten
Naht
dokumentieren
OP Team
dokumentieren
jaja
Intensivplan
schreiben
neinnein
Intensiv-
patient?
Abbildung 5.10: intraoperative Phase
Analyse
Auch diese Prozesse werden nun auf ihre kontextuellen Engpässe untersucht. Diese werden an
der Position des Auftretens beschrieben.
Der Prozess der intraoperativen Phase wurde im vorliegenden Beispiel mit sequenziellem Ver-
lauf dargestellt, diese Darstellung wurde aus Gründen der höheren Übersichtlichkeit und damit
bessere Erklärbarkeit gewählt. Man kann sich durchaus andere Anordnungen der einzelnen Ak-
tivitäten vorstellen. Vor allem die Aktivität Narkose dokumentieren ist immer zu dem Zeitpunkt
wichtig, in welchem dem Patienten weitere Narkosemittel zugeführt werden. Ähnlich verhält es
sich mit den Vitalparametern des Patienten, diese müssen in festgelegten Intervallen dokumen-
tiert werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese auch nur zu diesen Zeitpunkten abgelesen
werden. Sie müssen während der gesamten OP stets überwacht werden, um einen nahenden
Notfall unter Umständen frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können. Tritt
34
5.1 Prozesse in der Medizin
Beatmung
abnehmen EKG
abnehmen
Blutdruck-
messung
entfernen
sterile Decken
entfernen Patient auf
Bett verlagern
Pat in
Aufwachraum
bringen
Augenschutz
entfernen
Abbildung 5.11: postoperative Phase (1 von 2)
trotz der engmaschigen Kontrolle ein Notfall ein, so muss auf diesen schnell reagiert werden.
Ein Notfall bedeutet eine drastische Änderung des Kontext, was im schlimmsten Fall zur kom-
pletten Verwerfung des laufenden Prozesses, sprich der laufenden und auch der nachfolgenden
Phasen führen kann.
Ein vergleichbares Verhalten zeigt auch der zweite Prozess. Auch hier ist der kritische Schritt
direkt mit den Vitalparameter des Patienten verbunden. Sollten diese sich ändern und dadurch
vorbestimmte Grenzwerte über- oder unterschreiten, so muss unverzüglich darauf reagiert und
der Patient stabilisiert werden. Ebenso sollte der Arzt die Antwort des Patienten berücksichti-
gen. Wenn der Patient über Übelkeit klagt, so kann es sich um eine Unverträglichkeitsreaktion
auf die Narkose handeln. Auf diese muss entsprechend reagiert werden, indem dem Patienten
eine Nierenschale bereitgestellt wird, falls er sich übergeben muss, um ein Beispiel zu nennen.
35
5 Erweiterung der BPMN
Dokumentation
einscannen Magensonde
entfernen Tubus
entfernen Sauerstoff
geben Vitalwerte
überwachen
Pat. auf
Intensivstation
bringen
jaja
Pat. auf
Normalstation
bringen
neinnein
Intensivpatient?
Vitalparameter
Messung
anschließen
Pat. nach
Befinden
fragen
Abbildung 5.12: postoperative Phase (2 von 2)
Die zuvor beschriebenen und analysierten Prozesse stehen exemplarisch und stellvertretend
für die Anwendungsdomäne Medizin. Sie bieten einen kleinen Einblick in diese höchst komplexe
Domäne.
5.2 Prozesse im Software Engineering
Wie auch bei der ersten Anwendungsdomäne umfasst diese mehrere Subdomänen, welche
unterschiedlichen Zwecken dienen. Anders als in der Medizin müssen die Subdomänen hier
zusammenarbeiten, um das Ziel - eine funktionierende Software - zu erreichen. Auch gibt es
sinnvolle Abfolgen dieser. Diese Abfolgen sind die eigentlichen Software Engineering Prozesse.
In der vorliegenden Arbeit wurde lediglich auf die Subdomäne Programmierung eingegangen. In
dieser Domäne wird die Anwendung in einer Festgelegten Programmiersprache realisiert. Auch
36
5.2 Prozesse im Software Engineering
diese Domäne verfügt über spezifische kontextuelle Einflüsse. Beispiele hierfür sind Bugfixes,
Ad-hoc Aktivitäten, personeller Ausfall oder Probleme im Code. Ebenso muss auf diese Verän-
derungen eingegangen und reagiert werden.
Eine vollständige Umsetzung der hier diskutierten Prozessmodelle in BPMN 2.0 ist unter [Men14]
nachlesen.
5.2.1 Modellierung ohne Kontextabhängigkeit
Wie auch schon in der vorangegangenen Anwendungsdomäne erfolgt auch hier nun die Be-
schreibung zweier ausgewählter Prozesse. Diese wird sowohl in BPMN als auch textuell erfol-
gen. Die Beschreibungen erfassen zum Einen die einzelnen Prozesselemente und zum Anderen
Randinformationen zum Prozessmodell an sich. Diese dienen der Unterstützung des Prozess-
verständnisses und liefern einen kleinen Überblick über die Rahmenbedingungen des selbigen.
Stellvertretend für die Anwendungsdomäne wurden in der vorliegenden Arbeit der Open Unified
Process und der Scrum-Prozess gewählt.
Der Open Unified Process
Der Open Unified Process, ab dieser Stelle als OpenUP bezeichnet, ist ein von der Eclipse
Foundation entwickelter Softwareentwicklungsprozess. OpenUP gehört zu den agilen Prozes-
sen. Er besteht aus mehreren Phasen und ist iterativ und erweiterbar. Weitere Informationen
zu OpenUP sind unter [Ecl] zu finden. In dieser Arbeit wird lediglich auf einen Ausschnitt des
Gesamtprozesses eingegangen, welcher in Abbildung 5.13 abgebildet ist.
Konzeptions-
phase
Lifecycle
Objectives
Milestone
Konzeptions-
phase
Lifecycle
Architecture
Milestone
Entwurfsphase
Initial
Operational
Capability
Milestone
Konstruktions-
phase
Product
Release
Milestone
Abbildung 5.13: OpenUP Lifecycle, Quelle: [Men14]
Der Subprozess, welcher genauer betrachtet wird, ist in beinahe jeder Phase des Prozesses zu
finden und wird als Develop Solution Increment Prozess bezeichnet. Dieser Prozess eignet sich
für die kontextuelle Betrachtung aufgrund seiner, auf den ersten Blick, einfachen Struktur. Die
nachfolgende textuelle Beschreibung bezieht sich in Abbildung 5.14. Die Arbeitsaufgaben, die
diesem Prozess zugrunde liegen, können Anwendungsfälle, Szenarien, Support-Anfragen oder
auch ein Änderungsauftrag sein.
37
5 Erweiterung der BPMN
Lösung
entwerfen
Entwicklertests
implemen-
tieren
neinnein Entwicklertests
durchführen Lösung
integrieren
jaja neinnein jaja
jaja jaja neinnein
Lösung
implemen-
tieren
neinnein
Änderungen
trivial? Test
bestanden? Refaktoring
nötig?
Arbeit
erledigt?
[Technische
Spezifikation]
[Technische
Architektur]
Design Entwickler-
test
Test
Log
Entwickler-
test
Implemen-
tation
Technische
Implementierung Test
Script Entwicklungs-
stufe
[Technisches
Design]
[Technische
Implementierung]
[Technische
Spezifikation]
optionaler
Datenfluss
Abbildung 5.14: Develop Solution Increment Prozess, Quelle: [Men14] mit eigenen Anpassun-
gen
Die folgende Beschreibung bezieht sich auf den Prozess, welcher in Abbildung 5.14 dargestellt
ist.
Zu Beginn des Prozesses muss geprüft werden, ob die angeforderten Änderungen trivial sind.
Diese Prüfung ermöglicht die Entscheidung über die Notwendigkeit eines Lösungsentwurfs. Bei
trivialen Änderungen ist es nicht nötig einen solchen anzufertigen und man kann sofort mit
der Entwicklung der Lösung beginnen. Falls die Änderungen nicht trivial sein sollten, muss ein
Lösungsentwurf angefertigt werden. Hierfür werden die technischen Spezifikationen sowie die
technische Architektur berücksichtigt werden. Ebenso verhält es sich mit eventuell bereits vor-
liegenden Lösungsdesigns. Die Betrachtung dieser ist jedoch optional. Steht das Design der
Lösung fest können die Entwicklertest implementiert werden. Auch hier spielen die technische
Architektur sowie unter Umständen das technische Design eine wichtige Rolle. Zusätzlich zu
den Tests wird auch das Lösungsdesign an dieser Stelle implementiert. Nach erfolgreichem Im-
38
5.2 Prozesse im Software Engineering
plementieren der Tests und der Lösung können diese durchgeführt werden. Besteht die Lösung
den Test nicht, so muss sie neu implementiert und anschließend erneut getestet werden. Dies
geschieht solange, bis die implementierte Lösung die Test besteht. Nach Abschluss dieser Tests
kann es jedoch nötig sein das die Lösung refaktoriert werden muss. Dies soll die Lesbarkeit,
Wartbarkeit und Erweiterbarkeit des Codes verbessern. Wichtig dabei ist, dass das Lösungsver-
halten nicht verändert wird. Sollte die Entscheidung darauf fallen, dass die Lösung refaktoriert
werden soll, beginnt der Prozess von neuem mit der Betrachtung der Änderungen. Fällt die Ent-
scheidung gegen diese Maßnahme, wird die Lösung in das Gesamtsystem integriert. Sofern
diese die letzte fehlende Komponente des Systems war, endet der Prozess an dieser Stelle.
Sollte weitere Komponenten zu entwickeln sein startet, wie bereits beim Refactoring, der Pro-
zess vom neuem.
Als nächster Schritt muss dieser Prozess nun auf seine kontextuellen Abhängigkeiten unter-
sucht werden. Der Prozess hat nur wenig Aktivitäten, welche bei oberflächlicher Betrachtung alle
kontextuell beeinflusst werden. Bereits beim Entwerfen der Lösung existieren mehrere Einfluss-
faktoren, deren Auswirkung berücksichtigt werden muss. Es ist jedoch nicht zwangsläufig nötig
die laufende Aktivität zu unterbrechen, um auf den geänderten Kontext zu reagieren. Ebenso
verhält es sich bei der letzten Aktivität des Modells. Auch hier können sich noch kurzfristige Än-
derungen ergeben, welche eingepflegt werden müssen. Die Implementierung und Durchführung
der Entwickler-Tests, sowie die Implementierung der eigentlichen Lösung wurden bei dieser Be-
trachtung herausgenommen. Der Grund hierfür ist einfach zu erläutern. Erlaubt man bei jedem
Schritt kontextuelle Beeinflussung, ist es möglich, dass der Prozess in eine Endlosschleife ge-
rät. In Kapitel 5.5 werden jedoch zwei alternative Modellierungen angegeben. Eine, die sich auf
diese Analyse stützt und eine zweite, welche auf der anfangs aufgestellten Behauptung basiert,
dass jede Aktivität kontextuell beeinflussbar ist.
Der Scrum-Prozess
Die Bezeichnung Scrum stammt aus dem Rugby und beschreibt dort einen Spielzug. Wörtlich
übersetzt bedeutet es Gedränge. Im Software Engineering steht es für sehr bekannten agilen
Softwareentwicklungsprozesse. Scrum hat einen einfachen und iterativen Aufbau, wodurch er
sich leicht erlernen lässt. Er basiert auf dem Agilen Manifest, nachzulesen unter [BBB+01],
welches die Gewichtung bei agiler Software Entwicklung auf folgende Punkte setzt:
Menschen und Interaktionen vor Prozessen und Werkzeugen
Funktionierende Software vor umfassender Dokumentation
Zusammenarbeit mit Kunden vor Vertragsverhandlungen
Reagieren auf Veränderungen vor dem Befolgen eines Plans
Drei der Autoren des zuvor genannten Manifestes haben Scrum in den 1990er-Jahren entwickelt
und sind bis heute an seiner Weiterentwicklung beteiligt. Eine ausführliche Beschreibung von
Scrum ist unter [NTM14] zu finden. Im Folgenden wird ausschließlich auf den Scrum-Workflow
39
5 Erweiterung der BPMN
eingegangen. Wie bereits im OpenUP-Prozess wird auch hier auf die Rollen, der am Prozess
beteiligten Personen, nur bedingt eingegangen.
Product
Backlog
schätzen
Product
Backlog
priorisieren
Groben
Release Plan
erstellen
neinnein
jaja
Weiterer
Sprint?
Product
Backlog
Product
Backlog
modifizieren
Sprint Planning
Meeting halten
Product
Backlog
Sprint
Backlog
[Tasks]
Sprint
Burndown
Chart
Daily Scrum
Meeting halten
15 min
Problem
Solving
Meeting halten
jaja
Task
Board
Impediment
Backlog
jaja
neinnein
bestehen
Probleme Aufgaben
bearbeiten
nächster
Arbeitstag
neinnein
neinnein
Problemlösung
erarbeitet?
Rest des
Arbeitstages
Sprint Review
Meeting halten
jaja
Task
Board
Sprint
Retrospektive
Meeting halten
Task
Board
Release
Burndown
Chart Impediment
Backlog
Sprint
Ende?
2 4 Wochen
Abbildung 5.15: Scrum: Workflow, Quelle: [Men14] mit eigenen Anpassungen
Die Nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf den Prozess, welcher in Abbildung 5.15 kom-
plett dargestellt ist. In den Abbildungen 5.16 und 5.17 sind einzelne Bereiche des Prozesses
hervorgehoben. Bevor mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann, muss das Team sich
mit dem Product Backlog vertraut machen und auf dessen Basis den Zeitaufwand abschätzen,
um das Projekt abzuschließen. Diese Abschätzung bildet die Grundlage zum Priorisieren des
Backlogs. Auf Basis dessen wird wiederum, in Verbindung mit den zeitlichen Abschätzungen,
der grobe Release Plan erstellt. Mittels dieses Plans werden grobe Feinheiten des Projekts be-
schrieben, wie zu Beispiel die Anzahl der Teams und deren Mitglieder sowie die Menge der
Sprints. Die Dauer eines solchen Sprints ist immer identisch und liegt meist bei 4 Wochen.
40
5.2 Prozesse im Software Engineering
Die nachfolgenden Schritte sind in Abbildung 5.17 hervorgehoben. Jeder Sprint beginnt mit ei-
nem Sprint Planning Meeting. Dieses ist ein eigener Unterprozess, welcher aus zwei Meetings
besteht, auf Grund der Einfachheit dieses Subprozesses wurde hier auf eine explizite Modellie-
rung verzichtet und bei der folgenden textuellen Beschreibung belassen. Im ersten der beiden
Meetings werden die am höchsten priorisierten Einträge des Product Backlogs erläutert und
daraus ein Ziel für den bevorstehenden Sprint definiert. Dieses zuvor festgelegte Ziel wird beim
zweiten Meeting vom entsprechenden Team in konkrete Aufgaben ausgearbeitet, welche an-
schließend in den Product Backlog aufgenommen werden.
Jeder Arbeitstag während eines laufenden Sprint beginnt mit dem so genannten Daily Scrum
Meeting. Dieses Meeting findet stets zur selben Zeit und am gleichen Ort statt. Es darf zwar
jeder daran teilnehmen, allerdings haben nur Scrum-Team Mitglieder Sprachrecht. Bei diesen
Meetings muss jedes Mitglied sich zu drei zentralen Fragestellungen äußern. Zum Einen muss
er offenlegen, was er seit dem letzten Meeting getan hat und was er bis zum nächsten Meeting
schaffen wird. Und zum Anderen, ob es Gründe (so genannte Imperdiments) gibt, die ihn in sei-
ner Arbeit behindern. Diese werden anschließend schriftlich festgehalten. Ein solches Meeting
hat eine maximale Dauer von 15 Minuten. Sollten sich im täglichen Meeting Probleme gezeigt
haben, so wird im Anschluss daran ein Problem Solving Meeting abgehalten. Dieses dient wie
bereits erwähnt dazu die während des täglichen Meetings aufgezeigten Probleme zu diskutieren
und zu lösen. Sofern diese gelöst werden können, wird für den Rest des Arbeitstages an den
definierten Aufgaben gearbeitet. Der nächste Arbeitstag beginnt abermals mit einem täglichen
Meeting. Falls die Probleme nicht gelöst werden können, muss der Sprint abgebrochen werden.
Am Ende eines Sprints oder falls der Sprint auf Grund von Problemen beendet werden musste,
wird ein sogenanntes Sprint Review Meeting abgehalten. Bei diesem werden die Ergebnisse
des Sprints und die erarbeiteten Funktionalitäten präsentiert. Zudem wird hier die Entscheidung
gefällt, ob der Sprint erfolgreich gewesen ist. Im Anschluss daran trifft sich das Team, um den
Sprint retrospektiv zu betrachten. Es wird geprüft, was gut gelaufen ist oder welche Probleme
auftraten. Letztere werden im Imperdiment-Log festgehalten. Zudem wird festgestellt, was man
bei diesem Sprint gelernt hat und was man in die Zukunft mitnehmen möchte oder auch was
man vermeiden sollte. Dieses Meeting markiert das Ende des Sprints und es kann entschieden
werden, ob ein weiter Sprint nötig ist. Trifft dies zu, wird wiederum der Project Backlog modifi-
ziert und der neue Sprint kann beginnen. Falls kein weiterer Sprint nötig ist, wird der Prozess
erfolgreich beendet.
Wie auch bei den Prozessen zuvor, wird auch der Scrum-Prozess auf kontextuelle Einflüsse
analysiert. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Scrum ist, dass das Team während eines
laufenden Sprints die Anforderungen an das System nicht geändert werden dürfen, weswegen
der Prozess in Haupt- und Subprozess aufgeteilt wird. Ebenso erfolgt die Analyse des Prozes-
ses. Die Aufteilung ist in Abbildung 5.16 modelliert. Die Analyse beginnt mit dem Hauptprozess,
wobei der Subprozess Scrum-Sprint hier ausgelassen und daraufhin separat analysiert wird.
41
5 Erweiterung der BPMN
Product
Backlog
schätzen
Product
Backlog
priorisieren
Groben
Release Plan
erstellen
neinnein
jaja
Weiterer
Sprint?
Product
Backlog
Scrum
Sprint
Product
Backlog
modifizieren
Abbildung 5.16: Scrum: Workflow (verkürzt), Quelle: [Men14] mit eigenen Anpassungen
Betrachtet man die vier Aktivitäten, welche dem Sprint vorangehen, unter dem oben beschrie-
benen Gesichtspunkt (keine Änderungen während des Sprints), kommt man zu dem Ergebnis,
dass alle anfallenden Änderungen hier aufschlagen müssen. Bereits im ersten Schritt des Pro-
zesses kann es passieren, dass sich die Anforderungen ändern. Dies hätte unter Umständen
zur Folge, dass die getätigten Schätzungen nicht mehr korrekt sind. Als weiterer Einfluss kann
es bei einem frisch gestarteten Projekt vorkommen, dass sich bei einem bereits fertiggestellten
Produkt dringende Bugfixes ergeben haben, wodurch ein Teil des geplanten Projektteams fürs
erste entfällt. Auch dies führt wiederum dazu, dass die Schätzungen angepasst werden müs-
sen. Ähnliche Einflüsse ergeben sich auch in der zweiten Aktivität und führen zur Anpassung
der Prioritäten. Ebenso einschlägig sind kontextuelle Einflüsse auf die Erstellung des Release-
Plans. Hier kann das Wegfallen eines Kollegen, zum Beispiel auf Grund von Krankheit oder ei-
ner aufgekommenen Ad-hoc-Aktivität eines anderen Projekts, zu Verzögerungen führen. Solche
Kontextänderungen vor dem Start der eigentlichen Entwicklungsarbeit sind zwar ärgerlich jedoch
kompensierbar. Schlimmer wird es, wenn das Projekt bereits angelaufen ist und ein oder auch
mehrere Sprints erfolgreich abgeschlossen wurden. Die Aktivität Product Backlog modifizieren
muss alle kontextuellen Einflüsse auf den Prozess abfangen. Hier muss der Projektrückstand
stets den sich verändernden Gegebenheiten angepasst werden, weswegen diese Aktivität, kon-
textuell gesehen, der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Prozesses ist.
Wie bereits in der Prozessbeschreibung erwähnt, dürfen die Anforderungen an das System wäh-
rend eines laufenden Sprints nicht geändert werden. Ebenso sollte nach Möglichkeit jede andere
Störung des Sprint-Teams von außen vermieden werden. Dass dies in konkreten Fällen nicht im-
mer möglich sein wird, soll an dieser Stelle vernachlässigt werden. Die nachfolgende Analyse
bezieht sich auf die Abbildung 5.17, welche den Scrum Sprint nochmals hervorhebt.
Jeder neue Sprint muss sorgfältig geplant werden, dies passiert beim Sprint Planning Meeting.
Diese Aktivität ist zudem die letzte, bei welcher kontextueller Einfluss von „außen“ auf den Pro-
zess Auswirkung nehmen kann. Diese Einflüsse sollten allerdings nach Möglichkeit vermieden
werden. Wie bereits eingehend erwähnt, basiert Scrum unter anderem auf starker Kommunika-
tion zwischen den Team-Mitgliedern. Eine Aktivität, welche diesen Aspekt fördert, ist das Daily
42
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
Sprint Planning
Meeting halten
Produkt
Rückstand
Sprint
Rückstand
[Tasks]
Sprint
Burndown
Chart
Daily Scrum
Meeting halten
15 min
Problem
Solving
Meeting halten
jaja
Task
Board
Rückstand
Grund
jaja
neinnein
bestehen
Probleme Aufgaben
bearbeiten
nächster
Arbeitstag
neinnein
neinnein
Problemlösung
erarbeitet?
Rest des
Arbeitstages
Sprint Review
Meeting halten
jaja
Task
Board
Sprint
Retrospektive
Meeting halten
Task
Board
Release
Burndown
Chart Rückstands
Grund
Sprint
Ende?
2 4 Wochen
Abbildung 5.17: Scrum: Workflow (Sprint), Quelle: [Men14] mit eigenen Anpassungen
Scrum Meeting. Dieses Meeting bietet zudem die Möglichkeit veränderten Kontext zu registrie-
ren und zu entscheiden, wie darauf reagiert werden soll. Entsteht dadurch ein Problem wird die-
ses schriftlich festgehalten und im anschließenden Problem Solving Meeting ausdiskutiert. An
dieser Stelle des Prozesses werden eventuell auftretende Kontextänderungen weitestgehend
ignoriert, da sie nicht zur Lösung des Problems beitragen. Die nächste kontextuell beeinflussba-
re Aktivität ist die eigentliche Arbeit der Entwickler. Wenn auch die Kontextänderung hier meist in
einem sehr kleinen Rahmen auftritt. Beispiele hierfür wären eine unerwartete Erkrankung oder
Verletzung des Entwicklers oder technische Störungen seines Arbeitsgeräts.
Alles in allem ist Scrum ein Prozess, welcher durch seine Basisidee relativ kontextunabhängig
ist.
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
Die BPMN Syntax erlaubt die Modellierung von Kontext mittels unterschiedlicher Möglichkeiten,
welche untersucht und bewertet werden müssen. Jede dieser Alternativen hat in der BPMN
einen Verwendungszweck, welcher hier exemplarisch genutzt wird um damit kontextuelle Ein-
flüsse abzubilden. Diese wären:
Datenobjekte und Datenfluss
exklusives Gateways
inklusives Gateway
komplexe Gateways
Ereignis-basierte Gateways
angeheftete Ereignisse (zum Beispiel Nachricht, Bedingung oder Signal)
benutzerdefinierte Artefakte
43
5 Erweiterung der BPMN
eine Kombination aus bereits genannten
Wie praktikabel diese Möglichkeiten sind, wird in diesem Abschnitt anhand mehrerer Beispie-
le untersucht. Jede Möglichkeit wird hierzu modelliert und bewertet, indem die Stärken und
Schwachpunkte hervorgehoben und gegeneinander abgewogen werden.
5.3.1 Datenobjekte und Datenfluss
Als erstes Beispiel eignet sich der bereits in der Einleitung beschriebene Prozess der Diagno-
seerstellung. Dieser ist in Abbildung 5.18 modelliert zu sehen.
Pool
ArztPatient
betritt
Arztzimmer
erster visueller
Eindruck
begrüßt
Patient
fragt Patient
nach
Symptomen
berichtet von
seinen
Symptomen
Patienten
Erzählung
visuelle
Begutachtung
sichtbare
Symptome
Akte vorhanden?
Kranken-
geschichte aus
Akte
befrage Patient
jaja
neinnein
erzähle
Kranken-
geschichte
Krankengeschichte
erstelle
Diagnose
Erfahrung
fachlicher
Kenntnisstand zweite
Meinung
Tagesform
teile Patienten
Diagnose mit
höre Diagnose
an
Abbildung 5.18: Kontexteinfluss bei Diagnoseerstellung (Datenobjekte)
Man kann bereits an diesem Minimalbeispiel erkennen, dass bei stark kontextsensitiven Prozes-
sen die Anzahl der Datenelemente und Datenkanten sehr schnell zu unübersichtlichen Modellen
44
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
führt. Was dazu führen kann, dass diese in der Modellierung vernachlässigt werden, wodurch
die Kontextsensitivität im Modell verloren geht. Zudem ist es schwer „normale“ Datenelemente
von den den Kontext beschreibenden zu unterscheiden, ohne letztere explizit zu kennzeichnen.
Dies würde jedoch, besonders bei Prozessen mit hohem Datenaufkommen, die Übersichtlichkeit
weiter herabsetzen und das Design unnötig verkomplizieren.
5.3.2 Exklusive Gateways
Die Verwendung von exklusiven Gateways ist eine intuitive Alternative zur Modellierung von
Kontext. Dieser Gatewaytyp eignet sich hervorragend, um eine aus mehreren Alternativen zu
wählen. Eine der Schwächen dieser Alternative ist, dass stets genau einer der möglichen Pfade
gewählt wird. Sollte die Prozessdefinition es erfordern, dass mehrere Schritte parallel ausge-
führt werden, müssen diese nun durch ein paralleles Gateway zusammengefasst werden. Wie
schnell dies zu äußerst schlecht durchschaubaren und damit wenig einsetzbaren Prozessmo-
dellen führt, ist in Abbildung 5.19 exemplarisch dargestellt. In diesem Beispiel sind lediglich vier
verschiedene Aktivitäten mit allen Kombinationen aus zwei parallelen oder einer einzelnen Ak-
tivität dargestellt. Mögliche Kombinationen in diesem Beispiel wären unter anderem: A, B, C, D,
AB, AC, BD. Würde man nun zudem alle möglichen Kombinationen mit drei Aktivitäten einfügen
oder gar die Anzahl dieser erhöhen, wäre das Modell für einen Menschen nicht mehr lesbar, da
die einzelnen Pfade sich zu sehr überlappen und deswegen nicht mehr nachverfolgbar sind. Für
die Möglichkeit der automatisierten Prozessausführung wäre diese Alternative allerdings nutz-
bar. Dies lässt sich auch mathematisch zeigen. Die Zahl der Möglichkeiten nElemente aus der
Menge kauszuwählen entspricht dem Binominialkoeffizienten, diese Rechnung müsste man
für alle ndurchführen und die Ergebnisse addieren. Dies würde im gegebenen Beispiel bedeu-
ten dass 13 verschiedene Kombinationen abgebildet werden müssten. Erhöht man die Anzahl
der Aktivitäten um eins, so sind es bereits 31 Kombinationen. Zwar lässt sich diese Zahl durch
geschickte Verwendung von Gateways verringern, die Übersichtlichkeit wird durch diese Mög-
lichkeit jedoch nicht erhöht. Dieses einfache Beispiel schließt die Verwendung von exklusiven
Gateways zur Modellierung von Kontextabhängigkeit als allgemeine Alternative aus. Für sehr
kleine Anwendungen ist es jedoch, auf Grund der intuitiven Verwendbarkeit, durchaus geeignet.
5.3.3 Inklusive Gateways
Diese Gateway Typen gleichen die Schwäche des zuvor beschriebenen exklusiven Gateways
aus. Sie ermöglichen es k aus n Pfaden auszuwählen, wodurch die gewünschte Semantik jetzt
mit nur einem anstatt 5 (siehe Abbildung 5.19) Gateways modellieren können. Der Prozessgraph
wird dadurch zwar ein wenig kompakter, jedoch nicht zwangsläufig übersichtlicher. Abbildung
5.20 verdeutlicht diesen Umstand. Zur besseren Übersicht ist der Prozessverlauf in dieser Ab-
45
5 Erweiterung der BPMN
A
B
C
D
Abbildung 5.19: Beispiel für die Komplexität von exklusiven Gateways
bildung von oben nach unten und nicht von links nach rechts wie bei den anderen Prozessen
in dieser Arbeit. Die Abbildung zeigt die Kombination aus neun verschiedenen Aktivitäten, ver-
bunden durch ein inklusives Gateway. Welche dieser Kombinationen ausgeführt werden, wird
anhand von Daten entschieden welche an früheren Punkten der Prozessausführung gesetzt
wurden entschieden. Je mehr Aktivitäten dazukommen, desto größer und unübersichtlicher wird
das Modell. Dies kann vor allem bei Prozessen mit vielen kontextuell beeinflussten Aktivitäten
mit einer Vielzahl von Alternativen zu komplexen Modellen führen. Daraus lässt sich folgern,
dass diese Alternative sich kleine Modelle mit geringer Varietät eignet. Bei großen und komple-
xen Anwendungen ist sie allerdings nicht zu empfehlen.
5.3.4 Komplexe Gateways
Dieses Gateway ist hervorragend geeignet um komplexe Join Prädikate darzustellen. Ein Bei-
spiel für eine solche Anwendung ist in Abbildung 5.21 zu finden. In diesem Beispiel kann die
Aktivität D erst gestartet werden sobald 2 Aktivitäten aus der Menge der Aktivitäten A, B und C
beendet wurden. Angewandt auf die Kontext-Thematik ermöglicht die Verwendung dieses Gate-
ways eine Verringerung der Komplexität beim Zusammenführen mehrerer Pfade.
Wie jedes andere auch, lässt sich das komplexe Gateway als Split verwenden. In einem sol-
chen Fall wäre es möglich ein oder auch mehrere exklusive Gateways ersetzen. Dies hätte eine
Verringerung der Pfade zur Folge, was die Komplexität herabstuft. Allerdings erfordert dies ei-
46
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
Abbildung 5.20: Beispiel für die Komplexität von inklusiven Gateways
ne ausführliche Dokumentation mittels Anotationen. Würden diese weggelassen werden, ist die
Ausführungssemantik des Modells nicht mehr nachvollziehbar und das Modell nur noch einge-
schränkt nutzbar.
5.3.5 Ereignisbasierte Gateways
In Kapitel 2.1.2 wurde die Funktionalität des ereignisbasierten Gateways und dem Unterschied
zu den datenbasierten Varianten erläutert. Beide Typen, parallel und exklusiv, haben jedoch ein-
deutige Schwächen bei der Kontextmodellierung.
Den Anfang macht das parallele Gateway. Die ereignisbasierte Variante existiert einzig als Pro-
zessstartsymbol, zu sehen in Abbildung 5.22. Hier kann es dazu verwendet werden, mehrere
Ereignisse zu korrelieren und dadurch den Prozess starten zu lassen. Dies ist an bestimmten
Stellen eine äußerst nützliche Eigenschaft, reicht jedoch bei weitem nicht aus, um Kontext im
Prozessfluss zu modellieren.
Auch der zweite Gateway-Typ, welcher hier diskutiert wird, verfügt über die Möglichkeit es zur
Prozess-Instanziierung zu verwenden. Diese wird exemplarisch in Abbildung 5.23 dargestellt.
47
5 Erweiterung der BPMN
B
A
C
2 von 3
D
Abbildung 5.21: Beispiel für die Verwendung von komplexen Gateways
Mitarbeiter A
Mitarbeiter B
Aktivität A
Abbildung 5.22: Beispiel für die Verwendung von ereignisbasierten parallelen Gateways
Hierbei muss beachtet werden, dass die Verwendung des Gateways in diesem Fall nicht zwin-
gend notwendig ist. Es ist ebenso möglich dieselbe Semantik mittels zweier Nachrichten- Star-
tevents und einem exklusiven Join-Gateway zu realisieren. Das zusätzliche Gateway trägt in
diesem Fall nicht zur Übersichtlichkeit bei, sondern die Lesbarkeit des Prozesses und erhöht
unnötig die Komplexität. Daraus lässt sich folgern, dass auch dies keine wirkliche Alternative zur
Kontextmodellierung darstellt. Zumal diese Alternative lediglich zur Modellierung des Prozess-
starts verwendet werden kann.
Allerdings lässt sich dieses Gateway, im Gegensatz zum datenbasierten parallelen, an jeder
beliebigen Stelle im Prozess verwenden. Die Auswahl der akzeptierten Ereignisse ist jedoch
eingeschränkt. Eine Übersicht ist in Abbildung 5.24 aufgezeigt. Jede dieser Kombinationen hat
ihre Stärken und Schwächen und muss daher gesondert betrachtet werden. Die Reihenfolge der
Analysen entspricht der Abbildung.
48
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
Projekt A
Projekt B
Aktivität A
Abbildung 5.23: Beispiel für die Verwendung von ereignisbasierten exklusiven Gateways zum
Prozessstart
Nachricht
Die Steuerung des Prozessflusses mittels Nachrichten ist eine elegante und komfortable
Möglichkeit auf Ereignisse zu reagieren. Zumal das Nachrichtenereignis in der BPMN sehr
generisch definiert ist und stellvertretend für Vieles genommen werden kann. Daraus lässt
sich folgern, dass diese Kombination gut geeignet ist, um das gewünschte Ziel zu errei-
chen, die Modellierung von Kontext. Das Problem das hier vorliegt ist das selbe wie bei
andern Alternativen - die Komplexität. Solange sich die Menge der möglichen Nachrichten
in Grenzen hält, ist dies eine anwendbare Alternative. Mit steigender Anzahl der möglichen
Nachrichten wird diese Schwachstelle schwerwiegender. Eine weiterer Schwachpunkt ist
die generische Verwendung des Nachrichtentyps. Da eine Nachricht per se alles sein kann,
steigert es die Komplexität in den Modellen um ein Vielfaches. Zudem muss beachtet wer-
den, dass eine Nachricht in BPMN immer einen festgelegten Empfänger besitzen muss.
Dies ist im Kontextfall nicht immer gegeben. Daraus lässt sich folgern, dass dies nicht die
gesuchte Alternative darstellt.
Zeit
Das Zeitereignis in BPMN ist äußerst flexibel und lässt sich sowohl für Intervalle als auch
für festgelegte Zeitpunkte verwenden. In Kombination mit dem ereignisbasiertem Gate-
way lassen sich zeitgesteuerte Prozessflüsse definieren. Zeit ist ein wichtiger Faktor bei
Kontextbetrachtung, jedoch nicht der einzige. Zudem muss für den Fall, dass mehrere
zeitgesteuerte kontextuelle Einflüsse existieren für jeden Einfluss ein Prozesspfad model-
liert werden. Da, wie bereits erwähnt, Zeit nicht der einzige Kontextfaktor ist reicht diese
Kombination nicht aus um alle kontextuellen Einflüsse zu modellieren. Somit ist diese Kom-
bination für die Kontextmodellierung zwar sehr interessant, jedoch keine Alternative.
Signal
Das Signalereignis in BPMN ist beinahe identisch zu dem Nachrichtenereignis. Der Unter-
schied liegt darin, dass das Signalereignis keinen expliziten Adressat hat. Somit fällt diese
Schwachstelle weg. Es muss allerdings noch immer für jedes mögliche Signal ein Pfad mo-
delliert werden, was bei einer hohen Anzahl möglicher Signale sehr unübersichtlich wird.
49
5 Erweiterung der BPMN
Zeit
Nachricht
Signal
Mehrfach
Bedingung
Empfangs-
Aktivität
Abbildung 5.24: Beispiel für die Verwendung von ereignisbasierten exklusiven Gateways
Zudem muss bei der Verwendung dieser Kombination darauf geachtet werden dass man
sich strikt an die Vorgabe hält, dass ein Signal keinen festgelegten Empfänger hat.
Fasst man dies zusammen ergibt sich der folgende Sachverhalt. Das Signalereignis ist
bis auf einen Unterschied identisch zum Nachrichtenereignis. Es besitzt keinen festgeleg-
ten Empfänger, was eine der Schwächen des Nachrichtenereignisses war. Die Schwä-
che dieses Ereignisses ist, dass die Anzahl der Pfade der der unterschiedlichen Signale
entspricht. Dies hat zur Folge, dass die Modelle, bei entsprechender Signalvielzahl, sehr
unübersichtlich und komplex werden. Diese Schwäche macht die Kombination für die all-
gemeine Kontextmodellierung nicht anwendbar.
Mehrfach
Diese in der Praxis eher unübliche Kombination verfügt über eine interessante Eigenschaft.
Es fasst mehrere unterschiedliche Ereignisse zusammen. Was jedoch im Umkehrschluss
bedeutet, dass es sehr ausführlich dokumentiert werden muss, da es nicht intuitiv ver-
ständlich ist. Trotzdem hat diese Kombination einen Vorteil, die damit modellierten Pro-
zessmodelle sind sehr kompakt und übersichtlich. Jedoch auch unlesbar und so gut wie
nicht verständlich, ohne die dazugehörende Dokumentation zu studieren. Dies bedeutet,
dass die Komplexität des Modells lediglich ausgelagert wird. Sollte diese Kombination
mehrfach im Prozess eingesetzt werden, ist es unter Umständen einfacher, die Dokumen-
tation zu studieren und auch den Rest des Prozesses in diese aufzunehmen. Sollte dieser
Fall eintreten, ist das Erstellen eines BPMN Modells nicht notwendig und erzeugt des-
50
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
wegen unnötige Kosten. Da jedoch genau dies das angestrebte Ziel ist, unter anderem
um die Notwendigkeit einer textuellen Dokumentation zu reduzieren beziehungsweise die-
se möglichst kompakt zu halten, ist die Kombination aus ereignisbasiertem Gateway und
Mehrfachereignis für die Darstellung von Kontext nicht anwendbar.
Bedingung
Bei dieser Kombination ist zu beachten, dass die abgefragte Bedingung unabhängig vom
Prozess erfüllt werden muss. Zudem gilt hier, wie bei vielen anderen Konstrukten, dass
beinahe alles eine Bedingung sein kann, solange diese außerhalb des Prozesses erfüllt
wird. Dies eröffnet ein weites Feld von Möglichkeiten zur Prozesssteuerung. Zu beach-
ten ist jedoch, dass das Erfüllen der Bedingung den Pfad aktiviert. Sofern dies Element
zur Ablaufsteuerung verwendet wird, was bei Kontextbetrachtung durchaus der Fall ist, so
muss der Pfad, bei welchem die Bedingung nicht erfüllt wurde, explizit modelliert werden.
Dies bedeutet im konkreten Fall, dass bei nBedingungen 2nProzesspfade modelliert wer-
den müssen. Sofern ein Standardpfad benötigt wird, muss dieser ebenfalls mit modelliert
werden. Was abermals zu dem Problem der fehlenden Übersichtlichkeit durch eine hohe
Menge an Pfaden führt. Für sich allein genommen ist diese Kombination ebenfalls keine
praxistaugliche Alternative.
Empfangsaktivität
Die Kombination von ereignisgesteuertem Gateway und Empfangsaktivität entspricht se-
mantisch einem Nachrichtenereignis gefolgt von einer Aktivität und stellt somit lediglich
eine verkürzte Notation dar. Auf Basis dieser Tatsache wird diese hier nicht nochmals dis-
kutiert. Die Erwähnung erfolgt nur aus Gründen der Vollständigkeit. Für eine Analyse der
Anwendbarkeit zur Kontextmodellierung sei an dieser Stelle auf die Analyse des entspre-
chenden Ereignisses weiter vorne verwiesen.
Nach der Analyse der einzelnen Variationen muss nun die Möglichkeit der Kombination unter-
schiedlicher Ereignisse betrachtet werden. Auf die Aufzählung aller möglichen Kombinationen
sei an dieser Stelle verzichtet, da es praktisch keine Einschränkung dafür gibt. Es wird einzig
auf die Stärken und Schwächen der Kombination eingegangen und die Verwendbarkeit zur Kon-
textmodellierung betrachtet. Durch die Kombination unterschiedlicher Ereignistypen lassen sich
äußerst feingranulare Prozessflüsse modellieren. Grundvoraussetzung hierfür ist die genaue
Kenntnis der möglichen Ereignisse. Zudem kumulieren die Vorteile der einzelnen Ereignistypen
bei deren Kombination. Dies gilt jedoch ebenso für die Nachteile und Schwächen der einzelnen
Möglichkeiten. Kombiniert man zum Beispiel zwei Alternativen, welche zu unübersichtlichen Pro-
zessen führen, kann der daraus resultierende Prozess noch unübersichtlicher werden. Sodass
deren Summe, je nach Anwendung, überwiegen kann. Im Fall der Kontextmodellierung ist dies
der Fall. Daraus lässt sich folgern, dass dieses Element ebenfalls nicht ausreicht, um Kontext in
Prozessen zu modellieren.
51
5 Erweiterung der BPMN
Nachricht Bedingung Signal
Eskalation Mehrfach
Abbildung 5.25: Betrachtete Ereignistypen
5.3.6 angeheftete Ereignisse
Eine Alternative, welche auf den ersten Blick immense Möglichkeiten eröffnet, sind die ange-
hefteten Ereignisse. Sie bieten beinahe die gesamte Bandbreite der in der BPMN definierten
Ereignistypen und lassen sich zudem in unterbrechende und nicht unterbrechende angehefte-
te Ereignisse unterteilen. Im Folgenden werden die einzelnen Typen als unterbrechendes und
als nicht unterbrechendes angeheftetes Ereignis einzeln betrachtet und auf ihre Verwendbar-
keit untersucht. Eine Kombination dieser mit anderen BPMN Konstrukten wird an dieser Stelle
ausgelassen, da sie im Kapitel 5.3.8 eingehend betrachtet werden. Eine Übersicht über die be-
trachteten Ereignistypen ist in Abbildung 5.25 gegeben.
Den Anfang macht das Nachrichten-Ereignis. In Abbildung 5.26 wurde ein solches Ereignis ver-
wendet, um sich verändernden Kontext und die daraus resultierenden Aktivitäten zu modellieren.
Das Beispiel stellt einen Auszug aus einem möglichen größeren Softwareentwicklungsprozess
dar. Der Akteur bearbeitet die Aufgabe Meilenstein implementieren, als eine Nachricht von ei-
nem Kollegen eintrifft, welche ihn darüber in Kenntnis setzt, dass die Konvention zur Benennung
der Variablen geändert wurde. Diese Nachricht muss der Akteur zwar zur Kenntnis nehmen und
den daraus resultierenden Schritt, die Umbenennung von bereits verwendeten Variablen, zwar
ausführen, muss dafür jedoch nicht seine aktuelle Arbeit unterbrechen.
Ganz anders sieht es in Abbildung 5.27 aus. In diesem Beispiel informiert die ankommende
Nachricht über eine wichtige Änderung in den Anforderungen, was ein sofortiges Meeting erfor-
dert. Hierfür muss die Bearbeitung der aktuellen Aufgabe abgebrochen werden.
Die erste Schwäche dieser Möglichkeit lässt sich direkt aus den zuvor verwendeten Beispielen
ableiten. Die Entscheidung, ob das angeheftete Ereignis den Prozessschritt unterbrechen soll
oder nicht, hängt häufig von der eingehenden Nachricht ab. Entfernt man sich vom der reinen
Modellierungsgedanken, kann man allerdings argumentieren, dass das Lesen einen Nachricht,
unabhängig von ihrem Inhalt, immer zu einer Unterbrechung der Aktivität führt. Dies ist soweit
zwar korrekt, trifft jedoch nicht den Kern dessen, was der Standard als unterbrechend definiert.
In dem meisten Fällen wird die Bearbeitung der Aktivität unterbrochen, um die eingegangene
52
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
implementiere
Meilenstein
passe
vorhandene
Namen an
Variablen-
benennung
geändert.
Abbildung 5.26: Beispiel für nicht unterbrechendes angeheftetes Nachrichtenereignis
Nachricht zu lesen. Der Unterschied liegt darin, was danach geschieht. Kehren wir zur Bearbei-
tung der Aktivität zurück, so gilt diese als nicht unterbrochen. Die zuvor genannte Entscheidung
lässt sich jedoch nicht mit den von der BPMN definierten Mitteln modellieren, was diese Alter-
native nicht brauchbar macht um kontextuelle Einflüsse darzustellen. Die zweite Schwäche teilt
sich das Nachrichten Ereignis mit allen anderen angehefteten Ereignissen und wird deswegen
am Ende dieses Kapitels beschrieben.
Das nächste angehängte Ereignis, welches hier betrachtet wird, ist die Bedingung. Hierbei wird
eine Bedingung, welche außerhalb des Einflussbereiches des Prozesses erfüllt werden muss,
ausgewertet. Ein, an sich, vielfältiges Werkzeug zur Prozesssteuerung. Die Schwäche liegt hier
in der Definition. Die Bedingung muss zwingend außerhalb des Prozesses erfüllt werden. Dies
ist bei Kontextänderungen nicht immer gegeben! Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass in
der vorliegenden Arbeit der Kontext nicht als Rahmenbedingung des Prozesses gesehen wird.
Aus den genannten Gründen ist die Verwendung des Bedingungsereignisses als angehängtes
Ereignis nicht durchgehend geeignet um Kontext darzustellen.
Fortgesetzt wird die Reihe durch einen Ereignistyp, welcher dem Nachrichtenereignis stark äh-
nelt. Dem Signalereignis. Wie bereits in Kapitel 5.3.5 beschrieben, ist der Hauptunterschied,
zwischen den beiden Ereignistypen der Empfänger. Während eine Nachricht zielgerichtet ist
und einen festgelegten Empfänger hat, entspricht ein Signal eher einer Zeitungsanzeige deren
Empfänger derjenige ist, wer auf die Anzeige als erster reagiert. Es wird ausgelöst und jemand
reagiert darauf. Zu Beginn des Abschnittes wurde eine Schwäche des Nachrichtenereignisses
beschrieben, die Auswertung, ob es unterbrechend ist oder nicht zum Zeitpunkt der Modellie-
rung. Diese Schwäche existiert beim Signalereignis ebenfalls.
53
5 Erweiterung der BPMN
implementiere
Meilenstein
gehe zum
Meeting
Wichtige Änderung
der Anforderung!
Abbildung 5.27: Beispiel für unterbrechendes angeheftetes Nachrichtenereignis
Ein Ereignis, welches mehr der Vollständigkeit halber hier aufgenommen wurde, ist das Eska-
lationsereignis. Das Ereignis dient der Kommunikation zwischen Subprozess und Oberprozess.
Zur Modellierung von Kontext daher gänzlich ungeeignet.
Auch das nächste Ereignis wurde bereits in einem anderen Zusammenhang betrachtet. Es han-
delt sich hierbei um das Mehrfachereignis. Und auch hier ergibt sich die selbe Schwachstelle, es
ist nicht intuitiv und muss ausführlichst dokumentiert werden. Daraus ergibt sich die Frage, ob
es nicht einfacher ist, den gesamten Prozess textuell zu beschreiben. Und auch an dieser Stelle
ist dies nicht das angestrebte Ziel. Weswegen von der Verwendung des Mehrfachereignisses
zur Kontextdarstellung an dieser Stelle abgeraten sei.
Zu Beginn dieses Kapitels wurde angesprochen, dass alle angehängten Ereignisse einen ge-
meinsamem Schwachpunkt besitzen, welcher nun genauer betrachtet werden soll. Der erste
Punkt, welcher in diesem Zusammenhang angesprochen werden muss, ist die Bedeutung der
Symbole. Sie sind meist sehr generisch und haben daher sehr viele Deutungsmöglichkeiten.
Daraus folgt, dass die textuelle Dokumentation der Prozesse äußerst umfangreich sein muss,
was, wie bereits erwähnt, nicht zielführend ist. Zudem die einzelnen Symbole für sich allein oft
nicht ausreichend sind, um komplexe Modelle darzustellen. Erst die Kombination mit anderen
Symbolen ermöglichen es alle benötigten Situationen zu darzustellen. Dieser Umstand kann je-
doch zu sehr komplexen und unübersichtlichen Prozessmodellen führen, welche wiederum eine
umfangreiche textuelle Dokumentation erforderlich machen.
54
5.3 Diskussion möglicher Alternativen
5.3.7 benutzerdefinierte Artefakte
Die Möglichkeit benutzerdefinierte Artefakte in die Prozessmodelle einzubauen bietet eine Al-
ternative, deren genauere Betrachtung, für die gegebene Fragestellung, lohnenswert ist. Es ist
dadurch möglich, kontextuell interessante Aktivitäten mit einem aussagekräftigen Artefakt zu
verbinden und dieses damit eindeutig zu kennzeichnen. Es wäre, mittels dieser Artefakte, daher
möglich, kontextuellen Einfluss klar und sauber von Datenelementen zu trennen. In Abbildung
5.28 wurde ein mögliches Artefakt als Beispiel modelliert.
Planungs-
meeting
abhalten
K
Abbildung 5.28: Beispiel für eigenes Artefakt
Statt neue Symbole einzuführen, könnte das eine Alternative sein. Wie allerdings der Name
schon sagt, handelt es sich hierbei lediglich um Artefakte. Damit ist es zwar möglich, auf Kontext
bei einer Aktivität hinzuweisen, jedoch nicht diesen auch zu modellieren. Zudem können Mo-
delle, welche mit eigenen Artefakten versehen wurden, nicht von anderen gelesen werden, da
dieser Person die Artefakte und deren Bedeutung nicht bekannt sind.
5.3.8 Kombinationen aus verschieden Alternativen
Wie bereits erwähnt, ist die umfangreichste Alternative die Kombination aus mehreren zuvor dis-
kutierten. Die Stärken der einzelnen Symbole summieren sich, allerdings auch die Schwächen.
Ein Beispiel für solch eine Kombination sind die ereignisbasierten Gateways. Es ist jedoch auch
jede andere, syntaktisch korrekte, Kombination möglich. Solche Kombinationen sind unter Um-
ständen die einzige Möglichkeit komplexe Prozesspfade zu modellieren. Ein Beispiel für eine
solche Kombination ist in Abbildung 5.29 dargestellt.
Das Beispiel ist Teil eines OP-Prozesses. Während der Anästhesist die Vitalparameter des Pa-
tienten dokumentiert, ergibt sich eine Komplikation bei der laufenden OP. Für ihn bedeutet das,
dass er die Narkosedauer verlängern muss. Zudem muss er die Normalstation darüber in Kennt-
nis setzen, dass der Patient vorerst auf die Intensivstation verlegt wird. Selbige muss er ebenfalls
über den ungeplanten Zugang informieren. In dieser Zeit kann er bereits beginnen den Intensiv-
plan für den Patienten zu schreiben. In diesem Beispiel wurde die Möglichkeit, dass ein Patient
55
5 Erweiterung der BPMN
Vitalparameter
dokumentieren Naht
dokumentieren
Narkosedauer
verlängern
Intensivplan
schreiben
Komplikationen
Aufwachraum
benachrichtigen
Intensivstation
benachrichtigen
Normalstation
benachrichtigen
Abbildung 5.29: Kombination verschiedener Alternativen
auf Grund der Komplikationen die OP nicht überlebt ausgelassen. Dieser Fall müsste zusätzlich
modelliert werden und würde damit die Komplexität des Modells weiter erhöhen. Diese Kom-
plexitätserhöhung in Kombination mit den aufsummierten Schwächen der einzelnen Symbole
machen, diese Alternative nicht allgemein anwendbar.
5.4 Vorschlag für neue Symbole
Die Aufteilung der vorgeschlagenen Symbole entspricht der im Standard verwendeten. Entspre-
chend dieser werden in diesem Abschnitt die Symbole eingeführt und deren Semantik aus-
führlich erläutert. Zudem soll nun an dieser Stelle noch einmal auf den Unterschied zwischen
Ausnahmebehandlung und Kontextänderung eingegangen werden.
Den Anfang macht das Konzept der Ausnahmebehandlung, oft auch als exception handling be-
zeichnet. Dieses Konzept wird oft eingesetzt, um auf Fehler oder ungewollte Zustände in einem
Programm zu reagieren. Diese Ausnahmen können entweder direkt an dem Ort bearbeitet wer-
den, an welchem sie auftreten, oder an die nächst höhere Instanz weitergegeben werden. Beim
Programmieren wäre dies zum Beispiel die aufrufende Methode.
Ein weiteres Prinzip der Ausnahmebehandlung ist das sogenannte Sagas (siehe [GMS87]). Es
basiert auf dem „Alles-oder-Nichts“ Prinzip, welches auch bei Datenbanken Anwendung findet.
Einzelne Aktivitäten werden als Teiltransaktionen betrachtet, bei welchen zwei Arten von Aus-
nahmebehandlung existieren. Welche davon angewandt wird, hängt davon ab, ob die Aktivität
beendet oder abgebrochen wurde. Sollte eine Transaktion zum Zeitpunkt des Fehlers, bereits
abgeschlossen worden sein, werden Kompensationsschritte für diese Transaktion eingeleitet.
Andernfalls wird die Aktivität zurückgesetzt. Sagas findet vor allem im Bereich Service-Oriented
Computing Anwendung.
Kontextänderungen hingegen sind nicht zwangsläufig Fehler oder unerwartete Situationen. Es
56
5.4 Vorschlag für neue Symbole
ist vielmehr das, was sich im Laufe der Prozessausführung ändert. An dieser Stelle muss je-
doch darauf geachtet werden, welcher Kontext sich ändert. Als Kontext wird auch das Umfeld
der Prozessausführung bezeichnet. Die Änderung dieses Umfelds, zum Beispiel der Ort an wel-
chem der Prozess ausgeführt wird, kann allerdings auch eine Kontextänderung im Sinn dieser
Arbeit herbeiführen. Wichtig hierbei ist auch, dass diese Änderung vom Kontext ausgeht.
Eine Kombination beider Konzepte ist durchaus möglich und praktikabel. Vor Allem die Anwen-
dung von exception handling-Methoden im Rahmen der Kontextmodellierung.
Da nun die Abgrenzung geschaffen wurde, können die vorgeschlagenen Symbole vorgestellt
und erläutert werden. Eine Übersicht dieser ist in Abbildung 5.30 dargestellt. Die Beschreibung
erfolgt entlang der Abbildung von links nach rechts und von oben nach unten. Es wird jeweils ein
Symbol vorgestellt, die Semantik erläutert und eine Abgrenzung zu bereits bestehenden Symbo-
len geschaffen. Zudem wird die Verwendung jedes Symbols mittels eines Beispiels verdeutlicht.
kontextsensitive
Aktivität
kontextabhängige
Aktivität
Zwischenereignis
Kontext lesend
Kontextstartereignis
Kontextendereignis Zwischenereignis
Kontext ändernd
Abbildung 5.30: Vorgeschlagene Symbole
Den Anfang mach das Kontextstartereignis, dieses ist eine Spezialisierung des normalen Star-
tereignisses. Es zeigt an, dass ein Prozess durch sich verändernden Kontext gestartet wird.
Es wird empfohlen dieses Symbol mit einem zusätzlichen Kommentar zu versehen, um die Art
der Kontextänderung zu spezifizieren. Ein Beispiel, wo spezialisierte Start- oder Endereignisse
häufig angewendet werden, sind Subprozesse. Ein solches finden sie in Abbildung 5.31.
Dieser Subprozess könnte in einem größeren Software Engineering Prozess eingebettet sein
und wird dadurch ausgelöst, dass ein Kollege sich krankmeldet. Die eingehende Krankmeldung
bedeutet einen, zumindest zeitlich begrenzten, Personalausfall, was eine Kontextänderung be-
57
5 Erweiterung der BPMN
Kollege meldet
sich krank
TODO-Liste
bestimmen nein
Backlog
anpassen
Vertretung
bestimmen
jaja
Rückfall
verkraftbar?
Abbildung 5.31: Beispiel für die Verwendung des Kontextstartereignisses
deuten kann. Nachdem die Krankmeldung eingegangen ist, wird die TODO-Liste des Kollegen
für den Zeitraum, für den er sich krankgemeldet hat, überprüft, um zu entscheiden, ob der da-
durch entstehende Rückschlag verkraftbar ist. Ist dies der Fall, muss der Backlog entsprechend
angepasst werden. Falls nicht, so muss man einen qualifizierten Vertreter bestimmen.
Welchen Vorteil hat nun die Verwendung dieses Symbols entgegen dem bereits vorhandenen?
Mit dem neuen Symbol soll eine klare Abgrenzung des Kontextes von einfachen Variablenän-
derungen sichtbar gemacht werden. In dem zuvor beschriebenen Beispiel wäre es zwar auch
möglich gewesen ein Nachrichtenereignis zu verwenden, jedoch wäre die Kontextänderung da-
durch nicht mehr ersichtlich.
Das nächste wichtige Element ist das Kontextendereignis. Wie bereits das zuvor beschriebene,
ist auch dieses eine Spezialisierung des normalen Endereignisses. Es wird verwendet, wenn
der Abschluss eines Prozesses Auswirkung auf den Kontext hat. Dies kann sowohl ein planmä-
ßiges als auch ein alternatives Ende sein. Dieses Ereignis ist besonders für Subprozesse von
Interesse. Hier kann die Auswirkung des Prozesses auf den Kontext deutlich gemacht werden.
Ein Beispiel für die Verwendung im Subprozess ist in Abbildung 5.32 zu finden.
Reanimation
Epinephrin
geben
Defibrillator
anwenden
Abbildung 5.32: Beispiel für die Verwendung des Kontextendereignisses
58
5.4 Vorschlag für neue Symbole
Dieses Beispiel zeigt die letzten Aktivitäten des Reanimationsprozesses, wie er in einem Klini-
kum oder im Rettungsdienst vorkommen kann. Nach Anwendung des Defibrillators wird dem
Patienten noch Epinephrin verabreicht, um ihn so zu stabilisieren. Je nachdem, wie der Patient
reagiert, wird der auslösende Prozess beeinflusst. Diese Beeinflussung ändert den Kontext.
Ebenso wie das Kontextendereignis aufzeigt, dass das Prozessende den Kontext verändert,
zeigt das Kontextstartereignis, dass der Prozess durch sich verändernden Kontext gestartet
wird.
Ein Elementtyp, welcher in der BPMN ebenfalls große Bedeutung hat, sind die Zwischenereig-
nisse. Hier wird zwischen ausgelösten und eingetretenen unterschieden. In der vorliegenden
Arbeit wird zunächst das eingetretene Zwischenereignis betrachtet.
Wie im Standard vorgesehen, wartet die Prozessausführung bei Ankunft an diesem Ereignis, bis
es eintrifft. Dieses Verhalten lässt sich gut an einem Beispiel erklären. Die nachfolgende Erklä-
rung bezieht sich in Abbildung 5.33, welches ein Beispiel für die Verwendung dieses Ereignisses
darstellt.
Hypnotikum
verabreichen intubieren
Patient unter
Narkose
Muskel-
relaxans
verabreichen
Abbildung 5.33: Beispiel für die Verwendung des Zwischenereignisses Kontext lesend
Der Patient erhält vom Anästhesisten ein Hypnotikum (Schlafmittel) und ein Muskelrelaxans
verabreicht. Nun muss abgewartet werden, bis der Patient eingeschlafen ist, bevor man ihn in-
tubieren kann.
Ähnliche Beispiele wie in Abbildung 5.33 lassen sich in jedem Fachbereich finden. Es ist jedoch
auch möglich, ein Domänen unabhängiges Beispiel anzugeben: Die Verwendung des Kontex-
tereignisses zur Steuerung eines ereignisbasierten Gateways. In diesem Szenario kann man
zudem das Kontextereignis mit anderen Ereignistypen kombinieren, um so möglichst viele Fälle
abzudecken.
Auch hier gilt wiederum, dass das Symbol genau die Nische auffüllt, welche die vorhandenen
Symbole nicht abdecken.
Das ausgelöste Zwischenereignis hat eine etwas andere Semantik. Der Prozess löst das Ereig-
nis aus, welches den Kontext ändert, und läuft weiter. Es muss nicht gewartet werden. In Abbil-
dung 5.34 wird das Ereignis anhand eines Auszugs aus dem Prozess der Diagnoseerstellung
exemplarisch verwendet. Zur Verdeutlichung der Semantik wird der Ausschnitt nun nochmals
beschrieben.
59
5 Erweiterung der BPMN
Laborbericht
auswerten Diagnose
verfeinern
Abbildung 5.34: Beispiel für die Verwendung des Zwischenereignisses Kontext schreibend
Sobald der Arzt die Laborergebnisse des Patienten ausgewertet hat, ändert das den Kontext.
Die Änderung hierbei ist der Kenntnisstand, zuvor konnte der Arzt sich lediglich auf klar erkenn-
bare Symptome und die Schilderung des Patienten stützen um eine Diagnose zu stellen. Die
neuen Erkenntnisse stellen unter Umständen die Symptome und Schilderungen in einem neuen
Licht dar und ermöglichen so eine Verfeinerung der Diagnose.
Ereignisse können in der BPMN allerdings nicht nur für sich allein stehen, sondern, wie bereits
beschrieben, an Aktivitäten angehängt werden. Der Standard unterscheidet hierbei zwischen un-
terbrechenden und nicht unterbrechenden Ereignissen. Die entsprechenden Konzepte wurden
ebenfalls auf die Betrachtung des Kontextes übertragen. Hierfür wurden im Grundlagenkapitel
die Definitionen für Kontextsensibilität (Definition 2.4) und Kontextabhängigkeit (Definition ??)
eingeführt. Entsprechend dieser Definitionen wurden auch neue Symbole entwickelt, welche an
dieser Stelle erläutert werden.
Die kontextsensitive Aktivität muss, wie in der Definition beschrieben, bei einer Kontextänderung
nicht unterbrochen werden. Eine mögliche Anwendung ist in Abbildung 5.35 gegeben, diese wird
nun ebenfalls erläutert.
Zugang legen Medikament
anschließen
jaja
neinnein
Venen
vorhanden?
Abbildung 5.35: Beispiel für die Verwendung der kontextsensitiven Aktivität
Der Mediziner versucht einen venösen Zugang zu legen, was aus unbestimmten Gründen nicht
klappt. Dieser Misserfolg hat eine Änderung des Kontext Patient zur Folge, da die Vene nun
60
5.4 Vorschlag für neue Symbole
nicht mehr verwendet werden kann. Solange der Patient noch über ausreichend zugänglicher
Venen verfügt, kann folglich ein neuer Zugang gelegt werden, an welchem, im Anschluss daran,
das Medikament angeschlossen wird. Der Arbeitsschritt muss bei einem Misserfolg jedoch nicht
gleich unterbrochen werden, um, unter Umständen, etwas anderes zu tun. Ein solcher Prozess-
schritt wäre nach Definition kontextabhängig, exemplarisch in Abbildung 5.36 verwendet.
zu operierende
Stelle rasieren
Operateur-
entscheidung
abwarten
Eiternde
Wunde
Abbildung 5.36: Beispiel für die Verwendung der kontextabhängigen Aktivität
Bei diesem Beispiel wurde dem Patienten die zu operierende Stelle rasiert. Hierbei kam eine ei-
ternde Wunde zum Vorschein. In diesem Fall muss das Rasieren unterbrochen werden, da man
durch die Rasur dem Patienten möglicherweise Schaden zufügen würde. Bevor das weitere Vor-
gehen besprochen werden kann, muss die Entscheidung des Operateurs abgewartet werden.
Nachdem die Beschreibung der Symbole erfolgt ist, bleibt die Frage zu klären, welchen Vor-
teil diese Symbole entgegen den bereits vorhandenen bringen. Um diese Frage beantworten
zu können, muss eine klare Abgrenzung zu bereits vorhandenen gemacht werden. In Kapitel
5.3 wurden mögliche alternative Modellierungen diskutiert mit dem Ergebnis, dass keine davon
optimal geeignet ist und jede über mehr oder weniger Schwachstellen verfügt. Die hier vorge-
stellten Symbole wurden auf Basis dieser Betrachtung verfeinert. Zuvor wurde eine Auswahl in
Frage kommender Symbole erarbeitet. Diese stützten sich auf Beobachtungen reeller Prozesse
und Diskussionen mit Fachanwendern. Das Ergebnis ist eine Menge von Symbolen, welche die
Nische der Kontextmodellierung ergänzen soll. Sie ermöglichen die Modellierung von Kontex-
tänderungen und den daraus resultierenden Aktivitäten. Hierfür ist es oftmals von Nutzen sie
mit bereits vorhandenen Symbolen zu kombinieren, um alle Aspekte erfassen zu können. Die
so erstellten Prozessmodelle sind kompakter und transparenter als bei der Modellierung mittels
der diskutierten Alternativen.
61
5 Erweiterung der BPMN
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
Im nun folgenden Abschnitt werden die zuvor vorgestellten Prozesse unter Verwendung der vor-
geschlagenen Symbole neu modelliert. Die Modelle zielen vor allem darauf ab die kontextuellen
Einflüsse auf die Prozesse und die Reaktionen darauf abzubilden. Die Aufteilung ist identisch
zum bereits vorhandenen. Den Anfang machen die Prozesse aus der Domäne Medizin gefolgt
von den Prozessen des Software Engineering.
5.5.1 Medizin
Bei den Prozessen dieser Anwendungsdomäne wurde, zusätzlich zu der Modellierung der kon-
textuellen Einflüsse, sofern möglich und sinnvoll Parallelität eingebaut. Zudem wurden die farbi-
gen Markierungen, wie sie bei der Analyse verwendet wurden, aus den Modellen entfernt.
Narkoseeinleitung (Präoperative Phase)
Wie bereits zuvor macht der Prozess der Narkoseeinleitung den Anfang. Um die Modelle mög-
lichst gut vergleichbar zu machen, wurde bei der Modellierung mit den vorgeschlagenen Symbo-
len die selbe Aufteilung gewählt wie bei der ersten Modellierung. Zusätzlich zur Kontextmodellie-
rung wurden Schritte, bei denen er möglich und sinnvoll war, parallelisiert. Dieser Aspekt wurde
in der ersten Modellierung herausgenommen, da es für die Analyse einfacher war die Schritte
linear zu betrachten. Zudem hängt die Parallelisierung bei diesem Prozess davon ab wie viele
Personen zum Anästhesie-Team gehören. Beide Prozessmodelle sind korrekt und lassen sich
kombinieren. Die Aufteilung in die einzelnen Phasen ist identisch mit der ersten Modellierung.
Phase 1
Gleich die erste Phase des Prozesses verfügt bereits über mehrere Anpassungen, zu se-
hen in Abbildung 5.37. Auffällig ist, dass die Prüfung der Patientenidentität hier eine eige-
ner Subprozess ist. Dies ist nötig, um eine übersichtliche Kontextbehandlung modellieren
zu können. Fasst man die Schritte nicht zusammen, müsste jedes eine eigene Kontext-
behandlung erhalten. Dies widerspricht der Anforderung, dass die Modelle möglichst kom-
pakt sein sollen. Durch das Zusammenführen in einen Subprozess ist dies jedoch möglich.
Die Kontextbehandlung in diesem Fall ist die Suche nach der korrekten Patientenakte für
den zu narkotisierenden Patienten. Sollte die Akte nicht auffindbar sein, kann der Patient
aus Sicherheitsgründen nicht operiert werden und der Prozess wird beendet. Wird diese
gefunden, muss nochmals die Identitätsprüfung durchgeführt werden. Der nächste Schritt,
welcher neu modelliert wurde, ist die Prüfung der Nüchternheit des Patienten. Sollte die-
ser, entgegen aller Anweisungen, nicht nüchtern sein, führt dies zum Abbruch des Pro-
zesses mit einem Vermerk in der Patientenakte. Da dieser nicht an eine bestimmte Person
adressiert ist, kann er als Signal modelliert werden. Ebenfalls ist anzumerken, dass es kei-
ne feste Reihenfolge beim Anlegen der Vitalparameter Messgeräte gibt, weswegen diese
62
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
Schritte parallel modelliert wurden.
Bereits bei dieser verhältnismäßig kurzen Phase konnten durch die Verwendung der vor-
Einleitungs-
raum betreten
Small Talk
Pat. Name
abgleichen
Patientenakte
Geburtsdatum
abgleichen Allergien
abgleichen Nüchternheit
abfragen
Zahnstatus
prüfen
Zahnstatus
nicht
vorhanden
nicht
vorhanden Zähne
einsetzen
vorhandenvorhanden EKG Aufkleber
anbringen
Blutdruck-
manschette
anlegen
Sättigungsclip
anlegen
Patienten Identität sicherstellen
richtige Akte
suchen
jaja
neinnein
Akte
gefunden?
Abbildung 5.37: Narkoseeinleitung (Teil 1 von 6), Modellierung mit neuen Symbolen
geschlagenen Symbole, zusätzliche Informationen ins Prozessmodell eingefügt werden,
ohne die Komplexität des Modells unnötig zu steigern. Durch die Kapselung der einzelnen
Schritte zur Sicherstellung der Patientenidentität in einem Subprozess, ist es möglich den
kontextuellen Einfluss aller drei Schritte auf einmal zu modellieren. Somit wird das Mo-
dell um die Information angereichert, welche Schritte zu unternehmen sind, sollte die Akte
nicht zu dem aktuellen Patienten gehören, um ein Beispiel zu nennen.
Phase 2
Die zweite Phase startet mit einer kontextsensitiven Aktivität, dem Legen eines venösen
Zugangs. Wie bereits erläutert hängt der Erfolg dieser Aktivität vom Zustand der Patien-
tenvenen ab. Ist es auf den ersten Versuch nicht möglich, wird solange eine neue Vene ge-
nommen, wie Venen vorhanden sind. Sollte keine Vene mehr zur Verfügung stehen, muss
63
5 Erweiterung der BPMN
ein arterieller Zugang gelegt werden. Unabhängig von der Art des Zugangs wird dem Pa-
tienten im nächsten Schritt eine Beatmungsmaske auf das Gesicht gehalten. Durch diese
wird dem Patienten Narkosegas verabreicht, um die Einleitung zu beschleunigen und es
dem Patienten somit einfacher zu machen. Da das zuvor genannte Gas jedoch nicht immer
verabreicht wird, startet der Subprozess Narkoseeinleitung mit einem Kontextstartereignis.
Ein weiterer Grund für die Verwendung dieses Ereignisses sind eventuelle Unverträglich-
keiten beziehungsweise Allergien des Patienten. Diese können die Wahl der Medikamen-
te, welche im Subprozess verabreicht werden, beeinflussen. Beendet wird der Subprozess
mit einem Kontextendereignis. Abhängig von der Menge der verabreichten Medikamente
ist der Patient für eine bestimmte Zeitdauer narkotisiert.
Zugang legen
Zugang legen Maske auf
Mund und
Nase halten
Narkosegas
Opiat
verabreichen Hypnotikum
verabreichen
Muskel-
relaxans
verabreichen
Narkoseeinleitung
Medikamentation
jaja
neinnein
Venen
vorhanden?
arterieller
Zugang legen
Abbildung 5.38: Narkoseeinleitung (Teil 2 von 6), Modellierung mit neuen Symbolen
Sobald der Patient schläft, kann der nächste Subprozess beginnen, welcher in Abbildung
5.39 sowie Abbildung 5.5 zu sehen. Im zweiten Abschnitt bestehen keine kontextuellen
Abhängigkeiten, Daher wurde dieser nicht neu modelliert und wird in diesem Kapitel nicht
nochmal abgebildet.
Die Änderungen beginnen hier etwa ab der Mitte des Subprozesses. Das Heben der
Epiglottis des Patienten ändert den Kontext für den Arzt. Erst jetzt kann er beurteilen,
ob er für das Legen des Tubus eine Einführhilfe verwenden möchte oder nicht. Abhängig
von den Vorlieben des Arztes und den vorhandenen Möglichkeiten, kann nun, bei positiver
Entscheidung, die Art der Einführhilfe gewählt werden. Nachdem diese Entscheidungen
getroffen wurden, kann, als letzte Aktivität in diesem Abschnitt, die Magensonde gelegt
werden. Da Erfolg oder Misserfolg dieser Aktion von der Speiseröhre des Patienten ab-
hängt, ist diese Aktivität ebenfalls kontextsensitiv. Sollte man die Magensonde nicht gut
einführen können, wird sie mittels der so genannten Magill-Zange eingeführt. Sobald die
64
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
endotracheale Intubation
Pat.-Kopf
hochlegen Nacken leicht
überstrecken
Jackson-Position
Pat. Kiefer
öffnen Laryngoskop
einführen Epiglottis
heben
Einführhilfe
verwenden
Einführhilfe
wählen
neinnein
Einführhilfe
jaja
Magensonde
legen
Margill-Zange
verwenden
Trachea gut
zugänglich?
Abbildung 5.39: Narkoseeinleitung (Teil 3 von 6), Modellierung mit neuen Symbolen
Magensonde liegt, kann auch der Tubus eingeführt werden. Dieser Schritt liegt allerdings
bereits im nächsten Abschnitt, welcher, wie zuvor erwähnt, nicht neu modelliert wurde.
Beim letzten Abschnitt dieser Phase, zu finden in Abbildung 5.40, existiert nur eine von
Kontextänderungen betroffene Aktivität, die engmaschige Kontrolle der Vitalparameter. Sie
ist eine klassisch kontextabhängige Aktivität, da eine Änderung des Kontext hier einen so-
fortigen Abbruch zur Folge hätte. Es besteht jedoch die Möglichkeit zu der Aktivität zurück
zu kehren, je nach Ausgang des angeschlossenen Subprozesses. Die restlichen Aktivitä-
ten dieser Phase sind kontextuell unabhängig und wurden deswegen in ihrer Modellierung
nicht verändert.
Phase 3
Die dritte Phase der Narkoseeinleitung ist, wie die Phase zuvor, auf mehrere Fragmente
aufgeteilt. Das erste Fragment ist in Abbildung 5.40 zu finden (rote Markierung). Sie be-
65
5 Erweiterung der BPMN
OP-Dauer > 2h
ja Blasenkatheter
legen
nein
Blutdruck-
manschette
abnehmen EKG trennen Beatmung
abnehmen Pat. in OP-
Saal schieben Beatmung
anschließen
Blutdruck-
messgerät
anschließen
Narkosegas
Engmaschige
Kontrolle der
Vitalparameter
Notfall-
prozedur
Zugang für
direkte
Messung legen
neinnein
jaja
OP
durchführen?
Abbildung 5.40: Narkoseeinleitung (Teil 5 von 6), Modellierung mit neuen Symbolen
ginnt wie gehabt damit, dass der Patient in den OP-Saal geschoben wird, wo er an die
Beatmung angeschlossen wird. Die Neumodellierung erfolgte erst beim nächsten Schritt.
Hier schießt man den Patient an die Blutdruckmessung an. Im Normalfall geschieht dies
mittels einer Manschette. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, muss eine direkte Blut-
druckmessung über einen arteriellen Zugang gemacht werden. Sofern dieser noch nicht
gelegt wurde, so muss dies an diesem Punkt nachgeholt werden.
Das nächste und zugleich letzte Fragment ist in Abbildung 5.41 zu sehen. Hier wurden
drei kontextsensitive Aktivitäten neu modelliert. Die erste von ihnen ist das Anschließen
der Medikation. Hier muss zum Einen beachtet werden, welche Medikamente bisher ver-
abreicht wurden und zum Anderen, an welcher Stelle operiert wird. Wird auf Grund der
zu operierenden Stelle ein starker Blutverlust für den Patienten erwartet, muss zusätzlich
noch eine Kochsalzlösung angeschlossen werden. Die nächste neu modellierte Aktivität
bezieht sich auf die Patientenlage während der OP. Bevor der Patient gelagert werden
66
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
Medikation
anschließen EKG
anschließen Narkose
dokumentieren Vitaldaten
dokumentieren Patienten
lagern Patienten steril
abwaschen Patienten steril
abdecken Uhrzeit Schnitt
dokumentieren
Wärme
Rücksprache
mit Operateur
NaCL-Lösung
anschließen OP Art prüfen
Abbildung 5.41: Narkoseeinleitung (Teil 6 von 6), Modellierung mit neuen Symbolen
kann, muss Rücksprache mit dem Operateur getroffen werden. Es muss nach Möglichkeit
vermieden werden, dass die Arbeit des Operateurs durch die Lagerung des Patienten un-
nötig erschwert wird. Die letzte kontextsensitive Aktivität in diesem Prozess ist das sterile
Abdecken des Patienten. Hier muss auf Grund der OP-Art entschieden werden, wie der
Patient abgedeckt wird und wie viele Decken verwendet werden müssen damit der Patient
nicht unnötig auskühlt.
Intra- und Postoperative Phase
Wie auch die präoperative Phase, wunden die intra- und Postoperative Phase mit den vorge-
schlagenen Symbolen neu modelliert. Zusätzlich dazu wurden bei dieser Modellierung die Ak-
tivitäten, bei denen es sinnvoll möglich war, parallel geschaltet. Dies geschah aus mehreren
Gründen. Zum Einen war eine feste Reihenfolge der Aktivitäten für die Analyse einfacher und
67
5 Erweiterung der BPMN
zum Anderen, hat die Ausführungsreihenfolge keinen Einfluss auf den Kontext was die Model-
lierung dieser wiederum nicht nötig gemacht hat. An dieser Stelle dient die Parallelität dazu die
Prozessmodelle kompakter zu gestalten.
initiale
Narkose-
dokumentation
OP-Team
dokumentieren
Narkose
dokumentieren
Vitaldaten
dokumentieren
Intensivplan
schreiben
Naht
dokumentieren
Notfall-
prozedur neinnein
jaja
Abbildung 5.42: intraoperative Phase
Den Anfang macht, wie auch zuvor, die intraoperative Phase, zu sehen in Abbildung 5.42. Diese
Phase wurde als Subprozess modelliert, um den wichtigsten kontextuellen Einfluss darstellen
zu können: Den Notfall. Falls ein Patient während einer laufenden OP kollabiert oder ein anderer
Notfall eintritt, so muss sofort auf diesen reagiert werden. Die Modellierung mittels Subprozess
ermöglicht es den Kontexteinfluss sehr kompakt darzustellen, andernfalls müsste an jede Akti-
vität ein Ereignis angeheftet werden. Welche Notfallprozedur eingeleitet wird, hängt vom Notfall
selbst ab. In manchen Fällen genügt es dem Patienten Epinephrin zu verabreichen, um ihn da-
mit zu stabilisieren. Nach Abschluss der Notfallprozedur muss entschieden werden, ob die OP
fortgesetzt werden kann. Diese Entscheidung hängt auch vom Ausgang der Notfallprozedur ab.
Sofern der Patient zu diesem Zeitpunkt stabilisiert werden konnte, kann die OP fortgesetzt wer-
den. Sollte dies nicht zutreffen oder der Patient sterben, wird die OP an dieser Stelle beendet.
Der eigentliche Prozess wurde bei dieser Modellierung, wie bereits erwähnt, parallelisiert. Die
Dokumentationsarbeit kann parallel erledigt werden, während die Vitalparameter überwacht wer-
den.
Der nächste Phase der Operation ist die postoperative. Diese Phase findet, wie auch die prä-
operative, an zwei verschiedenen Orten statt. Dieser Ortswechsel ist kein Kontexteinfluss und
wird daher in der Modellierung in Abbildung 5.43 lediglich als Gruppierung dargestellt. Diese
dient rein der optischen Abgrenzung und der Übersichtlichkeit.
68
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
EKG
abnehmen
Beatmung
abnehmen
sterile Decken
entfernen
Blutdruck-
messung
entfernen
Augenschutz
entfernen
Pat. auf Bett
verlagern
Pat. in
Aufwachraum
bringen
OP-Saal
Vitalparameter
-messung
anschließen
Tubus
entfernen Magensonde
entfernen
Patient nach
Befinden
fragen
Nierenschale
bereitstellen
Übelkeit
Sauerstoff
geben
Weiteres
Vorgehen
erklären
Vitalparameter
überwachen
Pat. über
Geschehen
informieren
stabiliesieren
Normalstation
informieren
Intensivstation
informieren
Patient kollabiert
Dokumentation
einscannen
Aufwachraum
Abbildung 5.43: postoperative Phase
Der erste Teil dieser Phase findet noch im OP-Saal statt. Hier sind nach Abschluss der Arbeit
der Operateure noch immer mehrere Personen anwesend. Zudem ist es wichtig, den Patienten
nach Abschluss der OP möglichst schnell aus dem Saal zu bringen. Dies hat mehrere Gründe:
Unter anderem ist es in einem OP-Saal für den Patienten relativ kalt und außerdem wartet meist
schon die nächste OP auf den Saal. Um den Ablauf zu beschleunigen, arbeiten alle zusammen.
Dies ist auch der Grund, weshalb die Arbeiten im OP-Saal parallel ablaufen können. Zudem
sind die Tätigkeiten voneinander unabhängig, was ebenfalls für eine Parallelisierung spricht.
Der kontextuell beeinflusste Teil dieser Phase findet im Anschluss an das bereits geschehene
im Aufwachraum statt. Nach der Entfernung von Tubus und Magensonde ist der Patient an-
sprechbar. Nun wird er nach seinem Befinden gefragt. Sollte der Patient über Übelkeit klagen,
was eine mögliche Unverträglichkeitsreaktion auf die Narkose ist, so muss dem Patienten ei-
ne Nierenschale bereitgestellt werden für den Fall, dass der Patient sich übergeben muss. Der
69
5 Erweiterung der BPMN
zweite Einfluss, welcher hier modelliert wurde, ist der Fall, dass der Patient kollabiert. In diesem
Fall muss, wie auch während der intraoperativen Phase, die Bearbeitung der aktuellen Aktivität
unterbrochen und der Patient stabilisiert werden.
5.5.2 Software Engineering
Die Prozesse des Software Engineering sind bereits sehr ausgereift, weswegen die neue Mo-
dellierung hier teilweise sehr knapp ausfällt.
Open Unified Process
Bei der Analyse des Open Unified Process wurde die Möglichkeit angesprochen, den Prozess
auf zwei unterschiedliche Arten zu modellieren, wobei die Semantik der Modelle ebenfalls un-
terschiedlich ist. Im Folgenden werden beide Alternativen vorgestellt und auf deren Besonder-
heiten, sowie Stärken und Schwächen eingegangen. Die Reihenfolge der Varianten entspricht
der Reihenfolge in der Analyse.
Die erste Möglichkeit, zu sehen in Abbildung 5.44, erlaubt kontextuellen Einfluss an zwei Stellen.
Zu Beginn der Arbeit und am Ende. Die Modellierung beider Einflüsse wurde identisch realisiert,
um sie möglichst generisch zu halten und die Anzahl der Möglichkeiten nicht einzuschränken.
Zur Verdeutlichung der Semantik ist ein Beispiel eine gute Wahl.
Beispiel:
Im Rahmen dieses Beispiels soll ein Modul für ein Navigationssystem entwickelt werden. Das
Modul soll den Kraftstoffverbrauch für die möglichen Routen berechnen und auf Basis der vor-
handenen Routeninformationen die Optimale ermitteln. Als Implementierungssprache wurde C#
gewählt. Variablen, welche aus mehreren Worten bestehen, sollen via Unterstrich verbunden
werden. Weitere Einschränkungen wurden nicht getätigt. Das Entwicklerteam besteht aus drei
Personen, welche bereits im Vorfeld am Endsystem gearbeitet haben. Nach Beginn des Lö-
sungsentwurfs entschied die Projektleitung, dass die Bezeichnung der Variablen im CamelCase-
Stil geschehen soll. Diese Kontextänderung ist an dieser Stelle trivial und kann geschehen, oh-
ne dass die Arbeit unterbrochen werden muss. Anders verhält es sich jedoch, wenn anstatt der
Variablenbezeichnung die Funktionalität des Moduls verändert wird. In diesem Fall wird der Pro-
zess beendet und unter Umständen neu gestartet.
Ebenso verhält es sich bei der Integration der Lösung. Der Unterschied hier ist lediglich die Ge-
wichtung der Kontextänderung. Während beim Lösungsentwurf die Änderung der verwendeten
Programmiersprache noch verkraftbar ist, ist sie bei der Lösungsintegration nicht mehr möglich
ohne die Lösung neu zu entwickeln, was jedoch einen Neustart des Prozesses zur Folge hätte.
70
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
Lösung
entwerfen
Entwicklertests
implemen-
tieren
neinnein Entwicklertests
durchführen Lösung
integrieren
jaja neinnein jaja
jaja
jaja neinnein
Lösung
implemen-
tieren
neinnein
Änderungen
trivial? Test
bestanden? Refaktoring
nötig?
Arbeit
erledigt?
[Technische
Spezifikation]
[Technische
Architektur]
Design Entwickler-
test
Test
Log
Entwickler-
test
Implemen-
tation
Technische
Implementierung Test
Script Entwicklungs-
stufe
[Technisches
Design]
[Technische
Implementierung]
[Technische
Spezifikation]
optionaler
Datenfluss
Änderungen
einpflegen
jaja
neinnein
Änderungen
einpflegen
neinnein
jaja
Änderungs-
anfrage
Änderung
trivial?
Änderungs-
anfrage
Änderung
trivial?
Abbildung 5.44: Develop Solution Increment Prozess (Kontextmodellierung Variante 1), Quelle:
[Men14] mit eigenen Anpassungen
Wie man auch am Beispiel erkennen kann, wurden die Schritte im mittleren Bereich des Prozes-
ses nicht neu modelliert. Der Grund hierfür ist, dass sie von Kontextänderungen nicht tangiert
werden sollen. Sie verhalten sich ähnlich zum Sprint des Scrum-Prozesses und stellen, nach
Ansicht des Autors, den kritischen Bereich dar. In diesem Bereich würde eine Kontextänderung
den Abbruch des Prozesses zur Folge haben. Dieser Aspekt war es auch, der zu der zweiten
Modellierung führe.
Wie bereits erwähnt, wurde bei der zweiten Modellierung, zu finden in Abbildung 5.45, versucht,
den mittleren Bereich ebenfalls kontextuell abzudecken. Hierfür wurde der Prozess durch einen
Subprozess gekapselt, welcher zudem die Kontextabhängigkeit modelliert. Sollte demnach bei
einer der Aktivitäten eine Kontextänderung auftreten, wird diese durch den Subprozess abgefan-
gen. Dieser wird dadurch jedoch unterbrochen. Dies ist nötig, um die Kontextänderung auszu-
71
5 Erweiterung der BPMN
Lösung
entwerfen
Entwicklertests
implemen-
tieren
neinnein Entwicklertests
durchführen Lösung
integrieren
jaja neinnein jaja
jaja jaja neinnein
Lösung
implemen-
tieren
neinnein
Änderungen
trivial? Test
bestanden? Refaktoring
nötig?
Arbeit
erledigt?
[Technische
Spezifikation]
[Technische
Architektur]
Design Entwickler-
test
Test
Log
Entwickler-
test
Implemen-
tation
Technische
Implementierung Test
Script Entwicklungs-
stufe
[Technisches
Design]
[Technische
Implementierung]
[Technische
Spezifikation]
optionaler
Datenfluss
Kontext-
änderung
auswerden
Kontextänderung
Prozessstatus
jaja
neinnein Änderung
trivial?
Kontext-
änderung
bearbeiten
Abbildung 5.45: Develop Solution Increment Prozess (Kontextmodellierung Variante 2), Quelle:
[Men14] mit eigenen Anpassungen
werten und unter Berücksichtigung dieser und des Status des Prozesses vor der Unterbrechung
zu entscheiden, ob die Änderung trivial ist oder nicht. Hat die Änderung größere Auswirkun-
gen, sprich sie ist nicht trivial, wird der Prozess an dieser Stelle beendet, um ihn anschließend
eventuell neu zu starten. Falls die Änderung jedoch trivial sein sollte, kann sie entsprechend
eingepflegt und der Prozess fortgeführt werden. Um den Einstieg an der korrekten Stelle zu
gewährleisten, wurde das Startereignis des Subprozesses als Kontextstartereignis modelliert.
Abhängig vom zuvor geschriebenen Prozessstatus steuert es das nachgeschaltete komplexe
Gateway, um an die benötigte Stelle zu springen. Sollte der Prozess initial gestartet worden sein
und daher der Prozessstatus noch den Initialwert haben, wird der default-Pfad gewählt. Dieser
ist gekennzeichnet durch einen kleinen Querstich durch den Pfad. Er entspricht dem normalen
Prozessablauf wie im Kapitel 5.2 beschrieben. Jedoch weist diese Alternative eine eindeutige
Schwäche auf. Durch das komplexe Gateway werden zusätzliche Prozesspfade eingefügt, was
der Übersicht schadet. Zudem wird die aktuelle Aktivität immer unterbrochen, um die Kontextän-
derung zu analysieren. Auch wenn die Arbeit unter Umständen erneut aufgenommen wird, kann
dieser Abbruch den Prozessfluss stören.
Scrum
Den Abschluss bei den neu modellierten Prozessen macht der Scrum-Prozess. Er hat eine
kleine Besonderheit gegenüber den anderen Software Engineering Prozessen. Die Entwickler
haben von vornherein einen Bereich angedacht, an welchem keine Beeinflussung stattfinden
soll. Gemeint ist der Scrum Sprint. Aufgrund dieser Basisüberlegung wurde der Bereich nicht
72
5.5 Remodellierung mit neuen Symbolen
neu modelliert. Um die Übersichtlichkeit des Modells zu verbessern, wird der Scrum Sprint als
Subprozess behandelt. Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich in Abbildung 5.46.
Product
Backlog
schätzen
Product
Backlog
priorisieren
Groben
Release Plan
erstellen
neinnein
jaja
Weiterer
Sprint?
Product
Backlog
Scrum
Sprint
Product
Backlog
modifizieren
Backlog neu
priorisieren Release Plan
anpassen
Abbildung 5.46: Scrum: Workflow mit Kontextmodellierung (verkürzt), Quelle: [Men14] mit eige-
nen Anpassungen
Entgegen der Analyse wurde der erste Prozessschritt nicht kontextabhängig oder kontextsensitiv
modelliert. Der Grund hierfür ist, dass die Aktivität sehr unspezifisch ist und die einzige Verände-
rung, welche hier zu Buche schlagen würde, wäre der Abbruch des Projekts. Dies würde jedoch
auch zum Abbruch des Prozesses führen. Beim darauf folgenden Schritt verhält es sich jedoch
anders. Hier führt die Änderung des Kontext dazu, dass die Priorisierung überarbeitet werden
muss. Falls dies geschieht, so muss immer auch der Release Plan entsprechend angepasst
werden. Es ist jedoch auch möglich, dass die Kontextänderung erst bei der Erstellung des zu-
vor genannten Plans passiert. Hierbei muss der zuvor abgeschlossene Schritt nicht wiederholt
werden. Weitere Neuerungen ergeben sich bei der Modellierung von Scrum nicht, da Scrum ein
sehr flexibler Prozess ist. Besonders der Subprozess Scrum Sprint. Die Aktivitäten sind so ge-
wählt beschrieben, dass sie auf Kontextänderungen reagieren können ohne zusätzliche Schritte
einleiten zu müssen.
73
5 Erweiterung der BPMN
74
6
Validierung
Die Prozessmodelle, die in diesem Kapitel, diskutiert wurden sind vollständig [A1]. Sowohl die
klassische Modellierung in BPMN als auch die Kontextmodellierung der Prozesse. Die Prozesse
enthalten ausreichend Informationen um die Prozesse zu verstehen ohne Fachwissen in den
entsprechenden Anwendungsdomänen zu besitzen. Die Modelle aus den Kapiteln 5.1 und 5.2
wurden zudem ausschließlich mit den Symbolsatz der BPMN, ohne Erweiterungen, erstellt, was
ebenfalls eine Anforderung war. Diese war eine der Anforderungen, welche von Fachanwendern
aus den betrachteten Domänen ebenfalls für die Modelle geprüft und als erfüllt bestätigt wurde.
Die Modelle des Kapitels 5.5 entsprechen streng genommen nicht den festgelegten Kriterien.
Alle in der vorliegenden Arbeit aufgezeigten und diskutierten Prozesse sind syntaktisch korrekt
[A2], sie verstoßen an keinem Punkt gegen die BPMN 2.0 Syntax. Ebenso verhält es sich mit der
Anforderung [A3], der semantischen Korrektheit. Jeder Prozess ist in sich geschlossen und
spiegelt die Realität wieder. Dieses war das nächste Kriterium, welches von Fachanwendern
nachgeprüft worden ist. Diese konnten die semantische Korrektheit der Modelle bestätigen. Die
Prozesse werden deckungsgleich mit den hier aufgezeigten Modellen durchgeführt.
Die letzte der allgemeinen Anforderungen befasste sich mit der Verständlichkeit [A4] der Pro-
zessmodelle. Hierbei wird gefordert, dass die Prozessmodelle derart gestaltet werden, dass
Fachanwender diese erkenne und validieren können. Fachfremde sollen den Prozess nach kurz-
er Einarbeitungszeit verstehen und zusammenfassen können. Diese Anforderung wird ebenfalls
von den Prozessmodellen erfüllt. Wenn auch der Prozess der Narkoseeinleitung ein verhältnis-
mäßig lang ist und einen hohen Detailgrad besitzt, so ist er auf Grund der linearen Modellierung
und gerade wegen der Vielzahl an Details für Fachfremde gut verständlich. Ebenso verhält es
sich mit den Prozesse des Software Engineering. Hier ist der OpenUP Prozess für Fachfremde
nicht sofort verständlich, benötigt jedoch keine lange Einarbeitungszeit.
Ebenso wie die allgemeinen Anforderungen, müssen auch die Anforderungen an die Erweite-
rung validiert werden.
Den Anfang mach dabei die syntaktische Widerspruchsfreiheit [E1]. Die in dieser Arbeit ge-
wählte Erweiterung der BPMN waren neue Symbole. Diese Basieren dabei auf bereits Vorhan-
75
6 Validierung
denem und fügen sich somit in die bestehende Palette der BPMN ein. Da die neu Modellierung
der Betrachteten Prozesse aus den Kapiteln 5.1 und 5.2 in Kapitel 5.5 mit den bestehenden
Symbolen in Kombination mit der Erweiterung geschah, sind diese Modelle syntaktisch wider-
spruchsfrei und verstoßen nicht gegen die BPMN Syntax.
Eine weitere Anforderung an die Erweiterung, war die syntaktische Neuartigkeit [E2], was
im Endeffekt bedeutet, dass die Erweiterung nicht nur eine andere Verwendung von bereits
bestehenden Symbolen sein muss. Die vorgeschlagenen Symbole basieren zwar auf der Sym-
bolpalette der BPMN und besitzen daher syntaktische Überschneidungen mit dieser, sind aber
dennoch nicht deckungsgleich mit den bestehenden Symbolen. Womit diese Anforderung erfüllt
wurde.
Die Möglichkeit kontextuelle Einflüsse und deren Auswirkungen auf Prozesse zu modellie-
ren [E3] war nicht nur eine Anforderung sondern auch eines der Ziele dieser Arbeit. Die Erfüllung
dieser ist in Kapitel 5.5 zu finden. Hier wurden reelle Prozesse mittels der erweiterten Syntax
modelliert und analysiert. Es wurden ausgewählte Kontextuelle Einflussfaktoren testweise in das
Modell eingebaut. Das Ergebnis waren Prozessmodelle welche syntaktisch korrekt waren und
dabei den Einfluss der Faktoren darstellten.
Als letzter Punkt ist die Vergleichbarkeit [E4] der Prozessmodelle zu diskutieren. Hierfür wur-
den den Fachanwendern die Prozesse aus den Kapitel 5.1, 5.2 sowie 5.3 vorgelegt , mit der Bitte
diese gegeneinander abzugleichen. Bis auf die Tatsache, dass die Prozesse auf Grund der Kon-
textbetrachtung ein teilweise leicht verändertes Ausführungsverhalten hatten sie sonst identisch
waren. Ein Beispiel für einen Prozess mit veränderten Ausführungsverhalten ist der OpenUP,
bei der zweiten neu Modellierung wird ein zusätzliches Datenelement eingeführt, welches sich
den Prozessstatus merkt, um im Fall einer kontextuellen Unterbrechung wieder bei der Aktivität
fortfahren zu können, bei der abgebrochen wurde.
76
7
Verwandte Arbeiten
In diesem Kapitel soll die vorliegende Arbeit mit thematisch verwandten Arbeiten verglichen
werden.
Ein Artikel, welcher sich mit der Verwendung von Kontext zur automatisierten Generierung von
Prozessen beschäftigt ist Contextual Generation of Declarative Workflows and their Application
to Software Engineering Processes [GOR11b]. Dieser Artikel stellt eine Methode vor um Pro-
zessmodelle auf Basis von kontextuellen Merkmalen. Hierfür wird eine Menge möglicher Aktivi-
täten angegeben, aus welchen das System Untermengen aussucht und zur Ausführung bringt.
Die Selektion basiert hierbei auf dem bereits erwähnten kontextuellen Einflüssen zum Zeitpunkt
der Ausführung. Auf diese Art entsteht sukzessive ein, speziell auf die Lösung des vorhande-
nen Problems abgestimmtes, Prozessmodell. Der Unterschied zwischen diesem Artikel und der
vorliegenden Arbeit ist, dass der Artikel Kontexteinflüsse nutzt um Prozessmodelle automatisiert
zu generieren, während die Arbeit sich auf das Modellieren bereits erwähnter Einflüsse spezia-
lisiert.
Ähnlich verhält es sich mit dem Artikel Semantic Workflow Adaption in Support of Workflow
Diversity [GOR10], welcher sich mit automatisierter Adaption von Prozessmodellen an sich ver-
ändernden Kontext. Wie auch beim ersten vorgestellten Artikel liegt hier der Schwerpunkt auf
der Verwendung von Kontext, zu Anpassung von Prozessmodellen, was thematisch nicht die
Problemstellung dieser Arbeit abdeckt.
Ein Paper, welches eine etwas andere Richtung einschlägt ist Event-driven Exception Handling
for Software Engineering Processes [GOR11a]. Das Paper beschäftigt sich mit der Verwendung
von Kontext für komplexes Prozess-Exception-Handling. Die Exception-Handling Problematik
wird zwar im Rahmen dieser Arbeit ebenfalls angeschnitten, ist jedoch nicht das eigentliche
Thema.
Die nachfolgenden drei Paper befassen sich im Kern mit dem gleichen Thema: Der Verwen-
dung von Kontext um automatisiert Datensammlungsprozesse zu generieren. Das erste der
drei ist Towards Process-based Composition of Activities for Collecting Data in Supply Chains
77
7 Verwandte Arbeiten
[GMSR14b]. In diesem Artikel wird eine Annäherung an eine automatisierte und kontextuelle
Zusammensetzung der Aktivitäten und Dienste durch einen spezifizierten Prozess.
Der Artikel Towards Configurable Data Collection for Sustainable Supply Chain Communication
[GMSR14a] beinhaltet eine leichtgewichtige, automatisierte Annäherung an eine kontextuelle
Prozesskonfiguration.
Im Paper Challenges of Applying Adaptive Processes to Enable Variability in Sustainability Data
Collection [GMSR13] wird ein System beschrieben, welches Datensammlungsprozesse unter-
stützt.
Alle drei genannten Paper nutzen Kontexteinflüsse zur automatisierten Generierung und Unter-
stürzung von Prozessen. Wie auch schon bei den Artikeln zuvor, wird bei diesen drei der Kontext
verwendet um Prozessmodelle zu generieren. Während diese Arbeit sich ausschließlich um die
Modellierung unter Verwendung der BPMN.
Eine Arbeit, welche sich ebenfalls mit der Erweiterung von BPMN beschäftigt ist Analyse und
Überführung von Softwareentwicklungsprozessen in die standardisierte BPMN Notation [NTM14].
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendungsdomäne Software Engineering und Erweitert die
BPMN um Möglichkeiten zur Darstellung von Zuständigkeiten und Abhängigkeiten sowie der
Abbildung von Ergebnissen.
Die vorliegende Arbeit hat mit der zuvor genannten zwar deutliche Schnittpunkte (Software En-
gineering Prozesse, Erweiterung der BPMN), bewegt sich jedoch in eine andere Richtung. Bei
[Men14] liegt der Schwerpunkt darauf Softwareentwicklungsprozesse in die BPMN Notation zu
überführen, wofür selbige erweitert werden muss, während die vorliegende Arbeit sich mit der
Modellierung von Kontext befasst.
Die Idee kontextuelle Änderungen zu betrachten und auf diese zu reagieren wird bereits im Ge-
biet Pervasive computing erforscht. Hierfür wurde einige kontextbezogene Frameworks vorge-
schlagen. Diese Frameworks beschreiben die Implementierung von Diensten, welche ihr Verhal-
ten an sich ändernden Kontext anpassen. Beispiel hierfür sind Context Management [JKM+03],
CASS [FC04], SOCAM [GPZ04] und CORTEX [BC04].
Wie bereits erwähnt, dienen diese Frameworks in erster Linie dazu, Anwendungen und Dienste
an sich verändernden Kontext anzupassen, während diese Arbeit sich mit Kontexteinflüssen auf
Prozesse und der Möglichkeit diese zu Modellieren befasst.
Es gibt nur sehr wenig Arbeiten, welche die Kombination aus Prozessmanagement und Kontext
zum Thema haben. Eine davon ist inContext [DD07]. Allerdings liegt der Fokus dieser Arbeit
auf dem Teamwork und wiederum nicht auf der Modellierung kontextueller Einflüsse, was in der
vorliegenden Arbeit das Hauptthema darstellt.
78
8
Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
Hier wird das zuvor erarbeitete zusammengefasst, wobei Besonderheiten der Arbeit nochmals
hervorgehoben werden. Im Anschluss an die Zusammenfassung wird ein kurzer Ausblick auf
mögliche zukünftige Projekte und Entwicklungen gegeben. Um die Arbeit abzurunden, wird in
diesem Kapitel noch das Fazit gezogen.
8.1 Zusammenfassung und Fazit
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Modellierung kontextueller Einflüsse nicht nur
ein theoretisches Thema ist, sondern auch eine hohe Praxisrelevanz besitzt. Um zu diesem
Punkt zu kommen, muss man jedoch zuvor die einzelnen Kapitel der vorliegenden Arbeit noch-
mals betrachten.
Um Kontexteinflüsse auf Prozesse modellieren zu können, muss man sich klar machen was
genau Kontext im Allgemeinen und im Prozessmanagement im Speziellen bedeutet. Außerdem
muss eine Abgrenzung zwischen der Reaktion auf eine Kontextänderung und einer Kompensa-
tion geschaffen werden. Ist dies geschehen, ist es wichtig Anforderungen an die Modellierung
zu formulieren. Diese sollen zum Einen sicherstellen, dass die Modelle vergleichbar sind und
zum Anderen die syntaktische Korrektheit der Modelle stets gewährleistet. Mit diesem Rüstzeug
lassen sich nun via Fallstudien Beispielprozesse aus zwei Anwendungsdomänen erstellen. Die
Analyse dieser Prozesse liefert wichtige Einblicke in die Möglichkeiten kontextueller Einflüsse.
Gleichzeitig sieht man an den Analysen, dass es schwer ist, Kontext adäquat zu modellieren.
Daher ist es von hoher Bedeutung alle möglichen Varianten, welche die BPMN beinhaltet, zu
untersuchen. Jede dieser Alternativen wurde in der vorliegenden Arbeit auf ihre Eignung hin
untersucht. Sofern es sinnvoll war, wurde die Schwäche jeder Alternative mit einem Beispiel
aufgezeigt.
Aus dem zuvor genannten wurde ein Vorschlag für neue Symbole ausgearbeitet. Die einzelnen
Symbole des Vorschlags wurden beschrieben und die Verwendung dieser mittels Beispielen nä-
her erläutert. Um die Symbole einer Art Praxistest zu unterziehen, wurden die Prozesse, welche
79
8 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
zuvor aufgenommen und analysiert wurden, neu modelliert. Bei dieser Modellierung wurden die
vorgeschlagenen Symbole in Kombination mit einigen der zuvor diskutierten Alternativen ver-
wendet. Auch diese Modelle wurden wiederum analysiert unter Hervorhebung ihrer Besonder-
heiten. Zum Abschluss erfolgte eine Validierung der Arbeit, auf Basis der in Tabelle 3.1 notierten
Anforderungen. Hierfür wurde jede der beschriebenen Anforderungen nochmals betrachtet und
retrospektiv mit der Arbeit verglichen.
Kurz gefasst kann man sagen, dass es möglich ist kontextuelle Einflüsse auf Prozesse zu mo-
dellieren. Jedoch sollte darauf geachtet werden nicht zu viel und zugleich nicht zu wenig zu
modellieren. Diese Kurzfassung soll nun aufgeschlüsselt werden.
Es ist möglich kontextuelle Einflüsse auf Prozesse zu modellieren. Für sich allein hat der Satz
mehrere Interpretationsmöglichkeiten. Wie in der Arbeit aufgezeigt wurde, ist es durchaus mög-
lich Kontext nur unter Verwendung von BPMN eigenen Symbolen zu modellieren. Dies ist al-
lerdings nur eingeschränkt machbar, da jede Möglichkeit über gewisse Schwächen verfügt. Für
kleine Modelle oder welche mit wenig Kontexteinfluss ist dies jedoch der Einführung zusätzlicher
Symbole vorzuziehen. Sobald das Modell allerdings einen bestimmten Schwellwert überschrei-
tet, ist es empfehlenswert die Symbolpalette der BPMN zu erweitern. Dieser Schwellwert ist
allerdings nicht fest, sondern abhängig vom Fachgebiet und der Komplexität des Prozesses.
Man sollte nicht zu viel und nicht zu wenig modellieren. Zugegebenermaßen ist es nicht einfach
herauszufinden, wie viel zu viel ist. Auf jeden Fall ist es nicht ratsam wirklich jeden noch so
kleinen Einfluss zu modellieren. Das daraus resultierende Ergebnis ist weder besonders über-
sichtlich noch zielführend. Einflussfaktoren können unter Umständen zu allgemeineren Faktoren
zusammengefasst werden. Dies ist vor allem in den Fällen möglich, in welchen die Reaktion auf
die Änderung gleich oder zumindest sehr ähnlich ist. Ebenso muss man sich überlegen, ob wirk-
lich jeder Einfluss Auswirkungen auf den Prozess hat und ob diese nicht innerhalb der einzelnen
Aktivitäten abgefangen werden können. Diese Überlegungen helfen die Anzahl der zu modellie-
renden Einflüsse zu regulieren und damit das Prozessmodell schlanker und übersichtlicher zu
gestalten.
Die vorliegende Arbeit versucht einen Schritt in die beschriebene Richtung zu machen, indem
der Symbolsatz der BPMN erweitert wird.
8.2 Ausblick
Die Möglichkeit der Modellierung von Kontexteinflüssen auf Prozesse ist, nach Ansicht des Ver-
fassers der vorliegenden Arbeit sowie einiger Fachanwender, ein Themengebiet, welches an
Bedeutung weiter zunehmen wird. Die Kenntnis dieser Einflüsse ist sowohl für Dokumentations-
als auch für Schulungszwecke hilfreich. Auch ist es denkbar diese Einflüsse in die automa-
tisierten Prozessausführung einfließen zu lassen. Das Wissen um diese Einflüsse und deren
Auswirkungen, ermöglicht eine frühzeitige und detaillierte Planung. Daraus resultieren schnelle-
80
8.2 Ausblick
re Reaktionszeiten, was zu finanziellen Einsparungen führt.
Dies sind nur einige wenige Beispiele für mögliche zukünftigen Entwicklungen.
81
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85
Name: Andreas Eichwald Matrikelnummer: 668749
Erklärung
Ich erkläre, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen
Quellen und Hilfsmittel verwendet habe.
Ulm,den .....................................................................................
Andreas Eichwald