WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE
https://doi.org/10.1007/s41449-023-00383-5
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Multidimensionale Fragebögen zur Erfassung der wahrgenommenen
Robotermorphologie (RoMo) in der Mensch-Roboter-Interaktion
Eileen Roesler1· Kenneth zur Kammer2· Linda Onnasch1
Angenommen: 6. Oktober 2023
© The Author(s) 2023
Zusammenfassung
Die Morphologie von Robotern spielt eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Interaktion mit Menschen, da Erwartun-
gen und soziale Interaktionsskripte aktiviert werden. Insbesondere das Konzept des Anthropomorphismus hat in den letzten
Jahren große Aufmerksamkeit erhalten. Forschungsarbeiten haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen dieses
Gestaltungsansatzes gezeigt. Um jedoch Aussagen darüber treffen zu können, welche dieser Merkmale die Interaktion un-
terstützen oder hemmen, fehlt ein geeignetes Instrument zur Erfassung des wahrgenommenen Anthropomorphismus. Dies
gilt auch für tierähnliche (zoomorphe) und technische (technomorphe) Gestaltungsansätze. Bisherige Fragebögen erfassen
die Robotermorphologie nur auf eindimensionaler Ebene, obwohl die meisten Theorien von mehreren Dimensionen ausge-
hen. Daher wurde ein Set von mehrdimensionalen Fragebögen entwickelt und validiert, die auf einer aktuellen Taxonomie
der Mensch-Roboter-Interaktion basieren und folgende Dimensionen umfassen: Aussehen, Kommunikation, Bewegung,
und Kontext. In einer ersten Online-Studie wurden drei Fragebögen zur wahrgenommenen Morphologie hinsichtlich An-
thropomorphismus (RoMo-A), Zoomorphismus (RoMo-Z) und Technomorphismus (RoMo-T) entwickelt. In einer zweiten
Online-Studie wurden die Fragebögen erfolgreich mit einer neuen Stichprobe validiert. Die Ergebnisse zeigten zudem,
dass die Fragebögen bereits auf kleine Morphologieunterschiede sensibel reagieren.
Praktische Relevanz: Die Morphologie von Robotern in Bezug auf Aussehen, Kommunikation, Bewegung und Kontext be-
einflusst sowohl die menschliche Wahrnehmung als auch das Verhalten. Um eine erfolgreiche Mensch-Roboter-Interaktion
zu gestalten ist es daher nicht nur wichtig zu verstehen, ob anthropomorphe, zoomorphe oder technomorphe Merkmale
implementiert werden sollten, sondern auch zu welchem Grad dies geschehen sollte. Um diese praktischen Fragestellungen
untersuchen zu können, werden Instrumente benötigt, mit denen Designer:innen und Entwickler:innen den Grad einer je-
weils implementierten anthropomorphen, zoomorphen oder technomorphen Gestaltung eines Roboters erfassen können. Die
hier vorgestellten Fragebögen erlauben dies in flexibler und ökonomischer Weise. Sie unterstützen damit eine Abschätzung
des Grades der Morphologie von Robotern in allen Anwendungsbereichen von Therapie bis industrielle Kollaboration. Sie
sind nicht nur für Wissenschaftler:innen sondern auch Entwickler:innen und Designer:innen gleichermaßen geeignet.
Schlüsselwörter Fragebogen · Robotermorphologie · Anthropomorphismus · Zoomorphismus · Technomorphismus
Dr. Eileen Roesler
eileen.roesler@tu-berlin.de
Prof. Dr. Linda Onnasch
linda.onnasch@tu-berlin.de
1Technische Universität Berlin, Marchstraße 23, 10623 Berlin,
Deutschland
2Hochschule Kempten, Bahnhofstraße 61, 87435 Kempten,
Deutschland
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Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Multidimensional questionnaires to measure the perceived robot morphology (RoMo) in
human-robot interaction
Abstract
The morphology of robots plays a crucial role in successful interaction with humans, as expectations and social interaction
scripts are activated. In particular, the concept of anthropomorphism has received much attention in recent years. Research
has shown both positive and negative effects of this design approach. However, in order to be able to make statements
about which of these features support or hinder interaction, there is a lack of a suitable instrument for assessing perceived
anthropomorphism. This also applies to animal-like (zoomorphic) and technical (technomorphic) design approaches. Pre-
vious questionnaires only capture robot morphology on a one-dimensional level, although most theories assume multiple
dimensions. Therefore, a set of multidimensional questionnaires was developed and validated, based on a current taxonomy
of human-robot interaction and including the following dimensions: appearance, communication, movement, and context.
In the first online study, three questionnaires on perceived morphology were developed regarding anthropomorphism (Ro-
Mo-A), zoomorphism (RoMo-Z), and technomorphism (RoMo-T). The questionnaires were successfully validated with
a different sample in a second online study. The results also showed that the questionnaires are sensitive to small differences
in morphology.
Practical Relevance: The morphology of robots in terms of appearance, communication, movement, and context influences
both human perception and behaviour. In order to design a successful human-robot interaction, it is therefore not only
important to understand whether anthropomorphic, zoomorphic, or technomorphic features should be implemented, but
also to what degree this should be done. In order to be able to investigate this, instruments are needed with which designers
and developers can record the degree to which the anthropomorphic, zoomorphic, or technomorphic design of a robot
has been implemented in each case. The questionnaires presented here allow this in a flexible and economical way. They
thus support an assessment of the degree of morphology of robots in all application areas from therapy to industrial
collaboration. They are not only suitable for scientists but also for developers and designers.
Keywords Questionaire · Robot morphology · Anthropomorphism · Zoomorphism · Technomorphism
1 Einleitung
Die Interaktion von Menschen und Robotern gewinnt in
einer Vielzahl von Arbeitsbereichen kontinuierlich an Be-
deutung. Neben dem stetigen Wachstum der Bedeutung von
Industrie- und Servicerobotik (International Federation of
Robotics 2020a, b), kommt es vor allem auch in sozia-
len Anwendungsfeldern, wie im Bildungs- und Gesund-
heitswesen, zu immer umfangreicherer robotischer Assis-
tenz (Belpaeme et al. 2018; Scoglio et al. 2019). Domänen-
übergreifend zeigt sich dabei der Trend zur kollaborativen
Interaktion, bei der Menschen mit Robotern in zeitlicher
und räumlicher Abhängigkeit zusammenarbeiten (Onnasch
und Roesler 2021). Dadurch ergeben sich neue Herausfor-
derungen für eine erfolgreiche Mensch-Roboter-Interakti-
on (MRI) (Sheridan 2016). Während in früheren koexis-
tierenden Strukturen insbesondere leistungsbezogene Fak-
toren des Roboters wie Sicherheitssysteme und technische
Zuverlässigkeit im Fokus standen, rücken durch die Kol-
laboration nun andere Merkmale in den Vordergrund, die
stärker auf die Erfahrung der direkten Interaktion zwischen
Roboter und Mensch fokussieren (Matheson et al. 2019).
Eine zentrale Frage im Zusammenhang kollaborativer Ro-
botik ist daher, wie durch die Gestaltung von Robotern ei-
ne intuitive und angenehme Interaktion unterstützt werden
kann (Bartneck et al. 2009; Hancock et al. 2011;Roesler
et al. 2021).
1.1 Die Bandbreite von Morphologie
Da sich die Kategorisierung der Robotermorphologie des
entwickelten Fragebogens auf der Taxonomie von Onnasch
und Roesler (2021) bezieht, wird der theoretische Hinter-
grund genutzt, um die in dieser Taxonomie aufgeführten
Konzepte einzuführen. Für eine umfassende und systemati-
sche Literaturübersicht empfehlen sich aktuelle Überblicks-
artikel zum Thema Anthropomorphismus (Złotowski et al.
2015; Rothstein et al. 2021; Roesler et al. 2022) und Zoo-
morphismus (Nanay 2021;Löffleretal.2020). Technomor-
phismus wird in den angeführten Veröffentlichungen häufig
als Gegenpol zu Anthropomorphismus und Zoomorphismus
konzeptualisiert und dementsprechend mitbetrachtet.
Grundlegend kann die Morphologie des Roboters als
sichtbare und erfahrbare Schnittstelle der Interaktion von
besonderer Bedeutung sein, da sie per Design an die Auf-
gabenanforderungen sowie an die Erwartungen und Fähig-
keiten des Menschen angepasst werden kann. In diesem Zu-
sammenhang stellt die Übertragung menschähnlicher Cha-
rakteristika auf Roboter eine vielversprechende und häufig
genutzte Gestaltungsstrategie dar. Es wird davon ausgegan-
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gen, dass eine menschähnliche, also anthropomorphe, Ge-
staltung zu einer Aktivierung von Mensch-Mensch-Inter-
aktionsschemata führt und damit zu einer intuitiveren Zu-
sammenarbeit von Menschen mit Robotern beiträgt (Duffy
2003; Roesler et al. 2021). Das übergeordnete Ziel der Ro-
botergestaltung ist dabei zumeist die Förderung einer po-
sitiven Wahrnehmung in Bezug auf Intelligenz, Sicherheit
oder Attraktivität (Bartneck et al. 2009) und einer posi-
tiven Einstellung in Bezug auf Vertrauen, Akzeptanz und
Empathie (Bröhl et al. 2016; Hancock et al. 2011). Diese
können wiederum gewünschtes Verhalten, wie die Nutzung
von Robotern nach sich ziehen (Sanders et al. 2019). Darü-
ber hinaus kann die Gestaltung auch direkt Einfluss auf das
Verhalten des Menschen nehmen. So können Kommunika-
tion und Bewegungen dazu genutzt werden, gemeinsame
Handlungen von Menschen und Robotern besser zu koor-
dinieren (Clodic et al. 2017; Onnasch et al. 2023).
Beispiele für diesen Ansatz finden sich in verschie-
densten Anwendungsbereichen und Realisationsformen.
So kann z.B. die Implementierung eines Robotergesichts
Hinweise auf menschähnliche Interaktionsmöglichkeiten
geben, da über das Aussehen auch implizite Annahmen
zur Funktionalität transportiert werden (Goetz et al. 2003;
Onnasch und Roesler 2021). Augen suggerieren, dass der
Roboter sehen kann und die Darstellung eines Mundes oder
von Ohren weist auf verbale Kommunikationskanäle hin.
Neben dem reinen Aussehen des Roboters spielen auch die
Kommunikation, Bewegungen oder der Kontext, in dem ein
Roboter präsentiert wird, eine zentrale Rolle in der Wahr-
nehmung des Roboters (Goetz et al. 2003; Onnasch und
Roesler 2021). Studien in der industriellen MRI konnten
beispielsweise zeigen, dass eine anthropomorphe Bewe-
gungsgestaltung eines Roboterarms zu einer verbesserten
Nachvollziehbarkeit und Vorhersagbarkeit der Bewegun-
gen führen kann (Dragan und Srinivasa 2016; Kuz et al.
2013; Mayer et al. 2013). Ein anderes Beispiel illustriert,
dass im Servicebereich die Anwendung von verbalen Eti-
quette-Strategien in Bezug auf die Roboterkommunikation
einen positiven Effekt auf das Verhalten von Personen hatte
(Zhang et al. 2011; Zhu und Kaber 2012). Zudem zeigt
sich, dass bereits das reine Beschreiben von Robotern zu
unterschiedlichen Einstellungen und Verhalten gegenüber
dem Roboter führen kann (Darling 2015). So verbesser-
te sich z.B. die Interaktion mit sozialen Robotern, wenn
diese durch Namen und Geschichten personifiziert wurden
(Darling 2017; Westlund et al. 2016). Die angeführten
Studien zeigen, wie sehr der Kontext, in dem ein Robo-
ter verbal eingeführt wird, das sogenannte Framing, den
Menschen beeinflussen kann (Darling 2015). Der Kontext
geht allerdings noch über ein rein verbales Framing hi-
naus, da auch Interaktionsszenarien selbst aufgrund ihrer
benötigten Sozialität (Goetz et al. 2003) einen Einfluss
haben können. Die Dimension Kontext umfasst also die
Zuschreibung von Eigenschaften, die durch verbale und
visuelle Umgebungshinweise induziert wird.
Die angeführten Studien verdeutlichen, dass die Robo-
tergestaltung als multidimensionales Konstrukt (Aussehen,
Kommunikation, Bewegung, Kontext) in allen Bereichen,
in denen Roboter heute eingesetzt werden, eine bedeutende
Rolle spielt und differenzierte Effekte auf die Wahrneh-
mung als auch auf das Verhalten des Menschen hat.
Allerdings ist der Erfolg dieses Gestaltungsansatzes stark
abhängig von der Anwendungsdomäne (Goetz et al. 2003;
Roesler et al. 2021;2022) und der Art der Gestaltung (On-
nasch und Hildebrandt 2021; Onnasch und Roesler 2019;
Roesler et al. 2020). Ein Negativbeispiel stellt das anthro-
pomorphe Aussehen von Robotern in der industriellen Do-
mäne dar, da dieses zu geringerer wahrgenommener Zuver-
lässigkeit und sogar suboptimaler Aufmerksamkeitsvertei-
lung führen kann (Onnasch und Hildebrandt 2021;Roesler
et al. 2020). Hier ist ein technomorphes Aussehen einem an-
thropomorphen zumeist vorzuziehen. Schon frühe Studien
im Bereich Mensch-Roboter Interaktion zeigten, dass das
Roboteraussehen und -verhalten zu der jeweiligen Sozia-
lität und Ernsthaftigkeit der Aufgabe passen sollte (Goetz
et al. 2003). Im Zuge der sogenannten Matching-Hypothe-
se wurde Technomorphismus als Maschinenähnlichkeit als
Gegensatz zu Anthropomorphismus als eigene Kategorie
eingeführt. Spätere Studien ergänzten die Forschung zur
Matching-Hypothese dann durch zoomorphe Roboter, also
tierähnliche Gestaltungsansätze (Li et al. 2010). Während
technomorphe Gestaltungsansätze oftmals im Industriebe-
reich erfolgreich implementiert werden, finden zoomorphe
Merkmale eher im sozialen Bereich Verwendung. Beson-
ders in der Kind-Roboter-Interaktion zeigt sich zum Bei-
spiel, dass zoomorphe Gestaltungsansätze Lernerfolg und
Spaß am Lernen steigern können (Gordon et al. 2016).
Zusammenfassend lässt sich herausstellen, dass die Ge-
staltung von Robotern in Bezug auf Aussehen, Kommuni-
kation, Bewegung und Kontext in allen Domänen der MRI
eine hohe Bedeutung aufweist (Goetz et al. 2003;Roesler
et al. 2021;2022). Um generalisierbare Gestaltungsempfeh-
lungen geben zu können, ist es daher nicht nur von zentraler
Bedeutung, die Auswirkungen von Gestaltung zu untersu-
chen, sondern auch die Gestaltung selbst erfassbar zu ma-
chen. Nur wenn man die subjektive Wahrnehmung der je-
weiligen Morphologie eines Roboters und der ihr zugrunde-
liegenden Gestaltungsmerkmale (Aussehen, Kommunikati-
on, Bewegung und Kontext) differenziert erfassen kann, ist
es möglich die Effekte dieser Morphologie auf die MRI
abzuschätzen.
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1.2 Bisherige Erfassungsmethoden der
Morphologie
Eine Erfassung unterschiedlicher Anthropomorphismusgra-
de wurde bisher vor allem in Zusammenhang mit Arbei-
ten zum Uncanny Valley thematisiert (Ho und MacDorman
2010;Maraetal.2022;Morietal.2012). Im Rahmen die-
ses postulierten Zusammenhangs wird angenommen, dass
ab einem bestimmten Punkt anthropomorphes Aussehen
zu unangenehmen Gefühlen oder einer Verletzung von Er-
wartungen führt. Aus der Forschungshistorie des Uncanny
Valley ergab sich die bisher am häufigsten genutzte Me-
thode zur Differenzierung verschiedener Grade der Robo-
termorphologie die Anthropomorphismus-Skala aus dem
Godspeed Fragebogen (Bartneck et al. 2009; Weiss und
Bartneck 2015). Die Skala umfasst semantische Differentia-
le (z.B. unecht –natürlich, künstlich –realistisch), die auf
fünf Stufen bewertet werden können (Bartneck et al. 2009).
Das Ziel des Godspeed Ι: Anthropomorphismus (GΙA) ist
es, den Vergleich unterschiedlicher Morphologien von Ro-
botern zu ermöglichen (Bartneck et al. 2009). Inhaltlich
beziehen sich diese Differentiale primär auf die Wahrneh-
mung der äußeren Gestalt, während andere Aspekte wie
z.B. Kommunikation und der Kontext nicht adressiert wer-
den. Damit können sich Vergleiche auf Basis dieses Fra-
gebogeninstruments nicht auf alle Gestaltungsdimensionen
der Morphologie eines Roboters beziehen. Darüber hinaus
weisen aktuelle Studien darauf hin, dass der eindimensio-
nale Ansatz des GΙA nicht geeignet ist kleinere Unterschie-
de innerhalb einzelner Gestaltungsebenen abzubilden. So
konnte der GΙA keine Unterschiede für einen anthropo-
morph oder technomorph beschriebenen humanoiden Ro-
boter aufzeigen (Onnasch und Roesler 2019) oder zwischen
einem industriellen Roboter mit oder ohne Gesicht differen-
zieren (Onnasch und Hildebrandt 2021; Roesler et al. 2020).
In beiden Beispielen zeigten sich allerdings Unterschie-
de in der menschlichen Wahrnehmung und dem Verhalten
gegenüber den Robotern, so dass hier von einer wahrge-
nommenen Unterschiedlichkeit ausgegangen werden kann
und damit von einer möglichen mangelnden Sensitivität
des GΙA. Ähnliche Resultate zeigten sich für eine revidier-
te Version des Godspeed Ι(RGΙA) (Ho und MacDorman
2010); so konnten auch mit diesem Messinstrument kei-
ne Unterschiede in der erwähnten Manipulation des Kon-
texts via Framing (Onnasch und Roesler 2019) oder Ausse-
hens (Onnasch und Hildebrandt 2021; Roesler et al. 2020)
durch die Skala wahrgenommene Menschenähnlichkeit auf-
gezeigt werden. Dies liegt auch darin begründet, dass die
Extrema der semantischen Differenziale der beiden meist
genutzten Fragbögen (GΙA, Bartneck et al. 2009;RGΙA, Ho
und MacDorman 2010) oft Eigenschaften nennen, die ein-
zigartig für lebende Entitäten sind (z.B. hat kein Bewusst-
sein –hat ein Bewusstsein). Diese extremen Unterschiede
und die eher grobe Einteilung in 5 Stufen bieten daher nicht
genug Raum, um kleinere Unterschiede der Wahrnehmung
abzubilden.
Andere Fragebögen beziehen sich vor allem auf die Zu-
schreibung menschlicher Eigenschaften, wie mentale Kapa-
zitäten und Prozesse (Ruijten et al. 2019) oder die grund-
legende menschliche Tendenz unbelebte Entitäten zu an-
thropomorphisieren (Waytz et al. 2010). Die Erfassung der
allgemeinen Tendenz zu anthropomorphisieren ist jedoch
nicht als Methode geeignet, um die wahrgenommene Mor-
phologie von Robotern zu untersuchen.
Phillips und Kolleg:innen (2018) bieten einen nicht
fragebogenbasierten Ansatz zur systematischen Erfassung
des wahrgenommenen Anthropomorphismus hinsichtlich
des Aussehens. Dafür wurde das Aussehen von Robotern
auf Bildern analysiert. Die Analyse beinhaltet die Einord-
nung von Robotereigenschaften wie Körperform, Gesicht
und Oberflächentextur und liefert damit eine differenzierte
Bewertung des Aussehens von Robotern. Aspekte wie Be-
wegung, Kommunikation und Kontext werden allerdings
nicht abgebildet.
1.3 Notwendigkeit neuer Methoden zur Erfassung
der Morphologie
Neben den bereits aufgeführten Kritikpunkten aktueller
Erfassungsmethoden ist die wohl größte Forschungslücke,
dass sich die Hauptzahl der bestehenden Ansätze aus-
schließlich auf die anthropomorphe Gestaltung von Robo-
tern konzentriert (Bartneck et al. 2009; Ho und MacDorman
2010; Phillips et al. 2018). Die Erfassung von zoomorphen
Gestaltungsmerkmalen wird nur indirekt vorgenommen, da
häufig einfach die beschriebenen Fragebögen zu Anthro-
pomorphismus verwendet werden (Löffler et al. 2020). Die
dritte Gestaltungsmöglichkeit, ein technomorphes Design,
wird stets als Gegenteil zu Anthropomorphismus oder Zoo-
morphismus interpretiert, z.B. im GΙA. Während dies für
einige Items auch sinnvoll erscheint (z.B. wie ein Mensch
–wieeineMaschine), kann diese implizite Schlussfolge-
rung bei anderen Items des GΙA allerdings angezweifelt
werden (z.B. bewegt sich steif –bewegt sich flüssig).
Ziel dieser Arbeit ist daher die Entwicklung eines Sets
von drei Fragebögen (einen für jede Variante der Morpho-
logie), welche die unterschiedlichen Ausprägungen der je-
weiligen Morphologien auf Basis von relevanten Dimen-
sionen (Aussehen, Kommunikation, Bewegung und Kon-
text) erfassen. Die theoretische Basis für die Unterschei-
dung der verschiedenen Dimensionen liefert dabei die Ta-
xonomie der MRI von Onnasch und Roesler (2021), die in
Bezug auf die jeweilige Morphologie von Robotern, diese
Dimensionen unterscheidet. Diese werden jeweils bezüg-
lich ihres Grades an anthropomorphen, zoomorphen und
technomorphen Charakteristika eingeschätzt. Der gewählte
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Ansatz der Entwicklung mehrerer Fragebögen zur Robo-
termorphologie (RoMo) mit einzelnen Fragebögen zu An-
thropomorphismus (RoMo-A), Zoomorphismus (RoMo-Z)
und Technomorphismus (RoMo-T) bietet dabei nicht nur
die Möglichkeit die Gestaltung über das Aussehen hinaus
zu erfassen, sondern auch für jede Morphologie spezifisch
einzelne Skalen auszuwählen, die dem Untersuchungsziel
entsprechen, und andere Skalen wegzulassen, die in die-
sem Kontext irrelevant sind. Soll beispielsweise nur die
Wirkung eines tierähnlichen Aussehens von Robotern auf
die menschliche Wahrnehmung untersucht werden (Löffler
et al. 2020), reicht es aus, nur diesen Teilaspekt zu erfas-
sen (Skala Aussehen des RoMo-Z) um die Stimuli bezüg-
lich des zoomorphen Aussehens zu unterscheiden. Mithilfe
des Fragebogen-Sets soll damit ermöglicht werden, öko-
nomisch und sensitiv die Morphologie von Robotern zu
erfassen.
Um ein solches Set an Fragebögen zu entwickeln, wur-
den zwei Online-Studien durchgeführt. In der ersten Studie
wurde das Set an Fragebögen entwickelt. In der zweiten
Studie wurde eine Validierung des Fragebogen-Sets mit ei-
ner neuen Stichprobe durchgeführt wurde.
2 Studie 1: Fragebogenentwicklung
Um die drei möglichen morphologischen Varianten von Ro-
botern zu erfassen (anthropomorph vs. zoomorph vs. tech-
nomorph), wurden Aussehen, Kommunikation, Bewegung
und Kontext als a priori angenommene Dimensionen ge-
nutzt. Auf dieser Grundlage wurden Items gesammelt und
generiert, die möglichst breit die einzelnen Dimensionen
abdecken.
2.1 Generierung der Items
Die Itemgenerierung basierte auf Charakteristiken, die we-
sentlich für Menschen, Tiere und Technologien in Bezug
auf die vier Dimensionen sind. Eine gewisse semantische
Redundanz war für die Ausgangsitems intendiert, da die
Merkmale eine möglichst umfassende Ausgangslage für die
folgende Itemreduktion bieten sollten. Die initiale Samm-
lung der Charakteristika umfasste 17 Aussehensmerkmale
(z.B. Kopf und Proportionen), 22 Kommunikationsmerk-
male (z.B. Sprache und Geräusche), 17 Bewegungsmerk-
male (z.B. Geschwindigkeit und Art der Annäherung) und
20 Kontextmerkmale (z.B. Name und Einsatzgebiet). Wich-
tig ist, dass Merkmale gesucht wurden, hinsichtlich derer
sich die Roboter über die Morphologien hinweg vergleichen
lassen.
In einem kurzen Pretest wurden die gesammelten Merk-
male auf ihr semantisches Verständnis und die angenom-
mene Zuordnung zu den jeweiligen Dimensionen mit vier
Personen überprüft. Basierend auf dem Pretest und der da-
zugehörigen Diskussion der Autor:innen wurden fünf Items
exkludiert, eines umsortiert und eines umformuliert. Die
Schwelle für die Entfernung von Items wurde konservativ
gehandhabt, da alle verbleibenden Merkmale in einer aus-
führlicheren Erhebung untersucht wurden.
Im nächsten Schritt wurde die Liste der gesammelten
71 Merkmale zu vollwertigen, in Frageform gestalteten
Items entwickelt. Diese zielten darauf ab, zu erfassen,
inwieweit ein Robotermerkmal als menschähnlich, tier-
ähnlich und technisch wahrgenommen wird. Dazu wurde
der Itemstamm ergänzt: Wie menschenähnlich/tierähnlich/
technisch ist das jeweilige Merkmal des Roboters? Jedes
Merkmal führte daher zu drei separaten Fragen. Das Ant-
wortformat ist als kontinuierliche Prozentskala konzipiert,
die eine Bewertung von 0%, d.h., dass zu dem jeweiligen
Aspekt überhaupt kein Ausmaß wahrgenommen wird (ver-
ankert mit gar nicht), bis 100%, d.h., dass das spezifische
Ausmaß zu dem jeweiligen Aspekt vollständig wahrge-
nommen wird (verankert mit voll und ganz), ermöglicht.
Diese Items wurden im Rahmen einer ersten Online-Studie
untersucht.
2.2 Methode
2.2.1 Versuchspersonen
Insgesamt füllten 162 Versuchspersonen das Set an Frage-
bögen vollständig aus. Die Teilnehmer:innen wurden auf
verschiedene Weisen rekrutiert. Die Studie wurde auf den
entsprechenden Internetportalen der Technischen Universi-
tät Berlin (TU) und der Humboldt-Universität zu Berlin
(HU) beworben. Darüber hinaus wurden persönliche Kon-
takte gebeten, an der Studie teilzunehmen und weitere Be-
kannte über die Studie zu informieren. Außerdem wurden
Hinweise zur Studie auf verschiedenen sozialen Medien-
plattformen verbreitet. Für Studierende der beiden genann-
ten Universitäten wurde die Teilnahme mit einer Versuchs-
personenstunde vergütet. An beiden Universitäten benöti-
gen Studierende diese Stunden für ihren Studienabschluss
in Psychologie (HU) bzw. Human Factors (TU). Für alle
anderen Teilnehmer:innen wurde betont, dass Sie einen be-
deutsamen Beitrag zur Wissenschaft leisten und es wurde
keine finanzielle Entschädigung angeboten. Die Teilnahme
erfolgte auf freiwilliger Basis und konnte jederzeit abge-
brochen werden.
Ein N= 162 wurde angestrebt, da so ein ausbalancier-
tes Design umgesetzt werden konnte (siehe Versuchsma-
terialen). Insgesamt umfasste die Stichprobe 63% weib-
liche, 36,4% männliche und 0,6% non-binäre Personen.
Die Stichprobe hatte ein Durchschnittsalter von M= 32,94
(SD= 13,95). Von den 162 Teilnehmer:innen gab die Mehr-
heit (71%) an, überhaupt keine Erfahrung (64) oder kaum
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Erfahrung (51) im Umgang mit Robotern zu haben. Circa
ein Viertel (24,7%) der Proband:innen gab an, ein wenig
Erfahrung zu haben, und 4,3% gaben an, sehr viel Erfah-
rung im Umgang mit Robotern zu haben.
2.2.2 Versuchsmaterialien
Um ein Gesamtbild eines Roboters zu erzeugen, das alle
Dimensionen umfasste (Aussehen, Kommunikation, Bewe-
gung und Kontext), bestand das Stimulusmaterial aus meh-
reren Modulen.
Das erste Modul war ein Bild des jeweiligen Roboters
in der jeweiligen Umgebung, um Aussehen und Kontext
zu illustrieren (Abb. 1). Für die Dimension Aussehen wur-
den drei Roboter aus der ABOT-Datenbank (Phillips et al.
2018) verwendet und anschließend modifiziert, indem sie in
verschiedene Stockfotos eingefügt wurden (abgerufen von
Pixabay). Der Roboter Yumi wurde ausgewählt, um ein
Abb. 1 Bildmodul der Online-Studie mit zoomorphem (linke Spalte), technomorphem (mittlere Spalte) und anthropomorphem (rechte Spalte)
Roboter im Kontext eines Kindergartens (erste Zeile), Arbeitsplatzes (zweite Zeile) und Wohnzimmers (dritte Zeile). (Die farbigen und hochauf-
gelösten Bildmodule können via https://osf.io/srv8c/ abgerufen werden)
Fig. 1 Image module of the online study with zoomorphic (left column), technomorphic (middle column) and anthropomorphic (right column)
robot in the context of a kindergarten (first line), workplace (second line) and living room (third line). (The color and high-resolution image
modules can be accessed via https://osf.io/srv8c/)
menschenähnliches Aussehen zu repräsentieren, während
Keecker für eine technische Darstellung verwendet wurde.
Schließlich diente iCat als tierähnlicher Roboter. Da die
Oberfläche von iCat gelb ist und damit in starkem visuel-
lem Kontrast zu den beiden anderen Robotern (beide weiß)
stand, wurde iCat digital weiß eingefärbt. Um sicherzustel-
len, dass der Fragebogen auch geringfügige Unterschiede
im Erscheinungsbild der Roboter erfassen kann, haben wir
Roboter ausgewählt, die bis auf wenige äußerliche Merk-
male (z.B. tierähnliche Ohren) so ähnlich wie möglich sind.
Dies bedeutet, dass sie in Bezug auf Größe und Farbe nahe-
zu identisch sind, um eine möglichst homogene Ausgangs-
basis zu schaffen. Dies ermöglichte es uns, gezielt die spe-
zifischen äußerlichen Merkmale zu untersuchen, die bereits
bei geringer Ausprägung mit der jeweiligen Morphologie
assoziiert sind.
Jedes Roboterbild wurde zusätzlich in drei verschiedene
Hintergrundbilder eingefügt, die die Kontextdimension il-
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Tab. 1 Textmodule für die drei unterschiedlichen Morphologien (Anthropomorphismus, Zoomorphismus und Technomorphismus) und Dimensio-
nen (Aussehen, Kommunikation, Bewegung, Kontext)
Table 1 Text modules for the three different morphologies (anthropomorphism, zoomorphism and technomorphism) and dimensions (appearance,
communication, movement, context)
Morphologie Dimension Textmodul
Anthropo-
morph
Kontext Sasha ist Ihre neue rechte Hand im Haus. Sasha organisiert all Ihre Aufgaben und erinnert sie frühzeitig an Ihre
Termine. Wenn ein Termin ansteht, geht Sasha aktiv auf Sie zu. Ansonsten ist Sasha mit der Planung und Organi-
sation Ihres Tages beschäftigt ist
Anthropo-
morph
Bewegung Der Roboter bewegt sich, um mit Ihnen Augenkontakt aufzunehmen. Der Roboter bewegt sich zielgerichtet in
Schrittgeschwindigkeit auf Sie zu und stoppt einen Meter vor Ihnen langsam ab und wartet. Nähern Sie sich dem
Roboter an, kommt er Ihnen langsam entgegen und bleibt Ihnen dabei zugewandt. Wenn Sie dem Roboter sehr
schnell entgegenkommen, stoppt dieser abrupt seine Bewegung
Anthropo-
morph
Kommuni-
kation
Der Roboter kommuniziert mit natürlicher Sprache und begrüßt Sie mit den Worten: „Guten Tag, wie geht es
Ihnen?“ Dabei streckt der Roboter seine Hand aus und kommt Ihnen ein Stück entgegen. Wenn Sie auf den Ro-
boter zugehen, richtet dieser seinen Kopf in Ihre Richtung
Zoomorph Kontext Fluffy ist Ihr neuer bester Freund. Fluffy wird vor allem in Kindergärten eingesetzt, um dort den Kindern Ge-
sellschaft zu leisten und mit ihnen zu spielen. Fluffy weicht den Menschen nicht von der Seite und reagiert auf
Sie, wenn es angesprochen wird. Fluffy macht lautstark auf sich aufmerksam, wenn es einem Menschen in seiner
Umgebung schlechter geht
Zoomorph Bewegung Der Roboter bewegt sich, um Ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Nähern Sie sich dem Roboter an, kommt Ihnen
dieser langsam entgegen bis er Sie mit seinem ganzen Körper vorsichtig berührt. Dort verweilt der Roboter kurz
und bewegt sich in kurzer Distanz mit Ihnen mit. Wenn sie dem Roboter sehr schnell entgegenkommen, bewegt
sich der Roboter ruckartig nach hinten, verweilt dort kurz und bewegt sich anschließend wieder auf Sie zu
Zoomorph Kommuni-
kation
Der Roboter kommuniziert primär durch Geräusche mit Ihnen. Durch die Betonung der Laute und kleineren
Berührungen versucht der Roboter Sie zu begrüßen. Wenn Sie dem Roboter entgegenkommen, wackelt dieser
mit dem Kopf und wendet sich Ihnen zu
Technomorph Kontext Dieser Roboter der Firma XY dient der Analyse von Bewegungsprofilen am Arbeitsplatz. Mit Hilfe seiner Sen-
soren scannt der Roboter seine Umgebung und führt eine Analyse der Daten aus, welche anschließend automa-
tisch an die Computer der Mitarbeitenden weitergeleitet werden
Technomorph Bewegung Der Roboter bewegt sich, um eine optimale Erfassung der Umgebung zu gewährleisten. Der Roboter bewegt
sich langsam in einer kontinuierlichen Geschwindigkeit auf Sie zu und stoppt in größerer Distanz vor Ihnen
ab. Anschließend dreht sich der Roboter um die eigene Achse, bis er Ihnen wieder zugewandt positioniert ist.
Bewegen Sie sich dem Roboter entgegen, verbleibt dieser in seiner vorherigen Position
Technomorph Kommuni-
kation
Der Roboter kommuniziert via Text auf dem Display. Auf dem Display erhalten Sie eine Nachricht zur Begrü-
ßung. Der Roboter bleibt ansonsten regungslos. Wenn Sie sich dem Roboter nähern, leuchtet dieser auf und kom-
muniziert weiterhin via Text mit Ihnen
lustrierten: Ein Bild zeigt einen Kindergarten (zoomorpher
Kontext), ein anderes ein Büro (technomorpher Kontext)
und ein drittes ein Wohnzimmer (anthropomorpher Kon-
text). Der Kindergarten wurde gewählt, da besonders in
dieser Altersgruppe viel mit Tieren und zoomorphen Ob-
jekten, wie Spielzeugen, interagiert wird.
Das Textmodul Kontext wurde an das jeweilige Bildmo-
dul gekoppelt präsentiert (Tab. 1). Ergänzt wurden diese
dann durch jeweils ein Textmodul Bewegung und ein Text-
modul Kommunikation (Tab. 1).
Durch die Kombination von neun möglichen Bildern mit
integriertem Kontexttext, drei möglichen Kommunikations-
texten und drei möglichen Bewegungstexten ergaben sich
insgesamt 81 mögliche Stimuluskombinationen. Pro Ver-
suchsperson wurde immer nur eine Kombination präsentiert
(z.B. anthropomorphes Aussehen x zoomorphen Kontext x
anthropomorphe Kommunikation x technomorpher Bewe-
gung).
2.2.3 Erhobene Variablen
Als Kontrollvariable wurde erhoben, ob Personen Deutsch
auf Muttersprachniveau sprechen. Außerdem wurden für
die Stichprobenbeschreibung die soziodemografischen Va-
riablen Alter und Geschlecht erfasst.
Die wahrgenommene Robotermorphologie wurde mit je-
weils 71 Items für Anthropomorphismus, Zoomorphismus
und Technomorphismus erhoben.
Die Fragen umfassten 71 Merkmale zu den Dimensionen
Aussehen, Kommunikation, Bewegung und Kontext, die zu-
sammen mit den 3 Antwortstämmen (menschähnlich, tier-
ähnlich, technisch) präsentiert wurden. Diese Fragen wur-
den auf einer Skala von 0–100% bewertet.
2.2.4 Ablauf
Die Versuchspersonen führten die Online-Studie in Ihrem
eigenen Webbrowser an einem ruhigen Ort ihrer Wahl
durch. Nachdem sie ihr Einverständnis erklärt hatten, wur-
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
den soziodemografische Informationen abgefragt. Danach
starteten allgemeine Instruktionen zum Studienablauf in
denen erläutert wurde, dass im Folgenden ein Bild eines
Roboters mit dazugehörigem Text präsentiert wird. Die
Aufgabe bestand darin das Bild und den dazugehörigen
Text aufmerksam zu rezipieren und unterschiedliche Fra-
gen dazu zu beantworten. Jede Versuchsperson bewertete
nur eine aller möglichen Stimuluskombinationen. Die Bild-
Textkombination verblieb statisch zentriert am oberen Rand
des Browsers und die Fragen erschienen in Blöcken, durch
die die Person scrollen konnte. Ein Block umfasste jeweils
eines der 71 Merkmale mit den drei Antwortstämmen
(menschähnlich, tierähnlich, technisch). Die 71 Merkmale
wurden in zufälliger Reihenfolge präsentiert. Die Studie
endete nach der Beantwortung aller Fragen.
2.3 Analyse
Alle Analysen wurden einzeln für die Items eines Fragebo-
gens (RoMo-A, RoMo-Z, RoMo-T) durchgeführt. Zunächst
wurde die Korrelation eines Items mit dem Gesamtscore
der jeweiligen Skala (die Trennschärfe) berechnet, da die-
se charakterisiert, ob alle Items inhaltlich dasselbe Merk-
mal messen. Dabei wurden idealerweise Werte >0,5 ange-
strebt. Zusätzlich wurde als Maß für die interne Konsis-
tenz der Skalen jeweils Cronbach’s αberechnet und Items,
die bei Entfernung zu einer Verbesserung des Cronbach’s α
führten, wurden entfernt.
Im nächsten Schritt wurde die Inter-Item-Korrelation pro
Skala betrachtet. Zum einen sollte eine hohe Korrelation
zwischen den Items einer Skala gegeben sein damit das glei-
che Konstrukt gemessen wird (Werte <0,3). Zum anderen
sollten im Sinne der angestrebten Itemreduktion, Items mit
starken Korrelationen (Werte >0,7), wenn zusätzlich auch
inhaltliche Redundanz zugrunde lag, entfernt werden. Die
inhaltliche Redundanz wurde durch zwei der Autor:innen
diskutiert und entschieden.
Daraufhin wurde mit den verbliebenen Items eine Fakto-
renanalyse durchgeführt. Vor der Durchführung der Fakto-
renanalyse wurde die Angemessenheit der Stichprobe und
Daten für das Verfahren mittels Kaiser-Meyer-Olkin Kri-
terium (KMO) und Bartlett-Test geprüft. Die KMO Werte
sollten mindestens >0,6 sein und der Bartlett-Test signifi-
kant (Tabachnick et al. 2007). Die exploratorische Fakto-
renanalyse wurde dann mit den zuvor reduzierten Items für
den jeweiligen Fragebogen zu Anthropomorphismus, Zoo-
morphismus und Technomorphismus durchgeführt.
Die exploratorische Faktorenanalyse wurde gewählt, um
die Faktorenstruktur zu untersuchen und die Items auf eine
ökonomische Anzahl zu reduzieren. Da theoriebasiertkei-
ne Korrelation zwischen den Komponenten angenommen
wurde, wurde eine orthogonale Rotation (Varimax) gewählt.
Die Anzahl der Faktoren wurde auf Basis von theoretischen
Überlegungen, Screeplot und Eigenwerten festgelegt (Cat-
tell 1966;Kaiser1960). Dabei wurden die Items mit den
höchsten Kommunalitäten gewählt. Mit den resultierenden
Items pro Skala wurde die finale Faktorenanalyse des je-
weiligen Fragebogens durchgeführt. Die Tab. 2,3und 4
zeigen das Ergebnis der finalen Faktorenanalyse für die re-
duzierten Items des RoMo-A, RoMo-Z und RoMo-T mit
allen Faktorladungen über 0,40 um die Übersichtlichkeit zu
erhöhen (Stevens 2012). Um einen ökonomischen Frage-
bogen zu kreieren, wurden die drei Items mit der höchsten
Ladung für die finalen Fragebogenversionen ausgewählt.
Es wird empfohlen, dass in Fragebögen nicht weniger als
drei Items pro Faktor zu verwenden sind, daher wurde eine
angestrebte Itemzahl von drei pro Faktor festgelegt (Rau-
benheimer 2004).
Im letzten Schritt wurden die Fragebögen auf ihre Sen-
sitivität untersucht. Dafür wurden die Ratings der Stimu-
li (z.B. Beschreibung einer anthropomorphen Kommuni-
kation) miteinander auf der jeweiligen Skala (z.B. Skala
Kommunikation des RoMo-A) verglichen. Pro Fragebo-
gen wurde je Skala eine einfaktorielle ANOVA mit dem
zwischen-Subjekt Faktor Ausprägung (anthropomorph vs.
zoomorph vs. technomorph) durchgeführt. Bei einem si-
gnifikanten Haupteffekt des Faktors wurden Bonferroni ad-
justierte post-hoc-Tests durchgeführt, um zu untersuchen,
welche Ausprägungen die jeweilige Skala signifikant un-
terschiedlich abbildet.
2.4 Ergebnisse
2.4.1 Anthropomorphismus: Der RoMo-A
Die Itemreduktion und Skalenanalyse resultierten in
50 Items, die in die erste Faktorenanalyse eingingen. So-
wohl der signifikante Bartlett’s Test (Χ2(1225)= 6563,33,
p<0,001) als auch das KMO-Kriterium (KMO= 0,94) zeig-
ten eine geeignete Passung der Stichprobe und der Daten.
Auch wenn die Eigenwerte eine sechs-faktorielle Lösung
ergaben, konnte eine vier-faktorielle Lösung durch den
Screeplot und die zugrundeliegende Theorie gerechtfertigt
werden. Die erste Faktorenanalyse führte zur Auswahl der
drei bestgeeigneten Items pro Skala. Die erneute Faktoren-
analyse der 12 Items des RoMo-A sind in Tab. 2dargestellt.
Der erste Faktor schließt die Items der Dimension Kom-
munikation ein und konnte 17% der Varianz aufklären.
Der zweite Faktor umfasst die Items der Dimension Aus-
sehen und konnte 19% der Varianz aufklären. Sowohl der
dritte (Bewegung) als auch vierte (Kontext) Faktor erklär-
ten jeweils 16% der Varianz. Damit konnte der RoMo-A
insgesamt 69% der Varianz aufklären.
Zudem zeigte der Fragebogen eine gute interne Konsis-
tenz (α= 0,89). Auch die einzelnen Dimensionen Aussehen
(α= 0,90), Bewegung (α= 0,84), Kommunikation (α= 0,88)
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Tab. 2 Items und Faktorenladungen des RoMo-A, Studie 1
Table 2 Items and factor loadings of the RoMo-A, study 1
Faktoren
Items 1234
Au1: Wie menschähnlich ist die
äußerliche Gestalt des Roboters?
–0,84–
Au2: Wie menschähnlich ist die
Hülle des Roboters?
–0,77–
Au3: Wie menschähnlich ist die
Ästhetik des Roboters
–0,85–
Be1: Wie menschähnlich ist die
Geschwindigkeit des Roboters?
–0,70–
Be2: Wie menschähnlich ist der
Bewegungsfluss des Roboters?
–0,78–
Be3: Wie menschähnlich ist die
Art der Annäherung des Robo-
ters?
–0,68–
Km1: Wie menschähnlich ist der
Sprachrhythmus des Roboters?
0,88 –
Km2: Wie menschähnlich ist
der sprachliche Ausdruck des
Roboters?
0,65 –
Km3: Wie menschähnlich ist die
Intonation des Roboters?
0,72 –
Kx1: Wie menschähnlich ist die
Aufgabe des Roboters?
–0,84
Kx2: Wie menschähnlich sind die
Funktionen des Roboters?
–0,64
Kx3: Wie menschähnlich ist das
Einsatzgebiet des Roboters?
–0,71
und Kontext (α=0,81) zeigten sehr gute bis gute interne
Konsistenzen.
Die Ergebnisse der einzelnen Skalen des RoMo-A in
Bezug zu den jeweiligen Stimuli ist in Abb. 2grafisch
dargestellt. Die Analyse der Skala Aussehen zeigte einen
signifikanten Haupteffekt (F(159,2)= 16,51, p< 0,001).
Dabei zeigten die post-hoc-Tests, dass der anthropomor-
phe Roboter Yumi signifikant anthropomorph aussehen-
der wahrgenommen wurde als der zoomorphe Roboter
iCat (p= 0,008) und der technomorphe Roboter Keecker
(p< 0,001). Darüber hinaus wurde der zoomorphe Roboter
signifikant anthropomorpher im Aussehen wahrgenom-
men als der technomorphe Roboter (p= 0,021). Auch für
die Skala Kommunikation zeigte sich ein signifikanter
Haupteffekt (F(159,2)=26,96, p< 0,001). Die anthropo-
morphe Beschreibung der Kommunikation wurde als signi-
fikant anthropomorpher wahrgenommen als die zoomorphe
(p< 0,001) und technomorphe (p< 0,001) Beschreibung
der Kommunikation. Ein vergleichbares Bild zeigt sich
auch für die Skala Bewegung (F(159,2)=12,52, p< 0,001).
Anthropomorph beschriebene Bewegungen wurden als sig-
nifikant anthropomorphere Bewegungen wahrgenommen
als zoomorph (p= 0,001) und technomorph (p< 0,001)
beschriebene Bewegungen. Für die Skala Kontext zeigte
sich auch ein signifikanter Haupteffekt (F(159,2)=11,75,
p< 0,001). Allerdings zeigten die post-hoc-Tests, dass nur
der technomorph präsentierte Kontext als signifikant weni-
ger anthropomorph wahrgenommen wurde als der anthro-
pomorph (p< 0,001) und zoomorph (p< 0,001) präsentierte
Kontext.
2.4.2 Zoomorphismus: Der RoMo-Z
Die Itemreduktion und Skalenanalyse resultierten in
45 Items, die in die erste Faktorenanalyse eingingen. Auch
hier zeigten der signifikante Bartlett’s Test (Χ2(990)=
6174,84, p< 0,001) und das KMO-Kriterium (KMO= 0,94)
eine geeignete Passung der Stichprobe und der Daten. Die
Eigenwerte ergaben eine fünf-faktorielle Lösung allerdings
konnte auch hier eine vier-faktorielle Lösung durch den
Screeplot und die zugrundeliegende Theorie gerechtfertigt
werden. Erneut wurden durch die erste Faktorenanalyse die
drei Items ausgewählt, die jeweils am stärksten auf dem
jeweiligen Faktor luden. Die Ergebnisse der zweiten Ana-
lyse sind in Tab. 3dargestellt. Der erste Faktor umfasst die
Items der Dimension Aussehen und konnte 20% der Vari-
anz aufklären. Der zweite Faktor beinhaltet die Items der
Dimension Kommunikation und konnte 18% der Varianz
aufklären. Der dritte Faktor umfasst die Items der Dimen-
Tab. 3 Items und Faktorenladungen des RoMo-Z, Studie 1
Table 3 Items and factor loadings of the RoMo-Z, study 1
Faktoren
Items 1234
Au1: Wie tierähnlich ist die äußer-
liche Gestalt des Roboters?
–0,85–
Au2: Wie tierähnlich ist die Fassa-
de des Roboters?
–0,82–
Au3: Wie tierähnlich ist die Ästhe-
tik des Roboters?
–0,84–
Be1: Wie tierähnlich ist die Art der
Annäherung des Roboters?
–0,72
Be2: Wie tierähnlich ist die Art
des Roboters, Menschen oder
Gegenstände zu berühren?
–0,74
Be3: Wie tierähnlich ist die Re-
flexbewegung des Roboters?
–0,55
Km1: Wie tierähnlich sind die
Geräusche des Roboters?
0,72 –
Km2: Wie tierähnlich ist die
Stimmfärbung des Roboters?
0,81 –
Km3: Wie tierähnlich sind die
Äußerungen des Roboters?
0,76 –
Kx1: Wie tierähnlich ist die Auf-
gabe des Roboters?
–0,76–
Kx2: Wie tierähnlich sind die
Funktionen des Roboters?
–0,75–
Kx3: Wie tierähnlich ist das Kön-
nen des Roboters?
–0,64–
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
sion Kontext und erklärte 16% der Varianz. Die Items der
Dimension Bewegung lagern auf dem vierten Faktor und
klärten 15% der Varianz auf. Damit konnte die Analyse
68% der Gesamtvarianz aufklären.
Insgesamt zeigte der RoMo-Z eine gute interne Konsis-
tenz (α= 0,89). Auch die einzelnen Dimensionen Aussehen
(α= 0,91), Bewegung (α= 0,89), Kommunikation (α= 0,79)
und Kontext (α= 0,83) zeigten akzeptable bis sehr gute in-
terne Konsistenzen.
Die Ergebnisse der einzelnen Skalen des RoMo-Z in
Bezug zu den jeweiligen Stimuli ist in Abb. 3grafisch
dargestellt. Die Analyse der Skala Aussehen zeigte einen
signifikanten Haupteffekt (F(159,2)=16,08, p< 0,001). Der
zoomorpher Roboter iCat wurde als signifikant zoomorph
aussehender wahrgenommen als der technomorphe Robo-
ter Keecker (p< 0,001) und der anthropomorphe Roboter
Yumi (p< 0,001). Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich auch
für die Skala Kommunikation (F(159,2)=21,61, p< 0,001).
Kommunikation, die als zoomorph beschrieben wurde,
wurde auch signifikant zoomorpher wahrgenommen als
technomorph (p< 0,001) oder anthropomorph (p< 0,001)
beschriebene Kommunikation. Auch für die Skala Bewe-
gung konnte ein signifikanter Haupteffekt gefunden werden
(F(159,2)= 16,59, p< 0,001). Die post-hoc-Tests zeigten,
dass zoomorph beschriebene Bewegungen auch signifi-
kant zoomorpher wahrgenommen wurde als technomorph
(p< 0,001) oder anthropomorph (p= 0,005) beschriebene
Bewegungen. Außerdem wurden anthropomorph beschrie-
bene Bewegungen zoomorpher wahrgenommen als techno-
morph (p= 0,033) beschriebene Bewegungen. Auch für die
vierte Skala Kontext zeigte sich ein signifikanter Hauptef-
fekt (F(159,2)= 37,82, p< 0,001). Wie bei allen vorherigen
Skalen wurde auch der Kontext signifikant zoomorpher
Abb. 2 Mittelwerte und Standardfehler separat für die präsentierten Stimuli (technomorph, anthropomorph, zoomorph) pro Skala des RoMo-A,
Studie 1
Fig. 2 Means and standard errors separately for the presented stimuli (technomorphic, anthropomorphic, zoomorphic) per scale of the RoMo-A,
study 1
wahrgenommen, wenn dieser zoomorph dargestellt wur-
de im Vergleich zu einer technomorphen (p< 0,001) oder
anthropomorphen (p< 0,001) Kontextdarstellung.
2.4.3 Technomorphismus: Der RoMo-T
Es resultierten 42 Items aus der Itemreduktion und Skalen-
analyse. Die Daten verfügten über eine geeignete Passung,
was der signifikante Bartlett’s Test (Χ2(861)= 3704,637,
p< 0,001) und das KMO-Kriterium (KMO= 0,87) zeigten.
Die Eigenwerte ergaben eine acht-faktorielle Lösung, al-
lerdings konnte erneut eine vier-faktorielle Lösung durch
den Screeplot und die zugrundeliegende Theorie gerechtfer-
tigt werden. Auf Basis der ersten Faktorenanalyse wurden
die bestgeeigneten Items ausgewählt. Die Ergebnisse der
zweiten Faktorenanalyse mit den zwölf Items ist in Tab. 4
dargestellt. Die Faktorenanalyse zeigte, dass der erste Fak-
tor (Items der Dimension Aussehen) und der vierte Faktor
(Items der Dimension Bewegung) jeweils 13% der Vari-
anz aufklärten. Am meisten Varianz (16%) klärte der zwei-
te Faktor (Items der Dimension Kommunikation) auf. Der
dritte Faktor umfasste die Items der Dimension Kontext und
erklärte weitere 14%. Insgesamt konnte der RoMo-T damit
56% der Gesamtvarianz aufklären.
Die Analyse konnte zudem eine akzeptable interne Kon-
sistenz des Fragebogens zeigen (α= 0,79). Dies zeigte sich
auch für die einzelnen Dimensionen Aussehen (α= 0,73),
Bewegung (α= 0,72), Kommunikation (α= 0,82) und Kon-
text (α= 0,75).
Die Ergebnisse der einzelnen Skalen des RoMo-T in
Bezug zu den jeweiligen Stimuli ist in Abb. 4grafisch dar-
gestellt. Die Analyse der Skala Aussehen ergab einen signi-
fikanten Haupteffekt (F(159,2)=5,70, p= 0,004). Die post-
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Abb. 3 Mittelwerte und Standardfehler separat für die präsentierten Stimuli (technomorph, anthropomorph, zoomorph) pro Skala des RoMo-Z,
Studie 1
Fig. 3 Means and standard errors separately for the presented stimuli (technomorphic, anthropomorphic, zoomorphic) per scale of the RoMo-Z,
study 1
Abb. 4 Mittelwerte und Standardfehler separat für die präsentierten Stimuli (technomorph, anthropomorph, zoomorph) pro Skala des RoMo-T,
Studie 1
Fig. 4 Means and standard errors separately for the presented stimuli (technomorphic, anthropomorphic, zoomorphic) per scale of the RoMo-T,
study 1
hoc-Tests zeigten allerdings nur, dass der technomorphe
Roboter signifikant technomorpher aussehend wahrgenom-
men wurde als der zoomorphe (p= 0,004) Roboter iCat.
Darüber hinaus konnte kein signifikanter Haupteffekt für
die Skala Kommunikation gefunden werden. Die Analyse
der Skala Bewegung ergab hingegen einen signifikanten
Haupteffekt (F(159,2)=11,18, p< 0,001). Hier zeigten die
post-hoc-Tests, dass technomorph beschriebene Bewegung
signifikant technomorpher wahrgenommen wurde als zoo-
morph (p< 0,001) und anthropomorph (p< 0,001) beschrie-
bene Bewegung. Die post-hoc-Tests nach dem signifikanten
Haupteffekt der Skala Kontext (F(159,2)=27,29, p< 0,001)
zeigten, dass der technomorph dargestellte Kontext signi-
fikant technomorpher wahrgenommen wurde als der zoo-
morph dargestellte Kontext (p< 0,001). Darüber hinaus
wurde auch der anthropomorph dargestellte Kontext sig-
nifikant technomorpher wahrgenommen als der zoomorph
(p< 0,001) dargestellte Kontext.
2.5 Diskussion
Ein Ziel der Entwicklung der RoMo-Fragebögen war es,
eine Möglichkeit zur Einschätzung der Robotermorpholo-
gie in Bezug auf Anthropomorphismus (RoMo-A), Zoo-
morphismus (RoMo-Z) und Technomorphismus (RoMo-T)
zu schaffen. Der aktuelle Forschungsstand der MRI fokus-
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
sierte sich bisher stark auf Anthropomorphismus in der
sozialen MRI (Duffy 2003; Roesler et al. 2021). Damit
stellen die Fragebögen eine bedeutsame Erweiterung der
bisherigen Messinstrumente der Robotermorphologie über
Anthropomorphismus hinaus dar. Dies ist bedeutsam, da
zum einen auch Zoomorphismus einen bedeutsamen Ge-
staltungsansatz in der sozialen MRI darstellt, besonders in
der Therapie von Störungen im Autismus-Spektrum (Szy-
mona et al. 2021) und Demenz (Kang et al. 2020). Zum
anderen spielt Technomorphismus vor allem in der indus-
triellen und servicedominierten Domäne eine bedeutende
Rolle um den Werkzeugcharakter auch kollaborativer Ro-
boter aufrecht zu erhalten (Roesler und Onnasch 2020). Die
entwickelten Fragebögen, die alle akzeptable bis sehr gu-
te interne Konsistenzen zeigten, auch auf Subskalenebene,
sind daher ein nützliches Instrument in allen Bereichen der
MRI.
Ein wichtiges Ziel war zudem, dass die jeweiligen Fra-
gebögen auch eine Betrachtung der einzelnen Facetten der
Morphologie hinsichtlich Aussehens, Kommunikation, Be-
wegung und Kontext ermöglichen. Damit schließen die re-
sultierenden Fragebögen eine große Forschungslücke, die
durch eine bisher eindimensionale Erfassung der Morpho-
logie bestand (Bartneck et al. 2009; Ho und MacDorman
Tab. 4 Items und Faktorenladungen des RoMo-T, Studie 1
Table 4 Items and factor loadings of the RoMo-T, study 1
Faktoren
Items 1 2 3 4
Au1: Wie technisch ist die Ge-
stalt des Roboters?
0,74 –
Au2: Wie technisch ist die Form
des Roboters?
0,67 –
Au3: Wie technisch ist die Ver-
zierung des Roboters?
0,62 –
Be1: Wie technisch ist die Art
der Annäherung des Roboters?
–0,61
Be2: Wie technisch ist die Be-
schleunigung des Roboters?
–0,64
Be3: Wie technisch ist die Bewe-
gungsrichtung des Roboters?
–0,78
Km1: Wie technisch ist die Spra-
che des Roboters?
–0,79–
Km2: Wie technisch ist der
sprachliche Ausdruck des Ro-
boters?
–0,68–
Km3: Wie technisch sind die
Äußerungen des Roboters?
–0,81–
Kx1: Wie technisch ist die Auf-
gabe des Roboters?
–0,89–
Kx2: Wie technisch sind die
Funktionen des Roboters?
–0,54–
Kx3: Wie technisch ist das Ein-
satzgebiet des Roboters?
–0,64–
2010;Löffleretal.2020). Diese modellbasierende Mehrdi-
mensionalität (Onnasch und Roesler 2021) ermöglicht eine
differenzierte Untersuchung, welche Merkmale der Mor-
phologie, zu welchem Grad vorhanden sind und um im
nächsten Schritt zu bestimmen, was einen positiven Ein-
fluss auf menschliches Wahrnehmen und Verhalten hat. In
bisherigen Überblicksarbeiten fehlte es an geeigneten Ma-
ßen, um innerhalb der Dimensionen Abstufungen vorzu-
nehmen, anstelle eines nicht-quantifizierbaren Vergleichs
im Sinne von mehr oder weniger Morphologiemerkmalen
(Roesler et al. 2021). Damit bieten die Fragebögen einen
guten Ansatzpunkt auch unterschiedliche Roboter und Stu-
diendesigns vergleichbarer zu machen. Außerdem können
die RoMo-Fragebögen und einzelnen Skalen auch in der
Roboterentwicklung zum Einsatz kommen. Damit kann be-
reits in einer frühen Phase des Designs untersucht werden,
wie unterschiedliche Designs wahrgenommen werden.
Insgesamt liegt damit der größte Vorteil der RoMo-Fra-
gebögen im Gegensatz zu anderen etablierten Fragebögen
(Bartneck et al. 2009; Ho und MacDorman 2010)inder
Mehrdimensionalität. Dabei konnte die Analyse der ein-
zelnen Skalen zeigen, dass die Fragebögen weitestgehend
die jeweilige Dimension der Morphologie sensitiv abbilden.
Für den RoMo-A zeigten alle Skalen, dass jeweils die an-
thropomorphe Ausprägung des Aussehens, der Kommuni-
kation, der Bewegung und des Kontexts signifikant anthro-
pomorpher wahrgenommen wurde als die technomorphen
Ausprägungen. Dies galt bis auf den Kontext auch für die
zoomorphen Ausprägungen. Dies ist allerdings durch den
gewählten Kontext eines Kindergartens zu erklären. Post
hoc erscheint es logisch, dass soziale Kontexte wie der des
Kindergartens zu einer anthropomorphen Kontexteinschät-
zung führen (Goetz et al. 2003; Roesler et al. 2022). Der
RoMo-Z zeigte auf allen Skalen signifikant höhere Werte
der zoomorphen Stimuli im Vergleich zu anthropomorphen
und technomorphen Stimuli. Während der RoMo-A und
RoMo-Z sehr gut zwischen den Stimuli differenzieren, er-
gibt sich ein gemischtes Bild für den RoMo-T. Dies kann
damit zusammenhängen, dass Roboter grundlegend eher als
Technologie wahrgenommen werden (Roesler et al. 2022),
wofür auch die insgesamt sehr viel höheren Mittelwerte
sprechen. Dennoch zeigt sich zumindest für alle Skalen
deskriptiv der erwartete Effekt mit höherem wahrgenom-
menen Technomorphismus der jeweiligen technomorphen
Stimuli. Statistisch signifikant ist dies teilweise bestätigt,
wobei die Kommunikation eine Ausnahme bildet.
Zusammenfassend bieten die RoMo-Fragebögen da-
mit eine weitestgehend sensitive Möglichkeit Anthropo-
morphismus, Zoomorphismus und Technomorphismus in
Bezug auf Aussehen, Kommunikation, Bewegung und
Kontext zu erfassen. Die Formulierung der Items erlaubt
zudem nicht nur eine Anwendung auf spezifische Roboter,
Aufgaben oder Interaktionen, sondern eine breite Nutzung
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
in der MRI. Um die Faktorenstruktur zu überprüfen und
die Sensitivität weiter zu untersuchen ist allerdings eine
Kreuzvalidierung und ein Vergleich mit anderen etablierten
Fragebögen erforderlich.
3 Online-Studie 2: Fragebogenvalidierung
Das Ziel der zweiten Studie war die Validierung der Endfas-
sung des RoMo Fragebogen-Sets zur Messung von wahr-
genommenem Anthropomorphismus, Zoomorphismus und
Technomorphismus in der MRI. Um sicherzustellen, dass
der aktuelle Fragebogen eine verbesserte Differenzierung
ermöglicht, wurde ein Methodenvergleich mit anderen eta-
blierten Fragebögen zur Erfassung von Anthropomorphis-
mus in der MRI durchgeführt. Daher wurde neben den
in Studie 1 entwickelten RoMo-Fragebögen auch der GΙA
(Bartneck et al. 2009) und der RGΙA (Ho und MacDorman
2010) erhoben. Dieser Vergleich hatte das Ziel, die Effekti-
vität und Genauigkeit des neuen Fragebogens im Vergleich
zu früheren eindimensionalen Fragebögen zu evaluieren.
3.1 Methode
3.1.1 Stichprobe
Die Kreuzvalidierung erfolgte mit 162 Versuchspersonen,
um erneut eine gleichmäßige Verteilung der Versuchsper-
sonen auf die 81 einzelnen Stimuluskombinationen zu ge-
währleisten. Die Proband:innen wurden über die gleichen
Kanäle wie in der ersten Studie rekrutiert, wobei keine
der Versuchspersonen an der ersten Studie teilgenommen
hat. Die Stichprobe setzte sich aus 46% weiblichen, 52%
männlichen und 2% non-binären Personen zusammen. Das
durchschnittliche Alter betrug 32,6 Jahre (SD= 12,83). Von
den Versuchspersonen hatten auch in dieser Stichprobe die
meisten Personen keine (43) oder kaum Erfahrung (73)
mit Robotern. Erneut hatte circa ein Viertel der Teilneh-
mer:innen ein bisschen Erfahrung (43) und nur sehr wenige
viel Erfahrung (3) mit Robotern.
3.1.2 Versuchsmaterialien und -ablauf
Die Stimuli und der Ablauf der Studie wurden parallel zur
ersten Online-Studie gehalten und nur um den GΙA und
RGΙA direkt nach der Darbietung der final entwickelten
Fragebögen erweitert. Der GΙA (Bartneck et al. 2009) und
der RGΙA (Ho und MacDorman 2010) umfassen jeweils
5 semantische Differentiale. Beide Skalen wurden auf einer
5-stufigen Skala bewertet.
3.2 Analyse
Wie in der ersten Studie wurde die Angemessenheit der
Daten und der Stichprobe vor der Durchführung der Fak-
torenanalyse mit Hilfe des KMO-Kriteriums und Bartlett’s
Tests geprüft. Danach wurden exploratorische Faktorenana-
lysen mit orthogonaler Rotation (Varimax) für den jewei-
ligen Fragebogen RoMo-A, RoMo-Z und RoMo-T durch-
geführt. Die Anzahl der Faktoren wurde erneut auf Basis
von theoretischen Überlegungen, Screeplot und Eigenwer-
ten festgelegt (Cattell 1966;Kaiser1960). Die Tab. 5,6
und 7zeigen das Ergebnis der Faktoranalysen der einzel-
nen RoMo-Fragebögen mit allen Faktorladungen über 0,40
(Stevens 2012).
Im nächsten Schritt wurden, parallel zum Vorgehen der
ersten Studie, einfaktorielle ANOVAs und im Falle eines
signifikanten Haupteffekts Bonferroni-korrigierte post-hoc-
Tests berechnet.
Exklusiv für den RoMo-A wurden noch zusätzliche
Analysen durchgeführt, um die Sensitivität des hier vorge-
stellten Fragebogens mit etablierten Erhebungsinstrumen-
ten (GΙA, RGΙA) zu vergleichen. Dafür wurden auch für
den GΙA und den RGΙA einfaktorielle ANOVAs berechnet.
Zudem wurde untersucht, inwiefern der Gesamtscore des
Tab. 5 Items und Faktorenladungen des RoMo-A, Studie 2
Table 5 Items and factor loadings of the RoMo-A, study 2
Faktoren
Items 1234
Au1: Wie menschähnlich ist die
äußerliche Gestalt des Roboters?
–0,76–
Au2: Wie menschähnlich ist die
Hülle des Roboters?
–0,84–
Au3: Wie menschähnlich ist die
Ästhetik des Roboters
–0,69–
Be1: Wie menschähnlich ist die
Geschwindigkeit des Roboters?
–0,58–
Be2: Wie menschähnlich ist der
Bewegungsfluss des Roboters?
–0,78–
Be3: Wie menschähnlich ist die
Art der Annäherung des Robo-
ters?
–0,72–
Km1: Wie menschähnlich ist der
Sprachrhythmus des Roboters?
0,83 –
Km2: Wie menschähnlich ist
der sprachliche Ausdruck des
Roboters?
0,78 –
Km3: Wie menschähnlich ist die
Intonation des Roboters?
0,41 –
Kx1: Wie menschähnlich ist die
Aufgabe des Roboters?
–0,73
Kx2: Wie menschähnlich sind die
Funktionen des Roboters?
–0,71
Kx3: Wie menschähnlich ist das
Einsatzgebiet des Roboters?
–0,66
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Tab. 6 Items und Faktorenladungen des RoMo-Z, Studie 2
Table 6 Items and factor loadings of the RoMo-Z, study 2
Faktoren
Items 1234
Au1: Wie tierähnlich ist die äußer-
liche Gestalt des Roboters?
–0,75–
Au2: Wie tierähnlich ist die Fassa-
de des Roboters?
–0,88–
Au3: Wie tierähnlich ist die Ästhe-
tik des Roboters?
–0,80–
Be1: Wie tierähnlich ist die Art der
Annäherung des Roboters?
0,82 –
Be2: Wie tierähnlich ist die Art
des Roboters, Menschen oder
Gegenstände zu berühren?
0,64 –
Be3: Wie tierähnlich ist die Re-
flexbewegung des Roboters?
0,68 –
Km1: Wie tierähnlich sind die
Geräusche des Roboters?
–0,89–
Km2: Wie tierähnlich ist die
Stimmfärbung des Roboters?
–0,58–
Km3: Wie tierähnlich sind die
Äußerungen des Roboters?
–0,58–
Kx1: Wie tierähnlich ist die Auf-
gabe des Roboters?
–0,77
Kx2: Wie tierähnlich sind die
Funktionen des Roboters?
–0,76
Kx3: Wie tierähnlich ist das Kön-
nen des Roboters?
–0,52
RoMo-A unterschiedliche Grade von Anthropomorphismus
unterscheiden kann (von keiner anthropomorphen Ausprä-
gung bis hin zu einer anthropomorphen Ausprägung aller
vier Dimensionen Aussehen, Kommunikation, Bewegung,
Kontext). Dazu wurde eine lineare Regression durchge-
führt, um zu untersuchen, ob der RoMo-A mit dem Grad
des Anthropomorphismus der Stimuli zusammenhängt.
Dieses Vorgehen wurde zusätzlich für den GΙA und RGΙA
durchgeführt.
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Anthropomorphismus: Der RoMo-A
Die Stichprobengröße und Angemessenheit der Daten
konnte durch den signifikanten Bartlett’s Test (Χ2(66)=
732,33, p< 0,001) und das als gut zu bewertende KMO-
Kriterium (KMO= 0,79) bestätigt werden. Sowohl die Ei-
genwerte als auch die visuelle Inspektion des Screeplots
ergaben vier zu extrahierende Faktoren. Die Ergebnisse der
Faktorenanalyse des RoMo-A sind in Tab. 5dargestellt.
Der erste Faktor umfasst die Items der Dimension Kom-
munikation und konnte 14% der Varianz aufklären. Die
anderen Faktoren leisteten mit je 15% einen Beitrag zur
Varianzaufklärung. Damit konnte der RoMo-A insgesamt
59% der Varianz aufklären. Die Aufteilung der Items ent-
sprach exakt der vierfaktoriellen Struktur aus der ersten
Studie. Die Gesamtskala (α= 0,82) und alle Subskalen:
Aussehen (α= 0,81), Bewegung (α= 0,78), Kommunikation
(α= 0,79) und Kontext (α= 0,78) zeigten eine akzeptable
bis gute interne Konsistenz.
Die Analyse der einzelnen Skalen des RoMo-A in Bezug
zu den jeweiligen Stimuli ist in Abb. 5dargestellt. Der Ver-
gleich des unterschiedlichen Aussehens der Roboter (Yumi
vs. iCat vs. Keecker) zeigte einen signifikanten Haupteffekt
(F(159,2)= 18,78, p< 0,001). Die post-hoc-Tests lassen
erkennen, dass der anthropomorph aussehende Roboter
signifikant anthropomorpher auf der Skala Aussehen wahr-
genommen wurde als der zoomorphe (p< 0,001) und der
technomorphe (p< 0,001) Roboter. Überraschenderweise
zeigte sich weder für den GΙA(F(159,2)=1,03, p= 0,359)
noch den RGΙA(F(159,2)=0,97, p= 0,382) ein signifi-
kanter Unterschied zwischen den drei Roboterbildern. Die
Analyse der Skala Kommunikation zeigte einen signifikan-
ten Haupteffekt für den Vergleich der anthropomorph, zoo-
morph und technomorph beschriebenen Kommunikation
(F(159,2)= 39,98, p< 0,001). Die Kommunikation wurde
in der anthropomorph beschriebenen Bedingung als signifi-
kant anthropomorpher wahrgenommen als in der zoomorph
(p< 0,001) und technomorph (p< 0,001) beschriebenen
Bedingung. Auch in Bezug zur Kommunikation zeigten
weder der GΙA(F(159,2)=0,73, p= 0,482) noch der RGΙA
(F(159,2)= 0,77, p= 0,467) einen signifikanten Hauptef-
fekt. Für die Analyse der unterschiedlich beschriebenen
Bewegungen zeigte sich für die Skala Bewegung ein sig-
nifikanter Haupteffekt (F(159,2)=4,01, p= 0,020). Dabei
zeigte sich, dass anthropomorph beschriebene Bewegungen
signifikant anthropomorpher wahrgenommen wurden als
technomorph beschriebene Bewegungen (p= 0,030). Wie
bereits bei Aussehen und Kommunikation, konnte auch
bei unterschiedlich beschriebenen Bewegungen weder ein
signifikanter Haupteffekt für den GΙA(
F(159,2)= 1,618,
p= 0,202) noch den RGΙA(F(159,2)= 0,442, p= 0,643) ge-
funden werden. Die Analyse der Skala Kontext zeigte einen
signifikanten Haupteffekt (F(159,2)=8,51, p< 0,001). Wie
bereits in der ersten Online-Studie wurde der technomorph
charakterisierte Kontext signifikant weniger anthropomorph
eingeschätzt als der anthropomorph (p= 0,001) und zoo-
morph (p= 0,002) beschriebene Kontext. Erneut konnten
weder der GΙA(F(159,2)=0,203, p= 0,817) noch der
RGΙA(F(159,2)=0,357, p= 0,701) einen signifikanten Un-
terschied zwischen den unterschiedlichen Bedingungen
aufzeigen.
Zuletzt wurde analysiert, inwiefern die unterschied-
lichen Fragebögen den Grad des Anthropomorphismus
vorhersagen können. Die Analysen identifizierten den Mit-
telwert des RoMo-A als Prädiktor für die Anzahl der
anthropomorphen Merkmale (maximal vier Merkmale:
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Abb. 5 Mittelwerte und Standardfehler separat für die präsentierten Stimuli (technomorph, anthropomorph, zoomorph) pro Skala des RoMo-A,
Studie 2
Fig. 5 Means and standard errors separately for the presented stimuli (technomorphic, anthropomorphic, zoomorphic) per scale of the RoMo-A,
study 2
Aussehen, Kommunikation, Bewegung, Kontext) (b= 3,60,
t(160)= 2,88, p= 0,005). Der Gesamt-Mittelwert erklärt
einen signifikanten Anteil der Varianz der anthropomorphen
Merkmale (R2= 0,05, F(1,160)=8,31, p= 0,004). Weder der
GΙA(b= –0,08, t(160)= –1,46, p= 0,146) noch der RGΙA
(b= 0,01, t(160)= 0,23, p= 0,817) konnten die Anzahl der
anthropomorphen Merkmale vorhersagen (Abb. 6).
3.3.2 Zoomorphismus: Der RoMo-Z
Sowohl der signifikante Bartlett’s Test (Χ2(66)= 836,43,
p< 0,001) als auch das KMO- Kriterium (KMO= 0,77) be-
stätigen die Angemessenheit der Daten und Stichprobe. Die
Eigenwerte sowie die visuelle Inspektion des Screeplots
ergaben vier zu extrahierende Faktoren.
Abb. 6 Mittelwerte und Standardfehler pro Merkmalsanzahl für den gesamt-Score des RoMo-A, den GΙA und den RGΙA
Fig. 6 Means and standard errors per feature number for the total score of the RoMo-A, the GΙAandtheRGΙA
Die Faktorenanalyse des RoMo-Z ist in Tab. 6darge-
stellt. Der erste Faktor umfasst die Items der Dimension
Bewegung und konnte 16% der Varianz aufklären. Der
zweite Faktor, der die Items der Dimension Aussehen
beinhaltet, konnte 17% der Varianz aufklären. Weitere
14% der Varianz wurden vom dritten Faktor (Items der
Dimension Kontext) und weitere 15% der Varianz vom
vierten Faktor (Items der Dimension Kommunikation) auf-
geklärt. Alle Skalen des RoMo-Z konnten zusammen 62%
der Varianz aufklären. Die Aufteilung der Items entsprach
exakt der vierfaktoriellen Struktur aus der ersten Studie.
Die Gesamtskala (α= 0,82) und alle Subskalen, Aussehen
(α= 0,86), Bewegung (α= 0,79), Kommunikation (α= 0,77)
und Kontext (α= 0,79), zeigten eine akzeptable bis gute
interne Konsistenz.
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Abb. 7 Mittelwerte und Standardfehler separat für die präsentierten Stimuli (technomorph, anthropomorph, zoomorph) pro Skalen des RoMo-Z,
Studie 2
Fig. 7 Means and standard errors separately for the presented stimuli (technomorphic, anthropomorphic, zoomorphic) per scales of the RoMo-Z,
study 2
Die Analyse der einzelnen Skalen des RoMo-Z in Bezug
zu den jeweiligen Stimuli ist in Abb. 7dargestellt. Die Ana-
lyse ergab einen signifikanten Haupteffekt für das wahr-
genommene zoomorphe Aussehen der unterschiedlichen
Roboterstimuli (F(159,2)=29,02, p< 0,001). Die post-hoc-
Tests zeigten, dass der zoomorphe Roboter iCat als signifi-
kant zoomorpher wahrgenommen wurde als der technomor-
phe Roboter Keecker (p< 0,001) und der anthropomorphe
Roboter Yumi (p< 0,001). Auch für die Kommunikation
konnte gezeigt werden (F(159,2)=24,99, p< 0,001), dass
die zoomorph beschriebene Kommunikation als signifikant
zoomorpher wahrgenommen wurde als die technomorph
(p< 0,001) und anthropomorph (p< 0,001) beschriebe-
ne Kommunikation. Darüber hinaus konnte auch für die
wahrgenommene Bewegung ein signifikanter Haupteffekt
gefunden werden (F(159,2)=17,85, p< 0,001). Roboter,
deren Bewegungen zoomorph beschrieben wurden, wurden
signifikant zoomorpher wahrgenommen als Roboter mit
technomorph (p< 0,001) und anthropomorph (p< 0,001) be-
schriebenen Bewegungen. Auch in Bezug auf den Kontext,
in dem der Roboter präsentiert wurde, konnte ein Haupt-
effekt detektiert werden (F(159,2)=21,24, p< 0,001). Der
zoomorph dargestellte Kontext wurde als signifikant zoo-
morpher wahrgenommen als der technomorph (p< 0,001)
und anthropomorph (p< 0,001) dargestellte Kontext.
3.3.3 Technomorphismus: Der RoMo-T
Auch für den RoMo-T zeigten sowohl der signifikante Bart-
lett’s Test (Χ2(66)=766,10, p< 0,001) als auch das KMO-
Kriterium (KMO= 0,85) die Angemessenheit der Daten
und Stichprobe. Die Eigenwerte ergaben eine dreifaktori-
elle Struktur, allerdings konnte die visuelle Inspektion des
Screeplots und die theoretische Basis auch die Extraktion
von vier Faktoren rechtfertigen.
Die Faktorenanalyse des Fragebogens ist in Tab. 7dar-
gestellt. Der erste Faktor erklärte 15% der Varianz, dabei
luden primär die Items der Dimension Bewegung auf die-
Tab. 7 Items und Faktorenladungen des RoMo-T, Studie 2
Table 7 Items and factor loadings of the RoMo-T, study 2
Faktoren
Items 1 2 3 4
Au1: Wie technisch ist die Ge-
stalt des Roboters?
–0,79–
Au2: Wie technisch ist die Form
des Roboters?
–0,75–
Au3: Wie technisch ist die Ver-
zierung des Roboters?
–0,68–
Be1: Wie technisch ist die Art
der Annäherung des Roboters?
0,52 –
Be2: Wie technisch ist die Be-
schleunigung des Roboters?
0,66 –
Be3: Wie technisch ist die Be-
wegungsrichtung des Roboters?
0,63 –
Km1: Wie technisch ist die
Sprache des Roboters?
–0,72
Km2: Wie technisch ist der
sprachliche Ausdruck des Robo-
ters?
–0,58
Km3: Wie technisch sind die
Äußerungen des Roboters?
0,48 – 0,42
Kx1: Wie technisch ist die Auf-
gabe des Roboters?
–0,97–
Kx2: Wie technisch sind die
Funktionen des Roboters?
0,43 (0,38) –
Kx3: Wie technisch ist das Ein-
satzgebiet des Roboters?
–0,54–
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
Abb. 8 Mittelwerte und Standardfehler separat für die präsentierten Stimuli (technomorph, anthropomorph, zoomorph) pro Skalen des RoMo-T,
Studie 2
Fig. 8 Means and standard errors separately for the presented stimuli (technomorphic, anthropomorphic, zoomorphic) per scales of the RoMo-T,
study 2
sem Faktor. Überraschender Weise lud auch ein Kommu-
nikations-Item und ein Kontext-Item mit >0,4 auf diesem
Faktor. Der zweite Faktor umfasste weitestgehend die Items
der Dimension Kontext und erklärte 13% der Varianz. Ei-
nes der Kontext-Items lud allerdings mit 0,38 schwächer
als erwartet auf dem Faktor.
Der dritte Faktor umfasste eindeutig die Items der Skala
Aussehen und erklärte 17% der Varianz. Der letzte Fak-
tor erklärte 11% der Varianz und bildete alle Items der
Dimension Kommunikation ab. Die Aufteilung der Items
entsprach damit nicht exakt der vierfaktoriellen Struktur
aus der ersten Studie. Die Gesamtskala (α= 0,87) und al-
le Subskalen: Aussehen (α= 0,83), Bewegung (α= 0,72),
Kommunikation (α= 0,72) und Kontext (α= 0,75) zeigten
eine akzeptable bis gute interne Konsistenz.
Die Analyse der Sensitivität der einzelnen Skalen für un-
terschiedlich technomorphe Stimuli ist in Abb. 8dargestellt.
Die Analyse der Skala Aussehen ergab einen signifikanten
Haupteffekt (F(159,2)=22,13, p< 0,001). Im Detail konnte
durch die post-hoc-Tests gezeigt werden, dass der techno-
morphe Roboter Keecker als technomorpher wahrgenom-
men wurde, als der zoomorphe Roboter iCat (p< 0,001)
und der anthropomorphe Roboter Yumi (p= 0,007). Zu-
dem wurde Yumi als signifikant technomorpher aussehend
wahrgenommen als iCat (p= 0,001). Die Analyse der Ska-
la Kommunikation zeigte keinen signifikanten Unterschied
zwischen den unterschiedlichen Kommunikationsbeschrei-
bungen (F(159,2)=1,38, p=0,255). Die Analyse der Ska-
la Bewegung (F(159,2)=5,53, p= 0,005) zeigte wiederum,
dass technomorph beschriebene Bewegungen als signifi-
kant technomorpher wahrgenommen wurden, als zoomorph
beschriebene Bewegungen (p= 0,005). Zuletzt zeigte sich
auch für die Skala Kontext ein signifikanter Haupteffekt
(F(159,2)= 12,29, p< 0,001). Der technomorph charakteri-
sierte Kontext wurde als signifikant technomorpher wahrge-
nommen als der zoomorph (p< 0,001) und anthropomorph
(p= 0,012) charakterisierte Kontext.
4 Diskussion und Schlussfolgerungen
Auf Basis der MRI-Taxonomie von Onnasch und Roesler
(2021) wurde ein Set an multidimensionalen Fragebögen
zur Erfassung des wahrgenommenen Anthropomorphismus,
Zoomorphismus und Technomorphismus entwickelt. Die
theoriegeleitete Entwicklung und empirische Validierung
resultierten in einer ökonomischen, flexiblen und sensiti-
ven Alternative zu bereits existierenden Verfahren zur Er-
fassung des wahrgenommenen Anthropomorphismus in ro-
botischen Designs, sowie der Möglichkeit zur gesonder-
ten Erfassung von Zoomorphismus und Technomorphis-
mus (Bartneck et al. 2009; Ho und MacDorman 2010).
Ökonomisch sind die RoMo-Fragebögen sowohl bei der
Erfassung eines Gesamteindrucks einer Morphologie via
12 Items wie auch insbesondere bei der Erfassung von ein-
zelnen Dimensionen der Robotermorphologie mit nur drei
Items. Die Nutzungsmöglichkeiten einzelner Dimensionen
machen den Fragebogen zudem flexibel einsetzbar für un-
terschiedlichste Fragestellungen in Forschung und Praxis.
Der größte Vorteil zeigt sich in der Sensitivität der Skalen,
die verwendeten Stimuli zu differenzieren.
Die Skalen des RoMo-A konnten in der ersten und zwei-
ten Studie alle anthropomorphen Merkmale signifikant von
technomorphen Merkmalen unterscheiden. Es zeigte sich
auch weitgehend eine Differenzierung von anthropomor-
phen und zoomorphen Merkmalen. Eine Ausnahme bildete
K
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft
in beiden Studien der Vergleich des anthropomorphen und
zoomorphen Kontexts. Hier zeigten sich keine signifikan-
ten Unterschiede. Dies kann damit zusammenhängen, dass
das Setting des Kindergartens durch den klaren Bezug zur
sozialen Domäne ebenfalls als stark anthropomorph wahr-
genommen wurde. Da weder der GΙA (Bartneck et al. 2009)
noch der RGΙA (Ho und MacDorman 2010) die unter-
schiedlichen Stimuli differenzierten, kann der entwickelte
RoMo-A als geeignete Alternative genutzt werden, um be-
sonders feine Unterschiede zu detektieren. Die Schlussfol-
gerung, dass der neue Fragebogen sensitiver als die bisher
genutzten Fragebögen ist, konnte zudem durch den signifi-
kanten Zusammenhang der Anzahl der implementierten an-
thropomorphen Merkmale mit dem Gesamt-Mittelwert des
multidimensionalen RoMo-A illustriert werden. Weder der
RΙA (Bartneck et al. 2009) noch der RGΙA (Ho und Mac-
Dorman 2010) waren in diesem Fall prädiktiv, da sich für
beide etablierten Fragebögen keine signifikanten Zusam-
menhänge mit der Anzahl der anthropomorphen Merkmale
ergaben.
In beiden Studien konnten die Skalen des RoMo-Z al-
le zoomorphen Merkmale signifikant von technomorphen
und anthropomorphen Merkmalen unterscheiden. Dadurch
schließt der Fragebogen eine bestehende Forschungslücke,
da die Bewertung zoomorpher Gestaltung trotz ihres häufi-
gen Vorkommens in der sozialen MRI bisher kaum Beach-
tung fand. Zudem gewinnt Zoomorphismus auch im Ser-
vicebereich zunehmend an Bedeutung, wie die Beispiele
von Lio, dem Roboterschwan für Pflegeeinrichtungen
(Mišeikis et al. 2020) oder BellaBot, der Roboterkatze für
die Gastronomie (van Doorn et al. 2023), verdeutlichen.
Der RoMo-Z kann somit in unterschiedlichsten Domänen
zum Einsatz kommen.
Die Skalen des RoMo-T zeigten nur teilweise eine signi-
fikante Differenzierung der Stimuli. Außerdem zeigten sich
insgesamt sehr viel höhere Mittelwerte als in den ande-
ren Fragebögen. Beides könnte ein Indiz dafür sein, dass
Roboter an sich stets primär als technomorph wahrgenom-
men werden (Roesler et al. 2022). Ähnlich wie in vorheri-
gen Fragebögen (Bartneck et al. 2009; Ho und MacDor-
man 2010;Löffleretal.2020) würden wir daher dafür
argumentieren, geringe Ausprägungen des RoMo-A und
RoMo-Z als höheren Technomorphismus zu interpretieren.
Der RoMo-T bietet damit keinen expliziten Mehrwert, der
über die anderen beiden Fragebögen hinaus geht.
Natürlich sind die hier präsentierten Studien nicht frei
von Limitationen. Eine bedeutsame Limitation, die in zu-
künftiger Forschung adressiert werden sollte, ist die studen-
tische Stichprobe. In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl
ältere Menschen als auch Kinder spezifische Gruppen sind,
die in der sozialen MRI untersucht werden, sollten sie als
wichtiger Teil der Zielgruppe betrachtet werden. Darüber
hinaus sollten zukünftige Untersuchungen auch andere for-
male Bildungs- und Berufshintergründe einbeziehen, wie
über eine studentische Stichprobe hinaus gehen. Dement-
sprechend wird vorgeschlagen, den Fragebogen mit unter-
schiedlichen Stichproben zu validieren.
Die größte Einschränkung besteht jedoch darin, dass die
Entwicklung ausschließlich auf speziellen Bildern und Tex-
ten basierte. In einem ersten Schritt sollte die Validität auch
für andere Vignetten mit insbesondere Robotern die stärker
in Ihrem Aussehen variieren und anderen Umgebungsbil-
dern der jeweiligen Kontexte validiert werden.
Dennoch lässt sich zusammenfassend festhalten, dass der
RoMo-A und der RoMo-Z sinnvolle Instrumente für die
MRI-Forschung und die Entwicklung von Robotern darstel-
len. Da die Formulierungen der Items nicht auf bestimmte
Roboter oder Einsatzgebiete abzielten, können die Frage-
bögen domänenübergreifend für eine Vielzahl von Robo-
tern eingesetzt werden. Darüber hinaus können die einzel-
nen Skalen flexibel ausgewählt werden, um eine optimale
Anpassung an die Forschungsfrage und das Entwicklungs-
ziel zu gewährleisten. Die RoMo-Fragebögen leisten damit
einen vielversprechenden Beitrag für zukünftige Forschung,
um die Gestaltungsmerkmale und daraus folgende Wirkun-
gen in der MRI zu untersuchen. Dies ist besonders wegen
der domänenübergreifenden Zunahme von direkter Zusam-
menarbeit von Menschen und Robotern von zentraler Be-
deutung.
Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt
DEAL.
Interessenkonflikt E. Roesler, K. zur Kammer und L. Onnasch geben
an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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