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[en] (orig)
Durchgängige Modellierung von Geschäftsprozessen
in einer Service-orientierten Architektur
Stephan Buchwald
1
, Thomas Bauer
1
, Manfred Reichert
2
1
Abteilung für Daten- und Prozessmanagement, Daimler AG,
{stephan.buchwald, thomas.tb.bauer}@daimler.com
2
Institut für Datenbanken und Informationssysteme, Universität Ulm
manfred.reichert@uni-ulm.de
Abstract:
Häufig genannte Ziele einer Service-orientierten Architektur (SOA)
sind die bessere Unterstützung und Anpassbarkeit von Geschäftsprozessen sowie
das Business-IT-Alignment. Diese werden heute nicht erreicht, da die bei der Imp-
lementierung eines Fachprozesses notwendigen komplexen Transformationen in
einen ausführbaren Workflow schwer nachvollziehbar sind. Dadurch gehen fachli-
che Anforderungen verloren und es entsteht ein hoher Aufwand bei späteren Pro-
zessanpassungen. Im vorgestellten Ansatz wird ein sog. Abbildungsmodell einge-
führt, das Zugehörigkeiten von Aktivitäten des Fachmodells zu denen des System-
modells (d.h. technische Spezifikation des Informationssystems) explizit dokumen-
tiert. Dadurch werden im Software-Entwicklungsprozess automatisierte Konsis-
tenzprüfungen zwischen den Modellebenen möglich. Werden später Prozessanpas-
sungen erforderlich, so lassen sich die zu einer fachlichen Aktivität gehörenden
technischen Aktivitäten direkt erkennen, was die Durchführung der Anpassung er-
leichtert. Ein wesentlicher Vorteil unseres Ansatzes besteht darin, dass die Erstel-
lung des Abbildungsmodells nur einen minimalen Aufwand verursacht, da keine
komplexen Regeln, sondern nur einfache Beziehungen definiert werden müssen.
1 Motivation
Workflow-Technologie alleine reicht nicht aus, um die Anforderung einer Service-
orientierten Architektur (SOA) an Flexibilität zu erfüllen. Gegenüber der heutigen Praxis
ist insbesondere eine Verbesserung des Zusammenspiels zwischen Fachbereichen und
IT-Abteilungen bei der Software-Entwicklung erforderlich. Dieser Aspekt wird auch als
Business-IT-Alignment bezeichnet: Informationssysteme sollen die fachlichen Anforde-
rungen exakter treffen als bisher. Hierzu müssen Informationsverlust und Verfälschun-
gen bei der Entwicklung des (prozessorientierten) Informationssystems reduziert wer-
den. Falls Änderungen an fachlichen Anforderungen erfolgen, sollen diese korrekt, un-
verfälscht und zeitnah in die Implementierung des Informationssystems einfließen. Au-
ßerdem kann es in einer SOA zu Änderungen in der Umgebung kommen, z.B. wenn
Services wegfallen (d.h. abgeschaltet werden) oder zu einer neuen Version migrieren.
Um solchen Szenarien flexibel zu begegnen, ist eine zusätzliche Modellebene notwen-
dig, welche die Beziehungen zwischen fachlichen Anforderungen und entsprechender
IT-Implementierung nachvollziehbar dokumentiert. Wir verwenden hierfür ein Zwi-
schenmodell, welches im Folgenden Systemmodell genannt wird. In dieses Systemmo-
dell müssen fachliche Anforderungen an einen Prozess einfließen. Nur dann werden sie
in der tatsächlichen Implementierung des Informationssystems umgesetzt. Hierzu ist ein
Konzept erforderlich, bei dem die Beziehung zwischen fachlichen Anforderungen und
ihrer Implementierung im geplanten Informationssystem nachvollziehbar ist. So muss
für jede Aktivität des fachlichen Modells (und damit für deren Eigenschaften und Anfor-
derungen) ableitbar sein, in welche Aktivität(en) des Systemmodells sie eingeflossen ist
(vgl. Abbildung 1). Dies ist normalerweise nicht ohne weiteres erkennbar, da für IT-
Implementierungen meist Vorgaben für Aktivitätenbezeichnungen bestehen, die nicht
mit denen der Fachabteilungen übereinstimmen.
Ein Beispiel einer einfachen Transformation zeigt Abbildung 1 mit der Umbenennung
der fachlichen Aktivität [Änderungsantrag stellen] in [HT_..._Request-
Change] im Systemmodell. Während solche Namensunterschiede noch einfach hand-
habbar sind, sind bei der Abbildung eines Fachmodells auf ein ausführbares Modell
meist größere Umstrukturierungen notwendig. Grund dafür ist, dass ein Fachbereich
seine Geschäftsprozesse im Regelfall auf einer anderen Abstraktionsebene beschreibt als
sie für eine IT-Spezifikation benötigt wird. So werden in einem Fachprozessmodell zahl-
reiche manuelle Einzelaktivitäten beschrieben, die nicht automatisiert werden sollen, die
aber für Verfahrenshandbücher oder Prozesskostenrechnungen relevant sind. Diese wer-
den in einer IT-Spezifikation nicht 1:1 übernommen, sondern zusammengefasst oder
ganz weggelassen. Ein Beispiel ist die Aktivität [Änderung umsetzen] in
Abbildung 1. IT-unterstützte Prozessschritte hingegen sind im Fachprozess häufig nur
grob beschrieben, so dass sie verfeinert oder sogar zusätzlich hinzugefügt werden müs-
sen. Andere fachliche Aktivitäten werden in mehrere IT-gestützte Aktivitäten (Benutzer-
interaktionen, Service-Aufrufe und Datentransformationen) aufgespaltet. So wird in
unserem Beispiel die Aktivität [betroffene Bauteile angeben] in eine Be-
nutzerinteraktion (Human Task) und einen Service-Aufruf aufgespaltet. Schließlich ist
zu beobachten, dass Fehler- und Ausnahmefälle (z.B. Rücksprünge bei unvollständigen
Daten) in Fachprozessmodellen meist nicht abgebildet werden, um die Komplexität in
dieser frühen Phase gering zu halten.
HT_..._
Request-
Change
XÄnderung
umsetzen
Änderung
ist ge-
nehmigt
Änderung
ist abge-
lehnt
System-
modell
HT_..._
InputPart-
Number
Service_..._
GetPartData
HT_..._
RefineCha-
ngeRequest
HT_..._
DecideCha-
ngeRequest Choice Service_..._
MarkPartsAs-
Changeable
Choice
End
eMailTask_
_Notify-
Requestor
Fachliches
Modell
Aufspalten
betroffene
Bauteile
angeben
Umbenennen
Änderungs-
antrag
stellen
Änderung
detaillieren Änderung
bewerten
Zusammenfassen
Änderung
entscheiden
Umbenennen
Antragsteller
informieren
Umbenennen
Umbenennen
Einfügen
Weglassen
Fahrzeug-
entwickler Änderungs-
verantwortl.
Fahrzeug-
entwickler Änderungs-
verantwortl. Antrag-
steller
e-Mail
Baureihen
verantwortl.
Abbildung 1: Transformationen zwischen fachlichem Modell und Systemmodell
Unter Berücksichtigung solcher Transformationen ermöglicht unser Ansatz Enhanced
Process Management by Service Orientation (ENPROSO) die Nachvollziehbarkeit der
Beziehungen zwischen einer fachlichen Aktivität und ihrer IT-Implementierung. Ebenso
wird Nachvollziehbarkeit in umgekehrter Richtung unterstützt: So ist es für die robuste
Ausführung einer SOA-Anwendung wichtig, die von Umgebungsänderungen betroffe-
nen Prozesse und Aktivitäten zu identifizieren. Nur so wird es möglich, entsprechend
schnell auf anstehende Änderungen wie “Service-Abschaltungen“ reagieren zu können.
In Kapitel 2 stellen wir die Anforderungen an das zu entwickelnde Konzept vor, insbe-
sondere hinsichtlich der zu unterstützenden Prozesstransformationen. Kapitel 3 skizziert
das Abbildungsmodell unseres ENPROSO-Ansatz und beschreibt die dazu notwendigen
Prozesstransformationen. Der Ansatz wird in Kapitel 4 detailliert. Kapitel 5 diskutiert
verwandte Arbeiten, bevor mit einer Zusammenfassung geschlossen wird.
2 Rahmenbedingungen und Anforderungen
Die Modellierung von Geschäftsprozessen aus fachlicher Sicht dient, neben der Prozess-
analyse und -optimierung, vor allem der Dokumentation fachlicher Anforderungen sei-
tens der Fachabteilungen und Prozessverantwortlichen. Da Letztere meist wenig oder
keinen IT-Hintergrund haben, werden die Inhalte eines fachlichen Modells nicht formal
beschrieben. Stattdessen werden einfache graphische Notationen und textuelle Beschrei-
bungen verwendet, wie sie von Geschäftsprozess-Modellierungswerkzeugen angeboten
werden (z.B. erweiterte Ereignisgesteuerte Prozess-Ketten (eEPK) in ARIS). Wie er-
wähnt, sind in dieser frühen Phase noch nicht alle Aspekte im Detail bekannt bzw. sollen
aus Komplexitätsgründen noch nicht modelliert werden, so dass das fachliche Prozess-
modell (kurz: Fachprozess) an bestimmten Stellen bewusst vage und offen gehalten
wird. Diese Unvollständigkeit betrifft die Prozessstruktur (d.h. den Kontrollfluss) selbst,
aber auch andere Aspekte (z.B. erfolgt im Fachprozess noch keine detaillierte Festlegung
von Datenstrukturen). Hingegen muss ein implementierter Workflow von einer
Workflow-Engine ausgeführt werden, weshalb die entsprechende technische Prozessbe-
schreibung (ausführbares Modell) vollständig und formal sein muss. Außerdem muss sie
den Vorgaben des von der Workflow-Engine verwendeten Metamodells genügen (z.B.
[Rei00]).
Bei der Transformation eines Fachprozesses in einen Systemprozess ist es wichtig, dass
das Systemmodell geeignet angepasst (d.h. umstrukturiert) wird. Da die durchgängige
Realisierung solcher Umstrukturierungen den Schwerpunkt dieses Beitrags bildet, wer-
den die verschiedenen Typen von Strukturänderungen entlang des in Abbildung 1 darge-
stellten (stark vereinfachten) Antragsprozesses für Produktänderungen in der Automobil-
industrie motiviert. Dieser stellt sicher, dass Änderungsvorhaben an Bauteilen vor ihrer
eigentlichen Umsetzung bewertet, genehmigt und entsprechend dokumentiert werden.
Ein Änderungsvorhaben wird angelegt, indem die Änderung in Form eines Antrages
beschrieben wird. Da sich Änderungen meist auf mehrere Bauteile auswirken, müssen
Informationen über die von ihnen betroffenen Bauteile eingeholt werden. Anschießend
wird die Änderung detailliert und bewertet. Abhängig von dieser Bewertung wird ent-
schieden, ob das Änderungsvorhaben umgesetzt wird oder nicht.
Im Folgenden werden häufig vorkommende Transformationstypen beschrieben.
Typ 1 (Übernahme einer Aktivität inkl. Umbenennung): Im einfachsten Fall
wird eine Aktivität des Fachprozesses auf genau eine Aktivität des Systemmodells
abgebildet. So kann eine Benutzerinteraktion zum Ausfüllen eines Formulars z.B.
als Human Task [Agr07] in einem BPEL-Prozess realisiert werden. Da für Aktivi-
täten auf IT-Ebene aber ufig Namenskonventionen existieren (z.B. um die zu-
gehörige Applikation im IT-Betrieb erkennen zu können), ergeben sich meist unter-
schiedliche Namen für Aktivitäten und Daten im fachlichen Modell und im Systemmo-
dell. Zwecks Nachvollziehbarkeit müssen wir solche Anpassungen explizit verwalten.
Typ 1
X
A
Beispielsweise wird die fachliche Aktivität [Änderungsantrag stellen] durch
die Human Task [HT_
...
_ChangeAppl_ProductDevelopment_Request-
Change] im Systemmodell realisiert (vgl. Abbildung 1).
Typ 2 (Aufspalten einer Aktivität): Service-orientierte Workflow-Engines
erfordern eine strikte Unterscheidung von Aktivitäten mit Benutzerinteraktion
(Human Tasks) und Service-Aufrufen (Invoke-Aktivität in BPEL). Diese
Aufspaltung ist neu: Klassische Workflow-Engines haben Aktivitäten als
größere Einheiten betrachtet, die sowohl mit dem Benutzer interagieren als
auch Daten mit Backend-Systemen austauschen. Da solche Einheiten aber kaum wieder-
verwendbar sind, entsprechen sie nicht der Grundphilosophie einer SOA. Im Beispiel
aus Abbildung 1 ist es deshalb notwendig, die fachlich zusammengehörige Aktivität
[betroffene Bauteile angeben] in eine Benutzerinteraktion zur Eingabe der
Bauteilnummern und einen Service-Aufruf zur Ermittlung der restlichen Bauteildaten
aus einem Produktdaten-Management (PDM)-System aufzuspalten
Typ 3 (Zusammenfassen von Aktivitäten): Bei der fachlichen Analyse von
Geschäftsprozessen werden logisch zusammengehörige Aufgaben ermittelt,
die mittels separaten Aktivitäten modelliert werden. Wenn solche Aktivitäten
z.B. unmittelbar aufeinander folgen und stets von derselben Person erledigt
werden, kann es Sinn machen, diese im Systemmodell zu einer Aktivität zu-
sammenzufassen, um sie dann durch eine Sequenz von Bildschirmmasken zu bearbeiten.
Im dargestellten Beispiel wird es dem Änderungsverantwortlichen dadurch erspart, nach
Beendigung der Detaillierung, dieselbe Workflow-Instanz in seiner Arbeitsliste erneut zu
suchen, um anschließend die Bewertung der Änderung durchzuführen.
Typ 4 (Einfügen zusätzlicher Aktivitäten in das Systemmodell): Nachdem der
Baureihenverantwortliche eine Entscheidung über die Änderung getroffen hat und
der Antragsteller entsprechend informiert ist, kann die Änderung durchgeführt
werden. Damit dies im PDM-System möglich ist, müssen dort die entsprechenden
Bauteile in den Zustand Veränderbar versetzt werden. Dies erfolgt durch den
Serviceaufruf [Service_MarkPartsAsChangable], der zusätzlich in das Sys-
temmodell eingefügt wird. Oftmals sind auch zusätzliche Aktivitäten zur Protokollierung
relevanter Aktionen oder eingetretener Fehler auf Workflow-Ebene erforderlich.
Typ 5 (Weglassen von Aktivitäten aus dem fachlichen Modell): In Fachprozes-
sen können sich häufig Aktivitäten befinden, deren Ausführung nicht vom
Workflow-System gesteuert bzw. überwacht werden soll. So erfolgt in unserem
Beispiel die Umsetzung einer Änderung selbstständig durch den Antragssteller,
nachdem dieser informiert wurde, dass sein Antrag genehmigt ist. Die Modellie-
rung dieser Aktivität im Fachprozess ist zwar sinnvoll, da sie nicht unerheblich zu den
Prozesskosten und -durchlaufzeiten beiträgt (sie fließt z.B. bei einer Prozess-Simulation
ein), ist aber für die Workflow-Ebene nicht relevant.
Ferner können weitere Transformationstypen definiert werden (z.B. n zu m Aktivitäten).
3 Konzept für die Prozesstransformation
Wir entwickeln nun ein Konzept, um ausgehend von einem fachlichen Prozessmodell die
erwähnten Transformationen durchzuführen. Hierzu wird eine mehrstufige Vorgehens-
Typ 2
A
X Y
Typ 3
X
A B
Typ 4
X
Typ 5
A
weise vorgestellt: Zuerst wird der Fachprozess in einen korrespondierenden Prozess auf
Systemmodellebene (Systemprozess) transformiert. Aus diesem wird später das aus-
führbare Prozessmodell abgeleitet. Außerdem wird aufgezeigt, wie Beziehungen zwi-
schen diesen Ebenen in Prozessmodellierungsumgebungen explizit dokumentiert werden
können. Dieser Aspekt wird in Kapitel 4 detailliert.
Ebenen der Prozessmodellierung: Der Fachprozess dient der Dokumentation von fach-
lichen Anforderungen an das zu realisierende Informationssystem. Fachliche Anforde-
rungen werden meist durch Befragung von Endanwendern und Prozessverantwortlichen
bzw. -eignern ermittelt. ufig wird diesen Personen der Fachprozess graphisch darge-
stellt, so dass sie ihre eigenen Prozessschritte in den Fachprozess einordnen oder Fehler
erkennen können. Deshalb ist die wichtigste Anforderung an ein fachliches Modell, dass
es leicht verständlich ist. Zudem liegt die Verantwortung für die Erstellung des Fachmo-
dells meist bei den jeweiligen Fachbereichen, auch wenn die operative Umsetzung dieser
Aufgabe oftmals durch (externe) Berater erfolgt. Für die Inhalte sind die Fachbereiche
verantwortlich, da nur diese das entsprechende Fachwissen haben. Bei der Modellierung
werden primär die Struktur des Prozessablaufs (Kontrollfluss) mit seinen Aktivitäten,
deren Ein- und Ausgabedaten sowie zuständigen Bearbeitern festgelegt.
Die Verantwortung für die Erstellung des Systemmodells liegt beim IT-Bereich. Durch-
geführte Änderungen am Systemmodell sollten vom zuständigen Fachbereich bestätigt
werden. Deshalb muss die Darstellung des Systemmodells (z.B. graphische Notation,
Struktur) so gewählt werden, dass sie für Fachanwender verständlich ist. Die zugehöri-
gen Inhalte sind dieselben wie im fachlichen Modell. Allerdings müssen diese ausrei-
chend detailliert, vollständig und formal sein, um die Basis einer plattformunabhängigen
IT-Spezifikation bilden zu nnen. Das bedeutet, vage textuelle Beschreibungen und
offene Aspekte aus dem Fachmodell müssen ersetzt werden.
Die Software-Realisierung (ausführbares Modell) hingegen wird von IT-Implementieren
erstellt. Diese treffen keine (fachlich relevanten) Entscheidungen bei der Erstellung des
ausführbaren Modells, sondern übernehmen stattdessen Struktur und Inhalte des System-
modells 1:1. Für das ausführbare Modell sind zahlreiche weitere zielplattformabhängige
Informationen notwendig, wie Datenobjekte, implementierte Services, Benutzerschnitt-
stellen (z.B. als Maskenentwurf), Geschäftsregeln und zugrundeliegende Organisations-
modelle. Aufgrund des hierfür notwendigen formalen Charakters und der technischen
Detaillierung kann es ausschließlich von IT-Spezialisten erstellt werden. Da solche in
Fachbereichen nicht verfügbar sind, liegt die Verantwortung für diese Modellebene beim
IT-Bereich. In vielen Unternehmen, die sich als IT-Anwender verstehen, gibt es solche
Verantwortlichen nicht. Deshalb wird die Erstellung des ausführbaren Prozessmodells
häufig an externe Software-Hersteller vergeben (vgl. Offshoring).
Wie Abbildung 2 zeigt, beinhalten alle drei Modellebenen relevante Aspekte wie Daten-
objekte, Geschäftsregeln, Services oder Organisationsmodelle [Rei00]. Diese werden in
den unterschiedlichen Ebenen (ausgehend vom Fachmodell) verfeinert. Änderungen an
diesen Aspekten werden durch Fachbereiche bestätigt, und schließlich durch den IT-
Bereich implementiert. Außerdem stehen die verschiedenen Objekttypen in Beziehung
zueinander: So erzeugt ein Prozess verschiedene Datenobjekte, verwendet Geschäfts-
regeln und ruft Services auf. Da die Umstrukturierung des Kontrollflusses und einzelnen
Aktivitäten im Fachmodell (vgl. Kapitel 2) die größte Herausforderung bzgl. Modell-
transformationen darstellt, fokussieren wir im Folgenden darauf.
Fachmodell:
Ausführbares Modell:
Systemmodell:
Verantwortung:
Fachbereich
Verantwortung:
IT-Bereich,
in Abstimmung
mit Fachbereich
Ø
Verantwortung:
IT-Bereich
Geschäftsprozesse
Daten
-
objekte
Gesch
ä
fts
-
regeln
Implemen-
tierung
Detaillierung,
Formalisierung
xcvc
xcvcfdgfdsg
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcg
dfdfsdaf
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcvcfdgfdsg
dfdf
dfsgdfsgfds
xcvc
xcvcfdgfdsg
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcg
dfdfsdaf
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcvcfdgfdsg
dfdf
dfsgdfsgfds
HT HT Svc HT SvcHT HT Svc HT Svc Beziehungen
Beziehungen
Beziehungen
Abbildung 2: Ebenen der Modellierung von Prozessen und auch anderer Aspekte
Beziehung zwischen Fach- und Systemprozess: Eine wesentliche Anforderung ist die
Nachvollziehbarkeit von Transformationen. In [BBR09] untersuchen wir, welche Vari-
anten bei der Transformation eines Fachprozesses in einen Systemprozess prinzipiell
möglich sind. Um die Vielfältigkeit entsprechender Transformationstypen vernünftig zu
handhaben, ist eine explizite Repräsentation der Transformationsschritte zur Abbildung
von Fachprozessen in Systemprozesse (und umgekehrt) nötig. Dazu führen wir im Fol-
genden einen neuen Modelltyp ein, dessen Instanzen wir als Abbildungsmodell bezeich-
nen. Es zeigt für alle Aktivitäten des Fachprozesses auf, wie sie in den Systemprozess
überführt werden. Ebenso ist für alle Aktivitäten des Systemprozesses erkennbar, aus
welchen fachlichen Aktivitäten sie entstanden sind.
Zweck des Abbildungsmodells ist es, Beziehungen zwischen Aktivitäten des Fach- und
Systemmodells zu dokumentieren. Deshalb wird keine Reihenfolge zwischen ihnen
beschrieben. Ist zwischen den Ebenen eine Werkzeuggrenze zu überwinden, müssen nur
fachliche Aktivitäten in das (Modellierungs-) Werkzeug des Systemmodells importiert
werden (und kein Kontrollfluss). Dies ist einfach möglich, da keine Überführung des
Fachprozesses in ein anderes Metamodell notwendig ist.
Es lassen sich alle Transformationstypen dokumentieren. Der Ansatz ist erweiterbar,
indem zusätzliche Transformationstypen für evtl. zukünftig benötigte Transformationen
definiert werden. Alle Veränderungen sind direkt erkennbar und die Beziehungen von
Aktivitäten des Fach- und Systemmodells sind bidirektional nachvollziehbar.
4 Gestaltung des Abbildungsmodells
Ein Abbildungsmodell stellt das Verbindungsglied zwischen Fachprozess und System-
prozess dar. Es wird von heutigen Prozessmodellierungswerkzeugen nicht direkt unter-
stützt. Wir zeigen im Folgenden, wie ein Abbildungsmodell prinzipiell gestaltet werden
muss, damit die Beziehung zwischen Fach- und Systemprozess nachvollziehbar ist.
Erstellung und Speicherung: Das Abbildungsmodell wird während der Erstellung des
Prozesses auf Systemmodell-Ebene (vgl. Abbildung 2) erzeugt. Da beide Modelle in der
Verantwortung des IT-Bereichs liegen, sollten dasselbe Modellierungswerkzeug und
möglichst dieselbe Notation verwendet werden. Allgemein betrachtet definiert das Ab-
bildungsmodell eine Menge von Relationen, die Aktivitäten des Fachprozesses auf Akti-
vitäten des Systemmodells abbilden. Jede dieser Relationen entspricht genau einem
Transformationstyp. In der Modellierungsumgebung sollte eine Relation durch jeweils
ein Objekt realisiert werden, dem außer dem Transformationstyp auch Attribute wie
Name, Beschreibung oder der Verantwortliche aus dem Fachmodell zugeordnet sind.
Da heutige Modellierungswerkzeuge das Konzept des Abbildungsmodells nicht unter-
stützen, muss bei ihrer Verwendung für diesen Zweck ein existierender Modelltyp ver-
wendet werden (z.B. eEPK, BPMN oder UML Activity Diagram). Dieser muss Aktivitä-
ten aus dem Fach- und Systemprozess sowie Relationen zwischen diesen darstellen n-
nen. Je nach Notation und Werkzeug kann hiervon ein Modelltyp für Abbildungsmodelle
abgeleitet werden. In diesem abgeleiteten Modell können dann spezielle Knotentypen für
Transformationen (Transformationsknoten) sowie Kantentypen für Transformations-
kanten verwendet werden. Abbildung 3 zeigt exemplarisch das zu dem in Abbildung 1
eingeführten Beispiel gehörende Abbildungsmodell in einer „neutralen“ Notation. Hier
werden die Transformationsknoten durch Achtecke repräsentiert, um sie leicht von Akti-
vitäten unterscheiden zu können; Transformationskanten werden gestrichelt dargestellt.
Zusammen-
fassen
Aufspalten Einfügen
Um-
benennen Weglassen
Änderungs-
antrag
stellen
betroffene
Bauteile
angeben
Änderung
detaillieren Änderung
bewerten Änderung
entscheiden Antragsteller
informieren Änderung
umsetzen
HT_..._
Request-
Change
HT_..._
InputPart-
Number
HT_..._
RefineCha-
ngeRequest
HT_..._
DecideCha-
ngeRequest
Service_..._
MarkPartsAs-
Changeable
eMailTask_
_Notify-
Requestor
Um-
benennen Um-
benennen
Aktivität aus
dem Fach-
modell
Aktivität aus
dem System-
modell
Transfor-
mations-
knoten
Merge
X
Split
Um-
benennen
Transf. 1 Transf. 2
Service_..._
GetPartData
Transf.3 Transf. 4 Transf. 5 Transf. 6 Transf. 7 Transf. 8
Abbildung 3: Abbildungsmodell für das in Abbildung 1 vorgestellte Beispielszenario
Verwendung des Abbildungsmodells: Durch Konsistenzanalysen wird es nun möglich,
eine schnelle Zuordnung (und damit Umsetzung) von geänderten fachlichen Anforde-
rungen zu Aktivitäten des ausführbaren Modells zu erhalten:
1. Nach Änderung des Fachprozesses werden dessen Aktivitäten in das Abbildungsmo-
dell importiert. Die Konsistenzanalyse vergleicht anschließend die im Abbildungsmo-
dell aktualisierte Menge fachlicher Aktivitäten mit der bereits vorhandenen. Sind be-
stimmte Aktivitäten nicht mehr enthalten, wurden diese aus dem Fachprozess gelöscht
(bzw. zusätzliche wurden erzeugt).
2. Verwendet das Werkzeug zur Fachprozessmodellierung zugreifbare Zeitstempel für
Aktivitäten-Objekte, sind Veränderungen einzelner fachlicher Aktivitäten erkennbar.
Die Konsistenzanalyse vergleicht nicht nur die aktualisierte mit der bereits vorhande-
nen Aktivitätsmenge, sondern zusätzlich die Zeitstempel einzelner Aktivitäts-Objekte.
3. Analog können bei Veränderungen in der Umgebung der Prozessapplikation, etwa die
Abschaltung eines Services (vgl. Abbildung 1, Service_GetPartData), mit die-
sem Ansatz leicht betroffene fachlichen Aktivitäten (betroffene Bauteile
angeben) ermittelt werden.
5 Verwandte Arbeiten
MDA-basierte Ansätze wenden Patterns auf fachliche Modelle an [All07, Bau08,
FKT08]. Allerdings sind solche Ansätze nicht immer realisierbar. Dies trifft auch auf
unser Szenario zu, bei dem eine freie Modellierbarkeit des Systemmodells gefordert ist:
So ist für Geschäftsprozesse, die fachlich meist grob, sehr abstrakt und vage beschrieben
sind, eine strukturelle Adaption auf Systemmodell-Ebene notwendig. Eine solche Über-
arbeitung mittels automatisch anwendbaren Patterns zu realisieren, wäre zu aufwendig,
da umfangreiche Transformationen fachlicher Objekte auf Objekte im Systemmodell
formal spezifiziert werden müssten. Zudem sind Transformationen, wie das Einfügen
von zusätzlichen Aktivitäten, schwer realisierbar, da für diese keine entsprechende Akti-
vität im fachlichen Modell existiert. In dem von uns betrachteten Anwendungsfall ist
eine Wiederverwendung vordefinierter Patterns in unterschiedlichen Geschäftsprozessen
nicht realistisch. Deshalb muss für jeden Geschäftsprozess individuell entschieden wer-
den, wie eine entsprechende technische Repräsentation im Systemmodell aussieht.
6 Zusammenfassung
Von Fachbereichen erstellte Prozessmodelle müssen strukturell adaptiert werden, bevor
sie mittels Prozess-Management-Systemen implementiert werden nnen. Hierbei ist es
das Ziel, möglichst schnell und nachvollziehbar von fachlichen Anforderungen zur IT-
Implementierung zu gelangen (Business-IT-Alignment). Um dies zu erreichen, haben
wir zwischen dem fachlichen und dem ausführbaren Prozessmodell die Ebene des Sys-
temmodells eingeführt, das in Verantwortung des IT-Bereichs liegt und als Spezifikation
für die IT-Implementierung dient. Um bei der Modellierung des Systemmodells die
durchgeführten Prozesstransformationen nachvollziehbar zu gestalten, haben wir das
Konzept des Abbildungsmodells entwickelt. Es ermöglicht weiterhin, die bei der Erstel-
lung des Systemmodells benötige „freie Geschäftsprozess-Modellierung“, aber erzielt
dennoch einen hohen Grad an Nachvollziehbarkeit. Diese Nachvollziehbarkeit wird
genutzt, um Prozessimplementierungen schneller erstellen bzw. anpassen zu nnen. Sie
gewährleistet zudem die Konsistenz zwischen den verschiedenen Modellebenen. Ent-
wurfsalternativen und eine prototypische Umsetzung sind in [BBR09] dargestellt.
Literatur
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tive Endpoints, Adobe, BEA, IBM, Oracle, SAP AG, 2007
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mit Ereignisgesteuerten Prozessketten, St. Augustin, Germany, S. 23-38, 2007
[Bau08] P. Bauler et.al.: Usage of Model Driven Engineering in the context of Business Process
Management; In: Proc. 4th GI Workshop XML Integration and Transformation for Busi-
ness Process Management, S. 1963 – 1974, 2008
[BBP09] S. Buchwald, T. Bauer, R. Pryss: IT-Infrastrukturen für flexible, service-orientierte
Anwendungen; In: Proc. BTW 2009, Münster, 2009
[BBR09] S. Buchwald, T. Bauer, M. Reichert: Durchgängige Modellierung von Geschäftsprozes-
sen durch Einführung eines Abbildungsmodells: Ansätze, Konzepte, Notationen. Tech-
nical Report UIB-2009-12, University of Ulm, 2009
[FKT08] K.P. Fähnrich; S. Kühne; M. Thränert: Model-Driven Integration Engineering; Eigenver-
lag Leipziger Informatik-Verbund (LIV), 2008
[Rei00] M. Reichert: Dynamische Ablaufänderungen in Workflow-Management-Systemen.
Dissertation, Universität Ulm, Fakultät für Informatik; 2000