P. Horster (Hrsg.) · Konferenzname · syssec (Jahr) pp.
Evolution von Zugriffsregelungen
in Informationssystemen
*
Manfred Reichert · Ursula Catrinescu-Wiedemuth · Stefanie Rinderle
Universität Ulm, Abteilung Datenbanken und Informationssysteme
{reichert, rinderle}@informatik.uni-ulm.de
Zusammenfassung
In (prozessorientierten) Informationssystemen erfolgt die Zugriffs- und Bearbeiterkontrolle oftmals auf
Grundlage einfacher Rollenkonzepte. Dies hat den Vorteil, dass der Wechsel eines Mitarbeiters inner-
halb des Unternehmens durch Änderung seiner Rollenzuordnung abgebildet werden kann, ohne dass
weitere Anpassungen von Zugriffs- oder Bearbeiterregeln erforderlich werden. Dadurch sind auch
Prozessdefinitionen robust gegenüber Änderungen der Personalstruktur. Bis heute jedoch nicht wirklich
verstanden ist, wie Modelle zur Abbildung komplexer Organisationsstrukturen und deren Evolution
(z.B. Fusion oder Aufsplittung von Einheiten, Änderung der Rollenzuordnung eines Mitarbeiters)
systemseitig unterstützt werden sollen. Erfolgen Modelländerungen unkontrolliert, können inkonsistente
oder fehlerhafte Zugriffs- und Bearbeiterregeln resultieren. Schlimmstenfalls ergeben sich sogar
veraltete Arbeitslisten und damit Sicherheitslücken in der Bearbeiterkontrolle. In diesem Beitrag
werden die mit der Änderung von Organisationsmodellen verknüpften Probleme erörtert, und es
werden Lösungsansätze für die kontrollierte Evolution der darauf basierenden Zugriffsregeln skizziert.
Diese Arbeiten sind im ADEPT-Projekt angesiedelt, in dem die technologischen Grundlagen für die
Realisierung adaptiver, prozessorientierter Informationssysteme geschaffen werden.
1 Einleitung
Unternehmen, die am Markt erfolgreich sein wollen, müssen sich immer rascher auf neue Gegeben-
heiten einstellen. Vielfach führt dies zu Anpassungen der Aufbau- und Ablauforganisation, zu neuen
Formen der Zusammenarbeit mit Partnern, Zulieferern und Kunden oder zu anderen mehr oder
weniger gravierenden Veränderungen. Die Fähigkeit, ihre Informationssysteme rasch an derartige
Änderungen anzupassen wird für Unternehmen zukünftig ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor sein.
Die in Form von sog. Workflow-Management-Systemen (WfMS) [LeRo00] derzeit kommerziell
verfügbare Technologie wird diesen Ansprüchen ebenso wenig gerecht wie gängige
Branchensoftware. Beide springen hinsichtlich Funktionalität zu kurz, auch Flexibilitäts- und
Wartungsaspekte werden vernachlässigt. Insbesondere die starre Implementierung der Prozesse –
*
Diese Arbeit wurde im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes
„Änderungsmanagement in adaptiven Workflow-Management-Systemen“ erstellt.
Proc. Conf. eBusiness Processes (EBP'04), Klagenfurt, Austria, September 2004, pp. 100-114
2 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
von dem einmal hinterlegten Ablauf kann bei der Prozessausführung nicht abgewichen werden – stellt
für den praktischen Einsatz ein ernsthaftes Hindernis dar. Im ADEPT-Projekt arbeiten wir deshalb
an fortschrittlichen Konzepten zur Verwirklichung adaptiver, prozessorientierter Informationssysteme
[ReDa98, RiRD04]. Die entwickelte ADEPT-Technologie
• bietet eine prozessorientierte Sicht- und Denkweise ("Process-Awareness")
• erlaubt die rasche und kostengünstige Realisierung neuer Prozesse (Prozesstypen)
• integriert sowohl eigenentwickelte als auch zugekaufte Anwendungskomponenten bzw.
-dienste in prozessorientierter Art und Weise
• gestattet einzelfallbezogene Abweichungen der Anwender vom geplanten Prozess
• ermöglicht es, Änderungen am Geschäftsprozess (am Prozesstyp) auf bereits laufende
Einzelprozesse dieses Typs – soweit sinnvoll und möglich – zu übertragen
• bietet umfangreiche Prozessunterstützungsfunktionen (z.B. für das Termin-Management und
die Verwaltung von Arbeitslisten)
Den Fokus unserer bisherigen Arbeiten bildete die Umsetzung von Prozessänderungen: Hierunter
fallen die Evolution von Prozessschemata, die Propagation von Schemaänderungen auf laufende
Prozessinstanzen sowie die einzelfallbezogene Abänderung von sich in Ausführung befindlichen
Prozessinstanzen, etwa um angemessen auf Ausnahmesituationen zu reagieren [ReDa98, RiRD04].
Noch nicht betrachtet wurden dagegen Änderungen der Aufbauorganisation und dadurch
notwendige Anpassungen der sie beschreibenden Organisationsmodelle. – Ein Org.-Modell (siehe
Abb. 1) definiert z.B. Einheiten, Rollen und Mitarbeiter sowie deren Beziehungen untereinander (z.B.
Zuordnung von Mitarbeitern zu Org.-Einheiten und/oder Rollen; Generalisierungsbeziehungen
zwischen Rollen).
Prozessmodelle
ANY
O3
O1
O2
O4
O5
O6
Org.Einheiten
Rollen
R1
R2
R3
R4
R5
Organisationsmodell
is-a
übergeordnet
Bearbeiterregel:
UNIT = O5 AND ROLE = R2
P1
P2
3
3
3
s
s
3
s
I1
I2
I3
Prozessinstanzen
Arbeitslisten
Mitarbeiter
M1, M 2, M3, M 4, ...
M3
Abb. 1: Organisationsmodell, Bearbeiterregeln und Arbeitslisten
Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 3
Ausgehend von einem Org.-Modell lassen sich Regeln für den Zugriff auf Objekte (z.B. Prozess-
dokumente) sowie die Bearbeitung von Prozessaktivitäten (z.B. Benutzer mit bestimmter Rolle)
festlegen. Auch die Beschreibung von Berechtigungskonzepten für Ad-hoc-Änderungen kann auf
Grundlage des Org.-Modells erfolgen [ReRi02]. In heutigen Unternehmen werden Rollen- und
Mitarbeiter-Daten oftmals redundant von verschiedenen Applikationen verwaltet. Die Folge sind
inkonsistente oder inkompatible Modelle sowie ein erhöhter Aufwand für deren Wartung und Pflege.
Aus diesen Gründen werden entsprechende Daten vermehrt in ein zentrales Verzeichnis (z.B. einen
LDAP-Server) eingepflegt, an das interessierte Applikationen dann Anfragen stellen können. In
einem WfMS ist zu diesem Zweck bei der Prozessdefinition für jede interaktive Aktivität eine
Bearbeiterregel zu hinterlegen (z. B. Unit = Ambulanz and Role = Arzt). Diese dient zur Laufzeit als
Anfrage des WfMS an das Org.-Modell zwecks Ermittlung der potentiellen Bearbeiter einer
auszuführenden Aktivität. Für diese wiederum werden Einträge für Benutzerarbeitslisten erzeugt.
Ein bekanntes Problem, das sich im Zusammenhang mit der Änderung von Org.-Modellen stellt, sind
verwaiste Referenzen. Werden z.B. Org.-Einheiten oder Rollen zusammengelegt, aufgelöst oder
(hierarchisch) umgehängt, können Zugriffs- oder Bearbeiterregeln ggf. nicht mehr in ihrer bisherigen
Form genutzt werden. Hiervon kann auch die Zuordnung der Aktivitäten von Prozessinstanzen zu
Bearbeitern betroffen sein. Werden im Bsp. aus Abb. 1 die Rolle R
2 oder die Org.-Einheit O5
gelöscht, ist die dargestellte Bearbeiterregel nicht mehr auflösbar. Schlimmstenfalls werden für diesen
Fall dann Aktivitäten falsch oder gar nicht mehr zugewiesen. Dieser Fall würde im Beispiel aus Abb.
1 auftreten, wenn die Rollenzuordnung des Mitarbeiters M3 von R2 auf R1 geändert, die Arbeitsliste
von M
3 aber nicht mit angepasst wird. Durch solche und ähnliche Fälle können
Sicherheitsbestimmungen verletzt werden oder sogar der gesamte Workflow ins Stocken geraten. Zu
beachten ist auch, dass Bearbeiterregeln oftmals durch das WfMS verwaltet werden, wohingegen
Org.-Modelle von einer separaten Komponente gehalten werden sollten.
Im ADEPT-Projekt haben wir umfassende Konzepte zur Definition, Änderung und Pflege von Org.-
Modellen entwickelt. Sie bieten eine vollständige Menge von Änderungsoperationen, die sich durch
eine präzise Semantik auszeichnen und die sämtliche Änderungen des Org.-Modells unter Beachtung
gewisser Konsistenzeigenschaften erlauben. Darauf aufbauend haben wir Konzepte für die
Anpassung von Bearbeiteregeln, die ein (geändertes) Org.-Modell referenzieren, entwickelt. Je nach
Semantik der Änderung bieten wir Lösungsansätze zur automatischen, semi-automatischen oder
manuellen Anpassung "veralteter" Bearbeiterregeln. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene
Strategien zur Feststellung, welche Bearbeiterregeln bei Org.-Modelländerungen angepasst werden
müssen und wann diese Anpassungen erfolgen sollen. Darüber hinaus betrachten wir, welche
Auswirkungen Org.-Modelländerungen auf laufende Prozessinstanzen und Benutzerarbeitslisten
haben. Interessant ist hier vor allem die Frage, wann die Auflösung von Bearbeitern erfolgt und
inwieweit evtl. Org.-Modelländerungen von einer Neuberechnung von Arbeitslisten begleitet werden
müssen.
Kapitel 2 fasst Aspekte der Erstellung und Änderung von Org.-Modellen zusammen. Davon
ausgehend diskutieren wir in Kapitel 3 bestehende Anforderungen und Lösungsansätze zur beglei-
4 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
tenden Adaption von Zugriffs- und Bearbeiterregelen. Kapitel 4 erweitert diese Betrachtungen im
Hinblick auf die dynamische Anpassung von Arbeitslisten.
2 Erstellung und Änderung von Org.-Modellen
In diesem Abschnitt werden Grundlagen zur Erstellung und Änderung von Org.-Modellen skizziert –
sie sind für das weitere Verständnis des Artikels erforderlich.
2.1 Beispiel eines Organisationsmetamodells
Zunächst stellen wir exemplarisch ein Metamodell vor, wie es auch in anderen Ansätzen gebräuchlich
ist. Es gibt die Elemente und Strukturen vor, auf deren Basis sich Organisationen modellieren lassen.
Die formale Darstellung der Modelle, die nicht den Fokus dieses Beitrags bildet, ist mengenbasiert.
Dies erleichtert z.B. die Realisierung von Operationen zur Erstellung und Änderung von Org.-
Modellen sowie die präzise Festlegung ihrer Semantik (vgl. Abschnitt 2.3). Das für die folgenden
Betrachtungen zugrunde gelegte Metamodell zeigt Abb. 2.
Abb. 2: Organisations-Metamodell
Ein Basiselement bildet Stelle. Eine Stelle bündelt immer bestimmte Aufgaben und kann durch einen
oder mehrere Mitarbeiter besetzt werden. Sie wird immer genau einer Org.-Einheit zugeordnet,
kann aber beliebig viele Org.-Einheiten leiten. Des weiteren können Stellen in Arbeitsgruppen
Organisations-
gruppe Arbeitsgruppe Rolle Fähigkeit
Organisations-
einheit Stelle
Mitarbeiter
Vertreterregelung
Aufgaben-
kategorie
Aufgabe
gehört zu leitet gehört zu besitzt
hat
spezialisiert
ist
übergeordnet
gehört zu
leitet
ist fachlich
übergeordnet
besetzt
wird
vertreten
gehört zu
ist
übergeordnet
ist disziplinarisch
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Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 5
aggregiert werden, wodurch sich z.B. temporäre Projektgruppen modellieren lassen. Einer Stelle
können beliebig viele Rollen zugeordnet werden. Eine konkrete Rolle beschreibt dabei
Qualifikationen und Kompetenzen ihrer Rollenträger. Rollen können weiter spezialisiert werden.
Dabei "erben" speziellere Rollen die Eigenschaften der weniger speziellen. Ein Mitarbeiter kann
beliebig viele Fähigkeiten haben. Daneben steht er nur mit Stelle in Beziehung. Das hat den Vorteil,
dass die übrigen Zuordnungen im Org.-Modell erhalten bleiben, wenn ein Mitarbeiter gelöscht wird.
Schließlich gestattet das Metamodell auch die Modellierung von Vertreterregelungen. Diese haben
die Form von Bearbeiterregeln, so dass sie sich auf feste Mitarbeiter, aber auch auf andere Org.-
Modellelemente beziehen können (z.B. Vertretung durch bestimmte Rolle oder Stelle). Durch
Angabe von Aufgabenkategorien lassen sich Vertretungen zudem auf bestimmte Aufgaben
beschränken.
2.2 Organisationsmodelle
Org.-Modelle bilden die realen Organisations- und Personalstrukturen mit den Konstrukten des
Metamodells ab. Ein einfaches Beispiel, das als Bezugsbasis für unsere weiteren Betrachtungen
dienen soll, zeigt Abbildung 3.
OG = ärztl. Praxis
OE = VerwaltungOE = Behandlungs- Bereich
S = Praxis-Arzt
S = 1. Arzthelfer
S = 2. Arzthelfer
MA = Dr. Meier MA = Brandt MA = Lehmann
R = Arzthelfer
R = Buchhalter
R = Arzt
R = Ausbilder
F = Ultraschall F = Türkisch F = Blutabnehmen F = PC-Kenntnisse
R = Empfang
gehört_zu gehört_zu
gehört_zu gehört_zu gehört_zu
hat hat
hat
hat
hat hat
hat
hat hat
hat
hat
hat
fachl./disz.
übergeordnet
fachl./disz.
übergeordnet
leitet
hat
(Pfeile stehen für die Leserichtung der Beziehungen; F = Fähigkeit; MA = Mitarbeiter; OE = Organisationseinheit;
OG = Organisationsgruppe; R = Rolle; S = Stelle)
Abb. 3: Einfaches Organisationsmodell einer Ärztlichen Praxis
6 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
Beispiel (Organisationsmodell): Zu einer ärztlichen Praxis gehören zwei Bereiche: Verwaltung und
Behandlungsbereich. Der Verwaltung ist die Stelle einer Arzthelferin zugeordnet, die Frau Lehmann
inne hat. Zur Stelle gehören Aufgaben beim Empfang, als Arzthelfer und bei der Abrechnung. (Diese
Aufgabenkomplexe werden als Rollen modelliert.) Frau Lehmann kann darüber hinaus Blut abnehmen
und mit dem PC umgehen. Dem Behandlungsbereich sind eine Arztstelle und ein weiterer Arzthelfer
zugeordnet. Der Praxis-Arzt ist Dr. Meier, der besondere Fähigkeiten mit Ultraschall hat. Er leitet die
Praxis und ist fachlich und disziplinarisch den beiden Arzthelfern übergeordnet. Neben der Rolle als
Arzt gehört auch die Rolle als Ausbilder zur Stelle. Die zugehörige Arzthelferstelle ist von Herrn
Brandt besetzt, der neben Blut abnehmen auch Türkisch kann.
2.3 Organisationsmodelländerungen
Für die Praxis sehr typisch sind personelle Veränderungen, etwa infolge der Neueinstellung, Entlass-
ung oder Rotation von Mitarbeitern. Strukturelle Änderungen werden z.B. in Verbindung mit der
Neugestaltung von Geschäftsprozessen oder dem Outsourcing von Bereichen erforderlich. Zunächst
betrachten wir typische Änderungsszenarien und beziehen uns dabei auf das Beispiel aus Abb. 3.
Personelle Änderungen sind wenig komplex (vgl. Tab. 1). Wichtig ist, dass konkrete Zugriffs-/Be-
arbeiterregeln i. A. nicht an feste Mitarbeiter, sondern z. B. an Stellen oder Rollen gekoppelt
werden. Auf diese Weise können sie nach personellen Änderungen weiter aufgelöst werden. Dage-
gen sind strukturelle Änderungen nicht an konkrete Mitarbeiter gebunden, sondern betreffen relativ
stabile Strukturen der Organisation. Selbst einfache Anpassungen, wie in Tab. 2 dargestellt, können
weiteren Änderungsbedarf nach sich ziehen. Wenn wie in Szenario 9 aus Tab. 2 eine Org.-Einheit
gelöscht wird, muss geklärt werden was mit den zugehörigen Stellen geschieht (z.B. Löschen oder
Zuordnung zu anderer Einheit). Entsprechende Informationen sind auch für die begleitende Anpas-
sung von Zugriffs- und Bearbeiterregeln wichtig. Tab. 3 zeigt einige Szenarien für komplexere Än-
derungen. Werden, wie beim Szenario 14, zwei Org.-Modelle vereint, müssen ein einheitliches Me-
tamodell bestimmt sowie Namens- und Strukturkonflikte ermittelt und aufgelöst werden. Für das
Szenario 16 schließlich werden gemeinsame Sichten oder Schnittstellen der beteiligten Org.-Modelle
benötigt.
Tab. 1: Szenarien für personelle Änderungen
Beschreibung Art der Änderung
Szenario 1 Frau Lehmann scheidet aus Praxis aus Mitarbeiter löschen
Szenario 2 Frau Schumann übernimmt die Stelle der 2.
Arzthelferin Mitarbeiter einfügen
Szenario 3 Frau Schumann kann Steno schreiben Fähigkeit e. Mitarbeiter einfügen
Szenario 4 Herr Brandt wechselt auf die 2. Arzthelfer-
Stelle in der Verwaltung Mitarbeiter verschieben
Szenario 5 Frau Schumann hat geheiratet und damit ihre
Steuerklasse geändert Attribut ändern
Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 7
Tab. 2: Szenarien für einfache strukturelle Änderungen
Beschreibung Art der Änderung
Szenario 6 Stelle eines Auszubildenden wird im
Behandlungsbereich eingerichtet Stelle einfügen
Szenario 7 Stelle des 1. Arzthelfers im
Behandlungsbereich wird eingespart Stelle löschen
Szenario 8 Bereich Krankengymnastik wird geschaffen Org.Einheit einfügen
Szenario 9 Bereich Verwaltung wird aufgelöst Org.Einheit löschen
Szenario 10 Verwaltung und Behandlungsbereich werden
zusammengelegt Org.Einheiten vereinigen
Szenario 11 Behandlungsbereich wird in Arztbereich und
Pflegebereich geteilt Org.Einheit teilen
Szenario 12 Azubi-Stelle wird vom Behandlungsbereich
der Verwaltung zugeordnet Stelle verschieben
Szenario 13 1. Arzthelfer wird Azubi-Verantwortlicher Rollenzuordnung einfügen
Tab. 3: Szenarien für komplexe strukturelle Änderungen
Beschreibung Art der Änderung
Szenario 14 Fusion zweier Kliniken zu Klinikverbund Vereinigen der gesamten Org.-
Modelle
Szenario 15 Bereich Krankengymnastik einer Klinik wird
ausgelagert in eigenständige Organisation Trennen des Org.Modells
Szenario 16 Zusammenarbeit zwischen zwei Kliniken bei
klinik-übergreifenden Aufgaben Schnittstellen zwischen den Orga-
nisationen nötig
Szenario 17 Bereich Nierentransplantation von Gefäß-
Klinik zur Chirurgischen Klink zugeteilt Organisationseinheit aus Organi-
sation in andere Org. verschieben
ADEPT umfasst Operationen zur Verwirklichung solcher Modelländerungen (vgl. Abb. 4). Im
Einzelnen sind dies Operationen für das Einfügen von Entitäten/Relationen (Szenarien 2, 3, 6, 8 und
13), das Löschen von Entitäten/Relationen (Szenarien 1, 7 und 9), das Ändern von Attributen einer
Entität/Relation (Szenario 5) sowie das Teilen, Vereinigen und Verschieben von Entitäten (Szenarien
4, 10, 11 und 12 ). Einige dieser Operationen sind nicht auf alle Entitätstypen anwendbar. Tab. 4
gibt einen Überblick über semantisch sinnvolle Änderungen:
Tab. 4: Semantische sinnvolle Änderungen bezogen auf Entitäten (Auswahl)
Entitätstyp Einfügen Löschen Attr.Änderung Teilen Vereinigen Verschieben
Mitarbeiter x x x - - x
Org.Einheit x x x x x x
Org.Gruppe x x x x x -
Rolle x x x x x -
Stelle x x x x x x
8 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
Elementare Änderungen sind auf alle Entitäts- und Relationstypen anwendbar, etwa die Operationen
Einfügen, Löschen und Attributänderung. Komplexe Änderungen sind Vereinigen, Teilen und
Verschieben von Entitäten; sie lassen sich nur auf bestimmte Entitätstypen anwenden. Des weiteren
können komplexe Änderungen prinzipiell auf elementare Änderungen zurückgeführt werden. So
entspricht das Verschieben einer Entität dem Einfügen und Löschen von Relationen. Eine spezielle
Behandlung der Verschiebeoperation bietet jedoch eine höhere Semantik und Vorteile hinsichtlich
der späteren Anpassung von Bearbeiterregeln.
Abb. 4: Mehrere Ebenen für ADEPT-Änderungsoperationen auf Organisationsmodellen
Die ADEPT-Editoren bieten mächtige Funktionen zur Sicherung der Konsistenz von Org.-Modellen
bei ihrer Änderung. Werden Entitäten z.B. vereinigt oder gesplittet, wird dafür gesorgt, dass
zugehörige Relationen mit angepasst werden. Bestimmte Anpassungen können automatisch erfolgen,
andere müssen manuell vom Modellierer durchgeführt werden.
Beispiel (Arbeitsgruppen vereinigen): Die Arbeitsgruppen AG1 und AG2 sollen zusammengelegt
werden. Zu AG1 gehört die Stelle S-a, sie leitet auch AG1. Zu AG2 gehören sowohl S-a als auch S-b,
sie wird von S-a geleitet (Abb. 5). Die resultierende Arbeitsgruppe AG beinhaltet beide Stellen S-a und
S-b. Diese Anpassung kann automatisch erfolgen. Als Leiter für die resultierende Arbeitsgruppe AG
schlägt das System in der aktuellen Konstellation die Stelle S-a vor, überlässt die endgültige
Entscheidung aber dem Modellierer.
Abb. 5 Arbeitsgruppen vereinigen
Insgesamt bietet ADEPT eine vollständige Menge an Änderungsoperatoren an. Für sie liegt eine
präzise formale Semantik vor. Des weiteren ist die Anwendung einzelner Operatoren an die
Einhaltung bestimmter Vor- und Nachbedingungen gebunden. Insbesondere stellt ADEPT sicher,
AG
S-bS-a
gehört_zu gehört_zu
AG2
S-b
S-a
gehört_zu gehört_zu
AG1
AG1+ AG2 join
gehört_zu
leitet
leitet
leitet ? leitet ?
Org.Modellelement
...
createEntity
createRelation
deleteEntity
deleteRelation
...
splitOG, joinOG,
splitOE, joinOE,
moveOE, …
Org.
-
Entität
Org.
-
Relation
is a
is a
Org.
-
Org.
-
Einheit
Stelle
is a
is a
is a
Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 9
dass die Anwendung einer Menge von Änderungsoperationen auf ein korrektes Org.-Modell wieder
zu einem korrekten Modell führt (i.S. der auf diesem Modell definierten Einschränkungen, etwa
hinsichtlich Kardinalitäten und Referenzen). Die Zusammenfassung einer solchen Menge von
Änderungsoperationen bezeichnen wir auch als Änderungstransaktion.
3 Adaption von Bearbeiterregeln
Bisher haben wir Änderungen des Org.-Modells isoliert betrachtet. Ihre Auswirkungen auf Be-
arbeiterregeln, welche das Org.-Modell referenzieren, sollen nun behandelt werden. Entsprechende
Regeln werden nicht nur für die Zuweisung von Prozessaktivitäten zu Bearbeitern verwendet,
sondern kommen auch bei der Vergabe anderer Zugriffs-, Änderungs- und Ausführungsrechte zum
Einsatz. Wird nun das referenzierte Org.-Modell verändert, sind u.U. Teile der Bearbeiterregel nicht
mehr korrekt definiert, etwa infolge verwaister Referenzen. Wir gehen in diesem Kapitel auf die
Pflege von Querreferenzen zwischen Org.-Modell und Bearbeiterregeln ein. Es werden
Lösungsansätze zur begleitenden Adaption von Bearbeiterregeln skizziert, die für Modellierer eine
größtmögliche Unterstützung bieten sollen.
3.1 Bearbeiterregeln
Eine Bearbeiteregel referenziert Entitäten eines Org.-Modells. Sie determiniert eine Menge von
Mitarbeitern, für welche die durch sie repräsentierten Berechtigungen gelten sollen. Typischerweise
referenziert eine Bearbeiterregel Entitäten wie Stelle, Org.-Einheit oder Rolle. Die Auswertung der
Regel liefert eine Menge von Mitarbeitern, die der Regel entsprechen. In ADEPT setzen sich
Bearbeiterregeln (BR) aus Bearbeiterausdrücken (BA), die mittels Operatoren OR und AND NOT
verknüpft werden, zusammen. Bearbeiterausdrücke selbst wiederum bestehen aus mittels AND-
Operator verknüpften Bearbeiterzuordnungen (BZ). Eine BZ ist demnach die kleinste Einheit bei der
Konstruktion von Bearbeiterregeln (siehe Tabelle 5). Beispiel:
(OE = Behandlungsbereich) OR (R = Arzthelfer AND F = Blutabnehmen) AND NOT (R = Arzt)
BZ BZ BZ BZ
BA BA BA
BR
3.2 Problemstellung
Wenn das Org.-Modell verändert wird, muss gewährleistet sein, dass bestehende Bearbeiterregeln
konsistent und semantisch korrekt bleiben. Das heißt, die Transformation des Org.-Modells muss
ggf. semantisch an die Bearbeiterregeln propagiert werden, so dass diese entsprechend angepasst
werden können (vgl. Abb. 6). Ansonsten kann es vorkommen, dass eine Bearbeiterregel nicht mehr
(vollständig) auflösbar ist, etwa wenn durch sie eine Entität referenziert wird, die aus dem Org.-
Modell gelöscht wurde. Andererseits gibt es Modelländerungen, die für Bearbeiterregeln unkritisch
10 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
sind. Wenn z.B. eine Stelle neu geschaffen wird, kann sie bisher noch nicht referenziert worden sein.
Dem entsprechend ist für Bearbeiterregeln keine Anpassung erforderlich. Aus der Semantik der
angewandten Änderung können also Rückschlüsse auf erforderliche Anpassungen der
Bearbeiterregeln getroffen werden.
Tab. 5: Beispiele für elementare Bearbeiterzuordnungen
Bearbeiterzuordnung Bedeutung
AG = x Bearbeiter ist Mitglied der Arbeitsgruppe x
AGl = x Bearbeiter ist Leiter der Arbeitsgruppe x
F = x Bearbeiter hat die Fähigkeit x
MA = x Bearbeiter ist Mitarbeiter x
OE = x Bearbeiter gehört der Org.Einheit x an
OE+ = x Bearbeiter gehört einer Org.Einheit an, die der Org.Einheit x direkt oder indirekt
übergeordnet ist
OE- = x Bearbeiter gehört einer Org.Einheit an, die der Org.Einheit x direkt oder indirekt
untergeordnet ist
OEl = x Bearbeiter ist Leiter der Org.Einheit x
OEu = x Bearbeiter ist Mitglied der Org.Eeinheit, die von Stelle x geleitet wird
OG = x Bearbeiter ist Mitglied e. Org.Einheit, die der Org.Gruppe x angehört
R = x Bearbeiter hat Rolle x
R+ = x Bearbeiter hat angegebene oder speziellere Rolle
S = x Bearbeiter besetzt Stelle x
S+ = x Bearbeiter ist Vorgesetzter der Stelle x (bel. Ebene)
Bezogen auf eine Bearbeiterregel ist bei Änderung des referenzierten Org.-Modells zu klären, ob die
Regel adaptiert werden muss oder nicht, und wie die Anpassung ggf. erfolgen soll. Neben einer
vollautomatischen Anpassung, die das System selbständig durchführen kann, können Anpassungen
semi-automatisch oder manuell vorgenommen werden. Bei der semi-automatischen Variante gibt der
Benutzer dem System die Informationen, die es für eine automatische Anpassung der
Bearbeiterregeln benötigt. Eine manuelle Anpassung führt er selbst aus.
3.3 Aspekte der Anpassung von Bearbeiterregeln
Ausgangspunkt unserer Betrachtungen sind Bearbeiterzuordnungen (BZ) als kleinste Einheit von
Bearbeiterregeln (vgl. oben). Tab. 6 zeigt exemplarisch den Anpassungsbedarf für ausgewählte
Änderungsoperationen des Org.-Metamodells (vgl. Abschnitt 2.3). Wie leicht zu erkennen ist, sind
additive Änderungen (d.h. das Einfügen von Entitäten oder Relationen) hinsichtlich der Definition
bestehender Bearbeiterzuordnungen unkritisch; dasselbe gilt in Bezug auf das Entfernen von
Relationen aus dem Org.-Modell. Neu eingefügte Entitäten können in bestehenden BZ naturgemäß
noch nicht referenziert worden sein. Relationen werden in BZ prinzipiell nicht referenziert. Deshalb
besteht in beiden Fällen kein Anpassungsbedarf.
Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 11
Org.Modell OM
BR
1
:
OE = O
4
or
OE = O
5
DeleteEntity(O
8
)
O'=joinEntities(O
4
,
O
5
)
O
3
O
1
O
2
O
4
O
5
O
6
O
7
O8
Org.Modell OM’
O
3
O
1
O
2
O'
O
6
O
7
Transformation
BR
2
:
OE = O
8
or
OE = O
7
Org.Einheiten
join
delete
....
....
....
BR
1
’:
OE
= O’
BR
2
’:
OE = O
7
Adaption
Adaption
Abb. 6: Adaption von Bearbeiterregeln nach Änderung des Organisationsmodells
Tab. 6: Anpassungsbedarf von Bearbeiterzuordnungen (BZ) bei bestimmten Änderungen
Änderung Anpassungsbedarf
CreateEntity Keine Anpassungen erforderlich
DeleteEntity Erfordert Anpassung der BZ, die das gelöschte
Org.Element referenzieren
CreateRelation, DeleteRelation Keine Anpassungen erforderlich
joinEntities Erfordert Anpassung der BZ, die mind. eines der
beiden vereinigten Org. Elemente referenzieren
splitEntity Erfordert Anpassung der BZ, die das gesplittete
Org.Element referenzieren
Kritisch sind dagegen Änderungen wie das Entfernen, Vereinigen oder Teilen von Entitäten, wenn die
(veränderten) Entitäten direkt von den Bearbeiterzuordnungen referenziert werden. In diesen Fällen
müssen Anpassungen erfolgen. Das Verschieben von org. Entitäten
(z.B. Umhängen einer Org.-
Einheit in der Org.-Hierarchie) ist an sich für Bearbeiterzuordnungen unkritisch. Wenn allerdings ein
referenzierter Mitarbeiter einer anderen Stelle zugeordnet wird, sollte die Semantik der betroffenen
BZ durch den Modellierer überprüft werden. Damit wird sichergestellt, dass die ursprüngliche
Intention des Modellierers erhalten bleibt. Wir skizzieren kurz, wie sich die Adaption von
Bearbeiterregeln konkret gestaltet. Dazu unterscheiden wir zwei Arten kritischer Org.-
Modelländerungen:
1. Änderungen bei denen eine Entität aus dem Org.-Modell entfernt wird, so dass diese in
Zukunft nicht mehr referenziert werden kann
12 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
2. Änderungen infolge derer die potentiellen Bearbeiter in der Organisation noch existieren, aber
inzwischen anders referenziert werden müssen.
Im 1. Fall kann eine BZ nach Löschen einer von ihr referenzierten Entität nicht mehr aufgelöst
werden, so dass die zugehörige Bearbeitermenge leer bleibt. Eine automatische Anpassung ist auf
elementarer Ebene der Bearbeiterzuordnungen deshalb nicht möglich. Sinnvoll ist in diesem Fall eine
Warnung an den Modellierer, mit der Aufforderung zur manuellen Anpassung. Auf Ebene komplexer
Bearbeiterregeln sind weitergehende Strategien möglich, auf die wir später eingehen. Im 2. Fall
existieren die potentiellen Bearbeiter noch, sind aber über die ursprüngliche Referenz nicht mehr
erreichbar. Dieser Fall liegt z. B. bei Anwendung der Änderungsoperationen Split und Join vor. Die
Anpassung einer betroffenen BZ kann hier automatisch oder semiautomatisch erfolgen. Das folgende
Beispiel soll dies verdeutlichen.
Beispiel (Split-Operation): Wir gehen von OE = o als BZ aus – sie referenziert die Org.-Einheit o.
Angenommen o wird in die Einheiten o1 und o2 gesplittet (splitOE(o) → o
1 + o
2). Dann ist die
Bearbeiterzuordnung OE = o nicht mehr auflösbar. Soll die Anpassung der BZ automatisch
vorgenommen werden, wird wie folgt verfahren: OE = o wird durch (OE = o1 OR OE = o2)
substituiert – beide BZ beschreiben dieselbe Bearbeitermenge. Alternativ kann die Anpassung semi-
automatisch erfolgen. In diesem Fall werden dem Benutzer die Ausdrücke OE = o1, OE = o2 und
(OE = o1 OR OE = o2) als Substitutionsalternativen angeboten.
Wie erwähnt, ergeben sich komplexe Bearbeiterregeln durch Verknüpfung (AND, OR, AND NOT)
elementarer Bearbeiterzuordnungen (vgl. Abschnitt 3.1). Für ihre Anpassung gibt es vielfältigere
Möglichkeiten. Sie nutzen sowohl die Struktur der Bearbeiterregeln als auch die Semantik der
durchgeführten Org.-Modelländerung. Wir verzichten wir auf eine formale Darstellung und illustrieren
dies anhand einfacher Szenarien.
Sind zwei BZ mittels AND-Ausdruck verknüpft, wird dadurch die Bearbeitermenge gegenüber den
Einzel-BZs eingeschränkt. Wird eine Entität aus dem Org.-Modell gelöscht, die von einen dieser
beiden BZ referenziert wird, sind die betreffende BZ und damit die Regel nicht mehr auswertbar.
Das bloße Entfernen der nicht mehr auflösbaren BZ würde zu einer Vergrößerung der
Bearbeitermenge führen. Da dies in der Mehrzahl der Fälle unerwünscht ist, sollte im vorliegenden
Szenario die Anpassung der Bearbeiterregel manuell erfolgen. Ein Beispiel: Wird in einem Org.-
Modell die Rolle HNO-Arzt gelöscht, ist dadurch die Bearbeiterregel OE = Ambulanz AND R =
HNO-Arzt nicht mehr auflösbar. Würde man den Teilausdruck R = HNO-Arzt automatisch
entfernen, ergibt sich OE = Ambulanz als neue Regel. Sie beschreibt eine weitaus größere
Bearbeitermenge (alle Mitarbeiter der Ambulanz) als die ursprüngliche Regel, was in der Mehrzahl
der Fälle nicht wünschenswert sein dürfte.
Sind zwei BZ mittels OR-Ausdruck verknüpft, wird dadurch die Bearbeitermenge gegenüber den
einzelnen BZs vergrößert. Hier ist es prinzipiell möglich (und vielfach auch sinnvoll), die BZ
automatisch aus der alten Regel zu entfernen, sofern aus der Auflösung der übrigen Ausdrücke eine
nichtleere Bearbeitermenge resultiert. Dem folgend würde z.B. die Bearbeiterregel S = Arzt-1 or S
= Arzt-2 nach Streichen der Stelle Arzt-2 aus dem Org-Modell durch die Bearbeiterregel S = Arzt-
Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 13
1 substituiert werden. Auch in Verbindung mit Ausschlussregeln (AND NOT-Verknüpfung) sind
solche (semi-)automatischen Adaptionen möglich. Wird z.B. Mitarbeiter Brandt aus dem Org.-
Modell gelöscht, kann die Bearbeiterregel OE = Ambulanz AND NOT MA = Brandt automatisch
adaptiert werden, indem der nun überflüssige Ausdruck AND NOT MA = Brandt entfernt wird.
Sowohl vor als auch nach ihrer Adaption liefert die Bearbeiterregel dieselbe Bearbeitermenge.
Die zuletzt genannten Anpassungsstrategien können aufwendige manuelle Anpassungen von Be-
arbeiterregeln ersparen. Trotzdem müssen Benutzer die Möglichkeit haben, diese Anpassungen auch
selbständig durchzuführen, zum Beispiel wenn sie eine Entität durch eine andere "ersetzen" möchten.
In diesem Fall wäre es nicht sinnvoll, beim Löschen der "alten" Entität alle entsprechenden
Bearbeiterzuordnungen automatisch zu entfernen, um anschließend neue Bearbeiterausdrücke mit der
"neuen" Entität anzulegen.
Für den Zeitpunkt der Anpassung von Bearbeiterregeln gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Anpassungen können prinzipiell sofort (immediate) oder zeitlich verzögert (delayed / deferred) nach
der Org.-Modelländerung erfolgen. ADEPT unterstützt beide Varianten, abhängig davon, ob die
Bearbeiterregeln zusammen mit dem Org.-Modell oder von separaten Komponenten verwaltet
werden. Wir verzichten an dieser Stelle auf weitere Details.
4 Adaption von Arbeitslisten
In diesem Kapitel skizzieren wir kurz das weitergehende Problem der Pflege von Benutzerarbeits-
listen in Verbindung mit Org.-Modelländerungen. Eine ausführliche Darstellung findet sich in
[Wied02]. Änderungen eines Org.-Modells betreffen nicht nur die statische Definition der Be-
arbeiterregeln von Aktivitäten, sondern ggf. auch die Aktivitäteninstanzen selbst. Diese werden
berechtigten Benutzern, deren Profil der Bearbeiterregel der jeweiligen Aktivität genügt, in deren
Arbeitsliste angeboten. Wenn sich zur Laufzeit das Org.-Modell ändert, sind zuvor berechnete
Arbeitslisten u.U. nicht mehr aktuell bzw. inkonsistent. So können bestimmte Aktivitäteninstanzen im
Anschluss an die Org.-Modelländerung in Arbeitslisten enthalten sein, deren Inhaber aus dem Org.-
Modell gelöscht wurde. Schlimmstenfalls ist einer Aktivitäteninstanz kein regulärer Bearbeiter mehr
zugeordnet, was zu einer Blockierung oder zumindest zu einer Verzögerung des betreffenden
Workflow führt. Umgekehrt spiegeln für Mitarbeiter mit modifizierter Stellen- oder
Rollenzuordnungen die bisherigen Arbeitslisten möglicherweise nicht mehr die aktuellen
Berechtigungen wider. Für diese Bearbeiter ist eine Invalidation der bisherigen Arbeitsliste
(verbunden mit ihrer Neuberechnung) zwingend erforderlich. Diese Notwendigkeit ergibt sich auch
nach der Änderung von Bearbeiterregeln in einem Prozess-Schema sowie deren Propagation auf
laufende Prozessinstanzen.
Eine begleitende Anpassung von Arbeitslisten muss i.A. sowohl server- als auch clientseitig
bewerkstelligt werden; bei naiver Realisierung (z.B. Invalidation, Neuberechnung und wiederholte
Übertragung von Arbeitslisten für alle angemeldeten Clients) kann sich dabei ein hoher Rechen- und
14 Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen
Kommunikationsaufwand ergeben. Deshalb sollte genau geprüft werden, unter welchen Bedingungen
und bis wann entsprechende Adaptionen vorzunehmen sind.
Die Arbeitslistenverwaltungskomponente von ADEPT berücksichtigt derartige Aspekte. Insbe-
sondere wird bei Org.-Modelländerungen analysiert, für welche Benutzerarbeitslisten und für welche
Aktivitäteninstanzen begleitende Anpassungen notwendig werden. Eine Invalidation und
Neubestimmung der bisherigen Arbeitsliste eines Benutzers erfolgt nur dann sofort, wenn dieser
aktuell angemeldet ist und wenn infolge der Org.-Modelländerung einzelne Arbeitslisteneinträge
hinzukommen oder wegfallen. Um Letzteres festzustellen, nutzt ADEPT die Semantik der
angewandten Änderungsoperationen, den Änderungskontext und die (aktualisierten) Be-
arbeiterregeln von Aktivitäteninstanzen. Letztere entsprechen im wesentlichen den Bearbeiterregeln
der zugehörigen Aktivitätendefinitionen, allerdings sind diese noch um evtl. Abhängigkeiten zu voran-
gehenden Aktivitäten bereinigt. Wir verzichten an dieser Stelle aus Platzgründen auf weitere Details.
Abschließend sei erwähnt, dass auf Grundlage derselben Mechanismen auch Änderungen der
Bearbeiterregeln von Prozessaktivitäten (auf Prozessdefinitions- bzw. Prozessschemaebene) an
bereits laufende Prozessinstanzen (und abhängige Datenstrukturen wie Arbeitslisten) propagiert
werden. Insgesamt erreichen wir gegenüber bisherigen Ansätzen einen weitaus höheren Grad an
Adaptivität bzgl. Zugriffs- und Bearbeiterregeln. Derzeit arbeiten wir an effizienten
Implementierungen der Arbeitslistenverwaltungskomponente sowie an Konzepten zur effizienten
Adaption von Arbeitslisten in großen Umgebungen. All diese Arbeiten bilden eine wichtige
Ergänzung der von uns entwickelten Konzepte für die Evolution von Prozess-Schemata und die
dynamische Adaption von Prozessinstanzen [RiRD04, ReDa98].
5 Zusammenfassung
Prozess-Management-Systeme unterstützen die Modellierung, Analyse und Steuerung von
Geschäftsprozessen. Um ein möglichst breites Spektrum an Prozessen abbilden zu können, ist es
notwendig, prozessorientierte Anwendungen flexibel zu gestalten. Dabei stand bisher die flexible
Steuerung von Prozessen im Mittelpunkt unserer Arbeiten. Wenig Beachtung haben wir dagegen
Änderungen der Aufbauorganisationen und den dadurch notwendig werdenden Anpassungen von
Org.-Modellen sowie von Zugriffs- und Bearbeiterregeln geschenkt. In diesem Beitrag haben wir
erstmals entsprechende Konzepte vorgestellt. Die Grundlage bildet ein mächtiges Org.-Metamodell,
das es wegen seiner umfangreichen Entitäts- und Relationstypen erlaubt, Organisationen präzise und
semantisch korrekt abzubilden. Anhand einfacher Änderungsszenarien haben wir gezeigt, welche
Operationen erforderlich sind, um Modelländerungen adäquat abzubilden. Da zwischen Org.-Modell
und anderen Komponenten eines Informationssystems zahlreiche Querbezüge bestehen, muss
beachtet werden, dass diese Referenzen bei unkontrollierten Änderungen des Org.-Modells verwaist
bzw. nicht mehr aktuell sein können. Insbesondere könnte die Zuordnung von aktivierten Workflow-
Aktivitäten zu Bearbeitern von solchen Änderungen betroffen sein. In der Folge werden Aktivitäten
möglicherweise falsch oder gar nicht mehr zugewiesen, wodurch Sicherheitsbestimmungen verletzt
werden oder - noch schlimmer - der gesamte Workflow ins Stocken geraten kann.
Evolution von Zugriffsregelungen in Informationssystemen 15
Zur Behandlung dieser Probleme haben wir Lösungsansätze entwickelt, die - je nach Semantik der
Änderung - eine automatische, semiautomatische oder manuelle Anpassung evtl. "veralteter"
Bearbeiterregeln gestatten. Außerdem haben wir Überlegungen dazu angestellt, welche
Bearbeiterregeln überhaupt angepasst werden müssen. Die Betrachtungen zur Adaption von
Benutzerarbeitslisten und Bearbeiterregeln auf Instanzebene runden diese Arbeiten ab.
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