ADEPT2 – Ein adaptives Prozess-Management-System
der nächsten Generation ∗
Peter Dadam♣, Hilmar Acker♣, Kevin Göser♣, Marin Jurisch♣, Ulrich. Kreher♣,
Markus Lauer♣, Stefanie Rinderle♣, Manfred Reichert♠
♣Universität Ulm ♠Universität Twente
Abt. Datenbanken und Informationssysteme Information Systems Group
89069 Ulm 7500 AE Enschede, NL
♣{vorname.nachname}@uni-ulm.de
Abstract: Prozess-Management-Systeme müssen gegenüber dem heutigen Stand
der Technik erheblich leistungsfähiger werden, um für ein wirklich breites An-
wendungsspektrum einsetzbar zu sein: Neue Prozesse müssen sehr viel rascher im-
plementierbar sein, zur Laufzeit müssen bei Bedarf Ad-hoc-Abweichungen vom
modellierten Prozessschema unterstützt werden und bei Änderungen am Prozess-
schema selbst, müssen die bereits laufenden Prozessinstanzen – falls erforderlich –
systemseitig auf das neue Schema migriert werden können; und dies alles unter
systemseitiger Zusicherung von Konsistenz und Robustheit der (weiteren)
Prozessausführung. Der Beitrag beschreibt, wie diese Herausforderungen und
Probleme im ADEPT2-System adressiert bzw. gelöst werden.
1 Einführung
Unter Begriffen wie Workflow Management (WFM), Business Process Management
(BPM), Enterprise Application Integration (EAI) oder Service-orientierte Architekturen
(SOA) kommen derzeit vermehrt Technologien auf den Markt, die alle die Realisierung
prozessorientierter Informationssysteme (IS) zur rechnerbasierten Unterstützung von Ge-
schäftsprozessen im Fokus haben [DAH05]. Sie verfolgen das Ziel, die Effizienz und
Anpassungsfähigkeit der Unternehmen hinsichtlich ihrer internen Abläufe (Prozesse) zu
steigern sowie ihre Interaktion mit Kunden und Geschäftspartnern besser zu unter-
stützen. Damit diese Technologien auch tatsächlich den gewünschten Nutzen erbringen,
sollten sie eine Reihe grundlegender Anforderungen erfüllen:
1. Sie müssen ein breites Einsatzspektrum abdecken, also z.B. nicht nur einfache Doku-
menten-Workflows, sondern auch Anwendungsintegration ermöglichen.
∗ Die Entwicklung von ADEPT2 wird vom Land Baden-Württemberg im Rahmen des AristaFlow-Projektes
gefördert (siehe www.AristaFlow.de).
Tagungsband Stuttgarter Softwaretechnik Forum 2006
Science meets Business - Aktuelle Trends aus der Softwaretechnik-Forschung, November 2006
Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation
2. Sie müssen eine sehr viel raschere Implementierung neuer Prozesse unterstützen als
sie mit heutiger Technologie möglich ist.
3. Die Prozessimplementierung muss erheblich kostengünstiger erfolgen können, ins-
besondere müssen die so realisierten prozessorientierten IS robust und stabil laufen.
4. Spätere Änderungen am Prozess (genauer am Prozessschema; s. unten) müssen eben-
falls einfach und kostengünstig durchführbar sein. Vor allem für lang laufende Pro-
zesse muss in diesem Zusammenhang auch eine „On-the-fly“-Anpassung bereits lau-
fender Prozessinstanzen an das neue Prozessschema möglich sein (eine Diskussion
entsprechender Anforderungen findet sich z.B. in [AaBa02, CCPP98, Wesk01]).
5. Die Einführung prozessorientierter IS darf nicht dazu führen, dass die Flexibilität des
Unternehmens eingeschränkt wird. Insbesondere sollte es für autorisierte Benutzer
möglich sein, bei Bedarf vom geplanten Ablauf (d.h. dem vom Entwerfer festgeleg-
ten Prozessschema) abweichen zu können. D.h. Endanwender müssen in der Lage
sein, für einzelne Prozessinstanzen ad hoc Prozessschritte einzufügen, zu löschen
oder zu verschieben, und zwar ohne dass dies „am System vorbei“ erfolgen muss und
ohne dass Ausführungsfehler im weiteren Verlauf resultieren.
Diese Anforderungen werden von den auf dem Markt angebotenen Systemen (siehe z.B.
[DAH05]) derzeit nicht oder nur in stark eingeschränkter Form erfüllt. Insbesondere die
Fähigkeiten, ad hoc vom geplanten Ablauf abweichen oder laufende Instanzen auf ein
geändertes Prozessschema migrieren zu können, sind heute entweder überhaupt nicht
oder nur in einem sehr eingeschränkten Umfang vorhanden. Oftmals werden weiter-
gehende bzw. speziellere Prozessunterstützungsfunktionen innerhalb des Anwendungs-
systems realisiert (vgl. Abbildung 1), d.h. das Risiko von Ausführungsfehlern wird
teilweise oder komplett auf den Anwendungsentwickler bzw. den Anwender verlagert.
Abbildung 1: Overhead durch Realisierung von systemnahen Spezialfunktionen
im Anwendungssystem (vgl. auch Abbildung 5)
Die in der Forschungsgruppe von Prof. Dadam an der Universität Ulm in jahrelanger
Forschungs- und Entwicklungsarbeit entstandene ADEPT-Technologie markiert derzeit
die Spitze des technologischen Fortschritts im Bereich adaptiver Prozess-Management-
Systeme und stellt einen technologischen Quantensprung gegenüber den derzeit auf dem
Markt befindlichen Systemen dar. Auf Basis der ADEPT-Technologie können prozess-
orientierte IS realisiert werden, die sowohl ein sehr breites Anwendungsspektrum
abdecken können als auch um Größenordnungen flexibler und leichter anpassbar sind,
als es mit derzeit auf dem Markt befindlichen Systemen möglich ist. Diese Technologie
wird im Folgenden kurz vorgestellt. Hinweise auf weiterführende Informationen sowie
zum Stand der Entwicklung finden sich am Ende dieses Beitrages.
Der Rest dieses Beitrags gliedert sich wie folgt: Kapitel 2 skizziert den ADEPT-Ansatz
zur Komposition prozessorientierter IS mittels Plug & Play. Davon ausgehend wird in
Kapitel 3 dargestellt, wie Ad-hoc-Prozessänderungen in einem solchen IS von Benutzern
vorgenommen werden können und wie sich hierbei ihre Interaktion mit dem System dar-
stellt. Dem folgt in Kapitel 4 eine Auseinandersetzung mit Prozessschemaänderungen
und On-the-fly-Anpassungen bereits laufender Prozessinstanzen. Der Beitrag schliesst
mit einer kurzen Zusammenfassung und einem Ausblick in Kapitel 5.
2 Entwicklung prozessorientierter IS mittels Plug & Play
Ein neuer Prozess wird realisiert, indem zunächst eine Prozessvorlage (auch
Prozessschema genannt) erzeugt wird, welche die gewünschte Abfolge der Prozess-
schritte (sequentiell, parallel, alternative Ausführungspfade, Schleife usw.) beschreibt.
Diese Prozessvorlage wird entweder neu erstellt oder es wird eine bereits vorhandene
Vorlage aus dem Prozessvorlagen-Repository ausgewählt und geeignet angepasst
(„process cloning“). Anschließend werden den einzelnen Prozessschritten konkrete
Anwendungsfunktionen (z.B. „Auftrag einbuchen“, „Material bestellen“, „Fertigung
planen“ etc.) zugeordnet. Konkret werden diese aus dem Komponenten-Repository
ausgewählt und per Drag & Drop an der gewünschten Stelle in die Prozessvorlage ein-
gefügt (siehe Abbildung 2).
Im Anschluss an diese beiden Schritte, analysiert der ADEPT-Prozesseditor, ob eine
„Verschaltung“ der Anwendungsfunktionen in dieser Reihenfolge technisch realisierbar
ist, d.h. ob unter allen möglichen Ausführungsreihenfolgen, die das Prozessschema zu-
lässt, stets alle Aufrufparameter der Anwendungsfunktionen versorgt sind. Darüber
hinaus werden weitere, umfangreiche Korrektheitsprüfungen durchgeführt, etwa auf
unerlaubte Zyklen oder mögliche Verklemmungen (Deadlocks). Oberstes Ziel all dieser
Prozess-
Vorlagen Applikations-
Funktionen
Repository
Abbildung 2: Komposition prozessorientierter IS mittels Plug & Play
Analysen ist es, spätere Laufzeitfehler so gut wie möglich auszuschließen. Nur Prozess-
vorlagen, welche diese Korrektheitsprüfungen erfolgreich durchlaufen haben, können an
das ADEPT-Prozess-Management-System zur Erzeugung und Ausführung von Prozess-
instanzen übergeben werden.
3 Unterstützung von Ad-hoc-Abweichungen
Eine solch komfortable „Komposition“ prozessorientierter IS ist natürlich sehr attraktiv,
ermöglicht sie es doch, sehr rasch neue, robust laufende Prozesse zu implementieren. Sie
stellt aber noch keinen wirklich großen technologischen Fortschritt gegenüber dem
heutigen Stand der Technik dar, wenn die auf diese Weise realisierten Systeme
anschließend – wie heute üblich – entweder starr am durch das Prozessschema
vorgegebenen Ablauf festhalten müssen oder aber funktional stark eingeschränkt sind
(z.B. auf reinen Dokumenten-Workflow). Sollen Prozess-Management-Systeme breit
einsetzbar sein, dann müssen sie bei Bedarf auch in der Lage sein, Ad-hoc-Abwei-
chungen vom vorgeplanten Ablauf zuzulassen, sofern hierdurch die Korrektheit der
Ausführung weiterhin gewährleistet bleibt. Die Durchführung solcher Ad-hoc-
Abweichungen muss so einfach gestaltbar sein, dass sie vom Endbenutzer (eine
entsprechende Autorisierung vorausgesetzt) in der Regel selbst durchgeführt werden
können.
Die Abbildungen 3a – 3h illustrieren, wie eine solche Interaktion auf Basis der ADEPT-
Technologie realisiert werden kann.
a) Eine Ausnahmesituation tritt auf b) Benutzer betätigt den „Ausnahmeknopf“
c) Benutzer wählt Art der Änderung d) Benutzer wählt einzufügenden Schritt
e) Die Einbindung des Schrittes wird festgelegt f) System prüft, ob Änderung zulässig
g) Die Änderung kann durchgeführt werden h) Benutzer setzt Tätigkeit fort
Abbildung 3: Durchführung einer Ad-hoc-Abweichung aus Benutzersicht
In dem in Abbildung 3 dargestellten Beispiel wird unterstellt, dass bei der Ausführung
einer einzelnen Prozessinstanz, z.B. dem Behandlungsprozess eines bestimmten Risiko-
patienten, eine zusätzliche Laboruntersuchung benötigt wird, die aber in der zugehörigen
Prozessvorlage an dieser Stelle im Prozess nicht vorgesehen ist (Abb. 3a). Es wird daher
– wenn der Änderungswunsch akzeptiert werden kann – die laufende Prozessinstanz
(und nur diese!) individuell verändert.
Nachdem der Benutzer den „Ausnahmeknopf“ betätigt hat (Abb. 3b), kann er die Art der
gewünschten Ad-hoc-Änderung angeben (Abb. 3c). Soll eine Einfügung erfolgen,
werden kontextabhängig die zur Verfügung stehenden Anwendungsfunktionen angezeigt
(Abb. 3d). Dies können einfache Funktionen, wie „Brief schreiben“ oder „E-Mail
versenden“ sein, aber auch komplexe Anwendungsdienste oder wieder ganze Prozesse.
Der Benutzer muss jetzt noch angeben, nach welchem Schritt (bzw. welchen Schritten)
die neue Prozessaktivität dem zuständigen Bearbeiter angeboten werden soll und vor
welchem Schritt (bzw. vor welchen Schritten) ihre Bearbeitung abgeschlossen sein muss
(Abb. 3e). Nach Festlegung der Änderungen prüft das System, ob die resultierenden
Abweichungen zulässig sind (Abb. 3f und 3g). Im Prinzip werden hierbei wieder die
selben Korrektheitsprüfungen wie zur Modellierungszeit durchgeführt, allerdings muss
jetzt auch noch der Ausführungszustand der Prozessinstanz mit berücksichtigt werden.
Auch hier gilt wieder als oberstes Gebot: „Keine bösen Überraschungen zur Laufzeit!“.
Deshalb ist die zur Durchführung dieser Interaktion erforderliche Funktionalität bei
ADEPT ein integraler Bestandteil des Systems und wird den Anwendern über ein
semantisch hohes Anwendungs-Programm-Interface (API) bereitgestellt. Eine direkte
Manipulation interner Systemzustände durch den Benutzer (mit all den damit
verbundenen Fehlerquellen) ist nicht erforderlich und wird auch nicht unterstützt. – Eine
Beschreibung, wie Ad-hoc-Abweichungen auf Systemebene durchgeführt werden, findet
sich in [Reic00, DRRA05].
Die Fähigkeit zu Ad-hoc-Abweichungen von Prozess-Management-Systemen mit sys-
temseitigen Korrektheitsprüfungen war vor mehr als 10 Jahren der Ausgangspunkt der
Forschungsarbeiten im ADEPT-Projekt1 [Dada95, ReDa97, ReDa98]. Heute markiert
die in jahrelanger Forschungs- und Entwicklungsarbeit entwickelte Technologie die
Spitze des technologischen Fortschritts in diesem Bereich und ist integraler Bestandteil
des ADEPT-Systems. Sie ermöglicht Ad-hoc-Abweichungen in kontrollierter, sicherer
und für den Anwender einfacher Weise und eröffnet damit völlig neue Möglichkeiten für
prozessorientierte IS. Ganz wesentlich hierbei ist, dass auf nicht vorhergesehene Sonder-
fälle nun innerhalb des prozessorientierten IS angemessen reagiert werden kann und
nicht am System vorbei agiert werden muss, wie heute oftmals erforderlich.
4 Unterstützung von Prozessschemaevolution
Die Fähigkeit zur kontrollierten Durchführung von Ad-hoc-Abweichungen ist zwar
bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung, reicht aber alleine noch nicht aus.
Muss ein (Geschäfts-)Prozess generell geändert werden, z.B. weil sich die Abteilungs-
struktur geändert hat oder zusätzliche Prozessschritte eingefügt werden müssen, dann
sind hiervon im Prinzip alle laufenden Instanzen dieses Prozessschemas betroffen; und
das können hunderte bis tausende von Instanzen sein. Bei kurz laufenden Prozessen wird
man in der Regel der Einfachheit halber die bereits laufenden Instanzen noch nach dem
alten Schema zu Ende führen. Bei lang laufenden Prozessen oder im Falle gravierender
Probleme mit dem bisherigen Ablauf ist dies allerdings nicht mehr möglich. Ein jeweils
individuelles Anpassen der laufenden Instanzen an das neue Schema mittels Ad-hoc-
Änderungen (wie oben beschrieben) wäre im Prinzip zwar möglich, ist aber im Falle
vieler Instanzen zu aufwendig und fehlerträchtig.
Ein ideales Prozess-Management-System sollte daher die Möglichkeit bieten, Ände-
rungen am Prozessschema korrekt durchzuführen und sie – falls gewünscht – auf die
laufenden Prozessinstanzen zu propagieren, d.h. diese Instanzen auf das neue Prozess-
schema zu „migrieren“. Ad-hoc-Änderungen einzelner Instanzen und Instanz-Migra-
tionen sollten sich hierbei nicht gegenseitig ausschließen. Beide werden für die Unter-
stützung lang laufender Prozesse benötigt!
Beim ADEPT-Ansatz ist die kombinierte Handhabung dieser beiden Änderungsarten
entsprechend realisiert. D.h. es werden, wenn dies zu keinen Inkonsistenzen führt, auch
individuell veränderte Prozessinstanzen in geeigneter Weise auf das neue Prozessschema
migriert. Alle mit der Migration zusammenhängenden Status- und Konsistenzprüfungen
sowie evtl. erforderliche Änderungen auf Instanzebene werden (natürlich) wieder
systemseitig vorgenommen.
1 ADEPT steht für Application Development based on Encapsulated Premodeled Process Templates
In Abbildung 4a bis 4c ist der Ablauf einer solchen Prozessschemaevolution aus
Benutzersicht dargestellt. Die Darstellung ist der im Rahmen des ADEPT-Projektes
entwickelten Lösung nachempfunden. Der Prozessmodellierer lädt das Prozessschema
aus dem Prozess-Repository, nimmt die erforderlichen Änderungen (mit dem normalen
ADEPT-Prozesseditor) daran vor und erzeugt eine neue Schemaversion (Abb. 4a). Das
System berechnet nun auf Basis der am Schema vorgenommenen Änderungen sowie
durch strukturelle Vergleiche die erforderlichen Vorbedingungen und Anpassungs-
maßnahmen für die laufenden Prozessinstanzen dieses Schemas, soweit diese auf das
neue Schema migriert werden können (und sollen) (Abb. 4b und 4c). Auf Knopfdruck
führt das System anschließend die Migration der ausgewählten Prozessinstanzen auf das
neue Schema durch (Abb. 4d).
a) Durchführen Schemaänderung b) Prüfung Status der laufenden Instanzen
c) Ergebnis der Prüfung d) Durchführung Instanz-Migration
Abbildung 4: Prozessschemaevolution
Wie im Fall von Ad-hoc-Änderungen ist auch für die Unterstützung der im Zusammen-
hang mit Prozessschemaevolution notwendige werdenden Prozessmigrationen eine um-
fassende Theorie unabdingbar (siehe [Rind04, RRD04, RRD04b] für Details). Nur
dadurch kann z.B. präzise angegeben werden, unter welchen Voraussetzungen eine
bestimmte Prozessinstanz auf das neue Prozessschema migriert werden kann, wie sich
die Verträglichkeit einer Kollektion von Instanzen mit dem geänderten Schema effizient
feststellen lässt oder wie bei einer Schemaevolution mit konkurrierenden Änderungen
auf Vorlagen- und Instanzebene umgegangen werden soll; wie erwähnt, können in
ADEPT2 auch individuell veränderte Prozessinstanzen, sofern ihre Konsistenz weiter
systemseitig zugesichert werden kann, noch auf das neue Prozessschema migriert
werden.
Abschließend ist zu erwähnen, dass die systeminterne Repräsentation von Prozess-
schemata und –instanzen eine weitere Herausforderung bei der Realisierung der beiden
beschriebenen Änderungsarten darstellt (für Details siehe [RKLD06, RRJK06]).
5 Zusammenfassung, Stand der Implementierung und Ausblick
Die Kombination aller drei Aspekte, Prozesskomposition mittels Plug & Play, Ad-hoc-
Abweichungen zur Laufzeit sowie Prozessschemaevolution, eröffnet völlig neue
Perspektiven für die kontinuierliche Prozessverbesserung [RWRW05]. Zum einen, weil
die Protokolldaten (d.h. die Prozesslogs) nunmehr sehr viel aussagefähiger sind, indem
sie nun auch die Information über vorgenommene Abweichungen enthalten, und zum
andern, weil etwa notwendige Änderungen am Prozess sehr viel rascher und erheblich
kostengünstiger realisiert werden können. Darüber hinaus ergeben sich noch viele
weitere Möglichkeiten, wie etwa die Ausführung teilspezifizierter Prozesse, die erst
während ihrer Ausführung weiter konkretisiert werden, die „Auslagerung“ der
Behandlung von Ausnahmefällen in ein Knowledge-Management-System [RWRW05,
WWLR06], die automatische Anpassung von Prozessinstanzen auf Grundlage einer
Regelbasis [MGR04] oder die Unterstützung von Ad-hoc-Workflows, um nur einige
Beispiele zu nennen.
Die oben beschriebene Ad-hoc-Flexibilität wurde im ADEPT-System („ADEPT1“) rea-
lisiert. ADEPT1 existiert bereits seit dem Jahr 2000 und ist derzeit unseres Wissens
(immer noch) weltweit das mächtigste, lauffähige System seiner Art. Es wurde bzw.
wird in einer Reihe von Forschungsprojekten zu prozessorientierten Informations-
systemen im In- und Ausland eingesetzt. Im Jahr 2003 wurden diese Forschungsarbeiten
vom Land Baden-Württemberg mit dem doIT-Forschungsaward ausgezeichnet. – Die
theoretischen Grundlagen und das darauf aufbauende Verfahren für die Prozess-
schemaevolution wurden in den letzten fünf Jahren entwickelt und für Evaluierungs- und
Demonstrationszwecke in einem separaten Prototypen implementiert.
Im Rahmen des vom Land Baden-Württemberg geförderten Verbundprojektes
AristaFlow (siehe www.AristaFlow.de) entsteht derzeit in Zusammenarbeit mit der
Universität Mannheim und Industriepartnern eine Software-Lösung, die den gesamten
Zyklus von der Erstellung der Anwendungskomponenten über die Prozess-Komposition
mittels Plug & Play [AADR04, Atki06] bis hin zur flexiblen und adaptiven Ausführung
der Prozesse mit dem ADEPT2-Prozess-Management-System unterstützt. ADEPT2 ist
eine völlige Neuimplementierung des ADEPT-Prozess-Management-Systems, welche
unter anderem auch die Fähigkeit zur Prozessschemaevolution enthalten wird, ein
Feature das in der angebotenen Mächtigkeit weltweit derzeit einmalig ist. Ziel ist es, alle
Komplexität in das Prozess-Management-System zu verlagern, um so gegenüber der
heutigen Situation eine signifikante Vereinfachung der Anwendungsentwicklung zu
realisieren (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Verlagerung aller Komplexität ins Prozess-Management-System (vgl. Abbildung 1)
Ziel des AristaFlow-Verbundprojektes ist es, diese Hochtechnologie in die industrielle
Praxis zu transferieren und so einen Beitrag zur Stärkung der Innovationskraft des Stand-
ortes Deutschland zu leisten. Derzeit wird an der Bildung eines Konsortiums mit inno-
vativen Industriepartnern gearbeitet, um diese Technologie gemeinsam im Rahmen eines
Joint Ventures zur Marktreife zu bringen. Weitere Partner sind herzlich willkommen!
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Weitere Informationen zum AristaFlow-Projekt sowie zu ADEPT finden sich unter:
www.AristaFlow.de sowie www.informatik.uni-ulm.de/dbis