scieee Science in your language
[de] (orig)
Harald Löffler
Dr. med.
Freisetzung und Charakterisierung einer spezifisch mit DNA interagierenden Phospha-
tase
Geboren am 27.01.1972 in Königstein im Taunus
Reifeprüfung am 10.06.1991 in Darmstadt
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1992/93 bis zum WS 1998/99
Physikum am 30.08.1994 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg und Bern
Staatsexamen am 21.05.1999 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Promotionsfach / Institut: Biochemie / Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Doktorvater: Prof. Dr. rer. nat. D. Werner
Unterschiedlich differenzierte Zellen eines Organismus unterscheiden sich trotz ihrer identi-
schen Genome im Expressionsmuster ihrer Gene. Dies erfordert eine epigenetische Regulation
der Genexpression. Dabei spielt die dreidimensionale Chromatinstruktur eine Rolle, an deren
Aufbau neben Histonen auch Nicht-Histon-Proteine beteiligt sind. Für diese Struktur existieren
zwei konkurrierende Modelle: Das Modell der „Kernmatrixsieht ein zusammenhängendes,
den Zellkern durchziehendes Gerüst vor, während das Modell der Chromosomen-Territorien
mit dazwischenliegenden Interchromosomen-Domänenkein solches Gerüst vorsieht.
Welches dieser Modelle zutreffender ist, ist Gegenstand aktueller Forschung. Ein weiterer An-
satz richtet daher sein Hauptaugenmerk nicht auf die sehr komplexe Gesamtstruktur des Zell-
kerns, sondern auf die Isolierung und Charakterisierung einzelner DNA-bindender Nicht-Hi-
ston-Proteine mit genau definierten, reproduzierbaren Methoden. Auf diese Weise konnten
z.B. kovalent mit der genomischen DNA verbundene Proteine identifiziert und charakterisiert
werden.
Mit einer ähnlichen Methode konnten auch nicht-kovalente DNA-Protein-Komplexe isoliert
werden, welche gegen eine Reihe von Extraktionsschritten resistent sind: Durch Zell-Lyse mit-
tels SDS / Proteinase K, Aussalzen der Proteine und Ethanol-Präzipitation wurde aus Mäuse-
Ehrlich-Ascites-Tumor-Zellen (EAT-Zellen) DNA isoliert. In der so isolierten DNA fanden
sich DNA-assoziierte Polypeptide, die auf SDS-Polyacrylamid-Gelen Molekulargewichte von
62 kDa, 52 kDa und 40 kDa zeigen.
Nach Nuklease-Verdau der DNA unter Dialyse-Bedingungen zeigt sich in der verbleibenden,
aus Proteinen, die in der elektronenmikroskopischen Darstellung im wesentlichen als globuläre
12.8±0.8-nm-Partikel erscheinen, bestehenden Partikel-Fraktioneine ATP-spaltende Aktivi-
tät, die in der vorliegenden Arbeit genauer charakterisiert werden sollte.
Zunächst wurde die ATP-Spaltung durch das Enzym mittels Radiochromatographie unter-
sucht. Dabei ist der optimale Puffer 50 mM Tris-HCl, pH 9.5, ohne Zusatz von Metallionen,
und der Km-Wert für ATP als Substrat beträgt 0.9 mM.
Eine eingehende Produktanalyse zeigte, daß die ATP-Spaltung durch eine in der Partikel-Frak-
tion enthaltene Phosphatase erfolgt. Die Phosphatase-Aktivität wurde photometrisch durch die
Spaltung von para-Nitrophenylphosphat (p-NPP) nachgewiesen. Hierbei zeigt sich in 50 mM
Tris-HCl auch ohne Zusatz von Metallionen eine deutliche Enzymaktivität mit einem pH-Opti-
mum von 9.5. Mit p-NPP als Substrat der Phosphatase wirkt Mg2+ als konzentrationsabhängi-
ger Aktivator. EDTA, Vanadat (NaVO3) und Phosphat (Na2HPO4) wirken als Inhibitoren.
Okadasäure im Konzentrationsbereich bis 1 µM und zugemischte DNA beeinflussen die En-
zymaktivität nicht.
Neben dieser Charakterisierung der Phosphatase und der Optimierung des Isolierungsverfah-
rens im Hinblick auf die freigesetzte Enzymaktivität stand die spezifische Interaktion der Phos-
phatase mit DNA im Mittelpunkt der Arbeit, die auf mehreren Wegen nachgewiesen werden
konnte.
Vor dem Nuklease-Verdau zeigt sich in der isolierten DNA-Präparation keine Phosphatase-
Aktivität. Diese wird erst während des Verdaus der DNA durch DNase I freigesetzt. Die DNA
hält das Enzym also in einer inaktiven Form. Diese Inhibition des Enzyms kann durch Zugabe
von DNA zur Partikel-Fraktion nicht wiederhergestellt werden.
Die durch Nuklease-Verdau induzierbare Phosphatase-Aktivität nimmt nur langsam ab, sofern
die isolierte DNA mehrere Monate lang in TE 0.1 aufbewahrt wird. Ist die Phosphatase aber
durch den Verdau der DNA aktiviert, so zeigt sich im gleichen Puffer ein sehr viel rascherer
Aktivitätsverlust. Die DNA bewirkt also eine Konservierung der freisetzbaren Phosphatase in
ihrer inaktiven Form.
Diese durch DNA bewirkte Konservierung des Enzyms und die damit verbundene Aufrechter-
haltung seiner inaktiven Form sowie die Unmöglichkeit, nach der Freisetzung des Enzyms
durch Nuklease-Verdau diese inaktive Form in vitro durch Zugabe beliebiger DNA wiederher-
zustellen, zeigen eine spezifische Interaktion der Phosphatase mit DNA, die in einer spezifi-
schen Inhibition des Enzyms durch DNA resultiert und an eine spezifische DNA-Struktur ge-
bunden sein muß.
Zudem zeigt sich in der elektronenmikroskopischen Darstellung eine Interaktion der 12.8±0.8-
nm-Partikel mit zugemischter DNA, die mit einer Konformationsänderung der DNA verbunden
ist, wobei die Phosphatase aktiv bleibt. Diese sichtbare Interaktion ist also eine Variante der
Phosphatase-DNA-Interaktion, bei der die Inaktivierung des Enzyms ausbleibt.
Der Nachweis aller dieser Interaktionen belegt, daß die Phosphatase eine intrinsische Kompo-
nente der isolierten Komplexe ist, es sich also nicht um eine unspezifische Kontamination han-
deln kann.
Die im Zellkern lokalisierte Protein-Phosphatase könnte an enzymatischen Regulationsmecha-
nismen beteiligt sein, bei denen der Phosphorylierungsgrad entscheidend ist, wofür sich in der
Literatur zahlreiche Beispiele finden: Im Zellkern spielt Phosphorylierung vor allem bei Signal-
Transduktions-Mechanismen im Zusammenhang mit der Transkription eine wichtige Rolle. Zu-
dem deutet die gezeigte spezifische Interaktion der Phosphatase mit DNA auf regulatorische
Funktionen in enger räumlicher und funktioneller Assoziation an die DNA und auf mögliche
ungewöhnliche Regulationsmechanismen unter Beteiligung der genomischen DNA hin.
Die untersuchte Phosphatase könnte an der epigenetischen Regulation der Genexpression be-
teiligt sein, und anhand dieses Enzyms und der anderen Proteine der Partikel-Fraktion lassen
sich Zusammenhänge zwischen der dreidimensionalen Organisation des Interphase-Chromatins
durch Proteine, der durch Proteine aufgebauten inneren Struktur des Zellkerns und der Regula-
tion von Zellkern-Funktionen, insbesondere der Transkription, untersuchen. Die untersuchte
Phosphatase stellt dabei ein potentielles Bindeglied zwischen Struktur und enzymatischer Re-
gulation im Zellkern dar.