Nicole Hammer
Dr.med.
Ermittlung alterskorrigierter Normalwerte für die funduskontrollierte
Schwellenperimetrie mit dem Scanning-Laser-Ophthalmoskop und der Vergleich mit
der computergestützten Perimetrie mittels Octopus
Geboren am 05.12.1968 in Flehingen
Reifeprüfung am 19.05.1988 in Bretten
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1989/90 bis WS 1996
Physikum am 30.03.1992 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg/La Chaux-de-Fonds (Universität Genf)
Staatsexamen am 28.11.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Augenheilkunde
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr.med. Klaus Rohrschneider
Das Scanning - Laser - Ophthalmoskop (SLO 101 Rodenstock Instrumente GmbH,
Ottobrunn - Riemerling) ermöglicht eine statische Schwellenperimetrie unter direkter
Sichtkontrolle des Augenhintergrundes. Orientierend an der Funduspathologie kann somit die
Lichtunterschiedsempfindlichkeit an jeder beliebigen Netzhautstelle ermittelt werden.
Gleichzeitig können Fixationsinstabilitäten durch eine manuelle Fundusstabilisierung
ausgeglichen werden. Ziel einer perimetrischen Untersuchung ist die Aufdeckung beziehungs-
weise das Ausschließen pathologischer Veränderungen im Gesichtsfeld mit der Möglichkeit,
diese Veränderungen im Verlauf beobachten und besser beurteilen zu können. Um jedoch
derartige Veränderungen überhaupt erkennen zu können, ist die Kenntnis von Normalwerten
unerläßlich. Für die statische Schwellenperimetrie mit dem Scanning - Laser - Ophthalmoskop
standen bislang entsprechende Normalwerte noch aus.
Gegenstand dieser Arbeit war daher zunächst die Erstellung von Normalwerten bei der
statischen funduskontrollierten Schwellenperimetrie mit dem SLO. Dazu wurden in 152 Augen
von Probanden im Alter zwischen 16 und 77 Jahren an bis zu 96 Prüfpunkten in regelmäßigem
3° - Raster die Schwellenwerte durch einen 4-2-1 dB Eingabelungslogarithmus ermittelt. Um
Wert und Aussagekraft des neuen Verfahrens zu überprüfen, erfolgte danach ein Vergleich mit
der klinisch eingeführten Octopus - Perimetrie (Octopus 500, Interzeag, Zürich). Die
Untersuchung am Octopus erfolgte dabei mit dem Programm 38, das in einem regelmäßigem
6° - Raster die Lichtunterschiedsempfindlichkeit an 76 Prüfpunkten mit einer 4-2 dB
Eingabelungsstrategie testet. Anschließend wurden die Schwellenwerte an bis zu 24 überein-
stimmenden Prüfpunktlokalisationen statistisch miteinander verglichen.
Die Ergebnisse zeigten nach Umrechnung der SLO - Dezibelskala in mit dem Octopus
vergleichbare Werte eine gute Übereinstimmung. Die mittlere Leuchtdichteschwelle betrug
31,8 ñ 1,3 dB beim SLO und 27,5 ± 4,5 dB beim Octopus. Analog der linearen
Schwellenabnahme mit dem Lebensalter bei der konventionellen computergestützten Octopus -
Perimetrie, ergab sich auch für die Fundusperimetrie eine Abnahme der
Lichtunterschiedsempfindlichkeit, die mit 0,27 dB etwas geringer war. Der direkte Vergleich
beider Untersuchungsmethoden ergab eine mittlere Differenz (SLO - Octopus) von
4,1 ñ 3,2 dB, wenn man die Testlokalisationen im Bereich des blinden Flecks nicht
mitberücksichtigte. Die Korrelation zwischen den Schwellenwerten beider Methoden für die
Punkte außerhalb des blinden Flecks war entsprechend gut.
Die höheren Leuchtdichteschwellen am SLO sind zum einem auf die unterschiedlichen
Meßparameter beider Untersuchungsmethoden, wie Hintergrundleuchtdichte, Stimulusdar-
bietungszeit und Stimulusfarbe zurückzuführen. Außerdem müssen bei der Beurteilung der
Ergebnisse auch der unterschiedliche Geräteaufbau sowie die unterschiedliche Weise der
Bildgenerierung mitberücksichtigt werden. Die Ergebnisse zeigten, daß der Einsatz der
Fundusperimetrie im klinischen Alltag aufgrund ihrer hohen Aussagekraft und guten
Übereinstimmung mit der konventionellen Perimetrie durchaus gewährleistet ist und eine
zukunftsweisende Untersuchungsmethode darstellt.