Nigel John Botterill
Dr. med.
Analyse, Bewertung und Vergleich von Therapiestudien in einer deutschsprachigen und
in einer englischsprachigen orthopädischen Zeitschrift der Jahrgänge 1993 – 1997
Geboren am 21.05.1956 in Birmingham, Großbritannien
Reifeprüfung Juli 1993 in Rugby, Großbritannien
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1974 bis SS 1981
Physikum am 15.06.1976 an der Universität Cambridge, Großbritannien
Klinisches Studium in der Universität des Saarlandes
Praktisches Jahr in den Universitätskliniken Homburg Saar
Staatsexamen am 20.10.81 an der Universität des Saarlandes
Promotionsfach: Orthopädie
Doktorvater: Prof. Dr. med. Volker Ewerbeck
Die steigende Zahl an Publikationen in weltweit über 20 000 medizinischen Fachzeitschriften
erfordert aus wissenschaftlichen und ökonomischen Gründen Kenntnisse in der Validierung
von Forschungsergebnissen, um effektiven Informationsgewinn zu gewährleisten. Für die
Orthopädie/Traumatologie in Deutschland ist uns bisher keine Arbeit bekannt, die den
Qualitätsstandard der publizierten Studien untersucht und mit den Qualitätsstandard von
anglo-amerikanischen Studien vergleicht.
Ziel dieser Arbeit war die Analyse und Bewertung des Studiendesigns, der methodischen
Qualität und der direkte Vergleich orthopädisch/traumatologischer Studien aus
deutschsprachigen und englischsprachigen Zeitschriften.
Aus der deutschsprachigen medizinischen Fachzeitschrift „Zeitschrift für Orthopädie“ und der
englischsprachigen Zeitschrift „The Journal of Bone and Joint Surgery“ wurden die Jahrgänge
1993 bis 1997 ausgewählt und auf Studien untersucht. Es wurde eine Recherche in Medline
durchgeführt. Zusätzlich wurden die fünf Jahrgänge manuell auf Studien untersucht, die die
vorher festgelegten Einschlußkriterien erfüllten. Es fand sich eine Anzahl von 468 Studien.
Die in den Publikationen vorhandenen Informationen wurden durch einen Untersucher
anhand des Kriterienkatalogs geprüft, in eine Datenbank eingegeben und ausgewertet.
In der “Zeitschrift für Orthopädie“ basierten 25,8% der von uns untersuchten Publikationen
auf nicht aussagekräftigen Vorher - Nachher-Betrachtungen ohne Vergleichsgruppe. Bei den
meisten Studien wurden methodische Mängel beobachtet. Die Zielsetzung der jeweiligen
Studie gaben 51,3 % der Publikationen an, Angaben zur statistischen Auswertung ihrer
Ergebnisse machten lediglich 37,4 % der Veröffentlichungen. Die Ein- und
Ausschlußkriterien wurden von 33 % der Publikationen angegeben. Nur 49,6 % der
Publikationen machten konsequent Angaben zur Patientenzahl, zum Alter, Geschlecht und
Beobachtungszeitraum. Bei Betrachtung der wesentlichen Qualitätskriterien zur Beurteilung
einer Studie erfüllten nur 2,6 % der 115 Publikationen diese Anforderung an vollständige
Information.
In der Zeitschrift „The Journal of Bone and Joint Surgery“ lag der Anteil von nicht
aussagekräftigen Vorher - Nachher-Betrachtungen ohne Vergleichsgruppe bei 8%. Es wurden
bei den meisten Studien weniger methodische Mängel beobachtet. Die Zielsetzung ihrer
Studie gaben 90,4 % der Publikationen an, Angaben zur statistischen Auswertung ihrer
Ergebnisse machten 62,4 % der Veröffentlichungen. Die Ein- und Ausschlußkriterien wurden
von 84,1 % der Publikationen angegeben. Konsequente Angaben zur Patientenzahl, zum
Alter, Geschlecht und Beobachtungszeitraum machten 80,5 % der Publikationen. Bei
Betrachtung der wesentlichen Qualitätskriterien zur Beurteilung einer Studie erfüllten
immerhin 27,4 % der 354 Publikationen diese Anforderung an vollständige Information.
Aufgrund der Heterogenität der Angaben erwiesen sich die Studienergebnisse von
Publikationen zu einem Thema (Hüftkopfnekrose) als miteinander nicht vergleichbar.
Die Ergebnisse unserer Arbeit zeigen, daß der Anteil an Publikationen, die über ein
wissenschaftlich aussagekräftiges Studiendesign und methodische Qualität verfügen, in der
„Zeitschrift für Orthopädie“ wesentlich niedriger ist als in der Zeitschrift „The Journal of
Bone and Joint Surgery“. Weitere Arbeiten zur Überprüfung des Qualitätsstandards klinischer
Studien sollten durchgeführt werden. Um die Studienqualität zu verbessern, sollte die
Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Biomathemathikern weiter verstärkt werden.
Es besteht die Forderung nach Publikationen anhand internationaler Qualitätsstandards auf
der Basis von exakt geplanten und sorgfältig durchgeführten Studien. Dies würde die
Vergleichbarkeit von Studienergebnissen erleichtern und verbessern und eine weitere
Grundlage für „evidence-based medicine“ liefern.