Kai Kratz
Dr. med.
Therapievergleich zwischen der Monotherapie mit Prostaglandin E1 und der
Kombinationstherapie mit zusätzlicher kontinuierlicher Nervenblockade bei peripherer
arterieller Verschlußkrankheit
Geboren am 25. 05. 1964 in Mosbach/Baden
Reifeprüfung am 28. 05. 1984 in Mosbach
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1987 bis WS 1994
Physikum am 24. 08. 1990 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Mosbach
Staatsexamen am 19. 10 .1994 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Dr. med. habil. R. Klatt
In einer Vergleichsstudie wurden 132 Patienten (80 Männer und 52 Frauen im mittleren Alter
von 70,7 [49-88] Jahren) mit peripherer arterieller Verschlußkrankheit der Beine im Stadium
II-IV nach Fontaine behandelt. Alle Patienten wurden mit einer intravenösen Infusionsserie
von 42-56 Einzelinfusionen, die jeweils 10-30 µg Prostaglandin E1 enthielten, behandelt.
Kombiniert wurde die Therapie mit kontrolliertem Geh- und Ergometertraining.
Von diesen Patienten erhielten 36 zusätzlich, am bezüglich der Erkrankung dominanten Bein,
eine kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus mittels Katheter. Die Lokalanästhesie erfolgte
durch repetitive Füllungen des Katheters, 3-4mal täglich mit 5-10ml Bupivacain 0,1-0,5% ig.
Die Studie soll zeigen, ob die Patienten, die mit einer zusätzlichen Nervenblockade behandelt
wurden, bessere Therapieergebnisse aufweisen, als die ausschließlich mit der PGE1-
Monotherapie behandelten Patienten.
Zur Therapiekontrolle diente zum einen als objektiver Parameter die Änderung des Doppler-
Index (Fuß-Arm-Index), sowie zur Ermittlung des subjektiven Befindens, die Änderung der
maximalen schmerzfreien Gehstrecke nach Abschluß der Therapie. Weiterhin wurde die
Änderung des AVK-Stadiums unter der Therapie erfaßt.
Zur besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse wurde neben dem Vergleich des gesamten
Patientenkollektives, eine Auswahl von je 21 Patienten der beiden Therapiegruppen getroffen.
Patientenpaare sog. -Matched pairs- wurden gebildet, die sich hinsichtlich Alter, Geschlecht
sowie Grunderkrankungen und Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Hyperlipoproteinämie, art.
Hypertonie, Nikotinabusus) entsprachen.
In der Kombinationstherapiegruppe zeigte sich nach Abschluß der Behandlung eine mittlere
Zunahme des Doppler-Index um 0,16. In der Monotherapiegruppe nahm der Doppler-Index
lediglich um 0,09 zu. Dieser Unterschied erwies sich als statistisch signifikant (p = 0,008).
Innerhalb der -Matched pairs- zeigte sich mit 0,22 zu 0,1 (p = 0,026) ebenfalls eine
signifikante Mehrzunahme zugunsten der Kombinationstherapie.
Die schmerzfreie Gehstrecke betrug bei den Patienten der Monotherapiegruppe zu Beginn der
Behandlung durchschnittlich 180,12m und nahm unter der Therapie auf 409,32m, entsprechend
um 127% zu. Die mittlere Zunahme lag bei 242,32m. Bei den mit der Kombinationstherapie
behandelten Patienten nahm die mittlere schmerzfreie Gehstrecke von 120,19m auf 407,95m
zu. Dies entspricht eimen Zuwachs von 240%. Die durchschnittliche Zunahme betrug
289,29m.
Im Kollektiv der -Matched Pairs- nahm die schmerzfreie Gehstrecke unter der Monotherapie
von 116,56m auf 315,62m zu. Dies entspricht einer Steigerung um 170%. Die mittlere
Zunahme betrug 195,33m. Unter der Kombinationstherapie steigerte sich die schmerzfreie
Gehstrecke von 124,15m auf 485,92m, entsprechend um 292%. Die mittlere Zunahme lag bei
360,20m.
In beiden Fällen konnte, bezogen auf die schmerzfreie Gehstrecke aufgrund der großen
Streuung um den Mittelwert (Standardabweichung = 0,23 Min. = 0,0 Max. = 1,1) kein
statistisch signifikanter Unterschied der beiden Therapieformen ermittelt werden.
Insgesamt trat bzgl. des AVK-Stadiums in der Monotherapiegruppe eine Remission in ein
niedrigeres Stadium bei 51 von 96 Patienten = 53,12%, in der Kombinationstherapiegruppe bei
27 von 36 Patienten = 75,0% ein. Eine Verschlechterung des AVK-Stadiums unter der
Therapie wurde in keinem der Fälle beobachtet.
Mehrere Komponenten, welche die Wirkung von PGE1 unterstützen, können für die
günstigeren Therapieergebnisse der Kombinationsbehandlung angeführt werden.
Die durch die Nervenblockade erzielte Analgesie begünstigt eine suffiziente Durchführung des
kontrollierten AVK-Trainings.
Eine durch das Lokalanästhetikum hervorgerufene Sympathikolyse führt zur Gefäßdilatation
und somit zu einer Perfusionssteigerung.
Die Ausbildung neuer Gefäßkollateralen wird induziert.
Für den Patienten bedeutet dies eine Steigerung seiner maximalen schmerzfreien Gehstrecke
sowie eine deutliche Verbesserung seiner Lebensqualität durch gesteigerte Mobilität und
Schmerzlinderung. Für eine günstigere Prognose der Erkrankung sprechen die signifikant
höheren Doppler-Index Werte nach Abschluß der Kombinationstherapie. Deutlich mehr
Patienten befanden sich hiernach in einem niedrigeren pAVK-Stadium.
Aus diesen Gründen sollte unter stationären Bedingungen die kombinierte Therapie mit
zusätzlicher kontinuierlicher Nervenblockade mittels Katheter vorgezogen werden.
Hauptindikation stellt sicherlich die pAVK im Stadium III nach Fontaine dar, in welchem die
Befundbesserungen am deutlichsten aufgezeigt werden konnte. Neben einer subjektiv
empfundenen Verbesserung der Lebensqualität, sprechen auch die objektiv gemessenen
Parameter für eine Besserung der Erkrankung, die ein Maß für die Zunahme der Durchblutung
und die Steigerung der Gewebsperfusion darstellen.