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[de] (orig)
Bärbel Jacobsen
Dr.med.
Untersuchungen zum Nachweis von 3,3'-Dichlorbenzidin aus Hämoglobin-Addukten bei der
Anwendung von Anstrichmitteln unter derzeitigen Arbeitsplatzbedingungen bei Baumalern
Geboren am 10.06.1964 in Coburg
Reifeprüfung am 14.06.1983 in Öhringen
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1987/88 bis WS 1994/95
Physikum am 18.09.1989 an der Universität Homburg/Saar
Klinisches Studium in Homburg/Saar und Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg und Schwetzingen
Staatsexamen am 20.10.1994 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Arbeits- und Sozialmedizin
Doktorvater: Herr Prof. Dr. med. Dipl.-Chem. G. Triebig
Bestimmte aromatische Amine können im Organismus Krebs hervorrufen. Einige dieser
karzinogenen Amine finden Verwendung bei der Herstellung von Azofarbmitteln. Von löslichen
Azofarbstoffen weiß man, daß sie im Organismus durch verschiedene Enzymsysteme in ihre Aus-
gangsstoffe aufgespalten werden können und zu einem geringen Teil in die Erythrozyten gelangen,
wo sie kovalente Bindungen mit Hämoglobin eingehen können. Diese Hämoglobin-Addukte lassen
sich auch in geringen Mengen nachweisen. Für Azopigmente dagegen ist die Frage der
Bioverfügbarkeit noch nicht eindeutig geklärt.
Für die Berufsgruppe der Maler wird ein Erkrankungsrisiko durch den Umgang mit verschiedenen
Azopigmenten diskutiert, die in bunten Lacken und Farben vorkommen. Eine Gruppe von
Azopigmenten, die in großem Umfang verwendet wird, nämlich die Diarylgelbpigmente, enthalten als
Kupplungskomponente 3,3'-Dichlorbenzidin (DCB). Dieser Stoff ist im Tierversuch karzinogen. Er
ist in der Liste der krebserzeugenden Arbeitsstoffe in die Gruppe 2 eingeteilt.
Ziel der Arbeit war die Entwicklung und Erprobung einer Methode, um 3,3'-Dichlorbenzidin-
Addukte aus menschlichem Hämoglobin zu analysieren. Angewendet wurde diese Methode auf
Blutproben einer repräsentativen Gruppe von derzeit aktiven Baumalern. Untersucht wurden
Blutproben von 51 Malern und 26 nicht farb- oder lackexponierten Kontrollpersonen.
Die entwickelte Nachweismethode basiert auf Hochleistungs-Flüssigkeitschromatografie (HPLC) mit
elektrochemischem Detektor. Sie ist präzise und ohne großen apparativen Aufwand im Labor zu
realisieren. Um darüber hinaus eine hohe Spezifität zu erreichen ist die Ergänzung durch
massenspektrometrische Techniken notwendig.
Mit Hilfe des erarbeiteten Verfahrens konnte kein DCB im Hämoglobin der Probanden beider
Kollektive nachgewiesen werden. Damit ist davon auszugehen, daß unter derzeitigen Arbeitsplatz-
bedingungen bei Baumalern keine DCB-Hb-Addukte gebildet werden. Es ergibt sich kein Hinweis
für eine erhöhte Gefährdung dieser Berufsgruppe durch DCB aus Azopigmenten.