Annegreth Eisenbarth
Dr.med.dent.
Die Beurteilung von Vorhof- und Ventrikelseptumdefekten im Erwachsenenalter mittels
echokardiographischer Verfahren
Geboren am 18.09.1962 in Losheim/Saar
Reifeprüfung am 19.06.1984
Studiengang der Fachrichtung Zahnmedizin vom SS 1989 bis WS 1994/1995
Physikum am 08.04.1992 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Staatsexamen am 20.03.1995 and der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. Helmut Kücherer
Der Einsatz echokardiographischer Verfahren zur Erkennung von Vorhofseptum- und
Ventrikelseptumdefekten ist heute Routine in der Diagnostik von Shuntvitien. Zwar gibt es
eine Reihe von Studien zur Sensitivität und Spezifität einzelner echokardiographischer
Untersuchungsmethoden, es fehlen jedoch Untersuchungen, welche die diagnostischen
Wertigkeiten zweidimensional-echokardiographischer und dopplersonographischer Verfahren
vergleichen und mit der Wertigkeit klinisch-diagnostischer Verfahren, wie Anamnese,
Auskultation, EKG und Röntgen-Thorax, in Beziehung setzen. In der vorliegenden Arbeit
sollte daher die relative Wertigkeit verschiedener Untersuchungsverfahren als diagnostische
Hilfsmittel zur Beurteilung von Vorhof- und Ventrikelseptumdefekten im Erwachsenenalter
bestimmt werden. Zwei spezifische Fragestellungen sollten bearbeitet werden: erstens sollte
untersucht werden, ob echokardiographische Methoden den klinisch-diagnostischen Verfahren
zur Beurteilung des Schweregrades von Vorhofseptumdefekten überlegen sind. Hierzu wurden
echokardiographische und klinisch-diagnostische Daten mit der invasiv bestimmten Shuntgröße
verglichen. Zweitens sollte untersucht werden, welchen Stellenwert konventionelle klinisch-
diagnostische Verfahren zur Erkennung hämodynamisch bedeutsamer Links-Rechts-Shunts bei
Vorhof- und Ventrikelseptumdefekten haben.
Bei insgesamt 61 Patienten mit Verdacht auf Vorhofseptumdefekt und bei 32 Patienten mit
Verdacht auf Ventrikelseptumdefekt wurden Daten zu klinischer Symptomatik, Auskultations-,
EKG- und Röntgenbefund sowie die echokardiographischen Befunde zur Herzgröße und zum
Shuntvolumen erhoben. Anhand dieser Daten wurde jedes einzelne Diagnoseverfahren auf
seine Sensitivität, Spezifität sowie auf seine Voraussagekraft zur Erkennung hämodynamisch
wirksamer großer Shunts geprüft. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, daß klinische Zeichen
lediglich Hinweise für das Vorliegen eines Shuntvitiums geben und diagnostische Methoden
wie Elektrokardiographie und Röntgenuntersuchung keine zuverlässige Aussage zum
Schweregrad eines Vorhofseptumdefektes erlauben. Auch echokardiographische und
dopplersonographische Parameter weisen keine enge Korrelation zur oxymetrisch bestimmten
Shuntgröße auf, jedoch lassen sich operationswürdige Vorhofseptumdefekte zuverlässig
erkennen. Die Erkennung großer Shunts (> 50%) gelang in 70% der Fälle bereits durch den
Nachweis einer Defektgröße > 15 mm im zweidimensionalen Echokardiogramm. Die
Erfassung aller großen Shunts war durch den Nachweis eines Qp/Qs-Index > 1,45 möglich.
Kontrastechokardiogramme waren für die richtige Erkennung großer Septumdefekte nicht
erforderlich. Der diagnostische Zugewinn der transösophagealen Echokardiographie
beschränkte sich auf die Erfassung von Sinus-Venosus-Defekten und auf den möglichst
sicheren Ausschluß kleiner Septumdefekte. Große Ventrikelseptumdefekte wurden zuverlässig
durch den Nachweis einer Rechtsherzvergrößerung und die Darstellung der Jetturbulenzen im
Farbdoppler und kontinuierlichen Doppler erkannt.
Hieraus läßt sich ableiten, daß die Verfahren der transthorakalen Echokardiographie für die
Erfassung eines Links-rechts-Shunts bei Vorliegen eines VSD völlig ausreichend sind.
Insgesamt gesehen sind die Ultraschallverfahren zum Nachweis eines Shunts bei vermutetem
ASD und VSD bezüglich der Gesamtbewertung ihrer diagnostischen Leistungsfähigkeit allen
anderen in dieser Studie geprüften Verfahren überlegen.