SCHRIFTEN
zur
Stadtentwicklung
Ergebnisse
einer Umfrage in Heidelberg
durch
Studierende des Instituts
für
Politische
Wissenschaft
an der Universität Heidelberg
im
Vorfeld der Kommunal- und
Europawahlen
am 12. Juni 1994
Stadt
Heidelberg
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Vorbemerkungen und Mitarbeiter des Projekts 3
2.
Probleme in der Stadt Heidelberg 4
2.1.
Verkehr - das wichtigste Problem Heidelbergs 4
2.2.
Wie fahrradfreundlich ist Heidelberg? 5
2.3.
Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs 6
2.4.
Parkplatzprobleme in Heidelberg 7
2.5.
Die Wohnungssituation in Heidelberg - das zweitwichtigste Problem 7
2.6.
Weitere Probleme 7
2.7.
Akzeptanz von Ausländern 9
2.8.
Tourismus 12
3.
Politische Grundhaltungen 13
3.1.
Parteiidentifikation und Interesse für Politik 13
3.2.
Welche Partei gefallt Ihnen am besten? 14
3.3.
Beurteilung der Wichtigkeit der Parlamente - ein Vergleich 16
3.4.
Parteiidentifikation 17
3.5.
Rechts-Links-Einschätzungen im politischen Spektrum
und
Auswirkungen auf Parteiidentifikation und-präferenz 18
4.
Kommunalwahl und Kommunalpolitik in Heidelberg im Rückblick 20
4.1.
Bestimmen Parteiidentifikation und
Kompetenzzuweisung
das Wahlverhalten? 20
4.2.
Bewertung der Arbeit des Gemeinderats 22
4.3.
Bewertung der Oberbürgermeisterin Beate Weber 23
5.
Europawahlen in Heidelberg 24
5.1.
Die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen in Heidelberg 24
5.2.
Die Wahlabsicht der Heidelberger zur Europawahl ....26
5.3.
Die Wichtigkeit des Europaparlaments 27
6.
Sozialstruktur und Parteipräferenz 28
6.1.
Alters- und Geschlechtsstruktur 28
6.2.
Parteipräferenz und Schulbildung 30
6.3.
Parteipräferenz und Berufsstruktur 30
6.4.
Parteipräferenz und Gewerkschaftsnähe 30
6.5.
Parteipräferenz und Religion 31
7.
Stichprobenerhebung und Repräsentativität 32
3
1.
Vorbemerkungen
In
zwei Proseminaren des Instituts für Politische Wissenschaft an der Universität
Heidelberg,
unter der Leitung von Dr. Dieter Roth, Vorstandsmitglied der Mannheimer
Forschungsgruppe
Wahlen e.V., wurden im Wintersemester 1993/94 Theorien und
Instrumente
der empirischen Wahlforschung behandelt, die im Sommersemester 1994 zur
praktischen
Anwendung im Rahmen einer repräsentativen Umfrage zur Kommunal- und
Europawahl
am 12. Juni 1994 in Heidelberg kamen.
Ziel
der Untersuchung war, die hier vorgelegte empirische Studie durch Studierende von
den
theoretischen Grundlagen über die Konzeption und Feldarbeit bis hin zu einem
Abschlußbericht
zu erarbeiten, und das so praxisnah wie möglich. Erhoben wurden die
politischen
Grundhaltungen der Befragten, aktuelle politische Präferenzen, die
Sozialstruktur
und Einstellungen zu kommunalpolitischen Problemen Heidelbergs.
Die
Erhebung der Daten erfolgte telefonisch in der Zeit vom 24.05. bis zum 09.06.1994
durch
alle Teilnehmer des Seminars, die zuvor eine Kurzausbildung als Telefoninterviewer
absolvieren
mußten. Die Auswertung der Daten erfolgte mit Hilfe des Statistikprogramms
SAS
am Universitätsrechenzentrum Heidelberg.
Der
Stadt Heidelberg danken wir für ihre freundliche Unterstützung. Besonderer Dank gilt
folgenden
Mitarbeitern der Forschungsgruppe Wahlen e.V.: Susann Becker und Susanne
Grotz
für die Interviewerschulung sowie Wolfgang Steudle und Dr. Wolfgang Schulte für
die
Stichprobenziehung und Gewichtung der Umfrageergebnisse.
Mitarbeiter
des Projekts waren:
Markus
Brümmer
Christiane
Cloos (cc)
Jan
Eggers (je)
Margit
Fauser (mf)
Sören
Finkbeiner (sf)
Norbert
Fröschle (nf)
Renate
K. Götz (rg)
Till
Grefe (tg)
Freia
Hoffmann (fh)
Thomas
Hoffmann (th)
Nadja
Klag (nk)
Endredaktion:
fh, th, dr, amw
Andrea
Kronenthaler
Irene
Knoke (ik)
Marco
Lautenschläger
Thomas
Mauss (tm)
Holger
Müller (hm)
Pier
Paolo Perrone (pp)
Katja
Pfitsch (kp)
Daniel
Reger (dr)
Stephan
Reich
Frank
Romann (fr)
Uli
Rüdenauer (ur)
Angela
Schmidt (asm)
Christian
Schneider
Andrea
Schramm (asr)
Gunter
Smits (gs)
Stephan
Stegmüller (ss)
Petra
Wandernoth (pw)
Jürgen
Weichselgärtner (jw)
Lars
Vinx (lv)
Anja
Wenke (aw)
Nicole
Wessa (nw)
Andreas
M. Wüst (amw)
Jürgen
Zimmermann (jz)
4
2.
Probleme in der Stadt Heidelberg
Erfragt
wurden in unserer Untersuchung die für die Heidelberger Bürger wichtigen
Probleme
in drei verschiedenen Fragestellungen:
1.
durch eine zweimalig gestellte sogenannte offene Frage, d.h. ohne Antwortvorgabe:
Was
ist ihrer Meinung nach zur Zeit das wichtigste Problem hier in Heidelberg? Und
was
ist ein weiteres wichtiges Problem?
2.
durch direkte Aus Wahlmöglichkeit aus fünf wichtigen Problembereichen, die wir über
Expertenrating
auswählten: Und welches der genannten Themen ist für Sie persönlich
am
wichtigsten? - ... der Verkehr, ... die Ausländer, ... der Müll, ... die Sicherheit,
...
der Wohnungsmarkt,
3.
durch direkte Nachfrage zu einzelnen Problemen, insbesondere im Bereich Verkehr:
a.
Halten Sie Heidelberg für eine fahrradfreundliche Stadt?
b.
Sollte für Radfahrer in Heidelberg... - mehr getan werden... sollte es so bleiben
wie
es ist... oder wird für Radfahrer zu viel getan?
c.
Gibt es in Heidelberg für Anwohner - ausreichend Parkplätze - oder zu wenig
Parkplätze?
d.
Sind öffentliche Parkplätze in Heidelberg - zu teuer - gerade richtig im Preis -
oder
zu billig?
e.
Und wie ist es mit dem Angebot im öffentlichen Nahverkehr? Ist das Angebot -
ausreichend
- nicht ausreichend?
f.
In Heidelberg gibt es viele Studenten. - Finden Sie das gut - oder finden Sie das
nicht
gut?
g.
Halten Sie ihren Arbeitsplatz für - sicher - oder für gefährdet?
2.1.
Verkehr - das wichtigste Problem Heidelbergs
Das
Verkehrsproblem hat sich eindeutig als das am dringlichsten empfundene Problem
herausgestellt.
Sowohl in der Frage nach dem wichtigsten aus fünf genannten
Problembereichen,
wie auch in der offen gestellten Frage nach dem wichtigsten Problem -
wobei
hier Nennungen wie Fahrradwege, Nahverkehr, Parkplätze etc. in die Kategorie
Verkehr
gezählt wurden - rangiert der Verkehr an erster Stelle, mit über der Hälfte aller
Nennungen.
5
Das
Aufsplitten nach Stadtteilen erbringt deutliche Unterschiede, auch die Unterteilung
nach
Zentrum und weiterer Umgebung. Die Befragten im Stadtzentrum nehmen das
Verkehrsproblem
etwas stärker wahr: etwa zwei Drittel nennen den Verkehr als Problem.
Von
den Befragten der näheren Umgebung, also Rohrbach, Wieblingen etc. benennen rund
fünfzig
Prozent den Verkehr und nur im Emmertsgrund, in Boxberg, Neuenheim und
Bergheim
empfinden weniger als ein Drittel Verkehr als wichtiges Problem. Dies könnte
zum
einen an tatsächlich geringen Verkehrsproblemen in Heidelbergs Peripherie und zum
anderen
an der Dominanz anderer Probleme liegen. Trotz allem liegt in allen Stadtteilen
das
Verkehrsproblem an erster Stelle aller Nennungen.
Im
Geschlechtsvergleich stellte sich ferner heraus, daß sich Frauen eher für Parkplätze und
öffentlichen
Nahverkehr aussprechen, während den Männern Radwege ein größeres
Anliegen
sind.
2.2.
Wie fahrradfreundlich ist Heidelberg?
Über
siebzig Prozent der Heidelberger Bürger halten Heidelberg für eine
fahrradfreundliche
Stadt. 53% sind der Meinung, daß für Radfahrer mehr getan werden
sollte.
Von den Befragten, die angaben, Heidelberg sei eine fahrradfreundliche Stadt, sind
über
vierzig Prozent der Meinung, daß trotzdem mehr getan werden sollte; ein Fünftel
meint
dagegen, daß bereits zu viel getan wird. Diejenigen, die Heidelberg nicht für
fahrradfreundlich
halten, sind erwartungsgemäß nahezu ausnahmslos dafür, daß für
Radfahrer
mehr getan werden sollte.
Radfahrer
in Heidelberg, da...
66% 66%
27%
—t—
27%
—i—
16%
sollte
mehr
getan
werden
sollte
es
blei-
ben
wie
es
ist
wird
zuviel
getan
weiß
nicht
(2%)
6
Die
Forderung, daß mehr für Fahrradfahrer getan werden sollte, geht durch alle
Altersklassen.
Vor allem die Altersgruppe der zwischen 20- und 40jährigen stimmt mit
über
zwei Drittel dieser Forderung zu. Daß zuviel für Radfahrer getan werde, meinen
insgesamt
weniger als ein Fünftel. Hier allerdings steigt deren Anteil ab der Gruppe der
40jährigen
leicht an, bleibt aber immer in der Minderheit gegenüber den anderen beiden
Antwortkategorien.
Das
Thema Radwege in der Aufschlüsselung nach Stadtteilen bestätigt die Erwartungen:
Bei
den in Fahrradnähe zur Stadt liegenden Stadtteilen sind teilweise weit über sechzig
Prozent
der Meinung, daß mehr für Radfahrer getan werden müßte. Allerdings sticht in
dieser
Kategorie der Pfaffengrund hervor, der nicht der näheren Umgebung zugerechnet
werden
kann. Dies könnte ein Indiz dafür sein, daß bei der Verbesserung der Radwege
nicht
nur die Anbindung zur Stadt gemeint ist, sondern auch innerhalb der einzelnen
Stadtteile
solche Bedürfhisse bestehen. Die Befragten des Stadtzentrums scheinen relativ
zufrieden
mit der derzeitigen Situation. Es sind aber immer noch rund fünfzig Prozent
dafür,
mehr in diesem Bereich zu tun und nehmen damit einen Mittelfeldplatz in der
Gruppe
derer ein, die der Meinung sind, daß mehr für Radfahrer getan werden müßte. Für
die
äußeren Bezirke zeigt sich dieses Problem als weniger wichtig. Insgesamt ist aber auch
die
Mehrheit in diesen Stadtteilen für einen Ausbau der Radwege.
2.3.
Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs
Über
die Hälfte der Heidelberger sind der Meinung, daß der öffentliche Nahverkehr in
Heidelberg
nicht ausreiche.
Mit
steigendem Alter erhöht sich jedoch der Grad der Zufriedenheit mit dem vorhandenen
Angebot.
Dies gilt vor allem für die über 50jährigen und nochmals verstärkt für Befragte
über
sechzig Jahren und hier insbesondere für ältere Frauen. Trotzdem überwiegt aüch in
diesen
Altersklassen die Unzufriedenheit, mit Ausnahme der über sechzigjährigen Frauen.
Auffallend
unzufrieden mit dem derzeitigen Angebot des öffentlichen Nahverkehrs sind
Befragte
in Neuenheim und in der Weststadt, eher zufrieden zeigen sich hingegen die
Bewohner
der weiteren Umgebung (Emmertsgrund, Ziegelhausen), sowie die der zentralen
Altstadt.
Anhand unserer Erhebung ist eine differenzierte Interpretation schwierig, da wir
keine
Aussagen darüber treffen können, ob die Befragten von ihrer eigenen Situation
ausgingen
oder vielmehr die Situation in Heidelberg insgesamt beurteilten.
7
Es
kann aber angenommen werden, daß für die Bürger in Nähe des Zentrums das Auto
ohnehin
keine Lösung für innerstädtische Verkehrsprobleme darstellt, und sie sich deshalb
ein
besser ausgebautes Nahverkehrsnetz wünschen.
2.4.
Parkplatzprobleme in Heidelberg
Öffentliche
Parkplätze werden von der Hälfte der Heidelberger Bürger als zu teuer
empfunden,
ein knappes Drittel ist der Meinung, daß die Preise gerade richtig seien. Bei
der
Beurteilung der Anwohnerparkplätze ist die Tendenz noch eindeutiger: Weit über zwei
Drittel
der Befragten halten die Anzahl der vorhandenden Anwohnerparkplätze für zu
gering.
Die auftretenden Unterschiede in den Stadtteilen lassen sich nur schwer
systematisieren.
Die Annahme, daß vor allem die Bewohner des Stadtzentrums über
Parkplatzprobleme
klagten, wurde nicht bestätigt. Das Ergebnis spiegelt nicht das jeweils
tatsächlich
vorhandene Parkplatzkontingent wider. Hier sticht vor allem der Boxberg mit
hervor
(84% der befragten Boxberger sagten, es gäbe zu wenige Parkplätze für
Anwohner),
wobei dort kaum von realen Parkplatzproblemen ausgegangen werden kann.
2.5.
Die Wohnungssituation in Heidelberg - das zweitwichtigste Problem
Sowohl
in der offenen Frage nach Problemen Heidelbergs, als auch bei der direkten
Nachfrage
liegt das Problem "Wohnungsmarkt/Mieten" auf dem zweiten Platz (12% bzw.
24%).
Ein
Drittel derer, die dieses Problem als wichtigstes einstufen, sind zwischen dreißig und
fünfzig
Jahre alt. Dabei nannten Frauen der jüngeren Alterskategorien dieses Problem
häufiger
als ihre männlichen Altersgenossen.
In
den höheren Altersgruppen - ab etwa fünfzig Jahren - sind es dann überwiegend die
Männer,
die überdurchschnittlich häufig das Problem "Wohnungsmarkt/Mieten" nennen.
2.6.
Weitere Probleme
Als
weiteres Problem Heidelbergs wurde das Thema Ausländer genannt, das im folgenden
Kapitel
behandelt wird, außerdem Umwelt (6%), Sicherheit und Müll. Letztere liegen beide
unter
fünf Prozent der Nennungen.
Das
Problem Sicherheit wird bei der offenen Frage entgegen den Erwartungen von nur fünf
Prozent
der Befragten als wichtigstes Problem empfunden. Auch bei der direkten
Nachfrage
rangiert es weit abgeschlagen an vorletzter Stelle.
8
Dabei
fallen die Boxberger bei diesem Problem aus dem allgemeinen Trend heraus: Ein
gutes
Drittel von ihnen nennt das Wahlkampfthema Sicherheit als wichtigstes Problem, von
den
Bewohnern der Altstadt dagegen nur zwei von hundert.
Auf
die Frage nach der Arbeitsplatzsicherheit gibt die überwiegende Mehrheit, nämlich
rund
80 Prozent der Befragten, die erwerbstätig sind, an, daß sie ihren Arbeitsplatz für
sicher
halten.
Bei
der Nachfrage zur Studentenfreundlichkeit der Universitätsstadt Heidelberg geben 90
Prozent
der Befragten an, es gut zu finden, daß es in Heidelberg viele Studenten gibt.
Wichtigkeit
der fünf vorgegebenen Probleme in Heidelberg
35%
T
Verkehr
Ausländer Müll Sicherheit Wohnraum
Zusammenfassend
kann gesagt werden, daß wie erwartet der Verkehr sowie das Thema
Wohnungsmarkt/Mieten
von den Heidelberger Bürgern als wichtigste Probleme Heidelberg
angesehen
werden.
Zum
Thema Verkehr wurde immerhin deutlich, daß sich die Mehrheit der Befragten für
den
weiteren Ausbau der Radwege sowie des öffentlichen Nahverkehrs aussprachen. In
Zusatzaussagen
der Befragten wurden wir dabei auch daraufhingewiesen, daß zwar schon
viel
in diesen Bereichen unternommen worden sei, die Ergebnisse jedoch oft unbefriedigend
ausfielen.
Probleme
wie Sicherheit und Müll, die in der Vorbereitungsphase der Erhebung ebenfalls
als
wichtig eingeschätzt wurden, stehen bei den Befragten eher im Hintergrund.
9
Viele
Fragen bleiben jedoch offen. Weitere Untersuchungen zum Themenbereiche
„Probleme
in Heidelberg" wären nicht nur interessant, sondern könnten auch zu
bürgernaher
Problemlösungsfindung beitragen.
mf
asr, Iv, pw, aw
2.1.
Akzeptanz von Ausländern
Heidelberg
hat im Vergleich zu ähnlich großen Städten und dem Bundesgebiet insgesamt
einen
überdurchschnittlichen Ausländeranteil von 14%. Dies liegt zum einen an der
Universität,
zum anderen am Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa, das sich in
Heidelberg
befindet. Die Stadt Heidelberg ist stolz auf ihr multikulturelles Profil. Aber wie
sehen
das ihre Bürger? Werden Ausländer gar als Problem wahrgenommen?
Unsere
Umfrage gibt darüber näheren Aufschluß. Auf die Frage: Was ist Ihrer Meinung
nach
zur Zeit das wichtigste Problem hier in Heidelberg? antworteten lediglich 2% mit:
Asylanten,
Asyl oder Ausländer. Demnach spielt das „Ausländerproblem" in Heidelberg
entweder
tatsächlich eine untergeordnete Rolle oder es gibt weitaus wichtigere Probleme in
der
Stadt. Letzteres ist wahrscheinlicher, denn die in Deutschland lebenden Ausländer
werden
von den Heidelbergern nicht durchweg als kulturelle Bereicherung empfunden, wie
dies
immerhin noch 68% der Befragten angaben; Angst vor Überfremdung drückt sich bei
21%
der befragten Bürger aus; 11% der Befragten konnten oder wollten auf die Frage:
Wenn
Sie an die heute in Deutschland lebenden Ausländer denken, empfinden Sie deren
Anwesenheit
eher als kulturelle Bereicherung oder sehen Sie eher die Gefahr einer
Überfremdung?
nicht antworten.
Ein
detaillierter Blick in unsere Umfragedaten zeigt Unterschiede in den einzelnen
sozialstrukturellen
Untergruppen. Geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich kaum
feststellen.
Mehr Aufschluß gibt die Einteilung in Altersgruppen: Während in den jüngeren
Altersklassen,
also bei den 18- bis 29jährigen, der Anteil derjenigen, die die in Deutschland
lebenden
Ausländern eher als kulturelle Bereicherung empfinden, mit 91%
überdurchschnittlich
hoch ist, zeigt sich bei den über 60jährigen sehr massiv die Angst vor
einer
Überfremdung. In der Alterskohorte der 60- bis 69jährigen übersteigt die
Antwortkategorie
Gefahr vor einer Überfremdung mit 54% sogar die der kulturellen
Bereicherung.
10
Der
Grad der Bildung spielt bei der Beantwortung eine wichtige Rolle: Mit absinkendem
Bildungsgrad
nimmt die Angst vor Überfremdung zu. So befurchten 45% der
Hauptschulabsolventen
eine Überfremdung gegenüber lediglich 11% der Befragten mit
Hochschulreife.
Auffallig ist, daß alle befragten Schüler (n=17) die Anwesenheit der
Ausländer
in Deutschland als kulturelle Bereicherung empfinden.
Bei
Betrachtung der Berufsgruppen ergibt sich ein ähnliches Bild (siehe Tabelle).
Insbesondere
die Auffacherung der Angestellten zeigt, daß mit steigendem Berufsstatus die
Furcht
vor einer Überfremdung deutlich sinkt.
Einstellung
zu Ausländern in verschiedenen Berufsgruppen
Berufsgruppe Bereicherung Überfremdung
Arbeiter 40% 60%
Angestellte
-gesamt-
74% 26%
-einfach 65% 35%
-gehoben 73% 27%
-leitend 91% 9%
Beamte 68% 32%
Selbständige 88% 12%
Gesamt 77% 23%
Von
denjenigen Befragten, die angaben, an Wohnort und Arbeitsplatz mit Ausländern
zusammenzukommen,
halten 84% diese für eine kulturelle Bereicherung. Wer weder am
Wohnort
noch am Arbeitsplatz auf Ausländer trifft, furchtet eher eine Überfremdung
(45%).
Wer also mit Ausländern zusammenkommt, baut in der Regel Ängste vor ihnen ab.
Die
Nähe zu einer politischen Partei korreliert sichtbar mit der Einschätzung von
Ausländern.
Von denjenigen, die den Grünen oder der SPD im allgemeinen stark zuneigen,
sehen
100 bzw. 79% Ausländer als Bereicherung, während unter den starken CDU-
Anhängern
nur 48% in Ausländern eine Bereicherung sehen.
Neben
der Frage nach kultureller Bereicherung oder Überfremdungsgefahr, waren
Ausländer
auch eines der fünf von uns vorgegebenen Themen, zu denen die Heidelberger
sich
näher äußern konnten. Hinter Verkehr und Wohnungsmarkt, aber deutlich vor
öffentlicher
Sicherheit sowie dem Müll, landete das Ausländerproblem mit 21% auf Platz
drei
(siehe Grafik auf Seite 6).
11
Danach
gefragt, welche Politiker die beste Ausländerpolitik machten, antworteten die
meisten,
nämlich 32%: die der SPD, 17%: die der CDU und 15%: die der Grünen', ein
gutes
Drittel konnte oder wollte sich zu dieser Frage nicht äußern. Unter denjenigen jedoch,
die
die Gefahr einer Überfremdung durch Ausländer sehen, antworteten 69%: die der
CDU,
während 56 und 30% derjenigen, die in Ausländern eine kulturelle Bereicherung
sehen,
die Ausländerpolitik der SPD respektive die der Grünen am besten finden. Damit
besteht
also ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Furcht vor Überfremdung und der
Zuschreibung
von Problemlösungskompetenz in der Ausländerfrage an die CDU einerseits
und
der Einschätzung von Ausländern als kultureller Bereicherung und der Zuschreibung
von
Problemlösungskompetenz an die SPD und an die Grünen andererseits. Von
denjenigen,
die die Ausländerpolitik der Grünen am besten finden, äußerten sage und
schreibe
98%, daß Ausländer eine kulturelle Bereicherung seien.
Zuschreibung
von Problemlösungskompetenz an die Parteien
und
Einstellung zu Ausländern (n=417)
100%
75%
50%
25%
0%
/
100%
75%
50%
25%
0%
/
100%
75%
50%
25%
0%
/
100%
75%
50%
25%
0%
/
100%
75%
50%
25%
0% / un— /
100%
75%
50%
25%
0%
Grüne
(n=97)
SPD
(n=209)
CDU
(n=lll)
/
B
ereicherungEü
Überfrem
dune—
98%
2%
90%
10%
47%
53%
/
Wenig
überraschend dürfte sein, daß zwei Drittel derjenigen, die es begrüßten, daß der eine
Republikaner
in den Gemeinderat zurückkehrt (insgesamt 9%), in Ausländern die Gefahr
einer
Überfremdung sehen.
12
Kein
Zusammenhang besteht indes zwischen ablehnender Haltung gegenüber Ausländern
und
einer kritischen Einstellung zu Touristen: Lediglich 15% derer, die eine Überfremdung
furchten,
sagten, daß zu viele Touristen nach Heidelberg kämen (insgesamt 18% der
Befragten).
Viele Touristen sind auch Ausländer, doch werden sie nicht primär als solche
wahrgenommen.
2.8.
Tourismus
Die
Bürger Heidelbergs stehen dem Tourismus in ihrer Stadt positiv gegenüber. 54% der
Befragten
meinen, die Anzahl der Touristen, die nach Heidelberg kommen, sei gerade
richtig
und 28% würden sich über noch mehr Touristen freuen.
Die
Einstellung zum Tourismus variiert je nach Stadtteil:1 Am stärksten von Touristen
beeinträchtigt
fühlen sich die Handschuhsheimer, von denen 27% der Meinung sind, nach
Heidelberg
kämen zu viele Touristen. Dies meinen auch 24% der Bergheimer und 23% der
Bewohner
der Altstadt. Ruhig mehr Touristen könnten nach Ansicht von 41% der Bürger
des
Pfaffengrund und von 37% der Altstädter kommen. Die Altstadt zeigt bei der
Tourismusfrage
auch die größte Polarisierung: hier sind die Kategorien zu viele und zu
wenig
Touristen im Gegensatz zu gerade richtig am stärksten besetzt.
Hinter
den Einstellungen zum Tourismus stehen auch finanzielle Gesichtspunkte: 44% der
Befragten,
die angaben, das wichtigste Problem in Heidelberg sei seine Finanzsituation,
sprachen
sich für mehr Touristen in Heidelberg aus. Dies bestätigt sich auch in den
unterschiedlichen
Berufsgruppen. Bei den Selbständigen, die ja am stärksten vom
Fremdenverkehr
profitieren, ist die Einstellung gegenüber Touristen ausgeprägt freundlich:
39%
dieser Berufsgruppe meinen, nach Heidelberg könnten noch mehr Touristen kommen.
Lediglich
7% der Selbständigen meinen, es kämen bereits zu viele. Die beruflich vom
Tourismus
unberührten Beamten wünschen sich hingegen eine ruhigere Stadt: 23% von
ihnen
meinen, es sei der Touristen schon zu viel.
fh
I amxv
Die
Aussagen zu Bergheim (n=34) und Pfaffengrund (n=38) sind wegen geringer Fallzahlen mit Vorsicht zu genießen.
13
3.
Politische Grundhaltungen
3.1.
Parteiidentifikation und Interesse an Politik
Immer
weniger Deutsche identifizieren sich mit einer Partei. Allein aufgrund dieses
Phänomens
auf eine allgemeine Politikverdrossenheit zu schließen, ist aber zu kurz
gegriffen.
Neben der Frage nach der Parteiidentifikation wurden die Befragten auch nach
ihrer
Parteipräferenz (Welche Partei gefällt Ihnen am besten?) und nach ihrem allgemeinen
Interesse
an der Politik gefragt. Auf die Frage: Wie stark interessieren Sie sich für
Politik?
konnten die Befragten mit sehr stark, stark, etwas, kaum oder gar nicht
antworten,
wobei wir in unserer Analyse die Kategorien sehr stark und stark sowie kaum
und
gar nicht zusammengefaßt haben. Es zeigt sich: das Interesse der Heidelberger für
Politik
ist im Vergleich zur Bundesrepublik etwas überdurchschnittlich.
Tabelle
A
Arbeitsplatz
sicher
gefährdet
Akzeptanz
Ausländer3
kultBer.
Überfremd.
Wichtigkeit
Gemeinderat4
(sehr)
wen.
wichtig,
wichtig,
unwichtig
Wichtigkeit
Europaparlament5
(sehr)
wen. wichtig,
wichtig
unwichtig
BRD6 HD
Arbeitsplatz
sicher
gefährdet
Akzeptanz
Ausländer3
kultBer.
Überfremd.
Wichtigkeit
Gemeinderat4
(sehr)
wen.
wichtig,
wichtig,
unwichtig
Wichtigkeit
Europaparlament5
(sehr)
wen. wichtig,
wichtig
unwichtig
Anzahl
(n)
1256 662 291
51
451
136
447
192
348
287
Interesse
für
.Politik
(sehr)
stark
~42,2%~ "47,8%" ~49",8%~
1^2%""
~53",7%
35^2%
~56\5% 35,1)% ~' ~5Ö^4%
47,7%
etwas 42,8% 38,1% 39,6%
40,3%
33,8%
47,7%
34,4%
47,7%
39,0%
38,2%
kaum,
gar
nicht
14,6% 14,1% 10,6%
13,5%
12,5%
17,1%
9,0%
17,1%
10,6%
14,2%
Tabelle
A zeigt, inwieweit starkes Interesse für Politik mit Einstellungen zu bestimmten
Themen
korreliert: So wird sowohl der Gemeinderat als auch das Europaparlament von
politisch
stark Interessierten weit wichtiger eingestuft als von den etwas, kaum oder gar
nicht
an Politik Interessierten. Auch die Akzeptanz von Ausländern ist unter stark politisch
Interessierten
weit höher als unter politisch kaum oder gar nicht Interessierten, während es
bei
der Einschätzung der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes kaum Unterschiede gibt.
Die
Frage lautete: "Halten Sie Ihren Arbeitsplatz für sicher oder für gefährdet?"
Die
Frage lautete: "Wenn Sie an die in Deutschland lebenden Ausländer denken, empfinden Sie deren Anwesenheit eher als
kulturelle
Bereicherung oder sehen Sie eher die Gefahr einer Überfremdung?"
Die
Frage lautete: "Sind die Entscheidungen, die im Gemeinderat getroffen werden rar Sie persönlich sehr wichtig, wichtig,
weniger
wichtig oder unwichtig ?" (Kategorien 'sehr wichtig' und 'wichtig' sowie 'weniger wichtig' und *unwichtig'
zusammengefaßt)
Die
Frage lautete: "Und wie ist das mit den Entscheidungen des Europaparlaments? Sind die Entscheidungen die im
Europaparlament
getroffen werden für Sie persönlich sehr wichtig, wichtig, weniger wichtig oder unwichtig ?" (Kategorien
wiederum
zusammengefaßt)
Bezieht
sich auf
die
Politbarometerumfrage der Forschungsgruppe Wahlen e.V.; Mannheim, im Juni 1994 im gesamten
Bundesgebiet.
14
Mit
Blick auf aktuelle Parteipräferenzen
(Tabelle
B) läßt sich feststellen, daß
derzeitige
Anhänger der Grünen und der
FDP
mit 61 bzw. 57% ein überdurch-
schnittlich
starkes Politikinteresse haben,
während
befragte SPD-Anhänger ein
durchschnittlich
(48,5%) und Unions-Anhänger ein unterdurchschnittlich (44%) starkes
Politikinteresse
angaben.
Tabelle
B
7
Parteipräferenz
CDU/
CSU SPD GAL FDP
Anzahl
(n)
138 183 119 28
Interesse
für
Politik
(sehr)
stark
43,9% 48,5% 60,6% 57,3%
etwas 42,2% 36,6% 30,8% 38,6%
kaum,
gar
nicht
13,9% 14,9% 8,7% 4,1%
3.2.
Welche Partei gefällt Ihnen am besten?
Auf
die Frage nach ihrer Parteipräferenz verweigerten 27% der Befragten eine Antwort.
Man
kann zwar davon ausgehen, daß sich darin eine Unzufriedenheit mit den Parteien im
allgemeinen
widerspiegelt, daß sich aber auch viele entweder für keine Partei entscheiden
oder
keine Äußerungen zu diesem Thema machen konnten oder wollten. Daß die Frage
nach
der Zweitpräferenz noch häufiger verweigert wurde (40%), erklärt sich dadurch, daß
sich
viele Wahlberechtigte nur auf eine Partei festlegen ließen. Neben der Frage nach der
Wahlabsicht
als kurzfristiger und der nach der Parteiidentifikation8 als langfristiger
Komponente
(Kap. 3.3.), haben wir hier also einen mittelfristigen Faktor, um Parteinähe zu
bestimmen.
Erst-
und Zweitpräferenzen für die verschiedenen Parteien
CDU/CSU SPD Grüne FDP REP andere keine
Erstpräferenz 21% 28% 19% 4% 0% 2% 27%
Zweitpräferenz 7% 21% 18% 12% 1% * 39%
Antwortkategorie bei Abfrage der
Zweitpräferenz nicht vorgegeben.
Die
Frage lautete: "Und nun noch einmal zu den Parteien in Deutschland ganz allgemein. Welche Partei gefällt Ihnen da am
besten?
Die CDU/CSU, die SPD, die Grünen, die FDP, die Republikaner, oder eine andere Partei?"
Die
Frage nach der Parteiidentifikation lautete : [...] Neigen Sie - ganz allgemein gesprochen - einer bestimmten Partei zu ?
Wenn
ja, welcher ?
15
Interessant
ist nun aber, wie sich der Zusammenhang von Erst- und Zweitpräferenz
gestaltet.
Das Schaubild zeigt für die bei der Erstpräferenz bevorzugten Parteien die
jeweiligen
Zweitpräferenzen in Prozenten, wobei die Republikaner und sonstigen Parteien
nicht
aufgenommen sind und die Personen, die eine Antwort verweigerten, nicht in die
Berechnung
miteinbezogen wurden.
Zusammenhang
zwischen Erst-und Zweitpräferenz
Zweitpräferenz
(irrt)
100
-|— —
80
60
40
20
0
Legende
H
CDU/CSU
88
SPD IS Grüne
El
FDP
Es
muß zunächst festgestellt werden, daß es sich hierbei nicht um eine Frage nach
Koalitionen
handelt. Es geht darum, welche Parteien bei den Befragten Rang 1 und Rang 2
auf
der Präferenzskala einnehmen.
Auffallig
ist das gute Abschneiden der FDP bei den primären CDU-Anhängern. Allerdings
liegt
hier die SPD mit 43% gleich auf. Die Grünen haben erwartungsgemäß bei den
Befragten,
denen die CDU am besten gefallt, nur sehr wenig Rückhalt («10%). Der
überwiegende
Teil der "SPD-Sympathisanten" tendiert bei der Zweitpräferenz zu den
Grünen
(70%). CDU und FDP liegen beide bei etwa 15% und damit deutlich hinter den
Grünen
als überwiegender Zweitpräferenz. Bei der CDU-Anhängerschaft bauen also mehr
Befragte
auf die andere große Volkspartei, als dies umgekehrt der Fall ist. Von diejenigen
Befragten,
die sich für die Grünen entschieden und noch eine Aussage zur Zweitpräferenz
machten,
gaben 91% die SPD an. Es muß bei den Grünen allerdings ergänzt werden, daß
rund
ein Drittel keine zweite Partei genannt hat. Dieser Anteil ist höher als bei den
Anhängern
der anderen Parteien (nur je 20% Verweigerer).
16
3.3.
Beurteilung der Wichtigkeit der Parlamente - ein Vergleich
Ein
klares Bild ergibt sich bei den vier Fragen,9 die zur Beurteilung der einzelnen
Parlamente
aufforderten: Obwohl die Wichtigkeit der einzelnen Parlamente unterschiedlich
beurteilt
wird, gibt es unter den vier Parlamentsebenen keinen "Verlierer". Alle Ebenen
werden
- was die Wichtigkeit der Entscheidungen der einzelnen Parlamente für die
Befragten
persönlich anbelangt - jeweils von einer Mehrheit als wichtig oder sogar sehr
wichtig
eingestuft.
Relevanz
verschiedener Parlamente
•
wichtig
•
sehr wichtig
Kommunalparl.
Landtag
Bundestag
Europaparl.
"Spitzenreiter"
unter den Parlamenten ist der Bundestag, dessen Entscheidungen von gut
90%
der Befragten als sehr wichtig oder zumindest als wichtig eingestuft werden (43%
sehr
wichtig/47,5% wichtig). In der Rangliste an zweiter Stelle steht für die befragten
Heidelberger
der Landtag, der mit seinen Entscheidungen von 78% der Befragten als sehr
wichtig
oder wichtig beurteilt wird - 64% stufen die Entscheidungen des Landtags als
wichtig
ein, nur 13% sehen die Entscheidungen als sehr wichtig an. Etwa 13% der
Befragten
wiesen dem Gemeinderat eine sehr wichtige Rolle zu und 54% sehen im
Gemeinderat
ein wichtiges Entscheidungsgremium (insgesamt zwei Drittel der Antworten
fielen also auf die Kategorien sehr wichtig und wichtig). Nach dem Gemeinderat an vierter
und
letzter Stelle folgt in der Gunst der Befragten das Europaparlament, das unter den
Entscheidungsgremien
den schwächsten Zuspruch erhält: Nur 53% - die knappe Mehrheit
der
Befragten also - halten das Europaparlament für ein Entscheidungsgremium, dessen
Entscheidungen
für 13,5% der Heidelberger sehr wichtig oder wichtig (39%) sind.
Die
vier Fragen bezogen sich auf die vier Entscheidungsebenen GEMEINDERAT, LANDTAG, BUNDESTAG und
EUROPAPARLAMENT
. Vgl. Fußnoten 4 und 5 in diesem Kapitel.
17
Betrachtet
man die Verteilung derjenigen, die eine Parlamentsebene als sehr wichtig oder
wichtig
einstuften, nach Geschlecht, so ergibt sich folgendes Bild: Gemeinderat, Landtag
und
Bundestag werden in der Wichtigkeit ihrer Entscheidungen unabhängig davon
bewertet,
ob die befragte Person männlich oder weiblich ist.10 Allein bei der Bewertung des
Europaparlaments
ist ein Übergewicht weiblicher Personen festzustellen: 58% der
Antworten,
die das Europaparlament in seiner Wichtigkeit positiv bewerteten, kamen von
Frauen,
nur 42% von Männern.
3.4.
Parteiidentifikation
Wer
sich stark für Politik interessiert, identifiziert sich leichter mit einer bestimmten Partei
und
umgekehrt. Rund 60% der SPD-Anhänger beispielsweise, die über eine sehr
starke/starke
Parteinähe verfugen, interessieren sich auch in sehr starkem bzw. starkem
Maße
für Politik. Bei der CDU kommt dieser Zusammenhang noch stärker zum Tragen:
Knapp
75%, die sehr stark/stark ihrer Partei zuneigen, interessieren sich auch in sehr
starkem
oder starkem Maße für Politik; bei den Grünen sind dies gar 77%.11
Vor
allem die männlichen SPD-Anhänger neigen der Partei in sehr starkem/starkem Maße
zu
(50%). Die Neigung der weiblichen Anhängerschaft zur SPD hingegen fällt mehrheitlich
mäßig
aus (61%). Bei der CDU stellt sich die geschlechtsspezifische Verteilung der
Anhängerschaft
proportional anders dar: Während insgesamt rund 56% der CDU-
Anhänger
Frauen sind, neigen der CDU davon "nur" 30% sehr stark/stark, 65% hingegen
mäßig
zu. Bei den Männern ist die Intensität der Parteineigung etwas anders gelagert:
Zwar
sind nur 44% der CDU-Anhänger männlichen Geschlechts; von diesen 44% neigen
Der
Zusammenhang Zwischen Parteinähe ^^^OmmM^mi^mw bei den jeweiligen ParteianhAngem
Die
Verteilung der Antworten nach Geschlecht entspricht in etwa der Geschlechtsstruktur der Heidelberger
Wahlbevölkerung
Bei
der FDP können aufgrund der geringen Fallzahlen keine Aussagen gemacht werden.
jedoch
immerhin 47% ihrer Partei sehr
stark/stark,
49% mäßig zu. Die Grünen
hingegen
können auf eine Mehrzahl
weiblicher
Anhänger verweisen: 47% ihrer
Anhänger
sind männlich, 53% weiblich.
Gleichzeitig
identifizieren sich nur 49% der
männlichen,
aber 56% der weiblichen
Anhänger
sehr stark/stark mit ihrer Partei.
Parteinähe
+ Gewerkschaftsmitgliedschaft
18
und
Gewerkschaftszugehörigkeit entspricht auch in Heidelberg im Großen und Ganzen
immer
noch den - im deutschen Parteiensystem verankerten - traditionellen Konfliktlinien,
wenn
auch die Schere zwischen den beiden großen Volksparteien SPD und CDU nicht
mehr
so stark auseinanderklafft; auch der geringe Unterschied zwischen der
Gewerkschaftszugehörigkeit
der CDU- und Grünen-Anhänger ist recht erstaunlich. So sind
28%
der SPD-Anhänger Mitglied einer Gewerkschaft, bei der CDU sind dies immerhin
noch
19%. Bei den FDP-Anhängern besteht erwartungsgemäß ein traditionell geringer
Zusammenhang
zwischen (sehr) starker Parteiidentifikation und Gewerkschafts-
zugehörigkeit;
8% sind hier Mitglied einer Gewerkschaft; bei den Grünen-Anhängern sind
es
18% (siehe Grafik auf Seite 15).
Die
SPD als "Arbeiterpartei" schlechthin zu klassifizieren wäre zumindest für Heidelberg
verfehlt.
Der über dem Bundesdurchschnitt liegende Bildungsgrad macht eine solch
pauschale
Etikettierung unmöglich. 21% der SPD-Anhänger haben die Mittlere Reife, 30%
einen
Hauptschul- und 46% einen Gymnasialabschluß. Die Intensität der Parteinähe ist bei
den
beiden letztgenannten Gruppen auch am stärksten ausgeprägt: 45% derjenigen mit
Abitur
und 36% der Befragten mit Hauptschulabschluß neigen ihrer Partei in sehr
starkem/starkem
Maße zu. Bei den Realschulabsolventen sind dies nur 18%. Die CDU
kann
ihre größte Anhängergruppe ebenfalls unter denjenigen mit Abitur verbuchen (41%),
von
denen auch 53% ihrer Partei sehr stark/stark zuneigen. Lediglich 21% der CDU-
Anhänger
sind Hauptschulabsolventen. Ihre Parteibindung ist jedoch eher gering
ausgeprägt:
56% dieser Gruppe artikulierten eine schwache/sehr schwache
Parteiidentifikation.
Die "Abiturienten-Gruppe" ist bei den Anhängern der Grünen
erwartungsgemäß
am stärksten vertreten: 81% der Befragten, die sich als "Grüne" zu
erkennen
gaben, haben Abitur. Von diesen 81% neigen 88% den Grünen sehr stark/stark
zu.
Die Haupt- und Realschulabsolventen sind bei den Grünen hingegen mit 6,5% bzw.
12%
deutlich unterrepräsentiert.
3.5.
Links-Rechts-Einschätzungen im politischen Spektrum und Auswirkungen auf
Parteiidentifikation
und -präferenz
Auf
die Frage, wie sich Bürger in dem von ihnen perzipierten politischen Links-Rechts-
Kontinuum
einstufen, antworteten 43% mit eher links (davon 21% links bis sehr links)12,
30%
mit Mitte und 21% mit eher rechts (davon 10% rechts bis sehr rechts). Dies ergibt
Das
linke bzw. rechte Spektrum wird in schwach links/schwach rechts und links bis sehr links/rechts bis sehr rechts
eingeteilt.
19
auf
einer Links-Rechts-Skala von -5 (sehr links) bis +5 (sehr rechts) für Heidelberg einen
Mittelwert
von -0,6.
Wird
die Links-Rechts-Frage auf die Altersstruktur hin differenziert, sehen sich 63% der
18-
bis 30jährigen insgesamt links (davon links bis sehr links: 30%), immerhin 26%
tendieren
zur Mitte. Die Kohorte der 30- bis 50jährigen neigt zur Mitte (36%) und nach
links
(41%), schwach rechts stufen sich noch 16% ein. Die Gruppe der über 50jährigen
ordnet
sich mehrheitlich in der Mitte (36%), nach rechts (34%, davon 21% rechts bis sehr
rechts)
und 31% links der Mitte ein (davon 18% links bis sehr links).
Die
empirischen Resultate scheinen die Lebenszyklushypothese13 nur in der Gruppe der
unter
30jährigen zu stützen. Ein anderes Licht wirft aber die Tatsache auf, daß linke bis
sehr
linke Einstellungen zu 42% von den 18- bis 30jährigen (sowie zu 33% von den 30 bis
50
Jahre alten Befragten) und rechte bis sehr rechte Einstellungen zu 66% von den über
50jährigen
stammen. Um die Lebenszyklushypothese (gegenüber der Generatiöns-
hypothese14)
zu erhärten, bedürfte es einer Längsschnittanalyse, die unsere Umfrage nicht
liefern
kann.
Ein
Resultat der Studie war, daß sich die Befragten in Heidelberg durchaus für Politik
interessieren:
38% gaben etwas und 48% starkes bis sehr starkes Politikinteresse an. Nur
14%
waren kaum oder gar nicht interessiert. Die Hälfte der stark bis sehr stark
Interessierten
stuft sich insgesamt links, 30% in der Mitte, und nur knapp ein Fünftel
rechts
der Mitte ein. Etwas Interessierte gehen nach links (40%) und zur Mitte (36%), die
Affinität
mit dem rechten Spektrum steigt im Vergleich zu den stark bis sehr stark
Interessierten
um 4 Prozentpunkte auf 24%. Die Nicht-Interessierten stufen sich zum
Großteil
im Zentrum (35%) oder insgesamt links (40%) ein. In Heidelberg läßt sich somit
ein
positiver Zusammenhang zwischen Interesse an Politik und linker Selbsteinstufung
feststellen.
Differenziert
man nach Geschlecht, so ist zu beobachten, daß 35% der Männer und 31%
der
Frauen sich in der Mitte einordnen. 12% sowohl der Männer als auch der Frauen stufen
sich
schwach rechts, 26% der Männer und 18% der Frauen schwach links ein. Dem
entsprechen
extreme Selbsteinschätzungen (sehr links und sehr rechts): 30% der Frauen
Darunter
versteht man den Wandel der Grundhaltungen und Einstellungen nach Lebensabschnitten.
Hierunter
versteht man den Wandel der Einstellungen in der Gesellschaft über Generationen nach erworbener
Primärsozialisation.
20
stufen
sich links bis sehr links ein (Männer: 19%), bei der rechten bis sehr rechten
Kategorie
gaben dies 13% der Frauen an (immerhin 4% mehr als die Männer). Die oft
behauptete
Annahme, Männer hätten extremere politische Einstellungen als Frauen, ist
anhand
der Umfragedaten für Heidelberg nicht haltbar.
Zwischen
der Links-Rechts-Einstufung und der Parteiidentifikation (PI)15 ist ein deutlicher
Zusammenhang
erkennbar. 43% der Linken bis sehr Linken identifizieren sich mit der SPD
und
30% mit den Grünen (keine PI: 25%); die schwach Linken neigen langfristig der SPD
(40%)
und den Grünen (20%) zu, während 36% keine PI angaben: 25% der politischen
Mitte
identifizieren sich mit der SPD und 20% mit der CDU/CSU (keine PI: 46%); rechts
vom
Zentrum liegt eine Identifikation mit der CDU/CSU von 51% vor (keine PI: 29%).
Aus
den Zahlen ist zu ersehen, daß der Anteil der Befragten ohne Parteiidentifikation in der
politischen
Mitte am größten ist.
Der
Zusammenhang zwischen Links-Rechts-Einstufung und momentaner Parteipräferenz
auf
Bundesebene zeigen ähnliche Muster: Linken bis sehr Linken gefallen die SPD (48%)
und
die Grünen (43%) am besten, schwach Linken ebenso (53% SPD und 35% Grüne).
Die
Mitte sieht im Parteienranking Union und die SPD gleichermaßen vorn (beide 36%).
Schwach
Rechte präferieren eindeutig die CDU/CSU (64%), Rechte bis sehr Rechte zeigen
ähnliche
Vorlieben.
cc,
dr,
nfy
pp, th, ur
4.
Kommunalwahl und Kommunalpolitik in Heidelberg im Rückblick
4.1.
Bestimmen Parteiidentifikation und Kompetenzzuweisung das Wahlverhalten?
Bei
Kommunalwahlen handelt es sich erfahrungsgemäß um Persönlichkeitswahlen. Es stellt
sich
also auch in Heidelberg die Frage, ob langfristige Parteiidentifikation (PI) oder die
Problemlösungskompetenz
auf kommunaler Ebene ausschlaggebend für die
Wahlentscheidung
ist.
Während
der größte Teil der Wähler der Volksparteien CDU und SPD eine mehr oder
weniger
starke Bindung an die jeweilige Partei aufweist, fällt bei der GAL auf, daß sie
einen
verhältnismäßig großen Teil ihrer Stimmen (21%) von Anhängern anderer Parteien
15
Als PI (Parteiidentifikation) bezeichnet man die stabile affektive Bindung an eine Partei.
21
erhalten
hat. Die Daten legen den Schluß nahe, daß die Wähler der GAL in ihrem
Wahlverhalten
stärker problemorientiert entscheiden. Sie sind allerdings auch sehr viel
jünger
als die Wähler der großen Parteien und haben deshalb sehr oft noch keine
längerfristige
Parteibindungen.
Wahlabsicht
und Parteiidentifikation
Wahlabsicht
Parteiidentifikation
Wahlabsicht stark schwach keine andere*
CDU 38,1% 33,0% 22,6% 6,3%
SPD 39,0% 35,0% 26,0% 0,0%
GAL 40,3% 18,2% 20,7% 20,8%
PI
bezieht sich auf
die
Partei
der
Wahlabsicht
Anhänger anderer
Parteien
Bei
der Frage nach dem zur Zeit wichtigsten Problem in Heidelberg nannten 30,5% aller
Befragten
das Verkehrsproblem. Davon trauten 26% der GAL am ehesten zu, dieses
Problem
lösen zu können. 24% sprachen eher der SPD die Problemlösungskompetenz zu.
15%
vertrauten auf die Kompetenz der CDU. Schließlich waren 25% der Befragten der
Meinung,
daß keine der Parteien in der Lage sei, das Verkehrsproblem zu lösen.
Von
den Befragten, die der SPD die größte Kompetenz zuwiesen, gaben 42% an, die SPD
auch
wählen zu wollen, 16% aber die CDU oder die GAL. Auch bei den Wählern, die der
GAL
am ehesten zutrauten, das Verkehrsproblem zu lösen, beabsichtigten 42% die GAL
zu
wählen. Von den Wählern, die eine Kompetenzzuweisung zugunsten der CDU abgaben,
beabsichtigten
48% auch die CDU zu wählen, die SPD und die GAL konnten von diesen
Befragten
keine Wählerstimmen erwarten.
Wahlabsicht
aufgrund von Issues: a) Verkehr
Kompetenzzuweisung
(%)
Wahlabsicht
(%)
SPD 23,9 SPD
41,5
CDU
7,3
GAL
8,2
CDU 14,6 SPD
0,0
CDU
48,0
GAL
0,0
GAL 26,3 SPD
13,9
CDU
1,0
GAL
41,9
keine
Partei
25,4 SPD
20,2
CDU
13,4
GAL
2,2
22
Für
23 % der Befragten war das Wohnungsproblem in Heidelberg besonders dringlich.
Davon
trauten 44% der SPD, 13% der CDU und 3% der GAL am ehesten zu, dieses
Problem
lösen zu können. Mit 37% der Befragten, die keiner Partei eine Lösung des
Problems
zutrauten, war dieser Anteil noch höher als beim Verkehrsproblem.
Von
denjenigen Befragten, die einer bestimmten Partei die größte Problem-
lösungskompetenz
zuwiesen, beabsichtigten mindestens 30%, diese Partei auch zu wählen.
Von
denjenigen, die bei den Grünen die größte Kompetenz sahen, waren dies sogar 78%.
b)
Wohnungsproblem
Kompetenzzuweisung
(%)
Wahlabsicht
(%)
SPD 43,7 SPD
30,1
CDU
14,6
GAL
5,1
CDU 13,4 SPD
0,0
CDU
38,8
GAL
0,0
GAL 3,3 SPD
0,0
CDU
0,0
GAL
77,8
keine
Partei
36,8 SPD
13,1
CDU
8,0
GAL
2,0
Die
Zuweisung der Problemlösungskompetenz an die drei stärksten Parteien scheint beim
Verkehrsproblem
ein wichtigerer Faktor für die Wahlabsicht gewesen zu sein als beim
Wohnungsproblem.
Lediglich für die Grünen-Wähler war die Lösungskompetenz beim
Wohnungsproblem
von deutlich wichtigerer, mitunter wahlentscheidender Bedeutung.
4.2.
Bewertung der Arbeit des Gemeinderats
Auf
einer Skala von -5 bis +5 mit einem Nullpunkt dazwischen wurde von allen Befragten
die
Arbeit des Gemeinderats im Durchschnitt mit +0,24 bewertet:
Im
einzelnen beurteilten SPD-Wähler die Arbeit des Gemeinderats mit +1,3 und GAL-
Wähler
mit +0,7 positiv, während CDU-Wähler sie mit -0,3 negativ beurteilten. FWV-
Wähler
stuften die Arbeit des Gemeinderats sogar mit -1,5 ein. Die Arbeit der im
Gemeinderat
vertretenen Fraktionen wurden im einzelnen wie folgt bewertet: Die SPD-
Fraktion
wurde von allen Befragten mit +0,3 bewertet, von den eigenen Wählern mit +1,9.
Von
allen Befragten wurde die Arbeit der CDU-Fraktion mit -0,5 beurteilt, von den
eigenen
Wählern dagegen mit +2,3. Einen ähnlich hohen Wert bei den eigenen Wählern
zeigt
die Fraktion der GAL mit +2,2 auf. Bei allen Befragten kam sie auf +0,1. Die
Fraktion
der FWV weist mit +1,3 den geringsten Wert bei den eigenen Wählern auf, das
Ergebnis
bei allen Befragten beträgt -0,3.
23
Bewertung
der Arbeit der einzelnen Fraktionen im Durchschnitt:
Fraktion alle
Befragten
Wähler
der eigenen Partei
SPD +0,3 +1,9
CDU -0,5 +2,3
GAL +0,1 +2,2
FWV -0,3 +1,3
Bei
der Bewertung der Arbeit der einzelnen Fraktionen ist auffällig, daß ein großer Anteil
der
Befragten die Arbeit der Parteien im Gemeinderat nicht beurteilen konnte. Am
schlechtesten
schloß hier die FWV-Fraktion ab. 46% der Befragten waren nicht in der
Lage,
die Arbeit dieser Fraktion zu bewerten.
Bewertung
der Arbeit der einzelnen Fraktionen in Prozent:
Partei gut schlecht 0" weiß
nicht
CDU 23,0% 28,7% 13,0% 35,3%
SPD 32,6% 21,6% 11,8% 34,0%
GAL 28,5% 19,4% 14,1% 38,0%
FWV 17,5% 16,1% 20,0% 46,4%
Mögliche
Gründe für dieses Ergebnis sind in der mangelnden Transparenz der Arbeit des
Gemeinderats
zu sehen, aber auch in der Unfähigkeit der einzelnen Fraktionen, ihre Arbeit
in
der Öffentlichkeit überhaupt darzustellen. Es gelingt den Fraktionen offensichtlich nicht,
ein
eigenes Profil zu entwickeln und sich deutlich genug von anderen Fraktionen
abzugrenzen.
4.3.
Bewertung der Oberbürgermeisterin Beate Weber
Weiterhin
wurden die Wahlberechtigten befragt, ob Oberbürgermeisterin Beate Weber
"ihre
Sache" bisher eher gut oder eher schlecht gemacht habe. 50% fanden, daß sie ihre
Arbeit
als Stadtoberhaupt eher gut, rund 40%, daß sie ihre Arbeit eher schlecht gemacht
habe.
10% der Befragten gaben keine Wertung ab.
Beate
Weber wird von SPD- und GAL-Wählern deutlich positiv bewertet, wobei sie in den
Reihen
der GAL besser beurteilt wird (81%) als in den Reihen der SPD (64%). Negativ
bewertet
wird sie von den CDU-Wählern, von denen 63% der Meinung sind, daß Beate
24
Weber
"ihre Sache" eher schlecht gemacht habe. In den Reihen der FWV-Wähler halten
sich
Zuspruch und Ablehnung mit 45% und 50% fast die Waage.
Beurteilung
von Beate Weber nach einzelnen Parteien:
Wahlabsicht gut schlecht weiß
nicht
SPD 64,3% 26,0% 9,7%
CDU 29,8% 63,1% 7,1%
GAL 80,5% 6,5% 13,0%
FWV 44,5% 50,0% 5,5%
Innerhalb
der einzelnen Altersgruppen wurde Beate Weber von den 18- bis 44jährigen und
den
über 70jährigen positiv beurteilt. Eher negativ wurde sie von den 45- bis 69jährigen
bewertet.
Deutlich wird auch, daß Beate Weber von Frauen besser bewertet wird als von
Männern.
Geschlechtsspezifische
Bewertung der Arbeit von Beate Weber in Prozent:
gut schlecht weiß
nicht
Frauen 54,0% 34,0% 12,0%
Männer 48,2% 42,2% 9,6%
sf,
hm, kp, fr, jz
5.
Europawahlen in Heidelberg
5.1.
Die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen in Heidelberg
66,6%
der Wahlberechtigten Heidelbergs haben sich bei der Wahl zum Europäischen
Parlament
beteiligt. In unserer Umfrage kurz vor der Wahl gaben noch 82,7% an, sich bei
der
Wahl beteiligen zu wollen. Diese Überschätzung der Wahlbeteiligung beruht auf dem
hohen
Aufforderungscharakter, den eine Umfrage hat, sich möglichst systemkonform zu
verhalten.
Da viele Wähler die Beteiligung an der Wahl als ihre demokratische Pflicht
empfinden,
gibt ein Teil der Befragten in Umfragen nicht gerne zu, daß sie sich eigentlich
25
nicht
beteiligen wollen. Die Wahlbeteiligung zur Europawahl war durch die gleichzeitig
stattfindende
Kommunalwahl in Baden-Württemberg sicherlich deutlich beeinflußt. Da
Entscheidungen
auf der kommunalen Ebene, auch in Heidelberg, wichtiger eingestuft
werden
als Entscheidungen auf der Europaebene, hat die Zusammenlegung von
Kommunal-
und Europawahl in Baden-Württemberg die Wahlbeteiligung nach oben
beeinflußt.
über
60
45
bis
59
30 bis 44
18
bis
29
Wahlabsicht
nach Altersgruppen:
82%
87%
78%
85%
70%
75% 80% 85% 90%
Abitur
Mittlere
Reife
Haupt-
schulab.
Wahlabsicht
nach Schulbildung:
89%
Iljljj 77%
70%
0%
20% 40% 60% 80% 100%
Es
zeigt sich, daß man die höchste Bereitschaft, zur Wahl zu gehen, eher in der Gruppe der
45-
bis 59jährigen vorfindet. Wir stellen auch fest, daß die Beteiligung an der Wahl mit
dem
Grad der Bildung kontinuierlich steigt.
Nicht
verwunderlich ist auch, daß die Bereitschaft, sich an der Wahl zu beteiligen, in
deutlichem
Zusammenhang mit dem Interesse an Politik steht. Diejenigen, die sich stärker
für
Politik interessieren, sind deshalb auch sehr viel eher bereit, sich bei den Wahlen zum
Europäischen
Parlament zu beteiligen, als diejenigen, die kein Interesse an Politik zeigen.
Wahlabsicht
und Politikinteresse:
88%
86%
84%
82%
80%
78%
76%
74%
72%
70%
Wahlabsicht
nach links-rechts
Einstufung:
88%
81%
76%
llllllillÄ
llpIflllllllÄ
eher Mitte eher
links rechts
26
Auch
der politische Standort, ausgedrückt durch die Selbsteinstufung auf der Links-rechts-
Skala,
hat einen Einfluß auf die Bereitschaft, zur Europawahl zu gehen. Befragte, die sich
eher
links einordnen, zeigen deutlich höhere Wahlbereitschaft als diejenigen, die sich rechts
einordnen.
5.2.
Die Wahlabsicht der Heidelberger zur Europawahl
In
unserer Umfrage vor der Wahl ist die SPD, im Gegensatz zu den tatsächlichen
Ergebnissen,
stärkste Partei und die CDU ist deutlich unterschätzt. Die Überprüfung der
Stichprobe
hat gezeigt, daß wir insbesondere bei den über 60jährigen Defizite haben, d.h.
in
dieser Altersgruppe haben wir nicht alle Zielpersonen erreicht, die wir hätten erreichen
sollen.
Da aber die über 60jährigen, und unter ihnen insbesondere die Frauen, die treusten
CDU-Wähler
sind, liegt hier ein Grund für das Abweichen der Befragungsergebnisse von
den
tatsächlichen Ergebnissen. Ein weiterer Grund liegt aber sicherlich darin, daß bis zum
Zeitpunkt
der Wahl die Stimmung sich auch im Heidelberg deutlich zugunsten der CDU
gedreht
hat. Mehrere bundesweite Untersuchungen kommen zu diesem Schluß. Darüber
hinaus
hat offensichtlich die SPD ihre Anhängerschaft weniger gut ausgeschöpft als die
CDU.
Stimmverteilung
40%
T
35%
30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
31% 37%
CDU SPD
GRÜNE
FDP Sonst.
Die
Umfrageergebnisse nach Altersgruppen aufgegliedert zeigen, daß die jüngeren Wähler
in
Heidelberg (18- bis 29jährige) sehr stark eher linke Parteien gewählt haben: Auf die
Grünen
entfallen 42%, auf die SPD 35%, auf die CDU nur 17% der Stimmen.
27
Stimmverteilüng
nach Altersgruppen:
18
bis 29 30 bis 44 45 bis 59 über 60
In
den höheren Altersgruppen verbessert sich das Ergebnis der CDU zusehends, wie aus
obenstehender
Graphik hervorgeht. Bei den über 60jährigen hat die CDU mit 51% die
absolute
Mehrheit.
Vergleicht
man die längerfristige Parteineigung der Befragten mit deren Wahlabsicht, so
stellt
man eine hohe Übereinstimmung bei den Anhängern der CDU und bei den Grünen
fest
(95%). Im Gegensatz dazu ist die Übereinstimmung bei der SPD deutlich niedriger
(83%).
Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, daß die SPD weniger erfolgreich ihre
Anhängerschaft
mobilisiert hat.
5.3.
Die Wichtigkeit des Europaparlaments
Bei
der Einschätzung der Wichtigkeit der Entscheidungen auf den verschiedenen
Parlamentsebenen
schneidet das Europaparlament eindeutig als das am wenigsten wichtige
ab.
Etwas mehr als 50% der Befragten halten die Entscheidungen, die im Europaparlament
getroffen
werden für sehr wichtig (13,5%) bzw. wichtig (39%). Diese Einschätzung
beeinflußt
natürlich auch die Bereitschaft, zur Wahl zu gehen. Diejenigen Befragten, die
die
Entscheidungen des Europaparlaments für wichtig oder sogar sehr wichtig erachten,
zeigten
eine sehr viel deutlichere Bereitschaft (87%) zur Wahl zu gehen, als alle anderen
(59%).
Die
Einstufung der Wichtigkeit der Entscheidungen des Europaparlaments ist weitgehend
unabhängig
vom Alter der Befragten.
ik,
tg, asm, nk
28
6.
Sozialstruktur und Parteipräferenz
Die
soziale Struktur beeinflußt den Wahlausgang sehr stark. Die klassische Theorie geht
davon
aus, daß politische Parteien langfristige Bündnisse mit sozialen Gruppierungen
eingehen.
Daher gruppieren sich die Wähler entlang sozialer "Konfliktlinien", die die
Gesellschaft
teilen. Die in Westdeutschland allgemein bestimmenden Konfliktlinien sind:
Religion
(katholisch-evangelisch, starke bzw. schwache Bindung an die Kirche) und Arbeit
versus
Kapital (Beruf, Stellung im Beruf). In der neueren Forschung wird außerdem ein
grundlegender
Konflikt zwischen den "materialistischen" Einstellungen älterer
Generationen
und den "postmateriellen", ideelleren Grundüberzeugungen der in materieller
Sicherheit
aufgewachsenen jüngeren Altersgruppen gesehen.
6.1.
Alters- und Geschlechtsstruktur
Heidelberg
weicht als Universitätsstadt vom Bundesdurchschnitt in Alters- und
Sozialstruktur
deutlich ab. Im Vergleich mit den Daten der Heidelberger Einwoh-
nerstatistik
weist die Umfrage zu viele unter 29jährige und zu wenig über 60jährige aus,
vor
allem ältere Frauen sind unterrepräsentiert.
Alters-
und Geschlechtsstruktur
Alter
18-24
25-29
30-39
40-49
50-59
60-69
60
+
Gesamt
5
10
Angaben
in %
20 30 50 100
29
Als
abhängige Variable für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sozialstruktur
und
Parteinähe wurde die Parteipräferenz der Befragten gewählt, da soziale Bindungen
einen
über die Zeit stabilen Indikator verlangen. Die Kommunalwahlabsicht ist kurzfristig
stark
an Personen orientiert und daher nicht geeignet, dauerhafte Parteibindungen zu
messen.
Die "Verweigerer" bei der Frage nach der Parteiidentifikation verteilen sich relativ
gleichmäßig
über alle Alters-, Geschlechts- und sozialen Gruppen.
Parteipräferenz
nach Alter und Geschlecht (prozentuiert auf alle, die eine Angabe machten)
(n=481) CDU/CSU SPD GRÜNE FDP Sonstige
Gesamt 29 39 25 6 3
GESCHLECHT
männlich 27 42 22 5 4
weiblich 30 34 27 6 2
ALTER
18-24 15 39 32 9 4
25-29 17 34 46 1 3
30-39 26 36 32 5 2
40-49 22 42 21 9 6
50-59 39 35 13 8 5
60-69 45 44 5 6 0
70
und älter
55 39 1 3 1
ALTER
UND
GESCHLECHT
M
18-29
20 38 32 5 5
F
18-29
12 35 46 4 2
M
30-49
20 47 24 5 4
F
30-49
29 30 31 7 3
M
50 und älter
44 40 8 4 3
F
50 und älter
48 38 6 7 1
Angaben
in %
In
der Parteipräferenz hat die Umfrage geringe Unterschiede zwischen männlichen und
weiblichen
Befragten bei der CDU ergeben, deutlichere Abweichungen bei der SPD
(Männerüberschuß),
aber auch bei den Grünen (Frauenüberschuß). Größere Abweichun-
gen
ergeben sich in den Alterskohorten. Bei den jungen Frauen sind die Grünen stärkste
Partei,
die CDU ist abgeschlagen. Bei den älteren Frauen überwiegt die CDU im Vergleich
zu
den Männern. Generell steigt mit dem Alter die Sympathie für die großen Volksparteien;
hiervon
profitiert vor allem die CDU.
30
6.2.
Parteipräferenz und Schulbildung
Der
Bildungsgrad hat ebenfalls einen nennenswerten Einfluß auf die Parteipräferenz.
Immerhin
25% der Befragten haben einen Hochschulabschluß; sie neigen mehrheitlich den
Grünen
zu, erst dann folgen SPD und CDU. Bei den Abiturienten in Ausbildung,
hauptsächlich
Studentinnen und Studenten, wiegt das Übergewicht der Grünen noch
schwerer.
Die SPD kann sich bei ihnen behaupten, die CDU wird an den Rand gedrängt.
Alles
in allem scheint in dieser Gruppe ein grünes Stammwählerpotential verwurzelt zu
sein,
das Wahlen in Heidelberg in dem Maße mitbestimmen kann, wie diese Gruppe an der
Wahl
teilnimmt. Bei Befragten mit niedrigerem Bildungsgrad erzielt die CDU
vergleichsweise
hohe Anteile, die Grünen können hier kaum punkten.
Der
Indikator Schulbildung wird allerdings überlagert durch wirtschaftliche Faktoren: es
besteht
ja ein enger Zusammenhang zwischen Bildung und beruflichem Status.
6.3.
Parteipräferenz nach Berufsstruktur
BERUFSGRUPPE CDU/CSU SPD Grüne FDP Sonstige
Arbeiter
(14%)
39,6 49,5 5,0 1,0 5,0
Angestellte
(50%)
32,3 40,7 21,3 3,7 2,0
Beamte
(8%)
38,9 18,5 24,1 14,8 3,7
Selbständige
(11%)
19,2 39,9 25,6 10,2 5,1
Studierende
(17%)
10,9 36,0 42,3 6,8 4,1
Auffällig
ist, daß die SPD die Arbeiter nicht so deutlich für sich gewinnen kann, wie
vielleicht
zu erwarten wäre. Mehr Erklärungskraft gewinnt die sozio-ökonomische
Konfliktlinie,
wenn sie an der Gewerkschaftsnähe gemessen wird: Diejenigen, die selbst
oder
über ein Mitglied ihres Haushaltes einer Gewerkschaft verbunden sind, neigen der
SPD
um ein Drittel häufiger zu als Befragte ohne Gewerkschaftsbindung.
6.4.
Parteipräferenz und Gewerkschaftsnähe
Gewerkschaftsnah
keine Gewerkschaft
23%
77%
•ICDU/CSU
E3SPD • GRÜNE Bi Sonstige E53FDP
31
6.5.
Parteipräferenz und Religion
Erklärungskraft
haben offenbar immer noch die Faktoren Konfession und Kirchenbindung.
Protestantische
Befragte neigen in wesentlich höherem Maße der SPD zu als katholische
Befragte.
Bei den Konfessionslosen sind die Grünen überdurchschnittlich beliebt.
CDU/CSU SPD GAL FDP Sonst.
KONFESSION
katholisch
(32%)
38,1 30,6 23,6 5,8 1,9
evangelisch
(49%)
24,9 42,6 22,7 7,2 2,6
keine
(16%)
19,1 33,9 36,0 2,2 8,8
KIRCHGANG
(fast)
jeden Sonntag (12 %)
41,8 28,4 27,8 0,0 2,0
ab
und zu (27%)
31,2 36,6 16,9 12,2 3,0
einmal
im Jahr (8%)
39,3 41,0 12,6 M 2,8
selten/nie
(53%)
22,6 40,0 29,6 4,0 3,8
Angaben
in Prozent
Befragte,
die regelmäßig zur Kirche gehen, neigen eher der CDU und weniger der SPD zu,
Befragte
ohne Bindung an die Kirche lehnen die CDU eher ab. Wenn man die beiden
religiösen
Indikatoren zusammen betrachtet, ergibt sich ein außerordentlich deutlicher
Unterschied
in der Sympathie für die Parteien.
Parteipräferenz
nach Kirchenbindung (Extreme)
60.3%
katholisch,
häufiger Kirchgang evangelisch, kein Kirchgang
•I
CDU/CSU EE3 SPD HD GAL mm FDP ESI Sonstige
Im
allgemeinen bestätigen sich auch in Heidelberg die Annahmen über die Zusammenhänge
zwischen
Sozialstruktur und Parteinähe. Die sozio-ökonomische Konfliktlinie ist
wesentlich
schwächer als die religiöse. Auf die Konfliktlinie zwischen den
"materialistischen"
Überzeugungen der Älteren und den "postmateriellen" Einstellungen der
hochgebildeten
Jüngeren kann nur indirekt geschlossen werden. Von besonderer Bedeutung
sind
jedoch gerade die Studenten und Akademiker, die in Heidelberg mit Abstand die
größte
Bildungsgruppe darstellen.
je,
rg, tm,jw, nw
32
7.
Stichprobenerhebung und Repräsentativität
Als
Auswahlverfahren wurde die Zufallsstichprobe (random sampling) gewählt. Grundlage
dieses
Verfahrens ist die statistische Aussage, daß die zu untersuchenden Merkmale
(Variablen)
in einer repräsentativen Stichprobe mit einer angebbaren Wahrscheinlichkeit
(Sicherheitsgrad)
so verteilt sind, wie in der Grundgesamtheit (gesamte Wählerschaft).
Beispielsweise
besteht bei einer Zahl von 662 Befragten und einem Sicherheitsniveau von
95%
ein Vertrauensintervall von ± 4%. Das Sicherheitsniveau besagt dabei, mit welcher
Sicherheit
die aufgrund der Stichprobe gemachten Aussagen zutreffend sind und das
Vertrauensintervall
gibt den Bereich der Schwankungen um den in der Stichprobe
ermittelten
Wert an, innerhalb derer der tatsächliche Wert der Geamtheit bei dem
jeweiligen
Sicherheitsniveau liegt.
Die
Repräsentativität der Stichprobe war dadurch gewährleistet, daß jeder wahlberechtigte
Heidelberger
die gleiche Chance hatte, in die Stichprobe zu gelangen. Es wurde festgelegt,
daß
in jedem zufallig ausgewählten Haushalt diejenige Person interviewt werden sollte, die
in
Heidelberg wahlberechtigt ist und zuletzt Geburtstag hatte (neutrales Kriterium des
sogenannten
Gebutstagsschlüssels). Erfahrungen der empirischen Wahlforschung haben
gezeigt,
daß vorzugsweise Hausfrauen oder -männer und junge Menschen
Telefongespräche
entgegennehmen und somit die Repräsentativität bereits zu Beginn
einschränken.
Dies konnte durch unsere Auswahl verhindert werden.
Aus
der Grundgesamtheit von 76.542 Heidelberger Telefonnummern wurden alle
Nummern
mit "Bindestrich" sowie diese, aus derern Telefonbucheintrag eindeutig
hervorgeht,
daß es sich um einen Geschäftsanschluß, städtische Behörde oder die
Universität
handelt, aussortiert. Damit wurde die Datenbasis auf 56.691 Telefonnummern
reduziert.
Aus dieser alphabetisch geordneten Datenbasis wurde wiederum jede 43-ste
Telefonnummer
in einer Auswahlroutine herausgelesen, um auf die Bruttostichprobe von
2.016
Telefonnummern zu kommen. Anschließend wurde zur letzten Ziffer jeder
ausgewählten
Telefonnummer die Zahl 1 addiert. Damit konnten die Telefonnumern, die
nicht
im Heidelberger Telefonbuch verzeichnet sind (Geheimnummern), miterfaßt und die
Bruttostichprobe
hinsichtlich der Repräsentativität verbessert werden. Außerdem wurde
dadurch
die datenschutzrechtliche Anonymität der zu befragenden Personen gewährleistet.
Andererseits
besteht so die Gefahr, daß erneut Geschäftsanschlüsse etc., allerdings in
wesentlich
geringerer Anzahl als in der Gesamtheit, in die Stichprobe fallen. Die 2.016
33
Telefonnummern
wurden auf Listen mit jeweils 50 Telefonnummern an jeden Interviewer
verteilt.
1.642
Telefonnummern wurden angewählt und 662 Interviews vollständig durchgeführt.
Letztere
bilden die Nettostichprobe. Die völlig neutralen Ausfalle beliefen sich auf 423
Telefonnummern.
Dies sind Geschäftsanschlüsse, Datenendgeräte (Telefax), Ansagen der
Telekom
und Haushalte, in denen keine in Heidelberg wahlberechtigte Personen wohnen.
Des
weiteren entfallen unter die Kategorie neutrale Ausfälle Telefonnummern, bei denen
trotz
mehrfachen Anwählens kein Kontakt zum Haushalt hergestellt werden konnte
(Freizeichen,
Anrufbeantworter). Diese Gruppe umfaßt 260 Telefonnummern. Unter
Berücksichtigung
dieser neutralen Ausfalle betrug die Ausschöpfung 69%. Zu 99
Haushalten
konnte ein Kontakt hergestellt werden, aber die Zielperson war während der
gesamten
Feldzeit nicht erreichbar (59 Fälle) oder krank (geistige und körperliche
Gebrechen)
und damit nicht fähig, dem Interview zu folgen bzw. unsere Fragen zu
antworten
(40 Fälle). Neben diesen Ausfallen gab es weitere 198 Kontakte zu Haushalten,
mit
denen trotz mehrmaligen Bemühens keine Durchfuhrung des Interviews zustande kam,
die
Kategorie sogenannter Verweigerer.
Die
Qualität der Stichprobe entspricht damit durchaus den Anforderungen, die in der
Umfrageforschung
gestellt werden. Die erhobenen Daten wurden zweifach gewichtet und
damit
all die Merkmale, die in einer Stichprobe zu häufig vertreten sind, relativ zu den
anderen
Merkmalen heruntergewichtet sowie die Merkmale, die in der Stichprobe im
Verhältnis
zur Grundgesamtheit zu selten vorkommen, heraufgewichtet. Die Gewichtung
richtet sich zum einen auf Alter und Geschlecht der Befragten, zum anderen auf die
Haushaltsgröße
(wieviele wahlberechtigte Personen wohnen im Haushalt). Bei der
Haushaltsgewichtung
erfolgt ein Chancenausgleich, da Personen aus einem kleinen
Haushalt
eine größere Chance haben, als Befragte ausgewählt zu werden, als Personen,
deren
Haushalt groß ist. Die Gewichtung nach Alter und Geschlecht richtet sich nach der
tatsächlichen
Alters- und Geschlechtsverteilung in Heidelberg (Ist-Soll-Vergleich/Sollwerte
wurden
aus der Statistik der Stadt Heidelberg entnommen).
gs
I SS