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Silke Hoppe
Dr. med.
Der Einfluß bakterieller Besiedlung des weiblichen und männlichen Genitaltraktes auf die
Fertilitäts- und Schwangerschaftsrate im Rahmen der In-vitro-Fertilisierung
Geboren am 20. 08. 1966 in Plauen
Reifeprüfung am 06. 06 1986 in Heidelberg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1987 bis SS 1993
Physikum am 24. 08 1989 an der Semmelweis-Universität, Budapest
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 26. 10. 1993 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Gynäkologie
Doktorvater: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Thomas Rabe
Für die Entstehung der tubaren und andrologischen Subfertilität, sowie als Auslöser
immunologischer Interaktionen, ist der Einfluß von Infektionen eine vieldiskutierte Ursache.
Die tubare Sterilität und die andrologische Subfertilität stellen die Hauptindikationen bei
Sterilitätspatienten im IVF-Programm dar.
Wir untersuchten bei 174 kinderlosen Paaren in insgesamt 250 IVF-Behandlungszyklen
bakterielle Abstriche von der Zervix, vom Nativsperma und von den IVF-Medien auf
qualitatives Keimvorkommen. Bei den Nativspermaproben erfolgte die Auswertung zusätzlich
noch quantitativ. Sie wurden auf diese Weise vorgenommen, um einen möglichen Einfluß von
Keimen aus Routineabstrichen auf die Nativspermaqualität, die Fertilisierungs- und
Schwangerschaftsrate zu ermitteln und diesen Einfluß auf die Sterilitätsursache zu hinterfragen.
Die gefundenen Keime entsprachen in ihrer Art und Häufigkeit denen der entsprechenden
Standortflora des weiblichen und männlichen Urogenitaltraktes.
Ein Einfluß der Keime aus Routineabstrichen von asymptomatischen Patienten auf die
Sterilitätsursachen, die Fertilisierungs- und Schwangerschaftsrate war anhand unserer
Untersuchungen nicht eindeutig nachvollziehbar.
Das Keimvorkommen in den IVF-Medien stellte sich als insgesamt gering heraus. Die
ursprünglich festgestellten Keime waren am Ende der Medienreihe nicht mehr nachzuweisen,
so daß von einer 100%igen Eliminierung der Keime durch die Waschvorgänge der IVF-
Medienreihe ausgegangen werden kann.
Im Verlauf der Keimauswertung der Nativspermaproben vermuteten wir einen Einfluß von
Keimen auf die Spermaqualität. Das vermehrte Auftreten von fakultativ-pathogenen Keimen
bei pathologischen Spermiogrammen spricht für die These, daß durch gehäufte
Harnwegsinfekte sowie symptomarme, aufsteigende Infekte Schäden entstehen, die zur
Störung der Spermaqualität (Oligo-, Asthenozoospermie) führen können. Wir konnten jedoch
für die Keimdichte keine Unterschiede zwischen Gruppen mit normalen oder pathologischen
Spermiogrammen statistisch sichern.
Mykoplasmenfunde traten bei unseren Patienten insgesamt in geringem Maße auf (8% der
untersuchten Proben) und entsprachen den Angaben in der Literatur. Bei unseren Patienten
waren sie deutlich häufiger im Nativsperma (8%) als in den CK-Abstrichen (2%)
nachzuweisen. Häufig zu finden waren sie bei Paaren mit tubarer Sterilität (93%)und bei
Paaren mit einer EUG (43%) in der Anamnese.
Aufgrund der geringen Fallzahl war eine eindeutige Aussage zum Einfluß von Mykoplasmen
auf die Spermaqualität und bezüglich eines Einflusses auf die Entstehung von tubaren
Schädigungen nicht zu machen. Unsere Beobachtungen entsprachen den Angaben in der
Literatur, wo von Mykoplasmeneinflüssen auf die Spermaqualität und bei der Entstehung von
aufsteigenden urogenitalen Infektionen bei beiden Geschlechtern berichtet wird.
In unserem beobachteten Patientenkollektiv fanden wir bei 8 Paaren eine Degeneration von
mindestens einem Embryo nach erfolgreicher Fertilisierung. Bemerkenswert erschien der
Zusammenhang zwischen Embryonendegeneration und dem Auftreten einer Keimdichte von
mehr als 105 Keimen/ml Ejakulat. Bei 75% dieser Patienten waren Keimdichten von >105
Keimen/ml Ejakulat isoliert worden.
Dies bestätigt ähnliche Berichte aus der Literatur. Statistisch bedeutet das ein 12-fach erhöhtes
Risiko für das Auftreten von Embryonendegenerationen bei Keimzahlen von >105 Keimen/ml .
Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigten Keimbefunde, die zur typischen Standortflora
des männlichen und weiblichen Urogenitaltraktes zählen. Ein direkter Zusammenhang zwischen
Keimarten oder Keimdichten und den Sterilitätsursachen, der Spermaqualität, der
Fertilisierungs- oder Schwangerschaftsrate war bei unseren Patienten nicht nachweisbar.
Allerdings muß mit Embryonendegenerationen bei hohen Keimzahlen (>105 Keimen/ml)
gerechnet werden.