Stefan Koch
Dr. med.
Aktivität der Sialyltransferasen im Serum von Prostatakarzinom-Patienten
Geboren am 12.01.1971 in Pforzheim
Reifeprüfung am 08.05.1990 in Gaggenau
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1991/92 bis WS 1998/99
Physikum am 24.03.1994 an der Universität Mainz
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 16.04.1999 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Chirurgie
Doktorvater: Herr Prof. Dr. med. S. Pomer
Bei den Sialyltransferasen handelt es sich um eine Gruppe von Enzymen, die den Transfer der
Sialinsäuren auf Glykoproteine und Glykolipide der Zellmembran katalysieren. Der Anteil der
Sialinsäuren in der Membran von Tumorzellen beeinflußt deren Metastasierungsverhalten und
fördert die Tumorinvasion. Dies ist bereits für das kolorektale Karzinom beschrieben worden.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit war die Untersuchung der Eignung der 3‘- und 6‘-
Sialyltransferase-Aktivität im Serum von Prostatakarzinom-Patienten als ein diagnostisches
Verfahren zur Früherkennung des Tumors bzw. seiner Metastasierung.
In dieser Arbeit wurde die Aktivität der Sialyltransferasen in den Seren von nicht-operierten
Prostatakarzinom-Patienten mit und ohne Metastasen (N = 34) und vergleichend hierzu von
Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (N = 11), internistischen Krankheitsbildern (N =
14) sowie Seren von gesunden Personen (N = 5) bestimmt. Des weiteren erfolgte eine
Verlaufsbeobachtung von Patienten nach radikaler Prostatektomie (N = 11), indem mehrfach
über einen längeren Zeitraum hinweg Blutentnahmen durchgeführt wurden.
Nach dem Umsatz der aus den Seren extrahierten Enzyme mit dem radioaktiv markierten
Substrat CMP-NeuAc erfolgte die Auftrennung der Produkte dieser Reaktion mit Hilfe des
HPLC-Verfahrens (High Performance Liquid Chromatography). Aus der Messung der
Radioaktivität der getrennten Produkte wurde die Aktivität der 3‘- bzw. 6‘- Sialyltransferase
berechnet.
Die dargestellten Ergebnisse zeigen, daß in den Seren der Tumorpatienten sowohl die
Aktivität der 3‘- als auch die der 6‘- Sialyltransferase im Vergleich zu den Seren der anderen
untersuchten Gruppen nicht signifikant erhöht ist. Somit ist die Bestimmung der
Enzymaktivität im Serum zur Früherkennung des Prostatakarzinoms ungeeignet. Es zeigt sich
zudem weder eine signifikante Korrelation zum T-Stadium des Karzinoms noch zum
Tumorgrading. Auch bei den Patienten mit metastasierten Prostatakarzinomen (N = 11) ist im
Vergleich zu denen mit nicht-metastasierten Malignomen (N = 23) keine erhöhte
Enzymaktivität im Serum nachweisbar. Die zusätzliche Bestimmung der Sialyltransferasen
bringt damit keine zusätzliche Information zur ohnehin vorhandenen hoch signifikanten
Korrelation zwischen dem PSA-Wert und der Metastasierung des Tumors.
Bei der Verlaufskontrolle der postoperativen Prostatakarzinom-Patienten ist allerdings in
Einzelfällen die kontinuierlich steigende Enzymaktivität beider Sialyltransferasen auffällig,
die während des Zeitraumes der Probenentnahmen Knochenmetastasen entwickelten.
Interessant ist die dargestellte signifikante Korrelation zwischen der Aktivität der Serum-
Sialyltransferasen und der Höhe des prostataspezifischen Antigens. Es ist anzunehmen, daß
die bekannte Sialylierung dieses Antigens einen gesteigerten Transfer der Sialinsäuren auf das
Glykoprotein und damit eine erhöhte Enzymaktivität voraussetzt.
Die Aktivität der Sialyltransferasen in den Seren von Patienten mit entzündlichen
Erkrankungen bestätigen den bekannten Anstieg dieser Enzyme bei der "Akuten-Phase-
Reaktion". Man geht davon aus, daß bei inflammatorischen Erkrankungen die Leber verstärkt
Sialyltransferasen freisetzt. Somit stellen Entzündungen ein einschränkendes Kriterium für
eine Bestimmung der Serum-Transferasen zur Tumordiagnostik, z.B. des kolorektalen
Karzinoms, dar. Mittlerweile ist bekannt, daß viele Isoformen des Enzyms existieren. Bislang
ist es jedoch noch nicht möglich, die im Tumor gebildeten Sialyltransferasen von denen in der
Leber gebildeten zu unterscheiden. Die Erforschung tumorspezifischer Isoformen dieses
Enzyms könnte ein weiterer wichtiger Schritt bei der Suche nach geeigneteren Tumormarkern
sein.
Aufgrund der erhobenen Befunde muß die Brauchbarkeit der Bestimmung von
Sialyltransferasen im Serum für die Diagnostik und das Monitoring des Prostata-Karzinoms
derzeit verneint werden.